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Heimat_Wolfurt_...999_M Wolfurt 01.03.1999 19.11.2012, 18:26 Heft 22 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 1999 Bild 1: Su-Biora. Kostbare Früchte aus Wolfurt Inhalt: 110. Die Krone 111. 750 Jahre Rickenbach 112. Vorsteher und Bürgermeister (2) 113. Theater in Wolfurt 114. R.K.Fischer 115. An ächto Su-Biorar Bildnachweis: Karl Hinteregger: Bild 17 Siegfried Heim: Bilder 8, 14 u. 26 Die Bilder 10,13 u. 18 sind Arbeiten von Hubert Gasser für den Gemeinde-Sitzungssaal. Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Diesmal gibt es zu den umfassenden Beiträgen in Heft 21 nur wenige Ergänzungen. Gold und Geld und das Wohnen in Wolfurt haben aber sicher manchem Leser die Gelegenheit gegeben, seine eigene Situation mit Genugtuung und hoffentlich auch mit Dankbarkeit zu überdenken. Flucht in die Höhle (Heft 21, S. 45) Klamporars Marte, nun schon 91 Jahre alt und noch rüstig auf seinen Spaziergängen durch das Dorf, hat sich über die Geschichte gefreut. Aber auch andere Wolfurter kennen diQ Höhle seit langer Zeit. Egon Waibel berichtet, ihm habe Kögls Ernst die IHS-Höhle gezeigt und gemeint, flüchtende SS-Soldaten hätten die rätselhafte Schrift eingemeißelt (?). Vor dem Krieg nannten die Strohdörfler Buben den Hügel mit der steil zum Eulentobel abfallenden Felswand nach einem Mädchen Ernas Bergle. Oft stiegen sie zur Höhle hinauf. Wald und Bach waren ja damals, als es noch kein Fernsehen und keinen Fußballplatz gab, die beliebtesten Spielplätze. Nach Kriegsbeginn, als viele Väter und Nachbarn 1940 in den Krieg eingerückt waren, organisierten die Strohdörfler Buben ihr „Militär". Mit Helmen, Gewehren und Pappendeckel-Kanonen boten sie einen imponierenden Anblick. Jeden Sonntag marschierten und exerzierten sie vor vielen Zuschauern zwischen Strohdorf-Brunnen und Vereinshaus. Der damalige Kaplan Giesinger hielt das Geschehen in einer Photoreihe fest. Die anschließenden „Geländespiele" der Buben erstreckten sich weit über die Bühel bis zur Höhle und zum Bergle hinauf. Danke ! Mit den letztes Mal ausgesandten Erlagscheinen sind wieder viele Spenden auf unser Konto 87 957 bei der Raiba Wolfurt eingegangen. Dafür danken wir herzlich. Die gesammelten Beträge wurden an die Gemeinde überwiesen. Diese hat wieder die Deckung des Abganges übernommen. Für diese Unterstützung bedanken wir uns ebenfalls. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises für die letzten beiden Jahre wurde im Februar 1999 wieder von Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Fehl-Drucke Ein Teil der letzten Hefte (Nr. 21) wurde leider fehlerhaft zusammengestellt, so daß einige Seiten fehlen. Bitte, tauschen Sie solche Hefte binnen des nächsten Monats beim Schriftleiter aus! Wir bitten um Entschuldigung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Bild 2: Strohdörfler BubenMilitär 1940 3 Gar schnell ist aus dem Spiel blutiger Ernst geworden. Als 16- und 17jährige wurden die Burschen zu den Soldaten eingezogen. Dort lernten sie die grausame andere Seite des Krieges mit Blut und Tod und Gefangenschaft kennen. Wohnen in Wolfurt (Heft 21, S. 5) Allzuviele von den schönen Rheintalhäusern sind verschwunden. Da freut mich halt jedes einzelne, das renoviert und der neuen Zeit angepaßt unser Dorfbild verschönert und für unsere Enkel erhalten bleibt. Eines davon ist Böhlers in Rickenbach, Dornbirnerstrafle 10. Gebhard Böhler hat das mehr als 200 Jahre alte Haus in langer Arbeit Stück um Stück erneuert. Dabei machte seine Frau Ingeborg eine überraschende Entdeckung. Um das Jahr 1970 wurde aus der niedrigen Stube das alte gestemmte Deckentäfer herausgebrochen. Auf der Rückseite eines noch gut erhaltenen Täferblattes befand sich eine Bleistift-Inschrift. Schwungvolle alte Kurrentschrift, das meiste gut lesbar: ' 1797 Den I9ten Dezember hat man das Däfer angeschlagen Kaspar Thaler auf dem Bühel Schreiner Meister Und Kaspar Thaler als Gesel. Und Frantz Joseph Rohner ... Meister. Im Jahre 1797 war das zweistöckige gestrickte Holzhaus bereits etwa 50 Jahre alt. Pfarrer Josef Andreas Feurstein schrieb es 1760 unter domus 136 in seinen ersten Wolfurter Seelenbeschrieb ein. Es war damals das alleräußerste Haus von Rickenbach, bis bald danach Awandars und Becko Sepplos und später die Häuser in Schlaft und Kessel erbaut wurden. Nach mehreren Vorbesitzern heiratete im Jänner 1796 Franz Josef Rohner in das Haus ein. Er war ein Wirtssohn aus dem großen Rohner-Gasthof an der Kreuzstraße im Kirchdorf und ein Urenkel des bekannten Hofsteig-Ammanns Jerg Rohner (Heft 13, S. 28). Nun ließ er also ein Jahr später in der guten Stube ein Täfer anschlagen. Das besorgte der Schreiner Kaspar Thaler, der damals mit seiner Frau Maria Schneider auf dem Bühel wohnte, dort wo heute das Haus Oberfeldg asse 3 steht. Weil sein einziger Sohn als Kind gestorben war, hatte er seinen Neffen Kaspar Thaler, geboren 1777 im Tobel, als Schreinergesellen angestellt. Dieser Kaspar hat dann 1802 geheiratet und das große Thaler-Haus im Isatz (Lauteracherstraße 5, Kresser) gebaut. Von ihm stammen alle heutigen Wolfurter Thaler-Familien. Und wie ging es Rohners in der Stube im Rickenbacher Unterdorf? Von den sechs Kindern starben drei ganz jung, zwei Töchter blieben ledig. Nur Agatha, die jüngste, heiratete Joh. Georg Dür von der Ingrüne. Sie sind die Stammeltern von vielen Wolfurter Familien, wie etwa von Awandars (mit Grabhers am Rickenbach), DelloKorles (mit Lehrer-Höfles und Bereuters von der Hoh-Brugg) und Holzar-Schmiods (mit Geiger Adolfs im Röhle, Guldenschuhs in Unterlinden und Klimmer Alberts in Spetenlehen). Fast hundert Jahre lang blieb das Haus im Besitz der Familie Dür. Dann kauften es zuerst Engelbert Kaufmann und zwanzig Jahre später der anfangs der 30er-Jahre aus Amerika heimgekehrte Julius Brauchle und seine Frau Anna. Alte Rickenbacher wis4 sen noch, welch schweres Leid Frau Anna tapfer getragen hat. Als sie 1933 ihr erstes Kind Juliane erwartete, starb ihr Mann. Und als sie zwölf Jahre später in ihrer zweiten Ehe mit Gebhard Böhler wieder ein Kind erwartete, widerfuhr ihr das gleiche Schicksal ein zweites Mal. Beim Einmarsch der Franzosen schlug am 2. Mai 1945 eine letzte deutsche Granate durch die Stubenwand und tötete ihren zweiten Mann. Allein mußte sie in schwerer Zeit für beide Kinder sorgen. Längst hat nun Sohn Gebhard das Haus übernommen und schön hergerichtet. Daß er auch die alte Täfer-Schrift gut aufbewahrt, ist in unserer so schnell-lebigcn Zeit besonders hoch zu schätzen. Vielleicht können Thalers Theo, Kressers Fridolin, Höfles Konrad, Geigers Erich und ein paar Dutzend andere Nachkommen aus den Bleistiftzeilen einen Gruß des Stammvaters an die Ur-Urenkel heraushören! Vielleicht steckt darin aber auch die Frage an uns und unsere Baumeister, was wohl von unseren Betonmauern und Lattenhäusern in 200 Jahren noch bestehen kann? Ahnenforschung Immer wieder suchen Leute aus der Ferne hier in Wolfurt nach ihren Wurzeln. Weit aus Sachsen, aus Hainichen bei Chemnitz, kam Herr Ing. Christoph Egerland und forschte in unseren Pfarrbüchern. Er fand eine große Anzahl von Ahnen, zuletzt ein Ehepaar Schneider, das zu Napoleons Zeiten in dem uralten Haus Hofsteigstraße 1 wohnte. Der Sohn Joh. Martin Schneider, geboren 1795, ging als Schustergeselle auf die Walz und blieb in Kulmbach in Bayern bei einer jungen Barbara hängen. Von ihnen stammt in fünfter Generation Christoph Egerland, Ziegelbrenner und Keramik-Ingenieur. Weniger weit hatte es Schuldirektor Ernst Köhlmeier aus Hard, der für sich und seinen jüngeren Bruder, den Harder Langzeit-Bürgermeister Gerhard Köhlmeier ebenfalls in Wolfurt forschte. Die Köhlmayer waren einst ein großes und angesehenes Wolfurter Geschlecht. Einen kölmayer bartlme (Bartholomäus) können wir als Hofbesitzer schon 1594 nachweisen. Um das Jaht 1670 besaß eine Familie Köhlmayer den wichtigen Gasthof Löwen in Rickenbach: honoratus viduus Blasius Khölmayer hospes (Gastwirt) in Rickhenbach heiratete im September 1678 zum zweiten Mal. Seine Urenkel, sie schrieben sich jetzt Köllmayer, verkauften den Löwen an den Adlerwirts-Sohn Kaspar Haltmayer, von dem er dann an die Löwenwirtler-Fischer vererbt wurde. Einer von den Köllmayer-Söhnen, Johann Michael Köllmayer, heiratete im Oktober 1765 nach Hard. Von ihm stammen in der siebten Generation die Geschwister Ernst (1937), Gerhard (1938), Ruthilde und Adelheid Köhlmeier. Gutes Blut aus Wolfurt hat sich auch am See bewährt! Zuschriften Aus Bischofszeil bei St. Gallen bedankte sich Antoinette Dorn-Rhyner für die Zusendung der Hefte: Mußte weinen vor Heimweh. Man schätzt die Heimat erst in der Fremde.... Habe viel von der Welt gesehen, aber zu Hause in Wolfurt war es doch am schönsten. ... Im Herzen Wolfurterin und auf dem Papier Schweizerin. 5 Aus Bregenz schickte Dr. Paul Gmeiner, der mit seiner Heimatgemeinde Wolfurt ebenfalls immer sehr verbunden bleibt, umfangreiche Kopien zur Kirchengeschichte von Bregenz und Wolfurt. Besonders macht er uns auf jenen jungen Einsiedler aus Wolfurt aufmerksam, der sich als erster in den Ruinen der 1647 von den Schweden gesprengten Burg Hohen-Bregenz einen Unterstand baute. Aus Hohenems schickte der Heimatkundler Dr. Johannes Greyßing mehrere Notizen zur Wolfurter Geschichte, die ihm bei seinen Forschungen im Landesarchiv untergekommen waren. Da fand er Berichte aus Adlerwirts Haus-Chronik über das Rickenbacher Hochwasser von 1702 und über den Musikstreit von 1857, über die wir schon an anderer Stelle berichtet haben. In einem weiteren Beitrag von 1875 widerspiegelt sich der Casiner-Streit, in dem sich die Parteien mit allen Mitteln bekämpften (Siehe Beitrag Die Vorsteher in diesem Heft!): Laut Anzeige des Waldaufsehers von Wolfurt wurde vorigen Sonntag am Wolfurter Schießstande abermals geschossen, ohne die Kugelfänge aufgestellt zu haben. Wie es scheint, will der Hr. Vorsteher von Wolfurt nicht auftreten gegen die Schützengesellschaft, wahrscheinlich weil derselbe mit dem Schützenwirth verwandt ist ...Es kann nicht zugelassen werden, daß noch weiterer Schaden im Walde angerichtet wird, daher ich dringend ersuche, das Schießen einzustellen. ... Werner, k.k. Forstkomm. ... Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Georg Fischer. Seine ältere Schwester Katharina war mit dem jungen Kronenwirt Michael Sohm verheiratet, dem auch der Schießstand gehörte. Eine vierte Notiz stammt aus der Hunger- und Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg: Dem Mühlenbesitzer Max Zuppinger wurden neulich 6 Säcke Nullermehl im Werte von 1.800.000 Kronen gestohlen. Die Gendarmerie in Lauterach machte die Täter, zwei Reichsdeutsche, die früher bei Zuppinger in Arbeit standen, ausfindig, 68 Kilo wurden noch zustande gebracht; natürlich werden auch die Abnehmer des Mehles zur Verantwortung gezogen. Und jetzt noch eine besonders freudige Mitteilung: Nach langen Bemühungen ist es uns gelungen, für das Gemeindearchiv eine Kopie von der mehr als 200 Jahre alten Adlerwirts Haus-Chronik zu erhalten. Im nächsten Heft wollen wir sie vorstellen. Bild 3: Gasthaus Krone um 1906 Siegfried Heim Die Krone - abgebrochen! In Spetenlehen wurde am 30. Juni 1998 der alte Gasthof zur Krone abgebrochen. Die letzte Wirtin Luzia Müller war im gesegneten Alter von 94 Jahren am 1. August 1997 gestorben. Die Erben machten sich den Entschluß nicht leicht, was mit dem baufällig gewordenen Haus geschehen solle. Auch die Gemeinde war natürlich an einem Fortbestand dieses markanten Gebäudes brennend interessiert. Eine Renovierung des morschen Holzhauses schien schließlich aber doch mit zu großen Kosten und anderen Problemen behaftet zu sein. So mußte denn ein Abbruchbescheid ergehen, gegen den auch das Denkmalamt keinen Einspruch erhob. Damit ist wieder eines der bedeutenden, man möchte fast sagen "historischen" Wolfurter Häuser verschwunden. Der kleine Weiler Spetenlehen am Bannholzbach war schon vor 1000 Jahren besiedelt. Das Mehrerauer Zehentbuch weist im Jahre 1290 einen Hof spate oder auch feodum dicti speten als Mehrerauer Lehen aus. Das Kloster bezog davon jedes Jahr einen Zehent von 13 Schilling, 4 Schweinsschultem, 40 Eiern und dazu ad duc. 4 dies, vier Tage Frondienst zum Einführen der Rickenbacher Feldfrüchte in die Mehrerauer Scheunen. 7 6 Am Ende des Mittelalters erreichte Kaiser Maximilians Heerstraße von der 1518 erbauten Lauteracher Achbrücke her hier am Berghang die ersten Rickenbacher Häuser. Das Kirchdorf Wolfurt lag ja jetzt weit abseits der wichtigen Straße und die paar Häuser der benachbarten Hub drängten sich noch alle im Eulentobel zusammen. Um diese Zeit dürfte hier in Spetenlehen die erste Taverne für Fuhrleute und Pilger eingerichtet worden sein. Nachweisbar finden wir diese am Platz der Krone um das Jahr 1700 im Besitz des Kaspar Gasser und um 1750 im Besitz seines Sohnes Johann Gasser, 1715-1788. Dieser wurde wegen seines Ansehens und Vermögens zum Eidgenoß des Gerichts Hofsteig gewählt.1 Ab 1778 übernahm sein Schwiegersohn Joseph Schelling die Taverne. Er stammte vom Frickenesch und war ein direkter Nachkomme jenes Martin Höfle, dem 1629 in Bildstein die Mutter Gottes erschienen war. Schelling übte das wichtige Amt eines Wuhrmeisters aus. Die Steuerbücher 2 weisen in seinem Besitz neben drei Kühen und Jungvieh auch ein Pferd, einen Raifhandel, ein Holzlager und dazu Mobilien auf dem Wirthslager aus. Von Josephs Sohn Johann Schelling, der bereits als Kronenwirth bezeichnet wurde, der Gasthof aber noch manchmal als Taverne, ging das Haus 1837 in den Besitz seines Schwiegersohns Michael Sohm über. Dieser stammte aus der Krone in Kennelbach und dürfte nun die Krone in Wolfurt groß umgebaut haben. Jedenfalls nahm er 1839 in Feldkirch eine Hypothek von 300 Gulden auf, deren Verzinsung auch noch seine Nachfolger arg belastete.3 Jetzt wurde die Krone zum Mittelpunkt der 1806 aus Kirchdorf Wolfurt und Weiler Rickenbach zusammengefaßten Gemeinde Wolfurt. Statt in der engen Klasse des alten Schulhauses hielten die Gemeindevertreter ihre Sitzungen lieber hier in der Gaststube ab. Nachweisbar - es sind nur wenige Protokolle erhalten geblieben - ist das erstmals bei der Sitzung vom 29. April 1832 bei Kronenwirth Johann Schelling. Es häufte sich aber, als Kronenwirt Sohm ab 1867 selbst Gemeinderat und 1869 auch Kirchenpfleger geworden war. Im Verzeichnis der Einkommensteuer von 1873 lag Kronenwirt Michael Sohm hinter Rößlewirt Fidel Müller und Schwanenwirt Joh. Georg Kalb bei den Wirten an dritter Stelle in der Gemeinde, vor Kreuz, Mohren, Schiffle, Löwen, Sternen, Linde, Schützen, Adler und Hirschen. Einige Jahre lang war der Krone um diese Zeit im Nachbarhaus eine Konkurrenz entstanden. Im Stammhaus der Spetenleher Fischer, 50 Jahre früher das erste Wolfurter Rathaus4, hatte Martin Fischer 1860 den Gasthof zum Schützen eröffnet. Dazu hatte er auf eigene Kosten auf seinem Bühel einen neuen Gemeinde-Schießstand erstellt.5 Seither hielten die Wolfurter Standschützen mehr als 100 Jahre lang dort oben ihre Schießübungen und viele Feste ab, bis sie 1975 ihren großen neuen Stand an der Ach erbauten. Im neuen Gasthaus Schützen probte auch der 1865 gegründete Männerchor Wolfurt-Kennelbach. Der Schützenwirt war selbst Stimmführer im ersten Tenor.6 Aber im Jahre 1875 wurde der Schützen versteigert. Und kaufen konnte das stolze Haus samt dem Schießstand der Kronenwirt Michael Sohm, der sich so der unliebsa8 Bild 4: Das alte Wirtshausschild men Konkurrenz entledigte.7 Ab jetzt wurde die Krone zur Schützenwirtschaft. Der Schießstand gehörte nun zu Kronenwirts Bühel. Alles zusammen übergab der tüchtige Wirt 1877 seinem gleichnamigen Sohn Michael Sohm junior. Der hatte ab 1870 bei den Kaiserjägern gedient. Die Gastwirtschaft vermochte der heimgekehrte Soldat aber nicht zu führen. Schon nach zwei Jahren verkaufte er 1879 zuerst den ehemaligen Schützen an Wendelin Pfanner aus Langen, ein Jahr später auch sein Elternhaus, die Krone. Auch die Familie Pfanner konnte den großen Besitz nicht halten. Den Schützen verkaufte sie an Josef Anton Fischer, einen jüngeren Bruder des früheren Schützenwirts. Voll Neid nannten die Wolfurter den tüchtigen kleinen Mann bald s Milliono-Männdle, weil er sich vom ehemaligen Knecht in der Zuppinger-Mühle zum reichen Sticker in seinem wiedergewonnenen Elternhaus in Spetenlehen hinaufarbeitete. Die Krone samt den immer noch auf ihr lastenden alten Schulden erwarb für ein paar Jahre Wilhelm Huber aus Breitenbrunn und dann Albert Müller, Rößlewirts aus dem Kirchdorf. Auch dieser mußte sie schon 1893 wieder verkaufen. Neuer Besitzer wurde sein jüngerer Bruder Karl Müller. Karl, geboren 1863, hatte bei seinem Vater Fidel Müller, der seit 1850 den angesehenen Gasthof Rößle besaß, das Bäckerhandwerk erlernt. 1889 heiratete er Johanna Dür, die reiche Tochter des ein Jahr zuvor plötzlich verstorbenen Rickenbacher Mechanikers Josef Anton Dür. Mit ihrer Mitgift und seinem väterlichen Erbe konnte das Paar für ansehnliche 6000 Gulden die große Bäckerei Huber in Rieden kaufen. Als aber Johannas letzter Bruder Heinrich Dür im Jänner 1891 ganz überraschend starb, wurde sie dazu noch Alleinbesitzerin der Großschlosserei Dür am Rickenbach, die ihr Vater dort seit 1848 aus der uralten Hunds-Mühle, aufgebaut hatte. Nur ein gutes Jahr lang nannte sich Karl Müller jetzt Mechaniker in Rickenbach, dann verkaufte er die Schlosserei 1892 an Conrad Doppelmeyer aus Hard, der hier 20 Jahre früher seine Lehre gemacht hatte. 9 Den Erlös legten Karl und Johanna Müller zum Erwerb der Krone an. Aus dem in der Krone aufbewahrten umfangreichen Aktenpaket8 erfahren wir Interessantes aus dem damaligen Geschäftsleben. Ein Schreiben des Steueramtes nennt den Umsatz, den Albert Müller im ersten Halbjahr 1893 vor der Übergabe der Wirtschaft an seinen Bruder Karl gemacht hatte: Verkauft Würste für warme Speisen Käse Brot Kaffee Selchfleisch Beherbergt lt. Fremdenbuch 50 Personen Branntwein 300 Liter Zur Beherbergung 3 Zimmer mit 5 Betten 130 fl Nettogewinn 200 fl 60 fl 140 fl 40fl 120 fl 200 fl 25 fl 40 fl 18 fl 14 fl 16 fl 40 fl 10 fl 40 fl 3. Julius 4. Eugen 5. Maria 6. Josef 7. Franziska 1893-1916 1894-1978 1895-1941 1896+ 1898 oo Ida Gunz, Hofsteigstraße oo in Bregenz mit Alfons Köb (Seppatones vom Bühel) letzte Kronenwirtin oo Paul Köb (Molars), Hofsteigstraße 8. Raimund 1899-1923 9. Luzia 1903-1997 10. Hilda 1904-1940 In dieser Aufstellung fehlen aber die am häufigsten ausgeschenkten Getränke Wein, Most und Bier. Hatte man einige Jahre früher im Wirtshaus neben Most und Schnaps fast nur Wein getrunken, so war um diese Zeit das Bier in Mode gekommen. Im Adler in Rickenbach hatte der Vorsteher Joh. Georg Fischer 1874 eine eigene Brauerei eingerichtet, die er dort bis 1906 betrieb. Der neue Kronenwirt bezog sein Bier bei der Mohrenbrauerei in Dornbirn, die ihm z. B. im Dezember 1893 für 661 Liter Bier zu je 11 Kreuzer 72.71 Gulden in Rechnung stellte. Wein bezog er dagegen meist bei der Agentur Jacob Kohler in Schwarzach, die Südtiroler Wein in Fässern für 20 Kreuzer je Liter franco Bahnhof Schwarzach zur Abholung lieferte: 3 Fassel roth Wein, 1008 Liter für 201.60fl. Im Jahre 1900 verrechnete Kohler seinen Wein erstmals in der neuen Kronen-Währung: 2 Fass Rothwein, 660 Liter für 264 K. Karl Müller hatte für seinen Gasthof Krone auch die Gewerbeberechtigung für eine Gemischtwarenhandlung und eine k. k. Tabak-Trafik erhalten. Neben Mehl, Gerste, Zucker und Salz beschränkte sich der Verkauf aber hauptsächlich auf Kautabak, Bürsten und Pfannenriebel. Bei Kronenwirts wuchs jetzt eine große Familie heran 9 : 1. Karl 2. Berta 1890-1938 1891 oo Maria Fischer (Seppos), Unterlindenstraße oo in Bregenz mit Jakob Schertler (Jokobos aus dem Flotzbach) Im Jahre 1907 erkrankte Vater Karl schwer. Jetzt lag die Verantwortung ganz bei der tüchtigen Mutter. Im gleichen Jahr ließ sie hinter der Krone eine große Stickerei erbauen, in welcher die Kinder nun jeden Tag viele Stunden arbeiteten. Dazu betrieben sie Gastwirtschaft und Kaufladen weiter. Im Kronensaal hielten zuerst der Männerchor Wolfurt und dann der Gesangverein Liederhain ihre Proben. Auch der 1926 eigens für die Rickenbacher gegründete gemischte Chor Frohsinn fand hier bis zu seinem Ende 1934 Unterkunft. Sohn Julius, Mitbegründer und ab 1912 Obmann des Turnerbundes, starb 1916 im Krieg. Als sich der ArbeiterTurnerbund vom Arbeiterverein löste, fand die erste Hauptversammlung 1920 in der Krone statt. Ebenfalls in der Krone wurde schon 1927 mit der Ski-Riege des Turnerbundes der erste Wolfurter Schiverein gegründet. Hier ließ Vorsteher Lorenz Schertler auch 1923 den Standschützenverein neu gründen. Noch viele Jahre lang blieb die Krone das Vereinslokal der Schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich für das einstmals so wichtige Haus vieles verändert. Frau Luzia, mit einem schweren Sprachfehler behaftet, aber vielleicht gerade deswegen zu allen Leuten freundlich und hilfsbereit, führte den Gasthof nun allein. Mehrere Flüchtlingsfamilien hatten bei ihr Aufnahme gefunden. Den Laden hatte sie geschlossen. Dort stan- Bild 5: Die letzte Kronenwirtin. Lucia Müller, 1903-1997 10 11 den jetzt die ersten Frisierstühle der jungen Wolfurter Meister Herbert Vonach und Emil Gasser, Viel später durfte hier die Junge ÖVP ihr Klublokal einrichten. In der Krone fand am 22. Dezember 1946 jene denkwürdige Sitzung statt, in der sich der "liberale" Turnverein und der "schwarze" Turnerbund nach jahrzehntelanger Gegnerschaft zur überparteilichen "Turnerschaft Wolfurt" zusammenschlossen. Im gleichen Jahr hatte auch Martin Höfle noch einmal alte und junge Sänger zur Gründung eines neuen Männerchores in die Krone gerufen. Während die Turnerschaft aufblühte, war dem Chor kein langer Bestand beschieden. In der ruhiger gewordenen Gaststube trafen sich immer noch politische Gruppen der Gemeinde, erstellten hier ihre Kandidatenlisten und berieten wichtige Themen. Und immer wieder fanden sich Stammtischrunden zusammen zu fröhlichem Gedankenaustausch bei Kaffee und einem von Luzias bekannten Mohroköpfle, aber vor allem natürlich zu einem zünftigen Jaß bis tief in die Nacht. Auch als Luzia in ihrem hohen Alter gebrechlich geworden war, blieb die gastliche Stube ihren alten Freunden immer offen. Das ist nun vorbei! - Sie werden uns sehr fehlen, die gute alte Luzia und ihre gute alte Krone! 2 ' Pfarrarchiv Wolfurl, Seelenbeschrieb 1760, domus 114 Gemeindearchiv Wolfurl Originaldokument in Privatbesitz Bild 6: Das Kloster Mehrerau wurde um das Jahr 1094 gebaut. Heimat Wolfurt, Heft 20, S. 12 GA Wolfurt, GV-Protokoll vom 16. Aug. 1860 6 GA Wolfurt, Sänger-Protokollbuch 1 7 GA Wolfurt, Cod 8a, Häuserverzeichnis 1886, Nr. C 188 8 Privatbesitz 9 GA, Cod 20, Familienbuch 1885, fol 362 5 4 Siegfried Heim 750 Jahre Rickenbach 750 Jahre alt wird heuer die Urkunde, auf der der Name Rickenbach zum ersten Mal aufscheint. Unter insgesamt 60 Ortsnamen stehen dort auch noch eine ganze Reihe anderer aus unserer Umgebung. So wollen Schwarzach und Hard dieses runde Namens-Jubiläum heuer festlich begehen. Am 17. September 1249 unterzeichnete Papst Innozenz IV zu Lyon in Frankreich die Urkunde, die als ältestes Mehrerauer Grundbesitzerverzeichnis gilt. Dort scheinen unter den Dörfern und Weilern außer Wolfurt auch Lauterach, Hard, Schwarzach, Alberschwende und Kennelbach auf, nicht aber Buch und Bildstein. Für unsere Wolfurter Parzellen Ach (Ahe), Steig (Staige) und Rickenbach (Rikembach) ist es wie für unsere Nachbarn Schwarzach (Swarzahe), Hard (Harde) und Kennelbach (Kaenalbach) überhaupt die allererste urkundliche Namensnennung. Ach, Steig, Rickenbach 1249 Schwarzach, Hard, Kennelbach 1249 Für Wolfurt kennen wir als ältesten Namen St. Nikolaus. So hieß der Ort nach der Kapelle, die Graf Rudolf von Pfullendorf um das Jahr 1167 dem Stauferkaiser Fried13 12 rieh Barbarossa überließ. Einige Jahrzehnte später traten um 1220 zuerst die Ritter de Wolfurt in Lindauer Urkunden als Zeugen auf. Aber schon 1226, als der Stauferkönig Heinrich VII. seinen Wolfurter Besitz mit der Kapelle an das Kloster Weißenau verschenkte, hießen auch die Häuser am Fuß von Kapelle und Schloß zum ersten Mal Wolffurt (.... cum capella in Wolffurt....).' Wolfurt 1226 Die Namen von Lauterach und Dornbirn sind viel älter. In St. Galler Urkunden finden sich schon im Jahre 853 Lutaraha und 895 Torrinpuiron. Noch älter ist der Name Bregenz, der vor 2000 Jahren um 15 v. Chr. vom keltischen Brigantion in das römische Brigantium umgeformt wurde. Lauterach schon 853 Wie war es zu dem umfangreichen Mehrerauer Dokument von 1249 gekommen? Es wird heute als eines der ganz wertvollen Pergamente im Vorarlberger Landesarchiv aufbewahrt. Wolfurt und die Mehrerau Um die Jahrtausendwende hatten sich die Grafen von Bregenz in mehrere Linien aufgespaltet, die einander eifersüchtig gegenüberstanden. Zur Sicherung ihres Siedlungsgebietes im Brcgcnzcrwald gründete die Bregenzer Linie 1086 in Andelsbuch ein Benediktinerkloster. Schon wenige Jahre später wollte sie es 1092 zur St. GallusKirche nach Bregenz verlegen. Dagegen erhoben die Pfullendorfer Verwandten, denen um diese Zeit noch die halbe Kirche und auch der Kellhof Wolfurt gehörten, Einspruch. So mußten die Benediktiner weit hinab an das sumpfige Seeufcr übersiedeln und dort ihr neues Kloster St. Peter in der Au bauen. Bald nannte man es Mehrerau, um es damit von Minderau (Weißenau) bei Ravensburg zu unterscheiden. Durch großzügige Schenkungen gewannen die Mönche im anschließenden Jahrhundert ungeheuren Grundbesitz, vor allem in Bregenz, im Allgäu und im Bregenzerwald. Auch aus dem Hofsteiger Raum bezogen sie Einkünfte, allerdings vorerst noch nicht aus dem Kellhof bei St. Nikolaus, der ja seit 1226 dem Konkurrenzkloster Weißenau gehörte. Weißenau stand auf der Seite der mit dem Papst verfeindeten Stauferkönige. Einer der letzten von ihnen, König Konrad IV, überfiel 1248 das Kloster Mehrerau. plünderte es und brannte es nieder. Da erbat sich der Abt vom Papst einen Schutzbrief für seine gefährdeten Besitzungen. Diese Urkunde von 1249 verfehlte ihre Wirkung nicht und wurde sorgfältig aufbewahrt. Mehrere Vorarlberger Historiker haben sie übersetzt und kommentiert, nach Bergmann und Heibock (Regesten 445) auch Bilgerir Nach seiner Auffassung hat der italienische Schreiber den Mehrerauer Besitz je nach Wichtigkeit in vier Teile gegliedert. Auf das Kloster und seine Kirchen in Lingenau, Andelsbuch und Alberschwende folgen die großen Höfe, dann die Zinsbesitzungen 14 und schließlich die Fischrechte und Mühlen. Alles soll dem Kloster ungestört erhalten bleiben! Unter den Großhöfen ist nach Zemkamerhove und Zenmidernhove in Lauterach auch Stetige genannt, der wichtige gräfliche Hof auf der Steig bei Rickenbach. Die Zinsrechte sind geographisch geordnet: .... zu Lutrahe, Rieden, Bregenze Stade (Erstmals im Mittelalter wird Bregenz hier als Stadt bezeichnet!), Inderuti (Reute ob Bregenz), Celle (wahrscheinlich St. Gallenstein beim späteren Gallusstift), Kaenalbach, Ahe, Wolfurt, Berge, Staige, Rikembach, Swarzahe, Kuun (Knie ob Haselstauden), Stigelingen (das ist Haselstauden), Tornhurron (Dornbirn).... Harde, Zedorf'(bei Hard), Gaispurron (Gaisbirn in Bildstein), Hasegnowe (das ist Fischbach) .... Es folgen noch die gefährdeten Besitzungen im Wald und im Allgäu. Bei den Fischrechten ist auch die Bregenze genannt. So hieß damals unsere Ach. Unter den Mühlen finden wir nach Kanalbach gleich Telmoz (die Tellenmoosmühle an der Minderach in Schwarzach) und Rikembach. Bemerkenswert ist, daß die Mehrerauer 1249 auch Rechte im Staufisch-Weißenauer Wolfurt, also im heutigen Kirchdorf angeben. Hier handelt es sich wohl um einen Fehler auf dem päpstlichen Pergament, denn Wolfurt taucht in den erhalten gebliebenen Mehrerauer Zinsrodeln zwischen 1290 und 1505 nie mehr auf. Dasselbe gilt für den benachbarten Weiler Ahe, von dem aus die Furt nach Kennelbach führte. Wohl aber finden sich in den Zinsrodeln zahlreiche Parzellennamen aus ganz Hofsteig, auch aus Buch und Bildstein und vor allem aus Rickenbach. Neben den schon bekannten Richinbaeh und Staige sind es schon 1290 Spate (Spetenlehen), Ruozinberc (Rutzenberg), Molendium (Mühle), und Slattingen (Schlau). Mit ze Bana ist wohl das Bannholz gemeint. Andere Rickenbacher Höfe können wie nicht mehr einordnen: Spahilin, Swenche, Berge, Boumar. Das im Jahre 1340 erstmals genannte Kelun weist auf das heutige Kella hin. Spetenlehen, Rutzenberg, Schlatt 1290 Kella 1340 Kehren wir noch einmal zur Steig zurück. Im Jahre 1249 stand dort also der einzige nach Mehrerau abgabepflichtige Großhof auf Rickenbacher Gebiet. Vielleicht hat dort schon damals der Graf von Bregenz Gericht gehalten. Aber erst einige Jahre später taucht in einer Urkunde von 1260} erstmals die Bezeichnung curia staige auf. Curia bedeutet Genossenschaft oder Hofgemeinschaft. Das Jahr 1260 bringt also den ersten Namenstag von Hofsteig. Hofsteig 1260 Das Kloster Mehrerau verlangte vom Hof Steig 1290 nur ein Schwein als Jahreszins. Dann hat aber wohl der Graf den größten Teil seiner Rechte am Hof an das Kloster abgetreten. So stieg die Zinsforderung schon um 1300 auf dimidiam partem omnium, die Hälfte von allem (!). Und 1340 lautete sie immer noch: Item de curia in Staig tertia pars frugum scilicet speltarum et avene et pullos et ova et scapulas. Also nun ein Drittel der Getreideernte von Dinkelweizen und Hafer, aber auch ein Drittel der Hühner, der Eier und des Schweinefleisches.4 15 Darüber hinaus wurden die Abgaben für das Kloster jetzt aus dem weiten Umkreis hier auf der Steig gesammelt. 8 Hühner, 8 Käslaibe und ein Scheffel Nüsse kamen bis aus Haselstauden, 20 Schweineschinken, 500 Eier und 4 Käslaibe brachten die Rickenbacher und die Höfe auf dem Steußberg.5 Um diese Zeit setzten die Montforter Grafen von Bregenz einen Ammann als Verwalter des sich immer weiter ausdehnenden Gerichtes Hofsteig ein. Erstmals läßt sich im Jahre 1383 nachweisen, daß dieser Ammann nun auch in Lauterach Gericht hielt.6 Lauterach wurde nun der Hauptsitz des Gerichtes, das ständig und ganz besonders vor anstehenden Ammann-Wahlen engen Kontakt zu Mehrerau pflegte. In Wolfurt weitete das Kloster Besitz und Einfluß auch im Kellhofgebiet aus. Im Jahre 1402 kaufte Abt Heinrich für 500 Pfund Pfennig die Hälfte von Schloß Wolfurt samt Höfen und Wald. Und 1451 kaufte das Kloster gar für 944 Pf. Pf. die ganze Burg Veldegg im Oberfeld mit ihrem bedeutenden Grundbesitz. Damals soll Mehrerau nach dem Geschichtsschreiber Ransperg mit 452 Leibeigenen den Höhepunkt seiner weltlichen Macht erreicht haben. Im Jahre 1512 verständigten sich Abt Kaspar Haberstro von Mehrerau und Abt Johannes von Weißenau zur gemeinsamen Errichtung der Pfarrei St. Nikolaus in Wolfurt. Abwechselnd setzten sie nun einen ihrer Mönche als Pfarrer ein, bis 1601 Weißenau alle seine Rechte in Wolfurt für bares Geld an Mehrerau verkaufte.7 Nicht nur die Pfarrkirche unterstand nun ganz der Mehrerau, sondern auch die in der Pfarre Wolfurt liegende 1670 eingeweihte Wallfahrtskirche Bildstein, deren riesige Einnahmen der Wolfurter Pfarrer nach Mehrerau abliefern mußte. Bis zum Untergang des Klosters setzte der Abt die Pfarrer von Wolfurt ein, als letzten 1781 Lorenz Gmeiner, der 1806 die Auflösung des Klosters und des Gerichtes Hofsteig miterleben mußte. Zu Mehrerau gehörten bis 1802 nach den im Gemeindearchiv erhalten gebliebenen Steuerbüchern noch immer 16 große Lehenshöfe in Wolfurt, von denen einige auf über 4000 Gulden eingeschätzt wurden. Unter ihnen standen an vorderster Stelle die des Anton Fischer und des Johannes Reiner auf dem Platz des ehemaligen Hofes Steig (heute Rutzenbergstraße 1 und 2). Die anderen lagen im Gemeindegebiet verstreut, einige mitten im Kirchdorf. Schloß Veldegg war nicht mehr dabei. Seine großen Grundflächen im Oberfeld waren im Besitz des Klosters als einzige der Grundverteilung und der Zerstückelung der Felder im 18. Jahrhundert entgangen und bald danach an neue Besitzer gekommen. Erst in den letzten Jahren sind auch sie zu Verbauung aufgeteilt worden. Die 16 Höfe des Klosters und die eingehenden Zinse verwaltete ein vom Abt bestellter Gotteshaus-Ammann. Nach dem gotshusaman Johannes Müller heißt sein schönes altes Haus an der Kellhofstraße nach mehr als 200 Jahren noch heute Sam-Müllers. Der letzte Gotteshausammann war dessen Enkel Mathias Schneider, der ebenfalls einen Mehrerauer Hof an der Kirchstraße besaß. Er mußte 1803 im Namen des Abtes alle Mehrerauer Rechte, die auf diesen Höfen lasteten, ablösen oder verkaufen. Der letze Abt von Mehrerau war seit 1791 Franz II. Hund. Dessen Tod vermerkte 16 Bild 7: Das Gottesmutter-Relief von Herbert Albrecht Bild 8: Das Klostertor in Mehrerau. Eine Meisterarbeit des Barock Mathias Schneider in seiner Chronik: 1805 den 9. März Morgens ist der Sr. Hochwürden und Gnaden Abtt und Prälat Franz II. des Löbl. und Uralten stiefts Merrerau Seilig gestorben, Gott gebe ihm die Ewige Ruhe.8 Die 15 zuletzt noch verbliebenen Mönche durften keinen Abt mehr wählen. Die Bayern hatten Vorarlberg erobert. Am 1. August 1806 hoben sie das Kloster auf. Im November traten 11 der Mönche aus. Am 22. Februar 1807 wurde in der herrlichen Barockkirche, die erst 1740 von dem Bregenzerwälder Baumeister Franz Anton Beer ganz neu erbaut worden war, die letzte Messe gefeiert. Dann wurde die Kircheneinrichtung versteigert. Das prachtvolle Chorgestühl mit Einlegearbeiten aus Edelhölzern und Zinn wurde in die Pfarrkirche St. Gallus versetzt. Dort bewachen seither auch die großen steinernen Apostelfürsten Petrus und Paulus aus der Mehrerau den Eingang. Große Teile der wertvollen Bibliothek wurden verbrannt. Drei Tage lang soll das Feuer gelodert haben. Dann wurde die Kirche abgerissen, zuletzt auch noch am 7. Dezember 1808 der Turm gefällt. Viele von den Quadersteinen wurden auf Lastschiffen über den See geführt und in Lindau zum Bau des neuen Hafens verwendet.9 Die 700jährige Geschichte der einst so mächtigen Benediktiner-Abtei St. Peter in der 17 Au, die auch die Mutterkirche der Pfarre Wolfurt war, schien zu Ende. Die riesigen Klostergebäude dienten einige Zeit als Kaserne, dann nahmen sie eine Zichorienfabrik und eine Druckerei auf. Im Jahre 1854 zogen über Vermittlung des Kaisers Franz Joseph die aus Wettingen in der Schweiz vertriebenen Zisterzienser-Mönche ein. Sofort begannen sie mit dem Bau einer neuromanischen Klosterkirche. Seither erklingt dort wieder ihr feierliches Chorgebet. Auch die Kloster-Bibliothek umfaßt wieder mehr als 100 000 Bände. Darüber hinaus leiten die Mönche verschiedene Schulen. Zum Kloster gehören das Sanatorium Mehrerau und eine große Landwirtschaft. Es betreut durch einen Prior auch die Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee. Bei der großen Renovierung von 1961 wurde die romanische Krypta unterhalb des Kirchenschiffs zugänglich gemacht. Dort sieht man seither neben den Steinsärgen der Benediktiner-Äbte und der Grafen von Bregenz auch das Grab des St. Galler Abtes Kilian German, der während der Reformationswirren auf Schloß Wolfurt lebte und beim Durchreiten der Ach 1530 ertrunken ist. Die Fassade der Kirche schmückt seit 1964 ein monumentales Betonrelief unseres Wolfurter Bildhauers Herbert Albrecht, 13 Meter hoch und 70 Tonnen schwer. Im Mittelpunkt des Bildes thront die Gottesmutter Maria. Ganz klein wird man zu ihren Füßen und ist doch eingeladen zum Eintritt in das Gotteshaus. Eingeladen in die Mehrerau, die auch unsere Wolfurter Mehrerau ist. Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (2) In Heft 20 habe ich eine Liste der bisherigen 24 Bürgermeister von Wolfurt vorgelegt und über die Amtszeit der ersten sieben davon berichtet. Hier folgt nun die Fortsetzung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 8. Johann Höfle 1856-1859 Geb. 25.9.1813, gest. 15.5.1880 Die mächtige Sippe der Ziegler-Schertler war keineswegs bereit, nach dem Abgang des langjährigen und vcrdiensvollen Vorstehers Joh. Martin Schertler ihren Einfluß in der Gemeindestube aufzugeben. Mit Johann Hölle stellte sie einen Schwager als Kandidaten auf, der den kaiserlichen Beamten in Bregenz paßte. Gewählt wurde nämlich seit 1850 nicht mehr! Der neue kaiserliche Absolutismus unterdrückte alle demokratischen Regungen. Vorsteher und Gemeinderäte wurden einfach vom k.k. Statthalter ernannt. Höfle war Gerbermeister in Spetenlehen. Seit fast 200 Jahren betrieb seine Familie dort im Haus C 191 (Hofsteigstraße 33, Roths) nun schon das Gerbergewerbe. Im Jahre 1840 hatte Johann seine Frau Maria Anna Schertler, eine Tochter des Ziegeleibesitzers Josef Anton Schertler im Röhle und Nichte des bisherigen Vorstehers, geheiratet. Zwei Schertler-Schwäger leiteten jetzt die großen Ziegeleien an der Ach, einer das Sägewerk in Kennelbach. Zur gleichen Sippe stießen bald noch andere bedeutende Wolfurter als Schwäger: der Kreuzwirt Andreas Haltmayer, der Lindenwirl J. Gg. Fischer und der strebsame Lehrer Wendelin Rädler. Das verhieß starke konservative Macht, gegen welche die sehr aktiven Liberalen vorerst nicht ankamen. Auf 6. März 1856, Donnerstag-Nachmittag um 2 Uhr, hatte der neue Vorsteher Johann Höfle die Gemeindevertretung zu ihrer ersten Sitzung in das Schulhaus eingeladen. An seiner Seite saßen als Gemeinderäte der Lindenwirt J. Gg. Fischer. Märtolars, und J. M. Haltmeyer, der Gerber im Kirchdorf, sowie 15 weitere Ausschüsse. Ab jetzt wurden regelmäßig Protokolle geführt, von welchen viele noch vorhanden sind. Für unentschuldigtes Fehlen wurde eine Strafe von einem Gulden zugunsten des Armenfonds festgelegt und in den späteren Sitzungen auch tatsächlich mehrfach eingehoben. Neue Leute wurden in die Ämter als Armenvaler, Gemeindekassier und Waldaufseher berufen. Fast jede der folgenden Sitzungen befaßte sich mit der Genehmigung von Eheschließungen. Ansuchen von armen Leuten wurden immer abgelehnt, wie etwa am 30.8.1857 das Ehegesuch eines Fabriksarbeiters, der angab, täglich 48 Kreuzer zu verdienen: .... daß es nicht möglich sey, mit diesem Verdienste die Seinigen zu versor19 1 2 3 4 5 Heimat Wolfurt. Heft 17/1996, S. 5. nach Rapp. Generalvikariat Vorarlberg. 1896. II.. S. 388 Benedikt Bilgen. Zinsrodel Mehrerau, 1940. S. VI ff VLA, Urkunde 777 wie 2. S. 32 wie 2, S. 47 " Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 15 7 Heimat Wolfurt, Heft 17/1996, S. 7 s GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 83 9 Rapp, Generalvikariat, 1896.1., S. 546 ff 18 gen, da eine Familie einen größeren & bestimmten täglichen Erwerb bedarf, als diesen, um nicht den Gemeindebürgern zur Last zu fallen Eine ganze Reihe von Gastwirten wollte 1857 plötzlich Gemischtwaren-Handlungen eröffnen. Josef Letsch, der Backer im Hirschen, erhielt die Erlaubnis zum Verkauf von Mehl, Grüschen und Salz. Das gleiche Recht bekam Jakob Böhler, Bäcker und Wirt zum Sternen. Dieser gab sich aber damit nicht zufrieden und erhielt noch im gleichen Jahr die Genehmigung zum Viktualienhandel. Das Ansuchen des Rößlewirts Fidel Müller um Spezereywaaren Befugnis wurde dagegen abgelehnt, weil schon ein anderer in der Nähe sei. Dieser andere war Joh. Gg. Heim, der in Hanso Hus am Kirchplatz den bisher einzigen Kaufladen betrieb. Er erhielt jetzt auch die Genehmigung zum damals so wichtigen Salz-Verschleiß. Inzwischen suchten viele fremde Fabriksarbeiter aus Kennelbach eine Unterkunft in Wolfurt. Dagegen wandte sich der Vorsteher in einer am Sonntag von der Kirchstiege verlesenen Bekanntmachung mit harten Worten und argen Vorwürfen: Viele Gemeindebürger haben fremden Familien & Personen des ledigen Stands in ihren Häusern Unterkunft oder Quartier verleihung gegeben. .... keinen hinreichenden Verdienst.... .... die Gewerbetreibenden auf die nachteiligste Weise hintergehen und betrügen .... .... in der Gemeindswaldung des Ippach & auf der Steinach Holz & Gebüsch zu ihrem täglichen Gebrauch nehmen .... ' Der Vorsteher verlangte die sofortige Anmeldung der Fremden. Wer Holz oder Gebüsch stiehlt, wird ohne Verzögerung aus der Gemeinde gewiesen. (Dazu muß man wissen, daß die fremden Fabriksarbeiter damals Bauernkinder aus dem Bregenzerwald, dem Oberland und aus Tirol gewesen sind!) Seit 1851 bestand in Wolfurt neben der Alten Musik noch die vom ersten Instrumentenmacher Schwerzler gegründete Blechmusik. Der Vorsteher forderte, daß die neue & die alte Musikbande zusammen mit der Schützenkompagnie dem im Jahre 1856 durchreisenden kaiserlichen Statthalter Erzherzog Karl Ludwig die wahrhaft patriotische Zufriedenheit der Bevölkerung erweisen sollten. Ein Jahr später verfügte der Bezirkshauptmann, daß bei der Fronleichnamsprozession nur die sogenannte alte Musikgesellschaft allein mitwirken dürfe. Bald danach schlossen sich beide Kapellen zusammen. Im Oktober 1856 tadelte das k.k. Bezirksamt, daß eine Überprüfung an der Feuerspritze Rost und Grünspan gefunden habe und 9 Bürger von Wolfurt den vorgeschriebenen Wasserkübel nicht vorweisen konnten. Auch das erst gut 20 Jahre alte Kirchendach mußte schon 1856 umgeschlagen werden. Johann Kalb Nagelschmidt schmiedete dazu 1300 neue Nägel und verrechnete dafür 4 1/2 Gulden. Weiterhin bezahlte die Gemeinde alle Reparaturen an Kirche und Pfarrhof, auch die Ausgaben des Pfarrers Hiller für Kerzen, Opferwein und für Brennholz. Als aber 1857 die neue Österreichische Währung eingeführt wurde, rechnete der Kassier den alten Anspruch des Pfarrers von 70 fl R. W. auf nunmehr nur 61 fl 25 x öst. W. um. Die allergrößte Aufgabe für Vorsteher Johann Höfle war aber die Anlegung eines neuen Katasters für das Gemeindegebiet. Dazu der anschließende Beitrag. Eine kleine Ehrung erfuhr der Vorsteher im Jahre 1858. Über Antrag von Mathias Geiger, Schütz, wurden Johann Höfle und sein Kassier Josef Halder in die Jagdgesellschaft aufgenommen. Ein Jahr später übergab Höfle das Vorsteheramt an seinen Schwager Eischer. Im Jahre 1865 verkaufte er die uralte Höfle -Gerberei in Spetenlehen an den Gerbermeister Forster aus Bregenz. Mit seiner Familie übersiedelte er an die Ach und übernahm aus dem Schertler-Vermögen seiner Frau das große Haus C 6 (Bützestraße 24, Rohners). Bis zu seinem Tod 1880 beteiligte er sich an der Leitung der Schertler-Ziegeleicn. Von seinen 11 Kindern wurde der Sohn Lorenz Höfle, Jg. 1844, Priester und Pfarrer von Buchboden. Zwei Töchter heirateten nach auswärts. Der älteste Sohn Josef Anton Höfle verkaufte das Haus an der Ach und übersiedelte nach Lauterach. Damit erlosch diese bedeutende Gerber-Höfle-Sippe in Wolfurt. Der Kataster von 1857 Der seit 1807 nunmehr fast 50 Jahre gültige Bayerische Kataster genügte als Grundlage für Bezitznachweis und Steuereinhebung nicht mehr und sollte ersetzt werden. Schon 1856 waren über behördlichen Auftrag alle Straßen, Bäche und Gräben neu vermarkt worden. Alle Grundbesitzer mußten an ihren Grundstücken gut sichtbare Marken setzen. Dann vermaßen staatliche Geometer. denen der Vorsteher Hilfsarbeiter zur Verfügung zu stellen hatte, ein Jahr lang alle Grundparzellen der Gemeinde, auch die im Ried und im Ippachwald. Sie zeichneten davon einen genauen Plan im Maßstab 1 : 2880, die sogenannte Mappe mit vielen Blättern, und schrieben all ihre Meßergebnisse in ein Parzellenprotokoll ein. Mit der am 1. Dezember 1857 in Schwaz im Tirol durch Geometer Franz Trautel erfolgten Unterfertigung erhielt das Protokoll Rechtskraft und ist seither die Grundlage für alle Grundstücksgeschäfte in Wolfurt geblieben. Das Gemeinde-Archiv besitzt als dickes Buch eine Abschrift des Parzellenprotokolls von 18572 und eine farbige Kopie des alten Planes. Die Bauparzellen sind beginnend mit Nr. 1 in der Höll an der Ach bis zu 304 im Schlatl durchnumeriert. Es finden sich darunter neben den vielen Häusern auch Waschhütten und Stadel, vier Ziegelhütten, sechs Mühlen und der damalige Schießstand beim Adler in Rickenbach. Im Gegensatz zu den Bauparzellen beginnt die Numerierung der Grundparzellen im Kirchdorf mit Gp 1 Friedhof, Gp 2 Weinberg des Pfarrers .... und endet nach einem weiten Weg durch das Ried und über die Bühel mit Gp 3159 im hintersten Harder Ippach. Daran schließen sich noch die Wege, Bäche und Teiche bis zur letzten Nr. 3356 an. Diese Nummern von 1857 haben noch heute Gültigkeit. Viele wurden allerdings unterteilt und die Anzahl der Bauparzellen hat sich ungeheuer ausgeweitet. Die Grundvermesser waren meist landesfremde und der deutschen Sprache kaum mächtige k.k. Beamte. Das zeigt sich leider in der Schreibung der alten Flurnamen 21 20 9. Joh. Georg Fischer (II) 1859-1861 Geb. 1.5.1816, gest. 25.11.1880 Auch 1859 entfielen die fälligen Gemeindewahlen wieder. Die alte Gemeindevertretung schlug am 5.4.1859 entgegen dem steigenden Druck der Liberalen mit Joh. Georg Fischer wieder einen Mann aus der Schertier-Verwandtschaft zum Vorsteher vor. Dessen Frau Rosalia Schertier stammte aus der Sippe der Ziegler-Schertler im Röhle. Das verhalf ihm dazu, Nachfolger seines Schwagers Johann Höfle als Vorsteher zu werden. Am 9. April wurde er im Bezirksamt in Bregenz vereidigt. Als Enkel des bekannten HofsteigAmmanns Joseph Fischer, 1725-1809, Löwenwirt und später auch Engelwirt, gehörte J. Gg. Fischer der großen Sippe der Sammar (s Ammas) an, die sich jetzt in die Zweige der Löwenwirtler, Altadlerwirts und Sammars im Röhle auffächerte. Sein Vater Martin Fischer, ge- Bild 10: Vorsteher J.Gg. Fischer IL, 1816-1880 boren 1779 im Löwen in Rickenbach, hatte 1812 in das große Kalb-Haus C 124 (Kirchstraße 19, Kirchbergers) am Unterlinden-Brunnen eingeheiratet und die Linie der Märtolar-Fischer begründet. Auch der erste Wolfurter Vorsteher J. Gg. Fischer (I) war ein naher Verwandter gewesen. Im Elternhaus in Unterlinden, das er bei seiner Heirat 1851 übernommen hatte, richtete Fischer jetzt die Gemeindekanzlei ein. Seine erste Sitzung leitete er bereits am 17. April 1859, Sonntag Nachmittags um 3 Uhr im Schulhause dahier. Gleich im allerersten Punkt mußte wegen des hohen Schuldenstandes der Gemeinde eine Steuererhöhung beschlossen werden. Probleme gab es mit der Böthin, die für die Wolfurter allerlei Besorgungen in Bregenz verrichtete und auch die Post dorthin besorgte. Das Bezirksamt schlug ein Abkommen mit dem täglich durch Wolfurt fahrenden Bezauer-Postboten vor. Die Gemeinde bestellte aber am 10. Juli 1859 den 40jährigen und sehr kinderreichen Lorenz Reiner zum neuen Bothen. Er übernahm die Verpflichtung, wöchentlich dreimal nach Bregenz zum Bezirksamt und zur Post zu fahren und alle Aufträge, die ihm die Bürger an seinen Amtstagen bis 1 Uhr auftrugen, getreulich zu besorgen. Etwa 50 Jahre lang erfüllten die Both-Reiner, der Vater zuerst und nach ihm sein gleichnamiger Sohn Lorenz, ihren wichtigen Dienst, auch als man später ein Postamt einrichtete. Bild 9: Katasternummern von 1857 rund um die Pfarrkirche. Grundparzellen Gp 1 Friedhof Gp 2 Pfarrers Weinberg Gp 3 Pfarrers Bühel Gp 4 Pfarrers Weinberg Gp5 Pfarrers Garten Gp 6 Pfarrers Bühel (später oberer Friedhof) Bauparzellen Bp 76 J. A. Kalb, Naglars, (später neuer Schwanen) Bp 77 J. Gg. Kalb, (alter) Schwanen Bp 106 Fidel Müller, Rößle Bp 107 Bildstein-Heim, Hanso Hus Bp 108 Pfarrkirche St. Nikolaus Bp 109 Pfarrers Stadel Bp 110 (alter) Pfarrhof auf den Plänen. Da liest man u. a. Ruzenberg, Prahl, Frikenesch, Schlaf, Mädle, Lehnholz (statt Bannholz), Buchet (Bühel), Auf der steinernen Markt (An der steinernen Mark). Am schlimmsten traf es den Kessel am Rickenbach: Rosa Kessl schrieb der Beamte, weil er das alte Roßenkessel für einen Tümpel, in dem man Flachs wässert, nicht verstehen konnte. Nicht nur die alten Parzellennummern haben noch heute ihre Gültigkeit, sondern auch die Beamtenfehler von damals. Viele davon findest du noch immer auf Mappenauszügen. Sogar auf den Plänen für die Autobahn und für unseren riesigen Güterbahnhof sind sie sehr sauber und dennoch falsch eingetragen! Und im Computer-Zeitalter darf man eine Richtigstellung wohl nicht mehr erwarten! Der großen Bedeutung der Katastralmappe kann das aber keinen Abbruch tun. 22 23 Im Jahre 1860 brach der Schwanenwirl Joh. Georg Kalb die alte Nagelschmiede am Kirchplatz ab und erbaute dort seinen großen Neuen Schwanen. Der Alte Schwanen an der Kellhofstraße, bis dahin ein wichtiger Versammlungsort in der Gemeinde, wurde geschlossen und verkauft. Erst vor wenigen Jahren hat ihn die Gemeinde wieder für die Pflege der Gemeinschaft im Dorf neu hergerichtet. Im gleichen Jahr 1860 hatte Martin Fischer in Spetenlehen den Gemeindeschießstand auf seine eigene Kosten zur Herstellung übernommen. Jetzt suchte er um Bewilligung als Schützenwirth-Schankwirthschaft an. Nur etwa 15 Jahre blieb der Gasthof Schützen geöffnet, der Schießstand auf dem Bühel dagegen mehr als 100 Jahre lang. Schon nach zwei Jahren gab Fischer das Vorsteheramt wieder ab. Eine fast einstimmig erfolgte Wiederwahl lehnte er trotz aller Zureden ab. Er wollte Gastwirt werden. Über sein Ansuchen erhielt er am 12. September 1862 vom k.k.. Bezirksamt in Bregenz die Concession zum Betriebe des Schankgewerbes auf dem eigenthümlichen Hause zu Unterlinden. Im Jahre 1868 erbaute er dann aber mit der Linde ein ganz nobles neues Gasthaus weit unten im Fischare-Feld (heute Unterlindenstraße 17, Fideles). Weil die Unterlindenstraße damals als Röthelgasse nur ein schmaler Feldweg war, erstellte er als Privatstraße eine Zufahrt von der Kirchstraße bis zu seiner Haustüre hinab. Seit einigen Jahren heißt diese schmale Straße Glockengasse. Von Fischers 10 Kindern heirateten vier Töchter, Maria Anna nach Lauterach, Katharina den Rößlewirts-Sohn Albert Müller, Anna Maria den Schuhmacher Fidel Kalb, der sich später als Vorsteher Fidel Kirchbergcr nannte. Schließlich begründete noch Rosalia mit ihrem Gatten Andreas Geiger die Sippe der Geiger im Röhle. Das Gasthaus Linde wechselte nach J. Gg. Fischers Tod mehrfach den Besitzer, bis es der Fergger Fidel Gmeiner ab 1898 zum Stammhaus der Kartonagen-Gmeiner machte. 10. Josef Halder 1861-1867 Geb. 6.12.1806, gest. 4.7.1880 1861 waren nach elfjähriger Unterbrechung erstmals wieder Wahlen durch das Volk ausgeschrieben worden. Bei ganz geringer Wahlbeteiligung von nur 66 Wählern erhielt mit Franz Josef Halder noch einmal ein konservativer Gemeindepolitiker das Vorsteheramt. Daß drei von seinen Töchtern in die Ziegler-Schertler-Sippe einheirateten, dürfte ihm zu dieser Ehre verholten haben. Haider stammte aus einer Bauernfamilie von der Fluh. 1837 hatte er die acht Jahre ältere Witwe Agatha Müller geheiratet und war dadurch Besitzer des Hauses C 168 an der Hub (Hofsteigstraße 14, Soalars) geworden. Zwanzig Jahre früher hatte im gleichen Haus der zweite Wolfurter Vorsteher Xaver Flatz gewohnt. Halder gewann in Wolfurt hohes Ansehen. Bald wurde er in den Gemeinde-Ausschuß gewählt. Viele Jahre lang war ihm das wichtige Amt des Gemeinde-Kassiers anvertraut gewesen, ehe er nun 1861 sogar zum Vorsteher berufen wurde. Bild 11: Bucherstraße 1864: ... von Baum zu Baum klettern Noch immer herrschte in Wolfurt bittere Armut. Noch immer wanderten ganze Gruppen von jungen Leuten nach Amerika aus. Wegen geringer Schulden verloren andere durch Versteigerungen Hab und Gut. Darüber ein eigener Beitrag im Anhang! In einer seiner ersten Sitzungen befaßte sich Vorsteher Halder mit der Ausrüstung jener Männer, die zu einer lOOtägigen Dienstzeit als Landesverteidiger einberufen wurden. Drei Tage vor dem Abmarsch erhielt jeder vom Vorsteher eine von der Gemeinde angeschaffte Mundur als ein Hut, ein Rock, Hosen & ein bar Schue. Nach beendigter Dienstzeit mußte die Montur zu weiterer Verwendung wieder beim Vorsteher abgegeben werden. Immer strenger wurden die Bestimmungen, mit denen sich die Wolfurter gegen Überfremdung wehrten. 1861 setzte die Gemeindevertretung das Einkaufsgeld für jedes Mansbild von bisher 75 auf 100 Gulden hinauf. Ab 1864 mußte jede Weibsperson, welche durch Heurathen in den Gemeindeverband aufgenommen wird, 50 Gulden bezahlen. Und ab 1865 verlangte man von jedem Beisäß (Nicht-Gemeindebürger) für jedes Kind pro Jahr einen Gulden Schulgeld. Seit Jahren gab es Differenzen wegen der Erhaltung der Bucher-Straße. Schon 1859 hatte die Behörde eine radikale Verbesserung vorgeschrieben. Nun wurde dem Vorsteher gar eine Drohung von Bezirkshauptmann Honstetter mit Datum vom 10. April 1864 zugestellt: Nach einer Heute eingelangten Gendarmerie Anzeige befindet sich der Fahrweg von Wolfurt nach Buch in einem derartig schlechten Zustande, daß Fußgänger kaum durchkommen, und um nicht im Wege selbst stecken zu bleiben, dem Berge nach von Baum zu Baum klettern müssen Sollte die Gemeinde Wolfurt die Straße nicht binnen eines Monats in einen befriedigenden Zustand versetzen,... so wäre der Herr Gemeinde Vorsteher in eine Geldstrafe von Zwanzig Gulden verfallen, die man zur Verbesserung der Strasse verwenden wird. ... 25 24 Im Juni 1863 bildete die Gemeinde ein Komitee für die anstehende große Kirchenreparatur. Nach der bitteren Erfahrung von 18303 wählte man diesmal mit dem Adlerwirt Josef Anton Fischer und dem Schmied Josef Anton Dür auch zwei liberale Rickenbacher in den Ausschuß. Zuerst wurden nun im Kirchenschiff die zwei sichtbehindernden Säulen am Aufgang in den Chor herausgebrochen. Dann versuchte man, die als unschön empfundenen Ochsenaugen-Fenster durch hohe gotische Fenster zu ersetzen. Dieses Vorhaben mußte allerdings nach Untersuchung der Mauern aus statischen Gründen aufgegeben werden. Dafür malte der Dornbirner Kunstmaler Joh. Kaspar Rick 1864 an das Deckengewölbe zwei große Fresken: im Chor Die Darstellung Jesu im Tempel und im Schiff Die Bergpredigt. Auch der neue Chorbogen erhielt mit Jesus und Moses als Gegenüberstellung von Neuem und Altem Testament zwei Fresken. Sie sind leider alle bei der Kirchenrenovierung von 1938 zerstört worden. Im November 1866 verstarb der beliebte Pfarrer Josef Anton Hiller, der in Wolfurt seit 1836 segensreich gewirkt hatte. Im Mai 1867 trat Josef Anton Waibel an seine Stelle. Er wurde bald darauf auch Dekan. Nach dem Tod seiner ersten Frau hatte Josef Halder 1851 ein zweites Mal geheiratet. Von seinen sieben Kindern wurden vier Töchter groß. Sie bekamen alle hochangesehenc Ehepartner. Maria Anna Halder heiratete 1863 mit Joh. Martin Schertier junior in Unterlinden einen Sohn des 7. Vorstehers, der selbst später der 14. Vorsteher werden sollte. Ihre Schwestern Martina und Josefa heirateten die Brüder Johann Martin und Theodor aus der Ziegler-Familie Schertier im Röhle. Hansmarteies und Thedoros haben sehr viele Nachkommen. Die vierte Schwester Anna Maria begründete im Nachbarhaus an der Hub mit Joh. Georg Böhler die Sippe Sternowirts Hans-Irgos. Vorsteher Halders Witwe verkaufte 1882 ihr Haus und zog zur Tochter Martina an die Ach. Versteigerungen Wohl nirgends wird die Not der armen Leute von Wolfurt besser sichtbar als in den Versteigerungsprotokollen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aus der großen Zahl wähle ich einige aus. 1856 Pfändung und Schätzung. In der Exekutionssache des J... S... durch H. Dr. Vogl gegen Johan Georg Schneider zu Wolfurt wegen einer Forderung von 45fl 18 x wurde .... die Exekution vorgenommen: zyvei einschläfige Betten samt Zugehör Werl 10 fl ein dope her weicher Kasten 6 fl ein Rosenkranz mit Silber gefaßt I fl 48 x ein hartes Soffa 4fl 36 x eine Sackuhr 1 fl 48 x ein weicher Kuchenkasten 1 fl 12 x Zirka 6 Zentner Fettheu 6 fl Bild 12: Schätzungsprotokoll 1856 eine Sense, 2 Hauen u. eine Schaufl ein dopelter weicher Kasten ein einschläfiges Bett samt Zugehör ein grüntüchener Männer-Rock ein goldener Fingerring ein Halsnuster von Korallen ein schwarzes Frauenzimerkleid von Orlean 1 fl 48 x 1 fl 36 x 4 fl 36 x 5 fl 1 fl 48 x 2fl.30 x 4fl 54 x Da wurden neben Bett und Kasten auch der Rosenkranz und der Ehering beschlagnahmt. Was ist den Eheleuten Schneider, die damals im Kirchdorf-Loch ein Quartier bewohnten, denn da noch geblieben außer ihren zwei hungrigen Kindern? 26 27 1863 Es wird von der Magdalena Schürpf bekennt als Gotta den zwey Kinder M. Agatha und Karolina Rünzler im Holz, weil ihnen die Mutter Anna M. Schürpf gestorben ist, so hat sie ihnen zwey Bethnüster mit etwas Silber u. zwey goldene Handring in bewahrung aufgehalten, bis die Kinder selber fähig seind zu besorgen, welches bekennt mit eigenhändiger Unterschrift Magdalena Schirpf Johann Schirpf Vormund Jos. Halder Vorsteher als Zeuge Also auch Rosenkränze und Fingerringe verlangten nach des Vorstehers Unterschrift! 1865 Der Gemeinde-Vorstehung in Wolfurt Bei den nachgenannten Partheien wurde wegen rückständigen Gemeindesteuern die Pfändung u. Schätzung vorgenommen u. zwar: 1. Bei Mathias Klocker in Rickenbach, wegen 9fl 62 x ein kupferner Hafen pr 6fl u. eine Stubenuhr per 4fl. 2. Bei Joh. Georg Stadelmann in Rickenbach, wegen -fl 95x eine Wanduhr pr 2 fl (Nachtrag: zalt 80x) 3. Bei Johann Georg Gasser in Spetenlehen wegen 2fl38x ein kupferner Kochhafen pr 2/7. 4. Bei Johann Winder an der Hub in Wolfurt wegen 3 fl 51 1/2 x u. 10 x Kosten ein Kanape per 2fl u. ein Kommodkasten pr 3 fl. Die Gemeindevorstehung wird hiemit beauftragt, die öffentliche Feilbiethung der in Exekution gezogenen Gegenstände über vorläufige Bekanntmachung am Samstag den 24ten d. Mts Früh 9 Uhr gegen Barzahlung vorschriftsmäßig vorzunehmen, aus dem Erlöse den Steuerkassier für obige Beträge zu befriedigen u. sich über die Vollziehung dieses Auftrages bis 26. d. Ms. unfehlbar anher auszuweisen. K. K Bezirksamt Bregenz am 10. Juni 1865 Unterschrift (unleserlich) Ohne Pardon wurden demnach wegen 95 Kreuzern Steuerschuld die Wanduhr oder wegen 2 Gulden sogar die lebensnotwendige Muspfanne gepfändet! 11. Johann Maier 1867-1872 Geb. 1.8.1833, gest. 20.4.1872 Jetzt waren die Liberalen endlich am Ziel! Schon seit 1864 saßen mit Johann Maier und Josef Anton Dür zwei von ihnen als Gemeinderäte neben dem konservativen Vorsteher Josef Halder an der Spitze des Gemeinde-Ausschusses. Nun aber wurden unter Anwesenheit des Bezirksvorstehers in einer Kampfabstimmung am 16.9.1867 Johann Maier zum Vorsteher und sein Mitstreiter J. A. Dür zum 2. Gemeinderat gewählt. Sein unterlegener Kontrahent Franz Josef Gmeiner wurde 1. und Kronenwirt Michael Sohm, ein maßgeblicher Anführer der konservativen Gruppe, nur 3. Ge- meinderat. Das deutete auf kommenden Streit hin. Johann Maiers Vater Josef stammte aus dem Oberland. Er hatte 1821 die Witwe Franziska Schertier geheiratet und damit das Haus C 120 (Kirchstraße 23) erworben. Dazu erbaute er ein paar Jahre später in der Wiese dahinter das Haus C 119 (Kirchstraße 25). Hierher heiratete 1856 sein tüchtiger Sohn Johann. Der wollte aber nach vorne an die Straße und tauschte sofort von seinem älteren Stiefbruder das vordere Haus ein. Von seiner Mutter her war Johann Maier ein direkter Nachkomme jenes legendären Ammanns Jerg Rohner, der einst die Bauern zum Aufstand gegen die Beamtenwillkür nach Bregenz geführt hatte.4 Von ihm dürfte der Urenkel einige Charaktermerkmale geerbt haben! Nach der militärischen Niederlage Bild 13: Vorsteher Johann Maier, 1833- 1872 Österreichs gegen Preußen im Jahre 1866 trieb der Kulturkampf seinem Höhepunkt zu. Die liberale Regierung in Wien entzog 1867 Ehegesetzgebung und Schulwesen dem Einfluß der katholischen Kirche. Auch der mehrheitlich von liberalen Abgeordneten besetzte Vorarlberger Landtag zeigte sich kirchenfeindlich. Das führte unter den Konservativen zu einer starken Gegenbewegung, die sich 1868 in der Gründung von katholischen Casinos und eines katholischen Lehrervereins äußerte. Bei beiden stand der junge Kennelbacher Lehrer Wendelin Rädler an vorderster Front. Auch bei der Gründung des Vorarlberger Volksblattes 1866 durch den Pfarrer von Kennelbach war er beteiligt.5 In Wolfurt gründeten die beiden am 10. Mai 1868 nach Bregenz und Feldkirch das dritte Casino in Vorarlberg. Das veränderte nun mit der Schulung und Beeinflussung der kleinen Wolfurter Bauern und Fabriksarbeiter das politische Leben in der Gemeinde nachhaltig. Von Beginn an verfügte Vorsteher Maier, daß die Protokolle der Gemeinde abschriftlich in ein Buch eingetragen werden mußten. Seit 1867 sind also alle erhalten geblieben.6 Zwar fanden die meisten Sitzungen im Schulhaus statt, dazwischen aber immer wieder einzelne im Rößle oder in der Krone. Die dortigen Wirte gehörten dem Gemeinde-Ausschuß an - übrigens beide als Vertreter der Konservativen. Zu allererst galt Vorsteher Maiers Aufmerksamkeit der Volksschule, die den Anfor- 28 29 derungen des neuen liberalen Reichsvolksschulgesetzes nicht mehr genügte. Schon im Jänner 1867 hatte sein Vorgänger Halder anhören müssen, daß ... das Schulgebäude in einem schlechten Zustande ist, das die Kinder beinahe erfrieren u. die Zimmer eine unregelmäßige Eintheilung haben wie auch die Öfen nichts taugen.... Manche wollten mit dem Anbau einer neuen Klasse hinten am alten Schulhäuschen an der oberen Straße das Auslangen finden. Da entzog der Vorsteher aber dem Pfarrer die Schulaufsicht und ließ sich 1869 selbst zum Ortsschulinspektor ernennen. Dabei ging es nicht gerade zimperlich zu. Als der Vorsteher den Kaplan Lehner als Lügner bezeichnete, verurteilte ihn das k.k. Bezirksgericht wegen Ehrenbeleidigung zu 25 Gulden Strafe. Das Oberlandesgericht hatte dagegen Verständnis für den Zorn des Vorstehers und reduzierte die Strafe auf 10 Gulden. Umgekehrt faßte der alte Sammar Jakob Fischer für seine Äußerung „Vorsteher Maier ist ein Lumpenmändle " sogar 14 Tage Arrest aus. Zielstrebig nahm Maier den Neubau der Volksschule in Angriff. Mit Vertrag vom 28. Mai 1870 kaufte er von Altvorsteher Lindenwirt J. Gg. Fischer für 350 Gulden dessen mit Obstbäumen besetzte Wiese im Strohdorf. Bereits am 15. September legte er beim k.k. Bez.-Ingenieur in Feldkirch einen ersten Bauplan vor. Eine Baugenehmigung erhielt er allerdings erst ein Jahr später im November 1871 nach vielen Umplanungen. Schier unglaublich waren die verlangten Neuerungen im Vergleich zum bisherigen alten Schulhaus: hohe Zimmer mit Platz für 240 Schüler, Ventilation im Sommer, Heizung mit ausgefütterten Blechöfen im Winter, Empfehlung einer eigenen Turnhalle neben der Schule, dazu ein Turnplatz und ein Schulgarten, eigene Lüftung in den Aborten, Urin-Rinnen für die Knaben,.... - Es ist aber dann doch nicht alles genau nach Vorschrift gebaut worden. Baumeister Spiegel und Zimmermeister Rohner aus Hard stellten das stolze Haus binnen eines Jahres für 10 000 Gulden fertig. Auch die Schulstraße von der Hub herein wurde verbreitert und mit 2 Brücken ausgestattet. Die Brühlstraße blieb dagegen noch bis 1935 ein schmaler Privatweg. In den sechs Klassen mußten statt der vorgesehenen 240 später im Rekordjahr 1904 insgesamt 360 Schüler Platz finden. Dazu kamen noch Räume für Bürgermeister und Gemeindekanzlei. Mehr als 100 Jahre lang blieb Vorsteher Maiers liberale Schule der Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Erst im Juli 1979 wurde sie abgebrochen. Daß seinem politischen Intimfeind, dem Casiner Wendelin Rädler, eine Lehrerstelle in Wolfurt verliehen wurde, konnte Maier 1870 noch verhindern. Daß aber 1874 katholische Nonnen als Schulschwestern einzogen und Rädler 1876 sogar Schulleiter wurde, das erlebte er nicht mehr. Zu den großen Anliegen der Liberalen Partei gehörten auch die Verbesserung des Postverkehrs und der Bau von Eisenbahnen. Bisher hatte ein Bote wöchentlich dreimal die Post in Bregenz abgeholt. Im Jahre 1868 wurde Wolfurt dem neu erstellten Postamt Lauterach zugeteilt. Dagegen wehrte sich die Gemeinde, weil die Briefe dadurch einen ganzen Tag länger auf dem Weg seien. Es dauerte aber noch drei Jahre, bis auch Wolfurt ein eigenes Postamt erhielt. 1870 bewarben sich fünf angesehene Bürger um die ausgeschriebene Postmeisterstelle, darunter neben Rößlewirt Fidel Bild 14: Haus Kirchstraße 23. Um 1870 Gemeindeamt und für kurze Zeit das erste Wolfurter Postamt. Müller und Löwenwirt Johann Fischer auch Vorsteher Maier selbst. Mit einem feierlichen Dekret aus Innsbruck erhielt dieser am 25. 4. 1870 den begehrten Posten und mußte sich nun einem Kurs in Bregenz unterziehen. Am 1. Jänner 1871 wurden in Wolfurt der Postbetrieb aufgenommen. Der Vorsteher durfte sich nun K.K. Postmeister nennen und eine Stampiglie Postamt Wolfurth führen. Seit die Bayerische Staatsbahn im Jahre 1856 ihre Geleise bis auf die Insel Lindau verlegt hatte, drängte die aufstrebende Vorarlberger Industrie auf eine AnschlußEisenbahn. Eine der ersten Planungen sah eine Trasse vor, die von Schwarzach aus in die Hügel aufsteigend einen Bahnhof Wolfurt in der Nähe des Schlosses bauen wollte. Über Buch und das Rotachtal hätte sie dann bei Weiler die bayerische Bahn erreicht und sich so den schwierigen Umweg durch die Bregenzer Klause erspart.7 Carl Ganahl, der mächtige Anführer der Liberalen, plante aber seit 1865 eine Rheintalbahn über Dornbirn und Wolfurt nach Bregenz und Lindau. Dagegen erhob sich in Wolfurt eine starke Opposition der Casino-Leute. Sie lehnten die Eisenbahn vollständig ab: ....fremdes Gesindel... Gefährdung von Sitte und Moral.... Felder zerschneiden .... Vieh läuft davon .... Pferde werden scheu ....8 Ganahl mußte umplanen und wählte eine ganz neue Trasse von Dornbirn entlang der Landstraße durch das Ried über Lauterach nach Bregenz. Davon brachte ihn aber der Schwarzacher Vorsteher und Landtagsabgeordnete Gebhard Schwärzler mit größter Mühe zugunsten von Schwarzach doch noch ab. So entstand schließlich die weite Doppelkurve nach Schwarzach und dann unter Umgehung von Wolfurt nach Lauterach. Selbst gegen die Bahntrasse im Ried wandten sich die Casino-Leute im Jänner 1871 noch mit einer umfangreichen Beschwerdeschrift, die 120 Unterschriften trug, darunter die von Pfarrer Waibel, Gemeinderat J. A. Schertler und Alt-Vorsteher Halder. Am 1. Juli 1872 wurde die Vorarlbergbahn aber dann doch eröffnet. Noch im gleichen Jahr erhielt sie die Anschlüsse nach Lindau und nach St. Margarethen. Schnell veränderten 30 31 sich dadurch die Gewerbestrukturen in den Orten an der Bahn. Konservatives Denken hatte für Wolfurt eine große Chance vertan. Das sollte sich bald bitter rächen! Eine weitere wichtige Aufgabe für Vorsteher Maier war die Fertigstellung eines zweiten Ach-Dammes bis nach Lauterach. Negrelli hatte damit schon 1830 begonnen." Als gewählter Wuhrmeister ließ Maier in den Gemcindewaldungen Tannen fällen und mit Hunderten von Fuhren die Steine aus dem Achbett holen. Unter Zuhilfenahme von Frondiensten gewann die Gemeinde dadurch die wertvollen Gründe zwischen Achstraße und Dammstraße, auf denen um 1920 die Wolfurter Kolonie Im Wida und nach 1960 große Fabriken erbaut werden konnten. Die Zeit der schlimmsten Arbeitslosigkeit und der Auswanderung nach Amerika war jetzt vorbei. Der Eisenbahnbau führte sogar zu Mangel an Arbeitskräften und zum Zuzug vieler Arbeiter aus dem Trentino nach Wolfurt.10 Die 108 Wolfurter, die jeden Tag über den hölzernen Steg in die Schindlerfabrik kamen, mußten ab 1869 täglich nur mehr 12 Stunden lang arbeiten, das allerdings auch am Samstag. Im gleichen Jahr 1869 brachte Gebhard Fischer, Seppos auf der Steig, die erste Handstickmaschine aus der Schweiz und leitete damit eine Revolution der Wolfurter Arbeitswelt ein. Parallel dazu erfolgte eine Umstrukturierung der Landwirtschaft vom bisherigen Getreidebau zur Milchwirtschaft. 1871 wurde im Kirchdorf die erste Sennerei eröffnet. Das war allerdings kein Verdienst des Vorstehers, sondern eines seines Gegners Wendelin Rädler, der uns in den folgenden Kapiteln noch oft begegnen wird. Der Streit zwischen Liberalen und Casinern tobte nämlich seinem Höhepunkt zu und entzweite das ganze Land. Das zeigte sich ganz besonders bei den Wahlen von 1870. Bei der Landtagswahl erreichten die Casinos zusammen mit ihrem Volksblatt einen ungeheuren Erdrutschsieg. Die Liberalen verloren 10 von ihren bisher 14 Abgeordneten, die Konservativen gewannen zu ihren 5 diese 10 dazu und dominierten nun mit einer Dreiviertel-Mchrheit den neuen Landtag. Seither ist dieser nun schon weit über hundert Jahre lang schwarz geblieben. Ähnlich Ergebnisse erbrachten auch die Gemeindewahlen fast überall im Land. Nicht so in Wolfurt! Hier behielten die Liberalen in einem erbittert geführten Wahlstreit knapp die Mehrheit. Darüber berichtet der nachfolgende Artikel. Als die Casinos in ganz Vorarlberg anläßlich des Papstjubiläums vom 15. Juni 1871 ihre Macht mit Musik, Feuerwerk, Böllerschießen und Bergfeuern demonstrierten, feierten aber auch in Wolfurt 500 Leute unter Lampions auf dem Schloßbühel bis tief in die Nacht hinein. .... Dießes Freudenfest brachte die ungläubigen und Liberalen aber in eine große Hitze hinein .... der Vorsteher Johann Meier war einer der grimmigsten Liberalen weit und breit, der in der Gemeinde große Streitigkeiten anstiftete mit dieser Parteilichkeit, das namentlich unserem Herrn Hochwürden dem Herrn Pfarrer Jos. Weibel und Kaplan Lehner sehr schmerzte, diese Unbilden möge Gott den Liberalen verzeihen denn sie werden bald einsehen das sie auf dem Holzweg wandelten .... So berichtet der Chronist (und Casiner) Ferdinand Schneider." Bild 15: Eisenbahnplanung 1867 durch den Ippachwald nach Deutschland. 32 33 Die Vorwürfe und Auseinandersetzungen kosteten den Vorsteher viel Kraft. Am 20. April 1872 verstarb er ganz plötzlich an einer Lungenentzündung, noch nicht ganz 39 Jahre alt. Wenige Monate später mußte sein Haus an der Kirchstraße versteigert werden. Seine Witwe heiratete nach Bildstein. Von Maiers neun Kindern aus zwei Ehen waren sechs bereits verstorben. Die anderen drei verließen Wolfurt nach Bildstein, Lauterach und Vaduz. Damit war die Familie des jungen Vorstehers, der in nur fünf Jahren so viel bewegt hatte, in Wolfurt bereits wieder erloschen. Gemeinde wahlen 1870 Der Weg zu echter Gemeinde-Demokratie erwies sich schon im 19. Jahrhundert als außerordentlich schwierig. Auch nach Metternich und der Beschneidung der Vorrechte des Adels im Revolutionsjahr 1848 war man von einer Gleichberechtigung der Bürger noch weit entfernt. Das zeigte sich besonders bei Gemeindewahlen.12 Eine Fülle von kaiserlichen Erlässen und Beamten-Verordnungen zur Wahl wurden in den einzelnen Gemeinden ganz unterschiedlich gehandhabt. Ein provisorisches Gemeindegesetz von 1849 und ein Wahlgesetz von 1864 versuchten, Ordnung zu schaffen. Einige wesentliche Unterschiede zur heutigen Gesetzgebung möchte ich hier festhalten. Wählen durften nur die Männer. Die Wählerliste von 1848 umfaßte in Wolfurt 273 Männer, manchmal Vater und Sohn, einige Maie mehrere Brüder mit gemeinsamem Besitz. Frauen, die als Witwen oder Erbinnen eigenen Besitz vorwiesen, konnten durch eine Vollmacht einen Mann für sich wählen lassen. Wer mehr Besitz hatte, der hatte auch mehr Einfluß. Um den Reichen größere Macht zu geben, teilte man die Wähler nach ihren bezahlten Steuern in drei Wahlkörper ein. Arme Leute, die keine Steuern zahlten, und solche, die mit der Zahlung im Rückstand lagen, durften überhaupt nicht wählen. Jeder von den drei Wahlkörpern mußte für den Gemeinde-Ausschuß sechs Ausschusse und dazu drei Ersatzmänner wählen. Die kleine Gruppe der Reichen besaß also ebenso viele Vertreter wie die um ein Vielfaches größere Gruppe der armen Kleinbauern des III. Wahlkörpers. Zu diesen zählten als Wahlberechtigte auch viele Leute aus Nachbardörfern und aus Bregenz, die in Wolfurt eine Wiese oder einen Acker besaßen und dafür ein paar Gulden Steuern bezahlten. Weil Auswärtige sich aber oft durch eine Vollmacht vertreten ließen, bestand die Gefahr einer Manipulation, wenn ein mit mehreren Vollmachten ausgestatteter Wähler seinen Willen auch mehrfach zum Ausdruck bringen konnte. Bis 1864 gab es zudem noch die offene Wahl. Vor dem Wahlleiter und den anwesenden Mitwählern diktierte jeder Wähler dem Gemeindeschreiber die Namen jener neun Männer, 6 für den Ausschuß und 3 als Ersatz, durch welche er sich am besten vertreten fühlte. Da getrauten sich natürlich viele Leute nicht, offen zu ihrer Meinung zu stehen. Entsprechend niedrig war die Wahlbeteiligung daher im III. Wahlkörper. So 34 Bild 16: Wählerliste 1870 für die Reichen 35 traten etwa bei der Wahl 1861 von 254 Wahlberechtigten nur 66 zur Wahl an, also nur 25% (!). Von den 133 Angehörigen des III. Wahlkörpers hatten nur 16 den Mut gefunden, zur offenen Wahl in das Schulhaus zu kommen. Das änderte sich schlagartig, als das Wahlgesetz von 1864 die geheime Wahl mit Stimmzetteln einführte, auf welchen jeder seine neun Namen schon zu Wahl mitbrachte. Außerdem traten jetzt Parteien auf, die mit ihren Lesevereinen den Zeitungen großen Einfluß verliehen. Sie versuchten, alle ihre Gesinnungsgenossen zur Wahl zu bringen oder wenigstens deren Vollmacht zu bekommen. Schon die Wahl von 1867 war wegen der viel höheren Wahlbeteiligung ungeheuer spannend. Die 18 von den drei Wahlkörpern gewählten Ausschüsse benötigten denn auch zwei Durchgänge, bis sie mit Johann Maier erstmals einen Liberalen zum Vorsteher gemacht hatten. Geradezu dramatisch sollte es aber dann 1870 werden, weil sich das katholische Casino nach den gewonnenen Landtagswahlen auch in der Gemeindestube absolut siegessicher fühlte. Fünf angesehene Ausschußmitglieder, angeführt von Vorsteher Maier und Altvorsteher Halder, bildeten das Wahlkomitee. Zuerst legte ihnen der Kassier die alphabetisch gereihte Liste der 511 Steuerzahler vor, die im Vorjahr zusammen 4567 Gulden an Steuern abgeführt hatten, im Durchschnitt etwa 9 Gulden. Ein Drittel der Steuersumme betrug also 1522 Gulden. Jetzt suchte das Komitee die größten Steuerzahler heraus. Ganz an die Spitze stellte man aber den Pfarrer. Die Auflistung begann mit 1. Hochw. Herr Pfarrer 14 fl Steuerbetrag 2. Martin Haltmeier, Gerber 138 fl 3. Walter Zuppinger, Fabrikant 107 fl 4. Jos. Ant. Dür, Mechaniker 82 tl 5. Jos. Ant. Fischer, Adlerwirt 73 fl 6. J. Gg. Kalb, Schwanenwirt 66 fl 7. Fidel Müller Rößlewirt 66 tl und endete mit 32. Ferd. Dür, Holzhändler 26 fl. Diese 32 Besitzer, unter ihnen auch der Bregenzer Kaufmann Jakob Hutter, der damals für das Schloß Wolfurt 27 Gulden Steuer bezahlte, brachten mit 1524 Gulden das erste Steuerdrittel zusammen. Sie durften im I. Wahlkörper 6 Ausschußmänner stellen, für je 5 Wähler einen Vertreter! An den Beginn der zweiten Liste schrieb das Komitee mit Kaplan Lehncr. Gemeindearzt Dr. Moritz und Oberlehrer Stülz drei Würdenträger, die bei früheren Wahlen wie der Pfarrer im I. Wahlkörper gestanden waren. Augenscheinlich wollte man ihren Einfluß vermindern. Ihnen folgten 81 Wahlberechtigte mit einer Steuerleistung von 25 bis herunter zu 13 Gulden. So bildeten 84 Besitzer den II. Wahlkörper. Das ergab für je 14 einen Vertreter. Die dritte Liste umfaßte im III. Wahlkörper schließlich die große Zahl von 395 kleinen Steuerzahlern vom Kleinbauern mit 13 Gulden herab bis zum Schuster mit 2 1/2 Gulden. Sie alle zusammen brachten mit 1530 Gulden das dritte Steuerdrittel auf und durften auch nur 6 Männer für den Ausschuß stellen. Hier traf es also für jeweils 66 Wähler nur einen Vertreter. Die vielen Grundbesitzer aus Bildstein, Schwarzach und Lauterach waren aber wohl an den Wolfurter Wahlen nur wenig interessiert. Am 7. August 1870 waren die drei Wählerlisten zur Einsicht aufgelegt worden. Ab jetzt konnten sich interessierte Parteigänger des Katholischen Casinos oder des vom protestantischen Rickenbacher Großmüller und Spulenfabrikanten Johann Walter Zuppinger geleiteten Liberalen Lesevereins Vollmachten besorgen. Die Wahl selbst mußte wegen des zu erwartenden Zulaufs auf zwei Tage, 5. und 6. September 1870, festgesetzt werden. Zuerst waren die 395 Berechtigten des III. Wahlkörpers alle auf 8 Uhr morgens zum Schulhaus bestellt worden. In Gegenwart des k.k. Bezirkskommissärs Dr. Lantschner belehrte Vorsteher Maier als Wahlleiter die vielen Leute, wie sie ihre Stimme... nach freier innerer Überzeugung ... mit ihrem Gewißen vereinbar ... verwenden sollten. Dann wurden die Wähler nach der Reihe aufgerufen, ihre Zettel abzugeben. Überraschend kandidierte der Vorsteher, der selbst dem II. Wahlkörper angehörte, schon hier bei den kleinen Leuten. Natürlich hatte er eifrig geworben. Seine Frau hatte sogar in Lauterach Vollmachten für ihn erbeten. Ohne Mittagspause dauerte die Stimmabgabe bis 8 Uhr abends. Dann wurden die 228 abgegebenen Stimmzettel ausgezählt. 124 mal fand sich der Name des Vorstehers. Damit war er schon hier mit fünf anderen in den Ausschuß gewählt und konnte auf eine Kandidatur im II. Wahlkörper zugunsten eines Gesinnungsfreundes verzichten. Ab 9 Uhr morgens des folgenden Tages waren die 84 Angehörigen des II. Wahlkörpers zur Stimmabgabe aufgerufen. 78 Zettel wurden abgegeben. Eine ganze Reihe von Witwen hatte sich durch befreundete Männer vertreten lassen. Die Auszählung dauerte bis über Mittag. So verzögerte sich der auf 3 Uhr angesetzte Wahlbeginn für den I. Wahlkörper. Murrend entfernten sich zehn Casino-Leute mit ihrem Wortführer Kronenwirt Sohm und zogen in dessen Gasthaus. Nur 14 Wähler gaben daher rechtzeitig ihre Stimmen ab. Zu ihnen stießen in einem zweiten Durchgang noch der Pfarrer und ein paar Verspätete. Damit sollten sechs Ausschußmänner gewählt sein? Selbst dem liberalen Wahlleiter war es nicht wohl! Er ließ die Casiner aus der Krone holen. Aber nur sechs kamen. So befanden sich schließlich 25 Zettel in der Wahlurne, als der Wahlleiter die Wahl abschloß. Nun kamen endlich die letzten vier aus der Krone, darunter der Wirt selbst und der Rößlewirt. Über Vermittlung des allgemein geachteten Mechanikers Dür wollte der Wahlleiter nach langem Hin und Her die Urne noch einmal öffnen. Unter Drohungen entfernten sich aber die Spätlinge. Das erwies sich als entscheidender Fehler. Weil ihre Stimmen fehlten, erhielten die Liberalen bei der anschließenden Stimmzählung natürlich das Übergewicht. Auf deren Spitzenmann Zuppinger entfielen 16 Stimmen, gleich viel wie auf den von beiden Seiten geschätzten Ziegelfabrikanten Jos. Anton Schertler. Kronenwirt Sohm, bisher Gemeinderat, erwischte 37 36 als neunter gerade noch den letzten Ersatzmannplatz und Rößlewirt Müller kam überhaupt nicht mehr in den Ausschuß. Die Liberalen hatten gesiegt: Das wollten die unterlegenen Konservativen, von ihren Gegnern verächtlich als Ultramontane (etwa im Sinne von hindor-om Mo) bezeichnet, nicht akzeptieren. Mit Schreiben vom 13. Sept. 1870 legten Kronenwirt Sohm und Rößlewirt Müller bei der k.k. Statthalterei Protest ein. Sie hielten dem Wahlleiter Vorsteher Maier acht Wahlvergehen vor, darunter Parteilichkeit, Zulassung von Unberechtigten, Erschwindeln von Vollmachten, einige Wähler hätten zweimal gewählt, andere wurden um ihr Wahlrecht gebracht, der Vorsitzende hat sogar einem Wähler dessen Stimmzettel zerrissen! Also Antrag auf Neuwahl. 32 Unterschriften unterstützten den Protest. Der beschuldigte Vorsteher Maier wurde von der k.k. Bezirkshauptmannschaft zur Stellungnahme aufgefordert. In seiner Rechtfertigung erklärte er in einer Vorbemerkung, ... daß sich auch in Wolfurth wie anderwerts zwei polit. Partheien gegenüber stehen, die des ultramontanen Lesekasinos, und die Parthei, welche getreu zur Verfaßung und Regierung hält.... Letztere Parthei errang bei der Gemeindewahl die Oberhand, und daher ist der vorliegende Protest nichts Anderes als der Schmerzensschrei der Casinoparthei über die erlittene Niederlage. ... Dann widerlegte er die Vorwürfe Punkt für Punkt. Darauf wies denn auch der Bezirkshauptmann den Protest zurück. Als k.k. Statthalter regierte ja immer noch der liberale Landeshauptmann Sebastian Ritter von Froschauer. Jetzt konnte endlich mit dreimonatiger Verspätung am 3. Dez. 1870 die Vorsteherwahl durchgeführt werden. Unter Vorsitz des ältesten Mitgliedes, des 67jährigen Gerbers Martin Haltmeyer, versammelten sich die 18 Gemeinde Ausschüße im Schulhaus. Vorgespräche hatten sich um Frieden bemüht. Nur so ist es zu verstehen, daß der umstrittene bisherige Vorsteher sogleich 15 der abgegebenen 18 Stimmen erhielt. Umgekehrt bekam dafür bei der Wahl der Gemeinderäte der gemäßigte Casinomann Jos. Anton Schertler 14 Stimmen und wurde damit Stellvertreter des Vorstehers. Mehr als ein Jahr lang arbeiteten die beiden nun beim Bau der neuen großen Volksschule im Strohdorf eng zusammen. Dann starb der Vorsteher plötzlich. Neuer Parteienstreit konnte beginnen. 12. Josef Anton Schertler 1872-1873 Geb. 3.8.1829, gest. 13.1.1916 Vorerst gab es keinen Streit. Unter dem Eindruck von Vorsteher Maiers plötzlichem Tod und in Anbetracht des mitten im Bau stehenden Schulhauses wählten die Gemeindevertreter in einer schon auf den 30. April 1872 anberaumten Sitzung den bisherigen ersten Gemeinderat Schertler fast einstimmig zum neuen Vorsteher. Zum Gemeinderat wurde dafür der liberale Fabrikant Zuppinger gewählt. Mit großem persönlichem Einsatz stellte Vorsteher Schertler nun das Schulhaus fertig und sorgte auch für eine gediegene Einrichtung. Eine Sammlung unter musikliebenden Bürgern erbrachte die 80 Gulden zur Anschaffung einer Fis-Harmonik. 38 Bild 17: Altvorsteher Schertlers Haus im Flotzbach Dieses allererste Harmonium bereicherte dann viele Jahre lang bis in unsere Schulzeit den Gesangsunterricht. Im Jahre 1874 bedankte sich die Gemeindevertretung offiziell bei Schertler für sein uneigennütziges Wirken beim nun abgeschlossenen Schulbau. Da hatten ihn die Liberalen aber bereits vom Vorsteheramt abgewählt. Als Gemeinderat trug er noch bis 1879 Verantwortung, bis sein jüngerer Bruder Joh. Martin Schertler jun. Vorsteher wurde. Beide waren als Söhne des (7.) Vorstehers Joh. Martin Schertler sen. im Haus C 136 (Kirchstraße 11) zur Welt gekommen.13 Für den älteren Josef Anton hatte der Vater 1851 das stolze Steinhaus C 261 gebaut (Schulstraße 1, die 1965 abgebrochene Post). Von hier aus leitete dieser nun die Schertler-Ziegeleien, an denen aber auch seine Vettern im Röhle große Anteile besaßen. Hier wuchsen auch seine tüchtigen Söhne Jakob und Lorenz heran. Mit großer Umsicht sicherte er für seine Familie einen riesigen Grundbesitz im unteren Flotzbach. Dort hatten Holzerbach und Eulentobelbach seit Jahrtausenden roten und vereinzelt auch blauen Lehm aufgeschüttet. Seit die Eisenbahn von Lindau her Kohle lieferte, war man in den Ziegeleien nicht mehr auf das teure auf der Ach aus dem Wald geflößte Brennholz angewiesen. Um das Jahr 1870 verlegte Josef Anton Schertler daher seinen Betrieb von der Ach in eine neue Ziegelhütte bei den Lehmlöchern im Flotzbach. 1874 erbaute er dort auch mit dem großen Haus C 269 (Flotzbachstr. 16, Helmuts) eine neue Zentrale für sein wachsendes Unternehmen. Dazu kaufte er 1876 noch das Nachbarhaus C 178 (Flotzbachstr. 18, Elmars). Zusammen mit seinen Söhnen Jakob und Lorenz modernisierte er den Betrieb. Durch Konrad Doppelmayr, der damals erst eine kleine Schlosserei in Hard besaß, ließ er schon 1885 eine Dampfpresse einbauen, die seiner Firma Wettbewerbsvorteile sicherte. Auch für Doppelmayr war es die allererste Dampfpresse, der bald viele für den Export folgten. Im Jahre 1916 ist Jos. Ant. Schertler gestorben. Die Wirtschaftskrise der 30er-Jahre 39
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Wolfurt 2012 01 Frü... Wolfurt 21.03.2012 19.11.2012, 18:25 wolfurt FRÜHLING 2012 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Nach einem über weite Strecken kalten Winter freuen wir uns alle auf die wärmere Jahreszeit. Man begegnet sich wieder bei der Gartenarbeit oder fachsimpelt über die anstehende Baumpflege. Die Menschen genießen die Sonne und nützen die Zeit für ein gemütliches „Schwätzchen“ mit den Nachbarn. Das Frühjahr ist aber auch die Zeit, wieder das Fahrrad aus der Garage zu holen. Die steigenden Treibstoffpreise sollten uns zusätzlich motivieren, unsere täglichen Wege mit dem Drahtesel, zu Fuß oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewältigen. Sie schonen damit nicht nur die Umwelt, sondern steigern damit Ihr körperliches Wohlbefinden. Die Gemeindevertretung hat sich zum Ziel gesetzt, die Fuß- und Radwege sukzessive zu verbessern. So sind in diesem Jahr erhebliche Mittel in dieser Budgetposition reserviert. Auch das Land Vorarlberg beteiligt sich wesentlich an der Finanzierung durch Förderungen aus dem Landesradroutenkonzept. Baugrundlagenbestimmung für die „Obere Straße“ Seit mehr als 25 Jahren sind die Gemeindeverantwortlichen bestrebt den einzigartigen Ensemblecharakter der Oberen Straße (Bregenzer Straße, Kirchstraße, Hofsteigstraße), der auch bereits Eingang in die Fachliteratur gefunden hat (zB DI Johann Peer), zu erhalten und zu stärken. Während die Erhaltung dieses Charakters in der Vergangenheit durch Verhandlungen - vor allem mit Unterstützung des Gestaltungsbeirates - mit Bauwerbern für Um- und Neubauten versucht wurde zu sichern, ist nun eine rechtliche Absicherung durch die Erlassung einer Verordnung nach § 3 Abs 2 BauG erfolgt. Es ist daher nun erforderlich, dass LiegenschaftsbesitzerInnen bei Neu und Umbauten vor Planungsbeginn bei uns im Rathaus eine entsprechende Baugrundlagenbestimmung einzuholen haben. Diese Regelung bringt Vorteile für Bauherren und die Mitarbeiter im Bauamt. Einerseits kennen die Bauwilligen die Rahmenbedingungen wie zB Baulinie, Baugrenze, Höhenlage, Dachform etc. und können bei der Planung diese entsprechend berücksichtigen. Andererseits ist der Handlungsrahmen für die Gemeindebediensteten klar geregelt. In den nächsten Monaten wird der Gestaltungsbeirat „Leitlinien“, die sich nicht nur auf die Objekte an der „Oberen Straße“, sondern auch auf den Straßenraum beziehen, Neuer Belag für Radweg an der Ach Vor einigen Jahren wurde der Fahrradweg an der Ach - von der Fa. Rädler bis zum Beachplatz - erneuert. Im Mai wird nun das restliche Teilstück auf dem Achdamm bis zur Lauteracher Ortsgrenze in Angriff genommen. Die ca. 1 km lange Strecke bekommt auf eine Breite von 3 Metern einen neuen Makadambelag. Dieser neuartige Belag ist wasserdurchlässig und sehr strapazierfähig. Er hat ähnliche Qualitäten wie Asphalt, ist aber wesentlich naturnaher und daher für Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen angenehm zu nutzen. Es freut mich, dass diese beliebte Freizeitroute damit an Qualität gewinnt und den heutigen Anforderungen gerecht werden wird. Die Arbeiten werden ca. eine Woche dauern. In dieser Zeit muss der Weg gesperrt werden. Ich bitte Sie jetzt schon um Ihr Verständnis. Die Herstellungskosten betragen ca. EUR 50.000,- und werden durch das Land mit 50% gestützt. 2 Aus dem Rathaus entwickeln. Diese werden in Zukunft als Basis für die Baugrundlagenbestimmung herangezogen. Ich bin sicher, dass es mit Hilfe der Bauwerber gelingen wird, das Juwel „Obere Straße“ zu erhalten, ja noch zu verbessern. Ich bedanke mich bei den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern heute schon für ihr Verständnis und ihre Mitarbeit. Hundehaltung bedeutet auch Pflichten! Viele Wolfurterinnen und Wolfurter sind stolze Hundebesitzer. Sie haben nicht nur viel Freude mit ihren Hunden, sondern sind sich auch über die Verantwortung für ihre geliebten Vierbeiner bewusst. Sie führen ihre Hunde an der Leine, bzw. rufen sie „bei Fuß“, wenn sie beim Spazierengehen anderen Menschen begegnen. Auch werden die von der Gemeinde kostenlos zu Verfügung gestellten Hundesäcken ordnungsgemäß entsorgt. Diesen Hundehalterinnen und Hundehaltern gebührt mein aufrichtiger Dank. Leider gibt es auch welche, die sich nicht an die Spielregeln halten, die ihre Hunde überall ihr Geschäft erledigen lassen, bzw. die Hundesäckchen in der nächsten Wiese entsorgen. Wir stellen fest, dass viele ihre Hunde nicht bei der Gemeinde anmelden. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben, zumal die Gebühren in Wolfurt sehr gering sind und damit die Infrastruktur (Hundesäckchen und -stationen etc.) finanziert wird. Für solche Praktiken habe ich überhaupt kein Verständnis. Ich richte daher meinen Aufruf an jene, die ihren bürgerlichen Pflichten diesbezüglich noch nicht nachgekommen sind. Nur wenn wir alle unseren Beitrag leisten, gibt es ein friedliches und harmonisches Miteinander, ohne dass wir weitere Vorschriften und Maßnahmen veranlassen müssen. Ich bedanke mich für Ihre Mitarbeit und wünsche Ihnen noch viel Freude mit ihren Vierbeinern. Spiel- und Freiraumkonzept - Terminankündigung Das letzte Jahr stand unter anderem im Zeichen des Spiel- und Freiraumkonzeptes. Unter großer Beteiligung von Jugendlichen, der Kindergärtler und Schüler wurden Spiel- und Lieblingsorte festgehalten und neu entdeckt. In Wolfurt sollen sich Kinder, Jugendliche und die Familien wohl fühlen! Am Weltspieltag, dem 28. Mai 2012 (Pfingstmontag), wird das Wolfurter Spiel- und Freiraumkonzept vorgestellt. Einen ganzen fröhlichen Tag lang sollen mit möglichst vielen verschiedenen Aktionen und Kinder-Familien-Straßenfesten (siehe Seite 43 ) neue und alte Spiel- und Aufenthaltsorte erlebt werden. Dabei hoffen wir auf die rege Beteiligung der Bevölkerung - Informationen gibt es im Rathaus/Bürgerservice oder bei Angelika Moosbrugger, Tel. 0664/4672441. Eröffnung Geschiebesperre Rickenbach Seit jeher ist Rickenbach der am stärksten vom Hochwasser gefährdetste Ortsteil unserer Marktgemeinde. Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ca. EUR 1,3 Mio. - Anteil der Gemeinde Wolfurt annähernd EUR 300.000,- wurde oberhalb der Gunz-Mühle durch die Wild- und Lawinenverbauung eine gewaltige Geschiebesperre errichtet. Unsere Rickenbacher Bürgerinnen und Bürger sollten nun auch bei Starkniederschlägen wieder ruhig schlafen können. Die Geschiebesperre wird im Rahmen eines kleinen Dorffestes am Sonntag, den 3. Juni 2012, feierlich eröffnet. Nutzen Sie die Möglichkeit, dieses für Wolfurt doch ungewöhnliche Bauwerk zu besichtigen. Wir freuen uns auf Ihren zahlreichen Besuch. Eine entsprechende Information erfolgt zeitgerecht. Ich freue mich mit Ihnen auf ein schönes Frühjahr! Euer Bürgermeister Christian Natter Aus dem Rathaus 3 Kostenlose Beratung in Grundstücks- und Immobilienangelegenheiten: Richard Richter, der gerichtlich beeideter Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürgern und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: Rathaus Wolfurt 18:00 - 20:00 Uhr > Mittwoch, 18. April 2012 > Mittwoch, 30. Mai 2012 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister: Eveline Freter, Hilfestellung zur körperlichen Ausgewogenheit mittels der Methode von Dr. Bach, Wuhrweg 3, EMC GmbH, Unternehmensberatung, Rutzenbergstraße 41, Markus Karg, Gärtner, Grenzstraße 44, Ömer Palta, Gastgewerbe, Dornbirner Straße 5, Inge Brouwer, Hilfestellung zur körperlichen Ausgewogenheit mittels div. Anwendungsmethoden, Flotzbachstraße 3/2, Wilfried Studer, Filmproduktion und Herstellung von Multimediaprodukten, Feldeggstraße 25c, Werner Böhler, Handelsgewerbe, Kirchstraße 33, Sezai Avsar, Handelsgewerbe, Fattweg 7a bergstraße 29, Durmus Yildiz, Güterbeförderung und Dolmetscher, Brühlstraße 25, Kühl Alge Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, Erzeugung von Kühlmöbeln und Kühlaggregaten sowie Handelsgewerbe, Bahnhofstraße 4, „rasch4you“ Rackette & Schwendinger OG, Datenverarbeitung und Informationstechnik sowie Handelsgewerbe, Lauteracher Straße 1, Roland Schwendinger, Datenverarbeitung und Informationstechnik, Albert-Loacker-Straße 62c Unternehmensberatung, Geschäftsführer: Mag. Markus Schrentewein, Holzriedstraße 29, MD Getränke GmbH, Handelsgewerbe, Geschäftsführer: Helmut Schmid, Nelkenweg 8, Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Anbieter persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten, Geschäftsführer: Ing. Oliver Attensam, Holzriedstraße 33 Löschung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers: PROFIMED Betriebs GesmbH, Herstellung und Aufbereitung von Medizinprodukten, Geschäftsführer: Kurt Franz Immler, Brühlstraße 17a, DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung und Cable Car Anlagen für Transport von Personen und Gütern, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück, Holzriedstraße 29, DCC Management GmbH, Unternehmensberatung, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück, Holzriedstraße 29, Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Anbieter persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten, Geschäftsführer: Michael Mießgang, Holzriedstraße 33, PROFIMED Vertriebs GesmbH, Herstellung und Großhandel von Arzneimitteln, Geschäftsführer: Kurt Franz Immler, Brühlstraß 17a, MD Getränke GmbH, Handelsgewerbe, Geschäftsführer: Elmar Hermann Schneider, Nelkenweg 8 Verlegung einer Betriebstätte an einen anderen Standort: Viiola Divincova, Personenbetreuung, von Rankweil nach Wolfurt, Kesselstraße 10, Renata Ivanovicova, Personenbetreuung, von St. PeterFreienstein nach Wolfurt, Kesselsiedlung 20, Emilia Kurucova, Personenbetreuung von Lochau nach Wolfurt, Lorenz-Schertler-Straße 18, „COMPACT“ Power Plant Products, Handelsgewerbe, von Bregenz nach Wolfurt, Bahnhofstraße 8a, Stanislav Hrinda, Personenbetreuung, von Bregenz nach Wolfurt, Wälderstraße 3/2, Edita Berillova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Lorenz-Schertler-Straße 18 nach Bregenz, Christiane Gliebe, Lebens- und Sozialberaterin, von Wolfurt, Unterlinden 4e nach Dornbirn, Maria Cselenyiova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Im Wide 18/1 nach Wolfurt, Achstraße 41/1, Rohner Thomas Zeltverleih GmbH, von Wolfurt, Achstraße 41, nach Wolfurt, Albert-Loacker-Straße 8, Manfred Gasser, Tischler und Handelsgewerbe, von Wolfurt, Schlattweg 7a nach Wolfurt, Kesselstraße 9, Marcel Prasch, Versicherungsagent, von Wolfurt, Konrad-Dopplmayr-Straße 17/2, nach Bludenz, „inet“-logistics GmbH, Datenverarbeitung und Informationstechnik, von Wolfurt, Holzriedstraße 29 nach Dornbirn, Claudia Maria Brunner, Werbegrafikerin, von Schwarzach nach Wolfurt, Rickenbacherstraße 20b, Ludmilla Drefkova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Flotzbachstraße 13 nach Hard, Edita Lopuchova, Personenbetreuung, von Wolfurt Kesselstraße 10 nach Steinach Änderungen des Firmenwortlautes: Von Attensam Meisterfix Hausbetreuungs GmbH zu Attensam T / V Hausbetreuung GmbH, Anbieten persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten, Holzriedstraße 33, von Kühl Alge Gesellschaft m.b.H. & Co. zu Kühl Alge Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, Erzeugung von Kühlmöbeln und Kühlaggregaten sowie Handelsgewerbe, Bahnhofstraße 4, von N. Berchtold Gesellschaft m.b.H. zu Berchtold GmbH, Zimmermeister, Wiesenweg 105 Gewerbelöschungen: Mag. Dagmar Friedle-Noventa, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Seminaren, Rutzenbergstraße 11, Lucia Hedwig Geiger, Warenpräsentation, Brühlstraße 8, Udo Stimpfl, Handelsgewerbe, Unterhub 1a, Andrea Giesinger, Güterbeförderung mit Kraftfahrzeugen bis 3.500 kg, Kesselstraße 34, Eva Maria Geiger, Warenpräsentation, Dorfweg 10, Karl Ladurner, Baumeister, Bregenzer Straße 14a, Yvon del Valle Gomez, Handelsgewerbe, Engerrütte 18, Thomas Feuerbacher, Güterbeförderung mit Kraftfahrzeugen, Bützestraße 24, Mürfet Yilmaz, Vermittlung von Kunden zu Buchmachern / Wettbüros, Achstraße 2, Melanie Schmuck, MSc, Warenpräsentation, Rutzen- Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftführers: PROFIMED Betriebs GesmbH, Herstellung und Aufbereitung von Medizinprodukten, Geschäftsführer: Bernd Immler, Brühlstraße 17a, DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung und Cable Car Anlagen für Transport von Personen und Gütern, Geschäftsführer: Mag. Markus Schrentewein, Holzriedstraße 29, DCC Management GmbH, 4 Aus dem Rathaus Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Auszahlung Heizkostenzuschuss Marktgemeinde Notaren Wolfurt 2007 / 2008 139 Antragsteller à € 208,= Gesamt € 28.704,__________________________________ Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 1. Quartal 2012 im Fundamt abgegeben wurden: diverse Schlüssel Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb 2008 / 2009 278 Antragsteller à € 250,= Gesamt € 69.500,__________________________________ Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 02. Mai 2012, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 06. Juni 2012, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 04. Juli 2012, Dr. Wolfgang Hirsch ___________________________________ 2009 / 2010 267 Antragsteller à € 250,= Gesamt € 66.750,__________________________________ 2010 / 2011 236 Antragsteller à € 250,= Gesamt € 59.000,__________________________________ Bürgermeister- bzw. Wohnungssprechstunden Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. __________________________________ Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 16. Mai 2012, Dr. E. Michel ___________________________________ 2011 / 2012 253 Antragsteller à € 250,= Gesamt € 63.250,Stefan Fischer, Leiter Bürgerservice Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Sprechstunden von Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 18. April Mittwoch, 02. Mai (Achtung verkürzte Sprechstunde von 18:00 – 19:00 Uhr) Mittwoch, 16. Mai Mittwoch, 30. Mai Mittwoch, 13. Juni Mittwoch, 27. Juni __________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Vorinformation zu Vermessungsarbeiten Auch dieses Jahr werden in unserem Gemeindegebiet im Zuge der jährlichen GIS-Nachführung wieder div. Neubauten, Zubauten und Veränderungen bei Gebäuden vermessen. Früher wurden diese Vermessungsarbeiten von den VKW durchgeführt. Auf Wunsch der Vorarlberger Landesregierung werden die Vermessungsarbeiten an Privatunternehmen mittels Ausschreibung vergeben. Voraussichtlich wird im April – Juni mit den Arbeiten begonnen. Wir bitten die Bevölkerung um Unterstützung und Verständnis, da meistens auf Privatgrund Zutritt gewährt werden muss. Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 28. März Mittwoch, 11. April Mittwoch, 25. April Mittwoch, 09. Mai Mittwoch, 23. Mai Mittwoch, 06. Juni Mittwoch, 20. Juni __________________________________ Wir bitten um Verständnis, dass in den Osterferien (31.03. - 10.04.2012) keine Sprechstunden stattfinden. Aus dem Rathaus 5 Wissenswertes ab 2012 Pensionsanpassung: Die Pensionen bis brutto € 3.300,- wurden für das Jahr 2012 um 2,7% erhöht. Pensionen mit einem Stichtag im Jahre 2011 werden erst 2013 angepasst. Mindestsicherung: Wenn Menschen in eine finanzielle Notlage geraten und ihren Bedarf an „Kernleistungen“ mit ihrem Einkommen bzw. Vermögen nicht mehr abdecken können, unterstützen das Land Vorarlberg und die Gemeinden diese mit einer Mindestsicherung. Unter Kernleistungen sind zu verstehen: > Lebensunterhalt (Nahrung, Bekleidung, Körperpflege, Hausrat, Heizung, Strom und weitere persönliche Bedürfnisse) > Wohnen (Miete, Betriebskosten) > Schutz bei Krankheit, Schwangerschaft und Entbindung (Krankenversicherung) > Übernahme der Unterkunfts- und Verpflegskosten in Alten- bzw. Seniorenheimen > Bestattung Richtsätze für Ausgleichszulage: Pensionist(in), alleinstehend € 814,82 Familienrichtsatz € 1.221,68 Erhöhungsbetrag pro Kind € 125,72 Familienzuschuss: Der Familienzuschuss des Landes steht für die Wertschätzung der Familie, die finanzielle Entlastung wie der Wahlmöglichkeit zwischen beruflichem Wiedereinstieg und Familienarbeit. Der Familienzuschuss liegt monatlich zwischen € 44,90 und € 459,20, je nach dem sogenannten gewichteten „Pro-KopfEinkommen“ der Familie. Das heißt, die Höhe des Zuschusses richtet sich nach dem Familien-Nettoeinkommen und der Zahl der Familienmitglieder. Pflegegeld: Mit dem Pflegegeldreformgesetz 2012 wurde die Gesetzgebung- und Vollziehungskompetenz von den Bundesländern an den Bund übertragen, was bedeutet, dass Bezieher(innen) eines Landespflegegeldes in den Zuständigkeitsbereich der Pensionsversicherungsanstalt bzw. der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter wechseln. Das Pflegegeld wird unabhängig vom jeweiligen Einkommen und Vermögen bezahlt. > Stufe 1 € 154,20 > Stufe 5 € 902,30 > Stufe 2 € 284,30 > Stufe 6 € 1.260,00 > Stufe 3 € 442,90 > Stufe 7 € 1.655,80 > Stufe 4 € 664,30 Zuschuss zum Pflegegeld bei ambulanter Pflege: Rezeptgebührenbefreiung: Die Rezeptgebühr beträgt derzeit € 5,15 pro Medikament. Bezieher von Ausgleichszulage sind von der Rezeptgebühr befreit. Für alle Versicherten wird die jährliche Rezeptgebührenbelastung automatisch mit 2% des Nettoeinkommens begrenzt. Bezieher(innen) eines Pflegegeldes der Stufen 5, 6 oder 7, die überwiegend zu Hause von Angehörigen oder Nachbarn gepflegt werden, erhalten weiter vom Land einen Zuschuss zum Pflegegeld von monatlich € 100,00, welcher zwölf Mal jährlich ausbezahlt wird. Weiterversicherung für pflegende Angehörige: Personen, die unter erheblicher Beanspruchung ihrer Arbeitskraft in häuslicher Umgebung eine(n) nahe(n) Angehörige(n) mit Anspruch auf Pflegegeld ab der Stufe 3 pflegen, können sich kostenfrei in der Pensionsversicherung weiterversichern. Stefan Fischer, Leiter Bürgerservice 6 Aus dem Rathaus Dienstjubiläen bei der Gemeinde Anlässlich der Weihnachtsfeier 2011 konnten zwei langjährige Gemeindebedienstete die Gratulationen zum 25-jährigen bzw. 30-jährigen Dienstjubiläum entgegennehmen: Margot Meusburger beendete 1977 ihre Ausbildung am Institut St. Josef mit Auszeichnung. Gleich nach der Schule übernahm sie die Leitung des Kindergartens Strohdorf, bis sie nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 1982 aus dem Beruf ausschied. Im Zuge der Umstellung vom Schicht- zum Regelkindergarten trat Margot Meusburger 1991 wieder in den Gemeindedienst ein und übernahm halbtägig die Leitung einer Gruppe am Kindergarten Bütze. Nach dem Wechsel in den damals neuen Kindergarten Dorf übernahm sie 1998 dessen Leitung, die sie bis 2009 ausübte. Über eigenen Wunsch gab sie die Leitung ab. Neben ihrer Tätigkeit im Kindergarten ist Margot eine nicht wegzudenkende Stütze des Spielzeugmuseums. Bereits auf 30 Jahre im öffentlichen Dienst kann Peter Wagner als Schulwart an der Volksschule Mähdle zurückblicken. Im Jahr 1981 kam Peter Wagner zur Marktgemeinde Wolfurt und ist seit damals ununterbrochen als Schulwart an der Volksschule Mähdle tätig. Neben unzähligen Schülern hat er nun auch mehrere Lehrer- und auch Direktorengenerationen miterlebt. Eine ganz besondere Herausforderung war sicherlich die Sanierung der Mähdleschule. Im Zuge der darauf folgenden Neuorganisation übernahm Peter Wagner auch die Betreuung des Feuerwehrhauses, des Kindergartens Rickenbach und mehrerer anderer Lokalitäten. Auch diese sicherlich nicht leichte Umstellung hat Peter Wagner mit Bravour gemeistert. Bürgermeister Christian Natter bedankte sich bei den Geehrten für die Betriebstreue und wünschte ihnen weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit zum Wohle der Bevölkerung. Aktuelle Zahlen aus dem Rathaus 2007 2008 2009 2010 2011 _________________________________________________________________________________________________________________ Gemeldete Personen (inkl. weiterem WS) 8373 8378 8362 8374 8510 _________________________________________________________________________________________________________________ Geburten gesamt 92 80 81 87 89 _________________________________________________________________________________________________________________ davon Österreicher 82 75 68 80 78 _________________________________________________________________________________________________________________ davon Ausländer 10 5 13 7 11 _________________________________________________________________________________________________________________ Sterbefälle gesamt 54 60 55 52 57 _________________________________________________________________________________________________________________ Eheschließungen 17 39 31 38 24 _________________________________________________________________________________________________________________ Aus dem Rathaus 7 Bautätigkeiten 2011 2010 2009 2008 2007 _________________________________________________________________________________________________________________ 19 12 16 22 Einfamilienhäuser Neubauten 12 5 2 1 3 1 Mehrfamilienhäuser 1 2 4 2 2 Betriebsgebäude _________________________________________________________________________________________________________________ Zu- und Umbauten Sonstige Bescheide 47 36 31 17 11 Wohnhauszu- und -umbauten 6 3 4 9 11 Betriebsgebäudeum- und -zubauten _________________________________________________________________________________________________________________ 21 13 22 19 24 40 3 24 21 23 19 22 144 5 15 12 29 12 36 78 7 22 24 34 24 28 20 1 17 32 25 23 37 17 2 Grundteilungen Kanalanschlussbescheide Kanalbeitragsbescheide Wasseranschluss - Mitteilungen Wasseranschlussbeitragsbescheide Althaussanierungsanträge Schallschutzfenster Haben Sie für Ihren Urlaub bereits einen gültigen Reisepass? So kommen Sie zu Ihrem neuen Reisepass bzw. Personalausweis: > Beantragen Sie - wem Sie Ihren Hauptwohnsitz in Wolfurt haben - bei der Bürgerservicestelle zeitgerecht Ihren Reisepass bzw. Personalausweis. > Für die Erstausstellung eines Reisepasses bzw. Personalausweises bringen Sie bitte folgende Urkunden mit: > Geburtsurkunde > Staatsbürgerschaftsnachweis > Heiratsurkunde > Für minderjähr. Kinder aus geschiedener Ehe - Obsorgebeschluss und Scheidungsurteil mit Rechtskraftsdatum > Für minderjähr. Kinder - muss ein Elternteil als gesetzl. Vertreter mitkommen und einen Reisepass vorlegen. > Foto vom Fotografen (darf nicht älter als 6 Monate sein) Diese Unterlagen - ausgenommen aktuelles Foto, Reisepass - sind nicht erforderlich, falls Sie im Besitzes eines Reisepasses sind, welcher nicht länger als 5 Jahre abgelaufen ist. Bei jedem Grenzübertritt wird ein Reisedokument benötigt. Dies gilt auch bei Reisen in Schengen-Staaten und auch bei kurzen Fahrten ins Ausland. Reisedokument ist der Reisepass oder bei Reisen innerhalb der EU auch ein gültiger Personalausweis. Es wird empfohlen, für Kinder einen eigenen Reisepass anfertigen zu lassen, da immer mehr Staaten die Eintragung des Kindes im Reisepass der Eltern für eine Einreise nicht mehr akzeptieren. Beachten Sie dazu bitte die Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes (siehe Internet www.bmaa.gv.at). Wird für das Kind ein eigener Reisepass ausgestellt, so sind alle Pässe, in denen das Kind eingetragen ist, der Behörde zur Streichung der Kindermiteintragung vorzulegen. Miteingetragene Kinder dürfen nur mit der Person aus- und einreisen, in deren Reisepass sie eingetragen sind. Bei Auslandsreisen mit anderen Begleitpersonen als den Pflege- und Erziehungsberechtigten ist ein eigener Reisepass erforderlich. Achtung Änderung - Miteintragung von Kindern nur mehr bis 15. Juni 2012 gültig. Bereits seit 15. Juni 2009 sind Kindermiteintragungen im Pass der Eltern nicht mehr möglich. Vorher gemachte Eintragungen gelten nur mehr bis 15. Juni 2012. Jedes Kind braucht daher verpflichtend seinen eigenen Reisepass als Reisedokument. Auch wenn der Pass der Eltern noch länger gültig ist. Die Gültigkeit des Reisepasses der Eltern - mit der Kindermiteintragung - bleibt davon unberührt. Er gilt weiter bis zum darin gedruckten Ablaufdatum. 8 Aus dem Rathaus 2011 2010 2009 2008 2007 _________________________________________________________________________________________________________________ Sonstige Bewilligungen: _________________________________________________________________________________________________________________ 13 49 49 1 8 0 1 0 59 71 20 11 49 76 8 9 0 11 3 27 79 32 13 43 100 1 9 1 5 11 24 80 24 16 49 126 4 13 2 2 6 18 52 16 22 53 66 13 0 1 8 13 32 58 Planabweichungen Mängelbescheide (Benützungsbewilligungen) Sonstige Bauwerke/Bescheide Einstellung von Baumaßnahmen Bauanzeigen/Baufreigabebescheide Heizungsbewilligungen Abbruchbewilligungen bzw. Anzeigen Werbe- und Hinweistafeln Solaranlagen bzw. Fotovoltaikanlagen (werden inzwischen häufig zusammen mit der Neubaubewilligung und der Rest ebenfalls mittels Freigabebescheid erledigt) Urgenzen von Bescheidauflagen Urgenz von Fertigstellungsmeldungen Gemeindebudget 2012 Das Budget für das Jahr 2012 wurde am 25.01.2012 in der Höhe von EUR 21,17 Mio. (Vorjahr EUR 19,55 Mio.) einstimmig von der Gemeindevertretung beschlossen. Die leichte Erholung der wirtschaftlichen Situation lässt eine bessere Einnahmen-Situation erwarten, was uns in der Umsetzung von verschiedenen Projekten entgegenkommt. So beträgt das Investitionsvolumen in diesem Jahr beinahe € 5 Mio. Alleine in die Verbesserung der Hochwassersituation werden 2012 fast € 2.2 Mio. investiert. Schuldenstand Durch den bewussten Umgang mit den zur Verfügung stehenden Mitteln ist es auch heuer nicht notwendig, neue Darlehen aufzunehmen. Die Rückzahlungen im laufenden Jahr belaufen sich auf ca. € 230.000,- und reduzieren unseren Schuldenstand auf € 1,19 Mio. Die Pro-Kopf Verschuldung beträgt dann ca. € 145,-- und zählt zu einer der Niedrigsten im Lande. Beiträge an das Land 2.078.600,-- € 1.260.500,-- € 880.000,-- € 93.100,-- € Sozialhilfe-Umlage Landesumlage Spitalbeiträge für Wolfurter Bürgerinnen und Bürger Beitrag für Wohnbauförderung Gebühren und Abgaben Im Jahr 2012 hat es für die Marktgemeinde Wolfurt keine Gebührenerhöhung gegeben, da wir stets bemüht sind, die Tarife für unsere Bürger so niedrig wie möglich zu halten. Die Gebühren in Wolfurt zählen, im Vergleich zu anderen Gemeinden, immer noch zu den Günstigsten. Die wesentlichsten Aufwändungen: 2.189.900,-- € 635.000,-- € 545.000,-- € 489.500,-- € 444.400,-- € 311.900,-- € 100.000,-- € Hochwasserschutzbau Wasser- und Kanalnetz Hockeyhalle Straßenbau Förderung Landbus Direkte Vereinsförderung Konzept Strohdorfareal Bürgermeister Christian Natter, Finanzreferent Aus dem Rathaus 9 Hockeyarena an der Ach Nach langer, mehrjähriger Vorarbeit und Planung gab die Gemeindevertretung im vergangenen Dezember grünes Licht für den Bau der Rollhockeyhalle an der Ach. Die neue Halle ist ein lang gehegter Wunsch der beiden Wolfurter Hockeyvereine, dem Rollhockeyclub Wolfurt und den Wolfurt Walkers. Beide Vereine spielen in Österreich und der Schweiz in den höchsten Ligen und sind auch auf der europäischen Ebene vertreten. Die neue Sportstätte wird einen sportlichen Qualitätszuwachs bringen und ermöglicht nicht nur den Kampfmannschaften einen ganzjährigen Spielund Trainingsbetrieb. Auch der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit beider Vereine kommt sie sehr zugute. Nachdem die letzten Hürden (Landschaftsschutz, Österr. Institut für Schul- und Sportstättenbau), aber auch Probleme mit der Bodenbeschaffenheit für die Fundamente abgeklärt wurden, konnte mit dem Bau der Halle nun doch endlich gestartet werden. Die neue Halle, eine statisch herausfordernde Drei-Gelenks-Bogenkonstruktion, wird von der Firma Holzbautechnik Sohm und der Baufirma Moosbrugger errichtet. Der Bau wird begleitet von Baumeister Thomas Fohn und Alexander Wohlmuth vom Bauamt in der Gemeinde. Bereits nach dem offiziellen Spatenstich am Aschermittwoch wurde umgehend mit den Bauarbeiten angefangen. Nach dem Errichten der Fundamente und den Asphaltierungsarbeiten wird mit der Holzleimbinderkonstruktion begonnen. Wenn es die Witterung zulässt, sollte aufgrund des erstellten Bauzeitplans die Halle bis im Mai errichtet sein. Beide Vereine werden dann den Innenausbau der Halle (Boden, Banden, Tribüne, Zusatzelektrik und Spielerbänke) finanzieren bzw. in Eigenregie bewerkstelligen. In das Projekt werden insgesamt 600.000,Euro investiert, wobei die Gemeinde mit 450.000,- Euro den Löwenanteil übernimmt. Der Restbetrag wird durch Förderungen und Eigenleistungen der Vereine abgedeckt. Mit einer entsprechenden Eröffnungsfeier im Frühsommer, der Termin wird noch abgestimmt, wird die neue Sportstätte feierlich eingeweiht und den beiden Hockeyvereinen offiziell übergeben. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur und Sport 10 Gemeindepanorama Seniorenheim Wolfurt Wechsel der Pflegedienstleitung im Seniorenheim Am 15.12.2011 wurde unsere langjährige Pflegedienstleitung, Frau Birgit Richter, in Anwesenheit von Bgm. Christian Natter, GR Elisabeth Fischer und zahlreicher Mitarbeiter im Rahmen eines kleinen Festes in die Pension verabschiedet. Frau Richter hatte die Pflegedienstleitung im Seniorenheim seit 11 Jahren inne und hat das Heim in dieser Zeit auf einen erfolgreichen Kurs gebracht. So waren wir u.a. das erste Haus in Europa, welches die Zertifizierung für das ”Psychobiographische Pflegemodell nach Prof. Erwin Böhm” für das gesamte Haus und nicht nur für einzelne Teilbereiche erreicht hat. Außerdem wurde das Seniorenwohnheim Kennelbach unter der Leitung von Frau Richter zu einer wertvollen Stütze für unsere Klienten, als auch für die Gemeinden Kennelbach und Wolfurt, sowie unsere Sozialdienste Wolfurt gGmbH. Dies sind nur zwei Aufzählungen der Tätigkeiten von Frau Richter viele hat sie positiv erledigt. Wir wünschen Frau Richter für ihren neuen Lebensabschnitt alles erdenklich Gute! Zu ihrer Nachfolgerin wurde DGKS Gerda D’hondt bestellt. Gerda D’hondt war seit 2005 Stationsleitung im Wohnbereich OG und seit 2008 stv. Pflegedienstleitung, kennt also unser Haus, unser Pflegemodell und sowohl unsere Bewohner/innen als auch unsere Mitarbeiter/innen. Wir wünschen Gerda D´hondt viel Kraft, Energie und Liebe in ihrem neuen Aufgabenbereich. wobei auch heuer wieder ein fehlerloser Aufbau präsentiert wurde. Aufgestellt wurde dieses Meisterwerk wie gewohnt in perfekter Manier von Klettels Toni, Feuerstein Michel und Schwärzler Edwin. Organisiert wurde dies vom Obmann der Funkenzunft, Harald Greber, und das Feuerwerk wurde dankenswerterweise von Gerold Pointner als Spende zur Verfügung gestellt. Unsere BewohnerInnen waren schon alle versammelt, als pünktlich um 16:45 Uhr der Funken entzündet wurde. Speziell freute uns die Anwesenheit unseres Bürgermeisters Christian Natter und unserer GR für Soziales, Elisabeth Fischer, sowie einiger Bediensteten des Rathauses. Bgm. Christian Natter eröffnete den Funken, der wie üblich von ehrenamtlichen Musikern/innen umrahmt wurde. Unsere Küche präsentierte ausgezeichnete Funkenküchle, Funkenschübling sowie Glühwein, insgesamt waren ca. 150 Personen anwesend. Um ca. 17:45 Uhr wurde das Feuerwerk zur Freude aller Anwesenden angezündet. Ich darf mich namens unserer BewohnerInnen bei den Mitwirkenden der Rickenbacher Funkenzunft, der Feuerwehr Wolfurt sowie Gerold Pointner herzlich für ihre Arbeit zum Wohle unserer BewohnerInnen bedanken. Mag. Erich Gruber, Geschäftsführer Sozialdienste „Gumpiger Donnerstag“ im Seniorenheim Am 16. Februar 2012 war es wieder einmal so weit: die „Wolfurter Läbbe“ beehrten unser Seniorenheim und veranstalteten das mittlerweile schon zur Institution gewordene Kaffeekränzchen, wobei sie unsere Bewohner/innen mit Musik, Speis’ und Trank verwöhnten. Heuer wurde dieses Fest mit einer tollen Gesangseinlage (alte „Gassenhauer“) der MS Wolfurt unter der Leitung von Hubert Sinz umrahmt. Außerdem wurde kräftig das Tanzbein zur Musik von „Oskar“ geschwungen. Den „Läbbe“ mit ihrem Chef Hans-Peter Mathis an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die Abwechslung und die schönen Stunden, die sie unseren Bewohner/Innen bereitet haben. „Funken“ im Seniorenheim Am 24. Februar 2012 fand zum siebten Mal unser „Funken“ im Seniorenheim statt. Wie immer errichtete die „Rickenbacher Funkenzunft“ einen Funken bei uns im Garten, Gemeindepanorama 11 Kundmachung - Jagdvollversammlung Einladung zur 24. Vollversammlung der Genossenschaftsjagd Wolfurt Die Vollversammlung 2012 der Genossenschaftsjagd Wolfurt wird gemäß § 4 der Genossenschaftssatzungen auf Dienstag, 08. Mai 2012, um 19:00 Uhr, im Gasthaus „Adler“ einberufen. Tagesordnung: 1. Mitteilungen __________________________________________________________________________ 2. Vorlage der Jahresrechnung 2011/2012 und Verwendung des Jagdpachtertrages __________________________________________________________________________ 3. Bestellung von Rechnungsprüfern __________________________________________________________________________ 4. Genehmigung der Verhandlungsschrift der 23. Vollversammlung vom 17.05.2011 __________________________________________________________________________ 5. Allfälliges Hinweis: Ist die Vollversammlung zum festgesetzten Zeitpunkt nicht beschlussfähig, so wird sie nach Ablauf einer halben Stunde bei unveränderter Tagesordnung ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder und der auf die Mitglieder entfallenden Stimmen beschlussfähig. Bürgermeister Christian Natter „Rätscho“ in Rickenbach - ein alter Brauch Von Gründonnerstag Abend bis Karsamstag Abend gedenken wir dem Leiden und Tod von Jesus Christus. Er starb am Kreuz und ist drei Tage später auferstanden. In dieser Zeit werden als Gedenkzeichen keine Glocken geläutet. Es heißt, die Glocken seien nach Rom geflogen. Stattdessen gehen die „Rätscher“ durch Rickenbach und ersetzten das Läuten der Glocken. Es darf mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass dieser aus dem Mittelalter überlieferte Brauch zwischen 1500 und 1550 hier eingeführt wurde. Seit den 1930er Jahren ist das „Rätscho“ jedenfalls so organisiert, wie wir es in Rickenbach heute noch betreiben. Aus Erzählungen älterer Mitbürger hat unser „Heimatforscher“ Richard Eberle erfahren, dass die Ministranten des Dorfs zu den festgelegten Stunden vor der Kirche „rätschten“, die Ministranten aus Hub und Strohdorf zogen gemeinsam durch ihre Parzellen, und die Rickenbacher durch ihr „Dorf“. So treffen sich auch heuer wieder die „Rätscher-Moatla und Buobo“ mit ihrer eigenen, mitgebrachten „Rätscho“ bei der Kapelle Rickenbach am Gründonnerstag um 18:00 Uhr, um durchs Rickenbacher Dorf zu ziehen. Neue Gesichter sind gerne gesehen! Die „Rätscho“-Zeiten sind: Neue Gesichter sind gerne gesehen! Gründonnerstag: 18:00 Uhr ___________________________________________________________________________ Karfreitag: 06:00, 11:00 und 18:00 Uhr ___________________________________________________________________________ Karsamstag: 06:00 und 11:00 Uhr ___________________________________________________________________________ Die „Rätscho – Moatla und Buabo“ ziehen zu diesen Zeiten jeweils für ca. 1 Stunde durch Rickenbach und verdienen sich so ihren „Rätscher“-Lohn. Alle Spenden und Süßigkeiten des gemeinsamen „Rätscher“-Lohnes werden anschließend unter den „Rätschern“ gerecht aufgeteilt. Peter Pirmin 12 Gemeindepanorama 2. Wolfurter Radtage am 30. März 2012 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Wolfurter Marktplatz Mit tollem Kinderprogramm Die Models geben hier schon einen Einblick, wie attraktiv faire Mode ist. Ob in der Freizeit oder im Alltagsverkehr - Radfahren liegt im Trend. Denn wer regelmäßig in die Pedale tritt, steigert die persönliche Fitness, schützt die Umwelt und schont angesichts steigender Treibstoffpreise auch die eigene Geldtasche. Da Wolfurt in der glücklichen Lage ist, gleich über zwei kompetente Fahrradfachgeschäfte zu verfügen, ist dies für die Gemeinde Anlass genug, in Zusammenarbeit mit diesen Fachgeschäften die 2. Wolfurter Radtage zu organisieren. > FAHRRAD Wettbewerb 2012 Melden Sie sich zum FAHRRAD Wettbewerb an und lassen Sie sich um 5,- € einen hochwertigen Fahrradcomputer auf ihr Fahrrad montieren. Alle Teilnehmer des FAHRRAD Wettbewerbs, die bis Mitte September mehr als 100 Kilometer sammeln, nehmen an der Verlosung attraktiver Preise teil. ______________________________________________________ > Frühjahrsputz fürs Fahrrad Lassen Sie Ihr Fahrrad von den Mitarbeitern der Firma Integra auf Hochglanz polieren ______________________________________________________ > Fair Trade Mode - schick und modebewusst auch mit dem Fahrrad – tolle Modeschau, u. a. präsentiert von unserem Bürgermeister, ab 15:30 Uhr > Versteigerung der Fundräder Steigern Sie mit bei der Versteigerung der Wolfurter Fundräder. Beginn: im Anschluss an die Modeschau. Besichtigung bereits ab 14:00 Uhr möglich ______________________________________________________ > Rad-Fahrschule - Geschicklichkeitstraining Überprüfung der richtigen Helmeinstellung Kinder können ihre Geschicklichkeit und Balance auf dem Fahrrad testen ______________________________________________________ Wir freuen uns auf Eure Teilnahme und einen gemeinsamen Start in die Fahrrad-Saison. GR Yvonne Böhler und GR Robert Hasler Umwelt 13 Fahrradfest im Grünen Frühling, lass die Räder blühen! Den Radfrühling feiern die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gemeinsam am 28. April 2012 mit einem großen Fahrradfest im Freien beim Bauhof Schwarzach. Ein buntes Programm für Klein und Groß macht auf die vielen Möglichkeiten per Fahrrad aufmerksam. Gemeinsam radeln Die Sternfahrt aus den plan-b Gemeinden hat sich zu einem Hit entwickelt. Das gemeinsame Unterwegssein mit anderen begeisterten RadfahrerInnen und in Polizeibegleitung macht einfach Spaß. Die Sternfahrt startet aus jeder plan-b Gemeinde, schon die Anreise macht damit Laune auf ein gemeinsames Radfest. Radfrühlingsfest im Grünen: 28. April 2012, ab 11:00 bis 16:00 Uhr Schwarzach, Bauhof Die Veranstaltung findet bei jeder Witterung statt. Weitere Informationen auf www.mobilplanb.at. Dieses Projekt wird im Rahmen des klima:aktiv mobil Förderprogramms aus Mitteln des Klima- und Energiefonds als Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz im Verkehr gefördert. Robert Hasler, Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Treffpunkt für die Sternfahrt nach Schwarzach: Cubus Wolfurt 10:45 Uhr Fahrradbörse Als attraktive Verkaufsplattform wartet die Radbörse auf Käufer und Verkäufer. Hunderte Fahrräder haben hier in den letzten Jahren den Besitzer gewechselt. Wer sein Fahrrad nicht mehr braucht, kann es zwischen 9:00 und 10:00 Uhr abgeben. Wer ein gebrauchtes Rad sucht, kann zwischen 11:00 bis 14:00 Uhr am Stand der plan-b Fahrradbörse eines erwerben. 10% des Verkaufserlöses werden für einen guten Zweck gespendet. Grillen - des einen Freud des anderen Leid! Mit dem Frühlingserwachen fängt auch wieder die lang ersehnte Gartenund damit auch die Grillsaison an. Was gibt es schöneres als in der freien Natur die selbst gegrillten Köstlichkeiten zu genießen. Und was ein echter Grillprofi ist, der schwört auf seinen Holzkohlengrill. Doch ist des einen Freud möglicherweise auch des anderen Leid. Rauch- und Duftwolken machen leider nicht an der Grundstücksgrenze Halt, und der Nachbar kann den Grillfreuden möglicherweise nicht dasselbe abgewinnen wie der eifrige Grillmeister. Vor allem dann, wenn die Fenster zugerammelt werden müssen, um nicht „geräuchert“ zu werden, oder wenn danach an der frisch gewaschene Wäsche in Nachbars Garten das komplette Grillmenü erschnuppert werden kann. Gleiches gilt natürlich auch für die stark im Trend liegenden Feuerschalen und Feuerkörbe, die zwar Lagerfeueratmosphäre verbreiten mögen, dem Nachbarn aber möglicherweise die Sommerabende vergällen. Deshalb – Grillen und Feuerschalen ja, aber denken Sie auch an Ihre Nachbarn! Die persönliche Freiheit und das individuelle Vergnügen finden auch hier ihre Grenzen am Rücksichtnahmegebot gegenüber den Nachbarn. 14 Umwelt Fahrrad Wettbewerb 2012 am 24. März geht´s los! Am 24. März 2012 fiel der Startschuss zum diesjährigen Fahrrad Wettbewerb. Bis Anfang September können Sie wieder Radkilometer sammeln und tolle Preise gewinnen. Beim Fahrradwettbewerb geht es nicht um Rekorde oder Wettfahrten, sondern um bewusstes Radfahren, jeden Tag, jede Woche oder einmal im Monat. Die Hauptsache ist die gesunde Bewegung an der frischen Luft die Spaß macht. Gewinnen kann dabei jeder: auf jeden Fall Gesundheit und Fitness, denn schon 40 Minuten Fahrrad fahren decken den täglichen Bewegungsbedarf. Zum anderen bedeutet Rad fahren einen Gewinn an Lebensqualität im eigenen Wohnort durch weniger Lärm und Abgase. findet in drei Kategorien statt: > Einsteiger (100 - 500 km) > Alltagsradler (500 - 1500 km) > Sportler (mehr als 1500 km) Damit wird sichergestellt, dass nicht nur Fahrradsportler, sondern auch Einsteiger und Alltagsradler eine echte Gewinnchance haben. Geldbörse und Klima schonen Natürlich freut sich auch die Geldbörse. Rad fahren spart Benzinkosten, Parkgebühren und Autoabnutzung. Weiters trägt jeder Teilnehmer zum Klimaschutz ganz aktiv bei. Fünf eingesparte Auto-Kilometer bedeuten bereits 1 kg weniger CO2-Ausstoß. Kilometererfassung leicht gemacht Wichtig ist, dass jeder Teilnehmer spätestens zum Ende des Wettbewerbes seinen geradelten Kilometerstand bekannt gibt. Um die Erfassung besonders einfach zu machen, unterstützen die plan-b Gemeinden ihre Teilnehmer, indem sie die Anschaffung eines Kilometerzählers (Fahrradcomputer) bei einem der regionalen Radfachhändler fördern. Anmeldung Wenn Sie bereits mitgemacht haben, können Sie unter Ihren persönlichen Zugangsdaten nach wie vor Ihre Kilometer erfassen und erhalten ab Ende März per Mail die Möglichkeit zur Anmeldung für den Wettbewerb 2012. Seit 24. März können Sie sich bei einem oder gerne auch bei mehreren passenden Veranstaltern des Fahrradwettbewerbs anmelden: bei Ihrer Heimatgemeinde, bei Ihrem Betrieb, bei Ihrem Verein oder im Internet unter www.fahrradwettbewerb.at. Kategorien und Preise Die Veranstalter verlosen unter den Teilnehmern attraktive Preise. Als einzige Bedingung gilt: Sie müssen bis Anfang September 2012 mindestens 100 km geradelt sein und Ihren Kilometerstand spätestens zum Stichtag bekanntgeben. Die Verlosung Weitere Infos zum Wettbewerb und Anmeldung unter: www.mobilplanb.at, im Rathaus bei Burkhard Hinteregger oder direkt unter www.fahrradwettbewerb.at. Umwelt 15 Eine Ener?ie Bera!ung lohnt sich immer Vorortberatung mit schriftlichem Ergebnisprotokoll: Das Vor-Ort-Gespräch und die ausgesprochenen Empfehlungen zu den Problemstellungen werden schriftlich in einem Gesprächsprotokoll vom Berater zusammengefasst und innerhalb von 14 Tagen per Post nachgereicht. Sie haben dann Unterlagen, die Sie nach einiger Zeit wieder zur Hand nehmen oder für weiterführende Gespräche mit Handwerkern verwenden können. Diesem Protokoll liegen auch die zugesagten Unterlagen (Berechnungen, Formulare, Informationsblätter etc.) bei. > Selbstbehalt 70,-. Das sind rund 1/3 der Gesamtkosten der Beratung. Den Rest trägt das Energieinstitut. Das Angebot der Energieberatungsstelle Hofsteig: Beratung über ökologische Baustoffe, effizienten Energieeinsatz, energiesparende Heizungen, Förderungen oder Sonnenenergienutzung sind heute unbedingt notwendig. Wer sich rechtzeitig informiert und beraten lässt, erspart sich bei der Umsetzung und im Betrieb viel Ärger und Geld. Die Beratungen in den Sprechstunden sind für Sie kostenlos und können mehrmals in Anspruch genommen werden. Die Beratungskosten bezahlen die Gemeinden der Beratungsregion Hofsteig. Vorortberatung mit handschriftlicher Gesprächsnotiz: Wenn Sie keine Nacharbeitung in Form eines Ergebnisprotokolls wollen oder ein solches nicht sinnvoll ist, weil sich die Ergebnisse in ein paar Stichworte zusammenfassen lassen, dann schließen wir diese Vor-Ort-Beratung mit einer handschriftlichen Notiz ab, die Sie als Gedankenstütze sofort bei der Beratung erhalten. > Selbstbehalt: 50,-. Das sind rund 1/3 der Gesamtkosten der Beratung. Den Rest trägt das Energieinstitut. Ener?ie Bera!ung-Stelle Hofsteig, Sprechstunden jeden Mittwoch, von 18:00 bis 20:00 Uhr, Kirchstraße 43, Tel.: 05574/76580, E-Mail: energieberatung.hofsteig@aon.at sdschaftg Lan einigun r r im 13:00 Uh Zur Mithilfe bei der diesjährigen Landschaftsreinigung ist wieder die ganze Bevölkerung (Kinder und Eltern, Großeltern sowie Mitglieder aller Ortsvereine) herzlich eingeladen. Nach ca. dreistündiger Arbeit gibt es eine wohlverdiente Jause. Veranstalter: Marktgemeinde Wolfurt p g, 21. A Samsta ril 2012 Bauhof 16 Umwelt Ich kann was bewegen! Dritte Vorarlberger Umweltwoche 2012 Natur und Landschaft, gesundes Essen aus der Region, bewusste persönliche Mobilität, Klimaschutz oder Energie sparen - es gibt unzählige Mosaiksteine, die unserer Umwelt gut tun. Die Partner der Vorarlberger Umweltplattform umwelt|v laden vom 02. bis 10. Juni 2012 ganz besonders ein, diese Möglichkeiten zu entdecken und für sich zu nutzen. Im Mittelpunkt der Umweltwoche stehen heuer besonders Wald und Wasser, Klimaschutz und die Vielfalt unserer Natur. Auch Wolfurt ist aktiv mit dabei. Umweltwoche 2012 - Schaufenster in die Welt im Großen und Kleinen Institutionen, Vereine, Schulen und Gemeinden bieten rund um die Vorarlberger Umweltwoche landesweit von Samstag, den 02. bis Sonntag, den 10. Juni 2012 wieder ein buntes Programm. Schulklassen sind aktiv, der Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) bietet ein eigenes umweltv-Ticket an, Exkursionen, Vorträge, Ausstellungen und vieles mehr laden zum Mitmachen ein. Einen ständig wachsenden Überblick zu den Aktivitäten gibt es im Internet auf www.umweltv.at, in den Medien oder im Rathaus bei Burkhard Hinteregger. Programm in unserer Gemeinde: Am Mittwoch den 6. Juni um 18:00 Uhr findet eine Exkursion mit den Wolfurter Experten Max Albrecht und Alwin Schönenberger statt. Dabei können Sie einen eindrucksvollen Teil des Wolfurter Biotopinventars und noch viel Weiteres entdecken. Treffpunkt: Rathaus Wolfurt. Abfahrt mit dem Fahrrad um 18:00 Uhr. Robert Hasler, Gemeinderat für Umwelt und Mobilität Empfohlene Rasenmäherzeiten Montag - Freitag: 8:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 19:00 Uhr Samstag: 9:00 - 12:00 Uhr Für alle anderen lärmerzeugenden Maschinen wie Holzsägen, Häcksler etc. sind dieselben Zeiten empfohlen. Im Sinne gutnachbarschaftlicher Beziehungen bedanken wir uns für Ihr Verständnis! Umwelt 17 Neujahrsempfang 2012 Alle zwei Jahre veranstalten die Wirtschaft Wolfurt und Wige Schwarzach den traditionellen Neujahrsempfang. Heuer war das Foyer im Vorarlberger Medienhaus erstmals Schauplatz. Ziel der Kooperation ist, durch gemeinsames Teamwork und diverse Aktionen die Kaufkraft in der Region zu halten und zu stärken sowie Kontakte zu knüpfen. Nach einem Aperitif konnten Wige Obmann Alfred Steinlechner (Schwarzach) und Yvonne Böhler zahlreiche Unternehmer begrüßen. Nach Ansprachen der Bürgermeister Christian Natter und Manfred Flatz hielt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser einen interessanten Impulsvortrag und verwies auf die Vorteile des gemeinsamen Währungs- und Wirtschaftsraumes Europas. Bei Buffet konnten noch informative Gespräche geführt werden. Der Start für ein aktives Jahr ist somit gemacht. Yvonne Böhler, GR für Wirtschaft und Nahversorgung Handwerkerschule verleiht 12 Zertifikate Mit dem Slogan „Handwerken macht echt Spaß“ konnten wieder 12 junge Handwerker erfolgreich ihr Zertifikat am 19. Jänner 2012 entgegennehmen. Zum zweiten Mal konnte, zusammen mit fleißigen Männern der Seniorenbörse, dieser erfolgreiche Kurs durchgeführt werden. Die Werkräume der Mittelschule, sowie die Hallen der Möbelwerkstatt Manfred Gasser und der Installationsbetrieb der Firma Lukas waren Schauplatz für fleißiges Werken. Einblicke in die Arbeiten des Dachdeckers von Schwendinger & Fink wurden ebenfalls aufgezeigt. Interessierte Eltern konnten sich selbst ein Bild über die Freude aller Beteiligten und deren Werkstücke machen. Die Idee, dass pensionierte Handwerker gemeinsam mit Jugendlichen arbeiten und ihr Wissen weitergeben, wird in Wolfurt konsequent weiterverfolgt. So entstanden tolle, praktische Werkstücke, und die Vorteile einer Lehre und praktischen Tätigkeiten wurden anhand von einer Powerpoint-Präsentation aufgezeigt. Senioren, die beim gemeinsamen Handwerken mit jungen Menschen Freude haben, sind beim Wolfurter Handwerkerprojekt immer willkommen. Außerhalb der Handwerkerschule planen wir ein Projekt für den Herbstmarkt. Zusammen mit verschiedenen Handwerkerbetrieben planen wir ein „besonderes“ Gartenhäuschen. Du willst auch kreativ sein? Hast Lust, dabei zu sein? Haben wir dein Interesse geweckt? Dann melde dich unter: wirtschaft@wolfurt.at oder Tel.-Nr.: 05574 / 68 40 14. Yvonne Böhler, Wirtschaftsgemeinderätin 18 Wirtschaft 1. Wolfurter Genussrallye Anlässlich der Umweltwoche in Vorarlberg hat auch Wolfurt sich etwas Besonderes für seine BürgerInnen einfallen lassen. Mit dem Fahrrad durch den Ort und die Köstlichkeiten der Gastronomie Wolfurts genießen und kennenlernen. Heuer veranstalten wir erstmals zusammen mit der Wirtschaft Wolfurt eine Genußrallye. Das Besondere - mit dem Fahrrad radeln wir von Wirtschaft zu Wirtschaft und lassen uns dabei kulinarisch verwöhnen. Die Wirte Wolfurts öffnen die Türen und laden ein. Ziel ist ein geselliges Beisammensein - Gaudi - es gibt Köstliches für den Gaumen aus der Region und jeder tut noch etwas für die eigene Fitness. > Termin: Samstag, 02. Juni 2012 > Start: ab 16:15 Uhr > Treffpunkt: Shanti Anschließend radeln wir durch Wolfurt zum GH Engel - Kolibri – GH Kreuz – GH Stern und Abschluss im Café Reichl (ca. 21:00 Uhr). Die Gastronomen haben sich „ins Zeug gelegt“ und werden uns Radler mit tollen Highlights empfangen: Shanti Café und Teestube - Aperitif ein Glas Marillenprosecco mit einem kleinen Gruß aus der Küche ___________________________________________________________________________ Gasthaus Engel - Kalte Vorspeise Variation von Rind und Spargel - ein Glas Riesling ___________________________________________________________________________ Eisdiele Kolibri Sorbet aus heimischen Erdbeeren mit einem Hauch grünem Pfeffer und Minze ___________________________________________________________________________ Gasthaus Kreuz - Warme Vorspeise Spargelcremesuppe mit Hechtnockerl - ein Glas Sauvignon Blanc ___________________________________________________________________________ Gasthaus Stern - Hauptspeise Brust von Wälderhendl mit Gemüse, kleinen Kartoffeln und Kresseschaum ein Glas Grüner Veltliner ___________________________________________________________________________ Café Reichl - Dessert Granatapfeltörtchen auf Campari Schokolade - ein Glas Moscato Frizzante di Asti Karten sind im Vorverkauf bei der Raiffeisenbank Wolfurt zum Preis von € 39,50 / Person erhältlich. € 2,- pro verkaufter Karte gehen zu Gunsten von „WolfurtfürWolfurt“. Weitere Infos unter wirtschaft@wolfurt.at oder auf www.wolfurt.at. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 19 Studio für Alexander-Technik und Hypnagoge Lichterfahrung „Wer neue Heilmittel scheut, muss alte Übel dulden.“ Francis Bacon Alexander Technik und Hypnagoge Lichterfahrung - zwei neue Dienstleistungen in Wolfurt für körperliche und psychische Gesundheit. Alexander-Technik ist eine pädagogische Methode, die bei vielen körperlichen Leiden wie zum Beispiel Rückenschmerzen, Verspannungen, Gelenkbeschwerden, eingeklemmten Nerven etc. hilft. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst darüber, wie sie im Alltag ihren Körper einsetzen, und entwickeln im Laufe der Zeit destruktive Haltungs- und Bewegungsmuster, wodurch es zu einer Reihe von Problemen kommt. Mit Hilfe der Alexander-Technik können diese gewohnheitsmäßigen Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsweisen verändert werden, sodass eine mühelos aufgerichtete Haltung, mehr Bewegungsfreiheit, eine frei fließende Atmung und ein Gefühl von Leichtigkeit bei allen Aktivitäten entsteht. Auch gesunde Menschen profitieren von der Technik durch ein neues, verbessertes Körperbewusstsein und mehr Wohlbefinden. Die Hypnagoge Lichterfahrung führt zu einer Mobilisierung innerer Ressourcen und damit zur Verbesserung der Lebensqualität bei den unterschiedlichsten Beschwerdebildern, unter anderem Burn-Out, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen, Angst und Depression, Traumatisierung und anderen psychischen Symptomen. Dabei kommt ein weltweit patentiertes und mehrfach ausgezeichnetes Neurostimulationsgerät zum Einsatz, das die Aktivität der Zirbeldrüse anregt und die Gehirnwellen harmonisiert. Weitere Informationen und Termine unter: Inge Brouwer, Flotzbachstraße 3/2, 6922 Wolfurt, Tel.: 0699/10994828, E-Mail: info@leichtes-leben.at, Homepage: www.leichtes-leben.at 15 Jahre Markt - Wir feiern mit allen Sinnen! Seit nunmehr 15 Jahren ist der Wolfurter Markt ein beliebter Treffpunkt. Einerseits gibt es gute und frische Produkte aus der Region, andererseits erfüllt er auch soziale Aufgaben. Zwischen 15 und 24 Marktstände bieten Ihnen eine breite Auswahl. Von 27. April bis 01. Juni 2012 wollen wir mit besonderen Aktionen Dankeschön sagen und feiern: Beginnen werden wir am 27. April mit einem Blütenzauber und verzaubern den Marktplatz mit schönen duftenden Blumen. Verschiedene Aktionen mit unseren Marktfahrern werden das Angebot abrunden. Tolle Gewinnspiele und Kinderattraktionen werden organisiert, und verschiedene Vereine unterstützen und bereichern diese Festreihe. Wir feiern mit allen Sinnen! Tasten – riechen - schmecken – hören – sehen! 15 Jahre Markt Wir freuen uns auf euer Kommen! Gemeinderätin Yvonne Böhler und Michael Fröwis 20 Wirtschaft
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Heimat_Wolfurt_..._1993 Wolfurt 01.05.1993 19.11.2012, 18:25 Heft 12 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 1993 Das Rädlerhaus in der Bütze wurde 1806 erbaut und 1976 zum Bau des Schwanenmarktes abgebrochen. Hier lebte der Kassengründer Wendelin Rädler. Die alte Mauer schützte einst den gräflichen Weingarten gegen Überschwemmungen. Inhalt: 49. 50. 51. 52. 53. 54. 500 Jahre Seelsorge in Wolfurt Nachbarn in der Bütze Veres Stickerei Die Kommunistin Wendelin Rädler Rogges Brot und kernes Brot Bildnachweis Die Bilder in diesem Heft sind wieder lauter von Hubert Mohr geschaffene Reproduktionen aus der Sammlung Heim. Zuschriften und Ergänzungen Aufgrund des Inhaltsverzeichnisses (Heft 11/1) sind eine Reihe von Nachbestellungen erfolgt. Weiterhin können Hefte ab Nr. 5 bezogen werden. Gesucht werden Autoren, die uns Beiträge verschiedenster Art über Wolfurt zur Verfügung stellen. Die neue Schrift auf der Titelseite soll andeuten, daß wir nicht nur in der Geschichte graben wollen. Über Initiative des Bürgermeisters haben wir sehr viele Wolfurter Hausnamen und auch ein paar Übernamen gesammelt. Eine Klasse der Hauptschule hat sich dankenswerterweise mit großem Einsatz an der Sammlung beteiligt. Sollte jemand Einwände gegen die Veröffentlichung eines Hausnamens haben, bitte ich um Benachrichtigung. (Lieber vorher, als nachher!) Über die alten Ausdrücke in «Unser tägliches Brot» (11/5) hat sich Becks Emil in Innsbruck gefreut. Sehr viele Zuschriften sind wegen «Dr. Lorenz Böhler» (11/15) eingegangen. Es bedankten sich alle drei noch lebenden Böhler-Kinder für die für sie neuen Informationen über ihre Vorfahren. Nach einer Erinnerung an Wolfurt befragt, erzählten beide Söhne unabhängig voneinander, daß sie manchmal mit ihren Eltern «Lorenzos» in Rickenbach besucht hätten. Zu später Stunde habe dann Josef Böhler dort die Pferde eingespannt und sie ins Holz gefahren. Jede Kutschenfahrt war ein freudiges Erlebnis. Frau Lehne, die Biographin Dr. Böhlers, berichtete von den Kindeskindern unseres Ehrenbürgers. Dr. Jörg Böhler in Wien hat vier Kinder und acht Enkel, Dr. Michel Böhler in Wien fünf Kinder und ein halbes Dutzend Enkel, Frau Poldi Wodenegg in Dreikirchen hat drei Kinder und auch schon vier Enkel. Unter den jungen Leuten gibt es wieder einige Ärzte. Frau Lehne grüßt uns alle mit dem Satz: Die alemannische Tüchtigkeit des BöhlerStamms macht sich auch in Wien, Linz, Korneuburg, Bozen und Graz bemerkbar. Dr. Michel Böhler hat eine Kopie seiner im Jahre 1948 von Bürgermeister Ludwig Hinteregger ausgestellten Heimatrechtsbestätigung geschickt und damit seine Bindung an die alte Heimat Wolfurt dokumentiert. Danke! Die meisten Bezieher haben Beiträge auf das Raiba-Konto 87 957 des Heimatkundekreises einbezahlt, darunter einige sogar in beachtlicher Höhe. Herzlichen Dank! Sie helfen uns damit, wenigstens einen Teil der Druck- und Portokosten abzudecken. Den anderen Teil übernimmt weiterhin die Gemeinde Wolfurt, bei der ich mich persönlich und im Namen aller herzlich bedanken möchte. Abrechnung Namens der Gemeinde hat Frau Carmen Haderer am 11.1.1993 die Gebarung des Heimatkundekreises überprüft und in Ordnung befunden. Das Geld wurde abzüglich der Portospesen laufend an die Gemeinde überwiesen. Berichtigung Aufmerksame Leser haben einige Fehler gefunden, die dem Lektor entgangen sind: In Heft 11/S.23: Gebhard Fischer führte 1869 die erste Stickmaschine ein. In Heft 9/S. 25: Der Konradsgraben wird um die «Mesmarwios» geleitet. Sie wird jetzt mit dem Pfarrwidum verwaltet, diente aber früher zur Entlohnung des Meßners. In Heft 9/S. 32 unten: Im Dezember 1899 kam es zum Streit mit Loacker. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Aus Zwettl schrieb der Arzt Dr. Krenkel und schickte Fotos von seinen Vorfahren. Sein Böhler-Ahne Josef (11/20) habe als Schlosser in Amerika die Herstellung von Dezimalwaagen erlernt. Nach Lauterach zurückgekehrt, sei er mit der Erzeugung von solchen Brückenwaagen wohlhabend geworden. 1 Zu meiner Überraschung meldeten sich außerdem noch drei verschiedene Böhler und belegten mit ihrem Ahnenpaß, daß sie ebenfalls von Johannes Böler und Ursula Feßlerin auf der Hueb (11/17) stammen: Adolf Böhler von der Bucherstraße, Gebhard Böhler vom Gallusweg (beide sind in Bregenz aufgewachsen) und der aus Lochau gebürtige Franz Böhler in Bregenz. Sie konnten sogar den Sammüller-Stammbaum verlängern. Als Eltern von Johannes Böler wußten sie den am 5.April 1670 geborenen Martinus «Büller» und seine Frau Maria Elegassin. Inzwischen habe ich die Hub auf dem Pfänder besucht, wo die Sammüller-Böhler bis 1784 lebten. Am Weg nach Jungholz und Eichenberg ist der Hof an der Hub mit großen modernen Stallungen ein Stück unterhalb der Straße in fast 1000 Meter Meereshöhe ganz neu gebaut worden. Frei schweift hier der Blick hinüber zum Hirschberg-Kappele und über Hochgrat, Ifen und Kanis bis zur Mittagspitze über den Bregenzerwald. Mit «Urlaub auf dem Bauernhof» bietet die Familie Lang in dieser Traumlandschaft ihre Gastfreundschaft an. Auch Pferde gehören zum Hof. Das sollten sich die jungen Sammüller anschauen! Vielleicht packen einmal ein paar ihre Rucksäcke und wandern mit den Kindern über die Fluh, den Geserberg oder das Wirtatobel da hinauf zu ihrem alten Stammsitz? In Götzis freute sich Zahnarzt Dr. Walter Fehle über die Geschichte vom alten Schnitztrog (11/34). Er ist ja nicht nur oberster Chef der Vorarlberger Blasmusikkapellen, sondern als Historiker auch der Gestalter des neuen Götzner Heimatbuches. Fehles haben übrigens unter ihren Vorfahren auch den Mohrenbeck Flatz, Vater des berühmten Malers Gebhard Flatz. Aus dieser Flatz-Familie sind mir in Wolfurt als Nachkommen außerdem Liberats, . Klettls und auch Bernhards im RÖhle bekannt. Ein Flatz-Nachfahre, Kaspar Schwärzler, war um 1900 ein bedeutender Historiker in Bregenz, von dem wir auch gerne allfällige Verwandte kennen möchten. Der allergrößte Teil der Flatz-Angehörigen ist aber um 1850 nach Amerika ausgewandert. Aus Kanada kam ein Ehepaar Munro und erkundigte sich mit einem Schweizer Dolmetscher nach den Wolfurter Vorfahren. Diese hießen Schneider und Geiger und Moser und lebten bis zur Zeit Napoleons im Meschhaus, Kirchstraße 41. Der verwahrloste Zustand des 300 Jahre alten Hauses hat Mrs. Munro gar nicht gefallen, dafür aber unsere herrliche Landschaft. Am meisten freute sie sich über ein paar Kopien aus unseren Kirchenbüchern, wo sie ihre Ahnen zurück bis 1666 fand. Schon 1818 sind sie in die Schweiz und dann nach Amerika ausgewandert. Verwandte sind Geigers im Röhle. Siegfried Heim 500 Jahre Seelsorge in Wolfurt Schon im 12. Jahrhundert hatten die Staufer zur Festigung ihres Kellhofbesitzes eine Kapelle St. Nikolaus gestiftet. Zum Gottesdienst mußten die Hofsteiger und die Kellhofer aber die Achfurt durchwaten, denn sie gehörten zur Pfarre St. Gallus in Bregenz. Im Jahre 1493 - also vor genau 500 Jahren - erhielten sie endlich die Erlaubnis, für St. Nikolaus einen eigenen Kaplan anzustellen. Seiner Seelsorge waren damals die etwa 300 Bewohner von Wolfurt und in Schwarzach, Bildstein und Buch zusammen noch einmal 300 Leute, zusammen also 600 Seelen anvertraut. Heute muß sich unser Pfarrer um 6.000 Gläubige sorgen. Nach 19 Jahren Kaplanei durften die Wolfurter schon 1512 Taufstein und Friedhof errichten und sich als selbständige Pfarre von St. Gallus lösen. Seither hat sich in unserer Kirche und rundherum viel verändert. Darüber möchten wir Ihnen im Jubiläumsjahr erzählen und Ihnen bei einem Gang durch die Kirche deren Schätze zeigen. Die genauen Angaben finden Sie auf der letzten Seite dieses Heftes. So sah unsere Pfarrkirche St. Nikolaus im Jahre 1914 aus. Engelbert Köb hatte das ganze Schiff ausgemalt und mit seinem Bruder Hilar die Altäre mit den Flatz-Bildern geschaffen. Franzele Dür hatte in diesem Jahr die Grödner Krippe schnitzen lassen. 3 2 Siegfried Heim Wie die Bütze entstand Wenn Ägypten ein Geschenk des Nils genannt wird, dann ist die Bütze ein Geschenk des Töbelebachs. Alle paar Jahre hat er mit seinen braunen Hochwässern die Ebene überflutet, hat in 10.000 Jahren einen flachen Lehmhügel aufgeschüttet, auf dem vor 1000 Jahren die Alemannen ihre Kellhof-Genossenschaft errichtet haben. Wir erinnern uns noch, wie manchmal schäumendes Wasser aus dem Töbelebach beim Rößle ausgebrochen ist und einen See vom Frisör Reiner bis zu Fideles gefüllt hat. Auf Brettern und einer alten Stalltür haben wir Buben darauf «gundolot»1 und sind dreckig und naß geworden. Ein paar Tage später war das Wasser versickert, das Gras mit Schlamm zugedeckt und wieder für Jahre gedüngt. Drei Meter dick goldigbrauner Lehm liegt unten an der Bützestraße, oben im Dorf viel mehr. Aber dort durchzieht alle 70 Zentimeter eine dünne Steinschicht den Lehm. Sie stammt von den Jahrhunderthochwässern, die immer wieder ins Dorf einbrachen. Bis vor 200 Jahren war das enge Kirchdorf von lauter Weizenfeldern umgeben. Aber am fruchtbarsten Platz mußten die Kellhofer für ihren Herrn, den Grafen von Ems, einen Weingarten anlegen, ein großes Quadrat von fast zwei Hektar Fläche. Gegen die Hochwässer wurde der Weingarten mit Steinmauern geschützt. Ein so eingefriedetes Feld hieß damals eine «Bütze». Die Kellhof-Bütze reichte von der heutigen Raiffeisenbank bis zu «Heims Weogle»2 und hinauf zum Dorfweg. Eine Schutzmauer gab es allerdings nur auf der Bachseite, vom Loch angefangen, bei Rädlers herab und noch ums Eck ein Stück an der Bützestraße entlang. Das letzte Stück der Mauer wurde erst 1976 zum Bau des Schwanenmarktes abgebrochen. Wenn Georg Schleh in seiner Emser Chronik über Wolfurt schreibt« In disergegne herumb hat es einen schönen Weinwachs», so bezieht sich das wohl auf die Bütze. Aber nicht immer geriet der Wein gut. So wurde schon 1595 die Wolfurterin Anna Mart, eine Mutter von vier Kindern, als Hexe gefoltert, bis sie gestand, sie habe sich dem Teufel ergeben und den Weingarten in der Bütze mit einer Teufelssalbe verdorben (Bilgeri, «Bregenz», 226). Die Familie Mart lebte noch bis um 1800 im Loh als Nachbar des Weingartens. Die älteste Kunde vom Weinbau in der Bütze ist ein Dokument vom 15. Oktober 1408. Darin stiftete Adelheit Schnellin, Cuntzen Schnellen selig Hausfrau, mit dem Jahreszins aus ihrem Weingarten zu Wolfurt in derBitzi, den man nennt Nüsatz, vier Bett3, stoßen an die gegen Lutrach gehende Landstraße,... einen Jahrtag. (Bregenzer Regesten 24) Im Jahre 1771 haben vier Wolfurter unter Ammann Fischer den Weingarten aus dem Besitz von Rebecca, der letzten Gräfin von Hohenems, losgekauft. Bald danach wurden die Reben ausgerissen und vier Häuser in die Bütze gebaut: Rädlers, Rists, Heims und Schwerzlers. Damals waren auch die großen Weizenäcker rund um den Weingarten schon auf die einzelnen Dörfler Bauern verteilt worden. Die Besiedlung konnte beginnen. 1 2 Nachbarn in der Bütze Die Bütze ist nicht mehr die Bütze unserer Kindheit. Auf der Straße, auf der wir Völkerball und «Spatzecklo»1 gespielt haben, drängen sich jetzt Autokolonnen durch, in jeder Stunde mehr als 600 schnelle, große und ganz große. Die Häuser, in denen wir unseren ersten Stopfar2 gegessen haben, die Stadel, in denen wir duftendes Ohmat-Heu3 gestampft haben - sie sind fast alle abgebrochen, gewichen den großen Bankgebäuden, den Lebensmittelmärkten, den Blocksiedlungen. Die Frauen und Männer, denen wir das Neujahr angewünscht haben - Schellings Bernhard, Hintereggers Gebhard, Stülzes Albertie, Orglars Adelheid, Mama und Papa - längst hat man sie zu Grabe getragen! Ihrem Andenken sind diese Zeilen gewidmet. Uns sollen sie bewußt machen, was sich in den letzten fünfzig Jahren in der Bütze gewandelt hat. 1 2 3 Spatzecklo = Siehe Heimat 6, S. 48! Stopfar = gekochter Mais Ohmat-Heu = Grummet, zweite Heuernte Willkommen daheim in der Bütze! Der Bogen wurde zur Primiz von Jakob Rist 1925 gekränzt. Die Straße ist schmal und dreckig. Links das 1956 abgebrannte Gorbach-Haus, rechts die Kellhof-Mauer. gundolot = mit der Gondel gefahren Heims Weogle = jetzt Nußgasse vier Bett = vier Reihen neu gesetzte Reben 4 5 Schloßburos 1927. Mathild und Martin Köb, Vinzenz mit der Kuh. Der Brunnen ist aus einem Holz-Düchel gebaut. Das Haus ist 1930 abgebrannt. Familie Zwickle 1920. Vater Josef und Mutter Maria. Die Töchter Anna (Braitsch), Frieda (Kalb), Fina (Böhler) und Maria (Erath). Die Söhne Johann, Seppl, Albert, Hermann, August und Rudolf. Als erster brach 1776 Xaver Gmeiner sein altes Haus auf dem Schwanenplatz beim Dorfbrunnen ab und erbaute unten an der «berggasse» - so hieß damals die Kellhofstraße - ein großes neues Haus. Es steht heute noch als Mohr Zitas, Kellhofstraße 11. Xaver Gmeiners Sohn Joseph Anton Gmeiner, geboren 1769, war ein «Fabrikant». Er vermittelte Garn an die Weber und verkaufte ihr Leinen nach St. Gallen. So kam er zu Geld und konnte 1794 das zweite Bützehaus bauen, gleich eines der größten, «Toblers», Lauteracherstraße 2. Anton Gmeiner ist übrigens der Ur-Urgroßvater von Lislo Franz gewesen. Die Sippe hieß aber damals noch «Lutzos», weil sie zu «Lutzo» Gmeiners in Rickenbach gehörte. Im Jahre 1800 baute der reiche Gerber Martin Haltmayer aus dem Dorf für seinen Sohn Johann Michael das erste Haus in den Weingarten, «Heims», Bützestraße 4. Eine französische Reiterpatrouille erschoß aber den 29 j ährigen Michael am 13. Juli 1800 in seinem Haus. So bekam sein Bruder Kaspar das Haus im «Nellhofer». (Weil der Pfarrer das Wort «Kellhof» nicht mehr verstand, schrieb er «Nellhofer», später sogar «Mehlhofer».) Fast zur gleichen Zeit wurden um 1800 Gorbachs und Stülzes Häuser gebaut und noch eines in der Ecke, wo heute Mohr Emils, Kellhofstraße 13, steht. Es ist schon 1883 abgebrannt. 1806 baute der reiche Ammann Schneider das wunderschöne Rädler-Haus an die Kellhofstraße in den Weingarten, der jetzt nur mehr wenige Reben hatte. Im gleichen Jahr übertrug auch Dismas Dür sein Holzhaus aus dem Dorf an die heutige Rittergasse. Seine Kinder wurden reiche Ziegler an der Ach und haben ihr Vaterhaus dort schon 1857 in einem Ziegelofen verfeuert. Daneben baute Bernhard Bildstein sein Haus, «Schellings», Bützestraße 15. Er wurde Vorsteher und hat 1830 den Kirchenkrieg gegen die Rickenbacher gewonnen. Die Kirche blieb im Dorf! Auch an der Lauteracherstraße standen um 1805 schon zwei Häuser. Der Schreiner Xaver Schertler hatte «Schrinars», Lauteracherstraße 6, gebaut und gleichzeitig Caspar Thaler «Thalers», Lauteracherstraße 5. Als nächste folgten Hintereggers 1814, Zwickles 1827 und unten an der Unterfeldstraße Mohr Josefs 1829. Ein ganzer Schwung folgte 1837 bis 1840: Rist Eugens, Böhlers, Königs, Forsters, Kalb Ferdes, Rist Tones und Orglers. Nur noch ein paar kamen später dazu: 1850 Gabelmachers, Lauteracherstraße 14, 1888 am anderen Ende Klocker-Strickers und 1896 Köb Ferdinandas, Unterlindenstraße 23. In unserem Jahrhundert bauten Veres Bernhard 1907 seine wunderbare Villa, zwei Jahre 7 6 bis zum Marte auch 9, bei «Schrinars» mit Luzia 7. Könnt ihr euch vorstellen, was da alles los war? Ein paar Jahre früher hatte man bei Zwickles 12 Kinder gehabt, bei Rist Gebhards daneben vom Eugen bis zum Anton 8 und im dritten Haus daneben bei Berger-Böhlers Hannes noch einmal 10. Und noch ein paar Jahre früher gab es beim Lehrer Rädler drüben 13 Kinder, bei Hintereggers sogar 15 - von einer einzigen Mutter! Noch mehr, nämlich 17, waren es draußen bei «Schloßburos», darunter Marte, der Vater von Vinzenz und Herbert. Am Beispiel von Schloßburos läßt sich auch manches Leid erahnen. Johann Baptist Köb war 1814 als Schloßburo Hannbatist im Schloß Wolfurt geboren worden. In der Bütze hatte er dreimal geheiratet. Alle drei Frauen starben ganz jung, mit 31, 32, 36 Jahren, zwei davon im Kindbett. Von den 17 Kindern starben 8 als «Engele» im ersten Lebensjahr, dazu ein Mädchen mit 5 und ein Bub mit 16 Jahren. Von den sieben, die groß wurden, blieben drei ledig. Nur vier heirateten und vermehrten Schloßburos Sippe. Man war eben nicht «aufgeklärt» damals. Wir Kinder glaubten an den «Klos»1 und an den Storch. Zwar sahen wir, daß Mamas Rock vorne immer kürzer wurde, denn sie besaß kein Umstandskleid, aber wir dachten uns nichts dabei. Alle Kinder kamen damals daheim im Gaden zur Welt. Eines Morgens mußten wir «an Zuckorbollo»2 für den Storch ins Fenster legen. Mittags erschien die «Frau Grass», die hochgeachtete Hebamme, und übernahm das Kommando. Uns schickte man ins Feld:«Gond ga muso!»3 - obwohl doch im Sonnenschein die Jagd wenig Aussicht auf Erfolg hatte. Als wir heimkamen, lag ein kleines Schwesterchen im Stubenwagen. Wir freuten uns - man konnte wieder zur gewohnten Tagesordnung übergehen. Ein paar Tage später kehrte auch die Mama zur Arbeit in Stall und Feld zurück und überließ das Kleine der Kindsmagd. 1 2 3 Noch eine große Bütze-Familie: Toblars am Rank. Vater Martin Schwerzler und Mutter Maria. Sechs Söhne: Paul, Adolf, Ferde, Raimund, Otto und Marte. Drei Töchter: Ziska, Melitta und Zilla. später Guldenschuhs ihr zierliches Stickerhaus und 1910 Reiners Mathis die riesige Stickerei Bützestraße 20 mit dem großen «Miramare» - Bild im Eingang. Später richtete sich dort die Klöppelei Fischer und Co. ein. 1928 kam ein zweites Haus an die Unterfeldstraße, Giselbrechts. Und an den Bau der letzten drei Häuser, 1937 und 1938, können wir uns selbst noch erinnern: Zwickle Alberts, Lehrer Mohrs und weit drunten Metzger Reiners. Jetzt war die Bütze unserer Kindheit endlich fertig. Sie bestand aus zwei Dutzend Bauernhäusern, fast alle in Reih und Glied aufgefädelt an der Bützestraße und der Lauteracherstraße. Dazwischen bunte Gärten, grüne Wiesen und viele riesige Obstbäume. Nun mußten die Häuser noch mit Leben gefüllt werden. Fast überall kam reicher Kindersegen aus dem Gaden1 in Stube, Küche und Kammern. Wo sieben aßen, wurde auch ein achtes satt. Man nahm jedes neue Kindle mit Freuden auf, aber man trug auch manches «Engele» zum Friedhof. Bei Heims waren 9 Kinder, bei Rist Eugens daneben 5, bei Königs draußen vom Albert bis zur Gerda 12, Josefa und Bruno starben als Kleinkinder. Bei «Toblers» am Rank vom Paul 1 Klos = St. Nikolaus Zuckorbollo = Würfelzucker Gond ga muso! = Geht Mäuse fangen! Gaden = Elternschlafzimmer Mit Zwickles 1943 zur Flachsernte ins Ried. Seppl und Rosa, Albert und Gebhardie mit Pepe und Guntram. Der Knecht Waldinger, ein kriegsgefangener Serbe und viele Helfer, darunter Hintereggers Gebhard mit dem MostPutsch. 8 9 Kinderspiele Ein Jahr später schaukelte das Kind schon auf dem großen Ritta-Roß1 mit, das der alte Gabelmacher für uns gesägt und der Vater herrlich rot bemalt hatte. Wir spielten mit hölzernen Wägelein und bunten Klötzen. Die Mädchen bekamen eine Puppe, zuerst eine vom Großvater geschnitzte hölzerne «Docke»2, dann eine mit einem zerbrechlichen Zelluloidkopf und einem Sägemehlbauch. Mit dem «Matador» konstruierten wir bald kunstvolle Maschinen. Die blecherne Eisenbahn und das Auto zum Aufziehen hielten nicht lange. Für die Winterabende gab es ein farbiges Märchenbuch und vergilbte Heiligenlegenden, aus denen die alte Tante Karolie gruselige Geistergeschichten erzählte. Wir spielten «Nüne-Molo»3 und Schwarzer Peter und mit den Jaßkarten «Hundsfudo», «Lügo» und «Spitz-Öhrlo»4. Laut ging es beim «Blinde Kuh» und bei dem Spiel von der faulen Magd zu. Wir sangen aber auch viele Kreisspiele, zuerst «Ringa-reiha», dann «Ist die schwarze Köchin da?», «Goldne, goldne Brücke», «Rauchfangkehrer ging spazieren», «Rote Kirschen eß ich gerne», «Ein Bauer ging ins Holz» und noch ein paar andere. Es gab fröhliche Zählspiele mit «D Goaß heot in Kübol gschiosso»5 und «Wir reisen nach Amerika». Vom «Küochle-Bacho»6 bekam man rotgeschlagene Hände. Die meisten Spielsachen bastelten wir uns selbst - heute würde man sagen «kreativ». Aus Zeitungspapier konnte man die verschiedensten «Dampfar» und «Gundele»7 falten, auch Geldtaschen, «Wihwasser-Beckile»8, «Himmol-Höll», vor allem aber die kompliziertesten «Flügar»9. Mit großen Knöpfen aus Mamas «Fado-Zoano»10 fertigten wir «TrülloBuppar»11 an der Schnur und andere, die auf einem Stäbchen über dem Tisch kreisten. Für schwierige Fingerspiele brauchte man eine lange Fadenschlinge.Sogar ein Telefon bauten wir mit zwei leeren Zündholzschachteln als Hörer an einer Schnur. Mit einem Knopf konnte man eine Reihe von Signalen senden. Viele Abende waren wir mit dem «LoubSeogolo»12 beschäftigt. Dann lehrte uns der Vater auch, wie man mit den Händen die Schatten von Geißbock und Häslein an die Wand zaubert. Die schönste Zeit begann aber, wenn der Schnee auf Schuttannen verschwand und wir wieder barfuß laufen durften. Zwar gab es täglich viel Arbeit im Stall und beim Gras holen, im Acker, beim Heuen und im Herbst beim Obst-Auflesen, aber dazwischen fanden wir immer noch Zeit für herrliche Spiele: «Kügolo»1 mit schillernden Glas- und billigen Lehmkugeln spielten wir mitten auf der Straße nach Golfregeln in ein Loch, das einer mit der Ferse in den Straßendreck gedreht hatte. «Spatzecklo» auf den Hausplätzen mit Werfen und Fangen, Schätzen und Messen betrieben wir mit heißem Eifer. Zum «Völkoro»2 legten wir Latten quer über die Straße. Der Ball war «a Pfu-Ballo»3, aus Stoffetzen mit Gummibändern. Die Mädchen konnten besser fangen, die Buben treffsicherer werfen. Streit wegen «Boden-auf» oder «bus gstroaft» 4 war fast immer einprogrammiert. Dann probierte man es wieder mit «Der Kaiser schickt Soldaten aus», «Wir kommen aus dem Morgenland», «Henno-Töple»5 und «Halli-Hallo-Nämmoroto»6 oder auch mit «d Schär suocho»7 zwischen den Baumstämmen. Am starken Ast des Birnbaums hing die Seil-«Grütschlat»8, die wir zu zweit oft bis in die Zweige hinauf trieben. Wir kletterten auf die höchsten Baumwipfel. Auf Zwickles Kastanienbaum schnitten wir mit dem «Krotto-Hägol»9 kunstvolle Maienpfeifen. Dann noch schnell «a Ränkle»10 auf Mamas schwarzem Rad durchs Dorf oder «ga röoflo»11 mit alten Felgen! Nach dem Nachtessen, wenn sich die Erwachsenen zu einem Plauderstündchen auf Nachbars Bänkle trafen, sammelten sich auch alle Kinder aus dem Umkreis auf dem Hausplatz zu «Fängarles» und «Vorsteckarles». Zuerst wurde ausgezählt: «Im Wald stehen Tannen ...». Der letzte mußte suchen, wenn wir uns beim «Hus-Eggarlo»12 hinter Hausecken und Johannisbeersträuchern versteckten. Hinter der «Schittor-Big»13 oder in Zwickles Saukisten war man fast unauffindbar, ganz zu schweigen vom Dunkel des Heustocks. Wir zerrissen manche Hose, schürften Knie auf und stachen rostige Nägel ein. Aber wenn das Spiel mit Weinen oder Streit geendet hatte, fand sich immer noch eine Gruppe beim 1 2 3 4 Ritta-Roß = Schaukelpferd Docke = Holzpuppe Nüno-Molo = Mühlespiel Hundsfudo, Lügo, Spitz-Öhrlo = alte Kartenspiele. Spitz-Öhrlo ist ein Glücksspiel um getrocknete Bohnen (Spizöla) D Goaß heot in Kübol gschiosso = Die Ziege hat in den Kübel geschissen 6 7 Küochle-Bacho = Küchlein backen Dampfar und Gundele = Dampfschiffe und Gondeln Wihwasser-Beckile = Weihwasserbecken Flügar = Flugzeuge Fado-Zoano = Nähkörbchen Trüllo-Buppar = Kreisel Loub-Seogolo = Laubsägen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 n U Kügolo = Murmelspiel Völkoro = Völkerball a Pfu-Ballo = vom englischen «football» bus gstroaft = nur gestreift Henno-Töple = Hennenschritte Halli-Hallo-Nämmoroto = Namenraten d Schär suocho = Schere suchen. 8 9 Grütschlat = Schaukel Krotto-Hägol = «Krötenmesser», ein billiges Taschenmesser a Ränkle = eine Kurve ga röoflo = Reifen rollen Hus-Eggarlo = Hausecken-Spiel Schittor-Big = ein Stapel Holzscheiter 10 11 12 13 5 10 11 Eine Zeit lang hatten wir einen zahmen Raben, der in Mamas Garten die Setzlinge ausriß, dann ein Geißböcklein, das mit Anlauf in der Küche auf den Tisch sprang. Einen Sommer lang fütterten wir Hansi, eine junge Waldohreule, mit Schlachtabfällen und im Ried erbeuteten «Rudiguggarn»1. Die Dörfler und die Bütze-Buben wetteiferten mit ihrer Taubenzucht. Die Dörfler fingen ihre Tauben in Bregenz, aber in den Bütze-Schlägen wurde dafür manche Dörfler-Taube gezähmt. Unterschiedlich war das Verhältnis der Buben zu den Hunden. Die bekanntesten waren Königs «Bless», Gorbachs «Alf», Orglers «Nero», Zwickles «Rolf» und Heims «Waldi». Wurde der eine vor den Schlitten gespannt oder mit Leckerbissen zu allerlei Kunststücken dressiert, so mußte der andere einen großen Bogen machen und den Buben ausweichen. Denn die waren allmählich fürchterliche Lauser geworden. Sie bauten eine Hütte aus Kisten und schliefen im Freien. Sie fanden Rädlers Weiße Klare, Rists «Höü-Bira»2 und Gorbachs «Juli-Dechan»3, Vizzenzos «Witfeoldora»3 und Schellings Konstanzer «Länglar»3. Thalers «Kriose»4 lockten ebenso wie Orglers «Pflümmele»5 und Stülzes blaue Trauben. Kein Nußbaum war sicher. Am meisten heimgesucht wurden die Nußbäume bei Mathisos und beim Hollagoggl. Im «Mahro-Neoscht»6 reifte jeweils die Beute und wurde mit allen Mitgliedern der Bubenbande redlich geteilt. Beim Baden an der Ach übten wir nicht nur das Tauchen nach weißen Steinen, sondern auch das Werfen. Herrlich hüpften die «Blättolar»7 über den Wasserspiegel. Aber wir trafen auch «d Häfele»8 auf den Telefon- und Elektrostangen und manchmal eine Scheibe in einem abgelegenen Stadel. Besonders treffsicher waren unsere Gummischleudern. Mit langen Fitz-Ruten schleuderten wir harte Mostbirnen kirchturmhoch über die Dächer. Wenn man vom Birnbaum aus alle Drähte der Telefonleitung mit der Hand zusammenqüetschte, spürte man bald das aufregende Prickeln von leichten Stromstößen. Meist kamen dann am anderen Tag die Telefoner und suchten nach der Störungsursache. Mit «B schütte»9 fingen wir «Dohrla»10im «Guot»11 und mit Fallen die schädlichen großen Baummäuse. Für die zahlte Kressars Seppl beim Spritzenhaus 40 Pfennig. Auch für jeden zerquetschten Kohlweißling zahlte man im Gemeindeamt einen Pfennig. - Unser einziges Sackgeld! Alfons und Hubert Kalb mit ihrem Koter-Karren. «Löoble»'-Ball, bis uns die Mutter nach dem «Beott-Lütto»2 zum Füßewaschen an den Brunnen holte. Noch schnell ein «Beott-Letzt!»3 zu den Nachbarskindern, dann verschwanden wir in der Kammer. Unbeschwerte Kindertage! Kein Fernsehen, kein Auto, keine Musikschule, kein Fußballtraining...! Wir durften uns unsere Freizeit noch selber gestalten. Bubenstreiche Als wir größer wurden, lernten wir noch einiges dazu. Zuerst den Umgang mit Tieren. Höfles Heinrich hatte uns «a Meer-Süle»4 geschenkt. Wir durften es nur einen Tag behalten, der Mama stank es gar zu sehr in der Stube. Dann bekamen wir zwei «Hasen» und mußten sie füttern und pflegen. Königs Albert belachte unsere Bemühungen und zeigte uns seinen Stall voll Blauwiener, Belgische Riesen, Deutsche Widder... Ja, und dann lieh er uns - Mama war entsetzt! - einen Bock. 1 2 1 2 3 4 Rudiguggar = Unken Höü-Bira = Heubirnen Juli-Dechan, Witfeoldora, Länglar = Birnensorten Kriose = Kirschen Pflümmele = Mirabellen Mahro-Neoscht = Versteck, wo das Obst mahr (reif) wird 7 8 9 l0 Blättolar = flache Steine d Häfele = Porzellan-Isolatoren Bschütte = Jauche Dohrla = Maulwurfsgrillen Löoble-Ball = Laibchen Beott-Lütto = zum Gebet läuten 3 4 Beott-Letzt = ein letzter Schlag nach dem Gebet a Meer-Süle = ein Meerschweinchen 5 6 " Guot = Wiese beim Haus 12 13 Die alten Häuser in der Bütze und ihre Besitzer im Jahre 1900. Dazu die umseitige Skizze. Im Jahre 1900 hatten alle Wolfurter Häuser neue Nummern bekommen. 86. Das Schwerzler-Haus zählte jetzt nicht mehr zur Bütze, sondern zum «Loh». 91. Rädler Wendelin - der bekannte Oberlehrer. Erbaut 1806, abgebrochen 1976 für Schwanenmarkt. 103. Gmeiner Maria - «Knoblars», Zwickles Erbaut 1827, abgebrannt 1887, neu erbaut 1888. Abgebrochen 1979 für die Sparkasse Bregenz. 104. Hinteregger Franz - «Hindoreggars» Erbaut um 1815, umgebaut um 1965. 92. Schwerzler Joh. Georg - «Hans-Irgos», «Rüstos» 105. Rohner Josef Anton - «Gorbachs» Erbaut 1837, umgebaut 1970. Erbaut um 1800, abgebrannt 1956. 93. Haltmeyer Maria - Heims Erbaut 1800, umgebaut 1992. 94. Böhler Josef - «Mathisos», «Bergars» Erbaut 1837, umgebaut um 1965. Agnes Giselbrecht, Ziska Rist, Maria G., Rösle Schedler Alfons Kalb, Tone Schedler, Hubert Kalb 95. Dür Franziska - «Franzeies», Königs Erbaut 1839, umgebaut um 1970. 96. Köb Geschwister - «Schloßburos» Erbaut 1838, abgebrannt 1930. 97. Schirpf Franz Josef- «Schürpfos», «Sackburos» Erbaut 1880, umgebaut um 1975. 98. Forster Ulrich - «Forstars» Erbaut 1836, umgebaut um 1950. 99. Klocker Josef Anton - «Strickars» Erbaut 1888, abgebrochen 1975. 100. Schedler Geschwister - «Schellings» Erbaut um 1805, abgebrochen um 1965.. 101. Schwerzler Lorenz - «Neiolars», Kalbs Erbaut 1836, umgebaut um 1955. 102. Rist Jakobs Witwe - «Rüsto Tones» Erbaut 1839. Krimi = Kriminalkommissar Tschuppa-Tone = Eigenname 106. Kalb Joh. Baptist - «Metzgaf-Hannes», «Stülzes» Erbaut um 1800, abgebrochen 1980. 107. Schwerzler Ferdinand - «Toblars» Erbaut 1794, Anbau um 1910, umgebaut um 1960. 108. Schertler Bernhard - «Veres», «Schrinars», «Schöflewirts» Erbaut um 1805, abgebrochen 1979. 109. Mohr Xaver - «Mohro Josefs» Erbaut 1829. 110. Stadelmann Alois - «Gabolmachars», «Huotars» Erbaut 1850, umgebaut um 1980. 111. Thaler Geschwister - «Kressars» Erbaut um 1805. 112. Rohner Joh. Martin - «Schmiods Kathrinos», «Orglars», «Musars» Erbaut 1831, abgebrochen 1971 für Unterlindenzentrum. 113. Kalb Anna - «Köbo Ferdes», «Heimat» Erbaut 1896, abgebrannt 1987. 114. Mohr Michael - «Mohro Stases» Erbaut 1776 als ältestes Haus der Bütze. Je größer die Buben, desto dümmer ihre Streiche! Gut, daß der Vater und die Gendarmen nicht alles erfahren haben! Rädlers Marie und Pauli ärgerten wir mit einem Schlagwerk am Fensterladen. Beim Hollagoggl verschwand die größte «Kürbso»1 von der Haustür weg und tauchte als «Geist» mit leuchtendem Gesicht anderswo auf. Scheffknechts Ochs blieb immer wieder stehen, wenn man eine dünne Schnur über die Straße spannte, aber der gute, halb blinde Johann sah die Schnur nicht. Mancher liebe Nachbar erschrak, wenn wir in der Dämmerung mit Karbid und Spucke in einer großen Büchse die ersten Sprengversuche machten. Und noch für einiges Schlimmeres, das man nur im kleinsten Kreis erzählen darf, wenn keine jungen Buben zuhören, möchte ich im Namen der inzwischen grau gewordenen «Buben» Abbitte leisten, beim «Kircho-Moastor»2, beim «Krimi»3 Schneider und beim Witzemann, bei Orglars Sophie und ihrem Nero, beim «Tschuppa-Tone»4, bei Gigars Finele und noch bei einigen anderen. 1 2 Kürbso = Kürbis Kircho-Moastor = Kirchenaufseher 3 4 14 15 Die Bütze im Jahre 1900 nach einer Skizze von S. Heim 1993 Unsere Nachbarn Wie überall in der Welt, brauchte auch jedermann in der Bütze seine Nachbarn. Man half sich gegenseitig mit Werkzeug und Fuhrwerk aus. Wenn Unwetter drohte, rannte jeder, bis auch Nachbars Heufuder unter dem sicheren Vorschutz stand. Man lieh gegenseitig fehlende Lebensmittel aus und schickte Nachbarkinder wie eigene zum Einkaufen. Man half bei der Krankenpflege, man wurde ans Kindbett gerufen und natürlich auch ans Sterbebett. Man war auf einander angewiesen und trug Sorgen und Freuden gemeinsam. Niemand war allein! An viele liebenswerte Menschen, die einst mit ihrem Schaffen und ihrem Feierabend das Leben in der Bütze bestimmt haben, erinnern wir uns gerne zurück. Ich kann ihnen hier nur ein paar Sätze widmen, wenn ich einen Rundgang durch die alten, staubigen Straßen mache. Bei Nummer 91 fange ich an. Rädlers Haus hatte allmählich den Glanz verloren, den es unter dem Vater, dem landesweit bekannten Oberlehrer Wendelin Rädler, gehabt hatte. Nun führte Marie - einst eine geschätzte Köchin! - einen gastfreundlichen Haushalt, während Pauli und Wendel sich um Obst und Vieh kümmerten. «Rüsto Eugen» fuhr mit seinen Rössern, dem Fuchs und dem Hans, ins Holz und «uf d Stoanat»1 und lange Zeit auch mit dem Toten wagen. Bei der Musik schlug er «di groß Trummol»2. Die Töchter wurden wegen ihrer schönen Singstimmen gerühmt. Sie sangen auf Nachbars Bänkle oft bis tief in die Nacht hinein schöne alte Lieder. Von Heims Buben in Nr. 93 habe ich schon viel erzählt. Ins Haus von Bergers Hannes war vor dem Krieg Böhlers Alfons aus Bildstein mit seiner Familie zugezogen. Der stille freundliche Mann machte alle notwendigen Schlosserarbeiten bei den Nachbarn. Mit seiner Lötlampe und dem Schrotgewehr räumte er bei uns auch die gefährlichen «Hurnußla»3 weg. In Königs Haus hatte früher Düro Franzele gewohnt, die bekannte erste Autofahrerin. Sie war auch überaus fromm und hatte aus dem Heiligen Land einen Blumenbaum mitgebracht. An ihrem Betpult durften Zwickles Johann, Rüsto Jakob und Heims Anton die bunten Bilder der Bibel anschauen - alle drei sollten ja «Geistlich» werden. Nur Jakob hat es dann auch geschafft. Jetzt bevölkerten Königs Gebhard und Burgl mit ihren vielen Kindern das Haus. Da wurde fleißig gearbeitet, aber immer auch gesungen und geturnt. Bis zu Königs warmem Kuhstall rannten wir im Winter barfuß durch den Pulverschnee. «Schloßburo Hus» war 1930 abgebrannt. Nun stand nur noch das finstere Kellergewölbe. Wir trauten uns nicht hinein, weil man uns vor «giftiga Vipora»4 Angst gemacht hatte. 1 Stoanat = Steinat - Kies, Sand und Steine im Flußbett der Ach di groß Trummol = große Trommel, Pauke 3 4 Hurnußla = Hornissen giftige Vipora = Vipern, Kreuzottern 16 17 In «Schürpfos Hus» lebte zurückgezogen der alte Kasimir mit seiner Maxi. Forsters waren ein liebenswertes altes Ehepaar. Sie hatten keine Kinder und sorgten sich umso mehr um ihr kleines Dackelhündchen. Gleich daneben rasselten bei «Seppo Regi»1 die Klöppelmaschinen in den Werkhallen und Frauen holten große Körbe voll «Spitz zum Uszüho»2. Bei Zwickles Stadel war die äußerste Bütze erreicht. Dort preßte Albert mit seinen Knechten gewaltige Heuballen und wir durften auf den höchsten Stapeln herumklettern. Auch die Hausnummern drehten sich hier. Auf der Westseite der Straße ging es wieder in die Bütze hinein. In Nr. 99 holten wir bei Strickars Anna, Klara und Klementi jeden Samstag «s Gmoandsblättle»3 und trugen es in der Hoffnung «uf a Krömle»4 auch zu den Nachbarn. Ein großes Stück weit waren die großen Wiesen an der Straße noch ohne Häuser. Eine einsame Ausnahme war nur das schneeweiß gekalkte »Transformer-Hüsle», auf dessen Stufen wir gerne rasteten. Hinter der verschlossenen Blechtüre surrte es so geheimnisvoll! Schellings Bernhard und seine Anna waren bescheidene alte Leute, geachtet und beliebt. Sie gönnten uns Kindern ihre Langbirnen, Nüsse und «Schnellar»5. Wenn Bernhard zu seiner Sennerei ins Dorf ging, hatte er für junge und alte immer ein fröhliches Wort bereit. Kalbs große Buben Alfons und Hubert waren in vielen Dingen unsere Vorbilder. Eine so schöne Weihnachtskrippe wie sie haben wir nie hergebracht, aber «Koto»6 und viele «Lusbuobo-Stückle»7 haben wir erlernt. Vater Ferde tat sich schwer beim Gehen, im Krieg hatte er die Zehen «erfrört». Im oberen Stock wohnten «Neiolars Lorenzle»8 und seine Frau, die schneidige «TirolarMarie». Als «Schindolar»9 werkten sie fleißig und abends feierten sie fröhliche Feste. Immer blitzblank war es um «Rüsto Tones Hus», und gern saßen wir dort «uf om Bänkle». Aber daß die Buben ihre Hennen einmal mit «Schnapsbröckle» gefüttert haben, das haben ihnen «s Marile» und ihre Töchter lange nicht verziehen. Am meisten Umtrieb herrschte in der Bütze bei Zwickles. Der alte Vater saß, vom Schlag gerührt, bei einem Krug Bier auf der Hausbank und wollte die Söhne regieren. Seppl, Albert und Hermann hatten es mit harter Arbeit und mit Vieh- und Heuhandel zu etwas gebracht und beschäftigten nun Knechte und Mägde, zwei Rösser und später sogar ein Auto und einen Traktor. Allen Nachbarkindern gegenüber waren sie allzeit freundlich und duldeten es, daß wir ihr großes Haus mit Schöpfen und Ställen zu unserem Tummelplatz machten. Hermann ließ uns - zu sechst! - auf seiner schnellen BMW «a Ränkle» mitfahren. Nirgends hat man mit Mägden und Knechten - mit Toblars Ferde, Klockars Geobart, Wirthensohns Gotthard und dem alten Waldinger - so viel übermütigen Schabernack getrieben wie bei Zwickles! Nirgends hat man schöner und länger gesungen! Johann, der angesehene Konsumverwalter, hatte Dutzende von Patenkindern. Seppl und seine Frau Rosa waren herzensgute Nachbarn. Als Krauthobler, Wäscher und Chorsänger war Hintereggers Gebhard dorfbekannt. Den Kindern blieben auch seine freundlichen «Gränna»1 in lieber Erinnerung. Marie teilte ihre letzten «Wihnachts-Krömle»2 mit uns Kindern und Fina brachte ein Stück «BiostKuocho»3 von ihrer einzigen Kuh. Tones Sattlerei war immer Treffpunkt für junge Leute. Von Gorbachs Oskar sind mir eigentlich nur der «Kohle», sein schwarzes Roß, und der magere schwarze Schäferhund «Alf» in Erinnerung geblieben. Umso mehr aber seine geschäftige Frau «Oachobeorgars Kathrie», ihre drei Töchter und die süßen Birnen und Äpfel. Still und unauffällig lebten Stülzes Albertie und Franzisk in ihrem Haus, an dem vorbei ein schattiges Wegleinhinabindie untere Bütze den Weg abkürzte. Der originelle «Tscheppo» mit seiner Pfeife war nur selten daheim. Erst später hat er seine Kuh bei einem Zuber voll Wasser an den Heustock gebunden, wenn er ahnte, daß es heute wieder einmal «spät» werden könnte. «Toblars Hus» an der scharfen Kurve hatte die Nr. 107. Jetzt führten die Nummern hinab in die untere Bütze. Marte, Musikant und Feuerwehrmann, mußte mit seiner Frau in den schweren Dreißigerjahren eine große Familie aufziehen und behielt doch immer seinen guten Humor. Von den sechs schneidigen Buben starben Ferde und Otto im Krieg. Paul war ein technisches Genie und brachte jedes Motorrad-Wrack wieder zum Fahren. Während wir mühsam «Trestorkäsle»4 stampften, hatte er schon eine «Lorkäs»5-Maschine gebaut. Reges Leben herrschte immer bei «Schrinars» hübschen Töchtern. Früher schon bei Anna und Emma. Emma war in ihrem weißen Spitzenkleid 1909 auf einem Schimmel in der Kaiserparade in Bregenz vorausgeritten. Nun fanden Musikanten und Sänger bei der jungen Generation ein gastfreundliches Haus. «Fränzle» gehörte mit Toblars Ferde und Otto zu den besten Wolfurter Turnern. Auch er ist im Krieg gefallen. In der Unterfeldstraße lebten Mohro Josef und Agath mit ihren beiden Kindern in dem kleinen Haus. Als 17jähriger mußte Walter in den Krieg. Ein Jahr später war er tot. Giselbrechts Fridolina nahm immer wieder Lehrpersonen ins Quartier. Bei ihr durften wir «Löost zum Botschomacho»6 ausleihen. Das Haus hatte außer der Reihe die Nr. 367, weil es erst 1928 gebaut worden war. Im Dorf war im August 1937 Metzger Reiners altes Haus abgebrannt. Nun hatte er ein neues ganz weit hinab in die Felder abseits der Straße gebaut und die alte Nr. 122 aus dem 1 2 3 4 5 Seppo Regi = Sepps Regina Spitz zum Uszüho = Klöppelspitzen ausziehen s Gmoandsblättle = Gemeindeblatt uf a Krömle = Belohnung Schnellar = Stachelbeeren 6 7 8 9 Koto = Pferdekot sammeln Lusbuobo-Stückle = Lausbubenstücklein Neiolars Lorenzle = Eigenname - «Näher» Schindolar = Schindelmacher 2 3 4 Gränna = Grimassen Wihnachts-Krömle = Weihnachtsgebäck Biost-Kuocho = Siehe Heimat 11, S. 9/9 Trestorkäsle = Heizmaterial aus Obstabfällen 5 Lorkäs = das Gleiche. Lor ist eigentlich Gerberlohe, die man nach dem Auslaugen ebenfalls zum Verheizen preßte. 6 Löost zum Botschomacho = Leisten für Hausschuhe 18 19 Dorf mitgenommen. Wir schätzten den freundlichen Hausmetzger nicht nur als Meister seines Fachs, sondern auch als strammen Jäger und tüchtigen Pomologen. Das Haus 110 gehörte dem alten Gabelmacher. Er war schon über 90 Jahre, als er unsere ersten Schistöcke machte. «S Uhrowible»' war seine technisch begabte Schwiegertochter Maria im oberen Stock. Mit ihrem großen Plattenkasten unter dem schwarzen Tuch machte sie die schönen Fotos aus unserer Jugendzeit. Gegenüber wurde in dem neuen Haus 339 - im untersten an der Straße nach Lauterach eifrig gestickt. Guldenschuhs Seppl und Manfred waren dort daheim. Jetzt ging es wieder dem Dorf zu. In dem schönen Park bestaunten wir die Villa mit dem Glockentürmchen. Über Veres von Haus Nr. 333 will ich weiter hinten mehr erzählen (S. 22). Thalers Josef, Nr. 111, hatte weit und breit die besten «Krioso». Auch in diesem Haus ist der einzige Sohn Erwin im Krieg gefallen. Bei «Orglars» erreichte man wieder die obere Bütze. Ein schmaler Weg mit Fahrverbot für Autos führte von hier an dem in Mauern gefaßten «Toblars Grabo»2 entlang zur Schule hinaus. Rohners Albert war Schlosser. Er bastelte herrliche Oldtimer-Autos zusammen. Am Sonntag spielte er die Orgel in der Kirche. Mit ihrem Modegeschäft sollen die Schwestern Sophie, Adelheid und Klara einst die am besten gekleideten Jungfrauen gewesen sein. Wir kannten sie nur mehr als schrullig gewordene ältere Damen. Joseph, den jüngsten von Orglars, nannte man den «Musar»3. Er mußte den Bützemädchen und den Buben manchen Streich verzeihen. Wenn wir am Bach spielten, trafen wir beim Haus 113 manchmal den alten Sticker Ferdinand Köb und seine stille Frau mit dem seltsamen Außerferner Dialekt. Wir wußten nicht, daß sie Laura und Emilie, zwei als Chorsängerinnen sehr beliebte Töchter, ganz jung verloren hatten. Nun blieb ihnen nur mehr Tochter Ferdinanda, die damals auf der Post die Telefonstöpsel steckte. Über dem Bach drüben baute 1937 der Schulleiter Mohr ein neues Haus. Weil im Dorf droben ein Haus aufgelassen worden war, erbte er von dort die niedrige Nr. 120. Vor dem Schulleiter hatten alle Buben einen heiligen Respekt, aber im Unterricht haben wir ihn als Lehrer sehr geschätzt. In der KellhofStraße beendigen wir den Rundgang bei «Mohro Stase». Die alte Frau war immer noch voll Temperament. Weil wir bei ihr oft den letzten Honig aus den frischgeschleuderten Bienenwaben kauen durften, haben wir sie in besonders süßer Erinnerung. Die neue Zeit Am Ende des letzten Krieges rissen am 2. Mai 1945 französische Panzer mit ihren Ketten die Kurven in der Bütze tief auf. Marokkaner nächtigten in den Heustadeln und Mulis weideten die Felder ab. Allmählich kehrten die Männer aus der Gefangenschaft zurück. Eine neue Zeit begann. Ab 1949 wurden da und dort Einfamilienhäuser gebaut. 1954 gruben «Baraber»1 tiefe Gräben und verlegten Kanal und Wasserleitung, und 1956 wurden Bützestraße und Lauteracherstraße asphaltiert. So hießen sie jetzt, denn man hatte 1954 die alten Hausnummern abgenommen. Noch zehn Jahre freuten sich die Bützeleute an ihrer neuen Straße. Das änderte sich schlagartig, als 1964 auch die bisher mit Fahrverbot belegte Unterlindenstraße ausgebaut und der Durchzugsverkehr in den Bregenzerwald auf die Bützestraße verlegt wurde. Große Siedlungen in den Feldern waren entstanden, und 1967 wurden an dem einst so beschaulichen kleinen «Bregenzer Weg» die neue Volksschule Bütze und ein moderner Kindergarten eröffnet. In der Lerchenstraße wuchsen Wohnblocks in den Himmel, überbreite Straßen wurden asphaltiert, viele alte Fußweglein verschwanden. Am meisten veränderte sich das Bützezentrum. 1981 errichtete die Raiffeisenbank hier ihr mächtiges Gebäude. Fast gleichzeitig entstand das Unterlinden-Geschäftszentrum mit Sparmarkt, Apotheke und BTV. Der Schwanenmarkt und die Bregenzer Sparkasse vervollständigten den Kreis der Geschäfte. Längst hatte der Gemeindearzt Dr. Schneider seine Ordination von der Hub an den verrohrten Töbelebach verlegt. An der Lauteracherstraße wurde 1979 das schöne Altersheim eröffnet, und auch Dr. Vorhofer ließ sich dort nieder. Verschwunden sind die alten Golgg-Brunnen2 und der Bach. Die meisten Stalltüren sind geschlossen. Kein Viehtrieb wagt sich mehr auf die von Autoschlangen beherrschten Straßen. Kinder müssen mit kleinen Rutschbahnen in Rasengärten vorlieb nehmen, Buben weite Wege zu den Sportplätzen machen. Die vielen neuen Bützeleute fahren mit dem Auto zur Arbeit und zum Einkauf, und am Abend ziehen sie sich an den Fernseher zurück. Viele sind einsam, bleiben einsam. Aber es gibt natürlich auch Ansätze, die Hoffnung machen. In «Toblars Gartohüsle»3 sitzen zum Beispiel an den Sommerabenden Nachbarn beisammen und erzählen von den alten Bützezeiten. Und «bi Flatzo Isidoro duß»4 haben Theo Pompl und sein Team sogar wieder Wasser in den Töbelebach gezaubert. Der Bach hat die Bütze einst geschaffen. Daß dort wieder Wasser fließt, gibt Hoffnung auf ihren Fortbestand. 1 2 3 s Uhrowible = Uhrenweiblein Toblars Grabo = Tobelbach Musar = Mäusefänger 1 2 Baraber = Bau-Hilfsarbeiter Golgg-Brunnen = Pumpbrunnen 3 4 Gartohüsle = Gartenhäuslein bi Flatzo Isidoro duß = bei Flatz Isidor draußen 20 21 Siegfried Heim Veres Stickerei Bis zum Jahre 1840 hatten viele Wolfurter Familien mit den Handwebstühlen in ihren feuchten Webkellern einen Teil ihres Lebensunterhaltes verdient. Als die Konkurrenz durch die neuen Fabriken die Weber brotlos machte, mußten um die Mitte des 19. Jahrhunderts etwa 200 junge Wolfurter nach Amerika auswandern. Andere fanden in der Kennelbacher Fabrik Arbeit für kargen Lohn. Auch die vielen Nachtstunden am Stickrahmen trugen ein paar Kreuzer ein, allerdings auch entzündete Augen vom dürftigen Licht der Kunkel1. Ab 1865 wurde in Vorarlberg die einnadelige Kettenstichmaschine eingeführt. Bald schnurrte die «Pariser Maschine», wie sie bei uns genannt wurde, in den meisten Häusern, weil man damit bis zu 30 Schweizerfranken im Monat (!) verdienen konnte. In der Schweiz liefen um diese Zeit aber bereits Handstickmaschinen. Von der rechten Hand des Stickers getrieben, stickten einige Hundert auf beiden Seiten zugespitzte Nadeln ihre Muster auf den feinen Stoff. Zwar kostete eine solche Maschine etwa 3.000 Franken, aber sie trug hohen Gewinn ein. Im Jahre 1869 kamen die ersten Handstickmaschinen über den Rhein nach Lustenau und im gleichen Jahr eine auch schon - von allen Leuten bewundert und bestaunt - zu Gebhard Fischer, Seppos, auf die Steig nach Wolfurt. Die Stickerei wurde für die Wolfurter immer wichtiger, besonders seit Joh. Walter Zuppinger 1892 im Schlatt die erste Schiffle-Stickmaschine Vorarlbergs aufgestellt hatte. Eine solche «Schnelläufer»-Maschine kostete etwa 10.000 Franken, leistete aber das Siebenfache einer Handstickmaschine. Mit dem «Pantograph»2 tastete der Sticker das Muster ab und übertrug es in die Maschine. Eine Spulerin, oft ein junges Mädchen, füllte die Schiffchen mit dem Stickfaden und fädelte ein. Die «Noh-Luogare»3 überwachte die Schiffchen und den Lauf der vielen Nadeln. Das Beispiel Zuppingers fand Nachahmer. In Rickenbach waren es vor allem der Kreuzwirt Haltmeyer und Fischers auf der Steig und in Spetenlehen. Im Dorf stellten Lehrers auf dem Bühel, Bildsteins im Röhle und Veres in der Bütze ab 1898 ihre ersten Schiffle-Stickmaschinen auf. Als Antrieb dienten bei Zuppinger die Turbinen seiner Mühle mit einem System von Lederriemen-Transmissionen. Die anderen mußten sich mit teuren Benzinmotoren begnügen, bis Albert Loacker 1900 und 1901 den elektrischen Strom aus seinem Werk Schwarzach nach Wolfurt leitete. Zwar besaßen die meisten Textilfabriken Vorarlbergs damals schon einige Jahre lang ihre eigenen privaten Elektrizitätswerke. Aber Schwarzach und Wolfurt waren durch die Überzeugungskraft ihrer Politiker Johann Kohler und Wendelin Rädler die ersten Gemeinden, die flächendeckend die ganze Bevölkerung mit Licht- und Kraftstrom versorgten. Das nützten vor allem die Wolfurter Sticker aus. Überall wurden Sticklokale in die Häuser eingebaut oder als kleine Fabriken errichtet. Im Jahre 1908 liefen 115 Maschinen von 6 3/4 bis 10 Yard Länge in der Gemeinde. Weil die Arbeitskräfte nicht ausreichten, ließen sich 450 Fremde («Gastarbeiter») hier nieder. Die Einwohnerzahl schnellte auf 2.200 hinauf.1 Über das Stickereifieber hat Chronist Engelbert Köb erzählt.2 An dieser Entwicklung hatten Veres in der Bütze ganz besonderen Anteil. Hier will ich daher zuerst die Familie vorstellen: Veres sind in Wolfurt die älteste Schertler-Linie, älter als Altvorstehers, die Röhle- und die Flotzbach-Schertler3 und viel älter als die Kassiänler-Schertler. Als Sohn des Johann Schertler und der Ursula Greußing in Lauterach heiratete Johann Schertler schon am 25. Mai 1687 nach Wolfurt. Seine Frau Katharina Barth aus Württemberg schenkte ihm 9 Kinder. Anton Johann Schertler heiratete 1729 Agatha Greußing aus Bregenz. Wo sie im Kirchdorf wohnten, ist nicht festzustellen. Aber das zweite von ihren 8 Kindern, Michael Schertler, 1731-1800, läßt sich im Seelenbeschrieb von 1760 bereits als Schreiner an der Feldgasse nachweisen. Sein Haus stand an dem Platz (Kreuzstraße 4), wo heute der Schreiner Josef Bernhard wohnt. Michael war dort zweimal verheiratet und hatte 15 Kinder. Aus seiner zweiten Ehe mit Xaveria Schelling von Bildstein-Gitzen stammt Xaver Schertler, 1771-1833. Ab jetzt hatte die Sippe zwei Hausnamen: vom Vater Michael her hieß sie «Schrinars», nach dem Sohn wurde sie «Veres» genannt. Auch Vere war ein Schreiner.4 Er heiratete im Jahre 1800 Catharina Bildstein aus Hanso Hus. Ihre Schwester Ursula wurde auf der Steig die Mutter von Sepp Fischer und damit die StammMutter der tüchtigen «Seppar»5. Catharina und Vere begründeten in der Bütze ein nicht weniger tüchtiges Geschlecht. Um das Jahr 1805 erbauten sie dort an der Straße nach Lauterach ihr neues Haus, das im Familienbesitz verblieb, bis es «Schrinars» Armin im Jahre 1971 abbrach (Lauteracherstraße 6). 7 Kinder hatte man bei Veres. Davon wurde Franziska, 1803-1853, verheiratet im Nachbarhaus mit dem Wagner Martin Dür, eine Ahnin der Schwerzler aus dem Tobel, die heute dort wohnen. 1 2 1 Kunkel = Kerzenlicht, durch ein Kugelglas gesammelt Pantograph = Zeichengerät zum Vergrößern und Verkleinern Noh-Luogare = Nachschauerin 2 3 Viele Angaben sind dem Buch von Hans Nägele «Textilland Vorarlberg», 1949, entnommen. Heimat 5, Seiten 34 und 35 Heimatll,S. 37 und 8, S. 13 4 5 Siehe die Rechnung in Heimat 9, S. 39 Siehe Heimat 11, S. 22 22 23 Der Sohn Josef Anton Schertler, 1806-1878, war wie seine Vorfahren Schreiner. Er holte aus dem Dorf Katharina Vonach, eine Tochter des reichen Vorstehers Andreas Vonach, als Frau in die Bütze. Weil bei ihren 9 Kindern alle die schönen Namen der Familie wiederkehren, schreibe ich sie auf: 1. Franziska 2. Rosina 3. Waldburga 4. Gebhard 5. Xaver 6. Anna Maria 7. Bernhard 8. Andreas 9. Angelika Drei davon machten später Wolfurter Stickereigeschichte: Waldburga, Xaver und Bernhard. Gebhard ist als 25jähriger schon 1866 nach Amerika ausgewandert. Waldburga, 1839-1916, heiratete im Strohdorf den Zimmermann Josef Anton Gmeiner, «Disjockeles». Ihre Kinder waren der Sticker Martin Gmeiner, 1875, «Knore» (Vater von Knores Ziskele), der Sticker Albert Gmeiner, 1878 (Vater von Filomena Fischer) und Franziska, 1877, verheiratet mit dem Sticker Johann Fischer (Eltern von Ratzers Cilla). Xaver Schertler, 1843-1915, - noch einmal ein «Vere» -, kaufte 1873 das alte Haus Kellhofstraße 2 (Höfles, abgebrochen 1980) und hatte dort mit seiner Frau Katharina Böhler neun Kinder, von den sechs groß wurden: Bernhard, 1874, Sticker und Maschinen Vertreter in der Villa (Vater von Villa-Armin und Geschwistern) Maria, 1879, verheiratet mit dem Sticker Anton Fischer im Röhle (Mutter von Sammars Hubert und Geschwistern) Katharina, 1882, verheiratet mit dem Metzger Reiner im Dorf (Mutter von Heidi Rist im Lamm, Neide Böhler, Klara und Liebhilde) Josef, 1886, «Veres Seppl» Anna, 1889, «Schwarz-Anna», verheiratet mit Dür Seppl Xaver, 1893, gefallen 1916 in Rußland Bernhard Schertler, 1848-1923, war im Elternhaus in der Bütze mit Katharina Rohner verheiratet. Von ihren fünf Kindern lebten dort die Töchter Emma, 1889, (Mutter von Schrinars Irma und Hedwig) und Anna, 1894, verheiratet mit Franz Reiner, Schäflewirts aus Lauterach (sieben Kinder: Angelika, Franz, Elsa, Hilda, Luzia, Herlinde und Armin). Um das Jahr 1900 taten sich also die drei Geschwister Waldburga, Vere und Bernhard zu einer Stickereigemeinschaft zusammen. Unterhalb von Schrinars Hus errichteten sie an der Unterfeldstraße eine Halle und stellten darin fünf große Schifflemaschinen auf. Die meisten von ihren vielen Kindern fanden hier Arbeit, die großen Buben als Sticker, die Mädchen als Nachschauerinnen und Schifflefüllerinnen. Täglich rasselten die Maschinen 16 Stunden lang, mit dem neuen elektrischen Licht oft bis Mitternacht. Wohlstand breitete sich aus und wurde in den Spitzenkleidern und seidenen Sonnenschirmen der Mädchen am Sonntag sichtbar. Die Männer ließen sich mit modernen Velozipeds1 aus der Schweiz fotografieren. 1 Velozipeds = Fahrräder, die die alten unbequemen Hochräder ablösten Bernhard Schertler, Veres. 1874-1924. Sticker, Maschinenvertreter, Erbauer der Villa. (Nicht verwechseln mit seinem Onkel Bernhard Schertler, Schrinars, 18481923!) 24 25 Die untere Bütze im Jahre 1910. Links die obere Stickerei und Schrinars Hus, rechts die untere Stickerei und Thalers Hus. Veres Bernhard übernahm zudem die Generalvertretung der Vogtländischen Maschinenfabrik in Plauen und lieferte in dem sich ausbreitenden Stickereifieber zahlreiche «Plauener» Stickmaschinen im ganzen Unterland aus. Darunter waren auch schon »Automaten», bei denen der Sticker und sein Pantograph durch Lochkarten, in die der «Puntschar» 1 das Muster gestanzt hatte, ersetzt wurden. Schnell wurde Bernhard sagenhaft reich. Schon 1905 baute er für sich ganz allein eine zweite Stickereihalle mit ebenfalls fünf Maschinen. Man nannte diese Halle im Gegensatz zur ersten «die untere Spinne». 1907 errichtete er daneben mit der «Villa» ein Landhaus «im altdeutschen Stil», das alle anderen Häuser jener Zeit an Schönheit und Luxus weit übertraf. Nur in der im gleichen Jahr errichteten Villa Zuppinger gab es ein ebenbürtiges Gegenstück. Aufwendige Veranden, ein hoher Glockenturm und der «englische» Park machten schon von außen großen Eindruck. Im Innern sorgten großartige Stuckdecken, kostbare Möbel und zwei beheizte Badezimmer für ganz außergewöhnlichen Komfort. 2 VillaSchertler,1907, noch ohne Parkanlage. Dahinter die «untere Spinne». Vom lustigen, oft übermütigen Leben der Sticker erzählt man sich vielerlei Geschichten. Eine bezeichnende ist die folgende: Im neuen oberen Friedhof wurden 1911 die Arkaden als Familiengrabstätten versteigert. Die allerteuerste erste erwarb Veres Bernhard mit dem lachenden Hinweis: «Wenn einst die Posaunen zur Auferstehung blasen, will ich auf dem Weg zum Römerstüble' im Schwanen der erste sein!» Die ungesunde Arbeit in den Stickereilokalen forderte auch ihre Opfer. Besonders auf die Kinder, die bloßfüßig in den zugigen Räumen arbeiten mußten, lauerte «s Uszehro» 2 . Als Bernhard Schertler 1924, genau 50 Jahre alt, plötzlich starb, hatte die Stickerei ihren Höhenflug längst beendet. Die Maschinen wurden verschrottet. Die jungen Sticker wanderten nach Amerika aus oder suchten andere Arbeit. 1925 begannen, zuerst in der oberen, ein Jahr später in der unteren «Spinne», Fideles Ernst und Ludwig mit der Erzeugung von «Pappodeckol-Röhrle» 3 für die Spinnerei-Fabriken und mit den ersten Schachteln. 1927 bauten sie selbst eine Halle an der Unterlindenstraße und entwickelten 1 2 ' Puntschar = Vom englischen «punch» = stanzen, lochen 2 In den meisten Wolfurter Häusern baute man erst nach 1955 Badezimmer ein. 26 Das Hinterzimmer im Schwanen hatten die Sticker mit kostbaren geschnitzten Möbeln und farbigen Fenstern als «Römerstüble» eingerichtet. s Uszehro = Tuberkulose 3 Pappodeckol-RöhrIe = Kartonhülsen 27 Siegfried Heim Als Kommunistin in der Schweiz Das abenteuerliche Leben eines Mädchens aus der Bütze Musikanten bei Schrinars, 1938. Die Schwestern Emma Schertler und Anna Reiner, dazwischen Königs Albert und Franz Reiner. Dahinter Toblars Otto, Irma und Johann Schönenberger. daraus die Firma Kartonagen-Gmeiner. In die leeren Sticklokale zog ein Jahr lang die Electricus-Volta ein, deren Betrieb in Bregenz ausgebrannt war. Dann wurde in der oberen Spinne eine Nudelfabrik Hermann Gunz eingerichtet und nach deren schnellem Ende wohnten sogar Leute darin: Frickeneschers Tante Gottfrieda mit ihrem Mann Alois, der hier Stiele und Besen erzeugte. In der unteren Spinne vernickelte eine Zeit lang ein Schwabe allerlei Metallteile. Baufällig geworden mußten in den 30er-Jahren schließlich beide Sticklokale abgebrochen werden. Von der oberen Spinne kann man noch heute die Grundmauern am Eingang zur Unterfeldstraße sehen. Ein paar Blumen finden darin Schutz. Am Platz der unteren Spinne hat Villa-Armin nach dem Krieg die Mosterei Schertler gebaut und seither darin den «Wolfurtar Subirar»1 gebrannt. Armin Schertler, Jahrgang 1912, ist der letzte männliche Namensträger aus «Schrinar Veres» Geschlecht, das seit 1687, also seit mehr als 300 Jahren, Wolfurt und vor allem die Bütze mitgestaltet hat. 1 Wolfurtar Subirar = ein Edel-Obstbranntwein 1901, 11. Jänner, 1/2 9 Uhr spät half die Hebamme Johanna Gmeiner im Strohdorf 154 einem kleinen Mädchen zur Welt. Am anderen Tag wurde es in der Pfarrkirche von Pfarrer J. G. Sieber auf den Namen Filomena getauft. Da sah wohl noch niemand die dunklen Wolken über seinem künftigen Weg. Die Wolfurter Schelling stammten aus Bildstein. Schon im 17. Jahrhundert waren sie ins Frickenesch herab und um 1800 bis ins Tal gestiegen, wo ihre Familien an verschiedenen Orten an der Hub und im Dorf wohnten. Franz Schelling erwarb zur Hochzeit 1876 die eine Hälfte eines alten Doppelhauses (Kaufmanns im Strohdorf, abgebrannt 1935 am Platz Kirchstraße 9), wo er mit seiner aus Bildstein stammenden Frau Filomena Gunz fünf Kinder großzog. Bernhard, 1876, wurde später der Sennereimann in der Bütze. Johannes, 1877, ist 1915 bei Przemysl gefallen. Agatha, 1879, heiratete Florian Klocker («Strickars») und wurde Mutter von fünf Kindern. Gebhard, 1882, lebte mit seiner Frau Josefina Vill in verschiedenen Mietwohnungen, bis sie 1925 «Schellings Hus» im Strohdorf (Kirchstraße 7) erwerben konnten. Von den drei Söhnen blieb dort Walter, Jg. 1910, als letzter von den Wolfurter Schelling. Die Brüder Franz, 1908, und Albert, 1918, waren beide Leiirer geworden. Sie hatten ihre Familien in Bregenz und Hörbranz. Von Albert Schelling (- Er ist an allem Zeitgeschehen sehr interessiert. Sein Sohn ist Stadtrat in Bregenz. - ) habe ich folgende Geschichte erfahren. Er hat mir auch die Unterlagen aus der Zeitung «Schweizer Beobachter» aus dem Jahre 1970 zugeleitet. Sein Vater hatte noch eine weitere Schwester gehabt, von der man wenig sprach: Maria Anna, geboren 1878. Als Mädchen ging sie mit den anderen Strohdörfler Mädchen in die nahe neue Schule. Dann mußte sie Geld verdienen wie die andern, in der Fabrik, in der Stickerei, als Magd. Und dann ist sie «gefallen». Mit 22 Jahren erwartete sie ein Kind. Das war in jener bigottischen Zeit um 1900 für ein lediges Mädchen ein schreckliches Unglück. Mit Fingern zeigte man auf «solche», tuschelte im Kreis der Nachbarinnen, gab sie dem 28 29 Gespött der Männer und der Jugend preis. Maria Anna fand wenigstens bei der Mutter und den Brüdern einen schützenden Winkel, wo sie im Winter 1901 ihr Kind in die Wiege legen konnte. Aber ihr Herz war zerbrochen. Vier Wochen nach der Geburt der kleinen Filomena trug man die junge Mutter auf den Friedhof. Ein paar Jahre später übersiedelte die Familie in die Bütze. Mit dem Stickereiverdienst der beiden großen Buben Bernhard und Hannes hatte Vater Franz das schöne Bildsteinhaus mit der Nr. 100 in der Bütze (Bützestraße 15) kaufen können. Erstarb schon 1912. Zwei Kinder hatten aus dem Haus geheiratet, Hannes blieb im Krieg. Nun war die kleine Filomena mit der Großmutter und dem ledigen Onkel Bernhard allein. Seit die Stickerei nichts mehr einbrachte, war die Familie arm geworden. Das große Gut beim Haus trug viele Obstbäume. Man konnte eine Kuh und zwei Geißen halten, und Bernhard suchte als Taglöhner Verdienst. Erst 1926 hat er seine Anna geheiratet und noch später die Sennereiarbeit übernommen. Da war aber Filomena längst nicht mehr im Haus. Hatte sie denn nicht auch einen Vater? In den Papieren scheint jedenfalls keiner auf. Er muß aber wohl ein Staatsdiener gewesen sein. Zur Zeit ihrer Heirat 1923 findet er sich plötzlich als Polizeihauptmann in Marienbad und versucht, die Heirat zu verhindern. Seinem Einfluß gelang es, den ungeliebten «Schwiegersohn» von der Polizei einsperren zu lassen, aber Filomena hielt zu ihrem Mann und holte ihn gegen «Vaters» Willen aus dem Gefängnis. Aber so weit sind wir noch nicht. Filomena, das «Ledigkind», wuchs einsam in der Bütze auf. Gleichaltrige Spielgefährtinnen waren Bergers und Zwickles Mädchen, doch Filomena mußte in der Notzeit des Weltkrieges und danach hart arbeiten. Als Bedienung fand sie eine Anstellung in der Schweiz. Im größten St. Galler Cafe wurde sie sogar Kassiererin. Dort trat ihr das Schicksal in Gestalt eines jungen Mannes entgegen. Sie fanden sich schnell, denn auch er hatte bereits ein ungewöhnlich hartes Schicksal hinter sich. Otto Brunner, später als Spanienmajor und oberster Kommunist von Zürich einer der umstrittensten Schweizer, war 1896 in Rieden im Kanton St. Gallen geboren worden. Sein Vater war Sozialdemokrat, wechselte immer wieder seine Arbeitsstellen und wanderte schließlich 1913 mit der Familie nach Brasilien aus. Als Farmer fristeten sie ein kümmerliches Dasein. Der 19jährige Otto wurde zum Wilddieb und mußte fliehen. Er heuerte als Seemann auf einem Frachter an, wurde aber bald in New York zum Dienst in der U.S. Navy gepreßt, obwohl er als Schweizer Ausländer war. Als in Rußland nach der Revolution von 1917 ein Bürgerkrieg ausgebrochen war, intervenierten die Amerikaner gegen die Bolschewiken. Brunners Schiff brachte «Exilrussen» zum Einsatz nach Murmansk. Als diese meuterten, wurde dort am Hafen jeder zehnte erschossen. Dieses schreckliche Erlebnis brachte Brunner auf die Seite der roten Fahne. Er kehrte in seine Heimat St. Gallen zurück und schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch die kritische Zeit. Im Cafe lernte er die Kassiererin «Milly» kennen. Filomena hatte mit ihrer harten Jugend auch den alten Namen in der Bütze gelassen und nannte sich jetzt «Milly». Schnell waren sich die zwei einig und beschlossen, nach Brasilien auszuwandern. In Wolfurt ging nur die knappe Mitteilung ein: Filomena Schelling verehelicht am 24. Okt. 30 Milly und Otto Brunner als Farmer in Südamerika. 1923 mit Otto Brunner von Rieden im Kanton St. Gallen. Nach Überwindung des Hamburger Gefängnisses fuhren die zwei Flitterwöchner auf einem alten Frachtschiff nach Rio de Janeiro und siedelten sich in einer Kolonie weit oben am Rio Paranä an. Stolz ließ sich Milly auf dem Reitpferd mit ihrem Mann vor dem primitiven Holzhaus fotografieren und schickte das Bild ihrer alten Großmutter nach Wolfurt. Aber Otto war nicht zum Farmer geboren. Bald bildete er eine Selbstschutzgruppe gegen die Übergriffe der Großgrundbesitzer, beteiligte sich aktiv an einer Revolution - und mußte fliehen. Frau Milly stand allein da, verkaufte den Grundbesitz und schlug sich zu ihrem Otto nach Sao Paulo durch, wo er inzwischen als Installateur auf einer Baustelle arbeitete. Im Herbst 1927 trafen sie wieder in der Schweiz ein, diesmal in Zürich. Kaum hatte Otto Brunner hier Arbeit als Heizungs- und Sanitärmonteur gefunden, wollte er auch schon die gar nicht rosige Situation der Arbeiter verbessern. Die 600 Heizungsmonteure wählten ihn zum Anführer. Als solcher organisierte er 1932 in Zürich einen großen Streik, der zu blutigen Unruhen führte und schließlich zusammenbrach. Trotzdem wurde Otto Brunner im folgenden Jahr als Kommunist in den Zürcher Gemeinderat und auch in den Kantonsrat gewählt. Was mögen das für unruhige Zeiten für die einfache Frau an seiner Seite gewesen sein? Aber es kam noch schlimmer! 31 In Spanien war 1936 der Bürgerkrieg ausgebrochen und hatte sich zum Aufmarsch der faschistischen gegen die republikanischen und sozialistischen Kräfte Europas entwickelt. Da trieb es auch Otto Brunner hin. Als Polifkommissar in einem internationalen Bataillon mit 120 Deutschen, 100 Österreichern, 150 Polen, Tschechen und Rumänen und 45 Schweizern kämpfte er an vorderster Front. Mit bunt zusammengesuchten Gewehren wehrten sie sich gegen die glänzend ausgerüstete «Legion Condor» Hermann Görings und gegen Mussolinis Divisionen. Als der Bataillonskommandeur versagte, übertrug man Brunner die Verantwortung. Neun Monate stand er in mörderischem Kampf, dann wurde er lebensgefährlich in der Brust verwundet und kam «nur durch ein WundeD> mit dem Leben davon. Jetzt eilte Milly durch alle Kriegswirren aus der sicheren Schweiz an seine Seite und pflegte ihn gesund. Sie blieb auch bei ihm, als er in aussichtsloser Situation das Kommando über Barcelona übertragen bekam. Erst nach der Bombardierung der Stadt schickte er sie heim in die Schweiz. Der verbissene Kampf gegen die gewaltige Übermacht blieb erfolglos, der geschlagene Rest der internationalen Brigade mußte sich nach Frankreich zurückziehen. In der Schweiz kam Brunner wegen «fremden Kriegsdienstes» für sechs Monate ins Gefängnis. Dann arbeitete er wieder als Monteur in Zürich und als kommunistischer Politiker. Weil er auch die Mißstände in der eigenen Partei hart kritisierte, wurde er 1951 ausgeschlossen. Einen endgültigen Bruch vollzog Otto Brunner, als 1968 sowjetische Truppen in die Tschechoslowakei einmarschierten. Um diese Zeit dürfte auch seine Milly in Zürich gestorben sein. In einem Interview hielt ihr der alternde Revolutionär einen Nachruf: Sie war ganz unpolitisch. Als gütige, mitflihlende Frau, die überall zu helfen versuchte, wo Not herrschte, hat sie mich verstanden. Wir hatten eine schöne Zeit zusammen. Viel zu früh ist Milly gestorben. - Milly-Filomena, das Mädchen aus der Bütze. Siegfried Heim Wendelin Rädler Schulmann und Sozialreformer Vor 80 Jahren ist er gestorben. An seinem Grab standen hohe Würdenträger, Landtags- und Reichsratsabgeordnete. Dann wurde er vergessen, bis die Raiffeisenbank ihrem Gründer 1985 anläßlich seines 150. Geburtstages eine Gedenktafel widmete. Seine lebenslange politische Arbeit wirkt aber noch heute im ganzen Land nach. Als 1955 der Kanal in der Bützestraße verlegt wurde, stand hinter Kalbs Haus noch Schellings, wo Milly Schelling gewohnt hat. Zwischen beiden Häusern zwängte sich der Bregenzerweg durch. Wendelin Rädler, 1835-1913 33 32 1. Der Lehrer Rädler Am 21. Oktober 1835 kam in dem abgelegenen Bergbauernhof Hegisberg oberhalb Hirschbergsau bei Langen der kleine Wendelin zur Welt. Sein Vater Martin Rädler, 18041881, war dort aufgewachsen, die Mutter Katharina Geiger, 1808-1890, stammte aus Bildstein. Die damalige Not der Bauern mag der Anlaß gewesen sein, daß die Eltern den Bauernpatron St. Wendelin von der Fluh zum Schützer ihres Kindes wählten. Aber schon ein paar Jahre später mußten sie ihren Hof aufgeben und im Fabriksort Kennelbach Arbeit suchen. Dort ging nun Wendelin in die Dorfschule. Als guter Schüler erhielt er schon mit 11 1/2 Jahren sein Entlassungszeugnis. Wie ein Erwachsener mußte er jetzt arbeiten. Er aber wollte lernen. Mit 16 Jahren durfte er den Winter über einen Lehrer-Kurs in Bregenz besuchen. Dafür bekam er anschließend eine Anstellung als Unterlehrer in Kennelbach. Die Vorgesetzten waren so zufrieden mit ihm, daß er drei Jahre später ein «Sehr gut» im Lehrbefähigungszeugnis und für kurze Zeit sogar eine Berufung an die Kreis-Hauptschule Bregenz erhielt. Allerdings war die Entlohnung gar karg bemessen. Von Anfang an mußte sich Rädler als Privatlehrer in der Firma Schindler ein Zubrot verdienen. Im Sommer reiste er als Vertreter für Teigwaren. Außerdem vermittelte er als Auswanderer-Agent Schiffskarten von Le Havre nach New York. Seine Schönschreib-Vorlagen fanden in den meisten Schulen des Landes Verwendung und brachten ihm als «Kalligraph» auch Anerkennung von der Schulbehörde. Im Sommer 1868 besuchte er einen Kurs zur landwirtschaftlichen Fortbildung in Wien und war von jetzt an besessen von seinem Auftrag, die Bauern im Lande zu bilden. 1876 wurde er Schulleiter an der Volksschule Wolfurt. Mit den aus Innsbruck neu zugezogenen Barmherzigen Schwestern baute er die Schule von drei auf fünf Klassen aus. Für die Erwachsenen richtete er eine Wiederholungsschule ein und für die Jugend landwirtschaftliche Fortbildungskurse. Wegen seines verminderten Gehörs ging er als 60 jähriger 1895 in Pension, doch blieb er seiner Schule als Ortsschulaufseher noch viele Jahre verbunden. Er leitete Obstbaukurse und organisierte 1899 bis 1906 eine gewerbliche Fortbildungsschule für Sticker und Handwerker in Wolfurt. Auch wenn er inzwischen seine unermüdliche Schaffenskraft auf andere Gebiete ausgedehnt hatte, so blieb er doch ein Lehrer. Ab 1897 redigierte er daheim in seiner Stube die Zeitung des Genossenschaftsverbandes, die mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren in fast allen bäuerlichen Haushalten Vorarlbergs gelesen wurde. Aus der Fülle seiner pädagogischen Beiträge ein paar Überschriften: - «Was dem Bauer not tut» - «Die Trunksucht, ein Hauptfeind der Sparsamkeit und Wohlhabenheit» - «Über Wert und Unwert des Taschengeldes bei Kindern» - «Wie man mit dem Holze sparen kann» - «Hausregeln für Ehefrauen» - «Verspätetes Mähen gibt wohl mehr, aber schlechteres Heu» Und überall im Land folgten Menschen dem Rat des «Oberlehrers i.R.» Ein Beispiel aus Rädlers Verbandszeitung: Hausregeln für Raiffeisensche Ehemänner. Ein gutes Weibchen, dies merke fein, Will mit Vernunft behandelt sein; Sanft sei Dein Wille, Dein Gebot! Der Mann ist Herr, doch nicht Despot. Macht irgendwas den Kopf Dir kraus, So üb' es nicht am Weibchen aus. Verlang' nicht alles zu genau Du fehlst, warum nicht auch die Frau? Wenn 's Weibchen Dich um Geld anspricht, Und sie bedarf's, so - knurre nicht! Im Aufwand schränke Dich zwar ein, Doch mußt Du auch kein Knauser sein; Lauf nicht zum Trank und Spiele aus, Hast Zeitvertreib genug zu Haus! 35 Das Schulhaus zu Rädlers Zeit (1905). Auf seine Initiative gingen Bienenhaus, Weinreben und Obstbäume zurück, aber auch die Einrichtung einer Gemeindekanzlei. 34 2. Der Casino-Gründer Von besonderer Bedeutung für Rädler war die Begegnung mit dem Politikerpriester Thomas Amman. Als junger Kurat von Kennelbach unterrichtete dieser mehr als zehn Jahre an der gleichen Schule mit ihm. Ammann setzte 1866 sein ganzes Vermögen zur Gründung des «Vorarlberger Volksblattes» ein, das mit Unterbrechung in der NS-Zeit bis zum Jahr 1972 als christlich-soziales Parteiblatt bestand.Erster Redakteur war Pfarrer Josef Rudigier aus Partenen, ein Bruder des streitbaren Bischofs Rudigier von Linz. Von Anfang an sicherte sich Ammann aber auch die Mitarbeit seines Kollegen Wendelin Rädler. Bald wurde die von vielen Geistlichen - nicht vom Bischof - unterstützte Zeitung ein Kampfinstrument, das mit dem Aufgreifen der sozialen Not von Arbeitern und Bauern einen politischen Umsturz einleitete. Als der Kulturkampf in Österreich nach der Niederlage von Königgrätz einem Höhepunkt zustrebte, nahmen fünf Vorarlberger Lehrer 1867 an den Beratungen zum umstrittenen Reichsvolksschulgesetz in Wien teil. Leo Haffner berichtet darüber («Kasiner» 1973, S.147): Bei der Rückreise nach Vorarlberg, welche die fünf Lehrer (ab Innsbruck) zu Fuß unternahmen und die sie über Telfs, Mieming, das Lechtal undSonthofen nach Riefensberg und von dort nach Hause führte, faßten Martin Thurnher, Wendelin Rädler und Konrad Hagspiel den Entschluß, politisch aktiv zu werden. Und sie begannen sogleich während des Fußmarsches aus dem Stegreif Redeübungen abzuhalten. Bald nach der Rückkehr suchten die drei Genannten zusammen mit anderen Männern die Gründung eines Vereins in die Wege zu leiten. So entstanden denn auch jetzt rasch hintereinander der Katholische Lehrerverein, die vielen Katholischen Casinos und 1870 aus deren Zusammenschluß der «Katholischpolitische Volksverein», der sich ab 1893 «christlich-sozial» nannte. Die Not in unserem Land war damals unvorstellbar groß. Auf den Zusammenbruch der Hausindustrie durch den Bau der Fabriken war ganz schnell wegen des Imports von Billiggetreide der Rückgang des Getreidebaus gefolgt. Viele Bauern waren bei den Bürgern der Stadt hoch verschuldet, konnten aber ihre Kredite nicht bezahlen. Viele junge Leute wanderten nach Amerika aus. Die anderen suchten Arbeit in der Kennelbacher Fabrik. Dort waren sie rechtlos. Unter härtesten Bedingungen mußten auch Kinder in einer 78 Stundenwoche täglich 13 Stunden arbeiten. In solches Elend hinein stießen anderswo die Ideen von Marx und Engels vor. Bei uns verbanden sich Lehrer und Geistliche mit Arbeitern und Kleinbauern in den «Casinos». Die beiden ersten entstanden 1868 in Bregenz und Feldkirch, das dritte im Mai des gleichen Jahres in Wolfurt. Unter Vorsitz von Pfarrer Ammann und Sekretär Rädler trafen sich gleichgesinnte Männer aus den Nachbargemeinden jeden Sonntagabend abwechselnd im Rößle oder in der Krone. Sie hörten Vorträge und lasen Zeitungen, diskutierten und politisierten. Das Casino Wolfurt nahm auch den damals in Rom lebenden Wolfurter Maler Gebhard Flatz auf. Die Karte trägt die Unterschrift von Pfarrer Thomas Ammann und Wendelin Rädler. (Karte aus dem Landesmuseum) Das Motto: JHS Das Leben zu erheitern. Das Wissen zu erweitern. Die Kirche zu ehren. Um unser Recht uns zu wehren Dazu sind wir vereint Wer mitthut sei uns Freund! Ein Auszug aus den Statuten: des konstitutionellen, kath. Casino's für Wolfurt und Umgebung. §.1. Das kath. Casino in Wolfurt ist ein Verein kath. Männer zum Zwecke a) des gegenseitigen Meinungsaustausches; b) der Aufklärung durch geeignete Vorträge und einschlägiger Lektüre (Zeitungen, Broschüren, Bücher mit Ausschluß aller der Sittlichkeit und Religion gefährlichen; c) der geselligen Unterhaltung. Anmerkung: Die Vorträge und Gespräche sollen sich beziehen auf Gewerbe, Landwirtschaft, Welt- und Kirchengeschichte, Natur-, Erd- und Völkerkunde, Zeit- und Tagesfragen, Landes- und Gemeindeinteresse ec. 36 37
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Heimat_Wolfurt_...8_Feb Wolfurt 01.02.1998 19.11.2012, 18:25 Heft 20 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1998 Die Pfarrkirche St. Nikolaus wurde 1834 erbaut. Das Bild von 1902 zeigt sie noch mit dem alten kleinen Turm. Inhalt: 96. Vorsteher und Bürgermeister (1) 97. Alois Negrelli in Wolfurt 98. Als die Wolfurter ihre Kirche bauten 99. Flatz-Familien 100. Der Silbersee 101. Mi Wolfurt (Mohr-Wachter) Bildnachweis: Karl Hinteregger Franz Rohner Siegfried Heim Sammlung Heim Zuschriften und Ergänzungen Bilder 8, 9, 10, 11, 13, 14, 15, 16, 17 Bilder 4, 5, 6 Bild 18 Bilder 1, 2, 3, 7, 12, 19, 20 Weinbau in Wolfurt (Heft 19, S. 4) Laut Haltmeyer-Chronik (in Privatbesitz) ließ der Kreuzwirt Johann Haltmeyer im Jahre 1897 den allerletzten Wolfurter Weintorggel abbrechen. Er brauchte den Platz hinter dem Gasthof Kreuz für einen neuen riesigen Weinkeller. Darin lagerten nun 20 große Weinfässer von je 2000 bis 4000 Liter Inhalt. Bis zu 50 000 Liter Wein warteten manchmal hier auf den Versand. Fast gleichzeitig verschwanden um 1900 als letzte Wolfurter Weinberge die des Pfarrers am steilen Südhang des Kirchenbühels. An vielen Bauernhäusern ließ man aber noch einzelne Reben zwischen den Fenstern bis zum Dach hinauf klettern. Ihre Trauben gehörten zu den begehrtesten Süßigkeiten unserer Kindheit. Getrocknete Wi-Beerle konnte man damals schon kaufen. Bei hohen Festen tauchten sie im Hefeteig von Mamas Gugolupf auf. Der Ippachwald (Heft 18, S. 16 und Heft 19, S. 14) Bei dem Wolkenbruch am ersten Festspielsonntag, 20. Juli 1997, haben unsere neuen Forststraßen im Ippachwald ihre große Probe bestanden. Während am Vormittag viele Bäche im Pfändergebiet über die Ufer traten, gab es bei uns nur geringe Schäden an einigen Durchlässen, aber keine Vermurungen. Das gibt Hoffnung für die Zukunft, aber natürlich keine Garantie. Auch am Steußberg kann ein kommendes Jahrhundert-Hochwasser wieder einmal Muren bis ins Tal tragen! Von einer solchen berichten die Gemeinde-Akten aus dem Jahre 1883. Am 19. Juni 1883 war die Alte Bucherstraße, damals die einzige Verbindung nach Buch, an der unteren Katzensteig auf 100 Metern Länge in die Ach hinab gerutscht. Ein gräßliches Bild! Der Schaden dürfte sich hoch in die Tausende belaufen! schrieb Vorsteher J. M. Schertler an den Hohen Landesausschuß. Für das völlig abgeschnittene Buch verlangte Vorsteher Peter Böhler binnen 8 Tagen eine noth far Strasse. Die Gemeinde Wolfurt sträubte sich gegen ein Provisorium. Erst im September legte Landeshauptmann Graf Belrupt einen Plan für eine Tiefertrassierung der Straße vor. Am 3. April 1884 war die neue Straße dann endlich fertig und Buch aus seiner fast einjährigen Isolierung erlöst. Kein Wunder ist es daher, daß sich die Straßenbenützer durch ein Wegkreuz beim Ippa-Brünnele unter Gottes Schutz stellten! (Bild 8 in Heft 19, S. 24). Als die Bergsteiger die alte Straße 1975 wieder als Wanderweg begehbar machten, fand Helmut Heim in den morschen Kreuzbalken ein stark verwittertes Stück Papier, das jetzt im Gemeindearchiv aufbewahrt wird: Dieses Kreuz wurde ... im Jahre 1913 restauriert. / Wilhelm Fischer ... in Angriff genommen ... geführt... daran gearbeitet oder... /Engelbert Köb Malerarbeit / Martin Rohner / Gebhard Mohr / Mathias Geiger / Josef Böhler Küfer u. Oberkaßiner / Wilhelm Fischer ledig im Röhle / Dobler Sepp hat s Kreuz gezimmert / Flaschner Räschle / Der Schwanenwirth J. G. Kalb führt s Kreuz mit Roß herein. 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt, einige davon in beachtlicher Höhe. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Das Jahr 1913 ist ein schlechtes Jahr. Die Stickerei geht nicht, der Balkan Krieg ... Obst gibt es heuer keinen Kräften, weil im April alles erfroren ist, also wird s keinen Most geben, man macht lauter Wasserburger. Wolfurt 19. July 1913 Engelbert Köb Maler u. sein Vetter Wilhelm Fischer Mit Tintenblei sind dann noch eigenhändige Unterschriften nachgetragen: / Fidel Schwerzler Zimmermeister / Joh. Martin Mohr Straßenmeister / Wilhelm Fischer Wuhrmeister / Josef Anton Rohner / Josef Schertler Sticker / Anton Fischer Sticker/ WilhelmSchwerzler/ Konrad Lenz Fuhrknecht Ganz genau hat Julius Müller das Bild 11 (S. 30) betrachtet und an Geweih und Ofenrohr herausgefunden, daß es sich nicht um das Imbohüsle im Sustall, sondern um Schwanenwirts Jagdhütte handelt. Diese stand unterhalb der Alten Bucherstraße vor dem Gschliof im Harder Ippach. Das heute beigefügte Bild zeigt die gleiche Hütte mit einigen Familien, die anfangs der 30er-Jahre hierher ihren Sonntagsausflug gemacht haben: Kolumban Thaler, Albert Gasser, Julius Ammann,... Geradezu historisch ist das Bild wegen der Kinder: August Thaler, Seppl Gasser, Stefan Amann mit Postmoastors Daggol,... Erika und Erich Gasser, Herbert (?) Amann, Karl (oder Siegbert?) Thaler. - Die Jagdhütte stand übrigens noch lange nach dem Krieg. Paul Geiger erzählt, daß nach dem großen Murbruch von 1957 die Holzarbeiter hier ihre Küche eingerichtet hätten. Zum ersten Schirennen (Heft 19, S. 27) berichtigt mich Emil Gunz aus BildsteinBereuter: Der Start sei niemals am Schneiderkopf, sondern erst am Waldrand oberhalb des heutigen Gasthauses Dreiländerblick erfolgt. Er selbst habe mit seinen Wolfurter Schifreunden (Winkels Hermann, Gassers Engelbert...) die Rennstrecke über Berüttar und Hoamolitto zur Hohlguß ausgesteckt. Die Neue Bucherstraße (S. 20) wurde in den Jahren 1931 bis 1935 gebaut. Aus dem Gemeinde-Sitzungsprotokoll vom 4. Dez. 1937 geht aber hervor, daß sie erst im Herbst 1937 endgültig fertiggestellt wurde. Vorsteher Hinteregger lud die Arbeiter jetzt zu einer Jause ein. Viele von diesen Arbeitern sind auf dem untenstehenden Bild zu erkennen. Aus Buch u. a. der spätere Bürgermeister Fidel Eberle, Gabrielo Franz, Sinz Anton zum Schwarzen ..., aus Wolfurt Kapeollars Filibert, Hannes Franz, Sammars Eugen, Haldobuob, Büocheles Artur, Büoblars Julius, an Kassiänlar ... . Das Foto wurde 1933 aufgenommen, als sich die beiden Partien beim Roden der Trasse auf halber Strecke getroffen hatten. Bild 2: Ausflug zu Schwanenwirts Jagdhütte im Ippach um 1935 Bild 3: Arbeiter an der Neuen Bucherstraße 1933 4 5 Wie hoch liegt Wolfurt? (Heft 19, S. 39) Ganz kritischen Lesern ist vielleicht aufgefallen, daß ich die Meereshöhe der Schneiderspitze, der höchsten Erhebung unseres Steußberges, auf Seite 41 mit 971 m angegeben habe, in Heft 18 auf Seite 19 dagegen mit 973 m. Was ist nun richtig? Höhenmessung bei Bergen war früher immer ungenau. In meiner Schulzeit vor 50 Jahren gab der Schulatlas beim Piz Buin noch 3316 m und bei der Schneiderspitze noch 973 m an. So habe ich es gelernt. Neue Meßmethoden ergaben seither alle paar Jahre andere Zahlen bei den vielen Bergen auf der ganzen Erde. Maßgebend ist für uns in Vorarlberg stets die letzte Ausgabe der Vorarlberger Schulwandkarte, auch für die Schreibart aller Ortsbezeichnungen. Und dort steht seit etlichen Jahren beim Piz Buin 3312 m, bei der Schneiderspitze aber 971 m. Nachkriegsjahre 1945-1949 (Heft 17, S. 9 und Heft 18, S. 3) Drei sensationelle Bilder überließ uns Frau M. L. Fuchs aus Bregenz. Sensationell deswegen, weil auf dem Besitz und dem Gebrauch einer Kamera damals die Todesstrafe stand. Franz Rohner, den Wolfurtern besser behannt als Kapeollars Fränzle, hielt von seinem Dachbodenfenster aus (Bregenzerstraße 33) den Augenblick fest, als am Morgen des 2. Mai 1945 einer der ersten französischen Panzer von der Brücke her auf den menschenleeren Wälderhofplatz einbog. Das zweite Bild zeigt den Panzer auf der Bregenzerstraße in Richtung Dorf. Ein paar Stunden später machten schon die tirailleures maroccaines, die berittenen marokkanischen Krieger mit Turban und Muli, beim Wälderhof Rast. Bild 4: 2. Mai 1945. Französischer Panzer vor dem Wälderhof. Bild 5: Vormarsch in Richtung Kirchdorf Bild 6: Marokkanische Reiter in Wolfurt 6 7 Siegfried Heim Wolfurter Vorsteher und Bürgermeister Am 1. Oktober 1806 wurde Wolfurt selbständige Gemeinde, aber erst am 1. Oktober 1811 konnte die erste Gemeinds Vorstehung ihre Tätigkeit aufnehmen. 1811-1817 1817 (2 Mon.) 1817-1821 1821-1824 1824 (11 Mon.) 1824-1829 1829-1832 1832-1840 1840-1856 1856-1859 1859-1861 1861-1867 1867-1872 1872-1873 1873-1879 1879-1891 1891-1901 1901-1906 1906-1919 1919-1924 1924-1938 1938-1945 1945-1950 1950-1952 1952-1957 1957-1960 1960-1985 19851. Joh. Georg Fischer (I.) 2. Xaver Flatz 3. Mathias Schneider 4/1 Leonhard Fink 5. Andreas Vonach 6. Bernhard Bildstein 7/1 Joh. Martin Schertler (I.) 4/2 Leonhard Fink 7/2 Joh. Martin Schertler (L), insges. 19 Jahre lang 8. Johann Höfle 9. Joh. Georg Fischer (II.) 10. Josef Halder 11. Johann Mai er 12. Jos. Anton Schertler 13. Joh. Georg Fischer (III.) 14. Joh. Martin Schertler (II.) 15/1 Lorenz Schertler 16. Fidel Kirchberger 17. Ferdinand Köb 15/2 Lorenz Schertler, insges. 15 Jahre lang 18/1 Ludwig Hinteregger 19. Theodor Rohner 18/2 Ludwig Hinteregger, insges. 19 Jahre lang 20. Emil Geiger 21. Alfons Gunz 22. Julius Amann 23. Hubert Waibel, 25 Jahre lang 24. Erwin Mohr Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt Innerhalb des Gerichtes Hofsteig hatten seine sechs Dörfer schon seit dem Mittelalter ein gewisses Eigenleben geführt.' Am 13. März 1806 übernahm Bayern das von Österreich im Frieden von Preßburg abgetretene Land Vorarlberg. Schon am 1. Oktober des gleichen Jahres wurden die 24 alten Gerichte aufgelöst. Die neue bayerische Gerichtsordnung sah selbständige Gemeinden innerhalb von sieben Landgerichten vor. Die Hofsteiggemeinden unterstanden jetzt dem Landgericht Bregenz. In jeder von ihnen sollten ein Vorsteher und zwei Räte gewählt werden. Es dauerte aber volle fünf Jahre, bis in Wolfurt am 1. Oktober 1811 erstmals ein Vorsteher sein Amt antreten konnte. Seither haben nacheinander 24 Männer das Vorsteheramt als hohe Ehre und verantwortungsvolle Aufgabe und manchmal auch als schwere Bürde auf sich genommen. Sie haben Wolfurt von einem Bauerndorf mit 1100 Seelen zur heutigen Marktgemeinde mit fast 8000 Einwohnern geführt. Schlichte Porträts der meisten Vorsteher - seit etwa 60 Jahren führen sie den Amtstitel Bürgermeister - schmücken den Sitzungssaal. Mit einigen Anmerkungen möchte ich ihre Namen und ihre Zeit in Erinnerung rufen. Eine erste Aufzählung versuchte schon im Jahre 1879 der damals neue Schulleiter Wendelin Rädler in seiner Schulchronik.2 Er verließ sich dabei auf die Aussagen des kurz zuvor verstorbenen Fidel Gmeiner im Holz. Der konnte ihm für die vergangenen 70 Jahre alle 13 Namen angeben, allerdings nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Eine zweite Liste stellte 1982 der Journalist Wise Köhlmeier zusammen.3 Nach eingehenden Forschungen im Gemeindearchiv kann ich die auch in der zweiten Liste noch vorhandenen Lücken schließen und eine dritte Reihung der bisherigen 24 Vorsteher mit ihren Amtszeiten vorlegen. Am längsten hatte demnach Hubert Waibel das hohe Amt inne: volle 25 Jahre lang. Er wurde auch als einziger von allen Vorstehern zum Ehrenbürger ernannt. Am nächsten kamen ihm in der Dauer der Amtszeit Ludwig Hinteregger und Joh. Martin Schertler mit je 19 Jahren und Lorenz Schertler mit 15 Jahren. 9 8 Es fällt auf, daß drei von diesen Langzeitbürgermeistern Wolfurt und die anderen Hofsteiggemeinden auch im Vorarlberger Landtag vertreten haben: Hubert Waibel 1964-1984 20 Jahre lang Ludwig Hinteregger 1932-1937 5 Jahre Lorenz Schertler 1919-1923 4 Jahre Zu Joh. Martin Schertlers Zeiten hatte es bis 1861 noch keinen Landtag gegeben. Am allerlängsten, nämlich 24 Jahre, gehörte der aus Lauterach nach Wolfurt ins Wida zugezogene Schmied Josef Greussing von 1945-1969 dem Landtag an. Die Liste der Abgeordneten vervollständigen Manfred Rünzler, 1984-1989, und Dr. Fritz Schuler, Landtagsvizepräsident, seit 1994. Selbständige Gemeinde Wolfurt Sie ist also per Gesetz am 1. Oktober 1806 errichtet worden. Bis dahin hatte sie seit 1802 der letzte Hofsteig-Ammann Franz Josef Dörler von Hard aus verwaltet, wobei ihm aus Wolfurt die Geschworenen Joh. Georg Reiner, Xaver Gmeiner und Joh. Georg Fischer zur Seite standen. Nun schafften bayerische Beamte an. In den folgenden Wirren, die zum Aufstand von 1809 führten, gelang es nicht, die neue Gemeindeordnung in Kraft zu setzen. Daher beglaubigte im Namen der Gemeinde Wolfurt bis 1811 immer noch der zweitletzte Hofsteigammann Joh. Georg Reiner, der Wirt vom Alten Schwanen, die Rechtsfälle beim Landgericht.4 Zur Erstellung der Steuerlisten und zu Rekrutenaushebungen zogen die bayerischen Beamten den schreibgewandten Gotteshausammann Mathias Schneider heran5. Sogar der Schützenhauptmann Jakob Schertler erhielt Aufträge vom Königl. Bairisch. Landgericht. Schneider zählte im Jahre 1807 in Wolfurt 183 Häuser, die nun alle eine neue Hausnummer (B) erhielten. Mit Hilfe von vier Wolfurter Schätzleuten wurden alle Grundstücke im Bayerischen Kataster für die Steuereinhebung erfaßt. Die ebenfalls 1807 durchgeführte Volkszählung ergab 1143 Einwohner, 581 männliche und 562 weibliche. Schon am 15. Nov. 1806 hatten die Bayern die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. 99 ledige Männer standen in Schneiders Listen. Der Reihe nach wurden viele davon nun zu den Soldaten gerufen. Panik brach aus. In überstürzten Massenhochzeiten heirateten 22 Jungmänner, andere flüchteten aus dem Land.6 Jetzt forderte der köngl. bayr. Landrichter Joh. Nepomuk Matz den Schützenhauptmann Jakob Schertler in Unterlinden auf, die abwesenden Rekruten unverzüglich zu stellen.7. Die meisten der eingezogenen Männer starben ein paar Jahre später im Winter 1812 in Rußland. Im April 1809 kam es zum Aufstand gegen die Bayern, der mit einer Niederlage endete. Erst jetzt konnte die Behörde die neue Gemeindeordnung durchsetzen. 1811 wurde erstmals gewählt. Der frühere Hofsteig-Geschworene Joh. Georg Fischer wurde vom königl. bayr. Landrichter als Friedensrichter vereidigt und nahm mit seinen beiden Räten am 1. Oktober 1811 die Tätigkeit in der Gemeinds Vorstehung auf. Bild 7: Mathias Schneider schrieb in seine Chronik (Schneider 2): Pro 1811 den Iten Ocktber hat die Neue Gemeinds Vorstehung angefangen, und dato bey dem Königl Landgericht Bregenz beEidiget worden, alwo das allgemeine Gericht aufgehört hat. Zu Wolfurt Erstens ist als Friedens Richter erwählt Joh. Georg Fischer alt Geschworener) 2ten als Rath ist detto Joh. Zumtobel zu Rikenbach 3ten detto detto Johan Anwander zu wolfurt und als Gemeinds Waibel Kaspar Müller zur Linden. Diese haben alle Wochen jedes mall am Dinstag einen Verhandlungs Tag, jede Parti welche verhandlet wird hat 24 x zu bezahlen. 1. Joh. Georg Fischer (I.) 1811-1817 Geb. 10.6.1760, gest. 18.7.1817 Im Stammhaus der Spetenleher Fischer (Hofsteigstraße 27) war er als einziger Sohn des Martin Fischer (1729-1767) und der Christina Höfle zur Welt gekommen. Seine Sippe besaß damals großen Einfluß. Onkel Johann Fischer (1725-1776) war Kellhof-Ammann gewesen. Der andere Onkel, Löwenwirt Joseph Fischer (1723-1809), hatte sogar durch insgesamt sechs Perioden das wichtige Amt eines Hofsteig-Ammanns ausgeübt. Er hatte 1771 die Kellhofer aus der Herrschaft des Grafen von Hohenems freigekauft. Als Wolfurt seine erste Schule bauen mußte, hatte er als Rickenbacher dafür gesorgt, daß sie im Jahre 1778 nicht, wie sonst allgemein üblich, in die Nähe der Kirche, sondern möglichst weit nach Rickenbach an die Grenze zur Hub kam. Nun, da die Bayern die auseinanderstrebenden Dörfer Wolfurt und Rickenbach zu einer Gemeinde Wolfurt vereinigt hatten, war es des ersten Vorstehers Aufgabe, dieses Band zu festigen. Auch Buch und das mit damals 831 Einwohnern viel größere Bildstein mußten ja zusammen die Gemeinde Berg bilden. Während diese zwei sich aber schon nach wenigen Jahren wieder trennten, hielt die Verbindung in Wolfurt trotz mancher 11 10 Seine Frau Barbara Rohner hatte ihm 13 Kinder geboren. Von ihnen stammen die Schützenwirt-Fischer in Spetenlehen, Fischer Adolfs, Ruperts, Ratzers und die Familien Gmeiner-Mathis, aber auch die Lammwirt- und Sternenwirt-Fischer mit ihren vielen Familien. Zu den Nachkommen des ersten Wolfurter Vorstehers zählen auch die Nagler-Kalb im Tobel, Heims in der Bütze und noch einige andere. Bild 8. Haus Gmeiner-Mathis in Spetenlehen. Das Fischer-Stammhaus war ab 1811 das erste Wolfurter Gemeindeamt. 2. Xaver Flatz 1817 Geb. 10.2.1761, gest. 23.12.1843 Im Juni 1817 trat der zweite Wolfurter Vorsteher sein Amt an. Nach zwei Monaten legte er es bereits im August wieder zurück. Die Bürde der Verantwortung war im Hungerjahr 1817 allzu schwer für ihn. Im Sommer 1816 hatte es wegen des anhaltenden Regens keine Weizenernte gegeben, im Herbst fielen auch Kartoffeln und Mais völlig aus. Im Sommer 1817 vernichteten das höchste im Rheintal jemals verzeichnete Hochwasser und ein Hagelwetter abermals die Ernte. Eine ganz schreckliche Hungersnot war die Folge.9 Da berief die Gemeinde in der höchsten Not den 72 Jahre alten ehemaligen Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider an ihre Spitze. Xaver Flatz diente aber noch viele Jahre lang als Gemeindekassier. Zu seiner Zeit gab es in Wolfurt gleich drei Xaver-Flatz-Familien, die alle aus Buch stammten und miteinander nahe verwandt waren. Vorsteher Flatz war an der Kreuzstraße im Dorf geboren worden, besaß zuerst an der Hub das Haus HofSteigstraße 14 (Soalars) und erbaute dann 1818 ein neues Haus, Flotzbachstraße 15 (Ruoschos). Weil seine beiden Kinder früh starben, blieb er auch nach drei Ehen ohne Nachkommen. Die nächsten Verwandten sind die Mohr-Familien, die alle von seiner Schwester Viktoria Flatz abstammen. Schwierigkeiten mit der von Rickenbach so weit entfernten Pfarrkirche seither unverändert. Dazu dürfte neben Vorsteher Fischer - vor seinem Haus in Spetenlehen verläuft nach alter Tradition die Grenze zu Rickenbach - besonders der Einfluß seines Schwagers, des hochangesehenen Schützenmajors Jakob Schertler, beigetragen haben. So lenkte also Vorsteher Fischer Wolfurt durch die kriegerische Bayernzeit. Als Vorarlberg am 7. Juli 1814 zu Österreich zurückgekehrt war, wollte man aber wieder die alte Gerichtsordnung einführen. Am 23. Mai 1816 wählten die Hofsteiger den Schwarzacher Kronenwirt Joh. Georg Haltmeyer zu ihrem allerletzten Ammann. Vergeblich! Kaiser Franz I. ließ die Gemeinden selbständig bestehen. Der gewählte Ammann Haltmeyer in Schwarzach mußte sich mit dem Titel Gemeinderepräsentant zufrieden geben. Noch lange Zeit verwaltete er eine gemeinsame Hofsteiger Kasse und berief jedes Jahr alle sechs Vorsteher zu sich, um mit ihnen neben anderen Problemen die Erhaltung gemeinsamer Brücken, der Ippachstraßen und vor allem der aufwendigen Straße über das Farnach in den Bregenzerwald zu beraten. Vorsteher Fischer erlebte am 4. Juli 1814 den Einzug des neuen Pfarrers Alois Graßmeyer. Dieser war früher Pfarrer von Hörbranz gewesen und dann von den Bayern nach Ingolstadt vebannt worden. Nun kehrte er heim und wurde vom GemeindeAusschuß an der Zollbrücke in Rieden mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen begrüßt. Nach dem Te Deum in der Kirche krachten Böllerschüsse und Salve der Musketen} Es gab also 1814 in Wolfurt schon die Schützen, aber noch keine Blasmusik. Diese entstand erst zwei Jahre später und übte ab 1816 in einem Raum im Gasthof Engel beim Sammer (s Ammanns) Joh. Georg Fischer, einem gleichnamigen Vetter des Vorstehers. Dieser mußte sein Amt wegen einer schweren Erkrankung 1817 abgeben, wenige Monate später starb er, erst 57 Jahre alt, an Lungensucht. 12 3. Mathias Schneider 1817-1821 Geb. 24.2.1745, gest. 20.1.1833 Auf ihn richteten sich im Notjahr 1817 die Hoffnungen der hungernden Wolfurter, denn er war weit über das Dorf hinaus bekannt und allgemein geschätzt. Er stammte aus dem Ammann-Schneider-Geschlecht und besaß ein Haus an der Kirchstraße, dort wo heute Kirchstraße 29 steht. Viele Jahre lang hatte er als Gotteshaus-Ammann die Güter des Klosters Mehrerau bis zu deren Verkauf im Jahre 1807 verwaltet. Maßgebend war er bei der Verteilung der Wälder und des Riedes in Aktion und wurde als Feldmesser auch in die anderen Hofsteiggemeinden geholt. Die Bayern hatten ihm 1806 die Erstellung der Rekrutenlisten und die Vorarbeiten für den Steuerkataster anvertraut. Als Wuhrmeister war er dazu noch für die Dämme an der Ach verantwortlich. 13 Bild 9. Haus Schertler an der Hub. Das 1997 schön renovierte große Rheintalhaus ist eines jener Häuser, die Gotteshaus-Ammann Schneider um 1808 erbaut hat. Hier lebte 100 Jahre später der Vorsteher Lorenz Schertler. Für eine Hochzeit für Sponsalia & Kupelieren und 3mal verkünden Für Versehen durch die ganze Pfarre, für Pfarrer & Meßmer Für jede Heil. Meße, welche bei Besingnißen zu lesen gemacht werden Bei Begräbnißen für Seelgeräth, Begraben und Grab gehen durch 4 Wochen , solle dem H. Pfarrer bezahlt werden und dem Meßmer 2 fl 24 x 15 x 24 x 2 fl 2 x 36 x Nun mußte er sich um die Versorgung der Familien mit Nahrungsmitteln und um die Saat in den Feldern kümmern. Dann organisierte er die Gemeindeverwaltung mit Kassier, Gemeindediener, Schulaufseher, Dorfmeistern, Nachtwächter und anderen Ämtern. Aus seiner Amtszeit sind viele Rechnungsbelege erhalten geblieben, die Aufschluß über die Finanzen der Gemeinde geben. Damals hatte ein Gulden (1 fl) noch 60 Kreuzer (60 x). Ein Taglöhner verdiente pro Tag 30 x, ein Handwerker 40 bis 48 x. Ein Kilogramm Mehl kostete 10 x, ein Liter Milch 4 x. Die Hebamme bekam 50 fl Wartgeld im Jahr. Der Pfarrer erhielt von der Gemeinde jährlich 50 fl Holzgeld, 25 fl 36 x Opferweingeld und 22 fl 30 x Wachsgeld. Dem Vorsteher selbst wurde ein Jahresgehalt von 51 fl ausbezahlt, dazu aber noch Dieethen anläßlich der vielen Gänge zum Landgericht nach Bregenz. In der kleinen Schule an der Hofsteigstraße unterrichteten zwei Lehrer in zwei Stuben fast 200 Kinder. Für die Unterweisung seiner 94 Schüler in der zweiten Klasse erhielt Oberlehrer J. Gg. Müller 1818 ein Jahresgehalt von 121 fl. Unterlehrer Rochus Sohn bekam für 96 Schüler in der ersten Klasse nur 71 fl. Kein Wunder, daß er bei der ersten Gelegenheit kündigte und eine Stelle als Gerichtsdiener in Bregenz annahm! In einer gemeinsamen Sitzung mit Representant J. Gg. Haltmeyer, Vorsteher Jakob Flatz von Schwarzach und einigen Deputierten wurden in der Behausung des Pfarrers Aloys Graßmeyer 1818 die Stohlgebühren festgelegt, die dem Pfarrer zustanden. Einige davon waren: Für Taufen eines Kindes dem Pfarrer & Meßmer 36 x 6x detto für Aussegnung einer Kindbetterin Pfarrer & Meßmer 14 Im Jahre 1819 schickte Vorsteher Schneider eine Zählung an das Landgericht. Darin wies er ganz genau 194 Häuser mit 7705 Seelen aus. Bei den Tieren zählte er 75 Pferde, 245 Kühe und 10 Ziegen, keine Ochsen, keine Schafe, keine Schweine! Also im Durchschnitt fast 6 Personen in jedem Haus und meist nur eine Kuh! Auch nachdem er nach vier Vorsteherjahren 1821 zurückgetreten war, half Schneider den Nachfolgern noch häufig beim Schriftverkehr mit den Behörden und führte die Steuerbücher. Seine Erinnerungen hielt er in einem großen Notizbuch Märckwürdige Begebenheiten fest, das uns als wertvolles Zeitdokument überliefert geblieben ist.10 Ganz außergewöhnlich ist die Bemerkung, die Pfarrer Barraga über ihn nach seinem Tod im Jahr 1833 in ein Pfarrbuch schrieb: Er war klug, verständig, geschickt und fromm!" Mathias Schneider war zweimal verheiratet und hatte 18 Kinder. Für sie baute er drei damals besonders große und schöne Häuser: Rädlers (Kellhofstr. 6), Schertlers (Flotzbachstr. 11) und den Hirschen (Kirchstr. 31). Außerdem kaufte er für seinen Sohn Lorenz das Sammüllerhaus (Kellhofstr. 5). Heute leben in Wolfurt noch zahlreiche Schneider-Nachkommen12, den Namen Schneider tragen aber nur mehr die vielen ausgewanderten Kindeskinder in Amerika und in Augsburg. In Saskatchawan, Kanada, ist 1997 über diese Schneider aus Wolfurt und ihre Herkunft ein Buch erschienen.13 4/1 Leonhard Fink 1821-1824 Geb. 5.2.1777, gest. 21.4.1860 Als Schneiders Nachfolger wurde im April 1821 mit Leonhard Fink wieder ein Rickenbacher gewählt. Er stammte vom Sulzberg und hatte 1818 die Adlerwirtin Katharina Haltmayer als deren dritter Ehemann geheiratet. Schon ihr zweiter Mann, der Lehrer Johann Zumtobel aus Dornbirn, hatte als Adlerwirt die Rickenbacher im Gemeinderat vertreten. Sofort nach der Hochzeit war auch Fink Gemeinderat und nach drei Jahren nun Vorsteher geworden. Unter die vielen Aufgaben, die er zu lösen hatte, fallen die Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Schwarzach, das damals eine eigene Pfarrei errichten wollte. Und Pfarrer Thomas Geiger von Bildstein wollte die jährlichen Stolgebühren des Habers, des Weihnachts Kreuzers und der 2 Pfingstpfennige auch nicht mehr an die Kirche Wolfurt zahlen, wie es seine Vorgänger seit der Pfarrwerdung 1790 immer brav getan hatten. 15 Bild 10. Der Adler in Rickenbach. Mehrmals waren Adlerwirte auch Gemeindevorsteher. Dann richteten sie hier auch das Gemeindeamt ein. Umgekehrt zahlte Vorsteher Fink immer noch jedes Jahr 3 fl 20 x, die Zehdengarben, an den Pfarrmeßner von St. Gallus in Bregenz, wie es schon 1512 (!) ausgemacht worden war. Alle Ausgaben für Reparaturen an Kirche und Pfarrhof trug damals noch die Gemeinde. Aus Sulzberg hatte Vorsteher Fink 1822 seine betagten Eltern nach Wolfurt geholt, wo sie nahe der Kirche auf dem Bühel (Oberfeldgasse 3) bei ihrer Tochter Katharina Flatz wohnten. Hier hat wohl Vater Joh. Georg Fink seine Sulzberger Chronik fertiggestellt, über die Kreishauptmann Ebner berichtet14. Vater Fink ist dann ganz plötzlich am 27. Juli 1823 bei einem Sturz über die Kammerstiege im Adler gestorben15. verschwägert sein durften. Empfohlen wurden als Revisoren Gegner des Vorstehers oder ein Alt-Vorsteher16. Bei der Wahl Vonachs war wieder die Macht des Geldes und einer mächtigen Verwandtschaft zum Tragen gekommen. Er stammte aus der Flötzer-Vonach Familie an der Ach, die mit den Ammann-Sippen der Fischer und der Schneider mehrfach verschwägert war. Sein Vater Anton Vonach hatte die reiche Witwe Franziska Rohner geheiratet und war dadurch Wirt im großen Gasthof des Ammanns Jerg Rohner (Kreuzstraße 1, abgebrannt 1869) geworden. Hier war nun Andreas Vonach mit 2 Pferden und 5 Kühen'7 der weitaus größte Bauer im Dorf. Zu seinem Hof gehörte auch seit 1731 der Kleine Brunnen als zweiter Dorfbrunnen. Nur elf Monate blieb Vonach bis zum Dezember 1824 im Amt. Mag sein, daß ihm der Vorsteher-Gehalt von 51 fl samt den Extra Dieethen von 29 fl, deren Empfang er am 11.12.1824 bestätigte, Mühe und Ärger des Amtes nicht aufwogen. In seine Amtszeit fällt ein hoher Besuch in Bregenz. Am 6. Juli 1824 rückten die Wolfurter Schützen zur Paradierung bei S. K. K. Hocheit Prinzen von Österreich aus. Es handelte sich um Erzherzog Franz Karl, den Vater des späteren Kaisers Franz Joseph I: Für diesen Ausmarsch zog der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde 44 fl ein. Auch die Mußigkanten von Wolfurt erhielten 24 fl 24 x. Also Schützen und Musikanten schon damals gemeinsam! Von Vorsteher Vonachs elf Kindern stammen die Flötzer-Vonach im Frickenesch und die Tobler-Schwerzler, aber auch die Ölz in Dornbirn und die Tizian in Bregenz. 6. Bernhard Bildstein 1824-1829 Geb. 20.4.1785, gest. 24.11.1840 Auf den reichen Vorsteher Vonach folgte mit Bernhard Bildstein wieder ein Dörfler. Er war das elfte von 13 Kindern des einzigen Wolfurter Krämers Crispin Bildstein in Hanso Hus neben der Kirchenstiege am Dorfplatz. 1806 hatte er Magdalena Dörler aus Hard geheiratet und mit ihr sein neues großes Haus in der Bütze bezogen (Schellings, Bützestraße 15). Gute Zeiten waren in das Land eingezogen, Krieg und Hungersnot überwunden. In fast jedem Haus klapperte ein Webstuhl. Man wob seit ein paar Jahren kaum mehr Leinen aus selbst angebautem Flachs. Aus der Schweiz brachten jetzt Fergger die aus Amerika eingeführte Baumwolle. In Lohnarbeit fertigten die Weber daraus feine Tücher, vor allem die zarten und kostbaren Musselin-Stoffe. Reich wurden davon allerdings nur die Fergger, etwa die Blattmacher-Schneider, die Fabrikanten-Gmeiner und die Haltmayer-Wirte in Rickenbach. Aber auch das Handwerk hatte jetzt goldenen Boden. In rascher Folge wurden Röhle, Ach und Bütze besiedelt. Auch Rickenbach wuchs bis in den Schlatt-Sumpf hinaus. In drei großen Ziegeleien an der Ach brannten die Schertler, die Dür und die Klocker den im Flotzbach gegrabenen Lehm zu Ziegeln und die im Bett der Ach gesammelten 17 5. Andreas Vonach 1824 Geb. 29.11.1777, gest. 1.7.1850 Im Jänner 1824 übergab Vorsteher Fink die Gemeindeakten mit einer genauen Aufstellung an seinen Nachfolger Vonach. Dieser war nach der neuen österreichischen Gemeindeordnung gewählt worden, die alle drei Jahre Neuwahlen vorsah. In Landgemeinden mußte jeder stimmfähige Bürger Mann für Mann persönlich seine Stimme für die Vorsteher- und für die Gemeindedienerwahl abgeben. Nur in den Städten war ausnahmsweise eine doppelte Wahl erlaubt. Hier wurden zuerst Wahlmänner und dann durch diese der Vorsteher gewählt. Mit dem Vorsteher bildeten die zwei nächstgereihten Gemeinderäte und der Gemeindediener den Gemeindeausschuß. Ein Gemeindekassier zog alle Gemeindegelder ein und bezahlte die Rechnungen. Dem Vorsteher war das ausdrücklich verboten. Die Gemeinderechnungen mußten von gewählten Revisoren überprüft werden, die zum Vorsteher weder verwandt noch 16 Steine zu Kalk. Zahlreiche Fuhren von Wolfurter Ziegeln gingen in die Schweiz und über den See und brachten viel Geld ein. Im Jahre 1826 spendierte Vorsteher Bildstein den Bregenzer Kapuzinern 700 Wolfurter Ziegel für ihr Klosterdach. Zwischen der unteren Straße und der Lauteracher Kirche dehnte sich aber immer noch ein riesiges Getreidefeld aus. Noch war die Ernte von Dinkel und Hafer die Grundlage der Ernährung. Der Anbau von Bodobiora nahm aber zu und allmählich verdrängte auch das Türggo-Mehl beim täglichen Stopfar und beim Hafoloab das Dinkelmehl.18 Über Anordnung des Landgerichts schaffte die Gemeinde am 18. Juli 1825 für 1 fl ein sehr gut gestochenes Siegel an, das seither die Akten zierte. Ein altes Siegel war aber auch noch vorhanden. Im Herbst 1826 grassierte die Angst vor der Tollwut. Der Vorsteher mußte den Bregenzer Waasenmeister rufen. Dieser erschoß an vier aufeinander folgenden Tagen 37 der Wuth verdächtige Katzen und zog dafür außer dem Taglohn von je 40 x auch noch 4 x für jeden Schuß ein. In den nächsten Tagen mußte er alle frey herumlaufenden Hunde erschlagen. Auch der Wolfurter Jäger Lorenz Klocker verrechnete für ein Pfund Pulver 48 x, für zwei Pfund Schrot 32 x, dazu drei Taglöhne zu je 40 x, zusammen also 3 fl 20 x. Am 2. September 1828 zog der neue Pfarrer Franz de Barraga ein. Dessen missionarische Bestrebungen führten schnell zu argen Differenzen mit der Gemeinde. Eigenmächtig und gegen den Willen des Vorstehers ordnete er für den Winter 1828/29 die Erstellung einer dritten Klasse in der Scheune des alten Schulhauses an. Die Gemeinde sollte dafür bezahlen. Mit Hilfe des Landgerichts setzte der Pfarrer seine berechtigte Forderung durch. Bereits seit 1806 galt in Österreich nämlich 80 als höchste zulässige Schülerzahl, die nur in Ausnahmsfällen überschritten werden durfte. Wolfurt hätte längst eine zusätzliche Klasse gebraucht. Die dritte Klasse blieb bestehen und machte natürlich ab jetzt auch die Besoldung eines weiteren Unterlehrers notwendig. Als der Pfarrer gar scharf gegen die Wirtshäuser predigte, setzte ihm der Vorsteher das Opferweingeld auf die Hälfte herab. Bald danach trat er aber zurück. Im Jänner 1829 wurde mit Joh. Martin Schertler ein neuer Vorsteher gewählt. Dieser suchte zwischen dem Pfarrer und dem Alt-Vorsteher zu vermitteln. Es kam zu einer Aussprache, allwo der Pfarrer davon geloffen. Am 19. Jänner 1829 übergab Bildstein das Amtsinventar an Schertler. Da wurden in der Bütze Bücher und Kisten aus der Stube auf einen Wagen geladen und zu Schertlers Stube in Unterlinden geführt, die ab jetzt als Kanzlei dienen mußte. Das Protokoll ist erhalten geblieben.19 Es umfaßt in 67 Punkten Hunderte von Aufträgen, Cirkularen, Gmeinds Rechnungen, Kapital Briefe, Weisen-Bücher, Steur & andere Bücher, aber auch ein harthölzerner Komothkasten samt schreibpolt mit zwey kleinen & sechs grosen Schubladen Bild 11: Strohdorf und Hub auf der Negrelli-Karte von 1826. 1. Gasthof Sternen 2. Erste Volksschule 3. Platz des heutigen Rathauses 4. Platz der heutigen Hauptschule, damals ein Getreideacker. eine Mit Eisen beschlagene Kisten in welcher zehen & drei alte Bücher sind zwey Gmeinds Singnet (Siegel) ein Müntzsorten Verzeichniß ein Messerner (aus Messing) Einsatz mit Wiener gewicht ein & ein halben Bayerischen Metzen (Getreidemaß) mit Eisen beschlagen ein & ein halb Bayerische Maaß aus Sturz (aus Weißblech). Demnach fühlte sich der Vorsteher immer noch, wie einst im Mittelalter, auch für die in der Gemeinde von Kaufleuten und Wirten verwendeten Maße, Gewichte und Geldsorten verantwortlich. Bildstein zog sich weitgehend aus der Gemeindepolitik zurück. Ein Jahr vor seinem Tod erbaute er 1839 noch für seinen Sohn Franz das schöne Haus Bützestraße 10 (Königs). Franz Bildstein verkaufte es aber bereits 1853 an Martin Dür, den Vater der später hier geborenen ersten Autofahrerin Düro Franzele. Bildstein wanderte nach Amerika aus und baute in der Nähe von New Ulm in Minnesota eine große Farm auf.20 Die Kinder von Vorsteher Bildsteins Tochter Magdalena übersiedelten nach Weiler und verkauften das Elternhaus (Schellings) ebenfalls. 18 19 7/1 Joh. Martin Schertler 1829-1832 Geb. 6.2.1793, gest. 18.6.1856 In der großen Familie des weit über Wolfurt hinaus geschätzten Schützenmajors Jakob Schertler und seiner zweiten Frau Maria Anna Fischer, einer Schwester des ersten Wolfurter Vorstehers, waren in der Schar der 14 Kinder zwei besonders tüchtige Söhne herangewachsen. Josef Anton Schertler (1791-1867) erhielt schon 1825 die verantwortungsvollen Aufgaben eines Gemeindekassiers übertragen. Der Ziegelfabrikant wurde der Begründer der großen Sippe der Röhle-Schertler, zu denen auch die Säge-Schertler in Kennelbach, die Sonnenwirt-Schertler in Schwarzach und die Kalkwerk-Rädler vom Wälderhof zählen. Den jüngeren Bruder Joh. Martin Schertler wählten die Wolfurter 1829, als es Probleme mit Pfarrer Barraga gab, zu ihrem Vorsteher. Schertler suchte nach allen Seiten zu vermitteln. Seine Arbeit fand bei den vorgesetzten Behörden Anerkennung. Den Streit um den Standort der geplanten Kirche vermochte er aber nicht zu schlichten. Dazu trug wohl bei, daß mit dem Maler Ferdinand Schneider (Kirchstraße) und dem Fergger und Blattmacher Jakob Schneider (Kellhofstraße) zwei Dörfler die AusschußPlätze als Gemeinderäte besetzten und Rickenbach dort gar nicht vertreten war. Schertler mußte also jetzt die Volksschule dreiklassig führen. Er stellte als Lehrer Gebhard Höfle, Jakob Müller und Ferdinand Stülz an. Zu den großen Kosten zählte damals noch die Erhaltung der Farnacher Straße in den Bregenzerwald. 30 bis 50 Gulden waren jedes Jahr zu bezahlen. Standesrepräsentant Haltmeyer verrechnete die Kosten ganz genau. So traf es z. B. 1831 auf Wolfurt 46 fl 46 1/2 x. Halbe Kreuzer! Um das Jahr 1830 begann man unter Anleitung von Kreisingenieurs-Adjunkt Alois Negrelli mit der Erstellung eines zweiten Dammes im Staudenvorland an der Ach. Innerhalb der heutigen Dammstraße konnte dadurch wertvoller Boden gewonnen werden. Der Kirchenstreit - darüber berichtet ein eigener Beitrag - führte im Jahre 1832 zum Umsturz in der Gemeinde. Ein Rickenbacher wurde Vorsteher. Das Landgericht setzte aber Alt-Vorsteher Schertler als Leiter des Kirchenbaus ein. So gut machte er seine Sache, daß ihn Ingenieur Kink im Kollaudierungsprotokoll von 1835 lobte: ... daß man diese entsprechende Bauausführung... der ununterbrochenen Wachsamkeit und sorgfältigen Nachsichtspflege des Bauaufsehers Schädler und des Inspizienten Matt zu verdanken hat... Aber Schertlers große Zeit als Vorsteher folgte erst später in seiner zweiten Periode ab 1840. 4/2 Leonhard Fink 1832-1840 Geb. 5.2.1777, gest. 21.4.1860 In ganz schwieriger Situation übernahm also der Rickenbacher Adlerwirt, der schon 1821-1824 Vorsteher gewesen war, noch einmal dieses Amt. Ganz sicher hatten seine kämpferisch vorgetragenen Argumente für einen anderen Kirchenstandort ihre Berechtigung. Die neue Kirche sollte in der Mitte der langgezogenen Gemeinde stehen. Sie würde ideal zu dem schon 50 Jahre früher dort erstellten Schulhaus passen. Die Rickenbacher Kinder sollten nicht wie Stiefkinder behandelt werden, die auch bei rauher und kalter Witterung einen gar weiten Weg auf sich nehmen müssen. Täglicher Meßbesuch vor Beginn des Unterrichts war ja damals Pflicht. Als sich aber schließlich die Behörden doch für den alten Standort entschieden, mußte Vorsteher Fink die Finanzierung übernehmen und den ungeliebten Kirchenbau organisieren. Weitere Aufgaben warteten. Eine der größten war die Bekämpfung der Schadensfeuer, die so oft die durch offene Herdstellen gefährdeten alten Holzhäuser vernichteten. Schon 1834 verlangte das Landgericht die Anschaffung einer fahrbaren Feuerspritze. Die Gemeinde wehrte sich vorerst mit Hinweis auf die Kirchenbaukosten und die noch fehlenden drei Altäre. Schließlich ließ sie aber doch durch den 1835 zugewanderten Drechsler und Mechaniker Carl Zuppinger eine Spritze anfertigen. Nach deren Überprüfung durch das Kreisamt bezahlte die Gemeinde im Juli 1838 die verlangten 750 Gulden. Noch im gleichen Jahr erließ der Vorsteher eine umfangreiche Feuerordnung21. Danach sollten im Brandfall jeweils der Vorsteher, die beiden Ausschüsse oder die gewählten Dorfmeister die Leitung der Löscharbeiten übernehmen und schleunigst die notwendigen Anordnungen treffen. Neben Alt-Vorsteher Schertler wurden etliche Schmiede und Schlosser zu Maschinisten der neuen Fahrfeuerspritze bestimmt, die sie von Hand an den Brandplatz ziehen sollten. Falls man die Spritze mit Pferden in andere Ortschaften ausführte, hatte Schertler dafür zu sorgen, daß das Gefährt nicht durch aufsitzende Männer überladen wurde. Bei einem Auswertigen Brandlermen soll dem ersten Paar Pferdt für ihren Eifer und Thätigkeit 2 fl 42 x, und dem anderen Paar 2fl, und dem 3ten Paar 1 fl zum Voraus vergütet werden. Das dritte Paar mußte Feuerhaken und Feuerleitern nachführen. Von den zwei alten Tragspritzen wurde die eine dem Schmied Lorenz Dür im Röhle anvertraut, die andere dem Schmied Joseph Böhler in Spetenlehen. Eine Reihe von Nachbarn wurden zur Bedienung bestimmt. Der Meßmer wurde verpflichtet, bei Ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. Den Brunnenmeistern im Dorf und in Rickenbach wurde aufgetragen, ihre Feuerweyer und Feuerbronnen in guter Ordnung zu halten. Außerdem waren der Müller im Holz, 21 20 Zuppinger zur Linden (Draiars Weiher) und der Müller zu Rickenbach verhalten, ihre Weyer auf der Stelle loos zu lassen. Bei sechs Wasserfallen konnten die Dorfbäche für die Feuerspritzen aufgestaut werden. Zur Sicherheitswacht wurden in Wolfurt (d. i. das Kirchdorf), in der Mitte im Dorf (Strohdorf) und in Rickenbach je zwei Männer bestellt. Andere hatten für die geflüchteten Wahren zu sorgen. Weitere 16 Männer, meist Holzer und Flötzer, wurden zu Zabinnen u. Flozer Haken bestimmt. Schließlich wurden mit Lorenz Schneider zu Wolfurt (Sammüllers) und Joh. Georg Reiner zu Steig bei Rickenbach noch zwei Feuerreiter aufgestellt, die Alarm zu schlagen und Meldungen zu überbringen hatten. Alle übrigen wurden verpflichtet, ihre Feuerkübel oder auch andere Schöpfgeschiere mit sich zu nehmen und sich am Brandplatz zur Verfügung zu stellen. Diese Feuerordnung wurde am 10. Dezember 1838 dem Landgericht zu Kenntnis gebracht. Über 50 Jahre lang hatte sie Gültigkeit, bis im Dezember 1889 durch die Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Eine ganz entscheidende Veränderung im Erwerbsleben der Wolfurter Gemeindebürger fällt ebenfalls in Finks Vorsteherzeit. Im Jahre 1836 hatten die Harder Textilfabrikanten Jenny und Schindler in Wolfurt angeklopft. Sie wollten die Wasserkraft der Bregenzerach für eine große Spinnerei-Fabrik nützen. Die Wolfurter lehnten glatt ab. In Fabriken sahen sie eine große Gefahr für die Hausweberei, die damals unter dem Konkurrenzdruck schon arg angeschlagen war. Da bauten Jenny und Schindler 1837 einfach drüben in Kennelbach, wo es allerdings an Arbeitskräften mangelte. Kennelbach war ja damals eine Parzelle der Gemeinde Rieden. Es hatte nur 156 Einwohner, acht mal weniger als Wolfurt. Arbeitslose Weber mußten nun froh sein, jenseits der Ach für einen Arbeitstag von 13 (!) Stunden wenigstens 30 Kreuzer zu verdienen. Auch Schulkinder wurden während der langen Ferienzeit in der Fabrik angestellt. Als Aufstecker erhielten sie allerdings nur 12 Kreuzer pro Tag. Dafür konnte man gerade ein Kilogramm Mehl und einen halben Liter Milch kaufen. Als bei der nächtlichen Heimfahrt von der Arbeit am 24. April 1839 das mit 30 Personen überfüllte Fährschiff kenterte, ertranken zwei Jungfrauen und fünf Kinder. Der jüngste war der 7jährige Franz Xaver Geiger von der Kreuzstraße im Kirchdorf. Mit 7 Jahren nachts auf dem Heimweg von der Fabrik! Am anderen Morgen um 5 Uhr hätte er dort drüben wieder anfangen müssen! - Noch im gleichen Jahre bauten die Fabrikanten einen Holzsteg über die Ach. Im Jahre 1839 ließ Vorsteher Fink mehrere Bauten ausführen. Im Schulhaus wurde der Schopf untermauert, um Platz für die Fahrspritze zu schaffen. Dazu wurde ein Gestell zum Aufhängen der Schläuche errichtet. Gleichzeitig wurde der Pfarrhof für den schon 1836 eingezogenen Pfarrer Josef An22 Bild 12: Fabrik Kennelbach und Fabriksbrücke. Der hölzerne Steg wurde erstmals 1910 und dann endgültig 1932 weggerissen. ton Hiller renoviert. In die Pfarrküche wurde sogar - wohl erstmalig in Wolfurt! - ein Kuchelferger, ein Wasserabgießbecken aus Stein, eingemauert. Zum neuen Pfarrer hatte Vorsteher Fink ein ausgezeichnetes Verhältnis. Am 24. Jänner 1839 stiftete die Gemeinde unter seiner Vorstehung eine Kaplanei. Pfarrer, Vorsteher und die beiden Ausschüsse sammelten von Haus zu Haus das notwendige Kapital. Noch im gleichen Jahr begann die Gemeinde mit dem Bau des Kaplanhauses, in welches als erster im April 1840 Kaplan Gebhard Gorbach aus Bregenz einzog.22 Ab jetzt gab es zwei Sonntagsmessen. In allen kirchlichen Belangen und beim Religionsunterricht in der Schule konnte der Pfarrer seine Arbeit mit dem Kaplan teilen. Fast 150 Jahre lang! Bis im Jahre 1985 der letzte Kaplan German Amann Pfarrer wurde und die Kaplanstelle wegen des Priestermangels nicht mehr nachbesetzt werden konnte. Gemeinsam mit Pfarrer Hiller führte Vorsteher Fink 1839 wieder einmal eine Volkszählung durch: 230 Häuser, 236 Familien, 1311 Familienmitglieder und 21 Dienstboten. Zusammen 1332 Einwohner, 621 männlich, 711 weiblich. 16 sind Fremde aus Österreich, 14 weitere aus dem Ausland. Nach insgesamt elf Jahren gab Leonhard Fink 1840 das Vorsteheramt ab, doch blieb er der Gemeinde noch viele Jahre in verschiedenen Aufgaben verbunden. Den Adler übernahm 1844 Josef Anton Fischer, Sammers aus dem Engel, der Finks Stieftochter Katharina Zumtobel geheiratet hatte. Sie begründeten die Sippe Altadlerwirt-Fischer, die bald wieder einen Vorsteher stellen sollte. Alt-Vorsteher Fink starb ohne eigene Nachkommen als 83jähriger 1860. 23 7/2 Joh. Martin Schertler 1840-1856 Geb. 6.2.1793, gest. 18.6.1856 Als Vorsteher hatte Schertler 1832 wegen des Kirchenstreites dem Adlerwirt weichen müssen, aber schon bald stand er wieder an dessen Seite im Ausschuß. Bei wichtigen Beschlüssen wie Feuerordnung oder Kaplaneistiftung wirkte er entscheidend mit. Nun wurde er im Mai 1840 selbst wieder zum Vorsteher gewählt und am 17. Mai 1840 beim Landgericht in Bregenz vereidigt. Zudem übernahm er die Leitung der Blasmusik als Nachfolger von Steinhauer Andreas Rohner, der sie seit ihrer Gründung dirigiert hatte. Als am 29. Mai 1841 die Ganze Mußickgesellschaft bei der Ankunft das Gouverneurs Klemenz gespielt hatte, holte Kapellmeister Schertler dafür beim Gemeindekassier 24 Gulden ab. Der Pfarrhof erhielt 1841 endlich einen Brunnen. Der Maurer Gebhard Dür mauerte die Brunnenstube und Josef Anton Lenz lieferte die Täüchel, jedes der hölzernen Rohre für 34 x. Im November 1842 rechnete der Maler Kolumban Schneider ab:... im Monathe August 1842 Die Häuser im ganzen Dorf numeriert - die Nr für 4 x beträgt für 252 Häuser 16 fl 48 x. So stark hatte die Häuserzahl zuletzt zugenommen, daß man sich 1842 zu einer neuen Durchnumerierung der Häuser veranlaßt sah. Kolumban Schneiders Großvater Anton Schneider hatte 1784 die ersten 155 Nummern (A) aufgemalt. Bei den Bayern waren es 1807 schon 183 gewesen (B). Nun also 252 Hausnummern (C) von der Höll bis zum Schlatt. Sie sollten bis zum Jahre 1900 halten, als bei der vierten Numerierung Putzers Haus im Schlatt mit 290 die höchste Nummer (D) erhielt. Für jedes Haus bezahlte die Gemeinde seit langer Zeit jedes Jahr an die Stadt Bregenz pauschal je 15 x Zoll für die Benützung der Achbrücke in Lauterach. Schwerer lasteten die großen Kosten für die 1838 eröffnete neue Wälderstraße durch das Schwarzachtobel auf der Gemeindekasse, bis auch dort Zoll eingehoben werden durfte. Der Jahresgehalt des Vorstehers wurde erstmals 1845 auf 75 Gulden erhöht, weil die Einwohnerzahl auf über 1500 gestiegen war. Der Kammacher (Kampler) Josef Mohr, der Ururgroßvater unseres derzeitigen Bürgermeisters Erwin Mohr, erhielt als Gemeindediener jetzt 60 Gulden. Dagegen bekam der Lehrgehülf Jakob Müller, nun 43 Jahre alt und bereits seit 25 Jahren als Unterlehrer an der Volksschule im Dienst, am 6. Mai 1848 für den abgelaufenen Winterkurs nur 41 Gulden. Nur mit Nebenverdiensten konnte er sein Hungerleiderleben fristen. So bezog er etwa am 6. Hornung 1848 sechs Gulden für gelieferte Buschein zur Beheizung des Schulzimmers. Das war der ortsübliche Preis für 300 Buschein. Auch der Vorsteher selbst lieferte noch im gleichen Jahr 100 weitere Buschein für zwei Gulden an die Schule. Meist wurde dort aber mit Torf geheizt. Ganze sechs Gulden gab der Kassier aus für gegrabene gederte23 und aufgeladene Schollen zum Heizen der Schulöffen, 9 fuder a 40 x. Wie muß es wohl in den überfüllten Schulstuben geduftet haben, wenn auch noch ein Torffeuer mottete! In diesen Jahren war bittere Not im Dorf eingekehrt. Es gab kaum Arbeit und kaum mehr ein geregeltes Einkommen. Der Vorsteher war laufend mit Schätzungen und Pfändungen durch das Landgericht und durch die Advokaten beschäftigt. Aus nichtigen Anlässen wurden Möbel, Kleider, Arbeitsgeräte, aber auch Grundstücke und ganze Häuser versteigert. Seit dem Revolutionsjahr 1848 - in Wien hatte auch der Wolfurter Kunststudent Gebhard Schneider am Studentenaufruhr teilgenommen - lastete ein fast unerträglicher Behördendruck auf den einfachen Leuten. Nicht zu Unrecht fürchteten junge Burschen die Einberufung in einen der blutigen Kriege, die die Monarchie von allen Seiten bedrohten. Als erste flüchteten 1851 Ferdinand Heim vom Oberfeld und Franz Xaver Schneider aus Rickenbach nach Amerika. Ihre Briefe lösten eine gewaltige Auswanderungswelle aus.24 In den folgenden 20 Jahren bis 1872 suchten 200 Wolfurter ein neues Glück in den USA. Das waren 13 % der 1500 Einwohner. Manche brachten es im Wilden Westen zu Grund und Wohlstand. Viel mehr blieben verschollen. Nur ein einziges Mal hatte es Vorsteher Schertler mit Rückwanderern zu tun. In einer auf den 23. Februar 1854 eigens einberufenen Sitzung nahm er den ehemaligen Blattmacher Jakob Schneider mit seiner unglücklichen Frau Juditha, beides Nachkommen des reichen Vorstehers Mathias Schneider, wieder als Gemeindebürger in Wolfurt auf25. Allerdings mußten sie das übliche Einbürgerungsgeld bezahlen. Einbürgerungsgeld und Weibertaxe hatte es nach dem Hofsteigischen Landsbrauch zur Verhütung von Überfremdung schon seit dem Mittelalter gegeben. Mit Beschluß vom 29. Juni 1852 formulierte die Gemeindevertretung beides neu26: 1. Solte sich ein Gemeindsangehöriger um die Heurathsbewilligung ansuchen, u. mit einer fremden Weibsperson verehelichen wollen, so wurde vom Ausschuß festgesetz, daß eine solche fremde Weibsperson sich mit einem Gerichtlich Bestättigten Vermögen per 400 fl Sage in Worten Vier Hundert Gulden Rw. ausweise u. nöthigen fals dafür Bürgschaft zu leisten, bevor sie in der Gemeinde angenommen wird. 2. Nach dem früheren Gemeindebeschluß, Soll eine fremde Mannsperson, der sich in die hießige Gemeinde verehelichen oder ansäßig machen will, so hat derselbe an die Gemeinde, oder an den hiesigen Lokallarmenfond 50 fl Sage fünzig Gulden zu bezahlen. 3. Des gleich auch, wen eine Fremde Weibsperson, wen sie als Gemeindsbürgerin aufgenomen wird, Zwanzig u. fünf Gulden Rw. an den hiesigen Lokalarmenfond zu bezahlen, bevor ihr die aufnahm als Gemeindsbürgerin aufgenommen wird. (Die vielen Rechtschreibfehler möge der Leser dem Gemeindeschreiber in Anbtracht der damals sehr mangelhaften Schule nachsehen!) In den Jahren 1849 und 1850 hatte der junge Kaiser Franz Joseph zur Unterdrückung aller etwaigen liberalen Regungen ein ganzes Armeekorps mit 6000 Mann nach Vorarlberg verlegen lassen. Obwohl die Not dieser Zeit durch die Einquartierung der vielen meist fremdsprachigen Truppen noch gesteigert wurde, begann man ab dem Jahre 1850 den Fasnat-Zistag 21 jeweils mit Theater und Umzug zu feiern. Tragisch 25 24 mutet uns heute an, daß dabei die Armut der Weber noch zur Zielscheibe derben Spottes gemacht wurde. Daß es in der Fasnat auch zu Differenzen mit den fremden Soldaten, ja sogar zu Tätlichkeiten gegen den Vorsteher kam, erfahren wir aus den Lebenserinnerungen des Chronisten Ferdinand Schneider28: Von den Fastnacht-Spiele erstes im Jahr 1850. Das erste das ich gesehen habe wurde gespielt „Hans im Glück". Wehinger Mechaniker war Hans im Glück mit einem gewaltigen Goldklumpen, brachte es mit Handeln und Schachern zu einem schleiffer Karren, der ihm noch da er Waßer trinken wollte am Brunnen im Schwanen hineinfiel; dann war noch ein Leinenweber auf einem Wagen mit vielen Kindern sehr arm, es war fulgo Berüthers Hannesle der das das Geschäft gut versteht, dann ein Gerichtsschreiber der dem armen Weber alles zur Versteigerung aufgeschrieben hat, seine Frau & Kinder bettelten es war eine lustige Cumödi. auch hatte man eine ausgestopfte Kuh auf einem Wagen sehr intreßant, wieder auf einem andern Wagen eine Weiber Mühle, wo man alte Weiber jung gemahlen hatte, es war zum tod lachen wann man so eine alte Schachtel durch die Mühle lies und dann so eine schöne Jungfrau herausnahm Dann wieder auf einem andern Wagen eine Räuberhöhle, der Glaser auf dem Büchel war Hundsattler oder Räuber-Hauptmann, dieser wurde hingerichtet. Jos. Klocker Glaser war Scharfrichter, bei Naglertonis Haus war der Galgen aufgestellt (Die alte Nagelschmiede des Anton Kalb stand an dem Platz, wo erst später 1860 der neue Schwanen gebaut wurde). Die Räuber haben das schönste Leben, in den meisten Häusern hat mann Ihnen Schnaps, Most, Fleisch und Gugelhupf zum Stehlen hergerichtet, die noch tagelang zu Eßen und Trinken gehabt haben, ein Feldpater war auch dabei der Guldenschuh, auch ein Polizist war der horig Schuhmacher auf Steig. Dann die Musik per Wagen alle nobel Kostumirt, viele in Weibertracht mit Ohrenglonker, auch war Militär dabei beim Spiel. leider war der Ausgang dieses Spieles ein sehr trauriger, es war viel Militär in Wolfurt und Umgebung, da gab es eine furchtbare Streitigkeit mit dem Militär, das sogar Herr Vorsteher Martin Schertler alt, eine tüchtige Orfeige bekam, wann nicht ein Offizier sogleich Alarm schlagen ließe, so hätte es furchtbare Metzlerei gegeben, dem Scharfrichter haben die Soldaten den Säbel abgebrochen und dem Höfle an der Hub, mußten sich mit halben Kleidern flüchten, die Händel gingen im Rößle an. schuld war Schädlers Hannes & Schürpf Franz Anton, es sprang alles auseinander das Spiel wurde nicht zu Ende gebracht, ich war 9 Jahre alt, sprang wie ein Reh nach Hause hinter den Ofen, abends kam noch die Garnison von Bildstein herab und umringten das Gasthaus zum Adler, ist aber nichts mehr vorgefallen in Rickenbach. Um nicht zu vergeßen war noch eine Warme Küche auf einem Wagen wo Meschachers Hannesle die feinsten Trester Würste29 für die feinsten Schüblinge ausgab aber dafür kein Geld nahm. 26 Mit einiger Bitterkeit schied Vorsteher Schertler aus dem Amt. Er sei nur der Partei zulieb so lange geblieben, schrieb er auf eine seiner letzten Abrechnungen. Welcher Partei? Gab es denn jetzt Parteien? Die Staatspolitik hatte sich nach der Revolution von 1848 wieder verändert. Mehr denn je war sie im neuen Absolutismus durch Beamte und Militär beherrscht. Im Konkordat von 1855 überließ der Staat die Ehegesetzgebung und die Aufsicht über die Schule fast zur Gänze der Kirche. Dagegen wehrten sich auch im Lande Vorarlberg viele Leute. Es bildeten sich Interessengruppen. Die Liberalen, angeführt von dem Fabrikanten Carl Ganahl in Feldkirch, fanden vor allem bei den Fabrikanten und den reichen Bürgern Anhänger, aber auch bei Handwerkern und Bauern. Die Ausstrahlung der liberalen Ideen wirkte bald bis in die Dörfer hinaus. Bei uns in Wolfurt vertraten vor allem der sehr belesene Rickenbacher Schlosser Josef Anton Dür und der vom kleinen Drechsler an Draiars Weiher zum Industriellen und Großmüller im Kessel aufgestiegene Carl Zuppinger eine andere Meinung als die Konservativen. Das Amt des Vorstehers unparteiisch zu führen, war schwer geworden. Im Jänner 1856 gab es Schertler nach insgesamt 19 Jahren Einsatz für Wolfurt ab. Wenige Monate später starb er. In seinen zwei Ehen mit der schon 1833 verstorbenen Anna Maria Haltmayer und mit Christina Flatz waren ihm zwölf Kinder geboren worden. Fünf davon waren früh gestorben. Zwei von seinen Söhnen und dann noch ein Enkel sind später auch Vorsteher geworden, zuerst Josef Anton Schertler 1872, dann Joh. Martin Schertler jun. 1879 und schließlich der Enkel Lorenz Schertler 1891. Von seinem Haus in Unterlinden aus beteiligte sich Joh. Martin sen. an den Ziegeleien an der Ach. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Josef Anton Schertler im Röhle kaufte er zu dessen oberem Ziegel werk (Achstraße 1) bald auch die große KlockerZiegelei (am Platz von Bützestraße 28). Dazu baute er 1838 auf der anderen Straßenseite das Gasthus Schiffle {Hansmarteies Hus, Bützestraße 41). Doch Vorsteher Schertler hatte noch größere private Pläne. Als sein ältester Sohn Josef Anton mit Agatha Dür eine der Erbinnen aus der begüterten Ziegler-Dür-Sippe heiraten wollte, baute er für ihn 1851 an der Ecke der neuen Wälderstraße ein großes steinernes Haus als Verwaltungszentrale für die Ziegeleien. Wir haben es noch als die Post am Platze des heutigen Gemeinde- und Postamtes gekannt. Hier waren damals die Fuhrwerke untergebracht, die den Lehm vom Flotzbach an die Ach und dann Kalk und Ziegel zu den Baustellen im Oberland und in der Schweiz führten. Hier kamen auch des Vorstehers Enkel Jakob und Lorenz Schertler zur Welt, die ein paar Jahrzehnte später die Firma ganz ins Flotzbach hinab verlegten. Sehr, sehr viele Kindeskinder stammen aus ihren Häusern. Viele andere stammen aber auch aus des Vorstehers eigenem Haus an der Kirchstraße, das sein jüngerer Sohn Johann Martin jun., übernahm. Ihm werden wir in einem der Fortsetzungskapitel begegnen. 27 Mit Vorsteher Schertlers Rücktritt gingen die ersten 50 Jahre der selbständigen Gemeinde Wolfurt zu Ende. Ganz bestimmt waren es nicht die guten alten Zeiten. Mit Krieg hatten sie begonnen, Hungersnot, Streit und Arbeitslosigkeit hatten viel Leid gebracht. Aber immer wieder haben sich die Menschen in unserem Dorf aufgerafft und Mut und Kraft zum Weitermachen gefunden. Heimat Wolfurt, Heft 13, S. 6 ff. 2 GA, Schulchronik I, S. 6 3 Marktgemeinde Wolfurt, Wolfurt in Chroniken und Berichten, Festgabe 1982, S. 52 4 VLA, Landgericht Bregenz, Hds 130, fol 200-257. 5 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 6 Lies nach Mit Napoleon nach Rußland in Heft 7, Seite 12, nach GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 7 GA, Schachtel 1/1808 8 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 9 Heimat Wolfurt, Heft 10, S. 4 und Heft 11, S. 11 nach Chronik Schneider 2, S. 4. 10 Die Chronik Schneider 2 im GA Wolfurt. " Pfarrarchiv, Familienbuch Ic, S. 126. 12 Siehe auch Heimat Heft 13, S. 38! 13 Wilfred Schneider, The Schneider Family, ISBN 0-921257-91-0 und GA Wolfurt 14 Ebner-Tagebuch 1839 unter 3. April 15 GA, Chronik Schneider 2, S. 65/2). 16 GA Wolfurt, Schachtel 1825 17 GA, Brunnenbrief 1823 18 Wolfurter Dialekt: Bodobiora = Kartoffeln, Tiirggo = Mais, Stopfar = Riebel (Schmarren), Hafoloab ist ein spezielles Gericht, nach welchem die Wolfurter ihren Übernamen Hafoloabar bekommen haben. 19 GA, Schachtel 1829 20 Meinrad Pichler, Auswanderer, S. 121 21 GA, Schachtel 1838 22 Rapp, Generalvikariat Vorarlberg, 1896, Band II, S. 798 23 gedörrte 24 Siehe die Reihe Auswanderer in Heft 5/S.25, 9/35, 11/32, 13/40 und 15/36! 25 Heft 13, S. 40 26 GA, Schachtel 1852 27 Faschings-Dienstag 28 GA Wolfurt, Chronik Schneider 3, S. 24 29 Trester sind die stinkenden Obstrückstände vom Schnapsbrennen. 1 Siegfried Heim Alois Negrellis Arbeiten in Wolfurt Was erinnert in Vorarlberg noch an den genialen Planer des Suezkanals? Nennt man in den Schulklassen seinen Namen überhaupt noch? - Mit einem neuen Buch und mit einer Ausstellung haben die drei Heimatforscher Bußjäger-Concin-Gerstgrasser vor kurzem Negrellis Spuren in Vorarlberg aufgezeichnet.1 Mit dem folgenden Beitrag möchte ich für Wolfurt ihr Werk ergänzen. Alois Negrelli Ritter von Moldelbe Geboren 23.1.1799 in Primiero (Trentino). Gestorben 1.10.1858 in Wien. Als Ingenieur im Straßen-, Wasser- und Eisenbahnbau in Österreich und in der Schweiz führend tätig. Planer des Suezkanals, der nach seinem Tod in den Jahren 1859 bis 1869 unter Leitung von Ferdinand de Lesseps erstellt wurde. Zwischen 1822 und 1832 arbeitete Negrelli in Vorarlberg, ab 1826 als KreisingenieursAdjunkt. Von seinen vielen Arbeiten berühren mindestens vier die Gemeinde Wolfurt: 1. Rheinkartenwerk. 1825 - 1827. Ein genauer Plan der Gemeinde. 2. Wälderstraße. Planung 1827. 3. Pfarrkirche St. Nikolaus. Bauplan 1829. 4. Achdamm. Erweiterung 1832. 1. Das Rheinkartenwerk Es wird als Baudirektionsplan P 13 im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck verwahrt. 97 Blätter beinhalten eine genaue Aufnahme des Vorarlberger Rheintals von Liechtenstein bis zum Bodensee. Unter Leitung von Baudirektions-Adjunkt Duile und dessen Vertreter Baudirektions-Praktikant Alois Negrelli wurden sie in den Jahren 1825 bis 1827 von Negrelli selbst und seinen Mitarbeitern gezeichnet. Seit 1985 besitzt das Gemeindearchiv Wolfurt Schwarzweiß-Kopien von den Wolfurter Blättern: Blätter 67 u. 68, Rickenbach und Schwarzach, aufgenommen im September und Oktober 1826 von Alois Negrellis Bruder Baudir.-Praktikant Franz Negrelli. Blätter 74 u. 75, Lauterach, Wolfurt und Kennelbach, aufgenommen 1826 von Baudir.Praktikant Ignatz Leeb. Blatt 83, Bregenzerach bei Wolfurt, aufgenommen im September 1826 von k.k. Straßenmeister Johann von Hörmann. 29 28 Bild 13: Die Ach auf der Negrellikarte von 1826. l.Wuhrstadel Z. Ziegeleien Schertler und Dür am Achdamm 5. Platz der heutigen Achbrücke Bild 14. Die Wälderstraße hat die St. Antone-Straße ersetzt. Das Rheinkartenwerk ist die dritte und weitaus genaueste Karte unseres Gemeindegebietes. Die älteste ist die Vorarlberg-Karte von Blasius Hueber aus dem Jahre 1774. Von den Wolfurter Straßen zeigt sie nur die kurz zuvor 1772 unter Maria Theresia gebaute neue Landstraße von Lauterach durch das Ried nach Dornbirn und die alte Hauptstraße von der Lauteracher Achbrücke über St. Antone nach Rickenbach. Die zweite ist die Artillerie-Karte von 1818 im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien (eine Photo-Kopie im VLA in Bregenz). Dieser Plan, der der Kriegsstrategie und der Unterbringung des österreichischen Heeres dienen sollte, zeigt erstmals die Häuserreihen am Talrand in Wolfurt, die Bäche und die Feldwege. Er wurde von Offiziersanwärtern der Artillerie gezeichnet, das Blatt 49 G von einem Fähnrich Weiß. Die Blätter des Rheinkartenwerks (NegreIli-Karte P13) aus dem Jahre 1826 weisen erstmals jedes Wolfurter Haus, jede Straße und auch die kleinen Feldwege und Hekken aus. Obstgüter umgeben die Häuser. Das offene Gebiet von der unteren Straße bis nach Lauterach ist aber ein riesiger Getreideacker, in dem man damals abwechselnd Dinkelkorn und Hafer anbaute. Das Ried reicht noch bis zur Brühlstraße herauf. Ein breites Achbett ist von der heutigen Achstraße und vom Kennelbacher Berg 30 begrenzt. Sogar ein Fährschiff ist eingezeichnet, denn über die Ach gab es damals ja nur eine Brücke in Lauterach. Weil die Zeichner nur das Rheintal aufnehmen mußten, sind die auf den Wolfurter Büheln (z. B. beim Schloß) eingetragenen Einzelheiten ungenau und manchmal auch falsch. Trotzdem sind die Rheinkarten für jeden Heimatforscher eine unentbehrliche Grundlage. Ihnen folgen dann 1857 als vierte Landkarten die Katasterpläne, die nun auch alle Bau- und Grundparzellen genau angeben. Ein Vergleich mit den 30 Jahre älteren Negrelli-Karten zeigt viele interessante Veränderungen. 2. Die Wälderstraße Zusätzlich zum Saumweg von Wolfurt über den Steußberg bestand schon 1561 ein erster Karrenweg als landstraß von Schwarzach über das Farnach nach Alberschwende. Um das Jahr 1772 wurde er zur Fahrstraße ausgebaut und mußte nun von den Hofsteig-Gemeinden bis zur Grenze von Alberschwende erhalten werden. Es kam zu vielen Streitigkeiten, weil die Kosten den Hofsteigern im Verhältnis zum geringen 31 Nutzen unzumutbar hoch erschienen. Am 5. Februar 1827 legte Kreisingenieurs-Adjunkt Alois Negrelli dem Kreisamt erstmals einen Plan für eine ganz neue Straße durch das Schwarzachtobel und dazu einen Kostenvoranschlag mit der ungeheuren Summe von 42 000 Gulden vor. Fast die Hälfte davon hätten die Hofsteig-Gemeinden und Alberschwende aufbringen müssen. Erst 1836 bis 1838 wurde die neue Straße unter der Leitung von Negrellis Nachfolger Kreisingenieurs-Adjunkt Martin Kink durch das Tobel gesprengt. Beim Zoll in Alberschwende wurden nun für jedes taleinwärts geführte Pferd 3 Kreuzer Maut eingehoben.2 Als Zubringerstraße wurde etwa gleichzeitig an Stelle der zu schmal gewordenen alten Straße von der Lauteracher Brücke über St. Antone nach Rickenbach die neue Wälderstraße von Lauterach ins Strohdorf nach Wolfurt gebaut. Weil darauf regelmäßig die Postkutsche verkehrte, wurden an ihr kurz nacheinander ein Postamt in Lauterach und 1868 auch eines in Wolfurt errichtet. Bis dahin hatte ein Wolfurter Bote täglich die für Wolfurt bestimmten Briefe in Bregenz abgeholt. Durch den Bau der Wälderstraße erhielt Wolfurt endlich wieder den für die Wirtschaft so notwendigen Anschluß an den überregionalen Verkehr, den es 60 Jahre vorher durch den Bau von Maria Theresias Landstraße durch das Ried verloren hatte. Das Rheinkartenwerk von 1826 zeigt also noch keine Wälderstraße, wohl aber die St. Antone-Straße nach Spetenlehen. Der Katasterplan von 1857 weist dagegen die Wälderstraße aus. In den paar Jahren waren an ihr auch bereits eine ganze Reihe von Häusern gebaut worden. Der St. Antone-Weg hat seither immer mehr an Bedeutung verloren. 1982 wurde er durch die Autobahn endgültig abgeschnitten. Die Wälderstraße ist dagegen als Landesstraße weiterhin ein wichtiger Zubringer. 3. Pfarrkirche St. Nikolaus Die heutige Pfarrkirche von Wolfurt ist keine Negrelli-Kirche! Viele Veröffentlichungen (u.a. DEHIO, S. 407) haben das bisher angenommen. Der Erweiterungsbau wurde aber 1833/34 nach neuen Plänen von einem ungenannten „k.k. Hofbaurath" der Hofkanzlei in Innsbruck erstellt. Ich kann diese Feststellung nach Studium des umfangreichen Kirchenbauakts des Kreisamts3 treffen. Damit muß ich auch manche frühere Äußerung korrigieren (etwa in Heimat Wolfurt, Heft 4-1989, S. 58 u. 60, und in Rheticus, Heft 4-1994, S. 478). Bis jemand den Namen jenes planenden Hofbeamten findet, nenne ich unseren Kirchenplan einfach den Hofbaurathsplan von 1832. Über die ganze Baugeschichte berichtet ein eigener Beitrag: Als die Wolfurter ihre Kirche bauten. Zwar hatte Negrelli 1829 zwei Pläne mit Kostenvoranschlägen für einen Kirchenerweiterungsbau erarbeitet, aber das Urteil der Hofkanzlei darüber war vernichtend! 32 Bild 15: Alois Negrellis Plan für die Wolfurter Kirche aus dem Jahre 1829. Er enhält auch den Grundriß der früheren Kirche. 33 Nach dreijährigem Streit - Lesen Sie darüber im oben genannten Kirchenbaubericht! - schickte das Gubernium 1832 ein ganz anderes ... dem ursprünglichen Antrage des Bregenzer Kreisingenieurs in jeder Hinsicht vorzuziehendes KirchenerweiterungsProjekt..., das der k.k. Hofbaurath in Innsbruck gezeichnet hatte. Als der Bau nach dem Hofbaurathsplan ausgeführt wurde, arbeitete Negrelli, dessen Pläne für eine Dorfkirche bei unseren Behörden keine Billigung gefunden hatten, bereits an größeren Aufgaben in der Schweiz. außerhalb des Dammes noch Plaz genug übrich bleibt, um ihre Hölzer gehörig abzulagern, worinn eigentlich der Grund zur eingereichten Beschwerde zu suchen ist... Der Katasterplan 1857 zeigt, daß die meisten der durch den neuen Damm gewonnenen Grundstücke bereits als Äcker Verwendung fanden. Als erster hatte dort (am Platz Achstraße 4) der Ziegeleibesitzer Dismas Dür schon 1835 ein Haus gebaut. Jetzt wurde der alte Achdamm bald auf beiden Seiten besiedelt. Erst 1866 bis 1870 wurde der von Negrelli 1830 begonnene zweite Damm bis zur Lauteracher Brücke verlängert. Seither gräbt sich die Ach in die Tiefe. Die Hochwassergefahr scheint gebannt zu sein. 1 4. Die Achdamm-Erweiterung Schon seit dem Mittelalter mußten sich die Hofsteiger gegen die Überflutung ihrer Äcker durch das Hochwasser der Bregenzerach wehren. 1771 ließ Kaiserin Maria Theresia zum Schutz ihrer beiden neuen Straßen von Bregenz nach Dornbirn und nach Fußach am Wolfurter Achufer den ersten großen Damm bauen, der bis heute als Achstraße erhalten geblieben ist. Die Rheinkarte von 1826 zeigt außerhalb dieses Dammes nur Stauden-Vorland und Kiesbänke mit Inseln. Als einziges Gebäude hatten die Wolfurter am Damm ihren Wuhrstadel errichtet, in dem Werkzeug und Baumstämme zur Abwehr der Fluten gelagert wurden. Um das Jahr 1830 ließ Alois Negrelli parallel zum ersten Damm im Vorland einen zweiten errichten, die heutige obere Dammstraße bis zum Kinderspielplatz. Die gewonnenen Grundstücke wurden am 5. Dezember 1831 versteigert. Mit dem Erlös konnten die Kosten das Dammes nahezu gedeckt werden. Gegen den neuen Damm protestierten aber jetzt einige „Wuhr-Interessenten", die bisher hier ihre auf der Ach aus dem Bregenzerwald geflößten Baumstämme gelagert hatten. Sie gaben an, der neue Damm staue das Hochwasser, sodaß es weiter oberhalb beim Haus des Jos. Ant. Höfle den alten Damm überflute. (J. A. Höfles Haus, Iorgobuobos, ist 1908 abgebrannt. Dort steht heute die „Beschützende Werkstätte", Bregenzerstraße 33.) Landrichter Maldoner lehnte die Beschwerde mit Hilfe eines umfassenden Berichtes von Kreis Ing. Adj. Alois Negrelli ab.4 Hier ein paar Zitate aus dem Bericht: ... Verkauf von 5 1/2 Jauchert der Wuhrinsel... (das sind rund 2 1/2 Hektar) ... Wenn bey großen Überschwemmungen die Ach bey Jos. Ant. Höfle über die Straße getreuen ist, hatte der Damm, welcher damals nicht existierte und weiter unten liegt, keine Schuld daran ... ... Wenn das Waßer über die Straße tretten u. Schaden bringen kann, so ist es schlecht genug, daß die alten erfahrenen Männer von Wolfurt bisher ... keine Mittel ergriffen haben. ... daß es gut seyn würde, wenn dieselbe auf eine Strecke von 36 Klafter (fast 70 Meter) um 1 Fuß erhöht würde, was mit 100 Haufen Kieß leicht geschehen kann ... ... Kann an den veräußerten Gründen bey Wolfurt keine Abänderung mehr stattfinden, weil diese durchaus nicht nöthig, u. der Damm schon größtentheils hergestellt ist, u. der Kreisingenieur ist vollkommen überzeugt, daß den Beschwerdeführern 34 Bußjäger-Concin-Gerstgrasser, Alois Negrelli und seine Spuren in Vorarlberg, Bludenz 1997, ISBN 3-901833-00-5. Diesem Buch sind viele der folgenden Daten entnommen. 2 Nach Walter Johler, Bregenzerwald-Heft 6/1987, S. 20 ff. 1 VLA, Repetit. KA1/57 von 1829 ff, Kirchenbau Wolfurt. Alle Akten ab Nr. 1238/1829 sind abgelegt bei Nr. 546/1837, Schachteln KAI, 90-92. 4 GA Wolfurt, Schachtel 1832 35 Siegfried Heim Als die Wolfurter ihre Kirche bauten Die uralte Kirche St. Nikolaus war zu Beginn des 19. Jahrhunderts viel zu klein geworden. In einem Akt für das Landgericht schrieb der Vorsteher im Jahre 1821, sie sei 1512 erbaut und 1760 renoviert worden und befinde sich in gutem Zustand, nur sei sie zu klein. Dabei kamen ja seit einigen Jahren die Bildsteiner und die Schwarzacher nicht mehr zur Sonntagsmesse. Aber die Einwohnerzahl von Wolfurt war stark im Steigen begriffen. Wir besitzen von der alten Kirche nur ein einziges Bild, aber dazu den genauen Grundrißplan, den Negrelli 1829 aufgenommen hat. Das Bild ist eine Skizze von Hannes Fischer. Er hat sie 1918 nach Angaben von Joh. Baptist Höfle angefertigt. Höfle, 5 alt Küofarle von der Hub, war 1826 geboren worden und hatte als siebenjähriger Bub noch den Abbruch der alten Kirche gesehen. Im Gegensatz zum NegrelliPlan weist die Fischer-Skizze eine Seitentüre und statt vier nur drei Seitenfenster auf. Sonst stimmen die beiden Grundrisse weitgehend überein. Demnach hatte die alte Kirche einen fast quadratischen kleinen Chor, ein rechteckiges Schiff mit hohen gotischen Fenstern, eine winzige Sakristei im Erdgeschoß des Kirchturms und ein kleines „Vorzeichen", eine Überdachung beim Haupteingang. Zum Läuten der vier Glokken führte vom Kirchenschiff eine steile Treppe direkt in den Turm hinauf. Bis 1814 war der rauhe Lorenz Gmeiner 33 Jahre lang Pfarrer in Wolfurt gewesen. Dann folgte ihm der aus Brixen stammende ehemalige Franziskanerpater Alois Grasmeyer, ein gelehrter Herr, der aber auch die Gaumenfreuden und den Wein schätzte. Als er 1827 gestorben war, herrschte Priestermangel. Im Jahre 1819 war das Vorarlberger Unterland nämlich als einziges österreichisch gebliebenes Stück der aufgeteilten Diözese Konstanz zu Brixen geschlagen worden. Nun fehlte es an Nachwuchs. Trotzdem bewarben sich gleich vier Geistliche um die begehrte Pfarre Wolfurt. Dazu nahm Generalvikar Galura in einem Schreiben an das Ordinariat in Bregenz1 Stellung:.... Diese Pfarre ist eine der gut dotierten und der angenehmsten im ganzen Lande: eine halbe Stunde von der Hauptstraße entfernt, eine Stunde von Bregenz, in einer schönen und fruchtbaren Gegend. Die Gemeinde braucht einen außerordentlichen Seelsorger, indem sie von den zwei verstorbenen Pfarrern, welche die Wirtshäuser zu sehr liebten, ziemlich vernachlässigt worden ist. Daher sind Unglauben, Verachtung des Heiligen, Roheit und auch Säumen mit dem Eifer für die Schule recht zu finden Vor allem muß das unterzeichnete Amt pflichtgemäß bemerken, daß da ein Seelsorger notwendig sei, der ein Feind des Wirtshausbesuches ist Der Generalvikar empfahl dann von den vier Kandidaten den Pfarrer von Damüls, Franz de Barraga, weil er.... einer der gesittetsten undfrömmsten Priester des Landes sei, der stets zu Hause ist und alle Wirtshäuser meidet.... Die drei anderen Geistli36 Bild 16: Eine Skizze von Hannes Fischer ist neben dem Negrelliplan das einzige Bild von der alten Wolfurter Kirche. chen hielt der Generalvikar .... für die sehr bedenkliche Pfarre Wolfurt nicht für geeignet.... So wird im September 1828 Franz de Barraga, ein 40jähriger aus Wien stammender Theologe, neuer Pfarrer von Wolfurt. Sofort beginnt er mit der Missionierung der sehr bedenklichen Pfarre. Von der Kanzel aus verdammt er die Wirtshäuser und scheut sich auch nicht, die Namen von unfolgsamen Besuchern zu nennen. Er läßt sich von Frauen das wichtigste aus der Gemeinde berichten. Vor allem kümmert ihn die Keuschheit. Den Frauen verbietet er die Kirchenstiege, weil dort böse Buben ihre Knöchel sehen könnten. Drei ausgewählte Jungfrauen läßt er das Verhalten der anderen kontrollieren2. Er verdammt ledige Mütter und will unehelich geborene Kinder nicht kirchlich beerdigen lassen. Die hölzerne Standlaube am Fuß der Kirchenstiege muß abgebrochen werden. Durch Jahrhunderte war sie der Versammlungsort des Gerichts Kellhof gewesen. Hier hatten die Grafen von Hohenems Gericht gehalten und die wehrfähige Mannschaft gemustert. Nun muß die Tanzlaube weg, weil sich dort am Abend manchmal Burschen und Mädchen treffen. Bald liegt der Pfarrer im Streit mit der ganzen Gemeinde, be37 sonders mit Vorsteher Bildstein, der ihm das Opferweingeld von 20 auf 10 Gulden herabgesetzt hat. Das allerwichtigste Anliegen des neuen Pfarrers ist die Erweiterung der zu kleinen Kirche. ... Als Gefertigter das erste Mahl dieß Gotteshaus durchschaute, konnte er sich der Thränen nicht enthalten, daß die angesehene Wolfurter Gemeinde ein so elendigliches Haus zu ihrer Andacht besitzt.... So schreibt er ein Jahr später.3 Kreishauptmann Ebner unterstützt ihn:... die derzeitige Kirche faßt nur 482 Personen, die Gemeinde hat aber 984 Individuen, welche die dortige Pfarrkirche besuchen sollen. ...4 .Wolfurt hatte zu dieser Zeit etwa 1200 Einwohner, für die der Pfarrer am Sonntag jeweils nur eine Messe feiern durfte. Im Jänner 1829 gab Vorsteher Bernhard Bildstein sein Amt ab. Ihm folgte Joh. Martin Schertler, der allgemein sehr geschätzte Sohn des Schützenmajors Jakob Schertler in Unterlinden. Gemeinsam mit Pfarrer Barraga bat er das Kreisamt um einen Kirchenbauplan. Kreisingenieur Ducati gab diese Aufgabe an seinen Adjunkten Alois Negrelli weiter. Negrelli untersuchte am 13. März 1829 die alte Kirche und legte am 21. April seinen Bericht beim Kreisamt vor. Als Beilagen hatte er auch bereits einen Bauplan und einen Kostenvoranschlag erstellt.5 In Negrellis umgangreichen Bericht heißt es u. a.:.... Bei der am 13. v. M. vorgenommenen Untersuchung hat sich nun gezeigt, daß die erwünschte Vergrößerung der befraglichen Kirche sich des Leichten, und der Volkszahl der Gemeinde Wollfurt welche sich auf 1148 Seelen beläuft, ganz angemeßen vornehmen läßt. ... ... Der Thurm, und die östliche, und nördliche Seite dieser auf einer sehr anmuthigen kleinen Anhöhe gelegenen Kirche würden beibehalten werden ... ... Aus diesem Gesichtspunkte ausgegangen, daß nemlich der Thurm und ein bedeutender Theil der alten Kirche stehen bleibt, war man beim Entwürfe des Adaptierung-Antrages an deren Bauart gebunden, daher an keine modernere fürgedacht werden konnte. ... ... Gewölb läßt sich sich nicht leicht eines anbringen, weil die stehenbleibende Seitenwand dessen Last zu tragen nicht vermögend seye ... ... Die neu zu erweiternde Kirche gewährt übrigens folgenden, nach den bestehenden höchsten Vorschriften bemeßenen Raum von 4 Quadratfuß für jede Person, und zwar im Langhause für 612 im Präsbiter für 102 und auf der Emporkirche für 126 Zusammen also für 840 Communicanten ... Der beigefügte Plan gab Aufschluß über den Grundriß der bisherigen Kirche und des Friedhofs. Die vorgesehene Erweiterung erschien ungemein kostengünstig. Der Voranschlag sah Barauslagen in der Höhe von 3591 Gulden und dazu noch Fronarbeiten vor. Besonders interessant ist eine Aufstellung über die ortsüblichen Preise des Baumaterials und über die Löhne. Demnach bekam ein Handlanger einen Taglohn von 30 Kreuzern, also einen halben Gulden. Maurer und Zimmerleute erhielten pro Tag 38 44 Kreuzer, ein Schreiner sogar 48 Kreuzer. Ein Handwerker konnte also, wenn er genug Arbeit fand, mit einem Jahresverdienst von höchstens 200 Gulden rechnen. Dagegen nimmt sich Negrellis Jahresgehalt von 350 Gulden geradezu fürstlich aus. Negrelli war sich über die Unzulänglichkeit seines vom Sparstift des Pfarrers beeinflußten Planes durchaus im klaren. Am 10. Mai 1829 stellte er ihn persönlich im alten Schulhaus der Gemeinde vor. Diese bedankte sich zwar, doch wünschte sie eine wesentlich größere Erweiterung um 6 Schuh noch breiter und auch einen neuen Chorabschluß mit einem Rundel, also gebogen wie der Chor der schönen Barockkirche in Bildstein. Schon am 17. Juli brachte Negrelli einen ganz neuen Plan und einen Kostenvoranschlag von nunmehr 5190 Gulden. Beide Akten mußten nun vom Kreisamt dem Gubernium in Innsbruck vorgelegt werden, von wo sie an die dortige Hofkanzlei weitergeleitet wurden. Hier erfahren wir also von dem komplizierten Instanzenzug, der in Metternichs Beamtenstaat der Obrigkeit alle Macht zukommen ließ: Gemeindevorstehung - Landgericht Bregenz - Kreisamt Bregenz - Gubernium Innsbruck - Hofkanzlei Innsbruck. Die meisten zu jener Zeit in Vorarlberg erstellten wichtigen Akten und Pläne liegen daher seit damals im Tiroler Landesarchiv. Das Urteil der Hofkanzlei über den Negrelliplan war vernichtend! - Sie schlug Änderungen mit einem massiven Deckengewölbe vor, die etwa 15 000 Gulden gekostet hätten. Das war für die Gemeinde unfinanzierbar. Ein schrecklicher Streit war die Folge. Es bildete sich eine Rickenbacher Partei unter Führung von Adlerwirt Leonhard Fink, die in Anbetracht der hohen Kosten einen völligen Neubau der Kirche beim Schulhaus in der Mitte der Gemeinde verlangte. Drei Jahre lang wanderten zahlreiche Schreiben über die vielen Instanzen nach Innsbruck und zurück und etliche Kommissionen reisten auf dem weiten Weg über den Arlberg an. Die Gemeinde mußte das vorbereitete Bauholz verkaufen, um es vor dem Verfaulen zu bewahren. Der fanatisch kämpfende Pfarrer Barraga verscherzte es sich mit allen Seiten. Dekan Josef Stadelmann verwarnte ihn und schrieb an den Bischof: ... Barraga hängt in allem, er macht sich immer odioser, ... erfragt niemand was nach, ist stolz und unbeugsam ... zu wünschen wäre, Barraga möchte auf eine Kaplanei oder auf ein subalternes Benefizium versetzt werden. ...6 Auch Landrichter Maldoner urteilte hart über den Pfarrer und versuchte, ihn ganz von dem im Jahre 1832 endlich in Aussicht stehenden Kirchenbau auszuschließen:... Altvorsteher Schertler bemerkte hiebei, daß der Pfarrer die Gemüther nur aufrege, u. daß es für die gute Sache förderlich wäre, wenn sich der Pfarrer um den Kirchenbau gar nicht annehme. Auch der Herr Dekan Stadelmann bemerkte, daß sich der Pfarrer in Wolfurt in dieser Bausache sehr unklug benehme. Was läßt sich aber auch von diesem Pfarrer erwarten, welcher, wie dem Landgerichte wiederholt angezeigt wurde, laut u. öffentlich erklärte, daß er fürchte, eine Todsünde zu begehen, wenn er sich nicht um diesen Bau annähme. Diejenigen, welche nicht für diesen Bau seyen, erklärte er in der öffentlichen Kirche als mit einer Tod39
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Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1999 19.11.2012, 18:24 Heft 23 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 1999 Bild 1: Rickenbach hat heuer seinen 750. Namenstag gefeiert. Hier die Kapelle und der Gasthof Kreuz auf einem Bild von 1910. Inhalt: 116. 117. 118. 119. 120. Dorfbrunnen Hexen in Wolfurt Adlerwirts Haus-Chronik Fronleichnamsschützen Gasthäuser Bildnachweis: Siegfried Heim Bilder 3, V, 11, 16, 17, 22 Sammlung Tschaikner Kopien 9, 12, 13, 14 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Ahnenforschung (Heft 22, S. 5) Einige Überraschung hat bei manchen Lesern die Nachricht ausgelöst, daß auch die Harder Köhlmeier ursprünglich eine Wolfurter Familie waren. Aber auch viele unserer heutigen Wolfurter Familien haben Köllmayer in ihrer Ahnentafel, so etwa die Stöoglar- und die Seppar-Fischer. Der in seiner Schreibweise mehrfach veränderte Name Köhlmeier hat wahrscheinlich einen Bezug zum Gericht Kell-Hof im Kirchdorf, vielleicht auch zum schon 1340 genannten Gut kelun, dem heutigen Kella. Die Krone (Heft 22, S. 7) Ganz genau haben Luzias Verwandte und natürlich auch die einstigen Gäste der nun schon beinahe vergessenen Krone den Beitrag studiert. Emil Herburger ergänzt dazu, daß die Gründungsversammlung der Turnerschaft Wolfurt am 22. Dezember 1946 in der Krone kein Zusammenschluß der Vereine gewesen sei, weil der liberale Turnverein die Wirren des Krieges nicht überstanden hatte. Die aus dem Kriege heimkehrenden Turner sammelten sich alte in der neuen Turnerschaft und übernahmen auch die im Jahre 1924 geweihte Vereinsfahne des aus dem Katholischen Arbeiterverein hervorgegangenen Turnerbundes. Anton Klettl hatte sie während des Krieges versteckt gehalten. 750 Jahre Rickenbach (Heft 22, S. 7) Für alle Wolfurter erhält der Beitrag über Wolfurt und die Mehrerau heuer durch die große Sommerausstellung des Landes Vorarlberg besondere Aktualität: Unsere Mutterkirche Mehrerau feierte! Ausgestellt war auch das Original der Papst-Urkunde von 1249. Hard hat das 750-Jahr-Namensfest wegen des Bodensee-Hochwassers zuerst verschoben und im September dann mit der Herausgabe eines schönen Buches gefeiert. Auch Schwarzach hat sich des historischen Termins erinnert. In Rickenbach war er Anlaß, sich um die beiden ältesten Wolfurter Bilder zu kümmern. Das 14-Nothelfer-Bild, im Jahre 1676 von Adlerwirt Mathias Haltmayer für eine Kapelle im Schlaft gestiftet und von dort 1914 in die Kapelle Rickenbach übertragen, bedarf dringend einer Restaurierung. Dann soll es endlich wieder den Gläubigen und den Kunstfreunden zugänglich gemacht werden. Das Hochwasser-Votivbild haben alle Rickenbacher gemeinsam nach einem Gelübde für die Errettung aus Hochwassergefahr im Jahre 1702 gestiftet. Von der Brücke beim Mohren wurde die Dreifaltigkeits-Kapelle schon vor vielen Jahren an den Anstieg der Bildsteiner Straße verlegt. Beim Besitzerwechsel des Gunz-Hauses gelangte das historisch für Rickenbach so bedeutsame Bild im Jahre 1996 leider in das Depot unseres Landesmuseums in Bregenz. Es gehört aber nach Rickenbach! Bitte! Diesem Heft 23 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11. A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan. A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Gcs.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Richard Kurt Fischer (Heft 22, S. 49) Bei einem Vortrag über die Rickenbacher wurden erstmals in Wolfurt Bilder des Tiroler Malers vorgestellt. Interessierte Zuhörer haben in der Folge Fischers Bildband Auf den Flügeln des Geistes im Gemeindearchiv ausgeliehen. Inge Stenzel hat sogar schon die Fischer-Kapelle in Arzl besuchen wollen, stand aber vor einer verschlossenen Tür. Sie will wiederkommen. Aus Innsbruck erfahren wir, daß Richard Kurt Fischer am 13. Oktober 1999 im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Su-Biorar (Heft 22, S. 52) Wie schon vorher in den Zeitungen hat der Bericht über die Wolfurter Spezialität ein besonderes Echo ausgelöst. Altbürgermeister Emil Geiger erzählte, daß es früher auch ganz große Su-BiorarBäume gegeben habe. Einen besonders großen habe er selbst als junger Bursch um 1938 im Röhle um-to (gefällt). Nur die vier Rot-Biorar (Mostbirnen) seien noch größer gewesen. Die Nachbarin Rosmarie Schertler wußte, daß Kapeollars Hus früher einer Familie Flatz gehört habe. Wieso denn dann ein Kaspar Dür den Baum gepflanzt habe? Richtig! Die Dür-Erben verkauften das um das Jahr 1805 erbaute Haus schon 1860 an Kaspar Stadelmann aus Buch. Von ihm erbte es 1873 ein Peter Flatz aus Buch, der es dann 1885 an den jungen Zimmermann Ambros Flatz und dessen Frau Theresia Roth übergab. Hier sind deren Kinder Josef (Flatzo Beppe), Isidor, Franziska (verh. mit Franz Lang), Berta (verh. mit Xaver Very Fink) und Augusta (verh. mit Fritz Pehr) aufgewachsen. Erst als Vater Flatz um 1900 sein neues Haus an der Unterlindenstraße (Isidoros) erbaut hatte und mit seiner Familie dorthin übersiedelt war, konnte der Spinnereimeister Lorenz Rohner (Vinälars) mit seinen vielen Kindern im Röhle einziehen. Ihr Haus an der Ach (beim späteren Wälderhof) hatten sie 1897 durch einen Brand verloren. Der Sohn Franz Rohner hat dann schon 1901 die Kapellmeisterstelle bei der Bürgermusik übernommen. Und er hat auch als erster unseren kostbaren Su-Biorar gebrannt! Schnaps-Brenno (Heft 22, S. 59) Gefreut hat mich das Kompliment einer Leserin: / heo gat gmoant, i schmeck do Schnaps! Unser Dialekt ist in einer sehr schwierigen Umbruch-Situation. Noch wissen wir nicht, ob er in wenigen Jahrzehnten eine von der Allgemeinheit kaum mehr verstandene Museums-Sprache sein wird oder ob er sich unter den vielen Einflüssen unserer Zeit zu einem Gebrauchs-Slang wandelt. Für Anregungen und Kritik zu der Serie So heo s i ghört wäre ich daher besonders dankbar. Bild 2: Tante Cecilia mit ihrer Schwester Margaret am Grab ihres Großvaters in Pinckneyville. Grüße aus Amerika In Pinckneyville, Illinois/USA feierte im August 1999 Frau Cecilia Ruppert, eine Enkelin des Wolfurter Auswanderers Mathias Schneider, bei guter Gesundheit ihren 101. Geburtstag. Ihre Nichte Louise Grobl übermittelte uns Grüße und Fotos. Beste Wünsche von uns an die älteste „Wolfurterin" im fernen Land! Gute Nacht! (Heft 22, S. 57) Überrascht und erfreut über das Gedicht ihres verstorben Mannes zeigte sich Frau Maria Repolusk. Sie bedankte sich dafür mit einem wunderschönen Bildbändchen, das sie mit ihren geschickten Fingern selbst geschaffen hat. Ihre Bekannten wissen längst, wie viel Freude Frau Maria mit ihrem Kunsthandwerk immer wieder schenkt. Danke! 4 5 Siegfried Heim Der Dorfbrunnen Unser Dorfbrunnen plätschert wieder! Aus der großen Wasserstube am Waldrand droben, die unser Wassermeister sorgsam im Erdreich geborgen hält, fließt nach langen Jahren endlich wieder köstlich frisches Waldwasser in die neuen Sandsteintröge am Dorfplatz. Sogar die alte schön gezierte gußeiserne Brunnensäule haben sie wieder aufgestellt. Am 3. Juli 1999 sprach Pfarrer German Amann seinen Segen über den neuen Brunnen und Bürgermeister Erwin Mohr ließ unter dem Beifall vieler Gäste den Absperrhahn öffnen. Seither trinkt wieder mancher Durstige von dem "lebendigen" Wasser, Kinder spielen begeistert am Trog, Sport-Radfahrer bleiben stehen und suchen Kühlung. Meine Freude darüber wird noch größer, seit ich gesehen habe, daß die Gestalter des neuen Dorfplatzes sogar dem Töbelebach wieder einen Winkel der Freiheit gegeben haben. Ein richtiges Naturbächlein sprudelt durch die Wiese, bringt die Kinder zum Staunen und erquickt unser Herz. Vom Bach aus ist unser Kirchdorf entstanden. Durch Jahrhunderte war der Brunnen sein Mittelpunkt. Dann ist das Herz des Dorfes an dem Übermaß von Autos und Asphalt erkrankt. Jetzt ist es sichtlich auf dem Weg der Besserung. Den verantwortlichen "Ärzten" sei herzlich gedankt! Bei der Grundbuch-Aufnahme im Jahre 1903 ließen 60 Hausbesitzer im Kirchdorf ihr Wasserbezugsrecht am Dorfbrunnen eintragen. Am Rickenbacher Brunnen taten das 22 Eigentümer, 5 in Spetenlehen, 15 an der Hub, 25 im Strohdorf und 11 am Unterlinden-Brunnen.1 Viele Häuser besaßen aber damals auch schon zusätzlich eigene Laufbrunnen oder wenigstens Golggar-Pumpbrunnen. Zu den 60 Dörfler Brunnengenossen von 1903 gehörten die Häuser im Dorf, im Gässele, im Loch und im Tobel, dazu die an der Kirchstraße bis hinaus zum Hirschen und an der Bregenzerstraße bis zu Hannes Franz und Rößlewirts im Röhle, an der Kellhofstraße bis hinab zu Rädlers und Mohrs und droben alle Häuser auf dem Bühel bis zur Feldeggstraße, sogar noch das Fabrikshaus am Hexenbühel und auch der Pfarrhof. Zum neuen Pfarrhof hatte man aber schon 1882 eine eigene Leitung verlegt und sieben Anteile daran den Leuten auf dem Bühel für ihre eigene Waschhütte an der Oberfeldgasse überlassen. Das Überwasser davon bekam noch das darunter angrenzende Gerbe-Wohnhaus. Das Überwasser des Dorfbrunnens speiste den Kleinen Brunnen an der Kreuzstraße und den Brunnen in der Dörfler Waschhütte unterhalb des Schwanengartens. Wenn die privaten Brunnen in heißen Sommern austrockneten oder im strengen Winterfrost erstarrten, dann bestanden alle Bauern auf ihre alten Rechte am Großen Brunnen am Dorfplatz Sie führten ihre Kühe dorthin an den stets peinlich sauber gehaltenen Tränkbrunnen und wuschen allerlei Gerätschaften im kleinen Becken des Sudel6 Bild 3: Der neue Dorfbrunnen 1999 brunnens. Die Frauen tauschten meist noch ein paar Neuigkeiten aus, ehe sie ihre schweren Wasserkübel heim in die Küche schleppten. Ein Brunnenmeister sorgte für Reinlichkeit und Instandhaltung und verwaltete die Brunnengelder und die alten Brunnen-Briefe. Er kümmerte sich auch um den Brunnenwald, aus dem man die schlanken Tannen holte, die man für die Düchel, die langen Holzrohre der Zuleitungen, benötigte. Als die HofSteiger 1795 den Ippachwald aufgeteilt hatten, waren die drei allerersten Parzellen an der alten Bucherstraße für den Dorfbrunnen bestimmt worden. Der Brunnenmeister lud alle Jahre die Brunnengenossen zur Versammlung in den alten Schwanen oder ins Rößle, legte Rechenschaft ab und ließ über neue Vorhaben abstimmen. Durch mehrere Jahrhunderte funktionierte diese Brunnengemeinschaft. Ab 1950 begann ein Umdenken. Für die vielen neuen Häuser auf den Büheln und in den Feldern mußte die Gemeinde ein Wasserwerk erstellen. 1953 wurde das erste Pumpwerk bei der Schule Strohdorf eingeweiht. Jetzt bekamen alle Hausfrauen ihr Fließwasser in Küche und Bad eingeleitet. Für die meisten Kühe gab es nun Selbsttränker im Stall. Die Pümpbrunnen wurden fast alle verschrottet, viele von den insgesamt 52(!) alten Laufbrunnen abgebrochen. Die Autos beanspruchten deren Platz. Zuerst mußte der Kleine Brunnen beim Haus Kreuzstraße 1 der Straßenverbreiterung weichen, dann auch die beiden Waschhütten im Dorf und auf dem Bühel. Die Brunnengenossen zeigten kaum mehr Interesse am Dorfbrunnen. Als einer der letzten tränkte dort noch der Engelwirt seine paar Kühe. Der Schwanenwirt bürstete im Sudelbrunnen seine Ladenregale. Dann gaben auch sie auf. Ohne Brunnenversammlung vertrauten sie den Brunnenwald und den Brunnen der Gemeinde an. Sie stellten aber die Bedingung, die Gemeinde müsse "auf ewige Zeiten" die Dörfler mit Wasser versorgen. Nun ließ der Bürgermeister den Brunnen an die Gemeindeleitung anschließen, allerdings mit einem wassersparenden engen Spritzrohr. Ein Jahrzehnt später wurde auch 7 dieses verschlossen. Der undicht gewordene Trog mußte abgetragen werden. Noch viele Jahre bis etwa 1985 stand die tote alte Brunnensäule einsam am Straßenrand, eine anklagende Mahnung in unserer nur mehr dem Wachstum und dem Fortschritt huldigenden Zeit. Dann verschwand auch sie im Schuppen des Bauhofes. Als letzter Brunnenmeister hatte Schrinars Seppl (Sargmacher Josef Bernhard) die wertvollen Brunnenbriefe von seinem Vater Hannes übernommen und auf einem Sims in der Schreinerwerkstatt aufbewahrt. Verärgert über das Geschehen in den letzten Jahrzehnten und ohne Hoffnung auf Änderung, holte er sie am 22. Juni 1981 herab und drückte sie mir in die Hand: Kast toa damit was d' wit! Seither bin ich statt der verschwundenen Brunnensäule ein oft unbequemer Mahner für den Brunnen und auch für den Bach geworden. Die Brunnenbriefe Die Dörfler Brunnenbriefe gehören zu den ältesten Wolfurter Dokumenten. Der von 1517 ist sogar das allerälteste in unserem Gemeindearchiv. Nur wenige Wolfurt-Pergamente im Landesarchiv und in Freiburg sind älter. Als Beginn der Neuzeit nehmen die Geschichtsbücher das Jahr 1492 mit der Entdekkung Amerikas an. Ebenso geeignet wäre das Jahr 1514, als Kopernikus erstmals die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls verkündete und damit die kommenden Reformationen und Revolutionen des Geisteslebens einleitete. Von beiden wußte man bei uns im Lande noch nichts. Aber eine neue Geisteshaltung, ein Aufbegehren gegen bisher als unveränderlich betrachtetes Tun und Denken, machte sich auch bei uns bemerkbar. Sebastian Schnell führte damals die Wolfurter in die neue Zeit.2 Sein Haus stand im Dorf am Anfang des Weges zum Schloß.3 Zwischen 1496 und 1540 wählten ihn die Hof Steiger mehrmals zu ihrem Ammann. Als solcher brachte er 1512 den Ausgleich zwischen den mächtigen Klöstern Mehrerau und Weißenau zustande, deren Interessen an Hofsteig und Kellhof sich seit Jahrhunderten gekreuzt hatten. Jetzt fanden sie sich in der gemeinsamen Gründung der neuen Pfarrei St. Nikolaus in Wolfurt. Die erste Zeile des Stiftungs-Pergaments nennt den Namen. Ich Sebastian Schnell, der Zeit Ammann im Hofstaig ....4 Mit diesem Akt lösten sich die Wolfurter aus der übergroßen Pfarrei St. Gallus in Bregenz. Auf dem Kirchplatz wurde neben der Stiege das tantzhus errichtet, eine große überdachte Laube, in der Graf und Vogt Gericht hielten, und die den Kellhofern wohl auch als Ratsstube diente. Zur Laube aber plante Bascha Schnell einen Brunnen, wie man ihn bisher nur in den Städten gesehen hatte. Fast tausend Jahre lang, seit sich die Alemannen hier am Tobelbach niedergelassen hatten, schöpften die Bauern ihr Trinkwasser aus dem Bach. Am Bach tränkten sie ihre Haustiere und hier wuschen die Frauen ihre Wäsche. Und auch wenn die Feuersbrunst die kleinen strohgedeckten Holzhäuser bedrohte, rannte alles mit Lederkübeln um Löschwasser an den Bach. Aber nicht immer führte dieser genug Wasser. 8 Bild 4: Brunnenbrief von 1517:.... bisher großen Mangel... an gueten Trunkh waßer.... Dem wollte Bascha Schnell abhelfen. Oberhalb seines Hauses sickerte aus dem zum Schloß gehörigen Weinberg eine Quelle. Das Bächlein wurde (so steht es im Hofsteigischen Landsbrauch) an Schnells Haus vorbei in den kelnhofbach geleitet. Jetzt erbat er sich beim Schloßherrn Jakob Leber, der gerade von Kaiser Maximilian geadelt worden war und sich jetzt Junker Jakob von Wolfurt auf Wolfurt nannte, das Recht auf die Quelle. Er erhielt es auch, allerdings gegen jederzeitigen Widerruf! Ein feierlicher "Brief wurde erstellt, ähnlich wie bei der Stiftung der Pfarre fünf Jahre vorher. An das Original hängte Ammann Schnell sein Siegel. Mit dem Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist der Brief längst verschwunden, zu Staub geworden. Die Abschrift aber, die der Ammann seinem Brunnenmeister übergab und die dieser getreulich mit den späteren Briefen seinen Nachfolgern aushändigte, die blieb erhalten, bis Schrinars Seppl sie schließlich mir überließ. Seit 1517, nun schon beinahe 500 Jahre! Allerdings dürfte um das Jahr 1764 eine neue Abschrift angefertigt worden sein, die dann mit den folgenden drei Briefen zusammengeheftet wurde, um sie zu sichern. Einen gekürzten Auszug wollen wir hier abdrucken: Wür Amman Richter und Gemain Inwoner des vorderen Theils des Dorfs, bey und under der Pfar Kirchen zu Wohlfurth, im Hofstaig .... Als wür und unßere vordem bisher großen Mangel und Gebrechen gehabt habend an gueten Trunkh waßer, Leuth und vieh zu gehörig haben wür 9 gemainiglichen den Edlen und Vesten Jakoben von Wohlfurth uf Wohlfurth gebeten, uns Seinen Brunnen auf und in Seinem aigenen guet in Wohlfurth under den Reben gelegen durch Tüchel in das Dorf Wohlfurth.... zu Lauen und füran zu vergunen geruhen .... in unßern Kosten ihme ohn allen schaden herab gen Wohlfurth in ein Brunen Beth zuführen und laiten.... .... als dan er auch, Seine Erben und nachkommen, über Kurz oder lange Zeit wen Sie wöhlendt Solches Waßer und Brunen .... widerum absagen.... .... so hat der ehrsame wis Sebastian Schnell dißer Zeit Kais. Landamman im Hofstaig, von allen in Wohnern und Brunnen Genossen ... Sein aigen In Sigl an dißen Brif gehenckht, der gegeben ist auf Sancta Philipe und Jakobs Tag, Appostolorum. Nach Christi geburth gezelt, Tausend, fünf hundert, und Siben zehen Jahr. Das Fest der Apostel Philip und Jakob wird am 1. Mai gefeiert. Demnach ist das genaue Urkundsdatum der 1. Mai 1517. Im gleichen Jahr mußte sich Ammann Schnell übrigens noch namens der Hofsteiger mit den Plänen der Stadt Bregenz auseinandersetzen, die zum Bau der ersten Brücke bei Lauterach über die Ach führten und die der Wolfurter Furt viel von ihrer einstmaligen Bedeutung nahmen. Der zweite Brunnenbrief ist wesentlich jünger, aber nun auch schon fast 270 Jahre alt. Er trägt die Überschrift Extract 1731 den 21ten Cristmonath und berichtet von 42 Brunnengenossen, die durch immer wieder erneuerte Tüchel das Wasser vom Schloß und aus dem Tobel auf den Dorfplatz leiteten. Der schon 1723 verstorbene Hofsteigammann Jakob Schneider hat zu seinem neuen Haus, das weit außerhalb des Dorfs gegen Unterlinden zu stand, einen eigenen Brunnen erbaut. Seine Erben zahlen, wie auch die acher, keine Brunnenbeiträge. Der jetzige Ammann Jerg Rohner hat zu seinem Gasthaus ebenfalls einen Brunnen erstellt. Dieser, später beim Haus Kreuzstraße 1 als Kleiner Brunnen bezeichnet, bezog sein Wasser aus einer Abzweigung von den Tücheln des großen Brunnens: .... Die Weillen Man ein Theil saul gemacht in Marthin gigers Büchel.... Seit Ammann Rohner 1728 den Gasthof an seinen Sohn Anton übergeben hatte und zu seiner dritten Frau nach Rickenbach übersiedelt war, wehrten sich die anderen Brunnengenossen, weil .... der Brun quel nicht allezeit im stand ist, das er 2 Brunen dreiben Mag.... Sie wollten an den Kleinen Brunnen nur Wasser liefern, wenn sie selbst Überfluß hatten, .... mit dem geding das der Brunen bey der Dantz Lauben allezeit ein Rohr voll wasser haben Solle .... Der Brunnenmeister übernahm den Schlüssel zum Theil saul. Diese Scheidesäule stand oberhalb vom Haus Schloßgasse 1 (heute Stenzlers). Dort, wo 200 Jahre früher der Ammann Sebastian Schnell daheim gewesen war, wohnte jetzt Martin Geiger, der Stammvater vieler Geiger-Familien im Röhle, in der Höll und in Unterlinden. 10 Bild 5: Der alte Brunnen um 1920 mit Dorfbach und Waschhütte Der dritte Brunnenbrief vom 15. Jänner 1764 schlichtete einen Streit zwischen der Brunenschaft bey der Tanzlauben und den vier Höfen im Holz. Wegen des häufigen Wassermangels war eine weitere Wasserstube am schwärzen Bach durch eine TüchelLeitung mit dem Dorfbrunnen verbunden worden. Das Durchleitungsrecht mußte die Genossenschaft nach einem vor dem Hofsteig-Gericht ausgetragenen Streit von Michael Gmeiner für drei Gulden erkaufen: .... in gegen warth Bedter angeregten Parteyen, und mit vihlen zu reden in Einen Ver glich Ein gestanden, welcher auf Solche arth beschehen, daß der klagende Michael gmeiner für den erfolgenden schaden, wo die Teüchel 80 schrith über sein acker und Hey Boden geführt werden Müßen,.... Selben betrefenden Boden 2 schuh breith ab er kauft worden durch die Intreßenten pro 3 f.... zu all und Ewigen Zeiten. Der Brief trägt bei den vier Unterschriften auch die jenes Holzmüllers Johann Stadelmann, der im Jahre 1772 von den allerletzten Adeligen das Schloß Wolfurt kaufte und dort als Schloßbauer durch seinen Schwiegersohn Franz Xaver Köb die Sippe der Schloßburo-Köbs begründete. Der vierte Brief ist ohne Datum, wurde aber vermutlich gemeinsam mit dem dritten geschrieben. Er faßt den Inhalt der anderen drei zusammen. Dazu wird berichtet, daß .... die Brunen Intreßenten al Jährlich darführ eine heilige Meß applitziren lassen, abends des St. Martini Bischofen .... Es wird auch festgehalten, daß sogar die Bauern im Holz in Notzeiten Zugang zur Dörfler Brunnenstube bekommen sollen. Ganz am Ende ist noch ein besonderer Satz angefügt. Zu Wissen d. ein jewelcher Brunen Maister Bey Entlaßung Seines ambts die vor geschribnen Brunen brif, dem Neyen Brunen Maister wider ordentlich zu banden geben Solle! 11 Das haben die nachfolgenden Brunnenmeister denn auch alle getreulich getan - bis 1981! Der fünfte Brief stammt aus dem Jahre 1816. Die alten Gerichte Hofsteig und Kellhof waren jetzt aufgelöst worden. Von Bregenz aus regierte der K.K. Landrichter Dr. Moosbrugger. Dieser präsentierte nach Lokalaugenschein und Anhörung beider Parteien im alten Schwanen seinen Akt und stellte nach Einhebung der fälligen Gebühren die Abschrift einer neuen Brunnenordnung zur Verfügung: Actum Wolfurth den lten Juny 1816 in der Schwanenwirths behaußung Das Dorf hatte sich durch den Bau vieler Häuser stark ausgeweitet. Alle brauchten Wasser. Aus den 42 Brunnengenossen von 1731 waren genau 70 (siebzig!) geworden. Neben den alten Häusern in Dorf, Bühel, Tobel und Loch erstreckte sich das Einzugsgebiet jetzt hinaus ins Röhle bis zu den Häusern B 8 (B nach dem Bayerischen Kataster) und 8 1/2, das sind heute Bregenzerstraße 21 und 22, Kapeollars und Schädlars. In der Bütze ging es nach Norden bis zu B 45 und 46 (Bützestraße 4, Heims, und Rittergasse 1, Mohrs), nach Westen sogar hinab bis B 52 (Lauteracherstraße 5, Thaler-Kressers). Und auch von der Kirchstraße her durften noch die Bewohner von B 71 (Kirchstraße 27, Kalbs) Wasser vom Dorfbrunnen holen. Heute unvorstellbar weit! Auch wenn man damals nur sehr wenig Vieh hatte und viele Bauern dieses noch weiterhin im Dorfbach tränkten, mußte die große Zahl zu Reibereien führen. 17 Anwohner von Kirchstraße und Feldgasse (das ist die heutige Kreuzstraße) hatten daher ihren Kleinen Brunnen neu erbaut und verlangten von den anderen eine Beteiligung an den Kosten, Der Schiedspruch sagt ihnen dies auch zu. Neu ist, daß sich die vielen neuen Häuser nur an einem Viertel der Brunnenkosten beteiligen müssen. Sie haben nämlich keinen der damals so wertvollen Waldteile bekommen, die alten aber schon und der Brunnen selbst den allerschönsten. Die anderen drei Viertel werden an die alten Genossen verrechnet, und zwar zur Hälfte nach dem Schätzwert von deren Häusern, zur anderen Hälfte nach deren Viehstand. Ein recht kompliziertes Verfahren, das die damals noch des Schreibens kaum kundigen Bauern erstmals mit Fragebogen konfrontierte! Aber jetzt regierten kaiserlicher Absolutismus und Bregenzer Beamtenmacht. Dagegen murrte man vorerst nur im Stillen. Der Brief trägt die Unterschriften von 28 Wolfurter Bürgern. An deren Spitze unterfertigte Johann Georg Fischer, der allererste Gemeinde-Vorsteher. Er wohnte in Spetenlehen und war natürlich nicht Brunnengenosse im- Kirchdorf. Aber seine Unterschrift macht deutlich, welche Bedeutung man dem Brunnen zubilligte. Der Landrichter Dr. Moosbrugger beglaubigte die Unterschriften am 18. Juli 1816. Bild 6: s Wäschhüttle auf dem Bühel um 1960 Schon sieben Jahre später mußten 1823 gleich vier Brunnenhriefe erstellt werden. Zu schwierig war die Brunnenrechnung nach den amtlichen Vorschriften von 1816 geworden. Diese umfangreichen Aufschreibungen ermöglichen uns aber heute höchst interessante und aufschlußreiche Einblicke in das Besitztum der damaligen Bauern. Zunächst zählt der sechste Brief die jetzt 71 Häuser des Kirchdorfs auf. Seit 1816 sind zwei weggefallen, drei andere kamen dazu. 71 Berechtigte an einem Brunnen! Von Steuerfachleuten wurde der Wert der Häuser eingeschätzt. Die Schätzsumme für die 57 alten Häuser betrug 23 981 Gulden, demnach etwa 420 Gulden für jedes Haus. Am höchsten wurden der von Ammann Fischers Sohn groß umgebaute Gasthof Engel (B 14) mit 850 fl und der Gasthof Rößle (B 21) mit 825 fl bewertet, während der alte Schwanen nur mehr 575 fl galt. Andere Häuser wurden nur auf 200 fl geschätzt, zwei besonders arme sogar auf 80 fl. Diese schon 1823 so gering geschätzten Häuser haben wir beide noch gekannt. Das eine, Girschkes Hus (Kirchstraße 26), wurde um das Jahr 1975 abgebrochen. Das andere, Büocheles Hus (Kirchstraße 18), steht noch heute als Nordteil eines uralten Doppelhauses. Die 14 neuen Häuser wurden separat aufgeschrieben, weil sie keinen eigenen Waldteil besaßen und daher nach dem amtlichen Brunnenbrief von 1816 nur zum ersten Viertel der Brunnenkosten beitragen mußten. Ihre Gesamtsumme betrug 8335 Gulden, das trifft etwa 600 fl auf jedes Haus. Weitaus am höchsten, nämlich auf 960 fl, schätzte man dabei das Haus des Ornathändlers Gallus Fidel Gantner5 ein, das dieser zwei Jahre vorher in der Bütze gebaut hatte (B 47 1/2, Bützestraße 7, Hintereggers). Höher als die großen Gasthöfe im Dorf! Ob da die Schätzer nicht etwa neidig auf den reichen Gantner gewesen sind? 12 13 Dert siebte Brief nennt sich Brunnenrechnung zu Wolfurt vom lten Juny 1816 bis löten 8ber 1823 Er wiederholt zuerst die Vorschriften von 1816 und gibt dann die einzuhebenden Brunnensteuern an: Für das erste Viertel der Brunnenkosten trifft es allen Hausbesitzern pro 100 Gulden Schätzwert 6 Kreuzer Brunnensteuer. Für die anderen drei Viertel, die ja auf Haus und Viehstand umgerechnet werden müssen, trifft es bei den Häusern pro 100 fl das Doppelte, also 12 x, für Pferd und Kuh je 24 1/2 x, für Füllen und Jährling mit je 12 1/4 x die Hälfte. Dazu ist also eine genaue Viehzählung notwendig, die als achter Brief nachfolgt. Zwei Beispiele für die umfangreiche Berechnung: Haus B 10 des Johann Dür (Bregenzerstraße 6, Hannes Franz): Hauswert geschätzt 550 fl ergibt für das erste Viertel an Steuer 33 x für die anderen drei Viertel 66 x Weil 60 Kreuzer einen Gulden ergeben, 1 fl 39 x sind das zusammen Viehzählung: 2 Pferde + 1 Kuh + 2 Kälber ergibt dreimal 24 1/2 x 73 1/2 x und zweimal 12 1/4 x 24 1/2 x 1 fl 38 x das sind zusammen 98 Kreuzer oder Die gesamte Brunnen-Vorschreibung betrug daher 3 Gulden und 17 Kreuzer, das sind mehr als 6 Taglöhne! Übrigens wurde in der Brunnenrechnung 1 Kreuzer(1x) noch in 8 Heller (8 hl) unterteilt. Dieser alte Heller darf nicht mit dem erst 1892 zur Kronen-Währung geprägten Heller verwechselt werden! Durch die Heller wurde die Rechnung noch schwieriger. Es lassen sich daher auch einige Rechenfehler finden. Noch ein Beispiel: Haus B 14, Joh. Georg Fischers Witwe (Bregenzerstraße 3, Gasthof Engel): Hauswert 850 fl (der zweithöchste nach G.F. Gantner!) für das erste Viertel 51 x 1 fl 42 x für die anderen drei Zusammen 2 fl 33 x Viehzählung: 1 Pferd + 1 Füllen + 3 Kühe + 1 Kalb viermal 24 1/2 x 98 x zweimal 12 1/4 x 24 x 4 hl Zusammen 2 fl 2 x 4 hl Gesamtvorschreibung daher 4 fl 35 x 4 hl Wenn die Engelwirtin also mehr als 9 Taglöhne für den Brunnen aufbringen mußte, so wurde sie noch von Andreas Vonach in B 64 übertroffen, der 5 Gulden, dazu keinen Kreuzer, aber noch 6 Heller bezahlen mußte. Der Flötzer- Vonach war jetzt Besitzer des ehemaligen Rohner-Gasthofes an der Feldgasse und der weitaus größte Bauer. Ein Jahr später wurde er zum Vorsteher gewählt.6 14 Die Brunnenrechnung im 7. Brunnenbrief trägt vier wichtige Unterschriften: Wolfurt, den 16ten 8tber 1823 (8tber heißt Oktober) Mathias Schneider alt Vorsteher Joh. Georg Müller Lehrer Vorsteher Fink Joh. Georg Kloker Gds Rath Gotteshaus-Ammann Schneider und Kirchenpfleger Klocker waren selbst Brunnengenossen. Müller wurde als Schreiber eingesetzt, er lebte an der Hub. Fink war Adlerwirt in Rickenbach. 7 Eine Woche später wurde, diesmal im Gasthof Rößle beim Bäcker Haltmayer, auch noch ein neuer Brunnenmeister gewählt: Anno 1823 den Iten 9ber ist ihn der Wirths Behausung deß Johann Haltmeyer Bek Ein Neuer Brunen Meister zum Brunen Bey dem Kirchblatz öfentlich durch mehrheit der Stimmen gewählt worden, & ist durch mehrheit der Stimmen Baptist Gmeiner Melber im Dobel ernant worden durch 11 Stimmen Jos Anton Rohner im. Loch hat 9 Stimmen & X Franz Jos Schalling 6 do. Wolfurt obigen Dato Joh. Georg Kloker Gemeindsrath Mathias Schneider alt Vorsteher Baptist Gmeiner als Brunen Meister ihm Nammen aller andern Der neue Brunnenmeister Baptist Gmeiner, 1771-1847, lebte kinderlos verheiratet als Mehlhändler (Melber) im Tobel (Tobelgasse 2, Kalbs). Er war ein Neffe des Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner und ein Bruder des Gemeindearztes Joh. Georg Gmeiner (1766-1827). Ein anderer Bruder Benedikt Gmeiner war bis 1798 Pfarrer von Buch gewesen, dann aber auf eine Pfarrstelle in der Nähe von Freiburg übersiedelt, das ja damals wie auch Wolfurt zur Diözese Konstanz gehörte. Der 8. Brunnenbrief enthält als Beilage zum 7. eine genaue .... Aufnamm des Pferd & Viehstandes ...., die durch Gemeindediener Johann Mäsch erstellt werden mußte. Diesmal stehen nur die 57 Brunnengenossen aus den mit Waldteilen ausgestatteten alten Häusern samt ihren Hausnummern aus dem Bayerischen Kataster untereinander: 6 davon besaßen in ihren an der Kirchstraße eng aneinander gebauten kleinen Häusern überhaupt kein Vieh. Die insgesamt 83 Kühe, die am Brunnen getränkt werden durften, kamen also aus 51 Häusern. 26 Bauern hatten jeder nur eine einzige Kuh (!) und dazu allenfalls noch ein Kalb. 20 Bauern hatten je zwei Kühe. 4 Bauern hatten je drei Kühe. 1 Bauer besaß fünf Kühe. 15 Wir können uns solche Bauern heute kaum mehr vorstellen. Wichtigste Nahrungsquelle für die großen Familien war damals noch der Anbau von Dinkel und Hafer, im Ried begann gerade der Anbau von Mais und Kartoffeln.8 Eine Kuh gab täglich nur zwei bis höchstens sechs Liter Milch und stand einige Monate vor dem Kalben trokken (galt). Da mußte man wohl den Nachbarn um Milch bitten, wenn die Mutter für die große Familie das tägliche Mus anrühren wollte. Eine Sennerei gab es im Kirchdorf erst mit der Umstellung auf Milchwirtschaft 50 Jahre später ab 1876. Zu den Bauern mit drei Kühen zählten der reiche Gerber Mathias Haltmayer und die Engelwirtin, die ein paar Jahre später am Röhle-Rank ein ganz neues Haus als Ausgedinge für sich baute (Bregenzerstraße 9, Sammars). Der Großbauer mit fünf Kühen war der schon weiter oben genannte Flötzer-Vonach an der Ecke Feldgasse-Kirchstraße beim Kleinen Brunnen. Zu seinen fünf Kühen besaß er noch ein Kalb und zwei Pferde. Daher mußte er natürlich auch am meisten Brunnensteuer bezahlen. Überraschend ist im Vergleich zu den 83 Kühen die große Anzahl von Pferden, die man im Ackerbau einsetzte. In den 51 Bauernhäusern finden sich insgesamt 34 Pferde und dazu noch 4 Fülle. Von 26 Pferdehaltern waren 18 Bauern mit je einem Pferd und 8 Bauern mit je zwei Pferden. Der 8. Brief besitzt im Anhang noch eine zwei Jahre später am 5. Juni 1825 angefügte Anmärckung Heut tato ist an der Bronenrechnung Laut Angab des Gemeinds diener Johann Mäsch noch schuldig seit löten Ochtber 1823 Es folgt eine Liste von sechs Brunnengenossen, die ihre Schuld noch nicht oder nicht vollständig bezahlt hatten. Zwei davon in neuen Häusern ganz draußen im Röhle und einer weit unten in der Bütze planten wohl bereits den Ausstieg aus der Genossenschaft. So mußte allerdings der Gemeindediener weiterhin auf seinen kargen Einzieherlohn von zwei Gulden warten. Der 9. Brief beinhaltet eine Abrechnung von 1823, aus der ersichtlich wird, daß viele Brunnengenossen auch Forderungen an die Genossenschaft zu stellen hatten. Zwar ist nicht zu lesen wofür, aber es dürfte sich wohl hauptsächlich um Arbeiten im Brunnenwald, um das schwierige Düchel-Bohren und das Verlegen der Leitungen handeln. Eine Forderung sticht als mit fast 18 Gulden weitaus höchste heraus. Es ist die von Aloys Haltmayer, der damals im Gässele direkt hinter dem alten Schwanen ein Haus besaß, genau dort wo heute das neue Bächlein sprudelt. Vielleicht war er als naher Nachbar für die regelmäßige Pflege des Brunnens verantwortlich? Der 10. Brunnenbrief ist der jüngste von den erhalten gebliebenen. Er stammt aus dem Jahre 1827 und ist also auch schon mehr als 170 Jahre alt: Brotokoll in Betreff des Hauptbronnen im orte Wolfurt. Seit 1824 war Bernhard Bildstein Vorsteher von Wolfurt. Er war zwar in Hanso Hus am Kirchplatz neben dem Brunnen aufgewachsen, wohnte aber nun mit seiner Familie in einem 1806 neuerbauten Haus weit drunten in der Bütze (Bützestraße 15, Schellings). Als Vorsteher hat er wohl keinen Streit gescheut. Jedenfalls legte er sich auch mit dem neuen Pfarrer Barraga an und strich diesem das Geld für den Opferwein.9 Schon zuvor war ihm die im 5. Brunnenbrief 1816 vom K.K. Landrichter aufgezwungene Brunnenordnung ein Dorn im Auge gewesen. Ihre komplizierte Durchführung und Abrechnung, die im Jahre 1823 gleich vier umfangreiche Briefe notwendig gemacht hatte, beseitigte keineswegs die alten Probleme, sondern ließ vielmehr neuen Streit entstehen. Zwar hat Vorsteher Bildstein seine Brunnensteuer brav bezahlt, aber er fühlte sich solidarisch mit jenen, die weit entfernt vom Brunnen dessen Wasser nur in besonderen Notfällen nutzten und daher aus der Genossenschaft austreten wollten. So rief er denn am 15. Jänner 1827 die Brunnengenossen zu einer Beratung zusammen und ließ deren einhelliges Ergebnis als neue Brunnenordnung in einem Protokoll aufschreiben. Die wichtigsten Ansatzpunkte der Kritik waren: .... Das zu diesem Bronnen alle .... Häuser, seien selbe nache oder weith von selbem Bronnen entpfernet.... zu bezahlen haben .... .... das die Neuerbauten Häuser an denen aufgehenden Unkosten nur den Vierten Theil zu Bezahlen haben .... .... das Diese Häuser Schätzung aber zur Repartizion der Bronnen Rechnung nicht für Billich & anwendbahr gefunden werden kann .... In einem schlechten und alten Haus könne man ja ebenso viel oder noch mehr Wasser brauchen als in einem neuen, hoch eingeschätzten Haus. Wenn ein Brunnengenosse sein jetzt baufälliges und daher niedrig bewertetes Haus verbessere, so werde eine Neueinschätzung notwendig, was alle Jahre zu Abänderungen führen müßte. Auch jetzt schon seien gleichwertige Häuser ganz verschieden hoch eingeschätzt, .... so würde das immerwährende Streuten & Zangen niehmals kein Ende nehmen. Daher schliesen die erschienenen folgenden Antrag. a/ Das die Häuser bis zu denen jemahls Bestandenen Wällenthörer .... ohne unterschied zu diesem Bronnen gleich viel zu bezahlen haben .... Genau wird die Lage der ehemaligen Fällentore beschrieben. Das waren große Gatter, welche die das Dorf umgebenden Getreidefelder gegen jeden Zutritt abschirmten und erst nach der Ernte zu Trib und Traft für das Weidevieh geöffnet wurden. Gegen das Röhlefeld stand eines beim Haus B 9 1/2 des Lorenz Dur Schmied (Bregenzerstraße 11, Rößlewirts) das andere gegen Lautrach bey No. 53 des Nicklaus 17 16 Fischers (abgebrannt 1883 am Platz von Kellhofstraße 13). Als dritter Grenzpunkt wird gegen Unterlinden zu das Haus B 69 (Kirchstraße 16, Zilla Zoller) angegeben. Zur ersten Hälfte der Brunnenkosten sollen jetzt alle Häuser in diesem Bereich, egal ob alt oder neu, ob wertvoll oder baufällig, zu gleichen Teilen beitragen. Den anderen Brunnengenossen, die außerhalb der einstigen Fällentore wohnen, .... stehe esfrey, als ob selbe bey dem Bronnen bleiben, oder selben nicht mehr gebrauchen wollen.... b/ Solle die andere Hälfte auf Pferd & Viechstand Repartiert werden.... Weiterhin müssen also die Tiere gezählt werden. c/ Die 17 Besitzer des kleinen Brunnens haben die auf diesem liegende Schuld selbst abzuzahlen. d/ Es bleibt für sie auch bei dem Abkommen von 1731, sie bekommen nur den Überfluß des großen Brunnens. Nach dem ablesen haben sich die gegenwärtigen Bronnen=lntressenten mit Zufriedenheit & das es bey diesem Brotokoll verbleiben solle Eigenhändig unterschrieben. Wolfurt den 15ten Jener 1827. An die Unterschrift des Vorstehers schließen sich die zum Teil mit schwerer Hand geschriebenen Namen von 54 Brunnengenossen an. Nur ein einziges gekritzeltes Handzeichen muß der Vorsteher als das des Josef Anton Schwerzier bestätigen. Die meisten Wolfurter haben also jetzt das Schreiben gelernt. Seit 1778 mußten ja alle Kinder die Schule besuchen. Mit einem kleinen Vermerk beschließt der Vorsteher den letzten von den alten Briefen: Die eigenhändigen Unterschriften der neben stehenden Bronnen genossenen im Orte Wolfurt Bestättiget. Wolfurt den 16ten Merz 1827 Bernhard Bildstein Vorsteher Bald danach dürften sich die entfernten Höfe in der Bütze und im Röhle aus der Genossenschaft gelöst haben. Der Brunnenmacher verstand es jetzt, mit Hilfe eines Schwenkhebels und von einfachen Leder-Ventilen Grundwasser aus etwa vier Metern Tiefe zu pumpen. Anfangs wurden dazu hölzerne, am unteren Ende durchlöcherte Düchel-Rohre in einem tiefen Brunnenschacht aufrecht in die Grundwasserschicht gegraben. Später konnte man starke Eisenrohre unter Anwendung einer schweren Katze (ein Eisengewicht) in die wasserführende Kiesschicht schlagen. Zusätzlich nutzten manche Familien noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts den Tobelbach als Wasserquelle. Selbstverständlich konnte dieser auch an mehreren Stellen für die Feuerwehr gestaut werden. Die Brunnenordnung von 1827 scheint sich lange Zeit bewährt zu haben. Die neueren Aufzeichnungen und Kassabücher sind allerdings verschollen. Die Anlagen wurden gepflegt und nach Bedarf erneuert. Die Brunnenstuben wurden um 1900 betoniert und die Tüchelrohre durch eiserne Leitungen ersetzt. Eine mit Ornamenten ge18 schmückte Gußeisensäule ließ jetzt aus ihrem Löwenmaul einen dicken Strahl Wasser rinnen. Sogar die alten schweren Sandsteinplatten der beiden Tröge wurden um das Jahr 1930 durch einen Betontrog ersetzt. Über den Rößleplatz her und unter Platten am Brunnen und an den Haustüren vorbei sprudelte aber immer noch der alte Dorfbach durch die Kellhofstraße hinab. Das Verschwinden des Baches und des Brunnens haben wir dann erlebt und wohl auch mitverschuldet. Nun führen sie wieder Wasser. Gott sei Dank! Bild 7: Der winzige neue Dorfbach 1999 1 2 VLA, Grundbuch-Erhebungsprotokolle, l.Band, Prot.284 ff. Siehe Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 26! 3 Hof steigischer Landsbrauch 1571, Bestli Schnellen erben ..., LMV 1900, S. 161 4 VLA, Urkunde 1722a 5 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 21/1998, S. 19! 6 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 16! 7 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 15 u. S. 21! 8 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 2/1988, S. 29! 9 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 17 u. S. 37! 19 Siegfried Heim Hexen in Wolfurt Bild 8: Funkenknechte in Rickenbach mit Funkenkanzler Bürgermeister Alfons Gunz (um 1960) Bild 9: Hexentanz mit dem Teufel Funko-Sunntag! - Den bösen Winter austreiben! In Rickenbach und an der Ach haben die beiden Funkenzünfte ein Fest vorbereitet. Seit Tagen schichten fleißige Männer das Brennholz zu einem hohen Turm auf. Tüchtige Frauen backen Krapfen und Kuchen, bereiten große Kessel voll Glühwein vor und - und nähen d Funkohäx. Nicht mehr eine Hexe aus Lumpen wie noch vor etlichen Jahren, nein, eine aus Taft und Brokat, die Seidenbluse und die Haube mit echten Spitzen besetzt! Im Abenddunkel strömen Groß und Klein in Scharen zum Funkenplatz. Die Musik spielt zur übermütigen Begrüßungsansprache. Dann lodert das Feuer hell und heiß auf. Raketen verzaubern den Himmel. Und dann zerreißt eine Pulverladung die Hexe! Jubelnd schreien die Leute auf. Langsam sinken brennende Stofffetzen aus dem Feuerhimmel auf den frostigen Erdboden herab. Jedes Jahr wieder. Alter Brauch! Ja, den Winter austreiben ist in allen Ländern, wo er mit Kälte und Hungersnot das Leben bedroht, ein von der Sehnsucht nach der Frühlingssonne getragener alter Brauch. Aber im Verbrennen der Funkenhexe stecken auch noch altüberlieferte Angst und Not und ungeheuerliche Grausamkeit. Auch darüber sollten wir mehr wissen! Hexenverbrennungen? Ein Thema, das wir allzugern dem "finsteren" Mittelalter zurechnen und damit verdrängen möchten. Es gehört aber nicht zum Mittelalter, es findet seinen grausamen Höhepunkt erst in unserer so viel gelobten Neuzeit. Es ist jünger als unsere Pfarre und unser Dorfbrunnen und jünger als die Ahnentafeln mancher Wolfurter Geschlechter. 20 Aber mit Wolfurt hat es doch nichts zu tun? Oh doch! Mit Wolfurt sogar mehr als mit den meisten anderen Gemeinden unseres Landes. Allein aus Wolfurt wurden in den drei Jahrzehnten von 1596 bis 1628 mindestens neun unglückliche Menschen, acht Frauen und ein Mann, als Hexen hingerichtet. Viel mehr als aus anderen Dörfern. Damit das Böse ausgerottet werde, Hexenverfolgungen in Vorarlberg, so heißt das Buch von Manfred Tschaikner, das 1992 bei der Vorarlberger Autorengesellschaft erschienen ist. Nach Studium der einschlägigen Fachliteratur und Durcharbeitung der für uns Laien nur schwer erreichbaren und noch schwerer lesbaren alten Prozeßakten hat Tschaikner das Thema umfassend bearbeitet. Viel bisher Unbekanntes ist dabei ans Licht gekommen. Neue Aspekte korrigieren manche Ansichten anderer Vorarlberger Historiker. Mit Erlaubnis des Verfassers möchte ich die Wolfurt betreffenden Teile hier gekürzt anführen. Mit dem Zeichen (T.) verweise ich auf Tschaikner. Den Interessierten sei aber das ganze Buch empfohlen! Die aufbrodelnden Geistesströmungen am Beginn der Neuzeit führten nicht nur zur Gründung unserer Pfarrei und zum Bau des Dorfbrunnens, sondern auch auf mancherlei Abwege. Hatte man bisher Unglück, Hunger und Tod einfach als gottgewollt hingenommen, so stellte man jetzt die Frage nach den Ursachen. Die Menschen vermochten aber mit ihrem damaligen Wissen die Ursachen oft nicht zu erkennen. Dann waren sie in ihrem tiefverwurzelten Aberglauben bereit, die Schuld an ihrem Unglück dem Wirken böser Mächte zuzurechnen. 21 Bild 10: Tanzplatz Dellenmoos (Kella um 1930) Bild 11: Tanzplatz Flotzbach. Hier steht 1999 ein über zwei Meter dicker Weidenbaum. Unerklärlich große Not war von mehreren Seiten über das Land gekommen. Als Folge einer rapiden Klimaverschlechterung hatte sich mit der Waldgrenze in den Bergen auch die darunter liegende Getreidebau-Grenze empfindlich gesenkt. Dinkelweizen und vor allem Hafer wurden damals als Grundlage für die Ernährung bis auf die Höhen den Steußbergs angebaut. Jetzt kam es zu einer langen Reihe von Mißernten. Verstärkt wurde die Not durch den Niedergang des Weinbaus.1 Ein bedeutender Teil des Wolfurter Anbaugebietes bestand ja damals aus Weinbergen. Diese litten am allermeisten unter der Klimaverschlechterung. Der Zehent-Einheber Georg von Wolfurt schrieb 1580 in sein Steuerbuch: die reben erfrüren. Dem gegenüber stand eine starke Bevölkerungsvermehrung. Man nimmt an, daß sich bei uns die Einwohnerzahl im ersten Jahrhundert der Neuzeit um ein Drittel erhöhte (T./35). Wolfurt besaß nach einer Steuerliste von 1594 jetzt bereits 70 Häuser und demnach hochgerechnet fast 400 Einwohner. So führte das Zusammentreffen von Bevölkerungswachstum und wetterbedingten Mißernten zu Teuerung, zu Armut, Hunger und Krankheiten. Mehrmals suchten Pest-Epidemien das Land heim. Ungeheure Opfer forderten die Seuchen von 1628 und 1635. Aber auch 1594 muß ein schlimmes Pestjahr gewesen sein. Die Häuserliste bezeichnet 10 von den 70 Häusern als öd, also als unbewohnt. Zur großen wirtschaftlichen Not kam eine seelische. Die Theologen der Gegenreformation predigten vom strafenden Gott und schürten die Angst vor dem Teufel und dessen Helfern. Das gipfelte in dem Glauben, daß der Teufel ein Heer von Hexen angeworben und auf den Weg geschickt habe, um die Menschen zu plagen und Gottes Schöpfung zu verderben (T/40). Menschen mit magischen Fähigkeiten und oft auch mit großem Wissen um heilende Kräfte und Gifte in der Natur hatten in vielen Kulturen hohes Ansehen als Hellseher, Gesundbeter und Geistheiler, waren aber ebenso gefürchtet als Unheilbringer, Wetter22 macher oder Giftmischer. Seit der Inquisition verbanden dje Richter Ketzertum und Hexerei und erzwangen Geständnisse durch die Folter. Von Süd-Frankreich her breitete sich der Hexenwahn zu uns aus. Bereits um das Jahr 1480 wurden in der Diözese Konstanz, zu der auch Bregenz und Wolfurt gehörten, innerhalb von fünf Jahren 48 Menschen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt (T./32). Durch eine päpstliche Bulle von 1484 und durch ein weit verbreitetes juristisches Fachbuch, den berüchtigten "Hexenhammer" von 1487, sahen geistliche und weltliche Richter ihr Tun gerechtfertigt. Die hohe Gerichtsbarkeit lag für die Leute unseres Kellhofs bei den Grafen von Hohenems, für die Hofsteiger bei den kaiserlichen Vögten in Bregenz. Im Gefängnis von Konstanz ist im Jahre 1493 als erste nachweislich aus Bregenz stammende Hexe Schuhmachers wib ums Leben gekommen. Um 1550 wurden im Bregenzerwald acht Frauen und zwei Männer als Hexen hingerichtet (T/45 ff). Ab 1595 erfaßte der Hexenwahn dann das Hofsteiger Gebiet wie eine schreckliche Seuche. Vielleicht ist es kein Zufall, daß kurz zuvor im Jahre 1592 der Wolfurter Pfarrer Sebastian Fischer auf eine Kaplanei nach Bregenz strafversetzt worden war. Als Folge der vom Konzil von Trient ausgehenden strengen Regeln, die im Sinne der Gegenreformation auch tief in das Familienleben hinein wirkten, hatte er sich von seiner Lebensgefährtin und seinen fünf Kindern trennen müssen.2 Einem Hexenprozeß gingen oft jahrelange Beschuldigungen wegen Wetterzauber, Hagel, Tierseuchen und anderen Schäden voraus. Unter den Qualen der Folter gestanden die Beschuldigten dann oft auch Hexentänze oder Gastmähler und Geschlechtsverkehr mit dem Teufel, die sie in allen Einzelheiten schilderten. Die beiden in den Prozessen weitaus am häufigsten genannten Hexen-Tanzplätze von ganz Vorarlberg lagen in Wolfurt. Unter der Folter gestanden 22 von den Angeklagten, sie hätten Hexentänze im Flotzbach besucht, 18 andere berichteten von Tän23 zen im Dellenmoos (T./188). Dort hätten sie sich mit anderen Hexen und mit dem Teufel getroffen und die verschiedenen Schadenzauber vorbereitet. Sicher galten die unzugänglichen Sümpfe und Weiher am Zusammenfluß der drei Dorfbäche im untersten Flotzbach mit ihrem Gestrüpp und den riesigen Kopfweiden auch bei Tage als unheimlicher Ort! Erst viel später wurden sie zum Lehmloch für die Ziegler. Das Dellenmoos war der große Schilfsee zwischen Kellahang und Schlatt an der Grenze zu Schwarzach. Heute ist es als Industrie- und Sportgebiet fast völlig trocken gelegt. Als weitere Tanzplätze der Hexen galten auch noch der Kreuzweg unter Wolfurt und die Insel. Der Kreuzweg könnte die heutige Schmerzenbildstraße gewesen sein, vielleicht auch die Lerchenstraße. Die Insel war das mit Stauden bewachsene Vorland im Achbett außerhalb des Dammes. An sie erinnert noch die Inselstraße. Die treibende Kraft hinter den Hexenverfolgungen war keineswegs die Obrigkeit. Viel mehr entsprang sie dem Bedürfnis der einfachen Leute, endlich von der vermeintlichen Wurzel ihres realen Elends, den über alles schädlichen Hexen, befreit zu werden. (T/79). Meist zögerten die Beamten wegen der ungeheuren Kosten solcher Prozesse, die aus dem Nachlaß der armen Opfer ja kaum gedeckt werden konnten. Die erhaltenen Akten berichten von insgesamt 166 der Hexerei bezichtigten Personen, die in Vorarlberg in den 130 Jahren zwischen 1528 und 1657 vor Gericht standen. Mindestens 105 von ihnen wurden hingerichtet. In Anbetracht der vielen verlorenen Akten muß diese Zahl aber sicher verdoppelt werden. Demnach wären in Vorarlberg etwa 200 Hexen-Todesopfer zu beklagen (T/248).3 Aus Wolfurt wurde als erste von den unglücklichen Frauen Anna ab Oberfeld schon im Jahre 1596 hingerichtet. Gerade damals litt die Bevölkerung nach mehreren Mißernten große Not.4 Sicher wirkte sich auch noch die Pest von 1594 aus. Zur Katastrophe kam es dann 1609. In drei großen Prozessen standen in Bregenz 16 Angeklagte vor dem Malefiz-Gericht. Sechs davon stammten aus Wolfurt, vier aus Lauterach und zwei aus Hard. Alle 16 wurden der Hexerei, verbunden mit Unkeuschheit, Gotteslästerung und Hingabe an den Teufel, schuldig gesprochen. Sie wären durch die Lüfte gefahren und hätten vom Teufel Kräuter und schmirb salben empfangen, mit denen sie Pferde, Schweine und Kühe geschädigt oder umgebracht hätten. Auch hätten sie mit Hagel und Unwetter die Feldfrüchte verdorben. Alle 16 wurden zum Tode verurteilt und dem Scharfrichter übergeben.... daß er inen die händ auf dem bauch zusamen binden, sy zu dem hochgericht hinaußfuehren, und daselbsten mit dem feür, vom leben zum tod richten, und also ir cörpell zu eschen und bulffer verbrennen solle.... Neun der Unglücklichen wurden am 8. April 1609 auf dem Scheiterhaufen in Bregenz verbrannt, zwei am 12. Mai und fünf am 24. Juli des gleichen Jahres. (T/79). Jedes Mal sammelte sich mit der Obrigkeit auch eine große Menge einfacher Leute um das Feuer wie zu einem Volksfest. Sie glaubten ja, nicht nur die Bestrafung von Schuldigen zu erleben, sondern auch die Beseitigung der Ursachen von Hunger und Armut. 24 Bild 12: Folterung 1628:.... aufm Turn Peinlich Examen fürgenommen worden, mit Maria Kelhoferin von Wolfurt Bild 13: Scheiterhaufen 1609: .... über 2 Hexen Personen mit Namen Margaretha Knitterlin und Anna Märtine, beide von Wolffurlh .... zue erstlich daß Haubt abgeschlagen, darnach die Cörpel mit dem Feur verbrent worden. 25 Die Namen der im Jahre 1609 als Hexen hingerichteten Wolfurter: Stauderin Margaretha Martin Thalers Ehefrau Mynlin Margaretha geschrieben auch Mündline/Männline/Mennlin Feürstainin Elsa Georg Hindereggers Ehefrau, genannt Jößlins Elsa Reiner Conradt Kloßpeters Sohn, Bäcker Knitterlin Margaretha Fritz Kelnhofers Ehefrau, genannt Fritzin Martine Anna Hainrich Toblers Ehefrau, genannt Faunßlerin Die meisten Frauen waren etwa fünfzig Jahre alt. Alle waren verheiratet, die meisten hatten mehrere Kinder. Dazu ein einziger Mann, der Bäcker! Hatte er vielleicht giftiges Mutterkorn in seinem Brot mitgebacken? Bereits sechs Jahre später kam es in Bregenz im Jahre 1615 als Folge eines die gesamte Ernte verheerenden Hagelschlags abermals zu zwei großen Prozessen. Diesmal waren unter den 12 Angeklagten sechs aus Hard und fünf aus Lauterach. Aber auch Wolfurt war wieder vertreten: Toblerin Agnesa Sie widerrief zwar das ihr durch die harte Folterung abgerungene Geständnis, jedoch vergebens. Es hatte sie auch nichts genutzt, daß sie zweimal eine Wallfahrt nach dem drei Tagesmärsche entfernten Einsiedeln unternommen hatte. Im Gegenteil! Die Richter legten ihr das als Zeichen ihres schlechten Gewissens aus. Wie auch die anderen Verurteilten wurde sie am 25. Februar 1615 zuerst vom Scharfrichter enthauptet und erst dann im Feuer zu Asche und Pulver verbrannt (T./93 ff). Agnesa Toblerin war eine arme Magd gewesen. Der Hexenwahn machte aber keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. Noch im gleichen Jahr mußte auch Barbara Schertlerin sterben, die Ehefrau des reichen Hofsteig-Ammanns Zacharias Bierenbomer aus Hard. Sechs Jahre zuvor hatte man des Ammanns Bruder Hans und seine Nichte Treina Bierenbomer als Hexen verbrannt. Schon 1596 war mit Anna ab Oberfeld auch Maria Vesslerin hingerichtet worden, die Ehefrau des angesehenen Hofsteig-Richters Caspar von Ach aus Lauterach. Als letzte von den unglücklichen Wolfurter Frauen wurde im Jahre 1628, als im Dreißigjährigen Krieg auch noch die Pest drohte, nach Folterung und Geständnis Maria Kelhoferin enthauptet und verbrannt. Man hatte ihr vorgeworfen, sie habe mit ihren Zauberkünsten Tod über Menschen und Vieh gebracht (T./108). Weiterhin klagten die notleidenden Menschen immer wieder Nachbarn und Bekannte beim Gericht wegen offensichtlicher Hexenkünste an. Das Blutgericht in Bregenz ließ aber jetzt nicht mehr alle Anklagen zu. Wenn es doch noch zu Prozessen kam, endeten diese meist mit Freisprüchen. Die Hofsteig-Richter waren damit aber nicht einverstanden. Sie forderten zusammen mit den Bauern dringend die Hinrichtung der Hexen. Weil diese seit Jahren die Wein- und Kornernten durch Unwetter vernichtet 26 Bild 14: Hexen auf dem Scheiterhaufen hätten, müßten sie ausgerottet werden. Das Blutgericht folgte den Argumenten, die die Hofsteiger schon 1640 und noch einmal 1648 mit dem Ersuchen um gebührendes Einsehen vorbrachten, nicht. Im Jahre 1649, zwei Jahre nachdem die Schweden Bregenz erobert und das Land geplündert hatten, wurden Martha von Ach und Ottilia Nigglin aus Wolfurt von der Anklage der Hexerei freigesprochen. Sechs Jahre später fand 1657 der letzte Hexenprozeß statt. Dabei wurden Catharina Bönlerin und Anna Finckhin aus Wolfurt zweimal gefoltert, dann aber, vermutlich über Fürsprache des Lauteracher HofsteigAmmanns Hans Summer, der die großen Kosten zu verantworten hatte, ebenfalls freigesprochen (T./l 24). Das geschah sehr zum Unwillen des Volkes. Es wollte ja die vermeintliche Ursache seiner Not brennen sehen und sah sich auch um ein Fest betrogen. Zuvor war im Jahre 1645 in Feldkirch an Maria Reinbergerin noch das Hexen-Todesurteil vollstreckt worden. Im Jahre 1651 fanden dann ebenfalls in Feldkirch die allerletzten dokumentierten Hexenprozesse mit Todesurteil im österreichischen Teil Vorarlbergs statt. Dort wurden am 17. Juni 1651 Katharina Walserin aus Röthis, Elisabeth Gappin aus Fraxern, Katharina Lamparthin aus Rankweil und Dorothea Ludescherin aus Götzis enthauptet und verbrannt. Ihre Asche verscharrte man an der Richtstätte.5 In der Herrschaft der Grafen von Ems. die auch den Wolfurter Kellhof besaßen, ging das Morden weiter. Noch 1677 wurden in Hohenems mit Barbara Wötzlin, Barbara Thurnher und Maria Gasser drei Frauen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.6 Eine ganz unfaßbare Zahl wird aber aus der Grafschaft Vaduz, die damals von einer Seitenlinie der Emser regiert wurde, berichtet. Dort mußten zwischen 1648 und 1680 27 fast 200 Personen als Hexen das Leben lassen. Einfach unvorstellbar! Hexenland Liechtenstein! (T./229) 7 Drüben in der Schweiz hatte sich das Prätigau 1652 von der österreichischen Oberherrschaft freigekauft und damit die Blutgerichtsbarkeit selbst bekommen. Jetzt begann sofort eine Hexenjagd. Die groos Häxatöödi forderte allein in den ersten acht Jahren bis 1660 über hundert Hexen-Opfer! (T./227). In den österreichischen Ländern wurden Hexenprozesse jetzt immer seltener. Nach hundert Jahren schafften Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. im Jahre 1776 zuerst die Folter ab und strichen bald danach die Hexerei ganz aus den Rechtsbüchern. Im nahen bayerischen Kempten forderte dagegen der Hexenwahn noch 1775 ein letztes Opfer und im nicht weit entfernten schweizerischen Glarus sogar noch 1782. Und seither? In Wolfurt starben fast alle der von den schrecklichen Prozessen heimgesuchten Familien aus. Die meisten waren noch im Häuserverzeichnis von 1594 aufgeschienen. In den 1650 begonnenen Pfarrbüchern fehlen aber bereits die Mennel, Hinderegger, Knitterle, Tobler und Niggle. Wenn man von den älteren Lauteracher Büchern auf Wolfurt schließen darf, waren sie wohl in den Pestzügen von 1629 und 1635 umgekommen. In Lauterach starben 55 Personen schon 1628/29 an der Pest. Der Pfarrer schrieb alle ihre Namen auf, auch die Mennel, zu denen wahrscheinlich die hingerichtete Wolfurterin Margaretha Mynlin gehörte. Als aber 1635 die Seuche mit 223 Opfern mehr als die Hälfte der Einwohner dahinraffte, wurden sie alle namenlos in die Massengräber am Rande des Dorfes gelegt8. Die als Hexer gebrandmarkte Familie Stauder starb in Wolfurt 1652 aus, die einst zahlreichen Kelnhofer 1676, die vom mächtigen Ammann Jakob Feurstein abstammenden Feurstein 1776. Die neben dem gräflich-emsischen Bütze-Weingarten wohnenden Marth, aus deren Familie die unglückliche Anna Martine stammte, lebten noch bis 1801 im Kirchdorf-Loch. Die Rickenbacher Reiner, wohl Nachkommen aus der Bäckerfamilie, starben in ihrem Haus auf der Steig erst 1863 aus. Zwei besitzlose Fink-Familien gab es noch um 1750. Die Thaler aber und die Vonach, die ebenfalls Opfer zu beklagen hatten, gehören seit ihrer ersten Nennung 1594 zu den allerältesten Wolfurter Familien. Ungebrochen leben ihre Nachkommen-Linien weiter fort. Auch nach den grauenvollen Prozessen sind immer wieder Mitmenschen, vor allem ältere Frauen, als Hexen verschrien worden. Oft genügten ein Muttermal, ein paar Warzen, ein schielender Blick oder aber auch auffallend zur Schau gestellte körperliche Schönheit, daß Neid, Haß und Bosheit unschuldige Menschen böser Taten verdächtigten. Da nützte meist kein Verleumdungsprozeß. Böse Worte fanden noch immer ein offenes Ohr, auch in unseren Tagen. Zunehmend kommen in den letzten Jahren in unserer so aufgeklärten Welt dazu auch Teufelsaustreibungen, Schwarze Messen, geheimnisvolle Zusammenkünfte, die bis zu Leichenberaubung oder abstrusen Tänzen und Quälereien führen können. Unser materieller Reichtum hat viele von uns geistig verarmen lassen. Möge Gott uns behüten, wenn wieder der Ruf laut wird, daß ....das Böse ausgerottet werde! 28 1 2 Vogt in Heimat Wolfurt, Heft 19/1997, S.4 VLA, Urkunde 2191, und Manuskript Wieland, S. 114 Die Zahlen wurden nach neuen Forschungen Tschaikners erhöht. Montfort 1995/4/288 und 1997/2/118 4 6 7 Bilgeri, Bregenz, 1980, S. 225 Ergänzt nach Tschaikner, Hexenverfolgung in Feldkirch, Montfort 1997/2/114 ff. Norbert Peter, Hexenwahn, Hohenems, 1983, S. 56 Die ursprünglich angegebene Zahl von 300 wurde auf 200 korrigiert. Tschaikner, Jahrbuch des Historischen Vereins Liechtenstein, Nr. 96/1998/ 103 Welti, Heimatbuch Lauterach, 1953, S. 36 8 29 Siegfried Heim Adlerwirts Haus-Chronik Wir haben sie wieder! Nicht das Original, aber wenigstens eine Kopie für das Gemeinde-Archiv. Zuletzt besaß in Wolfurt um 1900 Alt-Adlerwirt J. Gg. Fischer das vergilbte alte Buch, aus welchem spätere Chronisten noch mehrfach zitierten. Jetzt hüten es seine Enkel in Rankweil. Wir sind Ing. Franz Fischer sehr dankbar, daß er uns Zugang zu dieser ergiebigen Quelle für die Hofsteiger Geschichte verschafft hat. Der weitaus größte Teil der Eintragungen stammt vom Rickenbacher Löwenwirt Joseph Fischer, 1723-1809. Er war in Spetenlehen geboren worden und hatte 1749 Katharina Wehinger, die Witwe des Löwenwirts Kaspar Haltmayer, geheiratet. Besitz und Ansehen verhalfen ihm dazu, daß er ab 1764 sechsmal zum HofsteigAmmann gewählt wurde. Die umfangreichen Amtsschriften wurden damals noch vom Ammann persönlich verwaltet. Die Gerichtsverhandlungen fanden oft im Löwen in Rickenbach statt, die Wahlen dagegen in Lauterach. Eine neue Gerichtsordnung im Jahre 1886 zwang das Gericht dann, ein eigenes Haus in Lauterach zu bauen und einen Schreiber anzustellen. Spätestens jetzt, wahrscheinlich aber schon bei seinem Amtsantritt 1764, schaffte sich Ammann Fischer ein dickes Buch an, in welchem er sich Notizen über die wichtigsten Gerichtsangelegenheiten und über alte Verträge machte. Daraus ist dann schließlich eine Familien-Chronik geworden. Von Ammann Fischer ist übrigens ein zweites Buch erhalten geblieben. Im Besitz des Klosters Mehrerau fand er das Zehentbuch des Hans Georg von Wolfurt aus dem Jahre 1576. Weil diese Aufschreibungen für ganz Hofsteig von Bedeutung waren, ließ er sie 1766 von Bartholomäus Fink, einem Theologen aus Stiefenhofen bei Weiler, von Wort zu Wort gleich lauthend abschreiben. Während das Original aus der Mehrerau in das Vorarlberger Landesarchiv gelangte, blieb die Abschrift im Besitz der Nachkommen des Ammanns (s Ammas) im Kirchdorf. Im Jahre 1998 konnte die Gemeinde Wolfurt das Buch für ihr Archiv erwerben. Nach dem Tod seiner ersten Frau Katharina hatte Ammann Fischer 1768 Maria Anna Haltmayer, eine Tochter des Schwarzacher Kronenwirts, geheiratet. Im Jahre 1798 übergab er den Löwen an seinen ältesten Sohn und übersiedelte mit dem Rest der Familie ins Kirchdorf. Dort eröffnete sein anderer Sohn Joh. Georg Fischer bald danach den Gasthof Engel. Der alte Vater, der neue Engelwirt und später der Enkel Josef Anton machten jetzt das einstige Notizbuch des Ammanns mit persönlichen Eintragungen zu einer richtigen Familien-Chronik. Der Enkel heiratete 1843 in den Adler nach Rickenbach und nahm das Buch mit. Sein Sohn Joh. Georg Fischer, 1847-1918, Adlerwirt und ab 1873 Vorsteher von Wolfurt1, verwendete es wieder für viele interessante Notizen aus dem Gemeindegeschehen. Bei der Übersiedlung der Familie Fischer nach GÖtzis nahm er Adlerwirts Haus-Chronik mit. Sein Sohn Ernst hat sie mit wichtigen Familien-Daten abgerundet. Bild 15: Im Löwen in Rickenbach (abgebrannt 1912) hatte das' HofsteigGericht unter Ammann Fischer seinen Sitz. Am Anfang steht auf der Registerseite Y Bemerkenswertes aus Fischers AmmannZeit: 1764 den 20ten 9ber ist zue rikhenbach nach dem alten gebrauch Ehrhaft Gericht gehalten worden und bey dem anfang daß Gericht verbannt mit nach volgenden worthen, als Erstlich nimbt der Amman den Gerichts stab in die Hand, und der Gerichts weibel den seynen stab und müssen nach volgendes sprechen vor samentlichen 12 Geschworenen .... Es folgen die Worte eines feierlichen Versprechens der Unparteilichkeit gegenüber frömden wie heimischen, den reichen wie den armen, nicht ansehen Freundschafft, noch Feindschafft.... Dar zu unß Gott helfe und Maria. Am Sitz des Ammanns in Rickenbach tagte also das Hofsteig-Gericht. Wer einen Fall vorbrachte, mußte dem Waibel vier Kreuzer und dem Gericht sechs Kreuzer bezahlen. Zu einem Grundkauf mußte man allerdings eigens den Landschreiber holen und diesem drei Gulden ausfolgen. Die Geschworenen erhielten Zehrung und Lohn von den acht Gulden, die der Lehenshof auf der Steig jährlich dafür aufbringen mußte. Stolz vermerkte Ammann Fischer, daß in seiner Amtszeit kein einziger Fall an das Oberamt abgetreten werden mußte. ... und dießes Gericht hat gedauert biß 1786; wo die Neüye Gerichts Ordnung angefangen hat und ein Neüyes Gerichts hauß mit.. über 7000 f erbauen worden, aber nicht lang gedauert, das Gericht auß gangen und das Gerichts hauß um 3300 verkauft worden ist... Mit Bitterkeit beschreibt der Ammann also hier das Ende des uralten Hofsteig-Gerichts unter dem Zugriff der kaiserlichen Beamten. Besonders hart traf ihn der leichtfertige Umgang mit dem so hart erarbeiteten Steuergeld beim Bau eines großspurigen Gerichtsgebäudes an der neuen Landstraße nahe der Kirche in Lauterach. Er kommt noch einmal in seinem Lebenslauf (Seite 84) darauf zu sprechen: 31 30 Bild 16: In Lauterach steht noch das teure Gerichtshaus von 1786, das dem Gericht nur sieben Jahre lang diente. .... Das mir ein Neus Kostbares Gerichts hauß erbauen müßen, so über 7000 f auf gangen sind, haben alle wochen als am Montag Gerichts Verhör gehalten, der Amman und 2 bey sitzer und ein studirter Gerichts schreiben hat aber nit lang gedauert, im 1793er Jahr ist dieße Ordnung auß gangen und wider biß dato nach Bregentz.... Hatte er also früher alle Fälle mit geringen Gebühren im eigenen Dorf abwickeln können, so mußte man ab 1793 jede Kleinigkeit vor das Amtsgericht in Bregenz tragen. Seine Tätigkeit als Ammann beschränkte sich immer mehr auf das Aufbringen von Steuergeld. Dazu hatte man 1760 im Seelenbeschrieb die erste genaue Volkszählung und 1785 die ersten Hausnummern eingeführt. Fischer war der letzte Hofsteig-Ammann, der noch 1785 zue Luterach durch das samentliche Volh er wält worden ist. Die absolutistische Gerichtsordnung von 1786 schaffte die Volksversammlung ab. Ganz schlecht scheint Fischers Verhältnis als gewählter Vertreter der Hofsteiger zum studirten Gerichts Schreiber gewesen zu sein. Dieser mußte sich ja als kaiserlicher Beamter/ur alle 7Leitkeiner Wahl unterwerfen. Er klagt darüber (im Anhang Seite D 8): die besoldung des Amman ist 70 f ein jeder bey sitzer 50 f der weibel 80 f dem Gerichtsschreiber 300 f und Holtz und Quatirfrey. Weillen aber der Schreiber Jos. Bär, ein aigen nütziger Intreßirter Man, das alles nach seynem Kopf gehen soll, und .... so hat es dan täglich verdrißlichkaitten ab geben, so bin ich 1789 den 9ten Mayen bey dem Abbt, um die entlaßung schrifftlich ein kommen und habe selbes auch schrifftlich erhalten. So war also der letzte noch einigermaßen an hofsteigische Freiheiten gewohnte Ammann selbst gegangen. Was später die Bayern im Jahre 1806 endgültig auflösten, war nur mehr ein kümmerlicher Rest des alten Gerichtes.2 32 Aus den Notizen des Ammanns folgen hier nur einige kurze Auszüge: Z 1692 Hochwasser der Schwarzach Nach großen Verheerungen baut Johannes Sailler die Dellenmoos-Mühle neu. 7 1767 Kellhof-Felder an der Ach Streit um die Zufahrt 12 Ach wuhr-Anteile Verteilung der Kosten auf Wolfurt, Lauterach, Hard, Fußach, KellhofLehen, Mehrerauer Lehen, Bregenzer Güter und Hofrieder Güter. 14 1726 Vieh-Hüten in Lauterach Beschwerden über unbeaufsichtigtes Fretzen bei den Rebgärten in Weidach und Bütze 16 1768 Fronleichnamsprozession Verpflichtung zur Teilnahme mit Gewehr, Stiftung einer Kriegs-Fahne 19 1765 den 20ten Nob. Herbst gericht in Joseph Fischer ambts ammans behaußung zue rikhen bach: Die Bauern im Holz müssen auch Brug gelt bezahlen. 20 1766 Mayen gericht in des Amman Fischer behaußung zue rikhen bach den 28ten Mayen 1766: Die Frickenescher treiben ihr Vieh ins Ried und müssen dafür waydt gelt bezahlen. Reparaturen am Bild. Rechnungen für Ziegel und Schlosserarbeit weisen auf eine Kapelle hin, wahrscheinlich die für das Hochwasserbild am Rickenbach. 22 1735 Die Härder müssen in Fronarbeit einen Schiffshafen (städin) bauen. 24 1764 Regulierung von Schwarzach und Rickenbach 26 1770 Neyer Schwartzach bach Unter großem Arbeitsaufwand (drei Viertel davon ist Wolfurter Fronarbeit) wird ein ganz neues Flußbett durch Engelis wiß gegraben. 28 1769 Ried Vermessung durch das Oberamt: Schwartzach 331 Juchart 445 Klaffter Wolfurther ried 743 Juchart 19 Klaffter Lutterach 2 052Juchart 744 Klafftet3 Hardt 617 Juchart 52 Klaffter, quadrat. 29 1771 Abrechnung für die neue Landstraße durch das Ried: .... von der Brug biß an gräntz Dorrenbiren. 28 846 Tag Fronarbeit mußten geleistet werden. Die Gesamtkosten für das Gericht beliefen sich auf 26 052 f 24 x. Dieße Straß ist 1768 biß im Herbst richtig zum fahren gemacht worden. 30 1768 Hofsteiger Pfarreien und Bildsteiner Benefiziate: Bezahlung der Türggen stür. 33 34 37 38 46 47 50 51 56 59 61 65 66 1468 Stiftungsbrief der Kaplanei Schwarzach Kopie von 1770 aus der Mehrerau.4 1804 Kirchen zue Schwartzach neu erbaut. 1770 und 1771 Frucht Preiß auff dem Marth zue Bregentz für Korn, Haaber, Muß Meli, Schmaltz, Butter und Grundt bira. 1775 Eichenholz. Alle Eichen in Hofsteig sind Eigentum des Gerichtes. Der Erlös wird jedes Jahr auf die 5 gemaindten des Gerichts hofstaig benanndtlich luterach, hardt, wohlfurth, schwartzach und stüßberg aufgeteilt. Wegen der starken Schlägerung verlangt das Oberamt Neuanpflanzungen am Berg und im Ried. 1775 Weiber-Einkaufsgeld Die Gemeinden des Gerichts Hofsteig verlangen, daß von auswärts einheiratende Ehefrauen neben ihrem Heiratsgut noch 200 f einzig und allein in Capitalien oder baarem geldt einbringen müssen. Außerdem müssen sie 15 Gulden Einkaufgeld in den Schulfond bezahlen. 1775 Rebstecken flößen Das Oberamt setzt mit den Ammännern der betroffenen Gerichte die Flößerlöhne auf der Ach zum stekhen Platz in Hard fest. Für je 1000 Stecken aus Buch werden 30 Kreuzer, aus Botzenau, Neuenbürg und Alberschwende 48 und aus Langenegg 1 Gulden bezahlt. 1776 Todfall an Mehrerau 1770 Steueraufkommen der Hofsteig-Gemeinden Lauterach 1689 Gulden Wolfurt 1678 Gulden Steußberg 1417 Gulden Hard 1295 Gulden Schwarzach 830 Gulden 1775 Kalk aus Hard Die Kalkhandelsleute aus Hard müssen die gelt Kalkh für 21 Kreuzer verkaufen. 1658 Brückenzoll nach Bregenz Eine Zusammenfassung der alten Tarife von 1636 und 1653 für die Überfuhr von heü, stro und streye, von Korn, Wein, Saltz. 1777 Rekruten Das Gericht muß 1777 zwei und 1778 sieben Rekruten stellen. 1778 Schneefall im Juni 1778 den löten Juny hat es alhir im land starkh geschneyt und in die alpen allen ab geschnait, so das alles vieh 8 Tag auß den alpen hat Mußen nach haus, und haben in der Alp Hirschberg über 6 schue (2 Meter) gehabt, sind also den 17ten wekh und den 24ten Juny oder Johanni wider hin ein, es sind auch in der alp Neiffer (Ifer) und Hal- 67 69 70 74 den vihl stukh vieh ver lohren und ver schnait worden, auch drey Mann um das Leben Kommen, Nebst vihl gaiß und schaffen. 1789 den 4ten Jenner ist man von Bregentz über den see nach Lindau gegangen, grade weges und herüber auch von Lindau in das Kloster (Mehrerau). Brände 1751 den 17ten Mertzen sind zue rikhenbach drey häußer, von wegen schlechter sorgung FeUr offen... verbrenth worden, in dem ober dorff, und 1789 den 7ten winthermonat sind zue rikhenbach im ober dorff 2 häußer ver brunnen worden, wegen Einem stall licht morgen 6 uhr. Rickenbach-Überschwemmungen ... laut alten Schriften zwei Ausbrüche im August 1674. 1701 den 19ten heymonat hat der rikhenbach ober halb der brug auß gebrochen. 1702 den 20ten august ist ein Erschrökhlicher wolkhen bruch zue rikhen bach gewessen, der anfang ist Nachts um 10 uhr und um 12 uhr ist schon Claus von ach selig W. haus und Stade! ab dem grundt wekh gerißen, die da Mahls Ney bauthe Mülle, von grundt wekh gerißen, Jo. Jacob Feurstains stadel, auch Georg Grüßings stadel auch ver rißen, auch Blaßi Köllmayers großen stadel Nacher grißen, der schaden in güther und häußer ist nicht zue schätzen, man hat glaubt der Jüngste Tag werde Kommen, sie haben mit ein ander ein Kapelle ver lobt, aber es ist lang hernach das Bild ob der Mülle an stat da Neu gebauth worden, welhes 10f Capital stifftung hat bey Andreas rüntzlerin rikhenbach. Am Tag nach der großen Überschwemmung, am 21 August 1702, nahm eine große Kommission mit Vogteiverwalter Andreas von Pappus, Amtmann Benedikt Reichart, Landschreiber Wilhelm Frey, Stadtammann Christoph Bildstein und anderen Beamten einen Lokalaugenschein vor. Sie beschloß, das Bachbett von der Brücke bei der Mühle bis zur Landstraße im Unterdorf auf acht Meter Breite zu erweitern. Alle Gemeinden des Gerichtes Hofsteig halfen dabei. 1781 Maschen und Staudach Sie geben alte verbriefte Rechte auf. 1782 Steinbruch in Mäschen Zufahrtsstraße von Spetenlehen 1786 Tierseuchen Der Kaiser hat Hygiene-Vorschriften erlassen. Tiere, die durch Seuchen umgekommen sind, müssen je früher, je beßer mit Haut und Haaren tief in die Erde graben werden. Menschen, die solchen Thiren das Fell abziehen, setzen in Lebens gefahr, die Häute sind nicht nur gieftig, sondern auch nicht zu gärben. Es folgen eine ganze Reihe von bemerkenswerten Vorschriften. 35 34 78 1796 bis 1806 Franzosenkrieg Große Kosten. Ammann Joseph Fischer, 1723 -1809 Verzeichnis waß unter meiner Lebens Zeit für bey gangen und wie die Zeitten geweßen seyen. ... 1723 den 30ten Mertzen bin ich gebohren worden und 1806 schreibe ich den 30ten Mertzen (Er war also jetzt 83 Jahre alt. Drei Jahre später ist er am 29. November 1809 gestorben). Es folgen Notizen über die Ernte-Erträge in seiner Jugendzeit, als der Weinbau in Wolfurt noch eine große Rolle spielte. 1739 Dürgen da Mahl nit vill und auch grund biren die allgemacht in das Land kamen. Hier erwähnt Fischer also die Anfänge des Anbaus von Mais und Kartoffeln. Der Name grund biren wurde im Hofsteiger Gebiet bald in Bodo-Biora verändert. 1732 und 1744 drohten Einfälle der Franzosen. 7764 hin ich als Gerichts Amman er wält worden und 12 Jahr anainander. ... 1776 ist Mathis von Ach Amman er wält worden und biß 1783 ist er gestorben, die Jahr 1777 biß 1780 sind gesund und guth geweßen, dan in dem gricht vihle Neue häußer gebauth worden, da bin ich wider durch das mer* zue Luterach als Ammann er wält worden 1784. Mit Bemerkungen über die Franzosenkriege beschließt der Ammann seinen Lebenslauf. Weit hinten im Buch finden sich noch einige Aufschreibungen von seiner Hand: Dl 1500 bis 1805 Liste der Hofsteig-Ammänner (Sie weist aber große Lücken auf.)6 2 1763 Land-Siechenhaus Das gemeinsame Siechen-Haus der Gerichte Hofsteig, Hofrieden, Lingenau, Alberschwende und Sulzberg besitzt Kapitalien in der Höhe von 16 663 Gulden. 3 1764 Todfall von Witwen Das Kloster Mehrerau verlangt mehrmals den weiber fahl, also einen Lehenszins beim Tod einer Witwe. Das Gericht wehrt sich dagegen. 5 1766 bis 1804 Neue Straßen in der LImgebung: / 766 den 2ten Mayen ist die Neye straß yber den schloß berg biß gen wihler in den allgay, der anfang gemacht worden, (über Fluh und Stollen) 1767 ist die Neye straß von der siechen Kapellen in die Statt Bregentz gemacht worden. (Gallusstraße) 1768 den 12ten Herbstmonat hat Man an gefangen die straß von der Bregentzerach brug gegen Lutterach und yber das ridgeg Dorrenbiren z.ue Machen, und ist biß den 23ten Decemberis 1768 gemacht worden, dass Man hat können gar wohl fahren. (Bundesstraße Lauterach-Dornbim) 1769 den 20ten November hat man die straß von der ach brug gegen 36 82 Hardt gemacht oder angefangen und die gemaindt Lutterach und hardt alleinig gemacht. (Von Lauterach über Hard an den Rhein) / 786 hat man die straß von Lutterach durch rikhenbach biß schwartzach undfarnach gemacht (über St. Antone). 1787 im Hornung ist die straß gegen wohlfurth und an der Ach über das unter fehl gemacht worden. 7 1767 Hohenems schwört zu Österreich 7767 den 7ten Mayen ist daß Löbliche Oberambt zue Bregentz auff Hoch Embs gefahren und haben alldortten die Huldigung Eingenommen, daß sie anilzo sollen vorder Österreich der Kayser et König zue gehörig sein, den 8ten Mayen aber zue Lustenau des gleichen. Dan bevor haben sie zum reich in Schwaben gehörth. (Mit der Grafschaft Hohenems gehörten damals auch noch Teile von Dornbirn und der Kellhof Wolfurt direkt zum Reich. Nach dem Aussterben der Emser Grafen im Mannesstamm verlieh Kaiser Franz I. die Grafschaft 1765 an seine Gattin Maria Theresia. Bald danach verkaufte Gräfin Rebekka von Hohenems alle ihre Rechte in Dornbirn am 30. Oktober 1771 für 45 250 Gulden an die Gemeinde Dornbirn. 7 Fast gleichzeitig verkaufte sie am 21. Dezember 1771 den Kellhof Wolfurt, zu dem noch vier Höfe und vielerlei Rechte gehörten, für 4500 Gulden an die beiden Brüder Josepf Fischer, Hofsteig-Ammann, und Johann Fischer, Kellhof-Ammann. 8 Erst jetzt gehörte ganz Wolfurt zu Habsburg-Österreich, das ja den überwiegenden hofsteigischen Teil schon 1451, also mehr als 300 Jahre früher, gekauft hatte.) Fortsetzung der Haus-Chronik durch Joseph Fischers Nachkommen S. 84 1808 bis 1820. Der Sohn Joh. Gg. Fischer, Engelwirt, berichtet knapp von den Fruchterträgen der einzelnen Jahre, ausführlicher über die Teuerung 1817: 1816 ist gar schlechtes Jahr, es hat gar kein Wein und Türgen geben, denn es hat den ganzen Sommer bereits alle Tag geregnet und im herbst früher gefrohren, der Türgen und der Wein ganz erfroren so ist eine große Noht das vihle Leuthefast zugrunde gegangen, so das man in jeder Gemeinde viele Arme hat erhalten und unterstützen Müßen.9 Lebenslauf des Vorstehers Joh. Georg Fischer, 1847 -1918 S. 87 Während sich sein Großvater und der Vater auf wenige Daten beschränkt hatten, erzählt der Adlerwirt nun in bunter Vielfalt auf einem Dutzend Seiten aus seinem Leben. Am Beginn finden sich die Fasnat-Freilichttheater und Militär-Einquartierungen der 50er-Jahre neben Ernteberichten und Getreidepreisen. 1859 ist Krieg gegen Italien ausgebrochen. In einer Schlacht sollen von einem Kaiserjäger Battailon nur noch einige Mann davon gekommen sein. In diesen Jahren hat man immer eine Kirche bauen wollen in Rickenbach. ... 1866 wurde Österreich mit Preusen u. Italien in Krieg gezogen .... die Preusen hatten 37 die neuen Hinterladergewehre u. Österreich die alten .... 1873 kam ein neuer Verdienst mit Stickmaschinen (Blattstich), welcher in früheren Jahren schon hie u. da eine war, immer größer in Aufschwung, bei welchem sehr viel verdient wurde.... 1869 bis 1872 wurde die Eisenbahn bis Bludenz fertig gemacht.... Im Jahre 1873 habe ich die Bräuerei erricht gegen Herbst, so daß am 1. Jänner 1874 das erste Bier zum Ausschänke gelangte u. das Mostausschenken bei uns ausblieb.... meine Wirthschaft bedeutend zugenommen... Im Jahre 1873 wurde ich als 26jähriger led. Mann als Vorsteher für Wolfurt erwählt u. hatte ich dasselbe Amt 2 Perjoden Aus dieser Zeit stammen einige Seiten im Anhang des Buches. Als Gemeinderat war Fischer Kassier für die gemeinsam mit den anderen Hofsteiggemeinden zu erbringenden Beiträge für die Schwarzachtobelstraße. Als Vorsteher legte er dieses Amt 1876 zurück. Als 1864 die Pfarrkirche renoviert wurde, war Fischer als Kassier für die Abrechnungen mit den Handwerkern verantwortlich, auch für die mit dem Dornbirner Malermeister Joh. Kaspar Rick, der die großen Deckengemälde schuf. 1874 war ein ordentlich gutes Jahr, der Wein ist seit 1835 ... nie mehr so gut gerathen. ... Wir bekamen ca. 80 Eimer gleich 44.8 Hecktl. Von 1872 bis 1875 wurde die Zufahrtsstraße zum Bahnhof von Rickenbach aus erstellt, zum größten Theil von J. W. Zuppitiger,... alles durch freiwillige Beiträge .... braucht man hier keine Hungersnoth mehr zu befürchten, denn die Frucht (Weizen) von Ungarn u. Türken aus Amerika ist billiger als man hier pflanzen kann, denn die Arbeitslöhne sind sehr hoch gestiegen. ... Die Jahre von 1878 bis 1884 sind immer so durchschnitts Jahre in Frucht u. Obst. Der Wein war hier nichts in allen Jahren u. daher habe ich bereits alle Reben ausgerissen. 1884 im Septbr. wurde die Arlbergbahn eröffnet, allwo der Kaiser sozusagen die erste Fahrt machte. 1880 war er auch hier. ... Mir war auch Gelegenheit gebothen persönlich mit ihm zu sprechen. 1880 war es sehr kalt... der See zugefroren ... mit Rennschlitten über den See nach Lindau gefahren. Sehr kritisch stand der von den Konservativen im Jahre 1879 abgewählte liberale AltVorsteher Fischer einem Kapellenbau in Rickenbach gegenüber. Er schreibt ausführlich darüber: 1884 wurde das von Anna Staßia Müller (richtig ist Höfle)l0 in Rickenbach im Jahre 1869 gestiftete Geld zu einer Kirche oder Kapelle per 1000 fl... bis 1884 mit Zinszuwachs auf 1730 fl fällig u. mußte in diesem Jahre mit dem Baue begonnen werden, sonst fiel das Geld zur Kirche in Bildstein. Daher hat Franz Jos. Gmeiner hier, der Verwalter über das Geld war, Veranlassung getroffen, daß der Bau der Kapelle zustande kam u. hat er u. Fischer z- Löwen u. Jos. Ant. Dür, Schmied, ohne anderen 38 Bild 17: Der Adler in Rickenbach, viele Jahre lang Heimat der Familie Fischer. Bewohner von Rickenbach etwas zu sagen, einen Bauplatz gekauft, welcher aber nicht rativizirt wurde u. daher wegen später erfolgten Uneinigkeiten zwischen dem aus sich selbst gebildeten Comite u. dem Verkäufer Franz Xaver Böhler wieder rückverkauft wurde Jetzt wollte man unter der Straße an dem Fußweg vom Löwen gegen Lauterach hien (die heutige Brühlstraße) bauen, allein da war der Grund zu klein .... dann wollte die Kreuzwirthin den Grund hinzugeben in ihrem Gut, aber dieser Grund wurde nicht angenommen, weil er zu nahe bei unserem Haus war u. daher Löwenwirth mit seiner Wirthschaft zu weit entfernt würde, deshalb hat der Löwenwirth den Grund in seinem Gut geben für 300 fl sage dreihundert Gulden u. mußte die alte Mauer der Straße nach ganz abgebrochen werden.... Statt einer Kirche wurde jetzt eine Kapelle gebaut, denn es benöthigte weniger Grund dazu u. so wurde dieses immer von dem selbst bestimmten Comite ohne weitere Anfrage nach ihrem Kopf gebaut u. 1884 im Löwen der Bau versteigert u. hat denselben ein gewisser Malaun v. Bregenz für 1380 fl nur den Rohbau ersteigert u. war bis Ende September 1884 unter Dach gebracht u. sofort die Verputzarbeit übergeben (ohne Versteigerung). Die Zimmermannsarbeit hat Zimmermeister Dür u. Gebh. Schwerzier übernommen u. auch ausgeführt u. die Mauerung hat Franz Malaun in Akort geben u. ist selbe schnell u. fast ohne Kalch aufgeführt worden, so daß man das Einfallen befürchtete u. hat man daher schnell verputzen müssen. Die Bauleiter Gmeiner, Dür u. Löwenwirth Frz. Josef Fischer hatten keine Kenntniß vom Bauen, haben nicht viel nachgesehen u. ist dann der Giebel nicht in Mitte des Gebäudes u. die Fenster sind in der Maurung mehr als 15 Centimeter ungleich u. ist das Gebäude überhaupt etwas verpfuscht, obwohl der Baustiel sehr schön war; den Plan hat Baumeister Pümpel in Feldkirch gemacht. Mit Ende April 1885 war alles zimlich fertig u. hat man im Mai die alltägliche Abendandacht gehalten, wobei es sich erwies, daß die Kapelle um die Hälfte zu klein ist. 39
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Wolfurt 2010 03 Herbst Wolfurt 21.09.2010 19.11.2012, 18:24 wolfurt HERBST 2010 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Die Urlaubszeit ist vorbei und die meisten von uns hat der Alltag bereits wieder eingeholt. Ich hoffe, Sie hatten eine erholsame Zeit und sind nun wieder gerüstet für einen bewegten Herbst. Auch im Sommer hat sich einiges in unserer Marktgemeinde getan. Hochwasser hat auch Wolfurt nicht verschont Nach der langen Regenperiode im Mai und Juni dieses Jahres geriet der Hang oberhalb des Hauses Frickenescherweg 7 Anfang Juli ins Rutschen und drohte, das Haus zu zerstören. Kurzfristig musste eine Evakuierung angeordnet werden. Geologische Untersuchungen erforderten das sofortige Entlasten des Hanges durch Abbaggern von einer ca. 2 m dicken Erdschicht. Dies wurde in Zusammenarbeit mit der Wildbach- und Lawinenverbauung unverzüglich als Sofortmaßnahme in Angriff genommen. Auch die Ausleitung des Tobelbaches oberhalb der Bucher Straße wurde beschädigt. Die Starkregenfälle Mitte Juli haben lange Zeit keine gröberen Schäden bei uns verursacht, lediglich der Rickenbach ging im Bereich Dornbirner Straße/Kesselstraße am 24. Juli auf Grund einer Verklausung über die Ufer. Die Situation konnte von den Einsatzkräften aber rasch entschärft werden. Rutschungen im Ippachwald wurden von der Bringungsgenossenschaft Ippach dankenswerterweise teils bereits in Eigenregie behoben. Bis zum 5. August meinten wir, mit einem „blauen Auge“ davon gekommen zu sein. Doch in dieser Nacht regnete es 155 l/m² und innerhalb 1-2 Stunden wurden die ansonsten wenig Wasser führenden Bäche (Ippachbach, Rebbergbach, Eulentobelbach und Bannholzbach) zu reißenden Flüssen. Die durch das Siedlungsgebiet führenden Verrohrungen dieser Bäche konnten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Wassermassen, angereichert mit Schwemmholz, Geröll und Schlamm, suchten sich neue Abflusswege und überschwemmten zahlreiche Keller. Auch Straßen, wie beispielsweise die Gemeindestraße im Eulentobel, wurden stark beschädigt. Der Eulentobelbach fand seinen Weg über die Hofsteigstraße und setzte die Tiefgarage der Wohnanlage Rebberg unter Wasser. Die L 3 wurde in der Folge ebenfalls überflutet. Das Werk 2 der Firma Doppelmayr im Kella stand tief unter Wasser, ebenso die angrenzenden Wohngebäude am Schnepfenweg. Die Bildsteiner Straße war zeitweise unpassierbar. Am Frickenesch mussten kleinere Hangrutschungen registriert werden. Auch an der Alten Bucher Straße waren größere Setzungen aufgetreten, die ein Abrutschen befürchten ließen. Der Landesgeologe gab aber die Benutzung wieder frei. Im Abrissbereich werden täglich Messungen durchgeführt. Der Hang ist bisher ruhig, steht jedoch weiterhin unter Beobachtung, um gegebenenfalls rasch reagieren zu können. Ausbaggern der Anlandungen, Rickenbach Überflutung Bannholzbach Eulentobel 2 Aus dem Rathaus Das Zusammenwirken von Feuerwehr, den Mitarbeitern vom Bauhof sowie verschiedenen Firmen, die mit schwerem Gerät mithalfen die Schäden einzudämmen und provisorisch zu sanieren, hat bestens funktioniert. Auch Landeshauptmann Sausgruber konnte sich vom besonders guten Zusammenarbeiten der Einsatzkräfte in der Katastrophennacht vom 5. auf den 6. August überzeugen. Unsere Feuerwehrmänner wurden alleine in dieser Nacht zu 50 Einsätzen gerufen. Unterstützt wurde sie von den Nachbarwehren Kennelbach und Bildstein. Es hat sich gezeigt, dass die Investitionen in eine gute Infrastruktur richtig und notwendig sind. Ich möchte mich bei allen Feuerwehrkameraden, bei den Mitarbeitern vom Bauhof und den beteiligten Firmen recht herzlich für diesen tollen Einsatz bedanken. Mein Dank gilt aber auch jenen Wolfurterinnen und Wolfurtern, die selbst Hand angelegt haben, um betroffenen Nachbarn zu helfen, oder ihr eigenes Hab und Gut versuchten zu schützen. Soweit Schäden nicht durch Versicherungen gedeckt sind, besteht die Möglichkeit, beim Katastrophenfonds um Zuschüsse anzusuchen. Das Antragsformular steht zum Download auf unserer Homepage bereit. Für weitere Auskünfte und Hilfestellungen stehen Ihnen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rathaus gerne zur Verfügung. Inzwischen wurden alle Schäden vom Land, Abt. Wasserwirtschaft aufgenommen. In diesen Tagen sollte der schon seit langem überfällige Gefahrenzonenplan bei uns eintreffen. Aus diesem werden dann die verschieden Maßnahmen abgeleitet und nach Priorität abgehandelt. Wohnanlage Rebberg Werk 2 Fa. Doppelmayr Dringende Bitte an alle Waldbesitzer Bei Starkniederschlägen kommt es immer wieder vor, dass Totholz, Abfall etc. die Schotterfänge und Verrohrungen verstopfen. Ich bitte daher dringend alle Waldbesitzer im Einzugsgebiert der Bäche, die Wälder aufzuräumen bzw. Totholz zu entfernen. Wenn Bäume nicht mehr sicher im Erdreich verankert sind, bitte ich Sie, sich mit unserem Waldaufseher Jürgen ERNST (Tel.: 0664/625 5616) in Verbindung zu setzen. Ich bedanke mich jetzt schon für Ihre tatkräftige Unterstützung! Wertstoffinseln - es reicht!!! Leider muss immer wieder festgestellt werden, wie leicht sich manche Zeitgenossen die Abfalltrennung machen und ihren unsortierten Abfall einfach an den Wertstoffsammelstellen oder öffentlichen Mülleimern entsorgen. Plastik-, Rest- und Bioabfall sind zu Hause zu entsorgen und gehören nicht an die Sammelinseln! Trotz mehrerer Aufrufe und Informationskampagnen hat sich die Situation über die Sommermonate eher noch verschlechtert. Abgesehen von Geruchsbelästigungen und einem schlechten Ortsbild verursachen diese illegalen Ablagerungen alleine in Wolfurt rund 20.000,-- Euro an Aufräumkosten. Diesen unnötigen Mehraufwand bezahlt jede und jeder Einzelne von uns. Der Gemeindevorstand hat nun diese Angelegenheit an den Umweltausschuss delegiert, der über entsprechende Maßnahmen diskutieren wird. Womöglich ist in Zukunft mit entsprechenden Sanktionen zu rechnen. Aus dem Rathaus 3 Blick ins Gemeindegeschehen Nachbesetzung Gestaltungsbeirat Nach dem Ableben unseres geschätzten Arch. Hans Purin war es uns wichtig, wieder eine geeignete Person für unseren Gestaltungsbeirat zu finden. Diese sollte nicht nur eine anerkannte Person ihrer Branche sein, sondern vor allem Erfahrungen mit und die Liebe zu alter Bausubstanz mitbringen. Mit Dip. Ing. Architektin Beate NadlerKopf haben wir eine besonders engagierte Nachfolgerin gefunden. Frau Nadler-Kopf studierte in Innsbruck und sammelte ihre Erfahrung bei Manzl/Sandner, Köberl in Innsbruck bzw. bei Zumthor in Chur. Seit 1993 betreibt sie ein eigenes Büro. Beate Nadler-Kopf erhielt für ihre Arbeit bereits mehrere Preisauszeichnungen. Die Renovierung des Freihof Sulz, die als besonders gelungen bezeichnet werden darf, brachte unserem neuen Gestaltungsbeiratsmitglied die Nominierung zum Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit 2010 ein. Wir freuen uns auf eine fruchtbare und nachhaltige Zusammenarbeit. > Fortsetzung „Sternen“ wächst aus dem Boden Allmählich sind die Formen des „Sternen“ erkennbar. Die Arbeiten schreiten gut voran und wir sind zuversichtlich, den geplanten Eröffnungstermin (11. Juni 2011) einhalten zu können. Wir sind überzeugt, dass das neue Hotel eine deutliche Belebung für unsere Gemeinde und die gesamte Region bringen wird. Der Geschäftsführer Richard Zünd wird sich in den nächsten Wochen und Monaten direkt mit unseren Betrieben und Vereinen bezüglich zukünftigen Arrangements in Verbindung setzen. Besonders erfreulich ist, dass bereits mehrere Wolfurter Unternehmen Bauaufträge bei der Umsetzung dieses Achtmillionenprojektes bekommen haben. Lesen Sie weitere Details auf den Seiten 8/9. L 3 - Hofsteig-Ader - feierliche Eröffnung Der Baufortschritt an der Achstraße geht planmäßig voran. Der Bereich Fitzkurve dürfte beim Erscheinen unserer Wolfurt-Info bereits wieder für den Verkehr frei gegeben worden sein, sodass nun am 3. Bauabschnitt zügig weiter gearbeitet werden kann. Erfreulich ist, dass sich die Arbeiten bisher innerhalb des vorgegebenen Budgets bewegen. Die Fertigstellung des ersten Teilstückes der Hofsteig-Ader wird natürlich gebührend gefeiert. Ich darf Sie daher heute schon zur Eröffnung am Samstag, 9. Oktober 2010, recht herzlich einladen. Über die Details für dieses Fest wird rechtzeitig informiert. Start in den neuen Bewegungsstudios Endlich ist es so weit. Die Marktgemeinde Wolfurt hat bereits letztes Jahr im Fabrikgebäude der Firma Böhler Josef GmbH, Dornbirner Straße 8, im 2. Stock, 1.000 m² angemietet. Zielsetzung war es, Räumlichkeiten zu errichten die hauptsächlich jenen Vereinen zur Verfügung stehen, die Gymnastik-, Spiel- und Tanzgruppen betreiben, also nicht unbedingt eine Sporthalle benötigen. Damit stehen in Zukunft die großen Sporthallen jenen Vereinen zur Verfügung, die sie auch tatsächlich brauchen. In den letzten Monaten wurden um ca. EUR 120.000,-- drei großzügige Bewegungsräume errichtet. Natürlich wurden die Nutzer entsprechend eingebunden, damit die einzelnen Gruppen möglichst ideale Voraussetzungen finden. Alle Räume verfügen über viel Tageslicht und sind freundlich gestaltet. Audioanlagen und diverse Gymna- 4 Aus dem Rathaus stikgeräte gehören natürlich auch dazu. Ein Raum wurde mit einer Spiegelwand bestückt. Auch die Vermieterin musste erhebliche Investitionen ins Gebäude tätigen. So mussten z.B. in allen Stockwerken neue Brandabschnitte installiert werden. Auch das Außengelände wurde adaptiert. Stellvertretend für die Böhler Josef GmbH darf ich mich bei Lorenz Böhler und bei Dipl. Ing. Peter Meusburger für die gute Zusammenarbeit bedanken. Mein Dank gilt aber auch unserem Liegenschaftsverwalter Alexander Wohlmuth, der die Baukoordination inne hatte, sowie Manuela Bundschuh, die mit den Vereinen Termine und Bedürfnisse abklärte. Die Bewegungsstudios befinden sich unmittelbar neben einer Bushaltestelle, für die Fahrradfahrer wurde ein Fahrradständer unmittelbar vor dem Eingang situiert, und sind somit bestens erreichbar. Ich wünsche allen, die unsere Bewegungsstudios nutzen, viel Freude und Spaß beim tanzen, spielen, dehnen ……! Wir bedanken uns bei Fini und ihrem Team für die geleistete Arbeit und wünschen Fini viel Freude in der kommenden Zeit und Lydia einen guten Start. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich wünsche Ihnen allen einen sonnigen Herbst, und dass wir uns an so manchen Tagen über das wunderbare Herbstkleid unserer Landschaft freuen können. Ihr Bürgermeister Christian Natter Gute Seele der Cubus-Garderobe hört auf Über 12 Jahre betreute Fini Klettl die Garderobe im Cubus während verschiedenster Veranstaltungen. Ob Vereins- oder Maturabälle, Konzerte, Firmenfeiern oder Modeschauen - Fini verwaltete mit ihren Helferinnen und Helfern Jacken, Mäntel, Schirme und vieles mehr mit viel Freude und Engagement. Viele Jahre sorgte Fini schon im Vereinshaus für die gute Betreuung der Garderobe. Nun gibt sie ihr Amt weiter an Lydia Bechter. Lydia verwaltete bereits in den ersten sechs Jahren den Cubus und wird mit ihrer neuen Aufgabe die Beziehung wieder auffrischen. Pensionierung Lydia Bechter Mit 1. August 2010 hat Lydia Bechter ihren Ruhestand angetreten. Lydia wurde für die in Folge der Cubus-Eröffnung neugeschaffene Halbtagsstelle ausgewählt und trat mit 1.4.1998 ihren Dienst in der Gemeinde Wolfurt an. Ihr Aufgabengebiet war wie gesagt die Betreuung des Cubus und darüber hinaus des gesamten Veranstaltungswesens der Gemeinde, sowie die Betreuung der Ortsvereine. Auch die Erstellung des monatlichen Veranstaltungskalenders fiel in ihr Aufgabengebiet. 6 Jahre später nutzte sie im Zuge personeller Umstellungen die Chance und wechselte auf die Vollzeitstelle im Meldeamt. Für eine große Anzahl neuer Mitbürgerinnen und Mitbürger war sie an diesem Platz der erste Kontakt in der neuen Heimatgemeinde. Lydia bestach an dieser Stelle nicht nur durch Kompetenz, Verlässlichkeit und Genauigkeit, sondern auch durch ihr soziales Gespür. Lydia Bechter war eine sehr fröhliche und gesellige Mitarbeiterin, was ihr auch im Kollegenkreis große Wertschätzung einbrachte. Herzlichen Dank für die vorbildliche Tätigkeit und viele gesunde und erfüllte Jahre in der Pension. Bgm. Christian Natter Aus dem Rathaus 5 Betriebsausflug Wegen des Betriebsausfluges am Freitag, 10. September 2010, bleibt das Rathaus geschlossen! DANKE FÜR IHR VERSTÄNDNIS Achtung - neue Telefonnummer des Bauhofes Ab 15. September 2010 ist der Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt unter folgender Telefonnummer erreichbar: 05574 6840-300 Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Alena Drabantova, Personenbetreuung, Achstraße 43, Wolfurt; Martina Belcakova, Personenbetreuung, Brunnengasse 2, Wolfurt; Silvia Fudalyova, Personenbetreuung, Unterhub 9, Wolfurt; MSc Melanie Schmuck, Warenpräsentatoren, Rutzenbergstraße 29, Wolfurt; Styliani Kampouri, Gastgewerbe, Gasthaus Adler, Dornbirner Straße 5, Wolfurt; Meusburger Immobilien OG, Immobilientreuhänder (Immobilienmakler, Immobilienverwalter, Bauträger), eingeschränkt auf Immobilienmakler, Florianweg 11. Standortverlegung und Änderung der Firmenanschrift Emil Rohner GmbH, Handelsgewerbe, eingeschränkt auf den Handel mit Holz, Baumeister, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 23 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr, Erdbeweger, Konrad-Doppelmayr-Str. 13a; Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 06. Oktober 2010: Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 03. November 2010: Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 01. Dezember 2010: Dr. Nikolaus Schertler Verständigung über die Errichtung von weiteren Betriebsstätten MASTERbet GmbH, Vermittlung von Kunden zu Buchmachern / Wettbüros unter Ausschluss der Tippannahme, Carinthiasstraße 73, Schwarzau am Steinfelde, weitere Betriebsstätte: Achstraße 2, Wolfurt. Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung, Grabenweg 3, Innsbruck, weitere Betriebsstätte: Holzriedstraße 33, Wolfurt. Gewerbelöschungen Christian Horst Bornemann, Finanzdienstleistungsassistent, Wagnerstraße 2, Wolfurt; Arno Othmar Lechleitner, Handelsgewerbe, Bregenzer Straße 4a, Wolfurt; Elisabeth Katharina Böhler, Lebens- und Sozialberatung, Bützestraße 18, Wolfurt; Mag. (FH) Klemens Betram Thaler, Organisation von Veranstaltungen, Achstraße 5; Erkan Cetinkaya, Handels- und Handelsagentengewerbe, Bahnhofstraße 8b, Wolfurt; Marzanna Tarka, Personenbetreuung, Schmerzenbildstraße 11, Wolfurt; Dipl. Ing. (FH) Erich Toll, Baumeister, Unterlinden 24c. Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 15. September 2010: Dr. Ivo Fussenegger Mittwoch, 17. November 2010: Dr. Ivo Fussenegger Löschung von weiteren Betriebsstätten EDUSCHO (Austria) GmbH, Handelsgewerbe, Gadnergasse 71, Wien, Standort weiterer Betriebsstätten wurde gelöscht: Achstraße 15, Wolfurt. Walter Josef Pickelmann, Gas- und Wasserleitungsinstallationsgewerbe, Handelsgewerb eingeschränkt auf den Handel mit EDV Anlagen und Software, Aufstellung von Niederdruckzentralheizungsanlagen und Warmwasserbereitungsanlagen der Unterstufe, Alberschwende, Standort weiterer Betriebsstätten wurde gelöscht: Wälderstraße 2, Wolfurt; Österreichische Post Aktiengesellschaft, Handelsgewerbe eingeschränkt auf den Einzelhandel und Handelsagenten, Standort weiterer Betriebsstätten wurden gelöscht: Schulstraße 1, Wolfurt. Standortverlegungen Simona Simunkova, Personenbetreuung, von Hochburg-Ach, nach Wolfurt Kellaweg 4; Eva Prisztacsova, Personenbetreuung, von Feldkirch, nach Wolfurt Bregenzer Straße 29h; Durmus Yildiz, Dolmetscher, Handelsgewerbe, Güterbeförderung mit Kraftfahrzeugen oder Kraftfahrzeugen mit Anhängern, deren höchste zulässigen Gesamtgewichte insgesamt 3.500 kg nicht übersteigen, von Wolfurt Achstraße 42 nach Wolfurt, Brühlstraße 25; Viera Stefanerova, Personenbetreuung, von Wolfurt Brühlstraße 13 nach Bregenz; Dipl. Ing. Dr. Hans Renezeder, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik von Wolfurt Kellaweg 2/8, nach Dornbirn; Carola Wagner, Gastgewerbe, von Wolfurt Dornbirner Straße 5 nach Dornbirn; Julia Vojtekova, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Florianweg 3/1; Viera Gliganicova, Personenbetreuung, von Feldkirch nach Wolfurt, Unterhub 9; Maria Javorcikova, Personenbetreuung von Wolfurt Im Kessel 32 nach Krumbach; Mgr Dagmar Javorcikova, Personenbetreuung von Wolfurt Im Kessel 32, nach Krumbach; Alena Pisarcikova, Personenbetreuung, von Wolfurt Brunnengasse 2, nach Lustenau. Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Löschung des gewerblichen Geschäftsführers Berufsdetektei Marent OG, Sicherheitsgewerbe (Berufsdetektive, Bewachungsgewerbe), Engerrütte 1/6, Geschäftsführer: Udo Marent. ÖBBDienstleistungs Gesellschaft mbH, Gastgewerbe, Güterbahnhof Wolfurt, Senderstraße 20, Geschäftsführer: Franz Hertnagel. Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender: Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger: Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter: März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel: April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann: Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Verständigung über die Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers ÖBB-Dienstleistungs Gesellschaft mbH, Gastgewerbe, Güterbahnhof Wolfurt, Senderstraße 20, Geschäftsführer: Manfred Boschetto. Verständigung über die Errichtung von weiteren Betriebsstätten ländleticket marketing gmbh, Theaterkartenbüro, Bahnhofstraße 2, 6850 Dornbirn, Daten der weiteren Betriebsstätten in Wolfurt: Kellhofstraße 12 und Wälderstraße 2, 6922 Wolfurt. Ruhen der Gewerbeausübung Alexander Jamer, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Bregenzer Str. 3, Wolfurt. 6 Aus dem Rathaus Gemeindehaushalt 2009 positiv abgeschlossen Der Rechnungsabschluss 2009 mit Einnahmen und Ausgaben von 25,93 Mio. Euro wurde am 9. Juni 2010 von der Gemeindevertretung einstimmig verabschiedet. Das wohl größte Investitionsbudget in der Geschichte unserer Gemeinde wurde planmäßig abgeschlossen. Alleine für Großprojekte (VS Mähdle, Feuerwehrhaus, Sternen etc.) wurden annähernd 6,3 Mio. Euro an Rücklagen aufgelöst. Erfreulich dabei ist vor allem, dass auf Grund der verantwortungsvollen Finanzpolitik der letzten Jahre diese Investitionen ohne Neuverschuldung finanziert werden konnten. Grundstücke an Bächen und Gräben ausmähen für Sanierungsarbeiten Ab 6. September 2010 werden wieder alle Bäche und Gräben im Ortsgebiet gemäht und ausgeräumt bzw. saniert. Damit dies auch ungehindert möglich ist, werden alle Besitzer von Grundstücken an einem Bach/Graben aufgefordert, die Liegenschaft bis dahin zu mähen. Sollte dies nicht erfolgen, so wird ein Grünschnittstreifen vom Bauhof gemäht, um an die Bäche zu gelangen. Bauhof Wolfurt Die größten Einnahmen 5.302.000,-- Euro 5.010.000,-- Euro 587.000,-- Euro 519.000,-- Euro 301.000,-- Euro 108.000,-- Euro Ertragsanteile des Bundes (- 7,06 % gegenüber 2008) Kommunalsteuer unserer Firmen (+ 2,69 %) Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung Grundsteuern Zinserträge Erträge aus Beteiligungen für Sozialhilfe (+ 21,59 %) Spitalskosten (- 15,86 %) Landesumlage (- 5,92 %) Landespflegegeld (+ 10,29 %) Wohnbauförderung (+ 11,53 %) Musikschule (inkl. Lauterach und Schwarzach) Verwaltung / Rathaus inkl. Pensionen Kindergärten Bauhof Schulwarte / Raumpflege Beiträge an das Land 1.826.000,-- Euro 768.000,-- Euro 1.077.000,-- Euro 142.000,-- Euro 110.000,-- Euro 1.278.000,-- Euro 1.046.000,-- Euro 758.000,-- Euro 349.000,-- Euro 300.000,-- Euro Kostenlose Beratung in Grundstücksund Immobilienangelegenheiten: Richard Richter, der gerichtlich beeidete Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürgern und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: Ausgaben für Personalkosten Rathaus Wolfurt, 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 22. September 2010 Mittwoch, 20. Oktober 2010 Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 3. Quartal 2010 im Fundamt abgegeben wurden: Verschuldung neuerlich gesenkt Trotz großer Investitionen konnte die Gesamtverschuldung neuerlich gesenkt werden und lag am Jahresende bei 1,86 Mio. Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung von 223,42 Euro ist eine der niedrigsten im Land Vorarlberg, der Landesdurchschnitt liegt bei ca. 1.800,-- Euro. diverse Schlüssel, Fahrradhelm Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb Mehrbelastung für Gemeinden Wie bei allen anderen Gemeinden sind auch bei uns die Einnahmen deutlich gesunken. Auf der anderen Seite stiegen die Ausgaben in einigen Positionen erheblich. So mussten wir z.B. für Sozialhilfe bereits zum zweiten Mal in Folge eine zweistellige Steigerungsrate verkraften. Auf Grund dieser Situation waren wir verpflichtet, für das Jahr 2010 mit Euro 18,23 Mio. ein wesentlich reduzierteres Budget zu erstellen. Da die Gemeinden Auswirkungen wie die Wirtschaftskrise aber auch einen Wirtschaftsaufschwung zeitverzögert treffen, müssen wir uns auch 2011 auf eine konsequente Ausgabenpolitik einstellen. Die Budgetplanung für das kommende Jahr wird daher wiederum mit Bedacht zu erstellen sein. Finanzreferent Bgm. Christian Natter Aus dem Rathaus 7 Neueröffnung: Gasthaus Stern in Wolfurt zu verpachten Im Auftrag der Marktgemeinde Wolfurt Immobilienverwaltungs GmbH & Co KG suchen wir ab Juni 2011 eine(n) Pächter(in) für das neu errichtete Gasthaus Stern in Wolfurt. Ablösefrei, vertragsfrei sowie mit genügend Parkplätzen (Tiefgarage) und optimaler Lage im Zentrum von Wolfurt. Ideal für eine(n) agile(n), kreative(n), junge(n) Unternehmer(in), der (die) die Chancen erkennt. Das Gasthaus Stern wird neu errichtet, ist voll ausgestattet mit Restaurant, professioneller Küche und einem schönen Gastgarten. Zudem besteht die Möglichkeit einer Saalbewirtung für Veranstaltungen. Ihre schriftliche Bewerbung richten Sie bitte per Post oder E-Mail an: Johannes Helfer - Unternehmensberater CAMPUS Dornbirn, Hintere Achmühlerstr. 1, 6850 Dornbirn E-Mail: office@helfer.at 8 Gemeindepanorama SternenHotel,Gasthaus Stern und Sparkasse Bregenz in neun Monaten ist es soweit Das erste Hotel in der Region Wolfurt, Lauterach, Schwarzach, Buch und Bildstein geht in Betrieb. Damit werden die Region und insbesondere unser Ort touristisch aufgewertet und um eine immer wieder geforderte Infrastruktur erweitert. "Wenn ein Projekt wie der Sternen in Wolfurt nach Jahren der Vorbereitung tatsächlich realisiert wird, steht immer ein positives Projektteam dahinter. Mit Bank, Hotel und Gasthaus treffen unterschiedlichste Ansprüche und Interessen aufeinander. Die Umsetzung möglichst vieler verschiedener Vorgaben auf engstem Raum ist eine der größten Herausforderungen dieses Projektes. Urbane Ansätze im Zentrum einer dynamischen Region und gleichzeitige Anpassung an die dörflich gewachsene Struktur galt es vor allem architektonisch zu berücksichtigen. Ich bin davon überzeugt, dass Wolfurt mit der Verbauung des Sternenareals ein weiterer Meilenstein Richtung Zentrumsbelebung gelingen wird," meint der Hotelbetreiber DI Bernd Winsauer. Mit dem Anschluss an das Fernwärmenetz der MG Wolfurt, der Installation einer thermischen Solaranlage, einer guten Wärmeisolierung, Wärmerückgewinnungsanlagen etc. gehört nachhaltiges Bauen ebenfalls zum Entwicklungsprozess, wie die Neugestaltung der Wälder- und Kirchstraße im Bereich des neuen Zentrums. Besonders erfreulich ist die Vergabe von Großaufträgen an Wolfurter Unternehmen. 6 Firmen aus Wolfurt konnten in den letzten Monaten Aufträge mit einer Gesamtauftragssumme von knapp 2,4 Mio. € erhalten. Damit zeigt dieses Projekt seinen ersten wirtschaftlichen Impuls für unseren Ort auf. Die Ausschreibung für den Küchenbereich des Restaurants ist laut DI Jutta Nenning (GIG Wolfurt) fertig und die Planung für die Gastronomieeinrichtung in der Endphase. Die Suche des Gastronomiepächters hat ebenfalls begonnen. Dieser sollte bis Ende Oktober 2010 gefunden sein, damit sich der Pächter oder die Pächterin noch in die Detailplanung einbringen kann. Der Geschäftsführer des Hotels Richard Zünd meint zu den Zielsetzungen des ersten Hotels in der Region: „Das erste Hotel - im Herzen von Wolfurt - wird ein 4* Haus in stilvollem Ambiente und bietet den richtigen Rahmen für Urlauber und Business-Gäste. Moderne, lichtdurchflutete Zimmer, reichhaltiges Frühstücksbuffet, kostenloser W-Lan Service, Sauna und Fitnessraum garantieren einen angenehmen Aufenthalt. Wir freuen uns schon jetzt auf unsere Gäste aus dem In- und Ausland - und natürlich auf eine gute Zusammenarbeit mit den Wolfurter Betrieben, Vereinen und Veranstaltern!“ Ferde Hammerer, Geschäftsführer GIG Richard Zünd Jahrgang 1961 verheiratet, 2 Kinder wohnhaft Lauterach Geschäftsführer der Sternen-Hotel Betriebs GmbH Wälderstr. 2 6922 Wolfurt E-Mail: richard.zuend@sternenhotel.at Homepage SternenHotel in Vorbereitung www.sternenhotel.at Gemeindepanorama 9 Aktivitäten im Seniorenheim Wolfurt Innsbruck-Urlaub Bereits zum 6. Mal fand heuer im Juni ein Bewohneraustausch mit dem Seniorenheim St. Josef in Innsbruck statt. 5 Bewohner/innen aus Wolfurt und Kennelbach fuhren mit unserem Bus nach Innsbruck und verbrachten dort fünf wunderschöne Tage mit Ausflügen, Besichtigungen und Rundfahrten. Wie jedes Jahr konnten wir im Gegenzug 5 Innsbrucker Bewohner/innen bei uns begrüßen, welche gemeinsam mit ihren Mitbewohner/innen, die im Sozialzentrum Satteins einquartiert waren, eine schöne Woche bei uns im Ländle verbrachten. Den Höhepunkt bildete ein gemeinsames Grillfest in Wolfurt, bei dem die Besucherinnen und Besucher aus Innsbruck kulinarisch verwöhnt wurden. Ein Dank an alle Organisatoren aus Innsbruck, Satteins und Wolfurt, dass diese Woche wieder ein unvergessliches Ereignis für alle geworden ist. Grillfest mit den „Hafoloabar Läbbe“ Am 10. Juli fand das traditionelle Grillfest der Läbbe im Seniorenheim statt. Nachdem auch das Wetter hervorragend war, entschied sich der große Chef der Läbbe, Hanspeter Mathis, das Fest im Garten hinter dem Nussbaum zu veranstalten. Neben unseren Bewohner/innen mit ihren Angehörigen konnten wir noch einige Gemeindemandatare/innen willkommen heißen, die der Hitze von rund 32° C getrotzt hatten und mit uns den Nachmittag verbrachten. Nach der Begrüßung durch Bgm. Christian Natter fing das Team der „Läbbe“ mit der Bewirtung an. Neben diversen köstlichen Getränken gab es ausgezeichnete Grillwaren zu verköstigen, die in perfekter Weise zubereitet und serviert wurden. Wie immer kümmerten sich die Läbbe in vorbildhafter Manier um die Bewirtung unserer Bewohner/innen sowie der Gäste (Nachbarn und Angehörige), und der „hafoloabareigene“ Musiker Oskar (er tritt inzwischen bei jedem Fest der Läbbe im Seniorenheim auf) traf wie bei jedem Fest die passenden Töne und den dazugehörigen Stil. Wir haben das Fest wie immer sehr genossen, und unser Dank gilt den Läbbe, die unseren Bewohner/innen wieder einen schönen und unvergesslichen Nachmittag geboten haben. Geschäftsführer Mag. Erich Gruber 10 Gemeindepanorama Begeisterung pur bei Abschluss-Show! 120 begeisterte Tänzerinnen und Tänzer der City-Dance-Academy in Wolfurt überraschten zum Jahresabschluss die vielen Besucherinnen und Besucher mit einer rasanten Show um die ganze Welt. Catrin Wendel zauberte mit ihrem Team Tathiana, Galina, Veronika, Renate, Constanze, Eva, Peterson und den Citydancers bunte Bilder und mannigfaltige Choreografien auf die Bühne im Cubus. Die Kleinsten im Alter ab drei Jahren fühlten sich im Urwald Afrikas genau so wohl wie die größeren Kids als Breakdancer in New York oder eine Frauengruppe im Yogazentrum von Neu Delhi. Manche Titel der großartigen Show „Einmal um die ganze Welt“ wurden von Leila und Nikolai (Musikschule Hofsteig) sogar live gesungen. Das Publikum belohnte die Leistungen aller Akteure mit frenetischem Applaus und gratulierte den Mitwirkenden herzlichst. Start in das neue Tanzschuljahr am Montag, den 13. September 2010 Tag der offenen Tür am Sonntag, den 12. September 2010 von 9:00 - 19:00 Uhr City Dance Academy Wolfurt, Bahnhofstr. 8a, www.citydancers.at 10 Jahre Elternlotsen Seit Jänner 2001 sichern Elternlotsen den verkehrsträchtigen Schulweg-Übergang Weberstraße zur Volksschule Mähdle. Während dieser 10 Jahre ist es glücklicherweise - bis auf wenige brenzliche Situationen - noch nie zu einem Unfall gekommen! Das ist auch auf das sehr disziplinierte Verhalten der motorisierten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zurückzuführen. In diesen 10 Jahren versahen bis zum diesjährigen Schulschluss 35 Mütter, Väter sowie Pensionisten/Innen diesen wertvollen Dienst, wobei 6 Frauen und Männer seit der ersten Stunde an immer noch ehrenamtlich dabei sind. 10 Jahre - kein Unfall - ein Jubiläum Dies war ein guter Grund zum Feiern, und darum lud Gemeinderat Hans Fetz alle Elternlotsen zur Besichtigung der Mohrenbrauerei in Dornbirn ein. Diese Einladung wurde von 18 Lotsen gerne angenommen. Nach einer 90-minütigen Führung und gestärkt nach einer urigen Jause bei Weißwurst, Brezel und selbst- Schulwegpolizei der Volksschule Mähdle verständlich „Mohren“-Bier-Spezialitäten bedankten sich die Elternlotsen bei Hans Fetz und fuhren mit besserem Wissen um die Bierbrau-Kunst im „Mohren-NostalgieBus“ wieder nach Hause. Oswald Geißler Gemeindepanorama 11 Unterstützung für arbeitsuchende Jugendliche Die Schatten der Wirtschaftskrise machten auch vor unserer Gemeinde nicht halt: im April dieses Jahres waren 50 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren ohne Arbeit oder Ausbildungsplatz! Bgm. Christian Natter war es ein großes Anliegen, hier eine Verbesserung der Situation zu erreichen, da für ihn jeder junge Mensch ohne Arbeit einer zu viel ist. Er wandte sich an Werner Kessler, den Obmann der Seniorenbörse Wolfurt mit der Frage, ob er in seiner Mitglieder-Kartei jemanden hätte, der hier Unterstützung bieten kann. Da auch ich meine Dienste ehrenamtlich im Rahmen der Seniorenbörse anbiete, wurde ich gefragt und ich habe mich auf die neue Herausforderung gefreut. Vor allem meine langjährigen und guten Kontakte zu Wolfurter Unternehmen sollten helfen, den einen oder anderen Jugendlichen auf einer Lehrstelle oder einem Arbeitsplatz unterzubringen. Als zusätzliche wertvolle Hilfe bot sich auch unser ehemaliger HauptschulDirektor Walter Reis über die Seniorenbörse zur Mitarbeit an. Er kennt viele der arbeitsuchenden Jugendlichen persönlich, das ist ein weiterer Vorteil. Ein enger Kontakt wurde auch zum Jugendtreff und den Jugendbetreuern Günter Sutterlüti und Sarah Wagner gepflegt. Diese unterstützen den Kontakt zu den Jugendlichen. In mehreren Gruppengesprächen sowie zahlreichen Einzelgesprächen wurde die jeweilige Situation der Lehrstellen- bzw. Arbeitsuchenden abgeklärt und danach versucht, bei entsprechenden Unternehmen einen Vorstellungstermin oder einen Schnuppertag zu bekommen. Über ein direktes Schreiben an zahlreiche Wolfurter Unternehmen haben sich dankenswerter Weise etliche mit einem konkreten Stellenangebot gemeldet. Hier soll auch Komm.Rat Walter Eberle, Innungsmeister der Bodenleger, positiv erwähnt werden. Er hat sich persönlich ebenfalls sehr engagiert und 2 Lehrstellen vermittelt. Bis Mitte August stellte sich die Situation nun wie folgt dar: 15 Jugendliche haben eine Stelle oder Lehrstelle, sind vor einer Weiterbildung oder vor dem Bundesheer. Eine Jugendliche erwartet ein Baby und wird in Karenz gehen. Eine andere steht vor der Meisterprüfung und hat danach ein Stellenangebot. 10 Jugendliche haben Bewerbungen am Laufen bzw. Schnuppertage absolviert und warten auf eine definitive Entscheidung der jeweiligen Firma. Einige machen ein 10. Schuljahr in der Polytechn. Schule, um noch mehr Orientierung für einen Lehrberuf zu bekommen. Für eine Handvoll Jugendliche ohne Hauptschulabschluss heißt es, als ungelernte Kraft eine Stelle zu finden, was im Moment kaum möglich ist. Zwei davon werden voraussichtlich versuchen, den HS-Abschluss nach zu holen. Etwa 10 Arbeitsuchende haben eine abgeschlossene Lehre bzw. Ausbildung, finden aber derzeit in ihrem Beruf keine Stelle oder suchen eine Veränderung. Hier ist das Arbeitsmarktservice bei der Suche behilflich. Die schwierigste Situation ist bei jenen Jugendlichen, die von zu Hause aus keine Unterstützung und auch keinen Druck haben, eine Arbeit zu suchen. Sie sind meistens auch kaum motiviert, was jeden Chef bei einer Bewerbung abwinken lässt. Hier müssen die Eltern in Zukunft gefordert werden. Wir hoffen natürlich, doch noch einige Arbeitsplätze vermitteln zu können. Mit manchen Jugendlichen wird es aber im Herbst zuerst eine Motivationsschulung brauchen. Alt.-Bgm. Erwin Mohr 12 Gemeindepanorama Aktivitäten der Mobilen Jugendarbeit Wolfurt Riversurfen Ende Juni 2010 wurde das Projekt Riversurfen auf der Bregenzerache ins Leben gerufen. Das Prinzip des Riversurfens ist, dass das Surfbrett mit einem Baum, einer Brücke oder vom Ufer aus fest verbunden ist. Der Surfer stellt sich dann auf das festgebundene Brett und lässt sich gegen die Wasserströmung ziehen. Diese junge Sportart wurde von den Jungs des Kulturvereines „a rovermenproduction“ in Wolfurt erstmals entdeckt. Zusammen mit ihnen organisierten wir einen Schnuppertag für 10 Jugendliche aus Wolfurt. Dabei erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, das Riversurfen selbst auszuprobieren. Die Jugendlichen waren sehr interessiert und hatten viel Spaß dabei. Daraufhin wurde mit ihnen gemeinsam ein eigenes Brett gebaut. Mittlerweile gehen die Jugendlichen im Sommer fast bei jedem idealen Wasserstand an die Ache zum Surfen. DANKE an: > den FC Schwarzach, speziell an Vinicio Fioranelli, Dieter Schneider und den Platzwart Harald für die große Unterstützung. > die Gemeinde Schwarzach für die Unterstützung und das Sponsoring des Wander- und Fair-Play-Pokals. > die Firma Uhlsport Wolfurt für das Sponsoring der Spielbälle und diverser Sachpreise. Wir danken allen Beteiligten für einen reibungslosen Ablauf und freuen uns schon auf das nächste Jahr und das 2. Hofsteig Fußballturnier. Jugendarbeiter Günter Sutterlüti Floßbau Die Mädchengruppe des [´wa´wa] Jugend- und Kulturvereins hat unter der Aufsicht von Sarah Wagner und der Hilfe von Siegfried Fink ein Floß aus Holz und Kanistern gebaut. Die Mädchen waren voller Begeisterung bei der Arbeit. Das Floß wird den Mädchen in der Sommerzeit zur Verfügung gestellt. 1. Hofsteigfußballturnier Am Samstag, 10. Juli 2010, war es endlich soweit. Passend zur WM veranstaltete der Wolfurter Jugend- und Kulturverein [’wa’wa] gemeinsam mit dem Schwarzacher Jugendhaus Deluxe das 1. Hofsteig Fußballturnier. Teilnahmeberechtigt waren alle leidenschaftlichen Fußballerinnen und Fußballer zwischen 12 und 20 Jahren. Es war ein sehr spannendes, aber vor allem sehr faires Turnier. An dieser Stelle ein herzliches 'Danke' an alle beteiligten Teams. Wir gratulieren den "Balkanieros Deluxe" zum Turniersieg, dem Team "Circle of Destruction" zum 2. Platz und dem Wolfurter Team "FC Leverage" zum 3. Platz beim Hofsteig Fußballturnier. Das Team vom [’wa’wa] unter dem Namen V.I.P konnte den 9. Platz erzielen. Der „Fair-Play-Preis“, welcher von den Schiedsrichtern vergeben wurde, ging an das Team „FC Leverage". Dieses Team darf sich neben einem weiteren Pokal über einen 75 € Gutschein nach Wahl freuen. Wir gratulieren recht herzlich. Weiters bedanken wir uns bei den zwei Schiedsrichtern, die trotz der sommerlichen Temperaturen stets einen kühlen Kopf bewahrt haben. 3. Platz und Gewinner des „Fair-Play-Preises Team „FC Leverage“ Gemeindepanorama 13 Lehrlinge in ihrer Entwicklung begleiten und fördern. LUI - Lehre und Ich LUI ist eine 7-tägige Seminarreihe, in welcher sich die Lehrlinge selbst besser kennen lernen. Die Jugendlichen werden dabei in ihrer Selbständigkeit sowie in ihrem Selbstvertrauen gestärkt. Von März bis Juli 2010 haben 9 Lehrlinge der Firmen Haberkorn Ulmer und Fidel Gmeiner daran teilgenommen. Die nächste LUI-Reihe in Wolfurt startet Anfang 2011 LUI-Module im Detail: Dauer jeweils 1 Tag War am Anfang bei den Lehrlingen noch Skepsis vorhanden, gab es dann eine große Vielfalt an Erfahrungen und Emotionen wie: „Ich bin zufriedener, es macht Sinn Ziele aufzuschreiben, wir haben super gekocht, aber es war auch anstrengend“... Angelika Alfare (Fa. Haberkorn Ulmer): “Gerade in der heutigen Zeit ist es für Jugendliche wichtig, dass sie sich die Zeit nehmen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Die eigenen Stärken, Schwächen und Grenzen kennenlernen und Ziele für die eigene Zukunft formulieren. Seit der LUI-Seminarreihe treten unsere Lehrlinge sicherer auf, sind selbständiger und vor allem als Team zusammengewachsen.“ Karin Vögel, www.karin-voegel.at Ankommen Wer bin ich jetzt? Ich präsentiere meine Ziele. Wir halten Rückschau. Wir gestalten Abschlussrituale. Aufbruch Wer bin ich? Ich entdecke meine Fähigkeiten und Fertigkeiten und stärke sie. Wie nehme ich mich selbst wahr? Setze ich in mich Vertrauen? Kreativität Meine Kreativität entdecken. Ich mache „Dinge“ neu, anders, ungewöhnlich. Expedition (3 Tage in der Natur) Neue Sprache Wir lernen unsere Sprache kennen. Was höre ich wie? Wie denke ich darüber? Wie reagiere ich darauf? Wie führe ich ein Streitgespräch Leben in der Gruppe Wir kochen am Feuer, schlafen unter Planen und Erleben was das alles mit uns und der Gruppe macht Mein Einfluss auf die Gruppe? Bin ich Helfer oder Kollege? 14 Wirtschaft 5. Wolfurter Lehrlingstag Viel Spaß, Aktion und Abenteuer konnten 40 Wolfurter Lehrlinge und ihre AusbildnerInnen beim 5. Lehrlingstag bei HIGH 5 in Lingenau erleben. Unterstützt vom Team um Chris Alge und bei hervorragendem Wetter, wurden 4 Teams gebildet. So waren Bogenschießen / Kletterturm, Flying Fox, Wildwasserschwimmen und das Abseilen von der alten Lingenauer Brücke auf dem Programm. Gemeinschaft und Teamarbeit einmal anders erleben war die Devise. Die Herausforderungen wurden angenommen, und das Selbstvertrauen wuchs mit jeder bestandenen Aufgabe. Die Marktgemeinde Wolfurt sieht sich als Partner der Wolfurter Betriebe und veranstaltet diesen Tag für die Lehrlinge im 1. Lehrjahr und deren AusbildnerInnen als Dankeschön und Anerkennung für die geleistete Arbeit. Bei einem tollen BBQ mit unserem Bürgermeister Christian Natter und Wirtschaftsbund-Obmann KR Walter Eberle wurde dieser wunderbare und erlebnisreiche Tag abgerundet. Yvonne Böhler, Wirtschafts-Gemeinderätin Lehrlinge-Wolfurt 2009/10: 258 55 75 Lehrlinge in Wolfurter Betrieben Lehrbetriebe Lehrlinge absolvierten das 1. Lehrjahr Wirtschaft 15 Herbstmarkt am Sonntag, 3. Oktober 2010 Der frühe Herbsttermin hat sich im letzten Jahr gut bewährt und wurde von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Heuer findet der Wolfurter Herbstmarkt am Sonntag, 3. Oktober 2010, unter dem Motto „Handwerk“ statt. Selbstgefertigte Unikate für Dekoration, Accessoires und schöne Geschenkideen werden angeboten. Neben kulinarischen Köstlichkeiten und guter Musik wird es auch heuer wieder ein tolles Programm für Kinder geben. Traditionsgemäß wird wieder von der Pfarre Apfelstrudel für einen guten Zweck verkauft. Beginn ist um 11:00 Uhr. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher! Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Freie Zeit genießen... Experten informierten zu den Themen Grillen, Holzspalten, Motorsägen und Gartenarbeit. Beim Markttag in Wolfurt zeigten Weltmeister, worauf es beim Holzen und Grillen ankommt. Denn nur wer sein Handwerk wirklich beherrscht, bringt es auch zu solchen Ehren. Martin Moosbrugger und Benjamin Greber sind wahre Meister an der Motorsäge. Bei ihnen flogen buchstäblich die Späne, als sie demonstrierten, was sicheres Holzen in der Praxis tatsächlich verlangt. Das Spektrum ihrer Vorführungen reichte vom Gebrauch der Schutzausrüstung bis hin zur richtigen Handhabung von Motorsäge und Holzspalter. Feurig liebt es Grillweltmeister Ulli Bernold. Aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Bernold führte vor, wie Grillfreunde ihr Gerät sicher zum Glühen bringen. Ob mit speziellen Anzündern oder Flüssiggas: bei beiden Varianten gilt es, Vorsicht walten zu lassen. Über den richtigen Einsatz von chemischen Mitteln im Garten sowie die Wichtigkeit, nur intakte Geräte für die Arbeit im Garten oder am Baum zu verwenden, informierte der Obst- und Gartenbauverein Wolfurt. Initiative Sichere Gemeinden 16 Wirtschaft Viele Höhepunkte beim Wolfurter Markt Dreiviertel des Jahres sind schon fast wieder vorbei, und in dieser Zeit hat sich beim beliebten Wolfurter Wochenmarkt, der jeden Freitagnachmittag stattfindet, wieder einiges getan. Im Mai wurde eine Vogelscheuchen-Versteigerung durchgeführt, die von Altbürgermeister Erwin Mohr hervorragend moderiert wurde. Viele Besucherinnen und Besucher haben diesen schönen Nachmittag und das tolle Ambiente am Marktplatz genossen. Die Kreativität der Volksschüler ist bei allen Marktbesuchern auf große Begeisterung gestoßen. Ebenfalls im Mai fand der Startschuss der Aktion „EIN.KAUFEN & RAD.FAHREN auf dem Wolfurter Markt statt. 13 Jahre Wolfurter Markt Am Freitag, 11. Juni, feierte die Gemeinde bereits den 13. Geburtstag des Wolfurter Wochenmarktes. Mit Live-Musik, Tombola und einem bunten Rahmenprogramm für Jung und Alt wurde dieser Jubiläumsmarkt mit vielen Besucherinnen und Besuchern gefeiert. Als absoluter Höhepunkt sorgten am Abend die „Lauser“ im Rahmen des Musik-Dorf-Festes der Bürgermusik Wolfurt im Innenhof der Mittelschule Wolfurt für Stimmung. Daneben gab es in den letzten Monaten viele Aktionen für Kinder sowie Musikauftritte. Speziell der Kennelbacher Nachmittag mit dem Musikverein Kennelbach, die Grill- und Holzsägeweltmeister, und die „Lochauer Bierblosn“ waren einige Highlights. Auf Grund der sehr schwierigen Wettersituation in den letzten Monaten (entweder es war extrem heiß oder es regnete stark) bitten unsere Marktfahrer um reges Erscheinen in den nächsten Wochen. Wie immer bieten die Marktständler den Besucherinnen und Besuchern ein tolles Angebot an heimischen Produkten. Brot und Gebäck, Blumen und Gewürzkräuter, Fleisch und Wurstwaren, Soßen, Suppenprodukte, verschiedene Käsesorten aus dem Bregenzerwald und Eichenberg und vieles mehr sind bei den Marktfahrern erhältlich. Marktwirt Thomas Reichl freut sich ebenfalls auf viele Marktbesucher. Ich möchte mich noch ganz herzlich bei unserer neuen Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung, Yvonne Böhler, für die Unterstützung und Hilfestellungen bedanken. Michael Fröwis Wirtschaft 17 Erfolgreicher Abschluss der Aktion EIN.KAUFEN & RAD.FAHREN Trotz ausgiebigen Schlechtwetters haben sich erfreulich viele Personen an der Aktion EIN.KAUFEN & RAD.FAHREN beteiligt. So wurden im 5-wöchigen Aktionszeitraum in Wolfurt und Kennelbach 782 vollständig ausgefüllte Sammelpässe abgegeben, was einer Zahl von über 7.000 umweltfreundlich absolvierten Einkäufen entspricht. Neben dem Beitrag zum Umweltschutz und zur Förderung der persönlichen Gesundheit sind diese lokal durchgeführten Einkäufe auch ein wichtiger Beitrag zum Erhalt einer funktionierenden Nahversorgung. Im Rahmen des Wolfurter Wochenmarkts konnten am 2. Juli die Preise an die glücklichen Gewinnerinnen und Gewinner übergeben werden. Auf Grund der zahlreichen positiven Rückmeldungen zur Aktion wird eine Wiederholung im kommenden Jahr überlegt. Durchgeführt wurde die Aktion im Rahmen des Projekts „plan.b“ zusammen mit der Gemeinde Kennelbach und den Wirtschaftsgemeinschaften von Schwarzach, Hard und Lauterach. Warengutscheine im Wert von EUR 30,00: Bienenhaus - Spielwaren David Optik Elektro Fink Frisiersalon Gorbach Haarzone Hofsteig-Apotheke J.N. Teutsch Kiosk Kögl-Graf Kiosk Wörz Mirjana Hair Design Musik Hinteregger pure Kosmetik Raiffeisenbank am Hofsteig Raiffeisenbank am Hofsteig Raiffeisenbank am Hofsteig Schwanenmarkt Fitz Schwanenbäckerei Spar Wälderstraße Spar Markt - Unterlinden Weltladen Die Frisur - Kennelbach in Ihrer Trafik - Kennelbach Spar-Markt Kennelbach Waltraud Schaper, Lerchenstr. 38a, Wolfurt Gertrud Hochfellner, Funkenweg 15, Wolfurt Margitha Juen, Hofsteigstr. 14, Kennelbach Marlis Hagspiel, Lochmühle 4, Kennelbach Dietmar Eberhard, Fliederweg 13c, Wolfurt Katharina Tusek, Waldhäuser 15, Kennelbach Ilse Reis, Moosmahdg. 13, Wolfurt Hans Zanetti, Bregenzerstr. 29a, Wolfurt Beate Troy, Dammstr. 33, Wolfurt Elsa Mohr, Rittergasse, Wolfurt Maria Thaler, Achstr. 5, Wolfurt Margit Simma, Liebensteinweg 2, Kennelbach Sieglinde Schütz, Herrengutgasse 22a, Lauterach Andrea Schwarz, Funkenweg 22, Wolfurt Viktoria Orzech, Achstr. 6, Kennelbach Berta Flatz, Hofsteigstr. 6, Wolfurt Benedikt Wald, Schlossgasse 1, Wolfurt Isabel Moosbrugger, Im Weingarten 4, Schwarzach Franke Kristin, Staudachstr. 23, Schwarzach Rosmarie Loacker, Kirchstr. 31a, Wolfurt Elke Adler, Feldweg 4, Schwarzach Mirjana Mesarek, Lerchenstr. 17, Wolfurt Jolanda Thaler, Achstr. 6, Wolfurt Preise und Gewinner Hauptpreise: Reisegutschein im Wert von EUR 500,-vom Reisebüro Sonne und Meer: Andreas Mohr, Wolfurt Gutschein im Wert von EUR 250,-von RADCULT: Erich Ammann, Kennelbach Gutschein im Wert von EUR 250,-von Fahrrad Puchmayr: Josef Strolz, Wolfurt Wir gratulieren den Gewinnerinnen und Gewinnern und bedanken uns bei den Geschäften für ihre Spenden. Gemeinderätin Yvonne Böhler, Gemeinderat Robert Hasler 18 Wirtschaft plan-b Radgala am 16. September 2010 in Lauterach Rad fahren, feiern, gewinnen Die plan-b Gemeinden laden herzlich zur Radgala 2010 ein! Am 16. September 2010 um 18:30 Uhr im Hofsteigsaal in Lauterach gibt es Unterhaltung und Spaß für alle Radfahrerinnen und Radfahrer. Speziell im Mittelpunkt stehen natürlich die über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fahr Rad Wettbewerb aus der Region. Unter ihnen werden attraktive Preise verlost, die gleich mit nach Hause genommen werden können. Reisegutscheine, Fahrrad-Anhänger und Picknickkörbe warten auf Sie! Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Fahr Rad Wettbewerb erhalten eine gesonderte Einladung per E-Mail oder Post. Rad fahren ist „in“ bei den plan-b Gemeinden Die Menschen in den sechs plan-b Gemeinden sind gern und oft per Rad unterwegs. Sie legen 21 Prozent ihrer Wege per Fahrrad zurück - ein österreichweiter Spitzenwert. Dies zeigt auch die hohe Teilnehmerzahl am landesweiten Fahr Rad Wettbewerb 2010 oder dem Interesse vieler Menschen an entsprechenden Aktivitäten. Für die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt ist das eine wichtige Bestätigung, die intensive Arbeit zugunsten der Radfahrerinnen und Radfahrer fortzusetzen. Auch in nächster Zeit werden die Gemeinden in entsprechende Infrastrukturen investieren, auch für Bewusstseinsbildung und Qualitätssicherung sind viele gute Ideen in Vorbereitung. Robert Hasler, Gemeinderat für Umwelt und Mobilität Gemeinsam feiern mit der Lebenshilfe Besondere Gäste sind heuer die Schützlinge und Betreuerinnen und Betreuer der Lebenshilfe Bregenz/Hofsteig. Sie unterstützen das Programm und freuen sich besonders auf die offizielle Übergabe des neuen Sonderfahrrads. Die plan-b Gemeinden haben für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer am Fahr Rad Wettbewerb einen Euro zugunsten dieses neuen Fahrzeugs zugesagt. Ob auch die Sonderprämie zum Tragen kommt, wenn in den sechs Gemeinden über eine Million Kilometer erradelt werden, zeigt sich am 16. September 2010. Mitanand am Weg „Mitanand am Weg“ ist ein Projekt der Lebenshilfe Vorarlberg, das Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Bewegungsfähigkeit wieder den Zugang zu weiträumiger Mobilität ermöglichen will. Zu diesem Zweck wurden von der Lebenshilfe speziell ausgerüstete Erlebnisräder mit Elektro-Antrieb angekauft, die sowohl Institutionen, Unternehmen als auch Privatpersonen leihweise zur Verfügung gestellt werden. Die Erlebnisräder sind in den Lebenshilfe-Werkstätten in Wolfurt, Hörbranz und Hard stationiert. Der Mietbasistarif beträgt € 10.-- pro Halbtag, € 20.-- pro Tag und kann in den Werkstätten reserviert werden. Richard Fischer Umwelt 19 Richtige Abfallentsorgung in Wolfurt In den vergangenen Monaten wurden nach und nach bei den zwölf Altstoffsammelstellen in unserer Gemeinde die bestehenden Container durch neue, schallgedämpfte Container ausgetauscht. Dadurch wurde die Lärmbelästigung an den Sammelplätzen verbessert sowie das Ortsbild verschönert. Wir möchten darauf hinweisen, Altstoffe nur in den dafür vorgesehenen Container zu entsorgen. Bitte stellen Sie keine Altstoffe oder Abfälle vor oder neben die Container. Sollten die Behälter einmal voll sein, bringen Sie Ihre Altstoffe zum nächsten in der Nähe gelegenen Sammelplatz. Großvolumige Verpackungen, die nicht in die Container passen, bringen Sie bitte in den Bauhof der Gemeinde, wo sie im Zuge der Sperrmüll- und Problemstoffsammlung gerne entgegen genommen werden. Daher gilt: Nur sauber getrennt Papier und Kartonagen, Glas- und Metallverpackungen in die dafür vorgesehenen Container entsorgen. Bitte unbedingt die Einwurfzeiten an den Sammelstellen beachten – die Anrainer werden es Ihnen danken: Montag - Freitag, 7:00 bis 20:00 Uhr, Samstag, 8:00 bis 18:00 Uhr Sammeln Sie: keinesfalls: Milch-u. Getränkeverpackungen wie z.B. Tetra Pak, sonstige Verbundverpackungen, Tapeten, Kohlepapier, Wachspapier Altpapier Zeitungen, Illustrierte, Bücher, Schreibpapier, Packpapier, Karton, Wellpappe ..... Schachteln bitte flach zusammengelegt! Weißglas Sammeln Sie: farblose Glasverpackungen: wie Flaschen in allen Größen, Weithalsgläser, Einweckgläser keinesfalls: Steingut, Porzellan, Keramik, Fenster- und Spiegelglas, Kristallglas, Trinkgläser Sammeln Sie: keinesfalls: Steingut, Porzellan, Keramik, Fenster- und Spiegelglas, Kristallglas, Trinkgläser Buntglas farbige Glasverpackungen: wie Flaschen in allen Größen, Weithals- und andere Gläser Sammeln Sie: keinesfalls: Dosen mit Restinhalten, Spraydosen u.a. Druckgasverpackungen, mit Gefahrenstoffen behaftete Metallverpackungen Altmetall Metallverpackungen: wie Getränke- und Konservendosen, Menüschalen, Tiernahrungsdosen sowie sonstige Dosen, Kannen usw. ohne gefährliche Restinhalte, sonst. Metallkleinteile (z.B. Nägel) Bioabfälle, Restmüll und Kunststoffverpackungsabfälle Müllabfuhr gehören in die von der Gemeinde vorgesehenen Abfallsäcke. Stellen Sie die vollen Säcke bis spätestens 6 Uhr früh am Abfuhrtag, gut sichtbar am Straßen- oder Gehsteigrand zur Abholung bereit. Bei dieser Gelegenheit dürfen wir uns einmal bei all jenen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern herzlich bedanken, die ihren Müll korrekt trennen und entsorgen. Sie tragen wesentlich zu einem sauberen Umfeld bei und sorgen somit für ein lebensund liebenswertes Wolfurt. 20 Umwelt
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Heimat_Wolfurt_..._1994 Wolfurt 01.05.1994 19.11.2012, 18:22 Heft 14 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 1994 Die Kennelbacher Brücke und das Zollhäuschen. Erste Eisenbetonbrücke in Österreich, erbaut 1904. Inhalt: 65. Ein Hauch Barock 66. Die Ach und die Ächler 67. Ein Kuß; Kloster Hirschthal 68. Wolfurter Alpen (Vogt) 69. Fremdenverkehr 1903 70. Steuerverzeichnis 1873 Zuschriften und Ergänzungen Autoren Die meisten Beiträge in diesem Heft stammen von Siegfried Heim. Die Forschungsarbeit über die Wolfurter Alpen hat Werner Vogt geschrieben. Vogt Werner Jg. 1931, Landesbeamter i. R., wohnt in Hard. Er ist Mitbegründer und Leiter des Bregenzerwald-Archivs in Egg und Verfasser des Vorarlberger Flurnamenbuchs, der Sagensammlung aus dem Bregenzerwald und vieler anderer Publikationen. Bildnachweis S. 5 von Hubert Mohr Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. Druckfehler Heft 13, S. 5: Pfarrer Columban Reiner wurde 1776 geboren. Hofsteig (Heft 13, S. 6). Als Obmann der HofSteiger Musikvereinigung hat Hubert Sinz den Artikel allen Musikkapellen seines Bezirks zugeleitet und sich herzlich bedankt. Das Schneider-Wappen der Musikvereinigung ist übrigens ident mit dem Bischofswappen der 1000 Jahre alten Stadt Brixen im Südtirol. Über die Dokumentation »Hofsteig« hat sich ein Fachmann lobend ausgesprochen: Dr. Isfried Pichler, Chorherr in Stift Schlägl, OÖ. Er ist Autor vieler Geschichtswerke und auch ein Kenner unseres Landes. Leser der Zeitschrift »Montfort« erinnern sich an seinen Beitrag (42/ 1990) über Abt Martin Greysing aus Mellau, der Stift Schlägl nach den Wirren der Reformation neu aufgebaut hat. Wir sind stolz, daß Pater Isfried sich im fernen Schlägl die Zeit nimmt, unser »Heimat Wolfurt« zu lesen. Ammänner (Heft 13, S. 14). Zur Liste der HofSteiger Ammänner hat uns Werner Vogt eine ganze Reihe von ergänzenden Urkunden genannt, auf denen sogar bis jetzt unbekannte Ammänner aufscheinen. Nach weiteren Forschungen werden wir darüber berichten. Stammvater Fischer (Heft 13, S. 50). Von den vielen Nachkommen haben sich einige dafür bedankt, daß sie nun ihre verschiedenen Stammtafeln auf einen gemeinsamen Vater zurückführen können. Als Ergänzung dazu finden sie in diesem Heft unter »Barock« auch einen verwandten Klosterbruder Benedikt Fischer, der als Barockbaumeister arbeitete. Pfarrer Sebastian Vischers Testament nennt seine fünf Kinder Magdalena, Verena, Margaretha, Ursula und Johannes Vischer. Er vermachte ihnen 1591 das guoth so genant würdt das Bauholz und zue Wolffurt an dem Berg Im gericht hofstaig ligt. Das Bannholz-Gut gehörte eigentlich Christina Müchslin, seiner fünf Kinder Muoter. Nach ihrem Tod übernahm es der einzige Sohn Johannes Vischer, der dort mit seiner Frau Anna Düringin viele Kinder hatte, von denen fünf ab 1650 in den Pfarrbüchern aufscheinen. Er selbst ist am 15. April 1663 gestorben. Seine Kinder: Elsa Fischer, 1651 Patin bei Ammann Jakob Schneiders jüngster Tochter Maria, gestorben 1684, verheiratet mit Johann Anwander, Stamm-Mutter der Rickenbacher Anwander Balthasar, Bauer im Bannholz, Geschworener des Gerichts Hofsteig, Stammvater der Spetenleher Fischer Bartholomäus, Vater des Steinmetz Andreas Fischer Sebastian, Stammvater der »Stöoglar«Fischer, Großvater des Bruders Benedikt Fischer im Kloster Fischingen. Das Bannholz, das Stammgut aller Fischer, besaßen sie noch um 1750. Dann erwarben es die »Baholzar«-Schwerzler. Bitte! Diesem 14. Heft liegt ein Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87957 Raiba Wolfurt bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag wenigstens einen Teil der entstehenden Druck- und Versandkosten abzudecken. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 Besonders interessiert für diese Forschungen zeigten sich Frau Mathilde Rauth von den »Seppar«Fischern aus Bregenz und Frau Dr. Marianne Fischer von den »Löwenwirtlern« aus Innsbruck. Frau Marianne ist Jahrgang 1912 und stand als Juristin über viele Jahrzehnte in leitender Stellung im kirchlichen Dienst beim Bischof in Innsbruck. Sie spricht aber noch ausgeprägten Wolfurter Dialekt, denn sie ist nach dem 1. Weltkrieg von der Steig aus in Wolfurt eingeschult worden. Ihr Vater Eduard Fischer, geboren 1884 im »Löwen« in Rickenbach, leitete in Innsbruck die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Fischer/Dr. Schuschnigg. Sein jüngerer Partner Dr. Kurt Schuschnigg war 1934-38 Bundeskanzler. Dr. Fischers Frau Paulina war ebenfalls eine geborene Fischer aus Wolfurt und gehörte zur Sippe der »Seppar«. Von ihren sieben Kindern hat Anton im Jahre 1940 gemeinsam mit Pfarrer Rohner in Wolfurt Nachprimiz gefeiert. Er war später viele Jahre Pfarrer in Kematen und ist jetzt seit 1993 in Hoch-Rum in Pension. Die Tochter Mag. Rita Fischer ist in Schwarzach mit dem langjährigen Gemeindearzt Dr. Walter Hinteregger verheiratet. Freundliche Grüße an alle! Fußball und Liebe (Heft 13, S. 52). Armin Böhler, Murars, der in den Anfangsjahrern des FC 1947 am längsten das Tor hütete, gab folgende Reihe der ersten Wolfurter Tormänner an: 1. Klettl Karl (Karl hat das bestätigt. Allerdings ergänzte er, für einen Goole sei er zu klein gewesen. Manchen Ball »im Krützegg« habe er nicht erwischt.) 2. Bereiter Josef, der Dschoo aus Kennelbach 3. Fischer Ludwig 4. Schubert Helmut, nach ihm wieder Luggi Fischer 5. Böhler Armin Armin erzählte auch von der damals überaus bescheidenen Ausrüstung. Er selbst habe die alten Schuhe seiner Bäsa Katrie getragen. Als ihm der Schuhmacher Albert Schertler (Altvorstehers) Stoppeln aufnageln sollte, fragte ihn der: »Stoppla? Was ist ou des?« Stolz konnte Armin bald darauf Bäsas Schuhe beim Training zeigen. Aber das nächste Mal kam er wieder barfuß. Seine Mutter Anna hatte die praktischen Schuhe zur Arbeit im Acker »a dr Iosol« entführt. Kügolo (Heft 13, S. 54). Wie eine Reihe anderer Leser bedankte sich Neide Böhler (Metzger Reiners, Jg. 1913) für die Zusendung der Hefte. Sie freue sich auf jedes neue und schicke es dann ihrer Christi (Rohner) nach Amerika. Beim Lesen von »Kügolo« erinnerte sie sich, daß ihr Vater, ein bekannter Jäger und Schütze, die Kügolar beim genauen Anvisieren gelobt habe: »Tond nu fest öüglo! Das git guot Schützo!« - Einen schönen Gruß an Christi und Kurt, die Farmer in Ontario. Sammüller Böhler (Heft 11, S. 16 und 25). Die Sammüller haben ihre Sippe im November 1993 zu einem fröhlichen und langen Treffen ins Kreuz eingeladen. Weil einer dabei aus unserem Heft 11 vorgelesen hat, wurden nachher zusätzliche Exemplare angefordert. Die Mohr-Familien (Heft 11, S. 2) haben sich für unsere Beiträge bedankt und den gesamten Ertrag ihres Festes dem Krankenpflegeverein überwiesen. Danke schön! 2 Siegfried Heim Ein Hauch Barock Baumeister Beer von Bildstein Schrecklich hatte der 30jährige Krieg in Mitteleuropa gewütet. Auf die Jahre des Brennens und Mordens folgte aber dann eine Zeit des Wiederaufbaus. Von Italien her breitete sich die Baukunst des Barocks in die Länder nördlich der Alpen aus. Als ersten großen Kirchenbau in Deutschland ließen die Benediktiner 1651 ihr Stift St. Lorenz in Kempten wiedererstehen. Zwanzig Jahre zuvor hatten es die protestantischen Kemptener selbst gemeinsam mit den Schweden zerstört und dabei die Gruft des mächtigen Fürstabts Eucharius von Wolfurt geschändet. Nun bezog ein Bregenzerwälder Trupp unter Michael Beer von Au die Baustelle. Aus diesem Anlaß hatte Baumeister Beer die Auer Zunft gegründet, aus der im folgenden Jahrhundert jene großen Meister wuchsen, die an insgesamt etwa 400 Bauorten arbeiteten. Staunend stehen wir heute vor den Prunkfassaden von Einsiedeln, St. Gallen, Birnau, Weingarten oder Ottobeuren und sind stolz, daß Leute aus unserem Land all diese Pracht ersannen. Fast noch wichtiger war aber damals, daß sie Hunderte von Männern aus den Wälder Dörfern mit in die Fremde nehmen konnten und diesen Gastarbeitern dort einen sicheren Arbeitsplatz vermittelten. Denn daheim in Vorarlberg war in jenem Jahrhundert die Not unsagbar groß.1 Die Hälfte (!) der Einwohner suchte Verdienst im Ausland. Nun hat mich Hubert Mohr, der seit einigen Jahren mit seinem Fotoapparat den Spuren der Barockbaumeister folgt, darauf aufmerksam gemacht, daß mit der Auer Zunft auch Männer aus Wolfurt in die Fremde zogen. Wie kamen sie dazu? In Bildstein hatte man 1663 mit dem Bau einer für jene Zeit überaus großen Kirche begonnen. Finanziert wurde sie aus den Gaben der Wallfahrer. Die Aufsicht über Wallfahrt und Geld hatte der Pfarrer von Wolfurt, denn noch mehr als 100 Jahre lang gehörte Bildstein zu Wolfurt. Baumeister war Michael Kuen aus Bregenz. Die Doppelturm-Fassade wurde aber erst 1692 erstellt. Daran dürfte die Auer Bauzunft gearbeitet haben, denn Meister Kuen war schon 1686 gestorben und die Auer Meister waren inzwischen berühmt geworden. Bildstein war um jene Zeit das Tor zum Bregenzerwald. Wenn die Wälder Bauarbeiter jetzt im Spätherbst von ihren Baustellen in der Schweiz den Rhein oder aus Süddeutschland die Ach überquerten, sahen sie in den Türmen von Bildstein den ersten Gruß der lang entbehrten Heimat. Und oben in Bildstein trafen sie einen alten Freund. Nach dem B au der Türme hatten Jakob Natter und seine Frau Catharina Willi gleich 1 Heimat 13, S. 28: »Der Gemeine Mann« und Heimat 2, S. 27ff. »eine elend betrübte Zeit«. 3 neben der Kirche den Gasthof Adler errichtet. Beide entstammten hoch angesehenen Auer Baumeisterfamilien. Nun machten sieden Adlerzu einem beliebten Treffpunkt der Wallfahrer. Der Priester Dr. Jakob Halder leitete damals die große Bildsteiner Bruderschaft, die über 40.000 Menschen umfaßte. Er war ein Freund der Familie Natter und Taufpate für deren Kinder. Adlerwirt Natter erhielt von 1716 bis 1722 auch das Amt des Hofsteigammanns. Von den Auer Bauleuten kehrte einer besonders gern im Adler zu, Johann Michael Beer I, der später ein ganz großer Baumeister werden sollte. Am 11. Septemter 1723 hielt er in Wolfurt Hochzeit mit Maria Christina Natter, der Tochter des Bildsteiner Altammanns. Zeugen der Eheschließung waren der Brautvater und der beliebte Wolf urter Hofsteigammann Georg Rohner.2 Ammann Rohner wurde später auch Taufpate für einige Beerkinder. Johann Michael Beer I. entstammte der Auer Baumeisterfamilie Beer, doch war er kein direkter Nachkomme des Gründers der Zunft. Dessen gleichnamiger Enkel Johann Michael Beer II. war nur vier Jahre jünger als unser Bildsteiner Johann Michael I. Damit man sie unterscheiden kann, fügt man bei I. den Wohnort »von Bildstein« an. Bei II. bedeutet »von Bleichten« dagegen einen Adelstitel, den er von seinem berühmten Vater Franz Beer II. von Bleichten übernommen hat. Johann Michael I. von Bildstein war 1796 in Au geboren worden. Bei seinem Vater Franz I. hatte er die Lehre als Maurer und Steinhauer gemacht und war 1717 freigesprochen worden. Nun war der junge Baumeister gleichzeitig auch Adlerwirt in Bildstein geworden. Aber die Obsorge für die Gäste dürfte er wohl meist seiner Frau Christina und den heranwachsenden Töchtern Katharina und Isabella überlassen haben. Er selbst saß den ganzen Winter über hinter seinen Plänen und zeichnete »Risse« von Schlössern, Klöstern und schönen Bürgerhäusern. Dazwischen traf er sich in Au bei den Versammlungen der Zunft mit den anderen Meistern und besprach mit ihnen die anstehenden Probleme. Viele seiner Entwürfe sind in den Archiven erhalten geblieben. Im Frühling aber stellte er jeweils Bautrupps unter einem erfahrenen »Palier«3 zusammen und wanderte mit ihnen zu den manchmal viele Tagereisen entfernten Baustellen, wo sie bis zum Spätherbst schwer arbeiteten. Von 5 Uhr früh bis 7 Uhr abends dauerte täglich die Arbeit, unterbrochen nur von zwei einstündigen Essenspausen. Aus den Werken von Meister Beer von Bildstein ragen einige besonders hervor. 1753 bis 1765 arbeitete er an der Benediktinerabtei Fischingen in Toggenburg, für die er die Pläne Caspar Moosbruggers umgearbeitet hatte. Dazwischen entstand 1757 das Bregenzer Kapellenkleinod St. Nepomuk am Kornmarkt, das ihm ebenfalls zugeschrieben wird. Dann aber zog er nach St. Gallen zum Bau der Stiftskirche St. Gallus und Othmar. Dreißig Jahre lang hatten die größten Auer Architekten hier geplant. Auch Beer von Bildstein hatte eine ganze Serie von Plänen vorgelegt.4 Schließlich baute Peter Thumb das Langhaus. Den neuen Chor und die imponierende Ost-Fassade mit den Doppeltürmen durfte aber Johann Michael Beer von 2 Trauungsbuch Wolfurt. Über Georg Rohner lies nach in Heimat 13, S. 28-34 Palier = Vorarbeiter und Aufseher 4 Norbert Lieb, Die Vorarlberger Barockbaumeister, 1976, S. 170. Diesem Buch sind auch viele andere Angaben entnommen. 3 Die Ostfassade der Kathedrale von St. Gallen. Im Jahre 1767 hat Meister Beer von Bildstein dieses herrliche Spätwerk des Barock fertiggestellt. Foto: Hubert Mohr 4 5 Bildstein 1761 bis 1767 errichten. Auch an der Planung zur großen Stiftsbibliothek, die Peter Thumb gleichzeitig baute, hatte Beer entscheidenden Anteil. Die Fertigstellung des Stifts fiel mit dem 50. Jahrestag seiner Freisprechung zusammen und wurde am 11. Jänner 1767 in Au groß gefeiert. Den Adler in Bildstein hatte Beer längst übergeben. Schon 1734 war sein Schwiegervater Ammann Jakob Natter gestorben. Aber bald war ein neuer Adlerwirt eingezogen. Beers Tochter Isabella hatte am 17. Jänner 1751 in Wolfurt den Dornbirner Johann Caspar Luger geheiratet. Dieser führte nun das Gasthaus und war bald so bekannt, daß ihn die Hofsteiger 1761 bis 1764 zu ihrem Ammann machten. Wenn Meister Beer von seinen weiten Reisen heimkehrte, sah er seine Enkel groß werden. Der älteste war nach ihm Johann Michael getauft worden und der Rickenbacher Adlerwirt Andreas Haltmayer war sein Taufpate in der Pfarrkirche zu Wolfurt. Noch mit 80 Jahren zeichnete der rüstige Greis Pläne für Thurgauer Bauherren. Am 8. Juli 1780 ist er im Alter von 84 Jahren in Bildstein gestorben. Im Tode widerfuhr dem großen Meister eine besondere Ehre. Mit Erlaubnis des Wolfurter Pfarrers wurde er als erster Bildsteiner in Bildstein begraben. »Omnibus sacramentis provisus in Ecclesia Bildsteinensi sepultus iacet, persolutis parocho Wolffurtensi iuribus stolae«.5 Wie einen Fürsten trug man ihn zu einer Gruft in der Kirche, so wie man fast 100 Jahre zuvor hier den österreichischen Feldherrn Graf Max Lorenz von Starhemberg bestattet hatte. Einen Friedhof gab es ja 1780 bei der Wallfahrtskirche noch nicht. Mit dem Tode des Meisters fällt auch das Ende des Rokoko-Zeitalters zusammen, zu dem sich der Barock und die Kunst der Wälder Baumeister und Stukkateure längst entwickelt hatten. Die Aufklärung, die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege veränderten das Denken und die Landkarte Europas nachhaltig. Die Saison-Auswanderung kam zum Erliegen, die Industrialisierung begann. Mit ihrer vielfach gering geachteten Kunst gerieten die Vorarlberger Meister des Barock in Vergessenheit. Erst in unseren Jahrzehnten hat man manche ihrer herrlichen Kirchen wieder restauriert. Der Adler in Bildstein kam im 19. Jahrhundert zuerst in Besitz der Familie Gunz und dann an Franz Anton Böhler, dessen Nachkommen noch heute »Adlerwirts« genannt werden. Den gebrechlich gewordenen mehr als 200 Jahre alten Gasthof kaufte im Frühling 1903 Pfarrer Josef Anton Köb für die Kirche Bildstein. Er errichtete an seiner Stelle ein Armenhaus, in dem die Barmherzigen Schwestern viele Jahre lang aufopferungsvoll wirkten. Heute ist dort das Gemeindeamt untergebracht. An der Kirche von Au erinnert seit 1957 eine große Tafel andie Auer Thumb, Beer und Moosbrugger. Wird man sich auch in Bildstein eines Tages wieder an Meister Johann Michael Beer von Bildstein erinnern? Palier Sebastian Fischer aus Wolfurt Wenn die Wälder Bautrupps im Frühjahr zu ihren Arbeitsplätzen aufbrachen, schlössen sich ihnen auch manchmal Männer aus dem Unterland an. Einzelne wurden sogar in die Auer Zunft aufgenommen. Jodok Beer I. aus Au war ein Onkel des Joh. Michael Beer I. von Bildstein und wie dieser in Au geboren. Als 34jähriger Meister heiratete er 1684 Agnes Bertel aus Wolfurt. Sie war als einzige Tochter des Gallus Bertel 1653 in Rickenbach geboren worden und mit der Familie Fischer auf der Steig nahe verwandt. Ihr Mann Jodok arbeitete an mehreren Baustellen in Württemberg, hauptsächlich in Sigmaringen und in Leutkirch. Dorthin nahm er 1685 auch den jungen Andreas Fischer mit, der bei ihm die Lehre als Maurer und Steinmetz machen sollte. Noch vor Beendigung der Lehrzeit verstarb aber der Meister Jodok Beer. Andreas Fischer war auf der Steig am 30. 1.. 1666 als Sohn des Bartholomä Fischer und der Maria Bertel geboren worden. Die Barock-Forscher fanden ihn noch als Steinmetz im Jahre 1701 bei der Erstellung der Säulen für das Kloster St. Mang in Füssen. Dann verliert sich seine Spur.6 Etwas mehr wissen wir über seinen jüngeren »Stöoglar« Verwandten Sebastian Fischer. Dieser wurde am 17. Juli 1722 ebenfalls auf der Steig als Sohn des Georg Fischer und der Barbara Höfle geboren. Ab wann er mit den Auern ausgezogen ist, weiß man nicht. Aber jedenfalls hatte er in Johann Michael Beer von Bildstein einen ausgezeichneten Lehrmeister. Als dieser ab 1753 einen neuen Trakt an das Kloster in Fischingen anzubauen hatte, setzt er den 31jährigen Meister Sebastian bereits als verantwortlichen Palier ein. Die Benediktinerabtei Sancta Maria in Ova liegt zwischen St. Gallen und Winterthur im oberen Murgtal beim Dörflein Fischingen nur wenige Kilometer neben der Autobahn. Sie besitzt im Grab der Hl. Idda von Toggenburg eine Wallfahrtsstätte, die wie Bildstein um das Jahr 1700 einen ungeheuren Zustrom hatte. Daher plante der große Caspar Moosbrugger schon bald nach seinem Eintritt ins Kloster Einsiedeln auch hier eineriesigeAnlage. Nach von MeisterBeervonBildsteinüberarbeiteten»Rissen«wurde jetzt weitergebaut.7 Sebastian Fischer war so von seiner Aufgabe erfüllt, daß er nach drei Jahren um Aufnahme ins Kloster bat. Am 5 6 Sterbebuch der Pfarre Wolfurt 1780 Lieb, S. 91 Klaus Speich, Kirchen und Klöster der Schweiz, 1978, S. 274 7 6 7 14. November 1756 wurde er als »Bruder Benedikt« bei den Benediktinern aufgenommen. Wie sein großes Vorbild Bruder Caspar Moosbrugger sollte er ab jetzt die Aufgaben eines Klosterarchitekten übernehmen. Aber schon zu Allerheiligen 1757 starb er, gerade 35 Jahre alt.8 Das Kloster Fischingen wurde 1848 aufgehoben. Die herrliche Barockkirche und die angebaute Iddakapelle mit dem mittelalterlichen Grab der Heiligen stehen aber weiterhin der Wallfahrt offen. Wir sollten dort auch einmal stillhalten! Wenn wir dabei an jene Männer denken, die aus unseren Dörfern ausziehen mußten, um unter Entbehrungen in der Fremde diese kostbaren Bauten zu schaffen, dann werden wir wohl ein wenig zufriedener heimkehren. Siegfried Heim •• Die Ach und die Achler »A dor Ach dus« - das hat für die Wolfurter einen besonderen Klang. Darin ist etwas enthalten vom Rauschen des Hochwassers, vom Rascheln des Windes in den Erlenbüschen, von jubelnden Kinderstimmen auf dem Spielplatz, von vielen Erinnerungen an schöne Tage an unserem großen Wasser. »Ach«, -unsere Eltern sagten noch »A«, »a dor A«-, kommt vom althochdeutschen »aha« und bedeutet einfach »Wasser«. Es ist eines der ersten Kinderwörter wie »mama« oder »ata«. Daher findet es sich als »Ach« oder »Achen« auch überall im deutschen Sprachraum in unzähligen Ruß- und Städtenamen. In alten Urkunden hieß unsere Ach ganz einfach die »Bregenz«, etwa im Hofsteiger Landsbrauch »das wasser die Bregentz genannt«' oder in der Emser Chronik »nach dem Hoff Rieden über das Wasser die Bregentz ligt der Hoff Staig«.2 Wasser, Steine und Holz Seit Menschen in unserem Land leben, war die Ach zugleich Segen und Sorge für sie. Man schätzte ihr Wasser zum Trinken und Waschen, man nutzte ihren Fischreichtum und ihre Steine und ließ sich von ihr das Holz aus dem Wald tragen. Immer wieder aber überfluteten große Hochwässer die Äcker und rissen Menschen und Tiere mit sich. Etwa ab dem Jahr 1000 begannen Bregenzer Bürger das Holz aus dem Bregenzerwald zu »flößen«. Die »holzlüt« mußten an die Montforter Grafen eine besondere Transportsteuer bezahlen, die »ahlösi« (Achlöse). Als ab 1300 der Weinbau überall rund um den Bodensee aufblühte, stieg der Bedarf an Rebstecken ungeheuer an. Das »Holzwerk« wurde zur wichtigsten Einnahmequelle für die Stadt Bregenz. Jeder dritte Bregenzer lebte davon3. Bis aus dem hintersten Wald wurden »huwen« von 8 Schuh Länge geflößt.4 Ungeheure Holzvorräte lagerten am Bregenzer Seeufer. Im Jahre 1494 waren es 15.000 Blöcke, 1509 29.000 Stück und 1511 sogar 40.000. In zahlreichen Spalthütten wurden sie zu Rebstecken, Schindeln, Rafen und auch zu Brückendielen verarbeitet und dann in alle Städte 8 Ebenso bei Lieb, S. 91 1 2 3 4 LMV 1900, S. 167, aus dem Jahre 1544 Schleh, Emser Chronik, S. 25, aus dem Jahre 1616 Bilgeri, Bregenz, S. 53 8 Schuh = 2,5 Meter 8 9 Sonntag an der Ach (um 1932). Hammerschmieds Wilhelm, Künz Heinrich, Rohner Eugen, Kresser Josef II-, Kresser Josef I., Kresser Franz. Eines der schönsten Ächler Häuser: Hohl Hans-Irgs an der Bützestraße. An seinem Platz steht jetzt das Zementwerk Rohner. am See bis hinab nach Schaffhausen verkauft5. Eine der reichsten Holzhändlerfamilien waren die Leber, die sich auf Schloß Wolfurt niederließen und von Kaiser Maximilian zu Rittern »von Wolfurt« geadelt wurden.6 Natürlich hätten sich auch die Hofsteiger gerne an den guten Geschäften beteiligt. Aber die Bregenzer ließen keinen Fremden zu und wußten ihre Privilegien gut zu schützen. Auf Holzdiebstahl standen schwerste Strafen, sogar das Abhauen der rechten Hand.7 Erst allmählich gelang es den Hofsteigern, auch in das Rebsteckengeschäft einzusteigen. Aber die Klimaverschlechterungen nach 1600 brachten bald den Weinbau und damit den Holzhandel zum Erliegen. Immerhin wurden im Jahre 1818 noch über 800.000 Rebstecken von Hard aus mit Schiffen über den See exportiert.8 Die letzten Bündel aus Bildstein und Buch lagerten noch 1916 auf dem Wolfurter Kirchplatz. Die Flößerei von Nutzholz auf der Ach wurde erst 1948 endgültig eingestellt, als die Harder Holzhändler ihren »Rechen« abmontierten. An der Ach hatte man 5 6 7 8 Bilgeri, Bregenz, S. 80, S. 142 und S. 205 Siehe Heimat 5, S. 8 Bilgeri, Bregenz, S. 79 Tiefenthaler, Daubrawa-Berichte, 1950, S. 69 sich anderen Geschäften zugewendet. Da war der Handel mit »Achbollen« aufgekommen. Schon 1656 standen in Bregenz und Hard sieben Kalköfen, in denen Achsteine gebrannt wurden. Jetzt beschwerten sich deren Besitzer, daß die Hofsteiger injüngster Zeit ungebrannte Steine nach Lindau und bis Konstanz verkauften. Das wurde verboten !9 Dagegen wehrten sich die Hofsteiger. Doch erlaubte ihnen Vogt Pappus von Tratzberg schließlich nur den Tausch von ausgeführten Steinen gegen Dachziegel aus Langenargen. Wollten sie ungebrannte Steine verkaufen, so mußten sie diese zuerst in Bregenz anbieten.10 Ab 1800 begannen die Ächler, den Holzreichtum der Ach selbst zu nutzen. Man hatte die Lehmvorkommen im Flotzbach entdeckt. Von dort wurden jetzt unzählige Fuhren von gelbem und blauem Ton an die Ach verfrachtet und dort mit geflößtem Holz gebrannt. Die Wolfurter Familien Klocker, Dür und Schertler hatten am Damm Ziegeleien gebaut und kamen damit im 19. Jahrhundert zu Reichtum und Ansehen. Erst die Einfuhr billiger Kohle, die die Eisenbahn ab 1884 brachte, hatte die Verlegung der Ziegelei zu den Lehmlöchern im Flotzbach zur Folge. An der Ach blieb nur mehr die Kalkbrennerei. 9 10 Kleiner, Bregenzer Regesten, 1656 Kleiner, Bregenzer Regesten, 1665 10 11 Damm und Wuhr Die Ach entspringt im Auenfeld am Tannberg. Ihre höchstem Quellen an der Mohnenfluh liegen fast 2,500 m hoch. Nach rund 65 km Lauf mündet sie bei Hard in den Bodensee, jetzt nur mehr 396 m über dem Meer. Die Wasserführung schwankt ungeheuerund erschwert die Nutzung ihrer Kraft, Bei anhaltendem Frost kann sie im Februar unter 4 m3 pro Sekunde liegen. Auch nach langen Dürrewochen ist das Flußbettim August manchmal fast trocken. Bei extremen Hochwassern führt die Ach dagegen über 1000 m 3 Wasser pro Sekunde und transportiert natürlich auch riesige Geschiebemassen mit sich, Ihre jährliche Schottermenge wird mit 56.000 m3 angegeben.1 Dieser Schotter ist zum Teil Kalkstein aus dem Quellgebiet zwischen. Braunarl (2.649 m, höchster Berg des Einzugsgebietes) und Widderstein, zum weit größeren Teil aber gehört er verschiedensten Molassegesteinen an. Eine Unzahl von Nebenflüssen haben ihn ins Achbett getragen, wo er zum grobkörnigen Achsand zerrieben wird. Die wichtigsten Nebenflüsse: Argenbach (Damüls) Mellenbaeh (vom Hohen Freschen) Bizauer Bach Sehmiedebach (Schetteregg) Subersach (von Schönenbaeh) Weißach (von Oberstaufen im Allgäu) mit Bolgenach (aus Baldersehwang) Rotach (von Weiler im Allgäu) Von weit her bringt, also unsere Ach ihr Wasser, aus dem ganzen Bregenzerwald und Das Flußbett der Ach hat sich immer wieder verändert. Als sich am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren der Rheingletscher langsam aus dem Bodenseetrog zurückzog, schüttete die Ach in seiner Randkluft mit ihren Schottermassen die Terrassen von Oberfeld und Ölrain auf. Einen großen Teil davon trug sie später selbst wieder ab, als sie mit dem Rhein bei der Auffüllung des Sees wetteiferte. Noch im Mittelalter hatte die Ach freien Lauf, sobald sie bei Kennelbach aus der engen Schlucht heraus das offene Rheintal erreichte. Ihr Bett war vom heutigen VKW-Kanal am »Falligen Bach« bis zur Wolfurter Loackerstraße mehr als einen Kilometer breit. In mehreren Armen und vielen Windungen strömte ihr Wasser zum See hinab. Dazwischen entstanden und verschwanden immer wieder Inseln, von jedem Hochwasser neu geformt. Nur zaghaft weiteten die Hofsteiger ihren Getreide-Esch gegen das Ufer aus. Noch viele Jahre war der oft überflutete Auwald ein Paradies für Wasservögel und Wild und ein riesiges Laichgebiet für Fische und Frösche. Im freien Bereich im Wolfurter Weidach erwarben um das Jahr 1350 Bregenzer Bürger den Grund, rodeten die Stauden und legten große Weingärten an." Weil Äcker und Weingärten immer wieder unter dem Achhochwasser litten, begann man in Wolfurt und Lauterach mit der Anlage von Schutzwuhren. Das alte Achufer ist heute noch an vielen Stellen als Geländekante sichtbar. Es entspricht dem Lauf von Inselstraße - Firma Lohs - Loackerstraße nach Lauterach zur Weißenbildstraße und zum »Kresser-Bühel«. An der Erhaltung der Wuhranlagen beteiligten sich neben Hofsteig auch die Bregenzer Bürger. Das Kloster Weißenau bei Ravensburg mußte seit 1491 ebenfalls Wuhrsteuer bezahlen.12 Im Jahre 1542 drang das Hochwasser mit so großer Gewalt in das ungeschützte Hard ein, daß sogar die Leichen aus dem Friedhof gespült wurden. Hard hatte bis jetzt die Teilnahme an einer gemeinsamen Wuhrung verweigert, jetzt sträubten sich Lauterach und Wolfurt gegen eine Verlängerung ihres Dammes bis an den See. Zwei Tage lang mühte sich im Jahre 1544 eine vom König und späteren Kaiser Ferdinand eigens eingerufene Kommission, der Vogt Hans Werner von Raitenau und Graf Hans von Hohenems als Schiedsrichter vorstanden, den Streit zu schlichten. Schließlich kam ein Vertrag zwischen den drei Uferdörfern zustande, in den auch der Abt von Mehrerau als Lehensherr vieler Klostergüter links der Ach und der Rat der Stadt Bregenz eingebunden wurden. Bregenzer Bürger besaßen ja ebenfalls viel Grund im Hofsteigischen. Außerdem beschädigten Bregenzer Holzleute häufig mit ihren geflößten Holzmassen die Wuhrbauten. Jetzt wurde die gemeinsame Errichtung und Instandhaltung der Dämme unter der Leitung gewählter Wuhrmeister beschlossen. Einen Teil der Kosten übernhamen die Holzleute, der größere Teil wurde als Wuhrsteuer auf alle Grundstücke in "Bilgeri, Bregenz, S. 53 12 Kleiner, Bregenzer Regesten 311 1 1 Schwarz, Heimatkunde, 1949 12 13 der Ebene »von Ach zu Wolfurt und der pergstrass hinaus bis an Tellenmossprugg« und bis hinab zur Fußach verumlagt. Vergebens wehrten sich später die Rickenbacher mit der Begründung dagegen, sie hätten schon übergroße Kosten mit der Bändigung ihres wilden Baches.'3 Der Vertrag von 1544 besteht seit nunmehr 450 Jahren noch immer in der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) fort. Im Jahre 1605 wurde die Wuhrordnung als Grundlage der Zusammenarbeit von Bregenz mit den drei linksseitigen Hofsteiggemeinden neu erlassen. Später trat auch Fußach dem Vertrag bei. Nach der Straße Lauterach-Dornbirn wurde unter Maria Theresia 1771 auch eine neue Straße Lauterach - Hard - Fußach auf einem Achdamm angelegt. Zu ihrem Schutz mußte auch in Wolfurt ein neuer Damm errichtet werden. Auf ihm verläuft die heutige Achstraße. Jetzt konnte die »Alte Insel« bis herein zur Inselstraße gerodet und verteilt werden. Der westliche Teil »in den Löchern« und »in der Hell« blieb noch viele Jahre Wildnis. Negrelli bezeichnet dieses Gebiet auf einer Karte von 1827 als »Lautracher Ried«14. Allerdingshatte 1819 der erste »Höll-Bur« Joh. Georg Gasser mitten in diese Wildnis hinein ein einsames Haus gebaut. Es mußte erst 1978 der Autobahn weichen (Bösch Hans, Achstraße 49). Der große Achdamm war den wilden Hochwassern nicht immer gewachsen. Im Jahre 1813 brach er im Wida. Die Fluten strömten weit nach Lauterach hinein und rissen in der Lerchenau ein Stück von der alten Papierfabrik weg.15 In den Jahren 1866 bis 1870 wurde außerhalb der Achstraße ein zweiter Damm aufgeschüttet, die heutige Dammstraße von der Kennelbacher bis zur Lauteracher Brücke. Auf den dabei gewonnenen von Buschwerk überwucherten und von Steinen übersäten Feldern stand den Wolfurter Interessenten fünf Jahre lang die unentgeltliche Nutzung frei. Wegen Unstimmigkeiten in der Verrechnung setzten die Hofsteiggemeinden 1868 den Bregenzer Wuhrschreiber ab und gründeten die LAWK, in die Hard und Lauterach je 3, Wolfurt und Fußach nur je 2 Vertreter entsandten. Gleichzeitig verkaufte die Riedener Parzelle Kennelbach das ganze rechte Achufer an die Firma Jenny und Schindler. Durch massive Wuhrungen im »Millionenloch« drängte diese innerhalb weniger Jahre die Ach vom Berghang weg und gewann auf drei Kilometer Länge mehr als einen halben Quadratkilometer Grund. Darauf stehen heute die Firma Uhl, große Siedlungen, der Kennelbacher Sportplatz und die riesigen Anlagen der Vorarlberger Kraftwerke. In ihrem eingeengten Bett begann die Ach nun, sich mit erhöhter Fließgeschwindigkeit in die Tiefe zu graben. Dabei unterspülte sie die Wolfurter Ufer. Ein starkes Hochwasser riß 1926 vom heutigen Bauhof abwärts große Teile der Böschung mit sich und gefährdete den Damm. Mit Unterstützung des Landes befestigte die LAWK im Jahre 1927 das Ufer. Die Firma Menia betonierte massive Mauern. Diese »Spicker« halten seither den Hochwassern stand. Ab 1936 13 14 15 Die Achstraße um 1940. Hohl Engelbert auf seinem Brückenwagen und zwei Radfahrer. verteilte das Wasserbauamt mit einem von der Firma Doppelmayr erstellten Kran riesige Steinquader und festigte damit die Uferböschung. Noch bis etwa 1960 transportierten große Lastautos ganze Felsen aus dem Hohenemser Steinbruch an die Ach. Inzwischen war diese aber zum reißenden Kanal geworden und unterspülte die Brückenpfeiler. Jetzt mußte man gegensteuern. Ende der 70er-Jahre wurden unterhalb der Brücken mächtige Sohlschwellen eingebracht, die seither ein weiteres Absinken des Flußbettes und des für uns so wichtigen Grundwasserspiegels verhindern. Nach dem Rheindurchstich und der Regulierung der Dornbirnerach trat Fußach 1937 aus der LAWK aus. Seither wird diese von acht Vertretern der drei Gemeinden nach einem neuen Statut von 1952 geleitet. Sie hat viel Grund für Siedler und Industriebauten verkauft und dafür Waldbesitz erworben. Nach menschlichem Ermessen scheint die ungestüme Kraft der Ach nun gebändigt. Noch immer ruft das Tosen ihres Frühsommerhochwassers jedes Jahr viele Ächler ans Ufer. Erschauernd beobachten sie den Tanz von entwurzelten Bäumen auf den reißenden Wellen. Da ist es ein gutes Gefühl, sich auf dem festen Grund zu wissen, den die Väter in jahrhundertelangem Kampf der Ach abgerungen haben. 15 Heimat 6, S. 41 Baudirektionsplan P. 13 im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck Schneider, Lauterach 1953, S. 208 14 Brücken Schon für die kriegerischen Räter und dann auch für die Marschkolonnen und Handelsfahrzeuge der Römer war die Ach ein arges Hindernis. Bei Frost und bei Trockenheit konnte man das Rußbett an vielen Stellen zwischen Wolfurt und Hard überqueren. Hochwasser zwang die Reisenden aber oft zu langer, unwillkommener Rast und machte sie von einem ortskundigen Führer oder einem Fährmann abhängig. Eine Römer-Furt läßt sich bei Rieden nach Lauterach nachweisen. Ein Furt vom Oberfeld nach Kennelbach kennt man spätestens seit dem Mittelalter. Die Überlieferung meint, der Name »Wolfurt« (um 1600 meist »Wolffurt«geschrieben) bedeute »Furt der Wölfe« oder auch »Wohl-Furt«. Dagegen spricht aber sein spätes Auftauchen in den Urkunden. Als die anderen Siedlungen längst ihre heutigen Namen besaßen, fiel unser Ort 1167 noch unter dem Namen »St. Nikolaus« an Kaiser Friedrich Barbarossa und 1226 unter dem gleichen Namen von dessen Sohn Heinrich an das Kloster Weißenau. Um das Jahr 1220 taucht» von Wolffurt« erstmals als Name der Ritter unseres Schlosses auf, die nach der Sage als »Wolfford« aus Schottland stammten. Vom Schloß ging der Name erst viel später auf den Kellhof rund um die Kapelle St. Nikolaus und schließlich auf das ganze Gemeindegebiet über, hat also wohl keinen Bezug zur Ach. Der Furt viel näher stand Schloß »veldegg« oder »oberveld«, das seit dem 13. Jahrhundert den Achübergang für die Montforter Grafen bewachte. Im Jahre 1409 läßt sich an der Ach ein »varlehen« (Fährelehen) im Besitz der Bregenzer nachweisen. Diese Fähre bestand noch bis ins 19. Jahrhundert. Um das Jahr 1800 verpachtete die Stadt Bregenz das Recht an einen Kennelbacher Bürger. Nach dem Aufstand von 1809 schleppten die siegreichen Franzosen das Fährschiff als Kriegsbeute nach Bregenz. Auf der Achkarte von 182716 ist aber wieder ein Boot bei Kennelbach eingezeichnet. 1837 pachteten Jenny und Schindler die Fähre von der Stadt Bregenz, um damit ihre vielen Arbeiter nach Wolfurt überzusetzen, wo die meisten wohnten. Als das überladene Schiff am späten Abend des 24. April 1839 kenterte, ertranken 2 Jungfrauen und 5 Kinder.17 Sicher hat das Durchwaten der Furt immer wieder Todesopfer gefordert. Eine Bregenzer Urkunde von 1525 berichtet: »es sind unzählbar viele Leute, Roß, Vieh, Hab und Gut in diesem sorgenbringenden und ungestümen Wasser ertrunken»18 Das bekannteste Unglück ist jenes vom 30. August 1530, als Abt Kilian von St. Gallen beim Durchreiten der Furt stürzte und ertrank.19 Auch bei der Gründung der Pfarrei Wolfurt wird 1512 ausdrücklich die Wildheit des reißenden Flusses als Grund für die Loslösung von Bregenz genannt. Schon 1443 hatten sich die Hofsteiger bitter über die Wasser beklagt, »die denn tief und zu mengen Malen unergründlich, das sie nur kümmerlich gen Bregenz kommen mögen«.20 16 17 18 Als später Brücken gebaut wurden, für deren Benutzung jeder Passant Zoll zahlen mußte, wateten viele Leute weiterhin durch die Furt. Noch um 1912 »verdienten« sich die Wolfurter Gymnasiasten ein Sackgeld, indem sie zwar vom Vater den täglichen Brückenkreuzer ausfaßten, dann aber neben der Brücke durch das Wasser oder über das Eis gingen. Über die Brücken hat Egon Sinz in »Kennelbach« 1987 umfassend berichtet. Hier daher nur das wichtigste und einige Ergänzungen: Die Römerbrücke. Wahrscheinlich haben die Römer schon um das Jahr 50 einen Holzsteg über die Ach geschlagen. 1820 fand man Pfahlreste im Achbett und noch einmal im Winter 190721. Die Römer waren Meister des Brücken- und Straßenbaus. Nach ihrem Abzug verfiel die Brücke schnell. Es dauerte mehr als 1000 Jahre, bis die zweite erstellt wurde. Maximilians Brücke. Im Mittelalter umging der Handelsweg von Schwaben nach Italien die enge Bregenzer Klause und die Ach. Die Lasten wurden per Schiff von Lindau nach Fußach transportiert. 1517 bewilligte Kaiser Maximilian den Bau einer Brücke und stellte auch einen Baumeister aus Augsburg. 1518 konnte die 211 Meter lange gedeckte Holzbrücke von Rieden nach Lauterach eröffnet werden. Sie beeinflußte in Hinkunft das Leben im Raum Bregenz entscheidend. Immer wieder mußte sie erneuert werden, wenn sie vom Hochwasser Schaden erlitt. 1573 wurde sie völlig zerstört und auch 1650 stürzte der Neubau wieder ein. Eine Katastrophe hatte sie drei Jahre früher gesehen. Nach der Einnahme von Bregenz durch die Schweden am 4. Jänner 1647 verstopften Hunderte von fliehenden Fuhrwerken den Zugang zur Brücke. In der entstehenden Panik wurden Menschen und Tiere abgedrängt und ertranken im eisigen Wasser. Mehrfach war die Brücke in den Franzosenkriegen umkämpft. Bei der Verteidigung des Brückenkopfes am 30. Juni 1800 hatten die Franzosen 16Tote zu beklagen. Bei einem Hochwasser stürzte am 30. August 1837 ein großes Stück der Brücke ein. Der Hohenemser Postbote wurde mit seinem Fuhrwerk mitgerissen. Schwimmend konnte er sich retten. Die Pferde ertranken.22 Bei der Wiederherstellung erhielt der 87 m lange Mittelteil der Brücke kein Dach mehr, was ihr ein seltsames Aussehen verlieh. Beim Gasthof »Zoll« auf der Riedener Seite, wo der Wirt den Brückenzoll einhob, waren am Brückendach ein schützender St. Nepomuk und eine Beschränkungstafel auf 3.000 kg angebracht. Nur ungern wagten sich Fuhrleute mit beladenen Kiestruhen auf die um 1900 schon wieder morsch gewordene Brücke. Schließlich errichtete die Firma Heimbach und Schneider 1914 bis 1916 flußaufwärts neben 21 22 wie Anmerkung 14 Heimat 1, Seite 18, und Egon Sinz, Kennelbach, S. 80 Bilgeri, Bregenz, S. 156 19 20 Bilgeri, Geschichte III, S. 74 Rapp, 1896 II. S. 100 V. Volksblatt, 21. 3. 1897, und Holunder 1934/46ff Lepuschitz, Achbrücke, in »Lauterach« 1953, S. 157 16 17 der alten Holzbrücke eine Eisenbetonbrücke mit 4,5 m breiter Fahrbahn und Gehsteigen, die am 12. Oktober 1916, mitten im 1. Weltkrieg, eingeweiht werden konnte. Jetzt wurde die alte abgebrochen. Am 1. Mai 1945 sprengten die fliehenden deutschen Truppen zwei Pfeiler und damit 56 Meter Fahrbahn aus dieser wichtigsten Achbrücke heraus. Zwei junge deutsche Leutnante, Anton Renz aus Bregenz und Helmut Falz aus Mötz i. T., hatten die Sprengung verhindern wollen. Sie wurden von der SS verhaftet und erschossen. Einige Monate später wurde die Lauteracher Brücke provisorisch mit Holz geflickt. Zwölf Jahre hielt das Provisorium, dann riß es im Februar 1957 ein Eisstoß weg. Damals hatte man aber bereits mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen, jetzt wieder flußabwärts am Platz von Maximilians Holzbrücke. Den neuen Zufahrtsrampen für die nun 10m breite Fahrbahn mußten auch das schon 1751 errichtete historische Gasthau Zoll auf der Riedener Seite und später das Karg-Lädele in Lauterach weichen. Am 27. Juni 1958 wurde die neue Lauteracher Brücke eingeweiht. Die Zunahme des Verkehrs brachte mit sich, daß nun täglich mehr als 20.000 Fahrzeuge die Brücke passieren. Für die Radfahrer baute man 1993 eine eigene Fahrbahn an. Die Fabriklerbrücke. Am 1. November 1838 hatten Jenny und Schindler in Kennelbach die größte Textilfabrik Vorarlbergs in Betrieb genommen. Ein Jahr später beschäftigten sie dort bereits 270 Leute, von denen weitaus die meisten aus Wolfurt kamen. Kennelbach hatte ja 1837 erst 50 Häuser mit insgesamt 277 Einwohnern.23 Bei Arbeitsschluß drängten sich alle Arbeiter gleichzeitig beim Fährmann zusammen, dessen Schifflein nur für 15 Personen zugelassen war. Nach dem Unglück von 1839, als 7 Leute beim Kentern des Bootes ertrunken waren, forderte das k.k. Landgericht in Bregenz von den Fabriksherren ein größeres Schiff oder einen sicheren Steg. Diese gaben bei einem Harder Zimmermann einen 112m langen und 2,6m breiten Holzsteg in Auftrag, der ab 1840 den Fabriksarbeitern aus Wolfurt zollfrei zur Verfügung stand. Er führte von der Fabrik ans steile Wolfurter Ufer. Hinter dem Kugelfang des heutigen Schießstands sind noch Reste des Widerlagers erhalten. Durch einen schlechten Hohlweg kamen die Arbeiter zur Feldeggstraße ins Oberfeld hinauf. Wer nicht zur Fabrik gehörte, mußte Zoll zahlen: für eine Person 1/2 Kreuzer, für Schaf oder Geiß 1 1/2 Kreuzer, für Hornvieh 2 Kreuzer und für ein zweispänniges Fuhrwerk gar 6 Kreuzer. Zollfrei waren außer den Fabriklern nur noch die Pfarrer und die Vorsteher von Wolfurt und Kennelbach. Als der Frachtverkehr zunahm, erwies sich der Hohlweg auf das Oberfeld als Hindernis. 1847 23 Im Jahre 1932 sind Franz Geiger und seine Frau Klara, Schützos, aus Amerika an die Inselstraße heimgekehrt. Von den vielen Festteilnehmern leben noch die Tochter Franziska und der Nachbar Rohner Eugen (ganz rechts). Die beiden Buben Siegfried und Georg Schwerzler (links) sind im Krieg gefallen. ließen die Fabriksherrn daher am linken Ufer auf dem damaligen Kiesbett der Ach eine Straße bis zum ersten Wolfurter Haus aufschütten. Sie besteht noch heute als Sportplatzstraße. Weil die Holzbrücke, die man bald mit einem Schindeldach versehen hatte, feuergefährdet war, bestand in ihrem Bereich strenges Rauchverbot. Rauchkessel für die Pferde mußte der Fuhrmann von der Deichsel abnehmen und vorsichtig über die Brücke tragen. Bis 1904 war die Fabriklerbrücke ein wichtiger Übergang. Weil man auf der neuen Betonbrücke 2 Heller Zoll verlangte, benützten die Arbeiter weiterhin den Steg. Am 15. Juni 1910 riß aber ein fürchterliches Hochwasser ein großes Stück aus der alten Brücke heraus. Mit dem Familienvater Josef Karg, der sich daran festklammerte, schwamm es vor den Augen vieler entsetzter Zuschauer unter den drei anderen damaligen Brücken durch, ehe es unterhalb der Eisenbahnbrücke zerschellte. Karg wurde am anderen Tag tot aufgefunden24. Für die Fabriksarbeiter wurde der Steg noch einmal erneuert, aber 1931 mußte er wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Ein Eisstoß zerbrach am 3. Jänner 1932 neuerdings das mor24 Kurt Klein, Montfort 1991, S. 296 Heimat 5, S. 36 18 19 sehe Tragwerk. Damit war das Ende der ersten Wolfurter Brücke gekommen. Die Zimmerleute der Fabrik trugen ihre Reste ab.25 Die Eisenbahnbrücke. Hartnäckig und erfolgreich hatten die konservativen Wolfurter vor 1870 die Führung der Eisenbahn durch Flotzbach, Fatt und Lärche nach Bregenz verhindert. Nun wurde die Vorarlbergbahn westlich von Lauterach gebaut. Aus Stahlträgern erstellte man nach der Wolfurter und Lauteracher nun eine dritte Achbrücke. Am 30. Juni 1972 wurde sie in Betrieb genommen. Seither hört man oft das Rasseln der Züge und deutet es an der Ach und im Dorf in Wolfurt als Schlechtwetterzeichen. 1945 wurde auch die Eisenbahnbrücke gesprengt, aber bald wieder repariert. 1960 baute man für das zweite Geleise nach Bregenz eine parallele Brücke. Zusätzlich wurde eine Nebenfahrbahn für Radfahrer und Fußgänger angehängt. Die Kennelbacher Brücke. Die Eröffnung der Wälderbahn am 15. September 1902 machte für den Anschluß verkehr links der Ach die Erstellung einer Brücke notwendig, da ja die schmale hölzerne Fabriklerbrücke weit abgelegen war. Es ist das Verdienst des Wolfurter Oberlehrers Wendelin Rädler26, daß man sich nach langen Verhandlungen für eine ganz moderne Lösung entschloß. Die Firma Westermann in St. Gallen erbaute von November 1903 bis April 1904 die erste Stahlbetonbrücke der österreichisch-ungarischen Monarchie. Bei einer Länge von 114m hatte sie eine Fahrbahnbreite von 4,90m und zusätzlich einen Gehsteig. Sie bekam sogar elektrische Straßenlampen und durfte von Lastwagen bis zu 6 Tonnen befahren werden. Am 29. Juni 1904 wurde sie feierlich eingeweiht. Für den Zolleinnehmer wurde 1907 ein hübsches Zollhaus aufgestellt, das im Jahre 1917 noch eine große Holzfigur des Brückenpatrons St. Nepomuk als Schmuck bekam. Auf den Zöllner Johann Matt und seine Frau Katharina folgten nach dem 1. Weltkrieg der pensionierte Major Anton Witzemann und seine Frau Mina. Nachdem man in den 20er Jahren den Zoll abgeschafft hatte, betrieben Witzemanns noch lange eine Tabak-Trafik und versorgten die Ächler Kinder mit den begehrten Süßigkeiten. Im Zuge des Ausbaus der oberen Straße wurde die bis dahin nur geschotterte Brückenfahrbahn im Jahre 1931 gepflastert. Große Sorgen bereitete den Brückenerhaltern das Absinken des Achbetts. Alte Fuhrleute erzählten, daß ihre Pferde in den ersten Jahren nach 1904 beim Befahren der «Steinat» unter der Brücke mit dem Kummet angestoßen seien. Das änderte sich schnell. Das reißende Wasser grub sich in die Tiefe. Schon 1912 und noch einmal 1926 mußten die freigelegten Fundamente der Brückenpfeiler verstärkt werden. Im April 1945 sollte das Achufer Verteidigungslinie der deutschen Truppen werden. Schützengräben und Maschinengewehrstellungen wurden ausgehoben. Um auch vom Ober25 26 feld her freies Schußfeld zu erhalten, holzte man das Wäldele am Ufer ab. Mit zwei Bomben wurde am 1. Mai 1945 die Brücke gesprengt. Allerdings knickte nur ein Stück Fahrbahn ein. So gelang es den französichen Pionieren am frühen Morgen des 2. Mai schnell, mit ein paar Eisenschienen das Loch zu überbrücken. In Kennelbach und bei der benachbarten Schreinerei Diem requirierten sie Bretter für die Notbrücke. In den nächsten Tagen zwängte sich der ganze Vormarsch der französischen Armee mit zahlreichen Panzern, Maultierkolonnen und einem riesigen Autotroß über die Stufen auf der Fahrbahn. Erst ein zweiter Steg auf der ebenfalls nur eingeknickten Eisenbahnbrücke in Lauterach schaffte Erleichterung. Nach einem Jahr Provisorium wurde das fehlende Stück wieder betoniert. Noch zweimal, 1963 und 1977, mußte die Brücke gesperrt werden, weil die Strömung die Pfeiler unterwaschen hatte. Auch der stark zunehmende Verkehr forderte jetzt eine größere Lösung. Ein Neubau wurde 1979 erstellt. Nachdem man die alte Brücke am 13. Dezember 1979 in kleine Stücke gesprengt hatte, wurde die neue langsam an ihren Platz geschoben. Zusätzlich zu ihrer 7,60m breiten Fahrbahn besitzt sie zwei Gehsteige. Damit sollte sie eigentlich dem Verkehr der kommenden Jahrzehnte gewachsen sein. Eine schon 1976 eingebaute Sohlschwelle schützt ihre Pfeiler. Die Harder Brücke. Die als Industrieort groß gewordenen Marktgemeinde Hard kämpfte lange vergebens um einen eigenen Anschluß an die Stadt Bregenz. Erst 1925 bekam sie einen eigenen Übergang, der aus Kostengründen nur als Holzbrücke mit vielen Pfeilern von je 10m Abstand ausgeführt wurde. Am 11. Juli 1926 konnte sie eingeweiht werden. Mit den anderen Achbrücken wurde auch derHarderHolzsteg 1945 gesprengt. Für den gewaltig zunehmenden Verkehr in die Schweiz mußte schließlich eine moderne Betonbrücke erstellt werden. Die Autobahnbrücke. Der jahrzehntelange Trassenstreit um eine Autobahn bei Bregenz endete schließlich mit der Festlegung auf einen Tunnel durch den Pfänder. 1977 begannen der Abbruch des alten Bauernhofes in der Höll und etlicher Wohnhäuser auf der Autobahntrasse und der Bau einer gewaltigen Doppelbrücke mit Abbiegespuren für den Weidachknoten. Als auch der 6,7 km lange Pfändertunnel fertiggestellt war, konnte am 10. Dezember 1980 das nur 14 km lange, aber sehr teure Autobahnteilstück von Dornbirn über die Bregenzerach und durch den Tunnel an die Staatsgrenze bei Hörbranz dem Verkehr übergeben werden. Riesige Autokolonnen wälzen sich seither durch unser Gemeindegebiet und stauen sich oft auf der Brücke vor dem Tunnelportal. 1993 hat man auch für den lange benachteiligten Fahrradverkehr einen Steg an die Autobahn angehängt. Weitere Achbrücken? Radfahrer und Wanderer haben schon oft den Wunsch nach einem seenahen Steg im Mündungsgebiet der Ach zum Ausdruck gebracht, damit sie sich nicht auf die gefährliche Harder Brücke zwängen müssen. Er wird sicher eines Tages kommen! Die zukünftige Öffnung des Weidachknotens droht mit einer Verkehrslawine durch Kennelbach und Wolfurt. Das könnte dazu führen, daß alte Pläne einer Verbindung des Knotens mit der Wolfurter Seite wieder hervorgeholt werden. 21 Die meisten Angaben stammen aus Sinz, Kennelbach, 1987, S. 79ff und S. 263ff Heimat 12, S. 40 20 Die alten Häuser an der Ach Im Jahre 1900 hatten alle Wolfurter Häuser neue Nummern bekommen. Die Reihe begann in der Höll mit Nr. 1 und endete im Schlatt mit Nr.290. In der folgenden Aufstellung ist nach der Hausnummer immer der Besitzer vom Jahre 1900 genannt. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Geiger Johann Martin. «Hell-Bur». 1922 an Jodok Bösch. 1977 für die Autobahn abgebrochen. Waldinger Agatha, Witwe. Später kauften «Naglar»-Kalbs aus dem Tobel das Haus. Es ist 1969 abgebrannt. Meusburger Jodok. Er verkaufte an «Küonzos»: Johann Georg und Leonhard Künz. Mit Naglars 1969 abgebrannt. Thaler Fridolin. Heute wohnt dort seine Enkelin Gebhardine Gorbach. Bernhard Joh. Baptist. «Lo-Hansolars» verkauften an «Stöoglars» Hanne. Familie Fischer. Schneider Remigius. Ehemaliges Gasthaus «Bosnien». 1903 kaufte es der Zimmermann Josef Kresser. Schertler Johann Martin. «Hans Marteles». Ehemaliges Gasthaus «Schiffle». Abgebrannt etwa 1970. Rohner Wilhelm. Vater des späteren Bürgermeisters Theodor Rohner. Schon 1902 kaufte Joh. Georg Hohl, «Hohlo Schnidar», das Haus und baute es großartig um. 1968 ist es abgebrannt. Heute Zementwerk Alwin Rohner. Geiger Joh. Martin. «Schützos». Es ist 1932 abgebrannt. Im neuen Haus wohnt jetzt die Urenkelin Ilse Moosbrugger-Österle mit ihrer Familie. Höfle Lorenz. Im Jahre 1904 heiratete Martin Rohner hierher. 1937 ist das Haus abgebrannt. Im neuen Hof wohnt Rohner Rosmarie, «Paulos». Schertler Theodor. Er tauschte das Haus um das Jahr 1910 gegen das Haus Nr.25 ein. Seither leben «Vinälar»-Rohners hier. Rohner Gebhard. «Hammorschmiods». Um das Jahr 1930kaufte Josef Höfle Haus und Werkstatt. Sinz Josef. In den 50er-Jahren übernahm sein Enkel August Thaler Haus und Hof von Tante Adelheid Sinz. Dür Lorenz's Witwe. 1901 heiratete der Nachbar «Hohlo Marte» hier ein. 1908 ist das Haus abgebrannt. Heute Hohl Georg. Hohl Geschwister. «Hohlo Fidele» und später Franz Hohl. Er ließ das Haus 1987 abbrechen. Böhler Hieronymus. «Holzars Ronimus». Das Haus ist 1908 abgebrannt und seither verschwunden. Malin Fidel. In seinem Haus richtete Leonhard Salvaterra einen Laden ein, den später Frau Rüscher als Rupps Lädele weiterführte. Um 1940richteteHans Schwarz hier seine Schumacherwerkstatt ein. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 22 23 18. Fait Giovanni, «Gasthaus Traube». 1921 kaufte es Anton Österle. 19. Vonach Josef. Das Stammhaus der «Sammüller»-Böhler ist schon 1900 abgebrannt und seither verschwunden. 20. Müller Johann. «Irgo Buobos». Abgebrannt 1908. 21. Kresser Katharina, Witwe. Mit Nr.20 im Jahre 1908 abgebrannt. Kressers bauten das Haus neu auf und verkauften es 1932 an «Kapeollars», deren Sohn Franz Rohner hier ein Textilgeschäft einrichtet. Jetzt «Beschützende Werkstätte». 22. Schwerzler Joh. Martin. «Naiolars Hannbatist» hatte anstelle von zwei im Jahre 1897 abgebrannten Häusern ein neues gebaut, das August Rädler 1909 zum «Gasthof Wälderhof» machte. Etwa 1975 wurde es abgebrochen. 23. Scheffknecht Johann. Hier baute um 1930 Rudolf Diem seine Schreinerwerkstätte an. 24. Jenny und Schindler. Das «Fabrikshus». 25. Rohner Johann.«Vinälars». Sein Sohn Josefübersiedeltenach Nr.11und überließ sein Haus «Thedoros». Die Tochter Martina heiratete 1922 Josef Wachter. 26. Böhler Joh. Baptist. «Holzars Hannbatist» und sein Sohn «Hannbatisto Jockl» arbeiteten an der Grenze Ach-Röhle als Schmiede. 26 Häuser gab es also an der Ach im Jahre 1900. Hundert Jahre früher waren es erst 7 gewesen. Nach dem Blauen Buch von 1989 stehen im Achgebiet heute etwa 220 Häuser, darunter etliche große Mehrfamilienhäuser. Neue Siedlungen Zu den 26 Häusern an der Ach (von insgesamt 290 in Wolfurt), die man im Jahre 1900 neu numeriert hatte, kamen bald viele neue dazu: Nr. 291 Thaler Ferdinand / Thaler, Achstr. 5 Nr. 294 Scheffknecht Baltus / Gmeinder, Inselstr. 5 Nr. 297 Böhler / Bechter / Geiger / Kresser, Achstr. 29 Nr. 298 Schwerzler-«Naiolar» / «Böglar-Olga» / Achstr. 25 Nr. 300 Rohner-«Harnmorschmiods» / Zwickle, Achstr. 14 Nr. 301 Raidl / Ignaz Hämmerte - abgebrannt 1909 / Sohm, Achstr. 16 Als erstes Haus außerhalb des zweiten Damms stellte Anton Österle zu seiner Säge das Wohnhaus Nr. 303 /Dorrer, Dammstr. 6. Die Dampfsäge ist 1927 abgebrannt. An ihrem Platz errichtete Josef Österle seine Spenglerei. Ächler Jungmänner vor dem Krieg 1939. Rohner Viktor, Lenz Seppl, Hohl Georg, Lenz Eugen, Hohl Franz, Rohner Eugen, Graß Othmar, Thaler Ernst und Österle Josef. Zwar wohnten Rohners längst im Dorf, aber immer zog es sie hinaus zu Vaters Heimat an die Ach. Im Jahre 1907 war die Hochblüte der Stickerei. An vielen Häusern wurden eigene Sticklokale ein- oder angebaut. Im folgenden Rezessionsjahr 1908 brannten schnell hintereinander die Häuser Hohl, Kresser, Müller und Brüngger ab. Neu dazu kamen 1907 an der Ach auch das Brückenzollhaus und ganz unten an der Lauteracher Grenze als erstes Haus der späteren «Kolonie» Nr. 304 Simma / Im Wida 13. 1912 erhielt die Zementerei Rädler am Platz des 1905 abgebrannten Wuhrstadels die Nr. 352. Erst 20 Jahre später wurden dort aber das Firmenbüro Rädler und die Wohnung für die Hebamme Frau Graß eingerichtet / Lutz, Bregenzerstr. 35. Nach dem 1. Weltkrieg entstand die Kolonie « Im Wida». Sie lag so weit abseits vom Kirchdorf, daß ihre Bewohner sich die Zugehörigkeit zu Kirche, Schule und Post Lauterach erkämpften und sich auch zu den Lauteracher Vereinen bekannten. Seit 1967 besuchen die Kinder aus dem Wida die Schule Bütze und die Hauptschule Strohdorf und fühlen sich erst jetzt der Gemeinde Wolfurt zugehörig. Begonnen haben mit der «Kolonisierung» beim Simmahaus im Wida zuerst 1922 Fritz Pissinger / Achstr. 56 und 1924 Ferdinand Vonach / Im Wida 18. Dann folgten in nur 10 Jahren ab 1926 schnell 14 weitere Häuser, darunder die Gärtnerbetriebe Erwin Karg und Alois Stöckli. Auch in der Höll baute Anton Plankel bei dem seit mehr als 100 Jahren einsam stehenden «Höll-Bur» nun ein zweites Haus. Dann kam mit dem 2. Weltkrieg eine große Pause. Die Kresser-Brüder stellten 1941 noch ein 24 25 den am Bregenzerweg Schule und Kindergarten Bütze eröffnet und daduch den Ächlerkindern weite Wege erspart. Schon 1953 hatte Rudolf Fitz einen ersten Lebensmittelkiosk an der Kurve zur Bützestraße erbaut, der bald dem Ansturm der Käufer nicht mehr gewachsen war und in Stufen zu einem Lebensmittelmarkt erweitert werden mußte. In den 70er-Jahren wurde auch die Besiedelung an der oberen Achstraße und an der Inselstraße verdichtet. Frei blieben nur ein großes Stück im Oberfeld und schöne Wiesen zwischen Bütze- und Lerchenstraße. Dort hat sich die Gemeinde Gründe gesichert, um vielleicht eines Tages den Wunsch nach einem Schulzentrum Ach erfüllen zu können. Die ältesten Familien Nahe der Furt über die Ach stand schon im Mittelalter eine kleine Ansiedlung. Hier gab es wahrscheinlich Stallungen und eine Raststätte, wo Fuhrleute manchmal lange Zeit das Ende des Hochwassers abwarteten. Ein Fährmann bot eiligen Wanderern seine Dienste an. Im ältesten Wolfurter Häuserbeschrieb1 von 1594 wird die «Crommerin zue Ach» genannt, die hier mit einem Krämerladen die Reisenden versorgte. Von der Siedlung an der Ach haben die »Vonach»-Familien ihren Namen. Sie schrieben sich noch bis 1814 «von Ach». Erst der neue Pfarrer Grasmeier machte daraus ab jetzt nur mehr ein Wort. Die «von Ach» lassen sich schon 1391 als Grundbesitzer an der Ach und im Oberfeld nachweisen.2 Sie breiteten sich nach Lauterach und Bregenz aus. In Bregenz erhielt eine ihrer Familien sogar den Adelstitel «von Ach zu Gerhaimb».3 Die Lauteracher «von Ach» stellten eine Reihe von Hofsteigammännern. An der Ach selbst lebten um 1800 noch zwei «von Ach»Familien. Vom Hofsteiger Gerichtsgeschworenen Martin von Ach (1723-1796) stammen viele Wolfurter Familien, darunter jene, die den Namen «Flötzar» von der Ach ins Kirchdorf und später bis hinauf ins Frickenesch mitgenommen haben. Einer von ihnen, Andreas Vonach, war 1821 bis 1824 Vorsteher von Wolfurt. Zu den Nachkommen gehören Fischer-Klosos, Schertler-Veres, Schwerzlers im Tobel, Giselbrechs in der Bütze und Kalb Ferdes in der Bütze, aber auch die angesehenen Familien Ölz in Dornbirn und Tizian in Bregenz. Die beiden Vonach-Häuser (B2 und 3) an der Ach sind miteinander am 15. Juni 1897 abgebrannt. An ihrem Platz stand später der Wälderhof. Aus Bildstein-Geißbirn kam um das Jahr 1740 Markus Höfle an die Ach. Seine Söhne besaßen dort 1760 drei von den insgesamt sieben Häusern.4 Antons und Andreas Familien lebten in zwei aneinander gebauten Häusern gegenüber vom späteren Wälderhof. Martin hatte das heutige Scheffknecht-Diemhaus (B1), zu dem seit der Auflösung des Klosters Mehrerau ein großes Stück Oberfeld gehört. Dieses Feld ist als einziges in Wolfurt als Klosterbesitz der Zerstückelung im 18. Jahrhundert entgangen. 1 2 3 4 Von den vielen Ziegeleien an der Ach ist ein einziges Bild geblieben, das Schnidarles Hannes beim Abbruch der letzten 1896 gemalt hat. Auf ihrem Platz steht jetzt das Thalerhaus Achstraße 5. Haus an den Rand des Oberfelds / Rohner, Bregenzerstr. 24. Und nach Kriegsende entstandan der vielbefahrenen Achkurve beim Wälderhof der Kiosk Madiener, den der Kriegsinvalide Hans Künz viele Jahre führte. In dieser Zeit war der Kiosk ein beliebter Sammelplatz für die Dorfjugend. Zwischen Ach und Wida bestand immernoch ein weites Grasland, durchsetzt mit fruchtbaren Äckern und großen Obstgütern. Ab 1947 begann nun die Zersiedelung dieses Gebietes, die in dreißig Jahren Wolfurt und Lauterach zusammenwachsen ließ. Die erste Siedlung an der Ach schufen die Familien Wetzel, Meusburger, Moosbrugger, Gasser und Hofer / Achstr. 22 bis 30. Eine zweite, größere folgte ab 1950 außerhalb des neuen Damms, beginnend mit Höfle Engelbert, Dammstr. 28, und Fink Otto, Wuhrweg 1. Preisgünstige LAWK-Gründe lockten viele Siedler hierher. Unter größten Mühen rodeten sie das steinige Achgelände bis hinab ins Wida und schufen Wohnraum in schönster Lage am Auwald der Ach. Die Gemeinde brauchte aber dringend Arbeitsplätze, damit sie mit höherem Steueraufkommen ihre Struktur verbessern konnte. So förderte sie ab 1960 die Errichtung der Firmen Wolff, Pawag und Roylon im Baugebiet an der Achstraße und der Firma Rädler beim Sportplatz. Längst hatte auch eine Besiedlung der Felder an Lerchenstraße und Albert Loackerstraße eingesetzt. Blocks entstanden dort und forderten den Bau neuer Straßen. Im Jahre 1967 wur26 Holunder 1932, Nr. 30 Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952, S. 24 Wie Anmerkung 2 Seelenbeschrieb 1760 der Pfarre Wolfurt 27 Zwei Höfle-Familien blieben ohne männliche Nachkommen. Ihre Häuser kamen 1860 an Johann Scheffknecht aus Lustenau, bzw. 1868 an Josef Kresser aus Sulzberg. Im dritten aber lebten Joh. Georg Höfle, «Irg», und sein Sohn Josef Anton Höfle, «Irgo Buob», mit vielen Nachkommen. Einer davon war Lorenz Höfle (1837-1904), der einen großen neuen Hof an der Inselstraße kaufte. Nach dem Brand von 1937 baute ihn Paul Rohner noch größer wieder auf. Außer den Rohner-Familien gehören auch die Büobler- und Stenzler-Schwerzler und die Schloßburo-Köb beim Hirschen zu den Höfle-Nachkommen von der Ach. Das sechste Haus (B7) steht noch mit der Nr. 31 an der Bregenzerstraße. Hierher heiratete 1708 der Dornbirner Martin Klocker. Von ihm stammen all die vielen Wolfurter Klockerfamilien: die Glaser-, Sticker-, Bäcker- und Seiler-Klocker von der Hub, die Stricker vom Röhle und die Wagner und Ziegler an der Ach. Einer von ihnen, Josef Anton Klocker 17831853, besaß 1835 die größte Ziegelei an der Ach und baute neben sie das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohner Eugen). Im siebten Haus an der Inselstraße (B6) wohnten die Müller und ab 1784 die Böhler. Dieses Stammhaus der Sammüller-Böhler ist 1900 abgebrannt und seither verschwunden.5 Erst nach den Franzosenkriegen begann die Erschließung der «Iosol», der ehemaligen Insel im Achbett, die man durch den Damm von 1772 gewonnen hatte. Zuerst kamen die Dür aus dem Kirchdorf. Dismas Dür hatte um 1805 sein altes Haus an der Kirchstraße abgebrochen und in der Bütze neu aufgestellt. Dann aber baute er mit seinen tüchtigen Söhnen 1816 das erste Haus an den Achdamm und dazu eine große Ziegelei, beides dort, wo jetzt die «Traube» Achstraße 1, steht. Schon 1835 konnte er für seinen Sohn ein zweites Dür-Haus bauen, Achstraße 4 (Franz Hohl). Das Haus in der Bütze hatte Dismas seinem Neffen Martin Dür überlassen. Aber der kam 1840 ebenfalls an die Ach. Er erbaute das Haus Achstraße 3 (Hohl Georg) und dazu gleich eine weitere große Ziegelei. Dort hat er 1857 das Vaterhaus aus der Bütze verheizt. Andere Dür-Vettern hielten um diese Zeit das Röhle fest in der Hand. Sie besaßen an der Bregenzerstraße schon Nr. 6 (Hannes Franz) und hatten von dort aus 1805 Nr. 10 (Kappeollars) gebaut, 1814 Nr. 11 (Rößlewirts Franz), 1836 Nr. 20 (Küofars) und 1843 Nr. 14 (Bernhards). Eine Dür-Tochter erbaute 1883 mit ihrem Mann Josef Sinz aus Kennelbach das Haus Achstraße 6 (Thaler August). Schließlich gründete auch noch Lorenz Dür aus dem Röhle 1848 die bedeutende DürSchlosserei am Rickenbach, die ab 1892 von der Familie Doppelmayr zum heutigen Großbetrieb ausgeweitet wurde. Auch in den anderen Dür-Häusern tauchten neue Namen auf. Georg und Peter Dür (Düro Tones) sind in Wolfurt heute die einzigen Namensträger aus der einst so großen Sippe, doch gibt es noch unzählig viele Verwandte. 5 Achhäuser, Ausschnitt aus dem Baudirektionsplan von Negrelli aus dem Jahre 1827 a Flußlauf und Kiesbänke b eine Insel c Staudenvorland d neuer Damm/Achstraße e alter Damm/Inselstraße f «Weidachfeld»,Getreideäcker an der Bützestraße g Oberfeld Sieben alte Häuser mit den bayrischen Nummern von 1 (Scheffknecht-Diems) bis 7 (Wächters) Zwei neue Häuser ohne Nummer: h Dür Dismas/1816 i Böhlers/1822 Z die ältesten drei Ziegeleien Heimat l l ,S. 19ff 28 29 Im Röhle und bei den Ziegeleien an der Ach erwuchs den Dür eine starke Konkurrenz in der FamilieSchertleraus Unterlinden. Josef Anton Scheitler, 1791-1867, ein Sohn des berühmten Schützenmajors Jakob Schertler, erbaute schon 1814 an der Bregenzerstraße das Haus Nr. 15 (Schedlars im Röohle) und 1852 für seinen Sohn Joh. Martin Nr. 21 (Alfredos). Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Vorsteher MartinSchertlerin Unterlinden, erwarb und betrieb er an der Ecke Bützestraße-Achstraße die große Klocker-Ziegelei. Die Schertler kauften dazu auch noch die zwei Nachbarhäuser Bützstraße 24 (Rohner Eugen) und 41 (Hansmarteies). Als sich gar 1852 ein Schertler-Sohn und eine Dür-Tochter ehelich verbanden, war die Grundlage für eine Zusammenarbeit der Ächler Ziegeleien gelegt. Man erbaute für das junge Paar eine Fuhrwerks- und Bürozentrale im Strohdorf, das spätere Postamt gegenüber der Schule. Hier kamen die Brüder Jakob und LorenzSchertlerzur Welt, die um 1885 ihren Betrieb von der Ach ins Flotzbach verlegten. Jetzt wurden die Ziegelhütten an der Ach abgebrochen. Auf die Fundamente der obersten baute der Schuhmacher und Weinhändler Giovanni Fait aus dem Valsugana 1896 ein riesiges Haus, den Gasthof Traube. Auf den Mauern der zweiten errichtete 1900 Ferdinand Thaler sein Haus, in dem später sein Sohn Gebhard die Bürstenbinderei betrieb. Am Platz der dritten an der Achkurve ist erst viel später das Haus Bützestraße 28 entstanden. Ein anderer Schertlerzweig aus dem Röhle kaufte den uralten Wuhrstadel am Achufer und begann dort mit der Zementerei. 1888 erbauten sie eine große moderne Kalkhütte im Röhle und begründeten die Baumaterialienfirma «Schertler und Cie». Durch seine Heirat mit einer Schertlertochter war auch der landesweit bekannte Lehrer Wendelin Rädler6 Teilhaber geworden, der bald die Führung der Betriebe übernahm. 1908 wurde die Firma geteilt. Rädler und sein Sohn August waren nun Alleininhaber von Zementerei und Kalkwerk. Der Firmensitz wurde in den Wälderhof verlegt und damit die für die Ächler so bedeutsame Firma «Baustoffe Rädler» gegründet. Wohl trägt sie noch heute den alten Firmennamen, als Familienname ist er aber erloschen. Im Jahre 1858 war Josef Anton Hohl aus Schwarzach an die Ach gekommen und hatte mit seiner Frau Anna M. Albinger das Dürhaus, Achstraße 4, gekauft. Von ihren vielen Kindern übernahm «Fidele» das Elternhaus. «Hohlo Marte» heiratete im Nachbarhaus die letzte Dürtochter Katharina. «Hans-Irg» ließ sich als Schneider und Sticker an der Bützestraße nieder. Ein weiterer wichtiger Name tauchte auf, als die «Vinälar»-Brüder Lorenz und Johann Rohner um 1870 aus dem Strohdorfan die Ach kamen. Schon 70 Jahre früher hatte der Pfarrer ihre Großeltern mit«Vaneler» bezeichnet. Wir verstehen das seltsame Wort heute nicht mehr. Lorenz Rohner kaufte 1869 eines von den alten Vonachhäusern (beim Wälderhof). In der Fabrik Kennelbach arbeitete er sich zum Spinnreimeister hinauf. Als sein Haus 1897 abbrannte, übersiedelte er mit der Familie ins Röhle. Sein Sohn Franz wurde dort der unvergeßliche 6 Die Einmündung der schmalen Bützestraße um 1935. Fahrverbot! Rechts das ehemalige «Schiffle». «Kapeollar». Von den Enkeln kehrte «Fränzle» an die Ach zurück und begründete dort das Textilhaus Rohner. Hier wohnte lange Zeit auch sein Bruder Ludwig Rohner, bei den Wolfurtern bekannt und beliebt u.a., weil er den Fußballklub gründete und durch seine Verbindungen zur LAWK den Bau des ersten Sportplatzes an der Ach möglich machte. Johann Rohner kaufte 1879 das kleine, alte Klocker-Haus, Bregenzerstraße 31 (Wachters). Von seinen Söhnen übernahm Martin durch Heirat mit der letzten Höfletochter den Hof Inselstraße 11, wo mit Johann und Paul Rohner weitere bekannte Ächler geboren wurden. Ihr jüngster Bruder Siegfried war viele Jahre Pfarrer in Schwarzach. Martins Bruder Josef, «Vinälars Seppl», hatte sein kleines Elternhaus an der Bregenzerstraße gegen das großeSchertlerhausand er Bützestraßeeingetauscht. Dort lebte er nun als Bauer und Fuhrmann. Ihm folgte sein Sohn Eugen. Die Schwester Rosa Rohner war ebenfalls an der Bützestraße mit dem Schneider und Sticker Joh. Georg Hohl verheiratet. Eine andere Schwester, Magdalena, wurde die Gattin von Fridolin Scheffknecht, Bauer und Bucher Bote. Ihre Kinder waren der gutmütige Herbert und «Elis» Diem, die heute die riesigen Gründe verwaltet. Schließlich möchte ich noch eine Ächler Familie nennen, die bei den meisten längst vergessen ist: die Rusch. Aus Kennelbach war 1838 ihr Stammvater über die Ach gekommen undhatte eine Dür-Tochter geheiratet. Katharina, Anna Maria und Franz Maximilian wurden die drei Kinder getauft. Von Katharina und ihrem Mann Josef Kresser aus Sulzberg stammen 31 Heimat 11, S. 43 30 Gasthof Bosnien die beiden Kresser-Sippen an der Ach, die eine aus dem ehemaligen Gasthof «Bosnien», die andere aus demnach dem Brand von 1908 neu erbauten Kresser-Elternhaus. Dort ist heute die «Beschützende Werkstätte» eingerichtet. Anna Maria Rusch war mit Lorenz Rohner ebenfalls an der Ach verheiratet. Zu ihren Nachkommen zählen neben vielen «Kapeollar»-Familien auch die «Schwarz-Vinälar»-Musikanten, die «Feogar»-Albinger und etliche andere. Franz Max Rusch übersiedelte von der Ach schon vor 100 Jahren nach Bregenz. Zu seiner Sippe zählen dort der bekannte Büchsenmacher Hans Rusch in der Maurachgasse, der Mundartdichter Ferdinand Schlegel und der weitum bekannte originelle Heimatkundler «Flädle»-Wolfgang Rusch. Eine weitere wichtige Familie an der Ach waren die «Naiolar»-Schwerzler. Josef Schwerzler, 1773-1837, stammte aus Unterlinden und kaufte 1804 eines der alten Vonach-Häuser an der Ach. Sein Sohn, der «Flaschner» MartinSchwerzler,besaß den Gasthof «Schiffle»an der Bützestraße, seine Kinder übersiedelten jedoch bald nach Kennelbach. Vom anderen Sohn, dem Näher Joh. GeorgSchwerzler,stammen drei bedeutende Familien. Naiolars «Hans-Irg» wurde in der Bützestraße 2 Stammvater der Familien Eugen undAlfons Rist. Sein einziger 32 Der «Wälderhof» war viele Jahre lang wichtigster Treffpunkt der Ächler. Sohn Josef Schwerzler war 1914 in Galizien gefallen Naiolars «Hannbatist» baute 1905 das Haus Achstraße 25, wo seine Töchter «Böglars» Olga und Lena lebten. Der einzige Enkel Elmar Schwerzler ist 1944 gefallen. Naiolars Lorenz heiratete in die Bütze. Seine Tochter Adelheid wurde die Mutter von Alfons und Hubert Kalb. Mit seinem einzigen Sohn «Naiolars Lorenzle» starben 1957 die «Naiolar»-Schwerzler aus. Ihr Stammhaus an der Ach war schon 1897 abgebrannt. Die Rohner-«Hammorschmiods» hatten 1834 weit unten am Achdamm ein kleines Haus gebaut. Es hieß später «Naglars», denn Hammerschmieds waren schon 1870 weiter herauf ins Haus Achstraße 11 übersiedelt. Der Sohn Rohner Martin, 1865-1930, hat sogar noch um 1905 das schöne Haus Achstraße 14 (Zwickle Hermanns) erbaut. Dann ist auch die Sippe «Hammorschmiods» erloschen. An der Inselstraße hatten sich 1846 «Schützos» niedergelassen. Ihr Familienname Geiger ist dort aber ebenso wieder verschwunden wie der der «Hellbur»-Geiger drunten in der Höll. Um 1900 kamen die Thaler an die Ach, dann die «Naglar»-Kalb und die «Stöoglar»-Fischer. Viele andere Familien sind ihnen gefolgt, viele auch schon wieder verschwunden. 33 Gasthäuser an der Ach Einst hat wohl die «Crommerin zue Ach» Durst und Hunger der Wanderer an der Furt gestillt. Dann fehlen lange Zeit Nachrichten von einem Gasthaus an der Ach. Als im 19. Jahrhundert die Ziegeleien manchen Umtrieb brachten, wurde an der unteren Straße das «Schiffle» als Gasthaus gebaut. Es dürfte keine Goldgrube gewesen sein. Jedenfalls wechselten ständig Besitzer und Wirte: Erbaut 1838 vonSchertlerJoh. Martin, 1841 Köb Michael, 1856 Bereiter Michael, 1863 Albinger Franz Xaver, 1866 Schertler Jos. Anton, 1871 Schwerzler Martin, Flaschner, 1883SchertlerJoh. Martin, «Hansmartele». Dieser schloß die Gaststube. Im Besitz seiner Urenkelin Martina Weiß ist das «Schiffle» um 1970 abgebrannt. Seither fehlt Bützestraße 41. Im Jahre 1879 erbaute der Schneider Franz Eiselt das Haus Achstraße 6. Er stammte aus Böhmen und hatte mit seiner Frau Katharina Rohner, Rößlewirts, seit 1872 Wohnungen an die Fabriksarbeiter aus dem Valsugana vermietet. Das neue Haus an der Ach besaß nicht nur viele Zimmer für die «Italiener, sondern auch eineriesigeGaststube. «Bosnien» nannten die Wolfurter diese Schenke, weil dort viel gestritten worden sei. 1892 übersiedelte Eiselt nach Innsbruck und verkaufte das Gasthaus an die Familien Bayer und Schneider aus Württemberg. 1903 erwarb es der Zimmermann Josef Kresser. Es gab aber jetzt keinen Gastbetrieb mehr. In der Wirtsstube wurden Webstühle aufgestellt. Zum Bau des Blocks Dammstraße 19 mußte das alte «Bosnien» 1974 abgebrochen werden. An der oberen Achkurve waren 1897 zwei uralte Häuser abgebrannt. An ihrer Stelle baute der «Naiolar» Joh. Bapt. Schwerzler einen großen Hof, in dem nach der Eröffnung der neuen Eisenbahn im Jahre 1902 das Restaurant «zur Wälderbahn» eingerichtet wurde. Die ersten Wirte waren schnell hintereinander Josef Ganahl aus Bregenz, Jos. Anton Sohm aus Kennelbach und Mathias Schwendinger aus Schwarzach. 1909 übernahm der Kalkwerksbesitzer August Rädler den Gasthof undrichtetehier sein Firmenzentrum ein. Das Haus wurde in «Wälderhof» umbenannt. Rädlers zweite Frau Anna Lindebar erwies sich als ausgezeichnete Köchin. Sie machte den Wälderhof zu einem gut besuchten Feinschmeckerzentrum. Aber auch die Ächler und viele Fabrikler kehrten nach Feierabend gerne zu. Hinter dem Haus lockte im Sommer ein großer kühler Biergarten. Mit den Schützen gemeinsam hielt dort die Musik jedes Jahr ihr großes Fronleichnamskonzert ab. Zugkräftig war auch die Kegelbahn. Als das größte Fest erwies sich aber der jährliche Ächlerball. 1968 ist Frau Anna gestorben. Die traditionsreiche Wirtschaft wurde geschlossen. Um das Jahr 1975 mußte der Wälderhof dem Neubau des großen Mehrfamilienhauses Bregenzerstraße 28 weichen. Der Gasthof «Traube» wurde 1896 bis 1921 von der Familie Fait geführt, dann bis zum 2. Weltkrieg von der Familie Österle. Inzwischen hatte Paul Rohner für seine Tochter Rosmarie weit unten bei den neuen Fabriken das Restaurant «Romy» eröffnet, wo viele Ächler wieder einen Treffpunkt fanden. Aus dem wegen seiner Sauna beliebten Gasthof ist später ein chinesisches Restaurant geworden. 34 Der Gasthof «Traube» wurde 1896 bis 1921 von der Familie Fait geführt, dann bis zum Zweiten Weltkrieg von der Familie Österle. Gasthof «Traube». Metzgermeister Matthias Rist kehrt mit seinen Freunden zu. Vorne Lislo Franz, Hinteregger Tone, Schwarz Hans, Thaler Gebhard und Matthias Rist. Dahinteru.a.SchertlerAlfred. Einzelne Ächler löschen ihren Durst nun an der Tankstelle, andere gehen ins Dorf oder auswärts und nehmen weite Wege auf sich. Viele aber beklagen das Sterben der alten bäuerlichen Gasthöfe, holen ihr Bier beim Gassenschank und trinken es daheim. Schade! Wo begegnen sich eigentlich heute noch alte und neue Ächler? Leben und Treiben am Fluß Das Leben der Ächler war immer eng mit dem Fluß verbunden. Täglich trieb man ursprünglich das Vieh zur Tränke ans Ufer und schleppte in schweren Holzkübeln Trinkwasser zum Kochen nach Hause. Auf ein paar Brettern oder großen Steinen wuschen die Frauen ihre Wäsche aus. Bei einer solchen «Tuchwaschung» ist 1808 Katharina Blank, die Stammutter der Sammüller, ertrunken.1 1 Heimat 11, S. 19 35 In die Stauden der Flußauen und auf die Inseln trieb man früher das Vieh auf die Weide. Wir erinnern uns noch gut an die Geißen der Frau Kaufmann am Damm, an die Hüterbuben Siegfried und Georg Schwerzler von der Bützestraße und an die große Herde, die die Frau Karg täglich an die Ach führte. Auch bei Geigers und bei Künz Hans-Irg hielt man Geißen. Die Hirtenbuben holten mit ihren geschickten Fingern auch manchen Fisch unter den Steinen aus dem Wasser. Das war zwar immer schon verboten, aber der Fischreichtum in den Tümpeln lockte gar zu sehr. Seit man die Ufer begradigt hat, ist die Fischerei stark zurückgegangen. Bäume gab es früher keine am Ufer, nur Weidengebüsch. Erst wenn es im Herbst öffentlich erlaubt wurde, durften die Hofsteiger diese Weiden abhauen. Ruten konnte dagegen jeder holen. Sie wurden zum Korbflechten verwendet, «für Zoanna und Krätto». Ein bekannter Korbflechter war «Bergers» Hannes, der im Quartier in Geigers Haus 10 Kinder versorgen mußte. Ganz wichtig war jedes Jahr das Holzen an der Ach, das Fangen von Wildholz aus dem Hochwasser. Nicht jeder besaß ja einen eigenen «Bergteil», aus dem er sich mit Brennholz hätte versorgen können. Daher schätzte man das Heizmaterial, das die Ach kostenlos lieferte, ganz besonders. Aber auch die Waldbesitzer wurden von der Sucht befallen und wetteiferten mit den anderen beim Fang der kostbaren Beute. Nach plötzlicher Schneeschmelze oder starken Niederschlägen stieg das Wasser oft schnell an und führte Prügel, Reisig, Stöcke und manchmal ganze Tannen mit sich. Da galt es, denrichtigenZeitpunkt zu treffen. Wenn der Ruf «as kut Holz» von Haus zu Haus ging, ließen Burschen und Männer alles stehen und liegen und eilten mit «Flötzarstang» und «Zabi» an ihren durch Tradition familieneigen gewordenen Standplatz. Mit sicherem Stoß wurden Prügel aufgespießt oder ganze Stämme nach wiederholtem Nachfassen mit dem Haken an Land gezogen. Das war sehr gefährlich. Nicht selten erwiesen sich die braunen Strudel an einem gefangenen Holzstück stärker als der Arm des Flößers. Dann mußte er Haken und Stange davonschwimmen lassen. Beim Versuch, seine Stange zu retten, ist am 19. Juni 1926 der 44jährige Bernhard Buchhammer, Vater von sechs kleinen Kindern, in die Strömung gerissen worden und ertrunken.2 Und sechs Jahre später verunglückte am 16. Juli 1932 der 49jährige Anton Haneberg, damals Schreiner bei Schnidarles Rudolf im Strohdorf, auf ähnlich tragische Weise. Er hatte versucht, Schwemmholz mit einem Drahtseil zu bergen und stürzte dabei ins Wasser. Am gleichen Tag ertrank beim Holzfangen auch der junge Eduard Lehner aus Kennelbach.2 Nahe der Haltestelle Langen-Buch war am 5. August 1935 der Milchhändler Gasser mit Holzarbeiten beschäftigt. Als seine Kinder Anna und Erwin dort durch die Ach waten wollten, konnten sie sich aus dem reißenden Wasser mit Mühe auf eine Kiesbank retten. Der Vater eilte ihnen zu Hilfe, geriet aber selbst in die Strömung und ertrank. Strenge Vorschriften hatten schon im «Landsbrauch» das Wildholzen geregelt. An Feiertagen 2 «Stöoglars Hanne». Joh. Bapt. Fischer und seine Frau Christina waren um 1900 an die Ach gekommen und hatten hier 12 Kindern und vielen Enkeln Heimstatt gegeben. und bei Nacht war es verboten. Gefangenes Holz mußte in großen Haufen «nit under ainem fueder» aufgestapelt werden. Wenn man auf die Spitze des Haufens noch einen Stein legte, war das Holz als persönliches Eigentum gekennzeichnet und damit vor Dieben geschützt. Kritischer war die Sache mit dem «gemalten» Triftholz. Das Hochwasser schwemmte ja auch viele zu «Block» gesägte und geschälte Stämme an, in die der Holzhändler vor dem «Einwerfen» sein besonderes Kennzeichen («Mal») eingeschlagen hatte. Gemaltes Holz durfte, wie auch Balken von zerstörten Brücken, auf keinen Fall gesammelt werden. Aber der Versuchung, den Berg von knorrigem und sperrigem Prügelholz mit einem glatten Stamm zuergänzen, erlag doch mancher. Wenn man schon am frühen Morgen hinter Nachbars Haus das Singen der großen Waldsäge hörte, dachte sich jeder etwas. Gendarmerie-Chronik Wolfurt/Kennelbach 36 37
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Heimat_Wolfurt_...5_Okt Wolfurt 01.10.1995 19.11.2012, 18:22 Heft 16 Zeitschrift des Heimatkundekreises Oktober 1995 Das alte Kirchdorf. Federzeichnung von Edmund Schwerzler 1992 nach einem Foto von 1910. Inhalt: 75. Schwerzler und Schwärzler 76. Heimkehrer 77. Einwanderer 1 Zuschriften und Ergänzungen Bildnachweis: 3 Edmund Schwerzler, 5 Siegfried Heim, 14 Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim Berichtigung: Pfarrer August Hinteregger wußte, daß seine Tante Agatha Fischer im Kloster den Namen Sr. Gregoria (nicht Georgia) bekommen hatte. Bitte, berichtigen in Heft 15, S. 15 und S. 19! Natürlich haben viele erkannt, daß sich Sr.Epiphania 1970 (nicht 1971) verabschiedete. Also falsch auf Seite 14, richtig auf Seite 18 oben! Danke für einige Überweisungen auf unser Konto Raiba Wolfurt: Heimatkundekreis 87 957 Ehepaar Grobl (Heft 15, S. 2): Die Erzählungen und Dokumente Luise Grobls haben unter ihren Verwandten in Amerika einen wahren Wolfurt-Boom ausgelöst. Zuerst kamen die Ehepaare Ruth und Robert Zacher, Zeitungsmanager in St. Louis, und Pat und John Martin, Geschichte-Professor in Glendale. Ihnen folgte das Ehepaar Mary Ann und Joe Mann, früher coal-miner, jetzt Antiquitätenspezialist in Pinckneyville, mit Schwester Dr. Jacinta Mann, Univ.-Professorin in Greensburg. Sie besuchten das Geburtshaus ihres Urgroßvaters an der Flotzbachstraße und natürlich die Kirche, fotografierten unser schönes Land vom Gebhardsberg aus und bestiegen sogar die Schneider-Spitze, die den Namen ja von ihren Schneider-Vorfahren hat. Natürlich ließen sie sich auch Hafoloab und Su-Biorar nicht entgehen. Zahlreiche Bilder und Schriften wurden ausgetauscht. Für September 1995 war dann ein großes Schneider-Treffen in St. Louis angesagt, von dem sie wieder nach Wolfurt berichten wollen. Das ehemalige Schneider-Haus, uns allen besser bekannt als Lenas Hus, Flotzbachstraße 11, wird derzeit gerade umgebaut. Es ist den Besitzern hoch anzurechnen, daß dabei das historisch bemerkenswerte Wohnhaus mit den kostbaren Zimmermannsarbeiten auf der Giebelseite (hier auf einem Bild von 1993) erhalten bleibt. Das Haus hat der reiche Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider (Siehe Heimat 13 / S.37!) im Jahre 1805 gleich- Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 zeitig mit dem für die Raiba abgebrochenen Rädlerhaus an der Kellhofstraße erbaut. 1818 überließ er es seinem jüngsten Sohn Josef Gebhard, der hier viermal verheiratet war. Nur in Amerika leben zahlreiche Nachkommen weiter. Unter den nachfolgenden Besitzern des Hauses waren die Pf ersolar, die 1994 aus Ostdeutschland ihr Stammhaus aufsuchten. Schließlich kaufte der um Wolfurt hochverdiente Vorsteher und Landtagsabgeordnete Lorenz Schertler das schöne Haus, das nun seine Enkel besitzen. Zu einem Kurzbesuch kam am 28. Juli ganz unabhängig von den Schneidern auch Dr. Thomas Sneider, Univ.-Professor in Fort Collins, mit seiner Gattin (Heft 5, S. 29). Er ist mit den obigen Schneider-Familien nicht verwandt, sondern stammt von einer Nichte des Malers Gebhard Flatz in Rickenbach. Er besuchte sein „Stamm"-Haus am Kellaweg und zeigte sich von der Schönheit unseres Landes ebenfalls beeindruckt. Krankenschwestern (Heft 15, S. 3): Für diesen Beitrag bedankte sich neben Sr.Paulina vor allem auch Sr.Auxilia aus Feldkirch. Dann aber protestierte sie freundlich auch im Namen ihrer Mitschwestern Sr.Anna, Sr.Imelda und Sr.Christiana gegen die Formulierung „im Antoniushaus in Feldkirch". Zwar sei das schon richtig, aber sie seien alle dort nicht als Pfleglinge, sondern als aktive Pflegerinnen im Altersheim. Liebe Schwester Auxilia und Mitschwestern! Das haben wir auch gar nicht anders aufgefaßt. Wir wünschen Euch allen weiterhin Gesundheit und Tatkraft und gelegentlich auch ein Wiedersehen in Wolfurt! Ein ganz besonders lieber Brief kam von Sr.Angelina Neuhauser aus Hall. Sie trug als Oberin damals 1962 die Verantwortung für die ganze Ordensprovinz und mußte wegen des akuten Schwesternmangels viele Stationen schließen. Wolfurt ließ sie, wie sie jetzt schreibt, als eine Anstalt freudvoller Zusammenarbeit bestehen. Und dann schließt die nunmehr 90jährige Schwester mit Ich wünsche sehr „ Wolfurt" bleibt! und nimmt uns alle hinein in ihr Gebet. Danke, Mutter Angelina! Schließlich hat sich auch Werner Mohr als langjähriger Leiter der Pfarrkrankenpflege über die Zusammenstellung gefreut und sich herzlich bedankt. Hausnamen (Heft 15, S. 22): Auf diesen umfangreichen und sehr arbeitsaufwendigen Artikel habe ich eigentlich mehr Reaktionen erwartet, unter Umständen auch böse Briefe oder empörte Anrufe. Nichts dergleichen! Beim Durchlesen treten einem viele alte, längst vergessene Bekannte vor die Augen und sicher tauchen da auch Fragen auf. Bis jetzt brachte nur Luise Sinz-Sieber in Kennelbach zwei Ergänzungen: Haus Nr. 62: Naglars im Tobol nannte man auch Metzgars, weil ihr Großvater Josef Anton Kalb, 1821-1908, den Beruf eines Hausmetzgers ausübte. Sein Sohn Metzgars Hannos wurde Stammvater der Stülzes-Kalb in der Bütze, Metzgars Ludwig im Tobol ist Luises Großvater. Berichtigung zu Haus 301 auf S. 26 und auch zum Text auf S. 23: Nicht aus der Sonne in Kennelbach stammte Hans Sohm, sondern aus der Krone. Gute Bekannte nannten ihn daher Kronowiorts Hänsle. 2 Siegfried Heim Schwerzler und Schwärzler Die Geschichte eines alten Wolfurter Geschlechtes Seit 500 Jahren lassen sich in Wolfurt Schwerzler nachweisen. Die älteste Urkunde von 1503, gesiegelt vom Hofsteig-Ammann Sebastian Schnell, nennt einen Jakob Swärtzler.1 In einem weiteren Dokument von 1565 gibt es in Wolfurt einen Gallus und einen Gregor Schwärtzler.2 Anno 1594 gab es in den 70 Wolfurter Häusern schon 4 Schwerzler-Familien, 1760 waren es bereits 14. Im Jahre 1850 gehörten den Schwerzlern 26 von den 252 Häusern. Damals trugen rund 170 Wolfurter, also jeder zehnte Einwohner, den Namen Schwerzler. Auch 1900 besaßen sie noch 20 von den 290 Wolfurter Häusern. In zahlreiche Äste verzweigt waren sie immer noch das größte Geschlecht. Seither sind viele Linien erloschen. Nach dem Blauen Buch 1989 schreiben sich von den rund 7000 Wolfurter Bürgern nur mehr 30 Schwerzler und 34 Schwärzler. Einige von den Schwärzler-Familien sind in den letzten Jahrzehnten neu zugewandert. Trotzdem sind sie mit den Schwerzlern zusammen in Wolfurt von den Böhlern, Köb und Mohr an Zahl weit überholt worden. Beide Namen zusammen sind ein einziges Geschlecht. Welche Schreibart ist nun richtig, e oder ä ? Das ist nicht leicht zu entscheiden. Die älteste Schreibart ist Schwärtzler. Sie findet sich auch im ältesten Wolfurter Häuserverzeichnis von 1594. Damals standen nach dem Pestjahr 1593 von den 70 Wolfurter Häusern 10 leer. In den anderen 60 Häusern mit ungefähr 390 Einwohnern gab es vier Schwärtzler-Familien: Michael, Koni (Konrad), Melch (Melchior) und Hans Schwärtzler.3 Der Name Schwärzler stammt ganz sicher vom Wort „schwarz". Sein Ursprung liegt vielleicht bei einem dunkelhaarigen Stamm1 2 3 VLA, Breg. Regesten 366 VLA, Breg. Regesten 600 VLA, Holunder 1932 / 30 Wappen der Familie Schwerzler, gezeichnet von Edmund Schwerzler. Überliefert im VLA. 3 vater. Wahrscheinlicher aber kommt er von einem Färber, der mit Hilfe von Ruß Leinwand und Leder schwärzte (mittelhochdeutsch swerzen). Außer in Wolfurt sind die Schwärzler ebenfalls schon seit 500 Jahren in Lingenau nachweisbar. Lingenau war ja von Hofsteig aus besiedelt worden und hatte im Mittelalter enge Beziehungen zu Wolfurt. Auch heute gibt es in Lingenau noch etwa 8 SchwärzlerFamilien, dazu noch ein ganzes Dutzend im benachbarten Hittisau und ein weiteres Dutzend in Langenegg. Alle schreiben sich einheitlich Schwärzler. Bei uns hat die Schreibart mehrfach gewechselt. Bei Beginn der Matrikenbücher im Jahre 1650 schrieb Pfarrer Lorenz Leuthold noch das alte Schwärtzler. Sein Nachfolger Christoph Duelli begann im Jahre 1664 mit Schwerzler. Diese neue Schreibart hielt sich in vielen Fällen unverändert bis heute. Ab 1814 führte zwar Pfarrer Alois Grasmeyer, der auch viele andere Wolfurter Namen abänderte, das ursprüngliche Schwärzler wieder ein. Aber die Wolfurter, die inzwischen selbst schreiben gelernt hatten, folgten ihm nicht. Daher schrieben auch Grasmeyers Nachfolger bald wieder das in Wolfurt übliche Schwerzler. Anders in Schwarzach! Dort stellte der aus Wolfurt stammende Tuch-Fergger Josef Schwerzler um das Jahr 1835 ganz plötzlich seinen Namen auf Schwärzler um. Als sein Sohn Gebhard Schwärzler 1857 Vorsteher von Schwarzach und 1865 gar Landtagsabgeordneter wurde, wirkte sich das auch auf seine Wolfurter Namensvettern aus. Zuerst machte es der Maurer Gebhard Schwerzler, Färbarles, der seit 1864 im Haus Hofsteigstraße 13 wohnte, dem gleichnamigen Schwarzacher Vorsteher nach. Seine zahlreichen Nachkommen, Liborats, Schnidars und Ludwigos, schreiben sich seither alle Schwärzler. Vom Oberfeld stammte der angesehene Bregenzer Kaufmann und Historiker Kaspar Schwerzler. Während seine Wolfurter Schwestern ihren Namen behielten, ließ er seine Forschungsarbeiten unter Kaspar Schwärzler erscheinen. Auch Baholzers auf der Steig schreiben sich heute noch Schwerzler. Ihr berühmter Onkel aber, Pfarrer Martin Schwärzler, Ehrenbürger von Bezau und Erbauer der dortigen Kirche, hatte in seiner Studentenzeit um 1890 plötzlich das ä in seinen Namen genommen. Ihm folgten sein Bruder Johann und dessen Sohn Martin, der Spengler im Tobel. So schreibt sich also heute Klamporars Marte im Tobol, Jg. 1908, Martin Schwärzler. Sein leiblicher Vetter Baholzars Marte uf-or Stoag, ebenfalls Jg. 1908, schreibt dagegen Martin Schwerzler. Wer hat da recht? Wohl beide! Beide Schreibarten sind nach der Überlieferung gerechtfertigt. Eines verbindet aber auf alle Fälle die Schwerzler und die Schwärzler: ein gemeinsamer Urahn Jakob Swärtzler vor 500 Jahren und eine lange Ahnenreihe in Wolfurt. Schwerzler-Unterschriften aus dem Jahre 1805 Unter Kriegserlittenheiten (GA Wolfurt) gaben die Wolfurter Hausbesitzer ihre Schäden aus dem Kriegsjahr 1805 zu Protokoll und bestätigten mit ihrer Unterschrift. Hier eine Auswahl der Schwerzler-Namen. Links hat sie der Gemeindeschreiber alle mit ä vorgeschrieben. Rechts die persönlichen Unterschriften. In Nr. 9, Naiolars Husan der Ach, akzeptierte Joseph Schwerzler als einziger das ä. Seine Nachkommen haben allerdings alle wieder mit e geschrieben. Nr. 26 ist Filitzos Husan der Kellhofstraße. Mit ungelenker Hand schrieb der alte Franz Joseph, der noch keine Schule besucht hatte, das e. Nr. 66 ist Holzmüllars Hus, Im Holz 1. Martin schrieb sogar noch mit dem alten tz. Nr. 77 ist das Haus Frickenescherweg 6, aus dem die Zimborar stammen. Nr. 80 ist Kirchstraße 17 in Unterlinden, wo Murars daheim waren. Nr. 109 ist Hofsteigstraße 20 an der Hub. Weil Thomas als 48jähriger Mann, wie andere Wolfurter damals auch, das Schreiben noch nicht gelernt hatte, kritzelte er ein Kreuz. Dazu notierte der Gemeindeschreiber: da er des schreiben unkundig hat er dis Handzeichen gemacht. Die anderen Schwerzler ließen sich durch Zeugen vertreten. 4 5 I. Der Anfang. Stamm Georg. Genaue Unterlagen besitzen wir erst seit 1650 in den Pfarrbüchern. Die Schwerzler beginnen dort mit 1. Georg Schwärtzler und seiner Frau Agatha Feursteinin, denen am 9. Jänner 1652 eine Tochter Maria geboren wurde. Georg war um das Jahr 1640 Ammann des Gerichts Hofsteig gewesen. Eine von ihm gesiegelte Urkunde aus diesem Jahr wird im Landesarchiv aufbewahrt.4 Seine Frau Agatha dürfte eine nahe Verwandte seines Vorgängers im Ammann-Amt Jakob Feurstein aus Rickenbach gewesen sein. Von ihren Kindern sind nur Maria, Anna, Balthasar und Melchior im Taufbuch vermerkt. Etliche sind nämlich schon vor 1650 geboren, darunter Martin und der als Stammhalter wichtige Johann, die wir aus dem Traubuch kennen. Im Totenbuch findet sich unter dem 9. Juli 1665 die von Pfarrer Duelli in neuer Schreibart gemachte Eintragung Mortuus est Amann Georg Schwerzler. 2. Johann Schwerzler besaß einen Hof in Und der linden, also an der Frickenescherstraße. Auch er, den die Hofsteiger Hanß Schwertzier Ammans Sohn zue Wolfurth nannten, wurde in Lauterach zum Hofsteig-Ammann gewählt und zwar gleich viermal für jeweils drei Jahre. Allerdings kam er dadurch in arge Schwierigkeiten.5 Seine Frau Maria Müller gebarihm 11 Kinder, darunterden Stammhalter Felix. Am2. Mai 1722 ist Ammann Johann Schwerzler gestorben. 3. Felix Schwerzler (L), 1683-1733, zog mit seiner Frau Maria Kündig ins Kirchdorf. Direkt beim Dorfbrunnen erwarben sie zwei Häuser. Vom einen, das schon 1795 abgebrochen wurde, ist nur mehr die winzige Bauparzelle beim Brunnen als „Fitz-Gärtle" erhalten geblieben. Das zweite, aus dem die meisten der heute in Wolfurt lebenden Schwerzler und Schwärzler stammen, steht noch als Mohro Emiles, Kellhofstraße 1, gegenüber vom Pfarrheim und wird derzeit von türkischen Gastarbeitern bewohnt. Noch mehr als 100 Jahre lang hießen die weit in ganz Wolfurt verstreuten Nachkommen aus diesem Haus Felixos, eine Familie sogar bis in unsere Tage Filitzos. Von all diesen Familien liegt eine Fülle von Daten vor. Hier kann ich daraus nur einen kurzen Auszug bringen. Er soll uns allen, besonders aber den Schwerzlern und Schwärzlern, helfen, sich in dem riesigen Geschlecht zu orientieren. Die Schwerzler-Frauen mögen verzeihen, daß sie hier nicht aufscheinen. Aber es geht ja nur um die Namen. Daher muß ich mich auf die männlichen Linien beschränken. Die Bande des Blutes führen dagegen noch in unzählige andere Richtungen. Fast jede Wolfurter Familie hat ein paar Tropfen Schwerzler-Blut. Aus Felixos Hus am Dorfplatz stammen die meisten Schwerzler-Familien. Auf dem kleinen grünen Platz davor stand bis 1795 noch ein zweites Schwerzler-Haus. Felixos Toblars, Büoblars, Hannes, Stenzlars, Liborats, Schnidars, Ludwigos, Tirolars, Filitzos, Hafnars und Murars, alle aus einem Stamm ! Toblars 1. Georg Schwärtzler, Ammann 1640, gestorben 1665 2. Johann, Ammann 1689-95 und 1701-07, gestorben 1722, Unterlinden 3. Felix (I.), 1683-1733, Kirchdorf 4. Felix (IL), 1723-99, Kirchdorf (Kellhofstr. 1) 5. Franz Josef, 1781-1850. Er heiratete ins Tobel (Tobelgasse 6) 6. Gebhard, 1818-94, Tobel 7. Ferdinand, 1843-1916. Er heiratete in die Bütze (Lauteracherstr. 2). Fünf Brüder und eine Schwester wanderten nach Amerika aus. Sein Bruder Josef Gebhard hatte im Elternhaus im Tobel acht Kinder und den Enkel Wilhelm (1930). 8. Martin (I.), 1875-1945. Sechs Söhne und drei Töchter in der Bütze. 9. Martin (IL), (1931), Fattstraße 3 7 4 5 VLA, Urkunde vom 23.4.1640 Siehe Heimat, Heft 13, S. 21 und S. 28 ff! 6 Seine Söhne Ferdinand (1967) und Alexander (1970) sind neben Peter (1949, Franziskas Sohn, Lauteracherstr. 2) die einzigen jungen männlichen Toblar in Wolfurt. Büoblars Anfang wie oben bei Toblar 4. Felix (IL), 1723-99 5. Josef Anton, 1774-1840, Ach (Bregenzerstr. 30, Scheoffkneochts) 6. Lorenz, 1815-1897, Kirchdorf (Kreuzstraße 7) 7. Andreas, 1860-1930, Kirchdorf-Loch (Im Dorf 3) 8. Julius, 1907-1995, Im Dorf 3a Nur der Sohn Herbert (1957) trägt den Namen weiter. Hannes Anfang wie Büoblar 5. Josef Anton 6. Johann Evangelist, Hanne, 1819-1877, Loch (Im Dorf 10, Köbs) 7. Johann Martin, 1861-1922, Röhle (Bregenzerstr. 6) 8. Franz, 1896-1964, Röhle, Hannes Franz Er blieb wie auch sein Bruder Hannes Ludwig (1898-1957) ohne Schwerzler-Nachkommen. Stenzlars Anfang wie Büoblar 5. Josef Anton 6. Andreas, 1820-1886, Kirchdorf (Schloßgasse 1) 7. Josef Anton, 1858-1899, Kirchdorf oo Paulina St^-zel, daher Stenzlar 8. Josef Anton, 1899-1951, Tschuppa-Tone Keine Schwerzler-Nachkommen. Die Tochter Sieglinde, 1926-1983, heiratete Leopold Hasler. Von Antons Schwester Frieda, verheiratet mit Johann Köb, ging der Hausname Stenzlar auf eine Schloßburo-Sippe über. Liborats Anfang wie Toblar 4. Felix (IL) 5. Josef Xaver, 1762-1832, Strohdorf (Kirchstraße 9, Kaufmanns) 6. Gebhard, 1795-1862, Rickenbach (Hofsteigstraße 51, Kaufmanns) 7. Josef Schwärzler, 1834-1883, Hub (Hofsteigstraße 13, Festinis) 8. Liberat, 1867-1909, Hub (Flotzbachstraße 1) 9. Karl, 1897-1962, Hub 10. Hubert (1936), Eulentobel 12 Sein Bruder Dr.Paul Schwärzler (1939) ist nach Schwarzach übersiedelt. Schnidars Nahe Verwandte zu Liborats 7. Josef Schwärzler 8. Josef, 1871-1965, Schneidermeister, Hub (Hofsteigstr. 24) 9. Gebhard, 1906-1989, Hub Kinder, aber keine Schwärzlerenkel Ludwigos Nahe Verwandte zu Liborats 7. Josef Schwärzler 8. Ludwig, 1876-1932, Hub (Flotzbachstraße 8) 9. Oswald, 1905-1990, Hub 10. Ludwig (1931), Wuhrweg 17 11. Roland (1963), Bützestraße 4 Tirolars Anfang wie bei Toblars 4. Felix (IL), 1723-1799 5. Johann Georg, 1756- , seit 1786 verheiratet mit Katharina Winkler, die aus Tirol stammte. Kein eigenes Haus. 6. Fidel, 1788-1859, Rickenbach (Dorbirnerstraße 8, Mohro Veres) 7. Fidel, 1819-1856, Rickenbach 8. Josef, 1854-1927. Er erbaute 1887 das Haus Flotzbachstr. 10 (Tirolars) 9. Johann, 1894-1976 10. Karl (1929), verzogen Seine Schwester Alwine heiratete Florian Gollob. Filitzos Sie stammen nicht von Felix (IL), sondern von dessen älterem Bruder Josef. 3. Felix (L). Aus Felixos entstand der Hausname Filitzos. 4. Josef, 1720-1770. Sein Haus stand im Kirchdorf direkt am Brunnen (Fitz-Gärtle) 5. Franz Josef, 1747-1814. Er erwarb 1795 auf der anderen Seite der Kellhofstraße ein größeres Haus und brach sein Elternhaus ab. Filitzos Hus ist 100 Jahre später 1895 für den Schwanen-Biergarten ebenfalls abgebrochen worden. 6. Josef Anton, 1785-1865, Kirchdorf 7. Johann Martin, 1823-1885, Kirchdorf. Er war der erste Instrumentenmacher und gründete im Jahre 1851 die „Neue Musik". Bis zu seinem Tod war er deren Kapellmeister. 8. Johann Georg, Jg. 1865, Filitzo Hamide, Baumeister. Er brach das Elternhaus ab und übersiedelte nach Bregenz. Seine Schwester Johanna, verehelichte Gmeiner (1867-1932), war viele Jahre lang die Wolfurter Hebamme. 8 9 9. Paul Adalbert, 1902-1986, Im Wida 1, Maurermeister in Lauterach. Er kehrte 1961 mit seiner Familie nach Wolfurt zurück. 10a. Burkhard (1939), Augasse 19 Zwei Schwerzler-Söhne: Christian (1963) und Claus (1967) 10b. Klaus (1944), Im Wida 1 Hafnars Anfang wie bei Filitzos 5. Franz Josef 6. Andreas, 1796-1853. Er erbautel827 auf der Steig das Haus Hofsteigstraße 39 {Benzars) 7. Wilhelm, 1837-1908, Spetenlehen (Hofsteigstraße 36, Klimmars) 8. Albert, 1878-1965. Hafnars Albert wanderte nach Amerika aus. Mit seinem Bruder Wilhelm Schwerzler (1881-1971), ging auch diese Linie zu Ende. Murars Anfang wie bei Filitzos 3. Felix (I.) 4. Johann Georg, 1727- , Unterlinden (Kirchstraße 17, Klockars) 5. Johannes, 1766-1827, Unterlinden 6. Josef Anton, 1807-1840, Unterlinden 7. Martin, 1835-1912, Strohdorf (Kirchstraße 3), Maurer 8. Josef Anton, 1865- , Strohdorf. Murars Seppatone war Maurer und Feuerwehrhauptmann. Mit seiner Tochter Murars Anna, 1901-1982, endeten die Murar-Schwerzler. Durch ihre Ehe mit Fridolin Böhler ging der Hausname auf die Murar-Böhler über. II. Stamm Jakob Holzmüllars, Baholzars, Klamporars, Zimborars, Naiolars, Flaschnars Eng verwandt zum obigen Stamm des Ammanns Georg Schwärtzler ging in Wolfurt gleichzeitig ein zweiter Schwerzlerstamm auf. Georg und Jakob dürften Brüder gewesen sein. Darauf läßt die Gleichartigkeit der Leitnamen in ihren Familien schließen. 1. Jakob Schwärtzler lebte mit seiner Familie im Holz. Dort war er zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vermutlich bereits Inhaber der Mühle im Holz. Seine erste Frau Maria Stadelmann gebar ihm sehr viele Kinder, darunter die Söhne Martin, Rochus, Johann, Kaspar, Anton und Sebastian. Seine zweite Frau Maria Böhler blieb kinderlos. Stammvater Jakob starb am 6. Februar 1696. Holzmüllars 1.Jakob 2. Johann, im Holz, gestorben 1722 3. Johann, im Holz, 1695-1761 10 4. Josef, 1725-1764, Holz (Im Holz 1) Josef hatte einen älteren Bruder Georg im Nachbarhaus (Im Holz 3), der dort nach einer Urkunde von 1731 die obere Mühle im Holz betrieb.6 Georgs Schwiegersohn Johann Stadelmann kaufte 1772 das Schloß und wurde durch seinen Schwiegersohn Franz Xaver Köb Stammvater der Schloßburo-Köb. Von ihm stammen aber auch die Holzarschmiod-Böhler im Stammhaus Im Holz 3. 5. Johann Martin, 1762-1826, Holz 6. Johann, 1813-1859, Holz, Holzmüller 7. Josef Anton, 1854- , Holzmüller Seine Tochter Johanna Schwerzler heiratete 1924 Ludwig Gunz aus Bildstein. Damit erhielt der Stammsitz der Holzmüller nach 300 Jahren Schwerzler den neuen Namen Gunz. Baholzars Anfang wie Holzmüllars 5. Johann Martin, Holz 6. Johann Martin (IL), 1797-1858. Er heiratete ins Bannholz. 7. Johann Martin (III.), 1833-1908, Bannholz. 8. Josef Anton, 1865-1923. Sein Bruder Martin Schwärzler wurde Pfarrer und Ehrenbürger von Bezau. (Siehe Anhang!) Als das Haus im Bannholz (nahe bei Rutzenbergstraße 25) 1915 abgebrannt war, übersiedelte die Familie auf die Steig (Rutzenbergstraße 1). 9. Josef Anton, 1904-1979. Frickenescherweg 4. Im Elternhaus auf der Steig blieben seine Geschwister Baholzars Kathrie und B. Marte. 10. Jakob Schwerzler (1948). Er erwarb und renovierte im Röhle das Haus Bregenzerstraße 7. Als Stammhalter der Holzmüllar-Baholzar trägt er zufällig auch den Vornamen des Urahns Jakob. Klamporars Ein Zweig von Baholzars 7. Johann Martin (III.) 8. Johann Schwärzler, 1867-1909, Strohdorf (Rebberg 8, Berchtolds) 9. Martin Schwärzler (1908), Spengler. Er erwarb das Haus und den Hausnamen des Klamporars (Spenglers) Raschle im Tobel (Tobelgasse 4). Drei Söhne: Edwin (1934), Ludwig (1938) und Walter (1940). Zimborars Ein mächtiger Ast aus dem Stamm Jakob setzte sich vom Holz herab für lange Zeit in Unterlinden fest. Am längsten besaßen die Schwerzler dort die Häuser Frickenescherstraße 6 (Guldenschuhs) und 7 (Müllers). Die Familie Müller gehört zu ihren direkten Nachkommen. 6 VLA, Urkunde 6993 v. 1.2.1731, gesiegelt von Hofsteigammann Jörg Rohner 11 Müllers Haus in Unterlinden ist ebenfalls ein Stammhaus der Schwerzler 1. Jakob. Urahn der Holzmüllar. 2. Sebastian, 1658-1736. Unterlinden. 3. Georg, 1695-1757 4. Anton, 1736-1799, Hub (Eulentobel 2, Gassers). Von seiner Frau Elisabeth haben die Lislo-Gmeiner, die ebenfalls aus dieser Familie stammen, ihren Hausnamen. 5. Josef, 1773-1845. Er kehrte wieder in ein Schwerzlerhaus nach Unterlinden zurück (Frickenescherweg 6, Guldenschuhs). 6. Joh.Georg (I.), 1809-1881, Zimborar (Zimmermann) in Unterlinden. 7. Joh.Georg (IL), 1848-1890, Unterlinden, Zimmermann 8. Joh.Martin, 1877-1916. Zimborars Hansmarte, Sticker. 9. Edmund (1912). Er übersiedelte nach Feldkirch (Siehe Anhang!). Damit ist dieses einst sehr große Schwerzler-Geschlecht in Wolfurt erloschen. Naiolars Ein großer Ast aus den Unterlindener Schwerzlern. Anfang wie bei Zimborars 3. Georg, 1695-1757, Unterlinden 4. Sebastian, 1729-1788, Unterlinden 5. Joh.Josef, 1773-1837. Er erwarb 1804 an der Ach ein Haus am Platz des späteren Wälderhofs (Bregenzerstraße 28). Seither wurde dieses als Naiolars (Nähers) bezeichnet. 12 6. Joh.Georg (I.), 1810- , Ach 7a. Joh.Georg (IL), 1848-1915, Hansirg. Von einem Naiolar-Onkel erbte er in der Bütze das Haus Bützestraße 2. Sein einziger Sohn Josef starb 1914 als Soldat in Galizien. 8a. Rosa Schwerzler, 1892-1943. Durch ihre Ehe mit Eugen Rist kam Naiolars Hansirgo Hus in der Bütze in den Besitz der Familie Rist. 7b. Joh.Baptist, 1854-1919, Hambadist. Er übernahm das Elternhaus an der Ach, das aber 1897 abbrannte. 1906 erbaute er ein neues Haus weiter unten an der Ach (Achstraße 25). Der einzige Sohn Joh.Georg starb 1915. 8b. Olga Schwerzler, 1886-1969, Böglar-Olga, Achstraße 25 9b. Elmar Schwerzler, 1925-1944. Mit seinem Tod im Kriegslazarett starb auch diese Linie aus. 7c. Lorenz (L), 1851-1919. Er heiratete in die Bütze (Bützestraße 13, Kalbs). 8c. Lorenz (IL), 1890-1957. Naiolars Lorenzle starb kinderlos als letzter Mann aus diesem Zweig. Von seiner Schwester Adelheid Schwerzler kam das Haus durch ihre Ehe mit Ferdinand Kalb an die Familie Kalb. Flaschnars Eine Seitenlinie von Naiolars an der Ach 5. JohJosef, 1773-1837 6. Martin, 1820-1881, Flaschner (Spengler). Erkaufte 1871 den Gasthof „Schiffle" an der Ach (Bützestraße 41) und wurde Wirt. Nach seinem Tod übersiedelte die große Familie nach Kennelbach. Ein Sohn William K. Schwerzler ist 1951 in New Jersey, USA, gestorben. III. Stamm Johann Dellomoosmüllars Noch ein weiterer Schwerzler-Stamm bestand in Wolfurt schon vor 1650, zu den beiden anderen vermutlich nahe verwandt. 1. Johann Schwerzler. Der Pfarrer schrieb seinen Namen Hanß Schwärtzler. Aus den Pfarrbüchern kennen wir zwei Ehefrauen, Maria Straßer, gest. 1656, und Katharina Natter, außerdem vier von den Kindern aus der ersten Ehe: Michael, Anton, Barbara und Franz. 2. Anton, 1650-1722. Er wohnte mit seiner Familie als nächster Nachbar zu Felixos direkt hinter dem alten Schwanen im Gässele. Dieses dritte Schwerzlerhaus im Kirchdorf wurde schon 1911 abgebrochen und seither nicht mehr aufgebaut. 3. Josef, 1691-1754, im Gässele 4. Johann Georg, 1732-1793. Er erwarb 1786 die Mühle an der Minderach und wurde Dellenmoosmüller. (Siehe Anhang!) 5. Josef Schwärzler, 1776-1847, Tuch-Fergger, Schwarzach 6. Gebhard Schwärzler, 1815-1896, Fabrikant, Bürgermeister von Schwarzach. Über ihn und seine Nachkommen berichtet ein eigener Artikel im Anhang. 13 Pfarrer Martin Schwärzler Zwar standen am Anfang der SchwerzierReihen zwei mächtige Hofsteig-Ammänner. Ihre vielen Nachfolger blieben aber in den meisten Fällen schlichte Bauern und Handwerker. Nur ganz wenige traten ins Licht der Öffentlichkeit. Einer davon war Pfarrer Martin Schwärzler. In einem kleinen Bauernhaus auf dem Rutzenberg, zu dem auch ein Steinbruch gehörte, lebte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die Familie Martin Schwerzier, Baholzars. Mutter Katharina, geb. Fischer, schenkte zwischen 1864 und 1875 neun Kindern das Leben. Vier Büblein tauften sie Gebhard. Alle vier starben innerhalb der ersten Lebenswochen. Johanna, die älteste, heiratete 1889 Josef Pfarrer Martin Schwärzler Höfle, Dello-Seppl in Rickenbach. Ihren Sohn Martin Höfle, 1892-1992, haben wir alle als unseren 100jährigen Dorfpolizisten gekannt, Josef Anton Schwerzier, der älteste Sohn, übernahm den Hof, der dann 1915 abgebrannt ist. Jetzt übersiedelte er mit seiner großen Familie herab auf die Steig. Das alte StöoglarHus dort heißt seither Baholzars. Die zweite Tochter Maria Rosa blieb ledig, der zweite Sohn Johann heiratete ins Strohdorf und wurde der Stammvater von Klamporars im Tobel. Der jüngste von den Söhnen, geboren am 21. Jänner 1872 im Bannholz, wurde nach dem Vater Johann Martin getauft. Ein paar Jahre später fiel der körperlich schwächliche Bub in der Wolfurter Volksschule dem neuen Pfarrer Johann Georg Sieber durch seine Begabung auf. Der Pfarrer sorgte dafür, daß Martin schon mit 11 Jahren nach Brixen im Südtirol ins Knabenseminar Vizentinum geschickt wurde. Dort absolvierte das Studentlein, sicher oft vom Heimweh geplagt, alle acht Gymnasialklassen. Nur die Sommerferien durfte Martin daheim auf dem steilen Bannholzbühel verbringen. Seine Eltern ersparten ihm das sonst für Studenten übliche Betteln um eine Unterstützung. Dafür half er in der Landwirtschaft mit. 1891 legte Martin die Matura ab, blieb aber in Brixen. Unter dem verändert geschriebenen Namen Schwärzler trug er sich im Priesterseminar ein. Zu Peter und Paul 1895 salbte ihn 15 Das alte Schulhaus. Federzeichnung von Edmund Schwerzler. Zusammenfassung Das Geschlecht der Schwerzler hat sich in Wolfurt, ausgehend von einem 1503 urkundlich genannten Jakob Swärtzler, in drei großen Stämmen ausgebreitet. Um das Jahr 1850 erreichte es mit etwa 170 Namensträgern die größte Zahl. Seither sind die Schwerzler, von denen sich viele inzwischen Schwärzler schreiben, auf etwa ein Drittel zusammengeschmolzen. Im Mannesstamm erloschen sind in Wolfurt zuletzt folgende Sippen: Hannes mit Franz Schwerzler +1964 Murars mit Josef-Anton + Stenzlars mit Anton +1951 Holzmüllars mit Josef-Anton + Schnidars mit Gebhard +1989 Zimborars mit Edmund (verzogen) Tirolars mit Johann +1976 Naiolars mit Lorenz +1957 Hafnars mit Wilhelm +1971 Flaschnars mit Martin +1881 Die heute in Wolfurt lebenden Schwerzler und Schwärzler gehören fast alle den alten Sippen Toblars, Büoblars, Liborats, Ludwigos, Filitzos, Baholzars oder Klamporars an. Einige sind aber auch erst in den letzten Jahren aus dem Vorderwald zugezogen. Auf nur mehr wenigen jungen Familien ruhen die Schwerzler-Erwartungen für das nächste Jahrhundert. Dazu wünschen wir ihnen alles Gute! 14 der Brixner Bischof zum Priester. Am Sonntag, 9. Juli 1895, feierte Martin Schwärzler in Wolfurt seine erste heilige Messe. Die Wolfurter machten, angeführt von ihrem späteren Ehrenbürger Pfarrer Sieber und von Vorsteher Lorenz Schertler, aus der Primiz ein eindruckvolles Fest. Neun Tage lang koordinierte „Dekorationsmeister" Ferdinand Schneider die Vorbereitungen. Außer beim Elternhaus wurden entlang der Hauptstraße für den Festzug weitere acht (!) bekränzte Bogen aufgestellt: in Rickenbach, Spetenlehen, Hub, Strohdorf, Unterlinden, dann der größte am Kirchplatz und schließlich noch je einer am Kirchenportal und beim Pfarrhof.1 Schüler, Kongregation, Männer und Frauen holten den Primizianten mit ihren Kirchenfahnen in Rickenbach ab. Beide Musikkapellen, die alte und die neue, begleiteten den Zug. Geschlossen marschierten die Feuerwehr und die Turner. Die Schützen hatten sich eigens verstärkt. 195 Männer sollen es gewesen sein, die ihre alten Gewehre mit den auf allen Büheln aufgestellten Böllern um die Wette knallen ließen. Nur gut, daß Geistlichkeit und Honoratioren in Kutschen fahren durften, der Primiziant wäre sonst müde zur Kirche gekommen! Einen Monat später, nach verschiedenen Einladungen zu „Nachprimizen" in die Nachbargemeinden, trat der Neupriester seinen ersten Dienstposten als Frühmesser in Dornbirn an. Neun Jahre lang wirkte er hier in St. Martin, in der Pfarre, die seinem Namenspatron geweiht war. Dann aber wurde er 1904 nach Bezau gerufen. Keiner von den älteren Pfarrherren hatte sich um diese große, schöne Pfarre beworben, denn hier mußte dringend eine neue Kirche gebaut werden. Der Pomp bei seiner Primiz in Wolfurt mag einer der Gründe gewesen sein, daß sich der neue Pfarrer bei Vorsteher Feuerstein in Bezau jegliche Feier bei seinem Einzug verbat. Mit umso größerer Tatkraft machte sich der kleine, bescheidene Mann ans Werk. In verhältnismäßig kurzer Zeit war die Planung für eine große neue Kirche abgeschlossen, die Finanzierung gesichert. In den Jahren 1907 und 1908 entstand der gewaltige B au. Auch die gesamte Einrichtung wurde erneuert, die Altäre, die Bänke, die Orgel, die Glocken, sogar der Friedhof. Der Stolz und die Freude der Bezauer über ihre Kirche waren ungeheuer groß. Sie sind noch immer stolz, auch wenn mancher moderne Kunstkritiker glaubt, über das Stilgemisch von Historismus und Nazarenermalerei ein wenig lächeln zu müssen. Unbeeinflußte Besucher stellen immer wieder fest: Eine Kirche, die zum Schauen und zum Beten einlädt! In den Jahrzehnten seiner priesterlichen Seelsorge gewann Pfarrer Schwärzler durch seine 2 1 Pfarrkirche Bezau, erbaut 1908 gütige und liebevolle Art, durch seine Frömmigkeit und Bescheidenheit, die Herzen seiner Pfarrkinder. Schon 1929 ernannte ihn die Gemeinde Bezau nach 25 Jahren als Pfarrer zu ihrem Ehrenbürger. Er blieb noch bis ins hohe Alter im Dienst. Das einzige, was sich der den Armen gegenüber immer freigiebige, selbst aber völlig anspruchslose Geistliche gönnte, waren einige große Wallfahrten nach Rom, Lourdes und ins Heilige Land.2 1940 trat er von seiner Pfarrstelle zurück, blieb aber als Katechet im Schuldienst, besorgte den Erstkommunionunterricht und stand auch gerne anderen Pfarren als Aushilfe zur Verfügung. Sein 50jähriges Priesterjubiläum ging in den Wirren des Kriegsendes 1945 fast unter. Das 60jährige feierte der rüstige Greis ganz nach seiner bescheidenen Art in aller Stille am Gnadenaltar der Landesmutter in Rankweil. Da hat er sicher seine Verwandten und uns alle in Wolfurt auch in sein Gebet eingeschlossen! Wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag ist Pfarrer Martin Schwärzler nach kurzer Krankheit am 14. November 1961 gestorben. Neben dem Südportal seiner Pfarrkirche widmeten ihm Pfarrei und Gemeinde Bezau ein Ehrengrab. Bezauer Pfarrblatt, Festausgabe zum 29. Juni 1955 GA, Chronik Schneider 3, S. 204 17 16 Edmund Schwerzler Ein künstlerischer Tausensassa! So nennt ihn das Kultur-Journal anläßlich einer SchwerzlerAusstellung in Vaduz im November 1990. Ein Multitalent, wie es nur selten vorkommt! Vielen von uns ist Edmund noch gut bekannt, auch wenn er nun schon seit einigen Jahrzehnten im Oberland daheim ist. Zwar ist mit seinem Wegzug die uralte Sippe der Zimborar in Unterlinden erloschen, aber auch die Toblar-Schwerzler zählen ihn zu ihrer Familie. Edmunds Vater Johann Martin Schwerzler, Zimborars Hansmarte, war ein Sticker. Die Mutter Klara Rohner, Toblars Klara, stammte wie ihr Bruder Theodor Rohner (Bürgermeister von 1938 bis 1945) mütterlicherseits aus dem Tobel. 1909 hatten sie geheiratet und bald danach eine Wohnung im Haus Unterlindenstraße 23 bei Ferdinand Köb bezogen. Dort kamen nun drei Buben zur Welt, Franz 1910, Edmund 1912 und Herbert 1914. Bei Beginn des Ersten Weltkrieges mußte der Vater einrücken, wurde in Serbien schwer verwundet und ist 1916 im Lazarett gestorben. Eine harte und entbehrungsreiche Kindheit und Jugend für die Buben ging, als sie gerade ihre Berufe erlernt hatten, in die bitteren Soldatenjahre im Zweiten Weltkrieg über. Franz starb nach einem Unfall schon 1939. Herbert heiratete 1948 nach Hard. Edmund, dessen Zeichentalent schon in der Volksschule aufgefallen war, schloß 1947 an der HTL seine durch den Krieg unterbrochene Ausbildung als Hochbauzeichner ab und fand eine Anstellung bei einem Architekten und später im Landeshochbauamt. 1950 heiratete er Wilhelmine Broch und übersiedelte nach Feldkirch. Aus der glücklichen Ehe entstammen der Sohn Franz Schwerzler in Gisingen und die Tochter Gisela, verehelichte Meier in Schellenberg. Neben seinem Beruf entwarf Edmund manchen Plan für die in Wolfurt gebauten Einfamilienhäuser. Mit den Freunden in der alten Heimat, besonders mit den ehemaligen Musikkameraden, hielt er weiterhin Kontakt. Edmund 18 Schwerzler Zwar hatte er immer schon gerne "gezeich- net", aber so richtig entfaltete sich sein künstlerisches Talent erst spät. Jetzt entstanden aus Edmunds Hand in seiner Freizeit vielfältige Werke: graphisch gestaltete Urkunden, Brandmalereien, Wappenzeichnungen, sogar originelle Keramikfiguren für Ofenkacheln. Vollends verschrieb er sich der Kunst, nachdem er 1976 in den Ruhestand getreten war. Seither hat er vor allem mit Federzeichnungen vielen Menschen Freude bereitet. Zuerst schuf er Bilder von Feldkircher Motiven, dann auch solche aus ganz Liechtenstein, wo er seit dem Tod seiner Frau Mina bei der Tochter eine dritte Heimat gefunden hat. Porträts und Wappenserien stellte er dem Schulamt als Lehrbehelfe zur Verfügung, dazu auch Bilder zur Geschichte von Liechtenstein. Regelmäßig gestaltete er die Titelseiten des Pfarrblattes von Levis und des Gemeindeblattes von Schellenberg mit seiner feinen Feder. Ein wahrer Meister wurde Edmund noch auf einem anderen Gebiet. In Erinnerung an die bescheidenen Spielzeuge seiner Kindheit verschaffte er sich noch einmal eine „Laubsäge"Ausrüstung. Für die Kinder zuerst, dann als Zimmer- und Weihnachtsschmuck stellte er kostbares Kunsthandwerk her. Seine mit großer Feinfühligkeit und Ausdauer gestalteten Arbeiten stießen bei den Ausstellungen in Vaduz 1990 und in Sargans 1991 auf begeisterte Zustimmung. Sicher hat Edmund Schwerzier mit seiner Freude an schönen Dingen, seiner Hilfsbereitschaft und seinem bis ins hohe Alter unermüdlichen Schaffen die Menschen seiner Umgebung und sich selbst reicher gemacht. Wir Wolfurter wünschen ihm noch für viele Jahre Gesundheit und Kraft! Baueraus Liechtenstein. Porträt von Edmund Schwerzier 19 Als zweiter Schwerzler heiratete 1750 Anton Schwerzler, 1724-1797, nach Schwarzach. Er war ein Sohn des (3.) Josef aus dem Stamm III. im Gässele. Seine Frau Maria Meßlang war eine Schwarzacherin, die nun mit ihm im domus 33 bey der Kirchen sechs Kinder aufzog.3 Im Jahr 1764 kauften sie die Dellenmoos-Mühle. Diese alte wichtige Mühle nutzte die Wasserkraft der Rinne, eines alten Kanals, der an der Grenze zu Wolfurt Wasser aus der Schwarzach in die nahe Minderach leitete. Das Wasserrad trieb nicht nur eine Mühle, sondern mit Riemen-Transmissionen auch ein Sägewerk und eine Lederwalke und später dazu noch eine Wetzsteinschleife. Alles gehörte viele Jahre lang der Müllerfamilie Sailer in domus 1 im Dellen Mos, bis 1761 nach dem Tod des erst 24jährigen Franz Xaver Sailer der Rickenbacher Johann Georg Böhler die Mühle kaufte. Aber schon nach drei Jahren verkaufte Böhler am 1 windtermonath 1764 die Mahlmühle samt Haus,-Säge, Walke und Gut (Wiese) mit allem Inventar für 1940 Gulden an Anton Schwerzler.4 Zwar beeinspruchten der Altmüller Johann Sailer und der Wolfurter Geschworene und Rößlewirt Martin Flatz den Kauf, zogen aber ihre Einsprüche bald wieder zurück. Weihnachtssterne. Laubsägearbeiten von Edmund Schwerzler Wie die Schwerzler nach Schwarzach kamen Fast noch mehr Bedeutung als für Wolfurt erhielten dieSchwerzlerfür unseren Nachbarort Schwarzach. Besonders Gebhard Schwärzler hat im 19. Jahrhundert dem damals noch sehr kleinen Dörfchen überregionale Beachtung verschafft. Als erster Schwerzler war ein Holzmüllar nach Schwarzach gekommen. Franz Schwerzler, geboren 1687 als Sohn des (2.) Johann aus dem Stamm II. Jakob im Holz, hatte 1717 Maria Fischer, eine Tochter des Hofsteig-Geschworenen Franz Fischer in Spetenlehen, geheiratet. Mit ihr erwarb er das domus 25 im dorff in Schwarzach.1 Dort ist er 1761 gestorben. Sein 1722 geborener Sohn Johann Schwerzler übernahm das Haus. Von seinen Nachkommen wurde der 1840 in Schwarzach geborene Jesuitenpater Franz Xaver Schwärzler ein bedeutender Mann in der Kaiserstadt Wien. Als Provinzial der Jesuiten erbaute er dort deren Canisiuskirche.2 Mehr als 22 Jahre lang war nun Anton Schwerzler Dellenmoosmüller. Am 14. Mai 1786 wollte er Mühle und Säge an einen ehemaligen Wolfurter Nachbarn, an Josef Marth aus dem Lo beim Kirchdorf, verkaufen. Marths Frau Magdalena Köb und seine Mutter Maria Künz waren Schwarzacherinnen, er selbst der letzte aus der alten Wolfurter Sippe Marth, deren Ahnin Anna Martin im Jahre 1595 unter der Folter sterben mußte, weil sie angeblich die Reben in der benachbarten Bütze verhext hatte. Jetzt brachte Marth seinen Kauf nicht durch. Es war damals üblich, daß jeder schaf (Grundverkauf) nach dem Gottesdienst bei der Kirche veröffentlicht wurde. Wieder kam ein Einspruch, diesmal von Johann Georg Schwerzler, dem jüngeren Bruder des Verkäufers. Johann Georg, 1732-1793, lebte bis dahin mit seiner großen Familie im Schwerzler III - Stammhaus domus 38 im Gäßele hinter dem alten Schwanen im Wolfurter Kirchdorf.5 Seine Frau Katharina Haltmayer war eine Tochter des verstorbenen Rickenbacher Löwenwirts. Ihr Stiefvater, der neue Löwenwirt Joseph Fischer, hatte schon früher und auch jetzt wieder das Amt des Hofsteig-Ammanns inne und damit einen großen Einfluß auf alle Rechtsgeschäfte. Das dürfte den Ausschlag gegeben haben, daß die Dellenmoosmühle nach Ablauf der gesetzlichen Einspruchsfrist am 11. Juni 1786 Joh. Gg. Schwerzler zugesprochen wurde. 3 1 2 4 Pfarrarchiv Wolfurt, Seelenbeschrieb 1760 Josef Walser: Johann Kohler, Tyrolia 1918, S. 120 Wie Anmerkung 1 VLA, Schaffbuch Schwarzach 1758 / 84 1/2 Wie Anmerkung 1 5 20 21 Marth hatte das Nachsehen. Er ist kurze Zeit später nach Bregenz übersiedelt. Mit dem Familienerbe aus dem Löwen konnte Schwerzler die Mühle bezahlen. Er mußte auch die auf ihr lastenden Schulden übernehmen, 300 Gulden an den Hohenemser Juden Ofenheimer und 149 Gulden auf den pfanenberg in Bregenz.6 Diese Schulden hatten wohl seinen Bruder Anton zum Verkauf gezwungen. Jetzt überließ Joh. Gg. Schwerzler das Wolfurter Haus im Gässele seiner ältesten Tochter Maria Katharina, die noch im gleichen Jahr 1786 ihren Mann Aloys Haltmayer heiratete. Er selbst zog mit seiner Frau Katharina und den Kindern Ursula, Anna, Maria, Josef, Johann und Kaspar Schwerzler ins Dellenmoos.7 Mit seinen heranwachsenden Söhnen bewirtschaftete er die Mühle. Mutter Katharina hatte in Wolfurt noch zwei angesehene Vettern, den Adlerwirt Johann Haltmayer und den Kreuzwirt Josef Anton Haltmayer. Beide betrieben neben ihrer Gastwirtschaft einen Weinhandel und dazu noch eine Tuch-Ferggerei. Damals stand ja in fast jedem Haus ein Handweb^tuhl. Die Fergger versorgten die Weber mit Garn und vermittelten den Verkauf der Tücher. Bisher hatten die Weber den im eigenen Feld angebauten und selbst gesponnenen Flachs zu grober Bauern-Leinwand verarbeitet. Nun erzeugten sie aus der neumodischen, aus Südländern importierten Baumwolle feine Tücher. Ein Fergger wurde als Fabrikant bezeichnet. Das Beispiel seiner Wolfurter Verwandten führte nun dazu, daß auch des Dellenmoosmüllers ältester Sohn Josef ein solcher Fabrikant wurde. Er war 1776 noch im Gässele geboren worden und jetzt in Schwarzach als Müllers Sepp bekannt. Mit großem Einsatz weitete er sein Geschäft aus, -\ - allem durch die Umstellung von Weiß- auf Buntweberei in der Konjunktur nach den Napoleonischen Kriegen. Schließlich konnte er um 1835 gleich zwei große Häuser in Schwarzach bauen, eines (Gebhard-Schwärzlerstraße 5) für sich, das zweite für seinen jüngsten Sohn Gebhard (das markante, vor kurzem erneuerte DürKaufhaus, Hofsteigstraße 53). Um diese Zeit hatte Josef Schwerzler seinen Namen bereits auf Schwärzler umgestellt. 1847 ist er gestorben. Vorsteher Gebhard Schwärzler Josefs Sohn Gebhard Schwärzler, 1815-1896, hatte schon 1843 die Leitung der Baumwollfabrikation übernommen. Kurz zuvor hatte er noch in seinem Haus an der Hofsteigstraße eine Gemischtwarenhandlung eröffnet.8 Bis zu 200 Weber in Schwarzach und auf dem Steußberg woben an ihren Handwebstühlen für ihn. Schwärzler erkannte aber, daß VLA, Schaffbuch Schwarzach 1782 / 84 Pfarrarchiv Wolfurt, Familienbuch I c fol 81 8 Hans Kohler: Gebhard Schwärzler und seine Nachkommen, Eigenverlag Rankweil. 1992. Aus diesem Buch stammen auch viele von den folgenden Daten. Sie werden ergänzt aus Pfr. Josef Walser: Johann Kohler und Gebhard Schwärzler, Verlag Tyrolia, 1918. 7 6 er dem Konkurrenzdruck der Maschinenwebereien auf die Dauer nicht gewachsen sein würde. 1856 errichtete er daher selbst eine Fabrik mit 84 mechanischen Webstühlen in Schwarzach. Für den Antrieb sorgte ein Wasserrad am Kanal der Dellenmoosmühle. Später wurde zusätzlich eine Dampfmaschine eingebaut. Nach dem frühen Tod seines Sohnes Gebhard, dem er die Führung der Fabrik übergeben hatte, verkaufte er diese 1883 an F.M. Hämmerle in Dornbirn. Schon 1857 hatten die Schwarzacher Gebhard Schwärzler zu ihrem Vorsteher gewählt. Bis 1873 blieb er in diesem Amt und 1885 übernahm er es noch einmal für drei Jahre. 1888 wurde dann sein Schwiegersohn Johann Kohler Vorsteher und führte als solcher bis 1910 Schwärzlers Werk fort. In diesem halben Jahrhundert gaben die beiden ihrem Ort ein ganz neues Aussehen. Vorsteher Gebhard Schwärzler Die Entwicklung hatte schon mit der Erstellung der Wälderstraße durch das vorher unzugängliche Schwarzachtobel im Jahre 1838 eingesetzt. Gastwirte und Handwerker hatten davon . Vorteile, aber natürlich auch der Fergger, der seine Wälder Weber besuchte. Jetzt wurde eine Eisenbahn durch das Rheintal geplant. Als sich die Wolfurter mit aller Kraft gegen eine Linienführung über ihr Gebiet wehrten, plante der Feldkircher Fabrikant Carl Ganahl eine direkte Trasse parallel zur Reichsstraße durch das Lauteracher Ried nach Dornbirn. Vorsteher Schwärzler war inzwischen 1865 auch in den Vorarlberger Landtag gewählt worden. Obwohl er in weltanschaulichen Fragen manchen Kampf gegen Ganahl, den Anführer der den Landtag beherrschenden Liberalen, austrug, konnte er diesen doch dazu bewegen, Schwarzach als Tor zum Bregenzerwald mit einem eigenen Bahnhof auszustatten und dazu eine ganz neue Trasse zu wählen. Um die Bedeutung Schwarzachs zu unterstreichen, organisierte Schwärzler 1869 hier die erste große Landesausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe, zu der Besucher aus weitem Umkreis kamen. Landeshauptmann Froschauer nahm die Eröffnung vor. Aus Innsbruck erschien sogar der kaiserliche Statthalter Freiherr von Lasser. Prompt ernannten ihn die Schwarzacher zu ihrem ersten Ehrenbürger.9 9 Christoph Volaucnik, Heimatbuch Schwarzach, 1990, S. 220 22 23 Zum neuen Bahnhof erbaute Schwärzler auf eigene Kosten eine Straße, die heute nach ihm benannt ist. Lange wehrte er sich dagegen, daß die Wolfurter, die ein paar Jahre früher die Eisenbahn noch verschmäht, aber inzwischen ihren schweren Planungsfehler erkannt hatten, eine eigene Bahnhofsstraße durch den Schlatt bekamen. Über Initiative von Fabrikant Zuppinger und des neuen Wolfurter Vorstehers Adlerwirt Fischer wurde eine solche 1874 doch eröffnet, aber die Wolfurter mußten sie dann fast hundert Jahre lang einschließlich der Brücke auf Schwarzacher Gebiet selbst erhalten. Gegenüber vom Bahnhof eröffnete Schwärzler 1872 bei Aufnahme des Bahnbetriebes auch gleichzeitig das 20-Betten-Hotel „Bregenzerwald" mit Stallungen für 40 Postpferde, die den zunehmenden Verkehr von der Schnellzugsstation (!) Schwarzach in den Wald bewältigen mußten. Erster Hotelier wurde Schwärzlers Sohn Karl. Hundert Jahre später nannten die Schwarzacher ihr immer noch beliebtes Restaurant einfach die „Reste". 1978 ist sie abgebrochen worden.10 Aus dem Familienvermögen stiftete Tochter Paulina Schwärzler 1884 eine private Mädchenschule an der Hofsteigstraße, in der die Schwarzacher Mädchen bis 1938 von Barmherzigen Schwestern unterrichtet wurden. Noch lange danach diente das Haus der Gemeinde als Arzt-Ordination. Als die Rickenbacher im Jahre 1876 auf „Löüowiorts Guot" ihre schöne Kapelle erbauten, stiftete Gebhard Schwärzler im Andenken an seine aus dem Löwen stammende Großmutter Katharina das wertvolle Chorfenster, das noch heute seinen Namen trägt. Er gedachte aber auch der Schwarzacher Kirche, zu deren Friedhof er 1869 die Arkaden erbauen ließ, mit großzügigen Zuwendungen. Mit einem Legat von 4000 Kronen bestimmte er schließlich noch den Bau einer großen Lourdes-Kapelle, die dann sein Schwiegersohn Kohler 1897 an der Schwärzlerstraße errichtete. Ein Jahr zuvor war Gebhard Schwärzler am 24. Februar 1896 gestorben. Schwärzlers Familie. Im Jahre 1838 hatte der 23jährige Gebhard Schwärzler die ein Jahr ältere Maria Anna Pircher geheiratet. Sie war eine Tochter des Eisenschmieds Josef Pircher in Bregenz, der dort am Leutbühel einen Handel mit Metallwaren betrieb. Innerhalb von 13 Jahren brachte Maria Anna 11 Kinder zur Welt, von denen viele bedeutende Vorarlberger Familien abstammen. Allzu früh ist Mutter Maria Anna 1867 gestorben. Als ihre Kinder 1878 die Eisenhandlung Pircher erbten, verlagerte sich ein Teil des Familieninteresses nach Bregenz. Schwarzach blieb aber noch lange Zeit der Mittelpunkt der großen Familie Schwärzler. Zum Abschluß hier nur noch zwei Beispiele für die Fortsetzung des Schwerzler-Stamms III, der Dellomoosmüllar: 6. Gebhard Schwärzler, Schwarzach, Vorsteher und Fabrikant 7. Maria Anna, 1840-1926, Schwarzach, verehelicht mit Johann Kohler, Vorsteher, Landtags- und Reichsratsabgeordneter, Gründer der Christlich-sozialen Partei in Vlbg., Gründer der Raiffeisenbewegung und des Genossenschaftsverbandes für Vorarlberg. 8. Ignaz Kohler, 1883-1962, Obmann des Vlbg. Genossenschaftsverbandes 9. Hans Kohler, 1914-1990, Schwarzach, Verbandsanwalt 10. Hans Kohler (1947), Bürgermeister und Landtagsabg. in Rankweil. Aus dieser Linie stammen neben vielen Kohler- und Schertlerfamilien in Schwarzach auch einige Wächter- und Lingenhölefamilien in Bregenz. 6. Gebhard Schwärzler, wie oben 7. Karl, 1844-1912, Wälderhofwirt in Schwarzach, ab 1878 Geschäftsführer der Firma Pircher in Bregenz, Obmann beim Bau der Herz-Jesu-Kirche. 8. Karl Anton, 1881-1963, Dipl.Ing., Gründer von Elektro-Pircher, Geschäftsführer der Firma Pircher. Seine Schwester Karoline Redler-Schwärzler wurde 1944 von einem NS-Gericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. 9. Paul Schwärzler (1925), Ing., Firma Pircher 10. Karl Schwärzler (1952), Dipl.Ing., Firma Pircher Aus dieser Linie stammen u.a. auch die Bregenzer Familien Kleiner mit Generalabt Sighard Kleiner (1904), Redler, Kispert und Emerich. Eine übergroße Fülle von Zusammenhängen und Schicksalen verbirgt sich hinter all diesen Namen und ihren nüchternen Daten. Freud und Leid haben durch Jahrhunderte die Menschen in Familien und Sippen zusammengeführt und verbunden. Es wird uns bewußt, daß jeder von uns nur ein winziges Glied in einer langen Kette ist. Ein Glied, das gehalten wird und halten muß. 10 Emil Gmeiner. Heimatbuch Schwarzach. 1990. S. 237 24 25 Siegfried Heim Heimkehrer Vor 50 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Millionen von Menschen irrten durch das zerschossene und zerbombte Europa. Viele waren aus ihrer Heimat vertrieben worden und suchten nun hungernd, frierend und ohne Hoffnung in endlosen Flüchtlingszügen einen trockenen Platz wenigstens für die nächste Nacht. Dabei kreuzten sich ihre Wege manchmal mit den langen Kolonnen der feldgrauen Männer, die in die Gefangenschaft marschierten. Die Soldaten der zerschlagenen deutschen Wehrmacht waren fast alle, sofern sie die grauenvollen Schlachten der letzten Kriegswochen glücklich überlebt hatten, in Gefangenschaft geraten. Eingepfercht in große Lager quälte sie hinter dem Stacheldraht neben Hunger, Nässe, Kälte und Krankheiten vor allem die Sorge um die Zukunft. Um einen Wunsch drehten sich die Gespräche der Gefangenen jeden Tag und wohl auch die stillen Gebete in der Nacht: Heim! Endlich heim! Aus Wolfurt waren über 400 Männer in den Krieg gerufen worden. Viele waren gefallen. Die Volkssturmleute und einigen Invalide waren entlassen worden. Von den anderen konnten nur ganz wenige der Gefangenschaft entrinnen. Die meisten mußten dort noch Monate oder sogar Jahre auf die Heimkehr warten. Ganz unterschiedlich lange Wege lagen vor ihnen, bis sie wieder daheim, daheim in Wolfurt, ihren Angehörigen die Hände schütteln konnten. Ein paar Heimkehrer haben mir von diesem Weg erzählt. Ein Fußmarsch von einem Tag für den einen, ein Leidensweg von mehreren Jahren für manchen anderen. Ein Tagesmarsch - Friedrich Heim Geboren im Dezember 1928 in der Bütze, bekam Friedrich als 15jähriger Schüler der 4. Gymnasialklasse erstmals Soldatendrill zu spüren, als er im Jänner 1944 für eine Woche zur „vormilitärischen Ausbildung" in das Lager Suggadin bei Gargellen einberufen wurde. Wesentlich härter wurde der Monat im „Wehrertüchtigungslager" Moserkreuz am Arlberg im Sommer 1944, wo er gemeinsam mit Raimund Mohr mit Sport und täglichem Exerzieren für das Soldatenleben vorbereitet wurde. Daheim wartete auf Friedrich und seine Jahrgänger Adolf Schwärzler und Karl Gasser schon die Einberufung, die die 16jährigen „Hitlerjungen" am 1. Oktober 1944 zum Einsatz nach Ronca bei Verona in Italien rief. Bewaffnet mit Handgranaten und belgischen Beutekarabinern versahen sie dort Wachdienst beim Bau der letzten deutschen Verteidigungsstellung am Nordrand der Po-Ebene. Besser als die zugeteilten Männerrationen an Wein und italienischen „Populare"-Zigaretten schmeckten den Buben die Weintrauben, die sie von ihren gutmütigen Arbeitern erhielten. Es waren ja lauter Bauern aus den 26 Kinder müssen in den Krieg. Als ihr ältester Sohn Friedrich im Herbst 1944einberufen wurde, ließen Heims noch schnell ein Familienbild machen. Anton und Frieda Heim mit ihren Kindern Elsa, Friedrich, Erich, Siegfried, Helmut, Adolf, Hilde, Gertrud und Ernst. umliegenden Dörfern, die man hier zur Zwangsarbeit eingeteilt hatte. Auf Weihnachten wurde Friedrich entlassen. Aber schon nach ein paar Tagen mußte er zum RAD (Reichsarbeitsdienst) nach Saalfelden einrücken. Keine Spaten wurden mehr ausgeteilt, sondern sofort Gewehre. Eine fürchterliche Schinderei war das Exerzieren unter der Gasmaske bis zur völligen Erschöpfung. Wie eine Erlösung empfanden die Jungmänner die Einberufung zur Wehrmacht im März 1945, obwohl die Fronten bedenklich nahe herangerückt waren. Zu Josefi 1945 rückte Friedrich in die Untersteinkaserne in Bludenz zur Funkerausbildung ein. Wenige Wochen später brachen die Fronten endgültig zusammen, die französische Armee besetzte Vorarlberg. Für die letzten Abwehrkämpfe wurden auch noch die 16- und 17jährigen Funker in die Stellungen in der Felsenau bei Feldkirch verlegt. Hautnah erlebten sie dort am 3. Mai mittags die Sprengung der wichtigen Illbrücke. Jetzt ließ 27 Hauptmann Bartels seine Soldaten im Schwimmbad Felsenau antreten: „ Der Krieg ist aus. Jeder kann gehen , wohin er will!"1 Schnell wurden für alle Entlassungspapiere ausgestellt. Aus Feldkirch rollten bereits französische Panzer auf die Letze, um von dort in den Walgau vorzustoßen. Ein junger Kamerad nahm Friedrich mit zu sich heim ins nahe Nenzing und versorgte ihn dort mit Zivilkleidung. Gemeinsam warfen sie erst jetzt ihre Waffen und die Uniformen ins Tobel. Als die bald danach einrückenden Franzosen die Häuser nach versprengten deutschen Soldaten durchsuchten, fielen ihnen die beiden schmalen jungen Männer nicht auf. Eine Woche lang arbeitete Friedrich nun bei seinem Bauern in Acker und Stall. Dann wagte er den Heimweg. Am frühen Morgen verabschiedete er sich in Nenzing. Problemlos kam er an den vielen französischen Truppen in Feldkirch und Rankweil vorbei. Vom Militär hatte er ja außer den Schuhen und dem alten italienischen Rucksack nur mehr sein Soldbuch und den Entlassungsschein bei sich. Am Kobel in Götzis stoppte ihn ein marokkanischer Wachposten. „Papiere!" Jetzt stellte sich als Segen heraus, daß der Spieß eine Woche vorher seinen großen Stempel auf den Entlaßschein gedrückt hatte. Nur diesen Stempel mit dem großen Vogel studierte der fremde Soldat andächtig. Dann gab er das Papier zurück und winkte zum Weitermarsch. In Hohenems mußte Friedrich seine aufgequollenen Füße im Dorfbach kühlen. Es kostete ihn nachher viel Mühe, sie wieder in die schweren Schuhe zu quetschen. Weiter nach Dornbirn, nach Schwarzach! So sah der müde Wanderer die riesige graue Marschkolonne nicht, die auch heute wieder am Rand der Landstraße im Ried rastete. Seit einer Woche jeden Tag: deutsche Gefangene zu Fuß aus dem Klostertal und den anderen Alpentälern auf dem Weg nach Frankreich! Und nach der Arbeit im Riedacker ging auch heute wieder Friedrichs Mutter mit anderen Frauen aus den umliegenden Dörfern die Kolonne entlang. Vergeblich suchte sie. Daheim in der Bütze aber konnte sie ihn eine halbe Stunde später in ihre Arme nehmen, Friedrich, den ältesten von ihren sechs Buben. 11. Mai 1945. Mit noch nicht einmal 16 1/2 Jahren bereits ein entlassener Soldat! Ein paar Wochen später wird er wieder zur Schule gehen. Flucht im Kohlenwaggon - Heinrich Hölle Jahrgang 1922. Die Matura am Gymnasium Bregenz war 1941 um einige Monate vorverlegt worden, weil die Prüflinge alle schon ihre Einberufung in der Tasche hatten. Zuerst im April 1941 für ein halbes Jahr zum RAD: Flugplatzbau im besetzten Frankreich. Mit Heinrich war auch Doppelmayrs Arthur dort im Einsatz. Dann durften sie noch einmal ein paar Wochen heim. Am 8. Dezember 1941 rückte Heinrich zu den Gebirgsjägern in die Klosterkaserne nach Innsbruck ein: Rekrutenausbildung! Geschliffen werden, gehorchen! Anschließend Lehr1 gang für ROB (Reserveoffiziersbewerber), dann Einsatz in Italien und Jugoslawien bis Februar 1945. Von einem Offizierslehrgang bei Prag werden die Fahnenjunker am 20. April 1945 in die Schlacht um Berlin geworfen, in eine der letzten blutigen Schlachten des Krieges. Straßenkämpfe in der zerbombten Stadt. Am 1. Mai die Nachricht: „Der Führer ist gefallen!" Der Krieg ist aus. Jetzt nur nicht in die Hände der Russen fallen! Flucht durch unterirdische Kanäle aus dem russischen Einschließungsring. Es gelingt den Männern wirklich, sich bis zu den amerikanischen Linien durchzuschlagen. Aber die Amerikaner lösen bereits ihre Brückenköpfe auf der Ostseite der Elbe auf und ziehen sich auf das Westufer zurück. In den Trubel mischen sich nun auch die eingesickerten deutschen Soldaten und überqueren die letzte Pontonbrücke kurz vor deren Abbruch. Dann erst werden sie gefangen und entwaffnet. Zwei Wochen lang geht es in Fußmärschen im Raum Lüneburg von Lager zu Lager, bis die Männer am 17. Juni endlich das Munsterlager erreichen. Hier hausen schon Tausende von Gefangenen in Erdlöchern hungrig, durchnäßt, verdreckt - umgeben von Stacheldraht und Minengürtel, in der Nacht bestrahlt von riesigen Scheinwerfern. Die Ruhr ist ausgebrochen. Heinrich trifft Gassers Heribert und den Bregenzer Kapellmeister Wolf, beide schon von der heimtückischen Krankheit erfaßt. Die Angst vor der Epidemie, dazu Hunger und Heimweh treiben Heinrich nach einem Monat zur gefährlichen Flucht. Im Morgengrauen des 22. Juli durchklettert er gemeinsam mit einem Tiroler Freund die Sperren, erreicht einen Bahndamm und springt auf einen mit Flüchtlingen überfüllten Zug auf. Der bringt sie nach Essen ins Ruhrgebiet. Auf einem Nebengeleise entdecken sie an einem Kohlenzug die Aufschrift „Klagenfurt". Von einer deutschen Weichenstellerin erfahren sie, daß der Zug tatsächlich zur Versorgung der englischen Besatzungstruppen in Kärnten bestimmt ist. Inzwischen haben die beiden drei „Bims"-Brote und ein paar Büchsen „Corned beef' organisiert und die Feldflasche mit Wasser gefüllt. Jetzt graben sie sich tief in die Kohle ein. Vom 24. Juli bis zum 9. August bummelt der Lastzug nun durch die zerstörten Bahnanlagen über Frankfurt, Nürnberg und München nach Süden. Immer wieder gelingt es den Ausreißern, aus den haltenden Waggons abzuspringen, bei deutschem Bahnpersonal etwas Eßbares zu erbetteln oder wenigstens die Feldflasche wieder mit Heinrich Höfle als Soldat Lies nach bei Schelling, Festung Vorarlberg, Teutsch 1980, Seiten 162 ff ! 28 29 Wasser zu füllen und dann, unbemerkt von der Wachmannschaft, das fahrende Versteck wieder zu erreichen. Dann muß Heinrich seinen Gefährten verlassen. Sein Ziel liegt ja jetzt im Westen. Auf der Suche nach einem Unterkommen trifft er in Garmisch zufällig Mathias King, einen Kennelbacher, der aus amerikanischer Gefangenschaft entflohen ist. Mit Hilfe eines ortskundigen bayerischen Försters überqueren die beiden nun von Mittenwald aus über den hochalpinen Franzosensteig die Tiroler Grenze und erreichen an Leutasch und Seefeld vorbei die Eisenbahn bei Zirl. Ohne Fahrkarten besteigen sie einen Personenzug. Eine Schaffnerin, der sie sich anvertrauen, versteckt sie in ihrem Dienstabteil vor der französischen Militärstreife. Bekannte Schilder tauchen an den Bahnhöfen auf: Feldkirch! Dornbirn! Schwarzach! Nur jetzt nicht mehr in eine Kontrolle laufen! Kurz vor Lauterach lassen sie sich aus dem bremsenden Zug fallen. Schräg durch die Wiesen finden sie den Weg an die Ach nach Wolfurt. Es ist Samstag, der 11. August 1945, der Samstag vor Portiunkula. Mama Höfle kommt gerade auf ihrem Fahrrad von der Beichte aus der Kirche. Von dem schmalen Feldweg, der hinter Hohlo-Schnidars Hus in die Bützestraße einbiegt, läuft ihr ein abgezehrter junger Mann in Uniform in den Weg. Aus Tausenden würde sie ihn sofort erkennnen, ihren einzigen Buben, Heinrich! Einige Zeit mußte er sich noch versteckt halten. Er besaß ja keine Entlassungspapiere. Immer noch wurden Männer von der Militärstreife aufgegriffen und nach Frankreich abtransportiert. Die Bürgermusik, die jetzt manchmal für Colonel Jung im Schloß Wolfurt aufspielen mußte, besorgte ihrem Klarinettisten wenigstens einen Passierschein. Dann meldete sich Heinrich im Lehrerseminar an. Am 28. Februar 1946 erhielt er endlich von der französischen Ortskommandantur in Bregenz sein so heiß begehrtes „Certificat de Demobilisation". Entlassen! Entlassen nach fünf verlorenen Jahren. Vom Eismeer nach Hause - Eduard Köb Schmieds Eduard wurde 1917 geboren. Beim „Anschluß" Österreichs an Deutschland war er also gerade 21 Jahre alt und wurde daher sofort, noch zu Friedenszeiten, am 2. Dezember 1938 zu den Gebirgsjägern nach Landeck eingezogen. Noch vor Kriegsbeginn wurde er mit seiner Einheit an die polnische Grenze verlegt. Ab 1. September 1939 marschierten sie in Polen ein, im Mai des nächsten Jahres in Frankreich. Eduard arbeitete die meiste Zeit als Hufschmied für seine Tragtierkompagnie. Im Herbst 1940 wurde die Truppe schließlich nach Kirkenes in Nord-Norwegen verlegt. Auch dort begann am 22. Juni 1941 der Angriff auf Rußland. Drei Jahre lang krallten sich die Gebirgsjäger unter großen Verlusten an der Eismeerfront fest. Dann warf sie der russische Großangriff vom 6. Oktober 1944 zurück. Am 8. Oktober geriet Eduard schwer verwundet in Gefangenschaft. Mit einem durchschossenen rechten Handgelenk und zahlreichen Granatsplittern in beiden Beinen humpelte er den weiten Weg in ein Zeltlager bei Murmansk. Kein Arzt, keine Wundbehandlung, zwei Wochen nur der eigene provisorische Notverband auf den Wunden! Dann ins Lager Babajwo bei Leningrad. Qualvolle Nächte auf einer mit Blut und Eiter 30 beschmierten Wolldecke. Hunger! Eisige Kälte! - Ein Schmied wurde gesucht. Eduard bestand die angeordnete Prüfung und führte nun in einer winzigen Werkstatt die Reparaturen an den Kolchosewerkzeugen durch. Dort hatte er seine wichtigste Begegnung. Der Pan Major, ein Arzt als Leiter des Lagers, verlangte die Reparatur des zerbrochenen Bügels seiner Hornbrille. Eine Schmiedearbeit? Eduard schaffte es. Mit Blech von einer Konservendose und Kupfernieten aus einem Kabel des abgewrackten LKWs legte er über den gebrochenen Hornbügel eine kunstvolle Hülse. Das anerkennende Staunen des Arztes äußerte sich aber nun keineswegs in einer Behandlung der verkrusteten Wunden, sondern vorerst nur in einem mehrfachen „bolschoi spassibo", einem großen Dankeschön. Dann aber erhielt Eduard fast jeden Abend einen zusätzlichen Schöpfer „Kasch", jenen dürftigen Griesbrei aus Buchweizen oder Hirse, der die Gefangenen am Leben halten sollte. Und als am 23. September 1945 der Pan Major den ersten Transport von schwerkranken Österreichern zur Heimkehr zusammenstellte, da suchten und fanden seine Augen auch den Schmied. Fast fünf Wochen dauerte die Fahrt durch Rußland und Polen hinab nach Rumänien, wo sie im Entlassungslager Marmaros-Sziget ihre Papiere erhalten sollten. Täglich gab es eine Handvoll Trockenbrot, aber oft kein Wasser. Wenn der Zug auf freier Strecke hielt, rannten Halbverhungerte hinaus auf die Felder und suchten nach ein paar Zuckerrüben. Manchmal verpaßten sie die Abfahrt und blieben zurück, einem ungewissen Schicksal überlassen. Dann ging es endlich nach Westen, an die tschechisch-österreichische Grenze. Am 31. Oktober 1945 wurden die kranken Männer zu Fuß, die meisten ohne Schuhe, in einem qualvollen stundenlangen Marsch bei Bernhardstal über die Grenze nach Österreich geführt. Weiterfahrt nach WienHütteldorf. Fünf unfaßbare Tage dort: warmes Essen! ein Strohlager! Wasser! Freiheit! Dann setzte man die Heimkehrer in einen Personenzug der Westbahn. Noch konnte man keine Ankunftsmeldung in die Heimat voraussenden. Eine unendlich lange Bahnfahrt durch die vier Besatzungszonen mit ihren strengen Militärkontrollen. Ganz allein stieg Eduard spät in der Nacht in Schwarzach aus, ganz allein mit seinen Gedanken zwischen Hoffnung und Angst. Bei Flatzo Beppe bog er gerade um die Hausecke, als das nahe Schulglöcklein zwölfmal zur Mitternacht schlug. Einen Augenblick mußte er innehalten, mußte dem Schall lauschen, der ihm sagte, daß er nun Eduard Köb als Soldat 31 daheim sei. Dann stand er im dunklen Garten unter dem Schlafzimmerfenster seiner Eltern bei der Schmiede im Strohdorf. Mit ein paar Steinchen weckte er Vater und Mutter. Welch ein Wiedersehen mit dem Totgeglaubten! Am anderen Tag mußte Eduard zuerst die zerlumpten und verlausten Überreste seiner Uniform verbrennen. In den folgenden Wochen erreichte er erst nach mehreren Vorsprachen im Invalidenamt einen Röntgentermin und eine Aufnahme in das Lazarett Valduna. Hier wurden endlich, mehr als ein Jahr nach der schweren Verwundung an der Eismeerfront, Eduards Verletzungen genau untersucht. Dann operierte Dr. Bösch die schlimmsten Splitter heraus. Andere waren bereits weit durch die Muskeln gewandert und wurden erst später frei. Da arbeitete Eduard aber schon lange wieder an Esse und Amboß. Und dort, an seiner Werkbank, habe ich ihn unlängst, 50 Jahre nach Kriegsende, bei seiner Arbeit angetroffen. Dort hat er mir von der Arztbrille in Rußland und von der Schulglocke erzählt. Weit über die Ozeane - Hubert Mohr Jahrgang 1922, Lehrer Mohrs ältester Sohn. An der Handelsakademie - sie hieß damals Wirtschaftsoberschule und war im beschlagnahmten Kloster Mehrerau untergebracht konnte er noch schnell seine Kriegsmatura ablegen, ehe er im Oktober 1941 gemeinsam mit Bernhard Albertani und Arthur Rauth zur Wehrmacht einrücken mußte. Sie machten ihre Ausbildung in der Nachrichtenabteilung des Gebirgs-Artillerieregiments in Villach. Als die Amerikaner 1942 in Nordafrika gelandet waren und nun von Casablanca aus durch Algerien nach Tunesien vorstießen, wurde dort mit neu aufgestellten Divisionen ein weiterer Kriegsschauplatz eröffnet. Von Neapel aus setzte im Jänner 1943 auch Hubert mit seiner Fernsprechausrüstung in einer Ju 52 nach Tunis über. Aber nur wenige Monate konnten die deutschen Truppen in den Bergen Tunesiens dem an Menschen und Material weit überlegenen Gegner standhalten, auch nicht nach der Vereinigung mit Rommels Afrika-Corps, dessen Reste sich aus Libyen hieher zurückzogen. Gemeinsam mit Geigers Emil, den er kurz zuvor getroffen und auf seinem Funkerwagen mitgenommen hatte, geriet Hubert am 9. Mai 1943 in amerikanische Gefangenschaft. In Etappen wurden die Männer mit LKWs nach Bizerta und dann mit Schiffen über Bone nach Algier gebracht. Von einem Lager aus durften sie auf vorgedruckten Karten ein erstes Lebenszeichen nach Hause schicken. Dann verlud man die Gefangenen zusammen mit amerikanischen Truppen und Kriegsmaterial in große Frachter. Von Oran aus fuhr ein riesiger Geleitzug mit über 30 Transportern und zahlreichen Kriegsschiffen an Gibraltar vorbei und dann in weitem Bogen - immer besorgt nach deutschen U-Booten und Flugzeugen Ausschau haltend - westlich um Irland herum durch den Atlantik nach Glasgow in Schottland. Hier wurden die Gefangenen an polnische Wachmannschaften übergeben. Von den Amerikanern waren sie stets korrekt behandelt worden. Das änderte sich nun. Das Lager bei Perth im Norden von Schottland blieb den Gefangenen in unangenehmer Erinnerung. Zum ersten Mal gab es auch Klagen über das Essen. Der tägliche „porridge "Haferbrei war schlecht zubereitet und reichte bei weitem nicht aus. Jeder durfte aber einen 32 Brief schreiben. Wenn diese Post über das Rote Kreuz auch weite Umwege zurücklegen mußte, so kam sie schließlich doch in Wolfurt an: Die Eltern wußten, daß ihr Sohn lebte! Ende Juli 1944 transportierte man die Gefangenen mit der Eisenbahn zurück nach Glasgow und verstaute sie dort in die Laderäume der „Aquitania". Diese war damals mit 40 000 BRT eines der größten und modernsten Passagierschiffe der Welt und brachte Hubert und Emil ebenso schnell wie die Nobel-Reisenden des Oberdecks in sechs Tagen über den Atlantik nach New York. Allerdings durften sie jeden Tag nur für eine knappe Stunde zum Luftschnappen an Deck. Bei der Entlausung auf der Einwanderungsinsel nahm man den Kriegsgefangenen allen privaten Besitz ab. Ein unangenehmer Gruß des neuen Kontinents! Sie sollten in den kommenden drei Jahren, weit über das Kriegsende vom Mai 1945 hinaus, noch viele andere Seiten kennen lernen. Jetzt trennten sich die Wege der beiden Wolfurter. In wahren Irrfahrten durchquerten beide die Staaten, nach wenigen Wochen immer wieder in ein anderes Lager verlegt. Huberts Weg führte durch Pennsylvania und West Virginia nach Kentucky in das Lager Camp Campbell. Von hier aus wurden die Gefangenen zur Arbeit in den riesigen Tabakplantagen eingesetzt. Weitere Stationen waren in Indiana, Missouri und in Colorado. Arbeit gab es neben der Landwirtschaft auch in Bautrupps oder in einer Großwäscherei. Aus Wolfurt traf die erste Post ein! Bei einem Ernteeinsatz nahe von Greely begegnete Hubert Österles Alfred, der ebenfalls als „prisoner ofwar" das große weiße „PW" auf dem Rücken trug und nun für kurze Zeit mit Hubert das Zimmer teilte. Inzwischen war der Krieg in Europa zu Ende gegangen. Der Weg der Gefangenen führte aber immer weiter nach Westen. Im Winter 1945/46 sägten sie in den Rocky Mountains auf über 3 000 m Höhe Eis für die Kühlhäuser. Dann ging es über Salt Lake City durch die Wüste Nevada nach San Francisco an den Pazifischen Ozean. In Oakland wurden die Gefangenen im März 1946 wieder auf Hochseeschiffe verladen, diesmal auf die berühmt-berüchtigten „Liberty"-Schiffe, die aus dem Japankrieg heimkehrten. Unter der Golden Gate-Brükke durch führte der Kurs nun weit über den Pazifik nach Süden in die Tropen Mittelamerikas. Durch die Schleusen des Panamakanals erreichten sie den stürmischen Atlantik. Jetzt zeigte sich die fragwürdige Qualität der Lastschiffe in erschreckendem Maße. Schwer setzte die Seekrankheit den ehemaligen Gebirgsjägern auf der Fahrt Hubert Mohr als Soldat 33 nach Osten zu. Nach insgesamt 24 Tagen auf See mußten viele an das Ufer getragen werden, als die Schiffe endlich in Bristol in Südwest-England angelegt hatten. Mehr als 40 000 Kilometer hatte Hubert nun seit seiner Gefangennahme in Tunis hinter sich gebracht, mehr als eine Fahrt rund um die Erde! Von Bristol führte die Wachmannschaft die Gefangenen mit der Bahn nach Nottingham. Noch einmal drei Monate Lager! Dann trennte man die Österreicher von den Deutschen. Das war wohl das Signal zur Entlassung. Plötzlich fand sich auch Geigers Emil wieder ein. Ein Zug brachte die Österreicher durch London nach Dover, eine Fähre nach Calais. Immer noch unter amerikanischer Bewachung fuhren Hubert und Emil mit der Eisenbahn durch Frankreich nach Straßburg, bei Kehl über den Rhein und dann durch das völlig zerstörte Ulm nach Salzburg. Im Lager Hallein wurden die Vorarlberger an französische Wachen übergeben. In Viehwaggons transportierte man sie nach Innsbruck. Lager Reichenau. Ein letztes Antreten! Dann verteilte ein französischer Soldat die Entlassungsscheine. 18. Juli 1946 ! Endlich frei! Jetzt nur schnell zum Zug nach Vorarlberg! Die letzten 200 km als freier Mensch nach dem langen Weg als Gefangener. Von Lauterach zu Fuß mit Emil nach Wolfurt, auf dem Rücken das „PW", über der Schulter ein selbst genähter Seesack mit ein paar Habseligkeiten. Vater und Mutter Mohr sitzen gerade beim Abendessen. Da sehen sie durch das Fenster die zwei abenteuerlich gekleideten Männer auf der Lauteracherstraße bei Toblers Rank. Hubert ist daheim! Über alle Berge - Erich Kilga In Kennelbach ist Erich, Jahrgang 1922, in einer großen Familie aufgewachsen. Dort hat er auch in der Schindlerfabrik seine Schlosserlehre absolviert. Als 18jähriger mußte er zum RAD und dann zum Militär einrücken. Er machte den Rußlandfeldzug mit. Schon 1943 wurde er aber zu einer neu aufgestellten kroatischen Infanterie-Division abkommandiert, die zum Einsatz gegen Titos Partisanenarmee in Jugoslawien bestimmt war. In der Stadt Knin wurde Erichs Einheit am 1. Dezember 1944 von starken Partisanenverbänden eingekesselt. Bei einem Ausbruchsversuch wurde sein Trupp aufgerieben und versprengt. Einige Zeit irrten die Männer durch die Gegend, bis sie schließlich von Partisanen aufgegriffen wurden. Sofort nahm man ihnen Uniformen und Schuhe weg. In Unterwäsche - im Dezember! - marschierten sie in die Gefangenschaft. Im Lager Sibenik an der Adria gab es am 5. Tag die erste Verpflegung. Fluchtversuche wurden mit dem Tode bestraft. Eines Tages suchte man nach Schlossern. Erich wurde ausgewählt und mußte nun alte Benzinfässer zu Kochkesseln umarbeiten. Am Arbeitsplatz erhielt er eine einigermaßen ausreichende Essensration, während im Lager der Hunger viele Opfer forderte. Nach einem Monat wurde er einer Gruppe zugeteilt, die in einer Fabrik erbeutete deutsche Fahrzeuge, aber auch Panzer englischer oder amerikanischer Herkunft reparieren mußte. Schließlich kam er in ein Lager nach Split. Dort sahen die Gefangenen das Fest, mit dem ihre Bewacher im Mai 1945 die Niederlage Hitler-Deutschlands feierten. Das war aller34 dings die einzige Nachricht, die von außen in das Lager getragen wurde. Und die Hoffnung auf baldige Heimkehr erlosch schnell wieder, als die Lagerleitung zwei bis fünf Jahre Zwangsarbeit verlautbaren ließ. Im Juni löste das übermächtige Heimweh in Erich eine Kurzschlußhandlung aus. In einem günstigen Augenblick rannte er beim Weg zur Arbeit plötzlich davon. Stundenlang keuchte er, von einer Deckung zur nächsten hastend, in die steilen Karstberge hinauf. Er wußte, er rannte um sein Leben. In der Nacht verkroch er sich im Gebüsch. Er trank aus einem Bach und verschlang gierig die wenigen Beeren. Zur Orientierung diente ihm die Adria. Immer wieder sah er das Meer, als er, scheu allen Menschen ausweichend, über die Berge Dalmatiens nach Norden eilte. Schwieriger wurde es, als er von Rijeka aus, das damals Fiume hieß, den Weg ins Landesinnere suchen mußte. Jetzt wagte es Erich manchmal, in abgelegenen Gegenden einsame alte Leute oder die hier häufig anzutreffenden Schäfer nach der Richtung zu fragen. Viele sprachen Deutsch, gaben bereitwillig Auskunft und schenkten ihm oft auch ein Stück Brot oder Käse. In den Bergen bei Laibach teilte ein Schäfer-Ehepaar mit dem abgehetzten Flüchtling sogar sein Abendessen und gab ihm Herberge für die Nacht. Ohne Dank schlich sich Erich voll Angst und Mißtrauen am frühen Morgen aus der Hütte. Als er an diesem Tag eine Straße überqueren mußte, glaubte er sich von einem plötzlich auftauchenden Auto-Konvoi aus beobachtet. Erschreckt rannte er ziellos davon, irrte den ganzen Tag durch die Berge und wagte sich erst in der Abenddämmerung wieder an eine Hütte. Als eine Frau auf sein vorsichtiges Klopfen die Türe öffnete, erkannte Erich überrascht seine Gastgeber von gestern wieder. Er war im Kreis gelaufen. Aufs neue nahmen ihn die guten Leute auf, versorgten ihn am nächsten Tag noch mit Proviant und beschrieben ihm den Weg über die Karawanken nach Kärnten. Ein unvergeßliches Erlebnis für den scheuen Mann, der nun schon seit zwei Wochen in den Wäldern lebte! Tatsächlich erreichte er am anderen Tag bei Nötsch Kärntner Gebiet. Hier vertraute er sich zwei im Kartoffelakker arbeitenden Frauen an. Gastfreundlich nahmen sie ihn auf und versteckten ihn tief im Heu. Auch sie warteten ja auf ihre noch vermißten Männer. Zwei Tage später watete Erich durch tiefen Schnee hoch oben am Sonnblick vorbei über die Hohen Tauern und hinab nach Böckstein im Gasteiner Tal, Erich Kilga als junger RAD-Mann 35 immer auf der Hut vor englischen Patrouillen, die noch nach versprengten SS-Leuten suchten. Bei den Bauern bekam er jetzt mehrmals Hilfe, ein Nachtlager im Heu, einen Teller Suppe, eine Beschreibung des Weges, eine Warnung vor Kontrollposten. An Zell am See und Mittersill vorbei führte ihn sein Weg nun durch den Pinzgau nach Krimml, dann weiter über den Gerlospaß und durch das Zillertal nach Jenbach. Hier warnte ihn der Fahrdienstleiter vor den Militärstreifen in der Eisenbahn. Trotzdem schlich sich Erich in den letzten Waggon und ließ sich erst kurz vor Innsbruck aus dem langsam durch die beschädigten Bahnanlagen fahrenden Zug fallen. Dann marschierte er noch bis Landeck. So nahe der Heimat verließen ihn einen Augenblick lang Kraft und Mut. Er stellte sich in einem amerikanischen Entlassungslager. Ein Offizier, dem er seinen langen Fluchtweg von Split her und sein Ziel im nun nur mehr 100 km entfernten Kennelbach auf der Landkarte zeigen mußte, warnte ihn vor den Franzosen am Arlberg. Die würden ihn wahrscheinlich in ein Lager nach Frankreich mitnehmen. Er empfehle ihm eine Fortsetzung der Flucht über die Berge. Ein erstaunlicher Rat von einem „feindlichen" Offizier! So schlich Erich nach einer Rast bei den Eltern eines ebenfalls noch vermißten Kriegskameraden in Pettneu auch noch über das Kaiserjoch in den Lechtaler Alpen ins Außerfern hinüber. Auf Umwegen fand er hinauf auf den Tannberg und kam todmüde im damals noch einsamen Adler in Hochkrumbach an. Frau Strolz, die Wirtin, kochte für ihn und verbarg ihn in einem abgelegenen Hinterzimmer. Das war gefährlich für sie, denn noch immer drohte nach dem Kriegsrecht für die Beherbergung von flüchtigen Soldaten die Todesstrafe. Und immer wieder durchkämmten Suchpatrouillen die abgelegenen Hütten! Gut gestärkt und mit einer Jause im Sack machte sich Erich auf den letzten großen Marsch durch den Bregenzerwald. Abseits der befahrenen Straßen, meist nahe der Bregenzerach, kam er am späten Abend nach Alberschwende. Ein Nachtlager noch bei einem Bauern, dann der steile Aufstieg auf den Schneiderkopf. Jetzt gab es kein Halten mehr! In großen Sprüngen rannte der von seinen Gefühlen überwältigte Mann über Gitzen und Bereuter durch den Ippachwald hinab ins Oberfeld. Hier sah er zum ersten Mal wieder nach langer Zeit den Kennelbacher Kirchturm und die Hausdächer des Heimatdorfs, die über die Ach herüber grüßten. Alle Müdigkeit war verflogen, alle Strapazen verweht. Tränen der Freude stiegen in Erichs Augen. Noch traute er sich nicht über die Achbrücke. Weiter oben, beim Meterstein, watete er durch den seichten Fluß. Zuhause war die Überraschung groß! Das Umarmen und Erzählen nahmen lange kein Ende. Fast alle hatten ihn ja tot geglaubt, denn zu Weihnachten 1944 war jener schrecklich gefürchtete offizielle Brief vom 17.12.1944 bei der Familie Kilga zugestellt worden: Seit dem Durchbruch am 3.12.1944 aus der Umklammerung nördlich Knin ist Ihr Sohn bei Straza vermißt. . . . Ob er verwundet wurde oder fiel oder in Gefangenschaft geraten ist, konnte bis heute nicht festgestellt werden. Leider kann ich Ihnen auch nicht irgendwelche Hoffnung machen . . . . Im aufrichtigen Mitgefühl grüße ich Sie Heil Hitler! Reittmayer (Oberleutnant und Kompanieführer) 36 Umso größer jetzt die Freude! Getrübt wurde sie nur durch die Ungewißheit über das Schicksal von Erichs Vater Alois Kilga. Dieser hatte am Tag nach dem Einmarsch der Franzosen einigen alten Bregenzer Volkssturmmännern in der Schlosserei Unterschlupf gewährt. Sie hatten sich nach der Auflösung der Front auf dem Pfänder im Wald verborgen und wollten nun heim nach Bregenz. Ihr Versteck war aber beobachtet worden. Daher wurden sie jetzt von den Franzosen gefangen genommen. Vater Kilga entkam nur ganz knapp dem drohenden Standgericht. Er wurde mit den Volksstürmlern nach Bourges in Frankreich verschleppt und kehrte erst acht Monate später zu Weihnachten 1945 wieder heim. Für Erich hatte die Heimkehrerstelle in Bregenz Entlassungspapiere ausgestellt. Nun erhielt er auch Lebensmittelkarten und fand wieder Arbeit in seiner alten Firma. Mit seinen drei Brüdern gehörte er bald zu den Stützen des FC Kennelbach und nützte nun seine schnellen Beine, die ihm in den Karstbergen das Leben gerettet hatten, als flinker Flügel stürmer. 1947 heiratete er Erna Gunz und übersiedelte zu ihr an den Rickenbach nach Wolfurt. Als Schlosser wechselte er bald zur Firma Doppelmayr. Für seine fünf Kinder hat er vor einigen Jahren die Geschichte seiner Flucht aufgeschrieben. Er schließt sie mit der überzeugten Feststellung, „ ... daß man mit eisernem Willen und der Sehnsucht nach einem intakten Zuhause vieles und fast alles mit ein bißchen Glück bewältigen kann." Vier lange Jahre - Otto Klocker Jahrgang 1927, ältester Sohn von Rudolf und Anna Klocker an der Ach. Otto hatte mit 16 Jahren die Handelsschule abgeschlossen und arbeitete bereits ein Jahr bei der Landkrankenkasse. Nun wurde er nach einem WE-Lager in Maurach am Achensee am 9. August 1944 zum RAD nach Schweidnitz in Oberschlesien eingezogen. Mit dabei war sein Jahrgänger Rudi Guldenschuh. Nur drei Monate dauerte die Ausbildung mit Spaten und Gewehr, denn die einbrechenden Fronten rund um das Reich forderten Soldaten. Also schon im November 1944 Einberufung zu den Gebirgsjägern nach Villach. Nur eine einzige Woche (!) dauerte dort die Grundausbildung in der Wehrmacht, dann wurden die 17jährigen Soldaten bereits nach Postojna in Jugoslawien verlegt. Der schöne Ort im Karst hieß damals Adelsberg und lag mitten im Partisanengebiet. Während des letzten Kriegswinters wurde die Fortsetzung der Ausbildung daher zum gefährlichen Partisaneneinsatz. Als sich der Krieg bereits seinem Ende zuneigte, erhielt Otto am 29. März noch eine Fahrkarte zur ROB-Ausbildung nach Tirol. Umsonst die Freude! Am gleichen Tag noch riegelten die Partisanen alle Verbindungen nach Deutschland ab. Die Balkantruppen waren eingeschlossen. Ottos Einheit kämpfte sich an die Adria durch und hielt sich dort noch einige Wochen. Durch einen Granattreffer wurde er am 6. Mai - in Vorarlberg war der Krieg schon zu Ende! - verwundet. Zum Glück trafen ihn nur kleine Splitter, denn es gab kein Verbandszeug mehr. Am 7. Mai geriet er dann in die Gefangenschaft der Partisanen. Was das Schicksal in den nun folgenden vier Jahren für Otto bereit hielt, würde Bände füllen. Ich versuche es mit bruchstückhaften Schlagworten: Marschkolonne mit Verwun37
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Wolfurt 2010 01 Frü... Wolfurt 21.03.2010 19.11.2012, 18:22 wolfurt FRÜHLING 2010 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen! Sich das erste Mal einer direkten Wahl durch die Wolfurterinnen und Wolfurter zu stellen, war für mich eine ganz besondere und spannende Situation. Ich habe versucht, mich in den vergangenen zehn Monaten möglichst schnell einzuarbeiten, um für Wolfurt ein guter Bürgermeister zu sein. Mit 89,49 % aller abgegebenen Stimmen haben Sie mich als Bürgermeister bestätigt. Ein Vertrauensvotum, das mich von ganzem Herzen freut - DANKE! Dieses tolle Ergebnis ist für mich die beste Motivation, mit voller Kraft in die kommenden fünf Jahre zu starten. Ich werde alles daran setzen, dass sich Wolfurt auch in Zukunft positiv entwickelt und ein wertschätzendes Miteinander gepflegt wird. Es ist mir ein Anliegen, mich bei allen zu bedanken, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Durch die Abgabe Ihrer Stimme für eine der vier werbenden Parteien haben Sie sich nicht nur am wichtigen demokratischen Prozess beteiligt, sondern auch Ihr Interesse für unsere Gemeinde bekundet. Wahlergebnis vom 14. März 2010 Bürgermeisterwahl 6.015 3.791 594 2.861 336 Wahlberechtigte abgegebene Stimmen (63,03% Wahlbeteiligung) ungültige Stimmen (15,67%) Stimmen = 89,49% Christian Natter Stimmen = 10,51% Peter Grebenz Gemeindevertretungswahl 6.015 3.791 233 2.568 312 306 372 Wahlberechtigte abgegebene Stimmen (63,03% Wahlbeteiligung) ungültige Stimmen (6,15%) ÖVP (72,18%) SPÖ (8,77%) FPÖ (8,60%) GRÜNE (10,46%) Konstituierende Sitzung Die Konstituierende Sitzung der Gemeindevertretung findet am 8. April um 19:00 Uhr im Cubus statt. Anlässlich dieser Sitzung werden alle neuen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter angelobt. Außerdem wird der neue Gemeindevorstand gewählt und werden die verschiedenen Ausschüsse und Kommissionen eingerichtet und besetzt. Gleichzeitig findet auch die Verabschiedung von ausscheidenden Mandataren der abgelaufenen Funktionsperiode statt. Die Bevölkerung ist zu diesem Anlass, mit Bewirtung, herzlich eingeladen! Ein ausführlicher Bericht über die neue Zusammensetzung erfolgt in der nächsten Wolfurt-Information. Mandatsverteilung 20 2 2 3 ÖVP (bisher 23) SPÖ (bisher 3) FPÖ (bisher 1) GRÜNE (erstmals angetreten) 2 Aus dem Rathaus Sternen Neu Im Zuge des Aushubs beim Hotelprojekt Sternen stieß die Baufirma unterhalb der mächtigen Lehmschicht auf ölverseuchtes Erdreich. Von den sofort zugezogenen Sachverständigen wurde festgestellt, dass die Verseuchung offenbar schon lange Zeit zurückliegt. Zur Sicherung des Grundwassers wurden eine Entsorgung des verseuchten Erdreiches angeordnet und Probebohrungen vorgenommen. Letztere erbrachten als Ergebnis, dass das Grundwasser nicht beeinträchtigt ist. Das Wolfurter Trinkwasser ist weiterhin von hervorragender Qualität. Trotzdem wird - auch wenn von den Sachverständigen Entwarnung gegeben wurde - die Qualität des Trinkwassers laufend überwacht, um auch das kleinste Restrisiko auszuschließen. Die Arbeiten schreiten trotz eisiger Temperaturen planmäßig voran. Die Fertigstellung der Tiefgaragen ist für Anfang Mai geplant, der gesamte Rohbau soll bis Anfang August 2010 errichtet sein. Erster Großauftrag für Wolfurter Unternehmen - die Gemeinde Wolfurt hat vertraglich mit dem Generalunternehmen Nägele vereinbart, Namen von Firmen bei Offerteinladungen nennen zu können und bei der Vergabe Einblick zu erhalten. Dieser Mechanismus hat sich erstmals positiv ausgewirkt. Die Firma Kurt Theurer hat den Zuschlag für das Gewerk Elektroinstallationen erhalten. Neben dem Preis war auch der regionale Bezug und die Innovation in punkto Energieeinsparungen ein Kriterium. Die Küchenplanung für die Sternengastronomie wurde an die Firma Planpunkt, Hohenems, die Planung und Umsetzung für die Gastronomie-Einrichtung der Firma Amann-Gastro-Einrichtungs GmbH, Hohenems, übertragen. Im Mai 2010 erfolgt die Ausschreibung des Gastronomiepächters. Die Anforderungen an einen neuen Pächter werden sehr anspruchsvoll sein. Gilt es doch, ein Gasthaus mit gehobener Küche zu bieten, aber andererseits auch die Wolfurter Bevölkerung und die Vereine zufriedenzustellen. Die Gemeinde ist jedenfalls an einer langfristigen Verpachtung interessiert, wird ja ein gut eingerichtetes Gastlokal mit modernster Infrastruktur übergeben. Der Hotelbetreiber, die Sternenhotel Betriebs GmbH, hat mit Richard Zünd, Lauterach, bereits den Geschäftsführer bestellt. Herr Zünd leitet das Fairmotel in Dornbirn und ist in die laufende Entwicklung bereits eingebunden. Kleinwohnanlage Rutzenberg Die Bauarbeiten für die Wohnanlage der Firma „wohn-form.at“ mit drei exklusiven Wohneinheiten in hervorragender Hanglage an der Rutzenbergstraße (unterhalb Haus Stadelmann) haben begonnen. Die Fertigstellung ist für dieses Jahr geplant. Polizeiinspektion Wolfurt Unser neuer Postenkommandant Dietmar Sieber hat sich bestens eingearbeitet und pflegt zur Gemeinde und den Vereinen eine offene Kommunikation. Mit Juni wir der Posten mit einem weiteren Polizisten verstärkt. Die BeamtInnen der Polizeiinspektion Wolfurt versehen einen 24-Stunden Dienst. Von 19:00 - 7:00 Uhr sind sie auf gemeinsamer Sektorstreife mit der PI Lauterach und über die Landesleitzentrale bzw. per Handy jederzeit erreichbar. Bei verschiedenen größeren Veranstaltungen werden im Vorfeld zusätzlich Streifen eingeteilt. Erfreulich, dass in den meisten Deliktbereichen von 2009 gegenüber 2008 ein leichter Rückgang zu verzeichnen ist. Besonders auffällig ist der Rückgang der Sachbeschädigungen um 35 %! Diese Entwicklungen bestätigen mir die vielen Gespräche, in denen mir die Wolfurterinnen und Wolfurter mitteilen, dass sie sich in unserer Gemeinde sehr sicher und behütet fühlen. Aus dem Rathaus 3 Blick ins Gemeindegeschehen Fortsetzung Brand - Im Dorf 2 Am 1. März ist das Haus „Im Dorf 2“ zur Gänze einem Brand zum Opfer gefallen. Es wurde ein Zimmerbrand gemeldet, aber bereits nach kurzer Zeit die Alarmstufe auf F4 erhöht. Das Haus stand Mitten im Dorfzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiteren Häusern. Nur durch den schnellen und beherzten Einsatz unserer Ortsfeuerwehr, unterstützt durch etliche Nachbarwehren, konnte verhindert werden, dass das Feuer auf die bis auf wenige Meter angrenzenden Häuser übergriff. Das Wichtigste war aber, die Menschen aus dem brennenden Haus zu retten. Ein besonderer Dank gilt Mario Schedler, der durch sein schnelles Reagieren mittels Leiter eine Person aus dem ersten Stock retten konnte. Ein weiterer Mann konnte mittels Steiger unter höchst gefährlichen Umständen von unseren Wehrmännern noch in letzter Sekunde geborgen werden. Es wird immer wieder über Anschaffung von Feuerwehrgerätschaften (Fahrzeugen, Ausrüstung etc.) diskutiert und oft auch in Frage gestellt. Bei diesem Brandfall wurde auf drastische Weise klar, wie wichtig modern ausgestattete und bestens geschulte Mannschaften sind. Ich bedanke mich bei den Wehrmännern, allen voran bei Feuerwehkommandant Gerhard Pehr, der den Einsatz bestens leitete, für ihren selbstlosen Einsatz und ihr professionelles Handeln. Mein Danke gilt auch unserer Polizei und der Rettung. Die Blaulichtorganisationen haben bestens zusammengearbeitet. Unsere Aufgabe als Gemeinde bestand darin, für die betroffenen Familien schnellstmöglich Unterkünfte zu organisieren. Dies ist innerhalb von 24 Stunden gelungen. Auch die vielen Anrufe aus der Bevölkerung, Kleider oder Möbel zur Verfügung zu stellen, haben mich sehr gefreut. War es doch für mich wieder einmal ein Zeichen, dass in Wolfurt die Dorfgemeinschaft funktioniert und die Menschen in Notsituationen füreinander da sind - Danke. Die Brandruine wurde inzwischen abgetragen. Das Grundstück wird vorerst eingesät und begrünt. Kampf der Jugendarbeitslosigkeit Die Arbeitslosigkeit hat auf Grund der wirtschaftlichen Situation leider zugenommen. Besonders dramatisch ist es, wenn junge Menschen keine Arbeit haben. Die Gemeinde Wolfurt hat sich zum Ziel gesetzt, ganz speziell jugendlichen Langzeitarbeitslosen bzw. Lehrstellensuchenden behilflich zu sein. Unser Sozialarbeiter Günter Sutterlüti wird aktiv den Kontakt mit den Betroffenen herstellen und die jungen Frauen und Männer auf die Vorstellungsgespräche vorbereiten. Mit Altbürgermeister Erwin Mohr ist es uns mittels der Seniorenbörse gelungen, den wohl kompetentesten Mann für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen. Erwin wird versuchen, die Wolfurter Firmenchefs zu überzeugen, dem einen oder der anderen Jugendlichen eine Chance zu geben. Beim Wolfurter Wirtschaftsempfang haben die Firmenverantwortlichen bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ärztedienstplan Auf Anregung einiger Mitbürgerinnen und Mitbürger werden wir ab sofort den Ärztedienstplan in jeder Wolfurt-Information für das folgende Quartal abdrucken. Das Blatt wird, ähnlich dem Müllkalender, zum Herausschneiden geeignet sein. Ich bedanke mich für die Anregung und freue mich auf weitere. Brandschutzmaßnahmen Seniorenheim Auf Grund des tragischen Brandunglückes vor 2 Jahren in Egg, wurden die Vorschriften zur Brandverhütung drastisch verstärkt. Die Gemeinde Wolfurt hat in den letzten Monaten EUR 235.000,-- für diverse Brandschutzmaßnahmen im Seniorenheim investiert. Gerade in diesem besonders sensiblen Gebäude hat für uns Sicherheit oberste Priorität. 4 Aus dem Rathaus Postamt Wolfurt (bei Gemeinde) Wie Sie alle sicher schon aus verschiedenen Medien entnommen haben, wird die Österreichische Post AG alle unrentablen Postämter in Kürze schließen. Auch unser Postamt bei der Gemeinde gehört leider dazu. Trotz mehreren Gesprächen mit den Postverantwortlichen ist es uns nicht gelungen, die drohende Schließung abzuwenden. Die Gesetzgebung erlaubt der Post AG die Schließung, wenn das nächste Postamt nicht weiter als 10 km entfernt ist. Allen Gemeindeverantwortlichen ist es aber wichtig, dass der Postservice auch in Zukunft im Dorf - und nicht nur am Güterbahnhof - erhalten bleibt. Wir haben uns daher um Alternativen bemüht. Mit mehreren Handelsbetrieben wurden Gespräche geführt, ob sie nicht eine Postservicestelle in ihren Betrieben integrieren würden. Auf Grund der geringen Verdienstmöglichkeiten bzw. aus Platzmangel konnte leider kein Postpartner gefunden werden. Inzwischen führen wir intensive Verhandlungen mit der Firma INTEGRA, die bereits andere Filialen als Postpartner betreibt. INTEGRA beschäftigt in diesen Bereichen arbeitslose Menschen aus kaufmännischen Berufen. Die Bediensteten werden bestens geschult und auf ihre neuen Tätigkeiten vorbereitet und laufend fachmännisch betreut. Die bisherigen Erfahrungen sind durchwegs positiv. Wenn möglich werden bei der Anstellung WolfurterInnen bevorzugt. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Verhandlungen in den nächsten Wochen abschließen können. Eine Übernahme der Post durch die Firma INTEGRA wäre dann in den nächsten 2 – 3 Monaten denkbar. zung beitragen, nicht bewusst. Ich bitte daher nochmals, an den Sammelinseln nur Papier (Kartonschachteln flach machen), Glas und Metall zu entsorgen. Falls Sie Personen beobachten, die nicht ordnungsgemäß entsorgen, bitte ich Sie diese anzusprechen oder bei uns in der Gemeinde bei Burkhard Hinteregger (Tel.: 6840-17) zu melden. Sollte sich die Situation nicht bessern, müssen sich die Gemeindeverantwortlichen alternative Vorgehensweisen überlegen. Busfahrplan In dieser Wolfurt-Information ist der neue Busfahrplan in Pocket-Format beigelegt. Weitere bzw. größere Exemplare sind beim Bürgerservice der Gemeinde erhältlich. Die laufende Qualitätsverbesserung im öffentlichen Verkehr ist für uns Gemeindeverantwortliche schon lange ein ganz wichtiges Thema. So investiert die Marktgemeinde Wolfurt heuer alleine für den Landbus Unterland EUR 271.000,--. Es sind bei uns einige Beschwerden über die Abschaffung der Linie 13 eingelangt. Wir werden diese Beschwerden in den zuständigen Gremien einbringen und uns um eine Verbesserung in dieser Linienführung bemühen. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, der Winter neigt sich nun endgültig dem Ende zu. Ich freue mich mit Ihnen auf die ersten warmen Frühlingstage, auf blühende Blumen, auf anregende Gespräche mit Freunden und das eine oder andere „g‘mütliche Schwätzle“ mit Nachbarn im Garten. Euer Bürgermeister Christian Natter Wolfurt - Partner für Fahrradstudie Land Niederösterreich Das Land Niederösterreich will bis 2013 den Fahrradanteil von 7 % auf 14 % verdoppeln. Zu diesem Zweck wurde eine Studie in Auftrag gegeben. Diese sieht vor, zwei Gemeinden aus Niederösterreich mit zwei Gemeinden, bei denen der Fahrradanteil besonders ausgeprägt ist, zu vergleichen. Die Auswahl ist auf unsere Gemeinde gefallen, da bei uns der Anteil der fahrradfahrenden VerkehrsteilnehmerInnen besonders hoch ist und wesentliche Infrastrukturverbesserungen in diesem Bereich in den letzten Jahren umgesetzt wurden. In diesen Tagen werden Sie womöglich einen Anruf vom Kuratorium für Verkehrssicherheit erhalten, das die Umfrage in Wolfurt anlässlich dieser Studie durchführen wird. Ich bitte Sie um Ihre Mitarbeit und bedanke mich jetzt schon für Ihre Geduld. Wir fühlen uns geehrt und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Purkersdorf/NÖ. Wertstoffsammelinseln Die Verschmutzungen und das unerlaubte Abstellen von Sperrmüll, Restmüll- und Plastiksäcken an unseren Sammelstellen nehmen stetig zu. Eine Entwicklung, die mich maßlos ärgert! Unsere Bauhofmitarbeiter haben inzwischen den dreifachen Aufwand, die Inseln ordentlich zu halten, wie noch vor wenigen Jahren. Die Kosten dafür sind inzwischen erheblich angestiegen. Kosten, die wir alle als Steuerzahler zu tragen haben. Offensichtlich ist das jenen Leuten, die zu dieser zunehmenden Verschmut- Aus dem Rathaus 5 Pensionierungen bei Gemeinde Mit Ende des vergangenen Schuljahres trat Leon Melikian in den Ruhestand. Leon Melikian war bis zu seiner Pensionierung an der Musikschule am Hofsteig als Violinelehrer beschäftigt. Er studierte an der Musikhochschule von Tbilisi (Tiflis), die er mit dem Diplom als Solist und Musikpädagoge abschloss. Nach Engagements in seiner Heimat führte ihn der Weg durch die ganze Welt. So erhielt er beispielsweise Engagements in Aden/Jemen, Ingolstadt/Deutschland und Johannisburg/Südafrika, bis ihn sein Weg im März 1993 an die Musikschule am Hofsteig führte. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz hat Leon Melikian einer großen Anzahl von Schülern die Freude an der Musik und im Besonderen am Violinespiel vermittelt. Renate Strammer trat am 1.3.1982 die Nachfolge ihrer Mutter im Schuldienst an der Hauptschule Wolfurt an. Mit ihrer vorbildlichen Arbeitsauffassung nahm sie jahrelang Aufgaben wahr, die weit über ihr eigentliches Einsatzgebiet hinausgingen. Für Renate Strammer war die Arbeit niemals nur ein Job, ihr Bestreben war es stets, den Lehrern und Schülern eine blitzblanke Schule zu präsentieren, was ihr in all diesen Jahren auch beispielgebend gelungen ist. Die Marktgemeinde Wolfurt bedankt sich herzlich für den geleisteten Einsatz und wünscht den beiden Neo-Pensionisten viele gesunde Jahre im wohlverdienten Ruhestand. Verstärkung für Offene Jugendarbeit Wolfurt Seit 1. März 2010 bekommt das Team der Offenen Jugendarbeit Wolfurt Verstärkung durch Sarah Wagner. In Zusammenarbeit mit dem AMS sowie dem Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung konnte eine Ausbildungsstelle in der Offenen Jugendarbeit Wolfurt eingerichtet werden. Neben der praktischen Tätigkeit in Wolfurt besucht Sarah Wagner den Diplomlehrgang Jugendarbeit in Schloss Hofen. Im Laufe der Ausbildung widmet sich Sarah Wagner speziell der Mädchenarbeit in Wolfurt und versuch, neue Akzente für die Wolfurter Mädchen zu setzen. Seit Anfang Februar betreut sie eine Gruppe von Mädchen, deren erste erfolgreiche Aktion die Erstellung von Designerschmuckstücken war. Das Ganze wurde durch eine Glas- und Schmuckkünstlerin professionell begleitet. Die Ergebnisse konnten auf der Ausstellung „Wolfurt kreativ 2010“ bestaunt werden. Wenn Du bei der neuen Mädchengruppe dabei sein willst oder sogar Ideen hast, was Ihr machen könntet, dann melde Dich bei Sarah Wagner unter E-Mail: sarah@wawa.or.at. Günter Sutterlüti, Jugendsozialarbeiter, E-Mail: guenter.sutterlueti@wolfurt.at, Tel.: 0664/8200692 6 Aus dem Rathaus Doris Schmid Heinrich Straßbauer Stefan Fischer Siegfried Weber Martin Schelling Dienstjubiläen bei Gemeinde Die Weihnachtsfeier der Gemeindebediensteten ist traditionellerweise auch die Gelegenheit, langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre Betriebstreue zu danken. Stefan Fischer konnte 2009 sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiern. Er trat am 1.6.1969 in den Gemeindedienst ein. Anfänglich im Bauamt beschäftigt, wechselte er bald ins Meldeamt und übernahm nach der Pensionierung von Eduard Mohr die Leitung von Melde- und Standesamt. Seit dem Umbau des Rathauses führt er um- und weitsichtig die in diesem Zuge neu geschaffene Bürgerservicestelle, der Erstanlaufstelle für die meisten Anliegen der Bevölkerung. Die Zunahme an sozialen Härtefällen brachte es mit sich, dass sein Arbeitsschwerpunkt heute in diesem Bereich liegt. Auch als Legalisator ist er weiten Kreisen der Bevölkerung bestens bekannt. er seither mit Bravour eine der größten Mittelschulen des Landes. Besonders seit dem Umbau des Gebäudes liegt ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf der Betreuung des komplexen Technikbereichs. Doris Schmid wurde für 30 Jahre Tätigkeit im öffentlichen Dienst geehrt. Nach Absolvierung der Grundschule trat Doris Schmid als Kindergartenhelferin in den Dienst der Stadt Bregenz, wo sie 14 Jahre lang, bis zur Geburt ihrer Kinder, tätig war. Seit 1.9.1992 ist sie nun im Kindergarten Dorf - ebenfalls als Kindergartenhelferin beschäftigt und hat als „Kuscheltante“ mittlerweile eine ganze Generation an Kindern auf ihren ersten Schritten außerhalb des Elternhauses begleitet. Für 25-jährige Betriebszugehörigkeit wurde Siegfried Weber geehrt. Am 19.8.1985 trat Siegi - wie er von allen genannt wird - seinen Dienst im Bauhof an. Ob auf der Kehrmaschine oder dem Kleinbagger, oder beim Ablesen der Wasserzähler bzw. deren Tausch - Siegi ist im ganzen Ort bekannt und wegen seiner humorvollen und zuvorkommenden Art überall beliebt. Im Jahre 1995 konnte er auch den Wassermeisterbrief entgegennehmen. Ebenfalls auf 25 Jahre Betriebszugehörigkeit kann Heinrich Straßbauer zurückblicken. Heinrich Straßbauer übernahm am 1.10.1984 die Betreuung der damals neuen Hofsteigsporthalle und nach der Pensionierung von Heribert Flatz die Verantwortung für den gesamten Schulkomplex. Mit einem ganzen Mitarbeiterstab betreut Martin Schelling nahm ebenfalls die Ehrung für 25 Jahre im öffentlichen Dienst entgegen. Nach seinem Studium an Koservatorium und Musikhochschule Wien trat er in den Militärdienst ein, wo er 8 Jahre lang der Militärmusik angehörte. Seit dem Schuljahr 1992/93 ist Martin Schelling an der Musikschule am Hofsteig als Klarinettenlehrer sehr erfolgreich tätig. Sowohl als Musikschullehrer, wie auch als Dirigent der Bürgermusik Lauterach, hat er viele angehende Musikanten für die Musik begeistert und zu Höchstleistungen geführt. Bürgermeister Christian Natter bedankte sich bei den Geehrten für die Betriebstreue und wünschte ihnen weiterhin viel Erfolg bei ihrer Arbeit zum Wohle der Bevölkerung. Aus dem Rathaus 7 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Darina Mrlianova, Personenbetreuung, Dornbirner Straße 20a; Elke Strolz, Massage, eingeschränkt auf Shiatsu, Unterlinden 24; Danijel Jovanovic, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Achstraße 46; Bianca Riggillo, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Bregenzer Straße 21; Darina Tomková, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Dipl. Ing. Dr. tech. Andreas Weratschnig, Heizungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude und die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Kirchstraße 11; Marcel Melchior Meyer, Direktvertrieb, Inselstraße 15/3; Sven Hofer, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, eingeschränkt auf Coaching, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Gewerbelöschungen Peter Schwerzler, Spirituosenerzeuger, Wälderstraße 2; Ali Riza Demir, Entrümpler, Grenzstraße 36; Florian Hubert Rainer, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik sowie Handels- und Handelsagentengewerbe, Konrad-Doppelmayr-Straße 17; WBI Meusburger GmbH & Co, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Kesselstraße 42; Yakup Gürdap, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Albert-LoackerStraße 13; Petra Mohr, Modellieren von Fingernägeln (Nagelstudio), Brühlstraße 26a; Milena Matic, Entrümplerin, Dornbirner Str. 35 Kostenlose Beratung in Grundstücksund Immobilienangelegenheiten: Richard Richter, gerichtlich beeideter Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürger und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: Bestellung eines Geschäftsführers Köb Holzheizsysteme GmbH, Industriemäßiger Maschinen- und Kesselbau einschließlich dazugehöriger Steuerungen, Flotzbachstraße 33, Geschäftsführer: Dr. Stefan Hoffmann. MUSIK HINTEREGGER Ges.m.b.H., Handelsgewerbe, Hofsteigstraße 7, Geschäftsführer: Paul Norbert Hinteregger. Rathaus Wolfurt, 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 14. April 2010 Mittwoch, 26. Mai 2010 Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 1. Quartal 2010 im Fundamt abgegeben wurden: Standortverlegung und Änderung des Firmensitzes „rasch4you“ Rackette & Schwendinger OG, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Lauteracher Straße 1. Diverse Schlüssel Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: melanie.amhof@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Melanie Amhof Eintragung im Firmenbuch als Einzelunternehmer Bernd Werner Bechter, Erdbau, Winterdienst und Sommerdienst, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit zwei Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr, Montfortstr. 15. Standortverlegungen Bozena Anna Warzycha, Personenbetreuung, von Bildstein nach Wolfurt, Bützestraße 13; Grazyna Danuta Kalinowska, Personenbetreuung, von Bildstein nach Wolfurt, Bützestraße 13; Mag. Dr. Paul Friedrich Stampfl, Ingenieurbüros (Beratende Ingenieure) für Ökologie, von Bregenz nach Wolfurt, Unterlinden 16a. Löschung einer weiteren Betriebsstätte Amann-Nussbaumer GmbH, Maschinsticker, Bützestraße 20. Aktuelle Zahlen aus dem Rathaus 2005 Gemeldete Personen (inkl. Zweitwohnsitz) 8.192 Geburten gesamt davon Österreicher davon Ausländer Sterbefälle gesamt Eheschließungen 78 64 14 40 33 Bautätigkeit Erteilte Baubewilligungen Einfamilienhäuser Mehrfamilienhäuser Betriebsgebäude 2006 2007 8.307 8.373 82 73 9 47 43 92 82 10 54 17 2008 2009 8.378 8.362 80 75 5 60 39 81 68 13 55* 31 2005 2006 2007 2008 2009 23 3 4 30 3 2 22 1 2 16 3 2 12 1 4 Zu- und Umbauten: Wohnhäuser Betriebsgebäude Althaussanierungsanträge 30 6 21 25 21 28 11 11 17 17 9 20 31 4 78 *13 Sterbefälle allein im Monat November 8 Aus dem Rathaus Gemeindebudget 2010 Mit 18,2 Mio. EUR liegt der Voranschlag 2010 deutlich unter dem Investitionsbudget des Jahres 2009. Vor allem der starke Rückgang bei den Ertragsanteilen (-12,16 %!) hat den Spielraum der Gemeinde erheblich eingeschränkt. Trotzdem können die laufenden Projekte fertiggestellt und auch die geplanten Vorhaben umgesetzt werden, ohne dafür eine Neuverschuldung in Kauf nehmen zu müssen. Darüber hinaus kann ein Teil der Rücklagen erhalten werden, was der Gemeinde auch für die kommenden Jahre einen gewissen Handlungsspielraum ermöglicht. Wirtschaftskrise soll für Bürger im Gemeindebereich nicht spürbar werden Dass die Vereinsförderung von EUR 198.300,-- nicht gekürzt werden musste, erfüllt uns mit besonderem Stolz, ebenso wie die neuerliche Zuführung von EUR 73.000,-- an die Seniorenstiftung. Insgesamt war es ein großes Ziel für den Voranschlag, dass die Wirtschaftskrise im Gemeindebereich für den Bürger nicht spürbar werden sollte. So wurden weder die Gemeindeförderungen gekürzt noch die Abgaben und Gebühren erhöht. Schuldenstand Trotz der angespannten Ertragsaussichten werden wir rund EUR 200.000,-- Schuldentilgung vornehmen und mit 1,69 Mio. Euro niedrig verzinsten Darlehen eine der niedrigsten Pro-Kopf-Verschuldungen (EUR 202,08) im Lande aufweisen. Beiträge an das Land 1.982.800,-- € 1.070.300,-- € 850.000,-- € 152.600,-- € 105.600,-- € Sozialhilfe-Umlage (Steigerung 21,94 %!) Landesumlage Spitalbeiträge für Wolfurter Bürgerinnen und Bürger Beitrag zum Landes-Pflegegeld Beitrag für Wohnbauförderung Die wesentlichsten Aufwendungen: Schmerzliche Abflüsse durch Umlagen Die Umlagen steigen auf Grund der guten Finanzkraft des letzten Jahres leider kräftig an. Für Sozialhilfe, Pflegegeld, Spitalsbeiträge etc. muss die Gemeinde rund EUR 4,16 Mio. an den Landesfonds abführen. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine neuerliche Steigerung um mehr als 5 %. 1.330.000,-- € 500.000,-- € 488.500,-- € 266.000,-- € 245.000,-- € 190.000,-- € 198.300,-- € Beiträge an Gemeinde-Immobiliengesellschaft für Feuerwehrhaus, Sanierung VS Mähdle, Beteiligung Sternen-Hotel Grundstücks-Ankäufe Umbaumaßnahmen L 3 Hofsteig-Ader Beiträge für die Wildbachverbauung Sanierung / Neubau Wassernetz Sanierung Straßen Direkte Vereinsförderung Finanzreferent Bgm. Christian Natter Aus dem Rathaus 9 Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 07. April 2010, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 05. Mai 2010, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 02. Juni 2010, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 07. Juli 2010, Dr. Wolfgang Hirsch Die Marktgemeinde Wolfurt sucht zum Eintritt nach Vereinbarung einen Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 19. Mai 2010, Dr. Richard Huter Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Bauhofmitarbeiter Der Aufgabenbereich umfasst alle im Bauhof anfallenden Tätigkeiten, beispielsweise Straßeninstandsetzungen, Schneeräumung, Gärtnerund Mäharbeiten, Grabarbeiten, Instandhaltung von Gemeindeeinrichtungen, Spielplätzen udgl., Reinigung der Altstoffsammelzentren und Reinigung der Außenanlagen öffentlicher Gebäude, Mithilfe im Wasserleitungsbau etc. Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Dr. Ivo Fussenegger Dr. Richard Huter Dr. E. Michel Dr. Kurt Zimmermann Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Februar, Juli und 13.11. - 26.11. März, August und 27.11. - 07.12. April, September und 08.12. - 20.12. Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Kundmachung Einladung zur 22. Vollversammlung der Wir erwarten von Ihnen > handwerkliches Geschick > Einsatzfreude > Belastbarkeit > Genauigkeit, Verlässlichkeit und Teamfähigkeit > LKW-Führerschein Genossenschaftsjagd Wolfurt Die Vollversammlung 2010 der Genossenschaftsjagd Wolfurt wird gemäß § 4 der Genossenschaftssatzungen auf Dienstag, 27. April 2010, um 19:00 Uhr, imGasthaus „Adler“ einberufen. Tagesordnung: 1. Mitteilungen 2. Vorlage der Jahresrechnung 2009/2010 und Verwendung des Jagdpachtertrages 3. Bestellung von Rechnungsprüfern 4. Genehmigung der Verhandlungsschrift der 21. Vollversammlung vom 05.05.2009 5. Allfälliges Wir bieten Ihnen > Vielseitiges Aufgabengebiet > krisensicheren Arbeitsplatz > leistungsgerechte Entlohnung Senden Sie bitte Ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen bis spätestens 16.04.2010 an GdeSekr. Dr. Schneider, p.A. Marktgemeindeamt 6922 Wolfurt, Schulstraße 1. Hinweis: Ist die Vollversammlung zum festgesetzten Zeitpunkt nicht beschlussfähig, so wird sie nach Ablauf einer halben Stunde bei unveränderter Tagesordnung ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder und der auf die Mitglieder entfallenden Stimmen beschlussfähig. Bürgermeister Christian Natter 10 Aus dem Rathaus Ist Ihr Reisepass noch gültig? Jeder fünfte Reisepass läuft im Jahre 2010 ab! Prüfen Sie rechtzeitig vor Ihrem Urlaub, ob Ihr Reisepass noch gültig ist. Vor allem in den Monaten März bis August 2010 wird ein großer Andrang bei den Passbehörden erwartet. Auskünfte erhalten Sie gerne bei der Marktgemeinde Wolfurt, Melanie Amhof (E-Mail: melanie.amhof@wolfurt.at oder Tel.: 05574/6840-10). Wichtig: > Mit 30. März 2009 wurde in Österreich der neue Sicherheitspass mit Fingerabdruck eingeführt. > Der Sicherheitspass ist mit einem Chip ausgestattet. > Bei Kindern unter zwölf Jahren werden die Fingerabdrücke nicht erfasst. > Seit 15. Juni 2009 werden (auch für Kinder) ausschließlich Reisepässe mit Chip ausgestellt. > Eine neue Kindermiteintragung im Reisepass der Eltern ist nicht mehr möglich. > Bestehende Kindermiteintragungen verlieren ab 15. Juni 2012 ihre Gültigkeit. Die Gültigkeit des Reisepasses, in dem sich die Kindermiteintragung befindet, bleibt jedoch unberührt. > Der Reisepass ist grundsätzlich zehn Jahre gültig für Personen über zwölf Jahre. Für Kinder bis zwei Jahre beträgt die Gültigkeitsdauer zwei Jahre und für Kinder von zwei bis zwölf Jahren beträgt die Gültigkeitsdauer fünf Jahre. Denken Sie daran: Bei jeder Reise muss ein gültiges Reisedokument (Reisepass oder Personalausweis) mitgeführt werden (auch bei Reisen in die EU-Staaten!). So kommen Sie zu Ihrem neuen Sicherheitspass: > Beantragen Sie Ihren neuen Pass unabhängig vom Wohnsitz bei der Passbehörde, Magistrat, Bezirkshauptmannschaft oder bei der Bürgerservicestelle der Marktgemeinde Wolfurt. > Vergessen Sie bitte nicht ein Passfoto, das den internationalen Kriterien entspricht (siehe www.bmi.gv/ passbild), Ihren derzeitigen Reisepass und die Gebühr von EUR 69,90 zur Antragstellung mitzubringen. > Der neu ausgestellte Sicherheitspass wird an Ihre Wunschadresse per Post (RSb) zugestellt. > Informieren Sie sich rechtzeitig über die speziellen Einreisebestimmungen Ihres Urlaubszieles (Visa, Gültigkeitsdauer des Reisedokumentes usw.). Aus dem Rathaus 11 Wolfurt kreativ 2010 - ein voller Erfolg Die Ausstellung der zahlreichen Wolfurter Hobbykünstler und ihr Kleinkunstabend erlebten einen großen Besucheransturm. 12 Gemeindepanorama Über 30 Wolfurter und Wolfurterinnen, die in ihrer Freizeit kreativ bzw. künstlerisch tätig sind, nahmen an der heurigen Ausstellung „Wolfurt kreativ“ teil, fast doppelt so viele beteiligten sich am Kleinkunstabend. Die Ausstellungsobjekte waren vielfältig, genauso wie die Interessen der Besucher. Werke wurden bewundert, Gespräche darüber geführt, Neues wurde kennengelernt. Es war wirklich großartig zu sehen, was Menschen in unserem Dorf in ihrer Freizeit zustande bringen. Welche schönen Dinge geschaffen werden, welche interessanten Tätigkeiten es gibt. Von traditionellem Handwerk, Malerei in allen möglichen Techniken, Tanz, bis zur Literatur gab es vieles zu sehen und zu hören. Beim Kleinkunstabend überraschte so mancher das Publikum mit einer sehr besonderen Fähigkeit oder berührte mit seiner großen Begeisterung für sein Tun. Die Aussteller und Künstler zeigten uns, wie bereichernd ein Hobby sein kann und konnten für so manchen von Beispiel dafür sein, wie man der freien Zeit Sinn und Inhalt geben kann. Dank gebührt allen, die mitgearbeitet und die Ausstellungswochenenden begleitet haben. Dank an Ferde Hammerer, der sehr gekonnt und charmant durch den bunten Künstlerabend mit Tanz, Theater, Lesung, Clownerie und Gesang führte. Danke an das ehrenamtliche Team, das gemeinsam mit Manuela Bundschuh den reibungslosen Ablauf der „Wolfurt kreativ 2010“ organisierte. Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Kulturreferentin Gemeindepanorama 13 Netzwerk Kinderbetreuung Wolfurt Die Kinderbetreuung hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und stellt uns vor vielfältige Aufgaben. Um unsere Kinder zwischen 1 ½ und 14 Jahren auch außerhalb der Kindergarten- und Schulzeiten betreuen zu können, haben wir ein breites Angebot für Familien geschaffen und entwickeln dieses beständig weiter. Vernetzung und Abstimmung der einzelnen Einrichtungen sind ein vorrangiges Ziel. Unsere Antwort auf diese anspruchsvolle Aufgabe ist die Einrichtung einer neuen Stelle im Rathaus. Seit Februar 2010 übernimmt Manuela Bundschuh die verantwortungsvolle Aufgabe der Koordinatorin sämtlicher Betreuungseinrichtungen der Gemeinde. Dazu zählen die Kleinkindbetreuung, die öffentlichen und privaten Kindergärten, die Schüler- und Ferienbetreuungen. Die neue Stelle soll einerseits dazu beitragen, ein möglichst ausgewogenes und abgestimmtes Betreuungsangebot für die Wolfurter Familien weiterzuentwickeln. Andererseits soll sie für Eltern Anlaufstelle sein, die Information oder Hilfe bei der Suche nach der passenden Betreuung für ihr(e) Kind(er) sind. Wir sind überzeugt, mit dieser Maßnahme einen weiteren wichtigen Schritt als kinderund familienfreundliche Gemeinde gesetzt zu haben. Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Soziales Elisabeth Fischer Yvonne Böhler neue Frauensprecherin für Wolfurt Das Frauennetzwerk Vorarlberg ist ein Zusammenschluss von Frauensprecherinnen auf regionaler und landes weiter Ebene. Die Frauensprecherinnen sind die unmittelbaren Ansprechpartnerinnen für alle Frauen in den Gemeinden, sie sind zu Verschwiegenheit verpflichtet und arbeiten ehrenamtlich. Yvonne Böhler, bisher Stellvertreterin, übernimmt die Aufgaben der Frauensprecherin für Wolfurt und die der Regionensprecherin Hofsteig. Aufgabe der Frauensprecherin in der Gemeinde ist es, Informationen über Beratungseinrichtungen an die Frau zu bringen. Dabei wird auf die Zusammenarbeit mit Frauenorganisationen, Vereinen und Gruppierungen Wert gelegt. Weiters erfolgt eine Vernetzung mit den Frauensprecherinnen der Gemeinden in der Region und mit dem Frauenreferat des Landes. Die Frauensprecherin organisiert und bewirbt die Sprechtage des Fraueninformationszentrums FEMAIL in der Gemeinde, seit kurzem können wir in Wolfurt auch die Sprechtage für Migrantenfrauen anbieten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Organisation von Vorträgen zu frauenspezifischen Themen wie Gesundheit, Recht, Wiedereinstieg, Ernährung und Pension. Die Frauensprecherin kann Ihre Probleme nicht lösen, aber sie kann Ihnen weiterhelfen, indem sie die richtige Anlaufstelle kennt. Als bisherige Frauensprecherin darf ich mich beim Rathaus-Team recht herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken! Maria Claeßens E-Mail: yb@aon.at, T: 05574 - 66942 www.frauennetzwerk-vorarlberg.at 14 Gemeindepanorama „Hallo Nachbarn, lasst uns feiern!“ Wolfurt unterstützt Straßen-Nachbarschaftsfeste! Mit dem Kinder-Familien-Straßenfest unterstützt Wolfurt eine Initiative von „Kinder in die Mitte“. Ziel ist die zumindest kurzfristige Rückgewinnung des Straßenraums als Begegnungszone für die gesamte Nachbarschaft sowie als Spielraum für Kinder. „Kinder in die Mitte“ leistet einen Beitrag zum Festbudget! > 333 Euro gibt es für die Miete von Kinderspielgeräten (Gemeinschaftsspiele, Pedalos...) oder auch für die Miete von Bankgarnituren, Zelten, Griller, Spülmobil und so weiter. > 111 Euro gibt es zusätzlich, wenn speziell auf Umweltschutz (z. B. Mehrweggeschirr) beziehungsweise auf gesunde und regionale Ernährung geachtet wird. Ja, lasst uns feiern! Sie können sich vorstellen, ein KinderFamilien-Straßenfest zu organisieren? Gewiss gibt es Nachbarn, die ebenfalls mit Feuereifer dabei sind. Ein kleines Organisationskomitee und schon kann es losgehen - mit gelebter Nachbarschaftspflege, die Spaß macht und einander zusammenrücken lässt. Was sind die Voraussetzungen für ein Kinder-Familien-Straßenfest? > Organisation durch Eigeninitiative einer Straßen-Nachbarschaft > Einbeziehung des Straßenraums (Nebenstraßen) als Festplatz oder als Spielfläche für Kinder > kinder- und familienfreundliches Fest > Thematisierung von „bewusstem Mobilitätsverhalten" (Festbesuch ohne Auto) Mehr Informationen erhalten Sie bei Kinder in die Mitte Karoline Diem, T: 05574 - 511-24148 Unterstützung durch die Gemeinde > Hilfe bei der Sperre der Straße (nur Nebenstraßen) für den Festzeitraum > Verleih von Mehrweggeschirr > Kostenlose Kopie von Einladungsblättern im Gemeindeamt oder im Wolfurter Bürgerservice Burkhard Hinteregger, T: 05574 - 6840-17 Gemeindepanorama 15 Programm und Projekte der Offenen Jugendarbeit Wer Interesse hat, bei der Skaterplatzgestaltung dabei zu sein, oder Interesse an Graffiti oder Theater hat, kann sich gerne bei Günter Sutterlüti melden. Kontakt: [´wa´wa] Jugend- und Kulturverein Günter Sutterlüti T: 0664 8200692 E-Mail: info@wawa.or.at Gewalt in meinem Umfeld Im Rahmen der Burschenabende im Jugendtreff wurde speziell das Thema „Gewalt in meinem Umfeld“ behandelt. Zusätzlich zu diesen Abenden wurden in der Turnhalle der Volksschule Bütze vier Kampfspiele Workshops durchgeführt. Bei diesen Workshops wurde die Haltung der Fairness und des Respekts in den Mittelpunkt gestellt. Hallenfußball in der Volksschule Bütze Jeden zweiten Samstag im Monat erhielten die Jugendlichen in Wolfurt wieder die Möglichkeit, ihren geliebten Fußball-Sport in der Turnhalle Bütze auszuüben. Wer bei diesem freien Training mitmachen möchte, kann sich gerne bei Günter Sutterlüti melden. Jugenddiskussion zur Wahl: Am 02.03.2010 fand im Kultursaal die Jugenddiskussion zu den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen statt. Die Spitzenkandidaten der Grünen, ÖVP und SPÖ (alphabetische Reihung) stellten sich den Fragen der Jugendlichen, die FPÖ kam aus nicht bekannten Gründen der Einladung nicht nach. Leider wurde das Angebot nur von wenigen Jugendlichen wahrgenommen. Wir werden den Jugendlichen in Wolfurt jedoch weiterhin Möglichkeiten bieten, sich politisch einzubringen. Vorschau Frühling/Sommer 2010 > Graffiti Workshop > Jugendtheater > Mitbestimmungsprojekt Skaterplatzgestaltung Volksschule Mähdle Ab dem Frühjahr 2010 wird ein Skaterplatz bei der VS Mähdle errichtet. Wir möchten den Jugendlichen aus Wolfurt die Möglichkeit geben, bei der Gestaltung des Platzes mitzubestimmen sowie selbst Hand anzulegen. 16 Gemeindepanorama 5+1: Fünf Gemeinden, ein Fluss: Wertvolles gemeinsam gestalten Die Bregenzerach ist für die Gemeinden Hard, Kennelbach, Lauterach, Wolfurt und die Landeshauptstadt Bregenz ein zentrales Naherholungsgebiet. Mit der kürzlich unterzeichneten Charta für nachhaltige Entwicklung und Nutzung bestärken die 5 Anrainergemeinden ihre Absicht, den besonderen Natur- und Erholungsraum an diesem Fluss gemeinsam mit dem Land Vorarlberg sensibel und abgestimmt weiterzuentwickeln. Die Bregenzerach auf der Strecke zwischen Kennelbach und der Mündung in den Bodensee hat viel zu bieten: Sandsteinschwelle und Mündungsbereich mit den weitum einzigartigen Auwäldern etwa sind von internationaler Bedeutung. „Diesen Erholungswert wollen wir im Einklang mit Natur-, Grund- und Hochwasserschutz und anderen Interessen gezielt erhalten und weiterentwickeln“, erläutern die Vertreter der fünf Anrainergemeinden die Motivation hinter dem Vorhaben. In den vergangenen Monaten wurde die Situation rund um die Bregenzerach im Detail analysiert. Bereits jetzt ist der Raum an und in der Bregenzerach vielfach genutzt: Vom Spazieren über Flirten bis hin zu verschiedenen Sportarten ist auf der Liste der Aktivitäten vieles zu finden. Das soll auch in Zukunft möglich sein. Die gemeinsam erarbeitete Charta ist dafür Grundlage, die Gemeinden orientieren ihre weiteren Planungen und Aktivitäten daran. Die verbindende Wirkung des Raumes am Fluss und seine Werte sollen verstärkt und sensibel ins Bewusstsein rücken. „Der Raum an der Ach soll naturnah, offen, nicht kommerzialisiert und vielseitig sein“, beschreiben die Gemeinden die Zielatmosphäre. „Die intensive Abstimmung mit Wasserwirtschaft, Natur- und Landschaftsschutz und der Raumplanung stellt sicher, dass ein stimmiges Gesamtbild entsteht.“ Auch im Sinn von Vision Rheintal und für das Gewässerentwicklungskonzept macht Kooperation Sinn. Denn gemeindeübergreifende Planungen, durchgängige Standards und abgestimmte Aktivitäten erhöhen den Wert für alle Beteiligten. In den kommenden Monaten konkretisieren die Gemeinden auf dieser Basis ihre Planungen und gehen in die ersten Umsetzungen. Vizebgm. Angelika Moosbrugger Gemeindepanorama 17 Hofsteig-Ader Mit dem Bau des Achraintunnels und der neuen Spange zum Anschluss der Rheintalautobahn A 14 sollten Wolfurt und Schwarzach merklich vom Durchzugsverkehr entlastet werden. Die prognostizierte Entlastungswirkung auf der L 3 Hofsteig-Ader bildete den Anlass für die Hofsteig-Ader-Studie. Die Entlastung soll längerfristig sichergestellt werden und für eine Aufwertung der Hofsteig-Ader für den Fuß- und Radverkehr sowie als öffentlichen Raum (Aufenthaltsqualität), insbesondere in den Ortszentren, genutzt werden. Die L 3 soll eine attraktive, sichere und differenziert gestaltete Hauptstraße für die beiden Gemeinden werden. 18 Umwelt Was ist geplant, was wird umgesetzt? Als eine Maßnahme wurde eine Randmarkierung über die gesamte Hofsteig-Ader vorgesehen. Nachdem nahezu auf die gesamte Länge starke Spurrillen festgestellt wurden, bei Nässe sehr erschwerend für Fußgänger und Radfahrer, wird jetzt im Frühjahr die Fahrbahn abgefräst und dann die vorgesehenen Randstreifen aufgebracht. Diese Maßnahme soll die Fahrbahn optisch verschmälern und so die Geschwindigkeit verlangsamen. Erste große Baumaßnahme an der Hofsteig-Ader Der Teilabschnitt „Achstraße“ hat auf Grund des äußerst schlechten Zustands beim Land 1. Priorität. Unterbau, Fahrbahn, Entwässerung usw. sind dringend sanierungsbedürftig. So wird die Achstraße von der Autobahn bis zur Fitzkurve nach dem Gestaltungskonzept der Hofsteig-Ader gebaut. Mit neuem Unterbau, neuzeitlicher Oberflächenentwässerung, das Oberflächenwasser wird über ein modernes Trennsystem in die Bregenzerache eingeleitet, die „Essokreuzung“ wird Fußgänger- und Radfahrerfreundlich gestaltet, ebenso wird von der Essokreuzung bis zur Fitzkurve linksseitig ein neuer Gehsteig errichtet. Die Gehsteige werden straßenseitig mit einem weichen Randabschluss ausgeführt. Der im Projekt Hofsteig-Ader vorgesehene Kreisverkehr bei der Fitzkurve kann auf Grund verkehrstechnischer Probleme, z.B. Einmündung der Dammstraße, nicht umgesetzt werden. Hier wird die bisherige Einmündung beibehalten, der Abschnitt aber ebenfalls Fußgänger- und Radfahrerfreundlich gestaltet. Eine neue Straßenbeleuchtung über den gesamten Bauabschnitt rundet vor allem den notwendigen Sicherheitsaspekt ab. Die Baumaßnahmen erfolgen in mehreren Bauabschnitten. Über die gesamte Bauzeit von April bis Oktober 2010 erfolgt eine überörtliche Umleitungsführung über die L 16 (Wälderstraße) und die L 190 in beiden Richtungen nach Bregenz. Der Baubereich auf der Achstraße wird dadurch großräumig umfahren. Die Halbanschlussstelle der A 14 Richtung Lauterach ist über die gesamte Bauzeit ungehindert benutzbar. In der Zeit von April bis Anfang Juli (Ferienbeginn) wird im Bauabschnitt 1 der Abschnitt von der Unterführung A 14 inkl. Kreuzung Albert-Loacker-Straße gebaut. Eine lokale Umleitung erfolgt insbesondere für die Zubringer der ansässigen Gewerbebetriebe über die Dammstraße. Die Zufahrt nach Kennelbach ist in diesem Bauabschnitt über die L 3 (Achstraße) und die L13 (Kennelbacherstraße) in beiden Richtungen ungehindert möglich. Die Buslinie 20 wird in beiden Richtungen über die Dammstraße geführt. Die Haltestellen werden im Kreuzungsbereich Achstraße /Albert-Loacker-Straße entsprechend umgestellt. Im Bauabschnitt 2 von Anfang Juli bis September wird der Kreuzungsbereich bei der Abzweigung L13 (Fitzkurve) und der Abschnitt bis zur Esso fertig ausgebaut. Der lokale Verkehr um den Baustellenbereich wird über die Albert-Loacker-Straße, Lerchenstraße, Montfortstraße umgeleitet. Die Zufahrt nach Kennelbach ist in dieser Bauphase nur über die L 16 Wälderstraße bzw. über die A 14 möglich, wobei Ortskundige die Bregenzer Straße benützen werden. Weicher Randabschluss vom Gehsteig straßenseitig Die Busse der Linie 20 werden ebenfalls über die Alber-Loacker-Straße, Lerchenstraße, Montfortstraße geführt. Die Linien 13A und 35 werden in beiden Richtungen über die Bregenzer Straße geführt. Nach Fertigstellung der Fitzkurve kann der Verkehr wieder ungehindert über die L 3 und die L 13 nach Kennelbach abgewickelt werden. Die Zufahrt zu den Grundstücken im Baustellenbereich wird soweit wie möglich aufrecht erhalten. Sollte dies bedingt durch den Bauablauf kurzzeitig nicht möglich sein, werden die betroffenen Anrainer rechtzeitig informiert. Ende September wird dann der neu ausgebaute erste Abschnitt der HofsteigAder wieder für den Verkehr freigegeben. Die Kosten für den Neubau der Achstraße sind mit € 1.430.000,00 budgetiert, wobei sich der Anteil der Gemeinde Wolfurt auf € 430.000,00 beläuft. Hans Fetz, Gemeinderat für Mobilität Umwelt 19 Energiesparlampen-Testkoffer Ein Erfahrungsbericht aus der Wohnanlage Lerchenstraße 38c Unser Gemeinderat Hans Fetz hat den Energiesparlampen-Testkoffer im Rathaus ausgeliehen und im Rahmen der Hausversammlung vorgestellt und ist dabei auf reges Interesse gestoßen.Viele Mitbewohnerinnen und Mitbewohner haben diesen dann auch anschließend mitgenommen und die Lampen entsprechend getestet. Welche Erfahrungen wurden gemacht? Kontakt: Rathaus Wolfurt Burkhard Hinteregger, Tel.: 05574/6840-17 Kaution: 20,-> Für jede Fassung steht in diesem Koffer eine passende Lampe zur Verfügung. In Summe sind 23 verschiedene Energiesparlampen im Koffer. > Die im Koffer liegende Beschreibung zu jeder Lampe ist sehr hilfreich bei der Auswahl der passenden Lampe, zudem sind die Lampen im Elektrofachgeschäft entweder lagernd oder kurzfristig lieferbar. > Je nach Geschmack sind auch verschiedene Lichttöne im Koffer enthalten, von kalt und modernem bis weich und gedämpftem Licht. Also für jeden Geschmack die passende Lampe! Fazit: Im gesamten Stiegenhaus der Wohnanlage Lerchenstraße 38c wurden die Glühlampen auf schnellstartende Energiesparlampen umgerüstet, die direkt mit voller Lichtleistung leuchten. Zudem war und ist das Stiegenhaus bereits mit Zeitschaltern ausgestattet. Auf Grund der monatlichen Energieaufzeichnungen kann bereits gesagt werden, dass die Energieeinsparung deutlich sichtbar ist. Weiters wurde auch die Feststellung gemacht, dass die Lebensdauer der Glühlampen deutlich länger ist, da vor Einbau der Energiesparlampen ständig getauscht werden musste, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Das wirklich Praktische am Energiesparlampenkoffer ist aber, dass verschiedene Lampentypen, Formen und auch Lichttöne in die Fassungen der verschiedenen Wohnräume geschraubt und über einen längeren Zeitraum getestet werden können. Also warum nicht auch bei ihnen Zuhause! Gleiche Leuchtkraft aber wesentlich weniger Strom, da z.B. 35 W Glühlampen durch 7 W Energiesparlampen, 40 W durch 9 W oder auch 60 W durch 11 W Energiesparlampen ersetzt werden können. 1/5 Stromverbrauch bei 10-facher Lebensdauer Also, ab ins Rathaus und holen Sie sich den Energiesparlampen-Testkoffer für ein paar Tage nach Hause. 20 Umwelt
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Wolfurt 2010 02 Sommer Wolfurt 01.06.2010 19.11.2012, 18:21 wolfurt SOMMER 2010 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! immer wieder höre ich von Außenstehenden, dass sich in Wolfurt viel bewegt und wir eine dynamische Gemeinde sind. Ich darf Sie über die wichtigsten Neuigkeiten informieren. Geschiebesperre Rickenbach Die Arbeiten an der Geschiebesperre Rickenbach sind inzwischen weit fortgeschritten. Die Brücke bei der Familie Gunz und die Zufahrt bis zur Geschiebesperre sind fertiggestellt. Auch die Absperrbauten selbst sind weit fortgeschritten. Die Arbeiter wurden nun zu Lawinenverbauungen abgezogen und werden ihre Tätigkeit wieder im Spätherbst aufnehmen. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten über den Winter dann endgültig abgeschlossen werden können. Architekt Hans Purin zum Gedenken Fünf Jahrzehnte lang war Bauen in Vorarlberg ohne den Namen Hans Purin nicht denkbar. Er entdeckte den Baustoff Holz auf völlig neuartige Weise, galt als einer der Pioniere auf dem Gebiet des Holzbaues und Wegbereiter der Vorarlberger Baukunst. Am 4. Juni verstarb der Bregenzer Architekt, der langjähriges Mitglied des Gestaltungsbeirates in Wolfurt war. Hans Purin hat in all diesen Jahren durch seine ruhige Art, aber vor allem durch seine fachliche Kompetenz wesentlich zur Gestaltung der oberen Straße beigetragen. Grundankauf Tobelgasse Postamt Wolfurt Wie bereits in der letzten Wolfurt-Info berichtet, wir die Post ihre Filiale bei uns in der Gemeinde nun definitiv mit 6. Juli 2010 schließen. Günther FRITZ, Leiter unserer Postniederlassung und seine Mitarbeiterin Lydia Sternad haben uns über viele Jahre bestens bedient. Für diese langjährige, positive Zusammenarbeit möchte ich mich recht herzlich bedanken. Beide werden an anderen Dienstposten Einsatz finden. In den letzten Wochen ist es uns gelungen, mit INTEGRA als neuen Postpartner die notwendigen Verträge zu fixieren. Damit ist gewährleistet, dass auch in Zukunft Postdienstleistungen bei uns im Dorf getätigt werden können und damit ein wesentlicher Teil einer funktionierenden Nahversorgung erhalten werden konnte. INTEGRA wird bereits am Mittwoch, den 7. Juli, die neue Postservicestelle eröffnen. Ich wünsche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen tollen und erfolgreichen Start. Alle weiteren Details finden Sie auf Seite 18. Vor kurzem hat die Gemeindevertretung den Ankauf des Grundstückes Nr. 19/1, Tobelgasse von den Geschwistern Schwärzler beschlossen. Das kleine Grundstück mit 148 m² liegt sehr zentral (vis à vis Pfarrheim) und kann in Zusammenhang mit dem Gst. Nr. 62, das sich im Besitz der Schwesternstiftung befindet, einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Pfarrkrankenpflege Wolfurt In den letzten Wochen konnten die Räumlichkeiten unserer Krankenschwestern im Seniorenheim durch eine interne Umstrukturierung erweitert werden. Schon lange mussten die Damen um Michaela Erath unter engsten Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Nun steht dem motivierten Team ein zusätzlicher Raum zur Verfügung. Die administrative Arbeit, Beratungsgespräche und Behandlungen können nun in zeitgemäßer Form abgewickelt werden. Ich wünsche unseren Krankenschwestern viel Spaß bei ihrer anspruchsvollen Arbeit und bedanke mich für ihr vorbildliches Engagement. Mein Dank gilt aber auch dem Obmann Peter Heinzle, der mit unermüdlichem Einsatz, seit vielen Jahren ehrenamtlich unsere Pfarrkrankenpflege Wolfurt leitet. Projektgruppe Areal-Strohdorf …hat die Arbeit aufgenommen. Nach der Umsiedlung der Feuerwehr in ihr neues Haus in die Weberstraße steht nun eine sinnvolle Nachnutzung des alten Feuerwehrgebäudes an. Bald wurde klar, dass viele Begehrlichkeiten, wie Musikschulerweiterung, neue Turnhalle, Mittagsbetreuung, neue Schulräumlichkeiten, neuer Sitzungssaal etc., seriös geprüft und diskutiert werden müssen. Auch ein Um- bzw. Erweiterungsbau im Rathaus wird mittelfristig anstehen. Es geht also darum, einen ganzheitlichen Blick auf das Strohdorf-Areal zu richten. Zu Beginn wird die bewusst schlank gehaltene Projektgruppe, bestehend aus Peter Grebenz (SPÖ), Anton Böhler (FPÖ), Othmar Gratt (GRÜNE), Vize Bgm. Angelika Mossbrugger und Bgm. Christian Natter (ÖVP), die Ist-Situation analysieren. Weiters wird der tatsächliche Bedarf erhoben. Dazu werden natürlich die betroffenen Institutionen mit einbezogen. Trotz der vielschichtigen Thematik wollen wir bis Mitte kommenden Jahres die konkrete Vorgehensweise fixiert haben. Gilt es ja nicht nur Wünsche zu erfüllen, sondern festzuhalten, was sinnvoll, notwendig und schlussendlich auch finanzierbar ist. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam eine gute Lösung für alle Beteiligten erarbeiten werden. 2 Aus dem Rathaus Selina Schmid Neue Gemeindebedienstete Mitte März hat Selina Schmid ihre Arbeit in der Finanzabteilung aufgenommen und sich bereits sehr gut eingearbeitet. Sie betreut schwerpunktmäßig den Bereich Gemeindegebühren und -abgaben, wird sich aber in den nächsten Wochen und Monaten auch in die anderen Bereiche einarbeiten. Bedingt durch den bevorstehenden Pensionsantritt von Lydia Bechter wechselt Melanie Amhof auf deren Arbeitsplatz und übernimmt schwerpunktmäßig neben dem Wohnungswesen auch Meldewesen und Amtskassa. Den Empfang und die Telefonzentrale hat seit Anfang Mai Angelika Köb übernommen. Auch sie arbeitet sich eifrig in den ganzen Aufgabenbereich ein. Vor wenigen Wochen hat Matthias Sieber seinen Dienst als achter Mitarbeiter im Gemeindebauhof angetreten. Matthias Sieber kommt aus Schwarzach. Er ist als gelernter Maurer und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach für die auf ihn wartenden Aufgaben bestens geeignet. Wir wünschen den 3 neuen Gemeindebediensteten viel Freude und Erfolg. Angelika Köb Übergabe Ordination Dr. Vorhofer Im April 1973 eröffnete Dr. Rudolf Vorhofer seine Praxis bei uns in Wolfurt. Seit 1.10.1984 ist er Gemeindearzt. Unterstütz von seiner Gattin Irmgard hat er all diese Jahre unzähligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern geholfen, sie gesund gepflegt oder ihnen geduldig zugehört. Wir bedanken uns bei Irmgard und Rudolf Vorhofer für ihren unermüdlichen Einsatz über fast vier Jahrzehnte zum Wohle von uns allen und wünschen ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute und vor allem Gesundheit. Nun schließt Rudi, wie er von vielen genannt werden darf, mit 13. August 2010 seine Pforten, um die Ordination an seine Tochter Dr. Gabriele Gort zu übergeben. Nach einer kurzen Umbauphase wird die Ordination wieder am 1. Oktober eröffnet. Wir wünschen der jungen Ärztin einen guten Start und viel Erfolg. Matthias Sieber Sommerfeste Die warme Jahreszeit ist auch die Zeit der Sommerfeste. Wer liebt es nicht, hin und wieder im Garten zu grillen und mit Freunden zu feiern. Auch einige unserer Vereine organisieren schon seit vielen Jahren in dieser Jahreszeit div. Feste (Beachturnier, Burn-Out, Ächler Frühschoppen etc.). Uns ist klar, dass diese Feste für die betroffene Bevölkerung durchwegs auch mit Lärmbelastungen einher gehen. Mit div. Maßnahmen versuchen wir, dies in einem erträgliche Maß zu halten. Ich möchte aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es eben diese Feste sind, die wesentlich zu unserer Dorfgemeinschaft beitragen. Wir leben in einer funktionierenden Gemeinschaft, um die uns viele Kommunen beneiden. Ich bitte daher alle um gegenseitiges Verständnis und Miteinander. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, wo immer Sie Ihren Urlaub, Ihre Ferien verbringen, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, gute Erholung und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Dr. Vorhofer Aus dem Rathaus 3 Gemeindewahlen Neue Gemeindevertretung gewählt Bei den am 14. März stattgefunden Gemeindevertretungswahlen wurden die Mandatare für die kommenden fünf Jahre gewählt und bei der Konstituierenden Sitzung am 8. April angelobt. Bei der feierlich und harmonisch verlaufenden Sitzung war förmlich zu spüren, dass auch in Zukunft das Miteinander vor dem Trennenden stehen soll. Mit den Grünen ist nun neben der SPÖ, FPÖ und der ÖVP seit langem wieder eine vierte Fraktion in diesem Gremium vertreten. Viele neue Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich bereit erklärt, sich zum Wohle unserer Gemeinde in der Gemeindevertretung zu engagieren. Alle Ausschüsse haben inzwischen die Arbeit aufgenommen und sind bereits mit viel Einsatz an die neuen Herausforderungen herangegangen. 4 Aus dem Rathaus Ressorts neu organisiert Im Vorfeld der Konstituierenden Sitzung habe ich versucht, die Ressorts neu zu strukturieren. Teilweise wurden Aufgaben neu zugeordnet, um Schnittpunkte zu reduzieren und die tägliche Arbeit in den Ausschüssen sowie im Rathaus noch effizienter zu gestalten. So wurde im neuen Infrastruktur-Ausschuss Straßen, Wasser und Kanal zusammengefasst. Das Bildungsressort wurde um den Kleinkinderbereich komplettiert, Umwelt und Mobilität wurden zusammengeführt. Das Sozialressort wurde um das Thema Integration erweitert, um nur die wesentlichsten Änderungen anzuführen. (siehe Grafik). Ausschüsse, Kommissionen, Delegierungen Von der Gemeindevertretung wurden folgende Ausschüsse, Kommissionen und Delegierungen beschlossen bzw. eingesetzt. Alle „Haupt-Ausschüsse“ bestehen aus 11 Mandataren. Dadurch wurde sicher gestellt, dass alle Fraktionen in den Gremien vertreten sind und somit auch über die notwendigen Informationen verfügen. Der Finanzausschuss wurde neu ins Leben gerufen. Dieser besteht aus dem Gemeindevorstand und Obleuten jener Fraktionen, die nicht im Gemeindevorstand vertreten sind. Somit kann das Budget parteiübergreifend diskutiert und zur Vorlage an die Gemeindevertretung im gegenseitigen Konsens vorbereitet werden. Es sind damit alle Fraktionen eingebunden und zur politischen Arbeit in den kommenden fünf Jahren eingeladen. (siehe Liste Seite 8) Neue Gemeinderäte Auf Grund des Wahlergebnisses besteht der neue Gemeinderat aus Mitgliedern der Fraktion „ÖVP + Parteifreie“. Alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte durften sich über ein beinahe einstimmiges Votum freuen. > Gemeinderätin und gleichzeitig Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger Ressort: Bildung, Jugend und Kultur > Gemeinderätin Elisabeth Fischer Ressort: Soziales Miteinander(Familien, Senioren, Integration) > Gemeinderat Hans Fetz Ressort: Infrastruktur (Straßen, Kanal, Wasser) und Sport > Gemeinderat Robert Hasler (neu) Ressort: Mobilität und Umwelt (e5) > Gemeinderätin Yvonne Böhler (neu) Ressort: Wirtschaft und Nahversorgung > Gemeinderat und gleichzeitig Bürgermeister Christian Natter Ressort: Dorfentwicklung, Sicherheit, Wirtschaft, Finanzen Vorsitzender des Gemeindevorstandes mit Stimmrecht Aus dem Rathaus 5 Dank an ausscheidende Mandatare Einige der rund 95 Mitglieder und Ersatzmitglieder haben sich nach teilweise langjähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit aus der Gemeindevertretung verabschiedet. Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger bedankte sich für die tolle Zusammenarbeit und die geleistete Arbeit. Bürgermeister Christian Natter schloss sich dem Dank an und überreichte Erinnerungsgeschenke. Besonders erwähnt wurden langgediente Gemeindevertreterinnen, Gemeindevertreter und Gemeinderäte. Ferde Hammerer ist mit 20 Jahren Gemeindevertretung einer der längst dienenden Mandatare. 1995 bis 2007 Gemeinderat, davon 9 Jahre Vizebürgermeister. Die Hauptschul- und Vereinshaussanierungen sind nur beispielhaft zu nennen. Als Geschäftsführer unserer Gemeindeimmobiliengesellschaft zeichnet er jüngst für die Umsetzung Feuerwehrhaus und VS Mähdle verantwortlich. Als Geschäftsführer bleibt Ferde uns dankenswerter Weise bis März 2012 erhalten. Maria Claeßens, ebenfalls seit 1990 in der Gemeindevertretung, hat bereits vor fünf Jahren das Amt der Sozialgemeinderätin, das sie mit sehr viel Engagement ausgeübt hatte, zurückgelegt. Aber auch in den letzten Jahren gehörte Maria zu unseren Aktivposten. So gab es wohl kaum ein Thema, bei dem Maria sich nicht in die Diskussion mit einbrachte. Bis zuletzt war Maria mit großem Einsatz Frauensprecherin der Region Hofsteig. 6 Aus dem Rathaus Wolfgang Dietrich, zuerst 1995 Ersatzmitglied, ab 1998 Gemeindevertreter. Sein Focus richtete sich in erster Linie in Richtung Umwelt und Mobilität. Dort profitierten wir von seiner fachlichen Kompetenz, die er auch seit vielen Jahren unserem e5-Team zur Verfügung stellt. Diesem wird er auch weiterhin die Treue halten. Elfriede Schneider war 10 Jahre in unserer Gemeindevertretung tätig. Frieda waren stets die Belange der Kinder und Familien wichtig. So zählte sie über viele Jahre in den Ausschüssen Schule und Kultur, bzw. Sozialem zu den „Fleißigsten“. Frieda musste auch nicht lange gebeten werden, wenn es galt, etwas zu organisieren und mit Hand anzulegen. Peter Grebenz hat 2003 das umfangreiche Ressort Wasser und Kanal übernommen und investierte viel Energie in diese Tätigkeit. In seine Amtszeit fielen die Umsetzung des neuen Verrechnungsschlüssels der ARA Hofsteig, Kanalisierung Wolfurt Nord, Verhandlungen mit TRM bezüglich schadhaften Wasserleitungen, Hochwasserentlastung Engerrütte und Rickenbach u.v.m. Peter wird auch in Zukunft als Gemeindevertreter tätig sein. Manfred Schrattenthaler zeichnete in den letzten fünf Jahren für das Wirtschaftsressort verantwortlich. Einführung Lehrlingstag, gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen mit den umliegenden Hofsteiggemeinden, Weichenstellung zum Nahversorgungszentrum Dorf sind nur einige Beispiele seiner Tätigkeit. Der Wochenmarkt als auch der Herbstmarkt haben sich in seinem Verantwortungsbereich bestens entwickelt. Auch Manfred wird der Gemeindevertretung erhalten bleiben. Aus dem Rathaus 7 Gemeindegremien 2010 - 2015 Gemeindevorstand Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Elisabeth Fischer M ÖVP ChristianNatter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler Robert Hasler Ernst Stadelmann Manfred Schrattenthaler Thomas Geiger Susanne Mathis Martin Reis Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler V ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M GRÜNE M SPÖ M FPÖ Johann Fetz Robert Hasler Yvonne Böhler Arno Hagspiel Wolfgang Schwärzler Johannes Böhler Simone Burtscher Michael Klimmer Peter Moosbrugger Jürgen Kessler Silvia Köb-Gisinger Ursula Molitor Bertram Thaler Lothar Schwendinger Ferdinand Kosielski Hans Werner Metzler Martin Leiter M ÖVP M ÖVP M ÖVP E E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Soziales Miteinander Elisabeth Fischer Sabine Schertler Daniela Marent Ernst Stadelmann Fatma Kaya Elisabeth Hirsch Silvia Köb-Gisinger Kerstin Schwarz Maria Thaler Evelyn Schwendinger Thomas Makovec Manuela Pechlaner Petra Theißl V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ ÖVP Otmar Meusburger E Heidi Winter E Barbara Geißler E Manfred Schrattenthaler E Oliver Natter E Daniela Gerner E Arno Wiedenbauer E Durmus Yildiz E Martin Lindenthal E Yvonne Breuer E Irene Danhofer E Andrea Peter E Sonja Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Dorfentwicklung und Raumplanung Ausschuss Infrastruktur und Sport Johann Fetz Peter Moosbrugger Hermann Schertler Johannes Böhler Alfred Köb Uros Umjenovic Christine Stark Wolfgang Simma Othmar Gratt Sabina Eschmann Jürgen Pinter Gerold Mohr Andreas Santa V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Bernhard Marte Dietmar Wüstner Michael Köb Thomas Geiger Martin Reis Simone Burtscher Hans Tarabochia Martin Lindenthal Helmut Bischelsberger Gerhard Strabler Wolfgang Mayer Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Bildung, Jugend und Kultur Angelika Moosbrugger Michael Klimmer Otmar Meusburger Thomas Geiger Barbara Geißler Simone Burtscher Heidi Winter Oliver Natter Stefan Thaler Hans Tarabochia Manfred Bischelsberger Sonja Köb Daniela Gerner V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP Harald Feldmann Sabine Schertler Daniela Marent Fatma Kaya Peter Lingenhel Elisabeth Hirsch Harald Moosbrugger Ines Müller Michaela Anwander Natalie Simon Bianca Straßbauer Alexandria Stauber Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Finanzausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler V M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Ausschuss Mobilität und Umwelt Robert Hasler Martin Reis Dietmar Wüstner Andreas Santa Peter Lingenhel Alwin Schönenberger Gernot Zwickle Harald Feldmann Martin Lindenthal Ferdinand Kosielski Eduard Madlener Arno Wiedenbauer Kerstin Schwarz V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Arno Hagspiel Alfred Köb Christine Stark Peter Moosbrugger Uros Umjenovic Wolfgang Schwärzler Ines Müller Michaela Anwander Emanuel Pegger Markus Theissl Jürgen Pinter Manfred Krusch E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Prüfungsausschuss Anton Böhler V Lothar Schwendinger M Claudius Bereuter M Manfred Schrattenthaler M Michael Köb M Gerold Mohr M Martin Lindenthal M FPÖ SPÖ ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE Wolfgang Simma E Harald Moosbrugger E Silvia Köb-Gisinger E Johannes Böhler E Durmus Yildiz E Manfred Bischelsberger E Susanne Ernst E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wohnungsausschuss Elisabeth Fischer Christian Natter SabineSchertler Petra Theißl Stefan Thaler Peter Grebenz Wolfgang Mayer Fatma Kaya Harald Moosbrugger V M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Otmar Meusburger Silvia Köb-Gisinger Ines Müller Bertram Thaler Jadranko Lesic Irene Danhofer Martin Leiter Hans Werner Metzler E E E E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Wirtschaft und Nahversorgung Yvonne Böhler V Manfred Schrattenthaler M Claudius Bereuter M Harald Moosbrugger M Jürgen Adami M Susanne Mathis M Andreas Gorbach M Wolfgang Schwärzler M Bertram Thaler M Jadranko Lesic M Susanne Ernst M Jürgen Kessler E Michael Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Hermann Schertler Johannes Böhler Petra Theißl Silvia Köb-Gisinger Wolfgang Simma Gerold Mohr Ursula Molitor Othmar Gratt Gerhard Strabler Sabina Eschmann Andrea Peter Verena Österle E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Umweltverband Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Gemeindeblattverwaltung Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger E ÖVP 8 Aus dem Rathaus Ehrungsausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Michaela Anwander Thomas Makovec Alfred Pechlaner V M M M M ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Yvonne Böhler Robert Hasler Bettina Leingartner Fritz Kuttner Richard Benzer E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Prüfungsausschuss Ferdinand Kosielski M SPÖ Peter Moosbrugger E ÖVP Fremdenverkehrsverband Bodensee-Rheintal Yvonne Böhler M ÖVP Manfred Schrattenthaler E ÖVP Abgabenkommission Lothar Schwendinger Ernst Stadelmann Thomas Geiger Bertram Thaler Susanne Ernst V M M M M SPÖ ÖVP ÖVP GRÜNE FPÖ Jürgen Kessler Jürgen Adami Durmus Yildiz Herbert Fuchshofer Jürgen Pinter E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Landbus Unterland Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Jagdgenossenschaft Vollversammlung Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Berufungskommission Ernst Stadelmann Thomas Geiger Jürgen Kessler Michael Köb Durmus Yildiz Lothar Schwendinger Hans Werner Metzler V M M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wolfgang Simma Susanne Mathis Peter Moosbrugger Wolfgang Schwärzler Stefan Thaler Ferdinand Kosielski Manfred Krusch E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Jagdgenossenschaft Vorstand Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Bringungsgenossenschaft Ippachwaldweg Alois Müller M ÖVP Gerold Mohr E ÖVP Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Dienstbeurteilungskommission Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz M ÖVP Elisabeth Fischer Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Grundverkehrsortskommission Christian Natter Claudius Bereuter Gernot Zwickle Wolfgang Rist M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Angelika Moosbrugger Bernhard Marte Dietmar Wüstner Hubert Gunz E ÖVP E ÖVP E ÖVP E Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH & Co. KG Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Vorstand (Empfehlung) Christian Natter M ÖVP Johann Fetz E ÖVP WV-Hofsteig Mitgliederversammlung Alfred Köb Bertram Thaler Lothar Schwendinger Jürgen Pinter M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Andreas Santa Othmar Gratt Helmut Bischelsberger Wolfgang Mayer E E E E ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Sozialdienste Wolfurt GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Hans Tarabochia Thomas Makovec Susanne Ernst M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Prüfungsausschuss Wolfgang Simma M ÖVP Uros Umjenovic E ÖVP Vorarlberger Erdgasgesellschaft Johann Fetz M ÖVP Christian Natter E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Verwaltungsausschuss Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP VOGEWOSI Christian Natter M ÖVP Elisabeth Fischer E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Prüfungsausschuss Andreas Santa M ÖVP Oliver Natter E ÖVP Vorarlberger Musikschulwerk Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Verwaltungsausschuss Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Frauennetzwerk Vorarlberg - Frauensprecherin Yvonne Böhler M ÖVP Wasserverband Schwarzach-Rickenbach Christian Natter M ÖVP Alwin Schönenberger E ÖVP Energiebeauftragter Robert Hasler M ÖVP Aus dem Rathaus 9 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Olga Tomasova, Personenbetreuung, Felle 8; Maria Nazadova, Personenbetreuung, Felle 8; Katarina Zvozilova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Lucia Hedwig Geiger, Warenpräsentatoren, Bregenzer Straße 8; Eva Maria Geiger, Warenpräsentatoren, Dorfweg 10; Norbert Kapp, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Bucher Straße 10e; Johannes Keck, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Feldweg 4a; Wilfried Düringer, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit zwei Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Engerrütte 3; Birgit Ingrid Lehner, Erteilung von Informationen über die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln, Rickenbacherstraße 15; JCL Overland Logistics GmbH, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 50 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Senderstraße 28; Margit König, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Lerchenstraße 34b; Doris Jäger, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit, Frickenescherweg 5; Robert Abbrederis, Werbeagentur, Auf dem Bühel 5; Michael Kohler, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik; Mechatroniker für Elektronik, Büro- und EDV-Systemtechnik; Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierung; Mechatroniker für Medizingerätetechnik, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kirchstraße 18; Gabriele Stark, Autoreinigung und Bootsreinigung, Segelmacher und Reparatur von Zelten; Plachenreparatur; Schonbezüge und Schutzkappenerzeugung, Feldeggstraße 2c; Thomas Hermann, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Mähdlestraße 29; Patrick Fischer, DIVUS e.U., Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Holzriedstraße 33; Adrian Georg Gassner, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Fliederweg 13b; DI Alfons Josef Natter, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Moosmahdgasse 2d; Maria Lastiakova, Personenbetreuung, Achstraße 50; Thomas Javornik-Stern, Stukkateure und Trockenausbauer (Handwerk), Lerchenstraße 17; Ibrahim Zencirci, Kraftfahrzeugtechnik, verbunden mit Karosseriebauer einschließlich Karosseriespengler und Karosserielackierer (Handwerk), Kesselstraße 25. Gewerbelöschungen Mag. Martina Susanna Goldner, Werbegrafikerin, Schlossgasse 10; Peter Böhler, Platten- und Fliesenleger, Heimkehrerstraße 4; Danijel Jovanovic, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Achstraße 46. ComBran GmbH, Handelsgewerbe eingeschränkt auf den Großhandel mit Waren und Getränken der Nachrichten- und Datentechnik und Elektronik, Radiomechaniker, Lauteracher Straße 21; Logwin Road + Rail Austria GmbH, Beförderung von Gütern mit fünfzig Lastkraftwagen, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Handelsgewerbe, Am Güterbahnhof; Dipl. Ing. Dr. tech. Andreas Weratschnig, Heizungstechnik (Handwerk) eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude und die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Kirchstraße 11; Biserka Stabodin, Handelsgewerbe, Bützestraße 24/9; Veronique Sandra Gassner, CallCenter (Entgegennahme und Weiterleitung telefonischer Aufträge, Anfragen, Informationen und entsprechendes Telefonservice für alle gesetzlich erlaubten Tätigkeiten), Fliederweg 13b; Karl Sapper, Masseur, Achstraße 42; Martin Kohler, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Kirchstraße 15. Standortverlegungen Marta Macugova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Brühlstraße 15/2, nach Bregenz, BAUCUT Bohren und Schneiden in Beton Gesellschaft m.b.H. von Wolfurt Achstraße 42 nach Wolfurt Bützestraße 39; Uros Miletic, Dolmetscher und Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), von Wolfurt Konrad-Doppelmayr-Straße 17 nach Lauterach; Elke Läßer, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Wolfurt Kreuzstraße 2 nach Langen bei Bregenz; Sven Hofer, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (Handwerk), Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, eingeschränkt auf Coaching, von Wolfurt Konrad-DoppelmayrStraße nach Hard; Ing. Lubica Vajova, Personenbetreuung, von Wolfurt Felle 4 nach Bregenz; Slavka Sulakova, Personenbetreuung, von Hohenems nach Wolfurt Felle 8; Anna Nekkarova, Personenbetreuung, von Höchst nach Wolfurt Achstraße 50; Dunja Barbara Huber, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Zürs nach Wolfurt Weiherstraße 4; Ariane Mischitz, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt Sonnenstraße 2a nach Wolfurt Eichenstraße 45d/15; AgenT-Com Telekommunikationshandel GmbH, Vermittlung von Verträgen betreffend die Benutzung von Fernmeldeeinrichtungen (Telekommunikationseinrichtungen) Dritter, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe von Wolfurt, Senderstraße 6 nach Nenzing; Sarlota Urcova, Personenbetreuung, von Nenzing nach Wolfurt, Brühlstraße 15/2; Maria Barusova, Personenbetreuung, von Lauterach nach Wolfurt, Kellaweg 4; Christoph Alexander Schindler, Werbegrafik-Designer, von Wolfurt Bregenzer Straße 61a nach Wolfurt Holzriedstraße 33. Verständigung über eine Namensänderung Elke Lässer (früher Fellinger), Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2 Übergang einer Gewerbeberechtigung (Umgründung) sowie Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Ritter Maschinenservice GmbH, Geschäftsführer: Dietmar Ritter, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Durchführung von Reparaturen von Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen, Bahnhofstraße 8a. Verständigung über die Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Klimmer Wohnbau GmbH, Heizungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude sowie die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Lauteracher Straße 7, Geschäftsführer: Johann Rauchegger. Eintragung ins Gewerberegister und Errichtung einer weiteren Betriebsstättes Buchhandlung Teutsch Pointner OG, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kornmarktstraße 18, Bregenz - Standort der weiteren Betriebsstätte: Kellhofstraße 10. Verständigung über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Fotini Pyrovolikos, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2. . Verständigung über die Löschung einer weiteren Betriebsstätte Logwin Road + Rail Austria GmbH, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Senderstraße 28. Verständigung über eine Änderung der Bezeichnung FEAL Austria Facade Engineering and Aluminium GmbH, (früher: ETZEL – FEC Facade Engineering and Consulting GmbH), Handelsgewerbe, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte sowie Filialgeschäftsführerbestellung Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Anbieten persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten im Sinne einer Hausmeistertätigkeit, Holzriedstraße 33, Filialgeschäftsführerbestellung: Michael Mießgang. Verständigung über das Ruhen der Gewerbeausübung Christine Ellinger, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Verständigung über den Übergang einer Gewerbeberechtigung auf Grund einer Umgründung, über eine Standortverlegung und über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Kurt Theurer, ELEKTRO TECHNIK THEURER e.U., Elektrotechniker, Wälderstraße 48, 6923 Lauterach, Standort der weiteren Betriebsstätte: Unterfeldstraße 6a, Wolfurt. . 10 Aus dem Rathaus Bürgermeister- bzw. Kostenlose Sprechstunden Wohnungssprechstunde von Rechtsanwälten und Notaren im Sommer: Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 14. Juli Mittwoch, 25. August Mittwoch, 8. September von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 07. Juli 2010, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 01. September 2010, Dr. Nikolaus Schertler Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 21. Juli 2010, Dr. Ivo Fussenegger Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 7. Juli Mittwoch, 18. August Mittwoch, 1. September Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Dr. Ivo Fussenegger Dr. Richard Huter Dr. E. Michel Dr. Kurt Zimmermann Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Februar, Juli und 13.11. - 26.11. März, August und 27.11. - 07.12. April, September und 08.12. - 20.12. Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Vom 21. Juli 2010 bis 11. August 2010 finden auf Grund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! Das Beschäftigungsausmaß beträgt 320 Jahresstunden, wovon während der Schulzeiten (= 38 Wochen) voraussichtlich 6 Stunden je Woche fix vereinbart werden und die restlichen 92 Stunden nach Bedarf abgerufen werden. Bewerber/Bewerberinnen mit Wohnort Wolfurt werden bevorzugt. Wir erwarten von Ihnen Wir suchen zum Eintritt nach Vereinbarung eine(n) SachbearbeiterIn für das Sekretariat der Mittelschule Wolfurt Das Aufgabengebiet umfasst Telefondienst, Abwicklung von Posteingang und Korrespondenz, eigenverantwortliche Abwicklung der finanziellen Belange, Führung von Statistiken, Ausstellung von Bestätigungen, Organisation von Veranstaltungen, Erstellen von Supplierplänen und natürlich vieles andere mehr. > abgeschlossene Handelsschule bzw. abgeschlossene Verwaltungslehre oder kfm. Lehre > freundliches und aktives Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeitern > Genauigkeit, Verlässlichkeit, Loyalität und Verschwiegenheit > Teamfähigkeit > gute EDV-Kenntnisse (Office-Programme) > Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Konfliktfähigkeit Wir bieten Ihnen > kinderfreundliche Arbeitszeiten > Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten > krisensicheren Arbeitsplatz > leistungsgerechte Entlohnung Senden Sie bitte Ihre ausschließlich schriftlichen (auch per E-Mail unter direktion@hswo.snv.at möglich) Bewerbungsunterlagen bis spätestens 15.7.2010 an die Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, zH Herrn Dir. Norbert Moosbrugger. Aus dem Rathaus 11 3. Türkische Kirmes in Wolfurt Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Islamische Kultur- und Bildungsverein in Wolfurt rund um das Vereinshaus ihre Kirmes. Zwei Tage lang wurde gekocht, gegessen, miteinander geredet. Angenehme Feststimmung – auf der Kirmes gibt es keinen Alkohol! Ein gutes Essen bringt Menschen an einen Tisch. Dass das Fest schon seinen fixen Platz im Wolfurter Kulturleben hat, bewiesen die zahlreichen Gäste aus dem „In- und Ausland“. Auch die politischen Vertreter aus Wolfurt und den umliegenden Gemeinden ließen sich die große Gastfreundschaft und die köstlichen Speisen nicht entgehen. Ein Fest für Jung und Alt, ein Fest für Menschen verschiedener Nationen, ein Fest fürs Kennenlernen. Wolfurter Wasserkrüge wieder verfügbar! Auf Grund der großen Nachfrage wurden die beliebten Wasserkrüge nachbestellt und sind ab sofort im Rathaus erhältlich. Die Wasserkrüge erhalten Sie zum Preis von 10,-- / Krug im Rathaus Wolfurt bei Angelika Köb und Melanie Amhof. Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2010 im Fundamt abgegeben wurden: diverse Schlüssel, Fotoapparat, Kinderrucksack Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb 12 Gemeindepanorama 5 Jahre Sprachencafé Wolfurt Bereits seit 5 Jahren gibt es eine hervorragende Privatinitiative, nämlich das im Jahr 2005 gegründete Sprachencafé. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Gmeiner organisiert. Für Information ist sie unter der Tel.: 0699 116 99 621 erreichbar. v.l.n.r.: Erich Reis, Martina Hörburger, Christine Grass, Clint Smith, Karina Gmeiner, Linda Hilbe, Birgit Lins, Michel Thoma, Claudia Saenz. Monatlich jeweils am 1. Dienstag treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Die Gemeindeverantwortlichen gratulieren zum 5-jährigen Jubiläum und danken der Organisatorin und allen Muttersprachlern für ihr außergewöhnliches Engagement. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht Dr. Lorenz Böhler war einer, der sich unbeirrbar auf seinen Weg gemacht hat, und einer, der dadurch einen Weg für die Zukunft der Medizin geebnet hat. Damit das Erinnern an den berühmten Wolfurter nicht nur eine Momentaufnahme, sondern für länger lebendig bleibt, laden wir alle herzlich ein, sich ebenfalls auf den Weg zu machen. Mithilfe der beigelegten Wanderkarte können Sie die Ausgangspunkte des Lebensweges von Dr. Lorenz Böhler erwandern. Hier in Wolfurt entwickelte er einige seiner Fähigkeiten, die später unter anderem Grundlagen seiner großartigen Entwicklung vom Bauernbub zum weltbekannten Arzt mit Vorbildwirkung waren. Die Ausstellung in Bregenz kann ebenfalls noch während der Sommermonate (bis Mitte August) besucht werden. Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich genauer über das Leben des Pioniers der Unfallchirurgie informieren möchte, kann das Buch zur Ausstellung in der Gemeinde (Bürgerservice) erwerben. Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Bildung, Jugend und Kultur (Franz Kafka) Der 125. Geburtstag von Dr. Lorenz Böhler wurde bei der Eröffnung der ihm gewidmeten Ausstellung in der Landesbibliothek in Bregenz und bei der feierlichen Begehung des Rundwegs „Auf den Spuren des Dr. Lorenz Böhler“ gebührend gefeiert. Gemeindepanorama 13 Skaterplatzgestaltung Volksschule Mähdle Schon seit längerem suchte die Marktgemeinde Wolfurt nach einer idealen Örtlichkeit, um einen dauerhaften Skaterplatz zu errichten. Im Rahmen der Sanierung der VS Mähdle, sowie des Außengeländes fiel die Entscheidung, den Skaterplatz im Außenbereich der VS Mähdle zu errichten. Damit dieser Platz auch wirklich den Ansprüchen eines Skaters gerecht wird, sowie das Angebot von den jugendlichen Nutzern aus Wolfurt auch mitgetragen wird, entstand die Idee, die „Profis“ selbst bei der Planung und Umsetzung mit einzubeziehen. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Pimp my Skaterplatz“ von der Offenen Jugendarbeit Wolfurt ins Leben gerufen. Am 10. April trafen sich alle interessierten Jugendlichen beim Platz der Volksschule Mähdle, um tatkräftig an der Gestaltung und Planung des Platzes mitzuwirken. Gemeinsam mit dem Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt, sowie der Architektin Maria Anna Moosbrugger wurden die bereits bestehenden Skaterrampen aufgestellt, sodass der Platz ideal zum Skaten genutzt werden kann. Weiter wurden Ideen zur Verbesserung der Situation des Platzes gesammelt. Der zweite Schritt erfolgte am 16. April mit dem Planungsworkshop im Jugendtreff [´wa´wa]. Themen des Nachmittags waren: Die bestehenden Skaterelemente sanieren und optimieren, Mini Ramp im Eigenbau, „Spielregeln“ und Müllsystem, Farbe am Platz, sowie das Jugendprogramm zur Eröffnung des Skaterplatzes am 28. Mai. Die erarbeiteten Ergebnisse wurden dann im Anschluss vor der Vertretung des Gemeindevorstandes präsentiert und diskutiert. Die Ergebnisse des Planungsworkshops werden im weiteren Verlauf des Jahres in verschiedenen Projektgruppen realisiert und umgesetzt. Jugendarbeiter Günter Sutterlüti 14 Gemeindepanorama 8. Frühschoppen der Dornbirner Berufskraftfahrer in Wolfurt Am Pfingstsonntag, den 23. Mai 2010, konnte bei herrlichem Wetter um 10:00 Uhr der Festgottesdienst abgehalten werden. Pater Rufus zelebrierte die Messe in gewohnt angenehmer Weise, was bei den Besucherinnen und Besuchern großen Anklang fand. Für die musikalische Umrahmung vom Chor „Die Herbstzeitlosen“ möchten wir uns herzlich bedanken. Der Obmann der Dornbirner Berufskraftfahrer, Alfons Brandstätter, begrüßte Bürgermeister Christian Natter mit Gattin, sowie Gemeinderat Hans Fetz und Robert Hasler recht herzlich. Nach der Begrüßung eröffneten Bürgermeister Christian Natter und Hans Fetz das Fest mit dem Fassanstich. Anschließend sorgten die „5 Rheintaler“ für hervorragende Frühschoppenstimmung bis in den Nachmittag hinein. Einen ganz besonderen Dank richten wir an die Fahrzeughersteller und Fahrzeugaufbauer für die hervorragende Ausstellung, sowie die Firma Orange College für das Fahrer-Weiterbildungsfahrzeug und Vorführungen im Sinne der Verkehrssicherheit. Ein besonderes Highlight war die Poolparty mit Stefan Köb, was für Stimmung bis in die Nacht sorgte. Dabei konnten EUR 1.500,-- eigenommen werden. Diese Summe wurde vom Verein auf EUR 2.000.-- erhöht und der Lebenshilfe sowie dem Krankenpflegeverein Wolfurt gespendet. Durch den vollen Einsatz von unseren Mitgliedern und deren Frauen konnte wieder ein erfolgreiches Fest verzeichnet werden. Die Vereinigung bedankt sich bei der Firma Schertler Transporte für die Bereitstellung des Festgeländes, bei allen Sponsoren sowie allen Festbesucherinnen und Festbesuchern, die einen maßgeblichen Anteil am guten Gelingen des Festes beigetragen haben. Gemeindepanorama 15 Notfallkarte speziell für Kinder Kinder sehen die Welt viel unbedarfter als Erwachsene und versuchen, sie jeden Tag neu zu entdecken. Schnell kann es da zu kleineren Wunden und größeren Verletzungen kommen. Wenn etwas passiert, sind in den meisten Fällen Erwachsene zur Stelle und sorgen für Hilfe. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass der Nachwuchs auf sich allein gestellt ist. Auch deshalb kann es nicht schaden, ihn frühzeitig mit den Notrufnummern vertraut zu machen. Und weil sich auf spielerische Art viele Dinge besser einprägen, hat die Initiative Sichere Gemeinden eine spezielle Kindernotfallkarte aufgelegt. Dort finden sich in übersichtlicher und für Kinder anschaulicher Form die Notrufnummern von Feuerwehr (122), Exekutive (133) Rettung (144) und Vergiftungszentrale (01/406 43 43). Als Illustrationen wurden die bei Kindern ebenso bekannten wie beliebten Playmobilfiguren verwendet. „Damit lassen sich die Zahlen leichter einprägen“, ist Geschäftsführer Ing. Franz Rein überzeugt. Und, was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist: die Männchen erhöhen den Wiedererkennungswert und kommen mit ihrem fröhlichen Blick als Freunde in der Not daher. Damit Kinder im Ernstfall aber entsprechend reagieren können, muss die Notfallkarte in Augenhöhe platziert werden. Hilfreich ist auch, die Notrufnummern gut sichtbar auf dem Telefon selbst anzubringen. Wobei Klebetiketten zu bevorzugen sind. Gleichzeitig sollten größer werdende Kinder zu vorsichtigem Verhalten angeleitet werden. So sollte ihnen der Sinn von Schutzausrüstungen bei Freizeitaktivitäten, wie Rad fahren und Skaten, möglichst früh klar gemacht werden. Eltern wiederum sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und selbst auch auf den Gebrauch von Schutzausrüstungen achten. Ein insgesamt kindgerechtes und sicheres Umfeld kann wesentlich zum Schutz von Kindern beitragen. Die Kindernotfallkarte ist kostenlos bei der Initiative Sichere Gemeinden, Realschulstraße 6, 6850 Dornbirn, Telefon: (05572) 543 43, E-Mail: info@sicheregemeinden.at erhältlich. Initiative Sichere Gemeinden Wert-Schätze: 12 schlaue Tipps für Frauen Das Frauenreferat des Landes, das Frauennetzwerk und FEMAIL haben unter dem Titel „Wert-Schätze – Schlaue Tipps für Frauen zur Lebensgestaltung“ eine Reihe von knappen, pointierten Ratschlägen formuliert. Themen sind unter anderem die Berufswahl, der Wiedereinstieg, Partnerschaft und das eigene Konto. Diese 12 schlauen Tipps sind in einer handlichen Broschüre (A 6) einfach zum Einstecken, Durchblättern und Mitnehmen, zusammengefasst. Sie liegen im Rathaus, bei der Fürsorge und im Jugend- und Kulturverein [´wa´wa] auf. Auskünfte: Yvonne Böhler, Frauensprecherin Wolfurt, Regionensprecherin Hofsteig E-Mail: yb@aon.at, Telefon: 66942 16 Gemeindepanorama Kursleiterin Evelyn Lingenhel (Mitte) mit den sechs Moderatorinnen aus Wolfurt und Lauterach Neue eltern.chat-Moderatorinnen in Wolfurt und Lauterach Im April fanden in Wolfurt unter der Leitung von Evelyn Lingenhel zwei Schulungsabende für die neuen eltern.chatModeratorinnen statt. Die sechs engagierten Mütter aus Wolfurt und Lauterach werden in Zukunft dafür sorgen, dass nicht nur am Computer „gechattet“ wird, sondern dass vermehrt Eltern persönlich, in gemütlichen Elterngesprächsrunden zum Thema Erziehung ins Gespräch kommen. „eltern.chat Moderatorinnen sind keine Fachfrauen für Erziehung“ betont die Projektleiterin Mag. Wilma Loitz vom Katholischen Bildungswerk, „aber sie erhalten das Handwerkszeug und Impulsmaterial, um die privatorganisierten Elternrunden gut begleiten zu können.“ Inzwischen fand schon das erste Austauschtreffen der neuen Moderatorinnen statt. Die eine oder andere hat auch schon eine eltern.chat Runde geleitet. Die Moderatorinnen sind bisher mit den Themenpaketen „Kinder stark machen“ und „Schlaf Kindlein Schlaf“ ausgestattet und freuen sich auf anregende Diskussionsrunden. „Jeder muss seinen eigenen Weg in der Erziehung finden; durch den Austausch bei eltern.chat werden Eltern unterstützt, diesen Weg bewusster zu gehen“, erklärt Evelyn Lingenhel. Sie begleitet die Moderatorinnen in ihrer Tätigkeit. eltern.chat setzt weniger auf Expertenwissen, sondern auf den Erfahrungsschatz von Eltern und darauf, dass man von einander lernen kann. Die Erfahrungen aus den 200 eltern.chats, die in Vorarlberg schon stattgefunden haben, zeigen: „Der Austausch mit anderen Eltern entlastet, eröffnet neue Handlungsspielräume, macht Spaß und stärkt das Vertrauen in die eigene Erziehungsfähigkeit..“ TeilnehmerInnen berichten: „Es tut einfach gut zu hören, dass es anderen ähnlich geht!“ Die meisten eltern.chats finden in privaten Haushalten am Vormittag oder am Abend statt. Die TeilnehmerInnen sind FreundInnen, Bekannte und NachbarInnen der Gastgeberin. Die Gemeinden Wolfurt, Lauterach und auch Schwarzach unterstützen diese Elterntreffen mit einem Einkaufsgutschein für die einladende Gastgeberin. Besonders erfreulich ist die rege Beteiligung von Frauen mit nicht deutscher Muttersprache. In diesen Elternrunden wird in türkisch oder russisch „gechattet“. Weitere Informationen unter www.elternbildung-vorarlberg.at Gemeindepanorama 17 Postpartnerstelle Wolfurt wird eröffnet INTEGRA wickelt nun als so genannter Postpartner den Postservice in vollem Umfang ab. Einerseits wird die Nahversorgung mit wichtigen Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gesichert, andererseits geht es um die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Stefan Koch, INTEGRA Geschäftsführer, betont, dass ein gemeinnütziger und sozialer Zweck verfolgt wird, da die neuen Stellen für die Theorie- und Praxisqualifizierung von arbeitsuchenden Menschen zur Verfügung stehen. Insbesondere ältere Arbeitsuchende und Wiedereinsteigerinnen können so hochwertige und sinnvolle Arbeitsplätze mit guten Vermittlungschancen vorfinden. Die Mitarbeiter/innen werden intensiv vorbereitet, sind gut betreut und angeleitet. Für das Arbeitsprojekt werden bevorzugt Bürger aus Wolfurt und Umgebung geschult und eingesetzt. Die neue Postpartnerstelle dient ab nun zudem auch als Verkaufsshop für INTEGRA Produkte, wie Dekoideen und Geschenksartikel. INTEGRA kümmert sich mit einem vielfältigen Angebot um Menschen, die längere Zeit auf Arbeitsuche sind. Um die Selbsthilfepotenziale zu fördern und zu aktivieren, bietet die gemeinnützige Arbeitsinitiative Beschäftigungsmöglichkeiten in acht Arbeitsbereichen (Holz, Metall, Umwelt, Reinigung, Textil, Handel, Manufaktur und Personalservice). Das Programm beinhaltet auch begleitende Weiterbildungsmaßnahmen, Beratung bei sozialen und persönlichen Fragestellungen und Vermittlungsunterstützung. INTEGRA verbindet Wirtschaftliches und Soziales. Diese Integrationsarbeit im Interesse aller wird von AMS, Land Vorarlberg und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Die neuen Postpartnerstellen in Lochau, Schwarzach und Wolfurt sind in den bereits bestehenden Kompetenzbereich Handel integriert und ergänzen das Angebot sehr sinnvoll. Das soziale Integrationsunternehmen INTEGRA wird am 7. Juli die Poststelle Wolfurt übernehmen. Öffnungszeiten: Mo – Fr, 08:30 bis 12:15 und 14:30 bis 17:15 Uhr Kontakt: INTEGRA gemGmbH, Stefan Koch Konrad-Doppelmayr-Str. 13, 6922 Wolfurt T 05574 / 54 2 54 – 12 F 05574 / 54 2 54 – 15 M 0664 / 420 67 95 E stefan.koch@integra.or.at H www.integra.or.at Schließung Postfiliale Nun steht der Termin der Schließung mit 06.07.2010 fest. Nach 12 Jahren Filialleiter-Tätigkeit ist es mir ein großes Bedürfnis, mich bei all meinen Kunden sowie der Bevölkerung von Wolfurt für ihr Vertrauen recht herzlich zu bedanken. Herzliche Postlergrüße Günther FRITZ 18 Wirtschaft Verleihung des Gütesiegels für soziale Integrationsunternehmen an INTEGRA Gemeinnütziges Wirtschaften und vor allem sozialintegratives Wirken eint die 17 PreisträgerInnen, die am 16. April 2010 im Beisein von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf mit dem Gütesiegel für Soziale Integrationsunternehmen ausgezeichnet wurden. Als einziges Vorarlberger Unternehmen erhielt auch INTEGRA die Auszeichnung. Das gemeinsam vom Dachverband der Arbeitsprojekte und Quality Austria entwikkelte Gütesiegel garantiert klar definierte soziale, organisatorische und wirtschaftliche Qualitätsstandards für Soziale Integrationsunternehmen. Mit dem Erwerb dieses Gütesiegels verpflichtet sich INTEGRA, bestimmte, international anerkannte Qualitätsstandards zu erfüllen. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Qualität ist, dass INTEGRA durch unabhängige AssessorInnen von Quality Austria bewertet wurde. Das Gütesiegel bestätigt den Anspruch, wirtschaftlich kompetent zu sein, gemeinnützig zu agieren, qualitätvolle Beschäftigung anzubieten und einen sozialen Integrationsauftrag zu erfüllen. INTEGRA trägt mit den neun verschiedenen Arbeitsbereichen - Holz, Metall, Textil, Umwelt, Reinigung, Handel, Manufaktur, Personalservice und Jugendwerkstatt - dazu bei, dass ein Social Profit generiert wird, in dem Menschen Verwirklichungs- und Teilhabechancen am Arbeitsmarkt erhalten. Qualität ist das Gegenteil von Zufall Die 17 Gütesiegel wurden am 16. April 2010 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf verliehen. Beide heben die besondere gesellschaftliche Bedeutung Sozialer Integrationsunternehmen hervor. "Qualität ist das Gegenteil von Zufall", konstatiert Johannes Kopf. Er prognostiziert einen wachsenden Bedarf Sozialer Integrationsunternehmen, der sich nicht zuletzt aus der Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung ergibt. Dass österreichische arbeitsmarktpolitische Instrumente als Best-practiceBeispiele gelten, lobt Bundesminister Rudolf Hundstorfer. "Unsere österreichischen Sozialen Integrationsunternehmen sind weltweit herzeigbar. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik, weil diese Unternehmen ihren sozialen und arbeitsmarktpolitischen Integrationsauftrag ernst nehmen“, so Hundstorfer. INTEGRA verfolgt nachhaltige Ziele der sozialen Integration im Sinne der Schaffung von Arbeitsplätzen und des nachhaltigen und gemeinnützigen Wirtschaftens. Vermittlung von Geschäftsflächen Immer wieder kommt es vor, dass wir spät oder gar nicht erfahren, dass Gewerbeflächen zur Vermietung freistehen, bzw. solche gesucht werden. Ich bitte Sie daher uns mitzuteilen, wenn Sie in Wolfurt eine Geschäftsfläche suchen, bzw. wenn Sie welche zur Vermietung oder zum Verkauf frei haben. Bitte senden Sie Ihre Infos an: victoria.thompson@wolfurt.at Wir sind bei der Vermittlung gerne behilflich. Wirtschaft 19 Die Web-Agentur VAUMEX nimmt ihren Betrieb auf VAUMEX ist ein Einzelunternehmen das von Beratung, Idee, Umsetzung bis Wartung alles macht, was mit Webdesign, Websites, Webportalen und Web-Applikationen zu tun hat. Sie erhalten bei mir folgende Leistungen: • Beratung • Webdesign • SEO • CMS • Web-Applikationen VAUMEX - web business DI Alfons Natter Moosmahdgasse 2d 6922 Wolfurt Mobil: 0699/815 501 04 office@vaumex.at www.vaumex.at Besuchen Sie meine Homepage. Ich freue mich auf Ihren Kontakt. Physiotherapeutin Berghild Böhler neu in Wolfurt Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich heiße Berghild Böhler und freue mich sehr, dass ich seit 1. Mai 2010 bei euch in Wolfurt meine Tätigkeit als Physiotherapeutin ausüben darf. Ich habe die großartige Möglichkeit bei Ingrid Amann, Kirchstraße 43, zwei Räume zu mieten. Die meisten von euch kennen Ingrid sicherlich und ihre Art zu arbeiten. Daher ist es nahe liegend, dass auch ich keine klassische Physiotherapie mache. Ich versuche, in meiner Arbeit den Menschen im Gesamten zu sehen und wahrzunehmen, und so sind auch meine Methoden ausgerichtet. Ich mache vor allem manuelle Lymphdrainage, Feldenkraisarbeit, energetische Aromamassagen nach M. Henglein, Breuss-Massagen, Moxatherapie, Akupunktur-Massage (APM) nach Klaus Radloff, viszerale Therapie, um ein paar Methoden zu nennen. Was ich besonders interessant und schön finde ist, soweit ich es bisher gesehen habe, dass sich die Kirchstraße so langsam zu einer „Gesundheitsstraße“ entwickelt. Im selben Gebäude sind auch Harry Veits (Physiotherapeut) und Dr. med. Armin Winder (Kinder- und Jugendheilkunde) tätig sind und gleich daneben Sonja Neunhäuserer ebenfalls Physiotherapeutin. 20 Wirtschaft
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Heimat_Wolfurt_...Septe Wolfurt 01.09.1992 19.11.2012, 18:21 Heft 10 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 92 Die 92er. Ein besonders starker Jahrgang. 1942 zum 50er trafen sie sich mit ihrem alten Lehrer Wachter vor dem Kreuz. Mit diesem Bild grüßen wir Martin Höfle, unseren einzigen 100er. Inhalt: 40. Unser tägliches Brot (Heim) 41. Kriegstagebuch 1939-1946 (Fischer) Zum Titelbild Die 92er. «Hür schle-it jeda Stoaro us», soll Pfarrer Sieber 1892 gestaunt haben, als es so ungewöhnlich viele Geburten gab. Es wurde ein ganz besonders guter Jahrgang mit Frauen und Männern, die das Wolfurter Gemeinschaftsleben geprägt haben. Neben Oberlehrer Wachter sitzen Altbürgermeister Ludwig Hinteregger und Lehrer Alfons Fischer aus Tisis, Altadlerwirts. Du kennst sicher viele andere. Ich finde da: Sofie Köb - Gallers, Katharina Gunz im Kessel. Martha Jochum auf dem Bühel, Rosa Gmeiner - Steinhauers, Katharina Rohner - Haldobubs, Katharina Kalb Naglers, Gebhardina Böhler in Bregenz - Seppos, Rosa Schertler im Röhle, Rosa Rist in der Bütze, Berta Schertler - Altvorstehers, Katharina Gorbach - Eichenbergers, Julie Höfle - Dello Korles, Johann Arnold - an der Hub, Josef Gunz - Pläzolar, Johann Gmeinder - Frickeneschers, Paul Bohle - Mohrenwirts, Rudolf Fitz - Schwanenwirt, Hermann Fischer auf der Steig, Gebhard Klocker - Seilers, Gebhard Lohs an der Ach, Karl Podlipnik und natürlich Martin Höfle, der sich bescheiden an die Wirtshaustür drückt. DIE AUTOREN: Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 9 Bildstein. Bis jetzt stand in vielen Schriften, die einen Druckfehler im «Rapp» nachdruckten, die Bildsteiner Kirche sei am 2. Mai 1676 eingeweiht worden. Inzwischen hatte ich Gelegenheit, in den uralten Bildsteiner Originalchroniken zu blättern und fand, daß sie schon an 2. Mai 1670 eingeweiht worden ist. Die Bauzeit betrug demnach 7 Jahre 1663 bis 1670. Ich bitte, dies in Heft 9 auf Seite 6 zu berichtigen. In Bildstein ist inzwischen eine sehr schöne bebilderte Festschrift erschienen, die auch allen Wolfurtern zu empfehlen ist. Schönes Bildstein - eine Reihe von Wanderern haben mir inzwischen bestätigt, wie sehr sie die Schönheiten von Stefano Veohwoand, Rappenfluh, Oberteilenmoos, Gallin . . . bis zur Roßgaß schätzen und daß sie auch nach den alten Parzellennamen Ausschau halten. Mohr-Sippe. Nicht alle Familienangehörigen wollten glauben, daß die Hübler und die Dörfler Mohren verwandt sind. Nun arbeiten sie an einer gemeinsamen Dokumentation. Große Bäume. Wer hat inzwischen die Riesenweide im Wiosa gefunden, angefaßt, mit staunenden Augen umgangen? Dir. Krieg von der Vorarlberger Naturschau hat den Beitrag, der ihn in seinem fast aussichtslosen Kampf für unser Ried unterstützen sollte, mit Befriedigung zu Kenntnis genommen. Wolfurter Grenzen im Ried. Das Heft Birken-Schwarzes-Zeug aus der Reihe «Natur und Landschaft» von Max Albrecht u. a. führt uns mit herrlichen Farbbildern und Karten wissenschaftlich und volkstümlich in die Tier- und Pflanzenwelt der bedrohten Landschaft ein. Es ist noch - kostenlos - im Gemeindeamt erhältlich. Unschlitt (S. 2 in Heft 9): Zu recht wurde berichtigt: In Wolfurt sagte man «Uschling» zu dem Darmfett der Rinder, mit dem man auch die Hände gegen Schrunden einfettete. Außerdem hing im Schopf ein «Su-Seckol», mit dem man die Waldsäge «gäng» machte und die «Seogass» vor Rost schützte. Nach Amerika hat sich ein vielfältiger Briefwechsel entwickelt. John Fischer schickte aus Florida eine Kopie der Todesanzeige des Wolfurter Malers Gebhard Flatz vom 19. Mai 1881, die in seiner Familie seither aufbewahrt wird. Einer seiner Angehörigen hat im Jahre 1945 als amerikanischer Offizier den Vetter Hermann Fischer an der Rutzenbergstraße auf der Steig besucht. Nun will John Fischer nächstes Jahr mit seiner Frau auch nach Wolfurt kommen (Heuer besucht er die Tochter in Singapore). Schon jetzt grüßt er alle Fischer-Familien: «Please give my most sincere best wishes to the Fischers of Wolfurt.» Heuer im Juli war Johann Heitz aus St. Louis in USA mit Sohn und drei Töchtern auf Besuch bei seinen Brüdern in Wolfurt. Der rüstige 85jährige Mann spricht drüben in 1 Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Hofrat Dipl. Ing. Alfons Fischer, geboren 1920 in Wolfurt. Er war Leiter der Wildbachund Lawinenverbauung in Vorarlberg. Unseren Lesern hat er in Heft 3 den «Rickenbach» vorgestellt. Die Bilder sind den Sammlungen von Hubert Mohr, Siegfried Heim und Alfons Fischer entnommen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Amerika seit 65 Jahren nur Englisch, «herüben» aber bringt er uns mit fröhlich im urwüchsigen Wolfurter Dialekt erzählten Jugendgeschichten zum Lachen. Er weiß noch genau, wo er und seine sechs Brüder einst Äpfel gestohlen haben, und wo die noblen Rickenbacher ihre offenen Autos vor den Gasthöfen stehen hatten, so daß man ihnen leicht «Roßbollen» auf die Sitze legen konnte. Johann Heitz ist 1908 geboren. 1911 erwarb sein Vater das alte Geiger-Haus an der Kreuzstraße und betrieb dort eine Wagnerei. Wie seine Brüder durfte Johann eine Handwerkslehre machen, was nach dem Ersten Weltkrieg keine Selbstverständlichkeit war. Aus seiner Schlosserlehre bei Doppelmayr erinnert er sich noch an den alten Chef Konrad, an seinen Meister Adolf Kaufmann und die Handvoll Mitarbeiter, die damals noch im alten Stammhaus landwirtschaftliche Geräte erzeugten. Er zählt auf: Vögel, Liberato Gebhardle, Lislo Albert (sein Vetter), Feogars Herbert... Als 19jähriger wanderte er 1927 mit vier Geschwistern nach Amerika aus. In 21 Tagen brachte sie der 21.000 BRT-Dampfer«New York» von Hamburg nach New York (Heute fliegen sie in 8 Stunden von Chicago nach Zürich!). Als Schlosser suchte er Arbeit in St. Louis, aber in den Krisenjahren 1929 bis 1931 war er oft arbeitslos. Nur der Zusammenhalt der Geschwister bewahrte ihn vor der größten Not. Seither aber ging es aufwärts. Schon 1949 machte er mit dem 9jährigen Sohn John den ersten Besuch in der Heimat. Woran sich der heute 52jährige «Bub» noch erinnert? An das «Castle» Schloß Wolfurt natürlich mit den französischen Offizieren. An die Kegelbahn beim Engel, in der er mit den Dörfler Buben spielte. An den «milkroom with Mary Heitz» in der Sennerei. An Rasierers Agathle, den ersten weiblichen «barber», der ihm die Haare schnitt. Und an den «Cable Car» auf den Pfänder, in dem sich die alte Großmama Theresia so fürchtete, weil auch sie dort 1949 zum ersten Mal fuhr. Was sich verändert hat? Oh, alles! vor allem die Autobahn. Als ihnen Vater Johann mit dem Mietauto von Kloten her den Weg wies, kamen sie richtig nach Wolfurt in die untere Straße - wo früher fast keine Häuser standen! - Die Abzweigung Kellhofstraße versäumte er, weil er Rädlers Hans suchte. - Dort steht jetzt die Raiffeisenbank! Schule und Post suchte er jetzt. - Er fand sie nicht mehr! Erst beim Kreuz und der Kapelle Rickenbach erkannte er, daß er zwei Kilometer zu weit gefahren war. Die obere Straße ist noch fast unverändert,Gott sei Dank! Die leitete ihn nun sicher heim, heim ins Haus seiner Brüder an der engen Kurve im Dorf. Was Vater Heitz nicht versteht? Daß die Geschäfte mittags geschlossen sind, daß sie abends geschlossen sind, daß wir soviel Freizeit haben. Aber er erkennt an, daß es uns auch gut geht, daß wir schöne (schönere!) Häuser haben mit vielen Blumen, daß er gerne nach Wolfurt kommt. Auch aus Etrechy in Frankreich ist ein Brief gekommen. Frau Amara Alaux war selbst schon zweimal in Wolfurt, um im Pfarramt nach ihren Ahnen zu forschen. Sie gehört zu einem Geiger-Stamm aus Bildstein: Von «Schützo Mathisos» im Röhle ist als letzte Frau Agatha Geiger-Schneider, die große Wohltäterin für Kirche und Pfarrheim, gestorben. Als entfernt Verwandte leben in Wolfurt noch «Schützos» von der Inselstraße 13 (Österle-Moosbrugger), aber auch Kressers Luise und Franziska von der Achstraße 29. Frau Alaux kam schon mit drei Jahren aus Dornbirn nach Paris, dann nach Beirut im Libanon und schließlich wieder nach Frankreich. Dort ist sie jetzt daheim, aber hier in der alten Heimat am Steußberg sucht sie nach den Wurzeln ihrer Familie. 2 Schließlich kam noch ein langer Brief von Marianne Barcatta aus Buenos Aires in Argentinien. Sie grüßt ihre Mitschüler und die 1931-Jahrgänger und erinnert sich besonders noch an Deuring Erich, Böhler Lorenz, Gunz Elmar, Waibel Agnes, Bohle Helga, Schwerzler Herta und Doppelmayr Traudi. Sie wohnte einst bei «Ammans» am Kellaweg, direkt am Rickenbach, und erzählt von lauter «sehr guten Nachbarn»: Waibels, Starks, Konzetts, Gmeiners, Winkels und Adlerwirts. Schon 1940 hatte Marianne ihre Mutter verloren. Die Schwestern Hermine und Luise erkrankten schwer an Tbc, Hermine starb. Der einzige Bruder Siegfried Barcatta mußte in den Krieg und fiel 1944 am Dnjepr in Rußland. Marianne kam an verschiedene Pflege und Arbeitsplätze. Als auch noch ihr Vater - die Wolfurter schätzten den tüchtigen Maurer - gestorben war, folgte sie 1958 ihrer letzten Schwester Luise nach Argentinien. «Am Anfang hab ich so geweint!» Dann aber half ihr die Arbeit über das Ärgste hinweg. Nun ist sie verheiratet, hat Kinder und Enkel. «Argentinien hat auch seine Schönheiten, aber man muß weit fahren, um Berge und Wälder zu sehen. Das ist, wonach ich so Sehnsucht habe!» An anderer Stelle schreibt sie: «Die Welt ist verrückt. Keiner ist zufrieden. Statt Gott zu danken für die Gesundheit und für die herrliche Natur, tun sie alles ruinieren.» Das wollen wir uns zu Herzen nehmen, liebe Marianne! Wir schicken Dir Grüße aus Rickenbach übers Meer und wünschen Dir Gesundheit und eine gute Fahrt zu den fernen Bergen und Wäldern. Die Michaelskapelle von St. Gallus ist der Bregenzer Historikerin Frau ReckefußKleiner ein besonderes Anliegen. Mit Herrn Dr. Kaltenhauser vom Bundesdenkmalamt und Herrn Dr. Swozilek vom Landesmuseum hat sie über den bedenklichen Zustand der «Wolfurter» Fresken gesprochen und deren Restaurierung reklamiert. Leider werden sie noch einige Zeit auf der Warteliste bleiben müssen. Frau Reckefuß will sich auch um die Erstellung von Fotos kümmern. Für ihre Bemühungen sagen wir ihr herzlichen Dank. Edith Fessler (Waibels Edith aus Rickenbach) hat im Konstanzer Münster das Wolfurter Wappen entdeckt. Gleich nach dem Eingang findet es sich im linken Seitenschiff in einem alten Glasfenster. Es ist noch das alte Ritterwappen mit einem seitenverkehrten Wolf und erinnert an Sigmund von Wolfurt, einen der berühmten sechs Söhne des Hans Jörg von Wolfurt. Ulmer berichtet über ihn (Burgen, Seite 394):Sigmund studierte 1588 in Ingolstadt und dann am Germanicum in Rom und wurde Kanonikus und Domdekan in Konstanz. Für den prunkliebenden Salzburger Erzbischof Mark Sittich, dem auch sein Bruder Laux von Wolfurt als Stadthauptmann von Salzburg diente, verwaltete er die Domprobstei in Konstanz. Welti schreibt (Graf Kaspar, Seite 86), daß Sigmund seinen Herrn in Salzburg auch mit Meersburger Wein versorgte. Im Domfenster wird 1621 als das Todesjahr Sigmunds angegeben. Um 1650 starb das zweite Wolfurter Rittergeschlecht aus. Welcher Wolfurter Fotograf macht uns einmal ein Bild vom Wolfurt-Fenster in Konstanz? 3 Siegfried Heim samt den unreifen Kolben an das Vieh verfüttert. Auch das Obst war sehr rar. Von einem Markttag zum anderen stiegen die Preise den ganzen Winter über und bis zum Sommer 1817 ungeheuer an. Dabei gab es keinen Verdienst mehr. Alle Fabrikation hatte aufgehört. Aber die nächste Ernte war noch weit entfernt. Die Situation wurde im Juni noch verschärft durch die rasche Schneeschmelze. Alle Flüsse und der Bodensee traten über die Ufer. In Hard und Fußach drang das Wasser in die Kirchen ein. In Bregenz stand es auf dem Kornmarktplatz zwei Schuh tief. Feldfrüchte und Heu wurden weitgehend vernichtet. Dazu kamen noch einige Hagelwetter, die in den verbliebenen Getreidefeldern, Weinbergen und Obstgärten fürchterlichen Schaden anrichteten. «Ein solches Theur Beträngtes Jahr, daß es den Hunger und die Noth nicht genugsam bescheiben kann.» (Originaltext im Anhang). Andere alte Chroniken berichten immer wieder von solchen Notjahren, etwa daß im fürchterlich langen Winter von 1572 Menschen von Wölfen zerrissen worden seien. Im anschließenden Notsommer hätten die Leute das Gras auf dem Feldern gegessen. Ebenso war es mehrmals im 17. Jahrhundert. 1676 berichtete Obersthauptmann Keis an die Regierung: «... dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen ...» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! (Siehe Heft 2, Seite 28!) Konnte man denn keine Nahrungsmittel einführen? Nein! Es fehlte ganz einfach das Geld. Es fehlten die Handelsstrukturen und auch die leistungsfähigen Transportfahrzeuge. «Theurung» hieß daher die Hungersnot. Unser tägliches Brot Dieser Beitrag ist den «Jungen» gewidmet, die durch Gottes Fügung in langer Friedenszeit in einem reichen Land leben dürfen. «Unser tägliches Brot gib uns heute» beten wir im «Vater unser». Oft gedankenlos! Ganz selbstverständlich nehmen wir, daß unser Tisch reichlich gedeckt ist. Unsere Kühlschränke sind voll. Die Regale im Lebensmittelgeschäft quellen über von wohlschmeckenden Angeboten. Ellenlang sind die Speisekarten in den Gasthöfen. Das ist nicht überall auf der Welt so. Das war bei uns auch nicht immer so. Hunger Die letzten Hungerjahre bei uns waren die Nachkriegsjahre 1945 und 1946, als es für Geld nichts mehr zu kaufen gab. Mit Wäsche und Geschirr versuchten blasse Mütter aus der Stadt, für ihre Kinder ein paar Liter Milch oder eine Tasche voll Kartoffeln einzutauschen. Ich erinnere mich noch an eine Flüchtlingsfrau aus dem Barackenlager im Weidach, wo Flüchtlinge lebten, die nur ihr nacktes Leben gerettet hatten. Mit einem Säugling auf dem Arm und einem Kleinkind an der Hand war sie in einen Acker in der Wolfurter Lärche gegangen. Mit bloßen Händen hatte sie nach den unreifen kleinen Kartoffeln gescharrt und ein paar in ihre Tasche gesammelt. Da war der Bauer gekommen. Schimpfend zerrte er nun die weinende Frau mit den Kindern durch die lange Straße, um sie im Gemeindeamt zur Anzeige zu bringen. Viel schlimmer noch hatten es unsere kriegsgefangenen Männer in den Lagern, wo manche die Hälfte ihres Körpergewichts verloren. Viele waren so geschwächt, daß sie keine Widerstandskraft mehr gegen Krankheiten besaßen. Deutsche verhungerten in russischen Lagern, Russen in deutschen, zu Hunderten, zu Zehntausenden. Hungerjahre hatte es auch 1917 bis 1919 nach dem Ersten Weltkrieg gegeben. Aber die letzte ganz schlimme Hungerkatastrophe war die von 1817, über die der Vorsteher Mathias Schneider berichtet. Im Sommer 1816 war das Wetter anhaltend naß und kalt. Auf den Bergen blieb der Schnee liegen, Die Kartoffeln faulten wegen der Nässe. Die Hauptfrucht, der Türken, wurde überhaupt nicht reif. Bis Allerseelen ließ man ihn stehen, dann wurde das Stroh 4 Jeder Bauer ein Selbstversorger Die Dreifelderwirtschaft des Mittelalters brachte es mit sich, daß sich im Dorf jeder nach seinen Kräften an der gemeinsamen Arbeit beteiligen mußte, damit er auch Anspruch auf seinen Ernteanteil hatte. «Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen», sagte man damals. Auch nach der Verteilung der Felder im 18. Jahrhundert war noch jeder im Dorf ein Bauer: der Doktor genau so wie der Pfarrer, der Wirt, der Schmied und der Schuster. Mit Lebensmitteln versorgte sich jeder selbst. Der Acker lieferte Dinkelkorn und Hafer, später auch Kartoffeln und Mais, dazu Kraut und Rüben. Eine oder zwei Kühe im Stall reichten aus für Milch, Butter und Käse. Wenn 5 eine Kuh «galt»1 ging, halfen die Nachbarn einander aus. Auch mit Fleisch und Schmalz versorgten sich die Bauern selbst. Geschlachtet wurde immer im Winter, Konservierung war ja ursprünglich nur im Rauch des Kamins möglich.Eier aus dem Hühnerstall, frisches und getrocknetes Obst, ein wenig Gemüse und Gewürze aus dem Garten und dazu noch ein paar Beeren ergänzten den Küchenzettel. Beeren und gedörrtes Obst waren neben Honig die einzigen Süßigkeiten. In Hanso Hus war einer der ganz wenigen Läden der großen Pfarre. Aber Lebensmittel gab es hier kaum zu kaufen, denn Geld hatte ja niemand. Nur die Bucherinnen schleppten manchen «Stumpen»2 Mehl, den sie für Holzwerkzeug oder Rebstecken eingetauscht hatten, durch den Ippachwald heim. Für Steuern und Abgaben und für Kleidung und Werkzeuge sparte man mühsam Kreuzer und Gulden zusammen, die sich jeder Bauer durch seinen Nebenverdienst als Schreiner, Schuster, Wagner, Schmied, Gerber, Küfer, Seiler oder einfach als Taglöhner verdienen konnte. Nur selten gelang es, Eier, Obst oder auch Brennholz und Torf in die Stadt zu verkaufen. Im Acker Ackerbau war also bis 1870, als er von der Viehzucht abgelöst wurde, die Grundlage der Ernährung in unserem Dorf. In Heimat 2, das leider vergriffen ist, haben Magister Volaucnik und ich in zwei Artikeln darüber berichtet. Von den sieben seit alters her bekannten Getreidesorten wurden in Wolfurt hauptsächlich Dinkel und Hafer angebaut. In dreijährigem Wechsel gab es zuerst Dinkel (bei uns hieß er «Feoso», Vesen, oder einfach Korn), dann Hafer (Haber) und im dritten Jahr Brache als Weidegebiet für das Vieh. Gemeinsam ging man zur Arbeit «is Feold». Unzählige Fußwege stammen noch aus j ener Zeit. Da gab es das Oberfeld und das große Unterfeld. Das Unterfeld war zuerst nur das fruchtbare Gebiet zwischen oberer und unterer Straße, dann kamen nacheinander die Felder bis zur Linie Unterfeld-Neudorfstraße-Schertlerstraße und schließlich bis zur Lärche-Fatt-Schmerzenbildstraße dazu. Um diesen riesig groß gewordene Esch ging noch bis 1938 die «Ösch»-Prozession an Christi Himmelfahrt, um Segen für die Äcker zu erbitten, als es dort längst fast nur mehr Graswiesen gab. Der mehrstündige Prozessionsweg führte über Oberfeld, Achstraße, Lärchenstraße, Fattstraße, Schmerzenbild zur Wälderstraße und dann über dir Kirchstraße zurück zur Kirche. Später ging man in umgekehrter Richtung. Nach der Entdeckung Amerikas 1492 waren zwei ganz wichtige Feldfrüchte nach Europa gekommen: Kartoffeln und Mais. Ab etwa 1730 wurden sie auch bei uns bekannt. Aber in den Eschen war kein Platz für sie. Nur in den Hausgärten und am äußersten Ende des Gemeindegebietes, im Neuwiesen und im Weitried, begann zögernd der Anbau. Das Ried mußte zuerst mühsam durch Gräben entwässert werden. 2 galt = ohne Milch! hier, weil die Kuh hochträchtig war. Stumpen = kleiner oder halbgefüllter Sack. 7 6 Als dann im 18. Jahrhundert Feld und Ried an die etwa 150 Wolfurter Bauern verteilt worden waren, stieg der Anbau von Mais rasch an. Er überholte zuerst um 1810 den Hafer und um 1840 auch den Vesen. Bald rollten die Bäuerinnen ihren «Hafoloab» 1 , us Türggo 2 -Meohl» statt aus dem billigen «Jau-Mehl» 3 . Jetzt verdrängten auch TürggoMuos und Türggo-«Stopfar» 4 das altgewohnte Habermus. «Hafoloabar» blieb aber der Spottname für die Wolfurter. Die Nachbarn wollten damit sagen: Die Wolfurter haben nichts zu essen als die Teignudel aus grauem Vesenmehl. Erst viel später kamen die «Speck-Seele» 5 oder gar «Speock und Krut» 6 dazu, die aus der ehemaligen Hauptspeise «Hafoloab» heutzutage eine delikate Beilage machen. Das ganze Jahr über gab es im Acker viel Arbeit. Sie begann schon im Herbst mit der Vorbereitung für das nächste Jahr, mit Aufräumen und Düngen, mit Ackern und Eggen, mit Instandhaltung von Marken, Gräben und Wegen. Das Werkzeug mußte hergerichtet werden: «Vum Wangar» 7 brauchte man einen neuen Stiel, «vum Schmiod» eine neue Haue. Die Böden wiesen verschiedene Qualitäten auf. Gegen die Ach zu waren sie steinig und lettig, das Schwemmland der Bäche war meist lehmig. Im Ried war der Schollenboden 8 zwar steinlos, dafür aber oft durch hochstehendes Grundwasser naß. Jeder Bauer sicherte sich seinen Besitz durch Marken, im Ried durch mit Sorgfalt gepflegte Gräben. Zäune waren im Ackerland nur hinderlich. Einen Markpfahl ausreißen oder gar eine Mark versetzen gehörte zu den ganz großen Freveln. Gute Marken verhinderten Streit. Vorsichtige Bauern schützten sich doppelt, indem sie zum Markstein noch «Zügo» 9 ins Erdreich setzten: flache Steine oder auch Ziegelsplitter. Eine beim «Eren» 10 verschwundene Grenzmark konnte danach wieder gesetzt werden. Nicht selten aber mußte das «hülzerne Gricht» 11 , zu Hilfe geholt werden. Das Eren und das Eggen besorgten jene wenigen Bauern, die Pferde besaßen, im Lohnauftrag. Für Neubruch 12 brauchte man zwei Pferde, für die lockeren Riedböden genügte eines. Für die schweren Lehmböden im unteren Rickenbach und in Engliswies Hafoloab = Hafenlaib. Ein Hafen ist ein Topf. Türggo = Türken, Mais, türkisches Korn 3 Jaumehl = graues, minderwertiges Dinkelmehl 4 Stopfar = Riebel. Der Grieskoch sättigt (stopft voll). Seele = ein Speckstreifen, in den Hafenloab eingelegt, machte diesen besonders schmackhaft. Speock und Krut = Selchfleisch und Sauerkraut. 7 Wangar = Wagner 8 Schollen = Torf Zügo = Zeugen Eren = acken, pflügen hülzernes Gricht = hölzernes Gericht. Ein vom Gericht Hofsteig bestimmtes Niedergericht aus Vertrauensmännern, die in Streitfällen vermitteln sollten. Es besteht auch in der heutigen Rechtsordnung noch als «Gemeindevermittlungsamt» fort, allerdings meist nur noch bei Ehrenbe\eiäigungen. 12 Neubruch = eine Wiese wird zu Ackerland umgebrochen. 8 9 1 brauchte man sogar Vorspann 1 . Da zog oft ein Pferd gemeinsam mit zwei Ochsen den schweren Pflug. Dem Pflug folgten der Hund und die flinken Buben mit der Haue, denn das «Ise»2 warf oft Mäuse ans Tageslicht. Auch die gefürchteten «Engora» 3 mußten eingesammelt werden. In manchen Jahren wimmelte das Feld davon. Viele von den kleinen Äckern waren aber nur schmale Riemen. Sie wurden mit der Grabe, einem Vorläufer unseres Spatens, umgegraben. Mit der Haue wurden die Schollen zerkleinert. «Do Bro houo» 4 galt als besonders schwere Arbeit, nach der manche müde Frau über Kreuzweh klagte. Von der Sonne hart gebrannte Lehmbrocken boten argen Widerstand. Im Ried zerfielen die Furchen dagegen fast von selbst. Da konnte man mit dem «Schollar», einem stabilen Holzrechen, den Boden lockern. Jetzt mußte man noch den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat abwarten. «Benedikt 1 macht Zübola dick» galt zwar nur für das Stecken der Zwiebeln. Um diese Zeit sollte aber auch die Frühjahrssaat von Getreide schon im Boden sein. Für «Türggo und Bodobiora» 2 galt dagegen: «Steckst me im April, kumm-i wenn-i will. Steckst du me im Mai, kummi glei.» Türken wurde auf alle Fälle erst ab dem 1. Mai gesteckt, Frühkartoffeln dagegen doch oft schon im April. Ganz wichtig war dabei «do Mo», das Mondzeichen aus dem Bauernkalender: «Undorgento» 3 für Zübola und Bodobiora, für «Randig» 4 und «Rätig» 5 und Rüoba, «üborgento» 6 für Türggo und Korn und alles; was oben Früchte tragen sollte. Man achtete aber auch auf die Tierkreiszeichen: Für die Kartoffeln «a truckos Zoacho» 7 , am besten «im Stior», niemals «im Wassorma», sonst wurden sie wässrig und faulten. Manche aber sagten: «Des best Zoacho ist Miost bis a-d Knü8!» und legten eher Wert auf gute Düngung. Kartoffeln wollten alten Stallmist, Mais eher «a guote Bschütte 9 ». So stank es denn auch auf allen Feldstraßen anfangs Mai ganz fürchterlich, wenn die Jauchefuhrwerke auf dem Weg waren. Da gab es neben den großen «Bschütte-Fässern» auch noch die hochrädrigen «Bschütte-Bina 10 », die man mit dem Schöpfkübel füllte und leerte, «Bschütte-Beora 11 » und allerlei kleine Fässer, die auf Handwagen die scharfe «Hüsle-Bschütte 12 » zu den Äckern brachten. Ins Ried führte man Mist. Die Fuder hatte man daheim kunstvoll gebaut und mit dem «Pritschbreot» 13 geglättet, damit ja nichts auf dem Weg verloren ging. Die Riedböden hatten so wenig Tragkraft, daß die Eisenreifen der schweren Wagen oft einschnitten. Dann steckte das Fuhrwerk bis auf die Achsen im Sumpf. Mit dem «Kröl»14 wurde abgeladen. Mit «Beoro» oder «Miost-Zoanno 15 » verteilte man den Mist. In langen Reihen wurden mit der Haue Löcher vorbereitet. Für die richtigen Abstände sorgte eine Markierung mit dem «Kreislar»16, der mit seinen drei Zähnen Spuren ins Vorspann = vor das Zugtierpaar werden weitere ein oder zwei Zugtiere vorgespannt. Ise = Pflugeisen, Pflugschar Engora = Engerlinge, Maikäferlarven Bro = der Brach oder die Brache ist ein vom Pflug abgelöstes Rasenstück, aber auch der ganze unbebaute Acker 10 Benedikt = 21. März, Tag des Hl. Benedikt Bodobiora = Bodenbirnen, Kartoffeln 3 Undorgento = untergehender Mond Randig = Rote Rüben 5 Rätig = Rettich übergento = übergehender Mond; Mondbahnwechsel, die man aus dem Volkskalender las. Nicht verwechseln mit abnehmendem und zunehmendem Mond! a truckos Zoacho = ein trockenes Zeichen 8 Knü = Knie 9 Bschütte = Jauche (beschütten) 0 Bino = Zweiradkarren mit Behälter für 200 bis 5001 Flüssigkeit. Beoro = Einradschubkarren. Die «Bschütte-Beoro» faßt 70 bis 130 1 Jauche, die «Miost-Beoro» eine entsprechende Menge Mist. Hüsle-Bschütte = Jauche aus dem Abort. 13 Pritschbreot = Brett mit Handgriff 4 Kröl = Zughaken Zoanno = großer Korb mit zwei Henkeln Kreisler («Kröoslar») = Ackerwerkzeug 11 1 Erdreich zog. Nach dem Einbrigen des Düngers wurden die sorgfälltig ausgewählten Saatkartoffeln «gstupft» und dann mit lockerer Erde zugedeckt. Vom Mais wurden drei Körner in jedes Loch «gstupft», weil man sicher genug Pflanzen haben wollte. Gingen alle auf, so mußten zwei von den dreien wieder ausgerissen werden. Bei all der schweren Arbeit fand man immer noch Zeit für einen Gruß und ein Scherzwort zu den Nachbarn im Feld nebenan. Zum «z Obod-Eosso» 1 setzte man sich zusammen «as Grabo-Ort» 2 und ließ sich zu «Brot und Käs» den herben Most aus dem «Butsch» 3 schmecken. Es war ein gutes Gefühl, wenn nach Tagen schwerster Arbeit der Acker bestellt war. Das Gedeihen mußte man weitgehend dem Herrgott und seinem Wetter überlassen. So sprach denn auch vom 3. Mai an, vom Fest Kreuz-Auffindung, der Priester täglich den Wettersegen. Und täglich beteten die Gläubigen ihr «Vor Blitz, Hagel und Ungewitter bewahre uns!» Das taten sie bis zum zweiten Kreuzfest, dem «Hoalig-Krüz-Tag» am 14. September, an dem das Vieh von den Alpen kam. Groß war auch die Beteiligung an allen Prozessionen und andächtig beteten alt und jung: «Segne unsere Äcker und Güter! Wende ab von denselben alles Ungewitter und befehle, daß der Himmel uns gebe zu seiner Zeit den Regen, zu seiner Zeit die Sonne!» Trockenzeit im Frühjahr und anhaltende Nässe im Sommer beeinträchtigten die Ernteaussichten. Wenn gelbe Wolken über dem See Hagel androhten, legte die Großmutter voller Angst geweihte Palmzweige ins Herdfeuer. Mit Glockengeläute versuchte man, die Gefahr zu bannen, und schimpfte auf die Schweizer, die mit Kanonenschüssen den Hagel über den Rhein herüberjagten. Schwerer Regen walzte das unreife Korn nieder. In den Nestern wuchsen «Windla» 4 und «Distla» und der Rostpilz breitete sich aus. In guten Jahren stand die Frucht dagegen schön. Die paar Vögel und die Mäuse schmälerten die Ernte kaum. Nur wenige Bauern stellten Vogelscheuchen auf. Eher hängte man an einen Stock «an tota Rabb» 5 oder ein glitzerndes Blech. Bodobiora und Türggo brauchten ständige Pflege. «Eotto» 6 -«uffo Knü»- beugte tagelang und immer wieder die Rücken. «Hüflo7»- «mit dor Houo»- ließ die schnurgeraden «Zilota 8 » entstehen. Dabei durften die jungen Pflanzen nicht beschädigt werden.. Allzu leicht entstanden sonst bei den Kartoffeln grüne «Sunnoluogora 9 », die als giftig galten. Gegen die gefürchtete «Krut-Füle 10 » wußte niemand einen Rat. Gegen die Mäuse, die in manchen Jahren zu Hunderten in die Kartoffeläcker kamen, konnte man sich wehren. Z-Obod-Eosso = (Abendessen) Jause um vier Uhr. Grabo-Ort = Ackerrand am Graben Butsch = Tonflasche Windla = Zaunwinde, ein gefürchtetes Unkraut 5 tota Rabb = toter Rabe eotto = jäten hüflo = häufeln, mit der Haue Erdreich an die Pflanzen bringen a Zilat (zwo Zilota) = Zeile Sunnoluogora = Sonnenschauerinnen. In grünen Knollen entwickelte sich das Nachtschattengift Solanin 10 Krut-Füle = Krautfäule 12 Im Ried bohrte man alle paar Zeilen mit dem «Mus-Boahrar 1 » etwa ein Meter tiefe Löcher bis ins Grundwasser. Da hinab stürzten die Nager, wenn sie nachts durch den Acker huschten, und ertranken jämmerlich. Wie erschraken wir aber, als sich einmal auch eine große Ringelnatter in dem Bohrloch gefangen hatte! Während des Zweiten Weltkriegs suchten Schüler und Erwachsene in ganzen Kolonnen regelmäßig nach Kartoffelkäfern - erfolglos! Aus Amerika kommend hatten die gefräßigen Tierchen sich schon über Frankreich ausgebreitet und gebietsweise den Kartoffelanbau vernichtet. Erst 1945 wurden die ersten bei uns entdeckt. Als sie sich in den folgenden Jahren schnell vermehrten, spritzte man tödlich giftige Arsen-Lösungen. Im «Türggo-Ackar» drohten ebenfalls Schädlinge. Engerlinge fraßen die Wurzeln ab. Der «Zünzlar» 2 bohrte sich durch das Stengelmark, so daß die abgestorbenen Spitzen wie verbrannt aussahen. Hin und wieder ließen Brandpilze die Kolben zu unförmigen schwarzen Klumpen aufquellen. Die mußte man sorgfälltig vernichten, sonst hätten die Sporen sich über den ganzen Acker verbreitet. Auch Raben rissen manchmal die unreifen Kolben auf und der Dachs brach in einer einzigen Nacht an die 50 Stück ab. Da war man froh, wenn endlich Föhntage im Herbst «do Türggobart 3 » trockneten und die milchigen Körner an den Kolben hart machten. Erntezeit! Das Getreide schnitt man fast überall mit der Sichel, selten mit der «Seogass4», für die es einen speziellen Getreide-«Worb 5 » mit langen Rechenzähnen gab. Erst ab 1930 kamen Lohn-Dreschmaschinen auf (z. B. bei Schnidarles Rudolf an der Schulstraße). Vorher drosch man von Hand mit Flegeln auf den Dielenbrettern im «Tenn 6 ». Große Siebe, aus dünnen Holzspänen geflochten, trennten die Spreu von den Körnern. Geschickte Hände arbeiteten noch mit der «Schwinge», einem flachen Korb. Darin blieben nur die schweren Körner liegen - genau wie beim Goldwäscher die Körner in seiner Pfannne. Im August wartete man, bis bei den Kartoffeln «s Krut abgstando 7 ist», dann zog die ganze Familie mit Wagen, Säcken, Kisten und Kübeln zur Ernte ins Ried. Manche rissen mit der Haue die Zeilen auf, andere gruben mit der Furke. Da kollerten jedesmal 10 bis 15 große und kleinere gelbbraune Früchte heraus. Die wurden in Körbe oder Kübel gelesen und zum Fuhrwerk getragen. «Git as us8?» grüßten die Nachbarn. »As goht a so!»9 oder «Mior sind z-frido!» war die Antwort. Daheim wurden die Kartoffeln auf dem Hausplatz gut getrocknet und dann «vortleoso 10 »: «Fule» und «fleockige» sollten eigentlich keine darunter sein. «Klenne Böbbele 11 », oder auch übergroße und seltsam Mus-Boahrar = Mäusebohrer Zünzlar = Zündler, eine schädliche Raupe 3 Türggobart = die langen Griffelfäden der weiblichen Maisblüten. Die Kinder spielten damit, die Buben rauchten den trockenen Türkenbart. 4 Seogass = Sense 5 Worb = Sensenhalterung mit zwei Griffen 6 Tenn = die Tenne. Großer Arbeits- und Vorratsraum im Stadel 7 abgstando = welk 8 Git as us? = Ist die Arbeit ergiebig? 9 As goht a so = Es geht einigermaßen, 10 vortleoso = auslesen, sortieren 11 Böbbele = kleine Knollen 2 1 13 geformte Riesen kamen «zu-n Su-Bodobiora» als Schweinefutter. Besonders schöne, eigroße Früchte wurden als «Somo 1 -Bodobiora» für das nächste Jahr im Keller dunkel gelagert. Die große Menge der anderen waren «Eoß-Bodobiora». Sie sollten die große Familie bis zur nächsten Ernte ernähren. Und die Mutter brachte auch täglich mindestens einmal ein Kartoffelgericht auf den Tisch. «Nöüe» mit Butter, Salz und Milch waren ein Leckerbissen und wurden «mit zamt dor Mundur 2 » verzehrt. Dann folgten jeden Tag «brotene 3 » oder «gsottene», «Biree4» oder «Bodobiora-Knedol 5 », aber auch «Küochle» und «Nudla» und andere Köstlichkeiten. «Tschips» und «Bommfritt» gab es allerdings damals noch nicht. Im Winter durfte kein Frost an die Kartoffeln kommen, sonst schmeckten sie süßlich und verdarben. Im Frühling trieben sie lange Keime in Richtung auf das Kellerfenster. Man mußte sie mehrmals sorgfältig «abkido» 6 , um noch einen Vorrat über den Sommer zu retten. Je nach der Wetterlage wurden die Maiskolben nacheinander im September und oft erst im Oktober reif. Der eine füllte sein«Handwägele», der andere den großen «LoattorWago» bis «a-d Gättor 7 uffe». Das war jedesmal ein Fest! «Undorom Vorschutz 8 » vor dem Stadel wurde die Ladung abgekippt. Flinke Hände machten sich daran, die Schutzhülle von den Kolben zu reißen, «do Türggo usmacho». Drei «Schwärtola 9 » blieben stehen und wurden mit denen eines zweiten Kolbens verknüpft. Gelblich weiß glänzten jetzt in langen Reihen die Körner, bis zu 400 auf einem Kolben. Nur «wißo Türggo» pflanzte man bei uns. Aber wir freuten uns, wenn als Irrläufer auch einmal ein dunkelroter oder polentagelber darunter war. Auf langen Gerüsten wurden die Kolbenpaare nun «im Ufzug10» aufgehängt. Die Katze mußte dafür sorgen, daß die Mäuse nicht dahinter gingen. Die schönsten «Schwärtola» hatte die Mutter auch versorgt. Daraus flocht sie später starke Bänder für allerlei Zwecke. Wenn die letzten Kolben vom Vorjahr aufgebraucht waren, holte man «do ersto Trag » neue Kolben in die Kammer herab. Am kantigen Eisen eines großen Getreidekübels, «Staro» 12 hieß er, wurden die Körner abgerieben. «An Stumpo» von etwa 20 kg brachten wir zu Zehrers Mühle. Je nach Verlangen mahlte Marte daraus «Türggo-Meohl», «Türggo-Grioß» oder «Türggo-Bruch 13 ». Jetzt konnte die Mutter wieder «Muos», «Stopfar», «Polento» und natürlich «Hafoloab» kochen.. Und der «Bruch» reichte auch noch mit der «Grüsch14» für die Hühner und die Schweine. Somo = Samen mit zamt dor Mundur = samt der Schale (Montur) brotene = gebratene Biree = Püree, Kartoffelbrei 5 Knedol = Knödel abkido = Keimlinge wegreißen 7 Gättor = Gestelle aus Latten oder Sprossen, die der Ladung Halt geben. 8 Vorschutz = großes Vordach am Stadel Schwärtola = Schutzblätter am Maiskolben 10 Ufzug = Aufzug, der Dachboden 11 Trag = das Getragene, ein Armvoll 12 Staro = der Star ist ein altes Getreidehohlmaß mit 21, 51 Inhalt 13 Bruch = gebrochene Getreidekörner 14 Grüsch = Kleie 2 1 11 Pflügen in Unterrickenbach 1940; Wegen des schweren Lehmbodens hat Konrad Immler vom Oberteilenmoos drei Kühe eingespannt. Den Pflug führt sein Sohn Emil. Auf den Äckern wurde zuletzt das «Türggo»-Stroh mit einem scharfen «Gettar 1 » abgeschnittten. Das Kartoffelkraut mottete tagelang auf kleinen Funken. Spätherbst! Das Bauernjahr begann von neuem. Hoffentlich wieder ein gutes! * Der zweite Teil dieses Beitrages mit den Kapiteln «Zu Tisch», «Hungerjahr 1817» und «Wettersegengebet» folgt in Heft 11. Gettar = schweres Schlagmesser 15 14 Kriegstagebuch Im Jahre 1939 wurde der 19jährige Maturant Alfons Fischer in den Krieg einberufen. Sieben Jahre später-sieben lange bittere Jahre - kehrte er heim. An fernen Fronten zum Mann gereift, ausgezeichnet, verwundet, gefangen! Nun packte er seine in engen Bleistiftnotizen geschriebenen Tagebücher samt dem Eisernen Kreuz und dem Verwundetenabzeichen in eine Schachtel und versorgte sie - gleichsam mit den sieben verlorenen Jahren seiner Jugend - am Dachboden. Fast 50 Jahre später hat er sie nun wieder gesucht. Ihn bedrängen die Fragen unserer jungen Generation. Junge Historiker von links und von rechts bieten oft zu einfache Antworten an. Umso wichtiger ist es, daß Alfons Fischer uns allen und ganz besonders den ehrlich suchenden Geschichtsforschern seine Tagebücher zur Verfügung stellt. Sie sind weder ein Heldenepos noch ein Sensationsbericht. Manche Seiten wirken trocken und langweilig- das gab es im Krieg auch! An anderen Stellen überschlagen sich die Ereignisse - da war keine Minute frei, weder zum Schlafen noch zum Schreiben! Gerade dadurch aber werden die Aufzeichnungen zu einem wertvollen ehrlichen Dokument. Alfons Fischer, Jahrgang 1920, ist neben drei jüngeren Schwestern der einzige Sohn einer Wolfurter Bauernfamilie. Auch Vater Hans-Jrg war sieben Jahre Soldat gewesen, davon vier im Ersten Weltkrieg. Nun hielt er sich von politischer Tätigkeit zurück. Aus ihrer christlichen Weltanschauung machte die Familie aber kein Hehl. Daher gehörte Alfons als Realschüler dem Reichsbund der Kath. Jugend und später der Pfarrjugend an. Diese Vorbemerkung soll dem besseren Verständnis einiger Urlaubsschilderungen dienen. Doch lassen wir nun die Tagebücher sprechen! Fischer Alfons Tagebuch eines Wolfurters zwischen 1939 und 1946. Vorwort Der Krieg in Jugoslavien, der Tod von zwei Kriegskameraden und die Kontaktaufnahme mit meinem seit 1947 in russischer Gefangenschaft todgeglaubten Ladekanonier und Funker, an Weihnachten 1991, waren der Anlaß, meine Kriegstagebücher auszugraben und aufzuarbeiten. Aufgrund meiner politischen Herkunft und der Tatsache, daß ich vom 1.4.1939. bis 19.4.1946. Uniformen tragen mußte, liegt es mir fern, den Krieg zu glorifizieren. Ganz im Gegenteil, ich möchte versuchen, meinen Kindern und Enkeln den Wahnsinn des Krieges anhand meines Schicksals, das ein Millionenschicksal war, aufzuzeigen. Ich möchte aber auch daraufhinweisen, daß der Krieg und die Gefangenschaft unsere Generation Toleranz, Bescheidenheit und Kameradschaft gelehrt hat und unser Leben sicher stärker geprägt hat, als z.B. das Wirtschaftswunder. Die Kriegskameradschaft wird heute gerne als Hobby der Ewiggestrigen abgetan. Bedingungslose Kameradschaft, wie sie oft in ausweglos erscheinenden Situationen erlebt wurde, schätze ich auch heute noch hoch ein. Sie hat mit Kameraderie nichts zu tun. Ein Beispiel, die vier Mann im Sturmgeschütz waren auf Leben und Tod aufeinander angewiesen und haben das letzte Stück Brot miteinander geteilt. Solche Kameradschaften haben als Freundschaften die Jahrzehnte überdauert. Der jungen Generation, die diese Zeit wohl kaum nachvollziehen kann, möchte ich trotzdem Toleranz und echte Kameradschaft wünschen. Kriegerdenkmäler werden heute zum Teil als Kultstätten der Heldenverehrung diskriminiert. Wer an der Front und in Gefangenschaft war und wer die Bombenangriffe auf die Städte erlebt hat, der weiß, unter welch unmenschlichen Bedingungen Soldaten und Zivilisten gefallen, verbrannt oder verhungert sind. Wer davongekommen ist, liest die Tafeln der Verwandten Schulkameraden und Mitbürger mit Trauer. Das hat mit Heldenkult nichts zu tun. Er gedenkt der vielen Millionen Toten in Pietät. Ich glaube diese Pietät steht auch den Hinterbliebenen in der zweiten und dritten Generation zu. Ein Wort zu den Tapferkeitsauszeichnungen : Das Birkenkreuz und das Eiserne Kreuz lagen meist haarscharf beisammen. Ausgezeichnet wurden im allgemeinen nur die Überlebenden. -Und in der größten Not waren sehr viele tapfer Wenn man seine Kriegstagebücher nach mehr als 45 Jahren nachliest, dann fällt einem sofort auf, daß sehr vieles aus dem Soldatenalltag, Namen und Orte, aber auch manche Einsätze, in Vergessenheit geraten ist. Ganz Gescheite werden dazu sofort sagen, das 17 16 haben sie alle ja gerne vergessen und verdrängt. Tatsache ist aber, daß man die härtesten Fronteinsätze, die Gefangenschaft in den Hungerlagern und echte Kameradschaft weder verdrängen noch vergessen kann. Es kommt einem aber auch deutlich wieder zum Bewußtsein, von wieviel Fügungen das Überleben in dieser Zeit abhängig war. Glück ist dafür sicher eine zu simple Erklärung. Die Tagebücher enthalten eine Fülle von Fakten, Daten und persönlichen Eindrücken, vom Wetter angefangen, über Landschaftsformen, Landnutzung, Straßenzustand, Wohnverhältnisse, Leben der Bevölkerung, Leben in den Kasernen, Ruhequartieren und Gefangenenlagern, Überleben im Einsatz, Aktivitäten im Urlaub, Namen von Urlaubern etc. Ein großes Problem war die Langeweile. Kinos gab es überall, bis in die Soldatenheime hinter der Front. Ich habe, wie Millionen Soldaten, in diesen Jahren sehr viele Filme gesehen und alle Titel aufgeschrieben. Ich habe sie nicht gezählt, aber es waren Hunderte. Ich habe auch die Gottesdienste in den Garnisonskirchen, bei den Fronteinheiten und in den Gefangenenlagern aufgeschrieben. Daraus ist zu ersehen, daß bei der Wehrmacht die Nationalsozialisten sicher nicht überall präsent waren. Politische Einschätzungen fehlen in den Tagebüchern zur Gänze, das war damals für mich zu riskant. Die folgenden Aufzeichnungen sind daher nur eine grobe, trockene Übersicht über diese Jahre, auf weite Strecken im Telegrammstil. Parteitagszug kam man ausnahmsweise nicht nach der politischen Verläßlichkeit, sondern nach der Körpergröße. Damals blühten und dufteten im Rankweiler Ried hunderttausende blaue Schwertlilien. Heute stehen dort die Aussiedlerhöfe und Schwertlilien sind eine Rarität. 23.5. -1.6.1939. Das Lager 1/331 geht in Urlaub, ich war bei den 20 Mann Lagerwache. 2.6. - 9.6.1939. Die Lagerwache geht in Urlaub. Das Lager Brederis marschierte in Feldkirch dreimal durch die Fronleichnamsprozession und sang ein zeitgemäßes Lied, dessen Refrain ich mir über die Jahrzehnte gemerkt habe: „Was hat einer deutschen Mutter Sohn, mit Papst und den Pfaffen zu schaffen." 9.8.1939. Musterung zur Wehrmacht, Gebirgsnachrichten Landeck. 1.9.1939. Einmarsch der deutschen Truppen in Polen. Beginn des Zweiten Weltkrieges „Der Reichsparteitag des Friedens" wird abesagt. 3.9.1939. England und Frankreich erklären Deutschland den Krieg. 17.9.1939. Einmarsch russischer Truppen in Ostpolen. 25.9.1939. Erster Luftangriff auf Friedrichshafen. 3.10.1939. Die Mannschaften des Lagers 1/331 werden überraschend in den Wehrkreis München überstellt.Rankweil-Bregenz-München-Freising. 4.10. -19.11.1939. Rekrut bei der Nachrichten Eratz Batterie 157 Freising. Ausbildung zum Fernsprecher, Kasernenleben, Fußdienst, Unterricht, Sport, Schießen, Übungen im Gelände etc. Hier herrschte ein gutes Klima, wir kamen uns nach Brederis fast wie im Urlaub vor. In unserer Stube waren lauter Vorarlberger. 6.10.1939. Mit der Kapitulation des polnischen Generals Kleeberg erlischt der letzte geschlossene Widerstand polnischer Trupppen. - Es gab weder eine Kriegserklärung noch eine Kapitulationsurkunde. 10.11. -11.11.1939. Erster Kurzurlaub als Rekrut. 20.11.1939. Abstellung zur Bayrischen 57. Infanterie Division, die gerade aus Polen zurückverlegt wurde. Freising-München-Ingolstadt-Nürnberg-Würzburg-HanauGelnhausen in Hessen-Nassau. 21.11.1939.Ankunft in Dorf-Kassel bei Gelnhausen. Die Einheiten lagen in den Dörfern zwischen Hanau und Gelnhausen in Privatquartieren. Als Fernsprecher wurde ich der 5. Batterie zugeteilt. Wir waren jetzt nur noch drei Vorarlberger unter lauter Bayern und haben einige Zeit gebraucht, bis wir Ernst und Spaß der kernigen Sprüche auseinanderhalten konnten. Eine Batterie hatte vier leichte Feldhaubitzen, Kaliber 10,5 cm. Die Geschütze und das Beobachtungsfahrzeug wurden 6-spännig, die Munitionsfahrzeuge 2 spännig und der übrige Troß 2 oder 1 spännig gefahren. Die Batterie hatte ca 130 Mann und etwa gleichviele Pferde. - Zuerst war ich Melder und mußte täglich mit dem Fahrrad ins übernächste Dorf nach Lauterbach zur Abteilung fahren, um Post und Befehle abzuholen. 18.12.1939. Der Futtermeister ist daraufgekommen, daß ich Maturant bin und hat mir gleich zwei Unteroffizierspferde zugeteilt. So wurden Futterfassen, Tränken, Füttern, Striegeln, Ausmisten, Auf- und Absatteln und Pferdeapelle, mit Ausnahme der Einsätze 19 Der Weg in den Krieg Jänner 1939. Da ich der Hitlerjugend nicht beigetreten bin, wurde mir die Ablegung der Matura verweigert. Nach der Meldung als vorzeitig Dienender zum Reichsarbeitsdienst wurde ich zugelassen. 20.2. - 22.2.1939. Vorgezogene schriftliche Matura. 14.3.1939. Musterung zum Reichsarbeitsdienst. 15.3.1939. Einmarsch deutscher Truppen in der Cschechoslowakei und ungarischer Truppen in Karpatorußland. 21.3.1939. Mündliche Matura, am gleichen Tag Einberufungsbefehl zum Reichsarbeitsdienst. 1.4. - 2.10.1939. Arbeitsmann im Lager 1/331. Rankweil/Brederis. Dieses Halbjahr war eine ungute Zeit mit Schikanen aller Art, vor allem für die zahlreichen Maturanten. Das Führercorps war mittelmäßig und bestand zum Teil aus Angehörigen der Österreichischen Legion. Im ersten Vierteljahr wurden im Rankweiler Ried, damals händisch, Drainagearbeiten durchgeführt. Ältere Leute haben vielleicht noch eine Vorstellung von der Dreckarbeit im dritten Stich, die ein Vorrecht der Maturanten war. Im zweiten Vierteljahr wurde der Fritzligraben in Brederis, als Vorfluter für die großen Drainagesysteme ausgebaut. Der Aushub wurde mit Rollwagen über Geleise verführt. Das war eine schönere Arbeit. Als Angehörige des Parteitagszuges für den „Reichsparteitag des Friedens" mußten wir nur am Vormittag arbeiten und wurden am Nachmittag brutal geschliffen. Zum 18 in Frankreich, mein Nebenjob bis Herbst 1940. Aber der Stalldienst hatte auch seine guten Seiten. Eine Kontrolle der im ganzen Ort verstreuten Ställe war kaum möglich. So konnte man zwischendurch immer wieder ins Quartier abhauen. Ich hatte ein gutes Quartier, dort stand immer eine Kaffeekanne auf dem Herd und auf großen Blechen gab es abwechselnd Streußelkuchen, Apfelkuchen oder Zwetschkenkuchen. Ich konnte auch Kameraden mitbringen, die es nicht so gut getroffen hatten. Da mein Stall am Ende des Dorfes lag, bin ich oft auf eigene Faust ausgeritten Der Winter war sehr kalt und schneereich.Bei den vielen Tag- und Nachtübungen im waldreichen, hügeligen Vorspessart gab es viele Zwischenfälle mit Pferden und Fahrzeugen. Heimaturlaub 6.2. -13.2.1940. Gelnhausen - Frankfurt - Darmstadt - Mannheim - Heidelberg -Stuttgart - Ulm - Bregenz. 8.2.1940. Am Abend wegen der Belanglosigkeit der schlechten Verdunklung der Fahrradbeleuchtung, Wortwechsel mit einer 3 Mannstreife des NS-Kraftfahrkorps. 9.2.1940. In der Früh hat mich ein Lauteracher Gendarm, ein Kaiserjägerkamerad meines Vaters, über die Anzeige und eventuelle Folgen informiert und die weitere Vorgangsweise besprochen. 10.2.1940. Einvernahme beim Posten Lauterach. 12.2.1940. Vorladung zur Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Bregenz. Der Beamte hat mir nach einem kurzen Gespräch alles Gute als Soldat gewünscht. 12.2.1940. Friede zwischen Rußland und Finnland nach 104 Tagen Winterkrieg. 5.4.1940. Verlegung der Batterie nach Mittelgründau in Oberhessen nahe Hanau, wieder Privatquartiere. 9.4.1940. Einmarsch deutscher Truppen in Dänemark, Landung in Norwegen. 24.4.1940. Scharfschießen am Truppenübungsplatz Villbach, zum erstenmal Granaten heulen gehört und die Einschläge vor der Beobachtungsstelle gesehen. her. Die paar Stunden geschlafen haben wir fast nur im Freien, wegen der Pferde unter den Fahrzeugen. Den Grundsatz der bespannten Truppen „zuerst das Pferd und dann der Mann" habe ich bis zur Neige erlebt. Ohne die Mithilfe der Kameraden wäre die Versorgung der Pferde nicht möglich gewesen. Manches Pferd ist im Zug zusammengebrochen und mußte erschossen werden. Nachschub gab es genug, da Vieh und Pferde überall herrenlos herumliefen. Die deutsche Luftwaffe hatte die Luftüberlegenheit und trat Tag und Nacht massiv in Erscheinung. Aber auch französische und englische Flugzeuge griffen die Marschkolonnen immer wieder mit Bomben und Bordwaffen an. Die Bilder an der Vormarschstraße: Überall Zerstörung, verlassene Stellungen und Dörfer, abgeschossene Panzer, ausgebrannte Fahrzeuge, gesprengte Brücken, zerschossene Batterien, abgeschossene Flugzeuge, zerstörte Dörfer, Flüchtlingskolonnen, Gefangene, Verwundete, Tote. Dazwischen gab es wieder unzerstörte Landstriche wie im Frieden. 24.5.-27.5.1940. Marsch parallel zur Front, das Geschützfeuer wird stärker, nachts brennen Dörfer, das Durcheinander nimmt zu. Origny St.Benoite - Hornblieres St.Quentin - Peronne -Bopaume - St. Albert - Bellenglise - Basentin - Fixcourt. Schon seit Tagen immer wieder große Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg, eine beklemmende Kulisse zu den übrigen Zerstörungen. 28.5. - 4.6.1940. Ablösung einer Panzerdivision, die bis ans Meer durchgestoßen ist. Erste Feuerstellung bei Flesseles an der Somme, in der Nähe von Abbeville. Feuertaufe beim Leitungsbau im schweren Artilleriefeuer. Noch in der Nacht Stellungswechsel nach Bellancourt, Richtung Abbeville. Stellungskrieg und schwere Abwehrkämpfe an der Frankreich 10.5.1940. Einmarsch deutscher Panzerverbände in Luxemburg, Belgien und Holland. 11.5.1940. Alarm! Fertigmachen zum Abmarsch. 12.5.1940. Bahnverladung in Wächtersbach - Frankfurt - Mainz - Koblenz -Andernach. Marsch nach Kripp am Rhein. 14.5. -17.5.1940. Marsch durch das Ahrtal und die Eifel. Altenahr - Ahrweiler - Pelm Gerolstein - Matzerath -Lüneberg - Westwallbunkerlinie - Dasburg. 18.5. -20.5.1940. Mittags bei Dasburg die Deutsch-Luxemburgische Grenze überschritten - Clerv - die Bevölkerung war teilweise deutschfreundlich, Blumen und Zigaretten 20 Uhr die Luxemburgisch - Belgische Grenze überschritten - Bastogne -erste Zerstörungen, erste Verwundeten und Gefangenentransporte - St.Hubert - Maissin - Oure - Graide - Bievre - um Mitternacht bei Nahon die Belgisch - Französiche Grenze überschritten. 21.5. -23.5.1940. Fontaine de Brulet - Montherme, die Maas auf einer Pionierbrücke überschritten, das erste Grab, zwei französische Flieger, ein Kilometer weiter das zweite Grab, vier deutsche Soldaten - Mazures - Bourg Fidele - Etalle/Vervins - Le Pont de Pierre - Bossus - Auberton - Martigny - Hirson - Vervins. Wir haben jetzt 14 Tage Gewaltmärsche von 40 bis 60 Kilometer hinter uns, immer hinter den Panzerdivisionen 20 Rast an der Vormarschstraße in Frankreich 21 Somme. Wir waren fast Tag und Nacht, je zwei Fernsprecher auf uns alleingestellt unterwegs, um die zerschossenen Telefonleitungen zwischen der Beobachtungsstelle und der Batterie zu flicken und aufrecht zu erhalten. In der Weygandlinie lagen uns englische und französische 18 To und 32 To Panzer, starke gutschießende Artillerie, Engländer, schottische Hochländer, Franzosen und französische Kolonialtruppen gegenüber. Sie versuchten immer wieder mit großer Überlegenheit, zum Teil sechs-bis achtmal am Tag, vor allem die Brückenköpfe in Abbeville und St.Valery zu nehmen. Unsere Infanterie und Pakkompagnien hatten schwerste Verluste. Unsere Pak war den schweren französischen Panzern nur zum Teil gewachsen. So wurden Flakbatterien vorgezogen und im direkten Schuß eingesetzt, das waren Himmelfahrtkommandos. Unsere Batterien haben fast pausenlos auf zahlreiche gegenüberliegende Ziele geschossen. Es gab auch zahlreiche Stukaangriffe auf Panzerbereitstellungen und Artilleriestellungen. Unsere Beobachtungsstelle kam immer stärker unter Beschuß. Wir haben unsere Löcher zwischen den Einsätzen tiefer gegraben und wurden so von Verlusten bewahrt. Pferde hat es aber immer wieder erwischt. 5.6. - 8.6.1940. Nach starker Artillerievorbereitung begann um 4,30 Uhr früh auf breiter Front der Angriff und der Durchbruch durch die Weygand-linie. In unserem Abschnitt kam der Angriff, bei massiver Gegenwehr bald zum Stehen. Nach mehreren Stukangriffen und dem Einsatz von 40 Panzern ging es weiter. Abbeville - Huppy - Pultieres - Doudelainville - Oisment -Monflieres - Mesnil/Endin - bei Francours die Bresle erreicht. Das war für unsere Batterie die letzte Feindberührung unter schwerem Artilleriebeschuß. Da die Telefonleitung durch einen Wald verlief, krepierten laufend Granaten in den Bäumen. Das war ein verdammt unguter Einsatz. Bei den mehrfachen Stellungswechseln dieser vier Tage sind wir Fernsprecher schwer zum Handkuß gekommen. Es gab laufend Feuerüberfälle der französischen Artillerie und Fliegerangriffe. Die Infanterie zahlte wiederum einen hohen Blutzoll. 9.6. -13.6.1940. Die Franzosen und Engländer leisten nur noch hinhaltenden Wiederstand und räumen nachts immer ihre Stellungen. In der Nacht sieht man immer noch brennende Dörfer. Aber die Zerstörungen nehmen ab. Die Zivilbevölkerung ist teilweise dageblieben. An den Straßen liegt massenhaft französiche und englische Ausrüstung. Vor allem die Engländer haben auf ihrer Flucht nach Dünkirchen große Fahrzeugkolonnen zurücklassen müssen. Wir lebten sehr gut aus den englischen Verpflegsbeständen. Wir marschieren wieder in Gewaltmärschen hinten nach, immer parallel zur Atlantikküste. Rieux - Grandcourt - NotreDame d'Aliermont - Neufchatelle -Doudeville - nördlich Rouen - Lillebone - Bolbec. 14.6 -16.6.1940. Wir erreichen in Fecamp die Atlantikküste und beziehen Stellungen zum Küstenschutz. Unsere Beobachtungsstelle ist eine Villa über der Steilküste mit herrlichem Blick auf das Meer, auf die Hafenstadt und im Dunst auf die Kreidefelsen der englischen Küste. Hier herrschte tiefer Friede. In der Stadt gab es um einen Schund zu kaufen, was das Herz begehrt. Nach einem Monat wieder ein Dach über dem Kopf, ordentlich gewaschen, ausgeschlafen, heimgeschrieben. Ein Leben wie Gott in Frankreich. 17.6. - 24.6.1940. Alarm! Aus mit dem schönen Leben. Toqueville - Antretot - Yvetot Barentin - Rouen - Elbeuf -Conches - nördlich Laigle. Nördlich und südlich Rouen waren weite Landstriche unversehrt. Hier waren nur noch größere Städte durch Bombardierungen schwer getroffen. In Rouen waren rund um den Dom ganze Stadtviertel zerstört, in den Trümmern hat es noch geraucht. Die Seine wurde über eine Kriegsbrücke aus Handelsschiffen überschritten. Die Seine ist bis Rouen für Hochseeschiffe befahrbar. Überall sind große Flüchtlingskolonnen nach Norden in ihre Dörfer, zu Fuß, mit Fahrrädern, Kinderwagen, Handwägelchen, Ochsenkarren, Pferden, Pferdefuhrwerken, Autos mit vorgespannten Pferden etc. unterwegs. Das waren Elendsbilder, Frauen haben um ein Stück Brot für ihre Kinder und Mädchen um Zigaretten gebettelt. Ab Null Uhr ruhen die Waffen in Frankreich. 25.6.1940. Die Nachricht erreichte uns um 1,30 nachts auf dem Marsch östlich Argentan. 26.6. -11.7.1940. Argentan - Mauvaisville. Hier Bezug von Ruhequartieren. Ausgeschlafen, nach sechs Wochen Wäsche gewechselt, Uniformen gewaschen, in der Orne gebadet, Briefe geschrieben, Pferde betreut, ich hatte wieder meine zwei Reitpferde, Fahrzeuge und Geräte instand gesetzt. Nach 14 Tagen begann schon wieder die Spinnerei, Apelle, Fußdienst, Sport etc. Aber im Allgemeinen war es nach den Strapazen der letzten 6 Wochen doch eine ruhige Zeit. Pferde betreut, ich hatte wieder meine Wochen doch eine ruhige Zeit. 12.7. -14.7.1940. Weitermarsch nach Norden - östlich Falaise nach St. Pierre du Fresne, ein Schloß südlich Caen. Die ersten Soldatengräber 22 23 15.7. - 26.7.1940. Schon fast kasernenmäßiger Zopf im Schloß. 27.7. - 28.7.1940. Weitermarsch nach Norden, nach Mesnil de Bures bei Caen, in einen großen Gutshof. 29.7. - 25.8.1940. An meinem 20 Geburtstag den Urlaubsschein erhalten. Caen - Lisieux - Evreux - Paris - Compiegne - Laon -Charleville - Dinant - ArlonLuxemburg -Trier - Koblenz -Frankfurt - Stuttgart - Bregenz. Zwischen Paris und Luxemburg waren praktisch alle Brücken gesprengt und in allen Ortschaften und Städten Zerstörungen zu sehen. 2.8. - 21.8.1940. Daheim Heuernte, Aktivitäten bei der Pfarrjugend mit Kaplan Giesinger. 26.8.1940. Nach der Rückkehr sofort zum Rapport befohlen. Batteriechef Hauptmann Winterstein, ein alter k.k. Offizier und Bankdirektor aus Salzburg, zeigte mir einen Brief der NS-Ortsgruppe Wolfurt. Der Spieß las mir den Brief vor, der mich als Schwarzen und damit als schlechten Volksgenossen abqualifizieren sollte. Er zerriß dann den Brief mit der Bemerkung: „Damit du siehst wo er hingekommen ist." 26.8. - 31.10.1940. Meist ruhiger Dienst, dazwischen Spinnerei, oft mit dem LKW der Batterie an die Küste nach Cabourg zum Baden gefahren. Jede Woche mindestens einmal an die Orne Mündung marschiert und dort auf schwimmende Ziele im Meer geschossen. (Die Allierten sind dann u.a.1944. genau dort gelandet) Zwischendurch waren in den mondänen Badeorten Cabourg, Deauville und Trouville zusammen mit Gebirgsjägern Verladeübungen auf Pfräme, für eine eventuelle Landung in England. Bei dieser Gelegenheit habe ich meinen Cousin Luitpold Weh aus Bregenz getroffen. Die Pferde hatten auch gute Zeiten, da sie meist auf der Weide waren. Zwischendurch sind wir oft ausgeritten. Caen war eine geschichtlich interessante Stadt mit vielen alten Kirchen, Klöstern und Gebäuden. Zur Truppenbetreuung gab es ein Soldatenheim, Theater und Kinos. (Caen wurde 1944 während der Invasion dem Erdboden gleichgemacht.) Englische Jäger und Bomber haben uns oft überflogen, aber nie bei uns abgeladen. In Summe waren das friedliche, ruhige Monate in einer schönen Gegend. 17.10.1940 Mit der Bahn zur Stadtbesichtigung nach Paris gefahren. 25.10. und 26.10.1940. Zweimal je 100 Kilometer nach Bayeux zum Brennholz holen gefahren. Die wunderschöne Kathedrale besichtigt. Ende Oktober Pferde, Waffen und Gerät Einmarsch in das zerstörte Abbeville. übergeben. Verschiedene Einheiten scheiden aus der 57. Infanterie Division aus und kommen nach Deutschland zu einer Neuaufstellung. Unsere Division ist in sechs Wochen 1200 km marschiert und hat an der Somme und beim Durchbruch durch die Weygand Linie mit 452 Toten und 1400 Verwundeten die größten Verluste aller in Frankreich eingesetzten Divisionen erlitten. Im Bereich der Division wurden 135 Panzer abgeschossen. 30.10.1940.Großer Abschiedsabend, Bischof Werner aus Bizau und ich bekamen das EK II für unsere gemeinsamen Einsätze als Fernsprecher. 31.10 - 3.11.1940. Caen - Argentan - Alencon - Tours - Vierzonville - Bourges -Nevers - Le Creusot - Dijon - Gray - Vesul - Beifort -Mühlhausen - Straßburg - Karlsruhe - Stuttgart -Ulm - Memmingen - Legau im Allgäu. Wieder in Deutschland, Lazarett: 4.11. - 13.12.1940. Mit Musik und schönen Worten empfangen und in guten Privatquartiern untergebracht. Sturer kasernenmäßiger Dienst und Schikanen, daß sich sogar der Ortsgruppenleiter eingemischt hat. An drei Wochenenden konnten wir drei Vorarlberger zu einem Kurzurlaub heimfahren. Es hat sicher viele fanatische Nationalsozialisten, aber auch sehr viele Andersgläubige gegeben. Auch unter alten Nationalsozialisten gab es selbstverständlich anständige Leute. Ich war über ein Jahr mit zwei Münchner Blutordensträgern, beide waren Funker, hautnah am gleichen Fahrzeug, im Einsatz und in vielen Massenquartiern zusammen. Sie waren beide dreißig Jahre älter als ich, haben es in der Partei zu nichts gebracht, waren gute Kameraden, haben nie politisiert und hatten die Nase noch voller als wir Jungen. Sie haben den Polen- und Frankreichfeldzug mitgemacht und wurden in Legau aus Altersgründen entlassen. 1.12.1940. Zum Gefreiten befördert. 14.12.1940.-5.1.1941. Heimaturlaub, am 19.12.1940. mit hohen Fieber erkrankt, daheim gelegen, am 31.12.1940. nach Bregenz zur Untersuchung, Tuberkuloseverdacht. In den Reservelazaretten Riedenburg und Gaisbühel nicht untergekommen. 5.1.1941. Nach Legau eingerückt, im Kreiskrankenhaus weitere Untersuchungen. 8.1. - 29.1.1941. Nach München ins Resevelazarett Schwabing überstellt. Am 13.1.1941. nach gründlichen Untersuchungen der Befund: Schwere Bronchitis. Das wäre eine große Erleichterung. Die Bronchitis hat mich dann mein weiteres Leben begleitet. Mädchen aus einem Betrieb und aus einer Versicherung brachten jede Woche Zigaretten, Kuchen, Apfelsaft, Lesestoff und freundliche Gesichter mit. Neben mir ist ein im I Weltkrieg hochdekorierter Feldwebel und Blutordensträger an Rückenmarkskrebs gestorben. Er hat mir viel über seinen Einsatz in der Kampfzeit der Zwanzigerjahre und über die spätere Machtübernahme durch Opportunisten und Konjunkturritter erzählt. Seine Frau hat drei Tage vor seinem Tod, gegen seinen Willen, einen Besuch des Gauleiters arrangiert. Es war eine peinliche Situation, da sich die beiden nichts zu sagen hatten. Ich konnte als junger Andersgläubiger hinter die Kulissen schauen. - Es war der einzige Gauleiter den ich in den ganzen Jahren gesehen habe. 30.1.1941. -17.2.1941. Überstellung ins Reservelazarett Hotel Sonnenbichl in Garmisch. Ab lo.2.1941. bekam ich schon fallweise Ausgang. In Garmisch fanden 1941. noch Winterspiele statt, an denen auch Sportler der Verbün25 24 deten teilnahmen. Schispringen auf der Olympiaschanze mit Bradl, Weiler, Finnen und Slowaken. Im Eisstadion ein Eishokeyspiel Berlin gegen Rissersee und Eiskunstlauf mit den Geschwistern Pausin, Horst Faber und Lydia Feicht. - Soviele Generale habe ich nie mehr auf einem Haufen gesehen. 18.2. - 3.3.1941. Entlassung aus dem Reservelazarett Hotel Sonnenbichl. Garmisch - München - Augsburg. Genesenden Batterie, Leichte Artillerie Ersatz Abteilung 27. Jeden Tag in der Küche Kartoffel geschält, aber nicht nur Kartoffel gegessen. 4.3. - 26.3.1941. Genesungsurlaub, viele Bekannte sind schon eingerückt. 30.3. - 5.4.1941. Zur Erholung auf der Schihütte der 27er auf der Alpe Obere Kalle in Thalkirchdorf bei Immenstadt. Das waren schöne Vorfrühlingstage. 6.4.1941. Deutsche Truppen marschieren in Jugoslavien und Griechenland ein. 18.4.1941. Jugoslawien hat kapituliert. 19.4.1941. Kv. kriegsverwendungsfähig geschrieben und als Hilfsausbildner zur dritten Batterie versetzt. 20.4.1941. Ein gleichaltriger Leutnant hat mich zu einer Freischützaufführung ins Stadttheater eingeladen. 17.5.1941. und 25.5.1941. Die Wolfurter Brüder Mohr Erwin (gefallen) und Mohr Ernst in der Kaserne in Augsburg/Pfersee besucht. 20.5.1941. Deutsche Fallschirmjäger und Gebirgsjäger landen auf Kreta. 5.6. -11.7.1941 Unterführerlehrgang, viel Theorie und viel Schinderei beim Fußdienst, Geschützexerzieren und bei Übungen. 22.6.1941. Deutsche Truppen marschieren in Rußland ein: 14.7. - 29.7.1941. Verlegung auf den Truppenübungsplatz Hohenfeis in der Oberpfalz zur weiteren Ausbildung. Bahnverladung Augsburg - Ingolstadt - Regensburg - Haindorf. 28km Marsch ins Lager Hohenfels, sturer Kommißbetrieb, Scharfschießen mit Geschützen und Infanteriewaffen, Nachtübungen und andere Spässe. 9.8. -24.8.1941. Heimaturlaub, gerade recht zum Heuen gekommen. 28.8. - 6.9.1941. Zu dritt Zugwache in den Nachtzügen München - Berlin und Berlin München gefahren. Am Vormittag jeweils ein paar Stunden in der Wehrmachtsübernachtung geschlafen, dann die beiden Städte gründlich besichtigt. Am 1.9.1941. anstatt zu schlafen nach Augsburg zur Einheit befohlen, Beförderung zum Unteroffizier, nachts wieder nach Berlin. 7.9. - 30.9.1941. Ruhiger Dienst, an manchen Tagen bis in die Lechauen ausgeritten. 1.10. - 2.10.1941. Versetzung zur Sturmartillerie. Augsburg - Nürnberg - Halle - Sturmartillerieschule Jüterbog südlich Berlin, weitere Versetzung Jüterbog - Halle - Erfurt -Meiningen - Schweinfurt. 3.10.1941.-13.2.1942. Sturmgeschütz Ersatz Abteilung 200 Schweinfurt/ Main. Umschulungslehrgang, Ausbildung zum Richtunteroffizier und Geschützführer, sturer Kasernendienst, viel Theorie, Übungen am Sturmgeschütz. Ein Sturmgeschütz war ein Panzer III ohne Turm, mit einer Kampfwagenkanone Kaliber 7,5cm kurz bis 1942 und 7,5cm lang ab 1943., einem Gesamtgewicht von 24 Tonnen und 4 Mann Besatzung: Panzerfahrer, Richtunteroffizier, Ladekanonier und Funker, Geschützführer. Geschützführer waren Unteroffiziere oder Wachtmeister, Zugführer Wachtmeister oder Offiziere. Die Sturmgeschützbatterien waren Heeresartillerie und wurden den Divisionen fallweise in den Brennpunkten zugeteilt, manchmal bei zwei Divisionen am gleichen Tag. Eingesetzt wurden die Sturmgeschütze als Infanteriebegleitartillerie und gegen Panzer und PAK. Es gab viele Übungen im Gelände mit Geschützen und Munitionsfahrzeugen. Die Lichtblicke waren aber die Funkübungen, die uns ins schöne Maintal bis Volkach und Bad Kissingen oder Würzburg und Kitzingen führten. Während der Traubenernte ist es uns da gut gegangen. Fliegeralarm gab es schon jeden Tag, aber abgeladen haben sie damals noch nicht, obwohl Schweinfurt eine Industriestadt war. Die Sturmartillerie war Großdeutschland. In meiner Stube waren ein Schlesier, ein Sudetendeutscher, ein Berliner, ein Holsteiner, ein Rheinländer, ein Schwabe und zwei Bayern. 23.10.1941. Gefechtschießen am Truppenübungsplatz Hammelburg. 22.12.1941. In Würzburg das Schloß, die Residenz und den Dom besichtigt. 24.12. - 25.12.1941.17h Mette in der Stadt. Abends in der Stube eine Kerze angezündet, eine Flasche Wein getrunken und ein Stück Kuchen von daheim gegessen - Heimwehstimmung - Wir waren nur ein paar Mann, da man bis 200km, über die Feiertage heimfahren konnte. 10.1. -22.1.1942. Winterausbildung am Truppenübungsplatz Wildflecken in der Röhn. Gefechtsübungen, Gefechtsschießen. Die Panzer erwiesen sich im Schnee als rutschgefährdete Schlitten, es war sehr kalt, wir hatten die ersten Erfrierungen. 23.1. -13.2.1942. Zur Marschbatterie versetzt, warten auf die Abstellung nach Rußland, 27 Unser Sturmgeschütz mit Langrohrkanone 26 ruhiger Dienst, aber große Unsicherheit. Russland: 14.2. - 24.2.1942. Ab nach Rußland. Schweinfurt - Hof - Dresden - einige Stunden Aufenthalt, Burg Zwinger und Residenzkirche besichtigt -Görlitz - Sagan - Glogau Lissa -Litzmannstadt - Koluszky -Warschau - Rembertov - Sieldce - Wolkovysk Baranowitsche -Minsk - Shlobin - Bobruisk - Gomel - Briansk - Karatschew -Orel. Das war die längste Bahnfahrt meines Lebens, mitten im Winter bei eisiger Kälte. Wir waren 43 Mann und hatten einen Waggon Winterbkleidung aus der Spinnstoffsammlung für die Fronteinheit dabei. Im Viehwaggon stand in der Mitte ein Ofen, geschlafen wurde auf dickem Stroh mit den Füßen am Ofen, an den Wänden stand cm dick der Rauhreif. In den großen Bahnhöfen waren zum Teil längere Aufenthalte und wir konnten in den Rotkreuz Stationen etwas Warmes, einen Kaffee oder eine Suppe bekommen und einigemale sogar dort schlafen. - Die Rotkreuzschwestern haben einen schweren Dienst geleistet. 25.2. -27.2.1942. In der Frontleitstelle Orel gewartet. Die LKW, die uns abholen sollten, sind wegen der Schneestürme nicht durchgekommen. 28.2.1942. Fahrt nach Bolchow, für 60 km Rollbahn 6 Stunden gebraucht, immer wieder Schneeschaufeln und Schieben. 3.Batterie, Sturmgeschütz Abteilung 202. Wir waren 3 Unteroffiziere bei einer Russenfamilie mit 3 Kindern mit Hungerbäuchen unter ärmlichsten Verhältnissen untergebracht, aber es war warm in der kleinen Hütte. Hier lagen Divisonsstäbe und der Nachschub an die Front ging wegen der Schneestürme und der Schneeverwehungen nur noch mit Schlitten oder Kettenfahrzeugen weiter. Auch die motorisierten Einheiten hatten Pferdestaffeln. 4.3. - 10.3.1942. Mit Kettenfahrzeugen Munition und Benzin auf den Stützpunkt Droschka bei Karada/Kowa an der Oka vorgefahren. 2km hinter der Front, Maschinengewehrfeuer, Granatwerfer und Artillerieeinschläge bildeten die Hintergrundmusik. Die paar noch stehenden Hütten waren mit Infanteriereserven total überbelegt. Nach zwei Tagen Stellungswechsel nach Kasminka zu einer Kampfgruppe mit zwei Sturmgeschützen. - Die ersten Läuse geknackt. - Vorne rumpelte es Tag und Nacht. Am Tag sind hier die Ratas (Doppeldecker) mit Bordwaffen am Werken, nachts werfen einzelne Flugzeuge Bomben ab. 11.3. - 12.3.1942. Feuertaufe bei der Sturmartillerie in Kriwzowo. Hier ist seit dem Winterrückzug aus Riasan südlich Moskau seit drei Monaten Stellungskrieg an der Oka. Von dem Dorf steht kein Haus mehr, ein paar Keller bieten etwas Schutz gegen Beschuß und Kälte. Die frisch eingetroffenen asiatischen Truppen greifen im Morgengrauen an und dringen in die Stellungen ein. Nach zwei Gegenstößen mußten sie die Stellungen mit schweren Verlusten wieder räumen. Da die Munition knapp war, konnten wir nur auf kurze Distanz schießen. Mein Nachbar hat einen T34 abgeschossen,wir ein PAK. Die russische Artillerie hat uns schwer zugedeckt, ich bekam einen Splitter an die Stirn, hatte aber nur einen blauen Fleck und eine Brandblase. (Der T34 war der Standardpanzer der Russen, mit einer Kanone Kaliber 7,62cm und war dem Sturmgeschütz in etwa gleichwertig. Wir haben ihn und er uns abgeschossen.) Nachts zurück nach Fadkewo und im Morgengrauen wieder vor. Die Russen haben mehrfach angegriffen und konnten mit schweren Verlu28 Russisches Dorf und «Rollbahn»-Straße während der Schlammzeit im Frühling. sten abgewiesen werden. Nachts wieder zurück nach Fadkewo. 13.3.1942. Ich wurde abgelöst und soll 6 Wochen an einem Lehrgang teilnehmen, solche Dinge gab es sogar an der Front. Bei Schneesturm mit Schlitten nach Kasminka und mit Munitionsfahrzeug zurück nach Bolchow. 16.3. - 24.3.1942. Beginn eines Kriegsoffiziersbewerberlehrganges, der schon nach einer Woche an den Realitäten des Krieges scheiterte. 25.3. -27.3.1942. Da die Schneeschmelze schon bald eintreten wird und dann alle Wege grundlos werden, wurde mit allen verfügbaren Kettenfahrzeugen Munition und Benzin auf den Stützpunkt Kasminka vorgefahren. 30.3. - 31.3.1942. Mit 3 LKW in Orel Bekleidung für die 112 Divison holen. Schneestürme, die Fahrt dauerte trotz des Einsatzes zahlreicher Schneepflüge und von tausenden Schneeschauflern, hauptsächlich Frauen, 10 Stunden. Die Rückfahrt verlief fast normal. Nach der Ankunft war Feiertag für mich, nach 6 Wochen gab es die erste Post von daheim. 3.4. - 5.4.1942. (Ostersonntag) Nocheinmal nach Orel Bekleidung holen. Am 4.4.1942. war die Rollbahn wegen Schneesturm gesperrt. Am 5.4.1942. sind wir nach Bolchow zurückgefahren und haben abgeladen. Zwei Stunden später mit Kettenfahrzeugen zum Stützpunkt Fadkewo vorgefahren. 6.4.1942. Ich sollte mit 2 Schlitten Munition und Benzin von einem vorgeschobenen Stützpunkt zur Kampfgruppe bringen, aber da war nichts mehr zu holen, das ganze Depot ist gestern Nachmittag durch Rata-Beschuß in die Luft geflogen. 7.4.1942. Vom Stützpunkt Fadkewo Munition und Benzin nach Kriwzowo vorgefahren. Vorne haben die Russen ihre Angriffe nach schwersten Verlusten eingestellt und sind über die Oka zurückgegangen. Es herrscht nur noch leichte Kampftätigkeit. 29 10.4. - 31.5.1942. Die Kampfstaffel wird abgelöst und nach Bolchow zurückverlegt. Ich bleibe allein mit Munition und Benzin am Stützpunkt Fadkewo zurück. Als erste Aktion habe ich Quartier möglichst weit weg von dem feuergefährlichen Depot gesucht. Verpflegt wurde ich bei einer Feldhaubitzbatterie. Die paar intakten Hütten waren ständig überbelegt, da die Infanteristen aus der vorderen Stellung fallweise kurz abgelöst wurden. Die armen Teufel konnten hier vier bis fünf Tage ausschlafen, sich waschen, den ärgsten Dreck von der Uniform kratzen, die Klamotten trocknen, Briefe schreiben und Läuse knacken. Hinter der Ortschaft war ein Fesselballon mit einem Artilleriebeobachter stationiert und von einer 2cm Flakbatterie geschützt. Bei Fliegerangriff sprang der Oberleutnant oft 4 bis 5mal am Tag mit dem Fallschirm ab. Der Ballon wurde mit Winden heruntergholt. Letzte Woche wurde der Ballon abgeschossen, die brennenden Fetzen hätten den Fallschirmspringer beinahe erwischt. Schon einen Tag später stand wieder ein neuer Ballon am Himmel. Mitte April hat die Schneeschmelze voll eingesetzt. Der Dreck wurde immer tiefer, die Dorfstraße war schon 10 Meter breit. Es kamen nur noch Pferde durch.Vorne aperten jetzt massenhaft gefallene Russen aus. Gefangene haben rund um Kriwzowo auf engstem Raum 1200 Tote zusammengetragen und eingegraben. Von meiner Batterie habe ich nichts mehr gehört. 30.4.1942. Ein Melder hat mir nach drei Wochen Post vorgebracht, 18 Briefe und 13 Päckchen a 100 Gramm. Anfangs Mai begann es langsam abzutrocknen, dazwischen immer noch Schneegestöber. Mitte Mai wurde es in ein paar Tagen grün. Am 20. Mai fuhren wieder die ersten Kraftfahrzeuge. 22.5.1942. Nach drei Wochen gab es wieder Post. Ich habe jetzt fast 7 Wochen am Stützpunkt verbracht. Es war eintönig und langweilig, beim Essenfassen habe ich immer wieder Nachrichten und neue Scheißhausparolen erfragt und hin und wieder eine Zeitung ergattert. Aber ich war fast ein Zivilist, ohne Vorgesetzte, ohne Zopf. Vorne war es relativ ruhig, bei den Fliegerangriffen ist zum Glück nicht viel passiert. 1.6. - 16.6.1942. Der Nachbarstützpunkt Kasminka wurde aufgelöst, ich bekam die Munition und den Benzin dazu. Gleichzeitig bekam ich drei Mann, um das explosive Zeug aus dem Häuserbereich auszulagern und zu tarnen. Vorne wird es wieder laut und die Fliegerangriffe nehmen zu. 17.6.1942. Alle Arbeit war wie üblich umsonst. Der Stützpunkt Fadkewo wird aufgelöst. Zehn LKW bringen Munition und Benzin zurück nach Bolchow. Der Barras hat mich nach mehr als drei Monaten wieder eingeholt. 22.6.-4.7.1942. Der Nachschub an Sturmgeschützen bleibt aus. Wir wurden an schweren Beute-Pakgeschützen, Kaliber 7,62cm, ausgebildet. Es waren Kruppgeschütze, die während des Hitler-Stalin-Paktes 1939 an die Russen geliefert wurden. 6.7.1942. Tag und Nacht schweres Artillerie- und Stalinorgelfeuer bis Trommelfeuer. Wir fanden Unterschlupf in einem guten Bunker, der nach einem Volltreffer bis auf die unterste Balkendecke abgedeckt wurde. Rundherum Einschläge, rechts von uns wurde eine vorgezogene Feldhaubitze getroffen, es gab Tote und Verwundete. In der Stellung vor uns gab es Angriffe und Gegenangriffe, aber die Stellungen konnten unter schweren Verlusten gehalten werden. 7.7.1942. Weiter schweres Artilleriefeuer. Gegen 10 Uhr beobachtete ich ein Panzerbereitstellung von 25 T34 und mehreren LKW in einer Mulde ca 1km vor uns. Das Angriffziel war noch unklar. Um 11 Uhr wurde das Artilleriefeuer zurückverlegt, der Angriff auf die vorderen Stellungen begann. Um 12 Uhr brachen 5 T34 links zwischen uns und einer 21cm Mörserbatterie durch. Die Infanterie ging zurück, 8 T34 stehen 150m vor unserer Stellung. Wir konnten 3 abschießen, dann bekamen wir 2 Treffer auf unser Geschütz. Von unseren 7 Mann sind 2 gefallen, einer ist am Hauptverbandplatz gestorben und 4 waren verwundet. Wir konnten durch einen Obstgarten zurückflüchten. Der hat uns wahrscheinlich das Leben gerettet, da die meisten Granaten in den Bäumen hinter uns krepiert sind. Nach einigen 100 Metern traf ich in einem mannshohen Roggenfeld auf zwei Verwundete von meinem Geschütz. Gleich darauf ging nach einer Salve der Stalinorgel ein Teil des Roggenfeldes links von uns inFlammen auf. Wir haben uns zu Dritt gestützt, der eine hatte Splitter im Gesicht, war aber noch gut zu fuß, ich hatte den Segen in der rechten Seite und der dritte in der linken Seite. Nach ca 1km konnte ich auf ein Pferdefuhrwerk aufsitzen. Weiter hinten hat mich dann ein Krad-Melder meiner Batterie übernommen und zum Hauptverbandsplatz Babinka gebracht. Dort war Verwundet: 5.7.1942. Alarm! Die Russen greifen an der Oka massiv an. Mit 4 Pakgeschützen und pro Geschütz 35 Schuß Munition vorgefahren. Bei drei Tieffliegerangriffen und einem Bombenangriff wurden 6 Mann verwundet, 2 Zugmaschinen und 1 Geschütz sind ausgefallen. Abends bei Plina, hinter der Infanterielinie in Stellung gegangen. Schweres Artilleriefeuer und laufend Tieffliegerangriffe. 30 Schlammschlacht. Menschenkraft macht den Munitions-LKW flott. 31 Massenbetrieb, die Ärzte hatten nur noch Papierverbände. Durch den Blutverlust bekam ich Schüttelfrost und konnte nicht mehr aufstehen. Die T34 kamen fast bis zum Hauptverbandsplatz durch und schössen schon in den Gegenhang. Da kam Angst und Panik auf. Die russischen Panzer haben in 10 Minuten unsere drei Pakgeschütze und die 21cm Mörserbatterie, die auch noch T34 im direkten Schuß erledigen konnten, zusammengeschossen. - Im Lazarett habe ich dann noch erfahren, daß ein T34,der unser Geschütz zusammenfahren wollte, darauf hängen geblieben ist und beim Gegenangriff abgeschossen wurde.- Unsere Kampfgruppe von 28 Mann hatte in den 3 Tagen 22 Tote und Verwundete und die gesamte Ausrüstung verloren. Durch Stuka-Angriffe und einem Gegenstoß von 30 Panzern der Korpsreserve konnte der Einbruch am Nachmittag, mit schwersten Verlusten auf beiden Seiten bereinigt werden. Die Russen verloren 22 Panzer. Am Nachmittag wurde ich mit einem LKW mit eingebauten Tragbahren nach Bolchow zurückgebracht und nachts mit einer leeren Munitionskolonne nach Orel zurückgefahren. Das war, vor allem für die Schwerverwundeten, eine fürchterliche Fahrt über 60km Rollbahn. 8.7. - 17.7.1942. Feldlazarett 156 Orel. Ärzte und Sanitäter sind schon drei Tage und Nächte im Einsatz. Alle Gänge und der Hof liegen voll mit Verwundeten und es kommen laufend neue aus der Schlacht im Orelbogen. Nach zwei Tagen kam ich unter Dach. Mein Befund lautete: 30 lOPfennig bis 5Markstückgroße Splitterverletzungen am rechten Unterschenkel, Oberschenkel, Unterarm, Oberarm und im Rücken, zahlreiche kleine Splitter in beiden Händen und Trommelfellzerreißungen. Außer einer Wolldecke besaß ich nichts mehr. In einem Mückennetz hatte ich mein Soldbuch, mein Tagebuch, mein Sackmesser und meinen Geldsäckel gerettet. Da ich meine Hände nicht gebrauchen konmnte, war ich voll auf fremde Hilfe angewiesen. Dienstverpflichtete Tänzerinnen des Oreler Baletts haben uns vorbildlich betreut. Vorerst wurden laufend Schwerstverletzte abtransportiert. 18.7. - 21.7.1942. Nachts in einem behelfsmäßigen Lazarettzug, zwei Bretter von Bank zu Bank, links und rechts ein Strohsack, verladen. Jetzt besaß ich schon ein Hemd und eine Decke. Orel - Briansk - Gomel - Minsk - Baranovitschi - Brest/Litowsk - Deblin/Irena. 22.7. -29.7.1942. Reservekriegslazarett Stenzyca, eine saubere, helle, polnische Kaserne mit freundlichen Rotkreuzschwestern. Mein Fuß war stark angeschwollen, das Röntgenbild zeigte einen ziemlich großen Splitter zwischen Schienbein und Wadenbein, ich bekam eine Schiene. Die Ohren machten aber viel mehr Schwierigkeiten als die Wunden. Beim Reinigen der mit Blut gefüllten Ohrgänge bekam ich massive Gleichgewichtsstörungen. - An meinem Geburtstag, am 29.7.1942., haben mir die Schwestern Kakao und Keks gefüttert. 30.7. -1.8.1942. In einen Lazarettzug mit weißen Betten verladen. Deblin/Irena - Radom - Kattowitz - Hindenburg - Gleiwitz -Neiße - Kamenz - Königszelt - Dresden - Plauen - Hof -Lichtenfels - Haßfurt - Schweinfurt - Würzburg Aschaffenburg. 2.8. - 7.10.1942. Reservelazarett Aschaffenburg, Luisenschule. Gute Betreuung, nach 3 Wochen sind die Ohren langsam abgeheilt. Rechts war das Hörvermögen stark eingeschränkt. Es gab viel Fliegeralarm, aber keine Bomben. Langsam wird man wieder ein normaler Mensch.32 20.8.1942. Der große Splitter wurde herausoperiert. 31.8.1942. Verleihung des EK I für den Einsatz im Orelbogen. Verleihung des Verwundetenabzeichens. Anfangs September erster Ausgang, Mitte September nach Dorf/Kassel und später nach Mittelgründau gefahren und die Quartierleute vom Winter 1940/41 besucht. - Der Fuß macht immer noch Schwierigkeiten. Urlaube: 8.10. - 30.10.1942. Entlassung aus dem Lazarett und Genesungsurlaub. Aschaffenburg - Hanau - Frankfurt - Stuttgart - Bregenz. Es gab eine große Ansammlung von Genesungsurlaubern, Fronturlaubern und Sonntagsurlaubern.: Schedler Edelbert, Kaplan Giesinger, Geiger Emil, Klocker Armin, Füchsl Manfred, Herburger Georg, Köb Vinzenz, Höfle Heinrich, Kalb Alfons, Köb Erna, Rohner Siegfried und Thaler Sigbert. Zufällig habe ich Hans Kohler vom Wehrkreiskommando getroffen, der mich über die Möglichkeiten eines Studienurlaubes für Forstwirte und eines Ernteurlaubes informierte. Gleich um einen Ernteurlaub angesucht, der vom Ortsbauernführer befürwortet wurde, aber der Urlaubschein kam zu spät und ich mußte einrücken. Bregenz - Innsbruck - München - Regensburg - Hof - Dresden -Brieg - Neiße/Oberschlesien. Genesenden Batterie, Sturmgeschütz Ersatz Abteilung 300. 30.10. - 20.11.1942. In Neiße noch am gleichen Tag den Urlaubschein für den Ernteurlaub bekommen und noch in der Nacht abgefahren. Obsternte, Mosten, Düngen, Holz machen. Beim Einrücken am 20.11.1942. am Bahnhof Breslau Franz Amann (Postmeisters) getroffen. Gerade ein Bier miteinander getrunken, dann mußten wir wieder zu unseren Zügen. 21.11. -1.12.1942. Genesenden Batterie Sturmgeschütz Ersatz Abteilung 300. 23.11. -1942. Ein Ansuchen um Studienurlaub gestellt, es kommen aber nur Leute in Frage, die gvh (garnisonsverwendungsfähig Heimat) sind. Ein junger Truppenarzt schreibt mich kv (kriegsverwendungsfähig) - Aus der Traum .24.11. - 25.11.1942. Wachhabender, der Fuß ist in den 24 Stunden stark angeschwollen. Der junge Arzt ist versetzt worden, sein Nachfolger ist ein älterer Herr. Der mir gut gesinnte Sanitäter, ein Medizinstudent, hat den kv-Bescheid verschwinden lassen und mich neuerlich zur Untersuchung bestellt. 26.11.142. Der Arzt schreibt mich auf Grund des schlechten Fußes und väterlicher Gefühle drei Monate gvH. Sofort ein neues Gesuch geschrieben. 30.11.1942. Rapport beim Kommandeur, Hurra, der Urlaub ist trotz Stalingrad, genehmigt. 2.12.1942. - 2.4.1943. Studienurlaub in Wien. Mit meinem Kameraden Rudi Kriznic aus Wien, der Landwirtschaft studierte, noch in der Nacht nach Wien abgefahren. Neiße - Kamenz - Glatz - Brunn - Wien. Es verband uns dann eine 47 jährige Kameradschaft und Freundschaft, die 1990 durch seinen Tod beendet wurde. 4.12.1942. An der Hochschule für Bodenkultur, Forstwirtschaft inskribiert. Damals wurde Wien erst ab 23 Uhr verdunkelt, an Fliegerangriffe dachte noch niemand. Das Studium haben wir wegen der Frontlage, der Schlacht um Stalingrad, nur zaghaft angefangen, da wir jeden Tag mit der Rückholung rechnen mußten. 33 Stalingrad ist am 3.2.1943. gefallen. Wir waren praktisch Zivilisten in Uniform und mußten in den 4 Monaten nur zweimal zu einem Zählapell und Befehlsempfang erscheinen. Bei der Stadtkommandatur war ein Leutnant Raschke für uns ca 2000 Studienurlauber zuständig. Er hat uns sehr großzügig bei der Quartierbeschaffung beraten und uns billige Theaterkarten und viele andere kleine Annehmlichkeiten verschafft. Als Vorarlberger erhielt ich drei Zwischenurlaube vom 20.12.1942. - 4.1.1943., vom 2.3. -19.3.1943. und vom 28.3. - 31.3.1943., die nicht ins Soldbuch eingetragen wurden. Wir haben diese unerwarteten und fast unglaublichen Vergünstigungen mit großer Begeisterung wahrgenommen und haben Theateraufführungen in der Staatsoper, der Volksoper, im Burgtheater, im Volkstheater, im Theater in der Josefstadt, im Redutensaal, im Ronacher und im Apollo besucht. Selbstverständlich habe ich auch viele Sehenswürdigkeiten zwischen Stephansdom und Klosterneuburg und vom Riesenrad bis zum Kahlenberg gesehen. Wir haben aber nach einer Anlaufzeit auch studiert und zwei Prüfungen abgelegt. In dieser Zeit hat Schedlers Edelbert seine Gesichtsoperationen im Rudolfspital durchgmacht, Köb Alwin war als Sanitäter in Wien und meine Cousine Eva Böhler aus Bregenz hat als Arbeitsmaid in Wien gedient. Wir haben manchen lustigen Ausgang und Theaterbesuch miteinander unternommen. Als Studienurlauber bekamen wir 100 Reichsmark pro Monat, das war damals viel Geld. Der gelbe Straßenbahnfahrschein für Kinder, Soldaten und Hunde kostete 15 Pfennige. Das waren geschenkte 4 Monate mitten im Krieg und wir waren dankbar für diese unverhoffte Fügung. Nach dem Krieg haben wir erfahren, daß unser Betreuer Raschke zur Wiederstandsgruppe des Majors Szokoll gehörte. Er wurde nach Verrat als Oberleutnant, zusammen mit Major Biedermann und Leutnant Huth, während der Kämpfe in Wien, in Floridsdorf Am Spitz, öffentlich von der SS an einer Hinweistafel der Straßenbahn aufgehängt. 1.4. - 2.4.1943. Von daheim wieder zur Genesendenbatterie eingerückt. 13.4. - 4.5.1943. Zur Marschbatterie versetzt, nicht viel los, stur warten. 5.5. - 9.5.1943. Versetzung zur Neuaufstellung der selbsständigen Sturmgeschütz Batterie 741. Neiße - Breslau - Frankfurt/Oder - Berlin - Jüterbog. Die Batterie liegt in Kloster Zinna bei Jüterbog in Privatquartieren. Finnland: 10.5. -17.5.1943. In eineinhalb Stunden marschbereit, ein Leutnant, zwei Unteroffiziere und ein Obergefreiter gehen als Vorkommando nach Nordfinnland. Jüterbog - Berlin - Güstrow - zurück nach Berlin. Da unser Obergefreiter ein Berliner war, haben wir uns beidemal in Berlin Zeit gelassen und sind ordentlich ausgegangen. Insterburg - Tilsit - Memel - Mitau - Riga - Walk - Reval. Schöner Stadtkern mit Schloßberg, alten Kirchen und russischer Kathedrale. Mit dem Handelsschiff Bremerhafen in 8 Stunden bei völlig ruhiger See nach Hangö übersetzt. Weiter mit der Bahn Turku - Tampere - Oulu - Kemi - Rovaniemi. 18.5. -19.5.1943. Im Hauptquartier der Finnlandfront gemeldet und im Edelweißlager geschlafen. Am Polarkreis den vollmotorisierten Soldatensender Rovaniemi besichtigt. 20.5. - 22.5.1943. Mit der Bahn zurück nach Oulu und dort in der Frontleitstelle 2 Tage 34 auf eine Fahrgelegenheit gewartet. Die Stadt und den Hafen besichtigt. - Die Oberschwester des Soldatenheimes wurde unter großem Hallo als Mitschülerin eines Kameraden vom Vorkommando identifiziert. So haben wir zwei nette Abende mit den Rotkreuzschwestern aus Schleswig/Holstein mit Musik und Grog gefeiert. 23.5. - 24.5.1943. Mit Bus LKW und Kübelwagen, Oulu - Taivalkoski - Kuusamo Kananainen. Das sind 400km an die Front. 25.5. - 2.6.1943. Im Korps Hauptquartier der Kiestinki Front gemeldet und die weiteren Dinge abgewartet. Hier waren wir gut untergebracht, es hat uns niemand gestört und verpflegt wurden wir wie die hohen Tiere. 3.6. -7.6.1943. Inzwischen ist die Batterie auf dem Seeweg von Danzig in Oulu eingetroffen und nach Kiminki, 20 km von Oulu verlegt worden. Wir sind die 400 km mit zwei VW Kübelwagen zurückgefahren, sind in Kiminki durchgefahren und haben die Schwestern noch einmal besucht. Am Nachmittag haben wir uns dann bei der Batterie gemeldet, unsere Geschütze übernommen und wieder Dienst gemacht. 8.6. -14.6.1943. Wegen eventueller Fliegerangriffe in 60 bis 80 km Nachtmärschen an die Front vorgefahren. Kiminki - Putasjärvi - Taivalkoski - bei einem Waldbrand eingesetzt - Kuusamo, hier wurde uns eine Flak Batterie zugeteilt - Kananainen - Waldlager Kokosalmi. 15.6. - 5.9.1943. Das Waldlager ist erst halbfertig, aber die Baraken haben bereits Dächer. Lagerausbau, Splittergräben bauen, Bunker bauen, holzschlägern für Geschützunterstände, dazwischen Barrasspinnerei, fischen und fischeräuchern - Mücken - Mücken Mücken. 16.6.1943. Zwei Gebirgsjägergenerale besichtigen die Sturmgeschütze 25.6.1943. Zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt. Anfang Juli können die Pritschen bezogen werden, wegen der Läuse ohne Stroh. Mitte Juli wurden die Heidelbeeren reif, das war eine gute Zubuße zur kargen Kost. Jetzt am Höhepunkt der hellen Nächte konnte man auch baden gehen, Seen gab es ja rundum. Geländeübungen wurden nur drei- bis viermal durchgeführt, im Sumpfgelände und auf den Granitbuckeln gab es mehr Schäden als im Fronteinsatz. 17.7. 1943. Generaloberst Dietl kommt zur Besichtigung, klettert in einem Geschütz herum und verteilt Zigaretten, Schokolade und Schnaps. 21.7.1943. Ein russisches Kommando greift das Lager an, bei uns fällt der Obergefreite vom Vorkommando, die Russen verlieren einen Toten und einen Gefangenen. Auf einer einzelstehenden hohen Kiefer, auf einem Felsbuckel war ein Beobachtungsstand. Ich bin dort manche Stunde mit dem Posten gesessen und habe in die Runde geschaut. Rundum war Wald, soweit das Auge reichte, dazwischen über 30 Seen, zivile Gebäude waren nur drei zu sehen. Den Städtern hat das zum Teil nicht gut getan, sie haben den Urwaldkoller bekommen. Zur Abwechslung gab es Fußdienst, Härtetraining, Biwakieren im Sumpfgelände etc. Der kurze Sommer geht zu Ende, die Nächte werden wieder dämmerig. Vom Krieg haben wir nicht viel gemerkt, außer ein paar Fliegerangriffen. Wir sollten ja erst im Winter über die gefrorenen Seen eingesetzt werden. 15.8.1943. Im Korps Hauptquartier Kananainen habe ich meinen Nachbarn Kaufmann Johann getroffen. 35 2.9.1943. Ein schwerer Reif, die Birken wurden gelb. Bei unserer Ankunft Ende Mai ist gerade das Eis auf den Seen aufgegangen. - Ein kurzer Sommer. 6.9. -12.9.1943. Heimaturlaub, mit LKW und Omnibus die 400 km zurück nach Oulu gefahren und dann mit der Bahn weiter. Seinejoki - Tampere - Turku - Hangö. Mit dem Handelsschiff Nordenham fuhren 1200 Urlauber bei spiegelglatter See nach Reval. 13.9.1943. In Reval den Urlaubsschein für 24 Tage und 6 Reisetage bekommen. Reval Walk - Riga - Mittau - Libau - Grottingen -Insterburg - Königsberg -Frankfurt/Oder Halle - Nürnberg -Augsburg - Bregenz an 16.9. 0,45. 27.9. -1.10.1943. Telegramm, Urlaub abbrechen, Einrücken nach Königsberg. Bregenz - München - Nürnberg - Halle - Frankfurt /Oder -Königsberg. Bei der Stadtkommandatur gemeldet und weitere Befehle abgewartet, die Stadt besichtigt, und in der Oper Hochzeit des Figaro und Waffenschmied besucht. Mit Mädchen ins Gespräch gekommen, die Nachkommen von vertriebenen Salzburger Protestanten waren. 2.10. -5.10.1943. Ab nach Danzig/Neufahrwasser und dort weiter warten. Die Stadt besichtigt und im Stadttheater Gasparone besucht. 6.10. -10.10.1943. Gegen Abend läuft das größte deutsche Handelsschiff Neidenfels ein. Die Batterie wurde mit anderen Einheiten in Oulu verladen und ist auf dem Seeweg nach Danzig gekommen. Die Mannschaften gehen von Bord, die nächsten zwei Tage wird das Gerät ausgeladen. Am 9.10. mittags erfolgte ein schwerer Luftangriff von über 90 viermotorigen Bombern, das Hafenglände wurde schwer getroffen, auf der Neidenfels wurde ein Flakgeschütz samt Bedienung vernichtet. Bei uns war nur ein Waggon mit Munition beschädigt. 11.10. - 2.12.1943. Bahnverladung, Danzig - Dirschau - Königsberg - Deutsch/Eytkau Wirballen - Wilna. 15.10. - 31.10.1943. Beim Barras war vieles möglich, ich konnte den abgebrochenen Urlaub fortsetzen. Wilna - Kauen - Wirballen - Königsberg - Frankfurt/Oder -Berlin - Halle - Nürnberg Augsburg - Bregenz. Vom 18.10. bis 28.10. daheim. Rückfahrt über München - Regensburg - Plauen -Leipzig - Berlin - Königsberg - Wilna. 1.11. - 2.12.1943. Kasernenbetrieb in Wilna. Stadt besichtigt, mit Blitzmädchen (Nachrichtenhelferinnen) ein Batteriefest gefeiert, in der Oper Madame Butterflay, Rigoletto und La Traviata gesehen. Winterkrieg und Rückzug in der Ukraine: Alarm!.Bahnverladung, Wilna - Grodno - Bialystok Brest! Litowsk- Kowel - Kiwerse Rowno - Schepetowka -Berditschew - Kasatin. 6.12. - 23.12.1943. Weitermarsch auf der vereisten Rollbahn Kasatin -Rushin Schmerowka - Skwira - Biala/Cerca, südlich Kiew. Rege Fliegertätigkeit, die Russen greifen am Tag mit Bordkanonen und nachts mit Bomben an. Mehrere Luftkämpfe gesehen. Dann ruhiges Leben auf einem Stützpunkt. 24.12.1943. Ein Kraftfahrer brachte ein paar kleine Fichtenäste mit. Wir haben aus vier kleinen Ästen und einem Stecken mit Faden einen kleinen Christbaum gebastelt. Es gab Post und Päckchen von daheim und als Sonderverpflegung Schnaps, ein paar Kekse und eine Tafel Schokolade. Es herrschte gedrückte Stimmung. 25.12.1943. -19.4.1944. Die Russen greifen auf breiter Front an und brechen durch. Der große Winterrückzug beginnt, Biala/Cerca - Skwira - Rushin - Kasatin, ein unvorstellbares Durcheinander, wir beziehen immer wieder Sicherungsstellungen an der Rollbahn nach Kiew und werden ohne Feindberührung weiter zurück verlegt. 28.12.1943. Schwere Einsätze östlich Kasatin, einen T34 mit aufgesessener Infanterie auf 200 m abgeschossen, ein eigenes Geschütz ging verloren, die Besatzung kam durch. Am Abend weitere Panzerduelle. 29.12.1943. Nach einer Stunde Schlaf, Alarm! Rückzug unter Beschuß. Gegen Morgen war die Batterie und der Troß vor Kasatin eingeschlossen. Kurze Umgruppierung, zwei Sturmgeschütze, dazwischen einige LKW, dann wieder zwei Sturmgeschütze u.s.w. und im Morgengrauen Durchbruch durch die russischen Infanteriestellungen an den Südrand von Kasatin. Dabei ist nur ein VW-Kübelwagen verlorengegangen. Dann den ganzen Tag Einsätze gegen Infanterie und Pak. 30.12.1943. In schwerem Granatwerfer- und Pakfeuer Gegenangriffe bei Kasatin. Der Batterieschef und ein Richtunteroffizier sind gefallen, drei Mann wurden verwundet. Nachts haben wir die beiden Toten in einer aus dem gefrorenen Boden gesprengten flachen Mulde notdürftig begraben. 31.12.1943. Wieder einige Gegenangriffe gefahren und die Stellungen gehalten. Am Abend nach einer kurzen Ruhepause wieder Alarm, die Russen sind schon im Dorf, einige T34 schießen auf kurze Distanz. An einem Hang sind unsere letzten zwei Geschütze auf der Eisfahrbahn hängengeblieben. Wir legten die Ersatzkettenglieder unter und zogen sie immer wieder nach vorn. So konnten wir Meter für Meter den Hang 37 Winterrückzug 36
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Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1988 19.11.2012, 18:20 Heft 2 Zeitschrift des Heimatkundekreises Nov. 88 Handwerker. «Schnidarles» Schreinerei an der Schulstraße 1912. Meister und Gesellen arbeiteten bei gutem Wetter im Freien. Inhalt: 4. Entwicklung der Wirtschaft I. (Volaucnik) 5. Hofsteiger Bauern (Heim) 6. Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren (Natter) Gewerbe im vorigen Jahrhundert DIE AUTOREN: Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alexander Natter, geboren 1952, ist in Wolfurt aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Lehrer an der Berufsschule in Bregenz und leitet in Wolfurt das Katholische Bildungswerk. Die Bilder: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983, und Nachdrucke aus Ernst Mummenhoffs «Der Handwerker», 1924; und aus privaten Sammlungen. Unter diesem Titel hielt Mag. Volaucnik am 27. September 1988 einen Vortrag im Kultursaal, der den Zuhörern die Veränderungen der Einnahmequellen der Bevölkerung im Laufe der Zeit bewußt machte. Wir beginnen heute mit dem Abdruck des Manuskriptes. Der Leser möge nicht vergessen, daß das arme Bauerndorf Wolfurt im Jahre 1809 nur 1.143 Einwohner und auch 1880 erst 1.623 Einwohner zählte, während die industrialisierte Marktgemeinde heute fast 7.000 Einwohner beherbergt. Christoph Volaucnik I. Wirtschaft 1.1 Landwirtschaft Die Landwirtschaft bildete im 18. und 19. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung den Haupterwerbszweig und prägte die Lebenssituation, den Alltag und die Sozialstruktur des Dorfes. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kam es in der Agrarstruktur der Hofsteiggemeinden zu einem Umbruch. Während Jahrhunderten erfolgte der Getreideanbau in gemeinschaftlichem Feldbetrieb und wurde die Weide gemeinsam benützt. In Wolfurt, wie übrigens auch in den anderen Hofsteiger Gemeinden, wurde eine Dreifelderwirtschaft geführt, die auf einem Wechsel von Anbau und Brache aufbaute. Im 18. Jahrhundert gab es in Wolfurt 4 bedeutende Felder:1 das Unterfeld, das hochgelegene Oberfeld, das Weidach- und das Flotzbachfeld. In einem Turnus wurde das Brachfeld auf dem Unterfeld und dem Oberfeld abgewechselt, während die anderen Felder mit Korn und Hafer bebaut wurden. In einem Bericht von 1793 wurde der Erdäpfel- und Türkenanbau als nachteilig für das Dreifeldersystem bezeichnet. Der Türken wurde damals fast nur auf dem Brachfeld gepflanzt und der vermehrte Anbau dieses immer wichtiger werdenden Nahrungsmittels setzte dem uralten Dreifeldersystem ein Ende. Eine Weide in den Feldern war durch den Türkenanbau nicht mehr möglich, sodaß es 1792 zur Aufhebung der Weide im Gebiet der Gemeinde Wolfurt kam. Diese Aufhebung der Weide erfolgte nach einer geheimen Abstimmung am 24. August 1791. Trotz des klaren Ausgangs der Abstimmung beschwerten sich die Mehrerauer Lehensbauern beim Abt der Mehrerau, daß sie durch die Aufhebung der Weide ihre Felder nicht mehr instandhalten können, da ihre Felder zu weit auseinanderliegen. Über den Umfang des Ackerbaus, die für den Ackerbau verwendete Grundfläche und die Ernteergebnisse sind leider nur wenige Unterlagen vorhanden. Als einzige brauchbare Quelle stehen die Erinnerungen des Feldvermessers und letzten Klosterammanns der Mehrerau, Mathias Schneider, zur Verfügung. Er erwähnte für 1814 folgende Getreidearten mit bebauter Fläche:2 Vesen Hafer Roggen Weizen 77 34 3 0 Jauchart Jauchart Jauchart Jauchart Gerste 5 Jauchart Erdäpfel 49 Jauchart Hanf 9 Jauchart Türken 77 Jauchart (Anmerkung: Ein Jauchart entspricht in Hofsteig 44,59 Ar) 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Besitzer von n-Kühen Jahr 1785 1794 1846 1888 Besitzer Total 148 139 288 213 Kühe Total 317 343 358 426 1 28 27 98 2 86 61 82 3 28 28 22 4 11 11 2 5 3 8 2 6 1 2 2 2 7 Durchschnittliche Zahl pro Besitzer 2,26 2,10 1,70 2,00 Prozentzahlen Kühe 1785 1794 1846 1880 1 14,2 19,4 47,1 2 61,4 43,8 39,4 3 14,2 20,1 10,5 4 7,8 7,9 0,9 5 2,1 5,7 0,9. 6 0,7 1,4 0,9 Weizenschnitt mit Schnidarles Rudolf und seinen Helfern 1940 im Ried Ein weiterer Hinweis findet sich in den Erinnerungen des Malers Engelbert Köb, der über seine Jugendzeit berichtet.3 Für die Zeit 1870-80 gibt er an, daß die Felder zwischen Wolfurt und Lauterach, auf denenjetzt geheut wird, mit Hanf, Hafer, Weizen, Gerste und Türken bebaut waren. Er berichtet, daß man im Spätsommer vor lauter Türken in den Feldern den Himmel nicht mehr gesehen habe. Köb gibt also selbst den Hinweis, daß sich ab 1870 die Landwirtschaft von Getreideanbau zu reiner Viehzucht gewandelt habe. Diese Umwandlung dürfte mit der Einfuhr billigen Getreides nach Eröffnung der Vorarlbergbahn und der Arlbergbahn in engem Zusammenhang stehen. Gegen diese billigen Importe war der Anbau in Vorarlberg nicht mehr konkurrenzfähig, während die Nachfrage nach gutem Vieh und Milchprodukten gestiegen sein dürfte. Neben dem Ackerbau waren die Viehzucht und die Milcherzeugung eine wichtige Einnahmequelle und Ernährungsgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung. Es wäre aber verfehlt, die heutige Viehzucht mit Hochleistungsrindern als Bezugsrahmen für die Landwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zu nehmen. Kleinbäuerliche Substinenzwirtschaft dominierte die Landwirtschaft, da die Erträge aus der Milcherzeugung in der Selbstversorgung der Bauernfamilien aufgegangen sein dürfte. Die Bauern verfügten in der Regel nur über ein bis zwei Kühe, sodaß ein Verkauf der Milcherträge bzw. des Tieres kaum möglich war. Anhand der Angaben in den Vermögenssteuerbüchern von 1785, 1794 und 1846 können folgende Angaben über die Betriebsgrößen nach Kuhbesitz gemacht werden:4 4 Interessanterweise ändern sich die Betriebsgrößen und die durchschnittliche Zahl der Kühe pro Besitzer in diesen knapp 100 Jahren kaum. Einen kleinen Einbruch gibt es nur im Jahre 1846 als der Durchschnitt auf 1,7 Stück pro Besitzer abfiel. Bei einer genaueren Durchsicht der Steuerbücher fällt unter der Bauernschaft eine kleine Gruppe von «Mittelbauern» auf, die über 4 bis 5 Stück verfügen. Im Dorf gab es aber nur wenige «Großbauern», die neben einem sehr großen Viehbestand auch über beachtlichen Grundbesitz verfügten. Die wenigen bedeutenden Bauern hatten auch Alprechte im Bregenzerwald für die Sommerung ihres Viehs. Während 1785 nur die zwei reichsten Bauern im Dorf Weiderechte am Hirschberg hatten, werden 1794 bereits 8 Bauern genannt, die über Alpweiderechte verfügten, wobei 3 auf die Alpe Hirschberg, 4 auf die Alpe Ries und 1 auf die Alpe Kreyen (Egg) fallen. Auch die Handwerker besaßen Vieh und landwirtschaftliche Fläche. Neben den Kühen gab es in der Landwirtschaft natürlich weiteren Viehbesitz, der sich im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stark vermehrte. Dazu einige Zahlen:5 Jahr 1807 1869 1880 1910 1923 Pferde 46 56 38 88 56 Rinder 49 Kälber 36 178 249 314 Schafe 2 20 35 248 Ziegen Schweine Stiere 1 5 1 19 113 406 12 235 209 192 427 206 5 Seit der Jahrhundertmitte kam es zu Verbesserungen in der Landwirtschaft Vorarlbergs. Der Vorarlberger Landwirtschaftsverein versuchte, durch Vorträge, Kurse und Ausstellungen die Bauern über die Errungenschaften der modernen Agrarwirtschaft zu informieren. Wie aus den Jahresberichten und dem Wochenblatt des Landwirtschaftsvereins hervorgeht, wurden auch in Wolfurt Vorträge von Wanderlehrern des Landwirtschaftsvereins abgehalten. Aus diesen Vorträgen entwickelte sich in einigen Vorarlberger Gemeinden Landwirtschaftliche Fortbildungsschulen. Auch in Wolfurt wurde von Wendelin Rädler 1869 die Gründung einer solchen Schule erörtert. In der Gemeindesitzung vom 11.6.1869 wurde dieser Antrag abgelehnt. Im Protokoll wurde dazu folgendes vermerkt: «(diese Schule) ist im Volk unbekannt und nicht für notwendig erachtet, da die Landwirtschaft regelmäßig betrieben wird.»6 Einen bedeutenden Fortschritt für die Wolfurter Landwirtschaft bedeutete die Gliederung der Sennereigenossenschaft im Jahre 1871. Diese Genossenschaft begann mit 34 Mitgliedern und verarbeitete in ihrer ersten Arbeitsperiode 47.513 Maß Milch. Im Betriebsjahr 1874 hatte sich der Mitgliederstand auf 48 Personen erhöht und 53.210 Maß Milch wurden zu 4.825 Pfund Butter, 9.212 Pfund Käse, 4.826 Pfund Zieger und 39.906 Maß Molke verarbeitet.7 und Geräte. So wurde im Jahresbericht des Landwirtschaftsvereins angegeben, daß der Mechaniker Fischer 6 Getreideputzmühlen mit Handbetrieb und der Mechaniker Dür 5 Dreschmaschinen, 4 Getreideputzmaschinen und 5 Strohstühle im Berichtsjahr 1871 erzeugt hatten.9 Es wurden durch die Gemeinde auch der Obstanbau und die Bienenzucht gefördert. 1897 wurde in einer Gemeindeausschußsitzung über den Nutzen des Obstanbaus diskutiert und festgestellt, daß dieser «für die Lehrpersonen ebenfalls lohnend wäre in die Hand genommen und mit den Schülern praktiziert werden solle .. .»10 Wendelin Rädler erreichte, daß die Gemeinde für die Bepflanzung der Gemeindegründe 50 Birnenbäume bestellte und einpflanzen ließ." Rädler war auch der Initiator einer Gemeindebaumschule, die der Bevölkerung die theoretische und praktische Obstbaumpflege näherbringen sollte. Er konnte 1899 die Verwendung der Inselgründe als Gemeindebaumschule im Gemeinderat durchsetzen. Diese Obstbaumpflanzungen sollten das Ortsbild von Wolfurt in unserem Jahrhundert entscheidend prägen. Das nunmehr vorhandene Obst hatte nicht nur als Grundsubstanz für den Most eine Bedeutung, sondern war für die Nahrungs- und Vitaminversorgung der Bevölkerung wichtig. 1897 wurde auch von den Lehrern und den Lehrschwestern für Anschauungsszwecke ein Bienenhaus errichtet, um die Schüler praktisch in die Bienenzucht einzuführen. Die Unkosten für die beiden Bienenhäuser wurden mit Gemeindemitteln bestritten.12 1.2 Handwerk Über die Geschichte und die Bedeutung des Wolfurter Handwerks im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert haben sich nur wenige Quellen erhalten. Bei der Darstellung der Handwerksgeschichte des Dorfes sind wiederum die Vermögenssteuerbücher 1755, 1771, 1785, 1794, 1816 und die Erwerbssteuerverzeichnisse von 1838 und 1881 als Quellen heranzuziehen.1 Aus diesen Steuerbüchern wurde folgende Strukturdarstellung des Handwerks versucht: 1755 3 1 1771 1 1 1 1 1785 1 2 2 1 1794 1 1 1 1 3 2 1 3 1838 4 3 1 3 3 1 1 1 4 1 3 2 1846 2 3 1 1 1 1 1 3 2 5 1 1881 5 1 3 3 1 2 3 2 1 5 3 1 1 7 Metall Nahrung Bau Auch der Viehbestand in Wolfurt stieg ab 1870 enorm an. Die Gemeinde unterstützte diese intensive Viehzucht mit dem Ankauf von Zuchtstieren. Einzelne Bauern erhielten für den Ankauf des Zuchtstiers von der Gemeinde das Geld, mußten das Tier den Gemeindeangehörigen aber zur Verfügung stellen. 1873 wurden beispielsweise wegen der ungenügenden Zahl von Stieren und der ständig steigenden Zahl an Rindern und Kühen von der Gemeinde 4 Stiere eingekauft.8 Die in Wolfurt ansässigen Mechaniker und Schlosser verfertigten besonders für die Landwirtschaft Maschinen 6 Schmied Schlosser Mechaniker Müller Bäcker Metzger Melber Zimmermann Schreiner Steinmetz Maurer Ziegler Glaser Spengler Ofensetzer 2 2 2 1 1755 Textil Leder Weber Schneider Schuster Strumpfwirker Sattler/Tapezierer Gerber Stricker Seiler Hafner Wagner Drechsler Küfer Barbier/Friseur Stickferker 2 1 2 1771 1 2 2 1785 1794 1 2 1 3 1838 1 2 1 1846 1881 1 3 4 1 10 1 1 2 1 1 1 1 1 4 1 1 1 1 1 1 2 - 2 Wie man in der Tabelle sieht, war die Berufsstruktur im ausgehenden 18. Jahrhundert auf die Bereiche Metall-, Holz-, Leder- und die in einem eigenen Kapitel noch zubehandelnde Textilverarbeitung beschränkt. Eher gering ist der Bereich Nahrungsmittelgewerbe vertreten. Die im 19. Jahrhundert steigende Zahl der Schmiede und Schlosser dürfte mit der Nachfrage nach technischen Erzeugnissen für den landwirtschaftlichen Bedarf erklärt werden. Zu einer Auffächerung der Berufsstruktur im Baugewerbe kam es erst im 19. Jahrhundert (Glaser, Ziegler, Maurer). Die Entwicklung dürfte mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und dem erhöhten Bedarf an Wohnhäusern im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Als eine neue Berufsgruppe im Baugewerbe werden im Steuerbuch von 1846 die Ziegler genannt. Der bedeutendste und vermögendste Ziegler war 1846 Josef Anton Schertler, der über sehr beachtlichen Grundbesitz im Schätzwert von 8.750 Gulden, über Kapitalbesitz von 7.370 Gulden und einen Viehbestand von 3 Kühen und 2 Pferden verfügte. Als wichtigster Besitz in der VermögensaufstellungSchertlerswird jedoch sein Kalk-und Ziegelofen genannt. Eine weitere Ziegelhütte war in den Händen von 2 Besitzern, die ihren Anteil an der Hütte mit 250 Gulden angaben und nur über ein bescheidenes Vermögen verfügten. Als ein weiterer Ziegler wird 1846 ein Josef Dür genannt, der zu den vermögenden Bürgern zählte. Diese Ziegelhütten befanden sich im Flotzbach und an der Ach, wobei die Flotzbacher Hütten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößert und modernisiert wurden. Auf eine noch ältere Tradition konnten die Wolfurter Steinmetze zurückblicken, die in mehreren Steinbrüchen Sandstein abbauten. Die in den Steuerbüchern von 1785 und 1797 genannten Steinmetze verfügten neben den Anteilen am Steinbruch auch über landwirtschaftlichen Besitz und Vieh. Neben dem in Rickenbach in Privatbesitz befindlichen Steinbruch gab es im Dorf unter dem Pfarrhof einen in Gemeindebesitz befindlichen Steinbruch, der von der Gemeinde verpachtet wurde.2 In einer von der Handelskammer 1904 veröffentlichten Statistik des Baugewerbes befanden sich in Wolfurt 3 Steinmetze und 4 Zimmermeister, aber kein Maurer.3 Eine besondere Bedeutung und einen guten Ruf hatten im 18. und im 19. Jahrhundert die lederverarbeitenden Betriebe. In einem amtlichen Bericht des Jahres 1791 über die «Professionisten» der Herrschaft Bregenz wurden die Wolfurter Rot- und Weißgerber Caspar Haltmayer, Anton Höfle und Josef Greußing als «beachtliche Gerber mit Lederhandel» bezeichnet.4 Die Bezeichnung der Behörde läßt den Rückschluß zu, daß diese Gerber nicht, wie damals bei den Landhandwerkern üblich, nur für den lokalen Bedarf arbeiteten, sondern einen überregionalen Lederhandel begonnen hatten. Im Steuerbuch von 1785 wird eine Gerberei genannt, die einen Ledervorrat im Wert von 500 Gulden hatte und ab 1794 wird als großer Gewerbebetrieb eine «Lohstampf» genannt. In dieser Lohstampf wurde von den Gerbern Rinde (Eiche und Tanne) zu einer Masse gestampft, die als Gerbemittel verwendet wurde. Im Lauf des 19. Jahrhunderts ging die Anzahl der Gerber zurück, doch blieb als bedeutender Gerbereibetrieb die Fa. Ferdinand Haltmeyer im Kirchdorf bis zur Jahrhundertwende erhalten. Über die Ausbildung, die Auftragslage und die Betriebsgröße der Wolfurter Handwerker sind keine Informationen erhalten geblieben. Die Steuerbücher des 18. und teilweise des 19. Jahrhunderts geben aber über das Vermögen, den landwirtschaftlichen Besitz und den Hausbesitz der Handwerker Auskunft. Bei einer Untersuchung des Viehbesitzes der Handwerker fällt auf, daß 1785 und 1794 bei den Handwerkern noch bedeutender Viehbesitz vorhanden war, der aber 1846 stark zurückging. Dazu einige Zahlen: 1785 waren von 16 vorhandenen Handwerkern 14 Kuhbesitzer und 4 Pferdebesitzer, 1794 waren von 21 Handwerkern 19 Kuhbesitzer, während 1846 von 28 ausgewiesenen Handwerkern nur noch 21 Viehbesitzer waren. Fast alle Handwerker 9 Die Maurer haben die große Mauer am Tobelbach fertiggestellt und halten sie mit nassen Tüchern feucht. Jetzt legen sie die Rollierung für die Unterlindenstraße (1913) 8 verfügen auch über landwirtschaftlichen Grund und über Hausbesitz, waren also mit Sicherheit in der Landwirtschaft tätig und dürften, wie in allen Landgemeinden Vorarlbergs damals üblich, den Beruf des Handwerkers nur nebenberuflich ausgeübt haben. In der Reihe dieser «Bauernhandwerker» gab es aber auch Armutsfälle, die kaum über Grundbesitz und keinen Viehbestand verfügten, also ganz auf ihre Einnahmen als Gewerbetreibende angewiesen waren. 1794 gehörten von den 21 genannten Handwerkern 4 zu den ärmeren Schichten im Dorf, da sie kaum Grund und nur unbedeutendes bis kein Vermögen hatten. Größere Gewerbebetriebe wie die 2 Mühlen, die Lohstampf und der Steinbruch dürften aber wahrscheinlich professionell betrieben worden sein, obwohl auch der Müller, Gerber und die Steinmetze Viehbestand und teilweise bedeutenden Grundbesitz hatten. Da es sich aber bei diesen Betrieben um kapitalintensive Gewerbe handelte, kann doch mit einer professionellen Tätigkeit gerechnet werden. Bedeutende Umwandlungen erlebte das Handwerk im 19. Jahrhundert. Durch gesetzliche Neuordnung, die von der völligen Freiheit der Handwerksausübung bis zur Reglementierung in der Gewerbegesetznovelle von 1884 ging, wurde die Existenz des Handwerks stark betroffen. Die Entwicklung der Industrie bedeutete für das Handwerk eine Konkurrenz in den Bereichen der Wasserkraftnutzung und vor allem in der Personalrekrutierung. Auch die Maschinenstickerei, die ab 1870 in Vorarlberg einen bedeutenden Aufschwung nahm, bot manchem armen Handwerker einen beliebten neuen Erwerbszweig. Die Kalkhütte an der Bregenzerstraße 1908 10 Wie sich diese Umformungen auf das Wolfurter Handwerk auswirkten, ist nur schwer nachzuweisen. Wie vorhin bereits erwähnt, handelte es sich bei den Handwerkern in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts um Personen mit starkem landwirtschaftlichen Hintergrund. Wie diese Personen, die sich ja nicht alleine von den Einnahmen aus dem Handwerk ernähren konnten, diese Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich überstanden, ist quellenmäßig leider nicht nachvollziehbar. Für das Jahr 1832 hat sich im Gemeindearchiv eine Stellungnehme der Gemeinde erhalten, die über die Lage des Handwerks Auskunft gibt. Darin wird das Gewerbe als unbedeutend bezeichnet, die Gewerbetreibenden nur als Taglöhner eingestuft, die als Schneider und Schuster bei den Bauern um Lohn arbeilen.' Die Gemeinde gibt aber über die übrigen Gewerbetreibenden keinerlei Auskunft. Leider gibt es für dieses Jahr kein Steuerbuch, das über die finanzielle Lage und Besitzverhältnisse der Bevölkerung und besondes der Handwerker Auskunft geben könnte. Im Steuerbuch von 1846 wird aber eine große Anzahl verschiedenster Handwerksberufe genannt, die in Wolfurt sicher auf die längere Tradition zurückblicken können. Die Gewerbenovelle von 1884 schrieb die Gründung von Zwangsberufsgenossenschaften vor. In Wolfurt war es am 26.10.1883 zu einer vorbereiteten Sitzung und im Frühjahr 1884 im Gasthaus Adler zu den kurz hintereinander folgenden konstituierenden Sitzungen der Berufsgenossenschaften der Handelsleute und Wirte, der Handwerker und der Sticker gekommen.6 Als Vorstand der Handwerkergenossenschaft wurde der bereits erwähnte Ziegler Josef Anton Schertler gewählt. Das Interesse an dieser Berufsgenossenschaft scheint, wie aus einem zeitgenössischem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, nicht sehr groß gewesen zu sein/ Die Handwerksgenossenschaft Wolfurt wurde in den folgenden Jahren auf die Gemeinden Schwarzach und Bildstein ausgedehnt und wies im Jahre 1892 94 Mitglieder auf.8 1899 wurde vom Gemeindevertreter Wendelin Rädler die Gründung einer Gewerblichen Fortbildungsschule in Wolfurt vorgeschlagen.9 Es kam in dieser Angelegenheit zu einer Sitzung mit den Wolfurter Volksschullehrern und dem Vertreter der Gewerbegenossenschaft Conrad Doppelmayr. Da die Schülerzahl aus dem Handwerkerstand zu gering für eine staatliche Subvention war, wurde beschlossen, die Fortbildungsschule in kleinem Stil zu gründen, wobei ursprünglich mit 3 Stunden Schulzeit pro Woche während der Wintermonate gerechnet wurden. Im Lehrplan waren gewerbliches Zeichnen, Rechnen und Schriftverkehr vorgesehen. Die Handwerkergenossenschaft übernahm die Bezahlung der Lehrergehälter freiwillig und ersuchte die Stickereigenossenschaft und die Genossenschaft der Händler um finanzielle Unterstützung. Der Unterricht wurde probeweise im November 1899 eingeführt, wobei die Stundenzahl auf 4 Stunden erhöht wurde.10 Über die Schülerzahl und das Lehrpersonal gibt eine Statistik des Jahre 1903 Auskunft. Es wurden 36 Schüler von 2 Lehrern während 7 Wochenstunden unterrichtet." Die Kursdauer betrug 7 Monate. 1906 befaßte sich der Gemeindeausschuß mit der Gewerblichen Fortbildungsschule. Die Gemeinde stellte fest, daß die Zahl der Gewerbetreibenden und damit auch die Zahl der beschäftigten Lehrlinge immer mehr zurückgehe. Die Frequenz der Schule ließ stark nach und die ganze Problematik wurde dem Schulausschuß zur Beratung vorgelegt.12 Über das Ergebnis dieser Verhandlungen sind keine Unterlagen vorhanden. Im Sitzungsprotokoll 1909 der Handelskammer findet sich ein Hinweis auf die Gewerbliche Forbildungsschule Wolfurt. Die Handelskammer stellte in diesem Jahr die Subvention an die Schule wegen Untätigkeit ein.13 11 1912 scheint es zu einem Wiederbelebungsversuch der Schule gekommen zu sein, da der Kammerrat Praeg sich in einer Subventionssitzung der Handelskammer für eine neuerliche finanzielle Unterstützung der Schule einsetzte.14 Auffallend ist besonders der Hinweis in der Gemeindesitzung von 1906, daß die Anzahl der Gewerbetreibenden in Wolfurt stark zurückgehe. Über die Ursache dieses Rückgangs können nur Vermutungen angestellt werden. Es ist möglich, daß der Stickereiboom für das mangelnde Interesse der Schüler verantwortlich war.15 1.3 Textilverarbeitung in Wolfurt Seit dem Mittelalter wurde von den Bauern Flachs angebaut und für den Eigenbedarf Leinwand gewoben. Über professionelle Leinwandweber in Wolfurt wird in einer vom Oberamt in Bregenz erstellten Übersicht aus dem Jahre 1767 berichtet.1 Josef und Joachim Geiger sowie ein Martin Herburger werden als für den allgemeinen Verkauf und auf Lager arbeitende Leinwandweber erwähnt. In den Steuerbüchern von 1762 und 1771 werden diese beiden Weber mit ihrem Vermögen genannt.2 Josef Geiger besaß 1762 ein Haus (Wert 190 Gulden), 2 Kühe und verfügte über beachtlichen Grundbesitz. Es gelang ihm, bis 1771 sein Vermögen beachtlich zu vermehren. Sein Gut wurde auf 600 Gulden geschätzt, er besaß jetzt 3 Kühe und hatte ein Reinvermögen von 821 Gulden. Er gehörte mit diesem Vermögen und dem beachtlichen landwirtschaftlichen Besitz zu den besser verdienenden Handwerkern und Bauern im Dorf. Jacob Geiger, ebenfalls Weber, war mit einer Kuh und einem Vermögen von 75 Gulden vergleichsweise eher arm. Neben diesen professionellen Webern gab es eine Reihe von Bauern, die während des Winters grobe Bauernleinwand, auch «BLÄZ» genannt, für den Eigenbedarf woben. Diese grobe rauhe Leinwand war wegen ihrer mangelnden Qualität nicht für den Verkauf geeignet und diente allein der Selbstversorgung. In der amtlichen Wirtschaftsübersicht von 1767 wird neben der Leinwandweberei bereits die Baumwollweberei für Wolfurt genannt. Im Auftrag der Bregenzer Baumwollmanufaktur «von der Trave», der ersten Baumwollmanufaktur in Vorarlberg, ließ der Rickenbacher Georg Haltmayer auf 4 Webstühlen Baumwollgarne verarbeiten.3 Im Wolfurter Steuerbuch von 1795 wird der Adlerwirt Johann Haltmayer als Handelsmann und Baumwollgarnhändler bezeichnet.4 Es ist für die Frühindustrialisierung typisch, daß ein Wirt und Händler die Aufgabe eines Baumwollverlegers übernahm. Er verfügte über das notwendige Kapital für den Einkauf der Baumwolle, hatte die notwendigen Geschäftskontakte und konnte daher leichter in dieses lukrative Geschäft einsteigen. Bezeichnend für seine Stellung im Dorf dürfte eine Angabe im Steuerbuch sein, in der festgestellt wird, daß er seine Einnahmen aus dem Baumwollhandel nicht genau kenne und daher für diese Einnahmen nicht versteuert wurde. Wie verbreitet die Baumwoll- und Flachsspinnerei in Wolfurt war, zeigen die Nachlaßinventare des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese in den sogenannten Waisenbüchern verzeichneten Inventare geben immer wieder Flachs- und Hanfgespinst, Spinnräder und Kunkeln als Besitz an. Beispielsweise hinterließ ein Johann Georg Kalb 1787 70 Schneller Garn, 25 Pfund reinen Hanf, eine Haspel, 3 Spinnräder und 2 «Stuhl» (Webstühle). Im Nachlaß des Altammann Böhler von 1787 fanden sich 3 Haspeln, 3 Kunkeln und 3 Flachsbrechen.5 12 Im Jahre 1801 werden in den Statistiken der Vorarlberger Zollbehörden 3 Wolfurter Baumwollverleger mit der Anzahl der von ihnen beschäftigten Heimspinner und Heimweber genannt. Es waren dies: Josef Anton Gmeiner, Josef Anton Meßmer und Johann Martin Fischer.6 Gmeiner hatte an 32 Heimweber Webarbeiten vergeben und an 91 Haushalte 1.015 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben. Im Zeitraum 1800—1801 legte er den Zollbehörden 196 Stück Baumwollgewebe zur Numerierung vor. Meßmer hatte 29 Weber beschäftigt, 114 Spinnern 1.105 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben und 165 Baumwollstücke zur Verzollung vorgelegt. Fischer ließ von seinen 12 Webern 16 Baumwollstücke erzeugen. Lediglich über die Person des Josef Anton Gmeiner sind einige Informationen erhalten geblieben. Er wird im Vermögenssteuerbuch von 1795 genannt.7 Er war Hausbesitzer, hatte bescheidenen landwirtschaftlichen Grundbesitz und verfügte über das beachtliche Vermögen von 2.155 Gulden. Schulden hatte er in der Höhe von 343 Gulden bei Privatpersonen in Altstätten, Kanton St. Gallen, das als wichtiger Baumwollieferungsplatz für Vorarlberg während der Frühindustrialisierung galt. Es ist anzunehmen, daß diese Schulden aus Baumwollieferungen stammten. Laut Steuerbach hatte er «800 Gulden auf dem Gewerb liegend», was auf den beachtlichen Kapitaleinsatz im Baumwollverlagswesen hinweist. 1802 wurde Gmeiner eines Zollvergehens beschuldigt und in Bregenz verhört. Im erhaltenen Verhörungsprotokoll gibt Gmeiner über seine persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse Auskunft.8 Er stand 1802 im 33 Lebensjahr, hatte 2 Kinder und bezeichnet sich selbst als Weber und Fabrikant. Gmeiner erklärte, daß der Schweizer Weber Jakob Lüpfi für ihn gearbeitet habe. Da Lüpfi über keinen eigenen Webstuhl verfügte, arbeitete er im Hause Gmeiners und wob zwischen dem 14. April und 14. Juni insgesamt 4 Baumwollstücke. Ein weiterer Schweizer Weber, Jakob Rohner, der in Rickenbach wohnte, arbeitete ebenfalls für Gmeiner. 13 Interessant ist der Hinweis auf die Schweizer Weber, die als Facharbeiter während der Frühindustriealisierung in Vorarlberg arbeiteten und technisch vermutlich besser ausgebildet waren als die Vorarlberger Weber. Auch für Dornbirn und Rankweil-Sulz sind aus diesen Jahren Hinweise auf den Aufenthalt Schweizer Weber vorhanden. Der Ausgang der Untersuchung gegen Gmeiner ist nicht erhalten geblieben. Er wirkte jedenfalls weiter als Baumwollverleger, da er 1815 und 1818/19 als «Baumwollfabrikant» aktenmäßig aufscheint.9 Er wird im Steuerbuch von 1815 als Besitzer von nunmehr 2 Häusern erwähnt und hat seinen bisher eher schwachen Grundbesitz durch ein Bergteil am Ippach vergrößert.10 Die Baumwollweberei als wichtiger Erwerbszweig der Bevölkerung dürfte während der bayrischen Besatzungszeit, wie im übrigen Vorarlberg auch in Wolfurt, stark zurückgegangen sein. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich und der damit verbundenen Öffnung der großen Monarchie als Absatzmarkt für Vorarlberger Baumwollprodukte kam es in den Jahren 1818/19 zu einem neuerlichen Aufblühen der Baumwollverarbeitung in Vorarlberg. Nach den verheerenden, durch Mißernten bedingten Hungerjahren 1816/17 bot sich ab 1818 eine bedeutende Verdienstmöglichkeit mit der Weberei, wobei die Spinnerei seit der Eröffnung des mechanischen Spinnereibetriebes in Dornbirn-Juchen im Rückgang gewesen sein dürfte. Für das Jahr 1818/19 hat sich für Wolfurt eine sehr wertvolle Quelle erhalten, die den Umfang der Weberei in Wolfurt dokumentierte. In einer Produktionsstatistik für den Bregenzer Raum werden für die Gemeinde Wolfurt die von Verlegern bestellten und von Heimwebern erzeugten Baumwoll- und Mousselinstücke genannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Wolfurt 908 Stück Baumwollgewebe und 117 Stück Mousselingewebe gewoben.11 Wolfurt war in den Hofsteiggemeinden der bedeutendste Webereiproduktionsort, gefolgt von Steußberg (Buch und Bildstein) mit 713 Stück 14 Baumwollgewebe und Lauterach mit 404 Stück. Neben den bereits bekannten Wolfurter Verlegern Gmeincr und Moser mit zusammen 100 Stück Baumwollgewebe, ließen 9 Dornbirner, 2 Hohenemser, 1 Bildsteiner, l Schwarzacher und 1 Bregenzer Verleger in Wolfurt arbeiten. Im Wolrurter Gemeindearchiv befinden sichfürdie 30-er und 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts einige Hinweise auf Weber, die aber keine Auskunft über die Produktion und die Lage dieser Weber geben. In Akten aus dem Jahre 1832 werden ein Weber Johann Klocker im Dorf und ein Weber Jakob Schneider in Rickenbach erwähnt. In den Konskriptionslisten für die Militärstellung 1838 und 1839 werden auch die Berufe der zur Stellung berufenen Männer genannt. 1838 waren von 20 angetretenen Männern 3 Weber, 1839 von 17 ganze 3 Weber.12 Diese Konskriptionslisten haben jedoch als Quelle für die Häufigkeit des Weberberufes keine große Aussagekraft. Interessant ist, daß 1832 ein Blattmacher in Wolfurt existierte, der von der Erzeugung von Bestandteilen für Webstühle lebte.13 Dieser Beruf konnte nur in einem Dorf mit einer entsprechenden Zahl von Webern existieren. Im Bevölkerungsverzeichnis von 1846 werden unter 20 Handwerkern aber nur mehr 1 Weber und 2 Blattmacher aufgezählt. Aus dem Jahre 1848 gibt ein Akt über die Aufdingung eines Lehrjungen beim Wolfurter Webermeister Ferdinand Kalb, Auskunft. Die in vielen Vorarlberger Fabriken zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeführte Mechanisierung der Weberei hat diesen wenigen Webern in Wolfurt aber kaum noch Überlebenschancen gegeben und dürfte zu einem Stillstand der Weberei geführt haben, die für die betroffene Bevölkerun natürlich finanzielle Probleme gebracht haben dürfte. Eine gewisse Ausnahme spielte dabei die Buntweberei, da in diesem Bereich eine Mechanisierung aus technischen Gründen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte. Die Buntweberei als Ausweg setzte aber auch für den Weber gewisse Erfahrung und Spezialisierung voraus. Als Ausweg bot sich die Arbeit in der 1838 eröffneten Kennelbacher Spinnerei. 1.4 Die Stickerei Die Lohnstickerei für Schweizer Handelshäuser dominierte im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert das Wirtschaftsleben in den landwirtschaftlichen Gebieten Vorarlbergs.1 Mit der Einführung der Maschinenstickerei wurde auch Wolfurt vom Stickereifieber erfaßt und veränderte die Gemeinde grundlegend. Die Bevölkerung verlegte sich auf die Stickerei und vernachlässigte die bisher dominierenden Wirtschaftszweige, wobei die Sticker sich in eine Abhängigkeit von der Konjunktur begaben.2 In guten Absatzjahren konnte unter der Ausnützung aller Familienmitglieder (Kinderarbeit) der Sticker sehr gute Einnahmen erzielen, während Absatzkrisen zu schweren finanziellen Einbußen führten. 1905, einem Krisenjahr, wurde keine Faschingsunterhaltung durchgeführt, da in der Gemeinde kein Geld vorhanden war.3 Trotz dieser ständigen Konjunkturschwankungen erhöhte sich die Anzahl der Stickereimaschinen in Wolfurt ständig. Während 1887 in Wolfurt 124 Handstickmaschinen waren, stieg die Zahl der Schifflistickmachinen 1900 auf 100, 1910 auf 143 Schiffli- und 26 Handstickmaschinen und bei der letzten Zählung vor dem I. Weltkrieg 1914 wurden in Wolfurt 115 Pantographen, 7 Automaten und Punchmaschinen gezählt.4 Die Stickereimaschinen wurden in der Regel in der Schweiz gekauft und in Raten abgezahlt. Während des Stickereibooms im Jahre 1900 15 sollen, wie in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel erwähnt wird, viele unbrauchbare, ausgeleierte Stickmaschinen von Wolfurtern in der Schweiz zu überhöhten Preisen gekauft worden sein.5 Mit diesen Maschinen soll laut Zeitungsbericht maneher Sticker 24 Stunden durchgearbeitet haben, um möglichst viele Stiche zu erreichen. Die Qualität der Stickereien auf diesen allen Maschinen dürfte aber schlecht gewesen sein und zum schlechten Ruf (= billige Ware) der Vorarlberger Stickereien in der Schweiz beigetragen haben. Um an den großen Aufträgen mitmischen zu können, wurde die Qualität der Ware vernachlässigt und nur bedeutende Mengen produziert. Als Mittel für die Qualitätsverbesserung in der Stickerei wurden von der Stickereischule Dornbirn Kurse in den einzelnen Stickereidörfern abgehalten. In Wolfurt fand beispielsweise 1901 ein solcher Kurs statt, der mit einem Kurs für Nachsticker fortgesetzt wurde. Diese Kurse wurden von der Wolfurter Stickereigenossenschaft mitorganisiert und teilweise finanziert. In Wolfurt gab es 1907 12 Sticklokale mit 4 bis 6 Maschinen, wobei die Masse der Sticker nur eine Stickereimaschine besaß.6 In engem Zusammenhang mit dem Stickereiboom steht auch die vermehrte Bautätigkeit in Wolfurt um 1906/07, als neben normalen Wohnhäusern auch vermehrt Villen und Stickereilokale errichtet wurden. Trotz des Reichtums und Wohlstands, der sich mit der Stickerei in der Gemeinde etablieren konnte, muß auf die Schattenseiten dieses Booms hingewiesen werden. Als Arbeitskräfte in den Stickereilokalen wurden hauptsächlich Jugendliche und Kinder verwendet, wobei keine gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen vorhanden waren. Der Gewerbeinspektor erklärte 1885 in einem Bericht: «. . . die Arbeitskräfte der Kinder in so übertriebenem Masse ausgebeutet wurden, daß die in den Stickereigegenden domicilierend Ärzte und sonstigen Menschenfreunde den physischen Ruin der jungen Generation mit Sicherheit voraussahen, falls dem eingerissen Treiben nicht in irgend einer Weise Einhalt gethan würde .. .»7 Der in St. Gallen beheimatete Stickereiverband, der seine Tätigkeit auf die Ostschweiz und Vorarlberg erstreckte und eine Vereinigung der großen Stickereihandelshäuser und der Einzelsticker war, einigte sich 1886 auf eine Arbeitszeitregelung in den Stickereien, wobei die Arbeitszeit von 7 Uhr bis 18 Uhr festgesetzt wurde.8 Als Druckmittel für die Einhaltung der Bestimmung wurde der Liefer- und Abnahmeboykott gegen «Ausbeuterfirmen» beschlossen. Als Vorarlberg sich 1892 vom Verband löste, war auch die Einhaltung dieser Regelung nicht mehr möglich und das Gewerbeinspektorat konnte nur nach den allgemeinen Bestimmungen des Gewerbegesetzes vorgehen.9 Die Stickerei wurde durch den I. Weltkrieg schwer getroffen und konnte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen. 1.5 Händler und Nahrungsversorgung Die ersten Quellen über Krämer und Händler in Wolfurt stammen aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. 1785 wird im Steuerbuch erstmals ein Krämer genannt. Im Steuerbuch von 1794 wird der Krämer Krispin Bildstein mit seinem Vermögen und seinen Schulden genannt.2 Bildstein, der 1755 noch als Wirt bezeichnet wird, gehörte zu den vermögendsten Personen im Dorf, hatte 4 Kühe und 1 Pferd im Stall und verfügte über bedeutenden Grundbesitz. Besonders interessant ist die Nennung seiner Schulden. Er hatte Schulden in Augsburg und Pavia; was auf Warenschulden hinweist und auch Rückschlüsse auf die Herkunft der von Bildstein verkauften Waren und auf seine Handelsbeziehungen zuläßt. Augsburg war das Handelszentrum Süddeutschlands und der Hinweis auf Schulden in dieser Stadt kann so interpretiert werden, daß Bildstein aus dieser Stadt Konsumgüter bezogen hat. 1798 suchte der Rösslewirt Baptist Rohner, der neben seiner Wirtschaft eine Branntweinbrennerei und eine Bäckereigerechtsame besaß, um eine Handelskonzession für Tuch, Zucker, Kaffee und Lichteran.3 Gegen dieses Ansuchen protestierten in einem Beschwerdebrief die anderen 4 Wolfurter Krämer. Sie hatten mit ihrem Protest Erfolg, da das Oberamt Rohner die Handelskonzession verweigerte. 4 Krämer in einem Dorf war für die damalige Zeit eine sehr hohe Zahl und es ist möglich, daß hier der Einfluß der Frühindustrialisierung sich bemerkbar machte.4 Die in der Heimindustrie beschäftigten Weber und Spinner verfügten, eine gute Konjunkturphase vorausgesetzt, über Bargeld, eine ständige Einnahmequelle. Diese Geldmittel wurden in Heimindustriegegenden in der Regel für den Einkauf von Konsumgütern verwendet. Es ist auch für Wolfurt, der führenden Webereigemeinde in Hofsteig, mit einer Veränderung des Konsumverhaltens zu rechnen, die sich in einer Vermehrung der Krämer im Dorf ausdrückte. Im Jahre 1840 gab es in Wolfurt nur mehr 3 Krämer und einen Mehlhändler.5 Ob das Ansuchen des Michael Lau aus dem Jahre 1828 um Verleihung einer Händlerkonzession für Kaffee und Zucker angenommen wurde, geht aus den erhaltenen Akten nicht klar hervor.6 Zur unmittelbaren Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dienten Bäcker und Metzger. In der Tabelle der Handwerksberufe ist aber die geringe Zahl der Bäcker während des ganzen Untersuchungszeitraumes deutlich zu erkennen. Dies ist nur mit der Annahme zu erklären, daß Brot im eigenen Haushalt erzeugt wurde und auch Hausschlachtungen durchgeführt wurden. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist die Verbindung der Bäckergerechtsame mit einigen Wirtshäusern im Dorf. So besaßen 1798 die Wirte Baptist Rohner (Rössle) und Johann Haltmayer in ihrem 16 17 Wirtshause eine Bäckereigerechtsame, wobei diese «ex radice» war. Bei dieser Rechtsform lag die Gewerbeberechtigung auf dem Hause selbst und setzte keine Gewerbeausbildung des Hausbesitzes voraus. Diese Form der Gewerberechtsame wurde in den Steuerbüchern aber nicht erwähnt, da sie nicht zu versteuern war, während die «Profession» der anderen Handwerker mit einer Pauschalsumme versteuert wurden (20 Gulden). Über die Brotpreisgestaltung im 19. Jahrhundert hat sich im Gemeindearchiv ein Brief des Wolfurter Bäckers erhalten. Die Brotpreise wurden amtlich verordnet und in Wolfurt galt, wie in allen Gemeinden des Amtsbereiches Bregenz, der Bregenzer Brottarif. 1838 bat der Wolfurter Bäcker (Name im Akt nicht genannt) die Bregenzer Tarife für Wolfurt abzuschaffen, da die Tariftabelle erst mit 8 bis 14 Tagen Verspätung in Wolfurt eintreffe.7 Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich im Gemeindearchiv zahlreiche Brotbeschauprotokolle erhalten. Durch ein Gemeindeorgan wurden bei den Bäckern Gewichtskontrollen und Preisüberprüfungen durchgeführt, wobei bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Gewichte und Preise das Brot durch die Gemeinde beschlagnahmt und an die Gemeindearmen ausgegeben wurde. Über den Fleischverzehr und die Nahrungsgewohnheiten haben sich keine schriftlichen Hinweise finden lassen, sodaß Vermutungen angestellt werden müssen. Der Fleischbedarf dürfte auch in Wolfurt, wie in allen Vorarlberger Gemeinden des 19. Jahrhunderts eher gering gewesen sein und die Ernährungsgrundlage aus Mehl- und Kartoffelspeisen bestanden haben. In einem Brief des Landgerichts Bregenz an die Gemeinde Wolfurt aus dem Jahre 1832 wurde festgestellt, daß neben der bereits erwähnten Brottaxe auch die vom Stadtmagistrat Bregenz festgesetzte Fleischtaxe in den Gemeinden nicht eingehalten werde. Ein Metzger wird in Wolfurt erst 1832 genannt, der vermutlich Lohnarbeiten ausführte. Über den Getränkekonsum und die Getränkeerzeugung in der Gemeinde sind ebenfalls nur wenige Nachrichten erhalten. Der im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so bedeutende Weinbau spielte im 19. Jahrhundert keine sehr bedeutende Rolle mehr und dürfte mit der Eröffnung der Arlbergbahn und der damit verbundenen Einfuhr von billigem Südtiroler Wein ganz zugrunde gegangen sein. Im Steuerbuch von 1785 werden beim Wirt Johann Haltmayer in der Vermögensaufstellung unter anderem der Weinvorrat im Keller und Reben genannt und auch bei den Privatpersonen Josef Anton Haltmayer und Amtsamman Josef Fischer werden Reben und Weinvorräte im Kellerals zu versteuerndes Vermögen aufgezählt.9 Im Kartenwerk vom Jahre 1857 wurden noch einige Weinberge in Wolfurt und in Rickenbach eingezeichnet. Viel wichtiger dürften damals die kleinen Bierbrauereien gewesen sein, die sich in den Gasthäusern befanden. 1853 suchte der «Rössle»-Wirt Caspar Haltmayer bei der Gemeinde um eine Bierbrauereikonzession an und erhielt vom Gemeindeausschuß auch die Genehmigung.10 Eine weitere Brauerei war die bis 1902 bestehende Brauerei des Johann Georg Fischer." Weiters spielte die Branntweinerzeugung in Wolfurt eine große Rolle. 1798 besaß der «Rössle»-Wirt Baptist Rohner eine Branntweinerzeugungskonzession und 1842 nahm der Gemeindevorsteher Martin Schertler in einem Brief an das Kreisamt Stellung zur Einfuhrzollerhöhung von Obstbranntwein. '2 Er erklärte darin, daß im Inland zu viel Fruchtbranntwein erzeugt werde, der Obstpreis dadurch heruntergesetzt 18 werde und daher den Bauern die Obstkultur nicht mehr am Herzen liege. Es könnte sich bei diesem Fruchtbranntwein um die heute noch bekannte Spezialität «Subircn> handeln. Die Branntweinerzeugung muß aber im allgemeinen historischen Kontext des 19. Jahrhunderts gesehen werden. In einem Akt des Kreishauptmann Ebner wird der Alkoholismus als das größte soziale Übel in Vorarlberg während des 19. Jahrhunderts genannt. Die Trinkwasserversorgung in Wolfurt hat sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung abgespielt und konnte mit dem enormen Bevölkerungswachstum und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.0 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Regenwasser hatte. Wegen diesem unhaltbaren Zustand kam es im Rössle zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, auf der die Suche nach einer Quelle für die allgemeine Wasserversorung beschlossen wurde. Im Zeitungsartikel wird die durch die Industrie stark zugenommene Bevölkerung als Grund für die Wasserprobleme genannt. Der Schwanen. Einstmals zentrales Gasthaus mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal. 19 1.6 Industrielle Betriebe in Wolfurt Im 19. Jahrhundert befanden sich in Wolfurt nur zwei industrielle Betriebe: die Spulenfabrik Zuppingcr und die Maschinenfabrik Doppelmayr. Der Gründer der Spulenfabrik Zuppinger war Konrad Zuppingeraus dem Kanton Zürich, der 1873 in Wolfurt eine kleine Holzspulenfabrik errichtete. Unter seinem Sohn Johann Walter wurden Filialbetriebe in Mähren und Bayern errichtet. In Wolfurt wurde die Produktion von Holzspulen 1909 eingestellt. Die Familie Zuppinger hatte auch Mühlen errichtet und nach Stillegung der Spulenfabrik den Mühlenbetrieb weitergeführt. Die Maschinenfabrik Doppelmayr geht auf die mechanische Werkstätte des Josef Dür zurück. Der Nachfolger Dürs, Konrad Doppelmayr, hat mit der Herstellung von Getrieberädern und landwirtschaftlichen Geräten den Anfang der Maschinenfabrik gemacht. Mit dem Eintritt Emil Doppelmayrs in die Fabrik im Jahre 1910 wurde das Produktionsprogramm auf Lasten- und Personenaufzüge erweitert. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erstellte die Fa. Doppelmayr in Zürs den ersten modernen Umlaufschlepplift Österreichs und spezialisierte sich daraufhin auf die Erzeugung von Skiliften. Bedeutende Textilbetriebe entstanden erst in den zwanziger Jahren in Wolfurt. 1.1 Landwirtschaft 1 Benedikt Bilgeri, Der Getzreideanbau im Lande Vorarlberg. Dornbirn 1947, S. 212—215 2 Mathias Schneider, Wolfurter Chronik. «Merkwürdige Begebenheiten». Manuskript. Gemeindearchiv Wolfurt 3 Vorarlberger Volksblatt 10. 10. 1929 4 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbücher 5 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1870. Innsbruck 1871, S. 8 Ergebnisse der in Vorarlberg am 31. 12. 1910 vorgenommenen Volks- und Viehstandszählungen. Bregenz 1911. S. 3 6 Gemeindeausschußprotokoll 16. 11. 1869, zukünftig mit GAPr abgekürzt 7 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1872. Innsbruck 1873, S. 29 8 GAPR 5. 2. 1873 9 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1871. Innsbruck 1872, S. 49 10 GAPR 28. 3. 1897 11 GAPR 6. 9. 1898 12 GAPR 29. 10. 1898,22.9. 1899 und 23. 10. 1899 13 GAPR 17. 3. 1897 und 28. 3. 1897 1.2 Handwerk 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Steuerbücher Gemeindearchiv GAPR 17. 11. 1880 Handelskammer Feldkirch, Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1904, S. 46 Vorarlberger Landesarchiv, KOA 1 Seh 104, Nr. 111, 1791. Landesarchiv wird mit VLA abgekürzt werden Gemeindearchiv Wolfurt Seh 1800 Vorarlberger Volksblatt 9. 5. 1884 Vorarlberger Landbote 23. 1. 1885 Feldkircher Zeitung 15. 10. 1885 GAPR 23. 10. 1899 GAPR 22. 11. 1899 Österreichische Statistik, Band 77, S. 176 GAPR 27. 3. 1906 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1909, S. 112 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1912, S. VII GAPR 23. 10. 1899 1.3 Textilverarbeitung 1 Kaspar Schwärzler, Tabelle über die in der Graf- und Herrschaft Bregenz und Hohenegg befindlichen Fabriken. Manufakturen und Commercialprofessionisten 1767. In: Archiv für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs 1906/7. S. 58 2 Gemeindearchiv Wolfurt, Vermögenssteuerverzeichnis 1762, Folio 49 und Folio, S. 177 3 Schwärzler, Tabelle S. 57 20 21 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 144 VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KA 1 Seh 239 Gemeindearchiv Wolfurt, wie 12 Steuerbuch 1795 Waisenbuch Wolfurt, I./5 Folio 413 und I./6 Folio 324 Steuerbuch 1794 Siegfried Heim Vermögenssteuerverzeichnis 1815 Schachtel 1800 1.4 Stickerei 1 2 3 4 5 7 8 9 VLA, KA II Seh 38. IV 1931 + IV 2404, Stickstückferker Ansuchen aus Wolfurt 1857 GAPR23. 10. 1899 Ferdinand Schneider, Wolfurter Chronik, Original Gemeindearchiv Wolfurt. S. 227 Gerhard Alge, Die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Vorarlberger Stickerei bis 1914 und ihre Beziehung zur Schweiz. Diplomarbeit Wien 1978, S. 36 und 54 Schneider Chronik s. 230 Vorarlberger Volksblatt 4. 1. 1900/6 Schneider, Chronik S. 233 und 234 Bericht Gewerbeinspektorat 1885, S. 406 Feldkircher Zeitung 30. 1. 1892 und Gewerbeinspektorat S. 407 Schneider Chronik S. 189 Feldkircher Zeitung 12. 11. 1892 1.5 Händler und Nahrungsmittelversorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1785, Folio 34 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1794, Folio 28 VLA, KOA 1 Seh 145 VLA, KOA 1 Seh 145, Kommerz 1804 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1840 VLA, KA 1 Seh 516 Zoll Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800, Gewerbe, 1838 Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800 Steuerbuch 1785, Folio 306 + 332 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschluß Nr. 10, 1853 Einkommenssteuerverzeichnis 1873 und Heinrich Wurm, Historisches Verzeichnis der Österreichischen Braustätten und Brauereifirmen. Linz 1980, S. 81 12 VLA, KA 1 Seh 526, Zoll 3374 13 Vorarlberger Landbote 10. 2. 1893 Dieser und einige folgende Artikel sind teilweise aus Schriften zur Vorarlberger Geschichte zusammengetragen. Für besonders interessierte Leser schreibe ich sie hier auf: ( 1) Bilgeri, Geschichte Vbg., 1971-86 ( 2) Bilgeri, Getreidebau, 1948 ( 3) Burmeister, Geschichte, 1980 ( 4) Burmeister, Landesmuseumsverein 125/1982 ( 5) Burmeister, Die Wolfurter, 1984 ( 6) Heim, Zeittafel, 1985, Heimat Wolfurt 1 ( 7) Heim, Steußberg, 1983 ( 8) Heim, Schlösser, 1983 ( 9) Heim, Jüngste Marktgemeinde, 1982 (10) Kleiner, Hofsteiger Landsbrauch, 1902 (11) Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952 (12) J. Heinzle, Ortskunde, 1967 (13) Bernhard, Jungbürgerbuch, 1978 (14) Heimatbuch Lauterach, 1953 und 1985 (15) Häfele, Bilder aus der Geschichte, 1922 (16) Gunz, Familienchronik, 1892 (17) Pfarrer Feurstein, Seelenbeschrieb Ia, 1760 (18) J. Walser, 400 Jahre Pfarre, 1912 (19) Anwander, Pfarre St. Nikolaus, 1931, Holunder 30 (20) Weizenegger-Merkle, 1839 (21) Rapp, Generalvikariat, 1896 (22) «Hofrieden» im VLA Anmerkungen im folgenden Text beziehen sich auf diese Quellen. Ackerbau in Hofsteig Bis zum Jahre 700 n. Chr. hatten die Alemannen das Unterland bis zum Kummenberg besiedelt, während im Oberland weiterhin die Rätoromanen fest verwurzelt waren. An der Kummen-Grenze trafen sich auch die Einflußsphären des Bistums Konstanz im Norden und des Bistums Chur im Süden. Durch Jahrhunderte blieb diese Teilung bestehen. Der Unterschied reichte in die Belange von Wirtschaft, Recht und Kultur hinein. (13/Seite 14) Benedikt Bilgeri weist in seinem «Getreidebau» diese Grenzen auch im Ackerbau nach.(2) Lange Jahre gehörte das Unterland zum «Vesen»-Gebiet der Alemannen im Bodenseeraum, das Oberland aber zum Gebiet des «Mischkorns», das sich über Liechtenstein nach Graubünden fortsetzte. Bregenzerwald und Allgäu aber bildeten aus klimatischen Gründen das «Haben>-Gebiet, zu dem als Ausnahme in der Ebene auch noch Hofsteig gezählt werden muß. 23 22 Die Milchwirtschaft spielte im Lande schon seit der Keltenzeit eine beachtliche Rolle, auch Obst- und Weinbau besaßen neben der Schweinezucht eine gewisse Bedeutung. Den Hauptanteil bei der Ernährung trug aber immer der Getreidebau Acht Getreidesorten wurden in Wolfurt angebaut: Vesen, Däntel, Weizen, Hafer, Roggen, Gerste. Hirse und Türken. 1. Vesen, «feaso», «Spelz», «Dinkel», auch einfach «Korn» genannt, ist ein widerstandsfähiger Winterweizen, bei dem die Körner wie bei Gerste mit dem Spelzblättchen verwachsen sind und von diesen Hülsen vor dem Mahlen befreit werden müssen. Enthülste Früchte heißen dann «Kernen». Drei Malter Vesen ergaben nur ein Malter Kernen. Für die Alemannen war Vesen weitaus das wichtigste Getreide. Sie hatten den Vesenanbau von den Römern übernommen (Getreidefund aus dem 1. Jhdt. in Brigantium), doch findet sich Vesen auch schon in Schweizer Pfahlbauten. Ins Oberland drang der Vesenanbau erst im 17. u. 18. Jhdt. vor. Aus Lustenau und Höchst wurde lange Zeit Vesen-Saatgut ins Schwabenland exportiert (Weizenegger-Merkle). Während Vesen im übrigen Österrreich unbekannt war, gab es in Vorarlberg noch 1913 mehr Vesen als Weizen im Verhältnis 165 ha zu 101 ha. 1944 wurden nur mehr 8 ha Vesen angebaut. Seither ist der alemannische Weizen bei uns verschwunden. In Niederösterreich wird Dinkel aber in allerneuester Zeit für die «Hildegard-Medizin» angebaut. Die Heilige Hildegard von Bingen (1098—1179), die große Mystikerin und Naturwissenschaftlerin, setzte das Dinkelkorn an die Spitze ihrer Ernährungslehre und pries seine Vorzüge an. Ihre Anhänger suchen heute wieder im einfachen Essen mit DinkelVollkorn Gesundheit und Kraft. 2. Däntel (auch «Dintel» genannt, nicht verwechseln mit Dinkel-Spelz), ist ein Winterweizen mit starken Grannen und Einzelkörnern («Einkorn»). Er läßt sich als ältester Weizen schon in der Steinzeit nachweisen und hatte in Vorarlberg das gleiche Verbreitungsgebiet wie Vesen. Im übrigen Österreich war er unbekannt. Um 1850 wurde er in Wolfurt noch angebaut. Der Müller Gunz berichtet in seiner Chronik, daß man damals aus Vesen und Däntel nur 40 % Mehl mahlte, während der neu eingeführte Weizen 75 % Mehl ergab. Der Rest wurde allerdings noch einmal untergeteilt in Kleie und das grobe «Jaumehl», aus dem sparsame Hausfrauen noch Hafenlaib kochten. Seit 1930 ist der Däntelanbau ganz verschwunden. 3. Weizen, vor allem der Zweikorn-Weizen «Emmer», wurde von alters her im Oberland angebaut, am häufigsten allerdings als «Mischkorn» oder «Halbkorn» mit Roggen vermischt. Erst im 19. Jhdt. setzten sich neue Weizensorten durch und verdrängten mit ihrem höheren Ertrag die alten Sorten Vesen und Däntel. Durch Getreide-Importe aus Ostösterreich, Frankreich, Argentinien, Kanada und anderen Staaten ist der mit Unwetter-Risiko behaftete Weizenanbau im Lande Vorarlberg seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu ganz verschwunden. 4. Hafer, «Haber», wurde aus klimatischen Gründen in höheren Lagen angebaut, wo Vesen nicht mehr gedieh. 1576 berichtet Junker Hans Georg v. Wolfurt «Zue Alberschwendi gibt man in dem großzehenden keine andre frucht als haber.»(2/200) Auch Schleh schreibt 1616 in seiner Emser Chronik (S. 28) «Ob Alberschwendi liegt das Gericht Lingenaw, dessen Kirchensatz auch dem Abt von Bregenz gehörig, beyde Wilde Bergechte örther jedoch ohne Felsen allda kein ander Frucht als Haber wachßt.» Vom Steußberg (Bildstein und Buch) erhielt das Kloster Mehrerau 1601 nur 4 Viertel Vesen, aber 149 Viertel Haber als Zehent. Auch 1817 bestand die Steußberger Getreideernte noch zu 95% aus Haber nämlich 3800 von 4034 Vierteln. Getreidemaße: Ein Bregenzer Viertel faßte 21,5 Liter Kernen, d. s. etwa 13 kg, ein Feldkircher Viertel faßte 24,9 Liter, ein Alberschwender Viertel 30,6 Liter. Jedes Gericht, ursprünglich jeder Hof, hatte seine eigenen Maße. 1 Viertel sind 4 Vierling (zu je 5,4 Liter), 4 Viertel sind 1 Scheffel (86 Liter). 8 Viertel sind 1 Malter (172 Liter). In Bregenz gab es allerdings auch noch einen großen Malter von 18 Vierteln (demnach 387 Liter). Im 19. Jahrhundert wurde das Viertelmaß verdrängt. Jetzt galt: 1 Metze faßt 2 Staren, das sind 61,5 Liter (2/181). In Wolfurter Bauernhäusern findet sich noch heute der mit Brandzeichen geeichte halbe Staren für etwa 15 Liter Körner. Gunz berichtet: «Das Getreide wurde gemessen mit Staren, Vitel (so sagte man in Wolfurt zum Viertel) und Vierling. Ein Star hatte ungefähr 42 alte Pfund oder 19 kg». (16/170) 24 25 Zurück zum Haberanbau. Während im Unterland fast überall Vesen das Hauptgetreide für das tägliche Brot war, bildete das konservative Hofsteig eine Ausnahme. Hier stand Haber an der ersten Stelle. Von 1447 steht im Mehrerauer Zehentbuch aufgeschrieben: «acht malter haber und vier malter vesen, alles Bregentzer meß, nämlich in dem dorffe zuo Wolfurt.» Ein ähnliches Verhältnis gilt vom hofsteigischen Schwarzach, das 1603 nördlich des Flusses 33 Viertel Haber und nur 11 Viertel Vesen abführte, während der Zehent an die Emser Grafen in dem zu Dornbirn gehörigen südlichen Teil umgekehrt zu 8 Viertel Haber 32 Viertel Vesen betrug. (2/206) Auch als in Wolfurt um 1870 der Türken zum Hauptgetreide geworden war, so daß «Stopfar» und «Hafoloab» nicht mehr aus Vesenmehl, sondern aus Türkenmehl und Türkengrieß gekocht wurden, gab es am Morgen noch ab und zu ein Habermus, «. . . dann ist man auf den ganzen Tag gefüttert.» (16/156) Noch 1938 kochte uns unsere alte Großtante Karolina manchmal ein dickes Habermus oder einen Haberstopfer, sonst galt damals Hafer eigentlich nur als Pferdefutter. Als 1888 Pfarrer Kneipp in Wörishofen den Bohnenkaffee verdammte und Malzkaffee empfahl, begann Plaze Gunz in Rickenbach für die allerorts entstehenden Kneippvereine Hafer zu Malz zu rösten. Die erste Malzrösterei Vorarlbergs war ein gutes Geschäft, bis sie nach fünf Jahren der Konkurrenz von Kathreiners Malzkaffee unterlag. Aber noch einige Zeit wurden Hafer als Farbmalz für dunkles Bier und sogar Roggen als KaffeeErsatz für die Kneippianer geröstet. Den Rauch roch man bis Schwarzach. (16/429, 434 u. 521) 5. Roggen wurde bis ins 18. Jhdt. im Unterland noch fast gar nicht angebaut, im Oberland meist nur als Halbkorn mit Weizen vermischt. Auch im 19. Jhdt. blieb der Roggenanbau im Land unter 10 % der Getreidefläche. Erst der Getreide-Import mit der Arlbergbahn machte um das Jahr 1900 das billige Schwarzbrot zum täglichen Brot. Der Müller Gunz berichtet im Jahre 1895 vom billigen Importgetreide, daß 100 kg bester Weizen franko Schwarzacher Bahnhof nur noch 9 bis 12 Gulden (samt Sack) kostete, Roggen gar nur 6.50 bis 8 Gulden und Türken sogar nur 5.50 Gulden (16/346). 6. Gerste wurde ursprünglich wie Weizen auch nur im Oberland angebaut, vor allem im Montafon. Weit verbreitet war im Oberland die «Mengfrucht», eine Mischung von Gerste und Hafer, auch «Mischelkorn» oder «Rauchkorn» (= rauhes Korn) genannt. Sehr spät wurde in den Hanglagen im Unterland etwas Gerste angebaut. So meldete Streußberg im Hungerjahr 1817 die Ernte von 90 Vierteln Gerste. Das waren aber nur 2 % der Getreideernte, die damals ja noch fast zur Gänze aus Hafer bestand. Ob der Adlerwirt J. Gg. Fischer, der von 1874 bis 1906 in Rickenbach in seiner Waschküche das erste Bier für die Wolfurter braute, dazu eigene Gerste röstete oder Malz kaufte, konnte ich nicht mehr feststellen. Die Gunz-Mühle hatte ihre Gersten-Stampfe schon 1852 eingehen lassen, in der HolzMühle konnte man noch bis 1920 seine Gerste «rollen» lassen. Dabei wurde sie von den Hüllspelzen befreit, so daß man daraus mit Bohnen und rußigem Speckdie in Wolfurt noch heute so beliebte «Kichoro»-Suppe zubereiten konnte. 26 7. Hirse läßt sich als Getreide zwar schon in den Pfahlbauten nachweisen und wurde auch im Mittelalter im ganzen Land angebaut, aber niemals in den Getreide-Eschen, sondern nur wie Hanf, Flachs und Rüben am Rand der Flur in kleinen «Ländern», also eingezäunten Gärten. Daher war Hirse auch nicht Großzehent-pflichtig, sondern wurde mit dem Kleinzehent besteuert, der meist in bar bezahlt werden konnte. Aus Hirse kochte man Hirsebrei, nur ganz selten backte man Brot daraus. Es gab Rispenhirse «Hirsch» und Kolbenhirse «Fenk». Beide sind im 18. Jhdt. verschwunden, in Hofsteig schon viel früher. Jedenfalls heißt es in Mehrerau 1577 vom Hofsteiger Kleinzehent, daß man ihn «von Obst, Rüben, Bohnen, Erbsen, Hanf und Werk (= Flachs) und sonst von nichts mehr geben müsste». (2/80) «Türggo-Usmacho» bei Familie Reiner an der Lauteracherstraße 8. Mais, «Türken», Welschkorn. Mais stammt aus Amerika und war daher wie auch die Kartoffel im Mittelalter bei uns noch völlig unbekannt. Aber schon um 1600 tauchte das Welschkorn aus Italien, wo es «gran turco» genannt wurde, über die Pässe in Tirol und 1650 in der Schweiz auf. Von dort verbreitete er sich bis 1710 über das ganze Rheintal, aber wegen der Dreifelderwirtschaft konnte er nur in Bündten und Gärten, nicht aber in den großen Getreide-Eschen angebaut werden. Türken brauchte viel mehr Pflege als die alten Getreidesorten Vesen und Haber und reifte selbst im iöhnbegünstigten Rheintal so spät, daß die althergebrachte Brachweide im Herbst unmöglich wurde, wenn sich der Türkenanbau ausweitete. Andererseits konnte sich Vorarlberg am Ende des 17. Jhdts. nicht mehr selbst ernähren. Krieg, Mißernte und Einquartierung von Soldaten führten zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 an die Regierung (2/85): 27 «. . . dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt b'ettlendt vor der thür suechen müessen . . . » « . . . zue deme mueß sich disses rauhe bergige landt mit handarbeiten, alß von villenmaurern, zimmerleuthen und stainmetzen, außerhalb des vatters thür, als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt hin ernehren und erhalten, gestalten, daß allejahr, so ich allergnawist bißher beobachtet, über die 7 bis 8000 alte und jungeleuth, kinder, bueben und megdlein, welch letztere mit spinen und viechhüetten sich ernehren müessen, außer dem landt begegen.» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! Es wurde noch schlimmer. Als Ludwig XIV. 1681 das Elsaß besetzte und 1689 bis 1697 der Pfälzische Krieg in ganz Süddeutschland wütete, mußten die Vorarlberger Saisonarbeiter zu Hause bleiben, wodurch die Not ganz unerträglich wurde und zu Raub und Totschlag führte. Ein Hofsteiger Gerichtsprotokoll schreibt 1689: « . . . eine solche ellendt betriebte zeit...» (2/88) Hunger tut weh und macht erfinderisch: Weitere Rodungen waren nicht mehr möglich, denn der ganze Vorderwald war schon ein Getreideland. Der Flächenertrag mußte gesteigert werden! Das konnte nur mit dem neuen Welschkorn gelingen. Aber dann mußten zuerst Brachfeld und Brachweide aufhören. Um das Jahr 1700 kam es überall im Land zu Mißständen. Ammänner und Richter mißbrauchten vielfach ihre Stellung in Eigennutz und Verwandtenwirtschaft. Durch private Nutzung und Verschwendung schmolz auch der Gemeinbesitz des Gerichts Hofsteig an Weide und Wald zusammen. Das Gericht beschaute keine Zäune und Gräben, man befolgte die Satzungen des Hofsteiger Landsbrauches nicht mehr. Die Reichen drangen mit Düngung und zweimaligem Mähen auf Kosten der Armen ins gemeinsame Weideland vor. (1/III/222 ff.) Die Unzufriedenheit des «Gemeinen Mannes» führte zu bösen Auftritten gegen die Richter und den Ammann. Als Sprecher der einfachen Leute verfaßte Georg Roner von Wolfurt eine Anklageschrift und suchte Hilfe beim Kaiser in Wien. 1706 kam es sogar zum bewaffneten Aufstand. Eine Änderung der Verhältnisse trat aber erst ein, als Georg Roner selbst 1710 und noch einmal 1713 zum Hofsteig-Ammann gewählt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Almenden des Gerichts auf die einzelnen Dörfer verteilt, nur der Ippachwald, die Auwälder an der Ach und das Ried blieben noch fast 100 Jahre im Gemeindebesitz. (1/III/232 und 273) Die Esche wurden auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Jetzt stand dem privaten Maisanbau nichts mehr im Wege. Die Anbauflächen stiegen ständig. 1727 weigerten sich die Hofsteiger noch, von der neuen Frucht, die bisher mit Kleinzehent besteuert worden war, von nun an Großzehent in natura abzuliefern, mußten aber schließlich doch den Zinsknechten den zehnten Kolben samt Stroh überlassen. Im Mehrerauer Zinsbuch von 1731 steht: «Allda wird das der Orten vor wenig Jahren entstandene und eingeführte Welschkorn unter den Großzehent gerechnet, daher in natura bezogen.» (Bilgeri, Holunder 1927/42) 28 In Wolfurt stieg der Welschkorn-Zehent von 78 Vierteln im Jahre 1732 auf 126 Viertel 1761. (2/93) 1817 übertraf in Wolfurt die Türkenernte mit 1620 Vierteln schon deutlich die Haberernte mit 1280 Vierteln. An der Spitze lag noch immer der Vesen mit 3250 Vierteln. Aber das allmorgendliche Habermus wurde langsam vom Türkenmus und schließlich vom TürkenStopfer verdrängt. Dazu eine Tabelle über die Getreideernte von Wolfurt im Notjahr 1817 im Vergleich mit den Nachbargemeinden. Ernteergebnisse 1817 in Vierteln (1 Viertel ist rund 13 kg). Vesen Wolfurt Lauterach Schwarzach Steußberg Kennelbach 3250 5850 1000 Haber 1280 2080 Dintel 1125 1530 Gerste Türken 1620 2120 unbekannt 100 3800 90 300 250 220 54 30 0 0 0 90 0 0 20 (2/65 ff) Eines von den 200 Wolfurter Bauernhäusern: Waibels in Unterlinden. Ein riesiger «Ufzug» für Vesen- und Türken-Korn und ein großer Keller für Obst, Kartoffeln und Most. 29 Das waren schon beachtliche Türken-Ernten, aber sie verdoppelten sich in den nächsten Jahrzehnten noch. 1840 hatte der Maisanbau im Lande alle anderen Getreidesorten hinter sich gelassen: Jetzt erntete Vorarlberg bereits 80.000 hl Mais gegenüber 55.000 hl Vesen und Gerste. (Bilgeri, Holunder 1934/20) Noch mehr verschob sich das Bild bis 1884. Aus diesem Jahr liegt eine detaillierte Angabe der Anbauflächen Vorarlbergs vor. 1783 ha Türken im Rheintal und im Walgau 883 ha Weizen im Rheintal. vor allem im Oberland 507 ha Vesen (Spelz) im Unterland 504 ha Gerste überall, vor allem im Montafon 458 ha Haber vor allem im Raum Bregenz 285 ha Roggen überall zerstreut 232 ha Mengfrucht Getreidemischung im Oberland 51 ha Halbfrucht Getreidemischung im Oberland Im Jahre 1884 hatte aber der Getreideanbau in Vorarlberg seinen Höhepunkt bereits überschritten. Als ab 1872 die Vorarlbergbahn ganze Schiffsladungen von Getreide zu den Mühlen brachte, und als gar 1884 der Arlbergtunnel als Tor zu den Kornkammern der Monarchie eröffnet wurde, ging der Getreideanbau im klimatisch benachteiligten Vorarlberg schnell zurück. Das zeigt sich am deutlichsten am Beispiel Türken, der doch mit -Riebel («Brösel». «Stopfar») und «Hafoloab». aber auch mit Polenta und Türkenmus die Mägen und Herzen der Vorarlberger erobert hatte: Das Rekordanbaujahr war 1896 mit 1832 ha Mais gewesen (2/82) 1884 waren es noch 1783 ha, 1913 waren es noch 1174 ha, 1933 nur mehr 241 ha. Durch den Zweiten Weltkrieg stieg die Anbaufläche noch einmal bis 1946 auf 547 ha. Dann verschwand der Türken bis 1955 fast völlig aus den Feldern. Heute bauen wieder manche Bauern Mais als Viehfutter an. Die Maismühlen findet man aber nur mehr in winzigen Modellen bei Hobby-Gärtnern und Kneipp-Vereinen. Der Müller Lorenz Gunz berichtet noch allerlei Interessantes in seiner Chronik: «Wie mein Großvater Lorenz Dür noch jung war (um 1800) sind die Bauern, wenn sie die Saat im Boden hatten, im Mai auf den Bühel hinaufgelegen und haben gesungen und gejodelt.» (16/225) «Im Herbst hatte man den Keller voll Kartoffeln, eine Stande voll Rüben, eine Stande voll Kraut, ein Schnitztrog hat nicht gefehlt («Schnitz» = gedörrtes Kernobst). Und dann hat man ein Schwein geschlachtet, oder zwei bis drei Bauern mitsammen eine Kuh. Den ganzen Aufzug (= Dachboden) voll Türkenkolben, auch ganze Tröge voll Weizen, Fese (= Vesen), Roggen und für die Pferde etwas Hafer. Die Bauern haben sich gesagt, wenn alles unter Dach und Fach gebracht war, jetzt laßt den Winter nur kommen. Die Bauern sind nach dem Futtern aufden Ofen gesessen und haben sich die Pfeife gestopft und haben Most und Schnaps getrunken . . .» (16/155) 30 Angebaut wurden «Das Brot wurde meistens selber gebacken. Kaffee gab es nicht. Am Morgen gab es ein dickes Türkenmus oder eine solche Suppe aus Hafer oder Türkenmehl mit gerösteten Kartoffeln zur Suppe. Ab und zu am Morgen ein Hafermus . . . Damals (um 1870) hat sich der Morgenkaffee mit Stopfer schon etwas vorgedrängt. Wenn im Sommer die Männer morgens im Feld gemäht haben, nahm die Hausfrau die Muspfanne auf den Rücken und die hölzernen Löffel in den Sack und trug das Frühstück ins Feld.» (16/156) Das Ried 1971. Flotzbach und Nöüwiesa waren bevorzugte Ackerflächen. Heute steht hier im Streuegebiet im Kupferloch der Güterbahnhof. Die Müller sammelten mit einem Pferdefuhrwerk die Bauernstumpen (kleine Getreidesäcke), jeder Sack war mit der Hausnummer gekennzeichnet. Beim Mais war auch noch ein kleiner Kleie-Säck dabei. Die Bauern brachten 10 bis 25 kg Mais zum Mahlen... Als Mahllohn nahm der Müller 1/16 Anteil vom Mehl. Die Bauern zweifelten oft an der Ehrlichkeit. (16/170) Ursprünglich mußten alle Hofsteiger ihr Getreide in Lauterach mahlen lassen, doch bald bekam auch die «hundsmühle» in Rickenbach ähnliche Rechte. Auch der Kellhof besaß eine Mühle im Tobel (der«Melber»), und zum Schloß gehörte eine Mühle im Holz. Am Ende des 18. Jahrhunderts finden wir eine Mühle im Rickenbacher Oberdorf und die Riedmühle im Kessel. Später entstanden eine zweite Mühle im Holz (bei der alten Schmiede) und Dreihers Mühle in Unterlinden, die zuletzt noch ein Sägewerk betrieb. Die Sippe Dür— Gunz erbaute um 1850 zwei Mühlen am Rickenbach, von denen sich eine zur Großmühle Gunz mit der Niederlassung in Bludenz entwickelte. 31 Um 1890 hatte schließlich auch noch J. W. Zuppinger zu seiner Spulenfabrik im Kessel eine turbinenbetriebene Großmühle erstellt. Nicht zu vergessen sind Hilaris Mühle auf dem Bühel und Zehrers elektrische Mühle im Strohdorf, die während der beiden Weltkriege viele Wolfurter Haushalte belieferten. Heute sind sie alle verschwunden. Kartoffeln («Erd-Öpfol», «Grumbbora», in Wolfurt sagt man «Bodo-Biera») 1530 kamen die Knollenfrüchte aus Südamerika nach Spanien. 1588 trafen sie als botanische Seltenheiten in Wien ein und 1594 in Frankfurt. Aber schon 1680 wurde die Kartoffel in Ostösterreich feldmäßig angebaut (Niedl, Alpenländische Wirtschaftsforschung 1972) In der Schweiz wurde sie ab 1730 angebaut und auf vielerlei Arten gegessen: gesotten, gedörrt, als Mehl, Brot oder Brei. Ähnlich wie bei uns lag sie aber dort noch 1790 mit Kürbis, Bohnen, Kraut und Rüben weit hinter den vielen Getreidearten zurück. Erst die vom «bleichen Kometen von 1769» angekündigten Hungerjahre 1770—1773 verhalfen der Kartoffel zum Durchbruch. (Bündner Monatsblatt 1982/117) In Wolfurt gaben die Verteilung der Felder anfangs des 18. Jahrhunderts, die Kultivierung der Insel und der Löcher 1773 und schließlich noch die Riedteilung 1798 den Bauern die Möglichkeit, neue Äcker anzulegen und mit den neuen Feldfrüchten Mais und Kartoffeln den Hunger zu besiegen. Das Jahr 1817 brachte durch Überschwemmung und Hagel im Vorjahr noch einmal eine Hungerkatastrophe, bei der viele Kinder sterben mußten. Wucherer sollen damals das Mehl mit Gips «gestreckt» haben. Dann aber stieg der Kartoffelanbau sprunghaft an und übertraf 1840 schon alle Getreidearten zusammen um das Dreifache. Auch als durch Getreideimporte ab 1870 der Ackerbau stark zurückging, konnte sich die Kartoffel im Lande halten und wurde zum weitaus wichtigsten Nahrungsmittel. Noch bis in die Mitte unseres Jahrhunderts beherrschte sie im bäuerlichen Haushalt den täglichen Mittags- und Abendtisch. So wie es in Wolfurt jeden Morgen «Stopfar» gab, kamen auch jeden Abend «brotene Bodo-Biera» auf den Tisch. Mittags aber gab es «gsottene Bodo-Biera» als Pellkartoffeln oder als Salzkartoffeln, Kartoffelknödel, Kartoffelpüree oder als Fastenspeise, Kartoffelnudeln oder Kartoffelküchle. Daneben bewährte sich die vielseitige Knollenfrucht aber auch noch als hervorragendes Mastfutter für Schweine und Hühner. Ab 1950 verschwanden nach den Weizen- und Maisäckern bald auch die Kartoffelfelder fast zur Gänze aus unserer Gemeinde. Man brauchte 1000 Bauplätze, dazu Ziergärten und Straßen. Erst in den letzten Jahren kündet sich eine Trendwende an. Da und dort gräbt wieder einer den Zierrasen um, stupft ein paar Zeilen Saatkartoffeln in die Erde und freut sich auf die Ernte im eigenen Acker. Weinbau in Wolfurt Im Lande Vorarlberg ist der Weinbau nahezu verschwunden. Nur wenige winzige Weinberge in Feldkirch und Röthis und einzelne Anlagen von Hobby-Winzern in Klaus und bei Bregenz sind geblieben. Am Ende des Mittelalters war das anders. «Weder der Ackerbau noch die Viehzucht beherrschten die Wirtschaft, vielmehr der Weinbau.» Weinhandel war der einträglichste Erwerbszweig der Stadt Bregenz. (Nägele im Heimatbuch Lauterach, 14/113) «Die Anlage von Rebenpflanzungen und ihre Pflege, die Kelterung und Aufbewahrung des Weines waren durch die Römer in Vorarlberg bekannt geworden» (Schwarz, Hkd. 1949). 32 Schloß Wolfurt um 1855. Das Bild zeigt noch den Weinberg am Südhang. 1856 wurde das Schloß vom Schloßbauern Xaver Köb an Jakob Hutter aus Bregenz verkauft, der es völlig umbaute und die Schloßgasse neu anlegte. (Zeichnung von August Kayser) Besonders im Feldkircher Raum hatte sich der Weinbau ausgebreitet, aber ab 800 n. Chr. läßt er sich nach St. Galler Urkunden auch in der Bregenzer Gegend und rund um den Bodensee nachweisen. Die Grundherren förderten den Anbau, vor allem waren es die Klöster St. Gallen und Mehrerau, aber auch reiche Bürger der Stadt Bregenz. Die Auwälder an der Ach waren im Besitz der Grafen von Bregenz. Obwohl die Hofsteiger hier Weiderechte besaßen, vergaben die Montforter große Teile der Wälder als Lehen zur Rodung, so daß dort Äcker und Weinberge entstanden. (Bilgeri, Hard 1955/106) Die Weinberge in der Ebene mußten allerdings durch massive Mauern gegen die häufigen Überschwemmungen geschützt werden. Sie hießen «Bitzen.» Ein solches Bütze-Weingut in der Größe von 4 Juchart/das sind etwa 180 ar) gehörte zum Emser Kellhof im Wolfurter Kirchdorf. Dort wuchsen noch bis 1810 Reben. Die letzten Bützemauern wurden erst 1978 zum Bau der neuen Raiffeisenbank abgerissen. Aus dem Kirchdorf-Brunnenbrief kennen wir auch einen Weinberg des Edlen Jakob auf Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1517. Die Emser Chronik schreibt 1616 von der Umgebung von Schloß Wolfurt: «In dieser gegne herumb hat es einen schönen Weinwachs und da sollicher (welchen man der gelegenheit nach Bregentzer nennt) reyff und gut wirdet, so ist er allenthalben gerahten, dann es selten beschicht». Der «Bregenzer» wuchs also zum größten Teil in Wolfurt und Lauterach. Im Jahre 1603 lieferte die Stadt von ihren Weinbergen nur 530 Hektoliter des köstlichen Getränks, ebensoviel kam aus Hofrieden, aber aus Hofsteig das dreifache (Holunder 1930/50). Der Wein wurde bis Augsburg gehandelt. Aber die «Seeweine» aus Bregenz galten als weniger gut als die «Bergweine» des Oberlands (Röthner und Ardetzenberger). Die SeeTraube war weiß, der Wein herb, sauer, jedoch sehr haltbar. (Weizenegger-Merkle, 1839) 33 Wegen der Klimaverschlechterung ging der Weinbau ab dem 16. Jahrhundert zurück. Schon 1537 warfen die Bregenzer den Hofsteigern vor, daß ihr Wein schwer verkäuflich sei. (1/III/433-23) Auch Hans Georg Edler von Wolfurt berichtet 1580 «die reben erfrüren». Und 1595 wurde gar in Bregenz die Hofsteiger Frau Anna Martin als Hexe gefoltert, bis sie gestand, sie habe sich dem Teufel ergeben und den Weinberg in der «Bütze» mit einer Teufelssalbe verdorben. (Bilgeri, «Bregenz»/226) Aber noch lange gehörten neben dem Weinbau das Küferhandwerk und die Lieferung von Rebstecken zu den Erwerbsquellen der Hofsteiger, bis im 19. Jahrhundert Schädlinge, Pilzkrankheiten und vor allem der durch die Eisenbahn erleichterte Wein-Import die Torggel gänzlich verschlossen. Die Chronisten Engelbert Köb und Lorenz Gunz nennen noch die letzten Weinberge, die sie aus ihrer Jugend (um 1880) kannten: Schloßbühel, Narrenberg, Rutzenberg und Kella. Bei der Zählung von 1880 wies Wolfurt als einzige Hofsteiggemeinde noch 2 1/2 Joch Weingärten auf (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887). Auch die Skizze von Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1855 zeigt noch den Weinberg auf der Südseite. Der letzte war wohl der Weinberg am Kirchbühel im Tobel, den Pfarrer Sieber noch 1882 betreute. (16/442 und Köb 65) Heute erinnnern nur noch die Straßennamen Rebberg und Wingertgasse an die einst für Wolfurt so wichtigen Reben. vergessen, daß bei der Felderverteilung 1773 und bei der Waldverteilung 1795 die Ernte von Eicheln und Wildobst-Bäumen ausdrücklich ausgenommen und der Allgemeinheit vorbehalten wurde. Nach der Grundstückverteilung nahm der Obstbau am allgemeinen Aufschwung teil. Beim Rückgang des Ackerbaus und Weinbaus im 19. Jahrhundert erreichte er seinen Höhepunkt. In den freigewordenen Äckern rund um das Dorf wuchs innerhalb einiger Jahrzehnte ein riesiger Obstwald heran. Allein J.W. Zuppinger, der die großen Streuegründe im Schlatt gekauft und entwässert hatte, soll dort mehr als 2000 Obstbäume gesetzt haben (Gunz 16/25). Zuppinger begründete mit dem Lehrer Rädler eine Fortbildungsschule für Landwirte und einen Obstbauverein. Jetzt verschwanden die alten «Kriechen»-Steinobstsorten zugunsten süßer Zwetschken und Pflaumen. An den sonnigen Hauswänden trugen wieder Reben ihre süßen Früchte. In den Haus-Gütern aber pflegte man eine bunte Vielzahl von Obstsorten mit speziellen Eigenschaften als Früh- oder Lagerobst, zum Dörren oder zum Mosten. Da gab es zahlreiche, gegen Schädlinge widerstandfähige Apfelsorten wie Jockobacher, Brenntowinar, Schmelgar, Broattatscher, Hindorhusar, Süoßlar, Türko-, Dafad-, HerroÖpfol, Leodorar, Isnar, Brünnorling, Schwarzacher u.v.a. Die bekanntesten von den in Wolfurt heimischen Birnensorten waren wohl Konstanzar-Länglar, Strick-, Lang-, Wiß-, Rößle-, Höubiora, Wittfeldora, Döübola, Kaisorbiora, Wigärtla, Fleisch- und Klosobiora. Aber jeder alte Wolfurter Bauer könnte noch andere aufzählen. Frischobst deckte den Vitaminbedarf der Familie im gemüsearmen Winter. Das auf dem sonnigen Vordächle der Rheintalhäuser oder im Ofenrohr getrocknete Dörrobst war als «Schnitz» eine beliebte Süßigkeit. Die Mutter backte allerlei Süßspeisen, wie Schnitzkichora oder Ofokatz, vor allem aber für Weihnachten und Neujahr den köstlichen «Moltschero», das nur im Hofsteig und Lustenau unter diesem Namen bekannte Birnenbrot. Obstbau Schon in den Pfahlbauten lassen sich gedörrte Äpfel nachweisen und in der Römerzeit nahm der Obstbau einen beachtlichen Aufschwung. Die Alemannen eigneten sich bald nach ihrer Einwanderung den Umgang mit dem Obst so an, daß Most und Wein an die Stelle des germanischen Biers traten. In der Hausbündt pflanzten sie Apfel-, Birn- und Nußbäume bis nahe an die Grenze «vier schuech von der mark». Was von der Ernte auf Nachbargrund fiel, mußte nach dem Landesbrauch geteilt werden. Später setzte sich die Regelung durch, daß überhängende Äste abgeschnitten werden durften. «. . . soll niemand den anderen übersetzen mit pomben, das das trof auf sich selbs falle . ' . . » , (Landsbrauch 10/145) Selbstverständlich zahlten die Zinsbauern einen Zehentanteil von ihrer Ernte an Äpfeln, Birnen und Nüssen an den Grundherrn. Alle fruchttragenden Bäume im Wald und in den Almenden im Ried und an der Ach gehörten der Gemeinschaft und standen unter besonderem Schutz. Eigens bestellte Bannwarte hatten die Aufsicht «zu solchem zesehen, auf dem veld und auch zu den pombgärten und krautgärten». Das Gericht setzte die Erntetage in der Almende fest. Erst auf ein Zeichen mit den Kirchenglocken durften die Felder betreten werden. Jeder Hofsteiger nahm von den Holzäpfeln und Eicheln, soviel er tragen konnte. Wagen und Pferde waren nicht erlaubt. (Holunder 1931/26) «von sanct Gallentag bis zu mitem Mertzen» standen die Almenden mit ihren Bäumen dem Zugang frei. Noch heute kennt man in Wolfurt den Spruch «Gallen Tag ist gsi, was i find, ghört mi». Aber heute gibt es keine Almende mehr, wo einem nach dem 16. Oktober das Sammeln von Holzäpfeln, Nüssen oder Eicheln Freude bereiten könnte. Es wurde längst 34 Schnapsbrenner 1915 bei Orglers in der Bütze 35 Ein großer Teil der Obsternte wurde zermahlen und in hauseigenen kleinen Torggeln gepreßt oder in großen Maischefässern der Vergärung zugeführt. Most und Schnaps gab es daher in jedem Haus genug und manchmal auch zuviel. Nach 1950 wurde der Wolfurter Obstwald stark gelichtet. Die vielen neuen Häuser, die breiten Schnellstraßen brauchten Platz. Import-Obst und Südfrüchte verdrängten die alten robusten Sorten. Neue Edelsorten leiden aber vielfach unter Krankheiten und benötigen chemische Mittel als Schutz. Seit etwa 1970 ist daher wieder eine Rückbesinnung spürbar. Es werden mit Unterstützung durch die Gemeinde wieder Hochstammbäume gepflanzt. Bauernmost erobert sich wieder einen Platz neben Bier und Wein, und «Wolfurter Subirar» ist eine geschätzte Alkohol-Spezialität geworden. Viehzucht Vorarlberg ist mit jährlich 1400 bis 1800 mm Niederschlag so regenreich, daß Ackerbau hier immer ein Kampf mit den Unbilden des Wetters war. Das gilt besonders auch für das Wolfurter Gebiet mit seiner Staulage am Steußberg und den frühen Herbstnebeln am Bodensee. Sehr wohl aber ist es mit großen Weideflächen für Viehzucht geeignet. So haben hier schon die Räter Milchwirtschaft getrieben und sogar Käse exportiert. (Bilgeri 1/I/19) Auch die Alemannen versorgten sich selbst mit Fleisch, Milch und Käse und weiteten die großen Sommerweiden in den Alpen durch Rodungen noch aus. Aus den großen Herrenhöfen des Mittelalters floß mit dem Klein-Zehent ein beachtlicher Strom von Milch, Butter, Käse, Eiern, Geflügel und Kälbern auf das Schloß, in die Stadt oder ins Kloster und mit dem «Besthaupt» nahm auch manche schöne Kuh den Weg dort hin. Sonst dienten die Erzeugnisse der Viehzucht aber eigentlich nur der Selbstversorgung. Der Hofsteiger Landsbrauch bestimmte, wo Hengst, Stier und Eber in Wolfurt zu halten waren: «Item der hof zu Staig soll haben ainen fohlen und ainen pfarren. Item der kelnhof zu wolfurt soll haben ainen eber und ainen pfarren». (10/148) Als sich der Kellhof 1771 von Hohenems löste, waren seine vier Höfe weiterhin verpflichtet, abwechselnd den «Wucherstier» für die Dorfgemeinschaft zu halten. (Wolfurter Steuerbuch 1771 u. 1778) Damals besaßen die meisten Bauern nur eine oder zwei Kühe in ihren kleinen dunklen Ställen. Unter den 48 Häusern des Kirchdorfs, für die im Jahre 1823 eine genaue Aufstellung gemacht wurde, waren nur drei «Großbauern»: Ammann Fischers Witwe im Engel mit 1 Pferd und3Kühen, Jakob Rohner in derBützemit2 Pferden und 3 Kühen, schließlich Andreas Vonach beim Brunnen in der Kreuzstraße mit 2 Pferden und 5 Kühen. Sechs Familien besaßen kein Vieh. Es gab noch keine Sennereien im Tal, sondern nur auf den Alpen. Etwa 1830 brachten Schweizer Sennen ihre Kunst in den Bregenzerwald und schon 1850 zogen auch Bregenzerwälder selbst als Sennlehrer in die Donauländer und ins Ausland. Jetzt exportierte man Käse achtspännig nach Mailand, nach Wien und sogar nach Polen. (Burtscher, Holunder 1928/45) Der Rückgang des Getreideanbaus zwang die Bauern im Rheintal zur Umstellung auf die Milchwirtschaft. 1871 schlossen sich 34 Bauern zu einer Sennereigenossenschaft zusammen und begannen mit der Milchverarbeitung im Dorf. Daneben führten die Gunzbuben 36 Der Löwenwirt mit seiner Heuer-Mannschaft. Auch der Most-Putsch darf nicht fehlen. noch täglich Milch aus Schwarzach und Rickenbach mit ihrem Pferde-Fuhrwerk nach Lindau in die «Milchfabrik». Durch das Verdienst von Lehrer Wendelin Rädler wurden 1882 im Kirchdorf und 1884 an der Hub Sennereien erbaut, wo die Bauern nun für ihre Milch ein paar Kreuzer einnehmen konnten. Rädler bereiste später das ganze Land, um die Bauern zum Zusammenschluß in Genossenschaften zu überreden. Im Laufe der Jahre gelang ihm die Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ähnlich vielen Sennereigenossenschaften in allen Tälern des Landes, wofür er vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz erhielt. Im Jahre 1880 zählte man in den 272 Häusern von Wolfurt 213 Bauernfamilien mit 38 Pferden, 680 Rindern (darunter 426 Milchkühen), 106 Ziegen und 192 Schweinen. (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887) Ähnlich groß blieben die Viehzahlen bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Eigenversorgung mit Milchprodukten einen besonders hohen Wert darstellte. Dann fielen die Zahlen rapide. 1983 zählte man in den rund 1100 Häusern von Wolfurt nur mehr ein gutes Dutzend Bauernfamilien mit 6 Pferden, 314 Rindern, 13 Ziegen, 69 Schafen und 39 Schweinen. Die wenigen Milchbauern erreichten mit ihren Hochleistungskühen immer bessere Milcherträge und haben Absatzschwierigkeiten. Jedes Jahr im September treiben sie die mit prachtvollen Glocken geschmückten Tiere zum Kuhfest. Aber nur noch diesen einen Tag stehen die Bauern mit ihrer Arbeit im Mittelpunkt des Dorfgeschehens, sonst finden sie selten die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihnen als den Hauptverantwortlichen für unsere Natur und unsere Nahrung zusteht. 37 Alexander Natter 1 ALLGEMEINES Im Frühjahr dieses Bedenkjahres 1988 haben wir (August Geiger, Gemeindessekretär i. R., Heinrich Köb, Herbert Moosmann, Bertram Thaler und Alexander Natter) uns im Rahmen des Projektes Dorfgeschichte des Katholischen Bildungswerkes Wolfurt mit der geschichtlichen Vergangenheit der 30er Jahre in unserer Gemeinde beschäftigt. Das Ergebnis dieser Arbeit präsentierten wir im Rahmen einer Veranstaltung unter gleicher thematischer Überschrift. Wir waren bemüht, Geschichte objektiv darzustellen. Dieser Anspruch wird jedoch nie absolut erfüllt werden können. Sie wird immer vom Standpunkt oder Blickwinkel des «Betrachters» beleuchtet und damit immer auch subjektiv sein. Auch wir haben ausgewählt aus: längeren, teilweise bis zu eineinhalb Stunden dauernden Interviews, die uns von einigen Personen, die diese Zeit erlebt haben, auf Band gegeben wurden und zum Teil durch sehr persönliche Stellungnahmen geprägt waren; zahlreichen Fotos dieser Zeit, die uns von den Interview-Partnern zur Verfügung gestellt wurden und bisher noch nirgends veröffentlicht wurden; einer Fülle von Zeitungsberichten verschiedener Vorarlberger Blätter dieser Zeit und dem Protokollbuch der Wolfurter Gemeindevertretung, das den betreffenden Zeitabschnitt beinhaltet. Nachdem unsere Aufarbeitung dieser Zeit, im besonderen in Zusammennhang mit dem Nationalszialismus, mit kritischer Distanz und auch Angst, daß «alte, längst zugeschüttete, Gräben wieder aufgerissen werden könnten», verfolgt wurde, waren wir bestrebt, die Veranstaltung in ihrem Inhalt allgemein zu halten und keine Personen namentlich zu nennen. Nicht wenige, die in den 30er Jahren politisch in der Gemeinde aktiv waren, leben noch, jedenfalls aber deren unmittelbare Nachkommen. So kam es dann, daß für den einen Besucher das Thema «seriös aufgearbeitet» war, für andere wiederum die Dinge zuwenig beim Namen genannt wurden. Verständlicherweise kann die Auseinandersetzung mit der eigenen Alltagsgeschichte kaum neue historische Erkenntnisse bringen. Im wesentlichen sind alle Fakten bereits bekannt. Was aber erzielt werden kann ist: unmittelbare Betroffenheit. Betroffenheit deshalb, weil es sich hier nicht um die Darstellung geschichtlicher Ereignisse handelt, die sich zwar zugetragen haben, aufgrund der übergeordneten Bedeutsamkeit den einzelnen aber nicht 38 unmittelbar berühren, sondern weil es sich um historische Berichterstattung handelt, die die Geschichte der Gemeinde als unmittelbaren Nahbereich und im besonderen die ganz persönliche Lebensgeschichte berührt. Dabei geht es nicht in erster Linie um Jahreszahlen. Geschichte schreibende Politiker oder markante historische Ereignisse. Vielmehr erfahren wir. wie die in den 30er Jahren bestehenden wirtschaftlicehn Verhältnisse, die damals gemachte Politik und deren Propaganda in die Lebensverhältnisse des einzelnen Menschen unmittelbar eingegriffen und diese bestimmt haben und den einzelnen in einem Wechselbad ständiger politischer Beeinflussung für sich zu gewinnen suchte. Nachfolgende Zeilen bringen nun eine Zusammenfassung dieser Veranstaltung «Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren». Sie gliederte sich — wie dieser Beitrag auch — in die Teilbereiche Arbeitswelt, Information und Politik, Alltag und Der Anschluß. Abschließend sei noch betont, daß diese wenigen Gedanken nicht im entferntesten als abgerundete Darstellung dieser Zeit in bezug auf unsere Gemeinde gewertet werden können. sie können höchstens als Impuls für die weitere Auseinandersetzung angesehen werden. Ziel der Veranstaltung war. wie es auch dieses zusammenfassenden Artikels ist. «Spotlights» zu zeigen, einzelne Standpunkte. Ereignissse. Bilder exemplarisch aufleuchten zu lassen. 2 STRUKTURDATEN Bevor wir aber auf die oben angeführten Bereiche eingehen, wollen wir uns noch einen kleinen Einblick in die damaligen dörflichen Strukturen unserer Gemeinde verschaffen. Über den Stand der Bevölkerung und deren wirtschaftliche Zugehörigkeit gibt uns die Volkszählung vom 22. März 1934 Auskunft. Sie weist aus, daß zu diesem Stichtag in Wolfurt 325 Häuser standen und 2086 Menschen lebten. 23 % ließen sich dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft, 54 % dem Gewerbe und der Industrie und 15 % dem Dienstleistungs-Sektor zuordnen. Zum Vergleich das Volkszählungsergebnis von 1981: 1203 Häuser, 6589 Einwohner, davon 2 7c Land- und Forstwirtschaft. 48 % Gewerbe und Industrie, 37 % Dienstleistungsbereich. Die Landwirtschaft hatte, gegenüber heute, natürlich einen anderen Stellenwert. Gab es 1934 in unsere Gemeinde 374 Kühe. 540 Schweine und 2651 Hühner, waren es 1987 nur noch 126 Kühe, 31 Schweine und 181 Hühner. Die Mobilität der Bevölkerung war natürlich bei weitem nicht in dem Maße gegeben, wie wir sie heute kennen. Dafür kannte man aber auch noch keine Umweltverschmutzung durch die Kraftfahrzeuge. 1933 verkehrten in Wolfurt 10 PKWs, 10 LKWs und 25 Motorräder. Über die politischen Verhältnisse können uns die Stimmenergebnisse der bis 1945 letzten Landtagswahl im Jahr 1932 geben. (Die Ziffer in Klammer bezieht sich auf die Landtagswahl 1928). 39
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_..._2000 Wolfurt 01.05.2000 19.11.2012, 18:20 Heft 24 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 2000 Bild 1: Das offizielle Wappen der Gemeinde Wolfurt, von der Landesregierung verliehen am 6. Oktober 1928, aber schon seit 1893 als Gemeindesiegel geführt. Inhalt: 121. 122. 123. 124. Wolfurt und Wolford Haltmayer-Sippe Vorsteher und Bürgermeister (3) Der kleine Lehrer, Schulen in Wolfurt. Bildnachweis: Reinhold Köb Bild 13 Siegfried Heim Bilder 24, 28 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Dorfbrunnen (Heft 23, S. 6) Nicht alle haben die Abschriften der alten Briefe ganz durchgelesen. Andere zeigten sich über den Inhalt dieser Zeit-Dokumente überrascht. Kann es stimmen, daß die 51 Bauern des Dorfes zusammen nur 83 Kühe hatten? Oder daß man von ganz weit unten an der Lauteracherstraße das Wasser vom Dorfbrunnen holen mußte? Genau hat der Bürgermeister den Bericht studiert. Aus den Akten der Gemeinde hat mir Dr. Sylv Schneider darauf zwei wichtige Ergänzungen gebracht. Danach haben sich die 57 Mitglieder der Brunnengenossenschaft Kirchdorf am Montag, 29. September 1952, noch ein letztes Mal zu einer Versammlung im Rößle getroffen. Sie stellten mit all ihren Unterschriften ein Ansuchen an die Gemeinde, diese möge beide Laufbrunnen an die neu errichtete Gemeinde-Wasserleitung anschließen. Dafür boten sie ihre Holzteile an und erklärten sich bereit, die Urkunde für das Grundbuch zu unterfertigen. Damit war die über 400 Jahre alte Genossenschaft also aufgelöst. Die wegen der großen Zahl der Anteile sehr komplizierte Übertragung im Grundbuch wurde aber bis zum Jahre 2000, also nun bald ein halbes Jahrhundert lang, noch immer nicht durchgeführt. Schon nach fünf Jahren erklärten die "ehemaligen" Mitglieder der Genossenschaft am 20. September 1957 mit ihrer Unterschrift, daß sie mit der Entfernung des (Kleinen) Brunnens an der Kreuzstraße einverstanden seien. Ausdrücklich entbanden sie die Gemeinde von der von ihr übernommenen Verpflichtung zur Erhaltung dieses Brunnens. Der Hauptbrunnen am Kirchplatz und die Waschhütte blieben ja vorerst noch bestehen. Aus beiden Verträgen läßt sich das Wohngebiet der zu versorgenden Genossenschaft genau abgrenzen. Es reichte noch immer von Franz Müller, Bregenzerstraße 11, bis zu Zilla Zoller, Kirchstraße 16, und von Dr. Hermann Mohr, Kellhofstraße 11, bis zum Schindlerhaus, Feldeggstraße 11. Auch Alois Klocker, Schloßgasse 4, war eingeschlossen. Hexen in Wolfurt (Heft 23, S. 30) In mehreren Gesprächen bestätigten mir Leser, sie hätten auch noch solche Hexen oder eben Frauen, denen man böse Künste zutraute, gekannt. Der Dornbirner Historiker Franz Kalb wußte von einer in Wolfurt 1813 geborenen Frau Ursula, die nach Hatlerdorf geheiratet hatte und dort unter dem Schimpfwort s Bockwible in argen Verruf kam. Danke! Über unsere Bitte im letzten Heft sind wieder viele Spenden auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt eingegangen. Damit können wir einen großen Teil der Druckkosten abdecken. Allen Spendern ein herzliches Danke schön! Dank sagen wir aber auch der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Siegfried Heim Wolfurt und Wolford Wahrscheinlich haben Sie jetzt an eine weltweit bekannte Strumpfmarke gedacht! Mir aber geht es um den Namen unserer Gemeinde Wolfurt. Im Jahr 1999 haben einige von unseren Nachbargemeinden ihren 750. Namenstag gefeiert. Da stellte sich auch die Frage nach der ersten Nennung des Namens Wolfurt. In Heft 22 bin ich kurz darauf eingegangen. In Büchern und alten Dokumenten habe ich noch mehr darüber gefunden. Ich kann jetzt das älteste Wolfurt-Datum auf 1219 korrigieren. Seit es bei uns eine Schule gibt, haben Lehrer den Schülern beigebracht, der Name Wolfurt bedeute wohle Furt, also so viel wie gute Furt. Im 18. Jahrhundert schrieb man auch meist Wohlfurt oder Wohlfurth. Wir erkennen das Gut-Sein in Wohl-Tat, in Wohl-Geruch und in Wohl- Wollen, aber gegen ein Wohl bei unserer Furt über die Ach gibt es einige Gründe. Ganz sicher war die Ach mit ihren vielen Hochwässern immer ein sehr gefährlicher Fluß, für dessen Überquerung schon die Römer eine Brücke bauten, weil ihnen die Furt der Räter zu risikoreich war. Auch im Mittelalter konnte die Furt nur in trockenen Sommerwochen eine gute sein. An anderen Flüssen mag es gute Furten gegeben haben, das Bestimmungswort wohl wurde aber nirgends zur Namensgebung für eine Furt verwendet. Flußübergänge benannte man meist nach der Habe, die dort an das andere Ufer gebracht wurde, etwa. Heufurt, Schweinfurt, Rindsfurt und Steinfurt, oder nach Leuten, die hier durchzogen, Frankfurt. Oft gab ihnen der Fluß selbst den Namen, Klagenfurt (Glan-Furt). Ein Sprachwissenschaftler, der in Wol-Furt ähnlich wie in Wal-Gau das alte Wort wälsch vermutete, deutete den Namen sogar als Furt ins Land der noch nicht alemannisch sprechenden Rätoromanen. Wahrscheinlich hat der Name Wolfurt aber gar keinen Bezug zu einer Furt über die Ach! Er taucht nämlich um 1220 zuerst als der eines Rittergeschlechtes auf. Dessen Burg sicherte den damaligen Zugang über den Steußberg in den von rivalisierenden Grafen umstrittenen Bregenzerwald. Viel näher an der Ach und an der Furt stand Burg Veldegg im Oberfeld. Diese konnte daher auch eher den Flußübergang kontrollieren. Am Fuß der Burg Wolfurt übernahm die Häusergruppe um die Kapelle St. Nikolaus den Namen. Vorerst galt er nur für diesen Ortsteil. Die Papsturkunde von 1249 stellt ihn in die richtige Reihenfolge: ...Kaenalbach,Ahe, Wolfurt, Berge, Staige, Rikembach, Swarzahe... Wolfurt lag demnach abseits der Furt, durch die Ansiedlung Ach und den Weg über das Oberfeld vom Fluß getrennt. Noch lange, im Sprachgebrauch der Einheimischen bis ins 19. Jahrhundert, hielt sich der Name Wolfurt für die Häuser des Kirchdorfs und unterschied diese von denen an der Ach, in Unterlinden und in den anderen Teilen der Gemeinde. Bild 2: Gaststube im Rößle 1935 Alte Gasthäuser (Heft 23, S. 46) Zu gut sind uns die abgebildeten Gaststätten noch bekannt, wenigstens von außen. Daß es aber vereinzelt auch Bilder vom Innenleben in den Gaststuben gibt, bewies Georg Klettl, der mir zwei alte Fotos überließ. Eines zeigt eine fröhliche Gesellschaft bei Bier und Gesang um 1935 im Rößle. Von links: Georg Böhler (Steonowiorts Hansiorgos), Josef Bernhard (Schrinars Seppl) mit einer jungen Dame, Gebhard Höfle (Kiorchomoastor) ebenfalls mit Dame, Gebhard Schwärzler (Liborats Geobärtle), Rößlewirt Eugen Müller und seine damals ganz junge Frau Dora. Ahnenforschung Aus Freyung in Bayern hat der 85jährige Otto Zuppinger geschrieben und sich mit zahlreichen Fotos nach seinen Wolfurter Ahnen erkundigt. Er und vor ihm sein Vater haben seit 1891 die dortige Filiale der Spulenfabrik Zuppinger geleitet und sie zu einem Betrieb mit 100 Beschäftigten ausgebaut. Den älteren unter uns, besonders den Rickenbachern, ist der Name Zuppinger noch sehr geläufig. Einiges über den für unsere Gemeinde so wichtigen Spulenfabrikanten, Müller und Großbauern Joh. Walter Zuppinger finden Sie auch in diesem Heft oder in Heft 22 in den Artikeln über die Vorsteher. 4 5 Erstmals in der Gründungsurkunde der Pfarrei vom Jahre 1512 und dann auch mehrfach in dem von Landschreiber Witweyler 1596 aufgeschriebenen Hofsteigischen Landsbrauch meint man mit Wolfurt das ganze heutige Gemeindegebiet, etwa bei den Vorschlägen zur Ammann-Wahl: .... drey ehrliche männer, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, abm berg oder von Schwartzach...' Wie schreibt man Wolfurt? Ab jetzt wechselte die Schreibart des nicht mehr verstandenen Wortes oft in Wollfurt, Wolffurt, Wohlfurth und andere Formen, bis seit etwa zweihundert Jahren mit Wolfurt das alte Original vom Jahre 1219 wieder gebräuchlich wurde. Fast überall hatten die Schreiber im 13. und 14. Jahrhundert auf über dreißig erhaltenen Pergamenten und Siegeln für die Ritter die lateinische Form MILES DE WOLFURT verwendet. Nur vereinzelt taucht einmal ein WOLFFURT auf.2 Völlig verändert finden wir den Namen im ältesten Brunnenbrief von 1517 beim Edlen und Vesten Jakoben von Wohlfurth uf Wohlfurth? Im Jahre 1591 unterschrieb Pfarrer Fischer sein Testament eigenhändig mit Sebastianus Vischer Pfarherr zue Wolffurt. Der bekannte Geograph Merian bezeichnete 1643 unser Schloß in seiner Beschreibung Schwabens auf einem Bild der Stadt Bregenz gar mit Wolffort.4 Wieder hundert Jahre später schuf Blasius Hueber seine Vorarlbergkarte von 1774. Da verwendete er bereits die Schreibart Wohlfurt. Dagegen beharrte das Kaiserliche Oberamt weiterhin auf dem altertümlichen th im Auslaut. In einem Schreiben von 1775 nannte es die fünf Hofsteig-Gemeinden Luterach, Hardt, Wohlfurth, Schwartzach und Stüßberg.5 Die gleiche Schreibung Wohlfurth gebrauchte zu dieser Zeit auch noch der Hofsteig-Ammann Joseph Fischer. In den ersten Seelenbeschrieben ab 1760 verzichteten die Pfarrer J. Andreas Feurstein und Lorenz Gmeiner dagegen jetzt auf das erste h und schrieben auf jede neue Buchseite ihr Wolfurth. Der erste Wolfurter Vorsteher Joh. Gg. Fischer tat es ihnen 1811 noch gleich. Ebenso schrieb auch das Königl. Bayr. Amtsgericht 1808 an Jakob Schertler in Wolfurth. Zu dieser Zeit verfaßte aber der Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider bereits ab 1802 seine Chronik.6 Und dort verzichtete er auch auf das zweite h und schrieb durchgehend das moderne Wolfurt. So schrieben es auch ab 1814 der gelehrte Pfarrer Graßmayer und danach die meisten Vorsteher. Damit schien diese Schreibart zur Regel zu werden. Es folgten aber noch einige Rückfälle. Aus unerklärlichen Gründen wählte in Bregenz der Historiker Weizenegger in seinem dreibändigen Werk Vorarlberg, verfaßt um 1820 und herausgegeben von Pater Merkle im Jahre 1839, durchgehend die ausgefallene Schreibart Wolffurth. Er fand aber keine Nachahmer. Die Lehrer und im Familienbuch von 1850 auch der Gemeindeschreiber blieben bei Wolfurt. Der Vorste6 Bild 3: Hohen-Bregentz und ganz rechts Schloß Wolffort auf einer Merian-Karte von 1643. Vier Jahre später haben die Schweden die Burg Hohen-Bregenz gesprengt. her ließ jetzt sogar einen Stempel Gemeinde Vorstehung Wolfurt anfertigen. Nur die vorgesetzten Ämter brauchten noch etwas länger. Aus Innsbruck kamen 1870 die Verleihung der ersten Postmeisterstelle an Vorsteher Mayer in Wolfurth und die Genehmigung zur Führung einer Stampiglie Postamt Wolfurth ab 1. Jänner 1871. Immer seltener tauchte dann aber in amtlichen Schreiben das altmodische th auf, häufiger noch in privaten Briefen. Als die Vorarlberger Landesregierung der Gemeinde Wolfurt mit der schönen Urkunde vom 6. Oktober 1928 die Führung des alten Ritterwappens als Gemeindewappen bestätigte, stand die Schreibung des Namens Wolfurt in seiner heutigen Form aber nicht mehr in Frage. (Siehe Titelbild!) 7 Bild 4: Ältestes WolfurtDokument (1220) im Landesarchiv: .... aut in Wolfurt semper et in Luterach .... .... Cunradus et frater suus milites de Wolfurt Kaiser für seine vielen Heerzüge nach Italien und zuletzt für seinen Kreuzzug Ritter aus ganz Europa um sich sammelte. Zu solch fahrenden Rittern, die ihr Schwert je nach Aussicht auf Erfolg und Beute wechselnden Herren liehen, gehörten einige Zeit später ja auch die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt. Das berühmteste Bild eines englischen Söldnerführers hat Paolo Uccello 1436 an die Wand des Doms von Florenz gemalt. Er betitelte es mit Johannes acutus eques britannicus. Die Florentiner nannten den gefürchteten Herzog Giovanni acuta, den Scharfen Hans, Ritter aus Britannien. Die Sage von Ritter Wolfford Wo aber stammte dieses Ritterwappen her? Wer trug zuerst den wilden Wolf und das Wasser der Furt auf seinem Schild? Die ältesten Dokumente, die von dem Geschlecht Zeugnis geben, stammen aus der Zeit um das Jahr 1220. Als in Lindau die Seelsorge in den Orten rund um Bregenz geregelt wurde, traten unter den Zeugen zwei Brüder auf: Cun. etfrater suus milites de Wolfurt. Das Pergament mit dem Lindauer Schiedsspruch enthält, allerdings ohne genaue Datumsangabe, die älteste erhaltene Namensnennung von Wolfurt im Vorarlberger Landesarchiv.7 Genau datiert, und zwar auf den 31. März 1219, ist eine Weißenauer Urkunde im Stiftsarchiv St. Gallen. Papst Honorius nimmt darin das Kloster Weißenau unter seinen Schutz, dazu mit all dessen Besitz auch ein Gut in Wolfurt,... predium in Wolfurt ... Hier ist Wolfurt also erstmals8 als Ort genannt, ein zweites Mal dann auch 1226 bei der Schenkung der Kapelle an Weißenau. Das Adelsgeschlecht hatte sich um diese Zeit bereits über Lindau bis Überlingen ausgebreitet und wurde jetz rasch hintereinander mehrfach in Urkunden erwähnt.9 Die Ritter von Wolfurt galten als Gefolgsleute der Staufer. Man darf annehmen, daß schon Kaiser Friedrich Barbarossa, zu dessen Hausmacht seit der Schenkung von 1157 der Kellhof und die Kapelle St. Nikolaus gehörten, einen seiner Ritter mit der Burg belehnt hat. Unter den Erben von Schloß Wolfurt, auch unter den nachfolgenden Adelsgeschlechtern der Leber, Reichart und Greiffenegg, blieb über Jahrhunderte die Sage vom schottischen Stammvater M'Dewr the Wolf erhalten. Das schottische Wolfford oder Wolvesford hätte sich hier zu Wolfurt gewandelt. Als erster schrieb Weizenegger die Sage um 1820 auf.10 Sie ist keineswegs unglaubwürdig, wenn man weiß, daß der 8 Ritter Konrad Von ihm gibt es zwar kein gemaltes Bild, aber die Forschungen von Karl Heinz Burmeister in den Archiven Schwabens, Ungarns und Italiens stellen uns den mächtigen Feldherrn und Herzog als wichtig- Bild 5: Joannes acutus, der Scharfe Hans, sten Vertreter der Ritter mit dem Wolfs- ein britischer Söldnerführer schild doch deutlich vor Augen.11 In der Vorarlberger Geschichtsschreibung hatte man das Geschlecht lange vernachlässigt. In Ungarn war im Jahre 1308 der Franzose Karl von Anjou König geworden. Um die Macht des einheimischen Adels zu brechen, rief er westeuropäische Ritter ins Land. Unter ihnen befanden sich auch die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt. König Karls Sohn Ludwig der Große, die Ungarn nennen ihn Lajos Nagy, schuf aus Ungarn ein Großreich von der Adria bis zur Ostsee. Als er 1348 auch das Königreich Neapel eroberte, standen neben dem deutschen Herzog Werner von Urslingen die beiden Wolfurter Ritter an der Spitze seiner Söldnerheere. Ulrich wurde Statthalter des Königs in Neapel, Konrad Befehlshaber in Apulien. Als Herzog Werner zum Gegner überging, kam es zu einem grausamen Bürgerkrieg. Italienische Chroniken12 berichten von der ungewöhnlichen Tapferkeit und der Kriegskunst der Wolfurter. Konrad führte seine Scharen durch das Land, plünderte die Städte Foggia, Capua und Aversa und erpreßte von den Gefangenen riesige Lösegeldsummen. Nach seinem Vater Wolf von Wolfurt nannte man ihn jetzt Currado Lupo, Konrad den Wolf. Mit ungeheuren Schätzen an geraubtem Gold und Kirchenschmuck und mit vielen entführten Frauen und Mädchen kehrten die Ritter auf ihre Besitzungen in Ungarn und Schwaben heim und erwarben dort Burgen und Ländereien. 9 Transportunternehmen Wolford und in Florida in den USA eine Autowerkstätte Wolford.14 Am Muddy Creek nahe Kremmling in Colorado wurde erst 1996 ein riesiger See aufgestaut, der den Namen Wolford Mountain Reservoir trägt. Und eine Wolfsfurt über die Lahn gab es einst in der Nähe von Gießen.'15 Wolford Und dann gibt es natürlich auch noch die weltbekannte Bregenzer Firma Wolford, deren Name bei Damen mit schönen Strümpfen und bei Besitzern von steigenden Aktien einen gleichermaßen guten Klang hat. Ich habe mich nach der Herkunft des Namens erkundigt und von der Firmenleitung freundliche Auskunft bekommen. Der Firmenname hat natürlich keinerlei Zusammenhang mit Wolfurt. Es gibt ihn erst seit 1950. Er ist eine Neuschöpfung, wahrscheinlich vom Firmengründer Reinhold Wolff gemeinsam mit seinem Geschäftsfreund Walter Palmers erfunden. Aus dem Geschlechtsnamens Wolff und der nach der erfolgreichen Firma Ford klingenden Endung wurde er zusammengefügt. Palmers selbst hat den Markennamen WOLFORD am 7. April 1950 beim Patentamt in Wien angemeldet. Seit diesem Jahr ist er für den Bereich Gemischtwaren geschützt, von Ackerbau-Erzeugnissen und Arzneimitteln bis hin zu Baustoffen und Maschinen und natürlich auch für Bekleidung und für Web- und Wirkwaren. Die Wolford-Geschichte klingt wie ein modernes Märchen. Hier will ich als Gegenstück zur mittelalterlichen Erfolgsgeschichte des Ritters Konrad ein paar Daten daraus aufzeigen und vielleicht einige Leser auf deren Aufarbeitung im 50. Jubiläumsjahr neugierig machen. Reinhold Wolff, geboren 1905 in Hard, hatte mit seinem Vater Johann Wolff und seinen Brüdern in Hard im Jahre 1928 die Firma Vlbg. Wirkwaren Gebr. Wolff gegründet. Vor allem mit ihrer Unterwäsche konnte sich die Firma seither durchsetzen und beachtlich ausweiten. Ein Filialbetrieb gibt seit 1960 an unserer Achstraße als Näherei Wolff auch vielen Wolfurterinnen einen Arbeitsplatz. Im weltpolitisch kritischen Jahr 1936 gründete Reinhold Wolff allein eine Wirkwarenfabrik in England und hatte dort mit 100 Mitarbeitern bei der Erzeugung feinster Damenwäsche großen Erfolg. Bei Kriegsbeginn wurde er 1940 auf der abgelegenen Insel Man interniert und dann 1944 im Gefangenenaustausch nach Hard entlassen. Unter ungeheuren Schwierigkeiten begann er dort 1946 in der alten Mühle mit der Erzeugung von Socken und Strümpfen. Die große Nachfrage zwang ihn schon 1948 zum Bau einer Fabrik auf dem ehemaligen Exerzierplatz in Bregenz. Ab 1950 und jetzt unter dem Markennamen WOLFORD fertigte er auf alten amerikanischen Maschinen Damenstrümpfe aus Kunstseide und bald auch aus Nylon und Perlon. Im Jahre 1965 waren bereits über 1000 Mitarbeiter in den ständig erweiterten und jetzt mit modernsten Maschinen ausgerüsteten Werkshallen beschäftigt. Die nachfolgenden Jahrzehnte brachten mit immer neuen modischen Produkten und der Gründung zahlreicher Handelsniederlassungen eine Ausweitung von Wolford auf ganz Bild 6: Schloß Wolfurt 1950 Auf dem Millenniumsplatz in Budapest stellt seit 1896 ein Relief den König Lajos Nagy mit seinen Rittern und den ihm huldigenden Frauen von Neapel dar. Die Legende erzählt, er habe den Frauen die Freiheit geschenkt. Als Gesandter des Königs reiste Ulrich 1352 zum Papst nach Avignon. Dieselbe hohe Ehre fiel 1355 seinem Bruder Konrad zu, an dessen Seite damals Marquard aus dem aufstrebenden Geschlecht der Edlen von Hohenems als Begleiter ritt. Neben seinen Schlössern in Ungarn, im Schwabenland und in der Schweiz besaß Konrad die Burg Guglionese im Apennin. Er kaufte 1363 Burg und Stadt Arbon und siegelte den Vertrag mit seinem italianisierten Namen CORADUS D UULFORT. Ein Jahr später ließ er aber in einen (vermutlich geraubten) Kelch wieder sein CUNRADUS DE WOLFURT MILES eingravieren. Diesen Kelch stiftete er im Kloster Pfäfers ob Sargans der Muttergottes. Reue über seine Untaten spricht aus der Stiftungsurkunde: ".... Ritter Konrad ...für das Heil seiner Seele, für das Seelenheil seiner Vorfahren, und für das Seelenheil aller derjenigen, die von ihm in Leib und Gut, tödlich oder auf irgend eine andere Weise verletzt worden sind."'13 Im Jahre 1369 ist er gestorben. Mit der Sage vom Ritter Wolfford aus Schottland läßt sich am ehesten das späte und dann plötzlich sehr häufige Auftauchen des Namens Wolfurt ab dem Jahre 1219 erklären. Am Talrand gab es ja schon lange Zeit vorher eine Ansiedlung, für welche aber bis in das 12. Jahrhundert nur der Name der Kapelle St. Nikolaus bekannt war. Die Ortsnamen Rickenbach, Lauterach, Schwarzach, Bildstein und Buch kommen in anderen deutschsprachigen Ländern noch mehrfach vor. Der Name Wolfurt ist dagegen einmalig. Nirgendwo sonst habe ich ihn bis jetzt gefunden. Am ehesten hat er noch einen ähnlich klingenden Doppelgänger in Wolfforth, einer kleinen Stadt nahe der Wüste Llano estacado in West-Texas. In England gibt es ein 10 11 Europa und darüber hinaus. Nach dem Tod des Gründers Reinhold Wolff im Jahre 1972 formten die Nachfolger die Firma 1988 in eine Aktiengesellschaft um. Der Aufwärtstrend blieb ungebrochen. Bei nunmehr rund 3000 Mitarbeitern meldete die Firmenleitung 1999 für das letzte Geschäftsjahr bei 1,83 Milliarden Schilling Umsatz einen Gewinn von über 16 Prozent.16 Wahrhaftig viel Geld und hohe Ehre für den schönen Namen! Wie aber schrieb Theresia Mohr-Wachter in ihrem Bekenntnis zum Heimatdorf? Mi Wolfurt, des ischt m 'r des liobscht uff-or Wealt. I gab 's um koa andors und nitt um viel Geald! Siegfried Heim Die Haltmayer Im Mai 1999 besuchte überraschend Brigadier Med.-Rat Dr. Manfred Haltmayer aus Wien seine Verwandten in Wolfurt. Die nahmen das zum Anlaß eines kleinen Sippentreffens im Kultursaal der Gemeinde. Ich habe dazu die vielen Wolfurter Haltmayer-Stämme durchforscht. Weil weit mehr als hundert Nachkommen-Familien unter uns leben, möchte ich hier einige Ergebnisse vorlegen. Sie berichten vom Werden und Vergehen des einst bedeutendsten Wolfurter Geschlechtes. Der Name Haltmayer wird auch Haltmayr, Haltmeier oder Haltmeyer geschrieben. Er ist zusammengesetzt aus dem alten halt und meier. halten bedeutet ursprünglich behüten, versorgen. Der Meier ist der Verwalter eines Hofes oder auch eines ganzen Landes. Die Bregenzer Haltmayer Während der seltene Geschlechtsname um 1600 in Wolfurt noch unbekannt war, vermeldet das erste Bregenzer Taufbuch zwischen 1587 und 1661 die Taufen von insgesamt 76 Haltmayer-Kindern von 39 unterschiedlichen Elternpaaren. Schon um das Jahr 1500 hatte ein Hans Haltmayer das Schloß Niedegg - so hieß damals die Riedenburg - besessen.1 Ein Andreas Haltmayer, geboren 1599 in Bregenz als Sohn des Bauern Johann Haltmayer, studierte in Dillingen und wirkte als Jesuit lange Zeit in Innsbruck.2 Wahrscheinlich stammen auch die Hörbranzer Haltmayer, die sich heute Haltmeier schreiben, aus Bregenz. Ihr bekanntester Vertreter war Dr. Georg Haltmeyer, 18031867, der als Gründer der Technischen Universität am Karlsplatz in Wien gilt. In Hörbranz umfaßt das Geschlecht noch fünf Familien. Fünf weitere gibt es in Bregenz. Sonst ist der Name in Vorarlberg äußerst selten geworden. Nebenbei sei nur noch vermerkt, daß eine Petra Haltmayer aus dem Allgäu derzeit zu den WeltcupSchiläuferinnen zählt. 1 2 3 Kleiner, Der hofsteigische Landsbrauch, LMV 1900, S. 135 Burmeister, Siegel der Edlen von Wolfurt, Eisenstadt 1984, S. 26 ff GA Wolfurt, Brunnenbriefe. Siehe Heimat Wolfurt, Heft 23/1999! VLA, Merian, Topographia Sueviae, Frankfurt 1643 GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 46 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 VLA, Helbok-Regesten, Nr. 362, S. 176 VLA, Helbok-Regesten, Nr. 353, S. 173 Damit möchte ich meine Aussage in Heft 22, S. 14, auf 1219 korrigieren. VLA, Helbok-Regesten, Nr. 363, 381, 390, 419, 440 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg 1839, Bd. 2, S. 350 Burmeister, Ritter Konrad von Wolfurt, LMV 1982 und Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Lindau 1984 Zitiert in Bronner, Werner von Urslingen, Aarau 1828 (VLA) Burmeister, Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Lindau 1984, S.40 Mitteilung von Wolford-Bregenz v. 22.3.1995 Forschungen von Michael Sinz im Internet, Januar 2000 VN, Wolfordin Topform, 10.7.1999, Titelseite 5 6 7 8 9 Die Wolfurter Haltmayer In Wolfurt gehen die Anfänge des für unser Dorf so wichtigen Geschlechtes auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Durch die Pest war 1635 die Hälfte der Bevölkerung ums Leben gekommen. Manches Haus stand leer. Damals ist aus Bregenz der Stammvater Mathias Haltmayer als Adlerwirt nach Rickenbach zugezogen. Er ist laut dem ältesten Bregenzer Taufbuch3 am 10. Februar 1610 in Bregenz als Sohn des Kaspar Haltmayer und der Ursula Höfle geboren worden. Kaspar taucht als Leitname des Geschlechtes bei den Nachkommen noch oft 13 10 11 1 13 14 15 16 12 auf, ebenso wie der der Mutter Ursula und der Schwester Magdalena. Auch der Geschlechtsname Höfle deutet auf eine Verbindung nach Wolfurt," wo er in der Pfarre häufig vorkam. Seither gibt es in den Pfarrbüchern zwei Haltmayer-Stämme. Das Familienbuch zählt bis zum Jahre 1760 bereits 20 Familien auf. Im Jahre 1760 besaßen sie zehn der insgesamt 148 Wolfurter Häuser und zwei weitere in Schwarzach. Von ihnen allen lebt der Name heute nur mehr in den Familien der Brüder Kurt und Norbert Haltmayer fort. In Wolfurt gehören zum Stamm Haltmayer I vor allem die Gerber-Haltmayer im Kirchdorf und die Küfer in der Bütze, zum Stamm II die sehr einflußreichen Rickenbacher Wirte von Adler und Kreuz. Die beiden Stämme gehen auf zwei Brüder zurück, zwei Söhne des Rickenbacher Adlerwirts Mathias Haltmayer.4 Georg Haltmayer, gest. 27.1.1723, war der Stammvater der Gerber, und Kaspar Haltmayer, gest. 8.3.1720, war der Stammvater der Wirte. Ihren Nachkommen ist weiter unten ein umfangreiches Kapitel gewidmet. Vorher möchte ich jedoch einige wichtige Vertreter des Geschlechts herausheben. Mathias Haltmayer, 1610-1684, der Gründer Pest, Hunger und Krieg! In ganz schweren Zeiten waren Mathias und seine Schwester Magdalena in Bregenz zur Welt gekommen. Starke Klimaveränderungen hatten in wenigen Jahrzehnten zu einer Reihe von Mißernten und zum Niedergang des Weinbaus geführt. Im Jahre 1609 waren in Bregenz 16 Hexen verbrannt worden, die meisten davon aus Wolfurt. Weitere Hinrichtungen folgten. Im Jahre 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, in dem schließlich 1647 auch Bregenz erobert und geplündert wurde. Vorher war in mehreren Pest-Epidemien ein großer Teil der Einwohner gestorben, in den Hofsteiger Dörfern etwa die Hälfte. Wolfurt und Rickenbach hatten zusammen 70 Häuser mit rund 400 Einwohnern. Nach den Erscheinungen in Bildstein im Jahre 1629 begann dorthin ein gewaltiger Pilgerstrom zu fließen. Das eröffnete in diesen düsteren Zeiten in Rickenbach einem Gastwirt eine gute Chance. Um das Jahr 1640 dürfte Mathias seine Frau Anna Reinberger geheiratet und mit ihr den ersten nachweisbaren Rickenbacher Gasthof übernommen oder vielleicht selbst eröffnet haben. Von ihren Kindern finden sich sieben in den 1650 begonnenen Wolfurter Pfarrbüchem, davon nur die jüngsten drei in den Taufbüchern. Die Gastwirtschaft blühte auf, besonders als von 1663 bis 1670 in Bildstein die großartige Wallfahrtskirche gebaut wurde und nun jedes Jahr Zehntausende von Pilgern den Weg dorthin suchten. Ab wann das Gasthaus den Namen Adler getragen hat, ist nicht nachweisbar, wohl aber, daß hier schon 1661 Graf Karl Friedrich von Hohenems Einkehr gehalten hat.5 Das als Wirt erworbene Vermögen vergrößerte Mathias Haltmayer noch als Frachter und Handelsmann. Das erfahren wir aus einer in der Rickenbacher Kapellen-Chronik überlieferten Schrift, die einst den Rahmen des Nothelferbildes zierte. Am Rand des 14 Bild 7: Der ehemalige Gasthof Adler am Kellaweg um 1935. Auf dem Motorrad Hans Stark. als Hexentanzplatz berüchtigten Dellenmooses, wo jetzt ein Erddamm als Dellenmos Brug die Landstraße auf kurzem Weg durch den gefährlichen Schlattsumpf nach Schwarzach leitete, ließ Haltmayer 1676 eine Kapelle mit einem großen Nothelferbild errichten. Zwei Jahre zuvor hatte der Rickenbach mit zwei Überschwemmungen am 12. und am 23. August 1674 grosen Schaden gethan.6 Jetzt sollte das Nothelferbild nicht nur den Rickenbacher Besitz, sondern auch Haltmayers Fracht-Fuhrwerke schützen. Er empfahl sie daher St. Loy, dem Hl. Eligius, der als Patron der Schmiede und der Frachter gilt. Die leider inzwischen verschwundene Schrift lautete: Zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit, der Hl. Jungfrau Maria, St. Loy und St. Antonius. Matthias Haltmayer hat 1676 dieses Bild errichtet, folgende Wohltäter haben dasselbe bis jetzt erhalten: 1707 Kaspar Haltmayer, 1720 Anton Haltmayer, Bildstockmauer erbaut; 1776 Andreas Haltmayer renoviert; 1825 Leonhard Fink renoviert; 1865 JosefAnton Fischer; 1902 Johann Georg Fischer zum Adler; 1924 für die Kapelle renoviert Lorenz Gunz. Mit Ausnahme des letzten waren alle Wohltäter Adlerwirte und direkte Nachkommen des Mathias. Im Jahre 1914 wurde die Kapelle, die nahe beim Haus Dornbirnerstraße 15 stand, abgebrochen. Das alte Bild, vor welchem bis dahin noch die Wolfurter und die Schwarzacher Bittprozessionen eine Station gehalten hatten, wurde in die Kapelle Rickenbach übertragen. Kaspar Haltmayer, um 1640-1720, Adlerwirt und Hofsteig-Ammann Kaspar war vermutlich der älteste Sohn des Adlerwirts Mathias Haltmayer. Während wir aber dessen Geburtsdatum im Bregenzer Taufbuch finden können, ist das des Kaspar unbekannt. Im Trauungsbuch sind seine vier Eheschließungen eingetragen. Dabei fungierte bei der ersten im Jahre 1670 noch der Vater Mathias als Trauzeuge, bei den späteren dann seine Brüder Georg und Joseph. 15 Bild 8: Siegel des Kaspar Haltmayer Ammann zu Hofstaig um 1700 Kaspar übernahm den Gasthof Adler samt Frächterei und Weinhandel. Wegen seines hohen Ansehens und seines Vermögens wurde er in den Notjahren nach den Türkenkriegen zwischen 1695 und 1710 dreimal zum Hofsteig-Ammann gewählt. Als amtliches Siegel verwendete er ein Bild, auf dem zwei aufrechte Löwen ein mit einer fünfzackigen Krone geschmücktes riesiges Ei halten. Beim Adler sammelten sich 1706 die gegen die hohen Steuern rebellierenden 2000 Bauern aus dem Bregenzerwald und aus Dornbirn. Obwohl die Kapuziner sie aufhalten wollten, marschierten sie am 13. Mai 1706 mit Äxten, Säbeln, Sensen, Morgensternen und Gewehren zur Lauteracher Achbrücke und von dort mit Trommelwirbel in die Stadt Bregenz. Voller Angst flohen die Beamten und die kaiserlichen Soldaten. Auch später stand Haltmayer auf der Seite des Kämpfers Jerg Rohner.7 Seine Tochter Anna wurde 1729 sogar dessen dritte Ehefrau. später den Namen Engel bekam. Enkel Andreas übernahm den Adler. 1774 erbaute Urenkel Anton Haltmayer schließlich auch noch das Kreuz. Zu so großem Reichtum gelangte der tüchtige Wirt und Stoff-Fergger, daß er 1788 für 6300 Gulden das große Wolfegg-Haus an der Bregenzer Kirchstraße kaufen konnte. Nur zehn Jahre später verkaufte er es bereits wieder für sagenhafte 11 500 Gulden. Wir kennen das stolze Haus heute als unser Landesarchiv.9 Da konnte der alte Gasthof Adler an dem längst zur Nebenstraße gewordenen Kellaweg nicht mehr mithalten. Um das Jahr 1800 errichtete Johann Haltmayer, Wirt und Weinhändler und dazu auch noch Baumwoll-Fergger, seinen Gasthof ganz neu an der Straße nach Dornbirn. Johann Haltmayer, 1862-1924, Kreuzwirt Nach weniger als hundert Jahren war der Name Haltmayer aus fast allen Gasthöfen bereits wieder verschwunden. Als letzter sollte 1888 nach dem Tod der Wirtsleute noch das Kreuz versteigert werden. Von den elf Kindern waren etliche bereits gestorben. Drei Töchter waren Gastwirtinnen im Lamm und im Löwen geworden. Der Sohn Johann Georg ging als Jesuit in die Mission nach Brasilien. Johann, der jüngste Sohn, war Lehrer im Bregenzerwald. Jetzt gab er aber den Lehrberuf auf und wurde daheim in Rickenbach Kreuzwirt. Die letzten Weinberge am Rutzenberg ließ er aufgehen, den letzten Wolfurter WeinTorggel brach er 1897 ab. An dessen Platz hinter dem Kreuz baute er ungeheuer große Keller. Erstmals in Wolfurt verwendete er dabei Zement. In 20 riesigen Fässern konnte er jetzt fast 50 000 Liter Wein einlagern, den die neue Arlbergbahn kostengünstig aus Südtirol nach Schwarzach lieferte. Bald waren die Haltmayer-Weine im ganzen Land bekannt. Als die Stickerei ab 1901 große Gewinne abwarf, erbaute er als einer der ersten in Vorarlberg am Wiesenweg eine Halle für die neuen Schiffle-Stickmaschinen und ein paar Jahre später eine zweite, größere, dazu. Allem Neuen war er aufgeschlossen. Führend tätig finden wir ihn bei der Gründung von Feuerwehr und Raiffeisenkasse. Er wird Obmann des Turnvereins, der Vorarlberger Viehzuchtgenossenschaft und des Landes-Bienenzuchtvereins. 20 Jahre lang diente er der Gemeinde vorbildlich im Gemeinderat. Daß er dabei seine Gaststube nicht vergaß, die er im Jahre 1896 mit dem heute noch erhaltenen schönen Kreuz-Schild schmückte, beweist der hartnäckige Kampf mit dem Adlerwirt Alt-Vorsteher Fischer. Als nämlich der Lehrer Rädler im Auftrag der Gemeinde 1901 eine Straßenbahn nach Dornbirn plante, bekämpften sich die beiden Wirte bis aufs Blut. Jeder wollte die Haltestelle vor seiner Haustüre haben. Von Johann Haltmayers Söhnen starb Manfred 1921, Josef 1931. Damit erlosch nach 300 Jahren das Geschlecht der Haltmayer-Wirte in Rickenbach. Martin Haltmayer I., 1735-1818, Gerber im Kirchdorf Seit drei Generationen betrieb ein Zweig der Rickenbacher Haltmayer in einem klei17 Immer wieder litten der Adler und die umliegenden Häuser unter schlimmen Überschwemmungen durch den Rickenbach. Auf die Katastrophe von 1701 folgte nach einem Erschröcklichen Wolchenbruch eine weitere am späten Abend des 20. August 1702. Schon hatte das Wasser ein Haus, etliche Stadel und die neuerbaute Mühle im Tobel weggerissen, man hat geglaubt der Jüngste Tag werde Komen, die Rickenbacher haben mit einander ein Kapelen verlobt} Tatsächlich erbauten die Rickenbacher nun unter Leitung ihres Ammanns Haltmayer neben der Brücke eine Kapelle für ein großes Dreifaltigkeitsbild mit Mariens Krönung. Mehr als zweihundert Jahre lang beteten sie alljährlich am Dreifaltigkeits-Sonntag davor einen Psalter mit der Bitte um Schutz vor dem Wildbach. Die Kapelle mußte später an die steile Straße nach Bächlingen verlegt werden. Vor einigen Jahren wurde das Hochwasserbild ins Museum nach Bregenz gebracht. Ammann Kaspar Haltmayers Nachkommen weiteten den Familienbesitz gewaltig aus. Der Enkel Kaspar kaufte 1735 das zweite Rickenbacher Gasthaus, den Löwen. Sein Bruder Melchior erwarb gleichzeitig die Krone in Schwarzach, jenes große Gasthaus, das neben den Bildstein-Pilgern auch viele Wälder Frachter beherbergte und 16 Die Wolfurter Haltmayer Einige ihrer Hauptlinien in vier Haltmayer-Häusern. Die zahlreichen anderen Linien lassen sich daraus ableiten. nen Haus im Kirchdorf das ehrsame Gerber-Handwerk. Großvater Georg hatte 19 Kinder, Vater Kaspar 8 und nun Martin selbst auch 9. Eine so große Kinderzahl war damals durchaus üblich. Das ungewöhnliche ist aber, daß von diesen 36 Kindern 27 groß wurden und heirateten! Daraus ergibt sich eine überaus große Anzahl von Seitenlinien und Nachkommen. Martin scheint als erster zu Geld gekommen zu sein. Jedenfalls konnte er nach dem Loskauf der Kellhof-Güter von Ems im Jahre 1771 ein Stück des gräflich-emsischen Weingartens in der Bütze kaufen. Darauf erbaute er für seinen ältesten Sohn Michael im Jahre 1797 ein für jene Zeit außergewöhnlich großes Haus, heute Heims in der Bütze. Als dort am 13. Juli 1800 plündernde französische Soldaten eindrangen, wehrte sich Michael und wurde erschossen. Ein Jahr später überließ Vater Martin die Gerbe im Dorf seinem zweiten Sohn Mathias und übersiedelte selbst mit dem Rest der Familie in die Bütze. Von seinen Söhnen wurde Josef Goldschmied und erfolgreicher Kaufmann in Feldkirch.10 Von der Tochter Theresia stammen die Böhler-Holzerschmiede und die Bildstein im Röhle mit allein über 100 Nachkommen-Familien. Der Sohn Kaspar Haltmayer begründete in der Bütze die Linie der Küfer-Haltmayer. Martin Haltmayer II., 1803-1874, Gerber im Kirchdorf Schon sein Vater Mathias, ein Sohn von Martin L, hatte die Gerberei vergrößert und dazu zwei neue große Häuser nahe beim Engel im Kirchdorf gebaut. Viele Gesellen fanden hier Arbeit. Einige blieben im Ort und gründeten neue Fmilien. Darunter waren Josef Heim aus Hergensweiler, Gottfried Klien aus Hohenems und später Hermann Peter aus Hohenems. Das Vermögen des Gerbers stieg an. 1860 konnte er die ehemalige Dür-Schmiede im Röhle mit großem Grundbesitz kaufen, ein Jahr später sogar sein Nachbarhaus, den Gasthof Engel. Martin Haltmayer zahlte jetzt in Wolfurt am meisten Steuern, mehr als der reiche Müller Zuppinger in Rickenbach, doppelt so viel wie die großen Gastwirte.11 Dafür gehörte er auch viele Jahre lang dem Gemeinderat an. Den Höhepunkt erreichte das Gerbergeschäft, als Haltmayer um 1870 große Ballen von getrockneten Bisonhäuten aus dem Wilden Westen Amerikas bezog. Es war ja die Zeit, in der Buffalo-Bill und andere Jäger innerhalb weniger Jahre dort die riesigen Büffelherden nahezu ausrotteten. An Seilen sollen die Gerber die Häute zum Aufweichen von der Achbrücke ins Wasser gehängt haben. Unbekannt ist, ob Haltmayer damals Kontakt mit den Dutzenden von Wolfurtern gehalten hat, die kurz zuvor nach St. Louis und nach New Ulm in den Wilden Westen ausgewandert waren. Zweimal hat Martin IL geheiratet. Jede der Frauen schenkte ihm acht Kinder. Einige davon begründeten neue große Sippen. Der riesige Besitz wurde verteilt. Sohn Augustin bekam den Gasthof Engel und wurde dort 1890 erstochen. Zwei Jahre später übernahm der ehemalige Gerberknecht Peter das Gasthaus. Sohn Ferdinand bekam die Gerberei. Aber die goldenen Zeiten waren vorbei. Bald nach dem Ersten Weltkrieg mußte der einstmals so großartige Handwerksbetrieb eingestellt werden. 18 19 Die Haltmayer-Nachkommen Ungeheuer groß ist ihre Zahl - beinahe wie Sand am Meer! Mit der folgenden Auflistung, die ganz sicher noch große Lücken aufweist, will ich bewußt machen, wie stark das Blut eines einzigen Elternpaares das Leben der Dorfgemeinschaft bestimmt hat. Mathematiker wissen allerdings, daß in der 11. Generation nur mehr ein einziger von 1024 Blutstropfen Haltmayer-Blut ist. Ahnenforscher ergänzen aber dazu, daß bei diesem Abstand bereits sehr viele Vorfahrenpaare ident sind, daß also viele Wolfurter auf mehreren Linien vom Stammvater Mathias Haltmayer abstammen. Die Übersicht auf Seite 18 enthält nur jene vier Hauptlinien der Haltmayer, die über viele Generationen in den vier Stammhäusern verblieben sind. Weit mehr als hundert andere Familien stammen aus Seitenlinien. Nur mehr zwei tragen den alten Stammes-Namen. A Stamm der Gerber Im Jahre 1671 hatte (3a) Georg Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ins Kirchdorf geheiratet und dort in einem kleinen Haus im röle den Stamm der Gerber begründet. Sein Urenkel (6a) Mathias baute 1818 auf der Ostseite der Straße am Hang ein neues Gerberhaus und 1826 auf der Westseite für seinen Sohn (7a) Martin ein zweites, die große Gerbe. Im ostseitigen Haus wurden später die vielen Gesellen untergebracht. Mit ihrer Schwester Ingeborg Haltmayer-Cesa sind Kurt und Norbert Haltmayer als Kinder des (10a) Wilhelm Haltmayer noch in der um das Jahr 1975 abgebrochenen alten Gerbe im Dorf aufgewachsen. Dort wurde bald darauf der neue Gasthof Engel gebaut. Nahe Verwandte zu Gerbars sind die Familien Spirig und Ulimann. Sehr viele Familien leiten sich von Rosina Haltmayer, 1836-1880, einer Tochter des reichen Gerbers und Gemeinderates (7a) Joh. Martin Haltmayer, ab. Aus ihrer ersten Ehe mit Josef Anton Schertler im Röhle stammen u.a. Hans-Marteles und Thedoros (z.B. Wachters und Steifs), aber auch Holzarschmiods Böhler Augusts Kinder und Schuhmachar-Köbs an der Kellhofstraße. Aus Rosinas zweiter Ehe stammen Köbo Ferdeles Vorsteher Ferdinand Köbs Kinder im Strohdorf mit sehr vielen Familien und Kliens im Oberfeld, Heimich Kliens Kinder. Ein älterer Zweig der Gerber leitet sich von Theresia Haltmayer, geboren 1781 als Tochter des (5a) Martin Haltmayer, ab. Sie war in Spetenlehen mit dem Schmied Hieronymus Böhler verheiratet. Von ihrem Sohn Jakob Böhler, dem ersten Schmied im Holz, stammen alle 20 Bild 10: Gerberei Haltmayer im Kirchdorf um 1920 (z.B. Geigers im Röhle, Guldenschuhs in Unterlinden, Sammar-Fischers, Liberat-Schwärzlers, Klimmer Alberts u.a.) Von Theresias Tochter Anna Maria Haltmayer, die 1848 den Wagner Fidel Bildstein im Röhle geheiratet hatte, stammen allein mehr als hundert Familien in Wolfurt, Bregenz, Lauterach und weit zerstreut bis in Amerika. Hier nenne ich nur, stellvertretend für viele andere die Lislo Gmeiner Kassians im Röhle Lohansolar-Bernhards und Seppatone-Köbs Einen besonders großen Zweig begründete auch Aloys Haltmayer, 1763-1844. Er war ein Enkel des (4a) Kaspar Haltmayer und besaß ein Haus im Gässele hinter dem Alten Schwanen. Seine Frau M. Kath. Schwerzler war eine Tochter der Katharina Haltmayer, geb. 1737 im Löwen, und des Dellenmoosmüllers J. Gg. Schwerzler (Siehe weiter unten unter Adlerwirts!). Aloys Haltmayers Tochter Katharina Haltmayer, 17921856, heiratete den Feger Xaver Albinger. Von ihnen stammen Schnidarles (Eberles, Schandarm-Fischers,...) Feogars (Albingers, Stenzels, ...) Hirschenwirts (Schertler Seppls im Flotzbach und Vonachs im Frickenesch) Hohls mit ihren vielen Familien an der Ach und im Röhle Metzgar Reiners und Frisör Reiners. Schließlich gehören zu dieser Sippe auch noch die Bäcker-Letsch im Hirschen mit unserem berühmten Maler Louis Letsch, 1856-1940, dem „Meister der Blume". 21 Holzerschmiods Noch älter ist der Zweig des Martin Haltmayer, 1732-1788, Schreiner auf dem Bühel. Er war ein Enkel des (3a) Georg Haltmayer. Von seiner einzigen Tochter Anna M. Haltmayer, die 1788 den Bildsteiner Lehrer Jakob Köb heiratete, der darauf das Schreinergeschäft übernahm, stammen u.a. die Familien der Schrinar-Köbs auf dem Bühel Gallar-Köbs (z.B. Aichholzers) Lehrar-Köbs Meßmars, Molars, Hilares, Seppatones,... Ebenfalls auf (3a) Georg Haltmayer geht ein weiterer bedeutsamer Zweig zurück. Seine Urenkelin Magdalena Haltmayer heiratete 1770 Joh. Michael Ibele aus dem Schwabenland. Von ihnen stammen nicht nur die vielen Ibele-Familien in Bregenz und Flötzars Vonachs im Frickenesch, sondern auch die Dörfler-Mohr (Dr. Hermann Mohrs, Lehrer Mohrs und Gebhard Mohrs Kinder, sowie Albingers im Strohdorf). B Stamm der Küfer Als Seitenstamm der Gerber spalteten sich in dem vom Gerber (5a) Martin Haltmayer im Jahre 1797 erbauten Haus in der Bütze die Küfer-Haltmayer ab. Das Stammhaus kam 1891 durch die Einheirat von Josef Heim an die Familie Heim. Im Jahre 1992 wurde es (Bützestraße 4) durch Helmut Heims Kinder von Grund auf erneuert. Zu dieser Linie gehören also die vielen Familien Heims in der Bütze. Von den elf Kindern des ersten Küfers (6b) Kaspar Haltmayer heiratete Anna Maria 1840 den Ferdinand Mesch an der Kirchstraße. Von ihnen stammen Mäschos und Hans-Irgos Eugen Rists Kinder. Von Kaspar Haltmayers Tochter Kreszentia stammten als Enkel auch noch Räschles die ehemaligen Flaschner im Tobel. Kaspars jüngster Sohn Ferdinand Haltmayer übersiedelte als Postbeamter nach Innsbruck, der Enkel Dr. Alfons Haltmayer als Mathematikprofessor nach Wien. Von dort hält der Urenkel Dr. Manfred Haltmayer, Jg. 1921, Verbindung mit der Stammheimat Wolfurt. Er war als Brigadier einer der ranghöchsten Ärzte im österreichischen Bundesheer. Als begeisterter Reiter hat er um 1970 die Hippo-Therapie mitbegründet. C Stamm der Adlerwirte In seinem Gasthaus in Rickenbach begründete Stammvater (2) Mathias Haltmayer, 1610-1684, das Geschlecht der Wolfurter Haltmayer. Um das Jahr 1800 verlegte (6c) Johann Haltmayer den Gasthof Adler von der Nordseite des Kellawegs an die Dornbirnerstraße. Bis 1904 blieb dieser in Familienbesitz, wenn auch durch Einheirat von Schwiegersöhnen nacheinander unter den neuen Namen Zumtobel, Fink und 22 Fischer. Alt-Vorsteher (9c) Joh. Georg Fischer, der hier auch eine Brauerei betrieben hatte, mußte den Adler schließlich 1904 verkaufen. Seither ist er unter wechselnden Besitzern und Pächtern ein angesehener Gasthof geblieben. Zu den sehr zahlreichen Nachkommen des Adlerwirts (9c) J. Gg. Fischer zählen Dr. Elmar Fischer, Jg. 1936, Generalvikar für Vorarlberg, und Richard Kurt Fischer, 1913-1999, Bildender Künstler in Innsbruck. Barbara Haltmayer, eine Schwester der Adlerwirtin (7c) Katharina, war mit dem Seiler Nikolaus Klocker verheiratet. Von ihr stammen die Soalar-Klocker an der Hub. Zwei wichtige Seitenlinien aus dem alten Adler gehen von (4c) Anton Haltmayer aus. Dessen ältester Sohn Kaspar Haltmayer, 1713-1748, hatte 1735 von der Wirtsfamilie Köhlmayer den zwei- Bild 11: Brigadier Dr. Manfred Haltmayer, Wien ten Rickenbacher Gasthof Löwen gekauft. Die Enkelin Katharina, geboren 1737, heiratete den Dellenmoos-Müller Joh. Gg. Schwerzler. Ihre Nachkommen sind die Schwärzler-Dynastien aus Schwarzach, zu denen u.a. die Schwarzacher Kohler und die Pircher-Schwärzler in Bregenz zählen. Von ihnen nenne ich hier nur Hans Kohler, Jg. 1947, Bürgermeister in Rankweil. Ein weiterer Sohn des (4c) Anton war Melchior Haltmayer, 1715-1772, der als Kronen-Wirt in Schwarzach hohes Ansehen gewann. Die Enkelin Maria Anna Haltmayer, 1744-1817, wurde in Rickenbach die zweite Gattin des Hofsteig-Ammanns Josef Fischer. Dieser hatte als Nachfolger von Kaspar Haltmayer den Gasthof Löwen übernommen. Von ihren neun Kindern stammen die vielen Familien der Löwenwirtler-Fischer Zu diesen zählen auch Rößlewirts (z.B. Müllers im Röhle) Märtolars (z.B. Geigers im Röhle und Kirchbergers) Sammars und Alt-Adlerwirts. Manche davon sind bereits weiter oben genannt und besitzen also aus mehreren Linien Haltmayer-Blut. 23 Noch eine ganz besondere Linie geht von Maria Haltmayer, 1671-1721, aus, der ältesten Tochter des Ammanns (3c) Kaspar Haltmayer. Sie wurde durch ihre Tochter Ursula Gmeiner die Stammmutter aller Spetenleher-Fischer. Einer ihrer Enkel in Spetenlehen war der vprhin genannte Löwenwirt und HofsteigAmmann Josef Fischer, der also ebenso wie seine Ehefrau Haltmayerblut vererbte an die Löwenwirtler und die weiter oben bereits genannten Familien. Ein zweiter Enkel war Josefs Bruder Joh. Martin Fischer in Spetenlehen. Von dessen Sohn, dem ersten Wolfurter Vorsteher Joh. Georg Fischer, 1760-1817,12 gehen noch einmal viele Linien aus: Schützenwirts in Spetenlehen Lammwirt-Fischers: z.B. Lehrer Mohrs, Vorsteher Hintereggers, Sternwirt Fischers Fischer Adolfs und Fischer Ruperts in Spetenlehen die Lutzo-Gmeiner in Spetenlehen und Ratzers im Strohdorf Fischer Hermanns und Fischer Alfreds auf der Steig Heims in der Bütze Nagler Kalbs im Tobel und noch viele andere. D Stamm der Kreuzwirte Im Jahre 1774 erbaute Anton Haltmayer, ein Sohn des Adlerwirts (5c) Andreas Haltmayer, auf dem Platz von zwei abgebrochenen oder abgebrannten alten Häusern den dritten Rickenbacher Gasthof Kreuz. Bis zum Tod von Josef, dem älteren Sohn des (9d) Johann Haltmayer, im Jahre 1931 blieb das schöne Haus in Familienbesitz. Beim plötzlichen Tod des zweiten Sohnes (lOd) Manfred im Jahre 1921 erwartete seine Braut ein Kind. So führt nun nach dem Enkel Manfred Füchsl, 1922-1984, die Linie weiter zu Füchsls am Wiesenweg. Aus früheren Kreuzwirt-Generationen sind zwar viele Kinder, aber nur wenige Enkel bekannt. Von (8d) Johann Haltmayer heiratete Tochter Paulina den Löwenwirt Franz Josef Fischer und wurde damit die letzte Löwenwirtin. Der bekannte Gasthof ist 1912 abgebrannt. Zwei weitere Töchter des Kreuzwirts, Maria Bild 12: Josef Haltmeyer, 1891-1931, Anna und Maria Katharina heirateten nacheinder letzte Haltmayer-Wirt 24 Bild 13: Die jüngsten Wolfurter Haltmayer (1999): Ingeborg, Norbert und Kurt Haltmayer mit ihren Ehepartnern. In der Mitte Reinhard, Jg. 1971. ander den Lammwirt Gebhard Fischer. Ihre vielen Nachkommen sind heute, wie auch die Löwenwirtler, weit in alle Welt zerstreut. Als einziger war Katharinas Enkel, der Sternenwirt Johann Fischer, in Wolfurt geblieben. Zu dieser Linie der HaltmayerNachkommen zählen also Heims Helga am Funkenweg und ihre Kinder. E Stamm der Stöoglar-Fischer Sogar aus einem fünften Haltmayer-Stamm leben noch Nachkommen in Wolfurt. Neben den Söhnen Kaspar und Georg hatte Adlerwirt (2) Mathias noch einen Sohn (3e) Josef Haltmayer, gestorben 1708. Dieser besaß nahe bei seinem Bruder Georg im Kirchdorf-Loch jenes Haus, das unter der Nummer Im Dorf 10 (Wolfs) im Jahre 1958 abgebrannt ist. Seine Urenkelin (6e) Ursula, Jg. 1798, heiratete Johann Fischer auf der Steig, den jüngeren Bruder des bekannten Sepp Fischer. Über Ursulas Enkel Hanne Fischer, 1866-1945, führt eine Linie zu dessen vielen Nachkommen Stöoglars an der Ach. 25 Noch einmal sei betont: Das sind zwar viele, aber noch lange nicht alle Wolfurter Haltmayer-Nachkommen. Einige von uns können sich jetzt vielleicht besser in dem riesigen Geschlecht zurechtfinden. Andere müssen weiter forschen. Hoffentlich wächst dadurch das Bewußtsein: Wir gehören zusammen! Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (3) In Heft 20 und Heft 22 habe ich aus dem Leben der ersten dreizehn Wolfurter Vorsteher bis zum Jahre 1873 berichtet. Ihre Zeit war geprägt von Hungersnot und Arbeitslosigkeit, vom Beginn der Industrialisierung und den ersten Ansätzen zur Demokratisierung der Gemeinden. Ulmer, Burgen, 1925, S. 377 Ludewig, Vorarlberger an Hochschulen, 1920, S. 156 3 VLA, Taufbuch 181/1 4 Erhebungen von S. Heim im VLA und in den Wolfurter Pfarrbüchern, 1998 5 Welti, KellnhofWolfurt, aus LMV 1952, S. 8 6 GA Wolfurt, Schachtel 1804, Bericht aus alten Bücher I Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 21 und S. 28 ff. 8 Wie Anmerkung 6, GA Wolfurt, Schachtel 1804, Bericht aus alten Bücher 9 Schnell. Kunstführer 1324, Vlb. Landesarchiv, S. 3 10 Heimat Wolfurt, Heft 21/1998, S. 21 II Heimat Wolfurt, Heft 22/1999, S. 35 12 Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 11! 2 1 14. Joh. Martin Schertler (II.) Geb. 9.10.1841, gest. 18.4.1907 1879-1891 Die Wahlen von 1879 hatten also auch in Wolfurt das Übergewicht der Liberalen in der Gemeindestube beendet und wieder einen konservativen Schertler an die Spitze der Gemeinde gebracht. Schon sein Vater und sein Bruder waren ja Vorsteher gewesen.1 Trotz der vorangegangenen Auswanderungswelle nach Amerika war die Einwohnerzahl der Gemeinde bis zur Zählung von 1880 auf 1630 gestiegen. Darunter waren erst 31 Italienisch sprechende Trentiner. Aber deren Zahl würde in den nächsten 20 Jahren auf 231 anwachsen. In ihrer Armut und Ausgegrenzheit standen sie in den elenden Qartieren vor nahezu unlösbaren Problemen.2 Die 213 Bauern besaßen jetzt 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh und 38 Pferde. Die meisten von ihnen waren hoch verschuldet. Nur zaghaft begannen sie, den Zusammenbruch des Getreide-Anbaus durch Steigerung der Milchwirtschaft auszugleichen. An der Hub und im Kirchdorf waren Sennereien gegründet worden. Erstmals bekamen die Bauern wenigstens ein paar Kreuzer für ihre Milch. Unter Führung von Oberlehrer Wendelin Rädler erbauten sie jetzt im Jahre 1882 sogar ein eigenes Bild 14: Vorsteher Joh. Martin Schertler, 1841-1907 27 26 Sennereigebäude am Röhle-Rank.3 Genau einhundert Jahre später ist es 1982 wieder abgebrochen worden. Viele Wolfurter arbeiteten wie die Trentiner in der Kennelbacher Fabrik. Außer für ein paar Knechte und Mägde gab es im Ort kaum Arbeitsplätze, am ehesten noch in den Gerbereien, Mühlen und Ziegeleien. Seine Brauerei betrieb der Adlerwirt ohne fremde Hilfe. Aus 4300 kg Gerste und 85 kg Hopfen braute er im ganzen Jahr 196 Hektoliter Bier. Einzig Zuppinger beschäftigte 1882 an den Drehbänken in seiner Spulenfabrik im Kessel bereits 45 Arbeiter. Aus 1500 Kubikmetern Holz verfertigten sie in einem Jahr über 1 1/2 Millionen Garnspulen im Wert von etwa 50 000 Gulden. Dazu begründete Joh. Walter Zuppinger mit seinen tüchtigen Söhnen zwei weitere Spulenfabriken mit jeweils über 100 Arbeitern, eine 1883 in Römerstadt in Mähren, die zweite 1891 in Freyung in Niederbayern. Zum Anlernen der dortigen Arbeiter nahm er etliche Werkmeister aus Wolfurt mit. Für die kleinen Leute hatte gerade das erste Stickerei-Fieber eingesetzt. Gebhard Fischer, Seppos auf der Steig, hatte 1869 eine Hand-Stickmaschine aus der Schweiz in Betrieb genommen und 1874 sieben weitere dazu gestellt. Das wirkte ansteckend. Im September 1883 konnte der Vorsteher bereits 34 Sticker mit zusammen 43 HandStickmaschinen melden. Im Jahr 1882 richtete er, einer Idee Rädlers folgend, im Schulhaus die erste Gemeindekanzlei ein. Sogar ein hauptamtlicher Gemeindeschreiber wurde in der Person von Lorenz Schertler, einem Neffen des Vorstehers, gefunden und angestellt. Mustergültig ordnete dieser nun die alten Akten und Bücher. Im Dachboden der Schule wurde dafür ein feuersicheres Archiv angelegt.4 Im Februar 1880 kam mit Joh. Gg. Sieber ein besonders aktiver neuer Pfarrer nach Wolfurt, der sich zusammen mit den Casino-Leuten entschieden gegen die immer noch mächtigen Liberalen wandte. Wöchentlich traf er sich mit Vorsteher, Gemeindearzt Dr. Elsler, Schulleiter Rädler und einigen anderen wichtigen Leuten in der hinteren Stube des Postmeisters und Sternenwirts Eduard Böhler, um das Gemeindegeschehen zu besprechen. Zuerst sollte der Friedhof erweitert werden. Dazu mußten ein neuer Pfarrhof erbaut, der alte samt dem Pfarrstadel abgebrochen und die Zufahrtsstraße verlegt werden. Für den Platz des Pfarrhofs wurde ein großer Fels weggebrochen. Die Steine fanden Verwendung beim Bau der Sennerei, für Wuhrmauern an der Ach und natürlich auch für den Neubau des Pfarrhofes. Für diesen hatte Pfarrer Sieber eine überdimensionale Planung mit großartigen Baikonen vorgesehen. Zwar reduzierte der Bauausschuß dieses Vorhaben, aber die Kosten beliefen sich schließlich doch auf 6954 Gulden und stürzten die Gemeinde in beachtliche Schulden. Über Betreiben des Pfarrers hatte die Gemeinde den Friedhof schon 1881 als Katholischen erklärt. Nun durften Andersgläubige und Selbstmörder nur mehr in einem Winkel ohne Grabschmuck beerdigt werden! Ausnahmen hat es für Bessere aber manchmal gegeben. Bild 15: Pfarrers Stadel, Pfarrhof, Kirche und Friedhof bis 1882. Eine Skizze von Engelbert Köb. Die Kirche erhielt 1885 durch die Schwarzacher Firma Behmann eine neue Orgel für den tüchtigen Organisten Fidel Kalb. Das Kirchenschiff ließ der Pfarrer durch Engelbert Köb prächtig ausmalen. Gemeinsam mit seinem Bruder Hilar schuf dieser auch einen neuen Hochaltar für das hochgeschätzte Flatz-Bild Maria Krönung. Für die weiten Wege der Leichenzüge schaffte die Gemeinde 1884 einen Todtenwagen an. Der Versuch der Gemeinde, gegen den seit 1881 im Adler bestehenden Sparverein eine Konkurrenz-Sparkasse zu errichten, scheiterte vorerst am Einspruch der Behörden.. Erst 1889 gelang dem unermüdlichen Rädler die Gründung seiner Raiffeisenkasse. Das Vereinsleben blühte auf. Für die Schützen kaufte die Gemeinde 1880 den bis dahin privaten Schießstand an der Hub. 1890 erhielten sie neue Gewehre und eine neue Fahne. Als Organist Fidel Kalb 1885 die Leitung der Musik übernahm, formte er sie durch zusätzliche Instrumente zu einer Türkischen Musik um. In Rickenbach bestand seit 1886 ein Turnverein. Für den Winter stellte ihm die Gemeinde als Turnraum zwei Klassen im alten Schulhaus zur Verfügung. Im Jahre 1889 erreichte Vorsteher Joh. Martin Schertler dann die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Bald wurden aber wieder alle männlichen Gemeindebürger als Hilfsmannschaft zu den alljährlichen Feuerwehrübungen verpflichtet. Den Wolfurter Männerchor hatte VorsteherSchertlerzusammen mit Postmeister Böhler und Organist Kalb schon in seinem ersten Vorsteher-Jahr neu gegründet. Sogar die politischen Gegner Zuppinger und Altvorsteher Fischer sangen im Baß mit. Als der Chor aber dem Kaplan ein Ständchen gesungen hatte, traten die liberalen Sänger geschlossen aus. Mit nur mehr 14 schwarzen Sängern mußte der Verein nach einigen Jahren aufgeben. Daneben wurden auch noch andere Sorgen an den Vorsteher herangetragen. Er mußte für die Einhaltung der Polizeistunde sorgen: Punkt 11 Uhr! Bei Übertretungen zahlte 28 29 der Wirt zwei, jeder Gast einen Gulden in die Armenkassa. Ruhestörer auf der Gasse wurden arretiert und mit ein bis drei Tagen Arrest bestraft. Selbverständlich mußten die Gasthäuser während des Sonntags-Gottesdienstes geschlossen bleiben. Und fast jede Ausschuß-Sitzung hatte sich mit Ehegesuchen zu befassen. Immer mehr Wolfurter überstiegen die alten Schranken und suchten sich fremde Frauen. Dafür mußte dann jeder 50 Gulden Weibereinkaufstaxe bezahlen. Sogar der Drechsler Joh. Gg. Anwander, der sich im fernen Römerstadt in Mähren am Aufbau von Zuppingers neuer Spulenfabrik beteiligte und dort 1887 seine Julia ehelichen wollte, mußte zuerst daheim in Wolfurt bare Gulden hinlegen! Die damit verbundene Gemeinde-Bürgerschaft konnte allerdings unendlich wichtig werden. So wurde etwa die nach Dornbirn zuständige todkranke Witwe Philomena Maier samt ihren zwei Kindern im August 1883 einfach aus Wolfurt mit dem Fuhrwerk nach Dornbirn abgeschoben. Dort ist sie ein paar Wochen später gestorben. Jetzt mußte sich Dornbirn um die Waisen kümmern.5 Langsam wirkte sich jetzt die Arlbergbahn auf die Wirtschaft aus. Das Loch durch den Berg band unser Land enger an die Monarchie. Kaiser Franz Joseph hatte die neue Bahn 1884 selbst eröffnet. Als er dann im Österreichischen Hof in Bregenz Audienz hielt, machten ihm auch Vorsteher Schertler und die ganze GemeindeVorstehung ihre Aufwartung. Begleitet wurden sie von der Musik, den Veteranen und den Schützen. Vorsteher Joh. Martin Schertler hatte sein Vaterhaus an der Kirchstraße (heute Nr. 11) übernommen. Seine erste Frau Maria Anna Halder war eine Tochter des (10.) Vorstehers Josef Halder. Sie schenkte ihm 6 Kinder. Die zweite Frau Juditha Fischer war eine Schwester des Kunsthandwerkers Johann Fischer, Schnidarles Hannes, der ihre Wohnung mit wunserschönen Möbeln ausgestattet hatte.6 Sie gebar ihm weitere 10 Kinder, die nun alle zusammen in Alt-Vorstehers Hus aufwuchsen. Tochter Maria wurde die zweite Frau des (13.) Vorstehers Adlerwirt Fischer und damit die Ahnfrau namhafter Enkel. Von Sohn Rudolf, bekannt als Zeichner, ChorVorsteher und Theaterspieler, stammen die Schuh-Meusburger. Sohn Albert hatte als Schuhmacher mit seinen Schwestern ein Schuhgeschäft in Wolfurt und ein zweites an der Kaiserstraße in Bregenz aufgebaut. Der älteste Sohn Josef wurde Kapellmeister und ab 1891 Gemeindeschreiber in der neuen Kanzlei. Von ihm hören wir im nächsten Kapitel beim Musikstreit. Vom jüngsten Sohn Siegfried, Lehrer in Mittelberg und in Hard, leben zahlreiche Nachkommen. Einer davon ist Roman Schertler an der Lorenz Schertlerstraße. 15/1 Lorenz Schertler 1891-1901 Geb. 2.10.1857, gest. 16.12.1936 Alle drei Jahre gab es Neuwahlen in den 18köpfigen Gemeinde-Ausschuß und noch immer waren sie hart umkämpft. Noch einmal trat der mächtige Altvorsteher Adlerwirt Fischer 1891 gegen den neuen Kandidaten der Konservativen um den Posten des Vorstehers an. Erst im dritten Wahlgang setzte sich der neue knapp mit 10 von 18 Stimmen durch: Lorenz Schertler, der tüchtige und beliebte bisherige Gemeindeschreiber, der gleichzeitig Ziegel-Fabrikant war. Adlerwirt Fischer mußte sich mit dem Posten des I. Gemeinderates begnügen. Die große und mit Doppelmayrs Dampfpresse hochmoderne Ziegelei im Flotzbach leiteten der Vater des Vorstehers und der Bruder Jakob.7 Die drei alten Ziegeleien an der Ach konnten Bild 16:Vorsteher Lorenz Schertler, 1857-1936 nicht mehr mithalten und wurden alle um das Jahr 1890 abgebrochen. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft war jetzt in vollem Gange. Lehrer Rädler lehrte in Fortbildungskursen und Abendschule modernen Obstbau. 1894 wurde unter Patronanz des Vorstehers ein Viehzucht-Verein gegründet, der mithelfen sollte, den Milchertrag zu steigern. Neuen Streit gab es aber auch wieder. Diemal kam er von der Musik. Vorsteher J. Martin Schertlers ältester Sohn Josef, 1864-1898, hatte bei der Militärmusik gedient und war 1887 Kapellmeister bei der Wolfurter Blasmusik geworden. Er führte 1888 die ersten Vereins-Statuten ein und verlangte besseren Probenbesuch. 1893 trat er mit einigen Musikanten aus der Alten Musik aus und gründete mit neuen Statuten die Harmonie-Musik. Ein unglaublicher Streit um Fronleichnamsprozession, Christbaum-Feier und Neujahrs-Blasen war die Folge. Über gegenseitiges Stören hinaus kam es zu Raufereien und Ehrenbeleidigungen. Quer durch die anderen Vereine und sogar durch die Gemeindevertretung ging der Riß. Selbst als Kapellmeister Schertler 1898 plötzlich starb und der junge Franz Rohner die Stabführung der inzwischen an Mitgliedern und Leistungsvermögen weit überlegenen neuen Musik übernahm, dauerte der Streit an. Erst Vorsteher Schertlers Nachfolger Fidel Kirchberger gelang 1901 durch die Mithilfe von Lehrer Rädler ein Zusammenschluß der beiden Kapellen. Seit- 30 31 her nennt sich der Verein Bürgermusik Wolfurt. Franz Rohner wurde wieder Kapellmeister und blieb es unglaubliche 55 Jahre lang bis 1956. In Rickenbach war 1888 unter den acht Todesopfern, die eine vom vergifteten Brunnen ausgehende Cholera-Epidemie gefordert hatte, auch der verdienstvolle Mechaniker Josef Anton Dür gewesen. Sein Sohn und auch der Schwiegersohn waren mit der Führung der Mechaniker-Werkstätte überfordert. Im Herbst 1892 kaufte sie der Härder Schlosser Conrad Doppelmeyer.8 Nach der Überlieferung hatte Dür selbst seinen Betrieb schon ein paar Jahre früher seinem einstigen Lehrbuben angetragen. Sehr klein begann Doppelmeyer am Rickenbach. Noch nach sieben Jahren stand er im Steuerkataster zu den Gemeindewahlen 1900 mit 112 Kronen erst auf Platz 44, weit hinter Zuppinger mit 1076 Kronen und den vielen Wirten, Händlern und Stikkern. Das hat sich dann aber bald gewaltig geändert! Seine Nachbarn, die Gebrüder Gunz von der Mühle im Tobel, hatten 1896 ein erstes Kraftwerk gebaut und Strom für einen Motor und für elektrisches Licht erzeugt. Da schloß sich auch Doppelmeyer an. 1897 arbeiteten die Brüder Gunz ein Projekt zur Stromversorgung für die Gemeinden Schwarzach und Wolfurt mit einem größeren Werk an der Schwarzach aus. Sie verkauften es schließlich an den Rankweiler Ingenieur Albert Loacker. Schon im Jahr 1900 brannten die elektrischen Lampen in vielen Häusern der beiden Gemeinden, früher als anderswo im Land. Denn elektrischen Strom gab es seit 1886 zwar in der Schindler-Fabrik in Kennelbach und einige Jahre danach in den anderen großen Fabriken in Vorarlberg, kaum aber in Privathäusern. Der Vorsprung zahlte sich für Wolfurt bald aus. Im Jahre 1898 hatte man hier nämlich die ersten Schiffle-Stickmachinen aufgestellt. Bis jetzt wurden sie mit Dieselmotoren betrieben. Neue Maschinen wurden aber ab jetzt überall mit problemlos zu bedienenden Elektromotoren ausgerüstet. Diese Frankenmühlen lösten ab 1902 ein wahres Stickereifieber aus. Weil seit der dritten Durchmimmerierung der Häuser im Jahre 1843 über 50 neue Häuser im ganzen Dorf verstreut gebaut worden waren und bereits weitere im Bau waren, führte der Vorsteher zum 1. Jänner 1900 die vierten Hausnummern ein. Von Nr.l in der Höll führten sie bis zu Nr. 290 im Schlatt. Diese Nummern (D) wurden erst 1954 unter Bürgermeister Gunz durch neue mit Straßenbezeichnungen (E) ersetzt. Dreimal wurde Lorenz Schertler bei Gemeindewahlen ganz klar wiedergewählt, zuletzt im Jahre 1900. Doch dann wollte sein Vater die Leitung der Ziegelei an beide Söhne übergeben. Im Frühling 1901 legte Lorenz sein Amt als Vorsteher zurück. In der Not nach dem großen Weltkrieg holten ihn die Wolfurter dann aber noch einmal in das Vorsteher-Amt. 16. Fidel Kirchberger 1901-1906 Geb. 16.11.1853, gest. 27.5.1916 Im Mai 1901 mußte der Ausschuß für den zurückgetretenen Vorsteher einen Nachfolger suchen. Fast einstimmig fiel die Wahl auf den angesehenen Schuhmacher Fidel Kirchberger, der bisher als I. Gemeinderat schon Stellvertreter des Vorstehers gewesen war. Kurz zuvor hatte sich Kirchberger umtaufen lassen. Fidel Kalb war im Tobel als zwölftes von dreizehn Kindern der Familie Kalb zur Welt gekommen und als 14jähriger mit Mutter und Geschwistern nach Unterlinden (Kirchstraße 19; das alte Kirchberger-Haus ist um 1965 abgebrochen worden) übersiedelt. Bald zeigte sich bei dem jungen Schuhmacher eine besondere musikalische Begabung. Er wurde Organist, Leiter von Bild 17: Vorsteher Fidel Kirchberger, 1853-1916 Kirchenchor und Männergesangsverein und dazu 1885 auch noch Kapellmeister der Blasmusik. Im späteren Musikstreit litt er sehr unter seinem Geschlechtsnamen Kalb. Weil er hören mußte, ein Kalb könne kein Ehrenamt bekleiden, wechselte er im September 1895 durch Erlaß der k.u.k. Statthalterei seinen Namen auf Kirchberger. Nun konnte er Vorsteher werden. Die früheren Konservativen nannten sich seit 1896 Christlich-soziale Partei. Weil er zu ihrem endgültigen Durchbruch in der Wolfurter Gemeindestube maßgeblich beigetragen hatte, wurde Pfarrer Joh. Georg Sieber (1826-1902) im Juli 1902 zum ersten Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Die Rickenbacher Liberalen nannten ihn wenig respektvoll Hans-lrg uf-m Bühol. Im November 1902 ist er gestorben. Am 15. September 1902 wurde die Wälderbahn eröffnet. Vergeblich hatten sich die Wolfurter lange Zeit um eine Trassierung auf dem linken Ach-Ufer bemüht. Auch Rädlers Eingaben um eine Normalspurbahn wurden abgewiesen. So war denn auch der Schmalspurbahn in der engen Schlucht keine gute Entwicklung beschieden. Nach einem langen Todeskampf wurde das Bähnle am 29. Jänner 1985 endgültig stillgelegt. Um Wolfurt besser an den Verkehr anzubinden, hatte Rädler schon 1897 begonnen, gemeinsam mit Dornbirn und Lustenau eine Straßenbahn von Kennelbach über Dornbirn nach Altstätten in die Schweiz zu planen. Vergeblich! Schon beim ersten Teilstück der Tram von Dornbirn nach Lustenau blieb der Erfolg aus. 32 33 Bild 18: Vorsteher Kirchberger mit seiner Familie beim Holzhacken vor seiner Stickerei in Unterlinden. Wie die meisten Handwerker legte jetzt auch der Vorsteher sein Schuhmacher-Werkzeug beiseite und baute an sein Haus in Unterlinden eine große Stickerei an. Dort holten sich er und seine Kinder ihren Anteil am Geldsegen aus der Schweiz. Fidel Kirchberger war mit M. Anna Fischer, Märtolars, einer Tochter des (9.) Vorstehers und Lindenwirtes J.Gg. Fischer, verheiratet. Von ihren 13 Kindern starben einige sehr früh. Georg, der als Jus-Student eingerückt war, fiel als erster Wolfurter Soldat im Weltkrieg. Die meisten der Kinder blieben ledig. Nach dem Tod der Eltern übersiedelten sie um 1925 in den Alten Schwanen im Kirchdorf, den sie von einer Tante geerbt hatten. Seither wird das ehemalige Gasthaus oft Kirchbergers Hus genannt. Eine Tochter heiratete nach Bregenz, der Sohn Albert nach Wolfurt. Die Familien der Enkel Loni und Bertel Kirchberger leben unter uns. 17. Ferdinand Köb 1906-1919 Geb. 27.7.1872, gest. 10.3.1957 Aus der Vorsteherwahl vom 5. November 1906 ging Ferdinand Köb als Sieger hervor. Nur eine Gruppe um den verdienstvollen Gemeinderat Engelbert Köb, Lehrers, versagte ihm die Gefolgschaft. Köbs Vater Johann Köb stammte aus Bildstein. Er war in Amerika gewesen und hatte dann in Wolfurt Rosina Haltmayer geheiratet, die vermögende Witwe nach dem Ziegeleibesitzer Josef AntonSchertlerim Röhle. Bereits ihrem ersten Gatten hatte sie elf Kinder geboren, nun folgten in ihrer zweiten Ehe weitere fünf, ehe sie mit 44 Jahren starb. Johann Köb mußte das nach einem Brand wieder aufgebaute Haus (Bregenzer Straße 15) verkaufen und 1889 mit seinem 15jährigen Sohn Ferdinand und dessen vier jüngeren Schwestern nach Unterlinden (Kirchstraße 13, Waibels) übersiedeln. Zehn Jahre später erhielt der tüchtige Ferdinand noch unter Vorsteher Lorenz Schertler die Stelle des Gemeindeschreibers. Und jetzt wurde er sogar Vorsteher, 13 Jahre lang und in ganz schwerer Zeit! Mit Otto Böhler (Steornowiorts Hans-Iorgos) als neuem Schreiber in der Kanzlei hatte er einen verläßlichen Helfer an der Seite. Bild 19: Vorsteher Ferdinand Köb, 1872-1957 35 Also wenigstens eine gute Brücke nach Kennelbach! Die alte Brücke von 1839 war ja nur ein privater Holzsteg für die Fabriks-Arbeiter. Fünf Jahre lang plante Rädler namens der Gemeinde verschiedene Varianten. Schließlich setzte er die allerneueste Idee durch, eine in Paris entworfene Stahlbetonbrücke. Am 24. Juni 1904 wurde sie eingeweiht. Die hohen Kosten von 62 477 Kronen sollten durch einen Brückenzoll hereingebracht werden. Damit hatte das Kirchdorf endlich einen guten Zugang nach Bregenz. Seit 1899 besaß Zuppinger das erste Telefon in Wolfurt. 1904 schloß Rädler sein Kalkwerk an der Telefonzentrale in Kennelbach an. Das Gemeindeamt erhielt erst 1914 einen Anschluß. Gemeinsam mit Schwarzach und dem größten Teil von Bildstein bildete Wolfurt einen Sanitätssprengel. Im Jahre 1902 baute nun Wolfurt für den langjährigen Gemeindearzt Dr. Embacher ein eigenes Doktor-Haus an der Hub. Der neue Pfarrer Adolf Nachbauer sammelte in kurzer Zeit 43 000 Kronen für neue Glocken. Die Rickenbacher hatten die Sammlung verweigert, weil sie ja die Glocken ohnehin nicht hören würden. Das Geld reichte aber auch so. Die sechs herrlichen Glocken, gegossen bei Graßmayer in Feldkirch aus alten Kanonen, kosteten 28 000 Kronen, die Aufstockung des Turmes um 7 Meter auf nunmehr 57 Meter kam auf rund 14 000 Kronen. Es reichte sogar noch für eine Uhr, die bei jeder vollen Stunde an fünf Glocken anschlug. Die Stickerei blühte. Es waren goldene Zeiten, wohl die allerbesten bisher für unsere Gemeinde. Mit dem Tod von J.W. Zuppinger 1903 und der Übersiedlung des Adlerwirts J.Gg. Fischer nach Götzis 1904 löste sich die liberale Partei auf. Ab jetzt vertraten mit Kreuzwirt Johann Haltmeyer und dem Müller Lorenz Gunz zwei konservative Politiker die Interessen der Rickenbacher. 34 Bild 20: Der Gemeindevorstand 1909: v.l. die Gemeinderäte Engelbert Köb, Lorenz Böhler, Gebliard Schertler, Vorsteher Ferdinand Köb und Gemeinderat Remigius Brauchle. Bild 21: Ein Stickereilokal von 1908, ausgestattet mit elektrischem Licht: Emilian und Philomena Büchele im Schlatt. Zunächst steuerte 1907 das Stickerei-Fieber seinem Höhepunkt zu. Handwerker gaben ihren Beruf auf, Arbeiter verließen die Fabrik. Wirte, Krämer und Bauern schafften sich Schiffle-Stickmaschinen an, mit denen man täglich 50 Franken verdienen konnte. Es wurde gebaut wie noch nie. Allein im Jahre 1907 entstanden 23 Neubauten. Darunter waren neben 13 Sticklokalen 7 Wohnhäuser und sogar 3 Villen im altdeutschen Stil: Villa Zuppinger an der Bahnhofstraße, Villa Schertler an der Lauteracherstraße und Villa Köb an der Bucherstraße. Der Mangel an Arbeitskräften und die hohen Löhne zogen Fremde an. Das Gemeindeamt notierte 450 Anmeldungen. Zwar folgte schon 1908 die erste Absatzkrise in der Stickerei. Aber bei der Volkszählung von 1910 ergab sich für Wolfurt doch die Rekordmarke von 2265 Einwohnern. Diese Entwicklung machte auch eine Erweiterung des Friedhofes notwendig. Nach Verlegung der damaligen Bucherstraße wurde auf Pfarrers Bühel ein neuer Friedhof angelegt. Für die ungeheure Summe von 32 000 Kronen ließ die Gemeinde nach Plänen des Bregenzer Architekten Rusch durch den Wolfurter Maurermeister August Klien eine Umrandung mit Arkaden errichten. Als die neuen noblen Grabstätten ab 1909 an die Familien versteigert wurden, erhielt die Gemeinde das meiste Geld wie36 der zurück. Am 29. Oktober 1911 wurde der obere Friedhof eingeweiht. Anläßlich der Erinnerungsfeier an den Aufstand von 1809 kam der Kaiser zum großen Festumzug nach Bregenz. Dort wurde neben der Post ein Anton Schneider-Denkmal enthüllt, das unter den Namen der wichtigsten Freiheitskämpfer auch Jakob Schertler aus Rieden nannte. Es brauchte viele Einsprüche der Wolfurter Gemeindevertretung und Beweisführungen durch den Vorsteher, bis die Bregenzer endlich 1914 die Inschrift auf Wolfurt berichtigten. Allzu gerne hätten sie den berühmten Schützen-Major, von dem alle Vorsteher Schertler-Familien in Wolfurt stammen, für sich behalten. Große Bedeutung hatte in diesen Jahren der Katholische Arbeiterverein. Schon 1899 war er noch unter Pfarrer Sieber als Gegengewicht gegen die in Vorarlberg beginnende sozialdemokratische Bewegung gegründet worden. Pfarrer Nachbauer hatte parallel dazu 1904 auch einen italienischen Verein Societa italiana dei Lavoratori für die vielen in Wolfurt lebenden Fabriksarbeiter begonnen.9 Nun erfaßte der Kath. Arbeiterverein weitere Bevölkerungsgruppen mit Jugendhort, Jungfrauen-Congregation, Mütter-Verein und sogar mit einem Pius-Verein für alte Leute. Im Jahre 1910 gründe37 te er auch noch mit dem Arbeiter-Turnerbund eine Konkurrenz zum seit 1886 in Rickenbach bestehenden liberalen Turnverein. 1913 konnte der-erste Bauabschnitt des Vereinshauses bezogen werden. Das gewaltige Hochwasser von 1910 verwüstete nicht nur Feldkirch. Auch die Dorfbäche traten über die Ufer und richteten schwere Schäden an. Tagelang stand das Ried unter Wasser. Mit Unterstützung durch Land und Staat wurde jetzt ein großzügiges Verbauungsprojekt in Angriff genommen. Zahlreiche Sticker, die durch die neuerliche schwere Krise von 1912 arbeitslos geworden waren, arbeiteten jetzt mit Schaufel und Karrette an den Dämmen des Rickenbachs. Auch beim Bau der Straße durch das Lauteracher Ried nach Lustenau gab es Arbeit. Die Partnergemeinden, zu denen auch Wolfurt gehörte, kauften drei Felder der abgebrochenen Rheinbrücke nach Widnau und stellten sie 1916 anstelle des alten Hochstegs über die Dornbirner Ach auf. Dort tut die romantische Holzbrücke (beim Sender) noch immer gute Dienste. Im Jahre 1907 hatte Franziska Dür, Düro Franzele, das erste Auto nach Wolfurt gebracht. Nun stiftete die reiche Rentnerin 1913 die große Grödner Krippe für die Pfarrkirche. Dann aber begann am 1. August 1914 der Erste Weltkrieg. Am gleichen Tag noch wurden die ersten 100 Männer des Landsturms auf dem Platz vor dem Sternen vom Pfarrer verabschiedet. Sie rückten direkt an die Fronten in Serbien und in Galizien ein. Die ältesten vom Jahrgang 1872 waren 42jährige Familienväter. Etliche starben schon in den ersten Gefechten, andere fielen in Przemyl in russische Gefangenschaft. Das Kreuz inder Mitte des neuen Friedhofes wurde zum Kriegergrab, an dem immer mehr Namen aufgeschrieben werden mußten. Als Italien in den Krieg eintrat, rückten zu Pfingsten 1915 auch noch die Standschützen in den Gebirgskrieg in den Dolomiten ein. Unter ihnen waren grauhaarige Männer von 60 Jahren. Etwa 400 Wolfurter Soldaten standen schließlich an den verschiedenen Fronten. Daheim fehlten die Arbeitskräfte. Not setzte ein, die durch einen schweren Hagelschlag im Juni 1915 und eine Mißernte von 1916 noch verschärft wurde. Der Vorsteher stand mit Zwangsmaßnahmen zur Ablieferung von Milch, Mehl und Brennholz für die notleidenden Nicht-Bauern vor fast unlösbaren Problemen. Im Juli 1916 mußten die Kupferkessel als Kanonen-Metall abgeliefert werden, im September folgten ihnen die Glocken, auf die Wolfurt seit 1905 so stolz gewesen war. Schließlich forderte im September 1918 auch noch die Spanische Grippe hohe Opfer unter der geschwächten Bevölkerung. Am 3. November 1918 ging der Krieg zu Ende. Am anderen Tag wurden die Standschützen aus ihren Bergstellungen in die entbehrungsreiche italienische Gefangenschaft nach Albanien abgeführt. Von den anderen Fronten kehrten die Krieger nach Hause zurück. Nicht alle! Im Herbst 1919 kamen noch die ausgemergelten Standschützen aus Albanien und mit Engelbert Gasser am 19. April 1920 der letzte Gefangene aus Sibirien. 38 Viele aber waren in fremder Erde begraben worden, einige blieben vermißt. Als man 1930 für sie das Kriegerdenkmal baute, mußte man dort auf die Bronzetafel die Namen von 86 Gefallenen und Vermißten schreiben. Für Gott, Kaiser und Vaterland! Unter dieser Parole hatte man die Männer in den Krieg geführt. Nun waren der Kaiser verjagt und das Vaterland zerschlagen. Hoffnungslosigkeit breitete sich aus. In Bregenz wählte ein Soldatenrat beim Büchele-Beck schon am 2. November 1918 den Wolfurter Oberjäger Andreas Klocker zu seinem Anführer für eine geplante Revolution. Am 6. Dezember hielt der Lustenauer Lehrer Riedmann in Wolfurt eine Werbeversammlung für einen Anschluß an die Schweiz und bekam viel Beifall. Am 13. März 1919 wurde durch Postmeister Rudolf Böhler im Sternen eine Ortsgruppe der Bild 22: Der Arkaden-Friedhof mit den ersten Gräbern Christlichsozialen Partei gegründet. 1915. In der Mitte das Kriegerkreuz. Als am Ostersonntag, 20. April 1919, fremde Redner auch zu einer sozialdemokratischen Wahlversammlung ins Rößle einluden, wurden sie von aufgehetzten Buben und Jungmännern mit Ratschen, Trompeten und Schellen gestört und auf ihrer Flucht bis St. Antone an die Lauteracher Grenze verfolgt.10 Trotz dieser feindseligen Stimmung hatten die Sozialdemokraten in Wolfurt am 16. Februar 1919 bei der ersten Nationalratswahl im klein gewordenen Deutsch-Österreich doch 122 Stimmen erhalten.. Es war die allererste Wahl, bei der auch Frauen wählen durften und Steuerklassen keine Rolle mehr spielten! Viel mehr Stimmen, nämlich 551, wurden aber für die Christlichsozialen abgegeben. Bei der schon am 27. April 1919 folgenden Landtagswahl erreichten diese mit 567 Stimmen sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Damit zog jetzt auch Altbürgermeister Lorenz Schertler in unruhiger Zeit für vier Jahre in den Landtag ein. Seit 1909, als Vorsteher Ferdinand Köb fast einstimmig in seinem Amt bestätigt worden war, sollte nach der neuen Gemeindewahlordnung nur mehr alle fünf Jahre gewählt werden. Die 1914 fälligen Wahlen wurden aber wegen innenpolitischer Differenzen und dann wegen des Krieges verschoben. 39
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Heimat_Wolfurt_...4_Okt Wolfurt 01.10.2004 19.11.2012, 18:19 Heft 28 Zeitschrift des Heimatkundekreises Oktober 2004 Bild 1: Der neue Schießstand an der Ach im Jahre 1975 Sonderheft Schützen Weil unsere wertvollen Schützenscheiben und auch die Schützenfahnen nicht allen zugänglich sind, soll ein großer Teil davon in diesem Heft den interessierten Lesern gezeigt werden. Um eine bessere Vorstellung von den Bildern zu erhalten, verwenden wir zum ersten Mal Farbdruck. Bildnachweis Bilder 1, 2, 3 u. 5 Hubert Mohr 4 Engelbert Köb 36 bis 41 Karl Hinteregger Alle anderen stammen aus dem Schützenarchiv Wolfurt. Bitte! Diesem Sonderheft 28 liegt wieder ein Erlagschein bei. Zur Deckung unserer Auslagen bitten wir um eine Spende auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482). Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 27) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Siegfried Heim Wolfurter Schützengeschichte Ein „Schütze" war ursprünglich ein Jäger, der mit seinem Pfeil oder auch dem Speer seine Sippe mit Fleisch von erlegtem Wild versorgte. Seit dem Mittelalter wurden aber auch die Männer, die mit Bogen, Armbrust oder später mit einer Büchse bewaffnet das Land gegen eindringende Feinde verteidigen sollten, als Schützen bezeichnet. Noch bis 1918 wurden die Schützen-Vereine, deren Mitglieder ihre Treffsicherheit in friedlichen Wettkämpfen auf den Schießständen unter Beweis gestellt hatten, immer wieder auch als militärische Einheiten in die Kriege einberufen. Heute gilt der Schießsport als sinnvolle Freizeit-Beschäftigung und als friedlicher Wettbewerb, der die körperliche und geistige Ertüchtigung der Schützen zum Ziel hat. Außer den Sportschützen vom Schießstand und einigen Erinnerungen an den Militärdienst kennt man bei uns das Wort „Schützen" als Namen für ein altes Gasthaus. Es gibt auch noch ein paar Familien „Schützos ", die ihren Hausnamen in Erinnerung an einen Jäger in der Ahnenreihe tragen. Und vom Horoskop her wissen wir vom Sternbild Schütze und von seinem Symbol mit dem gespannten Bogen. Unsere Wolfurter Schützengilde gibt als Gründungsjahr ihres Vereins das Jahr 1838 an, also als Zweitältester Verein nach der Blasmusik von 1816. Das hat seine Berechtigung, denn in jenem Jahr wurde über kaiserlichen Auftrag im Dorf ein Schießstand eingerichtet. Hier wurden ab jetzt regelmäßig „Besf'-Schießen veranstaltet. Die Wurzeln des Schützenwesens reichen aber viel weiter zurück. Die Quellen berichten vor allem von Kriegen, aber auch von Festen, bei denen MusketenSchüsse und Böller-Krachen die Feier verschönerten. Die allerältesten Schießstände für Bogen- und Armbrustschützen sind schon um 1370 in Bregenz, Feldkirch und in Bludenz nachgewiesen. 1434 feierten die Feldkircher ein Schützenfest mit „internationaler" Beteiligung. Im Jahre 1498 vereinigten sich in Bregenz die Armbrustschützen mit den neumodischen Büchsenschützen zu einer kirchlich genehmigten Bruderschaft, bei welcher sogar Kaiser Maximilian Mitglied war.1 Kellhofer und Hofsfeiger Schützen Die erste Nachricht von den Hofsteiger Schützen haben wir aus dem Jahre 1525, als hundert Männer nach Bregenz zogen und die katholisch gebliebene Stadt vor dem Ansturm der reformierten Bauern retteten.2 Im Schmalkaldischen Krieg verteidigten die Hofsteiger Schützen das Land zusammen mit den Hofriedenern an der Bregenzer Klause. Weil Galli Küng zu den Evangelischen übergelaufen war, wurde er gefangen, gefoltert und schließlich von Pferden zerrissen.3 Erfreulicheres erfahren wir von den Wolfurt-Kellhofer Schützen in Diensten der Grafen von Hohenems. Dort führte Jakob Hannibal 1567 seine junge Frau Hortensia, die Schwester des später heilig gesprochenen Karl Borromäus, im Triumphzug aus Italien heim. Das Paar wurde mit Kanonen, Böllern, Glockengeläute und Festbeleuchtung großartig empfangen. Unter den 500 Bewaffneten standen auch die Kellhofer mit Musketen und Hellebarden. Als im Jahre 1603 die wehrfähigen Männer zur Erbhuldigung an Jakob Hannibals Sohn Graf Kaspar nach Hohenems befohlen wurden, reihten sich in die insgesamt 443 Schützen auch 77 aus Dornbirn und 55 aus dem Kellhof Wolfurt ein. Die letzteren wurden von Bastian Kelnhofer angeführt und trugen nur 13 Musketen, sonst Spieße, Hellebarden oder Schlachtschwerter. Die Männer schworen einen feierlichen Eid, sie wollten in Kriegszeiten für ihren Herrn und seine Festung Hohenems Leib, Gut und Blut einsetzen.4 Auch 1618, als der 30jährige Krieg begann, mußten die Kellhofer zur Musterung nach Hohenems. Sonst fand die Musterung der Schützen meist in der Standlaube am Fuß der Kirchenstiege in Wolfurt statt. Im Jahre 1621 wurde eine neue Wehrordnung für das Land beschlossen. Die Stände beharrten auf ihren alten Rechten. Weiterhin durften die Schützen nur zur Verteidigung des eigenen Landes aufgeboten werden und weiterhin sollte jeder sein Gewehr daheim aufbewahren. In andere Ländern wurden die Waffen ja damals in zentralen Zeughäusern gesammelt und gepflegt. Gar oft wurden die Hofsteiger und Kellhofer Schützen in den folgenden Jahrhunderten in Kriegseinsätzen an die Grenzen des Landes gerufen. Daß sie aber auch andere Funktionen hatten, beweist eine Notiz in der Fischer-Chronik von 1768. Die Schützen („Ausschutz ") von Wolfurt und Rickenbach nehmen „ von alters her.. mit under und yber gewehr" (mit Seiten- und Schulterwaffe) an der jährlichen Fronleichnams-Prozession teil. Nun wird ein „Krigsfahnen" angeschafft, eine Fahne, die die Aufmärsche der Schützen verschönern sollte.5 Große Not brachten die Franzosenkriege von 1796 bis 1814 über das Dorf. Die Hofsteiger Schützen standen damals unter der Führung von Joh. Jakob Schertler aus Unterlinden. Als das Land 1805 an die Bayern gefallen war, führten diese die allgemeine Wehrpflicht ein. Beim Aufstand von 1809 nahmen die Hofsteiger und Hofriedener Schützen jetzt auch außerhalb des Landes an Überfällen auf Lindau und Konstanz teil. 4 Im Juni 1809 führte Hauptmann Schertler „zu Roß" seine Hofsteiger Schützen mit 15 Offizieren und 369 „Gemeinen" nach Weiler im Allgäu. Dort wurde er vom Landeskommandanten Anton Schneider zum Major befördert und mit der Führung des ganzen Bataillons Bregenz betraut. Die 169 Wolfurter wurden jetzt von den beiden Leutnanten Josef Schwerzler und Joh. Georg Reiner befehligt. Der erste Sturm auf Kempten mißlang. Dabei starben Leutnant Reiner und der Schütze Anton Lenz „in acie campiduni", in der Kemptener Schlacht. Drei Wochen später versuchte Schertler einen zweiten Sturm. Das Gefecht vom 17. Juli bei Eglofs endete mit schweren Verlusten und einer panikartigen Flucht. Unter den Toten war auch Anton Geiger vom Bühel, der Fahnenträger. Die erste Wolfurter Schützenfahne dürfte damals, wenn sie nicht verbrannt wurde, als Kriegsbeute in ein bayerisches Museum gekommen sein. Jetzt mußten die Vorarlberger alle ihre Waffen samt dem Schießpulver nach Lindau abliefern. Im Gemeinde-Archiv ist noch eine Ablieferungsliste vom August 1809 erhalten geblieben: Gewehre 52 Stuck Stutzen 5 Stuck Säbel 3 Stuck Patron Taschen 7 Stuck auch einige Päckel Pulfer et bley. Schon ein paar Tage vorher waren 48 Gewehre abgeliefert worden. 13 Schützen gaben an, sie hätten ihre Waffen bei der Flucht von Eglofs verloren. Major Schertler mußte sich im Hauptquartier von General Beaumont in Lindau einfinden und seine Unterwerfung beschwören. Hundert Jahre später wurde der Name des allseits geschätzten Mannes am Anton-Schneider-Denkmal in Bregenz eingefügt. Seit 1977 erinnert auch eine Gedenktafel am neuen Wolfurter Schießstand an Jakob Schertler und seine Schützen von 1809. Daß wenigstens einige von diesen Schützen schon bald nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich wieder Gewehre und Pulver besaßen, erfahren wir aus dem Bericht über den Einzug eines neuen Pfarrers: „Pro 1814 den 4ten Jully ist .... der Hochwürdige Herr .... Aloys Graßmayer .... von Bregenz abgeholt worden mit gröster Solumetät, es wahren bey 20 Reiter, 5 Gutschen u. Wägen von der Zollbrügge hat Ihn auch der Ausschuß mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen abgeholt .... nach dem Gottesdienst.... mit wiederholtem böller geschüze und Salve der Musgeten zum Pfarrhof begleitet worden. " h Zu einem Freudenfest gehörten damals und noch lange danach einfach Böllerkrachen und Pulverdampfund natürlich auch Musik. Seit in Wolfurt im Jahre 1816, zwei Jahre nach dem Pfarrer-Einzug, eine Blasmusik gegründet worden war, marschierte diese bei unzähligen festlichen Anlässen gemeinsam mit den Schützen. So ist zum Beispiel aus dem Jahre 1824 eine Abrechnung des Gemeindekassiers erhalten geblieben. Schützen und Musik waren miteinander „zur Paradierung bei S. K. K. 5 Hocheit Prinzen von Österreich " ausgerückt. Erzherzog Franz Karl, der Vater des späteren Kaisers Franz Joseph, hatte in Bregenz eine Parade der Schützen abgenommen. Am anderen Tag kassierte der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde die Spesen von 44 Gulden ein. Auch die Musikanten erhielten 24 Gulden. Dem Kaiser ging es darum, die Wehrkraft seines Heeres durch gut ausgebildete Schützen zu stärken. Mit seinen Vorarlberger Schützen konnte er aber in diesen Jahren gar nicht zufrieden sein. Das geht aus einem umfangreichen Schriftverkehr des Guberniums in Innsbruck mit Kreishauptmann Ebner hervor. Ebner war auch für die Landesverteidigung verantwortlich und faßte die Berichte der sechs Vorarlberg er Landrichter zusammen: 1. Von den Bayern wurden 1809 alle Schußwaffen beschlagnahmt. Das Scheibenschießen war verboten. Die Bevölkerung ist verarmt. Nur wenige Schützen waren nach 1814 in der Lage, sich neue Gewehre zu besorgen. Daher sind auch viele Schießstände verfallen. 2. Der Anreiz zum Scheibenschießen fehlt, weil die landesfürstlichen Preisgelder nur mehr spärlich fließen. 3. Ein wesentliches Hindernis zur Wiederbelebung des Scheibenschießens ist das gültige Wehrstatut. Danach muß sich jeder Bürger und Bauer nach seiner Verehelichung oder bei Antritt eines Gewerbes in die Schützenmatrik einschreiben. Er ist verpflichtet, drei Jahre lang an den Schießübungen („KaisergabenSchießen") teilzunehmen. Anfänger sehen keine Möglichkeit, ein „Best" zu gewinnen, weil gute Schützen im Vorteil sind. Sie werden daher durch die hohen „Muß"-Einlagen abgeschreckt. Zur Beendigung dieser unbefriedigenden Zustände fordert Kreishauptmann Ebner daher: 1. Bau neuer Schießstände. Sie müssen so zentral gelegen sein, daß die Anmarschzeit höchstens drei Stunden beträgt. 2. Erhöhung der landesfürstlichen Gnadengaben. 3. Einführung einer neuen Schützenordnung, die zum Scheibenschießen ermuntert. Unter den Orten, wo Ebner schon im Jahre 1828 neue Schießstände fordert, ist Wolfurt. Hier sollen auch Bucher und Lauteracher Schützen unter Aufsicht eines „einsichtsvollen" Oberschützenmeisters ihre Übungen abhalten.7 Es dauerte noch volle zehn Jahre, bis die durch den Kirchenbau von 1833 verarmte und auch arg zerstrittene Gemeinde Wolfurt dem Auftrag des Kreishauptmanns folgte und dem Schützenwesen neuen Auftrieb gab. Schützen des Kaisers, Neubeginn 1838 Gemeindevorsteher war in jenen schwierigen Jahren der Rickenbacher Adlerwirt Leonhard Fink. Wolfurt besaß jetzt in 230 Häusern 236 Familien mit insgesamt 1311 Einwohnern. Fink hatte 1834 die Pfarrkirche gegen großen Widerstand provisorisch fertiggestellt. 1835 hatte er eine erste Feuerwehrspritze angeschafft. Nun plante er gemeinsam mit dem neuen Pfarrer Hiller die Errichtung einer Kaplanei und den Bau eines Kaplanhauses. Da blieb für den vom Kreisamt geforderten Schießstand nur wenig Geld. Treibende Kraft für das Schützenwesen dürfte der Ziegelfabrikant und langjährige Schützenhauptmann Andreas Klocker (1787-1844) gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef Anton besaß er eine große Ziegelei an der Ach. 1836 baute er an der Bützestraße ein neues Haus (Forstars, jetzt Nr. 18, Zimmerei Böhler). Klockers einziger Sohn Josef ließ sich 1845 als Glaser an der Hub nieder und begründete dort mit seinen zehn Kindern die Sippe der Glasar-Klocker. Ein Schießstand-Gebäude vermochten die Wolfurter vorerst nicht. Aus der von Schnidarles Hannes im Jahre 1899 gemalten Scheibe geht hervor, daß der Stand lediglich aus ein paar Pfählen und einer Latte bestand. Wenige Jahre vorher hatte der Rößlewirt für die Vergrößerung von Kirche und Friedhof ein gutes Stück von seinem Bühel abgetreten. Als man dann alle Bäume gefällt hatte, blieb unterhalb der Friedhofmauer gerade noch genug Platz für einen Garten und einen „Stand" für die Schützen. Für den Schreiber mußten ein Tisch und ein Stuhl auslangen. Die Scheiben standen auf der anderen Seite des Tobeis in Richtung Schloß. Von dort dürften schon damals Schützenbuben mit Zeichen die Treffer und die Fehlschüsse angezeigt haben. Kein Wunder, daß die dem Wolfurter Stand zugeteilten Schützen aus Lauterach nicht zufrieden waren! Schon nach einem Jahr suchte die Gemeinde Lauterach 1839 um einen eigenen Schießstand an. Sie fürchtete, „ daß die jungen Leute alle Sonn- und Feiertage ihr Geld verzehren, in Streit und Händel geraten und endlich bei Nacht auf den unsicheren Straßen mit den verschlagenen Köpfen nach Hause kämen ".8 Ab jetzt übten viele Lauteracher an verschiedenen Plätzen im eigenen Dorf. Einen richtigen Schießstand erhielten sie aber erst 1847. Den Wolfurtern mußte ihr einfacher Stand auf dem Rößle-Bühel vorerst genügen. Auch bei festlichen Anlässen rückten Schützen und Musik aus. Eine Gelegenheit dazu bot im September 1844 der neuerliche Besuch von Erzherzog Franz Karl in Bregenz. Diesmal hatte er seine ältesten drei Söhne mitgebracht, den 14jährigen Prinzen Franz Joseph, der schon vier Jahre später als Kaiser den Thron der DonauMonarchie besteigen sollte, den 12jährigen Prinzen Maximilian, der später als unglücklicher Kaiser von Mexiko erschossen wurde, und den 11jährigen Prinzen Karl Ludwig. Kreishauptmann Ebner notierte vom Schützen-Aufmarsch: 6 7 „Es waren Zuseher von allen Seiten herbeigeströmt. Namentlich waren nebst den Bregenzerschützen auch jene von Hörbranz, Hard, Lautrach und Wolfurt einmarschirt in großentheils absurden Kostümen Die türkischen Musiken derselben vollbrachten einen Höllenlerm, und endlich gaben sie Dechargen wovon mehrere dem regulären Militär zur Ehre gereicht haben würden!" 9 Bald danach übersiedelte der Wolfurter Schießstand vom Kirchenbühel nach Rickenbach. Der Engelwirt Josef Fischer hatte in den Adler hinaus geheiratet und wollte das gute Geschäft mit den Schützen dorthin mitnehmen. Die paar Latten konnte man ja überall schnell aufstellen. Schon 1846 richtete der Adlerwirt neben seinem Biergarteri direkt an der Landstraße nach Schwarzach einen Schuppen für die Schützen ein. Im Kataster von 1857 wird dieser Schuppen als „Schießhaus" bezeichnet. Auf der Fischer-Schützenscheibe sieht man die Begrenzungsmauer zur Dornbirnerstraße. Der Kugelfang stand nach einem Schreiben von 1848 am anderen Ende von Adlerwirts Wiese nahe am Rickenbach. Nach der Überlieferung soll auch im Kella geschossen worden sein. Dafür gibt es aber keine Belege. Der Rickenbacher Stand war ja auch nur 14 Jahre lang in Betrieb. Im Jahre 1845 hatte das Gubernium die neue kaiserliche Schießstandsordnung für Tirol und Vorarlberg verlautbart. In mehreren Schreiben wurden Bestellung, Bezug, Transport und Aufbewahrung von Schießpulver genau geregelt. Das Pulver mußte in Säckchen abgefüllt und diese in Fäßchen verschlossen werden. Transport in Postkutschen war verboten, vielmehr mußten die Fäßchen von „nüchternen Bothen" überbracht werden. Ein Zentner „rundkörniges Scheibenpulver" für die Stutzen kostete 41 Gulden, Sprengpulver für die Böller dagegen nur 29 Gulden.10 Eine ganz wichtige Änderung im Wolfurter Schützenwesen brachte das Jahr 1860. In Spetenlehen hatte Joh. Martin Fischer, ein Enkel des ersten Wolfurter Vorstehers, in seinem Haus (heute Hofsteigstraße 27) ein Gasthaus „Schützen" eingerichtet und dazu auf dem Bühel auf eigene Kosten einen neuen Schießstand gebaut.11 Damit zog er das Geschäft mit den Schützen an sich. Schon im ersten Jahr wurden hier die vom Bezirksamt überwiesenen 13 kaiserlichen Gnadengaben im Betrag von 40 Gulden 95 Kreuzer ausgeschossen. Abwechselnd mit Hard und Lauterach fand jetzt jedes Jahr ein „Hofsteigschießen" statt, damals bereits unter diesem heute wieder gebräuchlichen Namen. In das Schießprotokoll des „4. Hofsteig-Freischießen in Wolfurt 1865" ließen sich 391 (!) Schützen eintragen, darunter neben Wolfurtera und Lauterachern solche aus dem ganzen Land von Hohenweiler bis Nenzing und von Fußach bis Andelsbuch. Dem „K.K. Gemeinde-Schießstand zu Wolfurt" gehörten jetzt 69 Schützen an. Oberschützenmeister war 1866 der damalige Gemeinde-Vorsteher Josef Halder. Das Fischer-Gasthaus hieß eigentlich „Rose", wurde aber meist „Schützen" genannt. Der Schützenwirt Fischer war ein begeisterter Sänger und beherbergte neben den Schützen regelmäßig auch den Gesangverein. Trotzdem geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. 1873 bot er den Schießstand der Gemeinde zum Kauf an, „wiederigenfalls er seine Gebäulichkeit für sich verwende, und die Gemeinde 8 andersartig für einen Schießstand zusorgen überlasse ". Die Gemeinde lehnte ab. 1875 kaufte der Nachbar Kronenwirt Michael Sohm das Gasthaus Schützen samt dem Schießstand. Das Konkurrenz-Gasthaus schloß er, den Schießbetrieb hielt er aufrecht. Ab 1875 wurde also die „Krone" zur Schützenwirtschaft und blieb es genau hundert Jahre lang, bis die Schützen ihren neuen Stand an der Ach eröffneten. Der erfolgreiche Kronenwirt hatte natürlich Neider. Mehrmals wurde er angezeigt, weil die Schützen ohne den vorgeschriebenen Kugelfang gegen den Wald hinauf geschossen hätten. Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Gg. Fischer. Dieser unternehme, so hieß es in der Zeitung, nichts gegen den Kronenwirt Michael Sohm, weil der Sohn des Kronenwirts mit der Schwester des Vorstehers verheiratet sei. Schon 1877 übergab Michael Sohm seine beiden Häuser an seinen gleichnamigen Sohn. Als dieser bald danach den ehemaligen Schützen verkaufte, behielt er den Bühel und vereinigte ihn mit Kronenwirts Bühel. Seither gehört der Schießstand zur Krone. Alles zusammen verkaufte Sohm 1879 an Wendelin Pfanner. Pfanner überließ nun 1880 den Schießstand für 200 Gulden der Gemeinde. Er behielt sich aber Nutzungsrechte vor, darunter das Recht zur Abhaltung von PrivatFreischießen und das alleinige Recht zum Ausschank von alkoholischen Getränken. Er baute 1882 sogar eine Kegelbahn ein. Erst später ging der Schießstand ganz in Gemeindebesitz über und wurde in mehreren Stufen zu einem beliebten SchützenTreffpunkt ausgebaut. Mit vielen anderen Schützen beteiligten sich auch die Wolfurter am Aufmarsch zum Kaiser-Besuch von 1881 in Bregenz und am anschließenden großen Schützenfest am „Berg Isel". Unter Oberschützenmeister Ferdinand Schneider wurde zum 50-JahrJubiläum 1888 gemeinsam mit den Fronleichnams-Schützen eine Fahne angeschafft. Allerdings gab es ihretwegen viel Streit.12 (Mehr darüber weiter hinten S. 53). Die meisten Standschützen waren übrigens gleichzeitig auch Fronleichnams-Schützen. Sie rückten dort bei feierlichen kirchlichen Anlässen in Uniform aus.13 Aus dem Jahre 1891 ist die älteste Wolfurter Ehrenscheibe erhalten geblieben. Alle älteren Scheiben waren mangels Aufbewahrungsmöglichkeit bald wieder verloren gegangen. 1895 wurde der neue Kronenwirt Carl Müller zum O.Sch.M. gewählt. Der Verein blühte auf. In diesen Jahren setzten sich endgültig Gewehre mit PatronenMunition durch. Bisher waren noch häufig Vorderlader-Stutzen verwendet worden. Schon 1898 wurde der baufällig gewordene Schießstand von Grund auf erneuert. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph fand am 1. Mai 1898 ein großes Fest-Schießen auf dem neuen Stand statt. Dazu wurde dem Kaiser eine Ehrenscheibe gewidmet. Landeshauptmann Adolf Rhomberg hielt vor über 1000 Zuhörern die Festrede. Besonders beeindruckte die Besucher das Feuerwerk in den späten Abendstunden.14 Noch im gleichen Jahr fuhren die beiden Schützenmeister mit Vorsteher Lorenz Schertler und vier weiteren Schützen zum Bundes-Schießen nach Wien. 9 Nach der k.k. Schießstandsordnung von 1874 war jeder Schütze verpflichtet, jährlich auf dem eigenen Stand an mindestens drei Schießübungen teilzunehmen. Jedesmal mußte er dabei mindestens dreißig Schüsse abgeben. Zur Kontrolle wurde ein Matrikelbuch geführt. Im neuen Buch von 1898 sind 308 Schützen eingeschrieben, darunter 59 aus Lauterach und 7 aus anderen Nachbargemeinden. Unter den 242 Wolfurtern ist selbverständlich auch der Vorsteher Lorenz Schertler. Die Freude an dem neuen Schießstand zeigte sich nicht nur in der großen Schützenzahl, sondern auch in den vielen Ehrenscheiben aus diesen Jahren. Darunter befindet sich auch jene kostbarste Wolfurter Scheibe, auf die Schnidarles Hannes 1899 die drei Schießstände malte (Bild 6). Nach der Jahrhundertwende folgten die goldenen Sticker-Zeiten für Wolfurt. Sie spiegeln sich in einer ganzen Reihe von übermütigen und trinkseligen Schützenscheiben wieder. Am 29. Juni 1913 feierte die „Standschützen Gesellschaft Wolfurt" - so nannte sie sich jetzt - ihr 75jähriges Gründungsfest. Unter Oberschützenmeister Rudolf Böhler, Postmeister und Sternenwirt, erhielt der Verein eine neue Fahne (Bilder 4, 40 u. 41). Ein Jahr darauf begann der große Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 mußten die Männer bis zu 42 Jahren mit dem Landsturm einrücken. Am 21. August wurden im Vereinshaus durch Landeshauptmann Rhomberg auch die Standschützen als reguläre Soldaten vereidigt. 60 Kennelbacher bildeten zusammen mit 95 Wolfurtern eine Kompagnie. Sie wählten Ludwig Köb, Lehrars, zu ihrem Hauptmann. Nur ein paar Tage exerzierten sie im Oberfeld. Dann marschierten 60 Wolfurter Schützen am Pfmgst-Heiligtag, 23. Juni 1915, vom Kirchplatz weg nach Bregenz. Mit dem Zug wurden sie an die Front ins Südtirol gebracht. Dreieinhalb Jahre härteste und verlustreiche Kämpfe in den Dolomiten folgten und dann noch ein Hungerjahr in italienischer Gefangenschaft in Albanien.15 Neun Schützen kehrten nicht mehr heim. Schützengesellschaft und Schützengilde Die Not nach dem Krieg zwang eine ganze Reihe von jungen Wolfurtern, darunter auch einige Schützen, zur Auswanderung nach Amerika. Vorsteher Lorenz Schertler versuchte, dem Vereinsleben wieder Auftrieb zu geben. Auf sein Schreiben hin trafen sich am 26. August 1923 elf Männer im neuen Vereinshaus und gründeten den Schützenverein neu, jetzt unter der Bezeichnung „Schützengesellschaft Wolfurt". Standschützen-Oberleutnant Dr. Wilhelm Mohr hatte Statuten erarbeitet. Er übernahm auch selbst die Stelle als „1. Schützenmeister". Der „2. Schützenmeister" Josef (Pepe) Flatz und Schriftführer Albert Kirchberger stellten sich als verläßliche Helfer an seine Seite. Zuerst mußte der wieder baufällig gewordene Schießstand mit Hilfe eines Baukredits von vier Millionen Kronen saniert werden. Die Gemeinde als Eigentümerin des Standes besaß ja am Höhepunkt der Inflation selbst kein Geld mehr und konnte lediglich ein paar Tannen für Bretter und Balken beisteuern. Aber am 4. November 1923 wurde doch bereits ein erstes „Schübling"-Schießen durchgeführt. Zum ersten Mal knallten nach zehn bitteren Jahren die Stutzen wieder in sportlichem Wettkampf. Aus 125 Metern Distanz schoß man auf 33 Zentimeter-Scheiben mit 10 Kreisen.16 Noch immer füllten die Schützen ihre Patronen selbst nach individuellen „Rezepten" und setzten oft erst am Stand ihre Zündkapseln ein. Eine ganz wichtige Aufgabe hatten bei jedem Schießen die Schreiber und die „Zeiger" zu erfüllen. Die Zeiger waren Buben und Burschen, die am Scheibenstock die Scheiben beaufsichtigten. Mit einer zweifarbigen Kelle zeigten sie jeden Treffer und auch dessen Abweichung vom Zentrum an. Dafür erhielten sie Schübling und Brot und meist auch eine Limonade. Nach Beendigung des Schießens gruben sie mit ihren Taschenmessern die Bleikugeln aus dem Erdreich. Als Schreiber benötigte man gestandene Männer, denn es kam nicht selten zu Auseinandersetzungen, wenn ein ehrgeiziger Schütze seinen Fehlschuß nicht akzeptieren wollte. Als Dr. Mohr nach Bregenz übersiedelte und Martin Dietrich 1. Schützenmeister wurde, nahm man das Inventar auf. Da fanden sich neben zwei Fahnen und sechs Gewehren bereits 32 Ehrenscheiben. In den nächsten Jahren gewann der Schießstand Wolfurt mit seinen verschiedenen Gesellschafts- Schießen einen guten Ruf und konnte immer mehr prominente Gäste begrüßen. Die Mitglieder Isidor Flatz und Martin Gmeinder errangen 1928 die Auszeichnung „Meisterschütze in Vorarlberg". Ab 1929 wirkten sich die Weltwirtschaftskrise und die parteipolitischen Auseinandersetzungen immer mehr auch in Streitigkeiten bei den Vereinen aus. Von 53 eingeschriebenen Mitgliedern erschienen 1932 nur mehr 11 zur Hauptversammlung. Statt einer geplanten Schützen-Uniform konnte nur ein einheitlicher Hut mit einem Adler-Stoß angeschafft werden. In diesen Jahren nahm das Schießen mit dem Kleinkaliber-Gewehr, das die alten Schützen lange als „Pfutzgarle" belächelt hatten, einen großen Aufschwung. 11 10 Trotz der gedrückten Stimmung gab es immer wieder Anlässe, zu denen Schützenfreunde eine Ehrenscheibe spendierten. Weitaus die meisten davon malte der unermüdliche Johann Fischer, Schnidarles Hannes. Im Jahre 1937 ließen sich fünf ehemalige Standschützen-Offiziere, darunter der inzwischen als Arzt zu Weltruhm gelangte Wolfurter Professor Dr. Lorenz Böhler, eine Scheibe vom Kennelbacher Schützenkameraden Engelbert Karg malen. Der Aufmarsch und das Schießen auf diese Scheibe wurden am 5. September 1937 zum letzten Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon am Vorabend hatten Dr. Böhler selbst und seine Söhne mit je einem Schuß auf diese Scheibe ein Erinnerungszeichen gesetzt. Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Schützengilde wie alle anderen Vereine sofort aufgelöst. Die Ortsleitung der NSDAP übernahm den Schießstand. Dort begann ein reger Schießbetrieb. Allerdings hatten die alten Stutzen ausgedient. HJ (HA-Jott, Hitlerjugend) und SA (Sturm-Abteilung) schössen jetzt mit dem preisgünstigen KK-Gewehr auf den 50 Meter-Ständen. Sogar die zehnjährigen Pimpfe übten schon in den Schulklassen mit LuftdruckGewehren im Rahmen der „vormilitärischen Ausbildung". Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Auszugs der Standschützen in den Ersten Weltkrieg stifteten die neuen Machthaber im Mai 1940 eine Ehrenscheibe (Bild 19). Zu einem Preis-Schießen kamen am Pfingstmontag, 2. Juni 1941, sogar Gauleiter Hofer und Kreisleiter Dietrich auf den Wolfurter Schießstand. Auch die zur „Schützenmusik" umgetaufte Bürgermusik mußte spielen, allerdings fehlte der in Ungnade gefallene Kapellmeister Rohner. Bald wurde der Umgang mit dem Gewehr für viele Männer an den Fronten zum entsetzlichen Ernst. In den letzten Kriegsmonaten mußten im Rahmen des „Volkssturms" sogar die bisher verschonten älteren Jahrgänge noch unter dem TraditionsNamen „Standschützen" zur Ausbildung in vierwöchigen Kursen ins Südtirol. Am 2. Mai 1945 marschierte die französische Armee ein, der Krieg ging zu Ende. Wieder mußten, wie damals nach dem Aufstand von 1809 gegen die Bayern, alle Waffen abgeliefert werden. Neben Jagdgewehren und uralten Stutzen aus dem vorigen Jahrhundert wurden auch gute Sportwaffen eingesammelt und auf einem Haufen beim Schulhaus vernichtet. Der Schießstand wurde einige Zeit von marokkanischen Soldaten bewohnt und erlitt dadurch arge Beschädigungen. Es dauerte viele Jahre, bis sich das Leben wieder normalisierte. Albert Kirchberger hatte mit den alten Schützen-Akten sein Protokollbuch getreulich aufbewahrt und übergab nun alles zusammen dem ehemaligen U.Sch.M. Pepe Flatz. Gemeinsam mit dem langjährigen Funktionär Paul Schwarz versuchte dieser ab 1951, das Schützenwesen zu neuem Leben zu erwecken. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten wurden tatsächlich schon im Herbst 1952 ein Jagd-Schießen und ein Frei-Schießen durchgeführt. Unter Leitung des provisorischen Schützenmeisters Erich Gasser fanden sich dann am 15. März 1953 in der Krone immerhin 15 Schützen zu einer Generalversammlung zusammen. Nur mühsam ging es aufwärts. Es fehlte an Gewehren und 12 Munition, an Geld und an Preisen. Ein Gewittersturm richtete im August 1958 am Schießstand großen Schaden an. Eine Änderung brachte erst das Jahr 1960. Unter O.Sch.M. Josef Dietrich waren Karl Aichholzer als Kassier und Hubert Flatz als Schriftführer in den Ausschuß gewählt worden. Mit neuen Ideen setzten sie Impulse zur Umkehr des „Krebsgangs im Schützenwesen". Besonders bewährte sich die Einführung eines regelmäßigen Trainings. Nach zwanzig Jahren wurde 1960 auch erstmals wieder eine Scheibe geschossen, mit der man der in den letzten Jahren verstorbenen Funktionäre gedachte (Bild 20). Schon im Jahre 1961 konnten bei Mannschafts-Wettkämpfen gegen Hohenems, Nonnenhorn und Schwarzenberg beachtliche Erfolge erzielt werden. Als stets zielsichere Schützen sind in den Aufzeichnungen Hans Loacker, Karl Aichholzer und Martin Dietrich festgehalten. Ihr Beispiel riß mit, auch bei den ständigen Renovierungsarbeiten am Schießstand, bei denen Aichholzer das Kommando und die meiste Arbeit übernahm. Die Zahl der Mitglieder stieg an. Jetzt wurden jedes Jahr gut vorbereitete Vereinsmeisterschaften durchgeführt und mit großem Ehrgeiz ein „Schützenkönig" gekürt. Auch Damen wurden als Mitglieder aufgenommen und die Jungschützen mit großer Aufmerksamkeit betreut. Als sich immer mehr junge Menschen um die Mitgliedschaft bemühten, auch solche aus Nachbargemeinden, in denen kein Schützenverein mehr bestand, wurde es bei den Schüblings- und Meisterschafts-Schießen auf Kronenwirts Bühel und bei den Generalversammlungen in Luzias Stube in der Krone langsam eng. Unter Allfälligem begann Egon Pehr in der Generalversammlung vom 30. Jänner 1970 daher eine Debatte über einen Schießstand-Neubau. Schriftführer Hubert Flatz griff die Idee auf und fand allgemeine Zustimmung. Wieviel Arbeit ihm daraus in den folgenden fünf Jahren erwachsen würde, konnte er noch nicht ahnen. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Vallaster, Schützenscheibenbuch, Dornbirn 1984, S. 118 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III, S. 44 Wie 2, S. 90 Welti, Jakob Hannibal, S. 103 und S. 443 ff und Kellnhof Wolfurt, S. 6. GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 16 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 Hubert Flatz, Schützen-Chronik, 1988, S. 1 ff, nach Forschungen im VLA Fröweis, Rathausfenster Lauterach, Nr. 3/2001, S. 14 Ebner, Tagebuch 1844, 14.-17. September Nach Akten 1846 im Schützenarchiv Wolfurt GA, GV-Protokolle, Einladung zur Sitzung am 16. Aug. 1860 GA, Chronik Schneider 3, S. 277 ff Heimat Wolfurt 23/1999, S. 42 GA, Chronik Schneider 3, S. 213 Heimat Wolfurt 7/1991, S. 33 ff Schützenprotokoll v. 1. Okt. 1924, Ladschreiben 13 1975 - Der neue Schießstand an der Ach Im Jänner 1970 war also in der Krone die Idee zu einem neuen Schießstand geboren worden. Alle dachten dabei zuerst an einen Neubau am alten Platz auf Kronenwirts Bühel. Dort gab es aber schon bisher Probleme mit Zufahrt und Parkplatz für die inzwischen ja weitgehend motorisierten Schützen. Und auf dem vor ein paar Jahren noch unverbauten Bühel standen jetzt auch schon einige Einfamilienhäuser. Trotz alter verbriefter Rechte konnten daraus in der Zukunft für die Schützen Erschwernisse entstehen. Da richtete Gemeindesekretär August Geiger die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf das LAWK-Gelände an der Ach, von dem der Fußballverein schon 1947 ein großes Stück pachtweise übernommen und darauf seinen Sportplartz errichtet hatte. Tatsächlich erhielten die Schützen nun am 17. Dezember 1970 von der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) die Grundparzelle 303/15 in Pacht. Die Planung konnte beginnen. Hubert Flatz hat darüber mit Hilfe von sorgfältig geführten Tagebuch-Aufzeichnungen im Jahre 1988 eine eigene Schießstand-Chronik verfaßt, aus welcher ich hier einiges zitieren darf. Im Februar 1971 wurde unter Obmann Karl Aichholzer ein Bauausschuß gebildet und bald danach die Rodung des Auwaldes in Angriff genommen. Als Hindernis erwies sich eine von der Gemeinde nach dem Krieg aufgestellte Baracke, deren Bewohner zuerst umgesiedelt werden mußten. Die Gemeinde verbürgte sich für einen Baukredit. Schon im Mai 1972 legte Edelbert Klimmer als Mitglied des Bauausschusses die ersten Pläne vor. Ab jetzt übernahm er die gesamte Planung und auch den größten Teil der Bauaufsicht. Die nun beginnende dreijährige Bautätigkeit wurde eine heute unglaublich anmutende Erfolgsgeschichte. Es gelang Hubert Flatz und Ferdl Matt, eine große Anzahl von freiwilligen Helfern zur Mitarbeit zu bewegen, die Arbeiten unter Leitung von erfahrenen Fachleuten zu koordinieren und das notwendige Baumaterial rechtzeitig vor Ort zu bringen. Darüber hinaus erhielten die Schützen, deren Begeisterung sich nicht selten auch auf die Lieferanten übertrug, beachtliche Spenden an Material, Maschinenstunden oder Zufuhrkosten. Viele Kontakte zu den Firmen vermittelte der Planer Edelbert Klimmer, andere besaß Hubert Flatz selbst in seinem Freundeskreis und unter den Wirtschaftstreibenden von Wolfurt. Im April 1973 begann man mit dem Aushub für das Hauptgebäude, bereits am 29. September konnte die Firstfeier stattfinden. Einziger Wermutstropfen war ein Protest der Oberfelder Nachbarn gewesen, die glaubten, ihre paradiesische Ruhe könnte allenfalls durch Schießlärm beeinträchtigt werden. Sie ließen sich aber bald durch Schallmessungen von Fachleuten beruhigen. Durch das ganze Jahr 1974 waren immer wieder ganze Gruppen von Schützen mit ihren Freunden mit dem Innenausbau beschäftigt. Fast alle taten es für ein Dankeschön und eine Jause, die in großzügiger Art jeweils der Sternenwirt Metzgermeister Johann Fischer spendierte. 14 Bild 2: Die Schützenstube mit der Kassettendecke Bild 3: Wegkreuz beim Schießstand: „.... daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt." Im November 1974 konnte im ausgebauten Kellergeschoß das Luftgewehr-Training aufgenommen werden. Den ganzen Winter über arbeiteten Willi Abier und Tone Repolusk an der Restaurierung der kostbaren alten Schützenscheiben, die sie von der Decke des alten Standes an der Hub abgenommen hatten. Bei der Zimmerei Berchtold wurden sie zum Einbau vorbereitet. Als die aus 38 Scheiben zusammengesetzte Decke schließlich von Fachleuten begutachtet wurde, ernteten die Handwerker höchstes Lob. Am 30. Mai 1975 wurde die Eröffnungsscheibe geschossen. An den folgenden 14 Tagen kamen 363 Schützen aus dem ganzen Land, aus der Schweiz und aus Deutschland und machten das Schießen auf dem vielbewunderten Wolfurter Stand zu einem anhaltenden Fest. Gemeinschaftssinn und Idealismus hatten ein großes Werk geschaffen. Zuerst sind da sicher die weit über 12 000 freiwillig von Handwerkern und Hilfsarbeitern geleisteten Arbeitsstunden zu nennen, die Schriftführer Ferdl Matt in seinem Stundenbuch fein säuberlich aufgezeichnet hat. Aus der Liste der 130 Namen stechen einige mit besonders großen Stundenzahlen hervor. Weitaus angeführt werden sie vom Gesamtleiter Hubert Flatz und seiner rechten Hand Ferdl Matt. Daneben 15 sind der Planer Edelbert Klimmer, Zimmermann Willi Abler, Baupolier Josef Leitner, Bodenleger Karl Aichholzer, die Schlosser Tone Lingenhel und Günther Muxel, die Elektriker Werner Dietrich und Wilfried Braitsch, Gärtner Franz Strezek und schließlich der Maler Anton Repolusk zu nennen, die für ihre Spezialgebiete verantwortlich zeichneten, aber auch sonst überall Hand anlegten, wo sie gebraucht wurden. Entscheidend für das Gelingen ihres Werks war jedoch die Mitarbeit jener weiteren 120 hier nicht genannten Helfer! Auch in der Liste der zahlreichen Förderer des Schießstandes fallen einige Namen auf. So hatte Alwin Rohner schon in der ersten Stunde, damals 1970 noch draußen in der Krone, die Lieferung sämtlicher Ziegel zugesagt. Er hielt sich nicht nur daran, sondern stellte unentgeltlich zusätzlich noch Zement, Kalk und Rohre nach Bedarf zur Verfügung. Neben den großen Beiträgen durch die Firmen Doppelmayr, Eisenkonstruktionen, und Berchtold, Zimmermannsarbeit, fällt Luis Erath in Lochau auf, der die Waschbetonplatten für den Hausplatz nicht nur spendierte, sondern auch selbst verlegte. Viele andere schließen sich an, von Holzsägern über Baggerfahrer bis zum Bildhauer Nitz in Lochau, der das Kruzifix für die Schützenstube stiftete. Ihre Namen sind auf einer Ehrenscheibe im Hauseingang verzeichnet. Nicht vergessen werden sollen die beachtlichen finanziellen Zuwendungen von Gemeinde Wolfurt, Land Vorarlberg und von der Österr. Turn- und Sportunion, der die Schützengilde Wolfurt beigetreten war. Sie alle konnten das Geld im sicheren Bewußtsein überweisen, daß es durch den Idealismus der Schützen vervielfacht in der Zukunft reiche Zinsen tragen würde. Als Hubert Flatz sein großes Werk fertiggestellt und auch fertig bezahlt hatte, wollte er seinen Dank noch auf ganz besondere Art abstatten. Bei Bildhauer Hubert Fessler in Hörbranz fand er ein Wegkreuz aus Stein, das er persönlich etwas oberhalb des Schießstandes aufstellte und am 18. Mai 1980 von Pfarrer Willi einweihen ließ (Bild 3). Er schreibt dazu. „Ich habe dieses Feldkreuz aufstellen lassen im Bewußtsein, daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt. Ihm haben wir zu danken, daß unser Gemeinschaftswerk, der Schießstandbau, gut gelungen ist. " Der neue Schießstand bewährte sich in den folgenden Jahren bei vielen Wettkämpfen. Im Erdgeschoß beherbergt er die Halle mit den 12 Klein-Kaliber-Ständen für die 50 Meter-Distanz und den großen Aufenthaltsraum, die „Schützen-Stube". Sie besitzt als Nebenräume eine kleine Küche mit einer praktisch eingerichteten Schank und die notwendigen Sanitär-Anlagen. Das ermöglicht die Bewirtung von Schützen und Gästen in angenehmer Atmosphäre. Hier hat sich ein Team von fleißigen Schützenfrauen sehr bewährt. Neben der Schießhalle befinden sich noch ein abgesonderter Auswertungsraum, natürlich mit Computer-Einrichtung, und ein Büro. Im Untergeschoß sind 12 Luftgewehr-Stände für 10 Meter-Distanz eingerichtet. Daneben sind eine zweite Schützenstube und ein separater Auswertungsraum sowie ein Vorratskeller situiert. Das Schießen mit großkalibrigen Gewehren und Jagd16 waffen, wie es auf den ehemaligen Ständen gepflegt wurde, ist im neuen Wolfurter Schießstand nicht mehr möglich. Dazu werden Interessenten auf die Anlagen einiger befreundeter Vereine im Land verwiesen. In einem Anbau stehen ausreichend Absteilflächen und Stauraum für die vielen Gerätschaften, die der moderne Schießbetrieb erfordert, zur Verfügung. Auf dem landschaftlich schönen Platz vor dem Gebäude ist auch die Abhaltung der zur Tradition gehörenden Schützenfeste möglich. Regelmäßig treffen sich an den Ständen junge und alte Schützen, Frauen und Männer, Wolfurter und Freunde aus den Nachbargemeinden. Sie üben ihr Auge und ihre ruhige Hand. Sie tauschen Erfahrungen aus und pflegen nach Feierabend die Gemeinschaft in gastlicher Runde. Die Liste der Erfolge von Vereins-Mitgliedern füllt viele Seiten der Chronik. Die junge Generation von Funktionären wird, gestützt auf die Erfahrung ihrer älteren Schützenkameraden, die USG Wolfurt sicherlich gut in die Zukunft führen. Wir Wolfurter sind stolz auf unsere Schützengilde und auf unseren Schießstand! 17 „Union Schützengilde Wolfurt" Die Vereinsführung im Jahre 2004 Markus Gasser Oberschützenmeister Romana Herburger Unterschützenmeisterin Roland Matt Marjeta Ulmer Thomas Ulmer Werner Böhler Rene Skamletz Josef Leitner Willi Hehle Franz Ratz Schriftführer Kassierin Sportleiter Kleinkaliber Sportleiter Luftgewehr Sportleiter Luftpistole Schützenrat Schützenrat Schützenrat Obersehüt/enmeister in Wolfurt Nach der Schützen-Chronik von Hubert Flatz, 1988. Aus den Anfängen des Schützenwesens sind nur zwei Schützenmeister bekannt: 1838-1844 um 1866 Andreas Klocker Josef Halder Ziegelfabrikant Gemeinde-Vorsteher Ab 1883 hat Flatz die Liste mit Hilfe der Schützenscheiben erstellt, ab 1923 liegen Protokolle vor. 1883-1886 1886-1890 1890-1895 1895-1904 1904-1911 1911-1915 1923-1926 1926-1928 1928-1931 1931-1937 1953-1954 1954-1957 1957-1963 1963-1972 1972-1979 1979-1981 1981-1996 1996Joh. Georg Fischer Ferdinand Schneider Martin Arnold Carl Müller Josef Rünzler Rudolf Böhler Dr. Wilhelm Mohr Hans-Martin Dietrich Paul Schwarz Siegfried Kalb Erich Gasser Josef Flatz Josef Dietrich Alfred Fischer Hubert Flatz Günther Muxel Ferdl Matt Markus Gasser Adlerwirt und Vorsteher Fabriksarbeiter und Chronist Bauer Kronenwirt Steinhauer Sternenwirt und Postmeister Landesbeamter Bauer Klöppelspitzenfabrikant Schwanenwirt Schreiner Fahrradmechaniker Elektriker Klöppelspitzenfabrikant Finanzbeamter Schlosser Finanzbeamter Angestellter Annelies Rohner Klaus Muxel Fahnenpatin 1984 Fähnrich Ehrenmitglieder 2004 Ferdl Matt Franz Strezeck Edelbert Klimmer Wilfried Braitsch Josef Leitner Valentin Lanker Helmut Vögel Alwin Rohner Roman Fekonja Ehren-Oberschützenmeister 18 19 Die Schützenscheiben Schützenscheiben sind Ehrenscheiben! Sie halten meist ein besonderes Ereignis fest und bekunden die Wertschätzung, die die Kameraden mit ihrem Ehrenschuß auf die bunte Scheibe zum Ausdruck bringen wollten. Darüber hinaus lassen sie den Betrachter einen Blick in die Geschichte tun, erzählen von den Leistungen der Schützen und von übermütigem Festtreiben, von Kaiser und Papst, von Jubiläen großzügiger Spender, aber auch von Kriegsnot und Tod. Die älteste erhalten gebliebene Schützenscheibe in unserem Land stammt aus Feldkirch und trägt die Jahreszahl 1640. Da können die Wolfurter Scheiben natürlich nicht mithalten. Noch lange Zeit besaß unsere Gemeinde keinen Stand, in dem man die Bilder hätte aufbewahren können. Auch die 12 Scheiben, für die Lorenz Höfle 1863 den Schützen sieben Gulden verrechnete, sind verschwunden. Auf eine davon war bereits ein „Hanswurst" aufgemalt, ein Faschingsnarr als Zielfigur. Im Schießstand wurden in die Täfel-Decke der Schützenstube 38 Scheiben eingearbeitet, dazu 11 in die Decke des LG-Standes im Keller. Weitere 21 Bildtafeln schmücken die Wände. Etwa 30 kleine Scheiben haben einen Platz an der Wand im LG-Stand gefunden. Von den insgesamt mehr als hundert Scheiben soll in diesem Heft eine Auswahl aus allen Gebieten des Schützenwesens gezeigt werden. Sie könnten für dich bei einem Besuch in unserem Schützenheim ein kleiner Führer sein. Den Anfang machen wir mit der historisch besonders wertvollen Scheibe aus dem Jahre 1899. Die folgenden Bilder sind in bunter Vielfalt nach ihrem Alter von 1891 bis 1988 gereiht und machen uns das Auf und Ab des Schützenwesens im 20. Jahrhundert bewußt. Angeschlossen sind einige Scheiben aus der Serie „AltWolfurt" und drei Ehrenscheiben für besonders verdiente Funktionäre. Den Abschluß bildet die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Bild 6. Die Schießstand-Scheibe von 1899. Johann Fischer, Schnidarles Hannes, 1853-1945, war ein künstlerisch begabter Schreiner, Zeichner und Maler. Er hat sie für seinen Vater Josef Fischer, Schreiner an der Hub, zu dessen 50jährigem SchützenJubiläum gemalt. Das besondere an ihr ist, daß sie uns die drei ehemaligen Schießstände zeigt. Eigentlich hatte Fischer sein Jubiläum schon drei Jahre früher gefeiert, denn er war gemeinsam mit Johann Baptist Höfle 1846 bei den Schützen eingetreten.. Der Neubau des Schießstandes im Jahre 1898 machte eine Fertigstellung der Fischer-Scheibe mit dem gewählten Motiv erst jetzt möglich. Aber mit dem KaiserJubiläum im gleichen Jahr wollte Fischer wohl doch nicht konkurrieren und wartete daher noch ein Jahr. Im Bild sieht man den grauhaarigen Schützen mit geschultertem Stutzen. Er winkt uns grüßend mit dem Schützenhut zu. Zu seinen Füßen ein Schützen-Symbol: Schießscheibe und Narrenkappe zusammen auf einem Lorbeerzweig! Daneben der neue 20 Schießstand auf Kronenwirts Bühel mit grünen Fensterläden und einer rot-weißen Fahne auf hohem Mast. Davor sitzen Gäste, eine Kellnerin wartet auf. Im Hintergrund der Scheibenstock. Im Zentrum der Scheibe hält ein Falke die schwarzen Ringe des Ziels. Im der oberen Hälfte eine Rückblende in die jungen Jahre des Jubilars: Zuerst in einem Quadrat der älteste Schießstand im Kirchdorf. Zwei Schützen an einem einfachen Latten-„Stand". Daneben an einem Tisch der Schreiber. Hinten links die Häuser im Tobel, auf dem Bühel gegenüber die Schießscheiben. Oben das alte Schloß. Dazu eine Inschrift: „Schützenwesen 1838 beim Rössle Wolfurt". Die zweite Einblendung zeigt in einem Kreis einen anderen Stand. Diesmal lautet die Schrift: „Schießstand in Rickenbach 1846". Von der Straße tritt ein Schütze durch eine Lücke in der Mauer zu der einfachen „Schießhütte" mit dem steilen Bretterdach. Auf der Wiese einige Bäume und ein kleiner Stock mit zwei Scheiben. Weiter hinten ein Haus im Rickenbach-Lo und ein Berg. Aus Gemeinde-Akten und aus dem Kataster wissen wir, daß dieser Stand beim Gasthof Adler unmittelbar neben der Landstraße nach Dornbirn stand. An beide Stände konnten sich die Jubilare Josef Fischer, 1823-1902, und J.B. Höfle, 1826-1923, ganz sicher persönlich erinnern. Auf der Fischer-Scheibe sind insgesamt 43 Schützen mit ihren Ehren-Schüssen verzeichnet. Wir finden darunter den Jubilar Josef Fischer selbst, Altvorsteher Martin Schertler, den Altschützen und ehemaligen O.Sch.M. Ferdinand Schneider und O.Sch.M. Carl Müller. Ein einziger von den Schüssen, bei denen es ja nicht um Sieg und Niederlage ging, traf ins Schwarze, jener von Johann Gmeinder, Frickeneschers. Bild 7. Die älteste Wolfurter Scheibe trägt das Datum 3. Mai 1891. Sie zeigt einen vor dem Schützen flüchtenden Gamsbock. Auch diese Scheibe hat Schnidarles Hannes gemalt. Gewidmet wurde sie den neuen Schützenmeistern Martin Arnold aus Rickenbach und Gebhard Böhler aus dem Kirchdorf anläßlich ihres Amtsantritts. Bild 8. J.B. Höfle, s alt Küofarle von der Hub, hatte schon 1896 eine 50er-Ehrenscheibe spendiert. Als begeisterter Jäger sah er im Steinadler eine begehrte Beute. Höfle hat danach noch 27 weitere Jahre den Schützen angehört und ist erst 1923 als 9 8j ähriger von ihnen zu Grabe getragen worden. Diese und die meisten anderen von den 28 erhaltenen alten Schützenscheiben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat nach einer Untersuchung von Anton Repolusk und Hubert Flatz der Maler Engelbert Köb angefertigt. Lehrars Engelbert auf dem Bühel war 1890 bekannt geworden, als er nach eigenen Entwürfen die Wolfurter Pfarrkirche ausgemalt hatte. Später hat er für seine Familie die Villa Bucherstraße 1 gebaut. Er war viele Jahre Erster Gemeinderat. 1915 ist er mit den Standschützen an die Front in den Dolomiten eingerückt und hat sich dort eine tödliche Krankheit zugezogen. 21 Bild 9. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph schoß die Schützengesellschaft 1898 eine Scheibe mit dem Kaiserwappen und dem Lothringer Kreuz aus. Wenige Wochen später ließen die befreundeten „Veteraner" ihre schöne Fahne weihen (Bild 38). Nachdem sieben Schützen im gleichen Jahr am Bundesschießen in Wien teilgenommen hatten, stifteten diese eine zweite Scheibe. Auch die 14 Teilnehmer am nächsten Kaiser-Jubiläums-Schießen 1908 spendierten wieder eine Scheibe, diesmal eine mit der Siegesgöttin. Bild 10. Daß manche Schützen auch sehr trinkfest waren, erfahren wir aus vielen Geschichten in den Protokollen. Daher stellte der Maler 1898 den Schmied Wilhelm Böhler vom Strohdorf mit Stutzen und Weinglas auf ein Faß. Bild 11. Ganz anders die Scheibe von 1899, die der Zimmermeister Josef Anton Köb, Lehrars, seinen Schützen-Kollegen widmete. Aus seinen Erinnerungen trat ein Bild aus dem Balkankrieg hervor, wo sich ein Schütze im grausamen Bajonettkampf gegen zwei Feinde durchsetzte. Bild 12. Im gleichen Jahr aber auch wieder Leichtsinn und Übermut.Schertler-Veres waren als eine der ersten Sticker-Familien zu Geld gekommen. Maria Schertler wurde von den Veteranern zu ihrer Fahnenpatin ausersehen. Ihr älterer Bruder Bernhard stiftete dieses Bild mit dem gefährlichen Hochrad und der Aufschrift „Behüt Dich Gott vor Fall und Wunden, vor bösen Weibern und vor Hunden!". Ein paar Jahre später hat Schertler die großartige Villa an der Lauteracherstraße bauen lassen. Bild 13. Ein neuer Vorstand wurde 1903 gewählt. Auf seine Schützenscheibe ließ er einen prachtvollen Löwen malen. Darunter verewigten sich die beiden Schützenmeister Josef Rünzler, Steinhauer in Spetenlehen, und Martin Dietrich, Bauer und „Armenvater" an der Hub, und dazu die beiden Schützenräte Gebhard Böhler, Schlosser im Dorf, und Gebhard Schedler, „Maschinen-Macher" im Loch. Bild 14. Noch eine Scheibe aus der Stickerei-Blütezeit von 1905! Schwankende Musikanten sind das Motiv für Kapellmeister Franz Rohner, Vinälars, und StickereiFabrikant Bernhard Schertler, Veres. Sie kommen vom Schwanen, wo sich die Sticker regelmäßig im Römer-Stüble trafen. Bild 15. Stellvertretend für viele erfolgreiche Meisterschützen des Vereins steht die Jubiläums-Tafel von Alt-O.Sch.M. Ferdinand Schneider aus dem Jahre 1908. Er war ein armer Fabriksarbeiter, aber begeisterter Jäger, Bergsteiger und Musikant. Außerdem betätigte er sich als Schauspieler, Feuerwerker, Sänger und Botaniker. Besonders wertvoll ist seine Dorf-Chronik, die auch allerlei Schützengeschichten enthält. So berichtet er, daß er die 3 Gulden 60 Kreuzer, die er dem Maler Engelbert 22 Köb für diese Scheibe schuldete, mit der Anlegung eines Gartens zu dessen neuer Villa oberhalb des Dorfplatzes abarbeitete. Aber wie bei vielen früheren Bewerben hielt er sich auch diesmal schadlos und gewann beim Kaiser-Jubiläums-Schießen im gleichen Jahr das bar ausbezahlte „Hauptbest". Bild 16. In den Kriegszeiten klaffen von 1912 bis 1924 und von 1940 bis 1960 große Lücken in den Reihen der Scheiben. Die erste nach dem Ersten Weltkrieg hat Pfarrer Simon Stadelmann 1924 zusammen mit Kapellmeister Rohner und O.Sch.M. Dr. Mohr nach einer Pilgerfahrt zum Papst nach Rom gestiftet. Sie zeigt ein prachtvolles Bild des Petersplatzes und wurde mit den Schützen auch vom Pfarrer selbst beschossen. An die gefallenen Schützen erinnern erst die Scheiben 1934 vom Heldendenkmal in Wien, 1936 vom Wolfurter Kriegerdenkmal, 1937 eine von fünf ehemaligen Offizieren gestiftete Tafel und schließlich die von 1940 (Bild 19). Bild 17. Albert Schwerzler, Hafnars, war 1905 nach Amerika ausgewandert, kehrte aber mehrmals auf Besuch in die Heimat zurück. Als er 1936 diese Scheibe mit der Silhouette von New York ausschießen ließ, waren unter den 44 Schützen auch der alte Hauptmann Ludwig Köb und viele Jungschützen. Den besten Schuß in die schwarzen Ringe brachte der damals 15jährige Hubert Flatz an. In seiner Chronik erzählt er, er habe dafür fünf Schillinge bekommen, die ihm seine Mutter aber gleich wieder zur Aufbesserung ihres schmalen Haushaltsgeldes abgefaßt habe. Bild 18. Eine Hochzeitsscheibe spendierte Ernst Gmeiner, Fideles, 1937 anläßlich seiner Vermählung. Etwas anzüglich neckten ihn seine übermütigen Freunde mit einem Schützen, der vor einer drohenden Wildsau auf einen Baum geflüchtet ist und die Waffe wegwirft. Bild 19. Sogar die NS-Zeit ist als bedrückender Teil unserer Geschichte in der Scheibensammlung präsent. Die 1940 gemalte „Ehrenscheibe zum 25. Jahrestag des Ausmarsches der Standschützen von Wolfurt am 23. Mai 1915 in den Weltkrieg" nennt die Namen der im Krieg verstorbenen neun Schützen. Sie zeigt nach dem Anschluß Vorarlbergs an den Gau Tirol als Wappen den roten Tiroler Adler mit dem Hakenkreuz und dazu das Wolfurter Wappen von der Schützenfahne von 1913. Gestiftet wurde die wegen ihrer Rarität heute sicher auffallende Scheibe vom „Ortsschützen-Verband Wolfurt 1940". Unter den zum Ehrenschuß aufgerufenen Schützen-Veteranen findet man den ehemaligen Standschützen-Hauptmann Ludwig Köb und die beiden Leutnante Dr. Wilhelm Mohr und Joh. Gg. Hohl. Daneben steht als Ehrengast der „Orts-Schützen-Leiter" Emil Beck. Bild 20. Die Scheibe von 1960 ist die erste nach der langen Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Sie zeigt den Scheibenstock und weit hinten die Wald23 Kapelle auf Kronenwirts Bühel vor dessen Verbauung. Gewidmet ist sie dem Gedächtnis an acht verstorbene Funktionäre. Drei davon waren O.Sch.M. gewesen: Hansmarte Dietrich, der Schwanenwirt Siegfried Kalb und der Fahrrad-Mechaniker Pepe Flatz. Dazu erinnert sie an Fritz Pehr, Karl Müller, Hannes Fischer-Seppos, Mathias Rist und Isidor Flatz. Bild 21. Eine feinsinnige Hochzeitsscheibe von 1967 für Alwin Rohner und Annelies Schertler. Beide blieben den Schützen mit großen Verdiensten verbunden, Annelies als Fahnenpatin, Alwin als großzügiger Förderer des Schießstand-Neubaus. Bild 22. Viele Scheiben berichten von den Erfolgen der Wolfurter Schützen bei örtlichen und internationalen Wettkämpfen. Diese häuften sich besonders, nachdem ab 1960 ein regelmäßiges Training aufgenommen worden war und die JungschützenBetreuung Früchte trug. Zuerst war schon 1973 Wolfgang Aichholzer als Jungschütze Landesmeister und ein Jahr später österreichischer Junioren-Staatsmeister geworden. Eine eigene Scheibe zeigt 1979 Gerhard Muxel, der bei der Europa-Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte. Eine weitere Tafel faßt die Namen von zehn Gildenmitgliedern zusammen, die bis 1979 zu Staatsmeisterschaften gefahren waren: Gerhild Flatz, Doris Muxel, Wolfgang Aichholzer, Gerhard und Günther Muxel, Josef Vonach, Josef Hechenberger, Alexander Strezeck, Werner Böhler und Werner Vogel. Ihnen folgten in den Jahren danach noch zahlreiche weitere Teilnehmer an Staatsmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Die abgebildete Ehrenscheibe erhielt 1983 Reinhard Muxel, österreichischer Jugend-Meister und Teilnehmer an der EM in Dortmund. Bild 23. Mit mehreren Scheiben ist die Schützen-Dynastie Fischer vertreten, Nachkommen des Schützenwirts Martin Fischer, der 1860 den Schießstand an der Hub erbaut hatte. Sein Sohn war der Lammwirt und Metzger Gebhard Fischer, ein langjähriger Förderer des Schützenwesens, der schon 1897 eine fröhliche Scheibe mit einem „Ochsenreiter" spendierte. Auch der Enkel Dr. August Fischer blieb den Schützen sein Leben lang verbunden. Er erforschte ihre Geschichte beim Aufstand gegen die Bayern im Jahre 1809 und ließ zum Gedenken an den Wolfurter Major Jakob Schertler 1977 am Schützenheim eine Bronzetafel anbringen. Zu seinem 90. Geburtstag spendierte er 1988 diese Scheibe, die ihn als Ehrenmitglied der Matreier Schützen in Tiroler Tracht zeigt. Den besten