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18921231_ltb0171893_Landeskulturfondrechnungsabschluss_1892 Landtag 01.07.2021 Xyn. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1892/93. Beilage XVII. Rechnungs-Abschluß des Vorarlberger Landes-Culturfonds pro 1892. Einzel« Vortrag fl. kr. Zusammen fl. Beleg Nr. kr. A. Einnahmen. a. Kaupt-Grnpfärrge (nach der Wiedererstellung der letzten Rechnung pro 1891): Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. Oktobet 1870, 7,500 Nr. 15,775, zinslaufend seit 1. Oktober 1891 . . . Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. August 1870, 1,000 — Z. 43,217, zinslaufend seit 1. August 1891. . . . Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. August 1868, Z. 98,876, zinslaufend seit 1. August 1891 . . . 100 — Elf Stück 4°/o in Silber verzinsliche Schuldverschreibungen der k. k. priv. Franz-Josef-Vahn ddo. Wien am 1. April 1889 L 1000 fl. Serie 2559 Nr. 10, dann Serie 2560 Nr. 1 inclusive 10. zinslaufend seit 1. Oktober 1891 . 11,000 — Zwei Stück 4°/0 in Silber verzinsliche Schuldverschreibungen der k. k. priv. Franz-Josef-Bahn ddo. Wien am 1. April 1884 ä. 200 fl. Serie 6312 Nr. 46 und 47, zins400 — laufend seit 1. Oktober 1891............................................. Ein Stück österr. Goldrente-Obligation ddo. 1. Oktober 1876 1,000 — Nr. 285,647, zinslaufend seit 1. Oktober 1891. . . Ein Stück österr. 5° 0 steuerfreie Staatsrenten-Anleihe-Obligation ddo. Wien am 14. April 1881 Nr. 41,508 zu 1,000 — 1000 fl., zinslaufend seit 1. September 1891. . . . Zwei Stück österr. 5 o/g Staatsrenten-Anleihe-Obligationen ddo. Wien am 14. April 1881 Nr. 7698 und 15,235 ä 200 — 22,200 — 100 fl., zinslaufend seit 1. September 1891 . . . 6,962 55 6,962 55 Bei der Sparkassa der Stadt Bregenz laut Einl.-Buch Nr. 1267 Ein Stück Salinenschein Nr. 635fr zu.................................. 10,000 — 10,000 — 716 31'/716 31'/, Kassa-Barschaft................................................................................ — — 39,878 86*/, Summa des Haupt-Empfangcs B. Neuer Empfang. Zinse von Aktiv-Kapitalien......................................................... Forststrafbeträge.......................................................................... Strafgelder auf Grund des Fischerei- und Wafferrechtsgesetzes Jagdkarten-Taxen........................................................................... Verschiedene Einnahmen............................................................... Summa des neuen Empfanges Gesammt-Einnahme 69 1,424 584 19 219 308 81 — — — 40 2,555 21 42,434 07*/, § AS UP r» «—■ c» (S Z sT a § Ä D a $3 SS CÄ ö? 1 Bortrag Einzeln C. Ausgaben. fl. kr. Beiträge für Culturzwecken......................................................... Jahresbeitrag an den Vorarlberger Landwirthschaftlichen Verein Verschiedene Ausgaben............................................................... Summa der Ausgaben 1,955 400 1 78 — 05 Zusammen fl. kr. 2,356 83 Beleg Nr. v. Abschluß. Die Gesammt-Einnahmen betragen.............................................. Die Gesammt-Ausgaben betragen............................ Schließlicher Vermögensstand 42,434 07»/, 2,356 83 40,077 24»/, E. Wiedererftellung. Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. Oktober 1870 Z. 15,775, zinslaufend seit 1. Oktober 1892 . . . 7,500 — Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. August 1870, Z. 43,217, zinslaufend seit 1. August 1892 . . . 1,000 — Ein Stück Staatsschuld-Verschreibung vom 1. August 1868 100 — Z. 98,876, zinslaufend seit 1. August 1892 . . . Elf Stück 40/y in Silber verzinsliche Schuld-Verschreibungen der k. k. priv. Franz-Josef-Bahn ddo. Wien am 1. April 1889 ä 1000 fl. Serie 2559 Nr. 10, dann Serie 2560 Nr. 1 inclusive 10, zinslaufend seit 1. Oktober 1892 11,000 — Zwei Stück 4°/0 in Silber verzinsliche Schuld-Verschreibungen der k. k. priv. Franz-Josef-Bahn ddo. Wien am 1. April 1884 ii 200 fl. Serie 6312 Nr. 46 und 47, zinslaufend seit 1. Oktober 1892 ........................................ 400 — 1 Ein Stück österr. Goldrente-Obligation ddo. 1. Oktober 1876 Nr. 285,647, zinslaufend seit 1. Oktober 1892 . . 1,000 — 'Ein Stück österr. 5°/0 steuerfreie Staatsrenten-Anleihe-Obligation ddo. Wien am 14. April 1881 Nr. 41,508 zu 1000 fl., zmslaufend seit 1. September 1892 . . . 1,000 Zwei Stück österr. 50/0 Staatsrenten-Anleihe-Obligationen ddo. Wien am 14. April 1881 Nr. 7698 und 15,235 ä 100 fl., zinslaufend seit 1. September 1892 . . . 200 __ 22,200 Bei der Sparkassa der Stadt Bregenz laut Einl.-Buch Nr. 1267 7,170 16 7,170 16 Ein Stück Salinenschein Nr. 278 L zu................................... 10,000 — 10,000 — Kassa-Barschaft................................................................................ 707 08*/, 707 08*/, — Summa der Wiederstellung — 40,077 24»/, g o o Lö CD <—t CD s g g’ s Z Cf t § CD tfti & ß 3 & Bregenz, 31. Dezember 1892. Für de» Landcs-AMiß in Vorarlberg. Druck von I. N. Teutsch in Bregenz. 70
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18921231_ltb0161893_Landesfondrechnungsabschluss_1892 Landtag 01.07.2021 XVI. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtages. III. Session. 7. Periode 1892/93. Beilage XVI. Rechmmgs-Nbschlutz des BorarfBerger CanbesfonÖes pro 1892. 65 GinnaHrnerr Avstattnrrg für das laufende Jahr an Rückständen fl. kr. kr. fl. I. Reelle. 1 2 3 4 5 6 7 Interessen von Activ-Kapitalien Steuer-Zuschläge .... Krankenverpflegskosten-Rückersätze .......................... Rückersätze der Verpflegskosten für Zwänglinge . . . Schubkosten-Rückersätze . . Rechnungs-Ersätze .... Verschiedene Einnahmen . . Summa der reellen Einnahmen 1,901 66 73,898 74 878 255|io — — Rückstand Zusammen fl. 1 kr. 1,901 66 73,898; 74 878 255|io ! 577 33 3,502 90 fl. kr. fl. : 1 kr. fl. * 1 1,901 66 73,898 74 71,000 878 256|10 577 33 3,502 90 1,394 69 1,394 69 1,394 69 82,153 575|,„ 82,153 575|io 82,153 ]M7 \ — n. Durchlaufende Credit-Operationen. 8 577 33 3,502 90 — Schließlicher des o ftv Hebützr der Zkräkimi«. Zergliederung Ansatz M K> 1,100 1 — 2,800 2,000 — 1 76,900. i 1 1 i — — — — . — Summa — — — Zurückerhobene Activkapitalien Summa — — - — — 1 — — 12,985 § — — — — 12,985 i — — — 106,138 57% 10,125 53 116,264 10% _ — 1 — 1_ — 11,000 — 11,000 — 11,000; — 11,000 — 11,000 11,000] 12,985 — 12,985 — 12,985 1 — 12,985 — r III. Durchlaufende Einnahmen. 9 Zurückerhobene Vorschüsse i 106,188^7°/,, Gesammtsumme aller Einnahmen Anfänglicher Cafsarest . . . Gesammt-Einnahme . Schließlicher Cassarest . . . . Anmerkung. — — — — — — — 106,138 57% — — — — 9,740'39»! „ i — Der im Rechnungs-Abschluß pro 1891 ausgewiesene schließliche Rückstand an zurück­ zuerhebenden Vorschüssen per 736 st. 20 kr. ö. W. wurde mit Landtags-Beschluß XIV. Sitzung vom 30. April 1892 in Abschreibung gebracht. Bregenz, den 31. Dezember 1892. 1 66 Druck von Z. N. T w S) Ito Zergliederung der Avstattuug an Rückständen Ausgaben für das laufende Jahr Schließlicher Rückstand Zusammen I. Reelle 1 2 3 4 5 6 7 8 9 L0 11 "2 Verwaltungs-Auslagen . . . Kranken-, Irren-, Findel- und Gebärhauskosten . . . . Jmpfkosten................................ Beiträge...................................... Kosten für Zwänglinge . . Schubkosten Prämien für Raubthiererlegung Gendarmerie-Bequartirung . Vorspanns-Auslagen . . . Landschaftlicher Haushalt . . Verschiedene Zahlungen an der Landesschuld für den Bau der Landesirren­ anstalt Valduna 12,022 io 882 315 10 22,290 1,424 57 3,430 78»|10 20 3,642 1,413'1 _ 13,138 445 10 5 5,388 10 Summa der reellen Ausgaben 64,466 04 3.64^50 10 10 450 — 12,022 22,^90 1,424 3,430 20 3,642 1,363 13^38 5,388 8,000 1,200 12,000 | 7,200 100 3,600 2,000 12,000 20,000 450 10,500 64,416|06 76,900 II. Durchlaufende Credit-Operationen. 13 Angelegte Jnterimskapitalien . 16,701 66 Summa 16,701 66 16,701 66 16,701 16,701 III. Durchlaufende Auslagen. 14 15 . . 25,400 25,400 25,400 Summa Summa aller Ausgaben . . Schließlicher Cassarest . . . 25,400 25,400 25,400 106,567,70 106,637 26 106,517 71 9,746 395| Gegebene Vorschüsse . Zurückbezahlte Vorschüsse Gesammt-Ausgabe . . . . . . 116,264 106/10 Nach dem letzten Rechnungsabschlüsse pro 1891 waren bei der Sparkaffa Bregenz laut Anmerkung_ Buch Nr. 2505 fruchtbringend hinterlegt 26,227 fl. 43 kr. Im laufenden Jahre wurden zurückbehoben 11,000 fl., oleibt 15,227 fl. 43 kr. Dagegen neu angelegt 16,701 fl. 66 kr., somit Guthaben bei der Sparkaffa Bregenz 31,929 fl. 09 kr. Hiezu in Salinenscheinen 1 Stück D Nr. 9222 zu 10,000 fl., 3 Stück E Nr. 275, 276, 277 Ä 10,000 fl. = 30,000 fl. Summax71,929^^9 kr. t lisch in Bregenz. * II Der Landes-Ausschuß in Vorarlberg. 67
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18920920_lts008 Landtag 27.06.2021 Vorarlbeger Landtag. 8. Sitzung am 20. April 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig der hochwürdigste Bischof Dr. Zobl und 17 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dekan Berchtold und Greißing. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 4 Uhr Nachmittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet. Ich bitte um Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung. (Sekretär verliest das Protokoll der 7. Sitzung.) Johann Thurnher: Wenn ich recht verstanden habe, so heißt es im Protokoll, daß sich im Einlauf die Petition eines Wiener katholischen Vereins befindet. Am Schlüsse ist dann auf die gegenwärtige Tagesordnung gesetzt eine Petition des katholischen Schulvereines. Falls diesbezüglich nicht schon im Protokoll die Übereinstimmung vorhanden sein sollte und vielleicht nicht bloß ein Lapsus des Herrn Sekretärs beim Lesen vorliegt, so möchte ich bitten, diese Übereinstimmung herzustellen. Landeshauptmann: Es wird jedenfalls nur in der Feder geblieben sein und soll heißen: „Katholischer Schulverein". Hat sonst noch Jemand gegen die Fassung des Protokolls eine Einwendung zu erheben? Es ist nicht der Fall, ich betrachte daher dasselbe als genehmigt. Es ist mir noch ein weiteres Einlaufstück zugekommen, nämlich die Petition des FischereiVereines um Gewährung von Subvention als Stipendien für einen Zögling zum Besuche eines 80 VIII. Sitzung des vorarlberqer Landtages. III. Session der 7. Periode 1892,93, Fischerei-Curses, eingebracht durch den Herrn Abgeordneten Dr. Schmid. Ich werde diese Petition auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung stellen. Wir kommen nun zur Tages-Ordnung: Den ersten und zweiten Punkt derselben erlaube ich mir, unter einem zur Verhandlung zu bringen und erwarte über die formelle Behandlung dieser beiden Gegenstände einen Antrag aus der Mitte der hohen Versammlung. Bösch: Ich beantrage, daß diese beiden Gegenstände dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichterstattung zugewiesen werden. Landeshauptmann: Herr Bösch beantragt die Überweisung dieser beiden Gegenstände an den Finanz-Ausschuß. Wenn Niemand eine Einwendung dagegen erhebt, betrachte ich diesen Antrag mit Ihrer Zustimmung versehen. Der dritte Gegenstand ist der Act betreffend die Ernennung des Herrn Paul Illmer zum Landeskultur-Ingenieur. Ich ersuche um einen Antrag aus her Mitte des hohen Hauses, betreffend die formelle Behandlung dieses Gegenstandes. Welte: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur Vorberathung und Berichterstattung zugewiesen werde. Landeshauptmann: Es wird die Überweisung dieses Gegenstandes an den volkswirthschaftlichen Ausschuß beantragt. Keine Einwendung betrachte ich als Zustimmung. Sie ist gegeben. Der vierte Gegenstand ist die LandesAusschuß-Vorlage über den Gesetz-Entwurf in Betreff des Öffentlichkeitsrechtes der Choleraspitäler. Fritz: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand einem neu zu wählenden Sanitäts-Ausschusse von fünf Mitgliedern zur Vorberathung und Berichterstattung überwiesen werde. Landeshauptmann: Es ist für die Berathung dieses Gegenstandes ein neuer Ausschuß von fünf Mitgliedern vorgeschlagen, welchem man etwa den Namen Sanitäts-Ausschuß geben könnte. Wird dagegen eine Einwendung erhoben? Es ist nicht der Fall. Ich betrachte den Antrag als angenommen und ersuche die Herren, sieben Namen zu schreiben. (Wahlakt.) Ich ersuche die Herren LandeshauptmannStellvertreter und Dr. Schmid gefälligst das Skrutinium zu übernehmen. (Geschieht.) Dr. Schmid: Von den abgegebenen Stimmen erhielten die Herren: Dr. Beck 15, Martin Thurnher 14, Rüf 13, Schapler und Welte je 12 ; die nächsten sind Reisch mit 10 und Heinzle mit 7 stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren Dr. Beck, Martin Thurnher, Rüf, Welte und Schapler in den Ausschuß und die Herren Reisch und Heinzle als Ersatzmänner gewählt. Ich ersuche den gewühlten Ausschuß, nach Schluß der Sitzung sich zu konstituiren und mir das Resultat mittheilen zu wollen. Der fünfte Gegenstand der Tagesordnung ist die Regierungsvorlage betreffs Abänderung des Fischereigesetzes für den Bodensee. Ich erwarte über die Behandlung dieses Gegenstandes einen Antrag aus der Mitte der hohen Versammlung. Büchele: Ich beantrage diesen Gegenstand, dem schon bestehenden volkswirthschaftlichen Ausschusse zuzuweisen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Büchele beantragt die Zuweisung dieser Regierungsvorlage an den volkswirthschaftlichen Ausschuß. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich diesen Antrag als angenommen. Der nächste Gegenstand ist ein Gesuch des katholischen Schulvereines für Österreich um eine Unterstützung aus Landesmitteln. Schapler: Ich beantrage die Zuweisung dieses Gegenstandes an den Finanz-Ausschuß. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Schapler beantragt für diesen Gegenstand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß. Da keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich es als Zustimmung und werde in diesem Sinne vorgehen. VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. 81 Der siebente Gegenstand ist das Gesuch des Fischerei-Vereines um eine Unterstützung ans Landesmitteln. Dietrich: Ich beantrage diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zu überweisen. Landeshauptmann: Auch für diesen Gegenstand wurde die Überweisung an den FinanzAusschuß beantragt. Wenn von keiner Seite eine Einwendung erfolgt, so betrachte ich diesen Antrag als mit Ihrer Zustimmung versehen. Sie ist gegeben. Achter Gegenstand der Tagesordnung ist die Petition des Verbandes der handwerksmäßigen Gewerbe um Unterstützung aus Landesmitteln. Nils: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand dem Finanz-Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Rüf hat auch für diesen Gegenstand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß beantragt. Wenn keine Einwendung erfolgt, wird die Zuweisung in diesem Sinne geschehen. Der nächste Gegenstand ist das Gesuch des medizinischen Unterstützungsvereins an der Wiener Universität um eine Unterstützung. Fink: Ich möchte auch für diesen Gegenstand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß beantragen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Fink beantragt, auch diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zu überweisen. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich den Antrag als mit Ihrer Zustimmung versehen. Der zehnte Gegenstand der Tagesordnung ist das Gesuch des Vorarlberger Unterstützungs-Vereins in Innsbruck um Gewährung einer Unterstützung. Johannes Thurnher: Ich beantrage, diesen Gegenstand dem Finanzausschüsse zuzuweisen. Landeshauptmann: Der Zurr Abgeordnete Johannes Thurnher beantragt die Überweisung dieses Gegenstandes an den Finanz-Ausschuß. Erfolgt keine Einwendung, so betrachte ich denselben als genehmigt. Letzter Gegenstand ist die Petition der Sparkassen Bregenz, Feldkirch und Dornbirn um Einführung des Grundbuches. Dr. Schmid: Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieser Petition, die von den größten Geldinstituten des Landes ausgeht und eine so wichtige Frage behandelt, deren Wichtigkeit uns allen schon längst klar geworden ist, beantrage ich, daß die Petition vollinhaltlich in das Protokoll ausgenommen werde, und daß dieselbe zur weiteren Berathung und Beschlußfassung in der künftigen Landtags-Session vorläufig dem hohen LandesAusschusse überwiesen würde, damit der hohe Landes-Ausschuß in der nächsten Session die betreffenden Anträge stellen kann. Martin Thurnher: Ich möchte beantragen, daß über diese zwei Anträge getrennt abgestimmt werde. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Dr. Schmid beantragt zunächst die vollinhaltliche Aufnahme dieser Petition in das stenographische Protokoll. Wünscht Jemand das Wort? — Ich ersuche jene Herren, welche mit diesem Anträge einverstanden sind, sich von den Sitzen zu erheben. Angenommen. Der zweite Antrag des Herrn Abgeordneten Dr. Schmid lautet, daß diese Petition dem LandesAusschusse zur Berichterstattung in der nächsten Session überwiesen werde. Wünscht Jemand zu diesem Antrage das Wort. Es ist nicht der Fall. Ich ersuche jene Herren, welche mit diesem Anträge einverstanden sind, sich von den Sitzen zu erheben. Es ist die Minorität. Wird sonst noch ein Antrag bezüglich der formellen Behandlung dieser Petition gestellt. Es ist nicht der Fall. 82 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/98. (Vorstehendem Beschlusse entsprechend folgt der Wortlaut dieser Petition.) Hoher Landtag! Die unleugbaren Mängel des Verfachbuchwesens, welche in der ersten Zeit nach der Hypothekar-Erneuerung etwas weniger fühlbar, wenn auch keineswegs beseitigt waren, machen sich schon jetzt wieder in empfindlichster und nachtheiligster Weise bemerkbar. Niemand hat mehr Gelegenheit zu dieser Wahrnehmung als die Sparkassen-Verwaltungen, an die sich der größte Theil des creditsuchenden Publikums wendet und zu deren schwierigsten und unsichersten Geschäften unter den bestehenden Verhältnissen die Anlegung von Geldern auf Hypotheken gehört. So oft ein geldbedürftiger Landwirth oder Gewerbsmann mit einem Darlehens-Gesuche an eine Sparkasse herantritt und die hiebei verlangten Belegpapiere, das gerichtliche Hypotheken-Certificat, die Schätzung und die Assecuranzpolizze vorlegt, befindet sich die betreffende SparkassaVerwaltung von allem Anfang au vor der peinlichen Alternative, entweder alles für richtig anzunehmen, was in dem betreffenden Hypotheken-Certificat, für welches das Gericht nicht haftet, geschrieben steht und außerdem sich ohne Weiteres darauf zu verlassen, daß alles darin steht, was darin stehen soll und daß nicht etwa, wie es leicht vorkommen kann und erfahrungsmäßig nur zu oft vorkommt, etwas ausgeblieben ist — oder aber, dem Hypotheken - Certificat keinen Glauben zu schenken und selbst die Belastung des zu belehnenden Objektes durch einen verläßlichen und rechtskundigen Mann erheben zu lassen. Entscheidet die Sparkasse-Verwaltung sich für die erstere Alternative, so weiß sie, daß sie nicht das Möglichste gethan hat, um sich von der Sicherheit der Anlage zu überzeugen und muß gewärtigen, daß sich nachträglich das Hypotheken-Certifikat als unvollständig und die nach demselben gutscheinende Anlage als schlecht herausstellt. Wählt aber die Sparkassa Verwaltung den anderen Weg, so werden dadurch dem Creditwerber namhafte Kosten verursacht, wogegen die Sparkassa wohl eine erhöhte, aber keineswegs eine volle Sicherheit über die Höhe der Belastung des Belehnungs-Objektes gewinnt. Denn auch bei der größten Sorgfalt ist eine verläßliche Auskunft über die Belastung und die Eigenthumsverhältnisse einer Realität aus dem Verfachbuchs nicht zu gewinnen, wenn die Register unvollständig, oder die Urkunden selbst irrig abgefaßt sind, oder wenn zwar die Register in Ordnung und die Urkunden formell richtig, aber den thatsächlichen Rechtsverhältnissen nicht entsprechend sind. Ein krasser Übelstand ist es zudem, daß Quittungen nicht einmal verfacht zu werden brauchen und dennoch mit der Forderung anch das Pfand erlischt, so daß, wer im Vertrauen auf das Verfachbuch eine bücherlich gutscheinende Hypothek cessionsweise erwirbt, das leere Nachsehen hat, wenn der Schuldner mit einer unversuchten Quittung ihm entgegentritt; § 469 a. b. G. B. hat im Verfachbuchgebiete keine Anwendung. Die, wie gesagt, sehr häufige Mangelhaftigkeit der Hypotheken-Certifikate ist denn auch nur in zweiter Linie der mangelnden Rechtskunde der mit deren Abfassung betrauten Kanzlisten, in erster Linie aber dem Wesen des Verfachbuches selbst zuzuschreiben und es ist eine gründliche Besserung von keinerlei Reform des Verfachbuches oder seiner Handhabung, sondern einzig und allein von der Einführung des Grundbuches zu erwarten. Die Vorzüge des Grundbuches sind wesentlich zweierlei. Erstens bietet das Grundbuch einen mühelosen, auch dem Laien sofort klaren Überblick über die gesummten Rechtsverhältnisse einer Realität. Dies ist beim Versachbuche höchstens annähernd und nie so vollkommen zu erreichen; aber auch angenommen, es gelänge, durch entsprechende Reformen und sorgfältigste Handhabung eine ähnliche Evidenz im Verfachbuche zu ermöglichen, so fehlte doch und muß fehlen, so lange es ein Verfachbuch gibt, der zweite und wesentlichste Vorzug des Grundbuches, die staatlich garantirte Verläßlichkeit desselben. Wer auf das Verfachbuch baut, hat auf Sand gebaut, kein Mensch und ebensowenig der Staat steht ihm für die Richtigkeit dessen, was er dort findet, ein. VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages, m. Session der 7. Periode 1892/93. 83 Wer auf das Grundbuch baut, hat auf festen Grund gebaut; für die Richtigkeit der Eintragungen haften die Grundbuchsbeamten und der Staat und gegen Ansprüche Dritter, die aus dem Grundbuche nicht erhellen, schützt ihn, d. h. den gutgläubigen Erwerber, das Gesetz. Etwas gleiches oder ähnliches läßt sich durch keine Verfachbuchreform erzielen — ein Buch, für dessen Richtigkeit der Staat haftet und dessen Verläßlichkeit das Gesetz garantirt, kann das Verfachbuch nie werden. Wie könnte der Staat haften für den Inhalt von Urkunden, die er gar nicht prüfen kann, wie könnte ein Gesetzgeber für die Verläßlichkeit dessen, was aus einer bloßen Urkundensammlung zu entnehmen ist, Garantie gewähren? Und doch ist eben diese Verläßlichkeit die einzig mögliche Grundlage eines gesunden Realcredites; wer diese will, und tuet sollte sie nicht wollen, der muß auch das Grundbuch wollen. Wie anders gestaltet sich die der Creditgewährung vorangehende Prüfung der Belehnbarkeit der angebotenen Hypothek beim Bestände des Grundbuchs. Kein Verlassen auf einen möglicherweise trügerischen Schein, kein mühsames und doch möglicherweise fruchtloses Suchen in unzähligen Folianten. Ein Blick auf die drei Blätter der betreffenden Grundbuchseinlage und es ist dem Prüfenden klar, welche Pfandschulden bereits das Gut belasten, welche Rechte mit dem Besitze des Gutes verbunden sind, in wessen Eigenthum dasselbe steht und ob der Eigenthümer eigenberechtigt oder etwa in seinen Verfügungen beschränkt sei. Und dabei braucht er nicht zu befürchten, es könnte etwa eine Schuldpost nicht eingetragen sein und nachträglich zum Vorschein kommen — wäre dies aus Versehen geschehen, so käme diese Post nicht in Betracht, dem durch das Versehen Geschädigten aber haftet der Staat. Er braucht auch nicht zu fürchten, es könnte zwar der Darlehenswerber als Eigenthümer eingetragen, aber in Wirklichkeit nicht Eigenthümer sein — wäre dies der Fall, so schützt den, der im Vertrauen auf das Buch Pfandrecht oder Eigenthumsrecht weiter erwirbt, das Gesetz gegen jeden Anspruch dritter Personen. Ganz anders im Verfachbuche, wo Jemand im besten Glauben auf das Buch Eigenthum oder Pfand erworben und nachher, wenn ein Dritter Ansprüche darthut, die aus dem Buche nicht ersichtlich waren, beides wieder fahren lassen muß. Dieser Zustand ist ein unerträglicher für den Creditgeber und ein nicht minder schädlicher für den Kreditnehmer — die mangelnde Sicherheit der Anlage schreckt das Kapital ab und der Creditbedürftige muß froh sein, wenn er theuren Credit bekommt, wo er leicht billigen haben könnte, wenn wir ein öffentliches Buch hätten, wie alle andern, auch die culturell zurückgebliebensten Provinzen Österreichs — mit Ausnahme von Vorarlberg, Tirol und Dalmatien. Kein Mensch, der an das Grundbuch gewohnt ist, legt Geld an in einem Lande, wo es kein Grundbuch gibt, wo man nie weiß, ob nicht irgend ein Unbekannter mit einer unverfachten Quittung oder einer unverfachten Einantwortung daher kommt und einem damit die bücherlich und bona fide erworbenen Rechte mit Erfolg streitig macht, wo es sogar vorkommen kann und vorkommt, daß Grundstücke exekutiv feilgeboten werden, die gar nicht dem Exekuten gehören! Was in der Bukowina, Galizien und Istrien möglich und ersprießlich ist, was in) Salzburg und Kärnthen, in Österreich ob und unter der Enns, in Steiermark und Krain, Böhmen, Mähren und Schlesien als unentbehrlich angesehen wird — das sollte undurchführbar sein im Lande Vorarlberg, das stolz ist, nicht nur auf den Fleiß, sondern auch auf die Intelligenz seiner Bevölkerung? Dieses im äußersten Westen des Reiches gelegene, von Cultur-Staaten mit zeitgemäßen Einrichtungen umgebene Land, sollte nicht reif sein für Einrichtungen, die sich doch selbst in solchen Ländern bewähren, die vor noch nicht viel mehr als 100 Jahren unter der Herrschaft des Halbmondes standen? Einer längst von der Wissenschaft anerkannten und in der Praxis bewährten, nicht nur den gebildeten Deutschen, Czechen und Italienern, sondern auch den weit zurückgebliebenen Ruthenen und Rumänen des Ostens längst geläufigen und werthvollen Einrichtung sollten gerade die Vorarlberger nicht gewachsen sein? 84 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HI. Session der 7. Periode 1892/93. Oder was sind es sonst für Gründe, die gegen das Grundbuch ins Feld geführt zu werden pflegen und die man, so unstichhaltig sie auch sind, immer und immer wiederhallen hört? Die enormen Kosten des Grundbuches sind unerschwinglich für unsere arme Bevölkerung! — lautet das eine, am meisten verwendete Schlagwort. Worin bestehen nun diese enormen Kosten? Die Anlage des Grundbuches kostet dem Lande und den Gemeinden gar nichts — sie wird von Anfang bis zu Ende vom Staate durchgeführt, wie dies in allen andern Kronländern, wo das Grundbuch eingeführt wurde, geschah. Dabei erspart sich aber das Land und ersparen sich Gemeinden und Privaten die in der That enormen Kosten und Mühen der beim Bestand des Verfachbuches periodisch nothwendig werdenden Hypothekar-Erneuerungen. Also bleiben noch die Kosten, welche der Legalisirungszwang, der mit dem Grundbuche verbunden ist und sein muß, dem Volke auferlegt. Nun — eine vom Gerichte aufgenommene Legalisirung kostet einen 36 fr. Stempel und eine vom Notar aufgenommene Legalisirung kostet 60 fr. und einen 10 fr. Stempel. (Vid. � 9 II 1 des Notariats-Tarifs im Anhang zum Gesetze vom 15. Juli 1871, Zl. 75, R. G. Bl. und § 1 und 2 des Gesetzes vom 25. Juli 1871, R. G. Bl., Zl. 1 ex 1872.) Bezüglich des Stempels macht es seinen Unterschied, ob eine oder mehrere Unterschriften zu beglaubigen sind und die Gebühr per 60 fr. ist nur für die erste Unterschrift zu bezahlen, während weitere Unterschrifts-Legalisirungen nur 30 fr. soften und die gesummte Legalisirungsgebühr nie mehr betragen darf, als das tarifmäßige Honorar für die Urkunde, welches bei Urkunden bis 300 fl. 1 fl., von 300—800 fl. 2 fl., von 800—2000 fl. 3 fl., von 2000—5000 fl. 4 fl. beträgt. Dabei ist aber zu bedenken, daß nach dem Gesetze vom 4. Juni 1882, Zl. 67 R. G. Bl. nur die Unterschriften jener Personen zu legalisiren sind, deren Recht beschränkt, belastet, aufgehoben oder auf eine andere Person übertragen werden soll. Auf einem Kaufverträge ist also nur die Unterschrift des Verkäufers, nicht auch jene des Käufers, auf einer Pfandurkunde nur die Unterschrift des Pfandbestellers, nicht auch jene des Pfandnehmers zu legalisiren und es kommt nur dann zu einer Legalisirung mehrerer Unterschriften, wenn das zu verkaufende oder zu verpfändende Gut im gemeinsamen Eigenthume mehrerer Personen steht. Die Legalisirung wird also, wenn vom Gerichte vorgenommen, in allen Fällen nur 36 fr. kosten, mögen wie viel immer Unterschriften zu regalisiren sein, wenn sie aber vom Notar vorgenommen wird, so wird sie 70 fr. bis 1 fl. und nur selten 1 fl. 30 fr. bis 1 fl. 90 fr. kosten. Zudem sann nach Gesetz vom 5. Juni 1890, Zl. 109 R. G. Bl., die Legalisirung für geringfügige Rechtsgeschäfte bis zu 100 fl. nach Ermessen der Landtage entfallen. Die wirklich empfindliche und ins Gewicht fallende Belästigung, die für Bewohner von Ortschaften, die weit ab vom Gerichtssitze liegen, der Gang zu Gericht mit sich bringt, kann durch die, z. B. in Tirol projektirte, auch sonst wünschenswerthe Aussendung von Gerichts-Commissionen auf ein sehr geringes Maß zurückgeführt werden. Dies ist also der so furchtbar verschriene Legalisirungszwang, der nothwendig ist, um dem Grundbuche seine Vertrauenswürdigkeit zu geben, für die der Staat Gewähr leistet. Andererseits aber ersparen die Partheien beim Grundbuche die Anmeldungen in Exekutionsfällen, welche bei uns alljährlich sehr bedeutende Kosten verursachen und sie laufen zudem nicht Gefahr, durch Unterlassung rechtzeitiger Anmeldung ihr Geld zu verlieren, wie es bei uns dem Pfandgläubiger geschieht, der seine Forderung nicht bis zum ersten Feilbietungstermine bei Gericht anmeldet. Das Grundbuch kennt keine solche Anmeldepflicht, keine solchen Verluste, umgekehrt wird dort jeder eingetragene Pfandgläubiger von der Feilbietung verständigt. Dies allein ist ein ganz unschätzbarer Vorzug; denn es sind enorme Summen, die bei uns durch Unterlassung von Anmeldungen verloren gehen und es ist eine ungemein schwere Zumuthung, daß Jedermann täglich das Amtsblatt lesen soll, um sich über alle statthabenden Feilbietungen auf dem Laufenden zu halten. VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Ses!on der 7. keriode 1892/93. 85 Dies führt uns von selbst zu einer anderen, grundloser Weise wider das Grundbuch erhobenen Einwendung — der nämlich, daß das Grundbuch zu große Anforderungen an die Intelligenz und Aufmerksamkeit der Bevölkerung stelle und diese, im Falle sie zu wenig Verständniß oder Aufmerksamkeit den Grundbuchsbescheiden gegenüber an den Tag lege, schweren Schaden zu gewärtigen habe; es werde, sagt man gerne, das materielle Recht von dem formellen Rechte überwuchert und unterdrückt. Was nun die Intelligenz unserer Bevölkerung anbetrifft, so haben wir schon darauf hingewiesen, daß diese jeden Vergleich mit der anderer Kronländer, in denen das Grundbuch zu allgemeiner Zufriedenheit besteht, aushalten dürste. Wäre dem aber auch nicht so — es ist einfach nicht wahr, daß das Grundbuch größere Aufgaben an die Bevölkerung stellt, ganz im Gegentheil, bewahrt es dieselbe, wie eben gezeigt, vor Capitalsverlusten, die beim Bestände des Verfachbuches an der Tagesordnung sind. Ein weiterer ebenso haltloser Einwand ist die angeblich enorme Zerstückelung von Grund und Boden — es gibt allerdings Länder, wo der Boden weniger parzellirt ist, als bei uns, es gibt aber auch solche, wo er noch viel mehr parzellirt ist und dennoch das Grundbuch bestens fungirt. Nachdem wir nun die Scheingründe widerlegt zu haben glauben, wollen wir auch auf jene in gewissem Sinne wahren Gründe eingehen, welche dahinter stecken; wahr nämlich sind diese infoferne, als sie thatsächlich ein Motiv des Widerstandes bilden und wahr auch infoferne, als sie nicht ganz unbegründete Befürchtungen enthalten. Da aus dem Grundbuche der Lastenstand einer Realität leicht und klar für Jedermann ersichtlich ist, so ist es umgekehrt Niemandem mehr möglich, auf eine bereits überschuldete Realität noch mehr Geld aufzunehmen — man sollte glauben, es wäre gerade dies ein Hauptvorzug des Grundbuchs und doch ist es diese vorzügliche Eigenschaft, die man dem Grundbuche am ernsthaftesten für übel nimmt. Und damit stehen wir vor der Frage: Wollen wir eine offene Credit-Wirthschaft — oder wollen wir ein — Chaos, in dessen Dunkel der Schwindel gedeihen kann? Das erste ist das Grundbuch, das zweite das Verfachbuch. Das Grundbuch allein schafft die Möglichkeit, unserem Bauernstande den billigen Credit zu verschaffen, dessen er so dringend bedarf — möge der hohe Landtag nicht länger zögern, dieses Mittel anzuwenden. Die vorstehenden Ausführungen sind weit davon entfernt, eine auch nur einigermaßen erschöpfende Parallele beider Institutionen zu geben; nur das Wichtigste von dem, was wir selbst erfahren haben und was uns auf die Dauer bei Nichteinführung des Grundbuches die Anlage von Geldern auf Grund und Boden in Vorarlberg unthunlich erscheinen lassen muß, wollten wir dem hohen Landtage zur Erwägung vorlegen, um daran die dringende Bitte zu knüpfen: Der hohe Landtag wolle noch in dieser Session die Hohe Regierung auffordern, eine Regierungsvorlage betreffend die Einführung des Grundbuches in Vorarlberg im Hause einzubringen. Für die Sparkasse der Landeshauptstadt Bregenz: C. A. Pedenz, I. Hüter, Kanzlei-Vorsteher. Vorsitzender. Für die Sparkasse der Stadt Feldkirch: Der Obervorsteher der Sparkassa: A. Ganahl. Für die Sparkasse der Marktgemeinde Dornbirn: Dr. Waibel, Obervorsteher der Sparkasse. Landeshauptmann: Somit wäre die heutige Tagesordnung erschöpft. Die nächste Sitzung beraume ich auf kommenden Montag den 24. April, Vormittags 10 1/2 Uhr, an mit nachstehender Tagesordnung: 1. Bericht des Landes-Ausschusses über die Thätigkeit der Natural-Verpflegsstationen; 86 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7, Periode 1892/93. 2. Bericht des Landes-Ausschusses über das Gesuch der Parzelle Beschling um eine Subvention zu den Illwuhrbauten; 3. Bericht des Landes-Ausschusses über die Anträge der Abgeordneten Dr. Waibel und Dr. Schmid wegen Votirung von Landesbeiträgen zu Stipendien für die k. k. Stickereischule in Dornbirn; 4. Gesuch des Vorarlberger Fischerei-Vereins um Gewährung von Remunerationen an Besucher eines Fischerei-Curses; 5. Gesuch des Kanzlei-Assistenten Stocker um Pensionirung. Der Herr Obmann des volkswirthschaftlichen Ausschusses theilt mir mit, daß derselbe morgen Nachmittags um 2 Uhr eine Sitzung abhalten werde. Die heutige Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung 4 Uhr 35 Min. Nachmittags.) Druck von J. N. Teutsch in Bregenz. Iorartöerger Landtag. 8. Sitzung am 20. April 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. ------------- 4-a-s-------------Gegenwärtig der hochumrdigste Lischof Dr. Jobl und 17 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dekan Lerchtold und Grcißing. Aegierungsvertr'elev: Herr Statttzsttererralh Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 4 Uhr Nachmittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet. Ich bitte um letzten Sitzung. (Sekretär Sitzung.) Verlesung verliest das des Protokolls Protokoll der der 7. Johann Thurnher: Wenn ich recht ver­ standen habe, so heißt es im Protokoll, daß sich im Einlauf die Petition eines Wiener katholischen Vereins befindet. Am Schluffe ist dann auf die gegenwärtige Tagesordnung gesetzt eine Peti­ tion des katholischen Schulvereines. Falls dies­ bezüglich nicht schon im Protokoll die Ueberein­ stimmung vorhanden sein sollte und vielleicht nicht bloß ein Lapsus des Herrn Sekretärs beim Lesen vor­ liegt, so möchte ich bitten, diese Uebereinstimmung herzustellen. Landeshauptmann: Es wird jedenfalls nur in der Feder geblieben sein „Katholischer Schulverein". und soll heißen: Hat sonst noch Jemand gegen die Fassung des Protokolls eine Einwendung zu erheben? Es ist nicht der Fall, ich betrachte daher das­ selbe als genehmigt. Es ist mir noch ein weiteres Einlaufstück zugekommen, nämlich die Petition des Fischerei­ Vereines um Gewährung von Subvention als Stipendien für einen Zögling zum Besuche eines 80 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HI. Session der 7. Periode 1892/93. Fischerei-Curses, eingebracht durch den Herrn Ab­ geordneten Dr. Schmid. Ich werde diese Petition auf die Tagesord­ nung der nächsten Sitzung stellen. Wir kommen nun zur Tages-Ordnung: Den ersten und zweiten Punkt derselben er­ laube ich mir, unter einem zur Verhandlung zu bringen und erwarte über die formelle Behand­ lung dieser beiden Gegenstände einen Antrag aus der Mitte der hohen Versammlung. Bösch: Ich beantrage, daß diese beiden Gegen­ stände dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichterstattung zugewiesen werden. Landeshauptmann: Herr Bösch beantragt die Ueberweisung dieser beiden Gegenstände an den Finanz-Ausschuß. Wenn Niemand eine Einwendung dagegen erhebt, betrachte ich diesen Antrag mit Ihrer Zu­ stimmung versehen. Der dritte Gegenstand ist der A c t b e t r e f f e n d die Ernennung des Herrn Paul Jllmer zum Landeskultur-Ingenieur. Ich er­ suche um einen Antrag aus der Mtte des hohen Hauses, betreffend die formelle Behandlung dieses Gegenstandes. Welte: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur Vorbe­ rathung und Berichterstattung zugewiesen werde. Landeshauptmann: Es wird die Ueberweisung dieses Gegenstandes an den volkswirthschaftlichen Ausschuß beantragt. Keine Einwendung betrachte ich als Zu­ stimmung. Sie ist gegeben. Der vierte Gegenstand ist die Landes­ Ausschuß-Vorlage überdenGesetz-E ntwurf in Betreff des Öffentlichkeit srechtes der Choleraspitäler. Fritz: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand einem neu zu wählenden Sanitäts-Ausschusse von fünf Mitgliedern zur Vorberathung und Bericht­ erstattung überwiesen werde. Landeshauptmann: Es ist für die Berathung dieses Gegenstandes ein neuer Ausschuß von fünf Mitgliedern vorgeschlagen, welchem man etwa den Namen Sanitäts-Ausschuß geben könnte.j Wird dagegen eine Einwendung erhoben? Es ist nicht der Fall. Ich betrachte den Antrag als angenommen und ersuche die Herren, sieben Namen zu schreiben. (Wahlakt.) Ich ersuche die Herren Landeshauptmann­ Stellvertreter und Dr. Schmid gefälligst das Skrutinium zu übernehmen. (Geschieht.) Dr. Schmid: Von den abgegebenen Stimmen erhielten die Herren: Dr. Beck 15, Martin Thurnher 14, Rüf 13, Schapler und Welte je 12 ; die nächsten sind Reisch mit 10 und Heinzle mit 7 Stimmen. Landeshauptmanu: Es sind somit die Herren Dr. Beck, Martin Thurnher, Rüf, Welte nnd Schapler in den Ausschuß und die Herren Reisch und Heinzle als Ersatzmänner gewählt. Ich ersuche den gewühlten Ausschuß, nach Schluß der Sitzung sich zu konstituiren und mir das Resultat mittheilen zu wollen. Der fünfte Gegenstand der Tagesordnung ist die Regierungsvorlage betreffs Ab­ änderung des Fischereigesetzes für den Bodensee. Ich erwarte über die Behandlung dieses Gegenstandes einen Antrag aus der Mitte der hohen Versammlung. Büchele: Ich beantrage diesen Gegenstand, dem schon bestehenden volkswirthschaftlichen Aus­ schüsse zuzuweisen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Büchele beantragt die Zuweisung dieser Regierungs­ vorlage an den volkswirthschaftlichen Ausschuß. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich diesen Antrag als angenommen. Der nächste Gegenstand ist ein Gesuch des katholischen Schulvereines für Oester­ reich um eine Unterstützung aus Landes­ mitteln. Schapler: Ich beantrage die Zuweisung dieses Gegenstandes an den Finanz-Ausschuß. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Schapler beantragt für diesen Gegenstand dre Zu­ weisung an den Finanz-Ausschuß. Da keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich es als Zu­ stimmung und werde in diesem Sinne vorgehen. 81 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages, m. Session der 7. Periode 1892/93. Der siebente Gegenstand ist das Gesuch des Fischerei-Vereines um e ine Unterstütz­ ung aus Landesmitteln. Dietrich: Ich beantrage diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zu überweisen. Landeshauptmann: Auch für diesen Gegen­ stand wurde die Ueberweisung an den Finanz­ Ausschuß beantragt. Wenn von keiner Seite eine Einwendung er­ folgt, so betrachte ich diesen Antrag als mit Ihrer Zustimmung versehen. Sie ist gegeben. Achter Gegenstand der Tagesordnung ist die Petition des Verbandes der Handwerks­ maß igenGewerbe um Unter stütz ungaus Landesmitteln. Nils: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand dem Finanz-Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Rüf hat auch für diesen Gegenstand die Zu­ weisung an den Finanz-Ausschuß beantragt. Wenn keine Einwendung erfolgt, wird die Zu­ weisung in diesem Sinne geschehen. Der nächste Gegenstand ist das Gesuch des medizinischen Unterstützungsvereins an der Wiener Universität um eine Unter­ stützung. Fink: Ich möchte auch für diesen Gegen­ stand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß beantragen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Fink beantragt, auch diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zu überweisen. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich den Antrag als mit Ihrer Zustimmung versehen. Der zehnte Gegenstand der Tagesordnung ist das Gesuch des Vorarlberger Unter­ stützungs-Vereins in Innsbruck um Gewährung einer Unterstützung. Johannes Thurnher: Ich beantrage, diesen Gegenstand dem Finanzausschüsse zuzuweisen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Johannes Thurnher beantragt die Ueberweisung dieses Gegenstandes an den Finanz-Ausschuß. Erfolgt keine Einwendung, denselben als genehmigt. so betrachte ich Letzter Gegenstand ist die Petition der Sparkassen Bregenz, Feldkirch und Dornbirn um Einführung des Grund­ buche s. Dr. Schmid: Mit Rücksicht auf die Wichtig­ keit dieser Petition, die von den größten Geld­ instituten des Landes ausgeht und eine so wichtige Frage behandelt, deren Wichtigkeit uns allen schon längst klar geworden ist, beantrage ich, daß die Petition vollinhaltlich in das Protokoll ausgenommen werde, und daß dieselbe zur weiteren Berathung und Beschlußfassung in der künftigen Landtags-Session vorläufig dem hohen Landes­ Ausschusse überwiesen würde, damit der hohe Landes-Ausschuß in der nächsten Session die be­ treffenden Anträge stellen kann. Martin Thurnher: Ich möchte beantragen, daß über diese zwei Anträge getrennt abgestimmt werde. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Dr. Schmid beantragt zunächst die vollinhaltliche Auf­ nahme dieser Petition in das stenographische Protokoll. Wünscht Jemand das Wort? — Ich ersuche jene Herren, welche mit diesem Anträge einverstanden sind, sich von den Sitzen zu erheben. Angenonlmen. Der zweite Antrag des Herrn Abgeordneten Dr. Schmid lautet, daß diese Petition dem Landes­ Ausschusse zur Berichterstattung in der nächsten Session überwiesen werde. Wünscht Wort. Jemand zu diesem Anträge das Es ist nicht der Fall. Ich ersuche jene Herren, welche mit diesem Anträge einverstanden sind, sich von den Sitzen zu erheben. Es ist die Minorität. Wird sonst noch ein Antrag bezüglich der formellen Behandlung dieser Petition gestellt. Es ist nicht der Fall. 82 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. (Vorstehendem Beschlusse entsprechend der Wortlaut dieser Petition.) folgt volle Sicherheit über die Höhe der Belastung des Belehnungs-Objektes gewinnt. Denn auch bei der größten Sorgfalt ist eine verläßliche Auskunft über die Belastung und die Eigenthumsverhältnisse einer Realität aus dem Die unleugbaren Mängel des Versachbuch­ Verfachbuchs nicht zu gewinnen, wenn die Register wesens, welche in der ersten Zeit nach der Hypo­ I unvollständig, oder die Urkunden selbst irrig ab­ thekar-Erneuerung etwas weniger fühlbar, wenn gefaßt sind, oder wenn zwar die Register in Ord­ auch keineswegs beseitigt waren, machen sich nung und die Urkunden formell richtig, aber den schon jetzt wieder in empfindlichster und nach­ thatsächlichen Rechtsverhältnissen nicht entsprechend theiligster Weise bemerkbar. sind. Niemand hat mehr Gelegenheit zu dieser Ein krasser Uebelstand ist es zudem, daß Wahrnehmung als die Sparkassen-Verwaltungen, Quittungen nicht einmal verfacht zu werden brau­ an die sich der größte Theil des creditsuchenden chen und dennoch mit der Forderung anch das Publikums wendet und zu deren schwierigsten Pfand erlischt, so daß, wer im Vertrauen auf das und unsichersten Geschäften unter den bestehenden Verfachbuch eine bücherlich gutscheinende Hypothek Verhältnissen die Anlegung von Geldern auf cessionsweise erwirbt, das leere Nachsehen hat, Hypotheken gehört. wenn der Schuldner mit einer unversuchten Quit­ So oft ein geldbedürftiger Landwirth oder tung ihm entgegentritt; § 469 a. b. G. B. hat Gewerbsmann mit einem Darlehens-Gesuche an im Verfachbuchgebiete keine Anwendung. eine Sparkasse herantritt und die hiebei ver­ Die, töie gesagt, sehr häufige Mangelhaftigkeit langten Belegpapiere, das gerichtliche Hypothekender Hypotheken-Certifikate ist denn auch nur in Certifieat, die Schätzung und die Assecuranzpolizze zweiter Linie der mangelnden Rechtskunde der mit vorlegt, befindet sich die betreffende Sparkaffaderen Abfassung betrauten Kanzlisten, in erster Verwaltnng von allem Anfang an vor der pein­ Linie aber dem Wesen des Verfachbuches selbst lichen Alternative, entweder alles für richtig zuzuschreiben und es ist eine gründliche Besserung anzunehmen, was in dem betreffenden Hypotheken­ von keinerlei Reform des Verfachbuches oder seiner Certificat, für welches das Gericht nicht haftet, Handhabung, sondern einzig und allein von der geschrieben steht und außerdem sich ohne Weiteres Einführung des Grundbuches zu erwarten. darauf zu verlassen, daß alles darin steht, was darin Die Vorzüge des Grundbuches sind wesentlich stehen soll und daß nicht etwa, wie es leicht vor­ zweierlei. Erstens bietet das Grundbuch einen kommen kann und erfahrungsmäßig nur zu oft mühelosen, auch dem Laien sofort klaren Uebervorkommt, etwas ausgeblieben ist — oder aber, blick über die gesummten Rechtsverhältnisse einer dem Hypotheken - Certificat keinen Glauben zu Realität. schenken und selbst die Belastung des zu be­ lehnenden Objektes durch einen verläßlichen und Dies ist beim Versachbuche höchstens annähernd rechtskundigen Mann erheben zu lassen. und nie so vollkommen zu erreichen; aber auch Hoher Landtag! Entscheidet die Sparkasse-Verwaltung sich für die erstere Alternative, so weiß sie, daß sie nicht das Möglichste gethan hat, um sich von der Sicher­ heit der Anlage zu überzeugen und muß gewär­ tigen, daß sich nachträglich das Hypotheken-Certifikat als unvollständig und die nach demselben gutscheinende Anlage als schlecht herausstellt. angenommen, es gelänge, durch entsprechende Re­ formen und sorgfältigste Handhabung eine ähn­ liche Evidenz im Verfachbuche zu ermöglichen, jo fehlte doch und muß fehlen, so lange es ein Ver­ fachbuch gibt, der zweite und wesentlichste Vorzug des Grundbuches, die staatlich garantirte Ver­ läßlichkeit desselben. Wählt aber die Sparkasse Verwaltung den anderen Weg, so werden dadurch dem Credit­ werber namhafte Kosten verursacht, wogegen die Sparkassa wohl eine erhöhte, aber keineswegs eine Wer auf das Verfachbuch baut, hat auf Sand gebaut, kein Mensch und ebensowenig der Staat steht ihm für die Richtigkeit dessen, was er dort findet, ein. VIII. Sitzung des Vorarlberger Laudtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. Wer auf das Grundbuch baut, hat auf festen Grund gebaut; für die Richtigkeit der Eintragungen haften die Grundbuchsbeamten und der Staat und gegen Ansprüche Dritter, die aus dem Grund­ buche nicht erhellen, schützt ihn, d. h. den gut­ gläubigen Erwerber, das Gesetz. Etwas gleiches oder ähnliches läßt sich durch keine Verfachbuchreform erzielen — ein Buch, für dessen Richtigkeit der Staat hastet und dessen Verläßlichkeit das Gesetz garantirt, kann das Ver­ fachbuch nie werden. Wie könnte der Staat haften für den Inhalt von Urkunden, die er gar nicht prüfen kann, wie könnte ein Gesetzgeber für die Verläßlichkeit dessen, was aus einer bloßen Urknndensammlung zu ent­ nehmen ist, Garantie gewähren? Und doch ist eben diese Verläßlichkeit die einzig mögliche Grundlage eines gesunden Realcredites; wer diese will, und wer sollte sie nicht wollen, der muß auch das Grundbuch wollen. Wie anders gestaltet sich die der Creditge­ währung vorangehende Prüfung der Ablehnbarkeit der angebotenen Hypothek beim Bestände des Grundbuchs. Kein Verlassen auf einen möglicherweise trü­ gerischen Schein, kein mühsames und doch mög­ licherweise fruchtloses Suchen in unzähligen Fo­ lianten. Ein Blick auf die drei Blätter der betreffenden Grundbuchseinlage und es ist dem Prüfenden klar, welche Pfandschulden bereits das Gut belasten, welche Rechte mit dem Besitze des Gutes verbunden sind, in wessen Eigenthum das­ selbe steht und ob der Eigenthümer eigenberechtigt oder etwa in seinen Verfügungen beschränkt sei. Und dabei braucht er nicht zu befürchten, es könnte etwa eine Schuldpost nicht eingetragen sein und nachträglich zum Vorschein kommen — wäre dies aus Versehen geschehen, so käme diese Post nicht in Betracht, dem durch das Versehen Geschädigten aber haftet der Staat. Er braucht auch nicht zu fürchten, es könnte zwar der Darlehenswerber als Eigenthümer eiugetragen, aber in Wirklichkeit nicht Eigenthümer sein — wäre dies der Fall, so schützt den, der im Vertrauen auf das Buch Pfandrecht oder Eigenthumsrecht weiter erwirbt, das Gesetz gegen jeden Anspruch dritter Personen. 83 Ganz anders im Verfachbuche, wo Jemand im besten Glauben auf das Buch Eigenthum oder Pfand erworben und nachher, wenn ein Dritter Ansprüche darthut, die aus dem Buche uicht er­ sichtlich waren, beides wieder fahren lassen muß. Dieser Zustand ist ein unerträglicher für den Creditgeber und ein nicht minder schädlicher für den Creditnehmer — die mangelnde Sicherheit der Anlage schreckt das Kapital ab und der Creditbedürftige muß froh sein, wenn er theuren Credit bekommt, wo er leicht billigen haben könnte, wenn wir ein öffentliches Buch hätten, wie alle andern, auch die culturell zurückgebliebensten Provinzen Oesterreichs — mit Ausnahme von Vorarlberg, Tirol und Dalmatien. Kein Mensch, der an das Grundbuch gewohnt ist, legt Geld an in einem Lande, wo es kein Grundbuch gibt, wo man nie weiß, ob nicht irgend ein Unbekannter mit einer unversuchten Quittung oder einer unverfachten Einantwortung daher kommt und einem damit die bücherlich und bona fide erworbenen Rechte mit Erfolg streitig macht, wo es sogar vorkommen kann und vorkommt, daß Grundstücke exekutiv feilgeboten werden, die gar uicht dem Exekuten gehören! Was in der Bukowina, Galizien und Istrien möglich und ersprießlich ist, was ünSalzburg und Kärnthen, in Oesterreich ob und unter der Enns, in Steiermark und Kram, Böhmen, Mähren und Schlesien als unentbehrlich angesehen wird — das sollte undurchführbar sein im Lande Vorarlberg, das stolz ist, nicht nur auf den Fleiß, sondern auch auf die Intelligenz seiner Bevölkerung? Dieses im äußersten Westen des Reiches ge­ legene, von Cultur-Staaten mit zeitgemäßen Ein­ richtungen umgebene Land, sollte nicht reif sein für Einrichtungen, die sich doch selbst in solchen Ländern bewähren, die vor noch nicht viel mehr als 100 Jahren unter der Herrschaft des Halb­ mondes standen? Einer längst von der Wissenschaft anerkannten und in der Praxis bewährten, nicht nur den ge­ bildeten Deutschen, Czechen und Italienern, son­ dern auch den weit zurückgebliebenen Ruthenen und Rumänen des Ostens längst geläufigen und werthvollen Einrichtung sollten gerade die Vor­ arlberger nicht gewachsen sein? 84 VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. Oder was sind es sonst für Gründe, die gegen das Grundbuch ins Feld geführt zu werden pflegen und die man, so unstichhaltig sie auch sind, immer und immer wiederhallen hört? Die enormen Kosten des Grundbuches sind unerschwinglich für unsere arme Bevölkerung! — lautet das eine, am meisten verwendete Schlagwort. Worin bestehen nun diese enormen Kosten? Die Anlage des Grundbuches kostet dem Lande und den Gemeinden gar nichts — sie wird von Anfang bis zu Ende vom Staate durchgeführt, wie dies in allen andern Kronländern, wo das Grundbuch eingeführt wurde, geschah. Dabei er­ spart sich aber das Land und ersparen sich Ge­ meinden und Privaten die in der That enormen Kosten und Mühen der beim Bestand des Ver­ fachbuches periodisch nothwendig werdenden Hy­ pothekar-Erneuerungen. Also bleiben noch die Kosten, welche der Legalisirungszwang, der mit dem Grundbnche ver­ bunden ist und sein muß, dem Volke auferlegt. Nun — eine vom Gerichte aufgenommene Legalisirung kostet einen 36 kr. Stempel und eine vom Notar aufgenommene Legalisirung kostet 60 kr. und einen 10 kr. Stempel. (Vid. 8 9 II 1 des Notariats-Tarifs im Anhang zum Gesetze vom 15. Juli 1871, Zl. 75, R. G. Bl. und § 1 und 2 des Gesetzes vom 25. Juli 1871, R. G. Bl., Zl. 1 ex 1872.) Bezüglich des Stempels macht es keinen Unter­ schied, ob eine oder mehrere Unterschriften zu be­ glaubigen sind und die Gebühr per 60 kr. ist nur für die erste Unterschrift zu bezahlen, während weitere Unterschrifts-Legalifirungen nur 30 kr. kosten und die gesammte Legalisirungsgebühr nie mehr betragen darf, als das tarifmäßige Honorar für die Urkunde, welches bei Urkunden bis 300 fl. 1 fl., von 300—800 fl. 2 fl., von 800—2000 fl. 3 fl., von 2000—5000 fl. 4 fl. beträgt. Dabei ist aber zu bedenken, daß nach dem Gesetze vom 4. Juni 1882, Zl. 67 R. G. Bl. nur die Unter­ schriften jener Personen zu legalisiren sind, deren Recht beschränkt, belastet, aufgehoben oder auf eine andere Person übertragen werden soll. Auf einem Kaufverträge ist also nur die Unterschrift des Verkäufers, nicht auch jene des Käufers, auf einer Psandurkunde nur die Unterschrift des Pfandbestellers, nicht auch jene des Pfandnehmers zu legalisiren und es kommt nur dann zu einer Legalisirung mehrerer Unterschriften, wenn das zu verkaufende oder zu verpfändende Gut im ge­ meinsamen Eigenthume mehrerer Personen steht. Die Legalisirung wird also, wenn vom Gerichte vorgenommen, in allen Füllen nur 36 kr. kosten, mögen wie viel immer Unterschriften zu legalisiren fein, wenn sie aber vom Notar vorgenommen wird, so wird sie 70 kr. bis 1 fl. und nur selten 1 fl. 30 kr. bis 1 fl. 90 kr. kosten. Zudem kann nach Gesetz vom 5. Juni 1890, Zl. 109 R. G. Bl., die Legalisirung für gering­ fügige Rechtsgeschäfte bis zu 100 fl. nach Er­ messen der Landtage entfallen. Die wirklich empfindliche und ins Gewicht fallende Belästigung, die für Bewohner von Ort­ schaften, die weit ab vom Gerichtssitze liegen, der Gang zu Gericht mit sich bringt, kann durch die, z. B. in Tirol projektirte, auch sonst wünschens werthe Aussendung von Gerichts-Commissionen auf ein sehr geringes Maß zurückgeführt werden. Dies ist also der so furchtbar verschriene Legalisirungszwang, der nothwendig ist, um dem Grundbuche seine Vertrauenswürdigkeit zu geben, für die der Staat Gewähr leistet. Andererseits aber ersparen die Partheien beim Grnndbuche die Anmeldungen in Exekutionsfällen, welche bei uns alljährlich sehr bedeutende Kosten verursachen und sie laufen zudem nicht Gefahr, durch Unterlassung rechtzeitiger Anmeldung ihr Geld zu verlieren, wie es bei uns dem Pfand­ gläubiger geschieht, der seine Forderung nicht bis zum ersten Feilbietungstermine bei Gericht anmeldet. Das Grundbuch kennt keine solche Anmelde­ pflicht, keine solchen Verluste, umgekehrt wird dort jeder eingetragene Pfandgläubiger von der Feil­ bietung verständigt. Dies allein ist ein ganz unschätzbarer Vorzug; denn es sind enorme Summen, die bei uns durch Unterlassung von Anmeldungen verloren gehen und es ist eine ungemein schwere Zumuthung, daß Jedermann täglich das Amtsblatt lesen soll, um sich über alle statthabenden Feilbietungen auf dem Laufenden zu halten. VIII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. Dies führt uns von selbst zu einer anderen, grundloser Weise wider das Grundbuch erhobenen Einwendung — der nämlich, daß das ^Grundbuch zu große Anforderungen an die Intelligenz und Aufmerksamkeit der Bevölkerung stelle und diese, im Falle sie zu wenig Verständniß oder Aufmerk­ samkeit den Gruudbuchsbescheiden gegenüber an den Tag lege, schweren Schaden zu gewärtigen habe; es werde, sagt man gerne, das materielle Recht von dem formellen Rechte überwuchert und unterdrückt. Was nun die Intelligenz unserer Bevölkerung anbetrifft, so haben wir schon darauf hingewiesen, daß diese jeden Vergleich mit der anderer Kron­ länder, in denen das Grundbuch zu allgemeiner Zufriedenheit besteht, aushalten dürste. Wäre dem aber auch nicht so — es ist ein­ fach nicht wahr, daß das Grundbuch größere Aufgaben an die Bevölkerung stellt, ganz im Gegentheil, bewahrt es dieselbe, wie eben gezeigt, vor Capitalsverlusten, die beim Bestände des Ver­ fachbuches an der Tagesordnung sind. Ein wei­ terer ebenso haltloser Einwand ist die angeblich enorme Zerstückelung von Grund und Boden — es gibt allerdings Länder, wo der Boden weniger parzellirt ist, als bei uns, es gibt aber auch solche, wo er noch viel mehr Parzellirt ist und dennoch das Grundbuch bestens fungirt. Nachdem wir nun die Scheingründe widerlegt zu haben glauben, wollen wir auch auf jene in gewissem Sinne wahren Gründe eingehen, welche dahinter stecken; wahr nämlich sind diese infoferne, als sie thatsächlich ein Motiv des Widerstandes bilden und wahr auch insoferne, als sie nicht ganz unbegründete Befürchtungen enthalten. Da aus dem Grundbuche der Lastenstand einer Realität leicht und klar für Jedermann ersichtlich ist, so ist es umgekehrt Niemandem mehr möglich, auf eine bereits überschuldete Realität noch mehr Geld aufzunehmen — man sollte glauben, es wärä gerade dies ein Hauptvorzug des Grund­ buchs und doch ist es diese vorzügliche Eigenschaft, die man dem Grundbuche am ernsthaftesten für übel nimmt. Und damit stehen wir vor der Frage: Wollen wir eine offene Credit-Wirthschaft — oder wollen wir ein — Chaos, in dessen Dunkel der Schwindel gedeihen kann? Das erste ist das Grundbuch, das zweite das Verfachbuch. 85 Das Grundbuch allein schafft die Möglichkeit, unserem Bauernstande den billigen Credit zu ver­ schaffen, dessen er so dringend bedarf — möge der hohe Landtag nicht länger zögern, dieses Mittel anzuwenden. Die vorstehenden Ausführungen sind weit da­ von entfernt, eine auch nur einigermaßen er­ schöpfende Parallele beider Institutionen zu geben; nur das Wichtigste von dem, was wir selbst er­ fahren haben und was uns auf die Dauer bei Nichteinführung des Grundbuches die Anlage von Geldern auf Grund und Boden in Vorarlberg unthunlich erscheinen lassen muß, wollten wir dem hohen Landtage zur Erwägung vorlegen, um daran die dringende Bitte zu knüpfen: Der hohe Landtag wolle noch in dieser Session die hohe Regierung auffordern, eine Regierungs­ vorlage betreffend die Einführung des Grundbuches in Vorarlberg im Hause emzubringen. Für die Sparkasse der Iandeshauptssadt Kregeu;: C. A. I. Pedenz, Hüter, Vorsitzender. Kanzlei-Vorsteher. Für die Sparkasse der Stadt Feldkirch: Der Obervorsteher der Sparkassa: A. G a n a h l. Mr die Sparkasse der Marktgemeinde Dornbirn: Dr. Waibel, Obervorsteher der Sparkasse. Landeshauptmann: Somit wäre die heutige Tagesordnung erschöpft. Die nächste Sitzung beraume ich auf kommen­ den Montag den 24. April, Vormittags 10y2 Uhr, an mit nachstehender Tagesordnung: 1. Bericht des Landes-Ausschusses über Thätigkeit der Natural-Verpflegsstationen; die
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18920920_lts007 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 7. Sitzung am 30. April 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. gegenwärtig der hochwürdigste Bischof Dr. Zobl und 17 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dekan Berchtold und Greißing. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 11 Uhr Vormittags. Landeshauptmann: Hohes Haus! Durchkaiserliches Patent vom 26. März d. Js. ist der im September vorigen Jahres vertagte Landtag des Landes Vorarlberg auf den heutigen Tag zur Fortsetzung seiner verfassungsmäßigen Thätigkeit einberufen worden, und es obliegt mir die angenehme Aufgabe den hochverehrten Herrn Regierungsvertreter und Sie alle, meine Herren Abgeordneten, welche Sie sich heute zur Fortsetzung unserer Arbeiten eingefunden haben, auf das herzlichste und hochachtungsvollste willkommen zu heißen. Indem ich somit die heutige Sitzung eröffne, ersuche ich um Verlesung des Protocolles der 6. Sitzung. (Secretär verliest dasselbe.) Wenn gegen die Fassung dieses Protocolles von keiner Seite eine Einwendung erfolgt, so betrachte ich dasselbe als genehmigt. Der Herr Abg. Greißing hat bei mir schriftlich um Gewährung eines 4tägigen Urlaubes aus Familienrücksichten angesucht, welchen ich ihm nach § 5 der Geschäftsordnung ertheilt habe. Der hochw. Herr Dekan Berchtold ist leider von schwerer Krankheit heimgesucht worden, und wir wollen zu Gott hoffen, daß dieselbe glücklich und baldigst wieder vorüber gehe. Der Herr Abg. hat nicht ermangelt heute eigens eine Karte zu schreiben, in welcher er mittheilt, daß er der 76 VII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892/93. Einladung zu den Landtagssitzungen folgen werde, sobald die Krankheit es erlaube. Bevor wir zu den Einläufen übergehen, ertheile ich dem Herrn Regierungsvertreter das Wort. Regierungsvertreter: Hohes Haus! Auf Grund der allerhöchsten Entschließung vom 26. März 1893 wurde ich von Sr. Excellenz dem Herrn Statthalter beauftragt, einen die Fischerei im Bodensee betreffenden Gesetzentwurf zur verfassungsmäßigen Behandlung im Vorarlberger Landtage einzubringen. Die Bestimmungen dieses Gesetzentwurfes bezwecken der k. k. Regierung die Ermächtigung zu ertheilen, bei Erlassung von fischereipolizeilichen Verordnungen von solchen Bestimmungen des Fischereigesetzes für Vorarlberg vom 21. Februar 1889, welche nicht dem Reichsgesetz vom 25. April 1885 entnommen sind, soweit abzuweichen, als es zur Erfüllung der Vereinbarung, welche demnächst mit den andern Uferstaaten, über die Festsetzung gleichartiger Vorschriften getroffen werden soll, nothwendig erscheint. Da diese internationalen Verhandlungen bereits im nächsten Monate stattfinden sollen, so erlaube ich mir das Ersuchen zu stellen, möglichst bald in die Berathung dieses Gesetzentwurfes eingehen zu wollen. Landeshauptmann: Ich werde diese Regierungsvorlage auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen stellen. Der heutige Einlauf ist sehr zahlreich, weil mehrere Petitionen und Eingaben bei Vertagung des Landtages im September v. Js. zu spät eingetroffen sind, und erst heute in Verhandlung gezogen werden können. Im Einlaufe befindet sich ein Bittgesuch der Gemeinde Mäder um einen Beitrag aus Landesmitteln zu den Rheinbauten — eingebracht von: Herrn Abgeordneten Nägele. Martin Thurnher: Weil dies ein wichtiger Gegenstand ist, möchte ich beantragen, daß derselbe dringlich behandelt und sogleich dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann: Ich werde also zunächst über den Antrag in Betreff der Dringlichkeit abstimmen lassen. Wünscht Jemand das Wort? Es ist nicht der Fall. Wenn gegen die Dringlichkeit keine Einwendung erfolgt, betrachte ich dieselbe als genehmigt, und wenn gegen den weitern Antrag, daß diese Petition dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde, ebenfalls keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich auch diesen als mit Ihrer Zustimmung versehen. Ferner ist eingelaufen ein Gesuch des Verbandes von Genossenschaften handwerksmäßiger Gewerbe in Vorarlberg um Gewährung jährlicher Unterstützungen als Landesmitteln — überreicht durch den Herrn Abgeordneten Bösch, ein Gesuch des Vorarlberger Unterstützungsvereines in Innsbruck um Gewährung eines Unterstützungsbeitrages, ein Gesuch des katholischen Schulvereines für Österreich um gütige Gewährung einer Subvention für das katholische Lehrerseminar in Wien —- eingebracht durch den Herrn Abgeordneten Martin Thurnher, eine Petition des Vorarlberges Fischereivereines um Gewährung einer Unterstützung aus Landesmitteln — eingebracht durch den Herrn LandeshauptmannStellvertreter Dr. Beck, eine Petition des Ausschusses des medicinischen Unterstützungsvereines der Universität Wien um eine Unterstützung aus Landesmitteln — eingebracht durch denselben Herrn Abgeordneten. Ferner ist mir heute übergeben worden eine Petition der Sparkassen der Landeshauptstadt Bregenz, der Stadt Feldkirch und der Marktgemeinde Dornbirn, betreffend Einführung des Grundbuches in Vorarlberg — überreicht durch den Herrn Abgeordneten Dr. Schmid; weiters eine Interpellation der Herren Abgeordneten Dr. Waibel und Genossen an die hohe k. k. Regierung betreff Einberufung Vorarlbergischer Reservisten zu den Waffenübungen nach Innsbruck. (Sekretär verliest dieselbe.) Ich werde diese Interpellation dem Herrn Regierungsvertreter überreichen. Ferner ist noch eine weitere Interpellation derselben Herren Abgeordneten betreff des Vorkommnisses in der Seekapelle eingelaufen. Ich ersuche dieselbe zu verlesen. (Sekretär verliest die Interpellation.) VIL Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. 77 Ich werde auch diese Interpellation dem Herrn Regierungsvertreter übergeben. Endlich ist mir noch übergeben worden ein selbstständiger Antrag derselben Herren Abgeordneten betreffend die periodische Revision des Grundsteuerkatasters. (Sekretär verliest denselben.) Ich werde diesen Antrag geschäftsordnungsmäßig in Druck legen und seinerzeit aus die Tagesordnung stellen. Wir kommen nun zur heutigen Tages-Ordnung. Auf derselben stehen von 1—5 Rechnungsabschlüsse verschiedener Fonde. Ich glaube, wir könnten diese fünf Gegenstände unter Einem der formellen Behandlung unterziehen und erwarte ich hierüber einen Antrag aus der Mitte der Versammlung. Reisch: Ich erlaube mir den Antrag zu stellen, diese fünf Gegenstände dem bereits bestehenden Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichterstattung Zuweisen zu wollen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Reisch beantragt die Zuweisung dieser fünf Gegenstände an den Finanz-Ausschuß. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich den Antrag als mit ihrer Zustimmung versehen. Sie ist gegeben und es wird die Zuweisung in diesem Sinne erfolgen. Der 6. Gegenstand der Tages-Ordnung ist das Gesuch des akademischen Senates der Wiener Universität um einen Landesbeitrag zur Mensa ac ademica, welches im Wege des Landes-Ausschusses dem hohen Hause überreicht wird. Heinzle: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand ebenfalls dem Finanz-Ausschusse zur Berathung und Berichterstattung zugewiesen werde. Landeshauptmann: Es ist auch für diesen Gegenstand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß beantragt worden. Keine Einwendung betrachte ich als Zustimmung. Wir kommen nun zum 7. Gegenstand der Tages-Ordnung: Bericht des Landes-Ausschusses über die Thätigkeit der Naturalverpflegsstationen. Martin Thurnher: Der Bericht ist erst heute in die Hände der Herrn Abgeordneten gelangt. Nach der Geschäfts-Ordnung braucht derselbe zur Berichterstattung nicht einem Comite zugewiesen zu werden. Ich stelle nun demgemäß den Antrag, diesen Gegenstand von der heutigen Tages-Ordnung ab und auf eine der nächsten Tages-Ordnungen zu setzen und dann denselben sofort im hohen Hause ohne Zuweisung an einen Ausschuß der Behandlung zu unterziehen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Martin Thurnher beantragt für diese LandesAusschuß-Vorlage die directe Behandlung, ohne Zuweisung an einen Ausschuß in einer der nächsten Sitzungen. Wünscht Jemand das Wort? — Es ist dies nicht der Fall. Somit nehme ich an, daß das hohe Haus diesem Anträge seine Zustimmung ertheilt. Sie ist erfolgt. Somit ist unsere heutige Tagesordnung erschöpft. Die nächste Sitzung beraume ich auf heute Nachmittags 4 Uhr an und zwar mit nachstehender Tagesordnung: 1. Rechnungs-Abschluß des mit Tirol gemeinsamen Grundentlastungsfondes pro 1892. 2. Rechnungs-Abschluß der Stiftung des Vorarlberger Sängerbundes. 3. Akt, betreffend die Ernennung des Paul Illmer zum LandeskulturIngenieur. 4. Vorlage des Landes-Ausschusses, betreffend den Gesetzentwurf über das Öffentlichkeitsrecht der Cholera-Nothspitäler. 5. Regierungsvorlage, betreffend Abänderung des Fischereigesetzes. 6. Gesuch des katholischen Schulvereines für Österreich um Unterstützung aus Landesmitteln. 7. Gesuch des Vorarlberger Fischerei-Vereines um Unterstützung aus Landesmitteln. Martin Thurnher: Ich möchte beantragen, daß auch alle heute eingelaufenen Stücke, soweit sie 78 VII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hl. Session der 7. Periode 1892/93. einer Drucklegung nicht bedürfen, auf die heutige Tagesordnung gesetzt werden. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Martin Thurnher beantragt, daß auch die heute eingelaufenen Stücke, soweit sie der Drucklegung nicht bedürfen, auf die heutige Tages-Ordnung gesetzt werden. Wünscht Jemand zu diesem Anträge das Wort? Wenn Niemand eine Einwendung erhebt, so betrachte ich den Antrag als angenommen. Ich erkläre hiemit die heutige Sitzung für geschlossen. (Schluß der Sitzung 11 Uhr 35 Minuten.) V Druck von J. N. Teutsch in Bregenz. Mrartöerger Landtag. 7. Sitzung am 30. April 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. —-------------- S-0-3----------------ve-r«i»Sriig der hochnmrdWe Sischof Dr. Jodl und 17 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Deka« Lerchtold nnd Greißing. Vegieruugsverlreter: Herr Statthsktererrsth Graf Sk. IuÜen-Wsllfee. Beginn der Sitzung um 11 Uhr Vormittags. Landeshauptmann: Hohes Haus! Durchkaiser­ liches Patent vom 26. März d. Js. ist der im September vorigen Jahres vertagte Landtag des Landes Vorarlberg auf den heutigen Tag zur Fort­ setzung seiner verfassungsmäßigen Thätigkeit ein­ berufen worden, und es obliegt mir die angenehme Aufgabe den hochverehrten Herrn Regierungsver­ treter und Sie alle, meine Herren Abgeordneten, welche Sie sich heute zur Fortsetzung unserer Ar­ beiten eingefunden haben, auf das herzlichste und hochachtungsvollste willkommen zu heißen. Indem ich somit die heutige Sitzung eröffne, ersuche ich um Verlesung des Protocolles der 6. Sitzung. (Secretär verliest dasselbe.) Wenn gegen die Fassung dieses Protocolles von keiner Seite eine Einwendung erfolgt, so betrachte ich dasselbe als genehmigt. Der Herr Abg. Greißing hat bei mir schriftlich um Gewährung eines 4tägigen Urlaubes aus Familienrücksichten angesucht, welchen ich ihm nach § 5 der Geschäftsordnung ertheilt habe. Der hochw. Herr Dekan Berchtold ist leider von schwerer Krankheit heimgesucht worden, und wir wollen zu Gott hoffen, daß dieselbe glück­ lich und baldigst wieder vorüber gehe. Der Herr Abg. hat nicht ermangelt heute eigens eine Karte zu schreiben, in welcher er mittheilt, daß er der 76 VII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892/93. Einladung zu den Landtagssitzungen folgen werde, sobald die Krankheit es erlaube. Bevor wir zu den Einläufen übergehen, ertheile ich dem Herrn Regierungsvertreter das Wort. Regierungsvertreter: Hohes Haus! Auf Grund der allerhöchsten Entschließung vom 26. März 1893 wurde ich von Sr. Excellenz dem Herrn Statt­ halter beauftragt, einen die Fischerei im Bodensee betreffenden Gesetzentwurf zur verfassungsmäßigen Behandlung im Vorarlberger Landtage einzubringen. Die Bestimmungen dieses Gesetzentwurfes be­ zwecken der k. k. Regierung die Ermächtigung zu ertheilen, bei Erlassung von fischereipolizeilichen Ver­ ordnungen von solchen Bestimmungen des Fischerei­ gesetzes für Vorarlberg vom 21. Februar 1889, welche nicht dem Reichsgesetz vom 25. April 1885 entnommen sind, soweit abzuweichen, als es zur Er­ füllung der Vereinbarung, welche demnächst mit den andern Uferstaaten, über die Festsetzung gleich­ artiger Vorschriften getroffen werden soll, noth­ wendig erscheint. Da diese internationalen Verhandlungen bereits im nächsten Monate stattfinden sollen, so erlaube ich mir das Ersuchen zu stellen, möglichst bald in die Berathung dieses Gesetzentwurfes eingehen zu wollen. Landeshauptmann: Ich werde diese Regierungs­ vorlage auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen stellen. Der heutige Einlauf ist sehr zahlreich, weil mehrere Petitionen und Eingaben bei Vertagung des Landtages im September v. Js. zu spät ein­ getroffen sind, und erst heute in Verhandlung ge­ zogen werden können. Im Einlaufe befindet sich ein Bittgesuch der Gemeinde Mäder unt einen Beitrag aus Landes­ mitteln zu den Rheinbauten — eingebracht von: Herrn Abgeordneten Nägele. Martin Thurnher: Weil dies ein wichtiger Gegenstand ist, möchte ich beantragen, daß derselbe dringlich behandelt und sogleich dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann: Ich werde also zunächst über den Antrag in Betreff der Dringlichkeit ab­ stimmen lassen. Wünscht Jemand das Wort? Es ist nicht der Fall. Wenn gegen die Dring­ lichkeit keine Einwendung erfolgt, betrachte ich die­ selbe als genehmigt, und wenn gegen den weitern Antrag, daß diese Petition dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde, ebenfalls keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich auch diesen als mit Ihrer Zustimmung versehen. Ferner ist eingelaufen ein Gesuch des Verbandes von Genossenschaften handwerksmäßiger Gewerbe in Vorarlberg um Gewährung jährlicher Unter­ stützungen als Landesmitteln — überreicht durch den Herrn Abgeordneten Bösch, ein Gesuch des Vorarlberger Unterstützungs­ vereines in Innsbruck um Gewährung eines Unter­ stützungsbeitrages, ein Gesuch des katholischen Schulvereines für Oesterreich um gütige Gewährung einer Subvention für das katholische Lehrerseminar in Wien —- ein­ gebracht durch den Herrn Abgeordneten Martin Thurnher, eine Petition des Vorarlberges Fischereivereines um Gewährung einer Unterstützung aus Landesmitteln — eingebracht durch den Herrn Landeshauptmann­ Stellvertreter Dr. Beck, eine Petition des Ausschusses des medicinischen Unterstützungsvereines der Universität Wien um eine Unterstützung aus Landesmitteln — eingebracht durch denselben Herrn Ageordneten. Ferner ist mir heute übergeben worden eine Petition der Sparkassen der Landeshauptstadt Bregenz, der Stadt Feldkirch und der Marktgemeinde Dornbirn, betreffend Einführung des Grundbuches in Vorarlberg — überreicht durch den Herrn Ab­ geordneten Dr. Schmid; weiters eine Interpellation der Herren Abgeordneten Dr. Waibel und Genossen an die hohe k. k. Regierung betreff Einberufung Vorarlbergischer Reservisten zu den Waffenübungen nach Innsbruck. (Sekretär verliest dieselbe.) Ich werde diese Interpellation Regierungsvertreter überreichen. dem Herrn Ferner ist noch eine weitere Interpellation der­ selben Herren Abgeordneten betreff des Vorkommnisses in der Seekapelle eingelaufen. Ich ersuche dieselbe zu verlesen. (Sekretär verliest die Interpellation.) VIL Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892/93. Ich werde auch diese Interpellation dem Herrn Regierungsvertreter übergeben. Endlich ist mir noch übergeben worden ein selbst­ ständiger Antrag derselben Herren Abgeordneten betreffend die periodische Revision des Grundsteuer­ katasters. (Sekretär verliest denselben.) Ich werde diesen Antrag geschäftsordnungsmäßig in Druck legen und seinerzeit aus die Tagesordnung stellen. Wir kommen nun zur heutigen Tages-Ordnung. Auf derselben stehen von 1—5 Rechnungsabschlüsse verschiedener Fonde. Ich glaube, wir könnten diese fünf Gegenstände unter Einem der formellen Behandlung unterziehen und erwarte ich hierüber einen Antrag aus der Mitte der Versammlung. Reisch: Ich erlaube mir den Antrag zu stellen, diese fünf Gegenstände dem bereits bestehenden Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichter­ stattung Zuweisen zu wollen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Reisch beantragt die Zuweisung dieser fünf Gegen­ stände an den Finanz-Ausschuß. Wenn keine Ein­ wendung erfolgt, so betrachte ich den Antrag als mit ihrer Zustimmung versehen. Sie ist gegeben und es wird die Zuweisung in diesem Sinne er­ folgen. Der 6. Gegenstand der Tages-Ordnnng ist das Gesuch des akademischen Senates der Wiener Universität um einen Landes­ beitrag zur Mensa ac ademica, welches im Wege des Landes-Ausschusses dem hohen Hause überreicht wird. Heinzle: Ich beantrage, daß dieser Gegenstand ebenfalls dem Finanz-Ausschusse zur Berathung und Berichterstattung zugewiesen werde. Landeshauptmann: Es ist auch für diesen Ge­ genstand die Zuweisung an den Finanz-Ausschuß beantragt worden. Keine Einwendung betrachte ich als Zustimmung. Wir kommen nun zum 7. Gegenstand der Tages-Ordnung: Bericht des Landes-Aus- 77 schussesüberdieThätigkeitderNaturalverpflegsstationen. Martin Thurnher: Der Bericht ist erst heute in die Hände der Herrn Abgeordneten gelangt. Rach der Geschäfts-Ordnung braucht derselbe zur Berichterstattung nicht einem Comite zugewiesen zu werden. Ich stelle nun demgemäß den Antrag, diesen Gegenstand von der heutigen Tages-Ordnung ab und auf eine der nächsten Tages-Ordnungen zu setzen und dann denselben sofort im hohen Hause ohne Zuweisung an einen Ausschuß der Behandlung zu unterziehen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Martin Thurnher beantragt für diese Landes­ Ausschuß-Vorlage die directe Behandlung, ohne Zuweisung an einen Ausschuß in einer der nächsten Sitzungen. Wünscht Jemand das Wort? — Es ist dies nicht der Fall. Somit nehme ich an, daß das hohe Haus diesem Anträge seine Zu­ stimmung ertheilt. Sie ist erfolgt. Somit ist unsere heutige Tagesordnung erschöpft. Die nächste Sitzung beraume ich auf heute Nachmittags 4 Uhr an und zwar mit nachstehender Tagesordnung: 1. Rechnungs-Abschluß des mit Tirol gemein­ samen Grundentlastungsfondes pro 1892. 2. Rechnungs-Abschluß der Stiftung des Vor­ arlberger Sängerbundes. 3. Akt, betreffend die Ernennung des Paul Jllmer zum Landeskultur-Ingenieur. 4. Vorlage des Landes-Ausschuffes, betreffend den Gesetzentwurf über das Oeffentlichkeitsrecht der Cholera-Nothspitäler. 5. Regierungsvorlage, betreffend des Fischereigesetzes. Abänderung 6. Gesuch des katholischen Schulvereines für Oesterreich um Unterstützung aus Landes­ mitteln. 7. Gesuch des Vorarlberger Fischerei-Vereines um Unterstützung aus Landesmitteln. Martin Thurnher: Ich möchte beantragen, daß auch alle heute eingelaufenen Stücke, soweit sie VII. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hl. Session der 7. Periode 1892/93. 78 einer Drucklegung nicht bedürfen, auf die heutige Tagesordnung gesetzt werden. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Martin Thurnher beantragt, daß auch die heute eingelaufenen Stücke, soweit sie der Drucklegung nicht bedürfen, auf die heutige Tages-Ordnung gesetzt werden. Wünscht Jemand zu diesem Anträge das Wort? Wenn Niemand eine Einwendung erhebt, betrachte ich den Antrag als angenommen. so Ich erkläre hiemit die heutige Sitzung für ge­ schlossen. (Schluß der Sitzung 11 Uhr 35 Minuten.) V Druck von I. N. Teutsch in Bregenz.
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18920920_lts006 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 6. Sitzung am 20. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig 18 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dietrich, Schapler und Johannes Thurnher. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirat Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 9 Uhr 10 Min. Vormittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet und ich ersuche um Verlesung des Protokolles der gestrigen Sitzung. (Secretär verliest dasselbe) Hat Jemand gegen die Fassung des Protokolles eine Einwendung zu erheben? — Dr. Schmid: Ich hätte nur bei einem Punkte etwas zu erwähnen, daß nämlich bei Punkt 3 betreffend die Vermittler-Ämter im Protokolle die Worte ausgenommen werden „mit Mehrheit", da der Herr Abgeordnete Martin Thurnher bemerkt hat, daß die Annahme des genannten Punktes einstimmig erfolgt sei. (Martin Thurnher: Von mir ist eine solche Äußerung nicht gefallen.) (Fink: Diese Bemerkung ist von mir gemacht worden.) Landeshauptmann: Diese Einschaltung kann anstandslos erfolgen, so daß es dann heißt: Punkt 3 wird mit dieser Abänderung mit Mehrheit zum Beschlusse erhoben. Der Herr Abgeordnete Schapler hat sich aus geschäftlichen Gründen für die heutige Sitzung entschuldigt. Dem Wunsche, der in der letzten Sitzung von Herrn Abgeordneten Dr. Waibel ausgesprochen wurde, gemäß muß ich aufmerksam machen, daß 46 VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. sämmtliche Protokolle des Schulausschusses zur Verfügung stehen und am Schlüsse der Sitzung den Herren zur Einsichtnahme im Vorzimmer aufgelegt werden. Es sind mir einige Einlaufstücke zugekommen, das erste ist eine Eingabe der Gemeinde-Vorstehung von Thüringen in Angelegenheit des Hausierhandels — eingebracht durch den Herrn Abgeordneten Welte. Dieselbe ist ihrem Inhalte nach ganz übereinstimmend mit den früher eingelaufenen Eingaben der Gemeinde-Vorstehungen Götzis, Rankweil und Schlins, und wurde durch den gestrigen Landtagsbeschluß eigentlich auch erledigt. Wenn das hohe Haus keinen anderen Vorgang beliebt, so glaube ich, dürfte dieser Gegenstand nicht mehr auf die Tages-Ordnung zu setzen sein. Wenn Jemand einen anderen Vorgang wünscht, bitte ich, sich zum Worte zu melden, sonst werde ich in diesem Sinne vorgehen. (Niemand meldet sich.) Ferner ist eingelaufen eine Petition der Gemeinde-Vorstehungen Thüringen, Ludesch und Bludesch in Betreff des Verbotes der Ziegenweide. Überreicht wurde diese Petition durch den Herrn Abgeordneten Reisch. (Secretär verliest dieselbe.) Ich werde diesen Gegenstand der geschäftsordnungsmäßigen Behandlung unterziehen, und wenn kein Dringlichkeits-Antrag erfolgt, denselben auf die Tages-Ordnung einer der nächsten Sitzungen setzen. Endlich ist eingelaufen ein Bittgesuch des Leopold Schugg aus Riezlern um Verleihung eines Thierarznei-Stipendiums. Ich glaube die Herren werden kein Verlangen tragen den Inhalt dieses Gesuch kennen zu lernen, wenn es jedoch Jemand wünscht, so werde ich dasselbe verlesen lassen. Nachdem dieses nicht der Fall ist, so werde ich auch diesen Gegenstand auf die TagesOrdnung einer der nächsten Sitzungen setzen. Wir kommen nun zur Tages-Ordnung. Auf derselben steht als erster Gegenstand das Gesuch der Gemeinde-Vorstehung Lustenau um einen Landes beitrag zur theilweisen Deckung der Rheindammkosten. Ich erwarte über die geschäftliche Behandlung dieses Gegenstandes einen Antrag. Bösch: Ich hätte gestern schon die dringliche Behandlung dieses Gegenstandes beantragt, wenn ich nicht von vornherein die Überzeugung gehabt hätte, daß bei der kurzen Spanne Zeit bis zur Vertagung des Landtages die factische Behandlung dieses Gegenstandes nicht mehr möglich ist. Ich möchte daher nur kurz bemerken, daß die im Gesuche angeführten Gründe nach meinem Wissen richtig sind und auf Wahrheit beruhen, daß jedoch einer der Hauptgründe im Gesuche unerwähnt geblieben ist, der am meisten Anspruch auf eine Unterstützung gehabt hätte. Die Gemeinde hat nämlich im Jahre 1890 die Dammbauten vom h. Aerar zu einem so niedrigen Preis übernommen, daß sie im Jahre 1890/91 ca. 12,000 fl. darauf legen mußte und in Folge dessen ihre Rechnung mit einem Deficit von 12,000 fl. abschloß. Es wäre daher nach meiner Ansicht schon Grund genug, nachdem jetzt die Gemeinde mehr als doppelt mitgenommen wird. Denn nachdem sie die Arbeit um einen so niedrigen Preis übernommen hatte, so lag es auch im Interesse der an den DammBaukosten mit concurrirenden Fonden, denn auch sie hätten an diesen 12,000 fl. mitzahlen müssen, wenn die Übernehmer vernünftige Preise verlangt hätten, so glaubte ich, den h. Landes-Ausschuß dem dieser Gegenstand zur Berathung und Berichterstattung zuzuweisen beantragt ist, dieses in Erinnerung bringen zu müssen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Bösch hat die Zuweisung dieses Gegenstandes an den Landes-Ausschuß zur Berathung und Berichterstattung in späterer Sitzung beantragt. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung erhoben? — Es ist dies nicht der Fall, somit betrachte ich ihn mit ihrer Zustimmung versehen. Der nächste Gegenstand der Tages-Ordnung ist der Bericht des Finanz-Ausschusses über das Gesuch des kathol. Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Abhaltung eines Gemüsebau-Curses. Es wurde gestern schon beschlossen, daß der Finanz-Ausschuß über diesen Gegenstand mit Umgehung der Drucklegung referiren dürfe, ich ertheile daher dem Herrn Berichterstatter Nägele das Wort. Nägele: Der Finanz-Ausschuß hat dieses Gesuch behandelt und ist dann zur Überzeugung VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. 111. Session der 7. Periode 1892. 47 gelangt, daß, nachdem in der gestrigen Sitzung dem katholischen Bauernvereine von Montavon zur Hebung der Obstbaumzucht schon ein Betrag von 200 fl. votirt worden ist, das Gesuch genannten Vereines um eine Unterstützung zur Errichtung eines Gemüsebau-Curses eigentlich verfrüht ist und daß eigentlich dergleichen Gesuche bis dato vielfach an den Landeswirthschafts-Verein gerichtet worden sind. Der Landwirthschafts-Verein von Vorarlberg hat sich nämlich vielfach seiner Aufgabe gemäß mit der Hebung des Gemüsebaues beschäftigt, und aus diesem Grunde glaubte der Finanz-Ausschuß dermalen aus dem Landes-Culturfonde nichts verabreichen zu sollen, sondern das Gesuch dem Landwirthschaftsverein befürwortlich abzutreten und hat daher beschlossen folgenden Antrag zu stellen: „Es sei auf das Gesuch des kathol. Bauernvereins dermalen nicht einzugehen, dasselbe jedoch dem Landes-Ausschusse mit dem Befugnis abzutreten, das Gesuch dem Landwirthschafts-Vereine befürwortend zu übermitteln." Landeshauptmann: Ich eröffne über den Antrag des Finanz-Ausschusses die Debatte. — Wenn Niemand das Wort zu ergreifen wünscht, ist dieselbe geschlossen und wir schreiten zur Abstimmung. Ich ersuche alle jene Herren, welche diesem Anträge ihre Zustimmung geben, sich gefälligst von ihren Sitzen erheben zu wollen. Einstimmig angenommen. Wir kommen nun zum dritten Gegenstand der Tages-Ordnung nämlich zum Bericht des Finanz-Ausschusses über den Rechenschaftsbericht des Landes-Ausschusses. Bevor wir zur Verlesung des Berichtes übergehen, werde ich mir erlauben bezüglich der Durchführung der Debatte einen Vorschlag zu machen. Ich werde nach der Verlesung jedes einzelnen Abschnittes eine kleine Pause eintreten lassen, um den Herren Abgeordneten Gelegenheit zu geben, zu diesem oder jenem Gegenstände das Wort zu ergreifen, oder eventuell Anträge zu stellen. Erfolgt von keiner Seite die Meldung zum Worte, so werden wir in der Verlesung des Berichtes weiterschreiten, außer es werden Anträge gestellt, die ich zur Abstimmung bringen werde. Bei Rubrik „C.“, in welcher die einzelnen Ausführungen der Landtagsbeschlüsse im eigenen Wirkungskreise des Landes-Ausschusses aufgeführt sind, bleibt es den Herren Abgeordneten unbenommen bei jedem einzelnen Punkte das Wort zu ergreifen. Ich werde daher bei jedem derselben eine Pause eintreten lassen. Nun ersuche ich den Herrn Berichterstatter Nägele mit der Verlesung des Berichtes zu beginnen. Nägele: (Liest den Eingang des Berichtes des Rechenschaftsberichts-Ausschusses Beilage XI. Ad I. A.) Dr. Waibel: Damit nicht durch Stillschweigen von unserer Seite der Eindruck hervorgerufen wird, als ob diese Anträge einstimmig angenommen worden wären, habe ich zu bemerken, daß wenigstens ich, und ich glaube auch die Zustimmung meiner Herrn Collegen zu haben, bezüglich der Punkte 6 und 9 der Landtagsbeschlüsse nicht einverstanden sind. Martin Thurnher: Es kommt mir auffallend vor, daß Herr Vorredner auch bezüglich des Punktes 6 sich nicht einverstanden erklärt, und sich gegen das Verbot der Thierquälerei früher schon ausgesprochen hat, was ich konstatirt haben will. Dr. Waibel: Zur Aufklärung werde ich, um gerechtfertiget zu sein, nur zu sagen brauchen, welche Stellung ich eingenommen habe, als dieses Gesetz in Berathung stand. Ich habe an der Hand der bestehenden Verordnungen nachgewiesen, daß dieses Gesetz vollkommen überflüssig ist und habe auch nachgewiesen, daß das in Rede stehende Gesetz, wenn es nicht nur auf dem Papiere stehen bleibt, auch eine Erschwerung der Amtshandlungen im Gefolge hat. Fritz: Es sind schon in der früheren Session gelegentlich der Verhandlung des Landesvertheidigungsgesetzes von Seite einiger Herren Abgeordneten mehrfache Wünsche und zwar bezüglich der Sonntagsheiligung der Militär- und Landwehrmannschaft, ferner bezüglich der Einberufung der Sennen und Alpknechte während der Alpzeit u.s.w. ausgesprochen worden. Diese Wünsche haben denn doch ihre volle Berechtigung. Wird nun so ein Senne oder Alpknecht gerade in der Mitte der Alpzeit zur Waffenübung einberufen, so weiß sich sowohl der Dienstherr, wie der be48 VI. Sitzung des Vorarlberger Landtags. III. Session der 7. Periode 1892. treffende Senne oder Alpknecht kaum zu helfen, denn ersterer verliert dadurch seinen bekannten verläßlichen Dienstboten und letzterer seinen Dienst. Beide werden hiedurch in eine sehr mißliche Lage versetzt, da der Dienstherr mitten im Sommer nicht so leicht, ja sogar sehr schwer, einen tauglichen, verläßlichen Dienstboten findet und der Dienstbote hingegen durch die Einberufung zur Waffenübung den Arbeitsposten bei seiner Heimkehr nicht so leicht wieder antreten kann. Aus dem eben Gesagten ist wohl leicht zu ersehen, daß alle diese von Seite der Herren Abgeordneten vorgebrachten Wünsche ihre vollkommene Berechtigung haben. Man gibt sich nun der Hoffnung hin, die hohe k. k. Regierung werde diesen Wünschen Rechnung tragen, und dies umso mehr, als auch in den Monaten Mai und Oktober Einberufungen stattfinden, daher diese Sennen und Alpknechte ebensogut dann einberufen werden könnten. Welte: Mein unmittelbarer Herr Vorredner hat von dem, was ich auch sagen wollte, schon etwas vorausgeschickt, und ich befasse mich daher nicht mehr mit diesem Gegenstände, sondern schließe mich dem dringenden Wunsche an, es möge dem diesbezüglichen Landtagsbeschlusse bald möglichste Gewährung geschehen. Ich muß aber auf den Umstand Hinweisen, daß während dieser Zeit statt den dringlich erbetenen Erleichterungen in Militärsachen wiederum neue Erschwerungen zu Tage getreten sind, nämlich einberufene Urlauber und Reservisten des Heeres, welche nach neuer Gepflogenheit ihre Waffenübungen nicht mehr innerhalb, sondern außerhalb des Landes machen müssen, zum nächsten Ergänzungsbezirks-Commando nach Innsbruck einzurücken hatten. Die Beförderungskosten per Bahn nach Innsbruck wurden aber nicht vom Staate bezahlt, sondern hatte die einberufene Mannschaft aus Eigenem zn bestreiten. Dieses Vorgehen scheint mir höchst unbillig, denn es dürfte wohl am Platze sein, daß wenn der Mann sich selbst zum Opfer bringt und MilitärDienste leisten muß, der Staat wenigstens die Transportkosten trägt. Es wäre daher nicht mehr als billig, daß wie es früher geschehen ist, entweder der Staat die durch den Transport erwachsenden Kosten bestreitet, oder die Mannschaft ihre Waffenübungen wieder im eigenen Lande machen könnte. Ich finde mich daher bewogen, folgenden Antrag zu stellen: „Die hohe k. k. Regierung wird angegangen, die Urlauber und Reservisten nicht außerhalb des Landes zu den Waffenübungen heranzuziehen." Martin Thurnher: Ich unterstütze den Antrag des Herrn Abgeordneten Welte, weil es sowohl für die Gesammtbevölkerung als auch insbesondere für die Angehörigen der Urlauber und Reservisten ein großer materieller Schaden ist, wenn dieselben außerhalb des Landes, nämlich nach Tirol, zu den Waffenübungen einberufen werden. Ich und mein Herr Collega der Reichsraths-Abgeordnete Kohler haben bereits schon bei Sr. Excellenz dem Herrn Landesvertheidigungs - Minister mündlich und schriftlich diesbezügliche Vorstellungen gemacht und derselbe hat uns zugesichert, daß so weit immer thunlich unseren Bitten und Vorstellungen entsprechende Berücksichtigung zu Theil werde. Es wird aber gewiß nicht schaden, wenn auch die h. Landesvertretung diesbezügliche geeignete Schritte thut. Regierungsvertreter: Was die ad Punkt 1A. des Rechenschaftsberichtes vorgebrachte Beschwerde betrifft, so hat über das, was der Herr Abgeordnete Welte gesagt hat, bereits der Herr Abgeordnete Martin Thurnher Aufklärung gegeben, besser als ich es zu thun in der Lage bin, nachdem er seine Bemerkungen auf Grund der bei Sr. Excellenz dem Herrn Landesvertheidigungs-Minister persönlich eingeholten Informationen gemacht hat. Was die Beschwerde, welche der Herr Abgeordnete Fritz bezüglich der Sonntagsheiligung erhoben hat, anbelangt, so muß ich auf das zurückkommen, was ich bereits in voriger Session gesagt habe, nämlich, daß der Mannschaft Gelegenheit gegeben ist, an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst zu besuchen indem sie einmal oder auch zweimal im Monat zur Kirche geführt wird. Außerdem steht es jedem Manne frei, und ist derselbe dienstlich nicht gehindert an Sonn- und Festtagen die Frühmesse zu besuchen. Was endlich die Einberufung der Alpknechte zu den Waffenübungen betrifft, so habe ich auch schon in der letzten Session darauf hingewiesen, daß es nicht möglich ist auf alle Erwerbs-Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Ich bin aber überzeugt, daß die Militärbehörde nach wie vor auf diesbezüglich VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hk. Session der 7. Periode 1892. 49 einlaufende berücksichtigungswerthe Gesuche jederzeit eingehen und dieselben einer aufrechten Erledigung zuführen wird. Landeshauptmann: Wer wünscht noch das Wort? — Es meldet sich Niemand, daher können wir zur Abstimmung schreiten und zwar zunächst über den Antrag des Hrn. Abgeordneten Welte. Dieser Antrag lautet: „Die hohe Regierung wird angegangen, die Urlauber und Reservisten nicht außerhalb des Landes zu den Waffenübungen heranzuziehen." Ich ersuche diejenigen Herren, welche diesem Anträge beistimmen, sich gefälligst von ihren Sitzen erheben zu wollen. Einstimmig angenommen. Fink: Im Punkt 7 heißt es der Allerhöchsten Sanction sehen noch entgegen: der Landtagsbeschluß vom 28. März 1892 enthaltend den Gesetzentwurf, womit das Gesetz vom 26. Dezember 1879 betreffend die Einreihung der Straße Baienbrücke-Schoppernau in die Kategorie der Concurrenz-Straßen außer Wirksumkeit gesetzt wird; dem hohen k. k. Ministerium des Innern vorgelegt mit Bericht vom 26. April 1892 Zl. 1117. Es ist auch diesbezüglich noch keine Erledigung herabgelangt und ich möchte da nur der Verwunderung Ausdruck geben, daß die Erlangung der Allerhöchsten Sanction so lange auf sich warten läßt. Es sind durch diese Verzögerung die Arbeiten bezüglich Schaffung einer Concurrenz-Straße II. Classe sehr gehemmt. Bis dieses Gesetz aufgehoben ist, kann man kein Statut feststellen und bezüglich Errichtung einer Concurrenz-Straße nichts weiteres thun. Ich möchte daher abermals den dringenden Wunsch aussprechen, daß die Sanction dieses Gesetzes ehemöglichst erfolgen würde. Landeshauptmann: Wenn Niemand mehr zu diesem Punkte das Wort zu ergreifen wünscht, so ist die Debatte geschlossen. Wir schreiten nun zur Abstimmung über Punkt ad I. A. und ich ersuche jene Herren, welche diesem Anträge beistimmen, sich gefälligst von ihren Sitzen erheben zu wollen. Mit Majorität angenommen. Ich bitte nun weiter zu lesen. Nagele: (liest ad I. B.) Fink: Der Punkt 6 enthält auch die Mittheilung, daß eine Erledigung über den Landtagsbeschluß betreffend die Bildung eines eigenen Sanitätsbezirkes in Vorarlberg noch nicht eingelangt sei. Diese Forderung wurde bekanntlich aus dem Grunde gestellt, weil man hoffte, daß durch dieselbe das leidige Schweizer Vieheinfuhr-Verbot theilweise aufgehoben werde, oder daß wenigstens die Aushebung ermöglicht werde. Es hat bekanntlich seit der letzten Landtags-Session bei uns eine geraume Zeit hindurch gar keine Viehseuche bestanden. Das Land Vorarlberg war bis Anfangs August seuchenfrei und doch ist nichts bekannt geworden, daß von Seite der hohen k. k. Regierung Schritte gemacht worden wären, um dem dringenden Wunsche der Landesvertretung um Aufhebung des Vieheinfuhrverbotes nach der Schweiz zu entsprechen. Wie aus dem Rechenschaftsberichte hervorgeht, haben thatsächlich fast sämmtliche Gemeinden des Landes in dieser Angelegenheit ihre Stimmen erhoben und haben unter Anderm auch das Ersuchen gestellt, es sollen gegen die Schweiz auch Gegenmaßregeln in Anwendung gebracht werden, damit man wenigstens so die Stellung Österreichs gegen die Schweiz dokumentierte und vielleicht doch eher ein Erfolg erzielt würde. Was ist nun in dieser Richtung geschehen? Bekannt geworden ist wenigstens nicht, daß dieses von der Regierung energisch angestrebt worden wäre. Dagegen wurde aber bekannt, daß die Einfuhr von Vieh aus der Schweiz nach Österreich gestattet worden ist. Man muß es fast als Hohn ansehen, wenn man trotz der dringenden Bitten der Bevölkerung, trotz des allgemeinen Einschreitens der Gemeinden und endlich trotz unserer diesbezüglichen Vorstellungen die Einfuhr von Schweizer-Vieh nach Österreich noch gestattet. Die Nothlage bezüglich der Vieh besitzenden Bevölkerung ist in dieser Hinsicht gewiß keine geringe. Die Marktberichte, die in den letzten Tagen eingelaufen sind, sind keine günstigen, in den meisten heißt es, daß mit Rücksicht auf die Grenzsperre der Markt von Käufern flau besucht, 50 VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. der Geschäftsgang ein schlechter gewesen sei. Wenn das vielleicht nicht ausschließlich der Grund der schlechten Marktberichte ist, so sehen wir doch, daß in den angrenzenden Ländern die Viehpreise besser stehen, als dies bei uns der Fall ist. Ferner wissen wir auch, daß für einen großen Theil unser Viehes die Schweiz, das beste AbsatzGebiet ist und daß unser Vieh nach dem Innern unserer Monarchie sowohl transport- als auch marktfähig ist und daher auch Österreich selbst ein Absatzgebiet für dasselbe bildet. Der beste Beweis dafür ist der, daß die von den Vorarlberger Viehbesitzern in Wien ausgestellten Viehstücke große Anerkennung fanden und auch prämiirt wurden. Ich habe selbst gelesen, daß sie fast alle im ersten Range gestanden sind. Aus dem muß doch angenommen werden, daß unser Vieh auch in weiteren Kreisen marktfähig ist. Um unserer Bevölkerung in dieser Beziehung einigermaßen entgegenzukommen und den Wünschen derselben zu entsprechen, könnte die hohe k. k. Regierung darauf hinwirken, daß die k. k. Generaldirection der österr. Staatsbahnen eine Frachtermäßigung für die Vieh-Ausfuhr aus Vorarlberg eintreten läßt. Dadurch würde, ich möchte fast sagen, die Aufmerksamkeit anderer Länder auf Vorarlberg gelenkt, man würde dann gewiß eher hieher kommen, um Vorarlberger Vieh zu kaufen, als dies jetzt der Fall ist. Ich möchte mir daher erlauben, folgende Anträge zu stellen: a. „Die hohe k. k. Regierung wird abermals dringend ersucht, zum Schutze der Interessen der bäuerlichen Bevölterung Vorarlbergs energische Schritte zu thun, daß das Schweizer Vieheinfuhr-Verbot aufgelassen werde; b. Die hohe k. k. Regierung wird gebeten, schon jetzt die Anordnung zu treffen, daß der Beförderung von Vorarlberger Vieh auf Staatsbahnen eine ausgiebige Frachtermäßigung zugestanden werde." Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand zu Punkt 6 das Wort? Dr. Waibel: Diese Angelegenheit beschäftigt uns heute nicht das erstemal; wir haben schon in der Frühjahrssession eingehend über diese Angelegenheit gesprochen. Mittlerweile jedoch haben sich Dinge ergeben, welche mit der Sache in engerem Zusammenhänge stehen, und hier eine gewisse Erörterung verdienen. Die Herren werden vielleicht aus dem Inhalte der Interpellation, welche ich im Reichsrathe an Se. Excellenz den Herrn Ackerbau-Minister gestellt habe, wissen, daß am 25. April in Zürich eine Conferenz stattfand, an welcher Abgeordnete der ostschweizerischen Kantone offiziell theilgenommen haben. Was bei dieser Conferenz gesprochen wurde, ist so beschaffen, daß man annehmen muß, die Schweiz gedenke nicht blos vorübergehend und aus Anlaß der bestehenden Verseuchung die Grenze gegen uns gesperrt zu halten, sondern sie sieht sich vorwiegend aus eigenem landwirthschaftlichen Interesse bewogen, die Sperre noch lange Zeit aufrecht zu erhalten. Nach dem Inhalte des gedachten Protokolles sind dies vorwiegend die Interessen der innern Cantone. Es wird dort auch hervorgehoben, daß in Folge der Einfuhr von Vorarlberger Vieh nach der Schweiz der materielle Werth des Viehstandes in der Ost-Schweiz verschlechtert worden sei. Einzig und allein war es die Vertretung von Appenzell, welche dieser Anschauung nicht zustimmte, sondern sich dahin aussprach, daß auch aus Vorarlberg gutes Vieh bezogen werde, und daß für die uns nächst gelegenen Cantone das dringende Bedürfnis vorhanden sei, dann und wann mit österreichischen Käufern in Verkehr treten zu können. Es wurde dem gegenüber nur in Aussicht gestellt, daß, wenn eine wohlmotivirte Bitte von diesen Cantonen an die Bundesregierung gebracht werde, dieselbe Berücksichtigung finden könne. Daraus ist abzuleiten, daß höchstens vielleicht in einem oder dem andern Jahre einige Tage in diesem oder jenem Cantone die Grenzen geöffnet sind, um das nöthige Materiale aus Vorarlberg sich beschaffen zu können. Das ist alles, was wir erwarten können. Meine Herren! Wenn auch, was ich übrigens kaum glauben kann, die hohe Regierung zur Schaffung eines eigenen Sanitätsbezirkes in Vorarlberg ihre Zustimmung geben sollte, so werden die Schweizer sich dadurch wohl nicht beirren lassen, sondern sie werden sagen: es mag sein, daß Vorarlberg nach Constituirung eigener Sanitäts-Organe zeitweilig sich seuchenfrei erklärt, VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HL Session der 7. Periode 1892. 51 aber Vorarlberg läßt sich bezüglich der Viehzufuhr von der übrigen Monarchie nicht abschließen; denn auch aus Tirol wird Zuchtmateriale bezogen, und das Schlachtvieh kommt noch weiter her, nicht blos aus Tirol, sondern auch aus Kärnten, Steiermark und auch aus Ungarn. Die Schweiz wird angesichts dessen den Vorwand der Verseuchung jederzeit in Bereitschaft haben und wird sich durch die Schaffung eines eigenen Sanitätsbezirkes in Vorarlberg nicht irre machen lassen; ich kann mir nicht vorstellen, mit welchen Mitteln die österr. Regierung die Schweiz zwingen könnte, für uns die Grenzen zu öffnen. Das ist nun der Standpunkt, den ich aus der Einsichtnahme in das Protokoll der Zürcher Conferenz gewonnen habe. Ich habe mir erlaubt, Sr. Exzellenz dem Herrn Ackerbau-Minister eine Abschrift dieses Protokolles zu überreichen, damit er selbst eine Überzeugung davon erhalte; ich habe ferner die Frage mit ihm besprochen, ob eine Absperrung des Verkehres mit der Schweiz bezüglich Schlachtvieh ausführbar wäre, ob eine solche Absperrung seitens der hohen Regierung erwartet werden könne; er hat mir jedoch sofort die Unmöglichkeit der Anwendung einer solchen Maßregel ausgesprochen, da eine solche Maßregel nicht blos von der diesseitigen, sondern nur zusammen mit der jenseitigen Regierung getroffen werden könnte. Das wäre eine internationale Action seitens der Regierung eines Großstaates, eine Action, mit der man nur auftreten kann, wenn man mit ganz wichtigen Gründen bewaffnet sie zu rechtfertigen vermag. Ob aber solche Gründe zu einer derartigen Maßregel gefunden werden, ist zweifelhaft. Es wird aber doch auch erwogen werden müssen, ob die Nachtheile, die uns Vorarlbergern durch den durch Absperrung beschränkten Zuchtvieh-Export erwachsen, im Verhältnisse stehen zu jenen Nachtheilen, welche durch die Sistirung von Vieh-Transporten nach der Schweiz anderen Kronländern erwachsen. Wenn man die bezüglichen Ziffern einander gegenüber stellt, so wird es schwer zu glauben, daß die Regierung aus Rücksicht für uns zu einer solchen Maßregel sich entschließe; denn nach den letztjährigen Marktnachweisen beziffert sich der Exportwerth von österreichischem Schlachtvieh nach der Schweiz auf 8—10 Millionen Gulden und ich zweifle, ob der Werthbetrag des von uns nach der Schweiz importirten Viehes dem ersteren gleich gestellt werden kann. Ich habe selbst nicht so viel Einblick, um die Berechnung anzustellen, aber es scheint mir doch sehr unwahrscheinlich. Personen jedoch, welche diesbezüglich mehr Einsicht haben, versichern mich, daß das Verhältnis ein sehr zu unsern Ungunsten differentes sei. Es hat daher jener Punkt der Petition, von welchem im Rechenschaftsbericht die Rede ist, und welcher darauf hinausgeht, die Regierung zur Sperrung des Exportes von österreichischem Schlachtvieh nach der Schweiz als Repressivmaßregel gegenüber der von der Schweiz gehandhabten Viehsperre zu bewegen, sehr wenig Aussicht auf Erfüllung. Petitioniren kann man bekanntermassen um alles Mögliche, wie wir dies bei allen parlamentarischen Körperschaften sehen. Der Hr. Abgeordnete Martin Thurnher weiß ja, wie ich aus seiner Anwesenheit im Reichsrathe, was für allerlei Petitionen an den Reichsrath gelangen, von denen ein großer Theil absolut unerfüllbare Ansprüche stellt. Auch hier petitionirt man um etwas, dessen Erfüllung man nicht erwarten kann. Wir müssen mit dem Factum rechnen, daß die Schweiz gesperrt läßt und das thut, was sie für gut findet und wir müssen nun schauen, wie wir daraus kommen. Die hohe Regierung hat auch in Beantwortung einer Interpellation sich dahin ausgesprochen, daß sie bereit sei, den Export des werthvollen Zuchtmateriales aus den Alpenländern, speziell aus Vorarlberg auf jede Weise zu fördern, auch werde sie für den Export nach Niederösterreich ihre Hand bieten. Das ist die Antwort auf die Interpellation. Es wurde mir auch noch mündlich versichert, daß für uns nach dieser Gegend für eine bestimmte Viehgattung ein Absatzgebiet gewonnen werden könne. Und daran ist kein Augenblick zu zweifeln. Ein Versuch ist schon wiederholt dadurch gemacht worden, daß niederösterreichische Käufer im Laufe des Frühjahrs und Herbstes auf Vorarlberger Märkte gekommen sind und zwar nach Dornbirn und in den Bregenzer Wald. Daß Niederösterreich für uns für die Zukunft ein reiches Absatzgebiet abgeben kann, das liegt in dem Umstande, daß dasselbe einen großen Bedarf nach Milchvieh hat, welcher Bedarf sich nicht nur auf die nächste Umgebung 52 VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. UI. Session der 7. Periode 1892. Wiens beschränkt, sondern auch weiterhin fühlbar macht. Es geht dies bis nach Mähren hinein. Die Großgrundbesitzer und Besitzer von großen Bauernschaften sind fast alle darauf angewiesen, die Milch nach Wien abzugeben. Wenn nun eine Volkszahl von 1 1/2 Millionen, eine Volkszahl, die die doppelte Zahl der Bevölkerung von Tirol darstellt, daran partizipirt, so rechnen Sie, meine Herren, was das für eine Masse Menschen sind und was da Wien für eine Masse Milch benöthiget, die alle von der Umgebung geliefert wird. Das hat zur Folge, daß die betreffenden �konomen Rindvieh halten müssen, welches Milch erzeugt. Sobald es keine mehr liefert, wird es geschlachtet; der Abgang muß durch neuen Ankauf ersetzt werden, denn eine Züchtung findet da nicht statt. Der zufolge dessen alljährlich zu deckende Nachschub beziffert sich gegen 20,000 Stück. Solche Thatsachen soll man nicht aus dem Auge lassen, man muß trachten, auf dem eingeschlagenen Wege weiter zu schreiten. Es ist auch von Seite der Handelskammer die Sache in Erwägung gezogen worden und gerade dieser Punkt bei der hohen Regierung schon vor mehreren Monaten zum Vortrage gebracht worden. Es müssen aber auch, um den Markt nach Niederösterreich bringen zu können, Begünstigungen im Frachtenverkehr erfolgen. Es ist auch kein Zweifel, daß die hohe Regierung, wenn sie angegangen wird, die Sache in Erwägung zu ziehen, und ihr dieselbe ordentlich dargestellt wird, nach meiner Ansicht ganz gewiß das nöthige Entgegenkommen zeigen wird. Daran ist nicht zu zweifeln. Und dies ist um so leichter, als im Berichte, welcher von der Handelskammer diesbezüglich an die hohe Regierung abgegeben wurde, dargethan ist, daß von Bregenz aus täglich eine Masse leerer Waggon nach Niederösterreich zurückgehen, und daß es für die Bahnverwaltung doch zweckmäßiger wäre, statt die Wagen leer zurückgehen zu lassen, dieselben mit Frachtenmateriale, welches, wenn auch nicht den vollen Frachtenansatz, doch einen Antheil bezahlt, zu belasten. Nachdem wir mit Thatsachen, wie gesagt, zu rechnen haben, so müssen wir, da wir es nicht erreichen werden, daß die Schweiz die Grenze gegen uns sobald eröffnet, sehen, daß für unser Viehmateriale ein anderes Absatzgebiet erreicht wird, und ich betrachte es als Aufgabe des im Lande bestehenden Landeskulturrathes bezw. des Landwirthschaftsvereines und des Landesausschusses gemeinsam zu wirken, der Bauernschaft an die Hand zu gehen und sich zu fragen, was gethan werden muß, um einen solchen Markt zu schaffen, und denselben auch zu erhalten. Die Frachtermäßigung allein wird aber dieses nicht zustande bringen. Es muß, wie dieß bei jedem kaufmännischen Geschäfte der Fall ist, nachgeforscht werden, was braucht der Consument, was braucht der Käufer. Wenn der Fabrikant diese erste Bedingung außer Acht läßt, bekommt er einen großen Vorrath im Magazin. Wenn er aber die Einsicht hat, nachzuforschen, was braucht der Käufer, so wird er die Waare herstellen, die dem Käufer beliebt und er wird einen flotten Markt haben. So muß es auch hier sein. Es müssen Männer, die dazu berufen sind, sich darum annehmen den neuen Markt aufzusuchen, sich überzeugen, was für ein Materiale gebraucht wird und ob man im Stande ist, dasselbe in hinreichender Zahl herzustellen; dazu ist berufen der Landes-Ausschuß im Einvernehmen mit dem Landeskulturrathe. Wenn diese beiden Factoren mit dieser Aufgabe vollkommen im Klaren sind, dann sind sie auch in Lage, die Bauerschaft heranzuziehen, und es wird dann die Regierung gerne geneigtes Gehör schenken und alle Erleichterungen gewähren, welche ihrerseits entgegengebracht werden können. Das habe ich geglaubt in dieser Angelegenheit aussprechen zu müssen. Ich halte es nicht für gut, die Bevölkerung, die an der Sache interessirt ist, mit falschen und unerreichbaren Vorstellungen hintanzuhalten. Man muß jetzt klar sein, was zu thun ist und erwartet, daß jene, welche berufen sind, diese Aufgabe zu erfüllen, dieselbe mit Ausdauer und Einsicht in die Hand nehmen. Welte: Beweise zu liefern, wie nothwendig ein Schritt in dieser Angelegenheit sei, dürfte wohl überflüssig sein, denn darin sind doch alle überzeugt, daß gerade dieser Punkt eine Existenzfrage für den Bauernstand unseres Landes bildet. Jedoch daß mit der Schweiz nichts geschehen soll, bin ich nicht der Meinung; daß dieselbe mit Österreich thun kann, wie sie will, das begreife ich nicht, für was sind dann eigentlich die Verträge? Allerdings, wenn Seuchen existiren, hat die Schweiz VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. NI. Session der 7. Periode 1892. 53 auf Grund der Verträge das Recht die Grenzen zu sperren, wenn aber unser Staat seuchenfrei ist, so hat, rote ich wenigstens glaube, dieselbe laut Vertrag kein Recht, ihre Grenzen, wie dies in letztvergangener Zeit geschehen ist, immer gesperrt zuhalten. Mir leuchtet nicht ein, daß der Großstaat Österreich, rote Herr Dr. Waibel meint, sich dies von der kleinen Schweiz gefallen lassen muß. Auch kommt es mir ganz sonderbar vor, daß die Österreichische Regierung gestattet, daß Nutzvieh aus der Schweiz nach Österreich eingeführt werden darf, da ja ohnehin in Vorarlberg soviel zum Verkaufe da ist. Wenn in letzter Zeit 16 Waggonladungen Nutzvieh aus der Schweiz nach Galizien geführt wurden, was gerade so gut aus Vorarlberg hätte bezogen werden können, was denkt da unser Bauer? Es wäre, wenn dorthin Vorarlberger Nutzvieh bezogen worden wäre wieder ein großes Absatzgebiet eröffnet worden. Wenn die österr. Regierung als Gegenmaßnahme wenigstens auch die Grenze gegen die Schweiz gesperrt hätte, so wäre dann sicher das Vieh aus Vorarlberg, also aus dem eigenen Lande dahin exportirt worden. Ich glaube unsere Regierung hätte gegenüber der Schweiz mehr thun sollen, sie hätte strengere Maßregeln ergreifen und mit Hinweisung auf die Verträge dieselbe zwingen können, wenigstens zu der Zeit, in welcher Österreich seuchenfrei gewesen ist, die Sperre wieder aufzulassen. Hat ja Herr Dr. Waibel selbst gesagt, daß die Schweiz nicht auf Grund der Seuchen-Verträge, sondern aus anderen Rücksichten die Grenze gesperrt hält. Was nützen aber all diese Verträge, wenn sie nicht allseitig eingehalten werden? Handels- und Zollverträge sind ja gerade zur Erleichterung des gegenseitigen Handels- und Verkehres geschaffen worden. Ich glaube daher, daß es Pflicht der Regierung ist, die mit der Schweiz geschlossenen Verträge, Verträge die ja zu Gunsten der eigenen Staats-Bürger errichtet worden sind, aufrecht zu erhalten. Dies ist aber nicht geschehen, denn die Schweiz hält, wie schon erwähnt, aus Nebenrücksichten die Grenze gesperrt: dieses ist eine Umgehung, ja geradezu ein Bruch der Handels- und Zollverträge von der Schweiz. Mögen in Hinkunft unsere Interessen besser gefördert werden, von allen berufenen Faktoren. Heinzle: Bezüglich dieses wichtigen Punktes erlaube ich mir, mich den Ausführungen meiner geehrten Herren Vorredner Fink und Welte anzuschließen. Ich möchte nur noch anknüpfen, daß die baldigste Aufhebung des Vieh-Einfuhrverbotes, für die Viehzüchter unseres Landes eine Lebensfrage bildet. Ein schlagender Beweis für die weittragende Wichtigkeit der Sache sind ja die zahlreichen Petitionen, es sind deren in Vorarlberg über 80, die von den verschiedenen Gemeinden an Se. Excellenz den Herrn Minister des Innern gerichtet worden sind. Es ist Pflicht und Aufgabe der Landesvertretung sowohl, wie der hohen Regierung, die bäuerliche Bevölkerung mehr in Schutz zu nehmen und für dieselbe einzutreten. Ich erlaube mir bei diesem Anlasse noch ein altes Bauernwort beizufügen, nämlich der Bauer sagt: „Ich laß den lieben Herrgott walten, ich muß euch doch alle erhalten." Es ist dieses nur zu wahr, denn Steuern und Abgaben muß doch größtentheils der Bauer bezahlen, da man von einem solchen, der mit Rock und Stock einherstolzirt, der anscheinend ein großer Herr ist, und doch vielleicht nichts besitzt, ja noch vielleicht gar ein Schwindler oder ein Betrüger sein mag, doch nichts bekommen kann. Ich glaube daher, daß man dem Bauernstande mehr Berücksichtigung schenken sollte als bisher und bin vollkommen der Ansicht des Herrn Abgeordneten Welte, der sagt, man gehe mit der Schweiz viel zu schonend vor, man könnte energischer auftreten, denn man lasse die Schweiz vielzuviel in Österreich kommandieren. Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand das Wort? Regierungsvertreter: Das hohe Haus wird von mir nicht verlangen im jetzigen Moment genau darüber Auskunft zu geben, aus welchen Gründen seitens der hohen Regierung eine Erledigung der beiden Petitionen wegen Schaffung eines eigenen Sanitätsbezirkes und wegen Wahrung der Interessen der Viehzuchttreibenden Bevölkerung Vorarlbergs bei Abschluß einer neuen ViehseuchenConvention mit der Schweiz dermalen noch nicht eingelangt ist. Die h. Regierung dürfte diese beiden Petitionen jedenfalls beantworten und wenn möglich auch 54 VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. 11L Session der 7. Periode 1832. im günstigen Sinne. Persönlich glaube ich mich der Ansicht des Herrn Dr. Waibel zuneigen zu müssen, welcher die Gründe genau beleuchtet haben dürfte, aus welchen es die hohe Regierung bisher unterlassen hat, sich über die erwähnten Beschlüsse des hohen Landtages auszusprechen, namentlich bezüglich Schaffung eines eigenen Sanitätsbezirkes; denn selbst dann, wenn dieser Beschluß eine Erledigung im günstigen Sinne erfahren sollte wird nichts erreicht sein, da die Schweiz sich immer darauf berufen kann, daß irgendwo in der Monarchie die Seuche besteht. Wenn nun auch Vorarlberg seuchenfrei ist, Tirol aber nicht und Vorarlberg thatsächlich einen eigenen Sanitätsbezirk bilden würde, so würden die Schweizer zwar Anlaß haben, die Sperre aufzuheben, falls ihnen diese Maßregel vortheilhaft erscheint: gegenseitigen Falles würden sie aber sagen, unmittelbar ist allerdings keine Gefahr vorhanden, aber mittelbar von Tirol und die Sperre würde nicht aufgehoben werden. Daß die hohe Regierung ihr Möglichstes thun wird den Viehverkehr aus Vorarlberg nach den übrigen Ländern zu erleichtern, davon bin ich überzeugt und sind auch diesbezügliche Andeutungen bereits gegeben worden, warum aber die hohe Regierung die Einfuhr von Schweizer-Vieh nach Österreich in einzelnen Fällen gestattet, darüber bin ich nicht in der Lage Auskunft zu geben. Wenn der Herr Abgeordnete Fink meint, daß dies eine Nichtbeachtung der Beschlüsse des Vorarlberger Landtages, ja fast ein Hohn auf dieselben sei, so muß ich mich dagegen allen Ernstes verwahren. Ich glaube nicht, daß von der hohen Regierung jemals eine Verfügung getroffen worden ist, welche eine solche Annahme begründet erscheinen lassen könnte, im Gegentheil, Vorarlberg hat Grund genug, sich der hohen Regierung gegenüber dankbar zu erweisen und hat kein Recht zu glauben, daß eine Nichtbestätigung seiner Beschlüsse aus Hohn geschehen ist, jeder gerechtdenkende muß vielmehr anerkennen, daß die hohe Regierung die Beschlüsse des Vorarlberger Landtages nach Möglichkeit beachtet und zu berücksichtigen sucht. Dr. Waibel: Zur Bekräftigung meiner Anschauung über die Erfolglosigkeit mit der Schweiz in gedachter Richtung darf ich noch daran erinnern, daß ich schon in einer früheren Sitzung meine Ansicht bezüglich der Seuchen-Convention dahin ausgesprochen habe, daß die Schweiz nicht wohl zu zwingen sein werde, einen neuen Seuchenvertrag mit Österreich abzuschließen. Die österr. Regierung hat, wie den Herren bekannt, am 1. März die bestehende Convention gekündigt und diese Convention läuft mit ersten März nächsten Jahres ab. Es ist ausdrücklich in Beantwortung der Interpellation seitens des hohen k. k. Ackerbau-Ministeriums zugegeben worden, daß die österreichische Regierung versucht habe, sich mit der Schweiz in neue Verhandlungen einzulassen, daß aber die Schweiz diese Verhandlungen, weil sie voraussichtlich ein negatives Resultat ergeben würden, abgelehnt habe. Es ist das ein Beweis, daß die österr. Regierung nicht wohl in der Lage ist, in dieser Beziehung einen gewaltsamen Druck auf die Schweiz auszuüben. Wir müßten zu einem Mittel schreiten, welches in einem solchen Falle das einzig wirksame wäre, man müßte nämlich die Kanonen sprechen lassen. Aber man wird wohl schwerlich der hohen Regierung zumuthen, daß sie wegen dieses Gegenstandes zu einem solchen Mittel greife. Es ist hier auch von der Einfuhr von Schweizervieh nach Österreich gesprochen worden. Mir ist nicht bekannt, daß die Einfuhr jetzt allgemein gestattet worden ist, es müßte denn sein, daß dieses erst in den jüngsten Tagen geschehen ist. Denn hat eine Einführung stattgefunden, so hat zuerst eine spezielle Bewilligung dafür eingeholt werden müssen. Ich bin selbst in der Lage einen solchen Fall namhaft zu machen; unsere Gemeinde hat mit Rücksicht auf die Viehzucht einige Stiere dortselbst erworben, und wir haben, um sie herüberbringen zu können, die Bewilligung der hohen k. k. Statthalterei einholen müssen. Und dies ist in jüngster Zeit geschehen. Von einer allgemeinen Einfuhr ist mir nichts bekannt. Nägele: Der Herr Abgeordnete der Handels- und Gewerbekammer hat auch als Grund, warum die Schweizer ihre Grenzesperren noch immer aufrecht halten, angeführt, daß die Schweizer ein ausgezeichnetes Vieh haben. Ich will nicht behaupten, das etwas daran sei. Meine Anschauung ist, daß die Schweizer anmaßend genug sind und glauben sie haben Recht und sonst Niemand auf der Welt. Das mag ja auch ein Grund sein. VI. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892. 55 Ferner hat der Herr Abgeordnete Dr. Waibel noch indirekt angedeutet, daß die hohe Regierung bestrebt sein werde ein anderes Absatzgebiet zu eröffnen. Wenn wir nur einmal Hoffnung hätten, daß dieses bald geschehen werde, so wären wir sehr froh, um wenigstens nicht mehr von den Schweizern abhängig sein zu müssen. Immerhin ist es auffallend, daß die hohe Regierung auch damals die Vieheinfuhr gestattete als in nächster Umgebung und zwar an der Grenze die Maul- und Klauenseuche in viel stärkerem Maße herrschte, als dies je in Vorarlberg der Fall war. Es muß eine Schwäche der Regierung genannt werden, daß man den Schweizern nicht mit ganz den gleichen Mitteln entgegengetreten ist, mit weichet: sie uns entgegengekommen sind. Ich glaube wenigstens, daß dies so sein sollte. Es ist ja bekannt, daß Österreich stets mild gegen die Schweizer war, aber in gewissen Fällen sollte man denn doch auch mit Strenge vorgehen. Nur in Folge der Gutmüthigkeit und Milde der österr. Regierung ist die Schweiz halsstörrig geworden, denn, wenn sie mit Österreich nur ein bischen etwas zuthun gehabt hat, hat sie ja stets große Vortheile dadurch erzielt. Und in ganz gleicher Weise wollte die Schweiz in Angelegenheiten der Rheinkorrektion gegen Österreich vorgehen; nun ist Österreich aber doch einmal durch Schaden etwas klüger geworden, und stellt sich diesbezüglich etwas schroffer und will sich von der Schweiz nicht kommandieren und pressen lassen und wenigstens in dieser Sache die große Schwäche ablegen womit ich ganz einverstanden bin, obschon die Rheinbewohner die Rheinkorrektion je eher desto lieber wünschten. Ich bin jedoch in dieser Sache nicht so kundig, daß ich sagen könnte, wie man es machen soll oder machen muß. In dieser Angelegenheit glaube ich weiter nichts mehr sagen zu müssen, und was den Antrag selbst betrifft, glaube ich, ist derselbe nicht angefochten worden. Bösch: Es ist von Herrn Abgeordneten Dr. Waibel und von Herrn Regierungsvertreter bemerkt worden, daß die Schaffung eines eigenen Sanitätsbezirkes für Vorarlberg keinen großen Werth haben dürfte. Dies ist jedoch nach meiner Ansicht nicht der Fall, auch wenn mit der Schweiz insoweit es die Viehsperre betrifft, nicht viel dadurch erzielt würde. Wenn auch die Sache so bleibt, wie sie jetzt ist, so ist es nach meiner Auffassung gerade so nothwendig, daß unser Land seuchenfrei ist, rind dies umsomehr, wenn wir nach anderen Landestheilen, nach Niederösterreich u.s.w. unser Vieh exportieren wollen. Solange wir aber unter einem gemeinsamen Sanitätsbezirk stehen und es tritt in einem dieser Länder eine Seuche in einem größern Maße auf, so wird Tirol, und Vorarlberg als verseucht bezeichnet und Vorarlberg wird dann, wenn Tirol als verseucht erklärt wird, unter der Sperre leiden müssen wie dies schon oft der Fall war. Ich glaube daher, daß man auch dann, wenn sich das Verhältnis mit der Schweiz auch nicht ändern sollte, immer noch darauf bestehen soll, und daß von Seite der hohen Landesvertretung alles geschehe, was zur Ausführung genannten Zweckes als dringend nothwendig erscheint. Der Herr Abgeordnete Dr. Waibel meint eben, daß man ein anderes Absatzgebiet für unser Vieh suchen müsse. Es ist dies zu begrüßen, wenn ein solches Absatzgebiet gefunden wird, und die nothwendigen Schritte gethan werden, um dies zu erleichtern und zu ermöglichen. Es liegt hierin aber nach meiner Ansicht nicht allein die höchste Wichtigkeit. Es ist wohl eines Theils geholfen, aber wenn wir ein Absatzgebiet nach der Schweiz nicht mehr erhalten, so werden wir nur unser schönes Vieh was wir zum Züchten gebrauchen würden, verkaufen können, dagegen bleibt uns das minderwerthige theils zum Schlachten, theils noch zum Züchten. Ich befürchte daher, wenn solche Absatzgebiete wirklich gefunden werden, daß wir mit unserer Viehzucht noch nicht auf jener Stufe stehen, auf der wir sein sollten, um nach dieser Richtung concurrenzfähig zu bleiben. Ich finde es daher umso nothwendiger, daß wir das Absatzgebiet nach der Schweiz wieder erhalten, damit wir das Schlacht- und Nutzvieh dorthin abgeben können und für das schöne Vieh, welches wir entbehren können, werden wir in anderen Landestheilen Absatz finden. Ich glaube es darf davon nicht abgesehen werden, von welch weittragender Wichtigkeit das Absatzgebiet nach der Schweiz für unser Land ist, damit wir, wie ich schon erwähnt habe, nur jenes Vieh nach anderen Landestheilen abgeben sollten, welches wir entbehren können ohne der Hebung der Viehzucht zu schaden. Sollte nun die Sperre nach der Schweiz nicht bald aufgelassen werden und wären wir gezwungen unser Vieh in andere Landestheile 56 Vl. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HL Session der 7. Periode 1892. zu Verkaufen, so würden wir in diesem Jahre sehr Viele Zuchtthiere Verlieren, die wir aber gerade sehr nothwendig brauchen, denn Schlechtes minderwertiges oder Schlachtvieh ist zur Nachzucht nicht geeignet und auch nicht zu gebrauchen, denn der Nachwuchs wird keinen Abgang finden können und deshalb wieder im Lande bleiben. Landeshauptmann: Wünscht zu Punkt 6 noch Jemand das Wort? — Fink: Es ist gegen die von mir gestellten Anträge ein Gegenantrag nicht erhoben worden, und in meritorischer Beziehung nicht viel dagegen eingewendet worden. Mit dem was der Herr Abgeordnete Welte vorgebracht hat, daß nämlich die schweizerische Negierung Verträge gebrochen habe, bin ich nicht ganz einverstanden. Ich glaube die Verträge sind so beschaffen, daß die Schweizer Regierung so vorgehen kann, wie sie vorgegangen ist. Ich möchte mich vielmehr den Ausführungen des Herrn Abgeordneten Nägele anschließen, daß nämlich Österreich bei Abschließung von Verträgen mit der Schweiz vielzuwenig vorsichtig vorgehe, denn gerade bezüglich der ViehseuchenConvention war die Bestimmung früher viel günstiger als jetzt. Nach den früheren Bestimmungen nämlich konnte ein Staat nur dann die Grenzsperre verfügen, wenn in einem Bezirk des angrenzenden Landes die Seuche so verbreitet war, daß für jenen Bezirk gegen einen anderen Bezirk desselben Landes die Sperre angeordnet werden mußte, und daß sonach die Grenzsperre bei nur vereinzelten Seuchenfällen nicht statthaft war. Man sollte glauben unsere Regierung hätte auch andere Mittel um der Wahrung unserer Interessen Nachdruck zu verleihen z. B. die Erhöhung des Zolles auf Käs u. s. w, Es ist daher umso auffallender, daß unsere Regierung gerade zur Zeit, in welcher die Verhandlungen bezüglich der ZollVerträge stattfanden, auf die für uns ungünstigen Bestimmungen der Viehseuchen-Convention eingegangen ist. Ich möchte daher schon darauf Hinweisen, daß man bei Abschließung von Verträgen mit der Schweiz sehr vorsichtig sein soll. Ich möchte daher die Anträge zur Annahme empfehlen. Büchele: Ich beantrage Schluß der Debatte. |
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18920919_lts005 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 5. Sitzung am 19. September 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig 18 Abgeordnete. Abwesend: die Herren Abgeordneten Dr. Beck, Johann Thurnher und Dietrich. Regierungsvertreter: Herr Statthaltererrath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 2 Uhr 40 Min. Nachmittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet und ich ersuche um Verlesung des Protokolles der letzten Sitzung. (Sekretär liest das Protokoll.) Hat Jemand gegen die Fassung des Protokolles eine Einwendung zu erheben? — Da dies nicht der Fall ist, so betrachte ich dasselbe als genehmigt. Herr Landeshauptmann-Stellvertreter hat sich mittels Schreiben für die heutige und morgige Sitzung entschuldigt, da er dringend zur Sitzung des Sanitätsrathes nach Innsbruck einberufen worden ist, bei welcher sein Erscheinen sicher erwartet wurde. Ebenso hat sich wegen Unwohlsein der Herr Abgeordnete Johannes Thurnher entschuldigt, da er voraussichtlich das Bett durch einige Tage nicht verlassen und daher den Sitzungen nicht beiwohnen könne. Endlich hat der Herr Abgeordnete Dietrich um einen Urlaub von 2 Tagen in Berufsgeschäften angesucht. Ich haben demselben diesen Urlaub auf Grund der Geschäftsordnung zugesagt. Es sind mir zwei Einlaufstücke zugekommen, ein Gesuch des kathol. Bauernvereins von Montavon um eine Unterstützung zur Abhaltung eines Gemüsebau-Curses, überreicht durch den Herrn Abgeordneten Schapler. (Secretär verliest dasselbe.) Schapler: Ich möchte für diese Petition den Dringlichkeits-Antrag stellen und ferner noch beantragen, 30 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HL Session der 7. Periode 1892. dieselbe dem Finanz-Ausschusse zur mündlichen Berichterstattung zuzuweisen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Schapler beantragt die dringliche Behandlung dieser Petition. Im Falle, daß dieser Antrag angenommen wirb, wird die Zuweisung an den FinanzAusschuß erfolgen und derselbe zur mündlichen Berichterstattung ermächtiget. Wünscht Jemand das Wort? — Da dieses nicht der Fall ist, betrachte ich sämmtliche drei Anträge als angenommen und werde diesen Gegenstand dem FinanzAusschusse zur mündlichen Berichterstattung überweisen. Das zweite Einlaufstück ist eine Eingabe der Gemeinde-Vorstehung Lustenau um Zahlung eines Landesbeitrages zur theilweisen Deckung der auf sie entfallenden Quote zu den Rheinbauten. Überreicht ist dieses Gesuch durch den Herrn Abgeordneten Bösch. Ich erwarte über die geschäftliche Behandlung dieses Gesuches einen Antrag. Wenn kein Dringlichkeitsantrag erhoben wird, so werde ich dieses Gesuch auf die Tages-Ordnung einer der nächsten Sitzungen setzen. Dr. Waibel: Parlamentarische Gruppen haben das Recht, Abmachungen, die sie treffen, für sich zu behalten, und als Geheimnisse zu behandeln. Commissionen jedoch, welche von legislativen Körperschaften niedergesetzt werden, genießen dieses Vorrecht nicht; sie sind schuldig, über die Aufgabe, die ihnen zu theil geworden ist, während einer Plenar-Sitzung vollkommen Rechenschaft zu geben. Sollten sich im Laufe solcher CommissionsVerhandlungen Dinge Herausstellen, von welchen angenommen wird, daß sie sich zur Kenntnisnahme für die Öffentlichkeit nicht eignen, dann kann der Vortrag derselben im Plenum in vertraulicher Sitzung, d. h. mit Ausschluß der Öffentlichkeit abgehalten werden. Nachdem ich dieses vorausschickt, erlaube ich mir an den Herrn Vorsitzenden das Ersuchen zu stellen, er möge der Landesversammlung das Protokoll, welches am 1. April 1892 vom Schulausschusse in Sachen der Lehrerfrage abgefaßt worden ist, der ganzen Versammlung mittheilen, und zwar in morgiger Sitzung. Landeshauptmann: Ich werde diesem Wunsche in der morgigen Sitzung entsprechen. Bevor wir zur Tagesordnung übergehen, möchte ich mir noch eine Anfrage erlauben. Es liegt ein geschriebener Bericht des volkswirthschaftlichen Ausschusses über das Gesuch der Gemeinde-Vorstehungen Götzis, Rankweil und Schlins in Angelegenheit des Hausierhandels vor. Es ist von Seite des Herrn Berichterstatters der Wunsch ausgesprochen worden, es möchte dieser Bericht auf die Tagesordnung gesetzt werden, und zwar mit Umgehung der Drucklegung und die Drucklegung zur Ergänzung der stenografischen Protokolle nachgetragen werden. Ich möchte nun das hohe Haus fragen, ob es einverstanden ist, daß dieser Bericht, er ist ohnedies ganz kurz, vielleicht am Schlusse der Tagesordnung vorgenommen werden darf. Wenn keine Einwendung erfolgt, betrachte ich diesen Antrag als angenommen und wird dieser Bericht am Schlusse der Tages-Ordnung zur Verhandlung gelangen. Ferner hat der Herr Berichterstatter des FinanzAusschusses mir mündlich den Wunsch ausgedrückt, daß auch der Antrag des Finanz-Ausschusses über das Gesuch des Vereines zur Pflege kranker Studierender in Wien hier auf die Tages-Ordnung gesetzt werde, ohne erst einen schriftlichen Bericht auszuarbeiten und zwar womöglich auf die heutige Tages-Ordnung. Wenn auch gegen diesen Antrag keine Einwendung erhoben wird, so werde ich in diesem Sinne vorgehen. Wir kommen nun zur Tagesordnung. Auf derselben steht als erster Gegenstand der Bericht des volkswirthschaftlichen Ausschusses über das Gesuch des Ausschusses der Walserthaler Concurrenzstraße um Subvention aus Landesmitteln. Ich ersuche den Herrn Berichterstatter den Bericht vorzutragen. Martin Thurnher: Die Herren ersehen aus dem schon vor einigen Tagen gedruckten und zur Verteilung gelangten Berichte, daß sich die Sachlage hinsichtlich der Walserthaler Straße seit den über diesen Gegenstand in letzter Session abgehaltenen Berathungen einigermaßen geändert hat. Damals hat der Landtag gegenüber dem Gesuche das gleichen Concurrenzstraßen-Ausschusses eine ablehnende Haltung eingenommen. Man hat geglaubt, daß die Straße damals sich noch in gutem Zustand befinde, und daß demgemäß keine größere Belastung der concurrirenden Gemeinden für die V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HL Session der 7. Periode 1892. 31 dauernde Erhaltung derselben nothwendig fallen werde. Wie Sie aber aus dem Berichte ersehen können, befindet sich die Straße nicht in gutem Zustande, nnd ist die Gefahr vorhanden, daß, wenn sie so belassen und nicht bedeutende Verbesserungen an derselben vorgenommen würden, das große Capital, welches auf sie verwendet wurde, nämlich 88000 st., für nahezu verloren angesehen werden müßte, wenn die Straße nämlich nicht vollkommen zweckentsprechend erhalten bliebe, sondern dem allmähligen Verfalle preisgegeben würde. Der volkswirthschaftliche Ausschuß, dem dieser Gegenstand zugewiesen wurde, hat geglaubt, dem Landtage gegenüber dieses Gesuch befürworten und auf Gewährung einer Jahressubvention einrathen zu sollen und zwar aus dem Grunde, damit das Land dann Einfluß darauf nehmen könne, daß die Straße auch in guten Zustand gesetzt und in diesem Zustand auch in Zukunft erhalten werde. Der volkswirthschaftliche Ausschuß erhebt daher den Antrag: „Dem Gesuche des Ausschusses der Walserthaler-Concurrenzstraße wird Folge gegeben und zur Erhaltung dieser Straße eine jährliche Subvention von 500 fl. und zwar für die Jahre 1893, 1894, 1895, 1896 und 1897 aus Landesmittel unter der Bedingung und Voraussetzung gewährt, daß die Straße in einen vollständig normalen Zustand gebracht und in demselben auch erhalten werde, worüber der Landesausschuß jedesmal vor Ausfolgung der Subvention angemessene Erhebungen zu pflegen hat." Landeshauptmann: Ich eröffne über Bericht und Antrag die Debatte. Wenn Niemand in derselben das Wort zu ergreifen wünscht, so schreiten wir zur Abstimmung. Ich ersuche jene Herren, welche dem Anträge des volkswirthschaftlichen Ausschusses beistimmen, sich gefälligst von ihren Sitzen erheben zu wollen. Angenommen. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist das Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht. Ich ersuche den Herrn Berichterstatter Welte den Bericht vorzutragen. Welte: Nachdem dieser Bericht schon einige Tage in den Händen der Herren Abgeordneten sich befindet, dürfte wohl von der Verlesung desselben Umgang genommen werden und ich werde daher nur den Antrag zur Verlesung bringen. (Liest den Antrag aus Beilage IX.) Landeshauptmann: Ich eröffne über den gestellten Antrag und Bericht die Debatte. Ergreift Niemand das Wort, so ist dieselbe geschlossen. Wir schreiten nun zur Abstimmung. Wenn keiner der Herren einen andern Vorgang wünscht, so werde ich beide Anträge unter Einem zur Abstimmung bringen. Ich ersuche daher jene Herren, welche diesen Anträgen beistimmen, sich gefälligst von ihren Sitzen erheben zu wollen. Angenommen. Der dritte Gegenstand der Tagesordnung ist der Bericht des volkswirthschaftlichen Ausschusses über den Antrag Fink und Genossen betreffend eine Reform der Vermittlerämter. Ich ersuche den Herrn Abgeordneten Fink den Bericht zu verlesen. Fink: Es dürfte vielleicht auch von der Verlesung dieses Berichtes Umgang genommen werden, weil sich derselbe auch schon einige Tage in den Händen der Herren Abgeordneten befindet. Ich werde daher, falls ich nicht auf Widerstand stoße, nur den Antrag verlesen. (Liest den Antrag aus Beilage X.) Landeshauptmann: Die Debatte ist eröffnet. Dr. Waibel: Wir stehen hier vor der Verhandlung eines Gegenstandes, der das Rechtsgebiet streift und bei dem die Anwesenheit eines Rechtskundigen, eines erfahrenen Justizmannes gewiß von sehr hohem Werthe wäre. Zu bedauern ist, daß die Versammlung einen solchen jetzt entbehren muß. Im Jahre 1883 hatte die Landesversammlung das Glück, zwei rechtskundige Vertreter in ihrer Mitte zu haben, welche damals in der gleichen Sache eingehend und mit Anführung gewichtiger Argumente gesprochen haben. Die Entstehung des vorliegenden Antrages ist folgende. Das hohe k. k. Justizministerium hat zufolge von Anregungen, die von Seiten des Abgeordnetenhauses des Reichsrathes im Verlaufe der 32 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. letzten Jahre ausgegangen sind, sich bemüssiget gefunden, die autonomen Landesverwaltungen aufzufordern, über die bisherige Wirksamkeit der Vermittlerämter Bericht zu erstatten, und zugleich die Ursache mitzutheilen, welche der geringen Anspruchnahme der Vermittler-Ämter zu Grunde liegt, ferner die nothwendigen gesetzgeberischen Maßregeln zur Behebung dieser Ursachen vorzuschlagen. Der Landesausschuß in Vorarlberg ist dieser Aufforderung nachgekommen und hat an alle Gemeindevorstehungen hierauf bezügliche Erlässe hinausgegeben. Es darf nicht gezweifelt werden, daß diejenigen Gemeinden, welche Vermittlerämter errichtet haben, ihre Berichte bis zum festgesetzten Zeitpunkte, d. i. bis Mitte September eingeliefert haben. Es wäre naturgemäß zu erwarten gewesen, daß der Landesausschuß diese Berichte sämmlich geprüft, und einen übersichtlich abgefaßten Bericht der Landesversammlung vorgelegt hätte. Er hätte das zwar gerade nicht thun müssen, denn ich glaube nach Erlaß des hohen Justizministeriums hätte der Landesausschuß ohneweiters auf Grund eingezogener Erkundigungen Bericht und Vorschlag an das hohe k. k. Justizministerium erstatten können. Doch glaube ich, war es gut, die Sache hier in der Landesversammlung vorzubringen. Aber es wäre, wie gesagt, gewiß richtiger gewesen, wenn der Landesausschuß selbst über das, was er zufolge erlassenen Rundschreibens erfahren hat, uns einen eingehenden Bericht vorgelegt hätte. So wissen wir thatsächlich nichts. Wir wissen nicht, wie viele Gemeinde Vermittler-Ämter errichtet, wissen nicht, was für eine Thätigkeit dieselben entfaltet, und wissen nicht, was für Wahrnehmungen sie gemacht haben. Aus welchem Grunde der Herr Abgeordnete Fink veranlaßt worden ist, in dieser Sache einen eigenen Antrag zu stellen und ihn auf diesen Umwegen herzubringen, das kann man wohl errathen, aber loyal erklären kann man es schwer. (Fink: Aus eigener Initiative.) Um zu beurtheilen, daß ich mit meiner Beschwerde nicht ganz im Unrecht bin, wiederhole ich hier die Fragen, welche an die Gemeinden gestellt worden sind. Es wurden die Gemeinden in folgender Weise gefragt: 1. Ist dort das Vermittleramt eingeführt und seit wie lange? Ich stelle gleich von vornherein die Frage, und diese wird mir wohl ein Mitglied des LandesAusschusses beantworten können, wie viele Gemeinden Vermittler-Ämter errichtet haben. 2. Wie viele Streitfälle wurden seit dessen Bestehen vor dasselbe gebracht? Auch das wäre für uns höchst interessant zu erfahren gewesen, was diesbezüglich für Beobachtungen gemacht und was für und wie viele Streitfälle vor das Vermittleramt gebracht worden sind. 3. Wie viele davon wurden vom Vermittleramte ausgetragen? 4. Wie viele betrafen Geldforderungen bis zur Stimme von 50 fl., wie viele solche von 51 fl. bis 300 fl.? 5. Wie viele Fälle betrafen bewegliche Sachen? Diese statistischen Daten hätten thunlichst nach Jahren geordnet angelegt werden sollen. Es hätte dies dann eine ganz hübsche Tabelle gegeben. 6. Welches sind die Gründe und Ursachen, daß die Vermittler-Ämter so wenig benützt werden." Es wäre für uns auch von hohem Interesse gewesen, die Anschauungen der einzelnen Gemeinden über diese Frage zu hören und zu vernehmen. 7. Welche Gesetzesänderungen sollten nach Ansicht der Gemeinde-Vorstehung vollzogen werden, um die Vermittlerämter lebenskräftig zu gestalten? Auch über diese Frage hätten wir sehr gerne die Ansichten der Gemeinde-Vorstehungen gehört, denn so haben wir nur die Ansicht von Fink und Genossen gehört. Nun werden wir uns aber doch erlauben, über diesen Antrag unsere eigenen Anschauungen im Weiteren zum Vortrage zu bringen. Wie der Bericht selbst sagt, ist diese Angelegenheit bereits im Jahre 1883 im Landtage in Verhandlung gebracht worden, und zwar über Antrag des Herrn Abgeordneten Martin Thurnher. Jener Antrag hat zwar die Zustimmung gefunden, wurde jedoch mit nicht großer Majorität angenommen, da nur 11 Stimmen für und 8 Stimmen gegen denselben waren. Es hat sich daher eine bedeutende Minorität der Anschauung des Herrn Abgeordneten Martin Thurnher nicht anzubequemen vermocht. Heute jedoch ist vorauszusehen, daß die Sache etwas glänzender gehen wird. (Martin Thurnher: Gewiß!) V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. 33 Was damals von Seite des Gemeinde-Ausschusses beantragt wurde, ist im Wesentlichen ganz das Gleiche, was wir heute wieder vor uns sehen, nämlich die zwangsweise Vorrufung vor das Vermittleramt, obligatorische Anstellung von Vermittlungsversuchen und drittens die endgiltige Rechtsprechung über Beträge bis zu 50 fl. Der vierte Punkt ist damals nicht ausgenommen worden. Ich werde mir erlauben, mich in der Specialdebatte über die einzelnen Anträge, soweit ich es für nothwendig halte, aussprechen. Im Allgemeinen muß ich sagen, ich befinde mich in einer Gemeinde, welche schon seit dem Jahre 1872 ein Vermittler-Amt besitzt und in welcher zudem noch ein Bezirksgericht seinen Sitz hat. Ich muß zugeben, daß die Vermittlerämter an Boden nicht gewonnen haben; es haben sich dieselben bei uns als volkstümliche Institutionen nicht einzubürgern vermocht. In unserer Gemeinde sind die Mitglieder des Vermittleramtes recht sympathische Männer, und dennoch vergehen Jahre und Jahre bis ein Gegenstand vor dasselbe kommt und was sind das für Fälle, die bei uns vor das Vermittleramt gebracht worden sind? In dem Protokollbuche über die Thätigkeit der Vermittlerämter finden sich nur 17 Vergleiche eingetragen. Von diesen 17 Vergleichen sind es einzig zwei, welche sich mit Geldsachen befassen und von diesen beiden nur wieder einer, bei welchem es sich um eine eigentliche Geldforderung handelte, und zwar um einen Geldbetrag für die Bestreitung der Herstellungskosten eines Brunnens während der andere nur die Abschätzung von Boden behufs Anlage einer Straße betraf. Alle übrigen Gegenstände waren Streitigkeiten über Fahrrechte und Vermarkungen. Nur bezüglich derartiger Streitfälle hat das Vermittleramt, wie es scheint, eine gewisse Popularität und ein gewisses Vertrauen erreicht. Aber bei Geldfragen, wie ich schon erwähnt habe, wurde von Seite dcs Volkes selten an das Vermittleramt herangetreten. Man hat es allenthalben vorgezogen hiefür das ordentliche Gericht in Anspruch zu nehmen. Es ist seit Schaffung der Bagatellgerichte und des Mahnverfahrens für jene, welche solche Fragen haben, Gelegenheit geboten ihre Angelegenheiten vor den ordentlichen Richter zu bringen und rasche, prompte und sichere Erledigung zu erhalten. Wenn einzelne Parteien auch noch Advokaten zum Bagatellgerichte mitbringen,— es kommt dies freilich vor —, so ist das ihre Sache, muß aber nicht sein, wenn sie absolut das Geld ausgeben wollen, kann sie Niemand daran hindern. Für diese Fragen erfolgt dort, wo Bezirksgerichte sind, selbst bei geringfügigen Sachen die prompteste Erledigung, eine Erledigung, die befriedigender ist, als wie sie Vermittlerämter zu bieten im Stande sind. Daß solche Fragen bei den Gerichten keine geringe Ziffer darstellen, das kann ich aus den Mittheilungen, die ich unserem Bezirksgerichte entnommen habe, constatiren. Von etwa 900 Streitfällen, die im Jahre 1891 vor Gericht gebracht wurden, waren etwa ein Drittel Bagatellsachen. Von diesen 280 Bagatellsachen wurden nur 16 im contradictorischen Wege erledigt. Alle anderen Fälle sind auf einfache Weise geschlichtet worden und nahezu die Hälfte der Fälle wurde in der Weise geschlichtet, daß man die Sache dem Richter vortrug, dieselbe gegenseitig besprach, sich gegenseitig versprach, die Sache in der verabredeten Weise abzuthun. Ich will aber noch weiter etwas vor Augen führen. Nur aus dem einzigen Falle des Bezirksgerichtes Dornbirn können wir entnehmen, daß, wenn obligatorisch wegen Geldforderungen vor das Vermittleramt gegangen werden muß, dies eine ziemlich lebhafte Thätigkeit bei gewissen Vermittlerämter zur Folge haben wird, daß dieselben beinahe wöchentlich zwei bis dreimal zusammenzutreten, sich Stunden lang mit Sachen zu befassen haben, und nicht immer sicher sind, ob ein Ausgleich zustande kommt. Es kommt auf das Geschick der für die Vermittlerämter ausgewählten Vertrauensmänner an, ob sie das Vertrauen genießen, ob sie hinreichend Kenntnis haben, ob sie unbefangen und für die Partei nicht eingenommen sind, und dieses ist schwer herzustellen. Wer hat in einer solchen Gemeinde Zeit, so viele Stunden und Tage solchen Geschäften zu widmen. Und man wird es diesen Leuten kaum zumuthen können, so was umsonst zu thun. Wie der Schlußparagraph der Vermittlerämter sagt, kann für die betreffenden Funktionäre eine Entlohnung geschaffen werden. Und wer hat denn diese Entlohnung zu bezahlen? Nicht die Parthei, sondern die Gemeinde, welche auch noch andere mit dem Bestande der Vermittlerämter verbundene Auslagen zu bestreiten hat. 34 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1882. Die Parteien haben nur die Stempel und etwa nothwendig werdende Sachverständige zu bezahlen. Das bitte ich nicht ganz außer Acht zu lassen. Wir stehen doch vor der Frage, uns über die Vermittlerämter auszusprechen und insbesondere darüber zu sprechen, ob man sie für zweckmäßig hält, oder nicht. Nun da stehe ich doch auf dem Standpunkte, daß es nicht schaden kann, wenn Versuche gemacht werden, durch gesetzgeberische Abänderungen den Vermittlerämtern eine etwas festere Stellung zu verschaffen. Es ist möglich, daß die Vermittlerämter, wenn sie einen obligatorischen Charakter haben, vorausgesetzt, daß die Gemeinden in der Wahl ihrer Vertrauensmänner glücklich sind, sich dann, wenn sie eine Zeit lang geschickt gewirkt haben, mehr einleben. Das ist denkbar und es kann vielleicht in der Richtung kein Schaden erwachsen, denn es werden dann die Parteien, die sonst noch gerne Advokaten zu Hilfe nehmen, wenigstens lernen von dieser Auslage verschont zu bleiben. Ich bin im Ganzen genommen nicht dagegen, daß ein Versuch gemacht werde, die Vermittlerämter etwas besser in Stand zu setzen und zu probiren, ob sie dann Zweckentsprechendes zu leisten im Stande sind. Große Hoffnung jedoch setze ich auf diese Institution überhaupt nicht. Ich weiß nicht, ob der Landesausschuß sich über die Erfahrungen anderer Kronländer informirt hat. Jedenfalls hätte ich aber erwartet, daß man nicht blos sagt, in Deutschland und der Schweiz bestehen Vermittlerämter und prosperiren auch daselbst, sondern man hätte uns auch bessere Belege beibringen können, man hätte uns sagen können, wie die Vermittlerämter in der Schweiz eingerichtet sind, was für Befugnisse ihnen daselbst eingeräumt sind, ebenso über die in Süddeutschland, oder welche Theile von Deutschland man im Auge hat und was dort für bezügliche Gesetze bestehen. Jedenfalls wäre es aber gut gewesen, wenn man sich die betreffenden Gesetze verschafft und aus denselben markante Stellen bekannt gegeben hätte, welche dortselbst die Vermittlerämter wirksam, erfolgreich und lebenskräftig gestalten. Das ist aber unterlassen worden. Nachdem ich nun im Allgemeinen die Mängel des Berichtes, und den etwas eigenthümlichen Vorgang charakterisirt habe, schließe ich meine Ausführungen, behalte mir jedoch vor, bei der Spezialdebatte über einzelne Anträge mich auszusprechen. Martin Thurnher: Der Herr Vorredner hat seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß bei dieser Berathung nicht einige Juristen, ähnlich wie im Jahre 1883 sich in der Mitte der Versammlung befinden. Dieses Bedauern theile ich jedoch nicht und zwar aus dem Grunde, weil es auf der Hand liegt, daß die Juristen — was ihnen ja nicht verargt werden kann, — nicht für dieses Institut Propaganda machen, da ihnen ein nicht unbedeutender Theil ihres Verdienstes entgehen würde, wenn die Vermittlerämter zweckentsprechend ausgestattet und fleißig benützt würden. Der Herr Vorredner hat geglaubt, der Landes-Ausschuß hätte uns einen umfassenden Bericht einbringen sollen, nicht ein einzelner Abgeordneter. Er hat gemeint, der Landes-Ausschuß wäre in der Lage gewesen, uns mitzutheilen, was die einzelnen Gemeinden für ein Gutachten abgegeben haben, wie viel Streitfälle in den einzelnen Gemeinden dem Vermittleramte übergeben worden sind u.s.w. Nun da möchte ich den Hrn. Vorredner darauf aufmerksam machen, daß die Berichte der Gemeinden noch nicht vollständig eingelangt sind, es sind vielleicht etwa 2/3 Theile vorhanden und wenn auch der Termin, der ihnen gestellt worden ist, abgelaufen sein sollte, so zeigt sich bei allen solchen Fällen, in denen Aufträge an die Gemeinden erfolgen, die Nothwendigkeit (Dr. Waibel: Der äußerste Termin war ja doch der 15. September.) die Säumigen nochmals einzumahnen und ihnen einen zweiten Termin zu setzen. Zudem hat der Landes-Ausschuß vom hohen Landtage keinen Auftrag erhalten; wenn der Herr Abgeordnete Dr. Waibel so etwas gewünscht hätte, so hätte er diesbezüglich einen schriftlichen Antrag stellen sollen. (Dr. Waibel: Wann hätte ich das thun sollen?) Wann hätte der Landes-Ausschuß das ausführen können, was Dr. Waibel verlangt, da die Berichte der Gemeinden noch nicht vorliegen? Ebenso wenig konnten auch Erhebungen bezüglich der Verhältnisse anderer Kronländer gemacht werden. Es wäre ganz im Bereiche der Unmöglichkeit gelegen, von Seite des volkswirtschaftlichen Ausschusses hierüber Erkundigungen einzuziehen, da dieser Gegenstand ihm nicht in den ersten Sitzungen V* Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hl. Session der 7. Periode 1892. 35 überwiesen wurde, und ihm zu seinen Berathungen nur kurze Zeit zur Verfügung stand. Ich will auf die Bemerkung, die der Herr Vorredner mehr oder weniger gegen die VermittlerÄmter gemacht hat, nicht weiter eingehen, sondern überlasse dies dem Hrn. Berichterstatter. Aber ich muß doch aufmerksam machen, daß gerade in dem Umstande, daß die Vermittler-Ämter nach den Gesetzen so wenig Befugnis haben und die bezüglichen Gesetze so mangelhaft sind, die Ursache zu suchen ist, daß dieses Institut nicht volksthümlich werden konnte. Wenn Hr. Vorredner speziell von Dornbirn sagt, daß so wenig VerhandlungsActen in 20 Jahren vorgekommen seien, so würde das für das ganze Land nicht maßgebend sein. Er hat selbst gesagt, daß Dornbirn der Sitz eines Bezirksgerichtes sei, so daß die Leute ohne besondere Auslagen dort Gelegenheit haben für ihre Sache Recht zu suchen, während dies bei andern abgelegenen Landestheilen schwierig ist, wo die Leute Stunden und Tage weit zum Sitze eines Bezirksgerichte haben. Wenn Vorredner bestreitet, daß für diese entlegenen Orte die Errichtung und der Bestand von Vermittler-Ämter nothwendig wäre, oder je nach seiner Auffassung nicht so nothwendig sein sollen, so stelle ich dieses geradezu in Abrede, da es für die meisten Landestheile von Vortheil und Wichtigkeit ist, daß Vermittlerämter bestehen; sie müssen aber selbstverständlich mit mehr Machtvollkommenheit ausgestattet werden, damit sie auch dann um so ersprießlicher wirken können. Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand das Wort? — Dr. Marbel: Der Herr Abgeordnete Martin Thurnher meint es sei ganz und gar nicht zu bedauern, daß wir keinen Juristen hier in unserer Mitte haben. (Martin Thurnher: Das macht nichts.) Ich muß aber doch aufrecht erhalten, was ich gesagt habe. Ich bin nicht so ängstlich, daß ich etwa die Anwesenheit eines Rechtskundigen fürchten würde. Wir haben es hier mit einer Institution zu thun, welche im engen Contacte mit Rechtsfragen und mit dem Gerichte selbst steht. Wir haben im Jahre 1883 in dieser Frage die Gegnerschaft der beiden Juristen, welche damals im Landtage waren, nämlich des Herrn Dr. Schmadl und des Herrn Notar v. Gilm gehabt, welch Letzterer gewiß kein finanzielles Interesse an diesem Gegenstände hatte, denn er war schon in einem solchen Alter, daß er in dieser Beziehung nicht interessirt war und doch ist der Bericht des Ausschusses mit seinen Anträgen acceptirt worden, was auch heute der Fall sein wird, wie voraus zu sehen ist. Ich muß nun noch in Ergänzung dessen, was im Allgemeinen bezüglich der Schlichtung von Streitsachen gesprochen wurde, erwähnen, daß die Richter nach der bestehenden Instruction stets bei an sie herantretenden Streitfragen vermittelnd einzuwirken versuchen und ich kann zur Ehre der Gerichtsvorstände wenigstens unseres Bezirkes sagen, daß die Richter, welche in unserem Amtssitze functionirt haben, sich in dieser Richtung stets sehr lebhaft bethätiget und auch große Erfolge aufzuweisen gehabt haben. Es muß von allen Seite zugegeben werden, daß der Herr Oberstaatsanwalt Linser, der Herr Hofrath Gsteu, der Herr Oberlandesgerichtsrath Leeb und der Herr Landesgerichts-Rath Dr. von Larcher, welche früher bei uns als Richter fungirten, sowie auch der jetzige Gerichtsvorstand Pfaundler, sich diese Thätigkeit in wohlthätigster Weise nicht blos für die Einwohner der Gemeinde Dornbirn sondern auch für die Angehörigen des ganzen Gerichtssprengels sehr angelegen sein ließen. Ich bin überzeugt und kann es aus Mittheilungen dieser Herren, mit welchen zu verkehren ich oft Gelegenheit hatte, bestätigen, daß diese Vermittlungen ganz kostenlos und sehr wirksam sind. Ich glaube daher, daß man nach diesen Erfahrungen ein Bedürfnis nach Vermittler-Ämtern nicht mehr empfunden hat. Wenn der Herr Abgeordnete Martin Thurnher sagt, ich hätte dem Landesausschusse einen Antrag vorlegen sollen, so muß ich ihn fragen, wenn ich dies hätte thun können. Der Bericht ist uns erst vor ein paar Tagen zugekommen, heute steht er in Verhandlung, heute ist das erstemal Gelegenheit über diesen Gegenstand zu sprechen und die Sonderbarkeit des Vorgehens und die Mangelhaftigkeit* des Berichtes zu markiren. Welte: Ich lasse mich in dieser Angelegenheit in eine Beweisführung darüber, wie nützlich diese Vermittlerämter in den Gemeinden sind, wenn sie in der Weise, wie es hier beantragt ist, errichtet 36 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. II!. Session der 7. Periode 1892. werden, nicht ein, ich möchte blos constatiren, daß nachdem der Landes-Ausschuß mit Circular vom 29. Juli 1892 die einzelnen Gemeinden aufgefordert hat über die Wirkung der VermittlerÄmter Bericht zu erstatten, die Gemeinde-Vorsteher des Bezirkes Feldkirch sich bemüßiget fanden eine Versammlung abzuhalten, um eine so wichtige Sache allgemein zu besprechen. Bei dieser Versammlung war man nun allgemein der Ansicht, daß die Vermittler-Ämter, wenn sie mit obligatem Charakter ausgestattet wären, äußerst nützlich würden, indem durch dieselben viele Prozesse hintangehalten werden könnten — was Prozesse kosten, weiß ja Jeder selbst. Deshalb haben die anwesenden Gemeindevorsteher auch beschlossen an den hohen Landes-Ausschuß auf dessen Anfrage einhellig in diesem Sinn zu antworten. Speziell von unserer Gemeinde kann ich sagen, daß wir 19 Fälle gehabt haben, wo solche Streitsachen vor dem Vermittler-Amte zur Austragung kamen. Das ist allerdings eine Anzahl, welche nicht im Verhältnis zu der in Dornbirn steht, wo nur 17 Vergleiche vorgekommen sein sollen, aber gerade daraus ersieht man,, daß weiter entfernte Gemeinden ein viel größeres Bedürfnis fühlen, daß VermittlerÄmter mit obligatem Charakter ins Leben gerufen und recht lebenskräftig gestaltet werden, als solche Gemeinden, in denen sich der Sitz eines Gerichtes befindet. Jeder der nur Halbwegs die Einrichtung der Vermittler-Ämter, wie sie jetzt bestehen, kennt, wird sagen müssen, daß dieselben, wie sie jetzt sind, keinen großen Werth haben und erst dann in Blüte kommen, wenn sie in der Weise reformirt werden, wie es vom volkswirtschaftlichen Ausschüsse beantragt ist. Deshalb glaube ich, daß es für unser Land, besonders aber für die vom Sitze eines Gerichtes weiter entlegenen Gemeinden von großem Interesse sein wird, wenn die VermittlerÄmter durch Abänderung des Reichsgesetzes und des auf Grund dieser Abänderung reformirten Landesgesetzes in der Art, wie es vom volkswirthschaftlichen Ausschüsse beantragt wird, errichtet werden. Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand das Wort? — Wenn Niemand mehr das Wort ergreift, so ist die Debatte geschlossen. Herr Berichterstatter! Fink: Ich kann nur constatiren, daß meritorisch gegen den vorliegenden Bericht und namentlich gegen die Anträge nicht viel eingewendet, sondern selbst von jenen Herren, welche allerlei beanständet haben, zugegeben wurde, daß die Vermittler-Ämter in der Weise reformbedürftig seien, daß man ihnen mehr Rechte einräumt, wie dies vom volkswirthschaftlichen Ausschüsse durch seinen Antrag angestrebt wird. Es ist schon von Herrn Abgeordneten Martin Thurnher constatirt worden, daß es dem LandesAusschusse unmöglich gewesen ist eine Zusammenstellung der Äußerungen der einzelnen Gemeinden der hohen Landesvertretung in Vorlage zu bringen. Ich kann das nur bestätigen und noch weiter beifügen, daß mir, sobald ich in dieser Sache zum Berichterstatter gewählt worden war, vom Herrn Secretär die von den einzelnen Gemeinden eingelaufenen Berichte übergeben worden sind und daß damals noch nicht die Hälfte der Berichte eingelaufen war. Nach und nach sind mehrere Berichte eingelangt aber auch heute sind noch nicht alle da. Zur Zeit der Beschlußfassung des volkswirthschaftlichen Ausschusses über diese Angelegenheit haben noch sehr viele Berichte gefehlt und es war daher nicht möglich eine vollständige Zusammenstellung geben zu können. Ich habe alle von den einzelnen Gemeinden eingelaufenen Berichte gelesen und kann die Herren versichern, daß ich das Bild bekommen habe, daß von jenen Fällen, welche vor die Vermittler-Ämter gekommen sind, wenigstens 9O�% ausgeglichen wurden. Ich kann die Herren weiter versichern, daß die Vergleiche über Geldforderungen vor den Vermittler-Ämtern in den einzelnen Gemeinden sogar die Mehrzahl bilden, Vergleiche über Vermarkungen u.s.w. sind in diesen Gemeinden seltener vor den Vermittler-Ämtern geschlossen worden. Wie ich schon gesagt habe, konnte eine vollständige Zusammenstellung über die Wirksamkeit der VermittlerÄmter bis jetzt noch nicht gemacht werden, weil eben noch nicht alle Berichte eingelaufen sind, sobald dies jedoch der Fall sein wird, wird von Seite des Landes-Ausschusses der hohen Regierung sofort ein umfassender Bericht vorgelegt werden. Was nun die Frage bezüglich der Geldbeträge anbelangt, so geht schon aus der Beschlußfassung des oberösterreichischen Landtages hervor, daß man auch dort das Bedürfnis gefühlt hat Bestimmungen V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Ils. Session der 7. Periode 1892. 37 über die Exekutionsfähigkeit der vor den Vermittler-Ämtern geschlossenen Vergleiche zu haben. Wenn einmal ein Vergleich vor einem VermittlerAmte geschlossen wird, so muß er auch exekutionsfähig sein. Am besten dürfte uns aber die Aufforderung der hohen Negierung Aufschluß geben, nach welcher Richtung auch die Regierung eine Abänderung der Bestimmungen über die Vermittler-Ämter für dankbar hält und ich möchte mir erlauben den betreffenden Absatz mitzutheilen. (Liest:) „Unter diesen Mittheilungen erbittet sich das Justizministerium vom löblichen Landesausschüsse auch noch eine Aeußerung darüber, welche Ursachen seiner Meinung nach an einem etwa geringeren Prosperiren der Vermittlungs-Ämter im Lande Schuld tragen und welche organisatorischen, administrativen oder gesetzgeberischen Maßregeln der löbliche Landes-Ausschuß, — falls ihm eine Förderung der Institution der VermittlungsÄmter überhaupt wünschenswerth erscheint — nach den Verhältnissen des Landes als meisten geeignet halten würde, um die VermittlungsÄmter zur Erfüllung der ihnen bei ihrer Einführung zugedachten Aufgabe zu befähigen. Da auch in dieser Beziehung in den letzten Jahren Wünsche laut wurden, glaubt das Justizministerium namentlich auch noch die Frage zu stellen, ob der löbliche Landesausschuß die Übertragung einer streitigen Gerichtsbarkeit an ein aus Vertrauens-Männern aus der Gemeinde gebildetes Collegium oder die Ausstattung der VermittlungsÄmter mit prozeßrichterlichen Befugnissen für wünschenswerth und nach den Verhältnissen des Landes für zweckmäßig und ausführbar erachtet und in welchem Umfange etwa die Einführung einer solchen Gerichtsbarkeit statthaben könnte." Aus diesem erfleht man, daß die hohe k. k. Regierung wünscht, daß wir — ich glaube, es kann das gerade so gut der Landtag, wie der Landesausschuß thun — uns aussprechen, was für unser Land diesbezüglich zuträglich wäre. Bezüglich der Ursachen, warum die VermittlerÄmter heute nicht prosperiren geht aus den Mittheilungen der Gemeinden, welche bisher eingelangt sind, wenigstens so zu 95% hervor, daß alle darüber einig sind, daß die Vermittler-Ämter nur dann etwas nützen können, wenn sie obligatorischen Character haben. Es ist daher die Behauptung, die Vermittler-Ämter seien nicht volksthümlich, welche heute zwar nicht in dieser bestimmten Form gefallen ist, aber im Jahre 1883 von den damals anwesend gewesenen Juristen vorgebracht wurde, unrichtig und nicht zutreffend. Wir können nicht sehen ob die Vermittler-Ämter volksthümlich sind oder nicht, wenn die Partheien nicht zum Vermittler gehen müssen, wir können eben so gut sagen, wie damals Herr Dr. Ölz gesagt hat, die Advokaten sind auch nicht volksthümlich und doch lauft ihnen Alles nach. Ich glaube daher wir sollen uns nicht beirren lassen und den vom volkswirthschaftlichen Ausscuüsse gestellten Anträgen zustimmen. Ich kann Sie versichern, daß die Äußerungen in allen Gemeinden mit geringen Ausnahmen, vielleicht mit Ausnahmen jener, wo Advokaten oder Notare die Eingaben verfaßt, oder wo überhaupt keine Vermittler-Ämter bestanden haben, sich dem vorliegenden Anträge auf Reformirung der Vermittler-Ämter im Großen Ganzen anschließen. Ich möchte daher die Annahme dieser Anträge empfehlen. Landeshauptmann: Wir schreiten nun zur Abstimmung. Nachdem die Anträge 4 Punkte enthalten, so werde ich über jeden derselben separat abstimmen lassen. Dr. Waibel: Ich bitte um die Spezial-Debatte. Landeshauptmann: Nachdem alle 4 Punkte verschiedener Natur sind, ko kann diesem Wunsche entsprochen werden. Ich eröffne also über Punkt 1 die SpezialDebatte. Dr. Waibel: Ich glaube, daß die Bestimmung, welche hier vorgeschlagen wird, zu weit geht. Es heißt hier, die hohe k. k. Regierung wird dringend ersucht ehethunlichst eine Regierungsvorlage einzubringen, in welcher die Bestimmungen über die Vermittler-Ämter dahin geändert werden, daß dieselben mit obligatorischem Character in der Art ausgestattet werden, daß Vorladungen zwangsweise vollstreckt werden können." Ich glaube in der Praxis wird sich vielleicht nicht selten der 38 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Ul. Session der 7. Periode 1892. Fall ereignen, daß es nothwendig wird, Personen | vor das Vermittleramt zu laden, welche nicht im Sitze desselben anwesend, sondern vielleicht weit weg sind. Es entsteht nun die Frage, ob die Vermittler-Ämter soweit gehen können den Partheien Verbindlichkeiten aufzuladen, welche mit Kosten und mitunter auch mit Gefahren verbunden sind. Die Vermittler-Ämter sollen ihren naturgemäßen Character bewahren, daß die Partheien persönlich vor denselben erscheinen können. Es kann aber der Fall vorkommen, daß von den. streitenden Partheien die eine vom VermittlungsAmte weit entfernt wohnt, und daß es ihr nicht I möglich ist, persönlich zu erscheinen; wie soll man es da machen? Sollen die Partheien verhalten werden können, persönlich zu erscheinen, was oft schwierig und kostspillig sein kann, oder können sie Vollmachtsträger schicken? Nachdem keine Advokaten angenommen werden, müßte zur Vertretung eine andere Person ausfindig gemacht werden, und wenn die Frage etwas kitzlich ist, wird es oft schwierig sein einen geeigneten Vertreter zu finden, auch ist es nicht immer sicher, ob man der Person, die als Vertreter geschickt wird, trauen kann. Entweder man nimmt bei dem VermittlerAmte die betreffende Person nicht an oder man vertraut ihr überhaupt nicht. Dieses soll nicht ganz übersehen werden. Es muß doch vorgesehen werden, daß nur solche Personen vor das Vermittler-Amt vorgeladen werden können, welche im Orte selbst anwesend sind oder wenigstens im Sprengel des Vermittler-Amtes wohnen. Ich würde daher beantragen nach dem Worte „können" einzusetzen: „jedoch nur gegen Personen, welche im Sprengel des VermittlerAmtes anwesend sind." Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand das Wort? — Nägele: Ich glaube, daß man an dem Punkt 1, wie er von Herrn Berichterstatter beantragt wird, nicht rütteln soll, denn mit diesen ewigen Ausnahmen kommt man nicht zum Ziele. Wenn das Amt einmal da ist, so soll es auch die Befugnis haben, die Partheien vorzuladen, auch wenn sie weiter weg wohnen. Bei den Gemeinde-Vorstehungen ist dies ja auch der Fall, sonst könnte man in vielen Fällen auch nichts ausrichten. Wenn eine Parthei vor das Vermittler-Amt vorgeladen wird und der Vorladung nicht Folge geleistet werden muß, so wird man das Amt höchstens auslachen. Ein solches Amt verdient auch keinen Respect und kein Ansehen. Ich muß mich daher für die unveränderte Annahme dieses Punktes aussprechen. Martin Thurnher: Wenn Herr Dr. Waibel glaubt, dieser Punkt sei zu weit gehend, so dürfte das wohl nicht zutreffend sein, weil wir hier nur principielle Bestimmungen aussprechen, die Specialbestimmungen werden schon in dem bezüglichen eventuellen Gesetzesentwurfe von Seite der hohen Regierung Aufnahme finden. Wir dürfen wohl nicht fürchten, daß wir jetzt zu viel verlangen, es wird sicher auch von dem, was wir für durchführbar und erwünscht erachten, manches von der Regierung noch weggestrichen werden. Dr. Waibel: Gegen die Bemerkung des Herrn Nägele hätte ich zu sagen, daß ich eine Befürchtung wegen der Autorität der Vermittler-Ämter nicht habe. Es können ja Gemeinden genug sein, in denen solche Fälle gar nicht vorkommen. Wenn die Vermittler-Ämter für die Bevölkerung einer Gemeinde gut wirken, so genießen sie Ansehen genug und es wird ein einzelner solcher Fall deren Ansehen nichts schaden. Ich muß aber noch auf etwas anderes aufmerksam machen. Die Vermittler-Ämter bestehen in der Vorstellung, daß ihre Einrichtung so wenig als möglich kostet. Wenn Sie sich aber einen Fall mit einem Abwesenden denken, so werden die Vermittler-Ämter, wenn sie das Obligatorium haben, in manchen Fällen in die Lage kommen den betreffenden Prozeß sehr theuer zu machen. Ich nehme an, daß es gelingt auch für weitere Entfernungen das Obligatorium bei der hohen Regierung zu bekommen, nehmen Sie dann den praktischen Fall an, daß einer, der ziemlich weit vom Sitze des Vermittler-Amtes abwesend ist, vor dasselbe kommen muß oder mit großen Kosten einen Vertreter schickt, so steht es noch dahin, ob ein Vergleich zustande kommt. Kommt aber kein Vergleich zustande, und würde die Prozedur bei Gericht weiter fortgesetzt, so erwachsen zweimal Kosten, erstens beim Vermittler-Amte und zweitens bei Gericht. Ich glaube, daß es der Aufgabe der V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. 39 Vermittler-Ämter widerspricht, wenn durch diese Bestimmung solche Folgen erzeugt werden und darum kann ich von meinem Anträge nicht abgehen. Ich möchte doch den Herren anrathen die Sache nicht in der Weise zu beurtheilen, wie sie von den Gegnern meines Antrages beurtheilt worden ist. Nägele: Nach meiner Auffassung würde der von Herrn Dr. Waibel beantragte Zusatz, wenn er angenommen würde, in Widerspruch stehen mit der Bestimmung des Punktes 2, wo es heißt, daß jede Streitsache .... vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens dem Ausgleichsversuche vor dem Vermittleramte unterliegt. Nach dem Zusatzantrage des Herrn Dr. Waibel könnte man aber die Parteien nicht zwingen vor dem Vermittleramte zu erscheinen und es könnte dann, wenn die eine oder die andere Parthei nicht erscheint, auch ein Ausgleichsversuch vor Einleitung des gerichtlichen Verfahrens nicht gemacht werden. Ich kann mich daher mit dem von Herrn Dr. Waibel beantragten Zusatz nicht einverstanden erklären. Martin Thurnher: Ich beantrage Schluß der Debatte. Landeshauptmann: Es ist der Antrag auf Schluß der Debatte gestellt worden, ich ersuche daher, jene Herren, welche mit diesem Anträge einverstanden sind, sich gefälligst von den Sitzen zu erheben. Angenommen. Vor Antrag auf Schluß der Debatte hat sich noch Hr. Dr. Waibel zum Worte gemeldet. Dr. Waibel: Ich kann der Anschauung des Herrn Abgeordneten Nägele nicht beistimmen. Ich finde da keinen Widerspruch. Ich sage mit meinem Zusatzantrage nicht, daß ein Abwesender nicht vorgeladen werden dürfe, ich sage nur, er kann nicht gezwungen werden zu kommen. Wenn nun von Seite des Obmannes des Vermittleramtes ein Termin gesetzt wird, bis zu welcher Zeit er zu kommen hat und er während dieser Zeit weder persönlich erscheint noch einen Bevollmächtigten schickt, so wäre dies einem gescheiterten Vergleiche gleich zu stellen, und der Fall käme dann vor Gericht. Ich finde also da gar keinen Widerspruch. Übrigens werden solche Fälle von gescheiterten Vergleichen nicht so selten vorkommen, nachdem es sich um ziemlich hohe Summen handeln kann und diejenigen, welche mit der Leitung des Vermittleramtes betraut werden, nicht immer das Vertrauen und die nöthigen Kenntnisse besitzen. Landeshauptmann: Die Debatte ist geschlossen und ich ertheile dem Herrn Berichterstatter das Wort. Fink: Es ist von Herrn Dr. Waibel hervorgehoben worden, daß bei den Vermittlerämtern keine Advokaten als Vertreter bestimmt werden können und es oft sehr schwierig sein könne, einen andern geeigneten Vertreter ausfindig zu machen. Gerade dieser Umstand scheint mir ein wichtiges Moment zu sein, warum man bei der Fassung des Punktes 1 der Anträge bleiben soll. Derjenige, der vom Sitze des Vermittleramtes weit entfernt ist und nicht persönlich erscheinen kann, kann einen Laien bevollmächtigen und auch der Gegenparthei steht es nicht zu, sich eines Advokaten zu bedienen. Man kann immer annehmen, daß die Partheien, wenn die Advokaten ausgeschlossen sind, sich in ihren Kenntnissen so ziemlich gleich gegenüber stehen, und es wird immer Jemanden geben, der die Vertretung einer Parthei übernehmen kann. Ich fasse die Sache mit diesen zwangsweisen Vorladungen nicht so schwierig auf, weil man nur Laien zur Vertretung zuläßt. Übrigens habe ich die gleiche Ansicht, wie der Herr Abgeordnete Martin Thurnher. Ich glaube auch, daß das nur so allgemeine Bestimmungen sind, daß die Regierung ein Reichsgesetz aufstellen wird und daß dann erst an die Landesversammlung die Aufgabe herantreten wird, ein spezielles Landesgesetz zu verfassen und die Landesvertretung kann dann die für das Land günstigen Bestimmungen in das Landesgesetz aufnehmen. Für jetzt glaube ich ist diese allgemeine Fassung ganz passend und ich empfehle den Punkt 1 zur unveränderten Annahme. Landeshauptmann: Ich schreite nun zur Abstimmung über Punkt 1 und zwar zunächst in der Fassung, wie sie der Herr Dr. Waibel beantragt, 40 V. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hl. Session der 7. Periode 1892. nämlich mit dem Zusatze nach dem Worten „können": „jedoch nur gegen Personen, welche im Sprengel des Vermittleramtes anwesend sind." Ich ersuche jene Herren, welche dieser Fassung des Punktes 1 die Zustimmung geben, sich gefälligst von den Sitzen zu erheben. Es ist die Minorität. Nun kommt der Ausschußantrag zur Abstimmung, ich ersuche jene Herren, welche demselben zustimmen, sich gefälligst von den Sitzen zu erheben. Angenommen. Wir kommen nun zum 2. Punkt der Anträge und ich eröffne über denselben die Spezialdebatte. Wenn Niemand das Wort zu ergreifen wünscht, so ist dieselbe geschlossen und ich schreite zur Abstimmung. Jene Herren, welche mit dem Punkte 2 einverstanden sind, wollen sich gefälligst von den Sitzen erheben. Angenommen. Ich eröffne nun über Punkt 3 die Debatte. Dr. Waibel: Ich finde da gleich in den ersten zwei Hauptworten, welche in dem Anträge stehen einen sehr krassen Widerspruch: „Dem Vermittleramte soll die endgiltige Rechtsprechung eingeräumt werden. Ein Vermittleramt ist eben ein Amt, welches die Partheien zusammenruft und einen Ausgleich mit denselben zu Stande zu bringen sucht. Das ist die Definition von einem Vermittleramte. Hier haben wir aber ant einmal einen Justizhof vor uns mit endgiltiger Rechtsprechung. Nun, ich tröste mich mit der sicheren Erwartung, daß die hohe Regierung oder der Reichsrath einem solchen Anträge die Zustimmung nicht geben wird, das ist undenkbar. Es heißt hier „endgiltige Rechtsprechung," es könnten also die Partheien, wenn sie mit der Rechtsprechung nicht zufrieden sind, nicht einmal mehr den ordentlichen Rechtsweg einschlagen. Das sind Dinge, die vor den ordentlichen Richter gehören und nicht vor Laien. Um Recht zu sprechen muß man vollständige Kenntnis des Rechtes, der Justizgesetze haben und wenn das nicht zutrifft, so tritt entweder ein beschränktes Urtheil oder Parteilichkeit ein. Weiter müssen
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18920919_ltb0141893_Bericht_Volkswirtschaftsausschuss_Gemeindevor...ankweil_Schlins_Hausierhandel Landtag 01.07.2021 XIV. der Beilagen zu den ftenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1892. Beilage XIV. W erdicht des volksrvirthschaftlichen Ausschusses über die von den Gemeindevorstehern von Götzis, Rankweil und Schlins eingebrachten Petitionen wider den Hausierhandel in Vorarlberg. Hoher Landtag! Die Gemeindevorstehungen von Götzis, Rankweil und Schlins haben an den h. Landtag Petitionen eingegeben, tvider das Hausieren, mit folgender Bitte: „Der h. Landtag wolle mit allen ihm zu Gebote stekenden Mitteln dahin wirken, daß der Hausierhandel in Vorarlberg gänzlich untersagt werde." Die Bittsteller begründen ihre Petitionen mit folgendem: 1. Sei der Hausierhandel ein sehr gefährlicher Concurrent dem ansäßigen Handelsmanne, weil ersterer außer einer Patent-Taxe keine Steuern zahlen müsse. 2. Rehme der Hausierhandel die Kunden, welche Baarzahlungen leisten dem stabilen Handels­ manne weg, so daß diesem vielfach nur jene Kunden auf Kredit bleiben. 3. Verkaufe der Hausierer zumeist nur schlechte Waare, welche die stabilen Handelsgeschäfte entweder gar nicht führen, oder doch zu bedeutend billigern Preisen abgeben. 4. Benehmen sich die Hausierer oft sehr zudringlich, so daß nicht selten deshalb gekauft und ganz unnöthige Artikel allgeschafft werden, wodurch die Leute um ihr Geld gebracht werden. 5. Sei der Hausierhandel für viele nicht so fast der eigentliche Erwerb, sondern oft nur ein Privilegium zum Bettel, was aus der geringwertigen Waare, die sie zum Verkaufe mit führen, zu schließen ist. 6. Gelte als Regel, daß die Hausierer ihre Waaren weit über den Werth anbieten und auch verkaufen, und so die Unkenntnis der Käufer ausnützen. Der volkswirthschaftliche Ausschuß würdiget im Allgemeinen mit Ausnahme des Punktes 1, der auf unrichtiger Auffassung der gesetzlichen Bestimmungen beruht, die von den Petenten vor­ gebrachten Gründe, er verweist diesbezugs zur Motivierung dieser seiner Stellungnahme auf den Bericht des volkswirthschaftlichen Ausschusses der letztvergangenen Session Beilage L. der ftenogr. Protokolle der Session 1891/92. Der zitirte Bericht über die Petition der kaufmännischen Genossen­ schaften in der gleichen Angelegenheit wurde in der Landtags-Sitzung vom 1. April 1892 zur Kenntnis genommen und der Antrag: XIV. der Beilagen zu den steriogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1892. „1. Die Petition der kaufmännischen Genossenschaften Vorarlbergs um Beschränkung und strengere Ueberwachung des Hausierhandels wird der hohen k. k. Regierung zur eingehenden Würdigung und thunlichsten Berücksichtigung abgetreten, . 2. Die hohe t k. Regierung wird angegangen, in eine den jetzigen Verhältnissen und Be­ dürfnissen entsprechende Reform des Hausierpatentes einzugehen," zum Beschlusse erhoben. Eine Erledigung über diesen Landtagsbeschluß ist noch nicht herab­ gelangt, wie aus dem diesjährigen Rechenschaftsberichte des Landesausschusses Blg. I dieser Session unter B. 5 zu entnehmen ist, obgleich derselbe unterm 5. Mai d. I. Zl. 1124 dem hohen k. k. Handelsministerium vom Landes-Ausschusse unterbreitet worden ist. Es ist demnach die Situation ganz dieselbe, wie sie in der letzten Session sowohl bei Verfassung des Ausschußberichtes als bei der Annahme im hohen Landtage war, weshalb der volkswirtschaftliche Ausschuß von der neuerlichen Motivierung absieht, unter Hinweis auf die damalige Auseinandersetzung und stellt folgende Anträge: Der h. Landtag wolle beschließen: 1. Die Petitionen der Gemeindevorstehungen von Götzis, Rankweil und Schlins um Unter­ sagung des Hausierhandels in Vorarlberg wird der hohen k. k. Regierung zur eingehendsten Würdigung und thunlichsten Berücksichtigung abgetreten. 2. Die hohe k. k. Regierung wird neuerdings angegangen, in einer den jetzigen Verhältnissen und Bedürfnissen entsprechende Reform des Hausierpatentes einzugehen. Bregenz, am 19. September 1892. Martin Thrrrnher, Peter P. Welte, Obmannstellvertreter. Berichterstatter. 60
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18920917_lts004 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 4. Sitzung am 17. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig 20 Abgeordnete. Abwesend: Herr Wolf. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 10 Uhr 15 Min. Vormittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet. Ich bitte um Verlesung des Protokolles der letzten Sitzung. (Sekretär verliest dasselbe.) Hat einer der Herren gegen die Fassung des Protokolles eine Einwendung zu erheben? — Da dieses nicht der Fall ist, betrachte ich dasselbe als angenommen. Es sind mir eine Reihe von Einlaufstücken zugekommen. Zunächst 3 in ihrem Inhalte gleichlautende Petitionen der Gemeinde-Vorstehungen Rankweil, Götzis und Schlins in Angelegenheit des Hausirhandels. Ich glaube, daß das hohe Haus einverstanden ist, wenn nur eine derselben zur Verlesung kommt. — Eingebracht sind diese 3 Petitionen durch den Herrn Abg. Heinzle. (Sekretär verliest die Petition der Gemeindevorstehung von Rankweil.) Martin Thurnher: Ich möchte beantragen, nachdem wir dem Schlusse der heurigen Session zueilen, daß diese 3 Petitionen dringlich behandelt und dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur Berathung und Berichterstattung überwiesen werden. Landeshauptmann: Es ist für die geschäftliche Behandlung dieser 3 Petitionen die Dringlichkeit beantragt worden. Wird dagegen eine Bemerkung 12 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtags. III. Session der 7. Periode 1892. gemacht? — Es ist dieses nicht der Fall ich betrachte daher diesen Antrag als angenommen. Herr Martin Thurnher stellt weiter den Antrag, daß diese 3 Petitionen zur Vorberathung und Berichterstattung dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werden. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung erhoben? — Es ist dieses nicht der Fall, somit betrachte ich denselben ebenfalls als angenommen und es wird die Zuweisung in diesem Sinne vorgenommen werden. Weiter ist eingelaufen eine Petition des Vereines zur Pflege kranker Studierender in Wien und Unterstützung für das Jahr 1893 — eingebracht durch den Herrn Abgeordneten Dr. Beck. Ich glaube, daß die Herren auf die Verlesung derselben verzichten, nachdem alle Jahre eine gleich> lautende Petition einlauft. Martin Thurnher: Nachdem diese Petition eingebracht worden ist, obwohl eine Erledigung über eine gleiche Petition schon im heurigen Frühjahre erflossen ist, so glaube ich, daß dieselbe doch aus den gleichen Gründen, die ich bereits vorher entwickelt habe, dringlich zu behandeln und dem Finanzausschüsse zur Berichterstattung zuzuweisen ist. Ich stelle daher die bezüglichen Anträge. Landeshauptmann: Es ist auch für diesen Gegenstand die dringliche Behandlung beantragt. Wenn Niemand dagegen eine Einwendung erhebt, so betrachte ich diesen Antrag als angenommen. Ferner liegt der Antrag vor, behufs geschäftsmäßiger Behandlung diese Petition dem Finanzausschüsse zuzuweisen. Wenn auch gegen diesen Antrag keine Einwendung gemacht wird, so betrachte ich ihn ebenfalls als angenommen. Ferner ist mir überreicht worden eine Interpellation der Herrn Abgeordneten Fritz und Genossen betreffend Verwendung von Thierärzten bei Viehseuchen. (Secretär liest:) „Interpellation. In dem Viehseuchen-Übereinkommen vom 6. Dezember 1891 zwischen Österreich-Ungarn und dem deutschen Reiche ist die Vieheinfuhr aus den österreichischen Ländern nach Baiern für solche Gegenden, wo sich auf 10—12 Stunden kein Bezirksthierarzt befindet, derart erschwert, daß eine solche nur etwa auf zwei Tage im Jahre beschränkt mit großen Kosten, im allgemeinen aber in kleinen Parthien ganz unmöglich gemacht wird, wodurch die Landwirthe großen Schaden leiden. Im heurigen Frühjahre wurden von Alpenbesitzern der Gemeinde Mittelberg, um ihre Alpen besetzen zu können, in Tirol, Klosterthal und Tannberg circa 50 Stück Nutzvieh angekauft und da wären nach den strengen gesetzlichen Bestimmungen zur Einfuhr nach Mittelberg 4 Bezirksthierärzte zur Untersuchung und Bestätigung der Viehpässe nöthig gewesen und zwar die Bezirksthierärzte von Reutte, Landeck, Bludenz und Bregenz mit einem beiläufigen Kostenaufwande von 150 fl. bis 200 fl. Aber noch nicht genug. Wie das Vieh beim Nebenzollamte Bödmen am Eingänge der Gemeinde Mittelberg ankommt, muß schon wieder der Kontrollthierarzt von Sonthofen erwartet werden, um diese Viehstücke zu besichtigen. Es braucht nicht wenig einen solchen Kontrolltag zu Stande zu bringen, denn wenn ein Bezirksthierarzt nicht Zeit hat, klappt die ganze Geschichte nicht mehr, was sehr leicht Vorkommen kann. Diese strengen gesetzlichen Bestimmungen lassen sich leicht durchführen wo z. B. auf Eisenbahnen oder sonst ein großer Viehverkehr stattfindet und und Bezirksthierärzte in loco sind, aber an die Schwierigkeiten beziehungsweise Unmöglichkeit der Durchführung dieses Viehseuchen-Übereinkommens in Gebirgsgegenden ist sicher von der hohen Regierung nicht gedacht worden. Allerdings hat die hohe k. k. Statthalterei einen Vorschlag gemacht auf Staatskosten einen Bezirksthierarzt bei der Haupteinfuhr an einen geeigneten Ort zur Kontrolle zu senden. Es ist dieses Entgegenkommen gewiß sehr anerkennungswerth. Allein der kleinere Verkehr mit nur einigen Stücken bleibt dennoch ausgeschlossen und eine Vieheinfuhr auf nur 2 Tage im Jahre beschränkt, ist für die Bedürfnisse der Landwirthe nicht genügend. Vom volkswirthschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, enthält allerdings selbst die ViehseuchenConvention Bestimmungen, welche den Viehverkehr in Gebirgsgegenden sehr erschweren und die bäuerliche Bevölkerung schwer schädigen. Es ist dies nämlich die Bestimmung, daß entgegen dem IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HI. Session der 7. Periode 1892. 13 alten Viehseuchen - Übereinkommen die beeideten Viehbeschauer keine Geltung mehr haben, obwohl dieselben gewissenhaft und zweckentsprechend ihres Amtes walteten und ihnen nicht nachgewiesen werden kann, daß durch sie eine Seuchenverschleppung vorgekommen ist. Diesfalls besteht diesseits und auch jenseits in Baiern unter der bäuerlichen Bevölkerung die gleiche Klage, indem durch das Beikommen der Thierärzte wegen weiter Entfernung vom Beschauorte dem Viehbesitzer ganz unverhältnismäßig große Kosten erwachsen. Wenn es nicht blos darum zu thun ist, den Thierärzten und besonders den Bezirksthierärzten eine sehr große Einnahme zu sichern, was man nicht annehmen will, so hofft man doch, die hohe k. k. Regierung werde diesfalls Wandel schaffen und die Interessen der bäuerlichen Bevölkerung wahren und zwar in dem Sinne, daß die hohe k. k. Regierung bei der deutschen, bezw. bairischen Regierung im Verordnungswege zu erreichen sucht, daß in Gebirgsgegenden im Abgänge eines Thierarztes ausnahmsweise auch Viehbeschauer zur Untersuchung der Viehstücke und Bestätigung der Viehpässe betraut werden können. Die Gefertigten erlauben sich daher an eine hohe k. k. Regierung die Anfrage zu stellen, ist hochdieselbe geneigt mit der deutschen Regierung in Unterhandlung zu treten und anzustreben, daß für Gebirgsgegenden in Orten, in denen kein Thierarzt seinen Wohnsitz hat, ausnahmsweise auch Viehbeschauer die Viehstücke untersuchen und zur Ausfuhr nach Deutschland gültige Viehpässe unterfertigen können." Bregenz, den 15. September 1892. I. Anton Fritz, Landragsabg., Berchtold, „ Ferd. Rüf, „ Gottfried Schapler, Jakob Nägele, „ Jos. Heinzle, „ P. P. Welte, „ „ Engelbert Bösch, „ Jodok Fink „ Ignaz Dietrich, „ Johannes Thurnher, „ I. G. Greißing, „ Landeshauptmann: Ich werde mir erlauben diese Interpellation dem Herrn Regierungsvertreter zur weiteren Erledigung zu überreichen. Ferner sind eingelaufen 2 Interpellationen des Herrn Abgeordneten Engelbert Bösch in Sachen der Lustenauer Gemeindewahlen. Die eine derselben handelt von den vorgenommenen GrundBesitz-Umschreibungen. (Sekretär liest:) „Interpellation. Der Gefertigte hat am 2. April 1892 in der 16. Sitzung des hohen Landtages auf verschiedene Lücken und nothwendige Verbesserungen der G.W.-O. des Landes Vorarlberg hingewiesen und unter Anderem auch auf die ungesetzlichen Grundbesitz-Umschreibungen, welche unzweifelhaft über Veranlassung oder Wunsch der Gemeindevorstehung in Lustenau im Jahre 1891 durch den k. k. Evidenzhaltungsgeometer von Feldkirch vollzogen wurden, hingewiesen. Seit diesem Zeitpunkte hat der Gefertigte auf diesem Gebiete noch mehrere Erfahrungen gemacht und darunter auch solche, die den schwerwiegenden Verdacht des Amtsmißbrauches von Seite des k. k. Evidenzhaltungs-Geometers in Feldkirch erregen und zwar: Weil er im Grundsteuerkataster der Gemeinde Lustenau viele Grundbesitzbogen von wirklichen Grundbesitzern eingehen ließ und zwar immer nur solche, durch deren Eingehen das Wahlstimmenverhältnis in Rücksicht auf den zweiten Wahlkörper zu Gunsten der Vorsteherpartei und zu Ungunsten der Gegenpartei modifizirt wurde. Dieses geschah nämlich: a. durch Zusammenschreibung des Grundbesitzes zweier oder mehrerer Personen, als ob sie den fraglichen Grund nach dem Grundbuche gemeinsam hätten, was gar nicht der Fall war; b. durch Zusammenschreiben factischer Besitze zweier Ehe-Gatten, ohne den Namen beider in den Besitzbogen einzutragen, um so alle zu entrichtenden Steuern auf einen Namen zu vereinigen und nur eine Wahlstimme statt zweien herauszubringen, oder dieselben in einen anderen Wahlkörper zu versetzen; e. auch durch Zusammenschreibung des Grundbesitzes der Eltern und deren halbverwaisten 14 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. Kinder und dieses auffallender Weise nur dort, wo durch diese Manipulation Vortheile für die Parthei der Vorstehung erwachsen mußten. Auch kommen Fälle vor, wo Partheien dem k. k. Evidenzhaltungs-Geometer zum Zwecke der Richtigstellung ihrer Grundbesitzbogen die Urkunden vorlegten und die gesetzliche Umschreibung verlangten, ihnen aber nicht entsprochen wurde, sondern dessen ungeachtet ungesetzliche Eintragungen erfolgten. Durch solche den § 1 des Gesetzes vom 23. Mai 1883 R.G.Bt. Nr. 83 Zuwiderhandelnde Grundbesitzumschreibungen, auf welche die Grundsteuervorschreibung pro 1892 geschah, wurden der Vorsteherparthei für den zweiten Wahlkörper ea. 35 Wahlstimmen gewonnen, ca. 40 Wählern der Gegenpartei hingegen das Wahlrecht in demselben Wahlkörper entzogen. Ähnliches geschah bezüglich der zwei anderen Wahlkörper. Diese Umschreibungen wurden bei den allermeisten Partheien vorgenommen, ohne daß bei denselben der Besitzwechsel nach § 20, Abs. 3 des obziürten Gesetzes notorisch sein konnte, weil factisch kein Besitzwechsel stattfand. Diese Besitzumschreibungen wurden auch vorgenommen, ohne daß die Partheien (§ 36) verständiget worden wären oder Kenntnis hievon erhalten hätten bis die Steuerverschreibung erfolgte und die Umschreibungsgebühren behoben wurden. Das Gesetz schreibt vor, daß die grundbücherlichen, bezw. in Vorarlberg die verfachbücherlichen Eintragungen zur Evidenzhaltung des Grundsteuerkatasters maßgebend seien. Durch das Gesetz vom 15. März 1886 betreffend die Umgestaltung der Hppothekarrechte für das Land Vorarlberg ist bestimmt, daß die Identifizirung der Person und des Realbesitzes genau nach Urkunden durchzuführen sei. Nachdem dieses auch in Lustenau mit der größten Umsicht und Gewissenhaftigkeit geschehen ist, und weil diese Operate bezüglich der neu eingetretenen Grundbesitz-Veränderungen in Evidenz gehalten werden, so bilden sie für die Evidenzhaltung des Grundsteuerkatasters eine ganz sichere Grundlage. Weil nun die Gemeindevorstehung von Lustenau und der k. k. Evidenzhaltungsgeometer diese Operate kennen und ihnen die nöthige Einsicht in dieselben nicht fehlt, indem sie ja in der Gemeindekanzlei aufbewahrt bleiben und bei jeder Amtshandlung zu Gebote standen, so wurden die Besitzumschreibungen trotzdem nicht nach den grundbücherlichen Eintragungen vorgenommen. In Anbetracht dieser Thathsache dürfte es einer h. k. k. Regierung wohl klar sein, daß sich der im Eingänge gegen den Evidenzhaltungsgeometer von Feldkirch erwähnte Verdacht bei der Bevölkerung nicht unterdrücken lasse, und daß solche Vorkommnisse sehr geeignet sind das Vertrauen der Bevölkerung gegen Beamte und Vorgesetzte zu erschüttern, vorzüglich bei denjenigen, welche auf solche Weise ihrer politischen Rechte beraubt werden. Der Gefertigte fühlt sich daher veranlaßt folgende Fragen zu stellen: 1. Hat der h. k. k. Finanzministerium in Wien Kenntnis davon, daß der Grundsteuerkataster der Gemeinde Lustenau nicht nach den grundbücherlichen Eintragungen und nach dem jeweiligen Besitze, wie der § 1 des Ges. vom 23. Mai 1883 R.G.Bl. Nr. 83 vorschreibt geführt werde? 2. Ist Hochdemselben bekannt, daß Grundbesitz-Umschreibungen ohne Wissen der Parthei auch wenn die Eintragungen richtig waren, vorgenommen wurden? 3 Ist Hochdemselben bekannt, daß eine vollständige Revision des Besitzstandes, wie es der § 24 des mehrerwähnten Gesetzes vorschreibt, in Lustenau seit vielen Jahren nicht vorgenommen wurde? 4. Was gedenkt Hochdasselbe zu thun, damit die erwähnten Übelstände beseitiget und bewirkt wird, daß die Grundbesitz-Operate, respective die verfachbücherlichen Eintragungen die Grundlage zur Steuervorschreibung bilden und daß diese Eintragungen in Evidenz gehalten werden?" Bregenz, am 16. Sept. 1892. Engelbert Bösch, Landtagsabg. Landeshauptmann: Die zweite Interpellation handelt von unrichtigen Hauszinssteuerbekenntnissen. (Sekretär liest:) IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892. 15 „Interpellation. Anläßlich der Auflage der Wählerlisten für die bevorstehende Neuwahl der Gemeinde-Vertretung in Lustenau wurde die Entdeckung gemacht, daß neben vielen anderen Machinationen von Seite der dortigen Gemeinde-Vorstehung auch zu den Mitteln gegriffen wurde, falsche Hauszinssteuerbekenntnisse bei der k. L Finanzbehörde einzureichen, d. h. Personen als Steuerzahler anzugeben, welche weder Eigenthümer, noch Mitbesitzer des Stenerobjectes sind. So hat, um Beispiele anzugeben, die Gattin des Herrn Gemeinde-Vorstehers Max Bösch in Lustenau für das Haus Nr. 206/7 in Lustenau (Wiesenrhein) Hauszinssteuer fatirt, und hiedurch ein Wahlrecht im II. Wahlkörper erlangt. Der wirkliche Besitzer dieses Hauses Nr. 206/7 ist aber Herr Vorsteher Marx Bösch und wäre somit derselbe verpflichtet gewesen, das Hauszinssteuerbekenntnis auf seinen Namen einzubringen und die Steuervorschreibung hätte auf seinen Namen erfolgen müssen. Weil aber Vorsteher Marx Bösch als Lehrer ohnedem im ersten Wahlkörper wahlberechtigt ist, so greift er zu dem Mittel, die Steuerbehörde irre zu führen und durch diese unrichtige Steuervorschreibung für seine Ehegattin Karolina geb. Alge ein Wahlrecht im zweiten Wahlkörper zu erobern. Dieses war aber Herr Vorsteher Marx Bösch noch nicht genug, denn für das Haus Nr. III wurde ein Hauszinssteuer-Bekenntnis eingebracht, nach welchem seine Gattin Mitbesitzerin des Hauses wäre, was aber nicht der Fall sein dürfte. Hiedurch erwarb er sich auch eine Stimme in dem II. Wahlkörper. Das Gleiche geschah durch Eduard Hämmerle, Gemeinderath für das Haus Nr. 570. Ferner hat Stephan Fitz, Sticker, für das Haus Nr. 590, welches seinem Schwiegervater Gebhard Riedmann gehört, ein HauszinssteuerBekenntnis eingebracht, und es wurde somit auch die Hauszinssteuer fraglichen Objectes auf seinen Namen geschrieben, was ihm eine Stimme im II. Wahlkörper einbrachte. So wurden durch falsche Angaben und Irreführungen der k. k. Steuerbehörde Stimmen fabrizirt. Dieses konnte aber nicht ohne Hilfeleistung oder wenigstens wissentliche und absichtliche Zulassung der Gemeindevorstehung geschehen; denn die Fassionen werden ja bei der Gemeindevorstehung eingereicht, welche die nothwendige Klarheit über die Identität des Besitzers oder des zur Vermietung gelaugten Objectes hat und nach den Umständen haben muß. Nach dem Hauszinssteuer-Patent hat der Besitzer des Hauses das Hauszinssteuerbekenntnis auf seinen eigenen Namen zu fatiren. Es sind deshalb die falschen HauszinssteuerAnmeldungen als Umgehung der Gesetze und Irreführung der k. k. Steuerbehörden, sowie als Fälschung der Grundlage zur Ausübung politischer Rechte anzusehen. Einem mündlichen Ansuchen um Einleitung des Strafverfahrens gegen ein solches Gebühren wurde von Seite der löblichen k. k. Staatsanwaltschaft nicht entsprochen, was den Gefertigten veranlaßt, an die hohen k. k. Ministerien der Finanz und Justiz folgende Anfragen zu stellen: 1. Hält das hohe k. k. Finanz-Ministerium die durch Irreführung der k. k. Steuerbehörden zu Stande gebrachten Steuervorschreibungen als zurecht bestehend, oder sind dieselben auf die wirklichen Steuerpflichtigen umzuschreiben? 2. Sind solche, wie die angeführten Handlungen, strafbar, und wenn ja, was gedenkt dann das hohe k. k. Justiz-Ministerium für Schritte dagegen einzuleiten?" Bregenz, 12. September 1892. Engelbert Bösch, Landtagsabg. Landeshauptmann: Ich werde mir erlauben, auch diese beiden Interpellationen dem Herrn Regierungsvertreter zu übergeben. Somit kommen wir zur Tagesordnung. Auf derselben steht als erster Gegenstand der Antrag des Landesausschusses in Sachen der Regulirung der Lehrergehalte. Dieser Antrag ist mittlerweile in Druck gelegt worden und ich erwarte über die geschäftliche Behandlung desselben einen Antrag. Martin Thurnher: Es handelt sich hier um eine Vorlage des Landesausschusses. Solche Vorlagen können, ohne daß sie an einen Ausschuß übermittelt werden, sofort zur Behandlung im 16 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892. hohen Hause gelangen. Auch der § 24 der Geschäftsordnung bietet kein Hindernis, weil sich nach demselben die Vorschrift der frühern Vorlage nur auf selbstständige Anträge von Mitgliedern des Landtages bezieht, während solche Vorlagen, ivie die vorliegende nach der Geschäftsordnung nicht einmal nothwendiger Weise der Drucklegung zu unterziehen sind und deshalb glaube ich, daß dieser Bericht sofort in Verhandlung gezogen werden kann. Dr. Schmid: Ich muß auf den Antrag des Herrn Martin Thurnher die Thatsache feststellen, daß ich bis jetzt noch nicht im Besitze des Berichtes war. Ich bin heute um x/29 Uhr Vormittag von meiner Wohnung fortgegangen meine Patienten zu besuchen und wie ich hieher gekommen bin, wurde mir vom Herrn Sekretär beim Betreten dieses Lokales der Bericht eingehändigt. Es scheint mir denn doch nicht recht am Platze über einen Bericht, der von so weittragender Bedeutung ist, jetzt zu verhandeln, ohne daß es nur möglich gewesen wäre, denselben zuerst durchzulesen. Ich bin in dieser Sache ganz objectiv und bitte meine Worte zu würdigen. Die Herren müssen billiger Weise die Verhandlung über diesen Bericht auf eine der nächsten Sitzungen verschieben, damit den einzelnen Mitgliedern dieses hohen Hauses die Möglichkeit geboten wird, den Bericht und Antrag des Landesausschusses über diese Sache genau durchzulesen und zu studiren. Ich beantrage daher die Verhandlung über diesen Bericht auf eine der nächsten Sitzungen zu verschieben. (Dr. Waibel: Wird unterstützt.) Landeshauptmann: Wünscht noch Jemand das Wort? — Ich hätte auch geglaubt, daß es im Interesse der Wichtigkeit der Sache gelegen wäre, wenn die Verhandlung über diesen Gegenstand auf den Montag verlegt würde. Fink: Nach meiner Ansicht ist gerade der Umstand, daß der große Bericht schon lange in Händen der Herren Abgeordneten sich befindet, ein Grund, daß man vorbereitet sein kann, in die Verhandlung einzutreten. Die Hauptsache, die Klassenvorschiebung ist bereits geschehen und über das wenige, was im heutigen Berichte enthalten ist, kann man sich nach meiner Ansicht doch schlüssig werden. Die Hauptsache ist aber, daß der große Bericht schon seit der Frühjahrssession in Händen der Herren Abgeordneten sich befindet und man kann daher nicht sagen, daß einer, der sich für diese Angelegenheit interessirt, nicht Zeit gehabt hätte, sich auf diesen Gegenstand vorzubereiten. Dr. Schmid: Meine Herren! Es ist allerdings richtig, daß der große Bericht schon vor 7 Monaten in die Hände der Herren Abgeordneten gekommen ist, man hat ihn damals durchgelesen und studirt und hat während der ganzen Landtagssession von Sitzung zu Sitzung gewartet bis er zur Verhandlung kommt — damals war man vorbereitet. Es hat aber auf eine Weise, die bisher noch nicht bekannt gegeben worden ist, der Landesausschuß resp, die Leitung des Landtages den Bericht amovirt — man hat ihn nicht zur Verhandlung gebracht. Der Schulausschuß hat den Beschluß gefaßt von der Verhandlung über diesen Bericht abzusehen. Es ist nun begreiflich, daß in der langen Zeit von 7—8 Monaten viele Einzelnheiten aus dem Gedächtnisse entschwunden sind. Niemand hat daran gedacht und es wurde auch gar nicht davon gesprochen, daß man diese Angelegenheit wieder aufgreifen will. Auf einmal ganz unerwartet kommt auf die Tagesordnung „Bericht des Landesausschusses in Angelegenheit der Regelung der Lehrergehalte." Es ist kein Ausschuß gewählt worden, Niemand konnte sich vorbereiten, konnte den alten Bericht hervornehmen und mit dem heutigen vergleichen, und zudem kommt der Bericht eine halbe Stunde vor Beginn der heutigen Sitzung in die Hände der Herren Abgeordneten. Meine Herren, ziehen Sie nicht bloß die Geschäftsordnung in Berücksichtigung, wollen Sie in dieser Hinsicht auch eine gewisse Loyalität gelten lassen. Eine Sache, welche so wichtig ist, muß vor Beschlußfassung genau studirt werden. Berücksichtigen Sie das aufrichtige, objective Bestreben der Herren Abgeordneten diese Angelegenheit genau zu studiren um bei der Verhandlung auch darüber sprechen zu können. Eine solche Überrumpelung ist nicht am Platze. IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. IN. Session der 7. Periode 1892. 17 Landeshauptmann: Ich habe meiner Meinung bereits dahin Ausdruck gegeben, daß ich es auch gerne sehen würde, wenn dieser Gegenstand aus den von Herrn Dr. Schmid angeführten Gründen erst bei der nächsten Sitzung verhandelt würde. Eine Bemerkung des Herrn Dr. Schmio muß ich aber richtig stellen. Der Herr Dr. Schmid hat gesagt, es sei der Landesausschußbericht in der letzten Session durch Verfügung der Leitung des Landtages amovirt worden. Ich muß dieses dahin richtig stellen, daß ich diesen Gegenstand auf die Tagesordnung der zweiten Sitzung gestellt habe, in welcher er dem Schulausschusse überwiesen wurde. Mir ist vom Schulausschusse kein Bericht zugekommen, und wenn sich der Schulausschuß nicht veranlaßt gefunden hat, Bericht zu erstatten, so ist das Sache des Schulausschusses gewesen. Ich muß mich aber dagegen verwahren, als ob die Leitung des Landtages in dieser Sache eigenmächtig vorgegangen wäre. Dr. Schmid: Die Herren werden gehört haben, daß gesagt wurde, der Schulausschuß habe beschlossen von der Einstellung eines Berichtes abzusehen. Die Leitung des Landtages hat daher nur in Folge eines Beschlusses des Schulausschusses gehandelt. Es wurde dem Herrn Landeshauptmann kein Vorwurf gemacht und ich wollte da keine persönliche Angelegenheit anziehen. Landeshauptmann: Wer wünscht noch das Wort? — Wenn Niemand das Wort ergreift, so ist die Debatte geschlossen. Es liegt also der formelle Antrag des Herrn Abgeordneten Martin Thurnher vor, dahin gehend, daß dieser Bericht in der heutigen Sitzung verhandelt werde. Nachdem hierüber Widerspruch erhoben worden ist, so schreite ich zur Abstimmung und ersuche jene Herren, welche dem Anträge des Herrn Martin Thurnher die Zustimmung geben wollen, sich gefälligst von den Sitzen zu erheben. Angenommen. Ich ersuche nun den Herrn Berichterstatter Martin Thurnher gefälligst den Bericht vorzutragen. Martin Thurnher: (Liest den Bericht, Beilage XII.) Ich glaube vorläufig den Bericht des Landesausschusses nicht weiter befürworten zu sollen, als darauf hinzuweisen, daß in dieser Angelegenheit gethan wurde, was dermalen überhaupt gethan werden konnte, das Weitere muß einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten bleiben. Gerade in dem Umstande, daß jetzt, wie bereits gesagt in dieser Angelegenheit nicht mehr gethan werden konnte, als geschehen ist, liegt auch der Grund, warum ich mich gegen Verschiebung der Verhandlung über diesen Bericht ausgesprochen habe. Landeshauptmann: Ich eröffne über diesen Bericht und Antrag die Debatte. Dr. Waibel: Es dürfte wohl, seitdem Vorarlberg einen Landtag besitzt, der erste Fall sein, daß eine derartige Überrumpelung der Landesversammlung aufgedrungen wird. Auch ich habe den Bericht ebenso, wie der Herr Dr. Schmid unmittelbar vor der Sitzung bekommen und es war mir nicht möglich denselben mit dem in der Frühjahrssession vorgelegten Berichte zu vergleichen um zu sehen, was mittlerweile geschehen ist. Auch mein Collega Herr Dr. Beck war nicht in der Lage, obwohl er gestern der Landesausschußsitzung beigewohnt hat, mir heute bei der Herfahrt mündlich über diese Sache genauere Mittheilungen zu machen, damit man sich über dieselbe ein Urtheil bilden könnte. Die Fürsorge für die Volksschulen des Landes ist, wie Herr Dr. Schmid richtig betont hat, eine der wichtigsten Angelegenheiten der Landesversammlung. Um zu zeigen, wie man gerade in dieser Angelegenheit beliebt hat vorzugehen, muß ich auf die Frühjahrssession zurückkommen. Der Bericht des Landesausschusses betreffend die Erhebungen in Angelegenheit der Regulierung der Lehrergehalte ist schon lange Zeit vor Einberufung des damaligen Landtages in den Händen der Herren Abgeordneten gewesen und nachdem der Landtag zusammen getreten war, wurde derselbe dem Schulausschusse überwiesen. Der Schulausschuß — die Herren werden sich erinnern, daß derselbe zur Behandlung dieses Berichtes durch die Herren Martin und Johann Thurnher verstärkt worden war — hat in seiner 4. Sitzung am 21. März, sie war eine ganz kurze, folgende Anträge, ich glaube sie sind von Herrn Martin 18 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Hl. Session der 7. Periode 1892. Thurnher gestellt worden — (Martin Thurnher: Ja.) — beschlossen: 1. und Der Bericht werde zur Kenntnis genommen 2. der Landesausschuß wird beauftragt, nach Vornahme weiterer Erhebungen einen entsprechenden Betrag in den Voranschlag pro 1893 einzusetzen. So war es. Ich habe mir dann erlaubt in der letzten Sitzung am 9. April daran zu erinnern und anzufragen, was es mit der Behandlung dieses so wichtigen Gegenstandes für eine Bewandtnis habe und warum derselbe im Plenum nicht mehr zur Verhandlung komme. Darauf wurde mir vom Herrn Landeshauptmann mitgetheilt, daß ihm ein verifizirter Bericht über diesen Gegenstand nicht zugekommen sei. Herr Martin Thurnher hat dann folgendes gesagt: „Es ist eine Sitzung des Schulausschusses abgehalten worden, bei welcher der Herr Abgeordnete Dr. Waibel aber nicht zugegen war. In dieser Sitzung habe ich den betreffenden Bericht vorgelegt, der Schulausschuß hat aber aus Gründen, die sich heute der Öffentlichkeit entziehen, meinen Bericht der Verifikation nicht unterzogen, die Verhandlung über diesen Gegenstand selbst aber als eine vertrauliche erklärt." Ich habe mich dann darüber beschwert, wie es gekommen sei, daß der Schulausschuß eine Sitzung abgehalten habe, ohne mich als Mitglied dieses Ausschusses von derselben zu verständigen, beziehungsweise dazu einzuladen. Darauf hat mir der Herr Abgeordnete Martin Thurnher folgende Erwiderung gegeben: „Der Herr Dr. Waibel war damals in Bregenz nicht anwesend, wenigstens find die Diener, welche ausgesendet wurden, ihn zu verständigen, unverrichteter Sache zurückgekehrt." Der Herr Abgeordnete Johann Thurnher hat gesagt: „Ich kann nur constatiren, daß der Landtagsdiener den Herrn Dr. Waibel gesucht, aber nicht gefunden hat." Beide Bemerkungen beruhen auf Unwahrheit. (Martin Thurnher: Oho!) Ja, auf Unwahrheit. (Martin Thurnher: Was Sie behaupten ist immer wahr! Diese Erwiderungen beruhen auf Wahrheit. Solche Vorwürfe, wie Sie in der vorigen Session öfter vorgebracht haben, lassen wir uns nicht mehr gefallen.) Landeshauptmann: Ich bitte den Herrn Redner nicht zu unterbrechen und Diskussionen zu unterlassen. Dr. Waibel: Ich erlaube mir weiter zu sprechen. Ich bin in der Lage darzuthun, daß diese Behauptung gen auf Unwahrheit beruhen. Ich bin zufällig bei einer Landesausschußsitzung gewesen, bei welcher diese Angelegenheit auch zur Sprache kam. Der Landtagsdiener wurde vorgerufen und gefragt: „Nicht wahr, Sie wurden ausgeschickt, um den Herrn Dr. Waibel zur Sitzung des Schulausschusses einzuladen?" Der Landtagsdiener hat hierauf in Anwesenheit der Herren Johann und Martin Thurnher und noch anderer Mitglieder des Landtages erklärt, er sei nicht ausgeschickt worden. Ich glaube, das ist doch deutlich genug. (Martin Thurnher: Man hat mehrere Personen ausgeschickt. Diese Darstellung ist unrichtig.) Ich bin allerdings der einzige Partheizeuge, aber es ist das vorgekommen; wenn der Herr Martin Thurnher anwesend war, und ich glaube er war anwesend, so wird er das nicht in Abrede stellen. Ich habe mir auch Einsicht verschafft in das Protokoll, welches über jene gewissermassen geheime Sitzung, weil man mich dabei nicht hat haben wollen, zustande gekommen ist. — Anwesend waren die Herren Dekan Berchtold, Johann Thurnher, Martin Thurnher und Fritz als Mitglieder und Herr Nägele als Ersatzmann dieses Ausschusses. Außer diesen war anwesend der Herr Statthaltereirath Graf St. Julien Wallsee. Was in dieser geheimen Sitzung ausgemacht wurde, das entzieht sich der Beurtheilung, weil die Sitzung eine vertrauliche war und dem Plenum davon keine Mittheilung gemacht wurde. Das Protokoll über dieselbe, welches auf separate Bogen geschrieben worden ist, ist lange Zeit nicht in die Hände des Herrn Landeshauptmannes gekommen, kurz wir haben keine Kenntnis erhalten, was da für Dinge abgemacht worden sind. Ich glaube daß dieses allein schon hinreichend ist, unser Mißtrauen gegen den ganzen Vorgang zu rechtfertigen. Man hat sich nicht in die Karten sehen lassen, warum weiß ich nicht In loyalen Dingen darf man in die Karten sehen. Man darf und soll wissen, was in unserer Versammlung für das Land ausgemacht wird. IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. HI. Session der 7. Periode 1892. 19 Ich muß noch bemerken, daß dieser vorliegende Bericht sich außerordentlich mager gestaltet, es wird bloß ziffermäßig von einer Anzahl Schulen gesprochen, welche von einer niederen Gehaltsklasse in eine höhere vorgeschoben werden. Dieselben hätten ebenso gut — es hätte nur ein paar Blatt Papier mehr erfordert — in dem Berichte aufgeführt werden können, damit wir wissen, welche Schulen in dieser Weise vorgeschoben worden sind. Das wissen wir jetzt alles nicht, und da sollen wir nun ohne etwas näheres zu wissen, in die Berathung und Beschlußfassung über diesen Gegenstand eintreten. Das ist eine Zumuthung die bisher den Mitgliedern des Landtages noch nicht gemacht worden ist. Wir wissen gar nichts von den Verhandlungen, die mit dem Landesschulrathe gepflogen worden sind, die ziffermäßigen Daten, wie sie im Berichte angegeben sind, reichen nicht ans, um eine Beschlußfassung zu rechtfertigen. Ich habe nun meinen Standpunkt und die Art und Weise, wie hier in dieser Sache verhandelt wurde, mitgetheilt und ich enthalte ntich, wenn ich nicht provocirt werde, jeder weiteren Betheiligung an der Verhandlung und auch an der Beschlußfassung, weil ich ein solches Vorgehen als der Landesvertretung ganz unwürdig erachte. Berchtold: Ich muß ganz kurz der Behauptung des Herrn Vorredners gegenüber, daß es nicht wahr sei, daß er zu der betreffenden Sitzung eingeladen wurde, bezeugen, daß es doch wahr ist. Ich vertrat damals die Stelle des Obmannstellvertreters und habe in der That, ich weiß zwar nicht wie viele, aber wenigstens zwei Herren ersucht, den Herrn Dr. Waibel von dieser Sitzung zu verständigen. Ich kaun mich aber nicht mehr erinnern, ob ich auch den Landtagsdiener vor mir hatte; ich kann nur so viel sagen, daß ich das möglichste gethan habe, um den Herrn Dr. Waibel zu verständigen. Thatsache ist, daß mir nachträglich berichtet wurde, er sei nach Dornbirn abgereist. Was die mehrfach schon betonte sogenannte Überrumpelung anbelangt, so kann ich nicht einsehen, wie matt heute in dieser Frage noch von einer Überrumpelung reden kann. Vielleicht hat seit langer Zeit keine Frage den Gegenstand so vieler Besprechungen gebildet, wie gerade diese Angelegenheit. Ich glaube heute am 17. September 1892 dürfte man sich denn doch im Klaren sein, wie man über diese Frage denkt. Wenn etwas verhandelt würde, was noch niemals besprochen worden ist, so könnte man eher von einer Überrumpelung oder Überstürzung sprechet: aber in diesem Falle nicht. Wer über diese Frage in diesem Momente noch nicht im Klaren ist, wird darüber auch nicht mehr klar werden. Martin Thurnher: Obwohl ich als Berichterstatter am Schlusse der Verhandlung noch Gelegenheit haben würde, über diesen Gegenstand zu sprechen, so kann ich doch bis dorhin nicht zuwarten, sondern will jetzt in die Debatte kurz eiugreifen um Einiges von dem, was Herr Dr. Waibel vorgebracht hat, auf die Wahrheit zurück zu führen. Cr hat gesagt, daß man ihn von der Abhaltung jener Sitzung des Schulausschusses nicht verständigen wollte. Das ist nicht richtig. Mau wollte ihn verständigen, man hat ihn am Bahnhof uni) im Hotel, wo er gewöhnlich zu Mittag speist, suchen lassen, hat ihn aber nirgends gefunden. Nach Dornbirn hinauf kann man denn doch nicht schicken, um den Herrn Dr. Waibel herunter zu holen. Es ist in derGeschäftsordnung vorgesehen, daß wenn ein Ausschußmann nicht zu haben ist, der Ersatzmann einzuberufen sei, und das ist in diesem Falle auch geschehen. Übrigens ist nicht nur der Landtagsdiener, sondern auch der Diurnist Bögner zur Einladung und Verständigung des Abgeordneten verwendet worden, die gleiche Einladung, welche an den Regierungsvertreter zu genannter Sitzung ergangen ist, ist auch au die Mitglieder des Ausschusses ergangen. Mit dem ist die Sache klargelegt und abgethan und der Vorwurf der Unwahrheit dahin zurückgeleitet, woher er gekommen. Es ist auch weiter der Vorwurf erhoben worden, es sei der Bericht zu mager, man hätte jene Schulen die in eine höhere Gehaltsklasse vorgeschoben wurden, aufführen sollen. (Dr. Waibel: Das hätte sich gehört.) Ja es hätte sich gehört, wenn der Landtag die Beschlüsse des Landesschulrathes und des Landesausschusses zu sanctioniren gehabt hätte, das ist aber nach dem Gesetze nicht der Fall, sondern die Vorschiebung der Lehrergehalte fällt 20 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. Ils. Session der 7. Periode 1892. in den eigenen selbstständigen Wirkungskreis des Landesausschusses und des Landesschulrathes. Es genügen daher vollständig die von dem Landesausschusse und dem Landesschulrathe diesfalls gefaßten Beschlusse dem hohen Landtage zur Mittheilung zu bringen und ihn um Kenntnisnahme derselben zu ersuchen. Dieses wollte ich gegenüber dem Vorwurfe des Herrn Dr. Waibel bemerken, ich enthalte mich aber vorläufig jeder weiteren Ausführung. Dr. Waibel: Auf die Bemerkungell meiner beiden Herren Vorredner habe ich folgendes zu constatiren: Am 1. April, als am Tage, an welchem diese eigenthümliche Sitzung abgehalten worden ist, ist auch Landtagssitzung gewesen, bei welcher ich laut Protokoll anwesend war. Nun habe ich immer wahrgenommen, daß, wenn eine Ausschußsitzung abzuhalten beabsichtiget wurde, dies während oder gleich nach der Haussitzung den betreffenden Herren mitgetheilt wurde. Es muß also hier über Mittag etwas vorgefallen sein, was die Herren veranlaßt hat, den Moment zu benützen, wo ich abwesend war, um eine Schulausschußsitzung ohne mich abzuhalten, wie ich das schon in der früheren Session gesagt habe. Ich bin überzeugt, daß die Mitglieder des Schulausschusses schon Vormittag gewußt haben, daß man eine Sitzung abhalten will — ich bin überzeugt davon — wenn Sie hätten loyal vorgehen wollen, so hätten Sie mich verständigen können, so dringende Sachen haben sich in der Zwischenzeit nicht ereignet. Am 2. April, am nächsten Tage, war wieder eine Haussitzung, bei welcher ich ebenfalls anwesend war — ich habe überhaupt keine einzige Sitzung versäumt — wenn man mich bei der fraglichen Sitzung hätte haben wollen, dann hätte man ganz ruhig 24 Stunden warten und mich verständigen können, und ich wäre da gewesen. Zu den Augen von Menschen, die gewöhnliche Denkungsweise haben, rechtfertiget sich dieses Vorgehen nicht. Wenn man sagt, man glaube der Landtagsdiener sei nach mir ausgeschickt worden, so sind das nur Ausflüchte, der Diener ist nach mir nicht ausgeschickt worden. Weiter muß ich constatiren, daß nach allem dem, was hier vorliegt, die Sache damals nicht so dringend war, daß man mit der Ausschußsitzung nicht hätte 24 Stunden warten können. Sagen die Herren was Sie wollen, dieses Vorgehen läßt sich nicht rechtfertigen. Fink: Ich hätte auch noch etwas zu sagen, wenn man unser einem auch Glauben schenken will. Ich weiß nämlich ganz genau, daß am 1. April morgens der Herr Obmannstellvertreter des Schulausschusses den Herrn Berichterstatter Martin Thurnher gefragt hat, ob er heute eine Schulausschußsitzung anberaumen könne und der Herr Berichterstatter hat dann gesagt, er sei mit dem Berichte noch nicht fertig, und könne auch nicht sagen, ob er ihn noch rechtzeitig fertig bringe. Wenn der Herr Dekan Berchtold sich daran erinnert, so wird er mir bestätigen müssen, daß diese Anfrage gestellt wurde und daß Herr Martin Thurnher darauf so geantwortet hat. Ich weiß auch gewiß, daß an jenem Nachmittag der Landtagsdiener ausgesendet wurde um den Herrn Regierungsvertreter und auch den Herrn Dr. Waibel zur Sitzung einzuladen, ich weiß, daß der Diener zweimal zurückgekommen ist und gesagt hat, er finde den Herrn Dr. Waibel nicht, er sei nicht in seiner Wohnung. Dann hat man den Diener gegen Abend zum Bahnhof geschickt, um zu sehen, ob der Herr Dr. Waibel vielleicht dort sei. Der Diener ist jedoch wieder mit der Meldung zurück gekommen, Herr Dr. Waibel sei nicht dort. Ob man meinen Worten Glauben schenkt oder nicht, weiß ich nicht, so viel Ehrgefühl aber glaube ich soll man einem doch entgegen bringen, daß man das glaubt. Weiters ist mir die Bemerkung des Herrn Dr. Waibel aufgefallen, daß Herr Dr. Beck ihm nicht viel über die Vorgänge im Landesausschusse habe berichten können. Das konunt gerade so heraus, als ob der Landesausschuß geheim vorgegangen wäre, oder doch vor dem Herrn Dr. Beck etwas verheimlichet hätte. Dem gegenüber muß ich constatiren, daß ich bei der gestrigen Landesausschußsitzung, bei der ich zufällig auch gegenwärtig war, beobachtet habe, daß Herr Dr. Beck von dieser Schulangelegenheit gerade so viel wissen muß, wie jeder andere, der bei der Sitzung dabei war. Man ist den Bericht, wie er in der Frühjahrssession IV* Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. 21 vorgelegt wurde, durchgegangen, man hat Klasse für Klasse, die vorgeschoben worden ist, genannt, man hat an einzelnen Beispielen gezeigt, wie die Lehrergehalte sich nach der Vorschiebung stellen, man hat weiter einen Antrag, den der Herr Dr. Beck stellte und der eine weitere .Vorschiebung einer Schule bezweckte, einstimmig angenommen, man hat auch alles so besprochen und so redlich verhandelt, wie man sichs nicht besser wünschen könnte. Ich glaube der Herr Dr. Beck wird auch bestätigen müssen, daß der heute vorliegende Antrag des Landesausschusses verlesen und einstimmig zum Beschlusse erhoben wurde. Nägele: Ich beantrage Schluß der Debatte. Landeshauptmann: Es ist Schluß der Debatte beantragt worden, es haben sich aber noch zwei Herren zum Worte gemeldet. Ich ersuche also jene Herren, welche mit dem Anträge auf Schluß der Debatte einverstanden sind, sich gefälligst von den Sitzen zu ergeben. Angenommen. Dr* Beck: Ich sehe mich veranlaßt, auch das Wort zu ergreifen der Bemerkungen wegen, die über meine Person gefallen sind. Auf die von meinem Kollega Herrn Dr. Waibel wegen dieses Gegenstandes an mich gerichteter: Fragen konnte ich doch nicht einen ganzen Bericht erstatten. Ich habe berichtet, was vorgegangen ist. Wie Herr Fink bereits bemerkt hat, hat man im Ausschüsse diese Vorlage von Post zu Post, von Schule zu Schule, von Verschiebung zu Verschiebung durchgemacht, weiteres ist aber in der Sitzung nichts vorgefallen. Ich hätte es auch gerne gesehen, wenn diese Ausbesserungen und Verschiebungen bezüglich des Lehrpersonales zur Aufklärung und Beruhigung der Herren Abgeordneten in dem Berichte ausgenommen worden wären. Es wäre deshalb angezeigt, daß dieser Gegenstand von der heutigen Tagesordnung abgesetzt und auf eine der nächsten Tagesordnungen gebracht würde. Bis zur morgigen Sitzung wäre es schon möglich, diese jedenfalls nicht unwichtige Ergänzung in dem Berichte vorzunehmen. Es würde die Herren doch gewiß interessiren zu wissen, welche Lehrerstellen vorgerückt, welche Schulen zu selbstständigen gemacht worden sind u.s.w. Dr. Waibel: Ich muß weiter noch constatiren, daß der Herr Obmannstellvertreter des Schulausschusses auch noch bei der Sitzung, welche am 4. April abgehalten worden ist, hier in Bregenz anwesend war. Es wäre also nicht bloß am 2. oder 3. sondern auch am 4. April noch möglich gewesen eine'Sitzung des Schulausschusses einzuberufen, bei welcher auch ein Vertreter unserer Gruppe hätte anwesend sein und seine Meinung zum Ausdrucke bringen können. Erst am 5* oder 6. April ist der hochwürdige Herr Dekan Berchtold nicht mehr dagewesen, er hat Bregenz mit Urlaub verlassen und hat auch bei den weiteren Landtagsverhandlungen nicht mehr mitgewirkt. Auch ist es recht auffallend, daß, obwohl der Herr Obmannstellvertreter des Schulausschusses noch am 4. April in Bregenz anwesend war, das vom Herrn Abgeordneten Fink über diese Sitzung verfaßte Protokoll seine Fertigung nicht trägt. Es geht aus diesem Protokolle, das auf einen separaten Bogen geschrieben und in welchem die Sitzung als eine vertrauliche erklärt wird, in gar keiner Weise hervor, warum es so rasch gehen mußte, und warum man nicht vom 1. auf den 2. April hat warten können, damit auch uns Gelegenheit gegeben gewesen wäre, an der Aus- schußberathung theilzunehmen. Es wäre dies loyal und gehörig gewesen. Es ist gut, daß dieses Vorgehen in den Annalen des Landtages konstatirt bleibt, wir können es vielleicht noch einmal brauchen. Landeshauptmann: Die Debatte ist geschlossen und ich ertheile dem Herrn Berichterstatter das Wort. Martin Thurnher: Ich glaube ich kann mich sehr kurz fassen, weil zu diesem außerordentlich wichtigen, tief einschneidenden Gegenstand selbst, worüber eine Beschlußfassung vom Landtage schon lange erwartet und verlangt wurde, in der ganzen Debatte eigentlich gar nichts Sachliches gesagt wurde. Es sind nur so Nergeleien und Vorwürfe erhoben worden, dahingehend, daß einer der Herrn Abgeordneten von einer Ausschußsitzung nicht verständiget worden sei, der pflichtgemäß hier in Bregenz hätte anwesend sein sollen, den man aber nicht gefunden hat. Über dieses habe ich nichts weiter zu sprechen und es wird uns auch 22 IV. Sitzung des Vorarlberger Landtages. III Session der 7. Periode 1892. gar nicht geniren, wenn unser Vorgehen in den Annalen des Landtags verzeichnet bleibt, denn es ist ein vollständig correctes. Ich mache nochmals aufmerksam, daß ungeachtet der hohen Wichtigkeit dieses Gegenstandes sachlich gar nichts gesprochen wurde, man hat nur mit Kleinigkeiten die Zeit zugebracht. Ich aber bin dadurch weiteren Ausführungen auch enthoben worden, möchte bei der Wichtigkeit des in Verhandlung stehenden Gegenstandes nur bitten, den vom Landesausschusse gestellten Antrag zum Beschlusse zu erheben. Es ist in dieser Angelegenheit alles geschehen, was bisher geschehen konnte. Dr. Waibel: Ich bitte um das Wort zu einer thatsächlichen Berichtigung. Es ist mir der Vorwurf gemacht worden, daß ich damals hätte hier in Bregenz sein sollen. Dem gegenüber muß ich erklären, daß ich jedesmal, so oft ich hier in Bregenz zu thun hatte, hier geblieben bin so lange ich zu thun hatte. Bei der Nähe von Dornbirn und bei der Wichtigkeit der Geschäfte, die mir als Bürgermeister von Dornbirn obliegen, ziehe ich es aber begreiflicher Weise vor statt hier in Bregenz einen halben Tag beschäftigungslos zuzubringen, nach Hause zu fahren und dort meinen Geschäften nachzugehen. So haben es auch andere gemacht, ich habe mir kein Versäumnis zu schulden kommen lassen und lasse mir daher auch keinen Vorwurf
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18920917_ltb0131893_Landesausschussbericht_Voranschlag_Landesschulrat_... Landtag 01.07.2021 XIII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. HL Session, 7. Periode 1892. Beilage XIII. des Landes-Ausschusses über den Voranschlag des k. k. kandesschulrathes pro s893. Hoher Landtag! Mit Note vom 10. ds. Z. 720 übersendete der k. k. Landesschulrath dem Landes-Ausschusse behufs Vorlage an den h. Landtag den Voranschlag über die pro 1893 aus Landesmitteln zu bestreitenden Kosten der Bezirkslehrer-Conferenzen mit einem Erfordernisse von 430 fl., sowie den Voranschlag über die Einnahmen und Ausgaben des Lehrerpensionsfonds mit einem zu deckenden Abgang von 1800 fl. zusammen 2230 fl. Nachdem im Voranschläge des Landesfondes pro 1893 unter Rubrik 9 „Verschiedenes" für diese Ausgabe bereits Vorsorge getroffen ist, erscheint diese Angelegenheit damit erlediget und wird daher erhoben der Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: „Der Voranschlag des k. k. Landesschulrathes pro 1893 mit einem Erfordernisse von fl. 2230.— wird zur Kenntnis genommen und findet durch dessen Berücksichtigung im Vor­ anschläge des Landesfondes seine Erledigung." Bregenz, am 17. September 1892. Der Landrsansschuß. 57
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18920916_ltb0121893_Landesausschussbericht_Lehrergehaltregelung Landtag 01.07.2021 XII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, III. Session. 7. Periode 1892. Beilage XIL W erdicht des Landes-Ausschusses in Angelegenheit der Regelung der Lehrergshalte. Hoher Landtag! Auf Grund des Landtagsbeschlusses vom 30. Oktober 1890 hat der Landesausschuß unter Mitwirkung der Schulbehörden umfassende Erhebungen über die Anzahl der im Lande befindlichen Schulen, die Höhe der Lehrergehalte und der von den Gemeinden gewährten Zuschüsse, ferner die Art und Weise der Besetzung der Lehrerstellen, sowie über den Vermögensstand der einzelnen Ge­ meinden gepflogen und das Resultat derselben mit Bericht vom 31. August 1891 (I. Beilage zu den stenografischen Protokollen der Session pro 1892) dem h. Landtage zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig wurde dieser Bericht auch den Mitgliedern des k. k. Landesschulrathes und der k. k. Bezirksschulräthe übermittelt Die Zusendung an die Mitglieder des k. k. Landesschulrathes hatte den Zweck, diese Körperschaft in die Lage zu versetzen auf Grund des gesammelten statistischen Materials in die Berathung und Beschlußfassung über die Vorschiebung der Schulen in höhere Gehaltsklassen und Umwandlung von Unterlehrer- in Lehrer- und Lehrerinnenstellen, sowie von Expositurschulen in selbstständige Schulen einzutreten. Der Landesschulrath nahm die bezüglichen Arbeiten in Angriff und faßte auf Grundlage der Vorschläge eines von ihm zu diesem Zwecke eingesetzten Comitös in der Sitzung vom 17. März d. Js. entsprechende Beschlüsse und übermittelte dieselben mit Zuschrift vom 22. März d. Js. Z. 262 dem Landesausschusse mit dem Ersuchen, im Sinne des § 21 des Gesetzes vom 17. Jänner 1870 sein Votum über die gestellten Revisionsanträge abzugeben. Rach dem vorcitirten Paragraf hat der Landesschulrath im Einvernehmen mit dem Landes­ ausschusse die Schulen in die gesetzlich vorgesehenen Gehaltsklassen einzutheilen. Der Landesausschuß hat in heutiger Sitzung die Beschlüsse des Landesschulrathes vom 17. März betreffend die Vorschiebung einer Anzahl Schulen in höhere Gehaltsklassen mit unwesentlichen Abänderungen acceptirt, dieselben sind sonach rechtskräftig geworden und treten die bezüglichen Lehr­ personen vom 1. November d. Js. an in die höheren Gehaltsbezüge. Was die Umwandlung einer Anzahl Unterlehrer- in Lehrer- und Lehrerinnenstellen, sowie von Erpositurschulen in selbstständige Schulen betrifft, so werden seitens des Landesschulrathes vorerst dahinzielende Verhandlungen mit den Gemeinden gepflogen und wird auf Grundlage des Ergebnisses derselben s. Z. das Geeignete verfügt werden. Die vom k. k. Landesschulrathe und dem Landesausschusse beschlossenen Vorschiebungen in höhere Gehaltsklassen bilden einen, wenn auch nicht ausreichenden, so doch wichtigen und wesentlichen Schritt zur Verbesserung der materiellen Lage des Lehrerstandes. 55 XII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, m. Session, 7. Periode 1892. Nach diesen Beschlüssen werden 4 Schulen mit 16 Klassen von der II. in die I. Gehaltsklasse vorgeschoben, so daß in dieser letztern statt bisher 4 fortan 8Schulen sich befinden werden. Ferner gelangten 69 Schulen mit 92 Klassen aus der III. in die II. Classe, so daß die II. Classe statt bisher 46 fortan 115 Schulen enthalten wird, dagegen in der III. Classe statt den bisherigen 145 nunmehr 76 Schulen verbleiben. Diese 76 Schulen sind zumeist einklassige und befinden sich in Gemeinden, in denen entweder keine Sommerschule gehalten wird, oder die gar nicht in der Lage sind, die Mittel zu einem erhöhten Schulaufwande aufzubringen. Die Zahl der in Lehrer- oder Lehrerinnenstellen der Umwandlung zu unterziehenden Unter­ lehrerstellen beträgt 17, jene der in selbstständige Schulen zu verwandelnden Exposilurschulen 24. *) Wenn nun auch die beschlossenen und in Aussicht genommenen Maßnahmen eine bedeutende Verbesserung der dermaligen Verhältnisse und Zustände unzweifelhaft herbeiführen, so werden, wie schon im eingangs erwähnten Berichte Dom 31. Aug. D. I. hervorgehoben wurde, immer noch eine Anzahl zu gering dotirter Lehrstellen verbleiben, bei denen nach wie vor die Gefahr fortbesteht, daß dieselben nicht mit qualificirten Lehrkräften besetzt werden können. In solchen Fällen wird es dann Aufgabe des Landes sein helfend einzutreten. Momentan ist indessen kaum ein bestimmter Betrag zu bezeichnen, den das Land für solche Zwecke voüren sollte. Es müßten demnach weitere Er­ hebungen vorangehen. Dazu kommt noch, daß dermalen nicht einmal alle nun in höhere Gehalts­ klassen vorgeschobenen Schulen mit qualificierten Lehrkräften besetzt werden können, da es an genügen­ den Nachwuchs fehlt; es wäre daher dermalen noch weniger möglich, für die in der letzten Gehalts­ stufe verbleibenden Schulen solche Lehrkräfte zu gewinnen, und zwar auch dann nicht, wenn den­ selben angemessene Personalzulagen zugewendet werden wollten. Es entfällt daher mindestens für das nächste Jahr die Nothwendigkeit der Zuwendung eines Landesbeitrages zu gedachtem Zwecke. Dagegen wird dieses, wie im Berichte Dom 31. August v. I. eingehend dargelegt wurde, für die Folge nothwendig werden. Die Festsetzung der Höhe des aus Landesmitteln zu gewährenden Beitrages kann aus all dem Gesagten wohl nur auf Grundlage weiterer entsprechender Erhebungen erfolgen. Indem der Landes-Ausschuß hiemit über den dermaligen Stand der Angelegenheit dem hohen Landtage Bericht erstattet, erlaubt er sich zu stellen folgende Anträge: Der h. Landtag wolle beschließen: „1. Der Bericht des Landesausschusses vom 31. August D. I. (I. Beilage der stenografischen Protokolle der letzten Session) über die Dorgenommenen Erhebungen in Angelegenheit der Regelung der Lehrergehalte, ferner die vom k. k. Landesschulrathe im Einvernehmen mit dem Landesausschusse beschlossenen im Doranstehenden Berichte auf­ geführten Maßnahmen werden zur Kenntnis genommen. 2. Der Landesausschuß wird beauftragt, dem Landtage in einer der nächsten Ses­ sionen auf Grund geeigneter Erhebungen Bericht und Antrag über weiters noch noth­ wendige Maßnahmen in dieser Angelegenheit zu erstatten." Bregenz, am 16. Sept. 1892. Der Kandesausschuß. *) Durch das in einigen Punkten etwas von den Beschlüssen des Landesschulrathes abweichende Votum des Landesausschusses wird unter der Voraussetzung der Zustimmung erstgenannter Behörde noch eilte etwas weitergehende Vorschiebung, nämlich einer Schule von der III. in die I. und von 4 Schulen der III. in die II. Gehaltsklasse erfolgen. 56
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18920914_ltb0111893_Finanzausschussbericht_Rechenschaftsbericht_L...chaftsbericht_Landesausschuss Landtag 01.07.2021 XL der Beilagen zu den stcWgr. Protskollen des Vorarlberger Landtags. UI. Session, 7. Periode 1892. Beilage XI. We ricfyt des KnanzAussckusses über den Rechenschaftsbericht des Landes-Ausschusses von der letzten kandtagsseffion bis 7. September d. Is. Hoher Landtag! Der Finanz-Ausschuß hat den Rechenschaftsbericht des Landes-Ausschusses einer eingehenden Prüfung unterzogen und hiebei gefunden, daß der Landes-Ausschuß einerseits die in der letzten Session gefaßten Landtagsbeschlüsse soweit thunlich zur Ausführung brachte, andererseits die ihm sonst obliegenden Agenden in sachlicher und ersprießlicher Weise besorgte. Ohne in eine neuerliche Wiederholung des Berichtes des Landes-Ausschusses einzutreten werden hinsichtlich der Ausführung der Landtagsbeschlüsse der letzten Session gestellt folgende Anträge: Ad I. A. Der hohe Landtag wolle die Punkte 1, 2, 3, 4 und 5, betreffend die Landtagsbeschlüsse, welche die Allerhöchst kaiserliche Sanction erlangt haben, zur befriedigenden Kenntnis nehmen, und bezüglich der Punkte 6, 7, 8 und 9 über die Landlagsbeschlüsse, für welche die Allerhöchst kaiserliche Sanction noch aussteht, der Erlangung derselben entgegen sehen. Nachtrag. 10. Dieser Punkt fand bereits im Berichte des Finanz-Ausschusses der letzten Session ad II, Poll 2, Beilage XI. der stenogr. Berichte, seine Erledigung. Ad I. B. Betreffend die Ausführung der Landtagsbeschlüsse nach § 18 und 19 der Land esordnun g. Den Punkten 1 und 4, betreffend a. die Licenz für Orgeldreher und Bettelmusikanten, b. die jährliche Einberufung der Landesvertetung wurde seitens der hohen Behörden ganz, dem Punkte 3 bezüglich der Reduzirung der Erwerb- und Einkommensteuer für die Stickereiindustrie nur theilweise entsprochen, dagegen auf die Landtagsbeschlüsse Punkt 2 und 9, a. die Förderung der Polizeistunde, b. die Aufhebung der ärarischen 49 Belage XL XL der Beilagen zu deu stenogr. Protokolle» des Vorarlberger Landtags. Straßenzölle in Vorarlberg nicht eingegangen. Zu Punkt 10, Förderung des AchthalBahnprojectes ist der Landes-Ausschuß noch nicht im Besitze des nöthigen Materiales und konnten daher keine weiteren Ausführungen erfolgen. Ueber die Punkte 5, 6, 7, 8, 11 und 12, betreffend a. die Einschränkung des Hausierhandels, b. die Einführung eines eigenen Viehsanikütsbezirkes in Vorarlberg, c. das Verbot der Ziegenweide, d. die Er­ leichterung der steuerfreien Branntweinerzeugung, e. Gewährleistung und Schadenersatzpflicht beim Vie hhandel, k. die Resolution Betreff Rheincorrection, ist seitens der h. k. k. Regierung noch keine Erledigung herabaelanat. Es wird daher gestellt der Antrag: Der hohe Landtag wolle die Punkte 1, 2, 3, 4, 9 und 10 zur Kenntnis nehmen und bezüglich der Punkte 5, 6, 7, 8, 11 und 12 eine günstige Erledigung seitens der h. k. k. Regierung erwarten. Ad I. 6. Ueber die Ausführung der Landtagsbeschlüsse im eigenen Wirkungskreise des Landes-Ausschusses. Hiebei wird ebenfalls auf den Rechenschaftsbericht des Landesausschusses verwiesen wie folgt: Punkt 1. betreffend die Uebernahme der Kosten für Impfstoffe und Werkzeuge zur Rauschbrand schutzimpfung. „ 2. bezüglich eines geschäftskundigen Berathers für die Raiffeisenschen Kassen­ vereine. „ 3. die Förderung sonntäglicher Fortbildungsschulen. „ 4. die Förderung landwirthschafrlicher Kenntnisse. „ 5, die Aenderung des § 3 der Grundzüge für die Raturalverpflegsstation en. f, 6. betreffend die Anlegung eines sicheren Fahrweges über den Flexen. „ 7. die Gehaltsaufbesserung des Sekundärarztes in der Landesirrenanstalt Valduna. „ 8. bezüglich Beitragsleistung an den k. k. Bezirksschießstand in Schruns. 1t 9. betreffend die Aufforstung des Arlberges. „ 10. wegen Nichteinhebung von Jntercalarien. „ 11. Verhandlun gen wegen der Straße Lauterach—Bezau. „ 12. betreffend die Subvention an die Vorarlberger Productivgenossenschaft der Stickereiindustrie. „ 13. bezüglich Unterstützung desWegbaues Au-Damüls und Beitragspflicht der Gemeinde Au. „ 14. betreffend Unterstützungen an Lehramtszöglinge. f, 15. hinsichtlich einer alljährlichen Hinausgabe des Berichtes über den Stand der Irrenanstalt in Valduna. „ 16. betreffend den Beitrag zu den Wuhrbauten an der Lutz und Jll in Bludesch. „ 17. wegen des Gesuches des Thierarzneischülers Franz Josef Minder. „ 18. hinsichtlich des Beitrages an den Lehrerpensionsfond. „ 19. betreffend Hintanhaltung künstlicher Stimmenbeschaffung bei Gemeinde­ wahlen. „ 20. wegen Abänderung des Forstgesetzes, punkto Ziegenweide. „ 21. hinsichtlich Abänderung des Vorarlbergischen Tbierseuch enfonds gesetzes. „ 22. betreffend die Anlegung eines Wasser-Hochreservoirs in der Landesirren­ anstalt Valduna. 50 III» Session der 7. Periode 1892. bezüglich Beitrag zur Deckung des Hochwasserschadens in Bürserberg. wegen Förderung des Straßenbaues nach Gargellen. betreffend Abänderung der Bauordnung. bezüglich des Uebereinkommens zwischen Staat, Land und Gemeinden punkto Ausbau der Rheinbinnendämme. „ 27. betreffend die vom Lande geleisteten Unterstützungen an verschiedene Vereine wird erhoben der Punkt „ „ „ 23. 24. 25. 26. Antrag: „Der hohe Landtag wolle die Ausführungen des Landes-Ausschusses über die Land­ tagsbeschlüsse im eigenen Wirkungskreise genehm halten." II. Lmldesfond. 1. Rechnungs-Abschluß des vorarlbergischeu LandeSfondes für das Jahr 189L Derselbe wurde in der letzten Session dem hohen Landtage in Vorlage gebracht und fand in -er 18. Sitzung am 6. April 1892 die Erledigung. 2. Voranschlag des Vorarlberger LandesfondeS für das Jahr 1893. Dieser vom Landesausschusse dem Landtage separat vorgelegte Voranschlag weiset auf an veran­ schlagten Einnahmen 79.900 st., an Ausgaben ebenfalls diese Summe und wird sich diesfalls bezüglich der Begründung auf Beilage II des Rechenschaftsberichtes des Landesausschusses berufen und nur bemerkt, daß dieser Voranschlag entsprechend den bisherigen Daten und mit Rücksicht auf die künftigen Verhältnisse angefertigt wurde. Es stellt der Finanzausschuß demnach den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: dem Voranschläge des Vorarlberger Landesfondes für das Jahr 1893 mit einem Erfordernisse von 79.900 st. und einer Bedeckung mit ebenfalls 79.900 st. wird die Genehmigung ertheilt und zur Deckung des Erforder­ nisses eine Steuerumlage mit 2O°/o Zuschlägen zur Grund- Erwerb- und Einkommen­ steuer, und 10% Zuschlägen zur Hauszins- und Hausklassensteuer bewilliget. III. Grundentlastmigsfond. 1. Rechnungs-Abschlüsse pro 1891. a. des mit Tirol gemeinsamen Grundentlastungsfondes. Dieser von der tiroler Landesbuchhaltung verfaßte und vom dortigen Landesausschusse mit Note Dom 24. Juni d. Js. Z. 98 hieher übermittelte Rechnungs-Abschluß pro 1891 weiset aus: ein Activum von 828,989 st. 575/10 kr. ein Passivum von ... 703,350 „79 „ daher ein reines Activum mit . . 1^5,638 „ 785/iO ~ b. betreffend die Grundentlastungsfondsschuld des Landes Vorarlberg. Mit Schluß des Jahres 1890 bezifferte sich die Schuld auf . 11408 fi. 66 kr. Zuwachs an Renten 570 „ 435/10 „ an Regiekosten 242 „ 35 „ Zusammen 12221„ 445/10 „ 51 Beilage XI. XI. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. Abstattung: an Steuerzuschlägen Zahlung an Regie­ kosten im präliminirten Betrage von . . . . 4035 st. 035/10 kr. 505 „ — Zusammen somit ergibt sich am Schlüsse des Jahres 1891 eine Schuld des Landes Vor­ arlberg mit Es stellt der Finanzausschuß den 4540 fl. Q35/10 kr. 7681 fl. 41 kr. Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: „Die vorgelegten Rechnungs-Abschlüsse des mit Tirol gemeinsamen Grund­ entlastungsfonds und der auf das Land Vorarlberg entfallenden Grundentlastungs­ fondsschuld für das Jahr 1891 werden nach den obangeführten Schlußansätzen genehm gehalten." 2. Voranschläge pro 1893. a. Des mit Tirol gemeinsamen Grundentlastungssondes. b. Voranschlag pro 1893 betreffend die auf das Land Vorarlberg entfallende G rund entlastungsfondsschuld. Diese Voranschläge werden, da die Verwaltung dem Landesausschusse in Tirol obliegt, von diesem verfaßt. Es ist jedoch dieser Voranschlag noch nicht eingelangt. Für diese per 1893 benöthigte Umlage kann aber ohne Eintreffen der Voranschläge gesorgt werden, da nach dem Rechnungsabschlüsse pro 1891 und dem derzeitigen Stande der Schuld des Landes Vorarlberg mit l°/0 Zuschlag zu sämmtlichen directen Staatssteuern zur Deckung des Erfordernifles ausreichen dürfte und wird daher gestellt der Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: zur Deckung des Erfordernisses der das Land Vorarlberg betreffenden Grundentlastungsfondsschuld wird für das Jahr 1893 ein Zuschlag mit l°/0 zu sämmtlichen directen Staatssteuern bewilliget. V. Krankenversorgung. Die diesfalls im Jahre 1891 gehabten Auslagen im Betrage von 6.892 fl. haben mit der in der 18. Sitzung am 6. April 1892 vom hohen Landtage genehmigten Rechnung ihre Erledigung gefunden. VI. Jrrenversorgung. 1. Die von der Direction der Landesirrenanstalt verfaßte Rechnung für das Jahr 1891 weiset aus: An Gesammteinnahmen ......... 46.467 fl. 39 kr. „ Gesammtausgaben .......... 43.459 fl. 07 kr. Daher einen Kassarest von 52 3.008 fl. 32 kr. III. Sesfion der 7. Periode 1692. Beilage XI. Bei genauer Prüfung der Rechnung sammt Belegen haben sich folgende Differenzen ergeben: Im Beleg Nr. 122 der Ausgaben ist die Schlußsumme auf 330 st. 08 kr. angesetzt, und trotzdem in diesem Beleg eine Post nur mit 9 st. 60 kr. angeführt wurde, welche richtiger 16 ft, — kr. ausmacht und eine andere Post anstatt mit 3 st. 64 kr. nur mit 3 st. 50 kr. eingesetzt ist, reduzirt sich die Endsumme von 330 st. 08 kr. aus 325 ft. 62 kr. Dagegen sind aus dem Ausgabebeleg Nr. 202 nur 92 ft. 02 kr. in Rechnung gebracht während das Beleg eine Ausgabe mit 95 ft. 43 kr. ausweist. Werden nun diese zwei Differenzen gegensntig verglichen, so zeigt sich zu Ungunsten des Rechnungslegers noch ein an die Kasse zu vergütender Betrag mit 1 ft. 05 kr. und ist der hiedurch berichtigte Kassarest anstatt mit 3008 ft. 32 kr. richtiger 3009 fl. 37 kr. anzusetzen. Der Finanz-Ausschuß stellt daher den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: Dem Rechnungsabschlüsse der Landesirrenanstatt Valduna für das Jahr 1891 mit dem berichtigten Kassarest per 3009 ft. 37 kr. ist die Zustimmung ertheilt. 2. Voranschlag der Landesirrenanstalt Valduna für das Jahr 1893. Die Gesammteinnahmen dieses Voranschlages belaufen sich für das Jahr 1893 stuf ... , 36.398 fl. 11 kr. die Ausgaben dagegen auf 37.712 ft. 95 kr. daher ein Abgang mit 1.314 ft. 84 kr. welcher in den Kassavorschüssen pro 1892 seine Deckung finden wird. Es wird daher der Antrag gestellt: Dem Voranschläge der Landesirrenanstalt Valduna für das Jahr 1893 wird nach den obigen Ansätzen die Genehmigung ertheilt. VII Schuldenstanü der Landes-Irrenanstalt Valduna. Diesbezüglich hat sich seit der letzten Session keine Aenderung ergeben und ist somit der Schuldeiistand noch 10.000 fl. mit 4l/2°/o Zinslauf seit 1. Jänner 1892. VIII. Gemeinde-Angelegenheiten. Hiebei wird auf die Anführungen im Rechenschaftsberichte des Landesausschusses verwiesen und kann nur mit Bezug auf das Rechnungswesen in den Gemeinden eine bedeutende Besserung constatirt werden, wobei jedoch bemerkt werden muß, daß die strenge Ueberwachung mancher Gemeinden immerhin noch nöthig erscheint. IX. Stipendien und Stiftungen. Dießbezüglich erscheint es dem Finanzausschüsse ebenfalls nicht nöthig in weitere Erläuterungen einzugehen, da der Rechenschaftsbericht des Landesausschusses hierüber ausreichende Aufklärung gibt. X. Dr. Anton Jufsel'sche Stiftung zur Heranbildung von Bolksschullehreru. Die Rechnung pro 1891, bezüglich dieser Stiftung hat die Erledigung ebenfalls in der Sitzung am 6. April 1892 gefunden. 53 Xi. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, NI. Session, 7. Periode 1832. XI. Jnvaliden-Stiftuag des Vorarlberger Sängerbundes. Der Rechnungsabschluß dieser Stiftung wurde wie ad X. erledigt und kommt nur zu bemerken, daß wegen Auswanderung des bisherigen Inhabers des Stipendiums nach Amerika dasselbe d. Z. frei ist und nächstens zur Ausschreibung kommen dürfte. XII. Biehseuchenfonde. a. betreffend den Fond für Einhufer. b. für Rinder. Die Rechnungsabschlüsse pro 1891 wurden ebenfalls in der XVIII. Sitzung vom 6. April im Landtage erledigt und wird nur noch bemerkt, daß bezüglich der Einnahmen für den Fond für Einhufer dem Rechenschaftsberichte des Landesausschusses eine Tabelle beigegeben ist. XIII. Feuerwehrfonb. Der Rechnungsabschluß pro 1891 fand seine Erledigung wie ad XII. und ist bezüglich der Einnahmen ebenfalls eine Tabelle im Rechenschaftsberichte des Landesausschusses enthalten. Das Referat über die Thätigkeit des Landes-Cultur-Jngenieurs L. Gaßner ist ebenfalls dem Rechenschaftsberichte des Landesausschusses beigegeben und kann dort eingesehen werden. Am Schlüsse dieses Berichtes kann der Finanz-Ausschuß nur die Ueberzeugung aussprechen, daß der Landesausschuß in der Zeit seit der letzten Session in gewohnter Weise mit allem Eifer und Pflichttreue seines Amtes gewaltet hat und ihm hiefür der Dank des Landes gebührt. Bregenz, am 14. Sept. 1892. I Ant. Fritz, I. Nägele, Obmann. Berichterstatter. 54
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18920913_ltb0101893_Bericht_Volkswirtschaftsausschuss_selbständi...Antrag_Vermittlerämterreform Landtag 01.07.2021 X. der Beilagen M den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1892. Beilage X. des volkswirthschaftlichen Ausschusses über den selbstständigen Antrag der Abge­ ordneten Fink und Genossen in Betreff Reform der vermittlerämter. Hoher Landtag! Die Antragsteller führen in ihrer Eingabe an, das h. k. k. Justizministerium habe auf Grund eines Beschlusses des oberösterreichischen Landtages, womit die hohe t k. Regierung ersucht wird eine Regierungsvorlage einzubringen, durch welche einige Bestimmungen des Gesetzes vom 21. September 1869 Nr. 150 R.-G.-Bl. abgeändert würden, an den Vorarlberger Landesausschuß mehrere dies­ fällige Anfragen gerichtet, worin derselbe unter anderem auch angegangen wurde, sich darüber aus­ zusprechen, welche Ursachen nach seiner Meinung an dem geringen Prosperiren der Vermittler­ ämter im Lande Schuld tragen, und welche organisatorischen, administrativen oder gesetzgeberischen Maßregeln der Landesausschuß nach den Verhältnissen des Landes als am meisten geeignet halten würde, um die Vermittlerämter zur Erfüllung der ihnen bei ihrer Einführung zugedachten Aufgabe zu befähigen. Der Landtag von Vorarlberg habe schon in der Session des Jahres 1883 darauf hingewiesen, daß die dermalen bestehenden gesetzlichen Bestimmungen bezüglich der Vermittlerämter nicht geeignet seien, diese Institution zum Wohle des Volkes wirksam und lebensfähig zu machen. Die der hohen Regierung damals vorgeschlagenen Gesetzesänderungen blieben von derselben bisher leider unberücksichtiget, und es müsse daher begrüßt werden, daß die hohe Regierung dermalen, wie aus den angedeuteten Anfragen abgenommen werden kann, sich nicht vollständig abgeneigt zeigt, in eine Aenderung der auf die Vermittlerämter Bezug habenden Bestimmungen einzugehen. Die Antrag­ steller erachten daher den jetzigen Zeitpunkt für geeignet der hohen k. k. Regierung diesfalls aber­ mals Vorschläge zu unterbreiten. Der volkswirthschaftliche Ausschuß ist gleich den Antragstellern überzeugt, daß die Vermittler­ ämter, wie sie auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. September 1869 R.-G.-Bl. Nr. 150 mit Landesgesetz vom 18. Oktober 1870 Nr. 66 L.-G.-Bl, auch in Vorarlberg eingeführt wurden, der ihnen bei ihrer Einführung zugedachten Aufgabe nicht entsprechen. Es ist im ganzen Lande die gleiche Klage die Vermittlerämter seien nicht lebensfähig, dieselben werden von den streitigen Parteien viel zu wenig in Anspruch genommen, trotzdem von jenen Fällen, welche vor das Vermittleramt ge­ langten, der Ausgleichsversuch meistens zu einem günstigen Abschlüsse führte. 45 Beilage X. X, der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. Die Schuld, weshalb die Vermittlerämter so wenig benützt werden, liegt unzweifelhaft darin, daß dieselben keinen obligaten Charakter haben. Wenn es der einen oder anderen betheiligten Partei beliebt, der Vorladung des Vermittler­ amtes zur Verhandlung zu erscheinen nicht nachzukommen, haben die versammelten Mitglieder des Vermittleramtes für ihr Erscheinen und ihren redlichen Willen zu einem gütlichen Ausgleiche ihr Schärflein beizutragen, einfach das Nachsehen, ja oft ernten sie nur Spott und Hohn, indem dem Vermittleramt keine Mittel mehr zu Gebote stehen, seiner Vorladung Nachdruck zu verleihen. Die Vermittlerämter werden auf diese Weise lediglich zu einem Spielball launenhafter Parteien und es ist selbstredend, daß unter solchen Umständen von einer ersprießlichen Wirksamkeit derselben keine Rede sein kann. Und doch könnte und würde diese Institution eine wohlthätige und vortheilhafte sein, wenn sie mit dem nöthigen Ansehen und nachhaltigen Befugnissen ausgestattet wäre. Nach dieser Richtung hat das Gesetz die bedeutendsten Mängel. Auf Grund des § 2 des citirten Reichsgesetzes mußte in den § 7 des Vorarlberger Landesgesetzes die Bestimmung ausgenommen werden, daß die Androhung von Zwangsmitteln bei Vorladung der Parteien vor das Vermittleramt, sowie die Anwendung von Zwangsmitteln gegen diejenigen, welche der Vorladung keine Folge leisten, unzulässig sei. Diesfalls sollte die Bestimmung getroffen werden, daß die Androhung von Zwangsmitteln bei Vorladung der Parteien, sowie die Anwendung von Zwangsmitteln gegen diejenigen, welche der Vor­ ladung keine Folge geben, Platz zu greifen hat. Um die Wirksamkeit der Vermittlerämter zu fördern, sollte von Gesetzeswegen bestimmt werden, daß jede Streitsache bis zu einem Betrage von 300 fl., § 1 des Gesetzes vom 21. September 1869, ehe dieselbe bei Gericht anhängig gemacht werden kann, dem Vergleichsoersuche vor dem Vermittler­ amt unterliegt, so zwar, daß über die Klage einer Partei bei Gericht nur gegen Beibringung der vermittelämterlichen Bestätigung über das Scheitern des erfolgten Ausgleichsversuches das Verfahren eingeleitet würde. Auch sollte den Vermittlerämtern die Befugnis eingeräumt werden, über streitige, dem Betrage nach bestimmte Geldforderungen bis höchstens 50 fl. oder über bewegliche Sachen, bezüglich welcher die Parteien erklären, für dieselben einen die Summe von 50 fl. nicht übersteigenden Geldbetrag annehmen oder leisten zu wollen, endgiltig Recht zu sprechen. Endlich sollte im Gesetze auch in unzweideutiger Weise ausgesprochen werden, daß vor dem Vermittleramte geschlossene Vergleiche und erflossene Urtheile gleich den gerichtlichen Vergleichen und Urtheilen executionsfähig seien. Wenn das Reichsgesetz im angedeuteten Sinne abgeändert würde, könnte auf Grund desselben ein Landesgesetz geschaffen werden, welches den Verhältnissen des Landes Vorarlberg entsprechen, die Vermittlerämter lebensfähig machen und die Wirksamkeit und das Ansehen derselben im hohen Grade fördern würde. In den an Vorarlberg angrenzenden Staaten, in der Schweiz und zum Theil auch in Deutsch­ land, bestehen schon längst Vermittlerämter mit den oben angedeuteten oder ähnlichen Machtbefugnissen, dieselben erfreuen sich einer großen Beliebtheit, haben Ansehen und eine erfolgreiche Wirksamkeit. Auch bei uns würden Vermittlerämter mit obligatem Charakter und der nothwendigen Macht­ befugnis ausgestattet zweifellos manchen kostspieligen Prozeß verhindern, das Rechtsbewußtsein im Volke ausbilden und den Sinn für öffentliche Angelegenheiten beleben und stärken. Der volkswirthschaftliche Ausschuß erhebt daher folgende Anträge: Der Landtag wolle beschließen: Die h. k. k. Regierung wird dringend ersucht, ehethunlichst eine Regierungsvorlage einzubringen, in welcher die Bestimmungen über die Vermittlerämter dahin abgeändert werden, daß dieselben 46 in. Session der 7. Periode 18S2. Beilage X. mit obligatorischem Charakter in der Art ausgestattet werden, daß Vorladungen zwangsweise vollstreckt werden können, 2. jede Streitsache über dem Betrage nach bestimmte Geldforderungen von höchstens 300 fl. oder über bewegliche Sachen, bezüglich welcher die Parteien erklären, für dieselben einen die Summe von 300 fl. nicht übersteigenden bestimmten Geldbetrag annehmen oder leisten zu wollen, vor Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens dem Ausgleichsversuche vor dem Vermittleramte unterliegt, 3. dem Vermittleramte die endgiltige Rechtsprechung über dem Betrage nach bestimmte Geldforderungen von höchstens 50 fl. oder über bewegliche Sachen, bezüglich welcher die Parteien erklären, für dieselben einen die Summe von 50 fl. nicht übersteigen­ den bestimmten Geldbetrag annehmen oder leisten zu wollen, eingeräumt wird, 4. Vorsorge getroffen wird, daß vor dem Vermittleramte geschlossene Vergleiche event, erflossene Urtheile gleich den gerichtlichen Vergleichen und Urtheilen executionsfähig seien. 1. Bregenz, den 13. September 1892. Johannes Thnrnher, Jodok Fink, Obmann. Berichterstatter. 47
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18920913_ltb0091893_Bericht_Volkswirtschaftsausschuss_Subventions...n_ObstbaumzuchthebungMontafon Landtag 01.07.2021 IX. der Bellagen zu den ftenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, lll. Session, 7. Periode 1892. Beilage IX. Nevrcht -es volkswirthschaftlichen Ausschusses über das Gesuch des kath. Bauernvereines von Montavon um eine Unterstützung zur Hebung der Gbftbaumzucht. Hoher Landtag! Der kath. Bauernverein von Montavon hat an den hohen Landtag ein Gesuch um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht eingebracht. „In diesem Gesuche wird hervorgehoben, daß dieser Landwirthschaftszweig insbesondere im Montavoner-Thale zurückgehe, obgleich dort die klimatischen Verhältnisse der Obstbaumzucht günstig seien. Hiedurch entgehe der dortigen Bevölkerung ein nicht geringer Nutzen und schwinde zudem immer mehr im Volke das Verständnis und Interesse hierfür. Die Hauptursache dieses so bedauerlichen Niederganges liege im Mangel des Verständnisses für -eine richtige Anpflanzung und Pflege der Obstbäume, daher am Förderlichsten geholfen werde, wenn einzelne Personen in diesem Fache ausgebildet würden, welche sodann auf die Bevölkerung in Praxis und Theorie segensreich einwirken könnten. Der kath. Bauernverein beabsichtige daher, nächstens eine oder zwei Personen zur Ausbildung nach Reutlingen in die dortige landwirthschaftliche Fachschule zu schicken, es fehlen ihm aber hiezu die nöthigen Geldmittel, weshalb er sich an die hohe Landesvertretung um eine Subvention bittlich wendet." Der volkswirthschaftliche Ausschuß, welchem dieser Gegenstand zur Vorberathung und Bericht­ erstattung zugewiesen worden ist, kann diesem Gesuch nur beipflichten, er ist aber in der angenehmen Lage dieses nicht nur aus der eigenen Ueberzeugung thun zu müssen, sondern auch mit Rücksicht auf die bisherige Aufmerksamkeit, welche der hohe Landtag schon wiederholt der Obstbaumzucht in unserem Lande schenkte. Auch für das Jahr 1892 hat derselbe laut Beschluß vom 18. März l; Js. in der X. Sitzung zu diesem Zwecke einen Betrag von 200 fl. votiert und den Landes-Ausschuß er­ mächtiget, aus demselben an solche Personen, welche landwirthschaftliche Fach- und Fortbildungsschulen besuchen wollen, Stipendien zu verleihen. Infolge der verspäteten Session des hohen Landtages konnte aber eine Stipendien-Verleihung mangels an Competenten für dieses Jahr nicht mehr erfolgen und es zogen auch die Herren Lehrer Kohler in Lingenau und Wüstner in Au, welche laut Bericht des landtäglichen Finanzausschusses vom 12. März 1892 Beil. XXV. des stenogr. Protokolles solche 43 IX. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. HI. Session, 7. Periode 1892. Gesuche eingegeben hatten, dieselben aus eben diesem Grunde zurück, als der Landes-Ausschuß in Folge obiger Ermächtigung jedem ein Stipendium von 80 fl. zuerkannt und dieses mit Zuschrift vom 27. März 1892 Zl. 1006 eröffnet hatte. Weil es aber im Obstbaue nicht nur im Montavoner-Thale, sondern auch in anderen Landes­ theilen fehlt, so erachtet es der volkswirthschaftliche Ausschuß als nöthig, nicht nur diesem Gesuche Gewährung zu geben, sondern noch einen weiteren Betrag zu votiren, woraus Bewerber aus anderen Landestheilen mit Stipendien betheilt werden können. Die Wichtigkeit der Hebung der Obstbaumzucht in unserem Lande beweißt so recht, wenn auf die jährliche Obsteinfuhr hingewiesen wird. Alle diese Tausende Zentner Obst, welche Jahr für Jahr in unser Land eingeführt werden, könnten in demselben selbst produzirt werden und wie viele Tausend von Gulden blieben dann im Lande und kämen in die Hände unserer sonst so darniederliegenden Landwirthe. Wenn auch zugegeben werden muß, daß die letzten Jahre die Witterungsverhältnisse eine ungünstige Wirkung gemacht haben, so kann nicht in Abrede gestellt werden, daß in unserem Lande im Obstbaue viel mehr geschehen könnte und sollte. Von diesen Erwägungen geleitet, stellt der volkswirthschaftliche Ausschuß folgende Anträge: „I. Dem kath. Bauernvereine von Montavon wird für das Jahr 1893 zum Zwecke der Ent­ sendung zweier geeigneten Personen in die landwirthschaftliche Fachschule zu Reutlingen eine Subvention von 200 fl. aus dem Landeskultur-Fonde votirt. Ueber die Verwendung ist dem Landes-Ausschusse Rechnung zu legen. II. Der Landes-Ausschuß wird ermächtigt im Jahre 1893 aus dem Landeskultur-Fonde einen Betrag von 200 fl. zu Stipendien an Personen aus anderen Landestheilen, welche sich im Obstbaukurse in Reutlingen ausbilden wollen, zu verwenden." Bregenz, am 13. September 1892. Johannes Thrrrnher, Peter P. Welte, Obmann. Berichterstatter. 44
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18920913_ltb0081893_Bericht_Volkswirtschaftsausschuss_Subventions..._WalsertalerKonkurrenzstrasse Landtag 01.07.2021 VIII. bet Beilagen AU den stcnogr. Protokollen des vorarlberger^Landtags. HL Session. 7. Periode 1892. Beilage VIIL des volkswirthschaftlichen Ausschusses über das Gesuch des Ausschusses der lvalser- thaler Eoncurrenzstraße um eine Subvention aus (andesmitteln zur Erhaltung dieser Straße. Hoher Landtag! Der Ausschuß der Walserthaler Straße hat schon in der letzten Landtags-Session ein Gesuch um Gewährung einer Subvention zur Erhaltung genannter Straße dem h. Landtage unterbreitet. Der Landtag ist aber auf Grund des Berichtes des Straßen-Ausschusses (LVI. der Beilagen der stenogr. Protokolle) mit Beschluß vom 2. April d. I. auf dies, s Gesuch nicht eingegangen, wenngleich schon im damaligen Berichte hervorgehoben wurde, daß die Erhaltung der Straße den Gemeinden des Walserthales große Opfer auferlege, manche dieser Gemeinden wenig oder kein Vermögen besitzen und den größten Theil der Straßenerhaltungskosten durch Umlagen zu decken haben. Der wichtigste Grund, der im Berichte des Straßen-Ausschusses gegen die Gewährung einer Subvention zur Geltung gebracht wurde, bestand in der Anschauung, der Landtag solle in erster Linie die Neuanlage und Erweiterung nothwendiger Straßen thunlichst ermöglichen und fördern, und nachdem nach dieser Richtung so Manches noch im Lande zu thun sei, erschiene es nicht gerechtfertigt, für bloße Erhaltung einer Straße einen Beitrag zu gewähren. Diese Anschauung würde der volkswirthschaftliche Ausschuß, dem das neuerliche Gesuch des Walserthaler Straßen-Ausschusses zur Vorberatbung zugewiesen wurde, voraussichtlich getheilt haben, wenn sich die Verhältnisse seit der früheren Beschlußfassung nicht wesentlich geändert hätten und nicht neue sehr berücksichtigenswerthe Momente zu Tage getreten wären. Die Walserthaler-Straße wurde s. Z. mit einem Kostenaufwand von 88 610 st. 62 kr. von den fünf Gemeinden Thüringen, Thüringerberg, St. Gerold, Blons und Sonntag, die zusammen nur 2117 Bewohner zählen, in einer sehr zweckentsprechenden Weise erstellt und damit einem dringenden Bedürfnisse dieses Thales entsprochen. Die meisten der concurrirenden Gemeinden haben sich durch die Erstellung der Straße eine bedeutende und drückende Schuldenlast aufgeladen. Es muß aber mit voller Anerkennung hervorgehoben werden, daß diese Gemeinden so muthig ans schwere Werk geschritten und dieses Unternehmen ohne jede Beihilfe des Landes und des Staates mit einer ihre Kräfte geradezu übersteigenden Opferwilligkeit vollendet haben. Die Sorge aller hiezu berufenen Factoren muß es nun sein, dieses vom Gemeinsinn genannter Ge­ meinden zeigende Werk auch in vollem Umfange und Bestände zu erhalten. 41 VIII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1392. Bei der Beschlußfassung in der letzten Session war noch die Ansicht maßgebend, der Zustand der Straße sei ein normaler, ein guter, es bedürfe zur Instandhaltung derselben keiner höheren als der bisher durchschnittlich hiezu verwendeten Jahresbeträge. Nach einer Zuschrift der k. k. Bezirkshauptmannschaft Bludenz vom 26. August d. I. Z. 7927 wurde nun aber auf Grund eines von Seite eines Vertreters des k. k. Bauamtes in Feldkirch vor­ genommenen Augenscheines den betreffenden Gemeinden eröffnet, daß die Straße dermalen sich viel­ fach in keinem guten Zustande mehr befinde, daß die baldige Vornahme einer großen Anzahl von Arbeiten, insbesondere die Räumung der Seitengräben, die Herstellung genügend vieler Wasseraus kehren oder gänzliches Abheben des verwachsenen Straßenrandes auf der Thalseite, die Anlage eines ganzen Schotterbettes an den stark ausgefahrenen Stellen und Ausfüllen der Geleise an den minder ausgefahrenen, das Ausgleichen der angebrochenen Berglehnen, das Zusammenleiten des Wassers in mit rohen Steinen ausgemauerten Sickerschlitzen, die Anlage von Flechtzäunen und Weidenpstanzungen über den Absttzungen u. s. w. erfolgen sollte, „indem andernfalls die mit verhältnismäßig großen Kosten erbaute Straße allmälig dem Verfalle entgegengehen und die Herstellung in guten Stand sich bei längerem Zusehen immer kostspieliger gestalten werde." Wenn nun schon die bisherige mangelhafte Instandhaltung der Straße einen jährlichen Kosten­ aufwand von st. 1600—2000 verursachte, so wird eine ordnungsgemäße Instandhaltung derselben mindestens per Jahr 2500 fl. erfordern, was für die meisten der betreffenden Gemeinden um so drückender erscheint, als sie- noch durch Jahre hindurch zur Tilgung der Straßenbauschulden bedeutende Beträge aufzubringen haben. Eine Unterstützung von Seite des Landes erscheint sonach unzweifelhaft gerechtfertigt. Im landtäglichen Straßen-Ansschusse wurde s. Z., wenn auch im bezüglichen Berichte nicht er­ wähnt, die Frage aufgeworfen, ob es nicht zweckmäßiger erschiene, wenn statt der gesammten Concurrenz nur den ärmeren Gemeinden Beiträge aus Landesmitteln zugewendet würden. Diese Frage mußte verneint werden. Soll das Land für die Erhaltung einer Straße etwas beitragen, so muß es auch in die Lage gesetzt werden, darüber zu wachen, daß die Straße in guten Zustand gebracht und in demselben auch erhalten werde. Bei Unterstützung einzelner Ge­ meinden könnte dieses aber nicht geschehen, indem die einzelne Gemeinde nicht für den Stand der Straße verantwortlich gemacht werden kann, sondern nur die Gesammt-Concurrenz, beziehungsweise der Straßen-Ausschuß. Der Einfluß des Landes auf Erwirkung eines guten Zustandes der Straße kann daher nicht durch Unterstützung einzelner Gemeinden, sondern nur durch Subvention der Concurrenz geschaffen werden, und zwar dadurch, daß die Gewährung und Ausfolgung der Subvention an die Bedingung geknüpft wird, daß die Straße in guten Zustand gebracht werde und darin erhalten bleibe. Die Subvention sollte sich auf fünf Jahre vom Jahre 1893 angefangen erstrecken und deren Höhe mit etwa einem Fünftel der voraussichtlich in den nächsten Jahren erwachsenden Kosten, also mit 500 fl. per Jahr bemessen werden. Der volkswirtschaftliche Ausschuß erhebt sonach den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: „Dem Gesuche des Ausschusses der Walserthaler Concurrenzstraße wird Folge ge­ geben und zur Erhaltung dieser Straße eine jährliche Subvention von 500 fl. und zwar für die Jahre 1893, 1894, 1895, 1896 und 1897 aus Landesmitteln unter der Be­ dingung und Voraussetzung gewährt, daß die Straße in einen vollständig normalen Zu­ stand gebracht und in demselben auch erhalten werde, worüber der Landes-Ausschuß jedes­ mal vor Ausfolgung der Subvention angemessene Erhebungen zu pflegen hat." Bregenz, am 13. Sept. 1892. Mart. Thurnher, Johannes Thnrrrherr, Berichterstatter. Obmann. 42
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18920913_ltb0071893_Gemeindeausschussbericht_Subventionsgesuch_Pa...rzelleBeschling_Illwuhrbauten Landtag 01.07.2021 VII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III. Session, 7. Periode 1892. Beilage VH. des landtäglichen Gemeinde-Ausschusses über das Gesuch der Parzelle Beschling um eine Subvention zu )llwuhrbauten. Hoher Landtag! Die zur Gemeinde Nenzing gehörige Parzelle Beschling hat nach Darstellung des vorliegenden Gesuches ant linken Jllufer eine beiläufig 3 Kilometer lange Strecke zu verwuhren und zwar sind bei dem Umstande, als die dermalen bestehenden Schutzbauten in schlechtem Zustande sich befinden, und nicht in der Correctionslinie liegen, lauter neue Wuhrungen anzulegen, die einen Kostenaufwand von 30.000 fi. erfordern sollen. Die Arbeiten lassen sich auch nicht aufhalten, oder auf einen längern Zeitabschnitt Vertheilen, da durch Vollendung der weiter oben liegenden Schutzbauten von Nenzing, Bludesch und Schlins und die da­ durch bedingte Einengung des Flusses das Geschiebe fortgeschwemmt und in das breitere Bett bei Beschling massenhaft abgelagert, dasselbe dadurch erhöht und hiemit die Gefahr eines Einbruches oder einer Ueberschwemmung herbeigeführt wird. Die Aufbringung der nöthigen Mittel zur Herstellung dieser Wuhrbauten ist für die kleine nur 250 Bewohner zählende Parzelle Beschling, die nur 510 fl. an directer Steuer zu entrichten hat, sehr schwer, wenn dieselbe auch laut Inventar ein separates Reinvermögen von fl. 24 628.56*/2 kr. darunter Realitäten bestehend in Alpen, Waldungen und Weiden im angesetzten Werthe von fl. 12987 besitzt. Wenn- nun aber die Parzelle aus sich selbst auch zu schwach ist, die nöthigen Wuhren mit der nöthigen Beschleunigung zu erstellen, so ist es doch nicht in erster Reihe das Land, das diesfalls zu helfen berufen ist, sondern wohl unstreitig die Gemeinde Nenzing. Sollte auch eine gesetzliche oder rechtliche Verpflichtung der Gemeinde zur Beitragsleistung nicht vorhanden sein, so wäre es doch in erster Linie ihre Aufgabe, soweit ihre Kräfte es erlauben, bevor die Hilfe des Landes oder des Staates in Anspruch genommen wird, helfend einzuschreiten, sei es durch Gewährung einer entsprechenden Jahressubvention, sei es durch ein unverzinsliches Darlehen, durch Materiallieferung, Uebernahme gewisser Arbeiten u. s. w. Es kann dieses von der Gemeinde um so mehr erwartet werden, da dieselbe bekanntermassen wohlhabend ist, indem sie über ein Stammvermögen von fl. 131 477.lö1^, darunter Realitäten im angesetzten Werthe von fl. 82 838 verfügt, welchem Vermögen nur Passiven per fl. 9338 gegen­ überstehen. 39 VII. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des oorarlberger Landtags, UI. Session, 7. Periode 1892. Im gegenwärtigen Stadium der Angelegenheit empfiehlt es sich daher nicht, in eine endgiltige Erledigung des Gesuches der Parzelle Beschling einzugehen, es sollte vielmehr die Gemeinde Nenzing durch den Landesausschuß angegangen werden, in erster Reihe genannter Parzelle entsprechende Unter­ stützung angedeihen zu lasten. Nach Abschluß der bezüglichen Verhandlungen würde dann erst an die Frage herangetreten werden können, ob und in welcher Weise -noch etwa die Hilfe des Landes nothwendig falle. Von diesen Erwägungen geleitet erhebt der Gemeinde-Ausschuß den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: „Der Landes-Ausschuß wird beauftragt, vorerst Erhebungen über die Kosten der bei der Parzelle Beschling aufzuführenden Jllwuhrbauten und hierauf Verhandlung hinsichtlich Erwirkung ausgiebiger Unterstützung dieser Bauten seitens der Gemeinde Nenzing zu pflegen und das Resultat dieser Erhebungen und Verhandlungen dem Landtage in spä­ terer Session in Vorlage zu bringen." Bregenz, am 13. Sept. 1892. M. Reisch, Mart. Thrrraher, Obmann. Berichterstatter. 40
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18920912_lts003 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 3. Sitzung am 12. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmann-Stellvertreters Dr. med. Gebhard Beck. Gegenwärtig 18 Abgeordnete. Abwesend: der Herr Landeshauptmann Adolf Rhomberg, der hochwürdigste Bischof md Herr Wolf. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 10 Uhr 45 Min. Vormittags. Landeshauptmann-Stellvertreter: Die Sitzung ist eröffnet. Ich habe dem hohen Hause mitzutheilen, daß der Herr Landeshauptmann abwesend ist, weßhalb ich die Ehre habe, die heutige Sitzung zu leiten. Ich ersuche um Verlesung des Protokolles der letzten Sitzung. (Secretär verliest dasselbe.) Wird gegen die Fassung des Protokolles eine Einwendung erhoben? — Da dies nicht der Fall ist, so betrachte ich dasselbe als genehmiget. Der Herr Bürgermeister Wolf hat um einen Urlaub von zwei Tagen ersucht. Nach § 5 der Geschäfts-Ordnung steht es in der Machtvollkommenheit des Herrn Landeshauptmannes bis zu vier Tagen Urlaub zu ertheilen, und wurde daher dem Herrn Bürgermeister Wolf der angesuchte Urlaub ertheilt. Heute wurde ein selbstständiger Antrag vom Abgeordneten Fink und Genossen überreicht dahingehend, der hohe Landtag wolle beschließen: Es sei der hohen Regierung Mittheilung zu machen, welche Maßnahmen getroffen werden sollen, um die Vermittler-Ämter lebenskräftig zu gestalten. Ich bitte um die Verlesung dieses Antrages. (Secretär verliest denselben.) Martin Thurnher: Ich bitte zu diesem Gegenstand um das Wort. Es ist schon seit dem Inslebentreten des Gesetzes über die Vermittler-Ämter 8 II. Sitzung des Vorarlberger Landtags. III. Session der 7. Periode 1892. bei uns in Vorarlberg allgemein Klage geführt worden, daß die Bestimmungen über dieses Institut zu wenig weitgehend seien, indem die VermittlerÄmter zuwenig Machtvollkommenheit haben, um irgend Entsprechendes leisten zu können. Der h. Landtag hat auch, wie in der Motivirung des Antrages hervorgehoben wird, wiederholt sich dafür verwendet, daß das betreffende Reichsgesetz vom Jahre 1869 einer entsprechenden Änderung unterzogen werde. Der Anlaß ist jetzt ein sehr günstiger zur Einleitung neuer Schritte, weil die hohe Regierung selbst Auskunft darüber verlangt, welche Änderungen an diesem Gesetze gewünscht werden. Ich glaube daher, daß dieser Antrag die Berücksichtigung des h. Hauses wohl verdient und daß alle Mitglieder der h. Landes-Vertretung ebenfalls der Ansicht sind, daß diesbezüglich etwas geschehen müsse. Ich werde daher auch nicht fehlgehen, wenn ich den Antrag erhebe, daß dieser Gegenstand dringlich behandelt und, wie bereits im Antrage selbst ausgedrückt ist, dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag gestellt worden, den vorliegenden Antrag dringlich zu behandeln. Wird eine Einwendung dagegen erhoben? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte ihn daher als angenommen. Im Anträge selbst wird beantragt, diesen Gegenstand, dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse heute schon zu überweisen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Es ist dies nicht der Fall, es wird daher dieser Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werden. Die in der letzten Sitzung gewählten Ausschüsse haben sich in folgender Weise constituirt: Der Finanz-Ausschuß hat den Herrn Abgeordneten Fritz zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Nägele zum Berichterstatter; der volkswirthschaftliche Ausschuß den Herrn Abgeordneten Johann Thurnher zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Fink zum Berichterstatter; und der Gemeinde-Ausschuß den Herrn Abgeordneten Reisch zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Martin Thurnher zum Berichterstatter gewählt, was ich zur Kenntnis zu nehmen bitte. Wir kommen nun zur Tages-Ordnung. Der erste Gegenstand ist die Haushaltsrechnung und der Voranschlag der Landes-Irren-Anstalt Valduna. Ich ersuche um einen Antrag über die geschäftliche Behandlung dieses Gegenstandes. Bösch: Ich beantrage diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichterstattung zu überweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Da dies nicht der Fall ist, betrachte ich denselben als angenommen und es wird die Zuweisung der Haushaltsrechnung und des Voranschlages der Landes-Irren-Anstalt an den Finanz-Ausschuß erfolgen. Der zweite Gegenstand ist der Bericht des Landes-Ausschusses über die Naturalverpflegsstationen. Martin Thurnher: Ich habe die Ansicht, man sollte diesen Bericht nicht einem Comite überweisen, es ist dies nach der Geschäftsordnung ja auch nicht nothwendig, weil Berichte des Landes-Ausschusses sofort in Behandlung gezogen werden können. Ich würde daher den Antrag stellen, diesen Gegenstand gleich heute in Verhandlung zu nehmen und zu erledigen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es wurde vom Herrn Martin Thurnher beantragt, den Bericht des Landesausschusses über die Naturalverpflegsstationen gleich heute im h. Hause zur Verhandlung zu bringen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Es ist dies nicht der Fall, ich bitte daher den Herrn Berichterstatter den Bericht zu verlesen. Martin Thurnher: Die Zahlen der in den einzelnen Verpfleas - Stationen aufgenommenen und verpflegten mittellosen Reisenden sind bereits durch die Zeitungen s. Z. veröffentlicht worden und ebenso die Bemerkungen, welche die Vorstehungen der einzelnen Verpflegsstationsgemeinden über die Wirksamkeit der Anstalten gemacht haben. Ich glaube daher diesen Theil des Berichtes der Verlesung nicht unterziehen zu müssen. (Liest den Bericht mit Ausnahme der vorbezeichneten Stellen). IIL Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. 9 Landeshauptmann-Stellvertreter: Ich eröffne über diesen Antrag die Debatte. — Wenn Niemand das Wort ergreift, so ist dieselbe geschlossen und ich bitte jene Herren, welche mit dem Anträge einverstanden sind, die Zustimmung durch Aufstehen von den Sitzen kundzugeben. Angenommen. Der dritte Gegenstand ist der Act betreffend Regelung der Diäten und Reisegebühren der Landtagsabgeordneten. Martin Thurnher: Dieser Act besteht aus einem Berichte und Anträge des Landes-Ausschusses und es ist daher auch für diesen Gegenstand die Verweisung an einen Ausschuß nicht nothwendig. Die Berathung hierüber kann aber heute nicht gepflogen werden, weil der bezügliche Bericht noch nicht in Druck gelegt ist. Ich stelle daher der Antrag, diesen Bericht in Druck legen zu lassen und die Verhandlung hierüber in einer spätern Sitzung gleich im h. Hause vorzunehmen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es wurde der Antrag gestellt, auch diesen Act des Landesausschusses resp, den Bericht und Antrag nach der Drucklegung desselben ohne Verweisung an einen Ausschuß gleich im h. Hause zur Verhandlung zu bringen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung erhoben? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte daher den Antrag als mit ihrer Zustimmung versehen und es wird dieser Act in einer der nächsten Sitzungen im h. Hause zur Verhandlung gelangen. Der vierte Gegenstand der heutigen Tagesordnung ist die Petition der Parzelle Beschling, Gemeinde Nenzing, um Gewährung eines Beitrages aus Landesmitteln zur Illwuhrung. Ich sehe bezüglich dieser Petition einem Anträge aus der Mitte der Versammlung entgegen. Reisch: Ich stelle den Antrag diesen Gegenstand behufs Berathung und Berichterstattung dem landtäglichen Gemeinde-Ausschusse zu überweisen. Laudeshauptmann-Stellvertreter: Es wird der Antrag gestellt, diesen Gegenstand dem Gemeindeausschusse zuzuweisen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung erhoben? — Wenn nicht, so betrachte ich das als Zustimmung und es wird die Zuweisung nach Antrag erfolgen. Der fünfte Gegenstand ist das Gesuch des Ausschusses der Walserthalerstraße um Subvention aus Land es Mitteln. Ich ersuche auch diesbezüglich um einen Antrag. Fritz: Ich stelle den Antrag diese Petition dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zuzuweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag gestellt worden, dieses Gesuch dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zuzuweisen. Wird dagegen etwas eingewendet? — Es ist dies nicht der Fall und wird daher die Zuweisung im Sinne des Antrages erfolgen. Der sechste Gegenstand ist das Gesuch des kath. Bauernvereines von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht. Ich gewärtige bezüglich der geschäftlichen Behandlung dieses Gegenstandes einen Antrag. Heinzle: Ich erlaube mir zu beantragen, diesen Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur Berathung und Berichterstattung zuzuweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag auf Zuweisung dieses Gegenstandes an den volkswirthschaftlichen Ausschuß gestellt. Da keine Einwendung dagegen erfolgt, so betrachte ich denselben als angenommen und es wird dieses Gesuch dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werden. Somit sind die Gegenstände der heutigen Tages-Ordnung erschöpft. Die nächste Sitzung wird den Mitgliedern dieses h. Hauses im schriftlichen Wege bekannt gegeben werden. . Morgen findet jedenfalls keine Sitzung statt. Die Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung um 11 Uhr 10 Min. Vorm.). Mrarlöerger Landtag. 3. Sitzung am 12. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmann-Stellvertreters Dr. med. Gebhard Beck. ■------------------ Ha-3-----------------GkgknwLrtig 18 ibgrorlnrtt. Ldwrfead: der Herr fatiiesljanylmtiun Adolf Lyomderg, der hochwmdigftr ßisdjof md Herr Wolf. Negierungsvertreter: Herr Htatthactereiraih Graf $L Julien-Wallfee. Beginn der Sitzung um 10 Uhr 45 Min. Vormittags. Landeshauptmann-Stellvertreter: Die Sitzung ist eröffnet. Ich habe dem hohen Hause mitzutheilen, daß der Herr Landeshauptmann abwesend ist, weßhalb ich die Ehre habe, die heutige Sitzung zu leiten. Ich ersuche um Verlesung des Protokolles der letzten Sitzung. (Secretär verliest dasselbe.) Wird gegen die Fassung des Protokolles eine Einwendung erhoben? — Da dies nicht der Fall ist, so betrachte ich dasselbe als genehmiget. Der Herr Bürgermeister Wolf hat um einen Urlaub von zwei Tagen ersucht. Nach § 5 der Geschäfts-Ordnung steht es in der Machtvoll­ kommenheit des Herrn Landeshauptmannes bis zu vier Tagen Urlaub zu ertheilen, und wurde daher dem Herrn Bürgermeister Wolf der an­ gesuchte Urlaub ertheilt. Heute wurde ein selbstständiger Antrag vom Abgeordneten Fink und Genossen überreicht dahin­ gehend, der hohe Landtag wolle beschließen: Es sei der hohen Regierung Mittheilung zu machen, welche Maßnahmen getroffen werden sollen, um die Vermittler-Aemter lebenskräftig zu gestalten. Ich bitte um die Verlesung dieses Antrages. (Secretär verliest denselben.) Martin Thnrnher: Ich bitte zu diesem Ge­ genstand um das Wort. Es ist schon seit dem Jnslebentreten des Gesetzes über die Vermittler-Aemter 8 I I. Sitzung des Vorarlberger Landtags. III. Session der 7. Periode 1892. bei uns in Vorarlberg allgemein Klage geführt worden, daß die Bestimmungen über dieses Institut zu wenig weitgehend seien, indem die Vermittler­ Aemter zuwenig Machtvollkommenheit haben, um irgend Entsprechendes leisten zu können. Der h. Landtag hat auch, wie in der Moüvirung des Antrages hervorgehoben wird, wiederholt sich dafür verwendet, daß das betreffende Reichsgesetz vom Jahre 1869 einer entsprechenden Aenderung unter­ zogen werde. Der Anlaß ist jetzt ein sehr günstiger zur Einleitung neuer Schritte, weil die hohe Regierung selbst Auskunft darüber verlangt, welche Aenderungen an diesem Gesetze gewünscht werden. Ich glaube daher, daß dieser Antrag die Berücksichtigung des h. Hauses tvohl verdient und daß alle Mitglieder der h. Landes-Vertretung ebenfalls der Ansicht sind, daß diesbezüglich etwas geschehen müsse. Ich werde daher auch nicht sehlgehen, wenn ich den Antrag erhebe, daß dieser Gegenstand dringlich behandelt und, wie bereits im Anträge selbst ausgedrückt ist, dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werde. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag gestellt worden, den vorliegenden Antrag dringlich zu behandeln. Wird eine Einwendung dagegen erhoben? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte ihn daher als angenommen. Im Anträge selbst wird beantragt, diesen Gegenstand, dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse heute schon zu überweisen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Es ist dies nicht der Fall, es wird daher dieser Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zugewiesen werden. Die in der letzten Sitzung gewählten Ausschüsse haben sich in folgender Weise constituirt: Der Finanz-Ausschuß hat den Herrn Ab­ geordneten Fritz zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Nägele zum Berichterstatter; der volkswirthschaftliche Ausschuß den Herrn Abge­ ordneten Johann Thurnher zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Fink zum Berichterstatter; und der Gemeinde-Ausschuß den Herrn Abge­ ordneten Reisch zum Obmann und den Herrn Abgeordneten Martin Thurnher zum Berichter­ statter gewählt, was ich zur Kenntnis zu nehmen bitte. Wir kommen nun zur Tages-Ordnung. Der erste Gegenstand ist die Haushalts­ rechnung und der Voranschlag b e r Landes-Jrren-Anstalt Valduna. Ich ersuche um einen Antrag über die geschäftliche Behandlung dieses Gegenstandes. Bösch: Ich beantrage diesen Gegenstand dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Bericht­ erstattung zu überweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Da dies nicht der Fall ist, betrachte ich denselben als angenommen und es wird die Zuweisung der Haushaltsrechnung und des Voranschlages der Landes-Jrren-Anstalt an den Finanz-Ausschuß erfolgen. Der zweite Gegenstand ist der Bericht des Landes-Ausschusses über dieNaturalv e r p f l e g s st a t i o n e n. Martin Thurnher: Ich habe die Ansicht, man sollte diesen Bericht nicht einem Comite überweisen, es ist dies nach der Geschäftsordnung ja auch nicht nothwendig, weil Berichte des Landes-Ausschusses sofort in Behandlung gezogen werden können. Ich würde daher den Antrag stellen, diesen Gegenstand gleich heute in Verhandlung zu nehmen und zu erledigen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es wurde vom Herrn Martin Thurnher beantragt, den Bericht des Landesausschusses über die Naturalverpflegsstationen gleich heute im h. Hause zur Verhandlung zu bringen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung gemacht? — Es ist dies nicht der Fall, ich bitte daher den Herrn Berichterstatter den Bericht zu verlesen. Martin Thurnher: Die Zahlen der in den einzelnen Verpfleas - Stationen aufgenommenen und verpflegten mittellosen Reisenden sind bereits durch die Zeitungen s. Z. veröffentlicht worden und ebenso die Bemerkungen, welche die Vor­ stehungen der einzelnen Verpflegsstationsgemeinden über die Wirksamkeit der Anstalten gemacht haben. Ich glaube daher diesen Theil des Berichtes der Verlesung nicht unterziehen zu müssen. (Liest den Bericht mit Ausnahme der vor­ bezeichneten Stellen). IIL Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. Landeshauptmann-Stellvertreter: Ich eröffne über diesen Antrag die Debatte. — Wenn Niemand das Wort ergreift, so ist dieselbe geschlossen und ich bitte jene Herren, welche mit dem Anträge einverstanden sind, die Zustimmung durch Aufstehen von den Sitzen kundzugeben. Angenommen. Der dritte Gegenstand ist der Act betreffend Regelung der Diäten und Reisege­ bühren der Landtagsabgeordneten. Martin Thurnher: Dieser Act besteht aus einem Berichte und Anträge des Landes-Aus­ schusses und es ist daher auch für diesen Gegenstand die Verweisung an einen Ausschuß nicht noth­ wendig. Die Berathung hierüber kann aber heute nicht gepflogen werden, weil der bezügliche Bericht noch nicht in Druck gelegt ist. Ich stelle daher der Antrag, diesen Bericht in Druck legen zu lassen und die Verhandlung hierüber in einer spätern Sitzung gleich im h. Hause vorzunehmen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es wurde der Antrag gestellt, auch diesen Act des Landes­ ausschusses resp, den Bericht und Antrag nach der Drucklegnung desselben ohne Verweisung an einen Ausschuß gleich im h. Hause zur Verhandlung zu bringen. Wird gegen diesen Antrag eine Ein­ wendung erhoben? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte daher den Antrag als mit ihrer Zu­ stimmung versehen und es wird dieser Act in einer der nächsten Sitzungen im h. Hause zur Verhandlung gelangen. Der vierte Gegenstand der heutigen Tages­ ordnung ist die Petition der Parzelle Beschling, Gemeinde Nenzing, um Ge­ währung eines Beitrages aus Landes­ mitteln zur Jllwuhrung. Ich sehe bezüglich dieser Petition einem An­ träge aus der Mitte der Versammlung entgegen. Reisch: Ich stelle den Antrag diesen Gegenstand behufs Berathung und Berichterstattung dem land­ täglichen Gemeinde-Ausschusse zu überweisen. 9 Laudeshauptmann-Stellvertreter : Es wird der Antrag gestellt, diesen Gegenstand dem Gemeinde­ ausschusse zuzuweisen. Wird gegen diesen Antrag eine Einwendung erhoben? — Wenn nicht, so betrachte ich das als Zustimmung und es wird die Zuweisung nach Antrag erfolgen. Der fünfte Gegenstand ist das Gesuch des Ausschusses der Walserthalerstraße um Subvention aus Land es Mitteln. Ich ersuche auch diesbezüglich um einen Antrag. Fritz: Ich stelle den Antrag diese Petition dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zuzuweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag gestellt worden, dieses Gesuch dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zuzuweisen. Wird dagegen etwas eingewendet? — Es ist dies nicht der Fall und wird daher die Zuweisung im Sinne des Antrages erfolgen. Der sechste Gegenstand ist das Gesuch des kath. Bauernvereines von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obst­ baumzucht. Ich gewärtige bezüglich der geschäftlichen Be­ handlung dieses Gegenstandes einen Antrag. Hcinzle: Ich erlaube mir zu beantragen, diesen Gegenstand dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zur Berathung und Berichterstattung zuzuweisen. Landeshauptmann-Stellvertreter: Es ist der Antrag auf Zuweisung dieses Gegenstandes an den volkswirthschaftlichen Ausschuß gestellt. Da keine Einwendung dagegen erfolgt, so betrachte ich denselben als angenommen und es wird dieses Gesuch dem volkswirthschaftlichen Ausschüsse zu­ gewiesen werden. Somit sind die Gegenstände der heutigen Tages-Ordnung erschöpft. Die nächste Sitzung wird den Mitgliedern dieses h. Hauses im schrift­ lichen Wege bekannt gegeben werden. . Morgen findet jedenfalls keine Sitzung statt. Die Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung um 11 Uhr 10 Min. Vorm.).
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18920910_ltb0051893_Gesetzentwurf_Abänderung_Bauordnung Landtag 01.07.2021 V» der Beilagen -« den stenogr. Protokollen der Vorarlberger Landtags. Nl. Session, 7. Periode 1892. Beilage V A. Gesotz vorn wirksam für das Land Vorarlberg, womit die §§12 und 23 der Bauordnung für Vorarlberg abgeändert werden. Ueber Antrag des Landtages Meines Landes Vorarlberg verordne Ich wie folgt: Artikel I. Die 12 und 23 der Bauordnung für Vor­ arlberg (L. G. v. 20. März 1886, L. G. n. V. Bl. Nr. 19) haben in ihrer gegenwärtigen Fassung außer Wirksamkeit zu treten und künftig zu lauten: § 12. Entfernung freistehender Bauten. Bauten in der Nähe von Flüßen und Bächen. Freistehende Neubauten müssen mindestens vier Meter, vom Dachvorsprunge an gerechnet, von andern Gebäuden entfernt aufgeführt werden. Zeder Bauherr hat daher bei Aufführung eines Baues wenigstens zwei Meter von seiner Grund­ grenze entfernt zu bleiben. Wenn aber ein Nach­ bargebäude bereits ganz oder nahe an der Grund­ grenze aufgeführt sein sollte, so ist mit dem aufzuführenden Neubaue soweit zurückzuweichen, daß derselbe mindestens in eine Entfernung von vier Metern vom Nachbargebäude zu stehen kommt. Die Erbauung neuer Wohn-, Wirthschafts­ oder anderer Gebäude in der Nahe von Flüßen und Bächen ist nur in einer angemessenen, ent­ weder durch die bestehenden Flußpolizeivorschriften schon bestimmten oder nach den örtlichen Ver­ hältnissen zur Beseitigung von Gefahren und Be­ irrungen in der Wasserbenützung nothwendig er­ scheinenden Entfernung von den Ufern gestattet. Bei der Errichtung oder Aenderung von Wasser­ werken ist nach den Bestimmungen des Wasserge­ setzes vom 28. August 1870 (L. G. Bl. Nr. 65) vorzugehen. 31 V. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. III- Session. 7. Periode 1892. 8 23. Ausnahmen. Bei Erhöhung bereits bestehender Wohn- und Wirthschaftsgebäude kann unter Anwendung der nöthigen Vorsichten dieselbe Construction mit dem gleichen Materiale beibehalten werden. Die Errichtung von Wohngebäuden aus höl­ zernem Gerippe mit Ausmauerung (Riegelwand), sowie aus gestrickten Holzwänden kann nur bei isolirter Lage, welche die Bedenken einer Feuers­ gefahr für die Nachbargebäude ausschließt, unter der Bedingung zugegeben werden, daß die Mauern in der Nähe von Feuerungsanlagen und Rauch sängen aus feuersicherem Materiale hergestellt sind. Hölzerne Bedachungen aus Brettern oder Schindeln können nur bei zu vorübergehendem Gebrauche herzustellenden Gebäuden gestattet werden. Unter isolirter Lage ist eine Entfernung des Neubaues von jedem anderen Gebäude von min­ destens 15 Meter zu verstehen. Artikel II. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage der Kund­ machung in Wirksamkeit. Artikel III. Mein Minister des Innern ist mit dem Voll­ züge dieses Gesetzes beauftragt. 32 zu den stenogr. KcotoEolleü des Vorarlberger Landtags. Ul. Session, 7. Periode 18TÄ. BeMge V S. de4 Gemeinde-Ausschusses über die Vorlage des Tandes-Ausschusses betreffend die Abänderung der Z Z \2 und 23 der Bauordnung für Vorarlberg. Der Motivenbericht des Landes-Ausschusses führt aus: Wie aus dem Berichte des landtäglichen Gemeinde-Ausschusses (LXV. der Beilagen zü den stenografischen Protokollen der Session des Jahres 1892) hervorgeht, hat Htrt Bezirksarzt vr. Bär m einem an den h. Landtag gerichteten längern Prvmemodiä ausführlich auf die Nachtheile histgdrviesen, welche das Naherücken freistehender Häufet ÜÜf die Gesundheit dtzr Bewohndr ausübt und auf Grund seiner Ausführungen die Nothwendigkeit dargestellt, die Bestimmungen to Bauordnung für Borarlberg nach der Äichtung einer Revision zu unterziehen, daß freistehende Neubauten in der Folge in einer Entfernung von mindestens vier Meter von andern Gebäuden aufzüführen seien. Bezirksarzt Bär begründet seine Anschauung wie folgt : „Daß GonneNÜcht ist, wie die Erfahrung lehrt, derjenige Factor, bdh welchen! alles Leben auf der Erve abhängt Md welches die Entwicklung des Organischen in der mächtigsten Weise beeinflußt. Es läßt sich deshalb schön von vornherein anNehmen^ däß das Sonnenlicht in gesundheitlicher Hin­ sicht eine sehr wichtige Rolle spielt. Schön HipokrUtes betbsti, büß die sonnige, heitere Lust gesund^ die trübe, feuchte, ungesund ist. In gleichem Sinne sprechen sich Galtnus und ArineKna aus. Die exparimentelle Forschung über bett Eistflüß der Küstne aüf das animalische Und pflanzliche LebkN hat erst in unserem Jahrhundert begonnen Und in Hezüg ststf die Hygieine zu wichtigen Thatsachen geführt. Die Ergebnisse der Forschung lehrftst, dstß da8 Sonnenlicht nicht blöß die Erregbarkeit der Nerven erhöht und den Stoffwechsel steigert, sondern Such die geistig Spharö dks MöstschLih seine Stimmung, seine geistige Elasticität uttd Energie beeinflußt, ferner däß däs direcü Sonnenlicht ^Ür Reinhaltung der Luft beiträgt, indem es die SchiMmelbildungen ttrib damit die Köime zur Entstehung von SiechthUm und Krankheiten zerstört. Jr^ erster Hinsicht finden wir, düß die Menschen, welche ist WohnustM äst sonnen­ armen schattigen Geländen wohnen, ist psychischer Richtung hinter tifen MtöoMrn MM, die ihre Wohnungen an sonnig warmen Himmelsstrichen haben. Bekannteste daß in sönttenätittLn, feuchten Thälern der Cretenismuä unvergleichlich mehr herrscht, als in tröckeNeii, sönnenwarnwn. In letzterer Hinsicht hat die Erfahrung gekehrt, dhß die Sttöphulöse M* allen ihren Folgest Sn schattiM licht-- und sonnenärmen Ortest, in dunkln, bon bdf Sonne nicht durchwärmten Wohnungen häufig öv vorkommt, als umgekehrt und e'in^ ErattsferituNg an die sonstig warme Luft däs b'iste HtzilMiM ist 33 Beilage V. V. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags. und daß in jenen traurigen Ortschaften die Menschen einer guten Gesundheit sich weniger erfreuen. Dieß ist auch hauptsächlich der Grund, weßhalb die Menschen ihren Wohnungen, wo es immer angeht, Sonnenrichtung geben. Was hier im Allgemeinen und Großen gilt, das trifft auch im Kleinen, den einzeln stehenden Häusern, zu. Häuser, welchen durch Neubauten Licht und Sonne abgesperrt wird, sind mit Recht gefürchtet. In solchen Wohnräumen fühlt sich der Mensch angefröstelt, wie in einer Kellerluft. Von der hohen Wichtigkeit, daß bei Neubauten das Sonnenlicht, die Sonnenwärme ein großer Factor ist und in Betracht zu ziehen ist, wenn das Haus den Anforderungen der Hygieine entsprechen soll, ist Jedermann aus eigener Erfahrung überzeugt und man sollte meinen, daß die Bauordnung vom Jahre 1886 für das Land Vorarlberg diesen Punkt einer Beachtung würdig gefunden hätte. Was zeigt aber die Erfahrung? Bei isolirt stehenden Hausern baut der Nachbar an das bereits bestehende Haus ein Wohnhaus, das diesem das Sonnenlicht nimmt, dasselbe in Schatten stellt und dadurch entwerthet. Frägt man die Sachverständigen, ob dies wohl erlaubt sei, der Nachbar werde ja geschädiget, so erhält man die Antwort: „Auf meinem Grund und Boden kann ich bauen nach meinem Gutdünken und selbst wenn der Nachbar in Schaden kömmt. Was soll da die Hygieine?" Und zieht man die Bauordnung zu Rathe, so gibt sie über diesen Punkt keinen Ausschluß. Auch in Betreff der Ver­ bauung der Höfe, wodurch die Löscharbeiten bei Bränden vereitelt werden, ist nur Ungenügendes zu finden. Ob dieß nicht eine bedauernswerthe Lücke in der Bauordnung ist? Daß bei freistehenden Häusern durch das Naherücken eines Hauses zum andern Fehler gegen die Hygieine begangen werden, und dagegen vergebens Klagen geführt werden, möge nur auf einen Fall aus der jüngsten Zeit hingewiesen werden. Metzger Winkel hat sein großes Haus in der Quellenstraße in Vorkloster so nahe an das Nachbarhaus des Wacker gerückt, daß letzteres ganz in Schatten steht. In dem zwischen den Häusern gelassenen Raum müssen die Mauerwände feucht und kalt bleiben, und es können wegen der ungesunden Ausdünstung bei gewöhnlich liegen bleibenden Niederschlägen die Fenster nicht geöffnet werden, abgesehen davon, daß den Wohnzimmern Licht und Sonne entzogen wird. Oft genug verbindet sich damit nachbarliche Gehäßigkeit oder gibt hiezu An­ laß, die so lange bestehen als die Häuser." Der Landtag hat die Anregung des Hr. Bezirksarztes Dr. Bär gewürdigt und mit Beschluß vom 7. April 1892 den Landesausschuß beauftragt, geeignete diesbezügliche Anträge für die nächste Session vorzubereiten. Die in eingangs bezeichnetem Berichte des landtägl. Gemeinde-Ausschusses zum Ausdrucke gebrachten Bedenken hinsichtlich der Competenz der Ldndesvertretung zur gesetzlichen Regelung dieser Frage werden vom Landesausschusse nicht im mindesten getheilt, er ist vielmehr der Ansicht und der Ueberzeugung, daß eine derartige Einschränkung eine solche ist, welche durch öffentliche Rücksichten bedingt erscheint und daher im Wege der Landesgesetzgebung gerade so verfügt werden kann, wie die Festsetzung der Entfernung der Bauten von öffentlichen Straßen, der Art und Weise der Bau­ führung in der Nähe der Eisenbahnen, Flüsse und Gewässer, sowie der Bestimmungen über die Rücksichtnahme auf Feuersicherheits- und Sanitätsverhältnisse (§§ 10, 11, 12, 13 und 14 B.-O.). Die Aufnahme der im anliegenden Gesetzentwürfe in § 12 aufgenommenen Bestimmung berührt selbstverständlich die Bauten in geschlossenen Straßen der Städte oder anderer Ortschaften, woselbst die Gebäude nicht freistehend, sondern aneinandergebaut sind, oder nach dem etwa von der Gemeinde­ vertretung beschlossenen Regulirungsplane (§ 16 B.O.) aneinandergebaut werden sollen, nicht. Gelegentlich der Aufnahme der angedeuteten Bestimmung stndet der Landesausschuß noch eine andere Aenderung der Bauordnung in Vorschlag zu bringen. Es betrifft dieselbe die Gestattung von Holzbauten in isolirter Lage. (§ 23 B.O.). Es wurde schon bei den Ausschußberathungen gelegentlich der Revision der Bauordnung in der Landtagssession des Jahres 1885 von verschiedener Seite hervorgehoben, es sei die Festsetzung einer Entfernung von 20 Metern nicht nur drückend, sondern auch nicht zweckentsprechend, es würde vielmehr eine Entfernung von 15 Meter zur Erzielung der Feuersicherheit genügen. Diese Ansicht 34 ni. Session der 7. Periode 18V2. Beilage V. wurde aber bei den Berathungen des Landtages selbst aus dem Grunde nicht zur Geltung gebracht, weil man an dem mit der Regierung zum vorhinein vereinbarten Elaborate keine wesentlichen Aen­ derungen vornehmen wollte, um hiedurch die ganze Revistonsarbeit nicht zu gefährden, oder zu verschieben. Es hat sich nun gezeigt, daß jene im Jahre 1885 zu Tage getretenen Ansichten begründet waren, da das Entfernungsausmaß von 20 Meter in zahlreichen Fällen nicht unbedeutende Härten involvirt. Insbesondere fällt bei Bauten auf dem Lande, wo nicht mindestens 12 Meter breite Straßen bestehen, der Umstand ins Gewicht, daß einander gegenüberliegende Bauten nicht aus Holz auf­ geführt werden können, da ein Zurückweichen hinter die Baulinie in der Regel nicht angeht und sich dadurch die Unmöglichkeit ergiebt, einen Abstand von 20 Metern zwischen solchen einander gegen­ überstehenden Bauten zu gewinnen. Der landtägliche Gemeinde-Ausschuß ist mit den Ausführungen des Landes-Ausschusses voll­ ständig einverstanden, und hat nur in § 12 eine Ergänzung dahingehend in Vorschlag gebracht, daß die Entfernung der Neubauten vom Dachvorsprunge an zu bemessen sei. Die Aufnahme dieser Ergänzung wurde aus dem Grunde für nothwendig erachtet, um allen Zweifel zu beheben und ungleichartiger Jntrepretation des Gesetzes vorzubeugen. Der landtägliche Gemeinde-Ausschuß erhebt demnach den Antrag: Der h. Landtag wolle beschließen: „Dem beiliegenden Gesetzentwürfe betreffend die Abänderung der § § 12 und 23 der Bauordnung für Vorarlberg wird die Zustimmung ertheilt." Bregenz, am 10. Sept. 1892. M. Reisch, Mart. Thrrrnher, Obmann. Berichterstatter. 35
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18920909_lts002 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 2. Sitzung am 9. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig 20 Abgeordnete. Abwesend der Herr Abgeordnete Johannes Thurnher. Regierungsvertreter: Herr Statthaltsreirath Graf St. Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 4 Uhr Nachmittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet und ich ersuche um Verlesung des Protocolles der Vormittagssitzung. (Sekretär verliest das Protokoll.) Wünscht einer der Herren gegen das Protokoll eine Einwendung zu machen? — Da dieses nicht der Fall ist, betrachte ich es als angenommen. Es ist mir ein Einlaufstück zugekommen, ein Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht — eingereicht durch den Herrn Abgeordneten Schapler. (Sekretär verliest dasselbe.) Ich werde dieses Gesuch auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen stellen. Wir kommen nun zur Tagesordnung. Auf derselben steht als erster Gegenstand die Wahl des Finanzausschusses. Nachdem schon seit einer Reihe von Jahren der Finanz-Ausschuß, der volkswirtschaftliche Ausschuß und der Gemeinde-Ausschuß aus fünf Mitgliedern bestanden haben, so nehme ich an, wenn seitens des hohen Hauses kein Gegenvorschlag erfolgt, daß die Herren damit einverstanden sind, diese drei Ausschüsse wiederum zu je fünf Mitgliedern zu wählen. — Es erfolgt kein Einspruch, ich ersuche daher zur Wahl des Finanz-Ausschusses zu schreiten, und gefälligst sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) 4 IL Sitzung des Vorarlberger Landtags. III. Session der 7. Periode 1892. Ich ersuche die Herren Martin Thurnher und Bösch gefälligst das Skrutinium zu übernehmen. (Geschieht.) Bösch: 17 Stimmzetteln sind abgegeben worden. Mart. Thurnher: Es haben erhalten die Herren: Fritz, Greißing, Büchele und Wolf je 15, Nägele 14, Dietrich 7 und Ruf 6 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Fritz, Greißing, Büchele, Wolf und Nägele als Mitglieder und die Herren Dietrich und Rüf als Ersatzmänner des Finanz-Ausschusses gewählt. Wir schreiten nun zur Wahl des volkswirthschaftlichen Ausschusses und ich ersuche wiederum sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) Ich ersuche die Herren Dr. Beck und Dr. Schmied um die Vornahme des Skrutiniums. (Geschieht.) Dr. Beck: 18 Stimmzetteln wurden abgegeben. Dr. Schmied: Es haben erhalten die Herren: Welte 17, Dr. Beck 16, Fink 15, Mart. Thurnher 15, Johann Thurnher 14 und Rüf 8 Stimmen. Ferner die Herren: Heinzle, Greißing und Reisch je 4 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Welte, Dr. Beck, Fink, Martin Thurnher und Johann Thurnher als Mitglieder und Herr Rüf als erster Ersatzmann gewählt. Zwischen den drei Herren, welche gleichviel Stimmen erhalten haben, muß durch das Loos entschieden werden, wer von ihnen zweiter Ersatzmann wird. Ich ersuche den Herrn Rüf das Loos zu ziehen. Rüf: (Das Loos ziehend.) Herr Reisch. Landeshauptmann: Es ist also Herr Reisch als zweiter Ersatzmann gewählt. Wir kommen nun zur Wahl des GemeindeAusschusses und ich ersuche abermals gefälligst sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) Ich möchte die Herren Fritz und Greißing ersuchen, das Skrutinium gefälligst zu übernehmen. (Geschieht.) Fritz: 18 Stimmzettel wurden abgegeben. Greißing: Von den abgegebenen Stimmen haben erhalten die Herren: Dr. Schmied, Martin Thurnher, Heinzle und Bösch je 16, Reisch 15, Schapler 8 und Dekan Berchtold 5 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Dr. Schmied, Martin Thurnher, Heinzle, Bösch und Reisch als Mitglieder, Schapler und Dekan Berchtold als Ersatzmänner in den GemeindeAusschuß gewählt. Ich ersuche nun nach Schluß der Sitzung diese drei gewählten Ausschüsse sich zu constituiren und mir das Resultat bekannt geben zu wollen. Wir kommen nun zum nächsten Gegenstand der Tages-Ordnung. Ich werde mir erlauben die zwei Punkte 4 und 5 zu einem zusammenzunehmen, nachdem nach der bestehenden Gepflogenheit diese zwei Gegenstände nämlich der Rechenschaftsbericht des Landes-Ausschusses und der Voranschlag des Landesfondes und des Landeskulturfondes pro 18 9 3 immer vereint dem Finanz-Ausschusse überwiesen worden sind. Ich erwarte über die geschäftliche Behandlung dieser beiden Gegenstände einen Antrag. Welte: Ich beantrage diese Gegenstände dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Berichterstattung zu überweisen. Landeshauptmann: Es ist die Zuweisung dieser beiden Gegenstände an den Finanz-Ausschuß beantragt worden. Wenn keine Einwendung erfolgt, so betrachte ich den gestellten Antrag als angenommen und es wird die Zuweisung in diesem Sinne erfolgen. Der letzte Gegenstand der heutigen TagesOrdnung ist der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 und 23 der Vorarlberger Landesbau-Ordnung. Schapler: Ich beantrage die Zuweisung dieses Gegenstandes an den Gemeinde-Ausschuß. IL Sitzung des vorarlberge r Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. 5 Landeshauptmann: Es wurde beantragt, diesen Gegenstand dem Gemeinde-Ausschusse zu überweisen. Erfolgt eine Einwendung gegen diesen Antrag? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte ihn daher als angenommen. Die heutige Tages-Ordnung ist somit erschöpft Die nächste Sitzung beraume ich auf Montag Vormittag 101/2 Uhr an mit nachstehender TagesOrdnung. 1. Haushaltsrechnung der Landesirrenanstalt Valduna und Voranschlag. 2. Bericht des Landes-Ausschusses über die Naturalverpflegsstationen. 3. Act betreffend Regelung der Diäten und Reisegebühren der Landtagsabgeordneten. 4. Petition der Parcelle Beschling Gemeinde Nenzing um Gewährung eines Beitrages aus Landesmitteln zur Illwuhrung. 5. Gesuch des Ausschusses der WalserthalerStraße um eine jährliche Subvention aus Landesmitteln. 6. Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht. Mart. Thurnher: Ich möchte beantragen als sechsten Gegenstand das heutige Einlaufstück, nämlich das Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht auch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Landeshauptmann: Es ist beantragt worden das heutige Einlaufstück zur formellen Behandlung auch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Wenn keine Einwendung dagegen erfolgt, so werde ich diesen Gegenstand als sechsten Punkt der nächsten Tagesordnung beigeben. Es ist von Seite mehrerer Mitglieder des heute gewählten Gemeindeausschusses der Wunsch ausgedrückt worden, es möchte dieser Ausschuß morgen Vormittag um 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen kommen: Der Gegenstand der Berathung ist der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 und 23 der Vorarlberger Landesbau-Ordnung, welcher heute dem Gemeinde-Ausschusse zugewiesen wurde. Der Ausschuß hat sich noch nicht constituirt, ich möchte daher fragen, ob das hohe Haus damit einverstanden ist. — Da keine Einwendung erfolgt, so bitte ich dies zur Kenntnis zu nehmen. Die heutige Sitzung ist geschlossen. (Schluß 4 Uhr 45 Min.) Mrarlöerger Landtag. 2. Sitzung am 9. September 1892, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. ---------------- fr-H 4-------------------©tgttiwäriig 20 Abgeordnete. Abwesend der Herr Abgeordnete Iotzannes Shnrnhcr. Regierungsvertreter: Herr Ktatthaltsrerrsth Graf $L Julreu-Wallfee. Beginn der Sitzung um 4 Uhr Nachmittags. Landeshauptmann: Die Sitzung ist eröffnet und ich ersuche um Verlesung des Protocolles der Vormittagssitzung. (Sekretär verliest das Protokoll.) Wünscht einer der Herren gegen das Protokoll eine Einwendung zu machen? — Da dieses nicht der Fall ist, betrachte ich es als angenommen. Es ist mir ein Einlaufstück zugekommen, ein Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obst­ baumzucht — eingereicht durch den Herrn Abge­ ordneten Schapler. (Sekretär verliest dasselbe.) Ich werde dieses Gesuch auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen stellen. Wir kommen nun zur Tagesordnung. Auf derselben steht als erster Gegenstand die Wahl des Finanzausschusses. Nachdem schon seit einer Reihe von Jahren der Finanz-Ausschuß, der volkswirtschaftliche Ausschuß und der Gemeinde-Ausschuß aus fünf Mitgliedern bestanden haben, so nehme ich an, wenn seitens des hohen Hauses kein Gegenvorschlag erfolgt, daß die Herren damit einverstanden sind, diese drei Ausschüsse wiederum zu je fünf Mit­ gliedern zu wählen. — Es erfolgt kein Einspruch, ich ersuche daher zur Wahl des Finanz-Ausschusses zu schreiten, und gefälligst sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) 4 IL Sitzung des Vorarlberger Landtags. Ich ersuche die Herren Martin Thurnher und Bösch gefälligst das Skrutinium zu übernehmen. (Geschieht.) Bösch : 17 Stimmzetteln sind abgegeben worden. Mart. Thurnher: Es haben erhalten die Herren: Fritz, Greißing, Büchele und Wolf je 15, Nägele 14, Dietrich 7 und Ruf 6 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Fritz, Greißing, Büchele, Wolf und Nägele als Mitglieder und die Herren Dietrich und Rüf als Ersatzmänner des Finanz-Ausschusses gewählt. Wir schreiten nun zur Wahl des volkswirthschaftlichen Ausschusses und ich ersuche wiederum sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) Ich ersuche die Herren Dr. Beck und Dr. Schmied um die Vornahme des Skrutiniums. (Geschieht.) Dr. Beck: 18 Stimmzetteln wurden abgegeben. Dr. Schmied: Es haben erhalten die Herren: Welte 17, Dr. Beck 16, Fink 15, Mart. Thurnher 15, Johann Thurnher 14 und Rüf 8 Stimmen. Ferner die Herren: Heinzle, Greißing und Reisch je 4 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Welte, Dr. Beck, Fink, Martin Thurnher und Johann Thurnher als Mitglieder und Herr Rüf als erster Ersatzmann gewählt. Zwischen den drei Herren, welche gleichviel Stimmen erhalten haben, muß durch das Loos entschieden werden, wer von ihnen zweiter Ersatz­ mann wird. Ich ersuche den Herrn Rüf das Loos zu ziehen. Rüf: (Das Loos ziehend.) Herr Reisch. Landeshauptmann: Es ist also Herr Reisch als zweiter Ersatzmann gewählt. Wir kommen nun zur Wahl des Gemeinde­ Ausschusses und ich ersuche abermals gefälligst sieben Namen schreiben zu wollen. (Wahlact.) III. Session der 7. Periode 1892. Ich möchte die Herren Fritz und Greißing ersuchen, das Skrutinium gefälligst zu übernehmen. (Geschieht.) Fritz: 18 Stimmzettel wurden abgegeben. Greißing: Von den abgegebenen Stimmen haben erhalten die Herren: Dr. Schmied, Martin Thurnher, Heinzle und Bösch je 16, Reisch 15, Schapler 8 und Dekan Berchtold 5 Stimmen. Landeshauptmann: Es sind somit die Herren: Dr. Schmied, Martin Thurnher, Heinzle, Bösch und Reisch als Mitglieder, Schapler und Dekan Berchtold als Ersatzmänner in den Gemeinde­ Ausschuß gewählt. Ich ersuche nun nach Schluß der Sitzung diese drei gewählten Ausschüsse sich zu constituiren und mir das Resultat bekannt geben zu wollen. Wir kommen nun zum nächsten Gegenstand der Tages-Ordnung. Ich werde mir erlauben die zwei Punkte 4 und 5 zu einem zusammenzu­ nehmen, nachdem nach der bestehenden Gepflogenheit diese zwei Gegenstände nämlich der Rechen­ schaftsbericht des Landes-Ausschusses und der Voranschlag des Landesfondes und des Landeskulturfon des pro 18 9 3 immer vereint dem Finanz-Ausschusse überwiesen worden sind. Ich erwarte über die geschäftliche Behandlung dieser beiden Gegenstände einen Antrag. Welte: Ich beantrage diese Gegenstände dem Finanz-Ausschusse zur Vorberathung und Bericht­ erstattung zu überweisen. Landeshauptmann: Es ist die Zuweisung dieser beiden Gegenstände an den Finanz-Ausschuß beantragt worden. Wenn keine Einwendung er­ folgt, so betrachte ich den gestellten Antrag als angenommen und es wird die Zuweisung in diesem Sinne erfolgen. Der letzte Gegenstand der heutigen Tages­ Ordnung ist der Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 u nd 23 der Vorarlberger Landesbau-Ordnung. Schapler: Ich beantrage die Zuweisung dieses Gegenstandes an den Gemeinde-Ausschuß. IL Sitzung des vorarlberge r Landtages. Landeshauptmann: Es wurde beantragt, diesen Gegenstand dem Gemeinde-Ausschusse zu über­ weisen. Erfolgt eine Einwendung gegen diesen Antrag? — Es ist dies nicht der Fall, ich betrachte ihn daher als angenommen. Die heutige Tages-Ordnung ist somit erschöpft Die nächste Sitzung beraume ich auf Montag Vormittag 101/2 Uhr an mit nachstehender Tages­ Ordnung. 1. Haushaltsrechnung der Landesirrenanstalt Valduna und Voranschlag. 2. Bericht des Landes-Ausschusses über die Naturalverpflegsstationen. 3. Act betreffend Regelung der Diäten und Reisegebühxen der Landtagsabgeordneten. 4. Petition der Parcelle Beschling Gemeinde Nenzing um Gewährung eines Beitrages aus Landesmitteln zur Jllwuhrung. 5. Gesuch des Ausschusses der WalserthalerStraße um eine jährliche Subvention aus Landesmitteln. 6. Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht. III. Session der 7. Periode 1892. nämlich das Gesuch des katholischen Bauernvereins von Montavon um Unterstützung zur Hebung der Obstbaumzucht auch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Landeshauptmann: Es ist beantragt worden das heutige Einlaufstück zur formellen Behandlung auch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu stellen. Wenn keine Einwendung dagegen erfolgt, so werde ich diesen Gegenstand als sechsten Punkt der nächsten Tagesordnung beigeben. Es ist von Seite mehrerer Mitglieder des heute gewählten Gemeindeausschusses der Wunsch ausgedrückt worden, es möchte dieser Ausschuß morgen Vormittag um 10 Uhr zu einer Sitzung zusammen kommen: Der Gegenstand der Berathung ist der Gesetz­ entwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 und 23 der Vorarlberger Landesbau-Ordnung, welcher heute dem Gemeinde-Ausschusse zugewiesen wurde. Der Ausschuß hat sich noch nicht constituirt, ich möchte daher fragen, ob das hohe Haus damit einverstanden ist. — Da keine Einwendung erfolgt, so bitte ich dies zur Kenntnis zu nehmen. Die heutige Sitzung ist geschlossen. Mart. Thurnher: Ich möchte beantragen als sechsten Gegenstand das heutige Einlaufstück, 5 (Schluß 4 Uhr 45 Min.)
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18920908_lts001 Landtag 27.06.2021 Vorarlberger Landtag. 1. Sitzung am 9. September 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. Gegenwärtig 19 Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dr. Waibel und Johann Thurnher. Regierungsvertreter: Herr Statthaltereirath Graf Julien-Wallsee. Beginn der Sitzung um 11 Uhr 45 Min. Vormittags. Landeshauptmann: Hohes Haus! Mit allerhöchstem kaiserlichen Patente vom 24. August d. I. wurden die Landesvertretungen sämmtlicher Königreiche und Länder unserer Monarchie und auch der Landtag unseres Landes Vorarlberg auf den heutigen Tag zur verfassungsmäßigen Thätigkeit einberufen und es obliegt mir die angenehme Pflicht, alle verehrten Herren Abgeordneten, die dem allerhöchsten Rufe Folge leistend sich heute zum Beginne der Session versammelt haben, hochachtungsvoll zu begrüßen. Indem ich in gleicher Weise mein ehrfurchtsvollstes Willkommen dem Vertreter der hohen Regierung, dem hochverehrten Herrn Statthaltereirath Grafen St. Julien-Wallsee, ausdrücke, bin ich Ihrer Mer Zustimmung zum Voraus sicher, wenn ich bei diesem Anlässe unsere wärmsten und herzlichsten Glückwünsche zu seiner nach schwerer Krankheit mit Gotteshilfe erlangten Wiedergenesung ausspreche und der Hoffnung Raum gebe, daß Hochderselbe noch recht oft in diesem Hause uns seine Einsicht und Thatkraft entgegenbringe. Hohes Haus! Während wir im März dieses Jahres einer Pause von V/a Jahren gegenüber standen, ist dieses Mal die Zeit zwischen dem Schlüsse der letzten und dem Beginne der gegenwärtigen Session eine außerordentlich kurze, nur nach Monaten bemessene. Unter diesen Umständen wird das hohe Haus es begreiflich finden, wenn ich sage, daß das dem Landesausschusse vorliegende Berathungsmateriale ein minimales ist. Manche Vorlagen konnten wegen der Kürze der Zeit nicht ausgearbeitet werden, verschiedene mit der hohen 2 I- Sitzung des Vorarlberger Landtages. III. Session der 7. Periode 1892. Regierung nothwendig erscheinende Verhandlungen wurden nicht zu Ende geführt und das hohe Haus hat bereits zudem in letzter Session schon einen Theil unserer Arbeiten erlediget, indem die Rechnungen abgeschlossen und die einzelnen Fonde pro 1892 damals schon votiert worden sind. Von den Vorlagen, die der Landes-Ausschuß dem hohen Hause unterbreitet, nenne ich den Rechenschaftsbericht, den Voranschlag des Landesfondes und Landesculturfondes pro 1893, die Haushalts-Rechnung und den Voranschlag der Landes-Irrenanstalt, den Bericht der Naturalverpflegsstationen; ferner gelangt in Vorlage die Ausführung des Landtagsbeschlusses vom 7. April dieses Jahres, ein Gesetzentwurf, womit zwei Paragraphe der Vorarlberger Landes-Bauordnung abgeändert werden und andere mehr. Wenn daher, wie das hohe Haus aus dem Gesagten ersieht, die Zeit, welche wir sür unsere Thätigkeit benöthigen, voraussichtlich eine sehr kurze sein wird, so bin ich doch überzeugt, daß die Herren ebendenselben Eifer und ebendieselbe Thatkraft dem Dienste des Landes widmen werden, wie ich so glücklich war, dies auch am Schlüsse der letzten Session lobend und anerkennend hervorheben zu können. So wollen wir nun mit Gottes Hilfe zu dem Beginn der Arbeit schreiten, in dankbarer Verehrung und Hingebung an den Spender unserer autonomen Landesverfassung, an Seine Majestät unseren Allergnädigsten Kaiser. Allerhöchst Seiner Majestät, dem Vater Seiner Völker, dem Hort des Friedens und Rechtes wollen wir bei Beginn dieser Session den Schwur der unverbrüchlichen Treue uud Ergebung erneuern indem wir laut hinausrufen: Gott schütze, segne und erhalte Seine Majestät unseren allergnädigsten Kaiser. Er lebe Hoch! Hoch! Hoch! (Das ganze Haus erhebt sich und stimmt begeistert ein in die Hochrufe des Herrn Landeshauptmannes. ) Somit erkläre ich die III. Session der 7. Landtagsperiode für eröffnet. Regierungsvertreter: Hohes Haus! Indem ich abermals die ehrenvolle Aufgabe erfülle, die hohe Regierung hier in diesem hohen Haufe zu vertreten, erachte ich es als eine höchst angenehme Pflicht, meine hochverehrten Herren auf das freundlichste und hochachtungsvollste zu begrüßen und willkommen zu heißen. Der rastlosen und zielbewußten Thätigkeit des Herrn Landeshauptmannes und der Mitglieder des Landesausschusses ist es zu danken, daß die Vorarbeiten zu der auf einen unerwartet frühen Zeitpunkt anberaumten Landtagssession so weit fertig gestellt worden sind, daß der hohe Landtag sogleich in die Behandlung zwei so wichtiger Agenden, wie es die Prüfung des Rechenschaftberichtes des Landesausschusses und Landesbudgets ist, eingehen kann. Ich glaube sowohl der Intention der hohen Regierung zu entsprechen, als auch der Zustimmung des hohen Hauses sicher zu sein, wenn ich diesen Umstand mit dem Gefühle aufrichtiger Genugthuung und dem Ausdrucke vollster Anerkennung ganz besonders hervorzuheben mir erlaube. Für die so überaus liebenswürdigen Worte, welche der Herr Landeshauptmann an mich zu richten die Güte hatte, spreche ich ihm ganz besonderen Dank aus und ich bitte ihn und das hohe Haus, die Versicherung entgegenzunehmen, daß ich, wie in den früheren Sessionen so auch in der gegenwärtigen bestrebt sein werde, die Arbeiten des hohen Landtages soweit es in meinen Kräften steht, eifrigst zu unterstützen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Johann Thurnher hat bei mir mündlich um einige Tage Urlaub angesucht. Nachdem mir der § 5 der Geschäftsordnung das Recht verleiht, aus eigener Initiative Urlaub bis zu vier Tagen zu gewähren, so habe ich von diesem Rechte Gebrauch gemacht, was ich zur Kenntnis zu nehmen bitte. Die nächste Sitzung, in welcher wir dem Beginne unserer geschäftlichen Berathungen obliegen können, beraume ich auf Nachmittag um 4 Uhr an mit nachstehender Tagesordnung: 1. Wahl des Finanz-Ausschusses; 2. Wahl des volkswirthschaftlichen Ausschusses; 3. Wahl des Gemeinde-Ausschusses; 4. Rechenschaftsbericht des Landesausschusses; 5. Voranschlag des Landesfondes und des Landesculturfondes pro 1893; 6. Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 und 23 der Vorarlberger Landes-Bauordnung. Die Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung 11 Uhr 55 Min. Vorm.) Mrarlöerger Landtag. 1. Sitzung am 9. September 1893, unter dem Vorsitze des Herrn Landeshauptmannes Adolf Rhomberg. -------------- -r-U-s--------------Gegenwärtig IS Abgeordnete. Abwesend die Herren: Dr. Waide! und Johann Thnrnher. Regierungsvertretep: Herr Hialthaltereiralh Graf Jukien-Walksee. Beginn der Sitzung um 11 Uhr 45 Min. Vormittags. Landeshauptmann: Hohes Haus! Mit aller­ höchstem kaiserlichen Patente vom 24. August d. I. wurden die Landesvertretungen sämmtlicher König­ reiche und Länder unserer Monarchie und auch der Landtag unseres Landes Vorarlberg auf den heutigen Tag zur verfassungsmäßigen Thätigkeit einberufen und es obliegt mir die angenehme Pflicht, alle verehrten Herren Abgeordneten, die dem allerhöchsten Rufe Folge leistend sich heute zum Beginne der Session versammelt haben, hoch­ achtungsvoll zu begrüßen. Indem ich in gleicher Weise mein ehrfurchts­ vollstes Willkommen dem Vertreter der hohen Regierung, dem hochverehrten Herrn Statthalterei­ rath Grafen St. Julien-Wallsee, ausdrücke, bin ich Ihrer Mer Zustimmung zum Voraus sicher, wenn ich bei diesem Anlässe unsere wärmsten und herzlichsten Glückwünsche zu seiner nach schwerer Krankheit mit Gotteshilfe erlangten Wieder­ genesung ausspreche und der Hoffnung Raum gebe, daß Hochderselbe noch recht oft in diesem Hause uns seine Einsicht und Thatkraft entgegen­ bringe. Hohes Haus! Während wir im März dieses Jahres einer Pause von V/a Jahren gegenüber standen, ist dieses Mal die Zeit zwischen dem Schlüsse der letzten und dem Beginne der gegenwärtigen Session eine außerordentlich kurze, nur nach Monaten bemessene. Unter diesen Umständen wird das hohe Haus es begreiflich finden, wenn ich sage, daß das dem Landesausschusse vorliegende Berathungsmateriale ein minimales ist. Manche Vorlagen konnten wegen der Kürze der Zeit nicht ausgearbeitet werden, verschiedene mit der hohen 2 I- Sitzung des Vorarlberger Landtages. Regierung nothwendig erscheinende Verhandlungen wurden nicht zu Ende geführt und das hohe Haus hat bereits zudem in letzter Session schon einen Theil unserer Arbeiten erlediget, indem die Rechnungen abgeschlossen und die einzelnen Fonde pro 1892 damals schon votiert worden sind. Von den Vorlagen, die der Landes-Ausschuß dem hohen Hause unterbreitet, nenne ich den Rechenschaftsbericht, den Voranschlag des Landes­ sondes und Landesculturfondes pro 1893, die Haushalts-Rechnung und den Voranschlag der Landes-Irrenanstalt, den Bericht der Naturalverpflegsstationen; ferner gelangt in Vorlage die Ausführung des Landtagsbeschlusses vom 7. April dieses Jahres, ein Gesetzentwurf, womit zwei Paragraphe der Vorarlberger Landes-Bauordnung abgeändert werden und andere mehr. Wenn daher, wie das hohe Haus aus dem Gesagten ersieht, die Zeit, welche wir sür unsere Thätigkeit benöthigen, voraussichtlich eine sehr kurze sein wird, so bin ich doch überzeugt, daß die Herren ebendenselben Eifer und ebendieselbe Thatkraft dem Dienste des Landes widmen werden, wie ich so glücklich war, dies auch am Schlüsse der letzten Session lobend und anerkennend hervor­ heben zu können. So wollen wir nun mit Gottes Hilfe zu dem Beginn der Arbeit schreiten, in dankbarer Verehrung und Hingebung an den Spender unserer autonomen Landesverfassung, an Seine Majestät unseren Allergnädigsten Kaiser. Allerhöchst Seiner Majestät, dem Vater Seiner Völker, dem Hort des Friedens und Rechtes wollen wir bei Beginn dieser Session den Schwur der unverbrüchlichen Treue uud Ergebung erneuern indem wir laut hinausrufen: Gott schütze, segne und erhalte Seine Majestät unseren allergnädigsten Kaiser. Er lebe Hoch! Hoch! Hoch! (Das ganze Haus erhebt sich und stimmt begeistert ein in die Hochrufe des Herrn Landes­ hauptmannes.) Somit erkläre ich die III. Session der 7. Landtagsperiode für eröffnet. Regierungsvertreter: Hohes Haus! Indem ich abermals die ehrenvolle Aufgabe erfülle, die hohe Regierung hier in diesem hohen Haufe zu vertreten, erachte ich es als eine höchst angenehme Pflicht, meine hochverehrten Herren auf das freundlichste und hochachtungsvoüste zu begrüßen und willkommen zu heißen. III. Session der 7. Periode 1892. Der rastlosen und zielbewußten Thätigkeit des Herrn Landeshauptmannes und der Mitglieder des Landesausschusses ist es zu danken, daß die Vorarbeiten zu der auf einen unerwartet frühen Zeitpunkt anberaumten Landtagssession so weit fertig gestellt worden sind, daß der hohe Landtag sogleich in die Behandlung zwei so wichtiger Agenden, wie es die Prüfung des Rechenschaft^ berichtes des Landesausschusses und Landesbudgets ist, eingehen kann. Ich glaube sowohl der Intention der hohen Regierung zu entsprechen, als auch der Zustim­ mung des hohen Hauses sicher zu sein, wenn ich diesen Umstand mit dem Gefühle aufrichtiger Genugthuung und dem Ausdrucke vollster Aner­ kennung ganz besonders hervorzuheben mir erlaube. Für die so überaus liebenswürdigen Worte, welche der Herr Landeshauptmann an mich zu richten die Güte hatte, spreche ich ihm ganz be­ sonderen Dank aus und ich bitte ihn und das hohe Haus, die Versicherung entgegenzunehmen, daß ich, wie in den früheren Sessionen so auch in der gegenwärtigen bestrebt sein werde, die Arbeiten des hohen Landtages soweit es in meinen Kräften steht, eifrigst zu unterstützen. Landeshauptmann: Der Herr Abgeordnete Johann Thurnher hat bei mir mündlich um einige Tage Urlaub angesucht. Nachdem mir der § 5 der Geschäftsordnung das Recht verleiht, aus eigener Initiative Urlaub bis zu vier Tagen zu gewähren, so habe ich von diesem Rechte Gebrauch gemacht, was ich zur Kenntnis zu nehmen bitte. Die nächste Sitzung, in welcher wir dem Be­ ginne unserer geschäftlichen Berathungen obliegen können, beraume ich auf Nachmittag um 4 Uhr an mit nachstehender Tagesordnung: 1. 2. 3. 4. 5. Wahl des Finanz-Ausschusses; Wahl des volkswirthschaftlichen Ausschusses; Wahl des Gemeinde-Ausschusses; Rechenschaftsbericht des Landesausschusses ; Voranschlag des Landesfondes und des Landesculturfondes pro 1893; 6. Gesetzentwurf betreffend die Abänderung der §§ 12 und 23 der Vorarlberger Landes-Bauordnung. Die Sitzung ist geschloffen. (Schluß der Sitzung 11 Uhr 55 Min. Vorm.)
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18920907_ltb0061893_Landesausschussbericht_Normierung_Diäten_Rei...n_Landesvertretungsmitglieder Landtag 01.07.2021 Vl. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, m. Session, 7. Periode 1892. Beilage VL Wo richt -SS Landes-Ausschusses bezüglich Normirung der Diäten und Reisegebühren der Mitglieder der tandesvertretung. Hoher Landtag! Die Diäten und Reisegebühren der Landtagsmitglieder wurden mit Landtagsbeschluß vom 18. April 1861 festgesetzt wie folgt: Präsenzgebühr per Tag 4 fl.; per Meile der Hin- und Herreise 1 fl. Die Diäten und Reisegebühren der Landesausschuß-Mitglieder wurden in der Landtagssitzung vom 1. September 1883 einer Regelung unterzogen und erstere mit 5 fl. per Tag, letztere mit dem Betrage der I. Wagenklasse der Eisenbahn und für Strecken, die mit dieser nicht zurückgelegt werden können, mit 20 kr. per Kilometer bemessen. Die Lebensmittelpreise, sowie die Quartiere sind seit 30 Jahren zumal in der Landeshauptstadt Bregenz sehr gestiegen, so daß die Abgeordneten mit einer Tagesdiät von 4 fl. kaum das standes­ gemäße Auskommen finden können. Es wäre wohl schon im Jahre 1883 am Platze gewesen, gleichzeitig mit der Regelung der Gebühren der Mitglieder des Landes-Ausschusses auch die Regelung der Gebühren der Landtags­ mitglieder vorzunehmen. Auf Grund mehrfacher diesbezüglich zu Tage getretener Wünsche in Abgeordnetenkreisen glaubt der Landesausschuß dem h. Landtage die Vornahme einer Remedur des Landtagsbeschlusses vom 18. April 1861 empfehlen zu sollen und erhebt demgemäß den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: nL Für die Mitglieder der Landesvertretung wird für jeden Tag eine Diät (Taggeld) von 5 fl. festgesetzt. Für jene Tage, die ein Mitglied an den Verhandlungen und Arbeiten des Landtages, sei es mit oder ohne Entschuldigung, nicht theilnimmt, hat diese Gebühr zu entfallen. 37 VI. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtags, IN. Session, 7. Periode 1892. n. Als Reisegebühr wird für jede Strecke benützter Eisenbahn der Betrag für die I. Wagen­ klasse, und für jene Strecken, auf welcher eine Eisenbahn nicht besteht, eine Reiseentschädigung von 20 kr. per Kilometer der einmaligen Hin- und Herreise bestimmt. Erfolgt eine Vertagung, so stnd die Reisegebühren für den neuen Sesstonsabschnitt neuerdings auszufolgen. III. Sollten Mitglieder der Landesvertretung im Auftrage des Landtages als Deputationen oder in anderer Eigenschaft Dienstreisen über die Gränze des Landes zu machen haben, so kommen denselben die nach Punkt 3 Berlage IX der stenografischen Protokolle pro 1883 für die Landesausschußmitglieder diesfalls normirten Gebühren zu. IV. Diese Normen treten schon für die Herbstsession des Jahres 1892 in Kraft." Bregenz, 7. September 1892. Der Landesansschuß. 38
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