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19911101_Heimat_Wolfurt_08 Wolfurt 01.11.1991 Heft 8 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 91 Die Post. Das alte Gemeindehaus an der Schulstraße wurde 1965 abgebrochen. Hundert Jahre früher war es ein Zentrum der Schertler-Ziegeleien gewesen. Inhalt: 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. A uch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauterach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst.. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. Auch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauter ach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. Siegfried Heim Um 1900 sind in Hard und in Wolfurt sehr viele Italiener beheimatet. Die Entwicklung hält bis 1914 an. Der Erste Weltkrieg bringt einen gewaltigen Einbruch: In Hard fällt die Einwohnerzahl vom Rekordjahr 1910 bis zum Kriegsjahr 1923 um 600 ab. In Wolfurt fällt sie in der gleichen Zeit um fast 500. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre um 1945 bringen besonders starke Schwankungen durch Verluste, Flüchtlinge und einquartiertes Militär. Darüber habe ich keine Zahlen gefunden. Seit 1951 gibt es alle 10 Jahre genaue Volkszählungen. Weil es dabei um viel Geld geht, müssen die Angaben der Gemeinden von den Oberbehörden manchmal korrigiert werden. Daher finden sich in den Tabellen gelegentlich differierende Angaben. In allen aber zeigt sich das überdimensionale Wachstum der Industriegesellschaft unserer Hofsteiggemeinden «im Tal». Wie willst Du einem Wolfurter Schulkind, das vom Frickenesch aus auf das zersiedelte Feld schaut, beibringen, daß Wolfurt vor 50 Jahren nur 2.000 Einwohner hatte? Und erst Hard! Wie geht das dort weiter? Ist es ein Trost, daß sich nun auch die Berggemeinden Buch und Bildstein über ganz beachtliche Zuwächse freuen dürfen, weil die Talbewohner den hohen Wohnort der intakten Berglandschaft entdeckt haben? Bei allen Klagen sollten wir eines nicht vergessen: Durch viele Jahrhunderte mußten Hofsteiger auswandern, um in fremden Ländern als Maurer, Taglöhner, Söldner oder auch Bettler ihr tägliches Stück Brot zu bekommen. Nun dürfen wir es daheim verdienen! Es ist sogar noch genug für andere da. Gott sei Dank! Volkszählungen in Hofsteig Im Mittelalter war im montfortischen Gebiet am Steußberg das Gericht Hofsteig entstanden, in das im 18. Jahrhundert auch das Gericht Kellhof-Wolfurt integriert wurde. Innerhalb des 60 km2 großen Gerichtes bildeten sich vom Berg bis zum See feste Dorfgemeinschaften, die seit der Flurverteilung im 18. Jahrhundert auch gegenseitig anerkannte Grenzen und eigene Verwaltung besaßen. Sie alle unterstanden aber dem gewählten Hofsteigammann und den k. k. Behörden. Die Flächen waren verschieden groß und zwischen Wald und Riedsumpf unterschiedlich ertragreich. Seit Maria Theresias Zeiten gab es in den sechs Hofsteiggemeinden die ersten «Seelenbeschriebe» durch die Pfarrer, also erste genaue Aufschreibungen und Zählungen. Eine ältere Zählung liegt nur von 1594 vor. Sie erfaßte allerdings nur die Häuser. Damals hatte Hard 63, Lauterach 95 und Wolfurt 70 Häuser. Demnach dürfen wir die Einwohnerzahl im ausgehenden 16. Jahrhundert für Hard mit 350, Lauterach 530 und Wolfurt mit etwa 390 annehmen. Seither haben sich die Realitäten ständig verändert. Die älteste Vergleichsstatistik findet sich bei Mathias Schneider, der für die Bayern 1807 Konskriptionslisten anlegen mußte. Spätere Zahlen stammen aus offiziellen in Zeitungen verlautbarten Tabellen. Vergleichen Sie die umseitigen statistischen Zahlen und Kurven! Was da alles auffällt! 1807 gehört Bildstein zu den vier «großen» Hofsteiggemeinden, während Schwarzach noch klein und daher auch noch keine ständige Pfarre ist. Wolfurt liegt an der Spitze. Gleichmäßiges Anwachsen der bäuerlichen Bevölkerung bis 1837. Aber Hard hat durch seine Jenny- und Schindler-Fabriken die anderen überholt. Um 1880 ist auch Schwarzach groß geworden, während die Leute vom «Berg» aus Buch und besonders aus Bildstein ins Tal ziehen. 2 3 4 5 Siegfried Heim Strohdorf, Hub und Flotzbach Anmerkungen zu einem Dorfgeschichtevortrag am 14. Mai 1991. Spetenlehen mehr Verkehr brachte. Aber Sattler, Seiler, Schmiede, Wagner Wirte profitierten davon. Der Verkehr verschwand, als Kaiserin Maria Theresia 1768 die neue «Landstraße» von Lauterach durch das Ried nach Dornbirn bauen ließ. Nur ein paar Säumer in den Bregenzerwald und die Wallfahrer nach Bildstein belebten das nun abseits liegende Wolfurt noch ein wenig. Die Handstickerei der Frauen und die Webstühle der Männer brachten wenigstens eine kleine Einnahme. Fast jedes Haus hatte einen Webkeller. Die Weber wurden aber um 1840 alle durch die Konkurrenz der Fabriken arbeitslos. Die Not zwang viele zum Auswandern nach Amerika. Aus jedem dritten Haus zog ein junger Mann, selten auch ein Mädchen, in die Ferne. Allein aus dem Strohdorf waren es 23 Personen, dazu 11 aus der Hub, die sich auf den Weg nach Amerika machten. Von den meisten hat man nie mehr etwas gehört. Als Beispiel nenne ich die Familie Fischer. Nikolaus Fischer, ein Sohn aus dem heutigen Sternen an der Wälderstraße, hatte 1841 geheiratet und sein neu erbautes Haus im unteren Strohdorffeld (heute Dür, Wälderstraße 10) bezogen. Seine Frau Anna Geiger gebar jedes Jahr ein Kind. Das Brot reichte bald nicht mehr für die vielen hungrigen Mäuler. 1853 mußten Fischers ihr schönes Haus verkaufen. Am 22. April nahmen sie Abschied vom Strohdorf. Was muß das für ein Auszug gewesen sein! Neun Kinder - der älteste Bub war gestorben - : Rosa 12 Jahre, Sophie 9, Nikolaus 8, Maria 7, Joh. Georg 6, Katharina 4, Barbara 3, Anna 2, das kleine Agathle gerade ein halbes Jahr alt. Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Im Jahre 1838 hatten die Bregenzerwälder statt der beiden Saumwege über Berütter-Buggenegg und Linzenberg-Farnach endlich die vielbestaunte und gefährliche Fahrstraße durch das Schwarzachtobel bekommen. Gleichzeitig wurde in Wolfurt die Wälderstraße vom Strohdorf nach Lauterach gebaut. Rasch entwikkelte sich ein bedeutender Frachtverkehr. Da konnte auch ein tüchtiger Wirt ein Geschäft machen. Aus Bildstein-Geißbirn war 1842 der junge Jakob Böhler ins Tal gekommen und hatte sich als Steinmetz, Maler und Bildhauer einen Namen gemacht. Nun baute er den «Stern» zu einem großen Gasthof aus und betrieb dort auch eine Bäckerei und einen Gemischtwarenhandel. Sein Sohn Eduard Böhler, Sternenwirt und Bäckermeister, wurde dazu noch ab 1872 Postmeister. Der Stern war nun Post-Station für die Kutsche in den Bregenzerwald. Der Wirt gründete 1874 auch den ersten Veteranenverein des Landes. Neben den Fabrikanten Louis Schindler aus Kennelbach und Johann Gaßner aus Bludenz gehörten auch Geistliche und hohe Offiziere wie Feldmarschall-Leutenant Ritter von Burlou-Ehrwal aus Bregenz zu den Mitgliedern. 7 Eine Gemeinschaft wächst Im Laufe der Geschichte haben sich in Wolfurt zwei Dörfer entwickelt: das Kirchdorf aus dem staufischen Kellhof und Rickenbach aus dem montfortischen Hof zu Steig. In den letzten 200 Jahren versuchte man, mit Schule und Gemeindeamt im Strohdorf eine Klammer zwischen den beiden Ortschaften zu schaffen. Im Jahre 1760 gab es im Strohdorf um den alten Brunnen erst 14, am Eulentobelbach an der Hub 18 Häuser. Dort vermurte der wilde Bach manchmal die Straße. Daher heißt es im Hofsteigischen Landsbrauch von 1571: Item die Inhaber der Hueb sein schuldig den bach ob der strass vom brunnen an der Hueb bis an Speetenlehen dermassen zeleiten und zefüeren, damit der strass und sonsten niemands kain schaden widerfahre. Die Hochwässer von Holzerbach, Himmelreichbächlein und Eulentobelbach schütteten fruchtbare Lehmböden in die sumpfige Ebene. Darauf bauten die ersten Strohdörfer und Hübler Dinkelweizen und Haber an. Erst allmählich rodeten sie vor 1000 Jahren die sonnigen Bühel am Rebberg und im Himmelreich bis hinauf ins Frickenesch. Und noch viel später begannen sie mit der Entwässerung der Riedsümpfe, wo im «Nöü-Wiasa» und im «Wit-Riod» etwa ab 1750 «Türggo und Bodo-Biora» angebaut wurden. Am Südhang des Frickeneschs gedieh Wein und zwar der recht herbe weiße "Bregenzer" für die Bregenzer Herren. Erst 1729 konnten die Hofsteiger den sonnigen Rebberg kaufen. Sie nannten ihn «Narrenberg», wohl weil die schwere Winzerarbeit dort oben zuletzt kaum mehr Ertrag brachte. Um 1880 riß man die letzten Reben aus. Ursprünglich waren alle Häuser nur an der alten Römerstraße am Berghang gestanden. Daran änderte sich auch nichts, als mit Kaiser Maximilians Brücke von 1518 die Reichsstraße von Lauterach her über St.Antone und Unterhub nach 6 Bei der Fronleichnamsprozession kommandierte der schneidige Hauptmann manchmal über 100 Schützen. Auch bei den großen Freilicht-Theatern in Wolfurt war der-Sternenwirt unentbehrlich. Weil man den Frauen im Dorf damals noch den Zutritt zur Bühne verwehrte, spielte meist der Wirt die weibliche Hauptrolle, zum Beispiel 1875 in Schillers «Jungfrau von Orleans». Überhaupt war der Stern jetzt Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Jeden Sonntag trafen sich hinten in der Weinstube Pfarrer Sieber, AltvorsteherMartin Schertler, Gemeindearzt Dr. Eisler, Oberlehrer Rädler und Organist Fidel Kalb, der später unter dem neuen Namen Fidel Kirchberger Vorsteher wurde. Mit einigen Gleichgesinnten wurde Dorfpolitik gemacht. 1899 wurde hier im Sternen der Katholische Arbeiterverein gegründet, der bald mit seinen Sektionen Turnerbund, Jugendhort, Redeklub und Theatergruppe das Gemeindegeschehen wesentlich mitgestaltete. 1913 begann man mit dem Bau des Vereinshauses, das aber wegen des Weltkrieges erst 1922 fertig gestellt werden konnte. lernten. 1830 mußte im Stadel eine dritte Klasse eingebaut werden. Als auch diese nicht mehr ausreichte, wurde im unteren Strohdorf am «Holzer Bach» 1872 für 10.000 Gulden ein neues Schulhaus gebaut. Das alte wurde als Armenhaus und Turnraum verwendet und schließlich verkauft. Franz Pichler hat ihm vor ein paar Jahren ein völlig neues Gesicht gegeben (Hofsteigstraße 8). Ins neue Schulhaus zog mit den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke und Oberlehrer Wendelin Rädler ein neuer Geist ein. Neben Beten, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernten die Mädchen jetzt auch Stricken, Flicken, Nähen, Kochen und Gartenarbeit. Die Buben übten sich in Baumpflege, Bienenzucht und Milchwirtschaft. Oberlehrer Rädler gründete im ganzen Land Sennereien und Raiffeisenkassen und unterrichtete die Bauern unermüdlich in Vorträgen und einer eigenen Zeitung. Er sorgte dafür, daß 1882 in der Schule eine Gemeindekanzlei eingerichtet wurde. Vorsteher Joh. Martin Schertler arbeitete dort mit seinem Neffen Lorenz Schertler aus dem Flotzbach eng zusammen. Lorenz war ein ausgezeichneter Schreiber und ein Organisationsgenie, der seinem Onkel 1885 bis 1901 als Vorsteher nachfolgte. Seine Arbeit war so geschätzt, daß ihn die Wolfurter in der Not nach dem Weltkrieg von 1919 bis 1924 noch einmal zum Bürgermeister machten und ihn sogar in den Landtag wählten. Jetzt war also das Strohdorf mit Schule, Gemeindeamt und Vereinshaus endgültig der politische und kulturelle Mittelpunkt der Gemeinde geworden. Musik, Turner, Feuerwehr, Theater und Gesangverein blühten auf. Die durch Tradition und jahrhundertelange Geschichte getrennten Kellhofer und Hofsteiger, die Rickenbächler und Dörfler wuchsen zur Gemeinschaft der Wolfurter zusammen. Nach dem Bau der Eisenbahn von 1872 hatten Importe von Getreide, Wein und Kohle die alten Strukturen der Landwirtschaft zerstört. Der Weinbau am Rebberg und die Getreidefelder im Strohdorf und Flotzbach waren verschwunden. Aber Lehrer Rädlers Umerziehung zu Milchwirtschaft und Obstbau trug Früchte und gab Selbstbewußtsein. Daher entstanden jetzt 1891 gleichzeitig die großen und auch teuren Sandsteinbrunnen im Strohdorf und an der Hub. Freiwillig schlossen sich Brunnengenossenschaften zusammen, zahlten ihre Anteile und schufen in schwerer Fronarbeit Wasserfassungen aus Lehm und Beton. Brunnenmacher Ferdinand Gasser aus Meschen legte die hölzernen Düchelrohre. Schmied Eduard Köb und Installateur Josef Köb setzten schließlich eiserne an Stelle der morsch gewordenen hölzernen Brunnensäulen. Unter Aufsicht erfahrener Brunnenmeister pflegten die Nachbarn der Brunnen den jeweiligen «Tränktrog» und putzten auch den «Sudeltrog». Durstige Schulkinder und Wanderer schätzen die Brunnen heute sicher am meisten, aber die ganze Gemeinde freut sich, daß hier Seit 1778 wurde im Strohdorf Schulunterricht gehalten. Gegen den Willen der bäuerlichen Bevölkerung hatte Maria Theresia die Normalschule beschlossen. Unter Zwang errichteten die Wolfurter als südlichstes Haus im Strohdorf 1777 ein kleines Schulhaus, wo in zwei Stuben alle Wolfurter Kinder Lesen und Schreiben Schertlers Seppl um 1940 mit dem ersten Traktor im Flotzbach. 9 8 (Ludwigos) am Weg ins Flotzbach verkauften neben Nähsachen ein paar «zückerne Krömle». Schließlich kam mit der neuen Zeit auch ein Supermarkt ins Strohdorf. Seit 1953 wurde ununterbrochen am Schulhaus gebaut und erweitert. Heute deckt es mit Spielplätzen und Sporthalle eine riesige Fläche von fast 3 Hektar. Die alte Volkschule, deren Glöcklein einst den Arbeitsrhythmus im ganzen Dorf bestimmte, wurde 1979 abgebrochen. Die Hauptschule und mit ihr Musikschule, Bürgermusik, Sportvereine und Gemeinde bekamen großzügige Räume. Die Sporthalle von 1984 ist ein Vorzeigestück der Gemeinde geworden. Das Gemeindeamt selbst hat seit 1967 ein eigenes schwarzes Rathaus mit weißem Wolf. Dort ist auch Platz für die Post und für den erst 1977 eingerichteten Gendarmerieposten. Seit 1982 nennt sich Wolfurt Marktgemeinde. Marktgemeinde mit dem Mittelpunkt im Strohdorf, das nun nicht nur Kirchdorf und Rickenbach verbindet, sondern auch das ferne Wida, das Hinterfeld, das Kella und den Güterbahnhof verwaltet und versorgt. Aus dem Strohdorf kommt auch das köstliche Wolfurter Wasser, zuerst ab 1953 aus dem alten Pumpwerk bei der Schule, dann seit 1983 aus dem modernen Wasserwerk am Gänsbühel. Das lebensspendende Wasser, das zuerst die Hübler und Strohdörfler Bauern zu Brunnengenossenschaften verbunden hat, sollte uns alle in die Verantwortung für die Gemeinschaft Wolfurt einbinden. Steinhauers Gebhard vom Strohdorf, der langjährige Gemeindediener am Pumpbrunnen. noch klares Quellwasser sprudelt, während etwa die großen Brunnen im Dorf und zu Unterlinden dem Autoverkehr geopfert worden sind. Wie überall wechselten auch bei den Leuten am Brunnen gute und schlechte Zeiten. Die Stickerei hatte um 1907 viel Geld gebracht, aber auch lockere Sitten. Es folgten Not und Tod der Weltkriege, Arbeitslosigkeit und eine neuerliche Auswanderungswelle um 1924 nach Amerika. 1926 übersiedelte die Post vom Stern in das steinerne Gemeindehaus. Unter dem Vordach bediente Altvorsteher Ferdinand Köb die riesige Brückenwaage. 1928 zogen auch die Kreuzschwestern Theodora und Epiphania ein, die als Krankenpflegerinnen und Tröster in der Sterbestunde Wunderbares vollbrachten. Im Gasthof Stern folgten auf Böhler-Sternenwirts Köb-Sternenwirts, dann Keckeisens und schließlich Fischers. Da gab es ein Volksbad, eine Großmosterei, die erste Eismaschine. Auf Zwangseinquartierung im Krieg folgten neuer Glanz, die Kegelbahn, Metzgerei und Laden. Der Maler Albert Köb hatte 1903 die alte Schmiede am Strohdorf-Brunnen zu einer Stickerei umgebaut und dann 1911 zu «Molars Lado». Da gab es alles, was Kinderaugen begehrten: Sidobollo, Beorodräck, Leozeolto und vor allem Katzim-Sack. Konkurrenzläden gab es zuerst in Metzlers Lädele und dann bei Festinis. Auch Frau Meusburger im alten Haus am Strohdorfbrunnen und Frau Schwärzler 10 Ein paar Namen Ein paar Leute, die sich besonders für die Gemeinschaft eingesetzt haben, sollten nicht vergessen werden. Ich nenne zuerst ein paar Brunnenmeister und ihre wichtigsten Helfer. Am Strohdorfbrunnen trugen vor 100 Jahren Joh. Georg Rohner (Instrumentenmachers Urgroßvater), der Schmied Andreas Böhler (damals in Malers Haus), Johann Brauchle (Hofsteigstr. 3) und der Wagner Joh. Martin Gmeiner (Wälderstraße 1) die Verantwortung. Dann folgen Sternenwirt Eduard Böhler und der «Frickenescher» Johann Gmeinder, dessen Nachkommen noch heute für den Brunnen sorgen. Viele Jahre kümmerten sich Instrumentenmacher J. A. Rohner, Anton Haneberg (Hofsteigstr. 1) und Paul Köb (Malers) um klares Wasser, wie es deren Nachkommen auch heute noch tun. Am Hübler Brunnen war vor dem ersten Weltkrieg Josef Höfle Brunnenmeister. Als sein Haus (Eulentobel 1) 1918 abbrannte, zog er ins Kirchdorf. Fridolin Albrecht (Hofsteigstr. 20) übernahm die Leitung. An seiner Seite arbeitete als 11 Organisator unermüdlich viele Jahre Karl Schwärzler, Liberats. Brunnenmeister waren ab 1927 Gebhard Klocker, Seilers, 1928 Josef Schwärzler, Schneider in Hofsteigstr. 24, und ab 1934 Johann Gmeinder, Frickeneschers, der das wichtige Amt mehr als 30 Jahre innehatte. Seit 1967 ist Karl Köb, Schmieds, Brunnenmeister. Er wird unterstützt von Karl Bellmann, der die alte Hübler Sennerei beim Brunnen zu einem schönen Wohnhaus umgebaut hat. An der Nordgrenze von Strohdorf steht als erstes Haus von Unterlinden das Schertler-Haus seit über 200 Jahren im Besitz von «Altvorstehers» (Kirchstr. 11). Es gehörte einst dem Hofsteiger Schützenmajor Jakob Schertler (1749-1822). Von seinen 18 Kindern eroberten zwei Söhne mit ihren Familien ab 1814 zuerst das Röhle und dann die Ach, wo sie mit Ziegeleien und Kalkwerk die heutigen Firma Rädler begründeten. In den Ziegeleien wurde Lehm aus dem Flotzbach mit Holz aus der Ach gebrannt. Als die Eisenbahn billige Kohle ins Land brachte, erkannten Josef Anton Schertler und seine tüchtigen Söhne Jakob und Lorenz die Chance und bauten eine Großziegelei zu den Lehmlöchern. Schon 1851 hatte Vorsteher Martin Schertler das große steinerne Haus an der Kreuzung mit der Wälderstraße gebaut, das wir als «Post« gegenüber der Schule in Erinnerung haben. Es diente als Frachtstation und Verwaltungszentrum. Hier kamen seine Neffen Jakob und Lorenz zur Welt. Aber schon 1874 übersiedelten sie in ihr neues Haus im Flotzbach und erwarben dort in den folgenden Jahrzehnten weitere Häuser und riesigen Grundbesitz. Von Conrad Doppelmayr, damals noch ein kleiner Schlosser in Hard, ließen sie sich 1885 eine große Hydraulik-Dampf-Ziegelpresse konstruieren. Damit erwarben sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den vielen anderen Ziegeleien im Land. Riesige Lehmlöcher öffneten sich und wurden später «Krotto-Löchor» - heute würde man sie Biotope nennen. Sie dienten der Jugend als Eisplätze und wurden um 1960 die riesigen Müllhalden der Gemeinde. Heute deckt sie gnädiges Grün zu. Die Familie Schertler war fast immer im Gemeinderat vertreten und stellte bedeutende Bürgermeister. 1850-53 Erbauer der «Post» Schertler Joh. Martin Schertler Josef Anton 1872-73 Erbauer der Volksschule Schertler Joh. Martin 1879-91 Gemeindeamt Schertler Lorenz 1891-1901 und 1919-24. Nach ihm ist eine Straße im Flotzbach benannt. Das Doktorhaus an der Hub und die Schulstraße um das Jahr 1935 Außer gutem Wasser braucht man in Wolfurt auch einen guten «Doktor» Das Doktorhaus stand früher auf der Kreuzung beim Sternenplatz. Dort praktizierte zu Napoleons Zeiten der Gemeindearzt Georg Gmeiner. Seine Frau half ihm als Hebamme. 1827 übergab er die Praxis seinem Schwiegersohn Martin Rohner, der noch mit Napoleon in Rußland gewesen war (Siehe Heimat 7, Seite 21). Diesem folgte als Arzt sein Sohn Ferdinand Rohner. Noch eine ganze Reihe von Ärzten versorgten die Wolfurter, bis die Gemeinde 1903 ein eigenes Doktorhaus an der Hub erbaute (Schulstr. 12). Dort arbeiteten viele Jahre lang Dr. Eugen Lecher und nach ihm Dr. Lothar Schneider. Dieser verlegte seine Praxis an die Unterlindenstraße. Das Dr. Rohner-Haus war zuletzt viele Jahre lang Sitz der Raiffeisenkasse. Als es 1949 abbrannte, wanderte die Bank in mehreren Schritten ins Dorf hinein. Also hat das Strohdorf mit Arzt und Bank auch wichtige Institutionen verloren. 12 Den Anfang der Besiedlung im Flotzbach, das damals noch das große Weizenfeld für die Hub war, machte um 1790 der Steinhauer Johannes Rohner. Er brach sein altes Elternhaus im Eulentobel ab und erbaute ein neues am Anfang der Unterhubstraße. Sein Sohn Andreas Rohner (1791-1857) war dort seit 1811 verheiratet. Seine Frau Anna gebar ihm in 20 Jahren 15 Kinder. Alle fünfzehn starben schon als Kleinkinder. Andreas Rohner gründete 1816 die erste Wolfurter Musik und war lange ihr Kapellmeister. Als alter Mann baute er 1850 noch ein schönes neues Haus an der Flotzbachstraße (Nr. 8, Schwärzlers). Sein altes ist 1895 abgebrannt. Vielleicht sollten wir uns manchmal an den Kapellmeister Rohner erinnern, an seine Frau und die 15 Kinder, wenn wir an Schwärzlers schönem Garten vorbei gehen! 13 Zur Bayernzeit waren auch Arnolds und Schertler Lenas Haus und bald danach Ruschs gebaut worden (Nr. 9,11 und 15). Ins untere Flotzbach war aber als erster 1819 ein Crispinus Gmeiner vorgestoßen (jetzt Nr. 18, Elmar). Erst 1872 hatte er in Jakob Köb, dem Stammvater der Bäschle-Köbs (Nr. 20) einen Nachbarn bekommen, ehe 1874 als drittes Schertlers Haus (Nr. 16, Helmut) gebaut wurde. Im gleichen Jahr 1874 wurde auch noch im «Speck», das ist ganz weit unten im Ried an der damals neuen Eisenbahn, ein winziges Bahnwärterhaus erbaut. Dort lebte die große Familie Joh. Georg Köb (t 1908), aus der sich die Wolfurter Sippe der «Bahwächtar»-Köbs ableitet. Die Tochter Agatha begründete mit Josef Bernhard Mohr die größte Hübler Familie, Mohrs «a dor ussoro Huob». Sie ist 1917, als ihr Mann im Kriegseinsatz in den Dolomiten stand, von sieben kleinen Kindern weg ganz plötzlich gestorben. Gmeiner wurde unten an der Wälderstraße die Mutter von Zehrers Hans-Irg und von Zehrers Marte. Wir erinnern uns noch gerne an seine elektrische Türkenmühle und an den ersten Fernseh-Apparat in Wolfurt. Der Zimmermann Josef Anton Gmeiner erbaute 1873 sein Haus neben der Schule (das 1982 für die Sporthalle abgebrochen wurde). Seine Söhne «Knore» Hansmarte und «Disjockeles» Albert gaben das Handwerk auf und wurden Sticker. Hansmarte Gmeiner betrieb im Stammhaus der Gmeiner, gegenüber vom Stern, seine Wagnerei bis zum ersten Weltkrieg. Dann übergab er das Haus seinem Schwiegersohn, dem Vorsteher Ferdinand Köb. Von seinen zahlreichen Nachkommen macht neuerdings Professor Edelbert Köb als Leiter des zukünftigen Kunsthauses in Bregenz von sich reden. Ein weiterer Sohn aus dem Wagnerhaus war Gebhard Gmeiner, der Steinhauer, der 1880 gegenüber der Schule sein Haus aus Stein aufmauerte. Sein Sohn Gebhard Gmeiner schellte noch viele Jahre als Gemeindediener wichtige Nachrichten im Dorf aus. Zahlreich verbreitet sind die «Kassiänler», die auf den Schwarzacher Kassian Schertler zurückgehen. 1852 erwarb er das Haus Hofsteigstraße 16 und zog zehn Kinder groß, die in die verschiedenen Nachbarfamilien einheirateten. Als das Haus 1926 abbrannte, baute es sein Enkel Johann Gmeinder wieder auf, der später 33 Jahre lang Brunnenmeister an der Hub war. Dabei arbeitete er mit Engelbert Gasser, dem Milchmesser in der Sennerei zusammen. Auch die Gasserbrüder aus Meschen belebten mit ihrer fröhlichen Art das gesellige Leben an der Hub. Engelbert hatte 1921 ein Buch «Sechs Jahre Sibirien» geschrieben und von seiner abenteuerlichen Flucht über Wladiwostok und den indischen Ozean berichtet. Der Schreiner Albert Gasser «Fixenatte» war ob seines schlagfertigen Humors weitum bekannt. Der «Wanderlehrer» Josef Anton Gasser erhielt für seine Verdienste um die Sticker-Ausbildung den Titel Professor. Sein Enkel «Sigi» Gasser ist heute Bürgermeister der Landeshauptstadt Bregenz. Noch unzählige Geschichten berichten die alten Bücher im Archiv von den Schicksalen der Familien von Strohdorf und Hub. Weit mehr noch wissen deren Nachkommen. Gerne möchte ich ein anderes Mal noch einiges nachholen. Fast 100 Namensträger Mohr gibt es heute in Wolfurt. Sie stammen alle von jenem Jakob Mohr, der um 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Sein Sohn Sebastian baute dreißig Jahre später das Stammhaus der Mohr an der Hofsteigstraße (heute Nr. 10, Ratzers). Von dort aus teilte sich die Sippe. Mohr Michael (1823-1913) begründete an der Kellhofstraße die Dörfler-Mohr, von denen wir stellvertretend den Lehrer Mohr und den Ehrenringträger Hubert Mohr mit ihren vielen Verwandten nennen. An der Hub aber ließ sich der Kaiserjäger und Kamm-Macher («Kampler») Josef Mohr (geb. 1807) nieder, dessen Enkel Josef Bernhard Mohr (1868-1942) mit sieben Kindern aus seiner ersten Ehe mit Agatha Köb und weiteren sieben aus seiner zweiten mit M. Anna Arnold besonders zahlreiche Nachkommen hinterließ, zu denen auch Bürgermeister Erwin Mohr gehört. Eine wichtige Schwärzler-Familie (mit «ä») lebte ab 1874 im Haus Hofsteigstr. 15 (Festinis), der Maurer Josef Schwärzler mit seinen 13 Kindern. Sohn Liberat erwarb das alte Doppelhaus, aus dem 1893 die Familie Rusch nach Amerika ausgewandert war, und vereinigte es zum Haus Flotzbachstraße 1. Sohn Josef Schwärzler, Schneidermeister, ließ sich mit seiner Frau Agatha Schwärzler zuerst im Loch an der Kellastraße in Rickenbach nieder, ehe er mit seinen sieben Kindern wieder an die Hub zurückkehrte. «Schnidars Bänkle» vor dem Haus Hofsteigstraße wurde ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Noch ein dritter Schwärzlersohn, Ludwig, erwarb ein Haus an der Hub (Flotzbachstr. 8), wo er eine große Stickerei einrichtete. Seine Frau Josefa betrieb dort in den dreißiger Jahren auch eine kleine Handlung. Aus Alberschwende hatte sich schon um 1725 ein Georg Gmeiner im Strohdorf festgesetzt, dessen Nachkommen wir als tüchtige Handwerker kennen. Johanna 14 15 Die alten Häuser von Strohdorf und Hub 1. Skizze nach dem Seelenbeschrieb von 1760. Nur schwer findet sich ein Neu-Wolfurter auf der beigefügten Skizze zurecht. Keine Schule, kein Gasthaus, keine Handlung! Dafür Bäche, Weinberge, Weizenfelder. 14 Häuser um den Strohdorfbrunnen, 18 im Eulentobel und an der Hub. Ab jetzt begann die Besiedlung der Felder. Die ersten Hausnummern hatte Pfarrer Feurstein 1760 in sein Buch eingetragen, insgesamt 150 Nummern vom Dorf bis nach Rickenbach. Strohdorf bekam 81 bis 94, Hub 95 bis 112. 2. Skizze nach dem Häuserverzeichnis von 1900 Weil immer wieder neue Häuser gebaut worden waren, gab es im Jahre 1900 zum fünften Mal neue Nummern, insgesamt 290. Die Nummern 153 bis 183 zählte der Gemeindeschreiber zum Strohdorf (31 Häuser), 184 bis 213 zur Hub. Weil er aber 202 bis 207 (6 Häuser) als Flotzbach separat bezeichnete, blieben für die Hub demnach noch 23 Häuser. Die Weinberge und die Weizenfelder sind verschwunden. Die neue Wälderstraße hat die alte Reichsstraße durch die Unterhub abgelöst. Auch Schulstraße und Flotzbachstraße sind wichtig geworden. Der Eulentobelbach ist an der Hofsteigstraße und im Flotzbach in ein neues Bett verlegt worden. Strohdorf: 153 + 154 Doppelhaus Schneider-Schelling. «Kaufmanns» ist am 8. Nov. 1935 abgebrannt. 155 Böhler Wilhelm, Schmied. Später «Schellings». 156 Schwerzler. «Murars» wurde um 1960 abgebrochen. 157 Höfle. «Der rich Höfle», später Metzgerei Fischer. Abgebrochen am 21. Nov. 1973 für die Rebberg-Garage. 158 Rohner, später Böhler. Das Doktor Rohner-Haus beherbergte auch die «Kassa». Es ist 1949 abgebrannt. 159 Böhler. Der wichtige Gasthof «Sternen». Post, Bäckerei, Handlung. 160 Lenz, später Schmied Köb. Abgebrochen 1983. Vereinshaus fehlt noch. (Erst 1913 gebaut!) 161 Zehrer. Mühle. Abgebrochen 1979. 16 17 Köb. «Briefbot Köbs», jetzt Dür. Albinger. Schreinerei. Abgebrochen 1979 zur Straßenbegradigung. Zweite Volksschule von 1872. Abgebrochen 1979 für Kultursaal. Gmeiner. «Knores». Abgebrochen 1982 für Sportplatz. Gmeiner. «Steinhauers». Gmeiner. Später Gemeindehaus und Postamt. Abgebrochen 1965 für Gemeindehaus. 168 Gmeiner. Wagner. Später «Sternowirt Köbs». 169 Vorklärer. Bildstein-Schmiede, später «Molars Lado». 170 + 171 Doppelhaus Schwerzler-Brauchle, später «Hanebergs» und «Ratzars«. 172 Brauchle. Jetzt Berchtolds. 173 Rohner. Das Haus am Strohdorfbrunnen. «Instrumentomachars». 174 Gmeinder. «Frickoneschars«. 175 + 176 Rohner-Lenz. Das baufällige «Salomoneum« - Doppelhaus wurde schon 1920 abgebrochen. 177 Lenz. «Flatzos Hüsle». Abgebrochen um 1950. 178 Schertler. «Kassians» ist 1909 und noch einmal 1913 abgebrannt. 179 Wacker. Hier lebte im Jahre 1900 die Familie des Bregenzer Künstlers Rudolf Wacker. Später «Festinis». 180 Rünzler. Steinmetz-Betrieb. Früher «Metzlers Lädele«, später «Flatzo Beppes» Fahrradgeschäft. 181 Erste Wolfurter Volksschule, dann Armenhaus. Jetzt Pichler. 182 Winder. Später Fischer, jetzt Ratzer. 183 Hopfner. Später «Festinis», Handlung. Abgebrannt 1913. 162 163 164 165 166 167 Hub 184 Bildstein. Abgebrannt 6. Aug. 1913. Später erstes Wolfurter «Cafe« Franz Boch. 185 Böhler. «Sternowirts Hans-Irg». Abgebrannt am 17. März 1902 und noch einmal am 19. Aug. 1913. Später «Hans-Irgo Georg«. 186 Höfle. Abgebrannt 1918. Jetzt Winder. 187 Gmeiner. Später Simma. Abgebrochen 1950 (?). 188 Wohlgenannt. Abgebrochen 12. März 1902. 189 Stenzel. Später Kressers Seppl. 190 Gmeiner. «Lislos». Später «Wanderlehrer» Gasser. 191 Klocker. Früher das Haus des Vorstehers F. Josef Halder, später «Soalars». 192 Schertler. Stammhaus der «Kassiänler». Später Gmeinder. Abgebrannt 22. Okt. 1926. 193 Klocker. Stammhaus der «Glaser« Klocker. 194 Albrecht. Jetzt Höfle. 18 19 195 Widmer. Später Küfer Köb Friedrich, dann «Schmieds Karle». 196 Sennerei Hub. Das Haus am Hübler Brunnen. An der Straße ist der Eulentobelbach seit 1931 verrohrt. 197 Schwärzler. «Schnidars». 198 Höfle. «Hermannos». 199 Fischer. «Schnidarles Hannes«. Jetzt Eberle. 200 Fischer. «Schnidarles Rudolf«. Abgebrannt 18. März 1955. 201 Lüber. Das Haus des Kapellmeisters Andreas Rohner. Später Schwärzler «Ludwigos». 202 Schwerzler. «Tirolars». 203 Schertler. Verwaltung der Flotzbächler Ziegelei. Später «Schädlars Seppl». Frächterei. 204 Schertler. «Schädlar Jokobos». 205 Köb. «Bäschles». 206 Bahnwärterhaus. Weit draußen im Ried. Abgebrochen um 1960. Z Die Ziegelei hatte wie alle Stadel und Schuppen keine Nummer. 207 Schertler. Hier wohnte später die Familie Rusch. Abgebrochen um 1980. 208 Schertler. Das Haus des Bürgermeisters Lorenz Schertler. «Lenas». 209 Arnold. Jetzt Mohr. 210 Lenz. Später Loitz. «Luitzos«. Jetzt Sinz. 211 Schwärzler. «Liberats». Früher ein Doppelhaus. 212 Höfle. «Des alt Küofarle» wurde 97 Jahre alt. Später Dietrich «Hansmarte». Abgebrochen 1978. Den um das Jahr 1900 an die Straße verlegten Eulentobelbach hat man 1931 wieder in seinem alten Bett hinter dem Haus verrohrt. 213 Mohr. «Kamplar»-Mohrs. Das ältere Mohr-Haus im Garten gegen die Krone war schon 1879 abgebrochen worden. Siegfried Heim St. Martin vom Strohdorf Der Heilige Martin (317-400 n. Chr.) wurde in Ungarn geboren und kam als römischer Reiteroffizier nach Gallien. Er ließ sich taufen und gründete das erste Mönchskloster in Frankreich. Als Bischof von Tour wurde er der Missionar Galliens und war wegen seiner Gerechtigkeit und Mildtätigkeit berühmt. Als Heiliger wird er besonders in Frankreich und Deutschland verehrt. Sein Feiertag, der 11. November, «Martini», gilt als Erntedanktag, Markttag, aber auch als Zinstag, an dem Schulden bezahlt werden mußten. Seine Symbole sind Schwert und Mantel, aber auch die Gans. Auch in unserem Land war er sehr beliebt. Sein Name wurde oft getauft. «Marte», «Martele», «Hansmarte» oder «Martina» und «Martin» hießen und heißen neuerdings wieder viele Wolfurter. Im Vorarlberger Landesmuseum findet sich im dritten Stock eine gotische Skulptur «St. Martin», datiert 1510. Sie ist 1,50 m hoch, aus Lindenholz geschnitzt und bemalt. St. Martins Schwert, mit dem er seinen roten, blau gefütterten Mantel teilt, ist abgebrochen. An der Stelle des linken Beins kniet ein flehender Bettler. Martins Blick geht in die Weite. Wie kommt die Figur mit dem Vermerk «aus Wolfurt» hierher? Spuren von Blattgold bei der Bemalung lassen vermuten, daß sie einst für einen Altar (St. Martin in Dornbirn?) oder eine Kapelle geschaffen wurde. Als bei der Barockisierung der Kirchen die gotischen Altäre abgebrochen wurden, könnte sie in ein Dornbirner Haus gekommen sein. Jedenfalls brachten Martin Albinger, geboren 1711 in Dornbirn, und seine Frau Anna Rimmele ihren Namenspatron aus Dornbirn mit - nach der Überlieferung sogar ihr ganzes Haus -, als sie sich 1740 direkt beim Strohdorfbrunnen in Wolfurt niederließen. Fortan beschützte St. Martin das Haus des «Caminfegers» Albinger und den Brunnen. Die Familie war mit vielen Nachkommen gesegnet. Tüchtige Handwerker gingen daraus hervor: die Bäcker Albinger vom Hirschen, die Feger Albinger im Dorf, die Schreiner Albinger bei der Schule. Aber auch die schöne Juditha im Hirschen, deren Sohn Louis Letsch der berühmte Maler geworden ist, und ihre Schwester M. Anna, die Mutter von «Schnidarles Hannes», gehörten zur Familie Albinger. 21 Beim «Schützen», aus dem die Ammänner und Vorsteher Fischer stammen, beginnt mit Spetenlehen der Raum Rickenbach. (Jetzt Gmeiner-Mathis) Ein kritischer Leser, der bisher mit gedacht hat, weiß sicher ein paar Hausnamen mehr, ein paar Ergänzungen, ein anderes Abbruchdatum. Ich bitte um Zuschriften. Die vielen «abgebrochenen« machen uns dankbar dafür, daß noch viele andere alte Häuser gut gepflegt und erneuert das heimelige Dorfbild von Hub und Strohdorf prägen. Das gefällt auch den Bewohnern der neuen Häuser. 20 1857 kaufte Joh. Georg Rohner das Haus am Brunnen, das immer noch St. Martin auf der Giebelseite trug. Sein Sohn Josef Anton Rohner richtete dort eine Werkstatt als Instrumentenmacher ein. Eines Tages hielt eine noble Kutsche vor dem Haus. Am anderen Tag stand es in der Zeitung, im Vorarlberger Tagblatt vom Mittwoch, 18. Dezember 1901: Wolfurt, 15. Dez- Heute Mittag 1/211Uhr fuhr S. k. k. Hoheit, Erzherzog Eugen in der Richtung Bregenz-Dornbirn durch unser Dorf. Plötzlich machte die Equipage bei Herrn Musik-Instrumentenmacher Rohner Halt. Es fiel dem hohen Herrn die an dem Hause angebrachte, uralte Hl. Martinus Statue auf und hochderselbe begab sich dann in die Wohnung, um das Alterthum zum Preise von 100 K zu erwerben. Herr Rohner, der freilich nicht ahnte, mit wem er die Ehre hatte, unterhielt sich mit dem hohen Besuche aufs Beste, zeigte ihm auch über Verlangen seine Werkstätte und dgl. Freilich war der gute Mann etwas in Verlegenheit als ihm bekannt wurde, wer dieser Herr sei, und erstaunt und erfreut über die Herablassung. Über die Herkunft der Statue ist nichts bestimmtes bekannt. Wahrscheinlich dürfte dieselbe aus der Pfarr kirche in Dornbirn stammen. Das Wohnhaus des Herrn Rohner stand vor Jahrhunderten in Dornbirn, wurde abgetragen und hier aufgestellt und mit ihm soll auch die Statue nach Wolfurt gekommen sein. In Instrumentenmachers Stube erinnert eine schöne Wandschrift an den hohen Besuch. Erzherzog Eugen schenkte die Figur dem Landesmuseum. Im Museumsbericht 41 von 1903 berichtete Konservator Carl von Schwerzenbach: Seine k. u. k. Hoheit, der hochwürdigst - durchlauchtigste Herr Erzherzog Eugen geruhten, dieses von höchstdemselben in Wolfurt erworbene wertvolle Stück dem Vereine als Geschenk zu überlassen. Vielleicht werden die Strohdörfler ihren Martin einmal heimholen, vielleicht eine Kopie in einem Bildstöcklein aufstellen! St. Martin vom Strohdorf; 1510 Er könnte uns an den Feger Martin Albinger, an den Vorsteher Martin Schertler, an den Wagner Martin Gmeiner, an Martin Mohr, an Zehrers Marte und Frickeneschers Martele und an all unsere Vorfahren erinnern. Er könnte dazu beitragen, daß St. Martins Gerechtigkeit und Mildtätigkeit rund um den Brunnen in der Gemeinschaft der Wolfurter nachgelebt werden! 22 23 Siegfried Heim In ihrer Freizeit stickte sie kostbare Altartücher und sogar Meßgewänder. Pfarre, Schule und Gemeinde Wolfurt haben ihr viel zu verdanken. Sr. Regina wehrt ab. Still will sie nur eine einfache «Barmherzige Schwester» von der Kettenbrücke sein. Ist sie die letzte in Wolfurt? Fast 100 Jahre lang hatten von 1778 bis 1872 im alten Schulhäuschen nur Männer unterrichtet. Für den Lehrberuf waren sie kaum ausgebildet. Die Schüler mußten Schulschwestern in Wolfurt Seit Oktober 1991 ist Unruhe in das sonst so stille Schwesternhaus Kirchstraße 45 eingekehrt. Mitten im Dorf baut die Gemeinde ihren vierten Kindergarten. Nach fast 60 Jahren im Schuldienst hat sich Schwester Regina zu ihrer Arbeit in Haus und Garten zurückgezogen. Oft steigt sie mit ihren 83 Jahren noch rüstig die steile Kirchstiege hinauf. Sie teilt Kommunion aus, spielt Orgel und singt mit ihrer sicheren Sopranstimme im Chor. Umsichtig pflegt sie die feinen Stickereien der Altarwäsche, schmückt das Priestergrab, betet da und dort bei einem Grabhügel, der einen ihrer ehemaligen Schüler deckt. In Heiligenblut am Großglockner wurde Sr. Regina 1908 in eine kinderreiche Bergbauernfamilie geboren. In Innsbruck erhielt sie die Ausbildung zur Lehrerin. Dort legte sie auch bei den Barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke die Ewigen Gelübde ab. Vom Mutterhaus aus tun die Barmherzigen Schwestern still ihren aufopferungsvollen Dienst in den Spitälern. Viele gehen hinaus in die Dörfer und betreuen dort Alte und Kranke oder sorgen für die Kinder in Kindergärten, Waisenhäusern und Schulen. Sr. Regina kam als junge Lehrerin 1932 nach Wolfurt an die Seite ihrer älteren Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela. Bis 1937 unterrichtete sie meist die Schulanfänger, oft in Klassen mit über 60 Kindern. 1938 erhielten die Schwestern Schulverbot. Katholische Erziehung stand im Widerspruch zum natinalsozialistischen Gedankengut. Kurze Zeit half Sr. Regina im Zillertal aus, betreute dann im Krieg die Pfarrkirche Wolfurt und arbeitete dazwischen in Innsbruck und im Stubaital. 1945 rief man sie an die Volksschule nach Wolfurt zurück. Wieder lehrte sie viele Erstkläßler das Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Beten. Dazu aber hielt sie sie immer freundlich und streng zu Ordnung und Sauberkeit an. Jahrzehnte lang wurden der immer mehr geschätzten Schwester dann die großen Mädchen, ab 1963 auch die großen Buben in der Oberstufe anvertraut. Ihrer Konsequenz und Geduld waren große Erziehungserfolge beschieden. Die Behörde ehrte sie dafür mit dem Titel Schulrat. Weit über das Pensionsalter hinaus blieb sie freiwillig im Dienst als Sonderlehrerin für lernschwache Kinder und bis zu ihrem 82. Lebensjahr als Religionslehrerin. Darüber hinaus gab sie für unzählige Wolfurter Frauen Koch-, Back- und Nähkurse. Dorfbekannt sind ihre Neujahrsbäckerein und ihre Schaumrollen. 24 Die Wolfurter Lehrerschaft 1933: Rudolf Wiedemann, Kaplan Rein, Pfarrer Stadelmann, Sr. Gisela Amann, Sr. Sebastina Oberhauser, Sr. Regina Pichler, Friedrich Schneider, Schulleiter Karl Mohr. in der Landwirtschaft und oft auch in der Fabrik schwer arbeiten. Da konnte auch die strenge Zucht mit dem Stock nur wenig zum Schulerfolg beitragen. Im Jahre 1867 brachte das «liberale» Reichsvolksschulgesetz Verbesserungen, vor allem eine gute Lehrerausbildung. Um diese Zeit tobte ein häßlicher Kulturkampf zwischen den freidenkerischen «Liberalen» und den «Konservativen». In Vorarlberg bestimmten die katholischen «Casinos» die Politik. Von fortschrittlichen Lehrern geführt - in Wolfurt von Wendelin Rädler - , erkannten sie die Bedeutung der Schulbildung. Schon 1872 wurde eine große neue Schule im Strohdorf gebaut. Dort wurde auch eine Wohnung für Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke eingerichtet. Als erste zogen 1874 Sr. Othmara und Sr. Gottfrieda ein. Lehrer Rädler übernahm 1876 die Schulleitung. Nun bestimmte ein neuer Geist den Unterricht. 25 Das Gebet stand an erster Stelle. Der tägliche Unterricht begann mit der Schulmesse. Auch die Rickenbacher mußten, selbst im kalten Winter, den weiten Weg zur Kirche machen. In der Schulbildung erreichten besonders Lesen und Schönschreiben bald einen hohen Stand. Aber auch praktischer Unterricht in Nähen, Kochen, Krankenpflege und Gartenarbeit war den Schwestern ein Anliegen. Hygiene und Ordnung wurde beachtet, das Gedächtnis mit Katechismusfragen und langen Gedichten geübt. Der Lohn waren neben guten Noten die begehrten Fleiß- und Hauchzettel und schöne Heiligenbildchen. So sehr schätzte die Gemeinde den unermüdlichen Dienst der Schulschwestern, daß sie 1897 eine dritte Barmherzige Schwester rief. Bis 1938 trugen nun neben dem Schulleiter drei Schwestern Lasten und Freuden des Unterrichts. Die wachsende Schüler- und Klassenzahl machte allerdings schon seit der Jahrhundertwende die Einstellung weiterer Lehrer notwendig. In der Schulchronik findet sich die Aufzählung der Schulschwestern mit ihren Dienstjahren in Wolfurt: 1874-1882 12. Sr. Leontina 1904 1874-1905 13. Sr. Zita Feichter 1904-1910 1883-1890 14. Sr. Rudolfina Brugger 1905-1906 1887-1898 15. Sr. Sebastina Oberhauser 1905-1938 1891-1893 16. Sr. Konstantina Streiter 1910-1913 1891-1892 17. Sr. Alfonsa Walzthöni 1914-1915 1893-1895 18. Sr. Katharina Sinz 1916-1920 1897-1900 19. Sr. Hildegund Gmeiner 1920-1931 1898-1922 20. Sr. Gisela Amann 1922-1938 1900-1904 1945-1957 1913-1916 21. Sr. Regina Pichler 1932-1937 11. Sr. Maria Bapt. Nagel 1904 1945-1990 Als der Platz im Schulhaus für n e u e Klassen benötigt wurde, übersiedelten die Schulschwestern näher zur Kirche, ins H a u s Bucherstraße 3 auf dem Bühel. 1921 vermachten der angesehene Schuhmacher Josef W e i ß und seine F r a u Maria ihr schönes B a u e r n h a u s am F u ß der Kirchenstiege den Schwestern als W o h n u n g . Als das fromme E h e p a a r starb, zogen die Schulschwestern ins H a u s Kirchstraße 45 ein. Seither gingen sie von dort aus den W e g hinaus zur Schule und noch viel öfter zum Gottesdienst hinauf in die Kirche. Die Schwestern wechselten. Einige zogen ins M u t t e r h a u s zurück und an a n d e r e Dienststellen. Einige starben in Wolfurt und wurden hier ins Schwesterngrab gebettet. I m m e r wieder kamen neue, als letzte 1932 Sr. Regina. Für die längst verstorbenen Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela fanden sich in unserer materialistischen Zeit keine Nachfolgerinnen mehr. U n b e i r r t geht Sr. Regina, jetzt meist begleitet von ihrer treuen Helferin Cilla Zoller, ihren W e g weiter. Vergelt's Gott! 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Sr.Othmara Ernst Sr. Gottfrieda Oberhollenzer Sr. Adelheid Giselbrecht Sr. Epiphania Schmid Sr. Cantia Silier Sr.RosaLeimgruber Sr. Liliosa Ceol Sr. Armella Stauder Sr.Ignatia Kleber Sr.Ludwiga Weiser Siegfried H e i m Sieben Söhne im Krieg Am Abend des 17. August 1958 ist im Dorf beim «Engel» mit Wolfs Haus auch «Schloßburo Martes» altes Haus abgebrannt. Dort hatte im Ersten Weltkrieg noch die große Familie Köb gewohnt. Vater Johann, geb. 1854, stammte aus «Schloßburos» Sippe in der Bütze und hatte dort mit seiner Frau Barbara 1880 neben das Eltenhaus ein besonders großes neues Haus gebaut. Ein paar Jahre später mußte er es an die Familie Schirpf (Bützestr. 16) verkaufen. Köbs zogen mit ihrer groß gewordenen Familie ins Dorf. Der Vater arbeitete als Kleinstbauer (mit einer Kuh) oft im Taglohn bei Fuhrleuten und im Wald. Die Buben verdingten sich als Knechte, Sticker und Fabriksarbeiter. Dann kam 1914 der große Krieg. Darüber berichtet nun ein Brief von 1918 an den Kaiser in Wien, den uns Mohr Hubert aus dem Nachlaß seines Onkels, des Standschützenoffiziers Dr. Wilhelm Mohr, überlassen hat. Er stammt aus den Akten des «Unterländer Schützenbundes»: Sr. Majestät, dem Kaiser und König Karl I. Allergnädigster und durchlauchtigster Kaiser und Herr! Geruhen Ew. kaiserliche und königliche apostolische Majestät allergnädigst nachstehenden Bericht der untertänigsten Bundesleitung entgegen zu nehmen. Wohl keine Familie unserer Gemeinde wie auch der Umgebung hat dem Vaterlande während des gewaltigen Völkerringens so viele Opfer gebracht, wie jene unseres Mitgliedes Johann Köb, Bauers und Taglöhners in Wolfurt. Joh. Köb selbst hat dem Vaterlande 3 Jahre treue Dienste geleistet. Ebenso sind 3 Söhne aktiv in Heeresdiensten gestanden und rückten gelegentlich der Mobilisierung am 1. August 1914 ein. Im Verlaufe der Jahre 1915, 16 und 1917 sind weiters wieder 3 Söhne eingerückt. 27 26 Ew. Majestät Ruf hat nun am 15. Mai der letzte und siebente Sohn Folge geleistet und wurde bereits als felddiensttauglich anerkannt. Es stehen somit alle 7 Söhne im Felde, bzw. an der Front. Die allseits anerkannte Charakterfestigkeit der Eingerückten bürgt dafür, daß diese nicht nur ihr ganzes Können, sondern auch ihr Wollen Kaiser und Reich untergeordnet und restlos zur Verfügung gestellt haben. Die Auszeichnung zweier Söhne mit der silbernen, sowie der bronzenen Tapferkeitsmedaille, sowie auch von Ew. Majestät gestifteten «Kaiser Karl TruppenKreuz» mögen Zeugen der Verläßlichkeit dieser wackeren Leute sein, wie auch der Umstand, daß 1 Sohn (Julius), der bereits 1914 in russische Gefangenschaft geriet, derselben jüngst - und zwar oft mit Lebensgefahr - entwich. Dieser letztere wird demnächst wieder zu seinem Cadre einrücken. Leider mußte, - wie nur allzu begreiflich -, das Hauswesen dieses Soldatenvaters, den das Glück allerdings auch nicht mit irdischen Gütern gesegnet hat, empfindlichen Schaden leiden. Trotz alledem hat das Vertrauen Vaters Köb in sein Vaterland keine Einbuße erlitten; vielmehr: Köb hat durchdrungen von dem Bewußtsein, daß heute auch die Tat des Einzelnen Geltung hat, erst vor einigen Tagen 3 dem Gefangenenlager Ulm entwichene Russen aufgegriffen und dem K. u. K. Etappen-Stations-Kommando Bregenz überstellt. Wollen Ew. Majestät allergnädigst aus dem Vorstehenden erkennen, daß diesem wackeren Familienvater tatsächlich Anerkennung zu zollen ist. Mit Rücksicht auf die wirkliche Bedürftigkeit Köbs gestattet sich die alleruntertänigst gefertigte Bundesleitung, Ew. Majestät die Bitte zu unterbreiten, Ew. Majestät wollen huldvollst dem Johann Köb in Wolfurt Nr. 84 eine allergnädigste Anerkennung zuteil werden lassen. Wir konnten nicht erfahren, wie die Antwort des Kaisers in Wien auf den «alieruntertänigsten» Brief des Wolfurter Postmeisters und Sternenwirts ausgefallen ist. Aber ein gnädiger Herrgott ließ alle sieben Köb-Söhne von den Fronten in Serbien, Rußland und Italien gesund heimkehren. Ludwig Wilhelm Martin Johann Julius Vinzenz Josef Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang 1880 1882 1886 1887 1888 1897 1899 Vinzenz wanderte 1924 nach Amerika aus, die anderen sechs gründeten alle in der Heimat Familien. Johann heiratete ins «Stenzler»-Haus an der Schloßgasse. In seinen vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln lebt auch in Wolfurt das «Schloßburo»-Blut fort. Mit der aufrichtigen Versicherung steter Lojalität zeichnet Alleruntertänigst f. d. Unterl. Schützenbund der Bundesobmann Rudolf Böhler 28 29 Siegfried Heim Unsere älteste Zeitung Nicht mehr alle Wolfurter halten «üsor Gmoandsblättle» in seinem Jahrgang 101, obwohl es äußerst kostengünstig über das Gemeindegeschehen informiert und eine Fülle von Anregungen bietet. Es betreut den ganzen Bezirk von Hohenweiler über Bregenz und Bezau bis Warth. Nur wenige Leser wissen, daß das Blatt vor mehr als hundert Jahren in Wolfurt gegründet worden ist. Zwei für ganz Vorarlberg sehr bedeutende politische Persönlichkeiten taten sich hier im Sommer 1888 zusammen und begannen ein Werk, das noch immer Bestand hat. Die Gründer von 1888 Freitag, 8. März 1991,10. Woche Jahrgang 101 Wendelin Rädler 1835-1913, Wolfurt Obmann Johann Kohler 1839-1916, Schwarzach Verwalter Die beiden Lehrer Johann Kohler und Wendelin Rädler waren ein Leben lang enge Freunde. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründeten sie den katholischen Lehrerverein für Vorarlberg. Sie errichteten die ersten Casinos und führten damit 30 31 den politischen Umsturz von 1870 im Lande Vorarlberg herbei. Während Johann Kohler als Vorsteher von Schwarzach einer der mächtigsten Parteiführer im Lande und schließlich Abgeordneter zum Reichsrat in Wien wurde, trieb Wendelin Rädler an seiner Seite die sozialen Reformen voran. Mit der Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ebenso vielen Sennereien half er besonders dem verschuldeten Bauernstand. Maßgeblich trugen sie dazu bei, daß in Vorarlberg kaum ein Industrie-Proletariat entstehen konnte. Um ihre Ideen zu verwirklichen, brauchten die beiden Politiker ein Presseorgan. Schon bei der Gründung des «Volksblattes» 1866 durch Pfarrer Amann in Kennelbach, hatte Rädler, der bis 1872 Lehrer in Kennelbach war, mitgearbeitet und seither viele Artikel in diesem katholisch-politischen Blatt geschrieben. Nun schufen die beiden Lehrer ein kleinformatiges Wochenblatt für die Gemeinden Wolfurt und Schwarzach. Am 14. Juni 1888 unterzeichneten die damaligen Vorsteher Johann Martin Schertler und Gebhard Schwärzler den Gründungsvertrag. Am 1. Juli 1888 erschien die erste Nummer. Die Firma J. N. Teutsch in Bregenz besorgte den Druck. Bei 6 Verteilern in Wolfurt und 3 in Schwarzach mußten die Abonnenten ihr Blatt jeden Sonntag abholen. Das Echo war so positiv, daß sich in den folgenden drei Jahren nacheinander die Gemeinden Bildstein, Lauterach, Hard und Rieden (dazu gehörte damals noch die Parzelle Kennelbach) anschlossen. Ihnen folgten nun Fluh, Buch, Alberschwende, Langen, Lochau, Hörbranz, Möggers und Hohenweiler und nach dem ersten Weltkrieg auch Höchst, Fußach, Gaißau und Eichenberg. Mit Ausnahme der Stadt Bregenz waren damit alle Gemeinden von der Lorena bis zur Laiblach an gemeinsamen Informationen beteiligt. Als offizielles Amtsblatt wurde das Gemeindeblatt in fast allen Haushalten mit Interesse gelesen. Natürlich fanden auch die Mitteilungen der Vereine und die Inserate der Bauern und Händler viel Beachtung. Als Buben erhielten wir vom Viehhändler-Nachbarn eine kleine Belohnung, wenn wir ihm möglichst schnell das noch druckfeuchte Blättle brachten. Im März 1940 mußte das Gemeindeblatt auf Befehl der nationalsozialistischen Pressestelle in Berlin eingestellt werden. Erst im Juni 1945 durfte es mit einem Geleitwort von Landeshauptmann Urich Ilg wieder erscheinen. Jetzt versorgte es auch die Gemeinden des Bregenzerwaldes. Nun fehlte nur noch Bregenz. Im September 1948 tat dort Bürgermeister Othmar Michler, früher einmal Schulleiter in Wolfurt, den Schritt auf die Gemeinden zu und machte mit dem 57. Jahrgang das alte Wolfurt-Schwarzacher Blättle zum offiziellen Amtsblatt der Landeshauptstadt. Seither verlautbaren alle Gemeinden des Bezirkes hier ihre Gemeinde-Protokolle, Verordnungen und Kundmachun32 gen. Auch Arztnotdienste, Kirchliche Nachrichten und Bildungsprogramme machen das Blättle zu einer wichtigen Zeitung. Eine kleine Erinnerung an die Gründung vor mehr als 100 Jahren ist geblieben. Wolfurt, sonst immer am Ende des Alphabets, darf mit Schwarzach immer noch direkt nach der Landeshauptstadt den Reigen der vielen Gemeinden auf Seite 2 anführen.. Im Gemeindearchiv Wolfurt werden die meisten Gemeindeblätter aufbewahrt. Aus dem Jahrgang 1891 - also genau 100 Jahre alt - wählte ich ein paar Wolfurt betreffende Abschnitte in bunter Vielfalt aus. Im ersten Teil finden Sie die Volkszählungsergebnisse einiger Hofsteiggemeinden.. Vergleichen Sie dieselben und den dazu gehörigen Viehstand mit dem Jahr 1991! Die Verordnungen des Vorstehers betrafen fast nur Bauernprobleme. Unser Bürgermeister hat andere, größere - aber auch mehr Geld! Die Wahlen vom 26. Oktober 1891 standen ganz unter dem Einfluß von Rädlers katholischem «Casino» und von Pfarrer Sieber. Im zweiten Teil habe ich Einladungen von ein paar wichtigen Vereinen kopiert, dazu die Unterhaltungsangebote der vielen Gasthäuser von damals. Die Feuerwehr bekam ihr neues Spritzenhaus. Lehrer Rädler brachte auch noch (am 21. März 1891) einen Bienenzuchtverein zustande. Die Anzeigen im dritten Teil sollten uns im Vergleich mit unserer Konsum-GierGesellschaft ein bißchen nachdenklich machen, auch wenn wir über Unschlittkerzen und Modepäckle lächeln! 33
  1. heimatwolfurt
19910201_Heimat_Wolfurt_07 Wolfurt 01.02.1991 Heft 7 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 91 Das Vereinshaus. Der Bau wurde 1913 vom Katholischen Arbeiterverein begonnen und 1922 vom Kartell christlicher Vereine fertig gestellt. Seither ist es das Veranstaltungszentrum der Gemeinde Wolfurt (Foto um 1935). Inhalt: 24. Vereinshaus Wolfurt (Johler) 25. Mit Napoleon nach Rußland (Heim) 26. Lehrer Köbs Familie (Heim) 27. Theresia Mohr-Wächter DIE A U T O R E N : Mag. Reinhard Johler aus Alberschwende ist 1960 geboren. Er hat Geschichte und Volkskunde studiert und ist Assistent am Institut für Volkskunde an der Universität Wien. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, ist Hauptschuldirektor Theresia Mohr-Wachter, geboren 1929 in Wolfurt, ist Hausfrau. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Zuschriften Unsere Zeitschrift findet auch bei Wolfurtern «im Ausland» aufmerksame Leser. Sie geht nach Linz und Wien und sogar nach Belgien zu Spenglers Renate. Dieser Tage überraschten uns eine Spende und ein Brief aus der Schweiz. Stöcklers Rösle ist im Schlatt aufgewachsen und lebt nun als Frau Wanzenried in Schaffhausen. Auch sie schreibt eine Ergänzung zu «Kriegsende 1945» in Heft 3, Seite 36: Vielen herzlichen Dank für die sehr interessanten Heimatkundehefte, die ich gerne lese. Zu Kriegsende 1945: Am 2. Mai 1945 zwischen 4 und 5 Uhr morgens hat uns Herr Höfle Martin geweckt und gebeten, daß wir Rickenbacher Mädchen und Frauen zum Bürgermeister Theodor Rohner gehen und bitten, Wolfurt für die Feinde freizugeben, damit das Dorf nicht zerstört werde. Als wir dann bei ihm erschienen und die Bitte vorbrachten, sagte Herr Rohner: wir müssen nach Wolfurt (Anmerkung d. H.: So sagen alte Rickenbacher zum Kirchdorf) zum Ortsgruppenleiter fahren und ihn darum bitten. Als wir dann bis ins Dorf kamen, war schon alles in Aufruhr und die SS-Soldaten schickten uns retour. Vielleicht können sich noch einige daran erinnern. Vielen Dank und freundliche Grüße Rösle Wanzenried-Stöckeier Abrechnung: Für Druck und Porto sind in drei Jahren S 30.000,— auf Konto 87957 der Raiba eingegangen. Davon wurden bis jetzt S 29.000,— an die Gemeindekasse, die den größten Teil der Kosten trägt, abgeführt. Die Kontoführung wurde am 26. November 1990 namens der Gemeinde von Frau Carmen Haderer überprüft und in Ordnung befunden. Wer kann sich noch an die Rickenbacher Friedensvermittlerinnen erinnern? Wir bitten um Zuschriften und Ergänzungen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Reinhard Johler Zur Geschichte des «Vereinshauses in Wolfurt» (Zum gleichen Thema hielt der Auto vor zwei Jahren einen Vortrag im Pfarrheim.) 1991 jährt sich das Erscheinen der Sozialenzyklika «Rerum Novarum» von Papst Leo XIII., im Jahre 1993 die Gründung des ersten christlichen Arbeitervereins in Vorarlberg jeweils zum 100. Mal.1 Beides sind Daten, die nicht nur die katholische Sozialbewegung betreffen, sondern sie waren Gründungsanlässe, welche die politische, soziale und kulturelle Landschaft im Lande wesentlich - und bis heute - prägten. Nur in diesem Umfeld ist die Geschichte des Wolfurter Vereinshauses darstellbar. Denn es ist weitestgehend unbestritten, daß es zwei Entwicklungen waren, die das Bild Vorarlbergs bestimmt haben. Beide fußen im 19. Jahrhundert. Zum einen ist die starke Industrialisierung, vor allem ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu nennen. Vorarlberg war vor der Industrialisierung ein übervölkertes und katastrophal verschuldetes Land. Die Bauernwirtschaften waren, trotz frühzeitiger Intensivierung etwa bei der Käseproduktion im Bregenzerwald weder in der Lage die Bevölkerung mit Arbeit zu versorgen, noch zu ernähren. Die Menschen lebten von einer Mischökonomie, die aus kleiner Landwirtschaft, Heimindustrie und saisonaler Auswanderung (Schweiz, Frankreich) bestand. Hier wären etwa die Montafoner Krauthobler und Bauarbeiter oder bis nach dem Ersten Weltkrieg die Schwabenkinder zu erwähnen2. Die Industrialisierung Vorarlbergs beschränkte sich nahezu ausschließlich auf die Baumwollverarbeitung (Weberei, Spinnerei); ab 1870 gewann verstärkt die Spinnerei an Bedeutung . Gerade dieser kam in Wolfurt eine Schlüsselstellung zu. Und obwohl es in der Gemeinde keine Textilfabriksgründungen gab - zur Jahrhundertwende existierten lediglich zwei kleine fabriksmäßige Betriebe, nämlich die mechanische Schlosserei Doppelmayr und die Spulenfabrik Zuppinger im Ortsteil Rickenbach - war Wolfurt trotzdem durch das benachbarte Kennelbach in den Sog der Industrialisierung miteinbezogen. Zum einen fanden zahlreiche Wolfurter in den Kennelbacher Fabriken, zu anfänglich katastrophalen Bedingungen Arbeit. Zum anderen ließen sich ab 1880 auch zahlreiche italienische Arbeiter in der Gemeinde nieder. Wolfurt wurde damit frühzeitig zu einer Arbeiter- und PendlerGemeinde. Aber die Industrialisierung bedeutete mehr als die Errichtung von Fabriksgebäuden, sie veränderte die Lebensweise eines Großteils der heimischen Bevölkerung entscheidend. Man sprach im 19. Jahrhundert davon, daß die Fabriksarbeiter2 schaft industriös war und meinte damit, daß sie weniger sparsam, verschwendungssüchtiger und in moralischer Hisicht ausschweifender sei. Das Land sei geradezu von «americanischen Verhältnissen» geprägt. Die Folgen der Industrialisierung können hier nicht näher geschildert werden, aber eine lag geradezu in der Luft: Eine zahlenmäßig starke Arbeiterschaft ließ auch das Schreckgespenst vor einer mächtigen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aufkommen . Daß dem schlußendlich nicht so war, lag an der zweiten Entwicklung, die schon näher zum Vereinshaus führt. Denn trotz einer bedeutenden Industrialisierung Vorarlberg war mit Niederösterreich die am stärksten industrialisierte Region entwickelte sich hier keine bedeutende sozialistische Arbeiterbewegung, ganz im Gegenteil: In der politischen Entwicklung nahm das Land Vorarlberg einen Sonderweg ein. Hier gewannen 1870 die Katholisch-Konservativen die absolute Mehrheit im Landtag und gaben diese in der Folgezeit auch nicht mehr ab. Dabei war gerade der Anteil der christlichen Arbeiter sehr hoch. In dieser Entwicklung hatten die katholischen Vereinshäuser als Versammlungs- und Verantaltungsorte eine zentrale Bedeutung, sie waren die eigentlichen Bastionen des politischen Katholizismus. Steinerne Zeugen Beide Entwicklungen sind in Vorarlberg bis heute bestimmend geblieben, von beiden Prozessen zeugen historische Schlüsselbauten: im Bereich der Industrialisierung sind Fabriksbauten und Arbeiterwohnhäuser zu nennen, für den Katholizismus stehen die Vereinshäuser. Beide Gebäudetypen sind Erinnerungen, sind «steinerne Zeugen» der Vergangenheit; sie haben dementsprechend einen kulturhistorischen Wert. Allerdings, beide Gebäudetypen waren Nutzbauten und sind daher in der Gegenwart bereits verschwunden oder vom Abriß bedroht. Für die Fabriksbauten ist momentan ein stärkeres Interesse des Denkmalschutzes feststellbar, man überlegt sich eine Erhaltung, Umwidmung und Neuadaptierung . Es gibt keinen Grund, der dagegen spricht, ähnliche Überlegungen auch für die immer geringer werdende Zahl von Vereinshäusern anzustellen. Enstehung der katholisch-konservativen Volksbewegung, der Kasiner Bis 1870 - einem wirklichen Schlüsseljahr in der politischen Geschichte Vorarlbergs - war das Land von den Liberalen regiert, die, gestützt auf ein äußerst eingeschränktes Wahlrecht, eine relativ sichere Landtagsmehrheit besaßen. Nur kurz zur Erinnerung: Wahlberechtigt war man damals aufgrund der Vermögens3 Verhältnisse. Die Wähler waren je nach Eigentum in 4 Wahlklassen eingeteilt. In der ersten Wahlklasse waren die Wohlhabendsten vereint, hier reichten oft nur wenige Stimmen zum Wahlerfolg, hingegen waren in der vierten Wahlklasse, wo etwa Bauern meist eingeteilt waren, oft mehrere Tausend Wähler für einen Sitz notwendig. Dieses Wahlsystem begünstigte die Reichen und benachteiligte andere, etwa besitzlose Arbeiter. Frauen waren weitestgehend ausgeschlossen. Zwar gab es in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Wahlreform, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde aber erst 1907 eingeführt, Frauen waren erst ab 1919 wahlberechtigt. Es verwundert daher nicht, daß vor 1870 die Wohlhabenden die politische Mehrheit inne hatten. Liberale wohnten vornehmlich in den Städten, sie waren Ärzte, Beamte und Fabrikanten. Der Landbevölkerung kam kein politisches Gewicht zu. Dies änderte sich abrupt in den späten 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Zu dieser Zeit schlossen sich die katholisch-konservativen Kräfte in Vorarlberg zu einer Partei zusammen, die auf katholischen Vereinen beruhte. Diese Vereine nannten sich in Anlehnung an ihre Vorbilder im Großherzogtum Baden KASINOS. Diese Kasiner-Bewegung war, zumal ein Treffpunkt äußerst wichtig war, auch eine VEREINSHAUS-Bewegung. Das erste Kasino wurde 1867 in Bregenz, das zweite 1868 in Feldkirch und im selben Jahr als drittes, das in Wolfurt gegründet, welches gleichzeitig als Wanderkasino fungierte und abwechselnd in Wolfurt, Schwarzach, Lauterach und Kennelbach tagte. 1868 wurde dann das landesweit wichtigste Kasino in Dornbirn begründet. Mitglieder der Kasinos, der Vereinshäuser waren vor allem kleine Gewerbetreibende und Bauern. Damit wurden sie zu einer wahren Volksbewegung, die vom katholischen Klerus und insbesonders von Kaplänen geleitet wurden. In .den Kasinos wurden religiöse und politische Fragestellungen äußerst intensiv erörtert, sie dienten zur Bildung und Unterhaltung, vor allem aber interessierten sie ihre Mitglieder für das politische Geschehen. Politik wurde zu dieser Zeit durch die Vereinshäuser zu einem wahren Massenphänomen, das die gesamte Bevölkerung etwas anging, aber gleichzeitig auch zum ersten Mal politische Lager schuf, die einander unerbitterlich bekämpften. Dabei orientierte sich die Kasiner-Bewegung ganz an den politischen Vorgaben der katholischen Kirche und wurde daher als «politischer Katholizismus» bezeichnet. Neben den katholischen Vereinen, war im Kampf gegen den Liberalismus, das 1867 gegründete «Vorarlberger Volksblatt» von größter Bedeutung. Es sei nur kurz angeführt, daß in dieser rhetorisch brillanten Zeitung, die ein wahres Kampforgan war, wiederum Priester an führender Stelle wirkten. Und es sei auch erwähnt, daß manche von ihnen, wegen ihrer scharfen Schreibweise infolge von Ehrenbeleidigungs- und Verleumdungs-prozessen zeitweise im Gefängnis landeten. Dies mag die Form kennzeichnen, in der Politik betrieben und Auseinandersetzungen geführt wurden. Die Katholisch-Konservativen waren von einem vollstän4 digen Machtanspruch im Lande erfüllt. Derart nahmen sie sich auch früh der in Vorarlberg besonders drückenden «sozialen Frage» an. Diese Organisierung war der Grundstein für den Wahlerfolg 1870. Örtliches Zentrum und Veranstaltungsort war dabei das Vereinshaus. In diesem wurde die Politik besprochen und gemacht, die dann für ganz Vorarlberg galt. Das Vereinshaus, also das Haus der katholischen Vereine, war anfänglich oft ein Gasthaus mit einem katholisch gesinnten Wirt. Bald aber folgte, zügig von der ChristlichSozialen Partei vorangetrieben und finanziert, der Bau von eigenen Vereinshäusern. Zu nennen wären etwa der in Dornbirn oder die feierliche Einweihung des Vereinshauses Lauterach am 29. 10. 1911. Sehr oft aber waren die katholischen Arbeitervereine führend in der Errichtung tätig. Dies trifft auch auf Wolfurt zu. Dann wurde das Vereinshaus als «katholisches Arbeiterheim» bezeichnet. Entstehung und Bedeutung der katholischen Arbeitervereine In Vorarlberg setzte - wie bereits erwähnt - die Organisierung der katholischen Arbeiterschaft sehr früh ein. Diese beruhte zunächst auf Formen aus dem Handwerkermilieu, etwa den Gesellen- und Kolpingvereinigungen. Allerdings entsprachen diese nicht den Bedürfnissen der Fabriksarbeiter. Zwei Anlässe waren es nun, die zur christlichen Arbeiterbewegung bzw. zu den katholischen Arbeitervereinen führten. Zum einen hatte die sozialdemokratische Agitation ab 1890 eingesetzt, dem galt es etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen, wollte man die Arbeiterschaft nicht verlieren. Und zum anderen erließ Papst Leo XIII. am 15. Mai 1891 die Enzyklika «Rerum Novarum», deren sozial-politische Konzeption zum Programm der katholischen Arbeitervereine wurde. Diese Vereine breiteten sich in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor allem in den Alpenländern der Monarchie aus. Der erste katholische Arbeiterverein in Vorarlberg wurde 1893 von Kaplan Längle in Dornbirn, der zweite von dem wichtigsten Arbeiterführer, von Dr. Karl Drexel 1896 in Hohenems und bereits der dritte zu Maria Himmelfahrt am 15. August 1899 in Wolfurt begründet. Der bedeutendste war jener von Dornbirn. Dort wurde im übrigen mit dem Bau des Arbeiterheims 1907 begonnen. Zweck der katholischen Arbeitervereine war die Sammlung des christlich gesinnten arbeitenden Volkes, die Pflege des katholischen und patriotischen Geistes, die religiöse und sittliche Hebung, die Förderung des Standesbewußtseins, die Fortbildung und schlußendlich die Abhaltung geselliger Veranstaltungen. Alle katholischen Arbeitervereine hatten eine sehr ähnliche Organisationsstruktur. An der Spitze stand der Präses, der in den meisten Fällen ein Priester war und dem die «Sorge für das geistige Leben des Vereins» oblag. Ihm wurde ein Obmann zur Seite gestellt, der als «weltlicher Arm» für die organisatorischen Belange verant5 wortlich war. Weiters bestand der Vereinsausschuß aus einem Obmannstellvertreter, einem Schriftführer, einem Kassier und zwei weiteren Mitgliedern.8 Gerade der Arbeiterverein Wolfurt ist ein passendes Beispiel für die soziale Zusammensetzung dieser Vereine. Denn die Bezeichnung «Arbeiterverein» täuscht ein wenig. Gemeint waren damit alle, die sich für die Anliegen der Arbeiter einsetzten. Vor allem der Vereinsausschuß war meist nicht mit Arbeitern, sondern von dörflichen Honoratioren besetzt. Im ersten Vorstand des Wolfurter Arbeitervereins saßen etwa zwei Sticker, ein Schreiner-meister, ein Dampfsägenbesitzer, ein Schlosser und ein Briefträger9. Noch ein Wort zur landesweiten Organisation. 1904 erfolgte der Zusammenschluß der bestehenden katholischen Arbeitervereine zum Vorarlberger Arbeiterbund. 1908 waren in diesem 12 Arbeitervereine mit insgesamt 1.024 Mitgliedern zusammengefaßt: Dornbirn, Hohenems, Wolfurt, Rieden-Vorkloster, Hard, Frastanz, Rankweil, Bregenz, Blumenegg/Thüringen, Lauterach, Nüziders und Ludesch. Für die katholischen Arbeiter wurde auch eine eigene Zeitung, das «Arbeiterblatt» gegründet. Daneben bestanden, wenn auch nicht in Wolfurt, eigene katholische Arbeiterinnenvereine und die katholische Arbeiterjugend. Bedeutender für die Gemeinde, wo die Stickerei ab der Jahrhundertwende eine wahre Blüte erlebte, war die Gründung des Stickerbundes am 1. Jänner 1907, der zur stärksten Organisation der katholischen Arbeiterbewegung werden sollte. Ende 1907 zählte der Stickerbund bereits 23 Ortsgruppen mit über 1.000 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Wolfurt gehörte mit 113 Mitgliedern zu den stärksten in ganz Vorarlberg. Abschließend sei noch eine weitere Organisation genannt: Es wurde bereits darauf verwiesen, daß viele in Kennelbach arbeitende Italiener in Wolfurt wohnten. Es verwundert daher nicht, daß 1904 die «Societa Operaia Cattolica di Kennelbach e Wolfurt» (Katholischer Arbeiterverein von Kennelbach und Wolfurt) unter der Leitung von Leonardo Salvaterra gegründet wurde. Und es sei auch nur am Rande vermerkt, daß in einem Wahlkampf der spätere christlichsoziale Ministerpräsident von Italien De Gasperi unterstützt vom Wolfurter Pfarrer eine Rede hielt10. Der katholische Arbeiterverein Wolfurt wurde 1899 gegründet. Dem Gründungskomitee im Gasthaus «Sternen» gehörten Ferdinand Müller, Josef Weiß, Albert Köb, Anton Giesinger und Rudolf Böhler an. Weiters waren im neu gegründeten Verein Mitglieder: Johann Hohl, Rudolf Fischer, Gottfried Oehe, Johann Mesch, Joh. Martin Gmeiner, Gebhard Rünzler, Josef Schwärzler, Josef Anton Köb und Wenzel Meinl. Der Verein zählte also zum Zeitpunkt der Gründung 15 Mitglieder. 6 Zum 1. Präses wurde Kaplan Simon Stadelmann, zum 1. Obmann der Schuhmachermeister Josef Weiß gewählt. Die konstituierende Versammlung fand zu Maria Himmelfahrt, am 15. August 1899 im Gasthaus «Sternen» statt. Anwesend waren auch die Bruderverine von Dornbirn und Hohenems. Der Arbeiterführer Dr. Karl Drexel und der Reichsratsabgeordnete Loser hielten Reden. Der Zweck des Vereins läßt sich am deutlichsten aus den am 16. Juli eingereichten Statuten ermitteln. Genannt sind dabei: «Zweck dieses nichtpolitischen Vereines ist: 1. Förderung der Religiosität und Sittlichkeit der Arbeiter. 2. Fortbildung in Dingen von praktischer Nützlichkeit, sowie Wahrung und Warnung vor verderblichen Zeitbestrebungen. 12 3. Frohsinn und Geselligkeit und Gemeinschaft zu pflegen.» Der Arbeiterverein Wolfurt war ausgesprochen rührig und aktiv. So konnte schon 1900 die Vereinsfahne um 180 Gulden in Sigmarszeil angeschafft werden. Das Fest der Fahnenweihe mit der Fahnenpatin Fräulein Julie Böhler galt als besonders gelungen. Die Fahne zeigt auf der einen Seite den Schutzpatron aller katholischen Arbeitervereine, den Hl. Josef. Daher wurden die Jahreshauptversammlungen auch immer am Josefitag abgehalten. Bereits 1906 zählte der Arbeiterverein Wolfurt 52 Mitglieder13. Es kann nun im einzelnen weder näher auf die wechselnden Obmannschaften, noch auf die Vielzahl der Veranstaltungen eingegangen werden. Nur soweit: Nach einem Jahrzehnt des Bestehens konnte der katholische Arbeiterverein Wolfurt eine sehr positive Bilanz ziehen. 117 Ausschußsitzungen, 105 Vereins- und öffentliche Vorträge dienten dem Vereinsziel. Es wurde über nahezu alles referiert, so etwa über die Leichenverbrennung, über den Balkan, über London und über «400 Jahre Wolfurt». Ab 1900 ist die Abhaltung von Glückstöpfen und zu Weihnachten von Christbaum-Feiern belegt, deren Erträgnisse zur Vergrößerung des Vereinsfonds oder wie etwa 1902 zur Schaffung einer Bibliothek dienten. Es wurden Schießabende oder etwa 1910 Rednerclubs veranstaltet. Dazu kam eine rege Gesangssektion unter der Leitung des Oberlehrerers und späteren Bregenzer Bürgermeisters Mathias Wachter. 1909 wurde die Turnsektion gegründet, aus der sich dann der Arbeiter-Turnerbund Wolfurt mit dem ersten Obmann Albert Köb und als Turnwart Wilhelm Rünzler entwickelte . Zur selben Zeit wurde auch der Hort der erwerbenden Jugend (später Jugendhort) mit dem «Jugendvater» Martin Thaler begründet. Ein Überblick über die zahlreichen Feierlichkeiten und Veranstaltungen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt kann auch durch das «Gemeinde-Blatt» 7 gegeben werden. Dort finden auszugsweise etwa am 16. 7. 1911 die Einladung des Arbeiter-Turnbundes zum 1. Schauturnen, am 3. 12. ein Familienabend zum Nikolaustag (beachtenswert: «Der Reinerlös wird zum Bau eines Vereinshauses verwendet»), am 24. 12. eine Christbaum-Feier mit Theater und Gabenverlosung und am 17. 3. 1912 die Einladung zur 13. Ordentlichen Generalversammlung im Gasthaus «Hirschen» unter Obmann Ferdinand Thaler am Josefitag. Ein zentrales Anliegen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt war der Bau eines eigenen Heims. Zur Jahreshauptversammlung 1900 wurde zum ersten Mal der Bau eines Vereinshauses besprochen, 4 Jahre später stellte dann Pfarrer Nachbauer den Antrag auf Errichtung eines Vereinshauses. Fertigstellung des Vereinshauses konnte allerdings nicht mehr vom Arbeiterverein alleine getragen werden. Kaplan Nußbaumer versuchte daher, die katholischen Vereine für dieses Anliegen zu gewinnen.16 Dies gelang am 14. April 1921 mit der Gründung des «Kartells christlicher Vereine in Wolfurt». Dieses Kartell, dessen Statuten am 8. Mai genehmigt wurden, war ausdrücklich für den Bau und die spätere Verwaltung des Vereinshauses gegründet worden. Als Mitglieder wurden nur Vereine mit «christlicher Weltanschauung» aufgenommen. Die vier in den Statuten genannten Vereine waren: Heinrich Nußbaumer, Obmann Gebhard Mohr, Obmann Karl Schwärzler, Schriftführer 2. Bürgermusik-Verein Wolfurt: Adolf Fischer, Obmann Albert Gasser, Schriftführer 1. Katholischer Arbeiterverein: Der Bau des Vereinshauses Wolfurt Als erstes Vereinslokal diente dem katholischen Arbeiterverein ein ebenerdiger Raum im «Hanso Hus» der Geschwister Heim am Anfang zur Kirchenstiege. Veranstaltungen wurden entweder im Gasthaus «Sternen» oder im «Rößle» abgehalten. Die Platzfrage aber war schon in Hinsicht auf die steigende Mitgliederzahl durchaus dringend zu behandeln, zumal auch Ausweichlokale, wie etwa die leerstehende Stickerei von Albert Gmeiner in Unterlinden, nur ein Provisorium darstellten. Als erster konkreter Schritt wurde 1904 unter der Federführung von Kaplan Fridolin Hagspiel und dem Vereinsmitglied Maurermeister August Klien ein Bauausschuß bestellt. 1907 lag der erste Plan vor, aber der Baubeginn zögerte sich hinaus. Gleichzeitig wurde auch erwogen, statt eines Neubaues, entweder das Haus von Gebhard Gmeiner (neben dem Schulhaus) oder das Gasthaus «Sternen» zu erwerben. Erst 1910 wurde durch den Ankauf eines Bauplatzes von den Geschwistern Heim im Strohdorf eine Entscheidung gefällt. Der bereits vorliegende Plan wurde 1911 vom Feldkircher Baumeister Kröner umgearbeitet. Die Kosten für diese neue Planerstellung von 800 Kronen übernahm Pfarrer Nachbauer. Nachdem dem am 13. 2. 1913 von Albert Köb eingebrachten Antrag zustimmt wurde, konnte mit dem Bau sofort begonnen werden. Im November desselben Jahres konnte der Verein in den Teilbau einziehen. Dieser bestand aus einem Versammlungslokal im Erdgeschoß, einem Theater, das gleichzeitig als Turnsaal diente und einem weiteren Nebenraum im ersten Stock. Der Erste Weltkrieg verhinderte eine Fertigstellung des Vereinshauses, das wegen seiner Form spottweise auch als «Schlauchturm» bezeichnet wurde. Im Jahre 1920 - der Arbeiterverein zählte durch die Kriegsfolgen nurmehr 25 Mitglieder - wurden unter dem neuen Präses Heinrich Nußbaumer (Obmann Rudolf Schertler) kleinere Zubauten, wie etwa eine Galerie errichtet. Eine 8 Das Kartell christlicher Vereine. Unter Kaplan Heinrich Nußbaumer hatten sich 1922 die Wolfurter Vereine zur Fertigstellung des Vereinshauses zusammengeschlossen. Außer dem Arbeiterverein entsandte jeder Verein zwei Vertreter. Erste Reihe v. 1.: Kaplan Nußbaumer, Rudolf Schertler, Mina Österle, Flora Böhler-Gunz, Gebhard Fehle, Martin Thaler; zweite Reihe: Gebhard Mohr, Josef Schertler, Karl Schwärzler, Ernst Köb, Rudolf Fischer; dritte Reihe: Rudolf Guldenschuh, Johann Zwickle, Jos. Ant. Köb, Pfarrer Simon Stadelmann, Albert Gasser, Adolf Fischer. 9 3. Turnerbund Wolfurt: 4. Liederhain Wolfurt: Ernst Köb, Obmann Franz Köhler, Schriftführer Adolf Fischer, Obmann Albert Kirchberger, Schriftführer 1 Zu diesem Zeitpunkt ist auch eine umfangreichere Arbeit des Autors zur katholischen Arbeiterbewegung in Wolfurt geplant, die auch die umfangreichen Archivalien mitberücksichtigen soll. 2 Kapeller, Kriemhild: Saisonwanderung und Heimarbeit als notwendiger Nebenverdienst in Vorarlberg. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, NS Bd. 43, 1989, S. 275-295. 3 Johler, Reinhard: Behinderte Klassenbildung - am Beispiel Vorarlbergs. In: Beiträge zur historischen Sozialkunde, 2, 1986, S. 51-57. 4 Heim, Siegfried: Bauern und Fabrikler. Die Arbeitswelt unserer Vorfahren. In Heimat Wolfurt, H. 1, 1988, S. 16-19. Sinz, Egon: Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987. 5 Zur Entwicklung der sozialdemokratischen und christlichen Arbeiterbewegung vgl. Greussing, Kurt: Im Prinzip: Hoffnung. Arbeiterbewegung in Vorarlberg 1870-1946 (= Beiträge zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, 4). Bregenz 1984. 6 Johler, Reinhard: Sammlung und Präsentation zur Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Vorarlberg. In: Bockhorn, Olaf-Reinhard Johler (Hg.): Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Österreich (Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Wien, Bd. 14). Wien 1987, S.148-163. 7 Haffner, Leo: Die Kasiner. Vorarlbergs Weg in den Konservatismus. Bregenz 1977. 8 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise. Vorarlberger Arbeiterbewegung 1890-1914. In: Greussing, Kurt (Hg.): Im Prinzip: Hoffnung, a.a.O., 73-132. 9 Moosmann, Herbert: Kath. Arbeiterverein Wolfurt. Entstehung - Rückblick. In: Wolfurt-Information, Nr. 92, 1989, S. 20-22. 10 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise, a.a.O. 11 Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre Kath. Arbeiterverein Wolfurt (Manuskript). 12 Statuten des «Katholischen Arbeitervereines Wolfurt» (Vorarlberger Landesarchiv). 13 Mittersteiner, Reinhard: Peripherie und Sozialismus. Diss. (Univ.) Wien 1988, S. 148. 14 Vgl. dazu die Protokollbücher. 15 Herburger, Josef: Die Turner und das Vereinshaus. In:WolfurterInformationsdienst, Nr. 17, 1973, S. 21f. 16 Vgl. Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre, a.a.O. Sowie die Beiträge zur Festschrift «50 Jahre Vereinshaus Wolfurt». Feiern am 17. und 18. November 1973 (Wolfurter Informationsdienst, Nr. 17, 1973). 17 Satzungen des Kartells christlicher Vereine in Wolfurt vom 8. Mai 1921 (Vorarlberger Landesarchiv). Der Arbeiterverein behielt sich im Verwaltungsrat 2 Stimmen vor, hatte er doch den Teilbau und das Grundstück zur Verfügung gestellt.17 Bald darauf wurden auch andere Vereine (Jugendhort, Kongregation) in das Kartell aufgenommen. Die für die Errichtung notwendigen Finanzmittel konnten durch eine Haussammlung, durch den Reingewinn eines Volksfestes, durch unentgeltliche Arbeitsleistung der Mitglieder und durch ein Darlehen aufgebracht werden. 1922 wurde der Bau des Wolfurter Vereinshauses unter Einbezug des Arbeiterverein-Teilbaues vollzogen. Den endgültigen Plan hatte der Bregenzer Architekt W. Braun erstellt. Zu Pfingsten konnte dann das Vereinshaus Wolfurt feierlich eingeweiht und eröffnet werden. Das «Vorarlberger Völksblatt» berichtete darüber ausführlich: «Die katholischen Vereine von Wolfurt dürfen sich glücklich schätzen, nunmehr ein neues, sowohl den praktischen Anforderungen, als auch dem Schönheitssinn entsprechendes Vereinshaus zu besitzen. Es war wohl ein wagemutiges Unternehmen mit einer Unsumme von Sorge und Arbeit im Gefolge, in gegenwärtigen Zeiten einen so stattlichen und gut eingerichteten Bau zu erstellen, als welchen das Wolfurter Vereinshaus sich heute präsentiert.» Die Feier bestand aus einem Festgottesdienst, der kirchlichen Weihe und einem Festumzug der Vereine. Aber werfen wir noch einen Blick in das neueröffnete Vereinshaus: «Das neue, nunmehr fast fertige Haus enthält außer verschiedenen praktisch eingebauten Vereins- und Klubräumlichkeiten und einer Hausmeisterwohnung einen großartigen Festsaal von über 16 Metern Länge und 11 Metern Breite und mit zwei geräumigen Galerien. Einen gefälligen Eindruck machen die der bodenständigen Bauweise entsprechenden Holz-Vertäfelungen, die hölzernen Galeriebalustraden, der gleichartige Plafond mit einer zugleich architektonisch schmückenden Ventilationsvorrichtung in der Mitte. Die Bühne ist geräumig und zweckentsprechend gebaut und erhielt erst noch in den letzten Tagen die neuen, von Meister Ulrich Ender (Götzis) gemalten Szenerien. Auch im Äußeren bietet der Bau einen überaus gefälligen Anblick: mitten in freie Umgebung sich erhebend, läßt er seine schönen Verhältnisse im Eintrittsvestibül, Mitteltrakt mit dem Ventilationsaufsatz sowie Bühnenbau mit den kleineren Lokalitäten prächtig zur Geltung kommen.» 10 11 Siegfried Heim Zur Erinnerung ein paar Zahlen Mit Napoleon nach Rußland Franzosenkriege in Wolfurt «Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, Herr Jesus Christus!» beteten unsere Vorfahren. Unter diesen drei Geißeln litten sie ja immer wieder. Besondere Not kehrte um das Jahr 1800 ein. Die ersten Kriegsahnungen hat der Maler Anton Schneider schon 1787 gehabt. («Beschreibung des Franzosenkriegs», Chronik Schneider im Landesarchiv). «In Hißigem Dorf daß Hauß Numeriren an gefangen, der Aman Fischer und ein Geschworener war dar bey, der Martin Haltmayer, Schreiner auf dem Bühel, hat es müßen Numeriren. Auf dem Bühel hat man angefangen und also an die Ach hinaus und so fort. Jeder Man sagt, was doch das Ding bedeutten thue. Dan niemand weiß, auf was es an gesehen, doch muthmäßet man, daß es nichts Guttes werde andeuthen.» Erstmals wurden also im Jahre 1787 auf kaiserlichen Befehl Hausnummern an die Türen gemalt. Die Amtleute gingen durch das ganze Dorf, auch nach Schwarzach, Bildstein und Buch. Während der Maler die Nummer aufpinselte, schrieb der Ammann Leute und Besitz auf, «so gahr das Kind in der Wigen». Diese Hausverzeichnisse wurden in den folgenden Jahren verwendet für Steuerlisten, für die Einquartierung von Soldaten und zur Aushebung von Rekruten. Dreißig Jahre der Not und Unterdrückung folgten, Jahre von «Hunger und Krieg». Vom ersten Blutvergießen berichtet Pfarrer Walser (Volksblatt, 25. 10. 1912): «Nach dem Totenbuchjener Zeit wurde am 11. August 1796 Johann Michael Gasser von einer feindlichen Kugel hingestreckt. Am 16. September 1796 wollte der 66jährige Michael Hübe im Garten eine von einem andern vergessene «Schopete» (Flinte) holen und wurde dabei von den Kugeln der Franzosen getötet. An demselben Tage tobte in und durch Wolfurt ein heftiges Gefecht. Es fielen hier 6 kaiserliche Soldaten und 3 Franzosen. Die erstgenannten 2 Männer und 3 kaiserliche Soldaten konnten noch versehen werden. Gleichzeitig waren in Lauterach 10 Häuser von den Franzosen in Brand gesteckt worden.» Schwere Gefechte gab es auch im Sommer 1800 in Wolfurt. Darüber hat Volaucnik berichtet (Heimat 1/20). Dabei wurde im Juli 1800 Michael Haltmayer in seinem ganz neuen Haus im Bütze-Weingarten erschossen. «Auch haben die Franken am Sontag in vil Häußer ein gebrochen und geblündert und die Leyt ausgesucht und ihnen die Todesangst angetan.» Drei Tage lang wurde Wolfurt damals geplündert. 12 1789 Französische Revolution 1792— 1797 1. Franzosenkrieg 1796 Gefechte in Wolfurt 1799— 1802 2. Franzosenkrieg 1800 Gefechte in Wolfurt 1805 3. Franzosenkrieg 25. Dezember 1805 Vorarlberg an Bayern abgetreten 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig aufgelöst 1808 Wolfurt wird selbständige Gemeinde 1809 Aufstand. Wolfurter kämpfen im Allgäu 1812 Napoleon zieht mit der Großen Armee nach Rußland. Brand von Moskau. Winterkatastrophe 1813 Völkerschlacht bei Leipzig 1814 Napoleon nach Elba. Vorarlberg wieder zu Österreich 1815 Schlacht bei Waterloo. Napoleon nach St. Helena verbannt. Wiener Kongreß 1795 waren in Wolfurt die «Bergteile» im Ippachwald und 1798 die «Riedstücker» verteilt worden. 1808 gab es in Wolfurt 185 Häuser. Die 1143 Einwohner besaßen zusammen 266 Kühe. Sie ernährten sich hauptsächlich vom Getreideanbau. 1817 Große Hungersnot! Schwer hatte das Dorf auch 1804 unter den Einquartierungen der Kaiserlichen und 1805 unter denen der Franzosen zu leiden. Bayerische Rekrutenaushebung Im Frieden von Preßburg mußte Österreich Vorarlberg und Tirol an das Königreich Bayern abtreten. Sofort hatte der schreibkundige Gotteshausammann Mathias Schneider einer Liste aller wehrfähigen Männer zu erstellen. In seinem Buch «Märckwürdige Begebenheiten» (Schneider-Chronik 2) sind uns die 239 Namen erhalten geblieben. 13 Demnach gab es 1805 in Wolfurt: 99 23 21 96 ledige Männer von 17 bis 30 Jahren, ledige Männer von 30 bis 50 Jahren, «Verheurathete» von 17 bis 30 Jahren und Verheiratete von 30 bis 50 Jahren. Rekruten ohne gespilt Weg genohmen. Von Wolfurt hat man Anton und Johann Stülz zurlinden, Joseph Böhlerzurach, für Hofrieden durch das Spiel, Thomas Vonach nur weil er mit obigem zum Spiel ins Hofriedisch gegangen. Von Steusberg (Bildstein) hat man 6 Mann alles Ledige genohmen.» Als im Juni 1807 neue Konskriptionslisten erstellt wurden, «allwo alle Jünglinge Von 16 bis 40 Jahren sich haben müssen abmessen und Fixidiren lassen», kam es zum Weiberaufstand in Langenegg und Krumbach. Darauf quartierten die Bayern 4000 Mann Kavallerie und Infanterie ein, die auch Wolfurt außerordentlich belasteten. Das Gericht Hofsteig mußte 2700 Gulden Bußgeld zahlen. Außerdem mußte es am 15. Juli 1807 vier Rekruten stellen. Weitere 12 Mann, darunter 4 Wolfurter, wurden am 30. Juli ausgehoben: Josef Lenz von Rickenbach, Josef Anton Schwerzler Gugers, Joseph Dür im Tobel, Kaspar Gasser auf dem Bühel. Fünf Jahre später starben sie in Rußland. In seiner Kriegschronik (Schneider 1) ergänzt Schneiders Vetter Anton diese Darstellung: das Spiel in Schwarzach konnte nicht stattfinden, weil die Wolfurter in der Krone mit großem Geschrei aufbegehrten und sogar eine «Botillen» in den Tischwinkel zum neu aufgestellten Bregenzer Landrichter warfen. Zur Strafe dafür wurden drei Tage später einfach 4 Wolfurter und 6 Steußberger in Lauterach verhaftet und «geschloßner» (gefesselt) nach Bregenz und weiter nach Augsburg geführt. Vermutlich haben sich die Angehörigen der Verhafteten beschwert, denn «noch dazu hab man den Vatter Stültzen sambt dem jüngsten Sohn Martin auch zu haus abgeholt und auf Bregentz und in Arrest auf einige Tag geben.» Sie sollten so lange in Haft bleiben, bis man des Flaschenwerfers habhaft sei. Im April 1809 beteiligten sich auch die Wolfurter am allgemeinen Aufstand gegen die Bayern. Mit Schiffen fuhren sie mit bis Konstanz und Ludwigshafen und holten sich reiche Beute. Auch das bayrische Lindau wurde von den Vorarlbergern fürchterlich geplündert. «Ein jeder hat ein Sack a ufdem Bügel in die Stadt Bregentz gebracht, ich hab es selber gesehen», schreibt der Chronist. In ihrem Siegesrausch marschierten die Hofsteiger unter Major Schertler sogar mit nach Wangen und Kempten. Aber dort wendete sich das Kriegsglück. Im Gefecht bei Eglofs erlitten sie schwere Verluste. Mathias Schneider berichtet: «Es sind aber dieses Jahr diese Landes Völker, welche schon bis auf dem Buchberg bei Kempten gestanden, vom Königlich Bayr. und mit hilf der Königlich Würthenberg. Truppen zu Haus geschlagen worden, wobey unser Seite etliche Mann das Leben Verlohren, so wohl von Frey willigen als von dem Landsturm besonders und zwar erstens Joh. Georg Reiner als Hauptmann, Jos. Ant. Lenz, Ant. Geiger, Andreas Flatz.» Hauptmann Reiner war schwer verwundet in Gefangenschaft geraten. Er starb in Kempten (Walser, V.V. 29. 10. 1912). 15 Panik brach aus, als die Bayern nun die allgemeine Wehrpflicht einführten und die Ledigen der Reihe nach rekrutierten. Einige Jungmännerflohenaus dem Land, viele retteten sich durch schnelle Heirat vor dem Militär. «Anno pro Domine Jesu Christe 1806 haben Hochzeit gemacht.. . Welches aber aus sonderbaren Umständen geschehen. Es hat sich durch den Willen und Zulassung Gottes ereignet, daß der Kaiser (Napoleon), welcher zwar nur vor wenig Jahren den Zepter und Krone erhalten von Frankreich, aber Mahlen Krieg angefangen mit unserem Römischen Kaiser Franz des II. und so gesieget, daß er in kleiner Zeit bei 3 Monaten nicht nur ganz Vorarlberg und Tiroll, sondern auch bereits ganz Bömen, Ungarn, ja Wien selbsten, mit hilf des Bayerfürsten eroberet hat, welches alles geschehen vom Oktober bis Dezember. Dan den 14. November sind die Franken bei uns Eingerückt, nur zu Wolfurt bey 13 Compagnien, über Tausend Mann. In diesen Unglücks Tagen ist Seine Mayestät der Kaiser genöthiget worden, einen mit großem Verlust betreffenden Frieden mit Frankreich zu schließen, wo bey er auch ganz Tirol und Vorarlberg Nebst Villen andern Ortschaften Verlohren und abtretten müssen. Über diesen Friedens Contrackt hat der Kaiser von Frankreich den Fürsten von Bayern so belohnet, das er denselben Erstens zu Einem König gekrönet, und Zweytens mit Viellen Landschaften beehret, unter welchen auch ganz Tirol und Vorarlberg, samt allen Entzwischen liegenden Ort und Reichs Herrschaften gegeben worden. Aus diesem Umstände willen, und Forcht Militär stellen zu müssen, haben sich in allen Pfarreyen des Vorarlbergs sehr Viele Menschen Verheuratet, und zwar nur in der zeit zwischen Weihnächten und Herren Faßnacht, welche nur 8 Wochen lang gewesen . . . » Nun zählt Mathias Schneider fein säuberlich die 22 jungen Paare auf, die sich in Massenhochzeiten am 27. Jänner, 3., 11. und 17. Februar 1806 vor dem Soldat-Werden drückten. Es findet sich darunter auch sein Sohn: «Jakob Schneider Wolfurt mit Jungfrau Maria Agatha Schertlerin Underlinden». Er konnte dem Ehepaar das neue Haus an der Berggasse («Rädlers» an der Kellhofstraße) übergeben. Die Braut bekam ja von ihrem Vater, dem reichen Schützenmajor JakobSchertlerauch noch eine beachtliche Ausstattung. So gut hatten es die anderen 21 Paare in jener Fasnat wohl nicht! In den folgenden Jahren gab es nun fast keine Hochzeit mehr in Wolfurt. Die Ledigen aber holten die Bayern zu ihrer Armee: «Anno 1807 den 22ten Jäner hat mann anstattdem 19ten Jäner, alwo zu Schwarzach hätte sollen gespilt werden, die 14 Die siegreichen Bayern und Franzosen bestraften die Vorarlberger schwer. So nahm man den Wolfurtern am 27. Mai sogar das Fährschiff, ihre einzige Verbindung nach Kennelbach, weg und transportierte es nach Bregenz. Und vor allem wollten die Bayern noch mehr Soldaten. «Anno 1810 den 12. März abermahl Rekruten ausgehoben. Alle von 18 et 19 Jahr gleich weg genommen. Das Landgericht Bregenz hat 65 Mann gesteh.» Die meisten Familien versteckten jetzt ihre Söhne. Zu genau kannten die Häscher ihre Opfer aber aus den Listen, die Mathias Schneider ein paar Jahre früher erstellt hatte. «Aufdieses hat man Einigen Exekution eingelegt und zwar aufden ersten Tag 4 Mann, den zweiten 8 Mann, dendritten 12 Mann. So behalten bis die Forchtsamen Ihre Söhne Von der Frömbde her geholt und gestellt haben. Gestelt habe ich selbst den Michael Schneider, Ferdinant Rohner, Jos. Köb auf dem Bühel, Aloys Haltmayer Sohn, Jos. Böhlers Sohn an der Hub, Joh. Georg Schwärzlers Sohn zu Steig . . . Nach diesem hat mann alle am Joseph Tag mit ein und weg genommen bis nach Augspurg.... Die Exekution hat manchen 80, 90 bis 100 Gulden gekostet. Got helfe!» An anderer Stelle zählt der Chronist weitere Burschen auf, die mit seinem Sohn Michel am 19. März 1910 abgeführt wurden: «und sind den 20. Merz von Bregenz über kempten bis nach Augspurg transportirt, Von dort wider bis nach Lindau und über 5 Wochen dort, ohne Asentirt zu seyn, behalten worden. Nach diesem erst den 2. May nach Ingolstadt abgefürt worden. Von da ist der Sohn Johann Michl, Ferd. Rohner, Kaspar Gunz nach Neuburg zurück zu den Jägern gestellt worden. . . . 1810 den 17. May erhalten den 26. dis das Erste Schreiben des Michl Schneider. Die Attreß ist zu machen an Michael Schneider bey dem 7ten Leichten Infantry Bartalion Trauberg, bei Herrn Hauptmann GrafKunn Copagni, abzugeben in Neuburg an der Donau.» Weihnachten sollen ganze 1000 Mann mit 60 Pferden die rettende preußische Grenze erreicht haben. Das Volk empfand diese Katastrophe als ein Gottesurteil «Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen!» (Aus «Weltgeschichte» von Kinder.) Mathias Schneider notierte sich das, was ihm davon zu Ohren kam, so: «Der Kaiser Napoleon hat immer noch weiter geschlagen, daß er auch den Kaiser von Rußland angegriffen, und so weit gesieget, das er bis November 1812 nach Moskau und Polox (Smolensk?) gekommen, wo aber grosse schlachten Vor gekommen, in welchen der Napoleon das Kürzer gezogen, wodurch er Viele Tausend Mann und Kanonen und Geld Kasse Verlohren.» . . . «. . . die Meerern gestorben oder gefangen worden. Doch sey Dank ist unser Sohn den 24. Feber 1813 wider Glücklich nach Haus Kommen, hat nur ein Verhörten Fuß gehabt. Es ist auch sein Herr Oberleutnant und ein Herr Major mit ihm gekommen. Alle andern Vom Ganzen Gericht sind noch abwesend und unwissend wo. 1813 den 16. April hat der Sohn Michael wider mit 3 Compagnigen nach Augspurg von Lindau abreisen müssen.» Die Überlieferung hat Michael Schneiders Heimkehr aus der russischen Winterkatastrophe später dramatisch ausgeschmückt. «Es wird erzählt, er hätte eine ihm abgefrorene Zehe, in Papier eingewickelt, noch heimgebracht. Die Rettung sei ihm nur dadurch möglich geworden, daß er sich in der größten Not an einen Roßschweifhängen und weiterschleppen konnte.» (Walser, V.V. 25. 10. 1912). Schneider soll mit seiner Truppe im Oktober 1813 noch an der Völkerschlacht bei Leipzig teilgenommen haben, die das Schicksal Napoleons besiegelte. Nur zwei weitere Wolfurter kamen aus Rußland gesund heim, der Zimmermann Michael Köb aus Rickenbach und der Student Martin Rohner aus dem Kirchdorf, der später als Gemeindearzt noch französisch und russisch schimpfte. Über sie berichte ich an anderer Stelle. Die vielen anderen jungen Burschen aus unserer Gemeinde waren mit der ganzen Großen Armee in Rußland gefallen, im Eiswasser der Beresina ertrunken, von Kosaken erschlagen, im Schnee verhungert, von Wölfen zerrissen . . . Kaum eine Todesnachricht traf ein. Verzweifelt warteten die Eltern. Nur zögernd wurde nach Jahren manchem eine Totenmesse gelesen. «Am 12. November starb in Preußisch-Polen Anton Dür. Am 11. Februar 1813 starb als Soldat in Lindau Kaspar Gasser. Endlicham 14. Januar 1814 starb im Görzer Feldspital, erst 18 Jahre alt, Johann Gmeiner. Wahrscheinlich gehörte erzumletzten Aufgebot Napoleons.» (Walser, a.a.O.) Auch Chronist Schneider nennt noch ein paar Daten: «13. April 1817 ist Thomas Vonach, welcher aber schon Vor 4 Jahren Laut Totten Schein in Rußland im Spittal gestorben, die erste Bestattniß gehalten worden.» 17 Nach Rußland Kaiser Napoleon sammelte ein Vielvölkerheer, die «Grand Armee», mit 500 000 Soldaten. In den Reihen der Bayern marschierten auch rund 20 Wolfurter mit. Am 24. 6. 1812 überschritt Napoleon ohne Kriegserklärung den Njemen. Mit dabei die Preußen unter Yorck und die Österreicher unter Fürst Schwarzenberg. Die unterlegenen Russen wichen in die Weite ihres Landes zurück. Nach den blutigen Schlachten von Smolensk und Borodino besetzte Napoleon am 14. September Moskau. Nachschubschwierigkeiten und der Brand von Moskau zwangen ihn am 19. Oktober zum verspäteten Rückzug. Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der Kosaken zerrütteten die Große Armee. Nur 30 000 Mann gelang die Flucht über die Beresina. Um 16 «17. Februar 1820. JosefAnton Gantner, Königlich Bayr. Soldat, welcher im Feldzug nach Rußland hat ziehen müssen, dato für Todt erklärt worden und sein Vermögen unter die gesäzlichen Erben Vertheilt worden, in21tenJahr.» «2. April 1828 ist der Jüngling Joh. Georg Haltmeyer, Aloys, als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden und die Erste Besingnis gehalten worden.» «10. April 1828 Sind 3 Jüngling als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden Nemmlich Sebastian Schwärzler zu Steig, Martin Klocker und Joseph Köb mit 3 gegenwärtigen Prister.» «9. April 1828 ist der Ehrbare Jüngling Gebhart Köb, Examinierter Schullehrer, an einer lang tauernden Krankheit sellig entschlafen, und am Balmsonntag zur Erden Bestattet worden, und feyerliche Bestattniß gehalt worden nebst einer halbstund tauernden Leichbredig, es ist auch zugleich für sein Bruder Joseph Köb K. K. Soldat, der in Ruß gestorben und Todt erklärt worden, nebst obigem Bruder, die Besingnißen gehalten worden.» Wieder österreichisch Die Erleichterung und Freude des Chronisten klingt in seinen Berichten nun durch: «... die Festungen alle sind übergeben worden, die Militärische Truppen ziehen wider Heraus bis an die Rhein gräntzen, wo aber noch Besatzungen Liegen bleiben. Die National Garde wird widerum entlassen um nachhauß zu Kehren. Was das Glücklichste. Daß Tiroll und Vorarlberg mit Ausnahm des Landgerichts Weiler widerum Von dem unerträglichen Joch des Königs Von Bayern entlediget, und unter den Mildreichen Zepter des Hausses Österreich aufgenohmen worden, Von welchem wir 8 1/2 Jahr Entlassen Gewessen, Gott Sey Lob, Ehr und Dank. Den 6ten July 1814 Hat die Sonne Vom Hauß Ostreich unssere Gegenden das Erste mal wider Erfreuet, an welchem TagderKönigl. Kaiserliche Kommißär die Aufnahm Vorarlbergs Zu Bregenz feyrlichst befestiget, allwo die bayrische Wappen Hinweg geschah, und der Glänzende Adler wider aufgeführt worden!. . . Allwo solches Jubelgeschrey Vivat, Es Lebe der Kaiser von Ostreich, in der Ganzen Stadt Entstanden, das seyn eigenes Wort Kaum mehr gehört worden Die Ganze Stadt in allen Gassen sind mit Thännlein besetzt worden und viele der Herrlichsten Triumph Bögen errichtet, und mit Lob Sprüchlein Gezierd worden. . . . Wobey mit allen Gloken in allen Kirchen zusammen geLeuttet worden, und Ein Salve nach dem Andern von allen Militär und Stadt Commpagnien, auch die Völkerschaft von Dornbirn, von Wolfurt und Lauterach sind wider gegenwärtig gewessen. . . . Vor Freude haben Viele geweint, und Ville ge Jubelirt. 1816 den 26. Febr. als am Faßnacht Montag, ist zu Bregenz von der Bürgerschaft Zur Freude und Angedenken der So Siegreichen Schlacht bei Moskau, allwo Ponebart den rest bekommen, Ein Freudiger Rith im Kriegsordnung Vor gespielt worden. Welche durch Franzosen, Rußische und Kaiserliche Gavalery und Infanten Vorgekommen, die Schlacht gegen ein ander so Thättig gefürt, durch Mehrmaliges Hin und Her Treiben des Feindes, mit Kanonen und Muschgeten geschüzt, der gestalten, daß man Glaubte, alle Müssen zusammen geschoßen und Nider gesäbelt seyn, wobey Vielle Fenster von den Kanonen Schüßen gänzlich Verbrochen worden. Der Schaden soll sich über 70 fl belaufen haben, wofür aber nicht hat müssen bezahlt werden. Diesses Spiel ist so Schön und Herlich anzusehen, daß zu Keiner Erdenklichen Zeit solches gesehen worden. Die Haupt Rolle hat gespült H. Joseph Reiner auf dem Thamm als Rußischer Kaiser. Anno 1816 den 30ten May ist die Huldigung zu Inspruk für S. Kaiserl. Königl. Mayestät Franz des I. von Tiroll und Vorarlberg widerum abgelegt worden. . . . » Ein allerletztes Mal war dazu in den sechs Hofsteiggemeinden ein Ammann in der Person des Schwarzacher Kronenwirts Joh. Georg Haltmeyer gewählt worden. Das alte Gericht erhielt aber seine Rechte nicht mehr zurück. 19 Auch über das Ende des Franzosenkaisers berichtet der Chronist Mathias Schneider: «Anno 1813 hat man In ganz Vorarlberg ein Nationalgarde aufgeführt worden. Von 23 bis 30 Jahre Haben alle Taugliche Jünglinge müssen Hingehen, welche sich nicht mit einer Vorhin erhaltenen Looszahlung oder einer Anseßmachung haben Können ausweißen. Zu Wolfurt hat es 7 Mann genohmen: 1. FidelSchwerzler,2. Joh. Georg Guth, 3. Lorenz Stülz, 4. Fr. Jos. Rohner, 5. Joh. Georg Schwärzler Fr. Josephs, 6. Joseph Geiger Niklaus, 7. Mathias Gmeiner im Holz, dieser aber ist deserdirt.» «Napoleon ist bis Ende November 1813 wieder bis über den Rain nach Frankreich geschlagen worden. Den 10. Dezember sind die Kaiserl. Rußischen auch Kaiserl. Östereichische und sämtlich Alirte Truppen über Bassel und andern Orten in Frankreich gezogen, bis ihn Paris. Haben anstatt des Bonebart ein andern König aus der alten Königl. Famil v. Porbon gesetzt und den Bonebart nach der Insul Elba abgeschikt. Nach diesem sind die Allirten Mächte wider nach Haus zurukgekert, um dem Congres beyzu wohnen. Aber es tauerte nicht lang, 1815 ist der Bonebart von der Elba wider mit einer gewafneten Kriegsmacht nach Frankreich gekommen, und den Neugestellten König wider in die Flucht genöthiget, und einen solchen Anhang Vom Volke bekommen, daß die Alirten Mächten genöthiget wurden, abermal nach Frankreich zu Ziehen, und auch glüklich wider hineingekommen, die Bonebartische Macht gänzlich geschlagen und den Bonebart, welcher Ville Wochen gahr Vermißt gewessen, bis er wider aredirt und wider nach einer Insul St. Helena Trazbortirt worden, und Entlich alldort gestorben.» 18 «Anno 1817 den 1. Mai ist Vorarlberg widerÖstreichKaiserlich geworden, und Profisorisch aufgehört, Gott sey Lob und Dank. NB. Aber es ist nicht Viel Gutes erfolgt, seine Mayestät der Kaiser hat wohl ein Vertröstung schriftlich Heraufgegeben, aber es ist nicht erfolgt! Was der König von Bayern unter seyner Regierung Ein Gricht, welches ihm einträglich war, ist nicht mehr geändret worden. Zum Exempel. Vor hero haben wir für klein Zehend an die Mehrerau nur 22 fl bezahlen müssen; bei der Regierung des Königs von Bayern haben wir den klein Zehend in Natura entrichten müßen, unter diesem ist Verstanden Erdäpfel, Kraut, Hanf, Flachs, Ops, welches Jährlich Cirga 180 fl ausmacht anstatt 22 fl. So ist aber, da wir wider Kaiserl. geworden, nicht mehr das alt recht gestattet. . . . » Die von den Bayern eingeführten Gemeinden blieben bestehen. Unser Chronist Mathias Schneider wurde noch als 72jähriger im Hungerjahr 1817 der erste «österreichische» Vorsteher der Gemeinde Wolfurt. In der Bayernzeit hatten vor ihm Joh. Georg Fischer aus Spetenlehen und dann kurze Zeit Johann Flatz das Amt inne. Im Volk erzählte man noch lange Jahre von den schrecklichen Ereignissen im russischen Winter von 1812. Hunger, Leid und Zorn entluden sich in fürchterlichen Ergüssen. Noch 100 Jahre später schrieb uns Mathias Schneiders Enkel Ferdinand Schneider im Jahre 1912 einen solchen Text auf: Napoleons Titel anno 1814 herausgegeben. Wier in Gottes Zorn gemachter von der Insel Corsica heraus geschleudert, mit der blutigen Kappe gekrönter Kaiser der Franzosen, Ritter deß schwarzen Rabens Orden, Hauptanführer einer großen furchtbaren Räuberbande, Wurgängel der letzten Raste der unglücklichen Könige und Familien in Frankreich, Großheuchler in Egibten, Thron und Krön Räuber der Königreiche Neapel und Spanien, Banco Räuber von Hamburg Heiligthums, Schänder in Hanover, Thron umwälzer und unersätlicher Wolf in Deutschland, Königlicher Pferddieb in Berlin, Scherpfen Degen und Ringkragen Dieb, Riegel und Siegel aufbrecher deß grünen Gewölbes in Dresden, Erzblünderer aller fürstlichen Schatzkammern, groß Schatzausräuber in Haßenkaßel, groß BeutelSchneider und groß Verderber in Pohlen, Blutigel in Holland, gemeinde Vermögen Verblünderer und Wütrich in Frankreich, berichtigter Freibeiter all deß auf dem Continent sich befindlichen Englischen Eigenthums, Wiederhersteller deß Robespirischen Sistem, Bestürmer und Mordbrenner von Europa, vermummter Bandit der ganzen Erde, und wirklich bestellter Erzengels Satan, auch erster besitzer der höllischen Legion und verworfener Scheusal der Menschen.» Abgesehen von all den geschriebenen Bosheiten muß man doch staunen, welche Fülle von geographischen und historischen Kenntnissen — von Ägypten bis Robespierre — in diesen Text eingearbeitet wurden, die das Volk auch ohne Zeitung und Fernsehen schon kannte. Wir dürfen hoffen, daß der große Tote von St. Helena und der kleine Dichter all dieser «Tittel» einen gnädigen Richter gefunden haben! 20 Die drei Heimkehrer Von etwa 20 Wolfurter Burschen waren also 1813 nur drei dem Grauen des russischen Winters entkommen. Michael Köb, 1790-1878. Die Familie Köb stammte aus Bildstein und lebte im Haus C 227 in Rickenbach. Das Haus «Stases im Lo» ist 1908 mit der Lenz-Fabrik abgebrannt. An seinem Platz steht jetzt das Doppelmayr-Bürogebäude. 1810 wurde der 20jährige Michael Köb zum 7. bayrischen Infanterie-Regiment eingezogen. Von Kempten aus marschierte er 1912 nach Rußland und kehrte gesund wieder heim. Als Zimmermann lebte er ab jetzt im Vaterhaus. Dreimal heiratete er. Nach dem Tod seiner ersten Frau Theresia Fehle ehelichte der 61jährige seine zweite Gattin Magdalena Rusch und wurde ein Jahr darauf Vater. Als 67jähriger Witwer heiratete er ein drittes Mal und starb erst 1878 im Alter von 88 Jahren. Seine einzige Tochter Anastasia «Stase» heiratete einen Ferdinand Müller aus Langen. Ihre Söhne Gebhard 1875 und Ferdinand 1889 («Mühlemacher Ferde») müßten den älteren Rickenbachern eigentlich noch bekannt sein. Martin Rohner, 1790—1864 Das Pfarrfamilienbuch nennt bei den drei Söhnen des Joh. Baptist Rohner «an der Kirchstiegen» drei bemerkenswerte Berufe: 1. Franz Joseph Rohner, 1789 «miles» (Soldat) 2. Joh. Martin Rohner, 1790 «chirurgus» (Wundarzt) 3. Johannes Rohner, 1794 Waffenschmied Keiner von den drei Kriegern blieb am Dorfplatz daheim. Das Haus C 46 wurde vom nächsten Besitzer zum «Rößle» umgebaut. Jetzt steht dort das Pfarrheim. Martin Rohner wurde als junger Student der Chirurgie zur französischen Armee eingezogen. Aus dem Rußlandfeldzug von 1812 heil heimgekehrt, beendete er seine Studien und wurde Gemeindearzt in Alberschwende. 1827 heiratete er Anna Maria Gmeiner, die Tochter des Wolfurter Gemeindearztes Joh. Gg. Gmeiner (1766—1827) und Großnichte des streitbaren Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner, der die große Pfarre geschickt durch Franzosen- und Bayernzeit gesteuert hatte. Er übernahm die Praxis seines Schwiegervaters im Haus C 143 im Strohdorf («Böhler Ottos Haus» auf dem Sternenplatz ist 1949 abgebrannt). Viele Jahre war er ein geachteter Gemeindearzt. Gern erzählte er von seinen Kriegserlebnissen und galt als Original, weil er dabei auch französisch und russisch fluchte. Über seinen ausdrücklichen Wunsch wurde er nach seinem Tode 1864 von Kriegs-Veteranen zu Grabe getragen. Der alte Rußland-Heimkehrer Michael Köb ging mit dem Grabkreuzlein an der Spitze des Zuges. 21 Von Dr. Martin Rohners Kindern waren ein Sohn und eine Tochter nach Amerika ausgewandert. Sein zweiter Sohn Dr. Ferdinand Rohner (1839—1909) führte die Gemeindearzt-Praxis im Strohdorf fort. Vier Töchter hatte er, die alle «gute Partien» machten. Anna Maria, 1865, übersiedelte mit dem Holzhändler Lorenz Dür nach Hard. Rosalie, 1868—1927, heiratete den Fergger Fidel Gmeiner in Unterlinden und wurde die Mutter der «Kartonagen-Fideles». Maria Anna, 1872, wurde die Gattin des Wolfurter Oberlehrers Mathias Wächter. Von ihren 7 Kindern wurde Julius Bürgermeister von Bregenz und Festspielpräsident. Auch Frau Brigitte, die Gattin unseres Bildhauers Albrecht, ist eine Enkelin. Engelberta, 1881, heiratete den angesehenen «Büchele-Beck» Anton Büchele, der Adlerwirt beim Rathaus in Bregenz, der als Schützenmajor auch die Wolfurter Standschützen 1915 in die Dolomiten führte. Von seinen Kindern hat Anton Büchele die letzten Lebensjahre im Oberfeld verbracht. Michael Schneider, 1791—1827 Er war der Sohn unseres Chronisten Mathias Schneider(1745—1833), der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser, Wuhrmeister und schließlich als Gemeinde-Vorsteher in ganz Hofsteig hohes Ansehen besaß. Sein Haus «an der Kirchgassen» (heute Kirchstraße 29) ist 1907 abgebrannt. Von den 18 Kindern aus zwei Ehen des Mathias Schneider stammen viele Wolfurter Familien ab, darunter Lehrer Köbs («Meßmers» und «Malers») und «Sammüller»-Böhlers. Etliche Schneider-Familien wanderten um 1850 nach Amerika aus, der letzte Namensträger in Wolfurt war der «Numerant» Ferdinand Schneider (1841—1917), der uns die bedeutende Schneider-Chronik 3 hinterließ. Wie es dem Michael Schneider auf dem Feldzug in Rußland ergangen ist, hat uns sein Vater geschildert. (Siehe weiter vorn auf den Seiten 16 und 17!). Als Soldat war er in der Garnisonsstadt Augsburg heimisch geworden. Nach dem glücklich überstandenen Krieg kehrte er dorthin zurück. Er übte den anspruchsvollen Beruf eines Blättersetzers aus. Ein «Blattmacher» fertigte Kämme für die damals wichtigen Handwebstühle an und mußte mit einem besonderen Eid deren Qualität beschwören. Sein Sohn Mathias Schneider (1826) zog von Augsburg nach Regensburg und gründete dort als Glasmaler eine bedeutende Firma, die Kirchenfenster für Bayern, aber auch nach Wien und nach Ungarn lieferte. Im Jahre 1885 fertigte er die drei schönen Chorfenster (Mutter Gottes, St. Gallus und St. Gebhard) für die Kapelle in Rickenbach an. Sein Bruder Josef Anton Schneider (1827—1898) wurde Drechslermeister in Augsburg und begründete eine geachtete Familie. Sein Urenkel Dipl.-Ing. Josef Schneider hat 1990 Wolfurt besucht und von seiner umfangreichen Ahnenforschung berichtet: 22 Die Industrialisierung brachte um 1870 auch in die Handwerkerfamilie Schneider große Not. Großvater Jakob Josef Schneider (1858—1934) trat daher als Modelldrechsler in den Dienst der aufstrebenden MAN-Werke Augsburg, wo auch fünf von seinen Söhnen Arbeit fanden. Darunter war Josef Schneider (1889—1983), der als Modell-Schreinermeister 47 Jahre lang im Werke arbeitete. Er konnte ein Haus kaufen, das allerdings in den Bombennächten von 1944 völlig zerstört wurde. Sein Sohn Josef Schneider (1917) durfte studieren und war dann 48 Jahre für M A N tätig. Als Ober-Ingenieur leitete er zuletzt die Abteilung für Werkplanung. Das Erbe der Schneider aus Wolfurt lebt nun fort in seinem Sohn Dr. Thomas Schneider (1953), der als Geograph unterrichtet. Die Familie widmet sich auch dem Malen und der Musik, immer noch, wie vor Napoleons Zeiten, als die Schneider den Hausnamen «Maler» bekamen. Wenn die Chronik unseres 20. Jahrhunderts einst vom Kriegsgrauen im russischen Winter von 1943 berichtet, dann hoffentlich auch mit dem versöhnlichen Ende, daß Malen und Musik schließlich die Kriegsschrecken überdauern! 23 Siegfried Heim Vor 100 Jahren Lehrers Engelbert und seine Zeit. Auszug aus einem Vortrag am 12. November 1990 über den Chronisten Engelbert Köb und seine Familie. Köbs auf dem Bühel Die drei größten Wolfurter Geschlechter sind die Böhler mit 152 Namen im Blauen Buch von 1989, knapp gefolgt von den Köb mit 149 Namen. Weit abgeschlagen liegen die Mohr mit immerhin 94 Namen. Ihnen folgen die übrigen 7.000 Wolfurter mit mehr als 1100 Namen, im Durchschnitt also etwa 6 Namensträger pro Geschlecht. Die Mohr gehen alle auf einen Stammvater zurück, Johann Jakob Mohr, der um das Jahr 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Die Böhler gibt es schon seit 400 Jahren ununterbrochen im Dorf. Darüber hinaus haben sie ständig Zuzug aus Bildstein und Buch bekommen. Die Köb finden sich schon 1650 sehr zahlreich in Bildstein und Buch, aber erst 1760 taucht der erste Namensträger in Wolfurt auf. Ihm folgen nun rasch viele andere, die in Wolfurt bedeutende Familien gründen. Einer ist Franz Xaver Köb aus Hag-Bildstein (1777-1859) der im Schloß Wolfurt mit seinen 12 Kindern die Sippe «Schloßburos» begründet. Ein anderer ist Jakob Köb (1761-1840) aus Gallin in Bildstein, der «Galler». Er heiratet 1788 die einzige Tochter des Schreiners Martin Haltmeyer, Auf dem Bühel (jetzt Nr. 1). Es wird der Stammvater all der vielen Wolfurter Köb-Familien, die wir heute mit den Hausnamen «Gallars, «Schrinars uf om Bühol», «Lehrars», «Molars im Strohdorf», «Meßmars», «Seppatones» und «Hilares» benennen. Von Jakob Köbs 13 Kindern starben die meisten schon als Kleinkinder. Sohn Joseph erfror mit Napoleons Großer Armee 1812 in Rußland. Sohn Gebhard Köb starb tief betrauert als junger Wolfurter Schullehrer. 24 Sohn Martin Köb jedoch führte die Schreinerei des Vaters auf dem Bühel fort. Seine Nachkommen «Schrinars», bewohnen das Haus noch heute, also mehr als 200 Jahre lang. Allerdings mußten sie nach dem Großbrand von 1911 in ein Nachbarhaus ausweichen, bis sich Bernhard Köb um 1950 wieder auf dem alten Platz beim Bühel-Brunnen ansiedelte. Jakobs vierter Sohn Michael Köb, 1794-1852, wurde wie sein Vater und sein Bruder ebenfalls Schreiner- und Glasermeister. Neben dem Elternhaus erbauter er an der Landstraße im Oberfeld 1826 ein neues großes Haus (heute Hintereggers, Oberfeld 2). Mit seiner Frau Agatha Dietrich hatte er dort 9 Kinder. Diese Agatha scheint eine besonders unternehmungslustige Frau gewesen zu sein. Im Landesarchiv gibt es eine Notiz (gefunden von Chr. Volaucnik), wonach sie mit einem Compagnon Krüsy aus Bregenz 1835 in der alten Schmiede auf dem Bühel eine Baumwollfabrikation begonnen hat. Während aber zur gleichen Zeit Baumwollfabriken in Kennelbach und Dornbirn ihre Besitzer reich machten, hörte man vom Wolfurter Untenehmen bald nichts mehr. Michael Köb mußte 1840 sogar sein Haus verkaufen und an die Ach in «Hansmarteies» Haus an der Bützestraße übersiedeln. Dort starb er schon 1854. Nun mußte seine Witwe Agatha auch dieses Haus aufgeben und mit ihren 9 Kindern in die baufällige Schmiede auf dem Bühel ziehen. An dem schönsten Platz im Wolfurter Kirchdorf, wo heute die Villa Köb über dem Dorfplatz aufragt, setzte sich die «Galler»-Familie jetzt fest. Von Ihren Söhnen übernahm später Josef Anton Köb (1837-1919) das Haus und den Hausnamen. Er war Vater bzw. Großvater der bekannten Wolfurter Brunnenmacher Gallers Seppl und Gallers Erich und Urgroßvater der Aichholzer-Söhne, die wieder wie einst ihr Stammvater Jakob das Schreinerhandwerk ausüben. Lehrers Einen anderen Hausnamen gewann aber der ältere Galler-Sohn Johann Martin Köb (1831-1884), der «Lehrer». Eigentlich war er ja Schreiner und Glaser wie seine Vorfahren. Er arbeitete auch täglich in der Werkstatt. Daneben diente er noch dem Pfarrer im Ehrenamt als Mesner. In den sieben Wintermonaten aber vertrauten ihm die Wolfurter ihre großen Buben in der alten zweiklassigen Schule im Strohdorf an. Mit ihnen übersiedelte er noch als Unterlehrer für 10 Jahre auch in die 1872 errichtete (und 1979 abgebrochene) neue Volksschule. Der Chronist Lorenz Gunz berichtet ausführlich, wie er von seinem Lehrer Köb 12 saftige Tatzen bekam, und schließt dann: «Der Lehrer war ein braver Mann, ist 1884 gestorben, der Herrgott möge sein Tröster sein!» 25 Auch der Chronist Engelbert Köb erzählt nachdenklich aus dem Lehrerleben seines Vaters, als er den Funken im Oberfeld und die Funkenküchle beschreibt: «Es war Brauch, daß jedes Schulkind seinem Lehrer ein Geldgeschenk überbrachte. Die Ärmeren gaben 4, 10 oder 20 Kreuzer, die Besseren auch einen Gulden. Man betrachtete dies als Aufbesserung des damaligen schlechten Lehrergehaltes. Für diese paar lumpigen Gulden mußte der Lehrer den Alten das ganze Jahr schön tun.» Die Wolfurter mochten ihren «kleinen Lehrer» sehr gern. Um 1880 mußten alle Lehrer Prüfungen nach dem neuen Reichsvolkschulgesetz ablegen oder ihren Posten aufgeben. So erhielt auch der fünfzigjährige Lehrer Köb die Kündigung. Als 1882 Kaiser Franz Joseph nach Bregenz kam, ging der neue Pfarrer Joh. Gg. Sieber namens der Gemeinde zu ihm in den Österreichischen Hof und erreichte in einer Audienz tatsächlich, daß dem alten Lehrer die Prüfung erlassen wurde. Das Geld war also immer knapp beim Lehrer Köb, aber er gewann einen großen Schatz in seiner jungen Frau Agatha, die er aus der Feldstraße zu sich herauf in die alte Schmiede geholt hatte. Agatha Schneider (1829-1916) war eine Tochter des ersten Hirschenwirts Hilar Schneider und eine Enkelin des Gotteshausammanns Mathias Schneider, der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser und Vorsteher in Hofsteig großen Einfluß besessen hatte. Etliche Schneider waren Maler und sie trugen auch den Hausnamen «Malers». Es ist nicht überraschend, daß Lehrers Buben von ihrer Mutter Agatha mit der Begabung und der Freude am Malen auch den Hausnamen «Malers» weitertrugen. In 12 Jahren gebar Frau Agatha 9 Kinder. Das erste, Josefa I., starb bei der Geburt 1861. Jetzt kamen hintereinander fünf Buben: Seppatone 1862, Hilare 1863, Engelbert 1864, Johann 1866 und Ludwig 1867. Auf Tochter Sefa II. 1870 folgten noch der sechste Bub Albert 1872 und schließlich Theresia 1873, die schon mit neun Jahren starb. Längst war in der Schmiede neben den vielen Geschwistern des Lehrers für die Kinder zu wenig Platz. Da konnte er 1874 das Nachbarhaus (heute Meßmers, Auf dem Bühel 3) erwerben und mit seiner Familie dorthin übersiedeln. Aber schon 1884 starb er, erst 53 Jahre alt. Seine sechs Söhne, von ihrer hochverehrten Mutter Agatha geleitet, wurden tüchtige Leute, die in Wolfurt einiges zu wege brachten, besonders als sie alle später mit der Stickerei zu Geld gekommen waren. Josef Anton Köb, gest. 1949, war Zimmermann. Er erbaute 1900 das Haus Bucherstraße 2. Von seinen Kindern erinnern wir uns besonders an Alfons in Bregenz, an den Gemeinderat Willi und an Frau Resi Rist. 26 Hilar Köb, gest. 1925, war Schreiner. Sein 1892 erbautes Haus (Auf dem Bühel 5) war nach wenigen Jahren abgebrannt. Da baute er es schöner im Jugendstil wieder auf. Von seinen Kindern wurde Engelbert nach dem Götte benannt. Engelbert Köb, gest. 1915, war Maler. Zuerst erbaute er 1890 ein Haus an der Bucherstraße (heute Nr. 3, Ciaessens). Dann erwarb er 1907 sein erstes Elternhaus, die alte Schmiede. Er brach sie ab und schmückte unser Dorf mit seiner schönen Villa «Lug aus». Über sein Leben berichtet der nächste Abschnitt. Villa «Lug aus» wurde von Engelbert Köb 1907 auf dem Platz der ehemaligen Dorfschmiede zwischen der Landstraße und der Bucherstraße erbaut. 27 Johann Köb, gest. 1938, war Bauer und Meßmer im zweiten Elternhaus (Auf dem Bühel 5). Als es 1911 abbrannte, baute er es neu auf. In zwei Ehen hatte er zusammen 17 Kinder. Davon nenne ich nur Köbo Tone, den Elektriker, und Frau Klara Bilgeri, aber auch Paula, Adelinde, Albert, Kaspar und Ludwig. Ludwig Köb, gest. 1943, Sticker und Standschützenhauptmann. Er erbaute 1893 das große Bürgerhaus an der Kreuzstraße (jetzt Nr. 1, Rohner). Er war kinderlos verheiratet und nahm seine Schwester Sefa, gest. 1952, zu sich. Albert Köb, gest. 1914, war ebenfalls Maler. Er erwarb 1902 die alte BildsteinSchmiede im Strohdorf und baute sie zu einer Stickerei um. 1911 begann er dort den Gemischtwarenhandel, den wir alle als «Molars Lado» in Erinnerung haben. 1899 war er einer der Gründer des Kathol. Arbeitervereins und ein wichtiger Funktionär. 1909 gründete er den christlich-sozialen Turnerbund, den er bis zum Weltkrieg führte. In dieser Zeit betrieb er auch den Bau des Vereinshauses. Als einer der ersten rückte der 42jährige Familienvater 1914 in den Krieg ein. Bei Przemysl ist er gefallen. Von seinen sechs Kindern nenne ich Paul, Vizebürgermeister und Turnerobmann, Martha, Albertina und s'Annele in Röthis. Werke von Weizenegger und die seines Urgroßvaters Mathias Schneider, aber auch die Chronik seines Vetters Ferdinand und die Arbeiten seines Oberfelder Freundes Kaspar Schwärzler, der die Geschichte der Ritter von Wolfurt erforscht und als erster im Völkskalender von 1898 darüber berichtet hatte. Köb schrieb auch über Hofsteig und hielt das Haus «Blazes Veres» Nr. 231 (heute Wurzer, Rutzenbergstraße 2) für den Hof zu Steig. Schon als 18jähriger interessierte er sich füt das Gemeindegeschehen: «1882. Die Gemeindekanzlei wird errichtet und Lorenz Schertler als Gemeindeschreiber angestellt. Oberlehrer W. Rädler hat das Hauptverdienst am Zustandekommen derselben. Bisher hatte der jeweilige Vorsteher alle Schriftstücke und Akten in seinem Hause herumzuliegen. Wenn dann ein anderer Vorsteher wurde, so wurden ihm auf Gerathewohl einige Körbe voll übergeben. Auf diese Weise giengen viele wichtige alte Aufschreibungen verloren.» Weil sein Vater, der Lehrer Köb, auch Mesner war, nahm Engelbert besonderen Anteil an der Umgestaltung der Kirche, die der neue Pfarrer Sieber begonnen hatte: «1882. Da der Friedhof vergrößert wird, so muß der Pfarrhof, welcher etwa 10 Meter nahe bei der Sakristei steht, auch weichen, er wird abgebrochen. Es war ein geräumiger Holzbau an sonniger Lage beim Tobel Stiegele. Ein großer Garten mit Laubengängen war dabei, und der ganze Bühel gegen das Tobel war mit Reben angebaut. Schreiner Lenz hat den Bau ersteigert, und in Rickenbach wieder aufgebaut. Bis zu dieser Zeit hatte jede Verwandtschaft ihre bestimmten Gräberplätze. Grabsteine waren bisher wenige, sondern meistens Schmideiserne Kreuze mit Thürlein. Pfarrer Sieber ließ diese Kreuze entfernen, er sagte: Im Sommer stand das Gras immer so hoch, das man kaum die Kreuzlein sah. Mein Vater als Meßner mähte von Zeit zu Zeit den Friedhof für unsere Gaißen ab. Diese Friedhof-Idylle verschwand jetzt durch Erweiterung anno 1882.» 1890 erhielt Engelbert vom Pfarrer einen besonders großen, ehrenvollen Auftrag. Für 1200 Gulden sollte er die ganze Kirche neu ausmalen. Er führte das Werk zur allgemeinen Zufriedenheit aus. Weil allerdings das Geld des Stifters ausblieb, mußte er warten, bis die Gemeinde die Kosten übernahm. Alte Fotos lassen uns bedauern, daß die kunstvollen Malereien im Jahre 1938 einfach übertüncht worden sind. 1892 zeichnete Köb den Plan für einen neuen Hauptaltar als Fassung für das große Flatzbild Maria Krönung. Gemeinsam mit seinem Bruder Hilar, dem Schreiner, führte er auch die ganze Arbeit durch. Nur die Stecharbeiten wurden an den Bildhauer Gaudel in Bregenz übertragen. 29 Engelbert Köb, Maler und Chronist «Lehrers» Engelbert war also dritte von sechs Buben. Er ist 1864 geboren. Als 17jähriger Malergeselle ging er vier Jahre auf die Walz nach Süddeutschland und anschließend drei Jahre zum Militär. 1890 heiratete er Theresia Fischer, «s'Ammas» im Röhle, und bezog mit ihr sein neues Haus an der Bucherstraße, wo sie ihm fünf Kinder schenkte. Ernst, der älteste, ist in Amerika gestorben. Hubert, den jüngsten, haben wir alle noch als den Besitzer der Villa «Lug aus» gekannt. Er ist 1988 gestorben. Engelbert Köb tat unendlich viel für unser Dorf Wolfurt, als angesehenes Mitglied mehrerer Vereine, als Maler und Kunstmaler, als erster Fotograf, vor allem aber auch als Erster Gemeinderat - Vizebürgermeister würde man heute sagen. Von 1903 bis zu seinem Tode 1915 hatte er die Stelle inne. Von besonderem Wert ist seine «Chronik über Wolfurt». Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Chronikschreiben in Mode gekommen. Sicher hatten daran die Aktivitäten des Museumsvereines, aber auch das Casino im Dorf und der Liberale Leseverein in Rickenbach ihren Anteil. Von den drei Schneider-Chroniken ausgehend schrieben jetzt neben Lehrers Engelbert auch der Altadlerwirt Fischer, der Kreuzwirt Haltmayer, der Müller Gunz und der Postmeister Böhler ihre Privat-Chroniken. Engelbert Köb kannte und zitierte die 28 Friedhof vergrößert und die Kirche innen renoviert. Er war auch ein sehr politischer Pfarrer, der der Casino-Bewegung gegen die Liberalen in Wolfurt endgültig zum Durchbruch verholfen hatte. 1902 Die Bregenzerwaldbahn wird eröffnet. «Es ist ganz merkwürdig, daß Wolfurt immer daneben kommt.» Zuerst bei der Fabrik, dann bei der Vorarlberger Bahn. «Die Wolfurter fürchteten, sie sei gefährlich wegen dem Vieh und es sei schade um die Felder.» Nun fuhr auch noch das Bähnle auf der falschen Seite der Ach. «Auf diese Weise bleibt Wolfurt immer zurück.» 1904 jubelt der Chronist über die Einweihung der neuen Brücke nach Kennelbach und anerkennt die Verdienste von Oberlehrer Rädler für dieses großartige Bauwerk. Im gleichen Jahr bestellte der neue Pfarrer Nachbauer die herrliche Bronzeglocken. Engelbert Köb war selbst beim Guß in der Firma Graßmayr in Feldkirch dabei und schildert alles ausführlich, auch daß der Pfarrer die 43.000 Kronen leicht aus Spenden der Sticker herein brachte. Nur «Die besseren Rickenbacher waren zu dieser Glockenanschaffung nicht gut zu sprechen und zahlten auch nicht dazu.» Die alten Glocken von 1805 mit der Inschrift: «Custodi nos Domine a Farne Peste et Bello» wurden am 14. Juli 1905 im Turm droben in Stücke geschlagen. «Ich habe dabei zugesehen, und es tat einem im Herzen wehe, wenn eine Glocke nach der anderen mit einem grellen Mißton zusammenbrach.» Das alte Bittgebet von Pest, Hunger und Krieg scheint dem Chronisten vertrauter gewesen zu sein als die romantischen Sprüche auf den neuen Glocken. («Ich bin die Glocken Königin und brumme über Wolfurt hin». Siehe Heimat 4, Seite 70!). Jedenfalls schweigt er sich über die neuen völlig aus. In den Jahren bis 1910 berichtet er nun vom Höhenflug und Absturz der Stickerei, aber auch von Schneeund Wassernot. (Siehe Heimat 5, Seite 35f!). 1911, 29. Oktober Einweihung des neuen Friedhofs mit den schönen Arkaden. Die Kosten von 32.000 Kronen wurden bei der Versteigerung der Arkaden fast voll hereingebracht. Eine Arkade kostete 600 bis 1000 Kronen. Die Pläne von Architekt Rusch in Bregenz hatte der Maurermeister August Klien ausgeführt. Die Pfarrkirche wurde von Engelbert Köb 1890 ausgemalt. Auch die Altäre entwarf er. Links sieht man die Grödner Krippe von 1913. Um die Jahrhundertwende ist der Maler Köb vom Elektrischen Licht und von der Einführung der Stickmaschinen ebenso begeistert wie seine Brüder, die zu den ersten gehören, die sich in Wolfurt «Frankenmühlen» anschaffen. (Siehe Heimat 5, Seite 34!) Schon 1896 und 1897 hatten die Gebrüder Gunz für ihre Mühle und Doppelmayr für seine Schlosserei ein E-Werk gebaut. Ihre Rechte am geplanten Kraftwerk Schwarzach und am Netz Schwarzach-Wolfurt traten sie 1899 an Albert Loacker ab. Bald betrieben nun die vielen Sticker in Wolfurt, angeführt von den Brüdern Köb und ihrem Schwager Bildstein, ihre Maschinen mit Elektromotoren. Wegen einiger Störungen kam es zu Differenzen, die Friedrich Schindler mit seinem Kraftwerk Rieden noch schürte. Als Erster Gemeinderat leitete Engelbert Köb gemeinsam mit Wendelin Rädler die Verhandlungen, die schließlich mit einem alle Seiten befriedigenden Ausgleich endeten. 1901 berichtet Köb, daß Wolfurt nun 2070 Einwohner hat, davon sind 239 italienische Fabriksarbeiter. 1902 erzählt er vom 50jährigen Priesterjubiläum des Pfarrers Joh. Georg Sieber (1826-1902). Die Gemeinde ernannte den greisen Priester zum Ehrenbürger. Sieber hatte nicht nur den Pfarrhof neu erbaut, den 30 31 In die Berichte über Feste, Theater und Aufbauleistungen mischt sich zu Weihnachten 1912 plötzlich ein fremder schriller Ton: «Grüne Weihnachten. Der Vollmond scheint so schön auf diese krumme Welt herunter, als ob hier alles in Ordnung war, dieweil spuckts gewaltig mit dem Frieden auf Erden. Man redet von einem Krieg Österreichs mit Serbien und ist, wie es scheint, schon auf beiden Seiten gerüstet. Die Geschäfte gehen sehr schlecht. Die Fabriken verkürzen die Arbeitszeit und entlassen Arbeiter. Die Stickerei ist ebenfalls ganz auf dem Hund wie noch nie.» Das Jahr 1913 wurde ein Notjahr: Arbeitslosigkeit griff um sich. Ein Frost vernichtete die gesamte Obsternte. Der Rickenbach überschwemmte mehrmals das Ried. Maul- und Klauenseuche befiel die Rinder. Fünf Häuser brannten nacheinander ab. Ein Lichtblick am Jahresende: «Die Kirche Wolfurt erhielt eine neue Krippe, gespendet von Jungfr. Franziska Dür. Diese Krippe wurde in Gröden gemacht und soll 1200 Kronen kosten.» «1914. Für die Gemeindekanzlei wurde eine Schreibmaschine angeschafft und Telefon eingerichtet.» Der Maler Engelbert Köb verschweigt bescheiden, daß er selbst den Ölberg so schön ausmalte, daß fast 80 Jahre lang viele 100 Wolfurter Kinder andächtig diese Szenerie bewunderten. Um diese Zeit stand er auf dem Höhepunkt seiner Malkunst. Mit ungeheurem Aufwand hatte er seine Villa «Lug aus» zu einem Schmuckkästchen ausgemalt. Herrliche Ölgemälde mit Wolfurter Motiven schmücken die Wände. Solche Wandbilder malte er nun auch für die Gaststuben im Schwanen und im Rößle. Im Eingang der Klöpplerei Fischer bewunderten wir das herrliche Schloß «Miramare», das der unglückliche Kaiser Maximilian von Mexiko für seine Frau Charlotte bei Triest erbaut hatte. Auch eine Reihe von gerahmten Ölbildern und Aquarellen sind erhalten. Engelbert Köb hatte sich auch den ersten Fotoapparat in Wolfurt angeschafft. Seine Aufnahmen vom Dorfgeschehen sind wertvolle Zeitdokumente geworden. Ein Teil seines Plattenarchivs ist im Fotobuch «Wolfurt in alten Bildern» veröffentlicht worden. In Köbs Aufzeichnungen tauchen immer wieder die Wolfurter Vereine auf, in denen er und seine Brüder vielfach führend tätig waren. Als Gemeinderat waren sie ihm ein großes Anliegen. Wenn er sie im Jahre 1912 aufzählt, ist ihre Reihenfolge bezeichnend für jene Zeit: «Militär-Veteranen-Verein Standschützen Musik Verein Gesang Verein Feuerwehr Kath. Arbeiter Verein Zwei Turn Vereine Bienenzucht Verein Obstbau Verein Jugendhort Handwerkergenossenschaft Stickerbund Pius Verein Mütter Verein Jungfrauen Congregation Zwei Consum Vereine Zwei Spar- und Vorschuß Vereine Zwei Sennerei Genossenschaften Dann kommen noch Viehzuchtgenossenschaft und noch manches andere.» In den Krieg! Schreibmaschine und Telefon: «in unser verlaßenes Dorf am Steusberg», Symbole einer neuen Zeit, die des Chronisten geliebte stille Heimat nun bald schrecklich aufwühlen wird. Am 1. Juli 1914 rückten Musik, Veteranen und Schützen mit der gesamten Bevölkerung zur Trauerfeier für den in Sarajevo ermordeten Thronfolger aus. Nach dem Gottesdienst spielte die Musik auf dem neuen Friedhof das «Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!» «31. Juli 1914. Es ist 6 Uhr früh. Stöaglers Seppl, der Gemeindediener, steht schon am Kirchplatz und schellt aus Leibeskräften. Es sind noch wenige Leute zu sehen. Von der Kirchenstiege kommen etliche Frauenspersonen aus der Frühmesse. Der Todtengräber Sepp kommt mit langen Schritten vom Tobel herunter, um zu sehen, was schon los ist. Nachdem etliche Personen gekommen waren, zeigt der Gemeindediener auf einen großen Zettel an Hansens Haus und sagt: 33 1912 fand die erste Viehausstellung in Wolfurt statt, bei der 140 Stück aufgetrieben wurden: «Es sah aus wie halber Feiertag. Nach der Prämierung war Umzug mit den prämirten Thieren. (Strohdorf - Hub). Selbverständlich that die Musik beim Umzug auch mit, denn ohne Musik festet der Wolfurter überhaupt nicht.» 32 Die Krieger waren durchwegs in gehobener Stimmung, mancher hatte sich Muth angetrunken, um sich den Abschied zu erleichtern. Musik und Veteranen waren ebenfalls gekommen, um die Scheidenden bis Bregenz zu geleiten. Jetzt wars Zeit zum Abmarsch. Die Krieger riefen nochmals Abschiedsworte und schwangen die Hüte. Dann hieß es: Doppelreihen, rechts um, Marsch! und hinaus giengs zum Dorf unter den flotten Märschen der Musik. Man stimmte wohl auch Lieder an, doch hatte es damit.» Köb schildert dann noch die Stunden des Abschieds am Bregenzer Bahnhof und schließt: «Als der Zug in der Ferne verschwunden war, wischten sich viele der Zurückgebliebenen verstohlen die Augen und sagten sich: Mancher, mancher wird nicht mehr kommen . . . » Es folgt ein genaues Verzeichnis der 100 Männer, die am 1. August aus Wolfurt direkt an die Front nach Serbien oder nach Galizien einrückten. Die ältesten vom Jahrgang 1972 waren 42 Jahre alt, die jüngsten (1893er) 21 Jahre. Freiwillig rückte der 19jährige Josef Mohr mit ein. Nur wenige waren Kaiserjäger, die meisten Wolfurter hatten ihre dreijährige Militärdienstzeit in den Garnisonen Südtirols und Trients als Kaiserschützen abgedient. Nun wurden ihre Kompagnien in den Angriff auf Serbien geführt oder den vorrückenden russischen Armeen entgegengeworfen. Sie erlitten furchtbare Verluste. Nach einem halben Jahr hatte der Chronist schon zu vielen Namen geschrieben: gefallen, vermißt, in russischer Gefangenschaft. Darunter waren etliche Familienväter mit 5, 7 oder 8 Kindern. Schrecklich hatten sich die düsteren Ahnungen bewahrheitet. Auch daheim hatte sich vieles verändert: «Mitte August 1914. Es hat plötzlich aller Verdienst aufgehört; die Stickereien sind alle geschlossen. Selbst die Kennelbacher Fabrik beschäftigt ihre Leute nur noch 3 Tage in der Woche. Die Leute sind sehr niedergeschlagen und traurig. Man hat noch nie so viel gebetet wie jetzt.» «21. August 1914. Es wird die schwarze Fahne vom Kirchturm ausgehängt. Papst Pius X. ist gestern gestorben. Die Leute sagen: As kut doch Alls z'sämmet.» Durch kaiserlichen Erlaß wurden nun die Sportschützen, die nach alter Vorarlberger Tradition auf ihren Dorfschießständen gelernt hatten, mit dem Gewehr umzugehen, über Nacht in Militärverbände umgewandet und zur LandsturmReserve erklärt. 35 Jetzt wurde es aber auf einmal lebendig im Dorfe. Man rennt hin und her und überall stehen Leute beieinander und überall heißt es Radfahrer und Fußgänger eilen in die Gemeindekanzlei und fragen: Auf dem großen Zettel steht, daß auch der Landsturm bis zu 42 Jahren einrücken muß, aber man kennt sich nicht recht aus. Über telefonische Anfrage bei der Bezirkshauptmannschaft kam die Weisung: Jeder, der im Besitz eines Militärpasses ist, hat einzurücken. Jetzt gabs große Aufregung. Bis jetzt hatte man den Landsturm nicht so ernst genommen. Der junge Theil der Mannschaft war Frohen Mutes, die Älteren jedoch, besonders die Verheirateten, nahmen die Sache schon ernster, waren aber auch nicht verzagt. Man dachte nicht, daß der Landsturm schon so bald den Russen gegenüber stehen würde. Man meinte, man habe es nur mit einem Häuflein Serben zu thun, da Rußland den Krieg noch nicht erklärt hatte. Einen wehmütigen Eindruck machte es auch, als man mit den 16 kriegspflichtigen Rossen zum Dorfe hinaus gallopirte. Jedes mußte ein Komat mitbringen, und hatte für 2 Tage Futter auf den Rücken gebunden. Für diese Rosse zahlte der Staat 21.000 Kronen Entschädigung. Abends und in der Früh giengen die Krieger noch zu den hl. Sakramenten. Ein Landstürmler sagte: gehts lebhaft zu. In der Gemeindekanzlei ists nun ruhiger geworden. Ab und zu kommt noch einer und wieder trifft man einen mit verweinten Augen. Man einigt sich, Nachmittag 4 Uhr miteinander abzumarschieren und in Bregenz zur Bahn zu gehen. Beim war Sammlung. Jeder hatte einen vollgepackten Rucksack auf dem Rücken. Der Platz vor dem Sternen war voll Menschen, da viele Angehörige, sowie Mütter mit den Kindern ebenfalls gekommen waren, die Krieger noch einmal zu sehen. Manche Frauen und Kinder weinten. Pfr. A. Nachbauer hielt vom Gangfenster aus eine feurige Ansprache an die Scheidenden und forderte sie auf, für Gott, Kaiser und Vaterland in den Krieg zu ziehen. Hierauf wurde auf den Kaiser ein Hoch ausgebracht, in welches alles begeistert einstimmte. 34 Wolfurt und Kennelbach wurden zu einer Kompagnie zusammengefaßt, Wolfurt trug 95 Männer in die Listen ein, Kennelbach 60. Landeshauptmann Rhomberg kam am 21. August 1914 nach Wolfurt und nahm im neuen Vereinshaus die Vereidigung der Kompagnie Wolfurt-Kennelbach vor. Anschließend wurden - ganz anders als sonst beim k.u.k. Militär - die Offiziere von ihren «Soldaten» gewählt. Hauptmann wurde Ludwig Köb, Lehrers; Oberleutnant Leo Wolf aus Kennelbach; Leutnant Johann Georg Hohl (HohloSchnidar). Aber kaum einer rechnete damit, daß er wirklich an die Front müßte. «27. August, Gebhardstag. Kriegsprozession. Solange der Gebhardsberg steht, war wohl nie eine so große Menge Menschen dort oben. Es kamen Prozessionen 6 Stund weit her zu Fuß.» Jetzt wurden Lebensmittel gehamstert. Mühlen und Läden waren ausverkauft. Auch alles Münzgeld war verschwunden, in das Papiergeld setzten die Leute kein Vertrauen mehr. Die Welschen-Arbeiter wurden entlassen. Viele Sticker suchten Arbeit bei der Rickenbachregulierung. Im Oktober ging die Kennelbacher Fabrik mit der Erzeugung von Verbandstoffen wieder voll in Betrieb. Der Staat sammelte Edelmetall unter dem Schlagwort «Gold gab ich für Eisen.» In Wolfurt kamen 25 Eheringe, 20 goldene Ringe, 15 goldene Broschen, 26 Paar Ohrringe und verschiedener anderer Schmuck zusammen. «17. Oktober 1914. Heute wurde für den ersten Wolfurter, welcher den Tod fürs Vaterland starb, Gottesdienst gehalten. Einjährig Freiwill. Korporal Joh. Georg Kirchberger fiel am 30. September in einem Gefecht bei Pordorzin, Galizien, durch Brustschuß im Alter von 22 Jahren. Er studierte Juri und war auch ein ausgezeichneter Musikant.» Zum Gottesdienst waren auch Landeshauptmann Adolf Rhomberg und der spätere Bundeskanzler Dr. Ender nach Wolfurt gekommen. Als in den folgenden Monaten immer häufiger im ganzen Land die Glocken zu Totenmessen riefen, war ihnen das nicht mehr möglich. Immer mehr Männer, auch jüngere Jahrgänge, wurden nun nachgemustert und eingezogen. «Weihnachten im Kriegsjahr 1914. Friede den Menschen auf Erden. - Millionen Soldaten stehen im Felde. Seitdem Krieg ist, sind die Menschen viel erträglicher miteinander; Streitigkeiten und politischer Zank haben aufgehört. Man hat jetzt nur noch einen Wunsch: Wenn nur der Krieg aus wäre.» «In Lauterach sind einige hundert Flüchtlinge (Ruthener) aus den von den Russen bewohnten Grenzgebieten Ungarns und Bukowina angekommen. Sie wurden in der Kaserne untergebracht.» 36 «Mitte Jänner 1915. Da hier keine Arbeit und kein Verdienst ist, so sind einige Wolfurter nach Wälschtirol gegangen. Es werden dort viele Leute angestellt, um gegen den
  1. heimatwolfurt
19901101_Heimat_Wolfurt_06 Wolfurt 01.11.1990 Heft 6 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 90 Im Dorf. Die Fronleichnamsprozession mit Kirchenchor, Schützen und Musik. Die Gemeinderäte tragen den Himmel. Links der «alte» Schwanen mit dem großen Sandsteinbrunnen am Dorfbach, rechts der neue Schwanen. Im Hintergrund die Waschhütte. Inhalt: 18. 19. 20. 21. 22. 23. Das Wolfurter Kirchdorf (Heim) Häuserverzeichnis 1926 Sozialstrukturen (Volaucnik) Wasser und Wald (Heim) Aus Großvaters Tagebuch (Ferdinand Schneider) Spatzecklo (Heim) Zuschriften Zu «Kriegsende 1945» (Heft 3/36) ist noch ein Brief eingegangen. Sicher wüßten andere Wolfurter noch mehr zu erzählen: Auch ich habe die letzten Kriegstage so in Erinnerung, daß die französischen Flieger im Tiefflug aufalles schossen, was sich da unten bewegte. Ob Radfahrer oder Kinder, es wurde einfach geschossen. Und so erlebte ich einen der Tagesangriffe. Wir Flotzbächler Buben, 12—14jährig, waren an diesen letzten Kriegstagen immer unterwegs. Die Jabo's (Jagdbomber) warfen nämlich nicht nur Bomben, sondern auch Flugblätter ab, auf die wir Buben natürlich scharf waren. Nun muß ich für alle Wolfurter, die damals noch nicht auf der Welt waren oder noch nicht in unserer Gemeinde wohnten, etwas ausholen. Die Unterhubstraße, das ist die Straße vom ehemaligen Doktor-Haus bis zum Hause Herburger (Fa. Stark), war damals nur ein kleiner staubiger Weg, beidseitig eingesäumt von hohen Hecken. Weit und breit aber kein einziges Haus, nur eine riesige Wiese und ein paar Äcker. Ausgerechnet über dieser Wiese flatterten die Flugblätter auf uns herab. Erwartungsvoll schauten wir Knirpse (Gasser Arthur,SchwerzlerKarl und ich) nach oben, als plötzlich einer von uns aufgeregt schrie: «Die Flugzeuge kommen zurück!» Tatsächlich wendeten sie nach dem Abwurf der Blätter über Rickenbach und stießen nun direkt aufuns herunter. Blitzschnell sausten wir in Richtung Straße, zu den kleinen Bäumen, um dort Schutz zu suchen. Wir standenja wie Zielscheiben ohnejede Deckungsmöglichkeit mitten aufder Wiese. Kaum lagen wir angstzitternd mit eingezogenen Köpfen hinter den Bäumen, als die Bord-Maschinengewehre schon zu hämmern begannen. Hinterher prasselten die leergeschossenen Patronenhülsen durch das Geäst auf uns herunter. Viele Jahre habe ich einige dieser Hülsen aufbewahrt. Wir Buben hatten Glück. Niemand wurde verletzt. Kein Glück hingegen hatte die damals 15jährige Luise Bilgeri, die bei diesem Angriff tödlich getroffen wurde. Ludwig Schwärzler DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1961 in Bregenz. Er hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Nach seinem Geschichtestudium betreut er jetzt das Industrie-Archiv in Feldkirch. Ferdinand Schneider, 1845—1917, Wolfurt. Fabriksarbeiter, Musikant, Schauspieler, Chronist. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Berichtigung In Heft 5 muß die Inhaltsangabe auf der Titelseite berichtigt werden: 15. Auswandererschicksale (Heim) Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 Siegfried Heim Das Kirchdorf Wolfurt Auszug aus einem Vortrag im März 1990. Dritter Teil der Serie Geschichte nach «Pfarrkirche» (Heft 4/54) und «Schlösser» (Heft 5/3). Unser Kirchdorf hat sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Es hat viel von seiner Bedeutung eingebüßt. 1. Schon seit 1870 hat es durch den Bau von Schule und Gemeindeamt im Strohdorf einen Konkurrenten erhalten, der später mit Vereinshaus und Post als weltliches Gemeindezentrum das Dorf weiter hinter sich ließ. 2. Die Kirche hat an Boden verloren. Nur mehr 30 % der Wolfurter besuchen die Gottesdienste. 3. Der Autoverkehr hat den Kirchplatz zerstört. Er ist kein Platz mehr, wo sich Wolfurter bei Gespräch, Spiel oder Versammlung treffen. Gasthäuser und Geschäfte wurden verlegt, der Brunnen abgebrochen. Gastarbeiter bewohnen die alten Häuser. Wir hören von Bemühungen um die Wiederbelebung des Dorfes und haben die Pläne gesehen. Wenn sie verwirklicht werden sollen, sind dazu Dörflerstolz, Traditionsbewußtsein und viel Mut notwendig. Kirchdorf und Bütze um das Jahr 1938. Eng drängen sich die alten Bauernhäuser um den Brunnen am Fuß der Kirche. Ein riesiger Obstwald und blumige Wiesen erstrecken sich bis ins Wida. Der Großteil der Mark wurde aber von allen Bauern in Dreifelderwirtschaft gemeinsam bebaut. Die drei Esche waren mit einem Zaun gegen «trib und trat» des Weideviehs geschützt. «Vällenthörer», das sind große Gattertore, ermöglichten den Zugang. Sie bestanden noch bis zur Auflösung der Dreifelderwirtschaft im 18. Jahrhundert. Eines weist der alte Brunnenbrief beim Haus Bregenzerstraße 6 («Hannes Franz») nach, welches noch um 1800 das nördlichste Haus des Dorfes war. Nach Westen endete das Feld ursprünglich bei Bütze- und Unterlindenstraße. Dort sollen nach der Überlieferung zur Pestzeit die Toten am Feldrain bestattet worden sein. Die jetzige Kreuzstraße hieß früher «Feld»-Straße. Als auch die Unterfelder westlich der Bützestraße kultiviert worden waren, wurde das zweite Vällenthor an das untere Ende der «Berg»-Gasse (heutige Kellhofstraße) verlegt. Markgenossenschaft Der Gotenkönig Theoderich hatte um 500 n. Chr. die vor dem Frankenkönig Chlodwig fliehenden Alemannen im Land um den Bodensee aufgenommen. Eine Hundertschaft überquerte die Ach und ließ sich an der alten Römerstraße am Fuß des Steußbergs nieder. Hier gab es genug Holz zum Bau von festen Häusern und zwischen Berg und Sumpf auch guten Boden für Getreideäcker. Das unentbehrliche Wasser lieferten die Waldbäche selbst in der Sommerhitze und in den Frosttagen des Winters. So drängte sich bald eine Gruppe von alemannischen Einraumhäusern im Tobel und am «Roa», wo die alte Römerstraße vom Oberfeld her den Talrand erreichte, nahe an den Tobelbach. Zu jedem Haus gehörte das «ehaft gut», eine eingezäunte Bündt für Obst, Reben und Flachs. 2 Kellhof des Königs 742 mußten sich die inzwischen christianisierten Alemannen doch noch den übermächtigen Franken unterwerfen. Fränkische Grafen übernahmen die Herrschaft. In Wolfurt entwickelten sich die beiden Herrschaftshöfe «zu staig» in Rickenbach und «kelnhof» am Tobelbach zu selbständigen Gerichten. Sie zogen immer mehr Besitz und unfreie Leute an sich. Ein Ammann verwaltete den Hof für den Grafen. Er sprach Recht und führte die waffenfähigen Männer an. 3 Von den Bregenzer Grafen fiel der Kellhof 955 an die Pfullendorfer Linie und 1167 an den Stauferkaiser Friedrich Barbarossa. Lange Zeit blieb er nun als selbständiges Gericht und Königsgut ein Fremdkörper im Hofsteiger Besitztum der Montforter Grafen. Zu seinem Selbstbewußtsein trug auch die Kapelle St. Nikolaus auf dem Rain bei, die die Pfullendorfer für ihren Hof gestiftet hatten. Viele freie Bauern unterstellten sich der Schutzherrschaft des Hofes oder auch des nahen Klosters Mehrerau. Ihre freiwillig abgetretene Habe erhielten sie als «Lehen» von ihrem Herrn wieder anvertraut, nur mußten sie jährlich eine Abgabe zahlen. Der «Großzehent» bestand in jeder zehnten Gabe von Vesen und Hafer, auch von Heu, und jedem elften Maß Wein. Der «Kleinzehent» wurde von Kälbern, Gänsen, Enten, Hühnern, Äpfeln, Birnen, Rüben, Bohnen, Erbsen, Nüssen, Hanf und Flachs genommen, aber auch von Milch, Butter, Käse, Eiern, Honig und Wachs. Statt in natura wurde der Kleinzehent später in bar oder durch Frondienst abgegolten. Daneben gab es noch andere drückende Steuern. Die schwerste war der «fal», der beim Ableben des Familienältesten «fällig» wurde, meist als «besthaupt» im schönsten Pferd oder Rind aus dem Stall und als «häsfal» im besten Kleid aus dem Kasten. Für diese Abgaben bot der Hof aber mehr als nur Schutz in Kriegszeiten. Er zwang unter Leitung der erfahrensten Männer das Dorf zu einer Gemeinschaft wie in einer großen Familie. Er verlieh Pflug und Wagen. Er stellte den Kessel, in dem der Hafer zum Enthülsen gesotten wurde, und die Mühle am Tobelbach. Der Hof hielt für alle im Dorf Hengst, Stier und Eber. Er bot auch Gastfreundschaft. Er stellte Herberge und Wirtshaus für Wanderer, Bettler und Landfahrer. Auf einem umzäunten Platz bestand die Möglichkeit zur Rast für Mann und Pferd. Der Hof stellte den Dorfschmied, den Metzgerzuber und die Badgelte. Ihm gehörte der Weintorggel. Der Hof besaß auch ein Armenhaus und versorgte die Waisenkinder. Er verlieh und kontrollierte Maße und Gewichte. So fand der Zehent vielfältige und nützliche Verwendung (nach Bilgeri in «Holunder» 1932/35). Vom Kellhof führte ein Säumerweg über Oberbildstein und die «Roßgasse» nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den freien Reichspfarren im Hinterwald . Der Montfort-Mehrerauer Teil des Bregenzerwaldes war schon früher von Hofsteig aus über Schwarzach-Farnach erschlossen worden. Barbarossas Sohn Heinrich schenkte 1226 die Kapelle St. Nikolaus an das Kloster Weißenau bei Ravensburg. Der Kellhof wurde mehrfach verpfändet. 1458 kauften ihn die reichen Grafen von Hohenems. Sie musterten nunmehr die Kellhofer Burschen in der Tanzlaube an der Kirchstiege und hielten dort Gericht! Durch Erbteilungen und Käufe waren die Gebiete von Hofsteig und Kellhof völlig ineinander verwachsen. Zum Kellhof gehörten jetzt 200 Leibeigene. 1603 führte Amann Bastian Kölnhofer 55 Männer zur Musterung nach Ems. 4 Kirchdorf am Steußberg Das Gericht Hofsteig mit Rickenbach und Schwarzach hatte längst seinen Hauptsitz nach Lauterach verlegt. Es war 1451 mit Bregenz an Habsburg-Österreich gekommen. Gemeinsam mit den emsischen Kellhofern errichteten die Hofsteiger 1512 eine selbständige Pfarrei Wolfurt. Abwechselnd durfte einmal das Kloster Mehrerau, dann wieder das Kloster Weißenau den Pfarrer stellen. Jetzt wurde die Tanzlaube bei der Kirche ein wichtiges Zentrum für die Leute von der Ach bis zur Schwarzach und für Bildstein und Buch. 1517 errichteten die Bewohner des Dorfes hier den ersten Dorfbrunnen. Durch hölzerne Düchel leiteten sie das Quellwasser vom Weinberg des Schloßherrn Jakob von Wolfurt her. Die Vällenthörer und die gemeinsamen Getreide-Esche erwiesen sich bei der Zunahme der Wohnbevölkerung nun immer mehr als Fessel. Um 1720 erzwang der einsetzende Anbau von Mais und Kartoffeln die Verteilung der Felder. Einzelne Bauern versetzten jetzt ihre Häuser aus dem engen Dorf in die neuen Felder. Der Pfarrer nennt sie im Seelenbeschrieb von 1760 «translata» oder «delocata». Reichere Bauern errichteten neue Höfe außerhalb des Dorfzauns im Röhle und in der Bütze. 1765 war der Kellhof mit Hohenems schließlich doch auch zu Österreich gekommen. Vier Wolfurter Bürger kauften 1771 die letzten Kellhofgüter, darunter den großen, von einer Mauer gegen den Tobelbach geschützten Weingarten in der Bütze, aus der Emser Herrschaft frei. Als erster baute ein Haltmayer-Sohn aus dem Dorf im Jahre 1800 ein Haus in die westlichste Ecke des Weingarten (heute Heims in der Bütze). Das zweite baute 1806 der Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider an die «Berggasse». Es war das spätere Rädlerhaus, das samt der Bütze-Mauer 1976 für die Geschäfte an der Kellhofstraße abgebrochen wurde. Vor der Mauer war noch genug Platz für die riesigen Holzstapel der Laute racher und Harder Bauern. Hier lagerten sie ihr Ippach-Holz, um es bei guter Schlittbahn oder auf schweren Blockwagen nach Hause zu führen. Der alte Brunnen bei der Tanzlaube und der 1811 errichtete «Kleine Brunnen» an der Kreuzstraße waren wichtige Treffpunkte der Dorfgemeinschaft. Jeden Morgen und Abend trieb jeder Bauer sein Vieh hierher zur Tränke. Ein paar Holzkübel voll Wasser wurden für den täglichen Bedarf in die Küche getragen. Bei gutem Wetter besorgten die Frauen am Brunnen und am Bach ihren Waschtag, bis eigene Waschhütten erstellt wurden. Für die Kinder und die Jugend des Dorfes waren Brunnen, Bach und Tanzlaube Mittelpunkt ihrer Spiele. Wegen unliebsamer Vorkommnisse bestanden die Nachbarn und der Pfarrer 1830 auf dem Abbruch der Laube. Rundum waren inzwischen Gasthöfe entstanden. In ihren Sälen gab es Fasnatunterhaltung, Theater, Hochzeits- und Totenschmaus. Aber auch Gemeindevertretungssitzungen und Musikproben wurden im Schwanen-, Rößle- oder Engelsaal abgehalten. 5 lungen geschlossen, die Brunnen abgebrochen, die Plätze dem seit 1955 einbrechenden Autoverkehr überlassen. 1953 hatte die Gemeinde mit ihrem Wasserwerk die Möglichkeit zur Erschließung und Zersiedlung der umliegenden Felder und Bühel geschaffen. Zwei Jahrzehnte lang lag Wolfurt an der Spitze der Zuwachsraten in Vorarlberg und verdreifachte seine Häuserzahl. Die alte Römerstraße am Berghang vermochte den Autoverkehr nicht mehr zu fassen, der Durchzugsverkehr wurde 1964 auf die neue Straße in der Bütze verlegt. Aber auch der Quell verkehr von den nahen neuen Siedlungen genügte, um die Lebensqualität am Dorfplatz entscheidend zu mindern. Die Jungen siedelten in ruhigere Eigenheime ab. Investitionen in die alten Häuser erschienen fragwürdig. Sie wurden vielfach Gastarbeiterfamilien überlassen, verwahrlost und abgewohnt. Manche stehen heute leer oder fast leer, einige wurden abgebrochen, nur wenige neu erstellt. Nur ein großzügiges Revitalisierungsprojekt kann das 1000jährige Kirchdorf noch retten. Das Kirchdorf 1760 (Zur folgenden Skizze) Das Rößle um 1910 an der alten Kirchstiege. Gasthaus, Bäckerei, Handlung, Theater- und Tanzsaal, Casino. Dort, wo der neue Lampenmast steht, wurde bis 1830 in einer Tanzlaube am Dorfbach Rat gehalten. 1982 wurde das Rößle abgebrochen. Auf dem Kirchplatz hielt die Bürgermusik ihre Platzkonzerte. Hier sammelten sich die Turner zu ihrem Festaufmarsch. Von hier aus zogen die Standschützen 1915 an die Dolomitenfront, hier standen die Dorfvereine bei den vielen Heldenehrungen des zweiten Weltkrieges. Es wechselten die Fahnen an der Kirchstiege, aber immer waren Dorf und Kirchplatz von regem Leben erfüllt. Im «Seelenbeschrieb» von 1760 legte Pfarrer Josef Andreas Feurstein erstmals ein numeriertes Häuserverzeichnis an, das zusammen mit späteren Landkarten eine Übersicht über das Dorf ermöglicht. 57 Häuser gehörten zum Kirchdorf. Kirche (K), Tanzlaube (T) und Pfarrhof (Pf) sind ohne Nummer. Vom Dorfplatz stieg die Landstraße steil auf den Bühel. Sie führte den Verkehr zur Achfurt und nach Bregenz. • Die Numerierung beginnt bei der Kirche: Nr. 1—6 «Auf dem Bühel». Die Köb-Häuser (1 und 2) sind 1911 abgebrannt. An der Stelle der Dorfschmiede (3) steht heute die Villa «Lug aus». Das Kinzhaus (4) ist 1880 abgebrochen worden. Erst 1839 entstand hier das Kaplanhaus. Nr. 7—13 waren die sieben Häuser «Zur Ach». Sie zählten nicht zum Dorf. Nr. 14—18 «Im Röhle». Das damals neue Haus 14 (Hannes Franz) stand bereits außerhalb des Vällenthores. Nr. 16+17 mußten 1826 der großen Haltmayer-Gerbe weichen. Dort steht jetzt der neue Gasthof Engel. Die wichtige «Bregenzerstraße» entstand erst nach 1810. Nr. 19—25 «Im Loch». Mit sechs Häusern dicht verbaut. Nr. 26—33 «An der Berggaßen». Aus der Enge des Dorfplatzes wurde das oberste Haus 26 schon etwa 1780 ans untere Ende der Berggasse (heute Mohr Zita) übertragen. Nr. 27 mußte 1860 dem «neuen» Schwanen weichen, Nr. 28 («Filitzos») wurde 1895 für den Schwanengarten abgebrochen. Nr. 29 («Veres» — Höfles) stand noch bis 1980. Nr. 30 («Stülzes») stand Das Kirchdorf zerfällt Die Gemeinde Wolfurt besaß im zwei Kilometer entfernten Rickenbach, das sich aus dem alten Weiler Steig zu einem selbstbewußten eigenen Dorf entwickelt hatte, ein zweites kleineres Zentrum. Auch hier gab es Dorfbrunnen, Gasthöfe, einflußreiche Gerwerbebetriebe und dörflichen Zusammenhalt. Im Wettbewerb der beiden Dörfer wurde ab 1870 der dazwischen liegende Weiler Strohdorf der lachende Dritte. Zwar war es den Rickenbachern 1830 nicht gelungen, eine neue Kirche hierher «in die Mitte» zu bauen, wohl aber wurde 1872 die neue Schule mit dem Gemeindeamt hier errichtet. Es folgten die Post, das Vereinshaus, auch Handelsgeschäfte und schließlich die Hauptschule mit den großen Sporthallen. Die Abwanderung der öffentlichen Einrichtungen ins Strohdorf hatte die Verödung von Kirchdorf und Rickenbach zur Folge. Nach und nach wurden Gasthöfe und Hand6 7 ursprünglich ganz einsam außerhalb des westlichen Vällenthores (V). Im Haus 31 lebte bis 1797 der einflußreiche Kloster-Ammann Nikolaus Müller, von dem es noch heute den Namen «Sam-Müllers» trägt. Nr. 33 war das einzige Gasthaus im Dorf, der «alte Schwanen». Hier tagten die Dorfverwalter. Der Wirt Joh. Georg Reiner trat in der Bayernzeit als «Amtsverweser» an den Platz des früheren Ammanns. Nr. 32 läßt sich nicht mehr lokalisieren. Da die «Berggasse» vom Dorfbrunnen bis zum großen Kellhofweingarten führte, trägt sie heute zu recht den Namen Kellhofstraße. Nur ihre steile Fortsetzung beim Kriegerdenkmal wird im Volksmund weiterhin Berggasse genannt. Nr. 34—37 «An der Feldgaßen». Heute heißt sie «Kreuzstraße». Das Haus 34 ist erst im Jahre 1879 zum Gasthof «Lamm» erweitert worden. Nr. 38—40 «Im Gäßele». Das Haus 38 ist 1911 abgebrochen worden. Nr. 41—44 «Im Tobel». Zum schon vor 1800 verschwundenen Haus 41 gehörte vermutlich die Kellhof-Mühle. Nr. 45—46 «An der Kirchstiegen». Das große «Hanso Hus» Nr. 45 war der einzige Kaufladen im Ort. Nach den Gottesdiensten stand er auch den Leuten von Buch und Bildstein offen. Der Besitzer Anton Bildstein war «Balbierer» und «Chirurg». Nr. 46 wurde erst 1850 zum «Rößle» umgebaut. Nr. 47—62 «An der Kirchgaßen». Heute heißt sie «Kirchstraße». Auch hier ist das erste Haus 47 direkt beim Dorfbrunnen schon um 1810 verschwunden. Nr. 51 wurde 1806 in der Bütze (bei der Rittergasse) neu aufgestellt. Andere Bauherren nützten aber bald den freien Platz. Das «Girschke»Haus 52 wurde etwa 1975 abgebrochen. 53 und 54 («Stenzlers») ist eines der wenigen erhaltenen alten Doppelhäuser, die beweisen, wie rar die Bauplätze im Dorf schon um 1750 waren. Daher hatten der reiche Rohner (57) und die beiden mächtigen Schneider (61 und 62) ihre neuen großen Häuser in das Getreidefeld gestellt. Nr. 57 ist 1869 abgebrannt, erst 1893 erbaute Lehrers Ludwig hier ein anderes. Die Schneiderhäuser sind miteinander 1907 abgebrannt. Nr. 63 «Auf der Halden» ist das letzte Haus, das noch zum Kirchdorf zählte. An ihm vorbei führte der alte Reitweg zum Schloß und ins Holz. Links waren damals noch ein zum Schloß gehöriger Weinberg und die älteste Quellfassung (X) für den Dorfbrunnen(B). Das Überwasser mußte später auch noch für den «kleinen Brunnen» bei Nr. 57 und die Waschplätze bei 28 und 54 reichen. Die Waschhütte auf dem Bühel (bei 2) besaß eigene Wasserrechte. Pfarrers Weinberg im Tobel bestand als letzter von den vielen Wolfurter Weingärten noch im Jahre 1882. 9 Häuser-Verzeichnis der Gemeinde Wolfurt nach dem Stande vom 31. Dezember 1926. 10 11 Christoph Volaucnik II. Sozialstrukturen im vorigen Jahrhundert Einleitung Der vorliegende Aufsatz stellt die Fortsetzung eines im Heft 2, November 1988, der Zeitschrift «Heimat Wolfurt» erschienenen Artikels dar. Während der erste Artikel die wirtschaftliche Entwicklung Wolfurts und die historischen Veränderungen des Berufslebens zum Thema hatte, sollen nun die sozialen Verhältnisse meiner Heimatgemeinde im 19. Jahrhundert skizziert werden. Der Aufsatz gliedert sich in zwei Teile, wobei zuerst anhand vorhandener Statistiken und Quellen die Bevölkerungs- und Vermögensverhältnisse und dann im zweiten Teil der Wandel und Aufbau der Gemeindeinfrastruktur (Schule, Straßen) kurz vorgestellt werden sollen. Zum ersten Teil des Aufsatzes sei vorweg festgestellt, daß mit den zahlreichen Quellen des Gemeindearchivs eine statistische Darstellung der Bevölkerungszunahme, der Familiengröße des Jahres 1839, der Vermögensklassen und der Fremden im Dorf möglich war und dadurch zumindestens ein Einblick in das soziale Leben und in die gesellschaftlichen Abstufungen des Dorfes gewonnen werden konnte. Eine statistische Darstellung (quantitative Auswertung) von Quellen ist aber nur ein beschränktes Mittel für die Erforschung der Sozialgeschichte eines Dorfes und muß durch Forschungen zur Familiengeschichte, zur Hausgeschichte abgerundet werden. Gerade hier kommt dem Dorfchronisten eine wichtige Aufgabe zu, da er in detailreichen Forschungen Informationen gesammelt hat, die Basis für die sozialgeschichtliche Forschung sein könnten. Dieser Aufsatz kann daher nur als Skizze und Versuch einer dörflichen Sozialgeschichte verstanden werden. Im Jahre 1899 wurden die Wolfurter Häuser zum vierten und letzten Mal von der Ach bis in den Schlatt durchnumeriert. Diese Reihung galt bis zum 1. Jänner 1954. Dann wurden die heutigen Straßenreihungen eingeführt. Nur wenige von uns werden all die Namen kennen, die 1926 in der Gemeinde Geltung hatten. Vielleicht helfen sie Ihnen aber doch, sich wenigstens Ihre Nachbarn ins Gedächtnis zu rufen. Welche Häuser haben die Bau-Wut der letzten 40 Jahre überdauert? Viele Unterlagen über die alten Häuser finden Sie noch im Gemeinde-Archiv. 12 13 II. 1 Bevölkerungsentwicklung Jahr 1807 1819 1832 1833 1834 1835 1837 1839 1869 1880 1890 1900 1910 1923 männl. weibl. Total 1143 1069 1279 1209 1222 1214 1236 1332 1648 1623 1892 2070 2265 1798 Dienstboten Fremde Häuser Haushalte mit n-Personen 1 2 3 4 5 1- 5 6 7 8 9 10 6-10 11 12 mehr Total 6 26 30 46 41 38 26 13 9 7 5 1 2 in % 2,4 10,4 12,0 18,4 16,4 59,6 15,2 10,4 5,2 3,6 2,8 37,2 2,0 0,4 0,8 581 604 577 560 621 788 759 562 675 645 654 711 860 864 183 2 22 22 19 20 21 44 16 16 20 30 215 219 220 221 228 230 262 272 344 Wie aus dieser statistischen Übersicht hervorgeht, erlebte Wolfurt im 19. Jahrhundert einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, wobei interessanterweise der Zuwachs in den Jahren 1877 und 1880 20 % betrug, in der Zeitspanne von 1880 bis 1890 aber ein Zuwachs von 16,6 % zu verzeichnen war. Dieser enorme Zuwachs ging bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch weiter. Ein gewaltiger Rückgang der Bevölkerung setzte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein, als die Bevölkerung bis zum Jahre 1923 auf 1798 zurückging. Der Aufschwung seit 1880 ist mit der großen Bedeutung und dem Aufschwung der Stickereiindustrie zu erklären und den Vergrößerungen in der Textilindustrie ab 1890. Die Stickerei konnte sich vom Rückschlag des Weltkrieges nicht mehr erholen, und durch diesen bedeutenden Verlust eines der wichtigsten Erwerbszweige der Gemeinde, kam es zu einer Abwanderung der Bevölkerung und sogar zu einer Auswanderungswelle vieler Wolfurter nach Amerika. Durchschnittliche Anzahl pro Haushalt: 4,9 Personen Diese Zahlen zeigen, daß 1839 eher die Kleinhaushalte dominierten. Eine Durchschnittszahl von 4,9 Personen pro Haushalt und die Tatsache, daß Haushalte mit bis zu 5 Personen mit 59,6 % am stärksten vertreten waren, zeigt die Dominanz des Kleinhaushaltes. Aber auch noch Haushalte mit 6 bis 7 Personen waren in Wolfurt recht stark vertreten, während Großfamilien mit 10 Personen selten waren. Leider gibt es für das 19. Jahrhundert keine weiteren derartigen Haushaltsverzeichnisse mehr, die über die Haushaltsformen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Auskunft geben könnten. Im Jahre 1839 waren von 241 gezählten Häusern lediglich 18 Häuser mit 2 Familien-Haushalten besetzt. II 2. Haushaltsstrukturen 1839 Aus dem Jahre 1839 hat sich ein Bevölkerungsverzeichnis mit Angabe der Familiengröße erhalten, das Aufschlüsse über die Haushaltsstrukturen und auf Familienstrukturen gibt. II 3 Vermögensstruktur Mit den im Gemeindearchiv befindlichen Vermögenssteuerverzeichnissen der Jahre 1785, 1797, 1846 und 1850 ist es möglich einen Einblick in die Vermögensstruktur der Gemeinde, den sozialen Aufbau und in die sehr bedeutende Verschuldung zu gewinnen. Diese Steuerbücher bestehen aus dem geschätzten Vermögen (Haus, Grund, Fahrnis und Kapital), den Schulden, wobei der Kreditgeber meistens genannt wurde, und, nach Abzug der Schulden von der Schätzsumme, das tatsächlich zur Verfügung stehende Vermögen, das zur Besteuerung herangezogen wurde. Um einen Eindruck von der Verschuldung zu erhalten, werden in den folgenden Tabellen das geschätzte und das versteuerte Vermögen dargestellt. 15 14 Kategorie in Gulden % % % % Versteuertes Vermögen % % % % 1785 1797 1846 1850 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber 15,2 42,6 22,9 8,9 3,2 1,2 1,9 1,2 0,6 0,6 1,2 6,2 22,9 31,6 18,6 6,2 6,2 1,8 1,2 1,2 0,6 0,6 3,1 4,5 18,0 24,5 17,2 9,8 7,3 7,3 3,3 1,6 2,5 1,3 2,5 5,1 7,8 11,3 17,0 14,9 7,2 6,2 10,8 5,6 5,2 2,5 6,18 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber kein Vermögen nur minus Schulden 1785 1797 1846 1850 47,7 21,6 13,3 3,8 0,6 1,9 1,2 0,6 0,6 8,2 29,2 32,2 12,5 4,7 5,0 1,8 1,3 0,6 0,6 0,6 3,1 10,1 20,0 13,1 13,1 8,2 3,7 3,3 2,9 2,1 0,4 0,4 0,4 2,5 29,9 26,8 12,9 12,4 6,2 11,3 6,7 6,7 3,6 1,1 2,6 1,03 8.2 Bei einer Gegenüberstellung der beiden Tabellen ist sichtbar, daß die Schulden der Bevölkerung den Vermögensstand von den mittleren Steuerklassen auf die Klasse bis 1000 Gulden drückte. Sehr viel deutlicher kann folgende Tabelle über die Verschuldung Auskunft geben. Schulden - Fälle: in Gulden keine 0- 100 101- 200 201- 300 301- 400 401- 500 501- 600 601- 700 701- 800 801- 900 901-1000 1001-1100 1101-1200 1201-1300 1301-1400 1401-1500 1501-1600 1601-1700 1701-1800 1801-1900 1901-2000 2001-2100 2101-2210 2201-2300 2301-2400 2401-2500 2501-2600 2601-2700 2701-2800 2801-2900 2901-3000 darüber Bei genauer Betrachtung der Tabelle fällt die Verschiebung im Bereich des geschätzten Vermögens vom Jahre 1785 bis 1797 auf. Es fand scheinbar eine Verbesserung der finanziellen Lage statt, da sich im Bereich zwischen 1000 und 3000 Gulden mehr Vermögenswerte befinden. Diese Verschiebung ist jedoch mit der damals stattgefundenen Riedteilung zu erklären, die jedem Gemeindebürger eine Wiese im Ried einbrachte und einen Vermögenszuwachs bedeutete. Bei einem Vergleich mit der Rubrik versteuertes Vermögen, ist an diesen Tabellen auch die Wirtschaftskrise in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu erkennen, die in Vorarlberg Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich brachte. Die Anzahl der vermögenslosen, völlig überschuldeten Haushaltsvorstände in Wolfurt stieg in diesem Jahr immerhin auf knapp 30 %, während diese Quote in den anderen Jahren sich bis 8 % bewegte. Auffallend ist auch der Rückgang der Steuerzahler von 244 im Jahre 1846 auf 194 im Jahre 1850. Anhand der Tabellen kann gezeigt werden, daß sich der größte Teil der Bevölkerung in den untersten und in den mittleren Steuerklassen befand und nur ein sehr kleiner Bevölkerungsteil in den höheren Steuerklassen, die in der Regel schuldenfrei waren und sogar noch über bedeutendes Kapital und über Zinsbriefe verfügten. 16 1785 15 3 18 16 16 28 19 12 7 5 3 2 1 1 2 1 — 1 1 — — — — — — — — — — — 1794 7 7 10 14 11 15 18 13 13 11 7 4 3 2 7 1 1 _ 3 — 2 — — — — 2 — — — — — 1846 2 4 14 13 11 7 11 15 11 14 13 8 11 7 13 16 11 6 6 4 3 7 _ — 2 2 4 _ 2 2 4 1850 3 9 7 9 11 7 10 13 8 7 9 17 15 8 10 8 4 8 9 6 3 9 — — 3 3 2 2 2 1 8 17 Diese Zahlen zeigen, daß es in Wolfurt kaum ein schuldenfreies Haus gab und daß die Schuldenhöhe gerade im 19. Jahrhundert stark anstieg. Die jährlichen Zinszahlungen müssen für die Bevölkerung eine große Belastung dargestellt haben und dürften wohl existenzgefährdend gewesen sein. Interessant ist auch die Angabe der Kreditgeber, die in den Steuerlisten genannt werden. Für das Steuerbuch 1785 wurden folgende Kreditgeber ermittelt. Bei folgenden Institutionen und Personen wurden in 136 Fällen Kredite aufgenommen und damit Schulden gemacht: Kirche Wolfurt in 5 Fällen Kloster Hirschtal 3 Privat 32 Kirche Wolfurt und Kloster Hirschtal 3 Kloster, Kirche, Privat 38 Kirche Wolfurt und Privat 27 Kloster Hirschtal und Privat 9 Unklar 18 Man sieht daraus, daß die meisten Personen bei mehreren Institutionen und Privatpersonen gleichzeitig Geld aufgenommen hatten. Mit diesen Krediten, die von den Klöstern und Kirchen ausgegeben wurden, erhielten diese Institutionen das für den Unterhalt des Pfarrers und der Kirche notwendige Kapital. Die Zinsen für diese Kredite waren mit 4 bis 5 Prozent über Jahrhunderte hinweg konstant. Als Kreditgeber fungierten im Dorf auch die reichen Bauern und Wirte, wie auch die zum Vormund von Waisen bestellten Verwandten, die das Erbe der Waisen damit sicherten, wobei dies unter Aufsicht der Gemeinde geschah. Unter den Privatkreditgebern tauchen im Steuerbuch auch immer wieder Bregenzer Bürger und besonders Wirte auf. In drei Fällen wurde auch die Weber-, Maurer- und Krämerbruderschaft in Bregenz genannt. Die durch die antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten als skrupellose Geldverleiher gebrandmarkten Juden wurden nur in einem Fall erwähnt. Ein «Jud Mayer», ohne Ortsbezeichnung, wird neben anderen Privatpersonen und der Kirche Wolfurt in der Reihe der Kreditgeber genannt. Im Steuerbuch von 1794 werden auch die Pfarre Maria Bildstein und das Kloster Mehrerau als Kreditgeber angeführt. Mit der Errichtung der Spinnerei Kennelbach im Jahre 1838 ergab sich für viele Wolfurter eine Arbeitsmöglichkeit in der Fabrik. Doch war das Arbeitskräftepotential der Region Kennelbach-Wolfurt bald erschöpft, sodaß die Fabriksdirektion zur Anwerbung fremder Arbeiter überging und für die Unterbringung dieser Leute sorgen mußte. Nachdem in Kennelbach bald alle Quartiere belegt waren, versuchte die Fabriksleitung die Arbeiter auch in Wolfurter Häusern unterzubringen. Die Bevölkerungsstatistik von 1839 gibt auch über die Verteilung der Fremden in Wolfurter Häusern Auskunft. Von insgesamt 241 Wohnhäusern waren 10 mit Angehörigen anderer österreichischer Kronländer sowie 5 mit Ausländern belegt. Wem diese Häuser gehörten und ob es sich um Mietshäuser handelte, läßt sich heute nicht mehr nachweisen. Nur in einer einzigen Wolfurter Familie waren 6 Fremde als Untermieter gemeldet. Durch die Vergabe von Darlehen an Hauseigentümer in Kennelbach und Wolfurt erhielt die Fabrik zusätzlichen Wohnraum für Arbeiter, da als Bedingung für die Darlehen Arbeiter in das Haus aufgenommen werden mußten. Der Wolfurter Schneidermeister Fr. Eiselt erhielt 1872 von der Spinnerei ein Darlehen und verpflichtete sich, 5 Familien mit 33 Personen aufzunehmen.2 Es handelte sich dabei um die ersten Welschtiroler Arbeiter in der Spinnerei Kennelbach und auch vermutlich um die ersten Welschtiroler in Wolfurt. Die Zahl der italienischen Arbeiter in Wolfurt stieg bis 1910 auf 400 an.3 Neben diesen aus dem Trentino stammenden Arbeitern kamen auch andere Arbeitssuchende nach Wolfurt. In der Monarchie hatten diese Fremden sich nach ihrer Ankunft im Ort auf dem Gemeindeamt zu melden, sich auszuweisen und wurden anschließend in ein Fremdenbuch eingetragen. Im Gemeindearchiv Wolfurt hat sich dieses Fremdenbuch für die Jahre 1872 bis 1890 erhalten und gibt Auskunft über den Namen des Fremden, seine Heimatgemeinde, seinen Beruf, seine Wohnung in Wolfurt, seinen Arbeitsplatz und das Anmelde- und Abreisedatum. Leider wurde dieses Fremdenbuch nicht sehr sorgfältig geführt und nur teilweise das Abreisedatum eingetragen. Trotz dieser Mängel stellt dieses Fremdenbuch einen interessanten Einblick in das Sozialleben des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts dar. In der folgenden Tabelle soll ein Überblick über die Herkunft, den Beruf und die Verweildauer der Fremden gegeben werden. Natürlich beschränkten sich die Berufe der Fremden nicht allein auf die in der Tabelle genannten Berufe. Neben den genannten Berufen finden sich noch Näherinnen, die vermutlich «Störarbeit» durchführten, Weber, Säger, und Handelscomis. Die Zahlen dieser Berufe sind aber vergleichsweise gering, sodaß in der Tabelle nur die häufigsten Berufe aufgeführt wurden. Zur Verweildauer muß gesagt werden, daß sich nur für ein Drittel der Eintragungen im Fremdenbuch die Verweildauer eruieren läßt, da das Fremdenbuch sehr schlampig geführt und das Abreisedatum nur sporadisch genannt wurde. Trotzdem kann ein Überblick über die Aufenthaltsdauer der fremden Arbeiter gegeben werden. 19 II. 4 Die «Fremden» im Dorf In Wolfurt waren, wie in den 1832 einsetzenden Bevölkerungsstatistiken zu sehen ist, immer Fremde anwesend, wobei zwischen Ausländern, Bürgern anderer Vorarlberger Gemeinden und Angehörigen anderer Kronländer der Monarchie unterschieden wurde. Die Trennung zwischen Einheimischen und Fremden hatte vor allem rechtliche Gründe, da nach den damaligen Gesetzen im Krankheitsfalle die Heimatgemeinde für die entstehenden Unkosten haften mußte und die jeweilige Wohngemeinde die Fremden im Dorf erfasste und das Heimatrecht nur selten verlieh. 1839 befanden sich im Dorf 57 Fremde, wobei es sich um 15 Ausländer und 42 Angehörige anderer Kronländer oder anderer Vorarlberger Gemeinden handelte.1 18 Herkunft der Fremden 1873—1883 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Herkunft der Fremden 1884—1890 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Aufgliederung Rheintal Rheintal Total 57 Schwarzach 3 Bildstein 10 Buch 8 Lauterach 3 Hard 4 Höchst 9 Lustenau Dornbirn 5 Rieden Langen 2 andere Rheintalgemeinden 13 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet 1 Bregenzerwald 8 Nordtirol 15 Südtirol 1 Welschtirol 43 Italien 5 Schweiz 1 Deutschland 1 Liechtenstein Österreich-Ungarn 55 1 5 2 1 2 15 7 3 3 16 4 2 23 10 2 17 5 10 2 1 6 27 3 15 3 2 4 1 1 22 1 1 1 1 _ 34 6 8 2 1 3 2 2 1 9 8 8 16 6 2 14 5 4 — 5 1 5 2 — — 61 8 14 4 3 1 3 3 7 1 4 13 19 3 31 14 4 3 8 30 11 16 3 6 4 2 — 1 1 5 — — 2 2 8 1 _ Aufgliederung Rheintal Rheintal Schwarzach Bildstein 2 1 Buch Lauterach Hard Höchst 2 Lustenau 3 Dornbirn Rieden Langen andere Rheintalgemeinden 2 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet Bregenzerwald 2 Nordtirol 26 1 Südtirol Welschtirol 90 Italien Schweiz 1 2 Deutschland Liechtenstein Österreich-Ungarn 2 Verweildauer 2 2 1 2 1 7 9 20 12 41 11 22 9 11 3 1 3 15 2 3 3 17 5 25 6 1 2 9 - 2 1 1 2 2 3 6 16 14 1 17 - 2 2 1 1 1 3 2 2 1 2 7 1 1 1 - 2 9 1 1 .2 1 2 3 3 4 5 17 17 3 3 3 39 1 16 2 -. 2 2 1 - (1873-831884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-901873-8831884-90) Handwerker Taglöhner Fabriksarb. Sticker Dienstknecht Magd 1- 6M. 6-12 M. 1- 2J. 2 - 3J. 3 - 4J. 4 - 5J. 6J. 8J. länger 20 57 23 8 14 4 6 2 1 3 22 10 12 1 3 - 33 8 9 6 2 6 1 1 44 9 14 2 1 2 - 25 11 12 2 3 4 2 2 42 13 17 5 3 3 1 - 5 4 2 2 1 3 1 - 23 7 13 1 - 3 4 1 3 - - 17 10 4 2 1 1 - 27 6 7 1 - 21 Bei näherer Betrachtung der aus dem Fremdenbuch gewonnenen Informationen und Daten können Fabriksarbeiter, Taglöhner und in der Stickerei Beschäftigte als die häufigsten Berufe der Fremden angegeben werden. Die Fabriksarbeiter waren zum größten Teil in der Spinnerei Kennelbach beschäftigt, doch haben die Spulenfabrik Zuppinger und der Mechaniker Josef Anton Dür sowie sein Nachfolger Doppelmayr vielen Fremden Arbeit gegeben. Zuppinger hat einige Facharbeiter aus der Schweiz geholt, und der Mechaniker Dür beschäftigte zahlreiche Eisendreher, Metallarbeiter und Mechaniker. Die Aufenthaltsdauer dieser Fabriksarbeiter, der Textilarbeiter und auch der Metallarbeiter war, wie aus der Tabelle zu ersehen ist, eher kurz. Die Masse der Arbeiter wechselte nach 6 bis 12 Monaten die Arbeitsplätze. Dieses, als Fluktuation bezeichnete Phänomen, ist typisch für die Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts. Dieser häufige Wechsel des Arbeitsplatzes ist mit den Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung und den schlechten sozialen Verhältnissen zu erklären. Ein ähnliches Phänomen ist auch bei den Taglöhnern zu beobachten, die als ungelernte Arbeiter noch viel stärker den schlechten sozialen Bedingungen ausgesetzt waren. Interessant ist auch die Herkunft der Arbeiter und Taglöhner. Bei den Taglöhnern und Arbeitern ist die Zahl der Welschtiroler, Nordtiroler, Schweizer und Deutschen beachtlich hoch. Bei den Vorarlberger Arbeitern und Taglöhnern stammte ein bedeutender Teil aus den umliegenden Gemeinden, besonders in der Phase 1873—83 aus Bildstein. Auch die Anzahl der aus dem Bregenzerwald stammenden Arbeiter ist recht hoch. Die Stickerei erlebte im Untersuchungszeitraum die Mechanisierung und erste Blüte. Bei einer Betrachtung der Herkunftsorte der in der Stickerei Beschäftigten fällt das Nachbardorf Bildstein als Rekrutierungsschwerpunkt für Sticker und Fädlerinnen auf. Aus Lustenau, dem Zentrum der Vorarlberger Stickerei stammen in der Phase 1884—1890 zahlreiche Stickereiarbeiter. Aus dem Bregenzerwald stammte ebenfalls ein sehr großer Teil der Stickereiarbeiter und wurde in der Phase 1883—90 noch verstärkt. Auch die Stickereiarbeiter blieben nur verhältnismäßig kurze Zeit in Wolfurt. Die in Wolfurt arbeitenden Dienstmägde und Knechte dürften in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen sein. Als Herkunftsgebiete können das Rheintal, der Bregenzerwald und in der Phase 1884—1890 Nordtirol angegeben werden. Die Aufenthaltsdauer, besonders der Dienstmägde, war überraschend kurz, wobei in der Phase 1883—1890 die Verweildauer oft auf wenige Wochen und Monate zurückging. Erstaunlich hoch war die Zahl der Handwerker, die durch Wolfurt zogen, hier sich nach Arbeit umsahen und in der Regel nur kurz im Dorf blieben. Die Handwerksgesellen erhielten bis 1878 von der Gemeinde ein Dorfgeschenk, das als Unterstützungsgeld gedacht war und aus dem Armenfonds bezahlt wurde. Dieses Dorfgeschenk wurde aber von der Gemeinde eingestellt, da es sich um eine freiwillige Spende handelte und gesetzlich nicht festgelegt war.4 Die Herkunftsorte der Handwerker waren schwerpunktmäßig im Rheintal wiederum Bildstein, Schwarzach und Dornbirn. 22 Sehr viele Handwerker stammten aus dem Bregenzerwald, Nordtirol und auffallend viele der durchziehenden Handwerker aus Deutschland. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Nachbargemeinden Wolfurts, darunter besonders Bildstein, die häufigsten Herkunfsorte der nach Wolfurt kommenden Fremden waren. Besondere Bedeutung hatten auch die als Taglöhner und Fabriksarbeiter bezeichneten Welschtiroler, und auffallend hoch ist auch der Anteil von Arbeitern und Handwerkern aus der Schweiz und Deutschland. Der Gemeindeausschuß verhielt sich insgesamt eher ablehnend gegen die fremden Arbeiter. Die Gemeindeprotokolle enthalten einige interessante Stellungnahmen des Gemeindeausschusses zur Behandlung der Fremden im Dorf. In der Bekanntmachung 71 von 1860 wurde beispielsweise den Fabriksarbeitern verboten an der Ache Büsche abzuschneiden und abzuholzen, da diese Büsche für die Wuhrungen eine Bedeutung hatten.5 Als in den 80-er und 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts die Zahl der Welschtiroler Arbeiter enorm zugenommen hatte und ständig weiter wuchs, dürfte es zu einer Ablehnung dieser rasch wachsenden Bevölkerungsgruppe im Dorf gekommen sein. An zwei Stellen des Gemeindeprotokolls sind Hinweise auf diese Ablehnung zu finden. 1897 interpellierte das Ausschußmitglied Wendelin Rädler in einer Ausschußsitzung, daß den italienischen Arbeitern das unbefugte Holzsammeln in den Wolfurter Wäldern verboten werde und der Gemeindediener für die Ergreifung eines jeden Holzdiebes eine Prämie erhalten solle.6 Als 1899 ein Ansuchen für eine Gasthauskonzession gestellt und im Ausschuß beraten wurde, kam es nach einer Diskussion zur Ablehnung und folgender Bemerkung im Protokoll: «... es ist zu befürchten, daß es ein Tummelplatz der italienischen Elemente geben würde und die hiesige Bevölkerung dieses Gasthaus als unbehaglich empfinden wird .. .»7 Fremde wurden nur nach bestimmten Kriterien in den Gemeindeverband aufgenommen. In einem Gemeindebeschluß von 1853 wurde festgelegt, daß Quartiergeber für fremde Einzelpersonen und Familien 48 Kreuzer bzw. 2 Gulden in die Amtskasse zu zahlen hatten und daß Fremde, die in Wolfurt ein Anwesen kaufen wollten, für das Bürgerrecht als Mann 75 Gulden und als Frau 25 Gulden zu zahlen hatten.8 Mit der Veränderung der Heimatverbandgesetze im Jahre 1896, Reichsgesetzblatt Nr. 222 von 1896, wurde die Aufnahme in den Bürgerverband nach 10-jähriger Anwesenheit in der Gemeinde erleichtert. Die erste Aufnahme in den Bürgerverband auf Grund dieser Gesetzesänderung fand in Wolfurt im Jahre 1901 statt.9 Es wurden 32 fremde Familien, die sich seit 10 Jahren in der Gemeinde aufgehalten hatten, in den Heimatverband von Wolfurt aufgenommen, wobei aber nur von 9 Familien die Herkunftsorte bekannt sind. Es waren 4 Familien aus Bildstein, je 1 Familie aus Buch, Lauterach, Schwarzach, Hohenems und aus Kaltern. 1902 erfolgten nur 4 Aufnahmen, wobei 3 Familien ursprünglich aus Bildstein stammten. Die Aufnahmen von 1903 sehen sehr ähnlich aus, da 3 Familien und ein Lediger aus Buch, 3 nach Lauterach und je 1 nach Lustenau und Bildstein zuständig waren. Von diesen aufgenommenen Familien waren 4 in der 23 Stickerei tätig. Die Berufsstruktur und Herkunft von 1904 sieht etwas differenzierter aus. Von den 5 Familien stammten 3 aus Lustenau und 2 aus Alberschwende, wobei es sich um eine Sticker-, eine Fabriksarbeiter- und eine Taglöhnerfamilie handelte. Die meisten der neu in den Heimatverband aufgenommenen Familien stammten also aus Nachbargemeinden, wobei der größte Teil aus Bildstein stammte. Leider ist nur von einem Bruchteil der Familien der Beruf des Familienvorstandes bekannt, doch ist aus den wenigen Informationen die Bedeutung der Stickerei als Erwerbszweig zu ersehen. Aus dem Wolfurter Heimatverband schieden 1901 7 Wolfurter aus, wovon je 4 in den Gemeindeverband von Hörbranz, je eine in Lauterach, Feldkirch und Rieden aufgenommen wurden. 3 der Familienvorstände waren Handwerker, einer war Krämer und einer Taglöhner. Es ist anzunehmen, daß diese Personen während ihrer Berufsausbildung in die genannten Orte kamen und dort im erlernten Handwerksberuf sich niederließen. II.6 Die Fabriksarbeiter im Dorf Mit der 1838 gegründeten Spinnerei Kennelbach bot sich vielen Wolfurtern eine neue Arbeitsmöglichkeit. Über die soziale Stellung dieser «Fabrikler» in einem reinen Bauerndorf gibt es nur wenige Hinweise. Über das Selbstverständnis der Fabriksarbeiter sind uns aus dem ersten Bestandsjahr der Fabrik und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Quellentexte erhalten geblieben. 1839 suchte ein junger Arbeiter bei der Gemeinde um die Heiratsbewilligung an.1 Er schreibt darin, daß er monatlich 30 Gulden verdiene und «glaube, daß die Beschäftigung als Spinner bei einem soliden Gemeindebürger mehr Sicherheit auf gutem und bleibendem Verdienst, besonders in Kennelbach bei den so eben erst gegründeten Fabriksentablisment bietet, als jedes bürgerliche Gewerbe und Beschäftigung . . .» Ob der junge Arbeiter daraufhin die Heiratsgenehmigung erhielt, ist nicht bekannt, doch zeigt sich in einem Brief, daß der garantierte, wenn auch schmale Verdienst,eine Bedeutung für das Selbstverständnis der Arbeiter hatte. Ferdinand Schneider, der fleißige Wolfurter Chronist, war selbst Arbeiter in Kennelbach und er hat in seiner Chronik die hohe Arbeitszeit, die Nachtarbeit und das patriarchalische Verhältnis zwischen dem Arbeiter und dem Fabriksherrn beschrieben. Kritik kommt nur selten in diesen Schilderungen vor, der Fabrikant wird sogar positiv dargestellt, während die Fabriksdirektoren, die Vorarbeiter und Abteilungsleiter scharf kritisiert werden. Über das Dienstende nach 27 Jahren Tätigkeit in der Fabrik schreibt er « . . . es war mir wie man einem eingefangenen Vogel den Käfig öffnete schnell heraus ohne noch einen Schnabel Hanfsamen zu nehmen.. .»2 An einer anderen Stelle seiner Chronik erwähnt er in einem Gedicht über eine Theateraufführung «... nur die armen Fabrikler bleiben fort.. .»3 Obwohl diese Aussagen stark subjektiven Charakter haben, zeigen sie doch, daß vom Selbstverständnis des jungen Arbeiters von 1839 nicht mehr viel übrig blieb und die harte Arbeit im Vordergrund des Denkens stand. Die Anzahl der Wolfurter, die in Kennelbach arbeiteten, ist nur für das Jahr 1871 bekannt. Damals waren neben 34 Kennelbachern 108 Wolfurter in der Spinnerei beschäftigt. Laut der Volkszählung waren also 6,6 % der Einwohner Wolfurts, Fabriksarbeiter in Kennelbach. Es muß aber auch die hohe Anzahl von Wolfurter Fabriksarbeitern bedacht werden, die in anderen Industrieorten in Vorarlberg und in Süddeutschland Arbeit gesucht hatten. Zahlenmäßig können diese Personen nicht erfaßt werden, doch geht aus mehreren Akten im Gemeindearchiv die Abwanderung dieser Arbeiter hervor. Zu den einheimischen Arbeitern kamen die fremden Arbeiter hinzu, die von der Gemeinde nicht gerne gesehen wurden, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten. Die Gründung des Arbeitervereins wurde 1899 durch das Christlichsoziale Lager initiiert. Dieser eher dem konservativen Lager zugehörige Arbeiterverein bot seinen Mitgliedern Weihnachtsfeiern und Unterhaltung in Form von Tanz und Musik.5 25 II.5 Eheerlaubnis Die Gemeinde hatte auch über Ehegesuche abzustimmen. Der Bräutigam mußte bei der Gemeinde in seinem Ansuchen um die Heiratserlaubnis, seine finanziellen Verhältnisse, seinen Beruf und den Namen sowie die Herkunft seiner Verlobten angeben. Nach Erhalt der Informationen wurde im Gemeindeausschuß über das Ansuchen abgestimmt und diskutiert. Der Zweck dieser heute unvorstellbaren Vorschrift lag in der Angst vor Bettlerehen, die der Armenkasse der Gemeinde zur Last fallen würden. Man versuchte damit die Soziallasten der Gemeinde möglichst niedrig zu halten. Der Gemeindeausschuß scheint bei seinen Verhandlungen über Ehegesuche auch unter einem gewissen Druck von Seite der Bevölkerung gestanden zu sein. Im Gemeindeprotokoll von 1868 befindet sich eine Stelle, in der über den Vorwurf aus der Bevölkerung diskutiert wird, daß der Gemeindeausschuß zu liberal in der Behandlung von Ehegesuchen sei und sich die Zahl der «Bettlerehen» erhöht habe.1 In den Protokollen von 1867 bis 1890 werden 44 Eheansuchen genannt, wobei 28 Ansuchen angenommen und 16 abgelehnt wurden. In der Begründung der Ablehnung wird regelmäßig der Beruf und das mangelnde Vermögen des Bittstellers genannt.2 Auffallend ist bei den abgelehnten Gesuchen die Zahl der in den süddeutschen Industriezonen lebenden Wolfurter Metallarbeiter, die in Deutschland eine Braut gefunden hatten und bei der Gemeinde Wolfurt um die Eheerlaubnis ansuchten. Da mit der Genehmigung auch die Verpflichtung zum Unterhalt dieser in Süddeutschland lebenden Familie entstanden wäre und die Braut in Wolfurt unbekannt war, dürfte die Gemeinde die Erlaubnis nicht erteilt haben. Der Bräutigam konnte aber bei einer Ablehnung sich an die Bezirkshauptmannschaft wenden und dort einen Protest einlegen und erhielt nach längerem Schriftwechsel und mehreren Verhandlungen über die BH die Heiratserlaubnis. 24 II.7 Armenversorgung Über die Anzahl der Armen und das Ausmaß der Armut im 18. und 19. Jahrhundert ist für Wolfurt nichts bekannt, doch haben sich Informationen über die Armenpolitik der Gemeinde und über einige Einzelschicksale erhalten. Die Gemeinde Wolfurt hatte die Möglichkeit, unheilbar Kranke und Arme im Landspital in Bregenz-Rieden unterzubringen. Diese Institution entwickelte sich aus dem seit 1400 bestehenden Siechenhaus in Bregenz. Als dieses im 17. Jahrhundert durch Mißwirtschaft in finanzielle Probleme geriet, erklärten die das Siechenhaus mitfinanzierenden 7 Landgerichte Hofsteig, Lingenau, Alberschwende, Sulzberg, Hofrieden, Simmerberg und Grünenbach den Wunsch nach Errichtung eines eigenen Siechenhauses. Dieses Gebäude wurde 1614 errichtet und blieb bis zum heutigen Tag als Altersheim bestehen.1 Die Gemeinde Wolfurt benützte diese Institution im 19. Jahrhundert zur Unterbringung von Armen und wehrte sich im Jahre 1901, gemeinsam mit anderen Gemeinden, gegen die Auflösung des Landspitals. 1905 wurden über die weitere Zukunft des Landspitals Verhandlungen geführt, wobei die Gemeinden mit eigenen Armenhäusern für eine Auflösung des Landspitals, während die Gemeinden ohne ein eigenes Armenhaus für die Weiterführung dieses Hauses waren.2 Im August wurden diese Verhandlungen mit dem Ergebnis abgeschlossen, daß 13 Gemeinden das Landspital aufkauften und weiterführten.3 Das Armenwesen wurde in Wolfurt im 19. Jahrhundert zweimal organisiert und mit Statuten ausgestattet. 1823 versuchte die Gemeinde, nach vorheriger behördlicher Aufforderung, das Armenwesen zu regulieren und nach den vom Landgericht bzw. dem Kreisamt 1819 erlassenen allgemeinen Verordnungen zu organisieren. Es wurde eine Armenkommission eingerichtet, in der der Pfarrer und Gemeindevertreter waren. Die Gemeinde hatte die Pflicht, für den Unterhalt der Gemeindearmen aufzukommen und die Finanzierung der Armenversorgung zu regeln. Die Finanzierung der Unterstützungsgelder wurde zuerst durch milde Sammlungen in der Gemeinde hereingebracht, und erst bei Finanzierungsproblemen griff man zu einer Umlage, also einem Aufschlag auf die Gemeindesteuern. Weiters wurden Strafgelder, Prozente von Freiwilligen Versteigerungen und die Hundesteuer für die Finanzierung des Armenfonds verwendet. Die Armen hatten ihre Unterstützungsgesuche dem Armenrat vorzutragen, und dieser entschied über die Gewährung und die Höhe der Unterstützungszahlungen.4 Über die Armenpolitik der Gemeinde geben die Sitzungsprotokolle des Gemeindeausschusses hinreichend Auskunft. Es wurden im Rahmen der Armenversorgung den Armen Kleidungsstücke gekauft, ihren Kindern die Ausbildung vorfinanziert, für Kranke Arztkosten und Kuren bezahlt.5 Diese Unterstützungen waren aber von der Gemeinde auf Grund der allgemeinen Verordnung zu leisten. Für unsere Zeit erschreckend und ungemein hart sind aber Einzelschicksale und die Vorgangsweise der Armenkommission. 1867 beriet der Gemeindeausschuß über das 26 weitere Schicksal eines Mannes, der sein Vermögen verloren hatte. Es wurde beschlossen den Versuch zu unternehmen, ihn in der Fabrik unterzubringen und bei Nichtaufnahme in die Fabrik seine Verpflegung in einem Privathaus öffentlich zu versteigern.6 1868 erwarb die Gemeinde an der Ach ein Haus und Grundbesitz für die Einrichtung eines Armenhauses.7 Über dieses Haus, die Aufnahmebedingungen und die internen Verhältnisse sind leider keine Unterlagen vorhanden. 1874 wurde eine neue Armenordnung erlassen und wiederum eine Armenkommission einberufen. Als Einnahmen für den Armenfond fanden Pachtzinse aus den Armengütern, Grundstücke, die dem Armenfonds gehörten, das Armenprozent bei der Gemeindesteuer, Hundesteuern, Kapitalzinsen des Armenfonds, Strafgelder und Zuschüsse aus der Gemeindekasse Verwendung.8 Im selben Jahr adaptierte man auch das alte Schulhaus als Armenhaus.9 Die Versorgung der Armen sah so aus, daß der Arme ein Armenbuch erhielt und bei den einzelnen Häusern im Dorf, an bestimmten Tagen, einen sogenannten «Kosttag» einzuhalten hatte.10 Für die heutige Zeit, die durch Wohlfahrtsgesetze den Armen hilft, scheinen diese Vorgangsweisen unvorstellbar. III. Ausbau der Infrastruktur III.1 Schulen Das erste Schulhaus wurde 1778 im Strohdorf errichtet. Während des 19. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Schüler in Wolfurt ständig, sodaß sich die Gemeinde veranlaßt sah, die*Zahl der Lehrer zu erhöhen und die Schulbauten zu vergrößern bzw. einen Neubau zu erstellen. 1834 waren in Wolfurt drei Lehrer angestellt, die aber keine fixe Anstellung hatten.1 Man entschloß sich dann aber zu einem festen Vertragsverhältnis mit folgender Begründung: «... daß man hoffen durfte daß das Schulwesen in einigen Gegenständen besser empor kommen und die Obliegenheit der bestätigten Lehrer mit großem Eifer und Eindruck bewirkt werden sollte ...» Die Lehrer waren in drei Gehaltsklassen eingeteilt und neben dem normalen Unterricht zur Abhaltung einer Wiederholungsschule am Sonntag und zum Vorbeten in der Kirche verpflichtet. Sie erhielten im Schulhaus eine Dienstwohnung und waren dem Schulausschuß der Gemeinde verpflichtet. Die Bezahlung der Lehrer wurde bis 1814 mit den Mitteln des Bruderschaftsgeldes bestritten, wobei das Bregenzer Rentamt dieses Geld ausbezahlte. Wie aus dem Akt des Jahres 1877 klar hervorgeht, war die Gemeinde wegen des Fehlens eines Schulfonds zur Zahlung der Lehrergehälter verpflichtet. Das Lehrergehalt und die Unterhaltskosten für die 3 Schulklassen bedeuteten für das Budget der Gemeinde eine Belastung, und als 1867 das Lehrergehalt gesetzlich erhöht wurde, sah sich die Gemeinde gezwungen, das Legat des 27 Pfarrers Hiller bzw. die Zinsen dieses Legats, zur Finanzierung der Mehrkosten heranzuziehen.2 Seit 1874 setzte man Barmherzige Schwestern als Lehrerinnen ein.3 Ein Bericht des Gemeindeausschusses von 1874 gibt Einblick in die damals verwendeten Schulrequisiten. Es wurden Landkarten Österreichs, Palästinas, Tier- und Pflanzenbilder, Haushaltskundewandkarten, eine Wandkarte des metrischen Systems, ein Kompaß und Meterstab angeschafft.4 1870/71 wurde ein neues Schulhaus geplant und errichtet.5 Es war für 220 bis 240 Schüler geplant, und das alte Schulhaus fand als Armenhaus und Turnsaal für Sportler Verwendung.6 Trotz der großzügigen Planung klagte man 1891 bereits über die erhöhte Schülerzahl und die Raumnot.7 1899 diskutierte der Gemeindeausschuß das Schulproblem und erklärte, daß im Schulhaus kein Zimmer mehr frei wäre. Als Ursache für diese Raumnot und Erhöhung der Schülerzahl wurde folgendes protokolliert: «. . . die Schullast die Gemeinde schwer drückte, in dem die Fabriken in Kennelbach eine große Anzahl Arbeiterfamilien und Schüler bringe...» Weiters wurde erklärt, daß diese Arbeiterfamilien für die Gemeinde auch keine Einnahmequelle bedeuteten, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten.8 Zu den öffentlichen Pflichtschulen kam die im ersten Aufsatz bereits erwähnte Gewerbliche Fortbildungsschule, die man während der Wintermonate abhielt. selbst erhalten und gepflegt.3 Bis zum Bau dieser Straße bildete der Oberfeldweg die einzige Verbindung von Kennelbach nach Wolfurt. Auch über den Zustand der Ippachstraße finden sich Klagen.4 Diese Straße wurde von den Gemeinden Wolfurt, Hard und Lauterach gemeinsam erhalten, doch stellte ein Bericht vom Jahre 1863 fest, daß der Zustand der Straße sehr schlecht und ein Durchkommen auf ihn kaum mehr möglich sei. Der schlechte Straßenzustand wurde auch in Zeitungsartikeln beanstandet.5 1881 hatte die Gemeinde für die Erhaltung ihrer Straßen 2 Straßenmeister und 2 Wegmacher angestellt. Der Straßenbau und die Straßenerhaltung wurden auch als Arbeitsplatzbeschaffungsmöglichkeit für Arme betrachtet.6 In einer Gemeindeausschußsitzung des Jahres 1882 beschloß man die Armen im Dorf, sofern sie arbeitsfähig waren, in der Straßenpflege einzusetzen. Das System der Schotterung der Straßen blieb bis in das 20. Jahrhundert üblich, und erst mit der Asphaltierung der Oberen Straße im Jahre 1931 änderte und modernisierte sich der Straßenbau. III. 3 Brücken Die Gemeinde hatte für die Instandhaltung der Brücken im Gebiet Wolfurts zu sorgen. Im Ausgabebuch der Gemeinde aus dem Jahre 1816 wurden die Instandhaltungskosten der 18 «Bruggen» auf den Wolfurter Straßen als Ausgabeposten genannt. Die Gemeinde war auch für die Brücke über den Rickenbach verantwortlich, die als Verbindung in das Weitried diente. Vor der Brücke hatte sich nur ein Fußsteg an dieser Stelle befunden, und da sich im Weitried auch der größte Teil des Gemeindegrundbesitzes befand, war die Gemeinde nach einem bestimmten Aufteilungsschlüssel zur teilweisen Finanzierung der Reparaturkosten verpflichtet. Eine Verbindung mit Kennelbach existierte anfänglich nur in einer Fähre, die aber nach einem Unglück durch eine von der Spinnerei Kennelbach errichtete Holzbrücke ersetzt wurde. 1839 gab die Spinnerei den Bau der siebenjöchigen Holzbrücke in Auftrag. Diese Brücke war eine Mautbrücke, die nur für die Arbeiter gratis zu passieren war. Da diese Brücke den einzigen Übergang über die Bregenzerach oberhalb von Rieden darstellte, hatte sie für die ganze Region eine besondere Bedeutung. Erst mit dem Bau der Wälderbahn wurde die Frage eines Brückenneubaus in der Nähe des geplanten Bahnhofs interessant. In Wolfurt kam es zur Gründung eines Komitees «betreffs Verbindung mit der Bregenzerwälderbahn», das zur Aufgabe hatte «dahin zu sorgen, daß bei Ausführung des bestehenden Projekts der Bahnhof in tunlichster Nähe des Weilers Ach zu stehen kommt.»3 Dieses Komitee reichte nach zweijähriger Tätigkeit im Jahre 1897 ein Offert für eine Brücke und eine Petition an den Landtag ein. Als Hauptinitiator des Brückenbaus kann Wendelin Rädler genannt werden, der 1899 einen Plan und Kostenvoranschlag für eine hölzerne Brücke vorlegte und ein Jahr später im Gemeindeausschuß eine Petition verlesen ließ, in der er den Brückenbau gemeinsam mit Kennelbach vorschlug.4 Bei wei29 III.2 Straßen Mathias Schneider, Feldvermesser aus Wolfurt, hat in seiner Chronik auch über die Straßenabmessungen in Wolfurt im Jahre 1805 berichtet. Er schrieb, daß die Hauptstraße im ganzen Gericht Hofsteig 12 332 Klafter umfasse, wobei auf Wolfurt alleine 3 333 Klafter entfallen. Die Länge der Seitenstraßen im Gericht Hofsteig, gab er mit 6 794 Klafter an (11549,8 m), wobei die Seitenstraßen in Wolfurt 2 075 Klafter Länge (3 527,5 m) hatten. Schneider vermerkte weiter, daß es in Wolfurt noch besondere Nebenstraßen gebe, wie die Straße in die Berg, auf das Oberfeld, die Straße unter den Linden, im Strohdorf, an der Hub, Rutzenberg und Kellen. Alle diese Straßen waren lediglich geschottert, und die Straßenpflege bestand in der periodischen Neuschotterung, wobei die Gemeinde bis 1880 diese Arbeiten nicht durch eigene Arbeiter durchführen ließ, sondern die Arbeit an Bestbietende auf dem Versteigerungsweg vergab.1 In den verschiedensten Quellen finden sich immer wieder Klagen über die Beschaffenheit der Wolfurter Straßen. 1859 beschwerte sich die Direktion der Spinnerei Kennelbach über den schmutzigen und schlechten Zustand des Oberfeldweges und verlangte dessen Schotterung, da diese Straße für viele Arbeiter der tägliche Weg zur Spinnerei war.2 Die Spinnerei Kennelbach hat 1846 auf eigene Kosten eine Straße von der alten Kennelbacher Brücke (Obere Brücke bei der Spinnerei), dem Wolfurter Achufer entlang bis zu der Stelle gebaut, an der die Straße von Wolfurt in die Straße nach Lauterach einmündet. Diese Straße wurde von der Spinnerei auch 28 teren Verhandlungen schlug der Bregenzer Baumeister Kraushaar den Bau einer Betonbrücke vor, der nur unwesentlich teurer als eine Holzbrücke war, aber laut Sitzungsprotokoll «dauerhafter und an Eleganz einer Eisenbrücke kaum nachstehend».5 1901 fand in Kennelbach mit Landeshauptmann Rhomberg eine Besprechung statt, bei der die Errichtung einer «Concurrenz» für den Brückenbau beschlossen wurde.6 Der St. Galler Baumeister Westermann legte 1902 ein Offert für eine Betonbrücke «System Henebique» vor und nannte als Bausumme 447 000 Kronen. Ein Vertrag mit dieser Schweizer Firma wurde erst im September 1903 unterzeichnet und eine vertragliche Garantie für Hochwasserfestigkeit über 10 Jahre gegeben.7 Für die Finanzierung des Brückenbaus holte man auf Antrag Rädlers beim Landesausschuß die Bewilligung für eine Darlehensaufnahme von 33 000 Kronen mit 21-jähriger Amortisation ein. Im Juni 1904, nach einjähriger Bauzeit, wurde die Brücke dem Verkehr übergeben.8 III. 5 Entwässerung und Wasserversorgung Ein großer Teil des Gemeindegebietes von Wolfurt liegt im Ried, das ursprünglich aus Feuchtwiesen bestand und durch Entwässerung zumindest teilweise trockengelegt wurde. Bei der Riedteilung im Jahre 1792 legte die Behörde das Problem der Entwässerung und des Hochwasserschutzes vertraglich fest.1 Die Gemeinde wurde verpflichtet, den Rickenbach zu verwuhren, und die Grundbesitzer hatten jährlich die Abzugsgräben zu öffnen und von Stauden zu befreien. Diese Gräben kontrollierte jährlich zwischen dem 18. und 25. Mai ein Abgeordneter des Gemeindeausschusses, und bei nicht durchgeführter Öffnung der Wasserabzugsgräben wurde von der Gemeinde, auf Kosten des Grundbesitzers, der Graben geöffnet. Der Gemeindeausschuß hat auch jährlich durch Verlautbarung die Öffnung der Gräben angeordnet. Eine moderne wasserbautechnische Lösung der Rickenbachverbauung wurde erst um die Jahrhundertwende möglich, als in Vorarlberg im Zuge der Rheinregulierung auch der Plan einer Binnenwasserregulierung entstand. 1901 wandte sich die Gemeinde wegen der Regulierung des Rickenbachs an das Land und konnte eine Aufnahme in das Regulierungsprogramm erreichen.2 Nach einer Begehung des Rickenbachs mit Ingenieuren, machte man noch 1901 Pläne für eine Uferverbesserung. Die weitere Planung zog sich aber dahin, sodaß man erst 1906 ein Elaborat über die Regulierung des Rickenbachs und der Dornbirnerach im Gemeindeausschuß beraten konnte.3 Die Trinkwasserversorgung spielte sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung ab und konnte mit der enormen Bevölkerungsentwicklung und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht mehr Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.4 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Wasser hatte. Wegen dieser unhaltbaren Zustände kam es im «Rössle» zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, welche die Suche nach einer neuen Quelle für die allgemeine Wasserversorgung beschloß. Im Zeitungsartikel wird der durch die Industrie hervorgerufene Bevölkerungszuwachs als Grund für die Wasserprobleme genannt. 1907 wurde in Rickenbach eine Hochdruckwasserleitung für Trink- und Nutzwasser geplant und vom Gemeindeausschuß genehmigt.5 Ein weiterer Bereich der Gemeindeaufgaben waren die Wuhranlagen an der Bregenzerach. Seit 1833 versuchte man, das viele Hektar umfassende Überschwemmungsgebiet der Bregenzerach urbar zu machen. Über viele Jahre wurde der Flußlauf der Bregenzerach reguliert und konnten die entstehenden Inselgründe an der Ach als landwirtschaftlichen Grund genutzt werden. Dieser Grund war Gemeindebesitz und von der Gemeinde an Wolfurter Bauern verpachtet.6 III. 4 Straßenbahn Kennelbach-Dornbirn Die Gemeinde Dornbirn war in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim Bau der Bodenseegürtelbahn übergangen worden und versuchte daher krampfhaft, eine Verbindung mit den verschiedenen Eisenbahnlinien zu erhalten. Dornbirn hatte sich beim Bau der Bodenseegürtelbahn eine Verbindung BregenzDornbirn-Schweiz vorgestellt, um damit eine direkte Verbindung in die für die Textilindustrie bedeutende Schweiz zu erhalten. Besonders mit der Blüte der Stickerei machte sich das Fehlen einer direkten Bahnverbindung in die Schweiz bemerkbar. Aus diesen Gründen wurde die Idee einer Straßenbahn Dornbirn-LustenauSchweiz geboren.1 Als der Bau der Wälderbahn beschlossen wurde, bemühte sich Dornbirn um eine Verlängerung der Straßenbahn von Dornbirn nach Kennelbach. Wolfurt wäre durch dieses Straßenbahnprojekt mit Dornbirn verbunden worden und die Gemeinde zeigte an diesem Projekt großes Interesse. Bei diesem Projekt zeigte Lehrer Wendelin Rädler großes Engagement und erreichte, daß die Gemeinde Wolfurt 2 Vertreter in die vorbereitende Sitzung des Proponentenkomitees im März 1897 entsandte.2 Die Gemeindevertretung war sogar bereit, sich an den Unkosten für die technischen Vorarbeiten dieser Straßenbahnlinie zu beteiligen.3 Im November 1897 wurde der Gemeinde der Verlauf der Straßenbahntrasse vorgestellt und auch akzeptiert.4 1899 wurden die Pläne für die Straßenbahn auf den reinen Personentransport und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, für Personen und Güterverkehr geändert.5 Die Dornbirner verloren sehr bald das Interesse an dieser Verbindung und konzentrierten sich auf die Straßenbahn DornbirnLustenau, die 1900 fertiggestellt wurde.6 30 31 III. 6 Feuerlöschwesen Eine sehr wichtige Aufgabe der Gemeinde war die Organisation des Feuerlöschwesens. 1873 ließ sich die Gemeinde vom Mechaniker Karl Zuppinger einen Plan und ein Offert für eine Feuerspritze machen. Da die Kosten von 750 Gulden für die Gemeinde Wolfurt allein zu hoch waren, wurde versucht, mit der Nachbargemeinde Lauterach diese Spritze gemeinsam zu erwerben, wobei die Spritze in Lauterach aufbewahrt werden sollte. Ob dieser Plan zur Durchführung kam, läßt sich aus den Akten nicht mehr eruieren.1 1853 kaufte die Gemeinde zur Vervollständigung der Feuerbekämpfungsmittel Feuerhacken, Feuerleitern, Kübel und eine Feuerspritze.2 Die Organisation der Feuerbekämpfung war jedoch recht locker. 1868 wurden Erdröhren vom Schloßweiher ins Kirchdorf verlegt, damit bei einem Brandausbruch im eng verbauten Kirchdorf, eine reguläre Wasserzufuhr möglich war.3 Die Erhaltung und Pflege dieser Wasserleitung und des Weihers blieb eine wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung. 1876 richtete der Gemeindeausschuß ein Komitee zur Errichtung einer Feuerwehr ein, das sich mit der Organisation der Feuerwehr und des Feuerlöschwesens zu beschäftigen hatte, aber keine großen Fortschritte brachte.4 Erst 1889 wurden Statuten für eine Feuerwehr erlassen.5 1900 schaffte die Gemeinde eine moderne Feuerspritze an und verkaufte den bis dahin noch in Verwendung befindliche Feuerkübelwagen.6 und einer gerichtlichen Klage gegen Loacker. Die Gemeinde ging in diesem Rechtsstreit nach negativen Urteilen in der ersten und zweiten Instanz zu einer Klage am Obersten Gerichtshof über.4 Gleichzeitig mit diesen Prozessen verhandelte die Gemeinde mit Loacker über neue Stromtarife für Stickereimaschinen, die einen besonderen Tarif erhalten sollten. Als Loacker diesen Wünschen der Gemeinde nachkam, zog die Gemeinde die Klage gegen Loacker zurück. Da der Strombedarf in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, den vom E-Werk Schwarzach versorgten Gemeinden, immer mehr stieg, sah sich Loacker gezwungen, eine Dampfanlage mit 180 PS zusätzlich für die Stromerzeugung aufzustellen. Loacker verhandelte daher mit dem Elektrowerk Jenny & Schindler in Rieden und konnte ein Abkommen über Lieferung von Reservekraft an das E-Werk Schwarzach abschließen.5 1931 wurde das Schwarzacher E-Werk stillgelegt und die Energieversorgung der Hofsteiggemeinden von den Vorarlberger Kraftwerken übernommen. Es muß noch auf das nur für betriebsinterne Zwecke gebaute E-Werk Zuppinger in Wolfurt hingewiesen werden. 1885 hat die Spulenfabrik und Mühle Zuppinger einen Generator angeschafft, der Licht- und Kraftstrom für den Eigenbedarf lieferte.6 III.8Telefon Die Telegraphenverwaltung Innsbruck wandte sich 1900 erstmals wegen der Einführung eines Telefonanschlusses an die Gemeinde.1 Es wurde die Errichtung eines «Sprachbureaus mit Telefon» in Wolfurt und Rickenbach vorgeschlagen und die Gemeinde um eine Stellungnahme gebeten. Nachdem der Gemeindeausschuß einen Kostenvoranschlag eingeholt hatte, vertagte er den Plan eines Telefonanschlusses aus Kostengründen.2 1902 wurde diese Idee von Wendelin Rädler im Gemeindeausschuß neu aufgegriffen und beschlossen, mit den Nachbargemeinden Kontakt wegen eines Telefonanschlusses an Bregenz aufzunehmen.3 Die erste Telefonleitung in Wolfurt konnte dann 1904 in Betrieb genommen werden.4 III.7 Elektrifizierung Das erste E-Werk in Wolfurt errichteten die Gebr. Gunz und 1897 machte diese Firma der Gemeinde das Angebot, in Wolfurt die elektrische Beleuchtung einzuführen und die Gemeinde mit Strom zu versorgen.1 1899 sprach in derselben Angelegenheit der Elektropionier Albert Loacker in der Gemeinde vor, und es wurden Vorverhandlungen für eventuelle Vertragsbedingungen begonnen.2 Der Strom sollte aus dem im selben Jahr erbauten Kraftwerk in Schwarzach stammen. Dieses E-Werk nützte die Wasserkraft der Schwarzach mit einem Gefälle von 70 Metern und hatte eine Turbinenleistung von 150 PS. Am 30.6.1899 wurde mit Loacker ein Stromlieferungsvertrag unterzeichnet und ein eigenes Straßenbeleuchtungskomitee gegründet, das im Oktober desselben Jahres dem Gemeindeausschuß berichten konnte, daß «die Bürgerschaft der Stromeinführung simpatisch» gegenüberstehe.3 Loacker offerierte Glühlampen mit 16 «Kerzen stärken» und schlug die Installation von 22 «Flammen» im Dorf vor, da damit der Bedarf notdürftig gedeckt wäre. Die Installationskosten wurden mit 1046 Gulden berechnet. Im Dezember 1890 kam es zu einem Streit mit Loacker, da er die Vertragsbedingungen nicht erfüllt hatte. Die Gemeinde warf ihm vor, die Preise ohne Rücksprache erhöht zu haben, und daß die Beleuchtungs- und Motorenkraft zeitweise schon nachlasse infolge der Abgabe von Strom nach auswärts. Da dieser Streit nicht gelöst werden konnte, entschloß sich die Gemeinde 1904 zu einem Gespräch mit einem Juristen 32 III. 9 Die Gründung von Sparkassen Wegen der mit Zahlen im Kapitel Vermögensstrukturen geschilderten Notlage der Bevölkerung wurde die Idee eines Spar- und Vorschußvereins geboren. Der Fabrikant Johann Walter Zuppinger ergriff 1881 die Initiative zur Gründung eines solchen Vereins nach dem System Schulze-Delitsch. Am 26. und 28. Dezember 1881 fanden die Gründungsversammlungen dieses Vereins statt. Für Einlagen wurden 4 % bezahlt und für Ausleihungen 5,5 % von vornherein abgezogen.1 Gleichzeitig debattierte auch der Gemeindeausschuß die Gründung einer Sparkasse, wobei als Initiator Wendelin Rädler auftrat, der die Einsetzung eines Komitees für eine Gemeindesparkasse erreichte.2 Nach einem Monat wurde im Jänner 1882 der vom Gemeindeschreiber Lorenz Schertler erstellte Entwurf von Sparkassenstatuten dem Gemeindeausschuß vorgelegt.3 Die Gemeinde beschwerte sich bei der Bezirkshauptmannschaft 33 und beim Innenministerium gegen den Spar- und Vorschußverein Rickenbach. Die Bezirkshauptmannschaft erklärte aber in einer Stellungnahme, daß nach der bereits erfolgten Vereinsgründung eine Sparkasse keine besondere Bedeutung erlangen könne.4 Die Gemeinde beschäftigte sich daraufhin nicht mehr mit dieser Angelegenheit. 1889 ergriff Wendelin Rädler wieder die Initiative zur Gründung einer Raiffeisenkasse und am 31. März 1889 fand die Gründungsversammlung statt. Als Beitrittsgebühr zur Genossenschaft wurde 1 Gulden festgelegt, der Einlagezinsfuß mit 4 % und der Zinsfuß für Darlehen mit 5 % festgesetzt.5 Die Mitgliederzahl stieg in den folgenden Jahren ständig an und erreichte bis 1912, dem Austrittsjahr Rädlers aus der Kasse, 222 Mitglieder. Der Umsatz in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs kontinuierlich an, sodaß die Spar- und Darlehenskasse für mehrere öffentliche Bauten der Gemeinde Darlehen gewähren konnte. Das Warengeschäft nahm man 1895 auf, beschränkte sich aber auf Kunstdünger, Viehsalz und Maismehl.6 Durch die Schaffung dieser Institution konnte die wirtschaftliche Not im Dorf zumindest gelindert und mit dem Warengeschäft die landwirtschaftliche Produktion gefördert werden. leben eine bedeutende Rolle. Das Fronleichnamsfest wurde mit einem Umzug der Schützen durch das Dorf gefeiert, wobei die Schützen und die Musik mitgingen. Die Zugordnung bei der Prozession wurde genau festgelegt und führte 1895 im Gemeinderat zu einer scharfen Diskussion, da sich 2 Musikgruppen gebildet hatten und nun um die Ehre stritten, an der Spitze des Zuges zu marschieren.2 Als besonderes kirchliches Fest gestaltete sich das 25-jährige Jubiläum von Papst Pius IX. im Jahre 1871, das man mit Feuerwerk, Böllerschießen und Gewehrsaluten feierte.3 Christbaumfeiern wurden 1832 für die Schuljugend eingeführt, wobei es zuerst zu Widerstand gegen diesen aus dem protestantischen Deutschland stammenden Brauch kam. Auf dem Dachboden der Schule wurden von den Sqhülern Weihnachtsspiele einstudiert und vor den Eltern aufgeführt.4 Auch Vereine führten für ihre Mitglieder Christbaumfeiern durch. So sind aus dem «Rössle»-Saal Christbaumfeiern im Jahre 1893 bekannt, wobei das Christlichsoziale Kasino und dann der Christlichsoziale Arbeiterverein diese Feiern organisierten.5 Als beliebte Formen der Geselligkeit werden in den Quellen auch Schlittenfahrten der Wolfurter in die benachbarten Ortschaften erwähnt.6 Zu Silvester zogen die Musikanten und Sänger durch das Dorf und überbrachten, wie auch heute noch üblich, den Dorfbewohnern Glückwünsche für das neue Jahr.7 Die Geselligkeit scheint von einigen Leuten im Dorf übertrieben worden zu sein, da sich der Gemeindeausschuß 1868 gegen das «Nachtschwärmen» der jungen Burschen aussprach und ein scharfes Vorgehen dagegen ankündigte.8 Ob man dieses Vorgehen auch wirklich durchführte und damit einen Erfolg hatte, ist in den Protokollen nicht erwähnt. 1883 sah sich der Gemeindeausschuß gezwungen, die Polizeistunde auf 11 Uhr festzusetzen.9 Als eine neue organisierte Form der Geselligkeit gestalteten sich ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Vereine. Es wurden ein Turnverein, Musikvereine und ein Veteranenverein gegründet.10 Der Turnverein erhielt 1886 von der Gemeinde als Übungsraum 2 Schulklassen im alten Schulhaus zugewiesen.11 Diese Vereine organisierten in der Faschingszeit Bälle. Wie vielfältig das Angebot der Bälle war, sieht man daran, daß beispielsweise im Jahres 1884, kurz hintereinander ein Stickerball, Schützen-, Sänger- und Boltzschützenbälle abgehalten wurden.12 Diese Feiern und Feste fanden in wirtschaftlichen Notzeiten, wie während der Stikkereikrise 1904, nicht statt.13 Als Zentren der Geselligkeit fungierten damals wie ja auch heute noch die Gasthäuser. 1891 gab es in Wolfurt 12 Gasthäuser, was einem statistischen Durchschnitt von 158 Einwohnern pro Gasthaus entsprach.14 In diesem Jahr wechselten mehrere Gasthäuser ihre Besitzer. Tanzveranstaltungen waren ebenfalls ein beliebter Treffpunkt, wobei man diese Tänze bei der Gemeinde anzumelden hatte, da sie besonders besteuert wurden. Spontane, nicht angemeldete Tänze bezeichnete man als «Winkeltänze» und die Veranstalter wurden nach der Ausforschung von der Gemeinde verwarnt. Ein Beispiel dafür ist ein Verbot der Winkeltänze aus dem Jahre 1832. Die normalen Tanzveranstaltungen wurden in den Wirtshäusern des Dorfes durchgeführt.15 35 IV. Geselliges Leben Beim Versuch einer Darstellung der Wolfurter Dorfgeschichte im 19. Jahrhundert muß auch auf die verschiedenen Formen der Unterhaltung und Geselligkeit eingegangen werden. Es ist gut vorstellbar, daß während der Frühindustrialisierung bei der einförmigen Tätigkeit am Webstuhl und am Spinnstock ein starkes Bedürfnis nach Geselligkeit und Unterhaltung entstand. Auch im bäuerlichen Milieu war ein solches Bedürfnis natürlich vorhanden, wobei aber das bäuerliche Arbeitsjahr mit seinem auf die Natur abgestimmten Rhythmus von Arbeit und Festen die Dorfunterhaltungen dominierte. Für Wolfurt ist über die verschiedenen Formen der Geselligkeit reichlich Quellenmaterial vorhanden. Eine besondere Form der Geselligkeit in Wolfurt waren die Theateraufführungen, die an verschiedenen Plätzen des Dorfes aufgeführt wurden. Es kamen dabei unter Beteiligung des ganzen Dorfes, Stücke wie «Wilhelm Tell», «Die Jungfrau von Orleans» und «Die Räuber» von Schiller zur Aufführung.1 Alle diese Theaterstücke wurden während des Faschings aufgeführt. Während des Faschings gab es auch Umzüge durch das Dorf, und auf Schauwagen wurden Szenen gespielt, wobei der Eindruck entstehen könnte, daß man teilweise einen makaberen Humor hatte. So stellte man z. B. 1850 auf einem Wagen einen Leinenweber mit vielen Kindern und einem Gerichtsschreiber, der das Eigentum des Webers für die Versteigerung notierte. 1914 wurde dann ein Schiff «Titanic II.» im Umzug mitgeführt, das für die Stickerei neue Absatzmärkte finden sollte. Man sieht, daß das Volk damals reale wirtschaftliche Probleme auf satirische Art und Weise im Fasching darstellen konnte. Auch kirchliche Festtage spielten im Dorf34 Quellenverzeichnis: Zeitungen: Vorarlberger Volksblatt Vorarlberger Landbote Feldkircher Zeitung Archive: Vorarlberger Landesarchiv: Bestand Kreisamt Bestand Bezirkshauptmannschaft Gemeindearchiv Wolfurt: Akten in Schachteln nach Jahrgängen geordnet Steuerbücher Gemeindeausschußprotokolle (GAPR) Chroniken Ferdinand und Mathias Schneider Armenvorsorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Stadtarchiv Bregenz, Akt 703 GAPR 27.7.1901, 9.8.1905 GAPR 29.8.1905 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800, Bericht GAPR 4.12.1867 und 12.7.1872 GAPR 4.12.1867 und Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 94, 1869 GAPR 26.4.1872, Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1868, Akt vom 1.4.1868 GAPR 25.2.1874 GAPR 23.11.1875 GAPR 17.9.1882 AUFBAU DER INFRASTRUKTUR Schulen Bevölkerungsbewegung 1 Statistische Unterlagen: Mathias Schneider, Wolfurter Chronik, Manuskript Original im Gemeindearchiv; Wolfurter Statistiken im Gemeindearchiv, Sch 1800; Beiträge zur Österreichischen Statistik Heft 630/1 A, S. 87 Franz Leitzinger, Die Bevölkerungsbewegung in Vorarlberg seit 1873 und der Stand der Bevölkerung im Jahre 1890, Bozen 1898, S. 9. Haushaltsstrukturen 1839 Gemeindearchiv Wolfurt Wolfurt, Sch 1800 1 2 3 4 5 6 7 Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1800 GAPR 20.11.1867 GAPR 23.5.1874 GAPR 27.11.1874 GAPR 12.11.1871 und Gemeindearchiv Sch 1869 GAPR 27.11.1875 Vorarlberger Landbote Nr. 19, 1891 und GAPR 23.10.1899 Straßen 1 2 3 4 5 6 Schneider, Chronik Gemeindearchiv Wolfurt, Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 47 vom 17.4.1859 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 ebd. Feldkircher Zeitung 2.4.1881 und 23.4.1881 GAPR 25.11.1882 Fremde 1 2 3 4 5 6 7 8 9 GAPR Bevölkerungsstatistik Sch 1800 Egon Sinz, Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 138. Reinhard Johler, Mir parlen Italiano und spreggen Dütsch piano. Feldkirch 1987, S 25. GAPR 23.1.1878 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1860 GAPR 14.10.1897 GAPR 15.7.1899 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschlüsse GAPR 29.5.1901, 6.10.1903, 29.4.1904 und 28.2.1903 Brücken 1 2 3 4 5 6 7 8 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeinderechnungen 1816 GAPR 29.9.1867 GAPR 5.11.1895 GAPR 9.8.1899 und 15.9.1900 GAPR 16.2.1901 GAPR 17.4.1901 GAPR 8.5.1902 und 10.9.1903 GAPR 14.3.1904 Eheerlaubnis 1 GAPR 9.2.1868 2 aus Gemeindeausschußprotokoll im Gemeindearchiv errechnet Straßenbau Dornbirn-Kennelbach 1 2 3 4 5 6 Feldkircher Zeitung, 8.5.1897 GAPR 17.3.1897 GAPR 24.4.1897 GAPR 18.11.1897 GAPR 9.8.1899 Gemeindeblatt Dornbirn, 30.11.1902 Fabriksarbeiter 1 2 3 4 5 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 F. Schneider, Chronik, S. 166 F. Schneider, Chronik, S. 35 Egon Sinz, Kennelbach, die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 136 GAPR 15.7.1899 6 Schneider, Chronik, S. 222, 223, 225 Entwässerung 1 Gemeindearchiv Wolfurt. Faszikel Riedteilung 2 GAPR 9.1.1901, 16.2.1901, 17.4.1901 3 GAPR 15.12.1901 und GAPR 9.8.1906 36 37
  1. heimatwolfurt
19900401_Heimat_Wolfurt_05 Wolfurt 01.04.1990 Heft 5 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 90 SCHLOSS WOLFURT auf einem Foto aus dem Anfang unseres Jahrhunderts. So hatte der Bregenzer Kaufmann Jakob Huter 1856 das alte Schloß umgebaut und den massiven Turm mit einem romantischen Zinnenkranz im «Neuschwanstein»-Stil geschmückt. 1936 bekam der Turm seine heutige Form. Das Schloß ist 1939 abgebrannt. Inhalt: 13. 14. 15. 16. 17. Schlösser in Wolfurt (Heim) Pfarrer Barraga (Köb) Pfarrkirche (Heim) Autos (Heim) Chronik (Engelbert Köb) Zuschriften und Notizen Wie hoch ist der Wolfurter Kirchturm? Eine Reihe von Anfragen befaßte sich mit der in Heft 4 veröffentlichten Planskizze aus dem Pfarramt, die die Turmhöhe mit 57,30 m angibt: «In der Schule haben wir gelernt 65 m!» Ein erfahrener Handwerker berichtete sogar, wie er einst vom «Giggolar» bis zum Friedhof herab ein Seil ausrollte und nachher abmaß: 63 m. Mit modernsten Meßgeräten hat daher Karl Hinteregger den Turm im November 1989 noch einmal abgemessen: 56,92 m. Ein Gruß daher an alle Heimatkundelehrer: Der Wolfurter Kirchturm ist 57 Meter hoch. Zu Kriegsende 1945 (Heft 3/36) erinnert sich Albert Köb (Mesmers auf dem Bühel): «Luise Bilgeri wurde nicht mit den beiden Soldaten in ein gemeinsames Grab gelegt, sondern einen Tag später allein ein paar Grabreihen weiter hinten beerdigt. Ich habe dem Totengräber beim Graben geholfen.» Mundartausdrücke (Heft 4/1) Besonders viel Aufmerksamkeit hat Helmut Heim mit seinem Beitrag gefunden. Manche haben fröhlich darüber diskutiert. ArminSchertlerund Celine Gliebe haben selbst ergänzende Beiträge geschickt. Wir bitten alle Dialekt-Freunde, uns weitere Sprüche und Notizen zuzusenden, damit bald eine Fortsetzung folgen kann. Weit in die Fremde werden manche unserer Hefte als Gruß aus Wolfurt verschickt, aus dem fernen Wien erreichte uns ein Brief: Lieber Heimatkundekreis! Vielen Dank für die Heimatkundehefte. Sie sind interessant, informativ und erweitern meine Kenntnisse in diesen Bereichen gewaltig. Allein die Entwicklung in den 28 Jahren, die ich von Wolfurt fort bin, ist unglaublich. Jedesmal wenn ich nach Wolfurt komme, hat sich wieder was verändert. Z. B. hat die Bregenzerstraße ein ganz anderes Gesicht als zu der Zeit, als ich noch zu Hause war. Überall entstehen neue Häuser oder Wohnbauten oder auch öffentliche Gebäude, wo ich mir dann überlegen muß, was da früher gestanden ist — wie es ausgesehen hat. Ein bißchen wehmütig berührt mich, daß die vielen Wiesen verschwinden, wo ich mit König 's Kühe hüten war oder mit den Freunden gespielt habe. Das Bächle in der unteren Straße, in das ich nicht nur einmal «abgestürzt» bin, vermisse ich auch—alles Nostalgie — lassen wirs. 1 DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Heinrich Köb, geboren 1946, Hauptschullehrer in Wolfurt Berichtigungen 1. Die Kapläne (Heft 4/71): auf einen besonders schlimmen Fehler weisen mehrere aufmerksame Leser hin. In der Reihe wurde unser besonders beliebter Kaplan Pius Fäßler vergessen. Ich bitte den fröhlichen Pfarrer von Au um Verzeihung. Er feiert heuer das 20jährige Pfarrjubiläum. Am 13. September 1970 ist er von Wolfurt nach Au eingezogen. 2. Druckfehler (Heft 4/62, Zeile 12): statt Gelände richtig «Geläute». Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Die andere Seite ist, daß es jetzt viel mehr Möglichkeiten gibt, ob Freizeit, Schule oder Erwachsenenbildung und auch ein reges Vereinsleben. Ich komme immer wieder gerne das «Hoamweh abstroafa» und Dialekt «uffrischa». Auch meine Söhne sind mit dem Dialekt vertraut, denn jeder von ihnen kommt gern ins Ländle. Meine Haupt- und wesentlichste Erinnerung an Wolfurt ist die, daß ich überhaupt noch am Leben bin: Im Jahr 49 hatte ich Diphtherie, die der Arzt aber nicht erkannt hat. Dank Schwester Epiphania kam ich dann im letzten Augenblick noch zu meinem Luftröhrenschnitt und blieb dadurch am Leben. Die anderen Erinnerungen beziehen sich fast alle auf Flatz' Isidor, der für mich Vater, Großvater, Freund, Kumpel war und viel zu früh gestorben ist. 1958 sind wir an die Ach gezogen, und ich 1962 nach Wien. Damals ist der Kontakt zu Wolfurt und den Wolfurtern leider abgerissen. Schellings (Gliebe) Celine versorgt mich mit Informationen (Hinweis auf den Heimatkundekreis), Zeitungsausschnitten, Festbroschüren über Wolfurt. Sie ist meine Hauptquelle für Neues aus der Heimat. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und bleibe mit herzlichen Grüßen Eure Helga Klement (Berkmann) Siegfried Heim SCHLOSS WOLFURT Auszug aus einem Vortrag im November 1989 Das Schloß auf dem Bühel über dem Kirchdorf prägt wesentlich das Bild unseres Ortes. Es ist Privatbesitz der Familie Schindler, aber es gehört doch auch uns allen. Sage und Geschichte Chronist Ferdinand Schneider nennt um das Jahr 1880 vier Schlösser in Wolfurt: «Vom Schlößle Holz bei Unterlinden weiß die Geschichte nichts.» Vom Schloß Kuien auf dem Rutzenberg kennen wir immerhin die Sage von der goldenen Schlange. Schloß Veldegg auf dem Hexenbühel im Oberfeld und Schloß Wolfurt sind durch viele Dokumente bezeugt. Zuerst die älteste Sage, die Weizenegger in seiner Beschreibung Vorarlbergs aus dem Jahre 1839 (auf S. 350) berichtet: «Unter den Familienmitgliedern pflanzte sich die Erinnerung fort, daß die ursprünglichen Wolffurth im 13. Jhdt. aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M'Dewr the Wolf— sprich Mac Diur the Wolf— führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford — Wolfsführe — und nach und nach in Wolffurth überging.» Es gibt keinerlei Beweis für die Echtheit dieser Sage. Aber tatsächlich durchzogen in jenen Jahrhunderten zahlreiche Ritter die Länder Europas, manche als Abenteurer und in Minnediensten, viele als Söldner und Söldnerführer. Ich verweise auf das berühmte Fresko von Ucello im Dom von Florenz, das den britischen Söldnerführer John Hawkwood («Giovanni Acuto») in florentinischen Diensten zeigt. Diese Sage von M'Dewr the Wolf würde erklären, warum der Name Wolfurt erst so spät um das Jahr 1220 auftaucht und zwar als Name einer Burg, während die Ansiedlung beim Kellhof schon lange bestand und nachweislich schon 1172 eine Kapelle St. Nikolaus besaß. 2 3 Ab 1220 tauchen der Name Wolfurt und das Siegel mit dem Wolf auf vielen Dokumenten im Raum von Lindau bis Konstanz und Pfullendorf auf und bezeugen ein mächtiges Rittergeschlecht. Thomas Lirer zählt es in seiner Schwäbischen Chronik zu den bedeutendsten Geschlechtern Schwabens. Das Lindauer Geschlechterbuch nennt es «fürnehm in der Ritterschaft des Landes Schwaben». In Vorarlberg selbst war Schloß Wolfurt mit seinem Kellhof und dessen selbständigem Gericht aber ein Fremdkörper. Der Kellhof war 1167 als Königsgut in den Besitz des Kaisers Friedrich Barbarossa gekommen und mit der Stadt Lindau Reichsgut geworden. Mitten im Montfortischen Hofsteig war er jetzt Stützpunkt der Staufer, die bei der Besiedlung des Bregenzerwaldes mit den Grafen von Bregenz konkurrierten. Wahrscheinlich waren Kellhof und Schloß auch Rastplätze am staufischen Kaiserweg über die Alpen nach Italien. Hierin könnte die ursprüngliche Bedeutung der Ritter von Wolfurt liegen, die sich zwar im Bodenseeraum einen Namen machten, in Vorarlberg selbst aber bei späteren Geschichtsschreibern kaum Beachtung fanden. Erst Burmeister richtete ab 1982 mit seinen Forschungen und seinen Veröffentlichungen «Das Edelgeschlecht von Wolfurt» (1984 in Lindau!) und «Die Siegel der Edlen von Wolfurt» (1984 in Eisenstadt!) die Aufmerksamkeit der Historiker auf das Wolfswappen. Er weist nach, daß die Wolfurter im 14. Jahrhundert zwanzig Burgen besaßen, allerdings in Vorarlberg nur ihr Stammschloß, aber zehn am Untersee und im Schwarzwald, neun in Ungarn und eine in Italien. 10. Jenny Samuel: Der Wolfurter Kelch in Pfäfers, LM-Jahresbericht 1888 11. Nigg Theophil: Der Wolfurter Kelch, Heimatblätter aus dem Sarganserland 1937/7 12. Rapp Anna: Der Meßkelch aus Pfäfers, Schatzkammer der Schweiz, Landesmuseum Zürich 1980/40 13. Vogler Werner: Die Wolfurter in Pfäfers, LM-Jahrbuch 1982 14. Weizenegger-Merkle: Vorarlberg 1839/1-350 Die goldene Schlange von Wolfurt Als erster hat Pfarrer Barraga 1834 diese alte Wolfurter Sage im Pfarr-«Catalogus III» aufgeschrieben. Er erzählt vom Schloß Kuien: «Von diesem Schloße sah man öfters eine goldene Schlange über die Felswand hinabschießen u. aus (dem) Rickenbach Waßer schlürfen.» Franz Josef Vonbun hat die Sage in Oberländer Mundart in Verse gesetzt. Die erste Strophe lautet: «Ob Wolfurt ist a Zwingburg gsi, sie ist jetzt frile zämmekeit und nur verwetterts Murewerk ist d'Loabat vu der Herrlichkeit.» Fälschlich verlegen schon Ulmer und nach ihm auch Burmeister die Sage vom Kuien nach Schloß Wolfurt. Die Überlieferung weist sie aber eindeutig dem nach der Sage im Jahre 1408 von den Appenzellem verbrannten Schloß Kuien am Rickenbach zu. Ungefähr so habe ich sie von meinem Lehrer gehört: « Ufom Kujo im Bahholz obor Rikkoba ist amol a Schloß gstando. Döt dorn heot an böso Rittar gwohnt. Am heallo Tag heot ar Kouflütt uf or Stroß üborfallo und heot eona s Geold gnuh. No meh händ alle dio hoffürtig Tochtor vum Rittar gfürchtot. Dio ist vielmol mit ihrom wildo Roß miotta dur d Kornäckargritto und heot mit dor Goasol uschuldige Lütt gschlago. Viel Gold heot si im Keor zemmod treit. Abor wenn an armo Beattlar am Burgtoar klopfot heot, dann heot sie dio böso Hund ufon ghetzt. Zletscht händ d Buro d Appozellar us or Schwiz z Hilf gholot. In ar dunklo Nacht händ se d Burg übrfallo und azündt. Heolluf heot as brennt und dann ist alls zemmodgfallo und dio brennigo Balko händ deo böso Rittar arschlago. Des hoffürtig Fräulein ist im Rouch ufom Geold im Keor eländig vorstickt. 5 Literatur: Für besonders interessierte Leser füge ich hier eine Liste von Werken ein, die Schloß Wolfurt oder seine Ritter beschreiben: 1. Schwärzler Kaspar: Die Edelgeschlechter von Wolfurt a) Manuskript 1897 in der Schulchronik Wolfurt b) Volkskalender 1898 c) Volksblatt 1898/48-51 2. Ulmer Andreas: Burgen und Edelsitze 1925/385 3. Neurauter: Schlösser, Feierabend 1932/5 4. Gasser Siegfried: Schloß Wolfurt, Illwerke 1972 5. Burmeister Karl Heinz: Die Wolfurter, Landesmuseum 1982, Katalog 99 6. Burmeister Karl Heinz: Ritter Konrad, LM-Jahrbuch 1982 7. Burmeister Karl Heinz: Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Museum Lindau 1984 8. Burmeister Karl Heinz: Die Siegel von Wolfurt, Burgenländische Forschungen VII/1984 9. Bronner Franz Xaver: Herzog Werner von Urslingen, Aarau 1828 (aus italienischen Chroniken). 4 A bor d Seel vun-oro heot ka Ruoh gfundo. Sit do muoß seas Schlang im Keor goastoro und Buoß toa. All hundort Johr amol darfse ussar krücho und am Rikkoba Wassortrinko. Wenn däs an uschuldigs Sunntagskind sioht und ohne Angst stoh blibt, dann kan as dio arm Seel mit am Gebeott arlöso und kut viel Geold und Gold übor. Sus abor muoß dio glitzgorig Schlang wiedor zruck in Keor ine und ma hört se z Nacht rumplo und pflänno.» und ein anderer Baron mußten 100.000 Goldgulden, mehrere Freiherrn und Ritter 50.000, die Ritter und Schildträger von Neapel auch 50.000bezahlen; der Graf von Spreck und Wilhelm von Fogliano, die selbst um Sold dienten, verloren ihre Waffen, Harnische und Pf erde.» Mit den anderen Söldnerführern teilte Konrad von Wolfurt — die italienischen Chronisten nennen ihn «Wolfart» oder «Corrado Lupo», den Wolf— die unfaßbar große Beute von 500000 Goldgulden und die vielen Wagenladungen voll anderer Schätze: «Nebst dem beträchtlichen Geldschatze theilten sie unter sich auch eine Menge Streitrosse, reiche Harnische und Waffengeräthe, ferner ganze Haufen durch Kirchenraub zusammengebrachte silberne Kirchengefasse, Kreuze, Kelche, köstliche Priestergewänder, Altarschmucku. dgl., auch ganze Gewölbe voll theure Juwelen, Schmuckkästchen von großem Werthe, die sie den Gemarterten durch lange Qualen entrissen hatten. Nach dieser Theilung war jeder Soldat reicher als er erwartet hatte; das Heer zog sich über den Volturno zurück, und die Feldherrn gingen zu Rathe, ob sie sich trennen wollten. Die Deutschen trachteten mit ihrem Raube ins Vaterland zu entkommen; nur Conrad Wolfart mit einigen ungarischen Heerscharen blieb noch im Königreiche Neapel und ging nach Apulien in feste Plätze zurück. Die reichen Freibeuter nahmen, als sie schieden, viele Mädchen und Frauen, die sie ihren Männern geraubt hatten, mit sich auf die Reise, und schlugen den Weg nach Deutschland ein.» Ulrich machte mit seinen Schätzen nun Karriere als Graf in Ungarn. Unter anderem war er Herr von Ödenburg und ritt als Gesandter des Königs 1352 zum Papst nach Avignon. Konrad hatte sich zuerst nach Guglionesi in die italienischen Abruzzen zurückgezogen, doch dann finden wir auch ihn als Grafen in Ungarn. Auch er war 1355 Gesandter beim Papst. An seiner Seite ritt damals Marquard von Hohenems. 1365 kaufte Konrad Stadt und Burg Arbon am Bodensee. 1364 hatte er dem Kloster Pfafers den berühmten Wolfurter Kelch gestiftet. Selbstbewußt stellte er darauf sein Wolfswappen zu den Zeichen der vier Evangelisten. Der Kelch zählt heute zu den Kostbarkeiten der Schweizer Schatzkammer in Zürich. Die Gemeinde Wolfurt besitzt seit 1982 eine Kopie. Ebenso schnell wie die Wolfurter Ruhm und Reichtum gewonnen hatten, verloren sie auch alles wieder in wenigen Jahrzehnten. Schon 1402 mußten sie ihre Stammburg Wolfurt verkaufen, 1405 auch noch Burg Gießer bei Lindau «samt Mühle, Korn, Weinzehnten und aller Zugehör, dazu 40 Bauern mit ihren Weibern und Kindern, . . . » Die verschiedenen Ritterlinien im Schwarzwald und am Bodensee starben aus oder wurden Bürger in den Städten. Auch in Ungarn erlosch das Geschlecht um 1450. 7 Äbte und Raubritter Weil im Mittelalter die Klöster ungeheuren Einfluß hatten, versuchten Kaiser und Fürsten jeweils die Abtwahl zu beeinflussen. So kamen auch viele Wolfurter in den staufischen Klöstern zu hohen Ehren. Allein im wichtigen Pfafers (im oberen Rheintal) stellten sie dreimal den Abt. Um 1370 war Burkhart Abt in Pfafers und seine Schwester Agnes Äbtissin in Lindau. Im gleichen Jahr finden wir einen Konrad von Wolfurt als Prior in Chur, Wolfhard als Propst im Stift Waldsee und Guta von Wolfurt als Meisterin von Münsterlingen. Eine ungeheure kirchliche Machtfülle in der Hand eines einzigen Geschlechts! Weit größere weltliche Macht hatten aber die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt als Anführer von Söldnerheeren in Italien gewonnen. Für König Ludwig den Großen eroberten sie 1348 das Königreich Neapel. Italienische Chroniken berichten mit überschwenglichen Worten von ihrer Tapferkeit und Kriegkunst, aber auch von ihrer Grausamkeit und Geldgier. Von Konrad heißt es, als er die Stadt Foggia plünderte: «Erließ seine Soldaten nach Gefallen wirtschaften, sie bemächtigten sich der Häuser, der Geräthe, der Lebensmittel, und überließen sich ihren bösen Gelüsten mit Frauen und Jungfrauen; nicht zu frieden, die Bürger ihres Eigenthums beraubt, und das Glück der Familien gestört zuhaben, quälten sie die Hausväter noch überdies mit ausgesonnenen Martern, um von ihnen noch mehr Geld zu erpressen. Man schaudert bei der Beschreibung solcher Unthaten.» Auch Capua und Aversa wurden geplündert. Dabei machten die Söldner zahlreiche Gefangene, die sie nun durch grausame Martern zur Zahlung von ungeheuren Lösegeldern zwangen: «Die gefangenen Feldobersten, Raymund del Balzo, die beiden Grafen Robert und Tricario von San-Severino, der Graf von Santo-Agnolo 6 Holzhändler und Beamte Im 15. Jahrhundert kauften die Habsburger Stück um Stück von Vorarlberg, darunter auch Wolfurt. Als Lehen vergaben sie es an die Familie Leber aus Bregenz, die durch Handel mit Holz und Wein reich geworden war und nun noch nach Titel und Wappen strebte. Jakob Leber wurde schließlich um 1515 von Kaiser Maximilian geadelt. Er begründete das zweite Geschlecht «Ritter von Wolfurt». Wohl als Symbol seines Reichtums setzte er dem Wolf im Wappen eine goldene Krone auf. 1529 bis 30 stellten die Leber von Wolfurt ihr Schloß dem Fürstabt Kilian von St. Gallen und seinem Konvent zur Verfügung, der vor der Reformation hatte fliehen müssen. Kilian verunglückte beim Durchreiten der Ach. Die Leber hatten große Besitzungen in Bregenz. Ihnen gehörte das Gut Kronhalde. Auch am Deuring-Schlößchen hat man ihr Wappen mit dem gekrönten Wolf gefunden. Einige von den sechs Söhnen des Hans Jörg Leber trugen es noch einmal weit in die Welt hinaus. Junker Laux (Lukas) von Wolfurt diente den Grafen von Ems, die um 1600 auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen. Erzbischof Mark Sittich machte ihn zum Stadthauptmann von Salzburg, der seinen Herrn mit ungeheuer zahlreichem Troß im Jahre 1608 zum Reichstag nach Regensburg geleitete. Sigmund von Wolfurt war Dompropst zu Konstanz. Als solcher verwaltete er die dortigen Güter des Salzburger Erzbischofs und versorgte diesen unter anderem auch mit Meersburger Wein. Ein Fenster im Münster trägt sein Wappen und das Todesjahr 1621. Johann Eucharius von Wolfurt wurde 1616 Fürstabt des Benediktinerklosters Kempten. Er machte es zu einem Zentrum der Gegenreformtion im 30jährigen Krieg. Das Kloster erwarb Dörfer und Schlösser und betrieb eine eigene Münzstätte. Seine Münzen mit dem Wolfurter Wappen sind heute besondere Raritäten. Um 1650 starb auch das Geschlecht der «Leber von Wolfurt zu Wolfurt» aus. Österreichische Beamte versuchten nun, mit Schloß und Wappen ihren Namen Klang und Geltung zu verschaffen. Ihr bedeutendster Vertreter ist Benedikt Reichart «von Wolfurt und Wellenstein», ein verhaßter Stadtammann und Steuereintreiber in Bregenz, der das Lehen ab 1695 besaß. Unter ihm bekam das Schloß jenes Aussehen, das wir von den ältesten Bildern kennen. Der Turm trug ein Satteldach. Ebenerdig war eine Schloß kapeile eingerichtet. Auf der Südseite deckte ein großer Weinberg den steilen Hang. Die letzte Adelsfamilie «von Wolfurt» war die des Bregenzer Amtsrats Konrad von Tröndlin-Greiffenegg, die das Schloß 1750 für 900 Gulden kaufte. 8 Schloßbauern Zum Schloß hatten einst auch die Bauern und die Mühle im Holz gehört. Längst hatten diese ihre Freiheit gewonnen. Im Jahre 1760 war Johann Stadelmann aus Buch (1725—1800) Besitzer des zweiten Hofes im Holz geworden (In diesem Haus lebte später der Wolfurter Ehrenbürger Dr. Lorenz Böhler). Johann Stadelmann trieb 1772 die 3600 Gulden auf, die die Witwe Tröndlin für das Schloß und allen dazugehörigen Grundbesitz verlangte und wurde der erste Schloßbauer. Seine Tochter Agatha heiratete 1799 Franz Xaver Köb aus Bildstein-Haag (1777—1859). Sie zogen in das alte Gemäuer ein und begründeten mit ihren 12 Kindern die große Sippe «Schloßburos» in Wolfurt. Von den Kindern wurde der Krämer Johann Köb (1805—1849) im Haus Kirchstraße 6 in Unterlinden Stammvater der Waldaufseher Köbs (Alwin, Anna...) an der Kirchstraße, der Gottfrieda Köb-Kalb in Unterlinden und der Schmied-Köbs an der Wälderstraße, aber auch vieler Tochterfamilien. Johann Baptist Köb (1814—1884) zog in die Bütze. Aus dem 1930 dort abgebrannten Haus stammen nicht nur die großen Familien von Vinzenz und Herbert Köb in der Bütze und von Johann Köb an der Schloßgasse («Stenzlers»), sondern neben anderen weit zerstreuten Köb-Familien durch ihre Großmütter auch die «Kapeller» und einige «Mohr»-Familien. Die Schloßbauern Xaver Köb und seine Söhne verkauften das Schloß 1856 an den Kaufmann Jakob Huter in Bregenz. Mit seinen zehn Kindern, darunter der Bürgermeister und Ehrenbürger Josef Huter (1844—1902), baute Jakob Huter das verwahrloste Schloß zu einem schönen Sommersitz um. Der Turm erhielt einen romantischen Zinnenkranz. An die Stelle der alten Wirtschaftsgebäude kam ein Wehrgang mit Wohnzimmern. Der alte Roßweg über die Halde wurde durch eine Fahrstraße ins Dorf erweitert. Von Huters Erben erwarb 1937 der Textilindustrielle Dr. Fritz Schindler aus Kennelbach das wieder arg baufällige und unbewohnte Schloß samt drei Hektar Grund. Schon ein Jahr vorher hatte er mit dem Umbau begonnen. Der Turm wurde ein Stück erhöht und mit Schwimmbad und Fernrohr ausgestattet. Wohnhaus und Wehrgang wurden komfortabel eingerichtet. Die neue Elektroinstallation wurde aber zur Ursache eines Großbrandes, der das Schloß am Abend des 12. Dezember 1939 fast völlig zerstörte. Unersetzbare alte Möbel, Türen und Deckengewölbe verbrannten. Es gelang Schindler, das Schloß nach Plänen von Architekt Tscharner bis zum Herbst 1940 wieder aufzubauen. Seine mutigen Flüge als einer der ganz wenigen Sportflieger von Altenrhein mußte er im Krieg einstellen. Immer noch wurden aber die prachtvollen Luxus-Autos, darunter das von 36 Elementen mit Energie versorgte große Elektro-Mobil des Schloßherren, von der Wolfurter Dorf-Jugend bewundert. 9 Als die Familie Schindler zu Kriegsende in die Schweiz flüchtete, vertraute sie das Schloß der getreuen Wirtschafterin Lisa an. Bald nahmen es die Franzosen in Besitz. In den unruhigen Maitagen 1945 verschwanden zwar einige Kostbarkeiten aus der Bibliothek, Insgesamt aber blieb das Schloß in gutem Zustand, weil die französische Militärregierung unter Colonel Jung ihren Sitz hierher verlegte und es von Militärpolizei bewachen ließ. Immer wieder kamen jetzt hohe Gäste auf Besuch, darunter General Bethouard und das Fürstenpaar von Liechtenstein. 1950 kehrte die Familie Schindler heim. Auch Dr. Fritz Schindler empfing nun häufig Gäste aus aller Welt, Fabrikanten, Künstler, Weltreisende oder den bekannten Radioprediger Pater Suso Braun. Die Söhne der Familie brachten eine besondere Form von exotischem Leben ins Schloß. Sie züchteten gefahrliche Giftschlangen, seltene Echsen und Krokodile. Alexander, der jüngste Sohn, widmete sich einige Jahre lang dem ebenso gefährlichen Auto-Rennsport. Seit dem Tode ihres Gatten ist nun Frau Friedel Schindler Besitzerin und Bewahrerin unseres schönen Wolfurter Schlosses. Franz de Barraga 1788—1835 • Seelsorger und Kirchenbauer (Vorwort von Siegfried Heim) Unter den sechs Wolfurter Pfarrern im 19. Jahrhundert gebührt Franz Xaver Barraga ein besonderer Platz. Im Jahre 1818 hatte der Papst aus Teilen der uralten Diözesen Chur, Konstanz und Augsburg das neue Generalvikariat Vorarlberg zusammengefügt. Bischof Bernhard Galura, der als erster Generalvikar seit 1820 in Feldkirch residierte, fiel die schwere Aufgabe zu, die hier aufeinander treffenden theologischen Schulen von Konstanz und Chur zu vereinen. Weil ein Priesterseminar fehlte, entstand drückender Priestermangel. Nur 156 von 176 Stellen waren besetzt. Die starke überalterte Geistlichkeit wehrte sich gegen neue Strömungen. (Nach Elmar Fischer, Die Seelsorge im Generalvikariat Feldkirch, 1968). Vor diesem Hintergrund müssen wir die in der Folge berichteten Auseinandersetzungen um Pfarrer Barraga in Wolfurt sehen. Im Pfarrbuch Catalogus Ic / Seite 4, findet sich über ihn folgende Eintragung: «Franz de Barraga, Viennensis, Tirolensis, zur Aushilfe von Tirol nach Vorarlberg berufen. War Kaplan zu Rankweil, Schwarzenberg, Pfarrer zu Damüls,nun hier seit dem 2. September 1828. - Starb allhier den 2ten November 1835.» Barraga war 1828 in die von seinen Vorgängern, «welche die Wirtshäuser zu sehr liebten», ziemlich vernachlässigte Pfarrgemeinde Wolfurt gekommen und hatte sofort mit dem Kirchenbau begonnen (Siehe Heft 4, Seite 58!). Damit schuf er sich erbitterte Gegner. Unbeirrt ging der Pfarrer seinen Weg. 1834 war der Rohbau der Kirche fertig. Aber auch des Pfarrers Kräfte waren verzehrt. Am Allerseelentag 1835 starb er - erst 47 Jahre alt. Das Diösezanarchiv in Feldkirch verwahrt eine Reihe von Barraga-Dokumenten. Vier davon hat Heinrich Köb für uns aufbereitet. 10 11 Bewerbungen um die Pfarrstelle Wolfurt im Jahre 1828 An das Ordinariat in Bregenz Daß die Pfarrei Wolfurt den 16. 12. dieses Jahres durch den Tod des Pfarrers Joh. Alois Graßmayer zur Erledigung gekommen sei, hat das unterzeichnete Amt zur gehörigen Zeit angezeigt. Daß diese Erledigung der vorarlbergischen Geistlichkeit bekanntgemacht worden sei, bezeugen die angeschlossenen Umlaufschreiben. Diese Pfarre ist eine der gut dotierten und der angenehmsten im ganzen Lande: eine halbe Stunde von der Hauptstraße entfernt, eine Stunde von Bregenz, in einer schönen und fruchtbaren Gegend. Kirche und Pfarrhaus sind auf einer Anhöhe, die Kirche ist schlecht und viel zu klein. Die Gemeinde etwa eine Stunde lang, zählt über 1200 Seelen und besteht aus 9 Parzellen: Wolfurt mit 139, Rickenbach mit 37, Ach mit 10, Holz mit 5, Steig mit 4, Frikkenesch mit 3, Bannholz mit 3, Meschen mit 2 und Bächlingen mit 2, zusammen 205 Häuser; 229 Familien. Vermutlich hat die Zahl seit der Zeit obiger vor einigen Jahren geschehenen Angaben zugenommen. Daß diese Gemeinde keinen gemeinen, sondern einen außerordentlichen Seelsorger erhalte, ist für selbe dringendes Bedürfnis, indem sie von den zwei verstorbenen Pfarrern, welche die Wirtshäuser zu sehr liebten, ziemlich vernachlässigt worden ist. Daher sind Unglauben, Verachtung des Heiligen, Rohheit und auch Säumen mit dem Eifer für die Schule recht zu finden. Wie könnte es anders sein? Vor allem muß das unterzeichnete Amt pflichtgemäß bemerken, daß da ein Seelsorger notwendig sei, der ein Feind des Wirtshausbesuches ist, der jahrum zu Hause bleibt, sich durch ein stilles, frommes und sanftes Benehmen Achtung verschafft, Eifer mit Geduld, Sanftmut mit Bescheidenheit verbindet. Auch eine äußere Bildung ist für ein Volk notwendig. Hat einen steten Verkehr mit der Hauptstadt und dem Auslande. Kurz, da muß ein anderer Boden gelegt werden. Um diese Pfarre haben sich beworben: 1. 2. 3. 4. Franz Xaver Barraga, Pfarrer von Damüls Gebhard Bechter, Pfarrer von Gaißau Jos. Stebele, Pfarrer in Warth Joh. Caspar Willam, Pfarrer im Silberthal zu 1 Der Bewerber Barraga wurde am 19. Juli 1788 zu Wien geboren, Priester seit dem 13. Dezember 1812, ist der deutschen und der lateinischen Sprache kundig, von ausgezeichnet guten Sitten. Die Theologie hat er zu Innsbruck absolviert, teils mit Vorzug, teils mit der ersten Klasse. Die Einstellungs- und Fähigkeitsprüfung hat derselbe am 17. und 18. September 1823 abgeschlossen, er hat in allen Gegenständen Noten erster Klasse erhalten. Dieser Priester diente etwa 15 Jahre in der Seelsorge, zehn Jahre in Tirol und fünf Jahre in Vorarlberg, zuerst an der großen Pfarre Rankweil, dann in Schwarzenberg und seit 1823 an der wildgelegenen Gebirgspfarrei Damüls. Überall weiset er sich durch höchst rühmliche Zeugnisse aus und das unterzeichnete Amt bezeuget, daß Barraga einer der gesittetsten und frömmsten Priester des Landes sei, der stets zu Hause ist, alle Wirtshäuser meidet und die Würde seines Standes durch sein anständiges Benehmen vor jedermann behauptet. Den Ermahungungen seiner Oberen unterwirft er sich ganz, die, wenn sie notwendig sind, und Mäßigung seines Eifers zum Gegenstande haben. zu 2 Der Bewerber Bechter ist am 25. Juli 1778 zu Bregenz geboren, Priester seit dem 22. 9. 1804, ist von guten Sitten, der deutschen und lateinischen Sprache kundig. Die Theologie hat er teils zu Linz, teils zu Innsbruck absolviert, mit den Noten der ersten Klasse, aus einigen Gegenständen auch mit Vorzug. Bei der im Mai 1823 abgehaltenen Fähigkeitsprüfung hat er aus allen Gegenständen die Note der ersten Klasse erhalten. Dieser Priester dient seit 1804 in der Seelsorge, fünf Jahre als Katechet in Bregenz, 13 Jahre als Kaplan zu Rorschach in der Schweiz, einige Zeit als Josephs-Benefiziat in Bregenz und seit 1823 als Pfarrer in Gaißau. Derselbe weiset sich durch sehr rühmliche Zeugnisse aus und das gezeichnete Amt bezeugt, daß er für Seelsorge Eifer und gute Talente habe, daß er sich genau seinem Berufe widme, dient zum Beweise, daß er ein Gebetbuch im Manuskripte vorgelegt hat. Dabei ist er nüchtern und unterwirft sich ganz höheren Anordnungen. Da er von schwerem Körper und etwas engbrüstig ist, dürfte ihm die Situation der Gemeinde Wolfurt, wie diese beschrieben worden ist, beschwerlich und immer beschwerlicher werden. zu 3 Pfarrer Stebele in Warth weiset sich durch keine Zeugnisse aus, wohl aber kann das unterzeichnete Amt bezeugen, daß es mit ihm zufrieden sei, muß aber pflichtgemäß beisetzen, daß er für die sehr bedenkliche Pfarre Wolfurt nicht für geeignet gehalten wurde. 12 13 zu 4 Über den Pfarrer Willam muß das, eben das, was über den Pfarrer Stebels gesagt wurde, bemerkt werden. Das unterzeichnete Amt bezieht sich auf den bei Beschreibung dieser Gemeinde aufgestellten Hauptgrundsatz. Das Patronat stand ehedem dem Stifte Mehrerau und stehet nun der hohen Landesstelle zu. den 31. März 1828 Bernhard von Galura (Generalvikar seit dem 16. 4. 1820) Nachdem der öffentliche Unterricht im Spätjahr 1829 seinen Anfang etwas später genommen hatte, fing Mesch eine Privatschule an, ohne hievon eine Meldung gemacht zu haben. Die Eltern, welche ihre Kinder zu dieser Privatschule schickten, waren meines Wissen: Ferdinand und Jakob Schneider, Jakob Böhler, Franz Josef Dür, Ziegler, Josef Schelling und andere, welche mir nicht genau bekannt sind. Die Kinder, welche diese Schule (Privatunterricht) besuchen wollten, waren teils der Schule entlassen, teils Pflichtige Kinder. 3. Frage: Haben Sie keine Kinder der Werktagsschule entlassen, damit selbe obige Privatschule des Joseph Anton Mesch besuchen könnten? Wie alt waren diese Kinder? Unter den schulpflichtigen Kindern, die entlassen wurden (werden wollten), waren Joseph und Katharina Schelling. Johannes aber wurde zum Entlassen unfähig, die Katharina aber zu jung befunden, und somit erfüllt keines die förmliche und legale Entlassung. Da der Katharina Schelling am gesetzlichen Alter nur vierzehn Tage mangelten, wurde sie als entlassen angesehen, und sie besuchte die Privatschule des Joseph Anton Mesch. Dabei kann sich Herr Pfarrer nicht erinnern, daß bei der Entlassung der Katharina Schelling die Absicht gewesen sei, sie darum vom Schulbesuche frei zu sprechen, damit sie die Privatschule des Joseph Anton Mesch besuchen könne. Joseph Schelling aber besucht die öffentliche Werktagsschule noch dermal. 4. Frage: Ist die Privatschule des Mesch mit ihrem Willen und Wissen gehalten worden, wußten auch die Vorstehung und das Inspektorat davon? Diese Privatschule wurde zwar mit Wissen, aber nicht mit Willen oder Übereinstimmung des hl.* Pfarrers gehalten. Über das Wissen und Wollen der Ortsvorstehung kann Herr Pfarrer keine Antwort geben. Allein die Distriktsinspektion äußerte sich vor dem Vater des Oberlehrers dahin, man möchte noch 14 Tage zusehen, ob aus der Privatschule wirklich etwas werde, oder ob sie sich selbst auflöse. Die Privatschule des Joseph Anton Mesch bestand somit noch nicht von amtswegen, sondern nur willkürlich. 5. Frage: Wann nahm diese Privatschule ihren Anfang, und wann endete sie? Diese Privatschule nahm ihren Anfang am 16.10.1829 und endete am 15.1.1830. Soviel dem hl. Herrn Pfarrer bewußt ist, ohne jedoch diese Angabe zuversichtlich zu machen. Soviel bewußt, hörte dieser Unterricht auf, fing dann wieder auf kurze Zeit an. (*hl. = «hochlöblich») 15 Pfarrer und Lehrer im Jahre 1830 (Eine Auseinandersetzung vor dem Dekan.) Einberufungsprotokoll des Hochwürdigen Herrn Franz Barraga, derzeit Pfarrer in Wolfurt, in bezug auf die, gegen selben unterm 30.1.1830 von einigen Gemeindeangehörigen in Wolfurt eingereichten Beschwerden. Geschehen in Schwarzach am 24. 2. 1830 im Dekanatshause durch den hiezu vom hochwürdigsten Generalvikariate unterm 11.2.1830 beordneten Dekan und geistlichen Rat Joseph Stadelmann. An dem oben angeführten Tage erscheint der Hochwürdige Herr Franz Barraga, Pfarrer in Wolfurt, 42 Jahre alt, Pfarrer daselbst seit dem 2. Feber 1828. Er gibt ihm die Zusicherung, auf die ihm vorgelegten Fragen gewissenhaft zu antworten. 1. Frage: Hatte nicht der nun selige Schulkandidat Gebhard Köb in Wolfurt eine Privatschule gehalten, mit welchem Eifer, auf wessen Bewilligung? Gebhard Köb hat nebst dem, daß er erwählter und in der Folge durch Dekret angestellter Lehrer war, auch einigen Kindern Privatunterricht aus den Gegenständen der deutschen Schule gehalten, mit gutem Erfolg und ohne Widerspruch. 2. Frage: Sind nicht auch im Spätjahre 1829 einige Eltern auf Entschluß verfallen, für einige ihrer Kinder durch den gegenwärtigen Schulkandidaten Jos. Anton Mesch Privatunterricht erteilen zu lassen? Welche Eltern widmeten ihren Kindern diese Privatschule und was für Kinder besuchten selbe? 14 6. Frage: Durch welchen Auftrag wurde diese Privatschule geendet? Hat Mesch von der ihm erfüllten Bewilligung, in den Häusern den Unterricht zu erteilen, Gebrauch gemacht? Indem Joseph Anton Mesch vorgab, das k.k. Landgericht hätte ihm die Bewilligung erteilt den Privatunterricht fortzusetzen, machte Herr Pfarrer die Anfrage bei dieser Gerichtsbehörde, ob dieses wirklich geschehen sei. Das belobte k.k. Landesgericht gab hierauf die Antwort, dasselbe habe dem Mesch die Erteilung des Privatunterrichtes in seinem Hause untersagt, ihm aber bewilligt, in den Häusern der Eltern und unter dieser ihrer Aufsicht nur ihren Kindern Unterricht zu erteilen, wenn keine besonderen Verhältnisse obwalten. (Gerichtsakt No. IV 22/316 vom 14.1.1830). Der Privatunterricht in dem Hause des Mesch erhielt hiedurch das Ende. Er fing dennoch auf einige Zeit wieder an, ohne jedoch fortzudauern. Ob jedoch Mesch von der ihm erteilten Bewilligung, in den Häusern der Eltern Instruktion zu erteilen, Gebrauch gemacht habe, ist dem hl. Pfarrer nicht bewußt. 7. Frage: Wäre Herr Pfarrer mit dem Unterricht der Kinder in den Häusern der Eltern zufrieden gewesen? Warum aber nicht mit dem Unterricht in der Wohnung des Lehrers Joseph Anton Mesch? Herr Pfarrer gab auf dieses Ansuchen den Bescheid, den er mündlich vom Herrn Distrikts-Inspektor vernommen hatte: Wenn nämlich die Gemeinde-Vorstehung die Verantwortung aller Nachteile und Folgen, die diese Schule etwa hervorbringen könnte auf sich nehme, könne diese Privatschule im Hause des Mesch fortbestehen. Diese Bewertung und Vorsorge hielt hl. Pfarrer darum notwendig, weil selbem der verderbliche Charakter dieser Schule vor Augen schwebte, indem Knaben und Mädchen von 13, 14, 16, 17 bis über 18 Jahren, folglich Kinder im gefährlichsten Alter, diese Schule besuchten. Es war zu vermuten, die Vorstehung werde sich für die Verantwortung einer so gefährlichen Sache um so weniger einlassen wollen und können, da ihr Amt als Vorstand mit jedem Jahr aufhören kann. Der Vorsteher Martin Schertler protestierte anfänglich gegen die Abweisung einer solchen Verantwortung. 10. Frage: Hat Ihnen der Schulkandidat Mesch nicht ein Zeugnis von der Vorstehung vorgelegt? Ist das Zeugnis echt? Durch verschiedene bittliche Zudringlichkeiten mag. hl. Vorsteher endlich zur Ausstellung des anliegenden Zeugnisses beredet worden sein, welches, so viel ich glaube, mit jenem ganz eins ist, welches mir Mesch vorlegte. 11. Frage: Warum waren Sie mit diesem Zeugnis nicht zufrieden, welche Umänderung verlangten Sie? Mit diesem Zeugnis wollte Herr Pfarrer nicht zufrieden sein, weil es Lügen enthält und mit dem Inhalt der Benachrichtigung des hl. k.k. Landgerichtes vom 14.1.1830 übereinstimmt, da nicht der Pfarrherr sondern das k.k. Landgericht den Privatunterricht eingestellt hatte. Daß Herr Pfarrer aber der Schule das Wort gesprochen habe, dessen erinnert er sich nicht und stimmt mit seiner ganzen Stellung gegen diese Schule nicht überein. Herr Pfarrer verlangte, wenn man ihn mit diesem Zeugnis nicht in Ruhe lassen wolle, es möchten alle Unwahrheiten ausbleiben. 12. Frage: Was geschah hierauf? Ist nicht der Ausschuß Schneider und der Lehrer Mesch zu Ihnen gekommen, und zu welchem Ende? Waren Sie bei derselben Ankunft zu Hause? In welcher Stunde kamen Sie nach Hause? Was hinderte Sie, diesen zwei Männern gleich Gehör zu geben? Jakob Schneider und der Schulkandidat kommen dann wieder in den Pfarrhof. Herr Pfarrer war noch abwesend, entweder in der Schule, die mündliche Prüfung abzuhalten oder bei einer Kranken, das aber selbigem nicht mehr bewußt ist. Bei dessen Ankunft befand sich in der Küche bei der Köchin eine arme Weibsperson, welche da dem hl. Pfarrer und Häuserin den Bericht erzählte, der ihr das hl. k.k. Landgericht darüber gegeben hatte, weil sie zu große Forderungen an die Armenkasse stelle. Nachdem Herr Pfarrer diese Klage angehört hatte, verließ er die Weibsperson in der Küche bei der Köchin und eilte seinem Zimmer zu. 17 Auf dem das löbl. k.k. Landgericht einmal diese Bewilligung in den Häusern der Eltern ihre eigenen Kinder zu unterrichten erteilt hatte, konnte und wollte Herr Pfarrer nichts entgegen sagen. Aber gegen den Unterricht der Kinder in der Wohnung des Lehrers Joseph Anton Mesch glaubte Herr Pfarrer sich aus den Gründen erklären zu müssen: Weil der XVII Bbsh. § 10 der politischen Schulverfassung dererlei Winkelschulen ohne Erlaubnis der Behörde untersagt. Mesch aber konnte diese Bewilligung, obschon er sich bewarb, nirgends erhalten. Die Gründe, wegen welchen Mesch insbesondere vom Lesedienste an der hiesigen Gemeinde-Schule abgewiesen wurde, hat das HW Inspektorat zu Hörbranz an die höheren Behörden eingereicht. 8. Frage: Haben die Eltern der Kinder, welche an dem Privatunterricht des Mesch teilnahmen, das Ansuchen um die Bewilligung dieses Unterrichts nicht erneuert und durch wenn? Das Ansuchen um den Fortbestand der Privatschule des Mesch wurde erneuert, und zwar durch den Gemeinderat Jakob Schneider. 9. Frage: Welchen Bescheid gaben Sie? Bewilligten Sie die Fortsetzung der Privatschule nicht unter einer Bedingung und unter welcher? Und warum dieses? 16 13. Frage: Haben Sie den Jakob Schneider und Mesch in dieser Stunde angehört? Warum nicht? Es war schon über 12 Uhr mittags, die zwei Männer trugen sich an des Nachmittags oder Abends wieder zu kommen, sie wollen den Herrn Pfarrer vom Speisen nicht abhalten, wozu Herr Pfarrer zufrieden war. Die zwei Männer entfernten sich. 14. Frage: Wann kehrten diese Männer zurück? Welchen ließen Sie vor? Worüber unterredeten Sie sich mit Schneider? Am Abend dieses Tages kamen der Gemeinderat Schneider und Mesch in den Pfarrhof und wurden in das gewöhnliche geheizte Wohnzimmer eingeführt. Jakob Schneider aber wurde alsbald im größeren Wohnzimmer dem Pfarrherrn vorgestellt. Mit Mesch sich in ein Gespräch einzulassen, fand der hl. Barraga für ganz überflüssig. Mit dem Gemeinderat Schneider unterredete sich Herr Pfarrer über ein Zeugnis ab Seite der Gemeindevorstehung in bezug auf die Übernahme aller Folgen und Nachteile aus dieser Privatschule. 15. Frage: Wann brachte man Ihnen dieses zweite Zeugnis? Ist es wirklich jenes, welches Ihnen vorgewiesen wurde? Warum gaben Sie auch über dieses Ihr Mißfallen und haben Sie dieses Mißfallen mit einem Schwall von Beschimpfungen gegen Mesch ausgedrückt. Am folgenden Tage hinterbrachte der Gemeindeausschuß Jakob Schneider ein in etwas vom ersten abgehendes Zeugnis. Ihn begleitete Ferdinand Schneider und der hiesige Vorsteher Martin Schertler. Das nun vorgelegte zweite Zeugnis schien nun mit dem schon vorgelegten übereinzustimmen. Herr Pfarrer fühlte bewunderndes Mißfallen, daß der Vorsteher, der Anfangs, wie eben bemerkt wurde, gegen die Übernahme aller bösen Folgen aus dieser Privatschule geradestehe, nun jetzt dieses Zeugnis unterschrieben hat und erklärte den gegenwärtigen Männern abermals, daß hl. Pfarrer diese Winkelschule nicht genehmigen kann, und dieses um so weniger, da dieser Schule ein Mann vorstehen will, der nicht vorteilhaftesten Sittenzeugnisse aufzuweisen imstande ist. Ja, im hohen Mißtrauen bei dem k.k. Philosophischen Studiendirektorat zu Salzburg laut Zuschrift vom 28. Dezember 1829 stehet. Indem selbes dem Ermessen des hl. Pfarrers überläßt, ob ihm (für Mesch) ein Zeugnis ausgestellt werden soll oder nicht. Hierauf setzte hl. Pfarrer noch andere Umstände auseinander, aus welchen man von Mesch jenes gute und unbescholtene Betragen nie erwarten kann, welches einem Schullehrer, folglich einem Muster für die Gemeinde eigen sein muß. Wenn Herr Pfarrer diesen Männern, also den Vorständen der Gemeinde, auch im Eifer sagte, daß Mesch ein Schuldenmacher, ein ordnungsloser Übertreter der nächtlichen Polizeistunden u.s.w. sei, so sagte er eine Wahrheit, die nur zu allgemein bekannt ist. 18 16. Frage: Kennen Sie auch die Eltern jener Kinder, welche an dieser Privatschule Anteil nehmen wollen, und was halten Sie von ihrem Charakter und Lebenswandel? Einige von den Eltern jener Kinder, welche an dieser Privatschule des J. A. Mesch Anteil nehmen wollten, sind dem hl. Pfarrer bekannt: z. B. Ferdinand und Jakob Schneider, Jakob Böhler (Schwanenwirt), Franz Josef Dür (Ziegler), Magdalena Schertler (Wittwe), Kaspar Thaler (Wittwer), Kreszenzia Schneider, Barbara Gasser (Sternenwirtin), Johann Schelling (Kronenwirt) usw. In bezug auf den Charakter und Lebenswandel dieser Eltern kann Herr Pfarrer kein genaues Urteil fällen; wenn auch einige derselben eine belobungswürdige Aufführung haben, so zeigen sich andere als nicht ganz tadellos. Und überhaupt zeigt sich der Charakter dieser Eltern durch die Widerseztlichkeit gegen die gute Absicht des Herrn Pfarrers, welcher es mit seinen Pfarrangehörigen überhaupt, in diesem Falle aber insbesondere gut meinte, nicht in jenem Lichte, welches einem wahren Seelsorger angenehm und willkommen sein kann. 17. Frage: Haben Sie wirklich gesagt, wie die Anlage erweist, daß alle Eltern, welche ihre Kinder zum Mesch in die Privatschule zu seinem Hause schicken, schlechte, liederliche Eltern sind? Hl. Pfarrer fuhr in seinem wahrlich nicht ungerechten Eifer fort: Wenn Eltern wider den kräftig ausgedrückten Willen des Pfarrers ihre Kinder in eine Schule, wo ältere Knaben und Mädchen täglich zusammen kommen, in eine Schule, die keineswegs von der Obrigkeit genehmigt, sondern vielmehr untersagt worden ist, in eine Schule, wo ein gewester Student, der ohne Zeugnisse von seinem Studierplatze nach Hause gekommen und auch nicht das beste Sittenzeugnis aus dem Präparander-Curse in Bregenz erhielt, so fühlte sich hl. Pfarrer zu dem Ausdrucke gezwungen, daß jene schlechte Eltern sind, wenn sie das, was ihnen auf Erden das teuerste Gut sein soll, wofür sie die erste Sorge tragen und vor Gott so strenge Rechenschaft geben müssen, welches die eigenen Kinder sind, nicht einem würdigen, tadellosen, ehrenhaften Lehrerindividiuum anvertrauen wollen. Wer kann einem Seelsorger, welcher die Aufsicht über die Sitten und Seelenbildung der Pfarrjugend von der Kirche und von dem Staate anvertraut ist, einen solchen Ausdruck verübeln, da er gewahr wird, daß für einen unschuldigen Teil seiner Herde Gefahr drohet, einmal gewiß drohen könne? Herr Pfarrer sagte nicht, daß die Eltern jener Kinder, die an der Privatschule des Mesch Anteil nehmen, überhaupt schlechte, liederliche Eltern sind, sondern dadurch diesen Verdacht auf sich ziehen, indem sie zu wenig kluge Ansicht gebrauchen, wenn sie ihre Kinder anvertrauen und was die Kinder beiderlei Geschlechts in einer kleinen Winkelversammlung, in einem Alter von 16 bis 18 Jahren werden könnten. 19 18. Frage: Da die Kläger vorgeben, sie seien durch Ihre Beschimpfungen gekränkt worden und deswegen Satisfaktion verlangen, werden Sie sich verpflichtet finden, selbe zu leisten oder die beleidigende Aussage zu beweisen? Zu einer Satisfaktion kann sich der Hw. Pfarrer um so weniger verstehen, da er aus wohlwollendem, für das Heil seiner Pfarrjugend glühendem Herzen, seelsorglich und nur bedingt gesprochen, und nur diesen befraglichen Fall im Auge hatte. Übrigens sei für gute und sorgenvolle Eltern erklärt, wenn sie für ihre Kinder die beste Sorge tragen und auch die tauglichen, von ihren Seelsorgern ebenfalls gebilligten Mittel wählen. Da eben die Eltern jener Kinder, welche an dieser Winkelschule Anteil nahmen, sich dem bestgemeinten Bestreben des hl. Pfarrers widersetzten und blind und widersetzlich ihre, zur Verfügung so empfängliche Jugend beiderlei Geschlechts vom mehrmals bemelten Alter, in die Gefahr schicken wollten und darüber dem Seelsorger viel Ungelegenheit und kummervollen Mißmut verursachten, stehet das Recht an dem hl. Pfarrer, durch Abbitte an ihn Genugtuung und pflichtschuldige Aussöhnung zu fordern. Auch muß bemerkt werden, daß die zwei Augenzeugen Jakob Schneider und Joseph Anton Mesch jede Kleinigkeit, welche während ihrer Gegenwart im Pfarrhaus vorging, bezeugen wollen, um den Pfarrer vor den Zeugen seiner höheren Behörden herabzusetzen. Z.B.: sein spätes Nachhausekommen, wer weiß woher? Seinen Aufenthalt bei einem Weibsbild in der Küche, das Urteil der Köchin, welches aber durch die beiden berichtigt wird. Schließlich bittet gez. Pfarrer den Vorsteher das Unschickliche und Fehlerhafte seines Zeugnisses: «Für alle Folgen, welche aus dieser Schule entstehen durften, haften zu wollen», vor Zeugen zu stellen. Das Urteil des Dekans, 1830 Hochwürdiges Fürstbischöfliches Generalvikariat! Unterm 11. Februar 1830, Nr. 137, präsentiert am 16.2., hat das Hochwürdigste Generalvikariat dem gefertigten Dekanate den Auftrag erteilt, den Herrn Pfarrer Barraga in Wolfurt über die gegen ihn erhobenen Beschwerden Punkt für Punkt zu vernehmen und sodann die anher angeschlossenen Akten wieder ans Generalvikariat zurückzusenden, welches hiermit durch Anschluß geschieht. a) Eingebogen in dieses Schreiben folgt das Protokoll über die Klagepunkte einiger Gemeindeangehörigen von Wolfurt gegen den Herrn Pfarrer Barraga auf eine gewisse Privatschule unter dem Schulpräparanden Mesch zu Wolfurt, welches Klageprotokoll unterm 30. Jänner 1830 an das hochlöbliche Kreisamt eingereicht worden ist. b) Sodann folgte auch das Einvernehmungsprotokoll des benannten Herr Pfarrers gegen eine Klageschrift der Vorstehung von Wolfurt vom 29. Jänner 1830, beim k.k. Landgericht Bregenz eingereicht. zu a) Die Privatschule, welche J. A. Mesch in Wolfurt unternehmen wollte, war eine Sache de pane lucrando; aber unter den Verhältnissen, wie selbe da zusammentrafen, nicht ganz zu billigen. Ganz ungeeignet hat Herr Pfarrer den Vorsteher in dieses Geschäft einbezogen, von ihm eine Gewährleistung verlangt, die eitel, nutzlos und im Benötigungsfalle immer zu spät ist. Aus dem Klageprotokoll ist ersichtlich, wie Herr Pfarrer Barraga zwar alles ordnen will, sich aber nicht Rat weiß und endlich hinter die Wüste gerät. zu b) Die Klage der Vorstehung, daß sich Herr Pfarrer in die Angelegenheiten der Gemeinde einmenge, ist, wenn er sich schon hinauszuwinden bemühet, richtig. Der jetzige Vorsteher ist ein friedliebender Mann und hatte nun schon durch ein Jahr eine eiserne Geduld. Der vorige Vorstand klagte gegen den Herrn Pfarrer beim k.k. Landgerichte in jeder Sache. Hl. Barraga verkündete, daß jeder Streit, ehe man vor Landgericht gehe, vor ihn gebracht werde, wodurch verschiedene Spannungen und Reibungen entstehen. Das k.k. Landgericht beschwerte sich beim Gefertigten schon öfter über Barraga. Wenn das Dekanat ihm derlei Dinge vorhält, gehet er zum Landgericht, verlangt Aufschlüsse und Antwort. Die im letzten Herbste von Seiner Fürstbischöflichen Gnaden mir aufgegebenen Erinnerungen an Barraga machte ich ihm bekannt, wie auch mehrere Beschwerden vom hl. Landgerichte in Bregenz. Ich gab ihm die geeigneten Warnungen und Schwarzach, wie oben Joseph Stadelmann, Dekan Geistl.-Rat Franz von Barraga, Pfarrer Die eigenhändige Fertigung des Herrn Pfarrer Franz Barraga bezeuget Josef Stadelmann 20 21 Belehrungen. Er achtete nicht darauf, schickte an mich über 30 inquisitorische Fragen über meinen Bericht, und stellte mich dadurch unter seine Verantwortung. Barraga hat mehrere Weiber, die ihm vieles zutragen und rachgierige Klagen über die Gemeindevorstehung und andere Personen anbringen. Besonders gewichtig ist bei ihm die Mutter des Präparanden Stülz, welche unter dem Namen «Flatzen Mägdlein» bekannt ist und zweimal im Zuchthaus war. Barraga schreibt immer Protokolle, Briefe an die Leute in der Gemeinde, fordert die Gemeindevorstehung zur Verantwortung, macht Berichte an das Landgericht, eilt allem vor. Mit Verhören kaum etwas fertig, rührt er um1/211 zur Schule, hält die Kinder über die Zeit auf. Barraga hängt in allem, macht sich immer odioser, der Unwillen nagt bei einigen gegen ihn tief, er fragt niemanden was nach, ist stolz und unbeugsam. Daß er im übrigen sehr sittlich und ordentlich ist, und bei sich alles gut meine, überall die gute Absicht habe, kann ihm nicht in Abrede gestellt werden. Wenn selbem das Hochwürdige Generalvikariat eine triftige Zurechtweisung in seine Schranken, die vierteljährliche Einsendung seiner Predigten und Schriftenlehren und das Ausarbeiten theologischer Aufsätze auflegen und erteilen wollte, und vielleicht auch damit in die Schranken zurückweisen wollte, daß seine Eingaben an das Landgericht, Gemeinde, Kreisamt, jedesmal die dekanamtliche Fertigung haben müssen, ohne welche sie nicht anerkannt würden, könnte seinem exzentrischen Magen auf einige Zeit Einhalt getan werden. Aber zu wünschen wäre, Barraga möchte auf eine Kaplanei oder auf ein subalternes Benifizum versetzt werden. In Wolfurt wird er noch Geschäfte machen und kehret sich an keine Maßregel. Es ist war, er hat einige sehr böse Männer, diese sind gerade seine Feinde, nehmen ihm das Zutrauen, agieren rastlos gegen ihn, er gegen sie usw. Unter tiefster Verehrung Dekanat Schwarzach am 2. März 1830 Josef Stadelmann Dekan Der Moralitätsbericht des Pfarrers im Jahre 1832 Hochwürdiges, Gnädigstes, Fürstbischöfliches Generalvikariat zu Feldkirch Gehorsamst Unterzeichneter hat hiemit die Ehre, den Moralitätsbericht von der Pfarre Wolfurt vom Jahre 1831/32 zu erstatten. 1. Kinder sind 48 zur Welt gekommen. Unter diesen befinden sich zwei uneheliche. Indem eines dieser ledigen Kinder von einem übrigens sehr ordentlich gebildeten Weibsbilde, welches zudem sehr honette Eltern hat, herkommt, so glaubt Rat Herr Dekan Stadelmann, der diese Familie sehr gut kennt, man soll denken, daß ein Zwang angeordnet worden sei. Sie ist in einem Wirtshause. Das Weibsbild des zweiten ledigen Kindes ist eine Keßlerstochter. Sie ist von einem Keßler aus einer anderen Pfarrei - nicht in Wolfurt - verführt worden. Nebst zweckdienlichem Unterricht ist sie unter strenger Aufsicht gestellt, zudem hat sie fürdermal die Transportierung ins Schwazer Arbeitshaus erbettelt, aber zugleich den Revers abgegeben, daß sie, wofern sie sich noch einmal verführen lasse, ins Arbeitshaus gehen wolle und müsse. 2. Obwohl der gerechte Gott seit einigen Jahren schauderhafte Beispiele der Bestrafung des Lasters der unmäßigen Trunksucht aufgestellt hat, so gibt es leider noch Fälle des Volltrinkens. Neigung zur Unterhaltung in den Wirthäusern ist die Quelle dieses Lasters. Dazu gesellt sich noch eine Dosis Leichtsinn und Prahlerei, als dürfte man das Geld nicht achten. Möchten derlei Menschen die Ermahnungen, Vorstellungen zur Gottesfurcht, daher zur Nüchternheit, Bescheidenheit, pflichtschuldige Anwendung des Geldes, zur milden Freude immer mehr und mehr zu Herzen nehmen. Stufenweise werden sie sich aus ihrem Abgrunde reißen. 3. Die Trunkenheit gab auch die traurige Veranlassung zu Raufereien, die sich zweimal ereigneten unter Burschen, und aus diesen Raufereien entstanden Feindseligkeiten, indem auch die Obrigkeit einschreiten mußte und Unkosten absetzte. 4. Fernere Veranlassung aus dem obenbenannten Besuche der Wirtshäuser entsteht das bei einigen wenigen übliche Nachtschwärmen. Nebst Darstellung dieses Gott mißfälligen Benehmens wird auch in die Hausväter und Hausmütter gedrungen, solchen Vaganten keinen Unterschlupf zu geben. Daß aber die Belehrungen, Zusprüche viele Früchte bringen, wird den Seelsorger bei all seiner schuldigen, rastlosen Arbeit vor dem Tabernakel recht häufig sein Gebet ausgießen und in Erkenntnis seines Nichts vertrauensvoll rufen: Herr rette uns, wir gehen zugrunde! (Math. 5) 23 22 Mit blutendem Herzen und Tränen in den Augen durchblicke ich die nun hingelegten schauderhaften Schattenseiten der Pfarre; aber es sei doch auch erlaubt, einige Züge hinzuzusetzen, die gewiß ohne Rührung nicht gelesen werden können. a) Ausgezeichnet ist der Eifer der Eltern, ihre Kinder in die drei Klassen zu schicken. Wöchentlich aber sehen sie auch durch die Mühe der Lehrer die schönen Fortschritte der Kleinen. Sehr fleißig erscheinen die der Werktagschule entwachsene Jugend bis 18 Jahre in der Wiederholungsschule. Nur der enge Raum der Schule zwang Kinder aus der dritten Klasse zu entlassen, die noch gern - ohne Pflichtigkeit - geblieben wären. b) Sehr fleißig erscheint man auch bei den Gottesdiensten vor- und nachmittags. Es ist kein Sonn- und Feiertag, an welchem man nicht zur hl. Beichte und Kommunion geht. c) Die Jungfrauen bereicherten sich auch, ein prachtvolles rotsamtenes, mit reichen Goldblumen gesticktes Muttergotteskleid anzuschaffen. Tränen floßen, als man selbes das erste Mal in der Kirche erblickte. d) Auch die Jünglinge leisteten Beiträge zu einem prächtigen und lieblichen Muttergottesmeßkleid. Das unterwartete Erscheinen desselben erfüllte die ganze Gemeinde mit innigem Wohlgefallen. e) In Hinsicht des Kirchenbaues sieht man einem erstaunlichen Resultat entgegen. f) Das wohllöbliche k.k. Kreisamt und das löbliche k.k. Land- und Kriminalgericht wie auch die Ortsvorstehung arbeiten mit besonderem Interesse für das Wohl der Gemeinde. Indem Gehorsam Gefertigter in engen Umrissen den Schatten und das Licht seiner Gemeinde darlegte, so bittet er um die fernere Huld und Gnade des Hochwürdigsten Gnädig, Fürstbischöflichen Generalvikariats, und hat die Ehre in tiefster Ehrfurcht sich zu empfehlen. Wolfurt, den 29. Jänner 1832 verbindlichster, treugehorsamster Franz de Barraga, Pfarrer Siegfried Heim Bis nach Amerika! Auswandererschicksale Wer in unseren Jahrzehnten erlebt, wie Einwandererwellen aus Kärnten und Steiermark, aus Jugoslawien und der Türkei unser Industrieland Vorarlberg auffüllen, kann sich kaum vorstellen, daß einige Jahrzehnte früher ganze Ströme junger Arbeiter die kinderreichen und brotarmen Täler unserer Heimat verlassen mußten, um in fremden Ländern kargen Verdienst zu suchen. Nach Amerika flohen die ersten Wolfurter, als um 1850 die Handweberei durch die Konkurrenz der Fabriken brotlos wurde. Eine zweite große Welle folgte schon um 1870, weil die Fabriken nur Hungerlöhne zahlten und aus Amerika Gold-Nachrichten lockten. Die dritte Flucht ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten setzte 1922 ein, als die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg den jungen Kriegsheimkehrern die letzte Hoffnung auf Arbeit in der Heimat raubte. Insgesamt etwa 200 Wolfurter wanderten nach Amerika aus. Von drei besonders großen Familien will ich berichten. Im Haus Nr. 121 an der Kreuzstraße lebte seit 1903 der Wagner Johann Heitz aus Neustadt im Schwarzwald mit seiner Frau Theresia, geborene Reiner, die drüben an der Kirchstraße aufgewachsen war. Von 1906 bis 1914 wurde ihnen fast jedes Jahr ein Kind geboren, 7 Buben und 2 Mädchen: Karl, Josef, Anna, Johann, Albert, Maria, Franz, Anton und Ludwig. Als ersten zog es 1926 Josef Heitz nach Amerika. Der 21jährige Schlosser hatte bis dahin bei Doppelmayr gearbeitet und brachte es später in Amerika selbst zu einem großen Betrieb mit 70 Beschäftigten. Auf seine ersten Briefe hin folgten ihm schon 1927 die vier erwachsenen Geschwister: Karl, der Wagner und Zimmermann; Anna, die ein paar Jahre später den Wolfurter Auswanderer Franz Schertler heiratete; Johann, ebenfalls Schlosser; Albert, erst 18jährig. Im Jahre 1931 wollten auch die Eltern mit den vier jüngeren Kindern nachreisen. Sie hatten sich schon das Visum besorgt, mußten ihr Vorhaben aber dann wegen der hohen Kosten von je 300 Dollar aufgeben. Nach des Vaters Tod und dem Brand ihres Hauses bauten sie sich zu viert das große Haus an der Kirchstraße. Dort betrieb Franz seine Schreinerei und Ludwig seine Wagnerei. Die Konditorei des Bruders Anton konnte nicht mehr eröffnet werden, denn er ist 1940 als einer der ersten Wolfurter Soldaten gefallen. Als die Wagner kaum mehr Arbeit fanden, ging auch Ludwig 1955 bis 63 noch für ein paar Jahre nach Amerika. 25 24 Zwei Generationen früher hatten 1841 der «Tobler» Gebhard Schwerzler und seine Frau Maria Anna Rusch im Elternhaus im Tobel eine Familie gegründet. Zwischen 1843 und 1862 wurden ihnen zwölf Kinder beschieden, 7 Buben und 5 Mädchen: Ferdinand, Maria, Kreszentia, Josef, Anna, Gebhard, Johann, Wilhelm, Martina, Fridolina, Leopold und Fidel. Ferdinand heiratete in die Bütze und Josef ins Elternhaus. Beide begründeten selbst große Familien. Aber für die anderen zehn war kein Platz. Da wanderten sechs von ihnen nach Amerika aus: Kreszentia, Gebhard, Johann, Wilhelm, Leopold und Fidel. Es war eine Ausnahme, daß mit Schwester Kreszentia auch ein Mädchen ins Ungewisse mitfuhr. Sonst zogen ja nur Buben aus. Die Schwestern Maria, Martina und Fridolina mußten daheim ledig bleiben. Einzig Anna fand noch einen Ehepartner in Wilhelm Rohner aus Lauterach. Von ihren acht Kindern wurde Theodor Rohner 1938 Bürgermeister vonWolfurt.In Amerika starb Leopold schon mit 19 Jahren. Die anderen fanden zum Teil Arbeit beim Aufbau der 1871 durch einen Großbrand zerstörten Stadt Chicago. Einige ließen sich vor 100 Jahren in Tissin, Ohio, nieder. Bis zum Zweiten Weltkrieg kam manchmal ein Brief mit einem Foto. Seither sind die Kontakte erloschen. * Noch ein Jahrzehnt früher lebten in Rickenbach im Loch (Kellaweg 4) Martin Schneider und seine Frau Anna Maria Flatz. Sie war eine Nichte des Malers Gebhard Flatz. Ihr Vater, der Bäcker und Mohrenwirt Josef Anton Flatz, war verarmt gestorben. «Marteles im Lo» waren mit 13 Kindern gesegnet, von denen 6 früh starben. Franz Xaver, der älteste Sohn, fuhr schon 1851 nach Amerika. Als sich 1853 wieder ein paar Wolfurter Familien auf den Weg machten, schloß sich ihnen auch der zweite Sohn Johann Gebhard Schneider an. Er war noch nicht 17 Jahre alt. Über sein abenteuerliches Leben und das Schicksal seiner Eltern, die ihm 1859 mit ihren letzten 5 Kindern nach Amerika folgten, berichtet Schneider als 80jähriger Greis in gebrochenem Englisch in einer Chronik. Sein Urenkel hat mir eine Abschrift geschickt. Ich versuche hier eine Übersetzung, weil ich glaube, daß ein solches Wolfurter AuswandererSchicksal manchen von uns nachdenklich machen könnte: Martin Kalb und deren Familien. Wir wanderten durch die Schweiz und einen Teil Deutschlands und kamen in fünf Tagen nach Antwerpen in Belgien. (Anmerkung: Von Basel aus gab es damals schon eine ganz neue Eisenbahn, die überfüllte Auswandererzüge nach Antwerpen brachte.). Von dort schifften wir uns am 28. Februar 1853 in einem Segelschiff namens «: etrol» nach Amerika ein und landeten nach 49 Tagen am 8. April in New York. Am 24. April 1853 kamen wir nach Fremont in Ohio. Meine zwei Onkel kauften 40 "acres" Land (das sind über 16 Hektar) im Osten von Lindsay. Den ersten Sommer arbeitete ich dort für die Überfahrt in dieses Land, die sie für mich bezahlt hatten. Im Winter von 1853 auf 1854 versuchte ich den Möbelhandel bei Adam Miller in Fremont zu erlernen. Aber als er mich Hund (a dog) nannte, wollte ich nicht länger bleiben. Ich verließ ihn und ging nach Scott Township. Dort arbeitete ich einen Sommer lang für Jakob Zimmermann aufseiner Farm. Auch für andere Farmer arbeitete ich bis zum Frühjahr 1856. Im Herbst 1855 wurde ich von Fieber befallen und konnte es nicht mehr los werden. Man sagte mir, ich brauche einen Klimawechsel. So ging ich im Frühjahr 1856 nach Iowa, wo ich ein paar Freunde aus der Heimat wußte. Als ich zu ihnen stieß, machten sie sich gerade aufden Weg nach Minnesota. Sie sagten, ich solle mitgehen. Das tat ich und blieb den Sommer über bei ihnen. Sie warnten mich vor dem kalten Winter. Daher kam ich im Spätherbst wieder nach Ohio zurück, zu meinem alten Freund Zimmermann in Scott Township. Den Winter über blieb ich bei ihm. Drei Monate lang arbeitete ich in der Landwirtschaft und besuchte gleichzeitig eine Englisch-Schule. Im Frühjahr 1857 brachen Joseph Böhler und ich nach Kansas auf. Jeder von uns übernahm dort ein Stück Staatsland fürje 114 Dollar pro Acre (40 ar). Im Frühling 1859 erhob sich der Goldrausch (Gold Excitement) von Pikes peak. Joe Böhler und ich verkauften unser Land in Kansas und trafen in einer Gesellschaft zu viert Vorbereitungen für den Weg nach Pikes Peak. Jeder kaufte ein Paar Ochsen und einen Wagen. Wir zogen nach Leavenworth City und besorgten uns dort Proviant für sechs Monate. (Anmerkung: City war damals natürlich noch keine Stadt, sondern ein von Indianern bedrohtes kleines Nest im Wilden Westen.) Als wir ein paar Hundert Meilen weit gekommen waren, trafen wir auf Hunderte von Goldsuchern. Sie waren auf dem Rückweg und berichteten, es sei nichts. Da wir große Vorräte mitführten, beschlossen wir nun, nach Kalifornien zu gehen. 27 Autobiography Of John Gephart Sneider Lebenslauf des Johann Gebhard Schneider. Von der Zeit, da ich, Johann Gebhard Schneider, die Heimat ("the Old Country") verlassen habe, bis zum gegenwärtigen Datum, dem 15. März 1915. Ich verließ meine alte Heimat, ein Dorf mit dem Namen Wolfurt, nicht weit vom Bodensee (Lake Constance), Vorarlberg, Tirol, am 18. Februar 1853 mit zwei Onkeln, den Herren Flatz, und einer Tante, Johanna Flatz, mit Martin Schwerzler, Joseph Böhler, 26 Fünf Jahre und vier Monate war ich in Kalifornien und schuftete in den Goldminen. Aber ich gehörte nicht zu den Glücklichen, diedortReichtum fanden. Als ich in die Minen ging, besaß ich 150 Dollar. Nach fünf Jahren Arbeit kam ich mit 750 Dollar heraus. Im Dezember 1864 machte ich mich auf den Weg nach Ohio. Ich wollte meinen Vater, die Brüder und die Schwester besuchen, die ich seit nahezu zwölf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Vater und Mutter waren mit unserer Familie 1859 ebenfalls in dieses Land gekommen, sechs Jahre nach mir. Meine Mutter war vier Tage nach Ihrer Ankunft in Fremont gestorben. DenRückweg von Kalifornien nach Ohiomachteich über das Meer (by water). Ich querte Pananama an der Stelle, wo jetzt der Panamakanal situiert ist. (1864 waren dort noch Urwald und Sümpfe.) Den Winter von 1864 auf 1865 wohnte ich mit Vater, Brüdern und Schwestern in Rice Township auf der Farm, wo mein Bruder Leonhard nochjetzt lebt. Im Frühling 1865 zog ich wieder westwärts nach Iowa. Ich arbeitete dort für die Eisenbahngesellschaft. Als Heizer auf einer BauLokomotive verdiente ich zwei Dollar pro Tag. Wäre ich jünger gewesen, so hätte ich das Eisenbahnergeschäft gelernt. Aber ich war schon in meinem dreißigsten Jahr, zu alt um noch eine Ausbildung als Eisenbahningenieur zu beginnen. Damals mußten alle noch als Heizer anfangen! Zu Winteranfang 1865/66 kam ich wieder heim. Am 22. Oktober 1866 wurde ich mit Mary Ann Reineck getraut. Für ein Jahr ließ ich mich in Fremont nieder. Dann kaufte ich sechs Acres Boden in Flat Brush, eine Meile westwärts von der Stadt Fremont. Darauf stellte ich ein Haus und machte es für 45 Jahre zu meinem Heim. Meine Frau wurde Mutter von zwölf Kindern. Eines starb im Alter von neun Wochen, die anderen erzogen wir zu Männern und Frauen. Meine liebe Ehefrau starb am 24. April 1908. Sie war mehr als fünf Jahre lang krank und von Schmerzen geplagt gewesen. Meine Töchter und ich haben uns sehr um Ma bemüht. Alles, was man für einen Kranken tun kann, wurde für sie getan. Nachdem ich geheiratet hatte und in die Stadt gezogen war, suchte ich in der Zimmermannswerkstätte John Stierwalt Arbeit. 27 Jahre lang war ich dort beschäftigt. Dann zog sich Mr. Stierwalt vom Zimmermannsgeschäft zurück und ich übernahm es bis zum Tod meiner lieben Frau. Nach ihrem Tod lebten meine jüngeren Kinder und ich weiter in 28 unserem alten Heim in Ballville Township zusammen, bis vor einem Jahr im Juli 1914. Dann verkaufte ich unser altes Haus an R.W. Jackson. Seither wohnen meine Jüngste Tochter Mary und ich in Fremont. So weit die Chronik. Gebhard Schneider zählt dann noch Namen und Daten seiner zwölf Kinder auf. Fast alle tragen Namen aus der alten Heimat Rickenbach, nur wenige sind amerikanisiert: Balbina, John Martin, Frank Joseph, Mary Josephine, Eleanor, Gephart, Ida Rose, Wilhelm, Johanna Adeline, Bernhard, Ann Mary und Roman Isidor. Aus ihrem Schneider-Namen wurde aber schnell das amerikanische Sneider. Von Heimweh geplagt kamen zwei von Martin Schneiders Kindern 1908 als alte Leute nach Rickenbach auf Besuch. Der 1836 an der Kellastraße geborene Gebhard hatte es um diese Zeit also zum selbständigen Zimmermann in Fremont gebracht. Sein 1878 dort geborener Sohn «Gephart» wurde ein leitender Gemeindebeamter der Stadt. 1906 wurde der Enkel Walter Johann geboren. Nach einer guten Ausbildung unterrichtete er als Professor am Katholischen Gymnasium Fremont Chemie und Physik. Der Aufstieg der Familie hielt an. Alle vier Urenkel machten Karriere: Patricia (1933) als Hausfrau und Mutter mit ihrem Gatten, der in einem Industriebetrieb in Ohio in leitender Stellung tätig ist Richard George Sneider (1934-74) als Geophysiker in Fort Collins James Roman Sneider (1936) als Rechtsanwalt in Chicago Dr. Thomas Sneider (1938) als Professor für Molekularbiologie. Er arbeitet als Krebsforscher an der Universität Fort Collins in Colorado. 1983 hat er anläßlich einer Gast-Vorlesung in Zürich sein Heimatdorf Wolfurt besucht und später vom Schicksal seiner Familie berichtet. Nur wenigen Auswanderern war im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Reichtum beschieden, doch mancher brachte es mit Fleiß und Ausdauer zu bescheidenem Wohlstand. Ganz wenige kehrten an ihrem Lebensabend in das «Old Country» am Steußberg zurück. Allzuviele sind verschollen. Wie dankbar müssen wir sein, wenn uns und unseren Kindern das ungewisse Schicksal in der Fremde erspart bleibt! 29 Siegfried Heim Die Besitzer und ihre Kennzeichen: 6 Lastautos: W-II-651 W-II-652 W-II-653 W-II-654 W-II-655 W-II-656 Zuppinger J. W. Gebrüder Gunz Gmeiner Fidel Rädler August Haltmeyer Josef Festini Josef AUTOS! AUTOS! Die ersten Autos, die sich um die Jahrhundertwende im Lande sehen und auch hören ließen, wurden von der Dorfjugend und den Erwachsenen gleichermaßen bestaunt. Der Wolfurter Lehrer Wendelin Rädler hatte noch 1898 eine «Tram» von Kennelbach über Dornbirn und Lustenau nach Altstätten projektiert. Als aber schon das erste Teilstück Dornbirn—Lustenau mit Defizit fuhr, holte er Offerte für einen Omnibus ein. Von den «Fahrradwerken Bilgeri und Wurzer» in Hörbranz erhielt er am 29. Dezember 1900 ein Angebot: «Auf die zwischen Ihnen und unserem Herrn Bilgeri gehabte Unterredung Bezug nehmend, erlauben wir uns, Ihnen folgende Offerte zu machen: Einen Motor-Omnibus für 14 Personen offerieren wir Ihnen zu Gulden 5.500,— Netto. Derselbe besitzt 3 Geschwindigkeiten von 6, 10 und 18 Kilometer und einen Rücklauf; auf Wunsch kann der Wagen auch mit anderen Geschwindigkeiten ausgeführt werden. Der Wagen ist vollständig geschlossen. Der Motor wird mit Benzin betrieben und ist der Benzinverbrauch ca 16 Kilo per Kilometer, 1 Kilo steuerfreies Benzin kostet 12 bis 25 Kreuzer, so daß der Benzinverbrauch per Kilometer 4 bis 5 Kreuzer beträgt. Zu weiteren wünschenswerthen Mittheilungen erklären wir uns jederzeit bereit und zeichnen hochachtend Bilgeri, Wurzer und Co.» Das Geschäft kam nicht zustande. Erst 1925 fuhr der erste Omnibus durch Wolfurt. Das erste «Luxusauto» hatte Jungfrau Franziska Dür in der Bütze (in König Alberts Haus) schon 1907 besessen. 1908 schafften die Gunzbrüder in der Mühle das erste Motorrad an. Nach der Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg hielt die Motorisierung schnell Einzug. Das VATC-Verzeichnis vom 15. November 1925 nennt für Wolfurt bereits 26 Kraftfahrzeuge (für Lauterach 12, für Hard 27, für Schwarzach 13, für Bildstein 1, für Buch 0; für ganz Vorarlberg 919). 30 (also zwei Müller, ein Fergger, ein Zementer und zwei Weinhändler) 6 Personenautos: W-II-491 W-II-492 W-II-494 W-II-495 W-II-496 W-II-497 Haltmeyer Johann Zuppinger J.W. Gunz Gebrüder Bohle Paul Schwarz Paul Doppelmayr Emil (da waren also auch Klöppler und Schlosser dabei, aber der Doktor noch nicht) 14 Motorräder: W-II-111 W-II-113 W-II-114 W-II-115 W-II-116 W-II-117 W-II-118 W-II-119 W-II-120 W-II-121 W-II-216 W-II-217 W-II-218 W-II-219 Schwerzler Joh. Georg Flatz Josef Gmeiner Fidel Gmeiner Josef Gebrüder Gunz Zuppinger Max Müller August Weber Alois Gmeiner Gottlieb Gasser Anton Fischer Johann Fischer J.A. Rohner Franz Schneider Ernst (da tummelten sich jetzt auch begeisterte Jungmänner) W-II bedeutet Land Vorarlberg, Bezirk Bregenz (Tirol fuhr mit E, Salzburg mit D, Wien mit A . . . ) 31 Darüber hinaus gab es schon seit 1909 das große A für Österreich neben dem D für Deutschland und dem CH für die Schweiz. Seit 1908 gab es auch schon 4 (vier! nicht mehr) Verkehrszeichen, damals noch weiß auf blauem Grund: Wassergraben, Kurve, Kreuzung, Eisenbahn. Während man in Vorarlberg 1925 bereits wie in Deutschland und der Schweiz rechts fahren und links überholen mußte, galt für Tirol bis Wien noch wie in England, Italien und Ungarn die Links-Fahrordnung mit rechts überholen. Damals kam nur höchst selten ein Tiroler oder Wiener über die geschotterten Arlberg-Serpentinen. Dabei mußte er sich auf rechts umstellen. Durch Verordnung des Landeshauptmanns waren auch die Höchstgeschwindigkeiten festgelegt worden. Sie betrugen im Jahre 1925: innerorts 25 Kilometer pro Stunde, von Mai bis September an Sonntagen aber nur 20 Kilometer! Außerorts 50 Kilometer pro Stunde, an Sommersonntagen aber nur 40 Kilometer. Seither mußten viele 1000 junge Schnellfahrer auf den Straßen sterben. Da und dort hat man wieder die Geschwindigkeit von 1925 vor Augen. Damals traf es aber auf 439 Österreicher erst ein Kraftfahrzeug! Das änderte sich nun schnell. Nach dem VATC-Buch von 1937 war die Zahl der Kraftfahrzeuge in Vorarlberg binnen zwölf Jahren von 919 auf 3395 geklettert. In Wolfurt gab es jetzt schon 39 Motorräder und 21 Autos, 10 davon waren Lastautos. Noch immer führten sie das Vorarlberger W auf der Nummerntafel, im Bezirk Bregenz mit Nummern von 5001 bis 7000. Die Autobesitzer von 1937 waren: 5176 5179 5218 5219 5223 5230 5243 5248 5264 5265 Bohle Konrad Klocker Eugen Haltmeyer Johann Sennerei Hub Doppelmayer Emil Festini Josef Gmeiner Fidel Gunz Gebrüder Roth Katharina Zuppinger Walter 5288 5289 5317 5320 5409 5413 5415 5421 5463 5545 5593 Rädler August Rädler August Schelling Josef Haltmayer J. Gunz Alfons Bohle Konrad Rädler August Rist Mathias Fischer Johannes Thaler Ernst Dr. Eugen Lecher Gottt sei Dank! zuletzt konnte sich nun doch auch noch der Gemeindearzt ein Auto leisten. Unter seinem rührigen Präsidenten Emil Doppelmayer hatte der VATC mitgeholfen, die Kraftfahrzeuggesetze völlig umzukrempeln. Man brauchte jetzt einen Führerschein. Statt 4 gab es nun 40 Verkehrszeichen, von denen die meisten heute noch gelten. Tirol und Kärnten hatten wie Italien auf Rechts-Fahrordnung umgestellt, während man von Salzburg bis Wien auch 1937 noch links fahren mußte. Un die Höchstgeschwindigkeit? Innerorts war sie trotz der schlechten Straßen auf 40 km/h erhöht worden, auf Freilandstraßen war jede Beschränkung gefallen. Der Straßentod hatte sich auch bereits seine ersten Opfer geholt. 32 33 Aus der Chronik des Engelbert Köb (Maler in Wolfurt, gestorben 1915) Um die Jahrhundertwende gehörte «Lehrers» Engelbert zu den führenden Köpfen in Wolfurt, der als Gemeinderat maßgeblich beim Bau der Achbrücke und bei der Einführung des elektrischen Stroms beteiligt war. Für seine Familie baute er 1907 die «Villa Lugaus» oberhalb des Dorfplatzes. Als Maler und Fotograf hinterließ er uns wertvolle Bilder. Die Chronik, die sein Sohn Hubert und seine Schwiegertochter Antoinette für uns bewahrt haben, ist ein kostbares Zeitdokument. Hier ein paar Auszüge daraus als Kostprobe für einen im Herbst geplanten Vortrag: 1898. Die erste Schifflimaschine hält in Wolfurt ihren Einzug. Mein Bruder Josef Anton («Lehrers Seppatone») und sein Schwager Martin Bildstein waren die ersten, diees wagten. Da auch in der näheren Umgebung noch keine «Schnell-Läufer» waren, so stutzte man anfangs undprofezeite den beiden nichts Gutes. Zum Betriebe verwenden sie einen Benzinmotor. 1900,26. April. Electrische Kraft und Licht werden von Albert Loacker in die Gemeinde eingeführt. Da sich «'s Electrische» zum Betriebe der Schifflimaschine bedeutend günstiger stellt als ein Benzin Motor, und als die Leute sahen, daß es den ersten Schifflistickern gut ging, so steckt einer den anderen an und alles wurde vom Maschinenfieber erfaßt. Handwerker, Wirthe, Krämer, Fabrikler und Bauern schafften sich solche «Frankenmühlen» an. In mancher Stickerei wird Tag und Nacht gearbeitet, denn die «Ratten» sind sehr gefräßige Viecher. Man hatte bald zu wenig Leute um die Maschinen zu bedienen, so daß einer dem anderen das Personal weg nahm, indem man ihnen höheren Lohn versprach. Die alte biedere Handmaschine wird mit Verachtung zum Lokal hinausgeworfen und den Bauleuten blüht der Weizen wie nie zuvor. 1901. Volkszählung, die heuer durchgeführte Volkszählung ergab 2070 Einwohner. Davon sind 984 männliche, 1086 weibliche Personen. Italienisch sprechende: 239. 1906. Ein hier wohnender Lustenauer hat von Lustenau, wo er zu Besuch war, die Blatternkrankheit (Pocken) eingeschleppt. Das betreffende Haus im Strohdorf, wo er wohnt, wurde polizeilich gesperrt und eine Gendarmeriewache davor gestellt. Diese Krankheit trafgerade im Fasching bei uns ein, deßwegen durfte kein Ball und auch sonst keine Versammlung abgehalten werden. 34 1907. In diesem Winter fiel ungewöhnlich viel Schnee. Anfangs Dezember hats angefangen zu schneien, und sozusagen immer geschneit bis Ende Februar. Einige Stadeldächer, die gerade nicht mehr zu den besten gehörten, wurden eingedrückt. 1907. Während dem «Rorate» wurde im Pfarrhof hier eingebrochen. Alle Kästen und Schubladen waren aufgerissen und alles durchwühlt. Der Dieb scheint es noch eilig gehabt zu haben, denn auf Pfarrers Bett ließ er sein Handwerkszeug liegen, nämlich eine Axt und ein Zabin. 1907. In Wolfurt wüthet gegenwärtig das Schifflimaschinenfieber. Man konnte 50 bis 100 Franken und mehr täglich verdienen. Es ist ein Leben wie nie zuvor. Es entstanden 23 Neubauten und zwar: 3 Villen, 7 Wohnhäuser, das übrige waren Sticklokale. — Im Gemeindeamte erfolgten 450 Fremden-Anmeldungen. 1907. Die Zentralheizung wird im Schulhause eingerichtet. Die alten Zilinder Öfen werden hinausgeworfen. Die Kosten betragen 4200 Kronen. Es dürften im «Ländle» noch wenig Schulen sein, die diese Heizung schon haben. 1908. Die Herrlichkeit mit der Schifflistickerei hat plötzlich ein Ende genommen. Die Stickerei hat unserem Dorf gerade keinen großen Nutzen gebracht. In den «fetten Jahren» fiel es keinem Jungen mehr ein, ein Handwerk zu lernen, und mancher Handwerker, Meister und Gesellen, verließen das Handwerk, um den silbernen Boden der Stickerei zu betreten. 1908, 9. November. «Stellwagenfahrt». Der Wirt zur Wälderbahn dahier hat heute eine Stellwagenfahrt zwischen Kennelbach—Wolfurt—Dornbirn eröffnet. Doch diese Fahrten fielen kläglich genug aus. Der Fuhrmann und sein Klepper waren gewöhnlich die einzigen, die die Tour machten. Wer heute noch «einen» gesunden Fuß hat, fahrt mit seinem Rad. 1909, Der alte Lenz fabriziert auch noch «Linnen» auf seinem hölzernen Webstuhl. Es dürfte dies noch der einzige Leinenweber sein, der weit und breit zu finden ist. In meinen ersten Schuljahren standen fast in jedem Hause einer oder mehrere solcher Webstühle. 1910, 29. Mai. «Altfrohnleichnam». Während bei der Prozession das vierte Evangelium auf dem Kirchhof gelesen wurde, explodierte beim Pfarrhofdroben ein Pöller. Ein über zwei Kilo schweres Stück Eisen flog herunter und fiel mitten unter die Menge, ohne glücklicherweisejemanden zu verletzen. Statt dieser alten Pumberer hat die Gemeinde jetzt eine Pöllerkanone gekauft. 35 1910, IL—13. Juni. In Wassernöthen. In folge anhaltendem Regen wurde Vorarlberg, besonders einzelne Orte wie Montafon und Feldkirch, von großen Überschwemmungen betroffen. Im Montafon wurden viele Geschäfte weg geschwemmt. In Feldkirch staute sich dieIllderart, daß das Wasser in der Vorstadt bis zu 5 Metern an den Häusern hinaufreichte. Die Leute mußten mit Gondeln aus den Häusern gerettet werden. Aber auch die Bregenzerach hatte eine Höhe erreicht, wie man sich dessen nie erinnern konnte. Dazu war sie noch angefüllt mit Gebüsch, Wildholz, Brettern, Stiegen, Fenstern und allerlei Geräthe schwamm daher. Auf der neuen Brücke Wolfurt-Kennelbach standen viele Leute und schauten dem wilden Treiben zu. Plötzlich hieß es: Die obere Brücke kommt! Wirklich hat es den dritten Theil der Fabrickbrücke in der Mitte weggerissen und schwamm dieses Stück mit Boden und Seitenwänden wie ein Schiff daher. Aber wie es näher kam, sah man mit Entsetzen, daß aufdiesen Trümmern sich ein Mann befand, der ganz verzweifelt mit den Händen ringend um Hilfe bat. Es war der allen bekannte Jos. Karg von Kennelbach, 50 Jahre alt. Es war selbstverständlich unmöglich, ihm irgendwie zu Hilfe zu kommen. Denn es war keine Stange und kein Seil zur Hand. Der eben auf der Brücke anwesende Wolfurter Pfarrer erteilte ihm noch die Absolution. Karg getraute sich nicht, sein gefährliches Fahrzeug zu verlassen — vielleicht konnte er nicht schwimmen — und so fuhr er schnell abwärts der Lauteracher Brücke zu. Auch hier hatte Karg wieder viele Zuschauer, und auch diese konnten ihm nicht helfen. Bei beiden Brücken, die Karg passierte, lief er Gefahr, erdrückt zu werden, da das Wasser so hoch ging, daß er stehend kaum unter den Brücken durchkam. Karg stand noch immer auf den Trümmern der weggerissenen Brücke und passierte jetzt die Eisenbahnbrücke Lauterach-Rieden. Ein Stück unter dieser Brücke zerschlug sich jetzt das «Fahrzeug» und Karg verschwand in den schmutzigen Wellen. Am andern Tag fand man ihn tod an Steinen und Gebüsch verhängt. Er war ertrunken. Karg hat sein Unglück selbst verschuldet, indem er und sein Freund noch über die Brücke wollten, wo man schon sehen konnte, daß sie alle Augenblicke wegreißen konnte. Der andere, Gregor Karg, konnte sich mit einem Sprung noch früh genug retten. 1911,2. April. Heute 8 Uhr früh, gerade als die Schulkinder aus der Messe kamen, flog «Zeppelin» mit seinem lenkbaren Luftschiff «Schwaben» ganz nahe an der Kirche vorbei. Das war ein Hallo! Zeppelin wurde von hier aus schon oft in den Lüften gesehen, doch hat er heute zum erstenmal «Wolfurter-Luft» befahren. (Aus der Chronik ausgewählt von Siegfried Heim) 36 Frau Brunhilde Eberle sandte uns für die Kinder ein altes Nachtgebet: «Hinat wend mor üs niodorlo. Viorzeh Engol söllond mit üs goh: Zwä ad Kopfnat, zwä ad Fuoßnat, zwä uf di reocht Sitto, zwä uf die lingg Sitto, zwä üs schö leggo, zwä üs guot zuodecko, zwä üs bewahro vor allom U-Glück. Amen!» Siegfried Heim So heo 's i ghört (5) Eosso und Trinko hebt Lib und Seel zämmod. Z Morgo — z Nüne — z Mitag — z Obod — z Nacht Z Morgo an ghöriga Stopfar mit Kafee. Z Nüne a Igsottos-Brot für d Kind, für dio Gwachsno Brot und Käs. Z Mitag (Betonung auf der zweiten Silbe!) a Kichoro-Suppo und Heoff-Küochle mit Holdor-Muos. Zum z-Obodesso nomol a Brot und eobbas zum Trinko: «Most muoß ma geo, Schnaps ka ma geo!» Z Nacht fast jedo-n Obod brotene Bodobiera. Noch om Beott-Lütto schneoll is Bett! Sus holot öü do Buhloma!
  1. heimatwolfurt
19890901_Heimat_Wolfurt_04 Wolfurt 01.09.1989 Heft 4 Zeitschrift des Heimatkundekreises Sept. 89 KIRCHDORF WOLFURT Ältestes Foto. Der alte Kirchturm war nur 46 m hoch. Links der 1895 abgebrochene Bauernhof Schwerzier, Filitzos. Inhalt: 10. Wolfurter Mundart (Helmut Heim) 11. Kriegsende (Flatz) 12. Pfarrkirche (Heim) Helmut Heim DIE A U T O R E N : Helmut Heim, geb. 1932 in Wolfurt, Schreinermeister. Hubert Flatz, geboren 1921 in Wolfurt, Finanzbeamter. In vielen Vereinen aktiv. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Sammlung mundartlicher Ausdrücke, Reime und Redewendungen aus Wolfurt Die hier aufgezeichnete Mundart will das ehemalige dörfliche Leben unserer Gemeinde aufzeigen und entstammt daher vornehmlich dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag. Sehr viele dieser Ausdrücke sind aus dem heutigen Wortschatz bereits verschwunden. Einige sind nicht «ur-wolfurterisch», sondern aus andern Regionen irgendwann zugewandert, wie ja auch früher schon manche Fremdwörter Eingang in unsere Mundart fanden. Trotz etlicher Mängel, so hoffe ich, regt diese Niederschrift einige Leser dazu an, selber im Gedächtnis nach Altem zu graben und auf Papier festzuhalten, um diese Mundartsammlung zu ergänzen und zu bereichern. A abe Berichtigungen Wir korrigieren mit Ihrer Hilfe gerne alle Fehler, die Sie uns nennen. 1. Heimat Wolfurt, Heft 3, Seite 1: Inhalt: 8. Wolfurter Geschlechter (Heim) 2. Wolfurt in alten Bildern, Ausgabe 1981; Bild 25: Gottlieb Böhler berichtigt: Das Fischer-Haus ist nicht 1958, sondern am 18. 3. 1955 abgebrannt. Er hat mit großen Schülern Möbel herausgetragen. 3. Ebendort, Bild 42: Helmut Heim erkannte, daß das Bild aus Königs Album nicht im Unterfeld sein kann. Wer kann es lokalisieren? 4. Ebendort, Bild 55: Theresia Geiger wußte, daß das Bild nicht im Strohdorf, sondern bei Geigers im Röhle aufgenommen wurde. abe aberwendig Aggs abheldig aläg Ale allat allpot allomarsch! ament Ambalascht Angl Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Sau und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt - «as abéd»- es wird weniger «ar heat fest gabed» - sein körperliches oder geistiges Befinden hat sich verschlechtert, - «gang abe!» - gehe hinunter! - «aberwendig mache» - jemanden umstimmen, abspenstig machen, auf die Gegenseite bringen - Axt - z. B. Hanglage einer Wiese, schräg - z. B. Hanglage einer Wiese - Liebkosung Wange an Wange - immer - immer wieder, öfters - allowante! - verschwinde! hau ab! - am Ende, vielleicht, «I kumm ament a klä zu dir.» Ich komme auf ein Weilchen zu dir. - Jute - Achse, Zapfen, Bolzen, Türangel, Fischangel, jener Teil des Messers, der im Griff steckt, Angel der Bienen, usw. - Drehpunkt, Zirkelpunkt, Mittelpunkt 1 Angelpunkt arlückele arkulpe Arang Apedengar ästimiire äschbliziire - etwas herausfinden, etwas entdecken - etwas bewältigen, das Letzte an Kraft herausholen, «I heas gad no arkulpet» - Anstoß «Kumm nim an Arang!» - Beginne, fange an, getraue dich! - Himmelschlüssel, Aurikel - etwas schätzen, hochachten - erklären Beare Bämsel belfere bearhäm bearig, bärig Bettbrunzarle Betthäs bizele, biz - Schiebetruhe, «Mistbeare», «Bschüttebeare» - Pinsel - krachen, schießen, Geschützdonner - hinkend, nicht gut zu Fuß, fußmarod - schön, gut - Bettsoachar - Buschwindröschen - Bettwäsche aller Art, nicht Leibwäsche - wenig Bemperlewasser - alkoholfreies Getränk (oft mit Jgsottes zubereitet) B, P bägere barentig parat baschge Balise baff Bare Bändt palästere - bitten, mahnen, auffordern - pur, rein, unverfälscht, «Des ischt doch barentige Essig», sagt, wer sauren Most vorgesetzt bekommt - fertig, bereit - etwas bewältigen - beidseitig geschliffenes Stemmeisen - überrascht - Futtertrog, Turngerät - Band, Türbeschlag, Schöbändt - Scheinband, Kette um Kühe anzubinden - jemanden etwas zu Leide tun, Ausdruck beim «Spatzsecklspiel» (Wenn die Schaufel beim Schlagen den Boden berührt rufen die Mitspieler: «Bode palästeret») - weinen - kleine Verletzung, kleine Wunde - baldigst, «jo beider» - ja gewiß - kleinwüchsiges Tier, Winzling, «Du klenna Beanzgar», sagt man auch zu einem Buben, der wohl vom Wuchs her klein, sonst aber schneidig ist - «a warme, belzbachene Underhose» belzbache leitet sich ab von Barchent. Rauher Barchent, ein Baumwollgewebe, wurde früher oft zu warmer Unterwäsche verarbeitet. Die aufgerauhte Seite hatte eine weiche, pelzoderflaumähnlicheOberfläche Pflädder, Pfläder - Fladen z. B. «Kuhpflädder» pfluddere, pfludderig, Pfluddere - z. B. Verspritzen einer breiigen Masse, Aufkochen einer dicken Suppe usw., schwabbelig - Übername für dicke Frau pfludere - z. B. wenn eine Henne sich den Staub aus den Federn schüttelt, wenn jemand eine «nasse» Aussprache hat, wenn jemand beim Lachen Speisereste von sich gibt - fauchen der Katze; Geräusch, wenn die Luft aus einem Fahrradreifen entweicht, unterdrücktes Lachen, usw. - Pickel, Akne - rechtes Maß «Der kennt koa Pfacht» pfutzge Pfuze Pfacht, Pfarcht pfächte, pfächtle - einschränken, «Di tut ma denn ou no a klä pflichte.» Dir bringt man das rechte Maß schon noch bei. Pfannebreat, Pfannekneacht pfuche pfnitze pfnäschte pfuse pflenne pfundig Pilgere - Brett mit Halterung für den Pfannenstiel um die heiße, rußige Pfanne auf den Tisch zu stellen. - fauchen, apfuche — anfahren, unfreundlich sein - niesen - keuchen, vor Anstrengung schwer atmen - stark winden, stürmen; ruhen, dösen, schlafen - weinen - schön, gut - zahnloser Kiefer 3 belle Bele beider Beanzgar belzbache pfuballe, Pfuballe - Ball spielen, Ball 2 Birling Biestkuche bige, Big - kleiner Heuhaufen, «Schoche» - Auflauf aus Biestmilch (Die Milch einer Kuh gleich nach dem Kalben wird bei mäßiger Wärme zum Gerinnen gebracht) - beigen, «Schitterbig» Bötere böterle Böterlebohrar bögle Botsche, Bötschä Boh Bodebira Beckele Boaz Brüllekalb - binand, benand, - beieinander bejanand bigotr, bigöllar blangere Bläkte Bläktus Blutsugar bloge, Blog Bluascht blose, Blose blug - bei Gott - etwas sehnsüchtig erwarten, «Ma blanger'et uf des erschte Obscht» - Blatt - Schimpfname - Blutegel; Schimpfname für rücksichtslosen Ausbeuter - quälen, Plage - Blütezeit, «d Bluascht» - die Blüten - blasen, Blasinstrument - durchsichtig, dünn; neugeborene Mäuse und Vögel z.B. sind blug, sie haben eine dünne durchsichtige Haut. Blug ist eine frischverheilte Wunde. Blug ist auch jene Stelle an einem Kleidungsstück, die abgewetzt, dünn und durchsichtig ist. - dicke Blutwurst - Blase, «Sublötere», «Soafeblötere», Blase an der Ferse - Einer der sich nicht traut, langweiliger Mensch - weinen, «Si bläget wi a Kälble» - etwas sehnsüchtig erwarten - viel reden, nichts sagen - Schwätzer, dummer Angeber - schwer, «I he ble-iene Füeß» - fallen Kater spielen mit Puppe, Puppe nur sehr, fast, ziemlich Kügelchen des Rosenkranzes oder einer Halskette altes Wort für «kugele» (Kinderspiel) langweiliger Mensch bügeln Hausschuhe, Schimpfname für ungeschickten Menschen, «duat dear aber bötschig» - Heuhahn, Heuboden, Ablage für Brennholz, Zwischenboden in der Tenne - Kartoffeln - Tasse, «a irdes Beckele» - eine Tasse aus Ton - Eifer - sagt man, wenn man jemanden in den April schickt Pritsche, - behelfsmäßiges Bett; Brett mit dem der Mist auf den Wagen pritsche, pritschle glattgeschlagen wurde («Mistpritsche»), schlagen in Wasser, plantschen Brieme bromig, Brom brisele, brisle brocke Broß Brentöwilar Brentöwinar Broatdatschar Brünnerling Prüge, Brüge - Bremsen - rußig, schwarz, Ruß, «Bromiga Fritag» - Band durch Ösen ziehen, (Schuhe, Mieder) «ibrisele, zubrisele», leichter Schneefall «As briselet a klä.» - pflücken - Sprossen der Obstbäume - Apfelsorte - Apfelsorte - Apfelsorte - Ablage, Obst-, Mist-, Holz-, Heuprüge. Das Wort kommt von Prügel, Holzrundling. Eine Lehmgrube (Lacheloh) wurde mit Rundlingen abgedeckt und darauf der Mist gelagert - Mistprüge. Ein Zwischenboden in der Tenne aus Rundhölzern war eine Heuprüge. - Nachtgeschirr aus Holz - Holzkübel - abblättern, z.B. von Mais, Bohnen usw. - weinen - besessen - schlagfertig 5 Blunze Blotere Blöterlar bläge blangere bläfere, läfere Bläferar ble-ie bohle Bole bobbele, Bobbe bos, blos bode bödelet Brunzbrente Brente brätschle briage bseasse bschosse - etwas, z.B. Boden des Korbes mit Äpfel bedeckt 4 bschnotte, gschmotte Bschüttebine Bschüttebeare Bschüttekübel bschüse bsetzt bschlahe, bschlage - knapp, gerade noch, beengt, eingezwängt - zweirädriger Karren mit Holzbehälter für Jauche - einrädriger Karren mit Holzbehälter, «Lägelebeare» - Holzkübel mit langem Stiel - ergiebig sein, «Rogges Brot bschüst besser as Kernes» Schwarzbrot ist ergiebiger als weißes. - fest, dick, mollig - Tätigkeit des Zimmermannes, mit der Axt aus Rundholz Kantholz zu schlagen; des Schmied's, Pferde, Wagen, Truhen usw. zu beschlagen; des Schuhmachers, Holz- und Ledersohlen der Schuhe mit «Kappenägel» haltbarer und rutschfester zu machen. «An bschlahena Stöa» - ein behauener Stein - Schuhmacherutensil (Eisenfuß auf Holzsockel) - Steinpflaster, Besatz aus Stoff, «Ahbollebsetzä» - Kopfsteinpflaster. «A Hemp falsch bsetze» - war bei einem Hemd der Kragen zerschlissen so wurde manchmal am Hinterteil des Hemdes Stoff weggeschnitten, daraus ein neuer Kragen genäht und das fehlende Hinterteil mit einem oft andersfarbigen Stoff «falsch bsetzt». - klopfen - Kälbchen - Kinderschreck, böser Mann, unfolgsamen Kindern wird mit dem «Bulema» gedroht, der nachts unterwegs ist und schlimme Kinder mitnimmt. - gebundenes Heu wird auf dem Rücken getragen, auch Holz und anderes, von bürden, aufbürden. - weitausholende, lange Schritte - Konfetti, Abfall der Punschmaschine - reichen - gebündeltes Brennholz - Gestell auf dem die Buschein gebündelt, gepresst und gebunden werden Bündt Bühle pumpelusisch Butzge butznersch Budl Putsch Pulge Butte Butterfaß Buhlade Buttermodi - Wiese beim Haus - Beule - Sprache die man nicht verstehen kann, Kauderwelsch - kleiner Apfel, Rest eines gegessenen Apfels - total verrückt - kl. Flasche, Maß, «Milchbudl», «Schnapsbudl» - Tonflasche mit Henkel - kl. Holzfäßchenetwa 3 bis 5 Liter, Transport und Trinkgefäß - Transportgefäß mit Schulterriemen, ursprünglich aus Holz, «Milchbutte», «Schmalzbutte» - Holzfaß, das um eine Achse gedreht wird, um Butter zu schlagen, Rührkübel. - Bauchladen der Hausierer, aus Holz Budille, Budelle - Bauchflasche Bschlahfuaß Bsetzä - bsetze pumpere Busele Bulema - Holzform, Maß um den geschlagenen Butter die richtige Form und Größe zu geben. «D Buttermodi» war meist aus einem Stück weißem Ahornholz geschnitzt u. manchmal mit einer eingeschnittenen Blume verziert, welche sich dann auf dem «Butterstöckle» erhaben darstellte. Buchtel, Wuchtel - Mehlspeise büaze - ausbessern, flicken, reparieren, stopfen von Kleidern, Wäsche, Zäunen, Werkzeugen usw. Burde Buacharschriat Punschbolle büte Buschela Buschelebock D,T dante, dantig, Dantar dämpfig dasig DächlemacharTatsch, Tatsch, Tatsche tätschle - langsam sein, unentschlossen sein, von tändeln träse, träße, Träß - schimpfen, jammern, stets nörgelnde Frau - «a dämpfigs Roß» - Asthma beim Pferd - trübes Wetter, getrübte Stimmung; leichtes Unwohlsein Regenschirmflicker - Schlag, Knall, Blitz, etwas Zerdrücktes - leicht schlagen, Art von Liebkosung 7 Buaschtschüppe - Büschel harten Grases, welche von den Kühen verschmäht werden 6 dengele, Dengelstö, Dengelhammer, Dangel -Die Sense wird auf dem «Dengelstö» dünn gehämmert. Der dünngeschlagene Teil der Sense Daffatöpfel deare - Apfelsorte - dörren, Dörrobst. Äpfel wurden geschält, in Scheiben geschnitten, auf Schnüre aufgefädelt und außen an der Hauswand wie Girlanden unter die Fenster gehängt und von Sonne und Wind getrocknet. Birnen hingegen wurden meist in Blechen auf dem Holzherd oder Kachelofen gedörrt - nicht dauerhafte, nicht ernstzunehmende Liebschaft - Wagendeichsel - Gerede, Gejammer, viel Aufhebens um nichts - schleichen - Gerede, durcheinanderreden - Kauz, Eule - donnern, Donner - unschlüssig sein - nichtssagender Geschmack bei Speisen. Ein Bild, eine Tapete kann auch dötrlos sein, farblos, langweilig, nichtssagend - Maulwurfsgrille - gut gedeihen bei Kindern und Tieren; «übeltröijig» - schlecht gedeihend - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen, Kinderlatz; Schimpfname - Birnensorte - Tannenreisig - Geselchtes - Delle, Vertiefung, Rabenvogel - Fuß verschiedener Tiere z.B. «Hennetöpe», Katzetöple» usw. - Tintenklecks Dolder Docke toag trätze Trucke - Baumwipfel - Puppe aus Holz; Fußteil einer Bank, Konsole - Birne die abgelagert, weich und innen braun ist, zu unterscheiden von «mahr» - reizen - Truhe, Trog, Kiste, Behälter, Schimpfname. «Kiestrucke», «Gschiertrückle» - Werkzeugkiste, «Katzetrückle», «Kästrucke», «Spöütztrückle», «Kudrtrückle». - sehr einfältiges, gutmütiges Weibsbild - Truhe - von trügen, «an trogena Ma» - man sieht es ihm nicht an - Trog «Sutrügel» - Schimpfname - Trichter aus Holz oder Metall - Presse für Obst und Wein - Bahre, «Mistträge», mit ihr wurde der Mist auf dem Acker verteilt. schwindeln, schwindlig - erster Brand beim Schnapsbrennen, trübe, unsauber die kleine Trommel schlagen Trommel träumen, Traum Balken drehen Techtelmechtel Diggsl Termäne diche Dischkurs, dischgeriire Totevogel, Dotevogl dore, Dörar dötterle dötrlos Trodel Trog troge Trügel Trachtar Torkel Träge trümmle, trümmlig Trub trümmele Trummekübel tröme, Tröm Tröme dreie trole, Trölar drülle, Drülle Drüllebubbar trödle, Trödlar Tresterkäsle trostle drin Drohscht, drohschtig Trumm demol, a demmol - dieses Mal, vor etlichen Tagen, kürzlich, letzthin Dorle tröije triele, Trielar Döübela Dohs Diges Dohle Tope, Töple Tolgge 8 - rollen, kurzes Rundholz drehen, Wirbel im Wasser Spielzeugkreisel, Bezeichnung für kleinen Buben ohne Eile sein, langsamer Mensch; Händler Obsttrester in eine Form gepresst und getrocknet (Brennmaterial) - ohne weiteres, getrost, «red trostle lut, si hört koan Tun.» - aufgeregt sein, «I bi iez ghörig drin gsi» - Schwüle, schwül - Stück 9 trümsle, Trümslar tschare Tschügge Tschole Tüchl - langsam sein, etwas einfältiger, langsamer Mensch - kaputt - Schimpfname - gutmütiger, friedfertiger, manchmal etwas einfältiger Mensch - Holzrohre. Die alten Wasserleitungen von den Quellfassungen («Brunnestube») zu den Laufbrunnen waren alle aus durchbohrten Holzstangen gefertigt. - Werkzeug, Berufsstand Hochgewachsene Stangen der Weißtanne wurden mit einem langen Bohrer durchbohrt. Die Rundlinge wurden von beiden Enden her angebohrt. Leicht gebogene Stangen wurden während des Bohrens gerade gespannt. Es war eine sehr anstrengende, schweißtreibende Tätigkeit, deshalb ist heute noch die Redewendung erhalten: «Ar suft wi an Tüchlbohrar.» - Mais, wurde früher auch «Welschekorn» oder «Türkewoaze» genannt - Apfelsorte mit besonders großen Früchten - Teil des Faßes «A Tuge abesufe» - getrocknete Torfschollen, Brennmaterial - Übername der Lauteracher - stottern - Donnerstag - stoßen von Schafen oder Ziegen «Böckle, böckle, tütsch» E eapamöl eapas eadde, Eadd eere Eappr Eggoaß Engera - manchmal - etwas - jäten, Unkraut - pflügen - Erdbeeren - Eidechse - Engerlinge Tschick, tschick - Stück Kautabak; müde, erschöpft Tüchlbohrar F,V Fas Fasnat Falott - abgeschrägte Kante - Fasching - Nichtsnutz, Spitzbube Türke Türkeöpfel Tuge, Duge Turbe Türbelar dudere Dunnschtag tütsche Vatterunsarhals - Sunntagshals - Luftröhre «As ischt mr in Vatterunsarhals ku», sagt man, wenn man sich verschluckt hat feand, feandrig fendere, Fenderar Feal Fealbar fitze, Fitz foppe, Foppar Vorstehar Fleaka Flegel Fotogen flöüze, Flöüzar Flöüzarhoke flacke - voriges Jahr, letztjährig - herumlungern, umherziehende Nachtbuben - Wunde - Weide - schlagen, Peitschenschlag, Blitz - hänseln; lästiger, andere ausspottender Mensch - Bürgermeister - etwa 6 cm dicke Bohlen. Aus ihnen fertigte man gespundete Wände und Decken - Dreschwerkzeug, Schimpfname - Petroleum - flößen, Holz triften, Brennholz fischen, Berufsstand - Flößerhaken - liegen 11 Türkische Musig - ehemalige Musikkapelle in Wolfurt 10 Fläre fludere Flause frötzle fräggele freze frette, Gfrett Friedhofsjodlar Fratz Firggar Firgge firgge Fise Függe vrdimmet vrdwire vrhe-ie vrplempere vrquante vrrumpfele vrbudle vrsufe vrschustere vrdrüllet vrdatteret vrdruckt vrseckle vrschosse vrpfife 12 - Wunde, Schürfwunde - flattern - Hirngespinnst, Ohrfeige - reizen - entfernen der Baumrinde kleinweise mit Beil - abweiden des Grases durch Vieh - rackern, mühen, Plage - starker Husten - freches Kind - Ausguß, Abwasch, Waschbecken, in der Stickerei Mittelsmann zwischen Fabrikanten und Heimarbeiter - beim Mühlespiel eine Doppelmühle - scheuern, aufscheuern, sich wehtun «d Schuh heat mi gfirrget» - Bezeichnung für Rothaarigen «du rota Fise» - Bezeichnung für Rothaarigen - vermodert, verschimmelt, z.B. Stockflecken in Wäsche durch feuchten Aufbewahrungsort - verirren, sowohl räumlich als auch geistig nicht orientiert - kaputtmachen - vergeuden - versorgen, verräumen - zerknittern - zerknittern von Papier - ertrinken, versaufen z.B Geld - verpfuschen, nicht zum Vorteil veräußern, verkaufen - verdreht - erschreckt, in Verlegenheit sein - hinterhältig - jemanden zum Besten halten - verliebt sein, gebleichte Farben, erschossen - verraten vrpfifebüxle vrluse, vrdluse vrbutze vrsohle vrgitzle Fürfeall fuxe fürbe, Fürbat ful Fulfieber Funzl Füdletasse Füdlar Füdle fudig fuhre, fuhrig Furgge - verspekulieren - auslesen, sortieren - verputzen von Mauerwerk; Geld verjubeln; jemanden nicht leiden können - «Dean kane nit vrbutze» - schlagen, züchtigen, «sFüdle vrsohle» - verzweifeln - Lederschürze - jemanden ärgern, «as juxet mi» - nichts gelingt mir - kehren, Kehricht - faul, müde - vorgetäuschte Krankheit, Ausrede um länger als üblich schlafen zu können, übergroße Müdigkeit - Petroleumlicht, Schimpfname - Nachtgeschirr - Kinderschlitten - Hinterteil bei Mensch und Tier; Öse einer Nadel; unteres Ende eines Baumstammes - «fudig to» - jemanden reizen, spöttisch - fette Speisen «führend». Sie «tond zu». - Mistgabel G gäge, umgäge, gägig Gägarle gazge gad nö gaffe Galoscha Gade galt, Galtveah Gaude gänge - fallen, umfallen, «a gägigs Fuder» - einseitig geladenes Heufuder, das jeden Augenblick umfallen kann - kleiner Mann der unsicher auf den Füßen steht - gackern, weinen - gerade noch - starren; zuschauen, wo man wegschauen sollte - alte ausgetretene Schuhe, Gummiüberschuhe - Elternschlafzimmer - milchlos - Lustbarkeit - stechen der Wespen und Bienen - von geangelt 13 gängig galle - gutgehend - Obst einsammeln nach dem Gallustag. Mit dem Spruch: «Galletag ischt gsi, was ifindghörtmi!.»zogen die Kinder, mit einem Sack und einem Stecken, durch die Felder und nahmen alles Obst, das noch auf den Bäumen hing und darunterlag mit nach Hause. Der Brauch verschwand bei uns während des zweiten Weltkrieges. - Schlagmesser mit gebogener Spitze - gestern - kl. Schuppen oder Anbau an Scheune - Bottich, «Wöschgelte» - mögen wollen, «I gear hüt gär nidd schaffe» - flaches Holzgefäß um die Milch zu entrahmen - bei gutem Humor z.B. - richtig, recht, viel, «as heat ghörig gschne-it», « as göht ghörig» - geheuer, nicht geheuer - böse, zornig, geizig, Zorn, Geiz, «is Alter waggst nüt meh, as d Negel und de Gitt» - Mitesser - geizig, Geiz - Geißlein - Ziegenkot Früher rieben sich die Kinder den Zeigefinger der einen Hand, am Zeigefinger der anderen und riefen: «Gizgägele, ätsch,» um andere Kinder zu ärgern. Das nannten sie: «Usgiggsle» - Hahn - knarren des Fußbodens, der Türe usw., «giire mit d Zähne» - schlagen mit dem Fuß - «I giab dr an Gingg» Glufe glongge Glonggar, Glöngge Glanet Gloach gmo Gmoand gmoant, gwähnt Gmüdr, Gmütsch gmüatle gmach gnot, d gnote Weag gnu,gnug Goub, Gob, Göble Goasl Goldgranätlar göüple go, gang - Nadel, «igluß» - einfädeln. Wenn ein älteres Mädchen einen Partner findet heißt es: «Iez ischt si doch no z glußt ku» - hin-und herschwingen - etwas Hängendes das baumelt oder schwingt z.B. «Ohreglonggar», Glockeglonggar» usw.; Schimpfname - Klarinette Glied einer Kette bescheiden, leutselig, nicht eingebildet Gemeinde geglaubt, gemeint Abfall beim Holzhacken Gettar gestet Gentar Gelte geare Gebse ghumöhrt ghörig ghürle, ughürle gittig, Gitt Gittwurm gizig, Giz Gizile Gizgägele, Giggsgägile Giggelar giire gingge gigampfe - gemächlich, gemütlich - gemächlich - schnell - genug - Kind, kleines Kind - Peitsche - Apfelsorte - balgen, spielen, Kinder, junge Katzen und Verliebte «göüplend mitanand» - gehen, gehe - schauckeln auf einem Brett, welches in der Mitte auf einem Lagerbock aufliegt, z.B. giiße - schreien, laut weinen, kreischen glumpig, Glump - schlecht, schlechte Ware glese - gläsern, «an glesena Krug», aus Glas glasig glare glotze glei gli - glänzend, leuchtend, «glasige Ouge starren starren sofort, gleich, «i kumm glei» egal, gleich, «as ischt mr gli» goaste, Goast Göppel - spuken, geistern, Gespenst - Antriebsgerät mit Übersetzung, (Getriebe) bei dem mittels Pferde- oder Menschenkraft, Maschinen angetrieben wurden. Als das Fahrrad aufkam, wurde es seiner Übersetzung wegen, oft auch «Göppel» bezeichnet. Wird heute meist abwertend für ältere Fahrräder gebraucht. - bedeutet etwa Gehege, Bezirk, «Deam bin i is Göü ku» heißt die Kreise eines andern zu stören. - Haus hüten, während einer Beerdigung z. B. kommt eine Nachbarsfrau «ga gome.» 15 gosche, Gosche - schimpfen, derber Ausdruck für Mund Göü gome 14 Gogummere - Gurke Grüsch gschwunde Gspane Gspusi gstumpet Gschwear schnudere, Schnuderar Gschnüder Gschtrüch, Gschrücht gschmotte, bschnotte gspriggelet gstearr Gsüff Gschlüder, gschlüdrig gschniglet Gschier Gsims Gsod Gsodstuhl gspundet gstemmt gschutzt gstäht gugge güggle Guggar Guggarklee Guggähne - Kleie, Viehfutter - ohnmächtig - Begleiter, Gefährte heimliche Liebschaft kurz, klein Geschwür, «i hea a Zagschwear» Rotznase hochziehen, Schimpfname golgge, Golggar - schwappen, «d Milch golgget i dr Butte» Pumpbrunnen gozig goazge gülde goldig gottsjömmerle toa grötig gragöle grütschle, Grütschlat Gräms Grotseage Grabe grizgrame - einzig, von Gotteinzig - Geräusch, wenn man sich z.B. verschluckt hat oder, wenn jemand nahe dem Ersticken ist. - golden, aus Gold «a güldes Krüzle» - lieb, süß, gut «a goldigs Humörle» - zum Erbarmen jammern - schlechtgelaunt - lärmen - schaukeln, Schauckel - Rahmen, Türrahmen, profilierte Kassettendecken, usw. wurden als Gräms (Gerahmtes) bezeichnet - Gratsäge - altes Wort für Spaten; Wassergerinne, Bach - knirschen mit den Zähnen, von griesgrämig - Katarrh, Rotznase - Katarrh - siehe bschnotte - gesprenkelt - steif - schlechtes Getränk - Schneematch, «legg hohe Schuh a, as ischt hütt gschlüdrig dußa.» - sauber hergerichtet, «si ischt gschniglet und kamplet» - Werkzeug, Kochgeschirr, Kuhgeschirr usw., «Gschierlumpe» - Gesimse, «Gsimshobel» - kurz geschnittenes Heu - Handgerät bei dem mittels eines Stanzmessers Heu kurz geschnitten wurde - Holzverband - Holzverband - schnell, ohne Überlegung, ungeschickt - gemächlich schauen im geheimen schauen Kuckuck, «d Guggar soll di hole» Sauerklee Urgroßvater Gsottes, Igsottes - Gesottenes, Eingesottenes (Marmelade) grenne, Grenne - Gesicht verziehen, Grimasse schneiden, «grenne, grenne, tuat nit weh, wer grennet der heat Lüs und Flöh.» grüscht grea gröte Greular gruabe Grüba gruste, kruste Graffl Gramure Grampe grampe - fertig, hergerichtet, von gerüstet - fertig, erledigt, gerichtet, angerichtet - gelingen, geraten - trüber Most mit Grauschimmer ruhen «gruabe git gut Buabe» Grammeln stöbern, suchen Plunder Durcheinander Pickel, schlechtes Pferd Arbeit mit dem Pickel, heute noch manchmal gebräuchlich für die Tätigkeit der Bahnarbeiter beim Geleisebau. Grabehoue 16 - Werkzeug um Riedgräben zu öffnen 17 Guggöre - von guggen - schauen und Öhr-Öffnung bedeutet Ausguck, oberstes Giebelloch unter dem First. Wenn Buben eine Hütte bauen, die windschief und wackelig ist, sagt man heute noch: «Do machend ir aber a ghörige Guggöre.» Wird auch verwendet für sinnloses, unüberlegtes Aufeinanderstapeln von Dingen. - Kind im Arm wiegen, auf den Schultern tragen - starker Regen, Wolkenbruch - Flasche guge Güse Guttere gumpe, Gumper - pumpen, tanzen, hüpfen, Pumpbrunnen, «gumpiga Dunnschtag», «Bschüttegumpar» Gumpe Guat gunne Güsch Gurglholz güne Gumelascht - Wasserloch - Wiese beim Haus - gönnen, «vergunne» - mißgönnen - Schimpfname für moralisch minderwertige Frau - nennt man das Holz einer Tanne, das in Alkohol umgesetzt wird, bevor es den Wald verläßt. - winseln des Hundes, weinen - Gummiband Hälegigar Häs Hagel Häslus heare Hemp Herelöable hetze hetzig, Hetz heane, heat, kett, hea oder heo herze - Schmeichler, Einschmeichler Kleidung insgesamt «Weachtaghäs und Sunntagshäs» Stier Filzlaus, «freach, wi a Häslus» rufen Hemd Herrenlaibchen - Brot treiben, jagen lustig, Lustbarkeit, Spaß haben, hat, gehabt, habe liebkosen hergoles, hargoles, hargolane, hargolante, hardigate - beim Herkules! helde Hennelar hinat Himbr Hindrhusar Hille hindrfür Hinderung - z.B. ein Mostfaß in eine Schräglage bringen - Hühnerhabicht, aber auch Mäusebussard - heute Nacht, kommende Nacht «a guts Hinatle» - Himbeere - Apfelsorte - Helligkeit, Lichtschein einer Feuersbrunst z.B. - verkehrt, umgedreht, an hinderfura Voaderwäldar» - Rückstand, «i bi im Hinderung» - Ringkampf, ringen - Haken, schlechtes Pferd, unansehliche Frau - Haken - «Türhouche» auch «Klobe» oder «Angln genannt, siehe «Klobe» - Großer Brachvogel - Heuschrecken - Regenguß, Unwetter - Birnensorte - Werkzeug, um Heu schüppelweise aus dem Heustück zu ziehen, (armlanger Stil mit einer Spitze aus Eisen und Widerhaken) 19 H händig - geschickt, anstellig bei Menschen, auch bei Pferden. Bei Werkzeugen bedeutet es gut in der Hand liegend, wird auch gebraucht bei Geräten, Maschinen und Fahrzeugen aller Art. Hoselupf, hoselupfe Hoge Houche Holipar Höühoppar, Höüstäffel Höüdearar Höübira Höülüchar Hächlar, Häklar - «igwaggsene Dreak» - alter hartnäckiger Schmutz auf der Haut (Füße und Hals) häze - klettern Habermus - Haferspeise Haras - Obst-, Kartoffelsteige Hasebläckta - Wiesenbärenklau halte - hüten (Vieh hüten) hebe, Hebe, - halten, festhalten, Griff, (Griff aller möglichen Werkzeuge Hebel, Heft meist aus Holz oder Horn), «heb ü» - halte an, «heb da Götte», «Ar gitt s Heft nit uss r Hand», - er bleibt am Ruder halse - umarmen, liebkosen häl - schmeicheln - rutschig 18 Houe, houe höüile, Höüile Honnar, Honnare Hoanze, hoanze - Heinzen, Stange mit Querstäben auf denen das Heu getrocknet wird Hoanzesteckar - starkes Rundeisen mit Spitze Holtscha, Hölzlar - Holzschuhe, Schlüpfer, vorwiegend für Stallarbeiten Holtschemachar - Holzschuhmacher Hülzebödnar, «Lüch» ist eine alte Bezeichnung für Loh-Loch und Licht siehe «lüche» - Gartenwerkzeug, «Grabehoue», schneiden, schlagen - jäten, kl. Haue mit Zweispitz «Friedhofshöüile» - Holz- und Heuschlitten; Kuh die oft ihre Hörner gebraucht Hurnussl Hurde - Hornisse - von Hürde, etwas übervoll beladen, siehe «Schoche» hunze, vrhunze - spotten, verspotten, etwas verderben, «um di Sach nit ganz zu vrhunze, gommerliaberga brunze» hürle, anehürle - in die Hocke gehen hüsle, Hüslarzüg - spielen, Spielzeug huremäßig, hurementig, hargotmentig - Diese, sowie ähnliche andere Wörter werden verwendet, um die Aussage der nachfolgenden Wörter zu verstärken, nicht aber um sie zu bewerten. - Schuhe mit Schweinsleder - Oberteil und Holzsohlen «zum ibrisele». Die «Hülzebödner» waren während und nach dem Zweiten Weltkrieg sehr aktuell. - steif, ungelenk, hölzern - Hornerschlitten, dessen Gleitfläche unbeschlagen ist. - leichter Heuwagen, dessen Achsen aus Holz sind. - Haupt, Kopf, «Kruthöple», Salothöple» - Holunderkompott - Heidelbeeren - viel, zahlreich, «es hoadlet gat» - springen - langsam, bedächtig, vorsichtig, «1 tur a klä hofele» - heikel, «du hoakliga Beatlar», wennjemanden das Essen nicht genehm ist, «noch em hoakle si kut nüt meh», wenn einem Mädchen die Freier nicht passen - Hohlaxt, wurde gebraucht um Brunnentröge zu fertigen oder Dachrinnen - Jauche, Jaucheloch - Kleidungsstück, abwertende Bezeichnung - eilen, pressieren, ungenau arbeiten, «nu nit hudle, vor em Sterbe» - sparsam - heuer, heurig, «i bi ou koan hüriga Has me» - Birnensorte I,J idressiirt irger, irgerle, Irger Irmel irde Jägge Jankar Imbe Imachstande Ilge jöüche Isegräs Isehemp Igsottes, Jgsottr juze, Juz, Juzar jucke iez - äußerst sparsam - arg, ärgerlich, Ärger - Ärmel - aus Erde - Ton, «a irdes Beckele» - Eichelhäher - Kleidungsstück - Bienen - von einmachen, faßähnlicher Maischebehälter - Lilie, Iris - jagen, treiben hartes Gras, das von den Kühen verschmäht wird Rüstung Marmelade, Eingesottenes jauchzen, Jauchzer hülze Hülzesolar Hülzeaggsar Höple Holdersuppe Hoadla hoadle hoppe hofele hoakle Holthesl Hoflache Hötel hudle, hudlig, Hudlar husle hür, hürig Husbira 20 - springen - jetzt 21 K Kante, Käntle Katze Känar Kathel Kaserol Kachel kachele Kampl, kample Karrezühar Kaiserbira käl Kareß Kabriza Kalfaktr Kassinar Kämme kartätsche Katzestoeg Kastättere, Kastezar - Gefäß aus Metall z.B. «Milchkante»; Zusammenstoß zweier Flächen z.B. «Stahlkante» (Schi) - Schöpfwerkzeug, meist aus Kupfer, um Maische aus dem Faß zu schöpfen, z.B. - Rinne aus Holz oder Blech, «Bschüttekänar», «Dachkänar» - Aufzugsrolle aus Holz; weibl. Vorname - Kochtopf - Schüssel aus Ton; Teil des Kachelofens, Fliese - Ofen setzen, Fliesen legen - Kamm, kämmen - Zigeuner, fahrendes Volk - Birnensorte - ecklig, widerlich, unflätig - «allad uf Kareß» - immer unterwegs sein - Eigenwilligkeit, Sturheit, «der heat wiider Kabriza» - ungehobelter, grober Mensch - Name für Mitglieder einer ehemaligen christl. sozialen politischen Gruppierung, gilt heute eher als Schimpfname - Kamin - durchkämmen von Flachs, Schafwolle usw. - steiler, schlechter Weg - Teil der alten Bucherstraße - Frucht der Edelkastanie, die früher bei uns sehr verbreitet war. Heute noch gebräuchlich für die Roßkastanienfrüchte Kearesel Kesslar kiibe Kiestrucke - Kellerassel - Pfannenflicker, gehörten zum «fahrenden Volk»; Schimpfname - schimpfen - Wagenaufsatz aus Holz um Kies und Sand aus der Bregenzer Ache zu holen. Mittels einer Winde (Wagenheber teils aus Holz) konnte man die Ladung auch kippen - Teil des Wagens - keimen, Keim - Kürbis - Kirchweihfest, dazu gehörten früher auch Tanz und Vergnügungen - wenig, ein bißchen - armlanges, daumendickes, vierkantiges Holz. Für jedes gebetete Vaterunser durfte eine Kerbe eingeschnitten werden. Am Vorabend des Nikolaustages wurde das «Kloseholz» ins Fenster gelegt oder dem Nikolaus, so er ins Haus kam, vorgezeigt. Je nach Anzahl der Kerben erntete man Lob oder Tadel. - Spannwerkzeug, Schraubkloben, Feilkloben usw. Auch ein «Türhouche» wird als «Klobe» bezeichnet, wenn er aus zwei Teilen geschmiedet ist. «Klobe» ist jener Teil, der die eigentliche «Angl», Achse festhält und umklammert. «An nerviga Klobe» kann auch sein ein dickes Stück Holz, ein schwerer Stein oder aber ein großer, starker Bub. - kratzen - wuchtig, schwer wirkend, stark dimensioniert - Spannwerkzeug, «Wöschkluppe», Schntdkluppe» usw. Kirpfe kide, Kide Kürbse Kilbe klä, a kläle Kloseholz Kichere, kichere - Bohne, lachen Klobe klube, klöube klobig Kluppe Kapelo, Kaplo - Kaplan Kapele - kleine Kapelle ke-ie, ke-i-ig - streiten, zuwider sein, «hei, bis iez nit so ke-i-ig» ke-ie, anke-ie, umke-ie Kefe Kelle Kear 22 - fallen, hinfallen, umfallen - Käfig - Werkzeug, «Murarkelle, Suppekelle, Wasserkelle, Wöschkelle, Spatzseckelkelle» - Keller kluppe, kluppig, - spannen, klemmen, geizig, Geizhals Kluppar Kotarkarre - zweirädriger, kleiner Karren mit Kistenaufsatz mit dem man die Buben auf den Weg schickte, um den Pferde- und Kuhmist von der Straße einzusammeln. Zur «Ausrüstung» gehörte noch die «Kotarschufl» und das «Kotarbreatle» - Halsteil des Pferde- und Kuhgeschirres 23 Komat Kostanzar - Birnensorte Länglar kotze - erbrechen Köngel, Kängel - etwas Hängendes z.B. Teil der Glocke, Rotznase Konsorten Klattere Klamperar Klosebira Klepfe, klepfe knöbefle knöüle knozge knausrig Knüse kräzebuggele Kräze kreable krüche Kröasl Kröaslar Kröl Kratte Kriepe, Kriep, Krippele kroase, Kroas krose, krös Kröse Krömle Krazat Krimskrams 24 Kriase Kriacha Kreas kraglet kreie Krottemüchele Krottehägl Krottemoie krotte Klammera Küngl Kust - Kirschen Wildform der Pflaume gehackte Zweige überaus, besonders, «s Bömmle ischt kraglet voll» krähen Kaulquappen Taschenmesser Löwenzahn sich mühen, anstrengen, nicht vorankommen Waldameisen Hase Kunst, bezeichnete früher vor allem Fertigkeiten und Eigenschaften von Menschen und Tieren, die allgemein nicht üblich waren. «A Kust» war daher, was etwa ein Seiltänzer auf einer «Kilbe» zeigte, das Verrenken der Glieder eines Akrobaten auf einem Jahrmarkt usw. Auch ein Bär, der tanzen konnte, machte «Küsta». Dagegen war ein Gemälde z.B. einfach «schö» oder auch weniger. Daß auch banalste Dinge in die Nähe von Kunst gerückt wurden, verdeutlicht folgender alter Spruch: «I ka a Kust, s Füdle butze mit dr Fust.» - Gleichgesinnte, Genossen, wird meist abwertend gebraucht - eingetrockneter Schmutz oder Kot - Spengler - Birnensorte - Viehglocke aus Blech, knallen mit der Peitsche - wenig - knien - «as knozget mr i de Schuhne» wenn man Wasser in den Schuhen hat. - geizig - dicker Bub - etwas auf dem Rücken tragen - geflochtener Rückenkorb mit Schulterriemen - kriechen, krabbeln - sich auf allen Vieren bewegen - Kreisel, Zirkel - Gerät um den Acker einzuteilen (Furchenbreite) - abgewinkelte Gabel, um den Mist vom fahrenden Wagen zu ziehen. - geflochtener Korb, «Öpfelkratte», «Kriasekrättle», «Krättlemachar» - Korbmacher - Futterkrippe, Darstellung der Geburt Jesu - kreisen, Kreis - «s Höü kroset» von kraus - reicher, geiziger Mann, Krösus - kl. Geschenk, Süßigkeit, von Kram - Mehlspeise, Kaiserschmarren - kleine, meist nutzlose Dinge Küstle - nennt man den liegenden gemauerten Rauchabzug des Kachelofens, auch Ofenbank genannt. Manchmal auch den oberen Teil des Kachelofens auf dem allerlei getrocknet, erwärmt und warm gehalten wird. «Küstle», kann auch sein ein Gesims aus Stein oder ein Brett an der Wand, das als Ablage dient. «Küstle» leitet sich ab von Hypocauste, so nannten die Römer ihre Fußbodenheizungen - Teil des Spinnrades - merkwürdig, sonderbar Kunkel kurios Kudr - Auswurf von Schleim z.B. bei Bronchitis, Abfall beim Hanfbrechen Kudrtrückle - Holzkistchen mit langem Stiel, wurde vor allem von den auch Spöüztrückle «Tschickern» (Kautabakessern) benötigt kugele Kumede, Komede kützle Kutze Kutzemusar - Kinderspiel mit irdenen und gläsernen kleinen Kugeln - Theater, überraschendes Ereignis «Gestet hemr a ghörige Kumede bejanand kett.», unüberschaubares Durcheinander - kitzeln - grobe Wolldecke - Apfelsorte; besonders dickes Kleidungsstück z.B. Mantel 25 L lamentiire Larve Lätsch läfere Läferar Latsche lächt Lägele, lägele Lache Lacheloh Lämmel lampe leaz Lebrosehus leacher Lederar lis lidere Lismar Liible libig - jammernd gestikulieren - Maske, Gesicht - «Schwobelätsch» - Knoten; ein beleidigtes Gesicht machen, «was machst ou duflir an Latsch» viel reden, nichts sagen Schwätzer von dummem, sinnlosem Zeug Legföhre; Schimpfname -lieh, «rotlächt» - rötlich, «langlächt» - länglich Jauche, Jauche ausbringen Pfütze Jauchegrube ein Stück z.B. Wurst oder Brot hängen, herunterhängen falsch, unrichtig, nicht gut Haus der Leprakranken, Landspital Bregenz loabe, Loabat - nicht aufessen, übriggebliebene Mahlzeitreste «des gloabet ischt besser as des geasse» - es ist gut, etwas Übriggelassenes zu haben. - «triele» - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen - rütteln, wackelig, locker, nicht gut befestigt - weich, löst sich auf, Schnee bei Tauwetter - Brotlaibchen, «Herelöable» - streunende Hündin - brünstig z.B. Rind löübe lotere, loterig lösch Löable Löütsch, löütschig löüfig Load, loadig, load- Leid, schlecht gelaunt sein, «loadig si», «eapas z load tö» - ausgetrocknet, (bezeichnet bei allen Behältern und Gefäßen aus Holz das Schwinden desselben) - Apfelsorte - zu wenig gewürzt bei Speisen, ohne Geschmack - gerben - Strickweste - Leibchen, Jakett - fett, faißt, dick Loatsch, - liederliche Frau, liederliches Mädchen Löatschle Loatsche, loatsche, loatschig, veriotsched - abgenützter, ausgetretener Schuh; latschen, gehen; zerschlissen, ausgetreten bei Schuhen Loast - Schuhleisten Loase lose Loatsoal Lonarle loadwerke - eingedrückte Fahrspur z.B. im Schnee - horchen, hören - Leitseil, Teil des Pferdegeschirrs - Radsicherung am Wagen - etwas anstellen, jemanden etwas zu Leide tun Liecht - «Kirzeliecht» - Licht liecht, usliechte - lichter Wald, Bäume auslichten (lichter Wald - heller Wald) liecht - leicht, wenig Gewicht lüche Lohe Lorkäsle loh, loht, glöh löame, Loamsüdar - auslichten von Pflanzen z.B. Mais, Heu kleinweise aus dem Heustock ziehen. - Gerberlohe; Feuerschein, Feuer, «as brennt liechterloh» - verbrauchte Gerberlohe (Baumrinde) in Formen gepreßt und getrocknet (Brennmaterial) - läßt, gelassen - schwerfällig, langsam, langsamer Mensch Löre, Lüre, Glöre- beim Mosten wird ausgepreßte Maische mit Wasser angereichert und anderntags noch einmal gepreßt loufe - gehen lugg Lugge lützel Lusar luege lüttere lupfe - locker «nit lugg lo» - nicht locker lassen - Lücke - wenig - Lausbub, Lauskamm - schauen - läutern, säubern, zweiter Brand beim Schnapsbrennen - heben, tragen, «Hoselupf» 27 26 Lude - altes Wort für Lust. Bei uns ist das Wort nur noch in drohender Form bekannt, wenn etwa eine Mutter zu ihrem Sprössling, der etwas angestellt hat, sagt: «Du wirst denn Lude hea, wenn zobet d Dädd hoamkut!» - windig, wehen Miat Mies minder Mikte Mirz moan Mog Moikeafer Molle mords möt,mät Mose Moltschere Momele montsche, mantsche möüle moriksle Mores - Viehfutter, z.B. zerhackte Rüben, Kürbisse usw. - Moos - schlecht, wenig; «s Weattr wird minder» - schlechter «hür gitt as minder Höü asfeand» - weniger - Mittwoch - März - morgen - jammernde, ewig unzufriedene Frau - Maikäfer - Stier - von Mord, «an mords Stach, mords Kaib, mords Kog», z.B. - möchte - Fleck, Mal - Birnenbrot - Süßigkeiten - kauen ohne Zähne - laut schreien - jemanden unsanft behandeln, quälen luftig, lufte M marod mariasche maschgere mampfe Maläscht Malter mahre mahr Mahreneascht leicht krank altes Kartenspiel sich verkleiden unschön und viel essen Schwierigkeit, «des heat mr Maläscht gmachet» altes Maß, Holzgefäß, Mörtel warten, zuwarten abgelagert, reif, mürbe, weich, z.B. bei Obst, Käse ausgepolstertes Nest oder Versteck um hartes, unreifes Obst ablagern und reifen zu lassen. (Jeder von uns Brüdern hatte sein eigenes, verstecktes «Mahreneascht», Das konnte sein im «Bleazufzug» in einer alten Truhe, auf dem «Ströüestock» in einer Höhle, oder im «Schopf» hinter einem Maischefaß. Die Nester waren stets mit Lumpen oder Heu gepolstert.) - einer, der großes, handwerkliches Geschick hat, ohne eine Lehre absolviert zu haben - Wiese; Gras oder Heuzeile; dünne Zeilen aus halbdürrem Heu machen - mähen - Metzger, «Meksar, wetz mr s Meksarmeassr!» - danke - laute, lange Unterhaltung, Weihnachtsmette Mächlar Mahd, Mahde, mähdele meije Meksar merse Mett, Mette, Dermette - «J wir dr Mores lehre» heißt etwa: Ich werde dir zeigen, wer Meister ist, oder: Ich werde dir gutes Benehmen beibringen munggilebru - undefinierbare Farbe, «munggilebru bis schiißdräckgeal» murkse, abmurkse, Murksar - schlechte Arbeit leisten, töten, Arbeiter der alles verkehrt macht Mulaffe - «der heat ou no Mulaffe foal», sagt man zu jemanden der sich bei Festen, feierlichen Anlässen usw. unpassenderweise in den Vordergrund drängt - gesund, frisch, wach - leicht kränkelnd - schimpfen - eckiges Holzgefäß («Moltschere») - mit ihm wurden tiefe Löcher in die Ackererde gebohrt (Im Ried stand das Grundwasser in den Löchern, sodaß die Mäuse darin ertrankea Durchmesser der Löcher etwa 10 cm.) 29 mengsmol - viele Male, manchmal meangge, meanggig, Meanggar - jammern, Nörgler Melkar - Wiesenboxbart Mentag - Montag mentig - von Sakrament z.B. hurementig, saumentig, hargotmentig, kogementig mis 28 - unangenehm, schlecht muschbr mutlig mule Multe Musbohrar Musar mugge Muzzila, Muzz muzzele müge, mügig müchtelig, Müchtelar Munzela, Mumsala - Mäusefänger - Heureste auf der Wiese zusammennehmen - Kuß, liebkosen - gerne haben, nett, lieb - vermodert, feucht, schimmlig, Schimmelgeruch verbreitend, Schimpfname für langweiligen, nicht unternehmungslustigen Menschen - Fuseln, z.B. unter einem Bett nommas notig nötig notles nütig nüt, nünz nüschele Nüster - etwas - geizig, «an notiga Kog» - notwendig, «der heats nötig» - in Eile sein, «der heats notles» - schlecht, «an nütiga Siach» - nichts - flüstern, etwas suchen - Rosenkranz - kurzer Schlaf - wühlen, stöbern - Lustenau Nuggel, Noggel - Sauger, Babylutscher Nupparle nuhle Luschnou Nuschlou N namol, noamol nät, nacht nate, nachte Nascht Natpibolar - noch ein Mal gestern Abend, vorige Nacht dunkelwerden Ast Nachtvogel, Eule. Zu Kindern, die abends nicht ins Bett wollen, sagt man: «Gond is Bett, sus goht öü d Natpibölar i d Höör!» - wackeln - spielerische oder tändelnde Arbeitsweise, meist auch mit einem unzureichenden Werkzeug - durchgehend, bis zum Ende, z.B. «nanna usse is Ried heat as greanget.» - eiterndes Fingernagelbett - Großmutter - Großvater - schwer, wuchtig, groß - wässern, gießen - verrückt - Stirnfalten - zweiter Feiertag an Hochfesten, z.B. Ostermontag - Guten Abend, (Gruß) - kurz und leicht schlafen - fast, schier, nach, «i bi nöö gstorbe vor Angst.» - nachher o Oacharle Oamer Oachelekaffee oas, oan, oane oabar oalfe, oalf Oaße Obs Oferöhrlar Ofekatz Oggseoug Omahd Omahdstengel, Übrigstengel Ohreschlüfar Ohreglonggar Oier Ostnar ordile - Eichhörnchen Eimer, Holzgefäß, Maß Kaffeeersatz aus gebrannten Eicheln eins, ein, eine ohne Zutaten, einbar, pur elf Uhr, elf Furunkel Obst aufgewärmter Kaffee Mehlspeise Spiegelei (Ochsenauge) zweiter Heuschnitt Fruchtstand des Wisenbärenklau naggle näggele nanna, nanno Nagelbröü Nana Näne nervig netze nersch Nibela Noheiligtag Nobed nore noo, nooch nohar 30 - Ohrwurm - Ohrschmuck, Ohrgehänge - Eier - Ostwind - ordentlich 31 Roßripp - Spitzwegerich - Rain, «am Roh», «im Röhle» - Pferdekot - Stück, Teil z.B. Brot - von räumen, z.B. Reste von angebräunten Speisen in der Pfanne - schnell fahren oder laufen, «laß ruaßle» - ruhig - Runkelrübe; Schimpfname - Schimpfname; Wortspiel, Wortreim, besteht aus den Wörtern Runggel - Runkelrübe und Kunkel - Teil des Spinnrades. Ähnliche solche Wortspiele oder Reime sind: «holterdipolter, holperstolper, rumpes stumpes, rumpel pumpel rapedikap, usw. - Unke - Kruste auf einer Wunde - kümmerliche kleine Tannen und Fichten, «Rutze houe» nennt man auch das Säubern von Vieh- und Alpweiden von durch Flugsamen gewachsenen kleinen Fichten und Tannen R rantsche, Rantsch räple, Räplar räß Rallemus - viel und unnütz unterwegs sein, Frau die selten zu Hause ist - schälen von Baumrinde, Rindenschälwerkzeug - scharf, stark gesalzen, «räße Käs» - Mehlspeise Roh Roßbolle Rongge Rumat ruaßle rüabig Runggel Runggkunkel renke, Rank, - lenken, Kurve, Runde Ränkle ratsche, Ratsche - ratschen am Karfreitag, tratschen, Karfreitagsratsche «Rätschwib», Rätschkachel»; vrrätsche - verraten rangge Rabbe, Rabb Ralle, Rolle radibuz rapedikap reare, räre Reaf Renkschitt Reaketedohs riepse ribum ring, gring rööß röafle, Roaf - unruhig sitzen, hin- und herrutschen - Raben; schwarzes Pferd; aufgetakeltes Mädchen - Kater - alles - überstürzt, Hals über Kopf - weinen - Traggestell aus Holz mit Schulterriemen - Teil des Wagens - Wachholderzweige, wurden früher zum Räuchern des Specks verwendet - scheuern - Tauschhandel ohne Aufzahlung - leicht, schwächlich, klein gewachsener Mensch - sehr, fest, viel, stark, «as luftet hüt rooß» - Spiel mit alter Fahrradfelge Rudeguggar Rufe Rutze s spaniire, spanifle spatzseckle, Spatzseckl Spridla Spaseage Spinnewebb, Spinnebebb Spöütztrückle Spealte Spuntus Spore Spitzbira - auskundschaften - altes Spiel - fein gespaltenes Brennholz, Holzschiefer - Spannsäge - Spinne, auch Spinngewebe siehe «Kudrtrückle» grob gespaltenes Holz Angst Stoppeln; Teil des Reitsattels Rouchkesse, Rouchkessel - kleiner Rauchofen, (der Rauchkessel wurde an die Deichsel des Wagens gehängt um die Bremsen und Riegen von den Zugtieren fernzuhalten. Verbrannt, das heißt in Rauch umgewandelt wurden vor allem alte Schuhe und Lumpen) roufe, Roufe - streiten, raufen; Futterraufe Rotzhötl - derbe Bezeichnung für Taschentuch Röslebira 32 - Birnensorte - Birnensorte 33 Spunte - Zapfen des Faßes, ein mit Mehl, Obst usw. nur zum Teil gefüllter Sack. Auch zu einem kurzen, festen Bub sagt man «Spunte». - Holzverbindung, Spundwand, gespundeter Boden (Riemenboden z.B.), die Verbindung des Faßdeckels zum Faß ist gespundet. - dünne Waden laufen spähen Fernglas, Fernrohr freigiebig freigiebig wenn ein Redeschwall vermischt mit Speichel aus dem Mund kommt «mach ka Sparglamenter» - mache keine Dummheiten, räume das Feld, gib den Widerstand auf handeln, feilschen, markten; anrüchiges, unehrliches Handeln schräge, windschief, von scheel «der heat mi scheal agluget», «s Fuder ist schealb glade» «d Tür ist schealb» Scherenschleifer naschen schimpfen, derber Ausdruck für Mund Spund, Spundung Spatzewädl springe spechte Spektiv splendit spendabel spudere Sparglament schaggere scheal, schealb Schereschlifar schnöügge schnorre, Schnorre Schnorrewagglar schnorrle, usschnorrle Schapf, Schaff schwere schnädere schnattere schlättere, Schlättere schlottere schliete, schlietle schlifisele, Schlifisele Schiatze schlorgge, Schlorgge Schlotzar schlotze schloapfe Schlupfar schlüfe schlenze Schloufe Schiute Schmuttere Schmearbuh schmöüselig Schmirbe, Schmürbe Schmuz, schmuzig Schmalzbläckta Schmeala Schmelgar, Schmutzar schnelle Schnellar Schnitzkichera schnudere schnüze Schnifele Schnitzbrüh schnufe rodeln, schlittenfahren schlittschuhfahren, Schlittschuhe geronnene Milchteilchen aus dem Euter der Kuh nachschleifen der Füße beim Gehen, alte zerschlissene Schuhe, «lupfd Füaß, schlorgg nit so!» Kinderschnuller, Lutschbonbon mit Stiel lutschen, saugen ziehen, schleifen, schleppen, Holz ziehen z.B. Muff (zum Warmhalten der Hände) schlüpfen werfen, schwingen Schlinge, Schlaufe Rock Narbe, Absplitterung an einem Emailgeschirr z.B., Wunde an einem Baum - Dickwanst, «Schmear» - Schmalz; Fett - fettige, schmutzie Haare, unsaubere Kleidung z.B. - Kreme Schmirbetrückle - kl. Holzkistchen mit Wagenfett - Schmalz, Kuß, fettig - Wiesenunkraut - versch. Grasarten - Apfelsorte - knallen - Stachelbeere - Gericht aus gedörrten Birnen und Bohnen Rotznase hochziehen schneuzen kleines, geschnittenes Stück Brot oder Käse z.B. Brühe gesottenerDörrnbirnen.Name wird auch abwertend gebraucht für vielerlei Getränke und Flüssigkeiten. - atmen 35 - - Dampfplauderer - entfernen der Zweige bei Tannenästen z.B. - kl. Holzkübel - fluchen, von schwören - langandauerndes Erzählen - Laute der Gans, Redeschwall bei Frauen, zittern - schütteln, ausrutschen, fallen, Rausch - zittern, «ar schlotteret vor Angst» Schluechta - lange Triebe einer Pflanze, z.B. Brombeere Schlietegrennar - geschnitzter Kopf an einem herrschaftlichen Schlitten, ähnlich einer Galeonsfigur; Schimpfname für jemand, der unerwünscht ist, sich ungebeten einer Gruppe anschließt. Der Letzte. 34 Schnidesel Schöwinkel Schöbändt schore, Schorgrabe Schopf Schoche scholdere Schopploch Schrabnell Schrunta Schbage Schear Schelfere Scheafe, abscheafe Schiihuat Schick schitte, Schittrhufe Schindelise schiniire, scheniire Schickse - Schneidebank mit Haltevorrichtung - Scheinwinkel bei alten Fensterläden z.B., (es sind Verstärkungen der Eckverbindungen) - Scheinband, Türbeschlag - Mist entfernen im Stall, Mistrinne - Schuppen, Haarschopf - Haufen, «Höüschoche», «gschochetvoll» - übervoll - drängen, weiterbefördern, «Scholderar» - Kegelbursch - Futterloch zwischen Tenne und Stall - Geschoß, Schimpfname - Risse in der Haut der Innenhand, bes. an den Fingern Schnur, Spagat Maulwurf Haut, Schale von Früchten, Schimpfname Schale, «Kicherescheafa», abschälen Schwetar Schürpela, Schüppela Schrage Schrote Schwärtela Schwärtling - Pullover - Haarschuppen - Schope, Schöple - Rock, Röcklein Holzgestell, z.B. Bett, Bahre usw.; Schimpfname Werkzeug um den Heustock zu zerschneiden z.B. «Türkeschwärtela» - Umhüllungsblätter des Maiskolbens Außenbretter, die beim Einschneiden des Holzes entstehen und fast zur Gänze aus Baumkante bestehen sempere, semprig, Semperar - sich Zeit lassen, Herumtrödler - schlecht gelaunt sein, von seltsam - eigensinnig, selbstherrlich - Säge - Sense wund, schlecht heilende Wunde, wundgelaufene Füße Fensterbrett, Ablagebrett, Fachbrett schockoladefarbenes, süßes Nebenprodukt in der Käserei verschwenden, verschütten, vergeuden Samen Seifenblase freches Mädchen Landspital Bregenz Ferkel eine aufgeblasene Schweinsblase an einem Stecken war früher ein wesentliches Fasnatutensil unsittlich reden Birnensorte, Extraschnaps Sauerampfer häßlich sieden, Sud, leicht sieden, eine Wunde mit Ausfluß «sütterlet» gemächlich, langsam sein, gemächlicher Mensch sudeln beim Schreiben Lutschbonbon herumstehen, ohne Eile sein sealze sealbher Seage Seagas ser Simse Sig sode, gsodet Some Soafeblotere Soachtäsche Siachehus Süle Sublotere Suglogge lütte Subira, Subirar Surampfl sündwüascht süde, Sutt, sütterle südere, Südere sulfere Sugarle sumse, sumsig, Sumsar Sürfel stöane stoanig - leichter Sommerhut aus Stroh - abgebrochenes Stück Brot z.B. - Tätigkeit mit Beil, Scheiterhaufen, Mehlspeise - Schindelspalteisen - schämen - liederliches Mädchen schiege, vrschieget Schiegar - beim Gehen einen Fuß nachziehen, einseitig abgelaufene Schuhe, jemand der einen Fuß nachzieht, im übertragenen Sinn - wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, nicht mehr gerade läuft. Schamützl - Papiertüte, kl. Gefecht im Krieg Schese - Kutsche, Kinderwagen, Schimpfname Schwarzachar - Apfelsorte Schwozarmus 36 - Mehlspeise - Schluck - aus Stein, Steinfigur, Marmorboden usw., «an stöanena Bode» - steinig, viele Steine, «an stoaniga Weag» 37
  1. heimatwolfurt
19890501_Heimat_Wolfurt_03 Wolfurt 01.05.1989 Heft 3 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 89 Der Rickenbach. Im Jahre 1957 überschwemmte er gemeinsam mit der Minderach zweimal Schlatt und Kessel. Inhalt: 7. Der Rickenbach (Fischer) 8. Hofsteiger Bauern (Heim) 9. Der letzte Krieg (Heim) DIE A U T O R E N : Dipl.-Ing. Alfons Fischer, geb. 1920 in Wolfurt und hier wohnhaft, entstammt einem alteingesessenen Rickenbacher Geschlecht. Er hat Forstwirtschaft studiert und war 36 Jahre lang bei der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg leitend tätig. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alfons Fischer DER RICKENBACH IN WOLFURT Porträt eines Wildbaches in seiner Umwelt EINLEITUNG Bild: Reproduktion von Hubert Mohr Mit der Kurzdiagnose aus dem Biotopinventar Vorarlberg, Teilinventar Nordvorarlberg, Gemeinde Bildstein, von Prof. Dr. Georg Grabher möchte ich beginnen: «Die Bildsteiner Bäche folgen vorgegebenen, mehr oder weniger tiefen Schichtfugen der granitischen Molasse. Es handelt sich durchwegs um von glatten Felsstufen und Rutschungsflächen durchsetzte Waldschluchten von wilder Ursprünglichkeit. Querende Wege und einige Hochwasserschutzbauten, Brücken etc., schmälern diese Beurteilung nicht wesentlich. Die Bäche selbst sind aufgrund der besonderen geologischen Unterlage als spezielle Typen anzusprechen. Die besondere Schutzwürdigkeit ergibt sich aus der weitgehenden Ursprünglichkeit und dem speziellen Bachtypus.» Der Aufsatz orientiert sich an wissenschaftlichen Fakten, hält sich aber nicht an die wissenschaftliche Systematik. «Ricke» ist ein althochdeutsches Wort und bedeutet nach Werner Vogt Felsenge oder Felsschlucht. Allein am Pfanderstock kommt der Name Rickenbach noch dreimal vor. Rickenbäche gibt es auch in der Schweiz und im süddeutschen Raum. Nach dem Vorarlberger Wörterbuch von Leo Jutz hat «Rick» die Bedeutung von Schlinge oder Knoten, z.B. an einer Getreidegarbe. Der Rickenbachunterlauf mäandrierte bis zu seiner Regulierung und Begradigung um 1850 in vielen Windungen zur Schwarzach. Es treffen daher beide Deutungen, sowohl für die Schluchtstrecke als auch für den Unterlauf zu. Unser Rickenbach ist ein rechtsufriger Zubringer der Schwarzach, in die er oberhalb des Kiesfängers, bzw. der Betonbrücke, einmündet (linksufrig und rechtsufrig bezieht sich auf die Betrachtung der Fließgewässer von der Quelle zur Mündung). Die Schwarzach mündet oberhalb des Senders als rechtsufriger Zubringer in die Dornbirner Ach und damit in den Bodensee. Das Quellgebiet liegt in Oberbildstein in rund 950 m Seehöhe, die Einmündung in die Schwarzach in rund 410 m Seehöhe. Der Bach durchfließt bis hm 18,20 Bildsteiner Gemeindegebiet, bildet bis hm 17,00 die Gemeindegrenze und durchfließt dann bis hm 0,00 Wolfurter Gemeindegebiet (die Hektometrierung — hm — am Lageplan erfolgt von 100 m zu 100 m. hm 0,00 ist die Einmündung in die Schwarzach, hm 14,00 heißt, der Unterlauf ist 1.400 m lang). 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Das Einzugsgebiet des Rickenbaches beträgt 7,5 km2. Davon entfallen 3,9 km2 auf die Minderach, die als linksufriger Zubringer beim Kühlhaus Alge einmündet. Ich beschränke mich auf den Rickenbach mit 3,6 km2 Einzugsgebiet, da in der Minderach die Verhältnisse ganz ähnlich sind. Als größere rechtsufrige Zubringer im Tobel sind noch der Staudachertobel- und der Hochtobelgraben zu erwähnen. Für fast alle Gewässer, die in die Rheintalebene oder in den Talboden des Walgaues abfließen, sind die fachlichen Zuständigkeiten heute getrennt. Die Mittel- und Oberläufe mit Wildbachcharakter gehören zum Zuständigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung, die flachen Unterläufe zum Zuständigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Am Rickenbach ist diese Grenze beim Einfangwerk der Unterlaufregulierung, direkt oberhalb der Brücke der alten Bildsteinerstraße bei der Firma Doppelmayr, das ist bei hm 14,00. Daraus ergibt sich ein Einzugsgebiet von 3,3 km2 im Tätigkeitsbereich der Wildbachverbauung und 0,3 km2 im Tätigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Die Unterlaufregulierung ist überall ohne große Schwierigkeiten erreichbar. Die Schluchtstrecke ist dagegen nur schwer zugänglich. Das Einzugsgebiet wird randlich durch die Straße Rickenbach — Bannholz — Staudach — Bereuter—Gitzen—Oberbildstein— Geißbirn—Kapf— Dorf—Ankenreute—Rickenbach umfahren. Durch das Tobel führt nur die Straße Baumgarten—Grub—Dorf. Durch das Tobel führen auch noch die alten Kirch- und Schulwege als Fußwege von Bereuter und Baumgarten über Dellen und die Erscheinungskapelle ins Dorf und vom Staudach ins Dorf. Der Weg von Maschen nach Ankenreute ist verfallen und das Brückele schon viele Jahre zerstört. GEOLOGISCHE VERHÄLTNISSE Die Gesteine des Bildsteiner Stockes und des Pfänderstockes gehören zur Molassezone, die sich in einem 1.000 km langen Bogen am Nordrand der Alpen von Genf bis Wien erstreckt. Es handelt sich um junge Gesteine der Erdneuzeit, die im Oligozän, einer Zeitstufe des Tertiärs, vor ca. 30 bis 35 Mio. Jahren als Meeresablagerungen entstanden sind. In dieser Zeit wurden die Alpen nach Norden geschoben und zum Gebirge aufgefaltet. In unserer Gegend und weiter im Norden wurden durch große Flußsysteme Schotter, Sand und Schlamm, also schon Verwitterungsprodukte aus den Alpen, in flache Meeresbecken eingeschwemmt und versteinerten dort. Es entstanden Konglomerate und waagrechte Schichten von Sandsteinen und Mergeln von verschiedener Härte und Mächtigkeit. In den folgenden Jahrmillionen gingen die gewaltigen Faltungsvorgänge weiter. Das Gebirge der Alpen überfuhr bei uns den südlichsten Bereich der Molassezone und stauchte die Felsschichten wie eine Bugwelle vor sich her. Am Bildsteiner Berg ist diese Faltenmolasse vielfach aufgeschlossen. Entlang der «Bildsteiner Antiklinale», sie verläuft über Bächlingen, Platte, Dorf, Kapf nach Oberbildstein, wurde das Gestein zerbrochen und schräggestellt. Im Rickenbach fallen die Schichten in einem Winkel von 50 Grad bis 60 Grad von Süd 4 nach Nord ein, in der Minderach und im Schwarzachtobel dagegen fallen die Schichten genau umgekehrt in einem Winkel von ca. 35 Grad von Norden nach Süden. Am Pfänderstock wurden die Schichten nur noch gehoben und zeigen dort ein flaches Nordfallen. Diese verschiedenen Entwicklungen sind heute an den Geländeformen erkennbar. Das Einzugsgebiet des Rickenbaches liegt in der granitischen Molasse, die zur unteren Süßwassermolasse zählt. Es handelt sich hauptsächlich um kalkarme Glaukonitsandsteine. Ihre Sande und Tone wurden in den küstennahen, sumpfigen Gebieten abgelagert. Viele schöne Versteinerungen von Pflanzen, Tierfahrten, Muscheln und Tierzähnen weisen auf ein subtropisches Klima hin. In der Vorarlberger Naturschau sind u.a. schöne Schaustücke aus dem Rickenbach und dem Staudachertobel zu sehen. Sie geben viele Hinweise auf die Pflanzen- und Tierwelt von damals. Die Funde belegen das Vorkommen von Fächerpalmen, mehreren Arten von Zimtbäumen, Eichen, Feige, Gummibaum, Ebenholz, Edelkastanie und wilde Walnuß. Daneben gibt es aber auch noch heute vorkommende Pflanzenarten, wie Weiden, Ulmen, Sauergräser und Schilf. An sehr gut erhaltenen Blattformen konnten sogar typische Fraßbilder von Insektenraupen festgestellt werden und damit das Vorkommen von Schmetterlingen und Käfern nachgewiesen werden, obwohl sich von den Tieren selbst keine Reste erhalten haben. In der Naturschau können auch die im Unterstaudach gefundenen Versteinerungen der Zähne von Kleinsäugetieren eingesehen werden. Diese Funde waren eine wissenschaftliche Sensation. Durch sie wissen wir, daß der Küstenurwald von Zwerghirschen, Schweinchen, kleinen Paarhufern, Eichhörnchen und Hamstern belebt wurden und daß in den Tümpeln Krokodile und Süßwasserfische (Barben) lebten. In der Lehrmittelsammlung der Hauptschule Wolfurt befindet sich die ausgezeichnet erhaltene Versteinerung eines großen Blattes. Sie wurde 195 8 im Zuge der Verbauung des Rickenbaches im Bereich der ersten Felsbarriere, die von Ankenreute zum Kuien verläuft, bei einer Felssprengung freigelegt. Der Finder, ein innerösterreichischer Arbeiter, hat sie für den Gegenwert von einigen Kisten Bier an die Schule verkauft. Der Rickenbach hat sich in Millionen Jahren sein Bett entlang einer Schichtfuge eingegraben. Vor 1,5 Millionen Jahren wurde das subtropische Klima durch die Eiszeiten abgelöst. Dabei gab es mehrere Kälteperioden und dazwischen Wärmeperioden. Über diese Zeiträume sind in unserer Heimat keine Spuren erhalten. Vor etwa 20.000 Jahren kam es zur letzten Kälteperiode, der Würmeiszeit. Der Rheingletscher erfüllte das ganze Rheintal und reichte weit ins schwäbische Land hinaus. Der Illgletscher wurde an den rechten Rand gedrückt. Er floß zeitweise sogar über das Bödele und Alberschwende gegen den Bregenzerwald und von Oberbildstein in den Vorderwald. Das Gletschereis reichte damals bis ca. 1.100 m Seehöhe und lag damit fast 150 m über der Schneiderspitze. Die Eisströme haben z.B. den Achrain und 5 Oberbildstein glattgehobelt und auf den flachen Stellen Moränenschutt abgelagert. Der Rickenbach war, wie alle Bäche, total plombiert. Beim Abschmelzen des Eises kam vor etwa 15.000 Jahren v. Chr. die Erosion wieder voll zur Wirkung. Die Moränen wurden zum Teil abgetragen und sind nur noch auf den verschiedenen flachen Büheln, die heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt werden, vorhanden. Im Tobel wurden die Moränen bis auf das Grundgestein ausgeräumt. Übrig geblieben sind nur einige Kleinflächen an den Steilhängen. Der aufmerksame Beobachter findet auf den Büheln und vor allem in den Tobein viele Steine, die der Illgletscher mitgebracht hat. Am auffälligsten sind dabei die hellen Gneise aus dem hinteren Montafon. Das Bildsteiner Kriegerdenkmal und der Sockel des Alberschwender Kriegerdenkmales sind aus Findlingsblöcken gehauen, die in Geißbirn gefunden wurden. Das Geschiebe aus der Schlucht wurde im Bodensee, der damals bis über Feldkirch hinaufreichte, und später in den randlichen Tümpeln und Sümpfen abgelagert. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende ein flacher Schwemmkegel, der mit Auwald bedeckt war. CHARAKTERISTIK DES BACHES Heute zeigt sich der Rickenbach als tief eingeschnittenes, bewaldetes Tobel, in einem relativ flachen, landwirtschaftlich genutzten Umland, seines weiteren Einzugsgebietes. Auffallend sind die vielen Felsstufen und die dazwischenliegenden Flachstrecken. Auf den Flachstrecken bleibt das Grobgeschiebe liegen, das auf weite Strecken vermoost ist. Die Felsstufen werden durch härtere Felsriegel gebildet, die meist schräg zum Bach von einem Einhang zum anderen ziehen. Linksufrig liegt der Fels in der Hangneigung von 50 Grad bis 60 Grad. Auf mehreren Flächen ist der Wald abgerutscht, sodaß große nackte Felsplatten anstehen. Der obere Rand des rechten Einhanges besteht fast zur Gänze aus senkrechten Felswänden mit Höhen von 10 bis 30 m. Hier findet man vereinzelt Kohleadern mit 2 bis 4 cm Stärke. Es handelt sich um Glanzkohle, wie sie im Wirtatobel abgebaut wurde. Die Felsschichten fallen parallel zum linken Einhang mit dem gleichen Gefälle in den Berg. Sie sind im Laufe der Jahrtausende durch Fußunterwaschung und nachbrechen der Schichtköpfe entstanden. Den letzten großen Felssturz habe ich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bei hm 24,40 beobachtet: Steine in der Größenordnung von bis zu 30 m3 haben den Bachlauf verlegt. Der Rückstau ist inzwischen verlandet und die Steine sind weitgehend durch Wald überwachsen. Unter den Felswänden liegen steile bewaldete Hangpartien. Die weichen Sandsteine verwittern relativ schnell zu Lehmböden, die zur Vernäßung neigen und rutschsüchtig sind. Es kommt daher im Tobel, vor allem bei Hochwasser, immer wieder zu Gschliefen mit Waldabrutschungen. Schadholz liegt an vielen Stellen im Bach und in den Einhängen. Feingeschiebe, weitgehend Sand und Letten, wird schon bei mittleren Hochwässern abgetriftet. Das Grobgeschiebe aus den Flachstrecken kommt nur bei schweren Hochwässern in Bewegung. 6 Aus den geologischen Gegebenheiten resultieren Gefällsverhältnisse, die für einen Wildbach wegen der vielen Flachstrecken untypisch, für die Bildsteiner Bäche dagegen typisch sind. Der Unterlauf durchfließt den flachen Schwemmkegel in einem künstlichen Gerinne. Das Gefälle beträgt zwischen hm 0,00 und der Eisenbahnbrücke bei hm 6,65 nur 0,4 % und erhöht sich bis zur Landesstraßenbrücke nach Schwarzach auf 0,8 %. Oberhalb der Brücke bis hm 14,00 beträgt das Durchschnittsgefälle 1,9 %. Die geringen Gefällsprozente am Schuttkegel sind ein Hinweis, daß der Rickenbach im Laufe der Zeit relativ wenig Grobgeschiebe, aber viel Feingeschiebe, Sand, Letten und Dreck gebracht hat. In Baugruben werden immer wieder die Schichten der großen Hochwässer angeschnitten. Der Mittellauf erstreckt sich von hm 14,00 bis zur Einmündung des Hochtobelgrabens bei hm 37,50. Auf den vielen Flachstrecken liegt das Durchschnittsgefälle zwischen 5 % und 10 %. Die Felsstufen haben ein Durchschnittsgefälle zwischen 10 % und 40 %. Das Durchschnittsgefälle des ganzen Mittellaufes beträgt aber lediglich 10 %. Die Oberläufe haben zum Teil glatte Felsgerinne und sind ebenfalls durch Felsbarrieren unterbrochen. Die Durchschnittsgefälle liegen aber höher. Alle Seitenzubringer, auch die vielen kleinen Gerinne, sind meist schon nach 100 m tief eingeschnitten und zum Teil nicht begehbar. In dieser kurzen Übersicht konnten die komplizierten Zusammenhänge der Geologie der Molasse nur angedeutet werden. An Unterlagen habe ich die «Einführung in die Geologie Vorarlbergs» von Dr. Krasser und ein «Geologisches Manuskript für das Schwarzacher Heimatbuch» von Dr. Krieg verwendet und eigene Beoachtungen eingebracht. Eine geologische Fundgrube ist die Naturschau in Dornbirn, das Lebenswerk von Siegfried Fußenegger. Wer tiefer in die geologischen Gegebenheiten eindringen will, muß sich mit Fachliteratur abgeben, z.B. «Molasse» von Heim/ Baumgartner. PFLANZENWELT Am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren v. Chr. wurde unsere Heimat wieder grün. Die Rohböden wurden zuerst von niederen Pflanzen besiedelt: Aus der Untersuchung von Pollen, die sich im Torf erhalten haben, weiß man über die weitere Entwicklung ziemlich gut Bescheid. Nach Latschen und Krüppelbirken entwickelten sich Wälder aus Föhren und Birken, zu denen sich um ca. 8.000 v. Chr. Hasel und Fichte und etwas später die Eiche gesellten. In der wärmsten Periode der Nacheiszeit, etwa zwischen 5.500 bis 3.000 Jahren v. Chr. beherrschten Eichenwälder gemischt mit verschiedenen Laubholzarten die Landschaft. Buche und Weißtanne sind als letzte Arten erst in dieser Wärmeperiode eingewandert. Etwa um diese Zeit dürfte auch der erste Mensch in unsere Gegend gekommen sein. Beim Bau des Landgrabens oberhalb des heutigen Bahnhofs habe ich am Ende der zwanziger Jahre als Bub gesehen, daß große Eichenstämme ausgegraben wurden, die eine grauschwarze Farbe hatten und schon leicht versteinert waren. 7 Die Zeit der großen Laubholzurwälder ist erst vor etwa 1.000 Jahren mit den großen europäischen Rodungen zu Ende gegangen. In dieser Zeit wurde der Bildsteiner Berg besiedelt. Seither haben sich die land- und fortwirtschaftlichen Nutzungen zum heutigen Bild entwickelt. Ankenreute und Bereuter sind zwei typische Rodungsnamen. Bannholz steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit Rutschungen im Spetenlehengraben. Am Rickenbach sind 45 % des Einzugsgebietes mit Wald bestockt. Das entspricht dem österreichischen Durchschnitt, liegt aber 10 % über dem Vorarlberger Durchschnitt. Wald ist mehr als ein Haufen Bäume. Wald ist eine vielfältige, komplizierte Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die sich in langen Zeiträumen eingespielt hat. Heute sagt man dazu auf gut deutsch ein Biotop oder ein Ökosystem. Sein Erscheinungsbild wird, neben der Nutzung durch den Menschen, von vielen Faktoren geprägt, wie z.B. Grundgestein, Verwitterung und Gebirgsabtrag, Boden- und Bodenleben, Höhenlage, klimatische Einflüsse, wie Regen, Schnee und Lichtintensität. Dabei ist die Lichtintensität wieder von der Höhenlage oder von der Exposition Schattenseite oder Sonnenseite abhängig. Der Wald hat Nutz- und Schutzfunktion, die Voraussetzungen für das Leben und Überleben der Menschen sind. Für selbstverständlich genommen wird die Nutzfunktion, die Ernte von Holz, Pilzen, Beeren, Heilkräutern und Wild, und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen. Auch die Erholungsfunktion ist eine Nutzfunktion. Zu den Schutzfunktionen: Waldboden speichert wesentlich mehr Wasser als Wiesenboden und hat dabei großen Einfluß auf die Abflußverhältnisse und die Geschiebebilanz, z.B. in Wildbächen, und die gleichmäßige Schüttung von Quellen. Wald ist der größte Massenproduzent und Sauerstofflieferant. Unter Einsatz von Sonnenenergie wird im Blattgrün Kohlenstoff in Stärke und Zucker und dann von der Pflanze in Lignin und Zellulose umgewandelt. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wald hält auch Wasser und Schnee im Kronendach zurück und vermindert dabei den Abfluß und überlagert die Verdunstung durch Blätter und Nadeln. Wald schützt in den Höhenlagen vor Lawinen. Wald bremst den Wind und verbessert dadurch das Lokalklima, verhindert zu starke Verdunstung, verhindert Schnee-Einwehungen. Wald reinigt die Luft durch das Ausfallen von Gasen und Staub. Heute ist er dabei schon weit überfordert, wie das fortgeschrittene Waldsterben in den Kammlagen beweist. Dort werden die größten Mengen von Giftstoffen eingetragen. Wald schützt vor Lärm. Wald mildert das Kleinklima im Gegensatz zum Freiland sowohl zwischen Tag und Nacht, als auch zwischen Sommer und Winter. Die großen Waldgebiete, vor allem die tropischen Regenwälder, haben Einfluß auf das Großklima. Die Folgen der riesigen Rodungen im Amazonasgebiet und in den afrikanischen und asiatischen Regenwäldern sind erst zu ahnen. Wald ist die einzige große Lebensgemeinschaft, die sich bei einem natürlichen Gefüge, also beim Vorhandensein aller Etagen von der Krautschicht über die Buschschicht, die Stangenhölzer und Altbestände selbst erhält. Wald hat also einen ausgewogenen Nahrungs- und Produktionskreislauf. Er betreibt, um 8 es deutsch zu sagen, Recycling in geschlossenen Kreisläufen. Die hier nur angerissenen Wirkungen sind viel umfangreicher und viel komplizierter und können nur aus dem Zusammenspiel der vernetzten Lebensgemeinschaft Wald verstanden werden. Am Rickenbach kenne ich folgende Baumholzarten: Fichte (Rottanne), Tanne (Weißtanne) , Weißkiefer (Föhre), Douglasie (Exote aus Nordamerika), Lärche (im Rickenbach künstlich eingebracht), Eibe (kein Nadelbaum, sondern ein immergrüner Laubbaum, keine Harzgänge im Holz und in den Nadeln), Traubeneiche, Edelkastanie (vielleicht schon seit der Römerzeit), Weißbuche (Hagebuche), Birke, Erle, Weide, Zitterpappel, Feldulme, Bergulme (Basthäsel, Rüster), Holzapfel, Holzbirne, Wildkirsche, Eberesche (Vogelbeere), Eisbeere, Mehlbeere, Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn, Winterlinde, Sommerlinde, Esche, Wilder Nußbaum. Die Strauchschicht setzt sich wie folgt zusammen: Erle, Weide, (zahlreiche Formen, von breitblättrig bis schmalblättrig), Feldahorn, Rosen, Wacholder, Weißdorn, Schwarzdorn, Vogelkirsche, Spindelbaum (Pfaffenhütchen), Kornelkirsche, Faulbaum, Gemeiner Schneeball, Wolliger Schneeball, Heckenkirsche, Hartriegel, Schwarzer Holder, Roter Holder, Pulverholz, Liguster, Seidelbast, Stechlaub, Mispel. An Kletterpflanzen kenne ich noch Efeu, Waldrebe (Liera) und wilden Hopfen. Als Schlagpflanzen sind Himbeere und Brombeere zu erwähnen. Die Krautschicht ist viel artenreicher als das Holz. Wer hier einen genauen Überblick haben will, muß sich mit Pflanzensoziologie befassen. Ich möchte mich nur auf die auffalligsten, mir bekannten Arten beschränken, wie zum Beispiel: Einbeere, Vielblütige Weißwurz, Immergrün, Bärlauch, Schattenblume, Flockenblume, Rotes Waldvögelein, Nestwurz, Weiße Teufelskralle, Gelbe Taubnessel, Rote Taubnessel, Brennessel, Klebriger Salbei, Tollkirsche, Sauerklee, Lungenkraut, Geißbart, Sanickelkraut, verschiedene Veilchenarten, Aronstab, Schachtelhalme (Katzenschwänz), Schilf (Streueröhrle), Springkraut, Buschwindröschen, Himmelschlüssel, Wolfsmilch, verschiedene Seggen (haben dreieckigen Querschnitt), verschiedene Gräser, Bärlapp, Huflattich, Pestwurz, Waldmeister, Labkraut, Bingelkraut, Pfefferminz, Kresse, verschiedene Farnarten, viele Moosarten und Flechten. Die Flechten sind zum Teil sehr empfindlich gegen Luftverschmutzung und sauren Regen. Ihr Absterben löst daher Alarm aus, lange bevor die sichtbaren Schadbilder auftreten. Manches wäre noch über die halbwegs intakt gebliebene Pflanzen- und Insektenwelt an ungedüngten Weg- und Wiesenrainen und auf den Magerwiesen (nur fallweise mit Mist gedüngt), über die Artenverarmung auf den überdüngten Wiesen und die erstaunliche Pflanzenvielfalt der Streuewiesen zu sagen. Eine Besonderheit im Einzugsgebiet des Rickenbaches stellen die Viehweiden dar. Sie werden leider durch Kultivierung und Düngung, durch Aufforstung oder natürliches Zuwachsen immer mehr zurückgedrängt. Zuerst kommen die schönen Einzelbäume, hauptsächlich Eichen, Edelkastanien, Buchen und Birken dran. Dann geht 9 es den typischen Pflanzen der Trockenrasen an den Kragen. Ich darf einige Vertreter nennen, wie z.B. Silberdistel, Arnika, Heidelbeere, Preiselbeere, Adlerfarn, verschiedene Moosarten, Wacholder, Besenheide (blüht im Herbst hell violett und hat nichts mit der Erika zu tun, die im Frühling sattviolett blüht und nur auf Kalk vorkommt), Katzenpfötchen und Buchsbaumblättrige Kreuzblume. An tiefgründigen, etwas feuchteren Stellen blühen Trollblume und Schwalbenwurzenzian. Ich habe alle genannten grünen Pflanzen aufgeschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Selbstverständlich werden sie wissenschaftlich in Gruppen und Familien eingeteilt. Viele sind anspruchslos und haben ein großes Verbreitungsgebiet, andere sind spezialisiert und stellen hohe Ansprüche, z.B. an Boden, Licht und Pflanzengesellschaft. Manche sind kalkliebend, andere kalkfliehend, die einen leben auf saurem Boden, wieder andere sind stickstoffliebend oder Stickstoff fliehend. Die einen sind Tiefwurzler, die anderen Flachwurzler, die einen sind Lichtholzarten, die anderen Halbschattholzarten oder Schattholzarten. Es gibt also viele Möglichkeiten zur Einordnung in Gruppen. Darüber gibt es eine Fülle von Fachliteratur PILZE Die Pilze stehen zwischen den Pflanzen und Tieren. Sie bilden mit über 10.000 Arten eine große und lebenswichtige Gruppe in unserer Umwelt. Sie unterscheiden sich von den grünen Pflanzen grundsätzlich durch das Fehlen des Chlorophylls oder Blattgrüns. Pilze leben zum Teil parasitisch und haben dabei eine enorme Bedeutung für das ganze Pflanzenleben. Sie sind zusammen mit Bakterien und Kleinlebewesen in der Lage, organische Substanz, wie Totholz, Blätter, Nadeln, abgestorbene Pflanzen, Früchte, Tierleichen, in einfache organische Verbindungen umzubauen, sodaß sie von den Pflanzen wieder aufgenommen werden können. Sie allein sind in der Lage, das Lignin des Holzes abzubauen. Andere Arten leben in Symbiose mit den Pflanzen, vor allem im Bereich des Feinwurzelsystems. Sie sind für viele Holzarten lebenswichtig. Heute werden z. B. auf Fichte oder Zirbe spezialisierte Pilze gezüchtet und damit zur Aufforstung vorgesehene, früher landwirtschaftlich genutzte Böden geimpft. Was wir von den Pilzen sehen, sind die meist kurzlebigen Fruchtkörper, die der Fortpflanzung dienen. Sie vermehren sich hauptsächlich ungeschlechtlich durch Sporen, aber auch geschlechtlich durch Kopulation von Geschlechtszellen. Im Boden lebt ganzjährig das Myzelium, ein fadenartiges Fasergeflecht. Dieses Geflecht ist bei vielen Arten sehr langlebig. Allgemein werden die Pilze in drei Gruppen eingeteilt, und zwar Algenpilze, Schlauchpilze und Ständerpilze. Für den Hausgebrauch unterscheiden wir Speisepilze, Giftpilze und typische holzzerstörende Pilze. Speisepilze und Giftpilze sind mehr oder weniger bekannt. Ich bin kein Fachmann, aber als Speisepilz kenne ich zum Beispiel den Eierschwamm, Parasol, Steinpilz, Birkenpilz, Schafchampignon, Reizker, 10 Schopftintling, Morchel und Bärentatze. Als Giftpilze den Fliegenpilz, Knollenblätterpilz und Pantherpilz. Jeden Herbst freue ich mich auch an den seltenen, sehr schönen Erdsternen. Zu den auffälligsten Holzpilzen gehören die Fruchtkörper der Porlinge, die meist schöne Konsolen produzieren. Am bekanntesten ist der echte Zunderschwamm, der hauptsächlich als Parasit auf der Buche lebt. Andere Arten sind ebenfalls spezialisiert und leben auf der Birke, Eiche, Weide oder Fichte. Andere sind weniger heikel und leben auf verschiedenen Laubholzarten oder ganz allgemein auf Totholz und erzeugen dort die Weißfäule. Der Hallimasch ist für die Rotfäule (Stockröte) der Fichte verantwortlich. Nach Auskunft der Biologen gibt es bei den Pilzen noch weiße Flecken, also noch Arbeit für Forscher. Als Abschluß der Pflanzenwelt noch ein paar Hinweise auf die Waldtypen am Rickenbach. Vom Grundgestein der granitischen Molasse her sind die Verwitterungsböden kalkarm und silikatreich und werden als Typ nach der österreichischen Bodenkarte als silikatische Felsbraunerden angesprochen. Sie reagieren sauer bis stark sauer. Der relativ hohe Fichtenanteil im Einzugsgebiet ist daher natürlich und nur fallweise künstlich eingebracht. Es handelt sich um Schluchtwälder, die aufgrund der Einzelstammnutzung und der schwierigen Bringungsverhältnisse noch eine weitgehend natürliche Zusammensetzung aufweisen. Das wird auch durch die Artenvielfalt dokumentiert. Das Waldbild zeigt rechtsufrig auf der Sonnseite und linksufrig auf der Schattseite unterschiedliche Typen. Auf der Sonnseite handelt es sich weitgehend um eibenreiche Buchenwälder (Taxo-Fagetum). Als Mischhölzer kommen alle Laubholzarten und in geringerem Maße die Nadelholzarten vor. Dabei ist auch der Anteil der Strauch- und Krautschicht wesentlich höher als auf der Schattseite. Auf den sonnseitigen oberen Felsrändern sind die Lichtholzarten Eiche, Edelkastanie, Linde, Birke und Wildkirsche stärker vertreten. Die Schattseite ist vom Buchen-Tannenwald (Abiete-Fagetum) mit einem fallweise bis zu 50% igen Weißtannenanteil geprägt. Hier sind als eingesprengte Holzarten nur noch die halbschatten- und schattentragenden Laubholzarten vertreten. Die Busch- und Krautschicht ist bei weitem nicht mehr so artenreich. Mit zunehmender Höhe geht auch der Laubmischwald immer mehr in den Nadelwald über, der die Oberläufe prägt und wesentlich artenärmer ist. DAS WALDSTERBEN Wer mit offenen Augen am Bildsteiner Berg oder sonst irgendwo wandert, dem müssen die Schadbilder der kranken Weißtannen, Fichten, Buchen und Eschen auffallen. Für alle, die das nicht wahrhaben wollen, darf ich auf die Waldzustandserhebung in Vorarlberg aus 1984, aufgrund der Infrarot-Luftbildauswertung hinweisen. Diese Karte zeigt im Einzugsgebiet des Rickenbaches fast durchwegs die Stufe 4 — krank! 11 Lediglich kleinere Waldflächen zwischen Baumgarten und Grub sowie Dellen und Gitzen sind als Stufe 3 — kränkelnd — ausgewiesen. Die Stufen 1 und 2 — sehr gut und gesund — scheinen nirgends auf. Das Waldsterben spielt sich auf zwei Ebenen ab. Vor allem im Buchen-Tannenwald ist im Altholz noch ein hoher Weißtannenanteil vorhanden. Der Weißtanne fällt als Tiefwurzler eine wichtige Stabilisierungsfunktion auf den rutschsüchtigen Molasseböden zu. Weißtannen-Jung wuchs bis ins Dickungsalter wird man aber vergeblich suchen. Die millionenfach vorhandenen Weißtannensämlinge wurden seit 25 bis 30 Jahren, neben Buche, Ahorn und vor allem den seltener eingesprengten Laubholzarten , durch überhöhte Rehwildbestände weggefressen. Dadurch ist eine ganze Waldgeneration ausgefallen. Daß die Weißtanne aufkommen würde, habe ich durch 20-jähriges Streichen mit Verbißmitteln in Ankenreute und Oberbildstein praktisch nachgewiesen. Der Einsatz der Chemie führt zwar zu gravierenden Zuwachsverlusten bis zu 50 %, aber besser 50 % als nichts. Die zweite Ebene des Waldsterbens basiert auf der Luftverschmutzung und in der Folge dem Sauren Regen. Schwefeldioxyd und Stickoxyde sind als Hauptverursacher heute unbestritten. Die Schwefeldioxyd-Werte aus Industrie und Hausbrand konnten durch den Einsatz schwefelarmer Heizöle und dem Einsatz von Erdgas stark reduziert werden. Die Stickoxyde, zu einem hohen Prozentsatz aus den Autoabgasen stammend, sind steigend und werden durch den Einsatz von Katalysatoren nach Ansicht der Fachleute in den nächsten Jahren zunächst bestenfalls stabilisiert werden. Durch Oxydation entstehen bei warmem Wetter, vor allem aus Stickoxyden, neue Schadstoffe, wie z. B. Ozon. Gase und Saurer Regen schädigen einerseits Blätter und Nadeln. Im Boden führen sie zu einer Übersäuerung, zur Schädigung des komplizierten Bodenlebens und zu einer Herauslösung der Schwermetalle aus dem Ton-Humus-Komplex des Bodens. Die freigesetzten Schwermetalle sind giftig — «Die Bombe tickt also im Boden». Wenn die ersten optischen Schäden am Baum zu sehen sind, ist das Feinwurzelsystem bereits schwer geschädigt oder weitgehend zerstört. Das schleichende Waldsterben ist durch Stammanalysen genau nachweisbar. Die Jahresringe und damit die Zuwächse am Holz sind in den letzten 20 bis 30 Jahren gravierend zurückgegangen. Der Wald ist heute keine Sparkasse mehr. Das Waldsterben wird in einem Gebirgsland zur Überlebensfrage. Das wird auf weite Strecken verdrängt, da von jedem Einzelnen und von der Gemeinschaft einschneidende Konsequenzen gefordert werden müßten. Allen, die sich für die Lebensgemeinschaft Wald interessieren, möchte ich das allgemein verständliche, reich bebilderte Buch «Rettet den Wald» anraten. Es ist vom bekannten deutschen Journalisten Horst Stern und weitern fünf deutschen Fachleuten verfaßt worden (Verlag Kindler) 12 TIERWELT Die Tierwelt gehört genauso zu unserem Lebensraum wie die Pflanzenwelt. Auch hier gibt es Allroundler und Spezialisten sowie geschlossene Kreisläufe z. B. in der Nahrungskette. Es gibt ausgesprochene Waldbewohner, ausgesprochene Riedbewohner und Pendler. Es gibt Pflanzenfresser, Allesfresser und Fleischfresser, jagdbare Tiere und geschützte Tiere, Wirbeltiere, Vögel, Amphibien, Insekten und Kleinlebewesen, ganzjährig hier lebende Tiere, Wechselwild, Höhlenbewohner, Winterschläfer, Nachttiere, Zugvögel, Singvögel, Raubvögel u.a. WIRBELTIERE Dazu gehören die allgemein bekannten Tierarten, die zum großen Teil auch bejagt werden. Ich habe im Laufe der Zeit alle im Rickenbach lebenden zu Gesicht bekommen und will sie ohne Systematik aufzählen: Reh, Fuchs, Dachs, Hase, Marder, Wiesel, Iltis, Eichhörnchen, Siebenschläfer, verschiedene Mäuse, Garns und Hirsch als seltenes Wechselwild und die Bisamratte als Einwanderer. VÖGEL Hier gibt es schon viel mehr Arten. Auch für sie treffen die allgemeinen Aussagen zu, die aber wesentlich erweitert werden müssen. Es gibt ganzjährig hier lebende Vögel, Zugvögel, die nur durchziehen und hier rasten, Zugvögel die hier brüten, Vögel die im Buchenwald, im Mischwald oder im Nadelwald leben, Höhlenbrüter und Bodenbrüter, Wasservögel, Kulturflüchter und Kulturfolger, Singvögel, Raubvögel u. a. Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit darf ich einige Arten nennen, die ganzjährig im Tobel leben: Mäusebussard, Habicht, Sperber, Turmfalke, Waldkauz, Waldohreule, Grünspecht, Buntspecht, Kleinspechte, Elster, Eichelhäher, Tannenhäher (hauptsächlich im Oberlauf), Rabenkrähe, Kolkrabe, Amsel, Wasseramsel, Zaunkönig, Kohlmeise, Tannenmeise, Blaumeise, Haubenmeise, Kleiber, Wacholderdrossel, Misteldrossel, Grasmücke, Buchfink, Baumläufer. Als unerwartete seltene Tagesgäste sind mir in der Schlucht auch Wildenten, Fischreiher, Bleßhühner (Taucherle) und im Winter Kreuzschnäbel begegnet. Als Zugvögel und Brutvögel kommen vor: Wespenbussard, Roter Milan, Schwarzer Milan, Ringeltaube (Wildtaube), Waldschnepfe, Waldwasserläufer, Gelbe Bachstelze, Kuckuck, Star, Ringdrossel, Nachtigall. Als Kulturfolger leben im Siedlungsgebiet Star, Gimpel, Amsel, Spiegelmeise, Gartenrotschwanz, Hausrotschwanz, Rotkelchen, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Bachstelze, Grünfink. Am Unterlauf, einschließlich des Kiesfangers mit seiner reichen Vogel weit, kann man im Frühjahr und Herbst am Durchziehen sehen: Graureiher, Seidenreiher, Purpurreiher, verschiedene Entenarten, Fischadler, Störche, Eisvogel, Wiedehopf, Blaukehlchen und Schnepfen. 13 Als Zugvögel und Brutvögel: Stockenten, Bleßhühner, Sumpfrohrsänger, Wanderfalke, Pirol, Bachstelze, Distelfink u. a. Der Fasan ist ein eingesetzter Vogel. Darüberhinaus gibt es noch viele kleinere und größere, graue, braune, gesprenkelte und bunte Vögel, die ich nicht einordnen kann. Wer mehr über die heimische Vogel weit erfahren will, kann sich gerne an Penz Reinhold, Lauterach, wenden. Er kennt die Arten nicht nur nach Flugbild, Federkleid, Brutgewohnheiten, Lebensraum und Nahrungsbedarf, sondern auch an der Stimme. Als leicht lesbares und reich bebildertes Buch kann ich «Rettet die Vögel» angeben. Es ist ebenfalls vom deutschen Journalisten Horst Stern und weiteren vier Fachleuten verfaßt (Herbig Verlag). Nicht vergessen möchte ich die Fledermäuse, die zwar nicht zu den Vögeln oder Mäusen zählen, die aber hervorragende Flieger sind. Ihre Gattung ist eine eigenwillige Erscheinung im Naturhaushalt. Sie haben ein phantastisches Orientierungssystem, mit dem sie allen Hindernissen ausweichen können und mit dem sie ihre Insektennahrung im Fluge finden. Sie sind leider selten geworden, aber für aufmerksame Beobachter fliegen sie jetzt nach dem Winterschlaf wieder. AMPHIBIEN UND REPTILIEN Es handelt sich um wechselwarme Wirbeltiere. Am Rickenbach beobachtet habe ich die Erdkröte, verschiedene braune und grüne Froscharten, den Laubfrosch, verschiedene Eidechsenarten, die Blindschleiche, Ringelnatter und die Schlingnatter. Kreuzottern hat es vor 60 Jahren noch am Rutzenberg gegeben. WASSERGÜTE UND FISCHE Über die Wassergüte im Rickenbach kann Erfreuliches berichtet werden. Die Vorarlberger Umweltschutzanstalt hat am 2. 3. 1989 bei der alten Bildsteiner Brücke, Wasserproben entnommen und biologisch und chemisch untersucht. Aus dem Befund geht hervor, daß eine Vielfalt von Gewässerorganismen vorhanden ist. Es handelt sich durchwegs um Kleinlebewesen. Der Bachflohkrebs tritt massenhaft auf. Die große Gruppe der Köcherfliegen ist mit Larven verschiedener Art vertreten. Eintagsfliegen und Steinfliegenlarven, darunter zwei ausgesprochene Reinwasserformen, sind reichlich vorhanden. Dazu kommen noch verschiedene Zuckmücken und Kriebelmücken und vereinzelt auftretende Egelarten. Die chemische Wasseranalyse zeigt eine ausgezeichnete Sauerstoffversorgung des Wassers und nur eine geringe Nährstoffbelastung durch Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Daraus resultiert eine Einstufung des Rickenbaches in die Güteklasse I bis II. Es handelt sich somit um ein gering bis mäßig belastetes Fließgewässer. Die Kleinlebewesen bilden in ihrer Gesamtheit eine sehr gute Nahrungsgrundlage für Fische. In den Gumpen im Tobel leben gesunde Bachforellen, die sich natürlich vermehren. Das Fischwasser ist verpachtet. 14 SCHNECKEN Sie gehören zu den wirbellosen Weichtieren. Im Tobel und auf den Dämmen des Unterlaufes kommen viele nackte und behauste Arten in unterschiedlichen Größen vor. Sie haben sicher auch ihre Bedeutung im Naturhaushalt und in der Nahrungskette. Ihre Bestimmung muß ich den Fachleuten überlassen. Wer einen Garten hat, kennt die Nacktschnecken genau. Feinschmecker halten es lieber mit den Weinbergschnecken. INSEKTEN Das vieltausendfältige Heer der Eintagsfliegen, Libellen, Uferfliegen, Schaben, Schrecken, Grillen, Läuse, Wanzen, Zikaden, Blattläuse, Schildläuse, Schlammfliegen, Käfer, Hartflügler, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Schnabelfliegen und Zweiflügler ist nur für Fachleute voll überschaubar. Der Laie kennt in jeder Gruppe mehr oder weniger Arten. Landläufig werden die Insekten, ohne Rücksicht auf ihren Stellenwert in der großen Lebensgemeinschaft, als Schädlinge und in seltenen Fällen sogar als Nützlinge eingestuft. Näher eingehen möchte ich nur auf die wichtigsten Forstschädlinge. Sie kommen überall als sogenannter «Eiserner Bestand» vor und richten dabei keine größeren Schäden an. Zu schweren Schäden kommt es erst bei Massenvermehrungen. Dafür müssen aber gewisse Voraussetzungen Vorhandensein, wie z. B. großflächige Monokulturen oder größere Mengen geschädigtes oder geschwächtes Holz, wie z. B. nach großen Wind würfen, Schneebrüchen, oder durch das Waldsterben. Die Schädlinge sind fast durchwegs auf gewisse Holzarten spezialisiert. In einem gesunden Mischwald ist daher die Käfergefahr am geringsten. Blatt- und Nadelfraß, der sich bei Massenvermehrungen bis zum Kahlfraß großer Waldgebiete entwickeln kann, erfolgt hauptsächlich durch die Raupen der verschiedenen Nachtfalter, wie Schwärmer, Spinner, Spanner, Zünsler, Wickler und Motten. Es ist eine faszinierende, vielgestaltige und bunte Gesellschaft. Dabei sind viele Falter und Raupen zum Teil so gut an die Umwelt angepaßt, daß sie nur schwer zu finden sind. Die Nützlinge, vorwiegend Blattwespen und Schlupfwespen, legen ihre Eier in die Raupen der Schädlinge. Ihre Larven fressen die Wirtstiere auf und wirken dadurch als Regulator. Nach Massenvermehrungen der Schädlinge kommt es auch zu Massenvermehrungen der Nützlinge, die im Zusammenwirken mit Krankheiten die großen Populationen zum Zusammenbruch führen. Zu den größeren Schädlingen gehören die Bockkäfer, bis zu 5 cm Größe, die durch ihre übergroßen, zurückgebogenen Fühler auffallen und die etwas kleineren Rüsselkäfer, bis zu 2 cm Größe, die eine typische rüsselartige Kopfform haben. Bockkäfer sind Holzschädlinge am lebenden oder eingebauten Holz und leben auch zum Teil auf 15 faulem Holz. Ihre Larven fressen auffällige Bohrgänge, die beim Aufsägen oder Spalten des Holzes sichtbar werden. Rüsselkäfer sind im allgemeinen Rindenbrüter, die als Larven zwischen Rinde und Splint fressen und artspezifische Fraßbilder hinterlassen. Sichtbar sind bei beiden Arten meist nur die Ausflugslöcher der Käfer und fallweise das Bohrmehl auf der Rinde. Zu den Winzlingen zählen die Borkenkäfer, Bastkäfer und Splintkäfer. Sie sind nur wenige Millimeter groß. Ihre Larven leben zwischen Rinde und Holz. Die Käfer fressen Gänge aus und legen ihre Eier links und rechts ab. Die Larven fressen dann etwa im rechten Winkel weiter. Sie leben überwiegend auf geschädigtem Nadelholz und Laubholz und haben ihre charakteristischen Fraßbilder, wie z. B. der Waldgärtner auf der Kiefer, der Buchdrucker auf der Fichte, der Kupferstecher in der dünnen Rinde der Fichtenäste. Auffallend ist das Fraßbild des krummzähnigen Tannenborkenkäfers, der einen doppelten, nahe beieinander liegenden Längsgang ausfrißt. Die Borkenkäfer schwärmen je nach Witterung schon im März-April und bringen ebenfalls je nach Witterung zwei bis vier Generationen in einem Sommer hervor. Zur Bekämpfung muß das Holz rechtzeitig entrindet und die Rinde verbrannt werden. Teilweise wird heute das in Rinde liegende Holz mit Gift besprüht. Dabei werden die ausfliegenden Käfer vergiftet. Wenn das Holz in Rinde länger im Wald bleibt, kommt es zum Befall durch Holzbrüter. Der bekannteste ist der Nadelnutzholzbohrer. Sein Fraßgang führt senkrecht ins Holz. Die seitlichen Gänge sind sehr kurz und sind durch Pilze schwarz gefärbt. Auffällig, aber nur gering schädlich, sind die verschiedenen Gallen, die durch Gallenlenläuse an Fichtenästen und auf Ulmenblättern oder durch Gallwespen z.B. auf Rosen und Eichenblättern, oder durch die Buchengallmücke auf Buchenblättern entstehen. Als größten mitteleuropäischen Käfer (kein Forstschädling) möchte ich noch den Hirschkäfer erwähnen. Die Larve lebt im Moderholz der Eiche. Der Käfer schlüpft erst im sechsten Jahr aus. Er ist schon sehr selten. Den letzten habe ich am Rickenbach vor ca. 20 Jahren gesehen. Die Einordnung der Falter und Raupen, der Käfer und Larven, der Schadbilder und Fraßbilder, der Lebensansprüche und Lebensgewohnheiten erfordert ein umfangreiches Fachwissen. KLEINLEBEWESEN Die unübersehbare Zahl der Bodenlebewesen ist erst in Ansätzen bekannt. Über ihr Zusammenwirken besteht nur ein grobes Bild. Um sich eine Vorstellung zu machen, kann man sie in größere, kleine und kleinste Lebewesen einteilen. Zu den größeren Lebewesen, die man mit dem freien Auge erkennen kann, gehören die grabenden Wirbeltiere, wie Mäuse und Maulwurf, der Regenwurm und viele Insekten. Sie zerkleinern und vermischen die Bodenstreu. Auf einem Hektar Laubwald leben ca. 250.000 Regenwürmer. Ihr Gewicht übertrifft das Gewicht aller Säugetiere auf der Fläche um mehr als das Zehnfache. 16 Zu den Kleinlebewesen zählen kleine Würmer, Ringwürmer, kleine Insektenlarven und kleine Gliederfüßler, wie Milben und Springschwänze. Bei den Milben kennt man derzeit etwa 10.000 Arten und bei den Springschwänzen etwa 2.000 Arten. Diese Lebewesen sind zum Teil noch mit freiem Auge zu sehen. Ihr Gewicht beträgt noch einmal das lOOfache der Regenwürmer. Die Mikroweit ist nur unter dem Mikroskop zu sehen. Sie enthält sowohl pflanzliche Algen, Bakterien und Pilze als auch einzellige Urtierchen. Ihre Zahl geht in die Milliarden pro Quadratmeter Waldboden. Das ist eine kaum vorstellbare Größenordnung. Die Mikroweit scheint durch fressen und gefressen werden das Bindeglied zwischen dem toten Material und den kleinen Lebewesen zu sein. Diese unvorstellbare Masse der Kleinlebewesen ist imstande, die auf einem Hektar Laubwald jährlich anfallenden 41 Streu so gut wie restlos abzubauen und den Pflanzen wieder zugänglich zu machen. In den letzten Jahren muß man leider beobachten, daß der Abbau wegen der Schädigung des Bodenlebens nicht mehr voll funktioniert. Interessante Bakterien sind die Knöllchenbakterien. Sie sind in der Lage, den Luftstickstoff, der den Pflanzen nicht zugänglich ist, aufzunehmen und weiterzugeben. Sie leben z. B. an den Feinwurzeln der Leguminosen, wie Bohnen, Erbsen oder Wicken, und sind als kleine weiße Knöllchen zu sehen. Sie leben auch an den Wurzeln der Erle, die dadurch befähigt wird, als Pionierholzart sterile Schotterböden und Rutschflächen zu besiedeln. So hat sich der Kreislauf des Pflanzenlebens und des Tierlebens jeweils vom Großen zum Kleinen geschlossen. Aufgrund der massiven Eingriffe in die Umwelt in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist es zu gravierenden Veränderungen im Naturhaushalt gekommen. Immer mehr Arten, Pflanzen wie Tiere, sterben aus oder sind vom Aussterben bedroht, die Anzeichen einer katastrophalen Entwicklung mehren sich. Der Glaube, daß die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, wie z. B. Wald, Hochmoore oder Streuewiesen, nur untergeordnete Bedeutung haben und daß die wirtschaftliche Entwicklung und der Lebensstandard — dokumentiert z. B. durch die Überbewertung des technisch Möglichen und des Autos — unbedingt den Vorrang haben, erweist sich immer mehr als Irrglaube. Die Ursachen und Auswirkungen sind bekannt. Die Konsequenzen werden nur sehr zögernd gezogen. WETTER UND KLIMA: Vorarlberg liegt im Randbereich des ozeanischen Klimaeinflusses und hat daher hohe Jahresniederschläge. Die höchsten Werte fallen im Vorsommer, Juni, Juli. Ca.1/3des Niederschlages fällt als Schnee. Wir haben im Verhältnis zum inneralpinen Klima, kühle Sommer und milde Winter. 17 In Bildstein-Dorf, in 650 m Seehöhe, wird seit 1894 eine Niederschlagsmeßstelle betrieben. Seit 1931 wird auch der Schnee getrennt gemessen. Komischerweise wurden nie Temperaturen gemessen. Es stehen daher lange Meßreihen zur Verfügung, die in den Jahrbüchern des hydrographischen Dienstes in Österreich aufgearbeitet sind. Daraus möchte ich einige Zahlenreihen anführen. Gesamtniederschlag, Regen und Schnee: Monatsmittel Jahresmittel Zeitraum zwischen zwischen 86 mm, I 240 mm, VI 1931—1960 104 mm, I 220 mm, VII 1901—1980 90 mm, 1 +III 213 mm, VII Extreme Tagesniederschläge: 1971-1980 93 mm 1961—1970 106 mm 1931-1960 122 mm 1901-1980 200 mm Ein-Tagesmaximum Zwei-Tagesmaximum Drei-Tagesmaximum Vier-Tagesmaximum Zehn-Tagesmaximum 93 mm 115 mm 144 mm 178 mm 227 mm 1971—1980 1314 mm, 1972 1946 mm, 1974 —.— —.— Im Jahre 1957 lief zwischen Kennelbach und Schwarzach innerhalb von 5 Wochen zweimal ein Schadenshochwasser ab. In Bildstein wurden dabei folgende Niederschlagswerte gemessen: 10. 7. 1957 106 mm 11.7.1957 51mm 157 mm 18. 8. 1957 18 mm 19. 8. 1957 67 mm 85 mm Das 2. Hochwasser hat mit nur ca. dem halben Niederschlag die gleichen Schäden angerichtet wie das 1. Hochwasser. Das ist auf den ersten Blick unverständlich. Aber durch die Erosion des 1. Hochwassers ist es im Tobel zu zahlreichen Gschliefen und damit zum Abrutschen von Holz gekommen. Es lag daher viel loses Gestein, Sand und Dreck im Gerinne, das leicht aktiviert werden konnte. Niederschlag als Schnee: Schneefalle Zeitraum zwischen 1971-1980 22. 9. 1979 29. 4. 1980 Summe der Neuschneehöhen 57 cm, 1971/72 384 cm, 1977/78 Schneedecke zwischen 28. 12. 1977 30. 3. 1978 Gesamtschneehöhe gesetzt 13 cm, 22.11.71 102 cm, 27. 2.73 Mittlerer Jahresdurch schnitt 1640 mm 1557 mm 1585 mm Neuschneetage 14, 1971/72 57, 1977/78 Größter Neuschneezuwachs 8 cm, 21.11.71 50 cm, 11.12.76 7.6.1971 10. 6. 1965 29.5.1940 14.6.1910 7. 6. 1971 6. 6. und 7. 6. 1971 5.6. und 6. 6. und 7.6. 1971 um den 22. 8. 1975 um den 19. 7. 1976 Zeitraum 1971-1980 Starkniederschlagsmengen 1971—1980: Auch bei den Neuschneehöhen werden sich über längere Zeiträume die Mittelwerte angleichen, wie beim Gesamtniederschlag. Temperaturen: In Bildstein wurden keine Temperaturen gemessen. Die nächste annähernd vergleichbare Station ist in Ebnit, in 1100 m Seehöhe. Das paßt in etwa für das Einzugsgebiet in Oberbildstein. Zeitraum 1971-1980 Tagesmittel min. max. -15,6°, 5. 3. +24,0°, 17. 9. 14. 6. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 16. 7. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 14. 6. 1971 1975 1980 1956 1935 1956 1973 Monatsmittel min. max. - 3,0°, I 1979 + 16,3°, VIII 1973 - 1,9°, + 14,9°, - 1,4°, + 13,9°, I VII I VII, VIII Jahresmittel 6,7° Die Tages werte, Monats werte und Jahres werte differieren stark, aber die langjährigen mittleren Jahresdurchschnitte, z. B. von 1931—1960 und 1901—1980, nur um 2,8 cm. Von den extremen Tagesniederschlägen hat lediglich der vom Jahre 1910 ein Hochwasser ausgelöst. Damals waren ganz Vorarlberg, Graubünden, St. Gallen und weite Teile des Allgäus betroffen. Ursache war eine späte Schneeschmelze im Gebirge und eine Regenperiode von 3 Tagen, mit dem Exzeß vom 14. 6. 1910. Für die Auslösung einer Katastrophe müssen daher meist mehrere negative Faktoren zusammentreffen. Eine große Rolle spielen dabei die Wasseraufnahmefähigkeit oder Wassersättigung des Bodens, das Bewaldungsprozent, die Regenintensität, z. B. Starkregen über Stunden oder Landregen über Tage, die Überlagerung der Schneeschmelze durch Regenfälle, Regen bei gefrorenem Boden, geologische Gegebenheiten, die Gefällsverhältnisse u.a. 18 1931-1960 1901-1980 6,5° 6,3° 19 Ich möchte noch einige Beobachtungen anfügen, die das örtliche Kleinklima betreffen. Bekanntlich gibt es Unterschiede zwischen 1 Grad und 3 Grad, zwischen Freilandklima und Waldinnenklima. Im Wald ist es im Sommer kühler und im Winter wärmer. Die im Tobel abfließende kältere Luft verstärkt diesen Effekt. Im Sommer spürt man die angenehme Kühle deutlich. Im Winter erlebt man alle paar Jahre die Wirkungen dieser Überlagerungen. Im Gegensatz zu den umliegenden Wäldern kommt es im Tobel, z. B. bei gefrorenem Holz und Regen oder bei abnehmender Temperatur und Übergang von Regen in Schnee, immer wieder zu Eisanhang, der zu Wipfelbrüchen und zur Entwurzelung von Bäumen und ganzen Baumgruppen führt. So gesehen z.B. im Winter 1985/86 und 1988/89. Nach klaren Nächten kann man öfters örtliche Reifbildung, etwa zwischen Spettenlehergasse und Schlatt beobachten. Vor den Überbauungen im Kessel und im Bahnhof-Postbereich konnte man vom Rutzenberg aus die Grenze dieser Reifbildung gut als unregelmäßigen Halbkreis am Schwemmkegel des Rickenbaches, vom Brühl über die Bahnlinie bis zur Schwarzach beobachten. Diese Erscheinung beruht auf der Überlagerung der Abstrahlung durch ruhig abfließende Kaltluft aus dem Tobel, die gemeinsam zum Strahlungsfrost führen. An der Ach hat die aus dem großen Einzugsgebiet turbulent abfließende Kaltluft, bis zu einer Grenztemperatur genau den gegenteiligen Effekt. HOCHWASSEREREIGNISSE Aufgrund der geologischen Verhältnisse war der Rickenbach in der Siedlungsgeschichte immer ein gefährlicher Wildbach. Die Siedlungsdichte im Gefahrdungsbereich wird aus der Tatsache verständlich, daß Wasser für verschiedene Zwecke bis in die neuere Zeit, neben Holz, die einzige Energiequelle war. Schwere Hochwässer sind aus den folgenden Jahren überliefert: 1674 (zweimal), 1701, 1702, 1752, 1780, 1901, 1910, 1913, 1924, 1934, und 1957 (zweimal). Das folgenschwerste Hochwasser war 1702. Ein Felssturz hatte den Bach im Tobel aufgestaut, der dann mit verheerender Wucht durchgebrochen ist. Die meisten Ausbrüche erfolgten bei der Bildsteiner Brücke, dann bei der heutigen Landesstraßenbrücke, bei der Einmündung in die Minderach und im Ried. Immer wieder ist die Rede von weggerissenen, beschädigten und eingemurten Häusern und Ställen, von zerstörten Straßen und Brücken, von übermurten und verschlammten Feldern im Siedlungsbereich und auf den Feldern im Kessel, Brühl und im Ried, bis ins Birka. Schuldirektor Siegfried Heim hat in der Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach 1986» und in «Heimat Wolfurt — Heft 2» über die Hochwässer, die Steinbrüche, die alten Mühlen, die Gunz-Mühle, die Zuppinger-Mühle, die Firma Doppelmayr und viele andere Rickenbacher Angelegenheiten anschaulich berichtet. Das Büchlein kann allen Interessierten sehr empfohlen werden. 20 VERBAUUNGEN AM RICKENBACH Im Laufe der Jahrhunderte haben die Anrainer sicher nicht nur Hochwasserschäden aufgeräumt, sondern auch immer wieder örtliche Wuhrungen durchgeführt, um ihre Häuser und Gründe zu schützen. Die erste größere koordinierte Verbauung ist aus dem Jahre 1850 bekannt. Damals wurde der Rickenbach-Unterlauf begradigt und hat etwa die heutige Linienführung erhalten. Nach dem Hochwasser 1910 wurde 1911 und 1912 das Projekt der SchwarzachRickenbach-Regulierung genehmigt und für die Aufbringung des Interessentenbeitrages eine Wassergenossenschaft gegründet. An der Schwarzach kam das Projekt zur Ausführung. Die Verbauung des Rickenbaches wurde wegen des Ausbruches des Ersten Weltkrieges und später wegen Geldmangel zurückgestellt. 1925 verfaßte die Rheinbauleitung in Bregenz ein neues Projekt, das 1927 genehmigt wurde. Die Realisierung scheiterte wieder an der Aufbringung des Geldes. Nach dem Hochwasser vom 15. und 16. 7. 1934 konnte schon im Spätherbst 1934 ein weiteres Projekt vorgelegt und genehmigt werden. Die Arbeiten wurden durch die Wasserbauverwaltung noch im Spätherbst aufgenommen und 1936 fertiggestellt. Es ist die heute noch intakte Verbauung zwischen der Bildsteiner Brücke und der Einmündung in die Schwarzach. Diese Verbauung ist vor allem im Siedlungsbereich hart ausgefallen. Wenn man aber den Häuseraltbestand berücksichtigt, gab es schon damals für die Wasserbauer keine Alternative. Im Tätigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden zwischen Doppelmayr und der Gunz-Mühle von 1850 bis heute nur örtliche Maßnahmen durch die Anrainer gesetzt. Bei den Hochwässern vom 11. 7.1957 und 19. 8.1957 wurde die Unterlaufregulierung jeweils weitgehend aufgeschottert, die Bildsteiner Brücke kurzfristig, die Landesstraßenbrücke über Stunden verklaust und der Verkehr unterbrochen. 20 ha Wiesen und Äcker waren zum Teil vermurt, zum Teil verschlammt und zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Feuerwehr und Bundesheer wurden eingesetzt. Im Kühlhaus Alge waren mehrere 1001 Lebensmittel gefährdet. 195 8 hat die Wildbach- und Lawinenverbauung das Verbauungsprojekt zur Überprüfung und Genehmigung vorgelegt. Das Gesamterfordernis betrug S 1,950.000,—. Davon bezahlte der Bund 55 %, das Land Vorarlberg 20 %, die Landesstraßenverwaltung 10 %, die Gemeinde Wolfurt 15 %. In den Jahren 1958 bis 1960 wurden zwischen der Gunz-Mühle und dem Fußweg Erscheinungskapelle-Dellen acht gemauerte Geschiebestausperren, ein Leitwerk in Drahtschotterbauweise, vier gemauerte Leitwerke und zwei Leitwerke in Trockenmauerung erstellt. Für die Sperren 1 bis 3 und alle Leitwerke konnte der nach dem Ersten Weltkrieg erbaute und beim Hochwasser 1957 teilweise zerstörte Schlittweg am rechten Ufer, zwischen hm 15,20 und hm 19,30 wieder hergestellt werden. Die Sperrenhöhe war in diesem Bereich durch die Druckrohrleitung zur Mühle Gunz vorgegeben. Alle Materialtransporte erfolgten mit Pferd und Zweiräderkarren bachaufwärts. Die Erschließung der Sperre 4 in hm 21,33 erfolgte mit einer Seilbahn von der 21 6. Station an der Bildsteinerstraße aus. Zur Sperre 5 in hm 22,80 wurde ein Schlittweg ab der 6. Station erstellt und das Baumaterial mit Pferd und Schlitten bergab transportiert. Die Sperre 6, in hm 25,71, wurde unterhalb der Häuser von Staudach, von der Straße Mäschen-Staudach aus, mit einer Seilbahn erschlossen. Für die Sperre 7 in hm 27,60 wurde der alte Weg Staudach-Dellen auf 120 m LKW-befahrbar gemacht und eine Seilbahn gebaut. Zur Sperre 8 in hm 34,09 konnte der Fußweg Kirche, Erscheinungskapelle, Dellen auf 530 m Unimog-befahrbar gemacht werden. Die große Felsplatte im Tobel wurde mit einer Seilbahn überbrückt. Zur Betreuung der Arbeiterpartien mußten Küche und Unterkunftsbaracken viermal umgestellt werden. Es war in Summe eine komplizierte Baustellenerschließung und Baustelleneinrichtung, die durch die Unzugänglichkeit des Tobeis erzwungen wurde. Jeder Wildbach hat sein eigenes Gesicht, das in Jahrtausenden aus den Vorgaben der Natur entstanden ist. Die Verbauungsmöglichkeiten müssen den örtlichen Gegebenheiten angepaßt werden. In einem engen, zum Teil felsigen Tobel ohne größere natürliche Stauräume sind diese Möglichkeiten sehr beschränkt. Es ging darum, weggerissene Ufer durch Leitwerke gegen weitere Erosion zu sichern und an günstigen Stellen durch Sperrenbauten künstliche Stauräume zu schaffen. Die Sperren stehen durchwegs linksufrig und in der Sohle im Fels. Sie sind zum Teil schon verlandet, aber auf den flachen Verlandungsräumen wird weiterhin Grobgeschiebe aussortiert und zurückgehalten und durch den Wasserabfall an den Sperren Energie vernichtet. Durch diese Wildbachverbauungen wird der Geschiebetrieb reduziert und damit die Anzahl der Schadensereignisse vermindert. Im Katastrophenfall muß aber weiterhin zumindest mit Überflutungen gerechnet werden. FORSTLICHE NUTZUNG IM TOBEL Blockholz konnte durch Jahrhunderte, bis zur Erfindung des händisch betriebenen Wellenbockes, nur auf den wenigen Parzellen genutzt werden, die für Schlitten oder Pferde zugänglich waren. Aus dem Tobel konnten nur Brennholz und Buschein geholt werden und das auch nur dort, wo die Anlage von Fußwegen möglich war. Es wurden die schönsten Buchen und Tannen auf 2 m-Spälten aufgearbeitet und «am Buckel» heraufgetragen. Über lange Zeiträume wurde Tannenholz auch zu Rebstecken aufgespalten. Damit konnte der Bedarf in den eigenen Weingärten gedeckt werden. Es wurden aber auch größere Mengen vor allem in die Schweiz verkauft. Der Frächter Eugen Gunz hat als Bub mit seinem Vater und seinen Brüdern noch bis zum Zweiten Weltkrieg Rebstecken aus dem Tobel nach Staudach getragen. Den letzten Holzträger habe ich noch 1946, nach meiner Heimkehr aus der Gefangenschaft, kennengelernt. Es war ein Südtiroler, der auf dem Fußweg Ankenreute-Mäschen gegen Tabak und Schnapswährung Buchenspälten auf Klimmer's Bühel getragen hat. Flösserei war wegen der Enge des Tobeis, wegen der zu geringen Wassermenge und wegen der Grobsteinigkeit der Flachstrecken praktisch nicht möglich. In der GunzChronik sind zwei Versuche vor der Jahrhundertwende beschrieben. Einmal wurden 22 in zwei bis drei Tagen etwa 50 Block geflößt und geliefert und beim Bierkeller ausgezogen. Einige Jahre später wurden nocheinmal bei einem mittleren Hochwasser etwa 5 bis 6 m Brennholz herausgeflößt und an der gleichen Stelle ausgezogen. Die Triftstrecke dürfte dabei aber nicht mehr als 400 bis 500 m betragen haben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der bereits genannte Schlittweg auf 400 m verlängert und im Winter 1924/25 größere Mengen Nutzholz und Brennholz mit Pferd und Schlitten ans Land gebracht. Seither wird auf den erschlossenen kleinen Flächen Plenterwaldwirtschaft betrieben. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nocheinmal ca. 60 bis 70 Block mühsam über 100 bis 150 m durch den Bach bis zum Schlittweg geliefert und dann im Winter abgeführt. Mit dem Aufkommen der Seilwinden wurde die Holzbringung bergauf aktiviert. Aber es sind auch heute noch größere Waldgebiete nicht erreichbar. Nach wie vor dominiert die Einzelstammnutzung. Am ganzen Bidsteiner Berg wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Birken gestümmelt und Besenreis gewonnen. Birkenbesen brachten als Winterarbeit einen bescheidenen Zusatzverdienst. Heute findet man die typischen Besenbirken nur noch selten. LANDWIRTSCHAFTLICHE NUTZUNG IM EINZUGSGEBIET Die flacheren Hänge und Rücken wurden seit der Rodung landwirtschaftlich genutzt. Es gibt praktisch nur Grünland mit Viehzucht und auf kleinen Flächen StreuObstbau. Die Nutzung des Adlerfarns in den Viehweiden als Streue ist stark zurückgegangen. Die Vollerwerbsbauern werden — wie überall — immer weniger. Die Nebenerwerbsbauern müssen vom Berg zur Arbeit auspendeln. In Summe ist das eine Entwicklung, die den Wald begünstigt, da die extensiv genutzten Viehweiden und die steileren, nicht mit Maschinen befahrbaren Bühel aufgeforstet werden oder von selbst zuwachsen. Die landwirtschaftlich genutzten Gründe am Schwemmkegel wurden zu einem guten Teil überbaut (Engerrütte, Brühl, Kessel, Bahnhof, Post). Die 50 ha große Grünfläche zwischen Bahnhof, Rickenbach und Schwarzach ist als Industriezone ausgewiesen und damit für Beton und Asphalt reserviert. Die verbliebenen Mähwiesen, Roßheuwiesen und Streuewiesen werden heute überdüngt (Klärschlamm-Orgien) und mit bis zu fünf Heuschnitten auch übernutzt. Von der früheren Blumenvielfalt sind fast nur noch Löwenzahn und Hahnenfuß übriggeblieben. STEINBRÜCHE IM TOBEL In den Vermögenssteuerbüchern der Gemeinde ist schon 1785 ein Steinmetz ausgewiesen. 1785 und 1797 ist u. a. ein Steinbruch in Rickenbach erwähnt. Abgebaut wurden in den zahlreichen Steinbrüchen in Schwarzach, Wolfurt und Bildstein stark gebankte Sandsteine der sogenannten Bausteinzone, die zu Stiegenstufen, Fenster23 stürzen, Grabsockeln, Schleifsteinen, Wetzsteinen, Backöfen, Pflastersteinen und Bausteinen etc. verarbeitet wurden. Das auffälligste Bauwerk aus diesen Steinen ist die Schwarzacher Kirche. Die Steine sind am Kopf wetterfest, verwittern aber in der Schichtfuge sehr schnell. Sie müssen daher in Mauern fachgerecht eingebaut werden. Im Rickenbach gab es noch im 19. Jhdt. rechtsufrig den Steinbruch an «Bohle'sBühel». Er ist heute eingewachsen und nicht mehr erkennbar. Etwa 80 m hinter der Gunz-Mühle ist rechtsufrig ein weiterer Steinbruch noch gut sichtbar. Linksufrig war der große Bächlinger Steinbruch. 40 m dahinter liegt die auffallende Kaverne, die zuerst als Steinbruch und dann 1874 bis 1890 als Bierkeller für die Adlerbrauerei genutzt wurde. Laut Gunz-Chronik wurden bis 1880 tausende zweispännige Fuhren Steine in die Schwarzacher Wetzsteinschleifen geliefert. Am 17.3.1935 ist der letzte Wolfurter Steinmetz, Josef Rünzler, gestorben. Sein Lehrbub, Anton Repolusk, baute im Sommer 1935 in Spetenlehen noch Steine für die Fa. Vetter in Dornbirn und für den Neubau des Backofens im Konsum Rickenbach ab. Dann hat der Beton endgültig seinen Siegeszug angetreten. WASSERKRAFTNUTZUNG AUS DEM TOBEL Die Wasserkraft wurde durch Jahrhunderte genutzt. Die Mühlen sind sicher so alt wie das Wasserrad. Am Rickenbach ist eine Mühle 1536, 1571, 1680, 1795 und 1797 erwähnt. 1680 und 1797 ist auch von einer Säge und 1795 von einem Lohrstampf die Rede. Er stand zwischen Doppelmayr und Gunz-Mühle. Der Standort der alten Hunds-Mühle war das heutige alte Doppelmayr-Haus. Zwischen Baumgarten und Grub stand früher die Baumgartner Mühle. Wegen der geringen Wasserführung im Oberlauf hatte sie einen Weiher, der das Wasser über Nacht aufstaute. Diese Mühle wurde zwischen 1870 und 1875 aufgelassen. Der Weiher ist im Gelände noch erkennbar. Unter Hinweis auf die Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach» möchte ich mich nur auf die Nutzung der Wasserkraft durch die Gunz-Mühle und die Firma Doppelmayr beschränken. Die Mühle wurde 1852 vom Mechaniker Josef Anton Dür im Bächlinger Steinbruch gebaut und 1853 von seinem Schwiegersohn Josef Gunz von Staudach übernommen. Zuerst wurde das Wasser knapp hinter der Mühle mit einem Holzwuhr gefaßt. Dieses Wuhr wurde beim Hochwasser 1957 weggerissen und hat wesentlich zur ersten Verklausung der Landesstraßenbrücke beigetragen. Einige Jahre nach der ersten Wasserfassung wurde der heute noch sichtbare Weiher linksufrig bei hm 17,50 gebaut und das Wasser etwa 50 m weiter oben eingeleitet. Die Zuleitung zur Mühle erfolgte über 220 m mit Holzkähnern. Der Weiher war notwendig geworden, um die unregelmäßige Wasserführung aus der Baumgartner Mühle auszugleichen und eine Tagesreserve zu speichern. 1887 wurden Eisenrohre mit einem Durchmesser von 30 cm gekauft, die beim Bau des Arlberg-Tunnels als Wasserableitung gedient hatten. Daraus wurde 24 in mühevoller Handarbeit bis zum Weiher und von dort weiter bis zu hm 19,00 eine Druckrohrleitung errichtet. Bei einer Länge von 350 m stand nun eine Fallhöhe von 20 m zur Verfügung. Das reichte aus, um 1890 die erste Turbine einzubauen. Gleichzeitig wurde auch die Mühle aufgestockt und ein Fahrstuhl eingebaut. 1896 kam ein Dynamo dazu, der das erste elektrische Licht lieferte. 1923 hatte die alte Turbine ausgedient und wurde ersetzt. 1931 wurde die Druckrohrleitung bis hm 22,80 verlängert. Bei 730 m Länge kann nun eine Fallhöhe von 60 m abgearbeitet werden. Beim Hochwasser 1957 wurde die Rohrleitung an mehreren Stellen zerstört und in der Folge wieder instandgesetzt. Die Wasserfassung erfolgt seither bei der Wildbachsperre Nr. 5. Die Turbine wurde inzwischen zweimal überholt und betreibt heute das Kleinkraftwerk des Elmar Gunz. Nach dem Brand 1976 wurde die Mühle nicht mehr aufgebaut und der Betrieb zur Gänze nach Bludenz verlagert. 1848 bauten die Brüder Dür die alte Hundsmühle zu einer mechanischen Schmiede um. Um ihre zwei Wasserräder und später die Turbinen zu betreiben, wurde entweder schon 1848 oder 1852 beim Bau der neuen Mühle der Weiher gebaut. Er reichte bis knapp vor die Mühle und staute auch deren Unterwasser. 1892 kaufte Konrad Doppelmayr die Dür-Schmiede. Unserer Generation war der Weiher, in dem viele Rickenbacher schwimmen lernten, als Doppelmayr's Weiher bekannt. Im Winter wurden aus dem zugefrorenen Weiher mit Fuchsschwänzen Eisblöcke herausgesägt und in den Bierkeller der Adlerbrauerei hinter der Mühle transportiert (1874 bis 1890). Dann wurden die Eisblöcke in den inzwischen neu gebauten Bierkeller des Gasthauses Adler gebracht (1891 bis 1906). Später wurden die Eisblöcke in den Bierkeller nach Schwarzach und ins Schloßbräu nach Dornbirn verfrachtet. Ich kann mich noch gut an die Eisaktionen in den 30er-Jahren erinnern, die auch Zuppinger's Weiher mit eingeschlossen haben. 1913 wurde der hintere Teil des Weihers zugeschüttet und das Wohnhaus der Familie Gunz erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Weiher 1941 aufgelassen und zugeschüttet. Nach einem Grundtausch sind dort heute Gunz's Garten und die Garagen situiert. NUTZWASSER UND BRAUCHWASSER AUS DEM TOBEL Durch Jahrhunderte wurde das Nutz- und Brauchwasser weitgehend aus dem Bach ausgeleitet. Später hat die Rickenbacher Brunnengenossenschaft die Quelle in Bächlingen gefaßt und drei Laufbrunnen, bei der Bildsteiner Brücke (existiert heute noch) beim Gasthaus Kreuz und beim Haus Dornbirnerstraße 3 (dieser wurde bis Ende der 50er-Jahre benutzt) betrieben. 1911 wurde im Rickenbach die linksufrige Quelle bei hm 18,00 hinter dem alten Weiher gefaßt, ausgeleitet und mit der Bächlinger Leitung vereinigt. Jetzt war soviel Druck vorhanden, daß das Wasser in die Häuser eingeleitet werden konnte. 1953 wurde das Netz von der Gemeinde übernommen. 25 Das Gasthaus Mohren, heute Adeg-Bohle, hat das Brauchwasser zum Schnapsbrennen, Werkzeug waschen, Putzen usw. von altersher aus dem Rickenbach bezogen. Die Wasserfassung bei der Gunz-Mühle wurde beim Hochwasser 1957 zerstört und nicht mehr instandgesetzt. Für die Bierbrauerei im Adler (1874 bis 1906) wurde wahrscheinlich schon um 1874 eine Wasserleitung aus dem Tobel gebaut. Sie wurde beim Hochwasser 1957 ebenfalls teilweise weggerissen und durch den Adlerwirt Anton Geiger wieder hergerichtet. An den Laufbrunnen und Pumpbrunnen haben wir als Buben noch unseren Durst gelöscht. Sie sind heute fast überall verschwunden. Der moderne Mensch konnte lebendiges Wasser nicht sehen, das nutzlos in die Tröge plätscherte. WEINBAU AM SÜDHANG DES RICKENBACHES Der Weinbau spielte in Wolfurt durch Jahrhunderte eine große Rolle. Im 19. Jhdt. ging er zugunsten der Viehwirtschaft und des Obstbaues immer mehr zurück. Am Rutzenberg wurden die letzten Weingärten um 1880 aufgelassen. Einerseits hat die Reblaus um diese Zeit die Reben vernichtet, andererseits kam mit der Fertigstellung des Arlberg-Tunnels 1884 billiger Wein aus Südtirol. Mein Vater hat am Rutzenberg als junger Bursch um 1900 die Trockenmauern der Weinbergterrassen abgetragen und einen Teil des Weinberges aufgeforstet. Im heutigen Wald steht eine jahrhundertealte Trockenmauer, die zum Teil noch gut erhalten ist. Am Bühel sind die Übersteilungen der Weinbergterrassen heute noch gut zu sehen. Die damals gepflanzten Obstbäume gehen, genau wie der Wald, nacheinander am Sauren Regen durch Absterben der Wurzeln zugrunde. KIESABBAU IM TOBEL In der Molassezone sind keine brauchbaren Kies- oder Sandvorkommen vorhanden. Lediglich aus den Moränen im landwirtschaftlich genutzten Gebiet dürfte fallweise Kies oder Sand abgebaut worden sein. Die Parzellenbezeichnung Grub ist ein Hinweis auf einen derartigen Abbau. ZUM SCHLUSS EINIGE PERSÖNLICHE GEDANKEN UND ERINNERUNGEN Unter der engeren Heimat verstehe ich die kleine, überschaubare Welt, in die man hineingeboren wird, in der man seine Kindheit und Jugend erlebt, oder in der man als Erwachsener lebt und arbeitet. Ein Leben reicht bei weitem nicht aus, die unwahrscheinliche Vielfalt dieser kleinen Welt bis in alle Details zu erfahren und zu erforschen. Eine gute Kenntnis dieser überschaubaren Welt trägt aber sicher dazu bei, viele Erscheinungen der größeren Welt besser zu erkennen und zu verstehen. 26 Meine engere Heimat lag und liegt zwischen dem Bildsteiner Berg und dem Ried. Hier war und bin ich seit über 6 Jahrzehnten zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter unterwegs. Hier habe ich zahllose schöne und interessante Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Den ersten Naturkundeunterricht bekam ich bei meinem Vater Johann Georg Fischer. Er war in der kleinen Bauernschaft, im Ried und im Holz immer ein aufmerksamer und kritischer Beobachter, der viele Zusammenhänge im Naturgeschehen gekannt und weitergegeben hat. Manches verdanke ich auch meinem Großvater Ferdinand Gasser, Brunnenmacher und Bauer im Maschen. Auch er war mit der Natur vertraut und ein erfahrener Wassermann. Er hat Tüchel für Wasserleitungen und Brunnensäulen für Pumpbrunnen gebohrt. Dabei hat schon das Aussuchen der geeigneten Stangen viel Erfahrung mit Holz gefordert. Die Ventile für die Pumpbrunnen hat er aus Leder angefertigt. Als Bub habe ich oft beim Bohren geholfen und durfte beim Zurückziehen des Bohrers prüfen, ob das Mark des Stangenholzes noch mitten im Bohrkern lag. Wenn das Mark auswanderte, mußte mit Gefühl und Erfahrung der Hebel am langen Bohrer verstellt werden, bis die Richtung wieder stimmte. Für eine Rolle Kautabak oder ein Viertele hat er gerne mit der Wünschelrute Wasser geschmeckt. Aber nach Wasser gegraben hat er nur dort, wo er Hinweise in der Natur gefunden hat. Als Völksschüler haben wir dann im Rudel, zwei sind im Krieg geblieben, einer ist schon vor etlichen Jahren gestorben, Wald und Flur durchstreift, Wild angeschlichen, im Rickenbach von Hand Forellen gefischt, im Eulentobelgraben Krebse und im Flotzbach Miesmuscheln gesucht, in den Riedgräben Grobben und Elritzen gefangen, in den Lehmlöchern das vielfältige Pflanzen- und Tierleben beobachtet, abends dem Froschkonzert zugehört, und die Blumen, Schmetterlinge, Heuhopper und die vielen anderen Insekten der Mähwiesen als Selbstverständlichkeit betrachtet. Leider Gottes ist von dieser Vielfalt inzwischen vieles vernichtet worden. Sie ist durch Abwasser, die Autoabgase, durch den Sauren Regen, durch Überdüngung, durch Verrohrungen und Regulierungen der Kleingewässer, durch das Zufüllen aller Krottenlöcher, durch Überbauung und Versiegelung, unwiederbringlich zugrundegegangen. In der Realschule in Dornbirn hatte ich das Glück, Naturgeschichte vom originellen Professor Dr. Bär vermittelt zu bekommen. Ein Jahr vor der Matura kam der Anschluß mit Repressionen für uns Ungläubige. Nach der vorgezogenen Matura mußte ich am 1. April 1939 zum Reichsarbeitsdienst einrücken. Nach Kriegsausbruch wurden wir zur Wehrmacht überstellt. In 7 Jahren und 19 Tagen Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst und Gefangenschaft habe ich nicht nur härteste Strapazen, Zerstörung, Angst, Tod, Hunger und Elend, sondern auch bedingungslose Kameradschaft und selbstverständliche Hilfsbereitschaft erlebt. So waren zum Beispiel die vier Mann im Sturmgeschütz auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen. Die Verpflegung wurde gemeinsam in einer Munitionskiste aufbewahrt und gemeinsam gegessen. 27 Siegfried Heim Trotz der Härte dieser Jahre ist mein Interesse für die Natur immer wach geblieben. Auf vielen Märschen und Fahrten kreuz und quer durch Europa habe ich, zwischen Caen in der Normandie und Orel südwestlich von Moskau und zwischen dem Polarkreis in Finnland und Marseille am Mittelmeer viele typische europäische Landschaften gesehen und in Erinnerung behalten. Nach meiner Verwundung bekam ich mit viel Glück einen dreimonatigen Studienurlaub und konnte in Wien das 1. Semester Forstwirtschaft inskribieren. Nach der glücklichen Heimkehr aus der Gefangenschaft habe ich im zerschossenen Wien mein Studium zwischen 1946 und 1949 unter heute kaum mehr vorstellbaren äußeren Bedingungen fortgesetzt und abgeschlossen. Die 36 Jahre meines Berufslebens verbrachte ich bei der Wildbach- und Lawinenverbauung. 17 Jahre habe ich im Bregenzerwald und Kleinen Walsertal gearbeitet. 19 Jahre war ich für ganz Vorarlberg zuständig. In diesem äußerst vielseitigen Beruf wird man nicht überheblich, steht man doch dauernd im ungleichen Kampf gegen die Naturgewalten. Das erfordert viel Verständnis für die Abläufe der Natur. Man muß mit Wasser, Rutschungen, Felsstürzen und Muren, mit Schnee und Lawinen, mit der forstlichen Problematik, vor allem im Schutzwald und an der Waldgrenze, aber auch mit den technischen Möglichkeiten in den hochgelegenen, schwer zugänglichen Wildbacheinzugsgebieten und Lawinenabbruchgebieten vertraut sein. Dabei konnte ich laufend neue Erfahrungen sammeln und auch vieles umsetzen. Der Wildbachverbauung wird heute vielfach der Vorwurf der Verbetoniererei gemacht. Dabei wird aber meist gerne übersehen, daß das österreichische forsttechnische System für Wildbach- und Lawinenverbauung seit 1884, also seit über 100 Jahren neben den technischen Verbauungen auch die schwierige und langwierige forstliche Arbeit auf der Fläche der Einzugsgebiete betreibt. Der praktische Umweltschutz datiert daher nicht, wie heute vielfach der Anschein erweckt wird, von gestern, sondern hat eine lange Tradition. So wurden z. B. allein seit den Lawinenkatastrophen 1951 und 1954, zwischen 1955 und 1988 rund 4,400.000 Forstpflanzen versetzt, das sind ca. 130.000 Pflanzen im Jahresdurchschnitt. Derzeit werden 770 ha Aufforstungen, fast zur Gänze auf Extremstandorten, durch die Wildbach- und Lawinenverbauung betreut. Mit diesem Wissen können vielleicht auch gewisse hochgespielte Tänneleaktionen und Umweltaktivitäten, die als solche sicher zu begrüßen sind, sachlich und maßstäblich in ein größeres Umfeld eingeordnet werden. Praktische Forstwirtschaft wird nicht erst seit zwei Jahren betrieben. WOLFURTER GESCHLECHTER Der erste Wolfurter Häuserbeschrieb von 1594 (aus «Holunder» 1932/30) nennt eine Reihe Familien, die später ausgestorben oder verzogen sind: Kellnhofer (6 Familien), Wirt, Schnell, Weiß, Weinzürn, Eberlin, Tobler, Wörlin, Abstaig und andere. Aber weitere zehn Geschlechtsnamen sind seit 1594 nun fast 400 Jahre lang in der Gemeinde erhalten geblieben: Böhler, Dietrich, Flatz, Höfle, Müller, Reiner, Schwärzler, Sohm, Thaler und Vonach. Übersicht über die ältesten Familiennamen in den Wolfurter Häuserlisten 1594 1760 1809 1843 1900 1950 Albinger — 2 3 3 3 4 Anwander — 3 3 1 1 Bildstein — 2 3 6 2 — Böhler 2 9 11 15 19 16 Dietrich 1 3 3 3 1 2 Dür — 6 5 9 5 — Fischer — 6 7 10 19 14 Flatz 2 4 7 4 — 2 Gasser — 1 4 3 1 4 Geiger — 7 5 7 8 7 Gmeiner — 6 17 7 20 18 Guldenschuh — 1 — 1 _ 2 Haltmayer — 10 7 6 4 1 Höfle 1 6 6 8 8 10 Kalb — 4 8 8 8 7 Klocker — 1 7 9 4 9 Köb — 1 4 g 17 24 Lenz — — 1 4 5 1 Mäsch — 2 1 4 1 1 Mohr — 1 3 2 5 7 Müller 2 5 3 4 9 7 Reiner 1 2 5 3 3 4 Rohner — 12 15 20 13 10 Rünzler — 1 1 2 2 — Schelling — 2 2 3 3 6 Scheiter — 2 5 6 13 15 Schneider — 4 7 10 3 1 Schwärzler, Schwerzler 4 14 12 22 20 18 Sohm 2 4 2 1 — 1 Stadelmann — 2 1 1 2 2 Stülz — 4 4 3 — _ 29 Thaler 2 2 3 1 3 8 Vonach 5 6 5 4 4 3 28 Der Grund, warum diese 33 Geschlechter fast unverändert bis ins 19. Jahrhundert den Großteil der Einwohner von Wolfurt ausmachten, liegt im mittelalterlichen Hofsteigischen Landsbrauch. Danach durften nur mit Sondergenehmigung des gräflichen Vogts «frembde leut» in Wolfurt aufgenommen werden. Außerdem mußte jeder für die Einheirat oder den Zuzug nach Wolfurt zwischen 10 und 60 Pfund Pfennig bezahlen, das wären heute etwa 5.000 bis 30.000 Schilling. Noch vor 100 Jahren betrug die «Einkaufstaxe», die jeder Bräutigam für eine fremde Frau erlegen mußte, 50 bis 100 Gulden (etwa 10.000 Schilling). Zugezogene Familien versuchten, für viel Geld das Wolfurter Bürgerrecht zu erwerben. Andernfalls wurden nicht selten Witwen, Waisen und Kranke einfach aus dem Dorf «abgeschoben». Trotzdem finden wir bis 1900 eine ganze Reihe neuer Familiennamen unter den Hausbesitzern: Rhomberg Hopfner 1 1 1 Albrecht 1 Huber 1 Rist 1 Ammann Roth Huster 1 1 3 Arnold Schirpf Hutter 1 1 1 Bernhard 2 Schedler Kaufmann ] 1 Bohle Scheffknecht 2 Kirchberger 1 1 Brauchle 1 Klien ] Sinz Doppelmayr 1 1 1 Kresser 1 Stenzel Drechsel 1 Verklärer Lüber 1 1 Fait 1 Wacker Malin 1 1 Fehle 1 Waldinger Matt 1 1 Feldkircher 2 Widmer Meusburger 1 2 Forster 4 Nagel 1 Winder 1 Gmeinder 1 Wohlgenannt Öhe 1 1 Göppel 1 Österle 1 Würz 4 Gunz 1 Zehrer Peter 1 2 Heim 2 Zuppinger Putzer 1 2 Hinteregger Hohl 1 Rädler 1 Am allermeisten neue Namen kamen in der Mitte unseres Jahrhunderts nach Wolfurt: Zuerst die Südtiroler: Ebnicher, Sepp, Andergassen, Kompatscher, Ladurner . . . , dann die Flüchtlinge aus dem Osten: Seichter, Sawtsenko, Kovacs . . . , dann die vielen Siedler aus dem Bregenzerwald und aus Bregenz: Albrecht, Bader, Baldauf, Bechter, Benger, Eugster, Lingenhel die Tiroler, Steirer, Kärntner: Aichholzer, Glantschnig, Hiesmayr, Kussian . . . , die Jugoslawen: Barisic, Blesic, Cubanovic, Manitasevic . . . , die Türken: Atay, Basar, Cengiz, Özdemir, Yilmaz . . . Das «Blaue Buch» von 1978 zählt in Wolfurt bereits mehr als 1100 verschiedene Familiennamen auf. Viel wichtiger als die Namen sind aber die Menschen, die diese Namen führen. Sie alle tragen ein Stück zur Fortentwicklung unserer Gemeinde bei. Aus dem Hofsteigischen Landsbrauch Die für Wolfurt gültigen Gesetze wurden 1544 aufgeschrieben und später durch neue Satzungen ergänzt. Die einundzwanzigste Satzung von 1570 verbot den Hofsteigern auf Antrag der Bregenzer Obrigkeit die gastliche Aufnahme von Fremden: «Nach dem bisher wider und über alles der oberkeit verschaffen, vil underthonen ditz gerichtz Hofstaigs, allerlay frembdes hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und dergleichen unnütz gesind, one vorwissen und willen berüerter oberkait der herrschaft Bregentz auf- und angenommen, auch denselben herberg und underschlouf gegeben, von denen zuvil zeiten, sonderlich disem gericht Hofsteig, wie meniglichem bewüsst ist, vil args und Übels, fürnemblich aber durch eingefüerte laidige krankhait der pestilentz und in ander mer weg, allerlay angst und not zuegestanden und begegnet ist. Zu abstellung und fürkumung desselben soll hinfüro kain underthon noch einsäss in disem gericht Hofstaig gesessen, gar kain dergleichen frembd hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und sollich unnützes gesind, ohne wissen und bewilligung ir der oberkait, nit auf noch annemmen. Und ob schon ein herrschaft eingesessen weibs bild sich mit ainem sollichen frembden herkommen mann verheüraten solte oder würde, soll doch derselbig, one zuvor erfolgt der oberkait wissen und willen auch nit eingelassen oder angenomen werden, kains wegs. Alles bey straf zehen pfund pfening, und welcher dieselben an gelt zuebezahlen nit vermöchte, der solls in venknus abbüessen one gnad. Zu den 33 alten waren also — meist durch Zuzug — im 19. Jahrhundert 53 neue Namen gekommen. Darüber hinaus hatten Industrialisierung und Eisenbahnbau ab 1870 jedes Jahr etwa 100 neue Gastarbeiter ins Dorf gebracht, die nur im Fremdenbuch, nicht aber bei den Hausbesitzern aufscheinen. Neben deutschen und Schweizer Namen finden sich sehr viele italienische (Sarteno, Vesco, Castelrotto, Fait, Sperandio, Purin, Debortoli, Dalraj, Zortea, Berlanda, Tomaselli, Girardelli, Nicolussi, Paoli, Moretti, Devigili, Zoldo, Giacomo, Martini, Micheli, Casanova, Bigotti...). Die meisten blieben nur wenige Jahre und zogen dann wieder in ihre Heimat oder in die Industriegemeinden. 30 31 Siegfried Heim DER LETZTE KRIEG! (Mit diesem Beitrag soll eine Diskusssion ausgelöst werden. Ergänzungen und Richtigstellungen und besonders persönliche Beiträge von Zeitzeugen erbittet der Verfasser.) Quellen: Schelling: Festung Vorarlberg Gespräche mit Zeugen. Vor 50 Jahren begann am 1. September 1939 der große Zweite Weltkrieg. Noch leben viele Soldaten, aber nur selten erzählen sie von ihren erschütternden Erlebnissen draußen an den Fronten. Aus dem Blickwinkel eines damals 10- bis 14jährigen Buben möchte ich an die Ereignisse daheim in Wolfurt erinnern. 1938 war Hitler einmarschiert. Wir sahen Flugzeuge, braune Uniformen, große Hakenkreuzfahnen, einen Fackelumzug. Als 10jährige Schüler wurden wir ins «Jungvolk» der Hitlerjugend aufgenommen. Wir freuten uns an Sport und Zeltlagern und spürten nicht, daß wir mit Marschieren, Geländespiel und Luftgewehrschießen schon militärisch gedrillt wurden. Das Dorfleben veränderte sich. Die Männer wurden einberufen. Wir hörten Fanfaren zu Siegesmeldungen im Radio, lasen die Schlagzeilen in der Zeitung und wurden als «deutsche Jungs» in der Schule zum Appell gerufen. Bald rückten auch Familienväter und die Schüler der oberen Gymnasialklassen ein. Feldpostkarten kamen aus Frankreich und Norwegen, aus Libyen, Murmansk, vom Kuban und aus Kreta. Jetzt sahen wir schon manchmal ein verhärmtes Frauengesicht, ein paar Tränen. Die Kirchen waren übervoll. Schülerinnen strickten Schals für die erfrierenden Armeen in Rußland. Schulklassen sammelten Heilkräuter, Sanddornbeeren und Altpapier. Weil die Männer fehlten, wurden Kriegsgefangene in der Landwirtschaft eingesetzt, zuerst Bauernsöhne aus Frankreich, dann Serben. Polnische Mädchen wurden dienstverpflichtet. Unsere Danuta war noch nicht 18 und erzählte stolz, daß ihre Brüder in der britischen Armee gegen Deutschland kämpften. An der Eisenbahn in Kennelbach arbeiteten russische Gefangene. Im kältesten Winter mußten sie ohne Handschuhe Eisenschienen schleppen. Der Wachsoldat schaute weg, wenn wir bei den bärtigen, ausgemergelten Männern für unser Jausebrot Holzspielzeug eintauschten. In den Lebensmittelgeschäften fehlten alle Süßigkeiten. Aber Schokolade und Südfrüchte hätten wir Bauernkinder ohnehin fast nie bekommen. Wir hatten zwei Kühe im Stall, dazu ein paar Schweine und Schafe. Wir pflanzten Kartoffeln und Mais an, auch Weizen und Gemüse. Jeden Nachmittag und die ganzen 32 Ferien hindurch arbeiteten wir Schulkinder in Feld, Acker, Wald und Stall. Dafür kannten wir keinen Hunger. In der Stadt war das anders. Blasse Mütter und schmale Kinder kamen zum «Hamstern» ins Dorf. Für Wäsche und Geschirr versuchten sie, ein paar Liter Milch oder eine Tasche voll Kartoffeln einzutauschen. Bargeld hatte fast keinen Wert mehr. Der Bürgermeister ließ den Schulplatz und große Ried- und Achfelder zu Äckern umbrechen und verpachtete kleine Stücke an die hungernden Familien. 1944 zerbrachen die deutschen Fronten. Jetzt kamen zahlreiche Flüchtlinge ins Dorf. Zuerst waren es ausgebombte Frauen und Kinder aus Berlin und dem Ruhrgebiet, dann kamen Volksdeutsche aus Rußland und Siebenbürgen. Sie hungerten und froren in den Massenquartieren im Schwanensaal und im Sternen. Immer häufiger kamen Todesnachrichten aus dem Feld. Mütter weinten an Birkenkreuzen auf dem Friedhof. Verwundete mit riesigen Verbänden marschierten mit zur Heldenehrung am Kriegerdenkmal. Frauen trugen jetzt dreifache Lasten bei schweren Arbeiten, in Verwaltung und Erziehung. Einzelne rückten sogar zum Roten Kreuz oder zum Nachrichtendienst ein. Unser ältester Bruder war noch nicht 16 Jahre alt, als er mit seinen Mitschülern zur Bewachung italienischer Arbeiter beim Stellungsbau in Verona eingezogen wurde. Erstmals sahen wir die Mutter weinen, als auch der Vater von den neun Kindern weg einrückte. Sogar wir Schüler spürten jetzt, daß der Krieg verloren war. Aber niemand sprach darüber, es war zu gefährlich. Trotz strengen Verbotes begannen wir am Radioapparat zu drehen. Wir fanden Sender Luxemburg und konnten jetzt die alliierten Propagandasendungen mit den deutschen vergleichen. Täglich zählten wir die amerikanischen Großbomber, die von Italien aus am hellen Tag Einsätze nach Süddeutschland flogen. Oft waren es 400 Stück. Ein Regen von Stanniol fiel vom Himmel, mit dem sie das deutsche Radar störten, manchmal auch ein leerer Zusatz-Benzintank. Nur selten schoß irgendwo deutsche Flak. Einmal verfolgte eine deutsche Me 109 einen versprengten Bomber über Bregenz. Wir sahen die Fallschirme sich öffnen und waren mit unseren Fahrrädern schnell bei der Absturzstelle im Fußacher Ried, wo noch Munition in den Flammen explodierte und ein toter Soldat neben einem Streueschochen lag, während seine Kameraden vom Grenzschutz gefangen abgeführt wurden. Mehrmals wurden nachts die stark geschützten Rüstungsbetriebe in Friedrichshafen bombardiert. In unserer Dummheit bewunderten wir vom Dachboden aus das Farbenspiel, als Scout-Flugzeuge zwischen den Scheinwerferfingern große «Christbäume» setzten, als Leuchtgranaten ein Feuerwerk an den Himmel zauberten und sich der Horizont über dem See unter dem anhaltenden Wummen der Bombenteppiche blutigrot färbte. Für die nun folgenden Seiten entnehme ich Zeitangaben aus Georg Schellings «Festung Vorarlberg». 33 Ende April kam die Front an den Bodensee. Der Volkssturm faßte beim Vereinshaus scharfe Munition und Panzerfäuste. Jetzt weinte auch Papa, als er noch einmal unseren kleinsten Bruder aus Mamas Armen nahm, ehe er mit den alten Wolfurter Männern zur Bewachung des Harder Seeufers abmarschierte. Im Land hatten französische Tiefflieger ein Terrorregiment angetreten. An einem sonnigen Morgen (nach Schelling am 25.4.45 um 8.10 Uhr) bewunderten wir die saubere Formation, mit der 24 Maschinen in mittlerer Höhe Lauterach überflogen, über dem Ried der Reihe nach abkippten und mit Bomben und Bordwaffen einen Angriff auf einen Zug in Lauterach exerzierten, der viele Menschenleben kostete. In den folgenden Tagen machten die wendigen Flugzeuge Jagd auf alles, was sich bewegte, auf Pferdefuhrwerke und auf einzelne Feldarbeiter. In die Kirche schlugen Schüsse ein, Stülzes Haus mußte gelöscht werden und schließlich wurde die 15jährige Luise Bilgeri unter der Haustür des Kaplanhauses tödlich getroffen. Wir bereiteten uns auf den Einmarsch fremder Soldaten vor. Weil man uns fürchterliche Greuelgeschichten von betrunkenen Kriegern erzählt hatte, vergruben wir die Schnapsballons unter dem Heustock. Auf requirierten Pferdewagen trafen deutsche Verwundete ein und nahmen in der Bütze Quartier. Sie hatten genug vom Krieg, stellten sich selbst Entlassungspapiere aus und baten um Zivilkleidung. Auszeichnungen und Uniformen versteckten sie, die Waffen warfen sie weg. An allen Wegen fanden wir Karabiner und Munition, aber auch Handgranaten und Panzerfauste. Unser Schutzengel hatte damals wohl große Sorgen mit uns! Spät abends am Samstag, den 28. April 1945, hatte Hauptmann Petzold in Hard den Hofsteiger Volkssturm aufgelöst: «Mit solchen Soldaten kann man keinen Krieg gewinnen!» Auf Feldwegen schlichen die Männer heim nach Wolfurt, Bildstein und Buch, immer in Angst vor der SS, die Deserteure sofort erschoß. Zwei Tage lang hielten sich die Männer daheim versteckt. Flüchtende Truppen eilten auf der Straße vorbei. Am meisten staunten wir über die «Wlassow»-Soldaten mit den farbigen Gesichtern. Manche trugen große Turbane und aufgenähte schwarze Tiger. Am Montag, 30. April, marschierten die Franzosen im Leiblachtal ein. Granateinschläge dröhnten, die Bordkanonen der Tiefflieger rasselten. Unsere Nachbarn beluden ein Pferdefuhrwerk mit Habseligkeiten und flohen nach Bildstein. Auf der Unterlindenstraße ging eine große Flak in Stellung. Voll Angst packten wir schnell zwei Koffer und unsere vier kleinsten Geschwister auf einen Handwagen. Auch eine Nachbarin vertraute uns ihre zwei Jüngsten an. Sie selbst wollte beim Haus bleiben. Mein 15j ähriger Bruder und Michel, der alte Knecht, wollten ebenfalls daheim zu Haus und Vieh schauen. Wir anderen flohen durch den Ippachwald nach Buch. Mit zwei weiteren Familien fanden wir dort freundliche Aufnahme bei Bekannten. Mich schickte man mit dem Fahrrad wieder heim. Am anderen Morgen begann der Angriff auf Bregenz. Riesige 34 Rauchsäulen quollen aus der brennenden Stadt, eine besonders schwarze stieg aus den Lagern der Autowerkstätte Anwander auf. Gefährliche Jagdbomber hämmerten immer wieder auf die Flüchtlinge herab, die gruppenweise über die Achbrücken hasteten. Ich fuhr wieder als Kurier nach Buch und hörte noch, wie am späten Vormittag die Achbrücken und die Kennelbacher Kanalbrücke gesprengt wurden. Mittags wurde Bregenz besetzt, gegen Abend erschienen die Franzosen in Kennelbach. Am 2. Mai schneite es in Buch. Ein Bote berichtete mittags, jetzt sei auch Wolfurt besetzt. Schnell hoben wir wieder Koffer und Kinder auf den Wagen und verabschiedeten uns von den herzensguten Gastgebern. Eine weiße Windel sollte als Fahne unser Gefährt schützen. Im Ippachwald standen schwer bewaffnete deutsche Soldaten. Scheu und grußlos eilten wir vorbei. Menschenleer das Oberfeld! Aber auf dem Kirchplatz war Betrieb. Französische Soldaten hatten ein deutsches Kettenkrad erbeutet und jagten darauf lauthals jubelnd wie Buben in waghalsigen Kurven umher. Von uns nahm niemand Notiz. Daheim war alles in Ordnung. Weinend vor Freude schloß unsere Nachbarin ihre Kinder in die Arme. Dann gab es viel zu erzählen: Ganz früh am Morgen des 2. Mai hatte ein französischer Stoßtrupp die Ach überschritten und die Häuser durchsucht. Ein junger deutscher Soldat hatte sich bei Scheffknechts auf einem Baum versteckt. Eine MP-Garbe holte ihn herab. In Diems Stube starb er wenige Stunden später (Aussage Familie Diem). Französische Pioniere errichteten schnell einen Notsteg über die eingeknickte Kennelbacher Brücke. Weil die Brücken in Lauterach und Hard viel schwerer zerstört waren, marschierte nun eine ganze Armee durch Wolfurt. Im Röhle stellten noch einmal deutsche Soldaten ein Maschinengewehr auf. Ein paar MP-Garben warfen auch sie nieder. Noch ein Toter! Alle Häuser wurden durchgekämmt, entwaffnete deutsche Soldaten zusammengetrieben, ihre Gewehre beim Gasthof Lamm zerbrochen. An allen Häusern wehten weiße Fahnen. Von Dornbirn her schlugen deutsche Granaten im Röhle und im Oberfeld ein, rissen aber nur Erdtrichter auf. Während sich schon Kraftfahrzeuge und Panzer ins Dorf wälzten, erreichte die französische Vorhut Rickenbach. Als Gebhard Böhler am Haus eine weiße Fahne befestigte, zerschmetterte ihm eine deutsche Pak-Granate von der nahen Bachbrücke her den Rücken. In einem französischen Lazarett ist er gestorben (Aussage Familie Böhler). Die Panzerkolosse bogen vom Kirchplatz Richtung Lauterach ab. In den Kurven wühlten sie die Straße so tief auf, daß Personenautos kaum mehr folgen konnten. Fingerdick lag Staub auf den Fenstersimsen. Gemeindediener Gmeiner schellte Befehle der Franzosen aus. Später wurden auch Plakate angeschlagen. In Französisch und Deutsch verlautbarten sie etwa folgendes: 1. Dieses Gebiet untersteht der französichen Armee. 2. Wer deutsches Militär verbirgt oder unterstützt, wird erschossen. 35 3. Waffen, Landkarten und Fotoapparate müssen sofort abgeliefert werden. 4. Plünderer werden erschossen. 5. Während der Dunkelheit besteht strenges Ausgangsverbot. Die gesammelten Fotoapparate und Karten wurden beim Schulhaus zerstampft. Dutzende Panzerfäuste warf man in die Schützenlöcher bei der Achbrücke. Vielleicht sind sie später zugeschaufelt worden! Am anderen Tag wurde Bilgeris Luise zusammen mit den beiden gefallenen deutschen Soldaten in ein gemeinsames Grab gelegt. In den meisten Häusern quartierten sich französische Truppen ein. Frauen und Mädchen versteckten sich. Aber die Soldaten verhielten sich korrekt. Wir mußten ein Schaf abliefern. Auf der Steig errichteten farbige Hilfstruppen ihre Feuerstellen und ließen die geschächteten Schafe am Spieß schmoren. Die Soldaten trugen grob gewobene Kaftans mit gewaltigen Kapuzen und sahen aus wie Kurden. Als sie Marketenderware empfingen, sah ich den ersten Kaugummi. Und dann zogen die Marokkaner mit Hunderten Mulis ein! An Bütze- und Unterlindenstraße beschlagnahmten sie alle Bauernstädel — drei Monate lang. Die weißen Offiziere bezogen Zimmer, die braunen Soldaten lagerten im Heu. Die Kommandantur war in Kartonagen-Gmeiners Büro, die Küche in Zwickles Schopf. Mit den Franzosen hatte die Bevölkerung kaum Kontakt. Mädchen, die sich — manchmal als Flüchtlinge vom Hunger getrieben — mit ihnen einließen, wurden als Huren beschimpft. Mit den Marokkanern schlössen wir schnell Freundschaft. Sie waren wie Kinder und verschenkten Kekse und Schokolade an unsere kleinen Geschwister. Mühsam erlernten sie auf unseren ältesten Fahrrädern das Fahren. Auf den Hausplätzen zerklopften sie farbige Steine und legten riesige Mosaiks mit dem Fünfstern der Armee aus. Weil die meisten Mohammed oder Omar hießen, wurden sie von den Offizieren nur mit der Nummer gerufen. «Dus», «Disuit» und «Dris» ließen sich von unserer Mutter für ein paar Konservendosen scharfe Bügelfalten in ihre Hosen nähen, uns Buben belieferten sie für bunte Stecknadeln mit Tabak. Ihre Muliherden trieben sie einfach in die saftigen Wiesen und in die jungen Weizenfelder auf die Weide. Am Sonntag führten sie ein Muli-Wettreiten durch. Abends brauten sie Kaffee in großen Kesseln. Dann aber sotten sie wieder Rinderdärme und Igel. Uns graute! Böse wurden die gutmütigen Männer nur, wenn wir ihnen im Spiel ihre Turbane abstreiften und das kleine Zöpfchen mitten auf dem glattrasierten Schädel belachten, oder wenn wir sie an den Schweinestall lockten. Das waren wohl religiöse Verstöße, deren Schwere wir nicht ahnten. Aufschloß Wolfurt residierte nun Colonel Jung mit dem Militärkommando für Vorarlberg. Gelegentlich landete ein Fieseler-Storch im Feld und brachte einen Ordonnanz-Offizier. Sonntags standen ein Dutzend Offiziere unbeweglich die ganze 36 Messe durch in der Kirche. Am 14. Juli feierten die Franzosen ihren Nationalfeiertag in Bregenz mit einer Militärparade — ein geschmückter Ziegenbock voran. Auch auf Schloß Wolfurt gab es ein großes Fest samt Feuerwerk. Im August wurden die Marokkaner mir ihren Mulis ins Montafon verlegt. Plünderungen und Vergewaltigungen, wie sie von anderen Kriegsschauplätzen berichtet wurden, hatte es bei uns nicht gegeben. Eine einzige Ausnahme: Zwei Wolfurter Burschen fanden an der Bucherstraße zwei Bucher Mädchen mit durchschnittenen Kehlen auf. Beide waren offenbar sexuell mißbraucht worden. Französische Offiziere und ein Militärarzt stellten Nachforschungen an (Zeuge P. Schwerzler). Mehrfach wurden marokkanische Soldaten ausgepeitscht. Die Spannungen zwischen ihnen und ihren Kolonialherren waren deutlich spürbar, sie führten ja auch zehn Jahre später zum grauenhaften algerischen Aufstand. Die Bauernarbeit im Ried hatte schon in der ersten Maiwoche wieder begonnen, als noch große Kolonnen von deutschen Gefangenen an der Landstraße rasteten. Die Mutter suchte mit uns nach unserem Bruder, der ja auch noch Soldat geworden war. Ein paar Tage später kam er zu Fuß daheim an — mit etwas mehr als 16 Jahren schon ein entlassener Soldat. Fast täglich kehrten jetzt Männer heim, viele verwundet und halb verhungert, andere krank an Leib und Seele. Aus Rußland kamen manche erst nach Jahren zurück. Noch viele Birkenkreuze mußten gesteckt werden. 99 Namen am Kriegerdenkmal mahnen: der letzte Krieg! KRIEGERWAISEN Im Ersten Weltkrieg mußten am 1. August 1914 99 Wolfurter Männer und Väter nach Galizien und Serbien einrücken, denen bis zum Frühjahr weitere 220 folgten. «Mancher, mancher wird nicht mehr kommen!» schrieb der Chronist Engelbert Köb, der selbst ein Jahr später als Standschütze starb. Zu den ersten Opfern im Herbst 1914 gehörten vier Familienväter: Köb Albert, Lehrers, Maler im Strohdorf. Er hinterließ seine Frau Mina mit 4 Kindern zwischen 11 und 6 Jahren: Paul, Martha, Albertina und Anna. Gmeiner Albert, Lislo, Sticker in Rickenbach. Er hinterließ seine Frau Anna mit 8 Kindern zwischen 14 und 1 Jahr: Rosa, Albert, Franz, Otmar, Augusta, Maria, Raimunda und Ida. Rohner Josef, Schwarzvinälars, Sticker im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha, die in Erwartung war, mit 6 Kindern zwischen 9 und 2 Jahren: Franz, Hirlanda, Laura, Viktor, Eugen und Frieda. Als siebtes wurde 1915 Fina geboren. Böhler Alfred, Bergers, «Rasierers» im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha mit 5 Kindern zwischen 11 und5 Jahren: Agatha, Karl, Reinhilde, Alfred und Emilie. Ohne Väter wuchsen sie auf. 25 Jahre später mußten sie selbst oder ihre Ehegatten in den Zweiten Weltkrieg einrücken. 37 Siegfried Heim So heo s i ghört! (3) In der langen Geschichte der Hofsteiggemeinschaft hat jedes der sechs Dörfer aufsein Eigenleben gepocht. Bei aller Notwendigkeit zur Zusammenarbeit führte das immer wieder zu kleinen Sticheleien, aus denen auch manche Rauferei zwischen Buben und Burschen der Nachbardörfer erwuchs. Heute bekennen sich die Bewohner stolz zu den Übernamen, die ihnen einst freche Lausbuben als Schimpfwörter nachriefen: Wolfurtar — Hafoloabar Der Hafenlaib aus grobem Vesenmehl war — ohne Fleisch! — ein Essen für arme Leute. Luttorachar — Türbbolar Turrbo nannte man die Torf-Schollen, die mit Gestank in den Öfen und Rauchkesseln qualmten. Hardar — Mu-Fohar Die Harder wollten den Mond in einer Wasserstande fangen. Mit einem feinen Lächeln hat uns Wolfurtern der Lauteracher Chronist Elmar Fröweis ein Gedicht gewidmet: Glück ghet Z'Wolfurt hei's amolo brennt, so tuot ma se verzeih. Scho seiond etle Kerle grennt und heiond Glogga lütto wello. Wio se dra sind, seit der oa: «I tur-om nit reacht trouo, ma sioht koa Lüt, ma hört koa Gschroa, mir weorond ou koan Blödsinn bouol» «Wolback, lütto ohne Brand, des künnt no lustig wem! Ma lacht üs us im ganzo Land, und wirkle siohst koan Rouch, luog herol» Koanar sioht-om drübr us, so schiofist des ioz gloffo, und Glogga glongond langsam us, am liobsto wärond se vrschloffo. A jedar reachnot, was ioz kumm, mit Stillom und mit Lutom. Do sioht oan Rouch und dreit se um und rüoft in Turm: «Gottlob, as kut-om!» Schwarzachar — Schlifar An der Schwarzach kreischten Tag und nacht die großen Schleifen, in denen Wetzsteine geformt wurden. Bildstar — Beosorisar Bildsteiner Bauern verdienten ein paar Kreuzer am Verkauf von Birkenbesen. Buochar — Pfundlöoblar Man belächelte die Bucher, weil sie sich in der Wirtschaft nur «a Löoble», ein kleines Stück Brot leisten konnten. Die Hofsteiger hatten natürlich auch Übernamen für ihre anderen Nachbarn: Kengolbachar — Käsknöpflar Breogozar — Seebrünzlar Dorrobirar — Süoßlar Elmar Fröweis, Jahrgang 1933, Volksschuldirektor in Lauterach, ist der Verfasser des Lauteracher Heimatbuches 1985. Einige seiner Mundartgedichte aus Dorf und Ried liegen in dem Bändchen «Zilata und Furcha», Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn, 1982, vor. 38
  1. heimatwolfurt
19881101_Heimat_Wolfurt_02 Wolfurt 01.11.1988 Heft 2 Zeitschrift des Heimatkundekreises Nov. 88 Handwerker. «Schnidarles» Schreinerei an der Schulstraße 1912. Meister und Gesellen arbeiteten bei gutem Wetter im Freien. Inhalt: 4. Entwicklung der Wirtschaft I. (Volaucnik) 5. Hofsteiger Bauern (Heim) 6. Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren (Natter) Gewerbe im vorigen Jahrhundert DIE AUTOREN: Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alexander Natter, geboren 1952, ist in Wolfurt aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Lehrer an der Berufsschule in Bregenz und leitet in Wolfurt das Katholische Bildungswerk. Die Bilder: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983, und Nachdrucke aus Ernst Mummenhoffs «Der Handwerker», 1924; und aus privaten Sammlungen. Unter diesem Titel hielt Mag. Volaucnik am 27. September 1988 einen Vortrag im Kultursaal, der den Zuhörern die Veränderungen der Einnahmequellen der Bevölkerung im Laufe der Zeit bewußt machte. Wir beginnen heute mit dem Abdruck des Manuskriptes. Der Leser möge nicht vergessen, daß das arme Bauerndorf Wolfurt im Jahre 1809 nur 1.143 Einwohner und auch 1880 erst 1.623 Einwohner zählte, während die industrialisierte Marktgemeinde heute fast 7.000 Einwohner beherbergt. Christoph Volaucnik I. Wirtschaft 1.1 Landwirtschaft Die Landwirtschaft bildete im 18. und 19. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung den Haupterwerbszweig und prägte die Lebenssituation, den Alltag und die Sozialstruktur des Dorfes. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kam es in der Agrarstruktur der Hofsteiggemeinden zu einem Umbruch. Während Jahrhunderten erfolgte der Getreideanbau in gemeinschaftlichem Feldbetrieb und wurde die Weide gemeinsam benützt. In Wolfurt, wie übrigens auch in den anderen Hofsteiger Gemeinden, wurde eine Dreifelderwirtschaft geführt, die auf einem Wechsel von Anbau und Brache aufbaute. Im 18. Jahrhundert gab es in Wolfurt 4 bedeutende Felder:1 das Unterfeld, das hochgelegene Oberfeld, das Weidach- und das Flotzbachfeld. In einem Turnus wurde das Brachfeld auf dem Unterfeld und dem Oberfeld abgewechselt, während die anderen Felder mit Korn und Hafer bebaut wurden. In einem Bericht von 1793 wurde der Erdäpfel- und Türkenanbau als nachteilig für das Dreifeldersystem bezeichnet. Der Türken wurde damals fast nur auf dem Brachfeld gepflanzt und der vermehrte Anbau dieses immer wichtiger werdenden Nahrungsmittels setzte dem uralten Dreifeldersystem ein Ende. Eine Weide in den Feldern war durch den Türkenanbau nicht mehr möglich, sodaß es 1792 zur Aufhebung der Weide im Gebiet der Gemeinde Wolfurt kam. Diese Aufhebung der Weide erfolgte nach einer geheimen Abstimmung am 24. August 1791. Trotz des klaren Ausgangs der Abstimmung beschwerten sich die Mehrerauer Lehensbauern beim Abt der Mehrerau, daß sie durch die Aufhebung der Weide ihre Felder nicht mehr instandhalten können, da ihre Felder zu weit auseinanderliegen. Über den Umfang des Ackerbaus, die für den Ackerbau verwendete Grundfläche und die Ernteergebnisse sind leider nur wenige Unterlagen vorhanden. Als einzige brauchbare Quelle stehen die Erinnerungen des Feldvermessers und letzten Klosterammanns der Mehrerau, Mathias Schneider, zur Verfügung. Er erwähnte für 1814 folgende Getreidearten mit bebauter Fläche:2 Vesen Hafer Roggen Weizen 77 34 3 0 Jauchart Jauchart Jauchart Jauchart Gerste 5 Jauchart Erdäpfel 49 Jauchart Hanf 9 Jauchart Türken 77 Jauchart (Anmerkung: Ein Jauchart entspricht in Hofsteig 44,59 Ar) 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Besitzer von n-Kühen Jahr 1785 1794 1846 1888 Besitzer Total 148 139 288 213 Kühe Total 317 343 358 426 1 28 27 98 2 86 61 82 3 28 28 22 4 11 11 2 5 3 8 2 6 1 2 2 2 7 Durchschnittliche Zahl pro Besitzer 2,26 2,10 1,70 2,00 Prozentzahlen Kühe 1785 1794 1846 1880 1 14,2 19,4 47,1 2 61,4 43,8 39,4 3 14,2 20,1 10,5 4 7,8 7,9 0,9 5 2,1 5,7 0,9. 6 0,7 1,4 0,9 Weizenschnitt mit Schnidarles Rudolf und seinen Helfern 1940 im Ried Ein weiterer Hinweis findet sich in den Erinnerungen des Malers Engelbert Köb, der über seine Jugendzeit berichtet.3 Für die Zeit 1870-80 gibt er an, daß die Felder zwischen Wolfurt und Lauterach, auf denenjetzt geheut wird, mit Hanf, Hafer, Weizen, Gerste und Türken bebaut waren. Er berichtet, daß man im Spätsommer vor lauter Türken in den Feldern den Himmel nicht mehr gesehen habe. Köb gibt also selbst den Hinweis, daß sich ab 1870 die Landwirtschaft von Getreideanbau zu reiner Viehzucht gewandelt habe. Diese Umwandlung dürfte mit der Einfuhr billigen Getreides nach Eröffnung der Vorarlbergbahn und der Arlbergbahn in engem Zusammenhang stehen. Gegen diese billigen Importe war der Anbau in Vorarlberg nicht mehr konkurrenzfähig, während die Nachfrage nach gutem Vieh und Milchprodukten gestiegen sein dürfte. Neben dem Ackerbau waren die Viehzucht und die Milcherzeugung eine wichtige Einnahmequelle und Ernährungsgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung. Es wäre aber verfehlt, die heutige Viehzucht mit Hochleistungsrindern als Bezugsrahmen für die Landwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zu nehmen. Kleinbäuerliche Substinenzwirtschaft dominierte die Landwirtschaft, da die Erträge aus der Milcherzeugung in der Selbstversorgung der Bauernfamilien aufgegangen sein dürfte. Die Bauern verfügten in der Regel nur über ein bis zwei Kühe, sodaß ein Verkauf der Milcherträge bzw. des Tieres kaum möglich war. Anhand der Angaben in den Vermögenssteuerbüchern von 1785, 1794 und 1846 können folgende Angaben über die Betriebsgrößen nach Kuhbesitz gemacht werden:4 4 Interessanterweise ändern sich die Betriebsgrößen und die durchschnittliche Zahl der Kühe pro Besitzer in diesen knapp 100 Jahren kaum. Einen kleinen Einbruch gibt es nur im Jahre 1846 als der Durchschnitt auf 1,7 Stück pro Besitzer abfiel. Bei einer genaueren Durchsicht der Steuerbücher fällt unter der Bauernschaft eine kleine Gruppe von «Mittelbauern» auf, die über 4 bis 5 Stück verfügen. Im Dorf gab es aber nur wenige «Großbauern», die neben einem sehr großen Viehbestand auch über beachtlichen Grundbesitz verfügten. Die wenigen bedeutenden Bauern hatten auch Alprechte im Bregenzerwald für die Sommerung ihres Viehs. Während 1785 nur die zwei reichsten Bauern im Dorf Weiderechte am Hirschberg hatten, werden 1794 bereits 8 Bauern genannt, die über Alpweiderechte verfügten, wobei 3 auf die Alpe Hirschberg, 4 auf die Alpe Ries und 1 auf die Alpe Kreyen (Egg) fallen. Auch die Handwerker besaßen Vieh und landwirtschaftliche Fläche. Neben den Kühen gab es in der Landwirtschaft natürlich weiteren Viehbesitz, der sich im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stark vermehrte. Dazu einige Zahlen:5 Jahr 1807 1869 1880 1910 1923 Pferde 46 56 38 88 56 Rinder 49 Kälber 36 178 249 314 Schafe 2 20 35 248 Ziegen Schweine Stiere 1 5 1 19 113 406 12 235 209 192 427 206 5 Seit der Jahrhundertmitte kam es zu Verbesserungen in der Landwirtschaft Vorarlbergs. Der Vorarlberger Landwirtschaftsverein versuchte, durch Vorträge, Kurse und Ausstellungen die Bauern über die Errungenschaften der modernen Agrarwirtschaft zu informieren. Wie aus den Jahresberichten und dem Wochenblatt des Landwirtschaftsvereins hervorgeht, wurden auch in Wolfurt Vorträge von Wanderlehrern des Landwirtschaftsvereins abgehalten. Aus diesen Vorträgen entwickelte sich in einigen Vorarlberger Gemeinden Landwirtschaftliche Fortbildungsschulen. Auch in Wolfurt wurde von Wendelin Rädler 1869 die Gründung einer solchen Schule erörtert. In der Gemeindesitzung vom 11.6.1869 wurde dieser Antrag abgelehnt. Im Protokoll wurde dazu folgendes vermerkt: «(diese Schule) ist im Volk unbekannt und nicht für notwendig erachtet, da die Landwirtschaft regelmäßig betrieben wird.»6 Einen bedeutenden Fortschritt für die Wolfurter Landwirtschaft bedeutete die Gliederung der Sennereigenossenschaft im Jahre 1871. Diese Genossenschaft begann mit 34 Mitgliedern und verarbeitete in ihrer ersten Arbeitsperiode 47.513 Maß Milch. Im Betriebsjahr 1874 hatte sich der Mitgliederstand auf 48 Personen erhöht und 53.210 Maß Milch wurden zu 4.825 Pfund Butter, 9.212 Pfund Käse, 4.826 Pfund Zieger und 39.906 Maß Molke verarbeitet.7 und Geräte. So wurde im Jahresbericht des Landwirtschaftsvereins angegeben, daß der Mechaniker Fischer 6 Getreideputzmühlen mit Handbetrieb und der Mechaniker Dür 5 Dreschmaschinen, 4 Getreideputzmaschinen und 5 Strohstühle im Berichtsjahr 1871 erzeugt hatten.9 Es wurden durch die Gemeinde auch der Obstanbau und die Bienenzucht gefördert. 1897 wurde in einer Gemeindeausschußsitzung über den Nutzen des Obstanbaus diskutiert und festgestellt, daß dieser «für die Lehrpersonen ebenfalls lohnend wäre in die Hand genommen und mit den Schülern praktiziert werden solle .. .»10 Wendelin Rädler erreichte, daß die Gemeinde für die Bepflanzung der Gemeindegründe 50 Birnenbäume bestellte und einpflanzen ließ." Rädler war auch der Initiator einer Gemeindebaumschule, die der Bevölkerung die theoretische und praktische Obstbaumpflege näherbringen sollte. Er konnte 1899 die Verwendung der Inselgründe als Gemeindebaumschule im Gemeinderat durchsetzen. Diese Obstbaumpflanzungen sollten das Ortsbild von Wolfurt in unserem Jahrhundert entscheidend prägen. Das nunmehr vorhandene Obst hatte nicht nur als Grundsubstanz für den Most eine Bedeutung, sondern war für die Nahrungs- und Vitaminversorgung der Bevölkerung wichtig. 1897 wurde auch von den Lehrern und den Lehrschwestern für Anschauungsszwecke ein Bienenhaus errichtet, um die Schüler praktisch in die Bienenzucht einzuführen. Die Unkosten für die beiden Bienenhäuser wurden mit Gemeindemitteln bestritten.12 1.2 Handwerk Über die Geschichte und die Bedeutung des Wolfurter Handwerks im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert haben sich nur wenige Quellen erhalten. Bei der Darstellung der Handwerksgeschichte des Dorfes sind wiederum die Vermögenssteuerbücher 1755, 1771, 1785, 1794, 1816 und die Erwerbssteuerverzeichnisse von 1838 und 1881 als Quellen heranzuziehen.1 Aus diesen Steuerbüchern wurde folgende Strukturdarstellung des Handwerks versucht: 1755 3 1 1771 1 1 1 1 1785 1 2 2 1 1794 1 1 1 1 3 2 1 3 1838 4 3 1 3 3 1 1 1 4 1 3 2 1846 2 3 1 1 1 1 1 3 2 5 1 1881 5 1 3 3 1 2 3 2 1 5 3 1 1 7 Metall Nahrung Bau Auch der Viehbestand in Wolfurt stieg ab 1870 enorm an. Die Gemeinde unterstützte diese intensive Viehzucht mit dem Ankauf von Zuchtstieren. Einzelne Bauern erhielten für den Ankauf des Zuchtstiers von der Gemeinde das Geld, mußten das Tier den Gemeindeangehörigen aber zur Verfügung stellen. 1873 wurden beispielsweise wegen der ungenügenden Zahl von Stieren und der ständig steigenden Zahl an Rindern und Kühen von der Gemeinde 4 Stiere eingekauft.8 Die in Wolfurt ansässigen Mechaniker und Schlosser verfertigten besonders für die Landwirtschaft Maschinen 6 Schmied Schlosser Mechaniker Müller Bäcker Metzger Melber Zimmermann Schreiner Steinmetz Maurer Ziegler Glaser Spengler Ofensetzer 2 2 2 1 1755 Textil Leder Weber Schneider Schuster Strumpfwirker Sattler/Tapezierer Gerber Stricker Seiler Hafner Wagner Drechsler Küfer Barbier/Friseur Stickferker 2 1 2 1771 1 2 2 1785 1794 1 2 1 3 1838 1 2 1 1846 1881 1 3 4 1 10 1 1 2 1 1 1 1 1 4 1 1 1 1 1 1 2 - 2 Wie man in der Tabelle sieht, war die Berufsstruktur im ausgehenden 18. Jahrhundert auf die Bereiche Metall-, Holz-, Leder- und die in einem eigenen Kapitel noch zubehandelnde Textilverarbeitung beschränkt. Eher gering ist der Bereich Nahrungsmittelgewerbe vertreten. Die im 19. Jahrhundert steigende Zahl der Schmiede und Schlosser dürfte mit der Nachfrage nach technischen Erzeugnissen für den landwirtschaftlichen Bedarf erklärt werden. Zu einer Auffächerung der Berufsstruktur im Baugewerbe kam es erst im 19. Jahrhundert (Glaser, Ziegler, Maurer). Die Entwicklung dürfte mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und dem erhöhten Bedarf an Wohnhäusern im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Als eine neue Berufsgruppe im Baugewerbe werden im Steuerbuch von 1846 die Ziegler genannt. Der bedeutendste und vermögendste Ziegler war 1846 Josef Anton Schertler, der über sehr beachtlichen Grundbesitz im Schätzwert von 8.750 Gulden, über Kapitalbesitz von 7.370 Gulden und einen Viehbestand von 3 Kühen und 2 Pferden verfügte. Als wichtigster Besitz in der VermögensaufstellungSchertlerswird jedoch sein Kalk-und Ziegelofen genannt. Eine weitere Ziegelhütte war in den Händen von 2 Besitzern, die ihren Anteil an der Hütte mit 250 Gulden angaben und nur über ein bescheidenes Vermögen verfügten. Als ein weiterer Ziegler wird 1846 ein Josef Dür genannt, der zu den vermögenden Bürgern zählte. Diese Ziegelhütten befanden sich im Flotzbach und an der Ach, wobei die Flotzbacher Hütten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößert und modernisiert wurden. Auf eine noch ältere Tradition konnten die Wolfurter Steinmetze zurückblicken, die in mehreren Steinbrüchen Sandstein abbauten. Die in den Steuerbüchern von 1785 und 1797 genannten Steinmetze verfügten neben den Anteilen am Steinbruch auch über landwirtschaftlichen Besitz und Vieh. Neben dem in Rickenbach in Privatbesitz befindlichen Steinbruch gab es im Dorf unter dem Pfarrhof einen in Gemeindebesitz befindlichen Steinbruch, der von der Gemeinde verpachtet wurde.2 In einer von der Handelskammer 1904 veröffentlichten Statistik des Baugewerbes befanden sich in Wolfurt 3 Steinmetze und 4 Zimmermeister, aber kein Maurer.3 Eine besondere Bedeutung und einen guten Ruf hatten im 18. und im 19. Jahrhundert die lederverarbeitenden Betriebe. In einem amtlichen Bericht des Jahres 1791 über die «Professionisten» der Herrschaft Bregenz wurden die Wolfurter Rot- und Weißgerber Caspar Haltmayer, Anton Höfle und Josef Greußing als «beachtliche Gerber mit Lederhandel» bezeichnet.4 Die Bezeichnung der Behörde läßt den Rückschluß zu, daß diese Gerber nicht, wie damals bei den Landhandwerkern üblich, nur für den lokalen Bedarf arbeiteten, sondern einen überregionalen Lederhandel begonnen hatten. Im Steuerbuch von 1785 wird eine Gerberei genannt, die einen Ledervorrat im Wert von 500 Gulden hatte und ab 1794 wird als großer Gewerbebetrieb eine «Lohstampf» genannt. In dieser Lohstampf wurde von den Gerbern Rinde (Eiche und Tanne) zu einer Masse gestampft, die als Gerbemittel verwendet wurde. Im Lauf des 19. Jahrhunderts ging die Anzahl der Gerber zurück, doch blieb als bedeutender Gerbereibetrieb die Fa. Ferdinand Haltmeyer im Kirchdorf bis zur Jahrhundertwende erhalten. Über die Ausbildung, die Auftragslage und die Betriebsgröße der Wolfurter Handwerker sind keine Informationen erhalten geblieben. Die Steuerbücher des 18. und teilweise des 19. Jahrhunderts geben aber über das Vermögen, den landwirtschaftlichen Besitz und den Hausbesitz der Handwerker Auskunft. Bei einer Untersuchung des Viehbesitzes der Handwerker fällt auf, daß 1785 und 1794 bei den Handwerkern noch bedeutender Viehbesitz vorhanden war, der aber 1846 stark zurückging. Dazu einige Zahlen: 1785 waren von 16 vorhandenen Handwerkern 14 Kuhbesitzer und 4 Pferdebesitzer, 1794 waren von 21 Handwerkern 19 Kuhbesitzer, während 1846 von 28 ausgewiesenen Handwerkern nur noch 21 Viehbesitzer waren. Fast alle Handwerker 9 Die Maurer haben die große Mauer am Tobelbach fertiggestellt und halten sie mit nassen Tüchern feucht. Jetzt legen sie die Rollierung für die Unterlindenstraße (1913) 8 verfügen auch über landwirtschaftlichen Grund und über Hausbesitz, waren also mit Sicherheit in der Landwirtschaft tätig und dürften, wie in allen Landgemeinden Vorarlbergs damals üblich, den Beruf des Handwerkers nur nebenberuflich ausgeübt haben. In der Reihe dieser «Bauernhandwerker» gab es aber auch Armutsfälle, die kaum über Grundbesitz und keinen Viehbestand verfügten, also ganz auf ihre Einnahmen als Gewerbetreibende angewiesen waren. 1794 gehörten von den 21 genannten Handwerkern 4 zu den ärmeren Schichten im Dorf, da sie kaum Grund und nur unbedeutendes bis kein Vermögen hatten. Größere Gewerbebetriebe wie die 2 Mühlen, die Lohstampf und der Steinbruch dürften aber wahrscheinlich professionell betrieben worden sein, obwohl auch der Müller, Gerber und die Steinmetze Viehbestand und teilweise bedeutenden Grundbesitz hatten. Da es sich aber bei diesen Betrieben um kapitalintensive Gewerbe handelte, kann doch mit einer professionellen Tätigkeit gerechnet werden. Bedeutende Umwandlungen erlebte das Handwerk im 19. Jahrhundert. Durch gesetzliche Neuordnung, die von der völligen Freiheit der Handwerksausübung bis zur Reglementierung in der Gewerbegesetznovelle von 1884 ging, wurde die Existenz des Handwerks stark betroffen. Die Entwicklung der Industrie bedeutete für das Handwerk eine Konkurrenz in den Bereichen der Wasserkraftnutzung und vor allem in der Personalrekrutierung. Auch die Maschinenstickerei, die ab 1870 in Vorarlberg einen bedeutenden Aufschwung nahm, bot manchem armen Handwerker einen beliebten neuen Erwerbszweig. Die Kalkhütte an der Bregenzerstraße 1908 10 Wie sich diese Umformungen auf das Wolfurter Handwerk auswirkten, ist nur schwer nachzuweisen. Wie vorhin bereits erwähnt, handelte es sich bei den Handwerkern in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts um Personen mit starkem landwirtschaftlichen Hintergrund. Wie diese Personen, die sich ja nicht alleine von den Einnahmen aus dem Handwerk ernähren konnten, diese Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich überstanden, ist quellenmäßig leider nicht nachvollziehbar. Für das Jahr 1832 hat sich im Gemeindearchiv eine Stellungnehme der Gemeinde erhalten, die über die Lage des Handwerks Auskunft gibt. Darin wird das Gewerbe als unbedeutend bezeichnet, die Gewerbetreibenden nur als Taglöhner eingestuft, die als Schneider und Schuster bei den Bauern um Lohn arbeilen.' Die Gemeinde gibt aber über die übrigen Gewerbetreibenden keinerlei Auskunft. Leider gibt es für dieses Jahr kein Steuerbuch, das über die finanzielle Lage und Besitzverhältnisse der Bevölkerung und besondes der Handwerker Auskunft geben könnte. Im Steuerbuch von 1846 wird aber eine große Anzahl verschiedenster Handwerksberufe genannt, die in Wolfurt sicher auf die längere Tradition zurückblicken können. Die Gewerbenovelle von 1884 schrieb die Gründung von Zwangsberufsgenossenschaften vor. In Wolfurt war es am 26.10.1883 zu einer vorbereiteten Sitzung und im Frühjahr 1884 im Gasthaus Adler zu den kurz hintereinander folgenden konstituierenden Sitzungen der Berufsgenossenschaften der Handelsleute und Wirte, der Handwerker und der Sticker gekommen.6 Als Vorstand der Handwerkergenossenschaft wurde der bereits erwähnte Ziegler Josef Anton Schertler gewählt. Das Interesse an dieser Berufsgenossenschaft scheint, wie aus einem zeitgenössischem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, nicht sehr groß gewesen zu sein/ Die Handwerksgenossenschaft Wolfurt wurde in den folgenden Jahren auf die Gemeinden Schwarzach und Bildstein ausgedehnt und wies im Jahre 1892 94 Mitglieder auf.8 1899 wurde vom Gemeindevertreter Wendelin Rädler die Gründung einer Gewerblichen Fortbildungsschule in Wolfurt vorgeschlagen.9 Es kam in dieser Angelegenheit zu einer Sitzung mit den Wolfurter Volksschullehrern und dem Vertreter der Gewerbegenossenschaft Conrad Doppelmayr. Da die Schülerzahl aus dem Handwerkerstand zu gering für eine staatliche Subvention war, wurde beschlossen, die Fortbildungsschule in kleinem Stil zu gründen, wobei ursprünglich mit 3 Stunden Schulzeit pro Woche während der Wintermonate gerechnet wurden. Im Lehrplan waren gewerbliches Zeichnen, Rechnen und Schriftverkehr vorgesehen. Die Handwerkergenossenschaft übernahm die Bezahlung der Lehrergehälter freiwillig und ersuchte die Stickereigenossenschaft und die Genossenschaft der Händler um finanzielle Unterstützung. Der Unterricht wurde probeweise im November 1899 eingeführt, wobei die Stundenzahl auf 4 Stunden erhöht wurde.10 Über die Schülerzahl und das Lehrpersonal gibt eine Statistik des Jahre 1903 Auskunft. Es wurden 36 Schüler von 2 Lehrern während 7 Wochenstunden unterrichtet." Die Kursdauer betrug 7 Monate. 1906 befaßte sich der Gemeindeausschuß mit der Gewerblichen Fortbildungsschule. Die Gemeinde stellte fest, daß die Zahl der Gewerbetreibenden und damit auch die Zahl der beschäftigten Lehrlinge immer mehr zurückgehe. Die Frequenz der Schule ließ stark nach und die ganze Problematik wurde dem Schulausschuß zur Beratung vorgelegt.12 Über das Ergebnis dieser Verhandlungen sind keine Unterlagen vorhanden. Im Sitzungsprotokoll 1909 der Handelskammer findet sich ein Hinweis auf die Gewerbliche Forbildungsschule Wolfurt. Die Handelskammer stellte in diesem Jahr die Subvention an die Schule wegen Untätigkeit ein.13 11 1912 scheint es zu einem Wiederbelebungsversuch der Schule gekommen zu sein, da der Kammerrat Praeg sich in einer Subventionssitzung der Handelskammer für eine neuerliche finanzielle Unterstützung der Schule einsetzte.14 Auffallend ist besonders der Hinweis in der Gemeindesitzung von 1906, daß die Anzahl der Gewerbetreibenden in Wolfurt stark zurückgehe. Über die Ursache dieses Rückgangs können nur Vermutungen angestellt werden. Es ist möglich, daß der Stickereiboom für das mangelnde Interesse der Schüler verantwortlich war.15 1.3 Textilverarbeitung in Wolfurt Seit dem Mittelalter wurde von den Bauern Flachs angebaut und für den Eigenbedarf Leinwand gewoben. Über professionelle Leinwandweber in Wolfurt wird in einer vom Oberamt in Bregenz erstellten Übersicht aus dem Jahre 1767 berichtet.1 Josef und Joachim Geiger sowie ein Martin Herburger werden als für den allgemeinen Verkauf und auf Lager arbeitende Leinwandweber erwähnt. In den Steuerbüchern von 1762 und 1771 werden diese beiden Weber mit ihrem Vermögen genannt.2 Josef Geiger besaß 1762 ein Haus (Wert 190 Gulden), 2 Kühe und verfügte über beachtlichen Grundbesitz. Es gelang ihm, bis 1771 sein Vermögen beachtlich zu vermehren. Sein Gut wurde auf 600 Gulden geschätzt, er besaß jetzt 3 Kühe und hatte ein Reinvermögen von 821 Gulden. Er gehörte mit diesem Vermögen und dem beachtlichen landwirtschaftlichen Besitz zu den besser verdienenden Handwerkern und Bauern im Dorf. Jacob Geiger, ebenfalls Weber, war mit einer Kuh und einem Vermögen von 75 Gulden vergleichsweise eher arm. Neben diesen professionellen Webern gab es eine Reihe von Bauern, die während des Winters grobe Bauernleinwand, auch «BLÄZ» genannt, für den Eigenbedarf woben. Diese grobe rauhe Leinwand war wegen ihrer mangelnden Qualität nicht für den Verkauf geeignet und diente allein der Selbstversorgung. In der amtlichen Wirtschaftsübersicht von 1767 wird neben der Leinwandweberei bereits die Baumwollweberei für Wolfurt genannt. Im Auftrag der Bregenzer Baumwollmanufaktur «von der Trave», der ersten Baumwollmanufaktur in Vorarlberg, ließ der Rickenbacher Georg Haltmayer auf 4 Webstühlen Baumwollgarne verarbeiten.3 Im Wolfurter Steuerbuch von 1795 wird der Adlerwirt Johann Haltmayer als Handelsmann und Baumwollgarnhändler bezeichnet.4 Es ist für die Frühindustrialisierung typisch, daß ein Wirt und Händler die Aufgabe eines Baumwollverlegers übernahm. Er verfügte über das notwendige Kapital für den Einkauf der Baumwolle, hatte die notwendigen Geschäftskontakte und konnte daher leichter in dieses lukrative Geschäft einsteigen. Bezeichnend für seine Stellung im Dorf dürfte eine Angabe im Steuerbuch sein, in der festgestellt wird, daß er seine Einnahmen aus dem Baumwollhandel nicht genau kenne und daher für diese Einnahmen nicht versteuert wurde. Wie verbreitet die Baumwoll- und Flachsspinnerei in Wolfurt war, zeigen die Nachlaßinventare des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese in den sogenannten Waisenbüchern verzeichneten Inventare geben immer wieder Flachs- und Hanfgespinst, Spinnräder und Kunkeln als Besitz an. Beispielsweise hinterließ ein Johann Georg Kalb 1787 70 Schneller Garn, 25 Pfund reinen Hanf, eine Haspel, 3 Spinnräder und 2 «Stuhl» (Webstühle). Im Nachlaß des Altammann Böhler von 1787 fanden sich 3 Haspeln, 3 Kunkeln und 3 Flachsbrechen.5 12 Im Jahre 1801 werden in den Statistiken der Vorarlberger Zollbehörden 3 Wolfurter Baumwollverleger mit der Anzahl der von ihnen beschäftigten Heimspinner und Heimweber genannt. Es waren dies: Josef Anton Gmeiner, Josef Anton Meßmer und Johann Martin Fischer.6 Gmeiner hatte an 32 Heimweber Webarbeiten vergeben und an 91 Haushalte 1.015 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben. Im Zeitraum 1800—1801 legte er den Zollbehörden 196 Stück Baumwollgewebe zur Numerierung vor. Meßmer hatte 29 Weber beschäftigt, 114 Spinnern 1.105 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben und 165 Baumwollstücke zur Verzollung vorgelegt. Fischer ließ von seinen 12 Webern 16 Baumwollstücke erzeugen. Lediglich über die Person des Josef Anton Gmeiner sind einige Informationen erhalten geblieben. Er wird im Vermögenssteuerbuch von 1795 genannt.7 Er war Hausbesitzer, hatte bescheidenen landwirtschaftlichen Grundbesitz und verfügte über das beachtliche Vermögen von 2.155 Gulden. Schulden hatte er in der Höhe von 343 Gulden bei Privatpersonen in Altstätten, Kanton St. Gallen, das als wichtiger Baumwollieferungsplatz für Vorarlberg während der Frühindustrialisierung galt. Es ist anzunehmen, daß diese Schulden aus Baumwollieferungen stammten. Laut Steuerbach hatte er «800 Gulden auf dem Gewerb liegend», was auf den beachtlichen Kapitaleinsatz im Baumwollverlagswesen hinweist. 1802 wurde Gmeiner eines Zollvergehens beschuldigt und in Bregenz verhört. Im erhaltenen Verhörungsprotokoll gibt Gmeiner über seine persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse Auskunft.8 Er stand 1802 im 33 Lebensjahr, hatte 2 Kinder und bezeichnet sich selbst als Weber und Fabrikant. Gmeiner erklärte, daß der Schweizer Weber Jakob Lüpfi für ihn gearbeitet habe. Da Lüpfi über keinen eigenen Webstuhl verfügte, arbeitete er im Hause Gmeiners und wob zwischen dem 14. April und 14. Juni insgesamt 4 Baumwollstücke. Ein weiterer Schweizer Weber, Jakob Rohner, der in Rickenbach wohnte, arbeitete ebenfalls für Gmeiner. 13 Interessant ist der Hinweis auf die Schweizer Weber, die als Facharbeiter während der Frühindustriealisierung in Vorarlberg arbeiteten und technisch vermutlich besser ausgebildet waren als die Vorarlberger Weber. Auch für Dornbirn und Rankweil-Sulz sind aus diesen Jahren Hinweise auf den Aufenthalt Schweizer Weber vorhanden. Der Ausgang der Untersuchung gegen Gmeiner ist nicht erhalten geblieben. Er wirkte jedenfalls weiter als Baumwollverleger, da er 1815 und 1818/19 als «Baumwollfabrikant» aktenmäßig aufscheint.9 Er wird im Steuerbuch von 1815 als Besitzer von nunmehr 2 Häusern erwähnt und hat seinen bisher eher schwachen Grundbesitz durch ein Bergteil am Ippach vergrößert.10 Die Baumwollweberei als wichtiger Erwerbszweig der Bevölkerung dürfte während der bayrischen Besatzungszeit, wie im übrigen Vorarlberg auch in Wolfurt, stark zurückgegangen sein. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich und der damit verbundenen Öffnung der großen Monarchie als Absatzmarkt für Vorarlberger Baumwollprodukte kam es in den Jahren 1818/19 zu einem neuerlichen Aufblühen der Baumwollverarbeitung in Vorarlberg. Nach den verheerenden, durch Mißernten bedingten Hungerjahren 1816/17 bot sich ab 1818 eine bedeutende Verdienstmöglichkeit mit der Weberei, wobei die Spinnerei seit der Eröffnung des mechanischen Spinnereibetriebes in Dornbirn-Juchen im Rückgang gewesen sein dürfte. Für das Jahr 1818/19 hat sich für Wolfurt eine sehr wertvolle Quelle erhalten, die den Umfang der Weberei in Wolfurt dokumentierte. In einer Produktionsstatistik für den Bregenzer Raum werden für die Gemeinde Wolfurt die von Verlegern bestellten und von Heimwebern erzeugten Baumwoll- und Mousselinstücke genannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Wolfurt 908 Stück Baumwollgewebe und 117 Stück Mousselingewebe gewoben.11 Wolfurt war in den Hofsteiggemeinden der bedeutendste Webereiproduktionsort, gefolgt von Steußberg (Buch und Bildstein) mit 713 Stück 14 Baumwollgewebe und Lauterach mit 404 Stück. Neben den bereits bekannten Wolfurter Verlegern Gmeincr und Moser mit zusammen 100 Stück Baumwollgewebe, ließen 9 Dornbirner, 2 Hohenemser, 1 Bildsteiner, l Schwarzacher und 1 Bregenzer Verleger in Wolfurt arbeiten. Im Wolrurter Gemeindearchiv befinden sichfürdie 30-er und 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts einige Hinweise auf Weber, die aber keine Auskunft über die Produktion und die Lage dieser Weber geben. In Akten aus dem Jahre 1832 werden ein Weber Johann Klocker im Dorf und ein Weber Jakob Schneider in Rickenbach erwähnt. In den Konskriptionslisten für die Militärstellung 1838 und 1839 werden auch die Berufe der zur Stellung berufenen Männer genannt. 1838 waren von 20 angetretenen Männern 3 Weber, 1839 von 17 ganze 3 Weber.12 Diese Konskriptionslisten haben jedoch als Quelle für die Häufigkeit des Weberberufes keine große Aussagekraft. Interessant ist, daß 1832 ein Blattmacher in Wolfurt existierte, der von der Erzeugung von Bestandteilen für Webstühle lebte.13 Dieser Beruf konnte nur in einem Dorf mit einer entsprechenden Zahl von Webern existieren. Im Bevölkerungsverzeichnis von 1846 werden unter 20 Handwerkern aber nur mehr 1 Weber und 2 Blattmacher aufgezählt. Aus dem Jahre 1848 gibt ein Akt über die Aufdingung eines Lehrjungen beim Wolfurter Webermeister Ferdinand Kalb, Auskunft. Die in vielen Vorarlberger Fabriken zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeführte Mechanisierung der Weberei hat diesen wenigen Webern in Wolfurt aber kaum noch Überlebenschancen gegeben und dürfte zu einem Stillstand der Weberei geführt haben, die für die betroffene Bevölkerun natürlich finanzielle Probleme gebracht haben dürfte. Eine gewisse Ausnahme spielte dabei die Buntweberei, da in diesem Bereich eine Mechanisierung aus technischen Gründen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte. Die Buntweberei als Ausweg setzte aber auch für den Weber gewisse Erfahrung und Spezialisierung voraus. Als Ausweg bot sich die Arbeit in der 1838 eröffneten Kennelbacher Spinnerei. 1.4 Die Stickerei Die Lohnstickerei für Schweizer Handelshäuser dominierte im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert das Wirtschaftsleben in den landwirtschaftlichen Gebieten Vorarlbergs.1 Mit der Einführung der Maschinenstickerei wurde auch Wolfurt vom Stickereifieber erfaßt und veränderte die Gemeinde grundlegend. Die Bevölkerung verlegte sich auf die Stickerei und vernachlässigte die bisher dominierenden Wirtschaftszweige, wobei die Sticker sich in eine Abhängigkeit von der Konjunktur begaben.2 In guten Absatzjahren konnte unter der Ausnützung aller Familienmitglieder (Kinderarbeit) der Sticker sehr gute Einnahmen erzielen, während Absatzkrisen zu schweren finanziellen Einbußen führten. 1905, einem Krisenjahr, wurde keine Faschingsunterhaltung durchgeführt, da in der Gemeinde kein Geld vorhanden war.3 Trotz dieser ständigen Konjunkturschwankungen erhöhte sich die Anzahl der Stickereimaschinen in Wolfurt ständig. Während 1887 in Wolfurt 124 Handstickmaschinen waren, stieg die Zahl der Schifflistickmachinen 1900 auf 100, 1910 auf 143 Schiffli- und 26 Handstickmaschinen und bei der letzten Zählung vor dem I. Weltkrieg 1914 wurden in Wolfurt 115 Pantographen, 7 Automaten und Punchmaschinen gezählt.4 Die Stickereimaschinen wurden in der Regel in der Schweiz gekauft und in Raten abgezahlt. Während des Stickereibooms im Jahre 1900 15 sollen, wie in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel erwähnt wird, viele unbrauchbare, ausgeleierte Stickmaschinen von Wolfurtern in der Schweiz zu überhöhten Preisen gekauft worden sein.5 Mit diesen Maschinen soll laut Zeitungsbericht maneher Sticker 24 Stunden durchgearbeitet haben, um möglichst viele Stiche zu erreichen. Die Qualität der Stickereien auf diesen allen Maschinen dürfte aber schlecht gewesen sein und zum schlechten Ruf (= billige Ware) der Vorarlberger Stickereien in der Schweiz beigetragen haben. Um an den großen Aufträgen mitmischen zu können, wurde die Qualität der Ware vernachlässigt und nur bedeutende Mengen produziert. Als Mittel für die Qualitätsverbesserung in der Stickerei wurden von der Stickereischule Dornbirn Kurse in den einzelnen Stickereidörfern abgehalten. In Wolfurt fand beispielsweise 1901 ein solcher Kurs statt, der mit einem Kurs für Nachsticker fortgesetzt wurde. Diese Kurse wurden von der Wolfurter Stickereigenossenschaft mitorganisiert und teilweise finanziert. In Wolfurt gab es 1907 12 Sticklokale mit 4 bis 6 Maschinen, wobei die Masse der Sticker nur eine Stickereimaschine besaß.6 In engem Zusammenhang mit dem Stickereiboom steht auch die vermehrte Bautätigkeit in Wolfurt um 1906/07, als neben normalen Wohnhäusern auch vermehrt Villen und Stickereilokale errichtet wurden. Trotz des Reichtums und Wohlstands, der sich mit der Stickerei in der Gemeinde etablieren konnte, muß auf die Schattenseiten dieses Booms hingewiesen werden. Als Arbeitskräfte in den Stickereilokalen wurden hauptsächlich Jugendliche und Kinder verwendet, wobei keine gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen vorhanden waren. Der Gewerbeinspektor erklärte 1885 in einem Bericht: «. . . die Arbeitskräfte der Kinder in so übertriebenem Masse ausgebeutet wurden, daß die in den Stickereigegenden domicilierend Ärzte und sonstigen Menschenfreunde den physischen Ruin der jungen Generation mit Sicherheit voraussahen, falls dem eingerissen Treiben nicht in irgend einer Weise Einhalt gethan würde .. .»7 Der in St. Gallen beheimatete Stickereiverband, der seine Tätigkeit auf die Ostschweiz und Vorarlberg erstreckte und eine Vereinigung der großen Stickereihandelshäuser und der Einzelsticker war, einigte sich 1886 auf eine Arbeitszeitregelung in den Stickereien, wobei die Arbeitszeit von 7 Uhr bis 18 Uhr festgesetzt wurde.8 Als Druckmittel für die Einhaltung der Bestimmung wurde der Liefer- und Abnahmeboykott gegen «Ausbeuterfirmen» beschlossen. Als Vorarlberg sich 1892 vom Verband löste, war auch die Einhaltung dieser Regelung nicht mehr möglich und das Gewerbeinspektorat konnte nur nach den allgemeinen Bestimmungen des Gewerbegesetzes vorgehen.9 Die Stickerei wurde durch den I. Weltkrieg schwer getroffen und konnte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen. 1.5 Händler und Nahrungsversorgung Die ersten Quellen über Krämer und Händler in Wolfurt stammen aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. 1785 wird im Steuerbuch erstmals ein Krämer genannt. Im Steuerbuch von 1794 wird der Krämer Krispin Bildstein mit seinem Vermögen und seinen Schulden genannt.2 Bildstein, der 1755 noch als Wirt bezeichnet wird, gehörte zu den vermögendsten Personen im Dorf, hatte 4 Kühe und 1 Pferd im Stall und verfügte über bedeutenden Grundbesitz. Besonders interessant ist die Nennung seiner Schulden. Er hatte Schulden in Augsburg und Pavia; was auf Warenschulden hinweist und auch Rückschlüsse auf die Herkunft der von Bildstein verkauften Waren und auf seine Handelsbeziehungen zuläßt. Augsburg war das Handelszentrum Süddeutschlands und der Hinweis auf Schulden in dieser Stadt kann so interpretiert werden, daß Bildstein aus dieser Stadt Konsumgüter bezogen hat. 1798 suchte der Rösslewirt Baptist Rohner, der neben seiner Wirtschaft eine Branntweinbrennerei und eine Bäckereigerechtsame besaß, um eine Handelskonzession für Tuch, Zucker, Kaffee und Lichteran.3 Gegen dieses Ansuchen protestierten in einem Beschwerdebrief die anderen 4 Wolfurter Krämer. Sie hatten mit ihrem Protest Erfolg, da das Oberamt Rohner die Handelskonzession verweigerte. 4 Krämer in einem Dorf war für die damalige Zeit eine sehr hohe Zahl und es ist möglich, daß hier der Einfluß der Frühindustrialisierung sich bemerkbar machte.4 Die in der Heimindustrie beschäftigten Weber und Spinner verfügten, eine gute Konjunkturphase vorausgesetzt, über Bargeld, eine ständige Einnahmequelle. Diese Geldmittel wurden in Heimindustriegegenden in der Regel für den Einkauf von Konsumgütern verwendet. Es ist auch für Wolfurt, der führenden Webereigemeinde in Hofsteig, mit einer Veränderung des Konsumverhaltens zu rechnen, die sich in einer Vermehrung der Krämer im Dorf ausdrückte. Im Jahre 1840 gab es in Wolfurt nur mehr 3 Krämer und einen Mehlhändler.5 Ob das Ansuchen des Michael Lau aus dem Jahre 1828 um Verleihung einer Händlerkonzession für Kaffee und Zucker angenommen wurde, geht aus den erhaltenen Akten nicht klar hervor.6 Zur unmittelbaren Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dienten Bäcker und Metzger. In der Tabelle der Handwerksberufe ist aber die geringe Zahl der Bäcker während des ganzen Untersuchungszeitraumes deutlich zu erkennen. Dies ist nur mit der Annahme zu erklären, daß Brot im eigenen Haushalt erzeugt wurde und auch Hausschlachtungen durchgeführt wurden. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist die Verbindung der Bäckergerechtsame mit einigen Wirtshäusern im Dorf. So besaßen 1798 die Wirte Baptist Rohner (Rössle) und Johann Haltmayer in ihrem 16 17 Wirtshause eine Bäckereigerechtsame, wobei diese «ex radice» war. Bei dieser Rechtsform lag die Gewerbeberechtigung auf dem Hause selbst und setzte keine Gewerbeausbildung des Hausbesitzes voraus. Diese Form der Gewerberechtsame wurde in den Steuerbüchern aber nicht erwähnt, da sie nicht zu versteuern war, während die «Profession» der anderen Handwerker mit einer Pauschalsumme versteuert wurden (20 Gulden). Über die Brotpreisgestaltung im 19. Jahrhundert hat sich im Gemeindearchiv ein Brief des Wolfurter Bäckers erhalten. Die Brotpreise wurden amtlich verordnet und in Wolfurt galt, wie in allen Gemeinden des Amtsbereiches Bregenz, der Bregenzer Brottarif. 1838 bat der Wolfurter Bäcker (Name im Akt nicht genannt) die Bregenzer Tarife für Wolfurt abzuschaffen, da die Tariftabelle erst mit 8 bis 14 Tagen Verspätung in Wolfurt eintreffe.7 Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich im Gemeindearchiv zahlreiche Brotbeschauprotokolle erhalten. Durch ein Gemeindeorgan wurden bei den Bäckern Gewichtskontrollen und Preisüberprüfungen durchgeführt, wobei bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Gewichte und Preise das Brot durch die Gemeinde beschlagnahmt und an die Gemeindearmen ausgegeben wurde. Über den Fleischverzehr und die Nahrungsgewohnheiten haben sich keine schriftlichen Hinweise finden lassen, sodaß Vermutungen angestellt werden müssen. Der Fleischbedarf dürfte auch in Wolfurt, wie in allen Vorarlberger Gemeinden des 19. Jahrhunderts eher gering gewesen sein und die Ernährungsgrundlage aus Mehl- und Kartoffelspeisen bestanden haben. In einem Brief des Landgerichts Bregenz an die Gemeinde Wolfurt aus dem Jahre 1832 wurde festgestellt, daß neben der bereits erwähnten Brottaxe auch die vom Stadtmagistrat Bregenz festgesetzte Fleischtaxe in den Gemeinden nicht eingehalten werde. Ein Metzger wird in Wolfurt erst 1832 genannt, der vermutlich Lohnarbeiten ausführte. Über den Getränkekonsum und die Getränkeerzeugung in der Gemeinde sind ebenfalls nur wenige Nachrichten erhalten. Der im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so bedeutende Weinbau spielte im 19. Jahrhundert keine sehr bedeutende Rolle mehr und dürfte mit der Eröffnung der Arlbergbahn und der damit verbundenen Einfuhr von billigem Südtiroler Wein ganz zugrunde gegangen sein. Im Steuerbuch von 1785 werden beim Wirt Johann Haltmayer in der Vermögensaufstellung unter anderem der Weinvorrat im Keller und Reben genannt und auch bei den Privatpersonen Josef Anton Haltmayer und Amtsamman Josef Fischer werden Reben und Weinvorräte im Kellerals zu versteuerndes Vermögen aufgezählt.9 Im Kartenwerk vom Jahre 1857 wurden noch einige Weinberge in Wolfurt und in Rickenbach eingezeichnet. Viel wichtiger dürften damals die kleinen Bierbrauereien gewesen sein, die sich in den Gasthäusern befanden. 1853 suchte der «Rössle»-Wirt Caspar Haltmayer bei der Gemeinde um eine Bierbrauereikonzession an und erhielt vom Gemeindeausschuß auch die Genehmigung.10 Eine weitere Brauerei war die bis 1902 bestehende Brauerei des Johann Georg Fischer." Weiters spielte die Branntweinerzeugung in Wolfurt eine große Rolle. 1798 besaß der «Rössle»-Wirt Baptist Rohner eine Branntweinerzeugungskonzession und 1842 nahm der Gemeindevorsteher Martin Schertler in einem Brief an das Kreisamt Stellung zur Einfuhrzollerhöhung von Obstbranntwein. '2 Er erklärte darin, daß im Inland zu viel Fruchtbranntwein erzeugt werde, der Obstpreis dadurch heruntergesetzt 18 werde und daher den Bauern die Obstkultur nicht mehr am Herzen liege. Es könnte sich bei diesem Fruchtbranntwein um die heute noch bekannte Spezialität «Subircn> handeln. Die Branntweinerzeugung muß aber im allgemeinen historischen Kontext des 19. Jahrhunderts gesehen werden. In einem Akt des Kreishauptmann Ebner wird der Alkoholismus als das größte soziale Übel in Vorarlberg während des 19. Jahrhunderts genannt. Die Trinkwasserversorgung in Wolfurt hat sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung abgespielt und konnte mit dem enormen Bevölkerungswachstum und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.0 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Regenwasser hatte. Wegen diesem unhaltbaren Zustand kam es im Rössle zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, auf der die Suche nach einer Quelle für die allgemeine Wasserversorung beschlossen wurde. Im Zeitungsartikel wird die durch die Industrie stark zugenommene Bevölkerung als Grund für die Wasserprobleme genannt. Der Schwanen. Einstmals zentrales Gasthaus mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal. 19 1.6 Industrielle Betriebe in Wolfurt Im 19. Jahrhundert befanden sich in Wolfurt nur zwei industrielle Betriebe: die Spulenfabrik Zuppingcr und die Maschinenfabrik Doppelmayr. Der Gründer der Spulenfabrik Zuppinger war Konrad Zuppingeraus dem Kanton Zürich, der 1873 in Wolfurt eine kleine Holzspulenfabrik errichtete. Unter seinem Sohn Johann Walter wurden Filialbetriebe in Mähren und Bayern errichtet. In Wolfurt wurde die Produktion von Holzspulen 1909 eingestellt. Die Familie Zuppinger hatte auch Mühlen errichtet und nach Stillegung der Spulenfabrik den Mühlenbetrieb weitergeführt. Die Maschinenfabrik Doppelmayr geht auf die mechanische Werkstätte des Josef Dür zurück. Der Nachfolger Dürs, Konrad Doppelmayr, hat mit der Herstellung von Getrieberädern und landwirtschaftlichen Geräten den Anfang der Maschinenfabrik gemacht. Mit dem Eintritt Emil Doppelmayrs in die Fabrik im Jahre 1910 wurde das Produktionsprogramm auf Lasten- und Personenaufzüge erweitert. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erstellte die Fa. Doppelmayr in Zürs den ersten modernen Umlaufschlepplift Österreichs und spezialisierte sich daraufhin auf die Erzeugung von Skiliften. Bedeutende Textilbetriebe entstanden erst in den zwanziger Jahren in Wolfurt. 1.1 Landwirtschaft 1 Benedikt Bilgeri, Der Getzreideanbau im Lande Vorarlberg. Dornbirn 1947, S. 212—215 2 Mathias Schneider, Wolfurter Chronik. «Merkwürdige Begebenheiten». Manuskript. Gemeindearchiv Wolfurt 3 Vorarlberger Volksblatt 10. 10. 1929 4 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbücher 5 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1870. Innsbruck 1871, S. 8 Ergebnisse der in Vorarlberg am 31. 12. 1910 vorgenommenen Volks- und Viehstandszählungen. Bregenz 1911. S. 3 6 Gemeindeausschußprotokoll 16. 11. 1869, zukünftig mit GAPr abgekürzt 7 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1872. Innsbruck 1873, S. 29 8 GAPR 5. 2. 1873 9 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1871. Innsbruck 1872, S. 49 10 GAPR 28. 3. 1897 11 GAPR 6. 9. 1898 12 GAPR 29. 10. 1898,22.9. 1899 und 23. 10. 1899 13 GAPR 17. 3. 1897 und 28. 3. 1897 1.2 Handwerk 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Steuerbücher Gemeindearchiv GAPR 17. 11. 1880 Handelskammer Feldkirch, Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1904, S. 46 Vorarlberger Landesarchiv, KOA 1 Seh 104, Nr. 111, 1791. Landesarchiv wird mit VLA abgekürzt werden Gemeindearchiv Wolfurt Seh 1800 Vorarlberger Volksblatt 9. 5. 1884 Vorarlberger Landbote 23. 1. 1885 Feldkircher Zeitung 15. 10. 1885 GAPR 23. 10. 1899 GAPR 22. 11. 1899 Österreichische Statistik, Band 77, S. 176 GAPR 27. 3. 1906 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1909, S. 112 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1912, S. VII GAPR 23. 10. 1899 1.3 Textilverarbeitung 1 Kaspar Schwärzler, Tabelle über die in der Graf- und Herrschaft Bregenz und Hohenegg befindlichen Fabriken. Manufakturen und Commercialprofessionisten 1767. In: Archiv für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs 1906/7. S. 58 2 Gemeindearchiv Wolfurt, Vermögenssteuerverzeichnis 1762, Folio 49 und Folio, S. 177 3 Schwärzler, Tabelle S. 57 20 21 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 144 VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KA 1 Seh 239 Gemeindearchiv Wolfurt, wie 12 Steuerbuch 1795 Waisenbuch Wolfurt, I./5 Folio 413 und I./6 Folio 324 Steuerbuch 1794 Siegfried Heim Vermögenssteuerverzeichnis 1815 Schachtel 1800 1.4 Stickerei 1 2 3 4 5 7 8 9 VLA, KA II Seh 38. IV 1931 + IV 2404, Stickstückferker Ansuchen aus Wolfurt 1857 GAPR23. 10. 1899 Ferdinand Schneider, Wolfurter Chronik, Original Gemeindearchiv Wolfurt. S. 227 Gerhard Alge, Die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Vorarlberger Stickerei bis 1914 und ihre Beziehung zur Schweiz. Diplomarbeit Wien 1978, S. 36 und 54 Schneider Chronik s. 230 Vorarlberger Volksblatt 4. 1. 1900/6 Schneider, Chronik S. 233 und 234 Bericht Gewerbeinspektorat 1885, S. 406 Feldkircher Zeitung 30. 1. 1892 und Gewerbeinspektorat S. 407 Schneider Chronik S. 189 Feldkircher Zeitung 12. 11. 1892 1.5 Händler und Nahrungsmittelversorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1785, Folio 34 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1794, Folio 28 VLA, KOA 1 Seh 145 VLA, KOA 1 Seh 145, Kommerz 1804 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1840 VLA, KA 1 Seh 516 Zoll Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800, Gewerbe, 1838 Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800 Steuerbuch 1785, Folio 306 + 332 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschluß Nr. 10, 1853 Einkommenssteuerverzeichnis 1873 und Heinrich Wurm, Historisches Verzeichnis der Österreichischen Braustätten und Brauereifirmen. Linz 1980, S. 81 12 VLA, KA 1 Seh 526, Zoll 3374 13 Vorarlberger Landbote 10. 2. 1893 Dieser und einige folgende Artikel sind teilweise aus Schriften zur Vorarlberger Geschichte zusammengetragen. Für besonders interessierte Leser schreibe ich sie hier auf: ( 1) Bilgeri, Geschichte Vbg., 1971-86 ( 2) Bilgeri, Getreidebau, 1948 ( 3) Burmeister, Geschichte, 1980 ( 4) Burmeister, Landesmuseumsverein 125/1982 ( 5) Burmeister, Die Wolfurter, 1984 ( 6) Heim, Zeittafel, 1985, Heimat Wolfurt 1 ( 7) Heim, Steußberg, 1983 ( 8) Heim, Schlösser, 1983 ( 9) Heim, Jüngste Marktgemeinde, 1982 (10) Kleiner, Hofsteiger Landsbrauch, 1902 (11) Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952 (12) J. Heinzle, Ortskunde, 1967 (13) Bernhard, Jungbürgerbuch, 1978 (14) Heimatbuch Lauterach, 1953 und 1985 (15) Häfele, Bilder aus der Geschichte, 1922 (16) Gunz, Familienchronik, 1892 (17) Pfarrer Feurstein, Seelenbeschrieb Ia, 1760 (18) J. Walser, 400 Jahre Pfarre, 1912 (19) Anwander, Pfarre St. Nikolaus, 1931, Holunder 30 (20) Weizenegger-Merkle, 1839 (21) Rapp, Generalvikariat, 1896 (22) «Hofrieden» im VLA Anmerkungen im folgenden Text beziehen sich auf diese Quellen. Ackerbau in Hofsteig Bis zum Jahre 700 n. Chr. hatten die Alemannen das Unterland bis zum Kummenberg besiedelt, während im Oberland weiterhin die Rätoromanen fest verwurzelt waren. An der Kummen-Grenze trafen sich auch die Einflußsphären des Bistums Konstanz im Norden und des Bistums Chur im Süden. Durch Jahrhunderte blieb diese Teilung bestehen. Der Unterschied reichte in die Belange von Wirtschaft, Recht und Kultur hinein. (13/Seite 14) Benedikt Bilgeri weist in seinem «Getreidebau» diese Grenzen auch im Ackerbau nach.(2) Lange Jahre gehörte das Unterland zum «Vesen»-Gebiet der Alemannen im Bodenseeraum, das Oberland aber zum Gebiet des «Mischkorns», das sich über Liechtenstein nach Graubünden fortsetzte. Bregenzerwald und Allgäu aber bildeten aus klimatischen Gründen das «Haben>-Gebiet, zu dem als Ausnahme in der Ebene auch noch Hofsteig gezählt werden muß. 23 22 Die Milchwirtschaft spielte im Lande schon seit der Keltenzeit eine beachtliche Rolle, auch Obst- und Weinbau besaßen neben der Schweinezucht eine gewisse Bedeutung. Den Hauptanteil bei der Ernährung trug aber immer der Getreidebau Acht Getreidesorten wurden in Wolfurt angebaut: Vesen, Däntel, Weizen, Hafer, Roggen, Gerste. Hirse und Türken. 1. Vesen, «feaso», «Spelz», «Dinkel», auch einfach «Korn» genannt, ist ein widerstandsfähiger Winterweizen, bei dem die Körner wie bei Gerste mit dem Spelzblättchen verwachsen sind und von diesen Hülsen vor dem Mahlen befreit werden müssen. Enthülste Früchte heißen dann «Kernen». Drei Malter Vesen ergaben nur ein Malter Kernen. Für die Alemannen war Vesen weitaus das wichtigste Getreide. Sie hatten den Vesenanbau von den Römern übernommen (Getreidefund aus dem 1. Jhdt. in Brigantium), doch findet sich Vesen auch schon in Schweizer Pfahlbauten. Ins Oberland drang der Vesenanbau erst im 17. u. 18. Jhdt. vor. Aus Lustenau und Höchst wurde lange Zeit Vesen-Saatgut ins Schwabenland exportiert (Weizenegger-Merkle). Während Vesen im übrigen Österrreich unbekannt war, gab es in Vorarlberg noch 1913 mehr Vesen als Weizen im Verhältnis 165 ha zu 101 ha. 1944 wurden nur mehr 8 ha Vesen angebaut. Seither ist der alemannische Weizen bei uns verschwunden. In Niederösterreich wird Dinkel aber in allerneuester Zeit für die «Hildegard-Medizin» angebaut. Die Heilige Hildegard von Bingen (1098—1179), die große Mystikerin und Naturwissenschaftlerin, setzte das Dinkelkorn an die Spitze ihrer Ernährungslehre und pries seine Vorzüge an. Ihre Anhänger suchen heute wieder im einfachen Essen mit DinkelVollkorn Gesundheit und Kraft. 2. Däntel (auch «Dintel» genannt, nicht verwechseln mit Dinkel-Spelz), ist ein Winterweizen mit starken Grannen und Einzelkörnern («Einkorn»). Er läßt sich als ältester Weizen schon in der Steinzeit nachweisen und hatte in Vorarlberg das gleiche Verbreitungsgebiet wie Vesen. Im übrigen Österreich war er unbekannt. Um 1850 wurde er in Wolfurt noch angebaut. Der Müller Gunz berichtet in seiner Chronik, daß man damals aus Vesen und Däntel nur 40 % Mehl mahlte, während der neu eingeführte Weizen 75 % Mehl ergab. Der Rest wurde allerdings noch einmal untergeteilt in Kleie und das grobe «Jaumehl», aus dem sparsame Hausfrauen noch Hafenlaib kochten. Seit 1930 ist der Däntelanbau ganz verschwunden. 3. Weizen, vor allem der Zweikorn-Weizen «Emmer», wurde von alters her im Oberland angebaut, am häufigsten allerdings als «Mischkorn» oder «Halbkorn» mit Roggen vermischt. Erst im 19. Jhdt. setzten sich neue Weizensorten durch und verdrängten mit ihrem höheren Ertrag die alten Sorten Vesen und Däntel. Durch Getreide-Importe aus Ostösterreich, Frankreich, Argentinien, Kanada und anderen Staaten ist der mit Unwetter-Risiko behaftete Weizenanbau im Lande Vorarlberg seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu ganz verschwunden. 4. Hafer, «Haber», wurde aus klimatischen Gründen in höheren Lagen angebaut, wo Vesen nicht mehr gedieh. 1576 berichtet Junker Hans Georg v. Wolfurt «Zue Alberschwendi gibt man in dem großzehenden keine andre frucht als haber.»(2/200) Auch Schleh schreibt 1616 in seiner Emser Chronik (S. 28) «Ob Alberschwendi liegt das Gericht Lingenaw, dessen Kirchensatz auch dem Abt von Bregenz gehörig, beyde Wilde Bergechte örther jedoch ohne Felsen allda kein ander Frucht als Haber wachßt.» Vom Steußberg (Bildstein und Buch) erhielt das Kloster Mehrerau 1601 nur 4 Viertel Vesen, aber 149 Viertel Haber als Zehent. Auch 1817 bestand die Steußberger Getreideernte noch zu 95% aus Haber nämlich 3800 von 4034 Vierteln. Getreidemaße: Ein Bregenzer Viertel faßte 21,5 Liter Kernen, d. s. etwa 13 kg, ein Feldkircher Viertel faßte 24,9 Liter, ein Alberschwender Viertel 30,6 Liter. Jedes Gericht, ursprünglich jeder Hof, hatte seine eigenen Maße. 1 Viertel sind 4 Vierling (zu je 5,4 Liter), 4 Viertel sind 1 Scheffel (86 Liter). 8 Viertel sind 1 Malter (172 Liter). In Bregenz gab es allerdings auch noch einen großen Malter von 18 Vierteln (demnach 387 Liter). Im 19. Jahrhundert wurde das Viertelmaß verdrängt. Jetzt galt: 1 Metze faßt 2 Staren, das sind 61,5 Liter (2/181). In Wolfurter Bauernhäusern findet sich noch heute der mit Brandzeichen geeichte halbe Staren für etwa 15 Liter Körner. Gunz berichtet: «Das Getreide wurde gemessen mit Staren, Vitel (so sagte man in Wolfurt zum Viertel) und Vierling. Ein Star hatte ungefähr 42 alte Pfund oder 19 kg». (16/170) 24 25 Zurück zum Haberanbau. Während im Unterland fast überall Vesen das Hauptgetreide für das tägliche Brot war, bildete das konservative Hofsteig eine Ausnahme. Hier stand Haber an der ersten Stelle. Von 1447 steht im Mehrerauer Zehentbuch aufgeschrieben: «acht malter haber und vier malter vesen, alles Bregentzer meß, nämlich in dem dorffe zuo Wolfurt.» Ein ähnliches Verhältnis gilt vom hofsteigischen Schwarzach, das 1603 nördlich des Flusses 33 Viertel Haber und nur 11 Viertel Vesen abführte, während der Zehent an die Emser Grafen in dem zu Dornbirn gehörigen südlichen Teil umgekehrt zu 8 Viertel Haber 32 Viertel Vesen betrug. (2/206) Auch als in Wolfurt um 1870 der Türken zum Hauptgetreide geworden war, so daß «Stopfar» und «Hafoloab» nicht mehr aus Vesenmehl, sondern aus Türkenmehl und Türkengrieß gekocht wurden, gab es am Morgen noch ab und zu ein Habermus, «. . . dann ist man auf den ganzen Tag gefüttert.» (16/156) Noch 1938 kochte uns unsere alte Großtante Karolina manchmal ein dickes Habermus oder einen Haberstopfer, sonst galt damals Hafer eigentlich nur als Pferdefutter. Als 1888 Pfarrer Kneipp in Wörishofen den Bohnenkaffee verdammte und Malzkaffee empfahl, begann Plaze Gunz in Rickenbach für die allerorts entstehenden Kneippvereine Hafer zu Malz zu rösten. Die erste Malzrösterei Vorarlbergs war ein gutes Geschäft, bis sie nach fünf Jahren der Konkurrenz von Kathreiners Malzkaffee unterlag. Aber noch einige Zeit wurden Hafer als Farbmalz für dunkles Bier und sogar Roggen als KaffeeErsatz für die Kneippianer geröstet. Den Rauch roch man bis Schwarzach. (16/429, 434 u. 521) 5. Roggen wurde bis ins 18. Jhdt. im Unterland noch fast gar nicht angebaut, im Oberland meist nur als Halbkorn mit Weizen vermischt. Auch im 19. Jhdt. blieb der Roggenanbau im Land unter 10 % der Getreidefläche. Erst der Getreide-Import mit der Arlbergbahn machte um das Jahr 1900 das billige Schwarzbrot zum täglichen Brot. Der Müller Gunz berichtet im Jahre 1895 vom billigen Importgetreide, daß 100 kg bester Weizen franko Schwarzacher Bahnhof nur noch 9 bis 12 Gulden (samt Sack) kostete, Roggen gar nur 6.50 bis 8 Gulden und Türken sogar nur 5.50 Gulden (16/346). 6. Gerste wurde ursprünglich wie Weizen auch nur im Oberland angebaut, vor allem im Montafon. Weit verbreitet war im Oberland die «Mengfrucht», eine Mischung von Gerste und Hafer, auch «Mischelkorn» oder «Rauchkorn» (= rauhes Korn) genannt. Sehr spät wurde in den Hanglagen im Unterland etwas Gerste angebaut. So meldete Streußberg im Hungerjahr 1817 die Ernte von 90 Vierteln Gerste. Das waren aber nur 2 % der Getreideernte, die damals ja noch fast zur Gänze aus Hafer bestand. Ob der Adlerwirt J. Gg. Fischer, der von 1874 bis 1906 in Rickenbach in seiner Waschküche das erste Bier für die Wolfurter braute, dazu eigene Gerste röstete oder Malz kaufte, konnte ich nicht mehr feststellen. Die Gunz-Mühle hatte ihre Gersten-Stampfe schon 1852 eingehen lassen, in der HolzMühle konnte man noch bis 1920 seine Gerste «rollen» lassen. Dabei wurde sie von den Hüllspelzen befreit, so daß man daraus mit Bohnen und rußigem Speckdie in Wolfurt noch heute so beliebte «Kichoro»-Suppe zubereiten konnte. 26 7. Hirse läßt sich als Getreide zwar schon in den Pfahlbauten nachweisen und wurde auch im Mittelalter im ganzen Land angebaut, aber niemals in den Getreide-Eschen, sondern nur wie Hanf, Flachs und Rüben am Rand der Flur in kleinen «Ländern», also eingezäunten Gärten. Daher war Hirse auch nicht Großzehent-pflichtig, sondern wurde mit dem Kleinzehent besteuert, der meist in bar bezahlt werden konnte. Aus Hirse kochte man Hirsebrei, nur ganz selten backte man Brot daraus. Es gab Rispenhirse «Hirsch» und Kolbenhirse «Fenk». Beide sind im 18. Jhdt. verschwunden, in Hofsteig schon viel früher. Jedenfalls heißt es in Mehrerau 1577 vom Hofsteiger Kleinzehent, daß man ihn «von Obst, Rüben, Bohnen, Erbsen, Hanf und Werk (= Flachs) und sonst von nichts mehr geben müsste». (2/80) «Türggo-Usmacho» bei Familie Reiner an der Lauteracherstraße 8. Mais, «Türken», Welschkorn. Mais stammt aus Amerika und war daher wie auch die Kartoffel im Mittelalter bei uns noch völlig unbekannt. Aber schon um 1600 tauchte das Welschkorn aus Italien, wo es «gran turco» genannt wurde, über die Pässe in Tirol und 1650 in der Schweiz auf. Von dort verbreitete er sich bis 1710 über das ganze Rheintal, aber wegen der Dreifelderwirtschaft konnte er nur in Bündten und Gärten, nicht aber in den großen Getreide-Eschen angebaut werden. Türken brauchte viel mehr Pflege als die alten Getreidesorten Vesen und Haber und reifte selbst im iöhnbegünstigten Rheintal so spät, daß die althergebrachte Brachweide im Herbst unmöglich wurde, wenn sich der Türkenanbau ausweitete. Andererseits konnte sich Vorarlberg am Ende des 17. Jhdts. nicht mehr selbst ernähren. Krieg, Mißernte und Einquartierung von Soldaten führten zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 an die Regierung (2/85): 27 «. . . dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt b'ettlendt vor der thür suechen müessen . . . » « . . . zue deme mueß sich disses rauhe bergige landt mit handarbeiten, alß von villenmaurern, zimmerleuthen und stainmetzen, außerhalb des vatters thür, als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt hin ernehren und erhalten, gestalten, daß allejahr, so ich allergnawist bißher beobachtet, über die 7 bis 8000 alte und jungeleuth, kinder, bueben und megdlein, welch letztere mit spinen und viechhüetten sich ernehren müessen, außer dem landt begegen.» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! Es wurde noch schlimmer. Als Ludwig XIV. 1681 das Elsaß besetzte und 1689 bis 1697 der Pfälzische Krieg in ganz Süddeutschland wütete, mußten die Vorarlberger Saisonarbeiter zu Hause bleiben, wodurch die Not ganz unerträglich wurde und zu Raub und Totschlag führte. Ein Hofsteiger Gerichtsprotokoll schreibt 1689: « . . . eine solche ellendt betriebte zeit...» (2/88) Hunger tut weh und macht erfinderisch: Weitere Rodungen waren nicht mehr möglich, denn der ganze Vorderwald war schon ein Getreideland. Der Flächenertrag mußte gesteigert werden! Das konnte nur mit dem neuen Welschkorn gelingen. Aber dann mußten zuerst Brachfeld und Brachweide aufhören. Um das Jahr 1700 kam es überall im Land zu Mißständen. Ammänner und Richter mißbrauchten vielfach ihre Stellung in Eigennutz und Verwandtenwirtschaft. Durch private Nutzung und Verschwendung schmolz auch der Gemeinbesitz des Gerichts Hofsteig an Weide und Wald zusammen. Das Gericht beschaute keine Zäune und Gräben, man befolgte die Satzungen des Hofsteiger Landsbrauches nicht mehr. Die Reichen drangen mit Düngung und zweimaligem Mähen auf Kosten der Armen ins gemeinsame Weideland vor. (1/III/222 ff.) Die Unzufriedenheit des «Gemeinen Mannes» führte zu bösen Auftritten gegen die Richter und den Ammann. Als Sprecher der einfachen Leute verfaßte Georg Roner von Wolfurt eine Anklageschrift und suchte Hilfe beim Kaiser in Wien. 1706 kam es sogar zum bewaffneten Aufstand. Eine Änderung der Verhältnisse trat aber erst ein, als Georg Roner selbst 1710 und noch einmal 1713 zum Hofsteig-Ammann gewählt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Almenden des Gerichts auf die einzelnen Dörfer verteilt, nur der Ippachwald, die Auwälder an der Ach und das Ried blieben noch fast 100 Jahre im Gemeindebesitz. (1/III/232 und 273) Die Esche wurden auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Jetzt stand dem privaten Maisanbau nichts mehr im Wege. Die Anbauflächen stiegen ständig. 1727 weigerten sich die Hofsteiger noch, von der neuen Frucht, die bisher mit Kleinzehent besteuert worden war, von nun an Großzehent in natura abzuliefern, mußten aber schließlich doch den Zinsknechten den zehnten Kolben samt Stroh überlassen. Im Mehrerauer Zinsbuch von 1731 steht: «Allda wird das der Orten vor wenig Jahren entstandene und eingeführte Welschkorn unter den Großzehent gerechnet, daher in natura bezogen.» (Bilgeri, Holunder 1927/42) 28 In Wolfurt stieg der Welschkorn-Zehent von 78 Vierteln im Jahre 1732 auf 126 Viertel 1761. (2/93) 1817 übertraf in Wolfurt die Türkenernte mit 1620 Vierteln schon deutlich die Haberernte mit 1280 Vierteln. An der Spitze lag noch immer der Vesen mit 3250 Vierteln. Aber das allmorgendliche Habermus wurde langsam vom Türkenmus und schließlich vom TürkenStopfer verdrängt. Dazu eine Tabelle über die Getreideernte von Wolfurt im Notjahr 1817 im Vergleich mit den Nachbargemeinden. Ernteergebnisse 1817 in Vierteln (1 Viertel ist rund 13 kg). Vesen Wolfurt Lauterach Schwarzach Steußberg Kennelbach 3250 5850 1000 Haber 1280 2080 Dintel 1125 1530 Gerste Türken 1620 2120 unbekannt 100 3800 90 300 250 220 54 30 0 0 0 90 0 0 20 (2/65 ff) Eines von den 200 Wolfurter Bauernhäusern: Waibels in Unterlinden. Ein riesiger «Ufzug» für Vesen- und Türken-Korn und ein großer Keller für Obst, Kartoffeln und Most. 29 Das waren schon beachtliche Türken-Ernten, aber sie verdoppelten sich in den nächsten Jahrzehnten noch. 1840 hatte der Maisanbau im Lande alle anderen Getreidesorten hinter sich gelassen: Jetzt erntete Vorarlberg bereits 80.000 hl Mais gegenüber 55.000 hl Vesen und Gerste. (Bilgeri, Holunder 1934/20) Noch mehr verschob sich das Bild bis 1884. Aus diesem Jahr liegt eine detaillierte Angabe der Anbauflächen Vorarlbergs vor. 1783 ha Türken im Rheintal und im Walgau 883 ha Weizen im Rheintal. vor allem im Oberland 507 ha Vesen (Spelz) im Unterland 504 ha Gerste überall, vor allem im Montafon 458 ha Haber vor allem im Raum Bregenz 285 ha Roggen überall zerstreut 232 ha Mengfrucht Getreidemischung im Oberland 51 ha Halbfrucht Getreidemischung im Oberland Im Jahre 1884 hatte aber der Getreideanbau in Vorarlberg seinen Höhepunkt bereits überschritten. Als ab 1872 die Vorarlbergbahn ganze Schiffsladungen von Getreide zu den Mühlen brachte, und als gar 1884 der Arlbergtunnel als Tor zu den Kornkammern der Monarchie eröffnet wurde, ging der Getreideanbau im klimatisch benachteiligten Vorarlberg schnell zurück. Das zeigt sich am deutlichsten am Beispiel Türken, der doch mit -Riebel («Brösel». «Stopfar») und «Hafoloab». aber auch mit Polenta und Türkenmus die Mägen und Herzen der Vorarlberger erobert hatte: Das Rekordanbaujahr war 1896 mit 1832 ha Mais gewesen (2/82) 1884 waren es noch 1783 ha, 1913 waren es noch 1174 ha, 1933 nur mehr 241 ha. Durch den Zweiten Weltkrieg stieg die Anbaufläche noch einmal bis 1946 auf 547 ha. Dann verschwand der Türken bis 1955 fast völlig aus den Feldern. Heute bauen wieder manche Bauern Mais als Viehfutter an. Die Maismühlen findet man aber nur mehr in winzigen Modellen bei Hobby-Gärtnern und Kneipp-Vereinen. Der Müller Lorenz Gunz berichtet noch allerlei Interessantes in seiner Chronik: «Wie mein Großvater Lorenz Dür noch jung war (um 1800) sind die Bauern, wenn sie die Saat im Boden hatten, im Mai auf den Bühel hinaufgelegen und haben gesungen und gejodelt.» (16/225) «Im Herbst hatte man den Keller voll Kartoffeln, eine Stande voll Rüben, eine Stande voll Kraut, ein Schnitztrog hat nicht gefehlt («Schnitz» = gedörrtes Kernobst). Und dann hat man ein Schwein geschlachtet, oder zwei bis drei Bauern mitsammen eine Kuh. Den ganzen Aufzug (= Dachboden) voll Türkenkolben, auch ganze Tröge voll Weizen, Fese (= Vesen), Roggen und für die Pferde etwas Hafer. Die Bauern haben sich gesagt, wenn alles unter Dach und Fach gebracht war, jetzt laßt den Winter nur kommen. Die Bauern sind nach dem Futtern aufden Ofen gesessen und haben sich die Pfeife gestopft und haben Most und Schnaps getrunken . . .» (16/155) 30 Angebaut wurden «Das Brot wurde meistens selber gebacken. Kaffee gab es nicht. Am Morgen gab es ein dickes Türkenmus oder eine solche Suppe aus Hafer oder Türkenmehl mit gerösteten Kartoffeln zur Suppe. Ab und zu am Morgen ein Hafermus . . . Damals (um 1870) hat sich der Morgenkaffee mit Stopfer schon etwas vorgedrängt. Wenn im Sommer die Männer morgens im Feld gemäht haben, nahm die Hausfrau die Muspfanne auf den Rücken und die hölzernen Löffel in den Sack und trug das Frühstück ins Feld.» (16/156) Das Ried 1971. Flotzbach und Nöüwiesa waren bevorzugte Ackerflächen. Heute steht hier im Streuegebiet im Kupferloch der Güterbahnhof. Die Müller sammelten mit einem Pferdefuhrwerk die Bauernstumpen (kleine Getreidesäcke), jeder Sack war mit der Hausnummer gekennzeichnet. Beim Mais war auch noch ein kleiner Kleie-Säck dabei. Die Bauern brachten 10 bis 25 kg Mais zum Mahlen... Als Mahllohn nahm der Müller 1/16 Anteil vom Mehl. Die Bauern zweifelten oft an der Ehrlichkeit. (16/170) Ursprünglich mußten alle Hofsteiger ihr Getreide in Lauterach mahlen lassen, doch bald bekam auch die «hundsmühle» in Rickenbach ähnliche Rechte. Auch der Kellhof besaß eine Mühle im Tobel (der«Melber»), und zum Schloß gehörte eine Mühle im Holz. Am Ende des 18. Jahrhunderts finden wir eine Mühle im Rickenbacher Oberdorf und die Riedmühle im Kessel. Später entstanden eine zweite Mühle im Holz (bei der alten Schmiede) und Dreihers Mühle in Unterlinden, die zuletzt noch ein Sägewerk betrieb. Die Sippe Dür— Gunz erbaute um 1850 zwei Mühlen am Rickenbach, von denen sich eine zur Großmühle Gunz mit der Niederlassung in Bludenz entwickelte. 31 Um 1890 hatte schließlich auch noch J. W. Zuppinger zu seiner Spulenfabrik im Kessel eine turbinenbetriebene Großmühle erstellt. Nicht zu vergessen sind Hilaris Mühle auf dem Bühel und Zehrers elektrische Mühle im Strohdorf, die während der beiden Weltkriege viele Wolfurter Haushalte belieferten. Heute sind sie alle verschwunden. Kartoffeln («Erd-Öpfol», «Grumbbora», in Wolfurt sagt man «Bodo-Biera») 1530 kamen die Knollenfrüchte aus Südamerika nach Spanien. 1588 trafen sie als botanische Seltenheiten in Wien ein und 1594 in Frankfurt. Aber schon 1680 wurde die Kartoffel in Ostösterreich feldmäßig angebaut (Niedl, Alpenländische Wirtschaftsforschung 1972) In der Schweiz wurde sie ab 1730 angebaut und auf vielerlei Arten gegessen: gesotten, gedörrt, als Mehl, Brot oder Brei. Ähnlich wie bei uns lag sie aber dort noch 1790 mit Kürbis, Bohnen, Kraut und Rüben weit hinter den vielen Getreidearten zurück. Erst die vom «bleichen Kometen von 1769» angekündigten Hungerjahre 1770—1773 verhalfen der Kartoffel zum Durchbruch. (Bündner Monatsblatt 1982/117) In Wolfurt gaben die Verteilung der Felder anfangs des 18. Jahrhunderts, die Kultivierung der Insel und der Löcher 1773 und schließlich noch die Riedteilung 1798 den Bauern die Möglichkeit, neue Äcker anzulegen und mit den neuen Feldfrüchten Mais und Kartoffeln den Hunger zu besiegen. Das Jahr 1817 brachte durch Überschwemmung und Hagel im Vorjahr noch einmal eine Hungerkatastrophe, bei der viele Kinder sterben mußten. Wucherer sollen damals das Mehl mit Gips «gestreckt» haben. Dann aber stieg der Kartoffelanbau sprunghaft an und übertraf 1840 schon alle Getreidearten zusammen um das Dreifache. Auch als durch Getreideimporte ab 1870 der Ackerbau stark zurückging, konnte sich die Kartoffel im Lande halten und wurde zum weitaus wichtigsten Nahrungsmittel. Noch bis in die Mitte unseres Jahrhunderts beherrschte sie im bäuerlichen Haushalt den täglichen Mittags- und Abendtisch. So wie es in Wolfurt jeden Morgen «Stopfar» gab, kamen auch jeden Abend «brotene Bodo-Biera» auf den Tisch. Mittags aber gab es «gsottene Bodo-Biera» als Pellkartoffeln oder als Salzkartoffeln, Kartoffelknödel, Kartoffelpüree oder als Fastenspeise, Kartoffelnudeln oder Kartoffelküchle. Daneben bewährte sich die vielseitige Knollenfrucht aber auch noch als hervorragendes Mastfutter für Schweine und Hühner. Ab 1950 verschwanden nach den Weizen- und Maisäckern bald auch die Kartoffelfelder fast zur Gänze aus unserer Gemeinde. Man brauchte 1000 Bauplätze, dazu Ziergärten und Straßen. Erst in den letzten Jahren kündet sich eine Trendwende an. Da und dort gräbt wieder einer den Zierrasen um, stupft ein paar Zeilen Saatkartoffeln in die Erde und freut sich auf die Ernte im eigenen Acker. Weinbau in Wolfurt Im Lande Vorarlberg ist der Weinbau nahezu verschwunden. Nur wenige winzige Weinberge in Feldkirch und Röthis und einzelne Anlagen von Hobby-Winzern in Klaus und bei Bregenz sind geblieben. Am Ende des Mittelalters war das anders. «Weder der Ackerbau noch die Viehzucht beherrschten die Wirtschaft, vielmehr der Weinbau.» Weinhandel war der einträglichste Erwerbszweig der Stadt Bregenz. (Nägele im Heimatbuch Lauterach, 14/113) «Die Anlage von Rebenpflanzungen und ihre Pflege, die Kelterung und Aufbewahrung des Weines waren durch die Römer in Vorarlberg bekannt geworden» (Schwarz, Hkd. 1949). 32 Schloß Wolfurt um 1855. Das Bild zeigt noch den Weinberg am Südhang. 1856 wurde das Schloß vom Schloßbauern Xaver Köb an Jakob Hutter aus Bregenz verkauft, der es völlig umbaute und die Schloßgasse neu anlegte. (Zeichnung von August Kayser) Besonders im Feldkircher Raum hatte sich der Weinbau ausgebreitet, aber ab 800 n. Chr. läßt er sich nach St. Galler Urkunden auch in der Bregenzer Gegend und rund um den Bodensee nachweisen. Die Grundherren förderten den Anbau, vor allem waren es die Klöster St. Gallen und Mehrerau, aber auch reiche Bürger der Stadt Bregenz. Die Auwälder an der Ach waren im Besitz der Grafen von Bregenz. Obwohl die Hofsteiger hier Weiderechte besaßen, vergaben die Montforter große Teile der Wälder als Lehen zur Rodung, so daß dort Äcker und Weinberge entstanden. (Bilgeri, Hard 1955/106) Die Weinberge in der Ebene mußten allerdings durch massive Mauern gegen die häufigen Überschwemmungen geschützt werden. Sie hießen «Bitzen.» Ein solches Bütze-Weingut in der Größe von 4 Juchart/das sind etwa 180 ar) gehörte zum Emser Kellhof im Wolfurter Kirchdorf. Dort wuchsen noch bis 1810 Reben. Die letzten Bützemauern wurden erst 1978 zum Bau der neuen Raiffeisenbank abgerissen. Aus dem Kirchdorf-Brunnenbrief kennen wir auch einen Weinberg des Edlen Jakob auf Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1517. Die Emser Chronik schreibt 1616 von der Umgebung von Schloß Wolfurt: «In dieser gegne herumb hat es einen schönen Weinwachs und da sollicher (welchen man der gelegenheit nach Bregentzer nennt) reyff und gut wirdet, so ist er allenthalben gerahten, dann es selten beschicht». Der «Bregenzer» wuchs also zum größten Teil in Wolfurt und Lauterach. Im Jahre 1603 lieferte die Stadt von ihren Weinbergen nur 530 Hektoliter des köstlichen Getränks, ebensoviel kam aus Hofrieden, aber aus Hofsteig das dreifache (Holunder 1930/50). Der Wein wurde bis Augsburg gehandelt. Aber die «Seeweine» aus Bregenz galten als weniger gut als die «Bergweine» des Oberlands (Röthner und Ardetzenberger). Die SeeTraube war weiß, der Wein herb, sauer, jedoch sehr haltbar. (Weizenegger-Merkle, 1839) 33 Wegen der Klimaverschlechterung ging der Weinbau ab dem 16. Jahrhundert zurück. Schon 1537 warfen die Bregenzer den Hofsteigern vor, daß ihr Wein schwer verkäuflich sei. (1/III/433-23) Auch Hans Georg Edler von Wolfurt berichtet 1580 «die reben erfrüren». Und 1595 wurde gar in Bregenz die Hofsteiger Frau Anna Martin als Hexe gefoltert, bis sie gestand, sie habe sich dem Teufel ergeben und den Weinberg in der «Bütze» mit einer Teufelssalbe verdorben. (Bilgeri, «Bregenz»/226) Aber noch lange gehörten neben dem Weinbau das Küferhandwerk und die Lieferung von Rebstecken zu den Erwerbsquellen der Hofsteiger, bis im 19. Jahrhundert Schädlinge, Pilzkrankheiten und vor allem der durch die Eisenbahn erleichterte Wein-Import die Torggel gänzlich verschlossen. Die Chronisten Engelbert Köb und Lorenz Gunz nennen noch die letzten Weinberge, die sie aus ihrer Jugend (um 1880) kannten: Schloßbühel, Narrenberg, Rutzenberg und Kella. Bei der Zählung von 1880 wies Wolfurt als einzige Hofsteiggemeinde noch 2 1/2 Joch Weingärten auf (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887). Auch die Skizze von Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1855 zeigt noch den Weinberg auf der Südseite. Der letzte war wohl der Weinberg am Kirchbühel im Tobel, den Pfarrer Sieber noch 1882 betreute. (16/442 und Köb 65) Heute erinnnern nur noch die Straßennamen Rebberg und Wingertgasse an die einst für Wolfurt so wichtigen Reben. vergessen, daß bei der Felderverteilung 1773 und bei der Waldverteilung 1795 die Ernte von Eicheln und Wildobst-Bäumen ausdrücklich ausgenommen und der Allgemeinheit vorbehalten wurde. Nach der Grundstückverteilung nahm der Obstbau am allgemeinen Aufschwung teil. Beim Rückgang des Ackerbaus und Weinbaus im 19. Jahrhundert erreichte er seinen Höhepunkt. In den freigewordenen Äckern rund um das Dorf wuchs innerhalb einiger Jahrzehnte ein riesiger Obstwald heran. Allein J.W. Zuppinger, der die großen Streuegründe im Schlatt gekauft und entwässert hatte, soll dort mehr als 2000 Obstbäume gesetzt haben (Gunz 16/25). Zuppinger begründete mit dem Lehrer Rädler eine Fortbildungsschule für Landwirte und einen Obstbauverein. Jetzt verschwanden die alten «Kriechen»-Steinobstsorten zugunsten süßer Zwetschken und Pflaumen. An den sonnigen Hauswänden trugen wieder Reben ihre süßen Früchte. In den Haus-Gütern aber pflegte man eine bunte Vielzahl von Obstsorten mit speziellen Eigenschaften als Früh- oder Lagerobst, zum Dörren oder zum Mosten. Da gab es zahlreiche, gegen Schädlinge widerstandfähige Apfelsorten wie Jockobacher, Brenntowinar, Schmelgar, Broattatscher, Hindorhusar, Süoßlar, Türko-, Dafad-, HerroÖpfol, Leodorar, Isnar, Brünnorling, Schwarzacher u.v.a. Die bekanntesten von den in Wolfurt heimischen Birnensorten waren wohl Konstanzar-Länglar, Strick-, Lang-, Wiß-, Rößle-, Höubiora, Wittfeldora, Döübola, Kaisorbiora, Wigärtla, Fleisch- und Klosobiora. Aber jeder alte Wolfurter Bauer könnte noch andere aufzählen. Frischobst deckte den Vitaminbedarf der Familie im gemüsearmen Winter. Das auf dem sonnigen Vordächle der Rheintalhäuser oder im Ofenrohr getrocknete Dörrobst war als «Schnitz» eine beliebte Süßigkeit. Die Mutter backte allerlei Süßspeisen, wie Schnitzkichora oder Ofokatz, vor allem aber für Weihnachten und Neujahr den köstlichen «Moltschero», das nur im Hofsteig und Lustenau unter diesem Namen bekannte Birnenbrot. Obstbau Schon in den Pfahlbauten lassen sich gedörrte Äpfel nachweisen und in der Römerzeit nahm der Obstbau einen beachtlichen Aufschwung. Die Alemannen eigneten sich bald nach ihrer Einwanderung den Umgang mit dem Obst so an, daß Most und Wein an die Stelle des germanischen Biers traten. In der Hausbündt pflanzten sie Apfel-, Birn- und Nußbäume bis nahe an die Grenze «vier schuech von der mark». Was von der Ernte auf Nachbargrund fiel, mußte nach dem Landesbrauch geteilt werden. Später setzte sich die Regelung durch, daß überhängende Äste abgeschnitten werden durften. «. . . soll niemand den anderen übersetzen mit pomben, das das trof auf sich selbs falle . ' . . » , (Landsbrauch 10/145) Selbstverständlich zahlten die Zinsbauern einen Zehentanteil von ihrer Ernte an Äpfeln, Birnen und Nüssen an den Grundherrn. Alle fruchttragenden Bäume im Wald und in den Almenden im Ried und an der Ach gehörten der Gemeinschaft und standen unter besonderem Schutz. Eigens bestellte Bannwarte hatten die Aufsicht «zu solchem zesehen, auf dem veld und auch zu den pombgärten und krautgärten». Das Gericht setzte die Erntetage in der Almende fest. Erst auf ein Zeichen mit den Kirchenglocken durften die Felder betreten werden. Jeder Hofsteiger nahm von den Holzäpfeln und Eicheln, soviel er tragen konnte. Wagen und Pferde waren nicht erlaubt. (Holunder 1931/26) «von sanct Gallentag bis zu mitem Mertzen» standen die Almenden mit ihren Bäumen dem Zugang frei. Noch heute kennt man in Wolfurt den Spruch «Gallen Tag ist gsi, was i find, ghört mi». Aber heute gibt es keine Almende mehr, wo einem nach dem 16. Oktober das Sammeln von Holzäpfeln, Nüssen oder Eicheln Freude bereiten könnte. Es wurde längst 34 Schnapsbrenner 1915 bei Orglers in der Bütze 35 Ein großer Teil der Obsternte wurde zermahlen und in hauseigenen kleinen Torggeln gepreßt oder in großen Maischefässern der Vergärung zugeführt. Most und Schnaps gab es daher in jedem Haus genug und manchmal auch zuviel. Nach 1950 wurde der Wolfurter Obstwald stark gelichtet. Die vielen neuen Häuser, die breiten Schnellstraßen brauchten Platz. Import-Obst und Südfrüchte verdrängten die alten robusten Sorten. Neue Edelsorten leiden aber vielfach unter Krankheiten und benötigen chemische Mittel als Schutz. Seit etwa 1970 ist daher wieder eine Rückbesinnung spürbar. Es werden mit Unterstützung durch die Gemeinde wieder Hochstammbäume gepflanzt. Bauernmost erobert sich wieder einen Platz neben Bier und Wein, und «Wolfurter Subirar» ist eine geschätzte Alkohol-Spezialität geworden. Viehzucht Vorarlberg ist mit jährlich 1400 bis 1800 mm Niederschlag so regenreich, daß Ackerbau hier immer ein Kampf mit den Unbilden des Wetters war. Das gilt besonders auch für das Wolfurter Gebiet mit seiner Staulage am Steußberg und den frühen Herbstnebeln am Bodensee. Sehr wohl aber ist es mit großen Weideflächen für Viehzucht geeignet. So haben hier schon die Räter Milchwirtschaft getrieben und sogar Käse exportiert. (Bilgeri 1/I/19) Auch die Alemannen versorgten sich selbst mit Fleisch, Milch und Käse und weiteten die großen Sommerweiden in den Alpen durch Rodungen noch aus. Aus den großen Herrenhöfen des Mittelalters floß mit dem Klein-Zehent ein beachtlicher Strom von Milch, Butter, Käse, Eiern, Geflügel und Kälbern auf das Schloß, in die Stadt oder ins Kloster und mit dem «Besthaupt» nahm auch manche schöne Kuh den Weg dort hin. Sonst dienten die Erzeugnisse der Viehzucht aber eigentlich nur der Selbstversorgung. Der Hofsteiger Landsbrauch bestimmte, wo Hengst, Stier und Eber in Wolfurt zu halten waren: «Item der hof zu Staig soll haben ainen fohlen und ainen pfarren. Item der kelnhof zu wolfurt soll haben ainen eber und ainen pfarren». (10/148) Als sich der Kellhof 1771 von Hohenems löste, waren seine vier Höfe weiterhin verpflichtet, abwechselnd den «Wucherstier» für die Dorfgemeinschaft zu halten. (Wolfurter Steuerbuch 1771 u. 1778) Damals besaßen die meisten Bauern nur eine oder zwei Kühe in ihren kleinen dunklen Ställen. Unter den 48 Häusern des Kirchdorfs, für die im Jahre 1823 eine genaue Aufstellung gemacht wurde, waren nur drei «Großbauern»: Ammann Fischers Witwe im Engel mit 1 Pferd und3Kühen, Jakob Rohner in derBützemit2 Pferden und 3 Kühen, schließlich Andreas Vonach beim Brunnen in der Kreuzstraße mit 2 Pferden und 5 Kühen. Sechs Familien besaßen kein Vieh. Es gab noch keine Sennereien im Tal, sondern nur auf den Alpen. Etwa 1830 brachten Schweizer Sennen ihre Kunst in den Bregenzerwald und schon 1850 zogen auch Bregenzerwälder selbst als Sennlehrer in die Donauländer und ins Ausland. Jetzt exportierte man Käse achtspännig nach Mailand, nach Wien und sogar nach Polen. (Burtscher, Holunder 1928/45) Der Rückgang des Getreideanbaus zwang die Bauern im Rheintal zur Umstellung auf die Milchwirtschaft. 1871 schlossen sich 34 Bauern zu einer Sennereigenossenschaft zusammen und begannen mit der Milchverarbeitung im Dorf. Daneben führten die Gunzbuben 36 Der Löwenwirt mit seiner Heuer-Mannschaft. Auch der Most-Putsch darf nicht fehlen. noch täglich Milch aus Schwarzach und Rickenbach mit ihrem Pferde-Fuhrwerk nach Lindau in die «Milchfabrik». Durch das Verdienst von Lehrer Wendelin Rädler wurden 1882 im Kirchdorf und 1884 an der Hub Sennereien erbaut, wo die Bauern nun für ihre Milch ein paar Kreuzer einnehmen konnten. Rädler bereiste später das ganze Land, um die Bauern zum Zusammenschluß in Genossenschaften zu überreden. Im Laufe der Jahre gelang ihm die Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ähnlich vielen Sennereigenossenschaften in allen Tälern des Landes, wofür er vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz erhielt. Im Jahre 1880 zählte man in den 272 Häusern von Wolfurt 213 Bauernfamilien mit 38 Pferden, 680 Rindern (darunter 426 Milchkühen), 106 Ziegen und 192 Schweinen. (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887) Ähnlich groß blieben die Viehzahlen bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Eigenversorgung mit Milchprodukten einen besonders hohen Wert darstellte. Dann fielen die Zahlen rapide. 1983 zählte man in den rund 1100 Häusern von Wolfurt nur mehr ein gutes Dutzend Bauernfamilien mit 6 Pferden, 314 Rindern, 13 Ziegen, 69 Schafen und 39 Schweinen. Die wenigen Milchbauern erreichten mit ihren Hochleistungskühen immer bessere Milcherträge und haben Absatzschwierigkeiten. Jedes Jahr im September treiben sie die mit prachtvollen Glocken geschmückten Tiere zum Kuhfest. Aber nur noch diesen einen Tag stehen die Bauern mit ihrer Arbeit im Mittelpunkt des Dorfgeschehens, sonst finden sie selten die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihnen als den Hauptverantwortlichen für unsere Natur und unsere Nahrung zusteht. 37 Alexander Natter 1 ALLGEMEINES Im Frühjahr dieses Bedenkjahres 1988 haben wir (August Geiger, Gemeindessekretär i. R., Heinrich Köb, Herbert Moosmann, Bertram Thaler und Alexander Natter) uns im Rahmen des Projektes Dorfgeschichte des Katholischen Bildungswerkes Wolfurt mit der geschichtlichen Vergangenheit der 30er Jahre in unserer Gemeinde beschäftigt. Das Ergebnis dieser Arbeit präsentierten wir im Rahmen einer Veranstaltung unter gleicher thematischer Überschrift. Wir waren bemüht, Geschichte objektiv darzustellen. Dieser Anspruch wird jedoch nie absolut erfüllt werden können. Sie wird immer vom Standpunkt oder Blickwinkel des «Betrachters» beleuchtet und damit immer auch subjektiv sein. Auch wir haben ausgewählt aus: längeren, teilweise bis zu eineinhalb Stunden dauernden Interviews, die uns von einigen Personen, die diese Zeit erlebt haben, auf Band gegeben wurden und zum Teil durch sehr persönliche Stellungnahmen geprägt waren; zahlreichen Fotos dieser Zeit, die uns von den Interview-Partnern zur Verfügung gestellt wurden und bisher noch nirgends veröffentlicht wurden; einer Fülle von Zeitungsberichten verschiedener Vorarlberger Blätter dieser Zeit und dem Protokollbuch der Wolfurter Gemeindevertretung, das den betreffenden Zeitabschnitt beinhaltet. Nachdem unsere Aufarbeitung dieser Zeit, im besonderen in Zusammennhang mit dem Nationalszialismus, mit kritischer Distanz und auch Angst, daß «alte, längst zugeschüttete, Gräben wieder aufgerissen werden könnten», verfolgt wurde, waren wir bestrebt, die Veranstaltung in ihrem Inhalt allgemein zu halten und keine Personen namentlich zu nennen. Nicht wenige, die in den 30er Jahren politisch in der Gemeinde aktiv waren, leben noch, jedenfalls aber deren unmittelbare Nachkommen. So kam es dann, daß für den einen Besucher das Thema «seriös aufgearbeitet» war, für andere wiederum die Dinge zuwenig beim Namen genannt wurden. Verständlicherweise kann die Auseinandersetzung mit der eigenen Alltagsgeschichte kaum neue historische Erkenntnisse bringen. Im wesentlichen sind alle Fakten bereits bekannt. Was aber erzielt werden kann ist: unmittelbare Betroffenheit. Betroffenheit deshalb, weil es sich hier nicht um die Darstellung geschichtlicher Ereignisse handelt, die sich zwar zugetragen haben, aufgrund der übergeordneten Bedeutsamkeit den einzelnen aber nicht 38 unmittelbar berühren, sondern weil es sich um historische Berichterstattung handelt, die die Geschichte der Gemeinde als unmittelbaren Nahbereich und im besonderen die ganz persönliche Lebensgeschichte berührt. Dabei geht es nicht in erster Linie um Jahreszahlen. Geschichte schreibende Politiker oder markante historische Ereignisse. Vielmehr erfahren wir. wie die in den 30er Jahren bestehenden wirtschaftlicehn Verhältnisse, die damals gemachte Politik und deren Propaganda in die Lebensverhältnisse des einzelnen Menschen unmittelbar eingegriffen und diese bestimmt haben und den einzelnen in einem Wechselbad ständiger politischer Beeinflussung für sich zu gewinnen suchte. Nachfolgende Zeilen bringen nun eine Zusammenfassung dieser Veranstaltung «Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren». Sie gliederte sich — wie dieser Beitrag auch — in die Teilbereiche Arbeitswelt, Information und Politik, Alltag und Der Anschluß. Abschließend sei noch betont, daß diese wenigen Gedanken nicht im entferntesten als abgerundete Darstellung dieser Zeit in bezug auf unsere Gemeinde gewertet werden können. sie können höchstens als Impuls für die weitere Auseinandersetzung angesehen werden. Ziel der Veranstaltung war. wie es auch dieses zusammenfassenden Artikels ist. «Spotlights» zu zeigen, einzelne Standpunkte. Ereignissse. Bilder exemplarisch aufleuchten zu lassen. 2 STRUKTURDATEN Bevor wir aber auf die oben angeführten Bereiche eingehen, wollen wir uns noch einen kleinen Einblick in die damaligen dörflichen Strukturen unserer Gemeinde verschaffen. Über den Stand der Bevölkerung und deren wirtschaftliche Zugehörigkeit gibt uns die Volkszählung vom 22. März 1934 Auskunft. Sie weist aus, daß zu diesem Stichtag in Wolfurt 325 Häuser standen und 2086 Menschen lebten. 23 % ließen sich dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft, 54 % dem Gewerbe und der Industrie und 15 % dem Dienstleistungs-Sektor zuordnen. Zum Vergleich das Volkszählungsergebnis von 1981: 1203 Häuser, 6589 Einwohner, davon 2 7c Land- und Forstwirtschaft. 48 % Gewerbe und Industrie, 37 % Dienstleistungsbereich. Die Landwirtschaft hatte, gegenüber heute, natürlich einen anderen Stellenwert. Gab es 1934 in unsere Gemeinde 374 Kühe. 540 Schweine und 2651 Hühner, waren es 1987 nur noch 126 Kühe, 31 Schweine und 181 Hühner. Die Mobilität der Bevölkerung war natürlich bei weitem nicht in dem Maße gegeben, wie wir sie heute kennen. Dafür kannte man aber auch noch keine Umweltverschmutzung durch die Kraftfahrzeuge. 1933 verkehrten in Wolfurt 10 PKWs, 10 LKWs und 25 Motorräder. Über die politischen Verhältnisse können uns die Stimmenergebnisse der bis 1945 letzten Landtagswahl im Jahr 1932 geben. (Die Ziffer in Klammer bezieht sich auf die Landtagswahl 1928). 39
  1. heimatwolfurt
19880601_Heimat_Wolfurt_01 Wolfurt 01.06.1988 Heft 1 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni/88 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Obwohl erst vor drei Monaten ein diesbezüglicher Aufruf an die Bevölkerung erging, hat sich in unserer Gemeinde bereits ein «Heimatkunde-Kreis» zusammengefunden und in intensiver Arbeit auch schon die erste Ausgabe einer heimatkundlichen Zeitschrift fertigstellt. Zu diesem sehr vielversprechenden Start in die Vergangenheit unseres Dorfes möchte ich mich bei allen, die daran mitarbeiten, besonders aber bei Direktor Siegfried Heim, herzlich bedanken. Ich bin überzeugt davon, daß das Kennenlernen und Verstehen unserer Vergangenheit ein entscheidender Schritt in die Zukunft sein kann. Somit wünsche ich unserem Heimatkundekreis viel Erfolg und darf die volle Unterstützung der Marktgemeinde in jeder Hinsicht zusagen. Ihr Bürgermeister Grüß Gott! Immer mehr Menschen aus unserem Ort, auch die Schulen und die Gemeinde, fragen wieder nach den Wurzeln und dem Wachsen unserer Gemeinschaft. Im Heimatkundekreis treffen sich Leute, die ihr eigenes Wissen mehren möchten, aber auch die Ergebnisse ihrer Forschungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Vorträge werden geplant und eine Zeitschrift soll Wissenswertes festhalten und verbreiten. Dieses erste Heft will mit einer Zeittafel ein paar Grundlagen vermitteln und vielleicht auch schon ein paar Fragen aufwerfen. Wir ersuchen unsere Leser um Stellungnahmen und Vorschläge, die wir gern nächstes Mal abdrucken. Darauf freuen sich schon alle Mitarbeiter. Siegfried Heim Inhalt: 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig (Heim) 2. Bauern und Fabrikler (Heim) 3. Franzosenkrieg 1800 (Volaucnik) Siegfried Heim DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Altertum: Um 10.000 v. Chr. Die letzte Eiszeit geht zu Ende. Am Ufer des Bodensees nimmt die Landschaft langsam ihre heutige Gestalt an. Rhein, Ach und Bergbäche schütten die Talsohle auf. Der Ippachwald bedeckt den Steußberg, noch lange Zeit reicht der Riedsumpf bis an den Kellahang. Um 500 v. Chr. Die keltischen Räter besiedeln das Land. 15 v. Chr. Die Römer erobern Vorarlberg. Am Fuß des Steußbergs führt die Straße von Chur nach Brigantium. 259 n. Chr. Die Alemannen zerstören das römische Brigantium 496 n. Chr. Chlodwig besiegt die Alemannen. Der Gotenkönig Theoderich bietet den Flüchtlingen Schutz im Bodenseeraum. Mittelalter: Um 500 n. Chr. Die Alemannen besetzen das Rheintal bis Dornbirn. Sie bilden Markgenossenschaften, die in Dreifelderwirtschaft den Boden bebauen. 610 Kolumban und Gallus bringen das Christentum. 742 Die Franken unterwerfen Alemannien. 746 Die alemannischen Adeligen werden in Cannstatt getötet. Franken regieren den Argengau, zu dem auch das Hofsteiger Gebiet gehört. Ab 800 halten die fränkischen Grafen in Schwarzach Gericht. Um 800 weisen St. Galler Urkunden bereits- Obst- und Weinbau in unserem Gebiet nach. 853 Lauterach wird urkundlich genannt. In Hofsteig errichten freie Leute ihre Einzelhöfe, aus denen später Weiler und Dörfer entstehen. 891 «Allen soll alles gemeinsam sein!»: Felder, Weiden, Wälder, Wiesen, Wege, Gewässer und das Ried. 895 Dornbirn wird als «Torrinpuirron» urkundlich genannt. Um 920 Ulrich von Buchhorn wird als erster Graf von Bregenz Herr unseres Landes. Um 955 Der Kellhof, in dessen Bereich später die Kapelle St. Nikolaus und Schloß Wolfurt gebaut werden, fällt nach Graf Ulrichs Tod an Marquard, den Stammvater der Pfullendorfer Grafen. 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt / Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt In Konstanz stirbt der Hl. Gebhard, ein Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz. Ab 1075 Der Streit zwischen Kaiser und Papst verwüstet das Land. 1079 Bregenz wird niedergebrannt. 1089 Auch Hofsteig fällt mit halb Bregenz an die Pfullendorfer Grafen. 1094 Kloster Mehrerau wird gegründet. Es gewinnt bald Besitz und Einfluß in unserer Gegend. Ab 1050 bis 1400 werden große Teile des Steußbergs und des Bregenzerwaldes von Hofsteig aus gerodet. 1167 Bregenz kommt mit Hofsteig an Markgraf Hugo von Tübingen, den Stammvater der Grafen von Montfort. Lindau dagegen und der Wolfurter Kellhof fallen an Kaiser Friedrich Barbarossa. Kellhof und Hofsteig bleiben jetzt bis 1806 getrennt. 1167 wird die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt urkundlich erwähnt. 1180 Zur neuen Pfarre Alberschwende gehören einige Rickenbacher Höfe. Noch 1810 sind sie nach Alberschwende zehentpflichtig. Um 1200 Kriege der Staufer gegen die Weifen. In unserem Gemeindegebiet entstehen die Burgen Veldegg, Wolfurt und Kujen. 1226 oder kurz davor erscheint der Name «Wolfurt» erstmals urkundlich als der eines Rittergeschlechts. 1249 besitzt Lauterach eine Kapelle St. Georg. 1260 wird Hofsteig erwähnt. Ammänner verwalten die Höfe. 1289 wird Schloß Veldegg im Oberfeld urkundlich genannt. 1291 Ludwig von Wolfurt studiert als erster Vorarlberger in Bologna. Um 1300 breitet sich das Geschlecht der Ritter mit dem Wolf im Wappenschild in Süddeutschland und in der Schweiz aus. Ritter, Chorherren, Äbte und Äbtissinnen. 1338 Das Montfort-Erbe wird an der Schwarzach geteilt. Das alte Gericht Schwarzach wird aufgelöst. Während Dornbirn und Höchst an Feldkirch fallen, kommt Hofsteig zu Bregenz - Tettnang. Bregenz sichert sich auch die wichtigen Flößerrechte auf der Ach und den Holzhandel. Die Schwarzach ist die Grenze zwischen den Pfarreien Bregenz und Dornbirn. 1349 Wolfurter Ritter als Söldnerführer und Statthalter in Neapel und Apulien. 1350 bis 1450 Wolfurter Ritter als Grafen in Ungarn. 1352 Graf Ulrich von Wolfurt als ungarischer Gesandter beim Papst in Avignon. Einer seiner Ritter ist Marquard von Ems. 1364 Ritter Konrad stiftet den Wolfurter Kelch für Pfäfers. 1370 Hochblüte des Wolfurter Rittergeschlechts im Bodenseeraum als Besitzer vieler Burgen, als Äbte und Äbtissinnen. 4 995 1371 Schloß Wolfurt wird von den Lindauern erobert und zur Hälfte in Besitz genommen. 1379 Das Urbar der Grafschaft Bregenz weist in Hofsteig 44 Güter von wohlhabenden freien Leuten nach. 1391 Die Vorarlberger Eidgenossenschaft mit dem jetzt zu Bludenz-Werdenberg gehörigen Kellhof Wolfurt richtet sich gegen Bregenz. 1391 Der Herrenbund mit Bregenz und Hofsteig richtet sich gegen die Eidgenossen und Habsburg. Schwere Kriegsnot in den folgenden Jahren. 1402 Die Hälfte von Schloß Wolfurt wird an Mehrerau verkauft. 1402 Der Kellhof wird von Bludenz-Werdenberg an Graf Wilhelm von Bregenz verkauft. 1405 Herzog Friedrich verbrennt Hard, das zu Graf Wilhelm hält. 1405 Graf Wilhelm verbrennt Schloß Veldegg. Es gehört zu dieser Zeit dem Ritter Ulrich von Schwarzach. 1405 bis 1408 Appenzellerkrieg. Die Bauern verbrennen viele Burgen im Land, darunter wohl auch Burg Kujen, von der später nur mehr der «Burgstal» nachzuweisen ist. 1406 Die Eidgenossen besiegen Graf Wilhelm und verbrennen Lauterach und die Bregenzer Vorstadt. Viele freie Hofsteiger und der ganze Kellhof schwören zu den Eidgenossen. 1407 Die Bauern belagern Bregenz und plündern das Kloster Mehrerau. Sie werden aber am 13. Jänner 1408 entscheidend geschlagen. 1443 Die Hofsteiger erhalten ihre erste Kaplanei in Lauterach, zu der sie 1476 die Kirche St. Georg erbauen. 1445 Die Appenzeller verwüsten das Rheintal. Hofsteig kommt mit der Bezahlung von «brandschatzgeld» in große Schwierigkeiten. Um 1450 Das erste Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist ausgestorben. 1451 Hofsteig wird mit der halben Herrschaft Bregenz an die Habsburger verkauft und kommt damit zu Österreich. 1451 Ulrich von Schwarzach verkauft Veldegg an Kloster Mehrerau. Mehrerau besitzt 452 Leibeigene, darunter viele aus Wolfurt. 1458 Die Grafen von Bregenz verkaufen den Kellhof mit ausgedehnten Gütern in Wolfurt, Lauterach, Bildstein, Kennelbach, Langen und anderen Gemeinden an Ritter Marquart IV. von Hohenems. 1463 Die Familie Leber, reiche Wein- und Holzhändler aus Bregenz, erhält Schloß Wolfurt als Lehen. 1464 In Kennelbach wird das Kloster Hirschthal erbaut, das dort bis zum Brand von 1796 besteht und auch Beziehungen zu Wolfurt unterhält. 1484 In Buch wird eine Kapelle erbaut. 5 Neuzeit: 1493 Wolfurt erhält für seine Kapelle St. Nikolaus eine eigene Kaplanei. 1512 Wolfurt hat bis jetzt zur Pfarre St. Gallus in Bregenz gehört. Nun wird es selbständige Pfarrei. Eingeschlossen sind auch die Bewohner von Schwarzach, Bildstein und Buch. 1515 Mark Sittich I. löst vom Kaiser den Kellhof endgültig für Hohenems ein. 1517 Das Kirchdorf Wolfurt erhält den ersten Dorfbrunnen. 1518 Unter Kaiser Maximilian wird zwischen Lauterach und Bregenz die erste Brücke gebaut. Die Holzbrücke besteht bis 1916. Die Straße von Bregenz nach Wien führt 250 Jahre lang von der Brücke schräg durch die Felder am St. Antone nach Rickenbach. 1520 Jakob Leber wird vom Kaiser geadelt und begründet das zweite Rittergeschlecht von Wolfurt. 1523 Ferdinand von Habsburg kauft die zweite Hälfte von Bregenz für Österreich. 1525 Unter dem Einfluß lutherischer Prediger erheben sich die Bauern im Allgäu und bedrohen unter Mithilfe der Vorderwälder Bregenz. Die Hofsteiger bleiben ausdrücklich beim alten Glauben und retten unter Mark Sittichs Führung Bregenz. Dieser läßt 50 aufständische Bauern henken. 1529 Abt und Konvent von St. Gallen suchen vor den Aufständischen Zuflucht auf Schloß Wolfurt. Abt Kilian ertrinkt 1530 beim Durchreiten der Ach. 1537 Die Bregenzer beklagen sich über die Qualität des Wolfurter Weines. 1541 Wildschweinplage. Die Bauern greifen zur Selbsthilfe und erlegen viele Tiere. 1544 Der Hofsteiger Landsbrauch wird aufgeschrieben. Er regelt die Erbfälle und den Gerichtstag, wie auch die Verwaltung und Nutzung von Feld und Wald. Das Gericht Hofsteig umfaßt ein Gebiet von etwa 60 km2. Der Hauptort ist Lauterach, wo alle drei Jahre der Ammann neu gewählt wird. 1544 Vertrag über die linksseitige Achwuhrung. 1546 bis 1552 Im Schmalkaldischen Krieg ziehen die Hofsteiger mehrmals zur Landesverteidigung an die Bregenzer Klause. Einzelne Hofsteiger kämpfen aber auch auf der Seite der Protestanten. Galli Küng wird deshalb als Spion und Mordbrenner im Jahre 1552, nachdem er auf der Folter gestanden hat, in Bregenz «zu dem Rad, Vierthailen und Brand» verurteilt und hingerichtet. 1550 Die Pest! 1573 Die Lauteracher Brücke wird vom Hochwasser weggerissen. 1593 Die Pest! 1594 Das älteste Häuserverzeichnis zählt in Wolfurt 70 Häuser auf, davon sind 10 unbewohnt. 27 Häuser werden zum Dorf gerechnet, 43 zur «Staig». Zusammen leben hier 350 Einwohner. 6 1595 Hexenprozeß gegen Anna Martin wegen der Weinreben in der Bütze. 1603 Bastian Kölnhofer führt 55 Kellhofmänner zur Musterung nach Ems. 1613 Junker Laux von Wolfurt ist unter Erzbischof Mark Sittich Stadthauptmann von Salzburg. 1615 Graf Kaspar von Hohenems verleiht den Kellhof neu. Zum Kellhof gehören 200 Leibeigene. 1616 Neuvermarkung der Wälder. Sie sind Genossenschaftsbesitz wie die meisten Äcker. 1616 Die «Embser Chronik» beschreibt den schönen Weinwachs von Wolfurt. 1618 Jetzt löst sich auch Lauterach als selbständige Pfarrei von Bregenz. In Lauterach wird eine Schule eingerichtet, die auch Wolfurter Kinder aufnimmt. 1618 bis 1648 Der Dreißigjährige Krieg 1616 bis 1631 Eucharius von Wolfurt regiert als Fürstabt in Kempten. Er mehrt den Besitz des Klosters und treibt die Gegenreformation voran. 1628 bis 1635 Kriegsnot, Einquartierung, Pest! In dieser Notzeit wird Bildstein ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Dort soll nach der Legende 1629 die Mutter Gottes erschienen sein. 1646 Hard wird selbständige Pfarrei und baut eine Kirche am See. 1647 Die Schweden erobern Bregenz und brandschatzen das Land. Hofsteig wird auf Fürsprache der Schweizer Eidgenossen verschont. 1650 Das Rittergeschlecht der Leber von Wolfurt ist ausgestorben. Seit 1650 sind in Wolfurt Pfarrbücher erhalten. 1663 In Bildstein erbaut Michael Kuen eine Barockkirche, die 1676 eingeweiht wird. Sofort gibt es Streit zwischen den Bildsteiner Krämern und den anderen Hofsteigern um den Brothandel und den Weinausschank. 1676 Auch Buch erbaut eine Kirche. Beide Kirchen bleiben aber vorerst bei der Pfarre Wolfurt. 1676 Eine Hungersnot zwingt Erwachsene und Kinder zum Betteln und zur Arbeitssuche im Ausland. Der Maisanbau beginnt. 1689 Obersthauptmann Kreis berichtet von der «ellendbetriebten» Zeit in Vorarlberg. 1700 Flachsanbau und Export von Garn und Leinen bringen etwas Geld ein, werden aber hoch besteuert. 1702 Hochwasser in Rickenbach. 1705 Jerg Roner aus Wolfurt klagt als Vertreter des «Gemeinen Mannes» in Wien gegen die Willkür der Beamten. 2.000 aufrührerische Bauern besetzen von Rickenbach aus die Stadt Bregenz und verjagen den Vogteiverwalter. Jerg Roner wird 1710 zum Hofsteigammann gewählt. 7 1707 Der Bregenzer Amtmann und unbeliebte Steuereinheber Benedikt Reichart baut Schloß Wolfurt neu. 1720 Durch die Not nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701—1714) verbreitet sich der Anbau von Mais. Um 1725 wird die Kartoffel eingeführt. 1723 Den Grafen von Hohenems fehlt es an Geld. Sie verpfänden all ihre Zehentrechte im Kellhof an Dornbirner Patrizier und an die Gemeinden. 1726 Bregenz erhält ein Direktorium (später Oberamt oder Kreisamt) und wird Verwaltungszentrum des Landes. 1729 Das Gericht Hofsteig kauft die Weingärten am Rutzen- und am Narrenberg. 1730 Wolfurt zählt 398 Kommunikanten (Erwachsene), Hard 427, Lauterach 434. 1750 Der Bregenzer Oberamtsrat Konrad von Tröndlin kauft Schloß Wolfurt. Er hat bei der Verteidigung von Bregenz 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg eine unrühmliche Rolle gespielt. 1750 Beginn der Handstickerei. 1750 Beginn der Weberei, zuerst für Schweizer Unternehmer, ab 1770 auch für die k.k. Cottonweberei in Bregenz. Um 1750 werden erstmals Schindeldächer durch Ziegeldächer ersetzt. 1753 In Lauterach wird erstmals Torf gestochen («Schollen»). 1755 Die neue Vermögenssteuer vom Grundbesitz wird eingeführt. 1760 Häuser- und Einwohnerverzeichnis: «Seelenbeschrieb» von Pfr. Feuerstein mit ersten Wolfurter Hausnummern: In Wolfurt und Rickenbach zusammen gibt es 151 Häuser. Frickenesch und Bächlingen werden mit Meschen zu Bildstein gerechnet. 1760 Buch löst sich mit 30 Familien und 165 Einwohnern aus der Pfarrei Wolfurt und wird eine selbständige Pfarrei. 1765 Mit Hohenems fällt auch der Kellhof 300 Jahre später als Hofsteig an Österreich. 1768 Eine neue Reichsstraße von Lauterach nach Dornbirn nimmt Wolfurt den Verkehr weg. 1771 wird auch eine Straße von Lauterach nach Höchst gebaut. 1770 bis 1773 Hungerjahre! 1772 Der Bauer Johann Stadelmann kauft Schloß Wolfurt. 1773 An der Ach wird die Alte Insel gerodet und verteilt. Schon früher waren die meisten Felder verteilt worden. 1771 bis 1775 Die Ammänner Johannes und Joseph Fischer kaufen die letzten Kellhoffelder von Ems frei. 1774 Maria Theresia führt mit der Normalschule die Schulpflicht ein. 1778 Im Strohdorf wird das erste Schulhaus erbaut. 1781 In Schwarzach wird eine Pfarr-Expositur eingerichtet. 1782 Die Reformen Josef IL Auch der Frondienst wird reformiert. 8 1789 Das Volk feiert ohne den Pfarrer die von Joseph II. verbotenen Gottesdienste. 1792 Bildstein löst sich als selbständige Pfarrei von der Mutterpfarre Wolfurt. Die Bildsteiner Straße wird befahrbar gemacht. 1792 In Wolfurt wird das allgemeine Weiderecht auf den Feldern abgeschafft. 1793 Dornbirn erhält das Marktrecht. 1794 In Hofsteig stehen schon 148 Webstühle in Betrieb. Damit liegt das Gericht im Land bei der Baumwollweberei hinter Dornbirn an zweiter, bei der Musselinweberei an erster Stelle. 1794 Zweite Durchnumerierung der Häuser. 1795 Der Ippachwald wird auf die einzelnen Häuser in Hard, Lauterach und Wolfurt aufgeteilt. 1796 Franzosenkrieg! Gefechte in Wolfurt, 2 Bauern erschossen, 9 Soldaten gefallen. In Lauterach verbrennen sieben Häuser. 1796 In Kennelbach brennt das Kloster Hirschthal ab, wobei 6 Frauen den Tod finden. Das Kloster übersiedelt nach Bregenz-Thalbach. 1798 Auch das Ried wird verteilt. Private Nutzungen und neue Anbaumethoden bringen der Landschaft jetzt großen Aufschwung. Die 1.000-jährige Dreifelderwirtschaft der Markgenossen hat ihr Ende gefunden. Um diese Zeit verkauft das Kloster Mehrerau seine Schupf- und Erblehen, darunter 16 große Lehen in Wolfurt. 1799 Major Jakob Schertler führt die Hofsteiger gegen die Franzosen. 1800 Franzosenkrieg! Mehrere schwere Gefechte in Wolfurt und in Rickenbach. In der Bütze wird der Bauer Johann Kaspar Haltmayer in seinem Haus erschossen. 1802 Schwarzach erhält eine eigene Kaplanei. 1803 Die Wolfurter helfen beim Kirchenbau in Schwarzach. 1805 Neue Glocken für die Wolfurter Kirche. 1805 Beim Friedensschluß von Preßburg kommt Vorarlberg zu Bayern. 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig werden aufgelöst und dem neuen Landgericht Bregenz zugeteilt. Wolfurt wird eine selbständige Gemeinde. 1806 Das Kloster Mehrerau wird abgebrochen. 700 Jahre lang hatte es in Wolfurt großen Einfluß gehabt. 1808 Die neue Gemeindeordnung tritt in Kraft. Joh. Georg Fischer wird der erste Vorsteher. Der bayerische Steuerkataster erfaßt 1809 alle Grundstücke und die 185 Häuser, die nun schon ihre dritte Nummer tragen. Mathias Schneider zählt 1143 Einwohner und 266 Kühe. Hohe Steuern und der Stillstand von Stickerei und Weberei führen zu einer Wirtschaftskrise. 1809 Aufstand! Das von Truppen entblößte Vorarlberg ist rasch befreit. Hofsteiger Schützen unter Mayor Jakob Schertler beteiligen sich an Angriffen am Untersee und im Allgäu. Der Aufstand bricht zusammen. 9 Wolfurter Männer ziehen mit Napoleon nach Rußland. Vorarlberg gehört wieder zu Österreich. Die erste Musikkapelle in Wolfurt gegründet. Überschwemmung der Felder. Mißernte. Große Hungersnot im Frühjahr! Wolfurt ist ein Getreideort. Es erntet 3.250 Viertel Vesen-Weizen, 1.125 Viertel Dintel-Weizen, 1.280 Viertel Haber, keine Gerste, aber auch schon 1.620 Viertel Türken und dazu noch Kartoffeln, Obst und Wein. (Ein Bregenzer Viertel entspricht 21,7 Liter Korn.) 1818 Fähnrich Weiß zeichnet eine genaue Landkarte von Vorarlberg. 1819 Wolfurt kommt vom Bistum Konstanz zum Bistum Brixen. Die Bevölkerung wächst stark an. Die alte Kirche vermag die Gläubigen nicht mehr zu fassen. 1824 Nun löst sich auch die Pfarre Schwarzach als letzte von der Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt. 1827 Negrelli läßt eine Karte vom Rheintal zeichnen. 1830 Steinbrecher machen die Ruine Veldegg dem Erdboden gleich. 1830 Auf dem Kirchplatz wird die alte Tanzlaube abgebrochen. Daneben ist «Hanso Lädele» der einzige Kaufladen im Ort. 1830 Die Rickenbacher beantragen einen Kirchen-Neubau in Unterlinden. 1833/34 Die alte Kirche wird nach Negrelli-Plänen bedeutend erweitert. 1834 Michaelis-Bub wird wegen Kindermord gehenkt. 1837 Jenny und Schindler bauen nach Ablehnung durch die Wolfurter ihre große Textilfabrik in Kennelbach. 1837 Hochwasser reißt die hölzerne Lauteracher Brücke weg. Ein Pferdefuhrwerk stürzt in die Fluten. 1837 Der Maisanbau hat sich seit 1809 fast verdoppelt. 1838 Der Schützenverein wird gegründet. 1838 Die Schwarzachtobelstraße wird eröffnet. 1839 An der Fähre nach Kennelbach sind bei der nächtlichen Heimkehr von einem 13-stündigen Arbeitstag in der Fabrik zwei Frauen und fünf Kinder ertrunken. Der jüngste von den sieben Fabriks-«Arbeitern» ist der siebenjährige Xaver Geiger. Jetzt wird ein hölzerner Fabriks-Steg gebaut, der bis 1932 seinen Dienst tut. 1839 Neben der Pfarrei wird eine Kaplanei Wolfurt eingerichtet. 1843 Die vierten Hausnummern. Jetzt sind es schon 252 Häuser mit 268 Familien. 1.492 Einwohner, davon 179 Fremde. 1850 bis 1880 werden in Wolfurt viele Freilicht-Theater aufgeführt, darunter «Wilhelm Teil», «Die Räuber» und die «Jungfrau von Orleans». 1850 bis 1870 wandern etwa 120 junge Wolfurter nach Amerika aus. 10 1812 1814 1816 1816 1817 1852 Die Schmiede im Holz erbaut. 1856 Beginn der Braunviehzucht im Montafon, die sich ab 1870 auch im Rheintal schnell ausbreitet. 1857 Ein Katasterplan mit Bau- und Grundparzellennummern wird gezeichnet. 1865 Der Gesangsverein wird beim «Schützenwirt» Fischer in Spetenlehen gegründet. 1866 In Kennelbach gründen Kaplan Ammann und Lehrer Rädler mit dem «Vorarlberger Volksblatt» eine wichtige politische Zeitung, die bis 1972 besteht. 1866 bis 1870 Ein zweiter Achdamm wird aufgeschüttet. Jetzt kann auch die Neue Insel kultiviert werden. 1868 Die erste Post wird eingerichtet. 1868 Im «Rößle» wird von Lehrer Wendelin Rädler das zweite Casino gegen den Liberalismus gegründet. In den Gasthäusern und in der Gemeindestube tobt ein heftiger Streit zwischen «Kasinern» und dem freidenkerischen Leseverein der Liberalen. 1869 Die erste Handstickmaschine! Bald folgen viele. 1869 Sechs Mühlen sind in Betrieb. Als Hauptnahrung wird das Habermus jetzt endgültig durch den Türken-Stopfer verdrängt. 1872 Eisenbahnbau von Bregenz nach Bludenz durch das Ried. Eine Führung durch das Dorf hatten die Wolfurter abgelehnt. Arbeitskräftemangel in der Industrie. Die ersten Welschen aus dem Trentino lassen sich in Wolfurt nieder. Ihre Anzahl steigt bis 1900 auf 239 an, dann übersiedeln viele in die neuen Mietshäuser nach Kennelbach. 1872 Im Strohdorf wird ein neues Schulhaus gebaut, es besteht bis 1979. 1873 Der Wolfurter Kunstmaler Gebhard Flatz (1800-1881) bringt aus Rom sein großes Altarbild mit. 1874 Drei Barmherzige Schwestern treten in den Schuldienst in Wolfurt. 1874 Der Kameradschaftsbund wird gegründet. 1878 Lauterach baut eine neue Kirche östlich der Straße, die alte stand westlich. 1879 Gemeindediener Joh. Böhler wird ermordet. 1880 Wolfurt hat 272 Häuser mit 1.623 Einwohnern. 213 Bauern besitzen 38 Pferde, 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh, 192 Schweine, 106 Ziegen und null Schafe. Um 1880 Die letzten Weinberge am Kirchenbühel und am Rutzenberg werden aufgelassen. 1881 In Rickenbach wird ein Spar- und Vorschußverein gegründet. 1882 Die erste Gemeindekanzlei eingerichtet. 1882 Die Molkereigenossenschaft Wolfurt erbaut die Sennerei Kirchdorf. 11 1884 Ein neuer Pfarrhof wird gebaut und der Friedhof vergrößert. 1884 In Kennelbach brennt das erste elektrische Licht von ganz Österreich 1884 Die Arlbergbahn wird eröffnet. Sie verändert ganz entscheidend Landwirtschaft und Handel in Vorarlberg. 1886 Die Kapelle Rickenbach wird eingeweiht. 1886 Die Liberalen gründen den ersten Wolfurter Turnverein. 1886 Die Achrain-Straße von Dornbirn nach Alberschwende wird eröffnet. 1888 Für Wolfurt und Schwarzach erscheint das erste Gemeindeblatt. Aus ihm entwickelt sich eine Zeitung für den ganzen Bezirk Bregenz. 1888 Wegen verseuchter Brunnen rafft eine Typhus-Epidemie 8 Rickenbacher dahin, darunter den Mechaniker Dür, der am oberen Rickenbach zwei mechanische Schmieden errichtet hat. 1889 Die Feuerwehr wird gegründet. 1889 Die Raiffeisenkasse gegründet. Lehrer Wendelin Rädler (1835—1913) fördert in ganz Vorarlberg das Zustandekommen von 80 Raiffeisenkassen und sehr vielen Genossenschafts-Sennereien. 1890 Die drei alten Ziegeleien an der Ach werden abgebrochen. 1893 Konrad Doppelmayr übernimmt die Dur-Schmiede am Rickenbach und gründet die Firma Doppelmayr. 1898 Die erste Schiffle-Stickmaschine. 1899 Der Katholische Arbeiterverein wird gegründet. 1899 Die fünfte und letzte Durchnumerierung der Wolfurter Häuser mit Nr. 1 in der HÖH an der Ach und Nr. 290 bei Putzers an der Schwarzacher Grenze. Weitere Nummern werden jetzt bei Neubauten in der ganzen Gemeinde verstreut. 1900 Albert Loacker beginnt mit der Elektrifizierung Wolfurts aus dem E-Werk Schwarzach. 1901 Der Musikstreit ist beendet. Kapellmeister Franz Rohner übernimmt für 56 Jahre den Dirigentenstab. 1901 Dornbirn wird Stadt. 1902 Die Wälderbahn wird eröffnet. 1902 Pfarrer Johann Georg Sieber (1826-1902) wird der erste Wolfurter Ehrenbürger. 1903 Neue Kirche in Schwarzach, westlich der Straße. Die alte stand östlich im Friedhof. 1903 Das Grundbuch wird eröffnet. 1904 Ein höherer Kirchturm. 1904 Erste Betonbrücke nach Kennelbach. 1905 Neue Bronzeglocken. Sie läuten nur bis 1916. 1907 Hochblüte der Stickerei. 1907 Lehrer Wendelin Rädler (1835-1913) erhält vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz. Er hat sich als Kassengründer und Sozialreformer verdient gemacht. 1907 Franzele Dür bringt das erste Auto nach Wolfurt. 1910 Wolfurt hat jetzt 2265 Einwohner. Durch den Stillstand der Stickerei setzt wirtschaftliche Not ein. Wolfurt hat 143 Schiffle-Stickmaschinen und 26 Handmaschinen. 1910 Der obere Friedhof mit den Arkaden wird gebaut. 1910 Hochwasser! Beim Einsturz der Holzbrücke ertrinkt der Spinnereimeister Karg. 1911 Kennelbach löst sich von Rieden und wird selbständige Gemeinde. 1913 Das Vereinshaus wird erbaut. Erst 1922 erhält es aber den großen Saal. 1914 bis 1918 Erster Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 rücken die ersten von 180 Landsturmmännern ein. Zu Pfingsten 1915 folgen ihnen 60 Standschützen. 87 Männer kehren nicht mehr heim. 1916 Neue Brücke in Lauterach. 1919 Die Gemeinde Rieden-Vorkloster schließt sich an die Stadt Bregenz an. 1922 Nur 11 Schulanfänger. 1923 Viele Auswanderer nach Amerika. Tiefstand der Bevölkerung: 1798 Einwohner. 1923 Neue Stahlglocken. 1923 Bregenz wird Landeshauptstadt. 1925 Aufnahme des Omnibusverkehrs. Verkehrszählung: Am 9. August fahren insgesamt 191 Motorfahrzeuge durch das Dorf, am folgenden Tag 167. 1926 Ein Krankenpflegeverein wird gegründet. Kreuzschwestern aus Hall versorgen ab 1928 die Kranken. 1929 Die erste Illwerke-Leitung wird durch Wolfurt gebaut. 13 12 1930 Das Kriegerdenkmal wird eingeweiht. 1931 Der Schiverein wird gegründet. 1931 Die obere Straße wird geteert. 1933 Fahrzeug-Zählung in Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 Luxusautos (PKW), 10 Lastautos. 1935 Neue Straße nach Buch. 1938 Anschluß an Deutschland. 1939 Schloß Wolfurt abgebrannt und bald unter Dr. Fritz Schindler neu aufgebaut. 1939 bis 1945 Zweiter Weltkrieg. 99 Wolfurter Männer sterben in fernen Ländern. 1945 Die Achbrücke wird gesprengt. Franzosen und Marokkaner besetzen das Dorf. Bei der Verteidigung sterben noch drei deutsche Soldaten. Auch ein Wolfurter Mädchen und ein Familienvater finden den Tod. Schloß Wolfurt wird Sitz der Militärkommandatur für Vorarlberg. 1940 bis 1950 In der Kriegsnot nimmt der Ackerbau einen großen Aufschwung. In Gärten, Feldern und im Ried werden hauptsächlich Kartoffeln und Mais angebaut, aber auch Weizen, Raps, Rüben und Kraut. 1947 Der Fußball-Club Wolfurt wird gegründet. 1953 Erstes Wasserwerk Wolfurt wird eröffnet. 1954 Ab jetzt gibt es Hausnummern mit Straßenbezeichnungen. Es stehen schon über 400 Wohnhäuser. 1955 Der Ackerbau verschwindet. Viele Landwirtschaften werden aufgegeben. Im allgemeinen Wirtschaftsaufschwung beginnt die Zersiedelung der Felder und Bühel. 1957 Professor Lorenz Böhler (1885-1973), ein Pionier der Unfall-Chirurgie in Wien, wird der zweite Wolfurter Ehrenbürger. 1957 Zweite Illwerke-Leitung durch Schlatt und Kella wird gebaut. Nach 1960 Die Industrie-Ansiedlung beginnt: Wolf, Pawag, Roylon, Doppelmayr weiten die Betriebsstätten aus. 1961 Eine Hauptschule wird eröffnet. 1964 Eine Musikschule fängt an. 1964 Die untere Straße wird als Hauptstraße ausgebaut, die alte Römerstraße am Fuß des Berges verliert den Durchzugsverkehr. 14 1967 Das neue Postamt im Strohdorf wird erbaut. 1967 Neue Volksschule Bütze. 1967 Totenkapelle wird eingeweiht. 1970 Erstmals erscheint der Gemeinde-Informationsdienst. 1971 Ein neues Gebäude für die Hauptschule. 1975 Bevölkerungsrekord: 6637 Einwohner, davon 1197 fremdsprachige Gastarbeiter. 1976 Viehzählung: Nur mehr 23 Viehhalter. Sie besitzen 4 Pferde, 158 Kühe, 166 Stück Galtvieh, 242 Schweine, 10 Ziegen, 21 Schafe. 1976 Neue Volksschule Mähdle. 1977 In Wolfurt wird ein Gendarmerieposten eröffnet. 1978 Das «Blaue Buch» zählt 1081 Häuser auf, davon noch 13 Bauernhöfe. 1979 Das Altersheim wird eröffnet. 1980 Nach jahrzehntelangem Kampf werden Pfändertunnel und Autobahn durch Wolfurt in Betrieb genommen. 1981 Das Wälderbähnle stellt seinen Betrieb ein. 1981 Verkehrszählung: An einem gewöhnlichen Werktag fahren 711 Autos in einer Stunde durch die Bützestraße. Auf der Hohen Brücke sind es 1408 Autos. 1982 Am 1. Mai 1982 wird Wolfurt Marktgemeinde. Kultursaal und Bücherei werden eröffnet. 1982 Güterbahnhof und Groß-Zollamt werden eröffnet. Im Industriegebiet lassen sich neue Firmen nieder. 1983 Groß-Postamt wird eröffnet. 1983 Zweites Wasserwerk wird eröffnet. Der tägliche Wasserverbrauch ist auf über 300 1 pro Einwohner gestiegen. 1984 «Hofsteig»-Sporthalle in Wolfurt und «Hofsteig»-Saal in Lauterach eröffnet. 1985 Lauterach wird Marktgemeinde. 1985 Nach 30 Jahren Wirtschaftsaufschwung zeigen sich verstärkt Verkehrsmüdigkeit, Waldsterben, Ablehnung von Beton und Asphalt, Sehnsucht nach unberührter Natur. 15 Siegfried Heim Bauern und Fabrikler Die Arbeitswelt unserer Vorfahren I. Dreifelderwirtschaft Um das Jahr 500 nach Christi Geburt besetzten alemannische Siedler unser Land. Am Fuß des Steußberges errichteten sie an den Waldbächen oberhalb der alten Römerstraße sechs kleine Weiler: Kellhof am Tobelbach Hub am Eulentobelbach Unterlinden am Holzer Bach (Ippachbach) Spetenlehen am Bannholzbach Strohdorf am Himmelreichbächlein Rickenbach Den fruchtbaren Boden unterhalb der Straße bebauten sie mit Getreide. Alle Arbeit wurde gemeinsam verichtet, angeleitet von einem erfahrenen Ammann und seinen Helfern. Dazu teilte man die Felder in drei «Esche». Im ersten Esch wurde Winterweizen gesät, meist die widerstandsfähige Sorte «Vesen», aber häufig auch «Däntel». Im zweiten Esch wuchs eine Sommerfrucht, meist «Haber», nicht selten auch Gerste. Den dritten Esch ließ man ein Jahr «brach» liegen. Dorthin trieb der Dorfhirt das wenige Vieh. Auch die Auen an der Ach und das Ried dienten der Viehweide, doch stand die Viehzucht an Bedeutung weit hinter dem Ackerbau. «Allen soll alles gemeinsam sein», steht in einer St. Galler Urkunde von 891: Felder und Ackerweide, Weiden, Wälder, Holzschläge, Schweinemast, Wiesen, Wege, Wässer, Fischereien, Nutzung des Rieds. Ausgenommen war das «ehaft Gut», die eingezäunte Hofstatt beim Haus, wo jeder für sich privat Kraut, Flachs und Obst anbauen konnte. Als die Bevölkerung zunahm, wurden die Wälder auf dem «berg» gerodet. Hofsteiger Siedler setzten sich um 1000 n.Chr. in Bildstein, Buch und im Vorderwald fest. Später legten sie auch die Unterfelder gegen Lauterach trocken und gewannen neue Getreide-Esche. Immer größerer Wertschätzung erfreute sich der Weinbau. An den sonnigen Hängen und in der Bütze gedieh ein Weißwein, «herb, sauer und haltbar», der als «Bregenzer» bis nach Augsburg gehandelt wurde. Um 1600 lieferte Hofsteig jährlich etwa 150.000 1 Wein. II. Hunger 1000 Jahre lang hatte sich die Dreifelderwirtschaft bewährt. Im 18. Jahrhundert vermochte sie die zahlreicher gewordene Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Kriege, Klimaverschlechterung und Mißwirtschaft führten immer wieder zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 aus Vorarlberg an die Regierung, daß die Hälfte der Bevölkerung am Hungertuch nage und mit Weib und Kindern «das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen». Ein Großteil der alten und jungen Leute, Buben und Mädchen, müsse jedes Jahr in der Fremde als Maurer, Zimmerleute und Hirtenbuben Arbeit suchen «als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt». Gastarbeiter also — und Bettler! Einflußreiche Dorfgewaltige zäunten gegen den alten «Hofsteigischen Landsbrauch» Stücke aus der gemeinsamen «Almende» für private Nutzung ein. Benedikt Bilgeri erzählt 16 in seiner «Geschichte Vorarlbergs», wie Georg Rohner aus Wolfurt vergeblich Recht für den «Gemeinen Mann» beim Kaiser in Wien suchte und dann die Bauern 1706 zu bewaffnetem Aufstand gegen die Beamten in Bregenz führte. III. Felderverteilung Rettung in der großen Not hätte der Anbau der aus Amerika eingeführten neuen Früchte Mais und Kartoffeln bringen können, die einen weit höheren Flächenertrag als Weizen bringen. Dem standen aber die alten Bräuche im Wege. In den Getreide-Eschen war kein Platz! Nur in den «Neuwiesen» im weit entfernten Ried begann man vorerst zaghaft mit dem Anbau von «Türggo und Bodobiera». Endlich setzte sich um 1750 der «Gemeine Mann» durch: Die Getreide-Esche wurde zerstückelt und auf die einzelnen Bauern verteilt. Private Nutzung erbrachte nun bald weit höhere Erträge. Daher wurden 1795 auch noch der Ippachwald und 1798 das ganze Ried an die 166 Bauern verteilt. Der Maisanbau nahm rasch zu. Im Jahre 1817 übertraf die Maisernte mit 1620 Vierteln bereits den Hafer mit 1280 Vierteln. Weitaus an der Spitze lag aber noch immer der Vesenweizen mit 3250 Vierteln. Ein Viertel wurde in Wolfurt auch «Staren» genannt und faßte etwa 21,71 Körner. Wolfurt war also noch immer von Getreidefeldern umgeben, doch wurde das allmorgendliche Habermus nun langsam vom Türkenmus und ab 1850 vom Türken-Stopfer verdrängt. Die Arbeit in Feld und Garten galt nicht als Plage. Um 1860 beschreibt sie der Arzt Kaspar Hagen in seiner Bregenzer Mundart als «lustiges Leben». Das Leben am Bodensee. Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! Ma hot a wackre Husmaskost,l Hot Hereleable,2 Bier und Most, A munters Zottele? Kaffee, De Susar4 vu der Reabe. Wo ist der Friehling o so nett? A so a gottvolls Bleie?3a Ma gärtlat5 froh um Hus und Stal Und bstellt de Bode-n-iberal, Ma sait und setzt und ackeret, Lot wachse und lot treie.6 Im Summer ist ma zittle7 wach, Ma bloacht und tricknet d'Wescha. As zittnet8 d'Frucht a Halm und Ast, Ma mait und schnidt und haltet Rast, Ma lescht de Durst us Krueg und Bach Und schwimmt im See wie d'Frescha. Der Hierbst, a Zitt, fidel und reg, Lot breache, schwinge, fimmle.^ Ma schittlet Obß, ma priglet10 Nuß. Drescht noch-em Takt im Stadel duß,11 Fillt Kammer, Mahreneast12 und Treg, De Torkel noch-em Wimmle.B Der Winter, sus14 a ruha Ma, Drait d'Spindel, trillet's15 Rädle, Macht, daß ma gern de-n-Ofe mag, Bringt Stubat, Schlittbah, Klosetag,16 's lieb Krippele und Maschgara17 Und Freid fier Bue und Mädle. A jede Johrszitt, Bluest18 und Schnee, Wie's golde Korn und d'Reabe Freit Dorf und Stadt, freit Hof und Hus; Drum rief i kurlemusper19us: Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! 1 Hausmannskost. 2 Herrenlaibchen, eine Bregenzer Brotart. 3 Kaffeeschälchen. 3a Blühen. 4 Weinmost, Sauser. 5 bestellt den Garten. 6 gedeihen, fett werden. 7 zeitlich. 8 reift. 9 den weiblichen Hanf ausziehen und vom männlichen sondern. 10 schüttelt. 11 draußen. 12 Aufbewahrungsort für auszureifendes Obst. 13 nach der Weinlese. 14 sonst. 15 dreht. 16 Nikolaustag. 17 Masken. 18 Blüte. 19 recht fröhlich. Kaspar Hagen, 1820—1885, Stadtarzt / Bregenzer Mundart Zur täglichen Arbeit gehörte damals also der Umgang mit Getreide, Wein und Obst und auch mit Hanf und Flachs. 17 IV. Fabriksarbeit Die Folgen der Felderverteilung wurden schnell sichtbar: Starkes Anwachsen der Bevölkerung. Erbteilung der Bauerngüter. Neue Häuser in den Getreidefeldern. Die sechs alten Weiler wachsen zu einem Straßendorf zusammen. Ab 1800 beginnt die Besiedlung von Ach, Bütze, Flotzbach und Schlatt. Der Hunger aber blieb, denn die Felder konnten die zahlreicher gewordenen Einwohner nicht ernähren. Man war auf Nebenverdienste angewiesen. Schon um 1750 waren in den meisten Häusern Webkeller eingerichtet worden, wo die Männer für Schweizer Händler Flachs zu Leinwand und bald auch Baumwolle zu feinem Tuch verwoben. Frauen und Mädchen versuchten, mit feinen Handstickereien ein paar Kreuzer zu verdienen. 1837 bauten Jenny und Schindler ihre große Fabrik in Kennelbach. Die Wolfurter hatten ihnen vorher den Platz verweigert. Weil die Konkurrenz durch die Fabriken die Handweber brotlos gemacht hatte, suchten bald etwa 300 Arbeiter jenseits der Ach einen Verdienst, darunter sehr viele Kinder aus Wolfurt. Über die Arbeitsbedingungen erzählt Egon Sinz in «Kennelbach»: 300 Arbeitstage gab es damals und keinen Urlaub. Jeden Tag wurde 14 Stunden gearbeitet, von 5 Uhr früh bis 12 Uhr und nach einstündiger Mittagspause wieder von 1 Uhr bis 8 Uhr am späten Abend. Der Taglohn für Facharbeiter lag bei 50 Kreuzern. Dafür konnte man 5 kg Mehl kaufen. Die Kinder verdienten aber nur 12 Kreuzer im Tag, das reichte gerade für 1 kg Mehl und1/2lMilch. Strenge Aufseher kontrollierten die Arbeit und verhängten oft noch Lohnabzüge als Strafe. Geradezu unfaßbar erscheint uns heute, daß zu der langen Arbeitszeit oft noch ein langer, beschwerlicher Fußmarsch kam. Anfangs gab es nicht einmal eine Brücke über die Ach. Nach Arbeitsschluß drängten gegen 200 Leute zum kleinen Fährboot und mußten dort noch lange Wartezeiten auf sich nehmen. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt zählt die Namen von 2 Jungfrauen und 5 Kindern auf, die ihr Leben verloren, als das überladene Schifflein in der stürmischen Nacht des 24. April 1839 kenterte: Franz Xaver Geiger, Kirchdorf, 7 Jahre Maria Agatha Gmeiner, Strohdorf, 21 Jahre deren Schwester Katharina Gmeiner, 16 Jahre Franziska Kresser aus Hohenweiler, 13 Jahre Anna Maria Schwerzler, Hub, 21 Jahre deren Schwester Rosa Schwerzler, 10 Jahre Jakob Krug, Hub, 9 Jahre Und doch nannte Kreishauptmann Ebner 1843 die Fabriksarbeit einen «leichten Verdienst». Die Hungerjahre vorher müssen noch viel schlimmer gewesen sein! Allmählich wurde die Stundenzahl gesenkt, aber 1902 betrug sie immer noch 6 mal 10 Stunden. Kinderarbeit in der Fabrik war jetzt verboten. Italienische Einwanderer hatten den Dienst in den Spinnereien übernommen. Jetzt aber begann in Wolfurt die goldene Zeit der Sticker. An die Plätze der alten Webstühle stellte man neue Stickautomaten. Und wieder mußten 10jährige barfüßige Mädchen bis zu 15 Stunden täglich die eintönige Arbeit als Fädler an den rasselnden Maschinen übernehmen. Wen wundert es da, daß bald «s'Uszehro», die Geißel Tuberkulose, im Dorf reiche Ernte einholte? 18 V. Äcker werden Heuwiesen Durch viele Jahrhunderte hatten Wolfurter Bauern das Korn für ihr karges tägliches Brot selbst angebaut. Eine tiefgreifende Veränderung brachte der Eisenbahnbau. 1856 hatte die bayrische Südbahn Lindau erreicht. Billiges Korn überschwemmte bald den Bregenzer Kornmarkt. 1872 wurde die Vorarlbergbahn eröffnet, 1884 der Arlbergtunnel. Große Umwälzungen in der Wirtschaft zerbrachen die alten Strukturen: Belebung des Handels. Vernichtung der Frächterei und vieler Handwerksberufe. Vernichtung des Getreidebaus und des Weinbaus. 1882 ließ der Wolfurter Pfarrer den letzten Weinberg im Tobel eingehen, 1898 brach der Kreuzwirt den letzten Weintorkel ab. Der Getreidebau warf keinen Ertrag mehr ab, der Bauernstand war tief verschuldet. Da rief der Wolfurter Lehrer Rädler nach der Idee Raiffeisens zur Selbsthilfe auf. Er lehrte Milchwirtschaft und Obstbau. 1882 gründete er die Sennerei Kirchdorf, 1884 folgte die Sennerei Hub. Vorschußverein Rickenbach ab 1881 und Raiffeisenkasse Wolfurt ab 1889 sorgten für notwendiges Kapital. Die Viehställe wurden vergrößert. Dreschflegel und Sichel verschwanden mit Flachsbrechel und Hanfhechel auf dem Dachboden. Das monatliche Milchgeld wurde zur Grundlage des Familieneinkommens. VI. Ausblick Am schwersten traf ab 1955 die dritte Bodenreform die Landwirtschaft mit Industrialisierung und Zersiedelung der Felder. 1880 hatte Wolfurt 213 Bauern mit 426 Kühen gezählt. 1976 waren es noch 23 Bauern mit 158 Kühen. 1988 sind es nur mehr ein Dutzend, die voll Sorge auf die EWG-Landwirtschaft blicken: Bringt sie das Ende? In den Betrieben ist die Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden gesunken, Lohn und Urlaub sind gewachsen. Die Kinder dürfen lernen und spielen. Die Sorgen aber sind nicht kleiner geworden, nur anders. Und weise Leute sagen, daß man sich die Sorgen selber macht. Wir dürfen uns jedenfalls dankbar unserer Vorfahren erinnern, die in viel schwereren Zeiten mit ihrer Hände Arbeit den Grundstock zu unserem heutigen Wohlstand gelegt haben. 19 Christoph Volaucnik Franzosenkrieg im Jahre 1800 Vorarlberg wurde ab 1792 in die Wirren des französischen Krieges verwickelt und geriet durch die Kampfhandlungen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges in eine langjährige Wirtschaftskrise. In den Franzosenkriegen wurde die Verteidigung des Landes neben den regulären kaiserlichen Truppen noch zum größten Teil von der Landwehr durchgeführt. Die Landwehr stand zwischen 1796 und 1800 immer zur Verteidigung Vorarlbergs bereit. Auch im Gericht Hofsteig waren die Schützen für die Verteidigung Vorarlbergs aufgeboten worden und 1800 wurde die Gemeinde Wolfurt in die Kriegswirren hineingezogen. Am 8. Mai 1800 erschienen die Franzosen am Rhein. Das österreichische Militär zog sich nach Füssen zurück und am 12. Mai rückten die Franzosen von Lindau nach Bregenz ein. Die Bregenzerwälder, Oberländer und Hofsteiger entschlossen sich, gegen die Franzosen weiterzukämpfen. Über die Kampfhandlungen im Gebiet Wolfurt vom Mai bis Juli 1800 hat sich im Vorarlberger Landesarchiv eine Wolfurter Chronik aus dieser Zeit erhalten, die von einem Maler Anton Schneider verfaßt wurde. Sie schildert die Ereignisse in Wolfurt und Vorarlberg von 1784 bis 1804, ist aber leider nicht mehr ganz vollständig. Aus dieser Chronik sollen die Ereignisse des Jahres 1800 wiedergegeben werden. Nach dem Einmarsch der Franzosen waren Soldaten nach Wolfurt gekommen und hatten von der Bevölkerung Essen und Trinken verlangt, waren aber nach Erhalt der Lebensmittel wieder abgezogen. Die Franzosen haben sich nicht über die Lauteracher Brücke hinausgewagt und sind in Lauterach und Wolfurt nur sporadisch zu Patrouillengängen erschienen. Die Bevölkerung wurde am 17. und 18. Mai zum Abbruch der Schanzen und Befestigungen in Bregenz kommandiert. Der Chronist vermerkt zu dieser Arbeit, daß diese Schanzen von den selben Bauern erst vor wenigen Monaten auf Befehl des österreichischen Militärs errichtet und für die Befestigungen Äcker, Felder und Wälder vernichtet worden waren. Die Schützen der Alberschwender Landwehr stießen am 18. und 20. Mai bis an die Lauteracher Achbrücke vor und eröffneten mit den Franzosen ein Feuergefecht. Besonders das Feuergefecht am 20. Mai muß sehr stark gewesen sein, da die Wolfurter Bevölkerung durch den Gefechtslärm stark verängstigt wurde. Die Einwohner eilten zur Kirche, um einen Psalter und einen Rosenkranz zu beten. Während der Gebete wurden der Barbier und der Pfarrer aus der Kirche geholt, um die Verwundeten der Alberschwender Schützen ärztlich zu versorgen und ihnen seelsorgerischen Beistand zu geben. Die Bevölkerung floh darauf aus der Kirche, da sie den Einmarsch der Franzosen befürchtete. Völlig überraschend zogen die Franzosen sich am selben Tag aus Bregenz zurück. Tags darauf rückten 3 Kompagnien kaiserlicher Truppen in Wolfurt ein und blieben bis zum 24. Mai in Wolfurt einquartiert. An diesem Tage hatten die Franzosen Bregenz in einer Zangenbewegung von der Klause und von Weiler-Langen her angegriffen und eingenommen. Die Österreicher konnten noch rechtzeitig aus Bregenz fliehen. In Wolfurt traf an diesem Tag der Befehl ein, daß sich die Wolfurter Schützen sammeln und nach Gaißau oder Hörbranz ziehen sollten. In der Reihe der Schützen gab es aber gegen diesen Befehl Widerstand, sodaß beschlossen wurde, die Entwicklung der nächsten Stunden abzuwarten. In der Nacht wurde aus Lauterach Gefechtslärm gehört, der die Leute aus dem Schlaf riß und zur Flucht führte. Es wurde ein Bote nach Lauterach geschickt, der nach einigen Stunden berichtete, daß die kaiserlichen Truppen aus Lautersch geflüchtet wären und die Franzosen wieder an der Lauteracher Brücke wären. 20 Am nächsten Tag, Sonntag dem 25. Mai, zogen sich die Schützen nach Bildstein zurück und warteten dort auf weitere Befehle. Als am 26. Mai von einem Wolfurter einige Franzosen bei der Kennelbacher Fähre gesichtet wurden, kam es im Dorf wiederum zu Panik, da man mit einem Einmarsch der Franzosen rechnete. Die Franzosen hatten aber das Fährschiff nur konfisziert und nach Lauterach gebracht, um damit den Achübergang bei Kennelbach zu unterbrechen. Die Schützen waren alarmiert worden und zogen von Bildstein nach Wolfurt zurück. Sie marschierten an die Achbrücke und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. In der Nacht erhielten sie den Befehl zum Rückzug nach Bildstein, errichteten aber Wachtposten im Oberfeld. Die Schützen wurden in den Parzellen Bereuter, Staudach, in Buch und Bildstein untergebracht. Sie patrouillierten jeden Morgen und Abend durch das Dorf und die Felder. Auch die kaiserlichen Soldaten führten täglich von Dornbirn her Patrouillengänge bis nach Lauterach und Wolfurt durch. Die Franzosen entsandten zweimal Spähtrupps nach Wolfurt, die aber nur bis zum Schmerzenbild und bis in den Ortsteil Bütze kamen. Die auf den Feldern arbeitenden Bauern flüchteten bei Ankunft der französischen Spähtrupps in das Dorf und schlugen Alarm. Wolfurt hatte durch die Brückenbesetzung und durch die Vernichtung der Fährverbindung keine Verbindung mehr mit Bregenz. Bregenz hatte aber als Getreidemarkt für Wolfurt eine lebenswichtige Bedeutung. Der Kornpreis war durch die Kriegsereignisse bereits stark gestiegen und zusätzlich zur Teuerung kam es zu einem spürbaren Mangel an Getreide. Die Schützen hatten in Schloß Wolfurt, Frickenesch und dem Oberfeld weitere Wachtposten anfang Juni errichtet. Besondere Bedeutung sollten die Wachen am Flotzbach und am Rickenbach erhalten. Französische Patrouillen waren Mitte Juni zweimal auf diese Wachen gestoßen. Am 30. Juni waren 160 französische Reiter und Infanterie am Rickenbach erschienen, hatten sich aufgestellt und die Wolfurter Schützen überrascht. Ein Teil der Rickenbacher Schützen eilte vom Dorf zu den Franzosen, während der zweite Teil der Schützen zuerst zur Ach marschierte und von dort erst zum Rickenbach kam. Die Franzosen griffen an und versuchten, möglichst rasch zum Schloßbühel zu gelangen, um die dort befindlichen Schützen gefangen zu nehmen und die «Kanon» zu vernichten. Die im Schloß liegenden Schützen waren rechtzeitig nach Frickenesch geflohen, hatten sich dort neu gesammelt und einen Angriff von der Höhe auf die Franzosen begonnen. Sie konnten das Dorf von den Franzosen befreien und diese bis nach Lauterach zurücktreiben. Der Kampf hatte von halb 8 Uhr bis 12 Uhr gedauert und mehrere Tote gefordert. Die Schützen haben die Wachen neu besetzt und sich nach Bildstein zurückgezogen. Der kommandierende französische General übermittelte noch am selben Tag den Gemeinden Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach eine Kapitulations-Aufforderung. Er drohte den Gemeinden bei weiterem Widerstand mit Plünderungen, Morden und Brandlegungen. Der Pfarrer von Wolfurt wurde mit der Abfassung eines Bittbriefes beauftragt. Er erklärte darin, daß die Wolfurter an den Kämpfen unschuldig wären und Wälder und Tiroler Schützen den Kampf geführt hätten. Weiters versprach die Gemeinde, alle Forderungen der Franzosen zu erfüllen, Brandschatzung zu zahlen und Vieh freiwillig abzuliefern. In der Gemeinde herrschte große Angst und man rechnete mit keiner Schonung durch die Franzosen. Eigentümlich scheint der Inhalt des Bittbriefes bezüglich der eingesetzten Schützen. In mehreren Stellen in der Chronik werden ausdrücklich die «Rickenbacher Schützen», «unsere Schützen» als Verteidiger genannt. Der Pfarrer dürfte hier aus Furcht vor der französischen Vergeltung die Rolle der Wolfurter Schützen vermutlich heruntergespielt haben. Die erwartete Strafaktion blieb vorerst 21 aus. Erst am 12. Juli 1800 brachen die Franzosen aus Bregenz auf und marschierten in Richtung Feldkirch. Die Wolfurter schickten Johann Dür aus dem Tobel nach Bregenz, um sich über die Lage zu informieren. Der Aufmarsch über die Achbrücke erfolgte nachts. Im Schutze der Dunkelheit wurde eine Abteilung französischer Soldaten dem Achdamm entlang nach Wolfurt geschickt. An einer Stelle in den Inselgründen teilten sich die Soldaten in zwei Gruppen und marschierten durch die Felder dem Dorf zu. Bregenzerwälder Schützen, die am Ortsrand auf Wache standen, bemerkten die angreifenden Franzosen und flohen, nachdem sie Alarmschüsse abgegeben hatten, vor den Angreifern. Die Franzosen stürmten Richtung Schloß, um die dort befindlichen Bregenzerwälder Schützen gefangennehmen zu können. Bei der Einnahme des Schlosses wurden mehrere Schützen und Franzosen getötet. Die Franzosen haben die Schützen bis nach Bildstein und Alberschwende verfolgt. Dort wurden sie von den Schützen bereits erwartet und erst nach dreimaligem Sturmangriff der Schützen zogen sich die Franzosen wieder bis Wolfurt und Lauterach zurück. In Lauterach verschanzten sich die Franzosen hinter einem «Hag» und es wurden den ganzen Tag in Lauterach noch Feuergefechte geliefert. In der Gemeinde herrschte wegen der Kampfhandlungen Furcht, Schrecken und Ratlosigkeit. Die Franzosen hatten bei der Einnahme von Wolfurt in viele Häuser eingebrochen, geplündert und einen Mann, Michael Haltmayer, in seinem Haus erschossen, da er sich geweigert hatte, ihnen Geld zu geben. Er wurde in aller Stille beerdigt, da die Franzosen das Glockenläuten verboten hatten und aus Furcht nur 3 bis 4 Personen es gewagt hatten, die Beerdigung zu besuchen. Am Abend kam der Befehl für die Bregenzerwälder Schützen, sich wieder bis Alberschwende zurückzuziehen. Die Wolfurter haben ihre eigenen Schützen den Wäldern hinterhergesandt, um das Dorf frei von Schützen zu haben. Am folgenden Tag, Montag dem 13. Juli, wurden 4 Wolfurter zu den Franzosen gesandt mit der Nachricht, daß die Schützen das Dorf verlassen hätten und die Gemeinde um Schonung beim Einmarsch bitte. Die Wolfurter zogen den Franzosen mit Branntwein und Brot entgegen und der Chronist vermeint dazu, daß es trübe Zeiten wären, da man dem Feind entgegenziehen müsse. Die einrückenden Franzosen schonten das Dorf aber in keiner Weise. Sie haben bei den Hausdurchsuchungen mit Äxten die Türen und Läden aufgeschlagen, sind sogar in der Kirche eingebrochen, wobei sie aber nur die Kerzen stahlen. Der Chronist kommentiert diese Plünderung mit einem Vergleich. Er sagt, daß die Franzosen «wie wütende Hund herum gefohren» und mit Wut und «garosch» (=Rage, Zorn, Empörung, Wut) in das Dorf gekommen wären. Die Franzosen blieben zwei Tage im Dorf und marschierten dann in den Bregenzerwald weiter. Ab dem 17. Juli erfolgte eine neuerliche Einquartierung von Franzosen in Wolfurt. Die Bevölkerung hatte die Soldaten (100 Mann) mit Suppe, Brot, Fleisch und Branntwein zu verköstigen. Für einen Brückenbau in Gaißau mußten täglich 10 Männer für die Bauarbeiten abgestellt werden und Kornlieferungen an die französische Armee durchgeführt werden. Weiters schrieben die Franzosen der Gemeinde bis zu einem bestimmten Datum die Herstellung der Gemeindestraßen vor. Im Dezember 1800 wurden 3 Wolfurter als Wegführer und Fuhrleute für einen Truppentransport nach Schwarzenberg verpflichtet. In den folgenden Jahren litt die Bevölkerung Wolfurts unter ständigen Truppeneinquartierungen und unter Fuhrdiensten für das Militär. Kriegerische Auseinandersetzungen im Dorf gab es glücklicherweise keine mehr für die nächsten 145 Jahre. 22 Siegfried Heim So heo s i ghört! (Nicht-Wolfurter sollten sich unseren Dialekt vorlesen lassen, wenn er ohne phonetische Zeichen geschrieben wird.) Deon und heon, deonna und heonna, ummar und umme: umme gi Kennolba, gi Breogoz, gi Lindo, id Schwiz, gi Amerika dünn und homm, dunna und homma, uffar und abe: abe in Keor, gi Luttora, gi Nuschlou, gi Wion, id Steiormark, uf Italien domm und hunn, domma und hunna, abar und uffe: uffe in Ufzug, gi Bildsto, gi Schwarza, is Oborland, uffe uffo Mo duß und hinn, dussa und hinna, inar und usse: usse is Riod, gi Locho, is Dütscho dinn und huß, dinna und hussa, ussar und ine: ine is Gado, is Buoch, ad Egg, is Muntofu, is Tirol, ine is Dorf und usse gi Rickoba, usse id Kelte, ine ad Werme! Füor s Klennst Rita, rita, Rößle! Z Breogoz stoht a Schlößle, z Riodoburg a Kappele. D Moatla trägond Schappele. Buobo trägond Moio. D Henna leggond Oior. D Wibor neommond s us und Heorro schleockond s us. Was wir planen Vortrag: Gewerbe im vorigen Jahrhundert Zeitschrift: Geologisches aus Wolfurt Lesung: Aus der Schneider-Chronik Führungen: In und um die Kirche Quer durch Rickenbach Wir werden Sie rechtzeitig einladen. Bitte, lassen sie uns die Adressen von weiteren Interessenten zukommen, denen wir dieses und die folgenden Hefte zuschicken dürfen!
  1. heimatwolfurt
19800414_GVE053 Hittisau 14.04.1980 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 25.04,1980 Verhandlıungsschrift über die am Montag, den 14, April 1980 um 20,15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 53. öffentliche Sitzung der Gemeinde- vertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr, Anton Stöckler, Josef Steurer, Max Moosbrugger und Ing, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Arno Kohler sowie der Gemeindekassier Konrad Schwarz, Entschuldigte: der GV. NR Ludwig Hagspiel sowie nicht erschienen Eduard Metzler, Tagesordnung 1. Eröffnung und Begrüßung. 2, Vorlage: a) der Jahresrechnung 1979, b) des Revisionsberichtes der Landesrevisionsstelle und des Prüfungsausschusses, c) Beschlußfassung der Rechnung 1979 und der bedingten Abweichungen gegenüber dem Voranschlag. 3 . Stellungnahme zum Straßenprojekt - Balderschwang,. 4‚ Baukostenbeitrag Güterweg Dorf. 5. Ansuchen der 6. Protokoll. 7. Alıfälliges und Berichte, örtlichen Feuerwehr, 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen., Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung umd die Punkte: 8, Erweiterung der Ortskanalisation und 9, Schülerfahrt Sippersegg. Dem Antrag wird einhellig zugestimmt. 2. a) Zur Behandlung des Rechnungsabschlusses 1979 gab der Bürgermeister zunächst einen Überblick über die Finanzgebarung. Er stellte die Voranschlagssätze mit den Rechnungsergebnissen 1979 gegenüber, Diese weichen folgendermaßen ab: Einnahmen Voranschlag Rechnung Ausgaben 17.282.000, -16.984 ,546, 34 17.183,000,-- -99,000,-- Abg. 16.548.489 ,49 +436,.056,85 ÜUsch. - 297.453,66 + günstiger - ungünstiger 634.510,51 +337.056,85 en aA ESEL EEE Der Rechnungsabschluß Ergebnis I I SEES EEE Aa EEE a nn a a EEE Zn nn Ai U EEE 1979 weist aus: Einnahmen der Erfolgsgebarung S 11.669,264,78 Einnahmen der Vermögensgebarung S_ 4.860,.760,59 S 16.530,025,37 Gebarungsüberschuß 1979 Ss 454,520,97 S 16,984,546,34 ERS Ausgaben der Erfolgsgebarung S 7.955.,965,56 Ausgaben der Vermögensgebarung S 8.592.523,93 Gebarungsüberschuß 1979 Ss S 16,548,489,49 436.056,85 S 16.984.546, 34 Aufgegliedert auf die einzelnen Gruppen ergibt sich folgendes Bild: Gruppe 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Geb.Übsch. 78 Geb, Übsch, 79 Einnahmen Ss Ss Ss Ss Ss 5 Ss Ss S S Ausgaben 317.496 ,44 145.,.102.42 660,298 ‚44 22,220,-378.334,36 152,302,93 15.243,-180,.835,73 6,633,666,46 8,.024,525,59 Ss Ss Ss Ss Ss S) S Ss Ss Ss 1.480.899 ,06 576,608‚01 2.436.973,57 167,883, -1.067,.010,21 777.580,93 460,507,91 758 .20h ,44 8.380,854,05 441.967,91 S 16.530.025,37 S 454,520,97 S 16.548,489,49 S 436,056,85 S 16,984.546,34 S 16,.984,546,34 SEES DZZZNNIz SEELE EEE Das Reinvermögen beträgt zum 31,12,1979 S 25.161,.990,20o Die aufgenommenen Darlehen beziffern sich per 31.12.1979 auf S 15.776.031,23 Man A a Wi SEE EEE A ts SE Ey SM A ZZEDRZS womit der Darlehensstand um S als im Vorjahr, 1.995.533,3? geringer ist Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt (1,561 Einwohner lt. Volkszählung 1971) S 10.106,-in 0 Ak A U Sn An Sn Im besonderen wurden die Abweichungen vom Voranschlag vom Gemeindekassier erhoben und erörtert, Hier seien die bedeutensten Abweichungen - Netto - auf der Ausgabenseite aufgeführt: Anschaffung einer Buchungsmaschine Schulerhaltungsbeiträge an andere Gemeinden A,c.,-Zahlung für Altersheim Brennstoffe für Schule etc, Familienhelferin ab 1.9.1979 Stromkosten f£,. Schwimmbad 1978/79 Baukosten für Schwimmbad - Rest Vorzeitige Darlehenstilgungen nYNUHLO 165.000,-61,.000,-135.000 ,-69,000 ,-12,000,-105.000,-- 298.000,-1399.350,-- Die meisten Mehrausgaben waren bei der Voranschlagserstellung nicht abzuschätzen oder unvorhersehbar, Sodann brachten die Gemeindevertreter Gerard Hagspiel und Arno Kohler den umfangreichen Bericht über die Überprüfung der Gebarung der Landesrevisionsstelle zur Verlesung. Dieser umfaßt die Jahre 1975 bis 1978 und beschäftigt sich ausführlich mit der Gebarung des Haushaltsjahres 1978, Der Bericht enthält teilweise Feststellungen und Mängel, die berechtigt sind, teilweise sind die Bemängelungen nicht zutreffend, pedantisch kleinlich und zu Unrecht erfolgt, Sicher- lich sind mancherlei Hinweise und Anregungen (Beurteilung der finanziellen Entwicklung, der Verschuldung, Erstellung eines Finanzplanes, die Anlegung eines Indexes der Gemeindebe- schlüsse) wertvoll, doch zeigt sich, daß graue Theorie und lebensnahe Praxis nicht immer vereinbar sind, Der Bürgermeister und Gemeindekassier haben zu den Ergebnissen der Einschau Erläuterungen, Aufklärung und Rechenschaft gegeben. Durch eine Aussprache des Kontrollorgans während der Überprüfung hätten einige sachlich unrichtige Feststellungen vermieden werden können, In einer Unterredung bei der Revisionsstelle hat der Bürgermeister Unklarheiten bereinigt und einige kritische Bemängelungen und sachlich unrichtige Feststellungen im Bericht klargestellt. Im Anschluß verlas der Obmann des Prüfungsausschusses GV Gerard Hagspiel den Bericht über den Rechnungsabschluß 1979. Der Ausschuß hat in mehreren Sitzungen das Rechnungs- und Belegwesen stichprobenweise überprüft, die Kassa- und Bankbestände auf Übereinstimmung mit den Kontoauszügen und Buchungen kontrolliert und Einsicht in einzelne Baurechnungen des Kläranlagenbaues genommen, Er stellte fest, daß das Rechnungswesen sauber und übersichtlich und sachlich und rechnerisch richtig geführt ist. Im Bericht sind wertvolle Hinweise für Energiesparmaßnahmen in der Volksschule und im Gemeindehaus aufgezeigt. Es wird in sachlicher Form auf Feststellungen der Aufsichtsbehörde im Prüfungsbericht verwiesen und einige Unrichtigkeiten klargestellt, In Stichproben wurden einige Bauabrechnungen von der Kläranlage kontrolliert und deren Übereinstimmung mit den Offertpreisen überprüft. Dabei ergaben sich bedeutende Differenzen und Abweichungen durch Mehr- und Minderleistungen, wobei Aktenvermerke der Bauaufsicht über erfolgte Änderungen fehlen und keine Beschlüsse der Gemeindevertretung für ge- tätigte Überschreitungen vorliegen, Der Prüfungsausschuß regt an, daß künftig alle Bauabrechnungen nach Prüfung durch die Bauaufsicht auf Einhaltung der Anbotspreise und Ausführung der Leistungen an Ort kontrolliert werden, Betreffs der Entlohnung der Gemeindearbeiter wird die genaue Einhaltung der Bestimmungen des Gemeindebedienstetengesetzes empfohlen, Der Obmann des Prüfungsausschusses stellt sodann den Antrag, den Rechnungsabschluß über die Haushaltsgebarung 1979 zu genehmigen und den Kassier zu entlasten, In der Diskussion nehmen die GV H.,. Faißt und Herbert Bilgeri zu den aufgezeigten Sachverhalten betreffs Baurechnungen Stellung, Sie verweisen darauf, daß baubedingt gewisse Anderungen immer wieder notwendig werden und diese schließlich der Verbesserung und Berichtigung dienen und auf Anordnung der Bauaufsicht erfolgten, Der Bürgermeister anerkennt den sachlichen Bericht und dessen Aussagewert, Sodann wurde dem Antrag auf Genehmigung des Rechnungsabschlusses über die Haushaltsgebarung des Jahres 1979 inklusive der Überund Unterschreitungen des Voranschlages einstimmig stattgegeben, Der Bürgermeister dankt dem Gemeindekassier für die saubere und gewissenhafte Führung des Rechnungswesens und dem Prüfungsausschuß für seine Kontrolltätigkeit und den sachlichen Bericht, 3, Das Projekt über den Ausbau des Nr, II, Bauloses der Landesstraße 5 - Balderschwangerstraße wurde zur öffentlichen Stellung= nahme aufgelegt. Die Grundbesitzer wurden hievon schriftlich verständigt, Die Gemeindevertretung nimmt zum generellen Projekt positiv Stellung, Der Bür germeis ter verweist in seiner schriftlichen Stellungnahme darauf, daß die zu erwartende Zunahme des Verkehrs die gleichzeitige Sanierung der Ortsdurchfahrt unumgänglich notwendig mache, Die Güterweggenossenschaft Dorf ersucht nach Endabrechnung durch die Agrarbezirksbehörde um den Restbeitrag zum Wegebau, Von der Gemeinde wird wie üblich ein 10%-iger Zuschuß zu den Baukosten geleistet, Als Restzahlung wird mit einstimmigem Be- schluß ein Beitrag von S 34,00oo,-- gewährt. Die Ortsfeuerwehr ersucht zur Durchführung des Jubelfestes um Gewährung eines Zuschusses in Höhe der anfallenden Ge- tränkesteuer. Wie bisher gehandhabt, wird diesem Ansuchen einstimmig stattgegeben, Das Protokoll der Sitzung vom 25.03.1980 wird ohne Einwand genehmigt. GV Anton Faißt bedankt sich im Namen der Güterweggenossenschaft Häderich für den gewährten Zuschuß zu den Straßenerhaltungskosten, Er verweist auf die Tatsache, daß heute die Straße zu 90 - 95 % dem öffentlichen Verkehr dient und die Genossen- schaft künftig nicht in der Lage ist, 50 % der Erhaltungskosten zu tragen. 7. Berichte und Allfälliges: a) Im Baubeginn der Ortszentrumsverbauung tritt wegen der notwendigen Kabelverlegung eine Verzögerung ein, Die Installation der Sanitäranlage wurde an die Fa, Walter Fink, Schwarzach vergeben, bp) Das Fischereirevier Bolgenach Nr, 14 wurde im Versteigerungswege um den Jahrespacht von S 10.,000,-- an Herrn Walter Scheffknecht, Fußach vergeben, c) Gottlieb Bechter, Rain ersucht in einer Anfrage um die Bewilligung zum Transport von Aushubmäterial mittels LKW auf der Ließenbachstraße, Es bestehen Bedenken, daß die Straße dieser Belastung nicht Stand hält, Die Bewilligung kann nur gegeben werden, wenn der Gesuchsteller schriftlich erklärt, für alle entstehenden Schäden jetzt und in der Folge die Haftung zu übernehmen, a) Vom Amt der V1lbg. Landesregierung wurde der Voranschlag 1980 genehmigt. 8, Der Bürgermeister stellt die Erweiterung der Ortskanalisation durch nachstehende Teilstücke zur Debatte: a) Stichkanal mit Straßenunterführung in Banholz, b) Verlängerung des Kanals auf dem Dorfplatz bis zum Kriegerdenkmal für späteren Anschluß aus Richtung Kirchenbühl, c) Teilstück in Heideggen bei Schelling Zita. Der Bau dieser Teilstück: wird einstimmig beschlossen, Für die Schülerfahrt nach Sippersegg verlangt das Busunternnehmen Schedler zusätzlich pro Fahrt S 5o,--, Der Bürgermeister wird sich beim Finanzamt erkundigen, ob diese Kosten aus Mitteln des Ausgleichsfonds finanziert werden, Zum Ablauf der Funktionsperiode dankt der Bürgermeister allen Gemeindevertretern für ihre Mitarbeit, Besonderen Dank sagt er den ausscheidenden Gemeindemandataren, die nicht mehr kandidieren, für ihre teils jahrzehntelange Tätigkeit im öffentlichen Leben zum Wohle der Gemeinde, Es sind dies: Metzler Eduard GV von 75 - 80, tätig im Fremdenverkehrs-, Erwin Eberle GV von 70 - 80, 10 Jahre im Gemeindevorstand, tätig im Bauausschuß, bei der Wasserver- Dir, GV von 65 - 8o, 15 Jahre im Gemeindevorstand, von 7o - 80 Vizebürgermeister, Protokoll- Schulbau- und Überprüfungsausschuß, sorgung und im Kanalaugschuß, Elmar Huber führer, Eberle Oskar GV von 65 - 80, tätig im Fremdenverkehrs-, Fischerei- und Einschätzungsausschuß, Sutterlüti Alfons GV von 55 - 8o, tätig im Fremdenverkehrs-, und Einschätzungsausschuß, Kommandant der Feuerwehr. Faißt Anton GV von 55 - So, von 62 - 7o Vizebürgermeister, tätig im Finanzausschuß und Güterwegebau. Hagspiel Xaver GV von 55 - 70 und von 7o - 8o tätig u.a, im Jagdausschuß, 1, Ersatzmann, Schluß der Sitzung um 015 Uhr. Der Büggermeister: gez. Anton Bilgeri e. Anm h, Kilo —
  1. hittisauvertretung
19800325_GVE052 Hittisau 25.03.1980 GEMEINDEAMT EITTISAU Hittisau am 03,04.1%80 Verhandlungsschrift über die am Dienstag, den 25. März 1980 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 52. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: ‚Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler sowie Adie Ersatzleute Xaver Hagspiel und Alfons Bals. Entschuldiate: die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Herbert Bilgeri, Josef Steurer, weiters waren nicht anwesend Anton Faißt und Eduard Metzler. Tagesoränung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Stellungnahme zum vorliegenden Teilungs- und Erschließungsvorschlag in Gfäll. 3. Beschlußfassung zwecks Abdeckung der außergewöhnlichen Tilgungsrate des Wasserwirtschaftsfonds. 4. Beitrag für den Winterdienst 1978/76 und 1979/80 Güterweg Häderich. 5. Festlegung der Verkaufsbedingungen für den Zentrumsverbau Hittisau I. 6. Beschlußfassung zwecks Sanierungsarbeiten für die Verbesserung der Trinkwasserqualität in Bolgenach. 7. Mitwirkung der Gemeinde bei der Tbc-, Bang- und Leukoseuntersuchung der Rindviehbestände., 8. Protokoll der Sitzung vom 05.02.1980. 9. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung zu Punkt 4. b) Beitrag zu den Erhaltungskosten des Güterweges Häderich. Dem Antrag wird einmütig zugestimmt. 2. a) Zur angestrebten Umwidmung der Gp. 443/2, 444, 436 und 435/3 des Dorner Josef, Gfäll als Wohngebiet wurde ein Teilungs- und Erschließungskonzept vorgelegt. Danach wird der Hang in vier Bauparzellen unterteilt. Die Gemeindevertretung heißt den Vorschlag bei nachfolgenden Änderungen gut: 1) Die Grundgrenze der Bauplätze 1 und 2 ist in der Nord Südrichtung zu begradigen. 2) Der Zufahrtsweg ist bis zum Öffentlichen Weg an der Westseite des Grundstückes zu verlängern. b) Der Bürgermeister gibt die vom Amt der Vorarlberger Landesregierung genehmigten Umwidmungen zu den von der Gemeinde- ‚vertretung beschlossenen Änderungen des Flächenwidmungsplanes bekannt. Darnach wurden genehmigt: 1) die Umwidmung der Gp. 931/1 sowie einer Teilfläche der Gp. 935 in Wohngebiet (Wilburger - Fink), 2) die Umwidmung der Gp. 1001/4 in Wohngebiet — (Ingrid Hagspiel), 3) die Umwidmung einer Teilf£fläche der Gp. 899/1 in Wohngebiet -—- (Matt Leo), 4) die Umwidmung einer Teilfläche der Gp. 58o in Mischgebiet - Landwirtschaft - (Hagspiel Ludwig), 5) die Umwidmunqg einer Teilfläche der Gp. 475/1 in Wohngebiet - (Vicentini Nella). 3. Vom Wasserwirtschaftsfonds ist die Vorschreibung zur Be- zahlung der 1. Tilgungsrate in Höhe von S 739.473;-- für die Darlehen samt Zinsen zur Kanalisation eingelangt. Im Voran- schlag ist hiefür keine Bedeckung vorgesehen, da man der Meinung war, daß die Tilgungsraten erst nach der Kollaudierung anfallen. Die Bestimmungen besagen jedoch in einem Nachsatz, daß mit der Tilgung fünf Jahre nach Zusicherung des Darlehens zu beginnen ist, was bei uns zutrifft. Deshalb wurde zur Begleichung der vorgeschriebenen Tilgungsrate ein positiver Beschluß gefaßt. Die Bedeckung ist durch Förderbeiträge des Bundes und Landes für bereits ausgeführte und bezahlte Arbeiten in der Höhe von S 536.000,-- teilweise gegeben. In diesem Zusammenhang stand die Einhebung der Benützungsgebühr, die vorläufig nur in halber Höhe vorgeschrieben wird, zur Diskussion. Da die Parteien zur Zeit bedeutende Kosten für die Anschlüsse aufzubringen haben, wird deren Erhöhung bis auf weiteres aufgeschoben. 4. a) Für die Schneeräumung und Salz- bzw. Splittstreuung der Häderichstraße bis zur Abzweigung "Gschliefstein" sind in den Wintern 1978/79 und 1979/80 lt. Berechnung der Fa. Johann Steurer Kosten von pauschal je S 40,000,-- aufgelau- fen. In Relation zu den Rämungskosten aller anderen Gemeindestraßen - S 86.006,-- im Jahre 1979 - erschienen diese Be-träge reichlich hoch bemessen, wenngleich auf dieser Bergstrecke für den Winterdienst andere Verhältnisse herrschen. Über Antrag wurde bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters einstimmig beschlossen, vorerst für das Kalenderjahr 1979 einen Betrag von S 40.000,-- zu bezahlen. Über den Zuschuß für das Jahr 1980 wird später entschieden. b) Die Güterweggenossenschaft Häderich legte für die Jahre 1978 und 1979 eine Rechnung über die Straßenerhaltungskosten in Höhe von rund S 30,000,-- vor. Auf Antrag wird ein einmaliger Zuschuß von S 15.000,-- einstimmig gewährt. In Hinkunft soll die Rechnungsstellung jährlich erfolgen. Über die Vertragsbedingungen für die Zentrumsverbauung -—I. Bauetappe legte der Bürgermeister einen Vertragsentwurf zur Beratung vor (siehe Beilage!). Die Vertragsbedingungen wurden von der Gemeindevertretung nach eingehender Behandlung gutgeheißen. Der Grundpreis je m2 wurde einstimmig mit S 60o00,-- festgesetzt. Die Kosten der Umlegungsarbeiten für den Kanal und die Wasserleitung sind von den Vertragspartnern zu tragen. Die Höhe des Grundpreises wird von der Gemeindevertretung als preisgünstig eingeschätzt. Zur Verbesserung der Qualität des Trinkwassers in Bolgenach hat die Bezirkshauptmannschaft Bregenz mit Schreiben vom 29.2.80 nachstehende Sanierungsarbeiten vorgeschrieben: 1) Die Schutzraumzone des Quellgebietes ist zu vergrößern und zur Verhinderung der Beweidung einzuzäunen. 2) Die Düngeranlage im Alpgut des Josef Lässer ist soweit möglich noch vor dem Alpauftrieb zu sanieren. Durch diese Maßnahmen hofft man, auf die Einrichtung einer 'Entkeimungsanlage verzichten zu können. Die Gemeindevertretung ist grundsätzlich mit der Ausführung oben erwähnten Sanierungsarbeiten einverstanden. Der Bürgermeister wird nach der Schneeschmelze Herrn Ing. Gerer.zu einer Begehung und Besichtigung zwecks fachmännnischer Beratung einladen. Dr. Stöckler erläuterte kurz die Entwicklung und Verbreiterung der Enterokoken, die die Trinkwasserqualität beeinträchtigen und unter Umständen bei Genuß den Menschen gefährlich werden können. Laut einem Schreiben von Tierarzt Dr. Stöckler ist heuer auf Auftrag der Bezirkshauptmannschaft wiederum die Tbc-, Bang- und Leukoseuntersuchung der Rindviehbestände durchzuführen. Die Kosten belaufen sich pro Tier auf S 9,40. Von der Gemeinde werden die Listenverzeichnisse erstellt und die Kosten eines Helfers bezahlt. Das Protokoll der Sitzung vom 05.02.1980 wird ohne Einwand genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: a) Der Bürgermeister teilt mit, daß die Baumeisterarbeiten für die Zentrumsverbauung, I. Bauetappe an die Fa. Erich Moosbrugger, Andelsbuch vergeben wurden. b) c) Die Fa. Dietrich, Metallbauwerke, sucht einen Lehrling. Das Gewerbe für den Betrieb des Fereinheimes Lässer, Platz wurde ruhend gemeldet. Im Tischlereigewerbe erfolgt eine Umschreibung von Hugo auf Dietmar Wild. A) Die Vorschreibungen für die Schulbeiträge sind eingetroffen. Sie betragen für: die Hauptschule Lingenau (114 Schüler) ...... S 408.000,-die Sonderschule Langeneagg (11 Schüler) ......S 30.900,-die Volksschule Krumbach e) .........5 9.000,-- die Haushaltungssch. Krumbach (3 Schüler).....S (3 Schüler) 4.800, -- Am Freitag, den 28. März feiert das Militärkommando Vlbg. auf dem Der£fplatz inHittisau den Traditionstag im Gedenken an unseren Heimatsohn Schützenmajor Joh. Peter Sutterlüti. Die Festrede hält Oberst der Reserve Dr. Karl Tizian. Eine Ehrenkompanie und die Militärmusik werden die Gedenkfeier umrahmen. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen. £) In der nächsten Sitzung - voraussichtlich am 15. April sollen der Rechnungsabschluß 1979 und der Revisionsbericht der Landesregierung über die Finanzgebarung der Gemeinde behandelt werden. Schluß der Sitzung um 23,00 Uhr, Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Amon Pan
  1. hittisauvertretung
19800205_GVE051 Hittisau 05.02.1980 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 18,02; 1980 Verhandlungsschrift:: über die am Dienstag, den 5. Februar 1980 um 20.00 Uhr im GemeindeSitzungssaal abgehaltene 51. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. wesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Hermann Nenning, Herbert Josef Steurer, Dr. Anton Max Moosbrugger und Ing. Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Stöckler, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Kohler Arno, der Gemeindesekretär Konrad Schwarz sowie 3 Zuhörer. Entschuldigte: Der Gemeindevertreter Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Budget 1980. 3. Anträge auf Wegeförderung. 4. Verpachtung Lecknersee - Fischerei. 5. Stellungnahme zum vorgelegten Abfallbeseitigungsplan. 6. Antrag auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. 7. Aufhebung eines Bescheides. 8. Vorlage und Genehmigung der letzten Verhandlungsschrift. 9. Bericht des Bühbgermeisters und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Anwesenden. Besonderen Gruß entbietet er Herrn Mag. Michael Bartenstein, der sich zur Berichterstattung in der Presse bereit erklärte. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. 2. Der Voranschlagsentwurf 1980 ist allen Gemeindevertretern zum Studium schriftlich zugestellt worden. Der Bürgermeister gibt einleitend einen Überblick zur Finanzsituation der Gemeinde. Das Budget 1980 sei kein Wahlbudget, sondern ein Sparbudget, wozu die Finanzlage zwinge. Der Budgetrahmen sei von 3,5 Mill. S im Jahre 197o über die Rekordhöhe von 22,7 Mill. S im Jahre 1977 nun für 1980 auf 15,5 Mill. S reduziert worden. Die enorme Ausweitung des Budgets bedingt durch den Bau der Volksschule, des Freibades, der Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage habe hohe Investitionsmittel gefordert, die zur Aufnahme großer Darlehenssummen zwang, sodaß die pro-Kopf-Verschuldung mit S 10.700,-- sehr hoch, aber immerhin überschaubar sei. Anderseits stagniere die Entwicklung der Steuereinnehmen, wie aus nachstehender Gegenüberstellung klar zu ersehen ist: 1971: S (in 1000) E-Ant./Finanzkraft 242 E-Ant./Bevölkerung 1.712 1980: Ss 5) (je Kopf) % (in 1ooco) 155 7,35 3.841 2.461 47,38 84 3,98 354 227 4,37 87 221 4,12 10,47 1.000 900 340 148 131 Lohnsummenst. Getränkesteuer 135 345 Gästetaxe 109 69 3,27 Fremdenverkehrsbtr. 45 29 Anzeigenabgabe 14 Verwaltungsabg. Vergnügungsst. 9 4,47 51,99 Schlm.Bedarfszuw. 377 232 % 1.097 Grundsteuer Gewerbesteuer 363 Ss (je Kopf) 94 242 5 4,45 11,47 Oo,24 300 800 192 513 3,70 9,88 641 577 12,34 11,11 218 4,20 — ———— —— 1,37 140 89 1,71 9 0,43 35 22 0,42 28 18 0,86 35 22 0,42 3.205 2.110 100,--— 8.108 5.194 100, -- In der Debatte zu den einzelnen Gruppen gaben die Ansätze im Kapitel Kultur Anlaß zur Kritik. Der vorgesehene, bescheidene Beitrag der Gemeinde zur Innenrenovierung der Kirche von S 100.000, -- bezeichnete GV. H. Faißt als beschämend, wenn man die Förderung der Musik und die Beiträge für die Musikschule in Relation ziehe. Die begonnene Kirchenrenovierung sei unaufschiebbar und eine Jahrhundertaufgabe, die etwa 4,50 Mill. S erfordere. Schließlich wurde beschlossen, den Ansatz für den Neubau des Kultursaales von S 200.000,-- auf S 100.000,-- zu reduzieren und für die Kirchenrenovierung einen Betrag von S 270.000,-- sowie für die Ausbildung der Jungmusikanten zusätzlich für das Jahr 1979 S 30.000,-einzusetzen. Zum Gebarungsausgleich werden weitere S 100.000,-- als Darlehen von Finanzunternehmen aufgenommen. Dieser Beschluß wurde mit 15 Ja bei 2 Stimmenthaltungen (GV H.Faißt und J. Steurer) mehrheitlich angenommen. Somit ergeben sich nachstehende Schwerpunkte im Budget 1980: a) Ausgaben: Ankauf des Tanklöschfahrzeuges Bau des Altersheimes Kirchenrenovierung Abdeckung von Krankenanstalten Grundablöse und Güterwege Erweiterung des Wassernetzes Kanalisation u. Kläranlage Grunderwerb (Engelareal) Schuldentilgung u. Schuldzinsen Nn UR H 600.000, -—2.500.000, -- 2704000, -790.000, -500.000, -400.000, -250.000, --— 1.230.000, —--— 1.262.000, --— b) Einnahmen: Beihilfe v.Landesfeuerwehrfonds Beihilfe v.Sozialhilfeträger (O0 350.000, -- 600 „000, —— Darlehen £, Altersheim S 1.850.000, -- Ss Ss Ss S 375.000, -300.000, -500.000, -3.622.000, -- Darlehen v. WWF (Wasserversorgung und Kanalisation) Darlehen £, Finanzausgleich Verkauf von Grundstücken Gemeindeabgaben Ertragsanteile des Bundes S 4.204.000, -- Die frei verfügbaren Mittel belaufen sich auf rund 1,50 Mill. S, das sind lo % des Budgets. Die voraussichtliche Höhe der Dar- lehen am Ende des Haushaltsjahres beträgt S 17.102.90o0,--, die Pro-Kopf-Verschuldung S 10.956,--. Der Voranschlag 1980 wird mit Berücksichtigung der getroffenen ‚Abänderungen mehrheitlich mit 15 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen (GV H. Faißt und J. Steurer) angenommen. Einmütig wird der Höhe der Hebesätze für die Gemeindeabgaben, die unverändert blieben, zugestimmt. 3. a) Zum Ansuchen der Lecknertalstraßengenossenschaft um einen Zuschuß für den Straßenausbau berichtet der Bürgermeister, daß der Obmann der Genossenschaft ein Gesuch an die Gemeinde Oberstaufen um einen Beitrag eingereicht habe. Er selbst habe in einem Telefonat mit dem Bürgermeister von Oberstaufen die Argumente, die für eine Unterstützung des Ansuchens sprechen, erläutert und darauf verwiesen, daß etwa 1/5 des Tales deutsches Gebiet sei, das nur über Österreich eire Zufahrt habe. Die Werbewirksamkeit dieses Naturschutzgebietes und Erholungsraumes auch von der deutschen Seite sei unbestritten. Es wurde einstimmig beschlossen, für den Ausbau der Straße einen 35 %-igen Zuschuß 1t., Abrechnung der Agrarbehörde bis maximal einer Bausumme von S 700.000,--, bei einem Rückbehalt von 1/5 für einen etwaigen Beitrag von deutscher Seite zu gewähren. Als a.c. Vorauszahlung werden S 80.000,-- aus dem Budget 1979 über einstimmigem Beschluß angewiesen. b) Der Bürgermeister teilt mit, daß Paul Bentele beim Bau des Güterweges Tobel lt. Bescheid mit rund 19 % anteilsmäßig belastet wurde. Die Güterweggenossenschaft Tobel, Lingenau stelle Bentele - so wurde mitgeteilt - das Ausscheiden aus der Genossenschaft jedoch frei, GV Josef Steurer wurde beauftragt, die endgültige Entscheidung von Bentele abzuklären. Falls sich dieser zur Mitgliedschaft entschließt, wird ihm ein Zuschuß von lo % der Baukosten lt. Abrechnung der Agrarbehörde einstimmig gewährt. 4. Über die Neuverpachtung des Fischereigewässers 14 - Lecknersee und Ache - sind nachstehende Anbote eingegangen, die der Obmann des Fischereiausschusses GV Oskar Eberle zur Kenntnis bringt: 1. Anton Hausberger, Dornbirn ........ Jahrespacht 2. Josef Hofer, Stuttgart 0..0.0.0...00000 „ 5S 40.000,-S 50.000, -- 3. Kurt Schneeweiß, Bregenz ...... .... S 60.000, -- "m 4, Rudi Schweyer, Oberstaufen ........ 5. Gebr. Sutterlüty, EgQG ...0..0... ..... " " S 70.500, -S 78.000, -- 6. Hans Pfanner, " S 81.506,-- Lauterach ....0..0..000 Der Fischereiausschuß hat einmütig folgenden Vorschlag zur Annahme unterbreitet: Neuverpachtung an die Gebr. Sutterlüty, Egg zum Jahrespacht von S 81.50o0,-- mit der Auflage, Herrn Hans Pfanner mit 1/5-Anteil zu gleichen Rechten und Pflichten zu beteiligen. Begründet wird der Vorschlag mit der Tatsache, daß Sutterlüty (Spargeschäft) zu den ersten Steuerträgern der Gemeinde zählt. Lehnt Sutterlüty diesen Vorschlag ab, geht die Fischerei an Herrn Pfanner. Im Pachtvertrag ist als Zusatz zu vermerken, daß die Pächter keinen Anspruch an die Gemeinde auf Sanierung des Sees haben. Nach längerer Debatte wird über den Antrag des Fischereiausschusses mit folgendem Ergebnis abgestimmt: 14 Ja-Stimmen - 3 Nein-Stimmen, Zur Verordnung des Landes betreffs des Abfallbeseitigungsplanes erhebt die Gemeinde einstimmig Einspruch, Man ist der Meinung, daß für den Bregenzerwald nicht nur eine Übergangsdeponie vorgesehen werden müßte, Bechter Gottlieb, Rain 177 beantragt die Änderung des Flächenwidmungsplanes. Er beabsichtigt auf der Gp. 977 K.G. Hittisau ein Wohn- und Austragshaus an der Gemeindestraße Rain zu errichten und beantragt die Umwidmung einer Teilfläche als Baugrund. Es würde vorgeschlagen, die Behandlung des Punktes zu vertagen, bis der Entscheid des Raumplanungsbeirates bzw. der Landesregierung über die Umwidmung der angrenzenden Gp. 973 gefallen ist. Diesem Antrag stimmen 15 Gemeindevertreter zu. Bürgerme ister Anton Bilgeri hat sich der Stimme enthalten, NR Ludwig Hagspiel erklärt sich befangen. b) Ein Kaufinteressent des Dorner Josef, Gfäll urgiert betreffs einer Entscheidung seines Antrages auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. Nach Auffassung der Gemeindevertretung wäre der gesamte Hang (Gp. 443/2, 444, 436 und 435/3) in ein Baugebiet zu widmen oder gesamthaft als Freizone zu belassen. So der Grundbesitzer ersteres an- strebt, ist ein Erschließungskonzept (Bebauungsplan) vorzulegen. Der Bescheid über die Bewilligung zum Wasseranschluß für das Haus des Rupert Bader in der Parzelle Wühle wird zurückgezogen, da Bader die Wasserversorgung aus einer eigenen Quelle beabsichtigt. Das Protokoll der Sitzung vom 28.12.1979 wird im Punkt 8. h), letzter Satz wie folgt abgeändert: Wie bisher üblich, werden bei der Neuerschließung eines Weilers (nicht Gebäudes!) die Hausanschlüsse von der Gemeinde erstellt. Ansonsten wird die Niederschrift genehmigt. Berichte des Bürgermeisters: a) Das Haus "Sternen" mit entsprechendem Grund wird im Gemeindeblatt Öffentlich zum Verkauf angeboten. b) Vom Sozialsprengel Vorderwald (Gemeinde Langenegg) konnte bisher keine Vorschreikbung über die Kosten für den Einsatz der Krankenschwester erstellt werden, da die Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern noch nicht abgeschlossen sind. c) Über die Untersuchung des Quellwassers in Bolgenach sind die Befunde eingetroffen. Die bakteriologische Untersuchung an Ort und Stelle wies in der oberen Quelle koloforme Keime und Enterokoken aus, weshalb das Wasser als Trinkwasser nicht geeignet befunden wurde. Das Wasser der unteren Quelle zeigte geringere Verunreinigungen. Es wurde zum Trinken als nicht voll geeignet befunden. d) Zum Schreiben der Gemeinde Lingenau betreffs der Einforderung der Hebammenbeiträge verlas der Bürgermeister sein Antwortschreiben zur Stellungnahme. Er rügt die Vorgangsweise, verweist darauf, daß keine Vereinbarung getroffen oder eine Zusage gegeben wurde, eine Beanstandung seitens der Revisionsstelle wegen dieser Sache nicht ergangen sei und im Nachhinein keine Zahlung erfolgen könne. Zu Verhandlungen über einen Vertragsabschluß sei unsere Gemeinde aber bereit. Das Schreiben wurde positiv beurteilt und zu den Verhandlungen über einen eventuellen Vertrag der Sozialausschuß bestellt. e) Da die Funktionsperiode sich dem Ende zuneigt und die Gemeindewahlen bereits auf den 2o. April fixiert sind, schlägt der Bürgermeister die Abhaltung einer Bürgerversammlung vor, in der Rechenschaftsberichte über die Arbeit der letzten Jahre gegeben werden sollen. Er schlägt zum Programm folgende Berichte vor: 1. Schule, Kindergarten, Volksbücherei Dir. Huber 2. Kultur, Dr. Musikschule, 3. Altersheim, Gemeindesaal Familienhelferin, hilfe, Sozialkreis 4. Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage £) Stöckler Lebens- G. Hagspiel K. Hagspiel 5. Straßen- und Brückenbau, ’Wegeförderung I. Bartenstein 6. Fremdenverkehr 7. Schwimmbad, Sport 8. Jagd und Fischerei, H. Bilgeri 4, Moosbrugger J. Steurer Grundverkehr Der neue Militärkommandant für Vorarlberg Herr Oberst Materno sprach beim Bürgermeister wegen der Abhaltung eines Traditionstages mit einer Ehrung von Major Joh. Peter Sutterlüti am 28. März 1980 auf dem Dorfplatz in Hittisau vor. Die Festrede hält Dr. Tizian. g) Der Bericht der Revisionsstelle wird in der nächsten Sitzung zur Stellungnahme vorgelegt werden. h): Die Agrarbezirksbehörde ersucht um eine Spende zur Durchführung der Schimeisterschaft auf dem Hochhäderich. Es werden S 300,-- bewilligt. i) Das Kuratorium für Verkehrssicherheit berichtet über zwei Beschwerden, die aus Hittisau anläßlich einer Umfrage eingegan- gen sind. Diese betreffen den Straßenübergang beim Versorgungsheim wegen mangelnder Übersicht und eine Geschwindigkeitsbe- schränkung auf der Straße Großenbündt - Sütten, die mit 50 km/h festgelegt werden sollte. 3) Bei der Musterung am Donnerstag, den 31. Jänner wurden 18 Burschen aus unserer Gemeinde gemustert. k) Die Freiwillige Feuerwehr ersucht zur Durchführung des Festes vom 25. bis 27. Juli 1980 um Gewährung nachstehender Wünsche: 1. Bereitstellung der Räume in der Schule für die Festkanzlei etc., 2. Bewilligung zur Aufstellung des Vergnügungsparkes auf der >N a Engelwiese, Verwendung der Schulspielwiese als Parkplatz, Benützung der Vervielfältigungsgeräte der Gemeinde, Gewährung eines Zuschusses der Gemeinde in Höhe der Getränkesteuer, 1) In der Ortszentrumsverbauung haben sich neue Verzögerungen er- geben. Die Vergabe der Baumeisterarbeiten an die Fa. Faißt, Lingenau ist noch nicht fixiert. Obwohl die Bauverhandlung pasitiv verlaufen ist, wird nun nachträglich vom Bautechniker der Bezirkshauptmannschaft eine natürliche Belichtung und Belüftung im Stiegenhaus verlangt. Zur Klärung dieser Sache wird demnächst Baumeister Grabher mit der Baubehörde verhandeln. Allfälliges: Gemeindevertreter Anton Faißt verweist auf die Schäden beim Güter- weg Häderich infolge Überlastung und Frostaufbrüchen, sieht die Sanierung als dringend an und ersucht, diese Probleme zu überdenken. Schluß der Sitzung um oco.15 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19791228_GVE050 Hittisau 28.12.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 11.1.1980 Verhandädlungsschrift: über die am Donnerstag, den 28. Dezember 1979 um 20.0o Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 50. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Ludwig HBagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger sowie der Ersatzmann Xaver Hagspiel. Entschuldigt: Der Gemeindevertreter Inq, Arno _ Kohler. Ebenfalls waren die GV Anton Faißt und Eduard Metzler bei dieser Sitzung nicht anwesend. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. 2. Vorlage eines Teilungsvertrages zur Mitunterfertigung als Vertreterin des öffentliches Gutes, 3. Ansuchen um einen Baukostenzuschuß für das Lecknertal. 4. Ansuchen um Freigabe einer Teilf£fläche zur Verbauung in Hinterberg. 5. Neubestellung eines Mitgliedes zur Gemeindekommission zwecks Erstellung der Geschworenen- und Schöffenliste. 6 ;. Vorlage des Dienstpostenplanes. 7. Protokoll der letzten Sitzung. 8 . Bericht des Bürgermeisters. 9, Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungs- gemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit besteht. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung zu Punkt 3. b) Ansuchen des Paul Bentele, Tobel um einen Baukostenzuschuß für den Güterwegebau. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. Über die erfolgte Verbreiterung der Gemeindestraße Rain liegt ein Teilungsvertrag - Planurkunde CZ 7211/79, Dipl. Ing. Markovsky, Feldkirch - zur Mitunterfertigung der Gemeinde als Vertreterin des öffentliches Gutes vor. Die Gemeindevertretung beschließt bei Befangenheit von GV Josef Steurer einstimmig die Unterzeichnung des Teilungsvertrages. 3. a) Die Lecknertal-Straßengenossenschaft ersucht um einen Baukostenzuschuß zum Ausbau des Straßenstückes vom Ende der Gemeindestraße bis zur Alpe Kälberweide. Laut Voranschlag helaufen sich die Baukosten auf S 700.000, --, wozu ein 5o %-iger Beitrag von der Agrarbezirksbehörde geleistet wird, sodaß der Interessentenbeitrag S 350.000,-- beträgt. Von der Gemeindevertretung wird die Eigeninitiative der Genossenschaft beim Ausbau der Straße voll anerkannt und die Gewährung eines Beitrages befürwortet. Kritisiert wird die Tatsache, daß die Förderung auch den Landwirten zugute kommt, die anderseits für die Wirtschaft des Ortes sehr wenig beitragen und wirtschaftliche Einrichtungen (Sennereibau) eher untergraben, wogegen GV Max Moosbrugger Stellung bezieht. Nutznießer am Straßenbau ist auch die Gemeinde Oberstaufen für das hintere Lecknertal, wobei von dieser Seite bislang keinerlei Beiträge geleistet wurden. Die Beschlußfassung über die Gewährung des Baukostenzuschusses wurde vertagt, bis die Jahresversammlung der Genossenschaft abgewickelt ist. b) Paul Bentele, Tobel ersucht um einen Baukostenzuschuß für den Güterweg, wodurch sein Anwesen erschlossen wird. Bentele hat sich der Güterweggenossenschaft Tobel, Lingenau angeschlossen. Der Voranschlag für diesen Güterweg wird mit S 2,70 Mill. beziffert, wobei vom Bund und Land eine 80%-ige Förderung zugesagt ist. Bentele wurde nach seinen Angaben mit rund 20 % der Baukosten belastet, wofür er etwa S 103.000,-- Eigenmittel aufzubringen hat. Von der Gemeinde Lingenau habe er keine Förderung zu erwarten. Bei einem l1o%-igen Zuschuß beläuft sich der Gemeindebeitrag auf rund S 51,000,--. Aus der Debatte ging hervor, daß die Höhe der Einstufung mit rund 20 % für den Gesuchsteller überrascht. Der Bürgermeister wird eine Überprüfung des Einstufungsschlüssels und Bescheides erheben. Die Beschlußfassung wird bis zur Klärung des Sachverhaltes vertagt. Grundsätzlich wurde von der Gemeindevertretung eine positive Einstellung zum Ansuchen eingenommen. 4. Tippl Helmut, Lustenau beantragt die Umwidmung einer Teilfläche aus dem Grundstück der Familie Fehr, Lingenau in Hinterberg zur Errichtung eines Ferienhauses von 6 x 4 m. Das Ansuchen wird einstimmig abgelehnt. Lt. einem Schreiben der BH Bregenz kann Gend.Insp. Max Moos- brugger als Bundesbeamter nicht in die Kommission zur Erstellung der Geschworenen- u. Schöffenliste berufen werden. An seiner Stelle wird entsprechend dem Verhältniswahlrecht GV Anton Faißt einstimmig als Mitglied bestellt. Der Dienstpostenplan 19798 wird wie nachstehend angeführt einstimmig genehmigt. Dienstzweig: Verwend.-agruppe: Schwarz Konrad Gemeindesekretär und Graninger Renate Sachbearbeiterin c Schwärzler Jodok Verkehrsamtsleiter d I Sutterlüti Josef Standesbeamter ad I -kassier, Beamter C II I Das Protokoll der letzten Sitzung wird einstimmig genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: a) Der Musikverein zählt, wie aus der Jahresversammlung zu entnehmen war, zurzeit 45 aktive Mitglieder. 38 Jungmusikanten stehen in Ausbildung; hieraus erwachsen dem Verein große Kosten. Kapellmeister Wolfgang Schwärzler hat wegen Arbeitsüberlastung sein Amt vorübergehend zurückgelegt. b) Die Chorgemeinschaft hat ihre Vereinssatzungen geändert. Sie zählt zurzeit 55 akk£ive Mitglieder. c) In den Jahresversammlungen der Vereine wurde das Saalproblem als dringend und brennend erörtert, Immer mehr wird in der Gemeinde das Fehlen eines Veranstaltungssaales gespürt. Der Bürgermeister konnte zum Baubeginn keinen Termin nennen, Mit den Vorarbeiten zur Planung und künftigen Betriebsführung soll aber ehest begonnen werden. Angeregt wurde eine Besichtigung des neuen Vereinssaales in Doren. ad) In der Jahresversammlung der Musikschule Bregenzerwald wurde eine lo%*-ige Erhöhung der Beiträge beschlossen. Diese betragen nun: Elternbeitrag: für Elementarunterricht Gemeindebeitrag: S 1.100,-—- S 1.760,-- " Gruppenunterricht S 1.300,-- S 1.940,-—- »”» Einzelunterricht S 1.940, -- S 1.940,-- Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 2,5o Mill S. Musikschulinspektor Dir. Kremel wird ab 1.9.1980 die Leitung an den neuen Direktor Werner Fämmerle übergeben. e) In der Sitzung der Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald wurde über nachstehende Probleme beraten und berichtet: 1. Straßenbau und Salzstreuung, 2. Errichtung einer Mädchenschule im Marienheim Andelsbuch, 3. Weiterführung des Klosters Bezau durch polnische Paters, worüber ein Vertrag auf 33 Jahre fixiert wurde. Die Situierung einer Jugendheimstätte ist vorgesehen. 4. Errichtung einer öffentlichen Apotheke in Egg. Die Hausapothekten der Gemeindeärzte müssen erhalten bleiben. £) Der Verkehrsverband Bregenzerwald hat für 1980 ein Budget in Höhe von S 1.078.000, -- beschlossen. Allein der Personalaufwand verschlingt S 484.000,--. Es ist eine 5o0%ige Er- höhung der Beiträge und für neue Prospekte eine zusätzliche Abgabe von 3,5 g pro Nächtigung vorgesehen. Trotzdem bleibt die Finanzsituation kritisch und der Weiterbestand des Ver- bandes in Frage gestellt. g) Aus Landesmitteln sind für die Volksschule Zinszuschüsse von S 363.,836,--- eingegangen. Für die Kläranlage wurden vom Bund (Wasserwirtschaftsfonds) S 885.000,-- und vom Land S 605.140,-- überwiesen. Die Kläranlage ist betriebsbereit. Sobald genügend Hausanschlüsse fertiggestellt sind, soll der Betrieb aufgenommen werden. Die Anlage wird der Bevölkerung an einem Tag der offenen Tür zur Besichtigung offen stehen. h) Die Arbeiten zur Wasserversorgung der Parzelle Brand mußten wegen des Wintereinbruchs eingestellt werden. Sie werden im Frühjahr ausgeführt. Wie bisher üblich, werden bei der Neuerschließung eines Gebäudes die Hausanschlüsse von der Gemeinde erstellt. i) Mit Ing. Pohl wurde die Endabrechnung über das Freibad abgeschlossen und der Restbetrag von S 20.000,-- ausbezahlt. Mit der Fa. Metallwerke Ranshofen und Azwanger sind noch einige Unklarheiten abzuklären. 3) Der Teilungsplan für die Ortszentrumsverbauung ist erstellt. Für die Baumeisterarbeiten sind Offerte eingegangen: Fa. Moosbrugger, Andelsbuch........... S 5,189 Mill. Fa. .....0... .000000020405 5,007 Mill. Lingenal ....0.00..0.000.0.00.0000 S 4,702 Mill. Kaufmann, Fa. Faißt, BezaU Die Arbeiten wurden an den Bestbieter vergeben. Aus den Anboten für die Heizungsanlage ist zu entnehmen, daß die Investitionskosten für eine Elektroheizung etwa gleich hoch wie für eine Ölfeuerungsanlage zu stehen kommt. Die Betriebskosten sind für eine Elektroheizung nach heutigen Preisen nur etwa halb so hoch. Für Notfälle ist der Bau eines Kamins vorgesehen. k) Das Holzhandel- und Mietwagengewerbe des Helmut Neyer wurde gelöscht. Neyer Anton, Häleisen hat das Versicherungsmaklergewerbe angemeldet. 1) Lt. einem Schreiben der Finanzlandesdirektion £. Vlbg. kann ab 1.11.1979 die Beförderung der Schüler von der Hauptschule Lingenau zum Hallenbad nicht mehr aus Mitteln des Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen finanziert werden, liche Hallenbad nicht als sehen ist. m) da das öÖöffent- Schule im Sinne des Gesetzes anzu- Die Gemeinde Lingenau hat erneut mit einem Schreiben Beiträge zum Wartegeld der Hebamme eingefordert und stützt diese Forderung auf eine Beanstandung im Revisionsbericht der Landesregierung. Der Bürgermeister wird sich bei der Revisionsstelle hierüber erkundigen. GV Gerard Hagspiel ist der Meinung, das gut geführte Entbindungsheim sollte der Region erhalten bleiben. Dieser Meinung wird zugestimmt, allerdings geht es hier um eine Rechtsfrage, da mit der Gemeinde Lingenau kein Wartegeldvertrag besteht. n) Wie Platzmonteur Erwin Fink mitteilt, beabsichtigen die VKW auf ihrem Baugrund in Heideggen eventuell eine Trafostation zu errichten. Das Bauwerk würde höchstens Garagenhöhe erhalten. o) Zur Berufungssache gegen den Baubescheid Hofmann ist vom Landesstraßenbauamt ein Schreiben eingelangt, nachdem die zeitlich auf 10 Jahre befristete Baubewilligung nun auf Lebenszeit des Bauwerbers ausgesprochen wird. Über die Anerkennung der Bedingnisse ist vom Antragsteller eine schriftliche Erklärung abzugeben, was bis heute nicht geschehen ist. p) Gegen die Ablehnung der Berufung zur Grundtrennungsbewilligung der Gp. 973 hat Frau Emma Schedler Vorstelligkeit£beschwerde wegen Verfahreunsmängel eingebracht, Der Akt wurde der BH Bregenz übermittelt. q Herr Flock Leo ist bereits Grei Monate mit der Zahlung der Wohnungsmiete im Rückstand. Mahnungen blieben erfolglos. Der Mietvertrag wurde mit 15, 1. 1980 gekündigt. 9.Allfälliges: a) Gemeinderat Bartenstein teilt mit, daß ihm gegenüber der Wunsch geäußert wurde, wieder einmal eine Bürgerversammlung abzuhalten. Die periodisch erscheinende Informationsschrift sei sicherlich gut, könne aber nicht den persönlichen Kontakt einer Diskussion mit den Gemeindevertretern ersetzen. b) GV Gerard Hagspiel erkundigte sich, ob für Lehrer Pfanner schon eine Entschädigung für die Aufsicht der Feuerungsanlage etc. im Schulhaus festgelegt wurde. Der Bürgermeister teilt mit, daß dies Gegenstand der nächsten Vorstandssitzung sei. Zum Jahreswechsel gibt der Bürgermeister einen Rückblick auf die großen Aufgaben, die in der Gemeindevertretung in der bald zu Ende gehenden Funktionsperiode erledigt wurden. Es waren dies: die Wasserversorgung Bolgenach und Erweiterung des Netzes in Hittisau, die Ortskanalisation und der Bau der Kläranlage, die Errichtung der Gehsteige und der Straßenbeleuchtung, die Verhandlungen mit den VKW beim Bau des Stausees Bolgenach und der Bau des Freibades, die Fertigstellung der neuen Volksschule, die Errichtung des Kindergartens, der öffentlichen Bücherei und des Verkehrsamtes, die Vereinbarung mit der Gemeinde Lingenau betreffs Schulliegenschaft - Hallenbad und die Erstellung des Flächenwidmungsplanes. Die Ausführung dieser großen Komunalaufgaben sei nur möglich gewesen durch die einvernehmliche Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung, wofür allen Dank gebühre. Die Vollendung all dieser Projekte erforderte viel Arbeit und große Geldmittel, doch sei die finanz ielle Situation überschaubar. Zur Kritik an:der Gemeinde- führung - und solche gebe es mehr als Lob - erklärte der Bürgermeister, daß Härte und Konsequenz zuweilen der Gerichtigkeit halber erforderlich seien, ja dem zahlungsbereiten Rürger gegenüber dazu eine Verpflichtung bestehe. Mit dem Wunsch an alle Anwesenden für ein glückliches, erfolgreiches Neujahr schließt der Bürgermeister die Sitzung. Im Namen der Gemeindevertreter dankte Dir. Elmar Huber dem Bürgermeister für seine aufopferungsvolle Arbeit, seinen großen Einsatz und anerkennungswerte Pflichterfüllung in seinem Amte und wünschte ihm Glück und Segen im neuen Jahr. Schluß der Sitzung um 23,00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Anlıom Bible
  1. hittisauvertretung
19790925_GVE048 Hittisau 25.09.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 08.10.1979 Verhandlungsschrift: über die am Dienstag, den 25.0%.1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 48. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Flmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Anton Faißt, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler, der Ersatzmann Xaver Fagspiel. Entschuldigt: GV Oskar Eberle, Gerard Hagspiel und Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Grußwort des Vorsitzenden. 2. Behandlung von Anträgen auf Abänderung des Flächenwidmungsplanes. 3. Vorlage eines Kaufvertrages und Beschlußfassung hierüber. 4. Antrag auf: a) b) Grenzberichtigung im Bereich der Subersachfassung und auf teilweise Verlegung des öffentlichen Weges in der Parzelle Rainerau. 5. Stellungnahme zum Straßenprojekt L 22 - Auenbachbrücke (Zu- und Abfahrten). 6. Protokoll. 7. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Anwesenden. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um die Punkte 7. Vergabe der Natursteinarbeiten für die Kläranlage und 8. Bestellung eines Urkundenfertigers als Ersatz. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. Nachstehende Anträge auf Änderung des Flächenwidmungsplanes wurden behandelt: a) Die Vorarlberger Kraftwerke, Aktiengesellschaft, Bregenz beabsichtigen ihre Gp. 931/1 K.G. Hittisau in Heideggen mit Ausnahme einer Teilfläche zur Errichtung einer Trafostation an die Anrainer bzw. Herr NR Ludwig Hagspiel zu veräußern. Um eine angemessene Bautiefe zu erhalten, wird von der angrenzenden Gp. 935 der Eheleute Albert und Maria Rosa Wilburger eine Teilfläche im Tauschwege an die Cp. 931/1 abgetrennt. Die VKW Bregenz sowie Albert und Maria Rosa Wilburger beantragen die Gp. 931/1 und den angrenzenden Bereich der Gp. 935 als Bauland umzuwidmen. Die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung obiger Gp. als Bauland wurde von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen. 5) Ingrid und Andrea Hagspiel, Hittisau 334 ersuchen um Umwidmung der GCp. 1001/4 im Ausmaß von 229 m2 von derzeit Freihaltefläche in Wohngebiet. Der Antrag wird einstimmig heschlossen. c) Matt Leo, Brand 153 ersucht um Umwidmung einer 80o0o his 1000 m2 großen Teilfläche aus der Gp. 899/1 als Bauplatz. Der Baugrund soll für eigene Familienangehörige Verwendung finden, Der Umwidmung wird einhellig zugestimmt. Für die Abwasserbeseitigung hat der Bauherr bis zur Erstellung der Gemeindekanalisation die Vorfinanzierung zu übernehmen. d) FPagspiel Ludwig, Fittisau 4 beantragt die Umwidmung einer Fläche von 4o m Tiefe entlang des Bundesstraße zwischen seinem Wohnhaus Nr. 4 bis zur Grundgrenze der GP.580 als Mischgebiet. Er beabsichtigt, gemeinsam mit seiner Schwester Erna Hagspiel einen Neubau zu erstellen. Die Bp. 45, auf der das abgebrannte Haus Nr. 1 stand, soll als Freifläche rückgewidmet werden. Der Änderung des Flächenwidmungsplanes stimmt die Gemeindevertretung einhellig zu. e) Dorner Josef, Gfäll stellt den Antrag auf Umwidmung der Gp. 435, 436 K.G. Bolgenach von Landwirtschaftsfläche auf Baufläche, Die Entscheidung wird einstimmig vertagt. Man will zunächst bei einer Besichtigung Aufschluß über eine eventuelle Parzellierung der Grundstücke zur besseren Erschließung und Sicherstellung der Zufahrt gewinnen. a) b) Zur Behandlung steht der Verkauf eines Bauplatzes aus dem gemeindeeigenen Grundstück in Häleisen an Frau Elfriede Bilgeri, geb. Vögel. Der Bürgermeister übergibt wegen Befangenheit den Vorsitz an seinen Stellvertreter. Mit einstimmigem Beschluß wird der Bauplatz Gp. 701/13 im Ausmaß von 1.01% m2 zu den üblichen Bedingungen um den Preis von S 172.21o,-- an Frau Elfriede Pilgeri verkauft. Aus dem gleichen Grundstück wird der Verkauf des Bau- platzes Gp. 7o01/9 an Herrn Elmar Allrecht, Zollbeamter einstimmig zu den selben Bedingungen zum Preis von S 170,-pro m2 beschlossen. 4. a) Beim Crundkauf der VKWF im Bereich der Subersachfassung, Alpe Löchle, hat sich herausgestellt, daß die Subersache heute einen anderen Verlauf nimmt als die Mappe zeigt. Es ist daher eine Mappenberichtigung notwendig, wofür die Gemeindevertretung ihre Zustimmung erteilt. b) In der Parzelle Rainerau soll im Zuge der Geländeplanie im Bereich des Auslaufstollens der Subersachüberführung-” der Öffentliche Weg Gp. 36°7 zum Drahtsteg Bolgenach teilweise verlegt werden. Es ist geplant, den neuen Weg ein Stück auf dem Güterweg und die Stollenauslaufüberbrückung der VKW entlang der Polgenach über öffentliches Gut zu verlegen. Hierbei ergeben sich einige Rechtsfragen, die einer: Klärung bedürfen. Die Gemeindevertretung stellt zur Verlegung folgende Bedingungen: 1. Die VKW haben die Erhaltung des Steges über den Stollenauslauf zu übernehmen. 2, Die Verbindung des öffentlichen Weges über das Öffentliche Gewässer und das Gehbrecht muß von den VKW gewährleistet sein. 3. Die Zustimmung der Güterweggenossenschaft muß gegeben sein. Nach Regelung obiger Bedingungen giht die Gemeindevertretung die Zustimmung zur Verlegung des öffentliches Weges. 5, Die Landesstraßenbauplanungsstelle hat für den Ausbau der Landesstraße 22 im Bereich der Auenbachbrücke einen Entwur£ zur Stellungnahme vorgelegt. Dieses Straßenstück ist neben der Straße Lingenau-Großödorf die letzte Schotterstraße des Landes im Land, Der Ausbau nach Riefensberg wird vom Landesstraßenbauamt mit der bevorstehenden Geländesanierung im Bereich des: Staudammes Bolgenach angestrebt. Nach dem Projekt würde das Auenbachtobel mit einer Brücke von ca. 100 m Länge überspannt und die Straße nördlich des Gasthofes "Engel" und des Sägewerkes verlegt. Zur besseren Orientierung wurde die Trasse provisorisch ausgesteckt und das Projekt mit den Grundbesitzern erläutert. Größte Schwierigkeiten macht die Ein- bindung und Trassierung des Güterweges Fäderich, für den nach dem Projekt unzumutbare Grundablösen erforderlich wären. Der Bürgermeister hat in einer Aussprache mit den Herren der Straßenplanungsstelle die Bedenken geäußert und vorgeschlagen, die neue Auenbachbrücke etwas zu verlängern und die Straße südlich des Gasthofes auf der bestehenden Trasse auszubauen. Für seinen Vorschlag fand er bei der Planungsstelle Verständnis und erhielt die Zusage, daß kurzfristig ein neues Projekt ausgearbeitet und zur Stellungnahme vorgelegt wird. Das Landesstraßenbauamt ersuchte, die Grundahlöseverhandlungen sodann flott voranzutreiben. FEs ist geplant, zunächst die Auenbachbrücke zu erstellen, wofür mit einer Bauzeit von zwei Jahren zu rechnen ist. S. Das Protokoll der letzten Sitzung wird ohne Einwand zur Kenntnis genommen und genehmigt. ‚7. Bericht des Bürgermeisters: a) Otto Berkmann, Rainerau und Rupert Bader, Wühle wurde der Anschluß an die Gemeindewasserleitung bewilligt. Die Ver- sorgung mit Löschwasser wurde nicht beantragt. Als Anschlußgebühr wird daher die Mindestgebühr ohne Löschwasser mit Bescheid vorgeschrieben. b) Die Wasserrechtsverhandlung zur Erweiterung der Gemeindewasserversorgung und Errichtung der Fntkeimungsanlage in Bolgenach fand am 5.9.1979 statt. Hierbei wurden von den Herren der Lebensmittelkontrolle für den Bereich des Quellengebietes Bolgenach, Neu Gut drastische Auflagen gefordert. Der Bau der Entkeimungsanlage sei auf Grund der Wasseruntersuchungsergebnisse vorrangig auszuführen. Gefordert wird die Installierung einer Hotteranlage, der Abschluß eines Wartungsvertrages mit der Lieferfirma, die Sperrung des Weideganges und Verlegung des Zaunes um 200 m sowie eine Püngersperre etc. Auf Grund der Auflagen beantragte der Vorsitzende ein gesondertes Verfahren zur Festlegung des Schutzgebietes, durchzuführen. c) Der Bauausschuß für die Verbauung des Ortszentrums hat mit den Architekten Grabher und Fink weitere Verhandlungen geführt. Eiebei ging es um die Höhe der Honorare für die Planung und Bauleitung. Die Anbote differieren insbesonders auf Grund der unterschiedlichen Höhe der geschätzten Bausummen (15 bzw. 10 Mill. S ), die Bemessungsgrundlage für die Honorarsätze sind. SO beläuft sich das Anbot der Fa, Grabher auf S 1.509.515,--, und das von Architekt Fink auf S 769.225,25, was eine Differenz von S 740.289,75 ergibt. Die Verhandlungen werden weitergeführt. A) Sorge macht die immer weiter fortschreitende Versumpfung des Lecknersees. Für die Sanierung wurden seinerzeit rund S 500.000,-- aufgewendet. Die Schwelle beim Seeauslauf ist undicht und sollte nach Abdichtung etwas erhöht werden. Dipl. Ing. Osterkorn vom Amt der Vlbg. Landesregierung hat zugesagt, nach einer Besichtigung zielführende Baumaßnahmen vorzuschlagen. e) Der Fischereipachtvertrag für den Lecknersee läuft mit März 1980 aus, Der Bürgermeister regt an, Überlegungen anzustellen über die Art der Neuverpachtung (Versteigerung oder Offerteinholung), die Zweckmäßigkeit einer Kautionshinterlegung vor der Vergabe und einer eventuellen Revierteilung (See - Ache). £) Für die bevorstehende Kirchenrenovierung wurde auf Sonntag, den 30.09.1979 eine Informationsversammlung anberaäumt. Während der Renovierungsarbeiten ist als Ausweichraum für die Abhaltung des Gottesdeinstes die Aula bzw. die Turnhalle der Volksschule vorgesehen. g) Die neue Verordnung der Schulbehörde, 2. Klasse nur drei, die 3. und 4. nach der für die 1. und Klasse vier Unterrichts- stunden hintereinander gehalten werden dürfen, bedingt eine Änderung des Schulbusverkehrs und teilweise Verlegung des Unterrichts auf den Nachmittag. Die Änderung der Stundentafel und Neueinführung des Werkunterrichtes für Knaben und Mädchen ab der 1. Schulstufe -—- dies auf Kosten des Sprach- und Rechenunterrichts - macht die Einrichtung eines Werkraumes und dessen Ausstattung mit Werkzeugen notwendig. h) Die Einweisung der Kinder zum Kindergartenbesuch auf Grund der notwendigen Teilung in Vor- und Nachmittagsbetrieb hat zu Klagen geführt, die bereinigt werden konnten. Allfälliges: a) Nach Meinung von GV Hieronymus Faißt hat sich beim Aushub für den Neubau auf dem Kreuzbühl gezeigt, daß das Kies für eine Verwertung geeignet wäre. Er regt an, nochmals einen Fachmann zur Prüfung zu konsultieren. b) Der Bürgermeister berichtet, daß sich Herr Dr. Girardi vom Amt der Landesregierung zum Projekt der Errichtung eines Altenwohnheimes durch die Gemeinde im Mehrzweckhaus positiv ausgesprochen hat. Aus der Sozialhilfe kann mit einer Förderung von ca. 3o % der Kosten gerechnet werden. c) Auf eine Anfrage teilt der Bürgermeister mit, daß die Familienhelferin bisher viel beansprucht wurde und voll: ausgelastet ist, Ihre Einsatzleistung findet allgemein volle Anerkennung. 8, Für die Natursteinarbeiten in der Kläranlage haben zwei Firmen Anbote eingereicht: Fa. Prenn, Hohenems Fa. Brugger, Höchst Anbotssumme vn S 49,057,-- O.MWST. S 45.765,-- 0. MWST. Das Offert der Fa. Brugger ist erst am 13.9. nach Terminablauf (7.9.1979) eingelangt. Die Firma hätte die Arbeiten erst mit 6.10.1979 beginnen können. Da mit 31.10.1979 Bauvollendungsfrist gegeben ist, schlägt das Ing.-Büro die Auftragsvergabe an die Fa, Prenn, Hohenems vor. Diesem Vorschlag stimmt die Gemeindevertretung zu. Als Ersatzmann für die Urkundenfertigung bei Befangenheit eines Unterzeichnungsbevollmächtigten wird GR. Erwin Eberle einstimmig bestellt. Schluß der Sitzung um 24.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19790828_GVE047 Hittisau 28.08.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau, 18.9.1979 Verhandlungsschriäif£f£tt: über die am Dienstag, den 28, August 1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 47. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hitf£isau. Anwesende: Rürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Hagspiel Ludwig, Alfons Sutterlüti, Nenning Hermann, Bilgeri Herbert, Faißt Hieronymus, Eberle Oskar, Steurer Josef, Dr. Anton Stöckler, Hagspiel Gerard Faißt Anton, Metzler Eduard, Moosbrugger Max und Ing. Kohler Arno. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. 2. Diskussion und Beschlußfassung hierüber: a) die Errichtung und Ausgestaltung eines Altenwohnheimes im zu erstellenden Mehrzweckgebäude und b) dessen Baudurchführung und c) über die erforderliche Grundteilung. 3. Finanzierungsvertrag zum Zwecke der Erschließung von Grundstücken. 4. Festsetzung der Beiträge bei der Inanspruchnahme der Krankenschwester. 5. Protokoll. 6. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und die Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 7. Vermietung eines Appartements im Schulhaus. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. a) Der Bürgermeister gibt einen Rückblick über die Vorarbeiten für den Bau des Mehrzweckhauses auf dem Engelareal. Er erläutert die Gründe, die zur Bauverzögerung führten und warum der Optionsvertrag vom Bauträger, Fa. Karl Grabher, Hohenems bis zum festgelegten Endtermin, dem 31.7. d.J. nicht angenommen wurde, Bei der Bauverhandlung verlanate die Behörde, da der gesetzliche Bauabstand gegenüber dem Versorgungshaus nicht gegeben ist, einen fixen Abbruchtermin des Gebäudes, wofür vom Bürgermeister keine bindende Zusage gegeben werden onnte. Da für den Erwerb von Eigentumswohnungen seitens der Einheimischen nur wenig Interesse besteht, ist anzunehmen, daß Auswärtige Zweit- und Wochendwohnungen etablieren, ein Umstand, der nicht unbedingt im Gemeindeinteresse liegt. Wenn sich nun die Gemeinde für die Errichtung eines Alten- woOohnheimes entschließt, und im Mehrzweckhaus ein ganzes Stockwerk erwirpt, ergiht sich eine neue Situation: Die Gemeinde wird Bauwerber und muß versuchen, durch FEFigeninitiative möglichst kostengünstig zu bauen, Für den bisherigen Bauträger fällt das Risiko unverkäuflicher Wohnungen fast vollständig weg. Der Bürgermeister hat eine Kalkulation über die Baukosten durchgerechnet. Der Bauträger rechnet mit einem Richtpreis von S 13.000,-- je m2, was ohne Grundpreis einer Bausumme von rund 15,3 Mill. S entspricht. Bei einem umbauten Raum von 5.819 m3 ergibt sich bei einem realistisch eingeschätzten Preis von S 2.000,-- je m3 eine Bausumme von 11,6 Mill S. Die Differenz beträgt also rund 3,7 Mill S. Für das Altenwohnheim wäre mit einer Bausumme von rund 3,5 Mill S zu rechnen. Die Förderungdes. Landeswohnbaufonds beträgt S 3.600,-- je m2 und aus der Sozialhilfe des Landes wären als Richtsatz Fördermittel von 30 % der Bausumme zu erwarten. Somit ist die Finanzierung aus Gemeindesicht zu schaffen. b) Der Bürgermeister hat mit dem Bauträger Herrn Grabher über die neue Situation gesprochen. Grabher erklärte sich einverstanden, den Bau auch im Betreuungsverfahren auszuführen. Welche Leistungen dies beinhaltet, wird Cegenstand neuer Verhandlungen sein. Nach längerer Debatte wurde einstimmig beschlossen: 1. Die Gemeinde errichtet im Mehrzweckhaus ein Altenheim. Sie erwirbt zu diesem Zwecke das 2. Obergeschoß und event. zwei Kleinwohnungen im 1. Stock, 2. Die erteilte Zustimmung der Gemeinde zum Optionsvertrag wird zurückgezogen. Die Gemeinde tritt als Bauherr auf und übernimmt in Eigenregie die Baudurchführung. c) Die erforderliche Grundteilung wird bis zur Abklärung der Rechtslage und Vorlage fixer Baupläne vertagt. Für die weitere Planung und Verhandlungen wird ein Bauausschuß bestellt. Ihm gehören an: 3 Vertreter der Gemeinde und zwar Bürgermeister Anton Bilgeri, Gerard Hagspiel u. Max Moosbrugger, 2 oder 3 Vertreter der Raiffeisenkasse, 2 Vertreter der Fam. Fürpaß (Parfümerie) und je 1 Vertreter der Wohnungswerber. Über die Finanzierung der Kanalisation zur Erschließung der Cp. 972/2 und 973/3, Elz. 57 K.G. Hittisau hat der Bürgermeister einen Entwurf ausgearbeitet, der allen Gemeindevertretern zuge- gangen ist. Da die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung der Gp. von der Landesregierung noch nicht genehmigt ist, wurde die Beschlußfassung über den Finanzierungsvertrag vertagt. Die Festsetzung der Beiträge für die Inanspruchnahme der Krankenschwester des Sozialsprengels Vorderwald war Gegenstand längerer Beratung. Fest steht lediglich, daß die Gemeinden nach einem Einsatzpunktesystem mit der Gemeinde Langenegg die Abdeckung der Kosten im Nachhinein zu begleichen hat. Welchen Beitrag die Gemeinde von den Patienten einhebt, bleibt ihr überlassen. Die Inanspruchnahme der Schwester ist heute noch nicht abzuschätzen. Die Gemeindevertretung hat beschlossen, vorerst befristet bis zum 31.12.1979 pro Stunde einen Beitrag von S 100,-auf die Patienten zu verumlagen. . Das Protokoll der Sitzung vom 7.8.1979 wird ohne Einwand genehmigt, Bericht des Bürgermeisters: a) Die Sprengelgemeinden haben die Vereinbarung mit der Gemeinde Lingenau über die Benützung des Hallenbades durch die Hauptschüler unter der Bedingung nachfolgender Abänderung bzw. Ergänzung zur Kenntnis genommen. 1. Bei Abweichungen der tatsächlichen Schwimmstunden von den lehrplanmäßigen Unterrichtsstunden ist es allein den beitragszahlenden Gemeinden vorbehalten, eine alliquote Kürzung des Benützungsentgeltes vorzunehmen. 2. Die vorgelegte Vereinbarung wird auf lo Jahre befristet und endet spätestens mit Ablauf des Schuljahres 1985/86. Es bleibt ab diesem Zeitpunkt den unterzeichneten Gemeinden überlassen, eine Erledigung ihrer Berufung gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz vom 15.04.1975, 21. II-2189/1973 zu verlangen. 3. Änderungen des derzeitgen Badebetriebes aus finanziellen oder anderen Erwägungen sind möglich, wenn es die Mehrheit der beitragszahlenden Gemeinden beschließt. b) Die Wasserrechtsverhandlung über die Erweiterung der Gemeindewasserversorgungsanlage ist auf Mittwoch, den 5. c) 9. 1979 anberaumt. Zum Besuch des Kindergartens wurden 54 Kinder angemeldet. Es ist die Teilung auf Vor- und Nachmittagsbetrieb not- wendig. Die Eltern wurden verständigt und haben Verständnis für die Lösung gezeigt. Allfälliges: a) Auf eine Anfrage über die Finanzierung des geplanten Altenwohnheimes und event. Verwendung des Sternenareals zu diesem Zweck gibt der Bürgermeister Auskunft. An eine Veräußerung ist zur Zeit nicht gedacht und ein "Finanzzwang" vorerst nicht gegeben. b) Gemeindevertreter Gerard Hagspiel erkundigt sich über die Unterbringungsmöglichkeit der Lebenshilfe für den Fall des Abbruchs des Versörgungshauses. Er verweist auf die moralische Verpflichtung der Öffentlichkeit zu einer tragbaren Lösung dieses Problems und ersucht um Verständnis und Mithilfe. co 7. Das Fürsorgeamt ersuchte die Gemeinde um Mithilfe bei der Vermittlung einer Wohnung für Frau Ruhry, geb, Torahele. Der Bürgermeister schlägt die Vermietung eines Appartements im Schulhaus vor. Die Gemeindevertretung gibt hiezu ihre Zustimmung. Schluß der Sitzung um 22.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Anschließend zeigt Othmar Mennel im "Gasthof Schiff" seine vorzüglichen Dias von der EinweimMung unseres Freibades, der schönen Landschaft unserer Bregenzerwälder-Musikfest in Bezau, inde und vom
  1. hittisauvertretung
19790807_GVE046 Hittisau 07.08.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 20.2.1970 Verhandlungsschriäiäft: über die am Dienstag, den 7. August 1979 um 20.15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 46. öffentliche Sitzung der Ge- meindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler. Entschuldigte: die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Josef Steurer, Anton Faißt und Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. a) Beschlußfassung über die Errichtung weiterer Gehsteige mit Straßenbeleuchtung im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt und b) Antrag um Einbeziehung in die Projektierung. 3. Beratung über die Grundteilung auf dem Engelareal. 4. Beschlußfassung über das vorliegende Projekt für den weiteren Ausbau der Wasserversorgung. 5. Novelle der a) Wassergebührenordnung b) Kanalgebührenordnung. 6. Neubestellung der Gemeindekommission zur Erstellung der Geschworenen- und Schöffenliste, 7. Schreiben der Gemeinde Lingenau (lt, Beilage). 8, Beitritt zum Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskanmers 9. Vorlage von Landesgesetzen: a) Katastrophenhilfegeset2. b) Rettungsgesetz. 10. Protokoll der letzten Sitzung. 11. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt die Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsge- mäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 12. Vergabe der Einzäunung für die Kläranlage. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. a) Die Landesstraßenbauplanungsstelle ist mit der Vermessung für die Geländeaufnahmen zur Planung unserer Ortsdurchfahrt beschäftigt. Im Zuge äss Straßenausbaues steht die Errichtung der Gehsteige und Straßenbeleuchtung zur Entscheidung. Grundsätzlich ist die Gemeindevertretung der Meinung, einen Gehsteig von 1,40 - 1,50 m Breite südseitig von Scheidbach über Windern zum Sternen bis zur Einmündung der Schwimmbadstraße und weiters von der Sternenkreuzung zum Dorfplatz und bis Heideggen in der Planung. vorzusehen, Für die Straßenbeleuchtung ist die Verlegung von Leerrohren miteinzuplanen. b) 3, Mit einstimmigem Beschluß wird an die Landesstraßenplanungsstelle der Antrag zur Einbeziehung der geplanten Gehsteige in die Projektierung eingebracht. Die Fa. Grabher hat die Pläne für die Teilverbauung des Ortszentrums auf dem Engelareal vorgelegt und bereits um die Baugenehmigung angesucht. Die Kommissionierung wurde auf Donnerstag, den 9. August anberaumt. Gemeindevorstand und Bauausschuß haben im Einvernehmen mit der Raika einige Änderungen vorgeschlagen. Das Objekt sollte ganz unterkellert, mehr über das Straßenniveau angehoben und die Dachneigung etwas verringert werden. Der Vorbau könnte etwas schmaler ausgeführt werden. Ein großer Mangel ist, daß keine Garagen vorgesehen sind, Es soll die Möglichkeit zum Bau :einer Tiefgarage überprüft werden. Weit mehr Bedenken erwachsen aus der Tatsache, daß für die Wohnungen unter den Einheimischen nur wenig Interessenten sind. Deshalb ist der Verkauf an Auswärtige zu befürchten, die hier eine Wochenend- wohnung etablieren. Dies aber liegtnicht im Gemeindeinteresse. Daher regt der Bürgermeister an, zur Errichtung von Altenwohnungen eventuell das 2. Obergeschoß durch die Gemeinde zu erwerben. Damit kam ein neuerer Aspekt zur Sprache, der eine längere Diskussion auslöste. Durch die Situierung von Altenwohnungen im Dorfzentrum würde die Vereinsamung der betagten Gemeindebürger gemildert und das Haus dem Gemeindeinteresse weit dienlicher werden. Für diesen Fall müßte der Einbau -&ines Personenliftes eingeplant werden. Der Vorschlag wird weiter- verfolgt und mit dem Bauträger Fa. Grabher verhandelt. Der Bau des zweiten Teilprojektes, das ein Restaurant und den Gemeindesaal vorsieht, wird immer dringlicher. Gerade in den Sommermonaten wird das Fehlen eines Veranstaltungssaales mit der Bewirtschaftung in der Gemeinde mehr und mehr vermißt. Für das Restaurant besteht Aussicht, einen privaten Bauherrn zu gewinnen, der die Bewirtschaftung des Saales im Bedarfsfalle zu besorgen hätte. Den Bau des Gemeindesaales wird voraussichtlich die Gemeinde finanzieren müssen. In einem Betriebsvertrag mit dem Restaurantinhaber müßte vor Baubeginn die Gewähr für die Bewirtschaftung des Kultursaales sichergestellt werden. Die Grundteilung des Areals wird verschoben, Es soll zuerst das Bauobjekt abgesteckt werden, um ein naturgetreues Bild der Situierung zu erhalten. Für die Erweiterung der Gemeindewasserversorgung liegt ein Projekt zur Beschlußfassung auf. Das Bauvorhaben ist in das Förderungsprogramm des Landes bereits aufgenommen und die Verhandlung zur Wasserrechtsgenehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft anberaumt. Vorgesehen sind folgende Teilprojekte: a) die Neuversorgung der Parzelle Brand, b) der Bau einer Ringleitung Brand - Rain, c) der Bau einer Ringleitung Korlen —- Dorf, d) die Sanierung der Quellableitung in Völken und e) der Bau einer Entkeimungsanlage für das Wasserwerk Bolgenach im "Neu Gut", Die Versorgung der Parzelle Brand mit Trink- und Löschwasser über Antrag der Bewohner wurde begrüßt. Die erwähnten Ringleitungen bringen für die Parzellen insbesonders eine leistungsfähigere Versorgung in Brandfällen., Die Sanierung der Ableitung von der Quellfassung in Völken durch größere Rohre und mehr Gefälle bewirkt die bessere Speisung der Leitung, da das Überwasser genutzt und verhindert wird, daß Luft in die Leitung einfließt. Eine längere Diskussion entspann sich über die Notwendigkeit zum Bau einer Entkeimungsanlage für das Quellwasser in Bolgenach, Vor Baubeginn wurde das Wasser untersucht und die Proben waren einwandfrei. Nun haben wiederholte Untersuchungsergebnisse durch die Bezirkshauptmannschaft den Gehalt von Enterokoken nachgewiesen, sodaß die Qualität als Trinkwasser nicht entspricht. Über das Erweiterungsprojekt liegt folgender Kostenvoranschlag auf: Ausbau des Versorgungsnetzes Sanierung der Quellableitung S S 353,300, -122.000, -- Entkeimungsanlage S 385.400, -- Unvorhergesehenes, Bauverwaltung S 39.300, -- S 900.000, -- Gesamt Einstimmig wurden die Projekte zur Erweiterung des Versorgungsnetzes und der Sanierung der Quellableitung in Völken gutgeheißen. Der Bau der Entkeimungsanlage in Bolgenach fand mehrheitliche Zustimmig, sofern diese für die Verbesserung der Wasserqualität unumgänglich notwendig ist. 5. a) Der Rürgermeister erläutert die Änderung der Gebührensätze, die sich durch die Novellierung der Wassergebührenoränung ergeben, nach der ab 1.1.1979 anstelle des Baukostenindexes der Lebenshaltungskostenindex als Grundlage zur Bemessung der Gebühren angewendet wird, Nach dem Lebenshaltungskostenindex ergibt sich bis 31.12.1978 eine Preissteigerung von rund 57 %, wogegen der Baukostenindex um 91 % angestiegen ist. Für den Wasseranschluß beträgt inklusive LÖschwasser die Gebühr ab 1.1.1979 somit mindestens S 14.148,-- + 8 % MWSt. Der Novellierung der Wassergebührenordnung im obigen Sinne stimmt die Gemeindevertretung einhellig zu. b) Zur Novellierung der Kanalgebührenordnung, die erst mit Verordnung vom 1.1.1978 in Kraft trat, äußert der Bürgermeister Bedenken, Die Steigerung des Indexes fällt noch nicht so immens ins Gewicht. Es wird beschlossen, die Novellierung der Kanalgebührenordnung vorerst zu verschieben. 6. In die Kommission zur Erstellung der Geschworenen- und Schöffenlistg werden bestellt: Bgm. Anton Bilgeri GV, Hieronymus Faißt GV. Gerard Hagspiel GV. Max Moosbrugger. 7. Das Schreiben der Gemeinde Lingenau betreffend der Vereinbarung über die Benützung des Hallenbades für den Schwimmunterricht für die Hauptschüler und des zu leistenden Benützungsentgeltes ist allen Gemeindevertretern schriftlich zum Studium zugegangen. Auf Grund der Beratung wurden folgende Änderungen beantragt: Punkt 4. soll sinngemäß lauten: Bei Abweichungen der tatsächlich gehaltenen Schwimmunterrichtsstunden von den lehrplanmäßig vorgesehenen, halten sich die beitragszehlenden Gemeinden vor, eine aliquote Kürzung des Beitragsentgeltes vorzunehmen. Punkt 8, Der Nachsatz " und verzichten auch nach Ablauf dieser Vereinbarung auf eine solche Erledigung " ist zu streichen. Vorbehaltlich der Akzeption dieser Änderungen stimmt die Gemeindevertretung der Vereinbarung einstimmig zu. Die Vorschreibung für den Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskammer für das Jahr 1978 in Höhe von S 2.150,-- ist eingetroffen und wird beglichen. Die Einrichtung hat sich be- währt und wurde auch in unserer Gemeinde verschiedentlich in Anspruch genommen. Die Gemeindevertretung hat einstimmig den Beitritt zum Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskammer beschlossen. Zu den Landesgesetzen a) Katastrophenhilfegesetz und b) Rettungsgesetz wird kein Einspruch erhoben und keine Volksabstimmung verlangt. 10. Das Protokoll der letzten Sitzung wird ohne Einwand zur Kenntnis genommen. 11. Bericht des Bürgermeisters: 1. Für den Ankauf des Tanklöschfahrzeuges ist die positive Stellungnahme des Landesfeuerwehrverbandes eingetroffen. 2. Die Familienhelferin Marlies Düringer wird am 17.9.1979 den Dienst in unserer Gemeinde antreten. 3. Für die erwünschte Verlängerung des Überlaufwasserkanales in Heideggen als Vorbedingung zur Aufschüttung des Tobels haben die Interessenten die von der Gemeinde verlangte Landschaftsschutzbewilligung nicht beigebracht bzw. beantragt, sodaß die lautgewordene Kritik ungerechtfertigt ist und abgewiesen werden muß. 4. Im Zuge des Straßenbaues in Hangernfluh gibt es Probleme mit der teilweise notwendigen Umlegung der Gemeindewasserleitung. 5. Die Volksschullehrerin Eva Maria Huber wurde mit 1.9.1979 von der Behörde zur Dienstleistung an unsere Schule versetzt. 6. Herr Ing. Müller hat der Gemeinde den Entwurf eines Er- schließungsvertrages zur Wasserversorgung und Kanalisation der Gp. 973 zugesandt. Die Wasserversorgung der Gp. 973 wird im Zuge des Netzausbaues von der Gemeinde bewerkstelligt, sodaß sich hiefür ein Vertrag erübrigt. Für die Kanalisation schlägt der Bürgermeister den Abschluß eines Finanzierungsvertrages mit den Interessenten vor, der in der nächsten Sitzung behandelt werden soll. 7. Mit 1.9.1979 tritt die Krankenschwester Müller den Dienst in dem neu errichteten Sozialsprengel Vorderwald an. Dienstgeber ist die Gemeinde Langenegg. Die Kosten werden nach einem Einsatzpunktesystem verumlagt. 8. Die Eröffnung und Einweihung des Freibades am Sonntag, den 29.7.1979 ist bei prächtigem Badewetter und großer Besucherzahl bestens verlaufen, Landeshauptmann Dr. Kessler vermochte mit seiner gekonnten Festrede voll zu überzeugen. Die Anlage fand allgemeines Lob unter den Festgästen. Allfälliges: 1. GV Gerard Hagspiel teilt mit, daß für die Lebenshilfe anläßlich der Schwimmbaderöffnung der schöne Spendenerlös von S 7.800,-- eingegangen ist. Er dankt der Gemeinde für die großzügige Geste, auf Eintrittsgelder zu Gunsten der Lebenshilfe verzichtet zu haben und sprach in deren Namen allen Spendern den Dank aus. 2. Das Fahrverbot auf der Ließenbachstraße wird lt. Mit- teilung von GR Bartenstein von vielen KFZ-Lenkern nicht beachtet, vielmehr benützen junge Mopedfahrer die Straße als Rundfahrtkurs für ihre Vergnügungsfahrten. Leider ist die Gendarmarie zu überlastet, um laufend wirksame Kontrollen zu machen. 12. Für die Umzäunung der Kläranlage haben drei Firmen Offerte eingereicht und zwar Fa. Fesenmeier, Schwarzach Fa, Köb, Feldkirch S S 52.790,-62.334,-- Fa. Blum, Höchst S 62.724, -- Die Arbeiten werden lt. den Richtlinien des Wasserwirtschaftsfonds an den Bestbieter Fa. Fesenmeier vergeben. Schluß der Sitzung um 24.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19790703_GVE045 Hittisau 03.07.1979 Verha n alungs schrift EEE EEE - 51m über die:am Dienstad; den 3, Juli 1979 im Gemeindesitzungssaal. um 20.15 Uhr abgehältene. 45. ‘öffentliche Sitzung der Gemeindever- tretung Hittisau. Anwesende: BürgermeisterAnton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, „Erwin Fberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons’ Sutterlüti, Hermann: Nenning, Oskar Eberle, ‚Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Gerard :Hagspiel, Anton Faißt, Eduara Metzlerund: Ing“ Arno: Kohler, die Ersatzmänner ‘Xaver. Hagspiel‘; Lüdwig Bechter‚und. Johann; Steurer‘ sowie‘ zwei Zuhöreri” Entschuldiate:. die Gemeindevertreter NR Ludwig. Hagspiel, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt und Max Moosbrugger. „ Ta.‘g esordnung: 7 SWN&o°. ©o° ’öo- Eröffnung und Begrüßung. Änderung des Flächenwidmungsplanes. Berufungsentscheidung, über:‚einen Bescheid des ‘Gemeindevorstaändes. a) Schreiben der Gemeinde Krumbach ‚betreffend ihre Wasserver‚SOrgung und Gebührenfestsetzung. b) Novelle. der Wassergebührenordnung. Altreifenbeseitigung - - lt. ‚Gemeindeverband, Schreiben der-Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald“Sozialsprengel Vorderwald. . Planvorlage für Alpsennerei - „Müseum und Arbeitsvergaben. Genehmigung. des letzten Sitzungsprotokolles.. ; Berichte und Allfälliges. 1. Der:‚Bürgermeister eröffnet die Sitzung und .begrüßt die: ‘Erschienenen.' Er stellt‘ fest, daß die Einladungen: ordnungsgemäß zugestellt‘ wurden und” Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag aUüf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 10, „Gesetzesvorlagen: a) Neues Landes-Forstgesetz, b) Novelle des Gemeinde- und Landesbedienstetengesetzes. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. In der Sitzung vom 29.5. 1979 hat die Gemeindevertretung: a) die Umwidmung einer Teilfläche der‘ Gp. 973.der Eigentümerin Maria Fehr im Ausmaß von 60 x 30 m entlang der Rainstraße. als Baugrund beschlossen. Nicht behandelt! wurde dievon‘, Anwalt Dr. M Bechter‘ gleichzeitig. beantragte‘‚Umwidmung:eines Grundstückes der“ Eigentümerin‘ Emma Schedler-Wild,da. Frau. Schedler zunächst. ihren Grund nur landwirtschaftlich. zu: nutzen beabsichtigte. Nun steht die‘ Umwidmung-einer: Teil- fläche al&s Baugrund entlang der Straße zur‘ ‘Entscheidung.: Über Antrag des Gemeindevertreters Josef Steurer wurde die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwicmung einer Fläche von 60 m Länge und einer Bautiefe von'3o m für zwei Bauplätze mit 16 Ja-Stimmen bei, einer Stimmenthaltung be- schlossen. Der Konsenswerber hat die Torf nanzierung 47 der =,- Kanalisation 1lt.. Projekt aliquot mitzuübernehmen.... b) Frau Nella Vicentini, Bolgenach Nr. 45 hat aus der "Mitte ihres Grundstückes zwei Bauplätze für ihre Kinder vermessen. lassen, wodurch die Nutzung der verkleibenden Landwirtschaftsı fläche erschwert‘ und kein. geschlossenes Siedlungsgebiet ent-, standen wäre, Aus diesen Gründen wurde bei der Flächenwidmung dieser Grundteilung nicht stattgegeben, Um eine deschlossene Bauzone zu erhalten, wird eine auch. nach: Meinung von, Ing. Schwarz von der. Paumplanungsstelle. tragbare Lösung dahin- gehend einstimmig beschlossen, daß von der. Westfront des be- stehenden Hauses Nr. 45 eine Fläche von 12o m Länge für, zwei Bauplätze zur Verbauung umgewidmet werden. Die Bauherrn’ | haben bei einer Verbauung vor Errichtung der Gemeinde- ‘-' kanalisation für. die Abwasserbeseitigung auf eigene Kosten, Sorge zu tragen. 3, c) Die Eheleute Johann und Elsa Vögel, Komma, beantragen die Verlegung des roten Punktes auf der Gp. 725 K.C@. Hittisau, an die Südecke des Grundstückes hei der.Abzweigung der Schwimmbadstraße, Murch die beabsichtigte Verlegung ist die Bearbeitung der verbleibenden Landwirtschaftsfläche. weniger behindert und die Abwasserbeseitigung für den geplanten Neubau weit günstiger. . Bei. Befangenheit des Bürgermeisters wird die beantragte Verlegung des ‚roten Punktes ‚einstimmig ‚gutgeheißen. 3. Gegen den Bescheid des’ Gemeindevorständes vom 5,:6.1979,nachdem das Ansuchen der Maria Fehr um Grundtrehnungsbe- willigung der Gp. 973 abgelehnt wurde, hat die Mandantin Berufung eingereicht. In dieser wird darauf verwiesen, daß nach Meinung ‚des Berufenäden keine Gründe vorliegen, die einer Bewilligung entgegen stehen. Der Bürgermeister bringt’ sodann ein Begleitschreihen der Maria Fehr zur Verlesung, in dem ihr Schwiegersohn Herr Helmut Müller’ auf S 34 des. Raumplanungsgesetzes verweist und die Bewilligung der Grundteilung im beantragten Ausmaß kategorisch fordert, da keine Versagungsgründe vorlägen. ‘In der nun folgenden Debatte werden Bedenken laut, die, Be- wälligung: der Grundtrennung im Ausmaß von 60 x 50 m bringe. in absehbarer Zeit. den Antrag auf Umwidmung einer zweiten Bautiefe, was zum Schutze des Ortsbildes zu verhüten sei. Gemeinderat Konrad Hagspiel richtete an den anwesenden Herrn Müller folgende Anfragen: , . 1) "Beabsichtigen Sie, später eine 2. Bautiefe zu beantragen?" Antwort: "Nein, das ist, wie aus dem: hier aufliegenden, Lageplan meines geplanten Hauses ersichtlich, gar nicht möglich," 2)" Stimmen Sie einem Vorkaufsrecht .bei,event. "Verkauf der unverbauten Restfläche zu Gunsten: ‚des Figentümers der Gp. 973 zu?" — Antwort: "Nein, ein Vorkaufsrecht würde ich auf ‚Grund der. gemachten-r Erfahrungen im. Laufe‘der Erbteilung nie einräumen... Schließlich wurde der Berufung gegen die Ablehnung der Teilungsbewilligung des Grundstückes Gp. 973 1t. Bescheid des Gemeindevorstandes vom 5.6.1979 mit 1o Ja-Stimmen und 3 Stimmenthaltungen bei Refangenheit des Gemeindevorstandes von der Gemeindevertretung stattgegeben. ‘4 - -. 4, a) Die ‚Gemeinde.‚Krumbach ‚ersucht in‘einem“Schreiben um Trink- wasserbezug aus dem Versorgungsnetz.unserer Gemeinde, . da ihreWasserversorgung besonders bei ‚Trockenheit nicht ausreicht. Unser Leitungsnetz‘ berührt‘ an der Grenze Riefens- “bergnahezu - bis auf ca. 5o m - äie Leitung der‘ Gemeinde” Krumbach; sodaß für eine Einspeisung des Überwassers keine ‚großen. Kosten erwachsen ‚würden. Vom Landeswasserbauamt ‚wurde‚als. überregionale Lösung angeregt, später. auch mit dem Wasserwerk ‚Riefensberg zu. koppeln,” damit‚unter den drei Gemeinden : in Notfällen die Wasserversorgung sichergestellt wäre, : Die‘Gemeindeverträtung stimmte einmütig zu, das Überwasser an die Gemeinde. Krumbach abzugeben, solange der Eigenbedarf. gedeckt ist. Die Kosten für die Anschlußleitung und‘ Meßsinrichtung sind von der Gemeinde Krumbach zu tragen. Als‘‚Ab- gabepreis. werden je m3 S 1,50 wertgesichert nach dem.Lebens- ui. haktungskostenindex.- verrechnet, Für den Fall des Bedarfes (Brandfall) wird erwartet, daß‚die Gemeinde, Krumbach zum‘ gleichen Preis ihr.Wasser zur Verfügung stellt. B)AD'r. Bürgermeister.‚berichtet über die eingetretene Erhöhung Lu der Wasseranschlußgebühren, .die 1t. Gebührenordnung nach“ dem Baukostenindex.. wertgesichert sind. Da seit Oktober 1974, dem Beschlußmonat unserer Gebührenordnung, der Baukostenindex bis-April: 1979 eine Steigerung von 91 % ausweist, kommen die Anschlußgebühren für ein Einfamilienhaus heute bereits auf£:rund S 20.000,--,. ein Betrag, der ‘unverhältnis- ‚mäßig hoch.und der Bautätigkeit in keiner Weise förderlich. „ist, Der‘ Bürgermeister Schlägt. daher vor, ab 1.1.1979 äen Lebenshaltungskostenindex als.Grundlage für die Erhöhung. der. Anschlußgebühren festzusetzen. Dasselbe’ gilt für die Anschlußgebühren der Kanalgebühreneordnung.. ‚Das Gemeindeamt entwerfen und der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung. wird eine Novelle der Gebührenordnungen im obigem Sihne u. Verlegen. SA + des ‘Landes hakaan sich bisher Bis ‘auf fünf‘ Gemeinden alle:der Aktion.zur‘ Altreifenbeseitigung‘‚ängeschlossen. Mit der ‚Fa. Häusle, Dornbirn, wurde di verträgliche Beseitigung derAltreifen für 5 Jahre, das‘ ist Bis 1983,zımgleichen Verarbeitungs- preis vereinbart‘. ‚Das Land’‘gewährt:für die Beseitigung einen ‚Zuschuß von Ss 406 000,--, die‘ Gemeinden haben je Einwohner S 2,-- jährlich zu‘entrichten: :Im ganzen Land sind gegen 200 Abgäbestellen vorgesehen; inHittisau fünf: Unsere. Gemeindevertretung‘hat“bisher “die: Zust immung versagt, da man, wie sich.aus “der Diskussion ergab;die Meinung.‚vertrat, ‘der Verursächer‘ &011 die Kosten tragen und nicht die.Allgemeinheit. So wurde. Auch die Regionalplanungsgemeinschaft als Anreger diees Vorschläges der Altreifenbeseitigung. ‚au£ :Gemeindekosten kritisiert. Schließlich, gilt, wer sich der Vereinbarung nicht anschließt als‘ Schmärotzer und Nutznießer. Eine Ablehnung seitens der Gemeinde könnte Änlaß zu Vorwürfen werden. Mit 9 Ja - gegen 8 Nein-Stimmen hat sich die Gemeindevertretung‘‘‘der Vereinbarung zur Altreifenbeseitigung angeschlossen; 6. In einem Schreiben der Regionalplanungsgemeinschäft Bregenzer- wald wurde die Gemeinde zur: A dr über den Beitritt vorgelegt. Hierüber. referierte der Obmann des Sozialausschusses Gemeindevertreter Gerard‘ Hagspiel, Die Kösten werden auf jährlich S 300,000,-- geschätzt, wobei auf Sachkosten ; S 100.000,--. und ‚auf Persohalkosten S’ 200.000,-- entfallen. Nach: dem Bevölkerungsstand würden auf ‚unsere, Gemeinde‘ rund‘ S 62.000, -- entfallen, ‚jedoch werden die, Kosten entsprechend der tatsächlich beanspruchten Dienstleistung auf die Gemeinden aufgeteilt. Bedenken wurden wegen der” Größe des. ‚Sprengels‘‘ge- äußert, umfaßt er doch. den‘ gesamten, Vorderwald und Sulzbergstock, ein Gebiet, das von einer Krankenpflegerin kaum zuBefriedigung zu betreuen sein dürfte. Für. die Errichtung des Sozialsprengels wurden von verschiedenen ‘Institutionen (Land, Sozialhilfe, Krankenkasse) Starthilfen zugesagt, jedoch findet sich niemand bereit, zur Kostenabdeckung des laufenden Betriebsaufwandes verbindlich ‚eine Zusage :zu geben. ‚Der. Bürgermeister erwähnte die sozialen Sorgen und Nöte än manchen Familien und bei betagten Alleinstehenden, die an ihn herangetragen ‚werden. Sicherlich wäre der Einsatz einer Krankenpflegerin und Familienhelferin in der Gemeinde wünschenswäört, doch: ist die .finazielle Frage, und Auslastung zu überlegen. _ Die: Gemeindevertretung entschied sich für die regionale Lösung in. der Krankenpflege und hat‘ mit 'einstimmigem' Beschluß den Bei- tritt zum Sozialsprengel Vorderwald beschlossen, Der Bürgermeister hat wegen. ‘einer -‚Familienhelferin‘mit der Leiterin der Schule, Frau Weber Kontakt aufgenommen: Es wurde ihm die Schulabgängerin Marlene Düringer aus Schwarzenberg empfohlen und stellte deren Anstellung zur Diskussion. Die Ge- meindevertretung hat. hierauf. einstimmig beschlossen, eihe Familienhelferin anzustellen.‘ Als‘ Tagsatz‘ wurde einheitlich S 150,-- festgesetzt. Der: Monatslohn wird‘ bei‘ brutto S 7.,800,-- liegen. Vom Land kann ein. Jahreszuschuß von'S 60.000, +-' bis S 70.000,-- erwartet werden.‘ Allfälliges: 1. GV Johann Steurer erkundigt sich über den Stand der Planung für den Ausbau der‘ :Riefensbergerstraße- und Neubau der Auen- bachbrücke; Der Bürdermeister teilt mit, daß er diesbezüglich bei der Landesstraßenplarnungsstelle: neuerlich vorgesprochen habe, wobei im Bereich‘der Auenbachbrücke eine Umprojektierung und Neutrassierung ‘geprüft werden soll. Er berichtet weiter, daß im:den nächsten Wochen die Geländeaufnahmen für die ‘Planung der. Ortsdurchfahrt vorgesehen sind; Im Zuge des Straßenausbaues müssen ‚im Ortskern die Gehsteige und die Straßenbieuchtung erstellt werden. 2. Weiters regt Herr‘ Steurer‘ an, "bei der Straßenkreuzung im Sternen eine. ‘gemeinsame.„Hinweistafel: “Schwimmbad - Hoch- häderichlifte" ‚aufzustellen; 10; Fe z STEG f. „Der, Bürgermeister ‚gibt 'einige.(Erläuterungen zu‘ nachstehenden Gesetzesvorlagen des ‘Landes:. a) Landes-Forstgesetz, AM b) Novelle” zum Gemeinde-‚und Landesbedienstetengesetz.. Gegen diese Gesetzesvorlagen wird keih‘ Einspruch erlicben und. keine Volksabstimmung beantragt. Schluß. der Sitzung um 0.157Uhr. ; | Der‘ Bürgermeister: . gez. Anton Bilg@)i ÖL
  1. hittisauvertretung
19790529_GVE044 Hittisau 29.05.1979 GEMEINDEAMT FITTISAU Hittisau am 5.6.1979 Ve ch andlıungsschrift: über dieam Dienstäg, den 29. Mai 1979 um 20.15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 44, öffentliche. Sitzung. der Gemeinde-: vertretung Fittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, Ve die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin,‚Eberle die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning,: Härbert und Ignaz Bartenstein, Bilgeri, Oskar. Eberle, Anton. "Faißt, Hieronymus Faißt, NR. Ludwig“ Hagspiel, Gerard Hag&piel, Ing. “Arno Kohler, Max Moosbrugger: und Dr. Anton Stöckler, der Ersatzmann Xaver Hagspiel, Gemeindekassier Konrad Schwarz sowie vier Zuhörer. Entschuldigte: GV Eduard Metzler und Josef Steurer. Tagesordnung: ubL>Nnao u Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. Antrag auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. . ; Antrag auf Auszahlung eines Baukostenzüschusses für den Güterweg Dorf. ;. Bestätigung eines Beschlusses des Gemeindevorstandes betreffs Verlängerung des Regenwasserkanals ih Heideggen. . Entscheidung zwecks Anschaffung: a) eines Feuerwehrtanklöschfahrzeuges, b) einer Buchunygsanlage für das Gemeindeamt. 6. Protokoll. 7. Bericht des Bürgermeisters und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung mit dem Gruß an alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen: ordnungsgem@zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit.gegeben. ist. 2. Die Eigentümer der Gp. 973 bringen ‚durch den 'bevollmächtigten Anwalt Dr. Melchior Bechter einen Antrag auf Grundtrennungbe— willigung und Umwidmung. einer Teilfläche des Grundstückes im Norden bis zu einer Tiefe von, 30 m ein. Auf Grund der Real-“ teilung erhält Frau Maria Fehr entlang der Rainstraße ein Grundstück im Ausmaß von 60 x 50 m und Frau Emma‘ Schedler, geb. Wild von 6o x 70 m. Josef Steurer wird ein Wede-,‚Fahr- ‚und Viehtriebsrecht eingeräumt‘. Frau Brunhilde Müller geb; ‚Fehr verweist in einem Schreiben auf die persönlichen Besitzverhältnisse ihrer Mutter, die‘ lt. Vertrag, auf ihr Wohnrecht verzichtet und erbittet die Änderung des Flächehwidmungsplanes und Umwidmung einer Teilfläche von 60 x 3o m als Baugrund. Zur Erläuterung liegt ein Teilungsplan zur Einsichtsnahfie bei. Der Bürgermeister erklärt, daß durch die Einigung der Parteien eine wesentliche Voraussetzung zur Änderung des Flächenwidmungsplanes geschaffen wurde. Er. verweist darauf, daß entgegen dem Wunsch aller Eigentümer im Flächenwidmungsplan auf der Süd-Ostgrenze des Grundstückes Bauflächen im Mischgebiet beschlossen wurden. Wesentlicher Grund, äer eine Änderung des Flächenwidmungsplänes und Umwidmung vertretbar mache, seien die: persönlichen Besitz- und Sozialverhältnisse der Antragsteller. Er vertritt die Meinung, daß die Umwidmung als Baufläche bis zu einer Bautiefe von 3o m an folgende Bedingungen geknüpft sein müßten: 1. Der Konsenswerber muß sich zur Vöorfinanzierung der Kanalisation lt. Projekt.bereit erklären. 2...Die Baugründe im Mischgebiet‘ an der Süd-Ostecke ‘des Grundstückes müssen als Lanäwirtschaftsfläche rückgewidmet werden. 3. Die Besitzgrenzen der Grundtrennung müssen sich mit, den Widmungsgrenzen decken. Nun entspann sich eine angeregte Debatte. Besonders- über die:Be- dingung unter Pkt. 3 gingen die Meinungen weit auseinander. Schließlich wurde über Antrag die” Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung wie folgt beschlossen: 1. An der Nord-Westseite des Grundstückes Gp. 9273 wird ein Streifen von 60 m Länge ‚und 30 m Tiefe längs der Straße als Baufläche umgewidmet. 2. Mit der Realteilung werden die Baugründe im Mischgebiet an der Süd-Ostseite des Grundstiickes$ als Landwirtschafts”-. fläche rückgewidmet. nr 3. Der Konsenswerber hat die Vorfinanzierung der Kanalisation lt. Projekt zu übernehmen. Die Abstimmung ergab 15. Ja- und 2 Nein-Stimmen (Bgm. Anton Bilgeri und. GV Hieronymus Faißt). Die Güterweggenossenschaft Dorf ersucht um einen Baukostenzuschuß für den Straßenbau. Die bisher aufgelaufenen Kosten betragen laut Aufstellung der Agrarbbezirksbehörde S 321.000,--. Die Ge- nossenschaft hat einen Interessentenbeitrag von 20 % zu leisten. Auf£ Vorschlag des Bürdermeisters wird mit einstimmigem Beschluß eine a.c.-Zahlung von S 30.000,-- gewährt. In Heideggen ließ der Grundeigentümer Flatz’das Tobel‘ durch‘ die Fa, Hinteregger mit Abräummaterial vom Straßenbau Dornbündt aufschütten. In diesen Tobel mündetsüdlich vom Gasthaus Ochsen der Regenwasserauslaß der Gemeindekanalisation in einem provi- $orischen Auslauf, Die Grundeigentümer Flatz und Smrekar würden eine ‚weitere Aufschüttung des Tobels begrüßen, lehnen aber die Ha£tung für Folgeschäden einer‘ etwaigen Futschung ab. Die weitere Aufschüttung würde eine Verlängerung des Gemeindewasserkanäls um ca. 25 m nach Westen erfordern. Die Kosten für diese Kanalver- längerung wurden mit rund S 80.000, -- veranschlagt. Von der Gemeinde kann die Haftung für Folgeschäden bei einer eventuellen Rutschung des Auffüllmaterials nicht. übernommen;‚werden. Der Ge- meindevorstand hat daher der Verlängerung des Kanals nur unter der Voraussetzung zugestimmt, daß die Landschaftsschutzbehörde hiefür eine Bewilligung erteilt. Ansonsten wird lediglich das Auslaufohjekt in den bestehenden Graben-projektmäßig ausgeführt. Die Gemeindevertretung bestätigt den Beschluß des Gemeindevorstandes einmütig. „ 5. a) ‚Der Bürgermeister berichtet über. die Verhandlungen für den Ankauf eines Feuverwehrtanklöschfahrzeuges mit den Firmen Rosenbauer, Linz und Marte, Weiler.‘ Umstritten ist die Entscheidung, ob ein Wagen mit Finfach- ; (drei Mann) oder Doppelkabine (sechs Mann) angekauft werden soll. Der Preisunterschied beläuft: sich auf rund S 100,.000,--. Ob die Vorzüge der Mannschaftskabine solche Mehrkosten recht- fertigen, war Gegenstand einer länveren Diskussion. Feuerwehr- kommandant GV Alfons Sutterlüti und die anderen Vertreter der Feuerwehr plädieren für die Mannschaftskabine und lehnen, es ab, diese lediglich als Prestigesache zu bewerten. Die letzten Anbote der Firmen lauten: Fa. Rosenbauer: Fa. Marte: Tanklöschfahrzeug mit Mannschaftskabine und incl. Funk MWSt. : S 1.078.000,—— Tanklöschfahrzeug mit Mannschaftskabine ohne Funk S 1.116.000,-- incl. MWSt. Feuerwehrkommandant Alfons Sutterlüti spricht. sich. wiederum für ein Gerät der Fa. Rosenbauer aus, die bei eigener Er- zeugung als bewährter Ausstatter: der Esterreichischen Feuer- wehren gilt. Über, Vorschlag des’ Bürgermeisters bleibt der Gemeindebeschluß vom 18.4. 1979 über den Kauf eines’ Magirus-Deutz Tanklösch- wagens mit Mannschaftskabine aufrecht. b) Für den Unterausschuß betreffs Ankauf einer Buchungsanlage für das Gemeindeamt berichtet GV Gerard Hagspiel. Er hat in einer ausführlichen Analyse die Arbeitsersparnis durch den Einsatz einer leistungsfähigen Anlage erhoben und errechnete eine jährliche Einsparung von 86 Arbeitstagen, das entspricht S:70.000,--. einem Geldwert von ca. Gemeindekassier Konrad Schwarz berichtet aus seiner Sicht über die Vorteile einer solchen Anlage und verweist ‚darauf, daß ohne diese beim jetzigen Personalstand, die anfallenden Arbeiten im "Gemeindeamt auf: Dauer nicht zu leisten sind. Zeit- und Arbeitsersparnis "ergeben sich u.a: bei der Führung der Statistik, der Evidenzhaltung verschiedener Verzeichnisse, der Erstellung der Wählerkartei und Führung des Meldewesens, den div. Gebührenvorschreibungen. und. Ausstellung der Lohnsteuerkarten. Ein event. Ankauf der Computeranlage der Raika kann, da deren Kapazität zu klein und mit ‚Reparaturen zu rechnen, ist, nicht anempfohlen werden. Der Bürgermeister verweist auf die ständig steigende Mehr- arbeit in der Gemeindestube,. Die optimale Auslastung :und meß- bare Rendite solcher Anlagen wird immer umstritten‘ sein. Im Überprüfungsberichtwird’ die‘‘Änschaffüng einer-Postanlage mit zwei Amtsleitungen für das Gemeindeamt‘ empfohlen, Der Ankauf würde lt. Anbot der Post auf S 21;:000,-- zuzüglich S 4.000,-- für Montage zu stehen kommen. Weit teurer wäre eine moderne Anlage der Fa. Schrack., Angesichts der finanziellen Lage der Gemeinde wird vorerst auf die Anschaffung verzichtet. Mit einstimmigem Beschluß wird der Ankauf einer Buchungsanlage beschlossen. Dem Unterausschuß wird die Entscheidung über die Type und die Preisverhandlungen mit, der Lieferfirma übertragen. N Das Protokoll der Sitzung vom 1.5.1079 wird verlesen. Punkt.6. wird wie folgt berichtigt: Die Mehrheit der Gemeindevertreter könnte sich nur für die Ab-: schaffung der Beasucherkarte ‚entschließen. Als Parkgebühr wird je PKW £& 5,--— eingehoben,. Ansonsten wird das. Protokoll genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: 1. Im Schwimmbad sind zurzeit die Fertigstellungsarbeiten im Gange. Im guten Einvernehmen mit den VKW wurde die Planie ausgeführt. ‘Das Bad wird am Pfingstsamstag eröffnet. 2, Der Bürgermeister schlägt‘ vor, die offizielle Eröffnung des Eades anfangs Juli in einer schlichten Feier in Ver- 164 , bindung mit einem sozialen Tag, Statt mintrittspreis freiwillige Spenden an die Lebenshilfe - vorzunehmen. 3. Mit Dr. Schwarz von der Raumplanungsstelle hat der Bürger meister an Ort und Stelle die Bauplatzfrage bei Frau Nella Vincentini, G£ä1l erörtert und: eine bessere Lösung empfohlen. 4, Zum neuen Obmann des Verkehrsvereins wurde Herbert Bilgeri gewählt. Der Bürgermeister dankt ihm für die Bereitschaft zur Übernshmei dieses Amtes. Er spricht dem scheidenden Obmann Oskar Fberle, der seit 1965 dem Vereine vorstand, Dank und Anerkennung auUS. 5, Das Rundholz vom Gschwend wurde abgeführt. Über die Ent- schädigung für entstandene Flurschäden ist noch zu verhandeln. £&. Bauingenieur Ulmer, Dornbirn, dem jahrelang die BauaufSicht bei der Gemeindekanalisation zur vocilsten Zufriedenheit oblag, ist bei der Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr ausgde„schieden. Fr wird die Abrechnung bei der Kläranlage noch : ‚erledigen. 7. Die Zufahrtsstraße zumı Wohngebiet. Häleisen ist fertiggestellt. .Nach den ‘Vermessungsarbeiten soll Zer Teilungsplan erstellt werden, te y + 8. Auf der Spielweise beim Schulhaus ist zur Wasserab£fuhr die Errichtung einer Drainage,notwendig. Sie soll in den Ferien ausgeführt werden. ar al > 9, Für den Kindergartenbesuüch ‘kommen 1979/80 62 Kinder in Frage. “Die Unterbringung ist noch. ‚ungelöst. lo. Zu den Anregungen im Prüfungsbericht, in Hinkunft für die Schneeräumung Konkurrenzanbote einzuholen, berichtet der Bürgermeister, daß die verrechneten Stundensätze den Preisen des Landesstraßenhbauamtes' entsprechen und die Fa, Steurer erklärte, gegebenenfalls kein Anbot abzugeben, Zur Unterfertigung der, Lieferscheine ünddie Kontrolle der Räumzeit „ wäre.die. ‚Beistellung eines Mitfahrers seitens der Gemeinde ‚notwendig,..was: zeitlich und personell schwierig und finan‚:ziell ‚kaum vertretbar wäre. x Allfälliges: 1. Dr. Stöckler verweist auf den Zeitungsbericht, wonach in der Subersach badende Kinder von Lingenau durch überraschend / ansteigendes Wasser beinahe ertrunken wären. Er regt an, bei den VKW den Grund für das Öffnen des Schiebers bei der Subers- achstauung und das plötzliche Ansteigen des Wassers zu eruieren, bzw. Maßnahmen zu rechtzeitiger Warnung zu treffen. GV Gerard Hagspiel regt an, die Ortstafel in Windern an die Gemeindegrenze Lingenau zu verlegen. An das Landesstraßenbauamt wird ein entsprechendes Ansuchen gestellt. Die Gendarmarie hat über Wunsch des Bürgermeisters Verkehrskontrollen durchgeführt und Vergehen Jugendlicher bestraft. Das Fazit - Elternbeschwerden blieben nicht aus. Der Bürgermeister frägt an, ob für seinen späteren Bedarf der Ankauf eines Eauplatzes im Wohngebiet Häleisen möglich wäre. Er könne den Baubeginn innerhalb fünf Jahren nicht zusagen, unterwerfe sich aber aller anderen Erwerbsklauseln. In der er- betenen Stellungnahme äußerte niemand einen Grund gegen den Erwerb. Auf Wunsch des Bürgermeisters erklärt sich Dir. Huber bereit, bis zum Ende der Funktionsperiode als Schriftführer die Sitzungsprotokolle zu verfassen. Er schlägt vor, ihm eine Entschädigung von S 200,-- zu gewähren. Der Vorschlag fand allgemein Zustimmung. Schluß der Sitzung um 0.30 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. BD. Bibel)
  1. hittisauvertretung
19790501_GVE043 Hittisau 01.05.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 28.5.1979 NV er h andı un g's/'s’c hr i £ € N Sn Das ST Sm SEE « “ "x über die am 1. Mai 1979. um:20;00 Uhr. äm Gemeindesitzungssaäl abge‘ haltene43. öffentliche Sitzung‘der‘Gemeindevertrötung Hittisau. ; bs AR Anwesende: Km x. +78 x . fe A + Bürgermeister Anton Bilgeri, N de die Dir. Elmar Huber, Erwin. Eberle, Konrad Hagspiel und Gemeinderäte Ignaz Bartenstein,. , die Gemeindevertreter Alfons ‘Sutterlüti, Nennihg‘ Hermann, Herbert. Ai Bilgeri, Oskar‘ Eberle,” Josef. Steurer, Dr... Anton, Stöckler, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Moosbrugger: und Ing. Kohler, ', 5 die Ersatzmänher LudwigMax Bechter: und.‚Alfons Bals. Arno Ve Entschuldigt: NR Ludwig Hagspiel. “T:agesordaung: . BO 1. Eröffnung. und Begrüßung -Feststellung der Beschlußfähigkeit.‘. 2; Vorbfelligkeitsbäschwerde Bescheid der Bezirkshauptmann“. 8 schaft Bregenz. 3, Stellungnahme zu einer Verkehrsbeschränkung. 4, Gründsatzregelung bei der‘ Vorschreibüng. der Fremdenverkehrs-"., beiträge. On 0 WE N LE de 5...Stellüngnahme zu einem Schreiben der‘ Gemeinde. Lingenaü. 6. Festsetzung der Eintrittspreise beim Schwimmbad” sowie”Löhne". en regelung der dort beschäftigten Arbeitern und Angestellten. 7. Bestellung eines Rationalisierungsausschusses im.Sinne der‘..‘:‘;' ‘ Rechnungsprüfer. . . oO FAT 8. Vermietung, -- Aufhebung eines.‘Kaufvertrages. Se 9; ‘Genehmigung der‘Protokolle. i } 10. Berichte und Allfälliges. : WATT ra DER WE EEE 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Er) schienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß ergangen sind und Beschlußfähigkeit.gegeben ist. _ Die Niederschrift der änberaumten Sitzung verfaßt Konrad‘Hagspiel. ; 11. .Ann “Bürgermeister ‘die Erweiterung,der. ‚Tages, rung. desWaßschwirtschaktsfond8ZA N Der Erweiterung.der Tagesöränung wird ‚zugestimmt... SC Sn 2. = . x + :3 LOSE MB Vorstelligkeitsbeschwerde —- Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz ‚hat auf Grund der Vorstellig- keitsbeschwerde betr. den Neubau der Frau. Bilgeri Frieda, Hittisau Nr. 307 denBaüubescheid "aufgehoben. Die Gemeindevertretung weist somit das Verfahren zur neuerlichen Vollziehung an die erste Instanz: zurück. Nach. eingehender Diskussionwird ‚einhellig die Meinung: vertreten, daß, bei der dadurch notwendigen, neuerlichen Kommi’ssionierung ein Pausachverständiger beigezogen werden „Soll... Die Gemeindestraße von der Sennerei Rain his, Sägewerk. Barten- wu1 stein ist. als Wanderweg sehr beliebt. Leider gehen einzelne- jugendliche‘ Kraftfahrzeüglenker wegen Fahrens mit überhöhter.: Geschwindigkeit Anlaß zu Klagen. Die dadurch gefährdeten: Fuß—-' gänger. erwarten ' eine ‘Änderung‘ dieses Züstandes. Nach. rege ges führter” Debatte kommt die Gemeindevertretung zum Entschluß, „ein: Fahrverbot für-alle Kraftfahrzeuge zu erlassen. Ausgenommen . ist der Anrainerverkehr,‘ sowie‘ der ZubrindeFdienst. by Be 7 Grundsatzregelung bei der Vorschreibung:der FremdenverkehrsPor beiträge: Aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage ist.-von Konzessionsinhabern für eine Betriebsstätte... Fremdenheim = kein Ausschank von Ge- tränken möglich und die Einhebung von Fremdenverkehrsbeiträgen nicht gerechtfertigt. Die von: Fremdenheimen zu Unrecht eingehobenen Beiträge weräen‘ für das: Jahr 1978 rückvergütet. Die. Abstimmung ‚ergibt: 15: Ja-Stim-. men für diese‘Regelung. © Aussprache Schulliegenschaft,‚Hallenbad. , . SErfEE Die Vertreter der Gemeinden im ‚Berechtigungssprengel der Haupt- schüle Lingenau“ vereinbarten vorbehaltlich der Zustimmung der ” Gemeindevertretung mit der Standortgemeinde eine Entschädigung“ für die im Rahmen des Schulunterrichts angesetzten Badestunden::; im Hallenbad, Da'bis heute dieser Vereinbarungsentwurf von Lingenau nicht eingetroffen-ist, wird die Entscheidung über dessen Annahme ‚zurückgestellt, Festsetzung-der.Eintrittspreise-im Schwimmbad : “ SER Die Eintrittspreise im Schwimmbad werden neu geregelt. Generell werden Parkkarten im Wert von S 5,-- für jeden Besucher des .. Badegeländes eingehoben. Ausgenommen &ind Saisonskarteninhäber. Max Moosbrugger ist für die Abschaffung der Park- und Besucher“ karten. Die Mehrheit der Gemeindevertreter konnte:sich dafür - nicht entscheiden. Die Entgelte für den Bademeister und Kassier werden neu festgesetzt. Anton Faißt stellt den Antrag, 6 % Zuschlag auf das Entgelt von. 1978 zu gewähren. Diesem Antrag wird mit:16 Ja: Stimmen:‚ALE:‚Zustimmung erteilt. \ a ‚Bestellung, eines’ Rationalisierungsausschusseß: . Le ‚Um-nach dem Ausscheiden von ErwinmitBechter aus dem Gemeindedienst: die anfallehde Verwaltungsarbeit dem vorhandenen Personal. bewältigen zu können, soll die. ‚Rationalisierung, dieser ‘Arbeiten: betrieben werden.Es wird‘ ein Ausschuß‘‚gebildet, dem Eürgermeister Bilgeri, GemeindekässierKonrad Schwarz, Verkehrsamtsleiter Jodok Schwärzler, Gerard Hagspiel und Eduard Metzler angehören. Dieser ‚Ausschuß wird Vorschläge erarbeiten und der ‚Gemeindevertretüung darüber berichten. 'Vermietung. —. Aufhebung eines Kaufvertrages. a) Die’ Dachwohnung im "Feuerwehrgerätehaus’‘wird. an‘‘Frau’‚Blanka Hofer vermietet; Es wird’ ein monatlicher Mietzins von S:1,000,-- incl. Heizung und Wasser plus 8 kMehrwertäteuer vereinbart. ; b) Aufhebung eines Kaufvertrages: Der an Jodok Meusburger verkäufte Bauplatz am 'Hälsisen wird auf Wunsch des Käufers zurückgenommen. ** 4) Die bereits geleistete Anzahlung‚wird ohne:Zinsvergütüng, rückerstattet. , een ur ı Genehmigung von Protokollen: - KA Die Protokolle vom 7.3.1979 und 18.4.1979 werdeh einstimmig genehmigt. 10. Sn Bericht des. Bürgermeisters: As or Die. Schloßerarbeiten an der Kläranlage. laut eingegangener Offerte werden entgegen des Gemeindevertretungsbeschlusses vom 18.4.1979 an-Aie:. Fa, Josef Feurstein und Fa... Schloßerei“Hoch, Dornbirn vergeben. Die Teilung der Arbeiten erfolgte einvernehmlich nach‘ Rücksprache mit beiden Anbotsstellern. AT OH O a) Der Bürgermeister berichtet über Besprechungen betreffs Er- weiterung der‘ Wasserversorgung. bis :an die. Gemeindegrenzen von Riefensberg und Krumbach, Dies wäre auch im „Dt Sinne des Wasserbauamtes. b) In einem Rundschreiben: des Gemeindeverbandes über die. Alt- reifenbeseitigung wird. der Vorschlag. gemacht,AD pro Ein- fc Für unsere Gemeinde würde dies für ‘das Jahr 1978 S. 3. 300, -- wohner S 2,-- zu verrechnen. betragen. Die Gemeindevertreter sind der Ansicht, daß nach dem Verursacherprinzip verumlagt werden so11l1, :Es.werden bei Tankstellen und anderen Gemeinden Erkundigungen ‚eingeholt. c) Von Löschen von Gewerbescheinen: der jBH.‚Bregdhzywird die Löschung rechtigüngen gemeldet: folgender Gewerbebe- Schilift, Burtscher KG für den Rotenberglift, Kaspar; Bechter, Heideggen für Einzelhandel mit Waren aller Art sowie die Löschung einer Betriebsstätte in Lingenau 29, ‚Lena Bechter, Hittisau 350 - Einzelhandel mit Strick- u. Wirk- waren!/”Anton Iselor - Riefensberg 134 - Standort Hittisau, .Bolgenach 3 - Einschränkung von 2 auf 1 LKW, Johann Fink, Komma hat die Ruhendmeldung des Sägergewerbes angezeigt. a) Gewerbescheinerteilungen der BH Bregenz: Fa. Neyer-Transporte Ges.m.b. Ho. — Beförderung von Gütern mit einem LKW mit dem Standort Bolgenach 11 - Geschäftsführer Anton. Iselor, Riefensberg Nr. 134, Fa. Graninger - .Qualitätsfleischwaren und Konservenfabrikation Ges.m.b.H,. mit Standort Hittisau 341 - Geschäftsführer Werner Graninger, Hittisau 199. e) Für den‘“erstellten Zivilschützräum, wurde vom Bund ein Zuschuß von S 5.773,-- gewährt. f) In Langenegg fand eine Besprechung über. den. Sozialsprengel " )Vorderwald statt. Es. wurde die Einstellung einer Diplom- Krankenschwester oder. einer, Familienh&lferin ‚eFfwogen. "g) ‘Für. das‘ Schwimmbad wurde. ein Zuschuß des Bundes in ‚Höhe von S 594.000,-- zugesagt. h) In Lingenau fand die Kreisübung der umliegenden Feuer- wehrenstatt. Die Einsatzfähigkeit. wurde dadurch demonstriert. ; i) Das geschlägerte Rundhölz: im:"Gschwerid wurde vom:Gemeindevorstand im Offertwege vergeben. Bei einer Gesamtwertsumme von S 113.000,-- differierte ein Betrag von S 125,-- zum zweithöchsten Offert. Das Holz würde dem Meistbieter Ewald Lässer zugesprochen. Allfälliges: Gerard Hagspiel bedankt sich für die Lebehshilfe zur Bei- £ragsleistung der Gemeinde. „Erwin ‘Eberle schlägt vor, für die Protokollverfassung den Standesbeamten Josef Sutterlüti zu gewinnen. Der Bürgermeister wird sich mit Josef Sutterlüti darüber besprechen. SA 11. Annahme ‚der‚Zusicherung des’Wasserwirtschaftsfonds: Es erfolgt einstimmige Annahme, Ende der Sitzung um 24.00 Uhr. Der. Schriftführer: “Konrad Hagspiel’ Sa . Der -Bürgermeister: Anton Bilgeri
  1. hittisauvertretung
19790418_GVE042 Hittisau 18.04.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 24.4.1979 Verhandlungsschrift über;die am Mittwoch, den 18. „April 1979 um 26;oco-Uhr im Gemeinde- sitzungssaal abgehaltene 42. öffentliche Sitzühg‘der‘“CGemeindever- atretungHittisau, ster Anton Bilgeri, ; . ; nderäte Dir. Elmar. Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle az Bartenstein, die ‘Gemeindevertreter., Alfons,Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus. Faißt; ‚Oskar.‚Eberle, Jose£Steurer, Dr, Anton Stöckler, Gerard‘ Hagspiel,‘‘Eduard Metzler, Max..Moosbrugger und Ing. Arno, Kohler, die Ersatzmänner Xaver Hägspiel..und:‚Ludwig Bechter. ‚sowie drei -Zuhöryer’ und Gemeindekassier :Konrad. ‚Schwarz... ‚Entschuldigte: NR Ludwig Hagspiel und‘‘Anton: Faißt. OO} az AnnAK Tagesoräanu ng: 1. Eröffnung und Bestellung eines. Schriftführers. SE "2E“Auftragsvergaben bei, der.Kläranlage. 3,"Rechnundsabschluß 1978 samt Prüfungsbericht.,und: ‚‘Beschlußfassung hierüber. 4. Vorlage von Offerten für ein. Feuerwehr-Tankfahrzeug -- Aussprache und Beschlußfassung. Su Neuorganisation im Gemeindeamt. 6.‚einer Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz auf Grund Vorstellung. Te“Erlassung einer Verkehrsbeschränkung.: 8, -Grundsätzregelung bei der Vorschreibüng der .. Fremdenverkehrsbeiträge, 9. Ansuchen des Gemischten: Chores, 10. Gesetzesvorlagen: Änderung: a) Pflichtschülzeitgesetz bh bb) Gemeindewählgesetz 11. Protokoll. 'c) Lanädtagswahlg&setz d) Schulsprengelveroränung ; ; a. + 7 12.-Berichte undAllfälliges. 1.'Der. Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß ergangen sind und; Beschlußfähigkeit, gegeben. ist. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Schriftführers Gemeindeange- stellten Erwin Bechter.ist die Bestellung ‚eines. neuen notwendig. Da. sich. hierfür niemand bereit, findet, schlägt der Bürgermeister vor, in der. Protokollführung.. unter. den Gemeindevertretern reihum auszuwechseln. Die Niederschrift der anberaumten Sitzung ver- faßt ‚Dir. Elmar Huber, :Sodann: beantragt der Bürgermeister die Erweiterung.der.. Tagesordnung um die Punkte: 13. Kaufvertrag - Altes Wählamt 14. Vermietung von Wohnungen.‘ Der Erweiterung. der. Tagesordnung -wird zugestimmt. ‚Für die Spenglerarbeiten in; der Kläranlage: kommen... Hachstehende‘ Öfferte zur Vergabe: fr a) Gebr, Ulmer, Dornbirn - Lieferung der Fassädenverkleidung der Faultürme mit Trapezblechen. Anbot: 65 m2 Montana SP 41 äaä S 168,-- = 17 m2 Flachblech für die Eckausbildungen usw. ä S 149j.- S’ 104926/— Aa any DE = Sr Z4S33i m Summe “Ss ‚13,Sn 'b) Anbot-der‘!‘Spenglerarbeiten (Faulraumverkieidühg: a und::Brüstenabdeckungen): von der Fa. Armin’ Rusch, Dornbirn Verkleidung der Faultürme (Lattenrost, ‚und ‚Montage der Trapezbleche) Brüstungsabdeckung bei Betriebsgebäude und RechenfürausEloxierung Aluminium Zuschlag Isolierung. 10.104m SE A1E,I60 1 8.740,- Summe s 30. 8505 == Der Vergabe zur Lieferung und Montage an die Fa. Gebr. Ulmer bzw. Armin. Rusch, ‚Dornbirn wurde mehrheitlich zugestimmt. ; c) Anbot für-die Lieferung von zwei Unterwasserpumpen, von der Fa. Flygt, Vertriebsgesellschaft. Austria für Regenfang- becken und Pumpwerk'‘ Böolgenach Ss “60. 850, -.& Der Vergabe wurde zugestimmt. 1 ; d) Anbote für die Schlosserarbeiten reichten.folgende,‚Firmen ein: «4, Werner Hoch, Dornbirn Josef Feurstein, Hittisau M.u,E. Rusch, .Dornbirn ‚ x Anbotssumme Ss 151. 319, -- Artur Ploner, Dornbirn Alfons Eberle, Hittisau, Teilanbot ". " Ss 156,487, 90 - S.176: 638, "u. $'1811147,70 n. „SS. 20,552 /—— Alle Anbotssummen ohne Mehrwersteuer 7 Nach den Vergabungsrichtlinien‘‚des:Wabserwirtschaftsfonds wären die Arbeiten an den.Bestbieter‘Fa, Werner Hoch, Dornbirn, zu vergeben... ds Auf Grund der 5 %.Klausel für die einheimischen‘ Bieter wird nach Rücksprache mit dem Bestbieter für: die Vergabe an Schmiedemeister Josef Feurstein, Hittisau plädiert. 3. Zum Rechnungsabschluß 1978 ersucht der Bürgermeister Gemeindekassier Konrad Schwarz um die verlesüng der Einnahmen und - Ausgaben der einzelnen: HaushaltsSstellen; ‘Auf Anfrage‘ werden die wesentlichen ‚Abweichungen "vol.Woranschlad "erläutert; ‘und ‘begründet. ' Der “Rechnungsabschluß 1978 weist aus: ‚der‘ Erfolgsgebarung““ ‘ :Finnahmen Einnahmender‘ Vermögensgebafüng‘.© a. Gebarungsabgang T Ss 41,176,.014,70 a2.‘295, 203,41 a“ u 123.471.218, 11 VS 72, 8806.35 S 24.243.298, 46 inm an an SR am Ama nt an ai AraAk a 200 a EEE ZZ Im Bericht wurde auf die verhältnismäßig hohen Kosten des Standesamtes und die Beheizung, und. den. Stromverbrauch,in der Schule hingewiesen. Die ‚Elternt ‚iträge: für den Kindergarten von monatlich S 506,-- wären anzuheben. Bei der Überprüfung der Bauabrechnüngen: im Schwimmbad und .beim Straßenbau wurden die hohen Kosten für.die Regieaärbeiten- bemängelt: © Weiters wurden für die Kieslieferungen, die Fuhrleistungen und die Schneeräumung..‚die Einholung mehrerer Offerte angeregt. In den Mietverträgen wird das Fehlen einer Indexklausel ‚gerügt. Der Obmann des Prüfungsausschusses stellt sodann den; Antrag, Den Rechnungsabschluß 1978 zu genehmigen. Zu den Feststellungen im Prüfungsbericht nimmt der Bürgermeister anschließend Stellung, Er teilt mit, daß den:,Ursachen für die‘ hoken Feizungs- und Stromkosten im Schulhaus: :bereits nachgegangen wurde, Betreffs der.;Regiearbeiten im:„Straßenbau verwies der Bürgermeister auf die Schwierigkeiten ;bei-der Einholung ‚von Fixangeboten für. solche Flickarbeiten:„und erwähnte; "daß hier durch Eigenregie sicherlich viel: Geld”gespart. ‚wurde, Hingegen dürfte. es-kaum aussichtsreich. sein, für ‘die "Schneeräumung ein Konkurrenzangebot zu bekommen, Sodann würde.dem Antrag auf‘ Genehmigung des Rechnungsabschlusses 1978 inklüsive der Über- und Unterschreitungen des Voränschlages einstimmig stattgegeben. Der Bürgermeister dankte dem Gemeindekassier für.die: Verlesung und Erläuterung des Kassaberichtes und die saubere:‚und gewissen« hafte Führung des Rechnungswesens, sowie dem PrüfungsSausschuß für seine Kontrolltätigkeit. und.den sachlichen Bericht. Für die Feuerwehr ist die Anschaffung eines Tank-Löschfahr- zeuges geplant, wofür zwei.Offerte‘ vorliegen. Der Bürgermeister unterstreicht die Vorteile und Drigglichkeit der. Anschaffung eines solchen Fahrzeuges für unsere weitläufige Gemeinde. Anbote liegen auf über folgende Wagen: Magirus-Deutz “Unimog Anbotpreis " S 1.018,290,-- + MWSt. S' 1.019695. 4+ MWSt. Den Aufbau, die Umrüstung und komplette Ausrüstung der Fahrzeuge besorgt die Fa. Rosenbauer, Linz. Feuerwehrkommandant Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti be- richtet über die Ausstattüng, die Funktion und. ‚Erfahrungen im Einsatz solcher Fahrzeuge und plädiert für den Kauf eines Magirus-Tankwagens mit 1.300 1 Tankinhalt. Vom Land ist eine Subvention von 30 % zu erwarten. In einem Grundsatzbeschluß. wurde der, Ankauf.-eines. Magirus Tank-Löschwagens einstimmig genehmigt... ; DS ‘In. das Verhandlungskommitee für‘ den."Abschluß ‚und die -Zahlungs- moöodalitäten Geschäftes würde ‘der Bürgermeister‘ ‚und die Fachleute derdieses Feuerwehr berufen, Der Bürgermeister berichtet, daß-der Gemeindeangestellte Erwin Bechter mit 1.4.1979 über eigener: Wunsch aus ’dem‘ Gemeindedienst ausgeschieden ist. Dies gibt Anlaß zu einer Neuorganisation im ‚Gemeindeamt. Der Bürgermeister, informiert über die Vorzüge einer ‘technischen Besserausstattung-. ‘durch eine‘ leistungsfähige .Computer-Datenverarbeitungsanläge, „womit Arbeit und Personalkosten eingespart, würden., Er verweist. auf die ständigen. Neu- -erungen, in der, Computer-Technik: und berichtet, über. eine, In- ‚formationsfahrt nach Lech und.„Rankweil, „WO:“Computer-Geräte im Einsatz stehen. “Ausgaben.er.„‚Er£folgsgebarung LG Ss '.10.331.742,87 ‚Ausgaben. der.‚Vermögensgebarung S 13,464. 009,90 ‚23.795.752,77 +Gebarungsabgäng Vorjahr‘(Ausb.,) SS.Ss 424, _447.545,69 243.298,46 Aal ‚km Cam ana a Oi Fark alta a SE man 0 „Sn ee EEE EEE ;-Aufgegliedert auf die einzelnen Gruppen ergibt sich folgendes Bild: Gruppe: ‚Gruppe O 7; Gruppe, 1 Gruppe, 2 Gruppe;3. a Einnahmen: ; S -401.670,32 S 4 44306.701,.25 .S :'1,937;:165,48 435,400, -- Ss Ss Ss 286.978,34 2.363170, 40 . 1434:860,97 Ss 977.044, 60 S.‘. Gruppe. 24... 8 43124410,64 - “Gruppe.6... ‚SS. 21.133,763,37 ‚S': 1991268, 10 ea Gruppe: 5... ‘ Grüppe 7°. 'Grüppe 8 . Ausgaben: S 1,.256.427,32 ‘ 6906.366,01 Ss 11.‚084.732,87 Ss Ss 3:-855,.329,12 035,346, 20 s 359. 274, 72 S 23.471.218,11 Ss 23.795.752,77 8 ‘7 Gruppe‘ ‘9 Ss 13.‚811.643, 96 S "7.916,‚245, 11’ „‚Gebarungsabgang a “Vorjahr „N “1978 Gebarungsabgang us 166.172,10 Ss SS 7 {es ! 772.680,35 © ak da . ee:SSER24.4243, 298, 46 } Ss hi 447,.545,69 ST S 24.243,298,46 Shen zaziki | "Das Reinvermögenper 31.12. 1978 beläuft Sieh auf S 25.607.141,55 nna aa ha a ak a va a nkaan EDDI SE . EZ ZZ -“' Die ‚aufgenommenen Darlehen‘ beziffern sich per 31.12.1978 auf . N -S na ne a 17.771.564,550 a la I a ua m aa A a va EEE EEEEEESEES ‚Dies entspricht einer pro Kopf-Verschuldung (1.561 Einwohner At. ‚Volkszählung Ss 1971)* von ; 11.384,73 mi CD EEEU Mn A m Aa 0 SO AA La a m an Die‘ Überschreitungen des Voranschlages beruhen darauf, daß einerseits die Voranschlagssätze zu nieder bemessen waren, ‚ andererseits Mehrausgaben beschlossen wurden. ‚So:stiegen die Mehrausgäben“zur Abdeckung von.„Krankenanstalten.von dem er- wartetenBeträg von S 395.000,-- auf. S 738.658,_-, die Aus- gaben für den Straßenbau durch die beschlossene Asphaltierung der Ließnbachstraße und die Sanierung der Fischgrabenbrücke . von.:S 806%‚0607-- auf ca. S 1.200.000,--. A “ge 3 . wi Den. Bericht des Prüfungsausschusses erstattete Gemeindevertreter ‚Gerard Hagspiel. Der. Prüfungsausschuß hat in mehreren Sitzungen ‚die. Bargeld. und Bankkontenstände sowie das RechnungS- “and ‚Belegwesen, bei. Stichprobenüberprüft: und in- allen” Fällen‘ die sächliche;und.rechnerische Richtigkeit festgestellt; "Er konnte dem,‚Gemeindekassier! eine saubere und gewissehhafte‘ Arbeit bescheinigen. Anbote wurden von den Firmen Philipps und Kienzle eingeholt, wonach. die Kosten eines Gerätes auf S 530.000,-- bzZW. „5 490.‚000, -- zu stehen ‚kämen, "In der Diskussion wurde festgestellt, daß die Technik wohl die Arbeit sehr erleichtern, aber kaum auf Dauer eine Person ‚ersetzen kann. Für die, Urlaubsabwicklung und im Falle einer Erkrankung müßten wohl zwei Leute im Amt mit solchen Geräten umgehen können, ; Der Bürgermeister ersucht, zu diesem Problem {Überlegungen A. ‚anzustellen: und. möchte möglichst: verhindern, ‚unter: Zeitdruck ” , verhandeln zu müssen. 6.7 ur 8. Infolge fortgeschrittener Zeit wurde dieBehandlung dieser Punkte vertact.- 9. Der Gemischte Chor hat ein gebrauchtes Klavier angeschafft und ersucht um einen Kostenzuschuß. Der Flügel kostet S 60.0006,-- . Er steht den Vereinen , der Musikschule etc, für Konzerte zur Verfügung. Durch ein Preisjassen wurde rund die Hälfte der Kosten hereingebracht. SE ‚Gemeinderat‘ Erwin Eberle stellt den Antrag, den‘ Förderungs- ‘beitrag ‚an den Gemischten Chor von S 15.000,=- auf‘ S 20.000,-zu. erhöhen. Ein zweiter Antrag von Gemeindevertreter Max Moosbrugger lautet auf; Erhöhung des Förderungsbeitrages auf S 25,.000,--. DiekABsfimmungsübeftden ersten Antrag ergab 12 Ja-Stimmen und et mehrHeieL1En angenommen. Die restlichen NMandatare sind für den zweiten Antrag. Der Antragsteller plädiert für eine großzügigere Mnterstützung der Ört- lichen külturellen Vereine und Einsparungen bei den Beiträgen an ai8 Musikschule, lo. Der Bürgermeister erläutert die einschlägigen Änderungen der Gesetzesvorlagen: a) Pflichtschulzeitgesetz b) Gemeindewahlgesetz c) Landtagswahlgesetz d) Schulsprengelverordnung Gegen die Neufassung obiger Gesetze wird kein Einspruch erhoben und keine Volksabstimmung beantragt. 11. Der Punkt wird vertagt. 12.1. Der Bürgermeister teilt mit, daß Herr Elmar Albrecht aus beruflichen Gründen die Leitung der Schischule abgeben möchte. Er schlägt vor, mit der Leitung Herrn Moosbrugger aus Sulzberg zu betreuen, da dieser zur Übernehme bereit wäre. Die Gemeindevertretung erklärt sich damit einverstanden und verzichtet auf eine Ausschreibung. 12.2. Der Rest des Kaufpreises für das Grundstück in Windern wurde an Frau Gattringer bezahlt. 12.3. Die Sparkasse Egg erwarb bei der Versteigerung das Sägewerk Neyer, Bolgenach mit 30 ar Grund, Der Bürgermeister hat sich zum Zwecke der Grundablöse für den Straßenbau Schönbühl für den Grund interessiert. Ein Grundkauf ist nur mit der maschinellen Einrichtung möglich und für die Gemeinde daher hinfällig. 13. Die “REpublik Österreich hat über den Verkauf des‘“alten ‚Wählamtes_ ein Preisangebot in, Höhe von Ss 165.«000, -=„vor- "’gefedt. Ws . i ‚Die Gemeindevertretung hat:den: Kauf: des Objektes zum:u AnbotsBD preis-einstimmig genehmigt,‘ 1441... ImSchulhaus wird ein Appartement ; .. re va BEE : plus. Mehrwerxtsteuer.an die neue Lehrerin vermietet... 14.2. Die Wohnung im Feuerwehrgerätehaus wird an Herrn Pfanner, + * ‚Koch im Gasthof Krone, ‚auf vorerst drei Jahre. vermietet. .. Der Mietpreis beträgt S 2.30o0,-- plus Mehrwertsteuer. . ‚Schluß der Sitzung um 0.15 Uhr. ‚Der, Schriftführer: . Elmar Huber Sa Der Bürgermeister: ” gezi.AntonBilgeri e.'h. Adlon Ola
  1. hittisauvertretung
19790206_GVE041 Hittisau 06.02.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU = Hittisau, am 07.02.1979 Verhandlungsschrift über die am Dienstag, den 06.02.1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 41. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister: Anton Bilgeri Die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein Die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Josef Steurer, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Eduard Metzler, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler Dr. Anton Stöckler erscheint um 21.30 Uhr. Entschuldigt: Konrad Hagspiel Tagesordnung: 1. . . ‚ Eröffnung und Begrüßung. Protokoll der letzten Sitzung. Dienstpostenplan 1679, Voranschlag 1979. Stellungnahme zur beabsichtigten Salzstreuung auf den Landesstraßen nach Sibratsgfäll und Balderschwang. 6. Genehmigung des Wartegeldvertrages mit Dr. Plötzeneder. WnwfN 7. Vergabe der Elektroinstallationen - Kläranlage. 8. Bericht des Bürgermeisters. 9, Allfälliges. l. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle erschienenen Gemeindevertreter, sowie den Gemeindekassier Schwarz und den Schriftführer. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugegangen sind und die Beschlußfähigkeit gegeben ist. 2. Die Niederschrift über die 40, Gemeindevertretungssitzung wird einstimmig genehmigt. 3. Dem vorliegenden Dienstpostenplan 1979 wird einstimmig die Zustimmung erteilt. 4. Zum Voranschlag für das Haushaltsjahr 1979 gibt der Bürgermeister bekannt, daß sich der Haushaltsrahmen auf S 17.282.000,-- beläuft. Eine Abschrift des Voranschlagsentwurfes wurde jedem Gemeindevertreter mit der Einladung zugesandt. Dr. Anton Stöckler beantragt die Aufnahme des Ausgabepostens 360-729 "Heimatmuseum' mit S 1o.000,-- in den Voranschlag. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die pro Ropf-Verschuldung wird nach den Voranschlagszahlen am Ende des Jahres S 12.390,-- betragen. Hervorgehoben seien kurz besonders hohe Ansätze bei a) Ausgaben: Anschaffung Feuerwehrfahrzeug Schuldzinsen und Schuldentilgung Schule S 400.000, -S 1.225.000,-- Beitrag Sozialhilfe Beiträge an Krankenanstalten Kläranlagenbau S 315.000,-S 2750.000,-S 4.300.000,-- Grunderwerb Schuldentilgung S 1.500.000,-S 1.667.000,-S 400.000,-S 250.000,-- Erweiterung Wasserversorgung Abfallbeseitigung b) Einnähmen:: Zinszuschüsse Schule Darlehensaufnahme Kanal Verkauf von Wohn- u, Geschäftsgebäuden Gemeindeabgaben Ertragsanteile des Bundes S 2362.000,-S 2.365.000,-S 1.250.000,-S 3.428.000,-S 3.642.000,-- Der vom Gemeindevorstand am 19.12.1978 und 06.01.1979 beschlossene Voranschlagsentwurf wird mit der oben erwähnten Änderung einstimmig genehmigt. Im Laufe der Diskussion wird weiters beschlossen, dem Musikverein Hittisau-Bolgenach a) S 41.000,-- für die Ausbildung von 26.Musikschülern der örtlichen Musikschule b) S 12.000,-- als Beitrag für 1978 c) S 18,000,-- auf das Sonderkonto zu überweisen. Bei der Debatte über die Salzstreuung auf den Landesstraßen nach Sibratsgfäll und Balderschwang kommt es nach reger Diskussion zur Abstimmung. 9 Stimmen sind für die Salzstreuung 4 Stimmen dagegen 4 Stimmenenthaltung. ‚ Der Bürgermeister berichtet kurz über die Verhandlungen mit Dr. Fred Plötzeneder betreffend sein monatliches Wartegeld. Der vorliegende Arztvertrag über den in einer früheren Sitzung bereits schon einmal diskutiert wurde wird einstimmig genehmigt. Das Wartegeld beträgt S 8914,-- brutto monatlich, plus 2 Sonderzahlungen pro Jahr in der selben Höhe indexgesichert. . Für die Vergabe der Elektroinstallationen bei der Kläranlage Hittisau wurden 7 verschiedene Firmen angeschrieben, Sechs davon legten ein Offert vor. Billigstbieter war die Firma Herbert Bilgeri, Hittisau mit S 389.639,40 gefolgt von Elmar König, Hittisau Fa. EGD, Dornbirn Fa. Elin-Union, Bregenz Fa, Siemens AG, Bregenz Fa. AEG-Telefunken, Dornbirn S S S S S 416.357,-439.929,40 471.568,-480.876,-535.937,30 Nach den Richtlinien des WW-Fond sind die Elektroinstallationen an den Billigstbieter Herbert Bilgeri, Hittisau zu vergeben. 8. a) Zum Ansuchen der Gemeinde Hittisau zwecks einem weiteren verlorenen Zuschuß zu den Baukosten des Freischwimmbades wurde vom Bundes- ministerium für Handel, Gewerbe und Industrie wegen fehlen entsprechender Bundesmittel zur Erledigung für das Jahr 1979 vorgemerkt. b) Der Vorsitzende und einige Mitglieder des Srtlichen Sozialausschusses berichten über die am 12.01.1979 stattgefundene Besichtigung der Altersheime bzw. -wohnungen Wolfurt, Hard, Lustenau "Hasenfeld" und Dornbirn "Hatlerdorf£". c) Ein Schreiben des Amtes der Vlbg. Landesregierung zwecks Gründung eines Sozialsprengels Vorderwald als Modellversuch wird der Gemeindevertretung zur Kenntnis gebracht. d) Das mit den Nachbargemeinden erarbeitete Schreiben an das Amt der Vlbg. Landesregierung als Stellungnahme zum vorgelegten Vereinbarungsentwurf, zwecks Mitbenützung des öffentlichen Hallenschwimmbades in Lingenau wird zur Kenntnis gebracht und von der Gemeindevertretung bejaht. e) Gewerbeschein- Konzessionslöschungen Weiss Johann Wild Hugo Frick Alfred Spengler Tischler Drogistengewerbe £f) Das Land Vorarlberg hat einen 5o Zigen Zinszuschuß für Schulbaudarlehen gewährt. g) Der Entwurf zum Optionsvertrag zwischen der Gemeinde Hittisau und der Firma Karl Grabher, Hohenems ist inzwischen eingelangt und wird der Gemeindevertretung zur Kenntnis gebracht. Die Durchsicht dieses Vertrages, sowie die Erarbeitung einer Vereinbarung zwischen der Raiffeisenkasse Hittisau und der Gemeinde Hittisau wird den hiezu erstellten Unterausschuß aufgetragen. 9. Allfälliges: entfällt Ende der Sitzung um 23.20 Uhr Der Schriftführer: DM Sa Fre Der Bürgermeister: An <
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