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19890901_Heimat_Wolfurt_04 Wolfurt 01.09.1989 Heft 4 Zeitschrift des Heimatkundekreises Sept. 89 KIRCHDORF WOLFURT Ältestes Foto. Der alte Kirchturm war nur 46 m hoch. Links der 1895 abgebrochene Bauernhof Schwerzier, Filitzos. Inhalt: 10. Wolfurter Mundart (Helmut Heim) 11. Kriegsende (Flatz) 12. Pfarrkirche (Heim) Helmut Heim DIE A U T O R E N : Helmut Heim, geb. 1932 in Wolfurt, Schreinermeister. Hubert Flatz, geboren 1921 in Wolfurt, Finanzbeamter. In vielen Vereinen aktiv. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Sammlung mundartlicher Ausdrücke, Reime und Redewendungen aus Wolfurt Die hier aufgezeichnete Mundart will das ehemalige dörfliche Leben unserer Gemeinde aufzeigen und entstammt daher vornehmlich dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag. Sehr viele dieser Ausdrücke sind aus dem heutigen Wortschatz bereits verschwunden. Einige sind nicht «ur-wolfurterisch», sondern aus andern Regionen irgendwann zugewandert, wie ja auch früher schon manche Fremdwörter Eingang in unsere Mundart fanden. Trotz etlicher Mängel, so hoffe ich, regt diese Niederschrift einige Leser dazu an, selber im Gedächtnis nach Altem zu graben und auf Papier festzuhalten, um diese Mundartsammlung zu ergänzen und zu bereichern. A abe Berichtigungen Wir korrigieren mit Ihrer Hilfe gerne alle Fehler, die Sie uns nennen. 1. Heimat Wolfurt, Heft 3, Seite 1: Inhalt: 8. Wolfurter Geschlechter (Heim) 2. Wolfurt in alten Bildern, Ausgabe 1981; Bild 25: Gottlieb Böhler berichtigt: Das Fischer-Haus ist nicht 1958, sondern am 18. 3. 1955 abgebrannt. Er hat mit großen Schülern Möbel herausgetragen. 3. Ebendort, Bild 42: Helmut Heim erkannte, daß das Bild aus Königs Album nicht im Unterfeld sein kann. Wer kann es lokalisieren? 4. Ebendort, Bild 55: Theresia Geiger wußte, daß das Bild nicht im Strohdorf, sondern bei Geigers im Röhle aufgenommen wurde. abe aberwendig Aggs abheldig aläg Ale allat allpot allomarsch! ament Ambalascht Angl Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Sau und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt - «as abéd»- es wird weniger «ar heat fest gabed» - sein körperliches oder geistiges Befinden hat sich verschlechtert, - «gang abe!» - gehe hinunter! - «aberwendig mache» - jemanden umstimmen, abspenstig machen, auf die Gegenseite bringen - Axt - z. B. Hanglage einer Wiese, schräg - z. B. Hanglage einer Wiese - Liebkosung Wange an Wange - immer - immer wieder, öfters - allowante! - verschwinde! hau ab! - am Ende, vielleicht, «I kumm ament a klä zu dir.» Ich komme auf ein Weilchen zu dir. - Jute - Achse, Zapfen, Bolzen, Türangel, Fischangel, jener Teil des Messers, der im Griff steckt, Angel der Bienen, usw. - Drehpunkt, Zirkelpunkt, Mittelpunkt 1 Angelpunkt arlückele arkulpe Arang Apedengar ästimiire äschbliziire - etwas herausfinden, etwas entdecken - etwas bewältigen, das Letzte an Kraft herausholen, «I heas gad no arkulpet» - Anstoß «Kumm nim an Arang!» - Beginne, fange an, getraue dich! - Himmelschlüssel, Aurikel - etwas schätzen, hochachten - erklären Beare Bämsel belfere bearhäm bearig, bärig Bettbrunzarle Betthäs bizele, biz - Schiebetruhe, «Mistbeare», «Bschüttebeare» - Pinsel - krachen, schießen, Geschützdonner - hinkend, nicht gut zu Fuß, fußmarod - schön, gut - Bettsoachar - Buschwindröschen - Bettwäsche aller Art, nicht Leibwäsche - wenig Bemperlewasser - alkoholfreies Getränk (oft mit Jgsottes zubereitet) B, P bägere barentig parat baschge Balise baff Bare Bändt palästere - bitten, mahnen, auffordern - pur, rein, unverfälscht, «Des ischt doch barentige Essig», sagt, wer sauren Most vorgesetzt bekommt - fertig, bereit - etwas bewältigen - beidseitig geschliffenes Stemmeisen - überrascht - Futtertrog, Turngerät - Band, Türbeschlag, Schöbändt - Scheinband, Kette um Kühe anzubinden - jemanden etwas zu Leide tun, Ausdruck beim «Spatzsecklspiel» (Wenn die Schaufel beim Schlagen den Boden berührt rufen die Mitspieler: «Bode palästeret») - weinen - kleine Verletzung, kleine Wunde - baldigst, «jo beider» - ja gewiß - kleinwüchsiges Tier, Winzling, «Du klenna Beanzgar», sagt man auch zu einem Buben, der wohl vom Wuchs her klein, sonst aber schneidig ist - «a warme, belzbachene Underhose» belzbache leitet sich ab von Barchent. Rauher Barchent, ein Baumwollgewebe, wurde früher oft zu warmer Unterwäsche verarbeitet. Die aufgerauhte Seite hatte eine weiche, pelzoderflaumähnlicheOberfläche Pflädder, Pfläder - Fladen z. B. «Kuhpflädder» pfluddere, pfludderig, Pfluddere - z. B. Verspritzen einer breiigen Masse, Aufkochen einer dicken Suppe usw., schwabbelig - Übername für dicke Frau pfludere - z. B. wenn eine Henne sich den Staub aus den Federn schüttelt, wenn jemand eine «nasse» Aussprache hat, wenn jemand beim Lachen Speisereste von sich gibt - fauchen der Katze; Geräusch, wenn die Luft aus einem Fahrradreifen entweicht, unterdrücktes Lachen, usw. - Pickel, Akne - rechtes Maß «Der kennt koa Pfacht» pfutzge Pfuze Pfacht, Pfarcht pfächte, pfächtle - einschränken, «Di tut ma denn ou no a klä pflichte.» Dir bringt man das rechte Maß schon noch bei. Pfannebreat, Pfannekneacht pfuche pfnitze pfnäschte pfuse pflenne pfundig Pilgere - Brett mit Halterung für den Pfannenstiel um die heiße, rußige Pfanne auf den Tisch zu stellen. - fauchen, apfuche — anfahren, unfreundlich sein - niesen - keuchen, vor Anstrengung schwer atmen - stark winden, stürmen; ruhen, dösen, schlafen - weinen - schön, gut - zahnloser Kiefer 3 belle Bele beider Beanzgar belzbache pfuballe, Pfuballe - Ball spielen, Ball 2 Birling Biestkuche bige, Big - kleiner Heuhaufen, «Schoche» - Auflauf aus Biestmilch (Die Milch einer Kuh gleich nach dem Kalben wird bei mäßiger Wärme zum Gerinnen gebracht) - beigen, «Schitterbig» Bötere böterle Böterlebohrar bögle Botsche, Bötschä Boh Bodebira Beckele Boaz Brüllekalb - binand, benand, - beieinander bejanand bigotr, bigöllar blangere Bläkte Bläktus Blutsugar bloge, Blog Bluascht blose, Blose blug - bei Gott - etwas sehnsüchtig erwarten, «Ma blanger'et uf des erschte Obscht» - Blatt - Schimpfname - Blutegel; Schimpfname für rücksichtslosen Ausbeuter - quälen, Plage - Blütezeit, «d Bluascht» - die Blüten - blasen, Blasinstrument - durchsichtig, dünn; neugeborene Mäuse und Vögel z.B. sind blug, sie haben eine dünne durchsichtige Haut. Blug ist eine frischverheilte Wunde. Blug ist auch jene Stelle an einem Kleidungsstück, die abgewetzt, dünn und durchsichtig ist. - dicke Blutwurst - Blase, «Sublötere», «Soafeblötere», Blase an der Ferse - Einer der sich nicht traut, langweiliger Mensch - weinen, «Si bläget wi a Kälble» - etwas sehnsüchtig erwarten - viel reden, nichts sagen - Schwätzer, dummer Angeber - schwer, «I he ble-iene Füeß» - fallen Kater spielen mit Puppe, Puppe nur sehr, fast, ziemlich Kügelchen des Rosenkranzes oder einer Halskette altes Wort für «kugele» (Kinderspiel) langweiliger Mensch bügeln Hausschuhe, Schimpfname für ungeschickten Menschen, «duat dear aber bötschig» - Heuhahn, Heuboden, Ablage für Brennholz, Zwischenboden in der Tenne - Kartoffeln - Tasse, «a irdes Beckele» - eine Tasse aus Ton - Eifer - sagt man, wenn man jemanden in den April schickt Pritsche, - behelfsmäßiges Bett; Brett mit dem der Mist auf den Wagen pritsche, pritschle glattgeschlagen wurde («Mistpritsche»), schlagen in Wasser, plantschen Brieme bromig, Brom brisele, brisle brocke Broß Brentöwilar Brentöwinar Broatdatschar Brünnerling Prüge, Brüge - Bremsen - rußig, schwarz, Ruß, «Bromiga Fritag» - Band durch Ösen ziehen, (Schuhe, Mieder) «ibrisele, zubrisele», leichter Schneefall «As briselet a klä.» - pflücken - Sprossen der Obstbäume - Apfelsorte - Apfelsorte - Apfelsorte - Ablage, Obst-, Mist-, Holz-, Heuprüge. Das Wort kommt von Prügel, Holzrundling. Eine Lehmgrube (Lacheloh) wurde mit Rundlingen abgedeckt und darauf der Mist gelagert - Mistprüge. Ein Zwischenboden in der Tenne aus Rundhölzern war eine Heuprüge. - Nachtgeschirr aus Holz - Holzkübel - abblättern, z.B. von Mais, Bohnen usw. - weinen - besessen - schlagfertig 5 Blunze Blotere Blöterlar bläge blangere bläfere, läfere Bläferar ble-ie bohle Bole bobbele, Bobbe bos, blos bode bödelet Brunzbrente Brente brätschle briage bseasse bschosse - etwas, z.B. Boden des Korbes mit Äpfel bedeckt 4 bschnotte, gschmotte Bschüttebine Bschüttebeare Bschüttekübel bschüse bsetzt bschlahe, bschlage - knapp, gerade noch, beengt, eingezwängt - zweirädriger Karren mit Holzbehälter für Jauche - einrädriger Karren mit Holzbehälter, «Lägelebeare» - Holzkübel mit langem Stiel - ergiebig sein, «Rogges Brot bschüst besser as Kernes» Schwarzbrot ist ergiebiger als weißes. - fest, dick, mollig - Tätigkeit des Zimmermannes, mit der Axt aus Rundholz Kantholz zu schlagen; des Schmied's, Pferde, Wagen, Truhen usw. zu beschlagen; des Schuhmachers, Holz- und Ledersohlen der Schuhe mit «Kappenägel» haltbarer und rutschfester zu machen. «An bschlahena Stöa» - ein behauener Stein - Schuhmacherutensil (Eisenfuß auf Holzsockel) - Steinpflaster, Besatz aus Stoff, «Ahbollebsetzä» - Kopfsteinpflaster. «A Hemp falsch bsetze» - war bei einem Hemd der Kragen zerschlissen so wurde manchmal am Hinterteil des Hemdes Stoff weggeschnitten, daraus ein neuer Kragen genäht und das fehlende Hinterteil mit einem oft andersfarbigen Stoff «falsch bsetzt». - klopfen - Kälbchen - Kinderschreck, böser Mann, unfolgsamen Kindern wird mit dem «Bulema» gedroht, der nachts unterwegs ist und schlimme Kinder mitnimmt. - gebundenes Heu wird auf dem Rücken getragen, auch Holz und anderes, von bürden, aufbürden. - weitausholende, lange Schritte - Konfetti, Abfall der Punschmaschine - reichen - gebündeltes Brennholz - Gestell auf dem die Buschein gebündelt, gepresst und gebunden werden Bündt Bühle pumpelusisch Butzge butznersch Budl Putsch Pulge Butte Butterfaß Buhlade Buttermodi - Wiese beim Haus - Beule - Sprache die man nicht verstehen kann, Kauderwelsch - kleiner Apfel, Rest eines gegessenen Apfels - total verrückt - kl. Flasche, Maß, «Milchbudl», «Schnapsbudl» - Tonflasche mit Henkel - kl. Holzfäßchenetwa 3 bis 5 Liter, Transport und Trinkgefäß - Transportgefäß mit Schulterriemen, ursprünglich aus Holz, «Milchbutte», «Schmalzbutte» - Holzfaß, das um eine Achse gedreht wird, um Butter zu schlagen, Rührkübel. - Bauchladen der Hausierer, aus Holz Budille, Budelle - Bauchflasche Bschlahfuaß Bsetzä - bsetze pumpere Busele Bulema - Holzform, Maß um den geschlagenen Butter die richtige Form und Größe zu geben. «D Buttermodi» war meist aus einem Stück weißem Ahornholz geschnitzt u. manchmal mit einer eingeschnittenen Blume verziert, welche sich dann auf dem «Butterstöckle» erhaben darstellte. Buchtel, Wuchtel - Mehlspeise büaze - ausbessern, flicken, reparieren, stopfen von Kleidern, Wäsche, Zäunen, Werkzeugen usw. Burde Buacharschriat Punschbolle büte Buschela Buschelebock D,T dante, dantig, Dantar dämpfig dasig DächlemacharTatsch, Tatsch, Tatsche tätschle - langsam sein, unentschlossen sein, von tändeln träse, träße, Träß - schimpfen, jammern, stets nörgelnde Frau - «a dämpfigs Roß» - Asthma beim Pferd - trübes Wetter, getrübte Stimmung; leichtes Unwohlsein Regenschirmflicker - Schlag, Knall, Blitz, etwas Zerdrücktes - leicht schlagen, Art von Liebkosung 7 Buaschtschüppe - Büschel harten Grases, welche von den Kühen verschmäht werden 6 dengele, Dengelstö, Dengelhammer, Dangel -Die Sense wird auf dem «Dengelstö» dünn gehämmert. Der dünngeschlagene Teil der Sense Daffatöpfel deare - Apfelsorte - dörren, Dörrobst. Äpfel wurden geschält, in Scheiben geschnitten, auf Schnüre aufgefädelt und außen an der Hauswand wie Girlanden unter die Fenster gehängt und von Sonne und Wind getrocknet. Birnen hingegen wurden meist in Blechen auf dem Holzherd oder Kachelofen gedörrt - nicht dauerhafte, nicht ernstzunehmende Liebschaft - Wagendeichsel - Gerede, Gejammer, viel Aufhebens um nichts - schleichen - Gerede, durcheinanderreden - Kauz, Eule - donnern, Donner - unschlüssig sein - nichtssagender Geschmack bei Speisen. Ein Bild, eine Tapete kann auch dötrlos sein, farblos, langweilig, nichtssagend - Maulwurfsgrille - gut gedeihen bei Kindern und Tieren; «übeltröijig» - schlecht gedeihend - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen, Kinderlatz; Schimpfname - Birnensorte - Tannenreisig - Geselchtes - Delle, Vertiefung, Rabenvogel - Fuß verschiedener Tiere z.B. «Hennetöpe», Katzetöple» usw. - Tintenklecks Dolder Docke toag trätze Trucke - Baumwipfel - Puppe aus Holz; Fußteil einer Bank, Konsole - Birne die abgelagert, weich und innen braun ist, zu unterscheiden von «mahr» - reizen - Truhe, Trog, Kiste, Behälter, Schimpfname. «Kiestrucke», «Gschiertrückle» - Werkzeugkiste, «Katzetrückle», «Kästrucke», «Spöütztrückle», «Kudrtrückle». - sehr einfältiges, gutmütiges Weibsbild - Truhe - von trügen, «an trogena Ma» - man sieht es ihm nicht an - Trog «Sutrügel» - Schimpfname - Trichter aus Holz oder Metall - Presse für Obst und Wein - Bahre, «Mistträge», mit ihr wurde der Mist auf dem Acker verteilt. schwindeln, schwindlig - erster Brand beim Schnapsbrennen, trübe, unsauber die kleine Trommel schlagen Trommel träumen, Traum Balken drehen Techtelmechtel Diggsl Termäne diche Dischkurs, dischgeriire Totevogel, Dotevogl dore, Dörar dötterle dötrlos Trodel Trog troge Trügel Trachtar Torkel Träge trümmle, trümmlig Trub trümmele Trummekübel tröme, Tröm Tröme dreie trole, Trölar drülle, Drülle Drüllebubbar trödle, Trödlar Tresterkäsle trostle drin Drohscht, drohschtig Trumm demol, a demmol - dieses Mal, vor etlichen Tagen, kürzlich, letzthin Dorle tröije triele, Trielar Döübela Dohs Diges Dohle Tope, Töple Tolgge 8 - rollen, kurzes Rundholz drehen, Wirbel im Wasser Spielzeugkreisel, Bezeichnung für kleinen Buben ohne Eile sein, langsamer Mensch; Händler Obsttrester in eine Form gepresst und getrocknet (Brennmaterial) - ohne weiteres, getrost, «red trostle lut, si hört koan Tun.» - aufgeregt sein, «I bi iez ghörig drin gsi» - Schwüle, schwül - Stück 9 trümsle, Trümslar tschare Tschügge Tschole Tüchl - langsam sein, etwas einfältiger, langsamer Mensch - kaputt - Schimpfname - gutmütiger, friedfertiger, manchmal etwas einfältiger Mensch - Holzrohre. Die alten Wasserleitungen von den Quellfassungen («Brunnestube») zu den Laufbrunnen waren alle aus durchbohrten Holzstangen gefertigt. - Werkzeug, Berufsstand Hochgewachsene Stangen der Weißtanne wurden mit einem langen Bohrer durchbohrt. Die Rundlinge wurden von beiden Enden her angebohrt. Leicht gebogene Stangen wurden während des Bohrens gerade gespannt. Es war eine sehr anstrengende, schweißtreibende Tätigkeit, deshalb ist heute noch die Redewendung erhalten: «Ar suft wi an Tüchlbohrar.» - Mais, wurde früher auch «Welschekorn» oder «Türkewoaze» genannt - Apfelsorte mit besonders großen Früchten - Teil des Faßes «A Tuge abesufe» - getrocknete Torfschollen, Brennmaterial - Übername der Lauteracher - stottern - Donnerstag - stoßen von Schafen oder Ziegen «Böckle, böckle, tütsch» E eapamöl eapas eadde, Eadd eere Eappr Eggoaß Engera - manchmal - etwas - jäten, Unkraut - pflügen - Erdbeeren - Eidechse - Engerlinge Tschick, tschick - Stück Kautabak; müde, erschöpft Tüchlbohrar F,V Fas Fasnat Falott - abgeschrägte Kante - Fasching - Nichtsnutz, Spitzbube Türke Türkeöpfel Tuge, Duge Turbe Türbelar dudere Dunnschtag tütsche Vatterunsarhals - Sunntagshals - Luftröhre «As ischt mr in Vatterunsarhals ku», sagt man, wenn man sich verschluckt hat feand, feandrig fendere, Fenderar Feal Fealbar fitze, Fitz foppe, Foppar Vorstehar Fleaka Flegel Fotogen flöüze, Flöüzar Flöüzarhoke flacke - voriges Jahr, letztjährig - herumlungern, umherziehende Nachtbuben - Wunde - Weide - schlagen, Peitschenschlag, Blitz - hänseln; lästiger, andere ausspottender Mensch - Bürgermeister - etwa 6 cm dicke Bohlen. Aus ihnen fertigte man gespundete Wände und Decken - Dreschwerkzeug, Schimpfname - Petroleum - flößen, Holz triften, Brennholz fischen, Berufsstand - Flößerhaken - liegen 11 Türkische Musig - ehemalige Musikkapelle in Wolfurt 10 Fläre fludere Flause frötzle fräggele freze frette, Gfrett Friedhofsjodlar Fratz Firggar Firgge firgge Fise Függe vrdimmet vrdwire vrhe-ie vrplempere vrquante vrrumpfele vrbudle vrsufe vrschustere vrdrüllet vrdatteret vrdruckt vrseckle vrschosse vrpfife 12 - Wunde, Schürfwunde - flattern - Hirngespinnst, Ohrfeige - reizen - entfernen der Baumrinde kleinweise mit Beil - abweiden des Grases durch Vieh - rackern, mühen, Plage - starker Husten - freches Kind - Ausguß, Abwasch, Waschbecken, in der Stickerei Mittelsmann zwischen Fabrikanten und Heimarbeiter - beim Mühlespiel eine Doppelmühle - scheuern, aufscheuern, sich wehtun «d Schuh heat mi gfirrget» - Bezeichnung für Rothaarigen «du rota Fise» - Bezeichnung für Rothaarigen - vermodert, verschimmelt, z.B. Stockflecken in Wäsche durch feuchten Aufbewahrungsort - verirren, sowohl räumlich als auch geistig nicht orientiert - kaputtmachen - vergeuden - versorgen, verräumen - zerknittern - zerknittern von Papier - ertrinken, versaufen z.B Geld - verpfuschen, nicht zum Vorteil veräußern, verkaufen - verdreht - erschreckt, in Verlegenheit sein - hinterhältig - jemanden zum Besten halten - verliebt sein, gebleichte Farben, erschossen - verraten vrpfifebüxle vrluse, vrdluse vrbutze vrsohle vrgitzle Fürfeall fuxe fürbe, Fürbat ful Fulfieber Funzl Füdletasse Füdlar Füdle fudig fuhre, fuhrig Furgge - verspekulieren - auslesen, sortieren - verputzen von Mauerwerk; Geld verjubeln; jemanden nicht leiden können - «Dean kane nit vrbutze» - schlagen, züchtigen, «sFüdle vrsohle» - verzweifeln - Lederschürze - jemanden ärgern, «as juxet mi» - nichts gelingt mir - kehren, Kehricht - faul, müde - vorgetäuschte Krankheit, Ausrede um länger als üblich schlafen zu können, übergroße Müdigkeit - Petroleumlicht, Schimpfname - Nachtgeschirr - Kinderschlitten - Hinterteil bei Mensch und Tier; Öse einer Nadel; unteres Ende eines Baumstammes - «fudig to» - jemanden reizen, spöttisch - fette Speisen «führend». Sie «tond zu». - Mistgabel G gäge, umgäge, gägig Gägarle gazge gad nö gaffe Galoscha Gade galt, Galtveah Gaude gänge - fallen, umfallen, «a gägigs Fuder» - einseitig geladenes Heufuder, das jeden Augenblick umfallen kann - kleiner Mann der unsicher auf den Füßen steht - gackern, weinen - gerade noch - starren; zuschauen, wo man wegschauen sollte - alte ausgetretene Schuhe, Gummiüberschuhe - Elternschlafzimmer - milchlos - Lustbarkeit - stechen der Wespen und Bienen - von geangelt 13 gängig galle - gutgehend - Obst einsammeln nach dem Gallustag. Mit dem Spruch: «Galletag ischt gsi, was ifindghörtmi!.»zogen die Kinder, mit einem Sack und einem Stecken, durch die Felder und nahmen alles Obst, das noch auf den Bäumen hing und darunterlag mit nach Hause. Der Brauch verschwand bei uns während des zweiten Weltkrieges. - Schlagmesser mit gebogener Spitze - gestern - kl. Schuppen oder Anbau an Scheune - Bottich, «Wöschgelte» - mögen wollen, «I gear hüt gär nidd schaffe» - flaches Holzgefäß um die Milch zu entrahmen - bei gutem Humor z.B. - richtig, recht, viel, «as heat ghörig gschne-it», « as göht ghörig» - geheuer, nicht geheuer - böse, zornig, geizig, Zorn, Geiz, «is Alter waggst nüt meh, as d Negel und de Gitt» - Mitesser - geizig, Geiz - Geißlein - Ziegenkot Früher rieben sich die Kinder den Zeigefinger der einen Hand, am Zeigefinger der anderen und riefen: «Gizgägele, ätsch,» um andere Kinder zu ärgern. Das nannten sie: «Usgiggsle» - Hahn - knarren des Fußbodens, der Türe usw., «giire mit d Zähne» - schlagen mit dem Fuß - «I giab dr an Gingg» Glufe glongge Glonggar, Glöngge Glanet Gloach gmo Gmoand gmoant, gwähnt Gmüdr, Gmütsch gmüatle gmach gnot, d gnote Weag gnu,gnug Goub, Gob, Göble Goasl Goldgranätlar göüple go, gang - Nadel, «igluß» - einfädeln. Wenn ein älteres Mädchen einen Partner findet heißt es: «Iez ischt si doch no z glußt ku» - hin-und herschwingen - etwas Hängendes das baumelt oder schwingt z.B. «Ohreglonggar», Glockeglonggar» usw.; Schimpfname - Klarinette Glied einer Kette bescheiden, leutselig, nicht eingebildet Gemeinde geglaubt, gemeint Abfall beim Holzhacken Gettar gestet Gentar Gelte geare Gebse ghumöhrt ghörig ghürle, ughürle gittig, Gitt Gittwurm gizig, Giz Gizile Gizgägele, Giggsgägile Giggelar giire gingge gigampfe - gemächlich, gemütlich - gemächlich - schnell - genug - Kind, kleines Kind - Peitsche - Apfelsorte - balgen, spielen, Kinder, junge Katzen und Verliebte «göüplend mitanand» - gehen, gehe - schauckeln auf einem Brett, welches in der Mitte auf einem Lagerbock aufliegt, z.B. giiße - schreien, laut weinen, kreischen glumpig, Glump - schlecht, schlechte Ware glese - gläsern, «an glesena Krug», aus Glas glasig glare glotze glei gli - glänzend, leuchtend, «glasige Ouge starren starren sofort, gleich, «i kumm glei» egal, gleich, «as ischt mr gli» goaste, Goast Göppel - spuken, geistern, Gespenst - Antriebsgerät mit Übersetzung, (Getriebe) bei dem mittels Pferde- oder Menschenkraft, Maschinen angetrieben wurden. Als das Fahrrad aufkam, wurde es seiner Übersetzung wegen, oft auch «Göppel» bezeichnet. Wird heute meist abwertend für ältere Fahrräder gebraucht. - bedeutet etwa Gehege, Bezirk, «Deam bin i is Göü ku» heißt die Kreise eines andern zu stören. - Haus hüten, während einer Beerdigung z. B. kommt eine Nachbarsfrau «ga gome.» 15 gosche, Gosche - schimpfen, derber Ausdruck für Mund Göü gome 14 Gogummere - Gurke Grüsch gschwunde Gspane Gspusi gstumpet Gschwear schnudere, Schnuderar Gschnüder Gschtrüch, Gschrücht gschmotte, bschnotte gspriggelet gstearr Gsüff Gschlüder, gschlüdrig gschniglet Gschier Gsims Gsod Gsodstuhl gspundet gstemmt gschutzt gstäht gugge güggle Guggar Guggarklee Guggähne - Kleie, Viehfutter - ohnmächtig - Begleiter, Gefährte heimliche Liebschaft kurz, klein Geschwür, «i hea a Zagschwear» Rotznase hochziehen, Schimpfname golgge, Golggar - schwappen, «d Milch golgget i dr Butte» Pumpbrunnen gozig goazge gülde goldig gottsjömmerle toa grötig gragöle grütschle, Grütschlat Gräms Grotseage Grabe grizgrame - einzig, von Gotteinzig - Geräusch, wenn man sich z.B. verschluckt hat oder, wenn jemand nahe dem Ersticken ist. - golden, aus Gold «a güldes Krüzle» - lieb, süß, gut «a goldigs Humörle» - zum Erbarmen jammern - schlechtgelaunt - lärmen - schaukeln, Schauckel - Rahmen, Türrahmen, profilierte Kassettendecken, usw. wurden als Gräms (Gerahmtes) bezeichnet - Gratsäge - altes Wort für Spaten; Wassergerinne, Bach - knirschen mit den Zähnen, von griesgrämig - Katarrh, Rotznase - Katarrh - siehe bschnotte - gesprenkelt - steif - schlechtes Getränk - Schneematch, «legg hohe Schuh a, as ischt hütt gschlüdrig dußa.» - sauber hergerichtet, «si ischt gschniglet und kamplet» - Werkzeug, Kochgeschirr, Kuhgeschirr usw., «Gschierlumpe» - Gesimse, «Gsimshobel» - kurz geschnittenes Heu - Handgerät bei dem mittels eines Stanzmessers Heu kurz geschnitten wurde - Holzverband - Holzverband - schnell, ohne Überlegung, ungeschickt - gemächlich schauen im geheimen schauen Kuckuck, «d Guggar soll di hole» Sauerklee Urgroßvater Gsottes, Igsottes - Gesottenes, Eingesottenes (Marmelade) grenne, Grenne - Gesicht verziehen, Grimasse schneiden, «grenne, grenne, tuat nit weh, wer grennet der heat Lüs und Flöh.» grüscht grea gröte Greular gruabe Grüba gruste, kruste Graffl Gramure Grampe grampe - fertig, hergerichtet, von gerüstet - fertig, erledigt, gerichtet, angerichtet - gelingen, geraten - trüber Most mit Grauschimmer ruhen «gruabe git gut Buabe» Grammeln stöbern, suchen Plunder Durcheinander Pickel, schlechtes Pferd Arbeit mit dem Pickel, heute noch manchmal gebräuchlich für die Tätigkeit der Bahnarbeiter beim Geleisebau. Grabehoue 16 - Werkzeug um Riedgräben zu öffnen 17 Guggöre - von guggen - schauen und Öhr-Öffnung bedeutet Ausguck, oberstes Giebelloch unter dem First. Wenn Buben eine Hütte bauen, die windschief und wackelig ist, sagt man heute noch: «Do machend ir aber a ghörige Guggöre.» Wird auch verwendet für sinnloses, unüberlegtes Aufeinanderstapeln von Dingen. - Kind im Arm wiegen, auf den Schultern tragen - starker Regen, Wolkenbruch - Flasche guge Güse Guttere gumpe, Gumper - pumpen, tanzen, hüpfen, Pumpbrunnen, «gumpiga Dunnschtag», «Bschüttegumpar» Gumpe Guat gunne Güsch Gurglholz güne Gumelascht - Wasserloch - Wiese beim Haus - gönnen, «vergunne» - mißgönnen - Schimpfname für moralisch minderwertige Frau - nennt man das Holz einer Tanne, das in Alkohol umgesetzt wird, bevor es den Wald verläßt. - winseln des Hundes, weinen - Gummiband Hälegigar Häs Hagel Häslus heare Hemp Herelöable hetze hetzig, Hetz heane, heat, kett, hea oder heo herze - Schmeichler, Einschmeichler Kleidung insgesamt «Weachtaghäs und Sunntagshäs» Stier Filzlaus, «freach, wi a Häslus» rufen Hemd Herrenlaibchen - Brot treiben, jagen lustig, Lustbarkeit, Spaß haben, hat, gehabt, habe liebkosen hergoles, hargoles, hargolane, hargolante, hardigate - beim Herkules! helde Hennelar hinat Himbr Hindrhusar Hille hindrfür Hinderung - z.B. ein Mostfaß in eine Schräglage bringen - Hühnerhabicht, aber auch Mäusebussard - heute Nacht, kommende Nacht «a guts Hinatle» - Himbeere - Apfelsorte - Helligkeit, Lichtschein einer Feuersbrunst z.B. - verkehrt, umgedreht, an hinderfura Voaderwäldar» - Rückstand, «i bi im Hinderung» - Ringkampf, ringen - Haken, schlechtes Pferd, unansehliche Frau - Haken - «Türhouche» auch «Klobe» oder «Angln genannt, siehe «Klobe» - Großer Brachvogel - Heuschrecken - Regenguß, Unwetter - Birnensorte - Werkzeug, um Heu schüppelweise aus dem Heustück zu ziehen, (armlanger Stil mit einer Spitze aus Eisen und Widerhaken) 19 H händig - geschickt, anstellig bei Menschen, auch bei Pferden. Bei Werkzeugen bedeutet es gut in der Hand liegend, wird auch gebraucht bei Geräten, Maschinen und Fahrzeugen aller Art. Hoselupf, hoselupfe Hoge Houche Holipar Höühoppar, Höüstäffel Höüdearar Höübira Höülüchar Hächlar, Häklar - «igwaggsene Dreak» - alter hartnäckiger Schmutz auf der Haut (Füße und Hals) häze - klettern Habermus - Haferspeise Haras - Obst-, Kartoffelsteige Hasebläckta - Wiesenbärenklau halte - hüten (Vieh hüten) hebe, Hebe, - halten, festhalten, Griff, (Griff aller möglichen Werkzeuge Hebel, Heft meist aus Holz oder Horn), «heb ü» - halte an, «heb da Götte», «Ar gitt s Heft nit uss r Hand», - er bleibt am Ruder halse - umarmen, liebkosen häl - schmeicheln - rutschig 18 Houe, houe höüile, Höüile Honnar, Honnare Hoanze, hoanze - Heinzen, Stange mit Querstäben auf denen das Heu getrocknet wird Hoanzesteckar - starkes Rundeisen mit Spitze Holtscha, Hölzlar - Holzschuhe, Schlüpfer, vorwiegend für Stallarbeiten Holtschemachar - Holzschuhmacher Hülzebödnar, «Lüch» ist eine alte Bezeichnung für Loh-Loch und Licht siehe «lüche» - Gartenwerkzeug, «Grabehoue», schneiden, schlagen - jäten, kl. Haue mit Zweispitz «Friedhofshöüile» - Holz- und Heuschlitten; Kuh die oft ihre Hörner gebraucht Hurnussl Hurde - Hornisse - von Hürde, etwas übervoll beladen, siehe «Schoche» hunze, vrhunze - spotten, verspotten, etwas verderben, «um di Sach nit ganz zu vrhunze, gommerliaberga brunze» hürle, anehürle - in die Hocke gehen hüsle, Hüslarzüg - spielen, Spielzeug huremäßig, hurementig, hargotmentig - Diese, sowie ähnliche andere Wörter werden verwendet, um die Aussage der nachfolgenden Wörter zu verstärken, nicht aber um sie zu bewerten. - Schuhe mit Schweinsleder - Oberteil und Holzsohlen «zum ibrisele». Die «Hülzebödner» waren während und nach dem Zweiten Weltkrieg sehr aktuell. - steif, ungelenk, hölzern - Hornerschlitten, dessen Gleitfläche unbeschlagen ist. - leichter Heuwagen, dessen Achsen aus Holz sind. - Haupt, Kopf, «Kruthöple», Salothöple» - Holunderkompott - Heidelbeeren - viel, zahlreich, «es hoadlet gat» - springen - langsam, bedächtig, vorsichtig, «1 tur a klä hofele» - heikel, «du hoakliga Beatlar», wennjemanden das Essen nicht genehm ist, «noch em hoakle si kut nüt meh», wenn einem Mädchen die Freier nicht passen - Hohlaxt, wurde gebraucht um Brunnentröge zu fertigen oder Dachrinnen - Jauche, Jaucheloch - Kleidungsstück, abwertende Bezeichnung - eilen, pressieren, ungenau arbeiten, «nu nit hudle, vor em Sterbe» - sparsam - heuer, heurig, «i bi ou koan hüriga Has me» - Birnensorte I,J idressiirt irger, irgerle, Irger Irmel irde Jägge Jankar Imbe Imachstande Ilge jöüche Isegräs Isehemp Igsottes, Jgsottr juze, Juz, Juzar jucke iez - äußerst sparsam - arg, ärgerlich, Ärger - Ärmel - aus Erde - Ton, «a irdes Beckele» - Eichelhäher - Kleidungsstück - Bienen - von einmachen, faßähnlicher Maischebehälter - Lilie, Iris - jagen, treiben hartes Gras, das von den Kühen verschmäht wird Rüstung Marmelade, Eingesottenes jauchzen, Jauchzer hülze Hülzesolar Hülzeaggsar Höple Holdersuppe Hoadla hoadle hoppe hofele hoakle Holthesl Hoflache Hötel hudle, hudlig, Hudlar husle hür, hürig Husbira 20 - springen - jetzt 21 K Kante, Käntle Katze Känar Kathel Kaserol Kachel kachele Kampl, kample Karrezühar Kaiserbira käl Kareß Kabriza Kalfaktr Kassinar Kämme kartätsche Katzestoeg Kastättere, Kastezar - Gefäß aus Metall z.B. «Milchkante»; Zusammenstoß zweier Flächen z.B. «Stahlkante» (Schi) - Schöpfwerkzeug, meist aus Kupfer, um Maische aus dem Faß zu schöpfen, z.B. - Rinne aus Holz oder Blech, «Bschüttekänar», «Dachkänar» - Aufzugsrolle aus Holz; weibl. Vorname - Kochtopf - Schüssel aus Ton; Teil des Kachelofens, Fliese - Ofen setzen, Fliesen legen - Kamm, kämmen - Zigeuner, fahrendes Volk - Birnensorte - ecklig, widerlich, unflätig - «allad uf Kareß» - immer unterwegs sein - Eigenwilligkeit, Sturheit, «der heat wiider Kabriza» - ungehobelter, grober Mensch - Name für Mitglieder einer ehemaligen christl. sozialen politischen Gruppierung, gilt heute eher als Schimpfname - Kamin - durchkämmen von Flachs, Schafwolle usw. - steiler, schlechter Weg - Teil der alten Bucherstraße - Frucht der Edelkastanie, die früher bei uns sehr verbreitet war. Heute noch gebräuchlich für die Roßkastanienfrüchte Kearesel Kesslar kiibe Kiestrucke - Kellerassel - Pfannenflicker, gehörten zum «fahrenden Volk»; Schimpfname - schimpfen - Wagenaufsatz aus Holz um Kies und Sand aus der Bregenzer Ache zu holen. Mittels einer Winde (Wagenheber teils aus Holz) konnte man die Ladung auch kippen - Teil des Wagens - keimen, Keim - Kürbis - Kirchweihfest, dazu gehörten früher auch Tanz und Vergnügungen - wenig, ein bißchen - armlanges, daumendickes, vierkantiges Holz. Für jedes gebetete Vaterunser durfte eine Kerbe eingeschnitten werden. Am Vorabend des Nikolaustages wurde das «Kloseholz» ins Fenster gelegt oder dem Nikolaus, so er ins Haus kam, vorgezeigt. Je nach Anzahl der Kerben erntete man Lob oder Tadel. - Spannwerkzeug, Schraubkloben, Feilkloben usw. Auch ein «Türhouche» wird als «Klobe» bezeichnet, wenn er aus zwei Teilen geschmiedet ist. «Klobe» ist jener Teil, der die eigentliche «Angl», Achse festhält und umklammert. «An nerviga Klobe» kann auch sein ein dickes Stück Holz, ein schwerer Stein oder aber ein großer, starker Bub. - kratzen - wuchtig, schwer wirkend, stark dimensioniert - Spannwerkzeug, «Wöschkluppe», Schntdkluppe» usw. Kirpfe kide, Kide Kürbse Kilbe klä, a kläle Kloseholz Kichere, kichere - Bohne, lachen Klobe klube, klöube klobig Kluppe Kapelo, Kaplo - Kaplan Kapele - kleine Kapelle ke-ie, ke-i-ig - streiten, zuwider sein, «hei, bis iez nit so ke-i-ig» ke-ie, anke-ie, umke-ie Kefe Kelle Kear 22 - fallen, hinfallen, umfallen - Käfig - Werkzeug, «Murarkelle, Suppekelle, Wasserkelle, Wöschkelle, Spatzseckelkelle» - Keller kluppe, kluppig, - spannen, klemmen, geizig, Geizhals Kluppar Kotarkarre - zweirädriger, kleiner Karren mit Kistenaufsatz mit dem man die Buben auf den Weg schickte, um den Pferde- und Kuhmist von der Straße einzusammeln. Zur «Ausrüstung» gehörte noch die «Kotarschufl» und das «Kotarbreatle» - Halsteil des Pferde- und Kuhgeschirres 23 Komat Kostanzar - Birnensorte Länglar kotze - erbrechen Köngel, Kängel - etwas Hängendes z.B. Teil der Glocke, Rotznase Konsorten Klattere Klamperar Klosebira Klepfe, klepfe knöbefle knöüle knozge knausrig Knüse kräzebuggele Kräze kreable krüche Kröasl Kröaslar Kröl Kratte Kriepe, Kriep, Krippele kroase, Kroas krose, krös Kröse Krömle Krazat Krimskrams 24 Kriase Kriacha Kreas kraglet kreie Krottemüchele Krottehägl Krottemoie krotte Klammera Küngl Kust - Kirschen Wildform der Pflaume gehackte Zweige überaus, besonders, «s Bömmle ischt kraglet voll» krähen Kaulquappen Taschenmesser Löwenzahn sich mühen, anstrengen, nicht vorankommen Waldameisen Hase Kunst, bezeichnete früher vor allem Fertigkeiten und Eigenschaften von Menschen und Tieren, die allgemein nicht üblich waren. «A Kust» war daher, was etwa ein Seiltänzer auf einer «Kilbe» zeigte, das Verrenken der Glieder eines Akrobaten auf einem Jahrmarkt usw. Auch ein Bär, der tanzen konnte, machte «Küsta». Dagegen war ein Gemälde z.B. einfach «schö» oder auch weniger. Daß auch banalste Dinge in die Nähe von Kunst gerückt wurden, verdeutlicht folgender alter Spruch: «I ka a Kust, s Füdle butze mit dr Fust.» - Gleichgesinnte, Genossen, wird meist abwertend gebraucht - eingetrockneter Schmutz oder Kot - Spengler - Birnensorte - Viehglocke aus Blech, knallen mit der Peitsche - wenig - knien - «as knozget mr i de Schuhne» wenn man Wasser in den Schuhen hat. - geizig - dicker Bub - etwas auf dem Rücken tragen - geflochtener Rückenkorb mit Schulterriemen - kriechen, krabbeln - sich auf allen Vieren bewegen - Kreisel, Zirkel - Gerät um den Acker einzuteilen (Furchenbreite) - abgewinkelte Gabel, um den Mist vom fahrenden Wagen zu ziehen. - geflochtener Korb, «Öpfelkratte», «Kriasekrättle», «Krättlemachar» - Korbmacher - Futterkrippe, Darstellung der Geburt Jesu - kreisen, Kreis - «s Höü kroset» von kraus - reicher, geiziger Mann, Krösus - kl. Geschenk, Süßigkeit, von Kram - Mehlspeise, Kaiserschmarren - kleine, meist nutzlose Dinge Küstle - nennt man den liegenden gemauerten Rauchabzug des Kachelofens, auch Ofenbank genannt. Manchmal auch den oberen Teil des Kachelofens auf dem allerlei getrocknet, erwärmt und warm gehalten wird. «Küstle», kann auch sein ein Gesims aus Stein oder ein Brett an der Wand, das als Ablage dient. «Küstle» leitet sich ab von Hypocauste, so nannten die Römer ihre Fußbodenheizungen - Teil des Spinnrades - merkwürdig, sonderbar Kunkel kurios Kudr - Auswurf von Schleim z.B. bei Bronchitis, Abfall beim Hanfbrechen Kudrtrückle - Holzkistchen mit langem Stiel, wurde vor allem von den auch Spöüztrückle «Tschickern» (Kautabakessern) benötigt kugele Kumede, Komede kützle Kutze Kutzemusar - Kinderspiel mit irdenen und gläsernen kleinen Kugeln - Theater, überraschendes Ereignis «Gestet hemr a ghörige Kumede bejanand kett.», unüberschaubares Durcheinander - kitzeln - grobe Wolldecke - Apfelsorte; besonders dickes Kleidungsstück z.B. Mantel 25 L lamentiire Larve Lätsch läfere Läferar Latsche lächt Lägele, lägele Lache Lacheloh Lämmel lampe leaz Lebrosehus leacher Lederar lis lidere Lismar Liible libig - jammernd gestikulieren - Maske, Gesicht - «Schwobelätsch» - Knoten; ein beleidigtes Gesicht machen, «was machst ou duflir an Latsch» viel reden, nichts sagen Schwätzer von dummem, sinnlosem Zeug Legföhre; Schimpfname -lieh, «rotlächt» - rötlich, «langlächt» - länglich Jauche, Jauche ausbringen Pfütze Jauchegrube ein Stück z.B. Wurst oder Brot hängen, herunterhängen falsch, unrichtig, nicht gut Haus der Leprakranken, Landspital Bregenz loabe, Loabat - nicht aufessen, übriggebliebene Mahlzeitreste «des gloabet ischt besser as des geasse» - es ist gut, etwas Übriggelassenes zu haben. - «triele» - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen - rütteln, wackelig, locker, nicht gut befestigt - weich, löst sich auf, Schnee bei Tauwetter - Brotlaibchen, «Herelöable» - streunende Hündin - brünstig z.B. Rind löübe lotere, loterig lösch Löable Löütsch, löütschig löüfig Load, loadig, load- Leid, schlecht gelaunt sein, «loadig si», «eapas z load tö» - ausgetrocknet, (bezeichnet bei allen Behältern und Gefäßen aus Holz das Schwinden desselben) - Apfelsorte - zu wenig gewürzt bei Speisen, ohne Geschmack - gerben - Strickweste - Leibchen, Jakett - fett, faißt, dick Loatsch, - liederliche Frau, liederliches Mädchen Löatschle Loatsche, loatsche, loatschig, veriotsched - abgenützter, ausgetretener Schuh; latschen, gehen; zerschlissen, ausgetreten bei Schuhen Loast - Schuhleisten Loase lose Loatsoal Lonarle loadwerke - eingedrückte Fahrspur z.B. im Schnee - horchen, hören - Leitseil, Teil des Pferdegeschirrs - Radsicherung am Wagen - etwas anstellen, jemanden etwas zu Leide tun Liecht - «Kirzeliecht» - Licht liecht, usliechte - lichter Wald, Bäume auslichten (lichter Wald - heller Wald) liecht - leicht, wenig Gewicht lüche Lohe Lorkäsle loh, loht, glöh löame, Loamsüdar - auslichten von Pflanzen z.B. Mais, Heu kleinweise aus dem Heustock ziehen. - Gerberlohe; Feuerschein, Feuer, «as brennt liechterloh» - verbrauchte Gerberlohe (Baumrinde) in Formen gepreßt und getrocknet (Brennmaterial) - läßt, gelassen - schwerfällig, langsam, langsamer Mensch Löre, Lüre, Glöre- beim Mosten wird ausgepreßte Maische mit Wasser angereichert und anderntags noch einmal gepreßt loufe - gehen lugg Lugge lützel Lusar luege lüttere lupfe - locker «nit lugg lo» - nicht locker lassen - Lücke - wenig - Lausbub, Lauskamm - schauen - läutern, säubern, zweiter Brand beim Schnapsbrennen - heben, tragen, «Hoselupf» 27 26 Lude - altes Wort für Lust. Bei uns ist das Wort nur noch in drohender Form bekannt, wenn etwa eine Mutter zu ihrem Sprössling, der etwas angestellt hat, sagt: «Du wirst denn Lude hea, wenn zobet d Dädd hoamkut!» - windig, wehen Miat Mies minder Mikte Mirz moan Mog Moikeafer Molle mords möt,mät Mose Moltschere Momele montsche, mantsche möüle moriksle Mores - Viehfutter, z.B. zerhackte Rüben, Kürbisse usw. - Moos - schlecht, wenig; «s Weattr wird minder» - schlechter «hür gitt as minder Höü asfeand» - weniger - Mittwoch - März - morgen - jammernde, ewig unzufriedene Frau - Maikäfer - Stier - von Mord, «an mords Stach, mords Kaib, mords Kog», z.B. - möchte - Fleck, Mal - Birnenbrot - Süßigkeiten - kauen ohne Zähne - laut schreien - jemanden unsanft behandeln, quälen luftig, lufte M marod mariasche maschgere mampfe Maläscht Malter mahre mahr Mahreneascht leicht krank altes Kartenspiel sich verkleiden unschön und viel essen Schwierigkeit, «des heat mr Maläscht gmachet» altes Maß, Holzgefäß, Mörtel warten, zuwarten abgelagert, reif, mürbe, weich, z.B. bei Obst, Käse ausgepolstertes Nest oder Versteck um hartes, unreifes Obst ablagern und reifen zu lassen. (Jeder von uns Brüdern hatte sein eigenes, verstecktes «Mahreneascht», Das konnte sein im «Bleazufzug» in einer alten Truhe, auf dem «Ströüestock» in einer Höhle, oder im «Schopf» hinter einem Maischefaß. Die Nester waren stets mit Lumpen oder Heu gepolstert.) - einer, der großes, handwerkliches Geschick hat, ohne eine Lehre absolviert zu haben - Wiese; Gras oder Heuzeile; dünne Zeilen aus halbdürrem Heu machen - mähen - Metzger, «Meksar, wetz mr s Meksarmeassr!» - danke - laute, lange Unterhaltung, Weihnachtsmette Mächlar Mahd, Mahde, mähdele meije Meksar merse Mett, Mette, Dermette - «J wir dr Mores lehre» heißt etwa: Ich werde dir zeigen, wer Meister ist, oder: Ich werde dir gutes Benehmen beibringen munggilebru - undefinierbare Farbe, «munggilebru bis schiißdräckgeal» murkse, abmurkse, Murksar - schlechte Arbeit leisten, töten, Arbeiter der alles verkehrt macht Mulaffe - «der heat ou no Mulaffe foal», sagt man zu jemanden der sich bei Festen, feierlichen Anlässen usw. unpassenderweise in den Vordergrund drängt - gesund, frisch, wach - leicht kränkelnd - schimpfen - eckiges Holzgefäß («Moltschere») - mit ihm wurden tiefe Löcher in die Ackererde gebohrt (Im Ried stand das Grundwasser in den Löchern, sodaß die Mäuse darin ertrankea Durchmesser der Löcher etwa 10 cm.) 29 mengsmol - viele Male, manchmal meangge, meanggig, Meanggar - jammern, Nörgler Melkar - Wiesenboxbart Mentag - Montag mentig - von Sakrament z.B. hurementig, saumentig, hargotmentig, kogementig mis 28 - unangenehm, schlecht muschbr mutlig mule Multe Musbohrar Musar mugge Muzzila, Muzz muzzele müge, mügig müchtelig, Müchtelar Munzela, Mumsala - Mäusefänger - Heureste auf der Wiese zusammennehmen - Kuß, liebkosen - gerne haben, nett, lieb - vermodert, feucht, schimmlig, Schimmelgeruch verbreitend, Schimpfname für langweiligen, nicht unternehmungslustigen Menschen - Fuseln, z.B. unter einem Bett nommas notig nötig notles nütig nüt, nünz nüschele Nüster - etwas - geizig, «an notiga Kog» - notwendig, «der heats nötig» - in Eile sein, «der heats notles» - schlecht, «an nütiga Siach» - nichts - flüstern, etwas suchen - Rosenkranz - kurzer Schlaf - wühlen, stöbern - Lustenau Nuggel, Noggel - Sauger, Babylutscher Nupparle nuhle Luschnou Nuschlou N namol, noamol nät, nacht nate, nachte Nascht Natpibolar - noch ein Mal gestern Abend, vorige Nacht dunkelwerden Ast Nachtvogel, Eule. Zu Kindern, die abends nicht ins Bett wollen, sagt man: «Gond is Bett, sus goht öü d Natpibölar i d Höör!» - wackeln - spielerische oder tändelnde Arbeitsweise, meist auch mit einem unzureichenden Werkzeug - durchgehend, bis zum Ende, z.B. «nanna usse is Ried heat as greanget.» - eiterndes Fingernagelbett - Großmutter - Großvater - schwer, wuchtig, groß - wässern, gießen - verrückt - Stirnfalten - zweiter Feiertag an Hochfesten, z.B. Ostermontag - Guten Abend, (Gruß) - kurz und leicht schlafen - fast, schier, nach, «i bi nöö gstorbe vor Angst.» - nachher o Oacharle Oamer Oachelekaffee oas, oan, oane oabar oalfe, oalf Oaße Obs Oferöhrlar Ofekatz Oggseoug Omahd Omahdstengel, Übrigstengel Ohreschlüfar Ohreglonggar Oier Ostnar ordile - Eichhörnchen Eimer, Holzgefäß, Maß Kaffeeersatz aus gebrannten Eicheln eins, ein, eine ohne Zutaten, einbar, pur elf Uhr, elf Furunkel Obst aufgewärmter Kaffee Mehlspeise Spiegelei (Ochsenauge) zweiter Heuschnitt Fruchtstand des Wisenbärenklau naggle näggele nanna, nanno Nagelbröü Nana Näne nervig netze nersch Nibela Noheiligtag Nobed nore noo, nooch nohar 30 - Ohrwurm - Ohrschmuck, Ohrgehänge - Eier - Ostwind - ordentlich 31 Roßripp - Spitzwegerich - Rain, «am Roh», «im Röhle» - Pferdekot - Stück, Teil z.B. Brot - von räumen, z.B. Reste von angebräunten Speisen in der Pfanne - schnell fahren oder laufen, «laß ruaßle» - ruhig - Runkelrübe; Schimpfname - Schimpfname; Wortspiel, Wortreim, besteht aus den Wörtern Runggel - Runkelrübe und Kunkel - Teil des Spinnrades. Ähnliche solche Wortspiele oder Reime sind: «holterdipolter, holperstolper, rumpes stumpes, rumpel pumpel rapedikap, usw. - Unke - Kruste auf einer Wunde - kümmerliche kleine Tannen und Fichten, «Rutze houe» nennt man auch das Säubern von Vieh- und Alpweiden von durch Flugsamen gewachsenen kleinen Fichten und Tannen R rantsche, Rantsch räple, Räplar räß Rallemus - viel und unnütz unterwegs sein, Frau die selten zu Hause ist - schälen von Baumrinde, Rindenschälwerkzeug - scharf, stark gesalzen, «räße Käs» - Mehlspeise Roh Roßbolle Rongge Rumat ruaßle rüabig Runggel Runggkunkel renke, Rank, - lenken, Kurve, Runde Ränkle ratsche, Ratsche - ratschen am Karfreitag, tratschen, Karfreitagsratsche «Rätschwib», Rätschkachel»; vrrätsche - verraten rangge Rabbe, Rabb Ralle, Rolle radibuz rapedikap reare, räre Reaf Renkschitt Reaketedohs riepse ribum ring, gring rööß röafle, Roaf - unruhig sitzen, hin- und herrutschen - Raben; schwarzes Pferd; aufgetakeltes Mädchen - Kater - alles - überstürzt, Hals über Kopf - weinen - Traggestell aus Holz mit Schulterriemen - Teil des Wagens - Wachholderzweige, wurden früher zum Räuchern des Specks verwendet - scheuern - Tauschhandel ohne Aufzahlung - leicht, schwächlich, klein gewachsener Mensch - sehr, fest, viel, stark, «as luftet hüt rooß» - Spiel mit alter Fahrradfelge Rudeguggar Rufe Rutze s spaniire, spanifle spatzseckle, Spatzseckl Spridla Spaseage Spinnewebb, Spinnebebb Spöütztrückle Spealte Spuntus Spore Spitzbira - auskundschaften - altes Spiel - fein gespaltenes Brennholz, Holzschiefer - Spannsäge - Spinne, auch Spinngewebe siehe «Kudrtrückle» grob gespaltenes Holz Angst Stoppeln; Teil des Reitsattels Rouchkesse, Rouchkessel - kleiner Rauchofen, (der Rauchkessel wurde an die Deichsel des Wagens gehängt um die Bremsen und Riegen von den Zugtieren fernzuhalten. Verbrannt, das heißt in Rauch umgewandelt wurden vor allem alte Schuhe und Lumpen) roufe, Roufe - streiten, raufen; Futterraufe Rotzhötl - derbe Bezeichnung für Taschentuch Röslebira 32 - Birnensorte - Birnensorte 33 Spunte - Zapfen des Faßes, ein mit Mehl, Obst usw. nur zum Teil gefüllter Sack. Auch zu einem kurzen, festen Bub sagt man «Spunte». - Holzverbindung, Spundwand, gespundeter Boden (Riemenboden z.B.), die Verbindung des Faßdeckels zum Faß ist gespundet. - dünne Waden laufen spähen Fernglas, Fernrohr freigiebig freigiebig wenn ein Redeschwall vermischt mit Speichel aus dem Mund kommt «mach ka Sparglamenter» - mache keine Dummheiten, räume das Feld, gib den Widerstand auf handeln, feilschen, markten; anrüchiges, unehrliches Handeln schräge, windschief, von scheel «der heat mi scheal agluget», «s Fuder ist schealb glade» «d Tür ist schealb» Scherenschleifer naschen schimpfen, derber Ausdruck für Mund Spund, Spundung Spatzewädl springe spechte Spektiv splendit spendabel spudere Sparglament schaggere scheal, schealb Schereschlifar schnöügge schnorre, Schnorre Schnorrewagglar schnorrle, usschnorrle Schapf, Schaff schwere schnädere schnattere schlättere, Schlättere schlottere schliete, schlietle schlifisele, Schlifisele Schiatze schlorgge, Schlorgge Schlotzar schlotze schloapfe Schlupfar schlüfe schlenze Schloufe Schiute Schmuttere Schmearbuh schmöüselig Schmirbe, Schmürbe Schmuz, schmuzig Schmalzbläckta Schmeala Schmelgar, Schmutzar schnelle Schnellar Schnitzkichera schnudere schnüze Schnifele Schnitzbrüh schnufe rodeln, schlittenfahren schlittschuhfahren, Schlittschuhe geronnene Milchteilchen aus dem Euter der Kuh nachschleifen der Füße beim Gehen, alte zerschlissene Schuhe, «lupfd Füaß, schlorgg nit so!» Kinderschnuller, Lutschbonbon mit Stiel lutschen, saugen ziehen, schleifen, schleppen, Holz ziehen z.B. Muff (zum Warmhalten der Hände) schlüpfen werfen, schwingen Schlinge, Schlaufe Rock Narbe, Absplitterung an einem Emailgeschirr z.B., Wunde an einem Baum - Dickwanst, «Schmear» - Schmalz; Fett - fettige, schmutzie Haare, unsaubere Kleidung z.B. - Kreme Schmirbetrückle - kl. Holzkistchen mit Wagenfett - Schmalz, Kuß, fettig - Wiesenunkraut - versch. Grasarten - Apfelsorte - knallen - Stachelbeere - Gericht aus gedörrten Birnen und Bohnen Rotznase hochziehen schneuzen kleines, geschnittenes Stück Brot oder Käse z.B. Brühe gesottenerDörrnbirnen.Name wird auch abwertend gebraucht für vielerlei Getränke und Flüssigkeiten. - atmen 35 - - Dampfplauderer - entfernen der Zweige bei Tannenästen z.B. - kl. Holzkübel - fluchen, von schwören - langandauerndes Erzählen - Laute der Gans, Redeschwall bei Frauen, zittern - schütteln, ausrutschen, fallen, Rausch - zittern, «ar schlotteret vor Angst» Schluechta - lange Triebe einer Pflanze, z.B. Brombeere Schlietegrennar - geschnitzter Kopf an einem herrschaftlichen Schlitten, ähnlich einer Galeonsfigur; Schimpfname für jemand, der unerwünscht ist, sich ungebeten einer Gruppe anschließt. Der Letzte. 34 Schnidesel Schöwinkel Schöbändt schore, Schorgrabe Schopf Schoche scholdere Schopploch Schrabnell Schrunta Schbage Schear Schelfere Scheafe, abscheafe Schiihuat Schick schitte, Schittrhufe Schindelise schiniire, scheniire Schickse - Schneidebank mit Haltevorrichtung - Scheinwinkel bei alten Fensterläden z.B., (es sind Verstärkungen der Eckverbindungen) - Scheinband, Türbeschlag - Mist entfernen im Stall, Mistrinne - Schuppen, Haarschopf - Haufen, «Höüschoche», «gschochetvoll» - übervoll - drängen, weiterbefördern, «Scholderar» - Kegelbursch - Futterloch zwischen Tenne und Stall - Geschoß, Schimpfname - Risse in der Haut der Innenhand, bes. an den Fingern Schnur, Spagat Maulwurf Haut, Schale von Früchten, Schimpfname Schale, «Kicherescheafa», abschälen Schwetar Schürpela, Schüppela Schrage Schrote Schwärtela Schwärtling - Pullover - Haarschuppen - Schope, Schöple - Rock, Röcklein Holzgestell, z.B. Bett, Bahre usw.; Schimpfname Werkzeug um den Heustock zu zerschneiden z.B. «Türkeschwärtela» - Umhüllungsblätter des Maiskolbens Außenbretter, die beim Einschneiden des Holzes entstehen und fast zur Gänze aus Baumkante bestehen sempere, semprig, Semperar - sich Zeit lassen, Herumtrödler - schlecht gelaunt sein, von seltsam - eigensinnig, selbstherrlich - Säge - Sense wund, schlecht heilende Wunde, wundgelaufene Füße Fensterbrett, Ablagebrett, Fachbrett schockoladefarbenes, süßes Nebenprodukt in der Käserei verschwenden, verschütten, vergeuden Samen Seifenblase freches Mädchen Landspital Bregenz Ferkel eine aufgeblasene Schweinsblase an einem Stecken war früher ein wesentliches Fasnatutensil unsittlich reden Birnensorte, Extraschnaps Sauerampfer häßlich sieden, Sud, leicht sieden, eine Wunde mit Ausfluß «sütterlet» gemächlich, langsam sein, gemächlicher Mensch sudeln beim Schreiben Lutschbonbon herumstehen, ohne Eile sein sealze sealbher Seage Seagas ser Simse Sig sode, gsodet Some Soafeblotere Soachtäsche Siachehus Süle Sublotere Suglogge lütte Subira, Subirar Surampfl sündwüascht süde, Sutt, sütterle südere, Südere sulfere Sugarle sumse, sumsig, Sumsar Sürfel stöane stoanig - leichter Sommerhut aus Stroh - abgebrochenes Stück Brot z.B. - Tätigkeit mit Beil, Scheiterhaufen, Mehlspeise - Schindelspalteisen - schämen - liederliches Mädchen schiege, vrschieget Schiegar - beim Gehen einen Fuß nachziehen, einseitig abgelaufene Schuhe, jemand der einen Fuß nachzieht, im übertragenen Sinn - wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, nicht mehr gerade läuft. Schamützl - Papiertüte, kl. Gefecht im Krieg Schese - Kutsche, Kinderwagen, Schimpfname Schwarzachar - Apfelsorte Schwozarmus 36 - Mehlspeise - Schluck - aus Stein, Steinfigur, Marmorboden usw., «an stöanena Bode» - steinig, viele Steine, «an stoaniga Weag» 37
  1. heimatwolfurt
19890501_Heimat_Wolfurt_03 Wolfurt 01.05.1989 Heft 3 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 89 Der Rickenbach. Im Jahre 1957 überschwemmte er gemeinsam mit der Minderach zweimal Schlatt und Kessel. Inhalt: 7. Der Rickenbach (Fischer) 8. Hofsteiger Bauern (Heim) 9. Der letzte Krieg (Heim) DIE A U T O R E N : Dipl.-Ing. Alfons Fischer, geb. 1920 in Wolfurt und hier wohnhaft, entstammt einem alteingesessenen Rickenbacher Geschlecht. Er hat Forstwirtschaft studiert und war 36 Jahre lang bei der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg leitend tätig. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alfons Fischer DER RICKENBACH IN WOLFURT Porträt eines Wildbaches in seiner Umwelt EINLEITUNG Bild: Reproduktion von Hubert Mohr Mit der Kurzdiagnose aus dem Biotopinventar Vorarlberg, Teilinventar Nordvorarlberg, Gemeinde Bildstein, von Prof. Dr. Georg Grabher möchte ich beginnen: «Die Bildsteiner Bäche folgen vorgegebenen, mehr oder weniger tiefen Schichtfugen der granitischen Molasse. Es handelt sich durchwegs um von glatten Felsstufen und Rutschungsflächen durchsetzte Waldschluchten von wilder Ursprünglichkeit. Querende Wege und einige Hochwasserschutzbauten, Brücken etc., schmälern diese Beurteilung nicht wesentlich. Die Bäche selbst sind aufgrund der besonderen geologischen Unterlage als spezielle Typen anzusprechen. Die besondere Schutzwürdigkeit ergibt sich aus der weitgehenden Ursprünglichkeit und dem speziellen Bachtypus.» Der Aufsatz orientiert sich an wissenschaftlichen Fakten, hält sich aber nicht an die wissenschaftliche Systematik. «Ricke» ist ein althochdeutsches Wort und bedeutet nach Werner Vogt Felsenge oder Felsschlucht. Allein am Pfanderstock kommt der Name Rickenbach noch dreimal vor. Rickenbäche gibt es auch in der Schweiz und im süddeutschen Raum. Nach dem Vorarlberger Wörterbuch von Leo Jutz hat «Rick» die Bedeutung von Schlinge oder Knoten, z.B. an einer Getreidegarbe. Der Rickenbachunterlauf mäandrierte bis zu seiner Regulierung und Begradigung um 1850 in vielen Windungen zur Schwarzach. Es treffen daher beide Deutungen, sowohl für die Schluchtstrecke als auch für den Unterlauf zu. Unser Rickenbach ist ein rechtsufriger Zubringer der Schwarzach, in die er oberhalb des Kiesfängers, bzw. der Betonbrücke, einmündet (linksufrig und rechtsufrig bezieht sich auf die Betrachtung der Fließgewässer von der Quelle zur Mündung). Die Schwarzach mündet oberhalb des Senders als rechtsufriger Zubringer in die Dornbirner Ach und damit in den Bodensee. Das Quellgebiet liegt in Oberbildstein in rund 950 m Seehöhe, die Einmündung in die Schwarzach in rund 410 m Seehöhe. Der Bach durchfließt bis hm 18,20 Bildsteiner Gemeindegebiet, bildet bis hm 17,00 die Gemeindegrenze und durchfließt dann bis hm 0,00 Wolfurter Gemeindegebiet (die Hektometrierung — hm — am Lageplan erfolgt von 100 m zu 100 m. hm 0,00 ist die Einmündung in die Schwarzach, hm 14,00 heißt, der Unterlauf ist 1.400 m lang). 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Das Einzugsgebiet des Rickenbaches beträgt 7,5 km2. Davon entfallen 3,9 km2 auf die Minderach, die als linksufriger Zubringer beim Kühlhaus Alge einmündet. Ich beschränke mich auf den Rickenbach mit 3,6 km2 Einzugsgebiet, da in der Minderach die Verhältnisse ganz ähnlich sind. Als größere rechtsufrige Zubringer im Tobel sind noch der Staudachertobel- und der Hochtobelgraben zu erwähnen. Für fast alle Gewässer, die in die Rheintalebene oder in den Talboden des Walgaues abfließen, sind die fachlichen Zuständigkeiten heute getrennt. Die Mittel- und Oberläufe mit Wildbachcharakter gehören zum Zuständigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung, die flachen Unterläufe zum Zuständigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Am Rickenbach ist diese Grenze beim Einfangwerk der Unterlaufregulierung, direkt oberhalb der Brücke der alten Bildsteinerstraße bei der Firma Doppelmayr, das ist bei hm 14,00. Daraus ergibt sich ein Einzugsgebiet von 3,3 km2 im Tätigkeitsbereich der Wildbachverbauung und 0,3 km2 im Tätigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Die Unterlaufregulierung ist überall ohne große Schwierigkeiten erreichbar. Die Schluchtstrecke ist dagegen nur schwer zugänglich. Das Einzugsgebiet wird randlich durch die Straße Rickenbach — Bannholz — Staudach — Bereuter—Gitzen—Oberbildstein— Geißbirn—Kapf— Dorf—Ankenreute—Rickenbach umfahren. Durch das Tobel führt nur die Straße Baumgarten—Grub—Dorf. Durch das Tobel führen auch noch die alten Kirch- und Schulwege als Fußwege von Bereuter und Baumgarten über Dellen und die Erscheinungskapelle ins Dorf und vom Staudach ins Dorf. Der Weg von Maschen nach Ankenreute ist verfallen und das Brückele schon viele Jahre zerstört. GEOLOGISCHE VERHÄLTNISSE Die Gesteine des Bildsteiner Stockes und des Pfänderstockes gehören zur Molassezone, die sich in einem 1.000 km langen Bogen am Nordrand der Alpen von Genf bis Wien erstreckt. Es handelt sich um junge Gesteine der Erdneuzeit, die im Oligozän, einer Zeitstufe des Tertiärs, vor ca. 30 bis 35 Mio. Jahren als Meeresablagerungen entstanden sind. In dieser Zeit wurden die Alpen nach Norden geschoben und zum Gebirge aufgefaltet. In unserer Gegend und weiter im Norden wurden durch große Flußsysteme Schotter, Sand und Schlamm, also schon Verwitterungsprodukte aus den Alpen, in flache Meeresbecken eingeschwemmt und versteinerten dort. Es entstanden Konglomerate und waagrechte Schichten von Sandsteinen und Mergeln von verschiedener Härte und Mächtigkeit. In den folgenden Jahrmillionen gingen die gewaltigen Faltungsvorgänge weiter. Das Gebirge der Alpen überfuhr bei uns den südlichsten Bereich der Molassezone und stauchte die Felsschichten wie eine Bugwelle vor sich her. Am Bildsteiner Berg ist diese Faltenmolasse vielfach aufgeschlossen. Entlang der «Bildsteiner Antiklinale», sie verläuft über Bächlingen, Platte, Dorf, Kapf nach Oberbildstein, wurde das Gestein zerbrochen und schräggestellt. Im Rickenbach fallen die Schichten in einem Winkel von 50 Grad bis 60 Grad von Süd 4 nach Nord ein, in der Minderach und im Schwarzachtobel dagegen fallen die Schichten genau umgekehrt in einem Winkel von ca. 35 Grad von Norden nach Süden. Am Pfänderstock wurden die Schichten nur noch gehoben und zeigen dort ein flaches Nordfallen. Diese verschiedenen Entwicklungen sind heute an den Geländeformen erkennbar. Das Einzugsgebiet des Rickenbaches liegt in der granitischen Molasse, die zur unteren Süßwassermolasse zählt. Es handelt sich hauptsächlich um kalkarme Glaukonitsandsteine. Ihre Sande und Tone wurden in den küstennahen, sumpfigen Gebieten abgelagert. Viele schöne Versteinerungen von Pflanzen, Tierfahrten, Muscheln und Tierzähnen weisen auf ein subtropisches Klima hin. In der Vorarlberger Naturschau sind u.a. schöne Schaustücke aus dem Rickenbach und dem Staudachertobel zu sehen. Sie geben viele Hinweise auf die Pflanzen- und Tierwelt von damals. Die Funde belegen das Vorkommen von Fächerpalmen, mehreren Arten von Zimtbäumen, Eichen, Feige, Gummibaum, Ebenholz, Edelkastanie und wilde Walnuß. Daneben gibt es aber auch noch heute vorkommende Pflanzenarten, wie Weiden, Ulmen, Sauergräser und Schilf. An sehr gut erhaltenen Blattformen konnten sogar typische Fraßbilder von Insektenraupen festgestellt werden und damit das Vorkommen von Schmetterlingen und Käfern nachgewiesen werden, obwohl sich von den Tieren selbst keine Reste erhalten haben. In der Naturschau können auch die im Unterstaudach gefundenen Versteinerungen der Zähne von Kleinsäugetieren eingesehen werden. Diese Funde waren eine wissenschaftliche Sensation. Durch sie wissen wir, daß der Küstenurwald von Zwerghirschen, Schweinchen, kleinen Paarhufern, Eichhörnchen und Hamstern belebt wurden und daß in den Tümpeln Krokodile und Süßwasserfische (Barben) lebten. In der Lehrmittelsammlung der Hauptschule Wolfurt befindet sich die ausgezeichnet erhaltene Versteinerung eines großen Blattes. Sie wurde 195 8 im Zuge der Verbauung des Rickenbaches im Bereich der ersten Felsbarriere, die von Ankenreute zum Kuien verläuft, bei einer Felssprengung freigelegt. Der Finder, ein innerösterreichischer Arbeiter, hat sie für den Gegenwert von einigen Kisten Bier an die Schule verkauft. Der Rickenbach hat sich in Millionen Jahren sein Bett entlang einer Schichtfuge eingegraben. Vor 1,5 Millionen Jahren wurde das subtropische Klima durch die Eiszeiten abgelöst. Dabei gab es mehrere Kälteperioden und dazwischen Wärmeperioden. Über diese Zeiträume sind in unserer Heimat keine Spuren erhalten. Vor etwa 20.000 Jahren kam es zur letzten Kälteperiode, der Würmeiszeit. Der Rheingletscher erfüllte das ganze Rheintal und reichte weit ins schwäbische Land hinaus. Der Illgletscher wurde an den rechten Rand gedrückt. Er floß zeitweise sogar über das Bödele und Alberschwende gegen den Bregenzerwald und von Oberbildstein in den Vorderwald. Das Gletschereis reichte damals bis ca. 1.100 m Seehöhe und lag damit fast 150 m über der Schneiderspitze. Die Eisströme haben z.B. den Achrain und 5 Oberbildstein glattgehobelt und auf den flachen Stellen Moränenschutt abgelagert. Der Rickenbach war, wie alle Bäche, total plombiert. Beim Abschmelzen des Eises kam vor etwa 15.000 Jahren v. Chr. die Erosion wieder voll zur Wirkung. Die Moränen wurden zum Teil abgetragen und sind nur noch auf den verschiedenen flachen Büheln, die heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt werden, vorhanden. Im Tobel wurden die Moränen bis auf das Grundgestein ausgeräumt. Übrig geblieben sind nur einige Kleinflächen an den Steilhängen. Der aufmerksame Beobachter findet auf den Büheln und vor allem in den Tobein viele Steine, die der Illgletscher mitgebracht hat. Am auffälligsten sind dabei die hellen Gneise aus dem hinteren Montafon. Das Bildsteiner Kriegerdenkmal und der Sockel des Alberschwender Kriegerdenkmales sind aus Findlingsblöcken gehauen, die in Geißbirn gefunden wurden. Das Geschiebe aus der Schlucht wurde im Bodensee, der damals bis über Feldkirch hinaufreichte, und später in den randlichen Tümpeln und Sümpfen abgelagert. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende ein flacher Schwemmkegel, der mit Auwald bedeckt war. CHARAKTERISTIK DES BACHES Heute zeigt sich der Rickenbach als tief eingeschnittenes, bewaldetes Tobel, in einem relativ flachen, landwirtschaftlich genutzten Umland, seines weiteren Einzugsgebietes. Auffallend sind die vielen Felsstufen und die dazwischenliegenden Flachstrecken. Auf den Flachstrecken bleibt das Grobgeschiebe liegen, das auf weite Strecken vermoost ist. Die Felsstufen werden durch härtere Felsriegel gebildet, die meist schräg zum Bach von einem Einhang zum anderen ziehen. Linksufrig liegt der Fels in der Hangneigung von 50 Grad bis 60 Grad. Auf mehreren Flächen ist der Wald abgerutscht, sodaß große nackte Felsplatten anstehen. Der obere Rand des rechten Einhanges besteht fast zur Gänze aus senkrechten Felswänden mit Höhen von 10 bis 30 m. Hier findet man vereinzelt Kohleadern mit 2 bis 4 cm Stärke. Es handelt sich um Glanzkohle, wie sie im Wirtatobel abgebaut wurde. Die Felsschichten fallen parallel zum linken Einhang mit dem gleichen Gefälle in den Berg. Sie sind im Laufe der Jahrtausende durch Fußunterwaschung und nachbrechen der Schichtköpfe entstanden. Den letzten großen Felssturz habe ich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bei hm 24,40 beobachtet: Steine in der Größenordnung von bis zu 30 m3 haben den Bachlauf verlegt. Der Rückstau ist inzwischen verlandet und die Steine sind weitgehend durch Wald überwachsen. Unter den Felswänden liegen steile bewaldete Hangpartien. Die weichen Sandsteine verwittern relativ schnell zu Lehmböden, die zur Vernäßung neigen und rutschsüchtig sind. Es kommt daher im Tobel, vor allem bei Hochwasser, immer wieder zu Gschliefen mit Waldabrutschungen. Schadholz liegt an vielen Stellen im Bach und in den Einhängen. Feingeschiebe, weitgehend Sand und Letten, wird schon bei mittleren Hochwässern abgetriftet. Das Grobgeschiebe aus den Flachstrecken kommt nur bei schweren Hochwässern in Bewegung. 6 Aus den geologischen Gegebenheiten resultieren Gefällsverhältnisse, die für einen Wildbach wegen der vielen Flachstrecken untypisch, für die Bildsteiner Bäche dagegen typisch sind. Der Unterlauf durchfließt den flachen Schwemmkegel in einem künstlichen Gerinne. Das Gefälle beträgt zwischen hm 0,00 und der Eisenbahnbrücke bei hm 6,65 nur 0,4 % und erhöht sich bis zur Landesstraßenbrücke nach Schwarzach auf 0,8 %. Oberhalb der Brücke bis hm 14,00 beträgt das Durchschnittsgefälle 1,9 %. Die geringen Gefällsprozente am Schuttkegel sind ein Hinweis, daß der Rickenbach im Laufe der Zeit relativ wenig Grobgeschiebe, aber viel Feingeschiebe, Sand, Letten und Dreck gebracht hat. In Baugruben werden immer wieder die Schichten der großen Hochwässer angeschnitten. Der Mittellauf erstreckt sich von hm 14,00 bis zur Einmündung des Hochtobelgrabens bei hm 37,50. Auf den vielen Flachstrecken liegt das Durchschnittsgefälle zwischen 5 % und 10 %. Die Felsstufen haben ein Durchschnittsgefälle zwischen 10 % und 40 %. Das Durchschnittsgefälle des ganzen Mittellaufes beträgt aber lediglich 10 %. Die Oberläufe haben zum Teil glatte Felsgerinne und sind ebenfalls durch Felsbarrieren unterbrochen. Die Durchschnittsgefälle liegen aber höher. Alle Seitenzubringer, auch die vielen kleinen Gerinne, sind meist schon nach 100 m tief eingeschnitten und zum Teil nicht begehbar. In dieser kurzen Übersicht konnten die komplizierten Zusammenhänge der Geologie der Molasse nur angedeutet werden. An Unterlagen habe ich die «Einführung in die Geologie Vorarlbergs» von Dr. Krasser und ein «Geologisches Manuskript für das Schwarzacher Heimatbuch» von Dr. Krieg verwendet und eigene Beoachtungen eingebracht. Eine geologische Fundgrube ist die Naturschau in Dornbirn, das Lebenswerk von Siegfried Fußenegger. Wer tiefer in die geologischen Gegebenheiten eindringen will, muß sich mit Fachliteratur abgeben, z.B. «Molasse» von Heim/ Baumgartner. PFLANZENWELT Am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren v. Chr. wurde unsere Heimat wieder grün. Die Rohböden wurden zuerst von niederen Pflanzen besiedelt: Aus der Untersuchung von Pollen, die sich im Torf erhalten haben, weiß man über die weitere Entwicklung ziemlich gut Bescheid. Nach Latschen und Krüppelbirken entwickelten sich Wälder aus Föhren und Birken, zu denen sich um ca. 8.000 v. Chr. Hasel und Fichte und etwas später die Eiche gesellten. In der wärmsten Periode der Nacheiszeit, etwa zwischen 5.500 bis 3.000 Jahren v. Chr. beherrschten Eichenwälder gemischt mit verschiedenen Laubholzarten die Landschaft. Buche und Weißtanne sind als letzte Arten erst in dieser Wärmeperiode eingewandert. Etwa um diese Zeit dürfte auch der erste Mensch in unsere Gegend gekommen sein. Beim Bau des Landgrabens oberhalb des heutigen Bahnhofs habe ich am Ende der zwanziger Jahre als Bub gesehen, daß große Eichenstämme ausgegraben wurden, die eine grauschwarze Farbe hatten und schon leicht versteinert waren. 7 Die Zeit der großen Laubholzurwälder ist erst vor etwa 1.000 Jahren mit den großen europäischen Rodungen zu Ende gegangen. In dieser Zeit wurde der Bildsteiner Berg besiedelt. Seither haben sich die land- und fortwirtschaftlichen Nutzungen zum heutigen Bild entwickelt. Ankenreute und Bereuter sind zwei typische Rodungsnamen. Bannholz steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit Rutschungen im Spetenlehengraben. Am Rickenbach sind 45 % des Einzugsgebietes mit Wald bestockt. Das entspricht dem österreichischen Durchschnitt, liegt aber 10 % über dem Vorarlberger Durchschnitt. Wald ist mehr als ein Haufen Bäume. Wald ist eine vielfältige, komplizierte Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die sich in langen Zeiträumen eingespielt hat. Heute sagt man dazu auf gut deutsch ein Biotop oder ein Ökosystem. Sein Erscheinungsbild wird, neben der Nutzung durch den Menschen, von vielen Faktoren geprägt, wie z.B. Grundgestein, Verwitterung und Gebirgsabtrag, Boden- und Bodenleben, Höhenlage, klimatische Einflüsse, wie Regen, Schnee und Lichtintensität. Dabei ist die Lichtintensität wieder von der Höhenlage oder von der Exposition Schattenseite oder Sonnenseite abhängig. Der Wald hat Nutz- und Schutzfunktion, die Voraussetzungen für das Leben und Überleben der Menschen sind. Für selbstverständlich genommen wird die Nutzfunktion, die Ernte von Holz, Pilzen, Beeren, Heilkräutern und Wild, und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen. Auch die Erholungsfunktion ist eine Nutzfunktion. Zu den Schutzfunktionen: Waldboden speichert wesentlich mehr Wasser als Wiesenboden und hat dabei großen Einfluß auf die Abflußverhältnisse und die Geschiebebilanz, z.B. in Wildbächen, und die gleichmäßige Schüttung von Quellen. Wald ist der größte Massenproduzent und Sauerstofflieferant. Unter Einsatz von Sonnenenergie wird im Blattgrün Kohlenstoff in Stärke und Zucker und dann von der Pflanze in Lignin und Zellulose umgewandelt. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wald hält auch Wasser und Schnee im Kronendach zurück und vermindert dabei den Abfluß und überlagert die Verdunstung durch Blätter und Nadeln. Wald schützt in den Höhenlagen vor Lawinen. Wald bremst den Wind und verbessert dadurch das Lokalklima, verhindert zu starke Verdunstung, verhindert Schnee-Einwehungen. Wald reinigt die Luft durch das Ausfallen von Gasen und Staub. Heute ist er dabei schon weit überfordert, wie das fortgeschrittene Waldsterben in den Kammlagen beweist. Dort werden die größten Mengen von Giftstoffen eingetragen. Wald schützt vor Lärm. Wald mildert das Kleinklima im Gegensatz zum Freiland sowohl zwischen Tag und Nacht, als auch zwischen Sommer und Winter. Die großen Waldgebiete, vor allem die tropischen Regenwälder, haben Einfluß auf das Großklima. Die Folgen der riesigen Rodungen im Amazonasgebiet und in den afrikanischen und asiatischen Regenwäldern sind erst zu ahnen. Wald ist die einzige große Lebensgemeinschaft, die sich bei einem natürlichen Gefüge, also beim Vorhandensein aller Etagen von der Krautschicht über die Buschschicht, die Stangenhölzer und Altbestände selbst erhält. Wald hat also einen ausgewogenen Nahrungs- und Produktionskreislauf. Er betreibt, um 8 es deutsch zu sagen, Recycling in geschlossenen Kreisläufen. Die hier nur angerissenen Wirkungen sind viel umfangreicher und viel komplizierter und können nur aus dem Zusammenspiel der vernetzten Lebensgemeinschaft Wald verstanden werden. Am Rickenbach kenne ich folgende Baumholzarten: Fichte (Rottanne), Tanne (Weißtanne) , Weißkiefer (Föhre), Douglasie (Exote aus Nordamerika), Lärche (im Rickenbach künstlich eingebracht), Eibe (kein Nadelbaum, sondern ein immergrüner Laubbaum, keine Harzgänge im Holz und in den Nadeln), Traubeneiche, Edelkastanie (vielleicht schon seit der Römerzeit), Weißbuche (Hagebuche), Birke, Erle, Weide, Zitterpappel, Feldulme, Bergulme (Basthäsel, Rüster), Holzapfel, Holzbirne, Wildkirsche, Eberesche (Vogelbeere), Eisbeere, Mehlbeere, Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn, Winterlinde, Sommerlinde, Esche, Wilder Nußbaum. Die Strauchschicht setzt sich wie folgt zusammen: Erle, Weide, (zahlreiche Formen, von breitblättrig bis schmalblättrig), Feldahorn, Rosen, Wacholder, Weißdorn, Schwarzdorn, Vogelkirsche, Spindelbaum (Pfaffenhütchen), Kornelkirsche, Faulbaum, Gemeiner Schneeball, Wolliger Schneeball, Heckenkirsche, Hartriegel, Schwarzer Holder, Roter Holder, Pulverholz, Liguster, Seidelbast, Stechlaub, Mispel. An Kletterpflanzen kenne ich noch Efeu, Waldrebe (Liera) und wilden Hopfen. Als Schlagpflanzen sind Himbeere und Brombeere zu erwähnen. Die Krautschicht ist viel artenreicher als das Holz. Wer hier einen genauen Überblick haben will, muß sich mit Pflanzensoziologie befassen. Ich möchte mich nur auf die auffalligsten, mir bekannten Arten beschränken, wie zum Beispiel: Einbeere, Vielblütige Weißwurz, Immergrün, Bärlauch, Schattenblume, Flockenblume, Rotes Waldvögelein, Nestwurz, Weiße Teufelskralle, Gelbe Taubnessel, Rote Taubnessel, Brennessel, Klebriger Salbei, Tollkirsche, Sauerklee, Lungenkraut, Geißbart, Sanickelkraut, verschiedene Veilchenarten, Aronstab, Schachtelhalme (Katzenschwänz), Schilf (Streueröhrle), Springkraut, Buschwindröschen, Himmelschlüssel, Wolfsmilch, verschiedene Seggen (haben dreieckigen Querschnitt), verschiedene Gräser, Bärlapp, Huflattich, Pestwurz, Waldmeister, Labkraut, Bingelkraut, Pfefferminz, Kresse, verschiedene Farnarten, viele Moosarten und Flechten. Die Flechten sind zum Teil sehr empfindlich gegen Luftverschmutzung und sauren Regen. Ihr Absterben löst daher Alarm aus, lange bevor die sichtbaren Schadbilder auftreten. Manches wäre noch über die halbwegs intakt gebliebene Pflanzen- und Insektenwelt an ungedüngten Weg- und Wiesenrainen und auf den Magerwiesen (nur fallweise mit Mist gedüngt), über die Artenverarmung auf den überdüngten Wiesen und die erstaunliche Pflanzenvielfalt der Streuewiesen zu sagen. Eine Besonderheit im Einzugsgebiet des Rickenbaches stellen die Viehweiden dar. Sie werden leider durch Kultivierung und Düngung, durch Aufforstung oder natürliches Zuwachsen immer mehr zurückgedrängt. Zuerst kommen die schönen Einzelbäume, hauptsächlich Eichen, Edelkastanien, Buchen und Birken dran. Dann geht 9 es den typischen Pflanzen der Trockenrasen an den Kragen. Ich darf einige Vertreter nennen, wie z.B. Silberdistel, Arnika, Heidelbeere, Preiselbeere, Adlerfarn, verschiedene Moosarten, Wacholder, Besenheide (blüht im Herbst hell violett und hat nichts mit der Erika zu tun, die im Frühling sattviolett blüht und nur auf Kalk vorkommt), Katzenpfötchen und Buchsbaumblättrige Kreuzblume. An tiefgründigen, etwas feuchteren Stellen blühen Trollblume und Schwalbenwurzenzian. Ich habe alle genannten grünen Pflanzen aufgeschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Selbstverständlich werden sie wissenschaftlich in Gruppen und Familien eingeteilt. Viele sind anspruchslos und haben ein großes Verbreitungsgebiet, andere sind spezialisiert und stellen hohe Ansprüche, z.B. an Boden, Licht und Pflanzengesellschaft. Manche sind kalkliebend, andere kalkfliehend, die einen leben auf saurem Boden, wieder andere sind stickstoffliebend oder Stickstoff fliehend. Die einen sind Tiefwurzler, die anderen Flachwurzler, die einen sind Lichtholzarten, die anderen Halbschattholzarten oder Schattholzarten. Es gibt also viele Möglichkeiten zur Einordnung in Gruppen. Darüber gibt es eine Fülle von Fachliteratur PILZE Die Pilze stehen zwischen den Pflanzen und Tieren. Sie bilden mit über 10.000 Arten eine große und lebenswichtige Gruppe in unserer Umwelt. Sie unterscheiden sich von den grünen Pflanzen grundsätzlich durch das Fehlen des Chlorophylls oder Blattgrüns. Pilze leben zum Teil parasitisch und haben dabei eine enorme Bedeutung für das ganze Pflanzenleben. Sie sind zusammen mit Bakterien und Kleinlebewesen in der Lage, organische Substanz, wie Totholz, Blätter, Nadeln, abgestorbene Pflanzen, Früchte, Tierleichen, in einfache organische Verbindungen umzubauen, sodaß sie von den Pflanzen wieder aufgenommen werden können. Sie allein sind in der Lage, das Lignin des Holzes abzubauen. Andere Arten leben in Symbiose mit den Pflanzen, vor allem im Bereich des Feinwurzelsystems. Sie sind für viele Holzarten lebenswichtig. Heute werden z. B. auf Fichte oder Zirbe spezialisierte Pilze gezüchtet und damit zur Aufforstung vorgesehene, früher landwirtschaftlich genutzte Böden geimpft. Was wir von den Pilzen sehen, sind die meist kurzlebigen Fruchtkörper, die der Fortpflanzung dienen. Sie vermehren sich hauptsächlich ungeschlechtlich durch Sporen, aber auch geschlechtlich durch Kopulation von Geschlechtszellen. Im Boden lebt ganzjährig das Myzelium, ein fadenartiges Fasergeflecht. Dieses Geflecht ist bei vielen Arten sehr langlebig. Allgemein werden die Pilze in drei Gruppen eingeteilt, und zwar Algenpilze, Schlauchpilze und Ständerpilze. Für den Hausgebrauch unterscheiden wir Speisepilze, Giftpilze und typische holzzerstörende Pilze. Speisepilze und Giftpilze sind mehr oder weniger bekannt. Ich bin kein Fachmann, aber als Speisepilz kenne ich zum Beispiel den Eierschwamm, Parasol, Steinpilz, Birkenpilz, Schafchampignon, Reizker, 10 Schopftintling, Morchel und Bärentatze. Als Giftpilze den Fliegenpilz, Knollenblätterpilz und Pantherpilz. Jeden Herbst freue ich mich auch an den seltenen, sehr schönen Erdsternen. Zu den auffälligsten Holzpilzen gehören die Fruchtkörper der Porlinge, die meist schöne Konsolen produzieren. Am bekanntesten ist der echte Zunderschwamm, der hauptsächlich als Parasit auf der Buche lebt. Andere Arten sind ebenfalls spezialisiert und leben auf der Birke, Eiche, Weide oder Fichte. Andere sind weniger heikel und leben auf verschiedenen Laubholzarten oder ganz allgemein auf Totholz und erzeugen dort die Weißfäule. Der Hallimasch ist für die Rotfäule (Stockröte) der Fichte verantwortlich. Nach Auskunft der Biologen gibt es bei den Pilzen noch weiße Flecken, also noch Arbeit für Forscher. Als Abschluß der Pflanzenwelt noch ein paar Hinweise auf die Waldtypen am Rickenbach. Vom Grundgestein der granitischen Molasse her sind die Verwitterungsböden kalkarm und silikatreich und werden als Typ nach der österreichischen Bodenkarte als silikatische Felsbraunerden angesprochen. Sie reagieren sauer bis stark sauer. Der relativ hohe Fichtenanteil im Einzugsgebiet ist daher natürlich und nur fallweise künstlich eingebracht. Es handelt sich um Schluchtwälder, die aufgrund der Einzelstammnutzung und der schwierigen Bringungsverhältnisse noch eine weitgehend natürliche Zusammensetzung aufweisen. Das wird auch durch die Artenvielfalt dokumentiert. Das Waldbild zeigt rechtsufrig auf der Sonnseite und linksufrig auf der Schattseite unterschiedliche Typen. Auf der Sonnseite handelt es sich weitgehend um eibenreiche Buchenwälder (Taxo-Fagetum). Als Mischhölzer kommen alle Laubholzarten und in geringerem Maße die Nadelholzarten vor. Dabei ist auch der Anteil der Strauch- und Krautschicht wesentlich höher als auf der Schattseite. Auf den sonnseitigen oberen Felsrändern sind die Lichtholzarten Eiche, Edelkastanie, Linde, Birke und Wildkirsche stärker vertreten. Die Schattseite ist vom Buchen-Tannenwald (Abiete-Fagetum) mit einem fallweise bis zu 50% igen Weißtannenanteil geprägt. Hier sind als eingesprengte Holzarten nur noch die halbschatten- und schattentragenden Laubholzarten vertreten. Die Busch- und Krautschicht ist bei weitem nicht mehr so artenreich. Mit zunehmender Höhe geht auch der Laubmischwald immer mehr in den Nadelwald über, der die Oberläufe prägt und wesentlich artenärmer ist. DAS WALDSTERBEN Wer mit offenen Augen am Bildsteiner Berg oder sonst irgendwo wandert, dem müssen die Schadbilder der kranken Weißtannen, Fichten, Buchen und Eschen auffallen. Für alle, die das nicht wahrhaben wollen, darf ich auf die Waldzustandserhebung in Vorarlberg aus 1984, aufgrund der Infrarot-Luftbildauswertung hinweisen. Diese Karte zeigt im Einzugsgebiet des Rickenbaches fast durchwegs die Stufe 4 — krank! 11 Lediglich kleinere Waldflächen zwischen Baumgarten und Grub sowie Dellen und Gitzen sind als Stufe 3 — kränkelnd — ausgewiesen. Die Stufen 1 und 2 — sehr gut und gesund — scheinen nirgends auf. Das Waldsterben spielt sich auf zwei Ebenen ab. Vor allem im Buchen-Tannenwald ist im Altholz noch ein hoher Weißtannenanteil vorhanden. Der Weißtanne fällt als Tiefwurzler eine wichtige Stabilisierungsfunktion auf den rutschsüchtigen Molasseböden zu. Weißtannen-Jung wuchs bis ins Dickungsalter wird man aber vergeblich suchen. Die millionenfach vorhandenen Weißtannensämlinge wurden seit 25 bis 30 Jahren, neben Buche, Ahorn und vor allem den seltener eingesprengten Laubholzarten , durch überhöhte Rehwildbestände weggefressen. Dadurch ist eine ganze Waldgeneration ausgefallen. Daß die Weißtanne aufkommen würde, habe ich durch 20-jähriges Streichen mit Verbißmitteln in Ankenreute und Oberbildstein praktisch nachgewiesen. Der Einsatz der Chemie führt zwar zu gravierenden Zuwachsverlusten bis zu 50 %, aber besser 50 % als nichts. Die zweite Ebene des Waldsterbens basiert auf der Luftverschmutzung und in der Folge dem Sauren Regen. Schwefeldioxyd und Stickoxyde sind als Hauptverursacher heute unbestritten. Die Schwefeldioxyd-Werte aus Industrie und Hausbrand konnten durch den Einsatz schwefelarmer Heizöle und dem Einsatz von Erdgas stark reduziert werden. Die Stickoxyde, zu einem hohen Prozentsatz aus den Autoabgasen stammend, sind steigend und werden durch den Einsatz von Katalysatoren nach Ansicht der Fachleute in den nächsten Jahren zunächst bestenfalls stabilisiert werden. Durch Oxydation entstehen bei warmem Wetter, vor allem aus Stickoxyden, neue Schadstoffe, wie z. B. Ozon. Gase und Saurer Regen schädigen einerseits Blätter und Nadeln. Im Boden führen sie zu einer Übersäuerung, zur Schädigung des komplizierten Bodenlebens und zu einer Herauslösung der Schwermetalle aus dem Ton-Humus-Komplex des Bodens. Die freigesetzten Schwermetalle sind giftig — «Die Bombe tickt also im Boden». Wenn die ersten optischen Schäden am Baum zu sehen sind, ist das Feinwurzelsystem bereits schwer geschädigt oder weitgehend zerstört. Das schleichende Waldsterben ist durch Stammanalysen genau nachweisbar. Die Jahresringe und damit die Zuwächse am Holz sind in den letzten 20 bis 30 Jahren gravierend zurückgegangen. Der Wald ist heute keine Sparkasse mehr. Das Waldsterben wird in einem Gebirgsland zur Überlebensfrage. Das wird auf weite Strecken verdrängt, da von jedem Einzelnen und von der Gemeinschaft einschneidende Konsequenzen gefordert werden müßten. Allen, die sich für die Lebensgemeinschaft Wald interessieren, möchte ich das allgemein verständliche, reich bebilderte Buch «Rettet den Wald» anraten. Es ist vom bekannten deutschen Journalisten Horst Stern und weitern fünf deutschen Fachleuten verfaßt worden (Verlag Kindler) 12 TIERWELT Die Tierwelt gehört genauso zu unserem Lebensraum wie die Pflanzenwelt. Auch hier gibt es Allroundler und Spezialisten sowie geschlossene Kreisläufe z. B. in der Nahrungskette. Es gibt ausgesprochene Waldbewohner, ausgesprochene Riedbewohner und Pendler. Es gibt Pflanzenfresser, Allesfresser und Fleischfresser, jagdbare Tiere und geschützte Tiere, Wirbeltiere, Vögel, Amphibien, Insekten und Kleinlebewesen, ganzjährig hier lebende Tiere, Wechselwild, Höhlenbewohner, Winterschläfer, Nachttiere, Zugvögel, Singvögel, Raubvögel u.a. WIRBELTIERE Dazu gehören die allgemein bekannten Tierarten, die zum großen Teil auch bejagt werden. Ich habe im Laufe der Zeit alle im Rickenbach lebenden zu Gesicht bekommen und will sie ohne Systematik aufzählen: Reh, Fuchs, Dachs, Hase, Marder, Wiesel, Iltis, Eichhörnchen, Siebenschläfer, verschiedene Mäuse, Garns und Hirsch als seltenes Wechselwild und die Bisamratte als Einwanderer. VÖGEL Hier gibt es schon viel mehr Arten. Auch für sie treffen die allgemeinen Aussagen zu, die aber wesentlich erweitert werden müssen. Es gibt ganzjährig hier lebende Vögel, Zugvögel, die nur durchziehen und hier rasten, Zugvögel die hier brüten, Vögel die im Buchenwald, im Mischwald oder im Nadelwald leben, Höhlenbrüter und Bodenbrüter, Wasservögel, Kulturflüchter und Kulturfolger, Singvögel, Raubvögel u. a. Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit darf ich einige Arten nennen, die ganzjährig im Tobel leben: Mäusebussard, Habicht, Sperber, Turmfalke, Waldkauz, Waldohreule, Grünspecht, Buntspecht, Kleinspechte, Elster, Eichelhäher, Tannenhäher (hauptsächlich im Oberlauf), Rabenkrähe, Kolkrabe, Amsel, Wasseramsel, Zaunkönig, Kohlmeise, Tannenmeise, Blaumeise, Haubenmeise, Kleiber, Wacholderdrossel, Misteldrossel, Grasmücke, Buchfink, Baumläufer. Als unerwartete seltene Tagesgäste sind mir in der Schlucht auch Wildenten, Fischreiher, Bleßhühner (Taucherle) und im Winter Kreuzschnäbel begegnet. Als Zugvögel und Brutvögel kommen vor: Wespenbussard, Roter Milan, Schwarzer Milan, Ringeltaube (Wildtaube), Waldschnepfe, Waldwasserläufer, Gelbe Bachstelze, Kuckuck, Star, Ringdrossel, Nachtigall. Als Kulturfolger leben im Siedlungsgebiet Star, Gimpel, Amsel, Spiegelmeise, Gartenrotschwanz, Hausrotschwanz, Rotkelchen, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Bachstelze, Grünfink. Am Unterlauf, einschließlich des Kiesfangers mit seiner reichen Vogel weit, kann man im Frühjahr und Herbst am Durchziehen sehen: Graureiher, Seidenreiher, Purpurreiher, verschiedene Entenarten, Fischadler, Störche, Eisvogel, Wiedehopf, Blaukehlchen und Schnepfen. 13 Als Zugvögel und Brutvögel: Stockenten, Bleßhühner, Sumpfrohrsänger, Wanderfalke, Pirol, Bachstelze, Distelfink u. a. Der Fasan ist ein eingesetzter Vogel. Darüberhinaus gibt es noch viele kleinere und größere, graue, braune, gesprenkelte und bunte Vögel, die ich nicht einordnen kann. Wer mehr über die heimische Vogel weit erfahren will, kann sich gerne an Penz Reinhold, Lauterach, wenden. Er kennt die Arten nicht nur nach Flugbild, Federkleid, Brutgewohnheiten, Lebensraum und Nahrungsbedarf, sondern auch an der Stimme. Als leicht lesbares und reich bebildertes Buch kann ich «Rettet die Vögel» angeben. Es ist ebenfalls vom deutschen Journalisten Horst Stern und weiteren vier Fachleuten verfaßt (Herbig Verlag). Nicht vergessen möchte ich die Fledermäuse, die zwar nicht zu den Vögeln oder Mäusen zählen, die aber hervorragende Flieger sind. Ihre Gattung ist eine eigenwillige Erscheinung im Naturhaushalt. Sie haben ein phantastisches Orientierungssystem, mit dem sie allen Hindernissen ausweichen können und mit dem sie ihre Insektennahrung im Fluge finden. Sie sind leider selten geworden, aber für aufmerksame Beobachter fliegen sie jetzt nach dem Winterschlaf wieder. AMPHIBIEN UND REPTILIEN Es handelt sich um wechselwarme Wirbeltiere. Am Rickenbach beobachtet habe ich die Erdkröte, verschiedene braune und grüne Froscharten, den Laubfrosch, verschiedene Eidechsenarten, die Blindschleiche, Ringelnatter und die Schlingnatter. Kreuzottern hat es vor 60 Jahren noch am Rutzenberg gegeben. WASSERGÜTE UND FISCHE Über die Wassergüte im Rickenbach kann Erfreuliches berichtet werden. Die Vorarlberger Umweltschutzanstalt hat am 2. 3. 1989 bei der alten Bildsteiner Brücke, Wasserproben entnommen und biologisch und chemisch untersucht. Aus dem Befund geht hervor, daß eine Vielfalt von Gewässerorganismen vorhanden ist. Es handelt sich durchwegs um Kleinlebewesen. Der Bachflohkrebs tritt massenhaft auf. Die große Gruppe der Köcherfliegen ist mit Larven verschiedener Art vertreten. Eintagsfliegen und Steinfliegenlarven, darunter zwei ausgesprochene Reinwasserformen, sind reichlich vorhanden. Dazu kommen noch verschiedene Zuckmücken und Kriebelmücken und vereinzelt auftretende Egelarten. Die chemische Wasseranalyse zeigt eine ausgezeichnete Sauerstoffversorgung des Wassers und nur eine geringe Nährstoffbelastung durch Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Daraus resultiert eine Einstufung des Rickenbaches in die Güteklasse I bis II. Es handelt sich somit um ein gering bis mäßig belastetes Fließgewässer. Die Kleinlebewesen bilden in ihrer Gesamtheit eine sehr gute Nahrungsgrundlage für Fische. In den Gumpen im Tobel leben gesunde Bachforellen, die sich natürlich vermehren. Das Fischwasser ist verpachtet. 14 SCHNECKEN Sie gehören zu den wirbellosen Weichtieren. Im Tobel und auf den Dämmen des Unterlaufes kommen viele nackte und behauste Arten in unterschiedlichen Größen vor. Sie haben sicher auch ihre Bedeutung im Naturhaushalt und in der Nahrungskette. Ihre Bestimmung muß ich den Fachleuten überlassen. Wer einen Garten hat, kennt die Nacktschnecken genau. Feinschmecker halten es lieber mit den Weinbergschnecken. INSEKTEN Das vieltausendfältige Heer der Eintagsfliegen, Libellen, Uferfliegen, Schaben, Schrecken, Grillen, Läuse, Wanzen, Zikaden, Blattläuse, Schildläuse, Schlammfliegen, Käfer, Hartflügler, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Schnabelfliegen und Zweiflügler ist nur für Fachleute voll überschaubar. Der Laie kennt in jeder Gruppe mehr oder weniger Arten. Landläufig werden die Insekten, ohne Rücksicht auf ihren Stellenwert in der großen Lebensgemeinschaft, als Schädlinge und in seltenen Fällen sogar als Nützlinge eingestuft. Näher eingehen möchte ich nur auf die wichtigsten Forstschädlinge. Sie kommen überall als sogenannter «Eiserner Bestand» vor und richten dabei keine größeren Schäden an. Zu schweren Schäden kommt es erst bei Massenvermehrungen. Dafür müssen aber gewisse Voraussetzungen Vorhandensein, wie z. B. großflächige Monokulturen oder größere Mengen geschädigtes oder geschwächtes Holz, wie z. B. nach großen Wind würfen, Schneebrüchen, oder durch das Waldsterben. Die Schädlinge sind fast durchwegs auf gewisse Holzarten spezialisiert. In einem gesunden Mischwald ist daher die Käfergefahr am geringsten. Blatt- und Nadelfraß, der sich bei Massenvermehrungen bis zum Kahlfraß großer Waldgebiete entwickeln kann, erfolgt hauptsächlich durch die Raupen der verschiedenen Nachtfalter, wie Schwärmer, Spinner, Spanner, Zünsler, Wickler und Motten. Es ist eine faszinierende, vielgestaltige und bunte Gesellschaft. Dabei sind viele Falter und Raupen zum Teil so gut an die Umwelt angepaßt, daß sie nur schwer zu finden sind. Die Nützlinge, vorwiegend Blattwespen und Schlupfwespen, legen ihre Eier in die Raupen der Schädlinge. Ihre Larven fressen die Wirtstiere auf und wirken dadurch als Regulator. Nach Massenvermehrungen der Schädlinge kommt es auch zu Massenvermehrungen der Nützlinge, die im Zusammenwirken mit Krankheiten die großen Populationen zum Zusammenbruch führen. Zu den größeren Schädlingen gehören die Bockkäfer, bis zu 5 cm Größe, die durch ihre übergroßen, zurückgebogenen Fühler auffallen und die etwas kleineren Rüsselkäfer, bis zu 2 cm Größe, die eine typische rüsselartige Kopfform haben. Bockkäfer sind Holzschädlinge am lebenden oder eingebauten Holz und leben auch zum Teil auf 15 faulem Holz. Ihre Larven fressen auffällige Bohrgänge, die beim Aufsägen oder Spalten des Holzes sichtbar werden. Rüsselkäfer sind im allgemeinen Rindenbrüter, die als Larven zwischen Rinde und Splint fressen und artspezifische Fraßbilder hinterlassen. Sichtbar sind bei beiden Arten meist nur die Ausflugslöcher der Käfer und fallweise das Bohrmehl auf der Rinde. Zu den Winzlingen zählen die Borkenkäfer, Bastkäfer und Splintkäfer. Sie sind nur wenige Millimeter groß. Ihre Larven leben zwischen Rinde und Holz. Die Käfer fressen Gänge aus und legen ihre Eier links und rechts ab. Die Larven fressen dann etwa im rechten Winkel weiter. Sie leben überwiegend auf geschädigtem Nadelholz und Laubholz und haben ihre charakteristischen Fraßbilder, wie z. B. der Waldgärtner auf der Kiefer, der Buchdrucker auf der Fichte, der Kupferstecher in der dünnen Rinde der Fichtenäste. Auffallend ist das Fraßbild des krummzähnigen Tannenborkenkäfers, der einen doppelten, nahe beieinander liegenden Längsgang ausfrißt. Die Borkenkäfer schwärmen je nach Witterung schon im März-April und bringen ebenfalls je nach Witterung zwei bis vier Generationen in einem Sommer hervor. Zur Bekämpfung muß das Holz rechtzeitig entrindet und die Rinde verbrannt werden. Teilweise wird heute das in Rinde liegende Holz mit Gift besprüht. Dabei werden die ausfliegenden Käfer vergiftet. Wenn das Holz in Rinde länger im Wald bleibt, kommt es zum Befall durch Holzbrüter. Der bekannteste ist der Nadelnutzholzbohrer. Sein Fraßgang führt senkrecht ins Holz. Die seitlichen Gänge sind sehr kurz und sind durch Pilze schwarz gefärbt. Auffällig, aber nur gering schädlich, sind die verschiedenen Gallen, die durch Gallenlenläuse an Fichtenästen und auf Ulmenblättern oder durch Gallwespen z.B. auf Rosen und Eichenblättern, oder durch die Buchengallmücke auf Buchenblättern entstehen. Als größten mitteleuropäischen Käfer (kein Forstschädling) möchte ich noch den Hirschkäfer erwähnen. Die Larve lebt im Moderholz der Eiche. Der Käfer schlüpft erst im sechsten Jahr aus. Er ist schon sehr selten. Den letzten habe ich am Rickenbach vor ca. 20 Jahren gesehen. Die Einordnung der Falter und Raupen, der Käfer und Larven, der Schadbilder und Fraßbilder, der Lebensansprüche und Lebensgewohnheiten erfordert ein umfangreiches Fachwissen. KLEINLEBEWESEN Die unübersehbare Zahl der Bodenlebewesen ist erst in Ansätzen bekannt. Über ihr Zusammenwirken besteht nur ein grobes Bild. Um sich eine Vorstellung zu machen, kann man sie in größere, kleine und kleinste Lebewesen einteilen. Zu den größeren Lebewesen, die man mit dem freien Auge erkennen kann, gehören die grabenden Wirbeltiere, wie Mäuse und Maulwurf, der Regenwurm und viele Insekten. Sie zerkleinern und vermischen die Bodenstreu. Auf einem Hektar Laubwald leben ca. 250.000 Regenwürmer. Ihr Gewicht übertrifft das Gewicht aller Säugetiere auf der Fläche um mehr als das Zehnfache. 16 Zu den Kleinlebewesen zählen kleine Würmer, Ringwürmer, kleine Insektenlarven und kleine Gliederfüßler, wie Milben und Springschwänze. Bei den Milben kennt man derzeit etwa 10.000 Arten und bei den Springschwänzen etwa 2.000 Arten. Diese Lebewesen sind zum Teil noch mit freiem Auge zu sehen. Ihr Gewicht beträgt noch einmal das lOOfache der Regenwürmer. Die Mikroweit ist nur unter dem Mikroskop zu sehen. Sie enthält sowohl pflanzliche Algen, Bakterien und Pilze als auch einzellige Urtierchen. Ihre Zahl geht in die Milliarden pro Quadratmeter Waldboden. Das ist eine kaum vorstellbare Größenordnung. Die Mikroweit scheint durch fressen und gefressen werden das Bindeglied zwischen dem toten Material und den kleinen Lebewesen zu sein. Diese unvorstellbare Masse der Kleinlebewesen ist imstande, die auf einem Hektar Laubwald jährlich anfallenden 41 Streu so gut wie restlos abzubauen und den Pflanzen wieder zugänglich zu machen. In den letzten Jahren muß man leider beobachten, daß der Abbau wegen der Schädigung des Bodenlebens nicht mehr voll funktioniert. Interessante Bakterien sind die Knöllchenbakterien. Sie sind in der Lage, den Luftstickstoff, der den Pflanzen nicht zugänglich ist, aufzunehmen und weiterzugeben. Sie leben z. B. an den Feinwurzeln der Leguminosen, wie Bohnen, Erbsen oder Wicken, und sind als kleine weiße Knöllchen zu sehen. Sie leben auch an den Wurzeln der Erle, die dadurch befähigt wird, als Pionierholzart sterile Schotterböden und Rutschflächen zu besiedeln. So hat sich der Kreislauf des Pflanzenlebens und des Tierlebens jeweils vom Großen zum Kleinen geschlossen. Aufgrund der massiven Eingriffe in die Umwelt in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist es zu gravierenden Veränderungen im Naturhaushalt gekommen. Immer mehr Arten, Pflanzen wie Tiere, sterben aus oder sind vom Aussterben bedroht, die Anzeichen einer katastrophalen Entwicklung mehren sich. Der Glaube, daß die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, wie z. B. Wald, Hochmoore oder Streuewiesen, nur untergeordnete Bedeutung haben und daß die wirtschaftliche Entwicklung und der Lebensstandard — dokumentiert z. B. durch die Überbewertung des technisch Möglichen und des Autos — unbedingt den Vorrang haben, erweist sich immer mehr als Irrglaube. Die Ursachen und Auswirkungen sind bekannt. Die Konsequenzen werden nur sehr zögernd gezogen. WETTER UND KLIMA: Vorarlberg liegt im Randbereich des ozeanischen Klimaeinflusses und hat daher hohe Jahresniederschläge. Die höchsten Werte fallen im Vorsommer, Juni, Juli. Ca.1/3des Niederschlages fällt als Schnee. Wir haben im Verhältnis zum inneralpinen Klima, kühle Sommer und milde Winter. 17 In Bildstein-Dorf, in 650 m Seehöhe, wird seit 1894 eine Niederschlagsmeßstelle betrieben. Seit 1931 wird auch der Schnee getrennt gemessen. Komischerweise wurden nie Temperaturen gemessen. Es stehen daher lange Meßreihen zur Verfügung, die in den Jahrbüchern des hydrographischen Dienstes in Österreich aufgearbeitet sind. Daraus möchte ich einige Zahlenreihen anführen. Gesamtniederschlag, Regen und Schnee: Monatsmittel Jahresmittel Zeitraum zwischen zwischen 86 mm, I 240 mm, VI 1931—1960 104 mm, I 220 mm, VII 1901—1980 90 mm, 1 +III 213 mm, VII Extreme Tagesniederschläge: 1971-1980 93 mm 1961—1970 106 mm 1931-1960 122 mm 1901-1980 200 mm Ein-Tagesmaximum Zwei-Tagesmaximum Drei-Tagesmaximum Vier-Tagesmaximum Zehn-Tagesmaximum 93 mm 115 mm 144 mm 178 mm 227 mm 1971—1980 1314 mm, 1972 1946 mm, 1974 —.— —.— Im Jahre 1957 lief zwischen Kennelbach und Schwarzach innerhalb von 5 Wochen zweimal ein Schadenshochwasser ab. In Bildstein wurden dabei folgende Niederschlagswerte gemessen: 10. 7. 1957 106 mm 11.7.1957 51mm 157 mm 18. 8. 1957 18 mm 19. 8. 1957 67 mm 85 mm Das 2. Hochwasser hat mit nur ca. dem halben Niederschlag die gleichen Schäden angerichtet wie das 1. Hochwasser. Das ist auf den ersten Blick unverständlich. Aber durch die Erosion des 1. Hochwassers ist es im Tobel zu zahlreichen Gschliefen und damit zum Abrutschen von Holz gekommen. Es lag daher viel loses Gestein, Sand und Dreck im Gerinne, das leicht aktiviert werden konnte. Niederschlag als Schnee: Schneefalle Zeitraum zwischen 1971-1980 22. 9. 1979 29. 4. 1980 Summe der Neuschneehöhen 57 cm, 1971/72 384 cm, 1977/78 Schneedecke zwischen 28. 12. 1977 30. 3. 1978 Gesamtschneehöhe gesetzt 13 cm, 22.11.71 102 cm, 27. 2.73 Mittlerer Jahresdurch schnitt 1640 mm 1557 mm 1585 mm Neuschneetage 14, 1971/72 57, 1977/78 Größter Neuschneezuwachs 8 cm, 21.11.71 50 cm, 11.12.76 7.6.1971 10. 6. 1965 29.5.1940 14.6.1910 7. 6. 1971 6. 6. und 7. 6. 1971 5.6. und 6. 6. und 7.6. 1971 um den 22. 8. 1975 um den 19. 7. 1976 Zeitraum 1971-1980 Starkniederschlagsmengen 1971—1980: Auch bei den Neuschneehöhen werden sich über längere Zeiträume die Mittelwerte angleichen, wie beim Gesamtniederschlag. Temperaturen: In Bildstein wurden keine Temperaturen gemessen. Die nächste annähernd vergleichbare Station ist in Ebnit, in 1100 m Seehöhe. Das paßt in etwa für das Einzugsgebiet in Oberbildstein. Zeitraum 1971-1980 Tagesmittel min. max. -15,6°, 5. 3. +24,0°, 17. 9. 14. 6. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 16. 7. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 14. 6. 1971 1975 1980 1956 1935 1956 1973 Monatsmittel min. max. - 3,0°, I 1979 + 16,3°, VIII 1973 - 1,9°, + 14,9°, - 1,4°, + 13,9°, I VII I VII, VIII Jahresmittel 6,7° Die Tages werte, Monats werte und Jahres werte differieren stark, aber die langjährigen mittleren Jahresdurchschnitte, z. B. von 1931—1960 und 1901—1980, nur um 2,8 cm. Von den extremen Tagesniederschlägen hat lediglich der vom Jahre 1910 ein Hochwasser ausgelöst. Damals waren ganz Vorarlberg, Graubünden, St. Gallen und weite Teile des Allgäus betroffen. Ursache war eine späte Schneeschmelze im Gebirge und eine Regenperiode von 3 Tagen, mit dem Exzeß vom 14. 6. 1910. Für die Auslösung einer Katastrophe müssen daher meist mehrere negative Faktoren zusammentreffen. Eine große Rolle spielen dabei die Wasseraufnahmefähigkeit oder Wassersättigung des Bodens, das Bewaldungsprozent, die Regenintensität, z. B. Starkregen über Stunden oder Landregen über Tage, die Überlagerung der Schneeschmelze durch Regenfälle, Regen bei gefrorenem Boden, geologische Gegebenheiten, die Gefällsverhältnisse u.a. 18 1931-1960 1901-1980 6,5° 6,3° 19 Ich möchte noch einige Beobachtungen anfügen, die das örtliche Kleinklima betreffen. Bekanntlich gibt es Unterschiede zwischen 1 Grad und 3 Grad, zwischen Freilandklima und Waldinnenklima. Im Wald ist es im Sommer kühler und im Winter wärmer. Die im Tobel abfließende kältere Luft verstärkt diesen Effekt. Im Sommer spürt man die angenehme Kühle deutlich. Im Winter erlebt man alle paar Jahre die Wirkungen dieser Überlagerungen. Im Gegensatz zu den umliegenden Wäldern kommt es im Tobel, z. B. bei gefrorenem Holz und Regen oder bei abnehmender Temperatur und Übergang von Regen in Schnee, immer wieder zu Eisanhang, der zu Wipfelbrüchen und zur Entwurzelung von Bäumen und ganzen Baumgruppen führt. So gesehen z.B. im Winter 1985/86 und 1988/89. Nach klaren Nächten kann man öfters örtliche Reifbildung, etwa zwischen Spettenlehergasse und Schlatt beobachten. Vor den Überbauungen im Kessel und im Bahnhof-Postbereich konnte man vom Rutzenberg aus die Grenze dieser Reifbildung gut als unregelmäßigen Halbkreis am Schwemmkegel des Rickenbaches, vom Brühl über die Bahnlinie bis zur Schwarzach beobachten. Diese Erscheinung beruht auf der Überlagerung der Abstrahlung durch ruhig abfließende Kaltluft aus dem Tobel, die gemeinsam zum Strahlungsfrost führen. An der Ach hat die aus dem großen Einzugsgebiet turbulent abfließende Kaltluft, bis zu einer Grenztemperatur genau den gegenteiligen Effekt. HOCHWASSEREREIGNISSE Aufgrund der geologischen Verhältnisse war der Rickenbach in der Siedlungsgeschichte immer ein gefährlicher Wildbach. Die Siedlungsdichte im Gefahrdungsbereich wird aus der Tatsache verständlich, daß Wasser für verschiedene Zwecke bis in die neuere Zeit, neben Holz, die einzige Energiequelle war. Schwere Hochwässer sind aus den folgenden Jahren überliefert: 1674 (zweimal), 1701, 1702, 1752, 1780, 1901, 1910, 1913, 1924, 1934, und 1957 (zweimal). Das folgenschwerste Hochwasser war 1702. Ein Felssturz hatte den Bach im Tobel aufgestaut, der dann mit verheerender Wucht durchgebrochen ist. Die meisten Ausbrüche erfolgten bei der Bildsteiner Brücke, dann bei der heutigen Landesstraßenbrücke, bei der Einmündung in die Minderach und im Ried. Immer wieder ist die Rede von weggerissenen, beschädigten und eingemurten Häusern und Ställen, von zerstörten Straßen und Brücken, von übermurten und verschlammten Feldern im Siedlungsbereich und auf den Feldern im Kessel, Brühl und im Ried, bis ins Birka. Schuldirektor Siegfried Heim hat in der Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach 1986» und in «Heimat Wolfurt — Heft 2» über die Hochwässer, die Steinbrüche, die alten Mühlen, die Gunz-Mühle, die Zuppinger-Mühle, die Firma Doppelmayr und viele andere Rickenbacher Angelegenheiten anschaulich berichtet. Das Büchlein kann allen Interessierten sehr empfohlen werden. 20 VERBAUUNGEN AM RICKENBACH Im Laufe der Jahrhunderte haben die Anrainer sicher nicht nur Hochwasserschäden aufgeräumt, sondern auch immer wieder örtliche Wuhrungen durchgeführt, um ihre Häuser und Gründe zu schützen. Die erste größere koordinierte Verbauung ist aus dem Jahre 1850 bekannt. Damals wurde der Rickenbach-Unterlauf begradigt und hat etwa die heutige Linienführung erhalten. Nach dem Hochwasser 1910 wurde 1911 und 1912 das Projekt der SchwarzachRickenbach-Regulierung genehmigt und für die Aufbringung des Interessentenbeitrages eine Wassergenossenschaft gegründet. An der Schwarzach kam das Projekt zur Ausführung. Die Verbauung des Rickenbaches wurde wegen des Ausbruches des Ersten Weltkrieges und später wegen Geldmangel zurückgestellt. 1925 verfaßte die Rheinbauleitung in Bregenz ein neues Projekt, das 1927 genehmigt wurde. Die Realisierung scheiterte wieder an der Aufbringung des Geldes. Nach dem Hochwasser vom 15. und 16. 7. 1934 konnte schon im Spätherbst 1934 ein weiteres Projekt vorgelegt und genehmigt werden. Die Arbeiten wurden durch die Wasserbauverwaltung noch im Spätherbst aufgenommen und 1936 fertiggestellt. Es ist die heute noch intakte Verbauung zwischen der Bildsteiner Brücke und der Einmündung in die Schwarzach. Diese Verbauung ist vor allem im Siedlungsbereich hart ausgefallen. Wenn man aber den Häuseraltbestand berücksichtigt, gab es schon damals für die Wasserbauer keine Alternative. Im Tätigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden zwischen Doppelmayr und der Gunz-Mühle von 1850 bis heute nur örtliche Maßnahmen durch die Anrainer gesetzt. Bei den Hochwässern vom 11. 7.1957 und 19. 8.1957 wurde die Unterlaufregulierung jeweils weitgehend aufgeschottert, die Bildsteiner Brücke kurzfristig, die Landesstraßenbrücke über Stunden verklaust und der Verkehr unterbrochen. 20 ha Wiesen und Äcker waren zum Teil vermurt, zum Teil verschlammt und zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Feuerwehr und Bundesheer wurden eingesetzt. Im Kühlhaus Alge waren mehrere 1001 Lebensmittel gefährdet. 195 8 hat die Wildbach- und Lawinenverbauung das Verbauungsprojekt zur Überprüfung und Genehmigung vorgelegt. Das Gesamterfordernis betrug S 1,950.000,—. Davon bezahlte der Bund 55 %, das Land Vorarlberg 20 %, die Landesstraßenverwaltung 10 %, die Gemeinde Wolfurt 15 %. In den Jahren 1958 bis 1960 wurden zwischen der Gunz-Mühle und dem Fußweg Erscheinungskapelle-Dellen acht gemauerte Geschiebestausperren, ein Leitwerk in Drahtschotterbauweise, vier gemauerte Leitwerke und zwei Leitwerke in Trockenmauerung erstellt. Für die Sperren 1 bis 3 und alle Leitwerke konnte der nach dem Ersten Weltkrieg erbaute und beim Hochwasser 1957 teilweise zerstörte Schlittweg am rechten Ufer, zwischen hm 15,20 und hm 19,30 wieder hergestellt werden. Die Sperrenhöhe war in diesem Bereich durch die Druckrohrleitung zur Mühle Gunz vorgegeben. Alle Materialtransporte erfolgten mit Pferd und Zweiräderkarren bachaufwärts. Die Erschließung der Sperre 4 in hm 21,33 erfolgte mit einer Seilbahn von der 21 6. Station an der Bildsteinerstraße aus. Zur Sperre 5 in hm 22,80 wurde ein Schlittweg ab der 6. Station erstellt und das Baumaterial mit Pferd und Schlitten bergab transportiert. Die Sperre 6, in hm 25,71, wurde unterhalb der Häuser von Staudach, von der Straße Mäschen-Staudach aus, mit einer Seilbahn erschlossen. Für die Sperre 7 in hm 27,60 wurde der alte Weg Staudach-Dellen auf 120 m LKW-befahrbar gemacht und eine Seilbahn gebaut. Zur Sperre 8 in hm 34,09 konnte der Fußweg Kirche, Erscheinungskapelle, Dellen auf 530 m Unimog-befahrbar gemacht werden. Die große Felsplatte im Tobel wurde mit einer Seilbahn überbrückt. Zur Betreuung der Arbeiterpartien mußten Küche und Unterkunftsbaracken viermal umgestellt werden. Es war in Summe eine komplizierte Baustellenerschließung und Baustelleneinrichtung, die durch die Unzugänglichkeit des Tobeis erzwungen wurde. Jeder Wildbach hat sein eigenes Gesicht, das in Jahrtausenden aus den Vorgaben der Natur entstanden ist. Die Verbauungsmöglichkeiten müssen den örtlichen Gegebenheiten angepaßt werden. In einem engen, zum Teil felsigen Tobel ohne größere natürliche Stauräume sind diese Möglichkeiten sehr beschränkt. Es ging darum, weggerissene Ufer durch Leitwerke gegen weitere Erosion zu sichern und an günstigen Stellen durch Sperrenbauten künstliche Stauräume zu schaffen. Die Sperren stehen durchwegs linksufrig und in der Sohle im Fels. Sie sind zum Teil schon verlandet, aber auf den flachen Verlandungsräumen wird weiterhin Grobgeschiebe aussortiert und zurückgehalten und durch den Wasserabfall an den Sperren Energie vernichtet. Durch diese Wildbachverbauungen wird der Geschiebetrieb reduziert und damit die Anzahl der Schadensereignisse vermindert. Im Katastrophenfall muß aber weiterhin zumindest mit Überflutungen gerechnet werden. FORSTLICHE NUTZUNG IM TOBEL Blockholz konnte durch Jahrhunderte, bis zur Erfindung des händisch betriebenen Wellenbockes, nur auf den wenigen Parzellen genutzt werden, die für Schlitten oder Pferde zugänglich waren. Aus dem Tobel konnten nur Brennholz und Buschein geholt werden und das auch nur dort, wo die Anlage von Fußwegen möglich war. Es wurden die schönsten Buchen und Tannen auf 2 m-Spälten aufgearbeitet und «am Buckel» heraufgetragen. Über lange Zeiträume wurde Tannenholz auch zu Rebstecken aufgespalten. Damit konnte der Bedarf in den eigenen Weingärten gedeckt werden. Es wurden aber auch größere Mengen vor allem in die Schweiz verkauft. Der Frächter Eugen Gunz hat als Bub mit seinem Vater und seinen Brüdern noch bis zum Zweiten Weltkrieg Rebstecken aus dem Tobel nach Staudach getragen. Den letzten Holzträger habe ich noch 1946, nach meiner Heimkehr aus der Gefangenschaft, kennengelernt. Es war ein Südtiroler, der auf dem Fußweg Ankenreute-Mäschen gegen Tabak und Schnapswährung Buchenspälten auf Klimmer's Bühel getragen hat. Flösserei war wegen der Enge des Tobeis, wegen der zu geringen Wassermenge und wegen der Grobsteinigkeit der Flachstrecken praktisch nicht möglich. In der GunzChronik sind zwei Versuche vor der Jahrhundertwende beschrieben. Einmal wurden 22 in zwei bis drei Tagen etwa 50 Block geflößt und geliefert und beim Bierkeller ausgezogen. Einige Jahre später wurden nocheinmal bei einem mittleren Hochwasser etwa 5 bis 6 m Brennholz herausgeflößt und an der gleichen Stelle ausgezogen. Die Triftstrecke dürfte dabei aber nicht mehr als 400 bis 500 m betragen haben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der bereits genannte Schlittweg auf 400 m verlängert und im Winter 1924/25 größere Mengen Nutzholz und Brennholz mit Pferd und Schlitten ans Land gebracht. Seither wird auf den erschlossenen kleinen Flächen Plenterwaldwirtschaft betrieben. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nocheinmal ca. 60 bis 70 Block mühsam über 100 bis 150 m durch den Bach bis zum Schlittweg geliefert und dann im Winter abgeführt. Mit dem Aufkommen der Seilwinden wurde die Holzbringung bergauf aktiviert. Aber es sind auch heute noch größere Waldgebiete nicht erreichbar. Nach wie vor dominiert die Einzelstammnutzung. Am ganzen Bidsteiner Berg wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Birken gestümmelt und Besenreis gewonnen. Birkenbesen brachten als Winterarbeit einen bescheidenen Zusatzverdienst. Heute findet man die typischen Besenbirken nur noch selten. LANDWIRTSCHAFTLICHE NUTZUNG IM EINZUGSGEBIET Die flacheren Hänge und Rücken wurden seit der Rodung landwirtschaftlich genutzt. Es gibt praktisch nur Grünland mit Viehzucht und auf kleinen Flächen StreuObstbau. Die Nutzung des Adlerfarns in den Viehweiden als Streue ist stark zurückgegangen. Die Vollerwerbsbauern werden — wie überall — immer weniger. Die Nebenerwerbsbauern müssen vom Berg zur Arbeit auspendeln. In Summe ist das eine Entwicklung, die den Wald begünstigt, da die extensiv genutzten Viehweiden und die steileren, nicht mit Maschinen befahrbaren Bühel aufgeforstet werden oder von selbst zuwachsen. Die landwirtschaftlich genutzten Gründe am Schwemmkegel wurden zu einem guten Teil überbaut (Engerrütte, Brühl, Kessel, Bahnhof, Post). Die 50 ha große Grünfläche zwischen Bahnhof, Rickenbach und Schwarzach ist als Industriezone ausgewiesen und damit für Beton und Asphalt reserviert. Die verbliebenen Mähwiesen, Roßheuwiesen und Streuewiesen werden heute überdüngt (Klärschlamm-Orgien) und mit bis zu fünf Heuschnitten auch übernutzt. Von der früheren Blumenvielfalt sind fast nur noch Löwenzahn und Hahnenfuß übriggeblieben. STEINBRÜCHE IM TOBEL In den Vermögenssteuerbüchern der Gemeinde ist schon 1785 ein Steinmetz ausgewiesen. 1785 und 1797 ist u. a. ein Steinbruch in Rickenbach erwähnt. Abgebaut wurden in den zahlreichen Steinbrüchen in Schwarzach, Wolfurt und Bildstein stark gebankte Sandsteine der sogenannten Bausteinzone, die zu Stiegenstufen, Fenster23 stürzen, Grabsockeln, Schleifsteinen, Wetzsteinen, Backöfen, Pflastersteinen und Bausteinen etc. verarbeitet wurden. Das auffälligste Bauwerk aus diesen Steinen ist die Schwarzacher Kirche. Die Steine sind am Kopf wetterfest, verwittern aber in der Schichtfuge sehr schnell. Sie müssen daher in Mauern fachgerecht eingebaut werden. Im Rickenbach gab es noch im 19. Jhdt. rechtsufrig den Steinbruch an «Bohle'sBühel». Er ist heute eingewachsen und nicht mehr erkennbar. Etwa 80 m hinter der Gunz-Mühle ist rechtsufrig ein weiterer Steinbruch noch gut sichtbar. Linksufrig war der große Bächlinger Steinbruch. 40 m dahinter liegt die auffallende Kaverne, die zuerst als Steinbruch und dann 1874 bis 1890 als Bierkeller für die Adlerbrauerei genutzt wurde. Laut Gunz-Chronik wurden bis 1880 tausende zweispännige Fuhren Steine in die Schwarzacher Wetzsteinschleifen geliefert. Am 17.3.1935 ist der letzte Wolfurter Steinmetz, Josef Rünzler, gestorben. Sein Lehrbub, Anton Repolusk, baute im Sommer 1935 in Spetenlehen noch Steine für die Fa. Vetter in Dornbirn und für den Neubau des Backofens im Konsum Rickenbach ab. Dann hat der Beton endgültig seinen Siegeszug angetreten. WASSERKRAFTNUTZUNG AUS DEM TOBEL Die Wasserkraft wurde durch Jahrhunderte genutzt. Die Mühlen sind sicher so alt wie das Wasserrad. Am Rickenbach ist eine Mühle 1536, 1571, 1680, 1795 und 1797 erwähnt. 1680 und 1797 ist auch von einer Säge und 1795 von einem Lohrstampf die Rede. Er stand zwischen Doppelmayr und Gunz-Mühle. Der Standort der alten Hunds-Mühle war das heutige alte Doppelmayr-Haus. Zwischen Baumgarten und Grub stand früher die Baumgartner Mühle. Wegen der geringen Wasserführung im Oberlauf hatte sie einen Weiher, der das Wasser über Nacht aufstaute. Diese Mühle wurde zwischen 1870 und 1875 aufgelassen. Der Weiher ist im Gelände noch erkennbar. Unter Hinweis auf die Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach» möchte ich mich nur auf die Nutzung der Wasserkraft durch die Gunz-Mühle und die Firma Doppelmayr beschränken. Die Mühle wurde 1852 vom Mechaniker Josef Anton Dür im Bächlinger Steinbruch gebaut und 1853 von seinem Schwiegersohn Josef Gunz von Staudach übernommen. Zuerst wurde das Wasser knapp hinter der Mühle mit einem Holzwuhr gefaßt. Dieses Wuhr wurde beim Hochwasser 1957 weggerissen und hat wesentlich zur ersten Verklausung der Landesstraßenbrücke beigetragen. Einige Jahre nach der ersten Wasserfassung wurde der heute noch sichtbare Weiher linksufrig bei hm 17,50 gebaut und das Wasser etwa 50 m weiter oben eingeleitet. Die Zuleitung zur Mühle erfolgte über 220 m mit Holzkähnern. Der Weiher war notwendig geworden, um die unregelmäßige Wasserführung aus der Baumgartner Mühle auszugleichen und eine Tagesreserve zu speichern. 1887 wurden Eisenrohre mit einem Durchmesser von 30 cm gekauft, die beim Bau des Arlberg-Tunnels als Wasserableitung gedient hatten. Daraus wurde 24 in mühevoller Handarbeit bis zum Weiher und von dort weiter bis zu hm 19,00 eine Druckrohrleitung errichtet. Bei einer Länge von 350 m stand nun eine Fallhöhe von 20 m zur Verfügung. Das reichte aus, um 1890 die erste Turbine einzubauen. Gleichzeitig wurde auch die Mühle aufgestockt und ein Fahrstuhl eingebaut. 1896 kam ein Dynamo dazu, der das erste elektrische Licht lieferte. 1923 hatte die alte Turbine ausgedient und wurde ersetzt. 1931 wurde die Druckrohrleitung bis hm 22,80 verlängert. Bei 730 m Länge kann nun eine Fallhöhe von 60 m abgearbeitet werden. Beim Hochwasser 1957 wurde die Rohrleitung an mehreren Stellen zerstört und in der Folge wieder instandgesetzt. Die Wasserfassung erfolgt seither bei der Wildbachsperre Nr. 5. Die Turbine wurde inzwischen zweimal überholt und betreibt heute das Kleinkraftwerk des Elmar Gunz. Nach dem Brand 1976 wurde die Mühle nicht mehr aufgebaut und der Betrieb zur Gänze nach Bludenz verlagert. 1848 bauten die Brüder Dür die alte Hundsmühle zu einer mechanischen Schmiede um. Um ihre zwei Wasserräder und später die Turbinen zu betreiben, wurde entweder schon 1848 oder 1852 beim Bau der neuen Mühle der Weiher gebaut. Er reichte bis knapp vor die Mühle und staute auch deren Unterwasser. 1892 kaufte Konrad Doppelmayr die Dür-Schmiede. Unserer Generation war der Weiher, in dem viele Rickenbacher schwimmen lernten, als Doppelmayr's Weiher bekannt. Im Winter wurden aus dem zugefrorenen Weiher mit Fuchsschwänzen Eisblöcke herausgesägt und in den Bierkeller der Adlerbrauerei hinter der Mühle transportiert (1874 bis 1890). Dann wurden die Eisblöcke in den inzwischen neu gebauten Bierkeller des Gasthauses Adler gebracht (1891 bis 1906). Später wurden die Eisblöcke in den Bierkeller nach Schwarzach und ins Schloßbräu nach Dornbirn verfrachtet. Ich kann mich noch gut an die Eisaktionen in den 30er-Jahren erinnern, die auch Zuppinger's Weiher mit eingeschlossen haben. 1913 wurde der hintere Teil des Weihers zugeschüttet und das Wohnhaus der Familie Gunz erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Weiher 1941 aufgelassen und zugeschüttet. Nach einem Grundtausch sind dort heute Gunz's Garten und die Garagen situiert. NUTZWASSER UND BRAUCHWASSER AUS DEM TOBEL Durch Jahrhunderte wurde das Nutz- und Brauchwasser weitgehend aus dem Bach ausgeleitet. Später hat die Rickenbacher Brunnengenossenschaft die Quelle in Bächlingen gefaßt und drei Laufbrunnen, bei der Bildsteiner Brücke (existiert heute noch) beim Gasthaus Kreuz und beim Haus Dornbirnerstraße 3 (dieser wurde bis Ende der 50er-Jahre benutzt) betrieben. 1911 wurde im Rickenbach die linksufrige Quelle bei hm 18,00 hinter dem alten Weiher gefaßt, ausgeleitet und mit der Bächlinger Leitung vereinigt. Jetzt war soviel Druck vorhanden, daß das Wasser in die Häuser eingeleitet werden konnte. 1953 wurde das Netz von der Gemeinde übernommen. 25 Das Gasthaus Mohren, heute Adeg-Bohle, hat das Brauchwasser zum Schnapsbrennen, Werkzeug waschen, Putzen usw. von altersher aus dem Rickenbach bezogen. Die Wasserfassung bei der Gunz-Mühle wurde beim Hochwasser 1957 zerstört und nicht mehr instandgesetzt. Für die Bierbrauerei im Adler (1874 bis 1906) wurde wahrscheinlich schon um 1874 eine Wasserleitung aus dem Tobel gebaut. Sie wurde beim Hochwasser 1957 ebenfalls teilweise weggerissen und durch den Adlerwirt Anton Geiger wieder hergerichtet. An den Laufbrunnen und Pumpbrunnen haben wir als Buben noch unseren Durst gelöscht. Sie sind heute fast überall verschwunden. Der moderne Mensch konnte lebendiges Wasser nicht sehen, das nutzlos in die Tröge plätscherte. WEINBAU AM SÜDHANG DES RICKENBACHES Der Weinbau spielte in Wolfurt durch Jahrhunderte eine große Rolle. Im 19. Jhdt. ging er zugunsten der Viehwirtschaft und des Obstbaues immer mehr zurück. Am Rutzenberg wurden die letzten Weingärten um 1880 aufgelassen. Einerseits hat die Reblaus um diese Zeit die Reben vernichtet, andererseits kam mit der Fertigstellung des Arlberg-Tunnels 1884 billiger Wein aus Südtirol. Mein Vater hat am Rutzenberg als junger Bursch um 1900 die Trockenmauern der Weinbergterrassen abgetragen und einen Teil des Weinberges aufgeforstet. Im heutigen Wald steht eine jahrhundertealte Trockenmauer, die zum Teil noch gut erhalten ist. Am Bühel sind die Übersteilungen der Weinbergterrassen heute noch gut zu sehen. Die damals gepflanzten Obstbäume gehen, genau wie der Wald, nacheinander am Sauren Regen durch Absterben der Wurzeln zugrunde. KIESABBAU IM TOBEL In der Molassezone sind keine brauchbaren Kies- oder Sandvorkommen vorhanden. Lediglich aus den Moränen im landwirtschaftlich genutzten Gebiet dürfte fallweise Kies oder Sand abgebaut worden sein. Die Parzellenbezeichnung Grub ist ein Hinweis auf einen derartigen Abbau. ZUM SCHLUSS EINIGE PERSÖNLICHE GEDANKEN UND ERINNERUNGEN Unter der engeren Heimat verstehe ich die kleine, überschaubare Welt, in die man hineingeboren wird, in der man seine Kindheit und Jugend erlebt, oder in der man als Erwachsener lebt und arbeitet. Ein Leben reicht bei weitem nicht aus, die unwahrscheinliche Vielfalt dieser kleinen Welt bis in alle Details zu erfahren und zu erforschen. Eine gute Kenntnis dieser überschaubaren Welt trägt aber sicher dazu bei, viele Erscheinungen der größeren Welt besser zu erkennen und zu verstehen. 26 Meine engere Heimat lag und liegt zwischen dem Bildsteiner Berg und dem Ried. Hier war und bin ich seit über 6 Jahrzehnten zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter unterwegs. Hier habe ich zahllose schöne und interessante Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Den ersten Naturkundeunterricht bekam ich bei meinem Vater Johann Georg Fischer. Er war in der kleinen Bauernschaft, im Ried und im Holz immer ein aufmerksamer und kritischer Beobachter, der viele Zusammenhänge im Naturgeschehen gekannt und weitergegeben hat. Manches verdanke ich auch meinem Großvater Ferdinand Gasser, Brunnenmacher und Bauer im Maschen. Auch er war mit der Natur vertraut und ein erfahrener Wassermann. Er hat Tüchel für Wasserleitungen und Brunnensäulen für Pumpbrunnen gebohrt. Dabei hat schon das Aussuchen der geeigneten Stangen viel Erfahrung mit Holz gefordert. Die Ventile für die Pumpbrunnen hat er aus Leder angefertigt. Als Bub habe ich oft beim Bohren geholfen und durfte beim Zurückziehen des Bohrers prüfen, ob das Mark des Stangenholzes noch mitten im Bohrkern lag. Wenn das Mark auswanderte, mußte mit Gefühl und Erfahrung der Hebel am langen Bohrer verstellt werden, bis die Richtung wieder stimmte. Für eine Rolle Kautabak oder ein Viertele hat er gerne mit der Wünschelrute Wasser geschmeckt. Aber nach Wasser gegraben hat er nur dort, wo er Hinweise in der Natur gefunden hat. Als Völksschüler haben wir dann im Rudel, zwei sind im Krieg geblieben, einer ist schon vor etlichen Jahren gestorben, Wald und Flur durchstreift, Wild angeschlichen, im Rickenbach von Hand Forellen gefischt, im Eulentobelgraben Krebse und im Flotzbach Miesmuscheln gesucht, in den Riedgräben Grobben und Elritzen gefangen, in den Lehmlöchern das vielfältige Pflanzen- und Tierleben beobachtet, abends dem Froschkonzert zugehört, und die Blumen, Schmetterlinge, Heuhopper und die vielen anderen Insekten der Mähwiesen als Selbstverständlichkeit betrachtet. Leider Gottes ist von dieser Vielfalt inzwischen vieles vernichtet worden. Sie ist durch Abwasser, die Autoabgase, durch den Sauren Regen, durch Überdüngung, durch Verrohrungen und Regulierungen der Kleingewässer, durch das Zufüllen aller Krottenlöcher, durch Überbauung und Versiegelung, unwiederbringlich zugrundegegangen. In der Realschule in Dornbirn hatte ich das Glück, Naturgeschichte vom originellen Professor Dr. Bär vermittelt zu bekommen. Ein Jahr vor der Matura kam der Anschluß mit Repressionen für uns Ungläubige. Nach der vorgezogenen Matura mußte ich am 1. April 1939 zum Reichsarbeitsdienst einrücken. Nach Kriegsausbruch wurden wir zur Wehrmacht überstellt. In 7 Jahren und 19 Tagen Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst und Gefangenschaft habe ich nicht nur härteste Strapazen, Zerstörung, Angst, Tod, Hunger und Elend, sondern auch bedingungslose Kameradschaft und selbstverständliche Hilfsbereitschaft erlebt. So waren zum Beispiel die vier Mann im Sturmgeschütz auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen. Die Verpflegung wurde gemeinsam in einer Munitionskiste aufbewahrt und gemeinsam gegessen. 27 Siegfried Heim Trotz der Härte dieser Jahre ist mein Interesse für die Natur immer wach geblieben. Auf vielen Märschen und Fahrten kreuz und quer durch Europa habe ich, zwischen Caen in der Normandie und Orel südwestlich von Moskau und zwischen dem Polarkreis in Finnland und Marseille am Mittelmeer viele typische europäische Landschaften gesehen und in Erinnerung behalten. Nach meiner Verwundung bekam ich mit viel Glück einen dreimonatigen Studienurlaub und konnte in Wien das 1. Semester Forstwirtschaft inskribieren. Nach der glücklichen Heimkehr aus der Gefangenschaft habe ich im zerschossenen Wien mein Studium zwischen 1946 und 1949 unter heute kaum mehr vorstellbaren äußeren Bedingungen fortgesetzt und abgeschlossen. Die 36 Jahre meines Berufslebens verbrachte ich bei der Wildbach- und Lawinenverbauung. 17 Jahre habe ich im Bregenzerwald und Kleinen Walsertal gearbeitet. 19 Jahre war ich für ganz Vorarlberg zuständig. In diesem äußerst vielseitigen Beruf wird man nicht überheblich, steht man doch dauernd im ungleichen Kampf gegen die Naturgewalten. Das erfordert viel Verständnis für die Abläufe der Natur. Man muß mit Wasser, Rutschungen, Felsstürzen und Muren, mit Schnee und Lawinen, mit der forstlichen Problematik, vor allem im Schutzwald und an der Waldgrenze, aber auch mit den technischen Möglichkeiten in den hochgelegenen, schwer zugänglichen Wildbacheinzugsgebieten und Lawinenabbruchgebieten vertraut sein. Dabei konnte ich laufend neue Erfahrungen sammeln und auch vieles umsetzen. Der Wildbachverbauung wird heute vielfach der Vorwurf der Verbetoniererei gemacht. Dabei wird aber meist gerne übersehen, daß das österreichische forsttechnische System für Wildbach- und Lawinenverbauung seit 1884, also seit über 100 Jahren neben den technischen Verbauungen auch die schwierige und langwierige forstliche Arbeit auf der Fläche der Einzugsgebiete betreibt. Der praktische Umweltschutz datiert daher nicht, wie heute vielfach der Anschein erweckt wird, von gestern, sondern hat eine lange Tradition. So wurden z. B. allein seit den Lawinenkatastrophen 1951 und 1954, zwischen 1955 und 1988 rund 4,400.000 Forstpflanzen versetzt, das sind ca. 130.000 Pflanzen im Jahresdurchschnitt. Derzeit werden 770 ha Aufforstungen, fast zur Gänze auf Extremstandorten, durch die Wildbach- und Lawinenverbauung betreut. Mit diesem Wissen können vielleicht auch gewisse hochgespielte Tänneleaktionen und Umweltaktivitäten, die als solche sicher zu begrüßen sind, sachlich und maßstäblich in ein größeres Umfeld eingeordnet werden. Praktische Forstwirtschaft wird nicht erst seit zwei Jahren betrieben. WOLFURTER GESCHLECHTER Der erste Wolfurter Häuserbeschrieb von 1594 (aus «Holunder» 1932/30) nennt eine Reihe Familien, die später ausgestorben oder verzogen sind: Kellnhofer (6 Familien), Wirt, Schnell, Weiß, Weinzürn, Eberlin, Tobler, Wörlin, Abstaig und andere. Aber weitere zehn Geschlechtsnamen sind seit 1594 nun fast 400 Jahre lang in der Gemeinde erhalten geblieben: Böhler, Dietrich, Flatz, Höfle, Müller, Reiner, Schwärzler, Sohm, Thaler und Vonach. Übersicht über die ältesten Familiennamen in den Wolfurter Häuserlisten 1594 1760 1809 1843 1900 1950 Albinger — 2 3 3 3 4 Anwander — 3 3 1 1 Bildstein — 2 3 6 2 — Böhler 2 9 11 15 19 16 Dietrich 1 3 3 3 1 2 Dür — 6 5 9 5 — Fischer — 6 7 10 19 14 Flatz 2 4 7 4 — 2 Gasser — 1 4 3 1 4 Geiger — 7 5 7 8 7 Gmeiner — 6 17 7 20 18 Guldenschuh — 1 — 1 _ 2 Haltmayer — 10 7 6 4 1 Höfle 1 6 6 8 8 10 Kalb — 4 8 8 8 7 Klocker — 1 7 9 4 9 Köb — 1 4 g 17 24 Lenz — — 1 4 5 1 Mäsch — 2 1 4 1 1 Mohr — 1 3 2 5 7 Müller 2 5 3 4 9 7 Reiner 1 2 5 3 3 4 Rohner — 12 15 20 13 10 Rünzler — 1 1 2 2 — Schelling — 2 2 3 3 6 Scheiter — 2 5 6 13 15 Schneider — 4 7 10 3 1 Schwärzler, Schwerzler 4 14 12 22 20 18 Sohm 2 4 2 1 — 1 Stadelmann — 2 1 1 2 2 Stülz — 4 4 3 — _ 29 Thaler 2 2 3 1 3 8 Vonach 5 6 5 4 4 3 28 Der Grund, warum diese 33 Geschlechter fast unverändert bis ins 19. Jahrhundert den Großteil der Einwohner von Wolfurt ausmachten, liegt im mittelalterlichen Hofsteigischen Landsbrauch. Danach durften nur mit Sondergenehmigung des gräflichen Vogts «frembde leut» in Wolfurt aufgenommen werden. Außerdem mußte jeder für die Einheirat oder den Zuzug nach Wolfurt zwischen 10 und 60 Pfund Pfennig bezahlen, das wären heute etwa 5.000 bis 30.000 Schilling. Noch vor 100 Jahren betrug die «Einkaufstaxe», die jeder Bräutigam für eine fremde Frau erlegen mußte, 50 bis 100 Gulden (etwa 10.000 Schilling). Zugezogene Familien versuchten, für viel Geld das Wolfurter Bürgerrecht zu erwerben. Andernfalls wurden nicht selten Witwen, Waisen und Kranke einfach aus dem Dorf «abgeschoben». Trotzdem finden wir bis 1900 eine ganze Reihe neuer Familiennamen unter den Hausbesitzern: Rhomberg Hopfner 1 1 1 Albrecht 1 Huber 1 Rist 1 Ammann Roth Huster 1 1 3 Arnold Schirpf Hutter 1 1 1 Bernhard 2 Schedler Kaufmann ] 1 Bohle Scheffknecht 2 Kirchberger 1 1 Brauchle 1 Klien ] Sinz Doppelmayr 1 1 1 Kresser 1 Stenzel Drechsel 1 Verklärer Lüber 1 1 Fait 1 Wacker Malin 1 1 Fehle 1 Waldinger Matt 1 1 Feldkircher 2 Widmer Meusburger 1 2 Forster 4 Nagel 1 Winder 1 Gmeinder 1 Wohlgenannt Öhe 1 1 Göppel 1 Österle 1 Würz 4 Gunz 1 Zehrer Peter 1 2 Heim 2 Zuppinger Putzer 1 2 Hinteregger Hohl 1 Rädler 1 Am allermeisten neue Namen kamen in der Mitte unseres Jahrhunderts nach Wolfurt: Zuerst die Südtiroler: Ebnicher, Sepp, Andergassen, Kompatscher, Ladurner . . . , dann die Flüchtlinge aus dem Osten: Seichter, Sawtsenko, Kovacs . . . , dann die vielen Siedler aus dem Bregenzerwald und aus Bregenz: Albrecht, Bader, Baldauf, Bechter, Benger, Eugster, Lingenhel die Tiroler, Steirer, Kärntner: Aichholzer, Glantschnig, Hiesmayr, Kussian . . . , die Jugoslawen: Barisic, Blesic, Cubanovic, Manitasevic . . . , die Türken: Atay, Basar, Cengiz, Özdemir, Yilmaz . . . Das «Blaue Buch» von 1978 zählt in Wolfurt bereits mehr als 1100 verschiedene Familiennamen auf. Viel wichtiger als die Namen sind aber die Menschen, die diese Namen führen. Sie alle tragen ein Stück zur Fortentwicklung unserer Gemeinde bei. Aus dem Hofsteigischen Landsbrauch Die für Wolfurt gültigen Gesetze wurden 1544 aufgeschrieben und später durch neue Satzungen ergänzt. Die einundzwanzigste Satzung von 1570 verbot den Hofsteigern auf Antrag der Bregenzer Obrigkeit die gastliche Aufnahme von Fremden: «Nach dem bisher wider und über alles der oberkeit verschaffen, vil underthonen ditz gerichtz Hofstaigs, allerlay frembdes hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und dergleichen unnütz gesind, one vorwissen und willen berüerter oberkait der herrschaft Bregentz auf- und angenommen, auch denselben herberg und underschlouf gegeben, von denen zuvil zeiten, sonderlich disem gericht Hofsteig, wie meniglichem bewüsst ist, vil args und Übels, fürnemblich aber durch eingefüerte laidige krankhait der pestilentz und in ander mer weg, allerlay angst und not zuegestanden und begegnet ist. Zu abstellung und fürkumung desselben soll hinfüro kain underthon noch einsäss in disem gericht Hofstaig gesessen, gar kain dergleichen frembd hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und sollich unnützes gesind, ohne wissen und bewilligung ir der oberkait, nit auf noch annemmen. Und ob schon ein herrschaft eingesessen weibs bild sich mit ainem sollichen frembden herkommen mann verheüraten solte oder würde, soll doch derselbig, one zuvor erfolgt der oberkait wissen und willen auch nit eingelassen oder angenomen werden, kains wegs. Alles bey straf zehen pfund pfening, und welcher dieselben an gelt zuebezahlen nit vermöchte, der solls in venknus abbüessen one gnad. Zu den 33 alten waren also — meist durch Zuzug — im 19. Jahrhundert 53 neue Namen gekommen. Darüber hinaus hatten Industrialisierung und Eisenbahnbau ab 1870 jedes Jahr etwa 100 neue Gastarbeiter ins Dorf gebracht, die nur im Fremdenbuch, nicht aber bei den Hausbesitzern aufscheinen. Neben deutschen und Schweizer Namen finden sich sehr viele italienische (Sarteno, Vesco, Castelrotto, Fait, Sperandio, Purin, Debortoli, Dalraj, Zortea, Berlanda, Tomaselli, Girardelli, Nicolussi, Paoli, Moretti, Devigili, Zoldo, Giacomo, Martini, Micheli, Casanova, Bigotti...). Die meisten blieben nur wenige Jahre und zogen dann wieder in ihre Heimat oder in die Industriegemeinden. 30 31 Siegfried Heim DER LETZTE KRIEG! (Mit diesem Beitrag soll eine Diskusssion ausgelöst werden. Ergänzungen und Richtigstellungen und besonders persönliche Beiträge von Zeitzeugen erbittet der Verfasser.) Quellen: Schelling: Festung Vorarlberg Gespräche mit Zeugen. Vor 50 Jahren begann am 1. September 1939 der große Zweite Weltkrieg. Noch leben viele Soldaten, aber nur selten erzählen sie von ihren erschütternden Erlebnissen draußen an den Fronten. Aus dem Blickwinkel eines damals 10- bis 14jährigen Buben möchte ich an die Ereignisse daheim in Wolfurt erinnern. 1938 war Hitler einmarschiert. Wir sahen Flugzeuge, braune Uniformen, große Hakenkreuzfahnen, einen Fackelumzug. Als 10jährige Schüler wurden wir ins «Jungvolk» der Hitlerjugend aufgenommen. Wir freuten uns an Sport und Zeltlagern und spürten nicht, daß wir mit Marschieren, Geländespiel und Luftgewehrschießen schon militärisch gedrillt wurden. Das Dorfleben veränderte sich. Die Männer wurden einberufen. Wir hörten Fanfaren zu Siegesmeldungen im Radio, lasen die Schlagzeilen in der Zeitung und wurden als «deutsche Jungs» in der Schule zum Appell gerufen. Bald rückten auch Familienväter und die Schüler der oberen Gymnasialklassen ein. Feldpostkarten kamen aus Frankreich und Norwegen, aus Libyen, Murmansk, vom Kuban und aus Kreta. Jetzt sahen wir schon manchmal ein verhärmtes Frauengesicht, ein paar Tränen. Die Kirchen waren übervoll. Schülerinnen strickten Schals für die erfrierenden Armeen in Rußland. Schulklassen sammelten Heilkräuter, Sanddornbeeren und Altpapier. Weil die Männer fehlten, wurden Kriegsgefangene in der Landwirtschaft eingesetzt, zuerst Bauernsöhne aus Frankreich, dann Serben. Polnische Mädchen wurden dienstverpflichtet. Unsere Danuta war noch nicht 18 und erzählte stolz, daß ihre Brüder in der britischen Armee gegen Deutschland kämpften. An der Eisenbahn in Kennelbach arbeiteten russische Gefangene. Im kältesten Winter mußten sie ohne Handschuhe Eisenschienen schleppen. Der Wachsoldat schaute weg, wenn wir bei den bärtigen, ausgemergelten Männern für unser Jausebrot Holzspielzeug eintauschten. In den Lebensmittelgeschäften fehlten alle Süßigkeiten. Aber Schokolade und Südfrüchte hätten wir Bauernkinder ohnehin fast nie bekommen. Wir hatten zwei Kühe im Stall, dazu ein paar Schweine und Schafe. Wir pflanzten Kartoffeln und Mais an, auch Weizen und Gemüse. Jeden Nachmittag und die ganzen 32 Ferien hindurch arbeiteten wir Schulkinder in Feld, Acker, Wald und Stall. Dafür kannten wir keinen Hunger. In der Stadt war das anders. Blasse Mütter und schmale Kinder kamen zum «Hamstern» ins Dorf. Für Wäsche und Geschirr versuchten sie, ein paar Liter Milch oder eine Tasche voll Kartoffeln einzutauschen. Bargeld hatte fast keinen Wert mehr. Der Bürgermeister ließ den Schulplatz und große Ried- und Achfelder zu Äckern umbrechen und verpachtete kleine Stücke an die hungernden Familien. 1944 zerbrachen die deutschen Fronten. Jetzt kamen zahlreiche Flüchtlinge ins Dorf. Zuerst waren es ausgebombte Frauen und Kinder aus Berlin und dem Ruhrgebiet, dann kamen Volksdeutsche aus Rußland und Siebenbürgen. Sie hungerten und froren in den Massenquartieren im Schwanensaal und im Sternen. Immer häufiger kamen Todesnachrichten aus dem Feld. Mütter weinten an Birkenkreuzen auf dem Friedhof. Verwundete mit riesigen Verbänden marschierten mit zur Heldenehrung am Kriegerdenkmal. Frauen trugen jetzt dreifache Lasten bei schweren Arbeiten, in Verwaltung und Erziehung. Einzelne rückten sogar zum Roten Kreuz oder zum Nachrichtendienst ein. Unser ältester Bruder war noch nicht 16 Jahre alt, als er mit seinen Mitschülern zur Bewachung italienischer Arbeiter beim Stellungsbau in Verona eingezogen wurde. Erstmals sahen wir die Mutter weinen, als auch der Vater von den neun Kindern weg einrückte. Sogar wir Schüler spürten jetzt, daß der Krieg verloren war. Aber niemand sprach darüber, es war zu gefährlich. Trotz strengen Verbotes begannen wir am Radioapparat zu drehen. Wir fanden Sender Luxemburg und konnten jetzt die alliierten Propagandasendungen mit den deutschen vergleichen. Täglich zählten wir die amerikanischen Großbomber, die von Italien aus am hellen Tag Einsätze nach Süddeutschland flogen. Oft waren es 400 Stück. Ein Regen von Stanniol fiel vom Himmel, mit dem sie das deutsche Radar störten, manchmal auch ein leerer Zusatz-Benzintank. Nur selten schoß irgendwo deutsche Flak. Einmal verfolgte eine deutsche Me 109 einen versprengten Bomber über Bregenz. Wir sahen die Fallschirme sich öffnen und waren mit unseren Fahrrädern schnell bei der Absturzstelle im Fußacher Ried, wo noch Munition in den Flammen explodierte und ein toter Soldat neben einem Streueschochen lag, während seine Kameraden vom Grenzschutz gefangen abgeführt wurden. Mehrmals wurden nachts die stark geschützten Rüstungsbetriebe in Friedrichshafen bombardiert. In unserer Dummheit bewunderten wir vom Dachboden aus das Farbenspiel, als Scout-Flugzeuge zwischen den Scheinwerferfingern große «Christbäume» setzten, als Leuchtgranaten ein Feuerwerk an den Himmel zauberten und sich der Horizont über dem See unter dem anhaltenden Wummen der Bombenteppiche blutigrot färbte. Für die nun folgenden Seiten entnehme ich Zeitangaben aus Georg Schellings «Festung Vorarlberg». 33 Ende April kam die Front an den Bodensee. Der Volkssturm faßte beim Vereinshaus scharfe Munition und Panzerfäuste. Jetzt weinte auch Papa, als er noch einmal unseren kleinsten Bruder aus Mamas Armen nahm, ehe er mit den alten Wolfurter Männern zur Bewachung des Harder Seeufers abmarschierte. Im Land hatten französische Tiefflieger ein Terrorregiment angetreten. An einem sonnigen Morgen (nach Schelling am 25.4.45 um 8.10 Uhr) bewunderten wir die saubere Formation, mit der 24 Maschinen in mittlerer Höhe Lauterach überflogen, über dem Ried der Reihe nach abkippten und mit Bomben und Bordwaffen einen Angriff auf einen Zug in Lauterach exerzierten, der viele Menschenleben kostete. In den folgenden Tagen machten die wendigen Flugzeuge Jagd auf alles, was sich bewegte, auf Pferdefuhrwerke und auf einzelne Feldarbeiter. In die Kirche schlugen Schüsse ein, Stülzes Haus mußte gelöscht werden und schließlich wurde die 15jährige Luise Bilgeri unter der Haustür des Kaplanhauses tödlich getroffen. Wir bereiteten uns auf den Einmarsch fremder Soldaten vor. Weil man uns fürchterliche Greuelgeschichten von betrunkenen Kriegern erzählt hatte, vergruben wir die Schnapsballons unter dem Heustock. Auf requirierten Pferdewagen trafen deutsche Verwundete ein und nahmen in der Bütze Quartier. Sie hatten genug vom Krieg, stellten sich selbst Entlassungspapiere aus und baten um Zivilkleidung. Auszeichnungen und Uniformen versteckten sie, die Waffen warfen sie weg. An allen Wegen fanden wir Karabiner und Munition, aber auch Handgranaten und Panzerfauste. Unser Schutzengel hatte damals wohl große Sorgen mit uns! Spät abends am Samstag, den 28. April 1945, hatte Hauptmann Petzold in Hard den Hofsteiger Volkssturm aufgelöst: «Mit solchen Soldaten kann man keinen Krieg gewinnen!» Auf Feldwegen schlichen die Männer heim nach Wolfurt, Bildstein und Buch, immer in Angst vor der SS, die Deserteure sofort erschoß. Zwei Tage lang hielten sich die Männer daheim versteckt. Flüchtende Truppen eilten auf der Straße vorbei. Am meisten staunten wir über die «Wlassow»-Soldaten mit den farbigen Gesichtern. Manche trugen große Turbane und aufgenähte schwarze Tiger. Am Montag, 30. April, marschierten die Franzosen im Leiblachtal ein. Granateinschläge dröhnten, die Bordkanonen der Tiefflieger rasselten. Unsere Nachbarn beluden ein Pferdefuhrwerk mit Habseligkeiten und flohen nach Bildstein. Auf der Unterlindenstraße ging eine große Flak in Stellung. Voll Angst packten wir schnell zwei Koffer und unsere vier kleinsten Geschwister auf einen Handwagen. Auch eine Nachbarin vertraute uns ihre zwei Jüngsten an. Sie selbst wollte beim Haus bleiben. Mein 15j ähriger Bruder und Michel, der alte Knecht, wollten ebenfalls daheim zu Haus und Vieh schauen. Wir anderen flohen durch den Ippachwald nach Buch. Mit zwei weiteren Familien fanden wir dort freundliche Aufnahme bei Bekannten. Mich schickte man mit dem Fahrrad wieder heim. Am anderen Morgen begann der Angriff auf Bregenz. Riesige 34 Rauchsäulen quollen aus der brennenden Stadt, eine besonders schwarze stieg aus den Lagern der Autowerkstätte Anwander auf. Gefährliche Jagdbomber hämmerten immer wieder auf die Flüchtlinge herab, die gruppenweise über die Achbrücken hasteten. Ich fuhr wieder als Kurier nach Buch und hörte noch, wie am späten Vormittag die Achbrücken und die Kennelbacher Kanalbrücke gesprengt wurden. Mittags wurde Bregenz besetzt, gegen Abend erschienen die Franzosen in Kennelbach. Am 2. Mai schneite es in Buch. Ein Bote berichtete mittags, jetzt sei auch Wolfurt besetzt. Schnell hoben wir wieder Koffer und Kinder auf den Wagen und verabschiedeten uns von den herzensguten Gastgebern. Eine weiße Windel sollte als Fahne unser Gefährt schützen. Im Ippachwald standen schwer bewaffnete deutsche Soldaten. Scheu und grußlos eilten wir vorbei. Menschenleer das Oberfeld! Aber auf dem Kirchplatz war Betrieb. Französische Soldaten hatten ein deutsches Kettenkrad erbeutet und jagten darauf lauthals jubelnd wie Buben in waghalsigen Kurven umher. Von uns nahm niemand Notiz. Daheim war alles in Ordnung. Weinend vor Freude schloß unsere Nachbarin ihre Kinder in die Arme. Dann gab es viel zu erzählen: Ganz früh am Morgen des 2. Mai hatte ein französischer Stoßtrupp die Ach überschritten und die Häuser durchsucht. Ein junger deutscher Soldat hatte sich bei Scheffknechts auf einem Baum versteckt. Eine MP-Garbe holte ihn herab. In Diems Stube starb er wenige Stunden später (Aussage Familie Diem). Französische Pioniere errichteten schnell einen Notsteg über die eingeknickte Kennelbacher Brücke. Weil die Brücken in Lauterach und Hard viel schwerer zerstört waren, marschierte nun eine ganze Armee durch Wolfurt. Im Röhle stellten noch einmal deutsche Soldaten ein Maschinengewehr auf. Ein paar MP-Garben warfen auch sie nieder. Noch ein Toter! Alle Häuser wurden durchgekämmt, entwaffnete deutsche Soldaten zusammengetrieben, ihre Gewehre beim Gasthof Lamm zerbrochen. An allen Häusern wehten weiße Fahnen. Von Dornbirn her schlugen deutsche Granaten im Röhle und im Oberfeld ein, rissen aber nur Erdtrichter auf. Während sich schon Kraftfahrzeuge und Panzer ins Dorf wälzten, erreichte die französische Vorhut Rickenbach. Als Gebhard Böhler am Haus eine weiße Fahne befestigte, zerschmetterte ihm eine deutsche Pak-Granate von der nahen Bachbrücke her den Rücken. In einem französischen Lazarett ist er gestorben (Aussage Familie Böhler). Die Panzerkolosse bogen vom Kirchplatz Richtung Lauterach ab. In den Kurven wühlten sie die Straße so tief auf, daß Personenautos kaum mehr folgen konnten. Fingerdick lag Staub auf den Fenstersimsen. Gemeindediener Gmeiner schellte Befehle der Franzosen aus. Später wurden auch Plakate angeschlagen. In Französisch und Deutsch verlautbarten sie etwa folgendes: 1. Dieses Gebiet untersteht der französichen Armee. 2. Wer deutsches Militär verbirgt oder unterstützt, wird erschossen. 35 3. Waffen, Landkarten und Fotoapparate müssen sofort abgeliefert werden. 4. Plünderer werden erschossen. 5. Während der Dunkelheit besteht strenges Ausgangsverbot. Die gesammelten Fotoapparate und Karten wurden beim Schulhaus zerstampft. Dutzende Panzerfäuste warf man in die Schützenlöcher bei der Achbrücke. Vielleicht sind sie später zugeschaufelt worden! Am anderen Tag wurde Bilgeris Luise zusammen mit den beiden gefallenen deutschen Soldaten in ein gemeinsames Grab gelegt. In den meisten Häusern quartierten sich französische Truppen ein. Frauen und Mädchen versteckten sich. Aber die Soldaten verhielten sich korrekt. Wir mußten ein Schaf abliefern. Auf der Steig errichteten farbige Hilfstruppen ihre Feuerstellen und ließen die geschächteten Schafe am Spieß schmoren. Die Soldaten trugen grob gewobene Kaftans mit gewaltigen Kapuzen und sahen aus wie Kurden. Als sie Marketenderware empfingen, sah ich den ersten Kaugummi. Und dann zogen die Marokkaner mit Hunderten Mulis ein! An Bütze- und Unterlindenstraße beschlagnahmten sie alle Bauernstädel — drei Monate lang. Die weißen Offiziere bezogen Zimmer, die braunen Soldaten lagerten im Heu. Die Kommandantur war in Kartonagen-Gmeiners Büro, die Küche in Zwickles Schopf. Mit den Franzosen hatte die Bevölkerung kaum Kontakt. Mädchen, die sich — manchmal als Flüchtlinge vom Hunger getrieben — mit ihnen einließen, wurden als Huren beschimpft. Mit den Marokkanern schlössen wir schnell Freundschaft. Sie waren wie Kinder und verschenkten Kekse und Schokolade an unsere kleinen Geschwister. Mühsam erlernten sie auf unseren ältesten Fahrrädern das Fahren. Auf den Hausplätzen zerklopften sie farbige Steine und legten riesige Mosaiks mit dem Fünfstern der Armee aus. Weil die meisten Mohammed oder Omar hießen, wurden sie von den Offizieren nur mit der Nummer gerufen. «Dus», «Disuit» und «Dris» ließen sich von unserer Mutter für ein paar Konservendosen scharfe Bügelfalten in ihre Hosen nähen, uns Buben belieferten sie für bunte Stecknadeln mit Tabak. Ihre Muliherden trieben sie einfach in die saftigen Wiesen und in die jungen Weizenfelder auf die Weide. Am Sonntag führten sie ein Muli-Wettreiten durch. Abends brauten sie Kaffee in großen Kesseln. Dann aber sotten sie wieder Rinderdärme und Igel. Uns graute! Böse wurden die gutmütigen Männer nur, wenn wir ihnen im Spiel ihre Turbane abstreiften und das kleine Zöpfchen mitten auf dem glattrasierten Schädel belachten, oder wenn wir sie an den Schweinestall lockten. Das waren wohl religiöse Verstöße, deren Schwere wir nicht ahnten. Aufschloß Wolfurt residierte nun Colonel Jung mit dem Militärkommando für Vorarlberg. Gelegentlich landete ein Fieseler-Storch im Feld und brachte einen Ordonnanz-Offizier. Sonntags standen ein Dutzend Offiziere unbeweglich die ganze 36 Messe durch in der Kirche. Am 14. Juli feierten die Franzosen ihren Nationalfeiertag in Bregenz mit einer Militärparade — ein geschmückter Ziegenbock voran. Auch auf Schloß Wolfurt gab es ein großes Fest samt Feuerwerk. Im August wurden die Marokkaner mir ihren Mulis ins Montafon verlegt. Plünderungen und Vergewaltigungen, wie sie von anderen Kriegsschauplätzen berichtet wurden, hatte es bei uns nicht gegeben. Eine einzige Ausnahme: Zwei Wolfurter Burschen fanden an der Bucherstraße zwei Bucher Mädchen mit durchschnittenen Kehlen auf. Beide waren offenbar sexuell mißbraucht worden. Französische Offiziere und ein Militärarzt stellten Nachforschungen an (Zeuge P. Schwerzler). Mehrfach wurden marokkanische Soldaten ausgepeitscht. Die Spannungen zwischen ihnen und ihren Kolonialherren waren deutlich spürbar, sie führten ja auch zehn Jahre später zum grauenhaften algerischen Aufstand. Die Bauernarbeit im Ried hatte schon in der ersten Maiwoche wieder begonnen, als noch große Kolonnen von deutschen Gefangenen an der Landstraße rasteten. Die Mutter suchte mit uns nach unserem Bruder, der ja auch noch Soldat geworden war. Ein paar Tage später kam er zu Fuß daheim an — mit etwas mehr als 16 Jahren schon ein entlassener Soldat. Fast täglich kehrten jetzt Männer heim, viele verwundet und halb verhungert, andere krank an Leib und Seele. Aus Rußland kamen manche erst nach Jahren zurück. Noch viele Birkenkreuze mußten gesteckt werden. 99 Namen am Kriegerdenkmal mahnen: der letzte Krieg! KRIEGERWAISEN Im Ersten Weltkrieg mußten am 1. August 1914 99 Wolfurter Männer und Väter nach Galizien und Serbien einrücken, denen bis zum Frühjahr weitere 220 folgten. «Mancher, mancher wird nicht mehr kommen!» schrieb der Chronist Engelbert Köb, der selbst ein Jahr später als Standschütze starb. Zu den ersten Opfern im Herbst 1914 gehörten vier Familienväter: Köb Albert, Lehrers, Maler im Strohdorf. Er hinterließ seine Frau Mina mit 4 Kindern zwischen 11 und 6 Jahren: Paul, Martha, Albertina und Anna. Gmeiner Albert, Lislo, Sticker in Rickenbach. Er hinterließ seine Frau Anna mit 8 Kindern zwischen 14 und 1 Jahr: Rosa, Albert, Franz, Otmar, Augusta, Maria, Raimunda und Ida. Rohner Josef, Schwarzvinälars, Sticker im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha, die in Erwartung war, mit 6 Kindern zwischen 9 und 2 Jahren: Franz, Hirlanda, Laura, Viktor, Eugen und Frieda. Als siebtes wurde 1915 Fina geboren. Böhler Alfred, Bergers, «Rasierers» im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha mit 5 Kindern zwischen 11 und5 Jahren: Agatha, Karl, Reinhilde, Alfred und Emilie. Ohne Väter wuchsen sie auf. 25 Jahre später mußten sie selbst oder ihre Ehegatten in den Zweiten Weltkrieg einrücken. 37 Siegfried Heim So heo s i ghört! (3) In der langen Geschichte der Hofsteiggemeinschaft hat jedes der sechs Dörfer aufsein Eigenleben gepocht. Bei aller Notwendigkeit zur Zusammenarbeit führte das immer wieder zu kleinen Sticheleien, aus denen auch manche Rauferei zwischen Buben und Burschen der Nachbardörfer erwuchs. Heute bekennen sich die Bewohner stolz zu den Übernamen, die ihnen einst freche Lausbuben als Schimpfwörter nachriefen: Wolfurtar — Hafoloabar Der Hafenlaib aus grobem Vesenmehl war — ohne Fleisch! — ein Essen für arme Leute. Luttorachar — Türbbolar Turrbo nannte man die Torf-Schollen, die mit Gestank in den Öfen und Rauchkesseln qualmten. Hardar — Mu-Fohar Die Harder wollten den Mond in einer Wasserstande fangen. Mit einem feinen Lächeln hat uns Wolfurtern der Lauteracher Chronist Elmar Fröweis ein Gedicht gewidmet: Glück ghet Z'Wolfurt hei's amolo brennt, so tuot ma se verzeih. Scho seiond etle Kerle grennt und heiond Glogga lütto wello. Wio se dra sind, seit der oa: «I tur-om nit reacht trouo, ma sioht koa Lüt, ma hört koa Gschroa, mir weorond ou koan Blödsinn bouol» «Wolback, lütto ohne Brand, des künnt no lustig wem! Ma lacht üs us im ganzo Land, und wirkle siohst koan Rouch, luog herol» Koanar sioht-om drübr us, so schiofist des ioz gloffo, und Glogga glongond langsam us, am liobsto wärond se vrschloffo. A jedar reachnot, was ioz kumm, mit Stillom und mit Lutom. Do sioht oan Rouch und dreit se um und rüoft in Turm: «Gottlob, as kut-om!» Schwarzachar — Schlifar An der Schwarzach kreischten Tag und nacht die großen Schleifen, in denen Wetzsteine geformt wurden. Bildstar — Beosorisar Bildsteiner Bauern verdienten ein paar Kreuzer am Verkauf von Birkenbesen. Buochar — Pfundlöoblar Man belächelte die Bucher, weil sie sich in der Wirtschaft nur «a Löoble», ein kleines Stück Brot leisten konnten. Die Hofsteiger hatten natürlich auch Übernamen für ihre anderen Nachbarn: Kengolbachar — Käsknöpflar Breogozar — Seebrünzlar Dorrobirar — Süoßlar Elmar Fröweis, Jahrgang 1933, Volksschuldirektor in Lauterach, ist der Verfasser des Lauteracher Heimatbuches 1985. Einige seiner Mundartgedichte aus Dorf und Ried liegen in dem Bändchen «Zilata und Furcha», Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn, 1982, vor. 38
  1. heimatwolfurt
19881101_Heimat_Wolfurt_02 Wolfurt 01.11.1988 Heft 2 Zeitschrift des Heimatkundekreises Nov. 88 Handwerker. «Schnidarles» Schreinerei an der Schulstraße 1912. Meister und Gesellen arbeiteten bei gutem Wetter im Freien. Inhalt: 4. Entwicklung der Wirtschaft I. (Volaucnik) 5. Hofsteiger Bauern (Heim) 6. Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren (Natter) Gewerbe im vorigen Jahrhundert DIE AUTOREN: Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alexander Natter, geboren 1952, ist in Wolfurt aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Lehrer an der Berufsschule in Bregenz und leitet in Wolfurt das Katholische Bildungswerk. Die Bilder: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983, und Nachdrucke aus Ernst Mummenhoffs «Der Handwerker», 1924; und aus privaten Sammlungen. Unter diesem Titel hielt Mag. Volaucnik am 27. September 1988 einen Vortrag im Kultursaal, der den Zuhörern die Veränderungen der Einnahmequellen der Bevölkerung im Laufe der Zeit bewußt machte. Wir beginnen heute mit dem Abdruck des Manuskriptes. Der Leser möge nicht vergessen, daß das arme Bauerndorf Wolfurt im Jahre 1809 nur 1.143 Einwohner und auch 1880 erst 1.623 Einwohner zählte, während die industrialisierte Marktgemeinde heute fast 7.000 Einwohner beherbergt. Christoph Volaucnik I. Wirtschaft 1.1 Landwirtschaft Die Landwirtschaft bildete im 18. und 19. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung den Haupterwerbszweig und prägte die Lebenssituation, den Alltag und die Sozialstruktur des Dorfes. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kam es in der Agrarstruktur der Hofsteiggemeinden zu einem Umbruch. Während Jahrhunderten erfolgte der Getreideanbau in gemeinschaftlichem Feldbetrieb und wurde die Weide gemeinsam benützt. In Wolfurt, wie übrigens auch in den anderen Hofsteiger Gemeinden, wurde eine Dreifelderwirtschaft geführt, die auf einem Wechsel von Anbau und Brache aufbaute. Im 18. Jahrhundert gab es in Wolfurt 4 bedeutende Felder:1 das Unterfeld, das hochgelegene Oberfeld, das Weidach- und das Flotzbachfeld. In einem Turnus wurde das Brachfeld auf dem Unterfeld und dem Oberfeld abgewechselt, während die anderen Felder mit Korn und Hafer bebaut wurden. In einem Bericht von 1793 wurde der Erdäpfel- und Türkenanbau als nachteilig für das Dreifeldersystem bezeichnet. Der Türken wurde damals fast nur auf dem Brachfeld gepflanzt und der vermehrte Anbau dieses immer wichtiger werdenden Nahrungsmittels setzte dem uralten Dreifeldersystem ein Ende. Eine Weide in den Feldern war durch den Türkenanbau nicht mehr möglich, sodaß es 1792 zur Aufhebung der Weide im Gebiet der Gemeinde Wolfurt kam. Diese Aufhebung der Weide erfolgte nach einer geheimen Abstimmung am 24. August 1791. Trotz des klaren Ausgangs der Abstimmung beschwerten sich die Mehrerauer Lehensbauern beim Abt der Mehrerau, daß sie durch die Aufhebung der Weide ihre Felder nicht mehr instandhalten können, da ihre Felder zu weit auseinanderliegen. Über den Umfang des Ackerbaus, die für den Ackerbau verwendete Grundfläche und die Ernteergebnisse sind leider nur wenige Unterlagen vorhanden. Als einzige brauchbare Quelle stehen die Erinnerungen des Feldvermessers und letzten Klosterammanns der Mehrerau, Mathias Schneider, zur Verfügung. Er erwähnte für 1814 folgende Getreidearten mit bebauter Fläche:2 Vesen Hafer Roggen Weizen 77 34 3 0 Jauchart Jauchart Jauchart Jauchart Gerste 5 Jauchart Erdäpfel 49 Jauchart Hanf 9 Jauchart Türken 77 Jauchart (Anmerkung: Ein Jauchart entspricht in Hofsteig 44,59 Ar) 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Besitzer von n-Kühen Jahr 1785 1794 1846 1888 Besitzer Total 148 139 288 213 Kühe Total 317 343 358 426 1 28 27 98 2 86 61 82 3 28 28 22 4 11 11 2 5 3 8 2 6 1 2 2 2 7 Durchschnittliche Zahl pro Besitzer 2,26 2,10 1,70 2,00 Prozentzahlen Kühe 1785 1794 1846 1880 1 14,2 19,4 47,1 2 61,4 43,8 39,4 3 14,2 20,1 10,5 4 7,8 7,9 0,9 5 2,1 5,7 0,9. 6 0,7 1,4 0,9 Weizenschnitt mit Schnidarles Rudolf und seinen Helfern 1940 im Ried Ein weiterer Hinweis findet sich in den Erinnerungen des Malers Engelbert Köb, der über seine Jugendzeit berichtet.3 Für die Zeit 1870-80 gibt er an, daß die Felder zwischen Wolfurt und Lauterach, auf denenjetzt geheut wird, mit Hanf, Hafer, Weizen, Gerste und Türken bebaut waren. Er berichtet, daß man im Spätsommer vor lauter Türken in den Feldern den Himmel nicht mehr gesehen habe. Köb gibt also selbst den Hinweis, daß sich ab 1870 die Landwirtschaft von Getreideanbau zu reiner Viehzucht gewandelt habe. Diese Umwandlung dürfte mit der Einfuhr billigen Getreides nach Eröffnung der Vorarlbergbahn und der Arlbergbahn in engem Zusammenhang stehen. Gegen diese billigen Importe war der Anbau in Vorarlberg nicht mehr konkurrenzfähig, während die Nachfrage nach gutem Vieh und Milchprodukten gestiegen sein dürfte. Neben dem Ackerbau waren die Viehzucht und die Milcherzeugung eine wichtige Einnahmequelle und Ernährungsgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung. Es wäre aber verfehlt, die heutige Viehzucht mit Hochleistungsrindern als Bezugsrahmen für die Landwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zu nehmen. Kleinbäuerliche Substinenzwirtschaft dominierte die Landwirtschaft, da die Erträge aus der Milcherzeugung in der Selbstversorgung der Bauernfamilien aufgegangen sein dürfte. Die Bauern verfügten in der Regel nur über ein bis zwei Kühe, sodaß ein Verkauf der Milcherträge bzw. des Tieres kaum möglich war. Anhand der Angaben in den Vermögenssteuerbüchern von 1785, 1794 und 1846 können folgende Angaben über die Betriebsgrößen nach Kuhbesitz gemacht werden:4 4 Interessanterweise ändern sich die Betriebsgrößen und die durchschnittliche Zahl der Kühe pro Besitzer in diesen knapp 100 Jahren kaum. Einen kleinen Einbruch gibt es nur im Jahre 1846 als der Durchschnitt auf 1,7 Stück pro Besitzer abfiel. Bei einer genaueren Durchsicht der Steuerbücher fällt unter der Bauernschaft eine kleine Gruppe von «Mittelbauern» auf, die über 4 bis 5 Stück verfügen. Im Dorf gab es aber nur wenige «Großbauern», die neben einem sehr großen Viehbestand auch über beachtlichen Grundbesitz verfügten. Die wenigen bedeutenden Bauern hatten auch Alprechte im Bregenzerwald für die Sommerung ihres Viehs. Während 1785 nur die zwei reichsten Bauern im Dorf Weiderechte am Hirschberg hatten, werden 1794 bereits 8 Bauern genannt, die über Alpweiderechte verfügten, wobei 3 auf die Alpe Hirschberg, 4 auf die Alpe Ries und 1 auf die Alpe Kreyen (Egg) fallen. Auch die Handwerker besaßen Vieh und landwirtschaftliche Fläche. Neben den Kühen gab es in der Landwirtschaft natürlich weiteren Viehbesitz, der sich im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stark vermehrte. Dazu einige Zahlen:5 Jahr 1807 1869 1880 1910 1923 Pferde 46 56 38 88 56 Rinder 49 Kälber 36 178 249 314 Schafe 2 20 35 248 Ziegen Schweine Stiere 1 5 1 19 113 406 12 235 209 192 427 206 5 Seit der Jahrhundertmitte kam es zu Verbesserungen in der Landwirtschaft Vorarlbergs. Der Vorarlberger Landwirtschaftsverein versuchte, durch Vorträge, Kurse und Ausstellungen die Bauern über die Errungenschaften der modernen Agrarwirtschaft zu informieren. Wie aus den Jahresberichten und dem Wochenblatt des Landwirtschaftsvereins hervorgeht, wurden auch in Wolfurt Vorträge von Wanderlehrern des Landwirtschaftsvereins abgehalten. Aus diesen Vorträgen entwickelte sich in einigen Vorarlberger Gemeinden Landwirtschaftliche Fortbildungsschulen. Auch in Wolfurt wurde von Wendelin Rädler 1869 die Gründung einer solchen Schule erörtert. In der Gemeindesitzung vom 11.6.1869 wurde dieser Antrag abgelehnt. Im Protokoll wurde dazu folgendes vermerkt: «(diese Schule) ist im Volk unbekannt und nicht für notwendig erachtet, da die Landwirtschaft regelmäßig betrieben wird.»6 Einen bedeutenden Fortschritt für die Wolfurter Landwirtschaft bedeutete die Gliederung der Sennereigenossenschaft im Jahre 1871. Diese Genossenschaft begann mit 34 Mitgliedern und verarbeitete in ihrer ersten Arbeitsperiode 47.513 Maß Milch. Im Betriebsjahr 1874 hatte sich der Mitgliederstand auf 48 Personen erhöht und 53.210 Maß Milch wurden zu 4.825 Pfund Butter, 9.212 Pfund Käse, 4.826 Pfund Zieger und 39.906 Maß Molke verarbeitet.7 und Geräte. So wurde im Jahresbericht des Landwirtschaftsvereins angegeben, daß der Mechaniker Fischer 6 Getreideputzmühlen mit Handbetrieb und der Mechaniker Dür 5 Dreschmaschinen, 4 Getreideputzmaschinen und 5 Strohstühle im Berichtsjahr 1871 erzeugt hatten.9 Es wurden durch die Gemeinde auch der Obstanbau und die Bienenzucht gefördert. 1897 wurde in einer Gemeindeausschußsitzung über den Nutzen des Obstanbaus diskutiert und festgestellt, daß dieser «für die Lehrpersonen ebenfalls lohnend wäre in die Hand genommen und mit den Schülern praktiziert werden solle .. .»10 Wendelin Rädler erreichte, daß die Gemeinde für die Bepflanzung der Gemeindegründe 50 Birnenbäume bestellte und einpflanzen ließ." Rädler war auch der Initiator einer Gemeindebaumschule, die der Bevölkerung die theoretische und praktische Obstbaumpflege näherbringen sollte. Er konnte 1899 die Verwendung der Inselgründe als Gemeindebaumschule im Gemeinderat durchsetzen. Diese Obstbaumpflanzungen sollten das Ortsbild von Wolfurt in unserem Jahrhundert entscheidend prägen. Das nunmehr vorhandene Obst hatte nicht nur als Grundsubstanz für den Most eine Bedeutung, sondern war für die Nahrungs- und Vitaminversorgung der Bevölkerung wichtig. 1897 wurde auch von den Lehrern und den Lehrschwestern für Anschauungsszwecke ein Bienenhaus errichtet, um die Schüler praktisch in die Bienenzucht einzuführen. Die Unkosten für die beiden Bienenhäuser wurden mit Gemeindemitteln bestritten.12 1.2 Handwerk Über die Geschichte und die Bedeutung des Wolfurter Handwerks im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert haben sich nur wenige Quellen erhalten. Bei der Darstellung der Handwerksgeschichte des Dorfes sind wiederum die Vermögenssteuerbücher 1755, 1771, 1785, 1794, 1816 und die Erwerbssteuerverzeichnisse von 1838 und 1881 als Quellen heranzuziehen.1 Aus diesen Steuerbüchern wurde folgende Strukturdarstellung des Handwerks versucht: 1755 3 1 1771 1 1 1 1 1785 1 2 2 1 1794 1 1 1 1 3 2 1 3 1838 4 3 1 3 3 1 1 1 4 1 3 2 1846 2 3 1 1 1 1 1 3 2 5 1 1881 5 1 3 3 1 2 3 2 1 5 3 1 1 7 Metall Nahrung Bau Auch der Viehbestand in Wolfurt stieg ab 1870 enorm an. Die Gemeinde unterstützte diese intensive Viehzucht mit dem Ankauf von Zuchtstieren. Einzelne Bauern erhielten für den Ankauf des Zuchtstiers von der Gemeinde das Geld, mußten das Tier den Gemeindeangehörigen aber zur Verfügung stellen. 1873 wurden beispielsweise wegen der ungenügenden Zahl von Stieren und der ständig steigenden Zahl an Rindern und Kühen von der Gemeinde 4 Stiere eingekauft.8 Die in Wolfurt ansässigen Mechaniker und Schlosser verfertigten besonders für die Landwirtschaft Maschinen 6 Schmied Schlosser Mechaniker Müller Bäcker Metzger Melber Zimmermann Schreiner Steinmetz Maurer Ziegler Glaser Spengler Ofensetzer 2 2 2 1 1755 Textil Leder Weber Schneider Schuster Strumpfwirker Sattler/Tapezierer Gerber Stricker Seiler Hafner Wagner Drechsler Küfer Barbier/Friseur Stickferker 2 1 2 1771 1 2 2 1785 1794 1 2 1 3 1838 1 2 1 1846 1881 1 3 4 1 10 1 1 2 1 1 1 1 1 4 1 1 1 1 1 1 2 - 2 Wie man in der Tabelle sieht, war die Berufsstruktur im ausgehenden 18. Jahrhundert auf die Bereiche Metall-, Holz-, Leder- und die in einem eigenen Kapitel noch zubehandelnde Textilverarbeitung beschränkt. Eher gering ist der Bereich Nahrungsmittelgewerbe vertreten. Die im 19. Jahrhundert steigende Zahl der Schmiede und Schlosser dürfte mit der Nachfrage nach technischen Erzeugnissen für den landwirtschaftlichen Bedarf erklärt werden. Zu einer Auffächerung der Berufsstruktur im Baugewerbe kam es erst im 19. Jahrhundert (Glaser, Ziegler, Maurer). Die Entwicklung dürfte mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und dem erhöhten Bedarf an Wohnhäusern im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Als eine neue Berufsgruppe im Baugewerbe werden im Steuerbuch von 1846 die Ziegler genannt. Der bedeutendste und vermögendste Ziegler war 1846 Josef Anton Schertler, der über sehr beachtlichen Grundbesitz im Schätzwert von 8.750 Gulden, über Kapitalbesitz von 7.370 Gulden und einen Viehbestand von 3 Kühen und 2 Pferden verfügte. Als wichtigster Besitz in der VermögensaufstellungSchertlerswird jedoch sein Kalk-und Ziegelofen genannt. Eine weitere Ziegelhütte war in den Händen von 2 Besitzern, die ihren Anteil an der Hütte mit 250 Gulden angaben und nur über ein bescheidenes Vermögen verfügten. Als ein weiterer Ziegler wird 1846 ein Josef Dür genannt, der zu den vermögenden Bürgern zählte. Diese Ziegelhütten befanden sich im Flotzbach und an der Ach, wobei die Flotzbacher Hütten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößert und modernisiert wurden. Auf eine noch ältere Tradition konnten die Wolfurter Steinmetze zurückblicken, die in mehreren Steinbrüchen Sandstein abbauten. Die in den Steuerbüchern von 1785 und 1797 genannten Steinmetze verfügten neben den Anteilen am Steinbruch auch über landwirtschaftlichen Besitz und Vieh. Neben dem in Rickenbach in Privatbesitz befindlichen Steinbruch gab es im Dorf unter dem Pfarrhof einen in Gemeindebesitz befindlichen Steinbruch, der von der Gemeinde verpachtet wurde.2 In einer von der Handelskammer 1904 veröffentlichten Statistik des Baugewerbes befanden sich in Wolfurt 3 Steinmetze und 4 Zimmermeister, aber kein Maurer.3 Eine besondere Bedeutung und einen guten Ruf hatten im 18. und im 19. Jahrhundert die lederverarbeitenden Betriebe. In einem amtlichen Bericht des Jahres 1791 über die «Professionisten» der Herrschaft Bregenz wurden die Wolfurter Rot- und Weißgerber Caspar Haltmayer, Anton Höfle und Josef Greußing als «beachtliche Gerber mit Lederhandel» bezeichnet.4 Die Bezeichnung der Behörde läßt den Rückschluß zu, daß diese Gerber nicht, wie damals bei den Landhandwerkern üblich, nur für den lokalen Bedarf arbeiteten, sondern einen überregionalen Lederhandel begonnen hatten. Im Steuerbuch von 1785 wird eine Gerberei genannt, die einen Ledervorrat im Wert von 500 Gulden hatte und ab 1794 wird als großer Gewerbebetrieb eine «Lohstampf» genannt. In dieser Lohstampf wurde von den Gerbern Rinde (Eiche und Tanne) zu einer Masse gestampft, die als Gerbemittel verwendet wurde. Im Lauf des 19. Jahrhunderts ging die Anzahl der Gerber zurück, doch blieb als bedeutender Gerbereibetrieb die Fa. Ferdinand Haltmeyer im Kirchdorf bis zur Jahrhundertwende erhalten. Über die Ausbildung, die Auftragslage und die Betriebsgröße der Wolfurter Handwerker sind keine Informationen erhalten geblieben. Die Steuerbücher des 18. und teilweise des 19. Jahrhunderts geben aber über das Vermögen, den landwirtschaftlichen Besitz und den Hausbesitz der Handwerker Auskunft. Bei einer Untersuchung des Viehbesitzes der Handwerker fällt auf, daß 1785 und 1794 bei den Handwerkern noch bedeutender Viehbesitz vorhanden war, der aber 1846 stark zurückging. Dazu einige Zahlen: 1785 waren von 16 vorhandenen Handwerkern 14 Kuhbesitzer und 4 Pferdebesitzer, 1794 waren von 21 Handwerkern 19 Kuhbesitzer, während 1846 von 28 ausgewiesenen Handwerkern nur noch 21 Viehbesitzer waren. Fast alle Handwerker 9 Die Maurer haben die große Mauer am Tobelbach fertiggestellt und halten sie mit nassen Tüchern feucht. Jetzt legen sie die Rollierung für die Unterlindenstraße (1913) 8 verfügen auch über landwirtschaftlichen Grund und über Hausbesitz, waren also mit Sicherheit in der Landwirtschaft tätig und dürften, wie in allen Landgemeinden Vorarlbergs damals üblich, den Beruf des Handwerkers nur nebenberuflich ausgeübt haben. In der Reihe dieser «Bauernhandwerker» gab es aber auch Armutsfälle, die kaum über Grundbesitz und keinen Viehbestand verfügten, also ganz auf ihre Einnahmen als Gewerbetreibende angewiesen waren. 1794 gehörten von den 21 genannten Handwerkern 4 zu den ärmeren Schichten im Dorf, da sie kaum Grund und nur unbedeutendes bis kein Vermögen hatten. Größere Gewerbebetriebe wie die 2 Mühlen, die Lohstampf und der Steinbruch dürften aber wahrscheinlich professionell betrieben worden sein, obwohl auch der Müller, Gerber und die Steinmetze Viehbestand und teilweise bedeutenden Grundbesitz hatten. Da es sich aber bei diesen Betrieben um kapitalintensive Gewerbe handelte, kann doch mit einer professionellen Tätigkeit gerechnet werden. Bedeutende Umwandlungen erlebte das Handwerk im 19. Jahrhundert. Durch gesetzliche Neuordnung, die von der völligen Freiheit der Handwerksausübung bis zur Reglementierung in der Gewerbegesetznovelle von 1884 ging, wurde die Existenz des Handwerks stark betroffen. Die Entwicklung der Industrie bedeutete für das Handwerk eine Konkurrenz in den Bereichen der Wasserkraftnutzung und vor allem in der Personalrekrutierung. Auch die Maschinenstickerei, die ab 1870 in Vorarlberg einen bedeutenden Aufschwung nahm, bot manchem armen Handwerker einen beliebten neuen Erwerbszweig. Die Kalkhütte an der Bregenzerstraße 1908 10 Wie sich diese Umformungen auf das Wolfurter Handwerk auswirkten, ist nur schwer nachzuweisen. Wie vorhin bereits erwähnt, handelte es sich bei den Handwerkern in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts um Personen mit starkem landwirtschaftlichen Hintergrund. Wie diese Personen, die sich ja nicht alleine von den Einnahmen aus dem Handwerk ernähren konnten, diese Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich überstanden, ist quellenmäßig leider nicht nachvollziehbar. Für das Jahr 1832 hat sich im Gemeindearchiv eine Stellungnehme der Gemeinde erhalten, die über die Lage des Handwerks Auskunft gibt. Darin wird das Gewerbe als unbedeutend bezeichnet, die Gewerbetreibenden nur als Taglöhner eingestuft, die als Schneider und Schuster bei den Bauern um Lohn arbeilen.' Die Gemeinde gibt aber über die übrigen Gewerbetreibenden keinerlei Auskunft. Leider gibt es für dieses Jahr kein Steuerbuch, das über die finanzielle Lage und Besitzverhältnisse der Bevölkerung und besondes der Handwerker Auskunft geben könnte. Im Steuerbuch von 1846 wird aber eine große Anzahl verschiedenster Handwerksberufe genannt, die in Wolfurt sicher auf die längere Tradition zurückblicken können. Die Gewerbenovelle von 1884 schrieb die Gründung von Zwangsberufsgenossenschaften vor. In Wolfurt war es am 26.10.1883 zu einer vorbereiteten Sitzung und im Frühjahr 1884 im Gasthaus Adler zu den kurz hintereinander folgenden konstituierenden Sitzungen der Berufsgenossenschaften der Handelsleute und Wirte, der Handwerker und der Sticker gekommen.6 Als Vorstand der Handwerkergenossenschaft wurde der bereits erwähnte Ziegler Josef Anton Schertler gewählt. Das Interesse an dieser Berufsgenossenschaft scheint, wie aus einem zeitgenössischem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, nicht sehr groß gewesen zu sein/ Die Handwerksgenossenschaft Wolfurt wurde in den folgenden Jahren auf die Gemeinden Schwarzach und Bildstein ausgedehnt und wies im Jahre 1892 94 Mitglieder auf.8 1899 wurde vom Gemeindevertreter Wendelin Rädler die Gründung einer Gewerblichen Fortbildungsschule in Wolfurt vorgeschlagen.9 Es kam in dieser Angelegenheit zu einer Sitzung mit den Wolfurter Volksschullehrern und dem Vertreter der Gewerbegenossenschaft Conrad Doppelmayr. Da die Schülerzahl aus dem Handwerkerstand zu gering für eine staatliche Subvention war, wurde beschlossen, die Fortbildungsschule in kleinem Stil zu gründen, wobei ursprünglich mit 3 Stunden Schulzeit pro Woche während der Wintermonate gerechnet wurden. Im Lehrplan waren gewerbliches Zeichnen, Rechnen und Schriftverkehr vorgesehen. Die Handwerkergenossenschaft übernahm die Bezahlung der Lehrergehälter freiwillig und ersuchte die Stickereigenossenschaft und die Genossenschaft der Händler um finanzielle Unterstützung. Der Unterricht wurde probeweise im November 1899 eingeführt, wobei die Stundenzahl auf 4 Stunden erhöht wurde.10 Über die Schülerzahl und das Lehrpersonal gibt eine Statistik des Jahre 1903 Auskunft. Es wurden 36 Schüler von 2 Lehrern während 7 Wochenstunden unterrichtet." Die Kursdauer betrug 7 Monate. 1906 befaßte sich der Gemeindeausschuß mit der Gewerblichen Fortbildungsschule. Die Gemeinde stellte fest, daß die Zahl der Gewerbetreibenden und damit auch die Zahl der beschäftigten Lehrlinge immer mehr zurückgehe. Die Frequenz der Schule ließ stark nach und die ganze Problematik wurde dem Schulausschuß zur Beratung vorgelegt.12 Über das Ergebnis dieser Verhandlungen sind keine Unterlagen vorhanden. Im Sitzungsprotokoll 1909 der Handelskammer findet sich ein Hinweis auf die Gewerbliche Forbildungsschule Wolfurt. Die Handelskammer stellte in diesem Jahr die Subvention an die Schule wegen Untätigkeit ein.13 11 1912 scheint es zu einem Wiederbelebungsversuch der Schule gekommen zu sein, da der Kammerrat Praeg sich in einer Subventionssitzung der Handelskammer für eine neuerliche finanzielle Unterstützung der Schule einsetzte.14 Auffallend ist besonders der Hinweis in der Gemeindesitzung von 1906, daß die Anzahl der Gewerbetreibenden in Wolfurt stark zurückgehe. Über die Ursache dieses Rückgangs können nur Vermutungen angestellt werden. Es ist möglich, daß der Stickereiboom für das mangelnde Interesse der Schüler verantwortlich war.15 1.3 Textilverarbeitung in Wolfurt Seit dem Mittelalter wurde von den Bauern Flachs angebaut und für den Eigenbedarf Leinwand gewoben. Über professionelle Leinwandweber in Wolfurt wird in einer vom Oberamt in Bregenz erstellten Übersicht aus dem Jahre 1767 berichtet.1 Josef und Joachim Geiger sowie ein Martin Herburger werden als für den allgemeinen Verkauf und auf Lager arbeitende Leinwandweber erwähnt. In den Steuerbüchern von 1762 und 1771 werden diese beiden Weber mit ihrem Vermögen genannt.2 Josef Geiger besaß 1762 ein Haus (Wert 190 Gulden), 2 Kühe und verfügte über beachtlichen Grundbesitz. Es gelang ihm, bis 1771 sein Vermögen beachtlich zu vermehren. Sein Gut wurde auf 600 Gulden geschätzt, er besaß jetzt 3 Kühe und hatte ein Reinvermögen von 821 Gulden. Er gehörte mit diesem Vermögen und dem beachtlichen landwirtschaftlichen Besitz zu den besser verdienenden Handwerkern und Bauern im Dorf. Jacob Geiger, ebenfalls Weber, war mit einer Kuh und einem Vermögen von 75 Gulden vergleichsweise eher arm. Neben diesen professionellen Webern gab es eine Reihe von Bauern, die während des Winters grobe Bauernleinwand, auch «BLÄZ» genannt, für den Eigenbedarf woben. Diese grobe rauhe Leinwand war wegen ihrer mangelnden Qualität nicht für den Verkauf geeignet und diente allein der Selbstversorgung. In der amtlichen Wirtschaftsübersicht von 1767 wird neben der Leinwandweberei bereits die Baumwollweberei für Wolfurt genannt. Im Auftrag der Bregenzer Baumwollmanufaktur «von der Trave», der ersten Baumwollmanufaktur in Vorarlberg, ließ der Rickenbacher Georg Haltmayer auf 4 Webstühlen Baumwollgarne verarbeiten.3 Im Wolfurter Steuerbuch von 1795 wird der Adlerwirt Johann Haltmayer als Handelsmann und Baumwollgarnhändler bezeichnet.4 Es ist für die Frühindustrialisierung typisch, daß ein Wirt und Händler die Aufgabe eines Baumwollverlegers übernahm. Er verfügte über das notwendige Kapital für den Einkauf der Baumwolle, hatte die notwendigen Geschäftskontakte und konnte daher leichter in dieses lukrative Geschäft einsteigen. Bezeichnend für seine Stellung im Dorf dürfte eine Angabe im Steuerbuch sein, in der festgestellt wird, daß er seine Einnahmen aus dem Baumwollhandel nicht genau kenne und daher für diese Einnahmen nicht versteuert wurde. Wie verbreitet die Baumwoll- und Flachsspinnerei in Wolfurt war, zeigen die Nachlaßinventare des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese in den sogenannten Waisenbüchern verzeichneten Inventare geben immer wieder Flachs- und Hanfgespinst, Spinnräder und Kunkeln als Besitz an. Beispielsweise hinterließ ein Johann Georg Kalb 1787 70 Schneller Garn, 25 Pfund reinen Hanf, eine Haspel, 3 Spinnräder und 2 «Stuhl» (Webstühle). Im Nachlaß des Altammann Böhler von 1787 fanden sich 3 Haspeln, 3 Kunkeln und 3 Flachsbrechen.5 12 Im Jahre 1801 werden in den Statistiken der Vorarlberger Zollbehörden 3 Wolfurter Baumwollverleger mit der Anzahl der von ihnen beschäftigten Heimspinner und Heimweber genannt. Es waren dies: Josef Anton Gmeiner, Josef Anton Meßmer und Johann Martin Fischer.6 Gmeiner hatte an 32 Heimweber Webarbeiten vergeben und an 91 Haushalte 1.015 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben. Im Zeitraum 1800—1801 legte er den Zollbehörden 196 Stück Baumwollgewebe zur Numerierung vor. Meßmer hatte 29 Weber beschäftigt, 114 Spinnern 1.105 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben und 165 Baumwollstücke zur Verzollung vorgelegt. Fischer ließ von seinen 12 Webern 16 Baumwollstücke erzeugen. Lediglich über die Person des Josef Anton Gmeiner sind einige Informationen erhalten geblieben. Er wird im Vermögenssteuerbuch von 1795 genannt.7 Er war Hausbesitzer, hatte bescheidenen landwirtschaftlichen Grundbesitz und verfügte über das beachtliche Vermögen von 2.155 Gulden. Schulden hatte er in der Höhe von 343 Gulden bei Privatpersonen in Altstätten, Kanton St. Gallen, das als wichtiger Baumwollieferungsplatz für Vorarlberg während der Frühindustrialisierung galt. Es ist anzunehmen, daß diese Schulden aus Baumwollieferungen stammten. Laut Steuerbach hatte er «800 Gulden auf dem Gewerb liegend», was auf den beachtlichen Kapitaleinsatz im Baumwollverlagswesen hinweist. 1802 wurde Gmeiner eines Zollvergehens beschuldigt und in Bregenz verhört. Im erhaltenen Verhörungsprotokoll gibt Gmeiner über seine persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse Auskunft.8 Er stand 1802 im 33 Lebensjahr, hatte 2 Kinder und bezeichnet sich selbst als Weber und Fabrikant. Gmeiner erklärte, daß der Schweizer Weber Jakob Lüpfi für ihn gearbeitet habe. Da Lüpfi über keinen eigenen Webstuhl verfügte, arbeitete er im Hause Gmeiners und wob zwischen dem 14. April und 14. Juni insgesamt 4 Baumwollstücke. Ein weiterer Schweizer Weber, Jakob Rohner, der in Rickenbach wohnte, arbeitete ebenfalls für Gmeiner. 13 Interessant ist der Hinweis auf die Schweizer Weber, die als Facharbeiter während der Frühindustriealisierung in Vorarlberg arbeiteten und technisch vermutlich besser ausgebildet waren als die Vorarlberger Weber. Auch für Dornbirn und Rankweil-Sulz sind aus diesen Jahren Hinweise auf den Aufenthalt Schweizer Weber vorhanden. Der Ausgang der Untersuchung gegen Gmeiner ist nicht erhalten geblieben. Er wirkte jedenfalls weiter als Baumwollverleger, da er 1815 und 1818/19 als «Baumwollfabrikant» aktenmäßig aufscheint.9 Er wird im Steuerbuch von 1815 als Besitzer von nunmehr 2 Häusern erwähnt und hat seinen bisher eher schwachen Grundbesitz durch ein Bergteil am Ippach vergrößert.10 Die Baumwollweberei als wichtiger Erwerbszweig der Bevölkerung dürfte während der bayrischen Besatzungszeit, wie im übrigen Vorarlberg auch in Wolfurt, stark zurückgegangen sein. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich und der damit verbundenen Öffnung der großen Monarchie als Absatzmarkt für Vorarlberger Baumwollprodukte kam es in den Jahren 1818/19 zu einem neuerlichen Aufblühen der Baumwollverarbeitung in Vorarlberg. Nach den verheerenden, durch Mißernten bedingten Hungerjahren 1816/17 bot sich ab 1818 eine bedeutende Verdienstmöglichkeit mit der Weberei, wobei die Spinnerei seit der Eröffnung des mechanischen Spinnereibetriebes in Dornbirn-Juchen im Rückgang gewesen sein dürfte. Für das Jahr 1818/19 hat sich für Wolfurt eine sehr wertvolle Quelle erhalten, die den Umfang der Weberei in Wolfurt dokumentierte. In einer Produktionsstatistik für den Bregenzer Raum werden für die Gemeinde Wolfurt die von Verlegern bestellten und von Heimwebern erzeugten Baumwoll- und Mousselinstücke genannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Wolfurt 908 Stück Baumwollgewebe und 117 Stück Mousselingewebe gewoben.11 Wolfurt war in den Hofsteiggemeinden der bedeutendste Webereiproduktionsort, gefolgt von Steußberg (Buch und Bildstein) mit 713 Stück 14 Baumwollgewebe und Lauterach mit 404 Stück. Neben den bereits bekannten Wolfurter Verlegern Gmeincr und Moser mit zusammen 100 Stück Baumwollgewebe, ließen 9 Dornbirner, 2 Hohenemser, 1 Bildsteiner, l Schwarzacher und 1 Bregenzer Verleger in Wolfurt arbeiten. Im Wolrurter Gemeindearchiv befinden sichfürdie 30-er und 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts einige Hinweise auf Weber, die aber keine Auskunft über die Produktion und die Lage dieser Weber geben. In Akten aus dem Jahre 1832 werden ein Weber Johann Klocker im Dorf und ein Weber Jakob Schneider in Rickenbach erwähnt. In den Konskriptionslisten für die Militärstellung 1838 und 1839 werden auch die Berufe der zur Stellung berufenen Männer genannt. 1838 waren von 20 angetretenen Männern 3 Weber, 1839 von 17 ganze 3 Weber.12 Diese Konskriptionslisten haben jedoch als Quelle für die Häufigkeit des Weberberufes keine große Aussagekraft. Interessant ist, daß 1832 ein Blattmacher in Wolfurt existierte, der von der Erzeugung von Bestandteilen für Webstühle lebte.13 Dieser Beruf konnte nur in einem Dorf mit einer entsprechenden Zahl von Webern existieren. Im Bevölkerungsverzeichnis von 1846 werden unter 20 Handwerkern aber nur mehr 1 Weber und 2 Blattmacher aufgezählt. Aus dem Jahre 1848 gibt ein Akt über die Aufdingung eines Lehrjungen beim Wolfurter Webermeister Ferdinand Kalb, Auskunft. Die in vielen Vorarlberger Fabriken zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeführte Mechanisierung der Weberei hat diesen wenigen Webern in Wolfurt aber kaum noch Überlebenschancen gegeben und dürfte zu einem Stillstand der Weberei geführt haben, die für die betroffene Bevölkerun natürlich finanzielle Probleme gebracht haben dürfte. Eine gewisse Ausnahme spielte dabei die Buntweberei, da in diesem Bereich eine Mechanisierung aus technischen Gründen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte. Die Buntweberei als Ausweg setzte aber auch für den Weber gewisse Erfahrung und Spezialisierung voraus. Als Ausweg bot sich die Arbeit in der 1838 eröffneten Kennelbacher Spinnerei. 1.4 Die Stickerei Die Lohnstickerei für Schweizer Handelshäuser dominierte im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert das Wirtschaftsleben in den landwirtschaftlichen Gebieten Vorarlbergs.1 Mit der Einführung der Maschinenstickerei wurde auch Wolfurt vom Stickereifieber erfaßt und veränderte die Gemeinde grundlegend. Die Bevölkerung verlegte sich auf die Stickerei und vernachlässigte die bisher dominierenden Wirtschaftszweige, wobei die Sticker sich in eine Abhängigkeit von der Konjunktur begaben.2 In guten Absatzjahren konnte unter der Ausnützung aller Familienmitglieder (Kinderarbeit) der Sticker sehr gute Einnahmen erzielen, während Absatzkrisen zu schweren finanziellen Einbußen führten. 1905, einem Krisenjahr, wurde keine Faschingsunterhaltung durchgeführt, da in der Gemeinde kein Geld vorhanden war.3 Trotz dieser ständigen Konjunkturschwankungen erhöhte sich die Anzahl der Stickereimaschinen in Wolfurt ständig. Während 1887 in Wolfurt 124 Handstickmaschinen waren, stieg die Zahl der Schifflistickmachinen 1900 auf 100, 1910 auf 143 Schiffli- und 26 Handstickmaschinen und bei der letzten Zählung vor dem I. Weltkrieg 1914 wurden in Wolfurt 115 Pantographen, 7 Automaten und Punchmaschinen gezählt.4 Die Stickereimaschinen wurden in der Regel in der Schweiz gekauft und in Raten abgezahlt. Während des Stickereibooms im Jahre 1900 15 sollen, wie in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel erwähnt wird, viele unbrauchbare, ausgeleierte Stickmaschinen von Wolfurtern in der Schweiz zu überhöhten Preisen gekauft worden sein.5 Mit diesen Maschinen soll laut Zeitungsbericht maneher Sticker 24 Stunden durchgearbeitet haben, um möglichst viele Stiche zu erreichen. Die Qualität der Stickereien auf diesen allen Maschinen dürfte aber schlecht gewesen sein und zum schlechten Ruf (= billige Ware) der Vorarlberger Stickereien in der Schweiz beigetragen haben. Um an den großen Aufträgen mitmischen zu können, wurde die Qualität der Ware vernachlässigt und nur bedeutende Mengen produziert. Als Mittel für die Qualitätsverbesserung in der Stickerei wurden von der Stickereischule Dornbirn Kurse in den einzelnen Stickereidörfern abgehalten. In Wolfurt fand beispielsweise 1901 ein solcher Kurs statt, der mit einem Kurs für Nachsticker fortgesetzt wurde. Diese Kurse wurden von der Wolfurter Stickereigenossenschaft mitorganisiert und teilweise finanziert. In Wolfurt gab es 1907 12 Sticklokale mit 4 bis 6 Maschinen, wobei die Masse der Sticker nur eine Stickereimaschine besaß.6 In engem Zusammenhang mit dem Stickereiboom steht auch die vermehrte Bautätigkeit in Wolfurt um 1906/07, als neben normalen Wohnhäusern auch vermehrt Villen und Stickereilokale errichtet wurden. Trotz des Reichtums und Wohlstands, der sich mit der Stickerei in der Gemeinde etablieren konnte, muß auf die Schattenseiten dieses Booms hingewiesen werden. Als Arbeitskräfte in den Stickereilokalen wurden hauptsächlich Jugendliche und Kinder verwendet, wobei keine gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen vorhanden waren. Der Gewerbeinspektor erklärte 1885 in einem Bericht: «. . . die Arbeitskräfte der Kinder in so übertriebenem Masse ausgebeutet wurden, daß die in den Stickereigegenden domicilierend Ärzte und sonstigen Menschenfreunde den physischen Ruin der jungen Generation mit Sicherheit voraussahen, falls dem eingerissen Treiben nicht in irgend einer Weise Einhalt gethan würde .. .»7 Der in St. Gallen beheimatete Stickereiverband, der seine Tätigkeit auf die Ostschweiz und Vorarlberg erstreckte und eine Vereinigung der großen Stickereihandelshäuser und der Einzelsticker war, einigte sich 1886 auf eine Arbeitszeitregelung in den Stickereien, wobei die Arbeitszeit von 7 Uhr bis 18 Uhr festgesetzt wurde.8 Als Druckmittel für die Einhaltung der Bestimmung wurde der Liefer- und Abnahmeboykott gegen «Ausbeuterfirmen» beschlossen. Als Vorarlberg sich 1892 vom Verband löste, war auch die Einhaltung dieser Regelung nicht mehr möglich und das Gewerbeinspektorat konnte nur nach den allgemeinen Bestimmungen des Gewerbegesetzes vorgehen.9 Die Stickerei wurde durch den I. Weltkrieg schwer getroffen und konnte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen. 1.5 Händler und Nahrungsversorgung Die ersten Quellen über Krämer und Händler in Wolfurt stammen aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. 1785 wird im Steuerbuch erstmals ein Krämer genannt. Im Steuerbuch von 1794 wird der Krämer Krispin Bildstein mit seinem Vermögen und seinen Schulden genannt.2 Bildstein, der 1755 noch als Wirt bezeichnet wird, gehörte zu den vermögendsten Personen im Dorf, hatte 4 Kühe und 1 Pferd im Stall und verfügte über bedeutenden Grundbesitz. Besonders interessant ist die Nennung seiner Schulden. Er hatte Schulden in Augsburg und Pavia; was auf Warenschulden hinweist und auch Rückschlüsse auf die Herkunft der von Bildstein verkauften Waren und auf seine Handelsbeziehungen zuläßt. Augsburg war das Handelszentrum Süddeutschlands und der Hinweis auf Schulden in dieser Stadt kann so interpretiert werden, daß Bildstein aus dieser Stadt Konsumgüter bezogen hat. 1798 suchte der Rösslewirt Baptist Rohner, der neben seiner Wirtschaft eine Branntweinbrennerei und eine Bäckereigerechtsame besaß, um eine Handelskonzession für Tuch, Zucker, Kaffee und Lichteran.3 Gegen dieses Ansuchen protestierten in einem Beschwerdebrief die anderen 4 Wolfurter Krämer. Sie hatten mit ihrem Protest Erfolg, da das Oberamt Rohner die Handelskonzession verweigerte. 4 Krämer in einem Dorf war für die damalige Zeit eine sehr hohe Zahl und es ist möglich, daß hier der Einfluß der Frühindustrialisierung sich bemerkbar machte.4 Die in der Heimindustrie beschäftigten Weber und Spinner verfügten, eine gute Konjunkturphase vorausgesetzt, über Bargeld, eine ständige Einnahmequelle. Diese Geldmittel wurden in Heimindustriegegenden in der Regel für den Einkauf von Konsumgütern verwendet. Es ist auch für Wolfurt, der führenden Webereigemeinde in Hofsteig, mit einer Veränderung des Konsumverhaltens zu rechnen, die sich in einer Vermehrung der Krämer im Dorf ausdrückte. Im Jahre 1840 gab es in Wolfurt nur mehr 3 Krämer und einen Mehlhändler.5 Ob das Ansuchen des Michael Lau aus dem Jahre 1828 um Verleihung einer Händlerkonzession für Kaffee und Zucker angenommen wurde, geht aus den erhaltenen Akten nicht klar hervor.6 Zur unmittelbaren Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dienten Bäcker und Metzger. In der Tabelle der Handwerksberufe ist aber die geringe Zahl der Bäcker während des ganzen Untersuchungszeitraumes deutlich zu erkennen. Dies ist nur mit der Annahme zu erklären, daß Brot im eigenen Haushalt erzeugt wurde und auch Hausschlachtungen durchgeführt wurden. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist die Verbindung der Bäckergerechtsame mit einigen Wirtshäusern im Dorf. So besaßen 1798 die Wirte Baptist Rohner (Rössle) und Johann Haltmayer in ihrem 16 17 Wirtshause eine Bäckereigerechtsame, wobei diese «ex radice» war. Bei dieser Rechtsform lag die Gewerbeberechtigung auf dem Hause selbst und setzte keine Gewerbeausbildung des Hausbesitzes voraus. Diese Form der Gewerberechtsame wurde in den Steuerbüchern aber nicht erwähnt, da sie nicht zu versteuern war, während die «Profession» der anderen Handwerker mit einer Pauschalsumme versteuert wurden (20 Gulden). Über die Brotpreisgestaltung im 19. Jahrhundert hat sich im Gemeindearchiv ein Brief des Wolfurter Bäckers erhalten. Die Brotpreise wurden amtlich verordnet und in Wolfurt galt, wie in allen Gemeinden des Amtsbereiches Bregenz, der Bregenzer Brottarif. 1838 bat der Wolfurter Bäcker (Name im Akt nicht genannt) die Bregenzer Tarife für Wolfurt abzuschaffen, da die Tariftabelle erst mit 8 bis 14 Tagen Verspätung in Wolfurt eintreffe.7 Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich im Gemeindearchiv zahlreiche Brotbeschauprotokolle erhalten. Durch ein Gemeindeorgan wurden bei den Bäckern Gewichtskontrollen und Preisüberprüfungen durchgeführt, wobei bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Gewichte und Preise das Brot durch die Gemeinde beschlagnahmt und an die Gemeindearmen ausgegeben wurde. Über den Fleischverzehr und die Nahrungsgewohnheiten haben sich keine schriftlichen Hinweise finden lassen, sodaß Vermutungen angestellt werden müssen. Der Fleischbedarf dürfte auch in Wolfurt, wie in allen Vorarlberger Gemeinden des 19. Jahrhunderts eher gering gewesen sein und die Ernährungsgrundlage aus Mehl- und Kartoffelspeisen bestanden haben. In einem Brief des Landgerichts Bregenz an die Gemeinde Wolfurt aus dem Jahre 1832 wurde festgestellt, daß neben der bereits erwähnten Brottaxe auch die vom Stadtmagistrat Bregenz festgesetzte Fleischtaxe in den Gemeinden nicht eingehalten werde. Ein Metzger wird in Wolfurt erst 1832 genannt, der vermutlich Lohnarbeiten ausführte. Über den Getränkekonsum und die Getränkeerzeugung in der Gemeinde sind ebenfalls nur wenige Nachrichten erhalten. Der im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so bedeutende Weinbau spielte im 19. Jahrhundert keine sehr bedeutende Rolle mehr und dürfte mit der Eröffnung der Arlbergbahn und der damit verbundenen Einfuhr von billigem Südtiroler Wein ganz zugrunde gegangen sein. Im Steuerbuch von 1785 werden beim Wirt Johann Haltmayer in der Vermögensaufstellung unter anderem der Weinvorrat im Keller und Reben genannt und auch bei den Privatpersonen Josef Anton Haltmayer und Amtsamman Josef Fischer werden Reben und Weinvorräte im Kellerals zu versteuerndes Vermögen aufgezählt.9 Im Kartenwerk vom Jahre 1857 wurden noch einige Weinberge in Wolfurt und in Rickenbach eingezeichnet. Viel wichtiger dürften damals die kleinen Bierbrauereien gewesen sein, die sich in den Gasthäusern befanden. 1853 suchte der «Rössle»-Wirt Caspar Haltmayer bei der Gemeinde um eine Bierbrauereikonzession an und erhielt vom Gemeindeausschuß auch die Genehmigung.10 Eine weitere Brauerei war die bis 1902 bestehende Brauerei des Johann Georg Fischer." Weiters spielte die Branntweinerzeugung in Wolfurt eine große Rolle. 1798 besaß der «Rössle»-Wirt Baptist Rohner eine Branntweinerzeugungskonzession und 1842 nahm der Gemeindevorsteher Martin Schertler in einem Brief an das Kreisamt Stellung zur Einfuhrzollerhöhung von Obstbranntwein. '2 Er erklärte darin, daß im Inland zu viel Fruchtbranntwein erzeugt werde, der Obstpreis dadurch heruntergesetzt 18 werde und daher den Bauern die Obstkultur nicht mehr am Herzen liege. Es könnte sich bei diesem Fruchtbranntwein um die heute noch bekannte Spezialität «Subircn> handeln. Die Branntweinerzeugung muß aber im allgemeinen historischen Kontext des 19. Jahrhunderts gesehen werden. In einem Akt des Kreishauptmann Ebner wird der Alkoholismus als das größte soziale Übel in Vorarlberg während des 19. Jahrhunderts genannt. Die Trinkwasserversorgung in Wolfurt hat sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung abgespielt und konnte mit dem enormen Bevölkerungswachstum und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.0 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Regenwasser hatte. Wegen diesem unhaltbaren Zustand kam es im Rössle zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, auf der die Suche nach einer Quelle für die allgemeine Wasserversorung beschlossen wurde. Im Zeitungsartikel wird die durch die Industrie stark zugenommene Bevölkerung als Grund für die Wasserprobleme genannt. Der Schwanen. Einstmals zentrales Gasthaus mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal. 19 1.6 Industrielle Betriebe in Wolfurt Im 19. Jahrhundert befanden sich in Wolfurt nur zwei industrielle Betriebe: die Spulenfabrik Zuppingcr und die Maschinenfabrik Doppelmayr. Der Gründer der Spulenfabrik Zuppinger war Konrad Zuppingeraus dem Kanton Zürich, der 1873 in Wolfurt eine kleine Holzspulenfabrik errichtete. Unter seinem Sohn Johann Walter wurden Filialbetriebe in Mähren und Bayern errichtet. In Wolfurt wurde die Produktion von Holzspulen 1909 eingestellt. Die Familie Zuppinger hatte auch Mühlen errichtet und nach Stillegung der Spulenfabrik den Mühlenbetrieb weitergeführt. Die Maschinenfabrik Doppelmayr geht auf die mechanische Werkstätte des Josef Dür zurück. Der Nachfolger Dürs, Konrad Doppelmayr, hat mit der Herstellung von Getrieberädern und landwirtschaftlichen Geräten den Anfang der Maschinenfabrik gemacht. Mit dem Eintritt Emil Doppelmayrs in die Fabrik im Jahre 1910 wurde das Produktionsprogramm auf Lasten- und Personenaufzüge erweitert. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erstellte die Fa. Doppelmayr in Zürs den ersten modernen Umlaufschlepplift Österreichs und spezialisierte sich daraufhin auf die Erzeugung von Skiliften. Bedeutende Textilbetriebe entstanden erst in den zwanziger Jahren in Wolfurt. 1.1 Landwirtschaft 1 Benedikt Bilgeri, Der Getzreideanbau im Lande Vorarlberg. Dornbirn 1947, S. 212—215 2 Mathias Schneider, Wolfurter Chronik. «Merkwürdige Begebenheiten». Manuskript. Gemeindearchiv Wolfurt 3 Vorarlberger Volksblatt 10. 10. 1929 4 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbücher 5 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1870. Innsbruck 1871, S. 8 Ergebnisse der in Vorarlberg am 31. 12. 1910 vorgenommenen Volks- und Viehstandszählungen. Bregenz 1911. S. 3 6 Gemeindeausschußprotokoll 16. 11. 1869, zukünftig mit GAPr abgekürzt 7 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1872. Innsbruck 1873, S. 29 8 GAPR 5. 2. 1873 9 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1871. Innsbruck 1872, S. 49 10 GAPR 28. 3. 1897 11 GAPR 6. 9. 1898 12 GAPR 29. 10. 1898,22.9. 1899 und 23. 10. 1899 13 GAPR 17. 3. 1897 und 28. 3. 1897 1.2 Handwerk 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Steuerbücher Gemeindearchiv GAPR 17. 11. 1880 Handelskammer Feldkirch, Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1904, S. 46 Vorarlberger Landesarchiv, KOA 1 Seh 104, Nr. 111, 1791. Landesarchiv wird mit VLA abgekürzt werden Gemeindearchiv Wolfurt Seh 1800 Vorarlberger Volksblatt 9. 5. 1884 Vorarlberger Landbote 23. 1. 1885 Feldkircher Zeitung 15. 10. 1885 GAPR 23. 10. 1899 GAPR 22. 11. 1899 Österreichische Statistik, Band 77, S. 176 GAPR 27. 3. 1906 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1909, S. 112 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1912, S. VII GAPR 23. 10. 1899 1.3 Textilverarbeitung 1 Kaspar Schwärzler, Tabelle über die in der Graf- und Herrschaft Bregenz und Hohenegg befindlichen Fabriken. Manufakturen und Commercialprofessionisten 1767. In: Archiv für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs 1906/7. S. 58 2 Gemeindearchiv Wolfurt, Vermögenssteuerverzeichnis 1762, Folio 49 und Folio, S. 177 3 Schwärzler, Tabelle S. 57 20 21 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 144 VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KA 1 Seh 239 Gemeindearchiv Wolfurt, wie 12 Steuerbuch 1795 Waisenbuch Wolfurt, I./5 Folio 413 und I./6 Folio 324 Steuerbuch 1794 Siegfried Heim Vermögenssteuerverzeichnis 1815 Schachtel 1800 1.4 Stickerei 1 2 3 4 5 7 8 9 VLA, KA II Seh 38. IV 1931 + IV 2404, Stickstückferker Ansuchen aus Wolfurt 1857 GAPR23. 10. 1899 Ferdinand Schneider, Wolfurter Chronik, Original Gemeindearchiv Wolfurt. S. 227 Gerhard Alge, Die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Vorarlberger Stickerei bis 1914 und ihre Beziehung zur Schweiz. Diplomarbeit Wien 1978, S. 36 und 54 Schneider Chronik s. 230 Vorarlberger Volksblatt 4. 1. 1900/6 Schneider, Chronik S. 233 und 234 Bericht Gewerbeinspektorat 1885, S. 406 Feldkircher Zeitung 30. 1. 1892 und Gewerbeinspektorat S. 407 Schneider Chronik S. 189 Feldkircher Zeitung 12. 11. 1892 1.5 Händler und Nahrungsmittelversorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1785, Folio 34 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1794, Folio 28 VLA, KOA 1 Seh 145 VLA, KOA 1 Seh 145, Kommerz 1804 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1840 VLA, KA 1 Seh 516 Zoll Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800, Gewerbe, 1838 Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800 Steuerbuch 1785, Folio 306 + 332 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschluß Nr. 10, 1853 Einkommenssteuerverzeichnis 1873 und Heinrich Wurm, Historisches Verzeichnis der Österreichischen Braustätten und Brauereifirmen. Linz 1980, S. 81 12 VLA, KA 1 Seh 526, Zoll 3374 13 Vorarlberger Landbote 10. 2. 1893 Dieser und einige folgende Artikel sind teilweise aus Schriften zur Vorarlberger Geschichte zusammengetragen. Für besonders interessierte Leser schreibe ich sie hier auf: ( 1) Bilgeri, Geschichte Vbg., 1971-86 ( 2) Bilgeri, Getreidebau, 1948 ( 3) Burmeister, Geschichte, 1980 ( 4) Burmeister, Landesmuseumsverein 125/1982 ( 5) Burmeister, Die Wolfurter, 1984 ( 6) Heim, Zeittafel, 1985, Heimat Wolfurt 1 ( 7) Heim, Steußberg, 1983 ( 8) Heim, Schlösser, 1983 ( 9) Heim, Jüngste Marktgemeinde, 1982 (10) Kleiner, Hofsteiger Landsbrauch, 1902 (11) Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952 (12) J. Heinzle, Ortskunde, 1967 (13) Bernhard, Jungbürgerbuch, 1978 (14) Heimatbuch Lauterach, 1953 und 1985 (15) Häfele, Bilder aus der Geschichte, 1922 (16) Gunz, Familienchronik, 1892 (17) Pfarrer Feurstein, Seelenbeschrieb Ia, 1760 (18) J. Walser, 400 Jahre Pfarre, 1912 (19) Anwander, Pfarre St. Nikolaus, 1931, Holunder 30 (20) Weizenegger-Merkle, 1839 (21) Rapp, Generalvikariat, 1896 (22) «Hofrieden» im VLA Anmerkungen im folgenden Text beziehen sich auf diese Quellen. Ackerbau in Hofsteig Bis zum Jahre 700 n. Chr. hatten die Alemannen das Unterland bis zum Kummenberg besiedelt, während im Oberland weiterhin die Rätoromanen fest verwurzelt waren. An der Kummen-Grenze trafen sich auch die Einflußsphären des Bistums Konstanz im Norden und des Bistums Chur im Süden. Durch Jahrhunderte blieb diese Teilung bestehen. Der Unterschied reichte in die Belange von Wirtschaft, Recht und Kultur hinein. (13/Seite 14) Benedikt Bilgeri weist in seinem «Getreidebau» diese Grenzen auch im Ackerbau nach.(2) Lange Jahre gehörte das Unterland zum «Vesen»-Gebiet der Alemannen im Bodenseeraum, das Oberland aber zum Gebiet des «Mischkorns», das sich über Liechtenstein nach Graubünden fortsetzte. Bregenzerwald und Allgäu aber bildeten aus klimatischen Gründen das «Haben>-Gebiet, zu dem als Ausnahme in der Ebene auch noch Hofsteig gezählt werden muß. 23 22 Die Milchwirtschaft spielte im Lande schon seit der Keltenzeit eine beachtliche Rolle, auch Obst- und Weinbau besaßen neben der Schweinezucht eine gewisse Bedeutung. Den Hauptanteil bei der Ernährung trug aber immer der Getreidebau Acht Getreidesorten wurden in Wolfurt angebaut: Vesen, Däntel, Weizen, Hafer, Roggen, Gerste. Hirse und Türken. 1. Vesen, «feaso», «Spelz», «Dinkel», auch einfach «Korn» genannt, ist ein widerstandsfähiger Winterweizen, bei dem die Körner wie bei Gerste mit dem Spelzblättchen verwachsen sind und von diesen Hülsen vor dem Mahlen befreit werden müssen. Enthülste Früchte heißen dann «Kernen». Drei Malter Vesen ergaben nur ein Malter Kernen. Für die Alemannen war Vesen weitaus das wichtigste Getreide. Sie hatten den Vesenanbau von den Römern übernommen (Getreidefund aus dem 1. Jhdt. in Brigantium), doch findet sich Vesen auch schon in Schweizer Pfahlbauten. Ins Oberland drang der Vesenanbau erst im 17. u. 18. Jhdt. vor. Aus Lustenau und Höchst wurde lange Zeit Vesen-Saatgut ins Schwabenland exportiert (Weizenegger-Merkle). Während Vesen im übrigen Österrreich unbekannt war, gab es in Vorarlberg noch 1913 mehr Vesen als Weizen im Verhältnis 165 ha zu 101 ha. 1944 wurden nur mehr 8 ha Vesen angebaut. Seither ist der alemannische Weizen bei uns verschwunden. In Niederösterreich wird Dinkel aber in allerneuester Zeit für die «Hildegard-Medizin» angebaut. Die Heilige Hildegard von Bingen (1098—1179), die große Mystikerin und Naturwissenschaftlerin, setzte das Dinkelkorn an die Spitze ihrer Ernährungslehre und pries seine Vorzüge an. Ihre Anhänger suchen heute wieder im einfachen Essen mit DinkelVollkorn Gesundheit und Kraft. 2. Däntel (auch «Dintel» genannt, nicht verwechseln mit Dinkel-Spelz), ist ein Winterweizen mit starken Grannen und Einzelkörnern («Einkorn»). Er läßt sich als ältester Weizen schon in der Steinzeit nachweisen und hatte in Vorarlberg das gleiche Verbreitungsgebiet wie Vesen. Im übrigen Österreich war er unbekannt. Um 1850 wurde er in Wolfurt noch angebaut. Der Müller Gunz berichtet in seiner Chronik, daß man damals aus Vesen und Däntel nur 40 % Mehl mahlte, während der neu eingeführte Weizen 75 % Mehl ergab. Der Rest wurde allerdings noch einmal untergeteilt in Kleie und das grobe «Jaumehl», aus dem sparsame Hausfrauen noch Hafenlaib kochten. Seit 1930 ist der Däntelanbau ganz verschwunden. 3. Weizen, vor allem der Zweikorn-Weizen «Emmer», wurde von alters her im Oberland angebaut, am häufigsten allerdings als «Mischkorn» oder «Halbkorn» mit Roggen vermischt. Erst im 19. Jhdt. setzten sich neue Weizensorten durch und verdrängten mit ihrem höheren Ertrag die alten Sorten Vesen und Däntel. Durch Getreide-Importe aus Ostösterreich, Frankreich, Argentinien, Kanada und anderen Staaten ist der mit Unwetter-Risiko behaftete Weizenanbau im Lande Vorarlberg seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu ganz verschwunden. 4. Hafer, «Haber», wurde aus klimatischen Gründen in höheren Lagen angebaut, wo Vesen nicht mehr gedieh. 1576 berichtet Junker Hans Georg v. Wolfurt «Zue Alberschwendi gibt man in dem großzehenden keine andre frucht als haber.»(2/200) Auch Schleh schreibt 1616 in seiner Emser Chronik (S. 28) «Ob Alberschwendi liegt das Gericht Lingenaw, dessen Kirchensatz auch dem Abt von Bregenz gehörig, beyde Wilde Bergechte örther jedoch ohne Felsen allda kein ander Frucht als Haber wachßt.» Vom Steußberg (Bildstein und Buch) erhielt das Kloster Mehrerau 1601 nur 4 Viertel Vesen, aber 149 Viertel Haber als Zehent. Auch 1817 bestand die Steußberger Getreideernte noch zu 95% aus Haber nämlich 3800 von 4034 Vierteln. Getreidemaße: Ein Bregenzer Viertel faßte 21,5 Liter Kernen, d. s. etwa 13 kg, ein Feldkircher Viertel faßte 24,9 Liter, ein Alberschwender Viertel 30,6 Liter. Jedes Gericht, ursprünglich jeder Hof, hatte seine eigenen Maße. 1 Viertel sind 4 Vierling (zu je 5,4 Liter), 4 Viertel sind 1 Scheffel (86 Liter). 8 Viertel sind 1 Malter (172 Liter). In Bregenz gab es allerdings auch noch einen großen Malter von 18 Vierteln (demnach 387 Liter). Im 19. Jahrhundert wurde das Viertelmaß verdrängt. Jetzt galt: 1 Metze faßt 2 Staren, das sind 61,5 Liter (2/181). In Wolfurter Bauernhäusern findet sich noch heute der mit Brandzeichen geeichte halbe Staren für etwa 15 Liter Körner. Gunz berichtet: «Das Getreide wurde gemessen mit Staren, Vitel (so sagte man in Wolfurt zum Viertel) und Vierling. Ein Star hatte ungefähr 42 alte Pfund oder 19 kg». (16/170) 24 25 Zurück zum Haberanbau. Während im Unterland fast überall Vesen das Hauptgetreide für das tägliche Brot war, bildete das konservative Hofsteig eine Ausnahme. Hier stand Haber an der ersten Stelle. Von 1447 steht im Mehrerauer Zehentbuch aufgeschrieben: «acht malter haber und vier malter vesen, alles Bregentzer meß, nämlich in dem dorffe zuo Wolfurt.» Ein ähnliches Verhältnis gilt vom hofsteigischen Schwarzach, das 1603 nördlich des Flusses 33 Viertel Haber und nur 11 Viertel Vesen abführte, während der Zehent an die Emser Grafen in dem zu Dornbirn gehörigen südlichen Teil umgekehrt zu 8 Viertel Haber 32 Viertel Vesen betrug. (2/206) Auch als in Wolfurt um 1870 der Türken zum Hauptgetreide geworden war, so daß «Stopfar» und «Hafoloab» nicht mehr aus Vesenmehl, sondern aus Türkenmehl und Türkengrieß gekocht wurden, gab es am Morgen noch ab und zu ein Habermus, «. . . dann ist man auf den ganzen Tag gefüttert.» (16/156) Noch 1938 kochte uns unsere alte Großtante Karolina manchmal ein dickes Habermus oder einen Haberstopfer, sonst galt damals Hafer eigentlich nur als Pferdefutter. Als 1888 Pfarrer Kneipp in Wörishofen den Bohnenkaffee verdammte und Malzkaffee empfahl, begann Plaze Gunz in Rickenbach für die allerorts entstehenden Kneippvereine Hafer zu Malz zu rösten. Die erste Malzrösterei Vorarlbergs war ein gutes Geschäft, bis sie nach fünf Jahren der Konkurrenz von Kathreiners Malzkaffee unterlag. Aber noch einige Zeit wurden Hafer als Farbmalz für dunkles Bier und sogar Roggen als KaffeeErsatz für die Kneippianer geröstet. Den Rauch roch man bis Schwarzach. (16/429, 434 u. 521) 5. Roggen wurde bis ins 18. Jhdt. im Unterland noch fast gar nicht angebaut, im Oberland meist nur als Halbkorn mit Weizen vermischt. Auch im 19. Jhdt. blieb der Roggenanbau im Land unter 10 % der Getreidefläche. Erst der Getreide-Import mit der Arlbergbahn machte um das Jahr 1900 das billige Schwarzbrot zum täglichen Brot. Der Müller Gunz berichtet im Jahre 1895 vom billigen Importgetreide, daß 100 kg bester Weizen franko Schwarzacher Bahnhof nur noch 9 bis 12 Gulden (samt Sack) kostete, Roggen gar nur 6.50 bis 8 Gulden und Türken sogar nur 5.50 Gulden (16/346). 6. Gerste wurde ursprünglich wie Weizen auch nur im Oberland angebaut, vor allem im Montafon. Weit verbreitet war im Oberland die «Mengfrucht», eine Mischung von Gerste und Hafer, auch «Mischelkorn» oder «Rauchkorn» (= rauhes Korn) genannt. Sehr spät wurde in den Hanglagen im Unterland etwas Gerste angebaut. So meldete Streußberg im Hungerjahr 1817 die Ernte von 90 Vierteln Gerste. Das waren aber nur 2 % der Getreideernte, die damals ja noch fast zur Gänze aus Hafer bestand. Ob der Adlerwirt J. Gg. Fischer, der von 1874 bis 1906 in Rickenbach in seiner Waschküche das erste Bier für die Wolfurter braute, dazu eigene Gerste röstete oder Malz kaufte, konnte ich nicht mehr feststellen. Die Gunz-Mühle hatte ihre Gersten-Stampfe schon 1852 eingehen lassen, in der HolzMühle konnte man noch bis 1920 seine Gerste «rollen» lassen. Dabei wurde sie von den Hüllspelzen befreit, so daß man daraus mit Bohnen und rußigem Speckdie in Wolfurt noch heute so beliebte «Kichoro»-Suppe zubereiten konnte. 26 7. Hirse läßt sich als Getreide zwar schon in den Pfahlbauten nachweisen und wurde auch im Mittelalter im ganzen Land angebaut, aber niemals in den Getreide-Eschen, sondern nur wie Hanf, Flachs und Rüben am Rand der Flur in kleinen «Ländern», also eingezäunten Gärten. Daher war Hirse auch nicht Großzehent-pflichtig, sondern wurde mit dem Kleinzehent besteuert, der meist in bar bezahlt werden konnte. Aus Hirse kochte man Hirsebrei, nur ganz selten backte man Brot daraus. Es gab Rispenhirse «Hirsch» und Kolbenhirse «Fenk». Beide sind im 18. Jhdt. verschwunden, in Hofsteig schon viel früher. Jedenfalls heißt es in Mehrerau 1577 vom Hofsteiger Kleinzehent, daß man ihn «von Obst, Rüben, Bohnen, Erbsen, Hanf und Werk (= Flachs) und sonst von nichts mehr geben müsste». (2/80) «Türggo-Usmacho» bei Familie Reiner an der Lauteracherstraße 8. Mais, «Türken», Welschkorn. Mais stammt aus Amerika und war daher wie auch die Kartoffel im Mittelalter bei uns noch völlig unbekannt. Aber schon um 1600 tauchte das Welschkorn aus Italien, wo es «gran turco» genannt wurde, über die Pässe in Tirol und 1650 in der Schweiz auf. Von dort verbreitete er sich bis 1710 über das ganze Rheintal, aber wegen der Dreifelderwirtschaft konnte er nur in Bündten und Gärten, nicht aber in den großen Getreide-Eschen angebaut werden. Türken brauchte viel mehr Pflege als die alten Getreidesorten Vesen und Haber und reifte selbst im iöhnbegünstigten Rheintal so spät, daß die althergebrachte Brachweide im Herbst unmöglich wurde, wenn sich der Türkenanbau ausweitete. Andererseits konnte sich Vorarlberg am Ende des 17. Jhdts. nicht mehr selbst ernähren. Krieg, Mißernte und Einquartierung von Soldaten führten zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 an die Regierung (2/85): 27 «. . . dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt b'ettlendt vor der thür suechen müessen . . . » « . . . zue deme mueß sich disses rauhe bergige landt mit handarbeiten, alß von villenmaurern, zimmerleuthen und stainmetzen, außerhalb des vatters thür, als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt hin ernehren und erhalten, gestalten, daß allejahr, so ich allergnawist bißher beobachtet, über die 7 bis 8000 alte und jungeleuth, kinder, bueben und megdlein, welch letztere mit spinen und viechhüetten sich ernehren müessen, außer dem landt begegen.» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! Es wurde noch schlimmer. Als Ludwig XIV. 1681 das Elsaß besetzte und 1689 bis 1697 der Pfälzische Krieg in ganz Süddeutschland wütete, mußten die Vorarlberger Saisonarbeiter zu Hause bleiben, wodurch die Not ganz unerträglich wurde und zu Raub und Totschlag führte. Ein Hofsteiger Gerichtsprotokoll schreibt 1689: « . . . eine solche ellendt betriebte zeit...» (2/88) Hunger tut weh und macht erfinderisch: Weitere Rodungen waren nicht mehr möglich, denn der ganze Vorderwald war schon ein Getreideland. Der Flächenertrag mußte gesteigert werden! Das konnte nur mit dem neuen Welschkorn gelingen. Aber dann mußten zuerst Brachfeld und Brachweide aufhören. Um das Jahr 1700 kam es überall im Land zu Mißständen. Ammänner und Richter mißbrauchten vielfach ihre Stellung in Eigennutz und Verwandtenwirtschaft. Durch private Nutzung und Verschwendung schmolz auch der Gemeinbesitz des Gerichts Hofsteig an Weide und Wald zusammen. Das Gericht beschaute keine Zäune und Gräben, man befolgte die Satzungen des Hofsteiger Landsbrauches nicht mehr. Die Reichen drangen mit Düngung und zweimaligem Mähen auf Kosten der Armen ins gemeinsame Weideland vor. (1/III/222 ff.) Die Unzufriedenheit des «Gemeinen Mannes» führte zu bösen Auftritten gegen die Richter und den Ammann. Als Sprecher der einfachen Leute verfaßte Georg Roner von Wolfurt eine Anklageschrift und suchte Hilfe beim Kaiser in Wien. 1706 kam es sogar zum bewaffneten Aufstand. Eine Änderung der Verhältnisse trat aber erst ein, als Georg Roner selbst 1710 und noch einmal 1713 zum Hofsteig-Ammann gewählt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Almenden des Gerichts auf die einzelnen Dörfer verteilt, nur der Ippachwald, die Auwälder an der Ach und das Ried blieben noch fast 100 Jahre im Gemeindebesitz. (1/III/232 und 273) Die Esche wurden auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Jetzt stand dem privaten Maisanbau nichts mehr im Wege. Die Anbauflächen stiegen ständig. 1727 weigerten sich die Hofsteiger noch, von der neuen Frucht, die bisher mit Kleinzehent besteuert worden war, von nun an Großzehent in natura abzuliefern, mußten aber schließlich doch den Zinsknechten den zehnten Kolben samt Stroh überlassen. Im Mehrerauer Zinsbuch von 1731 steht: «Allda wird das der Orten vor wenig Jahren entstandene und eingeführte Welschkorn unter den Großzehent gerechnet, daher in natura bezogen.» (Bilgeri, Holunder 1927/42) 28 In Wolfurt stieg der Welschkorn-Zehent von 78 Vierteln im Jahre 1732 auf 126 Viertel 1761. (2/93) 1817 übertraf in Wolfurt die Türkenernte mit 1620 Vierteln schon deutlich die Haberernte mit 1280 Vierteln. An der Spitze lag noch immer der Vesen mit 3250 Vierteln. Aber das allmorgendliche Habermus wurde langsam vom Türkenmus und schließlich vom TürkenStopfer verdrängt. Dazu eine Tabelle über die Getreideernte von Wolfurt im Notjahr 1817 im Vergleich mit den Nachbargemeinden. Ernteergebnisse 1817 in Vierteln (1 Viertel ist rund 13 kg). Vesen Wolfurt Lauterach Schwarzach Steußberg Kennelbach 3250 5850 1000 Haber 1280 2080 Dintel 1125 1530 Gerste Türken 1620 2120 unbekannt 100 3800 90 300 250 220 54 30 0 0 0 90 0 0 20 (2/65 ff) Eines von den 200 Wolfurter Bauernhäusern: Waibels in Unterlinden. Ein riesiger «Ufzug» für Vesen- und Türken-Korn und ein großer Keller für Obst, Kartoffeln und Most. 29 Das waren schon beachtliche Türken-Ernten, aber sie verdoppelten sich in den nächsten Jahrzehnten noch. 1840 hatte der Maisanbau im Lande alle anderen Getreidesorten hinter sich gelassen: Jetzt erntete Vorarlberg bereits 80.000 hl Mais gegenüber 55.000 hl Vesen und Gerste. (Bilgeri, Holunder 1934/20) Noch mehr verschob sich das Bild bis 1884. Aus diesem Jahr liegt eine detaillierte Angabe der Anbauflächen Vorarlbergs vor. 1783 ha Türken im Rheintal und im Walgau 883 ha Weizen im Rheintal. vor allem im Oberland 507 ha Vesen (Spelz) im Unterland 504 ha Gerste überall, vor allem im Montafon 458 ha Haber vor allem im Raum Bregenz 285 ha Roggen überall zerstreut 232 ha Mengfrucht Getreidemischung im Oberland 51 ha Halbfrucht Getreidemischung im Oberland Im Jahre 1884 hatte aber der Getreideanbau in Vorarlberg seinen Höhepunkt bereits überschritten. Als ab 1872 die Vorarlbergbahn ganze Schiffsladungen von Getreide zu den Mühlen brachte, und als gar 1884 der Arlbergtunnel als Tor zu den Kornkammern der Monarchie eröffnet wurde, ging der Getreideanbau im klimatisch benachteiligten Vorarlberg schnell zurück. Das zeigt sich am deutlichsten am Beispiel Türken, der doch mit -Riebel («Brösel». «Stopfar») und «Hafoloab». aber auch mit Polenta und Türkenmus die Mägen und Herzen der Vorarlberger erobert hatte: Das Rekordanbaujahr war 1896 mit 1832 ha Mais gewesen (2/82) 1884 waren es noch 1783 ha, 1913 waren es noch 1174 ha, 1933 nur mehr 241 ha. Durch den Zweiten Weltkrieg stieg die Anbaufläche noch einmal bis 1946 auf 547 ha. Dann verschwand der Türken bis 1955 fast völlig aus den Feldern. Heute bauen wieder manche Bauern Mais als Viehfutter an. Die Maismühlen findet man aber nur mehr in winzigen Modellen bei Hobby-Gärtnern und Kneipp-Vereinen. Der Müller Lorenz Gunz berichtet noch allerlei Interessantes in seiner Chronik: «Wie mein Großvater Lorenz Dür noch jung war (um 1800) sind die Bauern, wenn sie die Saat im Boden hatten, im Mai auf den Bühel hinaufgelegen und haben gesungen und gejodelt.» (16/225) «Im Herbst hatte man den Keller voll Kartoffeln, eine Stande voll Rüben, eine Stande voll Kraut, ein Schnitztrog hat nicht gefehlt («Schnitz» = gedörrtes Kernobst). Und dann hat man ein Schwein geschlachtet, oder zwei bis drei Bauern mitsammen eine Kuh. Den ganzen Aufzug (= Dachboden) voll Türkenkolben, auch ganze Tröge voll Weizen, Fese (= Vesen), Roggen und für die Pferde etwas Hafer. Die Bauern haben sich gesagt, wenn alles unter Dach und Fach gebracht war, jetzt laßt den Winter nur kommen. Die Bauern sind nach dem Futtern aufden Ofen gesessen und haben sich die Pfeife gestopft und haben Most und Schnaps getrunken . . .» (16/155) 30 Angebaut wurden «Das Brot wurde meistens selber gebacken. Kaffee gab es nicht. Am Morgen gab es ein dickes Türkenmus oder eine solche Suppe aus Hafer oder Türkenmehl mit gerösteten Kartoffeln zur Suppe. Ab und zu am Morgen ein Hafermus . . . Damals (um 1870) hat sich der Morgenkaffee mit Stopfer schon etwas vorgedrängt. Wenn im Sommer die Männer morgens im Feld gemäht haben, nahm die Hausfrau die Muspfanne auf den Rücken und die hölzernen Löffel in den Sack und trug das Frühstück ins Feld.» (16/156) Das Ried 1971. Flotzbach und Nöüwiesa waren bevorzugte Ackerflächen. Heute steht hier im Streuegebiet im Kupferloch der Güterbahnhof. Die Müller sammelten mit einem Pferdefuhrwerk die Bauernstumpen (kleine Getreidesäcke), jeder Sack war mit der Hausnummer gekennzeichnet. Beim Mais war auch noch ein kleiner Kleie-Säck dabei. Die Bauern brachten 10 bis 25 kg Mais zum Mahlen... Als Mahllohn nahm der Müller 1/16 Anteil vom Mehl. Die Bauern zweifelten oft an der Ehrlichkeit. (16/170) Ursprünglich mußten alle Hofsteiger ihr Getreide in Lauterach mahlen lassen, doch bald bekam auch die «hundsmühle» in Rickenbach ähnliche Rechte. Auch der Kellhof besaß eine Mühle im Tobel (der«Melber»), und zum Schloß gehörte eine Mühle im Holz. Am Ende des 18. Jahrhunderts finden wir eine Mühle im Rickenbacher Oberdorf und die Riedmühle im Kessel. Später entstanden eine zweite Mühle im Holz (bei der alten Schmiede) und Dreihers Mühle in Unterlinden, die zuletzt noch ein Sägewerk betrieb. Die Sippe Dür— Gunz erbaute um 1850 zwei Mühlen am Rickenbach, von denen sich eine zur Großmühle Gunz mit der Niederlassung in Bludenz entwickelte. 31 Um 1890 hatte schließlich auch noch J. W. Zuppinger zu seiner Spulenfabrik im Kessel eine turbinenbetriebene Großmühle erstellt. Nicht zu vergessen sind Hilaris Mühle auf dem Bühel und Zehrers elektrische Mühle im Strohdorf, die während der beiden Weltkriege viele Wolfurter Haushalte belieferten. Heute sind sie alle verschwunden. Kartoffeln («Erd-Öpfol», «Grumbbora», in Wolfurt sagt man «Bodo-Biera») 1530 kamen die Knollenfrüchte aus Südamerika nach Spanien. 1588 trafen sie als botanische Seltenheiten in Wien ein und 1594 in Frankfurt. Aber schon 1680 wurde die Kartoffel in Ostösterreich feldmäßig angebaut (Niedl, Alpenländische Wirtschaftsforschung 1972) In der Schweiz wurde sie ab 1730 angebaut und auf vielerlei Arten gegessen: gesotten, gedörrt, als Mehl, Brot oder Brei. Ähnlich wie bei uns lag sie aber dort noch 1790 mit Kürbis, Bohnen, Kraut und Rüben weit hinter den vielen Getreidearten zurück. Erst die vom «bleichen Kometen von 1769» angekündigten Hungerjahre 1770—1773 verhalfen der Kartoffel zum Durchbruch. (Bündner Monatsblatt 1982/117) In Wolfurt gaben die Verteilung der Felder anfangs des 18. Jahrhunderts, die Kultivierung der Insel und der Löcher 1773 und schließlich noch die Riedteilung 1798 den Bauern die Möglichkeit, neue Äcker anzulegen und mit den neuen Feldfrüchten Mais und Kartoffeln den Hunger zu besiegen. Das Jahr 1817 brachte durch Überschwemmung und Hagel im Vorjahr noch einmal eine Hungerkatastrophe, bei der viele Kinder sterben mußten. Wucherer sollen damals das Mehl mit Gips «gestreckt» haben. Dann aber stieg der Kartoffelanbau sprunghaft an und übertraf 1840 schon alle Getreidearten zusammen um das Dreifache. Auch als durch Getreideimporte ab 1870 der Ackerbau stark zurückging, konnte sich die Kartoffel im Lande halten und wurde zum weitaus wichtigsten Nahrungsmittel. Noch bis in die Mitte unseres Jahrhunderts beherrschte sie im bäuerlichen Haushalt den täglichen Mittags- und Abendtisch. So wie es in Wolfurt jeden Morgen «Stopfar» gab, kamen auch jeden Abend «brotene Bodo-Biera» auf den Tisch. Mittags aber gab es «gsottene Bodo-Biera» als Pellkartoffeln oder als Salzkartoffeln, Kartoffelknödel, Kartoffelpüree oder als Fastenspeise, Kartoffelnudeln oder Kartoffelküchle. Daneben bewährte sich die vielseitige Knollenfrucht aber auch noch als hervorragendes Mastfutter für Schweine und Hühner. Ab 1950 verschwanden nach den Weizen- und Maisäckern bald auch die Kartoffelfelder fast zur Gänze aus unserer Gemeinde. Man brauchte 1000 Bauplätze, dazu Ziergärten und Straßen. Erst in den letzten Jahren kündet sich eine Trendwende an. Da und dort gräbt wieder einer den Zierrasen um, stupft ein paar Zeilen Saatkartoffeln in die Erde und freut sich auf die Ernte im eigenen Acker. Weinbau in Wolfurt Im Lande Vorarlberg ist der Weinbau nahezu verschwunden. Nur wenige winzige Weinberge in Feldkirch und Röthis und einzelne Anlagen von Hobby-Winzern in Klaus und bei Bregenz sind geblieben. Am Ende des Mittelalters war das anders. «Weder der Ackerbau noch die Viehzucht beherrschten die Wirtschaft, vielmehr der Weinbau.» Weinhandel war der einträglichste Erwerbszweig der Stadt Bregenz. (Nägele im Heimatbuch Lauterach, 14/113) «Die Anlage von Rebenpflanzungen und ihre Pflege, die Kelterung und Aufbewahrung des Weines waren durch die Römer in Vorarlberg bekannt geworden» (Schwarz, Hkd. 1949). 32 Schloß Wolfurt um 1855. Das Bild zeigt noch den Weinberg am Südhang. 1856 wurde das Schloß vom Schloßbauern Xaver Köb an Jakob Hutter aus Bregenz verkauft, der es völlig umbaute und die Schloßgasse neu anlegte. (Zeichnung von August Kayser) Besonders im Feldkircher Raum hatte sich der Weinbau ausgebreitet, aber ab 800 n. Chr. läßt er sich nach St. Galler Urkunden auch in der Bregenzer Gegend und rund um den Bodensee nachweisen. Die Grundherren förderten den Anbau, vor allem waren es die Klöster St. Gallen und Mehrerau, aber auch reiche Bürger der Stadt Bregenz. Die Auwälder an der Ach waren im Besitz der Grafen von Bregenz. Obwohl die Hofsteiger hier Weiderechte besaßen, vergaben die Montforter große Teile der Wälder als Lehen zur Rodung, so daß dort Äcker und Weinberge entstanden. (Bilgeri, Hard 1955/106) Die Weinberge in der Ebene mußten allerdings durch massive Mauern gegen die häufigen Überschwemmungen geschützt werden. Sie hießen «Bitzen.» Ein solches Bütze-Weingut in der Größe von 4 Juchart/das sind etwa 180 ar) gehörte zum Emser Kellhof im Wolfurter Kirchdorf. Dort wuchsen noch bis 1810 Reben. Die letzten Bützemauern wurden erst 1978 zum Bau der neuen Raiffeisenbank abgerissen. Aus dem Kirchdorf-Brunnenbrief kennen wir auch einen Weinberg des Edlen Jakob auf Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1517. Die Emser Chronik schreibt 1616 von der Umgebung von Schloß Wolfurt: «In dieser gegne herumb hat es einen schönen Weinwachs und da sollicher (welchen man der gelegenheit nach Bregentzer nennt) reyff und gut wirdet, so ist er allenthalben gerahten, dann es selten beschicht». Der «Bregenzer» wuchs also zum größten Teil in Wolfurt und Lauterach. Im Jahre 1603 lieferte die Stadt von ihren Weinbergen nur 530 Hektoliter des köstlichen Getränks, ebensoviel kam aus Hofrieden, aber aus Hofsteig das dreifache (Holunder 1930/50). Der Wein wurde bis Augsburg gehandelt. Aber die «Seeweine» aus Bregenz galten als weniger gut als die «Bergweine» des Oberlands (Röthner und Ardetzenberger). Die SeeTraube war weiß, der Wein herb, sauer, jedoch sehr haltbar. (Weizenegger-Merkle, 1839) 33 Wegen der Klimaverschlechterung ging der Weinbau ab dem 16. Jahrhundert zurück. Schon 1537 warfen die Bregenzer den Hofsteigern vor, daß ihr Wein schwer verkäuflich sei. (1/III/433-23) Auch Hans Georg Edler von Wolfurt berichtet 1580 «die reben erfrüren». Und 1595 wurde gar in Bregenz die Hofsteiger Frau Anna Martin als Hexe gefoltert, bis sie gestand, sie habe sich dem Teufel ergeben und den Weinberg in der «Bütze» mit einer Teufelssalbe verdorben. (Bilgeri, «Bregenz»/226) Aber noch lange gehörten neben dem Weinbau das Küferhandwerk und die Lieferung von Rebstecken zu den Erwerbsquellen der Hofsteiger, bis im 19. Jahrhundert Schädlinge, Pilzkrankheiten und vor allem der durch die Eisenbahn erleichterte Wein-Import die Torggel gänzlich verschlossen. Die Chronisten Engelbert Köb und Lorenz Gunz nennen noch die letzten Weinberge, die sie aus ihrer Jugend (um 1880) kannten: Schloßbühel, Narrenberg, Rutzenberg und Kella. Bei der Zählung von 1880 wies Wolfurt als einzige Hofsteiggemeinde noch 2 1/2 Joch Weingärten auf (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887). Auch die Skizze von Schloß Wolfurt aus dem Jahr 1855 zeigt noch den Weinberg auf der Südseite. Der letzte war wohl der Weinberg am Kirchbühel im Tobel, den Pfarrer Sieber noch 1882 betreute. (16/442 und Köb 65) Heute erinnnern nur noch die Straßennamen Rebberg und Wingertgasse an die einst für Wolfurt so wichtigen Reben. vergessen, daß bei der Felderverteilung 1773 und bei der Waldverteilung 1795 die Ernte von Eicheln und Wildobst-Bäumen ausdrücklich ausgenommen und der Allgemeinheit vorbehalten wurde. Nach der Grundstückverteilung nahm der Obstbau am allgemeinen Aufschwung teil. Beim Rückgang des Ackerbaus und Weinbaus im 19. Jahrhundert erreichte er seinen Höhepunkt. In den freigewordenen Äckern rund um das Dorf wuchs innerhalb einiger Jahrzehnte ein riesiger Obstwald heran. Allein J.W. Zuppinger, der die großen Streuegründe im Schlatt gekauft und entwässert hatte, soll dort mehr als 2000 Obstbäume gesetzt haben (Gunz 16/25). Zuppinger begründete mit dem Lehrer Rädler eine Fortbildungsschule für Landwirte und einen Obstbauverein. Jetzt verschwanden die alten «Kriechen»-Steinobstsorten zugunsten süßer Zwetschken und Pflaumen. An den sonnigen Hauswänden trugen wieder Reben ihre süßen Früchte. In den Haus-Gütern aber pflegte man eine bunte Vielzahl von Obstsorten mit speziellen Eigenschaften als Früh- oder Lagerobst, zum Dörren oder zum Mosten. Da gab es zahlreiche, gegen Schädlinge widerstandfähige Apfelsorten wie Jockobacher, Brenntowinar, Schmelgar, Broattatscher, Hindorhusar, Süoßlar, Türko-, Dafad-, HerroÖpfol, Leodorar, Isnar, Brünnorling, Schwarzacher u.v.a. Die bekanntesten von den in Wolfurt heimischen Birnensorten waren wohl Konstanzar-Länglar, Strick-, Lang-, Wiß-, Rößle-, Höubiora, Wittfeldora, Döübola, Kaisorbiora, Wigärtla, Fleisch- und Klosobiora. Aber jeder alte Wolfurter Bauer könnte noch andere aufzählen. Frischobst deckte den Vitaminbedarf der Familie im gemüsearmen Winter. Das auf dem sonnigen Vordächle der Rheintalhäuser oder im Ofenrohr getrocknete Dörrobst war als «Schnitz» eine beliebte Süßigkeit. Die Mutter backte allerlei Süßspeisen, wie Schnitzkichora oder Ofokatz, vor allem aber für Weihnachten und Neujahr den köstlichen «Moltschero», das nur im Hofsteig und Lustenau unter diesem Namen bekannte Birnenbrot. Obstbau Schon in den Pfahlbauten lassen sich gedörrte Äpfel nachweisen und in der Römerzeit nahm der Obstbau einen beachtlichen Aufschwung. Die Alemannen eigneten sich bald nach ihrer Einwanderung den Umgang mit dem Obst so an, daß Most und Wein an die Stelle des germanischen Biers traten. In der Hausbündt pflanzten sie Apfel-, Birn- und Nußbäume bis nahe an die Grenze «vier schuech von der mark». Was von der Ernte auf Nachbargrund fiel, mußte nach dem Landesbrauch geteilt werden. Später setzte sich die Regelung durch, daß überhängende Äste abgeschnitten werden durften. «. . . soll niemand den anderen übersetzen mit pomben, das das trof auf sich selbs falle . ' . . » , (Landsbrauch 10/145) Selbstverständlich zahlten die Zinsbauern einen Zehentanteil von ihrer Ernte an Äpfeln, Birnen und Nüssen an den Grundherrn. Alle fruchttragenden Bäume im Wald und in den Almenden im Ried und an der Ach gehörten der Gemeinschaft und standen unter besonderem Schutz. Eigens bestellte Bannwarte hatten die Aufsicht «zu solchem zesehen, auf dem veld und auch zu den pombgärten und krautgärten». Das Gericht setzte die Erntetage in der Almende fest. Erst auf ein Zeichen mit den Kirchenglocken durften die Felder betreten werden. Jeder Hofsteiger nahm von den Holzäpfeln und Eicheln, soviel er tragen konnte. Wagen und Pferde waren nicht erlaubt. (Holunder 1931/26) «von sanct Gallentag bis zu mitem Mertzen» standen die Almenden mit ihren Bäumen dem Zugang frei. Noch heute kennt man in Wolfurt den Spruch «Gallen Tag ist gsi, was i find, ghört mi». Aber heute gibt es keine Almende mehr, wo einem nach dem 16. Oktober das Sammeln von Holzäpfeln, Nüssen oder Eicheln Freude bereiten könnte. Es wurde längst 34 Schnapsbrenner 1915 bei Orglers in der Bütze 35 Ein großer Teil der Obsternte wurde zermahlen und in hauseigenen kleinen Torggeln gepreßt oder in großen Maischefässern der Vergärung zugeführt. Most und Schnaps gab es daher in jedem Haus genug und manchmal auch zuviel. Nach 1950 wurde der Wolfurter Obstwald stark gelichtet. Die vielen neuen Häuser, die breiten Schnellstraßen brauchten Platz. Import-Obst und Südfrüchte verdrängten die alten robusten Sorten. Neue Edelsorten leiden aber vielfach unter Krankheiten und benötigen chemische Mittel als Schutz. Seit etwa 1970 ist daher wieder eine Rückbesinnung spürbar. Es werden mit Unterstützung durch die Gemeinde wieder Hochstammbäume gepflanzt. Bauernmost erobert sich wieder einen Platz neben Bier und Wein, und «Wolfurter Subirar» ist eine geschätzte Alkohol-Spezialität geworden. Viehzucht Vorarlberg ist mit jährlich 1400 bis 1800 mm Niederschlag so regenreich, daß Ackerbau hier immer ein Kampf mit den Unbilden des Wetters war. Das gilt besonders auch für das Wolfurter Gebiet mit seiner Staulage am Steußberg und den frühen Herbstnebeln am Bodensee. Sehr wohl aber ist es mit großen Weideflächen für Viehzucht geeignet. So haben hier schon die Räter Milchwirtschaft getrieben und sogar Käse exportiert. (Bilgeri 1/I/19) Auch die Alemannen versorgten sich selbst mit Fleisch, Milch und Käse und weiteten die großen Sommerweiden in den Alpen durch Rodungen noch aus. Aus den großen Herrenhöfen des Mittelalters floß mit dem Klein-Zehent ein beachtlicher Strom von Milch, Butter, Käse, Eiern, Geflügel und Kälbern auf das Schloß, in die Stadt oder ins Kloster und mit dem «Besthaupt» nahm auch manche schöne Kuh den Weg dort hin. Sonst dienten die Erzeugnisse der Viehzucht aber eigentlich nur der Selbstversorgung. Der Hofsteiger Landsbrauch bestimmte, wo Hengst, Stier und Eber in Wolfurt zu halten waren: «Item der hof zu Staig soll haben ainen fohlen und ainen pfarren. Item der kelnhof zu wolfurt soll haben ainen eber und ainen pfarren». (10/148) Als sich der Kellhof 1771 von Hohenems löste, waren seine vier Höfe weiterhin verpflichtet, abwechselnd den «Wucherstier» für die Dorfgemeinschaft zu halten. (Wolfurter Steuerbuch 1771 u. 1778) Damals besaßen die meisten Bauern nur eine oder zwei Kühe in ihren kleinen dunklen Ställen. Unter den 48 Häusern des Kirchdorfs, für die im Jahre 1823 eine genaue Aufstellung gemacht wurde, waren nur drei «Großbauern»: Ammann Fischers Witwe im Engel mit 1 Pferd und3Kühen, Jakob Rohner in derBützemit2 Pferden und 3 Kühen, schließlich Andreas Vonach beim Brunnen in der Kreuzstraße mit 2 Pferden und 5 Kühen. Sechs Familien besaßen kein Vieh. Es gab noch keine Sennereien im Tal, sondern nur auf den Alpen. Etwa 1830 brachten Schweizer Sennen ihre Kunst in den Bregenzerwald und schon 1850 zogen auch Bregenzerwälder selbst als Sennlehrer in die Donauländer und ins Ausland. Jetzt exportierte man Käse achtspännig nach Mailand, nach Wien und sogar nach Polen. (Burtscher, Holunder 1928/45) Der Rückgang des Getreideanbaus zwang die Bauern im Rheintal zur Umstellung auf die Milchwirtschaft. 1871 schlossen sich 34 Bauern zu einer Sennereigenossenschaft zusammen und begannen mit der Milchverarbeitung im Dorf. Daneben führten die Gunzbuben 36 Der Löwenwirt mit seiner Heuer-Mannschaft. Auch der Most-Putsch darf nicht fehlen. noch täglich Milch aus Schwarzach und Rickenbach mit ihrem Pferde-Fuhrwerk nach Lindau in die «Milchfabrik». Durch das Verdienst von Lehrer Wendelin Rädler wurden 1882 im Kirchdorf und 1884 an der Hub Sennereien erbaut, wo die Bauern nun für ihre Milch ein paar Kreuzer einnehmen konnten. Rädler bereiste später das ganze Land, um die Bauern zum Zusammenschluß in Genossenschaften zu überreden. Im Laufe der Jahre gelang ihm die Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ähnlich vielen Sennereigenossenschaften in allen Tälern des Landes, wofür er vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz erhielt. Im Jahre 1880 zählte man in den 272 Häusern von Wolfurt 213 Bauernfamilien mit 38 Pferden, 680 Rindern (darunter 426 Milchkühen), 106 Ziegen und 192 Schweinen. (Werkowitsch, Land Vorarlberg 1887) Ähnlich groß blieben die Viehzahlen bis zum Zweiten Weltkrieg, als die Eigenversorgung mit Milchprodukten einen besonders hohen Wert darstellte. Dann fielen die Zahlen rapide. 1983 zählte man in den rund 1100 Häusern von Wolfurt nur mehr ein gutes Dutzend Bauernfamilien mit 6 Pferden, 314 Rindern, 13 Ziegen, 69 Schafen und 39 Schweinen. Die wenigen Milchbauern erreichten mit ihren Hochleistungskühen immer bessere Milcherträge und haben Absatzschwierigkeiten. Jedes Jahr im September treiben sie die mit prachtvollen Glocken geschmückten Tiere zum Kuhfest. Aber nur noch diesen einen Tag stehen die Bauern mit ihrer Arbeit im Mittelpunkt des Dorfgeschehens, sonst finden sie selten die Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die ihnen als den Hauptverantwortlichen für unsere Natur und unsere Nahrung zusteht. 37 Alexander Natter 1 ALLGEMEINES Im Frühjahr dieses Bedenkjahres 1988 haben wir (August Geiger, Gemeindessekretär i. R., Heinrich Köb, Herbert Moosmann, Bertram Thaler und Alexander Natter) uns im Rahmen des Projektes Dorfgeschichte des Katholischen Bildungswerkes Wolfurt mit der geschichtlichen Vergangenheit der 30er Jahre in unserer Gemeinde beschäftigt. Das Ergebnis dieser Arbeit präsentierten wir im Rahmen einer Veranstaltung unter gleicher thematischer Überschrift. Wir waren bemüht, Geschichte objektiv darzustellen. Dieser Anspruch wird jedoch nie absolut erfüllt werden können. Sie wird immer vom Standpunkt oder Blickwinkel des «Betrachters» beleuchtet und damit immer auch subjektiv sein. Auch wir haben ausgewählt aus: längeren, teilweise bis zu eineinhalb Stunden dauernden Interviews, die uns von einigen Personen, die diese Zeit erlebt haben, auf Band gegeben wurden und zum Teil durch sehr persönliche Stellungnahmen geprägt waren; zahlreichen Fotos dieser Zeit, die uns von den Interview-Partnern zur Verfügung gestellt wurden und bisher noch nirgends veröffentlicht wurden; einer Fülle von Zeitungsberichten verschiedener Vorarlberger Blätter dieser Zeit und dem Protokollbuch der Wolfurter Gemeindevertretung, das den betreffenden Zeitabschnitt beinhaltet. Nachdem unsere Aufarbeitung dieser Zeit, im besonderen in Zusammennhang mit dem Nationalszialismus, mit kritischer Distanz und auch Angst, daß «alte, längst zugeschüttete, Gräben wieder aufgerissen werden könnten», verfolgt wurde, waren wir bestrebt, die Veranstaltung in ihrem Inhalt allgemein zu halten und keine Personen namentlich zu nennen. Nicht wenige, die in den 30er Jahren politisch in der Gemeinde aktiv waren, leben noch, jedenfalls aber deren unmittelbare Nachkommen. So kam es dann, daß für den einen Besucher das Thema «seriös aufgearbeitet» war, für andere wiederum die Dinge zuwenig beim Namen genannt wurden. Verständlicherweise kann die Auseinandersetzung mit der eigenen Alltagsgeschichte kaum neue historische Erkenntnisse bringen. Im wesentlichen sind alle Fakten bereits bekannt. Was aber erzielt werden kann ist: unmittelbare Betroffenheit. Betroffenheit deshalb, weil es sich hier nicht um die Darstellung geschichtlicher Ereignisse handelt, die sich zwar zugetragen haben, aufgrund der übergeordneten Bedeutsamkeit den einzelnen aber nicht 38 unmittelbar berühren, sondern weil es sich um historische Berichterstattung handelt, die die Geschichte der Gemeinde als unmittelbaren Nahbereich und im besonderen die ganz persönliche Lebensgeschichte berührt. Dabei geht es nicht in erster Linie um Jahreszahlen. Geschichte schreibende Politiker oder markante historische Ereignisse. Vielmehr erfahren wir. wie die in den 30er Jahren bestehenden wirtschaftlicehn Verhältnisse, die damals gemachte Politik und deren Propaganda in die Lebensverhältnisse des einzelnen Menschen unmittelbar eingegriffen und diese bestimmt haben und den einzelnen in einem Wechselbad ständiger politischer Beeinflussung für sich zu gewinnen suchte. Nachfolgende Zeilen bringen nun eine Zusammenfassung dieser Veranstaltung «Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren». Sie gliederte sich — wie dieser Beitrag auch — in die Teilbereiche Arbeitswelt, Information und Politik, Alltag und Der Anschluß. Abschließend sei noch betont, daß diese wenigen Gedanken nicht im entferntesten als abgerundete Darstellung dieser Zeit in bezug auf unsere Gemeinde gewertet werden können. sie können höchstens als Impuls für die weitere Auseinandersetzung angesehen werden. Ziel der Veranstaltung war. wie es auch dieses zusammenfassenden Artikels ist. «Spotlights» zu zeigen, einzelne Standpunkte. Ereignissse. Bilder exemplarisch aufleuchten zu lassen. 2 STRUKTURDATEN Bevor wir aber auf die oben angeführten Bereiche eingehen, wollen wir uns noch einen kleinen Einblick in die damaligen dörflichen Strukturen unserer Gemeinde verschaffen. Über den Stand der Bevölkerung und deren wirtschaftliche Zugehörigkeit gibt uns die Volkszählung vom 22. März 1934 Auskunft. Sie weist aus, daß zu diesem Stichtag in Wolfurt 325 Häuser standen und 2086 Menschen lebten. 23 % ließen sich dem Bereich der Land- und Forstwirtschaft, 54 % dem Gewerbe und der Industrie und 15 % dem Dienstleistungs-Sektor zuordnen. Zum Vergleich das Volkszählungsergebnis von 1981: 1203 Häuser, 6589 Einwohner, davon 2 7c Land- und Forstwirtschaft. 48 % Gewerbe und Industrie, 37 % Dienstleistungsbereich. Die Landwirtschaft hatte, gegenüber heute, natürlich einen anderen Stellenwert. Gab es 1934 in unsere Gemeinde 374 Kühe. 540 Schweine und 2651 Hühner, waren es 1987 nur noch 126 Kühe, 31 Schweine und 181 Hühner. Die Mobilität der Bevölkerung war natürlich bei weitem nicht in dem Maße gegeben, wie wir sie heute kennen. Dafür kannte man aber auch noch keine Umweltverschmutzung durch die Kraftfahrzeuge. 1933 verkehrten in Wolfurt 10 PKWs, 10 LKWs und 25 Motorräder. Über die politischen Verhältnisse können uns die Stimmenergebnisse der bis 1945 letzten Landtagswahl im Jahr 1932 geben. (Die Ziffer in Klammer bezieht sich auf die Landtagswahl 1928). 39
  1. heimatwolfurt
19880601_Heimat_Wolfurt_01 Wolfurt 01.06.1988 Heft 1 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni/88 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Obwohl erst vor drei Monaten ein diesbezüglicher Aufruf an die Bevölkerung erging, hat sich in unserer Gemeinde bereits ein «Heimatkunde-Kreis» zusammengefunden und in intensiver Arbeit auch schon die erste Ausgabe einer heimatkundlichen Zeitschrift fertigstellt. Zu diesem sehr vielversprechenden Start in die Vergangenheit unseres Dorfes möchte ich mich bei allen, die daran mitarbeiten, besonders aber bei Direktor Siegfried Heim, herzlich bedanken. Ich bin überzeugt davon, daß das Kennenlernen und Verstehen unserer Vergangenheit ein entscheidender Schritt in die Zukunft sein kann. Somit wünsche ich unserem Heimatkundekreis viel Erfolg und darf die volle Unterstützung der Marktgemeinde in jeder Hinsicht zusagen. Ihr Bürgermeister Grüß Gott! Immer mehr Menschen aus unserem Ort, auch die Schulen und die Gemeinde, fragen wieder nach den Wurzeln und dem Wachsen unserer Gemeinschaft. Im Heimatkundekreis treffen sich Leute, die ihr eigenes Wissen mehren möchten, aber auch die Ergebnisse ihrer Forschungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Vorträge werden geplant und eine Zeitschrift soll Wissenswertes festhalten und verbreiten. Dieses erste Heft will mit einer Zeittafel ein paar Grundlagen vermitteln und vielleicht auch schon ein paar Fragen aufwerfen. Wir ersuchen unsere Leser um Stellungnahmen und Vorschläge, die wir gern nächstes Mal abdrucken. Darauf freuen sich schon alle Mitarbeiter. Siegfried Heim Inhalt: 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig (Heim) 2. Bauern und Fabrikler (Heim) 3. Franzosenkrieg 1800 (Volaucnik) Siegfried Heim DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Altertum: Um 10.000 v. Chr. Die letzte Eiszeit geht zu Ende. Am Ufer des Bodensees nimmt die Landschaft langsam ihre heutige Gestalt an. Rhein, Ach und Bergbäche schütten die Talsohle auf. Der Ippachwald bedeckt den Steußberg, noch lange Zeit reicht der Riedsumpf bis an den Kellahang. Um 500 v. Chr. Die keltischen Räter besiedeln das Land. 15 v. Chr. Die Römer erobern Vorarlberg. Am Fuß des Steußbergs führt die Straße von Chur nach Brigantium. 259 n. Chr. Die Alemannen zerstören das römische Brigantium 496 n. Chr. Chlodwig besiegt die Alemannen. Der Gotenkönig Theoderich bietet den Flüchtlingen Schutz im Bodenseeraum. Mittelalter: Um 500 n. Chr. Die Alemannen besetzen das Rheintal bis Dornbirn. Sie bilden Markgenossenschaften, die in Dreifelderwirtschaft den Boden bebauen. 610 Kolumban und Gallus bringen das Christentum. 742 Die Franken unterwerfen Alemannien. 746 Die alemannischen Adeligen werden in Cannstatt getötet. Franken regieren den Argengau, zu dem auch das Hofsteiger Gebiet gehört. Ab 800 halten die fränkischen Grafen in Schwarzach Gericht. Um 800 weisen St. Galler Urkunden bereits- Obst- und Weinbau in unserem Gebiet nach. 853 Lauterach wird urkundlich genannt. In Hofsteig errichten freie Leute ihre Einzelhöfe, aus denen später Weiler und Dörfer entstehen. 891 «Allen soll alles gemeinsam sein!»: Felder, Weiden, Wälder, Wiesen, Wege, Gewässer und das Ried. 895 Dornbirn wird als «Torrinpuirron» urkundlich genannt. Um 920 Ulrich von Buchhorn wird als erster Graf von Bregenz Herr unseres Landes. Um 955 Der Kellhof, in dessen Bereich später die Kapelle St. Nikolaus und Schloß Wolfurt gebaut werden, fällt nach Graf Ulrichs Tod an Marquard, den Stammvater der Pfullendorfer Grafen. 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt / Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt In Konstanz stirbt der Hl. Gebhard, ein Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz. Ab 1075 Der Streit zwischen Kaiser und Papst verwüstet das Land. 1079 Bregenz wird niedergebrannt. 1089 Auch Hofsteig fällt mit halb Bregenz an die Pfullendorfer Grafen. 1094 Kloster Mehrerau wird gegründet. Es gewinnt bald Besitz und Einfluß in unserer Gegend. Ab 1050 bis 1400 werden große Teile des Steußbergs und des Bregenzerwaldes von Hofsteig aus gerodet. 1167 Bregenz kommt mit Hofsteig an Markgraf Hugo von Tübingen, den Stammvater der Grafen von Montfort. Lindau dagegen und der Wolfurter Kellhof fallen an Kaiser Friedrich Barbarossa. Kellhof und Hofsteig bleiben jetzt bis 1806 getrennt. 1167 wird die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt urkundlich erwähnt. 1180 Zur neuen Pfarre Alberschwende gehören einige Rickenbacher Höfe. Noch 1810 sind sie nach Alberschwende zehentpflichtig. Um 1200 Kriege der Staufer gegen die Weifen. In unserem Gemeindegebiet entstehen die Burgen Veldegg, Wolfurt und Kujen. 1226 oder kurz davor erscheint der Name «Wolfurt» erstmals urkundlich als der eines Rittergeschlechts. 1249 besitzt Lauterach eine Kapelle St. Georg. 1260 wird Hofsteig erwähnt. Ammänner verwalten die Höfe. 1289 wird Schloß Veldegg im Oberfeld urkundlich genannt. 1291 Ludwig von Wolfurt studiert als erster Vorarlberger in Bologna. Um 1300 breitet sich das Geschlecht der Ritter mit dem Wolf im Wappenschild in Süddeutschland und in der Schweiz aus. Ritter, Chorherren, Äbte und Äbtissinnen. 1338 Das Montfort-Erbe wird an der Schwarzach geteilt. Das alte Gericht Schwarzach wird aufgelöst. Während Dornbirn und Höchst an Feldkirch fallen, kommt Hofsteig zu Bregenz - Tettnang. Bregenz sichert sich auch die wichtigen Flößerrechte auf der Ach und den Holzhandel. Die Schwarzach ist die Grenze zwischen den Pfarreien Bregenz und Dornbirn. 1349 Wolfurter Ritter als Söldnerführer und Statthalter in Neapel und Apulien. 1350 bis 1450 Wolfurter Ritter als Grafen in Ungarn. 1352 Graf Ulrich von Wolfurt als ungarischer Gesandter beim Papst in Avignon. Einer seiner Ritter ist Marquard von Ems. 1364 Ritter Konrad stiftet den Wolfurter Kelch für Pfäfers. 1370 Hochblüte des Wolfurter Rittergeschlechts im Bodenseeraum als Besitzer vieler Burgen, als Äbte und Äbtissinnen. 4 995 1371 Schloß Wolfurt wird von den Lindauern erobert und zur Hälfte in Besitz genommen. 1379 Das Urbar der Grafschaft Bregenz weist in Hofsteig 44 Güter von wohlhabenden freien Leuten nach. 1391 Die Vorarlberger Eidgenossenschaft mit dem jetzt zu Bludenz-Werdenberg gehörigen Kellhof Wolfurt richtet sich gegen Bregenz. 1391 Der Herrenbund mit Bregenz und Hofsteig richtet sich gegen die Eidgenossen und Habsburg. Schwere Kriegsnot in den folgenden Jahren. 1402 Die Hälfte von Schloß Wolfurt wird an Mehrerau verkauft. 1402 Der Kellhof wird von Bludenz-Werdenberg an Graf Wilhelm von Bregenz verkauft. 1405 Herzog Friedrich verbrennt Hard, das zu Graf Wilhelm hält. 1405 Graf Wilhelm verbrennt Schloß Veldegg. Es gehört zu dieser Zeit dem Ritter Ulrich von Schwarzach. 1405 bis 1408 Appenzellerkrieg. Die Bauern verbrennen viele Burgen im Land, darunter wohl auch Burg Kujen, von der später nur mehr der «Burgstal» nachzuweisen ist. 1406 Die Eidgenossen besiegen Graf Wilhelm und verbrennen Lauterach und die Bregenzer Vorstadt. Viele freie Hofsteiger und der ganze Kellhof schwören zu den Eidgenossen. 1407 Die Bauern belagern Bregenz und plündern das Kloster Mehrerau. Sie werden aber am 13. Jänner 1408 entscheidend geschlagen. 1443 Die Hofsteiger erhalten ihre erste Kaplanei in Lauterach, zu der sie 1476 die Kirche St. Georg erbauen. 1445 Die Appenzeller verwüsten das Rheintal. Hofsteig kommt mit der Bezahlung von «brandschatzgeld» in große Schwierigkeiten. Um 1450 Das erste Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist ausgestorben. 1451 Hofsteig wird mit der halben Herrschaft Bregenz an die Habsburger verkauft und kommt damit zu Österreich. 1451 Ulrich von Schwarzach verkauft Veldegg an Kloster Mehrerau. Mehrerau besitzt 452 Leibeigene, darunter viele aus Wolfurt. 1458 Die Grafen von Bregenz verkaufen den Kellhof mit ausgedehnten Gütern in Wolfurt, Lauterach, Bildstein, Kennelbach, Langen und anderen Gemeinden an Ritter Marquart IV. von Hohenems. 1463 Die Familie Leber, reiche Wein- und Holzhändler aus Bregenz, erhält Schloß Wolfurt als Lehen. 1464 In Kennelbach wird das Kloster Hirschthal erbaut, das dort bis zum Brand von 1796 besteht und auch Beziehungen zu Wolfurt unterhält. 1484 In Buch wird eine Kapelle erbaut. 5 Neuzeit: 1493 Wolfurt erhält für seine Kapelle St. Nikolaus eine eigene Kaplanei. 1512 Wolfurt hat bis jetzt zur Pfarre St. Gallus in Bregenz gehört. Nun wird es selbständige Pfarrei. Eingeschlossen sind auch die Bewohner von Schwarzach, Bildstein und Buch. 1515 Mark Sittich I. löst vom Kaiser den Kellhof endgültig für Hohenems ein. 1517 Das Kirchdorf Wolfurt erhält den ersten Dorfbrunnen. 1518 Unter Kaiser Maximilian wird zwischen Lauterach und Bregenz die erste Brücke gebaut. Die Holzbrücke besteht bis 1916. Die Straße von Bregenz nach Wien führt 250 Jahre lang von der Brücke schräg durch die Felder am St. Antone nach Rickenbach. 1520 Jakob Leber wird vom Kaiser geadelt und begründet das zweite Rittergeschlecht von Wolfurt. 1523 Ferdinand von Habsburg kauft die zweite Hälfte von Bregenz für Österreich. 1525 Unter dem Einfluß lutherischer Prediger erheben sich die Bauern im Allgäu und bedrohen unter Mithilfe der Vorderwälder Bregenz. Die Hofsteiger bleiben ausdrücklich beim alten Glauben und retten unter Mark Sittichs Führung Bregenz. Dieser läßt 50 aufständische Bauern henken. 1529 Abt und Konvent von St. Gallen suchen vor den Aufständischen Zuflucht auf Schloß Wolfurt. Abt Kilian ertrinkt 1530 beim Durchreiten der Ach. 1537 Die Bregenzer beklagen sich über die Qualität des Wolfurter Weines. 1541 Wildschweinplage. Die Bauern greifen zur Selbsthilfe und erlegen viele Tiere. 1544 Der Hofsteiger Landsbrauch wird aufgeschrieben. Er regelt die Erbfälle und den Gerichtstag, wie auch die Verwaltung und Nutzung von Feld und Wald. Das Gericht Hofsteig umfaßt ein Gebiet von etwa 60 km2. Der Hauptort ist Lauterach, wo alle drei Jahre der Ammann neu gewählt wird. 1544 Vertrag über die linksseitige Achwuhrung. 1546 bis 1552 Im Schmalkaldischen Krieg ziehen die Hofsteiger mehrmals zur Landesverteidigung an die Bregenzer Klause. Einzelne Hofsteiger kämpfen aber auch auf der Seite der Protestanten. Galli Küng wird deshalb als Spion und Mordbrenner im Jahre 1552, nachdem er auf der Folter gestanden hat, in Bregenz «zu dem Rad, Vierthailen und Brand» verurteilt und hingerichtet. 1550 Die Pest! 1573 Die Lauteracher Brücke wird vom Hochwasser weggerissen. 1593 Die Pest! 1594 Das älteste Häuserverzeichnis zählt in Wolfurt 70 Häuser auf, davon sind 10 unbewohnt. 27 Häuser werden zum Dorf gerechnet, 43 zur «Staig». Zusammen leben hier 350 Einwohner. 6 1595 Hexenprozeß gegen Anna Martin wegen der Weinreben in der Bütze. 1603 Bastian Kölnhofer führt 55 Kellhofmänner zur Musterung nach Ems. 1613 Junker Laux von Wolfurt ist unter Erzbischof Mark Sittich Stadthauptmann von Salzburg. 1615 Graf Kaspar von Hohenems verleiht den Kellhof neu. Zum Kellhof gehören 200 Leibeigene. 1616 Neuvermarkung der Wälder. Sie sind Genossenschaftsbesitz wie die meisten Äcker. 1616 Die «Embser Chronik» beschreibt den schönen Weinwachs von Wolfurt. 1618 Jetzt löst sich auch Lauterach als selbständige Pfarrei von Bregenz. In Lauterach wird eine Schule eingerichtet, die auch Wolfurter Kinder aufnimmt. 1618 bis 1648 Der Dreißigjährige Krieg 1616 bis 1631 Eucharius von Wolfurt regiert als Fürstabt in Kempten. Er mehrt den Besitz des Klosters und treibt die Gegenreformation voran. 1628 bis 1635 Kriegsnot, Einquartierung, Pest! In dieser Notzeit wird Bildstein ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Dort soll nach der Legende 1629 die Mutter Gottes erschienen sein. 1646 Hard wird selbständige Pfarrei und baut eine Kirche am See. 1647 Die Schweden erobern Bregenz und brandschatzen das Land. Hofsteig wird auf Fürsprache der Schweizer Eidgenossen verschont. 1650 Das Rittergeschlecht der Leber von Wolfurt ist ausgestorben. Seit 1650 sind in Wolfurt Pfarrbücher erhalten. 1663 In Bildstein erbaut Michael Kuen eine Barockkirche, die 1676 eingeweiht wird. Sofort gibt es Streit zwischen den Bildsteiner Krämern und den anderen Hofsteigern um den Brothandel und den Weinausschank. 1676 Auch Buch erbaut eine Kirche. Beide Kirchen bleiben aber vorerst bei der Pfarre Wolfurt. 1676 Eine Hungersnot zwingt Erwachsene und Kinder zum Betteln und zur Arbeitssuche im Ausland. Der Maisanbau beginnt. 1689 Obersthauptmann Kreis berichtet von der «ellendbetriebten» Zeit in Vorarlberg. 1700 Flachsanbau und Export von Garn und Leinen bringen etwas Geld ein, werden aber hoch besteuert. 1702 Hochwasser in Rickenbach. 1705 Jerg Roner aus Wolfurt klagt als Vertreter des «Gemeinen Mannes» in Wien gegen die Willkür der Beamten. 2.000 aufrührerische Bauern besetzen von Rickenbach aus die Stadt Bregenz und verjagen den Vogteiverwalter. Jerg Roner wird 1710 zum Hofsteigammann gewählt. 7 1707 Der Bregenzer Amtmann und unbeliebte Steuereinheber Benedikt Reichart baut Schloß Wolfurt neu. 1720 Durch die Not nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701—1714) verbreitet sich der Anbau von Mais. Um 1725 wird die Kartoffel eingeführt. 1723 Den Grafen von Hohenems fehlt es an Geld. Sie verpfänden all ihre Zehentrechte im Kellhof an Dornbirner Patrizier und an die Gemeinden. 1726 Bregenz erhält ein Direktorium (später Oberamt oder Kreisamt) und wird Verwaltungszentrum des Landes. 1729 Das Gericht Hofsteig kauft die Weingärten am Rutzen- und am Narrenberg. 1730 Wolfurt zählt 398 Kommunikanten (Erwachsene), Hard 427, Lauterach 434. 1750 Der Bregenzer Oberamtsrat Konrad von Tröndlin kauft Schloß Wolfurt. Er hat bei der Verteidigung von Bregenz 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg eine unrühmliche Rolle gespielt. 1750 Beginn der Handstickerei. 1750 Beginn der Weberei, zuerst für Schweizer Unternehmer, ab 1770 auch für die k.k. Cottonweberei in Bregenz. Um 1750 werden erstmals Schindeldächer durch Ziegeldächer ersetzt. 1753 In Lauterach wird erstmals Torf gestochen («Schollen»). 1755 Die neue Vermögenssteuer vom Grundbesitz wird eingeführt. 1760 Häuser- und Einwohnerverzeichnis: «Seelenbeschrieb» von Pfr. Feuerstein mit ersten Wolfurter Hausnummern: In Wolfurt und Rickenbach zusammen gibt es 151 Häuser. Frickenesch und Bächlingen werden mit Meschen zu Bildstein gerechnet. 1760 Buch löst sich mit 30 Familien und 165 Einwohnern aus der Pfarrei Wolfurt und wird eine selbständige Pfarrei. 1765 Mit Hohenems fällt auch der Kellhof 300 Jahre später als Hofsteig an Österreich. 1768 Eine neue Reichsstraße von Lauterach nach Dornbirn nimmt Wolfurt den Verkehr weg. 1771 wird auch eine Straße von Lauterach nach Höchst gebaut. 1770 bis 1773 Hungerjahre! 1772 Der Bauer Johann Stadelmann kauft Schloß Wolfurt. 1773 An der Ach wird die Alte Insel gerodet und verteilt. Schon früher waren die meisten Felder verteilt worden. 1771 bis 1775 Die Ammänner Johannes und Joseph Fischer kaufen die letzten Kellhoffelder von Ems frei. 1774 Maria Theresia führt mit der Normalschule die Schulpflicht ein. 1778 Im Strohdorf wird das erste Schulhaus erbaut. 1781 In Schwarzach wird eine Pfarr-Expositur eingerichtet. 1782 Die Reformen Josef IL Auch der Frondienst wird reformiert. 8 1789 Das Volk feiert ohne den Pfarrer die von Joseph II. verbotenen Gottesdienste. 1792 Bildstein löst sich als selbständige Pfarrei von der Mutterpfarre Wolfurt. Die Bildsteiner Straße wird befahrbar gemacht. 1792 In Wolfurt wird das allgemeine Weiderecht auf den Feldern abgeschafft. 1793 Dornbirn erhält das Marktrecht. 1794 In Hofsteig stehen schon 148 Webstühle in Betrieb. Damit liegt das Gericht im Land bei der Baumwollweberei hinter Dornbirn an zweiter, bei der Musselinweberei an erster Stelle. 1794 Zweite Durchnumerierung der Häuser. 1795 Der Ippachwald wird auf die einzelnen Häuser in Hard, Lauterach und Wolfurt aufgeteilt. 1796 Franzosenkrieg! Gefechte in Wolfurt, 2 Bauern erschossen, 9 Soldaten gefallen. In Lauterach verbrennen sieben Häuser. 1796 In Kennelbach brennt das Kloster Hirschthal ab, wobei 6 Frauen den Tod finden. Das Kloster übersiedelt nach Bregenz-Thalbach. 1798 Auch das Ried wird verteilt. Private Nutzungen und neue Anbaumethoden bringen der Landschaft jetzt großen Aufschwung. Die 1.000-jährige Dreifelderwirtschaft der Markgenossen hat ihr Ende gefunden. Um diese Zeit verkauft das Kloster Mehrerau seine Schupf- und Erblehen, darunter 16 große Lehen in Wolfurt. 1799 Major Jakob Schertler führt die Hofsteiger gegen die Franzosen. 1800 Franzosenkrieg! Mehrere schwere Gefechte in Wolfurt und in Rickenbach. In der Bütze wird der Bauer Johann Kaspar Haltmayer in seinem Haus erschossen. 1802 Schwarzach erhält eine eigene Kaplanei. 1803 Die Wolfurter helfen beim Kirchenbau in Schwarzach. 1805 Neue Glocken für die Wolfurter Kirche. 1805 Beim Friedensschluß von Preßburg kommt Vorarlberg zu Bayern. 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig werden aufgelöst und dem neuen Landgericht Bregenz zugeteilt. Wolfurt wird eine selbständige Gemeinde. 1806 Das Kloster Mehrerau wird abgebrochen. 700 Jahre lang hatte es in Wolfurt großen Einfluß gehabt. 1808 Die neue Gemeindeordnung tritt in Kraft. Joh. Georg Fischer wird der erste Vorsteher. Der bayerische Steuerkataster erfaßt 1809 alle Grundstücke und die 185 Häuser, die nun schon ihre dritte Nummer tragen. Mathias Schneider zählt 1143 Einwohner und 266 Kühe. Hohe Steuern und der Stillstand von Stickerei und Weberei führen zu einer Wirtschaftskrise. 1809 Aufstand! Das von Truppen entblößte Vorarlberg ist rasch befreit. Hofsteiger Schützen unter Mayor Jakob Schertler beteiligen sich an Angriffen am Untersee und im Allgäu. Der Aufstand bricht zusammen. 9 Wolfurter Männer ziehen mit Napoleon nach Rußland. Vorarlberg gehört wieder zu Österreich. Die erste Musikkapelle in Wolfurt gegründet. Überschwemmung der Felder. Mißernte. Große Hungersnot im Frühjahr! Wolfurt ist ein Getreideort. Es erntet 3.250 Viertel Vesen-Weizen, 1.125 Viertel Dintel-Weizen, 1.280 Viertel Haber, keine Gerste, aber auch schon 1.620 Viertel Türken und dazu noch Kartoffeln, Obst und Wein. (Ein Bregenzer Viertel entspricht 21,7 Liter Korn.) 1818 Fähnrich Weiß zeichnet eine genaue Landkarte von Vorarlberg. 1819 Wolfurt kommt vom Bistum Konstanz zum Bistum Brixen. Die Bevölkerung wächst stark an. Die alte Kirche vermag die Gläubigen nicht mehr zu fassen. 1824 Nun löst sich auch die Pfarre Schwarzach als letzte von der Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt. 1827 Negrelli läßt eine Karte vom Rheintal zeichnen. 1830 Steinbrecher machen die Ruine Veldegg dem Erdboden gleich. 1830 Auf dem Kirchplatz wird die alte Tanzlaube abgebrochen. Daneben ist «Hanso Lädele» der einzige Kaufladen im Ort. 1830 Die Rickenbacher beantragen einen Kirchen-Neubau in Unterlinden. 1833/34 Die alte Kirche wird nach Negrelli-Plänen bedeutend erweitert. 1834 Michaelis-Bub wird wegen Kindermord gehenkt. 1837 Jenny und Schindler bauen nach Ablehnung durch die Wolfurter ihre große Textilfabrik in Kennelbach. 1837 Hochwasser reißt die hölzerne Lauteracher Brücke weg. Ein Pferdefuhrwerk stürzt in die Fluten. 1837 Der Maisanbau hat sich seit 1809 fast verdoppelt. 1838 Der Schützenverein wird gegründet. 1838 Die Schwarzachtobelstraße wird eröffnet. 1839 An der Fähre nach Kennelbach sind bei der nächtlichen Heimkehr von einem 13-stündigen Arbeitstag in der Fabrik zwei Frauen und fünf Kinder ertrunken. Der jüngste von den sieben Fabriks-«Arbeitern» ist der siebenjährige Xaver Geiger. Jetzt wird ein hölzerner Fabriks-Steg gebaut, der bis 1932 seinen Dienst tut. 1839 Neben der Pfarrei wird eine Kaplanei Wolfurt eingerichtet. 1843 Die vierten Hausnummern. Jetzt sind es schon 252 Häuser mit 268 Familien. 1.492 Einwohner, davon 179 Fremde. 1850 bis 1880 werden in Wolfurt viele Freilicht-Theater aufgeführt, darunter «Wilhelm Teil», «Die Räuber» und die «Jungfrau von Orleans». 1850 bis 1870 wandern etwa 120 junge Wolfurter nach Amerika aus. 10 1812 1814 1816 1816 1817 1852 Die Schmiede im Holz erbaut. 1856 Beginn der Braunviehzucht im Montafon, die sich ab 1870 auch im Rheintal schnell ausbreitet. 1857 Ein Katasterplan mit Bau- und Grundparzellennummern wird gezeichnet. 1865 Der Gesangsverein wird beim «Schützenwirt» Fischer in Spetenlehen gegründet. 1866 In Kennelbach gründen Kaplan Ammann und Lehrer Rädler mit dem «Vorarlberger Volksblatt» eine wichtige politische Zeitung, die bis 1972 besteht. 1866 bis 1870 Ein zweiter Achdamm wird aufgeschüttet. Jetzt kann auch die Neue Insel kultiviert werden. 1868 Die erste Post wird eingerichtet. 1868 Im «Rößle» wird von Lehrer Wendelin Rädler das zweite Casino gegen den Liberalismus gegründet. In den Gasthäusern und in der Gemeindestube tobt ein heftiger Streit zwischen «Kasinern» und dem freidenkerischen Leseverein der Liberalen. 1869 Die erste Handstickmaschine! Bald folgen viele. 1869 Sechs Mühlen sind in Betrieb. Als Hauptnahrung wird das Habermus jetzt endgültig durch den Türken-Stopfer verdrängt. 1872 Eisenbahnbau von Bregenz nach Bludenz durch das Ried. Eine Führung durch das Dorf hatten die Wolfurter abgelehnt. Arbeitskräftemangel in der Industrie. Die ersten Welschen aus dem Trentino lassen sich in Wolfurt nieder. Ihre Anzahl steigt bis 1900 auf 239 an, dann übersiedeln viele in die neuen Mietshäuser nach Kennelbach. 1872 Im Strohdorf wird ein neues Schulhaus gebaut, es besteht bis 1979. 1873 Der Wolfurter Kunstmaler Gebhard Flatz (1800-1881) bringt aus Rom sein großes Altarbild mit. 1874 Drei Barmherzige Schwestern treten in den Schuldienst in Wolfurt. 1874 Der Kameradschaftsbund wird gegründet. 1878 Lauterach baut eine neue Kirche östlich der Straße, die alte stand westlich. 1879 Gemeindediener Joh. Böhler wird ermordet. 1880 Wolfurt hat 272 Häuser mit 1.623 Einwohnern. 213 Bauern besitzen 38 Pferde, 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh, 192 Schweine, 106 Ziegen und null Schafe. Um 1880 Die letzten Weinberge am Kirchenbühel und am Rutzenberg werden aufgelassen. 1881 In Rickenbach wird ein Spar- und Vorschußverein gegründet. 1882 Die erste Gemeindekanzlei eingerichtet. 1882 Die Molkereigenossenschaft Wolfurt erbaut die Sennerei Kirchdorf. 11 1884 Ein neuer Pfarrhof wird gebaut und der Friedhof vergrößert. 1884 In Kennelbach brennt das erste elektrische Licht von ganz Österreich 1884 Die Arlbergbahn wird eröffnet. Sie verändert ganz entscheidend Landwirtschaft und Handel in Vorarlberg. 1886 Die Kapelle Rickenbach wird eingeweiht. 1886 Die Liberalen gründen den ersten Wolfurter Turnverein. 1886 Die Achrain-Straße von Dornbirn nach Alberschwende wird eröffnet. 1888 Für Wolfurt und Schwarzach erscheint das erste Gemeindeblatt. Aus ihm entwickelt sich eine Zeitung für den ganzen Bezirk Bregenz. 1888 Wegen verseuchter Brunnen rafft eine Typhus-Epidemie 8 Rickenbacher dahin, darunter den Mechaniker Dür, der am oberen Rickenbach zwei mechanische Schmieden errichtet hat. 1889 Die Feuerwehr wird gegründet. 1889 Die Raiffeisenkasse gegründet. Lehrer Wendelin Rädler (1835—1913) fördert in ganz Vorarlberg das Zustandekommen von 80 Raiffeisenkassen und sehr vielen Genossenschafts-Sennereien. 1890 Die drei alten Ziegeleien an der Ach werden abgebrochen. 1893 Konrad Doppelmayr übernimmt die Dur-Schmiede am Rickenbach und gründet die Firma Doppelmayr. 1898 Die erste Schiffle-Stickmaschine. 1899 Der Katholische Arbeiterverein wird gegründet. 1899 Die fünfte und letzte Durchnumerierung der Wolfurter Häuser mit Nr. 1 in der HÖH an der Ach und Nr. 290 bei Putzers an der Schwarzacher Grenze. Weitere Nummern werden jetzt bei Neubauten in der ganzen Gemeinde verstreut. 1900 Albert Loacker beginnt mit der Elektrifizierung Wolfurts aus dem E-Werk Schwarzach. 1901 Der Musikstreit ist beendet. Kapellmeister Franz Rohner übernimmt für 56 Jahre den Dirigentenstab. 1901 Dornbirn wird Stadt. 1902 Die Wälderbahn wird eröffnet. 1902 Pfarrer Johann Georg Sieber (1826-1902) wird der erste Wolfurter Ehrenbürger. 1903 Neue Kirche in Schwarzach, westlich der Straße. Die alte stand östlich im Friedhof. 1903 Das Grundbuch wird eröffnet. 1904 Ein höherer Kirchturm. 1904 Erste Betonbrücke nach Kennelbach. 1905 Neue Bronzeglocken. Sie läuten nur bis 1916. 1907 Hochblüte der Stickerei. 1907 Lehrer Wendelin Rädler (1835-1913) erhält vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz. Er hat sich als Kassengründer und Sozialreformer verdient gemacht. 1907 Franzele Dür bringt das erste Auto nach Wolfurt. 1910 Wolfurt hat jetzt 2265 Einwohner. Durch den Stillstand der Stickerei setzt wirtschaftliche Not ein. Wolfurt hat 143 Schiffle-Stickmaschinen und 26 Handmaschinen. 1910 Der obere Friedhof mit den Arkaden wird gebaut. 1910 Hochwasser! Beim Einsturz der Holzbrücke ertrinkt der Spinnereimeister Karg. 1911 Kennelbach löst sich von Rieden und wird selbständige Gemeinde. 1913 Das Vereinshaus wird erbaut. Erst 1922 erhält es aber den großen Saal. 1914 bis 1918 Erster Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 rücken die ersten von 180 Landsturmmännern ein. Zu Pfingsten 1915 folgen ihnen 60 Standschützen. 87 Männer kehren nicht mehr heim. 1916 Neue Brücke in Lauterach. 1919 Die Gemeinde Rieden-Vorkloster schließt sich an die Stadt Bregenz an. 1922 Nur 11 Schulanfänger. 1923 Viele Auswanderer nach Amerika. Tiefstand der Bevölkerung: 1798 Einwohner. 1923 Neue Stahlglocken. 1923 Bregenz wird Landeshauptstadt. 1925 Aufnahme des Omnibusverkehrs. Verkehrszählung: Am 9. August fahren insgesamt 191 Motorfahrzeuge durch das Dorf, am folgenden Tag 167. 1926 Ein Krankenpflegeverein wird gegründet. Kreuzschwestern aus Hall versorgen ab 1928 die Kranken. 1929 Die erste Illwerke-Leitung wird durch Wolfurt gebaut. 13 12 1930 Das Kriegerdenkmal wird eingeweiht. 1931 Der Schiverein wird gegründet. 1931 Die obere Straße wird geteert. 1933 Fahrzeug-Zählung in Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 Luxusautos (PKW), 10 Lastautos. 1935 Neue Straße nach Buch. 1938 Anschluß an Deutschland. 1939 Schloß Wolfurt abgebrannt und bald unter Dr. Fritz Schindler neu aufgebaut. 1939 bis 1945 Zweiter Weltkrieg. 99 Wolfurter Männer sterben in fernen Ländern. 1945 Die Achbrücke wird gesprengt. Franzosen und Marokkaner besetzen das Dorf. Bei der Verteidigung sterben noch drei deutsche Soldaten. Auch ein Wolfurter Mädchen und ein Familienvater finden den Tod. Schloß Wolfurt wird Sitz der Militärkommandatur für Vorarlberg. 1940 bis 1950 In der Kriegsnot nimmt der Ackerbau einen großen Aufschwung. In Gärten, Feldern und im Ried werden hauptsächlich Kartoffeln und Mais angebaut, aber auch Weizen, Raps, Rüben und Kraut. 1947 Der Fußball-Club Wolfurt wird gegründet. 1953 Erstes Wasserwerk Wolfurt wird eröffnet. 1954 Ab jetzt gibt es Hausnummern mit Straßenbezeichnungen. Es stehen schon über 400 Wohnhäuser. 1955 Der Ackerbau verschwindet. Viele Landwirtschaften werden aufgegeben. Im allgemeinen Wirtschaftsaufschwung beginnt die Zersiedelung der Felder und Bühel. 1957 Professor Lorenz Böhler (1885-1973), ein Pionier der Unfall-Chirurgie in Wien, wird der zweite Wolfurter Ehrenbürger. 1957 Zweite Illwerke-Leitung durch Schlatt und Kella wird gebaut. Nach 1960 Die Industrie-Ansiedlung beginnt: Wolf, Pawag, Roylon, Doppelmayr weiten die Betriebsstätten aus. 1961 Eine Hauptschule wird eröffnet. 1964 Eine Musikschule fängt an. 1964 Die untere Straße wird als Hauptstraße ausgebaut, die alte Römerstraße am Fuß des Berges verliert den Durchzugsverkehr. 14 1967 Das neue Postamt im Strohdorf wird erbaut. 1967 Neue Volksschule Bütze. 1967 Totenkapelle wird eingeweiht. 1970 Erstmals erscheint der Gemeinde-Informationsdienst. 1971 Ein neues Gebäude für die Hauptschule. 1975 Bevölkerungsrekord: 6637 Einwohner, davon 1197 fremdsprachige Gastarbeiter. 1976 Viehzählung: Nur mehr 23 Viehhalter. Sie besitzen 4 Pferde, 158 Kühe, 166 Stück Galtvieh, 242 Schweine, 10 Ziegen, 21 Schafe. 1976 Neue Volksschule Mähdle. 1977 In Wolfurt wird ein Gendarmerieposten eröffnet. 1978 Das «Blaue Buch» zählt 1081 Häuser auf, davon noch 13 Bauernhöfe. 1979 Das Altersheim wird eröffnet. 1980 Nach jahrzehntelangem Kampf werden Pfändertunnel und Autobahn durch Wolfurt in Betrieb genommen. 1981 Das Wälderbähnle stellt seinen Betrieb ein. 1981 Verkehrszählung: An einem gewöhnlichen Werktag fahren 711 Autos in einer Stunde durch die Bützestraße. Auf der Hohen Brücke sind es 1408 Autos. 1982 Am 1. Mai 1982 wird Wolfurt Marktgemeinde. Kultursaal und Bücherei werden eröffnet. 1982 Güterbahnhof und Groß-Zollamt werden eröffnet. Im Industriegebiet lassen sich neue Firmen nieder. 1983 Groß-Postamt wird eröffnet. 1983 Zweites Wasserwerk wird eröffnet. Der tägliche Wasserverbrauch ist auf über 300 1 pro Einwohner gestiegen. 1984 «Hofsteig»-Sporthalle in Wolfurt und «Hofsteig»-Saal in Lauterach eröffnet. 1985 Lauterach wird Marktgemeinde. 1985 Nach 30 Jahren Wirtschaftsaufschwung zeigen sich verstärkt Verkehrsmüdigkeit, Waldsterben, Ablehnung von Beton und Asphalt, Sehnsucht nach unberührter Natur. 15 Siegfried Heim Bauern und Fabrikler Die Arbeitswelt unserer Vorfahren I. Dreifelderwirtschaft Um das Jahr 500 nach Christi Geburt besetzten alemannische Siedler unser Land. Am Fuß des Steußberges errichteten sie an den Waldbächen oberhalb der alten Römerstraße sechs kleine Weiler: Kellhof am Tobelbach Hub am Eulentobelbach Unterlinden am Holzer Bach (Ippachbach) Spetenlehen am Bannholzbach Strohdorf am Himmelreichbächlein Rickenbach Den fruchtbaren Boden unterhalb der Straße bebauten sie mit Getreide. Alle Arbeit wurde gemeinsam verichtet, angeleitet von einem erfahrenen Ammann und seinen Helfern. Dazu teilte man die Felder in drei «Esche». Im ersten Esch wurde Winterweizen gesät, meist die widerstandsfähige Sorte «Vesen», aber häufig auch «Däntel». Im zweiten Esch wuchs eine Sommerfrucht, meist «Haber», nicht selten auch Gerste. Den dritten Esch ließ man ein Jahr «brach» liegen. Dorthin trieb der Dorfhirt das wenige Vieh. Auch die Auen an der Ach und das Ried dienten der Viehweide, doch stand die Viehzucht an Bedeutung weit hinter dem Ackerbau. «Allen soll alles gemeinsam sein», steht in einer St. Galler Urkunde von 891: Felder und Ackerweide, Weiden, Wälder, Holzschläge, Schweinemast, Wiesen, Wege, Wässer, Fischereien, Nutzung des Rieds. Ausgenommen war das «ehaft Gut», die eingezäunte Hofstatt beim Haus, wo jeder für sich privat Kraut, Flachs und Obst anbauen konnte. Als die Bevölkerung zunahm, wurden die Wälder auf dem «berg» gerodet. Hofsteiger Siedler setzten sich um 1000 n.Chr. in Bildstein, Buch und im Vorderwald fest. Später legten sie auch die Unterfelder gegen Lauterach trocken und gewannen neue Getreide-Esche. Immer größerer Wertschätzung erfreute sich der Weinbau. An den sonnigen Hängen und in der Bütze gedieh ein Weißwein, «herb, sauer und haltbar», der als «Bregenzer» bis nach Augsburg gehandelt wurde. Um 1600 lieferte Hofsteig jährlich etwa 150.000 1 Wein. II. Hunger 1000 Jahre lang hatte sich die Dreifelderwirtschaft bewährt. Im 18. Jahrhundert vermochte sie die zahlreicher gewordene Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Kriege, Klimaverschlechterung und Mißwirtschaft führten immer wieder zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 aus Vorarlberg an die Regierung, daß die Hälfte der Bevölkerung am Hungertuch nage und mit Weib und Kindern «das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen». Ein Großteil der alten und jungen Leute, Buben und Mädchen, müsse jedes Jahr in der Fremde als Maurer, Zimmerleute und Hirtenbuben Arbeit suchen «als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt». Gastarbeiter also — und Bettler! Einflußreiche Dorfgewaltige zäunten gegen den alten «Hofsteigischen Landsbrauch» Stücke aus der gemeinsamen «Almende» für private Nutzung ein. Benedikt Bilgeri erzählt 16 in seiner «Geschichte Vorarlbergs», wie Georg Rohner aus Wolfurt vergeblich Recht für den «Gemeinen Mann» beim Kaiser in Wien suchte und dann die Bauern 1706 zu bewaffnetem Aufstand gegen die Beamten in Bregenz führte. III. Felderverteilung Rettung in der großen Not hätte der Anbau der aus Amerika eingeführten neuen Früchte Mais und Kartoffeln bringen können, die einen weit höheren Flächenertrag als Weizen bringen. Dem standen aber die alten Bräuche im Wege. In den Getreide-Eschen war kein Platz! Nur in den «Neuwiesen» im weit entfernten Ried begann man vorerst zaghaft mit dem Anbau von «Türggo und Bodobiera». Endlich setzte sich um 1750 der «Gemeine Mann» durch: Die Getreide-Esche wurde zerstückelt und auf die einzelnen Bauern verteilt. Private Nutzung erbrachte nun bald weit höhere Erträge. Daher wurden 1795 auch noch der Ippachwald und 1798 das ganze Ried an die 166 Bauern verteilt. Der Maisanbau nahm rasch zu. Im Jahre 1817 übertraf die Maisernte mit 1620 Vierteln bereits den Hafer mit 1280 Vierteln. Weitaus an der Spitze lag aber noch immer der Vesenweizen mit 3250 Vierteln. Ein Viertel wurde in Wolfurt auch «Staren» genannt und faßte etwa 21,71 Körner. Wolfurt war also noch immer von Getreidefeldern umgeben, doch wurde das allmorgendliche Habermus nun langsam vom Türkenmus und ab 1850 vom Türken-Stopfer verdrängt. Die Arbeit in Feld und Garten galt nicht als Plage. Um 1860 beschreibt sie der Arzt Kaspar Hagen in seiner Bregenzer Mundart als «lustiges Leben». Das Leben am Bodensee. Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! Ma hot a wackre Husmaskost,l Hot Hereleable,2 Bier und Most, A munters Zottele? Kaffee, De Susar4 vu der Reabe. Wo ist der Friehling o so nett? A so a gottvolls Bleie?3a Ma gärtlat5 froh um Hus und Stal Und bstellt de Bode-n-iberal, Ma sait und setzt und ackeret, Lot wachse und lot treie.6 Im Summer ist ma zittle7 wach, Ma bloacht und tricknet d'Wescha. As zittnet8 d'Frucht a Halm und Ast, Ma mait und schnidt und haltet Rast, Ma lescht de Durst us Krueg und Bach Und schwimmt im See wie d'Frescha. Der Hierbst, a Zitt, fidel und reg, Lot breache, schwinge, fimmle.^ Ma schittlet Obß, ma priglet10 Nuß. Drescht noch-em Takt im Stadel duß,11 Fillt Kammer, Mahreneast12 und Treg, De Torkel noch-em Wimmle.B Der Winter, sus14 a ruha Ma, Drait d'Spindel, trillet's15 Rädle, Macht, daß ma gern de-n-Ofe mag, Bringt Stubat, Schlittbah, Klosetag,16 's lieb Krippele und Maschgara17 Und Freid fier Bue und Mädle. A jede Johrszitt, Bluest18 und Schnee, Wie's golde Korn und d'Reabe Freit Dorf und Stadt, freit Hof und Hus; Drum rief i kurlemusper19us: Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! 1 Hausmannskost. 2 Herrenlaibchen, eine Bregenzer Brotart. 3 Kaffeeschälchen. 3a Blühen. 4 Weinmost, Sauser. 5 bestellt den Garten. 6 gedeihen, fett werden. 7 zeitlich. 8 reift. 9 den weiblichen Hanf ausziehen und vom männlichen sondern. 10 schüttelt. 11 draußen. 12 Aufbewahrungsort für auszureifendes Obst. 13 nach der Weinlese. 14 sonst. 15 dreht. 16 Nikolaustag. 17 Masken. 18 Blüte. 19 recht fröhlich. Kaspar Hagen, 1820—1885, Stadtarzt / Bregenzer Mundart Zur täglichen Arbeit gehörte damals also der Umgang mit Getreide, Wein und Obst und auch mit Hanf und Flachs. 17 IV. Fabriksarbeit Die Folgen der Felderverteilung wurden schnell sichtbar: Starkes Anwachsen der Bevölkerung. Erbteilung der Bauerngüter. Neue Häuser in den Getreidefeldern. Die sechs alten Weiler wachsen zu einem Straßendorf zusammen. Ab 1800 beginnt die Besiedlung von Ach, Bütze, Flotzbach und Schlatt. Der Hunger aber blieb, denn die Felder konnten die zahlreicher gewordenen Einwohner nicht ernähren. Man war auf Nebenverdienste angewiesen. Schon um 1750 waren in den meisten Häusern Webkeller eingerichtet worden, wo die Männer für Schweizer Händler Flachs zu Leinwand und bald auch Baumwolle zu feinem Tuch verwoben. Frauen und Mädchen versuchten, mit feinen Handstickereien ein paar Kreuzer zu verdienen. 1837 bauten Jenny und Schindler ihre große Fabrik in Kennelbach. Die Wolfurter hatten ihnen vorher den Platz verweigert. Weil die Konkurrenz durch die Fabriken die Handweber brotlos gemacht hatte, suchten bald etwa 300 Arbeiter jenseits der Ach einen Verdienst, darunter sehr viele Kinder aus Wolfurt. Über die Arbeitsbedingungen erzählt Egon Sinz in «Kennelbach»: 300 Arbeitstage gab es damals und keinen Urlaub. Jeden Tag wurde 14 Stunden gearbeitet, von 5 Uhr früh bis 12 Uhr und nach einstündiger Mittagspause wieder von 1 Uhr bis 8 Uhr am späten Abend. Der Taglohn für Facharbeiter lag bei 50 Kreuzern. Dafür konnte man 5 kg Mehl kaufen. Die Kinder verdienten aber nur 12 Kreuzer im Tag, das reichte gerade für 1 kg Mehl und1/2lMilch. Strenge Aufseher kontrollierten die Arbeit und verhängten oft noch Lohnabzüge als Strafe. Geradezu unfaßbar erscheint uns heute, daß zu der langen Arbeitszeit oft noch ein langer, beschwerlicher Fußmarsch kam. Anfangs gab es nicht einmal eine Brücke über die Ach. Nach Arbeitsschluß drängten gegen 200 Leute zum kleinen Fährboot und mußten dort noch lange Wartezeiten auf sich nehmen. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt zählt die Namen von 2 Jungfrauen und 5 Kindern auf, die ihr Leben verloren, als das überladene Schifflein in der stürmischen Nacht des 24. April 1839 kenterte: Franz Xaver Geiger, Kirchdorf, 7 Jahre Maria Agatha Gmeiner, Strohdorf, 21 Jahre deren Schwester Katharina Gmeiner, 16 Jahre Franziska Kresser aus Hohenweiler, 13 Jahre Anna Maria Schwerzler, Hub, 21 Jahre deren Schwester Rosa Schwerzler, 10 Jahre Jakob Krug, Hub, 9 Jahre Und doch nannte Kreishauptmann Ebner 1843 die Fabriksarbeit einen «leichten Verdienst». Die Hungerjahre vorher müssen noch viel schlimmer gewesen sein! Allmählich wurde die Stundenzahl gesenkt, aber 1902 betrug sie immer noch 6 mal 10 Stunden. Kinderarbeit in der Fabrik war jetzt verboten. Italienische Einwanderer hatten den Dienst in den Spinnereien übernommen. Jetzt aber begann in Wolfurt die goldene Zeit der Sticker. An die Plätze der alten Webstühle stellte man neue Stickautomaten. Und wieder mußten 10jährige barfüßige Mädchen bis zu 15 Stunden täglich die eintönige Arbeit als Fädler an den rasselnden Maschinen übernehmen. Wen wundert es da, daß bald «s'Uszehro», die Geißel Tuberkulose, im Dorf reiche Ernte einholte? 18 V. Äcker werden Heuwiesen Durch viele Jahrhunderte hatten Wolfurter Bauern das Korn für ihr karges tägliches Brot selbst angebaut. Eine tiefgreifende Veränderung brachte der Eisenbahnbau. 1856 hatte die bayrische Südbahn Lindau erreicht. Billiges Korn überschwemmte bald den Bregenzer Kornmarkt. 1872 wurde die Vorarlbergbahn eröffnet, 1884 der Arlbergtunnel. Große Umwälzungen in der Wirtschaft zerbrachen die alten Strukturen: Belebung des Handels. Vernichtung der Frächterei und vieler Handwerksberufe. Vernichtung des Getreidebaus und des Weinbaus. 1882 ließ der Wolfurter Pfarrer den letzten Weinberg im Tobel eingehen, 1898 brach der Kreuzwirt den letzten Weintorkel ab. Der Getreidebau warf keinen Ertrag mehr ab, der Bauernstand war tief verschuldet. Da rief der Wolfurter Lehrer Rädler nach der Idee Raiffeisens zur Selbsthilfe auf. Er lehrte Milchwirtschaft und Obstbau. 1882 gründete er die Sennerei Kirchdorf, 1884 folgte die Sennerei Hub. Vorschußverein Rickenbach ab 1881 und Raiffeisenkasse Wolfurt ab 1889 sorgten für notwendiges Kapital. Die Viehställe wurden vergrößert. Dreschflegel und Sichel verschwanden mit Flachsbrechel und Hanfhechel auf dem Dachboden. Das monatliche Milchgeld wurde zur Grundlage des Familieneinkommens. VI. Ausblick Am schwersten traf ab 1955 die dritte Bodenreform die Landwirtschaft mit Industrialisierung und Zersiedelung der Felder. 1880 hatte Wolfurt 213 Bauern mit 426 Kühen gezählt. 1976 waren es noch 23 Bauern mit 158 Kühen. 1988 sind es nur mehr ein Dutzend, die voll Sorge auf die EWG-Landwirtschaft blicken: Bringt sie das Ende? In den Betrieben ist die Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden gesunken, Lohn und Urlaub sind gewachsen. Die Kinder dürfen lernen und spielen. Die Sorgen aber sind nicht kleiner geworden, nur anders. Und weise Leute sagen, daß man sich die Sorgen selber macht. Wir dürfen uns jedenfalls dankbar unserer Vorfahren erinnern, die in viel schwereren Zeiten mit ihrer Hände Arbeit den Grundstock zu unserem heutigen Wohlstand gelegt haben. 19 Christoph Volaucnik Franzosenkrieg im Jahre 1800 Vorarlberg wurde ab 1792 in die Wirren des französischen Krieges verwickelt und geriet durch die Kampfhandlungen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges in eine langjährige Wirtschaftskrise. In den Franzosenkriegen wurde die Verteidigung des Landes neben den regulären kaiserlichen Truppen noch zum größten Teil von der Landwehr durchgeführt. Die Landwehr stand zwischen 1796 und 1800 immer zur Verteidigung Vorarlbergs bereit. Auch im Gericht Hofsteig waren die Schützen für die Verteidigung Vorarlbergs aufgeboten worden und 1800 wurde die Gemeinde Wolfurt in die Kriegswirren hineingezogen. Am 8. Mai 1800 erschienen die Franzosen am Rhein. Das österreichische Militär zog sich nach Füssen zurück und am 12. Mai rückten die Franzosen von Lindau nach Bregenz ein. Die Bregenzerwälder, Oberländer und Hofsteiger entschlossen sich, gegen die Franzosen weiterzukämpfen. Über die Kampfhandlungen im Gebiet Wolfurt vom Mai bis Juli 1800 hat sich im Vorarlberger Landesarchiv eine Wolfurter Chronik aus dieser Zeit erhalten, die von einem Maler Anton Schneider verfaßt wurde. Sie schildert die Ereignisse in Wolfurt und Vorarlberg von 1784 bis 1804, ist aber leider nicht mehr ganz vollständig. Aus dieser Chronik sollen die Ereignisse des Jahres 1800 wiedergegeben werden. Nach dem Einmarsch der Franzosen waren Soldaten nach Wolfurt gekommen und hatten von der Bevölkerung Essen und Trinken verlangt, waren aber nach Erhalt der Lebensmittel wieder abgezogen. Die Franzosen haben sich nicht über die Lauteracher Brücke hinausgewagt und sind in Lauterach und Wolfurt nur sporadisch zu Patrouillengängen erschienen. Die Bevölkerung wurde am 17. und 18. Mai zum Abbruch der Schanzen und Befestigungen in Bregenz kommandiert. Der Chronist vermerkt zu dieser Arbeit, daß diese Schanzen von den selben Bauern erst vor wenigen Monaten auf Befehl des österreichischen Militärs errichtet und für die Befestigungen Äcker, Felder und Wälder vernichtet worden waren. Die Schützen der Alberschwender Landwehr stießen am 18. und 20. Mai bis an die Lauteracher Achbrücke vor und eröffneten mit den Franzosen ein Feuergefecht. Besonders das Feuergefecht am 20. Mai muß sehr stark gewesen sein, da die Wolfurter Bevölkerung durch den Gefechtslärm stark verängstigt wurde. Die Einwohner eilten zur Kirche, um einen Psalter und einen Rosenkranz zu beten. Während der Gebete wurden der Barbier und der Pfarrer aus der Kirche geholt, um die Verwundeten der Alberschwender Schützen ärztlich zu versorgen und ihnen seelsorgerischen Beistand zu geben. Die Bevölkerung floh darauf aus der Kirche, da sie den Einmarsch der Franzosen befürchtete. Völlig überraschend zogen die Franzosen sich am selben Tag aus Bregenz zurück. Tags darauf rückten 3 Kompagnien kaiserlicher Truppen in Wolfurt ein und blieben bis zum 24. Mai in Wolfurt einquartiert. An diesem Tage hatten die Franzosen Bregenz in einer Zangenbewegung von der Klause und von Weiler-Langen her angegriffen und eingenommen. Die Österreicher konnten noch rechtzeitig aus Bregenz fliehen. In Wolfurt traf an diesem Tag der Befehl ein, daß sich die Wolfurter Schützen sammeln und nach Gaißau oder Hörbranz ziehen sollten. In der Reihe der Schützen gab es aber gegen diesen Befehl Widerstand, sodaß beschlossen wurde, die Entwicklung der nächsten Stunden abzuwarten. In der Nacht wurde aus Lauterach Gefechtslärm gehört, der die Leute aus dem Schlaf riß und zur Flucht führte. Es wurde ein Bote nach Lauterach geschickt, der nach einigen Stunden berichtete, daß die kaiserlichen Truppen aus Lautersch geflüchtet wären und die Franzosen wieder an der Lauteracher Brücke wären. 20 Am nächsten Tag, Sonntag dem 25. Mai, zogen sich die Schützen nach Bildstein zurück und warteten dort auf weitere Befehle. Als am 26. Mai von einem Wolfurter einige Franzosen bei der Kennelbacher Fähre gesichtet wurden, kam es im Dorf wiederum zu Panik, da man mit einem Einmarsch der Franzosen rechnete. Die Franzosen hatten aber das Fährschiff nur konfisziert und nach Lauterach gebracht, um damit den Achübergang bei Kennelbach zu unterbrechen. Die Schützen waren alarmiert worden und zogen von Bildstein nach Wolfurt zurück. Sie marschierten an die Achbrücke und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. In der Nacht erhielten sie den Befehl zum Rückzug nach Bildstein, errichteten aber Wachtposten im Oberfeld. Die Schützen wurden in den Parzellen Bereuter, Staudach, in Buch und Bildstein untergebracht. Sie patrouillierten jeden Morgen und Abend durch das Dorf und die Felder. Auch die kaiserlichen Soldaten führten täglich von Dornbirn her Patrouillengänge bis nach Lauterach und Wolfurt durch. Die Franzosen entsandten zweimal Spähtrupps nach Wolfurt, die aber nur bis zum Schmerzenbild und bis in den Ortsteil Bütze kamen. Die auf den Feldern arbeitenden Bauern flüchteten bei Ankunft der französischen Spähtrupps in das Dorf und schlugen Alarm. Wolfurt hatte durch die Brückenbesetzung und durch die Vernichtung der Fährverbindung keine Verbindung mehr mit Bregenz. Bregenz hatte aber als Getreidemarkt für Wolfurt eine lebenswichtige Bedeutung. Der Kornpreis war durch die Kriegsereignisse bereits stark gestiegen und zusätzlich zur Teuerung kam es zu einem spürbaren Mangel an Getreide. Die Schützen hatten in Schloß Wolfurt, Frickenesch und dem Oberfeld weitere Wachtposten anfang Juni errichtet. Besondere Bedeutung sollten die Wachen am Flotzbach und am Rickenbach erhalten. Französische Patrouillen waren Mitte Juni zweimal auf diese Wachen gestoßen. Am 30. Juni waren 160 französische Reiter und Infanterie am Rickenbach erschienen, hatten sich aufgestellt und die Wolfurter Schützen überrascht. Ein Teil der Rickenbacher Schützen eilte vom Dorf zu den Franzosen, während der zweite Teil der Schützen zuerst zur Ach marschierte und von dort erst zum Rickenbach kam. Die Franzosen griffen an und versuchten, möglichst rasch zum Schloßbühel zu gelangen, um die dort befindlichen Schützen gefangen zu nehmen und die «Kanon» zu vernichten. Die im Schloß liegenden Schützen waren rechtzeitig nach Frickenesch geflohen, hatten sich dort neu gesammelt und einen Angriff von der Höhe auf die Franzosen begonnen. Sie konnten das Dorf von den Franzosen befreien und diese bis nach Lauterach zurücktreiben. Der Kampf hatte von halb 8 Uhr bis 12 Uhr gedauert und mehrere Tote gefordert. Die Schützen haben die Wachen neu besetzt und sich nach Bildstein zurückgezogen. Der kommandierende französische General übermittelte noch am selben Tag den Gemeinden Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach eine Kapitulations-Aufforderung. Er drohte den Gemeinden bei weiterem Widerstand mit Plünderungen, Morden und Brandlegungen. Der Pfarrer von Wolfurt wurde mit der Abfassung eines Bittbriefes beauftragt. Er erklärte darin, daß die Wolfurter an den Kämpfen unschuldig wären und Wälder und Tiroler Schützen den Kampf geführt hätten. Weiters versprach die Gemeinde, alle Forderungen der Franzosen zu erfüllen, Brandschatzung zu zahlen und Vieh freiwillig abzuliefern. In der Gemeinde herrschte große Angst und man rechnete mit keiner Schonung durch die Franzosen. Eigentümlich scheint der Inhalt des Bittbriefes bezüglich der eingesetzten Schützen. In mehreren Stellen in der Chronik werden ausdrücklich die «Rickenbacher Schützen», «unsere Schützen» als Verteidiger genannt. Der Pfarrer dürfte hier aus Furcht vor der französischen Vergeltung die Rolle der Wolfurter Schützen vermutlich heruntergespielt haben. Die erwartete Strafaktion blieb vorerst 21 aus. Erst am 12. Juli 1800 brachen die Franzosen aus Bregenz auf und marschierten in Richtung Feldkirch. Die Wolfurter schickten Johann Dür aus dem Tobel nach Bregenz, um sich über die Lage zu informieren. Der Aufmarsch über die Achbrücke erfolgte nachts. Im Schutze der Dunkelheit wurde eine Abteilung französischer Soldaten dem Achdamm entlang nach Wolfurt geschickt. An einer Stelle in den Inselgründen teilten sich die Soldaten in zwei Gruppen und marschierten durch die Felder dem Dorf zu. Bregenzerwälder Schützen, die am Ortsrand auf Wache standen, bemerkten die angreifenden Franzosen und flohen, nachdem sie Alarmschüsse abgegeben hatten, vor den Angreifern. Die Franzosen stürmten Richtung Schloß, um die dort befindlichen Bregenzerwälder Schützen gefangennehmen zu können. Bei der Einnahme des Schlosses wurden mehrere Schützen und Franzosen getötet. Die Franzosen haben die Schützen bis nach Bildstein und Alberschwende verfolgt. Dort wurden sie von den Schützen bereits erwartet und erst nach dreimaligem Sturmangriff der Schützen zogen sich die Franzosen wieder bis Wolfurt und Lauterach zurück. In Lauterach verschanzten sich die Franzosen hinter einem «Hag» und es wurden den ganzen Tag in Lauterach noch Feuergefechte geliefert. In der Gemeinde herrschte wegen der Kampfhandlungen Furcht, Schrecken und Ratlosigkeit. Die Franzosen hatten bei der Einnahme von Wolfurt in viele Häuser eingebrochen, geplündert und einen Mann, Michael Haltmayer, in seinem Haus erschossen, da er sich geweigert hatte, ihnen Geld zu geben. Er wurde in aller Stille beerdigt, da die Franzosen das Glockenläuten verboten hatten und aus Furcht nur 3 bis 4 Personen es gewagt hatten, die Beerdigung zu besuchen. Am Abend kam der Befehl für die Bregenzerwälder Schützen, sich wieder bis Alberschwende zurückzuziehen. Die Wolfurter haben ihre eigenen Schützen den Wäldern hinterhergesandt, um das Dorf frei von Schützen zu haben. Am folgenden Tag, Montag dem 13. Juli, wurden 4 Wolfurter zu den Franzosen gesandt mit der Nachricht, daß die Schützen das Dorf verlassen hätten und die Gemeinde um Schonung beim Einmarsch bitte. Die Wolfurter zogen den Franzosen mit Branntwein und Brot entgegen und der Chronist vermeint dazu, daß es trübe Zeiten wären, da man dem Feind entgegenziehen müsse. Die einrückenden Franzosen schonten das Dorf aber in keiner Weise. Sie haben bei den Hausdurchsuchungen mit Äxten die Türen und Läden aufgeschlagen, sind sogar in der Kirche eingebrochen, wobei sie aber nur die Kerzen stahlen. Der Chronist kommentiert diese Plünderung mit einem Vergleich. Er sagt, daß die Franzosen «wie wütende Hund herum gefohren» und mit Wut und «garosch» (=Rage, Zorn, Empörung, Wut) in das Dorf gekommen wären. Die Franzosen blieben zwei Tage im Dorf und marschierten dann in den Bregenzerwald weiter. Ab dem 17. Juli erfolgte eine neuerliche Einquartierung von Franzosen in Wolfurt. Die Bevölkerung hatte die Soldaten (100 Mann) mit Suppe, Brot, Fleisch und Branntwein zu verköstigen. Für einen Brückenbau in Gaißau mußten täglich 10 Männer für die Bauarbeiten abgestellt werden und Kornlieferungen an die französische Armee durchgeführt werden. Weiters schrieben die Franzosen der Gemeinde bis zu einem bestimmten Datum die Herstellung der Gemeindestraßen vor. Im Dezember 1800 wurden 3 Wolfurter als Wegführer und Fuhrleute für einen Truppentransport nach Schwarzenberg verpflichtet. In den folgenden Jahren litt die Bevölkerung Wolfurts unter ständigen Truppeneinquartierungen und unter Fuhrdiensten für das Militär. Kriegerische Auseinandersetzungen im Dorf gab es glücklicherweise keine mehr für die nächsten 145 Jahre. 22 Siegfried Heim So heo s i ghört! (Nicht-Wolfurter sollten sich unseren Dialekt vorlesen lassen, wenn er ohne phonetische Zeichen geschrieben wird.) Deon und heon, deonna und heonna, ummar und umme: umme gi Kennolba, gi Breogoz, gi Lindo, id Schwiz, gi Amerika dünn und homm, dunna und homma, uffar und abe: abe in Keor, gi Luttora, gi Nuschlou, gi Wion, id Steiormark, uf Italien domm und hunn, domma und hunna, abar und uffe: uffe in Ufzug, gi Bildsto, gi Schwarza, is Oborland, uffe uffo Mo duß und hinn, dussa und hinna, inar und usse: usse is Riod, gi Locho, is Dütscho dinn und huß, dinna und hussa, ussar und ine: ine is Gado, is Buoch, ad Egg, is Muntofu, is Tirol, ine is Dorf und usse gi Rickoba, usse id Kelte, ine ad Werme! Füor s Klennst Rita, rita, Rößle! Z Breogoz stoht a Schlößle, z Riodoburg a Kappele. D Moatla trägond Schappele. Buobo trägond Moio. D Henna leggond Oior. D Wibor neommond s us und Heorro schleockond s us. Was wir planen Vortrag: Gewerbe im vorigen Jahrhundert Zeitschrift: Geologisches aus Wolfurt Lesung: Aus der Schneider-Chronik Führungen: In und um die Kirche Quer durch Rickenbach Wir werden Sie rechtzeitig einladen. Bitte, lassen sie uns die Adressen von weiteren Interessenten zukommen, denen wir dieses und die folgenden Hefte zuschicken dürfen!
  1. heimatwolfurt
19800414_GVE053 Hittisau 14.04.1980 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 25.04,1980 Verhandlıungsschrift über die am Montag, den 14, April 1980 um 20,15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 53. öffentliche Sitzung der Gemeinde- vertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr, Anton Stöckler, Josef Steurer, Max Moosbrugger und Ing, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Arno Kohler sowie der Gemeindekassier Konrad Schwarz, Entschuldigte: der GV. NR Ludwig Hagspiel sowie nicht erschienen Eduard Metzler, Tagesordnung 1. Eröffnung und Begrüßung. 2, Vorlage: a) der Jahresrechnung 1979, b) des Revisionsberichtes der Landesrevisionsstelle und des Prüfungsausschusses, c) Beschlußfassung der Rechnung 1979 und der bedingten Abweichungen gegenüber dem Voranschlag. 3 . Stellungnahme zum Straßenprojekt - Balderschwang,. 4‚ Baukostenbeitrag Güterweg Dorf. 5. Ansuchen der 6. Protokoll. 7. Alıfälliges und Berichte, örtlichen Feuerwehr, 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen., Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung umd die Punkte: 8, Erweiterung der Ortskanalisation und 9, Schülerfahrt Sippersegg. Dem Antrag wird einhellig zugestimmt. 2. a) Zur Behandlung des Rechnungsabschlusses 1979 gab der Bürgermeister zunächst einen Überblick über die Finanzgebarung. Er stellte die Voranschlagssätze mit den Rechnungsergebnissen 1979 gegenüber, Diese weichen folgendermaßen ab: Einnahmen Voranschlag Rechnung Ausgaben 17.282.000, -16.984 ,546, 34 17.183,000,-- -99,000,-- Abg. 16.548.489 ,49 +436,.056,85 ÜUsch. - 297.453,66 + günstiger - ungünstiger 634.510,51 +337.056,85 en aA ESEL EEE Der Rechnungsabschluß Ergebnis I I SEES EEE Aa EEE a nn a a EEE Zn nn Ai U EEE 1979 weist aus: Einnahmen der Erfolgsgebarung S 11.669,264,78 Einnahmen der Vermögensgebarung S_ 4.860,.760,59 S 16.530,025,37 Gebarungsüberschuß 1979 Ss 454,520,97 S 16,984,546,34 ERS Ausgaben der Erfolgsgebarung S 7.955.,965,56 Ausgaben der Vermögensgebarung S 8.592.523,93 Gebarungsüberschuß 1979 Ss S 16,548,489,49 436.056,85 S 16.984.546, 34 Aufgegliedert auf die einzelnen Gruppen ergibt sich folgendes Bild: Gruppe 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Geb.Übsch. 78 Geb, Übsch, 79 Einnahmen Ss Ss Ss Ss Ss 5 Ss Ss S S Ausgaben 317.496 ,44 145.,.102.42 660,298 ‚44 22,220,-378.334,36 152,302,93 15.243,-180,.835,73 6,633,666,46 8,.024,525,59 Ss Ss Ss Ss Ss S) S Ss Ss Ss 1.480.899 ,06 576,608‚01 2.436.973,57 167,883, -1.067,.010,21 777.580,93 460,507,91 758 .20h ,44 8.380,854,05 441.967,91 S 16.530.025,37 S 454,520,97 S 16.548,489,49 S 436,056,85 S 16,984.546,34 S 16,.984,546,34 SEES DZZZNNIz SEELE EEE Das Reinvermögen beträgt zum 31,12,1979 S 25.161,.990,20o Die aufgenommenen Darlehen beziffern sich per 31.12.1979 auf S 15.776.031,23 Man A a Wi SEE EEE A ts SE Ey SM A ZZEDRZS womit der Darlehensstand um S als im Vorjahr, 1.995.533,3? geringer ist Die Pro-Kopf-Verschuldung beträgt (1,561 Einwohner lt. Volkszählung 1971) S 10.106,-in 0 Ak A U Sn An Sn Im besonderen wurden die Abweichungen vom Voranschlag vom Gemeindekassier erhoben und erörtert, Hier seien die bedeutensten Abweichungen - Netto - auf der Ausgabenseite aufgeführt: Anschaffung einer Buchungsmaschine Schulerhaltungsbeiträge an andere Gemeinden A,c.,-Zahlung für Altersheim Brennstoffe für Schule etc, Familienhelferin ab 1.9.1979 Stromkosten f£,. Schwimmbad 1978/79 Baukosten für Schwimmbad - Rest Vorzeitige Darlehenstilgungen nYNUHLO 165.000,-61,.000,-135.000 ,-69,000 ,-12,000,-105.000,-- 298.000,-1399.350,-- Die meisten Mehrausgaben waren bei der Voranschlagserstellung nicht abzuschätzen oder unvorhersehbar, Sodann brachten die Gemeindevertreter Gerard Hagspiel und Arno Kohler den umfangreichen Bericht über die Überprüfung der Gebarung der Landesrevisionsstelle zur Verlesung. Dieser umfaßt die Jahre 1975 bis 1978 und beschäftigt sich ausführlich mit der Gebarung des Haushaltsjahres 1978, Der Bericht enthält teilweise Feststellungen und Mängel, die berechtigt sind, teilweise sind die Bemängelungen nicht zutreffend, pedantisch kleinlich und zu Unrecht erfolgt, Sicher- lich sind mancherlei Hinweise und Anregungen (Beurteilung der finanziellen Entwicklung, der Verschuldung, Erstellung eines Finanzplanes, die Anlegung eines Indexes der Gemeindebe- schlüsse) wertvoll, doch zeigt sich, daß graue Theorie und lebensnahe Praxis nicht immer vereinbar sind, Der Bürgermeister und Gemeindekassier haben zu den Ergebnissen der Einschau Erläuterungen, Aufklärung und Rechenschaft gegeben. Durch eine Aussprache des Kontrollorgans während der Überprüfung hätten einige sachlich unrichtige Feststellungen vermieden werden können, In einer Unterredung bei der Revisionsstelle hat der Bürgermeister Unklarheiten bereinigt und einige kritische Bemängelungen und sachlich unrichtige Feststellungen im Bericht klargestellt. Im Anschluß verlas der Obmann des Prüfungsausschusses GV Gerard Hagspiel den Bericht über den Rechnungsabschluß 1979. Der Ausschuß hat in mehreren Sitzungen das Rechnungs- und Belegwesen stichprobenweise überprüft, die Kassa- und Bankbestände auf Übereinstimmung mit den Kontoauszügen und Buchungen kontrolliert und Einsicht in einzelne Baurechnungen des Kläranlagenbaues genommen, Er stellte fest, daß das Rechnungswesen sauber und übersichtlich und sachlich und rechnerisch richtig geführt ist. Im Bericht sind wertvolle Hinweise für Energiesparmaßnahmen in der Volksschule und im Gemeindehaus aufgezeigt. Es wird in sachlicher Form auf Feststellungen der Aufsichtsbehörde im Prüfungsbericht verwiesen und einige Unrichtigkeiten klargestellt, In Stichproben wurden einige Bauabrechnungen von der Kläranlage kontrolliert und deren Übereinstimmung mit den Offertpreisen überprüft. Dabei ergaben sich bedeutende Differenzen und Abweichungen durch Mehr- und Minderleistungen, wobei Aktenvermerke der Bauaufsicht über erfolgte Änderungen fehlen und keine Beschlüsse der Gemeindevertretung für ge- tätigte Überschreitungen vorliegen, Der Prüfungsausschuß regt an, daß künftig alle Bauabrechnungen nach Prüfung durch die Bauaufsicht auf Einhaltung der Anbotspreise und Ausführung der Leistungen an Ort kontrolliert werden, Betreffs der Entlohnung der Gemeindearbeiter wird die genaue Einhaltung der Bestimmungen des Gemeindebedienstetengesetzes empfohlen, Der Obmann des Prüfungsausschusses stellt sodann den Antrag, den Rechnungsabschluß über die Haushaltsgebarung 1979 zu genehmigen und den Kassier zu entlasten, In der Diskussion nehmen die GV H.,. Faißt und Herbert Bilgeri zu den aufgezeigten Sachverhalten betreffs Baurechnungen Stellung, Sie verweisen darauf, daß baubedingt gewisse Anderungen immer wieder notwendig werden und diese schließlich der Verbesserung und Berichtigung dienen und auf Anordnung der Bauaufsicht erfolgten, Der Bürgermeister anerkennt den sachlichen Bericht und dessen Aussagewert, Sodann wurde dem Antrag auf Genehmigung des Rechnungsabschlusses über die Haushaltsgebarung des Jahres 1979 inklusive der Überund Unterschreitungen des Voranschlages einstimmig stattgegeben, Der Bürgermeister dankt dem Gemeindekassier für die saubere und gewissenhafte Führung des Rechnungswesens und dem Prüfungsausschuß für seine Kontrolltätigkeit und den sachlichen Bericht, 3, Das Projekt über den Ausbau des Nr, II, Bauloses der Landesstraße 5 - Balderschwangerstraße wurde zur öffentlichen Stellung= nahme aufgelegt. Die Grundbesitzer wurden hievon schriftlich verständigt, Die Gemeindevertretung nimmt zum generellen Projekt positiv Stellung, Der Bür germeis ter verweist in seiner schriftlichen Stellungnahme darauf, daß die zu erwartende Zunahme des Verkehrs die gleichzeitige Sanierung der Ortsdurchfahrt unumgänglich notwendig mache, Die Güterweggenossenschaft Dorf ersucht nach Endabrechnung durch die Agrarbezirksbehörde um den Restbeitrag zum Wegebau, Von der Gemeinde wird wie üblich ein 10%-iger Zuschuß zu den Baukosten geleistet, Als Restzahlung wird mit einstimmigem Be- schluß ein Beitrag von S 34,00oo,-- gewährt. Die Ortsfeuerwehr ersucht zur Durchführung des Jubelfestes um Gewährung eines Zuschusses in Höhe der anfallenden Ge- tränkesteuer. Wie bisher gehandhabt, wird diesem Ansuchen einstimmig stattgegeben, Das Protokoll der Sitzung vom 25.03.1980 wird ohne Einwand genehmigt. GV Anton Faißt bedankt sich im Namen der Güterweggenossenschaft Häderich für den gewährten Zuschuß zu den Straßenerhaltungskosten, Er verweist auf die Tatsache, daß heute die Straße zu 90 - 95 % dem öffentlichen Verkehr dient und die Genossen- schaft künftig nicht in der Lage ist, 50 % der Erhaltungskosten zu tragen. 7. Berichte und Allfälliges: a) Im Baubeginn der Ortszentrumsverbauung tritt wegen der notwendigen Kabelverlegung eine Verzögerung ein, Die Installation der Sanitäranlage wurde an die Fa, Walter Fink, Schwarzach vergeben, bp) Das Fischereirevier Bolgenach Nr, 14 wurde im Versteigerungswege um den Jahrespacht von S 10.,000,-- an Herrn Walter Scheffknecht, Fußach vergeben, c) Gottlieb Bechter, Rain ersucht in einer Anfrage um die Bewilligung zum Transport von Aushubmäterial mittels LKW auf der Ließenbachstraße, Es bestehen Bedenken, daß die Straße dieser Belastung nicht Stand hält, Die Bewilligung kann nur gegeben werden, wenn der Gesuchsteller schriftlich erklärt, für alle entstehenden Schäden jetzt und in der Folge die Haftung zu übernehmen, a) Vom Amt der V1lbg. Landesregierung wurde der Voranschlag 1980 genehmigt. 8, Der Bürgermeister stellt die Erweiterung der Ortskanalisation durch nachstehende Teilstücke zur Debatte: a) Stichkanal mit Straßenunterführung in Banholz, b) Verlängerung des Kanals auf dem Dorfplatz bis zum Kriegerdenkmal für späteren Anschluß aus Richtung Kirchenbühl, c) Teilstück in Heideggen bei Schelling Zita. Der Bau dieser Teilstück: wird einstimmig beschlossen, Für die Schülerfahrt nach Sippersegg verlangt das Busunternnehmen Schedler zusätzlich pro Fahrt S 5o,--, Der Bürgermeister wird sich beim Finanzamt erkundigen, ob diese Kosten aus Mitteln des Ausgleichsfonds finanziert werden, Zum Ablauf der Funktionsperiode dankt der Bürgermeister allen Gemeindevertretern für ihre Mitarbeit, Besonderen Dank sagt er den ausscheidenden Gemeindemandataren, die nicht mehr kandidieren, für ihre teils jahrzehntelange Tätigkeit im öffentlichen Leben zum Wohle der Gemeinde, Es sind dies: Metzler Eduard GV von 75 - 80, tätig im Fremdenverkehrs-, Erwin Eberle GV von 70 - 80, 10 Jahre im Gemeindevorstand, tätig im Bauausschuß, bei der Wasserver- Dir, GV von 65 - 8o, 15 Jahre im Gemeindevorstand, von 7o - 80 Vizebürgermeister, Protokoll- Schulbau- und Überprüfungsausschuß, sorgung und im Kanalaugschuß, Elmar Huber führer, Eberle Oskar GV von 65 - 80, tätig im Fremdenverkehrs-, Fischerei- und Einschätzungsausschuß, Sutterlüti Alfons GV von 55 - 8o, tätig im Fremdenverkehrs-, und Einschätzungsausschuß, Kommandant der Feuerwehr. Faißt Anton GV von 55 - So, von 62 - 7o Vizebürgermeister, tätig im Finanzausschuß und Güterwegebau. Hagspiel Xaver GV von 55 - 70 und von 7o - 8o tätig u.a, im Jagdausschuß, 1, Ersatzmann, Schluß der Sitzung um 015 Uhr. Der Büggermeister: gez. Anton Bilgeri e. Anm h, Kilo —
  1. hittisauvertretung
19800325_GVE052 Hittisau 25.03.1980 GEMEINDEAMT EITTISAU Hittisau am 03,04.1%80 Verhandlungsschrift über die am Dienstag, den 25. März 1980 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 52. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: ‚Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler sowie Adie Ersatzleute Xaver Hagspiel und Alfons Bals. Entschuldiate: die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Herbert Bilgeri, Josef Steurer, weiters waren nicht anwesend Anton Faißt und Eduard Metzler. Tagesoränung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Stellungnahme zum vorliegenden Teilungs- und Erschließungsvorschlag in Gfäll. 3. Beschlußfassung zwecks Abdeckung der außergewöhnlichen Tilgungsrate des Wasserwirtschaftsfonds. 4. Beitrag für den Winterdienst 1978/76 und 1979/80 Güterweg Häderich. 5. Festlegung der Verkaufsbedingungen für den Zentrumsverbau Hittisau I. 6. Beschlußfassung zwecks Sanierungsarbeiten für die Verbesserung der Trinkwasserqualität in Bolgenach. 7. Mitwirkung der Gemeinde bei der Tbc-, Bang- und Leukoseuntersuchung der Rindviehbestände., 8. Protokoll der Sitzung vom 05.02.1980. 9. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung zu Punkt 4. b) Beitrag zu den Erhaltungskosten des Güterweges Häderich. Dem Antrag wird einmütig zugestimmt. 2. a) Zur angestrebten Umwidmung der Gp. 443/2, 444, 436 und 435/3 des Dorner Josef, Gfäll als Wohngebiet wurde ein Teilungs- und Erschließungskonzept vorgelegt. Danach wird der Hang in vier Bauparzellen unterteilt. Die Gemeindevertretung heißt den Vorschlag bei nachfolgenden Änderungen gut: 1) Die Grundgrenze der Bauplätze 1 und 2 ist in der Nord Südrichtung zu begradigen. 2) Der Zufahrtsweg ist bis zum Öffentlichen Weg an der Westseite des Grundstückes zu verlängern. b) Der Bürgermeister gibt die vom Amt der Vorarlberger Landesregierung genehmigten Umwidmungen zu den von der Gemeinde- ‚vertretung beschlossenen Änderungen des Flächenwidmungsplanes bekannt. Darnach wurden genehmigt: 1) die Umwidmung der Gp. 931/1 sowie einer Teilfläche der Gp. 935 in Wohngebiet (Wilburger - Fink), 2) die Umwidmung der Gp. 1001/4 in Wohngebiet — (Ingrid Hagspiel), 3) die Umwidmung einer Teilf£fläche der Gp. 899/1 in Wohngebiet -—- (Matt Leo), 4) die Umwidmung einer Teilfläche der Gp. 58o in Mischgebiet - Landwirtschaft - (Hagspiel Ludwig), 5) die Umwidmunqg einer Teilfläche der Gp. 475/1 in Wohngebiet - (Vicentini Nella). 3. Vom Wasserwirtschaftsfonds ist die Vorschreibung zur Be- zahlung der 1. Tilgungsrate in Höhe von S 739.473;-- für die Darlehen samt Zinsen zur Kanalisation eingelangt. Im Voran- schlag ist hiefür keine Bedeckung vorgesehen, da man der Meinung war, daß die Tilgungsraten erst nach der Kollaudierung anfallen. Die Bestimmungen besagen jedoch in einem Nachsatz, daß mit der Tilgung fünf Jahre nach Zusicherung des Darlehens zu beginnen ist, was bei uns zutrifft. Deshalb wurde zur Begleichung der vorgeschriebenen Tilgungsrate ein positiver Beschluß gefaßt. Die Bedeckung ist durch Förderbeiträge des Bundes und Landes für bereits ausgeführte und bezahlte Arbeiten in der Höhe von S 536.000,-- teilweise gegeben. In diesem Zusammenhang stand die Einhebung der Benützungsgebühr, die vorläufig nur in halber Höhe vorgeschrieben wird, zur Diskussion. Da die Parteien zur Zeit bedeutende Kosten für die Anschlüsse aufzubringen haben, wird deren Erhöhung bis auf weiteres aufgeschoben. 4. a) Für die Schneeräumung und Salz- bzw. Splittstreuung der Häderichstraße bis zur Abzweigung "Gschliefstein" sind in den Wintern 1978/79 und 1979/80 lt. Berechnung der Fa. Johann Steurer Kosten von pauschal je S 40,000,-- aufgelau- fen. In Relation zu den Rämungskosten aller anderen Gemeindestraßen - S 86.006,-- im Jahre 1979 - erschienen diese Be-träge reichlich hoch bemessen, wenngleich auf dieser Bergstrecke für den Winterdienst andere Verhältnisse herrschen. Über Antrag wurde bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters einstimmig beschlossen, vorerst für das Kalenderjahr 1979 einen Betrag von S 40.000,-- zu bezahlen. Über den Zuschuß für das Jahr 1980 wird später entschieden. b) Die Güterweggenossenschaft Häderich legte für die Jahre 1978 und 1979 eine Rechnung über die Straßenerhaltungskosten in Höhe von rund S 30,000,-- vor. Auf Antrag wird ein einmaliger Zuschuß von S 15.000,-- einstimmig gewährt. In Hinkunft soll die Rechnungsstellung jährlich erfolgen. Über die Vertragsbedingungen für die Zentrumsverbauung -—I. Bauetappe legte der Bürgermeister einen Vertragsentwurf zur Beratung vor (siehe Beilage!). Die Vertragsbedingungen wurden von der Gemeindevertretung nach eingehender Behandlung gutgeheißen. Der Grundpreis je m2 wurde einstimmig mit S 60o00,-- festgesetzt. Die Kosten der Umlegungsarbeiten für den Kanal und die Wasserleitung sind von den Vertragspartnern zu tragen. Die Höhe des Grundpreises wird von der Gemeindevertretung als preisgünstig eingeschätzt. Zur Verbesserung der Qualität des Trinkwassers in Bolgenach hat die Bezirkshauptmannschaft Bregenz mit Schreiben vom 29.2.80 nachstehende Sanierungsarbeiten vorgeschrieben: 1) Die Schutzraumzone des Quellgebietes ist zu vergrößern und zur Verhinderung der Beweidung einzuzäunen. 2) Die Düngeranlage im Alpgut des Josef Lässer ist soweit möglich noch vor dem Alpauftrieb zu sanieren. Durch diese Maßnahmen hofft man, auf die Einrichtung einer 'Entkeimungsanlage verzichten zu können. Die Gemeindevertretung ist grundsätzlich mit der Ausführung oben erwähnten Sanierungsarbeiten einverstanden. Der Bürgermeister wird nach der Schneeschmelze Herrn Ing. Gerer.zu einer Begehung und Besichtigung zwecks fachmännnischer Beratung einladen. Dr. Stöckler erläuterte kurz die Entwicklung und Verbreiterung der Enterokoken, die die Trinkwasserqualität beeinträchtigen und unter Umständen bei Genuß den Menschen gefährlich werden können. Laut einem Schreiben von Tierarzt Dr. Stöckler ist heuer auf Auftrag der Bezirkshauptmannschaft wiederum die Tbc-, Bang- und Leukoseuntersuchung der Rindviehbestände durchzuführen. Die Kosten belaufen sich pro Tier auf S 9,40. Von der Gemeinde werden die Listenverzeichnisse erstellt und die Kosten eines Helfers bezahlt. Das Protokoll der Sitzung vom 05.02.1980 wird ohne Einwand genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: a) Der Bürgermeister teilt mit, daß die Baumeisterarbeiten für die Zentrumsverbauung, I. Bauetappe an die Fa. Erich Moosbrugger, Andelsbuch vergeben wurden. b) c) Die Fa. Dietrich, Metallbauwerke, sucht einen Lehrling. Das Gewerbe für den Betrieb des Fereinheimes Lässer, Platz wurde ruhend gemeldet. Im Tischlereigewerbe erfolgt eine Umschreibung von Hugo auf Dietmar Wild. A) Die Vorschreibungen für die Schulbeiträge sind eingetroffen. Sie betragen für: die Hauptschule Lingenau (114 Schüler) ...... S 408.000,-die Sonderschule Langeneagg (11 Schüler) ......S 30.900,-die Volksschule Krumbach e) .........5 9.000,-- die Haushaltungssch. Krumbach (3 Schüler).....S (3 Schüler) 4.800, -- Am Freitag, den 28. März feiert das Militärkommando Vlbg. auf dem Der£fplatz inHittisau den Traditionstag im Gedenken an unseren Heimatsohn Schützenmajor Joh. Peter Sutterlüti. Die Festrede hält Oberst der Reserve Dr. Karl Tizian. Eine Ehrenkompanie und die Militärmusik werden die Gedenkfeier umrahmen. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen. £) In der nächsten Sitzung - voraussichtlich am 15. April sollen der Rechnungsabschluß 1979 und der Revisionsbericht der Landesregierung über die Finanzgebarung der Gemeinde behandelt werden. Schluß der Sitzung um 23,00 Uhr, Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Amon Pan
  1. hittisauvertretung
19800205_GVE051 Hittisau 05.02.1980 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 18,02; 1980 Verhandlungsschrift:: über die am Dienstag, den 5. Februar 1980 um 20.00 Uhr im GemeindeSitzungssaal abgehaltene 51. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. wesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Hermann Nenning, Herbert Josef Steurer, Dr. Anton Max Moosbrugger und Ing. Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Stöckler, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Kohler Arno, der Gemeindesekretär Konrad Schwarz sowie 3 Zuhörer. Entschuldigte: Der Gemeindevertreter Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. Budget 1980. 3. Anträge auf Wegeförderung. 4. Verpachtung Lecknersee - Fischerei. 5. Stellungnahme zum vorgelegten Abfallbeseitigungsplan. 6. Antrag auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. 7. Aufhebung eines Bescheides. 8. Vorlage und Genehmigung der letzten Verhandlungsschrift. 9. Bericht des Bühbgermeisters und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Anwesenden. Besonderen Gruß entbietet er Herrn Mag. Michael Bartenstein, der sich zur Berichterstattung in der Presse bereit erklärte. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. 2. Der Voranschlagsentwurf 1980 ist allen Gemeindevertretern zum Studium schriftlich zugestellt worden. Der Bürgermeister gibt einleitend einen Überblick zur Finanzsituation der Gemeinde. Das Budget 1980 sei kein Wahlbudget, sondern ein Sparbudget, wozu die Finanzlage zwinge. Der Budgetrahmen sei von 3,5 Mill. S im Jahre 197o über die Rekordhöhe von 22,7 Mill. S im Jahre 1977 nun für 1980 auf 15,5 Mill. S reduziert worden. Die enorme Ausweitung des Budgets bedingt durch den Bau der Volksschule, des Freibades, der Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage habe hohe Investitionsmittel gefordert, die zur Aufnahme großer Darlehenssummen zwang, sodaß die pro-Kopf-Verschuldung mit S 10.700,-- sehr hoch, aber immerhin überschaubar sei. Anderseits stagniere die Entwicklung der Steuereinnehmen, wie aus nachstehender Gegenüberstellung klar zu ersehen ist: 1971: S (in 1000) E-Ant./Finanzkraft 242 E-Ant./Bevölkerung 1.712 1980: Ss 5) (je Kopf) % (in 1ooco) 155 7,35 3.841 2.461 47,38 84 3,98 354 227 4,37 87 221 4,12 10,47 1.000 900 340 148 131 Lohnsummenst. Getränkesteuer 135 345 Gästetaxe 109 69 3,27 Fremdenverkehrsbtr. 45 29 Anzeigenabgabe 14 Verwaltungsabg. Vergnügungsst. 9 4,47 51,99 Schlm.Bedarfszuw. 377 232 % 1.097 Grundsteuer Gewerbesteuer 363 Ss (je Kopf) 94 242 5 4,45 11,47 Oo,24 300 800 192 513 3,70 9,88 641 577 12,34 11,11 218 4,20 — ———— —— 1,37 140 89 1,71 9 0,43 35 22 0,42 28 18 0,86 35 22 0,42 3.205 2.110 100,--— 8.108 5.194 100, -- In der Debatte zu den einzelnen Gruppen gaben die Ansätze im Kapitel Kultur Anlaß zur Kritik. Der vorgesehene, bescheidene Beitrag der Gemeinde zur Innenrenovierung der Kirche von S 100.000, -- bezeichnete GV. H. Faißt als beschämend, wenn man die Förderung der Musik und die Beiträge für die Musikschule in Relation ziehe. Die begonnene Kirchenrenovierung sei unaufschiebbar und eine Jahrhundertaufgabe, die etwa 4,50 Mill. S erfordere. Schließlich wurde beschlossen, den Ansatz für den Neubau des Kultursaales von S 200.000,-- auf S 100.000,-- zu reduzieren und für die Kirchenrenovierung einen Betrag von S 270.000,-- sowie für die Ausbildung der Jungmusikanten zusätzlich für das Jahr 1979 S 30.000,-einzusetzen. Zum Gebarungsausgleich werden weitere S 100.000,-- als Darlehen von Finanzunternehmen aufgenommen. Dieser Beschluß wurde mit 15 Ja bei 2 Stimmenthaltungen (GV H.Faißt und J. Steurer) mehrheitlich angenommen. Somit ergeben sich nachstehende Schwerpunkte im Budget 1980: a) Ausgaben: Ankauf des Tanklöschfahrzeuges Bau des Altersheimes Kirchenrenovierung Abdeckung von Krankenanstalten Grundablöse und Güterwege Erweiterung des Wassernetzes Kanalisation u. Kläranlage Grunderwerb (Engelareal) Schuldentilgung u. Schuldzinsen Nn UR H 600.000, -—2.500.000, -- 2704000, -790.000, -500.000, -400.000, -250.000, --— 1.230.000, —--— 1.262.000, --— b) Einnahmen: Beihilfe v.Landesfeuerwehrfonds Beihilfe v.Sozialhilfeträger (O0 350.000, -- 600 „000, —— Darlehen £, Altersheim S 1.850.000, -- Ss Ss Ss S 375.000, -300.000, -500.000, -3.622.000, -- Darlehen v. WWF (Wasserversorgung und Kanalisation) Darlehen £, Finanzausgleich Verkauf von Grundstücken Gemeindeabgaben Ertragsanteile des Bundes S 4.204.000, -- Die frei verfügbaren Mittel belaufen sich auf rund 1,50 Mill. S, das sind lo % des Budgets. Die voraussichtliche Höhe der Dar- lehen am Ende des Haushaltsjahres beträgt S 17.102.90o0,--, die Pro-Kopf-Verschuldung S 10.956,--. Der Voranschlag 1980 wird mit Berücksichtigung der getroffenen ‚Abänderungen mehrheitlich mit 15 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen (GV H. Faißt und J. Steurer) angenommen. Einmütig wird der Höhe der Hebesätze für die Gemeindeabgaben, die unverändert blieben, zugestimmt. 3. a) Zum Ansuchen der Lecknertalstraßengenossenschaft um einen Zuschuß für den Straßenausbau berichtet der Bürgermeister, daß der Obmann der Genossenschaft ein Gesuch an die Gemeinde Oberstaufen um einen Beitrag eingereicht habe. Er selbst habe in einem Telefonat mit dem Bürgermeister von Oberstaufen die Argumente, die für eine Unterstützung des Ansuchens sprechen, erläutert und darauf verwiesen, daß etwa 1/5 des Tales deutsches Gebiet sei, das nur über Österreich eire Zufahrt habe. Die Werbewirksamkeit dieses Naturschutzgebietes und Erholungsraumes auch von der deutschen Seite sei unbestritten. Es wurde einstimmig beschlossen, für den Ausbau der Straße einen 35 %-igen Zuschuß 1t., Abrechnung der Agrarbehörde bis maximal einer Bausumme von S 700.000,--, bei einem Rückbehalt von 1/5 für einen etwaigen Beitrag von deutscher Seite zu gewähren. Als a.c. Vorauszahlung werden S 80.000,-- aus dem Budget 1979 über einstimmigem Beschluß angewiesen. b) Der Bürgermeister teilt mit, daß Paul Bentele beim Bau des Güterweges Tobel lt. Bescheid mit rund 19 % anteilsmäßig belastet wurde. Die Güterweggenossenschaft Tobel, Lingenau stelle Bentele - so wurde mitgeteilt - das Ausscheiden aus der Genossenschaft jedoch frei, GV Josef Steurer wurde beauftragt, die endgültige Entscheidung von Bentele abzuklären. Falls sich dieser zur Mitgliedschaft entschließt, wird ihm ein Zuschuß von lo % der Baukosten lt. Abrechnung der Agrarbehörde einstimmig gewährt. 4. Über die Neuverpachtung des Fischereigewässers 14 - Lecknersee und Ache - sind nachstehende Anbote eingegangen, die der Obmann des Fischereiausschusses GV Oskar Eberle zur Kenntnis bringt: 1. Anton Hausberger, Dornbirn ........ Jahrespacht 2. Josef Hofer, Stuttgart 0..0.0.0...00000 „ 5S 40.000,-S 50.000, -- 3. Kurt Schneeweiß, Bregenz ...... .... S 60.000, -- "m 4, Rudi Schweyer, Oberstaufen ........ 5. Gebr. Sutterlüty, EgQG ...0..0... ..... " " S 70.500, -S 78.000, -- 6. Hans Pfanner, " S 81.506,-- Lauterach ....0..0..000 Der Fischereiausschuß hat einmütig folgenden Vorschlag zur Annahme unterbreitet: Neuverpachtung an die Gebr. Sutterlüty, Egg zum Jahrespacht von S 81.50o0,-- mit der Auflage, Herrn Hans Pfanner mit 1/5-Anteil zu gleichen Rechten und Pflichten zu beteiligen. Begründet wird der Vorschlag mit der Tatsache, daß Sutterlüty (Spargeschäft) zu den ersten Steuerträgern der Gemeinde zählt. Lehnt Sutterlüty diesen Vorschlag ab, geht die Fischerei an Herrn Pfanner. Im Pachtvertrag ist als Zusatz zu vermerken, daß die Pächter keinen Anspruch an die Gemeinde auf Sanierung des Sees haben. Nach längerer Debatte wird über den Antrag des Fischereiausschusses mit folgendem Ergebnis abgestimmt: 14 Ja-Stimmen - 3 Nein-Stimmen, Zur Verordnung des Landes betreffs des Abfallbeseitigungsplanes erhebt die Gemeinde einstimmig Einspruch, Man ist der Meinung, daß für den Bregenzerwald nicht nur eine Übergangsdeponie vorgesehen werden müßte, Bechter Gottlieb, Rain 177 beantragt die Änderung des Flächenwidmungsplanes. Er beabsichtigt auf der Gp. 977 K.G. Hittisau ein Wohn- und Austragshaus an der Gemeindestraße Rain zu errichten und beantragt die Umwidmung einer Teilfläche als Baugrund. Es würde vorgeschlagen, die Behandlung des Punktes zu vertagen, bis der Entscheid des Raumplanungsbeirates bzw. der Landesregierung über die Umwidmung der angrenzenden Gp. 973 gefallen ist. Diesem Antrag stimmen 15 Gemeindevertreter zu. Bürgerme ister Anton Bilgeri hat sich der Stimme enthalten, NR Ludwig Hagspiel erklärt sich befangen. b) Ein Kaufinteressent des Dorner Josef, Gfäll urgiert betreffs einer Entscheidung seines Antrages auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. Nach Auffassung der Gemeindevertretung wäre der gesamte Hang (Gp. 443/2, 444, 436 und 435/3) in ein Baugebiet zu widmen oder gesamthaft als Freizone zu belassen. So der Grundbesitzer ersteres an- strebt, ist ein Erschließungskonzept (Bebauungsplan) vorzulegen. Der Bescheid über die Bewilligung zum Wasseranschluß für das Haus des Rupert Bader in der Parzelle Wühle wird zurückgezogen, da Bader die Wasserversorgung aus einer eigenen Quelle beabsichtigt. Das Protokoll der Sitzung vom 28.12.1979 wird im Punkt 8. h), letzter Satz wie folgt abgeändert: Wie bisher üblich, werden bei der Neuerschließung eines Weilers (nicht Gebäudes!) die Hausanschlüsse von der Gemeinde erstellt. Ansonsten wird die Niederschrift genehmigt. Berichte des Bürgermeisters: a) Das Haus "Sternen" mit entsprechendem Grund wird im Gemeindeblatt Öffentlich zum Verkauf angeboten. b) Vom Sozialsprengel Vorderwald (Gemeinde Langenegg) konnte bisher keine Vorschreikbung über die Kosten für den Einsatz der Krankenschwester erstellt werden, da die Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern noch nicht abgeschlossen sind. c) Über die Untersuchung des Quellwassers in Bolgenach sind die Befunde eingetroffen. Die bakteriologische Untersuchung an Ort und Stelle wies in der oberen Quelle koloforme Keime und Enterokoken aus, weshalb das Wasser als Trinkwasser nicht geeignet befunden wurde. Das Wasser der unteren Quelle zeigte geringere Verunreinigungen. Es wurde zum Trinken als nicht voll geeignet befunden. d) Zum Schreiben der Gemeinde Lingenau betreffs der Einforderung der Hebammenbeiträge verlas der Bürgermeister sein Antwortschreiben zur Stellungnahme. Er rügt die Vorgangsweise, verweist darauf, daß keine Vereinbarung getroffen oder eine Zusage gegeben wurde, eine Beanstandung seitens der Revisionsstelle wegen dieser Sache nicht ergangen sei und im Nachhinein keine Zahlung erfolgen könne. Zu Verhandlungen über einen Vertragsabschluß sei unsere Gemeinde aber bereit. Das Schreiben wurde positiv beurteilt und zu den Verhandlungen über einen eventuellen Vertrag der Sozialausschuß bestellt. e) Da die Funktionsperiode sich dem Ende zuneigt und die Gemeindewahlen bereits auf den 2o. April fixiert sind, schlägt der Bürgermeister die Abhaltung einer Bürgerversammlung vor, in der Rechenschaftsberichte über die Arbeit der letzten Jahre gegeben werden sollen. Er schlägt zum Programm folgende Berichte vor: 1. Schule, Kindergarten, Volksbücherei Dir. Huber 2. Kultur, Dr. Musikschule, 3. Altersheim, Gemeindesaal Familienhelferin, hilfe, Sozialkreis 4. Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage £) Stöckler Lebens- G. Hagspiel K. Hagspiel 5. Straßen- und Brückenbau, ’Wegeförderung I. Bartenstein 6. Fremdenverkehr 7. Schwimmbad, Sport 8. Jagd und Fischerei, H. Bilgeri 4, Moosbrugger J. Steurer Grundverkehr Der neue Militärkommandant für Vorarlberg Herr Oberst Materno sprach beim Bürgermeister wegen der Abhaltung eines Traditionstages mit einer Ehrung von Major Joh. Peter Sutterlüti am 28. März 1980 auf dem Dorfplatz in Hittisau vor. Die Festrede hält Dr. Tizian. g) Der Bericht der Revisionsstelle wird in der nächsten Sitzung zur Stellungnahme vorgelegt werden. h): Die Agrarbezirksbehörde ersucht um eine Spende zur Durchführung der Schimeisterschaft auf dem Hochhäderich. Es werden S 300,-- bewilligt. i) Das Kuratorium für Verkehrssicherheit berichtet über zwei Beschwerden, die aus Hittisau anläßlich einer Umfrage eingegan- gen sind. Diese betreffen den Straßenübergang beim Versorgungsheim wegen mangelnder Übersicht und eine Geschwindigkeitsbe- schränkung auf der Straße Großenbündt - Sütten, die mit 50 km/h festgelegt werden sollte. 3) Bei der Musterung am Donnerstag, den 31. Jänner wurden 18 Burschen aus unserer Gemeinde gemustert. k) Die Freiwillige Feuerwehr ersucht zur Durchführung des Festes vom 25. bis 27. Juli 1980 um Gewährung nachstehender Wünsche: 1. Bereitstellung der Räume in der Schule für die Festkanzlei etc., 2. Bewilligung zur Aufstellung des Vergnügungsparkes auf der >N a Engelwiese, Verwendung der Schulspielwiese als Parkplatz, Benützung der Vervielfältigungsgeräte der Gemeinde, Gewährung eines Zuschusses der Gemeinde in Höhe der Getränkesteuer, 1) In der Ortszentrumsverbauung haben sich neue Verzögerungen er- geben. Die Vergabe der Baumeisterarbeiten an die Fa. Faißt, Lingenau ist noch nicht fixiert. Obwohl die Bauverhandlung pasitiv verlaufen ist, wird nun nachträglich vom Bautechniker der Bezirkshauptmannschaft eine natürliche Belichtung und Belüftung im Stiegenhaus verlangt. Zur Klärung dieser Sache wird demnächst Baumeister Grabher mit der Baubehörde verhandeln. Allfälliges: Gemeindevertreter Anton Faißt verweist auf die Schäden beim Güter- weg Häderich infolge Überlastung und Frostaufbrüchen, sieht die Sanierung als dringend an und ersucht, diese Probleme zu überdenken. Schluß der Sitzung um oco.15 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19791228_GVE050 Hittisau 28.12.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 11.1.1980 Verhandädlungsschrift: über die am Donnerstag, den 28. Dezember 1979 um 20.0o Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 50. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Ludwig HBagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger sowie der Ersatzmann Xaver Hagspiel. Entschuldigt: Der Gemeindevertreter Inq, Arno _ Kohler. Ebenfalls waren die GV Anton Faißt und Eduard Metzler bei dieser Sitzung nicht anwesend. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. 2. Vorlage eines Teilungsvertrages zur Mitunterfertigung als Vertreterin des öffentliches Gutes, 3. Ansuchen um einen Baukostenzuschuß für das Lecknertal. 4. Ansuchen um Freigabe einer Teilf£fläche zur Verbauung in Hinterberg. 5. Neubestellung eines Mitgliedes zur Gemeindekommission zwecks Erstellung der Geschworenen- und Schöffenliste. 6 ;. Vorlage des Dienstpostenplanes. 7. Protokoll der letzten Sitzung. 8 . Bericht des Bürgermeisters. 9, Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungs- gemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit besteht. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung zu Punkt 3. b) Ansuchen des Paul Bentele, Tobel um einen Baukostenzuschuß für den Güterwegebau. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. Über die erfolgte Verbreiterung der Gemeindestraße Rain liegt ein Teilungsvertrag - Planurkunde CZ 7211/79, Dipl. Ing. Markovsky, Feldkirch - zur Mitunterfertigung der Gemeinde als Vertreterin des öffentliches Gutes vor. Die Gemeindevertretung beschließt bei Befangenheit von GV Josef Steurer einstimmig die Unterzeichnung des Teilungsvertrages. 3. a) Die Lecknertal-Straßengenossenschaft ersucht um einen Baukostenzuschuß zum Ausbau des Straßenstückes vom Ende der Gemeindestraße bis zur Alpe Kälberweide. Laut Voranschlag helaufen sich die Baukosten auf S 700.000, --, wozu ein 5o %-iger Beitrag von der Agrarbezirksbehörde geleistet wird, sodaß der Interessentenbeitrag S 350.000,-- beträgt. Von der Gemeindevertretung wird die Eigeninitiative der Genossenschaft beim Ausbau der Straße voll anerkannt und die Gewährung eines Beitrages befürwortet. Kritisiert wird die Tatsache, daß die Förderung auch den Landwirten zugute kommt, die anderseits für die Wirtschaft des Ortes sehr wenig beitragen und wirtschaftliche Einrichtungen (Sennereibau) eher untergraben, wogegen GV Max Moosbrugger Stellung bezieht. Nutznießer am Straßenbau ist auch die Gemeinde Oberstaufen für das hintere Lecknertal, wobei von dieser Seite bislang keinerlei Beiträge geleistet wurden. Die Beschlußfassung über die Gewährung des Baukostenzuschusses wurde vertagt, bis die Jahresversammlung der Genossenschaft abgewickelt ist. b) Paul Bentele, Tobel ersucht um einen Baukostenzuschuß für den Güterweg, wodurch sein Anwesen erschlossen wird. Bentele hat sich der Güterweggenossenschaft Tobel, Lingenau angeschlossen. Der Voranschlag für diesen Güterweg wird mit S 2,70 Mill. beziffert, wobei vom Bund und Land eine 80%-ige Förderung zugesagt ist. Bentele wurde nach seinen Angaben mit rund 20 % der Baukosten belastet, wofür er etwa S 103.000,-- Eigenmittel aufzubringen hat. Von der Gemeinde Lingenau habe er keine Förderung zu erwarten. Bei einem l1o%-igen Zuschuß beläuft sich der Gemeindebeitrag auf rund S 51,000,--. Aus der Debatte ging hervor, daß die Höhe der Einstufung mit rund 20 % für den Gesuchsteller überrascht. Der Bürgermeister wird eine Überprüfung des Einstufungsschlüssels und Bescheides erheben. Die Beschlußfassung wird bis zur Klärung des Sachverhaltes vertagt. Grundsätzlich wurde von der Gemeindevertretung eine positive Einstellung zum Ansuchen eingenommen. 4. Tippl Helmut, Lustenau beantragt die Umwidmung einer Teilfläche aus dem Grundstück der Familie Fehr, Lingenau in Hinterberg zur Errichtung eines Ferienhauses von 6 x 4 m. Das Ansuchen wird einstimmig abgelehnt. Lt. einem Schreiben der BH Bregenz kann Gend.Insp. Max Moos- brugger als Bundesbeamter nicht in die Kommission zur Erstellung der Geschworenen- u. Schöffenliste berufen werden. An seiner Stelle wird entsprechend dem Verhältniswahlrecht GV Anton Faißt einstimmig als Mitglied bestellt. Der Dienstpostenplan 19798 wird wie nachstehend angeführt einstimmig genehmigt. Dienstzweig: Verwend.-agruppe: Schwarz Konrad Gemeindesekretär und Graninger Renate Sachbearbeiterin c Schwärzler Jodok Verkehrsamtsleiter d I Sutterlüti Josef Standesbeamter ad I -kassier, Beamter C II I Das Protokoll der letzten Sitzung wird einstimmig genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: a) Der Musikverein zählt, wie aus der Jahresversammlung zu entnehmen war, zurzeit 45 aktive Mitglieder. 38 Jungmusikanten stehen in Ausbildung; hieraus erwachsen dem Verein große Kosten. Kapellmeister Wolfgang Schwärzler hat wegen Arbeitsüberlastung sein Amt vorübergehend zurückgelegt. b) Die Chorgemeinschaft hat ihre Vereinssatzungen geändert. Sie zählt zurzeit 55 akk£ive Mitglieder. c) In den Jahresversammlungen der Vereine wurde das Saalproblem als dringend und brennend erörtert, Immer mehr wird in der Gemeinde das Fehlen eines Veranstaltungssaales gespürt. Der Bürgermeister konnte zum Baubeginn keinen Termin nennen, Mit den Vorarbeiten zur Planung und künftigen Betriebsführung soll aber ehest begonnen werden. Angeregt wurde eine Besichtigung des neuen Vereinssaales in Doren. ad) In der Jahresversammlung der Musikschule Bregenzerwald wurde eine lo%*-ige Erhöhung der Beiträge beschlossen. Diese betragen nun: Elternbeitrag: für Elementarunterricht Gemeindebeitrag: S 1.100,-—- S 1.760,-- " Gruppenunterricht S 1.300,-- S 1.940,-—- »”» Einzelunterricht S 1.940, -- S 1.940,-- Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 2,5o Mill S. Musikschulinspektor Dir. Kremel wird ab 1.9.1980 die Leitung an den neuen Direktor Werner Fämmerle übergeben. e) In der Sitzung der Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald wurde über nachstehende Probleme beraten und berichtet: 1. Straßenbau und Salzstreuung, 2. Errichtung einer Mädchenschule im Marienheim Andelsbuch, 3. Weiterführung des Klosters Bezau durch polnische Paters, worüber ein Vertrag auf 33 Jahre fixiert wurde. Die Situierung einer Jugendheimstätte ist vorgesehen. 4. Errichtung einer öffentlichen Apotheke in Egg. Die Hausapothekten der Gemeindeärzte müssen erhalten bleiben. £) Der Verkehrsverband Bregenzerwald hat für 1980 ein Budget in Höhe von S 1.078.000, -- beschlossen. Allein der Personalaufwand verschlingt S 484.000,--. Es ist eine 5o0%ige Er- höhung der Beiträge und für neue Prospekte eine zusätzliche Abgabe von 3,5 g pro Nächtigung vorgesehen. Trotzdem bleibt die Finanzsituation kritisch und der Weiterbestand des Ver- bandes in Frage gestellt. g) Aus Landesmitteln sind für die Volksschule Zinszuschüsse von S 363.,836,--- eingegangen. Für die Kläranlage wurden vom Bund (Wasserwirtschaftsfonds) S 885.000,-- und vom Land S 605.140,-- überwiesen. Die Kläranlage ist betriebsbereit. Sobald genügend Hausanschlüsse fertiggestellt sind, soll der Betrieb aufgenommen werden. Die Anlage wird der Bevölkerung an einem Tag der offenen Tür zur Besichtigung offen stehen. h) Die Arbeiten zur Wasserversorgung der Parzelle Brand mußten wegen des Wintereinbruchs eingestellt werden. Sie werden im Frühjahr ausgeführt. Wie bisher üblich, werden bei der Neuerschließung eines Gebäudes die Hausanschlüsse von der Gemeinde erstellt. i) Mit Ing. Pohl wurde die Endabrechnung über das Freibad abgeschlossen und der Restbetrag von S 20.000,-- ausbezahlt. Mit der Fa. Metallwerke Ranshofen und Azwanger sind noch einige Unklarheiten abzuklären. 3) Der Teilungsplan für die Ortszentrumsverbauung ist erstellt. Für die Baumeisterarbeiten sind Offerte eingegangen: Fa. Moosbrugger, Andelsbuch........... S 5,189 Mill. Fa. .....0... .000000020405 5,007 Mill. Lingenal ....0.00..0.000.0.00.0000 S 4,702 Mill. Kaufmann, Fa. Faißt, BezaU Die Arbeiten wurden an den Bestbieter vergeben. Aus den Anboten für die Heizungsanlage ist zu entnehmen, daß die Investitionskosten für eine Elektroheizung etwa gleich hoch wie für eine Ölfeuerungsanlage zu stehen kommt. Die Betriebskosten sind für eine Elektroheizung nach heutigen Preisen nur etwa halb so hoch. Für Notfälle ist der Bau eines Kamins vorgesehen. k) Das Holzhandel- und Mietwagengewerbe des Helmut Neyer wurde gelöscht. Neyer Anton, Häleisen hat das Versicherungsmaklergewerbe angemeldet. 1) Lt. einem Schreiben der Finanzlandesdirektion £. Vlbg. kann ab 1.11.1979 die Beförderung der Schüler von der Hauptschule Lingenau zum Hallenbad nicht mehr aus Mitteln des Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen finanziert werden, liche Hallenbad nicht als sehen ist. m) da das öÖöffent- Schule im Sinne des Gesetzes anzu- Die Gemeinde Lingenau hat erneut mit einem Schreiben Beiträge zum Wartegeld der Hebamme eingefordert und stützt diese Forderung auf eine Beanstandung im Revisionsbericht der Landesregierung. Der Bürgermeister wird sich bei der Revisionsstelle hierüber erkundigen. GV Gerard Hagspiel ist der Meinung, das gut geführte Entbindungsheim sollte der Region erhalten bleiben. Dieser Meinung wird zugestimmt, allerdings geht es hier um eine Rechtsfrage, da mit der Gemeinde Lingenau kein Wartegeldvertrag besteht. n) Wie Platzmonteur Erwin Fink mitteilt, beabsichtigen die VKW auf ihrem Baugrund in Heideggen eventuell eine Trafostation zu errichten. Das Bauwerk würde höchstens Garagenhöhe erhalten. o) Zur Berufungssache gegen den Baubescheid Hofmann ist vom Landesstraßenbauamt ein Schreiben eingelangt, nachdem die zeitlich auf 10 Jahre befristete Baubewilligung nun auf Lebenszeit des Bauwerbers ausgesprochen wird. Über die Anerkennung der Bedingnisse ist vom Antragsteller eine schriftliche Erklärung abzugeben, was bis heute nicht geschehen ist. p) Gegen die Ablehnung der Berufung zur Grundtrennungsbewilligung der Gp. 973 hat Frau Emma Schedler Vorstelligkeit£beschwerde wegen Verfahreunsmängel eingebracht, Der Akt wurde der BH Bregenz übermittelt. q Herr Flock Leo ist bereits Grei Monate mit der Zahlung der Wohnungsmiete im Rückstand. Mahnungen blieben erfolglos. Der Mietvertrag wurde mit 15, 1. 1980 gekündigt. 9.Allfälliges: a) Gemeinderat Bartenstein teilt mit, daß ihm gegenüber der Wunsch geäußert wurde, wieder einmal eine Bürgerversammlung abzuhalten. Die periodisch erscheinende Informationsschrift sei sicherlich gut, könne aber nicht den persönlichen Kontakt einer Diskussion mit den Gemeindevertretern ersetzen. b) GV Gerard Hagspiel erkundigte sich, ob für Lehrer Pfanner schon eine Entschädigung für die Aufsicht der Feuerungsanlage etc. im Schulhaus festgelegt wurde. Der Bürgermeister teilt mit, daß dies Gegenstand der nächsten Vorstandssitzung sei. Zum Jahreswechsel gibt der Bürgermeister einen Rückblick auf die großen Aufgaben, die in der Gemeindevertretung in der bald zu Ende gehenden Funktionsperiode erledigt wurden. Es waren dies: die Wasserversorgung Bolgenach und Erweiterung des Netzes in Hittisau, die Ortskanalisation und der Bau der Kläranlage, die Errichtung der Gehsteige und der Straßenbeleuchtung, die Verhandlungen mit den VKW beim Bau des Stausees Bolgenach und der Bau des Freibades, die Fertigstellung der neuen Volksschule, die Errichtung des Kindergartens, der öffentlichen Bücherei und des Verkehrsamtes, die Vereinbarung mit der Gemeinde Lingenau betreffs Schulliegenschaft - Hallenbad und die Erstellung des Flächenwidmungsplanes. Die Ausführung dieser großen Komunalaufgaben sei nur möglich gewesen durch die einvernehmliche Zusammenarbeit in der Gemeindevertretung, wofür allen Dank gebühre. Die Vollendung all dieser Projekte erforderte viel Arbeit und große Geldmittel, doch sei die finanz ielle Situation überschaubar. Zur Kritik an:der Gemeinde- führung - und solche gebe es mehr als Lob - erklärte der Bürgermeister, daß Härte und Konsequenz zuweilen der Gerichtigkeit halber erforderlich seien, ja dem zahlungsbereiten Rürger gegenüber dazu eine Verpflichtung bestehe. Mit dem Wunsch an alle Anwesenden für ein glückliches, erfolgreiches Neujahr schließt der Bürgermeister die Sitzung. Im Namen der Gemeindevertreter dankte Dir. Elmar Huber dem Bürgermeister für seine aufopferungsvolle Arbeit, seinen großen Einsatz und anerkennungswerte Pflichterfüllung in seinem Amte und wünschte ihm Glück und Segen im neuen Jahr. Schluß der Sitzung um 23,00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Anlıom Bible
  1. hittisauvertretung
19790925_GVE048 Hittisau 25.09.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 08.10.1979 Verhandlungsschrift: über die am Dienstag, den 25.0%.1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 48. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Flmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Anton Faißt, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler, der Ersatzmann Xaver Fagspiel. Entschuldigt: GV Oskar Eberle, Gerard Hagspiel und Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Grußwort des Vorsitzenden. 2. Behandlung von Anträgen auf Abänderung des Flächenwidmungsplanes. 3. Vorlage eines Kaufvertrages und Beschlußfassung hierüber. 4. Antrag auf: a) b) Grenzberichtigung im Bereich der Subersachfassung und auf teilweise Verlegung des öffentlichen Weges in der Parzelle Rainerau. 5. Stellungnahme zum Straßenprojekt L 22 - Auenbachbrücke (Zu- und Abfahrten). 6. Protokoll. 7. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Anwesenden. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um die Punkte 7. Vergabe der Natursteinarbeiten für die Kläranlage und 8. Bestellung eines Urkundenfertigers als Ersatz. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. Nachstehende Anträge auf Änderung des Flächenwidmungsplanes wurden behandelt: a) Die Vorarlberger Kraftwerke, Aktiengesellschaft, Bregenz beabsichtigen ihre Gp. 931/1 K.G. Hittisau in Heideggen mit Ausnahme einer Teilfläche zur Errichtung einer Trafostation an die Anrainer bzw. Herr NR Ludwig Hagspiel zu veräußern. Um eine angemessene Bautiefe zu erhalten, wird von der angrenzenden Gp. 935 der Eheleute Albert und Maria Rosa Wilburger eine Teilfläche im Tauschwege an die Cp. 931/1 abgetrennt. Die VKW Bregenz sowie Albert und Maria Rosa Wilburger beantragen die Gp. 931/1 und den angrenzenden Bereich der Gp. 935 als Bauland umzuwidmen. Die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung obiger Gp. als Bauland wurde von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen. 5) Ingrid und Andrea Hagspiel, Hittisau 334 ersuchen um Umwidmung der GCp. 1001/4 im Ausmaß von 229 m2 von derzeit Freihaltefläche in Wohngebiet. Der Antrag wird einstimmig heschlossen. c) Matt Leo, Brand 153 ersucht um Umwidmung einer 80o0o his 1000 m2 großen Teilfläche aus der Gp. 899/1 als Bauplatz. Der Baugrund soll für eigene Familienangehörige Verwendung finden, Der Umwidmung wird einhellig zugestimmt. Für die Abwasserbeseitigung hat der Bauherr bis zur Erstellung der Gemeindekanalisation die Vorfinanzierung zu übernehmen. d) FPagspiel Ludwig, Fittisau 4 beantragt die Umwidmung einer Fläche von 4o m Tiefe entlang des Bundesstraße zwischen seinem Wohnhaus Nr. 4 bis zur Grundgrenze der GP.580 als Mischgebiet. Er beabsichtigt, gemeinsam mit seiner Schwester Erna Hagspiel einen Neubau zu erstellen. Die Bp. 45, auf der das abgebrannte Haus Nr. 1 stand, soll als Freifläche rückgewidmet werden. Der Änderung des Flächenwidmungsplanes stimmt die Gemeindevertretung einhellig zu. e) Dorner Josef, Gfäll stellt den Antrag auf Umwidmung der Gp. 435, 436 K.G. Bolgenach von Landwirtschaftsfläche auf Baufläche, Die Entscheidung wird einstimmig vertagt. Man will zunächst bei einer Besichtigung Aufschluß über eine eventuelle Parzellierung der Grundstücke zur besseren Erschließung und Sicherstellung der Zufahrt gewinnen. a) b) Zur Behandlung steht der Verkauf eines Bauplatzes aus dem gemeindeeigenen Grundstück in Häleisen an Frau Elfriede Bilgeri, geb. Vögel. Der Bürgermeister übergibt wegen Befangenheit den Vorsitz an seinen Stellvertreter. Mit einstimmigem Beschluß wird der Bauplatz Gp. 701/13 im Ausmaß von 1.01% m2 zu den üblichen Bedingungen um den Preis von S 172.21o,-- an Frau Elfriede Pilgeri verkauft. Aus dem gleichen Grundstück wird der Verkauf des Bau- platzes Gp. 7o01/9 an Herrn Elmar Allrecht, Zollbeamter einstimmig zu den selben Bedingungen zum Preis von S 170,-pro m2 beschlossen. 4. a) Beim Crundkauf der VKWF im Bereich der Subersachfassung, Alpe Löchle, hat sich herausgestellt, daß die Subersache heute einen anderen Verlauf nimmt als die Mappe zeigt. Es ist daher eine Mappenberichtigung notwendig, wofür die Gemeindevertretung ihre Zustimmung erteilt. b) In der Parzelle Rainerau soll im Zuge der Geländeplanie im Bereich des Auslaufstollens der Subersachüberführung-” der Öffentliche Weg Gp. 36°7 zum Drahtsteg Bolgenach teilweise verlegt werden. Es ist geplant, den neuen Weg ein Stück auf dem Güterweg und die Stollenauslaufüberbrückung der VKW entlang der Polgenach über öffentliches Gut zu verlegen. Hierbei ergeben sich einige Rechtsfragen, die einer: Klärung bedürfen. Die Gemeindevertretung stellt zur Verlegung folgende Bedingungen: 1. Die VKW haben die Erhaltung des Steges über den Stollenauslauf zu übernehmen. 2, Die Verbindung des öffentlichen Weges über das Öffentliche Gewässer und das Gehbrecht muß von den VKW gewährleistet sein. 3. Die Zustimmung der Güterweggenossenschaft muß gegeben sein. Nach Regelung obiger Bedingungen giht die Gemeindevertretung die Zustimmung zur Verlegung des öffentliches Weges. 5, Die Landesstraßenbauplanungsstelle hat für den Ausbau der Landesstraße 22 im Bereich der Auenbachbrücke einen Entwur£ zur Stellungnahme vorgelegt. Dieses Straßenstück ist neben der Straße Lingenau-Großödorf die letzte Schotterstraße des Landes im Land, Der Ausbau nach Riefensberg wird vom Landesstraßenbauamt mit der bevorstehenden Geländesanierung im Bereich des: Staudammes Bolgenach angestrebt. Nach dem Projekt würde das Auenbachtobel mit einer Brücke von ca. 100 m Länge überspannt und die Straße nördlich des Gasthofes "Engel" und des Sägewerkes verlegt. Zur besseren Orientierung wurde die Trasse provisorisch ausgesteckt und das Projekt mit den Grundbesitzern erläutert. Größte Schwierigkeiten macht die Ein- bindung und Trassierung des Güterweges Fäderich, für den nach dem Projekt unzumutbare Grundablösen erforderlich wären. Der Bürgermeister hat in einer Aussprache mit den Herren der Straßenplanungsstelle die Bedenken geäußert und vorgeschlagen, die neue Auenbachbrücke etwas zu verlängern und die Straße südlich des Gasthofes auf der bestehenden Trasse auszubauen. Für seinen Vorschlag fand er bei der Planungsstelle Verständnis und erhielt die Zusage, daß kurzfristig ein neues Projekt ausgearbeitet und zur Stellungnahme vorgelegt wird. Das Landesstraßenbauamt ersuchte, die Grundahlöseverhandlungen sodann flott voranzutreiben. FEs ist geplant, zunächst die Auenbachbrücke zu erstellen, wofür mit einer Bauzeit von zwei Jahren zu rechnen ist. S. Das Protokoll der letzten Sitzung wird ohne Einwand zur Kenntnis genommen und genehmigt. ‚7. Bericht des Bürgermeisters: a) Otto Berkmann, Rainerau und Rupert Bader, Wühle wurde der Anschluß an die Gemeindewasserleitung bewilligt. Die Ver- sorgung mit Löschwasser wurde nicht beantragt. Als Anschlußgebühr wird daher die Mindestgebühr ohne Löschwasser mit Bescheid vorgeschrieben. b) Die Wasserrechtsverhandlung zur Erweiterung der Gemeindewasserversorgung und Errichtung der Fntkeimungsanlage in Bolgenach fand am 5.9.1979 statt. Hierbei wurden von den Herren der Lebensmittelkontrolle für den Bereich des Quellengebietes Bolgenach, Neu Gut drastische Auflagen gefordert. Der Bau der Entkeimungsanlage sei auf Grund der Wasseruntersuchungsergebnisse vorrangig auszuführen. Gefordert wird die Installierung einer Hotteranlage, der Abschluß eines Wartungsvertrages mit der Lieferfirma, die Sperrung des Weideganges und Verlegung des Zaunes um 200 m sowie eine Püngersperre etc. Auf Grund der Auflagen beantragte der Vorsitzende ein gesondertes Verfahren zur Festlegung des Schutzgebietes, durchzuführen. c) Der Bauausschuß für die Verbauung des Ortszentrums hat mit den Architekten Grabher und Fink weitere Verhandlungen geführt. Eiebei ging es um die Höhe der Honorare für die Planung und Bauleitung. Die Anbote differieren insbesonders auf Grund der unterschiedlichen Höhe der geschätzten Bausummen (15 bzw. 10 Mill. S ), die Bemessungsgrundlage für die Honorarsätze sind. SO beläuft sich das Anbot der Fa, Grabher auf S 1.509.515,--, und das von Architekt Fink auf S 769.225,25, was eine Differenz von S 740.289,75 ergibt. Die Verhandlungen werden weitergeführt. A) Sorge macht die immer weiter fortschreitende Versumpfung des Lecknersees. Für die Sanierung wurden seinerzeit rund S 500.000,-- aufgewendet. Die Schwelle beim Seeauslauf ist undicht und sollte nach Abdichtung etwas erhöht werden. Dipl. Ing. Osterkorn vom Amt der Vlbg. Landesregierung hat zugesagt, nach einer Besichtigung zielführende Baumaßnahmen vorzuschlagen. e) Der Fischereipachtvertrag für den Lecknersee läuft mit März 1980 aus, Der Bürgermeister regt an, Überlegungen anzustellen über die Art der Neuverpachtung (Versteigerung oder Offerteinholung), die Zweckmäßigkeit einer Kautionshinterlegung vor der Vergabe und einer eventuellen Revierteilung (See - Ache). £) Für die bevorstehende Kirchenrenovierung wurde auf Sonntag, den 30.09.1979 eine Informationsversammlung anberaäumt. Während der Renovierungsarbeiten ist als Ausweichraum für die Abhaltung des Gottesdeinstes die Aula bzw. die Turnhalle der Volksschule vorgesehen. g) Die neue Verordnung der Schulbehörde, 2. Klasse nur drei, die 3. und 4. nach der für die 1. und Klasse vier Unterrichts- stunden hintereinander gehalten werden dürfen, bedingt eine Änderung des Schulbusverkehrs und teilweise Verlegung des Unterrichts auf den Nachmittag. Die Änderung der Stundentafel und Neueinführung des Werkunterrichtes für Knaben und Mädchen ab der 1. Schulstufe -—- dies auf Kosten des Sprach- und Rechenunterrichts - macht die Einrichtung eines Werkraumes und dessen Ausstattung mit Werkzeugen notwendig. h) Die Einweisung der Kinder zum Kindergartenbesuch auf Grund der notwendigen Teilung in Vor- und Nachmittagsbetrieb hat zu Klagen geführt, die bereinigt werden konnten. Allfälliges: a) Nach Meinung von GV Hieronymus Faißt hat sich beim Aushub für den Neubau auf dem Kreuzbühl gezeigt, daß das Kies für eine Verwertung geeignet wäre. Er regt an, nochmals einen Fachmann zur Prüfung zu konsultieren. b) Der Bürgermeister berichtet, daß sich Herr Dr. Girardi vom Amt der Landesregierung zum Projekt der Errichtung eines Altenwohnheimes durch die Gemeinde im Mehrzweckhaus positiv ausgesprochen hat. Aus der Sozialhilfe kann mit einer Förderung von ca. 3o % der Kosten gerechnet werden. c) Auf eine Anfrage teilt der Bürgermeister mit, daß die Familienhelferin bisher viel beansprucht wurde und voll: ausgelastet ist, Ihre Einsatzleistung findet allgemein volle Anerkennung. 8, Für die Natursteinarbeiten in der Kläranlage haben zwei Firmen Anbote eingereicht: Fa. Prenn, Hohenems Fa. Brugger, Höchst Anbotssumme vn S 49,057,-- O.MWST. S 45.765,-- 0. MWST. Das Offert der Fa. Brugger ist erst am 13.9. nach Terminablauf (7.9.1979) eingelangt. Die Firma hätte die Arbeiten erst mit 6.10.1979 beginnen können. Da mit 31.10.1979 Bauvollendungsfrist gegeben ist, schlägt das Ing.-Büro die Auftragsvergabe an die Fa, Prenn, Hohenems vor. Diesem Vorschlag stimmt die Gemeindevertretung zu. Als Ersatzmann für die Urkundenfertigung bei Befangenheit eines Unterzeichnungsbevollmächtigten wird GR. Erwin Eberle einstimmig bestellt. Schluß der Sitzung um 24.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19790828_GVE047 Hittisau 28.08.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau, 18.9.1979 Verhandlungsschriäif£f£tt: über die am Dienstag, den 28, August 1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 47. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hitf£isau. Anwesende: Rürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Hagspiel Ludwig, Alfons Sutterlüti, Nenning Hermann, Bilgeri Herbert, Faißt Hieronymus, Eberle Oskar, Steurer Josef, Dr. Anton Stöckler, Hagspiel Gerard Faißt Anton, Metzler Eduard, Moosbrugger Max und Ing. Kohler Arno. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. 2. Diskussion und Beschlußfassung hierüber: a) die Errichtung und Ausgestaltung eines Altenwohnheimes im zu erstellenden Mehrzweckgebäude und b) dessen Baudurchführung und c) über die erforderliche Grundteilung. 3. Finanzierungsvertrag zum Zwecke der Erschließung von Grundstücken. 4. Festsetzung der Beiträge bei der Inanspruchnahme der Krankenschwester. 5. Protokoll. 6. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugestellt wurden und die Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 7. Vermietung eines Appartements im Schulhaus. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. a) Der Bürgermeister gibt einen Rückblick über die Vorarbeiten für den Bau des Mehrzweckhauses auf dem Engelareal. Er erläutert die Gründe, die zur Bauverzögerung führten und warum der Optionsvertrag vom Bauträger, Fa. Karl Grabher, Hohenems bis zum festgelegten Endtermin, dem 31.7. d.J. nicht angenommen wurde, Bei der Bauverhandlung verlanate die Behörde, da der gesetzliche Bauabstand gegenüber dem Versorgungshaus nicht gegeben ist, einen fixen Abbruchtermin des Gebäudes, wofür vom Bürgermeister keine bindende Zusage gegeben werden onnte. Da für den Erwerb von Eigentumswohnungen seitens der Einheimischen nur wenig Interesse besteht, ist anzunehmen, daß Auswärtige Zweit- und Wochendwohnungen etablieren, ein Umstand, der nicht unbedingt im Gemeindeinteresse liegt. Wenn sich nun die Gemeinde für die Errichtung eines Alten- woOohnheimes entschließt, und im Mehrzweckhaus ein ganzes Stockwerk erwirpt, ergiht sich eine neue Situation: Die Gemeinde wird Bauwerber und muß versuchen, durch FEFigeninitiative möglichst kostengünstig zu bauen, Für den bisherigen Bauträger fällt das Risiko unverkäuflicher Wohnungen fast vollständig weg. Der Bürgermeister hat eine Kalkulation über die Baukosten durchgerechnet. Der Bauträger rechnet mit einem Richtpreis von S 13.000,-- je m2, was ohne Grundpreis einer Bausumme von rund 15,3 Mill. S entspricht. Bei einem umbauten Raum von 5.819 m3 ergibt sich bei einem realistisch eingeschätzten Preis von S 2.000,-- je m3 eine Bausumme von 11,6 Mill S. Die Differenz beträgt also rund 3,7 Mill S. Für das Altenwohnheim wäre mit einer Bausumme von rund 3,5 Mill S zu rechnen. Die Förderungdes. Landeswohnbaufonds beträgt S 3.600,-- je m2 und aus der Sozialhilfe des Landes wären als Richtsatz Fördermittel von 30 % der Bausumme zu erwarten. Somit ist die Finanzierung aus Gemeindesicht zu schaffen. b) Der Bürgermeister hat mit dem Bauträger Herrn Grabher über die neue Situation gesprochen. Grabher erklärte sich einverstanden, den Bau auch im Betreuungsverfahren auszuführen. Welche Leistungen dies beinhaltet, wird Cegenstand neuer Verhandlungen sein. Nach längerer Debatte wurde einstimmig beschlossen: 1. Die Gemeinde errichtet im Mehrzweckhaus ein Altenheim. Sie erwirbt zu diesem Zwecke das 2. Obergeschoß und event. zwei Kleinwohnungen im 1. Stock, 2. Die erteilte Zustimmung der Gemeinde zum Optionsvertrag wird zurückgezogen. Die Gemeinde tritt als Bauherr auf und übernimmt in Eigenregie die Baudurchführung. c) Die erforderliche Grundteilung wird bis zur Abklärung der Rechtslage und Vorlage fixer Baupläne vertagt. Für die weitere Planung und Verhandlungen wird ein Bauausschuß bestellt. Ihm gehören an: 3 Vertreter der Gemeinde und zwar Bürgermeister Anton Bilgeri, Gerard Hagspiel u. Max Moosbrugger, 2 oder 3 Vertreter der Raiffeisenkasse, 2 Vertreter der Fam. Fürpaß (Parfümerie) und je 1 Vertreter der Wohnungswerber. Über die Finanzierung der Kanalisation zur Erschließung der Cp. 972/2 und 973/3, Elz. 57 K.G. Hittisau hat der Bürgermeister einen Entwurf ausgearbeitet, der allen Gemeindevertretern zuge- gangen ist. Da die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung der Gp. von der Landesregierung noch nicht genehmigt ist, wurde die Beschlußfassung über den Finanzierungsvertrag vertagt. Die Festsetzung der Beiträge für die Inanspruchnahme der Krankenschwester des Sozialsprengels Vorderwald war Gegenstand längerer Beratung. Fest steht lediglich, daß die Gemeinden nach einem Einsatzpunktesystem mit der Gemeinde Langenegg die Abdeckung der Kosten im Nachhinein zu begleichen hat. Welchen Beitrag die Gemeinde von den Patienten einhebt, bleibt ihr überlassen. Die Inanspruchnahme der Schwester ist heute noch nicht abzuschätzen. Die Gemeindevertretung hat beschlossen, vorerst befristet bis zum 31.12.1979 pro Stunde einen Beitrag von S 100,-auf die Patienten zu verumlagen. . Das Protokoll der Sitzung vom 7.8.1979 wird ohne Einwand genehmigt, Bericht des Bürgermeisters: a) Die Sprengelgemeinden haben die Vereinbarung mit der Gemeinde Lingenau über die Benützung des Hallenbades durch die Hauptschüler unter der Bedingung nachfolgender Abänderung bzw. Ergänzung zur Kenntnis genommen. 1. Bei Abweichungen der tatsächlichen Schwimmstunden von den lehrplanmäßigen Unterrichtsstunden ist es allein den beitragszahlenden Gemeinden vorbehalten, eine alliquote Kürzung des Benützungsentgeltes vorzunehmen. 2. Die vorgelegte Vereinbarung wird auf lo Jahre befristet und endet spätestens mit Ablauf des Schuljahres 1985/86. Es bleibt ab diesem Zeitpunkt den unterzeichneten Gemeinden überlassen, eine Erledigung ihrer Berufung gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz vom 15.04.1975, 21. II-2189/1973 zu verlangen. 3. Änderungen des derzeitgen Badebetriebes aus finanziellen oder anderen Erwägungen sind möglich, wenn es die Mehrheit der beitragszahlenden Gemeinden beschließt. b) Die Wasserrechtsverhandlung über die Erweiterung der Gemeindewasserversorgungsanlage ist auf Mittwoch, den 5. c) 9. 1979 anberaumt. Zum Besuch des Kindergartens wurden 54 Kinder angemeldet. Es ist die Teilung auf Vor- und Nachmittagsbetrieb not- wendig. Die Eltern wurden verständigt und haben Verständnis für die Lösung gezeigt. Allfälliges: a) Auf eine Anfrage über die Finanzierung des geplanten Altenwohnheimes und event. Verwendung des Sternenareals zu diesem Zweck gibt der Bürgermeister Auskunft. An eine Veräußerung ist zur Zeit nicht gedacht und ein "Finanzzwang" vorerst nicht gegeben. b) Gemeindevertreter Gerard Hagspiel erkundigt sich über die Unterbringungsmöglichkeit der Lebenshilfe für den Fall des Abbruchs des Versörgungshauses. Er verweist auf die moralische Verpflichtung der Öffentlichkeit zu einer tragbaren Lösung dieses Problems und ersucht um Verständnis und Mithilfe. co 7. Das Fürsorgeamt ersuchte die Gemeinde um Mithilfe bei der Vermittlung einer Wohnung für Frau Ruhry, geb, Torahele. Der Bürgermeister schlägt die Vermietung eines Appartements im Schulhaus vor. Die Gemeindevertretung gibt hiezu ihre Zustimmung. Schluß der Sitzung um 22.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. Anschließend zeigt Othmar Mennel im "Gasthof Schiff" seine vorzüglichen Dias von der EinweimMung unseres Freibades, der schönen Landschaft unserer Bregenzerwälder-Musikfest in Bezau, inde und vom
  1. hittisauvertretung
19790807_GVE046 Hittisau 07.08.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 20.2.1970 Verhandlungsschriäiäft: über die am Dienstag, den 7. August 1979 um 20.15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 46. öffentliche Sitzung der Ge- meindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Dr. Anton Stöckler, Gerard Hagspiel, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler. Entschuldigte: die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Josef Steurer, Anton Faißt und Eduard Metzler. Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. a) Beschlußfassung über die Errichtung weiterer Gehsteige mit Straßenbeleuchtung im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt und b) Antrag um Einbeziehung in die Projektierung. 3. Beratung über die Grundteilung auf dem Engelareal. 4. Beschlußfassung über das vorliegende Projekt für den weiteren Ausbau der Wasserversorgung. 5. Novelle der a) Wassergebührenordnung b) Kanalgebührenordnung. 6. Neubestellung der Gemeindekommission zur Erstellung der Geschworenen- und Schöffenliste, 7. Schreiben der Gemeinde Lingenau (lt, Beilage). 8, Beitritt zum Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskanmers 9. Vorlage von Landesgesetzen: a) Katastrophenhilfegeset2. b) Rettungsgesetz. 10. Protokoll der letzten Sitzung. 11. Berichte und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt die Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsge- mäß zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag auf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 12. Vergabe der Einzäunung für die Kläranlage. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. a) Die Landesstraßenbauplanungsstelle ist mit der Vermessung für die Geländeaufnahmen zur Planung unserer Ortsdurchfahrt beschäftigt. Im Zuge äss Straßenausbaues steht die Errichtung der Gehsteige und Straßenbeleuchtung zur Entscheidung. Grundsätzlich ist die Gemeindevertretung der Meinung, einen Gehsteig von 1,40 - 1,50 m Breite südseitig von Scheidbach über Windern zum Sternen bis zur Einmündung der Schwimmbadstraße und weiters von der Sternenkreuzung zum Dorfplatz und bis Heideggen in der Planung. vorzusehen, Für die Straßenbeleuchtung ist die Verlegung von Leerrohren miteinzuplanen. b) 3, Mit einstimmigem Beschluß wird an die Landesstraßenplanungsstelle der Antrag zur Einbeziehung der geplanten Gehsteige in die Projektierung eingebracht. Die Fa. Grabher hat die Pläne für die Teilverbauung des Ortszentrums auf dem Engelareal vorgelegt und bereits um die Baugenehmigung angesucht. Die Kommissionierung wurde auf Donnerstag, den 9. August anberaumt. Gemeindevorstand und Bauausschuß haben im Einvernehmen mit der Raika einige Änderungen vorgeschlagen. Das Objekt sollte ganz unterkellert, mehr über das Straßenniveau angehoben und die Dachneigung etwas verringert werden. Der Vorbau könnte etwas schmaler ausgeführt werden. Ein großer Mangel ist, daß keine Garagen vorgesehen sind, Es soll die Möglichkeit zum Bau :einer Tiefgarage überprüft werden. Weit mehr Bedenken erwachsen aus der Tatsache, daß für die Wohnungen unter den Einheimischen nur wenig Interessenten sind. Deshalb ist der Verkauf an Auswärtige zu befürchten, die hier eine Wochenend- wohnung etablieren. Dies aber liegtnicht im Gemeindeinteresse. Daher regt der Bürgermeister an, zur Errichtung von Altenwohnungen eventuell das 2. Obergeschoß durch die Gemeinde zu erwerben. Damit kam ein neuerer Aspekt zur Sprache, der eine längere Diskussion auslöste. Durch die Situierung von Altenwohnungen im Dorfzentrum würde die Vereinsamung der betagten Gemeindebürger gemildert und das Haus dem Gemeindeinteresse weit dienlicher werden. Für diesen Fall müßte der Einbau -&ines Personenliftes eingeplant werden. Der Vorschlag wird weiter- verfolgt und mit dem Bauträger Fa. Grabher verhandelt. Der Bau des zweiten Teilprojektes, das ein Restaurant und den Gemeindesaal vorsieht, wird immer dringlicher. Gerade in den Sommermonaten wird das Fehlen eines Veranstaltungssaales mit der Bewirtschaftung in der Gemeinde mehr und mehr vermißt. Für das Restaurant besteht Aussicht, einen privaten Bauherrn zu gewinnen, der die Bewirtschaftung des Saales im Bedarfsfalle zu besorgen hätte. Den Bau des Gemeindesaales wird voraussichtlich die Gemeinde finanzieren müssen. In einem Betriebsvertrag mit dem Restaurantinhaber müßte vor Baubeginn die Gewähr für die Bewirtschaftung des Kultursaales sichergestellt werden. Die Grundteilung des Areals wird verschoben, Es soll zuerst das Bauobjekt abgesteckt werden, um ein naturgetreues Bild der Situierung zu erhalten. Für die Erweiterung der Gemeindewasserversorgung liegt ein Projekt zur Beschlußfassung auf. Das Bauvorhaben ist in das Förderungsprogramm des Landes bereits aufgenommen und die Verhandlung zur Wasserrechtsgenehmigung durch die Bezirkshauptmannschaft anberaumt. Vorgesehen sind folgende Teilprojekte: a) die Neuversorgung der Parzelle Brand, b) der Bau einer Ringleitung Brand - Rain, c) der Bau einer Ringleitung Korlen —- Dorf, d) die Sanierung der Quellableitung in Völken und e) der Bau einer Entkeimungsanlage für das Wasserwerk Bolgenach im "Neu Gut", Die Versorgung der Parzelle Brand mit Trink- und Löschwasser über Antrag der Bewohner wurde begrüßt. Die erwähnten Ringleitungen bringen für die Parzellen insbesonders eine leistungsfähigere Versorgung in Brandfällen., Die Sanierung der Ableitung von der Quellfassung in Völken durch größere Rohre und mehr Gefälle bewirkt die bessere Speisung der Leitung, da das Überwasser genutzt und verhindert wird, daß Luft in die Leitung einfließt. Eine längere Diskussion entspann sich über die Notwendigkeit zum Bau einer Entkeimungsanlage für das Quellwasser in Bolgenach, Vor Baubeginn wurde das Wasser untersucht und die Proben waren einwandfrei. Nun haben wiederholte Untersuchungsergebnisse durch die Bezirkshauptmannschaft den Gehalt von Enterokoken nachgewiesen, sodaß die Qualität als Trinkwasser nicht entspricht. Über das Erweiterungsprojekt liegt folgender Kostenvoranschlag auf: Ausbau des Versorgungsnetzes Sanierung der Quellableitung S S 353,300, -122.000, -- Entkeimungsanlage S 385.400, -- Unvorhergesehenes, Bauverwaltung S 39.300, -- S 900.000, -- Gesamt Einstimmig wurden die Projekte zur Erweiterung des Versorgungsnetzes und der Sanierung der Quellableitung in Völken gutgeheißen. Der Bau der Entkeimungsanlage in Bolgenach fand mehrheitliche Zustimmig, sofern diese für die Verbesserung der Wasserqualität unumgänglich notwendig ist. 5. a) Der Rürgermeister erläutert die Änderung der Gebührensätze, die sich durch die Novellierung der Wassergebührenoränung ergeben, nach der ab 1.1.1979 anstelle des Baukostenindexes der Lebenshaltungskostenindex als Grundlage zur Bemessung der Gebühren angewendet wird, Nach dem Lebenshaltungskostenindex ergibt sich bis 31.12.1978 eine Preissteigerung von rund 57 %, wogegen der Baukostenindex um 91 % angestiegen ist. Für den Wasseranschluß beträgt inklusive LÖschwasser die Gebühr ab 1.1.1979 somit mindestens S 14.148,-- + 8 % MWSt. Der Novellierung der Wassergebührenordnung im obigen Sinne stimmt die Gemeindevertretung einhellig zu. b) Zur Novellierung der Kanalgebührenordnung, die erst mit Verordnung vom 1.1.1978 in Kraft trat, äußert der Bürgermeister Bedenken, Die Steigerung des Indexes fällt noch nicht so immens ins Gewicht. Es wird beschlossen, die Novellierung der Kanalgebührenordnung vorerst zu verschieben. 6. In die Kommission zur Erstellung der Geschworenen- und Schöffenlistg werden bestellt: Bgm. Anton Bilgeri GV, Hieronymus Faißt GV. Gerard Hagspiel GV. Max Moosbrugger. 7. Das Schreiben der Gemeinde Lingenau betreffend der Vereinbarung über die Benützung des Hallenbades für den Schwimmunterricht für die Hauptschüler und des zu leistenden Benützungsentgeltes ist allen Gemeindevertretern schriftlich zum Studium zugegangen. Auf Grund der Beratung wurden folgende Änderungen beantragt: Punkt 4. soll sinngemäß lauten: Bei Abweichungen der tatsächlich gehaltenen Schwimmunterrichtsstunden von den lehrplanmäßig vorgesehenen, halten sich die beitragszehlenden Gemeinden vor, eine aliquote Kürzung des Beitragsentgeltes vorzunehmen. Punkt 8, Der Nachsatz " und verzichten auch nach Ablauf dieser Vereinbarung auf eine solche Erledigung " ist zu streichen. Vorbehaltlich der Akzeption dieser Änderungen stimmt die Gemeindevertretung der Vereinbarung einstimmig zu. Die Vorschreibung für den Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskammer für das Jahr 1978 in Höhe von S 2.150,-- ist eingetroffen und wird beglichen. Die Einrichtung hat sich be- währt und wurde auch in unserer Gemeinde verschiedentlich in Anspruch genommen. Die Gemeindevertretung hat einstimmig den Beitritt zum Betriebshelferdienst der Landwirtschaftskammer beschlossen. Zu den Landesgesetzen a) Katastrophenhilfegesetz und b) Rettungsgesetz wird kein Einspruch erhoben und keine Volksabstimmung verlangt. 10. Das Protokoll der letzten Sitzung wird ohne Einwand zur Kenntnis genommen. 11. Bericht des Bürgermeisters: 1. Für den Ankauf des Tanklöschfahrzeuges ist die positive Stellungnahme des Landesfeuerwehrverbandes eingetroffen. 2. Die Familienhelferin Marlies Düringer wird am 17.9.1979 den Dienst in unserer Gemeinde antreten. 3. Für die erwünschte Verlängerung des Überlaufwasserkanales in Heideggen als Vorbedingung zur Aufschüttung des Tobels haben die Interessenten die von der Gemeinde verlangte Landschaftsschutzbewilligung nicht beigebracht bzw. beantragt, sodaß die lautgewordene Kritik ungerechtfertigt ist und abgewiesen werden muß. 4. Im Zuge des Straßenbaues in Hangernfluh gibt es Probleme mit der teilweise notwendigen Umlegung der Gemeindewasserleitung. 5. Die Volksschullehrerin Eva Maria Huber wurde mit 1.9.1979 von der Behörde zur Dienstleistung an unsere Schule versetzt. 6. Herr Ing. Müller hat der Gemeinde den Entwurf eines Er- schließungsvertrages zur Wasserversorgung und Kanalisation der Gp. 973 zugesandt. Die Wasserversorgung der Gp. 973 wird im Zuge des Netzausbaues von der Gemeinde bewerkstelligt, sodaß sich hiefür ein Vertrag erübrigt. Für die Kanalisation schlägt der Bürgermeister den Abschluß eines Finanzierungsvertrages mit den Interessenten vor, der in der nächsten Sitzung behandelt werden soll. 7. Mit 1.9.1979 tritt die Krankenschwester Müller den Dienst in dem neu errichteten Sozialsprengel Vorderwald an. Dienstgeber ist die Gemeinde Langenegg. Die Kosten werden nach einem Einsatzpunktesystem verumlagt. 8. Die Eröffnung und Einweihung des Freibades am Sonntag, den 29.7.1979 ist bei prächtigem Badewetter und großer Besucherzahl bestens verlaufen, Landeshauptmann Dr. Kessler vermochte mit seiner gekonnten Festrede voll zu überzeugen. Die Anlage fand allgemeines Lob unter den Festgästen. Allfälliges: 1. GV Gerard Hagspiel teilt mit, daß für die Lebenshilfe anläßlich der Schwimmbaderöffnung der schöne Spendenerlös von S 7.800,-- eingegangen ist. Er dankt der Gemeinde für die großzügige Geste, auf Eintrittsgelder zu Gunsten der Lebenshilfe verzichtet zu haben und sprach in deren Namen allen Spendern den Dank aus. 2. Das Fahrverbot auf der Ließenbachstraße wird lt. Mit- teilung von GR Bartenstein von vielen KFZ-Lenkern nicht beachtet, vielmehr benützen junge Mopedfahrer die Straße als Rundfahrtkurs für ihre Vergnügungsfahrten. Leider ist die Gendarmarie zu überlastet, um laufend wirksame Kontrollen zu machen. 12. Für die Umzäunung der Kläranlage haben drei Firmen Offerte eingereicht und zwar Fa. Fesenmeier, Schwarzach Fa, Köb, Feldkirch S S 52.790,-62.334,-- Fa. Blum, Höchst S 62.724, -- Die Arbeiten werden lt. den Richtlinien des Wasserwirtschaftsfonds an den Bestbieter Fa. Fesenmeier vergeben. Schluß der Sitzung um 24.00 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h.
  1. hittisauvertretung
19790703_GVE045 Hittisau 03.07.1979 Verha n alungs schrift EEE EEE - 51m über die:am Dienstad; den 3, Juli 1979 im Gemeindesitzungssaal. um 20.15 Uhr abgehältene. 45. ‘öffentliche Sitzung der Gemeindever- tretung Hittisau. Anwesende: BürgermeisterAnton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, „Erwin Fberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons’ Sutterlüti, Hermann: Nenning, Oskar Eberle, ‚Josef Steurer, Dr. Anton Stöckler, Gerard :Hagspiel, Anton Faißt, Eduara Metzlerund: Ing“ Arno: Kohler, die Ersatzmänner ‘Xaver. Hagspiel‘; Lüdwig Bechter‚und. Johann; Steurer‘ sowie‘ zwei Zuhöreri” Entschuldiate:. die Gemeindevertreter NR Ludwig. Hagspiel, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt und Max Moosbrugger. „ Ta.‘g esordnung: 7 SWN&o°. ©o° ’öo- Eröffnung und Begrüßung. Änderung des Flächenwidmungsplanes. Berufungsentscheidung, über:‚einen Bescheid des ‘Gemeindevorstaändes. a) Schreiben der Gemeinde Krumbach ‚betreffend ihre Wasserver‚SOrgung und Gebührenfestsetzung. b) Novelle. der Wassergebührenordnung. Altreifenbeseitigung - - lt. ‚Gemeindeverband, Schreiben der-Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald“Sozialsprengel Vorderwald. . Planvorlage für Alpsennerei - „Müseum und Arbeitsvergaben. Genehmigung. des letzten Sitzungsprotokolles.. ; Berichte und Allfälliges. 1. Der:‚Bürgermeister eröffnet die Sitzung und .begrüßt die: ‘Erschienenen.' Er stellt‘ fest, daß die Einladungen: ordnungsgemäß zugestellt‘ wurden und” Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann stellt er den Antrag aUüf Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 10, „Gesetzesvorlagen: a) Neues Landes-Forstgesetz, b) Novelle des Gemeinde- und Landesbedienstetengesetzes. Der Erweiterung der Tagesordnung wird zugestimmt. 2. In der Sitzung vom 29.5. 1979 hat die Gemeindevertretung: a) die Umwidmung einer Teilfläche der‘ Gp. 973.der Eigentümerin Maria Fehr im Ausmaß von 60 x 30 m entlang der Rainstraße. als Baugrund beschlossen. Nicht behandelt! wurde dievon‘, Anwalt Dr. M Bechter‘ gleichzeitig. beantragte‘‚Umwidmung:eines Grundstückes der“ Eigentümerin‘ Emma Schedler-Wild,da. Frau. Schedler zunächst. ihren Grund nur landwirtschaftlich. zu: nutzen beabsichtigte. Nun steht die‘ Umwidmung-einer: Teil- fläche al&s Baugrund entlang der Straße zur‘ ‘Entscheidung.: Über Antrag des Gemeindevertreters Josef Steurer wurde die Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwicmung einer Fläche von 60 m Länge und einer Bautiefe von'3o m für zwei Bauplätze mit 16 Ja-Stimmen bei, einer Stimmenthaltung be- schlossen. Der Konsenswerber hat die Torf nanzierung 47 der =,- Kanalisation 1lt.. Projekt aliquot mitzuübernehmen.... b) Frau Nella Vicentini, Bolgenach Nr. 45 hat aus der "Mitte ihres Grundstückes zwei Bauplätze für ihre Kinder vermessen. lassen, wodurch die Nutzung der verkleibenden Landwirtschaftsı fläche erschwert‘ und kein. geschlossenes Siedlungsgebiet ent-, standen wäre, Aus diesen Gründen wurde bei der Flächenwidmung dieser Grundteilung nicht stattgegeben, Um eine deschlossene Bauzone zu erhalten, wird eine auch. nach: Meinung von, Ing. Schwarz von der. Paumplanungsstelle. tragbare Lösung dahin- gehend einstimmig beschlossen, daß von der. Westfront des be- stehenden Hauses Nr. 45 eine Fläche von 12o m Länge für, zwei Bauplätze zur Verbauung umgewidmet werden. Die Bauherrn’ | haben bei einer Verbauung vor Errichtung der Gemeinde- ‘-' kanalisation für. die Abwasserbeseitigung auf eigene Kosten, Sorge zu tragen. 3, c) Die Eheleute Johann und Elsa Vögel, Komma, beantragen die Verlegung des roten Punktes auf der Gp. 725 K.C@. Hittisau, an die Südecke des Grundstückes hei der.Abzweigung der Schwimmbadstraße, Murch die beabsichtigte Verlegung ist die Bearbeitung der verbleibenden Landwirtschaftsfläche. weniger behindert und die Abwasserbeseitigung für den geplanten Neubau weit günstiger. . Bei. Befangenheit des Bürgermeisters wird die beantragte Verlegung des ‚roten Punktes ‚einstimmig ‚gutgeheißen. 3. Gegen den Bescheid des’ Gemeindevorständes vom 5,:6.1979,nachdem das Ansuchen der Maria Fehr um Grundtrehnungsbe- willigung der Gp. 973 abgelehnt wurde, hat die Mandantin Berufung eingereicht. In dieser wird darauf verwiesen, daß nach Meinung ‚des Berufenäden keine Gründe vorliegen, die einer Bewilligung entgegen stehen. Der Bürgermeister bringt’ sodann ein Begleitschreihen der Maria Fehr zur Verlesung, in dem ihr Schwiegersohn Herr Helmut Müller’ auf S 34 des. Raumplanungsgesetzes verweist und die Bewilligung der Grundteilung im beantragten Ausmaß kategorisch fordert, da keine Versagungsgründe vorlägen. ‘In der nun folgenden Debatte werden Bedenken laut, die, Be- wälligung: der Grundtrennung im Ausmaß von 60 x 50 m bringe. in absehbarer Zeit. den Antrag auf Umwidmung einer zweiten Bautiefe, was zum Schutze des Ortsbildes zu verhüten sei. Gemeinderat Konrad Hagspiel richtete an den anwesenden Herrn Müller folgende Anfragen: , . 1) "Beabsichtigen Sie, später eine 2. Bautiefe zu beantragen?" Antwort: "Nein, das ist, wie aus dem: hier aufliegenden, Lageplan meines geplanten Hauses ersichtlich, gar nicht möglich," 2)" Stimmen Sie einem Vorkaufsrecht .bei,event. "Verkauf der unverbauten Restfläche zu Gunsten: ‚des Figentümers der Gp. 973 zu?" — Antwort: "Nein, ein Vorkaufsrecht würde ich auf ‚Grund der. gemachten-r Erfahrungen im. Laufe‘der Erbteilung nie einräumen... Schließlich wurde der Berufung gegen die Ablehnung der Teilungsbewilligung des Grundstückes Gp. 973 1t. Bescheid des Gemeindevorstandes vom 5.6.1979 mit 1o Ja-Stimmen und 3 Stimmenthaltungen bei Refangenheit des Gemeindevorstandes von der Gemeindevertretung stattgegeben. ‘4 - -. 4, a) Die ‚Gemeinde.‚Krumbach ‚ersucht in‘einem“Schreiben um Trink- wasserbezug aus dem Versorgungsnetz.unserer Gemeinde, . da ihreWasserversorgung besonders bei ‚Trockenheit nicht ausreicht. Unser Leitungsnetz‘ berührt‘ an der Grenze Riefens- “bergnahezu - bis auf ca. 5o m - äie Leitung der‘ Gemeinde” Krumbach; sodaß für eine Einspeisung des Überwassers keine ‚großen. Kosten erwachsen ‚würden. Vom Landeswasserbauamt ‚wurde‚als. überregionale Lösung angeregt, später. auch mit dem Wasserwerk ‚Riefensberg zu. koppeln,” damit‚unter den drei Gemeinden : in Notfällen die Wasserversorgung sichergestellt wäre, : Die‘Gemeindeverträtung stimmte einmütig zu, das Überwasser an die Gemeinde. Krumbach abzugeben, solange der Eigenbedarf. gedeckt ist. Die Kosten für die Anschlußleitung und‘ Meßsinrichtung sind von der Gemeinde Krumbach zu tragen. Als‘‚Ab- gabepreis. werden je m3 S 1,50 wertgesichert nach dem.Lebens- ui. haktungskostenindex.- verrechnet, Für den Fall des Bedarfes (Brandfall) wird erwartet, daß‚die Gemeinde, Krumbach zum‘ gleichen Preis ihr.Wasser zur Verfügung stellt. B)AD'r. Bürgermeister.‚berichtet über die eingetretene Erhöhung Lu der Wasseranschlußgebühren, .die 1t. Gebührenordnung nach“ dem Baukostenindex.. wertgesichert sind. Da seit Oktober 1974, dem Beschlußmonat unserer Gebührenordnung, der Baukostenindex bis-April: 1979 eine Steigerung von 91 % ausweist, kommen die Anschlußgebühren für ein Einfamilienhaus heute bereits auf£:rund S 20.000,--,. ein Betrag, der ‘unverhältnis- ‚mäßig hoch.und der Bautätigkeit in keiner Weise förderlich. „ist, Der‘ Bürgermeister Schlägt. daher vor, ab 1.1.1979 äen Lebenshaltungskostenindex als.Grundlage für die Erhöhung. der. Anschlußgebühren festzusetzen. Dasselbe’ gilt für die Anschlußgebühren der Kanalgebühreneordnung.. ‚Das Gemeindeamt entwerfen und der Gemeindevertretung zur Beschlußfassung. wird eine Novelle der Gebührenordnungen im obigem Sihne u. Verlegen. SA + des ‘Landes hakaan sich bisher Bis ‘auf fünf‘ Gemeinden alle:der Aktion.zur‘ Altreifenbeseitigung‘‚ängeschlossen. Mit der ‚Fa. Häusle, Dornbirn, wurde di verträgliche Beseitigung derAltreifen für 5 Jahre, das‘ ist Bis 1983,zımgleichen Verarbeitungs- preis vereinbart‘. ‚Das Land’‘gewährt:für die Beseitigung einen ‚Zuschuß von Ss 406 000,--, die‘ Gemeinden haben je Einwohner S 2,-- jährlich zu‘entrichten: :Im ganzen Land sind gegen 200 Abgäbestellen vorgesehen; inHittisau fünf: Unsere. Gemeindevertretung‘hat“bisher “die: Zust immung versagt, da man, wie sich.aus “der Diskussion ergab;die Meinung.‚vertrat, ‘der Verursächer‘ &011 die Kosten tragen und nicht die.Allgemeinheit. So wurde. Auch die Regionalplanungsgemeinschaft als Anreger diees Vorschläges der Altreifenbeseitigung. ‚au£ :Gemeindekosten kritisiert. Schließlich, gilt, wer sich der Vereinbarung nicht anschließt als‘ Schmärotzer und Nutznießer. Eine Ablehnung seitens der Gemeinde könnte Änlaß zu Vorwürfen werden. Mit 9 Ja - gegen 8 Nein-Stimmen hat sich die Gemeindevertretung‘‘‘der Vereinbarung zur Altreifenbeseitigung angeschlossen; 6. In einem Schreiben der Regionalplanungsgemeinschäft Bregenzer- wald wurde die Gemeinde zur: A dr über den Beitritt vorgelegt. Hierüber. referierte der Obmann des Sozialausschusses Gemeindevertreter Gerard‘ Hagspiel, Die Kösten werden auf jährlich S 300,000,-- geschätzt, wobei auf Sachkosten ; S 100.000,--. und ‚auf Persohalkosten S’ 200.000,-- entfallen. Nach: dem Bevölkerungsstand würden auf ‚unsere, Gemeinde‘ rund‘ S 62.000, -- entfallen, ‚jedoch werden die, Kosten entsprechend der tatsächlich beanspruchten Dienstleistung auf die Gemeinden aufgeteilt. Bedenken wurden wegen der” Größe des. ‚Sprengels‘‘ge- äußert, umfaßt er doch. den‘ gesamten, Vorderwald und Sulzbergstock, ein Gebiet, das von einer Krankenpflegerin kaum zuBefriedigung zu betreuen sein dürfte. Für. die Errichtung des Sozialsprengels wurden von verschiedenen ‘Institutionen (Land, Sozialhilfe, Krankenkasse) Starthilfen zugesagt, jedoch findet sich niemand bereit, zur Kostenabdeckung des laufenden Betriebsaufwandes verbindlich ‚eine Zusage :zu geben. ‚Der. Bürgermeister erwähnte die sozialen Sorgen und Nöte än manchen Familien und bei betagten Alleinstehenden, die an ihn herangetragen ‚werden. Sicherlich wäre der Einsatz einer Krankenpflegerin und Familienhelferin in der Gemeinde wünschenswäört, doch: ist die .finazielle Frage, und Auslastung zu überlegen. _ Die: Gemeindevertretung entschied sich für die regionale Lösung in. der Krankenpflege und hat‘ mit 'einstimmigem' Beschluß den Bei- tritt zum Sozialsprengel Vorderwald beschlossen, Der Bürgermeister hat wegen. ‘einer -‚Familienhelferin‘mit der Leiterin der Schule, Frau Weber Kontakt aufgenommen: Es wurde ihm die Schulabgängerin Marlene Düringer aus Schwarzenberg empfohlen und stellte deren Anstellung zur Diskussion. Die Ge- meindevertretung hat. hierauf. einstimmig beschlossen, eihe Familienhelferin anzustellen.‘ Als‘ Tagsatz‘ wurde einheitlich S 150,-- festgesetzt. Der: Monatslohn wird‘ bei‘ brutto S 7.,800,-- liegen. Vom Land kann ein. Jahreszuschuß von'S 60.000, +-' bis S 70.000,-- erwartet werden.‘ Allfälliges: 1. GV Johann Steurer erkundigt sich über den Stand der Planung für den Ausbau der‘ :Riefensbergerstraße- und Neubau der Auen- bachbrücke; Der Bürdermeister teilt mit, daß er diesbezüglich bei der Landesstraßenplarnungsstelle: neuerlich vorgesprochen habe, wobei im Bereich‘der Auenbachbrücke eine Umprojektierung und Neutrassierung ‘geprüft werden soll. Er berichtet weiter, daß im:den nächsten Wochen die Geländeaufnahmen für die ‘Planung der. Ortsdurchfahrt vorgesehen sind; Im Zuge des Straßenausbaues müssen ‚im Ortskern die Gehsteige und die Straßenbieuchtung erstellt werden. 2. Weiters regt Herr‘ Steurer‘ an, "bei der Straßenkreuzung im Sternen eine. ‘gemeinsame.„Hinweistafel: “Schwimmbad - Hoch- häderichlifte" ‚aufzustellen; 10; Fe z STEG f. „Der, Bürgermeister ‚gibt 'einige.(Erläuterungen zu‘ nachstehenden Gesetzesvorlagen des ‘Landes:. a) Landes-Forstgesetz, AM b) Novelle” zum Gemeinde-‚und Landesbedienstetengesetz.. Gegen diese Gesetzesvorlagen wird keih‘ Einspruch erlicben und. keine Volksabstimmung beantragt. Schluß. der Sitzung um 0.157Uhr. ; | Der‘ Bürgermeister: . gez. Anton Bilg@)i ÖL
  1. hittisauvertretung
19790529_GVE044 Hittisau 29.05.1979 GEMEINDEAMT FITTISAU Hittisau am 5.6.1979 Ve ch andlıungsschrift: über dieam Dienstäg, den 29. Mai 1979 um 20.15 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 44, öffentliche. Sitzung. der Gemeinde-: vertretung Fittisau. Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, Ve die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin,‚Eberle die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning,: Härbert und Ignaz Bartenstein, Bilgeri, Oskar. Eberle, Anton. "Faißt, Hieronymus Faißt, NR. Ludwig“ Hagspiel, Gerard Hag&piel, Ing. “Arno Kohler, Max Moosbrugger: und Dr. Anton Stöckler, der Ersatzmann Xaver Hagspiel, Gemeindekassier Konrad Schwarz sowie vier Zuhörer. Entschuldigte: GV Eduard Metzler und Josef Steurer. Tagesordnung: ubL>Nnao u Eröffnung und Feststellung der Beschlußfähigkeit. Antrag auf Änderung des Flächenwidmungsplanes. . ; Antrag auf Auszahlung eines Baukostenzüschusses für den Güterweg Dorf. ;. Bestätigung eines Beschlusses des Gemeindevorstandes betreffs Verlängerung des Regenwasserkanals ih Heideggen. . Entscheidung zwecks Anschaffung: a) eines Feuerwehrtanklöschfahrzeuges, b) einer Buchunygsanlage für das Gemeindeamt. 6. Protokoll. 7. Bericht des Bürgermeisters und Allfälliges. 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung mit dem Gruß an alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen: ordnungsgem@zugestellt wurden und Beschlußfähigkeit.gegeben. ist. 2. Die Eigentümer der Gp. 973 bringen ‚durch den 'bevollmächtigten Anwalt Dr. Melchior Bechter einen Antrag auf Grundtrennungbe— willigung und Umwidmung. einer Teilfläche des Grundstückes im Norden bis zu einer Tiefe von, 30 m ein. Auf Grund der Real-“ teilung erhält Frau Maria Fehr entlang der Rainstraße ein Grundstück im Ausmaß von 60 x 50 m und Frau Emma‘ Schedler, geb. Wild von 6o x 70 m. Josef Steurer wird ein Wede-,‚Fahr- ‚und Viehtriebsrecht eingeräumt‘. Frau Brunhilde Müller geb; ‚Fehr verweist in einem Schreiben auf die persönlichen Besitzverhältnisse ihrer Mutter, die‘ lt. Vertrag, auf ihr Wohnrecht verzichtet und erbittet die Änderung des Flächehwidmungsplanes und Umwidmung einer Teilfläche von 60 x 3o m als Baugrund. Zur Erläuterung liegt ein Teilungsplan zur Einsichtsnahfie bei. Der Bürgermeister erklärt, daß durch die Einigung der Parteien eine wesentliche Voraussetzung zur Änderung des Flächenwidmungsplanes geschaffen wurde. Er. verweist darauf, daß entgegen dem Wunsch aller Eigentümer im Flächenwidmungsplan auf der Süd-Ostgrenze des Grundstückes Bauflächen im Mischgebiet beschlossen wurden. Wesentlicher Grund, äer eine Änderung des Flächenwidmungsplänes und Umwidmung vertretbar mache, seien die: persönlichen Besitz- und Sozialverhältnisse der Antragsteller. Er vertritt die Meinung, daß die Umwidmung als Baufläche bis zu einer Bautiefe von 3o m an folgende Bedingungen geknüpft sein müßten: 1. Der Konsenswerber muß sich zur Vöorfinanzierung der Kanalisation lt. Projekt.bereit erklären. 2...Die Baugründe im Mischgebiet‘ an der Süd-Ostecke ‘des Grundstückes müssen als Lanäwirtschaftsfläche rückgewidmet werden. 3. Die Besitzgrenzen der Grundtrennung müssen sich mit, den Widmungsgrenzen decken. Nun entspann sich eine angeregte Debatte. Besonders- über die:Be- dingung unter Pkt. 3 gingen die Meinungen weit auseinander. Schließlich wurde über Antrag die” Änderung des Flächenwidmungsplanes und Umwidmung wie folgt beschlossen: 1. An der Nord-Westseite des Grundstückes Gp. 9273 wird ein Streifen von 60 m Länge ‚und 30 m Tiefe längs der Straße als Baufläche umgewidmet. 2. Mit der Realteilung werden die Baugründe im Mischgebiet an der Süd-Ostseite des Grundstiickes$ als Landwirtschafts”-. fläche rückgewidmet. nr 3. Der Konsenswerber hat die Vorfinanzierung der Kanalisation lt. Projekt zu übernehmen. Die Abstimmung ergab 15. Ja- und 2 Nein-Stimmen (Bgm. Anton Bilgeri und. GV Hieronymus Faißt). Die Güterweggenossenschaft Dorf ersucht um einen Baukostenzuschuß für den Straßenbau. Die bisher aufgelaufenen Kosten betragen laut Aufstellung der Agrarbbezirksbehörde S 321.000,--. Die Ge- nossenschaft hat einen Interessentenbeitrag von 20 % zu leisten. Auf£ Vorschlag des Bürdermeisters wird mit einstimmigem Beschluß eine a.c.-Zahlung von S 30.000,-- gewährt. In Heideggen ließ der Grundeigentümer Flatz’das Tobel‘ durch‘ die Fa, Hinteregger mit Abräummaterial vom Straßenbau Dornbündt aufschütten. In diesen Tobel mündetsüdlich vom Gasthaus Ochsen der Regenwasserauslaß der Gemeindekanalisation in einem provi- $orischen Auslauf, Die Grundeigentümer Flatz und Smrekar würden eine ‚weitere Aufschüttung des Tobels begrüßen, lehnen aber die Ha£tung für Folgeschäden einer‘ etwaigen Futschung ab. Die weitere Aufschüttung würde eine Verlängerung des Gemeindewasserkanäls um ca. 25 m nach Westen erfordern. Die Kosten für diese Kanalver- längerung wurden mit rund S 80.000, -- veranschlagt. Von der Gemeinde kann die Haftung für Folgeschäden bei einer eventuellen Rutschung des Auffüllmaterials nicht. übernommen;‚werden. Der Ge- meindevorstand hat daher der Verlängerung des Kanals nur unter der Voraussetzung zugestimmt, daß die Landschaftsschutzbehörde hiefür eine Bewilligung erteilt. Ansonsten wird lediglich das Auslaufohjekt in den bestehenden Graben-projektmäßig ausgeführt. Die Gemeindevertretung bestätigt den Beschluß des Gemeindevorstandes einmütig. „ 5. a) ‚Der Bürgermeister berichtet über. die Verhandlungen für den Ankauf eines Feuverwehrtanklöschfahrzeuges mit den Firmen Rosenbauer, Linz und Marte, Weiler.‘ Umstritten ist die Entscheidung, ob ein Wagen mit Finfach- ; (drei Mann) oder Doppelkabine (sechs Mann) angekauft werden soll. Der Preisunterschied beläuft: sich auf rund S 100,.000,--. Ob die Vorzüge der Mannschaftskabine solche Mehrkosten recht- fertigen, war Gegenstand einer länveren Diskussion. Feuerwehr- kommandant GV Alfons Sutterlüti und die anderen Vertreter der Feuerwehr plädieren für die Mannschaftskabine und lehnen, es ab, diese lediglich als Prestigesache zu bewerten. Die letzten Anbote der Firmen lauten: Fa. Rosenbauer: Fa. Marte: Tanklöschfahrzeug mit Mannschaftskabine und incl. Funk MWSt. : S 1.078.000,—— Tanklöschfahrzeug mit Mannschaftskabine ohne Funk S 1.116.000,-- incl. MWSt. Feuerwehrkommandant Alfons Sutterlüti spricht. sich. wiederum für ein Gerät der Fa. Rosenbauer aus, die bei eigener Er- zeugung als bewährter Ausstatter: der Esterreichischen Feuer- wehren gilt. Über, Vorschlag des’ Bürgermeisters bleibt der Gemeindebeschluß vom 18.4. 1979 über den Kauf eines’ Magirus-Deutz Tanklösch- wagens mit Mannschaftskabine aufrecht. b) Für den Unterausschuß betreffs Ankauf einer Buchungsanlage für das Gemeindeamt berichtet GV Gerard Hagspiel. Er hat in einer ausführlichen Analyse die Arbeitsersparnis durch den Einsatz einer leistungsfähigen Anlage erhoben und errechnete eine jährliche Einsparung von 86 Arbeitstagen, das entspricht S:70.000,--. einem Geldwert von ca. Gemeindekassier Konrad Schwarz berichtet aus seiner Sicht über die Vorteile einer solchen Anlage und verweist ‚darauf, daß ohne diese beim jetzigen Personalstand, die anfallenden Arbeiten im "Gemeindeamt auf: Dauer nicht zu leisten sind. Zeit- und Arbeitsersparnis "ergeben sich u.a: bei der Führung der Statistik, der Evidenzhaltung verschiedener Verzeichnisse, der Erstellung der Wählerkartei und Führung des Meldewesens, den div. Gebührenvorschreibungen. und. Ausstellung der Lohnsteuerkarten. Ein event. Ankauf der Computeranlage der Raika kann, da deren Kapazität zu klein und mit ‚Reparaturen zu rechnen, ist, nicht anempfohlen werden. Der Bürgermeister verweist auf die ständig steigende Mehr- arbeit in der Gemeindestube,. Die optimale Auslastung :und meß- bare Rendite solcher Anlagen wird immer umstritten‘ sein. Im Überprüfungsberichtwird’ die‘‘Änschaffüng einer-Postanlage mit zwei Amtsleitungen für das Gemeindeamt‘ empfohlen, Der Ankauf würde lt. Anbot der Post auf S 21;:000,-- zuzüglich S 4.000,-- für Montage zu stehen kommen. Weit teurer wäre eine moderne Anlage der Fa. Schrack., Angesichts der finanziellen Lage der Gemeinde wird vorerst auf die Anschaffung verzichtet. Mit einstimmigem Beschluß wird der Ankauf einer Buchungsanlage beschlossen. Dem Unterausschuß wird die Entscheidung über die Type und die Preisverhandlungen mit, der Lieferfirma übertragen. N Das Protokoll der Sitzung vom 1.5.1079 wird verlesen. Punkt.6. wird wie folgt berichtigt: Die Mehrheit der Gemeindevertreter könnte sich nur für die Ab-: schaffung der Beasucherkarte ‚entschließen. Als Parkgebühr wird je PKW £& 5,--— eingehoben,. Ansonsten wird das. Protokoll genehmigt. Bericht des Bürgermeisters: 1. Im Schwimmbad sind zurzeit die Fertigstellungsarbeiten im Gange. Im guten Einvernehmen mit den VKW wurde die Planie ausgeführt. ‘Das Bad wird am Pfingstsamstag eröffnet. 2, Der Bürgermeister schlägt‘ vor, die offizielle Eröffnung des Eades anfangs Juli in einer schlichten Feier in Ver- 164 , bindung mit einem sozialen Tag, Statt mintrittspreis freiwillige Spenden an die Lebenshilfe - vorzunehmen. 3. Mit Dr. Schwarz von der Raumplanungsstelle hat der Bürger meister an Ort und Stelle die Bauplatzfrage bei Frau Nella Vincentini, G£ä1l erörtert und: eine bessere Lösung empfohlen. 4, Zum neuen Obmann des Verkehrsvereins wurde Herbert Bilgeri gewählt. Der Bürgermeister dankt ihm für die Bereitschaft zur Übernshmei dieses Amtes. Er spricht dem scheidenden Obmann Oskar Fberle, der seit 1965 dem Vereine vorstand, Dank und Anerkennung auUS. 5, Das Rundholz vom Gschwend wurde abgeführt. Über die Ent- schädigung für entstandene Flurschäden ist noch zu verhandeln. £&. Bauingenieur Ulmer, Dornbirn, dem jahrelang die BauaufSicht bei der Gemeindekanalisation zur vocilsten Zufriedenheit oblag, ist bei der Ingenieurgemeinschaft Lässer-Feizlmayr ausgde„schieden. Fr wird die Abrechnung bei der Kläranlage noch : ‚erledigen. 7. Die Zufahrtsstraße zumı Wohngebiet. Häleisen ist fertiggestellt. .Nach den ‘Vermessungsarbeiten soll Zer Teilungsplan erstellt werden, te y + 8. Auf der Spielweise beim Schulhaus ist zur Wasserab£fuhr die Errichtung einer Drainage,notwendig. Sie soll in den Ferien ausgeführt werden. ar al > 9, Für den Kindergartenbesuüch ‘kommen 1979/80 62 Kinder in Frage. “Die Unterbringung ist noch. ‚ungelöst. lo. Zu den Anregungen im Prüfungsbericht, in Hinkunft für die Schneeräumung Konkurrenzanbote einzuholen, berichtet der Bürgermeister, daß die verrechneten Stundensätze den Preisen des Landesstraßenhbauamtes' entsprechen und die Fa, Steurer erklärte, gegebenenfalls kein Anbot abzugeben, Zur Unterfertigung der, Lieferscheine ünddie Kontrolle der Räumzeit „ wäre.die. ‚Beistellung eines Mitfahrers seitens der Gemeinde ‚notwendig,..was: zeitlich und personell schwierig und finan‚:ziell ‚kaum vertretbar wäre. x Allfälliges: 1. Dr. Stöckler verweist auf den Zeitungsbericht, wonach in der Subersach badende Kinder von Lingenau durch überraschend / ansteigendes Wasser beinahe ertrunken wären. Er regt an, bei den VKW den Grund für das Öffnen des Schiebers bei der Subers- achstauung und das plötzliche Ansteigen des Wassers zu eruieren, bzw. Maßnahmen zu rechtzeitiger Warnung zu treffen. GV Gerard Hagspiel regt an, die Ortstafel in Windern an die Gemeindegrenze Lingenau zu verlegen. An das Landesstraßenbauamt wird ein entsprechendes Ansuchen gestellt. Die Gendarmarie hat über Wunsch des Bürgermeisters Verkehrskontrollen durchgeführt und Vergehen Jugendlicher bestraft. Das Fazit - Elternbeschwerden blieben nicht aus. Der Bürgermeister frägt an, ob für seinen späteren Bedarf der Ankauf eines Eauplatzes im Wohngebiet Häleisen möglich wäre. Er könne den Baubeginn innerhalb fünf Jahren nicht zusagen, unterwerfe sich aber aller anderen Erwerbsklauseln. In der er- betenen Stellungnahme äußerte niemand einen Grund gegen den Erwerb. Auf Wunsch des Bürgermeisters erklärt sich Dir. Huber bereit, bis zum Ende der Funktionsperiode als Schriftführer die Sitzungsprotokolle zu verfassen. Er schlägt vor, ihm eine Entschädigung von S 200,-- zu gewähren. Der Vorschlag fand allgemein Zustimmung. Schluß der Sitzung um 0.30 Uhr. Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h. BD. Bibel)
  1. hittisauvertretung
19790501_GVE043 Hittisau 01.05.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 28.5.1979 NV er h andı un g's/'s’c hr i £ € N Sn Das ST Sm SEE « “ "x über die am 1. Mai 1979. um:20;00 Uhr. äm Gemeindesitzungssaäl abge‘ haltene43. öffentliche Sitzung‘der‘Gemeindevertrötung Hittisau. ; bs AR Anwesende: Km x. +78 x . fe A + Bürgermeister Anton Bilgeri, N de die Dir. Elmar Huber, Erwin. Eberle, Konrad Hagspiel und Gemeinderäte Ignaz Bartenstein,. , die Gemeindevertreter Alfons ‘Sutterlüti, Nennihg‘ Hermann, Herbert. Ai Bilgeri, Oskar‘ Eberle,” Josef. Steurer, Dr... Anton, Stöckler, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Moosbrugger: und Ing. Kohler, ', 5 die Ersatzmänher LudwigMax Bechter: und.‚Alfons Bals. Arno Ve Entschuldigt: NR Ludwig Hagspiel. “T:agesordaung: . BO 1. Eröffnung. und Begrüßung -Feststellung der Beschlußfähigkeit.‘. 2; Vorbfelligkeitsbäschwerde Bescheid der Bezirkshauptmann“. 8 schaft Bregenz. 3, Stellungnahme zu einer Verkehrsbeschränkung. 4, Gründsatzregelung bei der‘ Vorschreibüng. der Fremdenverkehrs-"., beiträge. On 0 WE N LE de 5...Stellüngnahme zu einem Schreiben der‘ Gemeinde. Lingenaü. 6. Festsetzung der Eintrittspreise beim Schwimmbad” sowie”Löhne". en regelung der dort beschäftigten Arbeitern und Angestellten. 7. Bestellung eines Rationalisierungsausschusses im.Sinne der‘..‘:‘;' ‘ Rechnungsprüfer. . . oO FAT 8. Vermietung, -- Aufhebung eines.‘Kaufvertrages. Se 9; ‘Genehmigung der‘Protokolle. i } 10. Berichte und Allfälliges. : WATT ra DER WE EEE 1. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Er) schienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß ergangen sind und Beschlußfähigkeit.gegeben ist. _ Die Niederschrift der änberaumten Sitzung verfaßt Konrad‘Hagspiel. ; 11. .Ann “Bürgermeister ‘die Erweiterung,der. ‚Tages, rung. desWaßschwirtschaktsfond8ZA N Der Erweiterung.der Tagesöränung wird ‚zugestimmt... SC Sn 2. = . x + :3 LOSE MB Vorstelligkeitsbeschwerde —- Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz ‚hat auf Grund der Vorstellig- keitsbeschwerde betr. den Neubau der Frau. Bilgeri Frieda, Hittisau Nr. 307 denBaüubescheid "aufgehoben. Die Gemeindevertretung weist somit das Verfahren zur neuerlichen Vollziehung an die erste Instanz: zurück. Nach. eingehender Diskussionwird ‚einhellig die Meinung: vertreten, daß, bei der dadurch notwendigen, neuerlichen Kommi’ssionierung ein Pausachverständiger beigezogen werden „Soll... Die Gemeindestraße von der Sennerei Rain his, Sägewerk. Barten- wu1 stein ist. als Wanderweg sehr beliebt. Leider gehen einzelne- jugendliche‘ Kraftfahrzeüglenker wegen Fahrens mit überhöhter.: Geschwindigkeit Anlaß zu Klagen. Die dadurch gefährdeten: Fuß—-' gänger. erwarten ' eine ‘Änderung‘ dieses Züstandes. Nach. rege ges führter” Debatte kommt die Gemeindevertretung zum Entschluß, „ein: Fahrverbot für-alle Kraftfahrzeuge zu erlassen. Ausgenommen . ist der Anrainerverkehr,‘ sowie‘ der ZubrindeFdienst. by Be 7 Grundsatzregelung bei der Vorschreibung:der FremdenverkehrsPor beiträge: Aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage ist.-von Konzessionsinhabern für eine Betriebsstätte... Fremdenheim = kein Ausschank von Ge- tränken möglich und die Einhebung von Fremdenverkehrsbeiträgen nicht gerechtfertigt. Die von: Fremdenheimen zu Unrecht eingehobenen Beiträge weräen‘ für das: Jahr 1978 rückvergütet. Die. Abstimmung ‚ergibt: 15: Ja-Stim-. men für diese‘Regelung. © Aussprache Schulliegenschaft,‚Hallenbad. , . SErfEE Die Vertreter der Gemeinden im ‚Berechtigungssprengel der Haupt- schüle Lingenau“ vereinbarten vorbehaltlich der Zustimmung der ” Gemeindevertretung mit der Standortgemeinde eine Entschädigung“ für die im Rahmen des Schulunterrichts angesetzten Badestunden::; im Hallenbad, Da'bis heute dieser Vereinbarungsentwurf von Lingenau nicht eingetroffen-ist, wird die Entscheidung über dessen Annahme ‚zurückgestellt, Festsetzung-der.Eintrittspreise-im Schwimmbad : “ SER Die Eintrittspreise im Schwimmbad werden neu geregelt. Generell werden Parkkarten im Wert von S 5,-- für jeden Besucher des .. Badegeländes eingehoben. Ausgenommen &ind Saisonskarteninhäber. Max Moosbrugger ist für die Abschaffung der Park- und Besucher“ karten. Die Mehrheit der Gemeindevertreter konnte:sich dafür - nicht entscheiden. Die Entgelte für den Bademeister und Kassier werden neu festgesetzt. Anton Faißt stellt den Antrag, 6 % Zuschlag auf das Entgelt von. 1978 zu gewähren. Diesem Antrag wird mit:16 Ja: Stimmen:‚ALE:‚Zustimmung erteilt. \ a ‚Bestellung, eines’ Rationalisierungsausschusseß: . Le ‚Um-nach dem Ausscheiden von ErwinmitBechter aus dem Gemeindedienst: die anfallehde Verwaltungsarbeit dem vorhandenen Personal. bewältigen zu können, soll die. ‚Rationalisierung, dieser ‘Arbeiten: betrieben werden.Es wird‘ ein Ausschuß‘‚gebildet, dem Eürgermeister Bilgeri, GemeindekässierKonrad Schwarz, Verkehrsamtsleiter Jodok Schwärzler, Gerard Hagspiel und Eduard Metzler angehören. Dieser ‚Ausschuß wird Vorschläge erarbeiten und der ‚Gemeindevertretüung darüber berichten. 'Vermietung. —. Aufhebung eines Kaufvertrages. a) Die’ Dachwohnung im "Feuerwehrgerätehaus’‘wird. an‘‘Frau’‚Blanka Hofer vermietet; Es wird’ ein monatlicher Mietzins von S:1,000,-- incl. Heizung und Wasser plus 8 kMehrwertäteuer vereinbart. ; b) Aufhebung eines Kaufvertrages: Der an Jodok Meusburger verkäufte Bauplatz am 'Hälsisen wird auf Wunsch des Käufers zurückgenommen. ** 4) Die bereits geleistete Anzahlung‚wird ohne:Zinsvergütüng, rückerstattet. , een ur ı Genehmigung von Protokollen: - KA Die Protokolle vom 7.3.1979 und 18.4.1979 werdeh einstimmig genehmigt. 10. Sn Bericht des. Bürgermeisters: As or Die. Schloßerarbeiten an der Kläranlage. laut eingegangener Offerte werden entgegen des Gemeindevertretungsbeschlusses vom 18.4.1979 an-Aie:. Fa, Josef Feurstein und Fa... Schloßerei“Hoch, Dornbirn vergeben. Die Teilung der Arbeiten erfolgte einvernehmlich nach‘ Rücksprache mit beiden Anbotsstellern. AT OH O a) Der Bürgermeister berichtet über Besprechungen betreffs Er- weiterung der‘ Wasserversorgung. bis :an die. Gemeindegrenzen von Riefensberg und Krumbach, Dies wäre auch im „Dt Sinne des Wasserbauamtes. b) In einem Rundschreiben: des Gemeindeverbandes über die. Alt- reifenbeseitigung wird. der Vorschlag. gemacht,AD pro Ein- fc Für unsere Gemeinde würde dies für ‘das Jahr 1978 S. 3. 300, -- wohner S 2,-- zu verrechnen. betragen. Die Gemeindevertreter sind der Ansicht, daß nach dem Verursacherprinzip verumlagt werden so11l1, :Es.werden bei Tankstellen und anderen Gemeinden Erkundigungen ‚eingeholt. c) Von Löschen von Gewerbescheinen: der jBH.‚Bregdhzywird die Löschung rechtigüngen gemeldet: folgender Gewerbebe- Schilift, Burtscher KG für den Rotenberglift, Kaspar; Bechter, Heideggen für Einzelhandel mit Waren aller Art sowie die Löschung einer Betriebsstätte in Lingenau 29, ‚Lena Bechter, Hittisau 350 - Einzelhandel mit Strick- u. Wirk- waren!/”Anton Iselor - Riefensberg 134 - Standort Hittisau, .Bolgenach 3 - Einschränkung von 2 auf 1 LKW, Johann Fink, Komma hat die Ruhendmeldung des Sägergewerbes angezeigt. a) Gewerbescheinerteilungen der BH Bregenz: Fa. Neyer-Transporte Ges.m.b. Ho. — Beförderung von Gütern mit einem LKW mit dem Standort Bolgenach 11 - Geschäftsführer Anton. Iselor, Riefensberg Nr. 134, Fa. Graninger - .Qualitätsfleischwaren und Konservenfabrikation Ges.m.b.H,. mit Standort Hittisau 341 - Geschäftsführer Werner Graninger, Hittisau 199. e) Für den‘“erstellten Zivilschützräum, wurde vom Bund ein Zuschuß von S 5.773,-- gewährt. f) In Langenegg fand eine Besprechung über. den. Sozialsprengel " )Vorderwald statt. Es. wurde die Einstellung einer Diplom- Krankenschwester oder. einer, Familienh&lferin ‚eFfwogen. "g) ‘Für. das‘ Schwimmbad wurde. ein Zuschuß des Bundes in ‚Höhe von S 594.000,-- zugesagt. h) In Lingenau fand die Kreisübung der umliegenden Feuer- wehrenstatt. Die Einsatzfähigkeit. wurde dadurch demonstriert. ; i) Das geschlägerte Rundhölz: im:"Gschwerid wurde vom:Gemeindevorstand im Offertwege vergeben. Bei einer Gesamtwertsumme von S 113.000,-- differierte ein Betrag von S 125,-- zum zweithöchsten Offert. Das Holz würde dem Meistbieter Ewald Lässer zugesprochen. Allfälliges: Gerard Hagspiel bedankt sich für die Lebehshilfe zur Bei- £ragsleistung der Gemeinde. „Erwin ‘Eberle schlägt vor, für die Protokollverfassung den Standesbeamten Josef Sutterlüti zu gewinnen. Der Bürgermeister wird sich mit Josef Sutterlüti darüber besprechen. SA 11. Annahme ‚der‚Zusicherung des’Wasserwirtschaftsfonds: Es erfolgt einstimmige Annahme, Ende der Sitzung um 24.00 Uhr. Der. Schriftführer: “Konrad Hagspiel’ Sa . Der -Bürgermeister: Anton Bilgeri
  1. hittisauvertretung
19790418_GVE042 Hittisau 18.04.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 24.4.1979 Verhandlungsschrift über;die am Mittwoch, den 18. „April 1979 um 26;oco-Uhr im Gemeinde- sitzungssaal abgehaltene 42. öffentliche Sitzühg‘der‘“CGemeindever- atretungHittisau, ster Anton Bilgeri, ; . ; nderäte Dir. Elmar. Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle az Bartenstein, die ‘Gemeindevertreter., Alfons,Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus. Faißt; ‚Oskar.‚Eberle, Jose£Steurer, Dr, Anton Stöckler, Gerard‘ Hagspiel,‘‘Eduard Metzler, Max..Moosbrugger und Ing. Arno, Kohler, die Ersatzmänner Xaver Hägspiel..und:‚Ludwig Bechter. ‚sowie drei -Zuhöryer’ und Gemeindekassier :Konrad. ‚Schwarz... ‚Entschuldigte: NR Ludwig Hagspiel und‘‘Anton: Faißt. OO} az AnnAK Tagesoräanu ng: 1. Eröffnung und Bestellung eines. Schriftführers. SE "2E“Auftragsvergaben bei, der.Kläranlage. 3,"Rechnundsabschluß 1978 samt Prüfungsbericht.,und: ‚‘Beschlußfassung hierüber. 4. Vorlage von Offerten für ein. Feuerwehr-Tankfahrzeug -- Aussprache und Beschlußfassung. Su Neuorganisation im Gemeindeamt. 6.‚einer Bescheid der Bezirkshauptmannschaft Bregenz auf Grund Vorstellung. Te“Erlassung einer Verkehrsbeschränkung.: 8, -Grundsätzregelung bei der Vorschreibüng der .. Fremdenverkehrsbeiträge, 9. Ansuchen des Gemischten: Chores, 10. Gesetzesvorlagen: Änderung: a) Pflichtschülzeitgesetz bh bb) Gemeindewählgesetz 11. Protokoll. 'c) Lanädtagswahlg&setz d) Schulsprengelveroränung ; ; a. + 7 12.-Berichte undAllfälliges. 1.'Der. Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Erschienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß ergangen sind und; Beschlußfähigkeit, gegeben. ist. Nach dem Ausscheiden des bisherigen Schriftführers Gemeindeange- stellten Erwin Bechter.ist die Bestellung ‚eines. neuen notwendig. Da. sich. hierfür niemand bereit, findet, schlägt der Bürgermeister vor, in der. Protokollführung.. unter. den Gemeindevertretern reihum auszuwechseln. Die Niederschrift der anberaumten Sitzung ver- faßt ‚Dir. Elmar Huber, :Sodann: beantragt der Bürgermeister die Erweiterung.der.. Tagesordnung um die Punkte: 13. Kaufvertrag - Altes Wählamt 14. Vermietung von Wohnungen.‘ Der Erweiterung. der. Tagesordnung -wird zugestimmt. ‚Für die Spenglerarbeiten in; der Kläranlage: kommen... Hachstehende‘ Öfferte zur Vergabe: fr a) Gebr, Ulmer, Dornbirn - Lieferung der Fassädenverkleidung der Faultürme mit Trapezblechen. Anbot: 65 m2 Montana SP 41 äaä S 168,-- = 17 m2 Flachblech für die Eckausbildungen usw. ä S 149j.- S’ 104926/— Aa any DE = Sr Z4S33i m Summe “Ss ‚13,Sn 'b) Anbot-der‘!‘Spenglerarbeiten (Faulraumverkieidühg: a und::Brüstenabdeckungen): von der Fa. Armin’ Rusch, Dornbirn Verkleidung der Faultürme (Lattenrost, ‚und ‚Montage der Trapezbleche) Brüstungsabdeckung bei Betriebsgebäude und RechenfürausEloxierung Aluminium Zuschlag Isolierung. 10.104m SE A1E,I60 1 8.740,- Summe s 30. 8505 == Der Vergabe zur Lieferung und Montage an die Fa. Gebr. Ulmer bzw. Armin. Rusch, ‚Dornbirn wurde mehrheitlich zugestimmt. ; c) Anbot für-die Lieferung von zwei Unterwasserpumpen, von der Fa. Flygt, Vertriebsgesellschaft. Austria für Regenfang- becken und Pumpwerk'‘ Böolgenach Ss “60. 850, -.& Der Vergabe wurde zugestimmt. 1 ; d) Anbote für die Schlosserarbeiten reichten.folgende,‚Firmen ein: «4, Werner Hoch, Dornbirn Josef Feurstein, Hittisau M.u,E. Rusch, .Dornbirn ‚ x Anbotssumme Ss 151. 319, -- Artur Ploner, Dornbirn Alfons Eberle, Hittisau, Teilanbot ". " Ss 156,487, 90 - S.176: 638, "u. $'1811147,70 n. „SS. 20,552 /—— Alle Anbotssummen ohne Mehrwersteuer 7 Nach den Vergabungsrichtlinien‘‚des:Wabserwirtschaftsfonds wären die Arbeiten an den.Bestbieter‘Fa, Werner Hoch, Dornbirn, zu vergeben... ds Auf Grund der 5 %.Klausel für die einheimischen‘ Bieter wird nach Rücksprache mit dem Bestbieter für: die Vergabe an Schmiedemeister Josef Feurstein, Hittisau plädiert. 3. Zum Rechnungsabschluß 1978 ersucht der Bürgermeister Gemeindekassier Konrad Schwarz um die verlesüng der Einnahmen und - Ausgaben der einzelnen: HaushaltsSstellen; ‘Auf Anfrage‘ werden die wesentlichen ‚Abweichungen "vol.Woranschlad "erläutert; ‘und ‘begründet. ' Der “Rechnungsabschluß 1978 weist aus: ‚der‘ Erfolgsgebarung““ ‘ :Finnahmen Einnahmender‘ Vermögensgebafüng‘.© a. Gebarungsabgang T Ss 41,176,.014,70 a2.‘295, 203,41 a“ u 123.471.218, 11 VS 72, 8806.35 S 24.243.298, 46 inm an an SR am Ama nt an ai AraAk a 200 a EEE ZZ Im Bericht wurde auf die verhältnismäßig hohen Kosten des Standesamtes und die Beheizung, und. den. Stromverbrauch,in der Schule hingewiesen. Die ‚Elternt ‚iträge: für den Kindergarten von monatlich S 506,-- wären anzuheben. Bei der Überprüfung der Bauabrechnüngen: im Schwimmbad und .beim Straßenbau wurden die hohen Kosten für.die Regieaärbeiten- bemängelt: © Weiters wurden für die Kieslieferungen, die Fuhrleistungen und die Schneeräumung..‚die Einholung mehrerer Offerte angeregt. In den Mietverträgen wird das Fehlen einer Indexklausel ‚gerügt. Der Obmann des Prüfungsausschusses stellt sodann den; Antrag, Den Rechnungsabschluß 1978 zu genehmigen. Zu den Feststellungen im Prüfungsbericht nimmt der Bürgermeister anschließend Stellung, Er teilt mit, daß den:,Ursachen für die‘ hoken Feizungs- und Stromkosten im Schulhaus: :bereits nachgegangen wurde, Betreffs der.;Regiearbeiten im:„Straßenbau verwies der Bürgermeister auf die Schwierigkeiten ;bei-der Einholung ‚von Fixangeboten für. solche Flickarbeiten:„und erwähnte; "daß hier durch Eigenregie sicherlich viel: Geld”gespart. ‚wurde, Hingegen dürfte. es-kaum aussichtsreich. sein, für ‘die "Schneeräumung ein Konkurrenzangebot zu bekommen, Sodann würde.dem Antrag auf‘ Genehmigung des Rechnungsabschlusses 1978 inklüsive der Über- und Unterschreitungen des Voränschlages einstimmig stattgegeben. Der Bürgermeister dankte dem Gemeindekassier für.die: Verlesung und Erläuterung des Kassaberichtes und die saubere:‚und gewissen« hafte Führung des Rechnungswesens, sowie dem PrüfungsSausschuß für seine Kontrolltätigkeit. und.den sachlichen Bericht. Für die Feuerwehr ist die Anschaffung eines Tank-Löschfahr- zeuges geplant, wofür zwei.Offerte‘ vorliegen. Der Bürgermeister unterstreicht die Vorteile und Drigglichkeit der. Anschaffung eines solchen Fahrzeuges für unsere weitläufige Gemeinde. Anbote liegen auf über folgende Wagen: Magirus-Deutz “Unimog Anbotpreis " S 1.018,290,-- + MWSt. S' 1.019695. 4+ MWSt. Den Aufbau, die Umrüstung und komplette Ausrüstung der Fahrzeuge besorgt die Fa. Rosenbauer, Linz. Feuerwehrkommandant Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti be- richtet über die Ausstattüng, die Funktion und. ‚Erfahrungen im Einsatz solcher Fahrzeuge und plädiert für den Kauf eines Magirus-Tankwagens mit 1.300 1 Tankinhalt. Vom Land ist eine Subvention von 30 % zu erwarten. In einem Grundsatzbeschluß. wurde der, Ankauf.-eines. Magirus Tank-Löschwagens einstimmig genehmigt... ; DS ‘In. das Verhandlungskommitee für‘ den."Abschluß ‚und die -Zahlungs- moöodalitäten Geschäftes würde ‘der Bürgermeister‘ ‚und die Fachleute derdieses Feuerwehr berufen, Der Bürgermeister berichtet, daß-der Gemeindeangestellte Erwin Bechter mit 1.4.1979 über eigener: Wunsch aus ’dem‘ Gemeindedienst ausgeschieden ist. Dies gibt Anlaß zu einer Neuorganisation im ‚Gemeindeamt. Der Bürgermeister, informiert über die Vorzüge einer ‘technischen Besserausstattung-. ‘durch eine‘ leistungsfähige .Computer-Datenverarbeitungsanläge, „womit Arbeit und Personalkosten eingespart, würden., Er verweist. auf die ständigen. Neu- -erungen, in der, Computer-Technik: und berichtet, über. eine, In- ‚formationsfahrt nach Lech und.„Rankweil, „WO:“Computer-Geräte im Einsatz stehen. “Ausgaben.er.„‚Er£folgsgebarung LG Ss '.10.331.742,87 ‚Ausgaben. der.‚Vermögensgebarung S 13,464. 009,90 ‚23.795.752,77 +Gebarungsabgäng Vorjahr‘(Ausb.,) SS.Ss 424, _447.545,69 243.298,46 Aal ‚km Cam ana a Oi Fark alta a SE man 0 „Sn ee EEE EEE ;-Aufgegliedert auf die einzelnen Gruppen ergibt sich folgendes Bild: Gruppe: ‚Gruppe O 7; Gruppe, 1 Gruppe, 2 Gruppe;3. a Einnahmen: ; S -401.670,32 S 4 44306.701,.25 .S :'1,937;:165,48 435,400, -- Ss Ss Ss 286.978,34 2.363170, 40 . 1434:860,97 Ss 977.044, 60 S.‘. Gruppe. 24... 8 43124410,64 - “Gruppe.6... ‚SS. 21.133,763,37 ‚S': 1991268, 10 ea Gruppe: 5... ‘ Grüppe 7°. 'Grüppe 8 . Ausgaben: S 1,.256.427,32 ‘ 6906.366,01 Ss 11.‚084.732,87 Ss Ss 3:-855,.329,12 035,346, 20 s 359. 274, 72 S 23.471.218,11 Ss 23.795.752,77 8 ‘7 Gruppe‘ ‘9 Ss 13.‚811.643, 96 S "7.916,‚245, 11’ „‚Gebarungsabgang a “Vorjahr „N “1978 Gebarungsabgang us 166.172,10 Ss SS 7 {es ! 772.680,35 © ak da . ee:SSER24.4243, 298, 46 } Ss hi 447,.545,69 ST S 24.243,298,46 Shen zaziki | "Das Reinvermögenper 31.12. 1978 beläuft Sieh auf S 25.607.141,55 nna aa ha a ak a va a nkaan EDDI SE . EZ ZZ -“' Die ‚aufgenommenen Darlehen‘ beziffern sich per 31.12.1978 auf . N -S na ne a 17.771.564,550 a la I a ua m aa A a va EEE EEEEEESEES ‚Dies entspricht einer pro Kopf-Verschuldung (1.561 Einwohner At. ‚Volkszählung Ss 1971)* von ; 11.384,73 mi CD EEEU Mn A m Aa 0 SO AA La a m an Die‘ Überschreitungen des Voranschlages beruhen darauf, daß einerseits die Voranschlagssätze zu nieder bemessen waren, ‚ andererseits Mehrausgaben beschlossen wurden. ‚So:stiegen die Mehrausgäben“zur Abdeckung von.„Krankenanstalten.von dem er- wartetenBeträg von S 395.000,-- auf. S 738.658,_-, die Aus- gaben für den Straßenbau durch die beschlossene Asphaltierung der Ließnbachstraße und die Sanierung der Fischgrabenbrücke . von.:S 806%‚0607-- auf ca. S 1.200.000,--. A “ge 3 . wi Den. Bericht des Prüfungsausschusses erstattete Gemeindevertreter ‚Gerard Hagspiel. Der. Prüfungsausschuß hat in mehreren Sitzungen ‚die. Bargeld. und Bankkontenstände sowie das RechnungS- “and ‚Belegwesen, bei. Stichprobenüberprüft: und in- allen” Fällen‘ die sächliche;und.rechnerische Richtigkeit festgestellt; "Er konnte dem,‚Gemeindekassier! eine saubere und gewissehhafte‘ Arbeit bescheinigen. Anbote wurden von den Firmen Philipps und Kienzle eingeholt, wonach. die Kosten eines Gerätes auf S 530.000,-- bzZW. „5 490.‚000, -- zu stehen ‚kämen, "In der Diskussion wurde festgestellt, daß die Technik wohl die Arbeit sehr erleichtern, aber kaum auf Dauer eine Person ‚ersetzen kann. Für die, Urlaubsabwicklung und im Falle einer Erkrankung müßten wohl zwei Leute im Amt mit solchen Geräten umgehen können, ; Der Bürgermeister ersucht, zu diesem Problem {Überlegungen A. ‚anzustellen: und. möchte möglichst: verhindern, ‚unter: Zeitdruck ” , verhandeln zu müssen. 6.7 ur 8. Infolge fortgeschrittener Zeit wurde dieBehandlung dieser Punkte vertact.- 9. Der Gemischte Chor hat ein gebrauchtes Klavier angeschafft und ersucht um einen Kostenzuschuß. Der Flügel kostet S 60.0006,-- . Er steht den Vereinen , der Musikschule etc, für Konzerte zur Verfügung. Durch ein Preisjassen wurde rund die Hälfte der Kosten hereingebracht. SE ‚Gemeinderat‘ Erwin Eberle stellt den Antrag, den‘ Förderungs- ‘beitrag ‚an den Gemischten Chor von S 15.000,=- auf‘ S 20.000,-zu. erhöhen. Ein zweiter Antrag von Gemeindevertreter Max Moosbrugger lautet auf; Erhöhung des Förderungsbeitrages auf S 25,.000,--. DiekABsfimmungsübeftden ersten Antrag ergab 12 Ja-Stimmen und et mehrHeieL1En angenommen. Die restlichen NMandatare sind für den zweiten Antrag. Der Antragsteller plädiert für eine großzügigere Mnterstützung der Ört- lichen külturellen Vereine und Einsparungen bei den Beiträgen an ai8 Musikschule, lo. Der Bürgermeister erläutert die einschlägigen Änderungen der Gesetzesvorlagen: a) Pflichtschulzeitgesetz b) Gemeindewahlgesetz c) Landtagswahlgesetz d) Schulsprengelverordnung Gegen die Neufassung obiger Gesetze wird kein Einspruch erhoben und keine Volksabstimmung beantragt. 11. Der Punkt wird vertagt. 12.1. Der Bürgermeister teilt mit, daß Herr Elmar Albrecht aus beruflichen Gründen die Leitung der Schischule abgeben möchte. Er schlägt vor, mit der Leitung Herrn Moosbrugger aus Sulzberg zu betreuen, da dieser zur Übernehme bereit wäre. Die Gemeindevertretung erklärt sich damit einverstanden und verzichtet auf eine Ausschreibung. 12.2. Der Rest des Kaufpreises für das Grundstück in Windern wurde an Frau Gattringer bezahlt. 12.3. Die Sparkasse Egg erwarb bei der Versteigerung das Sägewerk Neyer, Bolgenach mit 30 ar Grund, Der Bürgermeister hat sich zum Zwecke der Grundablöse für den Straßenbau Schönbühl für den Grund interessiert. Ein Grundkauf ist nur mit der maschinellen Einrichtung möglich und für die Gemeinde daher hinfällig. 13. Die “REpublik Österreich hat über den Verkauf des‘“alten ‚Wählamtes_ ein Preisangebot in, Höhe von Ss 165.«000, -=„vor- "’gefedt. Ws . i ‚Die Gemeindevertretung hat:den: Kauf: des Objektes zum:u AnbotsBD preis-einstimmig genehmigt,‘ 1441... ImSchulhaus wird ein Appartement ; .. re va BEE : plus. Mehrwerxtsteuer.an die neue Lehrerin vermietet... 14.2. Die Wohnung im Feuerwehrgerätehaus wird an Herrn Pfanner, + * ‚Koch im Gasthof Krone, ‚auf vorerst drei Jahre. vermietet. .. Der Mietpreis beträgt S 2.30o0,-- plus Mehrwertsteuer. . ‚Schluß der Sitzung um 0.15 Uhr. ‚Der, Schriftführer: . Elmar Huber Sa Der Bürgermeister: ” gezi.AntonBilgeri e.'h. Adlon Ola
  1. hittisauvertretung
19790206_GVE041 Hittisau 06.02.1979 GEMEINDEAMT HITTISAU = Hittisau, am 07.02.1979 Verhandlungsschrift über die am Dienstag, den 06.02.1979 um 20.00 Uhr im Gemeindesitzungssaal abgehaltene 41. öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau. Anwesende: Bürgermeister: Anton Bilgeri Die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein Die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Josef Steurer, Gerard Hagspiel, Anton Faißt, Eduard Metzler, Max Moosbrugger und Ing. Arno Kohler Dr. Anton Stöckler erscheint um 21.30 Uhr. Entschuldigt: Konrad Hagspiel Tagesordnung: 1. . . ‚ Eröffnung und Begrüßung. Protokoll der letzten Sitzung. Dienstpostenplan 1679, Voranschlag 1979. Stellungnahme zur beabsichtigten Salzstreuung auf den Landesstraßen nach Sibratsgfäll und Balderschwang. 6. Genehmigung des Wartegeldvertrages mit Dr. Plötzeneder. WnwfN 7. Vergabe der Elektroinstallationen - Kläranlage. 8. Bericht des Bürgermeisters. 9, Allfälliges. l. Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle erschienenen Gemeindevertreter, sowie den Gemeindekassier Schwarz und den Schriftführer. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugegangen sind und die Beschlußfähigkeit gegeben ist. 2. Die Niederschrift über die 40, Gemeindevertretungssitzung wird einstimmig genehmigt. 3. Dem vorliegenden Dienstpostenplan 1979 wird einstimmig die Zustimmung erteilt. 4. Zum Voranschlag für das Haushaltsjahr 1979 gibt der Bürgermeister bekannt, daß sich der Haushaltsrahmen auf S 17.282.000,-- beläuft. Eine Abschrift des Voranschlagsentwurfes wurde jedem Gemeindevertreter mit der Einladung zugesandt. Dr. Anton Stöckler beantragt die Aufnahme des Ausgabepostens 360-729 "Heimatmuseum' mit S 1o.000,-- in den Voranschlag. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Die pro Ropf-Verschuldung wird nach den Voranschlagszahlen am Ende des Jahres S 12.390,-- betragen. Hervorgehoben seien kurz besonders hohe Ansätze bei a) Ausgaben: Anschaffung Feuerwehrfahrzeug Schuldzinsen und Schuldentilgung Schule S 400.000, -S 1.225.000,-- Beitrag Sozialhilfe Beiträge an Krankenanstalten Kläranlagenbau S 315.000,-S 2750.000,-S 4.300.000,-- Grunderwerb Schuldentilgung S 1.500.000,-S 1.667.000,-S 400.000,-S 250.000,-- Erweiterung Wasserversorgung Abfallbeseitigung b) Einnähmen:: Zinszuschüsse Schule Darlehensaufnahme Kanal Verkauf von Wohn- u, Geschäftsgebäuden Gemeindeabgaben Ertragsanteile des Bundes S 2362.000,-S 2.365.000,-S 1.250.000,-S 3.428.000,-S 3.642.000,-- Der vom Gemeindevorstand am 19.12.1978 und 06.01.1979 beschlossene Voranschlagsentwurf wird mit der oben erwähnten Änderung einstimmig genehmigt. Im Laufe der Diskussion wird weiters beschlossen, dem Musikverein Hittisau-Bolgenach a) S 41.000,-- für die Ausbildung von 26.Musikschülern der örtlichen Musikschule b) S 12.000,-- als Beitrag für 1978 c) S 18,000,-- auf das Sonderkonto zu überweisen. Bei der Debatte über die Salzstreuung auf den Landesstraßen nach Sibratsgfäll und Balderschwang kommt es nach reger Diskussion zur Abstimmung. 9 Stimmen sind für die Salzstreuung 4 Stimmen dagegen 4 Stimmenenthaltung. ‚ Der Bürgermeister berichtet kurz über die Verhandlungen mit Dr. Fred Plötzeneder betreffend sein monatliches Wartegeld. Der vorliegende Arztvertrag über den in einer früheren Sitzung bereits schon einmal diskutiert wurde wird einstimmig genehmigt. Das Wartegeld beträgt S 8914,-- brutto monatlich, plus 2 Sonderzahlungen pro Jahr in der selben Höhe indexgesichert. . Für die Vergabe der Elektroinstallationen bei der Kläranlage Hittisau wurden 7 verschiedene Firmen angeschrieben, Sechs davon legten ein Offert vor. Billigstbieter war die Firma Herbert Bilgeri, Hittisau mit S 389.639,40 gefolgt von Elmar König, Hittisau Fa. EGD, Dornbirn Fa. Elin-Union, Bregenz Fa, Siemens AG, Bregenz Fa. AEG-Telefunken, Dornbirn S S S S S 416.357,-439.929,40 471.568,-480.876,-535.937,30 Nach den Richtlinien des WW-Fond sind die Elektroinstallationen an den Billigstbieter Herbert Bilgeri, Hittisau zu vergeben. 8. a) Zum Ansuchen der Gemeinde Hittisau zwecks einem weiteren verlorenen Zuschuß zu den Baukosten des Freischwimmbades wurde vom Bundes- ministerium für Handel, Gewerbe und Industrie wegen fehlen entsprechender Bundesmittel zur Erledigung für das Jahr 1979 vorgemerkt. b) Der Vorsitzende und einige Mitglieder des Srtlichen Sozialausschusses berichten über die am 12.01.1979 stattgefundene Besichtigung der Altersheime bzw. -wohnungen Wolfurt, Hard, Lustenau "Hasenfeld" und Dornbirn "Hatlerdorf£". c) Ein Schreiben des Amtes der Vlbg. Landesregierung zwecks Gründung eines Sozialsprengels Vorderwald als Modellversuch wird der Gemeindevertretung zur Kenntnis gebracht. d) Das mit den Nachbargemeinden erarbeitete Schreiben an das Amt der Vlbg. Landesregierung als Stellungnahme zum vorgelegten Vereinbarungsentwurf, zwecks Mitbenützung des öffentlichen Hallenschwimmbades in Lingenau wird zur Kenntnis gebracht und von der Gemeindevertretung bejaht. e) Gewerbeschein- Konzessionslöschungen Weiss Johann Wild Hugo Frick Alfred Spengler Tischler Drogistengewerbe £f) Das Land Vorarlberg hat einen 5o Zigen Zinszuschuß für Schulbaudarlehen gewährt. g) Der Entwurf zum Optionsvertrag zwischen der Gemeinde Hittisau und der Firma Karl Grabher, Hohenems ist inzwischen eingelangt und wird der Gemeindevertretung zur Kenntnis gebracht. Die Durchsicht dieses Vertrages, sowie die Erarbeitung einer Vereinbarung zwischen der Raiffeisenkasse Hittisau und der Gemeinde Hittisau wird den hiezu erstellten Unterausschuß aufgetragen. 9. Allfälliges: entfällt Ende der Sitzung um 23.20 Uhr Der Schriftführer: DM Sa Fre Der Bürgermeister: An <
  1. hittisauvertretung
19781206_GVE040 Hittisau 06.12.1978 Verhandlungsschrift über die "am Mittwoch, den 06.12.1978 üm 20.00 Uhr im. Gemeindesitzungssaal abgehaltene 40, öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau, ; Bürgermeister: Anton Bilgeri Die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad. Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein Die Gemeindevertreter‘"Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, ‚Stöckler, Gerard..Hagspiel, Anton Faißt, Eduard Metzler, Hieronymus Faißt, Oskar. .Eberle, Josef Steurer, Dr, Anton- ‚Arno Kohler und dieErsatzmänner Ludwig Bechter’‘ und Alfons "Bals,; Entschutadigte: NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Max Moosbrugger und Ersatzmann Xaver Hagspie) Weitöre Anwesende: Roland Kirsten und Wolfgang Schwärzler An st Katharina Lässer, Johann. Höfle, Matthias Unterkircher, Ing, Müller und Maria Fehr Tagesordnung: 4. Begrüßung und Feststellung der: Beschlußfähigkeit 2. Stellungnahme zu den Schreiben: FO&wULu’ ” 0 der Fa, Kirsten K,G. .- Betriebserweiterung von RA Dr. Gassner - Grund trennung von Dr, Plötzeneder Arztvertrag des. Landesstraßenbauamt -— ‘Völkenbrücke des Amtes d, Vbg. Landesregierung- Hallenschwimmbad Lingenau—- SchulIiegenschaft ws Vorlage und Genehmigung der letzten Niederschrift: ABbuchung des Abganges 1975 - 1977 des Wohnbaüfonds des. Landes Vorärlberg, - Diskussion und::eventeulle Beschlußfässung‘ über den Standort des ODE Bericht: des’ Bürgermeisters ‚. Genehmigung von: a DL Mietverträgen Kaufverträgen Allfälliges 1. Der Bürgermeister eröffnet die. Sitzung.'und begrüßt alle erschienenen Gemeindevertreter sowie die. zahlreich 'anwesenden Zuhörer,’ Er steilit fest, "daß: die Einladungen ordnungsgemäß‚zugegangensind und Beschlußfähigkeit E<- geben ist, 2, a) Der. Bürgermeister. verliest ein Schreiben (v. 15,11, 78) der. Fa, Kirsten‘ KG, CÄn ‘welchem ‘auf die’ ‘vorgesehene Betriebserweiterung”‘une den. dadurch erforderlichen Grundbedarf hingewiesen wird. Ergänzend hiezu erklärt der anwesende Firmenchef Roland, Kirsten, daß daran ge- dacht sei,langfristig bei ihrem Betrieb in Hittisau eine Betriebserweiterung vorzunehmen, bzw. verschiedene Produktionszweige von ihrem Stammbetrieb nach Hittisau, zu verlegen, Es sei für. sie unverständlich, daß die: Gemeinde Hittisau die.an den Betrieb. Kirsten anstehenden Grundstücke ohne Rücksprache mit der Fa, Kirsten veräußere, Der Bürgermeister erklärt seitens der Gemeinde, daß es sicher seitens der Fa, Kirsten nicht gerecht- fertigt sei, der Gemeinde Hittisau diesbezügliche Vorhaltungen zu machen, Durch die Wortmeldungen der Gemeindevertretung wurde der Beweis erbracht, daß der. ‘Abverkauf der Gemeindegrundstücke., in der Parzelle Mühle der gesamten Bevölkerung und somit auch der Fa, Kirsten bereits im Jahre 1976 bekanntgegeben wurde, Trotzdem hat Sich die Fa, Kirsten erst im Sommer: 1978 als Kaufinteressent gemeldet, Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits schon eine Vorkaufsabrede über das Restgrund-. stück mit dem Malermeister Unterkircher, „ Unter Berücksichtigung aller Umstände erklärt der Bürger- meister, daß er im Einvernehmen mit der Fa. Unterkircher einen Kompromiß vorschlägt, wonach die Firma Kirsten nahanstehend an,ihr Grundstück eine weitere Teilfläche von 700 m erhält, während das restliche Grundstück in den Besitz der Fa, Unterkircher überginge, Firmen- chef Kirsten erklärt, däß damit ihrer Firma nicht ge- dient sei. Darauf hin meldete sich Matthias Unterkircher zu Wort und erklärt, daß er auf Grund der hier entstehenden Schwierigkeiten von diesem Kauf zurückstehe._. Auf Grund dieser neuen Situation wird der Tagesordnungs- punkt für heute abgeschlossen und den anwesenden Firmen (Kirsten KG und Unterkircher) empfohlen, sich untereinander über ihre Betriebserweiterungen und den erforderlichen Grundbedarf‘ auszusprechen, ; Ein Schreiben vonRechtsanwalt Dr. Ludwig Gassner betreffend die Teilung der gemeinsamen, Liegenschaften Fehr. —- Steurer - Wild, EZl, 57 KG Hittisauw wird verlesen, Es wird darin um Grundteilungsbewilligung und Umwidmung in Bauland der Gp 973 KG Hittisau gefordert, Nachdem sich der Sachverhalt der maßgebend war für die’ Erstellung des Flächenwidmungsplanes sich nicht geändert hat, wird die Gemeindevertretung eine Behandlung dieses Ansuchens erst nach Vorliegen eines ‘"geänderten'‘ Gutachtens der Landesraumplanungsstelle’ vornehmen, Der Vorsitzende verliest ein Schreiben von Dr, med. Fred Plötzeneder in welchem dieser auf seinen Dienstvertrag ein- geht. Ermachtden Vorschlag bis zu seinem 55. Lebensjahr auf jede weitere Valorisierung, zu verzichten, jedoch :aäb dem 1.1.1992 einen Betrag, mit.dem er die Höchstbeitragsgrundlage bei der PVA der Ang. erreichen würde, ausbezahlt zu bekommen, Der Antrag zur Entscheidung wird dem ’Sozialäusschuß zugete*” Von der Vorarlberger Landesregierung wurde der Gemeinde eine Vereinbarung betreffend die Verwaltung und ‚Erhaltung- der alten Völkenbrücke zugesandt, "Von der Gemeindevertretung wird gegen diese Vereinbarung ‘keinerlei Einwänd erhoben. e) Der Bürgermeister verliest zwei Schreiben (vom 17.10.1978 u, vom 9, 11:1978) des Amtes der V1lbg. Landesregierung, betreffend einen Vereinbarungsentwurf für die Mitbenützer der Schüler des Hallenschwimmbades Lingenau - und eine Stellungnahme hie- zu, die die Gemeinde Lingenaüu zum Vereinbarungsentwurf abge-. geben hat, Laut Diskussion der Gemeindevertretung stellt der derzeitige Badeunterricht für Schüler im Hallenbad Lingenau eine große Vertrödelung der Unterrichtszeit dar, Es ist be- dauerlich, wenn heute festzustellen ist,daß ca, 1/3 der Schüler dem Badeunterricht bereits fernbleiben, Auf Grund der gegebenen Situation stellt Gemeindevertreter Hermann Nennifig den Antrag: . 23 auf einereine Schulliegenschaft nicht zuzustimmen diesbezügliche Vereinbarung über 2) .zuzustimmen und die Mitbenützung ; 3) an die Gemeinde Lingenau auf freiwilliger Basis pro Schul- jahr 1976/77 und 1977/78 je‘ Schüler einen Beitrag von S 8,-- mal 2o Unterrichtsstunden = S 160o,-- zu bezahlen, Der Antrag wird einstimmig angenommen, 3.) Nach einer Anfrage zu Punkt 3, a) wird die Niederschrift vom 7.11,‚1978 ‚einstimmig genehmigt, 4.) Der Abbuchung des alliquoten Betriebsabganges an demaushaftenden Darlehen beimLandeswohnbaufond wird im Sinne des Schreibens vom Amt der Vlbg, Landesregierung vom 22.10.1978 die Zustimmung erteilt, ; 5.) Wie die Vermessung im Gelände des Freibades Zeigt, wird nach wie vor eine bestimmte Beengtheit durch die.Beibehaltung des Fußbällplatzes im Schwimmbadgelände bestehen, Ein weiterer: Verbleib des Fußballplatzes im Freibadgelände, bedingt jedenfalls eine Zupachtung des Restgrundstückes der Katharina Hagspiel. Gemeinderat Konrad Hagspiel berichtet, daß seine Schwester Katharina bereit wäre, das Grundstück auf maximal 10 Jahre. um einen jährlichen. Pachtpreis von S 6.000,-- + Index zu. verpachten, Eine Zupachtüuüng des Grundstückes von Jakob: Lorenz in der Parzelle Rainerau um einen Jahrespacht von 5 16.000,-- + Index als Fußballplatz ist aus Kostengründen nicht vertretbar und wird von der Gemeindevertretung abgelehnt. 6.) a) Der. Mietvertrag mit der Lebenshilfe wird vorgelegt und einstimmig genehmigt, . b) Über den Verkauf des halben Weiderechts in der Alpe Scheuen der Gemeinde Hittisau an Albert Schelling, Hittisau Nr, 80 wird ein entsprechender Kaufvertrag vorgelegt. Nach Kenntnis von der Urkunde desNotars Ralf Kellner, Immenstadt i, Allgäu vom 2,11,1578, URNr. 2325/78 K, werden hiemit alle darin abgegebenen Erklärungen genehmigt. ce) Die Genehmigung des Kaufvertrages zwischen der Gemeinde Hittisau und Matthias Unterkicher, Hittisau 373 entfällt, da dieser zu Beginn der Sitzung auf diesen Kauf verzichtet hat. a) Entgegen der Vereinbarung zwischen der Gemeinde Hittisau und Anton Hagspiel, Hittisau 352 vom 15.,9,1976 erklärt sich die Gemeindevertretung einverstanden, wenn. die. Zufahrt mit 5 m Breite über die Gp. 1692/4 KG. Hittisau zu- gunsten der Gp, 1092/1 KG Hittisau als Grunddienstbarkeit für: die Gemeinde Hittisau eingetragen wird und Anton-Hag- spiel nach Wir vor Grundbesitzer bleibt, e) Der"Übergäbevertrag "zwischen Maria Dorner, Hittisau Nr, 27 und der Gemeinde Hittisau wird vollinhaltlich zur Kenntnis’ genommen. und von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt, 7.) Bericht des Bürgermeisters: a) Das Holz in der Gschwendalpe wurde inzwischen geschlägert und wurde für den Transport an die Straße um den Preis von S 250,-- pro m3 an die Firma Beer, Au übertragen, . b) Bezüglich der Anbringung eines Halteverbotes auf der Gehsteigseite zwischen dem Kirchplatz und des Hauses ‚326 "scheint nicht gerechtfertigt. Die gegenüberliegenden Grund- ‘besitzer erklären, daß sie ihren ehemaligen Parkplatz für den Ausbau der Straße weitgehenst bereitgestellt haben, jedoch mit der Bedingung, daß ‚auch ein Halten auf der Straße möglich ist, Hans Hofmüller hat inzwischen der Gemeinde die Wohnung im. Feuerwehrhaus gekündigt. Gleichzeitig gibt der Bürgermeister 2 neue Wohnungsinteressenten bekannt, Die Gemeindevertretung vertritt.die Ansicht, daß vorerst zu prüfen sei, Ortsfeuerwehr kein Interessent vorhanden ob in der ist, Die Elektroausschreibung für die Kläranlage erbrachte 5 Angebote, Die Firma Bilgeri, Hittisau war mit S 393.000,-Billigstbieter. Die Anmeldung zu einer Besichtigung von Altersheimen der Sozialabteilung beim Amt der V1b6, Landesregierung steht nach wie vor offen, Die Restaurierungsarbeiten bei der Kommabrücke wurde inzwischen abgeschlossen. Die Firma Wilhelm & Mayer hat die Rechnung mit S 665,000,-für die erfolgte Asphaltierung von Gemeindestraßen vorgelegt. Die V1lbg, Landesregierung hat der Gemeinde Hittisau für die Rechnung des Freibades einen weiteren Zuschuß von S 655.000,-zugesprochen, Die Herbstentrümpelung durch die Firma Ennemoser hat Kosten von S 13.440,-- netto erfordert, Zudem wird die Firma Ennemoser in nächster Zeit zwecks Erhöhung der Abfuhrgebühren im Gemeindeamt vorsprechen, ; ‘ Die Konzession der Frau Flatz Aloisia wurde gelöscht. Bei, der Hauptversammlung der Musikschule Bregenzerwald wur- den die Beiträge der Gemeinden und der Eltern um 10 % erhöht. Bezüglich der Planung des Ortszentrum: schlägt der von der Gemeindevertretung bestellte Unterausschuß vor, je einen::: Entwurf von Architekt'Dipl. Ing, Fink, Andelsbuch und dem Planungsbüro Karl Grabher, Hohenems vorlegen zu lassen, Anhand dieser Vorentwürfe soll sich die Gemeinde entscheiden, welcher davon’ für die weitere Planung und Realisierung Ver- wendung finden soll. Für den abgelehnten Entwurf wird eine Entschädigung von: S 10,000,-- + MWST. als. Kostenabgeltung von der Gemeinde bezahlt. ; 8,) Allfälliges: Vom Bürgermeister wird die Überlegung aufgezeigt, auf weitere Sicht eventuell den Fußballplatz auf der Rest- fläche der Gp. 1092/1 K,G. Hittisau zu situieren, Nach seiner Meinung würde sich der Platz nach Abänderung der Hochspannungsleitung und entsprechender Geländekorrekturen für die Errichtung eines Fußballplatzes eignen. Schluß der Sitzung um 00,10 Uhr, Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e. h,.
  1. hittisauvertretung
19781107_GVE039 Hittisau 07.11.1978 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 14.11.1978 Verhandliungsschrift über die am Dienstag, den 7. November 1978 um 20.00 Uhr stattgefundene 39, Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Oskar Eberle, Hieronymus Faißt, Josef Steurer, Dr, ‚Anton Stöckler, Anton Faißt, Eduard Metzler, Max Moosbrugger, Ing. Arno Kohler und die Ersatzmänner Ludwig Bechter und Alfons Bals sowie ein Zuhörer, ; Entschuldigte: Gemeindevertreter NR Ludwig Hagsciel, Herbert Bilgeri, Gerard Hagspiel und der 1. Ersatzmann Xaver Hagspiel, Tagesordnung: UNOQBu Eröffnung und Begrüßung, Protokoll der letzten Sitzung, Berufungsentscheidungen gegen Bescheide des Bürgermeisters, Pfianzenschutzgebiet Lecknertal, Instandsetzung der Langlaufloipe, * A} eines Bauplatzes, Optionsvertrages, b) ADSCRTB Verkauf eines Beschluß über die Errichtung der Zufahrtsstraße in Häleisen, - Berichte und Allfälliges, \ nk ® Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt alle Er- schienenen. Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß ergangen sind und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann beantragt er die Erweiterung der Tagesordnung um Punkt 9. Aufhebung des Vorbehaltes für die Bürgschaftsübernahme Fa, Johann Steurer, Schilifte Hochhäderich und neue Beschluß. 10. fassung, Vergabe der Spengler- und. Dachdeckerarbei ten bei der Kläranlage, . Der Erweiterung der Tagesordnung wurde zugestimmt, 2, Die.Niederschrift der Sitzung vom 3.10, 1978, die allen Gemeinde- vertretern schriftlich zugestellt wurde, wird einstimmig zur Kenntnis genommen, 3. a) Zur Berufungsentscheidung in der Bauausführung Bilgeri, Sütten legte der Bauwerber eine Vereinbarung über einen Grundtausch mit dem Anrainer Strauss vor, wodurch eine Grenzbegradigung erreicht wird und eine Bestandsaufnahme . des Bauwerkes, Nach längerer Debatte wurde der Berufung mit 12 Ja-Stimmen - bei Befangenheit des Bauausschusses teilweise stattgegeben und wie folgt entschieden: 1. Der straßenseitige Vorbau des Holzlagerraumes muß in Garagenflucht abgetragen werden, 2. Die vorliegende Vereinbarung über den Grundtausch mit dem Anrainer Strauss-muß-grundbücherlich durchgeführt werden, 3. ; Der bestehende alte Holzschuppen ist bis 1.12.1978 abzutragen, 4, Die Bbeantrage Baubewilligung fürden bleibenden Holzlagerraum wird nur bis zu einer eventuellen Zweckentfremdung erteilt, b) Die Geschwister Bechter, Hirtobel haben gegen den Feüerpolizeibescheid, in dem eine Holzverschalung des KXKamins beanstandet wurde, Berufung eingebracht, Rauchfangkehrermeister Eugen Duml hat in einer schriftlichen Stellungnahme erklärt, daß durch entsprechende Lochausnehmungen bei der Holzverschalung ein’ Wärmestäu verhindert wird, was seiner Meinung ‘den feuer- polizeilichen Sicherheitsvorschriften genüge, Auf Grund dieser Stellungnahme wurde der Berufung ohne Gegenstimme stattgegeben, A, Laut Mitteilung des Dr, ‚Gehrer vom Amt der Landesregierung wird in einem Pflanzenschutzgebiet die landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche ung jagdliche Nutzung nicht beeinträchtigt. Beim Säubern der Alpflächen. ist selbst das Abmähen von Alpenpflanzen gestattet, ; . Die Gemeindevertretung hat der Errichtung des Pflanzenschutzgebietes Kojen-Lecknertal mit einer Gegenstimme (Steurer Josef) die Zustimmung erteilt, Der Bürgermeister teilt mit, daß Geschäftsführer Grabher ‚von der Schilift KG, Hittisberg ihm ein Anbot für den Einsatz ihres Pistengerätes zur Präparierung der Langlaufloipe gestellt hat, wonach eine Betriebsstunde auf S 40o4,-- zu stehen käme, Bei der Jahreshauptversammlung der Schilift KG, über die Gemeinderat Dir, Huber berichtete, kam dieses Anbot und dessen Kalkulation zur Sprache, Die Vorstandsschaft brachte zum Ausdruck, in, der Kalkulation des Stundensatzes äußerste Zurückhaltung geübt zu haben, sodaß dieses Anbot als Gefälligkeitspreis zu werten sei. Gemeindevertreter Oskar. Eberle berichtete aus den Beratungen im Verkehrsvereinsausschuß und ersuchte um Unterstützung durch die Gemeinde, da die Präparierung der Langlaufloipe heute eine Notwendigkeit sei, Der Verkehrsvereinsausschuß plädiert auf die Anschaffung eines neuen Pistengerätes, da nur mit diesem die Gewähr zur Erstellung der Loipe auch nach Balderschwang gegeben sei und schlägt die Erhöhung der Kurtaxe um S 1,-- auf S 5,-vor, um aus dem Erlös die'Betriebs- und Personalkosten für die Pistenpräparierung abdecken zu können, Der Bürgermeister stellt den Antrag, für die Anschaffung des Ge- rätes einen zweckgebundenen Gemeindezuschuß von S 150.000,-- im Jahre 1978 und S.100.000,-- im Jahre 1979 zu gewähren, Voraussetzung ist die. Erhöhung der Gästetaxe um S 1,-- und die Ab- deckung der laufenden Betriebs- und Personalkosten aus dem Verkehrsvereinsbudget, Dieser Antrag wird einstimmig zum Beschluß erhoben, Gleichzeitig wurde mit einer Gegenstimme (Faißt Anton) beschlossen, mit Wirkung vom 1,12,1978 die Gästetaxeverordnung abzu- ändern und die Kurtaxe von 8 4,--— auf S 5,-- zu erhöhen, Gemeindevertreter Faißt Anton stimmt dagegen, weil. er die Meinung vertritt, daß eine Erhöhung der Gästetaxenur: für, .durch den Verkehrsverein vermittelte Gäste gerechtfertigt wäre, 6. a) Der Bürgermeister berichtet über eine informative Aussprache diverser Bauwerber des geplanten Mehrzweckhauses auf dem Engel-Areal mit‘ Vertretern der Bauträgergesellschaften REAL, Bregenz, I.,R. Schertler, Lauterach und Baumeister. Karl Grabher, Hohenems. Es entwickelte sich wiederum eine rege Diskussion über das Raumprogramm und das. Problem der Altersversorgung, Über die Zweckmäßigkeit diese in dem Gebäude zu lösen, herrschten unterschiedliche Auffassungen. Es wurden Bedenken. geäußert, damit Interessenten an Eigentumswohnungen abzuschrecken, Die Anregung, auch einen Dienstbetrieb (Zahnarzt) unterzubringen, wurde positiv bewertet und soll weiter verfolgt werden, Auch wegen des Restaurants hat laut Mit- teilung des BürgermSisters ein Interessent vorgesprochen, Im Kreis der Bauwerber, die bei der Unterredung' mit den Vertretern der Bauträgergesellschaften anwesend wären, war man der Meinung, mit der Fa, K. Grabher in Verhandlung zu treten, Diesem Vorschlag stimmte .die Gemeindevertretung ‘ zu, In das Verhandlungsteam werden der Bauausschuß, die Gemeindevertreter Dr. Stöckler, Gerard Hagspiel und Eduard Metzler entsandt, Von der: Raiffeisenkasse wird Kassier Hans Nußbaümer beigezogen, Man wird sich zunächst von der Firma einen unverbind- lichen Vertragsentwurf vorlegen lassen und nach internen Be- ratungen in weitere Verhandlungen treten, b) An Eugen Düml wird aus dem gemeindeeigenen. Grundstück in Häleisen ein ca, 6oo m? großer Bauplatz zum Preis von S 170,-je m2 mit einstimmigen Beschluß verkauft, 7. Zur Erschließung der Baugründe in Häleisen. soll noch im Herbst die Zufahrtsstraße erstellt werden, "Arbeiten in Eigenregie auszuführen, 8,1. Dr, Es wurde beschlossen,. die Stöckler regt an, die Einrichtung in der alten, Schule - „Schulküche (3 E-Herde, 3 Nierosta-Stahlbecken, Küchenschränke etc.) zu verkaufen, Die Bevölkerung wird durch einen Anschlag an der Amtstafel darauf aufmerksam gemacht,. Vor der Abschnittübung der freiwilligen Feuerwehren wurde ein moderner Tanklöschwagen vorgeführt, Der Bürgermeister lobte den perfekten Einsatz und die gute Ausrüstung der Wehren, 8.3. Der Bürgermeister teilt mit, daß die Gemeinde für das Feuer- wehrwesen heuer Aufwendungen von insgesamt S 389 ,000,-- aufge- bracht hat, wobei der Bau des Löschwasserbeckens auf dem Kirch- platz allein S 236.000,-- erforderte, 8.4. Von der Landesregierung .ist .die ‚Zusage für die Fördermittel zum Bau der Kläranlage ‚das ‚sind :35 % der Bausumme, die mit 8,8 Mill S veranschlagt ist, ‚eingetroffen, Dagegen steht die Auszahlung des Darlehens vom Wasserwirtschaftsfond nochaus, 5, Im ORF ist für den 21.11.1978 im Rahmen der Sendung "Bummel zugWeststrecke" eine Sendung über Hittisau vorgesehen, : 6, Vom ORF, Wien erging an den Bürgermeister eine Anfrage betreffs einer Sendung "Ineigener Sache" (Dr, Zilk), in der Ing. Müller die,Angelegenheit "Grundtrennung - Flächenwidmungsplan - Flächen- widmung" vor dieses öffentliche Forum bringen möchte, meister hat hierzu klare Stellungnahme bezogen. Der Bürger- 2 8.7. Dr, Herbert Bader wurde zum Konzerngeneraldirektor der Weltfirma Head berufen. Der Bürgermeister hat ihm ein Gratulationsschrei- < ben übermittelt. 8.8, Die Konzession des Kaminkehrermeisters Eugen Duml wurde auf. das Gemeindegebiet Alberschwende erweitert, 5 8.9. Vom Amt der Landesregierung, erging an die. Gemeinde, eine Anfrage über die Weiterführung des Entbindungsheimes im, Versorgungshaus, Der Bürgermeister wird berichten, 8,10,Malermeister Unterkircher beabsichtigt nach wie vor zur Errichtung einer Werkstätte das Grundstück in der Parzelle Mühle von der Gemeinde zu erwerben, Die Zusage der Gemeindevertretung ist bereits erfolgt und wird erneut bekräftigt, Se Die Gemeinde Riefensberg hat die Übernahme der Bürgschaft von 3 Mill, S für die Fa, Joh. Steurzer, Schilifte Hochhäderich abgelehnt, Somit ist der Gemeindebesehluß vom 5.9.1978, Punkt 4, b), nachdem die Gemeinde Hittisau der Bürgschaftsübernehme von 3 Mill, S unter dem Vorbehalt, daß die Gemeinde Riefensberg der Übernehmeder 2, Hälfte, also‘ ebenfalls 3 Mill, S zustimmt, hinfällig. Der Antragsteller ersucht nun die Gemeinde, der Übernahme der Bürgschaft von 3 Mill. S ohne den erwähnten Vorbehalt zuzustimmen, Das’ Problem löste eine rege Diskussion des für und widers aus, Gemeindevertreter' Moosbrugger verwies darauf, daß andere Gemeinde z,B, Mellau für die Fremdenverkehrsförderung bei Liftbaüuten weit höheren Bürgschaftsübernahmen zugestimmt hätten. Die Schilifte Hochhädrich hätten für den Winterfremdenverkehr überregionale Bedeutung für den ganzen Vorderwald, und daran partizipiere unsere Gemeinde entscheidend. Wenn hier auch Privatinitiative ohne Risiko zu scheuen die Anlagen erstellte, so wäre eine Förderung und Unterstützung seitens der Öffent- lichkeit zu vertreten. Andererseits wurde auf bereits lautgewordene Kritik verwiesen und die Tatsache festgestellt, daß die neuen. Ani1agen und das Restaurant auf dem Gemeindegebiet Riefens- berg liegen und daher dieser Gemeinde die Steuereingänge ZU- fließen,"ein Umstand, der eine positive Entscheidung so erschwere, Gemeinderat Erwin Eberle. stellte den Antrag auf schriftliche Abstimmung, Diesem Antrag wurde mit 9 Ja-Stimmen entsprochen, Die schriftliche Abstimmung ergab - bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters wegen Befangenheit - 8 Ja-Stimmen und _ . Oo. 8. Nein-Stimmen, Somit gilt der Antrag 1t, & 39 des Gemeindegesetzes als abgelehnt, Für die Spengler- und Dachdeckerarbeiten bei der Kläranlage sind 4 Anbote eingegangen: Fa. Rusch, Dornbirn vo00000000000, Anbotssumme S 137,685,-- netto Fa, Nosko, Dornbirn esse eseeneeees Fa, Nagel, Höchst .............. " S 139.815,-- " Fa, Vögel, Lustenau 2.0000 00000004 n S 143.998 ,-—- " S 142,287; Die Gemeindevertretung erteilt den Auftrag dem Bestbieter, Fa, Rusch, Dornbirn, Schluß der Sitzung um 24,oo Uhr, Zaren Anbei[ngde Der Bürgermeister: Ge a eh, =
  1. hittisauvertretung
19781003_GVE038 Hittisau 03.10.1978 X GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 16.10,78 Verhandliungsschrift: über die am Dienstag, den 3. Oktober 1978 um 20,00 Uhr im GemeindeSitzungssaal abgehaltene 38, öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung Hittisau, Anwesende: Bürgermeister Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir. Elmar Huber, Konrad Hagspiel, und Ignaz Bartenstein, . Erwin Eberle die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Josef ‚Steurer, Dr. -Anton Stöckler, Eduard Metzler, Max. Möosbrugger, Gerard Hagspiel und Ing. Arno Kohler sowie der Ersatzmann Ludwig Bechter, Entschuldigte: GV Oskar Eberle und Anton Faißt, ZA / Tagesordnung: “|N Eröffnung und Begrüßung. Genehmigung der letzten Niederschrift. Novellierung der Wasserleitungsordnung. Vorlage und eventuelle Beschlußfassung: a Kaufvertrag in Elz, 50 K.G. Bolgenach ©Q0uJ bh b) Verkaufsangebot in Elz. 176 K.G. Hittisau, Anschaffung eines Loipengerätes, Stellungnahme zum Entwurf des Amtes der V1bg.. Landesregierung - Hallenbad Lingenau, | $. ‘Entscheidung über die Berufung gegen einen Baubescheid, Stellungnahme zum Pflanzenschutzgebiet Kojen-Lecknertal, Berichte und Allfälliges, ® Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und .begrüßt alle erschienenen Gemeindevertreter. Er stellt fest, daß die Einladun- gen ordnungsgemäß zugegangen sind und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann beantragt er die Erweiterung der Tagesordnung um ‘Punkt "10, Besehlußfassung über Mietverhältnisse.," Der Antrag wird einstimmig angenommen, 2, Die Niederschrift der letzten Sitzung, die allen Gemeindever- * £retern mit der‘ Einladung zugestellt wurde, wird einstimmig zur Kenntnis genommen, Zu Punkt: 7. 6. ergänzt der Bürgermeister, daß sich die Aufwendungen für das Schwimmbad bereits auf über 8 Mill. S’ belaufen, 3, Für den Anschluß von Viehtränken an die Gemeindewasserversorgung legte der Bürgermeister einen Entwurf zur Änderung der Wasserleitungsordnung vor, GV. Eduard Metzler sieht hierin eine Bevorzugung der Landwirtschaft und ist der Meinung, daß das Gleich- heitsprinzip nicht gewahrt sei. Nach einigen Formulierungs - änderungen wird der Entwurf mit einer Stimmenthaltung gutgeheißen, Ungelöst bleibt das Problem der bereits bestehenden nicht öffentlichen Laufbrunnen, deren Wasserbezug nicht durch eine Wasseruhr, erfaßt ist und zur Wasserverschwendung ver- leitet, Darüber soll im Wasserausschuß beräten werden, 4, a) Über den Verkauf des Schulhauses Bolgenach: wurde mit dem Verein "Lustenauer Ferienheim Ebnit" ein Vorverkaufsver- trag entworfen, dessen Annahme zur Diskussion stand. Der Verkaufspreis beträgt S 1.650.000,--., Der Vertrag wurde in der vorgelegten Form einstimmig angenommen.” Von der Ostseite der Spielwiese wird ein 4 m breiter Streifen im Ausmaß von ca, 182 m2 abgetrennt und an die Anrainer Bader Aurel und Johanna zum Preis von S 100,-- pro m2 verkauft. Der Verkauf wird einstimmig beschlossen, b) Mit den Interessenten an der Verbauung‘ des Engel-Areals fand eine informative Aussprache statt, um:das: Bauvorhaben voranzutreiben, Das Kaufhaus Eberle zog seine Be- werbung zurück, Der Bürgermeister hat im Einvernehmen mit den Intressenten mit der Bauträgergesellschaft "REAL" Verbindüng “aufgenommen und einen Opitionsvertragsentwurf zur Diskussion und Beratung vorgelegt. Geplant ist zunächst der Bau eines Geschäfts- und Wohnhauses mit Erd- und Obergesch6öß ‚, in dem die Raika, -eine Dogerie,-noch zu vergebende Geschäfts- räume und mindestens 6 Wohnungen untergebracht werden sollen, Notwendig ist aber die Erstellung eines Gesamtver- bauungskonzeptes, in dem auch der Kultursaal und ein Festaurant vorgesehen sind, Es wurde beschlossen, auch mit anderen Bauträgergesell- schaften Verbindung aufzunehmen, um deren Vorstellungen und Anbote zu erfahren, Zu den Vorbesprechungen werden von der Gemeinde die Mitglieder des Bauausschusses beigezogen, 5, Zur Förderung des Winterfremdenverkehrs ist die Präparierung der Langlaufloipe im Ort unbestritten eine Notwendigkeit, An die Pistenbeschaffenheit werden heute bedeutend höhere Anforderungen gestellt, sodaß der Einsatz eines leistungsfähigen Pistengerätes erforderlich ist, Ein solches Gerät kostet rund S 420.000,-- und kann aus dem Budget des Verkehrsvereins nicht finanziert werden, da hierfür im Voranschlag lediglich S 75.000,-- vorgesehen sind, die voraussichtlich allein zur Abdeckung der Betriebs- und Personalkosten benötigt würden, Die angespannte Finanzsituation der Gemeinde 1äßt zur Zeit eine solche Anschaffung kaum zu, Aus dieser präkeren Sachlage entspann sich eine angeregte Diskussion über die Schwierigkeiten in der Finanzierung der Fremdenverkehrsförderung, wobei die Beiträge an die Dach- organisationen. Verkehrsverband Bregenzerwald und Landesverband ständig steigen,. der Fremdenverkehr aber stagniert und für die örtlichen Aufgaben keine Mittel bleiben, Nun ist es gerade der Winterfremdenverkehr, der durch den Langlaufboom eine Steigerung in unserer Region durch gezielte Werbung und eine gepflegte Loipe erwarten ließe. Die Präparierung der Langlaufloipe erfordert Kosten, die aber nicht durch Fahrtpreise wie am Schilifthang hereingebracht werden können. Der Einsatz des Pistengerätes der Schilift K.G, Hittisau für die Präpärierung ‚der Langlaufloipe ist aus zeit- lichen und organisatorischen Gründen schwer durchführbär, insbesondere wenn die geplante Weiterführung der Loipe nach Baldersthwang damit bewerkstelligt werden sollte, Dabei be- füchtet. man vor allem bei der Unterführung im Raum der Völken- brücke Schwierigkeiten und. Gefahren durch die Schneeräumung, In der‘ Gemeindevertretung konnte man sich vorerst nicht zur Anschaffung eines neuen Pistengerätes entschließen. Der Bürgermeister wird mit der Schilift K,G, Hittisberg über einen eventuell kombinierten Einsatz ihrer Raupe für. die Loipen- präparierung verhandeln und sich bei der Fa, Hämmerle, Lustenau über die Zahlungskonditionen erkundigen, 6, Vom Amt der Vorarlberger Landesregierung ist endlich der Entwurf einer Vereinbarung zwischen den Sprengelgemeinden und der Gemeinde Lingenau über die Schulerhaltyungsbeiträge zum Investitions- und Betriebsaufwand des Hallenbades Lingenau zur Stellungnahme eingetroffen, Der Vereinbarungsentwurf ist allen Gemeindevertretern schriftlich mit der Einladung zur Sitzung zugegangen. Der Bürgermeister verliest zunächst ein Begleitschreiben des Amtes der Vlbg; Landesregierung zum. Vereinbarungsentwurf, in dem entgegen den Tatsachen von "einer grundsätzlichen Einigung auf Basis der angeschlossenen Vereinbarung " die Rede ist, Die Bürgermeister der Sprengelgemeinden haben eine schriftliche Anfrage zum Vereinbarungsentwurf ausgearbeitet, die zur Diskussion stand, Hierin wird um Klärung einiger Punkte gebeten, Nach Punkt 6. der Vereinbarung hätten die Sprengelgemeinden ihre Berufung gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft ‚Bregenz, vom 15. April 1975, Zl1. II-2189/1973, womit der Gemeinde‘ Lingenau der Bauplan für die Erstellung eines Hallenbades gemäß $ 12 des Schulerhaltungsgesetzes, LGBL, Nr, 2/1965, genehmigt und damit das Hallenschwimmbad als Schulliegenschaft anerkannt wurde, zurückzuziehen. Dieser Bescheid ist ohne Anhören der Sprengelgemeinden ergangen und mit Gesetzesmängeln behaftet, Einzelne Gemeinden haben denkbar schlechte Erfahrung bei Vereinbarungen mit der Gemeinde Lingenau gemacht, sodaß Bedenken für den dauerhaften Bestand dieser Vereinbarung bestehen, da die Vertrauensbasis in Zweifel steht, NR Ludwig Hagspiel ist der Meinung, man möge einer Vereinbarung nach Klärung der umstrittenen Punkte zustimmen, um die verfahrene Situation gütlich zu bereinigen, Die Stellungnahme der Bürgermeister der Sprengelgemeinden wurüe gutgeheißen, 7. Bilgeri, Sütten hat gegen den Baubescheid der Gemeinde vom 22.9.1978 Berufung eingebracht. Bilgeri hat ohne Baubewilligung an seine Doppelgarage ein Holzschopf und Bastelraum angebaut, weshalb ein ablehnender Bescheid ergangen ist, Der Bauausschuß erklärte sich in der Berufungsverhandlung befangen, Vizebürger- meister Huber brachte den Bescheid der Gemeinde und die Berufung des Bauwerbers zur Verlesung, Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Entscheid über die Berufung zu vertagen, um den Gemeindevertretern Gelegenheit zu geben, den Zubau in Augenschein zu nehmen, 8, u, 9. Infolge der vorgeschrittenen Zeit wurde die Behandlung der Punkte 8, u, 9. vertagt. 10, Nach Verkauf des Schulhauses Bolgenach an den Verein Lustenauer Ferienheim Ebnit muß das Haus von den Mietparteien geräumt werden, Die Lebenshilfe wird wie bereits abgesprochen, die Ostseite ‘im Parterre des Versorgungsheimes beziehen, Die Räume werden von der Lebenshilfe instandgesetzt und eingerichtet. Der Bürgermeister schlägt als Monatsmiete‘ einen.Sozialtarif von S 500,-- vor; " Lehrer Pfanner wird eine ‘Wohnung im neuen Schulhaus beziehen, Er soll die.Heizung im Schulhaus überwachen und für das Schließen des Gebäudes sorgen, Als Miete werden monatlich S 1,500,-- plus MWST. und Strom verlangt. Frau Fetz von der Lebenshilfe wird gegen eine Monatsmiete von S 800,-- im Dachgeschoß des Feuerwehrgerätehauses untergebracht, Schluß der Sitzung um 0.15.Uhr, Der Bürgermeister: gez. Anton Bilgeri e, h,.
  1. hittisauvertretung
19780905_GVE037 Hittisau 05.09.1978 GEMEINDEAMT HITTISAU Hittisau am 15.9.1978 Verhandlungsschrifüie über die am Dienstag, den 5. September 1978 um 20.00 Uhr ir Gemeindesitzungssaal abgehaltene 37; öffentliche Sitzung der Gemeindevertretfung Hittisau, Anwesendes Bürgermeister. Anton Bilgeri, die Gemeinderäte Dir, Elmar Huber, Konrad Hagspiel, Erwin Eberle und Ignaz Bartenstein, die Gemeindevertreter NR Ludwig Hagspiel, Alfons Sutterlüti, Hermann Nenning, Herbert Bilgeri, Hieronymus Faißt, Oskar Eberle, Anton Faißt, Eduard Metzler, Max Moosbrumger, Ing. Arno Kohler, Josef Steurer. und Ersatzmann Xaver Hagspiel. Entschuldigte: GV Dr, Anton Stöckler und Gerard Hagspiel. Tages Eröffnung und. Begrüßung. Protokoll der‘ letzten Sitzung. A\T—NSI —n ordnung: S Kaufvertrag Verkauf eines b) 1/2: Weiderechtes, Darlehensaufnahme‘ und. Bürgschaftsübernahnme , Ansuchen um Förderung für Wegebaukosten, Stellungnahme: zum Bauwesen beim Haus Nr. 313. Berichte und Allfällizmes,. ® Der Bürgermeister eröffnet die Sitzung und begrüßt die Er- schienenen., Er stellt fest, daß die Einladungen ordnungsgemäß zugegangen sind und Beschlußfähigkeit gegeben ist. Sodann ge- denkt er in anerkennenden Worten des verstorbenen Ehrenbürgers der Gemeinde H,H, Pfarrer i.R. Paul Sohm. Pfarrer Sohm war in den Jahren 1947 bis 1968 Pfarrhefr unserer Gemeinde und hat in seinem 54-jährigen Priesterleben segensreich gewirkt, wofür ihm ehrendes Gedenken und öffentlicher Dank gebühren. Anschließend beantragt der Bürgermeister die Erweiterung’ der Tagesordnung um die Punkte: "8, Vergabe der Belagsarbeiten auf der Ließenbachstraße" "9, Ansuchen um Wasseranschlüsse" und "710, Anschaffung eines LoipengerFätes", Dem Antrag wird einhellig zugestimmt. 2, Das Protokoll der letzten Sitzung, das allen Gemeindevertretern zugegangen ist, wird einstimmig zur Kenntnis genommen, Einige Anfragen beantwortet der Bürgermeister unter Punkt 7. "Berichte", 3. a) Der Punkt wird wegen Erkrankung des Legalisators K, Schwarz vertagt. b) Zum Kauf des 1/2 Weiderechtes der Gemeinde an der Alpe Scheuen sind zwei Anbote eingegangen: Schelling Albert Anbotspreis S 12,500,=Eberle Oskar Anbotspreis S 10,100,=-Das Weiderecht wird einstimmig an den Meistbieter verkauft. Der Bürgermeister beantragt auf Grund der zur Zeit angespannten Finanzlage der Gemeinde die Aufnahme eines Dar- ‘lehens in Höhe bei von der 1,2 Bregenzerwälder Mill. S zu 8 3/4Feuerversicherungsanstalt % Verzinsung auf 15 Jahre, Nach ausführlicher Begründung wird die Aufnahme des Darlehens einstimmig beschlossen, b) Über Ansuchen zur Gewährung einer Bürgschaftsübernahme. in Höhe von 6 Mill. S auf 15 Jahre für die Fa, J. ‚Steurer, Schilifte Hochhäderich entspann sich eine längere Debatte, Laut Auskunft des Amtes der Landesregierung würde durch die: Bürgschaftsübernahme die Gesamtverschuldung der Ge- meinde mit einem Drittel des Betrages belastet. Die Auf- sichtsbehörde hat inzwischen die Bilanzen des Gesuchwerbers für die Jahre 1975 ‚bis 1977 überprüft. und in telefonischer Rückantwort auf Grund derer, keinen Einwand gegen die Bürgschaftsübernahme erhoben, wird aber weitere Unterlagen, betreffs Bonität und Rückbürgschaft einholen, Ein positiver Gemeindebeschluß würde erst vorbehaltlich des Entscheides der Landeregierung wirksam. Da das Bauvorhaben für den Winterfremdenverkehr des ganzen Vorderwaldes und somit überregionale Bedeutung hat, die Anlagen aber zum Großteil auf dem Gemeindegebiet Riefensberg liegen und daher dieser Gemeinde die, Steuern.zufließen, faßt die Gemeindevertretung. auf Antrag von Dir, Huber bei Stimmenthaltung des Bürgermeisters wegen Befangenheit einstimmig folgenden Beschluß: Die Gemeinde Hittisau übernimmt die Bürgschaft für 3 Mill; S, das.ist die Hälfte der beantragten 6 Mill unter dem Vorbehalt, daß. die Gemeinde Riefensberg der Übernahme der 2, Hälfte von 3 Mill, S zustimmt, 5. Die Mitglieder der Wegegemeinschaft "Bühl" haben um einen Förderbeitrag zur Staubfreimachung ihres Privatweges angesucht, Die Baukosten betragen S 69.925,--. Die Gemeinde gewährt ein- stimmig den üblichen Kostenbeitrag von 10 % der Bausumme, 6. Der Bauausschuß wird mit dem Besitzer des Hauses Nr, 313 be- treffs weiterer Baumaßnahmen neuerlich eine Unterredung führen. 7.1. Die Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Ärztevertrages sind bereits weit gediehen, Die“ Aufschlüsselung des Wartezeldes ist wie folgt vorgesehen: Gemeinde Hittisau Gemeinde Sibratsgfäll Gemeinde Balderschwang 80 % 14 % 6 % Der Beschluß der Gemeinde Balderschwang steht noch aus. Der Vertrag soll rückwirkend mit 1.7.1978 in Kraft treten, Über den Verkauf des Schulhauses Bolgenach an den Verein Ferienheim Ebnit, Lustenau soll. zunächst ein Vorverkaufs- vertrag abgeschlossen werden, An Anrainer Aurel Bader wird von der Ostseite der Spielwiese ein ca, 5 m breiter Sf£freifen etwa 200 m2 - verkäuflich abgegeben, Die Lebenshilfe wird voraussichtlich im Parterre des Alters- heimes untergebracht, ‚ Die Krankenpflegerin Luise Hammerer wurde benachrichtigt, daß das geplante Dienstverhältnis vorerst nicht zustandekommen kann. .‚ Die Kommabrücke wird zur Zeit instandgesetzt, „ Beim Schwimmbad hat die Schlußüberprüfung stattgefunden, Mängel an der Funktion der Chloranlage müssen noch behoben werden; Beanstandet wurden .die bestehenden Klosettanlagen und ein Neubau vorgeschrieben, Das aus dem Hittisbergstollen abge- lagerte Aushubmaterial wurde vom Architekten in der Bedarfsmenge zu hoch bemessen, sodaß ein Rest abgeführt werden muß, 7.6 ‚ Auf die Anfrage über die Gesamtbaukosten des Schwimmbades durch Gemeinderat Erwin Eberle, teilt der Bürgermeister mit, daß die Endabrechnung noch nicht vorliegt, die Baukosten aber schon 7 Mill S erreichen. 7.7 . 7.8 . 7.9.. Der Flächenwidmungsplan wurde von der Landesregierung genehmigt. Die Endabrechnung mit Raumplaner Dipl. Ing. Reith ist noch nicht erfolgt. Busunternehmer W. Hagspiel äußerte bislang am Baugrund in Windern kein Interesse, Gemeindevertreter Hermann Nenning, Obmann der SenmnereigenossenSchaft, teilt mit, daß am Sonntag, den 24.9, die Einweihung des Gebäudes verbunden mit einem Tag der offenen Tür stattfindet, Hiezu ist die Gemeindevertretfung eingeladen, Das stattliche Haus mit schmucker Fassade paßt gut ins Ortsbild und erregt allgemein Gefallen. 8, Die Belagsarbeiten auf der Ließenbachstraße werden einstimmig an den Bestbieter Fa. Wilhelm & Mayer, Götzis, zum Anbotspreis von S 736.000,--— vergeben. Die Sickergräben, Durchlässe und Schächte werden unter Leitung von Gemeinderat Erwin Eberle in Eigenregie ausgeführt. a) Erbert Hagspiel, Windern, beantragt die Anschlußbewilligung an die Gemeindewasserversorgung für seinen Neubau, Der An- schluß wird nach den derzeit gültigen Bedingungen der Wasserleitungs- und Wassergebührenorädnung bewilligt. b) Lässer Othmar, Platz, ersucht um die Bewilligungzur, Er- , richtung einer Viehtränke auf der Grundparzelle 1075/2 an. Da in der Wasserleitungsordnung Anschlüsse dieser Art nicht vorgesehen sind, wird der Bürgermeister beauftragt, einen Vorschlag ZUL. Änderung bzw. Ergänzung derselben mit den entsprechenden Bedingnissen auszuarbeiten und zum Beschluß vor- zulegen, Die Entscheidung über das Ansuchen wird auf die nächste Sitzung vertagt, 10. Zur Präparierung der Langlaufloipe wird vom Verkehrsverein die Anschaffung eines Pistengerätes erwogen. Bisher wurde die Spur privat im einem Ski-DO präpariert, Es hat sich erwiesen, daß ein Ski-DO-Gerät für die Präparierung - insbesondere bei einer geplanten Verlängerung der Loipe nach Balderschwang - nicht genug leistungsstark ist, Der Obmann des Verkehrsvereines, Gemeindevertreter Oskar Eberle teilte mit, daß er mit einigen Herren der Vereinsleitung ein gebrauchtes Spurgerät bei derFa. Hämmerle, kosten, Iustenauhatbe-aber sichtigte. Das Gerät würde netto S 0.200.000,-- sichtlich Verschleißerscheinungen, weshalb sein Ankauf bedenk- lich ‚erscheint, Ein Neugerät kostet netto S 354,.000,-=. Aus der Diskussion ergab sich, daß mah mehr zum Ankauf eines Neugerätes neigt, fand aber den Kapitaleinsätz. reichlich hoch, da die Auslastung kaum gegeben ist. Große‘ Schwierigkeiten bereitet die Finanzierung, Es wurde vor- geschlagen, die Gästetaxe um S 1,-- zu erhöhen, was aber nur einen bescheidenen Teilbetrag bring:en könnte, Die Entscheidung über diese Anschaffung wurde vertagt. Schluß der Sitzung 24.00 Uhr. Der Bürgermeister: Phebecf gg zez., Anton Bilgeri e, NM, AB
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