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Heimat_Wolfurt_...3_Jä Wolfurt 01.01.1992 19.11.2012, 18:32 Heft 11 Zeitschrift des Heimatkundekreises Jänner 93 Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973, Begründer der modernen Unfallchirurgie. Ehrenbürger von Wolfurt. Inhalt: 42. Inhaltsverzeichnis 43. Unser tägliches Brot (2) 44. Dr. Lorenz Böhler 45. Kalb's Creek 46. Der Schnitztrog 47. Altvorstehers Haus 48. Ein altes Dokument Inhaltsverzeichnis und Rückblick Einleitend zum Vortrag «Nachbarn in der Bütze» hat sich Alexander Natter, der Leiter des Kath. Bildungswerkes, der die Vortragsreihe Heimatgeschichte mustergültig organisiert, beim Heimatkundekreis für die gute Zusammenarbeit bedankt und einen kurzen Rückblick gegeben. Das folgende Inhaltsverzeichnis der ersten zehn Hefte soll ein Nachschlagen oder allfälliges Nachbestellen erleichtern. Bildnachweis: Das Titelbild und S. 18 sind aus Lehne, Lorenz Böhler. Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. DIE Heft 1 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig 2. Bauern und Fabrikler 3. Franzosenkrieg 1800 Heft 2 4. Entwicklung der Wirtschaft (1) 5. Hofsteiger Bauern 6. Auf dem Weg zum März 1938 20. Sozialstrukturen (2) 21. Wasser und Wald 22. Tagebuch Schneider 23. Spatzecklo Heft 7 24. Das Vereinshaus 25. Mit Napoleon nach Rußland 26. Lehrer Köbs Familie 27. Streifzüge der Gedanken Heft 8 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt Heft 9 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Auswanderer (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz Heft 10 40. Unser tägliches Brot (1) 41. Kriegstagebuch Fischer 39-46 1 AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Bitte! Diesem 11. Heft liegt wieder einmal ein Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druckund Versandkosten abzudecken! Heft 3 7. Der Rickenbach 8. Wolfurter Geschlechter 9. Der letzte Krieg 1939-45 Heft 4 10. Wolfurter Mundart 11. Kriegsende 12. Die Pfarrkirche Heft 5 13. Schlösser in Wolfurt 14. Pfarrer Barraga 15. Auswanderer (1) 16. Autos 17. Chronik Köb Heft 6 18. Das Kirchdorf 19. Häuserverzeichnis 1926 Bestellungen Die Hefte «Heimat Wolfurt» werden nicht an alle Wolfurter, sondern nur an jene zugeschickt, die sie bestellt haben. Die Hefte 1 bis 4 sind vergriffen. Alle anderen können über Wunsch noch zugeschickt werden. Wir verweisen auf das nachfolgend abgedruckte Inhaltsverzeichnis und erbitten Bestellungen, am besten schriftlich mit Anschrift, an Siegfried Heim. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 10 Mohr-Familien (Heft 8, Seite 12). Der Beitrag hat ein überraschend großes Echo gefunden. Am 17. Oktober 1992 fanden sich rund 400 Familienangehörige zu einem großen Sippentreffen aller Mohren im überfüllten Vereinshaus ein. Theresia Wachter-Mohr eröffnete mit einem Prolog. Dann berichtete Siegfried Heim von seinen Forschungen über die Wolfurter Nachkommen des Mohr Urban, der vor 1700 in Dornbirn lebte. Sinz Michael hatte ungefähr 500 Namen in einem Computer-Ausdruck geordnet. In der 10. Generation findet man dort z. B. Dr. Markus Mohr, 1963, den Kaplan von Hohenems. In der 11. Generation stehen vorerst 177 (!) Namen, darunter etwa Mathias Mohr, 1980, Schüler-Meister im Turnen. Hubert Mohr zeigte Dias von den Familien, den alten Häusern und den MohrWappen. Roland Mohr hatte einen riesigen Stammbaum gemalt. Bürgermeister Erwin Mohr stellte mit «Baholzars Marte», 1908, einen bisher unbekannten MohrNachkommen vor, der sich aber mit einem 100 Jahre alten Ölgemälde seines Großvaters ausweisen konnte. Zahlreiche andere Familienangehörige trugen mit Musik und Gesang, mit einer Bilderausstellung und mit riesigen Kuchenbergen und süßen Mohrenköpfen zum Gelingen eines unvergeßlichen Festes bei. Konstanzer Münster (Heft 10, S. 3). Unser Dorf-Fotograf Hubert Mohr hat das Ritterwappen mit dem seitenverkehrten Wolf gesucht und gefunden und uns ein Bild gebracht. Ulmer hat 1925 in «Burgen und Edelsitze» geschrieben (S. 394): «An Sigmund erinnert noch eine schöne Glasscheibe mit Namen und Familienwappen im Münster zu Konstanz.» Heute befindet sich eine auf eine Holztafel gemalte Nachbildung im Kreuzgang links von der Kirche. Das Original dürfte demnach in einem Museum geschützt untergebracht worden sein. Danke, Hubert! Kriegstagebuch Fischer. Zahlreiche Rückmeldungen haben sich sehr positiv zu diesem wertvollen Zeitdokument geäußert. Eine ganze Reihe von Nachbestellungen resultierten daraus. Das Kriegstagebuch sollte besonders den jungen Lesern empfohlen werden. Marianne Barcatta (Heft 10, S. 3). Mehrere Rickenbacher bedankten sich für die Grüße aus Buenos Aires. Waibels Agnes (Frau Schneider im Hotel Monzabon am Lech) bat um die Adresse und hat nun bereits mit großer Freude von einem ausführlichen Antwortbrief ihrer verschollen geglaubten Jugendfreundin berichtet. Ein Bild aus der Mohr-Ausstellung: Martin Mohr, geboren 28. Dezember 1809 an der Hub in Wolfurt, gestorben 20. November 1900 in Bregenz als ältester Bregenzer Feuerwehrmann. Ein Vorfahre von Baholzers Marte. 2 3 Siegfried Heim Unser tägliches Brot (2) Der erste Teil dieses Beitrags ist bereits in Heft 10 erschienen. Die beiden Bilder auf S. 4 sind als Ergänzung dazu gedacht. Zu Tisch Schwere Arbeit verlangte nach kräftiger Kost. «Wer nüt2 ist zum Eosso, ist ou nüt zum Schaffet!» Der Bauerntag hatte daher fünf Mahlzeiten eingeplant: «Z Morgo», «z Nüne3», «z Mitag», «z Obod» und «z Nacht». Weizen auf dem Kapellen-Grundstück unter der Bahn 1936. Da freuen sich Regina, Rösle und Erna Stöckler. Erstkommunion-Frühstück. Hier im Schwanensaal saßen die Wolfurter Kinder in ihrem Leben zum ersten Mal an einem weiß gedeckten Tisch. Wie köstlich schmeckte damals die allererste Schaumrolle! Im Hintergrund sieht man Pfarrer Griesmayer, Kaplan Nesensohn, Sr. Gisela und die Musik mit Kapellmeister Rohner. Die letzte Weizengarbe ist geschnitten. 1940. Schnidarles Agath und Rudolf mit Tochter Rosa. Auch Bücheies Gebhard hilft mit der scharfen Sichel. nüt = nichts nüne = neun (Uhr) 4 5 «Z Morgo» gab es ursprünglich überall ein Mus, angerührt aus Milch und Mehl, ein wenig Butter darüber - kein Salz, kein Zucker, kein Zimt - einfach ein Mus. Heiß aus der Pfanne gegessen! Einzige Würze war «d Rummat», die leicht angebrannte Bodenkruste, die so herrlich schmeckte. Jeden Tag ein Mus, ein Mehlmus vom Vesenmehl, ein Habermus oder später auch ein Türkenmus. «Do ist ma do ganz Tag gfuttorot», hieß es, oder «Muos git an starko Fuoß». Wenn die Männer seit der Dämmerung «um Viore» mähten, trug die Bäuerin die Muspfanne sogar ins Feld. Der Müller Lorenz Gunz erzählte, daß etwa ab 1870 der Türggo-Stopfar allmählich das Mus verdrängt habe. Nun gab es alle Tage Stopfar in der Früh, dazu «a Beckile1 Milch» oder einen leichten «Mode2»-Kaffee. Gemeinsam löffelte man aus einer Schüssel. Ganz Schlaue füllten unauffällig nebenbei ihre Tasse - aber es wurden alle satt. In manchen Haushalten würzte man den Stopfar noch mit eingemischten Kartoffeln zu «Bodobioro-Stopfar». In guten Zeiten bekamen die Kinder ein wenig Zucker darübergestreut. Brot gab es erst zum «z Nüne». Das war eine willkommene Unterbrechung im langen Arbeitsvormittag. Kinder bekamen «a Igsottos3 -Brot», ganz selten Butter als Aufstrich, eher schon «Schwine4-Schmalz» mit einer Prise Salz. Das «Igsottos» kochte die Hausfrau von den «Zante Hannes 5 »-Beeren oder als «Schelee» im Sommer aus grünen Falläpfeln. Heidelbeermarmelade und Honig waren seltene Köstlichkeiten. Die Erwachsenen erhielten je nach Arbeit und Jahreszeit Brot und Käs, Brot und Speock oder auch einmal «an Schwartomago6-Salot». Sie durften das Brot selber vom «Loab»oder vom «Weggo» schneiden, eine dünne Scheibe oder «an ganzo Ronggo7». Kinder bekamen ihre Portionen von der Mutter zugeteilt. Dazu tranken sie mit der Kelle klares Wasser aus dem Kübel. Die Männer bekamen Most8, bei strenger Arbeit allerdings keinen starken «Saft», sondern «an Höüar-Most», halb Saft, halb «Glöre». Beckile = kleines Becken, Tasse Mode = Feigenkaffee 3 Igsottos = Eingesottenes, Marmelade Schwine = vom Schwein 5 Zante Hannes = Sankt Johannes 6 Schwartomago = Sulz-Preßwurst 7 Ronggo = ein großes Stück 8 Most = vergärter Apfel- und Birnensaft. Ohne Wasserzusatz heißt er Saft. Wenn die ausgepreßte Obstmaische über Nacht in Wasser gelegt und dann neuerlich ausgepreßt wird, heißt die Flüssigkeit «Glöre». Sie wird dem Saft beigemischt und verringert den Alkoholgehalt beträchtlich. 2 1 Die gleiche Jause gab es auch am Nachmittag um vier Uhr, «s Z-Obod-Eosso». Da ließ man sich, wenn nicht gerade schwarze Wolken drohten, auch schon etwas mehr Zeit. Jetzt lockerte auch manchmal «an Sürffol1 Wiß-Biorar2» aus der sonst streng gehüteten Flasche den Mund der Großen und die Kinder hörten viel Interessantes «und händ mit Mul und Naso glosot3». Die Hauptmahlzeit war aber das Mittagessen. Da sammelte sich die ganze Familie mit Nana 4 und Näne 5 - an vielen Orten war auch noch eine alt-ledige Bäsa6Gotta7- dabei-, um den großen Tisch in der Küche. Für jedes waren ein Teller aus Steingut und ein Löffel vorbereitet. Ein Tischtuch gab es nicht. Kuhfuhrwerk um 1940. Ludwig Kalb sen., im Tobel, führt Maisstroh heim. Unter dem Kreuz sprach man ein langes - fast unverständliches - Bittgebet «um Speis und Trank». Dann trug die Mutter die Suppe auf: eine gute «Flädle»-, «Knedol»- oder «Buostabo s »-Suppe, eine kräftige «Kichoro9»- oder «Spätzle»Suppe, häufig aber auch «a Brenn»-, «a Rubele10»-, «a I-Louf n »-Suppe mit einem eingerührten Ei oder gar «a Kuttlo12»-Suppe mit Lorbeerblatt und Essig. Da hätten sich die Kinder lieber verdrückt. Aber «Was uffo Tisch kut, wird geosso!», hieß es und «Noch om Hoakle-Si kut nüt me». Manch heikles Kind mußte sogar hören: Sürffol = ein Schluck Wiß-Biorar = Schnaps aus Weißbirnen mit besonderem Aroma. Die Weiß- oder Hausbirne war daher weit verbreitet. Heute ist sie fast ausgestorben. 3 11 glosot = zugehört Nana = Großmutter 5 Näne = Großvater 2 1 Bäsa = Tante oder Cousine Gotta = Patin 8 Buostabo = zu Buchstaben geformte Eierteigwaren 9 Kichora = Bohnen 10 Ribele = Teigknöllchen I-Louf = Einlauf 12 Kuttla = Gedärme 7 6 6 7 «Dior sott ma d Zungo schabo!» oder «Du tuost gad, as ob-d Schuoh-Negol eosso müßtost!» Hauptspeise waren Gsottene Bodobiora, Hörnle oder Nudla, später ganz selten auch Reis. Darüber wurde eine Soße mit ein wenig verhacktem Fleisch verteilt. Aber häufig gab es auch «a Kratzat 1 », Käs- oder Krutknöpfle, «Omlett mit Igsottos» und immer wieder «Bodobiora» und «Türggo» nach den verschiedensten Rezepten. Als Freitags-Fastenspeisen waren neben Milchreis und Auflauf auch Öpfolküochle, Polstorzipfele, Trachtarküochle und «Waffla» begehrt, auch einmal «a Holdormuos 2 » oder gar ein Heidelbeermus. Gemüse gab es nur zu Fleischspeisen und nur, was im Mamas Garten gewachsen war: grünen Salat, «Kichora», Blumenkohl, Krut, Gelbe Rüben und «Schniotloub3» für die Suppe. Für den Winter wurden Sauerkraut und Rüben eingehobelt und Randig eingelagert. Vitaminmangel führte regelmäßig zu Frühjahrsmüdigkeit. Das ließ man aber nicht als Ausrede gelten: «Im Mirz 4 ist a jeds müod, basta!» Um so gieriger langte man nach dem ersten Grün, nach «Surampfla5», «Melkar6» und «Guggarklee7». Den langen Arbeitstag beschloß, wenn das Heufuder abgeladen und die Stallarbeit getan war, «s Z-Nacht-Eosso». Es war wieder sehr bescheiden und bestand fast überall nur aus «brotona Bodobiora» oder nocheinmal «Stopfar» mit Malzkaffee. Zur «Brot-Schublad», zum «Zuckor-Schamützol » und natürlich auch zur «Rouchkammor» hatte nur die Mutter Zutritt. «Schnöuggo9» war verboten und wurde bestraft. Daher war auch «do Glusto10» auf alles Süße besonders groß. Weil Zucker so teuer war, wurde nur mit Honig oder auch mit Dörrobst gesüßt. 8 Deshalb schmeckten auch «d Leozeolto 1 -Klosomä2», «do Moltscheero3» und der Neujahrszopf so gut. Darum konnten Kinder um ein paar «Wi-Beerle» im «Gugolupf» streiten und sich freuen, wenn ihnen die Nachbarin für einen Botengang «a Hampfol4 deerte 5 Kriose » zusteckte. Der große «Bummoranzo 6 » zu Weihnachten und der «gläsene Ostorhas»waren Raritäten, auf die man sich das ganze Jahr freute. Heute würden uns «a Ofokatz7», «Schnitzkichora8» oder gar «an Biostkuocho9» kaum mehr schmecken. Wir wissen nur mehr vom Hörensagen, daß unsere Großeltern noch davon schwärmten. Oder wer hat noch einen Blutkoch gegessen? «A Kratzat», aber mit Blut statt mit Milch angerührt. Rinderblut vom «z Odor10-lo», wenn die Kuh nicht aufnehmen wollte. Oder natürlich Schweineblut «vu dor Su-Metzgate11». Damit kommen wir noch zur wichtigsten Unterbrechung im Speisealltag, wenn im Winter «d Su gmetzgot woro ist.» Ein ganzes Jahr lang war die Sau mit allen Abfällen der Landwirtschaft in ihrem «Trügol12» gefüttert worden. Nun hatte sie 130 kg Gewicht und «a foasts13 Gnack». Heißes Wasser und Baumharz für den riesigen «Bröü-Zubor14» wurden vorbereitet. Dann tötete der Hausmetzger die «Hiss15» mit sicherem Axthieb und Stich. Die Bäuerin fing das wertvolle Blut auf und rührte es kalt. Ein Schar von Kindern verfolgte mit erregtem Staunen das Bräuen, Ausnehmen und Zerlegen. Schöpfte der Metzger dann endlich die dampfenden Blutwürste aus dem Kessel, so durften die Kinder ein paar davon und meist auch ein Stück 1 1 2 3 4 5 Kratzat = Schmarren, Eierteigspeise Holdor = Holunder Schniotloub = Schnittlauch Mirz = März Surampfla = Sauerampfer 6 Melkar = Wiesenbocksbart. Seine milchigen Stengel schmecken süß, geben aber braune Flecken. 7 Guggarklee = Sauerklee 8 Schamützol = Papiersack 9 schnöuggo = naschen 10 Glusto = Lust, Gier Leozeolto = Lebkuchen Klosoma = Nikolaus-Mann. Ein Lebkuchen mit Nikolausbild oder ein als Mann geformtes Milchbrot mit Rosinenaugen. 3 Moltscheero = Früchtebrot spezieller Art, das unter diesem Namen und in dieser Qualität nur im Hofsteig und in Hofrieden - Bregenz zwischen Weihnachten und Dreikönig gebacken wurde. 4 a Hampfol = eine Handvoll 5 deerte Kriose = gedörrte Kirschen 6 Bummoranzo = Pomeranze, Orange 7 Ofokatz = im Kachelofen gebackener Eierkuchem mit Früchten 8 Schnitzkichora = Bohnenmus, durch mitgekochte Dörrbirnen gesüßt. 9 Biostkuocho = die gelbe Milch der Kuh in den ersten Tagen nach dem Kälbern wurde durch Kochen eingedickt. 10 z Odor lo = Aderlaß, ein bei Vieh und Mensch vielgebrauchter medizinischer Eingriff. 11 Su-Metzgate = Schweineschlachtung 12 Trügol = Futtertrog 13 a foasts Gnack = ein fetter Nacken 14 Bröü-Zubor = Braustande aus Holz. In heißem Wasser wurden die Schweinsborsten abgeschabt. 15 Hiss = Schwein 2 8 9 Kesselfleisch «mit am schöno Gruoß vo dor Mam» zu den Nachbarn tragen. Ganz sicher bekam die Mutter ein paar Wochen später eine gleiche Gabe zurück und hatte so mehrmals Frischfleisch. Das abendliche Wurstmahl wurde mit Freunden und Nachbarn ein richtiges Fest. Da gab es die majoran-duftenden schmalzreichen Blutwürste und durchzogenes Kesselfleisch. Feinschmecker hielten sich an die geröstete Leber oder auch an das sauer gewürzte «Vor-Eosso» aus zerhackten Innereien. Manche schmatzten begeistert, anderen grauste davor. Am folgenden Tag kochte die Mutter noch vom Saukopf und den Haxen den Schwartenmagen. «Schmutz1» wurde «usglo» und ein paar Tage lang durfte man noch von den «Grüoba 2 » naschen. Fast alles Fleisch war aber in der Stande und dann in der Rauchkammer verschwunden. Es mußte das ganze Jahr reichen. Nur ganz selten kaufte die Bäuerin «i dor Metzg» ein Schüblingpaar und einen Suppenknochen. Und nur bei Firmung, Hochzeit und Totenschmaus reichte es zu einem «Zitzele3» für die Kinder. Die erste Metzgerei in Wolfurt wurde überhaupt erst 1879 eingerichtet, als der Hausmetzger Gebhard Fischer sein zwei Jahre früher erworbenes Haus am Dorfbach zu «Gasthof und Metzgerei Lamm» umbaute. Daneben hatten aber die Hausmetzger Metzger-Hannes, Schützo Mathis im Röhle und Metzger Reiner noch lange Zeit viel Arbeit. Seither hat sich die Weltkugel viele Male gedreht. Mehrmals haben einander Reichtum und Hungerzeiten abgewechselt. Auf die letzten sieben mageren Jahre 1939 bis 1946 sind nun schon mehr als sechs mal sieben fette gefolgt. Wie gut verkraften wir sie? Können wir noch bitten um «unser tägliches Brot»? Anhang Das Hungerjahr 1817 Originalbericht aus den Aufzeichnungen des Wolfurter Gotteshaus-Ammanns und Vorstehers Matthias Schneider (1745-1833): «Märkwürdig ist dis 1817 ente Jahr, welches undenklich so, zu keiner Zeit, in keiner Kronik zu finden ist, wegen all zu grosser Theurung. Dieses Jahr 1817 ist ein solches Theur Beträngtes Jahr, daß es den Hunger und die Noth nicht genugsam beschreiben kann. Schon das Vorhergehende Jahr 1816 ist ein solches Fehljahr in allen Viktualien1, das es zum erbarmen war. Die Hauptfrucht, der Türken, ist wegen so schlimmer Witterung gahr nicht zur Zeitigung2 gekommen. Ob wohl in solcher bis bereits Allerseelen stehen geblieben, so ist er dennoch bereits nicht zu gebrauchen gewesen. Es hat der Mehreste gleich mit samt dem Razen3 den Pferdt und Vieh, um nicht gahr zu verfaulen, gefüttert werden (müssen). Die Erdäpfel sind auch weg zu vieler Näße nur halb gerathen, und noch überall sehr reudig geworden. Ops4 hat auch wenig gegeben, und was es gegeben, ist so Theur geworden, das es für das Virtel5 Bieren, nur gemeine, welche nicht einmal die vollkommene Zeitigung erlangt, für 1 f, die besseren aber, als Weinbieren, Bergbieren und dergleichen für 20 Bazen und noch weiter. So hat jede Gattung der Früchten den Aufschlag bekommen und von Tag zu Tag weiter gestiegen. Gegen Weihnächten hat das Korn der Elfer1 48 bis 50 f gekostet. der Haber der Elfer 20 bis 22 f der Roggen der Elfer 25 bis 28 f die Garsten der Elfer detto der Butter das Pfund 28 Kreuzer. So hat es von Einem Mart8 zu den anderen weiter aufgeschlagen, das die Kaufpreise kaum dörfen aufgeführt, und weit ohnmögliger9 mehr bezahlt werden. Da doch zur Zeit Juni bereits die besten Leute, einige alles, andere doch villes haben kaufen 1 2 6 1 2 3 Schmutz uslo = Schmalz, Fett ausschmelzen Grüoba = Grammeln, ausgepreßtes Fettgewebe Zitzele = Krenwürstchen, Frankfurter 3 4 Lebensmittel Reife Kolben Obst ein Viertel = 21,5 Liter 7 8 9 1 f (Gulden) = 60 Kreuzer = 15 Batzen. 1 Batzen = 4 Kreuzer ein Getreidemaß Markt unmöglicher 10 11 müssen, - und ohne Geld ist nicht vill zu bekommen gewessen, und Geld zu verdienen ist gahr kein Zeit Punkt. - Indeme alle Fabrizierung bereits aufgehört, und was noch ein wenig geschehen, hat bereits umsonst müssen geschehen, das Kaum nur das Salz hat können verdient werden, und doch haben die Markt Preiß im Juny so erschröklich aufgeschlagen, das es bedauerlich zu beschreiben das Viertel Korn 9 bis 10 f der Haber 2f45Xbis3f Roggen 3 bis 4 f Türgen detto 7 bis 8f rauhe Gärsten detto 3f gerolte detto 9f das Pfund Butter 26 X das gesottene detto Pfund 32 bis 34 X der Vierling Mußmehl, wie schlecht es noch war, 1 f20 bis 24 X das Weißmehl 1 f36 X und so alle Gattungen. Den 4ten July hat das Malter2 Korn 20 f abgeschlagen. Das gegenwärtige Jahr 1817 ist bis datto ein gutes vollkommnes Jahr anzusehen, für allgemein. Aber für einige Pfarreyen oder Gemeinden sind leider erbarmungswürdige Wetterstreiche, und andere mit unerhörtem hochgestiegenem Waßer des Bodensee dergestalten überhäuft worden, daß zu keiner Zeit solches kein Mensch gedenken noch in einer Beschreibung oder Kronik zu finden war. Denn der Bodensee ist so hoch gestiegen, daß er bis zum Löwenwirth zu Bregenz erwachsen, und auf dem Kornmarkt Blaz ein lauterer See von 2 Schuh3 tief gewessen, welcher in selber Gegend in alle Häußer und Keller eingetrungen, das einige genöthiget worden auszuziehen. Ja zu Hardt und Fußach ist das Wasser so gahr in die Kirchen gekommen, das man selbe gahr nicht mehr hat betretten können, sondern die Gottesdienste zu besondere Häußer und auch gahr auf freiem Felde hat halten müssen. Den 6ten July ist zu Hardt der Gottesdienst bey des Becken Haus des Joseph Hermann und Joh. Georg Ruß gehalten worden, und zwar täglich so muß gehalten werden, bis sich das Wasser wieder verlihret, und die Kirchen wieder kann gebraucht werden. Ebenso ist es auch zu Fußach, besonders auch zur Gaisau, und im Alt Rhein, wo die Mehreste Familien haben ausziehen müssen. Auch an allen Gegenden des Rheins hat sich das Wasser ihn alle Wissen und Felder erhöht und alle Früchten und Heu gänzlich zernichtet. 1 2 Die Ursach des so hochsteigenden Wasser ist: Daß letztes Jahr 1816 der Schnee auf den bergen Niemal abgegangen und den Winter darauf eine Mänge Schnee zu diessem gemacht. In diesem Jahre aber sehr warme Tage und besonders warme Regen, und Pfönnwind1 eingetretten, und dadurch den Schnee so stark geschmolzen, das die Gewässer Langezeit mit aller Überschwemmung daher geflossen, bis der See eine außerordentliche Höhe bestiegen2. Zu Lindau hat es auch großen Schaden gethan, weil das Wasser in alle Gärten der Stadt über Schwämmt hat, und an der Brücken und Mauerwerk großen Schaden gethan. Das Waßer ist 2 Schuhe hoch über die Brücke gestanden. Um selbe nicht gahr wegnehmen zu lassen, hat man selbe mit vielen der größten Quadersteinen und Eichblöcken beladen. An anderen Orten, als in Wasserburg und von da bis Wangen, und bei Konstanz durch die Schweiz bis gegen Luzern hat es den 20ten Juny durch Hagelstreich grossen Schaden angerichtet, wo es stuckweis alles in Grundboden verschlagen, die schönsten Früchten, Weinberg, Obsbäume, das Futter und was da war. Den 4ten July hat es durch den Bregenzer Wald und ein Strich der Schweiz wider mit einem Hagel haimgesucht, wo es auch eine solche Mänge Stein gefällt, das mit Schlitten hätte können darüber gefahren werden. Wettersegengebet O Gott, Du Ausspender aller guten Gaben! Du Ursprung aller erschaffenen Dinge, in welchen wir leben, bewegt werden und sind! Segne unsere Äcker und Güter! Wende ab von denselben alles Ungewitter und befehle, daß der Himmel uns gebe zu seiner Zeit den Regen, zu seiner Zeit die Sonne! Erwärme die Erde, damit sie uns die notwendigen Früchte hervorbringe, wenn Du es zu Deiner Ehre, zum Nutzen unserer Seele zu sein erkennest. Amen. Dieses uralte Bittgebet wurde in Wolfurt täglich mit dem Glockenläuten um 2 Uhr von Kreuzauffindung am 3. Mai bis Kreuzerhöhung am 14. September gebetet. In dieser Zeit betete der Priester mit den Gläubigen auch das «A fulgure, grandine et tempestate libera nos, Domine Jesu Christe» (Vor Blitz, Hagel und Ungewitter 1 X = Kreuzer 1 Malter = 8 Viertel = 172 Liter 3 1 Schuh = (= 1 Fuß) = 31,5 cm Föhn Auf dem Hochwasserpegel am Bregenzer Molo ist diese Marke unter dem 7. Juli 1817 eingeritzt. Sie liegt ungefähr um einen Meter höher als die Marke vom 29. Juni 1965, wo das See-Hochwasser den Autoverkehr am Bahnhof und auf dem Kornmarkt lahmlegte. 12 13 bewahre uns!). Dann segnete er mit «Benedictio Dei omnipotentis +++ descendat super vos, locum istum et fructus terrae, et maneat semper!» - Der Segen des allmächtigen Gottes komme auf euch herab, auf diesen Ort und auf die Früchte der Erde, und verbleibe allezeit! Siegfried Heim Tischgebet Daß unsere Eltern das tägliche Brot in Ehrfurcht und Dankbarkeit annahmen, zeigt sich in uralten Gebetsformeln. Zwei davon hat uns Frau Maria Bernhard, «Klosos» im Oberfeld, Jahrgang 1912, überliefert. Vor nunmehr fast 80 Jahren hat sie sie von ihren Eltern Hintereggers Bertha und «Kloso Marte» Fischer gelernt. Nur mehr wenige kennen ähnliche alte Texte. Vor dem Essen: Herr Gott! Segne diese Speise und sei uns armen Sündern gnädig! Amen. Vater unser... Gegrüßt seist Du, Maria... Kreuzzeichen. Nach dem Essen: Himmlischer Vater! Wir danken Dir, Daß Du uns unwürdige Menschen gespeist hast und (mit) Deiner Gnade so väterlich teilhaftig gemacht hast und nimmer aufhörest, Deine Wohltaten gütig mitzuteilen. Lob und Ehre sei Dir, o Gott, im Himmel! Friede den Menschen auf Erden, Gnade unsern Wohltätern, die ewige Ruh allen verstorbenen Gläubigen! Und nach diesem elenden Leben zu komm uns die ewige Freud und Seligkeit! Amen. Daran schloß man mindestens ein Vater unser für die armen Seelen an, meist aber noch eine Reihe von Gebeten aus besonderen Anlässen. Den Abschluß bildete die «letzte Angst»: Durch deine letzte Angst und schwere Verlassenheit, o gütigster Herr Jesus, wir bitten dich, verlasse uns niemals, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen. Ehrenbürger Dr. Lorenz Böhler und seine Wolfurter Vorfahren In Wien ist 1991 endlich eine Biographie erschienen: Inge Lehne: Lorenz Böhler. Die Geschichte eines Erfolges. Im November 1992 ist ein Abdruck in Fortsetzungen in den «Vorarlberger Nachrichten» erschienen und hat landesweit Beachtung gefunden. Es ist eine packende warme Schilderung der Entwicklung der Unfall-Chirurgie, die untrennbar mit dem großen Wolfurter Arzt vom «Unfallkrankenhaus Wien XX» verbunden ist. Prof. Dr. Poigenfürst nennt ihn im Vorwort «einen Arzt, dem Millionen von Verletzten dankbar sein können, der es immer verstanden hat, den medizinischen und technischen Fortschritt zu nutzen und dennoch den Menschen immer im Zentrum seiner Bemühungen sah.» Uns Wolfurter freuen natürlich die Bilder von seiner Heimat im Holz und von seiner Familie. In der Einleitung schreibt Lehne:«Die entscheidenden Eigenschaften der Persönlichkeit Lorenz Böhlers - der nüchterne Sinn für das Nützliche, die Zielstrebigkeit, die Zähigkeit und der große Fleiß sind die charakteristischen Qualitäten der Alemannen.» Bei Lorenz Böhler fanden sich diese Eigenschaften in besonders hohem Maße, wohl durch eine glückliche Fügung: Vom Vater Josef Böhler her ein echter «Sammüller» - zielstrebig, zäh, auch für das scheinbar Unmögliche kämpfend, wenn es als richtig erkannt ist. Von der Mutter Anna Fischer her ein echter «Seppar» - mit nüchternem Sinn für das Nützliche und begabt für das Organisatorische. Das alles geläutert durch eine strenge Erziehung beim Holzerschmied Adolf und seiner Frau Nanne Böhler, wo er Fleiß und Handwerksgeschick erlebte und übte. Wer diese Familien kennt, wird immer wieder lächeln und staunen, wie Frau Lehne deren Eigenschaften bei Lorenz Böhler im fernen Wien beobachtet hat und (z. B. auf Seite 8) so präzise beschreibt. 14 15 Dann aber schließt sie dieses Kapitel mit den zwei entscheidenden Faktoren seines Erfolgs ganz einfach: «Genie ist Fleiß» und «dem ärztlichen Ethos» getreu! Lorenz Böhlers Bild findet man heute im Brockhaus. Seine Daten faßt Meyers großes Lexikon am kürzesten zusammen: «Böhler Lorenz, geboren zu Wolfurt in Vorarlberg am 15. Januar 1885, gestorben in Wien am 20. Januar 1973. Österreichischer Chirurg. Professor in Wien. Begründer der modernen Unfallchirurgie.» Begründer der Unfallchirurgie! - Welcher Segen für Millionen von verletzten Menschen verbirgt sich hinter diesen nüchternen Worten! Zuerst sein Kampf gegen die Amputations-Chirurgie während des ersten Weltkrieges. Zäh und zielstrebig gewann er ihn gegen die übermächtige k. u. k. Militärbürokratie. Dann sein Organisationsgenie, sein nüchternes «Heilen kommt billiger als Renten zahlen», mit dem er die Unfallversicherungsanstalt auf seine Seite brachte. Schließlich seine titanenhafte Schaffenskraft beim Aufbau des ersten Unfallkrankenhauses in Wien und bei der Ausdehnung seines Werkes und seiner Lehre über Linz, Bozen, Bregenz hinaus in alle Welt bis ins ferne China! Lorenz Böhler hat schließlich zahlreiche Ehrungen erfahren dürfen, Ehrenprofessuren von berühmten Universitäten, hohe Auszeichnungen von Staat und Land. Dabei blieb er aber immer «seinen Wurzeln treu». Er freute sich über die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Wolfurt im Jahre 1957 und stiftete für die dortige Schule, wo er einst selbst das ABC gelernt hatte, den Böhler-Preis. Sehr zahlreich sind heute die «Sammüller» und die «Seppar», die Lorenz Böhler stolz zu ihrer Sippe zählen. Von Wolfurt aus haben sie sich weit im Land ausgebreitet. Als Ergänzung zu Lehnes Buch stelle ich hier eine Übersicht über die Verwandschaft zusammen. «Böler Johannes und Ursula Feßlerin de hueb» haben mehrere Kinder, darunter «Böler Josephus». Er wird am 26. März 1715 in der Pfarrkirche St. Gallus getauft und heiratet dort 1749 «Anna Feßlerin des Joannis Feßler de Parochia Langen», also aus der dem Pfänder sehr nahen Pfarrei Langen. Unter ihren Kindern ist «Böler Mathias ab der hueb», geboren 1753. Er heiratet 1782 «Catharina Blankin de Sulzberg». Als junge Witwe übersiedelt diese schon 1784 nach Wolfurt. Ihr einziger Sohn aus erster Ehe ist «Böler Joseph Hilar», getauft 2. März 1783 noch in Bregenz. Er erbt von seinem Stiefvater Anton Müller den Hof an der Ach in Wolfurt und heiratet 1811 Katharina Kalb, Naglers vom Dorfplatz. Bei ihren 12 Kindern schreibt der neue Pfarrer den Namen jetzt etwas verändert. Einer der Söhne ist Böhler Johann Baptist (1823 - 1876). Er heiratet 1853 Katharina Schneider und erwirbt damit den «Sammüller»-Hof» an der Kellhofstraße. Unter ihren neun Kindern sind Josef, 1854 - 1937, der Vater von Prof. Lorenz Böhler, Anna, 1857 - 1938, die Frau des Holzerschmieds Adolf Böhler, Lorenz, 1860 -1939, der Stammvater von «Sammüller-Lorenzos» in Rickenbach, und Joh. Baptist junior, 1864 - 1927, Vater der «Sammüller» im Dorf. Böhler Josef, 1854 -1937. Er schließt 1884 die Ehe mit Anna Fischer, Seppos von der Steig. Sie bewohnen einen neuen Anbau am Elternhaus «im Gässele» an der Kellhofstraße, übersiedeln aber später nach Bregenz. Drei Kinder: Lorenz, 1885 - 1973, ist der berühmte Unfallchirurg. Karolina, 1886. Sie stirbt mit 4 Monaten. Rosa, geb. 1891, heiratet Rudolf Böckle aus Altenstadt und wird die Mutter des Bregenzer Unfallchirurgen Dr. Rolf Böckle. 17 Die Böhler -Reihe Die Böhler stammen ursprünglich alle aus Buch, wo sie erstmals im Mehrerauer Zinsbuch von 1290 urkundlich erwähnt sind. Von Buch aus verbreiteten sie sich in alle Gemeinden rund um den Steußberg. Um 1700 findet sich ein Johann Böhler als Bauer auf der Hub, das ist ein Einzelhof am Weg vom Pfänder nach Eichenberg. In den Bregenzer Pfarrbüchern erscheinen dort drei Generationen Böhler: 16 Lorenz («Lenz»). 1914 -1945. «Mantika». Sie stirbt schon als Kleinkind. Georg («Jörg»), 1917. Als Unfallchirurg wird er Nachfolger des Vaters und Leiter des Dr. Lorenz-Böhler-Krankenhauses in Wien. Michael («Michel»), 1921. Kaufmann in Wien. Leopldine («Polla»), 1922, verehelichte Wodenegg in Dreikirchen. Ihr gehören auch Hof und Schmiede im Holz in Wolfurt. Peter, 1924 -1945, gefallen in den letzten Kriegstagen bei Wien. Catharina Blankin - aquis submersa Unter Prof. Lorenz Böhlers Vorfahren ist Katharina Blank die Frau, die dieses Geschlecht nach Wolfurt gebracht hat. Am 26. Oktober 1755 war sie auf dem Sulzberg zur Welt gekommen. Der Jungbauer Mathias Böhler holte sie 1782 als seine Frau auf die Hub am Pfänder. Am 2. März 1783 gebar sie dort ihren ersten Sohn und ließ ihn in St. Gallus in Bregenz nach den Großvätern Josef Hilar taufen. Ihr Glück war kurz. Schon im folgenden Winter starb, erst 31 Jahre alt, am 8. Jänner 1884 Vater Mathias «improvisa morte abreptus». «Durch einen unversehenen Tod hinweg gerafft» - war es ein Unfalltod? eine heimtückische Krankheit? - Auf alle Fälle konnte die junge Bäuerin den einsamen Hof über dem Bergwald nicht halten. Es mutet wie eine Flucht vor ihrer Sippschaft an, wenn sie schon wenige Monate nach des Gatten Tod mit ihrem einjährigen Büblein über die Ach nach Wolfurt kommt und hier am 10. Mai 1784 den Witwer Anton Müller heiratet. Der elfjährige Lorenz Böhler im Jahre 1896 mit Vater Josef, Mutter Anna, geb. Fischer, und Schwester Rosa. Böhler Lorenz. 1885 -1973, Arzt in Bozen und Brixen, ab 1924 in Wien. Er heiratet 1912 Leopoldine («Poldi») Settari aus Dreikirchen bei Waidbruck im Südtirol. Sie schenkt sechs Kindern das Leben: 18 Anton Müller war ein Sohn des Gotteshausammanns Johannes Müller im Kirchdorf und besaß einen Hof an der Ach, etwa an dem Platz, wo heute das Reihenhaus Inselstraße 1 steht. Hier wurde Katharina Blank, nun Frau Müller, noch zehnmal Mutter. 1807 starb auch ihr zweiter Mann. Jetzt war Josef Hilar, ihr Sohn aus erster Ehe ihre beste Stütze. Aber schon ein Jahr später am 27. Juni 1808 mußte auch sie eines unversehenen Todes sterben. Der nahe Damm, auf dem heute die Achstraße angelegt ist, war damals noch der Schutz gegen das Hochwasser der Ach. Dort wuschen die Bäuerinnen ihre Wäsche. 19 «Bei einer Tuchwaschung» ist Katharina Blank damals ertrunken, schreibt der Chronist Mathias Schneider. «Aquis submersa», notiert der Pfarrer und nimmt damit den Titel von Storms berühmter Novelle ein halbes Jahrhundert voraus, «in den Fluten versunken». Die Fischer-Reihe Prof. Lorenz Böhlers Mutter Anna war eine geborene Fischer von der Steig in Rickenbach. Sie gehörte der angesehenen Linie der «Seppar» an. «Seppos» auf der Steig gehen auf Josef (Sepp») Fischer, 1801 -1863, zurück und sind ein Zweig der viel größeren und älteren Sippe der «Stöoglar»-Fischer. Zu den Stöoglarn zählen neben Seppos auch noch «Schnidarles» und «Klosos». Um ihre Erforschung hat sich Dr. August Fischer sehr verdient gemacht. Hier führe ich ein paar Daten aus den Wolfurter Pfarr- und Gemeindebüchern an. Die älteste Erwähnung ist dort eine Hochzeit am 1. Februar 1659: Fischer Sebastian (+31.12.1689) heiratet 1659 Ursula Grül. Unter ihren 6 Kindern waren die Söhne Josef (1664) und Georg (1677). Von Georg (1677 -1748) stammen nicht nur «Klosos» im Oberfeld, sondern auch «Baholzers» vom Rutzenberg mit unserem 100jährigen Martin Höfle (1892 1992), Spengler Martin Schwärzler (1908) und Schwerzler Martin und Katharina von der Rutzenbergstraße 1. Zu Georgs Nachkommen zählen aber auch «Bäschles» im Flotzbach, Öl-Köbs und Giesingers, und eine große Gruppe von Auswanderern in Amerika. Fischer Josef (1664 - 1737) lebte bereits auf der Steig und war dort zweimal verheiratet. Ein Sohn aus seiner ersten Ehe war Sebastian (1694 - 1749), der Stammvater von «Schnidarles», zu denen neben Fischer Siegfrieds, Eberle Herminas und Bertas Nachkommen auch Altvorsteher-Schertlers mit SchuhMeusburgers und Schertlers von der Lorenz-Schertlerstraße zählen. Das achtzehnte und jüngste Kind aus Josefs zweiter Ehe mit Magdalena Schwerzler war Fischer Anton (1722 - 1781), Bauer auf der Steig im heute noch erhaltenen wunderschönen Haus Rutzenbergstraße 1, in dessen Nachbarschaft der ursprüngliche Sitz des Gerichts Hofsteig zu suchen ist. Auch von seinen Kindern leiten sich viele Wolfurter Familien ab, z. B. «Schnidar» Schwärzlers an der Hub. Ein Sohn aus der zweiten Ehe mit Agatha Dietrich aus Lauterach war Fischer Josef Anton (1767 -1847), der das Elternhaus erbte. Mit Ursula Bildstein heirate er 1795 eine Tochter aus «Hanso Hus» an der Kirchstiege, das damals eines der einflußreichsten im Ort war. Unter ihren elf Kindern war «Sepp», 1801, das 21 Josef Hilar Böhler, 1783 -1862 Nach dem plötzlichen Tod der Mutter mußte der 25jährige Sohn Josef Hilar den Hof an der Ach und die Obsorge für seine kleinen Stiefgeschwister übernehmen. 1811 fand er in Katharina Kalb, Naglers aus dem Kirchdorf, eine tüchtige Frau, die ihm in den folgenden zwei Jahrzehnten 12 ebenso tüchtige Kinder schenkte. Josef, 1812, heiratete nach Lauterach. Von ihm stammen u. a. die Krenkel, auch der heutige Stadtarzt Dr. Krenkel im Zwettl, NÖ. Gebhard, 1813, erwarb das Haus Bregenzerstraße 20. Sein einziger männlicher Enkel, der Lehrer Gebhard Böhler, ist 1916 in Rußland gefallen. Alte Leute nennen das Haus bei der Kalkhütte noch «Küfer Böhlers». Mathias, 1814, erbaute ein Haus am Platz von Inselstraße 9. Als es schon 1878 abbrannte, übersiedelte er in die Bütze (Nr. 6). Einer seiner Urenkel ist Volksschuldirektor Heinrich Höfle, 1922. Anton, 1821, besaß zuerst ein Haus beim Wälderhof und später eines am Platz von Achstr. 31. Johann Baptist, 1823, wurde an der Kellhofstraße der erste Böhler - Sammüller. Agatha, 1827, heiratete im Holz den Bauern Bernhard Gmeiner. Ihr Sohn Fidel Gmeiner, 1866, ist der Stammvater der Kartonagen-Gmeiner an der Unterlindenstraße. Von der Tochter Anna Maria, 1857, die mit dem Fergger Fidel Mohr verheiratet war, stammen viele Dörfler Mohr, darunter unser Ehrenringträger Hubert Mohr, 1922. Nach der Eltern Tod bewirtschafteten zwei ledige Töchter den Böhler-Hof an der Ach noch ein paar Jahrzehnte. Am 12. Mai 1900 ist er abgebrannt und seither verschwunden. 20 fünfte. Das «Stöoglar»-Haus erbte aber Johann, 1804, der Stammvater der «Stöoglar»-Fischer an der Ach und der «Stöoglar»-Steurer an der Rutzenbergstraße. Aus jahrhundertelangem Familienbesitz verkauften die «Stöoglar»-Erben 1915 ihr Stammhaus Rutzenbergstraße 1 an die Familie «Baholzer»-Schwerzler, deren Hof im Bannholz gerade abgebrannt war. Zu Weihnachten 1842 starb Frau Agatha. Zwei Monate später heiratete Sepp seine zweite Gattin Johanna Flatz aus Buch. Sie gebar ihrem Mann in den folgenden Jahren weitere zwölf Kinder, zusammen also 22. Etliche davon gründeten später selbst große Familien und trugen damit die tüchtige «Seppar»-Art weit über Wolfurt und Vorarlberg hinaus. Nur einige kann ich hier aufzählen. Gebhard Fischer (1848 - 1892) führte 1896 die erste Hand-Stickmaschine in Wolfurt ein und betrieb auf der Steig eine gutgehende Stick-Ferggerei, die seine Frau Agnes Pfefferkorn weit über seinen frühen Tod hinaus weiterführte. Die acht Kinder aus zehn Ehejahren: Johann Georg («Hans-Irg»), 1883, Bauer an der Brühlstraße. Paulina, 1885, verheiratet mit Dr. Eduard Fischer, Löwenwirts, Advokat in Innsbruck. Regina, 1886 - 1984, damals älterste Wolfurterin, Klöppelei an der Bützestraße Johannes (Seppo Hannes), 1887, Spetenlehen. Bertha, 1888, verheiratet mit Ludwig Weh, Lehrer in Wolfurt und später in Bregenz. Anna, 1890 + (Zwilling) Maria, 1890, verheiratet mit Karl Müller, Kronenwirts, Sticker an der Unterlindenstraße. Gebhardine, 1892, verheiratet mit August Böhler, Sternenwirts., in der Mehrerau. Franz Xaver Fischer (1849 -1895) wanderte wie sein älterer Bruder Joseph Anton (1845 - 1866) nach Amerika aus. Während dieser aber sofort ums Leben kam, erwarb «Vere» in Kalifornien und später in Chicago märchenhaften Reichtum. Bei einem Besuch in Wolfurt machte er auf seinen kleinen Neffen Lorenz Böhler besonderen Eindruck, wie Inge Lehne auf Seite 12 in ihrem Böhler-Buch berichtet. 1895 ist auch Vere in Chicago eines ungeklärten Todes gestorben. Anläßlich seiner ersten Amerika-"Reise soll Dr. Lorenz Böhler 1914 im Auftrag der Familie vergeblich nach seinem Nachlaß geforscht haben. Zwei «Seppar»-Schwestern, Anna Maria und Barbara, heirateten auswärts, die jüngsten vier in Wolfurt: Als Bruder Gebhard 1882 das Elternhaus auf der Steig übernahm, hatte die Mutter für sich und die Schwestern bereits das Haus Wingertgasse 2 (heute «Lislos») in Rickenbach gekauft. 23 Sepp und seine 22 Kinder - die Seppar Im großen alten «Stöoglar-Hus» am Weg ins Bannholz lebten zu Napoleons Zeiten der Bauer Josef Anton Fischer und seine Frau Ursula Bildstein. Ursula war eine Tochter des Kaufmanns Crispin Bildstein (1740 -1819) in Hanso Hus im Kirchdorf und eine Enkelin des ersten bekannten Wolfurter «Chirurgen» Antony Bildstein. Ihr Bruder Joh. Baptist war Kaufmann, Josef Anton Pfarrer von Laüterach, Bernhard Vorsteher von Wolfurt. Ihre Schwester Katharina wurde die StammMutter von «Veres», «Schrinars» und «Toblars» in der unteren Bütze und von «Knores» im Strohdorf. Andere aus dem Bildstein-Geschlecht wurden später ebenfalls Priester, Ärzte, Kaufleute, Vorsteher, Beamte und Ingenieure, aber auch biedere Handwerker und Bauern. Viele von diesen Talenten scheinen auch bei den Nachkommen aus dem Fischerhaus auf. Fischer Josef Anton (1801 -1863) wurde am 24. Oktober 1801 geboren. Er erhielt den gleichen Namen wie sein Vater, wurde aber «Sepp» gerufen. Danach werden noch jetzt seine Nachkommen benannt. Zu jung, um noch zu Napoleons Armee eingezogen zu werden, erlebte er den Wirtschaftsaufschwung nach dem Wiener Kongreß und nützte ihn. Er erwarb ein Vermögen, das ihm um das Jahr 1832 den Bau eines der größten damaligen Rickenbacher Häuser ermöglichte. Es steht noch heute an beherrschender Stelle oben auf der Steig, Spettels, Hofsteigstraße 48. Schon 1826 hatte Sepp seine erste Frau Agatha Schwerzler aus Spetenlehen geheiratet. Zehn Kinder brachte sie zur Welt, aber acht davon trug man schon nach wenigen Tagen oder Wochen als «Engel» zum Friedhof. Viermal taufte man nach der Mutter eine kleine Agatha, erst die vierte blieb am Leben. 22 Katharina, 1855, heiratete Wilhelm Gunz («Plazes» Wilhelm) und wurde im Nachbarhaus die Stamm-Mutter der Gunz-Familien. Maria Anna, 1859, Sepp Fischers 20. Kind, heiratete 1884 den «Sammüller» Josef Böhler. Er soll damals gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Lorenz als Fuhrmann im benachbarten «Kreuz» gearbeitet haben, wo Johann Haltmeyer einen ausgedehnten Weinhandel betrieb. Im Haus «im Gässele» wurde Maria Anna 1885 die Mutter des kleinen Lorenz, der später der berühmte Professor Lorenz Böhler geworden ist. Karolina, 1860, heiratete den zweiten Sammüller, Lorenz Böhler. Von ihr stammen «Sammüller Lorenzos» in Rickenbach. Theresia, 1861, die jüngste der «Seppar»-Schwestern, blieb ebenfalls in der Nachbarschaft. Mit ihrem Mann Konrad Bohle übernahm sie 1889 die Gastwirtschaft zum Mohren mit Bäckerei und Handlung und begründete die Wolfurter BohleSippe. Der Name Der Name Lorenz Böhler hat durch unseren berühmten Ehrenbürger weltweit, besonders aber in Wolfurt, einen guten Klang. «Böhler»: Der alte Wortstamm «bol» bedeutet «rollen» oder «rund» und fand (nach Jutz) zur Bezeichnung verschiedenster kugelartiger Gegenstände Verwendung. Welti nennt in seinem «Kellnhof Wolfurt» (1952) für das Bucher Geschlecht die alten Schreibweisen «Boller», «Böler», «Böuler» und «Bönler», von denen sich schließlich «Böler» durchsetzte. Als in Wolfurt 1814 der neue Pfarrer Grasmeier Einzug hielt, begann er in den Pfarrbüchern mit einer geänderten Schreibart, «Böhler» mit stummem h. Derzeit ist «Böhler» mit 152 Eintragungen im Blauen Buch von 1989 in Wolfurt der häufigste Geschlechtsname. Nur in den Städten Dornbirn und Bregenz gibt es noch mehr Böhler. Am dichtesten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind sie allerdings in Bildstein und in Schwarzach vertreten. «Lorenz»: Der Hl. Laurentius wurde nach der Legende im Jahre 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert. Sein Festtag ist der 10. August. In vielen Kirchen findet sich sein Bild. Fast immer wird er mit einem Buch und dem Eisenrost dargestellt. Durch all die Jahrhunderte war Laurent, später Lorenz, ein häufiger Taufname. In die «Sammüller»-Familie kam er durch Laurent Schneider, geb. 1790, dessen Tochter Katharina 1853 einen Böhler heiratete. Schon ihren ersten Sohn taufte sie Lorenz und nach dessen Tod einen zweiten. Aber erst der dritte Lorenz von 1860 blieb am Leben und begründete «Lorenzos» in Rickenbach. Es war fast selbstverständlich, daß auch sein Bruder Josef 1885 seinen ersten Sohn wieder Lorenz taufte, Prof. Dr. Lorenz Böhler. Als dieser 1914 in Bozen zum ersten Mal Vater wurde, gab es wieder einen Lorenz, «Lenz» wurde er meist gerufen. Auch Lorenz in Rickenbach hatte 1888 einen Sohn Lorenz taufen lassen, doch war dieser bald verstorben. So bekam 1931 der erste Enkel den klangvollen Namen Lorenz Böhler. Heute ist er der «Senior» in der bekannten Gardinenfabrik. Er ist aber auch der einzige unter den 152 Wolfurter Böhlern, der nach dem heiligen Märtyrer oder dem großen Vetter in Wien benannt wurde. Sollte er etwa der letzte sein? «Sammüller» ist der Hausname eines Böhler-Geschlechts, mit dem sich dieses von anderen, etwa den «Holzer»-Böhlern, «Bergers», »Rasierers» und «Sternenwirts» unterscheiden läßt. «Sam-Müllers» ist eine durch langen Gebrauch gekürzte Form und heißt eigentlich «des Ammann Müllers». 25 Sepp Fischers jüngste Töchter. Ein besonders altes Foto aus dem Jahr 1867 (!). Von links: Katharina (Gunz,1855), Anna (Böhler,1859, Dr. Böhlers Mutter), Karolina (Böhler, 1860), Annamaria (Lang, 1850), Barbara (Mörl, 1852) und Theresia (Bohle, 1861). 24 Seit 1985 trägt das Haus auch eine Gedenktafel an Dr. Lorenz Böhler. Derzeit wird es von Grund auf renoviert. Wir freuen uns darüber, daß das wohl an die 300 Jahre alte Ammannhaus wieder ein Schmuck des Dorfes sein wird. Die Holzer-Schmiede Das alte Bauernhaus «Im Holz 3» trägt seit 1985 eine Ehrentafel, die an Prof. Lorenz Böhler erinnert. Hier hat er die Kinderjahre bei Tante «Nanne» verbracht. Sein Leben lang betrachtete er es als Vaterhaus und besuchte es in seinen seltenen Urlauben, aber manchmal auch mit berühmten Ärzten, wenn sich bei einem Kongreß eine Gelegenheit dazu bot. Bei einer Übersicht über Böhlers Verwandte dürfen daher die Holzer-Schmiede nicht fehlen. Die Böhler im Holz sind zu den Sammüller-Böhlern überhaupt nicht verwandt. Sie stammen von einem Böhler Christian, geboren 1654 in Oberbildstein. 1738 heiratete sein Enkel nach Wolfurt. Seine Nachkommen findet man als Schmiede und Wagner in verschiedenen Häusern. Das 300 Jahre alte Sammüller-Haus beherrscht die Kellhofstraße im Kirchdorf. Links Veres Hus und der neue Schwanen. Im Hintergrund die Kirche mit dem damals neuen Turm und dem Pfarrhof. Davor der Spitzgiebel des alten Schwanens. An der Hausmauer des Sammüllerhauses vorbei fließt offen der Töbelebach zum Gasthaus Lamm herab. Ein Bild von 1910. Der «Gotteshaus»-Ammann Martin Müller(1674 -1732) und nach ihm sein Sohn Johannes Müller (1711 -1786) hatten das ehrenvolle und auch einträgliche Amt, als Verwalter der großen Mehrerauer Besitzungen in Wolfurt den jährlichen Zehent für das Kloster einzuheben, Streitigkeiten zu schlichten, Erbschaftsangelegenheiten zu regeln und vieles mehr. Ammann Müllers lebten schon um 1700 im Sammüllerhaus an der Kellhofstraße. Ein Sohn aus diesem Haus, Anton Müller, hatte 1784 in seinem Hof an der Ach die Witwe Katharina Blank und ihren kleinen Buben Josef Hilar Böhler aufgenommen. Im Dorf starben die Müller 1813 aus. Das Amt als Gotteshausammann hatte nach Johannes Müller sein Neffe Mathias Schneider (1745 -1833) bekommen, in dessen Zeit die Auflösung des Klosters fiel. 1813 erwarb er das leer gewordene «Ammann-Müller»-Haus für seinen Sohn Lorenz Schneider. Dieser vererbte es 1859 an seinen Schwiegersohn Joh. Bapt. Böhler. Seither sind drei Generationen von Sammüller-Böhlerkindern hier groß geworden. 26 Jakob Böhler (1819 -1897), hatte als Schmied noch bei seinem Vater Hieronymus in Spetenlehen gearbeitet und war dann in Unterlinden (Frickenescherweg 1) selbständig geworden. Wegen der im Gewerbe so wichtigen Wasserkraft übersiedelte er aber 1852 zu seinem Schwiegervater ins Holz, wo dieser Mühle und Mühlteich besaß. Noch im gleichen Jahr erstellte Jakob am Weiher die «alte Schmiede». Fünf von seinen Söhnen erlernten hier bei ihm das Schmiedehandwerk, einer, Hieronymus, wurde Wagner. Drei eröffneten eigene «Schlosser»-Werkstätten: Gebhard, 1849 -1924, an der Kreuzstraße. Seine Tochter war «Schlossers Juli». Johann Baptist, 1857 -1927, im Röhle, Bregenzerstraße 27. Die Schmiede, wo nach ihm noch sein Sohn «Hannbatisto Jockl» glühende Eisen schmiedete, träumt heute von Waldreben überwuchert vor sich hin. Zu Hannbatists Kindern zählen auch SAmmas Lina und der Frachter Gebhard Böhler. Rochus, 1865 - 1942, betrieb- eine Machinenschlosserei in Rickenbach (Rickenbacherstr. 4). Schellings Elvira war eine von seinen Töchtern. Zwei Schmiede übernahmen die väterliche Werkstätte im Holz, August und Adolf. Wegen ihrer Tüchtigkeit waren sie über das Land hinaus bekannt. Sie erzeugten 27 Bauern- und Maurerwerkzeuge, Wagenbeschläge und -achsen, große Schraubenspindeln und feine Brandstempel. Daneben betrieben sie weiterhin die Holzer Mühle mit dem großen Wasserrad. Hier hat Lorenz Böhler als Kind mitgearbeitet. Lehne berichtet (S. 14), daß er sogar die schweren Türkenstumpen, die die Wolfurter Bäuerinnen bei Onkel Gebhard an der Kreuzstraße deponiert hatten, zum Mahlen ins Holz hinauf schleppen mußte. August Böhler, 1852 - 1933, wohnte auf der Halde. Von seinen fünf Töchtern wurden Paulina die Mutter der Familie Guldenschuh in Unterlinden, Theresia die Mutter der Familie Geiger im Röhle und Maria die Mutter der Familie Klimmer in Spetenlehen. Adolf Böhler, 1854 -1936, heiratete 1892 Anna Böhler, 1857 -1938, «Sammüllers Nanne». Sie übernahmen das Böhlerhaus im Holz, betrieben neben der Schmiede eine kleine Landwirtschaft und auch, wie damals in fast jedem Haus, eine Stickerei. Hier arbeitete neben Nanne auch ihre ledige Schwester Rosalie («Rosele»), deren geschwinde Finger den Neffen Lorenz beeindruckten (Lehne S. 16). Als Lorenz Böhlers Eltern 1890 nach Bregenz übersiedelten, überließen sie den fünfjährigen Buben der Großmutter im Sammüllerhaus und nach deren Tod im Mai 1892 den Tanten Nanne und Rosele. Schon im Juni 1892 heiratete aber Nanne ins Holz hinauf. Und weil sie kinderlos blieb, holte sie bald den kleinen Lorenz zu sich in den Schmiedehaushalt., wo er nun bei den Zieheltern jene Prägung erfuhr, die ihn zu so außerordentlichen Leistungen befähigte. Frau Lehne nennt sie (S. 11) anerkennend «die charakteristischen Eigenschaften der Alemannen», Zähigkeit und Fleiß. Im Schmiedehaus hat Lorenz auch noch eine jüngere Ziehschwester bekommen, Rosa Böhler, geboren 1898. Sie war eine Tochter von Adolfs Bruder Hieronymus Böhler, dem Wagnermeister an der Achstraße. Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau war dieser 1907 allzufrüh gestorben und hatte vier kleine Mädchen hinterlassen. Die wurden nun, wie es damals bei Waisen selbstverständlicher Brauch war, an vier verwandte Familien aufgeteilt. Anna ging später als Sr. Petrina zu den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke ins Kloster, Hermina und Gebhardina starben in jungen Jahren. Rosa aber kam zu Onkel Adolf ins Holz. Zu ihrem großen «Bruder» Lorenz hatte sie ein so herzliches Verhältnis, daß er sie mit ins Südtirol nahm, nachdem er dort 28 1912 geheiratet hatte und nun Nachwuchs erwartete. So wurde «die Rosa» zehn Jahre lang Kindermädchen, aber auch Köchin und Haushaltshilfe für Frau Poldi Böhler-Settari an ihren damaligen Wohnsitzen in Bozen und Brixen und in den Ferien in Dreikirchen. Nach Wien ging Rosa 1924 allerdings nicht mehr mit. Sie kehrte heim ins Holz und wurde 1925 die Frau von Karl Schwärzler, «Liberats», an der Hub. Noch oft kehrte Prof. Böhler dort zu. Auch seine Kinder Jörg, Michel und Polla, die das Ende des Krieges 1945 im Holz erlebten, fanden immer wieder den Weg zu «ihrer Rosa». Die Holzer-Schmiede im Jahre 1930. Links Adolf Böhler (Dr. Böhlers Ziehvater), rechts August Böhler 29 Rosas jüngster Sohn Dr. Paul Schwärzler verwaltet heute den Böhler-Besitz im Holz für Frau Polla Wodenegg. Er konnte vermitteln, daß die Gemeinde Teich und Schmiede in Pacht bekam und daß der Alpenverein 1976 -80 dort sein Heim «Alte Schmiede» einrichten durfte. Böhler-Schüler Die «Wiener Schule» für Unfallchirurgie besaß schon zu Prof. Böhlers Lebenszeit durch seine Arbeit Weltruhm. Frau Lehne widmet ihr (S. 101) ein Kapitel. Fast alle Ärzte von der Webergasse leiteten später selbst Unfallkrankenhäuser. Zu Böhlers bekanntesten Schülern zählt ein Wolfurter, Prof. Dr. Emil Beck. «Becks Emil», wie ihn seine Freunde immer noch nennen, ist 1931 geboren und in Wolfurt aufgewachsen. Bei uns als Spitzen-Schifahrer und ausgezeichneter Fußballspieler bekannt, galt er bald in Wien als einer der begabtesten MedizinStudenten. Er wurde von seinem Lehrer Prof. Böhler persönlich gefördert und arbeitete noch unter ihm als Arzt am Wiener Unfallkrankenhaus. Später folgte er einer Berufung als Oberarzt zu Böhlers Sohn Dr. Jörg Böhler nach Linz und dann wieder nach Wien. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten wurde Dr. Beck bekannt. Schon 1974 holte ihn das Land Vorarlberg als Leiter des neuen Unfallkrankenhauses nach Feldkirch. Dort hat er unter den vielen Patienten die Wolfurter immer mit besonderer Aufmerksamkeit betreut. Längst ist er nun Professor in Innsbruck und trägt darüber hinaus als Präsident der Gesellschaft für Unfall-Chirurgie hohe Verantwortung für Forschung und Ausbildung. Das erfüllt uns alle mit Freude und Stolz! Im Jahre 1965 übernahm ihn die Hauptschule. Aus Anlaß seines 80. Geburtstages hatte Dr. Böhler das Kapital beachtlich erhöht. Ein Kuratorium vergibt seither jedes Jahr aus dem Zinsertrag ein Buch und eine Geldsumme an die beste Schülerin und den besten Schüler der 4. Klasse Hauptschule. Wenn mehr als zwei gleichberechtigte Preisträger sind, sorgt die Raiffeisenbank dafür, daß das Stammkapital nicht angetastet werden muß. Seit neuestem vergibt die Gemeinde zusätzlich Lehnes Böhler-Buch «Die Geschichte eines Erfolges». Aus den inzwischen über 70 Preisträgern sind eine Reihe geachteter Mitbürger hervorgegangen. Wie schreibt Lehne? - «Genie ist Fleiß!» Krut und Rüoba Als Prof. Lorenz Böhler im Jahre 1965 vom Land Vorarlberg mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde, veranstaltete die Gemeinde einen Festabend, bei dem Bürgermeister Waibel einen von Spengler Martin Schwärzler geschaffenen großen Kupferteller mit dem Gemeindewappen überreichte. Zum Festessen im Stern hatte sich der Ehrenbürger Wolfurter Kost gewünscht. So gab es denn auch «Speock, Krut und Hafoloab» und dazu «Most und Obstlar». Kenner meinten, zum Kraut gehörten eigentlich auch «sure Rüoba». Das hätte Lorenz Böhler vielleicht an jenen uralten Vers erinnert, mit dem man seit eh und je ihn und alle anderen Lorenze hänselte: «Lorenz, klenn Rüoba, groß Schwänz!» Die Bauernregel will damit sagen, daß es an Lorenzi (10. August) zu spät ist zur Rüben-Aussaat. Nach der Vorstellung des Böhler-Buches im September 1992 hielten Dr. Jörg Böhler und seine Schwester Polla mit Frau Lehne und Dr. Beck Einkehr in der «Alten Schmiede» und ließen sich unter dem Bild des Holzer-Schmieds fotografieren. Dr. Jörg erzählte von der Heimatverbundenheit seines Vaters allerlei Anekdoten. So habe er die Patienten gereiht in erstens Wolfurter, zweitens Klasseund drittens andere. Da könnte man eingebildet werden, wenn man liest, daß sich auch Ministerpräsidenten in der Patientenliste befanden. Übrigens wissen sich Wolfurter Verletzte auch bei Prof. Beck - früher in Feldkirch und jetzt in Innsbruck - ganz besonders gut aufgehoben. Böhler Preis Alle Jahre wird in Wolfurt ein kleiner, aber nicht weniger begehrter Preis nach dem Vorbild Nobels verliehen. Als Prof. Böhler 1957 Ehrenbürger wurde, besuchte er seine alte Volksschule im Strohdorf und übergab nach einem Gespräch mit den Schülern dem Schulleiter einen ansehnlichen Geldbetrag «für den besten Schüler und die beste Schülerin». Köb Hannelore und Thaler Heiner waren die ersten Preisträger. Acht Jahre lang vergab die Volksschule den Preis. 30 31 Siegfried Heim die er im Archiv von New Ulm gefunden hat. Darunter ist einer über Maria Kalb, die älteste Tochter des Ferdinand. Sie ist am 15. März 1842 an der Hub geboren und ging noch dort im alten Schulhäuschen zur Schule. In Amerika heiratete sie 1865 Fred Julius . In nur 14jähriger Ehe gebar sie 10 Kinder, die sie als junge Witwe allein versorgen mußte. Als sie - fast 90 Jahre alt - im Februar 1932 starb, widmete ihr die Zeitung als einer der letzten aus den «Pionier»-Tagen von Minnesota einen großen Artikel. Daraus übersetze ich: «Sie war erst 10 Jahre alt, als sie 1852 mit ihren Eltern Mr. and Mrs. Ferdinand Kalb in die United States kam. Sie landeten im Hafen von New York und zogen dann mit einem Ochsengespann westwärts, nach Blackswamp in Ohio, das heute Fremont heißt. 1855 kam die Familie nach Brown county und setzte sich auf der heutigen Albert Groebner-Farm im Gemeindegebiet von Cottonwood fest, genau südlich von New Ulm. Kalb's Creek, Kalbs Fluß, der nahe der Metzenbrücke der Trunk Highway No. 15 in den Big Cottonwood river mündet, wurde nach ihrem Vater so benannt. Während des Indianerangriffs auf New Ulm im Herbst 1862 war die Verstorbene hier im Dakota-Haus beschäftigt. Tapfer tat sie gemeinsam mit anderen Frauen Dienst bei den Verwundeten.» Marias Mutter war schon 1854 gestorben. Aus der zweiten Ehe des Vaters lebten eine Reihe kleiner Kinder auf der Farm, als die Indianer sich am 17. August 1862 auf den Kriegspfad machten. Der Vater war gerade bei der Getreideernte, als ihn ein vorbeireitender Nachbar warnte. Schnell lud er die ganze Familie auf den Ochsenkarren und führte sie zu einem vier Meilen entfernten Sammelpunkt, wo sie sich sicherer fühlten und die Männer bei der Abwehr der Indianerangriffe helfen konnten. Die Familie Kalb mit ihren kleinen Kindern, darunter der erst 7 Monate alte Berthold, floh weiter nach St. Peter. Nach der blutigen Niederwerfung des Aufstandes kehrte sie in ihre Heimstatt am Kalb's Creek zurück. Von den Kalb-Kindern lebten 1930 noch fünf Schwestern und die Brüder Berthold, John und Ferdinand Kalb, letztere in Pine City. Auch wenn ihre Enkel Wolfurt längst vergessen haben, erinnert der Name des Flusses noch an die alte Heimat. Und wenn einmal ein Wolfurter Weltenbummler in Kalbs Fluß seine wundgelaufenen Füße kühlt, dann soll er Grüße von uns ausrichten und vom schönen Dorf am Steußberg erzählen! 33 Kalb's Creek Ein «Wolfurter» Fluß im Wilden Westen Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa 200 junge Wolfurter ihr Heil im fernen Amerika suchten, blieben die meisten in Gruppen beieinander. Viele ließen sich um Fremont, am fruchtbaren, aber teilweise sumpfigen Südufer des Erie-Sees in Ohio nieder. Andere zogen mit ihren Ochsenwagen noch 1000 Kilometer weiter in den Wilden Westen, überquerten den Oberlauf des Mississippi und nahmen Land beim Fort New Ulm am Cottonwood River in Minnesota. Es war Land, das den Sioux-Indianern gehörte, in welches sie hier ihre Grenzpfähle setzten. Das Staatssiegel von Minnesota wurde 1858 geschaffen, also vier Jahre vor dem großen Siouxaufstand. Es zeigt einen pflügenden Bauern, der einen reitenden Indianer beobachtet und dabei sein Gewehr griffbereit hält. Hier in Minnesota lebten damals mehrere Wolfurter Auswandererfamilien. Zu den ersten Siedlern dort gehörte Ferdinand Kalb, geboren am 22. Februar 1813 in «Arnolds Haus» an der Hub, Flotzbachstraße 9. Mit seiner Frau Anna Maria Thaler und den beiden Kindern Maria, 10 Jahre alt, und Katharina, 9 Jahre, verließ er 1852 sein Haus an der Hub und wagte sich auf die große Reise. Auch drei von seinen Brüdern zogen mit: Josef, geboren 1811, Lorenz, 1819, und Martin, 1823. Martin Kalb nahm ebenfalls Frau und zwei kleine Kinder mit. Nun hat mir Herr Wilfried Schneider aus Kanada, dessen Vorfahren ebenfalls damals in New Ulm dabei waren, ein paar Nachrufe aus alten Zeitungen geschickt, 32 Von den daheim gebliebenen Schwestern der vier ausgewanderten Kalb-Brüder aus Arnolds Haus an der Flotzbachstraße (Hubert Mohr hat es 1991 ganz neu hergerichtet) stammen einige Wolfurter Familien: Arnolds und Kampler-Mohrs an der Hub, Nagler-Kalbs an der Ach und an der Kirchstraße. Verwandt sind aber auch Bildsteins an der Hub und im Röhle (Huster, Boch, Bernhards, Schertler Kassians, Heitz, Reiner Mathis, LisloGmeiners und die vielen Bregenzer und Lauteracher Bildstein-Familien). Ihr Bräutigam Johannes Haltmeier, geboren 1751 in Rickenbach, war der Sohn des Adlerwirts Andreas Haltmayer (-ay-, so schrieb der Pfarrer den Namen im Familienbuch!) und der Katharina Zumtobel aus Dornbirn. Der «Adler» war bis dahin auf der linken Seite des Kellawegs gestanden (Nr. 3, Schwerzlers, abgebrochen um 1970 für Halle Doppelmayr). Johannes Haltmayer betrieb dort neben der Gastwirtschaft noch einen umfangreichen Weinhandel und versorgte die Wolfurter Weber auch mit Baumwolle. So gut gingen die Geschäfte, daß er um das Jahr 1800 zuerst den Gasthof «Adler» neu am heutigen Platz errichten konnte und fast gleichzeitig für seinen Sohn Johann Michael Haltmayer das Haus Dornbirnerstraße 4 (Sammüller Lorenzos), das er mit ungewöhnlich großen Gewölben für seinen Weinhandel versah. 1799 starb seine Frau Magdalena, Mutter von 10 Kindern. 1802 verschied ganz plötzlich auch der 27jährige Sohn und Erbe Michael, 1804 folgte ihm der Adlerwirt selbst. Von den vielen Töchtern wurde nun Katharina Haltmayer (1777 - 1842) Adlerwirtin. Sie heiratete dreimal, zuletzt mit dem Vorsteher Leonhard Fink, der 1833/ 34 den Kirchenbau in Wolfurt leitete. Zu Katharinas Nachkommen zählt auch der «Alt-Adlerwirt» Joh. Georg Fischer (1847 - 1918), ebenfalls Vorsteher von Wolfurt und Mitbegründer der ersten Bank und des Konsums in Rickenbach. Wohin aber war die Hochzeitstruhe von 1772 gekommen? Ihren Weg können wir nur vermuten. 1805 hatte die Löwenwirtin Anna M. Albinger nach dem frühen Tod ihres Mannes Joseph Fischer ein neues Haus «in Engliswies» (Schwerzler, Schlattweg 9) gebaut und mit ihrem zweiten Gatten eingerichtet. Ob sie dazu damals schon die Truhe aus dem gerade aufgelassenen «alten» Adler bekommen hat? Oder hat sie erst ihr Nachfolger Ferdinand Haltmayer mitgebracht? Auf alle Fälle hat der 1830 in Alberschwende geborene Melchior Fehle im Jahr 1861 das Haus am Schlattweg mit allem Inventar erworben. Er war einer der ersten Mitarbeiter bei der sich mächtig entwickelnden Firma Zuppinger als Drechsler, Fuhrmann und Müller. Von seinen vielen Kindern konnte der Sohn Gebhard Fehle im Jahre 1900 das heutige Fehlehaus am Rickenbach (Kesselstraße 2) kaufen. Dabei wanderte wohl auch der inzwischen morsch gewordene Schnitztrog mit in das neue Haus, das der 35 Siegfried Heim Der alte Schnitztrog Voll Stolz hat mir Fehles Franz eine uralte Truhe gezeigt. «Sit ma denko ka», stand sie «im Ufzug domm». Vor Jahrzehnten diente sie noch als «Schnitztrog», dann sammelte sich in ihren morschen Fächern allerlei Gerumpel. Nun hat er sie vom Dachboden herabgeholt. Sie wurde sauber geputzt, ein paar fehlende Leisten und ein Stück Brett mußten ersetzt werden. Jetzt funktioniert "das Geheimfach» wieder, in dem man einst Geld oder wertvolle Dokumente verbergen konnte. Zuletzt hat der Maler die schäbig gewordenen Ornamente und Inschriften aufgefrischt. Jeder Besucher kann die gotischen Buchstaben wieder entziffern: Liebet Got und haltet seine Geboth Johaneß Haltmeier und Maria Magdalena Bröllin (empfehlen sich der Gottesmutter) 17 MARIA 72 Die Initialen P.H. deuten auf den Schreiner und Maler hin. Er könnte ein Dornbirner Handwerker gewesen sein, denn aus Dornbirn brachte Magdalena Bröll ihren «Brutt-Wago» mit, als sie 1772 den Wolfurter Adlerwirt heiratete. Anno 1750 war sie in Dornbirn als Tochter des Michael Bröll und der Katharina Herburger zur Welt gekommen. 34 «Säger» Joh. Gg. Müller aus Langen 1887 erbaut hatte. Der Säger hatte nämlich jetzt den Brandplatz in der Nachbarschaft (Dornbirnerstraße 13) erworben und dort 1900 ein zweites Haus erbaut, das erste aber an Fehles verkauft. So hatten diese denn nun eine neue Heimat am Rickenbach. Außer den Wolfurter Klöpplern Fehle stammen aus diesem Haus auch die Götzner Zahnarzt-Fehle und die Lochauer Kaufhaus-Dörler und natürlich Ludeschers Erna und Götzes Lotte in Lauterach. Der jüngste Sohn Gebhard starb 22 jährig bei einer Rauferei in der Silvesternacht 1928. An ihn erinnerten uns zwei alte Nachbarinnen jedes Jahr, wenn wir «zum Nöü-Jöhrlo» auszogen: «Ane, Buobo, tond nit stritto!» Franzosenkriege und Hungersnot, Hochzeiten und schweres Leid - was hat die alte Truhe aus dem Adler nicht schon alles überdauert! - 220 Jahre! Siegfried Heim Altvorstehers Haus Altvorstehers Haus Kirchstraße 11. Ein Bild aus dem Jahre 1910, als er noch Schindelkleid, Vordächle und Sprossenfenster besaß. Um jene Zeit ist auch die «Schuhmacher»-Werkstätte angebaut worden. Fehles Haus am Rickenbach um 1900. Es ist 1887 erbaut worden und seit 1900 im Besitz der Familie Fehle. Ein schmaler Weg führte zu den Äckern in den Kessel hinab. Im Hintergrund Zuppingers Wohnhaus. An der Kirchstraße in Wolfurt hat die Familie Meusburger 1992 eine große Aufgabe in Angriff genommen. Das großeSchertlerhaussoll sein «altes» Gesicht, das es bei mehreren Renovierungen in der Vergangenheit verloren hat, wieder bekommen. Weil es sich um ein historisch für Wolfurt sehr bedeutendes Haus handelt, das dazu noch wegen seiner Lage an der Straße ins Auge sticht, verdient der Bauherr unsere Anerkennung. 37 36
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Heimat_Wolfurt_...1998_ Wolfurt 01.07.1998 19.11.2012, 18:32 Heft 21 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 1998 DasWolfurter Wettersegenkreuz. Eine wertvolle alte Goldschmiedearbeit. Inhalt: 102. 103. 104. 105. Wohnen in Wolfurt GFG, der Ornath-Händler Goldschmiede aus Wolfurt Schnapsbrenner 106. 107. 108. 109. Kammerdiener Kalb (2) Altes Geld Aus Lutzos Notizbuch Flucht in die Höhle Autoren Mag. Christoph Volaucnik, Jg. 1961. Bekannt durch viele Veröffentlichungen in Geschichtswerken und Fachzeitschriften. Als ehemaliger Wolfurter hat er uns schon mehrere Beiträge zur Verfügung gestellt. Volaucnik arbeitet jetzt für das Archiv der Stadt Feldkirch und forscht in seiner Freizeit auch für uns. Mag. Meinrad Pichler, Jg. 1947. Er ist Direktor des Gymnasiums Gallusstraße in Bregenz und hat als namhafter Historiker eine ganze Anzahl von Werken zur neueren Geschichte Vorarlbergs herausgegeben. Besondere Bedeutung hat für uns Wolfurter sein Buch Auswanderer in die USA. Zuschriften und Ergänzungen Das letzte Heft (Nr. 20) hat wieder viel Beifall gefunden. Die Beiträge über die ersten Vorsteher und über die Flatz-Familien haben, wie auch die Geschichte vom Silbersee, zu einer ganzen Anzahl von Nachbestellungen geführt. Dorns Kinder (Heft 20, Bild 19) Martha Hinteregger erinnerte sich, daß auf dem Bild außer Klemens auch die älteste Schwester Antoinette fehlt. Sie sei ihr immer den schönen Namen der unglücklichen französischen Königin neidig gewesen. Der Ippachwald (Heft 18, S.16 und Heft 19, S. 14) Dazu hat das Katholische Bildungswerk Wolfurt am Sonntag, 17. Mai 1998, eine Lehrwanderung durchgeführt: Vom Ippachwald zur Paradieswiese. Mehr als hundert interessierte Wanderer stiegen den steilen Pfad durch den Wald hinauf. Dabei erinnerten sie sich daran, daß auf diesem Weg einst unsere Bildsteiner Vorfahren zur Taufe und zum Friedhof nach Bregenz oder später nach Wolfurt getragen worden sind. Auf der wunderbaren Lichtung Hoamolitto setzten sich Jung und Alt noch einmal zusammen. Kammerdiener des Kaisers (Heft 19, S. 46) Zu unserer Freude hat nach dem Lesen dieses Beitrages der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler den Kammerdiener Kaspar Kalb zum Gegenstand seiner Forschungen in den Wiener Archiven gemacht. Er berichtet darüber in diesem Heft. Dabei hat er dort gleich auch noch einen verschollenen Rickenbacher entdeckt: Mathias Kalb, geboren am 24. Februar 1775, war das 15. von 18 (achtzehn) Kindern des mit Kaspar Kalb nicht verwandten Sebastian Kalb. Die Familie lebte im Haus Bildnachweis Karl Hinteregger Bild 2 Alle anderen aus der Sammlung Heim, meist Reproduktionen von Hubert Mohr oder Karl Hinteregger. Bitte ! Diesem Heft 21 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Wegen der geringen Auflage sind die Druckkosten doch relativ hoch. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Bild 2: Erlebte Heimatkunde auf Hoamolitto 3 domus 127. Es stand am Platz von Hofsteigstraße 53 beim Kreuz und ist 1897 abgebrannt. Nach dem Tod des Vaters und der meisten Geschwister wurde Mathias Kalb Soldat und galt schon 1805 als verschollen. Nun hat ihn Pichler in den alten Schritten in Wien als Schätzmeister bei den Handschuhmachern gefunden. Seine nächsten Verwandten wären heute Kirchberger-Kalbs aus dem Alten Schwanen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 61) Aus Zams hat wieder Sr. Isabella Schedler geschrieben und sich für ein Heftchen bedankt. Dann erzählt sie aus ihren Erinnerungen: Im Kriegsjahr 1918 nahm Igels Hilda sie einmal mit zur Schule. Dort bekamen hungernde Schüler in der großen Pause aus einem Kessel einen Teller Gerstensuppe mit großen schwarzen Su-Kichora (Saubohnen) geschöpft. Später machte sie mit der dritten Klasse unter Lehrer Bitriol einen Ausflug: Eine lustige Fahrt mit dem Wälderbähnle nach Doren, dann zu Fuß über das Tobel nach Krumbach und nach fröhlicher Einkehr wieder zurück. Einsetzender Regen zwang die Klasse zum Unterstehen. Da hielt ein sechssitziges Luxusauto. Alle die vielen Mädchen wurden auf den Polstern übereinander gestapelt. Die Buben band man mit einem Seil auf dem Gepäcksträger und auf den Trittbrettern fest. So erreichten sie alle noch rechtzeitig den Zug am Bahnhof in Bozenau. Auswanderer (Hefte 5, 9, 11, 13 und 15) Wieder sind etliche Briefe von Nachkommen der Wolfurter Auswanderer nach Amerika eingetroffen. Aus Monticello in Iowa schreibt Brenda Knipper, eine Urenkelin des 1888 von der Hub nach Petersburg bei Dubuque ausgewanderten Mathias Bildstein. Während die einst sehr zahlreichen Bildstein im Kirchdorf, in der Bütze, an der Hub und im Röhle mit Klara Bildstein 1951 ausgestorben sind, leben noch zahlreiche aus Wolfurt stammende Bildstein-Familien in Bregenz, Lauterach und eben in Amerika. Dort bewirtschaftet z. B. Jim Bildstein (Jg. 1943) in Delaware County eine Großfarm mit mehreren Quadratkilometern Grund. Natürlich gibt es auch in Wolfurt noch ein paar Dutzend (entfernt) Bildstein-Verwandte - aber keiner kennt den reichen Onkel in Amerika! Aus Fremont in Ohio schreibt Marilyn Fisher. Sie gehört zur Sippe der StöoglarFischer und ist zu den Seppar-, Klosos- und Schnidarles-Fischer in Wolfurt verwandt, aber auch zu ßafto/zar-Schwerzlers und zu Bäschle-Köbs. Ihr Ahn Nikolaus Fischer ist mit seiner großen Familie 1853 aus dem Haus Wälderstraße 10 (Dürs) ausgewandert (Siehe Heft 8, S. 7!). Bruder und Vater waren Sternen-Wirte im Strohdorf gewesen. Nun sucht auch sie Bilder und Informationen für ein Familienbuch. Siegfried Heim Wohnen in Wolfurt Ein Dach über dem Kopf haben! - Grundbedürfnis für alle Menschen, so wie Essen und Schlafen. Ein Haus bauen! - seit ewigen Zeiten ein Urtrieb tief in uns. Kinder bauen ihr erstes Haus aus den Küchenstühlen und einer Wolldecke. Und welch großen Stolz haben sie ein paar Jahre später auf die selbst genagelte Bretterhütte hinter dem Haus oder gar auf dem Baum! Auch die Großen streben nach einem Ziel: nach einem Platz, wo man trocken und warm und in Frieden mit den Nachbarn wohnen kann. Das war immer so, von den Höhlen der Steinzeitjäger angefangen bis zu den Luxusvillen unserer Tage. In den letzten fünfzig Jahren hat sich das Bauen überschnell entwickelt, auch bei uns in Wolfurt. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft haben die meisten der 200 Wolfurter Bauernhäuser ihre alte Funktion mit Stall und Stadel verloren, aber auch als Wohnung für eine Großfamilie mit Großeltern und Tanten stehen sie nicht mehr hoch im Kurs. Viele wurden daher abgebrochen. Bei den meisten anderen wurden die Stadel zu Garagen, Geschäften oder Wohnungen umgebaut. Die Fassaden erhielten durch neue Beläge, "moderne" Fenster und Haustüren ein verändertes Aussehen. Einige wenige von den alten Häusern wurden behutsam restauriert. Die letzten der schönen Rheintalhäuser prägen das Bild unserer Gemeinde. Sie verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit, denn ihre Entwicklung hat mehr als 1000 Jahre lang gedauert. Das Einraumhaus Als die Alemannen um das Jahr 500 in unser Land kamen, waren die aus Stein gebauten römischen Villen in Brigantium mit ihren Säulenreihen und den Hypocaust-Zentralheizungen bereits dem Verfall preisgegeben. Die neuen Siedler erbauten ihre schlichten Häuser in der Nähe von Bächen und Wäldern, bei uns in Wolfurt also am Tobelbach, am Holzerbach in Unterlinden, an der Hub und am Rickenbach. Beim alemannischen hus trugen starke Holzpfosten ein Strohdach. Die Wände bestanden aus einem dick mit Lehm beschmierten Rutengeflecht. Im Lauf vieler Jahre entwickelte sich aus diesem Pfostenbau in manchen Ländern das Fachwerkhaus, bei uns aber das gestrickte Haus. Zuerst bestand es aus einem einzigen Raum. Mittelpunkt war die offene Feuerstelle, die für Licht und Wärme sorgte. Es gab weder Fenster noch einen Kamin, wohl aber genug Fugen für den Abzug des Rauchs. Auf dem festgestampften Lehmboden lag Laubstreu als Schlaflager für die ganze Familie und auch für die Haustiere. An den Wänden hingen Werkzeuge und Waffen. Im Rauch unter dem Dach hielten sich die Vorräte am längsten. Als Tür diente ein Tierfell, das durch große Holzklötze (Riegel) gesichert werden konnte. Für Getreide gab es außerhalb des Hauses eigene Speicher. 4 5 Vorstufen zum Rheintalhaus Viele Jahrhunderte lang genügte das hölzerne Einraumhaus den bescheidenen Ansprüchen der Bauern, während sich in Klöstern und Städten bereits die Steinbaukunst entwickelte. Auch die Burgmauern auf den nahen Hügeln mußten meist von den leibeigenen Bauern aus massiven Steinen aufgetürmt werden. Das Bauernhaus machte erst etwa um das Jahr 1200 den Schritt zum Zweiraumhaus.2 Eine Wand teilte jetzt den Schlafraum von der Wohnküche ab und hielt den Rauch fern. Auch aus der Küche leitete ein großer Rauchfang über dem offenen Feuer den quälenden Rauch durch das Dach hinaus, wenigstens bei günstigem Wetter. Drei Räume Um das Jahr 1500 fand bei uns das Bauernhaus dann schließlich seine Dreier-Grundstruktur irut Küche, Stube und Gaden3. Ein Fundament aus Bruchsteinen schützte die Holzwände vor Bodenfeuchtigkeit. An die Stelle des Strohdaches war ein flaches Schindeldach getreten, das durch schwere Steine gehalten wurde. Scheibenlose Löcher, die durch Läden verschlossen werden konnten, ließen Licht und Luft ein. Wichtigster Raum blieb die Küche, die sich als Flurküche quer durch das ganze Haus zog. Ein abgedecktes Kellerloch im Küchenboden hielt die Feldfrüchte feucht und kühl. Noch immer war ein Laublager im Gaden die gemeinsame Schlafstelle der Familie, nur erwachsene Kinder schliefen auf der Brüge4 unter dem Dach. Wasser schöpfte man aus dem nahen Bach. Schon 1517 legten die Dörfler unter Ammann Sebastian Schnell5 nach dem Vorbild der Städte Düchelrohre vom Schloßbühel zum Kirchplatz und erhielten so ihren ersten gemeinsamen Brunnen. Aber noch bis in unser Jahrhundert, als es neben vielen hauseigenen Laufbrunnen auch längst Pumpbrunnen gab, versorgten sich manche Familien mit Trink- und Waschwasser aus den klaren Bächen. Ein an das Haus angebauter Schopf war zum Vorratsstadel für Getreide, Stroh und Brennholz geworden. In dem darin eingebauten kleinen Stall hatten die Kuh und das Schwein ihre Verschläge. Über dem Schweinestall gackerten in einem Holzkäfig die Hühner. Der Stall diente aber auch als Abort. Erst viel später wurde im Stall oder auch außerhalb neben dem Misthaufen ein Hüsle mit einem Sitzbrett erstellt. Für nächtliche Bedürfnisse hatte man ja im lichtlosen Gaden den Nachthafen. Das Rheintalhaus Im 18. Jahrhundert bildeten sich dann aus dem Dreiraumhaus mehrere Formen unseres Hofsteiger Rheintalhauses heraus. Hauptgrund der Veränderung war der Bedarf nach einem Arbeitsraum für die nun vermehrt auch im Dorf ansässigen Handwerker und nach einem größeren Keller. So baute man jetzt Häuser, in denen die drei Räume unterkellert und damit in den ersten Stock gehoben wurden. Zur Haustüre, die weiterhin auf der Traufenseite des Hauses direkt in die Küche führte, mußte man jetzt über eine hohe Außenstiege hinaufsteigen. Das Baumaterial hatte sich stark verändert. Eine Reihe von Steinbrüchen am Steußberg Die Entwicklung des Flurküchen-Hauses 6 7 V. Das große Rheintalhaus - etwa ab 1700 Bild 5: Kleines Rheintalhaus. Schulstraße 4, Knores. Erbaut 1873, abgebrochen 1984. lieferte jetzt leicht bearbeitbare Mergelsteine für die Mauern des Kellergeschosses und für den Keller selbst, der schließlich ein massives Gewölbe bekam. Mit dem an der Ach gebrannten Kalk konnte man die Mauern festigen. Wichtigster Baustoff blieb aber das Holz aus dem Ippachwald. Aus Tannenstämmen fertigte man die mit der schweren Axt beschlagenen Balken, aus denen die Hauswände gestrickt wurden, und Pfättona und Rafo6 für den Dachstuhl. Breite Fleocka1 brauchte man in großer Zahl für Wände und Decken. Durch den Rauch aus der Küche wurden sie so gebeizt, daß ihnen Fäulnis und Wurmfraß nichts anhaben konnten. Die Fenster besaßen jetzt Butzenscheiben, kleine kreisrunde Glasscheibchen, die in Bleirahmen eingelötet waren. Etwa ab 1750 wurde das flache Schindeldach durch das viel steilere Ziegeldach abgelöst, unter welchem nun auch noch eine Schlafkammer Platz fand. Daneben setzte sich bei vermögenden Familien um diese Zeit auch schon immer mehr die zweistöckige Form des Rheintalhauses durch, die mit zusätzlichen Kammern mehr Schlafplatze für die Großfamilien und für jeden Erwachsenen ein eigenes Bett bot. Gelegentlich und ab 1850 sehr häufig wurden die Kammern als Quartier vermietet. Zusätzlich gewann man durch einen Anbau hinter dem Haus noch einige Räume. Die steinerne Außenstiege wurde fast überall durch hölzerne Innenstiegen ersetzt. Die schwere eichene Haustüre führte jetzt ins Unterhus, einen kleinen Raum am Fuß der steilen Stiege. Die Türe besaß außer dem mächtigen Schloß noch einen Balken als ausziehbaren Nachtriegel, der tagsüber in die dicke Mauer geschoben wurde. Oben in der Küche brannte noch bis etwa 1850 meist ein offenes Feuer unter dem Rauchfang. Wenn die Haustüre geöffnet wurde, trieb der Luftzug den Rauch bis in den Dachboden hinauf. Der Küchenboden bestand über dem Kellergewölbe aus gestampftem Lehm und war mit Steinplatten belegt. Er mußte ja unbedingt feuerfest sein. Trotzdem forderten Feuersbrünste immer wieder Opfer unter den leicht brennbaren Holzhäusern. 8 9 Bild 6: Großes Rheintalhaus. Kirchstraße 2, RichHöfles. Erbaut vor 1760, abgebrochen 1973. Bild 7: Genossenschaftsbrunnen Hub. Neu erstellt 1891. Eine zweite Feuerstelle neben dem Herd beheizte den Ofen in der Stube. Dort wurde nun im 19. Jahrhundert an vielen Orten eine Kust eingebaut, eine beheizte steinerne Ofenbank, die sich zum in den Steinhäusern der Stadt längst bekannten Kachelofen entwickelte. Auch der Herd hatte eine Sandsteinplatte mit zwei Löchern für Kessel und Pfanne und einen direkten Rauchabzug in den Kamin bekommen. In seiner Chronik berichtet Vorsteher Flatz, daß 1860 auch in Buch schon sehr viele Häuser Sparöfen und Kunstherde besäßen.8 Die Steinplatte auf dem Herd wurde bald durch eine gußeiserne Platte mit Ringen ersetzt. Ein eingebautes küpfernes Schiff hielt ständig ein paar Liter warmes Wasser bereit. Das Wasser trug man noch bis 1950 fast überall in Kübeln vom Brunnen in die Küche. Die Wäsche wurde im Freien oder in einer eigenen Waschhütte gewaschen. Hausgemeinschaften und Einzelhöfe hatten inzwischen die Quellen auf den Büheln in ihren Brunnenstuben gefaßt. Mit den großen Brunnen im Dorf, in Unterlinden, Strohdorf, Spetenlehen und Rickenbach gab es in der Gemeinde nun mehr als 50 Laufbrunnen. Dazu kamen seit dem 19. Jahrhundert sehr viele Golggar-Pumpbrunnen. Sie taten noch gute Dienste, bis 1953 das erste Gemeinde-Wasserwerk in Betrieb ging. Und wie war es mit den Badezimmern? Die Germanen hatten, so berichten römische Geschichtsschreiber, noch nackt in den Flüssen gebadet. Die Römer entwickelten in ihren Thermen eine hohe Badekultur. Wannenbäder weist auch der berühmte Klosterplan von St. Gallen aus dem Jahre 820 auf. Und aus Albrecht Dürers großartigen Graphiken erfahren wir, daß zumindest in den Städten noch am Ende des Mittelalters Gemeinschaftsbäder üblich waren. Dann aber begann jene Zeit, wo man Nacktheit mit Sünde in Verbindung brachte. Jetzt erlaubte man dem Wasser keinen Zutritt mehr zur Haut, außer an Gesicht, Händen und Füßen. Mangelnde Hygiene hatte katastrophale Folgen bei Infektions- und Kinderkrankheiten. So war es ein großer Fortschritt, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts wenigstens eine 10 schmale hölzerne Badgelte für den Säugling in Gebrauch kam. Im Winter wuschen nun nach dem Säuglingsbad auch die größeren Geschwister in dem warmen Wasser ihre Füße. Zwei geradezu luxuriöse Badezimmer lassen sich erstmals in der 1907 erbauten Villa Schertler in der Bütze nachweisen, ab 1936 auch eines im Schloß. Nur ganz wenige Badewannen wurden auch in anderen Häusern eingebaut. In den Bauernhäusern tat dagegen höchstens einmal vor hohen Festtagen eine Waschgelte mit heißem Wasser gute Dienste. Voll Neid hörte man davon, daß es in Kennelbach bereits seit 1925 ein Volksbad mit vier Badewannen und ab 1939 ganz moderne Badeanlagen im Kameradschaftshaus gab.9 In Wien gab es das erste Volksbad übrigens auch erst ab 1887. Bei uns in Wolfurt wurden Badezimmer erst in den vielen neuen Einfamilienhäusern ab 1948 allgemein üblich. In den alten Rheintalhäusern wurden sie erst später nach und nach eingebaut. Seither hat übertriebene Hygiene auch schon wieder manches Unheil angerichtet. Zurück zur Küche mit dem alten Feuerherd! Die rußigen Wände bekamen jedes Jahr beim Frühjahrsputz einen frischen Anstrich. Mit selbst gelöschtem Kalk wurden sie gwißlot. Obwohl die Küche düster und dem Durchzug ausgesetzt war, blieb sie noch lange der wichtigste Raum für die Familie. Hier wurde gegessen und hier spielten auch die Kinder, wenn ihnen nicht im Hinterhaus ein Stühle zur Verfügung stand. Die gute Stube blieb ihnen meist verschlossen. Dort, wo der Glaskasten allerlei Schätze und Dokumente barg und wo das große Kanabee und der prächtige Herrgottswinkel Würde und Ernst verlangten, hatten sie nur an hohen Feiertagen Zutritt. Hier waren die gestrickten Wände und die Fleckendecke durch eine Täfelung (a gstemmts Täfor) verschönert worden. Auch außen hatten die rohen Balken gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein ansehnliches Kleid aus Schuppenschindeln bekommen. Dazu gab es jetzt auch Krützstöck mit größeren Scheiben und mit Fensterläden und Vorfenstern für den Winter. 11 Bild 8: Nachtlopf: An bluomoto Nachthafo. Bild 9: Einfamilienhaus mit Kniestock: Wälderstraße 9. Im Gaden standen neben den Ehebetten mehrere Kinderbetten mit rauhen Laubsäcken, doch hatte nur selten jedes Kind ein Bett für sich allein. Das große Lawor auf dem Waschtisch wurde eigentlich nur von Hebamme und Doktor benutzt, wenn sie um Hilfe gerufen werden mußten. Die verschiedenen Nachthafo unter dem Bett, im Nachtkästle oder im Stuhl brauchte man dagegen alle Tage. Seit die Küche nicht mehr direkt neben dem Stall, sondern einen Stock höher lag, hatte man über dem Stall als Abort a Hüsle von der Ströüe-Bo10 abgeteilt. Ein winziges Fensterchen im Bretterschirm ließ Luft in den kalten Raum. Im Schulhaus und im Vereinshaus mußte so ein Plumps-Klo über mehrere Stockwerke funktionieren. Spülklosetts wurden erst mit dem Fließwasser nach 1950 eingeführt. Drunten im Unterhus führte eine Türe direkt in den Stall, eine andere in die Werkstatt und die dritte über hohe Steinstufen in den dunklen Keller hinab. In dem feuchten Raum wurden neben dem in Eichenfässern gelagerten Most auch Obst auf einer Brüge, Kraut in der Stande, Käse im Kästrog, eingekalkte Eier, Essig und Bodobiora kühl gehalten. Eine Werkstatt in der Größe von zwei Stuben mußte damals, als es noch keine Maschinen gab, dem Handwerksmeister samt Gesellen und Lehrling für ihr Gewerbe ausreichen, dem Schreiner, dem Sattler und dem Küfer genau so, wie dem Gerber und dem Schmied. Sehr häufig war in Wolfurt die Werkstatt aber als Webkeller eingerichtet, wo auf dem großen Webstuhl eigener Flachs zu kostbarem Leinen und später Baumwolle zu Tuch gewoben wurden. Nach 1870 stellte man hier Handstickmaschinen und ab 1900 fast überall Stickautomaten auf. Im oberen Stock waren die Schlafkammern für die großen Kinder und für andere Familienangehörige, die hier das Hausrecht besaßen. Oft gehörten altledige Tanten und Onkel zur bäuerlichen Großfamilie, bei der Arbeit genau so wie beim gemeinsamen Essen. In den Kammern standen auch die Vorratstruhen, angefüllt mit Korn, mit 12 Nüssen oder mit Schnitz11, die die Bäuerin auf dem Vordächle oder im Ofenrohr gedörrt hatte. Den Kamin hatte man zu einer Rauchkammer ausgeweitet. Das dort aufbewahrte Selchfleisch von der im Winter geschlachteten Sau mußte, in schmale Binden zerteilt, für ein ganzes Jahr ausreichen. Ganz wichtig war auch der Dachboden. Ufzug hieß der große Raum damals, weil man an einem Seilzug über eine Rolle oder einen Wellenbaum12 schwere Lasten bis unter die Dachbodenbalken heben konnte. Am meisten Platz brauchten da droben die großen Gestelle, an denen die Türkenkolben, ordentlich zu Paaren gebunden, zum Trocknen hingen. Daneben lagerte das Heizmaterial für Herd und Ofen: Buschla, Schittor, Kreos, an vielen Orten auch Schollo oder Trestorkäsle13. Und natürlich war noch Platz für abgelegten Hausrat, alte Werkzeuge und Möbel und vielerlei Kram, der in Schachteln und Kisten auf neue Verwendung wartete. Denn weggeworfen wurde nichts, gar nichts! Bis die neue Zeit das Dorf, die Menschen, ihr Denken und Wünschen völlig veränderte. Bis der Stall geschlossen und die Wiesen verbaut wurden! Die jungen Leute arbeiteten ungeheuer schwer, als sie nach dem großen Krieg die ersten Einfamilienhäuser mit eigenen Händen aufmauerten. Kleine Kniestockhäuser waren es zuerst, mit einem angebauten Holzschopf. Ein Elektroherd mit Zusatzofen und der erste Kühlschrank waren der große Stolz der jungen Hausbesitzer. Jeden Freitag kam die Schwiegermutter zum Baden! Am Samstag brauchte man das Wasser aus dem Boiler für die eigene Familie. Ein paar Jahre später wurden die neuen Häuser schon zweistöckig gebaut. Eine Garage und eine Fernsehantenne gehörten jetzt selbstverständlich dazu, und auch eine Waschmaschine, ja sogar ein Telefon. Und dann überschlug sich das Häusle-Bauen im ganzen Land. Schwarzarbeiter auf der einen, übermoderne Architekten auf der anderen Seite streuten Häuser, Paläste, 13 Betonblocks und Reihenhäuschen wirr und kunterbunt in die Felder und auf unsere schönen Bühel. Alle paar Jahre stellten neue Propheten neue Forderungen auf. Baubehörden und Flächenwidmungsplaner hatten einen schweren Stand. Kritisiert wurde alles und gebaut auch. Der Hausbau war jetzt den kurzzeitigen Modetrends genau so unterworfen wie Damenkleidung oder Haarfrisur. Kratzputz wurde von schwarzem Eternit abgelöst, Sichtbeton von rohen Schirmbrettern und großflächigen Schaufenstern am Wohnzimmer. Von einer Einheitlichkeit der Dachformen, wie sie sich bei uns durch ein ganzes Jahrtausend entwickelt und bewährt hatte, war keine Rede mehr, von Grundrissen, die einer Familie ein ganzes Leben lang genügen sollten, noch viel weniger. Beinahe wäre ein paar Jahre lang sogar das Einraum-Haus wieder modern geworden. Bild 10: Zweistöckig: Wälderstraße 12. Ein Bauplatz in Wolfurt vereinigte zwei der von den meisten Bauwerbern angestrebten Werte in sich. Erstens versprach die Nähe zu den Städten Bregenz und Dornbirn gute Berufsmöglichkeiten. Dann aber bot die Lage im Grünen, nahe bei Wald, Berg und See, auch einen hohen Freizeitwert. Das lockte immer mehr Zuwanderer an, auch als die Bauplatzspreise schwindelnde Höhen erklommen. In seinem Bildband Wolfurt, Ein Dorf verändert sich hat unser Dorffotograf Hubert Mohr das Geschehen dieser Jahre festgehalten. Die meisten heutigen Wolfurter schätzen ihre schönen Wohnungen, die Wärme des neuerdings wieder eingebauten Kachelofens und das Kanapee ebenso wie die Sitzgruppe draußen auf der Terrasse. Für manche ist die Wohnung aber nur mehr Schlafplatz. Am Sonntag suchst du sie vergeblich daheim. Irgendwo auf einer Jacht auf dem See sind sie vielleicht oder am Rasenmähen beim Wochenendhäuschen. Oder aber sie sind zu Nomaden geworden und stecken mit ihren Wohnwagen im Stau am Brenner. Wohnen? - Das heißt doch eigentlich Daheim sein! Warm und trocken und in Frieden mit sich selbst und mit den Nachbarn! ' Kreuzweise übereinander gestapelte Balken (Stricke) werden durch Holzzapfen fest verbunden. 2 Zeitangaben nach Ilg, Volkskunde Vorarlbergs, Band III, S. 291 3 Das Gaden ist die Schlafkammer der Eltern neben der Küche. 4 erhöhtes Holzgestell, auch zur Einlagerung von Vorräten. 5 Siehe Heft 13, S. 26! 6 Die Pfätte (Mz. Pfättona) ist der tragende Längsbalken am Dachstuhl, auf dem die Rafen aufliegen.Diese tragen dann die Dachlatten und die Ziegel. 7 Eine Flecke ist ein schweres starkes Brett, das, genau wie auch der Strick, durch Behauen eines Baumstammes angefertigt wurde. 8 Joseph Flatz, Buch 1860, S. 23 9 Bild 11: Blockwohnungen: Lerchenstraße 11. Sinz, Kennelbach, S. 347 Lagerplatz für Streue '' Dörrobst aus zerschnittenen Äpfeln und Birnen ' 2 Ein drehbarer Baumstamm als Wellenbaum ist im Ufzug des alten Schertlerhauses (AltvorStehers) in Unterlinden erhalten geblieben, I3 Buschein (Reisigbündel), Scheiter, Zweige, Schollen (Torfstücke) und käseförmig gepreßte und getrocknete Maischereste l0 Bild 12: Außergewöhnliche Architektur: Fattstraße 37. 14 15 Siegfried Heim G.F.G., der Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner Es war im Jänner 1977, als sich bei mir daheim im Oberfeld ein älterer Herr als Heimatkundler Ernst Geel aus Sargans vorstellte und in urwüchsigem Bündner Dialekt nach dem Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner in Wollfurt bey Bregenz am Bodensee erkundigte. Der seltsame Name elektrisierte mich. Ich hatte ihn schon viele Jahre früher gehört. In der schattigen Achschlucht in Buch besitzt unsere Familie seit 200 Jahren einen schroff abfallenden Waldteil. Wenn der Vater uns Buben dort die Marken suchen ließ, fanden wir immer wieder auf uralten eibenen Pfählen das Brennmal GFG. Was hieß das wohl? Daheim zeigte der Vater uns dann den vergilbten Marckenbeschrieb aus dem Jahre 1794, in welchem sich neben unserem Ahnherr Crispinus Bildstein, dem Krämer in Hanso Hus an der Wolfurter Kirchenstiege, auch sein Schwager mit eigener Hand ich Gallus Fideli Gantner Fahnenschneider in Wolfurt, als inhaber bemelten Holtz bezeichnet.1 Bild 14: Haus Kirch'straße 22, Rasiorars. Von Fidel Gantner 1772 erbaut. Gall Fidel Gantner (Ganter, Ganther) aus Bregenz-Wolfurt,.Silber- und Paramentenhändler. In den Jahren 1804-1840 lieferte dieser Händler eine ganze Reihe von Kirchengeräten, namentlich Kelche, in Aargauer Pfarrkirchen. Die letzteren haben zumeist kupfervergoldete Füße. Er ließ die Kunden im Glauben, er habe sie selbst gemacht. Die Kelche gleichen auffallend denjenigen des bisher unbekannten Augsburger Meisters IM ... und stammen wahrscheinlich aus dessen Werkstätte 2 Nach den Wolfurter Büchern müssen wir die vielen Geschäfte Gantners auf einen Vater G.F.G. und einen gleichnamigen Sohn aufteilen. Die erste Eintragung hat Pfarrer Jos. Andr. Feuerstein 1772 gemacht: Domus 57 an der Kirchgaße. Gallus Fidelis Gantner von Veldkirch, natus 751 7bris 8, nupsit 1772 Catharina Bildstainin von Wolfurth? Aus Feldkirch stammte also der junge Handelsmann, der 1772 eine der Töchter des schon 1753 verstorbenen ersten Wolfurter Arztes Antonius Bildstein, eine Schwester des Krämers Crispin Bildstein, zur Frau nahm. Zu seiner Hochzeit hatte er im Jahre 1772 ganz neu das Haus 57 in die Kurve der Kirchstraße gestellt. Es trug später noch vier andere Nummern und ist heute unter Kirchstraße 22 (Rasiorars) eines jener schönen alten Rheintalhäuser, die unser Dorfbild prägen. Gantners Frau Katharina starb schon 1791 bald nach der Geburt ihres neunten Kindes. Er heiratete noch im gleichen Jahr Elisabeth Achberger de Besenreuthe, die ihm weitere 8 Kinder gebar, zusammen also 17 Kinder. Viele davon starben allerdings schon in den ersten Lebensjahren. Es muß ein tüchtiger Mann gewesen sein, der in der Zeit der Franzosenkriege ein internationales Handelsgeschäft aufbauen und betreiben konnte. In der Schweiz sind seine Lieferungen in den Aargau 1804 in Mühlau, 1805 in Bünzen, 1813 und 1815 in Waltenschwil nachgewiesen.4 Seine letzte Reise führte Gantner aber nach Tirol. 1817 17 Bild 13: Gantners Schrift: ich Gallus Fideli Gantner Und nun tauchten also Dokumente auf, aus denen ersichtlich wurde, daß jener G.F.G. geschäftliche Beziehungen bis weit in die Schweiz unterhalten hatte. Nach Sargans hatte er zum Beispiel für 25 Gulden ein Meßgewand geliefert. Später fand ich den auffälligen Namen noch oft im Archiv. Als Fahnenschneider bezeichnete Gantner sich selbst, weil er Kirchenfahnen für die damals noch so häufigen Prozessionen herstellte. Ornath-Händler läßt aber den Schluß zu, daß er auch die mit kostbaren Goldfäden und mit Stickereien gezierten Meßgewänder samt Stola und Manipel in seinem Angebot führte. Und eine Forschungsarbeit der Schweizer Historikerin Dora Fanny Rittmeyer (+1966) zählt ihn sogar zu den Goldschmieden: 16 Jäner löte Gall. Ficlele Gantner Fahnenschneider, ist zu Innspruck auf einer Reise an Einem Schlag, welchen er an der Neujahr Nacht bekommen gestorben.5 Durch seine engen Beziehungen zu den Goldschmieden von Bregenz, Augsburg und Feldkirch, hatte Gantner auch veranlaßt, daß zwei seiner Nachbarn im Wolfurter Kirchdorf, die Vetter Joseph Geiger und Joseph Haltmayer, Zugang zu dem außergewöhnlichen Kunsthandwerk fanden. Beide wurden selbst Goldschmiede in Feldkirch. Ihr Leben hat Christoph Volaucnik im anschließenden Beitrag beschrieben. Zwei von den Söhnen Gantners führten das Handelsgeschäft weiter. Der gleichnamige Sohn Gallus Fidel Gantner junior, 1786-1863, belieferte weiterhin die Schweizer Kirchen. Er wird dort von den späteren Forschern mit seinem Vater als eine Person gesehen. Die Familie Gantner galt nach 50 (!) Jahren in Wolfurt immer noch als fremd und mußte jedes Jahr als Beisassen zwei Gulden Fremdengeld bezahlen. 1823 gelang dem Sohn in einem gut vorbereiteten Treffen endlich die Einbürgerung: & Vorstehung durch freiwillige Sammlung von den Gemeindsangehörigen, eingehoben werden solle. Wolfurt den obig. Dato Jos. Aloys Grasmayer PfarrerVorsteher Fink Joh. Georg Kloker Kirchenpfleger Fidele Gantner Ornathändler Kontrakt geschehen in der Behausung des Fidel Gantner Ornathändler zu Wolfurt den 14ten May 1823. In Gegenwart des Hl. Pfarrer Graßmayer, Vorsteher Fink & Gemeinds Rath Klocker, wurde vom gedachten Gantner folgende Kirchenornat in dem billichsten Preise aberkauft, wie folgt. 1.1 Ein Rauchmantel 2.1 Ein Rauchfas 3.1 Ein Stohl zu Kirche 90 fl 15 f 5 f 24 x betragt 110fl 24 x R.W. Nachdeme äusserte sich Gantner, daß er, wie auch schon sein Vater sei. das betreffende Beysas Geld, schon so viele Jahre her an die Gemeinde Wolfurt mit 2fl Jährl. bezahlt haben, und macht gegenwärtig das ansuchen, daß er für sich, und für seine gegenwärtige & nachkommende Kinder, in das Gemeindsbürger recht, mit einer billichen Ausgleichung einverleiben lassen wolle. Mitthin wurde auf gegenseitiger Kontrachirung folgende Ausgleichung gütlich geschlosen, das Gantner für das jähr!. Beysas Geld, überhaupt - 45 fl 24 x sage vierzig & fünf Gulden 24 x R.W. von obiger Summe abzusetzen habe, und somit seye er und seine Familie für je und allzeit wie andere Gemeinds Bürger anzusehen und zu behandeln. Wenn allso diese Schuldigkeit von obigem guthaben abgesetzt wird, so bleibt die Gemeinde dem Gantner - 65 fl. Welcher Betrag auf anlangen des Hl. Pfarrer, 18 Schon 1814 hatte noch Vater Gantner in der Bütze ein neues Haus C 83 gebaut, das bis heute als Bützestraße 7 (Hintereggers) erhalten geblieben ist. Dort lebte jetzt der Sohn Gallus Fidel mit seiner Familie. Aber die Geschäfte gingen schlecht. 1841 mußte er das Haus verkaufen. Er zog zu seiner Tochter Katharina ins Röhle. Sie war dort (heute Bregenzerstraße 8, Geigers) mit Gebhard Klocker, einem Sohn des Kirchenpflegers, verheiratet und begründete mit ihm die große Sippe der Stricker-Klocker. Verarmt starb der einst hochangesehene Ornathändler im Jahre 1863. Auch ein jüngerer Sohn des Fahnenschneiders, Franz Xaver Gantner, geboren 1801, betrieb einige Zeit den Ornathandel. Beim Unterlindenbrunnen war er im ehemaligen Haus Frickenescherstraße 1 mit Anna Maria Bildstein, einer Tochter des Vorstehers Bernhard Bildstein und Enkelin des Krämers Crispin Bildstein, verheiratet. Auch ihn dürften finanzielle oder private Probleme bedrängt haben. Der Pfarrer notierte bald zu seinem Namen: ist itzt nicht mehr bey seiner Frau. Gantner ging nach Amerika und ließ 1855 seinen Sohn Bernhard nachkommen. Ein weiterer Sohn des ersten Fahnenschneiders, Alois Gantner, geboren 1797, hatte mit seiner Familie noch einige Zeit das Vaterhaus an der Kirchstraße bewohnt. Auch er mußte es 1837 an den Orgler Martin Rohner verkaufen. Gantner übersiedelte nach Rankweil und wanderte von dort ebenfalls mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus. So war das Geschlecht der Gantner nach weniger als hundert Jahren schon wieder aus Wolfurt verschwunden. Einzige Nachkommen in Wolfurt und Umgebung sind die vielen Familien der Stricker-Klocker. Ob die alten Meßkelche und das schöne Wettersegen-Kreuz in unserer Kirche oder die prachtvollen Meßgewänder, die zum größten Teil in der Kapelle Rickenbach aufbewahrt werden, allenfalls von der Ornathändlerfamilie stammen, wäre noch zu untersuchen. Einen ganz besonderen Goldschatz hat Gantner aber ohne eigenes Zutun nach fast 200 Jahren noch auf indirekte Weise nach Wolfurt gebracht. Kehren wir dazu zum Anfang dieses Artikels zurück! Als Ernst Geel die erbetene Auskunft bekommen hatte, bedankte er sich dafür mit einer alten Schweizer Zeitung. In den Heimatblättern aus dem Sarganserland vom September 1937 fand sich ein Bericht über den Wolfurter Kelch von Pfäfers.6 Zum ersten Mal hörte ich von dieser großen Kostbarkeit in der Schatzkammer der Schweiz in Zürich. Zwar hatte der aus der Schweiz stammende Gründer des Vorarlberger Landesmuseums Samuel Jenny den Kelch schon 1888 im Jahresbericht beschrieben und ebenso Andreas Ulmer in 19 seinem Burgenbuch von 1925. Dann aber war der Kelch wohl in Vergessenheit geraten. In Benedikt Bilgeris Standardwerk zur Geschichte Vorarlbergs von 1971 fand er jedenfalls keinen Platz. Bei den Vorbereitungen zur Markterhebungsfeier konnte ich nun mit der alten Sarganser Zeitung das Interesse von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank auf den Wolfurter Kelch lenken. Er griff die Idee auf und brachte durch Zusammenarbeit mit Prof. Karl-Heinz Burmeister und anderen Wissenschaftlern innerhalb eines Jahres im Mai 1982 eine große Ausstellung Die Wolfurter zustande.7 Glanzstück war natürlich der 1364 von Ritter Konrad von Wolfurt gestiftete Meßkelch, der mit Zustimmung der Eidgenössischen Kommission erstmals außerhalb der Schweiz im Landesmuseum in Bregenz und dann auch in Wolfurt gezeigt wurde. Die Forschungen in den Archiven Italiens und Ungarns ergaben jetzt unglaublich viel interessanten Stoff über die Ritter von Wolfurt als Söldnerführer in Neapel und Apulien, Herzöge in Ungarn, Gesandte beim Papst in Avignon, aber auch als Äbte und Äbtissinnen und reiche Burgenbesitzer rund um den Bodensee. Ausführlich berichtete Prof. Burmeister darüber in mehreren Arbeiten.8 Schließlich gelang es dem Verhandlungsgeschick von Bürgermeister Hubert Waibel sogar, im Jahre 1985 eine originalgetreue Kopie des Kelchs in den Besitz der Gemeinde zu bekommen. Ein weiter, aber schließlich doch erfolgreicher Weg von Gantner über Geel, Heim, Vonbank, Burmeister und Waibel bis in die Schatzvitrine der neuen Marktgemeinde Wolfurt! Mögen Gantners Name und seine bestickten Ornate auch längst verstaubt und vergessen sein, vom goldenen Wolfurter Kelch und vom Ritter Konrad lernt heute doch jedes Wolfurter Schulkind. Christoph Volaucnik Zwei Wolfurter Goldschmiede in Feldkirch Joseph Geiger und Joseph Haltmayer In einem Dorf wie Wolfurt gab es früher neben den Bauern auch Handwerker, die aber zumeist für den Bedarf der Bauern arbeiteten wie Schmiede, Zimmerleute oder Müller. Handwerker anderer Berufssparten und besonders solche, die sich auf die Erzeugung von Luxuswaren spezialisiert hatten, konnten nur in einer Stadt ihrem Beruf nachgehen und mußten daher ihr Dorf verlassen und in der Fremde ihr Glück versuchen. Wie schwierig der Aufbau einer Existenz in einer fremden Stadt war bzw. wie schwer man es einem Fremden machte, kann am Beispiel des Wolfurter Goldschmiedes Joseph Geiger nachvollzogen werden. Als Joseph Geiger im Jahre 1793 beim Feldkircher Stadtrat um die Verleihung eines Bürgerrechts, also des Rechtes sich in Feldkirch als Bürger niederzulassen, ansuchte, wurde er abgelehnt.1 Da er sich mit dieser Ablehnung nicht abfand und Einspruch erhob, entstanden einige Akten, die auch biographische Hinweise enthalten. Er wurde am 18. März 1767 in Wolfurt als Sohn des Johann Caspar Geiger und der Agnes Haltmayer geboren. Sein Großvater Kaspar stammte aus Buch und hatte 1711 nach Wolfurt geheiratet. Seine Eltern lebten im Haus No. 22 im Loch, das heute noch gut erhalten als Haus Im Dorf 6, existiert. Sein Vater Johann Caspar wurde 1738 geboren und verstarb 1780. Seine Mutter Agnesa Haltmayerin, 1735 geboren, war eine Tochter des Gerbers Kaspar Haltmayer aus der Parzelle Röhle und verstarb am 9.12.1767, also neun Monate nach der Geburt ihres Sohnes. Der Vater heiratete bereits am 11.4.1768 seine zweite Frau Francisca Winder. Aus dieser Ehe stammten sechs Kinder.2 Joseph Geiger machte seine Berufsausbildung zum, wie es in den Dokumenten heißt, „Gold- und Silberarbeiter" in Bregenz. Da er keine Zeugnisse der Zunft vorweisen konnte, verhörte der Bregenzer Stadtrat die Witwe des Lehrmeisters und stellte aufgrund dieser Befragung eine Bestätigung aus.3 Im Feldkircher Stadtratsprotokoll wird erwähnt, daß Geiger zwar ein Vermögen von 550 Gulden besaß, man diese aber für die Gründung einer eigenen Werkstätte als nicht ausreichend ansah. Der Hauptgrund für die Ablehnung dürfte der Schutz der zwei bereits vorhandenen Goldschmiede und ihrer auf der Walz befindlichen Söhne vor einem neuen Konkurrenten gewesen sein. Diese Abschottung des heimischen Handwerks gegen neue Konkurrenz war eine allgemein übliche Haltung des Stadtrates und besonders der Zünfte und wurde in diesem Fall auch ganz offen im Protokoll vermerkt.4 Geiger wiederholte sein Ansuchen im Jahr 1794, es wurden sogar übergeordnete Behörden wie das Landgericht und das Kreisamt eingeschaltet.5 Er legte auch die erforderlichen Papiere vor.6 In einem Brief Geigers vom 25.10.1794 aus Wolfurt weist er darauf hin, daß man ihm die Aufnahme als Bürger versprochen habe, wenn es ihm gelin21 Privatarchiv Heim Rittmeyer, Von den Bregenzer Goldschmieden, Zeitschrift „Montfort", 1966 ' Pfarre Wolfurt, Catalogus II, Seelenbcschrieb von 1772 4 Wie Fußnote 2 5 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 59. 6 Verfaßt von Th. Nigg, abgedruckt in Fortsetzungen im Wolfurter Informationsdienst ab 1980 7 VLM, Katalog 99, Die Wolfurter, Bregenz 1982 8 Burmeister, Das Edelgcschlecht von Wolfurt, Museumsverein Lindau 1984 und Burmeister, Die Siegel der Edlen von Wolfurt, Burgenländische Forschungen VII, Eisenstadt 1984 : 1 20 gen sollte, eine Bürgerstochter zu heiraten. Er meint dazu richtigerweise, daß es ihm schwer falle, dieser Forderung nachzukommen, wenn er nicht in der Stadt leben dürfe. Doch wovon sollte er leben, wenn weder der Goldschmied von Zwickle noch der Gürtler Schädler Gehilfen brauchten? Ein Schreiben des Stadtrats zu dieser eher ungewöhnlichen Forderung nach Brautsuche hat sich nicht erhalten, sie ist jedoch im Stadtratsprotokoll vom 28.10.1794 festgehalten. Man bewilligte ihm auf die Einwände Geigers hin den unentgeltlichen Aufenthalt in Feldkirch auf ein halbes Jahr und versprach ihm die Aufnahme als Bürger, wenn es ihm gelingen sollte eine anständige und „vermögliche" Bürgertochter oder eine auswärtige Frau mit Vermögen zu heiraten.7 Zum besseren Verständnis dieser Bedingungen sei erklärt, daß ein Fremder sich in Feldkirch als Bei- oder Hintersäß niederlassen durfte, wenn er eine Gebühr bezahlte und man bei ihm während dieses halben Jahres auf die Gebühr verzichtete. Der Stadtrat verlangte bei der Bürgeraufnahme immer einen Vermögensausweis, da der Bürger ja im Unglücks- oder Krankheitsfall und daraus folgender Verarmung Anspruch auf Unterstützung hatte und man das Risiko armer Bürger minimieren wollte. Natürlich war das Vermögen eines Bürgers auch für das Steueraufkommen der Stadt wichtig. Geiger gelang es tatsächlich, das Herz einer Bürgerstochter für sich zu gewinnen. Im Jahre 1795 teilte er daher den Behörden mit, daß er gedenke „eine ziemlich bemittelte, und einiger Massen schön wohl bejahrte Bürgerstochter zu verehelichen." Seine Braut war Catharina Doldin, Tochter des Bäckermeisters Isidor Dold, der im Haus No 52, heute Schmiedgasse 52 (Himmer), lebte.8 Geiger war bereit, 400 Gulden Einkaufsgeld und die üblichen fünf Gulden für einen Feuerkübel zu bezahlen. Am 8. Juni 1795 gab er die Heirat mit der 36-jährigen Catharina Doldin bekannt.9 Wie ihm diese Brautwerbung gelungen ist und wovon er in diesem halben Jahr lebte, ist nicht zu eruieren. 1796 half er bei der Verpackung des besonders wertvollen Feldkircher Kirchensilbers in Packkisten für die Flucht dieses Kirchenschatzes nach Schloß Forsteck in die sichere Schweiz.10 Man benötigte sechs Kisten dafür. Diese Flucht fand wegen der aus Süddeutschland heranrückenden Franzosen statt. Der Feldkircher Stadtrat ließ gleichzeitig als weniger wertvoll eingestuftes Kirchensilber zum Einschmelzen in die Münzprägestätte in St.Gallen transportieren und kaufte mit dem Erlös Kriegsmaterial. 1806 entnahm der Stadtrat nochmals Gegenstände aus dem Kirchenschatz zum Einschmelzen. Dieser heute unvorstellbare Vorgang war jedoch durch ein amtliches Dekret und einen Beschluß der Landstände gedeckt." Über Geigers Tätigkeit als Gold- und Silberschmied finden sich noch zwei Eintragungen in den Archivbeständen. 1799 befanden sich russische Truppen unter Führung des Generals Suworow in Feldkirch, waren in Bürgerhäusern einquartiert und schonten das Eigentum der Bürger nicht. Der Stadtmagistrat nahm alle diese Kriegsschäden, Russische Erlittenheiten genannt, in einem eigenen Protokoll auf. Der Bäkkermeister Franz Josef Lisch gab zu Protokoll, daß ihm die Russen silberne Schuhschnallen aus dem Kasten gestohlen hätten. Diese habe er vom Goldschmied Geiger 22 um 24 Gulden gekauft. Er bat um Schadenersatz.12 1801 verdiente Geiger sieben Gulden für das Lampenputzen in der Feldkircher Pfarrkirche St.Nikolaus.13 Seine Frau Katharina Doldin verstarb 1809 im Alter von 50 Jahren. Joseph Geiger heiratete 1810 Crescentia Seger von Braz, die 11 Jahre lang bei ihrem Vetter Spitalverwalter Caspar Leo in Dienst stand. Geiger zahlte für seine Frau 100 Gulden Bürgereinkaufstaxe.14 Aus dieser Ehe stammten sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne. Leo war übrigens der Pate aller Kinder. Patin war Josefa Haltmayer, Ehefrau des ebenfalls aus Wolfurt stammenden Goldschmiedes Haltmayer. Wo hat Geiger in Feldkirch gewohnt? 1796 erwarb er von Felix Schwarzhans ein Haus und einen Garten in der „Krezgasse". 15 Ende 1805, anfang 1806 wird im Stadtratsprotokoll die Versteigerung des Hauses von Geiger erwähnt und die Einräumung eines Pfandrechtes für Geiger bestätigt.16 Ob es sich hierbei um eine freiwillige oder zwangsweise Versteigerung handelte, ist nicht eruierbar. 1797 bis 1813 wohnte die Familie Geiger im Haus No 71, das ist heute das Haus Gymnasiumgasse 2.17 Um 1815 zog sie in das Haus 184, Schmiedgasse 8, das heutige Furtenbachhaus, um. In diesem Haus wohnte auch sein Schwager, der Baumeister Franz Xaver Seeger mit seiner Familie.18 1822 ersteigerte er das Haus 193, heute Schmiedgasse 16, und blieb dort bis 1844.Am 15.7.1844 kaufte Adolf Gorhan dieses Haus.19 Es fällt auf, daß Geiger eigentlich immer in oder Nahe der Schmiedgasse wohnte. Geiger dürfte sich mit dem Hauskauf 1801 verschuldet haben, wie erhaltene Schuldverschreibungen aus diesen Jahren beweisen. Blieb Geiger seinem erlernten Beruf treu? Ab 1813 wird Joseph Geiger als aktiver Unternehmer und Pächter immer wieder in den Akten genannt. 1813/14 war er Pächter der städtischen Ziegelgrube und des städtischen Kalkwerkes.20 1816 ist er Associe des Ziegelstadelpächters Seger, vermutlich seines Schwagers, und sucht in dieser Funktion um die Zuteilung von Brennholz an. 1820 verpachtete die Stadt Josef Geiger auf sechs Jahre die Ziegel- und Kalkbrennerei.21 1819 hatte er das Amt eines Vorspannkommissärs, der für militärische Transporte Pferde zu organisieren und die Unkosten zu verrechnen hatte.22 1820 erhielt er den Posten des Holzmeisters verliehen. In dieser Funktion war er für die Verwaltung des städtischen Holzlagerplatzes, der auf dem heutigen Rösslepark lag, und für die Holzverteilung an die Bürger verantwortlich. 2 ' Er gab diesen Posten erst 1844 auf. 1837 hatte er auch das Amt eines Marschdeputierten inne, der für die Verrechnung des Marschkonkurrenzfonds zuständig war. Mit diesem Fonds wurden die Unkosten der militärischen Truppenverschiebungen und Einquartierungen beglichen.24 Es stellt sich angesichts dieser Aufzählung von Beschäftigungen die Frage, ob er das Goldschmiedehandwerk aufgegeben hat. Im Pachtvertrag 1820 wird er als Goldarbeiter bezeichnet, in den Taufbüchern ist bei der Geburt des Sohnes Ferdinand 1816 als Beruf des Vaters „Handelsmann" vermerkt, während er bei den späteren drei Kindern immer als Goldschmied bezeichnet wird. Joseph Geiger verstarb am 18. März 1845. 23 Ein zweiter Wolfurter Goldschmied, Josef Haltmayer, geboren am 1.April 1775 in Wolfurt als Sohn des Martin Haltmayer und der Maria Rieglin, suchte am 2.4.1805 um das Feldkircher Bürgerrecht an. Er entstammte einer seit 1650 im Wolfurter Kirchdorf beheimateten Familie und war ein Cousin Geigers.25 Über eine Beratung seines Ansuchens konnten keine Unterlagen gefunden werden. Am 22.6. teilten die Feldkircher Gürtler und Goldschmiede dem Stadtmagistrat mit, daß Haltmayer sich im unmittelbar an Feldkirch angrenzenden Weiler Heilig Kreuz, der damals zur Gemeinde Tisis gehörte, angesiedelt hatte. Sie baten um Einschaltung des Vogteiamtes und um die Ausweisung Haltmayers. Sie begründeten diese Maßnahme mit den gesetzlichen Vorschriften, welche die Ausübung eines Kommerzialgewerbes, wie es der Goldschmied war, nur in Städten erlaubte. Ob der Stadtmagistrat wirklich das Vogteiamt einschaltete, konnte nicht nachgewiesen werden. Am 17.1.1807 erhielt Haltmayer endlich das Bürgerrecht verliehen, mußte aber vorher noch eine Umsiedlungsbewilligung vorlegen, sein Vermögen in der Stadt Feldkirch versteuern, 150 Gulden in bar als Einkaufsgebühr bezahlen und einen Feuerkübel anschaffen.26 Am 24.8.1807 heiratete er Josefa Mangengin aus Vandans. Die beiden hatten wenige Tage vor der Heirat einen Heiratsvertrag abgeschlossen, der die Einbringung von 500 Gulden von der Braut und 450 Gulden vom Bräutigam als Heiratsgut vorsah.27 Aus dieser Ehe entstammten 6 Kinder, vier Mädchen und zwei Knaben.28 Rätsel gibt sein 1810 gestelltes Ansuchen um die Baubewilligung für eine Werkstätte im Gewölbe des Hauses Marktgasse 183 auf, da sich dieses Haus nach den erhaltenen Hausnummernverzeichnissen nicht in der Marktgasse, sondern in der Schmiedgasse befand.29 Es war das Nachbarhaus des Hauses No. 184, heute Schmiedgasse 4, in dem die Familie Haltmayer seit ca. 1816 nachweisbar ist.30 Vermutlich ist Haltmayer bzw. dem Schreiber des Ansuchens ein Irrtum in der Hausnummer passiert. Haltmayer ließ 1819 das ganze Haus neu decken. Das feuergefährliche Holzschindeldach wurde durch viel sichere Dachziegel ersetzt, was von der Stadt Feldkirch aus feuerpolizeilichen Gründen finanziell gefördert wurde.31 Über Haltmayers Arbeit als Gold- und Silberschmied ist nur durch einige wenige Akten etwas zu erfahren. Aus dem Jahre 1820 hat sich eine Bestätigung erhalten, daß er an den Postwagenkondukteur Thomas Lechtaler in Wien vier Dutzend silberne und einen vergoldeten Weinkegel übersandte.32 Unklar bleibt natürlich, um was es sich hier handeln könnte. 1821 stellte er für den Hohenemser Juden Markus Steinbach Löffel her, die dieser in Tirol verkaufen wollte. Es waren dies ein Dutzend silberne Löffel, zwei Dutzend silberne Vorlegelöffel, die inwendig vergoldet waren, und ein Dutzend silberne Kaffeelöffel.33 Alle diese Gegenstände trugen als Beschaumarke das Feldkircher Wappen und das Meisterzeichen. Damit garantierte die Stadt Feldkirch den richtigen Silbergehalt der Waren. 1828 kam es zu einer amtlichen Untersuchung wegen der Punzierung von Eßlöffeln. 24 Im Akt wird erwähnt, daß Ware, die Haltmayer nicht auf Bestellung anfertigte, oft Jahre im Geschäft lag. Weiters berichtet er, daß sein Sohn Josef ebenfalls den Goldschmiedberuf erlernt habe und sich auf der während der Gesellenzeit vorgeschriebenen Wanderschaft befand.34 Josef Haltmayer scheint ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen zu sein. Jedenfalls konnte er sich im Verlauf der Jahre einigen Grundbesitz erwerben. Er verfügte über Äcker in Altenstadt, Streuewiesen in Tisis, Torfmähder in Ruggel und über einen Weinberg in der Berggasse am Ardetzenberg.35 Es kann daraus geschlossen werden, daß er neben dem Handwerk auch eine kleine Landwirtschaft betrieb, also ein typischer Ackerbürger war. Er verstarb am 22. Mai 1843. Der Sohn erhielt 1838 die Betriebsbewilligung verliehen.36 1847 baute er seine Werkstätte aus.37 Vater und Sohn waren beide in der Feldkircher Großhammerzunft aktiv. Der Vater hatte 1828 den Posten eines Kerzenmeisters inne, der Sohn war 1861 Kerzenmeister und 1862 Zunftmeister.38 Läßt man diese bewegten Lebensläufe nochmals Revue passieren so fällt auf, daß zuerst ungern gesehene Fremde sich voll in das Leben dieser Stadt integrierten. Es sind dies recht typische Karrieren. Feldkirch stand wie jede Stadt für „Fremde" offen, ja lebte in gewissem Maß vom Zuzug. Das war sicherlich ein typischer Unterschied zu Landgemeinden, die sich meist abschlossen und Zuzug nicht gerne sahen. Interessant ist auch die enge verwandtschaftliche Beziehung dieser zwei Goldarbeiter und der Umstand, daß beide Familien sowohl in ihrer Heimat Wolfurt als auch in Feldkirch in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten. Stadtarchiv Feldkirch, Handschrift 41, Seite 100, 1.8.1793 Biographische Recherchen wurden freundlicherweise von Siegfried Heim durchgeführt 'STAK Akt FI Sch 100/18 4 wie Fußnote 1 5 STAF, Hds.42, 124 6 STAF Hds. 42, 304, 26.4.1794 ' STAF, Hds.43, 492, 28.10.1794 "STAF, Sch 33, 1807 9 STAF, Hds.44. 155. 1795 und 8.6.1795 10 STAF. Hds. 563, 70 " Ludwig Kapp, Topographisch - historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. Bandl.Brixen 1894. S.66 12 STAF. Akt 2396. In diesem Protokoll ist ein zweiter Fall von Diebstahl silberner Schuhschnallen verzeichnet. Ein nach Vaduz gehender Feldkircher wurde von russischen Dragonern aufgehalten und ihm die Schuhschnallen abgenommen. Heute noch gehören diese Schnallen zum Bestandteil der Feldkircher Tracht. "STAF. Hds. 568. 61. 1801 14 Vorarlberger Landesarchiv. Landgericht Feldkirch, Sch 22. Akt 1443 " STAF, Hds. 193, Dok. 31 16 STAF, Einlaufprotokoll 2. 31.1.1807, Publ. 52 2 1 25 17 STAF, Häuserbuch von Leopold Manner. Dort 1797 bis 1809 Geiger angegeben. Nach Akt F I Sch 83/24 bis 1813 dort nachweisbar. 18 Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript. o.J., S.30. Alfons Leuprecht, Die Familie Seeger in Vorarlberg. o.O., o.J.,S 98. Ob Geiger nur Untermieter oder Mitbesitzer war, ist unklar. 19 STAF, Abschrift Seelbeschrieb vom Jahre 1818. Verfachbuchabschrift I, S.162. Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript.o.J., S. 49-50, Abschrift Verfachbuch 13.12.1844, fol. 5876 20 STAF, Akt 686 21 STAF, F II Sch 35/20. Hier auch Hinweis auf Pachtvertrag mit Geiger von 1813. Abschriften Verfachbuch 7.6.1820 22 STAF, Repertorium 19, 1819 23 STAF, Einlaufprotokoll 1820, 4.3.1820 24 STAF, F II, Sch 73/19 25 Biographische Informationen von Siegfreid Heim erhalten 26 STAF, Einlauf- und Ratsprotokoll 2, 1807 27 STAF, Hds. 194, Dok.2 28 STAF, Abschrift Seelenbeschrieb 1818 2 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 24, No.2364, 1810 30 Sessler, Schmiedgassc, S.21. Sessler geht vom Jahr 1818 aus, doch beschreibt Haltmayer einen Brand beim Nachbarn im Jahre 1816 und daraus resultierenden Schäden an seinem Haus 31 STAF, FI, Sch 82/ 31 32 VLA, Lg Feldkirch, Sch 78, 1820. Akt 2026 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 81, 1821, Akt 1271 34 VLA, Lg Feldkirch, Sch 12, 1828, Pub XIX 405 35 STAF, F I, Sch 1/ Steuerakt No. 238 "STAF, FII 11/1 37 STAF, F II Sch 2/23 38 Manuskript Angelo Steccanella: Feldkircher Künstler und Handwerker. Dem Autor sei für die Überlassung des Manuskriptes gedankt. Christoph Volaucnik Von Schnapsbrennern und Bierbrauern Die Hofsteiggemeinden sind unter den Freunden und Kennern hochprozentiger alkoholischer Getränke als Herkunftsregion des „Subirers" und anderer Obstschnäpse bekannt. Die Auszeichnung von Schnapsbrennern aus dieser Region auf Fachmessen und die lobende Erwähnung in der Fachliteratur spricht für die gute Qualität dieser Produkte. Wenn wir aber versuchen, die historische Entwicklung des Schnapsbrennens zurückzuverfolgen, muß man leider feststellen, daß sich in den Archiven kaum Dokumente zu diesem bäuerlichen Nebenerwerb finden lassen. Nur bei strittigen Fällen, Beschwerden und Klagen kam es zur Erstellung von Akten, die sich heute unter Umständen in den Archiven auffinden lassen. Diese Dokumente bieten dem heutigen Leser die Möglichkeit, einen kurzen Einblick in ein Segment des Wolfurter Dorflebens vor gut 160 Jahren zu nehmen, allerdings nur aus der Sicht des Beschwerdeführers und des aktenführenden Beamten. Eine umfassende Darstellung des Schnapsbrennens oder der Trinkgewohnheiten unserer Vorfahren ist mit den folgenden kurzen Berichten nicht möglich und nicht beabsichtigt. 1839 beschwerte sich der Schnapsbrenner Joseph Anton Böhler aus Wolfurt über seine neu entstandene Konkurrenz, acht von der Behörde bewilligte Brennereigewerbe.1 Mit seinem Protest setzte er den Beamtenapparat des Bregenzer Kreisamtes und der Innsbrucker Regierung in Bewegung. Im Tiroler Landesarchiv haben sich die Eingabe Böhlers und die Stellungnahme des ranghöchsten Vorarlberger Beamten, des Kreishauptmanns Ebner, erhalten. Böhler behauptete, daß er im Jahre 1826 der einzige Schnapsbrenner in Wolfurt gewesen sei und erst später der Rößlewirt Johann Kalb, außerdem Martin Schertler, Jakob Schneider, Josef Anton Fischer, Johann Fischer, Kaspar Haltmayer, Joseph Rohner und Joseph Müller ebenfalls zu Konzessionen für das Schnapsbrennen kamen. Im Akt wird diese Dichte von Schnapsbrennern im kleinen Ort Wolfurt als „für das allgemeine Wohl nicht rätlich" bezeichnet und festgestellt, daß der Lokalbedarf damit um das Doppelte überschritten wurde. Sechs Tafernen und zwei Schankwirtschaften soll es 1839 in Wolfurt gegeben haben. Bezüglich seiner verstorbenen Konkurrenten Baptist Rohner und Nikolaus Fischer sowie von Haltmayer und Müller behauptete er, daß sie wegen der hohen Besteuerung sehr schnell mit der Produktion aufgehört hätten, und unterstellte ihnen Schwarzbrennerei. Im Dorf sollen 20 bis 25 Bauern für den Eigenbedarf gebrannt haben. Zu den übrigen Bauern meinte Böhler, daß sie nicht genügend Früchte für die Branntweinerzeugung hatten. Er warf der Konkurrenz auch vor, daß sie heimlich den Branntwein zu Hause ausschenkte und auch kleinweise verkaufte. Als Maßgrößen beim Kleinausschank nennt er" Seidel, Halbe und Maaß". Er befürchtete, daß es durch den unbewilligten Ausschank dieses 27 26 scharfen Getränkes zu Exzessen im Dorf käme und die Dorfjugend verdorben würde. Böhler schätzte, daß in Wolfurt nur zwei Branntweinbrennereien bestehen konnten, neben der seinen noch die des Rößlewirtes Kalb2. Kalb war das Branntweingewerbe angeblich von der Gemeinde bereits zugesichert worden, obwohl die Konzessionsverleihung Sache des Landgerichtes war. Sachlich und informativ fiel der Bericht des Kreishauptmannes aus. Er bestätigte, daß in Wolfurt viele Wein- und Obstgartenbesitzer die Früchte zu Branntwein brannten und jeder seinen eigenen Destillationsapparat besaß. Er meinte, daß die Branntweinerzeugung in Wolfurt ein wichtiger Wirtschaftszweig war und daß man amtlicherseits nichts dagegen einzuwenden hatte, da für den Eigenbedarf erzeugt wurde und kein Ausschank stattfand. Als die oben erwähnten acht Wolfurter um eine ordentliche Brennkonzession ansuchten, lehnte zuerst Ebner ihr Ansinnen ab. Ebner meinte, daß die Entscheidung für oder gegen die Konzessionserteilung schwierig wäre. Es handelte sich ja nur um eine Nebenbeschäftigung der Bauern (die wohl einen wichtigen Teil des Einkommens darstellte), andererseits stufte er den Branntweinkonsum in den Landgemeinden als schädlich ein. Ebner war aber Realist genug zu erkennen, daß gegen einen übermäßigen Schnapskonsum kein direkter Zwang von „oben" her Erfolg hatte. Letztendlich sprach er sich für die Erteilung von Konzessionen aus, da die Schnapsbrennerei damit unter polizeiliche, amtliche Aufsicht kam und der Staat durch die hohe Besteuerung der Schnapsbrennerei Einnahmen hatte. Wenn dem durstigen Wolfurter Wasser, Milch, selbsterzeugter Most und Wein zuwenig waren und er ein Bier wollte, mußte er sich in die Nachbargemeinden begeben. In den Jahren 1839 bis 1841 haben ein Kennelbacher und zwei Harder um Bierbraukonzessionen angesucht. Aus den dabei entstandenen Akten kann man einiges über die Bierbrauereien erfahren. 1841 suchte Joseph Sohm aus Kennelbach um die Gewerbekonzession für eine Bierbrauerei in seinem Heimatort an.3 Kennelbach war damals ein Ortsteil der Gemeinde Rieden, und Sohm hatte von der dortigen Gemeindevorstehung bereits die Bewilligung erhalten. Das Landgericht Bregenz, der Vorgänger der heutigen Bezirkshauptmannschaft, lehnte sein Gesuch jedoch ab. Aus der Begründung für die Ablehnung kann man entnehmen, daß man damals nur während weniger Monate im Jahr, nämlich während der kältesten Jahreszeit, ein gutes Bier bekam. Der Landgerichtsbeamte drückte sich bei der Qualitätsbeschreibung des Bieres während des Sommers und Herbstes recht drastisch aus. Er meinte, daß nur wenige ohne Ekel und Widerwillen imstande wären, dieses Bier in der warmen Jahreszeit zu trinken. Das ist mit der Unmöglichkeit einer dauernden kühlen Lagerung des Bieres zu erklären. Die einzige Kühlmöglichkeit war die Einlagerung von Eis in den Kellern während des Winters. Es soll damals im Gebiet des Landgerichtes Bregenz sehr viele Brauereien gegeben haben. Das Landgericht gibt 15 Brauereien an bei einer Bevölkerung von ca. 20 000. Die Situation der Bierbrauer wird nicht gerade als besonders gut beschrieben. Sie Bild 15: Der Brennhafen. Fahrbare Schnapsbrennerei mit Emil Dür um 1965. sollen keine ausreichenden Betriebsfonds gehabt haben, obwohl gerade dieser Beruf bedeutende Finanzreserven erforderte. Viele Inhaber von Bierbraukonzessionen hatten den Beruf nicht erlernt und waren daher auf Brauknechte angewiesen, die für sie arbeiteten. Als positives Beispiel für gute Bierbrauereien nannte der Landgerichtsbeamte Lindau. In dieser bayrischen Stadt sollen die zwei Brauereien das ganze Jahr über gutes Bier ausgeschenkt haben. In Bregenz gab es 1841 vier Brauereien und in Lauterach zwei. Am Ende des Berichtes vertröstete der Beamte die Kennelbacher damit, daß die nächste Brauerei nur eine halbe Stunde von ihrem Dorf entfernt an der Achbrücke stand, worunter er die Bregenzer Achbrücke verstand. Sohm legte gegen die Ablehnung seines Ansuchens erfolglos in Innsbruck Beschwerde ein. In Hard kam es 1839 und 1841 zu Ansuchen um Bierbrauereieröffnungen. Andreas Büchele von Hard erhielt 1839 die Konzession erteilt.4 Im Akt wird unter anderem betont, daß es wünschenswert sei, wenn „das herrschende Getränk des Branntweins und des Mostes unter der arbeitenden Klasse verdrängt werde". Damit waren die Arbeiter der Textilfabrik Jenny gemeint. Da Büchele den Beruf nicht erlernt hatte, war auch er auf einen Brauknecht angewiesen. Büchele hat von seiner Konzession jedoch niemals Gebrauch gemacht. 1841 suchte der gelernte Bierbrauer Caspar Brüstle in Hard um die Bierbrauerkonzession an.5 Im Akt werden die bei Sohm genannten Argumente über die Bierbrauereien wiederholt. Es wird aber noch ergänzt, daß Brüstle mit seinem Vater erst kürzlich ein Wohn- und Badehaus erworben hätte, ein Keller für die Bierlagerung aber fehle. Als Grund dafür wird sehr hoch stehendes Grundwasser genannt, was auch die Ursache für das völlige Fehlen von Brauereien in den Rheindeltagemeinden 28 29 gewesen sei. Auch hier folgt erneut das Argument über den Most- und Branntweinkonsum der Textil- und Holzarbeiter. Die Gemeinde sprach sich übrigens für die Konzessionserteilung an Brüstle aus, da es in Hard noch keine Bierbrauerei gab. Wenn wir die vielen Details dieser Berichte zusammenfassen, so fällt auf, daß der Schnapskonsum in Vorarlberg früher wahrscheinlich um einiges höher war als heute. Dies kann vermutet werden aufgrund der doch recht hohen Anzahl von Erzeugern und des Hinweises auf den Schnapskonsum der Arbeiter. Interessanterweise konnte in Altenstadt bei Interviews mit Zeitzeugen, ehemaligen Gastwirten und Kindern von Gastwirten, erhoben werden, daß Arbeiter jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit in der Wirtschaft noch ein „Budele" Schnaps tranken. Bei den Bierbrauern fällt auf, daß in allen drei Akten die mangelnde Qualität des Bieres und die fehlende Berufsqualifikation kritisiert wird. Genau dieselben Ergebnisse ergab eine Studie über die Bierbrauereien in Götzis. Die Behörden verwendeten in ihren Berichten dieselben Argumente. Meinrad Pichler Kammerdiener Kaspar Kalb: eine Ergänzung In der Heimat Wolfurt vom Juni 97 hat Siegfried Heim einen Artikel über Kaspar Kalb geschrieben, der eine ungewöhnliche Karriere als kaiserlicher Kammerdiener gemacht hatte. Als Kenner der örtlichen Verhältnisse hat Heim besonders den familiären Hintergrund dieses Wolfurters ausgeleuchtet und den Kaiser, dem Kalb hauptsächlich diente, gewürdigt. Mich hat diese von Heim erstmals vorgestellte Persönlichkeit dermaßen interessiert, daß ich bei meinen folgenden dienstlichen Wienaufenthalten jeweils auch ein wenig in Wiener Archiven nach Spuren von Kaspar Kalb suchte. Einiges war dabei zu erfahren, vieles wird für immer im Dunkeln bleiben. Studium Kaspar Kalb wurde als neuntes von 17 Kindern des Anton und det Benedikte Ka\b am 9.1.1756 in Wolfurt geboren. Das Geburtshaus, das vermutlich von Anton Kalb erbaut wurde, steht heute noch im Strohdorf. Als Paten fungierten Andreas Haltmeier und die Schwester des Vaters, Anna Kalb. Daß gerade Kaspar von den elf Söhnen für eine Bildungslaufbahn ausgewählt wurde, wird damit zusammenhängen, daß die Eltern selbst schon zur damaligen Dorfelite gehörten (der Vater konnte beispielsweise schreiben) und eben dieser Knabe von den Eltern oder vom Pfarrer als besonders begabt angesehen wurde. Wo Kalb das Gymnasium absolviert hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls scheint er aber eine Zeitlang in der Mehrerau gewesen zu sein, da der dortige Oberamtmann im Jahre 1771 aus einer Ausbildungsstiftung der Pfarre Bildstein 27 Gulden erhielt und zwar „für Caspar Kalb an sein Handwerkdeputat für erlernte Rechnungskunst". Und weil es im darauffolgenden Jahr keine Ansuchen um handwerkliche Ausbildungsunterstützungen gab, erhielt Kalb nochmals 28 Gulden. Ab 1775 finden wir Kaspar Kalb als Student der Philosophie in Wien. Die Reichshauptstadt war damals für alle, die nicht Theologie oder Medizin studierten, die erste Adresse. Die Reise dorthin war zwar etwas beschwerlich aber billig. Die Studenten begaben sich meist zu Fuß nach Ulm und trachteten von dort aus auf einem Floß billig donauabwärts mitgenommen zu werden. Eine solche Wienreise dauerte manchmal mehrere Wochen. Aus den Aufzeichnungen der Willi'schen Stipendienstiftung der Pfarre Bildstein ist in den folgenden Jahren zu entnehmen, daß Kapar Kalb kein besonders eifriger Student war, daß er das Philosophiestudium nach einigen Jahren abbrach, um mit Jus zu beginnen, und daß sich seine Studien sehr lange hinzogen, ohne daß sie mit einer akademischen Würde abgeschlossen worden sind. Mehrmals mußten väterliche Garantien die fehlenden Zeugnisse ersetzen. 1784 wurde ihm das Stipendium schließ31 Tiroler Landesarchiv, Jüngeres Gubernium, 1839, Gewerbe 4981, Fasz.865 Johann Kalb, 1799-1875, war von 1835 bis 1842 Rößlewirt und einige Jahre lang auch Gemeinderat. Er ist ein Vorfahre der Wolfurter Nagler-Kalb. 3 TLA. Jüngeres Gubernium. 1841, Gubernium 4569, Fasz.869 4 TLA, Jüngeres Gubernium, 1839, Gewerbe 22969, Fasz. 866 5 TLA, Jüngeres Gubernium, 1841, Gewerbe 6439, Fasz. 869 2 1 30 Wachter und Joseph Bergmann. Dem Bregenzer Bernhard Kiene war er bei der Besorgung einer Hofknechtstelle behilflich und auch sein Wolfurter Dorf- und Namenskollege Mathias Kalb kam vermutlich in den Genuß seiner Protektion. Dieser war zuerst beim Magistrat der Stadt Wien als „Schätzmeister bei den Handschuhmachern" angestellt, ehe er in gleicher Funktion 1832 an den Hof wechselte. Schließlich ist mit Sebastian Kalb ein Neffe des Kammerdieners nach Wien nachgereist, der ihm im Alter offensichtlich eine große Hilfe war und dafür vom betagten Onkel finanziell unterstützt wurde. Sebastian Kalb war selbständiger Bortenmacher, konnte aber offensichtlich ohne die Unterstützung seines Onkels von diesem Geschäft kaum leben. Jedenfalls wurde er nach dem Tod Kaspar Kalbs in den 1850er Jahren verarmt per Schub in seine Heimatgemeinde Hard zurückgebracht. Ein Leben und Sterben ohne Aufsehen Seinem Beruf entsprechend, in welchem Unterordnung, dauernde Präsenz und Diskretion die Grundtugenden zu sein hatten, scheint Kaspar Kalb ein zurückgezogenes und sparsames Leben geführt zu haben. Eine Zeitlang (bis 1824) war er verheiratet und hatte seine Privatwohnung in der Mariahilferstraße. Kinder hatte er keine. Nach dem Tod seiner Frau hat Kalb im Kirchberg'schen Stiftungshaus für Hofbedienstete am Spittelberg Wohnung genommen, wo er bis zu seinem Tode am 16. April 1841 blieb. Er beschäftigte eine Hausmagd, die in den letzten beiden Monaten von einer Krankenpflegerin unterstützt wurde. Bis zu seinem 85. Geburtstag im Jänner 1841 hat Kalb in der kaiserlichen Kammer gearbeitet. In seinem Testament hatte er eine „Stille Beerdigung" gewünscht mit dem einzigen Zusatz, daß zehn Armen, „die beim Ceremonial erscheinen je 20 Kreuzer" zu geben seien. Und auch die übrigen Bestimmungen des kurzen Testaments waren recht unspektakulär: Die Magd sollte die Einrichtung ihres Zimmers und der Küche erhalten, seinem Neffen Sebastian Kalb, der die letzten Verfügungen zu vollstrecken hatte, wurden alle übrigen Einrichtungs- und Kleidungstücke zugesprochen, die nur einen Schätzwert von 260 Gulden ausmachten. Seine Ersparnisse hatte der Erblasser in relativ komplizierten und - wie sich für die Erben erweisen sollte - unsicheren Transaktionen angelegt. Insgesamt hatte der Kammerdiener ein enormes Vermögen von 40.000 Gulden angespart, das zu gleichen Teilen an alle 12 lebenden Kinder seiner Brüder Johann Georg (Wolfurt), Benedikt (Hard), Andreas (Bregenz) und Balthasar (Wolfurt) gehen sollte. Allerdings meldete ein Wiener Kaufmann, dem Kalb einen Kredit von 20.000 Gulden gewährt hatte, wenige Tage nach der Testamentseröffnung seine Insolvenz an und aus der Masse war nicht mehr viel zu holen. Auch ein gewisser Freiherr von Bendern, der Kalb 4000 Gulden schuldete, zögerte lange mit der Rückzahlung. Wieviel die Erben tatsächlich erhalten haben, läßt sich aus dem komplizierten Verlassenschaftsakt, der erst 50 Jahre nach Kaspar Kalbs Tod geschlossen wurde, nicht mehr exakt feststellen. Jedenfalls haben drei Generationen von Wiener Notaren und Bregenzer Rechtsanwälten ordentlich mitverdient. Dies umso mehr, als 1885 der ohnehin komplizierte Erbfall neu aufgerollt wer34 den mußte, da man bei der Erstabwicklung eine Harder Nichte vergessen hatte. Zumindest auf diese Art blieb der bescheidene Kammerdiener Kaspar Kalb noch weit über seinen Tod hinaus in vieler Munde und zu unserem Glück in den Akten. Quellen: Stadtarchiv Wien, Verlassenschaften 2/2408/1841 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Akten des Oberstkämmereramtes 507 und 864/1807, 176/809/1830, 172/580/1837,37/8/1841 Vorarlberger Landesarchiv, Hs. U. Cod. Pfa. Bildstein 11 Hof- und Staats-Schematismus des österreichischen Kaiserthums (Jahre 1799 bis 1841) Siegfried Heim: Kammerdiener des Kaisers. In: Heimat Wolfurt, Heft 19, 6/97 Ivan Zolger: Der Hofstaat des Hauses Österreich, Wien 1917. 35 Siegfried Heim Vom Gulden zum Schilling Um das Jahr 2000 soll unsere Währung vom uns so lieb gewordenen Schilling auf den von vielen noch gefürchteten Euro umgestellt werden. Solche Veränderungen bringen viel Kopfzerbrechen mit sich. Dabei haben wir im Lauf der Geschichte doch schon etliche bewältigt. Und wenn ein vereinigtes Europa einen einzigen Krieg unter Nachbarn verhindern kann, dann ist dafür kein Preis zu hoch. Geld hat eine lange Geschichte. Der ursprüngliche Naturalien-Tauschhandel war schon in der Bronzezeit durch Bezahlung mit Metallstücken ergänzt worden. Den Lydern in Kleinasien schreibt man die Erfindung von geprägten Münzen um 700 v. Chr. zu. Bei Persern, Griechen und Römern entwickelte sich daraus schnell der Handel mit Geld. Könige und Kaiser prägten immer mehr Münzen aus Gold, Silber und auch aus Kupfer. Denar Die erste in unserem Land zur Zeit von Christi Geburt eingeführte Münze war der aus Silber geprägte römische Denar. Als Brakteat trug er nur auf einer Seite das Bild des jeweiligen Kaisers. Im Landesmuseum sind viele solche in langer Zeit schwarz gewordene Silberdenar zu sehen. Die meisten wurden in Brigantium gefunden, einige auch an der Römerstraße in Lauterach. Pfennig Im Reich Karls des Großen war um 800 n. Chr. aus dem Silberdenar ein Silberpfennig geworden. Zum Schutz gegen Verfälschungen wurde er abgewogen. Ein Pfund ( 1 1 / libra) mußte 240 Pfennige enthalten. 12 Pfennige (12 d / denar) galten als ein Schilling (1 s / solidus). Als Münzen wurden aber nur die Pfennige geprägt. 1 1 = 20 s = 240 d 1 s= 12d Diese Währung galt bei uns mit den Konstanzer Pfennigen bis zum Ende des Mittelalters, im übrigen Österreich meist mit Friesacher oder mit Wiener Pfennigen. In England galt diese Einteilung sogar bis 1971 (!): 1 Pfund Sterling = 20 Shilling, 1 sh = 12 pennies. Was konnte man bei uns im Mittelalter dafür kaufen? Einigen Aufschluß geben die Zchentbücher des Klosters Mehrerau, in denen die Mönche schon um 1290 fein säuberlich aufschrieben, was ihre Lehensnehmer jedes Jahr zu bezahlen hatten.' Ein Schwein kostete 8 s, also 96 Silberpfennige. Ein neun Pfund schwerer Käslaib kostete 6 Pfennige. Das Dorf Wolfurt gehörte zwar damals zum Kellhof und damit zum Kloster Weißenau. 36 Aber Rickenbacher Namen tauchen in den Mehrerauer Büchern häufig auf: ruozinberc (Rutzenberg), slattingen (Schlatt), rikkenbach, dictus spaete (Spetenlehen), de molendino in rikkenbach (aus der Mühle in Rickenbach). Der Hof auf dem Rutzenberg schuldete jährlich als Lehenszins 13 s. 2 scap. 50 ova. De orto 3 s. Das waren 13 Schillinge (156 Silberpfennige), 2 Schweinsschinken, 50 Eier und dazu aus dem Garten eigens noch 3 Schillinge. Das Gut im Schlatt kam dagegen mit der Zahlung von 18 den, also dem Wert von drei Käslaiben davon.2 Von viel größeren Summen erfahren wir aus Kaufverträgen. Im Jahre 1402 verkaufte Junker Hans für 500 Pfund Pfennige die Hälfte von Schloß Wolfurt an das Kloster Mehrerau.3 Ritter Ulrich von Schwarzach verkaufte 1451 seine Burg Veldegg im Wolfurter Oberfeld samt einem Haus in Bregenz und einem Hof in Schwarzach für 944 Pfund Pfennige ebenfalls an Mehrerau.4 Welch ungeheure Massen von Silberpfennigen mußten da bewegt, abgewogen und in mächtigen Truhen verschlossen werden, auch wenn sicher nicht alles bar bezahlt wurde! Gulden und Taler Kaufleute benötigten für große Werte andere Geldeinheiten als die Silberpfennige. In Florenz hatte man deshalb schon 1252 Goldstücke zu Münzen geprägt, die Florentiner Gulden. In Schwaz in Tirol ließ Herzog Sigismund (der Münzreiche!) ab 1484 aus Silber eine große Münze im Wert eines Guldens prägen, die bald als Taler (von Joachimsthal in Böhmen) in alle Welt hinaus ging. Der Pfennig war zum silbernen Kreuzer geworden. 3-Kreuzer-Stücke wurden als Groschen geprägt, an manchen Orten auch 4er als Batzen oder 6er als Sechser. Diese Münznamen kennen wir heute noch aus alten Volksliedern. Im Jahre 1753 versuchte Kaiserin Maria Theresia, Ordnung in die von Land zu Land verschiedenen Geldsorten zu bringen. Sie schuf in Übereinkunft mit Bayern für Österreich die Conventionswährung: 1 Taler = 2 Gulden = 120 Kreuzer 1 fl (Gulden) = 60 x (Kreuzer) Der Maria-Theresien-Taler aus Silber gewann weit über Österreich hinaus Bedeutung. Im Orient blieb er bis in das 20. Jahrhundert ein beliebtes Zahlungsmittel. Er wird in Wien auch heute noch geprägt. Das Gleiche gilt für den Dukaten aus Gold, der schon im 14. Jahrhundert aus Venedig nach Österreich kam und bei uns immer noch als Wertanlage geschätzt wird. Die Geldknappheit wegen des Siebenjährigen Krieges gegen Preußen zwang Maria Theresia, im Jahre 1762 auch erstmals Papiergeld auszugeben. Sie ließ Banknoten mit Werten zwischen 5 und 100 Gulden drucken. Die Bancozettel haben aber schon in der ersten Inflation von 1809 den größten Teil ihres Wertes verloren. Das Vertrauen auf Papiergeld ist seither auch von anderen Regierungen noch mehrmals arg miß37 braucht worden. Silbergulden und die ab 1760 aus Kupfer geprägten Kreuzer hatten ihren Wert behalten. In den Hohenemser Fallbüchern wurden um 1760 die Abgaben aus dem Kellhof Wolfurt aufgeschrieben. Eine Kuh kostete 8 bis 16 Gulden, ein Roß 12 bis 24, manchmal auch mehr als 30 Gulden. Die Wolfurter Bauernhöfe wurden im Steuerbuch von 1785, als Ried und Ippach noch nicht verteilt waren, im Durchschnitt mit etwa 1000 Gulden bewertet, nur wenige mit mehr als 2000 Gulden.5 Für 4500 Gulden löste Hofsteig-Ammann Joseph Fischer 1771 den Kellhof Wolfurt mit vier dazu gehörigen Höfen aus dem Besitz der Gräfin Rebecca von Hohenems.6 Der aus Buch stammende Holzmüller Johann Stadelmann konnte 1772 das Schloß Wolfurt samt dem großen Bühel für 3600 Gulden kaufen.7 Auch die kleinen Dinge hatten ihren Preis. Im Jahre 1822 rechnete der Schulaufseher mit der Gemeinde ab: 1 Reißbley (Bleistift) 3 x (Kreuzer) 1 Buch Schreibpapier 12 x 1 Dutzend Tintengläser 12 x 1 Büschel Schreibfedern 20 x 1 Lesebuch 20 x 1 Bettnoster (Rosenkranz) 7 x 8 Den Ausgaben muß man immer den Arbeislohn entgegenstellen. Ein Taglöhner erhielt für einen ganzen Tag Arbeit in Feld oder Wald oder auch bei einem Handwerker nur 30 x, also einen halben Gulden. Dabei waren die Grundnahrungsmittel keineswegs billig: 1 Kilogramm Mehl 10 x 1 Liter Milch 4x Zudem lasteten auf den meisten Höfen große Schulden bei Kirche, Schulfond oder bei den Geldverleihern in der Stadt, für die jährlich 5 Prozent Zinsen bezahlt werden mußten. Silbergulden Im Jahre 1857 stellte Österreich seine Währung auf das Dezimalsystem um. Jetzt galt: 1 fl (Gulden) = 100 x (Neukreuzer) Nur mehr 4- und 8-Guldenstücke wurden jetzt aus Gold geprägt, 2er und 1er dagegen aus Silber. Einige Preise aus dem Wolfurter Gemeindeblatt von 1891: 1 kg Maismehl 11 x l kg Mehl 18 x 1 kg Schweineschmalz 60 x 1 1 Wein (über die Gasse) 32 x Goldkronen Schon 1892 kam die nächste Umstellung, diesmal auf Goldkronen. Für einen Gulden erhielt man zwei Kronen. Neue Einheiten also jetzt 1 K (Krone) = 100 h (Heller) In den auf die Jahrhundertwende folgenden goldenen Stickerzeiten stand bei uns in Wolfurt der Schweizer Franken besonders hoch im Kurs. Da bezahlten die Sticker nicht selten mit einem Füf-Libar (Fünf-Franken-Stück). Als dann 1914 aber der Weltkrieg ausbrach, verschwand ganz schnell alles Hartgeld in den Sparstrümpfen. Die Regierung mußte Papiergulden drucken lassen. Das Papiergeld verlor ständig an Wert. Die Inflation steigerte sich bis 1922 in rasender Eile. Postmeister Rudolf Böhler notierte wichtige Preise in seiner Chronik: 1914 1917 1922 " 1 kg Mehl 0,38 K 0,70 K 550,- K 1 kg Maismehl 0,21 0,74 450,1 kg Butter 2,20 5,80 2 400,1 kg Rindfleisch 2,10 5,60 800,1 kg Schweinefleisch 2,30 6,50 2 000,Damit war aber das Ende der Teuerung noch nicht erreicht. Die Preise stiegen noch einmal auf das Zehnfache. Eine Briefmarke kostete 1914 noch 10 Heller, 1923 aber 1500 Kronen.9 Der Staat druckte riesige Banknoten. Die größte vom September 1922 hatte einen Nennwert von 500 000 Kronen. Der Stundenlohn eines Arbeiters lag jetzt bei 10 000 Kronen. Im Jahre 1923 konnte Bundeskanzler Seipel mit einer riesigen Anleihe vom Völkerbund die Inflation endlich stoppen. Bild 17: Inflation beim Tanzabend: 1919 kostete der Eintritt noch 2 Kronen, 1924 dagegen 4000 Kronen. 38 39 Schilling I Mit Datum vom 1. Jänner 1925 wurde eine ganz neue Währung eingeführt. Für 10 000 Kronen bekam man jetzt 1 Schilling. 1 S (Schilling) = 100 g (Groschen) Das Geld erwies sich jetzt als stabil. Für die allermeisten Österreicher wurde ihr Alpen-Dollar sogar bald sehr rar. Nach dem Schwarzen Freitag, dem 25. Oktober 1929, war eine furchtbare Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, die überall zu Arbeitslosigkeit und Hunger führte. Einige Preise vom Wolfurter Turnfest 1930: 1 großes Bier 1,- S 1 Limonade 0,40 S 1 Liter Wein 3,20 S 1 Schübling mit Brot 0,60 S Reichsmark Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Ab 17. März galt auch bei uns die deutsche Reichsmark. Für eine Reichsmark mußte man 1,50 Schilling umwechseln. 1 RM (Reichsmark) = 100 Rpf (Reichspfennig) Durch die Zwangswirtschaft blieben während des langen folgenden Krieges die Preise absolut stabil. Genau wie 1938 galt auch noch 1945 1 kg Mehl 0,45 RM 1 1 Milch 0,30 RM Schilling II Nach Kriegsende führte Österreich am 20. Dezember 1945 wieder die SchillingWährung ein. Für eine Reichsmark erhielt man jetzt einen Schilling. Allerdings bekam jeder Bürger nur 150 S in die Hand. Alles andere wurde auf Sperrkonten verrechnet. Kubikmeterweise wurden Papier-Reichsmark eingesammelt und vernichtet. Nicht wenige sollen auch in den Öfen der Schwarzhändler verbrannt worden sein. Groschen gab es noch keine. Als Münzen verwendete man noch weiterhin die alten Reichspfennige mit dem Hakenkreuz. Weil zusätzlich die Besatzungssoldaten ihre schon 1944 in den USA gedruckten Alliierten Militärschillinge auf den Markt warfen, hatte niemand Vertrauen in das Papiergeld. Es entstand schnell ein Schwarzmarkt mit einer seltsamen Währung aus Schnaps, Butter und Zigaretten. Das Gesetz vom 19. November 1947 brachte neue Schilling-Banknoten und jetzt endlich auch wieder österreichische Münzen. Und wieder erhielt jeder Staatsbürger nur 150 neue Schillinge. Diesmal wurde das übrige Geld gleich um zwei Drittel abgewertet. Ab 1948 brachte der Marshallplan mit seinen ERP-Mitteln die Grundlagen zur Gesundung der Wirtschaft. Mit der Vollbeschäftigung setzte gleichzeitig eine starke Geldentwertung ein. Bis 1952 stiegen die Lebenshaltungskosten auf das Sie40 benfache. Eine Reihe von Lohn-Preis-Abkommen minderten das Ansehen unseres Geldes. Das änderte sich mit dem Raab-Kamitz-Kurs ab 1953. Im Jahre 1955 gab es zum Staatsvertrag sogar die ersten silbernen 25er-Münzen. Zwar verschwanden sie ebenso schnell bei den Sammlern wie 1976 die wie aus einem Märchen auftauchenden Gold-Tausender, aber die Finanzwelt hatte Vertrauen zu unserem kleinen Land gefaßt. Längst stellt sich unser Schilling selbstbewußt als öS und seit einiger Zeit als ATS frei austauschbar der Konkurrenz aus den anderen Industrienationen. Das erwarten wir im nächsten Jahrtausend auch vom neuen Euro, von unserem Euro. 1 Benedikt Bilgeri, Zinsrodel Mehrerau, 1940 Wie 1, Seite 13 'Andreas Ulmer, Burgen, 1925, S. 390 4 Wie 3, S. 394 5 Volaucnik. Sozialstrukturen, Heimat Wolfurt, Heft 6, S.16 fi Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV 1952, S. 11 7 Wie 3, S 397 8 GA Wolfurt, Schachtel 1822, Schule " Karl Gcrstgrasscr, 100 Jahre Raiffeisen Thüringen, 1995. Diesem Buch sind auch einige der nachfolgenden Daten entnommen. 2 41
  1. wolfurt
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Heimat_Wolfurt_...992_A Wolfurt 01.04.1992 19.11.2012, 18:31 Heft 9 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 92 Maria Bildstein feiert Jubiläum. Im Jahre 1692 wurden die beiden Türme gebaut. Damals gehörte die Wallfahrtskirche zu Wolfurt. Inhalt: 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Nach Amerika (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz BILDNACHWEIS: Titelbild: Kurt Gramer, München S 5, 8, 14, 17, 22: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern» S 13, 16, 20, 21, 25, 26, 29, 32: Siegfried Heim Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 8 DIE AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Zu «Volkszählungen» ist in der Zeitschrift «Montfort» 1991/4 von Kurt Klein eine sorgfältige Übersicht erschienen. Danach hat sich die Einwohnerzahl Vorarlbergs seit 1769 von 58700 auf jetzt 333000 verfünffacht. In der gleichen Zeit hat sie sich in Wolfurt von 726 auf 7326 verzehnfacht. In Österreich lebten 1991 pro km2 93 Einwohner, in Vorarlberg aber 128. In Wolfurt liegt die Dichte sogar bei 733 Einwohner pro km2. Die Zahlen von Heimat 8, Seite 4 und 5, werden weitgehend bestätigt. Bei den einander konkurrierenden Gemeinden Lauterach und Wolfurt war Lauterach erstmals von 1923 bis 1961 größer als Wolfurt. 1971 und 1981 lag wieder Wolfurt voran. 1991 hatte aber Lauterach fast 300 Einwohner mehr (7617). Schwarzach hatte 1850 noch genau 200 Einwohner weniger als Bildstein (701 /901). Erstmals 1869 überholte die expandierende Industriegemeinde die abnehmende Wallfahrtsgemeinde (869/807) Heute hat Schwarzach viereinhalbmal soviel Einwohner als Bildstein (3182/712). Zu «Schulschwestern»: Der Beitrag erreichte unsere letzte Schulschwester Regina auf ihrem Krankenlager an der Kettenbrücke. Sie hat sich seither gut erholt und ist wieder nach Wolfurt heimgekommen. Wir wünschen ihr Glück zur Genesung! In Innsbruck hat sie das Heftchen auch ihren Mitschwestern gezeigt und einige alte angefordert. Zwei Briefe sind seither gekommen: Sr. Leopolda (Hintereggers Annele, geboren 1917 in der Bütze. Sie war viele Jahre Kindergartenschwester in Egg.) bedankt sich besonders für die Mundart-Ausdrucke in Heft 4: «Ich hab immer wieder laut gelacht». Sie grüßt mit «Lang, lang ist's her .. !» Sr. Maria Regina Schertler (geboren 1929 im Strohdorf und von ihren Mitschülerinnen «Simones Helene» genannt) meint mit freundlichen Grüßen: «Beim Lesen tauchen Erinnerungen auf und führen zurück in eine Zeit, die etwas anders war als heute. Aber jede Zeit hat eben ihre Geschichte, die schön und lebenswert ist.» 1 Danke! Sehr viele Bezieher von «Heimat Wolfurt» haben große oder auch kleine Beiträge zur Deckung der Druckkosten auf Konto Raiba 87957 einbezahlt. Ihnen allen sei von Herzen gedankt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Siegfried Heim Bildstein und Wolfurt Zu Häuser im Strohdorf sind keine Beiträge eingelangt. Niemand klagt über die «Übernamen». Heute ist man auf Hausnamen stolz. Ich möchte aber gerne einige mehr kennenlernen. Bi «Ma goht is Holz» bi-n-i seol druf ku, daß i do Zabie vorgeosso heo. Zu den Anzeigen aus dem Gemeindeblatt hat man mich nach Mode, Fisolen und Unschlitt gefragt. «Mode» nannte man bei uns den von Pfarrer Kneipp propagierten Feigenkaffee. Er soll ursprünglich (nach Jutz) die Aufschrift «Mode d'emploi» (Gebrauchsanweisung, franz.) getragen haben. «Fisolen» nannte man im Oberland die Stangenbohnen. An vielen Orten hießen sie «Spizöla», bei uns aber «Kichora». In Lustenau unterscheidet man «Spizöla» und «Krüchora». «Uschlitt» heißt das minderwertige Rinderfett, das man zu Talglichtern und Unschlittkerzen verarbeitete. Mit Hilfe von Holzasche aus dem Kachelofen kochte man daraus auch Seife. Weil das ein langwieriger Vorgang war, betitelte man langweilige Menschen manchmal «Soafo-Südar.» Beim Jubiläum der Wallfahrt dürfen auch wir Wolfurter mitfeiern. Heuer, im Jahre 1992, läuten die Glocken von Maria Bildstein aus besonderem Anlaß: Vor 200 Jahren hat sich Bildstein von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst und 1792 erstmals einen eigenen Pfarrer bekommen. Und vor 300 Jahren wurden 1692 die herrlichen Barock-Doppeltürme errichtet und damit der Kirchenbau abgeschlossen. Die Pfarre Bildstein wird dazu heuer eine Festschrift herausgeben. Ergänzend will dieser Beitrag die engen Beziehungen von Wolfurt zu Bildstein aufzeigen. Die Leute vom Berg Um das Jahr 610 hatten die irischen Mönche Kolumban und Gallus in Bregenz das Christentum gepredigt. Bald gehörte das ganze Umland von der Leiblach bis zur Schwarzach zur Pfarre St. Gallus in Bregenz. Im 12. Jahrhundert gab es in Wolfurt bereits eine Kapelle St. Nikolaus. Um diese Zeit hatten die Hofsteiger begonnen, die Hänge des Steußberges zu roden und zu besiedeln. «Steußberg» heißt nach der Meinung des Bildsteiner Pfarrchronisten eigentlich «Steigsberg». Die Leute vom Berg gehörten ja auch zum Hof Steig bei Rickenbach und zum Gericht Hofsteig, das seinen Sitz später nach Lauterach verlegte. Dort galt der Raum am Steußberg weiterhin als eine Einheit, etwa wenn bei der Ammannwahl drei Kandidaten vorgeschlagen wurden: «drey ehrliche männer, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, abm berg oder von Schwartzach» (Landsbrauch von 1544). «Abm berg» waren die Leute von Buch und Bildstein, das noch bis ins 18. Jahrhundert den Namen «Berg» trug. Die Leute vom Berg mußten viele Jahre mit den anderen Hofsteigern durch die Achfurt waten, wenn sie zum Gottesdienst nach St. Gallus in Bregenz gingen. Sie 3 2 beteiligten sich daher auch an der Errichtung einer neuen Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt im Jahre 1512: «... wür gemaine Nachpurschafft zue-Wolfurth, und wür zue Schwartzach, am Berg und im Buech ...» (Stiftungsbrief) Fast 300 Jahre lang kamen jetzt die Leute vom Berg, ja sogar aus dem fernen Farnach, jeden Sonntag nach Wolfurt zur Kirche. Hier wurden sie getauft und getraut. Hierher trug man sie, oft durch Schnee und über steile Tobel, auf ihrem letzten Weg zum Wolfurter Friedhof. Wenn nach dem Kirchgang die Bauern auf dem Kirchplatz Wichtiges besprachen und die Frauen noch einige Einkäufe in «Hanso Hus» tätigten, lernte sich auch die Jugend kennen. So darf es nicht verwundern, daß viele Wolfurter nach Bildstein heirateten und noch mehr Bildsteiner ans Land kamen. Unter den 104 Hausbesitzern von 1760 in Bildstein findet man 14 Böhler, 10 Köb, 9 Gunz, 8 Gasser, 6 Höfle und 6 Geiger als die wichtigsten Geschlechter. Von ihnen stammen auch große Wolfurter-Familien ab. Die «Gallar»-Köb, (auch «Lehrars», «Schrinars uf om Bühol», «Molars») kamen 1788 von Gallin. Die «Schloßburo»-Köbs, zu denen auch «Stenzlars» und «Schmiods» zählen, kamen 1799 vom Haag im Farnach. Der Mohren-Bäcker Andreas Xaver Flatz holte 1783 aus Geißbirn die 18jährige Anna Köb nach Rickenbach, die ihm 13 Kinder schenkte. Darunter war auch Gebhard Flatz, der große Wolfurter Nazarener-Maler. Aus Geißbirn übersiedelte 100 Jahre später die Witwe Klara Schedler mit acht Kindern an die Kirchstraße. Etliche geachtete Wolfurter Familien haben von ihnen «Goaßbiorar» Ahnen. Aus dem Staudach kamen immer wieder «Pläzolar» und «Matheioslar»-Gunz herab. Ein Josef Gunz begründete 1853 die Mühle-Gunz-Familie. Andere aus der Gunz-Sippe ließen sich später in Rickenbach und im Holz nieder. Unter ihnen war ein anderer Josef Gunz, geboren 1892 und gestorben mit 99 Jahren 1991. Wie gesund die «Bildsteiner» sind, beweist sein Rickenbacher Nachbar Martin Höfle, geboren am 5. März 1892, der als unser Dorfältester heuer 100 Jahre alt geworden ist. Er ist ein «Dello»-Höfle, dessen Vater 1881 aus der Delle am «Berütter» ins Tal gezogen ist. 4 Eine Bildsteiner Familie in Wolfurt: «Dello-Korles» im Schlatt. Ein Bild von 1912. Vater Konrad Höfle (1857-1938) und Mutter Agatha Anwander (1856-1944) mit 12 Kindern: Wilhelm 1885, Karl 86, Rosa 87, Theresia 89, Josef 91, Julie 92, August 94 (gefallen 1917), Maria 95, Agatha 97, Magdalena 99, Anna 1900 und Georg 1903. Ein dreizehntes Kind ist gestorben. Vom Brunnenmacher Ferdinand Gasser und seinen 10 tüchtigen Kindern in Meschen stammen wohl über ein Dutzend Wolfurter Familien Gmeiner Jakob kam schon 1700 vom «Steußberg». Von ihm leiten sich die meisten Gmeiner ab, «Lutzo-Schrinars», «Lutzo-Ferdes» und «Lislos». Andere Gmeiner folgten später. Unübersehbar zahlreich sind die Böhler-Sippen. Einige trugen früher den Hausnamen «Bergar». Aber auch unter den Vorfahren der Fischer, Schertler, Hinteregger, Schwerzler und Heim finden sich Leute vom «Berg», wie eben bei fast allen Wolfurter Familien. Die einst so zahlreichen «Schelling», die um 1700 ebenfalls aus Bildstein nach Wolfurt gekommen waren, sind im Mannesstamm in Wolfurt erloschen. Sie sind die einzigen, von denen sich eine direkte Ahnenlinie zu jenem Martin Höfle nachweisen läßt, von dem im nächsten Abschnitt die Rede ist. Auch in unserer Zeit holen Bildsteiner Burschen manche junge Wolfurterin aus dem Nebel hinauf in die Sonne. Viele andere aber sagen sich «Lob do Beorg und züh is Tal!» und bereichern mit ihrem gesunden Berger Blut und ihrer Schaffenskraft unsere Gemeinde. 5 Die Wallfahrt Im Herbst 1629 ist den Brüdern Hans und Martin Höfle auf dem Weg zu Vaters Mühle im Baumgartnertobel im Nebel eine Frau erschienen «ganz weiß und glanzent wie die Sonn». Sie erinnerte die beiden an die vom Vater versprochene Kapelle. Als betagter Mann gab Martin Höfle 1676 vor einer kaiserlich-bischöflichen Kommission in Bregenz unter Eid das Geschehen zu Protokoll. Ein Jahr später starb er am 19. Mai 1677 - «sacris omnibus provisus» steht im Wolfurter Pfarrbuch, also «wohl versehen» - und wurde bei der Pfarrkirche St. Nikolaus begraben. Von seinen acht Kindern verehelichte sich nur die Tochter Magdalena. Einige Wolfurter Familien stammen von ihr, aber sie tragen andere Namen. Die Kunde von der Erscheinung und den ersten Gebetserhörungen verbreitete sich schnell im Land und in ganz Schwaben. Ab 1650 kamen Ströme von Pilgern nach Bregenz und wurden von den Kapuzinern durch Wolfurt und auf dem schmalen Steig über die Platte nach Bildstein geleitet. Pfarrer Lorenz Leuthold von Wolfurt hatte die Aufsicht über die von der Familie Höfle neu gebaute Kapelle mit dem Muttergottesbild, das dem Ort später den Namen Bildstein eintrug. Er sammelte auch die überreich fließenden Opfergaben und hinterlegte sie bei seinem Patronatsherrn, dem Abt von Mehrerau. Bald wurde der Ruf nach einer Kirche laut. Vom Bischof von Konstanz erhielt Michael Kuen aus Bregenz den Auftrag für die herrliche Barockkirche, die nun 1663-1676 erstellt wurde und 1692 noch die Fassade mit den Doppeltürmen bekam. Der Innenraum ist 32 Meter lang und 11 Meter, im Querschiff sogar 16 Meter, breit. Damit war die Kirche viel größer als alle anderen Dorfkirchen im Umkreis. Die Wolfurter Kirche war damals innen nur 24 Meter lang und 8 Meter breit. Trotzdem konnte die Bildsteiner Kirche die Pilger häufig nicht fassen. Die vier Geistlichen, die im 18. Jahrhundert die vier Pfründehäuser rund um die Kirche bewohnten, benötigten an den Feiertagen regelmäßig mehrere Aushilfen, vor allem für die acht Beichtstühle. Dabei war die Kirche eine reine Wallfahrtskirche ohne Taufstein und Friedhof. Die Bildsteiner selbst mußten weiterhin jeden Sonntag nach Wolfurt zur Messe. Zwar suchten sie schon 1698 um eine eigene Pfarre an. Aber Pfarrer Egender von Wolfurt wollte nicht auf die Opfergaben verzichten und Pfarrer Denig in Bregenz, der jetzt die Aufsicht über die Wallfahrt hatte, unterstützte ihn. So entschied der Bischof im fernen Konstanz gegen die Leute vom Berg. Nun mußten sie noch fast 100 weitere Jahre lang für Trauung, Kommunion und Beerdigung dem Wolfurter Pfarrer ihren österlichen Beichtzettel vorlegen. 6 Pfarrei Bildstein Erst Kaiser Josef IL sagte im Jahre 1788 den Bildsteinern das Recht auf einen eigenen Taufstein zu. Sofort erbauten sie schon 1789 einen eigenen Friedhof. Man darf sich nicht wundern, daß sich Lorenz Gmeiner, Pfarrer von Wolfurt und selbst aus Bildstein stammend, mit aller Kraft wehrte. Er wollte die 32 Bildsteiner Parzellen, in denen mit nun 524 Einwohnern ein Drittel seiner Pfarrangehörigen wohnte, nicht verlieren. Aber er kämpfte erfolglos. Traurig mußte er in sein Pfarrbuch schreiben: «anno 1789 der 31 Xber ist Bildstein von Wolfurt separiert worden». Und Chronist Geiger berichtet in Bildstein: «Am Neujahrstag 1790 ist der erste pfarrliche Gottesdienst gehalten worden. Ehrenprediger war der lustige Pater Wendelin von den Bregenzer Kapuzinern.» Pfarrer gab es allerdings noch keinen. Mehrere Lokalkapläne sorgten aber dafür, daß das Eigenleben der Pfarre beginnen konnte. Der erste «Bildsteiner» Täufling Martin Joseph Böhler aus dem Jungholz erhielt als Paten den wohledlen Herrn gräflichen Verwalter Martin Herburger aus Dornbirn und wurde am 18. Jänner 1790 demnach besonders feierlich getauft. Am 9. Februar 1790 beginnt das Sterberegister mit der fünfjährigen Anna Maria Lenz. Ihr folgen im gleichen Jahr weitere 22 Bildsteiner Verstorbene. Allerdings soll schon ein Jahr vorher Andreas Geiger, Wirt im Farnach, «als zweiter» auf dem neuen Bildsteiner Friedhof begraben worden sein. Die Bildsteiner Chronik berichtet davon unter «1790 den 27ten July» und fügt dazu «nicht im Sterbebuch». Wohl aber findet sich das Begräbnis dieses beim letzten Holzschlag in der nachher verteilten Gerichtswaldung «bey Sonderbrück» von einem Baum erschlagenen Andreas Geiger in Wolfurt im Sterbebuch ein Jahr früher am 30. Juni 1789 mit dem Zusatz: 49 Jahre, «arbore oppressus». Dort sind aus dem Jahre 1789 noch eine Reihe von Begräbnissen von Baumgarten, Bildstein, Kapf und «de Vokenbühl» angeführt. Anno 1790 aber wurde als einziger Bildsteiner nur mehr am 9. April der neunjährige Johann Schneider «de Ankereuthe» in Wolfurt beerdigt. So hatte sich Bildstein also von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst. 1792 wurde endlich Ludwig Sauter aus Konstanz zum «Lokalkaplan» für Bildstein bestellt. Er wird heute als erster Pfarrer gerechnet - daher das Jubiläum «200 Jahre Pfarrei». Noch waren aber viele Streitigkeiten um Mesnerlohn, Stolgebühren und andere Belastungen auszustehen. Erst 1829 kaufte sich Bildstein mit einer einmaligen Abfertigung in Höhe von 550 Gulden endgültig von der Pfarre Wolfurt frei. 7 Inzwischen war während der Franzosenkriege im Jahre 1804 der Kreuzwirtssohn Andreas Haltmayer aus Rickenbach dritter Pfarrer von Bildstein geworden. Als am 31. Mai 1805 in Wolfurt drei neue Glocken geweiht wurden, lud der Wolfurter Pfarrer Lorenz Gmeiner auch die Nachbarn zum Fest. Aus Bildstein kam also der Rickenbacher Andreas Haltmayer und aus Lauterach Josef Anton Bildstein, ein geborener Wolfurter aus «Hanso Hus» im Kirchdorf. Aus Hard kam Columban Reiner, ein Sohn aus dem «alten Schwanen» in Wolfurt. Seinen Neffen Benedikt Gmeiner aus Unterlinden hatte Pfarrer Lorenz Gmeiner zum Pfarrer von Buch gemacht. Fünf Wolfurter Geistliche in allen fünf Hofsteiger Pfarren! Schwarzach war ja damals noch bis 1824 eine Filialkapelle von Wolfurt. Auch später haben die Pfarrer von Bildstein und Wolfurt engen Kontakt gehalten. Kaplan Leopold Berchtold aus Riezlern erbaute 1891-94 das heutige Pfarrhaus von Bildstein. Der spätere Pfarrer von Schwarzach, ein ausgezeichneter Botaniker und Historiker, ließ sich 1937 in Wolfurt nieder. Hier erforschte er aus den alten Büchern die ältesten Familien von Bildstein, Buch, Schwarzach und Wolfurt und schrieb sie fein säuberlich auf. 1940 ist er gestorben. Als Bildstein 1903 die von den Geschwistern Hämmerle gestiftete große Marienglocke mit einem Gewicht von 3521 Kilogramm erhielt, organisierte der Rickenbacher Schlosser Konrad Doppelmayr die 120 Männer, die die schwere Last um die steilen Kurven von Ankenreute auf den Berg schleppten. Kaplan Heinrich Nußbaumer aus Thal hatte 1921 in Wolfurt das Vereinshaus gebaut. 1939-69 war er als Pfarrer von Bildstein in schwerer Kriegszeit der streitbare Hüter des Gnadenbildes. Mit eigener Hand verputzte er die Kirche innen. Seine originellen Predigten zogen auch viele Pilger aus Wolfurt an. Bildstein machte ihn zum Ehrenbürger. Sein Kaplan Gebhard Willi, der ihm in der Kirche noch den Mörtel gemischt hatte, wurde später der langjährige und mit dem Ehrenring der Gemeinde ausgezeichnete Pfarrer von Wolfurt. Seit 1972 ist wieder ein Wolfurter, Pfarrer August Hinteregger, für das geistliche Wohl der Bildsteiner und der Wallfahrer verantwortlich. Er ließ die 300 Jahre alte Kirche renovieren und den 100 Jahre alten Pfarrhof erneuern. Fast jeden Sonntag und auch bei den Maiandachten mischen sich viele Wolfurter Pilger unter die Gläubigen von Bildstein. Andere ziehen es vor, ihre Sorgen und Freuden in stillem Gebet zur Mutter Gottes in die Erscheinungskapelle zu tragen. Schönes Bildstein Bevor sich die getrösteten Beter, nach Stärkung in einem der ausgezeichneten Gasthöfe, auf den Heimweg machen, lassen wohl alle noch die wunderbare Aussicht auf sich wirken. Über die Dörfer im Tal schweift der Blick zum Gebhardsberg und zum Bodensee. Es grüßen die Schweizer Berge mit Fels und Schnee. Dunkle Wälder an Kugel und Staufen laden zum Wandern. Wandern! Der Steußberg selbst ist ein herrliches Wandergebiet. Viele Wolfurter haben das erkannt. Sie lassen ihr Auto stehen und suchen die Ruhe in den schattigen Wäldern oder auf den sonnigen Hügeln vor ihrer Haustür. Die schmalen Wege, die abgelegene Höfe miteinander und mit dem Dorf verbinden, überziehen den Steußberg wie ein dichtes Netz. Sie ermöglichen es, dem an Ausflugssonntagen doch recht beträchtlichen Autoverkehr jederzeit auszuweichen. Dabei gibt es so viele Varianten, daß selbst Kenner des Wandergebietes immer neue Steige entdecken. Wenn ich nun die schönen alten Bildsteiner Flurnamen aufschreibe, ist das auch eine Einladung, diese Plätze alle zu besuchen. Kennst Du sie schon? 9 Neubau der Bildsteinerstraße 1933. Ohne Maschinen schafften es Bildsteiner und Wolfurter Männer (u. a. Gasser Gebhard, Lenz Josef, Fischer Eugen), die steile Straße nach Ankenreute für die Autos umzubauen. Die erste Fahrstraße war schon 1792 durch die Platte gesprengt worden. 8 Im Jahre 1760 teilte Pfarrer Feuerstein den Hang in drei «Berge»: «Berütterberg», dann jenseits des Rickenbachtobels «Bildsteinerberg» und schließlich hinter dem unzugänglichen Sonder-Wald der «Farnacherberg». Jetzt ein paar empfehlenswerte Abstiege: 8. Vom Schneider an Tomasinis Hütte vorbei nach Siegerhalden. 9. Vom Loch mit der schönsten Aussicht auf den Vorderwald und den Sulzberg hinab zum Halder und nach Buch. 10. Von Buggenegg den fast 1000 Jahre alten Säumerweg durch die «Roßgaß» hinab in die Abendreute und nach Alberschwende. Immer wieder Fernblicke zu Ifen und Kanis. 11. Von Gallin über das besonders im Herbst und im Frühling einmalig schöne Hochmoor (Naturschutzgebiet!) nach Hinterhaag und den Asenenweg hinab nach Alberschwende. I. Berütterberg Meschen, Staudach, Dellen, Bereuter, Sack, Baumgarten, Gitzen, Künzen; Mühle, Grub, Kreuzmoos, Vockenbühel, Vogelsang, Schneider, Mairen, Buggenegg, Loch. Besonders reizvolle Anstiege von Wolfurt aus: 1. Über die Alte Bucherstraße zum Ippa-Brünnele, dann hinauf zurRappenfluhSchlucht am Holzerbach (Ippachbach) und zum Sack. Am Waldrand weiter zum höchsten Punkt von Wolfurt in fast 800 m Höhe und zur Schneiderspitze (973 m hoch). 2. Über Alte Schmiede und Dreigassen zur Rappenfluh. 3. Von Frickenesch oder Meschen über «Stefano Veohwoad» zum Bereuter und über die Gletscherschliffe nach Gitzen. 4. Abseits der Straße führt von Gitzen ein kleiner Weg nach Künzen und den Oberlauf des Rickenbachs überquerend nach Vockenbühel. Oberhalb des uralten Schulhäusleins kommt man an der großen Eibe (Naturdenkmal!) vorbei zum Ferienheim in Oberbildstein. 5. Kenner steigen noch auf dem alten Staudacher Kirchweg über das RickenbachTobel ins Dorf hinauf. III. Farnacherberg Hinterhaag und Bereite, die einst auch zur Pfarre Wolfurt zählten, gehören längst zu Alberschwende. (Vorder-)Haag, Loban, Farnach, Jungholz, Gärtle, Oberschwende, Unterschwende, Sonderwald, Schanz, Grül, Tobel. 12. Das sonnige Farnach ist am besten von Schwarzach über die Steige beim Blindenheim Ingrüne oder über den Linzenberg erreichbar, natürlich auch vom Zoll in Alberschwende. Auch hier trifft man immer wieder wandernde Wolfurter, die jetzt auch häufiger den günstigen Wälderbus als Zubringer benützen. Ist es nicht schön, daß wir so leicht Zutritt zum «Berg» finden? Darum wünschen wir Wolfurter allen Bildsteinern ein schönes Festjahr 1992! IL Bildsteinerberg Ankenreute, Platte, Unterdorf, Dorf, Knobel, Taschen, Kapf, Gaißbirn. Heuwachs, Gallin, Wirth, Acker, Oberbildstein. 6. Wer der Autostraße ausweichen will, findet einen alten Wallfahrtssteig vom Kella über das Oberteilenmoos ins Unterdorf. 7. Auch am Kapf zweigt ein Wanderweg über den landschaftlich besonders schönen Höhenrücken hinüber nach Vockenbühel oder hinauf über den Wirth zum Ferienheim ab. 10 11 Siegfried Heim Die Familie Mohr in Wolfurt Unter den großen Wolfurter Geschlechtern stehen die Mohr mit 94 Namen im Blauen Buch von 1989 an dritter Stelle nach den Böhler mit 152 und den Köb mit 149 Namensträgern. Während aber die Böhler und die Köb aus vielen verschiedenen Stämmen bestehen, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Wolfurt kamen, gehen die Mohr alle auf einen einzigen Stammvater zurück, auf Martin Mohr, der 1785 im Haus Hofsteigstraße 10 (Ratzers) an der Hub geboren wurde. Die Sippengeschichte ist aber viel älter. Nach mündlicher Überlieferung soll ein «Mohr» aus dem Rheinland nach Dornbirn eingewandert sein. Dort gab es MohrFamilien schon nach dem Dreißigjährigen Krieg. Einige haben sich bis heute gehalten. Fast jeder Dornbirner kennt «Mohro Vere» im Hatlerdorf. In Dornbirn wurde 1693 Sebastian Mohr geboren. Er heiratete 1719 die Magdalena Danner in Schwarzach. Von ihren neun Kindern führen zwei Linien nach Wolfurt. Folgen wir zuerst der Hauptlinie. Der Sohn Jakob Mohr (1722-1798) heiratete 1748 nach Wolfurt. Sein Haus stand am Eingang ins Eulentobel. Es muß der Familie dort wohl zu eng gewesen sein, als in Wolfurt um jene Zeit die Felder verteilt wurden. Sebastian Mohr (1762-1841) brach daher das Elternhaus ab und erbaute, wahrscheinlich 1784 anläßlich seiner Eheschließung mit Viktoria Flatz, das heute noch erhaltene Mohr-Stammhaus Hofsteigstraße 10. Die Tocher Rosa, verehelicht mit Johann Winder aus Bildstein, hatte dort sieben Kinder. Weil die Winder-Brüder ledig blieben, kam das schöne Haus 1903 in den Besitz von Johann Fischer und später an dessen Tochter Cilla Ratzer. 4. Der Sohn Martin Mohr (1785-1826) aber begründete zu Napoleons Zeiten die beiden Mohr-Familien, auf die alle heutigen Wolfurter «Mohren» zurückgehen. 12 3. 2. 1. Mit seiner ersten Frau Anna Maria Böhler bezog er das Nachbarhaus Hofsteigstraße 13 (Festinis), wo sie ihm drei Söhne gebar. Früh verwitwet übersiedelte er mit den Buben ins Dorf. Dort hatte er 1812 das Haus Kellhofstraße 11 (Mohrs) erworben. Seine zweite Frau Ursula Ibele aus Bregenz schenkte hier weiteren vier Kindern das Leben, darunter Michael Mohr (5. M) den Stammvater der Dörfler Mohr. Zuerst aber zu den Hüblern! Linie Josef Mohr 5.J Josef Mohr, geboren 1807 als ältester Sohn aus der ersten Ehe des Martin, wuchs im Dorf auf. Als strammer Kaiserjäger hatte er seine Braut Maria Crescentia Halder vom «Falligen Bach» in Bregenz kennengelernt. Nach dem damaligen Brauch mußte er nach der Geburt des ältesten Sohnes Josef Bernhard 1833 noch die fünf Jahre Militärdienst für den Kaiser abdienen, bis er endlich die Eheerlaubnis bekam. An der Hub hatte er inzwischen nahe dem heutigen MohrHaus an der Hofsteigstraße ein Haus erworben. Als «Gemeindediener» trug er Stammhaus der Mohr an der Hub, Hofsteigstraße 28. Um das Jahr 1750 von Martin Kalb erbaut, 1872 von Josef Mohr gekauft. Seither in Familienbesitz. Es ist das südlichste Haus von «Wolfurt» an der Grenze zu «Rickenbach» 13 Alfons 1911 (gefallen 1942), Erwin 1912 (gefallen 1945), Reineide 13, Eduard 14 (unseren langjährigen Gemeinde- und Standesbeamten), Cäcilia 15, Anna 16, Josefina 17. Drei Wochen nach der Geburt der kleinen Fina war die Mutter gestorben. Als zweite Frau sorgte nun M. Anna Arnold für die sieben Waisen und schenkte ihrem Mann sieben weitere Kinder dazu: Gebhardina 1919, Ernst 21, Siegfried 22, Herbert 23, Georg 25, Heinrich 27, Josef 29. Fast alle von den 14 Kindern heirateten. Sieben Mohr-Familien davon bereicherten Wolfurt mit vielen Enkeln an der Hub, in der Unterhub, im Flotzbach, im Oberfeld und im Brühl. Einer von den Enkeln in der neunten Mohr-Generation ist unser Bürgermeister Erwin Mohr, geboren 1947. Bei vielen Nachkommen des Kaiserjägers Josef Mohr war sein schneidiges und kämpferisches Blut immer wieder zum Durchbruch gekommen. Und unerbittlich hat der Krieg auch bei ihnen seine Opfer geholt. «Alles liegt in Gottes Hand» steht auf Mohrs Familiengrab unter den obersten Arkaden. So war es auch bei einer zweiten «Kampler»-Mohr-Linie in der unteren Bütze: 6. J-V Franz Xaver Mohr, «Vere» (1841-1927), ein zweiter Sohn des Kammmachers Josef Mohr an der Hub, hatte wie sein Vater bei den Kaiserjägern gedient. Dann erwarb er das kleine Bauernhaus Unterfeldstraße 3, wo er nun als Maurer und Kleinbauer lebte. 7. J-V Sein einziger Sohn Josef Mohr (1891-1983) hatte mit seiner Frau Agatha Kaufmann die Kinder Katharina (1922) und Walter (1927-1945). 8. J-V Einziger Sohn war Walter Mohr, geb. 1927. Schon mit 17 Jahren mußte er in den Zweiten Weltkrieg einrücken. Ein Jahr später ist er 1945 gefallen. Im Mannesstamm erlosch damit diese Linie im Unterfeld. Mohrs an der Hub. Mit 14 Kindern die größte Wolfurter Familie in unserem Jahrhundert. Vorne Vater Josef Bernhard Mohr (1868-1942), seine zweite Frau Anna (geb. Arnold) und die Söhne Herbert, Siegfried, Heinrich, Josef, Ernst und Georg. Töchterchen Gebhardine fehlt bereits. Hinten die Kinder aus erster Ehe: Anna (Rusch), Eduard, Reineide (Vonach), Alfons, Cilla (Schwärzler), Erwin und Fina (Feßler in Kennelbach). Ein Bild von 1937. hohe Verantwortung. Daneben übte er den seltenen Beruf eines Kamm-Machers aus. Davon stammt der Hausname «Kampler», den seine vielen Nachkommen, die «Hübler Mohr», tragen. 6.J Josef Bernhard Mohr (1833-1902) war Maurer und Bauer und konnte 1872 das Nachbarhaus Hofsteigstraße 28 erwerben, das heute die Familie seines Enkels Josef Mohr bewohnt. Das alte Elternhaus daneben wurde schon 1879 abgebrochen. 1882 mauerte J. B. Mohr den Wolfurter Pfarrhof auf. Die älteste Tochter Maria Anna Mohr (1864-1908) heiratete ins Tobel im Kirchdorf. Von ihren Enkeln kennen wir u. a. den Kennelbacher Bürgermeister Dr. Egon Sinz und den Wolfurter Altgemeinderat Ludwig Gmeiner, Steinhauers. 7.J Der Sohn Josef Bernhard Mohr jun. (1868-1942) ist den älteren Hüblern noch als Vater einer der größten Wolfurter Familien bekannt. Seine erste Frau Agatha Köb hatte der junge Bauer aus dem kleinen Bahnwächterhaus im Flotzbach an die Hub geholt, wo sie ihm sieben Kinder gebar: 15 14 Stammhaus der Dörfler Mohr, Kellhofstraße 11. Es wurde 1776 vom Dorfplatz hierher übertragen. 1812 erwarb es Mohr Sebastian für seinen Sohn Martin. Seither in Familienbesitz. Die Brüder Mohr um 1925 in Unterlinden: Dr. Wilhelm Mohr auf der Dezimalwaage, Gebhard Mohr und der Schulleiter Karl Mohr. Linie Michael Mohr 5. M Aus der zweiten Ehe des Martin Mohr übernahm Michael Mohr (18231913) das Vaterhaus an der Kellhofstraße und begründete die Dörfler Linie der Mohr. 6. M Der älteste Sohn Josef Mohr, geb. 1841, wanderte als junger Bursch nach Amerika aus und heiratete dort. Von seiner großen Familie schickte er ein Bild. Der zweite, Martin Mohr (1849-1918), war Wegmacher und besaß das Haus Kellhofstraße 1 («Mohro Emiles») gegenüber vom Pfarrheim. Sein einziger Sohn Josef Anton Mohr, geb. 1896, ist 1915 als einziger Wolfurter Freiwilliger (nach Chronik Köb) in den Krieg gezogen und schon 1916 gefallen. 6. M-G Der dritte Sohn Gebhard Mohr (1854-1925) blieb im Elternhaus Kellhofstraße 11. In seinem Sohn Altgemeinderat Dr. Hermann Mohr (19061972), den Enkeln Günther Mohr (geb. 1940) und Klaus Mohr (1942) und ihren Familien besteht die Linie Gebhard Mohr fort. 16 6. M-F Ein weiterer Sohn des Michael war der Stückfergger Fidel Mohr (18591939), der mit seiner Frau Maria Gmeiner im Haus Kirchstraße 25 in Unterlinden eine einflußreiche Familie begründete. 7. M-F Der ältester Sohn Dr. Wilhelm Mohr, geb. 1890, war einer der Wolfurter Standschützen-Offiziere an der Dolomitenfront und setzte sich besonders für die Erbauung des Kriegerdenkmals im Jahre 1930 ein. Als Landesbeamter übersiedelte er mit seiner Gattin Elsa Kalb (aus dem Schwanen) nach Bregenz. «Lehrer» Karl Mohr (1894-1959), viele Jahre Schulleiter in Wolfurt und in mehreren Gemeindeinstitutionen tätig, erbaute für seine Familie 1937 das Haus Unterlindenstraße 32. Sein ältester Sohn ist unser Wolfurter Ehrenringträger Hubert Mohr (1922), dann folgen Emil Mohr (1925) und Raimund Mohr (1928). Ein weiterer Sohn des Fidel ist Gebhard Mohr (geb. 1897) mit den Söhnen Werner (1935), Helmut (1938) und Walter (1947). Die Linie Fidel Mohr blüht in Wolfurt in zahlreichen großen Enkelfamilien fort. 17 Mohro Veres in Rickenbach Siegfried Heim Vor der Gardinenfabrik Böhler wurde 1975 an der Dornbirnerstraße in Rickenbach das Gmeinerhaus abgebrochen, das im Volksmund meist «Mohro Veres» oder auch «Mohro Feliples» genannt wurde. Mehr als 100 Jahre lang hatte sich der Hausname Mohr hier noch gehalten, wenn auch diese Seitenlinie längst ausgestorben war. 2. V Jakob Mohr, der 1748 als erster Mohr ins Eulentobel gekommen war, hatte in Schwarzach einen Bruder Georg Mohr (1727-1777) mit einer großen Familie, aus der zwei Söhne nach Rickenbach übersiedelten. 3. V Johannes Mohr, geb. 1767, bewohnte mit seiner Familie das Haus Brunnengasse 4, kehrte aber auf seine alten Tage wieder nach Schwarzach zurück. Das Haus ist 1855 abgebrannt. Heute wohnt dort Höfle Martin. Franz Xaver Mohr (1769-1817) erwarb um 1795 das Haus des Kellhofammanns Johannes Albinger, Dornbirnerstraße 8. Von seinen 11 Kindern starben 9 im zartesten Alter. Er selbst wurde 1817 in Opfenbach vom «Schlagfluß» ereilt. Seinen Leichnam hat man nach Wolfurt überführt. 4. V Franz Josef Mohr (1806-1836) starb schon als 20jähriger auf einer Geschäftsreise (vermutlich Wetzsteinhandel) in Alt-Breisach am Rhein. Damit endete diese Mohr-Linie. Seine junge Witwe Agatha Schwerzler verehelichte sich 1837 mit Gebhard Gmeiner aus Bildstein, dessen Nachkommen noch lange fälschlich «Mohro Veres» oder auch nach einem Sohn «Mohro Filippos» genannt wurden. «Vere» war einer der Leitnamen im Geschlecht, der sich in Dornbirn und in Wolfurt lange gehalten hat. Der häufigste Leitname war aber «Josef» oder auch «Josef Bernhard». Beide sind noch heute in der Linie Josef Mohr verbreitet. In der Linie «Michael» taucht der Leitname eher zufällig bei den Urenkeln wieder auf. Viel häufiger sind dort die schönen Namen Martin, Gebhard, Karl und auch Johannes. Seit 1748 werden sie bei den Mohr in Wolfurt getauft. In dieser Zeit hat die Sippe als Bauern, Handwerker und Beamte, aber auch als Gemeindemandatare und Vereinsverantwortliche unendlich viel für die Gemeinschaft der Wolfurter getan. Und immer wieder mußten sie zu den Soldaten, immer wieder wurden Väter und Söhne aus den Familien gerissen. Wir wünschen dem starken Geschlecht der Mohren von Wolfurt weiteres Blühen und Gedeihen! 18 Ganz große Bäume Naturdenkmale in Wolfurt Unser Ried ist ein wunderschöner Naturpark. Herbststimmungen und Rauhreif erfreuen den Wanderer ebenso wie das Erblühen der Streuewiesen im Frühling. Ganz wesentlich wird die Landschaft von den großen alten Bäumen geprägt, von Eichen und Birken und riesigen Weiden. Etwa 50 Meter nordwestlich der Betonbrücke beim Kiesfänger steht im Auwald an der Kesselstraße versteckt eine besonders alte Weide, «an Feolbar» haben ihn unsere Eltern genannt. Mistelbefall und Baumschwamm zeigen an, daß seine Jahre gezählt sind. Bald wird ihn ein Sturm knicken. Vielleicht werden Menschen wieder die Hand an ihn legen, vielleicht die gleichen, die vor Jahren die eine Seite mit Bauschutt abgedeckt haben, oder jene, die jetzt unter seinem Blätterdach nach Grundwasser bohren. Begeistert und beeindruckt haben meine Schüler zu viert den mächtigen Stamm umspannt: 5,20 Meter! Mehr als 1,60 Meter Durchmesser. Das ist weit mehr, als die Biologiebücher erlauben. Dort lese ich (Dr. Amann, München 1954): «Silberweide, Weißweide. Stattlicher, mittelgroßer Baum. Wächst sehr rasch; wird 80-100 Jahre alt, bis 24 m hoch und über 1 m stark.» Unsere Vorfahren haben die Silberweide an vielen Gräben und Straßenrändern im Ried gepflanzt, indem sie einfach eine Weidenrute in den feuchten Boden steckten. Die Bäume wurden dann alle paar Jahre «gstümmolot» oder «abgworfo». Alle ihre Äste wurden abgesägt. Das starke Ausschlagsvermögen der Weiden ließ schon im nächsten Jahr aus dem knorrigen «Kopf» unzählige Ruten hervorschießen, die den «Kopfweiden» besonders im nebeligen Herbst ein koboldhaftes unheimliches Aussehen verliehen. Weil in den hohlen Stämmen nicht selten auch Eulen und anderes Getier Zuflucht fanden, hielt man sie für die Wohnung von Hexen und Geistern. 19 Ich habe die Weide an der Kesselstraße für die größte in Wolfurt gehalten. Nun aber hat mich das Buch «Vorarlberger Naturdenkmale 1991» von Krieg/Alge zu einer weit größeren geführt. Zwei Bäume in Wolfurt sind als Naturdenkmale geschützt. Der eine ist die bekannte Eiche am Wiesenweg südlich vom Holzwerk Berchtold. Sie hat einen Umfang von 4,40 m und ist 1,40 m dick. Sie erscheint mit ihrer Baumkrone von etwa 25 m Höhe noch sehr gesund, obwohl ihr das Überfahren der halben Wurzelscheibe mit schweren Lastautos und die Giftgase ganz bestimmt zusetzen. Mich überraschte, daß Dr. Krieg das Alter dieses Prachtbaumes auf erst 130 Jahre schätzt. Die Stieleiche (weil zwei oder drei Eicheln an einem langen Stiel hängen) wird über 30 m hoch, 2 m dick und nicht selten 500 Jahre alt. In Einzelfällen sollen Eichen aber auch über 2000 Jahre alte geworden sein. Im Naturdenkmal 1. Die Stieleiche am Wiesenweg hat Ried waren sie früher sehr häu- 4,40 m Umfang. fig. Im Schatten rasteten Bauersleute und Weidevieh. Beim Gewitter galt «Eichen sollst du weichen!» Hofsteiger Sauhirten trieben die Schweine der Genossenschaft täglich zur Eichelmast in die Ried-Allmende. Als man die Riedstücke 1798 verteilte, blieben die Bäume ausdrücklich gemeinsames Eigentum. Das wertvolle, harte und wetterbeständige Eichenholz benötigte man ja für Brücken, Fässer, Markpfähle, Schwellen und schwere Tore. Die gerbstoffreiche Rinde zerkleinerte man in den wasserbetriebenen «LorStampfen» am Rickenbach und im Bannholz zu Gerberlohe für die vielen Wolfurter Gerber. 20 Nur 200 Meter westlich von dieser Eiche steht mitten im «Wiosa» das zweite Wolfurter Baum-Denkmal. «Wiosa» nannten die Bauern das oberste Ried zwischen Wiesenweg, Flotzbach, «Schribare» und «Speock», das sie durch den tiefen Wiesengraben zum Speckgraben entwässerten. Hier sind noch ein paar besonders schöne alte Bäume erhalten geblieben, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Die größte Weide davon trägt seit 1985 eine winzige Tafel: «Dieser Baum steht unter Naturschutz.» Der gewaltige Stamm hat an der dünnsten Stelle einen Umfang von 6,50 m, ist also mehr als 2 m dick! Am Boden fanden wir sogar einen Umfang von 8 m und auch die Äste sind noch über 1 m dick. Nach Dr. Krieg ergab eine Bohrprobe an diesem Riesen ein Alter von 100 Jahren, also das Höchstalter für Silberweiden. Er fand den Baum noch «vital» und «ohne nennenswerten Pilzbefall». Das hat sich leider schnell geändert. Im November 1991 mußten wir etliche über einen halben Meter große Baumschwämme entdecken, von denen zwei sogar wegen ihres übergroßen Gewichtes zu Boden gestürzt waren. Auch die vielen Misteln in der Krone lassen ahnen, daß die Widerstandskraft dieses fast 30 m hohen Baumes im Schwinden ist. Naturdenkmal 2. Die hundertjährige Silberweide Schaut ihn noch an, Ihr zwischen Wiesenweg und Schreibern ist über 2 m dick Wolfurter! Von Spätherbst bis und hat 6,50 m Umfang. Sie ist der größte Baum in Frühjahr ist er sowohl vom Wolfurt. Wiesenweg als auch von der untersten Flotzbachstraße her (100 m nördlich der Illwerke-Masten) leicht zugänglich. Er wird bald fallen! Moderne Maschinenbauern pflanzen keine Riedbäume mehr. Sie haben keine Zeit mehr zum «Z'Nüne-Eosso» im Schatten der Eiche, kein Weidevieh mehr, das 21 Siegfried Heim Wolfurter Grenzen im Ried Seit einigen Jahren entdecken immer mehr Radfahrer und Wanderer die Schönheiten unserer Riedlandschaft. Wenn auch Güterbahnhof und Autobahn große Stücke beansprucht haben, so ist doch zwischen Wolfurt und Lustenau, Lauterach und Dornbirn ein herrliches Land geblieben, das uns allen gehört. Luft und Bäume, Wasser, Wild, Schilf und Hecken sind uns allen anvertraut. Vögel und Rehe wechseln über die Gemeindegrenzen und die Radfahrer erkennen solche meist auch nicht. Das ist gut so! Vielleicht möchte aber ein aufmerksamer Wanderer doch wissen, wie weit Einflußnahme und Verantwortung der Gemeinde Wolfurt im Ried reichen. Ihn möchte ich einladen, mir auf seinem Fahrrad zu folgen. Gleichzeitig bitte ich ihn aber herzlich, auf den Wegen zu bleiben und den Hund niemals frei stöbern zu lassen. Wir kommen in Tierreservate, deren Betreten in der Brutzeit vom 1. März bis zum 31. August abseits der Wege nicht gestattet ist. Kopfweide im untersten Holzried um 1940. Die Fichte auf ihrem Kopf brach der Sturm 1945 herab. Heute führt hier die obere Senderstraße am Güterbahnhof vorbei. I. Zum Südpunkt im Weitried. Wir haben auf der Kesselstraße die «Steinerne Brücke» erreicht (Punkt A auf der beigefügten Skizze I.). 50 Meter weiter westlich verbirgt sich rechts im Dickicht eine Riesen-Silberweide mit über 5 m Stammumfang. Links blicken wir über die Schwarzach in den Wolfurter Kiesfänger hinein. Mit großem Aufwand hat er 1990 ein völlig neues Aussehen bekommen. Nun soll er Geschiebefang und Biotop zugleich sein. Wenn die mit Sorgfalt ausgewählten Bäumchen in wenigen Jahren feste Wurzeln geschlagen haben und Buschwerk die Baustellen abdeckt, werden hier wieder seltene Vögel nisten. Schon jetzt sind Wasseramsel und Nachtigall heimisch. Hier sollen gefangene Serben 1943 den letzten Fischotter erlegt haben. Über die Steinerne Brücke fahren wir ans Südufer auf Schwarzacher Gebiet. Die Dammstraße links und der Weg gerade aus ins Mittelried führen nach Schwarzach. Rechts haben Schwarzacher Schrebergärtner ihre Hütten auf den ehemaligen 23 unter den Feibern wiederkäut. Sie schneiden keine Ruten mehr für «Zoanna, ObsKrätto und Wösch-Körb». EG-Bauern glauben, sie müßten schnelle Traktoren unbehindert über ihre Felder jagen. Zu viele Bäume sind deshalb schon verschwunden. Denkmal-Schutz für morsche Riesen ist zu wenig! Eine Gemeinde, die riesige Riedflächen dem Güterbahnhof und der Autobahn geopfert hat, muß umso mehr für die Natur tun. Im Wiosa, i dor Schribare, im Birka, im Nöü-Wiasa, im Wit-Riod! Wir müssen wieder Bäume pflanzen! Für Eulen und Meisen, für Wasser und Luft, für uns und unsere Enkel. 22 Müllplatz gebaut. Zwischen ihnen und dem Kiesfänger fahren wir rechts hinab ins Wolfurter Weitreid. Schon nach 100 m erreichen wir beim letzten Häuschen (B) die Grenze. Schnurgerade führt von hier ein Grenzgraben nach Südwesten zum Südpunkt (S) auf der Bundesstraße. Mit dem Fahrrad können wir ihm allerdings nicht folgen. Aber wenigstens ein Stück vom oberen Weitried wollen wir noch erkunden. Rechts hat barmherziges Buschwerk den häßlichen Wolfurter Müllberg aus den 60er Jahren überwuchert (C). Eines Tages muß er noch als Altlast saniert werden. Geradeaus könnte man mit gutem Schuhwerk auf dem linken Achdamm zur Hohen Brücke wandern. Wir biegen aber auf den Fahrweg links ab. Nach 100 Metern beginnt bei einer schönen Birkengruppe der Weitriedgraben. Er wurde wohl schon zu Maria Theresias Zeiten gegraben, als man hier unten, eine Stunde weit vom Dorf, schmale Kartoffeläcker anlegte, jeder vom Nachbarn durch einen Wasserabzugsgraben getrennt. Nach weiteren 100 Metern kommen wir zum wasserreichen Konradsgraben. Vom Schwarzacher Roßfäng her bringt er sein Wasser ins Wolfurter Weitried. Er wird noch um das Wolfurter Pfarrwidumsstück geleitet, ehe er sich in den Mittelriedgraben ergießt. Seit vielen Jahren verpachtet Wolfurter Südpunkt. Links von der Ampel bei Dornbirn-Nord endet unser Gemeindegebiet. 25 24 die Pfarre Wolfurt hier ihren großen Acker an fleißige Schrebergärtner, die auf dem steinlosen Moorboden Gemüse ziehen. Am Südende des Widums (D) fließt der große Schwarzacher Mittelriedgraben vorbei, quert das ganze Weitried und mündet erst 400 m unterhalb der Bundesstraße in den Scheidegraben. Wir sind noch 400 m vom Südpunkt (S) entfernt, aber mit dem Fahrrad müssen wir jetzt umkehren, zurück zur Steinernen Brücke (A). Auf der Kesselstraße erreichen wir die Hohe Brücke (E) und fahren auf der Nebenfahrbahn der Bundesstraße B190 nun etwa 700 m weit nach Süden. Dort kommt linken Achdamm ins Untere Weitried wandern. Bei (F) endet Wolfurt bei einem verfallenen Gemäuer. Es ist das ehemalige Einlaßbauwerk für den Scheidegraben. Weil hier immer wieder Hochwasser ausgetreten ist, hat das Land den Scheidegraben weit auf Dornbirner Gebiet unter der Autobahn durch zur Dornbirnerach umgeleitet. Hier findet Dein aufmerksames Auge in Hecken und Sumpfwiesen immer wieder neue Wunder. Natürlich kannst Du, statt diesen Abstecher zu machen, auch gleich die Runde zum Westpunkt anhängen. IL Zum Westpunkt im Schwarzen Zeug Heute wollen wir ganz weit hinab ins unterste Birka bis fast zum Sender. Bei der Anfahrt vom Flotzbach schauen wir nach den beiden Denkmal-Bäumen am Wiesenweg und gelangen dann auf der breiten Senderstraße am Güterbahnhof vorbei auf die Brücke über die Bundesstraße B190. (G) Ganz bewußt halten wir vorsichtig am Brückengeländer an und nehmen den Verkehrslärm auf. Der Blick zurück nach Wolfurt findet nichts mehr von den großen Streuewiesen im Kupferloch und im Holzried. Seit 1972 wurden hier auf tiefem Sumpf massive Schüttungen aufgebracht und große Gebäude erstellt: Güterbahnhof, Groß-Postamt, Zentral-Zollamt, Speditionen, Industriebauten und ÖBB-Kraftwagendienst. Sie werden überragt von den gewaltigen Portalkränen und den Masten für die Halogen-Scheinwerfer, die hier im einst so einsamen Ried die Nacht zum Tag machen. Unter der Brücke brausen stündlich bis zu 2000 Autos durch. Man versteht das eigene Wort nicht. Wir drehen uns weg und flüchten, nach Westen, ins Birka! Unter der Straße durch führt die kleine Birkastraße nach links an «Böscho Stadel» vorbei ins obere Birka. Dorthin, zu den großen Eichen und zur Jägerhütte am Birkagraben (H) gehen wir ein anderes Mal, am besten zu Fuß. Heute fahren wir auf der Senderstraße ein Stück Richtung Lustenau. Nach 100 Metern überqueren wir zum ersten Mal den von Bäumen gesäumten Zielgraben, der hier die Drainagegräben sammelt. Links, an der Neuwiesenstraße, hat sich ein fürchterliches Hüttenwerk angesammelt. 27 Der Scheidegraben am Südpunkt trennt das Wolfurter Weitried (rechts) von der Gemeinde Dornbirn. links aus dem Haselstauder Ried der tiefe Scheidegraben. Er wird unter dem Wirrwarr von Ampeln und Schildern an der Bundesstraße durchgeführt und bildet nun als «Scheide» nach Nordwesten die Grenze des unteren Weitriedes zwischen Wolfurt und Dornbirn. Am Straßenrand, direkt östlich der Verkehrsampel, stehen wir am Südpunkt (S). Hast Du gewußt, daß sich das Wolfurter Gemeindegebiet bis zur Autobahnauffahrt Dornbirn-Nord erstreckt? Große Eschen und Birken im Nordosten und ein kleiner Pappelwald im Nordwesten markieren den Grenzverlauf. Ein ruhiger Punkt ist das allerdings nicht. Wenn Du einen solchen suchst, könntest Du jetzt bei der Hohen Brücke (E) Dein Fahrrad abstellen und zu Fuß auf dem 26 Hennen, Truthühner, Schafe, meist auch ein bellender Hund und viel Mist kommen ins Bild. Die vielen schmalen Parzellen im «Nöü-Wiosa» waren zweihundert Jahre lang bis 1950 die wichtige Grundlage für die Ernährung der Wolfurter mit «Türggo und Bodobiora». Jetzt werden nur mehr wenige Äcker von Hobbygärtnern bewirtschaftet. Am Geländer über den Landgraben halten wir kurz an. In diesem tierfeindlich ausgemauerten Kanal fließt das Wasser all unserer klaren Waldbäche zwischen Kirche und Rutzenberg. Die schmale Straße an seinem rechten Ufer erschließt hier im Mittel-Neuwiesen und auch noch unterhalb der Autobahn die letzten Wolfurter Parzellen. Wir unterqueren die Autobahn und erreichen nach etwa 200 Metern den Lauteracher Grenzgraben (J). Stop! Vor uns liegt das Lauteracher Ried mit den großen schönen Bäumen. Die Schilffelder links sind Wolfurter Torfgründe, aus denen noch bis 1960 «Schollo» gestochen wurden. Die erste Lauteracher Parzelle hat ein Blumenfreund in einen prachtvollen Garten mit einem kleinen Häuschen umgewandelt. Daneben aber träumt noch unberührtes Ried mit Birken, Moos und Weidengebüsch. Die Senderstraße durchschneidet einen besonders schönen Teil des Rieds. Hier endet Wolfurt 200 m westlich der Autobahnunterführung 28 29 Vor ein paar Jahren nisteten hier noch der «Hoo-Lippar», der Brachvogel mit dem langen krummen Schnabel, und auch die scheue Bekassine, eine Schnepfe mit geradem Schnabel. Wir kehren um. Knapp vor der Autobahn (bei K) biegen wir nach rechts auf die schmale Asphaltstraße mit Auto-Fahrverbot ab, Richtung Dornbirn. Am Damm hat der Straßenmeister ein paar Büsche gepflanzt und ein paar Tümpel angelegt winzige Pflaster auf der fürchterlichen Wunde, die die Autobahn ins Ried geschlagen hat! Immerhin aber haben sich Frösche und Libellen schon hier niedergelassen. Nach rechts zieht der Landgraben ins untere Ried hinab. Nach 400 Metern wird er zum Grenzgraben zwischen Wolfurt und Lauterach. Sein rechter Damm ist stark überhöht. Noch bis vor 20 Jahren hat dieser harmlos scheinende Bach manchmal das Lauteracher Ried bis zu den Häusern von Hard überflutet. Der nächste Kanal ist der Zielgraben. Er muß die Abwässer der Autobahn aufnehmen. Die unauffälligen 25 Meter langen Mauern und die anschließenden großen Bodengitter gehören zu einem riesigen Rohrsystem, das wohl das Öl, nicht aber die Tonnen von Streusalz abfiltert. Die Schaumblasen auf dem Wasser im Frühjahr kommen allerdings vom oberen Birka her. Dort haben «Landwirte» mit Klärschlamm und Jauche überreich gedüngt. Wochenlang wäscht es den Dreck nun durch die Drainagegräben in Richtung Bodensee. Der dritte Bach ist der Unterlauf des Birkagrabens. Dann macht unser Radweg eine große Rechtskurve durch saure Wiesen, in denen noch Wollgras, Knabenkräuter und Mehlprimeln blühen und im Frühling der Kiebitz balzt. Bei der Kreuzung (L) biegen wir nach rechts ab, zu den Mäandern der alten Schwarzach. Die Schwarzach war seit dem Mittelalter, seit 1338, die historische Grenze zwischen dem Einflußgebiet von St. Gallus-Bregenz und St. MartinDornbirn. Das Dorf Schwarzach war damals durch Jahrhunderte geteilt. Auf alten Landkarten heißt der Fluß hier unten fälschlich «Rickenbach». Bis 1910 wälzte er sich unterhalb der Hohen Brücke durch zahlreiche Flußschlingen zur Dornbirnerach, an denen er oft über die Ufer trat. Nach dem Hochwasser von 1910 schnitt man die Mäander durch einen geraden Kanal ab. Dabei fielen etliche Hektar Sumpf im «Schwarzo Zug» von Dornbirn an Wolfurt. Der Müller Lorenz Gunz besaß daneben ein riesiges Feld. In seiner Chronik beschreibt er ausführlich 30 den «alten Rickenbach» und den neuen. Entgegen der Chronik und den Plänen wollen wir aber dabei bleiben: Der Rickenbach mündet schon beim Kessel oben in die Schwarzach. Unter der Hohen Brücke fließt die «Schwarzach» durch - auch wenn das blaue Flußschild dort fehlt. Die ersten Mäander, an denen wir entlang fahren, führen selten Wasser und sind wundervolle Inseln des Lebens in einer sonst arg strapazierten Landschaft. Bei den Eisengeländern der Brücke über den Zielgraben, der hier sein Wasser ins alte Achbett bringt, erreichen wir die Gunz-Wiesen. Darauf stehen noch (1992!) die Startrampen der Modellflieger. Wir stellen die Fahrräder ab. An der Hütte vorbei, die vor Jahren einmal als Kiosk beim Wälderhof stand, erreichen wir nach 200 Metern die Gemeindegrenze am Landgraben (M). Dieser verläßt hier allerdings in weitem Rechtsbogen die Grenze, weil er aus Überflutungsgründen noch ein gutes Stück parallel zur Dornbirner Ach geführt wird, ehe man ihn beim Sender unten einmünden läßt. Wer wasserfeste Stiefel hat, kann nun - nicht in der Brutzeit, bitte! - an den Mäandern entlang zur Hütte zurückwandern. Aufmerksame Augen entdecken hier manche Kostbarkeit. Der Bach ist tief in den Lehmgrund eingeschnitten. An den Steilufern sieht man gelegentlich den blaugrün schillernden Eisvogel. Ob er hier noch Bruthöhlen baut? Vielleich entdeckst Du sogar die Kielwellen, die eine scheue Bisamratte durch das Wasser zieht. Sie stammt aus Nordamerika, hat sich aber seit 80 Jahren über ganz Europa ausgebreitet und ist seit 1980 bei uns heimisch. Sie durchwühlt die Ufer. Der Höhleneingang ist nicht zu entdecken, er liegt unter dem Wasserspiegel. Dafür siehst Du wohl die überwachsenen Hügel von großen Dachsbauen. Vor 50 Jahren hat der Dachs in den Maisäckern im Neuwiesen schwere Schäden angerichtet. Seither haben ihn Menschen und Autos aus dem Ried verjagt. Der zähere Fuchs aber jagt hier noch, wie der Jagdaufseher berichtet. Nahe der Hütte ermöglicht ein Balken dem trittsicheren Wanderer den einzigen Übergang. Wir ziehen es aber vor, mit dem Fahrrad zurück zur Kreuzung (L) und dann nach rechts auf die Brücke (N) zu fahren. Hier beginnt das Gebiet der Stadt Dornbirn, das erst weit oben hinter dem First auf den Damülser Bergen endet. Dieser Radweg führt in die herrlichen Achauen bei Martinsruh und erschließt beim Werbenhof das weite Dornbirner und Lustenauer Ried. Wir bleiben aber auf 31 der Wolfurter Seite und fahren auf dem holprigen rechten Achdamm flußabwärts, durch wuchernde Hecken und an prächtigen Sumpfwiesen vorbei. Wir dürfen unsere Augen auch nicht verschließen, wenn wir entdecken, wieviel Plastikfetzen und Unrat das letzte Hochwasser (bis 4 Meter über dem Niedrigwasser!) in die Baumzweige gehängt hat. Leider! trotz Müllabfuhr in den Gemeinden. Das letzte Stück müssen wir zu Fuß auf schlechtem Pfad durch den seit Jahren nicht mehr abgeernteten Schilf gehen. Plötzlich ein Stacheldraht, eine gepflegte Wiese mit einer jungen Eiche! Wir sind am Ziel, am Westpunkt (W) unserer Gemeinde. Hier mündet links die Schwarzach in die Dornbirner Ach, die ab jetzt Grenzfluß zwischen Dornbirn und Lauterach ist. Das dunkle klare Wasser der Schwarzach mischt sich mit dem milchigtrüben der Dornbirnerach. Nur ein paar Hundert Meter weiter flußaufwärts leiten die Dornbirner nämlich das Abwasser ihrer gigantischen Kläranlage - chemisch neutralisiert! - in ihre Ach. Ein Wunder, daß hier noch Forellen und Nasen vom See heraufwandern! Die Wiese vor uns ist Lauteracher Gebiet. Die Wildnis um uns gehört noch zu Wolfurt. Ein kostbarer letzter Zufluchtsort für bedrohte Tiere! Ganz weit im Wolfurter Westen! Wir kehren um, zurück zur Kreuzung (L). Jetzt fahren wir nach rechts, unter der Autobahn durch. Hier dröhnt der Autoverkehr unheimlich. Wie schaffen es die Rehe nur, durch dieses Loch vom unteren ins obere Birka zu wechseln? Zu Weihnachten 1991 war es allerdings vom Hochwasser bis an den Rand gefüllt und dann zugefroren, also lange Zeit unpassierbar. Hundert Meter östlich der Unterführung steigen wir auf den Achdamm. Auf der anderen Seite erkennen wir in den Büschen ein rostiges Geländer und das zerfallene Einlaßbauwerk des Scheidegrabens (F). Von dort verläuft die WolfurtDornbirner Grenze nun ganz gerade durch das Weitried hinauf zum Südpunkt (S) bei den Ampeln der Auffahrt Dornbirn-Nord. Wir schauen noch einmal zu First und Säntis und über das letzte Stück unseres schönen Rieds, dann geht es weiter zur Hohen Brücke - der Verkehr hat uns wieder! Und noch ein Tip: Kumm widor! Ganz allein, zu Fuß, mit Fernglas und Fotoapparat. Im Frühling, wenn die Mehlprimeln zarte Pünktchen ins Moor setzen! Im Herbst, wenn die Birken gilben! Oder im Winter, wenn die Eichen bizarre Graphiken in den grauen Himmel zeichnen! - Und wenn es Dir gefällt, dann bestärke doch unsere Gemeindevertreter in deren Bemühen, das Ried - unser aller Ried - zu erhalten! Lebensraum Ried bedroht! Auszug aus Landeskorrespondenz Nr. 72 vom April 1991 Die Streuewiesen sind als Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt von größter Bedeutung. Ihre Erhaltung ist von einer naturschonenden Nutzung durch Landwirte und Erholungssuchende abhängig. Verschiedene Grundregeln müssen eingehalten werden: Das Betreten von Streuewiesen ist in der Zeit vom 1. März bis 31. August, ausgenommen für zulässige Verrichtungen in Ausübung des Grundeigentums, verboten. Die bodenbrütenden Riedvögel, wie der schon seltene große Brachvogel, dürfen bei der Brut und der 33 Am Westpunkt im Schwarzen Zeug. Links mündet die Schwarzach in die Dornbirner Ach. Rechts beginnt das Lauteracher Ried. 32 Aufzucht ihrer Jungen nicht unnötig gestört werden. Ebenso ist das Reiten auf den geschützten Wiesen verboten. Da Streuewiesen vorwiegend auf feuchten und nassen Moorböden wachsen, werden sie bei der hohen Trittbelastung durch die Pferde zerstört. Die im Ried bestehenden Gräben dürfen von den Grundeigentümern und Bewirtschaftern nur in der Zeit von 1. Oktober bis 31. März instandgehalten werden. Dabei sollen die Gräben nur so tief gezogen werden, wie es für die Ableitung des Oberflächenwassers unbedingt erforderlich ist. Verboten ist auch das Abbrennen der Streuewiesen. Dabei werden nicht nur Kleintiere zerstört, es führt auch zu unnötiger Luftverunreinigung. Lebensraum von größter Bedeutung? Und trotzdem S18-Pläne? Trotzdem ständig steigende Autozahlen? Steigende C02-Werte? Trotzdem .. ? Siegfried Heim Nach Amerika (2.) In Heft 4, Seite 25, habe ich über ein paar Auswandererschicksale berichtet. In Heft 8, Seite 7, steht von den 34 Leuten aus Strohdorf und Hub, die um 1850 eine neue Heimat in Amerika gesucht haben. Darunter war auch der Sternenwirtssohn Nikolaus Fischer mit seiner Frau und neun kleinen Kindern. Wir fragten uns: Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Ganz überraschend konnte der Bregenzer Historiker Mag. Meinrad Pichler eine Antwort geben. Ein Pfarrer Huber aus Alberschwende hat 1872 den Wilden Westen bereist und die Ansiedlungen der Vorarlberger besucht. Nach dem großen Aufstand der Sioux-Indianer von 1862 - viele Wolfurter wurden in der kleinen Stadt Neu-Ulm in Minnesota belagert, 500 Neuansiedler kamen ums Leben - war Ruhe eingekehrt. Pfarrer Huber berichtet in seinem Tagebuch, daß er die Familie Fischer im Besitz einer «schönen Heimat» in Fremont angetroffen habe. Gott sei Dank! Nach Notizen in den Wolfurter Archiven sind zwischen 1849 und 1872 insgesamt 198 Wolfurter ausgewandert. Das sind 13 Prozent der 1500 Einwohner! Zwei gingen nach Australien, alle anderen nach Amerika. Der Schwerpunkt ihrer Ansiedlungen lag in Wisconsin und in Minnesota am Oberlauf des Mississippi. Längst sind sie Amerikaner geworden. Im heurigen Jahr 500 nach Kolumbus stellt sich in Amerika die Frage nach der Geschichte. History-Vereine erforschen die Einwanderungswellen und die Wurzeln in Europa. Auch an unser Pfarramt sind eine Reihe von Anfragen gekommen. Wilfred Schneider reiste selbst aus British Columbia in Canada an und ließ sich zu den Häusern seiner Ahnen führen. Einer seiner Vorfahren hat 1806 das Rädlerhaus an der Kellhofstraße gebaut, ein anderer wohnte im Samüllerhaus. Auch Jakob Schertler, der Schützenmajor von 1809, gehört zu seinen Vorfahren. 35 Schollen aus dem Ried Getrockneter Torf war früher eine wichtige Einnahmequelle für Wolfurter Bauern. Das bestätigt auch eine Rechnung aus dem Gemeindearchiv, die der «Caminfeger» Albinger im Instrumentenmacherhaus am Strohdörfler Brunnen an die Gemeinde richtete. Ein Fuder getrocknete Scholllen entsprach etwa einem Taglohn, in der Kaufkraft aber nicht einmal 100,- S von heute. Quittung Pr 6 f wörtlich sechs Gulden R. W., füer gegrabener, gederter und aufgeladener Schollen zum Haizen der Schulöffen. Hr 9fuder a 40 Kreuzer. Hr Lizidanto von dem gemeinds kassier Joseph Schneider Namens der gemeinde richtig empfangen zu haben hiemit quittire. Dann 3 Tag die feuerstette besittigef1 und füer den Tag 48 Kreuzer. Macht zu Sammen 2 f24 X. Wolfurt den 11 ten November 1826 Fidel Albinger *} durchgeschaut, repariert 34 Aus Wisconsin schrieb Scott Brunner, der in die gleiche Verwandtschaft gehört. Sein Ahn, der Sattler Johann Georg Rohner, hat 1839 das Haus Bützestraße 11 (Rüsto Tones) gebaut. Aus New Hampshire meldete sich William Brander. Zu seinen Ahnen zählt ein Geiger Martin im Haus Schloßgasse 1 (Stenzlers). Vom gleichen Stammvater stammen u. a. «Gigars im Röohle», Geigers im Adler, «Höllbur-Gigars» und Geigers am Unterlindenbrunnen. Schließlich fragte auch noch John Fischer aus Florida an. Er stammt aus dem Geschlecht des ersten Wolfurter Vorstehers Johann Georg Fischer im Haus Hofsteigstraße 27 («Schützen»). Als der Enkel Ferdinand Fischer 1865 nach Fremont in Ohio kam, waren dort andere Wolfurter schon jahrelang ansässig. So heiratete er denn auch mit Johanna Schneider ein Wolfurter Mädchen aus der Verwandtschaft unseres großen Malers Gebhard Flatz. Von den vielen Fischer-Verwandten haben neben dem 94jährigen Dr. August Fischer auch eine Reihe von Rupert Fischers kleinen Enkeln aus dem Flotzbach ihrem unbekannten Vetter im sonnigen Florida Grüße geschickt. Wir warten gespannt auf die Antwort. Mag. Pichler arbeitet an einem Buch über die Auswanderung. Vielleicht könnte uns jemand Fotos oder Dokumente von Verwandten aus Amerika zum Kopieren überlassen? Von Martha Hinteregger bekam ich einen solchen Brief. Er stammt von ihrem «Vetter» Theodor Rohner, dem «Pfarrer in Amerika». aufgeweckte Theodor hatte bei Lehrer Martin Köb, Oberlehrer Wendelin Rädler und Schulschwester Gottfrieda Oberhollenzer eine gute Volksschule gehabt. Nun schickte Pfarrer Georg Sieber den elternlosen Buben ins Lehrerseminar nach Tisis. Haus und Hof mußten verkauft werden. Bald wurde Theodor von einem Internat ins andere gereicht. Über Wien kam er nach Böhmen, dann gar nach Irland und schließlich 1897 nach Amerika. In Milwaukee, Wisconsin, trat er in das Priesterseminar ein und feierte 1903 Primiz. Nach sechs Kaplanjahren wurde er 1909 Pfarrer in Mount Horeb und 1928 bis 1946 Stadtpfarrer in Beaver-Dam, Wisconsin. Krankheitshalber mußte er in Pension gehen, konnte aber 1953 noch sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Zeitlebens hielt er Briefkontakt mit seinen Wolfurter Verwandten. Aus dem letzten Brief des greisen Pfarrers, dem er auch eine Zeichnung von den Häusern im Loch unter Engel und Schwanen anfügt, ist sein Heimweh spürbar: «Ob ich noch einmal in die Heimat komme . . .». 1955 wurde Theodor Rohner in die Ewige Heimat gerufen. Eine Inschrift am Pfarrergrab von Wolfurt empfiehlt ihn unserem Gebet. Eine alte Rechnung Konto 1826 Hab ich in die Schul 4 Stül gemacht, hab daß Holtz derzu gegeben, tut für 1 Stück 2 Gulden, also zusammen 8 Gulden. Weiters ich und der Sohn 1 Tag gewerchet, für Kost und Lohn tut 30 Kreuzer, zusammen 1 Gulden. Weiters einen Weg grösser gemacht, tut 36 Kreuzer, weiters für Negel 6 Kreuzer. Summa 9 Gulden 42 Kreuzer. Meister Frantz Xaver Schertler, Schreiner in Wohlfurth. Den 14 Jenner 1826 Der Schreiner Schertler (1747-1833) hat im Jahre 1800 «Schrinars Hus», Lauteracherstraße 6, gebaut. Es wurde 1971 abgebrochen (Reiners Armin). Aus diesem Haus stammen die vielen Familien Schertler Veres und Schertler Bernhards (Villa). Wer die Rechnung nachrechnet, muß beachten, daß ein Gulden damals 60 Kreuzer hatte. Für einen Gulden arbeiteten zwei Männer einen Tag lang. 37 Der Pfarrer in Amerika Eine bedeutende Wolfurter «Rohner»-Familie hatte ihren Hof im Loch, direkt neben der Kellhof-Weingartenmauer. Die Alten kannten das Haus noch als «Hollagoggols», heute ist es umgebaut (Im Dorf 4). Aus diesem Haus stammten die Steinbrecher-Rohner (Haldobuob) und die Instrumentenmacher-Rohner im Strohdorf. Hier wurde auch Theodor Rohner am 19. Jänner 1877 geboren. Schon mit drei Jahren verlor er die Mutter, mit 15 Jahren auch den Vater und die Stiefmutter. Der 36
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Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1991 19.11.2012, 18:31 Heft 8 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 91 Die Post. Das alte Gemeindehaus an der Schulstraße wurde 1965 abgebrochen. Hundert Jahre früher war es ein Zentrum der Schertler-Ziegeleien gewesen. Inhalt: 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. A uch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauterach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst.. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. Auch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauter ach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. Siegfried Heim Um 1900 sind in Hard und in Wolfurt sehr viele Italiener beheimatet. Die Entwicklung hält bis 1914 an. Der Erste Weltkrieg bringt einen gewaltigen Einbruch: In Hard fällt die Einwohnerzahl vom Rekordjahr 1910 bis zum Kriegsjahr 1923 um 600 ab. In Wolfurt fällt sie in der gleichen Zeit um fast 500. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre um 1945 bringen besonders starke Schwankungen durch Verluste, Flüchtlinge und einquartiertes Militär. Darüber habe ich keine Zahlen gefunden. Seit 1951 gibt es alle 10 Jahre genaue Volkszählungen. Weil es dabei um viel Geld geht, müssen die Angaben der Gemeinden von den Oberbehörden manchmal korrigiert werden. Daher finden sich in den Tabellen gelegentlich differierende Angaben. In allen aber zeigt sich das überdimensionale Wachstum der Industriegesellschaft unserer Hofsteiggemeinden «im Tal». Wie willst Du einem Wolfurter Schulkind, das vom Frickenesch aus auf das zersiedelte Feld schaut, beibringen, daß Wolfurt vor 50 Jahren nur 2.000 Einwohner hatte? Und erst Hard! Wie geht das dort weiter? Ist es ein Trost, daß sich nun auch die Berggemeinden Buch und Bildstein über ganz beachtliche Zuwächse freuen dürfen, weil die Talbewohner den hohen Wohnort der intakten Berglandschaft entdeckt haben? Bei allen Klagen sollten wir eines nicht vergessen: Durch viele Jahrhunderte mußten Hofsteiger auswandern, um in fremden Ländern als Maurer, Taglöhner, Söldner oder auch Bettler ihr tägliches Stück Brot zu bekommen. Nun dürfen wir es daheim verdienen! Es ist sogar noch genug für andere da. Gott sei Dank! Volkszählungen in Hofsteig Im Mittelalter war im montfortischen Gebiet am Steußberg das Gericht Hofsteig entstanden, in das im 18. Jahrhundert auch das Gericht Kellhof-Wolfurt integriert wurde. Innerhalb des 60 km2 großen Gerichtes bildeten sich vom Berg bis zum See feste Dorfgemeinschaften, die seit der Flurverteilung im 18. Jahrhundert auch gegenseitig anerkannte Grenzen und eigene Verwaltung besaßen. Sie alle unterstanden aber dem gewählten Hofsteigammann und den k. k. Behörden. Die Flächen waren verschieden groß und zwischen Wald und Riedsumpf unterschiedlich ertragreich. Seit Maria Theresias Zeiten gab es in den sechs Hofsteiggemeinden die ersten «Seelenbeschriebe» durch die Pfarrer, also erste genaue Aufschreibungen und Zählungen. Eine ältere Zählung liegt nur von 1594 vor. Sie erfaßte allerdings nur die Häuser. Damals hatte Hard 63, Lauterach 95 und Wolfurt 70 Häuser. Demnach dürfen wir die Einwohnerzahl im ausgehenden 16. Jahrhundert für Hard mit 350, Lauterach 530 und Wolfurt mit etwa 390 annehmen. Seither haben sich die Realitäten ständig verändert. Die älteste Vergleichsstatistik findet sich bei Mathias Schneider, der für die Bayern 1807 Konskriptionslisten anlegen mußte. Spätere Zahlen stammen aus offiziellen in Zeitungen verlautbarten Tabellen. Vergleichen Sie die umseitigen statistischen Zahlen und Kurven! Was da alles auffällt! 1807 gehört Bildstein zu den vier «großen» Hofsteiggemeinden, während Schwarzach noch klein und daher auch noch keine ständige Pfarre ist. Wolfurt liegt an der Spitze. Gleichmäßiges Anwachsen der bäuerlichen Bevölkerung bis 1837. Aber Hard hat durch seine Jenny- und Schindler-Fabriken die anderen überholt. Um 1880 ist auch Schwarzach groß geworden, während die Leute vom «Berg» aus Buch und besonders aus Bildstein ins Tal ziehen. 2 3 4 5 Siegfried Heim Strohdorf, Hub und Flotzbach Anmerkungen zu einem Dorfgeschichtevortrag am 14. Mai 1991. Spetenlehen mehr Verkehr brachte. Aber Sattler, Seiler, Schmiede, Wagner Wirte profitierten davon. Der Verkehr verschwand, als Kaiserin Maria Theresia 1768 die neue «Landstraße» von Lauterach durch das Ried nach Dornbirn bauen ließ. Nur ein paar Säumer in den Bregenzerwald und die Wallfahrer nach Bildstein belebten das nun abseits liegende Wolfurt noch ein wenig. Die Handstickerei der Frauen und die Webstühle der Männer brachten wenigstens eine kleine Einnahme. Fast jedes Haus hatte einen Webkeller. Die Weber wurden aber um 1840 alle durch die Konkurrenz der Fabriken arbeitslos. Die Not zwang viele zum Auswandern nach Amerika. Aus jedem dritten Haus zog ein junger Mann, selten auch ein Mädchen, in die Ferne. Allein aus dem Strohdorf waren es 23 Personen, dazu 11 aus der Hub, die sich auf den Weg nach Amerika machten. Von den meisten hat man nie mehr etwas gehört. Als Beispiel nenne ich die Familie Fischer. Nikolaus Fischer, ein Sohn aus dem heutigen Sternen an der Wälderstraße, hatte 1841 geheiratet und sein neu erbautes Haus im unteren Strohdorffeld (heute Dür, Wälderstraße 10) bezogen. Seine Frau Anna Geiger gebar jedes Jahr ein Kind. Das Brot reichte bald nicht mehr für die vielen hungrigen Mäuler. 1853 mußten Fischers ihr schönes Haus verkaufen. Am 22. April nahmen sie Abschied vom Strohdorf. Was muß das für ein Auszug gewesen sein! Neun Kinder - der älteste Bub war gestorben - : Rosa 12 Jahre, Sophie 9, Nikolaus 8, Maria 7, Joh. Georg 6, Katharina 4, Barbara 3, Anna 2, das kleine Agathle gerade ein halbes Jahr alt. Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Im Jahre 1838 hatten die Bregenzerwälder statt der beiden Saumwege über Berütter-Buggenegg und Linzenberg-Farnach endlich die vielbestaunte und gefährliche Fahrstraße durch das Schwarzachtobel bekommen. Gleichzeitig wurde in Wolfurt die Wälderstraße vom Strohdorf nach Lauterach gebaut. Rasch entwikkelte sich ein bedeutender Frachtverkehr. Da konnte auch ein tüchtiger Wirt ein Geschäft machen. Aus Bildstein-Geißbirn war 1842 der junge Jakob Böhler ins Tal gekommen und hatte sich als Steinmetz, Maler und Bildhauer einen Namen gemacht. Nun baute er den «Stern» zu einem großen Gasthof aus und betrieb dort auch eine Bäckerei und einen Gemischtwarenhandel. Sein Sohn Eduard Böhler, Sternenwirt und Bäckermeister, wurde dazu noch ab 1872 Postmeister. Der Stern war nun Post-Station für die Kutsche in den Bregenzerwald. Der Wirt gründete 1874 auch den ersten Veteranenverein des Landes. Neben den Fabrikanten Louis Schindler aus Kennelbach und Johann Gaßner aus Bludenz gehörten auch Geistliche und hohe Offiziere wie Feldmarschall-Leutenant Ritter von Burlou-Ehrwal aus Bregenz zu den Mitgliedern. 7 Eine Gemeinschaft wächst Im Laufe der Geschichte haben sich in Wolfurt zwei Dörfer entwickelt: das Kirchdorf aus dem staufischen Kellhof und Rickenbach aus dem montfortischen Hof zu Steig. In den letzten 200 Jahren versuchte man, mit Schule und Gemeindeamt im Strohdorf eine Klammer zwischen den beiden Ortschaften zu schaffen. Im Jahre 1760 gab es im Strohdorf um den alten Brunnen erst 14, am Eulentobelbach an der Hub 18 Häuser. Dort vermurte der wilde Bach manchmal die Straße. Daher heißt es im Hofsteigischen Landsbrauch von 1571: Item die Inhaber der Hueb sein schuldig den bach ob der strass vom brunnen an der Hueb bis an Speetenlehen dermassen zeleiten und zefüeren, damit der strass und sonsten niemands kain schaden widerfahre. Die Hochwässer von Holzerbach, Himmelreichbächlein und Eulentobelbach schütteten fruchtbare Lehmböden in die sumpfige Ebene. Darauf bauten die ersten Strohdörfer und Hübler Dinkelweizen und Haber an. Erst allmählich rodeten sie vor 1000 Jahren die sonnigen Bühel am Rebberg und im Himmelreich bis hinauf ins Frickenesch. Und noch viel später begannen sie mit der Entwässerung der Riedsümpfe, wo im «Nöü-Wiasa» und im «Wit-Riod» etwa ab 1750 «Türggo und Bodo-Biora» angebaut wurden. Am Südhang des Frickeneschs gedieh Wein und zwar der recht herbe weiße "Bregenzer" für die Bregenzer Herren. Erst 1729 konnten die Hofsteiger den sonnigen Rebberg kaufen. Sie nannten ihn «Narrenberg», wohl weil die schwere Winzerarbeit dort oben zuletzt kaum mehr Ertrag brachte. Um 1880 riß man die letzten Reben aus. Ursprünglich waren alle Häuser nur an der alten Römerstraße am Berghang gestanden. Daran änderte sich auch nichts, als mit Kaiser Maximilians Brücke von 1518 die Reichsstraße von Lauterach her über St.Antone und Unterhub nach 6 Bei der Fronleichnamsprozession kommandierte der schneidige Hauptmann manchmal über 100 Schützen. Auch bei den großen Freilicht-Theatern in Wolfurt war der-Sternenwirt unentbehrlich. Weil man den Frauen im Dorf damals noch den Zutritt zur Bühne verwehrte, spielte meist der Wirt die weibliche Hauptrolle, zum Beispiel 1875 in Schillers «Jungfrau von Orleans». Überhaupt war der Stern jetzt Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Jeden Sonntag trafen sich hinten in der Weinstube Pfarrer Sieber, AltvorsteherMartin Schertler, Gemeindearzt Dr. Eisler, Oberlehrer Rädler und Organist Fidel Kalb, der später unter dem neuen Namen Fidel Kirchberger Vorsteher wurde. Mit einigen Gleichgesinnten wurde Dorfpolitik gemacht. 1899 wurde hier im Sternen der Katholische Arbeiterverein gegründet, der bald mit seinen Sektionen Turnerbund, Jugendhort, Redeklub und Theatergruppe das Gemeindegeschehen wesentlich mitgestaltete. 1913 begann man mit dem Bau des Vereinshauses, das aber wegen des Weltkrieges erst 1922 fertig gestellt werden konnte. lernten. 1830 mußte im Stadel eine dritte Klasse eingebaut werden. Als auch diese nicht mehr ausreichte, wurde im unteren Strohdorf am «Holzer Bach» 1872 für 10.000 Gulden ein neues Schulhaus gebaut. Das alte wurde als Armenhaus und Turnraum verwendet und schließlich verkauft. Franz Pichler hat ihm vor ein paar Jahren ein völlig neues Gesicht gegeben (Hofsteigstraße 8). Ins neue Schulhaus zog mit den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke und Oberlehrer Wendelin Rädler ein neuer Geist ein. Neben Beten, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernten die Mädchen jetzt auch Stricken, Flicken, Nähen, Kochen und Gartenarbeit. Die Buben übten sich in Baumpflege, Bienenzucht und Milchwirtschaft. Oberlehrer Rädler gründete im ganzen Land Sennereien und Raiffeisenkassen und unterrichtete die Bauern unermüdlich in Vorträgen und einer eigenen Zeitung. Er sorgte dafür, daß 1882 in der Schule eine Gemeindekanzlei eingerichtet wurde. Vorsteher Joh. Martin Schertler arbeitete dort mit seinem Neffen Lorenz Schertler aus dem Flotzbach eng zusammen. Lorenz war ein ausgezeichneter Schreiber und ein Organisationsgenie, der seinem Onkel 1885 bis 1901 als Vorsteher nachfolgte. Seine Arbeit war so geschätzt, daß ihn die Wolfurter in der Not nach dem Weltkrieg von 1919 bis 1924 noch einmal zum Bürgermeister machten und ihn sogar in den Landtag wählten. Jetzt war also das Strohdorf mit Schule, Gemeindeamt und Vereinshaus endgültig der politische und kulturelle Mittelpunkt der Gemeinde geworden. Musik, Turner, Feuerwehr, Theater und Gesangverein blühten auf. Die durch Tradition und jahrhundertelange Geschichte getrennten Kellhofer und Hofsteiger, die Rickenbächler und Dörfler wuchsen zur Gemeinschaft der Wolfurter zusammen. Nach dem Bau der Eisenbahn von 1872 hatten Importe von Getreide, Wein und Kohle die alten Strukturen der Landwirtschaft zerstört. Der Weinbau am Rebberg und die Getreidefelder im Strohdorf und Flotzbach waren verschwunden. Aber Lehrer Rädlers Umerziehung zu Milchwirtschaft und Obstbau trug Früchte und gab Selbstbewußtsein. Daher entstanden jetzt 1891 gleichzeitig die großen und auch teuren Sandsteinbrunnen im Strohdorf und an der Hub. Freiwillig schlossen sich Brunnengenossenschaften zusammen, zahlten ihre Anteile und schufen in schwerer Fronarbeit Wasserfassungen aus Lehm und Beton. Brunnenmacher Ferdinand Gasser aus Meschen legte die hölzernen Düchelrohre. Schmied Eduard Köb und Installateur Josef Köb setzten schließlich eiserne an Stelle der morsch gewordenen hölzernen Brunnensäulen. Unter Aufsicht erfahrener Brunnenmeister pflegten die Nachbarn der Brunnen den jeweiligen «Tränktrog» und putzten auch den «Sudeltrog». Durstige Schulkinder und Wanderer schätzen die Brunnen heute sicher am meisten, aber die ganze Gemeinde freut sich, daß hier Seit 1778 wurde im Strohdorf Schulunterricht gehalten. Gegen den Willen der bäuerlichen Bevölkerung hatte Maria Theresia die Normalschule beschlossen. Unter Zwang errichteten die Wolfurter als südlichstes Haus im Strohdorf 1777 ein kleines Schulhaus, wo in zwei Stuben alle Wolfurter Kinder Lesen und Schreiben Schertlers Seppl um 1940 mit dem ersten Traktor im Flotzbach. 9 8 (Ludwigos) am Weg ins Flotzbach verkauften neben Nähsachen ein paar «zückerne Krömle». Schließlich kam mit der neuen Zeit auch ein Supermarkt ins Strohdorf. Seit 1953 wurde ununterbrochen am Schulhaus gebaut und erweitert. Heute deckt es mit Spielplätzen und Sporthalle eine riesige Fläche von fast 3 Hektar. Die alte Volkschule, deren Glöcklein einst den Arbeitsrhythmus im ganzen Dorf bestimmte, wurde 1979 abgebrochen. Die Hauptschule und mit ihr Musikschule, Bürgermusik, Sportvereine und Gemeinde bekamen großzügige Räume. Die Sporthalle von 1984 ist ein Vorzeigestück der Gemeinde geworden. Das Gemeindeamt selbst hat seit 1967 ein eigenes schwarzes Rathaus mit weißem Wolf. Dort ist auch Platz für die Post und für den erst 1977 eingerichteten Gendarmerieposten. Seit 1982 nennt sich Wolfurt Marktgemeinde. Marktgemeinde mit dem Mittelpunkt im Strohdorf, das nun nicht nur Kirchdorf und Rickenbach verbindet, sondern auch das ferne Wida, das Hinterfeld, das Kella und den Güterbahnhof verwaltet und versorgt. Aus dem Strohdorf kommt auch das köstliche Wolfurter Wasser, zuerst ab 1953 aus dem alten Pumpwerk bei der Schule, dann seit 1983 aus dem modernen Wasserwerk am Gänsbühel. Das lebensspendende Wasser, das zuerst die Hübler und Strohdörfler Bauern zu Brunnengenossenschaften verbunden hat, sollte uns alle in die Verantwortung für die Gemeinschaft Wolfurt einbinden. Steinhauers Gebhard vom Strohdorf, der langjährige Gemeindediener am Pumpbrunnen. noch klares Quellwasser sprudelt, während etwa die großen Brunnen im Dorf und zu Unterlinden dem Autoverkehr geopfert worden sind. Wie überall wechselten auch bei den Leuten am Brunnen gute und schlechte Zeiten. Die Stickerei hatte um 1907 viel Geld gebracht, aber auch lockere Sitten. Es folgten Not und Tod der Weltkriege, Arbeitslosigkeit und eine neuerliche Auswanderungswelle um 1924 nach Amerika. 1926 übersiedelte die Post vom Stern in das steinerne Gemeindehaus. Unter dem Vordach bediente Altvorsteher Ferdinand Köb die riesige Brückenwaage. 1928 zogen auch die Kreuzschwestern Theodora und Epiphania ein, die als Krankenpflegerinnen und Tröster in der Sterbestunde Wunderbares vollbrachten. Im Gasthof Stern folgten auf Böhler-Sternenwirts Köb-Sternenwirts, dann Keckeisens und schließlich Fischers. Da gab es ein Volksbad, eine Großmosterei, die erste Eismaschine. Auf Zwangseinquartierung im Krieg folgten neuer Glanz, die Kegelbahn, Metzgerei und Laden. Der Maler Albert Köb hatte 1903 die alte Schmiede am Strohdorf-Brunnen zu einer Stickerei umgebaut und dann 1911 zu «Molars Lado». Da gab es alles, was Kinderaugen begehrten: Sidobollo, Beorodräck, Leozeolto und vor allem Katzim-Sack. Konkurrenzläden gab es zuerst in Metzlers Lädele und dann bei Festinis. Auch Frau Meusburger im alten Haus am Strohdorfbrunnen und Frau Schwärzler 10 Ein paar Namen Ein paar Leute, die sich besonders für die Gemeinschaft eingesetzt haben, sollten nicht vergessen werden. Ich nenne zuerst ein paar Brunnenmeister und ihre wichtigsten Helfer. Am Strohdorfbrunnen trugen vor 100 Jahren Joh. Georg Rohner (Instrumentenmachers Urgroßvater), der Schmied Andreas Böhler (damals in Malers Haus), Johann Brauchle (Hofsteigstr. 3) und der Wagner Joh. Martin Gmeiner (Wälderstraße 1) die Verantwortung. Dann folgen Sternenwirt Eduard Böhler und der «Frickenescher» Johann Gmeinder, dessen Nachkommen noch heute für den Brunnen sorgen. Viele Jahre kümmerten sich Instrumentenmacher J. A. Rohner, Anton Haneberg (Hofsteigstr. 1) und Paul Köb (Malers) um klares Wasser, wie es deren Nachkommen auch heute noch tun. Am Hübler Brunnen war vor dem ersten Weltkrieg Josef Höfle Brunnenmeister. Als sein Haus (Eulentobel 1) 1918 abbrannte, zog er ins Kirchdorf. Fridolin Albrecht (Hofsteigstr. 20) übernahm die Leitung. An seiner Seite arbeitete als 11 Organisator unermüdlich viele Jahre Karl Schwärzler, Liberats. Brunnenmeister waren ab 1927 Gebhard Klocker, Seilers, 1928 Josef Schwärzler, Schneider in Hofsteigstr. 24, und ab 1934 Johann Gmeinder, Frickeneschers, der das wichtige Amt mehr als 30 Jahre innehatte. Seit 1967 ist Karl Köb, Schmieds, Brunnenmeister. Er wird unterstützt von Karl Bellmann, der die alte Hübler Sennerei beim Brunnen zu einem schönen Wohnhaus umgebaut hat. An der Nordgrenze von Strohdorf steht als erstes Haus von Unterlinden das Schertler-Haus seit über 200 Jahren im Besitz von «Altvorstehers» (Kirchstr. 11). Es gehörte einst dem Hofsteiger Schützenmajor Jakob Schertler (1749-1822). Von seinen 18 Kindern eroberten zwei Söhne mit ihren Familien ab 1814 zuerst das Röhle und dann die Ach, wo sie mit Ziegeleien und Kalkwerk die heutigen Firma Rädler begründeten. In den Ziegeleien wurde Lehm aus dem Flotzbach mit Holz aus der Ach gebrannt. Als die Eisenbahn billige Kohle ins Land brachte, erkannten Josef Anton Schertler und seine tüchtigen Söhne Jakob und Lorenz die Chance und bauten eine Großziegelei zu den Lehmlöchern. Schon 1851 hatte Vorsteher Martin Schertler das große steinerne Haus an der Kreuzung mit der Wälderstraße gebaut, das wir als «Post« gegenüber der Schule in Erinnerung haben. Es diente als Frachtstation und Verwaltungszentrum. Hier kamen seine Neffen Jakob und Lorenz zur Welt. Aber schon 1874 übersiedelten sie in ihr neues Haus im Flotzbach und erwarben dort in den folgenden Jahrzehnten weitere Häuser und riesigen Grundbesitz. Von Conrad Doppelmayr, damals noch ein kleiner Schlosser in Hard, ließen sie sich 1885 eine große Hydraulik-Dampf-Ziegelpresse konstruieren. Damit erwarben sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den vielen anderen Ziegeleien im Land. Riesige Lehmlöcher öffneten sich und wurden später «Krotto-Löchor» - heute würde man sie Biotope nennen. Sie dienten der Jugend als Eisplätze und wurden um 1960 die riesigen Müllhalden der Gemeinde. Heute deckt sie gnädiges Grün zu. Die Familie Schertler war fast immer im Gemeinderat vertreten und stellte bedeutende Bürgermeister. 1850-53 Erbauer der «Post» Schertler Joh. Martin Schertler Josef Anton 1872-73 Erbauer der Volksschule Schertler Joh. Martin 1879-91 Gemeindeamt Schertler Lorenz 1891-1901 und 1919-24. Nach ihm ist eine Straße im Flotzbach benannt. Das Doktorhaus an der Hub und die Schulstraße um das Jahr 1935 Außer gutem Wasser braucht man in Wolfurt auch einen guten «Doktor» Das Doktorhaus stand früher auf der Kreuzung beim Sternenplatz. Dort praktizierte zu Napoleons Zeiten der Gemeindearzt Georg Gmeiner. Seine Frau half ihm als Hebamme. 1827 übergab er die Praxis seinem Schwiegersohn Martin Rohner, der noch mit Napoleon in Rußland gewesen war (Siehe Heimat 7, Seite 21). Diesem folgte als Arzt sein Sohn Ferdinand Rohner. Noch eine ganze Reihe von Ärzten versorgten die Wolfurter, bis die Gemeinde 1903 ein eigenes Doktorhaus an der Hub erbaute (Schulstr. 12). Dort arbeiteten viele Jahre lang Dr. Eugen Lecher und nach ihm Dr. Lothar Schneider. Dieser verlegte seine Praxis an die Unterlindenstraße. Das Dr. Rohner-Haus war zuletzt viele Jahre lang Sitz der Raiffeisenkasse. Als es 1949 abbrannte, wanderte die Bank in mehreren Schritten ins Dorf hinein. Also hat das Strohdorf mit Arzt und Bank auch wichtige Institutionen verloren. 12 Den Anfang der Besiedlung im Flotzbach, das damals noch das große Weizenfeld für die Hub war, machte um 1790 der Steinhauer Johannes Rohner. Er brach sein altes Elternhaus im Eulentobel ab und erbaute ein neues am Anfang der Unterhubstraße. Sein Sohn Andreas Rohner (1791-1857) war dort seit 1811 verheiratet. Seine Frau Anna gebar ihm in 20 Jahren 15 Kinder. Alle fünfzehn starben schon als Kleinkinder. Andreas Rohner gründete 1816 die erste Wolfurter Musik und war lange ihr Kapellmeister. Als alter Mann baute er 1850 noch ein schönes neues Haus an der Flotzbachstraße (Nr. 8, Schwärzlers). Sein altes ist 1895 abgebrannt. Vielleicht sollten wir uns manchmal an den Kapellmeister Rohner erinnern, an seine Frau und die 15 Kinder, wenn wir an Schwärzlers schönem Garten vorbei gehen! 13 Zur Bayernzeit waren auch Arnolds und Schertler Lenas Haus und bald danach Ruschs gebaut worden (Nr. 9,11 und 15). Ins untere Flotzbach war aber als erster 1819 ein Crispinus Gmeiner vorgestoßen (jetzt Nr. 18, Elmar). Erst 1872 hatte er in Jakob Köb, dem Stammvater der Bäschle-Köbs (Nr. 20) einen Nachbarn bekommen, ehe 1874 als drittes Schertlers Haus (Nr. 16, Helmut) gebaut wurde. Im gleichen Jahr 1874 wurde auch noch im «Speck», das ist ganz weit unten im Ried an der damals neuen Eisenbahn, ein winziges Bahnwärterhaus erbaut. Dort lebte die große Familie Joh. Georg Köb (t 1908), aus der sich die Wolfurter Sippe der «Bahwächtar»-Köbs ableitet. Die Tochter Agatha begründete mit Josef Bernhard Mohr die größte Hübler Familie, Mohrs «a dor ussoro Huob». Sie ist 1917, als ihr Mann im Kriegseinsatz in den Dolomiten stand, von sieben kleinen Kindern weg ganz plötzlich gestorben. Gmeiner wurde unten an der Wälderstraße die Mutter von Zehrers Hans-Irg und von Zehrers Marte. Wir erinnern uns noch gerne an seine elektrische Türkenmühle und an den ersten Fernseh-Apparat in Wolfurt. Der Zimmermann Josef Anton Gmeiner erbaute 1873 sein Haus neben der Schule (das 1982 für die Sporthalle abgebrochen wurde). Seine Söhne «Knore» Hansmarte und «Disjockeles» Albert gaben das Handwerk auf und wurden Sticker. Hansmarte Gmeiner betrieb im Stammhaus der Gmeiner, gegenüber vom Stern, seine Wagnerei bis zum ersten Weltkrieg. Dann übergab er das Haus seinem Schwiegersohn, dem Vorsteher Ferdinand Köb. Von seinen zahlreichen Nachkommen macht neuerdings Professor Edelbert Köb als Leiter des zukünftigen Kunsthauses in Bregenz von sich reden. Ein weiterer Sohn aus dem Wagnerhaus war Gebhard Gmeiner, der Steinhauer, der 1880 gegenüber der Schule sein Haus aus Stein aufmauerte. Sein Sohn Gebhard Gmeiner schellte noch viele Jahre als Gemeindediener wichtige Nachrichten im Dorf aus. Zahlreich verbreitet sind die «Kassiänler», die auf den Schwarzacher Kassian Schertler zurückgehen. 1852 erwarb er das Haus Hofsteigstraße 16 und zog zehn Kinder groß, die in die verschiedenen Nachbarfamilien einheirateten. Als das Haus 1926 abbrannte, baute es sein Enkel Johann Gmeinder wieder auf, der später 33 Jahre lang Brunnenmeister an der Hub war. Dabei arbeitete er mit Engelbert Gasser, dem Milchmesser in der Sennerei zusammen. Auch die Gasserbrüder aus Meschen belebten mit ihrer fröhlichen Art das gesellige Leben an der Hub. Engelbert hatte 1921 ein Buch «Sechs Jahre Sibirien» geschrieben und von seiner abenteuerlichen Flucht über Wladiwostok und den indischen Ozean berichtet. Der Schreiner Albert Gasser «Fixenatte» war ob seines schlagfertigen Humors weitum bekannt. Der «Wanderlehrer» Josef Anton Gasser erhielt für seine Verdienste um die Sticker-Ausbildung den Titel Professor. Sein Enkel «Sigi» Gasser ist heute Bürgermeister der Landeshauptstadt Bregenz. Noch unzählige Geschichten berichten die alten Bücher im Archiv von den Schicksalen der Familien von Strohdorf und Hub. Weit mehr noch wissen deren Nachkommen. Gerne möchte ich ein anderes Mal noch einiges nachholen. Fast 100 Namensträger Mohr gibt es heute in Wolfurt. Sie stammen alle von jenem Jakob Mohr, der um 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Sein Sohn Sebastian baute dreißig Jahre später das Stammhaus der Mohr an der Hofsteigstraße (heute Nr. 10, Ratzers). Von dort aus teilte sich die Sippe. Mohr Michael (1823-1913) begründete an der Kellhofstraße die Dörfler-Mohr, von denen wir stellvertretend den Lehrer Mohr und den Ehrenringträger Hubert Mohr mit ihren vielen Verwandten nennen. An der Hub aber ließ sich der Kaiserjäger und Kamm-Macher («Kampler») Josef Mohr (geb. 1807) nieder, dessen Enkel Josef Bernhard Mohr (1868-1942) mit sieben Kindern aus seiner ersten Ehe mit Agatha Köb und weiteren sieben aus seiner zweiten mit M. Anna Arnold besonders zahlreiche Nachkommen hinterließ, zu denen auch Bürgermeister Erwin Mohr gehört. Eine wichtige Schwärzler-Familie (mit «ä») lebte ab 1874 im Haus Hofsteigstr. 15 (Festinis), der Maurer Josef Schwärzler mit seinen 13 Kindern. Sohn Liberat erwarb das alte Doppelhaus, aus dem 1893 die Familie Rusch nach Amerika ausgewandert war, und vereinigte es zum Haus Flotzbachstraße 1. Sohn Josef Schwärzler, Schneidermeister, ließ sich mit seiner Frau Agatha Schwärzler zuerst im Loch an der Kellastraße in Rickenbach nieder, ehe er mit seinen sieben Kindern wieder an die Hub zurückkehrte. «Schnidars Bänkle» vor dem Haus Hofsteigstraße wurde ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Noch ein dritter Schwärzlersohn, Ludwig, erwarb ein Haus an der Hub (Flotzbachstr. 8), wo er eine große Stickerei einrichtete. Seine Frau Josefa betrieb dort in den dreißiger Jahren auch eine kleine Handlung. Aus Alberschwende hatte sich schon um 1725 ein Georg Gmeiner im Strohdorf festgesetzt, dessen Nachkommen wir als tüchtige Handwerker kennen. Johanna 14 15 Die alten Häuser von Strohdorf und Hub 1. Skizze nach dem Seelenbeschrieb von 1760. Nur schwer findet sich ein Neu-Wolfurter auf der beigefügten Skizze zurecht. Keine Schule, kein Gasthaus, keine Handlung! Dafür Bäche, Weinberge, Weizenfelder. 14 Häuser um den Strohdorfbrunnen, 18 im Eulentobel und an der Hub. Ab jetzt begann die Besiedlung der Felder. Die ersten Hausnummern hatte Pfarrer Feurstein 1760 in sein Buch eingetragen, insgesamt 150 Nummern vom Dorf bis nach Rickenbach. Strohdorf bekam 81 bis 94, Hub 95 bis 112. 2. Skizze nach dem Häuserverzeichnis von 1900 Weil immer wieder neue Häuser gebaut worden waren, gab es im Jahre 1900 zum fünften Mal neue Nummern, insgesamt 290. Die Nummern 153 bis 183 zählte der Gemeindeschreiber zum Strohdorf (31 Häuser), 184 bis 213 zur Hub. Weil er aber 202 bis 207 (6 Häuser) als Flotzbach separat bezeichnete, blieben für die Hub demnach noch 23 Häuser. Die Weinberge und die Weizenfelder sind verschwunden. Die neue Wälderstraße hat die alte Reichsstraße durch die Unterhub abgelöst. Auch Schulstraße und Flotzbachstraße sind wichtig geworden. Der Eulentobelbach ist an der Hofsteigstraße und im Flotzbach in ein neues Bett verlegt worden. Strohdorf: 153 + 154 Doppelhaus Schneider-Schelling. «Kaufmanns» ist am 8. Nov. 1935 abgebrannt. 155 Böhler Wilhelm, Schmied. Später «Schellings». 156 Schwerzler. «Murars» wurde um 1960 abgebrochen. 157 Höfle. «Der rich Höfle», später Metzgerei Fischer. Abgebrochen am 21. Nov. 1973 für die Rebberg-Garage. 158 Rohner, später Böhler. Das Doktor Rohner-Haus beherbergte auch die «Kassa». Es ist 1949 abgebrannt. 159 Böhler. Der wichtige Gasthof «Sternen». Post, Bäckerei, Handlung. 160 Lenz, später Schmied Köb. Abgebrochen 1983. Vereinshaus fehlt noch. (Erst 1913 gebaut!) 161 Zehrer. Mühle. Abgebrochen 1979. 16 17 Köb. «Briefbot Köbs», jetzt Dür. Albinger. Schreinerei. Abgebrochen 1979 zur Straßenbegradigung. Zweite Volksschule von 1872. Abgebrochen 1979 für Kultursaal. Gmeiner. «Knores». Abgebrochen 1982 für Sportplatz. Gmeiner. «Steinhauers». Gmeiner. Später Gemeindehaus und Postamt. Abgebrochen 1965 für Gemeindehaus. 168 Gmeiner. Wagner. Später «Sternowirt Köbs». 169 Vorklärer. Bildstein-Schmiede, später «Molars Lado». 170 + 171 Doppelhaus Schwerzler-Brauchle, später «Hanebergs» und «Ratzars«. 172 Brauchle. Jetzt Berchtolds. 173 Rohner. Das Haus am Strohdorfbrunnen. «Instrumentomachars». 174 Gmeinder. «Frickoneschars«. 175 + 176 Rohner-Lenz. Das baufällige «Salomoneum« - Doppelhaus wurde schon 1920 abgebrochen. 177 Lenz. «Flatzos Hüsle». Abgebrochen um 1950. 178 Schertler. «Kassians» ist 1909 und noch einmal 1913 abgebrannt. 179 Wacker. Hier lebte im Jahre 1900 die Familie des Bregenzer Künstlers Rudolf Wacker. Später «Festinis». 180 Rünzler. Steinmetz-Betrieb. Früher «Metzlers Lädele«, später «Flatzo Beppes» Fahrradgeschäft. 181 Erste Wolfurter Volksschule, dann Armenhaus. Jetzt Pichler. 182 Winder. Später Fischer, jetzt Ratzer. 183 Hopfner. Später «Festinis», Handlung. Abgebrannt 1913. 162 163 164 165 166 167 Hub 184 Bildstein. Abgebrannt 6. Aug. 1913. Später erstes Wolfurter «Cafe« Franz Boch. 185 Böhler. «Sternowirts Hans-Irg». Abgebrannt am 17. März 1902 und noch einmal am 19. Aug. 1913. Später «Hans-Irgo Georg«. 186 Höfle. Abgebrannt 1918. Jetzt Winder. 187 Gmeiner. Später Simma. Abgebrochen 1950 (?). 188 Wohlgenannt. Abgebrochen 12. März 1902. 189 Stenzel. Später Kressers Seppl. 190 Gmeiner. «Lislos». Später «Wanderlehrer» Gasser. 191 Klocker. Früher das Haus des Vorstehers F. Josef Halder, später «Soalars». 192 Schertler. Stammhaus der «Kassiänler». Später Gmeinder. Abgebrannt 22. Okt. 1926. 193 Klocker. Stammhaus der «Glaser« Klocker. 194 Albrecht. Jetzt Höfle. 18 19 195 Widmer. Später Küfer Köb Friedrich, dann «Schmieds Karle». 196 Sennerei Hub. Das Haus am Hübler Brunnen. An der Straße ist der Eulentobelbach seit 1931 verrohrt. 197 Schwärzler. «Schnidars». 198 Höfle. «Hermannos». 199 Fischer. «Schnidarles Hannes«. Jetzt Eberle. 200 Fischer. «Schnidarles Rudolf«. Abgebrannt 18. März 1955. 201 Lüber. Das Haus des Kapellmeisters Andreas Rohner. Später Schwärzler «Ludwigos». 202 Schwerzler. «Tirolars». 203 Schertler. Verwaltung der Flotzbächler Ziegelei. Später «Schädlars Seppl». Frächterei. 204 Schertler. «Schädlar Jokobos». 205 Köb. «Bäschles». 206 Bahnwärterhaus. Weit draußen im Ried. Abgebrochen um 1960. Z Die Ziegelei hatte wie alle Stadel und Schuppen keine Nummer. 207 Schertler. Hier wohnte später die Familie Rusch. Abgebrochen um 1980. 208 Schertler. Das Haus des Bürgermeisters Lorenz Schertler. «Lenas». 209 Arnold. Jetzt Mohr. 210 Lenz. Später Loitz. «Luitzos«. Jetzt Sinz. 211 Schwärzler. «Liberats». Früher ein Doppelhaus. 212 Höfle. «Des alt Küofarle» wurde 97 Jahre alt. Später Dietrich «Hansmarte». Abgebrochen 1978. Den um das Jahr 1900 an die Straße verlegten Eulentobelbach hat man 1931 wieder in seinem alten Bett hinter dem Haus verrohrt. 213 Mohr. «Kamplar»-Mohrs. Das ältere Mohr-Haus im Garten gegen die Krone war schon 1879 abgebrochen worden. Siegfried Heim St. Martin vom Strohdorf Der Heilige Martin (317-400 n. Chr.) wurde in Ungarn geboren und kam als römischer Reiteroffizier nach Gallien. Er ließ sich taufen und gründete das erste Mönchskloster in Frankreich. Als Bischof von Tour wurde er der Missionar Galliens und war wegen seiner Gerechtigkeit und Mildtätigkeit berühmt. Als Heiliger wird er besonders in Frankreich und Deutschland verehrt. Sein Feiertag, der 11. November, «Martini», gilt als Erntedanktag, Markttag, aber auch als Zinstag, an dem Schulden bezahlt werden mußten. Seine Symbole sind Schwert und Mantel, aber auch die Gans. Auch in unserem Land war er sehr beliebt. Sein Name wurde oft getauft. «Marte», «Martele», «Hansmarte» oder «Martina» und «Martin» hießen und heißen neuerdings wieder viele Wolfurter. Im Vorarlberger Landesmuseum findet sich im dritten Stock eine gotische Skulptur «St. Martin», datiert 1510. Sie ist 1,50 m hoch, aus Lindenholz geschnitzt und bemalt. St. Martins Schwert, mit dem er seinen roten, blau gefütterten Mantel teilt, ist abgebrochen. An der Stelle des linken Beins kniet ein flehender Bettler. Martins Blick geht in die Weite. Wie kommt die Figur mit dem Vermerk «aus Wolfurt» hierher? Spuren von Blattgold bei der Bemalung lassen vermuten, daß sie einst für einen Altar (St. Martin in Dornbirn?) oder eine Kapelle geschaffen wurde. Als bei der Barockisierung der Kirchen die gotischen Altäre abgebrochen wurden, könnte sie in ein Dornbirner Haus gekommen sein. Jedenfalls brachten Martin Albinger, geboren 1711 in Dornbirn, und seine Frau Anna Rimmele ihren Namenspatron aus Dornbirn mit - nach der Überlieferung sogar ihr ganzes Haus -, als sie sich 1740 direkt beim Strohdorfbrunnen in Wolfurt niederließen. Fortan beschützte St. Martin das Haus des «Caminfegers» Albinger und den Brunnen. Die Familie war mit vielen Nachkommen gesegnet. Tüchtige Handwerker gingen daraus hervor: die Bäcker Albinger vom Hirschen, die Feger Albinger im Dorf, die Schreiner Albinger bei der Schule. Aber auch die schöne Juditha im Hirschen, deren Sohn Louis Letsch der berühmte Maler geworden ist, und ihre Schwester M. Anna, die Mutter von «Schnidarles Hannes», gehörten zur Familie Albinger. 21 Beim «Schützen», aus dem die Ammänner und Vorsteher Fischer stammen, beginnt mit Spetenlehen der Raum Rickenbach. (Jetzt Gmeiner-Mathis) Ein kritischer Leser, der bisher mit gedacht hat, weiß sicher ein paar Hausnamen mehr, ein paar Ergänzungen, ein anderes Abbruchdatum. Ich bitte um Zuschriften. Die vielen «abgebrochenen« machen uns dankbar dafür, daß noch viele andere alte Häuser gut gepflegt und erneuert das heimelige Dorfbild von Hub und Strohdorf prägen. Das gefällt auch den Bewohnern der neuen Häuser. 20 1857 kaufte Joh. Georg Rohner das Haus am Brunnen, das immer noch St. Martin auf der Giebelseite trug. Sein Sohn Josef Anton Rohner richtete dort eine Werkstatt als Instrumentenmacher ein. Eines Tages hielt eine noble Kutsche vor dem Haus. Am anderen Tag stand es in der Zeitung, im Vorarlberger Tagblatt vom Mittwoch, 18. Dezember 1901: Wolfurt, 15. Dez- Heute Mittag 1/211Uhr fuhr S. k. k. Hoheit, Erzherzog Eugen in der Richtung Bregenz-Dornbirn durch unser Dorf. Plötzlich machte die Equipage bei Herrn Musik-Instrumentenmacher Rohner Halt. Es fiel dem hohen Herrn die an dem Hause angebrachte, uralte Hl. Martinus Statue auf und hochderselbe begab sich dann in die Wohnung, um das Alterthum zum Preise von 100 K zu erwerben. Herr Rohner, der freilich nicht ahnte, mit wem er die Ehre hatte, unterhielt sich mit dem hohen Besuche aufs Beste, zeigte ihm auch über Verlangen seine Werkstätte und dgl. Freilich war der gute Mann etwas in Verlegenheit als ihm bekannt wurde, wer dieser Herr sei, und erstaunt und erfreut über die Herablassung. Über die Herkunft der Statue ist nichts bestimmtes bekannt. Wahrscheinlich dürfte dieselbe aus der Pfarr kirche in Dornbirn stammen. Das Wohnhaus des Herrn Rohner stand vor Jahrhunderten in Dornbirn, wurde abgetragen und hier aufgestellt und mit ihm soll auch die Statue nach Wolfurt gekommen sein. In Instrumentenmachers Stube erinnert eine schöne Wandschrift an den hohen Besuch. Erzherzog Eugen schenkte die Figur dem Landesmuseum. Im Museumsbericht 41 von 1903 berichtete Konservator Carl von Schwerzenbach: Seine k. u. k. Hoheit, der hochwürdigst - durchlauchtigste Herr Erzherzog Eugen geruhten, dieses von höchstdemselben in Wolfurt erworbene wertvolle Stück dem Vereine als Geschenk zu überlassen. Vielleicht werden die Strohdörfler ihren Martin einmal heimholen, vielleicht eine Kopie in einem Bildstöcklein aufstellen! St. Martin vom Strohdorf; 1510 Er könnte uns an den Feger Martin Albinger, an den Vorsteher Martin Schertler, an den Wagner Martin Gmeiner, an Martin Mohr, an Zehrers Marte und Frickeneschers Martele und an all unsere Vorfahren erinnern. Er könnte dazu beitragen, daß St. Martins Gerechtigkeit und Mildtätigkeit rund um den Brunnen in der Gemeinschaft der Wolfurter nachgelebt werden! 22 23 Siegfried Heim In ihrer Freizeit stickte sie kostbare Altartücher und sogar Meßgewänder. Pfarre, Schule und Gemeinde Wolfurt haben ihr viel zu verdanken. Sr. Regina wehrt ab. Still will sie nur eine einfache «Barmherzige Schwester» von der Kettenbrücke sein. Ist sie die letzte in Wolfurt? Fast 100 Jahre lang hatten von 1778 bis 1872 im alten Schulhäuschen nur Männer unterrichtet. Für den Lehrberuf waren sie kaum ausgebildet. Die Schüler mußten Schulschwestern in Wolfurt Seit Oktober 1991 ist Unruhe in das sonst so stille Schwesternhaus Kirchstraße 45 eingekehrt. Mitten im Dorf baut die Gemeinde ihren vierten Kindergarten. Nach fast 60 Jahren im Schuldienst hat sich Schwester Regina zu ihrer Arbeit in Haus und Garten zurückgezogen. Oft steigt sie mit ihren 83 Jahren noch rüstig die steile Kirchstiege hinauf. Sie teilt Kommunion aus, spielt Orgel und singt mit ihrer sicheren Sopranstimme im Chor. Umsichtig pflegt sie die feinen Stickereien der Altarwäsche, schmückt das Priestergrab, betet da und dort bei einem Grabhügel, der einen ihrer ehemaligen Schüler deckt. In Heiligenblut am Großglockner wurde Sr. Regina 1908 in eine kinderreiche Bergbauernfamilie geboren. In Innsbruck erhielt sie die Ausbildung zur Lehrerin. Dort legte sie auch bei den Barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke die Ewigen Gelübde ab. Vom Mutterhaus aus tun die Barmherzigen Schwestern still ihren aufopferungsvollen Dienst in den Spitälern. Viele gehen hinaus in die Dörfer und betreuen dort Alte und Kranke oder sorgen für die Kinder in Kindergärten, Waisenhäusern und Schulen. Sr. Regina kam als junge Lehrerin 1932 nach Wolfurt an die Seite ihrer älteren Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela. Bis 1937 unterrichtete sie meist die Schulanfänger, oft in Klassen mit über 60 Kindern. 1938 erhielten die Schwestern Schulverbot. Katholische Erziehung stand im Widerspruch zum natinalsozialistischen Gedankengut. Kurze Zeit half Sr. Regina im Zillertal aus, betreute dann im Krieg die Pfarrkirche Wolfurt und arbeitete dazwischen in Innsbruck und im Stubaital. 1945 rief man sie an die Volksschule nach Wolfurt zurück. Wieder lehrte sie viele Erstkläßler das Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Beten. Dazu aber hielt sie sie immer freundlich und streng zu Ordnung und Sauberkeit an. Jahrzehnte lang wurden der immer mehr geschätzten Schwester dann die großen Mädchen, ab 1963 auch die großen Buben in der Oberstufe anvertraut. Ihrer Konsequenz und Geduld waren große Erziehungserfolge beschieden. Die Behörde ehrte sie dafür mit dem Titel Schulrat. Weit über das Pensionsalter hinaus blieb sie freiwillig im Dienst als Sonderlehrerin für lernschwache Kinder und bis zu ihrem 82. Lebensjahr als Religionslehrerin. Darüber hinaus gab sie für unzählige Wolfurter Frauen Koch-, Back- und Nähkurse. Dorfbekannt sind ihre Neujahrsbäckerein und ihre Schaumrollen. 24 Die Wolfurter Lehrerschaft 1933: Rudolf Wiedemann, Kaplan Rein, Pfarrer Stadelmann, Sr. Gisela Amann, Sr. Sebastina Oberhauser, Sr. Regina Pichler, Friedrich Schneider, Schulleiter Karl Mohr. in der Landwirtschaft und oft auch in der Fabrik schwer arbeiten. Da konnte auch die strenge Zucht mit dem Stock nur wenig zum Schulerfolg beitragen. Im Jahre 1867 brachte das «liberale» Reichsvolksschulgesetz Verbesserungen, vor allem eine gute Lehrerausbildung. Um diese Zeit tobte ein häßlicher Kulturkampf zwischen den freidenkerischen «Liberalen» und den «Konservativen». In Vorarlberg bestimmten die katholischen «Casinos» die Politik. Von fortschrittlichen Lehrern geführt - in Wolfurt von Wendelin Rädler - , erkannten sie die Bedeutung der Schulbildung. Schon 1872 wurde eine große neue Schule im Strohdorf gebaut. Dort wurde auch eine Wohnung für Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke eingerichtet. Als erste zogen 1874 Sr. Othmara und Sr. Gottfrieda ein. Lehrer Rädler übernahm 1876 die Schulleitung. Nun bestimmte ein neuer Geist den Unterricht. 25 Das Gebet stand an erster Stelle. Der tägliche Unterricht begann mit der Schulmesse. Auch die Rickenbacher mußten, selbst im kalten Winter, den weiten Weg zur Kirche machen. In der Schulbildung erreichten besonders Lesen und Schönschreiben bald einen hohen Stand. Aber auch praktischer Unterricht in Nähen, Kochen, Krankenpflege und Gartenarbeit war den Schwestern ein Anliegen. Hygiene und Ordnung wurde beachtet, das Gedächtnis mit Katechismusfragen und langen Gedichten geübt. Der Lohn waren neben guten Noten die begehrten Fleiß- und Hauchzettel und schöne Heiligenbildchen. So sehr schätzte die Gemeinde den unermüdlichen Dienst der Schulschwestern, daß sie 1897 eine dritte Barmherzige Schwester rief. Bis 1938 trugen nun neben dem Schulleiter drei Schwestern Lasten und Freuden des Unterrichts. Die wachsende Schüler- und Klassenzahl machte allerdings schon seit der Jahrhundertwende die Einstellung weiterer Lehrer notwendig. In der Schulchronik findet sich die Aufzählung der Schulschwestern mit ihren Dienstjahren in Wolfurt: 1874-1882 12. Sr. Leontina 1904 1874-1905 13. Sr. Zita Feichter 1904-1910 1883-1890 14. Sr. Rudolfina Brugger 1905-1906 1887-1898 15. Sr. Sebastina Oberhauser 1905-1938 1891-1893 16. Sr. Konstantina Streiter 1910-1913 1891-1892 17. Sr. Alfonsa Walzthöni 1914-1915 1893-1895 18. Sr. Katharina Sinz 1916-1920 1897-1900 19. Sr. Hildegund Gmeiner 1920-1931 1898-1922 20. Sr. Gisela Amann 1922-1938 1900-1904 1945-1957 1913-1916 21. Sr. Regina Pichler 1932-1937 11. Sr. Maria Bapt. Nagel 1904 1945-1990 Als der Platz im Schulhaus für n e u e Klassen benötigt wurde, übersiedelten die Schulschwestern näher zur Kirche, ins H a u s Bucherstraße 3 auf dem Bühel. 1921 vermachten der angesehene Schuhmacher Josef W e i ß und seine F r a u Maria ihr schönes B a u e r n h a u s am F u ß der Kirchenstiege den Schwestern als W o h n u n g . Als das fromme E h e p a a r starb, zogen die Schulschwestern ins H a u s Kirchstraße 45 ein. Seither gingen sie von dort aus den W e g hinaus zur Schule und noch viel öfter zum Gottesdienst hinauf in die Kirche. Die Schwestern wechselten. Einige zogen ins M u t t e r h a u s zurück und an a n d e r e Dienststellen. Einige starben in Wolfurt und wurden hier ins Schwesterngrab gebettet. I m m e r wieder kamen neue, als letzte 1932 Sr. Regina. Für die längst verstorbenen Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela fanden sich in unserer materialistischen Zeit keine Nachfolgerinnen mehr. U n b e i r r t geht Sr. Regina, jetzt meist begleitet von ihrer treuen Helferin Cilla Zoller, ihren W e g weiter. Vergelt's Gott! 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Sr.Othmara Ernst Sr. Gottfrieda Oberhollenzer Sr. Adelheid Giselbrecht Sr. Epiphania Schmid Sr. Cantia Silier Sr.RosaLeimgruber Sr. Liliosa Ceol Sr. Armella Stauder Sr.Ignatia Kleber Sr.Ludwiga Weiser Siegfried H e i m Sieben Söhne im Krieg Am Abend des 17. August 1958 ist im Dorf beim «Engel» mit Wolfs Haus auch «Schloßburo Martes» altes Haus abgebrannt. Dort hatte im Ersten Weltkrieg noch die große Familie Köb gewohnt. Vater Johann, geb. 1854, stammte aus «Schloßburos» Sippe in der Bütze und hatte dort mit seiner Frau Barbara 1880 neben das Eltenhaus ein besonders großes neues Haus gebaut. Ein paar Jahre später mußte er es an die Familie Schirpf (Bützestr. 16) verkaufen. Köbs zogen mit ihrer groß gewordenen Familie ins Dorf. Der Vater arbeitete als Kleinstbauer (mit einer Kuh) oft im Taglohn bei Fuhrleuten und im Wald. Die Buben verdingten sich als Knechte, Sticker und Fabriksarbeiter. Dann kam 1914 der große Krieg. Darüber berichtet nun ein Brief von 1918 an den Kaiser in Wien, den uns Mohr Hubert aus dem Nachlaß seines Onkels, des Standschützenoffiziers Dr. Wilhelm Mohr, überlassen hat. Er stammt aus den Akten des «Unterländer Schützenbundes»: Sr. Majestät, dem Kaiser und König Karl I. Allergnädigster und durchlauchtigster Kaiser und Herr! Geruhen Ew. kaiserliche und königliche apostolische Majestät allergnädigst nachstehenden Bericht der untertänigsten Bundesleitung entgegen zu nehmen. Wohl keine Familie unserer Gemeinde wie auch der Umgebung hat dem Vaterlande während des gewaltigen Völkerringens so viele Opfer gebracht, wie jene unseres Mitgliedes Johann Köb, Bauers und Taglöhners in Wolfurt. Joh. Köb selbst hat dem Vaterlande 3 Jahre treue Dienste geleistet. Ebenso sind 3 Söhne aktiv in Heeresdiensten gestanden und rückten gelegentlich der Mobilisierung am 1. August 1914 ein. Im Verlaufe der Jahre 1915, 16 und 1917 sind weiters wieder 3 Söhne eingerückt. 27 26 Ew. Majestät Ruf hat nun am 15. Mai der letzte und siebente Sohn Folge geleistet und wurde bereits als felddiensttauglich anerkannt. Es stehen somit alle 7 Söhne im Felde, bzw. an der Front. Die allseits anerkannte Charakterfestigkeit der Eingerückten bürgt dafür, daß diese nicht nur ihr ganzes Können, sondern auch ihr Wollen Kaiser und Reich untergeordnet und restlos zur Verfügung gestellt haben. Die Auszeichnung zweier Söhne mit der silbernen, sowie der bronzenen Tapferkeitsmedaille, sowie auch von Ew. Majestät gestifteten «Kaiser Karl TruppenKreuz» mögen Zeugen der Verläßlichkeit dieser wackeren Leute sein, wie auch der Umstand, daß 1 Sohn (Julius), der bereits 1914 in russische Gefangenschaft geriet, derselben jüngst - und zwar oft mit Lebensgefahr - entwich. Dieser letztere wird demnächst wieder zu seinem Cadre einrücken. Leider mußte, - wie nur allzu begreiflich -, das Hauswesen dieses Soldatenvaters, den das Glück allerdings auch nicht mit irdischen Gütern gesegnet hat, empfindlichen Schaden leiden. Trotz alledem hat das Vertrauen Vaters Köb in sein Vaterland keine Einbuße erlitten; vielmehr: Köb hat durchdrungen von dem Bewußtsein, daß heute auch die Tat des Einzelnen Geltung hat, erst vor einigen Tagen 3 dem Gefangenenlager Ulm entwichene Russen aufgegriffen und dem K. u. K. Etappen-Stations-Kommando Bregenz überstellt. Wollen Ew. Majestät allergnädigst aus dem Vorstehenden erkennen, daß diesem wackeren Familienvater tatsächlich Anerkennung zu zollen ist. Mit Rücksicht auf die wirkliche Bedürftigkeit Köbs gestattet sich die alleruntertänigst gefertigte Bundesleitung, Ew. Majestät die Bitte zu unterbreiten, Ew. Majestät wollen huldvollst dem Johann Köb in Wolfurt Nr. 84 eine allergnädigste Anerkennung zuteil werden lassen. Wir konnten nicht erfahren, wie die Antwort des Kaisers in Wien auf den «alieruntertänigsten» Brief des Wolfurter Postmeisters und Sternenwirts ausgefallen ist. Aber ein gnädiger Herrgott ließ alle sieben Köb-Söhne von den Fronten in Serbien, Rußland und Italien gesund heimkehren. Ludwig Wilhelm Martin Johann Julius Vinzenz Josef Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang 1880 1882 1886 1887 1888 1897 1899 Vinzenz wanderte 1924 nach Amerika aus, die anderen sechs gründeten alle in der Heimat Familien. Johann heiratete ins «Stenzler»-Haus an der Schloßgasse. In seinen vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln lebt auch in Wolfurt das «Schloßburo»-Blut fort. Mit der aufrichtigen Versicherung steter Lojalität zeichnet Alleruntertänigst f. d. Unterl. Schützenbund der Bundesobmann Rudolf Böhler 28 29 Siegfried Heim Unsere älteste Zeitung Nicht mehr alle Wolfurter halten «üsor Gmoandsblättle» in seinem Jahrgang 101, obwohl es äußerst kostengünstig über das Gemeindegeschehen informiert und eine Fülle von Anregungen bietet. Es betreut den ganzen Bezirk von Hohenweiler über Bregenz und Bezau bis Warth. Nur wenige Leser wissen, daß das Blatt vor mehr als hundert Jahren in Wolfurt gegründet worden ist. Zwei für ganz Vorarlberg sehr bedeutende politische Persönlichkeiten taten sich hier im Sommer 1888 zusammen und begannen ein Werk, das noch immer Bestand hat. Die Gründer von 1888 Freitag, 8. März 1991,10. Woche Jahrgang 101 Wendelin Rädler 1835-1913, Wolfurt Obmann Johann Kohler 1839-1916, Schwarzach Verwalter Die beiden Lehrer Johann Kohler und Wendelin Rädler waren ein Leben lang enge Freunde. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründeten sie den katholischen Lehrerverein für Vorarlberg. Sie errichteten die ersten Casinos und führten damit 30 31 den politischen Umsturz von 1870 im Lande Vorarlberg herbei. Während Johann Kohler als Vorsteher von Schwarzach einer der mächtigsten Parteiführer im Lande und schließlich Abgeordneter zum Reichsrat in Wien wurde, trieb Wendelin Rädler an seiner Seite die sozialen Reformen voran. Mit der Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ebenso vielen Sennereien half er besonders dem verschuldeten Bauernstand. Maßgeblich trugen sie dazu bei, daß in Vorarlberg kaum ein Industrie-Proletariat entstehen konnte. Um ihre Ideen zu verwirklichen, brauchten die beiden Politiker ein Presseorgan. Schon bei der Gründung des «Volksblattes» 1866 durch Pfarrer Amann in Kennelbach, hatte Rädler, der bis 1872 Lehrer in Kennelbach war, mitgearbeitet und seither viele Artikel in diesem katholisch-politischen Blatt geschrieben. Nun schufen die beiden Lehrer ein kleinformatiges Wochenblatt für die Gemeinden Wolfurt und Schwarzach. Am 14. Juni 1888 unterzeichneten die damaligen Vorsteher Johann Martin Schertler und Gebhard Schwärzler den Gründungsvertrag. Am 1. Juli 1888 erschien die erste Nummer. Die Firma J. N. Teutsch in Bregenz besorgte den Druck. Bei 6 Verteilern in Wolfurt und 3 in Schwarzach mußten die Abonnenten ihr Blatt jeden Sonntag abholen. Das Echo war so positiv, daß sich in den folgenden drei Jahren nacheinander die Gemeinden Bildstein, Lauterach, Hard und Rieden (dazu gehörte damals noch die Parzelle Kennelbach) anschlossen. Ihnen folgten nun Fluh, Buch, Alberschwende, Langen, Lochau, Hörbranz, Möggers und Hohenweiler und nach dem ersten Weltkrieg auch Höchst, Fußach, Gaißau und Eichenberg. Mit Ausnahme der Stadt Bregenz waren damit alle Gemeinden von der Lorena bis zur Laiblach an gemeinsamen Informationen beteiligt. Als offizielles Amtsblatt wurde das Gemeindeblatt in fast allen Haushalten mit Interesse gelesen. Natürlich fanden auch die Mitteilungen der Vereine und die Inserate der Bauern und Händler viel Beachtung. Als Buben erhielten wir vom Viehhändler-Nachbarn eine kleine Belohnung, wenn wir ihm möglichst schnell das noch druckfeuchte Blättle brachten. Im März 1940 mußte das Gemeindeblatt auf Befehl der nationalsozialistischen Pressestelle in Berlin eingestellt werden. Erst im Juni 1945 durfte es mit einem Geleitwort von Landeshauptmann Urich Ilg wieder erscheinen. Jetzt versorgte es auch die Gemeinden des Bregenzerwaldes. Nun fehlte nur noch Bregenz. Im September 1948 tat dort Bürgermeister Othmar Michler, früher einmal Schulleiter in Wolfurt, den Schritt auf die Gemeinden zu und machte mit dem 57. Jahrgang das alte Wolfurt-Schwarzacher Blättle zum offiziellen Amtsblatt der Landeshauptstadt. Seither verlautbaren alle Gemeinden des Bezirkes hier ihre Gemeinde-Protokolle, Verordnungen und Kundmachun32 gen. Auch Arztnotdienste, Kirchliche Nachrichten und Bildungsprogramme machen das Blättle zu einer wichtigen Zeitung. Eine kleine Erinnerung an die Gründung vor mehr als 100 Jahren ist geblieben. Wolfurt, sonst immer am Ende des Alphabets, darf mit Schwarzach immer noch direkt nach der Landeshauptstadt den Reigen der vielen Gemeinden auf Seite 2 anführen.. Im Gemeindearchiv Wolfurt werden die meisten Gemeindeblätter aufbewahrt. Aus dem Jahrgang 1891 - also genau 100 Jahre alt - wählte ich ein paar Wolfurt betreffende Abschnitte in bunter Vielfalt aus. Im ersten Teil finden Sie die Volkszählungsergebnisse einiger Hofsteiggemeinden.. Vergleichen Sie dieselben und den dazu gehörigen Viehstand mit dem Jahr 1991! Die Verordnungen des Vorstehers betrafen fast nur Bauernprobleme. Unser Bürgermeister hat andere, größere - aber auch mehr Geld! Die Wahlen vom 26. Oktober 1891 standen ganz unter dem Einfluß von Rädlers katholischem «Casino» und von Pfarrer Sieber. Im zweiten Teil habe ich Einladungen von ein paar wichtigen Vereinen kopiert, dazu die Unterhaltungsangebote der vielen Gasthäuser von damals. Die Feuerwehr bekam ihr neues Spritzenhaus. Lehrer Rädler brachte auch noch (am 21. März 1891) einen Bienenzuchtverein zustande. Die Anzeigen im dritten Teil sollten uns im Vergleich mit unserer Konsum-GierGesellschaft ein bißchen nachdenklich machen, auch wenn wir über Unschlittkerzen und Modepäckle lächeln! 33
  1. wolfurt
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Heimat_Wolfurt_...1_Feb Wolfurt 01.02.1991 19.11.2012, 18:30 Heft 7 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 91 Das Vereinshaus. Der Bau wurde 1913 vom Katholischen Arbeiterverein begonnen und 1922 vom Kartell christlicher Vereine fertig gestellt. Seither ist es das Veranstaltungszentrum der Gemeinde Wolfurt (Foto um 1935). Inhalt: 24. Vereinshaus Wolfurt (Johler) 25. Mit Napoleon nach Rußland (Heim) 26. Lehrer Köbs Familie (Heim) 27. Theresia Mohr-Wächter DIE A U T O R E N : Mag. Reinhard Johler aus Alberschwende ist 1960 geboren. Er hat Geschichte und Volkskunde studiert und ist Assistent am Institut für Volkskunde an der Universität Wien. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, ist Hauptschuldirektor Theresia Mohr-Wachter, geboren 1929 in Wolfurt, ist Hausfrau. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Zuschriften Unsere Zeitschrift findet auch bei Wolfurtern «im Ausland» aufmerksame Leser. Sie geht nach Linz und Wien und sogar nach Belgien zu Spenglers Renate. Dieser Tage überraschten uns eine Spende und ein Brief aus der Schweiz. Stöcklers Rösle ist im Schlatt aufgewachsen und lebt nun als Frau Wanzenried in Schaffhausen. Auch sie schreibt eine Ergänzung zu «Kriegsende 1945» in Heft 3, Seite 36: Vielen herzlichen Dank für die sehr interessanten Heimatkundehefte, die ich gerne lese. Zu Kriegsende 1945: Am 2. Mai 1945 zwischen 4 und 5 Uhr morgens hat uns Herr Höfle Martin geweckt und gebeten, daß wir Rickenbacher Mädchen und Frauen zum Bürgermeister Theodor Rohner gehen und bitten, Wolfurt für die Feinde freizugeben, damit das Dorf nicht zerstört werde. Als wir dann bei ihm erschienen und die Bitte vorbrachten, sagte Herr Rohner: wir müssen nach Wolfurt (Anmerkung d. H.: So sagen alte Rickenbacher zum Kirchdorf) zum Ortsgruppenleiter fahren und ihn darum bitten. Als wir dann bis ins Dorf kamen, war schon alles in Aufruhr und die SS-Soldaten schickten uns retour. Vielleicht können sich noch einige daran erinnern. Vielen Dank und freundliche Grüße Rösle Wanzenried-Stöckeier Abrechnung: Für Druck und Porto sind in drei Jahren S 30.000,— auf Konto 87957 der Raiba eingegangen. Davon wurden bis jetzt S 29.000,— an die Gemeindekasse, die den größten Teil der Kosten trägt, abgeführt. Die Kontoführung wurde am 26. November 1990 namens der Gemeinde von Frau Carmen Haderer überprüft und in Ordnung befunden. Wer kann sich noch an die Rickenbacher Friedensvermittlerinnen erinnern? Wir bitten um Zuschriften und Ergänzungen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Reinhard Johler Zur Geschichte des «Vereinshauses in Wolfurt» (Zum gleichen Thema hielt der Auto vor zwei Jahren einen Vortrag im Pfarrheim.) 1991 jährt sich das Erscheinen der Sozialenzyklika «Rerum Novarum» von Papst Leo XIII., im Jahre 1993 die Gründung des ersten christlichen Arbeitervereins in Vorarlberg jeweils zum 100. Mal.1 Beides sind Daten, die nicht nur die katholische Sozialbewegung betreffen, sondern sie waren Gründungsanlässe, welche die politische, soziale und kulturelle Landschaft im Lande wesentlich - und bis heute - prägten. Nur in diesem Umfeld ist die Geschichte des Wolfurter Vereinshauses darstellbar. Denn es ist weitestgehend unbestritten, daß es zwei Entwicklungen waren, die das Bild Vorarlbergs bestimmt haben. Beide fußen im 19. Jahrhundert. Zum einen ist die starke Industrialisierung, vor allem ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu nennen. Vorarlberg war vor der Industrialisierung ein übervölkertes und katastrophal verschuldetes Land. Die Bauernwirtschaften waren, trotz frühzeitiger Intensivierung etwa bei der Käseproduktion im Bregenzerwald weder in der Lage die Bevölkerung mit Arbeit zu versorgen, noch zu ernähren. Die Menschen lebten von einer Mischökonomie, die aus kleiner Landwirtschaft, Heimindustrie und saisonaler Auswanderung (Schweiz, Frankreich) bestand. Hier wären etwa die Montafoner Krauthobler und Bauarbeiter oder bis nach dem Ersten Weltkrieg die Schwabenkinder zu erwähnen2. Die Industrialisierung Vorarlbergs beschränkte sich nahezu ausschließlich auf die Baumwollverarbeitung (Weberei, Spinnerei); ab 1870 gewann verstärkt die Spinnerei an Bedeutung . Gerade dieser kam in Wolfurt eine Schlüsselstellung zu. Und obwohl es in der Gemeinde keine Textilfabriksgründungen gab - zur Jahrhundertwende existierten lediglich zwei kleine fabriksmäßige Betriebe, nämlich die mechanische Schlosserei Doppelmayr und die Spulenfabrik Zuppinger im Ortsteil Rickenbach - war Wolfurt trotzdem durch das benachbarte Kennelbach in den Sog der Industrialisierung miteinbezogen. Zum einen fanden zahlreiche Wolfurter in den Kennelbacher Fabriken, zu anfänglich katastrophalen Bedingungen Arbeit. Zum anderen ließen sich ab 1880 auch zahlreiche italienische Arbeiter in der Gemeinde nieder. Wolfurt wurde damit frühzeitig zu einer Arbeiter- und PendlerGemeinde. Aber die Industrialisierung bedeutete mehr als die Errichtung von Fabriksgebäuden, sie veränderte die Lebensweise eines Großteils der heimischen Bevölkerung entscheidend. Man sprach im 19. Jahrhundert davon, daß die Fabriksarbeiter2 schaft industriös war und meinte damit, daß sie weniger sparsam, verschwendungssüchtiger und in moralischer Hisicht ausschweifender sei. Das Land sei geradezu von «americanischen Verhältnissen» geprägt. Die Folgen der Industrialisierung können hier nicht näher geschildert werden, aber eine lag geradezu in der Luft: Eine zahlenmäßig starke Arbeiterschaft ließ auch das Schreckgespenst vor einer mächtigen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aufkommen . Daß dem schlußendlich nicht so war, lag an der zweiten Entwicklung, die schon näher zum Vereinshaus führt. Denn trotz einer bedeutenden Industrialisierung Vorarlberg war mit Niederösterreich die am stärksten industrialisierte Region entwickelte sich hier keine bedeutende sozialistische Arbeiterbewegung, ganz im Gegenteil: In der politischen Entwicklung nahm das Land Vorarlberg einen Sonderweg ein. Hier gewannen 1870 die Katholisch-Konservativen die absolute Mehrheit im Landtag und gaben diese in der Folgezeit auch nicht mehr ab. Dabei war gerade der Anteil der christlichen Arbeiter sehr hoch. In dieser Entwicklung hatten die katholischen Vereinshäuser als Versammlungs- und Verantaltungsorte eine zentrale Bedeutung, sie waren die eigentlichen Bastionen des politischen Katholizismus. Steinerne Zeugen Beide Entwicklungen sind in Vorarlberg bis heute bestimmend geblieben, von beiden Prozessen zeugen historische Schlüsselbauten: im Bereich der Industrialisierung sind Fabriksbauten und Arbeiterwohnhäuser zu nennen, für den Katholizismus stehen die Vereinshäuser. Beide Gebäudetypen sind Erinnerungen, sind «steinerne Zeugen» der Vergangenheit; sie haben dementsprechend einen kulturhistorischen Wert. Allerdings, beide Gebäudetypen waren Nutzbauten und sind daher in der Gegenwart bereits verschwunden oder vom Abriß bedroht. Für die Fabriksbauten ist momentan ein stärkeres Interesse des Denkmalschutzes feststellbar, man überlegt sich eine Erhaltung, Umwidmung und Neuadaptierung . Es gibt keinen Grund, der dagegen spricht, ähnliche Überlegungen auch für die immer geringer werdende Zahl von Vereinshäusern anzustellen. Enstehung der katholisch-konservativen Volksbewegung, der Kasiner Bis 1870 - einem wirklichen Schlüsseljahr in der politischen Geschichte Vorarlbergs - war das Land von den Liberalen regiert, die, gestützt auf ein äußerst eingeschränktes Wahlrecht, eine relativ sichere Landtagsmehrheit besaßen. Nur kurz zur Erinnerung: Wahlberechtigt war man damals aufgrund der Vermögens3 Verhältnisse. Die Wähler waren je nach Eigentum in 4 Wahlklassen eingeteilt. In der ersten Wahlklasse waren die Wohlhabendsten vereint, hier reichten oft nur wenige Stimmen zum Wahlerfolg, hingegen waren in der vierten Wahlklasse, wo etwa Bauern meist eingeteilt waren, oft mehrere Tausend Wähler für einen Sitz notwendig. Dieses Wahlsystem begünstigte die Reichen und benachteiligte andere, etwa besitzlose Arbeiter. Frauen waren weitestgehend ausgeschlossen. Zwar gab es in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Wahlreform, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde aber erst 1907 eingeführt, Frauen waren erst ab 1919 wahlberechtigt. Es verwundert daher nicht, daß vor 1870 die Wohlhabenden die politische Mehrheit inne hatten. Liberale wohnten vornehmlich in den Städten, sie waren Ärzte, Beamte und Fabrikanten. Der Landbevölkerung kam kein politisches Gewicht zu. Dies änderte sich abrupt in den späten 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Zu dieser Zeit schlossen sich die katholisch-konservativen Kräfte in Vorarlberg zu einer Partei zusammen, die auf katholischen Vereinen beruhte. Diese Vereine nannten sich in Anlehnung an ihre Vorbilder im Großherzogtum Baden KASINOS. Diese Kasiner-Bewegung war, zumal ein Treffpunkt äußerst wichtig war, auch eine VEREINSHAUS-Bewegung. Das erste Kasino wurde 1867 in Bregenz, das zweite 1868 in Feldkirch und im selben Jahr als drittes, das in Wolfurt gegründet, welches gleichzeitig als Wanderkasino fungierte und abwechselnd in Wolfurt, Schwarzach, Lauterach und Kennelbach tagte. 1868 wurde dann das landesweit wichtigste Kasino in Dornbirn begründet. Mitglieder der Kasinos, der Vereinshäuser waren vor allem kleine Gewerbetreibende und Bauern. Damit wurden sie zu einer wahren Volksbewegung, die vom katholischen Klerus und insbesonders von Kaplänen geleitet wurden. In .den Kasinos wurden religiöse und politische Fragestellungen äußerst intensiv erörtert, sie dienten zur Bildung und Unterhaltung, vor allem aber interessierten sie ihre Mitglieder für das politische Geschehen. Politik wurde zu dieser Zeit durch die Vereinshäuser zu einem wahren Massenphänomen, das die gesamte Bevölkerung etwas anging, aber gleichzeitig auch zum ersten Mal politische Lager schuf, die einander unerbitterlich bekämpften. Dabei orientierte sich die Kasiner-Bewegung ganz an den politischen Vorgaben der katholischen Kirche und wurde daher als «politischer Katholizismus» bezeichnet. Neben den katholischen Vereinen, war im Kampf gegen den Liberalismus, das 1867 gegründete «Vorarlberger Volksblatt» von größter Bedeutung. Es sei nur kurz angeführt, daß in dieser rhetorisch brillanten Zeitung, die ein wahres Kampforgan war, wiederum Priester an führender Stelle wirkten. Und es sei auch erwähnt, daß manche von ihnen, wegen ihrer scharfen Schreibweise infolge von Ehrenbeleidigungs- und Verleumdungs-prozessen zeitweise im Gefängnis landeten. Dies mag die Form kennzeichnen, in der Politik betrieben und Auseinandersetzungen geführt wurden. Die Katholisch-Konservativen waren von einem vollstän4 digen Machtanspruch im Lande erfüllt. Derart nahmen sie sich auch früh der in Vorarlberg besonders drückenden «sozialen Frage» an. Diese Organisierung war der Grundstein für den Wahlerfolg 1870. Örtliches Zentrum und Veranstaltungsort war dabei das Vereinshaus. In diesem wurde die Politik besprochen und gemacht, die dann für ganz Vorarlberg galt. Das Vereinshaus, also das Haus der katholischen Vereine, war anfänglich oft ein Gasthaus mit einem katholisch gesinnten Wirt. Bald aber folgte, zügig von der ChristlichSozialen Partei vorangetrieben und finanziert, der Bau von eigenen Vereinshäusern. Zu nennen wären etwa der in Dornbirn oder die feierliche Einweihung des Vereinshauses Lauterach am 29. 10. 1911. Sehr oft aber waren die katholischen Arbeitervereine führend in der Errichtung tätig. Dies trifft auch auf Wolfurt zu. Dann wurde das Vereinshaus als «katholisches Arbeiterheim» bezeichnet. Entstehung und Bedeutung der katholischen Arbeitervereine In Vorarlberg setzte - wie bereits erwähnt - die Organisierung der katholischen Arbeiterschaft sehr früh ein. Diese beruhte zunächst auf Formen aus dem Handwerkermilieu, etwa den Gesellen- und Kolpingvereinigungen. Allerdings entsprachen diese nicht den Bedürfnissen der Fabriksarbeiter. Zwei Anlässe waren es nun, die zur christlichen Arbeiterbewegung bzw. zu den katholischen Arbeitervereinen führten. Zum einen hatte die sozialdemokratische Agitation ab 1890 eingesetzt, dem galt es etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen, wollte man die Arbeiterschaft nicht verlieren. Und zum anderen erließ Papst Leo XIII. am 15. Mai 1891 die Enzyklika «Rerum Novarum», deren sozial-politische Konzeption zum Programm der katholischen Arbeitervereine wurde. Diese Vereine breiteten sich in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor allem in den Alpenländern der Monarchie aus. Der erste katholische Arbeiterverein in Vorarlberg wurde 1893 von Kaplan Längle in Dornbirn, der zweite von dem wichtigsten Arbeiterführer, von Dr. Karl Drexel 1896 in Hohenems und bereits der dritte zu Maria Himmelfahrt am 15. August 1899 in Wolfurt begründet. Der bedeutendste war jener von Dornbirn. Dort wurde im übrigen mit dem Bau des Arbeiterheims 1907 begonnen. Zweck der katholischen Arbeitervereine war die Sammlung des christlich gesinnten arbeitenden Volkes, die Pflege des katholischen und patriotischen Geistes, die religiöse und sittliche Hebung, die Förderung des Standesbewußtseins, die Fortbildung und schlußendlich die Abhaltung geselliger Veranstaltungen. Alle katholischen Arbeitervereine hatten eine sehr ähnliche Organisationsstruktur. An der Spitze stand der Präses, der in den meisten Fällen ein Priester war und dem die «Sorge für das geistige Leben des Vereins» oblag. Ihm wurde ein Obmann zur Seite gestellt, der als «weltlicher Arm» für die organisatorischen Belange verant5 wortlich war. Weiters bestand der Vereinsausschuß aus einem Obmannstellvertreter, einem Schriftführer, einem Kassier und zwei weiteren Mitgliedern.8 Gerade der Arbeiterverein Wolfurt ist ein passendes Beispiel für die soziale Zusammensetzung dieser Vereine. Denn die Bezeichnung «Arbeiterverein» täuscht ein wenig. Gemeint waren damit alle, die sich für die Anliegen der Arbeiter einsetzten. Vor allem der Vereinsausschuß war meist nicht mit Arbeitern, sondern von dörflichen Honoratioren besetzt. Im ersten Vorstand des Wolfurter Arbeitervereins saßen etwa zwei Sticker, ein Schreiner-meister, ein Dampfsägenbesitzer, ein Schlosser und ein Briefträger9. Noch ein Wort zur landesweiten Organisation. 1904 erfolgte der Zusammenschluß der bestehenden katholischen Arbeitervereine zum Vorarlberger Arbeiterbund. 1908 waren in diesem 12 Arbeitervereine mit insgesamt 1.024 Mitgliedern zusammengefaßt: Dornbirn, Hohenems, Wolfurt, Rieden-Vorkloster, Hard, Frastanz, Rankweil, Bregenz, Blumenegg/Thüringen, Lauterach, Nüziders und Ludesch. Für die katholischen Arbeiter wurde auch eine eigene Zeitung, das «Arbeiterblatt» gegründet. Daneben bestanden, wenn auch nicht in Wolfurt, eigene katholische Arbeiterinnenvereine und die katholische Arbeiterjugend. Bedeutender für die Gemeinde, wo die Stickerei ab der Jahrhundertwende eine wahre Blüte erlebte, war die Gründung des Stickerbundes am 1. Jänner 1907, der zur stärksten Organisation der katholischen Arbeiterbewegung werden sollte. Ende 1907 zählte der Stickerbund bereits 23 Ortsgruppen mit über 1.000 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Wolfurt gehörte mit 113 Mitgliedern zu den stärksten in ganz Vorarlberg. Abschließend sei noch eine weitere Organisation genannt: Es wurde bereits darauf verwiesen, daß viele in Kennelbach arbeitende Italiener in Wolfurt wohnten. Es verwundert daher nicht, daß 1904 die «Societa Operaia Cattolica di Kennelbach e Wolfurt» (Katholischer Arbeiterverein von Kennelbach und Wolfurt) unter der Leitung von Leonardo Salvaterra gegründet wurde. Und es sei auch nur am Rande vermerkt, daß in einem Wahlkampf der spätere christlichsoziale Ministerpräsident von Italien De Gasperi unterstützt vom Wolfurter Pfarrer eine Rede hielt10. Der katholische Arbeiterverein Wolfurt wurde 1899 gegründet. Dem Gründungskomitee im Gasthaus «Sternen» gehörten Ferdinand Müller, Josef Weiß, Albert Köb, Anton Giesinger und Rudolf Böhler an. Weiters waren im neu gegründeten Verein Mitglieder: Johann Hohl, Rudolf Fischer, Gottfried Oehe, Johann Mesch, Joh. Martin Gmeiner, Gebhard Rünzler, Josef Schwärzler, Josef Anton Köb und Wenzel Meinl. Der Verein zählte also zum Zeitpunkt der Gründung 15 Mitglieder. 6 Zum 1. Präses wurde Kaplan Simon Stadelmann, zum 1. Obmann der Schuhmachermeister Josef Weiß gewählt. Die konstituierende Versammlung fand zu Maria Himmelfahrt, am 15. August 1899 im Gasthaus «Sternen» statt. Anwesend waren auch die Bruderverine von Dornbirn und Hohenems. Der Arbeiterführer Dr. Karl Drexel und der Reichsratsabgeordnete Loser hielten Reden. Der Zweck des Vereins läßt sich am deutlichsten aus den am 16. Juli eingereichten Statuten ermitteln. Genannt sind dabei: «Zweck dieses nichtpolitischen Vereines ist: 1. Förderung der Religiosität und Sittlichkeit der Arbeiter. 2. Fortbildung in Dingen von praktischer Nützlichkeit, sowie Wahrung und Warnung vor verderblichen Zeitbestrebungen. 12 3. Frohsinn und Geselligkeit und Gemeinschaft zu pflegen.» Der Arbeiterverein Wolfurt war ausgesprochen rührig und aktiv. So konnte schon 1900 die Vereinsfahne um 180 Gulden in Sigmarszeil angeschafft werden. Das Fest der Fahnenweihe mit der Fahnenpatin Fräulein Julie Böhler galt als besonders gelungen. Die Fahne zeigt auf der einen Seite den Schutzpatron aller katholischen Arbeitervereine, den Hl. Josef. Daher wurden die Jahreshauptversammlungen auch immer am Josefitag abgehalten. Bereits 1906 zählte der Arbeiterverein Wolfurt 52 Mitglieder13. Es kann nun im einzelnen weder näher auf die wechselnden Obmannschaften, noch auf die Vielzahl der Veranstaltungen eingegangen werden. Nur soweit: Nach einem Jahrzehnt des Bestehens konnte der katholische Arbeiterverein Wolfurt eine sehr positive Bilanz ziehen. 117 Ausschußsitzungen, 105 Vereins- und öffentliche Vorträge dienten dem Vereinsziel. Es wurde über nahezu alles referiert, so etwa über die Leichenverbrennung, über den Balkan, über London und über «400 Jahre Wolfurt». Ab 1900 ist die Abhaltung von Glückstöpfen und zu Weihnachten von Christbaum-Feiern belegt, deren Erträgnisse zur Vergrößerung des Vereinsfonds oder wie etwa 1902 zur Schaffung einer Bibliothek dienten. Es wurden Schießabende oder etwa 1910 Rednerclubs veranstaltet. Dazu kam eine rege Gesangssektion unter der Leitung des Oberlehrerers und späteren Bregenzer Bürgermeisters Mathias Wachter. 1909 wurde die Turnsektion gegründet, aus der sich dann der Arbeiter-Turnerbund Wolfurt mit dem ersten Obmann Albert Köb und als Turnwart Wilhelm Rünzler entwickelte . Zur selben Zeit wurde auch der Hort der erwerbenden Jugend (später Jugendhort) mit dem «Jugendvater» Martin Thaler begründet. Ein Überblick über die zahlreichen Feierlichkeiten und Veranstaltungen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt kann auch durch das «Gemeinde-Blatt» 7 gegeben werden. Dort finden auszugsweise etwa am 16. 7. 1911 die Einladung des Arbeiter-Turnbundes zum 1. Schauturnen, am 3. 12. ein Familienabend zum Nikolaustag (beachtenswert: «Der Reinerlös wird zum Bau eines Vereinshauses verwendet»), am 24. 12. eine Christbaum-Feier mit Theater und Gabenverlosung und am 17. 3. 1912 die Einladung zur 13. Ordentlichen Generalversammlung im Gasthaus «Hirschen» unter Obmann Ferdinand Thaler am Josefitag. Ein zentrales Anliegen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt war der Bau eines eigenen Heims. Zur Jahreshauptversammlung 1900 wurde zum ersten Mal der Bau eines Vereinshauses besprochen, 4 Jahre später stellte dann Pfarrer Nachbauer den Antrag auf Errichtung eines Vereinshauses. Fertigstellung des Vereinshauses konnte allerdings nicht mehr vom Arbeiterverein alleine getragen werden. Kaplan Nußbaumer versuchte daher, die katholischen Vereine für dieses Anliegen zu gewinnen.16 Dies gelang am 14. April 1921 mit der Gründung des «Kartells christlicher Vereine in Wolfurt». Dieses Kartell, dessen Statuten am 8. Mai genehmigt wurden, war ausdrücklich für den Bau und die spätere Verwaltung des Vereinshauses gegründet worden. Als Mitglieder wurden nur Vereine mit «christlicher Weltanschauung» aufgenommen. Die vier in den Statuten genannten Vereine waren: Heinrich Nußbaumer, Obmann Gebhard Mohr, Obmann Karl Schwärzler, Schriftführer 2. Bürgermusik-Verein Wolfurt: Adolf Fischer, Obmann Albert Gasser, Schriftführer 1. Katholischer Arbeiterverein: Der Bau des Vereinshauses Wolfurt Als erstes Vereinslokal diente dem katholischen Arbeiterverein ein ebenerdiger Raum im «Hanso Hus» der Geschwister Heim am Anfang zur Kirchenstiege. Veranstaltungen wurden entweder im Gasthaus «Sternen» oder im «Rößle» abgehalten. Die Platzfrage aber war schon in Hinsicht auf die steigende Mitgliederzahl durchaus dringend zu behandeln, zumal auch Ausweichlokale, wie etwa die leerstehende Stickerei von Albert Gmeiner in Unterlinden, nur ein Provisorium darstellten. Als erster konkreter Schritt wurde 1904 unter der Federführung von Kaplan Fridolin Hagspiel und dem Vereinsmitglied Maurermeister August Klien ein Bauausschuß bestellt. 1907 lag der erste Plan vor, aber der Baubeginn zögerte sich hinaus. Gleichzeitig wurde auch erwogen, statt eines Neubaues, entweder das Haus von Gebhard Gmeiner (neben dem Schulhaus) oder das Gasthaus «Sternen» zu erwerben. Erst 1910 wurde durch den Ankauf eines Bauplatzes von den Geschwistern Heim im Strohdorf eine Entscheidung gefällt. Der bereits vorliegende Plan wurde 1911 vom Feldkircher Baumeister Kröner umgearbeitet. Die Kosten für diese neue Planerstellung von 800 Kronen übernahm Pfarrer Nachbauer. Nachdem dem am 13. 2. 1913 von Albert Köb eingebrachten Antrag zustimmt wurde, konnte mit dem Bau sofort begonnen werden. Im November desselben Jahres konnte der Verein in den Teilbau einziehen. Dieser bestand aus einem Versammlungslokal im Erdgeschoß, einem Theater, das gleichzeitig als Turnsaal diente und einem weiteren Nebenraum im ersten Stock. Der Erste Weltkrieg verhinderte eine Fertigstellung des Vereinshauses, das wegen seiner Form spottweise auch als «Schlauchturm» bezeichnet wurde. Im Jahre 1920 - der Arbeiterverein zählte durch die Kriegsfolgen nurmehr 25 Mitglieder - wurden unter dem neuen Präses Heinrich Nußbaumer (Obmann Rudolf Schertler) kleinere Zubauten, wie etwa eine Galerie errichtet. Eine 8 Das Kartell christlicher Vereine. Unter Kaplan Heinrich Nußbaumer hatten sich 1922 die Wolfurter Vereine zur Fertigstellung des Vereinshauses zusammengeschlossen. Außer dem Arbeiterverein entsandte jeder Verein zwei Vertreter. Erste Reihe v. 1.: Kaplan Nußbaumer, Rudolf Schertler, Mina Österle, Flora Böhler-Gunz, Gebhard Fehle, Martin Thaler; zweite Reihe: Gebhard Mohr, Josef Schertler, Karl Schwärzler, Ernst Köb, Rudolf Fischer; dritte Reihe: Rudolf Guldenschuh, Johann Zwickle, Jos. Ant. Köb, Pfarrer Simon Stadelmann, Albert Gasser, Adolf Fischer. 9 3. Turnerbund Wolfurt: 4. Liederhain Wolfurt: Ernst Köb, Obmann Franz Köhler, Schriftführer Adolf Fischer, Obmann Albert Kirchberger, Schriftführer 1 Zu diesem Zeitpunkt ist auch eine umfangreichere Arbeit des Autors zur katholischen Arbeiterbewegung in Wolfurt geplant, die auch die umfangreichen Archivalien mitberücksichtigen soll. 2 Kapeller, Kriemhild: Saisonwanderung und Heimarbeit als notwendiger Nebenverdienst in Vorarlberg. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, NS Bd. 43, 1989, S. 275-295. 3 Johler, Reinhard: Behinderte Klassenbildung - am Beispiel Vorarlbergs. In: Beiträge zur historischen Sozialkunde, 2, 1986, S. 51-57. 4 Heim, Siegfried: Bauern und Fabrikler. Die Arbeitswelt unserer Vorfahren. In Heimat Wolfurt, H. 1, 1988, S. 16-19. Sinz, Egon: Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987. 5 Zur Entwicklung der sozialdemokratischen und christlichen Arbeiterbewegung vgl. Greussing, Kurt: Im Prinzip: Hoffnung. Arbeiterbewegung in Vorarlberg 1870-1946 (= Beiträge zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, 4). Bregenz 1984. 6 Johler, Reinhard: Sammlung und Präsentation zur Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Vorarlberg. In: Bockhorn, Olaf-Reinhard Johler (Hg.): Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Österreich (Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Wien, Bd. 14). Wien 1987, S.148-163. 7 Haffner, Leo: Die Kasiner. Vorarlbergs Weg in den Konservatismus. Bregenz 1977. 8 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise. Vorarlberger Arbeiterbewegung 1890-1914. In: Greussing, Kurt (Hg.): Im Prinzip: Hoffnung, a.a.O., 73-132. 9 Moosmann, Herbert: Kath. Arbeiterverein Wolfurt. Entstehung - Rückblick. In: Wolfurt-Information, Nr. 92, 1989, S. 20-22. 10 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise, a.a.O. 11 Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre Kath. Arbeiterverein Wolfurt (Manuskript). 12 Statuten des «Katholischen Arbeitervereines Wolfurt» (Vorarlberger Landesarchiv). 13 Mittersteiner, Reinhard: Peripherie und Sozialismus. Diss. (Univ.) Wien 1988, S. 148. 14 Vgl. dazu die Protokollbücher. 15 Herburger, Josef: Die Turner und das Vereinshaus. In:WolfurterInformationsdienst, Nr. 17, 1973, S. 21f. 16 Vgl. Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre, a.a.O. Sowie die Beiträge zur Festschrift «50 Jahre Vereinshaus Wolfurt». Feiern am 17. und 18. November 1973 (Wolfurter Informationsdienst, Nr. 17, 1973). 17 Satzungen des Kartells christlicher Vereine in Wolfurt vom 8. Mai 1921 (Vorarlberger Landesarchiv). Der Arbeiterverein behielt sich im Verwaltungsrat 2 Stimmen vor, hatte er doch den Teilbau und das Grundstück zur Verfügung gestellt.17 Bald darauf wurden auch andere Vereine (Jugendhort, Kongregation) in das Kartell aufgenommen. Die für die Errichtung notwendigen Finanzmittel konnten durch eine Haussammlung, durch den Reingewinn eines Volksfestes, durch unentgeltliche Arbeitsleistung der Mitglieder und durch ein Darlehen aufgebracht werden. 1922 wurde der Bau des Wolfurter Vereinshauses unter Einbezug des Arbeiterverein-Teilbaues vollzogen. Den endgültigen Plan hatte der Bregenzer Architekt W. Braun erstellt. Zu Pfingsten konnte dann das Vereinshaus Wolfurt feierlich eingeweiht und eröffnet werden. Das «Vorarlberger Völksblatt» berichtete darüber ausführlich: «Die katholischen Vereine von Wolfurt dürfen sich glücklich schätzen, nunmehr ein neues, sowohl den praktischen Anforderungen, als auch dem Schönheitssinn entsprechendes Vereinshaus zu besitzen. Es war wohl ein wagemutiges Unternehmen mit einer Unsumme von Sorge und Arbeit im Gefolge, in gegenwärtigen Zeiten einen so stattlichen und gut eingerichteten Bau zu erstellen, als welchen das Wolfurter Vereinshaus sich heute präsentiert.» Die Feier bestand aus einem Festgottesdienst, der kirchlichen Weihe und einem Festumzug der Vereine. Aber werfen wir noch einen Blick in das neueröffnete Vereinshaus: «Das neue, nunmehr fast fertige Haus enthält außer verschiedenen praktisch eingebauten Vereins- und Klubräumlichkeiten und einer Hausmeisterwohnung einen großartigen Festsaal von über 16 Metern Länge und 11 Metern Breite und mit zwei geräumigen Galerien. Einen gefälligen Eindruck machen die der bodenständigen Bauweise entsprechenden Holz-Vertäfelungen, die hölzernen Galeriebalustraden, der gleichartige Plafond mit einer zugleich architektonisch schmückenden Ventilationsvorrichtung in der Mitte. Die Bühne ist geräumig und zweckentsprechend gebaut und erhielt erst noch in den letzten Tagen die neuen, von Meister Ulrich Ender (Götzis) gemalten Szenerien. Auch im Äußeren bietet der Bau einen überaus gefälligen Anblick: mitten in freie Umgebung sich erhebend, läßt er seine schönen Verhältnisse im Eintrittsvestibül, Mitteltrakt mit dem Ventilationsaufsatz sowie Bühnenbau mit den kleineren Lokalitäten prächtig zur Geltung kommen.» 10 11 Siegfried Heim Zur Erinnerung ein paar Zahlen Mit Napoleon nach Rußland Franzosenkriege in Wolfurt «Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, Herr Jesus Christus!» beteten unsere Vorfahren. Unter diesen drei Geißeln litten sie ja immer wieder. Besondere Not kehrte um das Jahr 1800 ein. Die ersten Kriegsahnungen hat der Maler Anton Schneider schon 1787 gehabt. («Beschreibung des Franzosenkriegs», Chronik Schneider im Landesarchiv). «In Hißigem Dorf daß Hauß Numeriren an gefangen, der Aman Fischer und ein Geschworener war dar bey, der Martin Haltmayer, Schreiner auf dem Bühel, hat es müßen Numeriren. Auf dem Bühel hat man angefangen und also an die Ach hinaus und so fort. Jeder Man sagt, was doch das Ding bedeutten thue. Dan niemand weiß, auf was es an gesehen, doch muthmäßet man, daß es nichts Guttes werde andeuthen.» Erstmals wurden also im Jahre 1787 auf kaiserlichen Befehl Hausnummern an die Türen gemalt. Die Amtleute gingen durch das ganze Dorf, auch nach Schwarzach, Bildstein und Buch. Während der Maler die Nummer aufpinselte, schrieb der Ammann Leute und Besitz auf, «so gahr das Kind in der Wigen». Diese Hausverzeichnisse wurden in den folgenden Jahren verwendet für Steuerlisten, für die Einquartierung von Soldaten und zur Aushebung von Rekruten. Dreißig Jahre der Not und Unterdrückung folgten, Jahre von «Hunger und Krieg». Vom ersten Blutvergießen berichtet Pfarrer Walser (Volksblatt, 25. 10. 1912): «Nach dem Totenbuchjener Zeit wurde am 11. August 1796 Johann Michael Gasser von einer feindlichen Kugel hingestreckt. Am 16. September 1796 wollte der 66jährige Michael Hübe im Garten eine von einem andern vergessene «Schopete» (Flinte) holen und wurde dabei von den Kugeln der Franzosen getötet. An demselben Tage tobte in und durch Wolfurt ein heftiges Gefecht. Es fielen hier 6 kaiserliche Soldaten und 3 Franzosen. Die erstgenannten 2 Männer und 3 kaiserliche Soldaten konnten noch versehen werden. Gleichzeitig waren in Lauterach 10 Häuser von den Franzosen in Brand gesteckt worden.» Schwere Gefechte gab es auch im Sommer 1800 in Wolfurt. Darüber hat Volaucnik berichtet (Heimat 1/20). Dabei wurde im Juli 1800 Michael Haltmayer in seinem ganz neuen Haus im Bütze-Weingarten erschossen. «Auch haben die Franken am Sontag in vil Häußer ein gebrochen und geblündert und die Leyt ausgesucht und ihnen die Todesangst angetan.» Drei Tage lang wurde Wolfurt damals geplündert. 12 1789 Französische Revolution 1792— 1797 1. Franzosenkrieg 1796 Gefechte in Wolfurt 1799— 1802 2. Franzosenkrieg 1800 Gefechte in Wolfurt 1805 3. Franzosenkrieg 25. Dezember 1805 Vorarlberg an Bayern abgetreten 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig aufgelöst 1808 Wolfurt wird selbständige Gemeinde 1809 Aufstand. Wolfurter kämpfen im Allgäu 1812 Napoleon zieht mit der Großen Armee nach Rußland. Brand von Moskau. Winterkatastrophe 1813 Völkerschlacht bei Leipzig 1814 Napoleon nach Elba. Vorarlberg wieder zu Österreich 1815 Schlacht bei Waterloo. Napoleon nach St. Helena verbannt. Wiener Kongreß 1795 waren in Wolfurt die «Bergteile» im Ippachwald und 1798 die «Riedstücker» verteilt worden. 1808 gab es in Wolfurt 185 Häuser. Die 1143 Einwohner besaßen zusammen 266 Kühe. Sie ernährten sich hauptsächlich vom Getreideanbau. 1817 Große Hungersnot! Schwer hatte das Dorf auch 1804 unter den Einquartierungen der Kaiserlichen und 1805 unter denen der Franzosen zu leiden. Bayerische Rekrutenaushebung Im Frieden von Preßburg mußte Österreich Vorarlberg und Tirol an das Königreich Bayern abtreten. Sofort hatte der schreibkundige Gotteshausammann Mathias Schneider einer Liste aller wehrfähigen Männer zu erstellen. In seinem Buch «Märckwürdige Begebenheiten» (Schneider-Chronik 2) sind uns die 239 Namen erhalten geblieben. 13 Demnach gab es 1805 in Wolfurt: 99 23 21 96 ledige Männer von 17 bis 30 Jahren, ledige Männer von 30 bis 50 Jahren, «Verheurathete» von 17 bis 30 Jahren und Verheiratete von 30 bis 50 Jahren. Rekruten ohne gespilt Weg genohmen. Von Wolfurt hat man Anton und Johann Stülz zurlinden, Joseph Böhlerzurach, für Hofrieden durch das Spiel, Thomas Vonach nur weil er mit obigem zum Spiel ins Hofriedisch gegangen. Von Steusberg (Bildstein) hat man 6 Mann alles Ledige genohmen.» Als im Juni 1807 neue Konskriptionslisten erstellt wurden, «allwo alle Jünglinge Von 16 bis 40 Jahren sich haben müssen abmessen und Fixidiren lassen», kam es zum Weiberaufstand in Langenegg und Krumbach. Darauf quartierten die Bayern 4000 Mann Kavallerie und Infanterie ein, die auch Wolfurt außerordentlich belasteten. Das Gericht Hofsteig mußte 2700 Gulden Bußgeld zahlen. Außerdem mußte es am 15. Juli 1807 vier Rekruten stellen. Weitere 12 Mann, darunter 4 Wolfurter, wurden am 30. Juli ausgehoben: Josef Lenz von Rickenbach, Josef Anton Schwerzler Gugers, Joseph Dür im Tobel, Kaspar Gasser auf dem Bühel. Fünf Jahre später starben sie in Rußland. In seiner Kriegschronik (Schneider 1) ergänzt Schneiders Vetter Anton diese Darstellung: das Spiel in Schwarzach konnte nicht stattfinden, weil die Wolfurter in der Krone mit großem Geschrei aufbegehrten und sogar eine «Botillen» in den Tischwinkel zum neu aufgestellten Bregenzer Landrichter warfen. Zur Strafe dafür wurden drei Tage später einfach 4 Wolfurter und 6 Steußberger in Lauterach verhaftet und «geschloßner» (gefesselt) nach Bregenz und weiter nach Augsburg geführt. Vermutlich haben sich die Angehörigen der Verhafteten beschwert, denn «noch dazu hab man den Vatter Stültzen sambt dem jüngsten Sohn Martin auch zu haus abgeholt und auf Bregentz und in Arrest auf einige Tag geben.» Sie sollten so lange in Haft bleiben, bis man des Flaschenwerfers habhaft sei. Im April 1809 beteiligten sich auch die Wolfurter am allgemeinen Aufstand gegen die Bayern. Mit Schiffen fuhren sie mit bis Konstanz und Ludwigshafen und holten sich reiche Beute. Auch das bayrische Lindau wurde von den Vorarlbergern fürchterlich geplündert. «Ein jeder hat ein Sack a ufdem Bügel in die Stadt Bregentz gebracht, ich hab es selber gesehen», schreibt der Chronist. In ihrem Siegesrausch marschierten die Hofsteiger unter Major Schertler sogar mit nach Wangen und Kempten. Aber dort wendete sich das Kriegsglück. Im Gefecht bei Eglofs erlitten sie schwere Verluste. Mathias Schneider berichtet: «Es sind aber dieses Jahr diese Landes Völker, welche schon bis auf dem Buchberg bei Kempten gestanden, vom Königlich Bayr. und mit hilf der Königlich Würthenberg. Truppen zu Haus geschlagen worden, wobey unser Seite etliche Mann das Leben Verlohren, so wohl von Frey willigen als von dem Landsturm besonders und zwar erstens Joh. Georg Reiner als Hauptmann, Jos. Ant. Lenz, Ant. Geiger, Andreas Flatz.» Hauptmann Reiner war schwer verwundet in Gefangenschaft geraten. Er starb in Kempten (Walser, V.V. 29. 10. 1912). 15 Panik brach aus, als die Bayern nun die allgemeine Wehrpflicht einführten und die Ledigen der Reihe nach rekrutierten. Einige Jungmännerflohenaus dem Land, viele retteten sich durch schnelle Heirat vor dem Militär. «Anno pro Domine Jesu Christe 1806 haben Hochzeit gemacht.. . Welches aber aus sonderbaren Umständen geschehen. Es hat sich durch den Willen und Zulassung Gottes ereignet, daß der Kaiser (Napoleon), welcher zwar nur vor wenig Jahren den Zepter und Krone erhalten von Frankreich, aber Mahlen Krieg angefangen mit unserem Römischen Kaiser Franz des II. und so gesieget, daß er in kleiner Zeit bei 3 Monaten nicht nur ganz Vorarlberg und Tiroll, sondern auch bereits ganz Bömen, Ungarn, ja Wien selbsten, mit hilf des Bayerfürsten eroberet hat, welches alles geschehen vom Oktober bis Dezember. Dan den 14. November sind die Franken bei uns Eingerückt, nur zu Wolfurt bey 13 Compagnien, über Tausend Mann. In diesen Unglücks Tagen ist Seine Mayestät der Kaiser genöthiget worden, einen mit großem Verlust betreffenden Frieden mit Frankreich zu schließen, wo bey er auch ganz Tirol und Vorarlberg Nebst Villen andern Ortschaften Verlohren und abtretten müssen. Über diesen Friedens Contrackt hat der Kaiser von Frankreich den Fürsten von Bayern so belohnet, das er denselben Erstens zu Einem König gekrönet, und Zweytens mit Viellen Landschaften beehret, unter welchen auch ganz Tirol und Vorarlberg, samt allen Entzwischen liegenden Ort und Reichs Herrschaften gegeben worden. Aus diesem Umstände willen, und Forcht Militär stellen zu müssen, haben sich in allen Pfarreyen des Vorarlbergs sehr Viele Menschen Verheuratet, und zwar nur in der zeit zwischen Weihnächten und Herren Faßnacht, welche nur 8 Wochen lang gewesen . . . » Nun zählt Mathias Schneider fein säuberlich die 22 jungen Paare auf, die sich in Massenhochzeiten am 27. Jänner, 3., 11. und 17. Februar 1806 vor dem Soldat-Werden drückten. Es findet sich darunter auch sein Sohn: «Jakob Schneider Wolfurt mit Jungfrau Maria Agatha Schertlerin Underlinden». Er konnte dem Ehepaar das neue Haus an der Berggasse («Rädlers» an der Kellhofstraße) übergeben. Die Braut bekam ja von ihrem Vater, dem reichen Schützenmajor JakobSchertlerauch noch eine beachtliche Ausstattung. So gut hatten es die anderen 21 Paare in jener Fasnat wohl nicht! In den folgenden Jahren gab es nun fast keine Hochzeit mehr in Wolfurt. Die Ledigen aber holten die Bayern zu ihrer Armee: «Anno 1807 den 22ten Jäner hat mann anstattdem 19ten Jäner, alwo zu Schwarzach hätte sollen gespilt werden, die 14 Die siegreichen Bayern und Franzosen bestraften die Vorarlberger schwer. So nahm man den Wolfurtern am 27. Mai sogar das Fährschiff, ihre einzige Verbindung nach Kennelbach, weg und transportierte es nach Bregenz. Und vor allem wollten die Bayern noch mehr Soldaten. «Anno 1810 den 12. März abermahl Rekruten ausgehoben. Alle von 18 et 19 Jahr gleich weg genommen. Das Landgericht Bregenz hat 65 Mann gesteh.» Die meisten Familien versteckten jetzt ihre Söhne. Zu genau kannten die Häscher ihre Opfer aber aus den Listen, die Mathias Schneider ein paar Jahre früher erstellt hatte. «Aufdieses hat man Einigen Exekution eingelegt und zwar aufden ersten Tag 4 Mann, den zweiten 8 Mann, dendritten 12 Mann. So behalten bis die Forchtsamen Ihre Söhne Von der Frömbde her geholt und gestellt haben. Gestelt habe ich selbst den Michael Schneider, Ferdinant Rohner, Jos. Köb auf dem Bühel, Aloys Haltmayer Sohn, Jos. Böhlers Sohn an der Hub, Joh. Georg Schwärzlers Sohn zu Steig . . . Nach diesem hat mann alle am Joseph Tag mit ein und weg genommen bis nach Augspurg.... Die Exekution hat manchen 80, 90 bis 100 Gulden gekostet. Got helfe!» An anderer Stelle zählt der Chronist weitere Burschen auf, die mit seinem Sohn Michel am 19. März 1910 abgeführt wurden: «und sind den 20. Merz von Bregenz über kempten bis nach Augspurg transportirt, Von dort wider bis nach Lindau und über 5 Wochen dort, ohne Asentirt zu seyn, behalten worden. Nach diesem erst den 2. May nach Ingolstadt abgefürt worden. Von da ist der Sohn Johann Michl, Ferd. Rohner, Kaspar Gunz nach Neuburg zurück zu den Jägern gestellt worden. . . . 1810 den 17. May erhalten den 26. dis das Erste Schreiben des Michl Schneider. Die Attreß ist zu machen an Michael Schneider bey dem 7ten Leichten Infantry Bartalion Trauberg, bei Herrn Hauptmann GrafKunn Copagni, abzugeben in Neuburg an der Donau.» Weihnachten sollen ganze 1000 Mann mit 60 Pferden die rettende preußische Grenze erreicht haben. Das Volk empfand diese Katastrophe als ein Gottesurteil «Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen!» (Aus «Weltgeschichte» von Kinder.) Mathias Schneider notierte sich das, was ihm davon zu Ohren kam, so: «Der Kaiser Napoleon hat immer noch weiter geschlagen, daß er auch den Kaiser von Rußland angegriffen, und so weit gesieget, das er bis November 1812 nach Moskau und Polox (Smolensk?) gekommen, wo aber grosse schlachten Vor gekommen, in welchen der Napoleon das Kürzer gezogen, wodurch er Viele Tausend Mann und Kanonen und Geld Kasse Verlohren.» . . . «. . . die Meerern gestorben oder gefangen worden. Doch sey Dank ist unser Sohn den 24. Feber 1813 wider Glücklich nach Haus Kommen, hat nur ein Verhörten Fuß gehabt. Es ist auch sein Herr Oberleutnant und ein Herr Major mit ihm gekommen. Alle andern Vom Ganzen Gericht sind noch abwesend und unwissend wo. 1813 den 16. April hat der Sohn Michael wider mit 3 Compagnigen nach Augspurg von Lindau abreisen müssen.» Die Überlieferung hat Michael Schneiders Heimkehr aus der russischen Winterkatastrophe später dramatisch ausgeschmückt. «Es wird erzählt, er hätte eine ihm abgefrorene Zehe, in Papier eingewickelt, noch heimgebracht. Die Rettung sei ihm nur dadurch möglich geworden, daß er sich in der größten Not an einen Roßschweifhängen und weiterschleppen konnte.» (Walser, V.V. 25. 10. 1912). Schneider soll mit seiner Truppe im Oktober 1813 noch an der Völkerschlacht bei Leipzig teilgenommen haben, die das Schicksal Napoleons besiegelte. Nur zwei weitere Wolfurter kamen aus Rußland gesund heim, der Zimmermann Michael Köb aus Rickenbach und der Student Martin Rohner aus dem Kirchdorf, der später als Gemeindearzt noch französisch und russisch schimpfte. Über sie berichte ich an anderer Stelle. Die vielen anderen jungen Burschen aus unserer Gemeinde waren mit der ganzen Großen Armee in Rußland gefallen, im Eiswasser der Beresina ertrunken, von Kosaken erschlagen, im Schnee verhungert, von Wölfen zerrissen . . . Kaum eine Todesnachricht traf ein. Verzweifelt warteten die Eltern. Nur zögernd wurde nach Jahren manchem eine Totenmesse gelesen. «Am 12. November starb in Preußisch-Polen Anton Dür. Am 11. Februar 1813 starb als Soldat in Lindau Kaspar Gasser. Endlicham 14. Januar 1814 starb im Görzer Feldspital, erst 18 Jahre alt, Johann Gmeiner. Wahrscheinlich gehörte erzumletzten Aufgebot Napoleons.» (Walser, a.a.O.) Auch Chronist Schneider nennt noch ein paar Daten: «13. April 1817 ist Thomas Vonach, welcher aber schon Vor 4 Jahren Laut Totten Schein in Rußland im Spittal gestorben, die erste Bestattniß gehalten worden.» 17 Nach Rußland Kaiser Napoleon sammelte ein Vielvölkerheer, die «Grand Armee», mit 500 000 Soldaten. In den Reihen der Bayern marschierten auch rund 20 Wolfurter mit. Am 24. 6. 1812 überschritt Napoleon ohne Kriegserklärung den Njemen. Mit dabei die Preußen unter Yorck und die Österreicher unter Fürst Schwarzenberg. Die unterlegenen Russen wichen in die Weite ihres Landes zurück. Nach den blutigen Schlachten von Smolensk und Borodino besetzte Napoleon am 14. September Moskau. Nachschubschwierigkeiten und der Brand von Moskau zwangen ihn am 19. Oktober zum verspäteten Rückzug. Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der Kosaken zerrütteten die Große Armee. Nur 30 000 Mann gelang die Flucht über die Beresina. Um 16 «17. Februar 1820. JosefAnton Gantner, Königlich Bayr. Soldat, welcher im Feldzug nach Rußland hat ziehen müssen, dato für Todt erklärt worden und sein Vermögen unter die gesäzlichen Erben Vertheilt worden, in21tenJahr.» «2. April 1828 ist der Jüngling Joh. Georg Haltmeyer, Aloys, als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden und die Erste Besingnis gehalten worden.» «10. April 1828 Sind 3 Jüngling als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden Nemmlich Sebastian Schwärzler zu Steig, Martin Klocker und Joseph Köb mit 3 gegenwärtigen Prister.» «9. April 1828 ist der Ehrbare Jüngling Gebhart Köb, Examinierter Schullehrer, an einer lang tauernden Krankheit sellig entschlafen, und am Balmsonntag zur Erden Bestattet worden, und feyerliche Bestattniß gehalt worden nebst einer halbstund tauernden Leichbredig, es ist auch zugleich für sein Bruder Joseph Köb K. K. Soldat, der in Ruß gestorben und Todt erklärt worden, nebst obigem Bruder, die Besingnißen gehalten worden.» Wieder österreichisch Die Erleichterung und Freude des Chronisten klingt in seinen Berichten nun durch: «... die Festungen alle sind übergeben worden, die Militärische Truppen ziehen wider Heraus bis an die Rhein gräntzen, wo aber noch Besatzungen Liegen bleiben. Die National Garde wird widerum entlassen um nachhauß zu Kehren. Was das Glücklichste. Daß Tiroll und Vorarlberg mit Ausnahm des Landgerichts Weiler widerum Von dem unerträglichen Joch des Königs Von Bayern entlediget, und unter den Mildreichen Zepter des Hausses Österreich aufgenohmen worden, Von welchem wir 8 1/2 Jahr Entlassen Gewessen, Gott Sey Lob, Ehr und Dank. Den 6ten July 1814 Hat die Sonne Vom Hauß Ostreich unssere Gegenden das Erste mal wider Erfreuet, an welchem TagderKönigl. Kaiserliche Kommißär die Aufnahm Vorarlbergs Zu Bregenz feyrlichst befestiget, allwo die bayrische Wappen Hinweg geschah, und der Glänzende Adler wider aufgeführt worden!. . . Allwo solches Jubelgeschrey Vivat, Es Lebe der Kaiser von Ostreich, in der Ganzen Stadt Entstanden, das seyn eigenes Wort Kaum mehr gehört worden Die Ganze Stadt in allen Gassen sind mit Thännlein besetzt worden und viele der Herrlichsten Triumph Bögen errichtet, und mit Lob Sprüchlein Gezierd worden. . . . Wobey mit allen Gloken in allen Kirchen zusammen geLeuttet worden, und Ein Salve nach dem Andern von allen Militär und Stadt Commpagnien, auch die Völkerschaft von Dornbirn, von Wolfurt und Lauterach sind wider gegenwärtig gewessen. . . . Vor Freude haben Viele geweint, und Ville ge Jubelirt. 1816 den 26. Febr. als am Faßnacht Montag, ist zu Bregenz von der Bürgerschaft Zur Freude und Angedenken der So Siegreichen Schlacht bei Moskau, allwo Ponebart den rest bekommen, Ein Freudiger Rith im Kriegsordnung Vor gespielt worden. Welche durch Franzosen, Rußische und Kaiserliche Gavalery und Infanten Vorgekommen, die Schlacht gegen ein ander so Thättig gefürt, durch Mehrmaliges Hin und Her Treiben des Feindes, mit Kanonen und Muschgeten geschüzt, der gestalten, daß man Glaubte, alle Müssen zusammen geschoßen und Nider gesäbelt seyn, wobey Vielle Fenster von den Kanonen Schüßen gänzlich Verbrochen worden. Der Schaden soll sich über 70 fl belaufen haben, wofür aber nicht hat müssen bezahlt werden. Diesses Spiel ist so Schön und Herlich anzusehen, daß zu Keiner Erdenklichen Zeit solches gesehen worden. Die Haupt Rolle hat gespült H. Joseph Reiner auf dem Thamm als Rußischer Kaiser. Anno 1816 den 30ten May ist die Huldigung zu Inspruk für S. Kaiserl. Königl. Mayestät Franz des I. von Tiroll und Vorarlberg widerum abgelegt worden. . . . » Ein allerletztes Mal war dazu in den sechs Hofsteiggemeinden ein Ammann in der Person des Schwarzacher Kronenwirts Joh. Georg Haltmeyer gewählt worden. Das alte Gericht erhielt aber seine Rechte nicht mehr zurück. 19 Auch über das Ende des Franzosenkaisers berichtet der Chronist Mathias Schneider: «Anno 1813 hat man In ganz Vorarlberg ein Nationalgarde aufgeführt worden. Von 23 bis 30 Jahre Haben alle Taugliche Jünglinge müssen Hingehen, welche sich nicht mit einer Vorhin erhaltenen Looszahlung oder einer Anseßmachung haben Können ausweißen. Zu Wolfurt hat es 7 Mann genohmen: 1. FidelSchwerzler,2. Joh. Georg Guth, 3. Lorenz Stülz, 4. Fr. Jos. Rohner, 5. Joh. Georg Schwärzler Fr. Josephs, 6. Joseph Geiger Niklaus, 7. Mathias Gmeiner im Holz, dieser aber ist deserdirt.» «Napoleon ist bis Ende November 1813 wieder bis über den Rain nach Frankreich geschlagen worden. Den 10. Dezember sind die Kaiserl. Rußischen auch Kaiserl. Östereichische und sämtlich Alirte Truppen über Bassel und andern Orten in Frankreich gezogen, bis ihn Paris. Haben anstatt des Bonebart ein andern König aus der alten Königl. Famil v. Porbon gesetzt und den Bonebart nach der Insul Elba abgeschikt. Nach diesem sind die Allirten Mächte wider nach Haus zurukgekert, um dem Congres beyzu wohnen. Aber es tauerte nicht lang, 1815 ist der Bonebart von der Elba wider mit einer gewafneten Kriegsmacht nach Frankreich gekommen, und den Neugestellten König wider in die Flucht genöthiget, und einen solchen Anhang Vom Volke bekommen, daß die Alirten Mächten genöthiget wurden, abermal nach Frankreich zu Ziehen, und auch glüklich wider hineingekommen, die Bonebartische Macht gänzlich geschlagen und den Bonebart, welcher Ville Wochen gahr Vermißt gewessen, bis er wider aredirt und wider nach einer Insul St. Helena Trazbortirt worden, und Entlich alldort gestorben.» 18 «Anno 1817 den 1. Mai ist Vorarlberg widerÖstreichKaiserlich geworden, und Profisorisch aufgehört, Gott sey Lob und Dank. NB. Aber es ist nicht Viel Gutes erfolgt, seine Mayestät der Kaiser hat wohl ein Vertröstung schriftlich Heraufgegeben, aber es ist nicht erfolgt! Was der König von Bayern unter seyner Regierung Ein Gricht, welches ihm einträglich war, ist nicht mehr geändret worden. Zum Exempel. Vor hero haben wir für klein Zehend an die Mehrerau nur 22 fl bezahlen müssen; bei der Regierung des Königs von Bayern haben wir den klein Zehend in Natura entrichten müßen, unter diesem ist Verstanden Erdäpfel, Kraut, Hanf, Flachs, Ops, welches Jährlich Cirga 180 fl ausmacht anstatt 22 fl. So ist aber, da wir wider Kaiserl. geworden, nicht mehr das alt recht gestattet. . . . » Die von den Bayern eingeführten Gemeinden blieben bestehen. Unser Chronist Mathias Schneider wurde noch als 72jähriger im Hungerjahr 1817 der erste «österreichische» Vorsteher der Gemeinde Wolfurt. In der Bayernzeit hatten vor ihm Joh. Georg Fischer aus Spetenlehen und dann kurze Zeit Johann Flatz das Amt inne. Im Volk erzählte man noch lange Jahre von den schrecklichen Ereignissen im russischen Winter von 1812. Hunger, Leid und Zorn entluden sich in fürchterlichen Ergüssen. Noch 100 Jahre später schrieb uns Mathias Schneiders Enkel Ferdinand Schneider im Jahre 1912 einen solchen Text auf: Napoleons Titel anno 1814 herausgegeben. Wier in Gottes Zorn gemachter von der Insel Corsica heraus geschleudert, mit der blutigen Kappe gekrönter Kaiser der Franzosen, Ritter deß schwarzen Rabens Orden, Hauptanführer einer großen furchtbaren Räuberbande, Wurgängel der letzten Raste der unglücklichen Könige und Familien in Frankreich, Großheuchler in Egibten, Thron und Krön Räuber der Königreiche Neapel und Spanien, Banco Räuber von Hamburg Heiligthums, Schänder in Hanover, Thron umwälzer und unersätlicher Wolf in Deutschland, Königlicher Pferddieb in Berlin, Scherpfen Degen und Ringkragen Dieb, Riegel und Siegel aufbrecher deß grünen Gewölbes in Dresden, Erzblünderer aller fürstlichen Schatzkammern, groß Schatzausräuber in Haßenkaßel, groß BeutelSchneider und groß Verderber in Pohlen, Blutigel in Holland, gemeinde Vermögen Verblünderer und Wütrich in Frankreich, berichtigter Freibeiter all deß auf dem Continent sich befindlichen Englischen Eigenthums, Wiederhersteller deß Robespirischen Sistem, Bestürmer und Mordbrenner von Europa, vermummter Bandit der ganzen Erde, und wirklich bestellter Erzengels Satan, auch erster besitzer der höllischen Legion und verworfener Scheusal der Menschen.» Abgesehen von all den geschriebenen Bosheiten muß man doch staunen, welche Fülle von geographischen und historischen Kenntnissen — von Ägypten bis Robespierre — in diesen Text eingearbeitet wurden, die das Volk auch ohne Zeitung und Fernsehen schon kannte. Wir dürfen hoffen, daß der große Tote von St. Helena und der kleine Dichter all dieser «Tittel» einen gnädigen Richter gefunden haben! 20 Die drei Heimkehrer Von etwa 20 Wolfurter Burschen waren also 1813 nur drei dem Grauen des russischen Winters entkommen. Michael Köb, 1790-1878. Die Familie Köb stammte aus Bildstein und lebte im Haus C 227 in Rickenbach. Das Haus «Stases im Lo» ist 1908 mit der Lenz-Fabrik abgebrannt. An seinem Platz steht jetzt das Doppelmayr-Bürogebäude. 1810 wurde der 20jährige Michael Köb zum 7. bayrischen Infanterie-Regiment eingezogen. Von Kempten aus marschierte er 1912 nach Rußland und kehrte gesund wieder heim. Als Zimmermann lebte er ab jetzt im Vaterhaus. Dreimal heiratete er. Nach dem Tod seiner ersten Frau Theresia Fehle ehelichte der 61jährige seine zweite Gattin Magdalena Rusch und wurde ein Jahr darauf Vater. Als 67jähriger Witwer heiratete er ein drittes Mal und starb erst 1878 im Alter von 88 Jahren. Seine einzige Tochter Anastasia «Stase» heiratete einen Ferdinand Müller aus Langen. Ihre Söhne Gebhard 1875 und Ferdinand 1889 («Mühlemacher Ferde») müßten den älteren Rickenbachern eigentlich noch bekannt sein. Martin Rohner, 1790—1864 Das Pfarrfamilienbuch nennt bei den drei Söhnen des Joh. Baptist Rohner «an der Kirchstiegen» drei bemerkenswerte Berufe: 1. Franz Joseph Rohner, 1789 «miles» (Soldat) 2. Joh. Martin Rohner, 1790 «chirurgus» (Wundarzt) 3. Johannes Rohner, 1794 Waffenschmied Keiner von den drei Kriegern blieb am Dorfplatz daheim. Das Haus C 46 wurde vom nächsten Besitzer zum «Rößle» umgebaut. Jetzt steht dort das Pfarrheim. Martin Rohner wurde als junger Student der Chirurgie zur französischen Armee eingezogen. Aus dem Rußlandfeldzug von 1812 heil heimgekehrt, beendete er seine Studien und wurde Gemeindearzt in Alberschwende. 1827 heiratete er Anna Maria Gmeiner, die Tochter des Wolfurter Gemeindearztes Joh. Gg. Gmeiner (1766—1827) und Großnichte des streitbaren Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner, der die große Pfarre geschickt durch Franzosen- und Bayernzeit gesteuert hatte. Er übernahm die Praxis seines Schwiegervaters im Haus C 143 im Strohdorf («Böhler Ottos Haus» auf dem Sternenplatz ist 1949 abgebrannt). Viele Jahre war er ein geachteter Gemeindearzt. Gern erzählte er von seinen Kriegserlebnissen und galt als Original, weil er dabei auch französisch und russisch fluchte. Über seinen ausdrücklichen Wunsch wurde er nach seinem Tode 1864 von Kriegs-Veteranen zu Grabe getragen. Der alte Rußland-Heimkehrer Michael Köb ging mit dem Grabkreuzlein an der Spitze des Zuges. 21 Von Dr. Martin Rohners Kindern waren ein Sohn und eine Tochter nach Amerika ausgewandert. Sein zweiter Sohn Dr. Ferdinand Rohner (1839—1909) führte die Gemeindearzt-Praxis im Strohdorf fort. Vier Töchter hatte er, die alle «gute Partien» machten. Anna Maria, 1865, übersiedelte mit dem Holzhändler Lorenz Dür nach Hard. Rosalie, 1868—1927, heiratete den Fergger Fidel Gmeiner in Unterlinden und wurde die Mutter der «Kartonagen-Fideles». Maria Anna, 1872, wurde die Gattin des Wolfurter Oberlehrers Mathias Wächter. Von ihren 7 Kindern wurde Julius Bürgermeister von Bregenz und Festspielpräsident. Auch Frau Brigitte, die Gattin unseres Bildhauers Albrecht, ist eine Enkelin. Engelberta, 1881, heiratete den angesehenen «Büchele-Beck» Anton Büchele, der Adlerwirt beim Rathaus in Bregenz, der als Schützenmajor auch die Wolfurter Standschützen 1915 in die Dolomiten führte. Von seinen Kindern hat Anton Büchele die letzten Lebensjahre im Oberfeld verbracht. Michael Schneider, 1791—1827 Er war der Sohn unseres Chronisten Mathias Schneider(1745—1833), der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser, Wuhrmeister und schließlich als Gemeinde-Vorsteher in ganz Hofsteig hohes Ansehen besaß. Sein Haus «an der Kirchgassen» (heute Kirchstraße 29) ist 1907 abgebrannt. Von den 18 Kindern aus zwei Ehen des Mathias Schneider stammen viele Wolfurter Familien ab, darunter Lehrer Köbs («Meßmers» und «Malers») und «Sammüller»-Böhlers. Etliche Schneider-Familien wanderten um 1850 nach Amerika aus, der letzte Namensträger in Wolfurt war der «Numerant» Ferdinand Schneider (1841—1917), der uns die bedeutende Schneider-Chronik 3 hinterließ. Wie es dem Michael Schneider auf dem Feldzug in Rußland ergangen ist, hat uns sein Vater geschildert. (Siehe weiter vorn auf den Seiten 16 und 17!). Als Soldat war er in der Garnisonsstadt Augsburg heimisch geworden. Nach dem glücklich überstandenen Krieg kehrte er dorthin zurück. Er übte den anspruchsvollen Beruf eines Blättersetzers aus. Ein «Blattmacher» fertigte Kämme für die damals wichtigen Handwebstühle an und mußte mit einem besonderen Eid deren Qualität beschwören. Sein Sohn Mathias Schneider (1826) zog von Augsburg nach Regensburg und gründete dort als Glasmaler eine bedeutende Firma, die Kirchenfenster für Bayern, aber auch nach Wien und nach Ungarn lieferte. Im Jahre 1885 fertigte er die drei schönen Chorfenster (Mutter Gottes, St. Gallus und St. Gebhard) für die Kapelle in Rickenbach an. Sein Bruder Josef Anton Schneider (1827—1898) wurde Drechslermeister in Augsburg und begründete eine geachtete Familie. Sein Urenkel Dipl.-Ing. Josef Schneider hat 1990 Wolfurt besucht und von seiner umfangreichen Ahnenforschung berichtet: 22 Die Industrialisierung brachte um 1870 auch in die Handwerkerfamilie Schneider große Not. Großvater Jakob Josef Schneider (1858—1934) trat daher als Modelldrechsler in den Dienst der aufstrebenden MAN-Werke Augsburg, wo auch fünf von seinen Söhnen Arbeit fanden. Darunter war Josef Schneider (1889—1983), der als Modell-Schreinermeister 47 Jahre lang im Werke arbeitete. Er konnte ein Haus kaufen, das allerdings in den Bombennächten von 1944 völlig zerstört wurde. Sein Sohn Josef Schneider (1917) durfte studieren und war dann 48 Jahre für M A N tätig. Als Ober-Ingenieur leitete er zuletzt die Abteilung für Werkplanung. Das Erbe der Schneider aus Wolfurt lebt nun fort in seinem Sohn Dr. Thomas Schneider (1953), der als Geograph unterrichtet. Die Familie widmet sich auch dem Malen und der Musik, immer noch, wie vor Napoleons Zeiten, als die Schneider den Hausnamen «Maler» bekamen. Wenn die Chronik unseres 20. Jahrhunderts einst vom Kriegsgrauen im russischen Winter von 1943 berichtet, dann hoffentlich auch mit dem versöhnlichen Ende, daß Malen und Musik schließlich die Kriegsschrecken überdauern! 23 Siegfried Heim Vor 100 Jahren Lehrers Engelbert und seine Zeit. Auszug aus einem Vortrag am 12. November 1990 über den Chronisten Engelbert Köb und seine Familie. Köbs auf dem Bühel Die drei größten Wolfurter Geschlechter sind die Böhler mit 152 Namen im Blauen Buch von 1989, knapp gefolgt von den Köb mit 149 Namen. Weit abgeschlagen liegen die Mohr mit immerhin 94 Namen. Ihnen folgen die übrigen 7.000 Wolfurter mit mehr als 1100 Namen, im Durchschnitt also etwa 6 Namensträger pro Geschlecht. Die Mohr gehen alle auf einen Stammvater zurück, Johann Jakob Mohr, der um das Jahr 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Die Böhler gibt es schon seit 400 Jahren ununterbrochen im Dorf. Darüber hinaus haben sie ständig Zuzug aus Bildstein und Buch bekommen. Die Köb finden sich schon 1650 sehr zahlreich in Bildstein und Buch, aber erst 1760 taucht der erste Namensträger in Wolfurt auf. Ihm folgen nun rasch viele andere, die in Wolfurt bedeutende Familien gründen. Einer ist Franz Xaver Köb aus Hag-Bildstein (1777-1859) der im Schloß Wolfurt mit seinen 12 Kindern die Sippe «Schloßburos» begründet. Ein anderer ist Jakob Köb (1761-1840) aus Gallin in Bildstein, der «Galler». Er heiratet 1788 die einzige Tochter des Schreiners Martin Haltmeyer, Auf dem Bühel (jetzt Nr. 1). Es wird der Stammvater all der vielen Wolfurter Köb-Familien, die wir heute mit den Hausnamen «Gallars, «Schrinars uf om Bühol», «Lehrars», «Molars im Strohdorf», «Meßmars», «Seppatones» und «Hilares» benennen. Von Jakob Köbs 13 Kindern starben die meisten schon als Kleinkinder. Sohn Joseph erfror mit Napoleons Großer Armee 1812 in Rußland. Sohn Gebhard Köb starb tief betrauert als junger Wolfurter Schullehrer. 24 Sohn Martin Köb jedoch führte die Schreinerei des Vaters auf dem Bühel fort. Seine Nachkommen «Schrinars», bewohnen das Haus noch heute, also mehr als 200 Jahre lang. Allerdings mußten sie nach dem Großbrand von 1911 in ein Nachbarhaus ausweichen, bis sich Bernhard Köb um 1950 wieder auf dem alten Platz beim Bühel-Brunnen ansiedelte. Jakobs vierter Sohn Michael Köb, 1794-1852, wurde wie sein Vater und sein Bruder ebenfalls Schreiner- und Glasermeister. Neben dem Elternhaus erbauter er an der Landstraße im Oberfeld 1826 ein neues großes Haus (heute Hintereggers, Oberfeld 2). Mit seiner Frau Agatha Dietrich hatte er dort 9 Kinder. Diese Agatha scheint eine besonders unternehmungslustige Frau gewesen zu sein. Im Landesarchiv gibt es eine Notiz (gefunden von Chr. Volaucnik), wonach sie mit einem Compagnon Krüsy aus Bregenz 1835 in der alten Schmiede auf dem Bühel eine Baumwollfabrikation begonnen hat. Während aber zur gleichen Zeit Baumwollfabriken in Kennelbach und Dornbirn ihre Besitzer reich machten, hörte man vom Wolfurter Untenehmen bald nichts mehr. Michael Köb mußte 1840 sogar sein Haus verkaufen und an die Ach in «Hansmarteies» Haus an der Bützestraße übersiedeln. Dort starb er schon 1854. Nun mußte seine Witwe Agatha auch dieses Haus aufgeben und mit ihren 9 Kindern in die baufällige Schmiede auf dem Bühel ziehen. An dem schönsten Platz im Wolfurter Kirchdorf, wo heute die Villa Köb über dem Dorfplatz aufragt, setzte sich die «Galler»-Familie jetzt fest. Von Ihren Söhnen übernahm später Josef Anton Köb (1837-1919) das Haus und den Hausnamen. Er war Vater bzw. Großvater der bekannten Wolfurter Brunnenmacher Gallers Seppl und Gallers Erich und Urgroßvater der Aichholzer-Söhne, die wieder wie einst ihr Stammvater Jakob das Schreinerhandwerk ausüben. Lehrers Einen anderen Hausnamen gewann aber der ältere Galler-Sohn Johann Martin Köb (1831-1884), der «Lehrer». Eigentlich war er ja Schreiner und Glaser wie seine Vorfahren. Er arbeitete auch täglich in der Werkstatt. Daneben diente er noch dem Pfarrer im Ehrenamt als Mesner. In den sieben Wintermonaten aber vertrauten ihm die Wolfurter ihre großen Buben in der alten zweiklassigen Schule im Strohdorf an. Mit ihnen übersiedelte er noch als Unterlehrer für 10 Jahre auch in die 1872 errichtete (und 1979 abgebrochene) neue Volksschule. Der Chronist Lorenz Gunz berichtet ausführlich, wie er von seinem Lehrer Köb 12 saftige Tatzen bekam, und schließt dann: «Der Lehrer war ein braver Mann, ist 1884 gestorben, der Herrgott möge sein Tröster sein!» 25 Auch der Chronist Engelbert Köb erzählt nachdenklich aus dem Lehrerleben seines Vaters, als er den Funken im Oberfeld und die Funkenküchle beschreibt: «Es war Brauch, daß jedes Schulkind seinem Lehrer ein Geldgeschenk überbrachte. Die Ärmeren gaben 4, 10 oder 20 Kreuzer, die Besseren auch einen Gulden. Man betrachtete dies als Aufbesserung des damaligen schlechten Lehrergehaltes. Für diese paar lumpigen Gulden mußte der Lehrer den Alten das ganze Jahr schön tun.» Die Wolfurter mochten ihren «kleinen Lehrer» sehr gern. Um 1880 mußten alle Lehrer Prüfungen nach dem neuen Reichsvolkschulgesetz ablegen oder ihren Posten aufgeben. So erhielt auch der fünfzigjährige Lehrer Köb die Kündigung. Als 1882 Kaiser Franz Joseph nach Bregenz kam, ging der neue Pfarrer Joh. Gg. Sieber namens der Gemeinde zu ihm in den Österreichischen Hof und erreichte in einer Audienz tatsächlich, daß dem alten Lehrer die Prüfung erlassen wurde. Das Geld war also immer knapp beim Lehrer Köb, aber er gewann einen großen Schatz in seiner jungen Frau Agatha, die er aus der Feldstraße zu sich herauf in die alte Schmiede geholt hatte. Agatha Schneider (1829-1916) war eine Tochter des ersten Hirschenwirts Hilar Schneider und eine Enkelin des Gotteshausammanns Mathias Schneider, der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser und Vorsteher in Hofsteig großen Einfluß besessen hatte. Etliche Schneider waren Maler und sie trugen auch den Hausnamen «Malers». Es ist nicht überraschend, daß Lehrers Buben von ihrer Mutter Agatha mit der Begabung und der Freude am Malen auch den Hausnamen «Malers» weitertrugen. In 12 Jahren gebar Frau Agatha 9 Kinder. Das erste, Josefa I., starb bei der Geburt 1861. Jetzt kamen hintereinander fünf Buben: Seppatone 1862, Hilare 1863, Engelbert 1864, Johann 1866 und Ludwig 1867. Auf Tochter Sefa II. 1870 folgten noch der sechste Bub Albert 1872 und schließlich Theresia 1873, die schon mit neun Jahren starb. Längst war in der Schmiede neben den vielen Geschwistern des Lehrers für die Kinder zu wenig Platz. Da konnte er 1874 das Nachbarhaus (heute Meßmers, Auf dem Bühel 3) erwerben und mit seiner Familie dorthin übersiedeln. Aber schon 1884 starb er, erst 53 Jahre alt. Seine sechs Söhne, von ihrer hochverehrten Mutter Agatha geleitet, wurden tüchtige Leute, die in Wolfurt einiges zu wege brachten, besonders als sie alle später mit der Stickerei zu Geld gekommen waren. Josef Anton Köb, gest. 1949, war Zimmermann. Er erbaute 1900 das Haus Bucherstraße 2. Von seinen Kindern erinnern wir uns besonders an Alfons in Bregenz, an den Gemeinderat Willi und an Frau Resi Rist. 26 Hilar Köb, gest. 1925, war Schreiner. Sein 1892 erbautes Haus (Auf dem Bühel 5) war nach wenigen Jahren abgebrannt. Da baute er es schöner im Jugendstil wieder auf. Von seinen Kindern wurde Engelbert nach dem Götte benannt. Engelbert Köb, gest. 1915, war Maler. Zuerst erbaute er 1890 ein Haus an der Bucherstraße (heute Nr. 3, Ciaessens). Dann erwarb er 1907 sein erstes Elternhaus, die alte Schmiede. Er brach sie ab und schmückte unser Dorf mit seiner schönen Villa «Lug aus». Über sein Leben berichtet der nächste Abschnitt. Villa «Lug aus» wurde von Engelbert Köb 1907 auf dem Platz der ehemaligen Dorfschmiede zwischen der Landstraße und der Bucherstraße erbaut. 27 Johann Köb, gest. 1938, war Bauer und Meßmer im zweiten Elternhaus (Auf dem Bühel 5). Als es 1911 abbrannte, baute er es neu auf. In zwei Ehen hatte er zusammen 17 Kinder. Davon nenne ich nur Köbo Tone, den Elektriker, und Frau Klara Bilgeri, aber auch Paula, Adelinde, Albert, Kaspar und Ludwig. Ludwig Köb, gest. 1943, Sticker und Standschützenhauptmann. Er erbaute 1893 das große Bürgerhaus an der Kreuzstraße (jetzt Nr. 1, Rohner). Er war kinderlos verheiratet und nahm seine Schwester Sefa, gest. 1952, zu sich. Albert Köb, gest. 1914, war ebenfalls Maler. Er erwarb 1902 die alte BildsteinSchmiede im Strohdorf und baute sie zu einer Stickerei um. 1911 begann er dort den Gemischtwarenhandel, den wir alle als «Molars Lado» in Erinnerung haben. 1899 war er einer der Gründer des Kathol. Arbeitervereins und ein wichtiger Funktionär. 1909 gründete er den christlich-sozialen Turnerbund, den er bis zum Weltkrieg führte. In dieser Zeit betrieb er auch den Bau des Vereinshauses. Als einer der ersten rückte der 42jährige Familienvater 1914 in den Krieg ein. Bei Przemysl ist er gefallen. Von seinen sechs Kindern nenne ich Paul, Vizebürgermeister und Turnerobmann, Martha, Albertina und s'Annele in Röthis. Werke von Weizenegger und die seines Urgroßvaters Mathias Schneider, aber auch die Chronik seines Vetters Ferdinand und die Arbeiten seines Oberfelder Freundes Kaspar Schwärzler, der die Geschichte der Ritter von Wolfurt erforscht und als erster im Völkskalender von 1898 darüber berichtet hatte. Köb schrieb auch über Hofsteig und hielt das Haus «Blazes Veres» Nr. 231 (heute Wurzer, Rutzenbergstraße 2) für den Hof zu Steig. Schon als 18jähriger interessierte er sich füt das Gemeindegeschehen: «1882. Die Gemeindekanzlei wird errichtet und Lorenz Schertler als Gemeindeschreiber angestellt. Oberlehrer W. Rädler hat das Hauptverdienst am Zustandekommen derselben. Bisher hatte der jeweilige Vorsteher alle Schriftstücke und Akten in seinem Hause herumzuliegen. Wenn dann ein anderer Vorsteher wurde, so wurden ihm auf Gerathewohl einige Körbe voll übergeben. Auf diese Weise giengen viele wichtige alte Aufschreibungen verloren.» Weil sein Vater, der Lehrer Köb, auch Mesner war, nahm Engelbert besonderen Anteil an der Umgestaltung der Kirche, die der neue Pfarrer Sieber begonnen hatte: «1882. Da der Friedhof vergrößert wird, so muß der Pfarrhof, welcher etwa 10 Meter nahe bei der Sakristei steht, auch weichen, er wird abgebrochen. Es war ein geräumiger Holzbau an sonniger Lage beim Tobel Stiegele. Ein großer Garten mit Laubengängen war dabei, und der ganze Bühel gegen das Tobel war mit Reben angebaut. Schreiner Lenz hat den Bau ersteigert, und in Rickenbach wieder aufgebaut. Bis zu dieser Zeit hatte jede Verwandtschaft ihre bestimmten Gräberplätze. Grabsteine waren bisher wenige, sondern meistens Schmideiserne Kreuze mit Thürlein. Pfarrer Sieber ließ diese Kreuze entfernen, er sagte: Im Sommer stand das Gras immer so hoch, das man kaum die Kreuzlein sah. Mein Vater als Meßner mähte von Zeit zu Zeit den Friedhof für unsere Gaißen ab. Diese Friedhof-Idylle verschwand jetzt durch Erweiterung anno 1882.» 1890 erhielt Engelbert vom Pfarrer einen besonders großen, ehrenvollen Auftrag. Für 1200 Gulden sollte er die ganze Kirche neu ausmalen. Er führte das Werk zur allgemeinen Zufriedenheit aus. Weil allerdings das Geld des Stifters ausblieb, mußte er warten, bis die Gemeinde die Kosten übernahm. Alte Fotos lassen uns bedauern, daß die kunstvollen Malereien im Jahre 1938 einfach übertüncht worden sind. 1892 zeichnete Köb den Plan für einen neuen Hauptaltar als Fassung für das große Flatzbild Maria Krönung. Gemeinsam mit seinem Bruder Hilar, dem Schreiner, führte er auch die ganze Arbeit durch. Nur die Stecharbeiten wurden an den Bildhauer Gaudel in Bregenz übertragen. 29 Engelbert Köb, Maler und Chronist «Lehrers» Engelbert war also dritte von sechs Buben. Er ist 1864 geboren. Als 17jähriger Malergeselle ging er vier Jahre auf die Walz nach Süddeutschland und anschließend drei Jahre zum Militär. 1890 heiratete er Theresia Fischer, «s'Ammas» im Röhle, und bezog mit ihr sein neues Haus an der Bucherstraße, wo sie ihm fünf Kinder schenkte. Ernst, der älteste, ist in Amerika gestorben. Hubert, den jüngsten, haben wir alle noch als den Besitzer der Villa «Lug aus» gekannt. Er ist 1988 gestorben. Engelbert Köb tat unendlich viel für unser Dorf Wolfurt, als angesehenes Mitglied mehrerer Vereine, als Maler und Kunstmaler, als erster Fotograf, vor allem aber auch als Erster Gemeinderat - Vizebürgermeister würde man heute sagen. Von 1903 bis zu seinem Tode 1915 hatte er die Stelle inne. Von besonderem Wert ist seine «Chronik über Wolfurt». Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Chronikschreiben in Mode gekommen. Sicher hatten daran die Aktivitäten des Museumsvereines, aber auch das Casino im Dorf und der Liberale Leseverein in Rickenbach ihren Anteil. Von den drei Schneider-Chroniken ausgehend schrieben jetzt neben Lehrers Engelbert auch der Altadlerwirt Fischer, der Kreuzwirt Haltmayer, der Müller Gunz und der Postmeister Böhler ihre Privat-Chroniken. Engelbert Köb kannte und zitierte die 28 Friedhof vergrößert und die Kirche innen renoviert. Er war auch ein sehr politischer Pfarrer, der der Casino-Bewegung gegen die Liberalen in Wolfurt endgültig zum Durchbruch verholfen hatte. 1902 Die Bregenzerwaldbahn wird eröffnet. «Es ist ganz merkwürdig, daß Wolfurt immer daneben kommt.» Zuerst bei der Fabrik, dann bei der Vorarlberger Bahn. «Die Wolfurter fürchteten, sie sei gefährlich wegen dem Vieh und es sei schade um die Felder.» Nun fuhr auch noch das Bähnle auf der falschen Seite der Ach. «Auf diese Weise bleibt Wolfurt immer zurück.» 1904 jubelt der Chronist über die Einweihung der neuen Brücke nach Kennelbach und anerkennt die Verdienste von Oberlehrer Rädler für dieses großartige Bauwerk. Im gleichen Jahr bestellte der neue Pfarrer Nachbauer die herrliche Bronzeglocken. Engelbert Köb war selbst beim Guß in der Firma Graßmayr in Feldkirch dabei und schildert alles ausführlich, auch daß der Pfarrer die 43.000 Kronen leicht aus Spenden der Sticker herein brachte. Nur «Die besseren Rickenbacher waren zu dieser Glockenanschaffung nicht gut zu sprechen und zahlten auch nicht dazu.» Die alten Glocken von 1805 mit der Inschrift: «Custodi nos Domine a Farne Peste et Bello» wurden am 14. Juli 1905 im Turm droben in Stücke geschlagen. «Ich habe dabei zugesehen, und es tat einem im Herzen wehe, wenn eine Glocke nach der anderen mit einem grellen Mißton zusammenbrach.» Das alte Bittgebet von Pest, Hunger und Krieg scheint dem Chronisten vertrauter gewesen zu sein als die romantischen Sprüche auf den neuen Glocken. («Ich bin die Glocken Königin und brumme über Wolfurt hin». Siehe Heimat 4, Seite 70!). Jedenfalls schweigt er sich über die neuen völlig aus. In den Jahren bis 1910 berichtet er nun vom Höhenflug und Absturz der Stickerei, aber auch von Schneeund Wassernot. (Siehe Heimat 5, Seite 35f!). 1911, 29. Oktober Einweihung des neuen Friedhofs mit den schönen Arkaden. Die Kosten von 32.000 Kronen wurden bei der Versteigerung der Arkaden fast voll hereingebracht. Eine Arkade kostete 600 bis 1000 Kronen. Die Pläne von Architekt Rusch in Bregenz hatte der Maurermeister August Klien ausgeführt. Die Pfarrkirche wurde von Engelbert Köb 1890 ausgemalt. Auch die Altäre entwarf er. Links sieht man die Grödner Krippe von 1913. Um die Jahrhundertwende ist der Maler Köb vom Elektrischen Licht und von der Einführung der Stickmaschinen ebenso begeistert wie seine Brüder, die zu den ersten gehören, die sich in Wolfurt «Frankenmühlen» anschaffen. (Siehe Heimat 5, Seite 34!) Schon 1896 und 1897 hatten die Gebrüder Gunz für ihre Mühle und Doppelmayr für seine Schlosserei ein E-Werk gebaut. Ihre Rechte am geplanten Kraftwerk Schwarzach und am Netz Schwarzach-Wolfurt traten sie 1899 an Albert Loacker ab. Bald betrieben nun die vielen Sticker in Wolfurt, angeführt von den Brüdern Köb und ihrem Schwager Bildstein, ihre Maschinen mit Elektromotoren. Wegen einiger Störungen kam es zu Differenzen, die Friedrich Schindler mit seinem Kraftwerk Rieden noch schürte. Als Erster Gemeinderat leitete Engelbert Köb gemeinsam mit Wendelin Rädler die Verhandlungen, die schließlich mit einem alle Seiten befriedigenden Ausgleich endeten. 1901 berichtet Köb, daß Wolfurt nun 2070 Einwohner hat, davon sind 239 italienische Fabriksarbeiter. 1902 erzählt er vom 50jährigen Priesterjubiläum des Pfarrers Joh. Georg Sieber (1826-1902). Die Gemeinde ernannte den greisen Priester zum Ehrenbürger. Sieber hatte nicht nur den Pfarrhof neu erbaut, den 30 31 In die Berichte über Feste, Theater und Aufbauleistungen mischt sich zu Weihnachten 1912 plötzlich ein fremder schriller Ton: «Grüne Weihnachten. Der Vollmond scheint so schön auf diese krumme Welt herunter, als ob hier alles in Ordnung war, dieweil spuckts gewaltig mit dem Frieden auf Erden. Man redet von einem Krieg Österreichs mit Serbien und ist, wie es scheint, schon auf beiden Seiten gerüstet. Die Geschäfte gehen sehr schlecht. Die Fabriken verkürzen die Arbeitszeit und entlassen Arbeiter. Die Stickerei ist ebenfalls ganz auf dem Hund wie noch nie.» Das Jahr 1913 wurde ein Notjahr: Arbeitslosigkeit griff um sich. Ein Frost vernichtete die gesamte Obsternte. Der Rickenbach überschwemmte mehrmals das Ried. Maul- und Klauenseuche befiel die Rinder. Fünf Häuser brannten nacheinander ab. Ein Lichtblick am Jahresende: «Die Kirche Wolfurt erhielt eine neue Krippe, gespendet von Jungfr. Franziska Dür. Diese Krippe wurde in Gröden gemacht und soll 1200 Kronen kosten.» «1914. Für die Gemeindekanzlei wurde eine Schreibmaschine angeschafft und Telefon eingerichtet.» Der Maler Engelbert Köb verschweigt bescheiden, daß er selbst den Ölberg so schön ausmalte, daß fast 80 Jahre lang viele 100 Wolfurter Kinder andächtig diese Szenerie bewunderten. Um diese Zeit stand er auf dem Höhepunkt seiner Malkunst. Mit ungeheurem Aufwand hatte er seine Villa «Lug aus» zu einem Schmuckkästchen ausgemalt. Herrliche Ölgemälde mit Wolfurter Motiven schmücken die Wände. Solche Wandbilder malte er nun auch für die Gaststuben im Schwanen und im Rößle. Im Eingang der Klöpplerei Fischer bewunderten wir das herrliche Schloß «Miramare», das der unglückliche Kaiser Maximilian von Mexiko für seine Frau Charlotte bei Triest erbaut hatte. Auch eine Reihe von gerahmten Ölbildern und Aquarellen sind erhalten. Engelbert Köb hatte sich auch den ersten Fotoapparat in Wolfurt angeschafft. Seine Aufnahmen vom Dorfgeschehen sind wertvolle Zeitdokumente geworden. Ein Teil seines Plattenarchivs ist im Fotobuch «Wolfurt in alten Bildern» veröffentlicht worden. In Köbs Aufzeichnungen tauchen immer wieder die Wolfurter Vereine auf, in denen er und seine Brüder vielfach führend tätig waren. Als Gemeinderat waren sie ihm ein großes Anliegen. Wenn er sie im Jahre 1912 aufzählt, ist ihre Reihenfolge bezeichnend für jene Zeit: «Militär-Veteranen-Verein Standschützen Musik Verein Gesang Verein Feuerwehr Kath. Arbeiter Verein Zwei Turn Vereine Bienenzucht Verein Obstbau Verein Jugendhort Handwerkergenossenschaft Stickerbund Pius Verein Mütter Verein Jungfrauen Congregation Zwei Consum Vereine Zwei Spar- und Vorschuß Vereine Zwei Sennerei Genossenschaften Dann kommen noch Viehzuchtgenossenschaft und noch manches andere.» In den Krieg! Schreibmaschine und Telefon: «in unser verlaßenes Dorf am Steusberg», Symbole einer neuen Zeit, die des Chronisten geliebte stille Heimat nun bald schrecklich aufwühlen wird. Am 1. Juli 1914 rückten Musik, Veteranen und Schützen mit der gesamten Bevölkerung zur Trauerfeier für den in Sarajevo ermordeten Thronfolger aus. Nach dem Gottesdienst spielte die Musik auf dem neuen Friedhof das «Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!» «31. Juli 1914. Es ist 6 Uhr früh. Stöaglers Seppl, der Gemeindediener, steht schon am Kirchplatz und schellt aus Leibeskräften. Es sind noch wenige Leute zu sehen. Von der Kirchenstiege kommen etliche Frauenspersonen aus der Frühmesse. Der Todtengräber Sepp kommt mit langen Schritten vom Tobel herunter, um zu sehen, was schon los ist. Nachdem etliche Personen gekommen waren, zeigt der Gemeindediener auf einen großen Zettel an Hansens Haus und sagt: 33 1912 fand die erste Viehausstellung in Wolfurt statt, bei der 140 Stück aufgetrieben wurden: «Es sah aus wie halber Feiertag. Nach der Prämierung war Umzug mit den prämirten Thieren. (Strohdorf - Hub). Selbverständlich that die Musik beim Umzug auch mit, denn ohne Musik festet der Wolfurter überhaupt nicht.» 32 Die Krieger waren durchwegs in gehobener Stimmung, mancher hatte sich Muth angetrunken, um sich den Abschied zu erleichtern. Musik und Veteranen waren ebenfalls gekommen, um die Scheidenden bis Bregenz zu geleiten. Jetzt wars Zeit zum Abmarsch. Die Krieger riefen nochmals Abschiedsworte und schwangen die Hüte. Dann hieß es: Doppelreihen, rechts um, Marsch! und hinaus giengs zum Dorf unter den flotten Märschen der Musik. Man stimmte wohl auch Lieder an, doch hatte es damit.» Köb schildert dann noch die Stunden des Abschieds am Bregenzer Bahnhof und schließt: «Als der Zug in der Ferne verschwunden war, wischten sich viele der Zurückgebliebenen verstohlen die Augen und sagten sich: Mancher, mancher wird nicht mehr kommen . . . » Es folgt ein genaues Verzeichnis der 100 Männer, die am 1. August aus Wolfurt direkt an die Front nach Serbien oder nach Galizien einrückten. Die ältesten vom Jahrgang 1972 waren 42 Jahre alt, die jüngsten (1893er) 21 Jahre. Freiwillig rückte der 19jährige Josef Mohr mit ein. Nur wenige waren Kaiserjäger, die meisten Wolfurter hatten ihre dreijährige Militärdienstzeit in den Garnisonen Südtirols und Trients als Kaiserschützen abgedient. Nun wurden ihre Kompagnien in den Angriff auf Serbien geführt oder den vorrückenden russischen Armeen entgegengeworfen. Sie erlitten furchtbare Verluste. Nach einem halben Jahr hatte der Chronist schon zu vielen Namen geschrieben: gefallen, vermißt, in russischer Gefangenschaft. Darunter waren etliche Familienväter mit 5, 7 oder 8 Kindern. Schrecklich hatten sich die düsteren Ahnungen bewahrheitet. Auch daheim hatte sich vieles verändert: «Mitte August 1914. Es hat plötzlich aller Verdienst aufgehört; die Stickereien sind alle geschlossen. Selbst die Kennelbacher Fabrik beschäftigt ihre Leute nur noch 3 Tage in der Woche. Die Leute sind sehr niedergeschlagen und traurig. Man hat noch nie so viel gebetet wie jetzt.» «21. August 1914. Es wird die schwarze Fahne vom Kirchturm ausgehängt. Papst Pius X. ist gestern gestorben. Die Leute sagen: As kut doch Alls z'sämmet.» Durch kaiserlichen Erlaß wurden nun die Sportschützen, die nach alter Vorarlberger Tradition auf ihren Dorfschießständen gelernt hatten, mit dem Gewehr umzugehen, über Nacht in Militärverbände umgewandet und zur LandsturmReserve erklärt. 35 Jetzt wurde es aber auf einmal lebendig im Dorfe. Man rennt hin und her und überall stehen Leute beieinander und überall heißt es Radfahrer und Fußgänger eilen in die Gemeindekanzlei und fragen: Auf dem großen Zettel steht, daß auch der Landsturm bis zu 42 Jahren einrücken muß, aber man kennt sich nicht recht aus. Über telefonische Anfrage bei der Bezirkshauptmannschaft kam die Weisung: Jeder, der im Besitz eines Militärpasses ist, hat einzurücken. Jetzt gabs große Aufregung. Bis jetzt hatte man den Landsturm nicht so ernst genommen. Der junge Theil der Mannschaft war Frohen Mutes, die Älteren jedoch, besonders die Verheirateten, nahmen die Sache schon ernster, waren aber auch nicht verzagt. Man dachte nicht, daß der Landsturm schon so bald den Russen gegenüber stehen würde. Man meinte, man habe es nur mit einem Häuflein Serben zu thun, da Rußland den Krieg noch nicht erklärt hatte. Einen wehmütigen Eindruck machte es auch, als man mit den 16 kriegspflichtigen Rossen zum Dorfe hinaus gallopirte. Jedes mußte ein Komat mitbringen, und hatte für 2 Tage Futter auf den Rücken gebunden. Für diese Rosse zahlte der Staat 21.000 Kronen Entschädigung. Abends und in der Früh giengen die Krieger noch zu den hl. Sakramenten. Ein Landstürmler sagte: gehts lebhaft zu. In der Gemeindekanzlei ists nun ruhiger geworden. Ab und zu kommt noch einer und wieder trifft man einen mit verweinten Augen. Man einigt sich, Nachmittag 4 Uhr miteinander abzumarschieren und in Bregenz zur Bahn zu gehen. Beim war Sammlung. Jeder hatte einen vollgepackten Rucksack auf dem Rücken. Der Platz vor dem Sternen war voll Menschen, da viele Angehörige, sowie Mütter mit den Kindern ebenfalls gekommen waren, die Krieger noch einmal zu sehen. Manche Frauen und Kinder weinten. Pfr. A. Nachbauer hielt vom Gangfenster aus eine feurige Ansprache an die Scheidenden und forderte sie auf, für Gott, Kaiser und Vaterland in den Krieg zu ziehen. Hierauf wurde auf den Kaiser ein Hoch ausgebracht, in welches alles begeistert einstimmte. 34 Wolfurt und Kennelbach wurden zu einer Kompagnie zusammengefaßt, Wolfurt trug 95 Männer in die Listen ein, Kennelbach 60. Landeshauptmann Rhomberg kam am 21. August 1914 nach Wolfurt und nahm im neuen Vereinshaus die Vereidigung der Kompagnie Wolfurt-Kennelbach vor. Anschließend wurden - ganz anders als sonst beim k.u.k. Militär - die Offiziere von ihren «Soldaten» gewählt. Hauptmann wurde Ludwig Köb, Lehrers; Oberleutnant Leo Wolf aus Kennelbach; Leutnant Johann Georg Hohl (HohloSchnidar). Aber kaum einer rechnete damit, daß er wirklich an die Front müßte. «27. August, Gebhardstag. Kriegsprozession. Solange der Gebhardsberg steht, war wohl nie eine so große Menge Menschen dort oben. Es kamen Prozessionen 6 Stund weit her zu Fuß.» Jetzt wurden Lebensmittel gehamstert. Mühlen und Läden waren ausverkauft. Auch alles Münzgeld war verschwunden, in das Papiergeld setzten die Leute kein Vertrauen mehr. Die Welschen-Arbeiter wurden entlassen. Viele Sticker suchten Arbeit bei der Rickenbachregulierung. Im Oktober ging die Kennelbacher Fabrik mit der Erzeugung von Verbandstoffen wieder voll in Betrieb. Der Staat sammelte Edelmetall unter dem Schlagwort «Gold gab ich für Eisen.» In Wolfurt kamen 25 Eheringe, 20 goldene Ringe, 15 goldene Broschen, 26 Paar Ohrringe und verschiedener anderer Schmuck zusammen. «17. Oktober 1914. Heute wurde für den ersten Wolfurter, welcher den Tod fürs Vaterland starb, Gottesdienst gehalten. Einjährig Freiwill. Korporal Joh. Georg Kirchberger fiel am 30. September in einem Gefecht bei Pordorzin, Galizien, durch Brustschuß im Alter von 22 Jahren. Er studierte Juri und war auch ein ausgezeichneter Musikant.» Zum Gottesdienst waren auch Landeshauptmann Adolf Rhomberg und der spätere Bundeskanzler Dr. Ender nach Wolfurt gekommen. Als in den folgenden Monaten immer häufiger im ganzen Land die Glocken zu Totenmessen riefen, war ihnen das nicht mehr möglich. Immer mehr Männer, auch jüngere Jahrgänge, wurden nun nachgemustert und eingezogen. «Weihnachten im Kriegsjahr 1914. Friede den Menschen auf Erden. - Millionen Soldaten stehen im Felde. Seitdem Krieg ist, sind die Menschen viel erträglicher miteinander; Streitigkeiten und politischer Zank haben aufgehört. Man hat jetzt nur noch einen Wunsch: Wenn nur der Krieg aus wäre.» «In Lauterach sind einige hundert Flüchtlinge (Ruthener) aus den von den Russen bewohnten Grenzgebieten Ungarns und Bukowina angekommen. Sie wurden in der Kaserne untergebracht.» 36 «Mitte Jänner 1915. Da hier keine Arbeit und kein Verdienst ist, so sind einige Wolfurter nach Wälschtirol gegangen. Es werden dort viele Leute angestellt, um gegen den
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Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1990 19.11.2012, 18:30 Heft 6 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 90 Im Dorf. Die Fronleichnamsprozession mit Kirchenchor, Schützen und Musik. Die Gemeinderäte tragen den Himmel. Links der «alte» Schwanen mit dem großen Sandsteinbrunnen am Dorfbach, rechts der neue Schwanen. Im Hintergrund die Waschhütte. Inhalt: 18. 19. 20. 21. 22. 23. Das Wolfurter Kirchdorf (Heim) Häuserverzeichnis 1926 Sozialstrukturen (Volaucnik) Wasser und Wald (Heim) Aus Großvaters Tagebuch (Ferdinand Schneider) Spatzecklo (Heim) Zuschriften Zu «Kriegsende 1945» (Heft 3/36) ist noch ein Brief eingegangen. Sicher wüßten andere Wolfurter noch mehr zu erzählen: Auch ich habe die letzten Kriegstage so in Erinnerung, daß die französischen Flieger im Tiefflug aufalles schossen, was sich da unten bewegte. Ob Radfahrer oder Kinder, es wurde einfach geschossen. Und so erlebte ich einen der Tagesangriffe. Wir Flotzbächler Buben, 12—14jährig, waren an diesen letzten Kriegstagen immer unterwegs. Die Jabo's (Jagdbomber) warfen nämlich nicht nur Bomben, sondern auch Flugblätter ab, auf die wir Buben natürlich scharf waren. Nun muß ich für alle Wolfurter, die damals noch nicht auf der Welt waren oder noch nicht in unserer Gemeinde wohnten, etwas ausholen. Die Unterhubstraße, das ist die Straße vom ehemaligen Doktor-Haus bis zum Hause Herburger (Fa. Stark), war damals nur ein kleiner staubiger Weg, beidseitig eingesäumt von hohen Hecken. Weit und breit aber kein einziges Haus, nur eine riesige Wiese und ein paar Äcker. Ausgerechnet über dieser Wiese flatterten die Flugblätter auf uns herab. Erwartungsvoll schauten wir Knirpse (Gasser Arthur,SchwerzlerKarl und ich) nach oben, als plötzlich einer von uns aufgeregt schrie: «Die Flugzeuge kommen zurück!» Tatsächlich wendeten sie nach dem Abwurf der Blätter über Rickenbach und stießen nun direkt aufuns herunter. Blitzschnell sausten wir in Richtung Straße, zu den kleinen Bäumen, um dort Schutz zu suchen. Wir standenja wie Zielscheiben ohnejede Deckungsmöglichkeit mitten aufder Wiese. Kaum lagen wir angstzitternd mit eingezogenen Köpfen hinter den Bäumen, als die Bord-Maschinengewehre schon zu hämmern begannen. Hinterher prasselten die leergeschossenen Patronenhülsen durch das Geäst auf uns herunter. Viele Jahre habe ich einige dieser Hülsen aufbewahrt. Wir Buben hatten Glück. Niemand wurde verletzt. Kein Glück hingegen hatte die damals 15jährige Luise Bilgeri, die bei diesem Angriff tödlich getroffen wurde. Ludwig Schwärzler DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1961 in Bregenz. Er hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Nach seinem Geschichtestudium betreut er jetzt das Industrie-Archiv in Feldkirch. Ferdinand Schneider, 1845—1917, Wolfurt. Fabriksarbeiter, Musikant, Schauspieler, Chronist. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Berichtigung In Heft 5 muß die Inhaltsangabe auf der Titelseite berichtigt werden: 15. Auswandererschicksale (Heim) Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 Siegfried Heim Das Kirchdorf Wolfurt Auszug aus einem Vortrag im März 1990. Dritter Teil der Serie Geschichte nach «Pfarrkirche» (Heft 4/54) und «Schlösser» (Heft 5/3). Unser Kirchdorf hat sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Es hat viel von seiner Bedeutung eingebüßt. 1. Schon seit 1870 hat es durch den Bau von Schule und Gemeindeamt im Strohdorf einen Konkurrenten erhalten, der später mit Vereinshaus und Post als weltliches Gemeindezentrum das Dorf weiter hinter sich ließ. 2. Die Kirche hat an Boden verloren. Nur mehr 30 % der Wolfurter besuchen die Gottesdienste. 3. Der Autoverkehr hat den Kirchplatz zerstört. Er ist kein Platz mehr, wo sich Wolfurter bei Gespräch, Spiel oder Versammlung treffen. Gasthäuser und Geschäfte wurden verlegt, der Brunnen abgebrochen. Gastarbeiter bewohnen die alten Häuser. Wir hören von Bemühungen um die Wiederbelebung des Dorfes und haben die Pläne gesehen. Wenn sie verwirklicht werden sollen, sind dazu Dörflerstolz, Traditionsbewußtsein und viel Mut notwendig. Kirchdorf und Bütze um das Jahr 1938. Eng drängen sich die alten Bauernhäuser um den Brunnen am Fuß der Kirche. Ein riesiger Obstwald und blumige Wiesen erstrecken sich bis ins Wida. Der Großteil der Mark wurde aber von allen Bauern in Dreifelderwirtschaft gemeinsam bebaut. Die drei Esche waren mit einem Zaun gegen «trib und trat» des Weideviehs geschützt. «Vällenthörer», das sind große Gattertore, ermöglichten den Zugang. Sie bestanden noch bis zur Auflösung der Dreifelderwirtschaft im 18. Jahrhundert. Eines weist der alte Brunnenbrief beim Haus Bregenzerstraße 6 («Hannes Franz») nach, welches noch um 1800 das nördlichste Haus des Dorfes war. Nach Westen endete das Feld ursprünglich bei Bütze- und Unterlindenstraße. Dort sollen nach der Überlieferung zur Pestzeit die Toten am Feldrain bestattet worden sein. Die jetzige Kreuzstraße hieß früher «Feld»-Straße. Als auch die Unterfelder westlich der Bützestraße kultiviert worden waren, wurde das zweite Vällenthor an das untere Ende der «Berg»-Gasse (heutige Kellhofstraße) verlegt. Markgenossenschaft Der Gotenkönig Theoderich hatte um 500 n. Chr. die vor dem Frankenkönig Chlodwig fliehenden Alemannen im Land um den Bodensee aufgenommen. Eine Hundertschaft überquerte die Ach und ließ sich an der alten Römerstraße am Fuß des Steußbergs nieder. Hier gab es genug Holz zum Bau von festen Häusern und zwischen Berg und Sumpf auch guten Boden für Getreideäcker. Das unentbehrliche Wasser lieferten die Waldbäche selbst in der Sommerhitze und in den Frosttagen des Winters. So drängte sich bald eine Gruppe von alemannischen Einraumhäusern im Tobel und am «Roa», wo die alte Römerstraße vom Oberfeld her den Talrand erreichte, nahe an den Tobelbach. Zu jedem Haus gehörte das «ehaft gut», eine eingezäunte Bündt für Obst, Reben und Flachs. 2 Kellhof des Königs 742 mußten sich die inzwischen christianisierten Alemannen doch noch den übermächtigen Franken unterwerfen. Fränkische Grafen übernahmen die Herrschaft. In Wolfurt entwickelten sich die beiden Herrschaftshöfe «zu staig» in Rickenbach und «kelnhof» am Tobelbach zu selbständigen Gerichten. Sie zogen immer mehr Besitz und unfreie Leute an sich. Ein Ammann verwaltete den Hof für den Grafen. Er sprach Recht und führte die waffenfähigen Männer an. 3 Von den Bregenzer Grafen fiel der Kellhof 955 an die Pfullendorfer Linie und 1167 an den Stauferkaiser Friedrich Barbarossa. Lange Zeit blieb er nun als selbständiges Gericht und Königsgut ein Fremdkörper im Hofsteiger Besitztum der Montforter Grafen. Zu seinem Selbstbewußtsein trug auch die Kapelle St. Nikolaus auf dem Rain bei, die die Pfullendorfer für ihren Hof gestiftet hatten. Viele freie Bauern unterstellten sich der Schutzherrschaft des Hofes oder auch des nahen Klosters Mehrerau. Ihre freiwillig abgetretene Habe erhielten sie als «Lehen» von ihrem Herrn wieder anvertraut, nur mußten sie jährlich eine Abgabe zahlen. Der «Großzehent» bestand in jeder zehnten Gabe von Vesen und Hafer, auch von Heu, und jedem elften Maß Wein. Der «Kleinzehent» wurde von Kälbern, Gänsen, Enten, Hühnern, Äpfeln, Birnen, Rüben, Bohnen, Erbsen, Nüssen, Hanf und Flachs genommen, aber auch von Milch, Butter, Käse, Eiern, Honig und Wachs. Statt in natura wurde der Kleinzehent später in bar oder durch Frondienst abgegolten. Daneben gab es noch andere drückende Steuern. Die schwerste war der «fal», der beim Ableben des Familienältesten «fällig» wurde, meist als «besthaupt» im schönsten Pferd oder Rind aus dem Stall und als «häsfal» im besten Kleid aus dem Kasten. Für diese Abgaben bot der Hof aber mehr als nur Schutz in Kriegszeiten. Er zwang unter Leitung der erfahrensten Männer das Dorf zu einer Gemeinschaft wie in einer großen Familie. Er verlieh Pflug und Wagen. Er stellte den Kessel, in dem der Hafer zum Enthülsen gesotten wurde, und die Mühle am Tobelbach. Der Hof hielt für alle im Dorf Hengst, Stier und Eber. Er bot auch Gastfreundschaft. Er stellte Herberge und Wirtshaus für Wanderer, Bettler und Landfahrer. Auf einem umzäunten Platz bestand die Möglichkeit zur Rast für Mann und Pferd. Der Hof stellte den Dorfschmied, den Metzgerzuber und die Badgelte. Ihm gehörte der Weintorggel. Der Hof besaß auch ein Armenhaus und versorgte die Waisenkinder. Er verlieh und kontrollierte Maße und Gewichte. So fand der Zehent vielfältige und nützliche Verwendung (nach Bilgeri in «Holunder» 1932/35). Vom Kellhof führte ein Säumerweg über Oberbildstein und die «Roßgasse» nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den freien Reichspfarren im Hinterwald . Der Montfort-Mehrerauer Teil des Bregenzerwaldes war schon früher von Hofsteig aus über Schwarzach-Farnach erschlossen worden. Barbarossas Sohn Heinrich schenkte 1226 die Kapelle St. Nikolaus an das Kloster Weißenau bei Ravensburg. Der Kellhof wurde mehrfach verpfändet. 1458 kauften ihn die reichen Grafen von Hohenems. Sie musterten nunmehr die Kellhofer Burschen in der Tanzlaube an der Kirchstiege und hielten dort Gericht! Durch Erbteilungen und Käufe waren die Gebiete von Hofsteig und Kellhof völlig ineinander verwachsen. Zum Kellhof gehörten jetzt 200 Leibeigene. 1603 führte Amann Bastian Kölnhofer 55 Männer zur Musterung nach Ems. 4 Kirchdorf am Steußberg Das Gericht Hofsteig mit Rickenbach und Schwarzach hatte längst seinen Hauptsitz nach Lauterach verlegt. Es war 1451 mit Bregenz an Habsburg-Österreich gekommen. Gemeinsam mit den emsischen Kellhofern errichteten die Hofsteiger 1512 eine selbständige Pfarrei Wolfurt. Abwechselnd durfte einmal das Kloster Mehrerau, dann wieder das Kloster Weißenau den Pfarrer stellen. Jetzt wurde die Tanzlaube bei der Kirche ein wichtiges Zentrum für die Leute von der Ach bis zur Schwarzach und für Bildstein und Buch. 1517 errichteten die Bewohner des Dorfes hier den ersten Dorfbrunnen. Durch hölzerne Düchel leiteten sie das Quellwasser vom Weinberg des Schloßherrn Jakob von Wolfurt her. Die Vällenthörer und die gemeinsamen Getreide-Esche erwiesen sich bei der Zunahme der Wohnbevölkerung nun immer mehr als Fessel. Um 1720 erzwang der einsetzende Anbau von Mais und Kartoffeln die Verteilung der Felder. Einzelne Bauern versetzten jetzt ihre Häuser aus dem engen Dorf in die neuen Felder. Der Pfarrer nennt sie im Seelenbeschrieb von 1760 «translata» oder «delocata». Reichere Bauern errichteten neue Höfe außerhalb des Dorfzauns im Röhle und in der Bütze. 1765 war der Kellhof mit Hohenems schließlich doch auch zu Österreich gekommen. Vier Wolfurter Bürger kauften 1771 die letzten Kellhofgüter, darunter den großen, von einer Mauer gegen den Tobelbach geschützten Weingarten in der Bütze, aus der Emser Herrschaft frei. Als erster baute ein Haltmayer-Sohn aus dem Dorf im Jahre 1800 ein Haus in die westlichste Ecke des Weingarten (heute Heims in der Bütze). Das zweite baute 1806 der Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider an die «Berggasse». Es war das spätere Rädlerhaus, das samt der Bütze-Mauer 1976 für die Geschäfte an der Kellhofstraße abgebrochen wurde. Vor der Mauer war noch genug Platz für die riesigen Holzstapel der Laute racher und Harder Bauern. Hier lagerten sie ihr Ippach-Holz, um es bei guter Schlittbahn oder auf schweren Blockwagen nach Hause zu führen. Der alte Brunnen bei der Tanzlaube und der 1811 errichtete «Kleine Brunnen» an der Kreuzstraße waren wichtige Treffpunkte der Dorfgemeinschaft. Jeden Morgen und Abend trieb jeder Bauer sein Vieh hierher zur Tränke. Ein paar Holzkübel voll Wasser wurden für den täglichen Bedarf in die Küche getragen. Bei gutem Wetter besorgten die Frauen am Brunnen und am Bach ihren Waschtag, bis eigene Waschhütten erstellt wurden. Für die Kinder und die Jugend des Dorfes waren Brunnen, Bach und Tanzlaube Mittelpunkt ihrer Spiele. Wegen unliebsamer Vorkommnisse bestanden die Nachbarn und der Pfarrer 1830 auf dem Abbruch der Laube. Rundum waren inzwischen Gasthöfe entstanden. In ihren Sälen gab es Fasnatunterhaltung, Theater, Hochzeits- und Totenschmaus. Aber auch Gemeindevertretungssitzungen und Musikproben wurden im Schwanen-, Rößle- oder Engelsaal abgehalten. 5 lungen geschlossen, die Brunnen abgebrochen, die Plätze dem seit 1955 einbrechenden Autoverkehr überlassen. 1953 hatte die Gemeinde mit ihrem Wasserwerk die Möglichkeit zur Erschließung und Zersiedlung der umliegenden Felder und Bühel geschaffen. Zwei Jahrzehnte lang lag Wolfurt an der Spitze der Zuwachsraten in Vorarlberg und verdreifachte seine Häuserzahl. Die alte Römerstraße am Berghang vermochte den Autoverkehr nicht mehr zu fassen, der Durchzugsverkehr wurde 1964 auf die neue Straße in der Bütze verlegt. Aber auch der Quell verkehr von den nahen neuen Siedlungen genügte, um die Lebensqualität am Dorfplatz entscheidend zu mindern. Die Jungen siedelten in ruhigere Eigenheime ab. Investitionen in die alten Häuser erschienen fragwürdig. Sie wurden vielfach Gastarbeiterfamilien überlassen, verwahrlost und abgewohnt. Manche stehen heute leer oder fast leer, einige wurden abgebrochen, nur wenige neu erstellt. Nur ein großzügiges Revitalisierungsprojekt kann das 1000jährige Kirchdorf noch retten. Das Kirchdorf 1760 (Zur folgenden Skizze) Das Rößle um 1910 an der alten Kirchstiege. Gasthaus, Bäckerei, Handlung, Theater- und Tanzsaal, Casino. Dort, wo der neue Lampenmast steht, wurde bis 1830 in einer Tanzlaube am Dorfbach Rat gehalten. 1982 wurde das Rößle abgebrochen. Auf dem Kirchplatz hielt die Bürgermusik ihre Platzkonzerte. Hier sammelten sich die Turner zu ihrem Festaufmarsch. Von hier aus zogen die Standschützen 1915 an die Dolomitenfront, hier standen die Dorfvereine bei den vielen Heldenehrungen des zweiten Weltkrieges. Es wechselten die Fahnen an der Kirchstiege, aber immer waren Dorf und Kirchplatz von regem Leben erfüllt. Im «Seelenbeschrieb» von 1760 legte Pfarrer Josef Andreas Feurstein erstmals ein numeriertes Häuserverzeichnis an, das zusammen mit späteren Landkarten eine Übersicht über das Dorf ermöglicht. 57 Häuser gehörten zum Kirchdorf. Kirche (K), Tanzlaube (T) und Pfarrhof (Pf) sind ohne Nummer. Vom Dorfplatz stieg die Landstraße steil auf den Bühel. Sie führte den Verkehr zur Achfurt und nach Bregenz. • Die Numerierung beginnt bei der Kirche: Nr. 1—6 «Auf dem Bühel». Die Köb-Häuser (1 und 2) sind 1911 abgebrannt. An der Stelle der Dorfschmiede (3) steht heute die Villa «Lug aus». Das Kinzhaus (4) ist 1880 abgebrochen worden. Erst 1839 entstand hier das Kaplanhaus. Nr. 7—13 waren die sieben Häuser «Zur Ach». Sie zählten nicht zum Dorf. Nr. 14—18 «Im Röhle». Das damals neue Haus 14 (Hannes Franz) stand bereits außerhalb des Vällenthores. Nr. 16+17 mußten 1826 der großen Haltmayer-Gerbe weichen. Dort steht jetzt der neue Gasthof Engel. Die wichtige «Bregenzerstraße» entstand erst nach 1810. Nr. 19—25 «Im Loch». Mit sechs Häusern dicht verbaut. Nr. 26—33 «An der Berggaßen». Aus der Enge des Dorfplatzes wurde das oberste Haus 26 schon etwa 1780 ans untere Ende der Berggasse (heute Mohr Zita) übertragen. Nr. 27 mußte 1860 dem «neuen» Schwanen weichen, Nr. 28 («Filitzos») wurde 1895 für den Schwanengarten abgebrochen. Nr. 29 («Veres» — Höfles) stand noch bis 1980. Nr. 30 («Stülzes») stand Das Kirchdorf zerfällt Die Gemeinde Wolfurt besaß im zwei Kilometer entfernten Rickenbach, das sich aus dem alten Weiler Steig zu einem selbstbewußten eigenen Dorf entwickelt hatte, ein zweites kleineres Zentrum. Auch hier gab es Dorfbrunnen, Gasthöfe, einflußreiche Gerwerbebetriebe und dörflichen Zusammenhalt. Im Wettbewerb der beiden Dörfer wurde ab 1870 der dazwischen liegende Weiler Strohdorf der lachende Dritte. Zwar war es den Rickenbachern 1830 nicht gelungen, eine neue Kirche hierher «in die Mitte» zu bauen, wohl aber wurde 1872 die neue Schule mit dem Gemeindeamt hier errichtet. Es folgten die Post, das Vereinshaus, auch Handelsgeschäfte und schließlich die Hauptschule mit den großen Sporthallen. Die Abwanderung der öffentlichen Einrichtungen ins Strohdorf hatte die Verödung von Kirchdorf und Rickenbach zur Folge. Nach und nach wurden Gasthöfe und Hand6 7 ursprünglich ganz einsam außerhalb des westlichen Vällenthores (V). Im Haus 31 lebte bis 1797 der einflußreiche Kloster-Ammann Nikolaus Müller, von dem es noch heute den Namen «Sam-Müllers» trägt. Nr. 33 war das einzige Gasthaus im Dorf, der «alte Schwanen». Hier tagten die Dorfverwalter. Der Wirt Joh. Georg Reiner trat in der Bayernzeit als «Amtsverweser» an den Platz des früheren Ammanns. Nr. 32 läßt sich nicht mehr lokalisieren. Da die «Berggasse» vom Dorfbrunnen bis zum großen Kellhofweingarten führte, trägt sie heute zu recht den Namen Kellhofstraße. Nur ihre steile Fortsetzung beim Kriegerdenkmal wird im Volksmund weiterhin Berggasse genannt. Nr. 34—37 «An der Feldgaßen». Heute heißt sie «Kreuzstraße». Das Haus 34 ist erst im Jahre 1879 zum Gasthof «Lamm» erweitert worden. Nr. 38—40 «Im Gäßele». Das Haus 38 ist 1911 abgebrochen worden. Nr. 41—44 «Im Tobel». Zum schon vor 1800 verschwundenen Haus 41 gehörte vermutlich die Kellhof-Mühle. Nr. 45—46 «An der Kirchstiegen». Das große «Hanso Hus» Nr. 45 war der einzige Kaufladen im Ort. Nach den Gottesdiensten stand er auch den Leuten von Buch und Bildstein offen. Der Besitzer Anton Bildstein war «Balbierer» und «Chirurg». Nr. 46 wurde erst 1850 zum «Rößle» umgebaut. Nr. 47—62 «An der Kirchgaßen». Heute heißt sie «Kirchstraße». Auch hier ist das erste Haus 47 direkt beim Dorfbrunnen schon um 1810 verschwunden. Nr. 51 wurde 1806 in der Bütze (bei der Rittergasse) neu aufgestellt. Andere Bauherren nützten aber bald den freien Platz. Das «Girschke»Haus 52 wurde etwa 1975 abgebrochen. 53 und 54 («Stenzlers») ist eines der wenigen erhaltenen alten Doppelhäuser, die beweisen, wie rar die Bauplätze im Dorf schon um 1750 waren. Daher hatten der reiche Rohner (57) und die beiden mächtigen Schneider (61 und 62) ihre neuen großen Häuser in das Getreidefeld gestellt. Nr. 57 ist 1869 abgebrannt, erst 1893 erbaute Lehrers Ludwig hier ein anderes. Die Schneiderhäuser sind miteinander 1907 abgebrannt. Nr. 63 «Auf der Halden» ist das letzte Haus, das noch zum Kirchdorf zählte. An ihm vorbei führte der alte Reitweg zum Schloß und ins Holz. Links waren damals noch ein zum Schloß gehöriger Weinberg und die älteste Quellfassung (X) für den Dorfbrunnen(B). Das Überwasser mußte später auch noch für den «kleinen Brunnen» bei Nr. 57 und die Waschplätze bei 28 und 54 reichen. Die Waschhütte auf dem Bühel (bei 2) besaß eigene Wasserrechte. Pfarrers Weinberg im Tobel bestand als letzter von den vielen Wolfurter Weingärten noch im Jahre 1882. 9 Häuser-Verzeichnis der Gemeinde Wolfurt nach dem Stande vom 31. Dezember 1926. 10 11 Christoph Volaucnik II. Sozialstrukturen im vorigen Jahrhundert Einleitung Der vorliegende Aufsatz stellt die Fortsetzung eines im Heft 2, November 1988, der Zeitschrift «Heimat Wolfurt» erschienenen Artikels dar. Während der erste Artikel die wirtschaftliche Entwicklung Wolfurts und die historischen Veränderungen des Berufslebens zum Thema hatte, sollen nun die sozialen Verhältnisse meiner Heimatgemeinde im 19. Jahrhundert skizziert werden. Der Aufsatz gliedert sich in zwei Teile, wobei zuerst anhand vorhandener Statistiken und Quellen die Bevölkerungs- und Vermögensverhältnisse und dann im zweiten Teil der Wandel und Aufbau der Gemeindeinfrastruktur (Schule, Straßen) kurz vorgestellt werden sollen. Zum ersten Teil des Aufsatzes sei vorweg festgestellt, daß mit den zahlreichen Quellen des Gemeindearchivs eine statistische Darstellung der Bevölkerungszunahme, der Familiengröße des Jahres 1839, der Vermögensklassen und der Fremden im Dorf möglich war und dadurch zumindestens ein Einblick in das soziale Leben und in die gesellschaftlichen Abstufungen des Dorfes gewonnen werden konnte. Eine statistische Darstellung (quantitative Auswertung) von Quellen ist aber nur ein beschränktes Mittel für die Erforschung der Sozialgeschichte eines Dorfes und muß durch Forschungen zur Familiengeschichte, zur Hausgeschichte abgerundet werden. Gerade hier kommt dem Dorfchronisten eine wichtige Aufgabe zu, da er in detailreichen Forschungen Informationen gesammelt hat, die Basis für die sozialgeschichtliche Forschung sein könnten. Dieser Aufsatz kann daher nur als Skizze und Versuch einer dörflichen Sozialgeschichte verstanden werden. Im Jahre 1899 wurden die Wolfurter Häuser zum vierten und letzten Mal von der Ach bis in den Schlatt durchnumeriert. Diese Reihung galt bis zum 1. Jänner 1954. Dann wurden die heutigen Straßenreihungen eingeführt. Nur wenige von uns werden all die Namen kennen, die 1926 in der Gemeinde Geltung hatten. Vielleicht helfen sie Ihnen aber doch, sich wenigstens Ihre Nachbarn ins Gedächtnis zu rufen. Welche Häuser haben die Bau-Wut der letzten 40 Jahre überdauert? Viele Unterlagen über die alten Häuser finden Sie noch im Gemeinde-Archiv. 12 13 II. 1 Bevölkerungsentwicklung Jahr 1807 1819 1832 1833 1834 1835 1837 1839 1869 1880 1890 1900 1910 1923 männl. weibl. Total 1143 1069 1279 1209 1222 1214 1236 1332 1648 1623 1892 2070 2265 1798 Dienstboten Fremde Häuser Haushalte mit n-Personen 1 2 3 4 5 1- 5 6 7 8 9 10 6-10 11 12 mehr Total 6 26 30 46 41 38 26 13 9 7 5 1 2 in % 2,4 10,4 12,0 18,4 16,4 59,6 15,2 10,4 5,2 3,6 2,8 37,2 2,0 0,4 0,8 581 604 577 560 621 788 759 562 675 645 654 711 860 864 183 2 22 22 19 20 21 44 16 16 20 30 215 219 220 221 228 230 262 272 344 Wie aus dieser statistischen Übersicht hervorgeht, erlebte Wolfurt im 19. Jahrhundert einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, wobei interessanterweise der Zuwachs in den Jahren 1877 und 1880 20 % betrug, in der Zeitspanne von 1880 bis 1890 aber ein Zuwachs von 16,6 % zu verzeichnen war. Dieser enorme Zuwachs ging bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch weiter. Ein gewaltiger Rückgang der Bevölkerung setzte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein, als die Bevölkerung bis zum Jahre 1923 auf 1798 zurückging. Der Aufschwung seit 1880 ist mit der großen Bedeutung und dem Aufschwung der Stickereiindustrie zu erklären und den Vergrößerungen in der Textilindustrie ab 1890. Die Stickerei konnte sich vom Rückschlag des Weltkrieges nicht mehr erholen, und durch diesen bedeutenden Verlust eines der wichtigsten Erwerbszweige der Gemeinde, kam es zu einer Abwanderung der Bevölkerung und sogar zu einer Auswanderungswelle vieler Wolfurter nach Amerika. Durchschnittliche Anzahl pro Haushalt: 4,9 Personen Diese Zahlen zeigen, daß 1839 eher die Kleinhaushalte dominierten. Eine Durchschnittszahl von 4,9 Personen pro Haushalt und die Tatsache, daß Haushalte mit bis zu 5 Personen mit 59,6 % am stärksten vertreten waren, zeigt die Dominanz des Kleinhaushaltes. Aber auch noch Haushalte mit 6 bis 7 Personen waren in Wolfurt recht stark vertreten, während Großfamilien mit 10 Personen selten waren. Leider gibt es für das 19. Jahrhundert keine weiteren derartigen Haushaltsverzeichnisse mehr, die über die Haushaltsformen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Auskunft geben könnten. Im Jahre 1839 waren von 241 gezählten Häusern lediglich 18 Häuser mit 2 Familien-Haushalten besetzt. II 2. Haushaltsstrukturen 1839 Aus dem Jahre 1839 hat sich ein Bevölkerungsverzeichnis mit Angabe der Familiengröße erhalten, das Aufschlüsse über die Haushaltsstrukturen und auf Familienstrukturen gibt. II 3 Vermögensstruktur Mit den im Gemeindearchiv befindlichen Vermögenssteuerverzeichnissen der Jahre 1785, 1797, 1846 und 1850 ist es möglich einen Einblick in die Vermögensstruktur der Gemeinde, den sozialen Aufbau und in die sehr bedeutende Verschuldung zu gewinnen. Diese Steuerbücher bestehen aus dem geschätzten Vermögen (Haus, Grund, Fahrnis und Kapital), den Schulden, wobei der Kreditgeber meistens genannt wurde, und, nach Abzug der Schulden von der Schätzsumme, das tatsächlich zur Verfügung stehende Vermögen, das zur Besteuerung herangezogen wurde. Um einen Eindruck von der Verschuldung zu erhalten, werden in den folgenden Tabellen das geschätzte und das versteuerte Vermögen dargestellt. 15 14 Kategorie in Gulden % % % % Versteuertes Vermögen % % % % 1785 1797 1846 1850 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber 15,2 42,6 22,9 8,9 3,2 1,2 1,9 1,2 0,6 0,6 1,2 6,2 22,9 31,6 18,6 6,2 6,2 1,8 1,2 1,2 0,6 0,6 3,1 4,5 18,0 24,5 17,2 9,8 7,3 7,3 3,3 1,6 2,5 1,3 2,5 5,1 7,8 11,3 17,0 14,9 7,2 6,2 10,8 5,6 5,2 2,5 6,18 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber kein Vermögen nur minus Schulden 1785 1797 1846 1850 47,7 21,6 13,3 3,8 0,6 1,9 1,2 0,6 0,6 8,2 29,2 32,2 12,5 4,7 5,0 1,8 1,3 0,6 0,6 0,6 3,1 10,1 20,0 13,1 13,1 8,2 3,7 3,3 2,9 2,1 0,4 0,4 0,4 2,5 29,9 26,8 12,9 12,4 6,2 11,3 6,7 6,7 3,6 1,1 2,6 1,03 8.2 Bei einer Gegenüberstellung der beiden Tabellen ist sichtbar, daß die Schulden der Bevölkerung den Vermögensstand von den mittleren Steuerklassen auf die Klasse bis 1000 Gulden drückte. Sehr viel deutlicher kann folgende Tabelle über die Verschuldung Auskunft geben. Schulden - Fälle: in Gulden keine 0- 100 101- 200 201- 300 301- 400 401- 500 501- 600 601- 700 701- 800 801- 900 901-1000 1001-1100 1101-1200 1201-1300 1301-1400 1401-1500 1501-1600 1601-1700 1701-1800 1801-1900 1901-2000 2001-2100 2101-2210 2201-2300 2301-2400 2401-2500 2501-2600 2601-2700 2701-2800 2801-2900 2901-3000 darüber Bei genauer Betrachtung der Tabelle fällt die Verschiebung im Bereich des geschätzten Vermögens vom Jahre 1785 bis 1797 auf. Es fand scheinbar eine Verbesserung der finanziellen Lage statt, da sich im Bereich zwischen 1000 und 3000 Gulden mehr Vermögenswerte befinden. Diese Verschiebung ist jedoch mit der damals stattgefundenen Riedteilung zu erklären, die jedem Gemeindebürger eine Wiese im Ried einbrachte und einen Vermögenszuwachs bedeutete. Bei einem Vergleich mit der Rubrik versteuertes Vermögen, ist an diesen Tabellen auch die Wirtschaftskrise in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu erkennen, die in Vorarlberg Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich brachte. Die Anzahl der vermögenslosen, völlig überschuldeten Haushaltsvorstände in Wolfurt stieg in diesem Jahr immerhin auf knapp 30 %, während diese Quote in den anderen Jahren sich bis 8 % bewegte. Auffallend ist auch der Rückgang der Steuerzahler von 244 im Jahre 1846 auf 194 im Jahre 1850. Anhand der Tabellen kann gezeigt werden, daß sich der größte Teil der Bevölkerung in den untersten und in den mittleren Steuerklassen befand und nur ein sehr kleiner Bevölkerungsteil in den höheren Steuerklassen, die in der Regel schuldenfrei waren und sogar noch über bedeutendes Kapital und über Zinsbriefe verfügten. 16 1785 15 3 18 16 16 28 19 12 7 5 3 2 1 1 2 1 — 1 1 — — — — — — — — — — — 1794 7 7 10 14 11 15 18 13 13 11 7 4 3 2 7 1 1 _ 3 — 2 — — — — 2 — — — — — 1846 2 4 14 13 11 7 11 15 11 14 13 8 11 7 13 16 11 6 6 4 3 7 _ — 2 2 4 _ 2 2 4 1850 3 9 7 9 11 7 10 13 8 7 9 17 15 8 10 8 4 8 9 6 3 9 — — 3 3 2 2 2 1 8 17 Diese Zahlen zeigen, daß es in Wolfurt kaum ein schuldenfreies Haus gab und daß die Schuldenhöhe gerade im 19. Jahrhundert stark anstieg. Die jährlichen Zinszahlungen müssen für die Bevölkerung eine große Belastung dargestellt haben und dürften wohl existenzgefährdend gewesen sein. Interessant ist auch die Angabe der Kreditgeber, die in den Steuerlisten genannt werden. Für das Steuerbuch 1785 wurden folgende Kreditgeber ermittelt. Bei folgenden Institutionen und Personen wurden in 136 Fällen Kredite aufgenommen und damit Schulden gemacht: Kirche Wolfurt in 5 Fällen Kloster Hirschtal 3 Privat 32 Kirche Wolfurt und Kloster Hirschtal 3 Kloster, Kirche, Privat 38 Kirche Wolfurt und Privat 27 Kloster Hirschtal und Privat 9 Unklar 18 Man sieht daraus, daß die meisten Personen bei mehreren Institutionen und Privatpersonen gleichzeitig Geld aufgenommen hatten. Mit diesen Krediten, die von den Klöstern und Kirchen ausgegeben wurden, erhielten diese Institutionen das für den Unterhalt des Pfarrers und der Kirche notwendige Kapital. Die Zinsen für diese Kredite waren mit 4 bis 5 Prozent über Jahrhunderte hinweg konstant. Als Kreditgeber fungierten im Dorf auch die reichen Bauern und Wirte, wie auch die zum Vormund von Waisen bestellten Verwandten, die das Erbe der Waisen damit sicherten, wobei dies unter Aufsicht der Gemeinde geschah. Unter den Privatkreditgebern tauchen im Steuerbuch auch immer wieder Bregenzer Bürger und besonders Wirte auf. In drei Fällen wurde auch die Weber-, Maurer- und Krämerbruderschaft in Bregenz genannt. Die durch die antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten als skrupellose Geldverleiher gebrandmarkten Juden wurden nur in einem Fall erwähnt. Ein «Jud Mayer», ohne Ortsbezeichnung, wird neben anderen Privatpersonen und der Kirche Wolfurt in der Reihe der Kreditgeber genannt. Im Steuerbuch von 1794 werden auch die Pfarre Maria Bildstein und das Kloster Mehrerau als Kreditgeber angeführt. Mit der Errichtung der Spinnerei Kennelbach im Jahre 1838 ergab sich für viele Wolfurter eine Arbeitsmöglichkeit in der Fabrik. Doch war das Arbeitskräftepotential der Region Kennelbach-Wolfurt bald erschöpft, sodaß die Fabriksdirektion zur Anwerbung fremder Arbeiter überging und für die Unterbringung dieser Leute sorgen mußte. Nachdem in Kennelbach bald alle Quartiere belegt waren, versuchte die Fabriksleitung die Arbeiter auch in Wolfurter Häusern unterzubringen. Die Bevölkerungsstatistik von 1839 gibt auch über die Verteilung der Fremden in Wolfurter Häusern Auskunft. Von insgesamt 241 Wohnhäusern waren 10 mit Angehörigen anderer österreichischer Kronländer sowie 5 mit Ausländern belegt. Wem diese Häuser gehörten und ob es sich um Mietshäuser handelte, läßt sich heute nicht mehr nachweisen. Nur in einer einzigen Wolfurter Familie waren 6 Fremde als Untermieter gemeldet. Durch die Vergabe von Darlehen an Hauseigentümer in Kennelbach und Wolfurt erhielt die Fabrik zusätzlichen Wohnraum für Arbeiter, da als Bedingung für die Darlehen Arbeiter in das Haus aufgenommen werden mußten. Der Wolfurter Schneidermeister Fr. Eiselt erhielt 1872 von der Spinnerei ein Darlehen und verpflichtete sich, 5 Familien mit 33 Personen aufzunehmen.2 Es handelte sich dabei um die ersten Welschtiroler Arbeiter in der Spinnerei Kennelbach und auch vermutlich um die ersten Welschtiroler in Wolfurt. Die Zahl der italienischen Arbeiter in Wolfurt stieg bis 1910 auf 400 an.3 Neben diesen aus dem Trentino stammenden Arbeitern kamen auch andere Arbeitssuchende nach Wolfurt. In der Monarchie hatten diese Fremden sich nach ihrer Ankunft im Ort auf dem Gemeindeamt zu melden, sich auszuweisen und wurden anschließend in ein Fremdenbuch eingetragen. Im Gemeindearchiv Wolfurt hat sich dieses Fremdenbuch für die Jahre 1872 bis 1890 erhalten und gibt Auskunft über den Namen des Fremden, seine Heimatgemeinde, seinen Beruf, seine Wohnung in Wolfurt, seinen Arbeitsplatz und das Anmelde- und Abreisedatum. Leider wurde dieses Fremdenbuch nicht sehr sorgfältig geführt und nur teilweise das Abreisedatum eingetragen. Trotz dieser Mängel stellt dieses Fremdenbuch einen interessanten Einblick in das Sozialleben des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts dar. In der folgenden Tabelle soll ein Überblick über die Herkunft, den Beruf und die Verweildauer der Fremden gegeben werden. Natürlich beschränkten sich die Berufe der Fremden nicht allein auf die in der Tabelle genannten Berufe. Neben den genannten Berufen finden sich noch Näherinnen, die vermutlich «Störarbeit» durchführten, Weber, Säger, und Handelscomis. Die Zahlen dieser Berufe sind aber vergleichsweise gering, sodaß in der Tabelle nur die häufigsten Berufe aufgeführt wurden. Zur Verweildauer muß gesagt werden, daß sich nur für ein Drittel der Eintragungen im Fremdenbuch die Verweildauer eruieren läßt, da das Fremdenbuch sehr schlampig geführt und das Abreisedatum nur sporadisch genannt wurde. Trotzdem kann ein Überblick über die Aufenthaltsdauer der fremden Arbeiter gegeben werden. 19 II. 4 Die «Fremden» im Dorf In Wolfurt waren, wie in den 1832 einsetzenden Bevölkerungsstatistiken zu sehen ist, immer Fremde anwesend, wobei zwischen Ausländern, Bürgern anderer Vorarlberger Gemeinden und Angehörigen anderer Kronländer der Monarchie unterschieden wurde. Die Trennung zwischen Einheimischen und Fremden hatte vor allem rechtliche Gründe, da nach den damaligen Gesetzen im Krankheitsfalle die Heimatgemeinde für die entstehenden Unkosten haften mußte und die jeweilige Wohngemeinde die Fremden im Dorf erfasste und das Heimatrecht nur selten verlieh. 1839 befanden sich im Dorf 57 Fremde, wobei es sich um 15 Ausländer und 42 Angehörige anderer Kronländer oder anderer Vorarlberger Gemeinden handelte.1 18 Herkunft der Fremden 1873—1883 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Herkunft der Fremden 1884—1890 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Aufgliederung Rheintal Rheintal Total 57 Schwarzach 3 Bildstein 10 Buch 8 Lauterach 3 Hard 4 Höchst 9 Lustenau Dornbirn 5 Rieden Langen 2 andere Rheintalgemeinden 13 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet 1 Bregenzerwald 8 Nordtirol 15 Südtirol 1 Welschtirol 43 Italien 5 Schweiz 1 Deutschland 1 Liechtenstein Österreich-Ungarn 55 1 5 2 1 2 15 7 3 3 16 4 2 23 10 2 17 5 10 2 1 6 27 3 15 3 2 4 1 1 22 1 1 1 1 _ 34 6 8 2 1 3 2 2 1 9 8 8 16 6 2 14 5 4 — 5 1 5 2 — — 61 8 14 4 3 1 3 3 7 1 4 13 19 3 31 14 4 3 8 30 11 16 3 6 4 2 — 1 1 5 — — 2 2 8 1 _ Aufgliederung Rheintal Rheintal Schwarzach Bildstein 2 1 Buch Lauterach Hard Höchst 2 Lustenau 3 Dornbirn Rieden Langen andere Rheintalgemeinden 2 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet Bregenzerwald 2 Nordtirol 26 1 Südtirol Welschtirol 90 Italien Schweiz 1 2 Deutschland Liechtenstein Österreich-Ungarn 2 Verweildauer 2 2 1 2 1 7 9 20 12 41 11 22 9 11 3 1 3 15 2 3 3 17 5 25 6 1 2 9 - 2 1 1 2 2 3 6 16 14 1 17 - 2 2 1 1 1 3 2 2 1 2 7 1 1 1 - 2 9 1 1 .2 1 2 3 3 4 5 17 17 3 3 3 39 1 16 2 -. 2 2 1 - (1873-831884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-901873-8831884-90) Handwerker Taglöhner Fabriksarb. Sticker Dienstknecht Magd 1- 6M. 6-12 M. 1- 2J. 2 - 3J. 3 - 4J. 4 - 5J. 6J. 8J. länger 20 57 23 8 14 4 6 2 1 3 22 10 12 1 3 - 33 8 9 6 2 6 1 1 44 9 14 2 1 2 - 25 11 12 2 3 4 2 2 42 13 17 5 3 3 1 - 5 4 2 2 1 3 1 - 23 7 13 1 - 3 4 1 3 - - 17 10 4 2 1 1 - 27 6 7 1 - 21 Bei näherer Betrachtung der aus dem Fremdenbuch gewonnenen Informationen und Daten können Fabriksarbeiter, Taglöhner und in der Stickerei Beschäftigte als die häufigsten Berufe der Fremden angegeben werden. Die Fabriksarbeiter waren zum größten Teil in der Spinnerei Kennelbach beschäftigt, doch haben die Spulenfabrik Zuppinger und der Mechaniker Josef Anton Dür sowie sein Nachfolger Doppelmayr vielen Fremden Arbeit gegeben. Zuppinger hat einige Facharbeiter aus der Schweiz geholt, und der Mechaniker Dür beschäftigte zahlreiche Eisendreher, Metallarbeiter und Mechaniker. Die Aufenthaltsdauer dieser Fabriksarbeiter, der Textilarbeiter und auch der Metallarbeiter war, wie aus der Tabelle zu ersehen ist, eher kurz. Die Masse der Arbeiter wechselte nach 6 bis 12 Monaten die Arbeitsplätze. Dieses, als Fluktuation bezeichnete Phänomen, ist typisch für die Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts. Dieser häufige Wechsel des Arbeitsplatzes ist mit den Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung und den schlechten sozialen Verhältnissen zu erklären. Ein ähnliches Phänomen ist auch bei den Taglöhnern zu beobachten, die als ungelernte Arbeiter noch viel stärker den schlechten sozialen Bedingungen ausgesetzt waren. Interessant ist auch die Herkunft der Arbeiter und Taglöhner. Bei den Taglöhnern und Arbeitern ist die Zahl der Welschtiroler, Nordtiroler, Schweizer und Deutschen beachtlich hoch. Bei den Vorarlberger Arbeitern und Taglöhnern stammte ein bedeutender Teil aus den umliegenden Gemeinden, besonders in der Phase 1873—83 aus Bildstein. Auch die Anzahl der aus dem Bregenzerwald stammenden Arbeiter ist recht hoch. Die Stickerei erlebte im Untersuchungszeitraum die Mechanisierung und erste Blüte. Bei einer Betrachtung der Herkunftsorte der in der Stickerei Beschäftigten fällt das Nachbardorf Bildstein als Rekrutierungsschwerpunkt für Sticker und Fädlerinnen auf. Aus Lustenau, dem Zentrum der Vorarlberger Stickerei stammen in der Phase 1884—1890 zahlreiche Stickereiarbeiter. Aus dem Bregenzerwald stammte ebenfalls ein sehr großer Teil der Stickereiarbeiter und wurde in der Phase 1883—90 noch verstärkt. Auch die Stickereiarbeiter blieben nur verhältnismäßig kurze Zeit in Wolfurt. Die in Wolfurt arbeitenden Dienstmägde und Knechte dürften in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen sein. Als Herkunftsgebiete können das Rheintal, der Bregenzerwald und in der Phase 1884—1890 Nordtirol angegeben werden. Die Aufenthaltsdauer, besonders der Dienstmägde, war überraschend kurz, wobei in der Phase 1883—1890 die Verweildauer oft auf wenige Wochen und Monate zurückging. Erstaunlich hoch war die Zahl der Handwerker, die durch Wolfurt zogen, hier sich nach Arbeit umsahen und in der Regel nur kurz im Dorf blieben. Die Handwerksgesellen erhielten bis 1878 von der Gemeinde ein Dorfgeschenk, das als Unterstützungsgeld gedacht war und aus dem Armenfonds bezahlt wurde. Dieses Dorfgeschenk wurde aber von der Gemeinde eingestellt, da es sich um eine freiwillige Spende handelte und gesetzlich nicht festgelegt war.4 Die Herkunftsorte der Handwerker waren schwerpunktmäßig im Rheintal wiederum Bildstein, Schwarzach und Dornbirn. 22 Sehr viele Handwerker stammten aus dem Bregenzerwald, Nordtirol und auffallend viele der durchziehenden Handwerker aus Deutschland. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Nachbargemeinden Wolfurts, darunter besonders Bildstein, die häufigsten Herkunfsorte der nach Wolfurt kommenden Fremden waren. Besondere Bedeutung hatten auch die als Taglöhner und Fabriksarbeiter bezeichneten Welschtiroler, und auffallend hoch ist auch der Anteil von Arbeitern und Handwerkern aus der Schweiz und Deutschland. Der Gemeindeausschuß verhielt sich insgesamt eher ablehnend gegen die fremden Arbeiter. Die Gemeindeprotokolle enthalten einige interessante Stellungnahmen des Gemeindeausschusses zur Behandlung der Fremden im Dorf. In der Bekanntmachung 71 von 1860 wurde beispielsweise den Fabriksarbeitern verboten an der Ache Büsche abzuschneiden und abzuholzen, da diese Büsche für die Wuhrungen eine Bedeutung hatten.5 Als in den 80-er und 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts die Zahl der Welschtiroler Arbeiter enorm zugenommen hatte und ständig weiter wuchs, dürfte es zu einer Ablehnung dieser rasch wachsenden Bevölkerungsgruppe im Dorf gekommen sein. An zwei Stellen des Gemeindeprotokolls sind Hinweise auf diese Ablehnung zu finden. 1897 interpellierte das Ausschußmitglied Wendelin Rädler in einer Ausschußsitzung, daß den italienischen Arbeitern das unbefugte Holzsammeln in den Wolfurter Wäldern verboten werde und der Gemeindediener für die Ergreifung eines jeden Holzdiebes eine Prämie erhalten solle.6 Als 1899 ein Ansuchen für eine Gasthauskonzession gestellt und im Ausschuß beraten wurde, kam es nach einer Diskussion zur Ablehnung und folgender Bemerkung im Protokoll: «... es ist zu befürchten, daß es ein Tummelplatz der italienischen Elemente geben würde und die hiesige Bevölkerung dieses Gasthaus als unbehaglich empfinden wird .. .»7 Fremde wurden nur nach bestimmten Kriterien in den Gemeindeverband aufgenommen. In einem Gemeindebeschluß von 1853 wurde festgelegt, daß Quartiergeber für fremde Einzelpersonen und Familien 48 Kreuzer bzw. 2 Gulden in die Amtskasse zu zahlen hatten und daß Fremde, die in Wolfurt ein Anwesen kaufen wollten, für das Bürgerrecht als Mann 75 Gulden und als Frau 25 Gulden zu zahlen hatten.8 Mit der Veränderung der Heimatverbandgesetze im Jahre 1896, Reichsgesetzblatt Nr. 222 von 1896, wurde die Aufnahme in den Bürgerverband nach 10-jähriger Anwesenheit in der Gemeinde erleichtert. Die erste Aufnahme in den Bürgerverband auf Grund dieser Gesetzesänderung fand in Wolfurt im Jahre 1901 statt.9 Es wurden 32 fremde Familien, die sich seit 10 Jahren in der Gemeinde aufgehalten hatten, in den Heimatverband von Wolfurt aufgenommen, wobei aber nur von 9 Familien die Herkunftsorte bekannt sind. Es waren 4 Familien aus Bildstein, je 1 Familie aus Buch, Lauterach, Schwarzach, Hohenems und aus Kaltern. 1902 erfolgten nur 4 Aufnahmen, wobei 3 Familien ursprünglich aus Bildstein stammten. Die Aufnahmen von 1903 sehen sehr ähnlich aus, da 3 Familien und ein Lediger aus Buch, 3 nach Lauterach und je 1 nach Lustenau und Bildstein zuständig waren. Von diesen aufgenommenen Familien waren 4 in der 23 Stickerei tätig. Die Berufsstruktur und Herkunft von 1904 sieht etwas differenzierter aus. Von den 5 Familien stammten 3 aus Lustenau und 2 aus Alberschwende, wobei es sich um eine Sticker-, eine Fabriksarbeiter- und eine Taglöhnerfamilie handelte. Die meisten der neu in den Heimatverband aufgenommenen Familien stammten also aus Nachbargemeinden, wobei der größte Teil aus Bildstein stammte. Leider ist nur von einem Bruchteil der Familien der Beruf des Familienvorstandes bekannt, doch ist aus den wenigen Informationen die Bedeutung der Stickerei als Erwerbszweig zu ersehen. Aus dem Wolfurter Heimatverband schieden 1901 7 Wolfurter aus, wovon je 4 in den Gemeindeverband von Hörbranz, je eine in Lauterach, Feldkirch und Rieden aufgenommen wurden. 3 der Familienvorstände waren Handwerker, einer war Krämer und einer Taglöhner. Es ist anzunehmen, daß diese Personen während ihrer Berufsausbildung in die genannten Orte kamen und dort im erlernten Handwerksberuf sich niederließen. II.6 Die Fabriksarbeiter im Dorf Mit der 1838 gegründeten Spinnerei Kennelbach bot sich vielen Wolfurtern eine neue Arbeitsmöglichkeit. Über die soziale Stellung dieser «Fabrikler» in einem reinen Bauerndorf gibt es nur wenige Hinweise. Über das Selbstverständnis der Fabriksarbeiter sind uns aus dem ersten Bestandsjahr der Fabrik und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Quellentexte erhalten geblieben. 1839 suchte ein junger Arbeiter bei der Gemeinde um die Heiratsbewilligung an.1 Er schreibt darin, daß er monatlich 30 Gulden verdiene und «glaube, daß die Beschäftigung als Spinner bei einem soliden Gemeindebürger mehr Sicherheit auf gutem und bleibendem Verdienst, besonders in Kennelbach bei den so eben erst gegründeten Fabriksentablisment bietet, als jedes bürgerliche Gewerbe und Beschäftigung . . .» Ob der junge Arbeiter daraufhin die Heiratsgenehmigung erhielt, ist nicht bekannt, doch zeigt sich in einem Brief, daß der garantierte, wenn auch schmale Verdienst,eine Bedeutung für das Selbstverständnis der Arbeiter hatte. Ferdinand Schneider, der fleißige Wolfurter Chronist, war selbst Arbeiter in Kennelbach und er hat in seiner Chronik die hohe Arbeitszeit, die Nachtarbeit und das patriarchalische Verhältnis zwischen dem Arbeiter und dem Fabriksherrn beschrieben. Kritik kommt nur selten in diesen Schilderungen vor, der Fabrikant wird sogar positiv dargestellt, während die Fabriksdirektoren, die Vorarbeiter und Abteilungsleiter scharf kritisiert werden. Über das Dienstende nach 27 Jahren Tätigkeit in der Fabrik schreibt er « . . . es war mir wie man einem eingefangenen Vogel den Käfig öffnete schnell heraus ohne noch einen Schnabel Hanfsamen zu nehmen.. .»2 An einer anderen Stelle seiner Chronik erwähnt er in einem Gedicht über eine Theateraufführung «... nur die armen Fabrikler bleiben fort.. .»3 Obwohl diese Aussagen stark subjektiven Charakter haben, zeigen sie doch, daß vom Selbstverständnis des jungen Arbeiters von 1839 nicht mehr viel übrig blieb und die harte Arbeit im Vordergrund des Denkens stand. Die Anzahl der Wolfurter, die in Kennelbach arbeiteten, ist nur für das Jahr 1871 bekannt. Damals waren neben 34 Kennelbachern 108 Wolfurter in der Spinnerei beschäftigt. Laut der Volkszählung waren also 6,6 % der Einwohner Wolfurts, Fabriksarbeiter in Kennelbach. Es muß aber auch die hohe Anzahl von Wolfurter Fabriksarbeitern bedacht werden, die in anderen Industrieorten in Vorarlberg und in Süddeutschland Arbeit gesucht hatten. Zahlenmäßig können diese Personen nicht erfaßt werden, doch geht aus mehreren Akten im Gemeindearchiv die Abwanderung dieser Arbeiter hervor. Zu den einheimischen Arbeitern kamen die fremden Arbeiter hinzu, die von der Gemeinde nicht gerne gesehen wurden, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten. Die Gründung des Arbeitervereins wurde 1899 durch das Christlichsoziale Lager initiiert. Dieser eher dem konservativen Lager zugehörige Arbeiterverein bot seinen Mitgliedern Weihnachtsfeiern und Unterhaltung in Form von Tanz und Musik.5 25 II.5 Eheerlaubnis Die Gemeinde hatte auch über Ehegesuche abzustimmen. Der Bräutigam mußte bei der Gemeinde in seinem Ansuchen um die Heiratserlaubnis, seine finanziellen Verhältnisse, seinen Beruf und den Namen sowie die Herkunft seiner Verlobten angeben. Nach Erhalt der Informationen wurde im Gemeindeausschuß über das Ansuchen abgestimmt und diskutiert. Der Zweck dieser heute unvorstellbaren Vorschrift lag in der Angst vor Bettlerehen, die der Armenkasse der Gemeinde zur Last fallen würden. Man versuchte damit die Soziallasten der Gemeinde möglichst niedrig zu halten. Der Gemeindeausschuß scheint bei seinen Verhandlungen über Ehegesuche auch unter einem gewissen Druck von Seite der Bevölkerung gestanden zu sein. Im Gemeindeprotokoll von 1868 befindet sich eine Stelle, in der über den Vorwurf aus der Bevölkerung diskutiert wird, daß der Gemeindeausschuß zu liberal in der Behandlung von Ehegesuchen sei und sich die Zahl der «Bettlerehen» erhöht habe.1 In den Protokollen von 1867 bis 1890 werden 44 Eheansuchen genannt, wobei 28 Ansuchen angenommen und 16 abgelehnt wurden. In der Begründung der Ablehnung wird regelmäßig der Beruf und das mangelnde Vermögen des Bittstellers genannt.2 Auffallend ist bei den abgelehnten Gesuchen die Zahl der in den süddeutschen Industriezonen lebenden Wolfurter Metallarbeiter, die in Deutschland eine Braut gefunden hatten und bei der Gemeinde Wolfurt um die Eheerlaubnis ansuchten. Da mit der Genehmigung auch die Verpflichtung zum Unterhalt dieser in Süddeutschland lebenden Familie entstanden wäre und die Braut in Wolfurt unbekannt war, dürfte die Gemeinde die Erlaubnis nicht erteilt haben. Der Bräutigam konnte aber bei einer Ablehnung sich an die Bezirkshauptmannschaft wenden und dort einen Protest einlegen und erhielt nach längerem Schriftwechsel und mehreren Verhandlungen über die BH die Heiratserlaubnis. 24 II.7 Armenversorgung Über die Anzahl der Armen und das Ausmaß der Armut im 18. und 19. Jahrhundert ist für Wolfurt nichts bekannt, doch haben sich Informationen über die Armenpolitik der Gemeinde und über einige Einzelschicksale erhalten. Die Gemeinde Wolfurt hatte die Möglichkeit, unheilbar Kranke und Arme im Landspital in Bregenz-Rieden unterzubringen. Diese Institution entwickelte sich aus dem seit 1400 bestehenden Siechenhaus in Bregenz. Als dieses im 17. Jahrhundert durch Mißwirtschaft in finanzielle Probleme geriet, erklärten die das Siechenhaus mitfinanzierenden 7 Landgerichte Hofsteig, Lingenau, Alberschwende, Sulzberg, Hofrieden, Simmerberg und Grünenbach den Wunsch nach Errichtung eines eigenen Siechenhauses. Dieses Gebäude wurde 1614 errichtet und blieb bis zum heutigen Tag als Altersheim bestehen.1 Die Gemeinde Wolfurt benützte diese Institution im 19. Jahrhundert zur Unterbringung von Armen und wehrte sich im Jahre 1901, gemeinsam mit anderen Gemeinden, gegen die Auflösung des Landspitals. 1905 wurden über die weitere Zukunft des Landspitals Verhandlungen geführt, wobei die Gemeinden mit eigenen Armenhäusern für eine Auflösung des Landspitals, während die Gemeinden ohne ein eigenes Armenhaus für die Weiterführung dieses Hauses waren.2 Im August wurden diese Verhandlungen mit dem Ergebnis abgeschlossen, daß 13 Gemeinden das Landspital aufkauften und weiterführten.3 Das Armenwesen wurde in Wolfurt im 19. Jahrhundert zweimal organisiert und mit Statuten ausgestattet. 1823 versuchte die Gemeinde, nach vorheriger behördlicher Aufforderung, das Armenwesen zu regulieren und nach den vom Landgericht bzw. dem Kreisamt 1819 erlassenen allgemeinen Verordnungen zu organisieren. Es wurde eine Armenkommission eingerichtet, in der der Pfarrer und Gemeindevertreter waren. Die Gemeinde hatte die Pflicht, für den Unterhalt der Gemeindearmen aufzukommen und die Finanzierung der Armenversorgung zu regeln. Die Finanzierung der Unterstützungsgelder wurde zuerst durch milde Sammlungen in der Gemeinde hereingebracht, und erst bei Finanzierungsproblemen griff man zu einer Umlage, also einem Aufschlag auf die Gemeindesteuern. Weiters wurden Strafgelder, Prozente von Freiwilligen Versteigerungen und die Hundesteuer für die Finanzierung des Armenfonds verwendet. Die Armen hatten ihre Unterstützungsgesuche dem Armenrat vorzutragen, und dieser entschied über die Gewährung und die Höhe der Unterstützungszahlungen.4 Über die Armenpolitik der Gemeinde geben die Sitzungsprotokolle des Gemeindeausschusses hinreichend Auskunft. Es wurden im Rahmen der Armenversorgung den Armen Kleidungsstücke gekauft, ihren Kindern die Ausbildung vorfinanziert, für Kranke Arztkosten und Kuren bezahlt.5 Diese Unterstützungen waren aber von der Gemeinde auf Grund der allgemeinen Verordnung zu leisten. Für unsere Zeit erschreckend und ungemein hart sind aber Einzelschicksale und die Vorgangsweise der Armenkommission. 1867 beriet der Gemeindeausschuß über das 26 weitere Schicksal eines Mannes, der sein Vermögen verloren hatte. Es wurde beschlossen den Versuch zu unternehmen, ihn in der Fabrik unterzubringen und bei Nichtaufnahme in die Fabrik seine Verpflegung in einem Privathaus öffentlich zu versteigern.6 1868 erwarb die Gemeinde an der Ach ein Haus und Grundbesitz für die Einrichtung eines Armenhauses.7 Über dieses Haus, die Aufnahmebedingungen und die internen Verhältnisse sind leider keine Unterlagen vorhanden. 1874 wurde eine neue Armenordnung erlassen und wiederum eine Armenkommission einberufen. Als Einnahmen für den Armenfond fanden Pachtzinse aus den Armengütern, Grundstücke, die dem Armenfonds gehörten, das Armenprozent bei der Gemeindesteuer, Hundesteuern, Kapitalzinsen des Armenfonds, Strafgelder und Zuschüsse aus der Gemeindekasse Verwendung.8 Im selben Jahr adaptierte man auch das alte Schulhaus als Armenhaus.9 Die Versorgung der Armen sah so aus, daß der Arme ein Armenbuch erhielt und bei den einzelnen Häusern im Dorf, an bestimmten Tagen, einen sogenannten «Kosttag» einzuhalten hatte.10 Für die heutige Zeit, die durch Wohlfahrtsgesetze den Armen hilft, scheinen diese Vorgangsweisen unvorstellbar. III. Ausbau der Infrastruktur III.1 Schulen Das erste Schulhaus wurde 1778 im Strohdorf errichtet. Während des 19. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Schüler in Wolfurt ständig, sodaß sich die Gemeinde veranlaßt sah, die*Zahl der Lehrer zu erhöhen und die Schulbauten zu vergrößern bzw. einen Neubau zu erstellen. 1834 waren in Wolfurt drei Lehrer angestellt, die aber keine fixe Anstellung hatten.1 Man entschloß sich dann aber zu einem festen Vertragsverhältnis mit folgender Begründung: «... daß man hoffen durfte daß das Schulwesen in einigen Gegenständen besser empor kommen und die Obliegenheit der bestätigten Lehrer mit großem Eifer und Eindruck bewirkt werden sollte ...» Die Lehrer waren in drei Gehaltsklassen eingeteilt und neben dem normalen Unterricht zur Abhaltung einer Wiederholungsschule am Sonntag und zum Vorbeten in der Kirche verpflichtet. Sie erhielten im Schulhaus eine Dienstwohnung und waren dem Schulausschuß der Gemeinde verpflichtet. Die Bezahlung der Lehrer wurde bis 1814 mit den Mitteln des Bruderschaftsgeldes bestritten, wobei das Bregenzer Rentamt dieses Geld ausbezahlte. Wie aus dem Akt des Jahres 1877 klar hervorgeht, war die Gemeinde wegen des Fehlens eines Schulfonds zur Zahlung der Lehrergehälter verpflichtet. Das Lehrergehalt und die Unterhaltskosten für die 3 Schulklassen bedeuteten für das Budget der Gemeinde eine Belastung, und als 1867 das Lehrergehalt gesetzlich erhöht wurde, sah sich die Gemeinde gezwungen, das Legat des 27 Pfarrers Hiller bzw. die Zinsen dieses Legats, zur Finanzierung der Mehrkosten heranzuziehen.2 Seit 1874 setzte man Barmherzige Schwestern als Lehrerinnen ein.3 Ein Bericht des Gemeindeausschusses von 1874 gibt Einblick in die damals verwendeten Schulrequisiten. Es wurden Landkarten Österreichs, Palästinas, Tier- und Pflanzenbilder, Haushaltskundewandkarten, eine Wandkarte des metrischen Systems, ein Kompaß und Meterstab angeschafft.4 1870/71 wurde ein neues Schulhaus geplant und errichtet.5 Es war für 220 bis 240 Schüler geplant, und das alte Schulhaus fand als Armenhaus und Turnsaal für Sportler Verwendung.6 Trotz der großzügigen Planung klagte man 1891 bereits über die erhöhte Schülerzahl und die Raumnot.7 1899 diskutierte der Gemeindeausschuß das Schulproblem und erklärte, daß im Schulhaus kein Zimmer mehr frei wäre. Als Ursache für diese Raumnot und Erhöhung der Schülerzahl wurde folgendes protokolliert: «. . . die Schullast die Gemeinde schwer drückte, in dem die Fabriken in Kennelbach eine große Anzahl Arbeiterfamilien und Schüler bringe...» Weiters wurde erklärt, daß diese Arbeiterfamilien für die Gemeinde auch keine Einnahmequelle bedeuteten, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten.8 Zu den öffentlichen Pflichtschulen kam die im ersten Aufsatz bereits erwähnte Gewerbliche Fortbildungsschule, die man während der Wintermonate abhielt. selbst erhalten und gepflegt.3 Bis zum Bau dieser Straße bildete der Oberfeldweg die einzige Verbindung von Kennelbach nach Wolfurt. Auch über den Zustand der Ippachstraße finden sich Klagen.4 Diese Straße wurde von den Gemeinden Wolfurt, Hard und Lauterach gemeinsam erhalten, doch stellte ein Bericht vom Jahre 1863 fest, daß der Zustand der Straße sehr schlecht und ein Durchkommen auf ihn kaum mehr möglich sei. Der schlechte Straßenzustand wurde auch in Zeitungsartikeln beanstandet.5 1881 hatte die Gemeinde für die Erhaltung ihrer Straßen 2 Straßenmeister und 2 Wegmacher angestellt. Der Straßenbau und die Straßenerhaltung wurden auch als Arbeitsplatzbeschaffungsmöglichkeit für Arme betrachtet.6 In einer Gemeindeausschußsitzung des Jahres 1882 beschloß man die Armen im Dorf, sofern sie arbeitsfähig waren, in der Straßenpflege einzusetzen. Das System der Schotterung der Straßen blieb bis in das 20. Jahrhundert üblich, und erst mit der Asphaltierung der Oberen Straße im Jahre 1931 änderte und modernisierte sich der Straßenbau. III. 3 Brücken Die Gemeinde hatte für die Instandhaltung der Brücken im Gebiet Wolfurts zu sorgen. Im Ausgabebuch der Gemeinde aus dem Jahre 1816 wurden die Instandhaltungskosten der 18 «Bruggen» auf den Wolfurter Straßen als Ausgabeposten genannt. Die Gemeinde war auch für die Brücke über den Rickenbach verantwortlich, die als Verbindung in das Weitried diente. Vor der Brücke hatte sich nur ein Fußsteg an dieser Stelle befunden, und da sich im Weitried auch der größte Teil des Gemeindegrundbesitzes befand, war die Gemeinde nach einem bestimmten Aufteilungsschlüssel zur teilweisen Finanzierung der Reparaturkosten verpflichtet. Eine Verbindung mit Kennelbach existierte anfänglich nur in einer Fähre, die aber nach einem Unglück durch eine von der Spinnerei Kennelbach errichtete Holzbrücke ersetzt wurde. 1839 gab die Spinnerei den Bau der siebenjöchigen Holzbrücke in Auftrag. Diese Brücke war eine Mautbrücke, die nur für die Arbeiter gratis zu passieren war. Da diese Brücke den einzigen Übergang über die Bregenzerach oberhalb von Rieden darstellte, hatte sie für die ganze Region eine besondere Bedeutung. Erst mit dem Bau der Wälderbahn wurde die Frage eines Brückenneubaus in der Nähe des geplanten Bahnhofs interessant. In Wolfurt kam es zur Gründung eines Komitees «betreffs Verbindung mit der Bregenzerwälderbahn», das zur Aufgabe hatte «dahin zu sorgen, daß bei Ausführung des bestehenden Projekts der Bahnhof in tunlichster Nähe des Weilers Ach zu stehen kommt.»3 Dieses Komitee reichte nach zweijähriger Tätigkeit im Jahre 1897 ein Offert für eine Brücke und eine Petition an den Landtag ein. Als Hauptinitiator des Brückenbaus kann Wendelin Rädler genannt werden, der 1899 einen Plan und Kostenvoranschlag für eine hölzerne Brücke vorlegte und ein Jahr später im Gemeindeausschuß eine Petition verlesen ließ, in der er den Brückenbau gemeinsam mit Kennelbach vorschlug.4 Bei wei29 III.2 Straßen Mathias Schneider, Feldvermesser aus Wolfurt, hat in seiner Chronik auch über die Straßenabmessungen in Wolfurt im Jahre 1805 berichtet. Er schrieb, daß die Hauptstraße im ganzen Gericht Hofsteig 12 332 Klafter umfasse, wobei auf Wolfurt alleine 3 333 Klafter entfallen. Die Länge der Seitenstraßen im Gericht Hofsteig, gab er mit 6 794 Klafter an (11549,8 m), wobei die Seitenstraßen in Wolfurt 2 075 Klafter Länge (3 527,5 m) hatten. Schneider vermerkte weiter, daß es in Wolfurt noch besondere Nebenstraßen gebe, wie die Straße in die Berg, auf das Oberfeld, die Straße unter den Linden, im Strohdorf, an der Hub, Rutzenberg und Kellen. Alle diese Straßen waren lediglich geschottert, und die Straßenpflege bestand in der periodischen Neuschotterung, wobei die Gemeinde bis 1880 diese Arbeiten nicht durch eigene Arbeiter durchführen ließ, sondern die Arbeit an Bestbietende auf dem Versteigerungsweg vergab.1 In den verschiedensten Quellen finden sich immer wieder Klagen über die Beschaffenheit der Wolfurter Straßen. 1859 beschwerte sich die Direktion der Spinnerei Kennelbach über den schmutzigen und schlechten Zustand des Oberfeldweges und verlangte dessen Schotterung, da diese Straße für viele Arbeiter der tägliche Weg zur Spinnerei war.2 Die Spinnerei Kennelbach hat 1846 auf eigene Kosten eine Straße von der alten Kennelbacher Brücke (Obere Brücke bei der Spinnerei), dem Wolfurter Achufer entlang bis zu der Stelle gebaut, an der die Straße von Wolfurt in die Straße nach Lauterach einmündet. Diese Straße wurde von der Spinnerei auch 28 teren Verhandlungen schlug der Bregenzer Baumeister Kraushaar den Bau einer Betonbrücke vor, der nur unwesentlich teurer als eine Holzbrücke war, aber laut Sitzungsprotokoll «dauerhafter und an Eleganz einer Eisenbrücke kaum nachstehend».5 1901 fand in Kennelbach mit Landeshauptmann Rhomberg eine Besprechung statt, bei der die Errichtung einer «Concurrenz» für den Brückenbau beschlossen wurde.6 Der St. Galler Baumeister Westermann legte 1902 ein Offert für eine Betonbrücke «System Henebique» vor und nannte als Bausumme 447 000 Kronen. Ein Vertrag mit dieser Schweizer Firma wurde erst im September 1903 unterzeichnet und eine vertragliche Garantie für Hochwasserfestigkeit über 10 Jahre gegeben.7 Für die Finanzierung des Brückenbaus holte man auf Antrag Rädlers beim Landesausschuß die Bewilligung für eine Darlehensaufnahme von 33 000 Kronen mit 21-jähriger Amortisation ein. Im Juni 1904, nach einjähriger Bauzeit, wurde die Brücke dem Verkehr übergeben.8 III. 5 Entwässerung und Wasserversorgung Ein großer Teil des Gemeindegebietes von Wolfurt liegt im Ried, das ursprünglich aus Feuchtwiesen bestand und durch Entwässerung zumindest teilweise trockengelegt wurde. Bei der Riedteilung im Jahre 1792 legte die Behörde das Problem der Entwässerung und des Hochwasserschutzes vertraglich fest.1 Die Gemeinde wurde verpflichtet, den Rickenbach zu verwuhren, und die Grundbesitzer hatten jährlich die Abzugsgräben zu öffnen und von Stauden zu befreien. Diese Gräben kontrollierte jährlich zwischen dem 18. und 25. Mai ein Abgeordneter des Gemeindeausschusses, und bei nicht durchgeführter Öffnung der Wasserabzugsgräben wurde von der Gemeinde, auf Kosten des Grundbesitzers, der Graben geöffnet. Der Gemeindeausschuß hat auch jährlich durch Verlautbarung die Öffnung der Gräben angeordnet. Eine moderne wasserbautechnische Lösung der Rickenbachverbauung wurde erst um die Jahrhundertwende möglich, als in Vorarlberg im Zuge der Rheinregulierung auch der Plan einer Binnenwasserregulierung entstand. 1901 wandte sich die Gemeinde wegen der Regulierung des Rickenbachs an das Land und konnte eine Aufnahme in das Regulierungsprogramm erreichen.2 Nach einer Begehung des Rickenbachs mit Ingenieuren, machte man noch 1901 Pläne für eine Uferverbesserung. Die weitere Planung zog sich aber dahin, sodaß man erst 1906 ein Elaborat über die Regulierung des Rickenbachs und der Dornbirnerach im Gemeindeausschuß beraten konnte.3 Die Trinkwasserversorgung spielte sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung ab und konnte mit der enormen Bevölkerungsentwicklung und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht mehr Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.4 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Wasser hatte. Wegen dieser unhaltbaren Zustände kam es im «Rössle» zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, welche die Suche nach einer neuen Quelle für die allgemeine Wasserversorgung beschloß. Im Zeitungsartikel wird der durch die Industrie hervorgerufene Bevölkerungszuwachs als Grund für die Wasserprobleme genannt. 1907 wurde in Rickenbach eine Hochdruckwasserleitung für Trink- und Nutzwasser geplant und vom Gemeindeausschuß genehmigt.5 Ein weiterer Bereich der Gemeindeaufgaben waren die Wuhranlagen an der Bregenzerach. Seit 1833 versuchte man, das viele Hektar umfassende Überschwemmungsgebiet der Bregenzerach urbar zu machen. Über viele Jahre wurde der Flußlauf der Bregenzerach reguliert und konnten die entstehenden Inselgründe an der Ach als landwirtschaftlichen Grund genutzt werden. Dieser Grund war Gemeindebesitz und von der Gemeinde an Wolfurter Bauern verpachtet.6 III. 4 Straßenbahn Kennelbach-Dornbirn Die Gemeinde Dornbirn war in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim Bau der Bodenseegürtelbahn übergangen worden und versuchte daher krampfhaft, eine Verbindung mit den verschiedenen Eisenbahnlinien zu erhalten. Dornbirn hatte sich beim Bau der Bodenseegürtelbahn eine Verbindung BregenzDornbirn-Schweiz vorgestellt, um damit eine direkte Verbindung in die für die Textilindustrie bedeutende Schweiz zu erhalten. Besonders mit der Blüte der Stickerei machte sich das Fehlen einer direkten Bahnverbindung in die Schweiz bemerkbar. Aus diesen Gründen wurde die Idee einer Straßenbahn Dornbirn-LustenauSchweiz geboren.1 Als der Bau der Wälderbahn beschlossen wurde, bemühte sich Dornbirn um eine Verlängerung der Straßenbahn von Dornbirn nach Kennelbach. Wolfurt wäre durch dieses Straßenbahnprojekt mit Dornbirn verbunden worden und die Gemeinde zeigte an diesem Projekt großes Interesse. Bei diesem Projekt zeigte Lehrer Wendelin Rädler großes Engagement und erreichte, daß die Gemeinde Wolfurt 2 Vertreter in die vorbereitende Sitzung des Proponentenkomitees im März 1897 entsandte.2 Die Gemeindevertretung war sogar bereit, sich an den Unkosten für die technischen Vorarbeiten dieser Straßenbahnlinie zu beteiligen.3 Im November 1897 wurde der Gemeinde der Verlauf der Straßenbahntrasse vorgestellt und auch akzeptiert.4 1899 wurden die Pläne für die Straßenbahn auf den reinen Personentransport und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, für Personen und Güterverkehr geändert.5 Die Dornbirner verloren sehr bald das Interesse an dieser Verbindung und konzentrierten sich auf die Straßenbahn DornbirnLustenau, die 1900 fertiggestellt wurde.6 30 31 III. 6 Feuerlöschwesen Eine sehr wichtige Aufgabe der Gemeinde war die Organisation des Feuerlöschwesens. 1873 ließ sich die Gemeinde vom Mechaniker Karl Zuppinger einen Plan und ein Offert für eine Feuerspritze machen. Da die Kosten von 750 Gulden für die Gemeinde Wolfurt allein zu hoch waren, wurde versucht, mit der Nachbargemeinde Lauterach diese Spritze gemeinsam zu erwerben, wobei die Spritze in Lauterach aufbewahrt werden sollte. Ob dieser Plan zur Durchführung kam, läßt sich aus den Akten nicht mehr eruieren.1 1853 kaufte die Gemeinde zur Vervollständigung der Feuerbekämpfungsmittel Feuerhacken, Feuerleitern, Kübel und eine Feuerspritze.2 Die Organisation der Feuerbekämpfung war jedoch recht locker. 1868 wurden Erdröhren vom Schloßweiher ins Kirchdorf verlegt, damit bei einem Brandausbruch im eng verbauten Kirchdorf, eine reguläre Wasserzufuhr möglich war.3 Die Erhaltung und Pflege dieser Wasserleitung und des Weihers blieb eine wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung. 1876 richtete der Gemeindeausschuß ein Komitee zur Errichtung einer Feuerwehr ein, das sich mit der Organisation der Feuerwehr und des Feuerlöschwesens zu beschäftigen hatte, aber keine großen Fortschritte brachte.4 Erst 1889 wurden Statuten für eine Feuerwehr erlassen.5 1900 schaffte die Gemeinde eine moderne Feuerspritze an und verkaufte den bis dahin noch in Verwendung befindliche Feuerkübelwagen.6 und einer gerichtlichen Klage gegen Loacker. Die Gemeinde ging in diesem Rechtsstreit nach negativen Urteilen in der ersten und zweiten Instanz zu einer Klage am Obersten Gerichtshof über.4 Gleichzeitig mit diesen Prozessen verhandelte die Gemeinde mit Loacker über neue Stromtarife für Stickereimaschinen, die einen besonderen Tarif erhalten sollten. Als Loacker diesen Wünschen der Gemeinde nachkam, zog die Gemeinde die Klage gegen Loacker zurück. Da der Strombedarf in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, den vom E-Werk Schwarzach versorgten Gemeinden, immer mehr stieg, sah sich Loacker gezwungen, eine Dampfanlage mit 180 PS zusätzlich für die Stromerzeugung aufzustellen. Loacker verhandelte daher mit dem Elektrowerk Jenny & Schindler in Rieden und konnte ein Abkommen über Lieferung von Reservekraft an das E-Werk Schwarzach abschließen.5 1931 wurde das Schwarzacher E-Werk stillgelegt und die Energieversorgung der Hofsteiggemeinden von den Vorarlberger Kraftwerken übernommen. Es muß noch auf das nur für betriebsinterne Zwecke gebaute E-Werk Zuppinger in Wolfurt hingewiesen werden. 1885 hat die Spulenfabrik und Mühle Zuppinger einen Generator angeschafft, der Licht- und Kraftstrom für den Eigenbedarf lieferte.6 III.8Telefon Die Telegraphenverwaltung Innsbruck wandte sich 1900 erstmals wegen der Einführung eines Telefonanschlusses an die Gemeinde.1 Es wurde die Errichtung eines «Sprachbureaus mit Telefon» in Wolfurt und Rickenbach vorgeschlagen und die Gemeinde um eine Stellungnahme gebeten. Nachdem der Gemeindeausschuß einen Kostenvoranschlag eingeholt hatte, vertagte er den Plan eines Telefonanschlusses aus Kostengründen.2 1902 wurde diese Idee von Wendelin Rädler im Gemeindeausschuß neu aufgegriffen und beschlossen, mit den Nachbargemeinden Kontakt wegen eines Telefonanschlusses an Bregenz aufzunehmen.3 Die erste Telefonleitung in Wolfurt konnte dann 1904 in Betrieb genommen werden.4 III.7 Elektrifizierung Das erste E-Werk in Wolfurt errichteten die Gebr. Gunz und 1897 machte diese Firma der Gemeinde das Angebot, in Wolfurt die elektrische Beleuchtung einzuführen und die Gemeinde mit Strom zu versorgen.1 1899 sprach in derselben Angelegenheit der Elektropionier Albert Loacker in der Gemeinde vor, und es wurden Vorverhandlungen für eventuelle Vertragsbedingungen begonnen.2 Der Strom sollte aus dem im selben Jahr erbauten Kraftwerk in Schwarzach stammen. Dieses E-Werk nützte die Wasserkraft der Schwarzach mit einem Gefälle von 70 Metern und hatte eine Turbinenleistung von 150 PS. Am 30.6.1899 wurde mit Loacker ein Stromlieferungsvertrag unterzeichnet und ein eigenes Straßenbeleuchtungskomitee gegründet, das im Oktober desselben Jahres dem Gemeindeausschuß berichten konnte, daß «die Bürgerschaft der Stromeinführung simpatisch» gegenüberstehe.3 Loacker offerierte Glühlampen mit 16 «Kerzen stärken» und schlug die Installation von 22 «Flammen» im Dorf vor, da damit der Bedarf notdürftig gedeckt wäre. Die Installationskosten wurden mit 1046 Gulden berechnet. Im Dezember 1890 kam es zu einem Streit mit Loacker, da er die Vertragsbedingungen nicht erfüllt hatte. Die Gemeinde warf ihm vor, die Preise ohne Rücksprache erhöht zu haben, und daß die Beleuchtungs- und Motorenkraft zeitweise schon nachlasse infolge der Abgabe von Strom nach auswärts. Da dieser Streit nicht gelöst werden konnte, entschloß sich die Gemeinde 1904 zu einem Gespräch mit einem Juristen 32 III. 9 Die Gründung von Sparkassen Wegen der mit Zahlen im Kapitel Vermögensstrukturen geschilderten Notlage der Bevölkerung wurde die Idee eines Spar- und Vorschußvereins geboren. Der Fabrikant Johann Walter Zuppinger ergriff 1881 die Initiative zur Gründung eines solchen Vereins nach dem System Schulze-Delitsch. Am 26. und 28. Dezember 1881 fanden die Gründungsversammlungen dieses Vereins statt. Für Einlagen wurden 4 % bezahlt und für Ausleihungen 5,5 % von vornherein abgezogen.1 Gleichzeitig debattierte auch der Gemeindeausschuß die Gründung einer Sparkasse, wobei als Initiator Wendelin Rädler auftrat, der die Einsetzung eines Komitees für eine Gemeindesparkasse erreichte.2 Nach einem Monat wurde im Jänner 1882 der vom Gemeindeschreiber Lorenz Schertler erstellte Entwurf von Sparkassenstatuten dem Gemeindeausschuß vorgelegt.3 Die Gemeinde beschwerte sich bei der Bezirkshauptmannschaft 33 und beim Innenministerium gegen den Spar- und Vorschußverein Rickenbach. Die Bezirkshauptmannschaft erklärte aber in einer Stellungnahme, daß nach der bereits erfolgten Vereinsgründung eine Sparkasse keine besondere Bedeutung erlangen könne.4 Die Gemeinde beschäftigte sich daraufhin nicht mehr mit dieser Angelegenheit. 1889 ergriff Wendelin Rädler wieder die Initiative zur Gründung einer Raiffeisenkasse und am 31. März 1889 fand die Gründungsversammlung statt. Als Beitrittsgebühr zur Genossenschaft wurde 1 Gulden festgelegt, der Einlagezinsfuß mit 4 % und der Zinsfuß für Darlehen mit 5 % festgesetzt.5 Die Mitgliederzahl stieg in den folgenden Jahren ständig an und erreichte bis 1912, dem Austrittsjahr Rädlers aus der Kasse, 222 Mitglieder. Der Umsatz in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs kontinuierlich an, sodaß die Spar- und Darlehenskasse für mehrere öffentliche Bauten der Gemeinde Darlehen gewähren konnte. Das Warengeschäft nahm man 1895 auf, beschränkte sich aber auf Kunstdünger, Viehsalz und Maismehl.6 Durch die Schaffung dieser Institution konnte die wirtschaftliche Not im Dorf zumindest gelindert und mit dem Warengeschäft die landwirtschaftliche Produktion gefördert werden. leben eine bedeutende Rolle. Das Fronleichnamsfest wurde mit einem Umzug der Schützen durch das Dorf gefeiert, wobei die Schützen und die Musik mitgingen. Die Zugordnung bei der Prozession wurde genau festgelegt und führte 1895 im Gemeinderat zu einer scharfen Diskussion, da sich 2 Musikgruppen gebildet hatten und nun um die Ehre stritten, an der Spitze des Zuges zu marschieren.2 Als besonderes kirchliches Fest gestaltete sich das 25-jährige Jubiläum von Papst Pius IX. im Jahre 1871, das man mit Feuerwerk, Böllerschießen und Gewehrsaluten feierte.3 Christbaumfeiern wurden 1832 für die Schuljugend eingeführt, wobei es zuerst zu Widerstand gegen diesen aus dem protestantischen Deutschland stammenden Brauch kam. Auf dem Dachboden der Schule wurden von den Sqhülern Weihnachtsspiele einstudiert und vor den Eltern aufgeführt.4 Auch Vereine führten für ihre Mitglieder Christbaumfeiern durch. So sind aus dem «Rössle»-Saal Christbaumfeiern im Jahre 1893 bekannt, wobei das Christlichsoziale Kasino und dann der Christlichsoziale Arbeiterverein diese Feiern organisierten.5 Als beliebte Formen der Geselligkeit werden in den Quellen auch Schlittenfahrten der Wolfurter in die benachbarten Ortschaften erwähnt.6 Zu Silvester zogen die Musikanten und Sänger durch das Dorf und überbrachten, wie auch heute noch üblich, den Dorfbewohnern Glückwünsche für das neue Jahr.7 Die Geselligkeit scheint von einigen Leuten im Dorf übertrieben worden zu sein, da sich der Gemeindeausschuß 1868 gegen das «Nachtschwärmen» der jungen Burschen aussprach und ein scharfes Vorgehen dagegen ankündigte.8 Ob man dieses Vorgehen auch wirklich durchführte und damit einen Erfolg hatte, ist in den Protokollen nicht erwähnt. 1883 sah sich der Gemeindeausschuß gezwungen, die Polizeistunde auf 11 Uhr festzusetzen.9 Als eine neue organisierte Form der Geselligkeit gestalteten sich ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Vereine. Es wurden ein Turnverein, Musikvereine und ein Veteranenverein gegründet.10 Der Turnverein erhielt 1886 von der Gemeinde als Übungsraum 2 Schulklassen im alten Schulhaus zugewiesen.11 Diese Vereine organisierten in der Faschingszeit Bälle. Wie vielfältig das Angebot der Bälle war, sieht man daran, daß beispielsweise im Jahres 1884, kurz hintereinander ein Stickerball, Schützen-, Sänger- und Boltzschützenbälle abgehalten wurden.12 Diese Feiern und Feste fanden in wirtschaftlichen Notzeiten, wie während der Stikkereikrise 1904, nicht statt.13 Als Zentren der Geselligkeit fungierten damals wie ja auch heute noch die Gasthäuser. 1891 gab es in Wolfurt 12 Gasthäuser, was einem statistischen Durchschnitt von 158 Einwohnern pro Gasthaus entsprach.14 In diesem Jahr wechselten mehrere Gasthäuser ihre Besitzer. Tanzveranstaltungen waren ebenfalls ein beliebter Treffpunkt, wobei man diese Tänze bei der Gemeinde anzumelden hatte, da sie besonders besteuert wurden. Spontane, nicht angemeldete Tänze bezeichnete man als «Winkeltänze» und die Veranstalter wurden nach der Ausforschung von der Gemeinde verwarnt. Ein Beispiel dafür ist ein Verbot der Winkeltänze aus dem Jahre 1832. Die normalen Tanzveranstaltungen wurden in den Wirtshäusern des Dorfes durchgeführt.15 35 IV. Geselliges Leben Beim Versuch einer Darstellung der Wolfurter Dorfgeschichte im 19. Jahrhundert muß auch auf die verschiedenen Formen der Unterhaltung und Geselligkeit eingegangen werden. Es ist gut vorstellbar, daß während der Frühindustrialisierung bei der einförmigen Tätigkeit am Webstuhl und am Spinnstock ein starkes Bedürfnis nach Geselligkeit und Unterhaltung entstand. Auch im bäuerlichen Milieu war ein solches Bedürfnis natürlich vorhanden, wobei aber das bäuerliche Arbeitsjahr mit seinem auf die Natur abgestimmten Rhythmus von Arbeit und Festen die Dorfunterhaltungen dominierte. Für Wolfurt ist über die verschiedenen Formen der Geselligkeit reichlich Quellenmaterial vorhanden. Eine besondere Form der Geselligkeit in Wolfurt waren die Theateraufführungen, die an verschiedenen Plätzen des Dorfes aufgeführt wurden. Es kamen dabei unter Beteiligung des ganzen Dorfes, Stücke wie «Wilhelm Tell», «Die Jungfrau von Orleans» und «Die Räuber» von Schiller zur Aufführung.1 Alle diese Theaterstücke wurden während des Faschings aufgeführt. Während des Faschings gab es auch Umzüge durch das Dorf, und auf Schauwagen wurden Szenen gespielt, wobei der Eindruck entstehen könnte, daß man teilweise einen makaberen Humor hatte. So stellte man z. B. 1850 auf einem Wagen einen Leinenweber mit vielen Kindern und einem Gerichtsschreiber, der das Eigentum des Webers für die Versteigerung notierte. 1914 wurde dann ein Schiff «Titanic II.» im Umzug mitgeführt, das für die Stickerei neue Absatzmärkte finden sollte. Man sieht, daß das Volk damals reale wirtschaftliche Probleme auf satirische Art und Weise im Fasching darstellen konnte. Auch kirchliche Festtage spielten im Dorf34 Quellenverzeichnis: Zeitungen: Vorarlberger Volksblatt Vorarlberger Landbote Feldkircher Zeitung Archive: Vorarlberger Landesarchiv: Bestand Kreisamt Bestand Bezirkshauptmannschaft Gemeindearchiv Wolfurt: Akten in Schachteln nach Jahrgängen geordnet Steuerbücher Gemeindeausschußprotokolle (GAPR) Chroniken Ferdinand und Mathias Schneider Armenvorsorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Stadtarchiv Bregenz, Akt 703 GAPR 27.7.1901, 9.8.1905 GAPR 29.8.1905 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800, Bericht GAPR 4.12.1867 und 12.7.1872 GAPR 4.12.1867 und Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 94, 1869 GAPR 26.4.1872, Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1868, Akt vom 1.4.1868 GAPR 25.2.1874 GAPR 23.11.1875 GAPR 17.9.1882 AUFBAU DER INFRASTRUKTUR Schulen Bevölkerungsbewegung 1 Statistische Unterlagen: Mathias Schneider, Wolfurter Chronik, Manuskript Original im Gemeindearchiv; Wolfurter Statistiken im Gemeindearchiv, Sch 1800; Beiträge zur Österreichischen Statistik Heft 630/1 A, S. 87 Franz Leitzinger, Die Bevölkerungsbewegung in Vorarlberg seit 1873 und der Stand der Bevölkerung im Jahre 1890, Bozen 1898, S. 9. Haushaltsstrukturen 1839 Gemeindearchiv Wolfurt Wolfurt, Sch 1800 1 2 3 4 5 6 7 Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1800 GAPR 20.11.1867 GAPR 23.5.1874 GAPR 27.11.1874 GAPR 12.11.1871 und Gemeindearchiv Sch 1869 GAPR 27.11.1875 Vorarlberger Landbote Nr. 19, 1891 und GAPR 23.10.1899 Straßen 1 2 3 4 5 6 Schneider, Chronik Gemeindearchiv Wolfurt, Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 47 vom 17.4.1859 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 ebd. Feldkircher Zeitung 2.4.1881 und 23.4.1881 GAPR 25.11.1882 Fremde 1 2 3 4 5 6 7 8 9 GAPR Bevölkerungsstatistik Sch 1800 Egon Sinz, Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 138. Reinhard Johler, Mir parlen Italiano und spreggen Dütsch piano. Feldkirch 1987, S 25. GAPR 23.1.1878 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1860 GAPR 14.10.1897 GAPR 15.7.1899 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschlüsse GAPR 29.5.1901, 6.10.1903, 29.4.1904 und 28.2.1903 Brücken 1 2 3 4 5 6 7 8 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeinderechnungen 1816 GAPR 29.9.1867 GAPR 5.11.1895 GAPR 9.8.1899 und 15.9.1900 GAPR 16.2.1901 GAPR 17.4.1901 GAPR 8.5.1902 und 10.9.1903 GAPR 14.3.1904 Eheerlaubnis 1 GAPR 9.2.1868 2 aus Gemeindeausschußprotokoll im Gemeindearchiv errechnet Straßenbau Dornbirn-Kennelbach 1 2 3 4 5 6 Feldkircher Zeitung, 8.5.1897 GAPR 17.3.1897 GAPR 24.4.1897 GAPR 18.11.1897 GAPR 9.8.1899 Gemeindeblatt Dornbirn, 30.11.1902 Fabriksarbeiter 1 2 3 4 5 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 F. Schneider, Chronik, S. 166 F. Schneider, Chronik, S. 35 Egon Sinz, Kennelbach, die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 136 GAPR 15.7.1899 6 Schneider, Chronik, S. 222, 223, 225 Entwässerung 1 Gemeindearchiv Wolfurt. Faszikel Riedteilung 2 GAPR 9.1.1901, 16.2.1901, 17.4.1901 3 GAPR 15.12.1901 und GAPR 9.8.1906 36 37
  1. wolfurt
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Heimat_Wolfurt_...995_M Wolfurt 01.03.1995 19.11.2012, 18:30 Heft 15 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 1995 Wolfurter Ordensschwestern 1989. Vorne Sr. Angelika Gunz, Sr. Auxilia Devich, Sr. Anna Moosbrugger und Sr. Clarina Mittelberger. Dahinter Sr. Karla Thaler, Sr. Josefa Maria Hager, Sr. Regina Pichler, Sr. Isabella Schedler und Sr. Christiana Lipburger. Inhalt: 71. 72. 73. 74. Die Krankenschwestern Hausnamen Bier für St.Louis (Auswanderer 5) Vornamen Zuschriften und Ergänzungen Bildnachweis 2 Sr.Leonis Maurer, 2 Alfons Kalb, 1 Meinrad Pichler, alle anderen sind Fotos oder Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim Druckfehler In Heft 14 sind wieder zwei Jahreszahlen falsch. Aufmerksame Leser haben das sicher bemerkt: Seite 4: Johann Michael Beer I. von Bildstein wurde 1696 in Au geboren. Seite 20: Die Lauteracher Eisenbahnbrücke wurde am 30. Juni 1872 in Betrieb genommen.—Bitte ausbessern ! Auch im neuen Wolfurtbuch „Ein Dorf verändert sich" wurden bereits zwei Fehler entdeckt: Bild 238, Text im Anhang, letzte Zeile: Der Zimmermannsgeselle bei Sammüllers Eduard hieß nicht Moosbrugger, sondern Muxel Leonhard. Bild 77: Hier wurde ein fremdes Bild eingeschoben. Das war nicht der alte Altar von Rickenbach, sondern der von Farnach. Wir bitten um Entschuldigung! Danke! Den dem letzten Heft beigelegten Erlagschein haben die meisten Bezieher unserer Zeitschrift wieder genutzt. Andere werden das noch tun: Konto 87 957 Raiba Wolfurt. Einige sehr namhafte Beträge sind eine Bestätigung für die Wertschätzung unserer volkskundlichen Arbeit. Allen sagen wir herzlichen Dank ! Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1995 wieder durch Frau Carmen Haderer vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Die Gemeinde trägt ja dankenswerterweise den Abgang. Abbestellen - Bestellen Sollte jemand kein Interesse am weiteren Empfang der Hefte haben, so bitte ich um telefonische Information. Für den Papierkorb sind uns die Büchlein zu schade. Es besteht übrigens immer wieder Nachfrage nach den vergriffenen alten Heften, besonders nach den Nummern 1 bis 5. Kann sie jemand abgeben? Auch Neubestellungen nehmen wir gerne an. Wir schicken „Heimat Wolfurt" ja nicht als Postwurfsendung, aber doch an alle, die die Zusendung wünschen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Stammvater Fischer (Heft 14, S. 1): Immer noch zeigen sich Fischer-Nachkommen überrascht darüber, daß ihr Stammvater in Wolfurt ein Pfarrer gewesen ist. Sebastian Fischer findet sich aber nicht nur in den Ahnentafeln der Fischer, sondern genau so bei Heims, Hintereggers, Höfles, Mohrs und noch bei vielen anderen Familien. Fußball und Liebe (Heft 14, S. 2): Der erste FC-Tormann im Jahre 1947 sei Doppelmayrs Arthur gewesen. Das berichten übereinstimmend einige alte Fußballer. Wegen seines Studiums stand er allerdings nicht immer zur Verfügung. Arthur war aber auch Leichtathlet und stellt noch heute bei den Turnern und auf dem Tennisplatz seinen Mann. Ein Hauch Barock (Heft 14, S. 3): Der Bericht über den Baumeister Johann Michael Beer I. von Bildstein hat besonders Pfarrer Hinteregger und Bürgermeister Lenz gefreut. Letzterer hat darüber sogar in der Gemeindevertretung berichtet. Die Bildsteiner suchen nun nach einer Möglichkeit, das Andenken an ihren wohl berühmtesten Bürger zu festigen. Die Ach und die Ächler (Heft 14, S. 9): Wegen dieses Artikels ist eine ganze Reihe von Nachbestellungen eingetroffen. Altbürgermeister Emil Geiger erkannte auch die beiden Männer auf dem Bild Seite 35: Hinten links von Schertlers Alfred Zwickles Johann, rechts Österles Pepe. Aus Bregenz schickte Walter Präg einen umfangreichen und interessanten Fachbeitrag. Er nimmt Bezug darauf, daß die Ach bis ins Mittelalter einfach die „bregez" hieß. Der gleiche Flurname findet sich bei anderen Gewässern am Tannberg, im Schwarzwassergebiet und in Unterdamüls. Zum selben keltischen Stammwort gehören auch „Brigach" und „Breg", die Quellflüsse der Donau. Demnach hat nicht die Stadt Bregenz dem Fluß den Namen gegeben, sondern umgekehrt ist der Flußname auf die keltische Siedlung auf seiner Uferterrasse übertragen worden. Wolfurter Alpbesitzungen (Heft 14, S. 48): Hierher paßt als Ergänzung ein Beitrag, den der aus Wolfurt stammende Historiker Christoph Volaucnik in der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von 1917 für uns ausfindig gemacht hat. Dort wird aus dem Hofener Urbar von 1620 berichtet, daß das Kloster Hofen (im heutigen Friedrichshafen) um 600 Gulden in Wolfurt einen Besitz erworben hat. ,Es ist dies Haus, Hof, Stadel, Kraut- und Baumgarten samt ganzer Ehäfti an der Huob zu Wolfurt, unweit Bregenz schon jenseits der ersten Brücke über die Ach gelegen, das, wie es ausdrücklich in dem Aufschrieb heißt, um deswillen gekauft wurde, damit das Hofische Vieh, wenn es in und aus den Alpen getrieben wird, eine gewisse Herberg und Weid habe." Solch mehrtägige Viehtriebe mit Rastplätzen kennt man heute noch vom Wöster-Vieh im Bregenzerwald. In Wolfurt erinnern sich ältere Leute noch an den jährlichen großen Auf1 trieb von Lochau über Wolfurt nach Sibratsgfäll, den das tiefe Dröhnen der Rumpeln, das Jauchzen der Hirten und der Ruf „Do Stadlar kut!" schon lange vorher ankündigten. Ahnenforscher aus der Fremde - Auswanderer. Wieder sind verschiedene Gruppen von Leuten aufgetaucht, um in Wolfurt nach ihren Ahnen zu fragen. Zuerst kamen in den ersten Juni-Tagen 1994 fünf Geschwister Pfersich aus Osterfeld in der ehemaligen DDR. Ein Leben lang hatte ihnen ihr Vater, der dort als Bergmann unter Tage arbeiten mußte, von seiner sonnigen Heimat Wolfurt erzählt. Wilhelm Pfersich, Jahrgang 1901, war in Schertler Lenas Haus an der Flotzbachstraße aufgewachsen und hatte Wolfurt 1925 verlassen. Leider erlebte er die Wende in Ostdeutschland nicht mehr. Umso begeisterter äußerten sich seine Kinder über unser schönes Land, schauten vom Gebhardsberg und vom Pfänder ins Tal, besuchten die Bürgermeister von Wolfurt und Bildstein und blätterten in den alten Kirchenbüchern. Erstaunt zeigten sie sich, aus beengten Industriewohnungen kommend, daß zur Zeit die beiden schönen alten Bauernhäuser, in denen einst ihr Großvater gewohnt hatte, praktisch leer stehen: Sattler Köbs auf der Steig und Schertler Lenas im Flotzbach. Ganz überraschend tauchte dann im Oktober aus Oberösterreich ein weiterer Sohn des Wilhelm Pfersich auf, der nach seinem Vater fragte und erst bei uns die Adressen seiner fünf Stiefgeschwister fand. Zu Weihnachten hat er zum ersten Mal mit ihnen gesprochen. Unsere Krankenschwestern 1995: Sr.Paulina und Sr.Barbara Im September kam Scott Brunner aus Green Bay, Wisconsin/USA, um auf den Spuren seines Vetters Wilfred Schneider (Heft 13, S. 38) ebenfalls einige Tage lang seine wiedergefundenen Wolfurter Verwandten und die schönsten Plätze am Steußberg zu besuchen. Übrigens hatten beide eigens zu diesem Zweck ein erstaunlich gutes Deutsch gelernt. Scott schreibt sogar schon seine Briefe in Deutsch. Jetzt kann er auch die noch erhaltenen Grabsteine seiner Auswanderer-Vorfahren in Amerika entziffern. Im Oktober 1994 überraschte uns dann noch das Ehepaar Grobl aus Naperville, Illinois/USA. Luise Grobls Urgroßvater Matthew Schneider ist 1866 aus dem Haus Frickenescherstraße 4 nach Amerika ausgewandert. Als Bauunternehmer kam er zu Besitz und gründete auch eine Blasmusik, die Pinckneyville-Band. Dagegen ist sein begabter Bruder, der Oberschützenmeister und Numerant Ferdinand Schneider, völlig verarmt 1917 daheim in Wolfurt gestorben (Heft 13, S.39). Frau Grobl hat inzwischen u.a. eine Reihe von Liedtexten aus Österreich, die ihr Urgroßvater aufgeschrieben und in der Familienbibel aufbewahrt hatte, zum Übersetzen geschickt. Für sie bedeuten die mit Bleistift bekritzelten Papiere eine wichtige Verbindung zur alten Heimat. Von ihrer riesigen Schneider-Verwandtschaft haben weitere Gruppen ihren baldigen Besuch in Wolfurt angekündigt. Von den vielen Weihnachtsgrüßen, die die Auswanderer an uns alle richteten, möchte ich nur einen aus dem Indianerland Colorado für alle anderen sprechen lassen: May the Great Spirit watch over you as long as the gross grows and the water flows! 2 Siegfried Heim Die Krankenschwestern Still knien die Ordensfrauen beim Gottesdienst in der Wolfurter Kirche St.Nikolaus. In der zweitletzten Bank vor dem Kreuzgang auf der Frauenseite. Andächtig ins Gebet versunken, gebeugt das Haupt, dunkel die schlichte Tracht, ein schmaler weißer Leinenstreifen nur über der Stirn. Dann eilen sie schnell wieder ihre Wege. Sr.Paulina muß zu den Kranken. Sr.Barbara geht heim in die Schwesternwohnung beim Altersheim an der Gartenstraße. Dort führt sie den Haushalt. Sie ist ja mit fast 79 Jahren „im Ruhestand". In St.Leonhard im Pitztal, hoch oben in den Tiroler Bergen, wurde sie 1916 als 15. von 16 Kindern auf einem kleinen Bergbauernhof geboren. Schwere Arbeit gehörte zu ihrer Jugend, besonders als die Brüder in den Krieg eingezogen wurden. Drei sind gefallen, ein vierter beim Heuziehen verunglückt. Erst 1945 konnte Maria Haid ins Kloster in Hall eintreten, wo sie 1947 als Sr.Barbara ihr Gelübde ablegte. Viele Jahre lang hat sie dann in 3 den Sanatorien Innsbruck und Rum gearbeitet. 1991 wurde sie nach Wolfurt gerufen. Wenn Gott es will, kann sie bei uns in zwei Jahren ihre Goldene Profeß feiern. Sr.Paulina (Rosalia) Brem wurde 1932 in Münster, im Tiroler Unterinntal, geboren. Schon 1954 trat sie ins Kloster Hall ein, erhielt dort die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester und legte 1959 ihr Gelübde ab. Nun tat sie Dienst an den Krankenhäusern in Hall und in Kufstein und dann in der Hauskrankenpflege in Innsbruck. Schließlich wurde sie als Stationsschwester ins Sanatorium Mehrerau versetzt. Der Schwesternmangel zwang 1992 die Kreuzschwestern zur Aufgabe ihrer dortigen Niederlassung. Jetzt übernahm Sr.Paulina die Hauskrankenpflege in Wolfurt. An ihrem langen Werktag arbeitet sie eng mit dem Pfarrer, den Gemeindeärzten und den Spitälern zusammen. Oft wechselt sie schon früh ab 6 Uhr die ersten Verbände, mißt Fieber und Blutdruck, salbt wunde Rücken und reicht ihren Kranken die vorgeschriebenen Medikamente. Viele einsame Alte brauchen ihren oftmaligen Besuch, neben Pflege auch Zuspruch und Rat oder aber auch ein gemeinsames Gebet. Denn Sr.Paulina sieht ihre Aufgabe in einer ganzheitlichen Pflege, in Heilung für den wunden Leib verbunden mit seelsorglicher Hilfe. Jeden Monat einmal bringt sie über Wunsch sogar die Hl. Kommunion ins Krankenzimmer und immer wieder soll sie den Pfarrer holen. Wenn sie an einem Tag manchmal besonders viele Besuche zu machen hat, leistet ihr das Auto unentbehrliche Dienste. Sie schätzt es aber auch für den Besuch der Gottesdienste, besonders zur Frühmesse bei den Kapuzinern in Bregenz und zu einem kurzen Innehalten in der dortigen Lourdesgrotte. Schnell ist sie dann wieder bei den Kranken, darf vielleicht sogar einen Sterbenden in seiner letzten Stunde begleiten. „Wir sind gerne in Wolfurt", sagt Sr.Paulina. „Ich spüre die Freude der Patienten und daß ich erwartet werde. Da komme ich gern!" Unsere Krankenschwestern! Pflegerinnen, Helferinnen, Trösterinnen. Christen! Kreuzschwestern Unsere Krankenschwestern sind „Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz" aus dem Provinzhaus Hall in Tirol. Sie nennen sich selbst schlicht „Kreuzschwestern". Ihr Gründer ist der Schweizer Kapuziner und Sozialapostel Pater Theodosius Florentini, 1808 -1865. Der begabte arme Ladiner Bauernbub aus dem Münstertal hinter dem Ofenpaß ließ schon während seines Studiums durch besondere Leistungen aufhorchen und wurde bereits mit 22 Jahren zum Priester geweiht. Bald geriet er in den Schweizer Kulturkampf, wurde von der liberalen Regierung steckbrieflich mit einer Fangprämie von 600 Franken gesucht und schließlich wegen „Aufwieglerei" zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Große Gebiete derSchweiz waren damals noch außerordentlich arm und rückständig. Erst 1848 wurde die Schulpflicht eingeführt. Die christliche Bildung sah P. Theodosius als seine Hauptaufgabe 4 und begründete deshalb 1844 in Altdorf eine neue Kongregation nach der Regel des Hl.Franziskus von Assisi. Daraus erwuchs unter der ersten Generaloberin Mutter Maria Theresia Scherer der Orden der Kreuzschwestern. Im Jahre 1856 errichteten sie ihr erstes Mutterhaus zu Ingenbohl oberhalb von Brunnen am Vierwaldstätter See. Dort ist seither der Hauptsitz der Kreuzschwestern. Von Anfang an hatte das Kloster eine ungeheure Ausstrahlung. Die Idee von der „Caritas", der tätigen Nächstenliebe, faszinierte viele junge Frauen. Auch aus Wolfurt wählten einige den Weg nach Ingenbohl. Eine davon war Franziska Schwerzler von Toblers in der Bütze, die dort um das Jahr 1900 als Sr. Nivarda eintrat. Anna Maria Bildstein aus dem Röhle ging 1914 als Sr. Gottfrieda in das Kloster Heiligenkreuz in Cham im Kanton Zug. Mutter Maria Theresia Scherer, Mitbegründerin der Kreuzschwestern von Ingenbohl Ungeheuer groß wurde bald der Aufgabenbereich, dem sich die Schwestern stellten: Schulen zuerst und Mädchenheime, dann Fortbildungsschulen und Lehrerbildungsanstalten. Von Anfang an aber auch Armen- und Waisenhäuser, bald auch Krankenhäuser und Lazarette in Kriegen und bei Cholera-Epidemien. Ihre ganz besondere Fürsorge schenkten die Kreuzschwestern aber den allerärmsten Mitmenschen in Taubstummenschulen, Heimen für geisteskranke Kinder und in den damals noch so gefürchteten Irrenanstalten. Von allen Seiten rief man nun nach ihnen. Schnell breitete sich der Orden über die Schweiz hinaus besonders in der österreichisch-ungarischen Monarchie bis Böhmen und Kroatien aus. Jede Stadt wollte ihr Spital den Schwestern anvertrauen. Nach Vorarlberg holte sie zuerst 1874 der liberale Bürgermeister Dr. Waibel von Dornbirn. Er war selbst Arzt und übergab nun die 100 Jahre alte und furchtbar verwahrloste Kaserne an der Sägerbrücke den Schwestern, die daraus das spätere Stadtspital formten. 1876 kam der Orden nach Innsbruck. Dort wuchs mit den Aufgaben die Zahl der Schwestern so stark an, daß 1904 eine eigene Ordensprovinz mit über 200 Schwestern errichtet werden konnte. Sie erbauten 1910 für sich ihr neues Provinzhaus in Hall. Von Hall aus wurden nun die großen und kleinen Niederlassungen in den Städten und die zahlreichen Krankenstationen in den Dörfern betreut. Wichtigste Zentren in Vorarlberg 5 ziehung junger Menschen und bei der Pflege von kranken, alten oder von behinderten Hilfsbedürftigen den sich ständig wandelnden Anforderungen. Während sich aber in manchen Provinzen weiterhin zahlreiche junge Frauen in feierlicher Profeß zum Ordensleben bekennen, gehören zur Provinz Hall nur mehr etwas über 200 Kreuzschwestern. Von diesen sind viele schon weit über 6o Jahre alt. Wohl harren sie bewundernswert lange bei ihrer Arbeit aus, aber schließlich müssen sie doch in die Obhut ihrer Mitschwestern im Mutterhaus zurückkehren. In Vorarlberg sind 1995 nur mehr sechs Stationen besetzt. Geblieben ist das Institut St. Josef in Feldkirch mit Schulen, Internat und vielerlei Aufgaben in der Pfarre und in der Sonderschule Jupident. Daneben gibt es noch fünf von den einst so zahlreichen Niederlassungen für Krankenpflege: Bludenz, Götzis, Dornbirn, Lustenau und -ja, Gott sei Dank! - und Wolfurt. Krankenpflege in Wolfurt Seit 1928, also nun schon fast 70 Jahre lang, wirken Haller Kreuzschwestern als Krankenschwestern in Wolfurt. Hier hatte von 1916 bis 1936 der aus Buch stammende Pfarrer Simon Stadelmann die Verantwortung als Seelsorger. Und Sorgen gab es für ihn gar viele in den Jahren nach dem verlorenen Weltkrieg. Zu Hunger und Arbeitslosigkeit hatte sich tiefe Verzweiflung gesellt. Ohne große Hoffnung wanderten ab 1923 ganze Gruppen von jungen Menschen nach Amerika aus. Alte und Kranke aber blieben oft in ihrer Not allein. Familie Schwerzler, Toblars in der Bütze, kurz bevor Franziska als Sr.Nivarda um 1900 ins Kloster eintrat. VaterFerdinand, Mutter Anna Maria, Franziska mit den Brüdern Josef und Martin und Tante Maria Anna Dür. wurden das 1911 in Feldkirch errichtete Institut St. Josef mit dem dazu gehörigen Antoniushaus und das Sanatorium Mehrerau. Auf seine große Blüte folgte für den Orden die schwere Heimsuchung in den Jahren 1938 bis 1945. Aus den Schulen und Kindergärten wurden die Schwestern entlassen, die Häuser alle für Lazarette beschlagnahmt. Als Krankenpflegerinnen waren die ausgebildeten Fachkräfte aber gerade in der Kriegsnot unentbehrlich, wenn man ihnen die Arbeit auch schwer machte. Neueintritte waren verboten. Nach 1945 bestürmten Bürgermeister, Pfarrer und Ärzte die Ordensoberin und baten um Wiedererrichtung der verwaisten Stationen. Viele Wünsche konnten nicht mehr erfüllt werden. Im Gegenteil: Ein neuer Zeitgeist im anbrechenden Wohlstandszeitalter machte Berufungen zu karitativem Dienen immer seltener. Der Nachwuchsmangel zwang dieMutter Oberin, immer mehr von den einst so zahlreichen Stationen zu schließen. Zuletzt wurden die Kreuzschwestern sogar noch aus dem wegen der hervorragenden Pflege so sehr geschätzten Sanatorium Mehrerau abgezogen. Weltweit wirken derzeit etwa 7 000 Kreuzschwestern in 15 Provinzen und drei Missionsgebieten. In ihrem ungeheuer groß gewordenen Aufgabengebiet stellen sie sich bei der Er6 Pfarrer Stadelmann hatte von der segensreichen Arbeit der Kreuzschwestern in einigen Nachbarorten gehört. Um aber eine Station nach Wolfurt zu bekommen, mußten zuerst die finanzielle Grundlage und eine Wohnung bereit gestellt werden. Den Anstoß dazu gab ein Vermächtnis. In „Draiars Seago" am Holzerbach in Unterlinden lebte 1923 „s Agathle", Maria Agatha Böhler, 1848 dort geboren und nun 75 Jahre alt. Ihr Vater Martin Böhler, ein Verwandter der Holzer-Schmiede, hatte Mühle und Säge 1842 vom „Draiar" (Spulendrechsler) Carl Zuppinger erworben. Nun war er längst tot und auch die Mutter Kreszentia und die sechs Geschwister waren gestorben. Als Agatha selbst erkrankte und beim Pfarrer Hilfe suchte, gab ihr dieser den Rat zu einer Stiftung. Darauf vermachte sie in einem Testament ihren Grundbesitz, bestehend aus einem Acker im Schmerzenbild und drei Streueparzellen im unteren Weitried, einer noch zu errichtenden „Kreuzschwesternstiftung in Wolfurt". Sie bestimmte auch den Stiftungszweck: „armen und kranken Personen der Gemeinde Wolfurt billige Pflege durch Barmherzige Schwestern vom hl. Kreuz angedeihen zu lassen". Am 18. Sept. 1924 starb Agatha Böhler. Ihre Stiftung besteht bis heute fort und auch alle vier Grundstücke sind noch in deren Besitz. Zunächst sollte ein Krankenpflegeverein gegründet werden. Ein Proponentenkomitee, bestehend aus Pfarrer Stadelmann, Vorsteher Ludwig Hinteregger, Sprengelarzt Dr. Eugen Lecher, Wagnermeister Johann Heitz und den Damen Mina Österle und Regina 7 troffen, „daß zwei Schwestern für die Krankenpflege bis spätestens 20. April in Wolfurt eintreffen werden". Als Bedingungen stellte sie, wie an anderen Orten in Vorarlberg auch, „freie, vollständig eingerichtete Wohnung, inbegriffen Licht, Wasser, Brennmaterial", dazu einen Monatsgehalt von 60 Schilling für jede Schwester und jährlich „ein Paar neue Schuhe und Schuhflicken". Die Wohnung wurde rechtzeitig fertig, Kohle und gehacktes Holz standen bereit. Wasser mußten die Schwestern allerdings beim Gemeindebrunnen vor dem Schulhaus in Kübeln holen. Am 19. April bewilligte der Kassier auch noch ein Lebensmittelpaket aus Köbs Lädele, denn heute sollten die Schwestern eintreffen. Mit zwei Autos holten sie der Pfarrer, der Vorsteher, der Gemeindearzt und Kassier Heitz am Bahnhof in Bregenz ab und geleiteten sie in ihr neues Heim. Am 20. April 1928 nahmen Sr. Agnes und Sr.Gordiana ihre segensreiche Tätigkeit auf. Schon eine Woche zuvor hatte der Krankenpflegeverein mit jetzt 263 Mitgliedern unter Obmann Pfr.Stadelmann seine Statuten beschlossen. Nun wurde mit Sr.Oberin Knoflach in Hall ein umfangreicher Vertrag ausgefertigt, der neben der Versorgung der Schwestern auch deren Aufgaben genau regelte. Aus dem Kassabuch Die Eintragungen von Kassier Heitz bei der Einrichtung der Schwesternwohnung 1927/ 28 nennen nicht nur alte Wolfurter Geschäfte und Handwerker, sondern sind auch als Information über die damaligen Preise interessant. Eine kleine Auswahl: 19.10.27 29.10.27 Rudolf Fischer, Möbel für Wohn- und Schlafzimmer Johann Bernhard, Möbel für Küche u. Fremdenzimmer Conrad Bohle, Kissen und Decken Albert Klimmer, Verschiedenes Franz Jos. Köb, neue Unter- u. Obermatratzen und ein Diwan Anton Haneberg, Schreinerarbeiten Julie Böhler, Näharbeiten Hirschbühl, Küche reinigen Rosa Grass, Näharbeiten Johann Bernhard, ein Tisch und ein Betstuhl Albert Loacker, ein Bügeleisen Josef Rohner, 2 Mtr. Brennholz Martin Fischer, Holz spalten Wilhelmina Köb, Lebensmittel S 1.021,00 471,00 183,14 28,00 512,80 53,60 19,10 1,50 13,41 37,30 27,78 51,00 15,00 6,22 120,00 113,30 Draiars Seogo am Holzerbach im Unterlinden. Hier wohnte bis 1924 Agatha Böhler, die mit ihrem Besitz den Grundstein für den Krankepflegeverein legte. Fischer, übernahm die Vorarbeit und die Ausarbeitung von Statuten. Am Ostermontag, 5.April 1926, wurde im Vereinshaus der Krankenpflegeverein gegründet. Schon im ersten Jahr traten 267 Mitglieder bei, um sich mit einem Beitrag von 10,— S (damals für die meisten viel Geld!) unentgeltliche Pflege im Krankheitsfall zu sichern. Längst hatte der Pfarrer Bittbriefe an die Kreuzschwestern in Hall geschickt. Die ersten Antworten waren Absagen: „heuer leider noch nicht". Aber Pfr.Stadelmann gab nicht auf. Gerade hatte die Gemeinde das Haus gegenüber der Schule gekauft und das Postamt vom Sternen dorthin verlegt. Über Ersuchen des Pfarrers machte nun Frau Maria Winder ihre Mietwohnung im zweiten Stock frei und übersiedelte mit Unterstützung durch den Krankenpflegeverein in Böhler Ottos Haus beim Sternen. Jetzt konnte die Wohnung über dem Postamt als künftige Schwesternwohnung adaptiert werden. Der Wagnermeister Johann Heitz, Gründer und Leiter der Sanitätsabteilung der Wolfurter Feuerwehr, beaufsichtigte als verantwortlicher Kassier die Reparatur der Räume und die Anschaffung der notwendigen Fahrnisse. Als die Beiträge der Mitglieder und die bei Sterbefällen reichlich fließenden Spenden nicht ausreichten, half der Pfarrer mit einem Darlehen aus. Es eilte plötzlich, denn aus Hall war mit Schreiben vom 15. Februar 1928 endlich die so sehnlich erwartete Mitteilung von Sr. Oberin M.Augusta Knoflach einge8 11.11.27 24.11.27 11.12.27 9. 1.28 13.1.28 17. 2.28 1. 3.28 6. 4.28 9.4.28 19.4.28 Aus den folgenden vielen Posten noch zwei zum Vergleich: 3. 9.28 Monatsgehalt für zwei Schwestern (je 60 Schilling) 16.3.29 Engelbert Brauchle, Schuhreparatur und zwei Paar neue Da hatten die Schwestern also im Dienst für die Wolfurter Kranken bereits ihre ersten Schuhsohlen durchgelaufen! 9 Johann Heitz, Mitbegründer des Krankenpflegevereins Pfarrer Simon Stadelmann, Gründer des Krankenpflegevereins Wolfurt Die Post kurz vor dem Abbruch 1965. Von 1928 bis 1963 wohnten im zweiten Stock die Krankenschwestern. Ein Jahr später konnte der Pfarrer voll Freude in der Versammlung des Krankenpflegevereins berichten: „Das Samenkorn ist mit Gottes Hilfe aufgegangen, es trägt bereits herrliche Blüten." Von Anfang an war man mit den Schwestern sehr zufrieden. Schon in den ersten zehn Monaten machten sie 1850 Krankenbesuche und hielten 15 Tag- und 59 Nachtwachen. Diese Zahlen stiegen in den nächsten Jahren auf mehr als das Doppelte. Die Gemeinde zeigte ihre Anerkennung dadurch, daß sie dem Verein die Wohnung kostenfrei überließ. Im Jahre 1932 starb der um den Verein hochverdiente Kassier Johann Heitz. Seine Tochter Maria Heitz übernahm für viele Jahre das oft unbedankte Amt. In der Zeit der Wirtschaftskrise war ja auch der auf 7, später sogar auf 6 Schilling ermäßigte Vereinsbeitrag für manche Familien kaum aufzubringen. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl ständig. Die Zahl der Krankenbesuche kletterte 1934/35 auf 4233. Alle die weiten Wege durch das langgezogene Wolfurt machten die Schwestern damals zu Fuß. Aber auch in ihrem bescheidenen Heim in der Post stellten sich jeden Tag Kranke und Verletzte an. Für ein Vergelt's Gott ließ man sich dort Verbände wechseln, eitrige Wunden mit Kamillentee baden oder eine Ziehsalbe auf einen heißen Abszeß auflegen. Und immer 10 taten die Krankenschwestern ihre Arbeit fröhlich, die Kranken freuten sich auf jeden Besuch. Bei Visitationen durch die Mutter Oberin aus Hall kam aber ein Problem zur Sprache: die weite Entfernung zur Kirche. Zu viel Zeit nahm der tägliche Weg zur Messe und zur Abendandacht in Anspruch. Und gerne wären die Schwestern öfter vor dem Altar gekniet, um neue Kraft für ihren Beruf zu holen! Mehrmals hatte die Oberin inzwischen neue Schwestern nach Wolfurt geschickt (Siehe Anhang!), bis im Oktober 1933 mit Sr.Epiphania jene Klosterfrau einzog, die nun in den folgenden 37 Jahren bei uns durch ihr Beispiel an Fleiß, Bescheidenheit, Einsatzfreude, Güte und Frömmigkeit das Bild der Krankenschwestern am meisten prägte. Ihr zur Seite stand, nicht minder geachtet und beliebt, ab 1935 Sr.Theodora. Unermüdlich sah man die beiden, „dio Klenn" und „dio Groß", wie man sie in Wolfurt bald liebevoll nannte, mit schnellen Schritten durch das Dorf zu ihren Kranken eilen. Nach ein paar Jahren erhielten sie vom Orden die Genehmigung zum Gebrauch von Fahrrädern. Das Erlernen des Radfahrens muß für die nicht mehr ganz jungen Frauen in 11 ihrer langen Ordenstracht eine besonders arge Prüfung gewesen sein, aber mit ihrem Gottvertrauen meisterten sie auch diese ohne größere Verletzungen. Nun stand ihnen mehr Zeit für die Kranken zur Verfügung und auch der weite Weg zur Kirche fiel nicht mehr so sehr ins Gewicht. Andere, schwerere Prüfungen standen den Schwestern und dem Krankenpflegeverein bevor. Im Februar 1936 war Pfarrer Simon Stadelmann, der Gründer und langjährige Obmann des Vereins, gestorben. Kaplan Johann Rein übernahm die Leitung. In seinem Tätigkeitsbericht vom März 1937 berichtet er noch von der Rekordzahl von 281 Mitgliedern, die die Arbeit der Schwestern über alles schätzen. 4200 Krankenbesuche haben diese im Berichtsjahr gemacht, dazu 120 Nachtwachen gehalten. Ein Jahr später ist der Anschluß Österreichs an Deutschland vollzogen, der Verein der N.S.Volkswohlfahrt unterstellt. Das Vereinsvermögen von 3562,41 Schilling wurde am 20. März 1938 in 2374,94 Reichsmark umgewechselt und beschlagnahmt. Bald danach wurde der Verein dann am 27.6.39 ganz „liquidiert". Nach außen aber änderte sich wenig: NS-Leute sammelten nun bei den gleichen Mitgliedern jährlich 4 RM ein. Und - fast ein Wunder in jener antichristlichen Zeit! - die Schwestern Epiphania und Theodora taten unverändert ihren Dienst an den Kranken. Zwar war das Schreiben des Kreisleiters vom 16. Jänner 1940 für Sr.Epiphania mit „Heil Hitler" an die „Krankenschwester Elise Härle in Wolfurt" gerichtet, aber es erlaubte ihr ausdrücklich, weiterhin im Auftrag der NSV die Krankenpflege durchzuführen. Als Vergütung wurden ihr monatlich von der Kreisamtsleitung in Bregenz 60,- RM überwiesen. Eine katholische Ordensfrau ganz offiziell im Dienst der NS-Kreisleitung! Welche Anerkennung für ihr selbstloses Wirken sogar durch dieses Regime! In den Anweisungen stand dann allerdings auch: „Es ist selbverständlich, daß sich Ihre Tätigkeit ausschließlich auf die Krankenpflege beschränken muß." Aber ihr stilles Beten und auch ihre Kirchenbesuche konnte den beiden Schwestern wohl niemand nehmen. Die im Grundbuch verankerte Kreuzschwesternstiftung erklärte der Bürgermeister allerdings für unmöglich. Er löste sie am 3. September 1942 mit Hilfe der deutschen Gemeindeordnung auf und übernahm die vier Grundparzellen in Gemeindebesitz. So wurde das auch vom Amtsgericht im Grundbuch eingetragen. Doch danach fragten die Schwestern nicht. Ihre Arbeit war ja davon nicht betroffen. Sie fragten auch nicht nach Rang, Herkunft und Weltanschauung ihrer Patienten. Als gegen Kriegsende immer mehr Flüchtlinge in Notquartieren untergebracht wurden, kümmerten sie sich auch um diese. Es wird erzählt, daß sie manchmal ein Stück Brot oder ein Stück Selchfleisch, das ihnen eine Bäuerin zugesteckt hatte, zu den hungernden Flüchtlingen trugen. Sie selbst streckten ihre karge Kost mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Dann kam im Mai 1945 das Kriegsende. Bald danach besprach der damalige Pfarrer Wilhelm Brunold mit dem wieder in seinem Amt befindlichen Bürgermeister Ludwig Hin12 teregger und dessen Bruder, dem Instrumentenmacher Gebhard Hinteregger, die zukünftige Gestaltung und Finanzerung der Krankenpflege. Nach Rückfrage bei den Schwestern sahen sie von einer Neugründung des aufgelösten Krankenpflegevereins ab. Zur Deckung der Kosten wurde eine jährliche Haussammlung mit freiwilligen Spenden beschlossen, die durch weitere Spenden anläßlich von Sterbefällen ergänzt werden sollte. Das neue Modell der Pfarrkrankenpflege ohne Verein bewährte sich, auch wenn es sonst nirgends im Land so gehandhabt wurde. Weiterhin konnten alle Bedürftigen im Ort ohne Unterschied der Person betreut werden. Gebhard Hinteregger kümmerte sich um die Organisation und trug selbst, unterstützt von Frau Berta Gmeiner, Fideles, die vielen kleinen und großen Spenden zusammen. Am 7. Jänner 1945 hatte Pfr. Brunold noch 3850 RM in ebenso viele österreichische Schillinge umgetauscht und dann als Grundstock an Hinteregger übergeben. Seither funktionierte die freiwillige Finanzierung. Auch die ehemalige „Kreuzschwesternstiftung" wurde wieder errichtet. Die Gemeindevertretung beschloß am 19.8.1948, die im Jahre 1942 enteigneten Grundstücke zurück zu geben. Sie wurden 1949 neu für die Stiftung verbüchert. Ein erster Wermutstropfen war, daß vom Provinzhaus aus das unzertrennliche Wolfurter Schwesternpaar getrennt wurde. Im August 1945 übernahm die „große" Sr.Theodora einen Posten in Lingenau, ein Jahr später in Lustenau. Sieben Jahre lang mußte die „kleine" Sr.Epiphania die anfallende Arbeit meist allein bewältigen, nur kurzzeitig konnte ihr der Orden Helferinnen senden. Umso größer war die Freude, als Sr.Theodora 1952 nach Wolfurt zurückkehrte. Zehn Jahre später wurde dann im März 1962 Sr.Epiphania nach Götzis versetzt. Der Mangel an Schwesternnachwuchs zwang um diese Zeit die Provinzoberin Sr.M.Angelina Neuhauser, eine ganze Reihe von Niederlassungen in Vorarlberg zu schließen. Mit Kennelbach und Lauterach sollten auch aus Wolfurt die Schwestern abgezogen werden. Allenfalls hätte dann noch eine auf der Platte in Bregenz bestehende Schwesterngemeinschaft Wolfurt mitbetreut. Damit war man aber in Wolfurt nicht einverstanden. Nacheinander intervenierten im Mutterhaus zunächst Pfarrer Willi und Bürgermeister Waibel, dann auch Gemeindearzt Dr.Schneider und vor allem der in Hall sehr geschätzte Obmann Gebhard Hinteregger. Wahrscheinlich hat auch das Gebet und Hoffen der Kranken dazu beigetragen: das Wunder geschah! Die Station Wolfurt blieb erhalten und - schon im Oktober 1963 kehrte Sr.Epiphania zurück. Für die Schwesternwohnung wurde ein Ersatz notwendig, weil die alte Post zum Abbruch bestimmt worden war. Obmann Hinteregger fand eine gute Unterkunft im Haus Rohner, Kreuzstraße 1, nahe bei der Kirche. Er kümmerte sich 1963 noch sehr um die Einrichtung und um den Umzug der Schwestern in ihr neues Heim. Ein Jahr später starb er. Die Obmannstelle übernahm sein Bruder, Altbürgermeister Ludwig Hinteregger. 13 Sr.Theodora und Sr.Epiphania, seit 1966 Ehrenringträgerinnen. Längst wollte man sich auch von Seiten der Gemeinde, die schon bisher die Wohnung gestellt und manche Unkosten getragen hatte, bei den beiden Schwestern für ihr Lebenswerk bedanken. Jetzt wußte Sozialreferent Hubert Mohr einen Weg. Nach dem neuen Gemeindegesetz konnte die Gemeinde einen Ehrenring schaffen. Auszug aus dem Sitzungsprotokoll vom 22.9.1966: In Würdigung ihrer aufopferungsvollen und vorbildlichen Tätigkeit in der Krankenpflege wird einstimmig beschlossen, den ehrw. Srn. Theodora (Paula) König und Epiphanie (Elisabeth) Härle den Ehrenring der Gemeinde zu verleihen. Am Sonntag, 4.Dez.l966, überreichte Bürgermeister Waibel in einer Festsitzung der Gemeindevertretung im Beisein von Vertretern des Ordens und der Pfarre die ersten Wolfurter Ehrenringe an die sichtlich erfreuten Schwestern. Doch deren Lebensjahre gingen nun zur Neige. Im Mai 1971 verabschiedete sich die gebrechlich gewordene Sr.Epiphania und kehrte ins Provinzhaus Hall zurück. Dort starb sie am 3.November 1970. Eine große Abordnung aus Wolfurt nahm an ihrem Begräbnis teil. Schon zwei Monate später übersiedelte im Jänner 1971 auch Sr.Theodora im Alter von über 80 Jahren aus Wolfurt nach Hall. Noch acht Jahre eines ruhigen Lebensabends schenkte ihr dort der Herrgott, bis er sie am 27.Jänner 1979 zu sich rief. In Wolfurt wird man sich der beiden Ehrenringträgerinnen stets mit Dankbarkeit erinnern. Auf ihrem Werk lag Segen. Jüngere Schwestern nahmen ihre Plätze ein, zuerst Sr.Anna und Sr.Auxilia, dann nacheinander Sr.Imelda und Sr.Christiana. 19 Jahre lang stand ihnen 14 Familie Fischer, Lammwirts. Vorne Rosa (Hinteregger), Mutter M.Katharina geb. Sonderegger, Vater Gebhard Fischer, Agatha. Hinten Dr. August Fischer als Kaiserjäger und Anna (Mohr). Agatha ist 1930 als Sr.Georgia ins Kloster eingetreten. von 1971 bis 1990 Sr.Clarina als Haushälterin treu zur Seite. Die jungen Schwestern besaßen einen Führerschein. Schon 1970 hatte ihnen die Firma Doppelmayr einen ersten VW gestiftet. Seither ermöglichen die Spenden immer wieder die Haltung eines bescheidenen Autos. Dadurch haben sich die Arbeitsbedingungen ganz entscheidend gebessert. Im neu eingerichteten Pfarrgemeinderat befaßte sich seit 1971 der Sozialausschuß unter Dr. Paul Schwärzler mit den Aufgaben der Pfarrkrankenpflege. Von Ludwig Hinteregger übernahm jetzt Werner Mohr die organisatorischen Aufgaben, vor allem die Bereitstellung der insgesamt beträchtlichen finanziellen Mittel. Seit nunmehr 24 Jahren bittet erjedes Jahr im Juli eifrige Sammlerinnen und Sammler um ihre Mitarbeit. Diese finden fast überall offene Türen, denn das Verhältnis zu unseren Schwestern ist weiterhin überaus herzlich. Über Initiative von Dir. Ferdinand Schwärzler aus Schwarzach schloß der Sozialausschuß der Pfarrgemeinde Wolfurt 1971 mit dem Krankenpflegeverein Schwarzach ein Übereinkommen, das das Aufgabengebiet der Wolfurter Krankenschwestern auch auf Schwarzach ausdehnte. Dort hatten bis 1968 Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke in Innsbruck die Kranken betreut. Nach der Verabschiedung von Sr.Andronika blieben die Schwarzacher drei Jahre lang schwesternlos. Ab jetzt aber fuhren zwölf Jahre lang die 15 notwendigkeiten und arbeitet auch mit den Ärzten eng zusammen. Natürlich kommt ihr die reiche Erfahrung als Stationsschwester im Krankenhaus sehr zustatten. Sie ist auch nicht mehr allein. Krankenpflegeschülerinnen aus Feldkirch vervollständigen bei ihr ihre Ausbildung. Junge Frauen aus Wolfurt, darunter Diplom-Krankenschwestern, helfen ihr wöchentlich wenigstens einige Stunden. Freiwillig übernehmen manche in Nachbarschaftshilfe die wichtigsten Handreichungen für einsame Kranke. „Es geht so weiter!", meint Sr.Paulina. Die Namen der Wolfurter Kreuzschwestern sollen nun im Anhang aufgeschrieben werden. Ihr Arbeiten, ihr stilles Opfern und Beten ist in einem anderen Buch aufgezeichnet. Vergelt's Gott! Kreuzschwestern in Wolfurt (Die folgenden Namen und Daten stammen zum allergrößten Teil von Sr.Leonis(Rosmarie)Maurer aus den Aufzeichnungen im Mutterhaus Hall) 1. Familie Thaler im Lo 1939. Vorne Resi, Mutter Marie, Theodor, Vater Kolumban Thaler, August. Dahinter Karl, Elsa und Siegbert. Karl und Siegbert sind gefallen. Elsa ging als Sr.Karla ins Kloster. 2. Schwestern Anna, Auxilia, Imelda und Christiana jeden Tag mit ihrem Auto nach Schwarzach und pflegten auch die dortigen Kranken. Ab 1983 kam dann eine weltliche Krankenschwester zum Einsatz. Im Oktober 1979 eröffnete die Gemeinde Wolfurt ihr schönes Altersheim mit angeschlossener Pflegestation an der Lauteracherstraße. Als Anbau hatte man ein kleines Klösterlein errichtet. Die Gemeinde hoffte damals noch, die Kreuzschwestern könnten auch die Betreuung der Schwerstkranken im Pflegeheim übernehmen. Wegen des immer größer gewordenen Schwesternmangels mußte die Oberin aber diesen Wunsch ablehnen. So wurde denn mit Frau Isabella Kaufmann eine weltliche Krankenschwester mit der Leitung des Heimes betraut. Die Kreuzschwestern übersiedelten in ihre neue Wohnung. Mit der Leitung des Altersheims halten sie seither guten Kontakt. Sie schmücken auch die dortige Hauskapelle. Seit einigen Jahren hat sich die Krankenpflege gewandelt. Schwerkranke kommen ins Krankenhaus, viele Pflegefälle in die Pflegestation. Dagegen werden Sr.Paulina in der Privatkrankenpflege oft Kranke nach einem Schlaganfall, nach Amputationen oder mit anderen großen Wunden zur Nachbehandlung zugewiesen. Sie erhält dann vom Spital jeweils einen Brief mit genauen Instruktionen über Medikamente, Verbände und Pflege/ 16 3. 4. 5. Sr.Agnes (Berta) Peer aus Tösens, Tirol, geb.7.10.1876, gest. 21.12.1939 Eintritt in den Orden 24.8.1907, Profeß 8.12.1909 Viele Jahre in Bregenz, dann im Epidemiespital in Meran. Ab 20.4.1928 als erste Oberin bisl933 in Wolfurt. Sr.Gordiana (Afra) Frank aus Wetterdingen, Deutschland, geb.4.11.1898, gest.1.12.1981 Eintritt 1.10.1924, Profeß 3.5.1927 Ebenfalls ab 20.4.1928 in Wolfurt, aber schon nach kurzer Zeit wieder zum Spitalsdienst ins Mutterhaus zurück gerufen. Rasch hintereinander dienten mehrere Schwestern an der Seite von Sr.Agnes: Sr.Lauretana (Katharina) Rey aus Besenbüren, Kt.Aargau, Schweiz, 1929 Sr.Plazida Rummel aus Eisenharz, Deutschland, 1930 -1931 Sr.Gordiana Frank zum zweiten Mal 1932 -1933 Sr.Hilaria Albrecht 1933 Sr.Getrudis (Barbara) Unterweger aus Aßling,Osttirol,geb.25.12.1879, gest. 16.12.1961 Eintritt 27.8.1904, Profeß 9.9.1907 Sie kam aus Hard im Februar 1931 nach Wolfurt, löste 1933 Sr.Agnes als Oberin ab und wurde im August 1935 nach Götzis versetzt. Sr.Epiphania (Elisabeth) Härle aus Steinberg bei Ulm, Deutschland, geb.28.9.1898,gest.3.11.1970 Eintritt 1.5.1923, Profeß 8.10.1925 Sie arbeitete zuerst in Brixen, dann ab 1930 in Lustenau. Am 5.10.1933 kam sie nach Wolfurt, wirkte dort bis 17 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 27.3.1962 und nach kurzzeitiger Versetzung nach Götzis wieder ab 17.10.1963 bis 25.5.1970. Ehrenringträgerin seit 1966. Sr.Theodora (Pauline) König aus Lustenau, geb. 11.9.1890, gest 27.1.1979 Eintritt 20.10.1916, Profeß 29.9.1919 Sie arbeitete nacheinander in Meran, Hörbranz, Götzis und in Gaisbühel. Am 9.8.1935 kam sie nach Wolfurt an die Seite von Sr.Epiphania, mit der sie mehrmals die Aufgaben als Oberin wechselte. Ab 25.8.1945 wurde sie nach Lingenau, 1946 nach Lustenau versetzt. Am 3.3.1952 kehrte sie nach Wolfurt zurück und blieb bis 13.1.1971. Ehrenringträgerin seit 1966 Sr.Brigitta Fleisch fand nach der Auflösung vieler Niederlassungen der Kreuzschwestern während des Krieges von Jänner 1940 bis 25.6.1941 in Wolfurt Unterkunft. Mehrere Schwestern unterstützten Sr.Epiphania jeweils für kurze Zeit während der Abwesenheit von Sr.Theodora: Sr.Libia Madiener von Aug. bis Nov. 1945 Sr.Praxedis Kresser von Juni bis Okt. 1947 Sr.Rufina Vieider 1949 Sr.Hedwig Seywald von Aug. bis Nov. 1957 Sr.Eligia (Augusta) Mark aus Fendels, Tirol, geb. 10.12.1923 Eintritt 2.5.1946, Profeß 25.3.1949 In Wolfurt 1.12.1949 bis 3.3.1952. Sie arbeitet jetzt im Sanatorium der Kreuzschwestern in Rum, Tirol. Sr.Frowina Bürer kam für Sr.Epiphania vom 27.3.1962 bis zum 17.10.1963 nach Wolfurt. Sr.Anna (Maria) Moosbrugger aus Au, geb. 15.10.1922 Eintritt 2.2.1950, Profeß 16.3.1953 In Wolfurt als Nachfolgerin von Sr.Epiphania 29.4.1970 bis 8.9.1975. Seither in der Privatkrankenpflege in Altenstadt. Sr.Auxilia (M.Theresia) Devich aus Bezau, geb.21.2.1925 Eintritt 2.7.1948, Profeß 25.3.1952 Nach langer Tätigkeit im Lungenkrankenhaus Gaisbühl vom 15.12.1970 bis 10.9.1977 als Nachfolgerin von Sr.Theodora in Wolfurt. Anschließend in Au, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.M.Clarina Mittelberger aus Götzis, geb. 14.5.1907, gest. 19.12.1990 Eintritt 14.10.1930, Profeß 1.5.1935 In Wolfurt als Haushälterin vom 15.12.1971 bis zu ihrem Tod. Für kurze Zeit kamen um das Jahr 1975 hintereinander auch zwei Kreuzschwestern als Volksschul- bezw. Religionslehrerinnen nach Wolfurt: 15. 16. 17. 18. Sr.Dora und Sr.Irmina Sr.Imelda (Maria) Schwärzler aus Langenegg, geb.26.2.1925 Eintritt 4.3.1943, Profeß 6.8.1946 In Wolfurt 4.9.1975 bis 16.2.1981, dann Privatkrankenpflege in Feldkirch, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.Christiana Lipburger aus Lingenau, geb. 16.5.1920 Eintritt 31.3.1950, Profeß 15.10.1952 In Wolfurt 16.2.1981 bis 30.4.1992, jetzt ebenfalls im Antoniushaus. Sr.Barbara (Maria) Haid aus St.Leonhard im Pitztal, Tirol, geb.l 1.4.1916 Eintritt 21.11.1945, Profeß 11.10.1947 In Wolfurt als Haushälterin seit 1.12.1991. Sr.Paulina (Rosalia) Brem aus Münster, Tirol, geb.30.7.1932 Eintritt 8.9.1954, Profeß 10.3.1959 Sie arbeitete in den Krankenhäusern in Hall, Kufstein und Mehrerau und nun seit 20.4.1992 in der Pfarrkrankenpflege in Wolfurt. Kreuzschwestern aus Wolfurt in Hall 1. Sr.Alfonsa (Katharina) Schwerzler, Naiolars in der Bütze, eine Schwester von Lorenz Schwerzler und Adelheid Kalb, Bützestraße 13. Geb.4.4.1880, gest. 11.3.1957 Eintritt 1.11.1904, Profeß 9.9.1907 Als Handarbeitslehrerin 1907 bis 1926 im Institut St. Josef in Feldkirch, dann Postulatsleiterin in Hall, Einsatz im Antoniushaus in Feldkirch und an anderen Orten, zuletzt im Provinzhaus Hall. Am Tag ihrer Jubelprofeß, am 11.3.1957, starb sie während des Festgottesdienstes. Sr.Georgia (Agatha) Fischer, Lammwirts, eine Schwester von Anna Mohr, Rosa Hinteregger und Dr.August Fischer aus dem Lamm an der Kellhofstraße. Geb.26.6.1903, gest.3.5.1963 Eintritt 3.4.1930, Profeß 4.6.1934 Sie arbeitete im Annaheim in Hall. Sr.Karla (Elsa) Thaler, Kolobanos im Lo, eine Schwester von August und Theodor Thaler, Im Dorf 6 Geb.4.3.1922 Eintritt 6.10.1951, Profeß 9.4.1954 Einsatz an vielen Orten: Hall, Lustenau, Annaheim Hall, Götzis, Au, Nenzing, Webschule Imst, Brixlegg. Von 1975 bis 1987 Oberin im Erholungsheim Völs. Jetzt als Haushälterin in Dornbirn. 19 2. 3. 18 Sr. Alfonsa Schwerzler aus der Bütze mit ihrem Neffen Hubert Kalb im Jahre 1950 Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer aus der Bütze Sr.Gottfrieda Bildstein zu Besuch bei Schwager Kassian Schertler im Röhle. Paul Berkmann, Hermann Gangl, Mina mit Werner, Sr.Gottfrieda, Erna und Kassian. 4. Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer, Hintereggers in der Bütze, eine Schwester von Josef Maurer, beide früher Bützestraße 7 Geb.28.3.1942 Eintritt 1.8.1964, Profeß 17.4.1969 Zuerst Krankenschwester in Hall, dann 22 Jahre Lehrerin an den Krankenpflegeschulen Kufstein und Hall. Seit 1993 in der Verwaltung des Sanatoriums der Kreuzschwestern in Rum. Cham, Kt. Zug, Schweiz 6. Sr.M.Gottfrieda (Anna Maria) Bildstein, Bildsteins im Röhle, eine Schwester von Rosina Bernhard, Ilga Schertler und Maria Schertler, Bregenzerstraße 12 Geb. 10.4.1894, gest.29.12.1987 Eintritt 1914, Profeß 1916, Goldene Profeß 10.7.1966 Zuerst im Sanatorium Unterägeri, dann Kindergärtnerin in Heimeli. Ab 1934 zwanzig Jahre lang Pförtnerin in Dußnang, schließlich im Kloster Cham. Ingenbohl, Kt. Schwyz, Schweiz 5. Sr. Nivarda (Franziska) Schwerzler, Toblers in der Bütze, eine Schwester von Josef und Martin Schwerzler, Lauteracherstraße 2 Geb 6.11.1876, gest.29.10.1952 Eintritt um 1900, Profeß 1904 Krankenschwester in Frauenfeld und an anderen Orten in der Schweiz, dann viele Jahre lang Pflegerin im Männer-Asyl der Psychiatrie Wil, zuletzt im Mutterhaus in Ingenbohl. 20 21 Siegfried Heim Hausnamen Namen haben die Aufgabe, ihre Träger zu identifizieren. Durch seinen Namen sollte jeder Schüler in seiner Klasse, jeder Bürger in seinem Ort von den anderen unterscheidbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, so behilft man sich mit allerlei Beifügungen. In einer Schulklasse unterschied man Johannes Böhler 1 von Johannes Böhler 2. Bei unserer Bürgermusik kannte man Eugen Rohner-Horn und Eugen Rohner-Baß, Franz Rohner-Trompete und Franz Rohner-Flügelhorn und dazu noch Franz Rohner-Kapellmeister (alle fünf aus der Sippe der Vinälar). Früher einmal schrieb der Pfarrer in sein Familienbuch einen Johann Schwerzler-Strohdorf und einen anderen Johann SchwerzlerWolfurt ein. Unter „Wolfurt" verstand man damals das Kirchdorf. Und ganz häufig fügte man zu den Personennamen einen Hausnamen, mit dem man den Träger als Angehörigen einer im Dorf bekannten Gemeinschaft kennzeichnete. Hausnamen haben sich ganz genau wie die Geschlechtsnamen im Lauf der Zeit aus Vorund Zunamen oder vielfach aus Berufen entwickelt. Manche geben auch die Herkunft an. Wenige sind Übernamen, die auf eine körperliche oder geistige Besonderheit hinweisen. A. Bekannte Wolfurter Hausnamen aus Vornamen: Hansmarteles, Hambadistos (eigentlich Hannbatist, Johann Baptist), Kassians, Filipplar, Hannes, Hansos, Hilares, Seppatones (Josef Anton), Lisolar (Elisabeth), Seppar, Hansirgos (Johann Georg), Fideles, Bäbolar (Barbara, Babette), Bäschles (Sebastian), Rochuslar, Märtolar, Mathisos, Filitzos (Felix, früher nannte man sie Felixos), Veres (Xaver), Disjockeles (des Jockei, Jakob), Jokobos, Lorenzos, Liborats, Ludwigos, Galles, Petorles, Plazes und Pläzolar (Plazidus), Vefos (Genovefa), Vefobuob, Melkos (Melchior), Stases (Anastasia), Kolobanos (Kolumban), Sofie im Lo, u.a. B. Aus Geschlechtsnamen, die auf die Häuser übertragen wurden: Hohlo-Martes, Hohlo-Fideles, Hindoreggars uf om Bühol, Hindoreggars i dor Bütze, Scheoffkneochts, Wachtars, Giotschges (Girschke), A wandars, Stenzlars, Arnolds, Luitzos, Diotoris (Dietrich), Festinis, Pfersolar (Pfersich), Kaufmanns, Ruoschos, Zilla Zollar u.a. C. Berufe. Diese Hausnamen sind kulturgeschichtlich besonders interessant, weil viele von den alten Berufen in unserem Jahrhundert verschwunden sind: Sattlar, Georbar, Küofar, Schädlar (Ein Schädel-Macher war ebenfalls ein Küfer. Schädel ist ein Holzgefäß.), Soalar, Strickar, Naiolar (Näher), Strumpfar, Schuostor, Böglar (Büg22 ler), Büorstobindar, Klamporar (Spengler), Flaschnar (ebenfalls Spengler), Hafnar (Töpfer), Glasar, Seogar (Säger), Zimborar (Zimmermann), Draiar (Dreher, Drechsler), Gabolmachar (Heugeschirrmacher), Mühlemachar, Maschinomachar (Mechaniker für Stickmaschinen), Sargmachar, Schmiod, Hammorschmiod, Naglar (Nagelschmied). Auch weniger geläufige Berufe blieben in Hausnamen erhalten: Flötzar (Flößer), Zioglar, Weogmachar, Finanzar, Bot (Bote, auch Einkäufer), Kamplar (Kammacher), Wandorlehrar (Stickereifachlehrer), Zeichnar (Musterzeichner), Rasiorar, Postmoastor, Stoahouar (Steinmetz), Loamar (Lehmkneter, auch Verputzer), Feogar (Kaminkehrer), Musar (Mäusefänger), Schütz (Jäger), Huotmachar, Bahwächtar (Bahnwärter), Nummorant (Versicherungsvertreter), Sack-Waibol (Handel mit Säcken), Kunsümmlar (Konsum-Verwalter), Lädolar (Ladenbesitzer), Kiorchomoastor (Aufseher in der Kirche), Uhrowible (Maria Stadelmann konnte Uhren reparieren), Armo-Vattor (Armenvater im Auftrag der Gemeinde). Besonders wichtig waren all die vielen Wirte. Sehr häufig behielten Familien von Angehörigen den Wirtsnamen: Schwanowiorts, Rößlewiorts, Engolwiorts, Trubowiorts, Lammwiorts, Hiorschowiorts, Steonnowiorts (für Böhler Hansirgos, Köbo Ferdeles und Fischer Johanns Familien), Kronowiorts, Löüowiorts, Adlarwiorts, Altadlarwiorts, Krützwiorts, Mohrowiorts, Studowiorts und früher noch einige andere. Schöflewiorts stammen aus dem Lauteracher Schäfle, Sunnowiorts Hans aus der Kennelbacher Sonne. Als alte Hausnamen hören wir auch noch heute ausgeübte Berufe: Vorsteohar (Bürgermeister), Lehrar, Schlossar, Molar (Maler), Murar (Maurer), Schrinar (Schreiner, Tischler), Schnidar, Metzgar, Beck (Bäcker), Holzmüllar (der Müller im Holz), Instrumentomachar (für Blasmusik-Instrumente), Doktor (Arzt), Hebammar, Oarglar (Organist), Kapeollar (Kapellmeister). Einige Hausnamen sind nach langem Gebrauch für unser Ohr unverständlich (verballhornt) geworden: Sammars heißt eigentlich „s Ammas". Des Ammann Joseph Fischers Frau und Kinder wurden schon 1810 so bezeichnet. Sammüllars heißt „des Ammann Müllers". Ihr Stammvater Ammann Martin Müller lebte 1674 bis 1732. Vinälar soll nach der Familienüberlieferung eigentlich „Flaneller" bedeuten. Demnach hätte ein Vorfahre schon Flanell gewoben oder damit gehandelt. Vor 150 Jahren schrieb der Pfarrer noch „Vaneler". Recht ungewöhnlich ist, daß einige Schertler-Familien „Büros" genannt wurden. 23 D. Ortsangaben. Sie enthalten entweder die Lage des Hauses im Ort oder die Herkunft des Besitzers. In Wolfurt: Hellbur (Parzelle Höll), Frickoneschar, Hindorfeoldar, Baholzar, Toblar, Stöoglar (Steig), Haldobuob, Schloßbur, Mändles im Kessol, Marteles im Lo (Loch ist ein Ortsteil von Rickenbach. Es gibt aber auch ein Loch im Kirchdorf), Lohansolar („Hans im Lo", Johann Gmeiner, starb 1829 in Rickenbach-Loch. Sein Schwiegersohn Joh. Mathias Bernhard übernahm den Hausnamen), Studowiort (Johann Bereuter erbaute 1909 in den Stauden im Ried den Gasthof „Hohe Brücke"), Holzar, Holzarschmiod, Holzmüllar, Kessolmüllar. Vom Steußberg: Mehrere Wolfurter Familien trugen den Hausnamen „Buochar", andere wurden „Beorgar" genannt. Berg ist der alte Name für Bildstein. Von dort stammen auch die Gallar (aus Gallin in Oberbildstein), Goaßbiorar (Geißbirn), Knoblar (Knobel), Sackburos, Dello-Korles und Dello-Sepplos (Dellen). Oachobeorgars Stammvater Johann Dür kam 1862 von Eichenberg, war aber nach Möggers zuständig. Tambeorgars haben ihren Hausnamen von Josef Anton Huber, der 1878 aus Lech am Tannberg hier einzog. Embsars nannte man die Familie Mathis aus Hohenems, die seit 1882 am Fuß des Hexenbühels wohnte. Mehr als 200 Jahre hat sich der Name „Tirolar" für eine Wolfurter Schwerzler-Familie gehalten. Schon 1751 hatte Johannes Winkler aus Rodenegg in Tirol nach Wolfurt geheiratet. Als 1786 Hansirg Schwerzler, der älteste von Felixos sieben Söhnen, Winklers Tochter Katharina ehelichte, bekam er seinen neuen Hausnamen. Mehrere Rückwandererfamilien wurden „Amerikanar" genannt. Als Wilhelm Albinger um 1930 sein großes Haus an der Wälderstraße baute, erhielt es von den Wolfurtern den Namen „Dollar-Palast" (mit der Betonung auf der zweiten Silbe!). E. Eigenschaften. Eher auf Einzelpersonen als auf Familien bezogen sich die folgenden Namen. Nur wenige wurden allgemein verwendet: der rieh Höfle, der lang Finanzar, der rot Stöckolar, der wiß Vinälar, Schwarz-Sepplos, Tschuppatone, der blind Scheoffkneocht, Katzo-Beppe, dio hörig Schuohmachare, Hollagoggol (Giggolar), Fixenatte, Heimat, Grabowattar, Lachokröttle, Büoblar. „FelsoKalb" nannten die Wolfurter den Seppatone Kalb, seit er sich von Kalb auf Fels hatte umtaufen lassen. Jeder von uns kennt noch ein paar andere solche Eigennamen. Daneben gab es natürlich auch noch schlimme Übernamen, die nur von gedankenlosen oder böswilligen Mitmenschen verwendet wurden, denn sie taten weh: Schilar, Schioggar, der schiof, der krumm, der stottorig, der glatzig, der oa-öüg, der schlappohrig, der bugglig ...und noch einige. Aus unserem heutigen Sprachgebrauch sind solche Namen - Gott sei Dank! - fast ganz verschwunden. Wenn ein Hausname allein nicht ausreichte, verwendete man mehrere gemeinsam: Murars Seppatones, Lehrars Seppatones, Steonnowiorts Hansirgos, Naiolars Hansirgos. Man mußte auch die verschiedenen „Schrinar" und „Küofar" unterscheiden: Schrinars uf om Bühol, Schrinars Hannos, Schrinar-Veres, Lutzo-Schrinars, Glasar-Windar, GlasarKlockar, Küofars im Röohle, Küofar-Köbs. Es fällt auf, daß in der patriarchalischen Gesellschaft unserer Großväter nur ganz wenige Frauen in Hausnamen verewigt wurden. Lutzos: Lutz Agatha aus Lauterach heiratete 1734 den Rickenbacher Hansirg Gmeiner. Ihre vielen Nachkommen heißen seither Lutzo-Gmeinar mit den Sippen Lutzo-Schrinar, Lutzo-Ferdes und Lislos. Lislos Stammhaus stand im Eulentobel und hatte seinen Namen von Elisabeth Fischer, die dort seit 1763 mit Anton Schwerzler verheiratet war. Seit nun 1841 Kaspar Gmeiner, Lutzos, im Eulentobel Lislos Enkelin Agatha ehelichte, trug die neue Familie den alten Namen Lisolar weiter. Noch ein anderer Lutzo-Schrinar bekam einen „weiblichen" Hausnamen. Ferdinand Gmeiner aus Schrinars Haus beim Kreuz in Rickenbach heiratete 1894 im Kirchdorf die Hebamme Johanna Schwerzler, Filitzos. Fortan wurde seine Familie „Hebammars" gerufen. Hebammars Sohn Ehrenfried ist 1932 als erster Wolfurter Opfer eines Autounfalls geworden. Allerlei Geschichten weiß die Überlieferung noch von „Vefos", den Nachkommen der Genovefa Böhler. Besonders Vefobuob Ruppert war weit über das Dorf hinaus bekannt. Als Hambadist Bernhard, Lohansos, vor mehr als 100 Jahren in zwei Ehen zweimal eine Barbara (Babel) Schwerzler heiratete, erhielten seine Nachkommen den Hausnamen „Bäbolar". Zwei Generationen später setzte sich aber wieder der ältere Name Lohansolar durch. Sonst blieben von den Frauennamen noch im Kirchdorf „Sofie im Lo", im Strohdorf „Knores Zischgele", im Spetenlehen „Kronowiorts Luzia" und in Rickenbach „Schlossars Elvira" und „Melko Senz" erhalten. Selbverständlich waren die Hausnamen auch einem ständigen Wandel unterzogen. So spaltete sich die riesige Familie der „Felixlar"-Schwerzler bald in die Äste der Dellomoosmüllar, Tirolar, Färbar, Büoblar, Hannes, Stenzlar und Toblar auf. Aus dem Ast der „Färbar" oder „Färbarles" lebte um 1880 der Maurer Josef Schwärzler (er schrieb sich jetzt mit ä!) mit seinen 13 Kindern an der Hub. Drei Söhne begründeten die neuen Linien der Schnidar-Schwärzlar, Liborats und Ludwigos. Aus der Sippe der „Gallar" spalteten sich „Schrinars uf om Bühol" und „Lehrars" ab. Lehrars teilten sich bald wieder auf in die Sippen Seppatones, Hilares, Meßmars, Engolbertos und Molars. „Disjockeles" haben ihren Namen von einem „Jockei", von Jakob Gmeiner, der 1731-1804 25 24 in Ferdeles Hus gegenüber vom heutigen Stern im Strohdorf wohnte. Seine Nachkommen spalteten sich in die Linien Wangars, Stoahouars und Knores auf. „Knore" ist ein Übername aus der goldenen Stickerzeit. Als Wangars einzige Tochter Anna Maria Gmeiner 1903 den späteren Vorsteher Ferdinand Köb heiratete, bekam Disjockeles Hus den neuen Namen „Ferdeles", und als Ferdinand Köb um 1925 für ein paar Jahre den Sternen übernommen hatte, trug das seiner Familie und dem Haus den jüngsten Hausnamen „Steonnowiorts" ein. Noch ein Namenswandel: Als eine Gmeinersippe aus Buch noch im Holz wohnte, wurde sie „Bernhardos" gerufen. Seit sich der Sohn Bernhardo Fidele im ehemaligen Gasthof „Linde" an der Unterlindenstraße niedergelassen hat, kennen wir „Fideles". Und für die Nachkommen drängt sich jetzt immer mehr der neue Name „Kartonaschars" auf. Bald werden diese Namen alle nur mehr Geschichte sein. Viele sind es schon jetzt. Im Telefonbuch sind die vielen Böhler, Köb und Mohr kaum zu unterscheiden. Im viel gelesenen Wolfurter „Blauen Buch" verschwinden die alten Namen unter der Flut von mehr als 1000 (!) neuen Geschlechtsnamen. Ob das mit ein Grund ist, daß sich heute so viele stolz zu ihrem „angestammten" Hausnamen bekennen? Längst ist keiner mehr beleidigt, wenn man ihn mit „Herr Sammer" oder mit „Herr Schloßbauer" anredet. Mit der folgenden Sammlung möchte ich einige Namen vor dem Vergessen bewahren. Manche davon habe ich in alten Gemeindebüchern gefunden. Andere haben mir interessierte Mitbürger, mit denen ich Gespräche geführt habe, aufgeschrieben. Sehr viele haben letztes Jahr die Hauptschüler gebracht, davon über 80 allein „Sammüllars Lorenzo Sepplo Atturos Isabel". Trotz allem Bemühen ist diese Sammlung aber sicher nicht vollständig! Bitte, schreiben Sie Ihre Ergänzungen dazu! Wolfurter Hausnamen Gereiht nach den D-Hausnummern (Siehe Häuserverzeichnis 1926 in Heimat 6, Seite 10!) Höll 1. Hell-Bur, Höll-Bur Ach 2. 3. 4. 297. 298. 301. Naglar Küonzos, Zehrar-Naiare Thalars Fridolinos Gigars, Kressars Naiolars Hambadist, Böglar Sohms, Sunnowiorts Hänsle 5. Stöoglar (früher Bäbolar) 300. Hammorschmiods Marte, Zwickles Hermann 6. Bosnien (Spottname für ein Gasthaus) 7. Hansmarteies (früher Flaschnars, Schifflewiorts) 8. Hohlo-Schnidar 319. Toblars Hans-Irg, Gitze-Mägges (von ihren Ziegen) 9. Schützo Franz 10. Paulos, Vinälars Marte (früher Irgobuobos) 11. Vinälars Seppl 12. Hammorschmiods 13. Sinzo Adolheit 291. Thalars Ferde, Bürstobindar 14. Hohlo Martes 15. Hohlo Fideles 16. Holzars Ronimus (abgebrannt 1908) 17. Schuohmachar Schwarz (früher Filitzo Hansirle, Salvaterra, Rupps Lädele) 303. Östorles a dr A, Dello-Korles Karle 18. Trubo, Trubowiorts, Faitele (Giovanni Fait hatte die Traube gebaut) 19. Vonachs (abgebrannt 1900) 294. Scheoffkneochts Bakus, Frickoneschars Kassian 20. Irgobuobos, Hörig Schuohmachare 21. Kapeollars Fränzle (früher Kressars) 22. Radiär, Wäldarhof 23. Scheoffkneochts Fridolin 24. Schindlarhus, Fabrikshus 25. Wachtars, Schädlars Thedoros Röhle 26. Hambadisto Jockl, Holzars Hambadist x. Schmiodto im Röohle x. Kalkhütto 27. Küofar Böhlars, Böhlar-Wibor 28. Schädlars Alfredos 29. Lohansolar, Bäbilis, Vef 30. Bildsteins Hansmarte, Kassians 31. Kapeollar, Vinälar 32. Zioglar, Schädlars Geobart, Seppl 33. Gigars Andrais, Rochuslar 34. Rößlewiorts Franz, Schmiods (Hier stand die erste Dür-Schmiede) 35. Hannes, Hannes Franz 36. s Ammas, Sammar 37. Schützo Mathisos 38. Sennare-i 39. Georbe, Georbars Emma 40. Georbe-Wohnhus (u.a. Schwarz-Sepplos, Feogars, Übolhörs, Bellmanns, Büocheles, Vefobuob, Holzars) 41. Engol, Engolwiorts Bühel, Oberfeld 42. Kaplo, Kaplohus 43. Schrinars 44. Hindoreggars, Vorsteohar 45. Villa, Lehrars Engolbert (früher Gallars) 46. Schrinars Stadol 47. Meßmars, Lehrars Johann 48. Hilares 296. Seppatones 49. Engolbertos, später bis 1921 Schwöstorohus 50. Jochums 51. Kloso Martes 52. Klions 53. Embsars, Schindlarhus 54. Beorgarhus 55. Soalar, Forstars, Braitschos 56. Pfarar, Pfarhus 57. Kiorcho Kirchdorf 58. Heims, Hanso Hus 59. Schwano, Schwanowiorts 60. Rößle, Rößlewiorts 61. Mohro Emile, Weogmachars (früher Felixos) Tobel 62. Naglar, Naglars Ludwigos 63. Klamporar, Räschles (früher Büros) 64. Toblar, Töbolar Kirchdorf 65. Schwöstora, Schwöstorohus, Hennostal 66. Tambeorgar (von Lech am Tannberg) 67. Hambadisto Geobart, Totogrebar 68. Giotschge (Girschke) 69. Rüstos 70. Stenzlar, Schloßburos, Tschuppatone 26 27 Beorgarhus im Oberfeld. Baltus Böhler vom Berg (Bildstein) hat es 1843 erbaut, 1944 ist es abgebrannt. Instrumentomachars Hus im Strohdorf. Davor die alte Werkstatt, links Frickoneschars, Molars und Steonnowiorts Ottonos Hus. 93. Heims, Hanso Josef (früher Küofar Haltmaior) 94. Beorgars Hannos (früher Mathisos, Lädolars) 95. Königs, Marxo Giobol (früher Düro Franzele) 96. Schloßburos 97. Schüorpfos, Sackbur 98. Forstars Konrad, Sammüllars Edowart 99. Strickars 100. Schellings 101. Naiolar, Lorenzle, Tirolare, Kalbs Ferdes 102. Rüsto Tones 103. Zwickles, Knoblars 104. Hindoreggars i dor Bütze, Weogmachars 105. Oachobeorgars Katrie (früher Düorobuobos) 106. Stülzes, Metzgar-Hannos, Tscheppo 107. 108. 109. 110. 339. 333. 111. 112. 113. 292. 114. Toblars Martes Schrinar-Veres, Schöflewiorts Franz Mohro Josefs Gabolmachar, Uhrowible Guldeschuohs Villa, Veres Bernhardos,Villa-Armin, Su-Biorar Thalars Josef Orglars, Musars, Schmiods-Katrinos Köbo Ferdes, Ferdinanda, Heimat Flatzolsidor Mohro Stase Halde 71. Klockars uffor Haldo (früher Holzars August) Schloß, Holz 72. Schloß, Schindlar 73. Holzmüllar 74. Holzar-Schmiod 75. Bernhardos, Wörzos, Paßlars x. Schmiodto im Holz 76. Bischofs (früher Hustors, Kustors Bühol) Hinterfeld 77. Hindorfeoldar, Kompatschar Kirchdorf 78. Mäschos 79. Öhes, Klions 80. Kalbs im Gässele, Felso-Kalb (abgebrochen 1911) 81. Kiorchbeorgars, Alta Schwano (ältestes Gasthaus im Kirchdorf) 82. Sammüllars x. Filitzos (abgebrochen 1895 im heutigen Schwanengarten) Loch 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. Graningars (früher Oachobeorgars) Schloßburos im Lo Kolobanos Büoblar Giggolar, Hollagoggol Goaßbiorar, Maschinomachar Sofie, Georbe im Lo, (früher Feogars) Höfles (früher Veres) Bütze 91. Rädlars 92. Naiolars Hans-Irg, Hansirgos, Rüsto Eugenos Kirchdorf 115. Jockele-Schuohmachar 116. Kunsum (früher Sattlar Müllar) 117. Lammwiort, Metzg, Rüsto Mathis (früher Fischar) 118. Schlossars Julie, Holzars Geobart 119, Schrinar Hannos, Sargmachar Seppl (früher Büros) 29 28 Lutzo-Ferdes Hus wurde 1884 aus dem abgebrochenen Pfarrhof erstellt. Heute Muxels, Brühlstraße 30. Steonnowiorts um 1928 vor Gasthof und Kegelbahn. Rechts Altvorsteher Ferdinand Köb, in der Mitte seine Frau Wangars Marie mit Ferdeles Töchtern Resi, Barbara und Frieda und dem jüngsten Sohn Walter. Zwei unbekannte Gäste. Unterlinden 146. Guldeschuohs Rudolf 147. Thalars Marte (früher Nummorant Schneidarie) 148. Thalars Josef 149. Klockars, Brunnomoastor 150. Waibols Vizzenz 151. Altvorsteohars, Schuohmachars, Zeichnar 152. Schloßburos Strohdorf 153. Kaufmanns 154. Kalbs (Doppelhaus mit Nr. 153) 155. Schmiod-Böhlar, Schellings 156. Murars, Murars Seppatone 157. Rieh Höfle, Goldonkol 158. Doktor-Rohnars, Steonnowiorts Otto 159. Steonno, Steonnowiorts, Postmoastors 160. Schmiods, Schmiods Edowart 293. 358. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. Brauchles, Drogorie Voreinshus Zehrarmühle, Zehrars Marte Briofbot, Bot-Köb Albingars Schuol Disjockeles, Knores Zischgele Stoahouars Post, Postmoastors Disjockeles, Wangars, Ferdeles, Steonnowiorts Waltor 169. Molars 170. Hanebeorgs 171. Ratzars (früher Brauchles) 172. Simonis 173. Instrumentomachars (früher Feogar Albingar) 174. Frickoneschars, Schuohmachar Martele 175 u. 176. Salomoneum (uraltes Doppelhaus, abgebrochen 1920) 31 120. 121. 122. 123. 124. 341. 125. 126. 127. 128. 129. Schellings (1910 mit Nr. 119 vereinigt) Heitzos Metzgar-Reinar, Bot-Reinars Beorgars, Rasiorar-Wible, Agathle Lehrars Ludwig Rasiorar-Reinar, Bot-Reinars Gigars Fidele, Rochuslar, Gassars Engolbeort Reinars Mathis, (früher Goaßbiorar und Stülzes) Waldingars, Büocheles Attur (früher Hebammars) Hirscho, Hirschowirts Zilla Zoller 133. Fideles, Bernhardo Fideles, Kartonaschars (früher Lindowiorts, Märtolar) 134. Mohro Fidele 135. Mohro Geobart 136. Sattlar-Rohnars 137. Loamar 138. Blind-Scheoffkneocht, Agathle 139. Kiorchbeorgars 140. Gigars Finele, Rochuslar 141. Gigars Ludwigos 142. Draiars Seogo (früher Drechslerei Zuppinger, Hammorschmiods) 143. Bühlars Frickenesch 144. Flötzar, Frickoneschar 145. Wüostnars Unterlinden 130. Oachobeorgars 131. Schloßburos, Naglars Seppl (früher Feogars) 132. Haldobuob 30 186. Jockele-Windars, Windars Seppl (früher Lehrar-Höfles) Eulentobel 187. Simmas 188. Wohlgenannts, Brandplatz 189. Kressars Seppl (früher Stenzlars, Scheibles) 190. Wandorlehrar Gassar (früher Lislos) Hub 191. Soalars 192. Kassians, Wohlgenannts, Frickoneschars Johann 193. Glasars, Glasar Klockar 194. Albrechts 195. Küofar Köb, Schmiods Karle 196. Hüoblar Sennare-i (früher Toneies) 197. Schnidar Schweorzlar (früher Zimborars und Stülzes) 198. Höfles Hermann 325. Höfles Geobart, Kiorchomoastor 199. Schnidarles Hannos, Schnidolar 200 Schnidarles Rudolf 295. 201. 202. 203. 204. 205. 206. x. 207. Hub 208. 209. 210. 211. 212. Doktorhus Ludwigos Tirolar Schädlars Seppl Zioglar, Schädlars Jokob, Jokobos im Flotzba Bäschles, Öl-Köb Bahwächtars, Bahwächtarhüsle Ziogolhütto Ruoschos Brunnomachars Albert (Fixenatte) und Schnidar Schwerzler an der Hub. Vinälars vor ihrer Stickerei im Röhle 1911. Als zweiter der Großvater Lorenz Rohner. Links sein Schwiegersohn Seppatone Albinger, Feogars. Neben Lorenz seine Tochter Agath (Albinger), Sohn Josef - Schwarz-Seppl, Schwiegersohn Franz Sturn, die Töchter Anna (Sturn) und Rosina (Knores) und die Ehefrau Annomei. Es fehlt der zweite Sohn Franz Rohner, der Kapeollar. Dessen Kinder sind (von links) Ludwig, Filibert, Ernst, Ziska (Fehle) und Fränzle. Vor Fränzle im dunklen Kleidchen noch Knores Armin (+1912). 177. Flatzhüsle Himmelreich 178. Kassians, Langa Finanzar, Katzo-Beppe 179. Hindorfeoldars (Kapellmeister Anton Heim), Bruggars, Festinis Strohdorf 180. Rünzlars, Flatzo Beppe 181. Alte Schuol, Armohus (u.a. Klosos) Hub 182. Fischars Johann, Ratzars Zilla (früher Windars) 183. Festinis Lädele 184. Wangar Bildsteins 185. Steonnowiorts Hansirgos, Hansirgo Georg Schädlars Lorenzos, Lenas Arnolds Luitzos Liborats Diotoris, Armo-Vattor (früher s Küofarle) 215. 309. 216. 217. 218. 219. 220. 221. 222. Krono, Kronowiorts, Luzia Kronowiorts Eugen Windars Benedikt Galles (früher Georbar-Höfle) Hafnars, Klimmars Albert Petorles Vonachs Diotoris Rünzlars, Windars Franz 306. Östorles Stickare-i, Seppo Hannos Steig 228. Schweorzlars Brandplatz, Glasar Windar 229. Baholzar (früher Stöoglar) 230. Stöoglar, Stürar 231. Plazes Veres, Veres Alfred, Büoble 232. Sattlars, Sattlars Robert (früher Pfersolar) 233. Seppos, Seppar 234. Fischars Alfred 235. Fischars Hermann 236. Arnolds Willem, Kapeollars Ludwig 302. Filippos Rickenbach-Unterdorf 237. Rickobachar Kunsum 238. Brandplatz (abgebrannt 1911) Bannholz 223. Baholzar (abgebrannt 1915) 224. Hustors Spetenlehen 225. Windars Johann (früher Lutzo Hansirgos, Sapporas) 226. Glasar Windar, Windars Vizzenz 227. Östorles, Benzars Alfred Spetenlehen 213. Kamplar-Mohros 214. Lutzo-Ferdes (früher Schützo, Schützowiorts) 32 33 Rochusles im Röhle 1932. Adolf Geiger mit seiner Frau Theresia (Holzarschmiods) und den Kindern Emil, Mile (Gmeiner), August, Paul, Emma und Josef. Es fehlen noch Irene, Robert und Erich. 239. Bahwächtar Köb, Huotmachare, Köbo Villa 240. Stenzols 359.Seppo Hansirgos 241. Arnolds 242. Lutzo-Ferdes (früher Schrinar Lenz) 323. Bohles Paul, Naiare-i 243. Löüo, Löüowiortlar (Der Löwen ist 1912 abgebrannt) 244. Kaufmanns 245. Schnidar Köb, Küofars Eugen 246. Kapeollo 247. Krütz, Krützwiort, Haltmaior 248. Forstars 249. Plazes Willem, Pläzolar (von Plazidus Gunz im Staudach) Rickenbach-Oberdorf 250. Lislo, Lisolar 251. Mohro, Mohrowiort, Bohle 252. Schlossars, Modistos, Huotmachars, Elvira 253. Dello-Sepplos, Höfles Marte, Kunsümlar 254. Gunz-Mühle, Pläzolar, Mataioslar (von Matthäus Gunz im Staudach) 255. Doppolmaior (früher Schmiods, Mechanikar Düor) Bächlingen 256. Matts Tone Rickenbach-Platte 257. Vallants x. Lenzo Kappele 258. Pläzolar (früher Lenzos) Rickenbach-Loch 259. Klöpplare-i Schwarz, Doppolmaiors Hallo 260. Stase im Lo, Mühlemachar-Ferde 261. Göppols im Kella 262. Schrinar-Lenz (abgebrannt 1908) Melkos im Schlatt, Kinder des Melchior Fehle: Katharina (Liborats), Sefa (Sutter), Kreszentia (Melko Senz), Gebhard und Jos.Anton Fehle. 263. Waibols im Lo (früher Marteles im Lo) 264. Ammanns im Lo Rickenbach-Unterdorf 265. Schnidar Schweorzlar 266. Lutzo-Schrinar 299. Krützwiorts Stickare-i, Füchsols 267. Lorenzos, Sammüllar 268. Adlar, Adlarwiorts, Altadlarwiorts 269. Filippos, Mohro Filippos, Mohro Veres 270. Brauchles 271. Becko-Sepplos, Strumpfars 272. Awandars, Baschas Kessel 273. Melko Geobart, Fahles 274. Mändles im Kessol, Kessolbur (früher Toneies) 324. Hoh-Brugg, Hoh-Bruggar, Studowiort 275. WurzosHüsle 276. Bahwächtarhüsle im Kessol 277. Zuppingars Wohnhus, Alges Wohnhus Schlatt 278. Seogar 279. Soalar 280. Bochs (früher Girardinis) 281. Wolfgangs 282. Milian, Iso-Händlar 283. Gmeinars im Schlatt (abgebrochen um 1920) 284. Bicholmaior 285. Dello-Korles 286. Kessolmüllar, Zobingar (Zuppinger), Alge 287. Melkos, Melko Senz 288. Rot-Stöckolar (früher Diotoris im Schlatt) 289. Stadolmanns, Spioßos, Feuorsteins 290. Putzars 34 35 Einige brachten es hier sogar zu lokaler Bedeutung. Darüber berichtet Meinrad Pichler auf Grund eingehender Forschungen in seinem Buch „Auswanderer"1. Ein Wolfurter namens Schwerzler führte das „Tyrolerhaus", in dem sich die Vorarlberger am Sonntag trafen. Ein Brief von 1875 nennt dort einen Böhler, Dür, Gmeinder und Erger von Wolfurt2. Großen Einfluß gewannen die fünf Brüder Heim als Seiler, Holzhändler und Brauer. Sie fanden Anschluß an die Oberschicht der Stadt. Zwei Söhne, Joe und Mike Heim, versuchten sich sogar auf Seite der konservativen Demokratischen Partei in der Politik. Mit Hilfe einer Unmenge Freibier, das auf allen Wahlveranstaltungen ausgegeben wurde, gelang es ihnen, bei den Stadtratswahlen des Jahres 1900 erstmals die republikanische Mehrheit zu kippen und ihren demokratischen Freund als Bürgermeister zu installieren? Die Brüder Heim sind aus Wolfurt ausgewandert, stammen aber aus Langen bei Bregenz. Mit der Familie Heim in der Bütze, also auch mit dem Verfasser dieses Artikels, sind sie nicht verwandt. Die Heim sind ursprünglich Walser. Heute trifft man den Namen aber auch im Walgau , im Allgäu und in Sulzberg und Langen recht häufig an. In Langen ließen Xaver und M.Agatha Heim ihren im Jahre 1794 geborenen Buben auf den seltenen Namen Wunibald taufen. Der tüchtige Wunibald Heim wurde ein Seiler. Aus dem damals in Vorarlberg noch häufig angebauten Hanf fertigte er für Bauern und Fuhrleute die notwendigen Stricke und Seile. Daß man den Hanf später einmal als Cannabiskraut mißbrauchen und daher auch verbieten würde, konnte Wunibald nicht ahnen. Sein Geschäft ging gut. Im Jahre 1823 heiratete er Anna Maria Österle. Fast jedes Jahr schenkte sie ihm ein Kind. Als es acht waren, übersiedelte die Familie „auf's Land" nach Wolfurt. Dort kamen noch drei dazu. Im Wolfurter Familienbuch von 1850 sind sie aufgeschrieben, einige mit späteren Anmerkungen: 1. Franz Josef Heim 1824 Mit Familie 1852 in Amerika 2. M.Agatha 1825 Verehelicht auf Fraxern 3. Johann 1826 Amerika 4. Franz Xaver 1828 Gest. 11. Sept. 1849 5. Ferdinand 1830 Amerika 1851 6. Anna Barbara 1832 Amerika 1858 7. Christina 1834 Gest. 1834 8. Friedrich 1836 Amerika 9. Johann Michael 1839 Amerika 10. Gebhard 1841 Gestorben in Amerika 1858 11. Wilhelm 1843 Gest. 1843 Vorarlberger Autoren, Bregenz 1993 2 3 Die Brauerei der Brüder Heim in St.Louis um 1880 (aus Pichler, Auswanderer) Siegfried Heim Bier für St.Louis Die Auswandererfamilie Heim St.Louis, eine Großstadt von etwa 700.000 Einwohnern, ist eine der führenden Industrieund Handelsstädte in den USA. Am rechten Ufer des Mississippi knapp unterhalb der Einmündung des Missouri liegend, ist es zugleich ein Verkehrsknoten von überregionaler Bedeutung, dazu Bischofssitz und Universitätsstadt. St.Louis nennt sich „Gateway to the West", Tor zum Westen, weil in der Mitte des 19. Jahrhunderts von hier aus der Hauptstoß zur Besiedlung des „Wilden Westens" erfolgte. Damals hatte der von französischen Pelzjägern gegründete Ort erst etwa 50.000 überwiegend deutschsprachige Einwohner. Auch für die um 1850 aus Wolfurt ausgewanderten 200 Siedler war St.Louis neben Fremont und New Ulm das wichtigste Ziel. 36 Pichler, S. 92 Pichler, S. 98 37
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Heimat_Wolfurt_...Septe Wolfurt 01.09.2006 19.11.2012, 18:30 Heft 29 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 2006 Bild 1: Die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Für ihre Sicherheit bezahlte der Kaiser mit dem Kellhof Wolfurt. Inhalt: 145. Die Staufer und der Kellhof 146. Rund um den Kirchplatz 147. Die Bregenzerstraße 148. Das Schwesternhaus 149. Der Buggenstein 150. St. Rochus und die Pest 151. Die Dornbirner Mohr 152. Haus Gunz in Rickenbach Bildnachweis Mohr Hubert Hinteregger Karl Heim Siegfried Köb Engelbert Schertler Rudolf Fischer Hannes Ost. Nat.-Bibl. Dornb. Schriften Sammlung Heim 3,10,14,16,19 8, 23, 31 4, 5, 7, 13, 15, 17, 20, 27, 29, 30, 31, 33, 37 9 12 24 1,2 34, 35 6, 12, 18, 21, 26, 28, 36, 38 Zuschriften und Ergänzungen Bitte! Nach der Aussendung des farbigen Sonderheftes „Die Schützen" legen wir diesem Heft 29 wieder einen Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. In eigener Sache: Der Name „Wolfurt" Nach einigem Zögern habe ich mich entschlossen, nach dem Schützen-Heft Nr. 28 doch noch einmal ein weiteres Heimat-Heft folgen zu lassen. Mein besonderes Anliegen ist dabei der Beitrag über die Staufer. Nach vieljähriger Beschäftigung mit der Geschichte von Wolfurt und nach intensivem Studium von Akten und Pergamenten in verschiedensten Archiven fühle ich mich verpflichtet, zwei Sätze in den Wolfurter Büchern und in den Heimatkunde-Heften der Schüler zu berichtigen. Es geht um die Entstehung von Schloß Wolfurt und um die Herkunft des Namens Wolfurt. Über beides habe ich schon mehrfach geschrieben, etwa in Heft 24 unter „Wolford" oder in Heft 22 unter „Rickenbach". Die jetzige Wiederholung ist vor allem eine Einladung an die Heimatkunde-Lehrer, diese Sätze in ihre Vorbereitungen aufzunehmen! Ich selbst muß auch einige von meinen früheren Aussagen zu diesen Themen berichtigen. Filme Über „Kirchdorf und „Röhle" habe ich im letzten Jahr zwei Vorträge gehalten. Emil Büchele hat beide als Filme aufgenommen und mit vielen Fotos bereichert. Kopien sind unter den Titeln „Vom Schwanen bis zum Wälderhof' und „Das Dorf und die Dörfler" sehr preiswert im Gemeindeamt erhältlich. Dort gibt es auch noch die Film-Kassetten „Fleißzettel und Tatzen" über die Wolfurter Schulgeschichte und „Mönche und Ritter" über das Schloß. Fahrräder (Heft 27, S. 9) Elmar Eberle konnte die Hochrad-Fahrer auf Bild 4 nach einem ähnlichen Bild identifizieren. Es zeigt eine Fasnat-Ausfahrt im Jahre 1928. Von links: Martin Schwärzler (Klamporar), Wucher (ein Schreinerlehrling bei Rudolf Fischer), Seppl Köb (Sattlars Seppl von der Steig) und Siegfried Fischer (Schnidarles). Elmar besitzt als bekannter Bastler auch noch das ganz alte Mechaniker-Werkzeug, mit welchem sein Urgroßvater Josef Fischer (1823-1902) u.a. winzige Gewinde für die Fahrradspeichen schneiden konnte. Demnach hat der Schreiner Josef Fischer (Schnidarles) diese Hochräder selbst erzeugt. Noch lange blieb eines davon auf Eberles Dachboden erhalten, bis Elmar und Adalbert damit ihre Runden durch Strohdorf und Hub drehten und es schließlich demolierten. Andere Wolfurter wissen zu erzählen, wie sie schon um 1947 mit ihrem schweren Waffenrad rund ums Ländle fuhren und dabei das schwere Fahrzeug auf der Schulter über den steilen Pfad von Schröcken nach Hochkrumbach hinauf trugen. Bald genügte ihnen das nicht mehr. Ohne Gangschaltung überwanden sie Brenner und Reschen und sogar den gefürchteten Splügen in der Schweiz und rollten nach Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 28) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bozen, nach Mailand und sogar bis Venedig. Auf dem Gepäcksträger den Rucksack mit Schwarzbrot und ein paar Konservendosen zum Essen und eine alte MilitärZeltbahn zum Schlafen! O du gute alte Zeit! Ahnenforschung Viel Zeit und Eifer investieren immer wieder traditionsbewußte Leute in die Erforschung ihrer Sippen. Besonders genau machen das zum Beispiel Remigius Brauchle und Richard Gmeiner mit den langen Reihen der Kassiänler-Schertler, Gmeinder, Dür, Höfle, Rohner, Müller, Schelling, Kohler, Zehrer, Scheffknecht und von einigen anderen Familien, die auf weiten Wegen von Ober-Bildstein, Lauterach, Lustenau und aus dem Schwabenland in unser schönes Wolfurt gefunden haben. Auch für mich bleiben bei diesen Forschungen Überraschungen nicht aus. Schon mehrmals habe ich über die „Sammüller"-Böhler geschrieben und dabei erklärt, daß ihr uralter Hausname von ,,Ammann Müller", einem früheren Besitzer des Hauses an der Kellhofstraße stammt. Dieses Geschlecht sei 1915 mit dem Sattler Gebhard Müller erloschen, der sein Haus im Kirchdorf dem Konsum zur Verfügung gestellt hatte. Nun hat sich ein anderer „echter" Sam-Müller gemeldet, Arthur Müller, Jg. 1938, aus Frastanz. Sein Ahn Gebhard Müller, 1802-1864, war ein Enkel des Gotteshaus-Ammanns Johann Müller gewesen. Gebhards Mutter Katharina Blank, die auch die Ahnfrau der Sammüller-Böhler ist, war 1808 beim Wäsche-Waschen in der Ach ertrunken. Lies darüber in Heft 11, S. 19! Gebhard erlernte das Schmiede-Handwerk und gelangte als Handwerksbursch um 1820 nach Wangen im Allgäu, wo er eine Familie gründete. Von seinen Enkeln fand Franz Müller als Schuhmacher nach Nenzing. Dessen Enkel Arthur Müller hat nun in Wangen gesucht und dort den Weg zurück nach Wolfurt gefunden. Rohner-Familien (Heft 27, S. 29) Nicht nur in Wolfurt, sondern auch in Fußach und in Dornbirn ist dieser Beitrag auf Interesse gestoßen. Aus Dornbirn fragte Franz Wehinger, der ehemalige Leiter des Arbeitsamts, an. Er schickte interessante Fotos aus dem Stadtarchiv. Eines zeigt seinen Urgroßvater Joh. Kaspar Rohner, 1827-1915, mit Frau Katharina Dietrich und zwölf Kindern. Kaspar war ein Urenkel des 1709 noch in Wolfurt geborenen Johann Rohner aus dem Stamm der „ Orglar "-Rohner und lebte nun als Bauer auf Heilgenreuthe. Von seinen zwölf Kindern gehen viele Linien aus, eine davon auch zu „Rohners vom Bürgle" in Mühlebach. Aus dieser stammt der von seinem Wirken in Übersee und aus vielen Leserbriefen bekannte Pfarrer Helmut Theodor Rohner. Wolfurter Blut! Siegfried Heim Die Staufer und der Kellhof Aus dem mittelalterlichen Kellhof ist unser Kirchdorf hervorgegeangen. In mehreren Beiträgen habe ich seine Geschichte gestreift.1 Hier möchte ich das Wesentliche noch einmal zusammenfassen. Daß die mächtigen Stauferkaiser bei der Gründung von Kirche und Dorf Wolfurt Pate gestanden sind, hat mich überrascht. „Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil'gen Land gezogen kam ..." Ganze Generationen von Schülern haben Uhlands berühmte Ballade im Ohr und den mächtigen Kaiser vor Augen. Friedrich Barbarossa wollte das zerfallenene Reich Karls des Großen wieder aufrichten und sammelte dazu Ritter aus ganz Europa unter seinen Fahnen. Sechs Kriegszüge führte er über die Alpen gegen die widerspenstigen reichen Städte in Italien. Seine Heere erlebten Triumphe und fürchterliche Niederlagen. Als der Kaiser dann auch noch einen Kreuzzug ins Heilige Land unternahm, starb er im Jahre 1190 ganz plötzlich bei einem Bad im türkischen Fluß Saleph. Das Volk in Deutschland, durch Jahrzehnte geblendet von des Kaisers Pracht und Macht, wollte aber seinen Tod nicht wahr haben. In den tiefen Karsthöhlen im Kyffhäuser harre er auf seine Wiederkunft, um dann das zersplitterte Reich zu einen. So erzählte bald die Sage. Wie aber kamen Kaiser Rotbart und das Geschlecht der Hohenstaufen zu ihrem Einfluß auf unser damals noch sehr kleines Dorf Wolfurt? Als die Grafen von Bregenz im 10. Jahrhundert ihren Besitz teilten, behielt die Bregenzer Linie das Schloß in der Oberstadt, in welchem 949 der Hl. Gebhard geboren worden war. Dazu gehörte auch fast das ganze Umland, darunter der für die Versorgung des Schlosses wichtige Hof Steig. Die Pfullendorfer Linie bekam dagegen Lindau und den Kellhof. Geteilt wurden auch die Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, die vielerlei große Einkünfte besaß, und der Bregenzerwald, dessen Besiedlung gerade begonnen hatte. Die Bregenzer übernahmen den Vorderwald mit Lingenau und Andelsbuch. Das Gebiet links der Ach, wo später Egg und Schwarzenberg entstanden, fiel dagegen an die Pfullendorfer. Damit wird klar, warum der Graf von Pfullendorf Wert auf den Kellhof gelegt hatte: der lag ja mitten im gegnerischen Gebiet. Er brauchte ihn als Ausgangspunkt und Verbindung zu seinen neuen Siedlungen hinter der Lorena. Als die Bregenzer ihren Besitz in Andelsbuch um 1085 mit dem Bau eines Klosters absicherten, taten die Pfullendorfer ähnliches mit dem Bau einer Kapelle St. Nikolaus auf dem Bühel oberhalb ihres Kellhofes. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, besonders als im blutig ausgetragenen Investiturstreit die Pfullendorfer zusammen mit dem Kloster St. Gallen auf die Seite des Kaisers traten, die Bregenzer dagegen mit ihrem Kloster Mehrerau auf die Seite des Papstes. 5 4 Bild 2: Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa mit seinen Falknern. Bild 3: Pfarrkirche St. Nikolaus. An ihrem Platz stand schon um 1090 eine Kapelle. Neuer Streit begann um 1165 im Krieg um das Erbe des letzten Grafen von Bregenz zwischen Hugo von Tübingen und Rudolf von Pfullendorf. Jetzt griff Kaiser Friedrich Barbarossa ein. Er entschied den Kampf für die Pfullendorfer, die damit auch Herren von Bregenz und fast des ganzen Rheintals wurden. Dafür verpflichteten sie sich, den Kaiser auf seinem vierten Kriegszug nach Italien zu begleiten. So ritt also an des Kaisers Seite auch Rudolfs Sohn Berthold von Pfullendorf, für den als einzigen Erben die Grafschaft am Bodensee bestimmt war. Vor den Toren Roms errang das Stauferheer einen großen Sieg. Dann aber brach eine TyphusEpidemie aus, die mit zahlreichen Kriegern auch den jungen Berthold dahinraffte. Der Kaiser mußte über die Alpen fliehen. Jetzt überließ der alternde Graf Rudolf die kurz zuvor erworbene Grafschaft Bregenz seinem früheren Gegner Hugo. Seine Privatgüter aber, darunter Lindau, 6 den Kellhof und Schwarzenberg, übergab er dem Kaiser Friedrich Barbarossa. So wurden die Kapelle St. Nikolaus und die aufstrebende Ansiedlung am Fuß des Kirchbühels kaiserlich staufisches Gut.2 Bald danach dürfte Barbarossa um das Jahr 1180 seinen Besitz mit der Errichtung einer Burg zusätzlich befestigt haben. Nach damaligem Brauch gab er sie einem seiner Ritter als Lehen. Den Namen des ersten Burgherren kennen wir zwar nicht aus Dokumenten, wohl aber aus der Überlieferung. Als erster hat diese der Historiker Weizenegger um 1820 aufgeschrieben: „ daß die ursprünglichen Wollfurth im 13. Jahrhundert aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M 'Dewr the Wolf ...führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford 7 Bild 4: Schloß Wolfurt. Es wurde zu Barbarossas Zeit um 1180 gebaut. gewann. Aber Kaiser Heinrich starb schon mit 32 Jahren in Messina und wurde im Dom von Palermo begraben. Sein einziger Sohn war erst drei Jahre alt. In wechselvollen Kämpfen gegen aufsässige deutsche und italienische Fürsten und vor allem auch gegen die Päpste gewann der Heranwachsende aber schließlich doch das bereits verlorene „Heilige Römische Reich" wieder. Papst Honorius III. war ihm zunächst wohlgesinnt und krönte ihn sogar im Jahre 1220 in Rom als Friedrich IL zum Kaiser. Kurz zuvor hatte der Papst auch das den Staufern nahestehende Kloster Weißenau bei Ravensburg unter seinen besonderen Schutz genommen. Diese Papst-Urkunde vom 31. März 1219 ist die älteste, die den Namen „ Wolfurt" enthält.4 Unter den 72 dort genannten Besitzungen des Klosters ist das „predium in Wolfurt" die einzige im heutigen Vorarlberg. Aber schon wenige Jahre später vermittelte Weißenau einen viel wichtigeren Bezug der Staufer-Kaiser zu Wolfurt. Das Reich hatte keine feste Hauptstadt. Seine Schwerpunkte lagen in Aachen, Mainz, Bamberg und Straßburg, aber auch im burgundischen Arles, in Pavia, Neapel und Palermo. Wo der Kaiser gerade Hofhielt, war der Mittelpunkt des Reiches. Es war für ihn viel zu riskant, die Insignien seiner Macht, vor allem Szepter und Krone, ständig mit sich zu führen. Zu viele aufständische Konkurrenten strebten nach deren Besitz. Da vertraute er diese kostbaren Schätze den Mönchen von Kloster Weißenau an. Nun ruhten sie, bewacht von zwei Prämonstratenser Chorherren, mehrere Jahre lang verborgen auf der Waldburg in der Nähe von Weißenau. Für diesen unschätzbaren Dienst sollten die Mönche entsprechend entschädigt werden. Im Auftrag des Kaisers schenkte sein Sohn König Heinrich VII. dem Kloster im Jahre 1226 wertvollen Grundbesitz. Es bekam die dem Kaiser gehörige Pfullendorfer Hälfte der Pfarre St. Gallus in Bregenz und die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt. Daraus bezog es ab jetzt jährlich 250 Malter Getreide als Zehent, dazu 6000 Liter Wein und noch manches andere.5 Also: Der Kellhof Wolfurt war im Jahre 1226 ein Geschenk von Kaiser Friedrich II. an das Kloster Weißenau für die sichere Bewahrung der Krone! Wolfsführe - und nach und nach in Wolffurth überging."3 So überraschend genau ist der überlieferte Text, daß er sogar noch vom Zug des Ritters nach Italien berichtet. Wir dürfen also festhalten: Kaiser Friedrich Barbarossa hat um das Jahr 1180 den Ritter Wolford auf sein staufisches Schloß gesetzt. Hier liegt die Wurzel zum Namen unserer Gemeinde und keineswegs, wie bisher in den Schulen gelehrt, in einer „wohlen Furt" über die Ach. Der Kaiser hat dann 1186 noch einen letzten (den sechsten!) Kriegszug nach Italien geführt, ehe er auf dem Kreuzzug vom Tod ereilt wurde. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich VI., der in verlustreichen Kämpfen auch noch das Erbe seiner Frau Konstanze, das Königreich Sizilien, zu seinem nun übermächtigen Stauferreich 8 So wichtig war dem Kloster die neue Erwerbung, daß es sich die Schenkung noch mehrfach in weiteren Urkunden vom Kaiser selbst, vom Papst, vom Bischof und vom Herzog von Bayern bestätigen ließ. Der Geschenkgeber, König Heinrich, empörte sich übrigens 1232 gegen seinen kaiserlichen Vater. Er wurde von diesem gefangen und starb im Kerker. Nachfolger als deutscher König wurde sein jüngerer Bruder Konrad IV. Der hielt seinem Vater die Treue, auch als dieser vom neuen Papst Innozenz IV. mit dem Bannstrahl geächtet wurde. Seine Truppen überfielen und plünderten das päpstlich gesinnte Kloster Mehrerau. Jetzt erhielt auch dieses vom Papst am 17. September 1249 jenen großen Schutzbrief, in welchem unter 60 Orten erstmals die Steig und Rickenbach dokumentiert sind.6 9 Mit dem Tod von Kaiser Friedrich II. im Jahre 1250 schwand die Macht der Staufer. Sein Nachfolger Konrad IV. starb mit 26 Jahren schon 1254. Als letzter aus dem einstmals so stolzen Geschlecht wurde der 16jährige Enkel Konradin gar im Jahre 1268 in Neapel enthauptet. Der Kellhof aber blühte auf und entwickelte sich mit der zur Pfarrkirche erweiterten Kapelle St. Nikolaus zum Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Und die Krone? Die wunderbare, mehr als 1000 Jahre alte Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches? Ein Reif aus acht massiv goldenen Platten mit aufgesetztem Kreuz und Bügel. Nach einem theologischen Konzept herrlich geschmückt mit Edelsteinen, Perlen und Emailarbeiten. Auf langen Umwegen gelangte sie im Jahre 1800 nach Wien. Der letzte „Römische Kaiser" Franz IL legte sie 1806 ab und barg sie in seiner Hofburg. Im „Dritten Reich" wurde sie 1938 nach Nürnberg entführt. Die Amerikaner brachten sie nach Wien zurück. Tausende Besucher ziehen jetzt in der Schatzkammer an ihr vorbei, halten staunend still und denken an Kaiserpracht und versunkenen Glanz. Siegfried Heim Rund um den Kirchplatz In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts glaubte man, unser altes Kirchdorf sei sterbenskrank. Der Dorfbrunnen war abgebrochen worden. Der Kirchplatz vom Autoverkehr überschwemmt. Viele Geschäfte und Gasthäuser geschlossen. Die alten Bauernhäuser den Zuwanderern aus fremden Ländern überlassen! Nun ist das Dorf um das Jahr 2000 aber wieder zu neuem Leben erweckt worden. Der große rote Platz bringt mit regelmäßigen Markttagen die Menschen zusammen. Neue Geschäfte, Arzt-Ordinationen und schöne Wohnungen ergeben ein anderes Bild. Ein Spielplatz, ein kleiner Bach, ein vielbeachtetes Spielzeug-Museum lassen wieder Kinderlachen hören. Aus dem Dorfbrunnen sprudelt frisches Wasser! Viel Mut, viel Arbeit und viel Geld waren für diese Erneuerung notwendig. Wir sind den Verantwortlichen unserer Gemeinde dankbar dafür. Wir dürfen auf unser Kirchdorf wieder stolz sein! Das Dorf hat eine lange und wechselhafte Geschichte. In vielen Beiträgen in unserer Zeitschrift habe ich darüber berichtet.1 Hier fasse ich das Wesentliche noch einmal zusammen. Eine Wiederholung für eifrige Leser, aber auch eine Einführung für jene, die die alten Hefte nicht besitzen! Zur Zeit von Christi Geburt führte am Talrand eine Römerstraße zur Furt über die Ach nach Brigantium. Um das Jahr 500 ließen sich alemannische Bauern am Tobelbach nieder. Hier fanden sie Holz für ihre Häuser, frisches Wasser und fruchtbaren Ackerboden. Etwa ab dem Jahr 1000 mußten einige Höfe im Umland die Grafen von Bregenz versorgen, darunter der „Hof zue Staig" in Rickenbach und der „Kelnhof" am Tobelbach. „Keller" ist ein altes Wort für „Verwalter". Von den Grafen von Bregenz fiel der Kellhof an die Grafen von Pfullendorf, dann an Kaiser Barbarossa und schließlich an das Kloster Weißenau. Lies darüber im Beitrag „Die Staufer und der Kellhof'! Der Kellhof erhielt in dieser Zeit eine Kapelle St. Nikolaus und das Schloß auf dem Bühel und auch den neuen Namen „ Wolfurt". Jetzt entwickelte er sich zum Kirchdorf. In der Kirche behielten die Weißenauer Mönche ihren Einfluß bis 1600. Der Kellhof aber wurde mit seinen zeitweise zweihundert Leibeigenen mehrfach verpfändet und verkauft. Er kam zuerst in den Besitz der Grafen von WerdenbergBludenz, dann 1402 für 1100 Goldgulden an Montfort-Bregenz und schließlich 1515 nach weiteren Verpfändungen an den bekannten Landsknechtführer Merk Sittich von Hohenems. Verpfändet und verkauft! Mit Frauen und Männern, mit Äckern und Wäldern, einfach verkauft!2 Das gleiche Schicksal hatte im Jahre 1451 auch die Hofsteiger getroffen. Als es deren Herrin, der Gräfin Elisabeth von Bregenz, an Geld mangelte, verkaufte sie ihre 11 1 Heim, „Wolford", Heimat Wolfurt, Heft 24 / 2000 und „Weißenau", Heimat Wolfurt, Heft 17/1996 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs, I, S. 138 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg, 2 / 1839, S. 350 Kopie abgedruckt in Info Wolfurt, April 2004, S. 16. Siehe auch VLA, Helbok-Regesten Nr. 353! Binder, 850 Jahre Weißenau, 1995, S. 248 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 364 Heim, „ 750 Jahre Rickenbach ", Heimat Wolfurt, Heft 22 / 1999 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 445 2 3 4 5 6 10 halbe Stadt samt Hofsteig an Sigismund den Münzreichen, den Habsburger Herzog von Tirol. Seither, seit 1451, gehört Rickenbach mit den-anderen Hofsteiger Dörfern zu Österreich. Nicht so der Kellhof! Der verblieb noch dreihundert Jahre lang unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Hohenemser Grafen. Erst im Jahre 1765, als deren Geschlecht im Mannesstamm ausstarb, fiel auch Hohenems mit seinen Besitzungen in Lustenau, Dornbirn und im Wolfurter Kellhof an den Kaiser und damit an Österreich. Gräfin Rebekka, die Tochter und Erbin, hatte nach Böhmen geheiratet. Nun machte sie ihre Rechte zu Geld. Im Jahre 1771 kauften vier angesehene Wolfurter für insgesamt 4500 Gulden die letzten Hohenemser Besitzungen frei, darunter die fast zwei Hektar große „Bütze", den von einer Mauer gegen Hochwasser geschützten Emser Weingarten. Bald danach wurden die Reben ausgerissen und zuerst Heims und dann Rädlers Haus in den ehemaligen Garten gebaut. Bei Rädlers Haus blieb ein Stück von der alten Mauer noch bis 1976 stehen. Schon lange vor Rebekkas Zeit waren die Grenzen zwischen den beiden Gerichten, zu denen sich die gräflichen Höfe entwickelt hatten, durchlässig geworden. Durch Heiraten hatten sich die Besitzverhältnisse geändert. Jetzt gehörten viele Dörfler zu Hofsteig, Kellhofer wohnten umgekehrt auch in Schwarzach, Kennelbach und in Langen. Jedes Jahr aber mußten sich die Kellhofer Männer zur Musterung vor dem Emser Grafen oder seinem Vogt bei der Standlaube neben der Kirchenstiege einfinden. Zu großen Festen, etwa zur Hochzeit des Grafen, mußten sie sich sogar mit ihren Waffen in Hohenems aufstellen.3 Die Neuzeit hatte begonnen. Dem Hofsteiger Ammann Sebastian Schnell, der drüben an der heutigen Schloßgasse wohnte, gelang es, die beiden eifersüchtigen Äbte von Mehrerau und Weißenau an einen Tisch zu bringen und zur Gründung einer selbständigen Pfarrei St. Nikolaus zu bewegen. Seit 1512 müssen die Wolfurter und mit ihnen auch die Bucher und Bildsteiner nicht mehr zum Sonntagsgottesdienst durch die Ach waten. Seither haben sie einen eigenen Taufstein und einen eigenen Friedhof! Noch einen weiteren Erfolg konnte Ammann Bascha Schnell für sich verbuchen. Der Schloßherr Junker Jakob von Wolfurt erlaubte ihm, die Quellen bei seinem Weinberg zu fassen und durch Düchel-Rohre zu einem Brunnen auf dem Dorfplatz zu leiten, zum allerersten Brunnen. Mehr als vierhundert Jahre lang versorgte dieser Brunnen nun das Dorf mit Trinkwasser für die wachsende Anzahl von Einwohnern und auch mit Wasser zum Tränken der Tiere. Allerdings schöpften viele Bauern weiterhin wie bisher ihr Wasser aus dem Tobelbach. Wenn klirrender Frost oder anhaltende Trockenheit den Bach versiegen ließen, kamen sie aber auch zum Genossenschafts-Brunnen und nutzten dort ihr Recht. Der älteste „Seelenbeschrieb" von 1760 hatte erst 56 Häuser und dazu Kirche und Pfarrhof zum Dorf gezählt. Nach der Verteilung der Äcker dehnte es sich aber jetzt schnell nach Norden ins Röhle-Feld, nach Süden fast bis Unterlinden und nach Westen weit in die Bütze hinab aus. 12 Bild 5: Der neue Brunnen auf dem Kirchplatz Nach den im Gemeindearchiv aufbewahrten Brunnenbriefen waren im Jahre 1816 bereits 71 Genossen zur Wasser-Entnahme am Dorfbrunnen berechtigt. Es wurde eng, wenn aus 51 Ställen 83 Kühe und 34 Pferde zur Tränke geführt wurden.4 Auffallend ist dabei die niedrige Zahl der Kühe und die hohe der Pferde. Die Pferde setzte man beim Getreide-Anbau ein, der damals noch die weitaus wichtigste Lebensgrundlage der Wolfurter war. Kühe nutzte man dagegen hauptsächlich zur Eigenversorgung der großen Familien mit Milch. Sennereien gab es in Wolfurt noch nicht. Um dem täglichen Gedränge am Brunnen auszuweichen, faßten immer mehr Bauern eigene Quellen am Berghang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstanden es die Brunnenmacher auch schon, Pumpbrunnen ins Grundwasser zu setzen. Damit konnte man den steigenden Bedarf für die größer gewordenen Ställe, aber auch für Waschfrauen und Schnapsbrennereien decken. Große Angst hatte man weiterhin vor den Feuersbrünsten, die so manchen Hof in Schutt und Asche legten. Es muß ein gütiger Gott seine schützende Hand über die alten Holzhäuser im Dorfkern gehalten haben, daß es hier nie zu einer ganz großen Katastrophe gekommen ist. In jeder Küche loderte ja bis etwa 1850 ein offenes Feuer unter dem Kamin-Schurz. Löschwasser schöpfte man mit ledernen Kübeln aus dem Bach, wo Nachbarn mit Fallen das Wasser aufstauen konnten. Viel mehr als alle Schadensfeuer hat aber dann die moderne Zeit unter den alten Häusern gewütet. Dutzende von ihnen fielen der Spitzhacke zum Opfer, zerbrachen unter den Rammstößen der Bagger. Schließlich setzte in den letzten dreißig Jahren ein Umdenken ein. Von den allerletzten Rheintalhäusern wurden doch etliche behutsam renoviert und gelten heute als Schmuck der Gemeinde. Insgesamt 16 Häuser füllten früher einmal den Stock, das ist der Raum zwischen dem Dorfbrunnen und dem Kleinen Brunnen beim Kreuz an der Kreuzstraße, dicht aus. Davon stehen heute noch drei: der Alt Schwano, Sammüllars und s Schwöstoro-Hus. 13 Drei von 16! Die sind dafür alle drei vorbildlich hergerichtet worden. Weitere renovierte Häuser findet man noch ein paar an anderen Dorfstraßen. Mit den folgenden Zeilen will ich vor allem die alten und die verschwundenen Häuser ins Gedächtnis rufen. Mitten im Dorf stand einst am Rand des Kirchplatzes die hölzerne Laube, das ,,tanz-hus" (T). Unter ihrem Dach war der Platz für die öffentlichen Gerichtssitzungen und Beratungen. Nach dem Sonntags-Gottesdienst verkündigten der Ammann und sein Waibel wichtige Neuigkeiten und gaben die Anweisungen für die Arbeiten bei Saat und Ernte in der kommenden Woche. Die Laube bot aber auch Platz für den Tanz in der Fasnat und für allerlei Kurzweil. Das war der Grund, warum sie der überfromme Pfarrer Barraga im Jahre 1830 abbrechen ließ. Daneben stand „An der Kirchstiegen " das uralte „Hanso Hus". Dort hatte der Arzt Antonius Bildstein seine Praxis und die damit verbundene Barbierstube gehabt. Nun richtete sein Sohn Crispin Bildstein um 1770 hier den allerersten Kaufladen ein. Nach der Messe war er für die Hausfrauen geöffnet. Manche mußten ihre Schulden anschreiben lassen. Kunden aus Buch bezahlten oft mit Rebstecken oder mit Heugeschirr. 1928 wurde Hanso Hus zum Bau des Kriegerdenkmals abgebrochen. Auf der anderen Seite der Kirchstiege stand das stattliche Gasthaus „Rößle". Seine beste Zeit hatte es mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal ab 1850 unter der Wirtsfamilie Fidel Müller. 1982 wurde es abgebrochen, 1985 entstand hier das neue Pfarrheim. Gegenüber befand sich hinter dem Dorfbrunnen das älteste Gasthaus im Dorf, das man heute als den „Alten Schwanen" bezeichnet. In der dortigen Stube fanden die Sitzungen der Brunnengenossen statt. Im Jahre 1811 wurde hier unter der BayernHerrschaft auch die erste Vorsteherwahl in der fünf Jahre vorher neu errichteten Gemeinde Wolfurt durchgeführt. Als der Schwanenwirt Kalb später zusehen mußte, wie sein Konkurrent, der Rößlewirt Müller, mit Bäckerei und Handlung und mit neuen Gaststuben das Geschäft an sich riß, erbaute er 1860 auf dem Platz einer abgerissenen Nagelschmiede den „Neuen Schwanen". Hundert Jahre lang galt dieser nun als nobelstes Gasthaus im Dorf, besonders als die reichen Sticker im „Römerstüble" ihre ausgelassenen Treffen abhielten. Um 1970 mußte zuerst die Gaststube geschlossen werden. Zehn Jahre später wurde die stark erweiterte Handlung als Schwanenmarkt an die untere Kellhofstraße verlegt. Das stattliche Haus mit dem alten Schwanen-Schild blieb aber glücklicherweise erhalten. Das dritte Gasthaus am Kirchplatz war der „Engel". Der ehemalige Löwenwirt und Hofsteig-Ammann Joseph Fischer aus Rickenbach hatte dort um 1800 ein altes Haus gekauft und zu einem Gasthaus umgebaut. Hier hielt die 1816 gegründete Bürgermusik ihre ersten Proben ab. Mit den „Sammar"- und den „Alt-Adlerwirt"Fischer stammen bedeutende Familien aus diesem Haus. Zum Gasthof gehörten eine Kegelhalle und ein großer Gastgarten am gegenüberliegenden Hang. 1975 übersiedelte der Wirt in sein neues Hotel Engel. 14 Bild 6: Das Kirchdorf Wolfurt im Jahre 1760 Eine Skizze aus Heimat Wolfurt, Heft 6 /1990. Dort sind die einzelnen Häuser aufgezählt. Der Pfarrer hatte im „Seelenbeschrieb" für den Steuerkataster der Kaiserin Maria Theresia alle Straßen und Häuser und alle Einwohner aufschreiben müssen. Das im Pfarrhof erhaltene dicke Buch gibt einen ersten Überblick über unsere Gemeinde. Die Landstraße führte am Hang entlang zum Tanzhaus (T) am Fuß der Kirchenstiege und dann über das Oberfeld zur Furt an der Ach. Die Numerierung beginnt bei der Kirche mit den 6 Häusern „Auf dem Bühel". Nach den 7 (hier fehlenden) Anwesen an der Ach setzt sich die Reihe im „Röhle" (beim heutigen „Engel") fort. Sie führt über „Loch" und „Berggasse" (heute Kellhofstraße), „Feldgasse" (Kreuzstraße) und „Gässele" ins „Tobel" und erreicht endlich „An der Kirchstiege" mit der Nr. 45 „Hanso Hus" beim Tanzhaus. Vom Dorfbrunnen weg folgen die Nummern jetzt der „Kirchgassen " in Richtung Unterlinden . Neben dem Dorfbrunnen (bei 47) gab es noch Gemeinschaftsbrunnen auf dem Bühel (bei 2), im Loch (bei 24), bei Stenzlers (54) und den Kleinen Brunnen (bei 57). 15 Bild 7: Kinder am neuen Bächlein Bild 8: Blick vom Kirchturm auf das Dorf An dessen Platz standen früher zu beiden Seiten der Straße „ im röle " die zwei großen Haltmayer-Gerbereien, die ihren Besitzer um 1870 zum reichsten Mann von Wolfurt gemacht hatten. Beide mußten ihren Betrieb später einstellen. In den riesigen Häusern wurden Miet-Quartiere eingerichtet. Zuletzt mußten sie neuen Häusern Platz machen. Abgebrochen wurde daneben 1982 auch die „Dörfler" Sennerei. Genau hundert Jahre vorher war sie über Betreiben von Oberlehrer Wendelin Rädler gebaut worden. Bis 1924 wurde hier die Milch aus der nördlichen Hälfte der Gemeinde zu Butter und Käse verarbeitet. Ab jetzt wurde sie für die Großmolkerei Dornbirn gesammelt. Gleich danach endete früher die Röhle-Straße am Vällenthor (V). Die Landstraße führte ja damals über das Oberfeld. Von dort aus sah man um 1760 noch ein unermeßlich großes Getreidefeld vom Bühel bis zu den Unterfeldern in der Lärche. Kein 16 einziges Haus bis zur Lauteracher Kirche, keines im heutigen Röhle, keines in der Bütze! Nur Getreide und das Buschwerk „ im Wida " an der Ach! Das Feld war in Drittel abgesteckt. Ein Drittel war mit „ Vesen " bebaut, das ist eine Weizenart, die man heute Dinkel nennt. Sie lieferte das Mehl für Brot, Mus und damals, bevor im Ried Mais angebaut wurde, auch für „Hafo-Loab". Das zweite Drittel trug Hafer für „Habor "-Suppe und „Habor-Stopfar". Das dritte Drittel lag brach. Es sollte sich bis zur nächsten Einsaat erholen. Ammann, Dorfmeister und der „Banwart" regelten die gemeinsam von allen Dorfgenossen durchgeführte Arbeit bei Saat und Ernte. Sie sorgten auch für die Abfuhr des Zehents an den Vogt und an das Kloster Mehrerau. Bis ins 18. Jahrhundert hatte sich diese Dreifelder-Wirtschaft bewährt. Dann waren Felder und Wälder an die einzelnen Bauern verteilt worden. Bis zur Inselstraße und zu den „Löchern" (an der heutigen Loackerstraße) herein 17 reichte das mit Stauden bewachsene Flußbett der Ach, doch überflutete das Hochwasser nicht selten die Äcker bis in die Lärche und bis zur Laüteracher Kirche. Erst 1771 ließ Kaiserin Maria Theresia den Schutzdamm errichten, der viel später zur Achstraße ausgebaut wurde. Und die Straßen? An der Stelle der heutigen Bregenzerstraße und der Bützestraße führten grasbewachsene „Bau-Gaßen " in die Äcker hinein, aber der Zutritt war bis zur Erntezeit durch die großen Gatter der „ Vällenthore " versperrt. Ab 1800 wurden noch in der Bayernzeit ein paar Häuser in das Röhle-Feld gebaut. Bald danach stellten die Familien Dür, Schertler und Klocker je eine Ziegelei in die Insel hinaus. Als „Iosol" bezeichnete man das ursprünglich wertlose StaudenVorland an der Ach, das man mit Maria Theresias Damm dem Fluß abgerungen hatte. Zu jeder Ziegelei gehörte auch ein großer Kalk-Brennofen. Am Damm stapelten die Flößer riesige Mengen Holz aus dem Bregenzerwald als Brennmaterial auf. Der Lehm wurde in den Lehmlöchern im Flotzbach gegraben und mit Pferdefuhrwerken an die Ach geführt. Der mühsame Umweg über das Oberfeld machte eine direkte Zufahrt durch das Röhlefeld notwendig. Daher wurde um das Jahr 1820 eine neue Straße gebaut, die heutige Bregenzerstraße. Etwa 1830 entwickelte sich auch die Bützestraße zu einer zweiten Zufahrtsstraße zu den Ziegeleien. Als die Schertler um 1880 eine ganz moderne neue Ziegelei im Flotzbach geschaffen hatten, mußten die drei alten bald schließen. An der Ach blieb nur das Geschäft mit dem Kalk und später mit Zementwaren. Aus der ursprünglichen SchertlerZiegelei und ihrer Kalkhütte entwickelte sich die Firma Baustoffe-Rädler. Inzwischen waren die meisten Weingärten gerodet worden. Ab 1860 ging auch der Getreide-Anbau rapide zurück, weil preisgünstiges Getreide zum Bregenzer Kornmarkt eingeführt wurde. Die Landwirtschaft geriet in eine ernste Krise, aus welcher sie sich erst durch den Obstbau und die Intensivierung der Milchwirtschaft mit der Errichtung von Sennereien wieder einigermaßen erholte. Die ehemaligen Äcker rund um das Dorf verwandelten sich in Obstgärten und Heuwiesen. Jetzt zurück ins Kirchdorf! Dort war auch die „ Berggaßen ", die heutige Kellhofstraße, mit einem Vällenthor beim Bütze-Weingarten gegen das Ackerfeld verschlossen. Es gab aber bereits einen Weg nach Lauterach und den „Bregenzer Weg" auf der heutigen Montfortstraße schräg durch Felder und Stauden-Vorland zur einzigen Brücke über die Ach in Lauterach. An der Berggasse brach Kaspar Gmeiner 1776 das oberste Haus beim Brunnen ab und stellte es weiter unten im damals noch freien Feld neu auf. Ergänzt mit einem Stadel steht es noch heute (Kellhofstraße 11, Mohrs). Schon früher hatte ein einzelnes Haus außerhalb des Vällenthores (Nr. 30, Bützestraße 1, Stülzes) die Besiedlung der Bütze eingeleitet. Am westlichen Teil der „Berggasse" stehen noch ein paar von den alten Häusern, darunter der am Giebel mit den allerschönsten Zimmermannsarbeiten geschmückte alte „Kunsum". In dem bereits 1779 erbauten Haus hatte der Arbeiter-Verein 1903 18 Bild 9: Die Berggasse 1890. Wandbild von E. Köb im Schwanen. Links s Wäschhütlle und Filitzos Hus Bild 10: Dr. Lorenz Böhlers Geburtshaus einen preisgünstigen Verkaufsladen eingerichtet, der 1938 zum weitaus größten und modernsten Gemischtwaren-Geschäft der Gemeinde erweitert wurde. Wie viele andere Läden ist auch der Konsum längst geschlossen. Ein Stück weiter unten mußte 1976 mit Rädlers Haus ein besonders schönes Bauernhaus samt dem letzten Stück der Weinberg-Mauer dem Neubau des Schwanenmarktes und der Raiffeisenbank weichen. Unterhalb der Weg-Abzweigung ins „Loch" (Im Dorf) hatten die Dörfler eine Waschhütte gebaut, in welcher das saubere Überwasser des Dorfbrunnens den Hausfrauen zur Verfügung stand. Eine zweite solche Waschhütte stand droben auf dem Bühel. Dort wurde auch Schnaps gebrannt. Auf der Südseite der Kellhofstraße steht noch, ganz nahe beim Alten Schwanen und 19 Bild 12: Gasthaus Lamm um 1930. Gemalt von Rudolf Schertler. Bild 11: Dörfler Konsum um 1935 Bild 13: Das Mohr-Haus an der Kellhofstraße. Es wurde 1776 aus dem Kirchdorf hierher übertragen. wie dieser schön restauriert, das „Sammüller "-Haus. Es trägt seinen Namen nun schon mehr als 250 Jahre lang vom Gotteshaus-Ammann Nikolaus Müller. In der Wohnung über der damals angebauten Schreinerei wurde 1885 unser Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler, „ Sammüllars Lorenz ", geboren. An der Ecke zur Kreuzstraße stand früher der Gasthof „Lamm ": Der Lohnmetzger Gebhard Fischer hatte um 1880 hier das allererste Metzgerei-Lokal von Wolfurt eingerichtet, in welchem er Fleisch und Wurst an die zunehmend nicht-bäuerliche Bevölkerung verkaufte, die in den „ Quartieren " der großen Häuser wohnte und ihren meist kargen Verdienst in der Fabrik in Kennelbach erarbeitete. 1962 ist das Lamm abgebrannt. Im großen Neubau wurde das Gastlokal „ Klim-Bim " eingerichtet. Wo die Kreuzstraße an ihrem Südende bei einem großen Wegkreuz in die Kirchstraße einmündet, war früher einmal das Ende des Dorfes gewesen. Das gemeinsam 20 Bild 14: Das Rädler-Haus. Vorne die Mauer des Emser Weingartens. 21 Bild 15: Rasiorars Hus an der Kurve. Links das Heitz-Haus. bewirtschaftete Feld westlich der zur „Kirchstraßen" gewordenen ehemaligen Römerstraße war durch Jahrhunderte gegen Verbauung geschützt. Im 18. Jahrhundert setzten sich einflußreiche Bürger über die alten Gesetze hinweg. Als erster baute der Hofsteig-Ammann Jerg Rohner beim Kreuz einen großen Hof und eröffnete darin ein Gasthaus. Dort soll nach der Legende einmal Kaiser Josef II. genächtigt haben, als er inkognito sein Reich bereiste.5 Vor dem Haus stellte der Wirt einen eigenen Brunnen auf, für welchen er Wasser von der Zuleitung zum Dorfbrunnen abzweigte. Der stolze Hof, damals der größte in der Gemeinde, ist 1869 abgebrannt. Im Jahre 1957 mußte auch der „Kleine Brunnen" dem zunehmenden Autoverkehr weichen. Gegenüber waren 1937 die zwei alten Häuser des Wagners Heitz und des Metzgers Reiner abgebrannt. Wegen der Beengtheit des Platzes versagte die Gemeinde die Erlaubnis zum Wiederaufbau. So legten die Geschwister Heitz beide Brandplätze zusammen und stellten darauf das übergroße Haus, das seither den Südeingang zum Kirchdorf dominiert. Im Erdgeschoß bauten die Brüder drei Werkstätten ein. Längst sind diese geschlossen und haben Platz gemacht für kleine Geschäftslokale. Noch weiter im Süden durfte man eigentlich nur auf der Bergseite der Kirchstraße bauen. Zu einem Doppelhaus zusammengezwängt standen dort weit abseits schon um 1700 zwei bescheidene Häuser. Sie wechselten alle paar Jahre die Besitzer. Nach dreihundert Jahren stehen die unverwüstlichen Zwillinge noch immer fest auf ihrem felsigen Grund und bieten Raum für junge Familien. Eines wurde in den letzten Jahren von Grund auf renoviert (Zilla Zollers). Noch einmal zurück ins Dorf! Im großen Rank an der Kirchstraße steht seit 1746 das bis heute fast unverändert gebliebene „Rochusles Hus". Daneben hat 1772 der reiche Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner aus Feldkirch sein schönes Haus gebaut. Viel später hat dort „Rasiorars Agathle" ihren Kundschaften die Haare frisiert oder schon am Sonntag-Vormittag die Barte gestutzt. An der Ecke zur Schloßgasse erinnert uns ein besonders originelles Doppelhaus daran, wie knapp bemessen der Baugrund im Dorf einst gewesen ist. Die Westhälfte heißt man „Stenzlars Hus". Hier, wo einst das kleine Halden-Bächlein zum Tobelbach abgeleitet wurde, wohnte um 1500 der Ammann Bascha Schnell. Das Haus ist aber sicher jünger. Nach der Überlieferung soll es sogar einmal ein Gasthaus gewesen sein. Seinen Namen hat es von der Witwe Schwerzler, geborene Stenzel, die hier allein ihre Kinder aufzog. Ein Stück weiter in Richtung Kirche steht „ Tannbergers ", das seinen Namen von einem Josef Anton Huber aus Lech am Tannberg trägt. Vor ihm besaß es 1873 der böhmische Schneider Franz Eiselt, der 33 (!) Schlafstellen für arme Gastarbeiter einrichtete und damit viel Geld verdiente. Ein paar von den allerältesten Häusern drücken sich noch „Im Tobel" zusammen. Den Südhang deckte bis zum Jahre 1900 mit Pfarrers Rebgarten der letzte Weinberg in Wolfurt. Von der Friedhofmauer weg, wo sie ihren ersten Schießstand aufgestellt 23 Bild 16: An der Kirchstraße 1970. Tannbergars, Gitschges, Rüstos und Stenzlars. Bild 17: Mohro Emiles und der Alt Schwano, 1995 22 hatten, erprobten ab 1838 die Wolfurter Schützen ihre Vorderlader-Stutzen. Der Zielstock stand auf dem Bühel gegenüber. Beim Schwesternhaus beenden wir unseren Rundgang durch das Dorf. Der Schuhmacher Weiß hatte es 1921 den Schulschwestern vermacht. Darüber berichtet ein eigener Artikel. Auch die vielen anderen, an denen wir vorbei gegangen sind, könnten uns jedes eine eigene Geschichte erzählen! Siegfried Heim Die Besiedlung der Bregenzerstraße Das Röhle-Getreidefeld war schon vor 1750 aufgeteilt worden. Aber erst die um 1820 neu angelegte Straße am Fuße des Oberfelds machte eine Besiedlung möglich. Bis 1750 war ein Dür-Haus (Bregenzerstr. 7, Schützo-Mathisos) das äußerste nördliche Gebäude des Kirchdorfs gewesen, direkt neben dem Vällenthor zum Getreidefeld. Als erster überschritt 1752 Joseph Vonach diese uralte Grenze und baute sein neues Haus an den Vorsprung des „Röhle", an den steilen „kleinen Rain". Er überließ es später seinem Schwiegersohn Johannes Dür, der mit seinen vielen Kindern bald danach die Besiedlung von Röhle und Ach vorantrieb. Das Dür-Stammhaus steht noch heute, vor wenigen Jahren renoviert, als „Hannes Franzos" (Breg.str. 6). Erst 1802 erhielt es in Joh. Georg Klocker den ersten Nachbarn, den Stammvater der „Strickar"-Klocker. (Breg.str. 8, „Gigars im Röohle"). Damals führte die Landstraße ja noch über das Oberfeld und umging damit das Röhle-Feld. Erst weit im Norden senkte sie sich wieder zu den sieben alten Häusern an der Ach und erreichte dort als erstes das kleine Klocker-Haus (Breg.str. 31, Wachters). Das dritte Haus im Röhle erbaute 1805 Franz Josef Dür, ein Sohn des Johannes (Breg.str. 10, Kapeollars). Er begann nach den Franzosen-Kriegen mit dem Ziegelbrennen an der Ach. Sein jüngerer Bruder Lorenz Dür hatte das SchmiedeHandwerk erlernt. Er stellte 1812 auf der anderen Seite des Weges eine Werkstatt ins Feld und baute dazu ein Jahr später ebenfalls ein Haus (Breg.str. 11, Schorrers). Seine tüchtigen Söhne verlegten 1848 die Schmiede nach Rickenbach und schufen dort das Stammwerk der Firma Doppelmayr. Schon 1814 kam dann auch Josef Anton Schertler, ein Sohn des legendären Schützenmajors Jakob Schertler, aus Unterlinden und erbaute genau vis-a-vis von Franz Josef Dür ein großes Haus (Breg.str. 15, Schertler I, „Schädlars Sepplos"). Mit einer zweiten Ziegelei an der Ach wurde er der große Konkurrent der Firma Dür. Gemeinsam setzten die beiden aber jetzt den Ausbau des bisherigen Ackerweges zu einer Fahrstraße durch das Röhlefeld bis zur Ach durch. Zwei Jahrhunderte lang galt die neue Straße neben der Bützestraße als die „Obere Straße". Als erste in Wolfurt wurde sie 1931 „geteert". Seit 1953 trägt sie den neuen Namen „Bregenzerstraße". 1964 konnte sie den unerträglich gewordenen DurchzugsVerkehr an die „untere" Straße abgeben. Am Nord-Ende der damals neuen oberen Straße hatte als erster der Küfer Johann Böhler 1822 die Verbindung für ein Haus genützt (Breg.str. 21, „Hann-Batistos"). Drinnen im Dorf stellten jetzt die Haltmayer 1818 und 1828 ihre beiden Gerbereien auf. Aus dem Gasthof Engel übersiedelte die Witwe Magdalena Schertler-Fischer 1835 in ihr neues Ausgedinge-Haus am Röhle-Rank (Breg.str. 9, „Sammars"). 25 1 Empfohlen seien besonders aus Heimat Wolfurt Heft 4, S. 54 Pfarrkirche St. Nikolaus Heft 6, S. 2 Das Kirchdorf Heft 13, S. 6 Hofsteig Heft 23, S. 6 Dorfbrunnen Nach Ludwig Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV Jahrbuch 1952 Nach Ludwig Welti, Jakob Hannibal, Wagner-Innsbruck, 1954 Heim, Dorfbrunnen, Heimat Wolfurt, Heft 23, 1999 Heim, Ein Kuß für den Kaiser, Heimat Wolfurt, Heft 14, 1994 2 3 4 5 24 Nun war nur mehr in der Mitte des Feldes ein Stück frei geblieben. Hierher bauten 1836 der Wagner Fidel Bildstein von der Hub (Breg.str. 12, Kassians) und der DürSchwiegersohn Max Rusch aus Kennelbach (Breg.str 20, „Küofar Böhlars", jetzt Fuchs). Die letzte Lücke schloß 1843 Franz Josef Dür (Breg.str. 14 u. 16, Bernhards). Als 1852 noch die Ziegelei-Firma „Schertler u. Cie" ihr großes Geschäftshaus auf die Westseite der Straße gestellt hatte (Breg.str. 21, Schertler II, „Schädlars Alfredos "), war die Besiedlung des Röhle für viele Jahre abgeschlossen. Nur an den Hang kamen 1888 noch die Schertler-Kalkhütte und 1889 die BöhlerWagenschmiede. Nach langer Unterbrechung stellte nach dem Ersten Weltkrieg Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, seine Zimmermanns-Werkstatt auf, die Alwin Fuchs einige Jahrzehnte später zu einem Wohnhaus umgestaltete (Breg.str. 18). Und um das Jahr 1930 erbaute Josef Lässer erstmals nach fast 70 Jahren wieder ein Wohnhaus (Breg.str. 23). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann die ungehemmte Besiedlung der Felder ein, verbunden mit einer massiven Rodung der schönen Obstbaum-Bestände. Sogar der steile Berghang wurde schließlich bebaut. Das Bild an der Straße bestimmen aber immer noch die alten Rheintal-Häuser mit ihren hohen Giebeln. Mit großem Einsatz haben mutige Besitzer bereits die meisten renoviert und die Wohnungen der neuen Zeit angepaßt. Eine schöne Straße ist uns erhalten geblieben, die Bregenzerstraße im Röhle! Bild 21: Die alten Häuser im Röhle auf einem Katasterplan von 1857 26 27 Bild 18: Bregenzerstraße und alte Landstraße auf das Oberfeld 1931. Neuer Schwanen, Engel und Kegelhalle. Bild 22: Das Röhle im Schmuck der großen Birnbäume. Schädlars Sepplos, Kapeollars und Kassians. Bild 19: Die zum Mietshaus umgebaute ältere „Gerbe" von 1818. Dahinter die Sennerei von 1882. Bild 23: Hannes Franzos Hus wurde 1752 als erstes im Röhlefeld gebaut. Bild 20: Schützo-Mathisos und Sammars. Beide vorbildlich renoviert. Bild 24: Die Dür-Ziegelei um 1890. Ein Bild von Schnidarles Hannes. 28 29 Siegfried Heim Das Schwesternhaus An der engen Kurve der Kirchstraße hat die Gemeinde Wolfurt vor wenigen Jahren ein altes Rheintalhaus renoviert. Mit dem Schwesternhaus bleibt ein wichtiges Gebäude erhalten, das nach außen das Bild unseres Kirchdorfs wesentlich beeinflußt, das in sich aber auch eine beachtliche Tradition trägt. In den letzten 250 Jahren war es nacheinander Mesmar-Hus Klockar-Hus Naglar-Hus Schuohmachar-Hus Schwöstoro-Hus und nun ist es noch zum Spielzeug-Museum geworden! Im Stock Nahe am neuen roten Marktplatz, wo im letzten Jahrzehnt große Anstrengungen zur Wiederbelebung des Kirchdorfs ihre ersten Früchte getragen haben, wurde im Mai 2004 ein neues Wohn- und Geschäftshaus eröffnet, das die Wolfurter nach den neuen Mietern bereits „s Doktor-Hus" nennen. Zusammen mit dem benachbarten Schwesternhaus hat „ der Stock" dadurch eine weitere Veränderung seiner in langen Jahren arg abgebröckelten Fassaden erfahren. „Stock" ist der alte Name für das Dreieck zwischen Kellhofstraße, Kreuz- und Kirchstraße. Bei unzähligen feierlichen Aufmärschen und manchmal auch bei großen Begräbnissen zog man früher mit Musik und Fahnen „umm-o Stock" zum Kirchplatz und zur Kirche. Das Schwesternhaus wurde um das Jahr 1700 nahe bei Kirchplatz und Dorfbrunnen als Bauernhaus erbaut und übertraf damals an Größe die meisten Nachbarhäuser. Von Anfang an hatte es unter den Überschwemmungen des Töbele-Baches zu leiden. Nach Schlagwettern brach dieser oft an der Ecke des gegenüber liegenden RößleStadels aus. Seine schmutzigen Fluten prallten dann an die Straßenwand des Schwesternhauses und suchten sich auf beiden Seiten einen Weg durch die Gärten hinab in die Bütze. Erst vor etwa hundert Jahren wurde am Haus eine hohe Betonschwelle angebracht, die seither die Fluten auf die Kirchstraße ablenkte. Die letzten Überschwemmungen durch den wilden Bach haben noch um das Jahr 1940 jeweils einen großen See unterhalb der Kreuzstraße entstehen lassen. Alte Familien Der erste Besitzer des Schwesternhauses, den unsere Bücher in des Pfarrers Seelenbeschrieb von 1760 in „domus 49 an der Kirchgaßen" erfassen, war der Pfarr-Mesner Anton Fischer, 1718-1789. Auf dem steilen Pfad durch Pfarrers Weinberg im Töbele konnte der Mesner damals zu seinem Dienst in die alte kleine 31 Bild 25: Schädlars Alfredos. Als Zentrale der SchertlerZiegeleien 1852 erbaut. Bild 26: Die SchertlerKalkhütte, später Kalkwerk Rädler. Bild 27: Hann-Batisto Jockls Huf- und Wagenschmiede. 30 Pfarrkirche hinaufsteigen und dort regelmäßig die Glocke zum Gebet läuten. Anton Fischer gehörte dem angesehenen Geschlecht der Stöoglar-Fischer an, zu dem man auch die Seppar, Klosos und Schnidarles-Fischer zählt. Weil er kinderlos blieb, fiel das Haus an seine Stieftochter, die 1772 Anton Klocker geheiratet hatte. Damit wurde es zum wichtigsten Zentrum der Wolfurter Klocker. Von den acht Kindern begründete der Sohn Joh. Georg Klocker im Röhle mit der Nachbarstochter Franziska Reiner aus dem alten Schwanen die Sippe der Strickar-Klocker. Der jüngere Sohn Xaver Nikolaus heiratete mit Barbara Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ebenfalls eine reiche Wirtstochter und wurde der Stammvater der Soalar-Klocker. Die Glasar-Klocker stammen dagegen von Vater Antons jüngerem Bruder Josef Klocker. Das Haus an der Kirchstraße behielt der Sohn Josef Anton Klocker, 1783-1859. Dieser erbaute 1835 von hier aus eine große Ziegelei an der Ach und dazu das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohners). Das Elternhaus im Dorf wurde frei. Im Jahre 1843 übernahm es der einflußreiche Gemeinderat Johann Kalb, Naglars, und zog mit seiner großen Familie vom Strohdorf her hier ein. Später überließ er es seinem Sohn Gebhard Kalb, 1829-1878, von dem die vielen Naglar-Kalb-Familien an der Ach, in Unterlinden, in Schwarzach und auch in der Schweiz stammen. Alle aus diesem Haus! Wie in vielen anderen Bauernhäusern wurden jetzt auch im Schwesternhaus Mieter ins „ Quartier" aufgenommen. So lebte im oberen Stock durch längere Zeit die aus Rickenbach zugezogene Familie des Johann Mathias Bernhard, Lohansolars. Das Haus bekam im Jahre 1900 bereits seine fünfte Hausnummer. Nach des Pfarrers „domus 49" von 1760 hatte man aus steuerlichen Gründen bereits 1785 unter Kaiser Joseph II. die Nummer 50 und 1806 unter den Bayern die Nummer 25 auf den Türstock malen müssen. 1843 folgte die Nummer 51 und 1900 bei der letzten Durch-Numerierung der Gemeinde von der Ach bis Rickenbach die Nummer 64. Diese hielt nun bis zum Jahre 1954. Dann wurde sie beim Schwesternhaus durch die noch heute gültige Bezeichnung „Kirchstraße 45" ersetzt. Die Weiß-Stiftung Als Kalbs erwachsene Kinder das Elternhaus vor dem Jahr 1900 nach verschiedenen Richtungen verlassen hatten, konnte es der Schuhmachermeister Josef Weiß, 18681921, kaufen. Weiß stammte aus Lauterach und heiratete 1901 Maria Hinteregger. Sie war die älteste Tochter unter den 15 Kindern des Gemeinderats und Dorfmeisters Franz Hinteregger in der Bütze. Ihre Mutter war 1888 wenige Wochen nach der Geburt des 15. Kindes gestorben. So hatte Maria die Mutterstelle bei ihren vielen Geschwistern übernehmen müssen. Nun zog sie zu ihrem Mann ins Dorf. Weiß hatte in den Stadel des Hauses eine Schuhmacher-Werkstatt eingebaut. In einem kleinen Schaufenster an der Kirchstraße zeigte er die fertigen Schuhe. Über seine Arbeit hinaus war er auch politisch tätig. Schon 1899 war er einer der maßgeblichen Begründer des Katholischen 32 Bild 28: Das Stifterbild im Schwesternheim 33 Bild 29: Das Schwesternhaus 1989. Bild 30: Sr. Regina 1992 im Kreis ihrer Wolfurter Mitschwestern. Arbeitervereins gewesen. Bei der ersten Sitzung im Sternen hatten ihn die Wolfurter Arbeiter sogar zum Obmann gewählt. Im folgenden Jahr 1900 schaffte er für seinen Verein eine schöne Fahne an. Erst im Jahre 1904 konnte er das GemeindeBürgerrecht erwerben. Die kleine Rosa, das einzige Kind der Eheleute Weiß, starb schon im Alter von einem Monat. Die Wirschaftskrise am Ende des Ersten Weltkrieges traf den Schuhmacher schwer. Er erkrankte und starb, erst 52 Jahre alt, im Jänner 1921. Auch seine Frau Maria war todkrank. Als Pflegerin hatte sie ihre jüngere Schwester Paulina ins Haus genommen. Vor dem herbeigerufenen Pfarrer Stadelmann erstellte Maria Weiß, ganz im Sinne ihres Mannes, ein Testament. Darin stiftete sie ihr Haus den Schulschwestern als Wohnung. Diese hatten sich seit ihrem Einzug in Wolfurt im Jahre 1864 viele Jahre lang mit einer kümmerlichen Notwohnung im Schulhaus begnügen müssen, bis die Gemeinde für sie eine Wohnung im Haus Bucherstraße 3 mietete. Nun sollten sie endlich ein eigenes Haus bekommen. Grundbücherlich gehörten zum Haus ein großer Garten auf der anderen Seite der Straße, das Recht zur Nutzung des Tobelbaches und ein Anteil am Dorfbrunnen. Marias leibliche Schwester Paulina Hinteregger behielt das Wohnrecht in zwei rückwärtigen Zimmern. Die Schuhmacher-Werkstatt sollte der Jungfrauen-Kongregation zur Verfügung gestellt werden. Am 25. Jänner 1921 starb die Stifterin Maria Weiß, nur eine Woche nach dem Tod ihres Gatten. Nach dem Testament mußten ihre Verwandten vom Pfarrer mit einem BargeldBetrag abgefunden werden. Wegen der Geld-Entwertung durch die Inflation hatte man dafür 500 Schweizer Franken bestimmt. Als der Pfarrer diese Summe im notleidenden Wolfurt nicht auftreiben konnte, wandte er sich an Auswanderer in Amerika, darunter an den Pfarrer Theodor Rohner. Schon nach wenigen Wochen 34 traf eine viel größere Summe ein, die auch noch für den Umbau des Hauses ausreichte. Erster Verwalter des Stiftungsvermögens wurde ein Schwager der Stifterin, der Schreiner Rudolf Fischer, Schnidarles. Schwesternhaus Noch im Jahre 1921 zogen die Barmherzigen Schwestern Sebastina Oberhauser, Hildegund Gmeiner und Gisela Amann ein. Vom nunmehrigen „Schwesternhaus" aus setzten sie ihr segensreiches Wirken für Schule und Pfarrei Wolfurt fort. Nach dem Tod von Sr. Hildegund stieß 1932 noch Sr. Regina Pichler zu ihnen. Sie war die letzte Schwester, die das Haus bis 1992 bewohnte, begleitet und betreut von ihrer Helferin Zilla Zoller. Als dann auch Zilla die Wohnung räumte, blieb das Haus zehn Jahre lang leer. In die ehemalige Werkstatt war 1922 die damals sehr aktive JungfrauenKongregation eingezogen. Sie hielt hier ihre wöchentlichen Heimabende mit Gebet, Gesang und fröhlichem Gespräch ab. Dazu kamen Bildungsvorträge, Koch- und Näh-Kurse und Ausbildung in Kranken- und Säuglingspflege. Das rührige Treiben trug dem Mädchenheim bald den Spottnamen „Henno-Stal" ein. Auch die Pfarr-Bücherei fand hier einen Platz. Nach Beschlagnahme und „Säuberung" in der NS-Zeit wurde die Bücherei mit den übrig gebliebenen alten und einigen wertvollen neuen Büchern nach dem Krieg wieder eröffnet und war jetzt ein wichtiger Treffpunkt für die bildungshungrigen Wolfurter. Darüber hinaus verwendete die Gemeinde die Räume viele Jahre lang als Wahllokal für Gemeinde-, Landes- und Bundeswahlen. Streng mußte der Wahlleiter darauf achten, daß am Wahltag zuerst im näheren Umkreis die Wahlplakate entfernt wurden. In den Gasthäusern durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden. Findige Wirte sollen allerdings für ihre Stammgäste immer wieder einen Ausweg gefunden haben. 35 Als die Gemeinde dann in den 60er-Jahren neue Schulen und ein Rathaus gebaut hatte, wurden für Vereine, Bücherei und natürlich auch als Wahllokal bessere Räume gefunden. Die Kongregation wandelte sich zur Jungschar und fand im neuen Pfarrheim Aufnahme. Jetzt blieb der „Henno-Stal" lange Zeit ungenutzt. Schon 1922 hatte sich die Gemeinde zur Erhaltung des Schwesternhauses verpflichtet. Nach dem Statut kann sie es aber, wenn es nicht für Schulschwestern oder einen anderen Orden beansprucht wird, einem gemeinnützigen Zweck zuführen. So wurde mit Zustimmung des Generalrats der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck und von Stiftungskurator Dr. Franz Hinteregger im Jahre 1991 im Stadelteil des Hauses der Kindergarten Kirchdorf eingerichtet. Weil der Orden wegen des Mangels an Nachwuchs keine Rückkehr von Schwestern mehr in Aussicht stellen konnte, machte sich die Gemeinde nach Sr. Reginas Tod Gedanken um eine Verwendung der Wohnung. Zu viele von den alten typischen Häusern des Dorfes waren bereits verschwunden. Eine Revitalisierung der alten Bausubstanz erwies sich als schwierig und aufwendig. Trotzdem entschloß sich die Gemeinde mutig zu dem Schritt, nach dem Alten Schwanen auch noch das traditionsreiche Schwesternhaus, das Stammhaus vieler Wolfurter Familien, für die Nachwelt zu erhalten. Mit einem Aufwand von über 300 000 Euro wurden Wohnung und Dachboden saniert. Uraltes Gebälk und „gestrickte" Wände wurden dabei freigelegt und als Zeugnisse der Baukunst unserer Vorfahren dauerhaft sichtbar gemacht. Nun konnte Frau Iris Alge, die in jahrzehntelanger aufwendiger Sammeltätigkeit einen einmaligen Schatz zusammengetragen hatte, hier vom Keller bis zum Dachboden ein Puppen- und Spielzeug-Museum einzurichten. Die Gemeinde Wolfurt leistete damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Rettung und Erhaltung alter Kulturgüter. Dazu wünschen wir Glück! Und dem uralten Haus noch viele Jahre! Siegfried Heim Der Buggenstein Wer über die Wolfurter Bühel wandert und einen Aussichtspunkt sucht, der findet einen der schönsten Plätze droben auf „Stöckelers Bühel". Wir Älteren nennen den langen grünen Rücken zwischen Kirche und Ippachwald meist noch „Jochums Bühel". In den alten Schriften heißt er aber seit mehr als fünfhundert Jahren der „Buggenstein ". In dem Namen steckt das alte Wort „Buggel" für einen nicht gerade hohen und abgerundeten Bühel. Er ist ja nur 478 Meter hoch, 57 Meter über dem Dorfplatz und 45 Meter über dem nahen Friedhof. Aber sein sanftes Grün vor dem dunklen Ippachwald prägt neben Kirche und Schloß doch die Ansicht unseres Dorfes ganz entscheidend mit. Wunderbar läßt es sich da droben in der milden Herbstsonne sitzen. Bald aber fegt dann wieder der West-Sturm über den Querriegel, der sich ihm als erstes Hindernis vor dem Steußberg entgegenstellt, und zerzaust die zähen Birken. Steil fällt die schattige Nordseite zur Neuen Bucherstraße ab. Die Sonnenseite neigt sich dagegen gemächlich zum kühlen Tobel und zur idyllischen Rütte. Dort zieht seit dem Mittelalter die Alte Bucherstraße durch. Sie erschließt den großen Ippachwald. Harder, Lauteracher und Wolfurter Fuhrleute versorgten lange Zeit auf diesem Weg ihre Dörfer mit Bau- und mit Brennholz. Manch Interessantes könnte uns der Buggenstein erzählen. Nach der Meinung von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank dürften Grabungen auf seiner windgeschützten Seite vielleicht Funde aus der Steinzeit erbringen. Jedenfalls wäre dieser Platz, nahe beim Wald und beim frischen Wasser des Tobelbachs, für ein Lager der frühen Jäger sehr geeignet gewesen. Einen seltsamen Hinweis dazu gibt die unbestimmbare Überlieferung, daß auf dem inzwischen fast ganz überwachsenen Felsband an der Südostkante einst eingeritzte Zeichen zu sehen waren. Ins Licht der Geschichte tritt der Buggenstein am Ende des Mittelalters. Eine Pergament-Urkunde im Landesarchiv nennt den Namen erstmals im Jahre 1449. (VLA, Nr. 1096, nach Wolfurt in Chroniken, 1982). Damals tauschten die Wolfurter einen Meßkelch für ihre Kapelle St. Nikolaus ein und gaben dafür „ein stück feld ob der kirche auf dem Buggestain". Der größte Teil des Südhangs war einst mit Weinreben bepflanzt. Erhalten geblieben sind Urkunden von 1457 vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain 1464 Gärtle und Reben am Buggenstain 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain 1597 Weingart an Buggenstain 1601 Rebgertlin in Buggenstain 1610 Kloster Mehrerauw Reben in Buggenstain (Nach Werner Vogt, Heimat Wolfurt, Heft 19, S. 9 f.) 37 36 Bild 31: Neben Kirche und Schloß prägt der grüne Rücken des Buggensteins das Bild von Wolfurt. Bild 32: BuggensteinSüdseite und Alte Bucherstraße Bis 1601 hatte ein Teil vom Buggenstein zur Kirche Wolfurt und damit zum Kloster Weißenau gehört. Jetzt waren diese Rechte für bares Geld an das reiche Kloster Mehrerau verkauft worden. (Heimat Wolfurt, Heft 17, S. 7) Seit dem Niedergang des Weinbaus gab es da oben noch ein paar Dinkel-Äcker, aber etwa ab 1870 nur mehr Viehweiden. Von einer Bebauung blieben die Hänge noch lange Zeit frei. Einzige Ausnahme waren Kirche, Friedhof und Pfarrhof „uff-om Roa", auf dem westlichsten Ausläufer des Buggensteins. Das allererste Haus am Nordfuß des Bühels (heute Bucherstraße 6, Stöcklers) erbaute im Jahre 1824 Joh. Gg. Gasser. Gasser war Waffenschmied an der Berggasse (Bucherstraße 1) gewesen und zog nun mit seiner Frau Magdalena Flatz, einer Schwester des berühmten Malers Gebhard Flatz, ins Oberfeld. Später besaß ihre Tochter Viktoria Gasser, die in Bregenz den Onkel Gebhard in seinen letzten Lebensjahren betreute, das Haus. Pächter und nachfolgende Eigentümer behielten den Hof meist wenige Jahre, weil der steile Bühel nur mit großer Mühe zu bewirtschaften war und nur geringen Ertrag einbrachte. Auf Kressers, die nach Lauterach zogen, folgte die Familie Rai, die 1924 nach Amerika auswanderte. Jetzt kam aus Lech Johann Jochum, der mit Frau und Töchtern viel Kraft aufwendete, um dem Hang mehr Gras abzugewinnen. Dazu schaffte er sogar eine starke Jauchepumpe an. Mit langen eisernen Rohren konnte er nun erstmals richtig düngen. Inzwischen hatte der Zimmermann Josef Anton Köb, „Lehrars Seppatone", im Jahre 1900 ganz nahe bei der Kirche sein schönes Haus (Bucherstraße 2) als zweites nach dem Gasser-Haus errichtet. Auf der rechten Seite der Alten Bucherstraße baute die Gemeinde dann 1911 ihren oberen Friedhof mit den Arkaden. Der Pfarrhof war schon 1882 erneuert worden. Jetzt kehrte noch einmal für viele Jahre Ruhe auf dem Buggenstein ein. 38 Das wurde 1952 mit einem Schlag anders. Die Gemeinde betonierte fast ganz oben auf „Jochums Bühel", genau 468 m ü. M., ihren ersten Wasserspeicher in den Fels, der für den nötigen Druck im Leitungsnetz des neuen Wasserwerks sorgen mußte. Jetzt konnte mit der Zersiedelung der Felder auch die Überbauung der Bühel beginnen. Architekt Ernst Hiesmayr und DI Otto Gruber waren die ersten, die die herrliche Aussicht vom Westhang des Buggensteins und die Ruhe am Waldrand höher einschätzten als die Probleme mit der schwierigen Zufahrt über die Rütti-Gasse. Ihre beiden Häuser waren mit Nr. 444 und 446 die allerletzten, die 1953 noch eine Hausnummer nach der alten D-Reihung bekamen (Rüttigasse 5 und 7, später Bildhauer Albrecht). Um diese Zeit erwarb Erich Stöckler den Hof samt dem großen Bühel. Immer mehr Siedler erkannten den hohen Wohnwert am Hang. Ganz am Ostende von „ Stöcklers Bühel" - so hieß der Buggenstein jetzt - begann der Bregenzer Textil-Fabrikant Benger mit dem Bau von zwei großen Landhäusern. Bald folgten mehr als ein Dutzend Häuser an der Bucherstraße und an der Rüttigasse. Der bis weit ins Tal sichtbare Rücken des Bühels und seine sonnige Südseite blieben aber - Gott sei Dank! - frei und grün. Auch die malerische Birken-Gruppe auf dem Kamm blieb erhalten. Von der oberen Rüttigasse steige ich manchmal die paar Schritte hinauf und setze mich ins Gras. Ich durfte auch schon Gruppen von Schülern und von heimatkundlich interessierten Wolfurtern dorthin führen und ihnen die Aussicht erklären. Zu Füßen liegen das Oberfeld und das Kirchdorf und ein buntes Häusermeer hinaus bis zu den Flußauen an der Bregenzerach. Dahinter grüßen Gebhardsberg und Kanzele mit ihrem roten Felsband. Rechts sieht man die Kennelbacher Kirche und neben ihrer Turmspitze die Kapelle auf der Halden. Nach Westen schweift der Blick an der Wolfurter Kirche vorbei zur Kirche von Lauterach und, nur mehr ganz klein am Bodensee-Ufer zu sehen, zum Kirchturm 39
  1. wolfurt
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Heimat_Wolfurt_...6_Feb Wolfurt 01.02.1996 19.11.2012, 18:29 Heft 18 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1997 Bild 1: Die Turmkugel hoch über dem Kirchdorf. Zuletzt wurde sie im Jahre 1985 von Spenglermeister Walter Schwerzler und Architekt Peter Konzet geöffnet. Inhalt: 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament Bildnachweis: Karl Hinteregger Bilder 1, 2, 21 Helmut Schertler 6, 8, 9, 11 Raimund Mohr 12 Siegfried Heim 5, 7, 10, 13, 14, 15 Sammlung Heim 3, 4, 16, 17, 18, 19, 20, 22 Zuschriften und Ergänzungen Fast ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis auf Heft 17 nun endlich Heft 18 folgt. Aus einer Reihe von Anfragen war zu entnehmen, daß es mit Interesse erwartet wird. Mutterpfarre Weißenau (Heft 17, S. 4) Die Frauen der Pfarre Wolfurt nahmen diesen Beitrag zum Anlaß, ihren Sommerausflug 1996 nach Weißenau zu machen. Sie haben dort eine Führung durch die großartige Barockkirche bekommen und vor dem Heiligblut-Altar gebetet. Damit ist wohl ein Neuanfang für unsere fast 400 Jahre lang unterbrochenen Beziehungen zum Kloster Weißenau gemacht. Das Landesarchiv verwaltet noch etliche Urkunden zu Weißenau und Wolfurt: Am 5. September 1447 verlieh Abt Ulrich von Weißenau sein Klostergut auf dem Bühel zu Wolfurt an Ulrich Böler. Am 31. Juli 1573 verlieh Abt Michael von Weißenau das Gut, das vormals Peter Böler innehatte, gegen Entrichtung von Zehent und eines Drittels vom Kornertrag an Hans Schnell von Wolfurt. Mir ist übrigens in dem Artikel ein Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldigen möchte. Die Mönche von Weißenau standen in Konkurrenz mit den Benediktinern von Mehrerau, nicht mit den Zisterziensern. Das für unsere Pfarre noch weit wichtigere Kloster Mehrerau war seit seiner Gründung im Jahre 1097 (vielleicht schon ein paar Jahre früher) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 eine Benediktinerabtei. Sein Einfluß auf Wolfurt und ganz Hofsteig bedarf noch einer eigenen Untersuchung. Die Zisterzienser kamen erst 1854 nach Mehrerau, nachdem man sie aus Wettingen in der Schweiz vertrieben hatte. Nachkriegsjahre 1945 -1949 (Heft 17, S. 9) Dieser Artikel von Burkhard Reis hat ein vielfältiges Echo gefunden und mit seinen interessanten Bildern zu mancher Diskussion angeregt. Es ist höchste Zeit, daß die noch lebenden Zeitzeugen ihr Wissen weiter geben. Wir sind für jede Notiz dankbar. Ernst Maurer bestätigt die Angaben über Ludwig Gmeiners unbrauchbar gemachtes Auto (S. 22). Er habe selbst als junger Arbeiter in der Mechan. Werkstätte Reimair in Lauterach den Keil neu gehärtet, allerdings nicht in einem Hochofen, sondern in einem speziellen Härtungsofen. Zur Ausweisung der Reichsdeutschen (S. 22) erinnert sich Ernst Maurer, daß er damals in seinem Heimatort Sulzberg-Eibelesmühle gemeinsam mit Bekannten mehrmals deutsche Staatsbürger samt Koffern voll Wäsche und Eßgeschirr über die Grenze nach Bayern geschmuggelt habe. Für Direktor Welter von den Bregenzer MichelWerken hätten sie sogar Möbel geschleppt. Umgekehrt wurden deutsche Soldatenbräute, einmal sogar mit einem Säugling, über die Grenze eingeschleust, damit sie 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den beachtlichen Abgang trägt. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1997 durch Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim. Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H.. A-6922 Wolfurt hier ihre österreichischen Partner heiraten konnten. Vorerst war allerdigs nur eine geheime kirchliche Eheschließung möglich. Hildegund Mathis-Gmeiner berichtet, daß Franziska Gmeiner (Knores Zischgele, Jg. 1914) am 1. Mai 1945 eine Gruppe von Frauen und Mädchen zuerst in Rickenbach zu Bürgermeister Rohner und dann Richtung Dorf geführt habe. Sie riefen laut, sie wollten die Sprengung der Brücken verhindern und die friedliche Übergabe der Gemeinde erreichen. Hildegunds Vater, der gerade vom Hilfsgrenzdienst in Gaißau heimgekehrt war, verbot ihr das Mitgehen. Lina Schmid-Schwärzler wurde nach dem Einsatz im RAD zur Dienstleistung in der Hutfabrik Egg verpflichtet, wo man Elektroteile für die Rüstung fabrizierte. Das Bild von der Musterung des Jahrgangs 1918 (S. 34) wurde für viele zum Suchbild. Paul Schwerzler hat mir folgende Namen angegeben: Vorne sitzend v. 1.: Paul Schwerzler, Bütze; Johann Simioni, Strohdorf. Zweite Reihe v. 1.: Julius Amann, Postmeisters; Franz Mitterdorfer, Rickenbach (Sein jüngerer Bruder Mario ist 1943 gefallen); Karl Büchele, Schlatt; Erich Künz, Ach; Karl Rohner, Ach (gestorben schon 1939). Hinten v. 1.: Schöllnberger (ein jüngerer Bruder des Schneidermeisters Ernst Schöllnberger in der KellhofStraße); Anton Wolfgang, Rickenbach (gefallen 1945); unbekannt (vermutlich aus dem Wida). Der Jahrgang 1918 war mit 22 Geburten der zweitkleinste in unserem Jahrhundert. Weniger Kinder, nämlich 20, waren nur 1916 zur Welt gekommen, als die meisten Männer im Krieg waren. Georg Klettl hat mir ein paar Notizen vom Geschehen rund um das Vereinshaus 1945 gebracht. Er war damals als 15jähriger dort daheim: Ich erinnere mich noch daran, daß in Wolfurt ein RAD-Lager errichtet werden sollte. Dort wo jetzt das Heinzle-Haus in der Neudorfstraße steht, wurde der Rasen von RAD-Männern abgehoben und zu sauberen Würfeln aufgestapelt. Für uns Buben war der Aufmarsch der Männer am Morgen eine Sensation: blitzblanke Spaten, glänzende Stiefel, gute Disziplin. Es blieb aber beim Rasenabheben. Als sich die Front von Frankreich her dem Bodensee näherte, wurden im Vereinshaus 4 oder 5 LKW voll Werkzeug (Pickel, Schaufeln, Schlägel, hölzerne Schubkarren etc.) eingelagert. Es gehörte der Organisation Todt und war zum Bau von Befestigungsanlagen bestimmt. Nach wenigen Wochen wurde alles wieder abtransportiert. Bald darauf wurde auf der Nordseite des Vereinshauses ein Holzschuppen aufgestellt. Hinein kamen eine Gulaschkanone (Kochkessel) und ein großer Holztrog. Auch eine Pumpe und eine Wasserverteilung mit 5 Hahnen wurden installiert. Der große und der kleine Saal wurden mit Pritschen und Strohsäcken aus Papierspagat ausgelegt. Dann wurde im April 1945 die bisher in Schlünders im Südtirol stationierte Volkssturmabteilung hierher verlegt. Beim „Besensturm" waren Männer aus Bregenz und Umgebung, lauter ältere Semester. Unser Vater war auch dabei, natürlich als Sanitäter. Die Volkssturmmänner sollten bei der Verteidigung des Bodenseeufers in Hard zum Einsatz kommen. Ende April waren die Volksstürmler plötzlich nicht mehr da. An zwei Namen erinnere ich mich noch: Kommandant war der Schuldirektor Niederer aus Gaißau, Koch war ein Herr Rüscher aus Vorkloster. Dann kam der Einmarsch der Franzosen und Marokkaner mit gewaltigem Kriegsmaterial und unzähligen Mulis. Auf Instrumentenmachers Wiese beim Vereinshaus standen jede Menge Dodge und Jeeps (Autos), aber auch Kanonen und anderes Kriegsgerät. Die Panzer waren auf der Wälderstraße abgestellt. Viele hatten Käslaibe aufgeladen, die die Soldaten in den Käsereien im Allgäu erbeutet hatten. Eine große Anzahl Marokkaner schlief im großen Saal auf den vom Volkssturm verlassenen Pritschen. Drei Schmiede waren bei Schmied Köbs einquartiert. Sie hatten die Werkstatt beschlagnahmt und beschlugen nun dort ihre Mulis. Diese weideten in allen Feldern, am meisten unten in den Lehmlöchern. Die Marokkaner waren im allgemeinen diszipliniert. Sie wurden von den französischen Oberen strenge behandelt. Ich erinnere mich noch, daß unsere Mutter ihnen einen ganzen Einweckhafen voll Innereien kochen mußte. Ein fürchterlicher Gestank erfüllte unsere ganze Wohnung. Unvergeßlich! Ganz andere Erinnerungen verbindet Frau Gebhardine Ciaessens mit dem Kriegsende. Als Tochter von Bürgermeister Ludwig Hinteregger, der damals die Verantwortung für Wolfurt wieder übernahm, erhielt sie Einblick in das tragische Geschehen um die Kriegstoten in Wolfurt: Bei dem Tieffliegerangriff am Nachmittag des 1. Mai 1945 hörten meine Mama und ich den Einschlag im benachbarten Kaplanhaus. Im Hausgang wurde die 15 Jahre alte Luise Bilgeri getroffen, als sie in den Keller laufen wollte. Sie wurde über die Stiege hinab geschleudert. Eine Flüchtlingsfamilie, die schon vorher dort Zuflucht gesucht hatte, glaubte zuerst, die Großmutter werfe ihnen noch ein Kleiderbündel zu. Schnell wurden die Krankenschwester Epiphanie und Herr Klettl vom Roten Kreuz verständigt. Ein Transport war nicht möglich. Innerhalb von 12 Stunden ist Luise innerlich verblutet. Das Sterbebuch der Gemeinde hält dazu fest: Luise Bilgeri, geb. 22.5.1930, am 2. Mai 1945, 4.30 Uhr früh, verstorben. Leberdurchschuß durch Tieffliegerangriff am 1. Mai 1945. Am 2. Mai brachte man zwei tote deutsche Soldaten zu uns. Sie lagen zuerst im Tenn. Dann wurde jeder in einen Sarg gelegt und bis zur Beerdigung unter der ersten Arkade des Friedhofs aufgebahrt. Ihr gemeinsames Grab bekamen sie im unteren Friedhof links vom Eingang in der dritten Reihe an der Mauer. Der eine war ein unbekannter Soldat. Er trug nur mehr einen Rosenkranz bei sich. Die Papiere und die Erkennungsmarke hatten ihm wahrscheinlich seine Kameraden abgenommen, um die Angehörigen zu verständigen. Dazu ist im Sterbebuch, bezeugt von Bürgermeister Hinteregger, notiert: Unbekannter Soldat, am 2. Mai 1945, 6 Uhr, gefallen bei Haus 23. (Haus 23 ist Scheffknechts Haus hinter dem Wälderhof an der Ach.) 5 4 Der zweite Soldat trug sein Soldbuch bei sich: Herbert Hümpel, geb. 3.1.1927, aus Kirch-Mummendorf, Bez. Grevenmühlen, Mecklenburg. Das Soldbuch und ein paar Fotos aus seiner Heimat blieben vorerst bei uns. Jeden Suchdienst habe ich angeschrieben. Weil Mummendorf im von den Russen besetzten Gebiet lag, kam erst im November 1952 die erste Anfrage von seinen Eltern. Vom Roten Kreuz in Hamburg hatten sie eine Nachricht erhalten. Ich konnte ihnen das Soldbuch zuschicken. Ende der 60er Jahre wurden die beiden Toten vom Österr. Schwarzen Kreuz exhumiert und auf dem Kriegerfriedhof bei der Evangelischen Kirche in Bregenz neu beigesetzt. An Hümpels Finger steckte noch sein Ring mit den eingravierten Buchstaben H.H. Für die Übermittlung dieser Erinnerung an ihren einzigen Sohn äußerten sich die Eltern dankbar. Inzwischen konnte die einzige Tochter auch schon das Grab ihres Bruders besuchen. Im Sterbebuch bezeugt Bürgermeister Hinteregger: Kanonier Herbert Hümpel ist am 2. Mai 1945, 6 Uhr, in Wolfurt-Oberfeld beim Einmarsch der Franzosen durch Kopfschuß verstorben. Einige Seiten weiter ist im Sterbebuch auch der Tod des Familienvaters Gebhard Böhler (Heft 17, S. 10) vermerkt: Verstorben am 2. Mai 1945, um 18.15 Uhr, in Tuttlingen in der Karlsschule. Lungen- und Leberdurchschuß beim Einmarsch der Franzosen am 2. Mai 1945. Die Leiche wurde nach Wolfurt überführt und am 27. Juli 1947 beigesetzt. Vier junge Menschen mußten also am letzten Kriegstag allein noch in Wolfurt sterben. Einige Zeugen berichten sogar von einem weiteren Todesopfer. In einer Wiese neben der heutigen Nußgasse wurde ein deutscher Maschinengewehrschütze durch einen Lungendurchschuß schwer verletzt. Arthur Fischer berichtet, daß man ihn in sein Elternhaus, in die ebenerdig gelegene Wohnung seines Bruders Eugen, brachte. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Einwanderer 2, Italiener (Heft 17, S. 39) Dieser Bericht wurde in Kennelbach diskutiert. Die Nachkommen der Wolfurter „Italiener" wissen noch, daß ihre Eltern besonders unter dem Übernamen „Tschinggo" gelitten hätten. Das Spottwort stammt angeblich vom italienischen „cinque" (fünf). Die Italiener waren übrigens tief-katholisch. Pfarrer Nachbauer verlangte 1905 für sie einen ständigen italienischen Seelsorger. In Scharen gingen die Männer am Palmsonntag oder am Karsamstag zu den Kapuzinern in Bregenz zur Beichte. Daheim mußten sie dann ihren Beichtzettel vorlegen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 60) Einen wunderschönen Brief hat Sr. Isabella Schedler aus Mils geschickt. Unter anderem erzählt sie darin, wie sie als Schülerin 1923 helfen durfte, die neue kleine Glocke über die Berggasse zur Kirche hinauf zu ziehen. Siegfried Heim Dokumente aus der Turmkugel In Bildstein ließ Pfarrer Hinteregger anläßlich von Instandsetzungsarbeiten an seinen Kirchtürmen auch die Turmkugeln öffnen. Dabei fand sich in einem gut verschlossenen Behälter ein handgeschriebenes Dokument aus dem Jahre 1711. Weil die Wallfahrtskirche damals noch zur Pfarre Wolfurt gehörte, ist die Botschaft auch an uns gerichtet. Msgr. Gerhard Podhradsky und Werner Vogt haben sie für uns gelesen und kommentiert. Im Bildsteiner Pfarrbrief vom 25. Aug. 1996 wurde sie abgedruckt. Hier nur ein Auszug: Jesus Maria et Joseph Anno 1692 seindt die Thürnx zue bildtstain bey der Kirchen undt walfahrt erbawet, undt nach 19 verflossenen Jahren widerumb repariert, undt die Kupplen erhöchet worden. Daran haben gearbaithet M. Philipp Geiger undt bartholome böler in Bildtstain, Hanß Stadelmann, undt bartholome böler, zwey Zimmermann. Solche Rupien saindt gedäckht worden von H. Georg broz Landtaman2 undt Seinem Sohn Christian broz von Rankhwil. Zue der Zeitt:.... Nun berichtet der Schreiber, daß der Kaiser (Josef I.) gestorben sei und sein Bruder Karl um das Erbe in Spanien Krieg führe. Ludwig XIV von Frankreich sei in das Land eingedrungen. Die Ungarn hätten ihren Aufstand beendet. Aber noch führten die Schweden gegen die Polen und Dänemark gegen die Schweden langwierige Kriege. Er zählt auch die kirchliche Obrigkeit mit Papst Clemens XI. und dem Bischof von Konstanz Joannes Franciscus auf und fährt dann fort: Zur Zeitt, da H. Pfarrer in Bregenz Jo. Caspar Boch Administrator Episcopalis3 undt Ihro Gnaden Jo. Andreas Pappus v. Trazberg Archiducalis Administrator4 in Bildtstain der Kirchen waren. DD. Beneficiati5 in bildtstain waren zue der Zeitt R.D. Franciscus Casparus Frewis Brigantinus6 .... 1 2 3 4 5 Türme Georg Brotz aus Batschuns war Ammann im Gericht Rankweil-Sulz Verwalter des Bischofs Verwalter des Erzherzogs Die Herren Benefiziaten waren die Inhaber der vier aus Opfergaben der Pilger gestifteten und erhaltenen Pfründen in Bildstein. Im 18. Jahrhundert wirkten an der Wallfahrtskirche ständig vier Priester. aus Bregenz 6 6 7 R.D. Jo. Jacobus Reinhardt Wangenensis .... R.D Fran. Xaverius Wechinger Dornbürensis1 .... R.D. Jacobus Fer Weilhaimensis .... Aeditus hoc tempore: Joannes Schindel in Ranchwilanus simul et Ludemoderator.8 Parochus in Wolffurt R.D. Joannes Egendter Beznaviensis.9 Amanus im gericht hoffstaig H. Georg Ronner in Wolffurth.10 Also 1711 zur Zeitt, da die 4 vor Arlenbergische Herrschaften Ser betrangt waren mit Kriegß beschwerden, winther-quartier, durchzüg in Italien11, undt was daß Meriste12, mit haimmischen großen Uneingkeitten, oder bellis intestinisli. Aus Christlichem Mittleiden vor alle obbemelte Personen So einer Solcher solte noch in der quall des Fegfeürs aufgehalten werden Sollen betten alle gegenwerthige ein hailig undt Andächtiges Vatter Unsser undt Ave Maria.14 Amen. geschechen in bildtstain den 18. July 1711. — Soweit also das Bildsteiner Dokument. Der Wolfurter Kirchturm stammt als ältester Teil der heutigen Pfarrkirche wahrscheinlich noch aus dem 15. Jahrhundert. Vermutlich hat erst Pfarrer Franz Josef Feurstein im Jahre 1728 das alte gotische Satteldach durch eine Turmspitze ersetzen lassen. Jedenfalls läßt sich seither auch in Wolfurt eine Turmkugel nachweisen. Beim großen Kirchenumbau von 1833 ließ Pfarrer Barraga dieselbe öffnen. Er schreibt darüber15: 1834. DerSommer war unerhört warm und sehr trocken. Es regnete nur einige Mahl; daher konnte auch die im vergangenen Jahr aufgebaute Kirche sehr gut austrocknen und mit dem Thurm verputzet werden. - Der Thurmknopfhat 22 Zoll'6 im Durchmesser. Im selbigen fand sich ein kleines 1 1/4 Zoll langes Schächtchen von Holz, es schloß in sich das Evangelium des H. Johannes, ein Wachs17 und ein Zettelchen mit den Worten Franciscus Feurstein parochus18 1728, den 28. Oktober. In einer blechernen Büchse wurde es mit einigen Noten abermahl in selbigen gelegt. Leider ist diese Büchse mit dem ältesten Dokument von 1728 seither verschollen. Franz von Barraga, von 1828 bis 1835 Pfarrer in Wolfurt, schrieb aber auf eine kleine 7 Bild 2: Blick von der Kirchturmkugel auf den Dorfplatz hinab (1985) Rolle Pergament einen zweiten Brief an uns, den er 1834 in die Turmkugel einlegte: Lectori Salutem!19 1833 ist die alte Kirche, die im Langhause 9 Klafter oder 54 Schuhe, und in der Breite ohne Mauer 4 Klafter oder 24 Schuhe hatte20, stückweis so abgebrochen worden, daß der Gottesdienst immer in der Kirche gehalten werden konnte; indem das 13 aus Dornbirn Mesner war zu dieser Zeit Johann Schindl aus Rankweil, zugleich auch Lehrer. In Bildstein hatte nämlich ein Jahr vorher der Benefiziat Dr. Jakob Halder eine der ersten Schulen im weiten Umkreis errichtet. 9 Der aus Bezau stammende Wolfurter Pfarrer Egender hatte einige Jahre früher nur mit großer Mühe verhindern können, daß sich Bildstein als Pfarre selbständig machte. Hofsteig-Ammann Georg Rohner war zuvor einer der Anführer bei den erfolgreichen Aufständen des „Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der kaiserlichen Vögte gewesen. Lies über ihn und die im folgenden Absatz beschriebene Not in unserem Land in „Heimat Wolfurt", Heft 13, S. 28! 1 ' Durchmärsche von Soldaten nach Italien 12 das ärgste mit Bürgerkriegen. Gemeint sind die Aufstände des "Gemeinen Mannes", bei denen Bregenz zweimal von den Bauern besetzt worden war. 14 Demnach wurde das Schreiben öffentlich verlesen. Schon zu deren Lebzeiten wurde dabei für die Obrigkeit um Erlösung aus den Qualen des Fegefeuers gebetet. 15 im Anhang zum Pfarrfamilienbuch I C, Pfarrarchiv Wolfurt 16 17 18 22 Zoll sind etwa 57 Zentimeter Wachsfigur. Solche wurden häufig von Pilgern geopfert oder als Andenken gekauft. 19 Pfarrer Ein Gruß: Dem Leser sei Heil! 20 17,10 Meter lang und 7,60 Meter breit 8 9 neue Gebäude sich schnell erhob, und im obigen Jahre mit dem Dache versehen werden konnte. 1834, am Feste Maria Geburt stand die neue Kirche11 vollendet da. Baumeister war Peter Bilgeri von Lauterach, Bauer22 Sebastian Rüscher von Bitzau, die Maurer aus dem Bregenzerwald. Vorsteher L. Fink.23 Bauinspizient Anton Matt von Bregenz. Kassier MartinSchertler,Altvorsteher.2'1' Der Kosten beläuft sich gegen 6.000 Gulden. Freiwillige Beiträge der Pfarrkinder und das Drittel davon von seiner Majestät dem Kaiser Franz I. als Patron in den Fußstapfen des Klosters Mererau decken diese Unkosten.25 Unter Leitung des Zimmermeisters Fetz von Eck im Bregenzerwald ist den 26. August 1834 der Thurmknopf abgenommen worden. Es fand sich in demselben beiliegendes Schächtchen Nr. I von Franz Jos. Feuerstein, Pfarrer zu Wolfurt. Ad. 28 Oktober 172426. Derzeit ist Pfarrer Franz De Barraga, gebürtig von Wien, erzogen zu Innsbruck, wegen Priestermangel nach Vorarlberg berufen, war Kaplan zu Rankweil und Schwarzenberg, dann Pfarrer in Damüls. 1834 ist der Tit. Dekan zu Schwarzach, Joseph Stadelmann; der Hste. H. Generalvikar u. Weihbischof, Johannes von Tschiderer; der Hste. H. Fürstbischof zu Brixen, Bernard Galura; Seine päpstlichen Heiligkeit heißt Gregor der XVI. Den... September 1834 ist der Thurmknopf oder die Kugel vergoldet wieder an seine Stelle gesetzt worden - von Spengler Joseph Schwerzler. Nur etwas mehr als 40 Jahre ruhte das Dokument diesmal in der vergoldeten Kugel. Man hatte den Turmhelm mit kleinen grün glasierten Ziegeln eingedeckt. Diese hielten den rauhen Westwinden aber nicht stand. Dekan Josef Anton Waibel, von 1867 bis 1879 Pfarrer in Wolfurt, sah sich 1877 gezwungen, den morsch gewordenen TurmDachstuhl zu erneuern und mit einem Blechdach zu versehen. Bei vielen Wolfurter Es war eigentlich keine neue Kirche, sondern eine großzügige Erweiterung. Turm und linke Wand der alten Kirche blieben erhalten. Siehe Heimat, Heft 4, S. 59 u. 60! 22 Polier, Bauführer 23 Leonhard Fink (1777-1860) aus Sulzberg, Adlerwirt in Rickenbach, war in Wolfurt schon 1821-22 und dann wieder zur Zeit des Kirchenbaus ab 1832 Vorsteher. 24 Altvorsteher Joh. Martin Schertler (1793-1856), ein Sohn des Schützenmajors Jakob Schertler in Unterlinden, beaufsichtigte von Seiten der Gemeinde den Bau. Später wurde er 1850 bis 1853 ein zweites Mal Gemeindevorsteher. 25 Nach der Auflösung des Klosters Mehrerau im Jahre 1806 war das Patronat über die Pfarre Wolfurt im Umweg über den bayerischen Staat an das österreichische Kaiserhaus gekommen. Die mit dem Patronat verbundene Verpflichtung zum Beitrag am Neubau der Kirche soll der Kaiser aber sehr lange nicht eingelöst haben. Jedenfalls konnte der Brixner Weihbischof Georg Prünster die Kirche erst am 25. Juni 1849 einweihen (Rapp, S. 801). 26 Dieses Datum differiert mit Barragas Eintragung im Pfarrbuch (siehe weiter oben!) um vier Jahre. 27 68 Fuß sind etwa 21,5 Meter, für einen Dachbalken eine erstaunliche Länge. 21 Häusern setzte man einige von den vom Kirchturm entfernten grünen Ziegeln auf das Dach, um sich damit einem zusätzlichen Schutz zu unterstellen. Auf dem Turm wurde natürlich auch die Kugel geöffnet und darin ein dritter Brief hinterlegt: Lectori salutem! 1877 wurde der Thurm renovirt u. mit Eisenblech gedeckt. Dabei kam zur Verwendung: 7 (sieben) lange Stück Holz, wovon das längste 68 Fuß.27 Eisenblech 2400 Quadrat Fuß.28 Die Kugel wurde neu verfertigt aus Kupfer u. im Feuer vergoldet. Durchmesser 20 Zoll.29 Das Kreuz ganz neu. Die ganze Länge 12 Fuß 8 Zoll.30 Das Baucomite bildeten: Franz Hinteregger, Gemeindeausschuß, Dorfmeister, Hauptleiter des Baues.31 Jos. Anton Schedler, Gemeinderath.32 Jos. Anton Geiger, Altkirchenpfleger.33 Arbeiter des Baues: Josef Gmeiner (Strohdorf), Zimmermeister Johann G. Schwärzler (Unterlinden) Josef Schwärzler (Tobel)34 Dachdecker: Martin Schwärzler, Flaschner (Schifflewirth)35 Seine Gehilfen: Wilhelm Schwärzler, Sohn des Obigen Alexander „ Johann Köb von Bildstein, Geselle bei Obigen. 28 29 30 31 Das entspricht einer Fläche von 240 m2. Die neue Kugel war also mit nur mehr 53 Zentimeter Durchmesser etwas kleiner als die alte. Ziemlich genau 4 Meter. Franz Hinteregger (1845-1919) wohnte in der Bütze. Als Dorfmeister war er für Straßen, Bäche und Brunnen im Dorf verantwortlich. 32 Josef Anton Schertler (1829-1916), Flotzbach. Auffallend ist, daß der Pfarrer die Schreibart Schedler verwendete. 33 Jos. Anton Geiger (1820-1888), Rochusles 34 Alle drei waren Zimmerleute aus bekannten Familien: Gmeiner von Disjockeles (später nannte man sein Haus Knores) im Strohdorf. J.G. Schwerzler von Zimborars in Unterlinden. Sein Haus am Anfang der Frickenescherstraße in Unterlinden zeigt noch heute auffallenden Zimmermannsschmuck. Er hat 1905 auch Kreuz und Kugel auf die Turmspitze gesetzt. Josef Schwerzler (1850-1915), der schwarz Toblar, stellte 1911 das Kreuz im oberen Friedhof auf. 35 Das Gasthaus Schiffte stand am nördlichen Ende der Bützestraße. Sohn Wilhelm ist später nach Kennelbach übersiedelt, Alexander nach Amerika ausgewandert. 10 11 Bild 3: Für die neuen Glocken baute die Pfarre 1905 auch eine neue Glockenstube und erhöhte den Turm auf 57 Meter. Bild 4: Frau Agatha Schneider, 1895-1985, Wohltäterin der Kirche Bild 5: Der 1833 eingemauerte Grundstein der Kirche wurde 1994 freigelegt. Die Vergoldung des Hahnes kostet ungefähr 30 fl. Die Kosten übernahm J.G. Kalb (Schwanenwirth). Das Kreuz verfertigte Jos. Anton Dür, Mechaniker, aus eigenen Kosten.36 Der übrige Kosten des Baues kommt ungefähr auf 1500 fl öst. Wrg. u. wird durch Zuschlag auf die Gemeindesteuer gedeckt. (Die Kugel aus Kupfer kostet ungefähr 40 fl u. die Vergoldung 100 fl). Der Bau begann den 17. Juli 1877 unter dem Vorst. J.G. Fischer17. Der Thurmknopf mit Kreuz und Hahn ist unter Leitung des J.G. Schwerzler (Unterlinden) Samstag d. 11. Aug. 1877 wieder auf dem Thurm befestigt worden. Beigelegt wurde das Bild des göttl. Herzens Jesu u. der Zettel mit dem Gebet: „Akt der Sühne ". Der Zeit ist Pfarrer: Jos. Anton Waibel, Dekan, geb. zu Hohenems. Kaplan: Wilhelm Müller. 36 General-Vikar u. Weihbischof: Johann Amberg Fürstbischof zu Brixen: Vincenz Gasser Seiner päpstl. Heiligkeit: Pius IX. Hier schreibt Pfarrer Waibel ein Kompliment an seinen politischen Gegner: J. A. Dür (1818-1888), Gründer der Groß-Schlosserei in Rickenbach, aus der später die Firma Doppelmayr hervorging, war ein Anführer der Liberalen. 37 Vorsteher Joh. Georg Fischer (1847-1918) war Adlerwirt in Rickenbach und ebenfalls ein Liberaler. Als Pfarrer Nachbauer 1904 Spenden für neue Glocken sammelte, verweigerten die Rickenbacher ihre Zustimmung und sammelten lieber für eine zweite Kirche mitten im Dorf. Trotzdem brachte der Pfarrer 43.000 Kronen zusammen und konnte damit das schönste Geläute im Land anschaffen. Zur Erichtung einer größeren Glockenstube mußte die Turmspitze 1905 abgenommen werden. Dabei wurde die Kugel geöffnet. Die beiden alten Briefe darin kamen in das Pfarrarchiv. Im Trubel der Ereignisse beim Aufrichten des neuen Turmes - er war mit 57 Metern um 11 Meter höher als der alte! - dürfte der Pfarrer auf das Einlegen eines neuen Turm-Dokumentes vergessen haben. Vielleicht ist ein solches aber auch bei späteren Reparaturen verloren gegangen. Jedenfalls ist keines bekannt. Ganz neu eingedeckt wurde der Turm samt dem Kirchendach dann erst wieder im Herbst 1985. Diesmal hinterlegte Lehrer Peter Heinzle als Vorsitzender des 12 13 Pfarrgemeinderates wieder einen gut geschützten Brief in der Turmkugel. Dieser ist eigentlich für unsere Nachkommen im nächsten Jahrhundert bestimmt. Hier folgen daher nur einige Auszüge: Wolfurt, am 30. Okt. 85 In den Monaten Sept. und Okt. 1985 wurde die dringend nötige Erneuerung des Kirchendaches und der Turmeindeckung vorgenommen. Gleichzeitig wurde das größtenteils holzwurmbefallene Gebälk imprägniert und die gesamte Fassade gestrichen. (Aufzählung der beteiligten Baufirmen und der für den Bauverantwortlichen Mitglieder des Pfarrgemeinderats.) ... Die Arbeiten wurden durch extrem schönes und trockenes Herbstwetter besonders begünstigt und verliefen ohne Unfälle. Die Finanzierung der enormen Kosten (ca. 2 Mill. S - das ist etwa der halbe Wert eines Einfamilienhauses samt Grund) konnte zu einem großen Teil durch die Erbschaft der Wwe. Agathe Schneider, geb. Geiger, gestorben 1985, erfolgen. Gott vergelte ihr diese übergroße Wohltätigkeit! Die Marktgemeinde Wolfurt hat derzeit etwa 6500 Einwohner, davon etwa 4500 Katholiken. Gastarbeiter aus der Türkei u. Jugoslawien stellen mit ihren Familien etwa 1/10 der Bevölkerung. Wolfurt hat sich in den vergangenen 30 Jahren vom Bauerndorf zur Industrie gemeinde entwickelt. Es bleibt zu hoffen, daß verantwortliche Gemeindepolitiker diese Entwicklung in Bahnen lenken können, die zum Wohl aller Wolfurter und auch unserer Nachkommen gereichen. Das Jahr 1985 war für die Pfarre und die Marktgemeinde Wolfurt ein Jahr großer Veränderungen. Nach 28jähriger, überaus segensreicher Tätigkeit trat Pfarrer Gebhard Willi (Jg 1913 - Ehrenringträger der Markigem. Wolfurt) in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Kaplan German Amann Den Generationswechsel begann im verg. Herbst der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider (Jg 1920). Er war 28 Jahre Gemeindearzt in Wolfurt, davon viele Jahre einziger Arzt Ähnlich lange im Amt war Bürgermeister Hubert Waibel (1960-85). Er wurde im Mai von Erwin Mohr abgelöst In luftiger Höhe wartet diese Urkunde nun hoffentlich viele Jahre lang auf den ersten Leser. Sehr lange schon wartet eine andere Urkunde im Fundament der Pfarrkirche St. Nikolaus. Im Dezember 1994 wurden die Grundmauern freigelegt, weil man sie entfeuchten wollte. Dabei entdeckten die Arbeiter 2 Meter rechts vom Hauptportal in nur 70 Zentimeter Tiefe einen Stein mit seltsamer Inschrift. Eine Untersuchung ergab, daß es sich um einen alten Grabstein handelte. Eingemeißelt war unter dem Christuszeichen IHS auch das Datum Mai II 1770 zu erkennen. Bei der Errichtung dieses Fundaments im Jahre 1833 sollte der alte Sandstein wohl etwas schützen, das dahinter verborgen ist. Pfarrer Barraga berichtet darüber im Familienbuch bei den Aufzeichnungen über den Wolfurter Kirchenbau: 14 Den 28. April 1833 wurde vom Hochwürdigen Gnädigen Herrn H. Dekan, k.k. Schuldistriktsinspitient und fürstbischöflichen Geistlichen Rathe zu Bregenz in Schwarzach Joseph Stadelmann, nachdem er eine sehr angestande Rede hielt und die Stelle des Hochaltars eingesegnet hatte, unter dem Schalle der türkischen Musi38 der Eckstein gesetzt. Rechts an der forderen Seite der Kirchenmauer. Er hatte die Aufschrift, die die Jahrzahl enthält: Fördere, o Gott! dieß Werk von uns Wolfurtern zu Deiner höchsten Verherrlichung. Er wurde ausgehöhlt, und in die Höhle wurde ein Fläschchen gut versiegelt gelegt, welches einige Notizen z. B. von den zu leistenden Auslagen, von den Nähmen der regierenden geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, enthält. Auch wurden einige kleine Münzen beigelegt. Pfarrer Amann konnte der Versuchung, nach den kleinen Münzen zu greifen, widerstehen. Er ließ den Stein ungeöffnet. Der Graben wurde wieder zugeschüttet. Darin meine ich des Pfarrers Botschaft an uns zu hören: Unsere Kirche wird weiterhin auf festem Grund stehen! 38 gemeint ist die damalige Wolfurter Blasmusik 15 Siegfried Heim Der Ippachwald (1) Neue Straßen Seit 200 Jahren bewirtschaften im Ippach mehrere hundert Grundbesitzer ihre oft sehr kleinen Waldparzellen. Jedes Jahr holten sie früher, als es noch keine modernen Heizungen mit Kohle oder Öl gab, das notwendige Brennholz für Herd und Kachelofen aus dem eigenen Holztoal (Waldteil). Schöne Stämme sparte man für Bauvorhaben oder auch zum Verkauf. Durch steile Riesen ließen die Holzer die glatten Stämme über die Hänge herab rutschen. Starke Pferde schleppten die schweren Lasten zu den Holzplätzen. Nur auf Schneebahnen konnte man sie von dort ins Tal bringen. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft brachte ab 1950 auch für den Wald große Veränderungen. Zentralheizungen und Elektroherde verdrängten die Holzöfen. Während die Arbeitslöhne stiegen, sanken die Holzpreise immer tiefer. Auch Zugpferde wurden selten. Neue Waldbesitzer hatten oft kaum mehr Bezug zu ihrem Waldteil. Wege und Marken verfielen. Manche Waldteile wurden jahrzehntelang nicht mehr bewirtschaftet. Mehrmals versuchte die Gemeinde, die Waldbesitzer zu einem gemeinsamen Straßenbau zu bewegen. 1965 legten die Forstfachleute des Landes zusammen mit Waldaufseher Paul Geiger einer Grundbesitzerversammlung sogar baureife Pläne vor. Eine Einigung kam aber nicht zustande. Überall im Land wurden Wälder durch neue Straßen erschlossen. In Wolfurt ließ man dagegen die alten weiter verfallen, abrutschen, ausschwemmen, vermuren. Große Waldflächen waren für Traktoren nicht erreichbar. Im Winter 1988/89 wurden dann aber endlich oberhalb von Frickenesch drei Waldwege saniert. Jetzt erstellte die Forstbehörde durch Dipl.-Ing. Siegfried Tschann und Ing. Roland Eine ein neues Projekt für den Ippachwald, das den Ausbau von 5,2 km Waldstraßen vorsah. Sofort nahmen einige „grüne" Gemeindevertreter ablehnend Stellung. Sie erhielten Unterstützung durch ein Gutachten des Landschaftsschutzes: Eine intensive Waldbewirtschaftung würde zu Fichten-Monokulturen führen! Dem widersprach Dipl.-Ing. Tschann in einem Gegengutachten heftig: Die Ippach-Forststraße gehöre zu den dringensten Aufgaben im ganzen Bezirk. Jetzt lud die Gemeinde alle Grundbesitzer zu einem Informationsabend am 6. April 1990 in die Aula der Hauptschule ein. Das aufgelegte Projekt fand Zustimmung. Eine Reihe von Waldbesitzern forderte sogar eine Ausweitung auf weitere Waldteile. Am 4. Mai 1992 wurde schließlich in einer Versammlung in der Aula der Hauptschule die Bringungsgenossenschaft Ippachwald gegründet und ein Ausschuß mit Vertretern aus Hard, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gewählt. Obmann wurde 16 Bild 6: Bei der Alten Schmiede wurde die Forststraße 1993 neu angelegt. Im Hintergrund erkennt man den Einschnitt des alten Dreigassenwegs. Helmut Schertler. Zwar erklärten 113 Waldbesitzer spontan ihren Beitritt, aber nun mußten mit großem Aufwand weitere 200 Unterschriften eingeholt werden. Schließlich taten alle 331 Besitzer mit, lückenlos alle! Sonst hätte man ja Mautstraßen bauen müssen. Der Ausschuß erarbeitete Satzungen und eine Wegeordnung. Schon 1992 wurde die Zufahrt von der Neuen zur Alten Bucherstraße ausgebaut. Ab August 1993 begann der Bagger mit der Arbeit am Dreigassen-Weg bei der Alten Schmiede im Holz. Die Bauleitung hatte mit Gottfried Mathis ein Mann übernommen, der seine Erfahrung im Straßenbau von der Wildbachverbauung einbrachte. Bis zum Sandigen Weg hatten die Planer ein Stück weit eine neue Trasse wählen müssen, von dort hinab zu den Dreigassen, hinauf zum Ellbogen und nach links hinein über den Tobelbach konnte man alten Gassen oder Wegrechten folgen. Im März 1994 begann man mit der Sanierung der Alten Bucherstraße hinauf über die Katzensteig zum Ippachbrünnele. Es folgten das schwierige Stück über die Sausteig zum Saustall und drei anschließende Stichstraßen, von denen eine die Holzteile bis weit herab in der Ebene bei Hoamolitto erschließt. Eine zweite am Saustallgraben ließ diesen Naturbach möglichst unberührt. Im März 1995 kam das zweite Baulos der Alten Bucherstraße vom Ippachbrünnele zum Gschliof an die Reihe. Die sumpfigen Murablagerungen im Gschliof selbst mußten mit einem 5 m hohen Damm überquert werden. Daran wurde noch ein ganz neues Straßenstück in die Kohlplatzwälder hinauf angeschlossen. So hatte die Genossenschaft nun mit 6 1/2 km Straßen etwa 180 Hektar Bergwald für die Bewirtschaftung mit Maschinen erschlossen. Zu den Kosten von 6 Millionen Schilling mußte jeder Eigentümer einen Anteil bezahlen, den überwiegenden Teil finanzierten aber Land und Gemeinde. Diese günstige Lösung war nur durch den 17 Bild 7: Veranwortlich für die neuen Straßen: Gottfried Mathis, Helmut Schertler, Ing. Roland Erne, Paul Geiger. Bild 8: So sah die Sausteig bis 1994 aus: eng und matschig. großen Einsatz der Verantwortlichen möglich. Weil sie weitgehend den alten Wegerechten gefolgt waren, mußte nur ganz wenig Holz geschlagen werden. Keine einzige Sprengung war notwendig geworden. Durch dieses Beispiel angeregt, hatte sich in einer weiteren Gründungsversammlung am 17. März 1994 eine zweite Genossenschaft Ippachwald II gebildet, die die anschließenden Wälder auf Bucher und Bildsteiner Kohlplatz-Gebiet erschließen wollte. Unter Obmann Herbert Böhler und seinem Stellvertreter Raimund Mohr stießen sie im Winter 1995/96 mit einer 800 m langen Stichstraße bis in die Schlucht des Bucher Ippachgrabens vor. Dabei mußten sie den Gitznergraben queren und den Steilhang mit Hilfe von etlichen Krainerwänden (Konstruktionen aus Baumstämmen) überwinden. So wurden hier in dem abgelegensten Teil des Ippachwaldes weitere 33 Hektar erschlossen. Am 4. Oktober 1996 konnten die fertigen Straßen den neuen Besitzern vorgestellt werden. Landesrat Schwärzler und Bürgermeister Mohr eröffneten in einer kleinen Feier bei der Alten Schmiede die neuen Zugänge zu unserem Wald. Aus der Geschichte Gemeinschaftswald Der Ippachwald deckt eine Fläche von insgesamt etwa 600 Hektar. Er erstreckt sich von Wolfurt an der Ach entlang unterhalb von Buch bis zum Alberschwender Unterrain. Durch bewaldete Tobel ist er mit dem Asenenwald bei Alberschwende und dem Bildsteiner Täschenwald verbunden. Jenseits der Ach schließen sich die ausgedehnten Wälder über Hohwacht und Fluh bis zum Pfänder und durch das Wirtatobel zum 18 Hirschberg an. Von 415 m Meereshöhe am Achufer des Wolfurter Sportplatzes steigt der Ippachwald steil zur 973 m hohen Schneiderspitze auf. Im Mittelalter hatten zwischen 900 und 1200 n.Chr.G. Hofsteiger Siedler zuerst die Wolfurter Bühel und die sonnigen Südhänge des Steußbergs in Bildstein gerodet und dann auch die flachen Ebneten und die sanften Halden am Osthang in Fischbach und Buch. Den steilen, feuchten und schattigen Nordhang des Steußbergs ließen sie ungeschoren. So blieb dort der große Ippachwald erhalten. Sein uralter Name, im Volksmund Ippa, stammt wohl von den zahlreich vorkommenden Eiben (Iba). In überreichem Maß lieferte er den Siedlern das Bauholz für ihre Häuser und das Brennholz zur Beheizung ihrer Kochstellen. Die Bauern der alemannischen Markgenossenschaften und der sich daraus entwickelnden Dörfer bewirtschafteten den Wald und die Felder lange Zeit gemeinsam. Gemeinsam trieb ein Hirt das Vieh aller Höfe auf die Waldweiden. Gemeinsam erntete man an bestimmten Tagen Beeren, Holzäpfel, Eicheln und andere Waldfrüchte. Unter Aufsicht von Ammann und Geschworenen des Gerichts Hofsteig wurden jedes Jahr vom banwart die zum Fällen bestimmten Bäume gemalen (mit einem Mal versehen). Der Bannwart war ein vereidigter Aufseher (Siehe Hofsteigischer Landsbrauch, LMV 1900, Seiten 138 u. 149!) Jeder husröchi (jedem Haus mit einer rauchenden Feuerstelle) wurde eine bestimmte Anzahl von Bäumen zugelost. Das Los entschied also, ob einer seine Stämme vom nahen Frickenesch oder etwa in einem abgelegenen Ippachteil fällen durfte. Wer ein Haus oder einen Stadel baute, erhielt vom Gericht kostenlos das dazu notwendige Holz. Zu den Pflichten des Ammanns gehörte die regelmäßige Kontrolle der Marken, mit denen die Gerichtswälder abgegrenzt waren. Es scheint immer wieder Holzfrevel gegeben zu haben. Jedenfalls gibt der aus dem Mittelalter in die Neuzeit übernom19 Bild 9: Behutsam wurde der neue Dreigassenweg der Natur angepaßt. Bild 10: Im Gschliof war die Alte Bucherstraße nur mehr ein morastiger Pfad. Eine neue Forstsraße erschließt jetzt hier die Kohlplatzwälder. mene und 1544 aufgeschriebene Hofsteigische Landsbrauch strenge Anweisungen: Die an die Gemeindehölzer angrenzenden Nachbarn sollten die Marken anerkennen und .... darüber nit greifen noch dem tigen Hofstaig in dessen Waldungen, hölzern, gesteüd und gestreyppt ainichen schaden zuefüegen, weder wenig noch vil darinnen howen oder wegg tragen ... (S. 179. Ein tigen ist ein Bezirk.). .... Item am berg soll niemands in gemainen höltzern reuten noch holz howen, dann mit der andern willen .... (S. 149). Tannenholz durfte nur als Zimmermannsholz verwendet und nicht als Brennholz vergeudet werden: .... das bueche holtz zuebrennen und das tenni holtz zue gezimbern und gebewen und änderst nit. Dann welcher zimerholtz verwüesten würde, der soll ainer herrschaft fünf pfund pfening strafgelt zuebezalen schuldig und verbunden sein. Desgleichen soll auch kainer kainjung büechelin erkimin genannt, noch kain berend pomb ob den marken abhowen .... Also standen junge Buchen {erkimin, wörtlich Erdkeim) und Beerensträucher (berend pomb) unter besonderem Schutz. (S. 146). Aus den abgelegensten Tobein konnte man das Holz nicht herausführen. Dort stellten die Kohlenbrenner ihre Meiler auf und erzeugten die wertvolle Holzkohle: Item es soll niemands kolen, dan an den enden, dahin ain jeder von dem amman gewisen und beschaiden würdet (S. 146). Auch die Wagner wurden in jene Tobel gewiesen, aus welchen man das Holz auf dem Rücken heraufschleppen mußte: Item die wangner des gerichtz Hofstaigs sollen auch holtz howen an denen orten und enden, dahin man nitfaren kan, sonder zu ruck und unden auftragen muess; auch sy von amman und ge rieht beschaiden werden (S. 146) Gefälltes Holz mußte binnen eines Zeitraums von einem Jahr und 6 1/2 Wochen aus dem Wald entfernt sein, sonst durften es andere wegführen. 20 Das Eichenholz galt als besonders wertvoll. Daraus wurden die für die Brücken benötigten Balken geschlagen. Aber auch die Küfer brauchten es für Fässer und Standen. Eine bestimmte Menge Brennholz wurde dem Pfarrer für den Pfarrhof zur Verfügung gestellt. Anderes nahm die Gemeinde für sich selbst, besonders zur Herstellung von Dücheln (hölzernen Rohren) für die Dorfbrunnen, für Brücken und für Zäune. Die Aufteilung des Waldes Über viele Jahrhunderte fanden die Hofsteiger mit dieser Holzordnung ihr gutes Auskommen. Am Beginn des 18. Jahrhunderts häuften sich aber Streitigkeiten wegen des Gemeinschaftswaldes. Im Jahre 1706 beklagte sich Alt-Ammann Haltmayer vor Gericht bitter über die Unordnung in den Wäldern, die unter seinem Nachfolger aufgekommen war (Heimat, Heft 13/29). Mißbrauch der Schlägerungsrechte führte dazu, daß Ammann Jerg Rohner den jungen Pfarreien Lauterach und Hard ihr ius lignandi cumulative (das Recht, für den Pfarrer beliebig viel Holz zu schlagen) beschneiden wollte und dabei im Jahre 1728 beim Klerus auf Widerstand stieß (Rapp II, S. 274). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mußte der gemeinsame Wald in den sechs Dörfern von Hofsteig insgesamt 602 alt berechtigte Häußer versorgen. Dazu waren aber zuletzt noch 34 neu berechtigte sogenante Neübäüler gekommen, die auch Holz beziehen wollten. Als Andreas Haltmayer, ein Sohn des angesehenen Rickenbacher Adlerwirts, im Jahre 1773 ein ganz neues Gasthaus, das heutige Kreuz, erbaute, wies ihm das Gericht noch kostenlos das gewöhnliche Quantum von 45 Stämmen als Bauholz zu. Das Mißtrauen der sechs Dörfer gegeneinander und gegen die Obrigkeit waren aber 21 bald danach so groß geworden, daß die Geschworenen des Gerichts Hofsteig schließlich am 3. Juni 1794 die Aufteilung der Gerichtswälder beschlossen. In der Begründung dazu heißt es: Da aus den vorangeführten zu vertheillenden Waldungen das Holz zu sämtlichen Brücken, Stegen und jeder Gemeinde aufliegenden Wuhrungen, zu den Pfarrkirchen, Pfarr u. Schulhäusern, zur beheitzung der Letzteren und zu den Brunnen Deücheln des ganzen Hofsteiges immer unbestimmt und uneingeschränkt ausgefolgt, durch derley zu weitschichtige und eigenmächtige Holzschläge aber verschiedene zu mannigfaltigen Uneinigkeiten anlaßgebende Ungleichheiten unterlaufen; und das Holz selbst oder zum größten Nachtheile der Waldungen geschlagen, oder manchesmal gar unnütz und geringen Theils verwendet worden, so muß diesen dem Waldstande äußerst schädlichen Unfügen durch die gegenwärtige Theilung möglichst abgeholfen, und diese allgemeine Beschwerden auf jede der 6 bemelten Gemeinden verhaltnißmäßig ausgeglichen werden. (Abschrift im GA Wolfurt, cod 64) Die Geschworenen richteten ein entsprechendes Ansuchen an das k.k. Kreis- und Oberamt. Erst ein Jahr später stimmte Kreishauptmann Indermauer am 6. Oktober 1795 dem Teilungsplan zu. (Der verhaßte Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer ist übrigens ein Jahr später von wütenden Bauern im Kloster St. Peter in Bludenz erschlagen worden.) Ein großes Gesetz mit 17 Paragraphen regelte den Ablauf der Teilung. Es enthielt zuerst eine genaue Aufstellung über die Bedürfnisse der einzelnen Dörfer: Hard 151 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 16 1/2 Anteile für Pfarre, Schule, Brunnen und Brücken Lauterach 124 alt berechtigte Häuser 2 neue dazu 32 Anteile für die Gemeinde, davon 16 allein für die Brunnen Wolfurt für 150 alt berechtigte Häuser für 6 neu berechtigte Häuser zum Unterhalt der Pfarrkirche 2 1/2 des Pfarr Haußes 1 des Schulhaußes und Heitzung 2 Zimmer 4 der Brünnen 20 der betreffenden Brücken 7 1/2 der Gerneindswuhren 6 die Riedbrucken und Stegen 2 Für Wolfurt wurden also mit 43 Gemeindeanteilen weit mehr als für Hard oder Lauterach berechnet. Die Wuhren galten für die Bäche, nicht für die mit eigenen Wäldern ausgestattete Achwuhr. Schwarzach 53 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 18 Gemeindeanteile 22 Bild II: Krainerwände ermöglichen den Bau von Serpentinen am steilsten Hang. Steusberg (Bildstein) Buch 85 11 34 3 alt berechtigte Häuser neue dazu 31 1/2 Gemeindeanteile alt berechtigte Häuser neue dazu 11 1/2 Gemeindeanteile Im Ippach gab es einige große private Waldungen, die von einer Verteilung natürlich ausgenommen werden mußten: Konkurrenzwälder der Achwuhr, Klosterwaldungen zum Kloster Hirschthal in Kennelbach, Herrschaftswälder im Besitz der Deuring von Bregenz und die riesigen unzugänglichen Waldungen am Kohlplatz. Außerdem behielt das Gericht einige Eichenwälder für sich, weil deren Holz zur Erhaltung der überörtlichen Brücken dienen sollte: den Kellawald hinter Rickenbach, das Spetenlehenhölzele zwischen Wolfurt und Meschen und das Hölzele ob dem Strohdorf. Zur Verteilung bestimmt wurden fogende Wälder: 1. der sogenannte Ippach (ohne Privatwälder) 773 Juchart 2. die in der Gemeinde Steusberg befindliche Taschen 69 Juchart 3. der Sonder ober dem Dorfe Schwarzach 159 Juchart 4. die Asenen an der äußersten Gränze Hofsteig gegen das Gericht Alberschwende 136 5/16 Juchart 5. Entlich das Tobelholz gleich unter den Bildsteinerischen Viehweiden an dem Bache Rickenbach genant 9 Juchart 23 Zusammen also 1146 5/16 Juchart. Ein Hofsteiger Juchart entspricht 44,59 Ar. Demnach wurden also im Jahre 1796 insgesamt 511,14 Hektar Wald verteilt. Seit genau 200 Jahren sind die Steußbergwälder in Privatbesitz. Zunächst wurden den Dörfern Buch, Bildstein und Schwarzach die in ihrer Umgebung liegenden Flächen zugesprochen. So erhielt Buch mit seiner kleinen Anzahl von Häusern das kleinste Stück. Bildstein bekam den Asenenwald, das Tobelholz und dazu noch Teile von Sunder und Ippach. Schwarzachs Anteil reichte weit in den Sunder hinauf. Die manchmal recht willkürlich gezogenen Grenzen wurden zehn Jahre später, als die Bayern das Gericht Hofsteig im Jahre 1806 auflösten, zu Gemeindegrenzen der Steußbergdörfer. Den großen Rest des Ippachs teilten sich Hard, Lauterach und Wolfurt. Wolfurt bekam den an das Dorf angrenzenden nächstgelegenen Teil. Für Lauterach blieb der mittlere und für Hard der östlichste Ippachteil im Gemeindegebiet Wolfurt an der Grenze gegen Buch. Diese Flächen mußten mit haltbaren Marken gekennzeichnet werden. Dann wurden sie den sechs Gemeinden anvertraut. Diese nahmen nun durch eigene Vertrauensleute die weitere Verteilung vor. Zuerst steckte aber jedes Dorf ein großes Stück für seine eigenen Verpflichtungen ab. So entstanden Kirchenwald, Brunnenwald und Gemeindeteil. Erst jetzt wurde der Rest zu Parzellen vermessen. Dann mußte jeder der 156 Wolfurter, 126 Lauteracher und 157HarderHausbesitzer sein Los ziehen. Den Neubäulern wurde nur ein Drittel-Teil zugestanden. So kamen die Wolfurter zu ihren Holzteilen am Sandigen Weg und im Mösle. Die Lauteracher mußten bis an die Katzensteig und zum Saustall hinauf, die Harder gar bis zum Plattenbach und zum Kohlplatz. Innerhalb der ersten zwei Jahre durften die Holzteile ausgetauscht werden, dann erst wurden sie verbuchen und gehörten nun unzertrennlich zum Haus wie Haustür oder Kamin. Diese im 13. Paragraphen niedergeschriebene Bestimmung ließ sich aber nicht lange halten. Als nach den Napoleonischen Kriegen viele neue Häuser gebaut wurden, besaßen diese alle keinen Holzteil. Jetzt wurden gegen das Gesetz Parzellen geteilt und verkauft. Winzige Riemen entstanden, oft nur mehr etwa 20 Ar groß. Noch mehr Markpfähle steckten noch mehr Grenzen ab. Eine intensive Nutzung setzte ein. Möglichst viele Tannen wollte jeder haben. Buschwerk und Laubholz wurden gerodet. Mit der Stockhaue verpflanzte der Besitzer den Anflug junger Tannen und Fichten so, daß sich bald alle Lichtungen schlossen. Die Waldweide war ja abgeschafft worden. So verwandelte sich der lichte Mischwald innerhalb von zwei Menschenaltern in eine dunkle Tannen-Monokultur. Eine Untersuchung des Holzbestandes im Ippach, bei der in den große Wäldern der LAWK (Achwuhr) alle Bäume ab 16 Zentimeter Stammdurchmesser aufgenommen wurden, ergab im Jahre 1950: 70 % Weißtannen + 27 % Rottannen + 3 % Laubholz (!). Dieses unglaubliche und in Österreich wohl einmalige Verhältnis änderte sich aber in 24 den folgenden Jahren rasch. Die Bestände an Rehwild nahmen nach dem Krieg gewaltig zu. Auch Hirsche und Gemsen wechselten ein und wurden zum Standwild. Wildverbiß vernichtete einige Jahrzehnte lang jeglichen Nachwuchs von Weißtannen. Entstandene Lücken füllten Waldbesitzer daher nur mehr mit Jungfichten aus den Baumschulen auf. Die Weißtannen erwiesen sich aber in dieser Zeit auch als besonders empfindlich gegen die jetzt vom Westwind herbeigetragenen Luftschadstoffe. Ihr Nadelkleid wurde immer schütterer. Die einst so stolzen Wipfel verkümmerten zu Storchennestern. Übergroßer Befall durch schmarotzende Misteln zeigt an, daß auch schon junge Tannen wie fast alle alten schwer krank sind. Fichten halten sich dagegen bis jetzt viel besser. Trotzdem müssen wir uns um die Zukunft unseres Waldes Sorgen machen. Waldarbeit Längst arbeiten auch bei uns moderne Forstarbeiter mit Motorsäge, Schälmaschine, Seilzug und Lkw-Kran. Die Werkzeuge, mit denen die älteren von uns noch selbst im Holz gearbeitetet haben, rosten irgendwo hinten im Schopf vor sich hin. Zwölfjährige Schüler, denen ich sie dort gezeigt habe, hielten an Zabie für ein Kriegsgerät. Das ist der Grund, warum ich hier wenigstens die wichtigen aufschreiben möchte. Für Dich könnte es ein Anlaß sein, ihre Handhabung Deinen Enkeln zu erklären! Weil der eigene Holzteil jede Familie Jahr für Jahr mit Brennholz für Herd und Ofen versorgen mußte und der Hof auch sonst Holz in vielerlei Formen benötigte, gehörte die Arbeit im Wald zum Alltag im bäuerlichen Leben. Das begann damit, daß die Marken immer wieder kontrolliert wurden. Schadhafte mußten ersetzt werden. Am besten schlug man einen neuen ibenen (aus unverwüstlichem Eibenholz gespaltenen), mit einem Brennmal gekennzeichneten Markpfahl neben den morsch gewordenen alten. Fehlende Marken wurden gemeinsam mit dem Nachbarn im Beisein des Waldaufsehers neu eingemessen. Dabei kam es manchmal zu Streit, besonders wenn eine große Tanne genau auf der Grenze gewachsen war. Nur mit Genehmigung des Waldaufsehers durfte und darf man Tannen fällen. Der ganze Ippachwald gilt ja als Schutzwald. Daher werden im sogenannten Plenterbetrieb nur einzelne schlagreife Bäume herausgeschnitten. Kahlschlag ist verboten. Der Aufseher wählt die Bäume sorgfältig aus und kennzeichnet sie doppelt. Mit seinem Anschlaghammer entfernt er in Augenhöhe und am Stock je ein Stück Rinde und schlägt ein besonderes Zeichen in das freigelegte Holz. Das Mal im Stock muß auch nach dem Fällen noch zur Kontrolle sichtbar bleiben. Zum Fällen waren früher zwei Personen notwendig. Nicht selten arbeitete die Bäuerin an der Seite ihres Mannes. Zuerst wurde die Fallrichtung des Baumes bestimmt. Er sollte nach Möglichkeit auf eigenen Grund zu liegen kommen und beim Fallen keinen Schaden im Jungwald anrichten. Ob das gelang, entschied schließlich eine mit Säge und Axt sorgfältig angebrachte große Kerbe auf der Fallseite des Stammes. Dann wurde die große Waldseogo (eine Zugsäge) auf der anderen Seite angesetzt. Mit gleichmäßigen Zügen trieben die beiden Säger einen sauberen Schnitt durch das 25 Mark des Stammes bis fast zur Kerbe vor. Manchmal hatte sich der Bauer vorher bekreuzigt. Er war sich der Gefahr bewußt, die mit dem Sturz einer Tanne und noch mehr einer Buche immer verbunden war. Zuletzt setzte er am Sägeschnitt einen Keil an. Vorsichtige Schläge darauf brachten den Baum bis zum Wipfel hinauf zum Erzittern. Jetzt neigte er sich langsam und dann schneller, und schließlich prasselte er mit fürchterlicher Wucht auf die Erde. Jedes Mal ein aufregendes Geschehen für alle, die es miterleben durften! Waren alle angeschlagenen (gekennzeichneten) Tannen gefällt, so griff der Bauer zur Axt. Mit wuchtigen zielsicheren Schlägen hieb er Ast für Ast vom Stamm. Auch hier lauerten Gefahren, wenn federnde Äste plötzlich brachen oder gar der Stamm am Hang zu rollen begann. Nun mußte die Rinde entfernt werden. Sommerholz, das ab Beginn des Safttriebs, wenn d Buocha gruonond (grünen), gefällt worden war, ließ sich leicht schälen. Dazu mußte man nur mit der Axt alle Meter eine Kerbe in die Rinde ziehen. Dann konnte man rumpfo, mit dem Schellar oder einfach mit einem zugespitzten Ast die ganze Rinde abziehen. D Rümpf (große Rindenstücke) wurden dann zum Trocknen ausgelegt. Dabei rollten sie sich ein und galten jetzt als wertvolles Brennmaterial. Zimmermannsholz sollte beim Trocknen keine Sprünge bekommen und später als Balken oder Bretter am Haus bei allen Wetterlagen ohne Schwinden und Drehen möglichst ruhig bleiben. Deshalb mußte man es unbedingt in der Zeit der langen Nächte um Weihnachten und zudem bei einem truckno Zoacho (trockenes Tierkreiszeichen), am besten im Stoabock odor im Stior, fällen. Der Wipfel blieb samt seinen Ästen am Stamm. Die Rinde des saftlosen Baumes ließ sich aber nicht schälen. Man mußte sie mit der scharfen Schneide des Räpplars in kleinen Fetzen wegschneiden. Räpplo, manche sagten dazu auch fräggolo, galt als sehr anstrengende Arbeit und gab leicht Schwielen und Blasen. Winterholz blieb beim Trocknen ganz hell. Vom Zimmermann ließ man sich einen Holzrodel schreiben, eine Liste der benötigten Balken mit ihren Längen. Mit einem Zumaß von etwa 10 Zentimeter wurden die Stämme danach zu Blöcken abgelängt und zum Abtransport uf d Seogo (ins Sägewerk) vorbereitet. Dabei war do Zabie (Zappin) mit seinem scharfen Haken und dem starken Stiel ein unentbehrliches Werkzeug. Falls man die Straße aber nur durch steile Riesen (Rutschbahnen) erreichen konnte, in denen die Blöcke beim Aufprall auf die Felsen nicht selten Schaden nahmen, mußte man ein größeres Zumaß zugeben. Im Sägewerk bekam die unansehnlich gewordene Stirn des Blocks dann durch einen Kappschnitt wieder eine schöne Form. Das im Saft gefällte Sommerholz wurde meist durch Pilzbefall unansehnlich schwarz, Für die vielen Bretter und Latten, die auf dem Bauernhof benötigt wurden, eignete es sich trotzdem. Nur wenn es stockrot oder gar angefault, gebrochen, krumm oder büchse (besonders hart und kaum bearbeitbar) war, wurde es als Brennholz abtransportiert. Daheim zerschnitt man es mit der Waldsäge in ein Meter lange Stücke und spaltete diese mit Keilen und Schlegol (großer Hammer) zu handlichen Speolta. Ein großer Keil hieß an Weggo. Wer nun Zeit und Kraft hatte, holte den Seogbock aus dem Schopf (Schuppen) und zerschnitt darauf jede Speolto mit Spa-Seogo oder Fuchsschwanz in vier Klötze. Erst Ende der 30er Jahre konnten sich moderne Bauern dafür a Fräso (Kreissäge) anschaffen. Tagelang war man anschließend am Schitto. Mit der Axt spaltete der Bauer dabei die Klötze zu kleinen und großen Scheitern und zu feinen Spreißeln. Sorgfältig wurde bim üborgento Mo (über sich gehender Mond) an der Hauswand eine mächtige Schittor-Bieg zum Trocknen aufgerichtet. Aber die Arbeit im Wald war noch nicht fertig. Die Äste waren samt dem angefallenen Buschwerk zum Trocknen aufgestellt worden. Jetzt hackte man sie in 60 Zentimeter lange Stücke und band diese auf dem Buscholbock zu festen Buschla, außen die gespaltenen Äste, innen das feine Kreos (Zweige). Im Schatten der großen Tannen starb oft Jungholz aus Mangel an Licht ab. Solche Dürling mußten ebenso gefällt werden wie Jungtannen, denen Sturm oder übergroße Scheelasten die Wipfel abgebrochen hatten. Sie ergaben die auf dem Bauernhof so notwendigen Stangen und Pfähle und manchmal auch Kichoro-Stiogla (Bohnenstangen) für Mamas Garten. Noch einmal ging der Bauer durch seinen Holztoal, versetzte da und dort mit der Stockhaue eine junge Tanne auf einen frei gewordenen Platz und schaute nach den Marken. Ganz übereifrige Waldbesitzer stiegen sogar manchmal auf die Bäume zum 26 27 Bild 14: Am 4. Oktober 1996 eröffnet Landesrat Schwärzler mit den Bürgermeistern Kolb (Lauterach) und Mohr (Wolfurt) die neuen Ippachstraßen. Bild 12: Ein Damm über den Gitznergraben wird aufgeschüttet. Bild 13: Verantwortlich für die Kohlplatzstraße: Raimund Mohr und Herbert Böhler. Stümmolo. Durch Steigeisen und Bauchstrick gesichert, sägten sie die untersten Äste und die vertrockneten Aststummel ab. Dadurch wollten sie besonders gleichmäßigen Wuchs und astfreies Stammholz erzielen. Jetzt wartete man nur noch ufa guote Schliottbah, auf genügend Schnee. Beim ersten Frost spannten die Fuhrleute ihre Rösser ein und hängten ihnen 5 Scheollogschior um, einen Kranz mit einem Dutzend hell tönenden Schellen. Unter lautem Gebimmel zogen Gruppen von Fuhrwerken aus Lauterach und Hard mit Has und Hund (zwei schwere, stabile Blockschlitten) durch die Berggasse ins Ippach hinauf. Den Hund stellten sie beim Holzplatz ab. Auf dem Has ketteten sie oben im Holzteil ein paar Block fest und schleiften sie durch die vereisten Hohlgassen herab. Bei zu großer Geschwindigkeit legte der Fuhrmann rechtzeitig an Kretzar, eine starke kurze Kette, um die Schlittenkufen und bremste so die gefährliche Fahrt. Wenn alle ihre Last am Holzplatz abgeladen hatten, deckte man die verschwitzten Pferde mit einem dicken Roßkutzo zu und setzte sich zu einer kräftigen Jause zusammen. Dann stieg man gemeinsam ein zweites Mal auf. Es war Einbahnverkehr festgelegt. Kein Fuhrwerk durfte der Kolonne begegnen. Bei der zweiten Fuhr hob man am Holzplatz mit Zabie und lautem Ho-ruck! das hintere Ende der Stämme auf den zweiten Schlitten, den Hund, und lud die erste Fuhr noch oben darauf. In flotter Fahrt ging es jetzt ins Dorf hinab und über den Kirchplatz bis zum Lagerplatz bei der Mauer am einstigen BlitzeWeingarten. Es war inzwischen Nachmittag geworden. Bei guter Schneebahn fuhren die schweren Schlitten weiter nach Lauterach und Hard. Oft mußten die Stämme aber abgeladen werden. Dann holte der Fuhrmann sie ein paar Tage später mit seinem stabilen Block-Wagen. Inzwischen hatten andere Waldbesitzer ihre Hornar (Handschlitten) in die Dreigassen hinauf geschleppt. Große Fuhren von Buscheln wurden dort aufgeladen, manchmal auch die getrockneten Rinden oder Stanga und Speolta. In sausender Fahrt lenkten starke Männerarme die Schlitten durch die Hohlgasse herab. Hoffentlich ohne Umwerfen ! Es war ein gutes Gefühl, wenn dann endlich gnuo Holz vom Wändo die Familie wenigstens von einer von ihren vielen Sorgen befreite. Den größten Klotz sparte man uf Baschas-Tag (St. Sebastian, 20. Jänner), aber auch nachher wollte man noch überall eine warme Stube. 28 29 Siegfried Heim Familie / Personenzahl Detomaso Flora 5 Paßler Kassian 6 Kompatscher Anton 7 Piasinger Karl 7 Ladurner Rosa 7 Lechner Anna 5 Sepp Gottfried 5 Wolf Franz 4 Fischer Katharina 3 Ebnicher Maria 5 Gatterer Anton 4 Gottardi Josef 2 Plattner Raimund 2 Prantl Magdalena 2 Santa Alois 7 Nicolussi Emma 4 Moschen Anton 10 Meist nur kurzzeitig anwesende Einzelpersonen oder Paare 37 Zusammen H-Nr. 1945 und heutige Anschrift 51 75 77 142 203 204 204 206 233 242 279 279 294 319 351 388 300 Feldeggstraße 2, Klosos Im Holz 2, Paßler Im Holz 8, Hinterfeld Frickenescherweg 5, Draiars Flotzbachstr. 16, Schädlars Flotzbachstr. 18, Jokobos Flotzbachstr. 22, Wächterhaus Hofsteigstr. 48, Seppos Brühlstraße 30, Lutzo-Ferdes Dornbirnerstr. 16, Soalars Inselstraße 5, Kassians Bützestraße 22, Toblars Hansirg Flotzbachstr. 17, Lindinger Achstraße 50, Im Wida Achstraße 14, Zwickle Einwanderer 3 In Einwanderer 1 versuchte ich aufzuzeigen, daß ein ganz großer Teil der alteingesessenen Wolfurter Familien ursprünglich aus Nachbargemeinden zugezogen ist. In Einwanderer 2 ging es um die Fremden aus dem Schwabenland, aus der Schweiz und aus dem Trentino. Dieses dritte Kapitel ist nun zwei Volksgruppen gewidmet, die durch die politischen Umwälzungen in der Mitte unseres Jahrhunderts ihre Heimat aufgeben mußten und von denen einige Familien zu uns verschlagen wurden, Südtiroler und Sudeten-Deutsche. Daran schließt sich noch die Lebensbeschreibung einer nach Wolfurt zugewanderten jüdischen Frau an. Aussiedler aus Südtirol Seit dem Mittelalter besaß Tirol ein geschlossenes deutschsprachiges Siedlungsgebiet bis zur Salurner Klause. Für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg gegen Österreich bekam Italien von seinen Bundesgenossen das Trentino und Südtirol bis zum Brenner zugesichert. So wurde denn auch im Friedensvertrag von St. Germain am 10.9.1919 ganz Südtirol mit 240 000 deutsch sprechenden Einwohnern zu Italien geschlagen. In der Zeit des Faschismus begann eine scharfe Italianisierungspolitik mit dem Verbot der deutschen Sprache in Ämtern und Schulen. Vor allem in den Städten wurden italienische Einwanderer angesiedelt. 1939 schlossen Hitler und Mussolini ein Umsiedlungsabkommen. Wer sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschied, sollte seine Heimat verlassen müssen. Trotz dieser Drohung optierten 90 % der Südtiroler für Deutschland. Sofort begann deren Aussiedlung. Bis 1942, als die Kriegsereignisse der Aktion ein vorzeitiges Ende bereiteten, waren bereits 75 000 Südtiroler über den Brenner nach Norden transportiert worden. Etwa 11 000 davon landeten in Vorarlberg, wo man für sie in den größeren Orten eilig die für jene Zeit recht komfortablen Südtiroler-Siedlungen erstellte. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, so daß man in allen Dörfern weitere Wohnungen suchte. In Wolfurt besitzen wir eine Aufstellung über die im Sommer 1945 anwesenden Südtiroler. Gebhardine Hinteregger-Claessens mußte damals im Auftrag der Gemeinde alle anwesenden Ausländer aufschreiben, da deren Versorgung mit Lebensmitteln ein großes Problem war. Nach 189 „Reichsdeutschen" waren die 122 Südtiroler vor 20 Schweizern und 20 „Tschechen" die mit Abstand größte Gruppe. So setzte sie sich zusammen: 122 Südtiroler Einige von den Südtiroler Familien hatten um diese Zeit Wolfurt bereits wieder verlassen, weil sie in den Siedlungen von Bregenz oder Lochau eine Wohnung erhielten. Darunter war die Familie Pörnbacher. In Ober-Olang an der Rienz im Pustertal hatte Georg Pörnbacher seinen Hof verkaufen müssen. Über Innsbruck und Riefensberg war er mit seiner Frau Anna und den 11(!) Kindern schließlich nach Wolfurt gekommen und hatte im Bergarhus im Oberfeld ein bescheidenes Unterkommen gefunden. Die älteren Buben mußten einrücken. Paul fand 1944 bei Monte Cassino den Tod, auch sein Bruder Johann starb an den Folgen einer schweren Vewundung. Von den anderen Geschwistern leben heute noch vier in Lochau. Moschens sind eigentlich keine Umsiedlerfamilie. Vater Anton war schon um das Jahr 1930 zum ersten Mal aus Meran nach Vorarlberg gekommen und hatte hier seine Frau gefunden. Als er um 1940 zum zweiten Mal mit seiner nun großen Familie kam, fand er bei Hammorschmiods an der Achstraße eine Wohnung. 30 31 Nach dem Krieg hofften viele Südtiroler auf eine Korrektur des Vertrags von St. Germain und auf eine Heimkehr ihres Landes zu Österreich. Vergeblich! Das Abkommen der Außenminister Gruber und De Gaspari vom September 1946 brachte herbe Enttäuschungen. Aber wenigstens waren die deutschen Familiennamen jetzt wieder zugelassen. In den Schulen wurde wieder deutsch gesprochen. Die Forderung nach weiteren Rechten und deren Ablehnung durch die italienische Regierung führten 1966 zu Terroraktionen. Masten und Siegesdenkmäler wurden gesprengt und in der Folge viele junge Südtiroler zu langjähriger Kerkerhaft verurteilt. Erst das 1969 beschlossene „Paket" brachte Entspannung. Seither wuchs die Einwohnerzahl Südtirols auf über 440 000 (im Jahre 1997) an. Davon bekennen sich 68 % zur deutschen Sprache, 4,4 % zur ladinischen und nur 27,6 % zur italienischen. Die Gemeinschaft in der Europäischen Union läßt hoffen, daß sich nie mehr Familienväter „aus nationalen Interessen" in einem blutigen Krieg gegenüber stehen werden. Nur ganz wenige von den Südtirolern, die 1940 und 1941 zwangsweise zu uns ausgesiedelt worden waren, wagten es 1945, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. Bei uns blieb ihnen die österreichische Staatsbürgerschaft aber noch lange Zeit versagt. Bei der Zählung vom 31. 12. 1950 gliederte das Gemeindeamt die Wolfurter noch in 2228 Österreicher, 98 Südtiroler, 21 Deutsche und 39 andere, zusammen also 2386 Einwohner. Zur Jungbürgerfeier 1952 wurde Josef Ebnicher nicht eingeladen. Er war jetzt 21 Jahre alt, in Wolfurt zur Schule gegangen und nun längst ein tüchtiger Arbeiter und geschätzter Sänger im Rickenbacher Chor. Der Ausschluß von den Jungbürgern tat bitter weh! Erst über langwierige Ansuchen wurden im folgenden Jahrzehnt die meisten von den Südtiroler Einwanderern endlich eingebürgert. Seither wurden sie aber völlig in die Dorfgemeinschaft integriert. Ein Beispiel davon zeigt der folgende Beitrag. geschrieben, klingt zwar nach dem romanischen „la torre" (der Turm). Er ist aber sehr wahrscheinlich wie auch der des benachbarten Naturns vorrömischen Ursprungs. Das rätische litrun bedeutet am Bach. Der Name ist erstmals in einem Steuerbuch von Trient im Jahre 1242 zu finden: ...profeno de lidurno....... für Heu aus Ladurn ... Jede Familie, die den Hof bewirtschaftete, wurde seither Ladurner genannt. Für die meisten wurde es der Geschlechtsname. Am 20. April 1525 kaufte ein Jakob Ladurner aus Rableid bei Schnals den Ladurnhof. Von seinen sechs Söhnen stammen all die vielen Ladurner-Familien, die sich seither über den ganzen Vintschgau ausgebreitet haben. Rund 4000 Namen zählt das Sippenbuch als seine Kindeskinder auf. Von ihnen ist in der 12. Generation die Familie Karl Ladurner nach Wolfurt gekommen. Der Ladurnhof selbst stand seit 1525 bis 1918 ununterbrochen im Besitz der direkten Nachkommen des Jakob Ladurner. Dann wurde er in der Notzeit am Ende des Weltkriegs verkauft. Unter den neuen Eigentümern verheerten zwei Brände große Teile des uralten Hofes. Schon 1937 kauften andere Ladurner aus Algund den Stammhof ihrer Ahnen zurück und betreuen ihn seither. Alle Vorfahren der Wolfurter Ladurner waren Bauern: zuerst Linter-Bauer in Rabland, dann Widmer in Plars, Leiter auf Vellau bei Algund, Kestpamer in Grätsch und schließlich Oberstauger in Schenna. So hatte eine Ladurner-Linie in neun Generationen vom Stammhof auf Ladurn den Weg durch den Untervintschgau zu dem nur etwa 25 Kilometer entfernten Oberstaugerhof in Tschivon, einem Ortsteil von Schenna, gefunden. Dort begründete Josef Ladurner mit seiner Frau Anna im Jahre 1870 die Familie der Stauger, zu der auch die Wolfurter Ladurner ursprünglich zählten. Auf dem Oberstaugerhof wurde 1905 Karl Ladurner in eine lange Reihe von zehn Geschwistern geboren. Schenna liegt direkt oberhalb von Meran am Eingang in das Passeiertal. Auf einer sonnigen Terrasse am Südwesthang des 2581 Meter hohen Ifinger breiten sich inmitten riesiger Obstwälder die schönen alten Bauernhöfe aus, von denen viele in den letzten Jahrzehnten zu modernen Pensionen umgebaut worden sind. Abwärts bis ins Tal decken Weinberge die Hänge. In ihnen reifen die berühmten blauen Meraner Kurtrauben. Und über dem Dorf kann man bis weit hinauf in den Wäldern die süßen Edelkastanien ernten. Heute ist Schenna ein Kurort mit über 6000 Betten. Im Winter tragen eine Reihe von Seilbahnen und Liften die Gäste bis auf 2300 Meter in das Schizentrum Meran 2000 hinauf. Im Sommer gehören die verschiedenen Burgen zu den Hauptanziehungspunkten. Die bekannteste davon ist Schloß Schenna, das der beliebte Habsburger Erzherzog Johann für sich kaufte. In einem riesigen neugotischen Mausoleum wurden der Erzherzog und seine Frau Anna, die Postmeisterstochter von Aussee, hier in Schenna begraben.2 Und hier in diesem schönen Schenna wuchs also auch Karl Ladurner auf. Als nach dem ersten Weltkrieg italienische Soldaten einmarschiert waren und bald darauf fa33 Die Ladurner Die Ladurner zählen mit über 20 Namensträgern zu den stark aufstrebenden jungen Sippen in Wolfurt. Vor gut fünfzig Jahren ist ein Ehepaar Ladurner mit vier kleinen Kindern aus dem Südtirol zu uns gekommen, hat gearbeitet und gespart und schließlich mit den erwachsenen Kindern etliche Einfamilienhäuser gebaut, in denen nun die Schar der Enkel heranwächst. Im fremden Land haben die Ladurner einen guten Platz gefunden, wo das uralte Vintschgauer Geschlecht feste Wurzeln schlagen konnte. Ladurn ist ein einsamer Berghof, 809 Meter über dem Meer auf einer wasserarmen Bergschulter am Eingang ins Schnalstal. Von Naturns herauf führt hier jener steile Weg hinauf zu den Gletschern am Similaun und hinüber ins Ötztal, auf dem schon vor mehr als 5000 Jahren der berühmte „Ötzi" seinen Tod im Eis fand. Auch auf dem Ladurnhof hat man vorgeschichtliches Arbeitsgerät ausgegraben.1 Der Name Ladurn, in den ältesten Urkunden auch de Lidurni, ex Ludurn oder Latturn 32 wurde Vater Karl Ladurner zur deutschen Wehrmacht in den Krieg eingezogen. Nun lag die Obsorge für die Kinder für viele Jahre ganz allein bei der Mutter. Sicher tat sie sich dabei in dem fremden Land, wo sie von manchen Alteingesessenen wegen ihrerfremden Sprache scheel angesehen wurde, anfangs schwer. Aber sie fand wenigstens Landsleute mit ähnlichem Schicksal in der Nachbarschaft. Bei Jokobos waren die Südtiroler Familien Sepp und Lechner mit einer ganzen Reihe von Kindern eingezogen und auf der anderen Straßenseite wohnten in der ehemaligen Schertler-Schlosserei jetzt auch noch Santas. So war im Flotzbach eine richtige kleine Kolonie entstanden, in der die Südtiroler sprachlich dominierten. Die Wohnungen waren zwar alt, aber sie boten wenigstens genug Platz. Die Kinder spielten auf der Straße und rund um die Ziegelschuppen, in denen es viele herrliche Verstecke gab. Die größeren Buben entdeckten bald auch die Tümpel und die großen Eichen im nahen Ried. Dort ist dann auch der 14jährige Josef Sepp, als er mit seinem Fahrrad noch schnell die Geleise überqueren wollte, von einem Zug überfahren worden. Neben der Angst um die Männer an der Front lastete auf den Frauen vor allem die Sorge um das tägliche Essen. Die Lebensmittelkarten reichten nicht aus. Gegen Kriegsende hungerten die Kinder. Ihre Mütter konnten ja nicht auf Vorräte aus dem eigenen Kartoffelacker zurückgreifen. Noch schlimmer wurde es in den ersten Monaten nach dem Krieg. Da dachte Mutter Ladurner wohl an die vollen Fleischtöpfe daheim auf dem Oberstaugerhof in Schenna und faßte einen verzweifelten Entschluß. Kurzerhand packte sie ihren jetzt zehnjährigen Ludwig und den siebenjährigen Karl, setzte sich mit den Buben in den Zug und fuhr mit ihnen zum Brenner. Das war im Sommer 1945 ein recht waghalsiges Unternehmen. Ein Weiterkommen schien aber da oben ganz unmöglich. Die Grenze war von schwer bewaffneten Besatzungssoldaten hermetisch abgeriegelt. Nur Leute mit genügend Stempeln in ihren Papieren durften passieren. Die meisten Reisenden wurden barsch zurückgewiesen, natürlich auch Frau Ladurner. Von der anderen Seite her winkte aber ihr Schwager Max. Ein Brief hatte ihn hierher bestellt. Nun konnte er sich ihr wenigstens so weit nähern, daß eine Verständigung möglich war. Onkel Max redete den Buben zu, sie sollten eine Stunde weit in den Wald hinauf klettern, dort die Grenze überqueren und ihn dann auf seiner Seite suchen. Schweren Herzens verabschiedete sich die Mutter von ihren Kindern. Der 10jährige faßte seinen kleinen Bruder an der Hand und stieg mit ihm tapfer in den von Felsen durchsetzten Hochwald hinauf. Die Mutter wartete am Schlagbaum. Endlich, nach mehr als drei Stunden, kam Schwager Max wieder und deutete ihr, daß er die Buben glücklich gefunden habe. Erleichtert konnte sie zu ihren anderen Kindern ins Flotzbach heimfahren. Nach fünf schweren Jahren im Krieg und in russischer Gefangenschaft kehrte endlich am Heiligen Abend 1946 auch der Vater wieder zurück. 1948 kam mit Josef das sechste Kind und 1952 als jüngstes noch Hubert zur Welt. Die großen Buben wurden inzwischen auf dem Oberstaugerhof wie eigene Kinder gehalten. Sie hatten genug zu 35 Bild 16: Der Oberstaugerbauer von Schenna. Großvater Josef Ladurner jun., geboren 1871. schistische Gesetze den Lebensraum der Südtiroler arg einengten, fand er mit seinen vielen Geschwistern wenigstens Arbeit und ein Auskommen auf dem großen Oberstaugerhof. Als er sich aber eine eigene Existenz aufbauen wollte, mußte er den Hof verlassen und als Maurer im Tal Arbeit suchen. 1935 heiratete er seine Frau Rosa und zog mit ihr zuerst nach Naturns, wo sie die Kinder Ludwig, 1935, und Anna, 1936, zur Welt brachte. Dann übersiedelten sie nach Latsch. Hier wurden wieder zwei Kinder geboren, Karl, 1938, und Erika, 1940. Inzwischen stellte Mussolinis Politik die Südtiroler vor eine bittere Entscheidung. Trotz aller italienischen Drohungen und obwohl Hitler Deutschland bereits in den Krieg geführt hatte, bekannten sich Karl und Rosa Ladurner wie die meisten ihrer Landsleute zum Deutschtum. Weil Karl als Maurer beweglicher war als die Bauern, die zuerst ihre Höfe verkaufen mußten, erhielt er schon bald den Ausweisungsbefehl. Der Zug der Auswanderer brachte die Familie Ladurner im Sommer 1941 nach Vorarlberg und zwar gleich nach Wolfurt. Hier fanden die Eltern mit ihren vier Kindern zwischen ein und sechs Jahren zuerst eine provisorische Unterkunft im obersten Stock des Gasthofs Rößle am Kirchplatz. Schon Mitte November konnten sie ins Flotzbach übersiedeln. Bei Schädlars Seppl hatte man für sie im zweiten Stock eine Wohnung eingerichtet, die nun für 18 Jahre ihre Heimstätte war. Frau Rosa erwartete wieder ein Kind. Im Februar 1942 kam Albert als ihr fünftes zur Welt. Drei Wochen danach 34 Bild 17: Familie Karl und Rosa Ladurner in Wolfurl (1956). Vier von den sieben Kindern waren noch im Südtirol zur Welt gekommen: Ludwig, Anna, Karl und Erika. Die drei jüngsten wurden in Wolfurt geboren: Albert, Josef und Hubert. Bild 18. Schlossermeister Ludwig Ladurner, 1935-1996 essen und mußten bei der Bauernarbeit fest mithelfen. Natürlich gingen sie in Schenna auch zur Schule und lernten dort im täglichen Unterricht jeweils eine Stunde Italienisch. Nach fünf Jahren kehrte Ludwig, jetzt ausgeschult, nach Wolfurt heim und begann eine Schlosserlehre in der Firma Doppelmayr. Karl folgte ihm ein Jahr später und absolvierte 1951/52 sein achtes Schuljahr wie 1944/45 sein allererstes wieder in Wolfurt. Jetzt erst war die Familie komplett. Der Vater hatte als Maurer Arbeit bei J.R. Schertler in Lauterach und später in der Firma Julius Bonath gefunden. Um das Jahr 1957 konnte er an der Kolumbanstraße einen Baugrund kaufen und dort ein großes Wohnhaus errichten. Wie es damals üblich war, machte er mit Hilfe aller Familienmitglieder die meisten Bauarbeiten selbst. Sogar Sand und Kies schaufelte er schon am frühen Morgen im Flußbett der Ach zusammen. Und jeden Abend werkte er nach „Feierabend" noch bis in die Nacht hinein auf seiner eigenen Baustelle. Dabei hat er sich wohl überarbeitet. Er konnte noch mit seiner Familie in das neue Haus übersiedeln, aber schon im Juni 1964 ist Karl Ladurner, erst 59 Jahre alt, gestorben. 36 Die sieben Kinder wuchsen zu tüchtigen Menschen heran, erlernten Berufe und gründeten alle eigene Familien. Darüber hinaus waren Ludwig und Karl viele Jahrzehnte lang eifrige Mitglieder der Bürgermusik. Ludwig arbeitete nach der Schlosserlehre etliche Jahre bei Sulzer in Winterthur. Dann errichtete er ein eigenes Haus an der Weiherstraße und machte sich als Schlossermeister selbständig. Neben der täglichen schweren Arbeit in der Werkstatt suchte er einen Ausgleich als Flügelhornist bei der Musik und bei langen Wanderungen in den Bergen. Zwar konnte er auch große Erfolge bei sportlichen Wettkämpfen im Schi-Langlauf oder beim Radfahren verbuchen, aber am liebsten stieg er allein in die Berge hinauf. Als der 61jährige am 23. August 1996 wieder einmal die Rote Wand besteigen wollte, stürzte er am Ostgrat in den Tod. Nun führt sein Sohn Manfred Ladurner, Jahrgang 1963, die Schlosserei weiter. In dessen Kindern Ramona und Lukas wächst bereits die vierte Ladurner-Generation in Wolfurt heran. 37 Flüchtlinge aus dem Sudetenland Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebten in Wolfurt auch viele Flüchtlinge, Kriegsgefangene und Zwangsdeportierte. Die meisten machten sich sofort auf den Rückweg in ihre Heimatländer. Andere wagten das nicht. Bis zum Sommer 1945 blieben jedenfalls noch über 70 Angehörige von Oststaaten im Ort, vor allem Tschechen, Letten, Ungarn und Polen. Zu ihnen stießen 1946 und 1947 weitere Vertriebene aus dem Osten, darunter vier Familien aus dem Sudetenland: Familie Kröner mit 4 Personen Familie Heider mit 4 Personen Familie Seichter mit 4 Personen Familie Hanke mit 2 Personen Später kamen auch noch die Familien Bürger, Schmutzer und Rentsch. Die Sudeten sind ein Grenzgebirge zwischen Tschechien und Schlesien. Nach ihm wurden alle Angehörigen der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei als Sudetendeutsche bezeichnet. Viele Jahrhunderte lang waren sie Österreicher gewesen. Beim Zerfall der Donaumonarchie beanspruchte 1918 die neu ausgerufene CSR das Sudetenland für sich. Gegen den Willen der Minderheiten wurden mehr als 3 Millionen Deutsche, aber auch 700.000 Ungarn und 500.000 Galizier mit den 7 Millionen Tschechen und 2 Millionen Slowaken vereinigt. Das führte sofort zu Spannungen, die durch den Nationalismus aller Seiten noch gesteigert wurden. Als Hitler mit Billigung von England und Frankreich im September 1938 die Abtretung der Sudetenländer an das Reich erzwang, holten sich auch Ungarn und Polen ihre Anteile von der Slowakei. Gegen alles Recht besetzten Hitlers Truppen im März 1939 auch die Rest-Tschechei. Im Protektorat Böhmen und Mähren wurden die Tschechen nun grausam unterdrückt. Im September begann dann der Krieg, der mit seinem schrecklichen Ende 1945 auch das bittere Ende des 700 Jahre alten engen Zusammenlebens von Deutschen und Tschechen in Böhmen und Mähren brachte. Mit Ausnahme des Ostteils der Slowakei, den Rußland für sich beanspruchte, wurden die Grenzen von 1918 neu aufgerichtet. Diesmal wollte sich die CSR aber des Minderheitenproblems auf andere Art entledigen. Die Deutschen wurden enteignet und des Landes verwiesen. In grausamen Todesmärschen schon 1945 und dann mit mehr als 1000 überfüllten Eisenbahnzügen 1946 wurden die 3 Millionen Deutschen vertrieben. Sehr, sehr viele starben dabei. Unter den Flüchtlingen war auch der 16jährige Walter Rentsch, der später viele Jahre lang der Wolfurter Gemeindevertretung angehörte. Von einem Sudetentreffen brachte er die folgende Kopie eines tschechischen Plakates mit. Der erste Teil in tschechischer Sprache schließt mit den Worten .... Kazde vraceni se zpet pres hranice se tresta smrti 38 Dann folgt die deutsche Übersetzung: Preklad: Befehl des Militärkommandanten. Die Einwohner deutscher Volkszugehörigkeit der Stadtgemeinden 1. Schluckenau, N.-Grafenwalde, Kaiserswalde, Königsheim, Rosenhain, Harrachsdorf, 2. Georgswalde, Philippsdorf, 3. Königswalde, 4. Schönau, Kl. Schönau, Ludvikovicky, Leopoldsruh, Dorf- und Stadtgemeinde Hainspach, Röhrsdorf ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes, verlassen am 25. Juni 1945 um 5 Uhr früh ihre Wohnungen und versammeln sich ad 1. am östlichen Rande der Stadtgemeinde Schluckenau aufdem Wege Richtung Fugau, ad 2. bei „ Weidmannsheil" auf der Straße nach Königswalde, ad 3. am westlichen Rande der Stadtgemeinde, ad 4. bei der Kreuzung der Straße und der Eisenbahnstrecke Schönau-Schluckenau. Diese Anordnung betrifft nicht die nachstehend angeführten Personen und die Familien derselben: I. 1. Ärzte, Tierärzte, Apotheker, Pflegepersonal und Feuerwehr. 2. Gewerbetreibende und Angestellte der im Gange befindlichen Versorgungsunternehmungen. 3. Schmiede, Schlosser, Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstätten, Schneider und Schuhmacher, die ihr Gewerbe betreiben. 4. Angestellte der im Gange befindlichen Fabriken und Unternehmungen. 5. Angestellte der Eisenbahn, der Post sowie der Verkehrsunternehmungen. Die unter Nr. 1 - 5 angeführten Personen haben sich mit einer Bestätigung der zuständigen Narodni vybor (Spravni komise) über ihre Beschäftigung auszuweisen. Falls sie sich entfernen, werden sie zurückgeführt und entsprechend bestraft. IL Die Ausweisung findet keine Anwendung auf Angehörige der kommunistischen und der sozialdemokratischen Partei, die sich mit einer Legitimation der Partei legitimieren und nachweisen können, daß sie wegen ihrer Gesinnung und der bejahenden Einstellung zur CSR. verfolgt d.h. inhaftiert oder ihres Postens enthoben wurden. Jeder Einzelperson, auf sie sich die Ausweisung bezieht, ist es gestattet, mitzunehmen: a) Lebensmittel auf 7 Tage und b) die allernotwendigsten Sachen für ihren persönlichen Bedarf in einer Menge, die sie selbst tragen kann; c) Personalbelege und alle Lebensmittelkarten samt der Haushalts-Stammkarte. Wertsachen: Gold, Silber und alle aus diesen Metallen hergestellten Gegenstände (Ringe, Broschen usw.), Gold- und Silbermünzen, Einlagebücher, Versicherungen, Bargeld, mit Ausnahme von 100 RM. pro Kopf sowie Photoapparate sind in ein Säckchen einzulegen oder in verschnürte Papierpäckchen einzupacken, unter Beischließung eines genauen schriftlichen Verzeichnisses dieser Wertsachen und unter Anführung der genauen Anschrift des bisherigen Wohnortes, der Wohnung und der Hausnummer. Diese Wertsachen in Säckchen werden an der Versammlungsstelle abgegeben. 39
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Heimat_Wolfurt_...007_M Wolfurt 01.03.2007 19.11.2012, 18:29 Heft 30 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 2007 Bild 1: Die Feuerwehrfahne von 1907. GOTT ZUR EHR; DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR Inhalt: 153. Unsere Feuerwehr 154. Brände in Wolfurt 155. Die Fatt 156. Zoll zahlen 157. Zeitstreifen II 158. Hafoloab Bildnachweis Mohr Hubert 9, 10, 24, 25, 28 Heim Siegfried 2, 29, 32 Sammlung Heim 20, 22, 30, 31 Alle anderen aus dem Archiv der Feuerwehr. Zuschriften und Ergänzungen Konto Das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) wird nach Abschluß des Versandes gelöscht, der Saldo an die Gemeinde abgeführt. Danke für alle bisherigen Zuwendungen! Dank Mit diesem 30. Heft schließe ich die Reihe „Heimat Wolfurt" ab. Ich habe dafür in den letzten Jahren viel Anerkennung erhalten. Daß ich als alter Lehrer noch manch Wissenswertes über unser schönes Dorf in die Wolfurter Stuben tragen durfte, mächt mich glücklich. Ich danke der Gemeinde und an ihrer Spitze vor allem dem Bürgermeister Erwin Mohr für alle Unterstützung und für die finanziellen Zuwendungen, die den Druck ermöglichten. Ein Dankeschön den Lesern für die vielen kleinen und großen Spenden, die einen wesentlichen Beitrag erbrachten. Mein Dank gilt auch den verläßlichen Setzern und Druckern, Erik Reinhard und den Firmen Mayr und Lohs. Nicht vergessen möchte ich meine Frau Friedel, die in all den Jahren die Adressen klebte und viele Anrufe entgegen nahm. Ich hoffe zuversichtlich, daß sich Nachfolger finden, die meine Sammlungen im Gemeinde-Archiv sichten und erweitern und uns noch viel Interessantes über unsere Heimat Wolfurt erzählen! Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 30) in beschränkter Anzahl zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Dazu gibt es auch ein Inhaltsverzeichnis und - ganz neu - ein alphabetisches Stichwort-Register. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Spende. Die Staufer (Heft 29, S. 5) Dieser Artikel verlangt nach kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. AltBürgermeister Hubert Waibel hat das getan und mir viel Wissenswertes zugeschickt. Seit 1423 ist Nürnberg „auf ewige Zeit" als Aufbewahrungsort für die Kaiserkrone bestimmt. Seither mußte sie aber mehrmals vor dem Zugriff feindlicher Heere außer Landes gebracht werden und kam schließlich in die Schatzkammer nach Wien, „bis es wieder einen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gibt". Aus der Inschrift „PER ME REGES REGNANT" leitete man im Mittelalter ab, daß nur der Inhaber der Krone als Kaiser des Reiches legitimiert sei. Daher strebten die Konkurrenten mit allen Mitteln nach ihrem Besitz. Von Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich VI. weiß man, daß sie die Krone auf ihrer starken Stauferburg Trifels bei Annweiler in der Pfalz aufbewahrten. Friedrich IL aber, ständig in Kriege verwickelt und meist in Italien abwesend, wählte nach seiner Krönung im Jahre 1220 die Waldburg bei Ravensburg als geheimes Versteck, wo die ReichsInsignien von treuen Weißenauer Mönchen behütet wurden. Dafür wurden diese denn auch mit den wertvollen Bregenzer Gütern und dem Kellhof Wolfurt belohnt. Nach dem Interregnum wurde Rudolf von Habsburg zwar 1273 in Aachen zum König gekrönt, die Kaiserkrönung in Rom verhinderte aber der plötzliche Tod des Papstes. Da nahm Rudolf die für ihn so wichtige Krone, die man damals noch symbolträchtig als „das riche" bezeichnete, mit auf seine Kyburg in der Schweiz. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bild 2: Aussichtspunkt Buggenstein. Am Fernrohr Adolf Heim. Siegfried Heim Feuersnot und Feuerwehr Feuer ist ein ganz großer Segen für uns Menschen. Es macht unser Leben erst lebenswert. Aber das gleiche Feuer, das die Menschen in der Winterkälte gewärmt und ihr Essen genießbar gemacht hat, das hat oft auch ihre Holzhäuser und das Leben von Menschen und Tieren bedroht und schweres Leid ausgelöst. Mit allerlei Geräten und Vorrichtungen versuchen wir Menschen daher, diese Gefahr abzuwenden. Der Einsatz der Nachbarn und der ganzen Dorfgemeinschaft half schon in alter Zeit mit, Schadensfeuer zu löschen oder wenigstens deren Ausbreitung zu verhindern. Das führte schließlich zur Gründung von vereinsmäßig organisierten Feuerwehren: 1859 in Feldkirch 1861 in Bregenz 1866 in Dornbirn 1877 in Hard 1878 in Schwarzach Am 18. Februar 1888 beschloß der Landtag ein Feuerwehrgesetz. Das war der Auslöser für weitere Vereinsgründungen: 1889 in Wolfurt 1891 in Lauterach. Der Buggenstein (Heft 29, S. 37) In Langen hat Adolf Heim diesen Beitrag besonders sorgfältig studiert. Ihm fiel die genannte „44 Meter hohe Wölbung" des Bodensees auf. Mit einer selbst entwickelten mathematischen Formel ergänzt und korrigiert der erfahrene Segel-Kapitän diese Feststellung. Die Wölbung zwischen Bregenz und dem 46 km entfernten Konstanz beträgt nur 42 m und bis zur Mainau fast gleich viel. Vom Buggenstein aus sind es allerdings bei 49 km Distanz bereits fast 48 m Höhe. Die größte Längserstreckung des Sees von der Bregenzer Pipeline bis zum Westpunkt bei Ludwigshafen ergibt bei 63 km Luftlinie sogar einen Buckel von 78 m! Wir wollten über diesen Buckel drüber schauen. Klarer noch als Föhntage sind sonnige Wintertage. Am 2. November, in der Mittags-Sonne nach dem ersten Nachtfrost, stellte Adolf auf dem Buggenstein sein großes Fernrohr auf. Bei 480 m ü.M steht die Linse 85 m über dem Wasserspiegel des Sees. Man muß also Konstanz sehen. Tatsächlich! Wir sehen nicht nur das große Fährschiff, das gerade Romanshorn ansteuert, sondern dahinter auch deutlich das Konstanzer Münster und natürlich auch den Hohentwiel. Rechts vom Münster erkennen wir die Universität und auf dem Bodanrück den hellen Wasserturm. Jetzt tastet sich unser Auge zum Überlinger See. Den deckt aber das vorspringende Steilufer von Meersburg fast völlig zu. Im Eingang müßte die Mainau liegen. Ihre Bäume lassen sich vom Bodanwald dahinter nicht unterscheiden. So können wir auch das auf 426 m stehende Schloß Mainau nicht eindeutig erkennen. Um so deutlicher sehen wir die Schlösser von Meersburg und von Kirchberg am rechten Seeufer. Aber die Segelboote und auch die großen Fährschiffe vor der Mainau bleiben unserem Auge immer noch hinter der Kimm des See-Buckels verborgen. Für sie ist er noch zu wenig hoch, unser Buggenstein! 4 Das Löschwesen vor der Vereinsgründung Die offizielle Gründung hat eine lange Vorgeschichte. Schon lange vor 1889 organisierte die Gemeinde ihr Feuerlöschwesen immer wieder neu. Von der Feuergefahr am offenen Herd berichtet schon ein Hofsteiger VerhörProtokoll von 1706: „.... das werckh in den Öfen zue döeren thue mann niemahlen verbieten, daraus doch so grosse gefahr entstehe .... " (Nach Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III. S. 520). Demnach hatte der Ammann das Dörren von Werg, von Flachs für die Leinenweber, wieder nicht rechtzeitig verboten. Zum Löschen brauchte man das Wasser aus den Dorfbächen und aus der Ach, das bis ins 19. Jahrhundert meist nur in ledernen Kübeln zu den Brandplätzen geschleppt werden konnte. Die wichtigsten Dorfbäche waren der Tobelbach im Kirchdorf, der Holzerbach für Unterlinden und Strohdorf, der Eulentobelbach an der Hub und der Rickenbach. Im Kirchdorf gab es zwar schon seit 1517 einen Brunnen, aber für Löschwasser reichten auch alle die vielen anderen Brunnen, die ihm nachfolgten, meist nicht aus. Daher wurde Löschwasser in eigenen Feuer-Weihern bereit gehalten. 5 Ein Nachtwächter schaute nach unbeaufsichtigten Feuerstellen aus. Über die Pflichten der „ Wacht" wissen wir aus einem Anstellungsprotokoll vom Jahre 1818: Die Wacht „.... habe alle Nächte am Werktag um 11 Uhr, an Sontag und Feierabend aber um 10 Uhr, dan alle stund aus Rufen bis Morgens 4 Uhr; Welche fleißig auf das feur obacht zu geben hat, wie auch alle Rauferejen und Spatte schwermungen, abhalten, auch auf die übertrettung der Polizeje stunden ob acht zu geben hat...." Der Wächter war also gleichzeitig Dorf-Polizist, der Junge und Alte rechtzeitig nach Hause schicken mußte. Um das Jahr 1800 gab es schon tragbare mechanische Spritzen, von denen die Gemeinde Wolfurt zwei Stück anschaffte. 1834 richtete das Landgericht in Bregenz eine Aufforderung an die Gemeindevertretung, eine fahrbare Feuerspritze anzuschaffen. Sie hätte etwa 400 Gulden gekostet. Weil die Gemeinde aber wegen des gerade erfolgten Kirchen-Neubaus in tiefen Schulden steckte, lehnte sie ab. Eine weitere Aufforderung von 1835 sah jetzt eine Spritze für 700 Gulden vor. Zu teuer! Jetzt wurde der gerade aus der Schweiz nach Wolfurt zugezogene Mechaniker Carl Zuppinger beauftragt, eine solche „Fahr-Spritze" anzufertigen. Nach Überprüfung seines Werkes durch das Kreisamt bezahlte die Gemeinde den stolzen Preis von 750 Gulden. Noch im gleichen Jahr erließ die Gemeinde eine umfangreiche „Feuerordnung", die den Einsatz aller Feuerwehr-Gerätschaften genau regelte. Der Entwurf dazu ist im Gemeindearchiv erhalten geblieben. Das Vierblatt-Papier, auf welchem sechs Seiten eng beschrieben sind, ist heute ein wertvolles Zeitdokument. Es soll daher nachfolgend vollständig abgedruckt und kommentiert werden. Feuerordnung 1838 Ein jeder Dorfmeister hat in hiesiger Gemeinde, nebst der Vorstehung u. Gemeinds Ausschüßen, wenn ein Feuer ausbrechen sollte, die schleunigsten Anordnungen helfen und treffen, und das möglichste mittzuwirken. (Dorfmeister waren gewählte Verantwortliche für die einzelnen Teile der Gemeinde, die aber dem Vorsteher unterstanden. Ausschüße nannte man die Gemeindevertreter.) Zu der Fahrfeuerspritze wird voraus der Gemeinds Aussschuß Martin Schertler bestimmt; u. als Beihülf wird Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid; welche bei ausbrechenden Bränden wie auch in Zwischen Zeiten, besondere Vorsichtsregeln zu beobachten haben, sollte allenfalls im Orte ein Brand ausbrechen, so sollen dieselbe mit Beihülfe, die Spritze von Hand auf den Brandplatz befördern. (Die Verantwortung für die kostbare Spritze vertraute man also neben einigen ört6 lichen Schlossern dem angesehenen Ziegel-Fabrikanten und früheren Vorsteher Martin Schertler aus Unterlinden an, der den Kirchenbau geleitet hatte. Auch die anderen wohnten nahe beim zur Unterbringung der Spritze bestimmten alten Schulhaus. Johann Böhler hatte seine Werkstätte neben dem Unterlinden-Brunnen, Zuppinger ein paar Schritte weiter oben in Draiars Hammerschmiede und Andreas Bildstein im Strohdorf. Seine Schmiede wurde später zu Molars Lädele umgebaut.) Zu der Tragspritze welche dem Lorenz Dür Schmid im Röhle zu Handen genommen werden solle, hat dieselbe in der hiesigen Gemeinde oder benachbarten Ortschaften mit seinen Gehülfen Fr. Jos. Dür, Jos. Ant. Schertler, Gebhard Klocker, Benedikt Dür, Gebhard Geiger, Martin Haltmayer, und Mathias Haltmayer, zu besorgen. (Die erste von den alten Tragspritzen erhielt ihren Platz bei dem Schmied Lorenz Dür im Röhle, der mit seinen Söhnen später die Vorgänger-Schlosserei der Firma Doppelmayr in Rickenbach begründete. Ihm sollten seine Nachbarn im Röhle helfen, darunter J. A. Schertler, Ziegel-Fabrikant und Bruder des oben genannten Altvorstehers, und die reichen Gerber-Haltmayer.) Zu der Tragspritze welche Joseph Böhler Schloßer Spettenlehen bekommt, soll dieselbe mit seinen Gehülfen Michael Sohm, Fr. Jos. Brüstle, Joh. Ant. Höfle, Dietrichs Sohn, Johann Rohner, Andreas Schwärzler, u. Johann Müller Schuster, zu besorgen haben. (Die zweite Tragspritze kam in die Südhälfte der Gemeinde zu Joseph Böhler. Seine Schmiede stand auf dem Platz von Hofsteigstraße 37. Aus ihr stammten auch Josephs Schmiede-Brüder Johann am Unterlindenbrunnen und Jakob, der Vater der Holzer-Schmiede. An der Spritze halfen mit anderen Spetenleher Nachbarn der Kronenwirt Michael Sohm und der Gerber Höfle.) Jewilliger Meßmer soll verpflichtet sein bei ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. (Sturm-Läuten, Lermen-leuthen, war ein noch lange Zeit übliches Warnsignal bei Sturm, Hochwasser, Feuersbrunst und auch in Kriegsgefahr. Erst während des Zweiten Weltkriegs wurde es von den Sirenen abgelöst.) Der Bronnenmeister in Wolfurt hat die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer u. Feuerbronnen im Ort Wolfurt gehörig zu besorgen und bei ausbrechenden Feuerbrünsten im Orte, besonders die Aufsicht zu halten, daß das Wasser benützt werden kann, und so auch jener zu Rickenbach, u. s. w. (Jeder von den fünf Dorfbrunnen hatte einen eigenen Brunnenmeister, der von den Brunnen-Genossen gewählt wurde und für die Instandhaltung der Leitungen und des Troges zu sorgen hatte. „Wolfurt" bedeutet in diesem Zusammenhang das Kirchdorf Wolfurt im Gegensatz zu Ach, Strohdorf und den anderen Teilen der Gemeinde.) Johann Köb hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, daß dieselbe bei ausbrechendem Brand benützt werden kann, u. auch jene zu Wolfurt Strohdorf u. Hub. 1 Fr. Jos. Flatz hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, diese Strohdorf. Joh. Böhler Küffer hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, Hub. Jos. Ant. Schwerzler Weber hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen, zur Linden. Joseph Mohr in Spetenlehen hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen. Lorenz Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. Jakob Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. (Hier erfahren wir also von den sieben „Wasserfallen", an denen die Anrainer mit Hilfe von breiten Brettern die Bäche aufstauen konnten. In Spetenlehen tat dies z. B. Joseph Mohr, der Kamm-Macher und Stammvater der Kampler-Mohr. An der Hub war die Falle beim Haus Flotzbachstraße 1, wo damals Johannes Böhler seine Küferei betrieb. Im Kirchdorf betreute Lorenz Schneider das Sperrbrett. Er besaß das Sammüller-Haus, an dessen Hauswand entlang der Tobelbach vom Brunnen in die Bütze hinab floß.) Zu den Feuerhaken und Feuer Leitern haben zu besorgen Joh. Gg. Rusch u. Michael Lau, Jos. Anton Bildstein Wagner u. Gebhart Höfle Lehrer. (Auch die Haken und Leitern wurden im Schopf des Schulhauses verwahrt. Dort hatten Nachbarn die Verantwortung: Rusch lebte direkt neben dem Schulhaus in einem längst verschwundenen Haus, Michael Lau gegenüber in Festinis Haus. Bildsteins Wagnerei war im Hause Hofsteigstraße 15 und der Lehrer Höfle lebte in einem später bei Eulentobelstraße 1 abgebrannten Haus.) Zu der Sicherheits Wacht werden bestimmt in Wolfurt Jos. Anton Schwerzler Todtengräber u. Andreas Klocker Glaser, In der Mitte im Dorf werden bestimmt Martin Rohner Weber u. Joseph Thaler an der Hub, In Rickenbach Michael Läßer u. Jos. Ant. Böhler. (Die Feuerwache beobachtete nach Beendigung der Löscharbeiten die Brandstätte und verhinderte ein Wieder-Aufflammen der Glut.) Die geflüchteten Wahren zu besorgen in Wolfurt werden bestimmt Jos. Klocker zur Ach u. Xaver Albinger u. Anton Schneider u. Joseph Mayer, In der Mitte Johann Müller u. Joseph Brugman, Joseph Schneider u. Joh. Gg. Höfle Gärber, In Rickenbach G. u. Ant. Rünzler u. Xaver Vonach u. Mart. Schneider u. Mart. Kalb. (Gerettete Möbel, Kleider und auch Tiere mußten versorgt und gegen Diebstahl geschützt werden.) Zu Zabinnen u. Flozer Haken werden bestimmt 1 Johann Müller 2 Joh. Georg Dür 3 Joh. Gg. Mäsch in Rickenbach, 4 Anton Kalb in Spetenlehen, 5 Jos. Ant. Fischer an der Hub, 6 Nicklaus Fischer 8 Strodorf u. Jos. Anton Schwerzler Zimmermann an der Hub, 7 Lorenz Rohner u. 8 Joh. Georg Schwerzler Zimmermann zur Linden, 9. Jos. Anton Mäsch 10 Xaver Geiger 11 Fr. Jos. Schwerzler im Tobel 12 Jos. Ant. Schwerzler Jung 13 Gebhart Geiger in Wolfurt 14 Jos. Anton Rohner Jakobs 15 Joseph Rusch u. Joseph Schwerzler zur Ach. (Ein Zabin ist ein auch heute bei Waldarbeitern noch häufig gebrauchter Haken mit starkem Hebelstiel. Flößerhaken wurden beim Holztriften in der Ach verwendet. Mit den an einer sehr langen Stange sitzenden Haken konnte man auch brennende Dachstühle und hölzerne Hauswände einreißen.) Wolfurt am vorstehenden Leonhard Fink Gmd. Vorsteher (1838) Der erste Teil der Feuerordnung nennt also viele Namen von zur Wehr eingeteilten Mitbürgern. Für diese war er wohl in erster Linie bestimmt. Ausgearbeitet und unterfertigt wurde sie von Gemeinde-Vorsteher Adlerwirt Leonhard Fink. Die Verordnung bedurfte aber einer Genehmigung durch die Oberbehörde. Daher wurde eine gekürzte und in einigen Punkten ergänzte zweite Schrift an das Landgericht in Bregenz eingereicht. Der Entwurf dazu füllt im zweiten Teil des Dokuments weitere drei Seiten: Löbl. kk. Land u. Krim. Gericht Anmit wird von der Gemeinde Wolfurt folgende Feuerordnung mit dem Bemerken vorgelegt, daß die weitere nothwendige Anordnungen, welche der Gemeinde noch nicht bekannt sein können, die gnädige Weißung von dem Gerichte erhalten werden möchte. (Man beachte die unterwürfigen Formulierungen, die in der Zeit des Absolutismus unter den Metternich'schen Beamten üblich geworden waren.) 1.) Bei einem ausbrechenden Brande in der eigenen Gemeinde soll einjewilliger Vorsteher, Gemeinde Ausschuß, und die aufgestellte Dorfmeister zur schleunigen Anordnung bestimmt werden. 2.) Zu der Fahrspritze wird verordnet der Gemeinds Ausschuß Martin Schertler, Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid, wobei bemelter Ausschuß Schertler bei der Fahrspritze besorgt und begwaltiget sein solle, alle mögliche Vorsicht zu treffen, daß wo mit der Spritze in andere Ortschaften ausgefahren werden müßte, daß die Spritze nicht mit mehreren Männern beladen werde, als mit jenen, welche hiezu bestimmt sind, damit man durch Überladung oder Ruinirung derselben nicht gehindert werde. 9 (Im ersten Entwurf ist nur von Einsätzen im eigenen Dorf die Rede, zu denen man die Spritze von Hand ziehen sollte. Jetzt sah man auch Hilfeleistungen in Nachbargemeinden vor, zu denen ein Pferdegespann notwendig war. Schertler wird ermächtigt - begwaltiget -, nicht berechtigte Fahrgäste am Mitfahren zu hindern, um die Spritze nicht zu gefährden.) 3.) Im Falle im Orte selbst ein Brand ausbrechen würde, so solle mit Beyhülfe der Anwesenden Männer, wenn nicht gleich Pferdte vorhanden sind, sogleich mit der Spritze auf den Brandplatz befördert werden. 4.) Da noch zwey Tragmaschinen vorhanden sind, allwo erstere sich im Röhle zu Wolfurt befindet, welche Lorenz Dür Schmid und 8 die nächsten Nachbaren zu besorgen haben. 5.) Zu der zweiten Tragmaschine wird bestimmt, welche zur Hub besteht, der Schloßermeister Joseph Böhler und ebenfalls 8 die nächste Nachbaren, welche dieselbe abwechselnd zu tragen und regieren haben. 6.) Bei einem auswertigen Brandlermen, soll dem ersten Paar Pferdtfiir ihren Eifer und Thätigkeit 2 fl 42 x, dem anderen Paar 2fl, und dem 3ten Par Pferdt 1 fl zum voraus vergütet werden, welch letzteres Par Pferdt die Hauen, Hacken und Leitern nach zuführen hat. ( Ein Gulden - 1 fl, Florin - war damals für einen Bauern viel Geld. Ein halber Gulden hatte 30 Kreuzer - 30 x -. Das war der Taglohn eines Arbeiters. Die ausgesetzte Prämie entsprach also nahezu einem ganzen Wochenlohn.) 7.) Jeder Meßmer soll verpflichtet sein, bei Ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. 8.) Bei jedem Brand im Orte solle besonders von den Bronnenmeister insgesamt, und jene Angränzer bei den Bächen wo schon wirklich Wasserfallen errichtet sind, beobachtet werden, dieselben sogleich herzurichten, daß das Wasser so viel möglich, benützt werden kann. Eben so sollen auch die Müller im Holz, Zuppinger zur Linden, und Müller zu Rickenbach verbunden sein, in all jenen erforderlichen Fällen ihre Weyer auf der Stelle los zu lassen, nicht minder hat der Bronnenmeister und Dorfmeister im Orte Wolfurt die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer und Feuerbronnen daselbst in gehöriger Ordnung zu erhalten und zu besorgen. (Zwei Mühlen standen im Holz hintereinander am Holzerbach, durch den das im Weiher aufgestaute Wasser in Richtung Unterlinden und Strohdorf abgelassen werden konnte. Den gleichen Bach staute der Drechsler und Mechaniker Zuppinger bei seiner zur Spulenfabrik umgebauten Hammerschmiede noch einmal auf. Linden ist die alte Bezeichnung für Unterlinden, das sind die Häuser um den ehemaligen Brunnen an der Frickenescherstraße. Die Mühle in Rickenbach war das heutige Stammhaus Doppelmayr, Rickenbacherstraße 9. Mit der Ort Wolfurt ist wieder das Kirchdorf allein gemeint.) 9.) Könnte man 16 Männer von Holzarbeiter oder Flötzer mit Zapin und kleinen Flötzerhacken aufstellen, wo diese Instrumente in vielen Fällen anwendbar 10 sein türften. 10.) Dann 4 Männer welche mit Beihülfe die großen Feuerhacken und vorhandenen Feuerleitern zu besorgen haben. 11.) Sollten 6 Männer bestimmt werden welche in drey Abtheilungen im Orte der Gemeinde die Sicherheits Wacht zu übernehmen haben und 12.) 4 Männer zu Wolfurt, 4 Männer in Mitte des Dorfes und 4 Männer bei Rickenbach, welch jede Parthei am nächsten ausbrechenden Brand mit 4 Männer die allenfalls geflüchtete Sachen zu verhüten und zu verwahren haben, welche nach der Gerichts Einverständigung die schleunigste Weißung erhalten werden. 13.) Werden zwei Feuerreiter in Antrag gebracht, nemlich Lorenz Schneider zu Wolfurth und Johann Georg Reiner zu Steig bei Rickenbach. (Zusätzlich zum Sturmläuten mit den Kirchturmglocken sollen zwei Reiter den Feueralarm in die ganze Gemeinde hinaustragen. Auf ihren Blasinstrumenten schmettern sie immer wieder ein Signal und rufen dann mit dem alten Ruf „Fürio!" die Dorfgemeinschaft um Hilfe. Lorenz Reiner war der Ahn der Sammüller-Böhler in deren Stammhaus an der Kellhofstraße. J. Gg. Reiner besaß ein Haus am Platz von Hofsteigstraßs 50 auf der Steig, wo später sein Nachkomme Alfred Fischer lebte.) 14.) All übrige welche keine eigene Bestimmung haben, werden verbindlich gemacht, ihre Feuer Kübel oder auch andere Schöpfgeschiere mit sich zu nehmen, und sich bei dem Brandplatze von dem aufgestellten Comando leiten zu lassen. (Es gab also bereits eine vereinsmäßig geführte „Feuerlöschmannschaft". Darüber hinaus waren aber alle männlichen Dorfbewohner zum Lösch-Einsatz verpflichtet. Das galt auch noch nach der Gründung der Feuerwehr im Jahre 1889.) Wolfurt am 10. Xber 1838 (10. Dezember 1838) Leonhard Fink Gmd. Vorsteher Zur sicheren Unterbringung der neuen teuren Fahrspritze wurde im alten Schulhaus an der Hofsteigstraße im August 1839 ein „Spritzenschopf' eingebaut, auch zum „Schläuche aufhänken". Wie die Genehmigung der obigen Feuerordnung ausgesehen hat, wissen wir nicht. Aber schon zwei Jahre später verlangte das Gericht 1840, daß die Gemeinde nun für jedes Haus ein Feuerbeschau-Protokoll anzufertigen habe. In dem dazu vorgelegten amtlichen Formular werden als notwendige „Feuerlöschgeräthschaften" vorgeschlagen: 2 Feuerkübel, 1 Handsprizen, 1 Laterne u. 1 Bottich auf dem Estrich Für die Gemeinde werden im Formular aber vielerlei Geräthschaften verlangt: 1 Fahrsprize 2 Tragsprizen, alle in sehr gutem Zustande, 11 1 Wagen für die Feuerlöschgeräthschaften 4 Feuerleitern 50 andere Leitern 6 Feuerhaken 4 Feuergabeln 10 Feueräxte Mehrere Zapine, Stockhauen und Schaufeln 200 Feuerkübel u. ebensoviel Laternen 2 Weier, Wasserkanäle, die Gemeinds u. Privat Brunnen sind sämtlich in gutem Zustande. Diese Anforderungen hatte Wolfurt in seiner Feuerordnung schon weitgehend erfüllt. Wir dürfen annehmen, daß sich die Gemeinde bei den sehr hohen Zahlen an Leitern, Kübeln und Laternen deutliche Abstriche erlaubt hat, zumal ja schon jedes Haus über mindestens zwei Feuerkübel und einige Laternen verfügte. Etwa ab 1860 bildete sich in Wolfurt, unterstützt von der Gemeinde, ein noch inoffizieller Feuerwehr-Verein heraus. Das erfahren wir aus der Chronik des Ferdinand Schneider, der selbst „Steiger" und auch Hornist bei diesem Verein war (GA, Schneider 3, S. 45). 1870 wurde in Kennelbach Josef Cuprano, der verdienstvolle Gründer von Gesangverein und Kirchenchor Wolfurt begraben. Daran nahmen neben diesen Chören auch ,,Feuerwehr und Blechmusik von Wolfurt" teil. Cuprano war ebenfalls „Mitglied der hiesigen Feuerwehr" gewesen. Noch im Jahre 1871 wurden je ein Nachtwächter für Wolfurt und einer für Rickenbach angestellt. Nach einer Verordnung der Gemeindevertretung vom 10. September 1871 mußte jeder Hausbesitzer am Sonntag-Nachmittag auf dem Kirchplatz Feuerkübel und Laterne vorweisen. Es drohte ihm eine empfindliche Strafe von zwei Gulden. Außerdem mußte jeder an einer Feuerlöschprobe am neuen Weiher teilnehmen. Die Gemeinde übernahm die Kosten für Ausrückungen ihrer „Löschmannschaft" in den Nachbargemeinden (GV-Protokoll 1876). Im Jahre 1887 wurde hinter dem neuen Schulhaus im Strohdorf ein Feuerwehr-Schopf gebaut. Jetzt verlangte das neue Landes-Feuerwehrgesetz von 1888 die Gründung einer offiziellen Wehr. Vorsteher Joh. Martin Schertler, der 1882 auch die erste GemeindeKanzlei eingerichtet hatte, schuf in mehreren Sitzungen die notwendigen Voraussetzungen und legte Statuten vor. Bild 3: Ältestes Feuerwehrbild von 1895. Vorne links mit dem Roßschweif auf dem Helm der erste Kommandant Gebhard Böhler, Schlosser Wolfurter Feuerwehr gegründet 1889 Unter Vorsitz des Rickenbacher Müllers Plazidus Gunz fand am 22. Dezember 1889 im Kreuz die Gründungs-Versammlung statt. Zum Obmann wurde der SpulenFabrikant J.W. Zuppinger gewählt, zum Ober-Kommandanten der Mechaniker 12 Gebhard Böhler („Schlosser" von der Kreuzstraße, ein Sohn des Holzer-Schmieds). Zuppinger lehnte aber die Wahl ab. In der auf den 19. Jänner 1890 in den Adler einberufenen General-Versammlung wurde daher Jakob Schertler, Ziegel-Fabrikant aus dem Flotzbach, zum Obmann gewählt. Unter Ober-Kommandant Gebhard Böhler wurde die Mannschaft in vier Abteilungen gegliedert. Kommandant Jos. Anton Köb, Lehrers, Zimmermann auf dem Bühel, übernahm die „Steiger" für die gefährlichsten Einsätze am Brandherd. Kommandant Joh. Bapt. Böhler, Schmied im Röhle und ein Bruder des Ober-Kommandanten, leitete die Ordnungs-Mannschaft. Kommandant Johann Haltmeyer, Kreuzwirt und Schriftführer der Wehr, war für die Rettungsmannschaft verantwortlich und Kommandant Wilhelm Böhler, Schmied im Strohdorf, befehligte die zahlenmäßig größte Mannschaft an den Spritzen und Schlauchleitungen. Auch zwei Hornisten wurden eingeteilt. (Siehe dazu die Berichte in den Feuerwehr-Festschriften 1973 und 1990!) 13 Bild 4: Fahnenweihe 1907. Fahnenpatin Rosa Köb. Neben ihr Kommandant Josef Anton Schwerzler. Bild 5: Die Feuerwehr 1924 vor dem Vereinshaus. Vorne in der Mitte Kommandant Rudolf Fischer, daneben Ehren-Kommandant J.A. Schwerzler. Schon 1891 erweiterte die Gemeinde den Schopf hinter dem neuen Schulhaus zu einem „Feuerwehrhaus ", aber es war eigentlich nur ein Stadel für Spritze und Geräte. Auch der „Neue Todtenwagen", den die Gemeinde 1884 angeschafft hatte, mußte im Spritzenschopf Platz finden. Ein eigener Laufbrunnen an der Stadelwand versorgte auch die Schule. Eine Gemeinde-Verordnung verpflichtete ab 1894 alle männlichen Gemeindebürger zu einer jährlichen Übung als Hilfsmannschaft der Feuerwehr. Über die recht sparsame Ausrüstung der Wolfurter Wehr gibt eine Statistik Auskunft. (Nach VLA, Vorarlbergische Statistik, 1907). Demnach besaß die Feuerwehr Wolfurt im Jahre 1901: 24 Mitglieder 1 vierrädrige Spritze 1 zweirädrige Spritze 90 Meter Schläuche 9 Leitern, davon 1 freistehend. Inzwischen war man mit der alt gewordenen Fahrspritze nicht mehr zufrieden, besonders weil ihr Wasserstrahl, je nach Leistung der Pumpenmannschaft, recht 14 unregelmäßig und stoßweise aus dem Strahlrohr schoß. Abhilfe sollte ein im Jahre 1890 angeschaffter „Hydrophor" bringen. Das war eine Saugpumpe mit einem Windkessel zum Druckausgleich. Zu ihrer Bedienung wurde eine Mannschaft mit einem eigenen Kommandanten notwendig. Der Hydrophor tat viele Jahre gute Dienste, besonders wenn man von den Feuerweihern oder gar von der Ach her lange Löschwasser-Leitungen bis zur Druckspritze am Brandplatz legen mußte. Erst mit der Inbetriebnahme der Hydranten wurde er überflüssig und daher 1952 zum Abbruch verkauft. Im Jahre 1901 erhielt die Wehr eine auf einen Zweirad-Wagen aufgebaute "mechanische Magirus-Leiter", die sich auf 12 Meter Höhe ausfahren ließ. Sie diente einige Jahrzehnte lang auch dem Gemeinde-Bautrupp, bis man sie nach der Anschaffunng der ersten Auto-Leiter ausmustern konnte. Eine schwere Krise kam 1906. Weil es ihr an finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde fehlte, drohte der Feuerwehr die Auflösung. Noch im gleichen Jahr wurde aber das Mitglied Ferdinand Köb Vorsteher. Ihm gelang es, die Krise zu überwinden. Neue Begeisterung kehrte ein. Es wurde sogar die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen. Mit einem großen Fest konnte diese am 16. Juni 1907 eingeweiht werden. Fahnenpatin war Rosa Köb, die Schwester des neuen Vor15 Bild 6: Die erste Motorspritze 1926. Zweiter von links der neue Kommandant Kolumban Thaler. Bild 7: Die Rettungskolonne 1928. Dritter v..l. der Gründer Johann Heitz. Stehers. 15 Feuerwehren und drei Musik-Kapellen nahmen am großen Festumzug teil. Eine bittere Unterbrechung im Vereinsleben brachte der Weltkrieg mit sich. Mit vielen anderen Mitgliedern mußte auch der kurz zuvor zum Kommandanten gewählte Albert Gmeiner, Lislos, Vater von acht Kindern, sofort einrücken. Er starb schon bei einem der ersten Gefechte. Der alte Kommandant Josef Anton Schwerzler, Murars Seppatone, mußte die Wehr weiterführen und auch die Bekämpfung von drei Bränden während des Krieges leiten. Ein eigenes Kapitel wurde der zum Trocknen der Leinen-Schläuche so dringend benötigte Schlauchturm. Erstmals hatte schon 1904 Gemeinderat Lorenz Gunz, der sich als langjähriger Feuerwehrmann und erstes Ehrenmitglied stets für die Wehr eingesetzt hatte, den Bau eines solchen Turmes beantragt. Auch weitere Vorstöße waren vergeblich, bis endlich 1913 wenigstens die Planung vergeben wurde. Der Weltkrieg verhinderte die Ausführung. Aber auch nach dem Krieg dauerte es noch zehn Jahre, bis Zimmermeister Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, den Bau in Angriff nehmen durfte. Im November 1929 wurde der hohe hölzerne Turm endlich fertig und nun zu einem Wahrzeichen des Schulbereiches in Wolfurt. 1958 wurde er mit dem Spritzenhaus abgebrochen. Inzwischen hatte die Wehr ihre Aufmerksamkeit auch dem Rettungswesen gewid16 met. Die Männer taten ja ihren Dienst oft unter Lebensgefahr und mußten manchmal auch verletzte Haus-Insassen oder freiwillige Helfer versorgen. Im Jahre 1924 war Wagnermeister Johann Heitz, ein ausgebildeter Sanitäter aus dem Weltkrieg, der Wehr beigetreten und hatte sofort einen Sanitätskurs durchgeführt. Im Sommer 1925 beantragte der neue Gemeindearzt Dr. Lecher die Anschaffung eines fahrbaren Krankenwagens. Zusammen mit Heitz gründete er dann eine „RettungsKolonne" der Feuerwehr, deren Gründungsversammlung am 4. Dezember 1927 stattfand. Nach dem Tod von Johann Heitz wurde Anton Klettl 1932 Obmann der Rettungs-Kolonne. Mit großem Einsatz führte er diese, auch noch als sie später als „Rotes Kreuz" ein eigener Verein geworden war. Im Jahre 1926 erhielt die Feuerwehr ihre erste Motorspritze, montiert auf einem gummibereiften Zweirad-Anhänger. Der damals als sehr hoch empfundene Anschaffungspreis lag bei 10 000 Schilling. Die Ausrüstung wurde 1929 noch durch einen Schlauch-Wagen und eine tragbare Motor-Spritze komplettiert. Diese fand ihren Platz in Rickenbach, das damals in einem Anbau an die Kapelle ein eigenes Spritzenhaus hatte und dazu auch einen eigenen „Parzellen-Kommandanten" wählte. In der NS-Zeit durfte die Feuerwehr als einer der wenigen Vereine weiter bestehen bleiben. Kommandant Kolumban Thaler führte jetzt den Titel „Oberbrandmeister" 17 Bild 8: Dr. Lechers Rettungsauto 1938. Links „Oberbrandmeister" Thaler und Rettungsleiter Anton Klettl. Bild 9: Schlauchturm und Spritzenhaus hinter der Schule, kurz vor dem Abbruch 1958. und wurde vom Bürgermeister als „Wehrführer" neu bestellt und angelobt. Noch in Friedenszeit wurde bereits mit Vorführungen auf dem Kirchplatz Fliegeralarm geprobt. Zur Alarmierung wurden im Gemeindegebiet drei Sirenen montiert, die das bis dahin bewährte Sturm-Läuten mit den Kirchenglocken und das AlarmBlasen der Hornisten ablösten. Die Feuerweiher wurden überprüft. Der Schmiedeweiher im Holz wurde 1940 beachtlich vergrößert und mit eisernen Fallklappen versehen, durch welche sowohl der Weiher an der Schloßgasse im Kirchdorf, als auch Draiars Weiher in Unterlinden gespeist werden konnten. Mit einem Fest an der Ach feierte die Feuerwehr im Juli 1939 sogar noch ihr 50jähriges Bestehen. Dann aber kam der Krieg. Die Protokollbücher blieben leer. Die meisten Männer wurden an die Front gerufen. Jugendliche und Schüler ab 14 Jahren sollten ihre Plätze einnehmen. Sie wurden mit Helm und Gurt ausgerüstet und an der Spritze ausgebildet. Ihr einziger ernster Einsatz blieb aber glücklicherweise der Brand des Berger-Hauses 1944 im Oberfeld. Die erste Generalversammlung nach dem Krieg im Dezember 1947 begann, jetzt wieder unter „Kommandant" Thaler, mit einem Totengedenken. Dann aber setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein, der sich natürlich auch auf die Feuerwehr auswirkte. 1952 übernahm Alois Bellmann das Kommando. 18 Damals wurde gerade der erste Teil der neuen Gemeinde-Wasserversorgung in Betrieb genommen. Ein Netz von Hydranten machte ab jetzt die Feuer-Weiher und die langen Schlauchleitungen entbehrlich. Modernes Gerät wurde angeschafft. Als dringend benötigtes erstes Kraftfahrzeug erhielt die Wehr allerdings erst 1955 ihren legendären „Dodge". Es handelte sich um ein etwa 1944 gebautes schweres amerikanisches Armee-Fahrzeug, das nach dem Krieg irgendwo in Kärnten liegen geblieben war. Von dort kaufte es die sparsame Gemeinde preisgünstig und rüstete es für die Feuerwehr um. Der Dotsch besaß eine starke Frontwinde, war mit seiner großen Spurweite und dem robusten Motor sogar für das Befahren steiler Bühel geeignet und leistete auch für den Gemeinde-Bautrupp gute Dienste. Er steht noch heute, nach mehr als 50 Dienstjahren, fahrbereit im Bauhof. Die Feuerwehr arbeitete jetzt eng mit der Gemeinde zusammen. Immer häufiger wurde sie außer zu Bränden auch zu „technischen" Einsätzen gerufen. Sie half bei Überschwemmungen und Vermurungen und pumpte überflutete Keller aus. Bei schweren Verkehrsunfällen beteiligte sie sich an der Bergung von Verletzten und an der Beseitigung von Wracks und von ausgelaufenem Öl. Dazu war eine ganz neue technische Ausrüstung notwendig, die von der Gemeinde mit immer größeren Beträgen angeschafft wurde. 19 Bild 11: Die hölzerne Leiter von 1901. Übung um 1962 beim Haus Braitsch im Oberfeld. Bild 10: Gefährliche Überschwemmung durch den Rickenbach 1957. Bei der ersten Erweiterung des Schulhauses hatten 1958 Spritzenhaus und Schlauchturm weichen müssen. Die Feuerwehr erhielt im Kellergeschoß der Schule erstmals Garagen und einen Schulungs- und Gemeinschaftsraum. Zum Bau der neuen Hauptschule mußte sie diesen aber schon 1969 wieder aufgeben und bis zur Fertigstellung eines eigenen Feuerwehrhauses mit einem unzulänglichen Provisorium im benachbarten Bösch-Stadel das Auslangen finden. Nach 19jähriger verdienstvoller Tätigkeit übergab Alois Bellmann 1970 das Amt als Kommandant an Richard Fischer. Am 21. Juni 1973 konnte das moderne neue Feuerwehrhaus neben dem Schulplatz eingeweiht werden. Damit verbunden waren ein großes Landes-Feuerwehrfest und die Weihe einer neuen Fahne. Fahnenpatin war diesmal Frau Lotte Winder aus Rickenbach. Gegen hundert Feuerwehren und zehn Musikkapellen beteiligten sich an dem Festumzug. In den großen Garagen fanden jetzt neben dem alten Dodge auch der 1961 als Mannschaftswagen angeschaffte Ford-Taunus und all das technische Gerät der Wehr genügend Platz. Zur Förderung von Nachwuchs wurde 1974 eine Jugend-Feuerwehr gegründet. Nach und nach konnten die meisten der gut ausgebildeten Jugendlichen in den Aktivstand übernommen werden. 1975 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Das erste mit Pumpen ausge20 stattete Lösch-Fahrzeug, ein Opel-Blitz, wurde in Dienst gestellt! Dadurch stieg die Schlagkraft der Wehr entscheidend. Als besondere Aufgabe wurde bei der Jahresschlußübung 1975 ein Brand bei Adolf Wüstner im Frickenesch angenommen. Eine Druckrohrleitung von 780 Metern Länge mußte von einem Hydranten an der Kirchstraße über die steilen Hänge ausgelegt werden. Den Höhenunterschied von 90 Metern überwanden drei in Stufen eingebaute Pumpen. In 11 Minuten war die Aufgabe gelöst. Eine Rekordzeit! Aber 11 Minuten wären bei einem Holzhaus zuviel. So wurden denn auch in den folgenden Jahren die Häuser auf den Wolfurter Büheln durch eine ganze Reihe von Hochbehältern und Hydrantenleitungen gesichert. Neue Aufgaben stellten die in der Ebene entstandenen Hochhäuser. Bei der Übung 1976 mußte zur Evakuierung von eingeschlossenen Personen aus einem 5. Stock an der Lerchenstraße die Drehleiter der Feuerwehr Bregenz angefordert werden. Die hölzerne „Magirus"-Leiter von 1901 war längst nicht mehr zugelassen. Erst der „Steiger" von 2005 löste dieses Problem befriedigend. Schon 1977 wurde aber ein erstes großes Tank-Löschfahrzeug eingeweiht, das noch heute als „Tank 2" im Dienst steht. Seither konnten viele Brände bereits im Entstehen gelöscht werden. Auch die eifrige Probenarbeit trug Früchte. Sichtbares 21 Bild 12: Erstes Feuerwehrhaus 1973. Bild 13: Die Feuerwehr 1973. Vorne als 7. v.l. Kommandant Richard Fischer, als 9. Ehren-Kommandant Alois Bellmann. stolzes Zeichen dafür war das Erringen des „Goldenen Helms" für die beste Löschmannschaft des Landes im Jahre 1973. Die gleiche Auszeichnung holten sich die Wolfurter noch einmal im Jahre 1983 und sogar ein drittes Mal 1990. Zunehmend mehr machte sich bei den bis zu 20 Einsätzen im Jahr unangenehm bemerkbar, daß nach dem Sirenen-Alarm zahlreiche Schaulustige zu den Brandplätzen eilten und mit ihren Fahrzeugen die Zufahrt der Wehr blockierten. Zudem hatte es allein im Jahre 1980 fünf Fehl-Alarme gegeben, ausgelöst vermutlich durch Kinder oder Jugendliche. So wurde denn im Jahre 1982 eine „Stille Alarmierung" mit „Piepsern" angeschafft. Seither erfolgen die meisten Einsätze unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die drei Sirenen bleiben aber für Großalarm in Katastrophenfällen in Bereitschaft. Im gleichen Jahr 1982 wurde der Fahrzeugpark durch einen VW-Bus als Kommandowagen ergänzt. Unbekannte Gefahren drohten vom ebenfalls 1982 eröffneten neuen Güterbahnhof der ÖBB. Dort wurden ja neben Öl und Gas noch vielerlei gefährliche Chemikalien befördert und gelagert. Schließlich bildete die Bahnhofsverwaltung eine eigene Betriebs-Feuerwehr, die mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung ab 1986 die Verantwortung übernahm. Sie hält dabei ständig Kontakt mit der Orts-Feuerwehr. Nach Richard Fischer hatten Kurt Rohner und dann 1980 Josef Stadelmann das 22 Kommando übernommen. Ihnen gelang es, zusammen mit einem eifrigen Führungsstab, die große Anzahl von Wehrmännern bei unzähligen Proben ständig neu zu motivieren. Auch die Zusammenarbeit mit der Gendarmerie und der Rettungsabteilung des Roten Kreuzes funktionierte weiterhin vorbildlich gut. Besonders wichtig war aber die Unterstützung der Wehr durch die Gemeinde, die jedes Jahr in ihrem Budget große Beträge bereitstellte. So konnte 1985 ein schweres Bergefahrzeug angeschafft werden. Für seine Verdienste um die Feuerwehr wurde daher Bürgermeister Hubert Waibel, als er 1985 nach 25 Jahren aus seinem Amt schied, zum Ehrenmitglied ernannt. Auch unter seinem Nachfolger Bürgermeister Erwin Mohr konnte sich die Wehr günstig weiter entwickeln. Im Jahre 1987 wurde das Feuerwehrhaus erweitert. Neben großzügigen Garagen besitzt es jetzt zusätzliche Kommando- und Schulungsräume und natürlich auch EDV-Zugang zum einschlägigen Datennetz. Im Dachgeschoß wurde die Musikschule untergebracht. Mit einem dreitägigen Fest wurde 1990 der 100jährige Bestand der Feuerwehr gefeiert. Kommandant Stadelmann konnte jetzt 70 aktive Wehrmänner und 5 Ehrenmitglieder melden. Stolz stellte die Wehr vor den neuen Garagen ihre fünf Fahrzeuge ins Bild. 23 Die Fahrzeuge der Feuerwehr Wolfurt im Jahre 2006 Derzeit verfügt die Ortsfeuerwehr Wolfurt über sechs Einsatzfahrzeuge: Kommando-Wagen, Steiger, zwei Tankwagen, ein weiteres Lösch- und ein BergeFahrzeug. 1. Der Kommandowagen „Einsatzleitung", Baujahr 2003, ist mit Funk- und EDVAnlage und mit Wärmebild-Kamera ausgestattet. 2. Das Hub-Rettungsfahrzeug „Steiger", Baujahr 2005, kann seinen Einsatzkorb bis zu 27 Meter Höhe oder 21 Meter Weite ausfahren. Es besitzt außer einem Wasserwerfer u.a. Notstrom-Aggregat, Scheinwerfer, Atemluft-Anschlüsse und Rettungsgeräte. 3. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 1", Baujahr 2001, ist mit Wasserwerfer, 2000 Liter-Tank und 60 Liter Schaum für den Erst-Einsatz bei Bränden ausgerüstet. Außerdem verfügt es über 13 Meter-Schiebeleiter, Atemschutz, Wärmebildkamera, Rettungsgeräte und vielerlei Werkzeuge. 4. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 2", Baujahr 1977, besitzt ebenfalls Wasserwerfer und 2000 Liter-Tank für den Schnell-Angriff. Mit seinem Anhänger für die Gefahrengut-Ausrüstung ist es speziell für Einsätze am Güterbahnhof und bei Verkehrsunfällen geeignet. 5. Ein weiteres Löschfahrzeug, Baujahr 1998, mit Schlauch-Anhänger kann zusätzlich schnell bis zu 600 Meter Schlauchleitung auslegen und damit den Steiger und die Tankwagen mit Löschwasser versorgen. 6. Das Bergefahrzeug „LF-B", Baujahr 1985, besitzt eine 6 Tonnen-Seilwinde und ein 8 Tonnen-Hebekissen und dazu vielerlei Lösch- und Rettungsgeräte. Eher aus Nostalgiegründen pflegt die Gemeinde in ihrem Bauhof als „Oldtimer" auch noch den alten „Dodge", Baujahr 1944. Er war ursprünglich ein amerikanisches Militär-Fahrzeug und wurde 1955 zum ersten Wolfurter Feuerwehrauto umgerüstet. Bild 14: Die alte Fahne von 1907. Linke Seite mit dem Gemeindewappen. Bild 15: Die neue Fahne von 1973. 1998 wurde Gerhard Pehr zum neuen Kommandanten gewählt. Unter ihm konnte die Wehr ihren Fahrzeugpark großzügig ergänzen und modernisieren. 1998 wurde ein weiteres Löschfahrzeug angeschafft und 2001 ein zweiter großer Tankwagen „Tank 1". 2003 ersetzte ein mit allen Kommunikationsgeräten ausgestatteter Kommandowagen den 20 Jahre alten VW-Bus. Krönung der modernen Ausrüstung wurde aber 2005 der große „Steiger", der seine Einsatzbühne bis zu 27 Meter Höhe ausfahren kann. Damit verfügt unsere Feuerwehr jetzt, ohne den alten Dodge, über sechs leistungsfähige Fahrzeuge. Diese Fahrzeuge erfordern natürlich mit ihrer reichen Ausstattung und den unzähligen Geräten eine ausgedehnte Probentätigkeit und unerhörten Einsatz von Wehrmännern und Funktionären. Dafür planen Feuerwehr und Gemeinde bereits den Bau eines großen neuen Hauses für Kommando, Ausbildung und für die umfangreiche Ausrüstung. In allen Notsituationen soll sich die Bevölkerung unserer Gemeinde gut behütet und beschützt wissen. Sie schätzt es aber auch, daß die Feuerwehr als blühender Verein einen großen Beitrag im Gemeinschaftsleben unserer Gemeinde leistet. Dank und Anerkennung gebühren ihr auch für die Verdienste um die Erziehung und Förderung der Jugend und für den Einsatz im Ordnungsdienst bei vielen festlichen Anlässen. „Gott zur Ehr! Dem Nächsten zur Wehr!" 24 25 Bild 16: Der Dodge von 1955, Baujahr 1944. Als erstes Feuerwehrauto transportiert er Mannschaft und M otorspritze. Bild 18: Der erste Tank-Wagen von 1977. Einweihung durch Pfarrer Willi. Bild 17: Zweites Feuerwehrauto von 1961. Der Kombi „V 58". Bild 19: Der „Steiger" von 2005. Ein ganz modernes Fahrzeug! 26 27 Siegfried Heim Brandkatastrophen Immer wieder haben Schadenfeuer Dörfer und Städte heimgesucht, Menschen und Tiere bedroht, Hab und Gut vernichtet. Die häufigsten Ursachen für die verheerenden Feuersbrünste waren in den vergangenen Jahrhunderten: Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde noch in den meisten Häusern auf offenem Feuer unter einem aus Ruten geflochtenen Kaminschurz gekocht. Sorglos aufgestapeltes brennbares Material oder zum Trocknen aufgehängte Kleidungsstücke waren gefährdet, besonders weil die Küche ja dem Zugwind offen stand. Auch heute ist fahrlässiger Umgang mit Feuer und Glut noch oft die Ursache von Brandschäden. Licht Hantieren mit Fackeln und mit Kerzen, dazu das Tabakrauchen, brachten Feuer in Schlafkammern und in Ställe und Scheunen. Elektrizität Elektrisches Licht gab es in Wolfurt schon ab 1900, aber anfangs war es wegen fehlerhafter Installationen ebenfalls eine häufige Brandursache. Schadhafte Leitungen und Überlastung sind eine Gefahrenquelle geblieben. Blitzschlag Selten, aber doch immer wieder zündeten Blitze Häuser an. Brandstiftung Im Mittelalter eine häufig gebrauchte Form des grausamen Krieges. Später nur mehr von kriminellen Tätern, vereinzelt auch am eigenen Haus. Manchmal zündeln auch spielende Kinder. Herdfeuer Großbrände im ganzen Land Chroniken und Geschichtsbücher berichten von zahlreichen schrecklichen Brandkatastrophen in Vorarlberg. Hier eine kleine Auswahl: 1079 brannte Abt Ulrich von St. Gallen die Stadt Bregenz nieder. Nachdem Graf Wilhelm von Bregenz 1405 Hard verbrannt hatte, legten die 1406 ins Land eingefallenen Appenzeller Götzis, Hohenems und Lauterach in Schutt und Asche. Die mittelalterliche ^tadt Feldkirch brannte gleich viermal: 1348, 1460, 1603 und noch einmal 1697. Dem letzten Großbrand fielen dabei 150 Häuser zum Opfer. Das ebenso in Stadtmauern eingeengte Bludenz mußte ebenfalls viermal neu aufgebaut werden: 1444, 1491, 1638 und 1682. Bei einem weiteren Stadtbrand kamen 1581 in Bregenz 40 Menschen um ihr Leben. In Lauterach wurden im ersten Franzosenkrieg 1796 sieben Häuser niedergebrannt. 1798 brannte das große Kloster Hirschthal in Kennelbach ab. Dabei verbrannten sechs Klosterfrauen. 28 Im 19. Jahrhundert gab es in dreizehn Dörfern in Vorarlberg größere Brände, in Parthenen 1800, Götzis 1843, Hohenems 1848, Fußach 1854, Schröcken 1863, Nüziders 1865, Lingenau 1866, Schnifis 1868, Satteins und Mellau 1810, Meschach 1890, Mäder 1891 und in Nenzing 1895. Allein in Nüziders wurden 1865 insgesamt 65 Häuser von den Flammen vernichtet. (Nach der Chronik Schneider 3 im GA) Der Historiker Franz Häfele bestätigt (in „Holunder" 1931, 21) die meisten dieser Brände. Er vermerkt dazu, daß man 1460 in Feldkirch den ertappten Brandstifter Hans Gilg gleich auch „zu Aschen verbrannt" habe. Auch in Bludenz wurde 1638 der Brandleger Martin Ratgeb „gefangen und verbrennt". Vom Bezirksamt kamen immer wieder Hilferufe an die Gemeindevertretung, in denen um Spenden für betroffene Orte in unserem damaligen Land Tirol gebeten wurde. Aus dem Jahr 1862 liegen drei davon vor: Im Februar waren 100 Häuser in Mezzana/Male abgebrannt, im Juli 140 Häuser in Borgo/Valsugana und im November noch 54 Häuser in Stilfs bei Glurns. Die daraus erwachsende Not trug dazu bei, daß in den folgenden Jahren viele obdachlose Familien aus dem Südteil des damaligen Tirols in die Industriedörfer nach Vorarlberg auswanderten. Bei uns war die Gefahr von Dorfbränden durch Vorsichtsmaßnahmen, vor allem aber durch den Einsatz der vielerorts gegründeten Vereins-Feuerwehren, stark gesunken. Im 20. Jahrhundert brannten 1916 an der Bahnhofstraße in Schwarzach fünf Häuser nieder. In Ebnit zerstörten 1927 die von der Säge ausgehenden Flammen Schule, Kirche und Pfarrhaus. Der allergrößte Dorfbrand traf im Sommer 1934 das Walserdorf Fraxern, wo im Föhnsturm 32 Häuser in Asche sanken. Letzte größere Brandkatastrophen brachte der Krieg 1945 mit sich. In der Innenstadt von Bregenz wurden 80 Häuser durch Granaten und Brandbomben zerstört. Aber auch Götzis mußte zwei Tage später den Verlust von 12 Häusern auf sich nehmen. Wolfurt war also, so weit wir die Geschichte kennen, von Dorfbränden verschont geblieben, obwohl sich auch bei uns zahlreiche Holzhäuser in den einzelnen Parzellen eng aneinander drängten. Brände in Wolfurt Aufzeichnungen über die sicher vorgekommenen Einzelbrände in früheren Jahrhunderten fehlen weitgehend. Eine Ausnahme bilden zwei Notizen von Ammann Fischer in seiner Chronik: „... 1751 den Uten Mertzen sind zue rikhenbach drey häußer, von wegen schlechter sorgung Feür offen floder ver brenth worden, in dem oberdorff und 1789 den 7ten Winthermonat sind zue rikhenbach im ober dorff 2 häußer ver brunnen worden, wegen einem stall licht morgen 6 Uhr. " (Aus GA, Adlerwirts Haus-Chronik, S. 66. Ein Floder war ein Tuch an einem Stiel, das zum Auswischen des Backofens verwendet wurde. An der Glut hatte es Feuer gefangen.) 29 Erst ab 1846 gibt es dann genauere Daten. Von einem besonderen Brand berichtet ein Protokoll im Archiv. Am 29. März 1846 setzte ein Blitzschlag den „Pfarrkirchen Thurn " in Brand und verursachte einen großen Schaden. Die aufwendige Reparatur schob die längst fällige Einweihung der neuen Kirche noch einmal bis 1849 hinaus. Ab jetzt ließ die Gemeinde ihre wichtigsten Gebäude versichern und bezahlte dafür jährlich „Assekuranz"-Geld: 1/. Für die Pfarrkirche u. Thurn 15 fl 2/. für Pfarrhaus 2 fl 3/. für das Kaplanhaus 2 fl 4L für das hiesige Schulhaus 1 fl 20 x Summa 20 fl 20 x österreichische Währung Die Prämienhöhe sagt etwas über die Geringschätzung des alten Schulhauses gegenüber dem neuen Kaplanhaus aus! (GA, Nota 52 in Schachtel 1859) Bild 20: Ammann Fischers Chronik berichtet von einem Großbrand 1751 in Rickenbach. Die Reihe der Brände im 19. Jahrhundert 1.) Aus dem gleichen Jahr 1846, in welchem der Kirchturm brannte, wird auch erstmals von einem abgebrannten Haus berichtet. Es war das Haus C 178 im Flotzbach und stand an dem Platz, wo später das Haus Flotzbachstraße 18 (Elmar Schertlers) gebaut wurde. Als allerältestes Haus im Flotzbach war es 1819 errichtet worden und stand jetzt im Besitz von Kaspar Köb, dem Stammvater von Bäschle-Köbs im Flotzbach. Nach der Überlieferung soll er einem obdachlosen Burschen im Heu Unterschlupf gewährt haben, der dann durch seine Unvorsichtigkeit das Haus in Brand setzte. Der Chronist Ferdinand Schneider, der wie vor ihm sein Vater, als Vertreter der „Assicuratione Generali" die Feuerversicherungen betreute, zählte in seiner Chronik (GA, Schneider 3, S. 296) die Brände zwischen 1846 und 1913 auf. Die Liste ist allerdings nicht ganz vollständig und auch zeitlich nicht richtig gereiht. Sie deckt sich nur teilweise mit der „Vormerkung" von 1915 im Protokollbuch I der Feuerwehr. Aber auch dort fehlen die Brände bei Putzers im Schlatt 1911 und bei Schwerzlers auf der Steig 1914. In der folgenden Reihung bezeichne ich die Häuser mit den C-Nummern, die bis 1900 verwendet wurden. Ab 1900 galten dann bis 1953 die neuen D-Hausnummern. 2.) Als zweites verbrannte am 2. April 1855 in Rickenbach das ganz neue Haus C 230 1/2 im Garten von Dornbirnerstraße 3, in der Ecke gegen den Gasthof Adler. Es stand im Besitz von Joh. Gg. Gmeiner, von dem die Lutzo-Schrinar abstammen. Auf dem Brandplatz baute später der Adlerwirt Fischer seine Brauerei. Daraus sind eine Metzgerei und schließlich ein Laden geworden. Der dritte Brand traf im August 1869 den größten Bauernhof im Kirchdorf, 4.) 5.) 6.) 7.) 8.) 9.) 10.) C 102, das ehemalige Gasthaus des Ammanns Jerg Rohner am Platz von Kreuzstraße 1. Es stand jetzt im Besitz des Vorsteher-Sohnes Gebhard Vonach. An dieser Stelle erbaute dann erst 1893 der Schützenhauptmann Ludwig Köb seine „Villa". 1873, C 241, Rickenbacherstraße 13 (Seogars). Es ist später noch einmal abgebrannt (S. Nr. 17!). 1876, C 155 des Mathias Böhler-Sammüllars. Es stand östlich von Inselstraße 11 und wurde nicht mehr aufgebaut. 1881, C 123 des Jakob Böhler-Bergars, in Unterlinden, nahe Bregenzerstraße 15. Seither verschwunden. 1883, C 22, Bregenzerstraße 15 im Röhle. Schädlars Hus stand damals im Besitz von Johann Köb. Hier war dessen Sohn, der spätere Vorsteher Ferdinand Köb, aufgewachsen. Das neue Haus ist 1985 abgebrannt. (Siehe Nr. 86!) 1883, C 91 des Ferd. Böhler in der Bütze. Viele Jahre lang blieb der Platz leer. Heute steht dort das Haus Mohr, Kellhofstraße 13. 1887, C 82, Bützestraße 9, im Besitz von Philipp Gmeiner-Knoblars, später Zwickles. Beim angrenzenden Rist-Haus ist noch heute die verkohlte Südwand unter der Fassade erhalten. 1889, 3. März. C 113 des Fidel Huster, ganz hinten im Tobel. Der Brandplatz am Tobelbach blieb leer, nur ein Stadel wurde wieder erbaut. 3.) 30 Im gleichen Jahr 1889 wurde die Feuerwehr als Verein gegründet. 31 11.) 12. 14. 1895, 16. Nov. C 177, am Anfang der Unterhubstraße im Garten von Flotzbachstraße 8. Es war einst das Haus des ersten Wolfurter Kapellmeisters Andreas Rohner gewesen und stand jetzt im Besitz des Weinhändlers Hermann Hämmerle. Beim Brand verletzten sich zwei Feuerwehrmänner, als sie ein Übergreifen des Feuers auf das nahe Nachbarhaus verhindern wollten. u. 13.) 1897, 27. April. C 210 u. 211. Ein uraltes Doppelhaus im Garten von Hofsteigstraße 53 in der Ecke gegen den Gasthof Kreuz, damals im Besitz von Schneidermeister Wilhelm Köb. Die Bauparzellen wurden vereinigt und dahinter das neue Haus Hofsteigstraße 53 erbaut. u. 15.) 1897,15. Juli. C 14 u. 15. Nur sechs Wochen nach dem großen Brand in Rickenbach verbrannten auch an der Ach zwei aneinander gebaute Häuser. Besitzer waren Joh. Bapt. Schwerzler-Naiolars, und Lorenz Rohner, Vinälars. Auch hier wurden die Plätze vereinigt und darauf ein besonders großes Haus gebaut, der spätere Gasthof „Wälderhof", Bregenzerstraße 28. Im 20. Jahrhundert 16.) 1900, 12. Mai. C 11 an der Ach mit der gerade in diesem Jahr neu aufgemalten Nummer D 19. Das alte Stammhaus der Sammüller-Böhler, die an die Kellhofstraße übersiedelt waren, gehörte jetzt dem Lauteracher Josef Vonach. Der Platz blieb lange leer, bis ganz in der Nähe das Siedlungshaus Inselstraße 1 errichtet wurde. 17.) 1900, 5. Sept. C 241, jetzt neu D 278, Dornbirnerstraße 13 (Seogars). Zum zweiten Mal brannte das nach dem Brand von 1873 (Siehe Nr. 4!) neu aufgebaute Haus völlig ab. Besitzer war jetzt Johann Köb. Als Mieter war eine Familie Kniebühler im Quartier. Deren zweijähriges Kind Hedwig verlor im Feuer sein Leben. Der Nachbar Joh. Gg. Müller baute das Haus neu auf. 18.) 1902, 13. März. D 188, des Martin Wohlgenannt im Eulentobel. Seither verschwunden. 19.) 1902, 17. März. D 185, Hofsteigstraße 12. Beim Brand des noch fast neuen Hauses des Joh. Gg. Böhler (Steonnowirts Hans-Irgos) an der Hub verbrannten auch zwei wertvolle Stickmaschinen. (Später ein zweites Mal abgebrannt, Nr. 43) 20.) 1902, 20. März. D 193, Hofsteigstraße 18. Nur drei Tage nach dem BöhlerHaus brannte in der Nachbarschaft auch das Glaser-Klocker-Haus. Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte es aber gerettet werden. 21.) 1903, 12. Mai. D 237, Hofsteigstraße 47, Konsum Rickenbach. 22.) 1905, ohne Nummer. Der alte Wuhrstadel stand außerhalb des Ach-Damms am Platz von Bregenzerstr. 35. Seit Jahrhunderten hatten die Hofsteiger darin ihre Wuhr-Werkzeuge aufbewahrt. Später errichtete die Firma Rädler hier ihre Zementerei. Bild 21: Gefährliche Feuerstelle noch im Jahre 1992. 23.) 1906, 21. Februar. D 53, Feldeggstraße 11, am Hexenbühel. Es stand im Besitz von Paulina Mathis-Embsars. Später erwarb die Firma Schindler den Neubau als Fabriks-Hus. Feuernächte in der Gemeinde 24. u. 25.) 1907, 30. Okt. D 130 u. 131, Kirchstraße 29 u. 27. Ein Großbrand vernichtete in der Nacht die beiden uralten und einst sehr bedeutenden Schneider-Häuser. Sie gehörten jetzt den Familien Johann Dür-Oachobergars, und Jos. Ant. Köb, Schloßburos. Nur Köb baute sein Haus sofort wieder auf. Der zweite Platz beim Gasthof Hirschen stand mehr als 40 Jahre lang leer. Mit dieser Feuernacht begann eine ganz unheimliche Brandserie, die in den folgenden sieben Jahren insgesamt 21 (!) Häuser in der Gemeinde vernichtete. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens: Das elektrische Licht! - Die von der Firma Loacker seit 1900 installierten Leitungen waren in den Häusern nur dürftig isoliert und eine ständige Gefahrenquelle. Es gab noch keine Zähler und viele unerfahrene Hausbesitzer manipulierten an den ohnehin fragwürdigen Sicherungen. 32 33 Zweitens: Der Stickerei-Boom, der von 1905 bis 1907 viel Geld ins Dorf gebracht und Bauern und Handwerker zu großen Investitionen verlockt hatte, war 1908 plötzlich zusammen gebrochen. Nun mußten viele Sticker große Schulden verzinsen. Die Not brachte manche in Versuchung, Feuer zu legen und die Brandversicherung in Anspruch zu nehmen. Ähnliches sagt man ja noch heute den Lustenauer Stickern nach: „ Warm abbreocho!" Als einzelne Hausbesitzer sogar versuchten, die Feuerwehr am Löschen zu hindern, mußten Vorsteher Ferdinand Köb und Kommandant Josef Anton Schwerzler durchgreifen: „.... daß bei den gegenwärtig häufig vorkommenden Brandfällen die Wahrnehmung gemacht wurde, daß man die Feuerwehr beeinfluße möglichst wenig zu löschen, was dieselbe unter keinen Umständen annehmen dürfe .... sondern sich stets stramm an das Kommando halten. " (FW-Protokoll 59 v. 16. Jänner 1910) 26. u. 27.) 1908, 23. Juli. D 260 u. 262. Großbrand in Rickenbach-Loch. Auch die Großschreinerei Lenz, eine Möbel- und Parkett-Fabrik, war im Besitz von Josef Karg in Schwierigkeiten geraten und brannte ab. Das Nachbarhaus des Ferdinand Müller, Stases im Lo, wurde durch das Feuer ebenfalls vernichtet. Beide Brandplätze zeigten noch viele Jahre lang die geschwärzten Grundmauern, bis die Firma Doppelmayr hier eine große Werkshalle errichtete. 1908, 29. Januar. D 14, Achstraße 3, Hohl Martin u. 30.) 1908, 31. März. D 20 u. 21, zwei alte Häuser an der Ach im Besitz von Johann Müller und Gebhard Kresser. Die Brandplätze wurden vereinigt für das neue Kresser-Haus, in welches später das Textilhaus Rohner und die Beschützende Werkstätte Bregenzerstraße 31 eingebaut wurden. 1908, 19. Juni. D 16, bei Achstraße 1. Nur wenige Wochen nach den anderen drei Häusern verbrannte an der Ach ein viertes Haus. Ein Jahr zuvor war es aus dem Nachlaß des Wagners Hieronymus Böhler, Holzerschmieds, in den Besitz von Emil Brüngger gekommen. Der Platz westlich der Traube Achstraße 1 blieb seither frei. u. 33.) 1909, 14. Januar. D 48, Auf dem Bühel 5 des Hilar Köb. Hilares Hus war im Oberfeld erst 1892 ganz neu gebaut worden. Nun brannte es gemeinsam mit der davor stehenden großen Maschinen-Stickerei der Brüder Köb, Lehrars, völlig ab. Der Zimmermann Hilar Köb baute sein Haus besonders schön „im Jugendstil" neu auf. 1909, 29. Januar. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Das noch fast neue Haus brannte 1909 zum ersten Mal ab und wurde von Martin Schertler sofort neu aufgebaut. Siehe Nr. 45! 1909, 24. Aug. D 301. Erst acht Jahre alt war das Haus des Ignaz Hämmerle an der Ach, das 1909 ebenfalls schon verbrannte. Viel später baute die Familie Sohm hier ihr neues Haus Achstraße 16. 1911, 8. Juni. D 290, Dornbirnerstraße 31, Putzers. Damit verbrannte am Bild 22: Das Schloß ist am 12. Dezember 1939 abgebrannt. 28.) 29. 31.) 32. 34.) 35.) 36.) 34 Bild 23: Haus Gorbach in der Bütze 1956. Beim Brand mußte Frau Eugenie Theurer sterben. 35 37. 39.) 40.) 41. 43.) 44.) 45.) 46.) 47.) anderen Dorfende das südlichste Haus der Gemeinde. u. 38.) 1911, 14. Juni. D 46 u. 47, Auf dem Bühel 1 u. 3. Wieder vernichtete das Feuer zwei Häuser auf einmal, des Gebhard Köb, Schrinars, und des Johann Köb, Meßmars. Während Johann sein Haus sofort wieder aufbaute, errichtete Gebhard vorerst nur einen großen Stadel beim OberfeldWäschhüttle. Viel später wurde auch dort eine Wohnung eingebaut. 1911, 12. Sept. D 248, Rickenbacherstraße 1. Nahe beim Kreuz war oberhalb des schon 1897 (Nr. 12) abgebrannten Doppelhauses ein weiteres ebenso uraltes Doppelhaus C 213/214 gestanden, das die Besitzer zu D 248 vereinigt hatten. Im Besitz von Franz Josef Forster wurde es im September 1911 vom Blitz getroffen und eingeäschert. Forsters bauten es neu auf. 1912, 12. Juni. D 243, der „Löwen". Eines der wichtigsten Wolfurter Häuser, zeitweise Sitz des Hofsteig-Ammanns, brannte 1912 im Besitz der Familie Fischer ab und wurde nicht mehr aufgebaut. An seinem Platz wurde die Brühlstraße neu in die Dornbirnerstraße eingeleitet und daneben viel später der Kiosk Kögl errichtet. u42.) 1913, 6. Aug. D 183 u. 184, Hofsteigstraße 13 u. 15. Schon wieder ein Doppelbrand! Das Haus des Alois Ammann wurde schwer beschädigt. Die Ruine kaufte später Josef Festini und baute das Haus neu auf. Das zweite Haus der Familie Bildstein, Wangars, brannte dagegen völlig ab. Beim Neubau setzte man zwischen Haus und Stadel eine „Feuermauer" als Schutz ein. 1913, 19. Aug. D 185, Hofsteigstraße 12. Nur zwei Wochen nach Bildsteins brannte auf der anderen Straßenseite „Steonnowirts Hans-Irgos" wieder ab, zum zweiten Mal nach 1902 (Nr. 19). Wieder baute die Familie das schöne Haus auf, diesmal ebenfalls mit einer mächtigen Feuermauer. 1913, 27. Aug. D 293, Unterlindenstraße 5. Erst zehn Jahre alt war Brauchles Haus, das sie sofort neu errichteten. 1913, 17. Sept. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Zum zweiten Mal nach 1909 (Nr. 34). Wieder baute es die Familie Schertler neu auf. 1914, 19. April. D 337, Unterlindenstraße 2, Pius Bitriol. Über den Grundmauern gegenüber vom Vereinshaus erbaute Wilma Böhler, Postmoastors, erst um 1955 ihr neues Haus. 1914, 3. Juni. D 228, Hofsteigstraße 42, des Gebhard Schwerzler, Rasiorars in Rickenbach. Den Brandplatz erwarb Johann Winder und errichtete darauf seine große Schreinerei und Karniesen-Erzeugung. Bild 24: Gasthof Lamm 1965. Weltkriege und Zwischenkriegszeit 48.) 1915,2. Juli. D 223, droben im Bannholz. Das einst sehr wichtige „BaholzarHus " brannte im ersten Kriegsjahr 1915 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Geschwister Schwerzler übersiedelten auf die Steig in das Stammhaus der Stöoglar-Fischer und übertrugen ihren Hausnamen „Baholzars " dorthin. 49.) 1916,20. Januar. D 236, Hofsteigstraße 52, des Wilhelm Arnold. Dieses Haus 36 Bild 25: 1969 sind an der Achstraße zwei Häuser abgebrannt: Künz und Kalb. 37 soll früher einmal das Gasthaus „Gemsle" gewesen sein. Im Feuer gingen auch die Geräte und Akten des Rickenbacher Turnvereins und dessen Fahne zugrunde. Bis hierher führt uns die Liste aus dem Protokollbuch der Feuerwehr. Eine erste Fortsetzung bis 1969 findet sich in der Festschrift von 1973. 50.) 1918, 19. Juli. D 186, Eulentobel 1, des Josef Höfle, Brunnenmeister am Hübler Brunnen. Höfle übersiedelte an die Kellhofstraße ins Kirchdorf. Auf dem Brandplatz erbaute später Josef Winder ein neues Haus. 1926, 23. Okt. D 192, Hofsteigstraße 16 des Martin Wohlgenannt, Kassians Hus. 1926, 8. Nov. D 356, Dammstraße 8, Dampfsäge des Anton Österle, der inzwischen Traubenwirt geworden war und Mieter eingelassen hatte. Hier baute sein Sohn Josef die Spenglerei Österle. 1930, 18. Aug. D 96, Bützestraße 14, des Martin Köb. Schloßburos. Dabei verbrannten auch eingestellte Stickmaschinen. Lange blieb das auffallende Kellergewölbe als Ruine stehen, bis die Familie Österle hier ein neues Haus erbaute. 1932, 6. Februar. D 280, Dornbirnerstraße 15, der Aloisia Girardini im Schlatt. Davor stand früher der Bildstock mit dem Rickenbacher Nothelferbild. Auf dem Platz erbaute der Konditor Franz Boch ein Haus. 1932, 7. Okt. D 9, Inselstraße 13, des Franz Geiger, Schützos. Es verbrannte auch das Vieh im Stall. u. 57.) 1935, 8. Nov. D 153 u. 154, Kirchstraße 9. Noch einmal ein altes Doppelhaus im Besitz von Adolf Kaufmann und Johann Berkmann. Kaufmann vereinigte die beiden Parzellen für sein neues Haus Kirchstraße 9, Berkmann erstellte das Haus Kirchstraße 4 auf dem gegenüber liegenden Bühel. 1935, 24. Nov. D 234, Hofsteigstraße 50, des Alfred Fischer. 1936, 24. März. D 10, Inselstraße 11, der Bauernhof des Martin Rohner. u. 61.) 1937, 24. Aug. D 121 u. 122. Ganz nahe nebeneinander standen an der Ecke Kirchstraße/Kreuzstraße die Häuser des Wagners Heitz und des Hausmetzgers Josef Reiner. Als das Heitz-Haus in der Nacht in Flammen aufging, war auch Reiners Haus nicht zu retten. Über Auftrag der Gemeinde vereinigten die Brüder Heitz die Hausparzellen für ein großes gemeinsames Geschäftshaus am Dorf-Eingang. Reiner erstellte dagegen einen neuen Bauernhof im Unterfeld. 1939, 12. Dezember. D 72, Schloßgasse 10. Das Schloß! Seit kurzer Zeit im Besitz des Fabrikanten Dr. Fritz Schindler und gerade neu renoviert. Nur der aus dicken Mauern gebaute Turm blieb erhalten. Obwohl Krieg war, gelang es Schindler, das Schloß im folgenden Jahr wieder aufzubauen. 1944, 23. Dez. D 54, Feldeggstraße 14, Bergar-Hus. Am Tag vor Weihnachten! 51.) 52.) 53.) 54.) 55.) 56. 58.) 59.) 60. Bild 26: Feuernacht 1976 im Rickenbach-Tobel: Die große Gunz-Mühle brennt. 62.) 63.) 38 39
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Heimat_Wolfurt_...2003_ Wolfurt 01.07.2003 19.11.2012, 18:29 Heft 27 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 2003 Bild 1: Ein Veloziped! Albert Köb, Lehrers, traute sich um das Jahr 1890 als einer der ersten mit seinem Hochrad auf die holperigen Straßen. Inhalt: 137. Fahrräder 138. Deuring- Schlößle 139. Burg Guglionesi 140. Frauen 141. Rohner-Familien 142. Unterlinden 143. Kriegerdenkmal Bildnachweis Bilder 8, 9, 10 u. 12 Siegfried Heim Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Bittere Medizin (Heft 26, S. 4) Dieser Aufsatz hat viel Aufmerksamkeit gefunden. Hier noch einige Ergänzungen: Im Taufbuch wird schon 1674 ein „Baader" Georg Rohner genannt. Das wäre demnach der älteste bekannte Wolfurter Arzt, lange vor Antonius Bildstein. Druckfehler! Seite 10, Zeile 12, richtig ist: 1864 ist Martin Rohner gestorben, (nicht Georg Gmeiner) Zu Dr. Dünser: Nach dem Hausbesitzer-Buch (Codex 8a im Gemeindearchiv) haben Dr. Ferdinand Dünser und seine Gattin Amalia Hofer am 6. Okt. 1874 in Wolfurt das Haus C 124 (später Kirchstraße 19) gekauft. Somit kennen wir ein weiteres ehemaliges Doktor-Haus. Zu Dr. Embacher: Das Vlbg. Volksblatt berichtet im Mai 1908 von seinem 40jährigen Arzt-Jubiläum. Daran beteiligten sich neben Musik und Gemeindevertretung auch der Pfarrer und der Schulleiter. Es gratulierten die zwei Töchter und sechs Söhne: ein Arzt, ein Zahntechniker, ein Medizin-Student, ein Jus-Student, ein Eisenbahn-Stationsvorstand und ein Handelsangestellter. Wohin sich die EmbacherSöhne zerstreut haben, ist nicht bekannt. Die beiden Töchter heirateten in Wolfurt. Zu Dr. Lecher: Die seit kurzer Zeit im Archiv zugängliche Schwärzler-Chronik ermöglicht es, einige Daten aus Dr. Lechers Arbeit zu berichtigen: Angefangen hat er in Wolfurt am 1. März 1924. Schon im September 1925 schaffte die Gemeinde auf sein Ansuchen hin ein fahrbares Liegebett an. Aber erst im Dezember 1927 gründete Dr. Lecher die Rettungsabteilung der Feuerwehr. Sein erstes Arzt-Auto besaß er übrigens bereits seit August 1926. In Lechers Zeit fällt auch ein besonders dunkles Kapitel der Medizin-Geschichte, die Tötung unwerten Lebens während der Nazi-Zeit. Aus Karl Schwärzlers Notizen erfahren wir, daß die Bevölkerung doch manches darüber wußte. Schon im Februar 1941 berichtet er unter „Hiobsnachrichten", daß die Kranken von Valduna und Jesuheim nach Linz transportiert wurden. Von dort kommen Todesnachrichten. Am 25. April weiß er, daß auch Hammerschmieds Josef von der Valduna nach Hall überstellt worden und dort „gestorben" ist. (Josef Rohner, Hammerschmieds, war 73 Jahre alt. Er hatte an der Achstraße gewohnt). Im September 1942 ist die geisteskranke Sr. Euphrasia (Höfle) in Linz „gestorben". Zu Dr. Schneider: Unser geschätzter ehemaliger Arzt bestätigte die Not bei der Kinderlähmungs-Epidemie von 1958. Die Ärzte waren sich nicht einig, ob es allenfalls gefährlich sei, in die bereits grassierende Krankheit hinein noch zu impfen. Es waren ja drei Impfungen mit Zeitabständen notwendig. Eine Mutter, die damals selbst zwei Kinder verlor, einen 15jährigen und einen einjährigen Sohn, erinnert sich, wie Dr. Simma, der Leiter des Krankenhauses Valduna, erklären mußte: „Wir können gar nichts machen!" Allein im kleinen Kennelbach starben innerhalb weniger Wochen fünf Kinder an der schrecklichen Krankheit. Bitte! Nach der Aussendung von Heft 26 fragte eine ganze Reihe von Lesern nach einem Erlagschein. Wir haben zuletzt immer nur in jedes zweite Heft einen solchen eingelegt. Diesem Heft 27 liegt also wieder ein Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Es ist der erste in Euro. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 26) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Zu Dr. Beck: Unabhängig voneinander wußten etliche Leser, zuerst Toni Fink im Kessel, daß unser Ehrenring-Träger Emil nicht der allererste Leiter des UnfallKrankenhauses in Feldkirch gewesen sei. Ludwig Gmeiner, dessen Gedächtnis ja unerhört viele Daten speichert, nannte auf Anhieb einen Dr. Amann aus Hohenems, der zuerst schon als Nachfolger von Primarius Dr. Schalle das Unfallkrankenhaus Valduna geleitet habe und dann nach der Übersiedlung vom 1. November 1972 an auch Feldkirch. Am 1. Jänner 1974 löste ihn Dr. Emil Beck ab. Strom für Wolfurt (Heft 26, S. 24) In Wien hat Dr. Mittersteiner diesen Artikel zustimmend gelesen und etliche Hefte für die VKW nachbestellt. Im Streit um die erste elektrifizierte Gemeinde Österreichs dürfte die Stadt Steyr voran liegen. Dort hat nämlich schon 1884 der Waffenschmied Josef Werndl „die erste elektrische Straßenbeleuchtung Europas" installieren lassen. In Vorarlberg folgten als erste Schwarzach und Wolfurt 1900 vor Rieden-Kennelbach 1901 und Bregenz 1903. Über das Geschehen in Wolfurt lese ich in einem Schulaufsatz vom 4. Jänner 1900 (dazu die umseitige Abbildung!): Jetzt bekommen wir das elektrische Licht. Es sind schon lange die Arbeiter am Baue dran. Sie haben schon die Stangen gesteckt. Von Schwarzach sind schon Leitungsdrähte gespannt bis zur Krone in Wolfurt. Aber sie müssen noch an der Ach draußen die Stangen stecken und bis in das Dorf herein. Man sagt, es werde bis im Mai fertig. Es kommen 25 Lampen zur Straßenbeleuchtung in das ganze Dorf. Der Vater hat das Licht noch nicht bestellt es ist ihm noch zu theuer. Der Schertler im Flotzbach läßt die Maschine elektrisch treiben, ebenso einige ihre Schnelläufermaschinen. Auch wegen der schönen Kurrentschrift ist der abgebildete Aufsatz des damals 13jährigen Rudolf Guldenschuh ein bemerkenswertes Zeitdokument. Kannst du es noch lesen? Für mich ist es eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Wolfurter Strom-Aktivitäten vor der VKW-Gründung 1901. Bei weitem nicht alle Wolfurter Häuser wurden gleich zu Anfang 1900 mit Strom versorgt. In die abgelegene Parzelle Holz und zum Schloß wurden die Leitungen erst im Jänner 1936 verlegt. Vermutlich war Dr. Fritz Schindler, der die Absicht hatte, das Schloß zu renovieren, die treibende Kraft. Einzelne Höfe in Bildstein, Buch und Alberschwende erhielten erst in den 50er-Jahren Strom. Als letztes Wolfurter Haus war am 6. Dezember 1948 der Gasthof Hohe Brücke, „do Studowirt", angeschlossen worden. Eine teure Leitung mit 37 Masten mußte dazu gebaut werden. Während des Krieges hatten strenge Verdunkelungs-Vorschriften gegolten. Nach fast sechs Jahren wurden am 19. Juni 1945 erstmals wieder die Straßenlampen eingeschaltet. Eine ganz neue Straßenbeleuchtung mit modernen Leuchtröhren wurde am 22. Dezember 1961 in Betrieb genommen. 4 Bild 2: Elektrischer Strom für Wolfurt schon im Jahre 1900! Ein Schulaufsatz von Rudolf Guldenschuh. 5 Zu Plazidus Gunz, dem Wolfurter Elektro-Pionier. Die Gunz-Chronik berichtet von ihm, daß er auch ein Wegbereiter für die neuen Verkehrsmittel gewesen sei. Als erster in Wolfurt schaffte er sich 1885 ein Fahrrad an. Lies darüber im anschließenden Beitrag vom „Veloziped"! 1907 führte ihn „Büro Franzele" mit dem ersten Wolfurter Auto nach Bludenz. Seine Kritik an dem Gefährt, das die wenigen Steigungen nur mit Mühe schaffte, soll den Ausschlag gegeben haben, daß sie das teure Auto mit großem Verlust an die französische Lieferfirma zurückgab. Ein Jahr später kaufte sich Plazidus ein Motorrad, ebenfalls das erste in Wolfurt. Begeistert soll er zu seinem Bruder Lorenz gesagt haben. „Der Mensch geht erst beim Motorrad an!" Licht für den Maialtar (Heft 26, S. 41) Abbitte leisten muß ich dem seligen Pfarrer Alexander Gut für die Unterstellung, er hätte bei der Kirchenrenovierung von 1938 das schöne Letsch-Bild von der Gottesmutter aus der Kirche entfernt. Inzwischen ist nämlich ein Foto von der Wolfurter Nachprimiz des Innsbrucker Geistlichen Anton Fischer am Weißen Sonntag, 7. April 1940, aufgetaucht. Es zeigt Guts Nachfolger Pfarrer Wilhelm Brunold und im Hintergrund an der linken Seitenwand der Kirche das vermißte Letsch-Bild. Dieses ist also erst später verschwunden. Weiß jemand etwas über seinen Verbleib? Pfarrer Brunolds Nachfolger wurde nach dem Krieg nach einigen Monaten Vertretung durch Kaplan Nesensohn und Hofrat Dr. Metzler ab 27. Mai 1947 Pfarrer Guntram Nagel. Ein altes Hochzeitsbild (Heft 26, S. 50) Interessiert haben viele der zahlreichen Nachkommen das Bild studiert. Vom alten Rößlewirt Fidel Müller war bis jetzt gar kein Foto bekannt, nur von seinem Sohn Fidel Müller junior, der als Rößlewirt auch ein bedeutender Gemeinde-Politiker war. Zu ihrer Hochzeit im Jahre 1877 hatte die Braut Karolina Müller ihre WäscheAusstattung nach damaliger Sitte mit einem schönen Monogramm „KM" bestickt. Ein kunstvoll verziertes Taschentuch blieb bei der Enkelin Herta Böhler (Postmoastors) und später bei deren Nachbarin Celine Gliebe erhalten. Nun hat diese es als „Karolina Müller"-Taschentuch identifizieren können und daher an Karolines Ur-Enkelin Christi Rohner, die im fernen Kanada lebt, übergeben. Ganz begeistert schrieb diese zu Weihnachten, das alte „Deckele" auf ihrem Bauernschrank erinnere sie immer wieder an die Heimat. Wozu ein altes Foto noch gut sein kann! Menschen um uns (Heft 26, S. 54) Die aufgezählten Originale sollten Anlaß zu fröhlich erzählten Geschichten sein. Bild 3: Das Letsch-Bild noch 1940 in der Kirche. Wir wurden uns nicht einig, woher eigentlich Schuostor-Heinrich (Köb) stammte. Vermutlich aus Bildstein! Er soll einige Zeit lang bei Husters auf dem Rutzenberg gewohnt haben. Nach dem Krieg handelte er mit Kleiderbügeln und hölzernen Kluppa, die Küonzo Leonhard erzeugte. Hildegund Gmeiner-Mathis erzählte von einem Tirolar-Schwerzler, der beim Küfer Georg Höfle in Untermiete wohnte und in der Stickerei Gmeiner eine komplizierte Maschine gebaut hatte, ein „Perpetuum mobile ". Immer wieder haben Tüftler unter den Erfindern nach einer solchen unmöglichen Maschine geforscht, dem Tirolar war sie endlich gelungen. Bei den reichen Dornbirner Fabriksherren wollte er nun sein Patent mit dem „ewigen Umgang" vorstellen. Er fand aber kein Gehör. Der Tirolar blieb arm und mußte weiterhin da und dort eine Suppe betteln. Auswanderer Aus dem Allgäu hat sich eine junge Auswandererin gemeldet: Erna Donat, geb. Köb, Jg. 1944, „ Sattlars Robertos " auf der Steig. Als junges Mädchen ging sie mit vielen anderen zum „Hopfo-Brocko " ins Schwabenland. Sie fand dort Freunde und heiratete später. Jetzt lebt sie in Leutkirch. Die „Heimat'-Heftchen von Wolfurt schätzt sie sehr: „Da wird so manches in Erinnerung gerufen. " Wir erwidern ihre Grüße. Ganz begeistert zeigte sich auch „Hammorschmiods Minele" in Gisingen, Frau Mina Fischer-Österle. Zum Begräbnis ihres allerletzten Vetters Arthur Fischer war 7 6 sie in Wolfurt und brachte alte Photos. Als Ahnenforscher meldeten sich weitere Nachkommen von Auswanderern. Zuerst kamen Vater und Sohn Rohner aus dem Saarland, deren Ahn Johann Rohner Wolfurt schon um das Jahr 1740 verlassen hat. Lies dazu weiter hinten unter „Die Rohner"! Dann stellten sich mit dem Ehepaar Isabella und Perluigi Sibilla besonders interessante Forscher vor, Nachkommen von Auswanderern, die wir noch zu den Einwanderern zählen. Isabellas Großmutter Cecilia Salvaterrra ist 1902 in Wolfurt geboren worden und hier in die Schule gegangen. 1920 ist sie mit ihrer Familie nach Bozen ausgewandert (Siehe Heft 17, S. 49!). Mit fast 100 Jahren ist sie erst im Jahre 2000 gestorben. In den letzten Jahren war sie etwas verwirrt. Obwohl sie mit ihren Kindern und Enkeln bisher immer Italienisch gesprochen hatte, verwendete sie jetzt nur mehr den Wolfurter Dialekt aus ihrer Schulzeit. Den konnten die Enkel aber beim besten Willen nicht verstehen! Siegfried Heim Vom Veloziped zum Bike Die Geschichte des Fahrrades! - Das abgelaufene 20. Jahrhundert hat außer den beiden Weltkriegen auch eine ungeheure Fülle von technischen Errungenschaften gebracht. Mit Auto, Flugzeug und Mondrakete können sich freilich die meisten nicht messen. Trotzdem möchte ich einem treuen Diener hier ein paar Zeilen widmen, dem guten alten Fahrrad. Um das Jahr 1900 hatte die Eisenbahn auch für unser Land ein Tor in die weite Welt geöffnet. Aber nur ganz wenige Dorfbewohner vertrauten sich dem fauchenden Ungetüm an. Auch das Angebot der Postkutsche wurde kaum genutzt. Zu Fuß ging man zur Arbeit in Feld und Ried, zu Fuß auch auf den Markt nach Bregenz und zur Wallfahrt auf die Fluh und nach Bildstein. Aber da und dort tauchte jetzt doch auch schon ein viel bestauntes „Velizipe " auf. Noch ahnte niemand, daß es bald viele weite Wege erleichtern würde. Schon 1817 hatte der badische Forstmeister Karl Drais zur Beschleunigung seiner ausgedehnten Märsche ein hölzernes Zweirad gebaut. Aber anfangs fand die „Draisine" nur Nachahmer bei den jungen Lords in England, die mit ihrem „Dandy Horse " bei den Damen Eindruck machten. Erst technische Verbesserungen ebneten dem Zweirad den Weg zu weiteren Bevölkerungsschichten, vorerst allerdings fast nur zu sportlich begabten Männern. Wichtige Stationen der Entwicklung waren der Einbau von Pedalen 1844, das „Hochrad" von 1870, der Kettenantrieb mit Übersetzung am „Niederrad" 1879, die Luftreifen 1888 und der Freilauf 1900. „Bicycle ", das heißt „Zweirad", nannten die Engländer ihr neues Sportgerät, „Velocipede " hießen es die Franzosen, was etwa „schneller Fuß" bedeutet. Bald wurden daraus das umgangssprachliche „Bike", das kurze „Velo" und bei uns aus „Fahrrad" ganz einfach „Rad". In der Gunz-Chronik1 beschreibt Lorenz Gunz um das Jahr 1925 rückblickend die Entwicklung in Wolfurt von der „Tressina" (Draisine) bis zum „Velizipe" (Velocipede): das erste (Fahrrad) meines Dänkens war ein hölzenes Zweirad, die Räder sind hintereinander gegangen wie bei den heutigen Fahrrädern, die Räder waren mit Eisenreifen beschlagen und natürlich nicht gefedert. Das Rad hat dem Caspar Bereuter auf der Dellenmoosmühle gehört, das war ein Wunderding. Wir Buben sind dem Bereuters Caspar nachgesprungen, und der Casper hatte keine leichte Arbeit, wenn er den Buben aus dem Weg kommen wollte. Man hat dießes Rad Tressina genant. Später kamen die Hochräder, unser Plaze hatte das erste 1885 in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, bei denen das vordere Rad gross, das hintere bedeutend kleiner war. Dann kamen die Fahrräder mit auf gekiteten Gumme Reifen, 9 8 Bild 4: Hochrad-Fahrer auf Holzfelgen Bild 5: Die ältesten Niederräder, noch ohne Kettenantrieb Bild 6: Firmling und Pate mit den modernsten Rädern von 1903 dann die mit Kisselreifen. Diese beiden nannte man Velizipe. Dann kam die Luftbereifung und später die Motorräder. Nach Plazidus Gunz gehörte zu den Pionieren des Wolfurter Radsports der junge Turner Albert Köb, 1872-1914, der sich mit seinem teuren Velocipede stolz dem Fotografen stellte (Titelbild). Sein Hochrad hatte schon Vollgummireifen auf die Holzfelgen aufgeklebt, aber es besaß weder Freilauf noch Bremsen. Nur ein wagemutiger Turner konnte den hohen Sattel erklimmen und das Fahrzeug über die rauhen Schotterstraßen lenken. Bei Geralle versuchte er, mit den Lederschuhen an den Felgen zu bremsen. Oft rettete ihn aber nur ein rechtzeitiger Absprung vor einem gefährlichen Sturz. Vielleicht war aber gerade dieses Risiko der Grund dafür, daß jetzt an vielen Orten Fahrrad-Clubs gegründet und sogar internationale Wettrennen durchgeführt wurden. Das erste Rennen in Vorarlberg fand 1898 auf der Strecke Hohenems-Feldkirch und zurück statt.2 Bei ihren Ausfahrten wurden die Sportler oft verspottet und sogar behindert. Bild 4 zeigt ein paar bei einer Faschingsveranstaltung. Ihre Räder sind noch ganz aus Holz, die Felgen mit Eisenreifen beschlagen. Jeder führt eine Karbid-Laterne mit. Einer (ganz rechts) hat eine Hebel-Bremse eingebaut. Nach 1900 verschwanden die Hochräder schnell in den Dachböden und Rumpel10 kammern. Moderne Niederräder hatten sie abgelöst. Zu einem Festumzug im Jahre 1958 nahmen Gassers Engelbert und Thalers August noch einmal zwei solche Veteranen in Betrieb (Bild 5). Auch beim Niederrad wirkten die Pedale direkt auf das Vorderrad. Aber es besaß immerhin bereits eine Stempelbremse mit einem Gummiklotz. Ein solches Niederrad war natürlich auch viel leichter zu beherrschen. Schnell entwickelte es sich zu einem Symbol von Luxus und Reichtum. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich in einem Bregenzer Foto-Atelier vor einer Natur-Kulisse mit seinem Fahrrad ablichten. Wenn ein Sticker seine Belegschaft aufnehmen ließ, stellte er sich selbst meist mit seinem Rad dazu. Bild 6 stammt aus dem Jahre 1903. Es zeigt den angesehenen Steinbruch-Besitzer Josef Rünzler, 1871-1935, und sein Patenkind Julius Müller, Kronenwirts, 18931916. Ihre hochmodernen und teuren Fahrräder haben bereits Luftbereifung, Stollenbremsen, Freilauf und Klingel, aber noch keine Schutzbleche. An der Hinterachse besitzen sie auch noch den Eisensporn, der früher - noch ohne Freilauf - das Aufsteigen erleichtert hatte. Im Übermut der goldenen Stickerzeiten wagten sich sogar die ersten emanzipierten jungen Damen auf ein spezielles Fahrrad. Zum Schutz der kostbaren Spitzenkleider hatte man dieses mit Schutzblechen, einem vornehmen Kettenkasten und mit zier11 Bild 7. Gottfrieda Österle mit dem ersten Damenrad 1908 lichen Spann-Netzen verschönert. Mit einem solchen Fahrzeug ließ sich um 1908 die reiche Stickerstochter Gottfrieda Österle fotografieren (Bild 7). Der Pfarrer sah solcherlei Hoffahrt gar nicht gerne. Bertha Gasser, geboren 1893 in Meschen und später als Frau Fischer an der Brühlstraße verheiratet, erzählte von ihrer leidvollen ersten Bekanntschaft mit dem Rad. Eine Stickersfrau in Spetenlehen, der die 15jährige Bertha manchmal bei der Arbeit half, besaß auch ein solches Wunderding, getraute sich aber nicht zu fahren. Schließlich durfte Bertha einmal probieren. Schnell hatte das wendige Mädchen den Trick erfaßt. Nun lenkte sie, von jubelnd nachrennenden Schulkindern gefolgt, ihr Gefährt bis ins Kirchdorf hinein. Sicher brachte sie es wieder heim nach Spetenlehen. Die Abrechnung erfolgte am Sonntag, als die schulentlassenen Mädchen in der Kirche feierlich in die Jungfrauen-Kongregation aufgenommen werden sollten. Da wurde Berthas Name erst ganz am Schluß aufgerufen. Öffentlich verweigerte ihr der gestrenge Pfarrer wegen ihres „ungebührlichen Benehmens" die Aufnahme. Welche Schande! Trotzdem! Das Fahrrad setzte sich nun rasch durch, auch bei den Frauen. Es ersparte viel Zeit bei der Bewirtschaftung der Äcker im Feld und im Ried. Es erleichterte das Einkaufen und den Weg zur Fabrik in Kennelbach. Bald standen in jedem Haus 12 mindestens ein Herren- und ein Damenrad. Bei der ersten Fahrzeugzählung in Wolfurt fanden sich 1933 bei fast 2000 Einwohnern bereits 400 Fahrräder, dazu auch schon 25 Motorräder und sogar 10 „Luxus"-Autos. Die Fahrräder wurden jetzt mit einem stabilen Gepäcksträger ausgerüstet, die meisten zudem mit einem abnehmbaren „Sattele " für Kleinkinder. Sonntags-Ausflüge führten die ganze Familie bis Lustenau oder Hohenems. Und einmal im Sommer banden die Eltern einen leeren Koffer auf den Gepäcksträger und fuhren bis Kreßbronn oder Nonnenhorn „ga Kriose holo "? Ein unvergeßlicher Höhepunkt im Fest-Kreis des Kinderjahres! Manche von uns erinnern sich auch noch an den Fischhändler oder an den Käshändler, die mit speziell angefertigten Dreirädern schwere Lasten zu ihren Kunden transportierten. Auch der Bäckergeselle mit seiner „Krätzo" stellte das Brot per Rad zu. Natürlich beherrschten die Schulkinder nach kurzer Einübungszeit die Fahrräder ihrer Eltern, lange bevor sie den Sattel erreichen konnten. Die Buben führen anfangs mit Vaters Rad „ undor-or Stang " „ a Ränkle "5 durchs Dorf, dann aber bald „freihändig" wie Kunstradfahrer. Bei ihren Ausfahrten nahmen sie oft Freunde oder kleine Geschwister mit, „ ufliocko lo " war Ehrensache. Sogar Rennen führten sie mit ihren dazu gar nicht geeigneten schweren „Waffen"-Rädern durch. Draußen in der fernen Welt gab es ja bereits seit 1903 die Tour de France und längst auch den Giro d'Ttalia und die Tour de Suisse. Dann kam der Krieg. Als Treibstoffmangel den Autoverkehr lahmlegte, wurden Fahrräder für den Weg zur Arbeit und zur Schule nach Bregenz besonders wichtig. Schuhnägel und Scherben bedrohten die Gummireifen. Ein Flickzeug mit Raspel und Gummi-Lösung mußte ständig mitgeführt werden. Irgendwie schaffte es unser großer Bruder immer wieder, mit „ Undorleggar "6 oder „ Üborleggar " die defekten Reifen zu heilen. Manchem alten Fahrrad gaben dann 1945 noch die Marokkaner den Rest, als sie den Umstieg von ihren Mulis auf unsere Technik versuchten. „Das nix gut Rad!" entschuldigten sie sich, wenn sie wieder eine Felge verbogen hatten. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg zeigte sich bald in neuen, farbigen und chromglitzernden Fahrrädern. Etwa ab 1950 besaßen manche sogar schon eine „Sturmay"-Dreigang-Schaltung und zwei Felgenbremsen. Die Besitzer wurden bestaunt und beneidet. Schnell begann dann aber die Motorisierung. Mofa, Moped, Motorroller und die vielen Motorräder stießen das Fahrrad in ein AschenbrödelDasein. Im April 1947 hatte die nicht mehr ganz junge Krankenschwester Sr. Epiphania noch ein erstes Fahrrad bekommen - der Pfarrer hatte jetzt nichts mehr dagegen. Von den Pfarrherren selbst habe ich aber nur unseren guten Pfarrer Willi in Erinnerung, wie er ab 1957 wöchentlich mehrmals auf seinem schwarzen Rad die Kranken in den Spitälern von Bregenz und Dornbirn besuchte. Am Sonntag trug es ihn manchmal auch zu einem Fußballmatch nach Lustenau. Bei einer Ehrung rechnete der Festredner dem Pfarrer diese Treue zum bescheidenen Fahrrad ganz hoch 13 an, denn längst fuhren die Kapläne jetzt Autos oder schnelle Motorräder. Das Fahrrad schien auszusterben. Fabriken und Händler mußten schließen. Nur „Sammars Hubert" hielt noch Ersatz-Schrauben bereit und flickte für ein paar Groschen die letzten Räder für die Wolfurter und für die weite Umgebung. Und dann war plötzlich ein neuer Trend da. Etwa ab 1975 stellten immer mehr Frauen und Männer Gesundheitssport und Fitness in die Mitte ihres Lebens. Wer „in" sein wollte, mußte wieder ein Fahrrad haben, besser noch zwei oder drei. Zuerst ein Rennrad mit möglichst schmalen Reifen, Tachometer und mindestens 21 Gängen. Dann auch ein Mountain-Bike mit dicken Spezialreifen und komplizierter Federung. Dazu das richtige „Outfit" mit buntem Trikot, Ledereinsätzen in den Hosen, Spezialschuhen, Sturzkappen und Handschonern und natürlich mit einem ganz genauen Herzfrequenz-Meßgerät. Neue Firmen entstanden, neue Zweiradgeschäfte. Jedes Jahr warfen sie eine Fülle neuer Dinge auf den Markt: City-Bike, Cross-Maschine, BMX-Rad, Klapprad, Scheiben- und Trommelbremsen, neue Lenker, Holzfelgen(!), Aluminium- und Carbon-Rahmen, aber auch das TandemRad und als Anhänger den „Kiki"-Kinderwagen. Neue Radwege wurden angelegt, zu den Schulen und quer durch die Großstädte. Reizvolle Uferwege begleiten Donau, Inn und Rhein. Nobelhotels werben um den Fahrrad-Gast. Reise-Büros und Bus-Unternehmer bieten ausgesuchte Bike-Touren an. Noch lebt das gute alte Fahrrad! Siegfried Heim Die Wolfurter Wappen am Deuring-Schlößle Die aus dem Mittelalter stammende Stadtmauer der Bregenzer Oberstadt umschließt in ihrer dem See zugewandten Südwest-Ecke das uralte DeuringSchlößchen mit dem malerischen Eckturm und seiner barocken Blechhaube. Als die neuen Besitzer das Schlößchen im Jahre 1990 behutsam renovierten, um es zu einem Feinschmecker-Restaurant umzubauen, wurden auch die lange Zeit übertünchten Fassaden-Malereien aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg freigelegt. An vielen Stellen zeigen sie, mit phantasievollen Bändern geschmückt, das Wolfurter Ritterwappen mit dem steigenden Wolf über dem Fluß. Man spürt förmlich den Stolz der ehemaligen Besitzer auf ihr Familien-Symbol. Seinen Namen hat das Schlößchen von der Kaufmanns-Familie Deuring, die es um 1660 erworben und bis 1801 besessen hat. Vorher wohnte dort Oberst Kaspar Schoch, ein alter Haudegen aus dem 30jährigen Krieg, der sich vom einfachen Musketier bis zum vom Kaiser geadelten Feld-Obristen hinaufgedient hatte. Auf seinem originellen Epithaph neben der Kanzel in der Pfarrkirche St. Gallus bezeichnete er sich selbst als „Madensack". Und vor Schoch war das Schlößchen mehr als hundert Jahre lang im Besitz der Ritter von Wolfurt gewesen. Ihnen gehörte natürlich auch das Schloß Wolfurt. Aber angenehmer leben als auf dem Wind und Wetter ausgesetzten Bühel ließ sich in der Stadt Bregenz. Daher verlegten sie ihren Wohnsitz kurzerhand in ihren Stadt„Palast", ähnlich wie es die Emser Grafen zu dieser Zeit auch taten. Das zweite Edelgeschlecht „von Wolfurt" war aus der Bregenzer Bürgerfamilie Leber hervorgegangen und durch den Handel mit Holz und Wein reich geworden. Durch verwandtschaftliche Beziehungen erhielt es im Jahre 1463 nach dem Aussterben des ersten Rittergeschlechts derer von Wolfurt das Schloß Wolfurt als Lehen. Von Kaiser Maximilian wurde Jakob Leber um 1515 in den Adelsstand erhoben. Er nannte sich jetzt „den Edlen und Vesten Jakoben von Wolfurth uf Wolfurth" und führte das Wappen der Vorgänger weiter. Seine Kinder und Enkel schmückten damit auch ihr Schlößchen in Bregenz. Erhalten geblieben ist eine von dort stammende bunte Glasscheibe aus dem Jahre 1539. In schönen gotischen Buchstaben liest man „Hanns von Wolffurt zu Wolffurt - 1539 - Edeltrut von Wolffurt geborn von Hochenlandeberg". Der Historiker Andreas Ulmer hat die Scheibe schon 1925 beschrieben und als „ein prachtvolles Stück zeitgenössischer Glasmalereikunst" bezeichnet. Aus Ulmers Burgenbuch2 und aus seinen Grabstein-Forschungen3 übernehme ich einige der folgenden Ausführungen. Es fällt auf, daß die Vermählungs-Scheibe wohl die drei Ringe des Wappens der Hohenlandenberg zeigt, nicht aber den Wolfurter Wolf. Eine Verbindung mit dem alten Adelsgeschlecht der Hohenlandenberg war dem neuen Geschlecht von Wolfurt 15 1 2 3 4 5 6 GA Wolfurt, Gunz-Chronik, S. 153 VN v. 4.9.1986 Kriose sind Kirschen Krätzo ist ein Tragkorb a Ränkle, eine Kurve Undorleggar, Unterlage 14 Bild 8: Das Deuring-Schlößle im Frühling 2003 Bild 9: Fassadenschmuck mit Wolfürter Wappen Bild 10: Die Wappenscheibe von 1539 Bild 11: Der Wappenstein von 1610 hochwillkommen. Wegen ihrer Herkunft von Bregenzer Bürgern wurden sie ja „ von etwelchen übelnachredenden Leuten und Diffamanten" noch nach mehreren Generationen schief angeschaut und des adeligen Standes für unwürdig gehalten. Anders die Ritter von Hohenlandenberg! Sie stammten ursprünglich aus Schwaben und waren dann in der Schweiz ansässig. Aus ihrem Geschlecht stammt Hugo von Hohenlandenberg, der zur Zeit der Reformation von 1496 bis 1529 Fürstbischof von Konstanz war. Die Braut Edeltraut war vermutlich eine Schwester des Ritters Sigmund von Hohenlandenberg. Dieser war österreichischer Vogt der Herrschaft Neuburg und befehligte in Ungarn ein Landsknecht-Regiment gegen die Türken. Das erfahren wir aus seinem Grabdenkmal, welches am Chorbogen der St. GallusKirche eingemauert ist. Dort ist auch das Landenberg-Wappen mit den drei Ringen zu sehen. Eine adelige Herkunft des Bräutigams Hans war dagegen nur schwer nachzuweisen. Das erste Rittergeschlecht von Wolfurt, dem die mächtigen Söldnerführer Ulrich und Konrad angehört hatten, war ja um 1450 erloschen. Maria von Wolfurt, eine der letzen Töchter des Geschlechtes, hatte Johann Kaisermann, den Stadt-Ammann von Bregenz, geheiratet. Eine von ihren Enkelinnen wurde später die Ehefrau des Holzhändlers Hans Leber und damit die Ahnfrau des zweiten Geschlechts „von 16 Wolfurt". Maria, gestorben schon 1415, ist auf einem Fresko in der Michaelskapelle von St. Gallus dargestellt.4 In Bregenz kaufte Junker Jakob im Jahre 1521 auch noch das ansehnliche Gut „uff der Rütte ", die heutige „Weißenreute". In sein Schloß in Wolfurt nahm er im Jahre 1529 den Abt Kilian von St. Gallen samt seinem Konvent auf. Die Mönche waren vor der Reformation nach Wolfurt geflohen. Abt Kilian ist dann 1530 beim Durchreiten der reißenden Ach ertrunken. Seine Gefährten konnten bald wieder nach St. Gallen heimkehren. Im Jahre 1537 erhielt Jakobs Sohn Hans von Wolfurt das Schloß als Lehen. Er vermählte sich mit Ehrentraut von Hohenlandenberg und ließ zu diesem Anlaß die Wappenscheibe malen. Wie schon seine Vorfahren hob Hans für das Kloster Weißenau bei Ravensburg von vielen Besitzungen in Weiler und Hörbranz über Bregenz bis zum Sulzberg den Zehent ein und vergrößerte sein Vermögen. Im Namen des Klosters Weißenau sorgte er für die Erhaltung der rechten Hälfte (!) der Pfarrkirche St. Gallus.5 Nach einer Bregenzer Urkunde hatte „Hanns von Wolfurt" im Jahre 1540 sogar das einflußreiche Amt des Stadt-Ammanns inne. Nach seinem Tod konnte die Witwe Edeltraut mit ihrem Sohn Hans Georg 1547 für 465 Gulden auch noch den riesigen „Loherhof" in Bregenz kaufen, das spätere Gut 17 Kronhalden. Das Ansehen dieses „Hans Jörg von Wolfurt zu Wolfurt" war so groß, daß er 1565 mit seinem Siegel das Testament des Grafen Gabriel von Hohenems bezeugen durfte. Eine Urkunde von 1571 weist nach, daß er gemeinsam mit seiner Mutter „Edeltrauta geb Hohenlanndenberg" am Brand in Bregenz ein Jauchert Reben steuerfrei besaß. 1582 erlaubte er der Stadt die Fassung der Quellen auf seinem Gut Reutin für ihren Stadtbrunnen6. Im Jahre 1587 machte er eine bedeutende Stiftung für die „Lateinschüler" von Bregenz. Auch seine Mutter Edeltraut hatte der Lateinschule eine Stiftung hinterlassen, dazu eine ausdrückliche Widmung „für den Kirchengesang". Damit ist sie die erste bekannte Fördererin des Kirchenchors von St. Gallus. Auch in der Kirche St. Nikolaus in Wolfurt hatte sich Edeltraut mit einer Stiftung von 100 Gulden je eine „ewige Messe" zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gesichert7. Schon lange vergessen! Ab 1575 war Hans Georg wie früher sein Vater Zehent-Einnehmer des Klosters Weißenau geworden. Sein eigenhändig geschriebenes Zehentbuch ist erhalten geblieben und vermittelt eine Fülle von Wirtschafts-Daten aus dieser Zeit.8 Auch er bewohnte nicht sein Schloß Wolfurt, sondern sein Bregenzer Gut Reutin (Weißenreute). Das erfahren wir aus einer Urkunde von 1601, als er einen Besitz mit Stadel und Brunnen an das Kloster Thalbach verkaufte". Hans Georg hatte eine ganze Reihe von bedeutenden Söhnen. Laux (Lukas) von Wolfurt war bischöflicher Obervogt von Konstanz und wurde unter Erzbischof Mark Sittich Stadt-Hauptmann von Salzburg. 1608 verkaufte er sein vom Vater Hans Georg ererbtes Gut Reutin für die ungeheure Summe von 5000 Gulden." Domprobst Sigmund verwaltete für den Erzbischof dessen Besitzungen in Konstanz. Der Jesuitenpater Hugo von Wolfurt leitete als Rektor das Kolleg in Hall. Ein weiterer Sohn Hans Sigmund betreute die Besitzungen in der Oberstadt. Im Schlößle ließ er über einem Torbogen seinen Wappenstein einmauern. Das Relief zeigt unter dem Wolf die Jahreszahl 1610 und die Buchstaben „HS. V.W.Z. W. " Das bedeutet Hans Sigmund von Wolfurt zu Wolfurt. Im Jahre 1940 ließ Dr. Fritz Schindler eine Kopie dieses Wappensteines anfertigen und beim Neubau des abgebrannten Schlosses in Wolfurt in den Turm einfügen. Zu höchsten Ehren brachte es der letzte Sohn des Hans Georg. Ab dem Jahre 1616 war Eucharius von Wolfurt Fürstabt des mächtigen Benediktiner-Klosters Kempten und behielt dieses hohe Amt bis zu seinem Tod 1631. In dieser Zeit war er ein einflußreicher Anführer der Gegenreformation in Süd-Deutschland. Nach seinem Tod schändeten die mit den Schweden verbündeten Protestanten sein Grab. Mit dem Tod von Fürstabt Eucharius und seiner kinderlosen Brüder starb das zweite Geschlecht der ,fidlen von Wolfurt" um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus. Weil dem Adel eine ganze Anzahl von Vorrechten zugebilligt wurden, hatten längst auch andere wohlhabende Bregenzer Bürgerfamilien nach dem Vorbild der Leber einen ähnlichen sozialen Aufstieg angestrebt. Etliche hatten vom Kaiser ebenfalls einen Wappenbrief erhalten und waren in den Adelsstand erhoben worden. Schon 1601 18 Bild 12: Der Turm von Schloß Wolfurt waren es etwa die Schmid „ von Wellenstein " und 1621 die Deuring „ von Mittelweyerburg". Später folgten 1681 die Bildstein „zu Bildstein " und 1684 die ursprünglich aus Wolfurt stammenden Vonach „zu Gernhaimb ". Das Schloß-Lehen in Wolfurt war an Österreich heimgefallen. Es wurde nacheinander an verschiedene kaiserliche Beamte vergeben, darunter 1696 an den in Hofsteig verhaßten Amtmann Benedikt Reichart „ von Wolfurt und Wellenstein ". Im Jahre 1772 konnte der erste „Schloßbauer" Johann Stadelmann das Schloß kaufen. Noch einmal erwarb es 1856 mit Jakob Huter ein reicher Bregenzer Kaufmann, der Vater des Bürgermeisters und Ehrenbürgers von Bregenz Josef Huter. Von dessen Familie kam es 1935 in den Besitz von Dr. Fritz Schindler. 1939 ist es mit Ausnahme des massiven Turmes vollständig abgebrannt. Schon 1940 wurde es neu aufgebaut. Es gilt als Wahrzeichen der Markt-Gemeinde Wolfurt, die ja auch das alte Wolfs-Wappen der Ritter als ihr Gemeinde-Wappen führt. Welch eine Fülle von Bezügen der Stadt Bregenz zu den Wolfurtern findet sich aber in der Geschichte! Die Gallus-Kirche und ihre Michaelskapelle. Das DeuringSchlößle und die großen Höfe von Weißenreute und Kronhalde. Stadtammann, Lateinschule, Kirchen-Chor und sogar der Stadtbrunnen! Und noch eine weitere Verbindung findet sich heute in Wolfurt. In dem schönen 19 Haus auf dem Hexenbühel, wo vor fast zweihundert Jahren die letzten Mauern der Burg Veldegg von den Steinbrechern abgetragen wurden, wohnt die Familie Kispert. Sie besitzt aus dem Nachlaß von späteren Bewohnern des Deuring-Schlößchens jene kostbare Wappenscheibe von 1539. Der erst vor wenigen Monaten verstorbene Dr. Wolf Kispert trug nach 1945 als Geschäftsführer die Verantwortung für die Textilwerke Schindler in Kennelbach, bei denen damals noch mehrere hundert Wolfurter beschäftigt waren. Er und seine Frau Eleonore brachten mit der Scheibe eines der ältesten Wolfurt-Kunstwerke in unsere Gemeinde. Nur Pergamente und Siegel und der Ritter Konrad-Kelch von 1364 sind älter. Siegfried Heim Guglionesi Die „Wolfurter" Burg in den Abruzzen Seit im Jahre 1982 anläßlich der Markterhebung die Geschichte von Ritter Konrad von Wolfurt und von seinem goldenen Kelch erforscht wurde, läßt sie uns nicht mehr los. So nützte auch unser Bürgermeister Erwin Mohr seinen Sommerurlaub 2002 in Apulien dazu, einen Besuch in Guglionesi zu machen. Er wußte ja, daß Ritter Konrad einige Jahre lang Herr dieser mächtigen Bergfestung gewesen war. Türme und Mauern sind längst verfallen. Guglionesi ist ein friedliches Städtchen geworden. Vom Bürgermeister wurde sein Wolfurter Kollege freundlich empfangen. Er brachte eine Beschreibung der Bild 13: Das Stadtwappen Stadt mit, in der doch tatsächlich der Name unseres von Guglionesi gewaltigen Ritters als „Wolfard (Lupo)" erwähnt wird. So weit fort in Italien! Und das nach fast 700 Jahren! Die Stadt Guglionesi hat heute rund 6000 Einwohnern. Sie liegt auf einem 375 m hohen Vorberg der Abruzzen etwa 10 km entfernt vom Ufer des Adriatischen Meeres in der Region Campobasso. Mit seiner weiten Aussicht über Land und Meer war dieser Platz schon in römischer Zeit und noch mehr im Mittelalter von hohem strategischem Wert. Deshalb erbaute hier schon der Normannen-Herzog Robert Guiscard um das Jahr 1050 eine starke Burg. Nach dem Untergang der Staufer durch die Enthauptung von König Konradin 1268 in Neapel wurden die Anjou aus Frankreich Könige von Neapel und bald danach auch von Ungarn. Im Jahr 1347 kam es zu einem erbittert geführten Erbstreit um Neapel und ganz Unter-Italien, in welchem die Ritter Ulrich und Konrad von Wolfurt ungarische Heere anführten. Bei Guglionesi überstieg Konrad 1348 mit seinen Söldnern die Abruzzen und gab dem Krieg eine entscheidende Wendung. König Ludwig von Ungarn verlieh ihm darauf die Burg und den Titel eines Barons von Guglionesi. Konrad ließ die Festung ausbauen: „Corradus Lupus .... fortivicavit se in Guillonisio" (Burmeister, Edelgeschlecht von Wolfurt, S. 36). Das Fort hatte jetzt eine große Mauer mit 18 Türmen und zwei Toren. Von hier aus plünderte Konrad 1350 das benachbarte Foggia und machte ungeheure Beute. Später kehrte er auf seine Besitzungen in Ungarn und im Schwabenland zurück. Im Jahre 1355 ritt er als Gesandter des Königs zum Papst nach Avignon, der dort gerade seinen riesigen Palast baute. Wahrscheinlich mußte Konrad aus seiner Kriegsbeute einen Beitrag zu den ungeheuren Kosten leisten. 1364 stiftete er zur Sühne 1 2 GA Wolftut, Brunnenbrief von 1517, Heimat Wollte 23, S.9 Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze, Dornbirn 1925, S. 626, Deuringschlößchen, und S. 383, Schloß Wollte Andreas Ulmer, Die Epitaphien der Bregenzer Stadtpfarrkirche, Alemania, Bregenz, 1927 4 Heimat Wollte, Heft 9, S. 38, Michaelskapelle 5 Heimat Wollte, Heft 179, S. 4, Weißenau 6 LA, Breg. Regesten Nr. 641 7 LA, Breg. Regesten Nr. 650 8 Abschrift im GA Wollte 9 LA, Vlbg. Regesten 1601 10 LA, Vlbg. Regesten 1608 20 21 Siegfried Heim Frauenleben Zu einem Vortrag für Frauen hat man mir dieses Thema gestellt: Frauenleben in Wolfurt, ein Rückblick. Ein problematisches Unterfangen! Zu schnell gingen manche Veränderungen in den letzten hundert Jahren vor sich. Zu verschieden sind die Standpunkte von Jung und Alt, von Mann und Frau, von Tradition und Fortschritt. Patriarchat da, Emanzipierung dort. Zeitweise heiß umstritten die Themen „der dressierte Mann", „die Frau an den Herd" und „das Recht auf den eigenen Bauch". Manche Diskussionen zeigen Risse auf, die quer durch die Familien, vor allem auch quer durch die Gemeinschaft der Frauen gehen. Mit ein paar Namen will ich einen Beitrag zum Nachdenken versuchen. „Gott schuf also den Menschen, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. ... Es war sehr gut!" (Genesis 1; 26) Es war sehr gut! - Die Biologie erkennt die Spezialisierung, die Arbeitsteilung zwischen allen Formen des Lebens, als höchste Stufe der Entwicklung und als Voraussetzung für den Fortbestand. Jede Zelle muß ihren Beitrag leisten, ihre ureigenste Aufgabe erfüllen, wenn der Organismus gedeihen und bestehen soll. Und jede ist dazu besonders ausgerüstet. Die Frau anders als der Mann! Die Geschichtsschreibung berichtet fast nur von den Taten (und Untaten) der Männer. Vor jedem von ihnen stand aber seine Mutter und neben den meisten eine Gattin. Nur selten wurde deren Anteil anerkannt. Wie im alten Testament wurden auch im römischen Recht, das noch durch das ganze Mittelalter herauf Gültigkeit hatte, die Frauen nahezu ohne Rechte gelassen. Sie wurden bevormundet. Über ihr Leben entschied zuerst der Vater, dann der Ehemann. Die Hl. Elisabeth wurde als vierjähriges Kind aus Ungarn nach Thüringen verheiratet und wuchs am fremden Hofe auf. Mit 15 Jahren wurde ihre Ehe vollzogen. Fünf Jahre später hatte sie fünf Kinder und war Witwe - und rechtlos. Nicht einmal Brot an die Armen verschenken durfte sie. Mit 24 Jahren ist sie gestorben. So ähnlich erging es damals auch vielen Mädchen und Frauen in unserem Dorf. Ihr Leben war Arbeit und Mutterschaft und Dienst an der Familie. Und wenn Segen über der Familie lag, wenn viele von den Kindern groß wurden, dann wurden häufig überzählige Buben als Landsknechte verkauft, Mädchen als Mägde verdingt. Und manche wurden - anfangs allerdings nur bei noblen Leuten - ins Kloster gesteckt. Klosterfrauen sind die ersten Wolfurter Frauen, deren Namen wir kennen. Sigena von Wolfurt ließ als Äbtissin des einflußreichen Frauenklosters von Lindau schon um 1250 Silbermünzen prägen. Guta von Wolfurt war um 1370 Meisterin im Kloster Münsterlingen bei Konstanz. „Ora et labora!" bestimmte dort ihre Tage. Ganz anders lebten ihre Brüder, die Ritter Ulrich und Konrad, die Guta im 23 Bild 14: Die Burg der 18 Türme, Rekonstruktion für seine Sünden den Wolfurter Kelch für das Kloster Pfäfers. Als er 1365 mit seinem großen Vermögen Stadt und Burg Arbon am Bodensee kaufte, siegelte er den Vertrag mit seinem Wolfswappen und der Umschrift „S. Coradi d Uulfort Baronie Guillon Dominus ". Noch immer nannte er sich also stolz „Herr von Guglionesi". Seither hatten wir den Ritter Konrad durch viele Jahrhunderte vergessen. Nicht so die Italiener. Sie nennen seine Zeit „il periodo in cui si ebbero numerose invasioni, lapiü dannosa delle quali, quella di Wolfard (Lupo) ". Die schlimmste Invasion war die durch den Ritter Wolfurt, den sie den Wolf hießen. 22 Jahrzeitbuch von 1370 in ihr Gebet einschloß. Sie hatten 1348 ungarische Söldnerheere nach Süd-Italien geführt, hatten die Städte Foggia, Capua und Aversa geplündert und „.... und überließen sich ihren bösen Gelüsten mit Frauen und Jungfrauen Als sie sich mit schweren Wagenladungen voll von geraubten Schätzen auf den Heimweg machten, „.... nahmen sie viele Mädchen und Frauen, die sie ihren Männern geraubt hatten, mit sich auf die Reise "-.' Schlimm! Solche Schicksale gab es auch in unserem Land, das immer wieder von durchziehenden Heeren verwüstet wurde. Frauen als Kriegsbeute! Konnte es denn noch schlimmer kommen? Leider ja! Als um das Jahr 1500 Hungersnot und Pest Europa heimsuchten, gab man die Schuld daran dem Teufel und den vom ihm besessenen Hexen. Verbunden mit sexuellen Skrupeln breitete sich ein entsetzlicher Wahn aus: Im Flotzbach und im Kellasumpf tanzen die Hexen! Wir müssen sie unschädlich machen! - Auf den Scheiterhaufen in Bregenz starben Dutzende von Frauen. Mindestens acht davon stammten aus Wolfurt, das damals ein Dörfchen mit nicht einmal 400 Einwohnern war. Acht Frauen und auch ein Mann, der Bäcker. Wir kennen ihre Namen. Stellvertretend für alle nenne ich nur Maria Kelhofer. Sie war die letzte aus Wolfurt, die noch im Jahre 1628 durch gräßliche Folter zu einem Geständnis gezwungen und dann als Hexe geköpft und verbrannt wurde. Frauen als Brandopfer! Ein Jahr später ist 1629 in Bildstein die Muttergottes erschienen. Noch einen anderen Namen habe ich auf einem Pergament gefunden: Christina Muchsel. Sie war die Bäuerin im Bannholz und lebte dort um 1580 mit Sebastian Fischer zusammen, dem Pfarrer von Wolfurt. Das war damals durchaus üblich. Fünf Kinder gebar sie ihm. Auf Geheiß des neuen Bischofs mußte sie der Pfarrer verlassen. Ganz allein sorgte sie sich nun um die Kinder - und Gott gab sichtbar seinen Segen dazu. Das Geschlecht blühte auf, mehr als jedes andere in Wolfurt. Es brachte Handwerker hervor, Ammänner, Gemeinde-Vorsteher, Wirte, Ärzte und Advokaten und auch viele Priester, Patres und Klosterschwestern. Christina Muxel vom Bannholz! Auch in den folgenden Jahrhunderten war das Leben der Frauen bestimmt von Arbeit und Mutterschaft und oft auch von einem frühen Tod. Denn nicht selten starben Frauen in Ausübung ihres Mutterberufes im Kindbett. Dann hatte ein Mann manchmal hintereinander drei oder vier Ehefrauen. Ein Beispiel dafür ist Johann Baptist Köb, geboren 1814 im Schloß, der Stammvater von „Schloßburos" in der Bütze. Seine erste Frau Maria Anna Österle starb nach der Geburt ihres fünften Kindes mit 31 Jahren. Die zweite Frau Agatha Fischer starb schon bei der Geburt ihres ersten Kindes mit 34 Jahren. Und die dritte Frau Anna Huber gebar elf Kinder. Eine Woche nach der Geburt des elften starb auch sie mit 36 Jahren. Ein vergleichbares Schicksal kennen viele von uns noch von „Kamplar-Mohros " an der Hub. Dort gebar Agatha Köb ihrem Mann jedes Jahr ein Kind: 1911, 1912, 13, 14, 15, 16, 17. Drei Wochen nach der Geburt des siebten ist sie gestorben. Der älte24 Bild 15: Mutter Maria Anna Mohr mit ihrem Mann und 13 Kindern ste von den sieben war gerade sechs Jahre alt. Die Kinder brauchten und bekamen eine neue Mutter in Maria Anna Arnold. Zu den sieben Stiefkindern gebar sie in den folgenden zehn Jahren sieben eigene, zusammen also 14. Welche Enge um die „Stopfar "-Schüssel am Morgen! Welches Gedränge um die Mus-Pfanne am Mittagstisch! Und welche Sorgen erst, als fast alle Buben in den Krieg einrücken mußten! Über Maria Anna Mohrs Grab steht „Alles liegt in Gottes Hand". Das gilt wohl auch für eine andere Frau, die genau 100 Jahre früher an der Hub lebte: Maria Anna Fischer, die Ehefrau von Andreas Rohner, dem Begründer und ersten Kapellmeister der Blasmusik Wolfurt. Zwischen 1811 und 1831 gebar sie 15 Kinder, fünfzehn! - und alle starben am Tag der Geburt. Rhesus-Faktor unverträglich! Das konstatieren wir heute nüchtern und können nicht erahnen, mit welcher verzweifelten Hoffnung sich die unglückliche Frau damals an jede neue Schwangerschaft geklammert hat. Und dann gab es auch noch die vielen unverheirateten Frauen, denen die Ehe versagt blieb, weil ihnen die Familiensituation oder die Gemeindevertretung den „EheKonsens" verweigerte. Magd blieben sie, ohne Zahltag, ein Leben lang. Oder sie gingen in die Fabrik wie Karolina Heim. Zu Fuß nach Kennelbach, 50 Jahre lang, jeden Tag, auch am Samstag, täglich 13 Stunden, später nur mehr 12, jeden Tag, ohne Krankenkasse, ohne Rente! 25 Bild 16: Karolina Heim, ledig geblieben Bild 17: Franzele Dür, emanzipiert Bild 18: Promotion 1939, Dr. iur. Marianne Fischer Unvergessen bleiben jene Ordensschwestern aus Hall, Sr. Epiphania und Sr. Theodora: den Tag für die Kranken, die Nächte bei den Sterbenden, ein Leben im Dienst am Nächsten, meist für ein „ Vergelt 's Gott!". Samariterinnen! Und dann kündigte sich , in winzig kleinen Schritten zuerst, eine neue Zeit für die Frauen an: Juditha Fischer, 1855-1921, bricht 1881 in einen bisher den Männern vorbehaltenen Bereich ein. Sie spielt Theater, öffentlich! Sie spielt die Rolle der „Berta" in Schillers revolutionärem Werk „Die Räuber". - Eine Frau! Vor 1000 Zuschauern, 1881! - Bei allen bisherigen Aufführungen der großen Wolfürter Freilicht-Theater hatten Männer auch die Frauenrollen gespielt, etwa der Sternenwirt Böhler die Armgard im „Wilhelm Teil" oder der Rößlewirt Müller die „Jungfrau von Orleans" oder der Kunstmaler Schneider die „Genovefa". Juditha Fischer hat übrigens bald danach den Vorsteher Johann Martin Schertler geheiratet und ihm zehn Kinder geboren. Einen nächsten Schritt tat Franziska Dür, 1854-1922. Obwohl einzige Tochter und reich - sie heiratete nicht! Sie las viel, sie hielt sich Zeitungen, sie reiste, nach Wien, nach Rom, nach Lourdes, nach Jerusalem, auf die Welt-Ausstellung 1900 nach Paris. Sie trank gerne Wein. Sie besaß einen Revolver, mit welchem sie Schießübungen machte. Und 1907 kaufte sie gar - ganz unerhört für jene Zeit! - ein 26 Auto, das erste im Dorf. Da blieb den Männern wohl der Mund offen. „Düro Franzele" hat dann auch noch andere Seiten gezeigt. Sie galt als mildtätig und fromm und hat 1913 für die Kirche die große Grödner Krippe gestiftet. Durch die Inflation verarmt ist sie 1922 gestorben.2 Politisch blieben Frauen noch lange ohne Rechte. Um 1870 durften nur die Steuerzahler wählen. Nicht aber die Frauen! Bei Wahlen mußten sich vermögende und steuerzahlende Frauen durch einen Mann vertreten lassen, durch einen Nachbarn etwa oder durch einen Verwandten mit schriftlicher Vollmacht. Erst unter dem Druck der bisher ebenfalls Unterdrückten, der in den sozialistischen Parteien organisierten Arbeiter, erhielten die Frauen politische Rechte. Zuerst führten die Bolschewisten nach der Oktober-Revolution von 1917 in der Sowjet-Union das Frauen-Stimmrecht ein. Deutschland und Österreich folgten nach dem Zusammenbruch der Monarchien 1918, in Österreich mit dem Gesetz vom 18. Dezember 1918. Das ist sehr früh, wenn man bedenkt, daß Frauen in den Frauenfreundlichen USA erst 1920, in England 1928 und in Frankreich, dem Land von „ liberte " und „ egalite ", gar erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1944 ihr Stimmrecht bekamen. Die konservative Schweiz und Liechtenstein hinkten noch lange nach, am längsten unsere Nachbarn, die Appenzeller. 27 Ebenso schwierig war es für die Frauen, sich einen Zugang zur Bildung zu erkämpfen. Mädchen aus Wolfurt durften erst ab 1938 das Gymnasium besuchen, das damals „Oberschule für Mädchen" hieß. Ich weiß nicht, welche Wolfurterin als erste eine Universität besucht hat. Vermutlich war es Frau Dr. Marianne Fischer, Jahrgang 1912, die von der Steig aus noch in die Volksschule in Wolfurt ging und dann nach Innsbruck übersiedelte. Später ist sie nach einem Jus-Studium die Rechtsberaterin von Bischof Paulus Rusch geworden. Beruf hieß damals selbstverständlich Verzicht auf eigene Familie. Frau Marianne lebt heute hochbetagt im Altersheim der Ordensschwestern in Hoch-Rum. Frau Dr. Isolde Moosbrugger-Hiesmayer, Jahrgang 1925, war die erste Frau aus dem ganzen Bregenzer Wald, die ein Medizin-Studium erfolgreich abschloß. Als sie dann aber heiratete, verzichtete sie auf die Ausübung ihres Arzt-Berufes und widmete ihre Kraft der Karriere des Ehegatten als Architekt und der des Sohnes, welcher als Mediziner ebenfalls bereits Hochschul-Professor ist. Frau Isolde feierte vor kurzem an der Rüttigasse Goldene Hochzeit. Da durfte sie sich auch über die Glückwünsche ihrer Enkelkinder freuen. Zurück zur Frauenpolitik! In Wolfurt wählten die Frauen, die immer die überwiegende Mehrzahl der Wähler bildeten, lange Zeit nur Männer in die Gemeindevertretung. Wieder waren es die Sozialisten, die im Jahre 1956 mit Frau Anna Fischer, Stöoglars Anna, erstmals eine Frau in die Gemeindestube brachten, allerdings nur für vier Jahre. Bei der ÖVP dauerte es bis 1970, als mit großer Mühe (der Männer!) Irma Feuerstein und Gertrud Gunz wenigstens zur Kandidatur und zur Mitarbeit in den Ausschüssen bewegt werden konnten. Seit 1975 besetzen Frauen immer ein paar Plätze in der Gemeindevertretung. Es könnten viel mehr sein, - wenn Frauen auch Frauen wählen würden. Da muß man es besonders hoch werten, daß sich Frau Xaveria Dür, Hausfrau, Mutter und Geschäftsfrau, im Jahre 1990 als Vizebürgermeisterin zur Verfügung stellte und dieses schwierige Amt acht Jahre lang mit großem Erfolg ausübte. Das 21. Jahrhundert wird ganz sicher viele Veränderungen bringen, auch für die Frauen und für unsere bedrohten Familien. Schon stellten die Mädchen mit 870 von 1500 Kandidaten bei der Matura 2002 in Vorarlberg fast 60 Prozent. Zur gleichen Zeit erleben wir einen ganz unglaublichen Rückgang der Geburtenzahl. Gesellschafts-Forscher und Sozial-Politiker beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Eines ist sicher: Wenn unser Volk und unsere Kultur fortbestehen sollen, muß es uns gelingen, Arbeitsleben und Mutterschaft in Übereinstimmung zu bringen! Siegfried Heim Die Rohner in Wolfurt Ein Besuch von Auswanderer-Rohnern aus dem Saarland, die hier in Wolfurt erfolgreich nach ihrer Herkunft forschten, macht mich wieder einmal auf dieses große Geschlecht aufmerksam. Durch zwei Jahrhunderte, vom Beginn der Pfarrbücher bis 1850 standen die Rohner in Wolfurt zahlenmäßig stets knapp hinter den Schwerzlern an zweiter Stelle. So wie die Schwerzler sind sie inzwischen von einem halben Dutzend anderer Geschlechter überholt worden. Über die Schwerzler habe ich in Heft 16 berichtet. Auch die Rohner schenkten unserer Gemeinde starke Familien und tatkräftige Männer, die wir nicht vergessen sollten. Seit 1363 Schon im Jahre 1363 gehörten drei Roner zu den wohlhabenden Bürgern von Bregenz.1 Im Urbar des Hugo von Montfort werden um 1380 Roner in Rieden, Lauterach und Bregenz nachgewiesen. Bald danach findet man sie in Hard, Wolfurt und am Steußberg.2 In Alberschwende lebt der Name im Ortsteil Rohnen fort, in Buch in der Parzelle Zum Rohner. Die mündliche Überlieferung berichtet, die ersten Rohner seien aus dem Schweizer Rheintal nach Wolfurt gekommen. Dafür gibt es allerdings keine Belege. Wir wissen aber, daß der Name auch im unteren Schweizer Rheintal beheimatet ist. Nach dem 30jährigen Krieg blühte das Geschlecht gleichzeitig in Dornbirn und in Wolfurt auf. In Dornbirn hatte um 1640 ein Georg Rohner 6 Kinder und zahlreiche Nachkommen, die sich in alle vier Dornbirner Dörfer ausbreiteten.3 In Wolfurt hatte der Häuserbeschrieb von 1594 keine Rohner mehr genannt. Nach den schrecklichen Pestzügen von 1594, 1629 und 1635, die bei uns viele Häuser geleert hatten, dürften aber etliche starke Rohner-Familien zugezogen sein. Jedenfalls wurden in den 1650 begonnenen Wolfurter Taufbüchern schon in den ersten 20 Jahren Kinder von 17 verschiedenen Rohner-Ehepaaren aufgeschrieben. Einige Väter hatten mehrmals geheiratet. Der Seelenbeschrieb von 1760 zählte 12 Rohner-Familien auf. Im Jahre 1843 waren es sogar 20 Hausbesitzer. Damit hatten sie aber ihren Höhepunkt erreicht. Bis 1900 sank die Zahl auf 13 Familien aus sieben alten Sippen. Seither sind zuerst DoktorRohnars im Strohdorf 1909 und Sattlar-Rohnars in Unterlinden um 1930 ausgestorben, dann Instrumentomachars im Strohdorf mit Josef Anton Rohner 1940, Hammorschmiods an der Ach mit Josef Rohner 1941, Orglars in der Bütze mit Adelheid Rohner 1966 und zuletzt noch Haldobuobos mit Gebhard Rohner 1975. Die aus Lauterach stammende Familie des Bürgermeisters Theodor Rohner ist 1945 nach Tirol verzogen. Übrig geblieben ist eine einzige von den alten Rohner-Sippen, die Vinälar. Sie ist 29 2 Zitiert aus Bronner, Herzog Werner von Urslingen, 1828 Nach Karl Schwärzler in V.V. v. 14.12.1957 28 Der Name Die Schreibart des Namens wechselte vom mittelalterlichen Roner schon 1650 auf Rohner, dann aber bei den Pfarrern im 18. Jahrhundert auf das ans Griechische angelehnte Rhoner. Ab 1814 führt Pfarrer Grasmayer wieder das heutige Rohner ein. Für die Namensdeutung gibt es mehrere Möglichkeiten. An Roa (Rain) ist ein Ackerrand oder eine Geländekante. Ganz anders klingt an Rohno. Das Wort ist verschwunden. Damit meinte man früher einen am Boden liegenden morschen Baumstamm. Dagegen kennt jeder - nur bei uns im Unterland! - die weibliche Form a Rohno. Es ist eine schwulstige Strieme auf der Haut nach einem schmerzhaften Schlag mit der Rute oder der Peitsche. Schließlich gab es früher noch die Rohn. Eine Rohn (vom mittelhochdeutschen run) war eine geheime Beratung.5 Das gäbe doch einen Sinn! - Dann wäre ein Rohner also ein wichtiger Mann gewesen, bei dem man sich in Notzeiten Rat holen konnte. Einige bekannte Rohner Jerg Rohner, 1671-1743, Hofsteig-Ammann Jerg (in Wolfurt sagte man Irg) war einer der Anführer beim Aufruhr des "Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der Obrigkeit.6 Nach einer vergeblichen Vorsprache beim Kaiser in Wien besetzte er mit 2000 Bauern im Jahre 1706 die Stadt Bregenz und verjagte den Vogt des Kaisers. Sechsmal wurde er danach zum Ammann gewählt und leitete nun das Gericht Hofsteig von Hard am See bis nach Buch. Er war für Äcker, Wald und Straßen verantwortlich und für den Einzug der Steuern. Dreimal im Jahr hielt er mit zwölf Beisitzern Gericht. Erfolgreich kämpfte er für die alten Hofsteiger Rechte. Im Kirchdorf besaß er einen Gasthof. In Wolfurt leben noch viele von seinen Nachkommen. Die Orglar waren davon die letzten Rohner. in den letzten Jahren sogar stark angewachsen. Im Jahr 2003 tragen in Wolfurt wieder etwa 70 Personen den Namen Rohner. Mit Ausnahme einiger Zuwanderer sind das lauter Vinälar. Nirgendwo in Vorarlberg ist der Rohner-Anteil unter den Einwohnern so groß wie in Wolfurt. Am nächsten kommt noch das große Dornbirn mit über 50, gefolgt von Hard mit etwa 40. Nur jeweils ein paar findet man in Bregenz, Fußach und den anderen Unterländer Gemeinden, ganz vereinzelte im Oberland. Eher noch könnte man Rohner in Amerika finden, denn in der großen Notzeit nach 1850 sind 6 Rohner aus Wolfurt und 14 aus Hard nach den USA ausgewandert.4 Auch im Saarland gibt es eine Gruppe von Rohner-Familien. Darüber mehr im Anhang. Die Kies-Rohner in Fußach stammen ebenfalls aus Wolfurt (Siehe unten bei Sippen unter A, Orglars!), wahrscheinlich auch die meisten Harder Rohner (Siehe unter C, Doktors^. Bild 20: Siegel des Ammanns Jerg Rohner Johann Martin Rohner, 1790-1864, Arzt7 Als junger Soldat machte er mit Napoleons Großer Armee 1812 den Feldzug nach Rußland mit und war einer der ganz wenigen glücklichen Heimkehrer. Danach wirkte er als Gemeindearzt in Alberschwende und ab 1828 in Wolfurt. Unter seinen vielen Nachkommen gibt es ebenfalls keine Rohner mehr. 30 31 Andreas Rohner, 1791-1857, Kapellmeister Er war Steinhauer im Eulentobel und begründete 1816 die erste Wolfurter MusikKapelle, die er 25 Jahre lang dirigierte. Beim Kirchenbau im Jahre 1833 übernahm er die Steinmetz-Arbeiten, darunter auch die große Kirchenstiege mit ihren 87 Stufen. Weil alle seine 15 Kinder am Tag der Geburt starben, blieb er ohne Nachkommen. Franz Rohner, 1872-1959, Kapellmeister Er war Bauer und Sticker im Röhle. Nachdem er schon 1898 die Harmoniemusik Wolfurt geleitet hatte, übernahm er 1901 die Bürgermusik Wolfurt und führte sie in den folgenden 55 Jahren als Kapellmeister zu großen Erfolgen. Zusätzlich wirkte er auch viele Jahre lang als Gemeinderat. Seine zahlreichen Nachkommen nennt man nach ihm die Kapeollar. In der langen Geschichte des Geschlechtes gibt es auch dunkle Stellen. Joh. Georg Rohner, 1797-1834, Michelis-Buob aus Rickenbach Wegen der Ermordung eines Mädchens wurde er zum Tode verurteilt. Am 12. Dezember 1834 büßte er seine Untat in Bregenz am Galgen.8 Johann Rohner, 1813-1861, Tonelis-Buob von der Hub Wegen Totschlag wurde er 1839 zu acht Jahren Kerker verurteilt. Die Familien der beiden Übeltäter sind längst ausgestorben. Stenzlar-, Liborats, Schnidar-, Ludwigos, Tirolar-, Filitzos, Hafnars und MurarSchwerzler.9 Von der Tochter Katharina Rohner, die 1697 die Frau des Jakob Schneider im Kirchdorf wurde, stammen unter anderen der Gotteshaus-Ammann und Vorsteher Mathias Schneider und seine vielen Nachkommen in Wolfurt, Amerika und Deutschland, die Sammüller in Wolfurt und in Wien und die vielen Familien der Lehrar-Köbs auf dem Bühel. 1. Rohner Johann +1696 Wolfurt-Kirchdorf oo 1654 Müller Anna, 11 Kinder 2. Rohner Georg (Jerg) 1671-1743 Hofsteig-Ammann oo 1696 Bayer Anna Maria, 6 Kinder 3. Rohner Anton 1703-1759 Gastwirt im Kirchdorf oo 1728 Steu Franziska, 8 Kinder 4. Rohner Joh. Georg 1729-1773 Gastwirt im Kirchdorf oo 1756 Künz Franziska, 11 Kinder. Von ihnen stammen u.a. der Vorsteher Johann Maier und SchloßburoKöbs in Unterlinden, aber auch die Spetenleher Fischer, Kalbs im Tobel und Heims in der Bütze, dazu noch Anwanders in Rickenbach und DelloKorles. Ein Jahr nach ihres Gatten Tod heiratete die Witwe Franziska 1774 einen FlötzarVönach von der Ach und schenkte ihm bald noch 5 weitere Kinder. Danach verließen die Rohner-Kinder das Gasthaus beim „Kleinen Brunnen", das ihr Urgroßvater Jerg am Rand des Kirchdorfs (am Platz von Kreuzstraße 1) gebaut hatte. Das FlötzerHaus war jetzt der weitaus größte Bauernhof im Kirchdorf. Er ist 1869 abgebrannt. 5. Rohner Jakob 1773-1841 Bauer in der Bütze oo Höfle Anna, 13 Kinder. Von ihnen stammen u.a. Murars im Strohdorf, Klosos im Oberfeld und SchrinarSchertlers in der Bütze. Jakob hatte um 1800 in der Bütze das Haus C 84 (Gorbachs, Bützestraße 1, abgebrannt 1956) erbaut. Mit seinen tüchtigen Kindern erreichte das Geschlecht seinen Höhepunkt. Innerhalb weniger Jahre kauften die Söhne drei weitere Häuser, darunter das Haus C 101 (Rasiorars, Kirchstraße 22) für Martin Rohner, den Orglar (Organist) in der neuen Kirche. Martins Sohn Gebhard, geb. 1849, heiratete als junger Lehrer nach Fußach. Dort gründete der Enkel Rudolf Rohner als Schiffsführer jene Kies-Firma, die sich unter den Söhnen Jakob und Dr. Fritz Rohner zu einem am ganzen Bodensee bekannten Unternehmen entwickelt hat. 6. Rohner Joh. Georg 1807-1873 Bauer in der Bütze oo 1847 Dür Katharina, Schmiods Kathrie aus dem Röhle, 7 Kinder. Joh. Georg hatte 1850 das schöne Haus C 90 (Orglars, Unterlindenstr. 27) gekauft. Dieses wurde nun zum letzten Stammhaus der Orglar. 33 Die wichtigsten Rohner-Sippen Weil die Familienväter nur wenige unterschiedliche Vornamen trugen, bei den Rohnern meist Johann, Josef, Georg oder Martin, mußte man sie schon von Anfang an durch Beifügung von Hausnamen voneinander unterscheiden. Einige davon blieben als Sippennamen über Jahrhunderte erhalten, andere entstanden neu und verschwanden wieder. A. Ammann Jergs - die Orglar Sehr viele Rohner-Sippen und noch weit mehr andere Wolfurter Familien stammen von Johann Rohner, der im Kirchdorf lebte und anno 1654 Anna Müller heiratete. Von ihrem Sohn Jerg leitet sich der Stamm der Orglar (A) ab, zu denen auch die Seitenlinie der Kies-Rohner in Fußach zählt. Vom Sohn Johann stammen Doktors und Hammorschmiods (C) und auch eine große Linie nach Schwarzach und Dornbirn. Aus Tochter-Linien leiten sich zwei weiteren große Wolfurter Geschlechter ab. Von der Enkelin Maria Kündig, die 1710 den Felix Schwerzler im Kirchdorf ehelichte, stammen die meisten Wolfurter Schwerzler, die Toblar-, Büoblar-, Hannes, 32 7. Rohner Martin 1854-1925 Bauer und Organist Von seinem Onkel Martin hatte er das Amt des Orgelspielens übernommen, oo 1879 Schertler M. Agatha aus dem Röhle, 9 Kinder. Von allen neun Kindern heiratete nur die Modistin Sophie Rohner, blieb aber kinderlos. Albert Rohner, ein geschickter Automechaniker, war ebenfalls Chorleiter und Organist. Mit der ledig gebliebenen Adelheid Rohner, 1885-1966, erlosch das alte AmmannRohner-Geschlecht. Im Jahre 1971 wurde Orglars Hus zum Bau des Unterlinden-Zentrums abgebrochen. B. Instrumento-Machars, Sattlars und Haldobuobos Ebenfalls im Kirchdorf hatte bei Beginn der Kirchenbücher ein zweites großes Geschlecht seinen Anfang mit Johann Rohner und Ursula Vonach genommen, die ihre Ehe 1666 schlössen. Eine Reihe gleicher Vornamen und die Nachbarschaft im Kirchdorf lassen den Schluß zu, daß beide Geschlechter miteinander nahe verwandt waren. 1. Rohner Johann +1699 Wolfurt-Kirchdorf oo 1666 Vonach Ursula, 2 Kinder. 2. Rohner Georg 1667-1726 Kellhof-Ammann Während zur gleichen Zeit ein anderer Georg Rohner (1671-1743) das Amt des Hofsteig-Ammanns innehatte, war Georg im Kirchdorf „Khellhof-A." (laut Sterbebuch) geworden. Als solcher war er Vorsitzender des Kellhof-Niedergerichts und hob für den Grafen von Hohenems bei etwa 200 Leibeigenen, die nicht zu Hofsteig gehörten, den Zehent ein. oo 1 1692 Straßer Anna, 2 Kinder oo2 1707 Höfle Christina, 7 Kinder Aus seiner zweiten Ehe: Josef, geb. 1711, der Stammvater der Sattlar-Rohner, und Andreas (./. 3). Die Sattlar erwarben im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Häusern im Kirchdorf, in der Bütze, in Unterlinden und im Eulentobel. Alle Namens-Träger sind ausgestorben, doch leben noch viele Nachkommen aus weiblichen Linien. Eine große Sattlar-Sippe besteht in Amerika fort. Sie stammen von jenem Jakob Rohner, der 1866 als 14j ähriger Bub aus der Bütze nach Pineview in Montana ausgewandert ist. 3. Rohner Andreas 1720-1774 Bauer im Loch Im Loch, dem westlichsten Teil des Kirchdorfs, besaß Andreas das älteste bekannte Haus dieser Sippe. Es trug später die Nummer C 67 und wurde in neuester Zeit zum Haus „Im Dorf 4", Schedlers, umgebaut. oo 1724 Schneider Maria, 9 Kinder, darunter Bild 21: Instrumentenmacher Josef Anton Rohner Joh. Georg, geb. 1751, (./. 4) und Joh. Martin Rohner, geb. 1758, der auf die Halde heiratete. Seine Nachkommen, die Haldobuob-Rohner wurden bekannte Steinbrecher. 4. Rohner Joh. Georg 1751Bauer im Loch oo 1763 Gunz Barbara, 8 Kinder. 5. Rohner Josef Anton 1785-1864 Bauer im Loch oo 1 1817 Sinz Anna Maria, 3 Kinder. 002 1835 Reiner Katharina, 5 Kinder. Aus der zweiten Ehe stammt der Enkel Theodor Rohner, geb. 1877, der als Priester in Milwaukee, USA, wirkte. 6. Rohner Joh. Georg 1823Bauer im Strohdorf oo 1857 Schwerzler M. Anna. Sie war eine Schwester des Kapellmeisters und ersten Wolfurter Instrumentenmachers Joh. Georg Schwerzler. Zu ihrer Hochzeit hatten sie das Albinger-Haus C 153 am Brunnen im Strohdorf gekauft. 3 Kinder, darunter Johanna, geb. 1858, die mit dem Steinbrecher Gebhard Gmeiner die Sippe Stoahouars begründete, und Josef Anton, geb. 1860. 7. Rohner Josef Anton 1860-1940 Instrumentenmacher Von seinem Onkel hatte er das seltene Gewerbe gelernt, mit dem er nun alle Blasmusik-Kapellen im ganzen Land Vorarlberg betreute, oo 1891 Pfefferkorn Katharina, 2 Kinder Die Tochter Elisabeth heiratete Gebhard Hinteregger, der das Gewerbe als Instrumentenmacher fortführte. Mit Josef Anton Rohner ist diese Linie der Rohner 1940 erloschen. 34 35 C. Doktor Rohnars und Hammorschmiods Der Rohner-Stamm C ist eine Seitenlinie des Stammes A (Ammann Jergs). 1. Rohner Johann +1696 Wolfurt-Kirchdorf oo 1654 Müller Anna, 11 Kinder Ein Sohn war der weiter oben genannte Ammann Jerg Rohner, ein anderer der vier Jahre jüngere und nach dem Vater getaufte Johann. 2. Rohner Johann 1675-1739 Wolfurt-Kirchdorf oo 1704 Wort Barbara, 10 Kinder. Vom Sohn Anton, geb. 1704, führt eine Linie in das ehemalige Rohnerhaus C 152 am Strohdorf-Brunnen (Hofsteigstraße 3, Ratzers). Von ihnen stammen Brauchles. Von Anton stammt aber auch jener Gebhard Rohner, der mit seiner Familie schon 1795 nach Hard übersiedelte und dort heute viele Nachkommen zählt. Ein weiterer Sohn Johann, geb. 1709, begründete eine besonders starke Linie, die sich über Farnach und Schwarzach nach Dornbirn ausbreitete. Sie war Teilhaberin an den Steinbrüchen in Schwarzach und in Dornbirn-Mühlebach. Anton Rohner, geb. 1892, war Lehrer in Watzenegg. Von seinen Söhnen erbaute Josef Rohner, Jg. 1932, das Haus Hofsteigstraße 34 a und brachte um 1968 nach mehr als 200 Jahren seine Rohner-Linie nach Wolfurt zurück. Die Linie C im Kirchdorf führte der Sohn Franz fort. 3. Rohner Franz 1717-1789 Wolfurt-Kirchdorf oo 1745 Sohm Maria, 1 Kind. Die Familie lebte im Haus C 69 im Loch (Im Dorf 2, Sophies). 4. Rohner Joh. Baptist 1754Gastwirt im Kirchdorf Bis 1818 besaß er dort den Gasthof „Rößle". oo 1785 Karg Maria Anna, 3 Kinder. Vom Sohn Johannes stammen Hammorschmiods. Johannes Rohner, 1794-1868, war zur Bayernzeit Waffenschmied gewesen und hatte dann 1824 in Unterlinden am Holzerbach die erste Hammerschmiede gebaut, aus der sich später Draiars Säge entwickelte. Mit seiner Familie übersiedelte er an die Ach. Sein Enkel Martin Rohner erbaute 1906 das große Haus Achstraße 14 (Zwickles). Mit Martins Bruder Josef Rohner, der 1941 in einer NS-Anstalt in Hall sterben mußte, ging die Linie Hammorschmiods zu Ende. Von den Schwestern leben aber noch zahlreiche Nachkommen. Ein anderer von Joh. Baptists Söhnen wurde der Doktor Rohner: 5. Rohner Joh. Martin 1790-1864 Doktor im Strohdorf oo 1827 Gmeiner Anna Maria, 9 Kinder. Über ihn siehe oben unter „Bekannte Rohner"! Von seinem Schwiegervater hatte er dessen Haus C 143 an der Kirchstraße und die Arztpraxis übernommen. 6. Rohner Ferdinand 1839-1909 Wolfurt-Strohdorf oo 1864 Böhler Maria Agatha, 4 Töchter. 36 Bild 22: „Vanäler vulgo", eine Eintragung im Pfarrbuch Mit Ferdinand starb auch diese Rohner-Linie aus. Von den Töchtern leben noch zahlreiche Nachkommen. Das Doktor-Rohner Haus am Sternenplatz kaufte der Gemeindesekretär Josef Böhler. Im Jahre 1949 ist es abgebrannt. D. Die Vinälar Die Sippe der Vinälar-Rohner ist die einzige, die von den vielen Rohner-Sippen geblieben ist. Ihr seltsamer Hausname taucht in den Pfarrbüchern erstmals als Vanäler um das Jahr 1830 auf. Pfarrer Barraga notierte zum Namen der Ehefrau des Johann Bapt. Rohner „ Vanelerin " und zum Namen ihres Sohnes Joh. Martin Rohner „ Vanäler vulgo ".w Damals arbeiteten noch sehr viele Männer an ihren Webstühlen. Einige spezialisierten sich schon auf Musselin, Buntweberei oder Flanell. Nach der Überlieferung veränderte sich der falsch verstandene Hausname Flaneller zuerst zu Vaneler und später zu Vinälar. Die eher dunkelhaarigen Nachkommen des Lorenz Rohner nennt man heute Schwarz-Vinälar. Die eher hellhaarigen Nachkommen seines jüngeren Bruders Joh. Baptist Rohner heißen dagegen die Wiß-Vinälar. Dieser starke Rohner-Stamm geht zurück auf Georg Rohner und Ursula Gmeiner, die ihre Ehe 1670 geschlossen haben. Die Namen Georg und Johann lassen auch hier eine nahe Verwandtschaft mit den anderen Rohner-Stämmen vermuten. Georg war von Beruf „baader", also Wundarzt. Sein hohes Ansehen trug ihm die Ehre ein, daß der „hospes" (Gastwirt) Theodosius Mäsch und das Edelfräulein Franziska Deuring Paten seiner sieben Kinder wurden. Die „Prae Nobilis Virgo Maria Francisco Düring Zu Mittel Weyerburg " trat in das Dominikanerinnen-Kloster Hirschthal in Kennelbach ein, blieb aber auch als dortige Superiorin noch Patin bei den jüngeren Rohner-Kindern.'' 37 1. Rohner Georg, gest. 9.2.1708 Wundarzt Wolfurt oo 5.6.1670 Gmeiner Ursula 7 Kinder, darunter die Söhne Johann, Joh. Martin und Balthasar. Von Joh. Martin, geb. 8.11.1675, stammen die Gasser-Waffenschmiede in S 3 am Kirchplatz. Von Balthasar, geb. 31.1.1678, stammt jener Auswanderer Johann Rohner, der die Linie der Rohner-Bergleute im Saarland begründete. Die Linie D führte der älteste Sohn Johann, geb. 7.10 1671, fort. (./. 2) 2. Rohner Johann, 7.10.1671-16.2.1743 Unterlinden Nach seiner Patin Franziska Deuring erhielt er „Franciscus" als zweiten Vornamen. Er war dreimal verheiratet, zuletzt in Unterlinden. oo 1 1701 Sohm Anna, 1665-1703, einziges Kind Martin (./. 3) 002 1704 Brüstle Magdalena, gest. 1719, 3 weitere Kinder 003 1720 Schelling Barbara, keine Kinder 3. Rohner Martin 1701 -1755 Hub oo 1733 Anwander Agatha, 5 Kinder Im Eulentobel an der Hub besaßen sie ein Haus. Ganz in der Nähe lagen mehrere Mergel-Steinbrüche, die den Familien ein zusätzliches Einkommen verschafften. 4. Rohner Johannes 1734-1781 Hub Steinbrecher im Eulentobel. Um das Jahr 1775 versetzte er das Haus aus dem engen Tobel an den Anfang der Unterhubstraße, oo 1763 Kalb Kunigunda, 8 Kinder. Der älteste Sohn Joh. Jakob Rohner, 1764-1829, übernahm das Elternhaus. Von seinen Kindern wurde der ebenfalls hier wohnende Steinbrecher Andreas Rohner, 1791-1857, im Jahre 1816 Begründer der Blasmusik Wolfurt und deren erster Kapellmeister. Der jüngste Sohn Joh. Baptist pflanzte die Linie fort. 5. Rohner Joh. Baptist 1777Kirchdorf oo 1801 Vonach Anna Katharina, „Vanelerin", 9 Kinder. Sie bewohnten ein Haus an der Kirchstraße. 6. Rohner Joh. Martin 1805-1886, „ Vanäler vulgo" Strohdorf oo 1831 Stürz Agatha, 10 Kinder, darunter 7a Lorenz und 7c Joh. Baptist. Die Schwarz-Vinälar mit Kapeollars und Schwarz-Sepplos 7a. Rohner Lorenz 1836-1912 Ach, später im Röhle Lorenz war Spinnereimeister in der Schindler-Fabrik in Kennelbach. Vor seiner Heirat hatte er an der Ach das alte Haus C 15 (am Platz des späteren Wälderhofs) gekauft. Als dieses 1897 abbrannte, übersiedelte die Familie in das Haus C 21 im Röhle (jetzt Bregenzerstraße 10). 38 Bild 23: Kapellmeister Franz Rohner Bild 24: Josef Rohner, Schwarz-Seppl oo 26.4.1870 Rusch Anna Maria, 5 Kinder: 1. Agatha 1871 - oo 1897 Albinger Jos. Anton Ihre Nachkommen sind u.a. die Albinger, Stenzel und Grafoner. 2. Franz 1872./.8a der Kapeollar 3. Rosina 1875- oo 1907 Gmeiner Joh. Martin Knores 4. Josef 1880./.8b Schwarz-Seppl 5. Maria Anna 1882- oo 1910 Sturn Franz Josef, Lustenau 8a. Rohner Franz 1872-1959 Kapeollar im Röhle oo 1900 Klocker Anna Maria, 7 Kinder: 1. Franziska 1901 oo 1932 Fehle Adolf, 3 Kinder. 2. Filibert 1902 oo 1941 Dietrich ArAoma, 6 Kinder. 3. Ernst 1904- gestorben 1947 in russischer Gefangenschaft. 4. Ludwig 1905 oo Gmeiner Augusta, 3 Kinder. 5. Franz 1907 oo Feuerstein Katharina, 4 Kinder. 6. Irma 1910 ledig 7. Hubert 1916 oo Gehrer Rösle, 4 Kinder. Zahlreiche Nachkommen. 8b. Rohner Josef 1880-1914 Kirchdorf Schwarz-Seppl wohnte mit seiner Familie im Haus Bregenzerstraße 4. Er war Sticker und ein bekannter Trompeter. Er starb im Krieg in Serbien, oo 1905 Schwärzler Agatha, 7 Kinder. 1. Franz 1905 oo 1932SchwerzlerAdelheid, 3 Kinder. 2. Hirlanda 1907 oo 1930 Renninger Otto, 3 Kinder. 3. Laura 1908 oo 1939 Köb Anton, 4 Töchter. 4. Viktor 1909 oo Wenefrieda, 3 Kinder. 5. Eugen 1910 oo Mohr Katharina, 2 Töchter 6. Frieda 1912 oo Stefani in Kennelbach 7. Josefma 1915 ledig Zahlreiche Nachkommen. 39
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Wolfurt 2012 02 Sommer Wolfurt 21.06.2012 19.11.2012, 18:28 wolfurt SOMMER 2012 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Einer der Schwerpunkte der letzten Wochen war die Hochwassersicherheit. Ich darf Sie daher vor der Sommerpause über zwei Festakte und weitere Aktivitäten aus der Gemeindestube informieren. 100 Jahre Wasserverband Schwarzach-Rickenbach Im Rahmen eines Festaktes wurde am 1. Juni 2012 das 100jährige Bestandsjubiläum im Gemeindesaal in Schwarzach gefeiert. Verheerende Hochwässer im Jahr 1910 in Schwarzach und Wolfurt gaben den endgültigen Ausschlag zur Gründung des Wasserverbandes Schwarzach-Rickenbach, der nach jahrelangen Vorbereitungsarbeiten und zahllosen Hürden am 31. Dezember 1911 konstituiert wurde. Der Verband setzt sich aus den drei Kommunen Schwarzach, Wolfurt und Dornbirn, sowie aus den weiteren Interessenten Landesstraßenverwaltung (L3 und L190), ASFINAG (A14) und ÖBB (Bahntrasse) zusammen, die die Aufwendungen für den Bau und die Instandhaltung der Hochwasser-Maßnahmen sowie die laufende Räumung der Gewässer tragen. Mit seinem interessanten Referat „100 Jahre Wasserverband Schwarzach-Rickenbach – Im Wandel der Zeit“ erläuterte Bürgermeister a.D. Erwin Mohr die spannende Geschichte dieser Gemeindekooperation. Mit beeindruckenden Bildern wurden die Veränderungen in unseren Gemeinden und die Hochwässer, wie z.B. das Großereignis 1957, den interessierten Besuchern veranschaulicht. Der Hauptzweck des Verbandes bestand und besteht nach wie vor darin, die beiden bei Normalwasser recht beschaulichen Bäche Schwarzach und Rickenbach durch geeignete Maßnahmen so zu verbauen, dass auch große Hochwässer aus dem Einzugsgebiet Alberschwende, Dornbirn, Bildstein, Schwarzach und Wolfurt gefahrlos durch die Siedlungsgebiete in die Dornbirner Ach abgeleitet werden können. Dadurch sollen erhebliche Schäden an Gebäuden, Anlagen, Straßen und Schienen sowie Liegenschaften vermieden werden. Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts wurden mehrere Bautätigkeiten entlang der Gewässer gesetzt, zuerst Dammerrichtungen und Dammerhöhungen, weiters zwei große Geschiebefänge, Brückenbauten und Brückenanhebungen und natürlich auch Streckenbegradigungen zum schnelleren Abfluss. Dass die Hochwassergefahr damit noch nicht endgültig gebannt werden konnte, ist hinlänglich bekannt. Waren die Maßnahmen unzureichend, die Berechnungen falsch? Doris Rinke, die sympathisch durch den Abend führte, versuchte in einer Diskussionsrunde mit den beiden Bürgermeistern Manfred Flatz, Christian Natter und dem Fachbereichsleiter vom Land Vorarlberg, DI Martin Weiß, diese Fragen zu beantworten, aber vor allem die Herausforderungen der Zukunft zu beleuchten. > 2 Aus dem Rathaus Eröffnung Geschiebesperre Rickenbach Mit Unterstützung der Rickenbacher Funkenzunft, die die zahlreich erschienenen Gäste bestens mit Speis und Trank verwöhnten, durften wir das imposante Bauwerk am 3. Juni feierlich eröffnen. Schon seit vielen Generationen gehört der Ortsteil Rickenbach zu den mit am gefährdetsten Hochwassergebieten in unserer Gemeinde. Meinem Vorgänger Bgm. Erwin Mohr und dem damaligen GR Peter Grebenz ist es mit viel Einsatz gelungen, die Vorarbeiten (Planung, Finanzierung, Grundablösen) für die Umsetzung der Geschiebesperre abzuschließen. Dafür gebührt ihnen unser ausdrücklicher Dank. In den letzten zwei Jahren, begleitet vom jetzt zuständigen GR Robert Hasler, wurden von der Wildbach und Lawinenverbauung unter der professionellen Führung von DI Thomas Frandl die Bauarbeiten umgesetzt. Durch das Schutzbauwerk wird nach menschlichem Ermessen die Hochwassergefahr für unsere Bürgerinnen und Bürger, ihre Häuser, und damit auch ihr Hab und Gut, erheblich verbessert. Dies bestätigte DI Andreas Reiterer, Sektionschef der Wildbach- und Lawinenverbauung Vorarlberg, der fachmännisch die Herausforderungen dieses 1,25 Mio. Euro-Projektes erläuterte. Der Auffangraum der Geschiebesperre ist mit 20.000 Kubikmeter Fassungsvermögen, was immerhin 2.000 Lkw-Fuhren entspricht, großzügig dimensioniert. Die Finanzierung erfolgte durch Bund, Land und Gemeinde. „Wir haben alle noch die Bilder von der verheerenden Hochwasserkatastrophe 1999, und den Überschwemmungen und Vermurungen 2005 im Kopf“, so Landtagspräsidentin Bernadette Mennel, die die Grüße des Landes Vorarlberg überbrachte. Mit viel Einfühlungsvermögen sprach unser Diakon Christoph Lang seine Gedanken zum Schutzbauwerk aus, bevor er mit den zahlreich erschienen Ehrengästen die Segnung direkt beim Auffangbecken vornahm. Bei den Führungen, die von GR Robert Hasler, Peter Grebenz und DI Thomas Frandl durchgeführt wurden, erkundigten sich die vielen Besucher über die Entstehung und die technischen Details der Geschiebesperre. Die Bauernkapelle Wolfurt unter der Leitung von Dietmar Wüstner begleitete durch den Festakt und spielte zu einem zünftigen Frühschoppen auf. Inzwischen wurde auch die Geschiebesperre Ippachbach - früherer „Silbersee“ fertiggestellt. Das deutlich kleinere Bauwerk wurde mit einem Aufwand von EUR 230.000,- umgesetzt. Weitere Maßnahmen, wie die Ausleitung Tobelbach, befinden sich im Bau bzw. werden noch dieses Jahr gestartet. Die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir werden daher die Umsetzung des generellen Maßnahmenplanes entsprechend unserer Möglichkeiten konsequent weiter verfolgen. Durch starke Bautätigkeit wurden die Siedlungsgebiete verdichtet, Flächen wurden versiegelt, Gräben verrohrt, Retentionsflächen trocken gelegt und dadurch die Wasserrückhaltung vermindert. Immer mehr Wasser kommt immer schneller in die beiden Gerinne. Dazu kommt noch, dass heftige örtliche Niederschlagszellen auftreten (vielleicht durch geändertes Klima) und die vor 100 Jahren berechnete Abflusskapazität überfordern. Ein genereller Maßnahmenplan (Gesamtinvestitionssumme von 16 Mio. €) stellt die Verantwortlichen zu Beginn des 2. Jahrhunderts dieses Verbandes vor große Herausforderungen. Diverse Umbauarbeiten, aber vor allem dem neuen ökologischen Anspruch (Nationaler Gewässerbewirtschaftungsplan NGP) gerecht zu werden, werden erhebliche Anstrengungen benötigen. Die Sicherung der Förderungen durch Land und Bund von bisher ca. 85% ist unerlässlich. Beim gemütlichen Ausklang wurden die Gäste von Hans-Peter Tauber und seinem Team verwöhnt. Für die musikalische Umrahmung sorgte das pfiffige Jazz Ensemble der Musikschule am Hofsteig. Aus dem Rathaus 3 v.l.n.r.: DI Arch. Beate Nadler-Kopf, Bgm. Christian Natter, Mag. Arch. Bruno Spagolla, Dipl. Arch. ETH Christian Müller Inderbitzin Jakob Albrecht Gestaltungsbeirat neu besetzt Vor über 20 Jahren wurde zur Erhaltung des besonderen Charakters der „Oberen Straße“ der Gestaltungsbeirat eingerichtet. Jedes Bauvorhaben an der Oberen Straße (Hofsteigstraße, Kirchstraße, Bregenzer Straße), bzw. allenfalls weitere für das Ortsbild relevanter Projekte, werden von diesem beratenden Gremium der Baubehörde und Bauverwaltung begutachtet und kommentiert. Die Stellungnahmen in Protokollform dienen als Hilfestellung für Bauwillige und als Entscheidungshilfe für die Baubehörde. Nach dem Ableben des Bregenzer Architekten Hans Purin im Juni 2010 hat sich im Frühjahr 2012 der ebenfalls aus Bregenz stammende Architekt Jakob Albrecht der dem Beirat seit Anbeginn angehörte, aus dem Gestaltungsbeirat zurückgezogen. Albrecht hat durch seine Erfahrung und sein Gefühl für das Wesentliche die Entwicklung maßgeblich mitgestaltet. Für sein langjähriges Engagement bedanke ich mich recht herzlich. Mit Beate Nadler-Kopf aus Hohenems und dem Zürcher Christian Müller-Inderbitzin, der sich schon in seiner Diplomarbeit an der ETH-Zürich mit dem ästhetischen Potenzial der Architektur auseinandersetzte, ist es gelungen, zwei kompetente Personen ihres Faches für diese Agenden zu gewinnen und damit eine hervorragende Nachbesetzung zu sichern. Architekt Bruno Spagolla, bereits seit 20 Jahren Mitglied in diesem Gremium, wird seine Tätigkeit weiterführen und sorgt somit für Kontinuität. Die Erhaltung der „Oberen Straße“ ist den Gemeindeverantwortlichen heute und auch in Zukunft sehr wichtig, wird diese doch von Fachleuten aus Nah und Fern als besonders schützenswert bezeichnet. Für mich persönlich ist aber noch viel wichtiger, dass das Gebiet zwischen Wälderhof und Kiosk Graf ganz stark zu unserer eigenen Identität und damit zur Verbundenheit zu Wolfurt beiträgt. Zurzeit erarbeitet der Gestaltungbeirat einen „Leitfaden“, der nicht nur die bereits jetzt schon geltenden Rahmenbedingungen für Renovierung bzw. Neubau von Häusern umschreibt, sondern auch den Straßenraum berücksichtigen wird. Dieser Leitfaden soll die Grundstückund Hausbesitzer bei der Entwicklung ihrer Projekte unterstützen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, mich bei denjenigen zu bedanken, die in den letzten zwei Jahrzehnten beim Um- und Neubau ihrer Häuser mit uns und dem Gestaltungsbeirat erfolgreich zusammen gearbeitet haben. Internetverbindung wird in Wolfurt flächendeckend deutlich verbessert Leider ist die Internetverbindung in vielen Bereichen unserer Gemeinde sehr unbefriedigend. Daher sind wir sehr froh, dass nach Hard, Lauterach und Bregenz A1 Telekom jetzt mit dem flächendeckenden Glasfaserausbau in der Marktgemeinde Wolfurt startet. A1 verwendet eine Ausbautechnologie, die die Glasfasern bis zu einer Entfernung von wenigen hundert Metern zu den Haushalten und Gewerbebetrieben bringt (FTTC, Fiber to the Curb). Das hat den Vorteil, dass im Vergleich zu vorher wesentlich höhere Kapazitäten auf den Leitungen verfügbar werden, aber gleichzeitig keine Verlegearbeiten in Wohnungen oder Häusern erforderlich sind. So werden möglichst rasch großflächige Gebiete mit Breitbandtechnologie versorgt. Bei der Verlegung der leistungsfähigen Glasfaserkabel können zu einem großen Teil bereits bestehende Verrohrungen verwendet werden. In Teilen des Ausbaugebietes sind jedoch kleinräumige Grabungsarbeiten erforderlich. Hier bitte ich die Betroffenen, mit dem Projektbetreiber zusammen zu arbeiten. Die Beeinträchtigungen werden aber auf ein Mindestmaß beschränkt. 4 Aus dem Rathaus Für die Bürgerinnen und Bürger von Wolfurt bringen die höheren Leitungskapazitäten bis 30 Mbit/s vor allem geringere Wartezeiten bei Downloads aus dem Internet und die Möglichkeit, gleichzeitig hochauflösendes Kabel TV zu bekommen. Der Ausbau wird spätestens mit Jahresende abgeschlossen sein und somit stehen die Breitbanddienste noch 2012 allen Anwendern zur Verfügung. Neben den Vorteilen für Private steigert der Glasfaserausbau aber auch die Attraktivität von Wolfurt als Wirtschaftsstandort, stellen schnelle Datenverbindungen mittlerweile doch ein wichtiges Standortkriterium insbesondere für klein- und mittelständische Unternehmen dar. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, in der ersten Junihälfte hatten wir andauernde, teilweise recht heftige Regenfälle. Nehmen wir es als guten Omen, dass nun eine sonnige Ferien- und Urlaubszeit folgen wird. Ich wünsche Ihnen eine gute Erholung, viel Spaß und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Gemeindehaushalt 2011 positiv abgeschlossen Der Rechnungsabschluss 2011 mit Einnahmen und Ausgaben von 19,87 Mio. Euro wurde am 16. Mai 2012 von der Gemeindevertretung einstimmig verabschiedet. Die größten Einnahmen: 6.011.000,-- Euro Ertragsanteile des Bundes (+ 14,88 % gegenüber 2010) 5.326.500,-- Euro Kommunalsteuer unserer Firmen (+ 3,89 %) 601.000,-- Euro Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung 611.900,-- Euro Grundsteuern 57.600,-- Euro Zinserträge 245.600,-- Euro Erträge aus Beteiligungen __________________________________________________________________________ Beiträge an das Land 2.025.500,-- Euro für Sozialhilfe (+ 1,47 %) 897.800,-- Euro Spitalskosten (+ 1,69 %) 1.210.000,-- Euro Landesumlage (+ 9,18 %) 178.700,-- Euro Landespflegegeld (+ 17,74 %) 103.500,-- Euro Wohnbauförderung (- 2,01 %) __________________________________________________________________________ Anforderungen an die Gemeinde nach wie vor im Steigen In vielen Bereichen sind es die Gemeinden, die zusätzliche Forderungen und Qualitätsverbesserungen wesentlich mitfinanzieren. So wachsen in unserer Gemeinde, wie auch in vielen anderen, die Ausgaben für Betreuung im Kinder- als auch im Sozialbereich jedes Jahr deutlich an. Der Trend in diese Richtung wird wohl auch anhalten. Trotz positiver Entwicklung der Einnahmensituation gilt es auch in Zukunft, aufgrund der anstehenden Großprojekte die zukünftigen Budgets mit Bedacht zu entwickeln. Finanzreferent Bgm. Christian Natter Ausgaben für Personalkosten 1.354.000,-- Euro Musikschule (inkl. Lauterach und Schwarzach) 1.032.000,-- Euro Verwaltung / Rathaus inkl. Pensionen 999.000,-- Euro Kindergärten 410.000,-- Euro Bauhof 347.000,-- Euro Schulwarte / Raumpflege __________________________________________________________________________ Verschuldung neuerlich gesenkt Auch im Jahr 2011 konnte die Gesamtverschuldung neuerlich gesenkt werden und lag am Jahresende bei 1,42 Mio. Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung von 164,10 Euro ist eine der niedrigsten im Land Vorarlberg, der Landesdurchschnitt liegt bei ca. 1.800,-- Euro. Aus dem Rathaus 5 Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2012 im Fundamt abgegeben wurden: __________________________________________________________________________ Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ diverse Schlüssel __________________________________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 04. Juli 2012, Dr. Wolfgang Hirsch Im August findet keine Sprechstunde statt! Mittwoch, 05. September 2012, Dr. Nikolaus Schertler ___________________________________ Erneuerungen im Fuhrpark des Bauhofs Wolfurt Neuer Bagger Um bei Rohrbrüchen oder ähnlichem stets umgehend vor Ort sein zu können und die Sicherheit der Bauhofmitarbeiter zu gewährleisten, war es notwendig, den alten Bagger (Bj. 1990) aufgrund eines defekten Baggerarmes auszutauschen. Da die Reparatur nur mit sehr hohen Kosten möglich gewesen wäre, war die Anschaffung für einen gebrauchten Bagger (Zustand sehr gut) dringend notwendig. Dieser befindet sich nun seit April 2012 im Gebrauch des Bauhofes Wolfurt. Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 18. Juli 2012, Mag. Huber-Sandwald ___________________________________ Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Neuer Anhänger Seit Februar 2012 gehört ein neuer Anhänger (Tandem Dreiseitenkipper) der Marke GÖGL für 12 Tonnen zum Inventar des Bauhofs Wolfurt. Dieser wird für die allgemein anfallenden Arbeiten des Bauhofs eingesetzt. Der frühere über 20 Jahre alte Anhänger entsprach nicht mehr den technischen Anforderungen (häufig auftretende Instandhaltungskosten)und wurde somit ausgetauscht. Thomas Plangger, Leiter Bauhof Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. 6 Aus dem Rathaus Neue Jugendarbeiterin tritt im Juli ihren Dienst an Günter Sutterlüti hat nach zwei Jahren in der Jugendarbeit eine neue Herausforderung im Sozialbereich angenommen. Nach einem intensiven Auswahlverfahren konnte mit Judith Bildstein nun eine kompetente und erfahrene Jugendarbeiterin als Nachfolgerin gewonnen werden. Judith Bildstein hat im zweiten Bildungsweg das Diplom als Jugendarbeiterin erworben und war seither mehrere Jahre in der offenen Jugendarbeit in Dornbirn und Hohenems tätig. Wir wünschen Judith Bildstein viel Freue und Erfolg in ihrem neuen Tätigkeitsbereich. Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister: Haberkorn GmbH, Erzeugung von technischen Artikeln, Hohe Brücke, ph-7 OG, Handelsgewerbe sowie statistische Erhebungen und Auswertungen, Weiherstraße 26, Mag. Gerhard Vonach, Unternehmensberatung, Neudorfstr. 5, Building Dienstleistungs BS GmbH, Durchführung von Bürotätigkeiten durch Dritte, St.-Antoniusweg 2, Zora Gutmann, Denkmal-, Fassaden und Gebäudereinigung, Brühlstraße 7; Verlegung einer Betriebstätte in einen anderen Standort: Zuzana Drugova, Personenbetreuung, von Wolfurt Kesselsiedlung 10 nach Laterns, Emilia Kurucova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Lorenz-Schertler-Straße 18 nach Bludenz, Katalin Matlak Gaborne, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Florianweg 3/1, Walter Mähr, Markt- und Meinungsforscher, von Wolfurt, Achstraße 43 nach Wolfurt, Lerchenstraße 33, Marnus Miran Flatz, Tonstudio und Werbeagentur, von Wolfurt Wiesenweg 1 nach Wolfurt, Bützestraße 18, Sona Tureckova, Personenbetreuung, von Lochau nach Wolfurt, Im Kessel 7, Monika Kubistova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Lorenz-Schertler-Straße 18 nach Thüringen, Dipl.-Ing. Andreas Karl Klopfer, Datenverarbeitung und Informationstechnik, von Wolfurt, Schulstraße 9, nach Doren, Daniel Pauger, Heizungstechnik, von Lauterach nach Wolfurt, Bützestraße 39, Ibolya Bognarne Cserna, Personenbertreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Florianweg 3/1, Andreas Haderer Buchhaltungs GmbH, Buchhalter, von Wolfurt, Bucher Straße 28 nach Bregenz, Johann Valentin Madella-Mella, Maler und Anstreicher, von Hard nach Wolfurt, Unterlinden 21a; Bürgermeister- bzw. Wohnungssprechstunden Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Sprechstunden von Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 11. Juli Mittwoch, 29. August ___________________________________ Gewerbelöschungen: Ferdinand Josef Gasser, Unternehmensberatung und Handelsgewerbe, Senderstraße 26, Gabriela Festini, Pressefotografin, Dorfweg 11, Chananda Thanomwong, Handelsgewerbe, Bucher Straße 28/2, gi management GmbH, Handelsgewerbe, Wälderstraße 15d, Adelheid Johanna Alge, Betrieb eines Kühlhauses, Bahnhofstraße 4, Birgit Ingrid Lehner, Ernährungsberatung, Rickenbacherstraße 15, Klaus Dotter GmbH, Handelsgewerbe, Bahnhofstraße 9, Andrea Schaefer, Gastgewerbe, Flotzbachstraße 28, Sven Richard Neufellner, Handelsgewerbe, Lorenz-Schertler-Straße 14, Alexander Jamer, Versicherungsagent, Bregenzer-Straße 3; Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 04. Juli Mittwoch, 18. Juli Mittwoch, 22. August ____________________________________ Vom 23. Juli 2012 bis 17. August 2012 finden aufgrund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! Wir bitten hierfür um Ihr Verständnis! Aus dem Rathaus 7 „ICH BIN WEG“ von Wolfurt nach Bildstein ...ein nachhaltiges Geschenk zum 500jährigen Pfarrjubiläum Ein neuer Weg auf alten Pfaden Es ist heute nicht mehr vorstellbar, dass im Mittelalter die Gläubigen aus Schwarzach, Wolfurt und den Berggemeinden Bildstein und Buch zur Erfüllung ihrer sonnund feiertäglichen Pflicht des Kirchbesuchs, zu Taufen und Begräbnisse zu jeder Jahreszeit nach Bregenz wandern mussten. Oft machten Hochwasser, schlechte Wege, Schnee oder Unwetter dies sogar unmöglich. Umgekehrt konnten Priester nicht immer zu den Gläubigen kommen, um Kranke zu trösten oder Sterbende zu versehen. Darum taten sich die vier Gemeinden vor 500 Jahren zusammen, um die Mutterpfarre Wolfurt zu gründen und die Kapelle St. Nikolaus zur Pfarr- und Taufkirche zu erheben. Im Rahmen der Aktivitäten zu den Jubiläumsfeierlichkeiten ist auch die Idee entstanden, den ehemaligen Kirchweg von Bildstein nach Wolfurt zu reaktivieren und einen „Besinnungsweg“ in 7 Stationen zur Wallfahrtskirche in Bildstein neu zu markieren. schlichten Steinsäulen auch ein zum Innehalten, Beten oder Meditieren. Neben der ersten Säule im Holz ist in der kleinen Stele ein Behälter eingelassen, aus der man einen Wegbegleiter mit Informationen und besinnlichen Texten zu den einzelnen Stationen entnehmen kann. Die Falter liegen aber auch in den Kirchen, den Pfarr- und Gemeindeämtern zum Mitnehmen auf. Die Gehzeit beträgt rund zwei Stunden. Gelbweiße Pilgermarkierung. Wanderschuhe empfohlen. Weitere Informationen über die neue Homepage: www.pfarrewolfurt.at. Von der Pfarrkirche zur Wallfahrtskirche Der Weg führt abseits des Straßenverkehrs von der Pfarrkirche Wolfurt übers „Holz“(1) zur „Alten Schmiede“(2), dann durch den Ippachwald zu den „3 Gassen“ (3) und zur „Ebene“ (4). Nun überquert man den Ippachbach und gelangt in „Homalita“ auf die lichtdurchflutete „Paradieswiese“(5). Am höchsten Punkt genießt man einen herrlichen Weitblick über das untere Rheintal und den Bodensee. Nach einer kurzen Wegstrecke abwärts auf der Rutzenbergstraße sieht man bei dem Wegkreuz den Punkt (6) und erreicht nach wenigen Gehminuten durch den Wald den letzten Markierungsstein(7). Von dort geht es über die Wiese rechts abwärts bis zum Wanderweg von Staudach nach Bildstein. Nach der wildromantischen Rickenbacher Schlucht kommt man zur Erscheinungskapelle und erreicht dann die prachtvoll über dem Rheintal thronende Wallfahrtskirche Maria Bildstein. Dank Ein herzliches Dankeschön den Gemeinden Wolfurt und Bildstein, die die Errichtung des Weges unterstütz haben, besonders aber auch den vielen Mitgliedern der Pfarrgemeinde, die durch zahlreiche Einzelspenden und die Übernahme von Patenschaften die Realisierung des Besinnungsweges ermöglicht haben. Walter Reis, Jubiläumskoordinator 7 Steinsäulen markieren den Weg An markanten Wegkreuzungen stehen 7 vierkantige Sandsteinstelen aus dem nahe gelegenen Schwarzachtobel, in die jeweils eines der „Ich-bin-Worte“ Jesu aus dem Johannesevangelium eingemeißelt sind. Prof. Herbert Albrecht (Wolfurt) und Arch. Dipl.Ing. Karl Sillaber (Bregenz) haben das Projekt künstlerisch begleitet. Ein Falter als Wegbegleiter Der Weg durch eine abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft lädt mit seinen 8 Gemeindepanorama Neuer Infofolder: Freizeitangebot Bregenzerach Das Gute liegt oft nah: Das bestätigt die Bregenzerach mit ihren vielen Möglichkeiten für kurze und längere Erholungspausen. Unkompliziert zu Fuß, per Rad oder Bus zu erreichen, bieten die 15 Uferkilometer zwischen Kennelbach und dem Bodensee beidseitig Spannendes und Entspannendes bei jeder Witterung. Gewässer, Natur und Infrastruktur schaffen einen lebendigen Erholungsraum für die Menschen in der Nähe. Der neue Infofolder macht die vielseitigen Erholungs- und Freizeitangebote an und in der Bregenzerach in Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach und Wolfurt sichtbar. Unter dem Titel FÜNF GEMEINDEN – EIN FLUSS entwickeln die Gemeinden diesen Raum abgestimmt weiter und laden zur Nutzung über Gemeindegrenzen hinweg ein. Die Bregenzerach spielt speziell im Rheintal eine zentrale Rolle für die Lebensqualität in den Anrainergemeinden. Freizeitinfrastruktur, wertvolle Naturräume und das Erleben am und im Wasser bilden eine einzigartige Kombination für zigtausende Einwohner im Nahbereich. „Mit FÜNF GEMEINDEN – EIN FLUSS machen wir über Gemeindegrenzen hinweg auf den wertvollen Raum und die Vielfalt des Freizeitangebots an der Bregenzerach aufmerksam, sichern Wertvolles und laden zur sensiblen Nutzung ein“, erläutern die Vertreter der Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach und Wolfurt die Motivation hinter der Kooperation. Der neue Informationsfolder mit Übersichtskarte über alle Gemeinden, dezente Schilder an Bänken oder Spieleinrichtungen und Veranstaltungen im Sommer laden ein, das große Angebot kennenzulernen. „Die Qualität unseres Lebensraums – nicht nur an der Bregenzerach – profitiert stark davon, wenn möglichst viele Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus und Bahn unterwegs sind“, sind die Vertreter der fünf Gemeinden überzeugt. Einzigartiger Freizeit- und Erholungsraum in der Nähe Ergänzt mit der Freizeitinfrastruktur im Uferbereich und der leichten Erreichbarkeit für die Menschen bildet die Bregenzerach zwischen Kennelbach und der Mündung damit einen weitum einzigartigen Erholungs- und Freizeitbereich. Eine eigene Charta der fünf Gemeinden stellt sicher, dass der Raum sensibel und abgestimmt weiterentwickelt wird. Rücksicht auf Natur und Gewässer, der Einsatz möglichst ökologischer Materialien sind für die Verantwortlichen selbstverständlich. Vizebgm. Angelika Moosbrugger Bregenzerach: Naturwerte und Atmosphäre Die Bregenzerach auf der Strecke zwischen dem Schluchtausgang bei Kennelbach und der Mündung in den Bodensee zwischen Bregenz und Hard bietet viele natürliche Besonder- und Seltenheiten. Sandsteinschwelle oder die weitum einzigartigen Auwälder im Mündungsbereich sind von internationaler Bedeutung. Verschiedenste Tiere und Pflanzen, Landschaft, Wasser und Flussbett schaffen eine besondere, wertvolle Atmosphäre. Vielseitige Freizeitinfrastruktur, bewusste Mobilität Im Nahbereich der Bregenzerach liegen in den fünf Gemeinden verschiedenste Sport- und Freizeiteinrichtungen. Tennis, Fussball, Schützen oder Rollhockey sind nur einige Beispiele. Nahezu alle sind gut erschlossen mit Rad- und Fußwegen oder dem öffentlichen Verkehr. Gemeindepanorama 9 Straßenfest zur Eröffnung der neuen Inselstraße Mit einem tollen Straßenfest wurde am 06. Mai die neu sanierte Inselstraße eröffnet. Bei einem zünftigen Frühschoppen mit den „Zwei Burli´s“ erfreuten sich die zahlreich erschienen Anrainer und sparten nicht an Lob für ihre neue Straße. Bürgermeister Christian Natter begrüßte die Gäste und tat ebenfalls die Freude über das gelungene Projekt kund. Der Union Tennisclub Wolfurt sorgte für das leibliche Wohl und verwöhnte die Gäste aufs feinste mit Speis und Trank. Herzlichen Dank allen Mithelfern, vor allem dem UTC Wolfurt, Fam. Reinhard Rohner, Thomas Rohner und auch unseren Männern vom Bauhof. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur Die Zeiten sind gottlob aus und vorbei! Denn unser ausgesandter Hilfeschrei rief die Verantwortlichen auf den Plan. Sie nahmen entschlossen sich der Sache an und ließen Hoffnung uns schöpfen, indem sie versprachen Nägel mit Köpfen. Tatsächlich scheuten sie weder Müh noch Kosten, weshalb wir ihnen heut zu Recht zuprosten! Auch dank des Know-hows der Firma Schedler zeigt sich die Inselstraß‘ heute um vieles edler. Sie zieht sich wie ein schickes silbernes Band durch unser Wiesen-, Wohn- und Gartenland. Die Straße säumt ein teurer Pflastersaum, auch unterirdisch tut sich viel, man glaubt es kaum! Des Nachts die Straße ist dezent beleuchtet. Vor Dankbarkeit so manches Auge feuchtet. Auch hört man nur mehr leises Reifenbrummen, wenn Eltern ihrem Kind ein Schlaflied summen. Vor allem sind wir froh und wissen es zu schätzen, dass Raser weiterhin nicht können hetzen, da unser Wunsch nach Engstell‘n wurde respektiert, wofür den Politikern und Planern Dank gebührt! Vorplätze und Zäune sind wieder hergericht‘, alles tipp topp wie das sprichwörtlich‘ Gedicht! So bleibt uns zum Schluss nur eines zu sagen: Die Inselstraß‘ liegt uns nicht länger im Magen; groß ist vielmehr die Freud‘ auf unserer Seite, sie zieht sich über unsrer Gesichter volle Breite. Wir danken allen, die dafür ihr Bestes gegeben, und lassen zum Lohne sie dreimal hochleben! In ein Gedicht verpackte Gedanken vom Inselstraßen-Anwohner Mag. Josef Thaler: Es ist noch gar nicht lange her, da wurde uns das Herz recht schwer, wenn wir es mussten wagen, uns durch die Inselstraß‘ zu plagen. Auf dieser Straß‘ zu gehen oder fahren barg vielerlei höchst tückische Gefahren: Sei’s, dass in schwarzer Nacht du alles andere als sacht den nächsten Pfosten hast gerammt, weil – Herrschaftszeiten und verdammt! – kein Straßenlicht den Weg dir wies, was jedes Mal du fandest fies. Sei’s, dass auf Höh‘ von Geigers Haus gar deinem Leben drohte der Garaus, weil dort ein Höllenschlund, ein Schwarzes Loch, aus dem Gestank von übler Sorte kroch, dich zu verschlucken jedes Mal versprach, was uns bereitete viel Angst und Ungemach. Erst recht dein Herz rutscht‘ in die Hos‘, wenn „Regen“ hat gelautet die Prognos‘! Dann hieß es in die Stiefel schlüpfen, gekonnt von Inselchen zu Insel hüpfen, bisweilen gar ein Stück zu schwimmen, bis du das rettend‘ Ufer konntest erklimmen. Daneben musstest jederzeit du damit rechnen, dir eines Tages Knöchel oder G‘nack zu brechen oder Gesicht voraus – was für ein Shit! – direkt zu landen auf dem Fahrbahnsplit! Zu schweigen ganz von den gebrochnen Achsen! Die ließen deine Schulden kräftig wachsen. Und wenn des Nachts du endlich lagst im Bett und hofftest, dass der Gott des Schlafes dich errett‘, dann wurdest sicher du samt Ehekumpel am Schlaf gehindert durch ein laut‘ Gerumpel, weil ein Auto auf dem Schlaglöcher-Parcours aus der geforderten Slalomspur in deine Garage fuhr. 10 Gemeindepanorama Familien-Straßenfest in der Rosenstraße Bei traumhaftem Wetter fand am Weltspieletag, dem 28. Mai 2012, das erste Familien-Straßenfest in der Rosenstraße. Insgesamt 40 Erwachsene und 33 Kinder aller Altersklassen hatten sowohl an den vielen Spielstationen als auch beim gemütlichen Zusammensitzen viel Freude. Mit einem eigens entworfenen Stempelpass liefen die Kinder den ganzen Nachmittag von einer Spielstation zur nächsten und versuchten sich in vielen neuen Sportarten wie Basketball, Rollhockey, Fußball, Tischtennis, Bogenschießen usw. Ihre Geschicklichkeit konnten sie beim Stelzen laufen, Dosen schießen, Nageln usw. unter Beweis stellen. Der Spaß stand bei allen im Vordergrund. Ab 17:00 Uhr wurde anschließend miteinander gegrillt, gegessen und gefeiert. Leckere Kuchen und Salate wurden von den Teilnehmern mitgebracht. So trug jeder zum tollen Gelingen unseres Festes bei. In organisatorischen Fragen stand uns die Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite. Für das Ausleihen diverser Spiele erhielten wir dankenswerterweise finanzielle Unterstützung vom Land. Es war das erste, aber sicher nicht das letzte Straßenfest in der Rosenstraße, da waren sich alle Teilnehmer, ob Jung, ob Alt, einig! Elke Haller 7 Jahre Sprachencafé Wolfurt 10 native Speakers (Muttersprachler) sind regelmäßig dabei Interessante Gespräche in Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch Monatlich, jeweils am 1. Dienstag, treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Weg organisiert. Für Informationen ist sie unter der Tel. 0699 116 99 621 erreichbar. Karina Weg, Initiatorin Sprachencafé Gemeindepanorama 11 aha - Tipps & Infos für junge Leute Sommerliche Ferientipps Auf und davon: Sommerzeit ist Reisezeit! Passend zur Ferienzeit informiert das aha zu Sommercamps in Vorarlberg, Interrail, Wwoofen, Couchsurfing u.v.m. Wer kostengünstig reisen möchte, kann sich im aha einen Jugendherbergsausweis oder ISIC (Internationaler Schüler- und Studentenausweis) ausstellen lassen. Wen es nicht in die Ferne zieht, kann auch in und um Vorarlberg viel erleben. Im aha gibt es kostenlose Broschüren mit Freizeittipps für den gesamten Bodenseeraum. Sparen beim Autofahren Autofahren ist teuer. Alle 360-InhaberInnen können jetzt rund um den Führerschein kräftig sparen. Gegen Vorlage der 360 gibt es € 20,- Ermäßigung fürs Fahrsicherheitstraining im Rahmen des Mehrphasenführerscheins und € 19,- Ermäßigung für zusätzliches Moped-Praxistraining beim Fahrsicherheits-Zentrum. Wer nicht nur eine 360 sondern auch eine kostenlose Mitgliedschaft beim ÖAMTC hat, hat exklusiv das Recht auf eine gratis Vorführung von Moped, Vespa oder Auto beim ÖAMTC. Alle Infos zur 360Ermäßigung beim ÖAMTC gibt es unter www.360card.at/oeamtc. Alles Wissenswerte rund um den Führerschein findet man unter www.aha.or.at/fuehrerschein. Festivals in Vorarlberg Die Festivalsaison hat begonnen! Einen Überblick, welche Band wann und wo spielt, verschafft der Festivalplaner, den es kostenlos im aha gibt. Außerdem im Folder: Gutscheine für 360-Ermäßigung auf hochwertigen Hörschutz von hörwerk in Bregenz und Dornbirn sowie 20 % Vergünstigung auf alle Zelte, Schlafsäcke, Rucksäcke und Matten von Intersport Eybl in Hohenems. Ab sofort gibt's im aha Tickets fürs Szene Openair Lustenau, Woodrock Festival, Burn Out Festival und FREAKWAVE. Ohne Vorverkaufsgebühren und mit 360-Ermäßigung, also bis zu € 8,- billiger! „Last-Minute“-Sommerjob Wer bis jetzt noch keinen Ferialjob hat, für den wird es höchste Zeit. Sehr hilfreich bei der Suche nach dem geeigneten Sommerjob ist die aha-Ferienjobbörse. Ob klassischer Ferienjob als BriefzustellerIn oder actionreiche Beschäftigung als Kinder-SportbetreuerIn, die Auswahl in der Online-Börse unter http://ferienjob.aha.or.at ist groß und geht von der Aushilfskraft am Bauernhof bis zum/zur HilfsbademeisterIn. aha - Tipps & Infos für junge Leute 6900 Bregenz, Belruptstraße 1 aha.bregenz@aha.or.at, Tel 05574-52212 Sommeröffnungszeiten: Mo - Fr 10 -15 Uhr www.aha.or.at www.facebook.com/aha.Jugendinfo aha-Nachhilfebörse Wer die Ferien zum Lernen nutzen möchte und dabei Unterstützung braucht, bekommt im aha wertvolle Tipps für die Suche nach der passenden Nachhilfe. Unter http://nachhilfe.aha.or.at kann selbstständig nach SchülerInnen von Höheren Schulen, Studierenden bzw. Berufstätigen gesucht werden, die in ihrer Freizeit Nachhilfe anbieten. Wer lieber ein professionelles Nachhilfe-Institut in Anspruch nehmen möchte, kann sich ebenfalls ans aha wenden. www.360card.at 360 - Vorarlberger Jugendkarte 6850 Dornbirn, Poststraße 1 Tel 05572-52212-42 office@360card.at, www.360card.at www.facebook.com/360card 12 Gemeindepanorama Kermes in Wolfurt Der Islamische Kultur- und Bildungsverein richtete fast schon traditionsgemäß heuer ihre 5. Kermes in Wolfurt aus. Südliches Flair und große Gastfreundschaft bestimmten vom 18. bis 20. Mai das Gelände rund um das Vereinshaus. Mit viel Einsatz wurden die verschiedensten türkischen Speisen zubereitet und zum Verkauf angeboten, dazu gab es Ayran und Tee. Zahlreiche Gäste - mit und ohne migrantischem Hintergrund - ließen es sich 3 Tage lang gut gehen. Schon seit Jahren ist dem Verein das gegenseitige Verständnis unter den Kulturkreisen ein wichtiges Anliegen. Er möchte dies mit diesem Fest ermöglichen und unterstreichen. Die Organisatoren freuten sich heuer über den besonders zahlreichen Besuch und das große Interesse der Wolfurter. Es gab viele Möglichkeiten, mit den Besuchern, mit Nachbarn, Interessierten, Vertretern von Vereinen, Lehrern, Gemeinderäten usw. ins Gespräch zu kommen. „Die Menschen redeten miteinander über Themen wie Integration, über unsere Kinder und unseren Beruf. Eltern, deren Kinder in die gleiche Klasse gehen, trafen sich zum Teil zum ersten Mal. Es war für viele eine Bereicherung, sich bei einem Essen kennenzulernen und einfach über alles miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Besuchern, allen Beteiligten und Unterstützern.“, so Gökhan Eren als Mitorganisator. Die Mitglieder des islamischen Kultur- und Bildungsvereins arbeiten regelmäßig bei Schul- und Vereinsveranstaltungen mit. Auch sind sie aktiv beim Integrationskonzept und bei der Entwicklung des Sprachfördernetzwerkes Wolfurt dabei. Die Gemeinde bedankt sich für ihren engagierten Beitrag für ein gutes Miteinander in Wolfurt. Vizebgm. Angelika Moosbrugger und Gökhan Eren Gemeindepanorama 13 Da war was los im ganzen Dorf! Es war wirklich ein Festtag. Bei herrlichem Sommerwetter spielte ganz Wolfurt am Weltspieltag. Die Gemeinde nutzte den diesjährigen Weltspieltag, der alljährlich am 28. Mai stattfindet, um das Wolfurter Spiel- und Freiraumkonzept vorzustellen. Lautstark und kreativ machten einige jugendliche „Demonstranten“ auf ihre Situation aufmerksam und stellten ihre Forderungen: Baden an der Ach, Aufenthaltsmöglichkeiten und Herumtollen in Wald und Flur: keine Aufreger, nur etwas, das früher selbstverständlich war. Die Verantwortlichen aus Wolfurts Politik und Bauamt, Barbara Bohle als Vertreterin vom Land, Maria-Anna Moosbrugger als Landschaftsarchitektin versuchten, den Kindern und Jugendlichen Antworten zu geben. Früher war es sicher einfacher, sich draußen aufzuhalten und zu spielen. Es gab noch Platz und die Erwachsenen fühlten sich von Kinderlärm weniger gestört. Heute ist alles enger zusammengerückt, die Toleranz weniger geworden. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, sich bewusst um genügend und qualitätvolle Spiel- und Freiräume zu kümmern und diese zu sichern. Das Spiel- und Freiraumkonzept, ein mehr als 100 Seiten starker Katalog aus Erhebungen und Maßnahmen, ist dabei eine wichtige Hilfe. Entstanden ist er in einem intensiven Arbeitsjahr - unter Beteiligung von mehreren 100 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ziel ist es, die Qualität der Spielorte zu verbessern. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Wichtig ist, auf sich gegenseitig Rücksicht zu nehmen, damit ein gutes Miteinander und Nebeneinander möglich ist. Und da sind alle gefordert. Nach der kreativen Präsentation der Grundlagen des Konzeptes starteten in Wolfurt zahlreiche Aktionen: Ein Gauklerfest mit der Spielothek und der Kreativkompanie Xthesis, Straßenfeste in der Rosen- und Sonnenstraße, alte und neue Spiele wurden von unseren SpielexpertInnen, den Kindergärtnerinnen und Eltern, an allen Spielplätzen organisiert. Mit den Waldeulen konnte man den Wald fühlen, sehen und riechen. Im Oberfeld völkerten und musizierten junge und alte Anrainer miteinander und verschönerten die Straße. Auf den neuen Sitzstufen beim Beachvolleyballplatz an der Ach konnte nach dem matchen mit der Volleyballjugend pausiert werden. Der Jugendverein wawa organisierte Fußballspiele, einen Graffitiworkshop und stellte den neuen Jugendcontainer vor. Für Speis und Trank sorgten die Hafoloabar Läbbe und der islamische Kultur- und Bildungsverein. Tolle Fotos schoss das Fototeam Digital und stellte diese unter diesem Link zur Verfügung: www.weltspieltag.ft-digital.at Schon die Erstellung des Spiel- und Freiraumkonzepts wurde nur durch ein Miteinander ermöglicht. Die Präsentation und der ganze Weltspieltag waren ein Spiegelbild dessen. Danke an alle, die mitorganisiert und mitgemacht und/oder die Aktionen besucht haben. Schön, wenn dieser Tag „nachhallt“ und so manche Begegnung ermöglicht hat. Der nächste Weltspieltag kommt bestimmt! Bis dahin freuen wir uns auch auf Hinweise und Anregungen bezüglich der Spielorte und Freiräume in Wolfurt: alexander.wohlmuth@wolfurt.at Link zum Spiel- und Freiraumkonzept: http://www.wolfurt.at/node/6536 Vizebgm. Angelika Moosbrugger 14 Gemeindepanorama 2. Wolfurter Radtage am 30. März 2012 Zusammen mit der Wirtschaft Wolfurt, den ortsansässigen Fahrradhändlern, dem e5 Team und dem Team vom Weltladen wurden die 2. Wolfurter Radtage auf dem Wolfurter Markt organisiert. Obwohl es zu Beginn der Veranstaltung regnete, zeigten sich die Beteiligten „wasserfest“ und bewiesen, dass Fahrradfahren nicht nur für „SchönwetterFahrer“ ist. Für den Fahrradwettbewerb wurden Computer installiert, und das fleißige Team von Integra brachte Fahrräder auf Hochglanz. Sichere Gemeinden veranstaltete auf der Kelhofstraße einen Sicherheitsparcours, auf dem die Kinder ihre Fahrsicherheit trainieren konnten, und die Helmeinstellungen wurden überprüft. Fahrradhändler präsentierten ihre neuesten Fahrradmodelle der Kollektion 2012. Fundamtfahrräder wurden im Rahmen einer Versteigerung für den guten Zweck an neue Besitzer versteigert. Das Highlight war die Modeschau. Das Team vom Weltladen präsentierte die neueste Fair-Trade-Mode passend zu den Fahrrädern. Ob elegante Kleidung, sportlich bequem, für jeden war was dabei. Ob für Groß und Klein, ob für Sonnenschein oder Regen. Auch unser Bürgermeister Christian Natter zeigte als Modell gute Figur. Hemma Bildstein (Weltladen) als Hauptorganisatorin der Modeschau hat mit viel Liebe zum Detail die Accessoires der Firma Puchmayr und Radcult ausgesucht und zusammengestellt. Mit dem passenden Lied von Queen „I want to ride my bicycle“ wurden die Outfits und alles rund ums Fahrrad dem Marktpublikum präsentiert. Wolfurt ist fit für die neue Fahrradsaison. Gemeinderat Robert Hasler und Gemeinderätin Yvonne Böhler Tolles Vogelschutzprojekt erneut in Wolfurt Viel Begeisterung, Zeit und Arbeit steckt hinter der Idee, Vogelnistkästen zu bauen und sie an Schulkinder zu verschenken, welche die Kästen dann wiederum platzierten. Eine Anzahl heimischer Betriebe hat diese Aktion unterstützt, indem sie die Patenschaft für einen oder mehrere Nistkästen übernahmen. Die Nistkästen wurden speziell für Blau-Tannen und Schwanzmeisen gebaut. Folgenden Firmen wird herzlich für die Unterstützung gedankt: Doppelmayr Seilbahnen GmbH, Meusburger Georg GmbH&CoKG , JCL Logistics Austria GmbH, HABERKORN GmbH, PAWAG Verpackungen GmbH, Gerbr.Weiss Transport GmbH, Sparkasse Wolfurt, Schwendinger+Fink, Köb Holzheizsysteme GmbH, Vonier OG David Optik, Drexel und Weiss GmbH, Fidel Gmeiner GmbH&Co, Madia Maschinen Diamantwerkzeuge, Karl Puelacher, Initiator des Vogelschutzprojektes Umwelt 15 Sportlich zum Sport Wer mit dem Fahrrad zum Training, zum Wettkampf oder aufs Match kommt, tut sich, den Anrainern und der Umwelt etwas Gutes. Sei fit und mach mit! Unter diesem Motto starteten die Wolfurter Sportvereine, FC Wolfurt, Rollhockey-Club Wolfurt, den Wolfurt Walkers und Schützengilde Wolfurt gemeinsam mit der Gemeinde Wolfurt, mit Unterstützung unser beiden Fahrradhändlern Radcult und Puchmayr, heuer im Frühjahr die Aktion „Sportlich zum Sport“. Ziel der Aktion ist es, Matchbesucher aber auch alle aktiven Vereinsmitglieder zu motivieren, möglichst oft zu Fuß oder vom Auto auf das Fahrrad, oder den Bus umzusteigen. Das entlastet Umwelt und Anrainer und verbessert gleichzeitig die eigene Fitness! Nachdem bei den Sportanlagen in der Sportplatzstraße oft Parkplatzprobleme auftreten, haben sich die Vorsitzenden beider Ausschüsse für Mobilität - Umwelt und Infrastruktur Robert Hasler und Hans Fetz in Zusammenarbeit mit Martin Reis und Köb Alfred - diese Aktion ausgedacht und mit Hilfe der Sportvereine durchgeführt. Im Rahmen dieser Aktion wurde bereits beim Fronleichnahmsschießen, vom 07.-10. Juni, jedem der zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Öffentlichen Verkehrsmittel kam, ein Getränkegutschein im Wert von € 1,50 verteilt. Dies wird bei den anstehenden drei Heimspielen vom FC Wolfurt, und bei der Eröffnung der neuen Rollhockey Halle am Sonntag, dem 1. Juli, wiederholt. Gleichzeitig wird automatisch an einer Verlosung von 18 Gutscheinen im Wert von je € 50,-, gesponsert von unsern beiden Fahrradhändlern Puchmayr und Radcult, teilgenommen. Es würde uns sehr freuen, wenn sie beim Besuch der kommenden Sportveranstaltungen nicht nur unsere Spieler sondern auch möglichst viele Fans sich von der sportlichsten Seite zeigen würden! Gemeinderat Robert Hasler Fahrradwettbewerb … und auch Wolfurt radelt heuer wieder fleißig mit. Bislang haben mehr als 370 TeilnehmerInnen aus unserer Gemeinde schon über 93.000 Kilometer zurückgelegt. Der Fahrrad Wettbewerb ist eine landesweite Aktion, an der sich die Gemeinde Wolfurt bereits seit mehreren Jahren als Veranstalterin beteiligt. Im Rahmen eines Wettbewerbs werden unter allen Teilnehmern, die im Zeitraum von April bis September mit ihrem Fahrrad mehr als 100 Kilometer zurücklegen, attraktive Preise verlost. Zwischenstand von Wolfurt: Teilnehmer gesamt: 375 _______________________________________________________ km pro Teilnehmer: 249,13 km _______________________________________________________ Eingespartes CO2: 12.973,45 kg CO2 _______________________________________________________ gefahrene km: 93.422,96 km _______________________________________________________ Gespartes Geld: 39.646,77 € ______________________________________________________ Verbrannte Kilokalorien: 6.310.118,48 kcal Einkaufen leicht gemacht: Neue Förderung für Einkaufsanhänger Um das Fahrrad in vielen Lebenssituationen nutzen zu können, bemüht sich die Gemeinde, die Bürger in die verschiedensten Richtungen zu unterstützen. Der Erwerb von Fahrradanhängern für den Lasten- und Kindertransport wird in Wolfurt schon seit vielen Jahren gefördert. Neu ist hingegen, dass es seit heuer auch eine Förderung für den Kauf von eigenen „Einkaufs-Fahrradanhängern“ gibt. Die Förderung soll ein kleiner Beitrag dazu sein, den umweltfreundlichen Einkauf beim Wolfurter Nah-Versorger um die Ecke noch einfacher und attraktiver zu machen. Robert Hasler Gemeinderat für Mobilität und Umwelt 16 Umwelt Zeitgemäß pendeln Den Spritpreisen ein Schnippchen schlagen, Lebensqualität gewinnen und die Umwelt schonen. Mobilitätsjause in Wolfurt: Unternehmen und Gemeinden in der plan-b Region zeigen, wie bewusste Mobilität funktionieren kann. Mit einer „Mobilitätsjause“ feierten heuer am 23. April 2012 die Wolfurter Unternehmen Doppelmayr, Haberkorn Ulmer, Integra und Meusburger den nächsten Meilenstein in bewusster Mobilität: Ihre mittlerweile 17 gemeinsamen Jobräder haben beim Bahnhof Wolfurt einen eigenen Abstellplatz erhalten. Ein guter Anlass, interessierten Unternehmen aus der Nachbarschaft über die sehr positiven Erfahrungen zu berichten und neue Aktivitäten im regionalen Mobilitätsmanagement plan-b vorzustellen. Bereits seit 2010 sind sie unterwegs, die Jobräder der vier Unternehmen Doppelmayr, Haberkorn, Integra und Meusburger. Seither verkürzen sie für die MitarbeiterInnen die Distanz zwischen Bahnhof Wolfurt bzw. Haltestelle und ermöglichen es ihnen, mit Bus und Bahn zur Arbeit zu kommen. Untertags werden die Räder für betriebliche Erledigungen eingesetzt. „Wir haben die Zahl der Jobräder kontinuierlich aufstocken müssen, der Bedarf ist laufend gestiegen“, freuen sich die Initiatoren. „Die Räder sind ein wirksamer Beitrag dazu, dass unsere MitarbeiterInnen ihre Wege zur, während und von der Arbeit günstig, komfortabel und umweltfreundlich zurücklegen können.“ plan-b: Konkrete Mobilitätsangebote für Unternehmen und ihre MitarbeiterInnen Die plan-b Gemeinden und ihre Partner unterstützen Unternehmen dabei, bewusste Mobilität zu fördern. Konkrete Angebote: > kostenloses Informations- und Beratungsgespräch für EntscheidungsträgerInnen > Unterstützung bei der Analyse der Mobilitätssituation im Unternehmen > Kostenlose Infotage des Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) direkt im Betrieb, idealerweise kombiniert mit dem Job-Tikket, einem Schnupperangebot für interessierte MitarbeiterInnen > Beratung und Unterstützung bei der Realisierung z.B. von jobrad-Projekten > Verschiedene Informationsmaterialien, z.B. Leitfäden oder plan-b Radkarte. Zusätzlich arbeiten die sechs Gemeinden seit Jahren intensiv an einer attraktiven Infrastruktur für bewusste Mobilität. Das Bus- und Bahnangebot und ein dichtes Radwegenetz, Radabstellanlagen oder diverse Bildungs- und Marketing-Aktivitäten machen es leichter, ohne Auto unterwegs zu sein. Mehr Informationen erhalten Sie bei: www.mobilplanb.at Hasler Robert Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Viele Partner - neue Möglichkeiten Die Jobräder sind ein Projekt der Unternehmen Doppelmayr, Haberkorn, Integra und Meusburger. Unterstützt wurden sie von der Standortgemeinde Wolfurt, dem VVV, den ÖBB und dem regionalen Mobilitätsmanagement plan-b. Das Land Vorarlberg und der Kima- und Energiefonds des Bundes fördern die Umsetzung. „Was sonst eher kompliziert klingt – hier hat die größere Zahl von Partnern das Projekt beflügelt“, ist Bürgermeister Christian Natter überzeugt. „Die Zusammenarbeit über verschiedene Grenzen hinweg schafft neue Möglichkeiten für bewusste Mobilität – und damit mehr Lebens- und Standortqualität.“ Umwelt 17 Bäume und Sträucher an Straßen und Straßenkreuzungen bis Mitte August zurück schneiden So sehr wir alle das satte Grün von Bäumen und Sträuchern schätzen, so problematisch und gefährlich wird es, wenn Bäume und Hecken entlang von Straßen und Gehsteigen zur Behinderung werden. Neben den Unannehmlichkeiten die diese Tatsache für Fußgänger- und den Fahrzeugverkehr mit sich bringt, birgt sie ein erhebliches Haftungsrisiko für den Grundeigentümer. Die Anrainer von Straßen werden daher gebeten, schon im eigenen Interesse bzw. in eigener Verantwortung solche Gefahren umgehend zu beseitigen. Ansonsten müsste die Gemeinde gemäß AVG auf Rechnung und Gefahr des Grundstückseigentümers die Behinderungen durch den Bauhof entfernen lassen. Sylvester Schneider Danke für Landschaftsreinigung Wie alljährlich im Frühjahr fand kürzlich die Landschaftsreinigung statt. Es haben sich wieder zahlreiche Ortsvereine daran beteiligt, aber auch ganze Familien und viele Einzelpersonen. Obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt doch sehr gut ist, gibt es leider immer wieder Menschen, die ihren Müll achtlos wegwerfen oder ganz bewusst in der Natur entsorgen, um Müllgebühren zu sparen. Ich möchte deshalb auf diesem Wege allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich an der diesjährigen Aktion beteiligt haben, ganz herzlich danken. Ein ebenso herzlicher Dank geht auch an die Firmen: Bernd Bechter - Erdbewegungen, Schwendinger & Fink GmbH und die Firma Doppelmayr, die uns Fahrzeuge für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Christian Natter Abfüllen von Sandsäcken Die Feuerwehr Wolfurt organisierte eine Sandsackfüllaktion. Es wurden 2300 Säcke abgefüllt und 35 Tonnen Sand verarbeitet. Somit ist ein wichtiger Schritt für den Hochwasserschutz in Wolfurt getan. Als Verantwortlicher des Gemeinderats für Hochwasserschutz möchte ich mich recht herzlich bei allen Helfern bedanken, speziell bei der Firma Bechter Erdbewegung, welche den Platz für die Abfüllaktion zu Verfügung gestellt hat, und der Firma Bösch - Transporte für die Bereitstellung von Transportfahrzeugen. Hasler Robert Gemeinderat für Umwelt und Mobilität 18 Umwelt Tipps und Informationen aus dem e5-Team Ist Ihre Solaranlage fit für den Sommer? Die ruhige und geräuschlose Funktionsweise von Photovoltaikanlagen und thermischen Solaranlagen hat einen Nachteil: Es ist oft nicht auf den ersten Blick zu erkennen, ob die Anlage noch die ursprüngliche Leistungsfähigkeit besitzt oder möglicherweise bereits eine Reparatur notwendig ist. Verfügt Ihre Anlage über einen Wärme- bzw. Stromzähler, dann empfiehlt es sich, diesen monatlich abzulesen und die erzeugten Energiemengen über die Jahre zu vergleichen. Dadurch können Sie Ausfälle zeitgerecht erkennen und reparieren lassen und vermeiden längere Ertragsausfälle. Besitzer von PV-Anlagen können zu diesem Zweck auch www.solalbert.info nutzen und ihre Anlage mit anderen in der Nähe vergleichen. Zwei aktuelle Tipps zu Beginn des Sommers, der ertragreichsten Zeit für Solaranlagen: > Reinigen Sie die Glasflächen der Kollektoren, egal ob es sich um eine thermische oder PV-Anlage handelt! Verschmutzungen, die sich über mehrere Jahre angelagert haben, können zu Ertragseinbußen von über 10% führen. Werfen Sie bei dieser Gelegenheit auch einen Blick auf alle sichtbaren Teile der Kollektoren, um mögliche Schäden zu entdecken. Achten Sie aber bei Arbeiten in luftiger Höhe immer zuerst auf Ihre Sicherheit! > Schalten Sie (bei thermischen Solaranlagen) im Sommer alle anderen Heizsysteme aus, auch den Elektro-Heizeinsatz! Damit vermeiden Sie Stillstandsverluste an Heizkesseln und können ganz einfach erkennen, ob Ihre Solaranlage noch ordentlich funktioniert. Thermische Solaranlagen werden nämlich üblicherweise so dimensioniert, dass sie den Warmwasserbedarf in den Sommermonaten vollständig decken können. Wärmeverbrauch VS Mähdle (Auszug aus dem Energiebericht) Energiebericht 2011 fertiggestellt Seit über zehn Jahren erstellt die Marktgemeinde Wolfurt jährlich einen Energiebericht. Er umfasst eine Aufstellung sämtlicher Strom-, Wärme- und Wasserverbräuche der kommunalen Gebäude und Anlagen. Damit ist er ein Werkzeug, mit dem die Entwicklung der Gebäude verfolgt und das Erreichen der gesetzten Ziele überprüft werden kann. Nun liegt der Energiebericht für das Jahr 2011 vor. Insgesamt weist er gegenüber dem Vorjahr eine Verringerung des Wärmebedarfs um 5% (klimabereinigt) und des Stromverbrauchs um 6% aus. Diese Werte sind umso erfreulicher, als bisher beinahe in jedem Jahr eine Steigerung zu verzeichnen war. Zweifellos bestehen noch in vielen kommunalen Gebäuden Möglichkeiten zur Energieeinsparung. Diese werden von der Gebäudeverwaltung und vom e5Team nach und nach bearbeitet. Ein Beispiel für eine gelungene Verbesserung ist die Sanierung der Volksschule Mähdle. Hier ist der Heizwärmebedarf auf den Wert gesunken, der in der Planungsphase berechnet wurde (s. Grafik). Der gesamte Strombedarf der Wärmepumpe kann durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule gedeckt werden. Johannes Köb, e5-Team-Leiter Beleuchtung der Weberstraße wird effizienter Was viele Mitbürger irritiert hat, ist auch dem e5-Team negativ aufgefallen: Die Beleuchtung der Weberstraße ist wesentlich großzügiger dimensioniert als die vieler Gemeindestraßen. Dementsprechend hoch ist auch der Stromverbrauch. Um diesen zu verringern, ohne die Sicherheit von Fußgängern zu gefährden, wurde vor einigen Wochen ein Gerät installiert, das die Leistung der Straßenbeleuchtung in der Zeit von 23:00 Uhr bis 5:00 Uhr reduziert. Wir erwarten uns dadurch eine Ersparnis von ca. 6.000 kWh pro Jahr. Neubürgerticket eingeführt Neu zugezogene Gemeindebürger haben seit April bei der Wohnsitzmeldung die Möglichkeit, kostenlos ein Schnupperticket des Verkehrsverbunds zu erhalten. Es handelt sich dabei um einen Fahrschein, der für zwei Wochen in den Regios 1 und 2 (d. h. von Götzis bis ins Leiblachtal) gültig ist. Er ist innerhalb der Familie übertragbar. Interessierte Personen können mit dem Schnupperticket testen, ob sie einen Teil ihrer Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln abwickeln können. Die Kosten für das Neubürgerticket werden je zur Hälfte vom Verkehrsverbund Vorarlberg und von der Marktgemeinde Wolfurt getragen. Umwelt 19 15 Jahre Markt - Wolfurt feiert mit allen Sinnen! Seit 15 Jahren ist der Wolfurter Markt im Dorfzentrum ein beliebter Treffpunkt. Angeboten werden frische und gute Produkte aus der Region, aber auch ein geselliges Beisammensein ist möglich. Besonders der Freitag Nachmittag bietet sich an, Freunde und Bekannte auf dem Markt zu treffen und die Woche gemütlich bei einem Gläschen ausklingen zu lassen. Neuigkeiten können ausgetauscht werden. Zwischen 20 und 24 Marktstände bieten jeden Freitag von 14:00 - 17:00 Uhr eine breite Auswahl an. Zusammen mit dem Wirtschaftsausschuss und dem Kernteam der Wirtschaft Wolfurt ist ein interessantes, abwechslungsreiches Programm aus Anlass des 15-jährigen Jubiläums zusammengestellt worden. Tasten - riechen schmecken - hören - sehen! In der Zeit vom 30. April bis 1. Juni wurde intensiv mit einem schönen Marktprogramm und tollen Aktionen gefeiert. Unter dem Motto „mit allen Sinnen“ eröffnete die aus Wolfurt stammende und amtierende Miss Vorarlberg, Lourdes, den Markt. Insgesamt 400 Blumenstöcke erhielten die Marktbesucher, unter anderem von Bürgermeister Christian Natter, als Dankeschön verteilt. Mit verschiedenen Aktionen wurden die Marktfahrer unterstützt. Bernd Hörfarter brachte seine Ziegen auf den Markt - ein Streichelzoo zum Anfassen für die Kinder. Es gab Bastelmöglichkeiten, eine Hüpfburg und natürlich waren fröhliche, geschminkte Kinder auf dem Marktplatz zu sehen. Am 11. Mai fand ein Vogelscheuchen Wettbewerb statt. Die Volksschule Bütze beteiligte sich daran mit einer tollen Vogelscheuche. Ziel war es, auch den Kindern die Bedeutung vom eigenen Ackerbau zu erklären, und im Zuge der Globalisierung den Eigenvorrat nicht zu vernachlässigen. Da vieles mit Arbeit verbunden ist und auch die getane Arbeit, besonders das Saatgut vor Vögeln geschützt werden muss, ist eine Vogelscheuche erforderlich. Elisabeth Zeiner, Projektleiterin des "Vereins vom Ländle Bur", der Vereinigung der Vorarlberger Direktvermarkter organisierte die Veranstaltung. 20 Wirtschaft
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Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1993 19.11.2012, 18:28 Heft 13 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 1993 Hofsteig Inhalt: 55. 56. 57. 58. 59. Ein Hof Steiger Siegel Hofsteig Ammänner Der Gemeine Mann Die Schneider 60. 61. 62. 63. 64. Mutter in Nöten, Auswanderer Dorfschmiede Stammvater Fischer Fußball und Liebe Kügolo Zuschriften und Ergänzungen Hofsteig Das vorliegenden Heft ist mit Beiträgen von Siegfried Heim vor allem der Erforschung des Gerichtes Hofsteig gewidmet. Bildnachweis Siegelzeichnungen aus dem Landesarchiv und aus «Lauterach 1953» S. 8 von Risch Lau S. 37 von Paula Klien S. 44 von Wilfred Schneider Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. Druckfehler-Berichtigung Heft 12, Seite 39: Die neue Straße in den Bregenzerwald wurde 1838 eröffnet, nicht 1833. Wieder haben sich eine ganze Reihe von Wolfurtern aus nah und fern mit Anfragen und Bestellungen unserem Kreis angeschlossen. Aus Hohenems schrieb Engelbert Köb, Bahwächtars, Jahrgang 1916. Wie Großvater und Vater war er ein Leben lang Eisenbahner «mit Leib und Seele.» In seiner harten Kindheit wohnte er mit Eltern und sechs Geschwistern in verschiedenen Rickenbacher Mietwohnungen, zuletzt im «Bahwächtarhüsle Nr. 20» im Kessel. Von dort aus ging er zu Sr. Sebastina und Schulleiter Klocker in die Volksschule, bis er 1924 mit seiner Familie nach Dornbirn übersiedelte. Seine beiden Brüder sind im Krieg gefallen, Alwin (1913) schon 1942 bei Murmansk, Willibald (1910) 1944 bei Nettuno in Italien. Von Engelberts erwachsenen Kindern hat sich der Lehrer Martin Köb mit Ingrid Braitsch von der Bucherstraße eine Wolfurterin zur Frau genommen. Herzliche Grüße! Aus Bregenz grüßt uns Hildegard Böhler, 1922, die Zweitälteste von den «Sibo Moatla» von Sternenwirts August (Böhler) und Seppos Gebhardie (Fischer). Sie kamen alle sieben im Seppar-Hus auf der Steig zur Welt und übersiedelten später ins Vorkloster. Weil noch kaum Autos fuhren, war die Straße der Spielplatz. Beim «Fängarles» lief die 5jährige Hildegard gegen Paul Schwarz's nobles Auto. Zufällig kam gerade der Kennelbacher Doktor, auch mit einem neuen Auto, daher und verarztete die Kleine. Es gab einen Riesenauflauf - wegen der Autos! Nie vorher hatte man auf der Steig zwei Autos gleichzeitig parken gesehen. Viele aufmerksame Leser fand das «Bütze»-Heft (Heimat 12). Mehrmals bedankte sich Veres Armin aus der Villa. Natürlich kannte er die letzten Bewohner der unteren Spinne (S. 28) noch gut. Der Vernickler hieß Hummel und kam aus Reutlingen. In seiner Werkstatt montierte er auch Bügeleisen und Schnellkochtöpfe zusammen. Nach ihm zog der Frächter Siegmund Greußing, ein Bruder des Schoppernauer Hirschenwirts, mit seiner schneidigen Frau und vielen Kindern in die baufällige Bude ein. Armin erinnert sich noch gut an den großen Mercedes-Lastwagen des Frächters von 1928, fast noch besser aber an seine hübschen Töchter Mika, Johanna, Martina und Frieda. Einen ganz besonderen Klang hat «Heimat Wolfurt» für die Auswanderer in ferne Länder. Zuerst kamen heuer die Schneider aus Kanada und wurden gastlich aufgenommen. Mr. Wilfred schrieb nachher: «Not a day goes by that I don 't think of the wonderful holiday we had in Wolfurt. I only wish that Wolfurt was not so far away.» 1 Danke! Auf Konto Raiba 87957 sind wieder eine Reihe von Beiträgen eingegangen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Ganz überraschend tauchte dann auch ein Nachkomme jenes Josef Mohr auf, der um 1870 aus der Bütze nach Amerika ging und es dort zu Wohlstand brachte. Mr. Buchner durchstreifte auf eigene Faust unser Dorf, landete, aber schließlich doch bei Raimund Mohr,einemVetter. Jetzt werden Briefe und Bilder ausgetauscht. Und mit besonderer Freude durften wir Anfang September Barcattas Marianne begrüßen, die seit 1958 in Buenos Aires lebt. Sie hielt brieflichen Kontakt mit Bechters Tone und seiner Frau Rosmarie. Als wir über sie (in Heimat 10, S.3) berichteten, schrieben ihr noch mehr Schulkollegen und Nachbarinnen. Das hat den Anstoß gegeben, daß Marianne mit ihrem Mann den Flug wagte, um noch einmal den Bildsteiner Berg zu sehen. Bechters nahmen sie freundlich auf. Im Landesmuseum hat Mag. Pichler eine große Ausstellung über die Schicksale der Vorarlberger Auswanderer gezeigt. Im Herbst wird darüber ein Buch erscheinen. Unter etwa 5000 Namen sind 400 aus Wolfurt, die zwischen 1850 und 1930 ihr Glück in der Fremde suchten. Siegfried Heim Ein Hofsteiger Siegel entdeckt Bei Umbauarbeiten in seinem Haus Bregenzerstraße 8 machte der Besitzer Erich Geiger vor einigen Jahren einen seltsamen Fund. In einem Zwischenboden versteckt lagen zwei Stichwaffen und ein Stempel. Die Waffen sind ein kurzes dreikantiges Bajonett, aus Eisen grob geschmiedet, und ein einfacher gebogener Säbel mit schlichtem Holzgriff, dazu eine stark abgenutzte Lederscheide. Der Stempel ist ein sogenanntes Petschaft, mit dem Amtspersonen einst in Wachs oder Siegellack die Siegel zur Beurkundung wichtiger Dokumente fertigten. Am eisernen Schaft fehlt der Holzgriff. Auch die in feinster Arbeit geschmiedete Platte mit 38mm Durchmesser weist am Rand einen Schaden auf. Das Wappenbild selbst ist aber ausgezeichnet erhalten. Es zeigt einen Doppeladler, den mächtigen Adler des römisch-deutschen Reiches, in der Form, wie ihn die letzten deutschen Kaiser bis 1806 verwendeten. Es handelt sich also um ein kaiserliches Siegel. Die beiden durch Kreise geschmückten Köpfe tragen gemeinsam eine Krone. Der linke Fang hält den Reichsapfel, der rechte Reichsschwert und Zepter. Zwischen den mächtigen Schwingen ist der Rumpf aber durch einen Schild mit dem Wolfurter Wappen, dem rechts steigenden gekrönten Wolf auf den Streifen der Furt, verdeckt. Gut lesbar ist die Schrift, von der nur drei Buchstaben fehlen. Es sieht so aus, als ob diese mit einer Jahreszahl oberhalb der Krone herausgebrochen worden wären. «(S)IG IUDICII DELEGATI ANTE MONTEM ARLE IN HOFSTE(IG)...» «Siegel des übertragenen Gerichts vor dem Arlberg in Hofsteig». Der Fund und das Bild geben einige Rätsel auf. Wann und warum wurde das HofsteigSiegel hier versteckt? Wieso das Wolfurter Wappen für Hofsteig? Wieso «delegatum» ? Ich versuche, eine Antwort zu finden. Ein bisher unbekanntes Hofsteigsiegel mit dem Wolfurter Wappen auf dem Reichsadler. Um 1790 geschaffen. 2 3 Das Geiger-Haus im Röhle wurde 1802 von Johann Georg Klocker (geboren 1773 im Kirchdorf Wolfurt) erbaut, der hier mit seiner Frau Franziska Reiner die Sippe «Stricker»Klocker begründete. Ganz in der Nähe, im alten Gasthof «Engel» am Kirchplatz, lebte damals der AltLöwenwirt Joseph Fischer (1723-1809), der den «Löwen» in Rickenbach an seinen Sohn Josef jun. übergeben hatte. Ab 1764 bis 1776 und noch einmal 1783 bis 1789 hatte Joseph Fischer als Hofsteig-Ammann die Verantwortung für das Gebiet vom Bodensee bis zu den Steußberg-Gemeinden getragen. Die Dokumente hatte er anfangs, wie alle Ammänner vor ihm, mit einem persönlichen Siegel gefertigt. Im Jahre 1784 waren aber die Befugnisse des Gerichtes im Zuge der Reformen Josef II. beschnitten worden'. Eine arge Bürokratisierung setzte ein. Um diese Zeit dürfte auch erstmals ein Hofsteig-Siegel geschaffen worden sein, das nicht ein persönliches Ammann-Siegel war. Der Reichsadler und das Wort «delegatum» machen es zu einem kaiserlichen Siegel. Die Rechte des uralten Gerichts Hofsteig werden ausdrücklich als vom Kaiser «übertragen» erklärt. Weil es bisher ein gemeinsames Hofsteiger Symbol nicht gegeben hatte, setzte man das Wappen der Ritter von Wolfurt in den Brustschild ein. Sicher kannte der Rickenbacher Ammann Fischer das Wolfs-Wappen, das aber bisher immer nur zum Schloß gehört hatte und von den verschiedenen Geschlechtern von Wolfurt als persönliches Wappen getragen worden war. Zur Gemeinde hatte es wenig Bezug, schon gar nicht zu den anderen Hofsteiggemeinden Lauterach, Hard und auf dem Berg. Dort mußte es als fremd empfunden werden und die Ablehnung gegen die josefinischen Reformen noch verstärken. Es ist bis jetzt auch kein Dokument bekannt, das mit diesem eigenartigen Petschaft gesiegelt worden wäre. Joseph Fischers Nachfolger im Ammannamt wurden 1790 der Wolfurter Schwanenwirt Joh. Georg Reiner, dann 1794 der Rickenbacher Josef Anton Böhler und 1800 bis 1802 noch einmal Joh. Georg Reiner als letzter Wolfurter Ammann. Dieser dürfte das Petschaft in den unruhigen Zeiten der Franzosenkriege vorerst behalten haben. Mehrfach wurde der Schwanen,das erste Wolfurter Gasthaus beim Brunnen am Kirchplatz, mit Einquartierung belegt und auch geplündert. Im Bestreben, das für ihn als Symbol der Ammannwürde des Gerichts Hofsteig so wichtige Petschaft vor dem Zugriff der Häscher zu verbergen, dürfte er es seinem Schwiegersohn Joh. Georg Klocker im Röhle anvertraut haben, der es im Dachboden seines neuen Hauses versteckte. Weil das Gericht 1806 von den Bayern aufgelöst wurde, brauchte man das Siegel nicht mehr. So wurde es vergessen. Aber noch ein anderer Hofsteig-«Schatz» ist im Röhle erhalten geblieben. Ammann Fischers Enkel gaben den «Engel» wieder auf. Einer übernahm den Adler in Rickenbach, ein anderer das neue Haus im Röhle, das sie 1835 gebaut hatten (Bregenzerstraße 9, Der alte Schwanen (links) und der 1860 erbaute neue Schwanen. Im alten Schwanen lebte der letzte Wolfurter Hofsteigammann Joh. Georg Reiner um 1800. Sammars). Aus «des Ammanns» Kinder machten die Wolfurter schon vor 150 Jahren den Hausnamen «Sammars». Seit dort der allgemein beliebte Fahrzeugmechaniker Sammars Hubert, 1909-1987, gestorben ist, lebt nur mehr als einziger Namensträger Fischer sein Bruder Arthur in der Lerchenstraße. Dieser bewahrt aus dem Ammann-Nachlaß ein letztes kostbares Erbstück auf, ein dickes, in Leder gebundenes Buch. Ammann Joseph Fischer hat es sich in seiner ersten Amtsperiode 1766 anfertigen lassen: «Das Weyland des EdlenVesten HansGeorgen von wolfurt hinterlassenen Zehendt Buch, so er mit aigener hand In folio geschrieben und also intitulirt hat... auf das Jahr 1576.» 200 Jahre lang waren nach diesem Buch die Zehentabgaben zwischen Sulzberg, Hard und Möggers im Raum Bregenz eingesammelt worden. Es enthält eine Fülle kulturhistorischer Details, wie alte Maße, Alprechte und anderes. Dieses Buch schrieb der Pfarrer von Scheffau Bartholomäy Finck, AD 1766, für den neuen Ammann ab «von wort zu wort gleich lauthend.» So lange ist es nun schon in «s Ammas» Besitz. In ganz Vorarlberg verstreut leben übrigens noch viele Nachkommen des Ammanns Fischer aus den Linien der «Löwenwirtler» und der «Altadlerwirts». Als Beispiele nenne ich den Generalvikar Dr. Elmar Fischer in Feldkirch, den Stadtrat Rudolf Fischer in Dornbirn und den Frauenarzt Konsul Dr. Ivo Fischer in Bregenz. Auch der bedeutende Feldkircher Historiker Gebhard Fischer, 1852-1935, Gymnasialdirektor, Ehrenbürger und Ritterkreuzträger des Franz-Josefs-Ordens, war ein Löwenwirtler aus Wolfurt. Ammann Reiners Geschlecht ist dagegen im Mannesstamm ausgestorben, denn sein einziger Sohn Columban Reiner, 1676-1838, wurde Priester und war viele Jahre Pfarrer in Lauterach. Die Tochter Franziska aber, verheiratet seit 22. November 1802 mit Joh. Georg Klocker im Röhle, hat dafür gesorgt, daß das Ammann-Blut auch noch heute in Wolfurt in den zahlreichen «Strickar»-Nachkommen weiterlebt. 5 1 Bilgen, Geschichte IV., S. 125ff 4 Siegfried Heim Hofsteig Zwischen der Bregenzerach und der Dornbirnerach faßt man heute sechs Gemeinden als «Hofsteig»-Gemeinden zusammen: zwei in der Ebene: Hard und Lauterach zwei am Talrand: Wolfurt und Schwarzach zwei auf dem Steußberg: Bildstein und Buch. Sie umfassen zusammen eine Fläche von etwa 60 km2, wobei Hard mit 18 und Lauterach mit 12 km2 schon die Hälfte besitzen. Die anderen 30 km2 sind aufgeteilt auf Wolfurt mit 10, Bildstein mit 9, Buch mit 6 und Schwarzach mit 5 km2. 1991 wurden insgesamt 30.178 Hofsteiger gezählt, über 10.000 davon allein in Hard.1 Auch Alberschwende hatte immer eine enge Verbindung mit Hofsteig, besaß aber seit 1451 - zeitweise gemeinsam mit Lingenau - ein Eigengericht und einen eigenen Abgeordneten zu den 24 Vorarlberger Landständen. Der Dornbirner Historiker Kalb versucht 1 nachzuweisen, daß die Hofsteiger Südgrenze im Mittelalter nicht an der Schwarzach, sondern am Stiglinger Sumpf lag2. Demnach gehörten auch Haselstauden und der Haselstauder Berg ins Hofsteiger Einflußgebiet. Als Beweise nennt er die alten Steußberger Familien Sohm, Winder, Gmeiner, Kalb, Köb und Höfle, die auch zu den wichtigsten Geschlechtern in Alberschwende und Haselstauden zählen. Als die Alemannen um 500 nach Chr. Geburt das Unterland besiedelten, suchten sie in dem sumpfigen und von den Hochwässern von Rhein und Ach bedrohten Gebiet feste Plätze an den Bächen aus, die für den Weizenanbau geeignet waren. Jeweils eine Gruppe von Siedlern schloß sich zu einer Markgenossenschaft zusammen. Rechts der Ach waren das Hofrieden bis zur Leiblach, links neben Hofsteig noch Dornbirn-Hatlerdorf und HöchstSt. Margarethen. In Hofsteig gab es geeignete Gründe am Talrand auf den Schuttkegeln der Bäche in Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach. Dazu kam der feste Grund an der Lauterach, wo sehr früh die Orte Lauterach im heutigen Unterdorf und Hard im Bereich der Mittel weiherburg entstanden. Ein zusätzlicher Anreiz waren die Römerstraße, die am Hang entlang von der Ach über Oberfeld - Wolfurt - Rickenbach - Schwarzach ins Oberland führte, und die zweite Römerstraße, die von Bregenz über Lerchenau und Mittelweiherburg in die Schweiz nachweisbar ist. Freie Bauern bewirtschafteten hier gemeinsam ihre Mark: die Äcker, die Weiden, die Wälder. «Allen soll alles gemeinsam sein!» schreibt eine Urkunde von 891.3 Aber die Freiheit verpflichtete auch zum Kriegsdienst und war nicht immer erstrebenswert. Viele übergaben daher ihren Anteil und sich selbst dem Grafen oder einem Kloster, in dessen Schutz sie sich besser geborgen wußten. Ein frühes Dokument dazu ist jenes, in dem Gerhart aus «luteraha» seinen Besitz im Jahre 853 dem Kloster St. Gallen vermachte.4 Viel mehr Unfreie zogen aber die gräflichen Höfe an sich. Einer davon war der Kellhof im heutigen Kirchdorf Wolfurt, seit 955 Privatbesitz der Pfullendorfer Grafen, die hier ihre Kapelle St. Nikolaus stifteten, dann Eigentum des Kaisers Barbarossa. Später kam der Kellhof Wolfurt mit seinen bis zu 200 Eigenleuten nacheinander in den Besitz des Klosters Weißenau bei Ravensburg, der Herren zu Werdenberg-Bludenz und ab 1402 der Grafen von Montfort-Bregenz und MontfortTettnang. Von letzteren kauften ihn schließlich 1458 die Grafen von Hohenems. Mit dem Emser Besitz fiel der Kellhof erst 1765 an Österreich, also 300 Jahre später als Hofsteig. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß der Kellhof nie eine geschlossene Einheit war, sondern ein Zusammenschluß von Personen. Ihr Besitz lag schließlich zum großen Teil außerhalb von Wolfurt am Steußberg, in Schwarzach, Kennelbach, Fluh und Langen.5 Genaue Zahlen in Heimat 8, Seite 4 2 3 Franz Kalb, Dornbirn, 1984, Seite 96 Bilgen, Geschichte I, S. 57 Bilgen, Geschichte I, S. 84 Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV 1952 Hofsteig auf der Blasius Hueber-Karte von 1783. Man sieht noch die alte Straße von Lauterach nach Rickenbach. Die ganz neuen Landstraßen durch das Ried und nach Hard haben aber den Verkehr an sich gezogen. 4 5 6 7 und Gewichte. Darüber hinaus war er eine soziale Einrichtung. Er besaß ein Armenhaus und sorgte für die Waisenkinder. In der Herberge bot er Gastfreundschaft. Ein umzäunter Platz gab die Möglichkeit zur Rast für Mann und Pferd. Dieser Platz war der Mittelpunkt des Hofes und erhielt später eine große Laube für Versammlungen. Hier wurde Gericht gehalten, doch war die Laube auch der Ort für Tanz und Spiel.6 So fand der Zehent vielfältige und nützliche Verwendung. Ein großer Teil der Vorräte, die der Ammann mit seinen Zinsknechten in den Speichern des Hofes gesammelt hatte, mußte allerdings an den Lehensherrn, den Grafen auf Schloß Bregenz, abgeliefert werden, ein Teil auch an das Kloster Mehrerau. Die Mehrheit im Dorf bildeten aber nicht die Hofsteigbauern. Es gab auch viele Freie. Für sie bestand bis 1338 ein Gericht der Freien zu Schwarzach, wo der Graf selbst Gericht hielt. Um die Jahrtausendwende hatte sich der Hof zu Steig nach Lauterach und Hard ausgedehnt. Nun begann man mit der Rodung des Steußbergs und der Besiedlung des Bregenzerwaldes. «Steußberg» ist der alte Name für Bildstein und bedeutet nach der ältesten Bildsteiner Chronik «Steigs-Berg». Sprachforscher nehmen allerdings den Wortstamm «stoß» als Namensursprung an. Bei der Besiedelung des Bregenzerwaldes ergab sich ein Interessenskonflikt. Die BregenzMontforter Grafen erschlossen von Hofsteig aus zuerst Alberschwende und den Lingenauer Raum für sich, dann auch Andelsbuch, wo sie um 1086 am Grab des seligen Diedo sogar ein Kloster errichteten. Die Pfullendorfer dagegen erwarben von ihrem Kellhof bei St. Nikolaus in Wolfurt aus den Raum Egg-Schwarzenberg. Zwei Saumwege führten über den Steußberg. Der eine war der Weg für die Kaiserlichen über Buggenegg und die Roßgaß nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den Reichspfarren Egg und Schwarzenberg. Der andere für die montfortischen Hofsteiger führte über Linzenberg und Farnach nach Alberschwende und Lingenau. Als ab 1075 der Streit zwischen Kaiser und Papst das Land verwüstete und die Kaiserlichen die papsttreue Stadt Bregenz verbrannten, gab es auch im Hofsteiger Raum Brand, Raub und Totschlag. Vielleicht hat der gewaltsame Tod des seligen Merbod, der die Bregenzer Grafen vertrat, hier seine Ursache. Urkunden fehlen ja, wie Erich Winder sorgfältig erforscht hat.7 Aber sicher waren keine bösen Heiden die Totschläger. Weil sich also der Kellhof Wolfurt mit Lindau nach Pfullendorf und Schwaben orientiert hatte, lag der Schwerpunkt von Hofsteig bald in Lauterach. Folgerichtig wurde daher auch im 13. Jahrhundert der Sitz des Gerichtes Hofsteig nach Lauterach verlegt. Aus dem Jahre 1260 datiert eine Urkunde mit dem Namen «curia staige» (Genossenschaft Steig). Ein Ammann bekleidete eine einmalige Doppelfunktion. Einerseits war er Vertrauensmann des Volkes und wurde von diesem gewählt und anerkannt. Andererseits war er aber der Verwalter des Grafen, von diesem als Stellvertreter eingesetzt für Zehenteinhebung und Gericht. 6 7 Gebhardsberg um 1950. Kirchlein und Gasthaus in den Ruinen von Burg Pfannenberg. Hier herauf mußten die Hofsteiger ihren Zehent abliefern. Der zweite Hof gehörte den Udalrichinger Grafen von Bregenz. Er stand draußen auf der Steig bei Rickenbach. Nach der Überlieferung sollen die Häuser Hofsteigstraße 46 und Rutzenbergstraße 1 und 2 heute seinen Platz einnehmen. Ein Ammann verwaltete hier die Güter für den Grafen. Die Bauern, die ihren Besitz der Schutzherrschaft des Hofes anvertraut hatten, erhielten denselben als «Lehen» zurück. Dafür mußten sie Abgaben zahlen. Der Großzehent bestand aus jeder zehnten Garbe von Getreide und Heu und jedem elften Maß Wein. Kleinzehent wurde von Kälbern, Gänsen, Hühnern, Milch, Käse, Eiern genommen, auch von Obst, Gemüse, Flachs und anderen Erträgen, doch konnte man Kleinzehent oft durch Frondienst abgelten. Am drückendsten aber war der «fal», der beim Ableben des Lehensbauern «fällig» wurde, meist als «besthaupt» im schönsten Pferd oder Rind aus dem Stall und als «häsfal» im besten Kleid aus dem Kasten. Für diese Abgaben bot der Hof mehr als nur Schutz in Kriegszeiten. Er zwang wie in einer großen Familie zu einer Gemeinschaft unter der Leitung erfahrenenr Männer. Er verlieh Pflug und Wagen. Er stellte den Schmied, die Mühle, den Weintorggel, den Metzgerzuber und die Badgelte. Der Hof hielt Hengst, Stier und Eber. Er verlieh und kontrollierte Maße 8 Nach Bilgen, Holunder 1932, Nr. 35 Winder, Alberschwender Lindenblatt 1972/1 9 der Wolfurter zur linden. Wahlberechtigt waren jene Männer, die eine Waffe tragen durften. Auf ein Zeichen des Vogts liefen sie zu dem Mann ihrer Wahl. Mit Strichlisten zählten Vertrauensleute die drei hauffen. Wer das mehr hatte, war für drei Jahre zum Ammanngewählt. Dann bestimmte man zwölf richter (Geschworene) als Berater des Ammanns und Vertreter ihrer Dörfer. Sie nahmen an seiner Seite Platz. Nun wurden durch weiteren Zulauf noch ein waibel (Polizist und Gemeindediener), ein Müller und ein Müllerknecht gewählt und sieben dorfgenossen (Dorfmeister) eingesetzt, je zwei für Hard, Lauterach, Wolfurt und einer für Schwarzach. Jeder mußte feierlich mit aufgehobenem Hand schwören, dem Landesfürsten getreu zu dienen und des Gerichts Hofsteig Nutzen zu fördern, sowie allzeit unparteiisch zu entscheiden, als mir gott helfe und alle hailigen!10 Auch die Gastwirte mußten diesen Eid schwören. Im Namen des Fürsten hob der Ammann von nun ab Zehent und Abgaben ein, beglaubigte mit seinem Siegel Verträge, Käufe und Schuldscheine und sorgte für die Einhaltung der im Landsbrauch aufgeschriebenen Gesetze. Er verwaltete mit seinen Richtern die gemeinsamen Weiden und Wälder, beaufsichtigte die Pflege von Straßen, Brücken und Gräben und bestimmte Saat und Ernte in den Weizenfeldern. Eigene Verträge regelten die aufwendigen Dammbauten gegen die Überschwemmungen durch die Bregenzerach. Sie leben noch heute in der «Linksseitigen Achwuhr-Konkurrenz» fort. Als besonders wichtig erwies sich auch die jährliche Kontrolle der Marken und Zäune. Zu den sozialen Aufgaben des Ammanns gehörte die Führung der Waisenbücher. Hofsteigdörfer um 1940. Blick vom Hinterfeld zum See. Aus den Obstbaumwäldern strecken sich die Kirchtürme von Wolfurt, Lauterach und Hard. Da war es wichtig, daß er gute Berater zur Seite hatte und die mündlich überlieferten Gesetze genau kannte. Erst im Jahre 1544 wurden dieselben als «alter landsgebrauch des gerichtz Hofstaig» aufgeschrieben. Alle drei Jahre wurde gewählt. Vormittags zogen die Amtsleute zum Gottesdienst in die Mehrerau, nahmen dort auch das Mittagsmahl ein und trafen sich dann in Lauterach auf dem Gerichtsplatz beim «Scharfen Eck» mit dem Volk, das vom See und vom Berg herbeigeströmt war, zur Wahl. Nach dem Rücktritt des alten Ammannns mußten drey ehrliche männer vorgeschlagen werden, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, ahm berg oder von Schwartzach.* Der Vogt nominierte im Namen des Fürsten die Kandidaten. Sie mußten der oberkait gefällig und habhaft9 sein. Es kamen also nur reiche Leute in Frage, meist Wirte oder geachtete Handwerker. Bei ihnen glaubte man die eingehobenen Steuern sicherer aufgehoben als bei armen Bauern. Vor allem aber mußten sie der Obrigkeit passen! Die Wahl erfolgt durch das lauffen. Am Platz standen zwei Häuser und eine Linde. Der Harder Vertreter stellte sich zum westlichen Haus, der Lauteracher meist zum zweiten und 8 9 An dem drei Gerichtstagen im März, im Mai und zu Micheli im Herbst wurden unter Vorsitz des Ammanns Streitigkeiten geschlichtet und Frevel gestraft. Meist tagte das Gericht in der Tanzlaube in Lauterach, nicht selten fanden das «Mayengericht» oder das «Herbstgericht» aber auch in Wolfurt oder in Rickenbach statt, selbst wenn Harder Streitigkeiten vorlagen." Über Totschlag, Landesverrat und natürlich auch in Hexenprozessen entschied allerdings das «Malefiz»-Gericht in Bregenz, wo sich auch Richtstätte und Galgen in der Nähe der Klause befanden. Der Hof auf der Steig diente weiterhin dem Herrn in Bregenz. Wenn dieser zur Jagd oft mehrere Tage einkehrte, hatten er und seine Begleiter Anspruch auf Essen und Unterkunft. Der Müller am Rickenbach mußte die Hunde versorgen. Falken und Habichte bekamen ein Huhn. Jederzeit mußte der Hof für den Grafen Wagen, Fuhrknecht und vier starke Pferde bereitstellen. Der Hofsteiger Landsbrauch lag in allen Gemeinden auf. Einige Abschriften sind erhalten. Landesarchivar Viktor Kleiner hat dieses wertvolle Dokument alter Sprache, Kultur und bäuerlichen Rechtes 1900 im 41. Jahresbericht des Vorarlberger Museumsvereines neu veröffentlicht. Rund 800 Jahre lang hat der Landsbrauch das Zusammenleben der Bauern und der Dörfer zwischen Berg und See geregelt und eine starke Gemeinschaft geschaffen, die sich sogar 10 LMV1900.S. 135 habhaft = vermögend LMV 1900,S. 136 ff VLA Urkunde 1389, 1402, 1570 10 11 im eigenen Hofsteiger Dialekt etwa von Dornbirn, Lustenau, vom Wald und auch von Bregenz abhebt. Man kannte sich gegenseitig, denn man traf sich ja regelmäßig bei den Gottesdiensten in Bregenz. Noch 1480 hatten alle HofSteiger beim Wiederaufbau der abgebrannten Pfarrkirche St. Gallus geholfen. Dann aber lösten sich 1512 als erste Wolfurt und der Steußberg und errichteten eine eigene Pfarrei. 1618 folgte Lauterach und 1646 machte sich auch Hard selbständig. Jetzt gab es erste Risse in der Hofsteiggemeinschaft. Bei Ammannwahlen traten immer häufiger die Bewohner einer Pfarre gegen die andere auf. Schwere Streitigkeiten gingen auch dem Auseinanderbrechen der Pfarre Wolfurt voraus. 1760 machte sich Buch selbständig, 1790 Bildstein und zuletzt 1824 auch noch Schwarzach. Umschichtungen in Handel und Gewerbe traten als Folge des Straßenbaus auf. Die Brücke über die Ach und die Heerstraße von 1518 hatten Lauterach und Rickenbach begünstigt. Als Kaiserin Maria Theresia 1768 die neue Landstraße durch das Ried bauen ließ, bekam auch Hard eine Verbindung zum Rhein. Wolfurt und Schwarzach lagen jetzt weit abseits. Das änderte sich erst 1838 durch die neue Wälderstraße von Lauterach nach Wolfurt und von Schwarzach durch das Tobel in den Bregenzerwald. Hofsteig war schon 1451 mit halb Bregenz an das Haus Habsburg-Österreich gekommen Der Kellhof Wolfurt aber blieb noch lange bei den Grafen von Ems. Allerdings verloren die Kellhofer mit dem Rückgang der Emser Macht immer mehr von ihrem Eigenleben. Im 18. Jahrhundert ging das Eigengericht schließlich fast zur Gänze im Hofsteiggericht auf. Aber auch das Ende von Hofsteig nahte. Hungersnöte um 1700 hatten den Anbau von Mais und Kartoffeln erzwungen und damit die alte Dreifelderwirtschaft zu Fall gebracht. Zuerst wurden nur die gemeinsamen Getreide-Esche aufgeteilt, 1795 auch der Ippachwald und um 1800 noch das Ried. Die Reformen Josef II. hatten die Rechte des Ammanns stark eingeengt. Als in den Franzosenkriegen die Bayern Vorarlberg besetzt hielten, wurden 1806 die Gerichte einfach abgeschafft. Altes Hofsteiger Recht wurde durch staatliches Recht ersetzt. Aus dem Gebiet Hofsteig wurden mit ziemlich willkürlichen Grenzen die sechs Gemeinden geschaffen. Um 1811 traten Bürgermeister ihr Amt an. Seither führen die Gemeinden ihr Eigenleben und sehen dabei oft nur bis zu ihrem eigenen Kirchturm. Straßen sollten eigentlich Dörfer verbinden, aber Autobahn, Dörferstraße, S 18 und andere haben in den letzten Jahrzehnten tiefe Klüfte zwischen die Gemeinden gegraben. Dabei wäre doch eine Zusammenarbeit für ein gemeinsames gutes Trinkwasser, für den Lebensraum Ried - unser aller Ried -, für den Wald und den Berg, eine Zusammenarbeit auch in der Schaffung von Arbeit für alle, für gemeinsame Schulen und gemeinsam gestaltete Freizeit so wichtig! Einige Vereine haben die Barrieren überwunden. Die Feuerwehren und die Blasmusikkapellen arbeiten eng zusammen. Auch die Bürgermeister treffen sich immer wieder und erörtern gemeinsame Probleme. Das läßt hoffen, daß guter alter Hofsteiger Brauch Zäune und Gräben überwinden kann. Die Lauteracher Brücke gegen Zoll und Riedenburg um 1910. Erbaut wurde die Holzbrücke 1518, abgebrochen 1916. 12 13 Hofsteiger Ammänner Ammann bedeutet Amtmann, Verwalter eines bestimmten Landessprengels von meist mehreren Gemeinden für die gräfliche oder fürstliche Herrschaft. Anfangs nannte sich der Inhaber des Amtes meist lateinisch «minister», später «Keller», Ammann, Amtmann, Landammann, Gerichtsammann, um 1470 auch «österreichischer Ammann» oder «Herzog Sigmunds Ammann in dem Hof zu Staig». Zuletzt lesen wir um 1800 häufig die Bezeichnung Amtsverweser oder Amtsammann. Ein abgelöster Ammann führte den Titel «Altammann» und diente dem Gericht oft noch lange als Beisitzer (Geschworener, Eidgenoß). Nicht selten bekam er das Ammannamt noch mehrmals übertragen. Im Sprengel Hofsteig gab es außerdem Hofsteigammann zwei weitere Ammänner, die von diesem unterschieden werden müssen: Der Kellhof-Ammann (auch Keller, Kellermeister) verwaltete die Wolfurter Kellhofgüter, die zum großen Teil auch in den Nachbargemeinden verstreut lagen, für die gräfliche Herrschaft, zuletzt für die Grafen von Hohenems. Der Gotteshausammann («gotshusaman») sorgte sich um die zahlreichen Besitzungen des Klosters Mehrerau in Wolfurt und auf dem Steußberg. In der folgenden Auflistung stelle ich aus Urkunden, Regesten, Besatzbüchern, Schaffund Copeybüchern die Namen der Hofsteig-Ammänner zusammen und notiere bemerkenswerte Einzelheiten zu den aus Wolfurt stammenden. Für die Lauteracher ist das schon in den Heimatbüchern 1953 und 1985 geschehen. In den Archiven gibt es eine Fülle von Akten, mit deren Hilfe sicher noch manche Ergänzung der Reihe möglich ist und manche Lücke geschlossen werden kann. I. Unter den Montforter Grafen von Bregenz Als ältestes Dokument für einen Hofsteig-Ammann galt bisher eine Urkunde von 12601, in der neben «curia staige» u. a. ein «Heinricus minister de Liutrah» genannt wird. Nun weist aber Niederstätter nach, daß dieser Ammann Heinrich aus Lauterach keineswegs Hofsteigammann war, sondern vielmehr in der Herrschaft Bregenz die Interessen der Werdenberger, denen bis 1402 der Wolfurter Kellhof gehörte, vertrat.2 Als älteste Verwalter des Gerichts Hofsteig fungierten Montforter Edelleute, etwa die Herren von Schwarzach und die Helwer, die aufSchloßVeldegg im Oberfeld saßen. «Jegliche Kompetenz dieser Gerichte leitete sich von oben, von der Herrschaft ab, nicht etwa beruhte sie auf der Souveränität des Volkes», schreibt Niederstätter.3 Er tritt damit der bisher verbreiteten Meinung entgegen, hier hätten die Landleute einen der ihren in demokratischer VLA Urk. 777 2 Alois Niederstätter, Die Ammänner, Montfort 46/1994, Vorabdruck S. 8 3 Alois Niederstätter, Verfassungsgeschichte, Montfort 39/1987, S. 62 1 Wahl in sein Amt gehoben. Noch im 1544 aufgeschriebenen «alten landsgebrauch des gerichtz hofstaig» ist ja die erste Bedingung für einen Ammannkandidaten «der oberkait geföllig» sein.4 Im Namen des Fürsten nominierte der Vogt die Kandidaten. Wir kennen die Verwalter und meist auch ihre Siegel nur von den erhaltenen Urkunden, die sie selbst ausstellten oder als Zeugen unterfertigten. Schon 1322 siegelte Conrat der Buch, Keller zu Staig, eine Verkaufsurkunde.5 Er war demnach Verwalter des großen gräflichen Hofes auf der Steig in Rickenbach. Am 23. Juli 1364 verkaufte Eberhard der Helwer seine Burg Veldegg. Als Zeuge war Cuonrat der Ammann dabei.6 Auf mehreren Urkunden finden sich auch die Ritter von Wolfurt. So tauschten etwa am 17. März 1373 Wölfli von Wolfurt und Abt Burkard von Bregenz ihre Leibeigenen Elsbeth die Gebührlin und Adelheid die Köbin.7 Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts lassen sich für Hofsteig regelmäßig Ammänner feststellen. Sie beaufsichtigten aber ursprünglich nicht ein abgegrenztes Gebiet, sondern den zum Hof Staig gehörigen Personenverband.8 Ihre Amtszeit läßt sich aus den Urkunden annähernd errechnen. 1. Johann von Bunis «des Grafen Chunrat von Bregentz Ammann, der im Dorf zu Lutrach öffentlich zu Gericht sitzt» oder «Ammann zu Hardt und im Hof Stayg». Er war wohl ein Montforter Edelmann, der in Hard wohnte. 2.1 Hans Keller genannt Buch Er war vermutlich aus der Familie des Conrat der Buch (von 1322) und ebenfalls Keller zu Staig. 3. Henny Veldegg Die in Wolfurt und Lauterach ansässigen Veldegg dürften Nachkommen der Helwer von Veldegg sein. 4. Jos Wiss 1383-1404 1406-1409 Zu 2.1 Siegel des Hans Keller genannt Buch, Ammann und Keller zu Staig 1423 (VLA Urk. 998) 1410-1413,1415 1414 4 5 6 7 8 LMV 1900/S. 135 VLA Urk. 80096 VLA Urk. 839, Ulmer, Burgen, S. 384 VLA Urk. 851 wie Anm. 2, S. 5 14 15 2.2 Hans Keller genannt Buch Anno 1423 ist er auch Landammann zu Lingenow.9 1444 befehligte Hans Keller als Hauptmann ein Vorarlberger Söldneraufgebot in Jenbach, das in Diensten der rebellierenden Tiroler gegen den späteren Kaiser Friedrich III. stand.10 5. Hans Lädlin aus Lauterach Anno 1423 auch Ammann zu «Albriswendi». 6.1 Heinrich Kaisermann Er war ein reicher Bregenzer Bürger und mehrfach auch Stadtammann zu Bregenz. Von seiner Mutter Maria aus dem Rittergeschlecht von Wolfurt hatte er Anteile am Schloß geerbt. Dort wohnte er zeitweise." 7. Heinrich Payger 6.2 Heinrich Kaisermann 8. Hans vom Bach genannt Hentz Bregenzer Bürger und Ratsherr,«des Markgrafen Wilhelm von Hochberg Landammann zu Bregenz», aber auch «Landammann im Hof zu Staig» 1417-1423 II. Unter Österreich I., 1451-1686 Waren bisher meist Edelleute oder angesehene Bregenzer Bürger als Amtmänner für den Grafen tätig gewesen, die für einen starken Einfluß der Stadt in den Dörfern gesorgt hatten, so änderte sich das unter den österreichischen Vögten. Sie hatten kein Interesse daran, die Stadt zu bevorzugen, und nahmen die neuen Amtmänner aus den Dörfern. 9.1 Peter Boss, Lauterach 10.1 Uli Götpfried 9.2 Peter Boss, Lauterach 11. Jos Wiss Die Wiss, später Weiß, waren in Wolfurt und in Lauterach daheim. 10.2 Uli Götpfried «der Herrschaft von Österreich Ammann in dem Hof zu Staig». 12. Hans Troll von Schwarzach «Herzog Sigmunds Ammann in dem Hof zu Staig» 13. Jos Berüttiner 14. Cunrat Veldegg aus Wolfurt 15. Jörg Riner, Lauterach Ein Johann Riner von Ach reiste 1476 nach Rom und erhielt die Erlaubnis zum Bau einer Kirche St. Georg in Lauterach, die auch von den Wolfurtern besucht wurde. 16. Hans Gunthalm, Lauterach 17.1 Sebastian Schnell, Wolfurt Er erreichte 1512 die Gründung der Pfarrei Wolfurt. Siehe Anhang: Ammann Schnell, S.26 18. Auf einer Urkunde von 1511, in der Landammann Sebastian Schnell selbst als Käufer auftritt, siegelt Hans Boss, Landammann im Hof Staig zu Lutrach. 1453 1454 -1457 1458 - 1465 1465-1475 1424-1430 1431 - 1433 1476 - 1478 zu 1478-1479 14 Siegel des Cunrat Veldegg, Ammann 1482 1434 - 1439 1439 - 1443 1446 - 1452 1481-1482 1482 - 1486 1486 - 1492 1493 - 1495 1496 - 1524 Am 4. September 1451 verkaufte Markgraf Wilhelm die halbe Herrschaft Bregenz, darunter auch das Gericht Hofsteig, an Herzog Sigmund von Österreich. Vom Preis von 35.000 Gulden blieb eine Schuld von 6.000 Gulden offen. Die Zinsen dafür waren in den Gerichten Bregenz, Hofsteig, Lingenau und Alberschwende aufzubringen. LingenauAlberschwende löste sich jetzt von Hofsteig und erhielt einen eigenen Ammann. 9 10 11 VLA Urk. 997 Bilgeri, Geschichte II, S. 462 und 605 «Wolfurt» Siehe Heimat 9, S. 39 16 17 19.1 Heinrich Hummel, Wolfurt 17.2 Sebstian Schnell siegelt auch noch auf späteren Urkunden als Ammann im Hof Staig, als «Verwalter des Kellnhofammannamts zu Wolfurt» 1539 und wieder als Ammann im Hof Staig. 19.2 Heinrich Hummel Er ließ 1544 den Hofstaigischen Landsbrauch aufschreiben.12 20.1 Oschwald Caspar aus Wolfurt 21. Jörg im Hag aus Hard Eine exakte Zuweisung der «Dienstjahre» der einzelnen Ammänner ist nicht möglich, aber es dürften auch jetzt schon dreijährige Perioden gewesen sein. Manchmal siegelten Altammänner noch in der Amtszeit der Nachfolger. 22. Hans Bärtel aus Schwarzach 20.2 Oschwald Caspar 19.3 Heinrich Hummel «zu Wolfurt» 20.3 Oschwald Caspar 23. Sebastian Troll aus Schwarzach 24.1 Jakob Gundthalm aus Lauterach 25.1 Caspar von Ach aus Lauterach genannt Dorff 26. Adam Bärtel aus Schwarzach 25.2 Caspar von Ach gen. Dorff 24.2 Jakob Gundthalm 27. Hans Weiß aus Lauterach 28.1 Hans Schertler aus Lauterach 29. Zacharias Birnbaumer Ein Harder Geschlecht 1524-1527 1527-1528 1540 1539 zu 19.1 Siegel des Heinrich Hum1542-1544 mel, Ammann im Gericht 1541,1546,VLAUrk.1780) 1548-1551 30.1 Hans Jacob Ölz zu Schwarzach 28.2 Hans Schertler 31.1 Kaspar von Ach, Lauterach 30.2 Hans Jacob Ölz 31.2 Kaspar von Ach 32. Georg Wehrlin «zu Rickenbach»13 33.1 Hilar Fröwis zu Lauterach 30.3 Hans Jacob Ölz 34. Hans Müller «zu Rickenbach»14 Gleichzeitig siegelt aber auch 33.2 Hilar Fröwis als Ammann des Gerichts Hofstaig 35.1 Jacob Feurstein, Wolfurt Er besaß schon 1617 einen Hof in Rickenbach.15 36. Georg Schwerzler zu Wolfurt Er ist der Stammvater fast all der zahlreichen Schwerzler - und Schwärzlerfamilien in Wolfurt und Umgebung. 37.1 Hans Sommer zu Lauterach 3 8.1 Hans Weiß zu Lauterach 37.2 Hans Sommer 35.2 Jacob Feurstein 37.3 Hans Sommer 38.2 Hans Weiß 37.4 Hans Sommer 35.3 Jacob Feurstein 37.5 Hans Sommer Er nennt sich aber auch noch 1672 und 1673 Ammann. 39.1 Jakob Schneider, Wolfurt. Siehe Anhang, S. 28 und S. 35 40. Gregor von Ach, Lauterach 41. Caspar Dietrich, Lauterach 13 14 1609 1610 1614- 1615 1616-1620 1621-1622 1624 1625 1626 1627-1630 1629 - 1631 1636 1640 1552 1552 - 1556 1557 1562 - 1565 1567 1569 - 1574 1578 - 1583 1586 - 1587 1588 1590 - 1592 1594 - 1596 1599 - 1602 1605 1641 - 1642 1643 - 1646 1646 - 1653 1653 1657 - 1658 1658-1661 1661-1664 1664 - 1667 1668 - 1671 1671-1676 1676 - 1678 1680 - 1686 In den Wolfurter Pfarrbüchern finden sich «Wärlin» bis 1752 Müller-Familien hielten sich in Wolfurt noch lange. Sie stellten im 18. Jahrhundert die Gotteshaus-Ammänner. Das Wolfurter Familienbuch zählt 8 Feurstein-Familien auf, doch starben alle um 1750 aus. LMV 1900, S. 132. Dort sind u.a. genannt: «Hainrich Humbel amman», «Jerg im Hag», «Oschwald Caspar», «Hans Bärtel», lauter zukünftige Ammänner 12 15 18 19 In zwei Jahrhunderten unter österreichischer Herrschaft hatte sich die Struktur des Gerichts Hofsteig grundlegend gewandelt. Nacheinander hatten sich seine Gemeinden von der Mutterpfarre St. Gallus abgespalten: zuerst Wolfurt 1512, dann Lauterach 1618 und Hard 1646. Kaiser Maximilians Heerstraße und die erste Achbrücke von 1518 hatten den Verkehr ins Schwabenland verstärkt. Die Reformation, die Bauernkriege von 1525, der Schwedeneinfall 1647 und die gewaltigen Pilgerströme nach Maria Bildstein im 17. Jahrhundert hatten viele fremde Menschen und neue Ideen in das konservative Hofsteig gebracht. Jetzt wirkte «das Volk» bereits sehr aktiv bei den Ammannwahlen mit. Zwar mußte es sich weiterhin zwischen den vom herrschaftlichen Vogt vergeschagenen Männern entscheiden. Aber die immer häufiger werdenden Wechsel der Amtsinhaber zeigen, daß die Wähler nur mehr selten mit der im Landsbrauch vergesehenen Verlängerung des Mandats einverstanden waren. Dabei spielten sicher auch Eifersüchteleien zwischen den neuen Pfarren eine Rolle. III. Unter Österreich II, 1686 -1759, Kampf um eigene Rechte Die nächsten Jahre sind geprägt von einer bitteren Auseinandersetzung mit der Herrschaft der Vögte, von Erfolgen des «Gemeinen Mannes» unter Jerg Rohner und Niederlagen in der Zeit des Absolutismus. Über die Ammann wahlen in dieser Zeit sind wir besonders gut informiert, weil die «Besatzbücher» des Gerichtes fast lückenlos erhalten geblieben sind.16 Sie beginnen: Actum bey gehaltener Gerichtsbesatzung zue Lutherach vom 10. Merzen 1686. Die Nominierung lautet: In Amman-Schuß sind genomben worden Sigmund Dörler gegen Amman Diethrichs Hauß Jacob Schneider alter Amman gegen Sigmund Dörlers Hauß und Linden Hanß Morsch gegen Hardt. Dörler vertrat Lauterach, Schneider Wolfurt und Steußberg, Morsch stand für Hard. Das Mehr bekam Schneider, der schon 1671 - 76 Ammann gewesen war. Die Liste der 12 Geschworenen führen seine abgelösten Vorgänger Caspar Dietrich und Gregor von Ach an. Als zwölfter wurde der Rickenbacher Adlerwirt Caspar Haltmayer neu aufgenommen. 39.2 Jakob Schneider, Wolfurt Spannend wurde die Wahl vom 21. August 1689. Weil Schneider eine nochmalige Nominierung ablehnte, stellten die Wolfurter den jungen Hans Schwerzler, den Sohn des früheren Ammann Georg Schwerzler (Nr. 36) auf. Gegen ihn boten die Lauteracher ihren Alt16 1686 - 1689 ammann Gregor von Ach auf, die Harder wieder Hans Morsch. Das knappe Ergebnis des Mehrlaufens stand erst nach einer genauen Zählung fest. Die Strichlisten sind dem Akt beigelegt und geben Aufschluß darüber, daß aus ganz Hofsteig 517 Männer wählten: 249 für von Ach, 263 für Schwerzler, nur 5 für Morsch. So begann Hans Schwerzlers umstrittene Amtszeit.17 42.1 Hans Schwerzler, Wolfurt 1692 zu Lauterach «per Maiora widerum zum Amman erwählt». Durch die Wallfahrt hatte Bildstein seine Einwohnerzahl stark vergrößert. Die Pfarre Wolfurt mit Bildstein dominierte jetzt. So brachte sie bei den nächsten Wahlen auch ihren neuen Kandidaten, den Rickenbacher Adlerwirt, durch. 43.1 Caspar Haltmayer, Rickenbach und noch einmal 42.2 Hans Schwerzler, Wolfurt und in seiner vierten Amtszeit. Gegen Schwerzlers Amtsführung richteten sich die Klagen und der Aufstand des «Gemeinen Mannes». 43.2 Caspar Haltmayer 44.1 Jerg Rohner, Wolfurt18 und 45 Jakob Natter, Bildstein 44.2 Jerg Rohner, noch einmal 4 Perioden 46.1 Martin von Ach, Lauterach 1740 wurde die öffentliche Ammannwahl abgeschafft. 47. Anton Greußing, Rickenbach19 48.1 Joh. Kaspar Winder, Bildstein 17 18 19 1689 - 1692 1692 - 1695 1695 - 1698 1698 - 1701 1701 - 1704 1704 - 1707 (VLA Zu 43.1 Siegel des Caspar Haltmayr, Ammann 1697 Urk- 2687) 1707 - 1710 1710 - 1713 1713-1716 1716-1722 1722 - 1734 1734 - 1743 1743 - 1746 1746 - 1755 VLA, Oberamt Bregenz, n 471, Schachtel 42 Siehe im Anhang unter «Der Gemeine Mann», S. 28 ff Über Rohner berichtet ein eigener Beitrag im Anhang: «Der Gemeine Mann», S. 28 ff Die Greußing kamen um 1690 aus Egg, betrieben im Haus Rickenbacherstraße 4 eine Gerberei und übersiedelten um 1800 nach Schwarzach, Lauterach und ins «Schlößle» nach Hard. 20 21 46.2 Martin von Ach, Lauterach 1755 - 1759 IV. Bis zum Ende unter den Bayern. 1759 - 1 8 0 6 48.2 Joh. Caspar Winder, Bildstein 49. Joh. Caspar Luger, Bildstein 2I 50.1 Joseph Fischer, Wolfurt, Löwenwirt 2 2 vier Perioden hintereinander «Ambtsammann» 5 1 . Mathias von Ach, Lauterach ein Sohn des Martin (46.) 50.2 Joseph Fischer weitere zwei Perioden Das Gericht war müde geworden. Die kaiserlichen Beamten zogen immer mehr Aufgaben an sich. Ein ganzes Jahr verspätet setzte man erst im Herbstgericht am 30. September 1759 die neue Ammannbestellung auf die Tagesordnung, zu der alle Unterthanen bei denen Kirchen convocirnt und einberufen wurden. Der bisherige Ammann Martin von Ach übergab den Gerichtsstab und legte damit sein Amt nieder. Wolfurt schlug den Bildsteiner Altammann Winder zur Wiederwahl vor. Aber in der Lauteracher Tanzlaube verhinderte ein Durcheinander die Wahl. So ist man mit dem Verlaß ohnverrichteter Sachen auseinandergegangen. 20 Man wollte sich noch einmal zur Auflösung des Gerichts treffen. Das wirkte nun doch wie ein Schock. So konnte einige Tage später der Altammann Winder durch das stille Mehr mit 365 gegen 180 Stimmen in bester Ruhe und Einigkeit auch außerordentlich guter Mannszucht wieder gewählt werden. Still war es geworden! Fest hatten die Beamten, darunter der auf Schloß Wolfurt residierende Oberamtsrath Tröndlin von Greiffenegg, das Volk im Griff. 20 1759 - 1 7 6 1 1761-1764 1764 - 1 7 7 6 1776 - 1783 1783 - 1789 1790 - 1 7 9 3 Zu 5 0 1 Siegel des Joseph Fischer, Wie 16, 1759 52.1 Joh. Gg. Reiner, Wolfurt, Schwanenwirt 23 Nur mehr selten und in völliger Abhängigkeit von den kaiserlichen Beamten trat das «iudicum delegatum in Hofstaig» jetzt zusammen. So konnte sich auch der Lauteracher Geschworene Joh. Martin Vonach gleichzeitig einmal als «Ammann, Amtsverweser» bezeichnen. 24 53. Jos. Anton Böhler, Wolfurt 25 52.2 Joh. Gg. Reiner 54. Franz Joseph Dörfer, Hard, Kronenwirt Der letzte Ammann vertrat Hard schon seit 1894 als «Ortsgeschworener». Auch 1806 - 1811 nennt er sich Ammann und führt in Hard die Amtsgeschäfte weiter, bis er im Oktober 1811 zum ersten Vorsteher der neuen Gemeinde Hard bestellt wird. 1 Ammann 1764 1794 - 1799 1800 -1802 1802 - 1806 Der Löwen in Rickenbach um 1910. Das große Gasthaus ist 1912 abgebrannt. 1764 bis 1789 war hier der Amtssitz des Hofsteigammanns Joseph Fischer. Luger war 1722 in Dornbirn geboren worden und nun Adlerwirt in Bildstein. Er hatte dort Isabella Beer, die Tochter des Auer Barockbaumeisters Joh. Michael Beer von Bildstein geheiratet. 22 Joseph Fischer, 1723 -1809, aus Spetenlehen. Er hatte in das angesehene Rickenbacher Gasthaus «Löwen» eingeheiratet. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kellhofammann Johann Fischer, kaufte er 1771 die Kellhofer von ihrer Herrschaft Ems frei. Mehr über ihn in «Ein Hofsteiger Siegel entdeckt», S. 3 ff 23 Joh. Gg. Reiner, geboren 1845, stammte aus einer von Lauterach zugezogenen Familie. Er heiratete 1771 die Witwe des reichen Wolfurter Schwanenwirts Hilar Freyis. Siehe «Ein Hofsteiger Siegel», S. 3 ff 24 VLA Landgericht Bregenz 102, Copeybuch Lauterach 1.4.1791 25 Anton Böhler, 1742 -1805, stammte vom Bereuther in Bildstein und hatte 1864 Ursula Haltmeyer aus dem «Löwen» geheiratet, eine Stieftochter des Ammanns Josef Fischer. Sie lebten im Haus Dornbirnerstraße 3 beim «Kreuz». 22 23 Ein Protokoll über die letzte Ammann-Besatzung findet sich in der Chronik des Gotteshaus-Ammanns Mathias Schneider.26 Anno 1802 ist den 9ten Dezember die Amann Besetzung zu Lautrach vorgenommen worden, und ist zum Amann erwählt worden Franz Jos. Dörler zu Hard, und zu Geschwornen sind wieder bestättiget worden als zu Wolfurt Joh. Georg Reiner vorher Amannamtsverweser Xaver Gmeiner unter der Linden 21 neu Joh. Georg Fischer. Anstatt Amann Böhler. Lautrach Michael Mathis Martin Geuze neu Kaspar Kalb. Weil vorhin einer zu wenig. Hard Joseph Hermann neu Rochus Dörler Schwarzach Jos. Anton Haltmayer für freywilig abgetretten Ant. Schertler Steusberg Joseph Dür zum Berütterfür den reseirten Jos. Böhler Buch Thomas Flaz Waibel Jos. Ant. Fischer zu Lautrach ledigen Stands. Am 13. März 1806 übernahm Bayern offiziell das von Österreich im Frieden von Preßburg abgetretene Land Vorarlberg. Zuerst wurde es an die Provinz Schwaben angeschlossen, dann an den Illerkreis. Neue Hauptstadt war jetzt Kempten. Am 1. Oktober 1806 trat die Bayerische Gerichtsordnung in Kraft: Die 24 alten Gerichte wurden aufgelöst, an ihrer Stelle sieben Landgerichte gebildet. Jetzt gehörte Hofsteig dem Landgericht Bregenz an und wurde von bayerischen Beamten verwaltet. Die bayerische Gemeindeordnung sah die Wahl eines Vorstehers und zweier Räte in jeder Gemeinde vor, die aber vom Landrichter ernannt wurden. Alle ihre Beschlüsse unterlagen der Genehmigung der Obrigkeit in Bregenz, Kempten oder München.28 Es dauerte aber fünf Jahre, bis sich erstmals Gemeindeorgane gebildet hatten29: Pro 1811 den lten Oktober hat die Neue Gerneinds Vorstehung angefangen, und dato bey dem Königl. Landgericht Bregenz beeidiget worden, alwo das allgemeine Gericht aufgehört hat. Zu Wolfurt Erstens ist als Friedens Richter erwählt Joh. Georg Fischer alt Geschworener30. 2ter als Rath ist erwählt Joh. Zumtobel zu Rickenbach31. 3ter als Rath ist erwählt Kaspar Müller zur Linden32. Diese haben alle Wochen jedes mall am Dinstag einen Verhandlungs Tag, jede Parti welche verhandlet wird hat 24 Kreuzer zu bezahlen. Am 7. Juli 1814 wurde Vorarlberg wieder an Österreich übergeben. Die Hoffnung auf Wiedererrichtung der alten Vorarlberger Landstände und Gerichte erfüllte sich aber nicht. Vergeblich wählten die HofSteiger 1816 noch einmal einen Ammann: ... hat man den 22ten May Deputirte zur Amman Besatzung gewählt von jeder Gemeinde 6 oder 7 Mann nach Maaß des Popolationsstand, welche den 23ten May den Amman gewählt, und ist Hiezu ernannt worden Joh. Georg Haltmeyer Kronenwirth zu Schwarzach.33 Mit den neu errichteten Vorarlberger Landständen reiste Ammann Haltmeyer zur Huldigung an Kaiser Franz I. am 30. Mai 1816 nach Innsbruck. Aber die Gerichte blieben aufgelöst. Eine neue österreichische Gemeindeordnung trat in Kraft, die alle drei Jahre Gemeindewahlen vorsah. In Lauterach nannte sich zwar der Geschworene Joh. Micheal Mattis schon 1808 bis 1811 «Ortsvorsteher». Zum ersten offiziellen Lauteracher Vorsteher wurde aber im Oktober 1811 Josef Kühne bestellt. In Schwarzach wurde mit Anton Schertler ebenfalls ein ehemaliger Geschworener erster Vorsteher. Die Leute «am berg» wurden 1806 von den Bayern zu einer einzigen Gemeinde «Steußberg» zusammengefaßt. Ihr Vorsteher war ab 1811 der Bildsteiner Joseph Dür. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich trennten sich die Steußberger aber sofort. Dür blieb Vorsteher von Bildstein. In Buch wurde Martin Schelling zum Halder, der noch in der letzten Gerichtsperiode Thomas Flatz als Geschworenen abgelöst hatte, der erste Vorsteher. Österreichische Beamte im Landgericht Bregenz standen nun an der Stelle der Hofsteiger Ammänner und Geschworenen. Die letzten Gerichtsmänner begannen mit dem Aufbau der neuen Gemeinden. 26 Gemeindearchiv Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 1/2 Xaver Gmeiner, 1762 - 1835, war ein Neffe des mächtigen Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner und wohnte mit seiner großen Familie im Haus Frickenescherstraße 4, Thalers Martes. Ein Bruder und zwei Söhne waren Ärzte. Siehe Heimat 11, S. 43 Burmeister, Geschichte 1980, S. 150, und Peter, Heimatbuch Röthis 1982, Die Gemeinde GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 30 28 29 J. G. Fischer, 1760 - 1849, ein Neffe des Ammanns Joseph Fischer, Hofsteig-Geschworener 1802 bis zum Ende, Vorsteher von Wolfurt 1811 bis 1817. 31 Johann Zumtobel war als zweiter Gatte der Katharina Haltmayer Adlerwirt geworden. Seine Tochter Carolina heiratete 1843 den «Sammer» Jos. Ant. Fischer und wurde die Stammutter der «Alt-Adlerwirts». 32 Dort lebte er am Platz Kirchstraße 21 in «Loamars» Doppelhaus 33 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 22 24 25 Ammann Sebastian Schnell Er ist der Mann, der Wolfurt und Hofsteig in einer besonders langen Amtszeit von 1496 bis 1540 vom Mittelalter in die Neuzeit geführt hat. Die Schnell waren eines der ältesten Wolfurter Geschlechter. 1371 waren Hans und Hermann Schnell, die aus der Leibeigenschaft der Ritter von Wolfurt zu Lindauer Bürgern aufgestiegen waren, Grund zur Belagerung von Schloß Wolfurt durch die Lindauer.1 Als der Ritter 1402 die Hälfte des Schlosses an das Kloster Mehrerau verkaufte, behielt er Cuntzen den Snellen von Wolfurt und sin wibe und sine kinde samt dem Weinberg als Leibeigene.2 Anno 1408 stiftete Adelheit Schnellin, Cuntzen Schnellen selig Hausfrau, aus ihrem Weingarten in der unteren Bütze zu Wolfurt einen Jahrtag.3 Ab 1496 siegelte Sebastian Schnell, Ammann im Gericht Hof Stayg, Dutzende von Urkunden, meist Kaufverträge oder Stiftungsbriefe. Am bekanntesten davon ist der Stiftbrief für die neue Pfarre St. Nikolaus vom St. GallenTag 1512, der mit den Worten beginnt: Ich Sebastian Schnell, der Zeit Ammann im Hofstaig, und wür gemaine Nachbarschafft zue Wolffurth, und wür zue Schwartzach, am Berg und im Buech ...4 Am 26. Juli 1517 erlaubte Kaiser Maximilian Siegel des Sebastian Schnell, zu Augsburg den Bregenzern eine Brücke über Hofsteigammann 1497 das Wasser genannt die Bregentz zu bauen (VLA Urk. 1390) und einen Zoll von Kaufmannsgütern, Salz, 5 Schmalz, Käse, Korn, Wein, Vieh etc. einzuheben. Diese erste Brücke über die Ach und die neue Heerstraße von Lauterach nach Rickenbach brachten große Veränderungen für Hofsteig. Im Bauernkrieg von 1525 bedrohten die protestantischen Allgäuer Bauern Vorarlberg. Große Teile des Landes sympathisierten mit ihnen. Die HofSteiger dagegen stellten 100 Mann zum Schutz von Bregenz und erklärten feierlich das wir bey dem hailligen cristenlichen glauben, so wir bisher gehalten, beleiben.6 1539 war Sebastian noch Verwalter des Kellnhofs zu Wolfurt und 1540 siegelte er wieder als Ammann im Hofstaig.7 Die höchste Ehre aber erfuhr der alternde Sebastian Schnell, als er im Jahre 1541 als einer der 6 Vorarlberger Abgeordneten zu der von Kaiser Ferdinand I. in Linz abgehaltenen Ständetagung ausgewählt wurde.8 Für einen Bauern so kurz nach den mörderischen Bauernkriegen wahrhaft ungewöhnlich! 1 2 3 4 Zur gleichen Zeit war ein Jakob Schnell Gastwirt zu Bregenz.9 Und ein Sebastian Schnell, wohl ein Verwandter unseres Ammanns, erschlug im Streit den Bregenzer Landwaibel Cunrad Veldegg. Er mußte fliehen und diente 1546 im Heer der Protestanten bei Weingarten als Hauptmann. Weil er Heimweh zu Frau und Kindern hatte, wollte er im Schmalkaldischen Krieg mit seinen Söldnern in der Hoffnung auf Begnadigung zu den Kaiserlichen überlaufen. Er wurde aber bei der Bregenzer Klause gefaßt und gerichtet.10 Im Hofsteigischen Landsbrauch von 1571 werden gleich drei Schnell als Hausbesitzer in Wolfurt genannt: Friderich, Hans und Bestli (Sebastian).1 ] Davon lebten 1594 noch Friderich und Hansen Wittib»12. Kurz danach dürften sie in Wolfurt ausgestorben sein, die Pfarrbücher von 1650 enthalten den Namen Schnell nicht mehr. Burmeister, Edelgeschlecht Wolfurt, 1984, S. 28 VLA Urk. 922 Kleiner, Bregenzer Regesten 24 Rapp, Generalvikariat 1896, S. 287; VLA Urk. 1722a 5 6 7 8 Kleiner, Bregenzer Regesten 432 Bilgeri, Geschichte III, S. 350 VLA, Regesten Bilgeri, Geschichte III, S. 578 9 10 11 12 Kleiner, Bregenzer Regesten 512 Bilgeri III, S. 399 LMV 1900, S. 161 Holunder 1932/Nr. 30 26 27 Siegfried Heim Der Gemeine Mann Jerg Rohners Kampf gegen die Willkür der Mächtigen Um das Jahr 1700 lebten in Wolfurt etwa 600 Leute, die meisten als kleine Bauern und Handwerker. Viele suchten als Saisonarbeiter im Sommer Verdienst im Ausland, andere verdienten mit dem Anbau von Flachs und dem Weben von Leinentüchern ein paar Kreuzer. Verhältnismäßig reich waren nur ein paar Wirte und Frächter, wie die Haltmayer im Adler in Rickenbach, und ein paar Fergger, die mit Garn und Leinen handelten. Nur die Reichen konnten nach Hofsteiger Landsbrauch Ammann werden und dann das öffentliche Gut verwalten. Als Steuereinnehmer arbeiteten sie eng mit den kaiserlichen Beamten zusammen. So bildete sich eine Oberschicht der «Ständischen», die sich von der großen Zahl der «Gemeinen» immer mehr entfremdete. «Am Ende des 17. Jahrhunderts trieb das Land in einen der härtesten Daseinskämpfe seiner Geschichte.»1 Mißernten führten schon 1676 und dann jahrelang anhaltend ab 1688 zu einer ganz entsetzlichen Hungersnot. Dazu zogen immer wieder österreichische Armeen durch das Land an die Rheinfront gegen Ludwig XIV. oder nahmen aus den Schlachten zurückkehrend bei uns Winterquartier und verlangten Verpflegung. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt verzeichnet 6 Soldaten («miles austriacus»), die im November 1679 hier ihren Verwundungen erlagen. Im Haus des Hans Schneider starb der «tympanista», der Trommler der Compagnie Baronis des Wels. Nach der Belagerung Wiens 1683 brachten ein 16 Jahre dauernder Türkenkrieg und ein neuerlicher Aufmarsch gegen die Franzosen fürchterliche Steuerlasten. Noch schlimmer aber wurde es mit Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1701. Nun bedrohten auch noch die Bayern auf der Seite Frankreichs unser Land. Zuerst plünderte die herbeigerufene Österreichsische Armee die Dörfer aus. Dann erschienen die Franzosen an der Bregenzer Klause und zwangen die Männer zur Landesverteidigung an die Front. In dieser Zeit mit ihren unerhörten Belastungen hätten die Hofsteiger einen verläß-lichen Ammann gebraucht. Das hatten sie aber nicht! Auf den allgemein hoch geschätz-ten Jakob Schneider war 1689 bis 1695 Hans Schwerzler gefolgt. Nach einer Unterbrechung durch den Rickenbacher Adlerwirt Caspar Haltmayer bekam Schwerzler 1701 bis 1 1707 noch einmal das jetzt so schwierige Amt übertragen. Aus den Akten über seine Amtsführung hat Bilgeri umfangreiche Erhebungen gemacht2: Ammann Schwerzler und auch schon seine Vorgänger hatten geduldet, daß die Gerichtswälder ausgeholzt wurden. Sie hatten auch einfach weggesehen, wenn einzelne Bauern Teile der allgemeinen Weide einzäunten und privat nutzten. Jetzt klagten andere mit dem Alt-Ammann Haltmayer beim Oberamt: In den wälderen seye freylich eine Unordnung. Man solte die alte holtzordnung, gleich wie bey dess ammann Schneiders seelig Zeithen observiert worden, hervorsuechen... der ammann Undt der waibl haben den bessten nutzen Von den aichen, dann sie beede nemmen das abholz darvon. Des Ammanns Sohn verkaufte sogar auf eigene Rechnung Gemeindeholz an die Harder Schiffsbauer. Die Straßen und Gräben waren verwahrlost. Und bei der Rechnungslegung fehlten dem Ammann Belege über 300 Gulden. Auch die Waisenbücher wiesen Mängel auf. Getadelt wurde außerdem, der Ammann verbiete das in den engen Holzhäusern so gefährliche Dörren von Flachs am Herdfeuer immer erst dann, wenn seine Frau damit fertig sei. Und diese bleibe sogar in des Ammanns Stube sitzen, wenn dort Beratungen abgehalten wurden. Die «Gemeinen» Leute hatten aus ihren Reihen Georg Rohner zum Sprecher gemacht, der ihre Anliegen beim Gericht Hofsteig vortrug, wo er als Geschworener seit 1698 gewählt und vereidigt war.3 Aber die Stimmung war zu aufgeheizt. Der Wolfurter Bascha Kalb nannte den Ammann und die Geschworenen «Lumpen» und kam dafür hinter Schloß und Riegel. Michel Stültz und Joseph von Ach riefen zum Aufruhr: Sie wollen dise Fresser zue sammenschlagen. Es kam zu einer Rauferei mit den Söhnen und dem Schwiegersohn des Ammanns. Erst das beherzte Eingreifen des Pfarrers, der den Anwander Zue der Stuben hinauss gestossen, trennte die Streiter. Auch diese Aufrührer kamen ins Gefängnis. Die rebellische Vereinigung des «Gemeinen Mannes» gegen die «Ständischen» hatte sich ab 1702 schnell im ganzen Land ausgebreitet. Vor allem verlangten ihre Vertreter eine gerechtere Verteilung der Steuerlast durch Einführung der «aydt Steur». Jeder sollte unter Eid sein Vermögen angeben und danach besteuert werden. Dagegen wehrten sich jedoch die Reichen. Eine Eidsteuer wurde in Wolfurt daher erst viel später im Jahre 1755 eingeführt:... daß jeder Bey Eyd und Gewißen, alle seine schulden, so wohl Ein alles auß gehendte4, angegeben werden sollen et müssen, wie auch die schon angeschribnen: Hab5, roß und vih, auch grundtstükher, ob er noch mer oder weniger habe.6 Aber schon 1704 traf sich Georg Rohner mit Vertretern anderer Gerichte zu Aussprachen über die Eidsteuer im «Ochsen» in der Bregenzer Oberstadt. Dann hielt er Versammlungen im weiten Umkreis ab, nicht nur in Hofsteig, sondern auch in Hofrieden, Dornbirn und sogar in Rankweil. 2 3 Bilgeri, Geschichte III., S. 200 4 Bilgeri, Geschichte III, S. 222 und 519 ff. VLA, Besatzbuch 1698, Oberamt Bregenz, n 471 Forderungen und Schulden 5 6 Hab = Habe, Haus und Besitz GA Wolfurt, Steuerbuch 1755 28 29 Als durch neue österreichische Einquartierungen im folgenden Winter die Not ein unerträgliches Maß annahm, handelten die «Gemeinen» selbständig. Gegen den Willen der Obrigkeit stellten sie eine Delegation zum Kaiser nach Wien zusammen. Mit ein paar Gleichgesinnten machte sich Georg Rohner auf den Weg über Ulm nach Wien. Persönlich überreichten die Gesandten im Mai 1705 dem Kaiser ihr Bittschreiben. Aber es geschah nichts. Die Willkür der Ständischen und die Erpressungen durch das Militär gingen weiter. Da platzte endlich den Hinterwäldern der Kragen. Auf den Mittwoch in der Bittwoche, an dem man sich sonst zu Prozessionen um die Felder versammelte, setzten sie einen «Marsch auf Bregenz» fest. Sie wollten mit den Ständischen abrechnen und die Soldaten aus dem Land jagen. Während Frauen und Kinder auf der Bittprozession beteten, verdunkelte eine Sonnenfinsternis wie ein drohendes Vorzeichen den Himmel. Die Wälder Männer aber marschierten trotzdem über Alberschwende aufs Land heraus. Dort erhielten sie Verstärkung von den Unterländer Bauern, sodaß schließlich 2000 bewaffnete «Gemeine» um den Adler in Rickenbach versammelt waren. Aus Bregenz eilte ihnen der Landschreiber entgegen und wollte sie zur Umkehr bewegen. Im Adler, im Gasthaus des Alt-Ammanns Haltmayer, trugen die Aufständischen dem Landschreiber ihre Forderungen vor. Selbst die beliebten Bregenzer Kapuziner waren gekommen, um Frieden zu stiften. Vergebens! Nach der Übernachtung in Rickenbach marschierten die 2000 Mann am Morgen des Himmelfahrtstages, am 13. Mai 1706, mit Trommeln und Pfeifen über die Achbrücke von Lauterach in die Stadt hinein. Die stolzen kaiserlichen Kürassiere und Dragoner mußten abziehen. Der Kassier der Stände war ins Kapuzinerkloster geflohen, mußte aber nun die Abrechnung herausrücken. Daraus ging hervor, daß die Stände die früheren Abmachungen um viele 1000 Gulden überzogen hatten. Drei Tage lang mußten die Bregenzer die Einquartierung der Bauern ertragen. Georg Rohner wurde nach Innsbruck zur Berichterstattung an die Regierung geschickt. Nur kurze Zeit konnte sich der Gemeine Mann über seinen Erfolg freuen. Bald erfand die Regierung eine neue Steuer, diesmal auf die Ausfuhr von Garn. Das traf die Hofsteiger, wo viel Flachs angebaut wurde, besonders hart. Wieder riefen sie zum Aufstand. Am 28. Februar 1708 marschierten die Dornbirner und die Hofsteiger, bewaffnet mit Gewehren, Säbeln, Morgensternen, Äxten und Gabeln, ein zweites Mal nach Bregenz. Sie schlugen dem Vogt Baron Pappus von Tratzberg die Scheiben ein. Nur mit knapper Not konnte er sich ins Kapuzinerkloster retten. Dort zwangen ihn die Bauern zum Widerruf der Garnsteuer. Noch am selben Abend floh der Vogt nach Lindau und schickte einen Bericht an den Kaiser. Die Beamten waren aufs tiefste gekränkt. Aber nur insgeheim forschten sie nach den Urhebern der Unruhen. Noch wagten sie nicht, dieselben zu bestrafen. Georg Rohner hielt weiter Versammlungen ab und plante sogar eine neue Reise zum Kaiser. 30 Baron Pappus dagegen, unterstützt vom Bregenzer Amtmann Benedikt Reichart, holte wieder kaiserliche Besatzung ins Land und zog im Stillen die Fäden zur Ausschaltung der Anführer des Gemeinen Mannes. Etliche kamen ins Gefängnis. Die Bewegung verlor ihre Kraft. Der verhaßte Amtmann Benedikt Reichart hatte übrigens schon 1696 Schloß Wolfurt erworben und es 1707 neu aufgebaut. Er führte das Wolfurter Ritterwappen und nannte sich «Freiherr von Wolfurt und Wellenstein».7 Gemeinsam mit Vogt Pappus von Tratzberg hatte Amtmann Reichart in Lauterach 1707 die Hofsteig-Ammannwahlen geleitet, bei denen Ammann Schwerzler durch Alt-Ammann Caspar Haltmayer ersetzt worden war. Nach den argen Turbulenzen von 1708 lehnten nun beide 1710 eine neuerliche Wiederwahl ab. Trotzdem wollte sie der Vogt vorschlagen weil mann aber an sithen des Kaiserl. Ambts nit rathsam Befunden, so vil alte geschworene auf einmahl zu entlassen, und lauter Junge und neue Leuth anzunemmen.8 Weil beide Alt-Ammänner bei ihrem hartnäckigen Nein blieben, mußte der Vogt seinen Gegner Georg Rohner, der schon bisher als Geschworener dem Gericht gedient hatte, als Wolfurter Ammann-Kandidaten gegen den Lauteracher Jakob Vonach und den Harder Caspar Dörler antreten lassen und zuschauen, wie dieser das Laufen der Wähler gewann. Nun konnte Rohner als Ammann selbstbewußt den «Ständischen» entgegentreten und das Recht der «Gemeinen» einfordern. Als ihn der Vogt 1713 ablösen wollte, ließ das versammelte Volk dies nicht zu: Gleich fast alle zuesammen geruoffen, das sie den alten ammann begehren.9 In diesen Jahren gelang es den Bauern der Herrschaft endlich, sich aus der viele hundert Jahre alten Leibeigenschaft zu befreien. Siegel des Jerg Rohner, Ammann 1710 (VLA Urk. 998) 7 8 9 Ulmer, Burgen, S. 396 VLA Besatzungsbuch 1710, Oberamt Bregenz, n 471 Wie 8, 1713 31 Ammann Rohners Auftreten gegen «die Herrschaft» strahlte auch in das Gericht Kellhof Wolfurt aus. Welti berichtet darüber 10: Kellhofammann Joseph von Ach hatte sich gegen Plauderment (Verleumdung) durch den HofSteiger Landammann Georg Rohner und seine Anhänger zu wehren, der sich erfrechte, das gräfliche Haus, das kellnhöfische Gericht und Urbar mit wohl ausgesonnenem Mutwillen zu untertreiben und die herrschaftlichen Leut und Gefäll in ewigen Ruin zu setzen. Seinen Calumnien (Rechtsverdrehungen) sollte nach Vonachs Ansicht in der Art und Weise des Klosters Mehrerau begegnet werden, das ihm offenbar in ähnliche Fällen energisch zu Leibe gerückt war. Demnach hatte Rohner sich also weitere Feinde zugezogen. 1716 und 1719 wurde der Bildsteiner Wirt Jakob Natter über Vorschlag des Vogtes zum Ammann gewählt. Das Volk forderte aber weiterhin Georg Rohner, der sich 1722 abermals einer Wiederwahl bei der Linde am Lauteracher Platz stellte. Für Lauterach kandidierte diesmal der junge Martin Dietrich, für Hard noch einmal der schon mehrmals unterlegene Zoller Caspar Dörler. Als Dörler sah, daß sich beim Laufen wieder die meisten Wähler am Wolfurter Baum einfanden, versuchte er, die Wahl zu manipulieren. Schnell eilte er mit seinem Harder «hauff» zu dem der Lauteracher. Unerhört stieg die Spannung. Ganz genau mußte gezählt werden: «387 Man» standen für Rohner, nur 301 im vereinigten Haufen seiner Gegner. Wieder mußten sie ihn als Ammann akzeptieren." Das sollte dem Vogt nicht noch einmal passieren! Beim nächsten Wahltermin am 11. November 1725 stellte er Rohner gar nicht mehr als Kandidaten auf, sondern ersetzte ihn durch den jungen Rickenbacher Adlerwirt Anton Haltmayer. Das ließen sich aber die Wolfurter Wähler nicht gefallen. Sie boykottierten die Wahl: Als nun sambtliche gemein stehen verblib, und nochmahls um bestätigung des aman roners gebeten. Die Amtsleute versammelten sich im Lauteracher Pfarrhof und mußten unter dem Druck der Wähler den beliebten Alt-Ammann Rohner in seinem Amt bestätigen.12 Auf dem gleiche Amtstag wurde dieser übrigens auch als Gastwirt vereidigt. Mit der Eröffnung einer Gastwirtschaft hatte er also seine Position weiter gefestigt. Trotzdem ist es ganz ungewöhnlich, daß er auch bei den nächsten Wahlterminen 1728 und 1731 sein hohes Amt behielt, insgesamt sechs Perioden, davon vier in ununterbrochener Reihenfolge. Am 26. Dezember 1729 kauften Ammann und Gericht Hofsteig um 7000 Gulden eine Reihe von Herrschaftsgütern, darunter die großen Weinberge am Rutzenberg und am Narrenberg in Wolfurt. Sie vergaben sie als Lehen an eigene Leute. Sicher hatte Rohners Wort auch Bedeutung in der Ständeversammlung, wo die Ammänner der Vorarlberger Gerichte immer wieder im Gasthaus «zum Bauren» an der Grenze zwischen Oberland und Unterland zusammenkamen. 1727 berichtete er dort von neurlichen Steuererhöhungen durch das kaiserliche Oberamt in Bregenz. Und noch 1733, als der Kaiser Truppen forderte, vertrat Ammann Rohner in der Ständeversammlung die Hofsteiger. Beim Oberamt in Bregenz hatte er vorgesprochen wegen Ohnainigkeit, aigennüzigkkeit und ybles Exempel der Geschworenen, vorab des Martin Dietrichs. Darauf hatte Amtsdirektor Baron von Deuring Rohners alte Gegner im Gericht entlassen müssen.14 Nun trat er 1734 «des Alters und Unpäßlichkheit halber» selbst von seinem Amt zurück, diente dem Gericht aber auf verlangen der gerichtsleuthe noch weitere neun Jahre als Geschworener. Sein Name und sein Ammannsiegel mit dem ähnlich dem Wolfurter Wolfswappen nach rechts steigenden Pferd genossen hohes Ansehen. Er unterschrieb mit «Georg Rohner», die Historiker nennen ihn «Jerg», in Wolfurt aber sagte man «Irg». Im engen Kirchdorf in Wolfurt war Irg Rohner am 31. März 1671 als achtes von elf Kindern des Johann Rohner und der Anna Müller geboren worden. 1696 hatte er Anna Maria Bayerin aus Bregenz geheiratet, die ihm sechs Kinder gebar. Schon 1707 starb sie, genau in der Zeit, als er die härtesten Kämpfe des «Gemeinen Mannes» zu bestehen hatte. Noch im gleichen Jahr fand er in Sabina Egenderin aus Bezau eine zweite Mutter für seine Waisenkinder. Sie war eine Verwandte des Pfarrers Johannes Egender, der damals von 1693 bis 1713 die Pfarre Wolfurt betreute, und stammte aus der Sippe des Bregenzerwälder Landammans Egender. Um das Jahr 1720 schuf Georg Rohner am Rand des Dorfes im Getreide-Esch an der Feldgasse jenen großen Ammannhof, in dem er selbst und nach ihm ab 1738 sein Sohn Anton Rohner eine Gastwirtschaft führten. Der Hof, wohl der größte im ganzen Kirchdorf, kam später in den Besitz der Vorsteherfamilie Vonach, die dort den zweiten («Kleinen») Dorfbrunnen «beim Kreuz» erstellen ließ. 1869 ist das Haus abgebrannt. Erst 1893 hat Lehrers Ludwig auf dem Brandplatz sein neues Haus (heute Kreuzstraße 1, Rohner) erbaut. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Sabina hatte Ammann Georg Rohner 1729 in Anna Haltmayer eine dritte Gattin gefunden. Sie war eine Tochter des verstorbenen AltAmmanns und Adlerwirts Caspar Haltmayer. Weil Rohner nach Übergabe seines Hofes im Kirchdorf zu ihr nach Rickenbach übersiedelte, wurde er nun in den Hofsteig-Protokollen als amman zue Rikhenbach geführt. Von 1734 bis 1740 hatte Martin von Ach aus Lauterach als Rohners Nachfolger die Ammann-Stelle inne. Das Volk war so unzufrieden, daß der Vogt noch einmal den nun schon 69 Jahre alten Altammann Georg Rohner als Kandidaten aufstellen mußte. Den Wählern schlug er aber den bisherigen Ammann von Ach zur Bestätigung vor. Nun hat sich an jenem denkwürdigen Micheli-Tag (29. September 1740) ein solicher Tumult und geschray eraignet, daß man ohne Wahl auseinander ging. Das nahmen die dem Absolutismus Kaiser Karls VI. verhafteten Beamten zum Anlaß, das nach Landsbrauch im Gericht Hofsteig ausgeübte Recht der öffentlichen Ammannwahl durch das Lauffende mehr ein für alle Mal abzuschaffen. Außerdem sollte in Hinkunft 10 11 Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV 1952, S. 9 Wie 8, 1722 12 13 Wie 8, 1725 Welti, Heimatbuch Lauterach 1953, S. 19 14 Wie 8, 1731 32 33 kein Ammann seine Stelle mehr als drei Jahre innehaben. Sie wollten keinen starken Ammann mehr, der sie, so wie Ammann Georg Rohner es in sechs Amtsperioden getan hatte, zur Einhaltung alter Rechte zwang. In einer vier Wochen später am 6. Oktober 1740 neuerlich einberufenen «Gerichtsbesatzung» konnten die Beamten durch ein von den Wählern angezweifeltes «stilles Mehr»15 den Martin von Ach aus Lauterach zum Ammann bestimmen. Vier Geschworene gingen anschließend nach Bregenz und protestierten. Doch es blieb beim «stillen Mehr». Mit 72 Jahren starb der alt und müde gewordene Anführer des «Gemeinen Mannes». Im Wolfurter Sterbebuch widmete ihm der Pfarrer eine besonders umfangreiche Eintragung: Den 25. Aprill 1743 obijt omnibus rite provisus sacramentis nobilis honestus Dominus Joannes Georgius Rohner Amannus emeritus. Es starb, feierlich mit allen Sakramenten versehen, der edle und ehrsame Herr J. G. Rohner, ehemaliger Ammann. Dann zählt der Pfarrer des Ammanns drei Ehefrauen auf und alle die Kirchen der damals noch großen Pfarrei Wolfurt. Allen hatte der Verstorbene etwas gestiftet: Hl. Jungfrau Maria, St. Nikolaus und St. Franziskus hießen die drei Altäre der Pfarrkirche Wolfurt. Eine Spende ging an die Hl. Jungfrau Maria in Bildstein und an die dortige Bruderschaft, je eine weitere an die Hl. Apostel Petrus und Paulus in Buch und an St. Sebastian in Schwarzach. Für sie alle war Georg Rohner 45 Jahre lang im Gericht Hofsteig mitverantwortlich gewesen. Mit einem kleinen Zusatz endet die Widmung: Um einen Gulden Brot für die Armen! Das ist wohl Irg Rohners Auftrag für uns. Eine große Anzahl von Wolfurter Familien haben in ihrer Ahnenreihe die Rohner von Kreuzstraße 1 und den Ammann Irg Rohner: OrglerRohners in der Bütze, Klosos im Oberfeld, die Schützen-Fischer in Spetenlehen, Heims in der Bütze, Nagler-Kalbs im Tobel, Veres in der Bütze, Murar-Böhlers im Strohdorf, DelloKorles im Schlatt, Anwanders am Rickenbach, Holzerschmied-Böhlers ... Als letzte Namensträgerin Rohner aus der Ammannsippe starb 1966 Adelheid Rohner, Orglers in der Bütze. Siegfried Heim Die Schneider in Wolfurt Die Schneider sind im Vorarlberger Rheindelta, besonders in Höchst, das stärkste Geschlecht. Aber auch im Gericht Hofsteig waren sie einst eine zwar kleine, jedoch sehr einflußreiche Sippe. Von den Hofsteiger Schneidern leiten auch die Egger Schneider1 ihre Abstammung her. Die ersten Schneider finden sich schon 1487 auf der Sigerhalden in Buch2. Von dort breiteten sie sich über den Steußberg aus. Der Hof «zum Schnidar» in Oberbildstein gab der Parzelle Schneider mit ihren vier alten Häusern den Namen. Zu ihr gehört auch die höchste Erhebung des Steußbergs, die bewaldete Schneiderspitze («Schneiderkopf», 973m hoch). Aus manchen Urkunden erfahren wir, daß die Familie auch außerhalb von Bildstein Gründe kaufen konnte: 1512 - Ulrich Schulder ufdem Stüsberg kauft von Hans Kalb zur Tannen in Alberschwende.3 1518 - Peter Schnider ufdem Stüsberg kauft von Hainrich SchnebergzuBotzenow im Buech.4 Als im Jahre 1650 die Wolfurter Pfarrbücher begonnen wurden, lebten in Bildstein noch die zwei Familien Christian und Michael Schneider.5 Andere Schneider-Familien waren ins Tal gezogen und hatten sich in Lauterach und in Wolfurt niedergelassen. In den Wolfurter Pfarrbüchern findet sich der Hofsteig-Ammann Jakob Schneider, gestorben 5. November 1695. Jakob Schneider muß um das Jahr 1620 geboren worden sein. Schon 1671 bis 1677 und später noch einmal 1686 bis 1689 wurde er in Lauterach zum Hofsteig-Ammann gewählt. Dazwischen und bis zu seinem Tode diente er dem Gericht als Geschworener. Sein Wirken war weitum anerkannt, aber er muß wohl einer der letzten strengen Hüter des Hofsteigischen Landsbrauches gewesen sein.6 Das Ammann-Siegel Schneiders zeigt einen Widder, der mit dem rechten Vorderbein ein Montforter Banner auf seiner Schulter hält. Verschiedene Zeichner haben später den Widder zu einem Pferd umgedeutet, einer sogar aus dem Banner ein Kreuz gemacht. Im Jahre 1992 wählte die Hofsteiger Musikvereinigung das Ammann-Schneiderwappen zum Symbol der freiwilligen Zusammenarbeit ihrer acht Blasmusikkapellen.7 1 2 3 15 stilles Mehr = Einzel-Stimmabgabe in eine Strichliste der Amtsleute 4 Schneider, «zum Ruo», «Gamswirts», Vorsteher Anton Schneider, Mundartforscher Dr. Anton Schneider, Dr. Sylvester Schneider in Wolfurt... Ein schriftlicher Nachweis fehlt allerdings bisher. Stammeltern der Egger Schneider sind Georg Schneider, gest. 18. 1.1682 in Egg, und seine Frau Eis Moosmann, Sohn Jodok 1682-1716 und Enkel Sylvester 1716-1778. 5 Welti, Kellnhof Wolfurt 1952 Pfarramt Wolfurt, Familienbuch Berchtold 247/13ff 6 VLA Urk. 1714 Bilgeri, Geschichte III, S. 222 7 VLA Urk. 1744 Siehe Titelseite 34 35 Kliens Haus im Gässele an der Kirchstraße ist 1989 abgebrannt. Hier war einst der Wohnsitz des Hofsteigammanns Jakob Schneider (gest. 1695). Von den Schneider-Häusern an der Kirchstraße hat Schnidarles Hannes 1882 dieses Bild gemalt. Beide sind miteinander 1907 abgebrannt. Hier wohnte der Gotteshausammann Mathias Schneider. Ammann Jakob Schneider war dreimal verheiratet. Von den Kindern aus seiner ersten Ehe mit Katharina Reiner (gest. 25.3.1671) ist gerade noch das letzte, Magdalena, 1651 im neu angelegten Taufbuch erfaßt. Die Ehen mit Anna Thanner und Anna Salzmann blieben kinderlos. Als der Alt-Ammann «Profectus in gericht Hofstaig» am 5. November 1695 starb, stifteten die Erben u.a. ein neues «Missale» (Meßbuch) und einen ewigen Jahrtag. Sein Sohn Johann Schneider, geboren um 1645, gestorben am 1. Juli 1702, taucht erstmals bei der Hochzeit am 26. April 1672 in den Pfarrbüchern auf: iuvenis hanß Schneider et virgo Maria von Ach. Trauzeuge war der (Vater)Ammann Jakob Schneider. Bei Johann findet sich in späteren Eintragungen oft der Titel «iuratus». Demnach machte also das hohe Ansehen des Vaters auch den Sohn zum Gerichts-Eidgenossen und Vertreter von Wolfurt. Das Ammannhaus war sehr wahrscheinlich das große Haus C 58 «im Gässele», Kirchstrasse 39. Jedenfalls lassen sich dort im Seelenbeschrieb von 1760 Johanns Kinder Johannes und Anna Schneider nachweisen. Das baufällige uralte Haus («Kliens») ist im Sommer 1989 abgebrannt. Schon 1773 hatte hier Josef Gmeiner (von «Lutzo-Schrinars» in Rickenbach) eingeheiratet. Damit war der Schneider-Name in diesem Haus erloschen, das Blut pflanzte sich aber in mehreren Tochterlinien fort. In anderen Häusern lebten die Schneider weiter. Eine besonders kräftige Schneiderlinie blühte am Rand des Kirchdorfes auf. Johanns ältester Sohn Jakob Schneider, 1673-1723, hatte Katharina Rohner, eine Schwester des großen Hofsteigammanns Jerg Rohner8 geheiratet. Ihre Söhne besaßen um 1740 die beiden neuen Häuser C 116 und C 117. Sie sind miteinander 1907 abgebrannt (Kirchstraße 27 und 29). Durch weitere Eheverbindungen zu den Geschlechtern des Gotteshausammanns Müller, des Majors Schertler und des Hofsteigammanns Joseph Fischer gewannen die Schneider immer mehr Einfluß. Am Höhepunkt stand das Geschlecht, als Mathias Schneider (1745-1833) als Gotteshausammann die Mehrerauer Güter verwaltete und von 1817 bis 1821 noch Vorsteher von Wolfurt wurde. Innerhalb weniger Jahre erbaute er zusätzlich zu seinem eigenen Haus für seine 18 Kinder drei weitere dazu und kaufte ein fünftes9. Dann verarmten die Schneider-Familien im Gefolge der Industrialisierung alle ganz schnell. 1843 besaßen sie noch zehn Häuser in Wolfurt. Nun wanderten etliche Familien nach Amerika aus. 8 Siehe «Der Gemeine Mann, S. 28 9 Siehe Heimat 7/S. 22ff und 11/S. 25 ff 36 37
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Heimat_Wolfurt_...1997_ Wolfurt 01.06.1997 19.11.2012, 18:28 Heft 19 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni 1997 Wein aus Wolfurt! Schon die Emser Chronik von 1616 berichtet vom schönen Wein wachs in Wolfurt. Inhalt: 90. Weinbau in Wolfurt 91. Ippachwald (2) 92. Wie hoch liegt Wolfurt? 93. Wolfurter Wappen in St. Polten 94. Kammerdiener des Kaisers 95. Emser Chronik Autoren: Werner Vogt, Landesbeamter i. R., Jg. 1931, wohnhaft in Hard. Er ist Leiter des Bregenzerwald-Archivs in Egg und Verfasser des Vorarlberger Flurnamenbuchs. Darüber hinaus hat er sich durch vielerlei Publikationen und zahlreiche Führungen durch Gemeinden und Alpen einen Namen als Heimatkundler gemacht. Für uns hat er bereits den Artikel Wotfurter Alpbesitzungen verfaßt (Heft 14). Bildnachweis: Emser Chronik Werner Vogt Raimund Mohr Hubert Waibel Siegfried Heim Sammlung Heim/Mohr Zuschriften und Ergänzungen Nachkriegsjahre 1945 - 1949 (Heft 17, S. 9 und Heft 18, S. 3) Ein Brief des Dornbirner Geschichtelehrers Professor Dr. Wratzfeld hebt aus den wie immer hochinteressanten Beiträgen den von Burkhard Reis über die Nachkriegsjahre besonders lobend heraus. Die vielen ergänzenden Zuschriften lassen auf das Interesse der Leser an diesem Artikel schließen. Leider sind keine weiteren Ergänzungen eingetroffen, obwohl sich doch viele von uns noch gut an jene ereignisreichen Tage im Mai 1945 erinnern können. Dokumente aus der Turmkugel (Heft 18, S. 7) Ein Akt im Gemeindearchiv weist nach, daß unser Kirchturm im Jahre 1845, also noch vor Abschluß der Bauarbeiten an der Kirchenerweiterung, von einem Blitz getroffen und schwer beschädigt wurde. Als Patronatsherr mußte der Kaiser ein Drittel der Kosten übernehmen. Am 13. Mai 1846 ließ er durch das k.k. Kreisamt in Innsbruck 339 Gulden 10 Kreuzer an die Gemeinde Wolfurt ausbezahlen. Berichtigung zu Seite 13: Aus der Chronik des Ferdinand Schneider (GA, Schneider III, S. 227) erfahren wir, daß der Kirchturm schon 1904 erhöht wurde. Die Arbeiten führte Baumeister Kröner aus Feldkirch durch. Aussiedler aus Südtirol (Heft 18, S. 30) Hocherfreut meldete sich Frau Ida Wucher. Als 20jähriges Mädchen war sie mit ihrer Mutter Magdalena Prantl ebenfalls wie Ladurners aus Schenna nach Wolfurt gekommen. Begeistert erzählte sie von der Bauernarbeit dort, von der Kastanienernte und vom Schlachten. Fast jedes Jahr verbringt sie ein paar Tage daheim in Schenna. Auch Ladurners bedankten sich außerordentlich nett für die Zusammenstellung ihrer Familiengeschichte und schickten sogar ein Heftchen nach Schenna. Suchbild 8 (Heft 18, S. 54) Besonders eifrig diskutierten die Gäste beim Geburttstagsfest für Pfarrer August Hinteregger, zu dem er seine 1927er Jahrgänger nach Bildstein eingeladen hatte, über dieses Bild. Man freute sich über die Schoßa der Mädchen, die Frisuren und die gnagloto Schuoh der Buben und über die schönen Rößlein, die auch auf das Schulfoto durften. Auf Umwegen gelangte das Bild auch in die Schweiz zu Frau Maria Haldner in Garns. Als Maria Buhmann hatte sie einige Jahre bei ihrer Tante Sophie in der Gerbe im Loh gewohnt und hält seither Kontakt zu den Mitschülerinnen von damals. Titelbild und 22 2 14 18,19 3,4,5,7,9,10,12 6, 8, 11, 13,15, 16,17, 20, 21, 23 Bitte ! Diesem Heft 19 liegt wieder ein Erlagschein für den Heimatkundekreis bei. Konto 87 957 RaibaWolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Wegen der geringen Auflage sind die Druckkosten doch relativ hoch. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Werner Vogt Über den Weinbau in Wolfurt Es ist reizvoll, diesem einst blühenden Wirtschaftszweig, dem Weinbau (besser Rebenbau) in den Wolfurter Gemarkungen nachzugehen. Darüber wurde bereits einmal in Heimat Wolfurt (Heft 2, S. 32) berichtet. Nach Aufarbeitung vieler Urkunden und Schriftstücke, die den Beständen des Vorarlberger Landesarchivs, zum geringeren Teil auch des Gemeindearchivs entstammen, ergibt sich das Bild einer seit dem Spätmittelalter in Wolfurt bestehenden erstaunlichen, ja großartigen Rebenlandschaft. Nahezu lückenlos reihen sich da die Rebberge von der Bregenzerach nach Süd bis an die Schwarzacher Gemeindegrenze. Dabei waren nicht nur am Bergsaum, sondern auch in der Ebene Rebgärten anzutreffen. Die Rebanlagen in Wolfurt waren in Bezug auf Ertrag, also auf Qualität und Quantität, verschiedenen Einflüssen der Natur unterworfen. Mitbeteiligt scheinen auf: Bodengunst, Witterung, Sortenwahl, Schädlinge und Rebenkrankheiten. Zudem waren auch von der Grundherrschaft entsprechende Belastungen zu erwarten. Wir führen als Besitzer der Rebanlagen auf: Kloster Mehrerau bei Bregenz, Kloster Minderau (Weißenau) bei Ravensburg, Kloster Hirschthal in Kennelbach, Propstei Lingenau, der Pfarrer von Bregenz und ab 1512 der Pfarrer von Wolfurt; die weltlichen Herren oder Herrschaften von Bregenz/Montfort, das Gericht Hofsteig, die Adeligen von Schloß Wolfurt, die Wolfurtsberger, die Grafen von Hohenems, die Ritter von Schwarzach, weiters einflußreiche Bregenzer Bürger. So blieb den ansässigen Wolfurtern nur der geringste Teil zu eigen. Rebberge scheinen auch vermehrt Spekulationsobjekte gewesen zu sein, um Einfluß und Macht vorzuzeigen. An dieser Entwicklung konnten die Ortsbewohner nur einen bescheidenen Einfluß nehmen. Es gilt als erwiesen, daß sich die meisten Grundbesitzer bei den alljährlichen mühevollen Arbeiten in den Rebbergen nie die Hände schmutzig machten, vielmehr diese nur beim Einheimsen des Ertrages weit offen hielten. So war den Wolfurtern meist nur gestattet, als Pächter aufzutreten, um mit wechselndem Geschick die Arbeiten in den Weinbergen der Herren durchzuführen. Als Lohn winkte ein von der Witterung abhängiger Ertrag, der durch die Darreichung der Hälfte oder eines Drittels an die Grundherren (oft bis zu deren Haustüre) gemindert wurde. Erst als die Feudalzeit zu Ende des 18. Jahrhunderts vorbei war, konnten mit Hilfe obrigkeitlicher Anordnungen (Pragmatische Sanktion, Säkularisierung der Klöster, Grundentlastung) Wolfurter Bauern solche Liegenschaften aufkaufen und in ihr Eigentum überführen. Es war aber ohnehin für den Weinbau schon zu spät. Die Aufzeichnungen berichten vermehrt von ungünstiger Witterung, Frost, Kälte, Regen, fehlendem Blütenansatz, Mißwuchs, Krankheiten und Schädlingen. Da blieb nur ein Ausreißen der unrentabel gewordenen Reben übrig. Bedingt durch die kleinflächige Parzellenstruktur der Rebberge erfolgte eine Umwandlung zu Grünland, meist unter Anpflanzung von witterungsbeständigen Obstbäumen. Die aufkommende Industrie bot in Wolfurt ab dem 19. Jahrhundert gute Verdienstmöglichkeiten. Umso leichter fiel die Abkehr vom zeit- und lohnkostenintensiven Rebbau. Nun wurden die Hände der Kleinlandwirte frei für Industriearbeit. Zwar war auch dort die Entlohnung gering, aber sie brachte dennoch Bargeld in die vielfach verschuldeten Familien. Jetzt wechselten auch die Trinkgewohnheiten der Wolfurter. Gerne wurde dem eigenerzeugten Most von Äpfeln und Birnen zugesprochen. Auch der in zwei Betrieben preisgünstig hergestellte Gerstensaft Bier vermochte durchaus mitzuhalten. Für Liebhaber des Rebensaftes konnten die ausschenkenden Gastwirte nach dem Bau der Arlbergbahn (1884) preisgünstigen Wein aus Innerösterreich und Südtirol anbieten. Eine mehr als 600 Jahre anhaltende Weinbauherrlichkeit und Weintradition von der Acherbünt bis nach Rickenbach war damit verklungen. Außer Namen und Urkundenberichten gibt es keine Zeugnisse mehr. Schon lange vergessen sind die Mühen und Schweißtropfen unserer Ahnen. Ob die heutige Wohlstandsgesellschaft in nostalgischer Suche wieder zu einem Weinbau auf den Wolfurter Hängen zurückfinden wird? Wohl kaum! Wenngleich solche Hoffnungen oberhalb Rickenbach vor einigen Jahren wieder „angesetzt" worden sind. Die meisten Plätze, auf denen vor Jahren Wein gedieh, sind jetzt von stattlichen Wohnbauten belegt. Es ist aber wert, die einstige Rebenlandschaft von Wolfurt in Erinnerung zu behalten. Sie war ein wichtiger Teil unserer schönen Heimat! Über den Rebbau im allgemeinen, über den jahreszeitlichen Arbeitsablauf, über Arbeitsgeräte, Weintraubengewinnung und Weiterverarbeitung gibt die einschlägige Vorarlberger Weinbauliteratur genügend Hinweise. Herausarbeiten möchten wir für Wolfurt im Anhang das Verbreitungsgebiet. Dabei klingen längst vergessene Flurbezeichnungen an, die durch ihr urkundliches Auftreten und die Anführung von Anrainern eine Einordnung in die heutigen Parzellen ermöglichen. In einer langen zeitlichen Abfolge hören wir von Grundherrren, Pächtern und Abhängigkeitsverhältnissen, auch von der Witterung und von wechselhaften Erträgen und Mißernten. Bewußt klammern wir Fragen der Anbaumethodik, Sortenwahl und Ertragsstatistik aus. Jedenfalls soll auch der Wolfurter Wein nach Aussagen des Historikers Weizenegger gesund und leicht gewesen sein, er machte heiter, verursachte keine Kopfbeschwerden und ließ auch keinen lettigen Munde zurück. (Weizenegger, 1839, Band I., S. 283). Doch er geriet in manchen Jahren nicht so gut, so schlecht, daß ihn die Leute nicht einmal geschenkt annehmen wollten. 4 5 Die Rebberganlagen zu Wolfurt Von Nord nach Süd läßt sich auf folgenden Gütern Weinbau nachweisen: In der Acherbünt (östlich des ehemaligen Wälderhofs). Im Weidach (Wida), erwähnt auch in der Lärche, in der Höll und in Gestratsrüte. Vermehrt finden sich dort Rebanlagen des Klosters Mehrerau, der Frauen vom Hirschthal (Kennelbach) und des Emsischen Kellhofes zu Wolfurt. In der Bütze. Verschiedene Anlagen mit den vorigen Besitzern. Urkundlich genannt dort der Marttorkel; dazu 1615 der Torkel des Hilarius Fröwis, ob dem Tor hinaus; der Heiligkreuz-Torkel der Präbende Bregenz (Ecke Bützestraße-Rittergasse); der Nonnentorkel oder Frauen von Hirschthal-Torkel. (Anmerkung: Ein Torkel, früher meist Torggel geschrieben, war eine Traubenpresse samt dem dazu gehörigen Gebäude.) Im Kehlegger. Verschiedene Reben der Herrschaft, Kloster Mehrerau, Kellhof, Pfarrer von Wolfurt, Private (Es ist etwa der Bereich zwischen der heutigen Lauteracherstraße, der Neudorf- und der Unterlindenstraße). Daneben noch der urkundlich genannte Weingarten bei der Kemenate. Im Moosmann. Verschiedene Private und Kloster Mehrerau. (Der alte Flurname Moosmann wird heute als Moosmahdgasse falsch geschrieben). Dazu gehört noch am Attelbach (das ist der Unterlauf des Tobelbachs). Im Kaisermann und im Grafengarten (abgegangene Bezeichnungen zwischen Bregenzerstraße, Röhleweg und Bützestraße). Im Ellhofer {Kellhofer/Nellhofer). Diese durch eine Mauer geschützten Reben zwischen Bützestraße, Kellhofstraße und Dorfweg gehörten zum Emsischen Kellhof und zum Schloß Oberfeld. Pfaffenreben. Der Weingarten südlich vom alten Pfarrhaus in das Tobel hinab war ehemals Stauferbesitz, gehörte dann dem Kloster Weißenau und schließlich dem Pfarrer von Wolfurt. Im Altengarten. Diese Reben standen etwa am Platz des heutigen Bauernhofs Stöckler an der Bucherstraße. Am Buggenstein. Östlich des Pfarrhofes an der alten Bucherstraße. Daran anschließend Wolfersgarten, auch Schintzenberg genannt, mehr gegen die Rütte zu. Ein Besitz des Klosters Weißenau, auch der Herren von Wolfurtsperg. Veldegg. Rebgärten bei der ehem. Burg auf dem Hexenbühel (Herren von Veldegg, später Kloster Mehrerau). Im Tobel. Reben und ein Torkel standen im Tobel etwa beim Haus Tobelgasse 6. In der Tobelhalde. Die Reben östlich des heutigen Hauses Schloßgasse 3 hießen urkundlich 1517 des Junker Jonas Reben. Schloßreben hieß die felsdurchsetzte Halde, die südöstlich vom Schloß steil gegen den Holzerbach abfällt. Im Holz, urkundlich auch Reben im Schwarzenland, Reben im Rebenacker, Reben bei der Holzermühl und ob der Schmitten. 6 Kellerhalde unter der Linden. Sie liegt bergwärts der Häuser Kirchstraße 10 und 12 und gehörte einst der Präbende Bregenz. Dazu an der Keller Breitenweg und in der Altwegg unterhalb der Kirchstraße nördlich der Raiffeisenstraße. Im Vogelsang hieß der Rebberg oberhalb Kirchstraße 6 und 8. Humershalden (von Hofsteigammann Humer) oder Unter der Linden nannte man die Reben ob Dreiers Säge. Narrenberg. Ein großer ehemals Hofsteigisch/Montfortischer Amtsweingarten. Verschiedene Hausbesitzer zu Wolfurt waren verpflichtet, Mist zu liefern. Andere auf dem vorderen Steußberg mußten Reben schneiden oder in Fronarbeit Rebstickel liefern. Der zugehörige Narrenberger Torkel oder Herrschaftstorkel stand auf Grundparzelle 1354. Im Himmelrich. Diese Rebberge waren den Stadtammännern Metzger von Bregenz, später der Präbende Bregenz zugeeignet. Opfenbacher. Oberhalb vom Gasthaus Krone in Spätenlehen. Ein Rebberg, der um die Hälfte des Ertrages verliehen war. Der gepreßte Wein mußte dem Lingenauer Pfarrer sogar zugestellt werden! Spätenlehen. Verschiedene kleine Anlagen (Hofsteigisch und Kloster Mehrerau). Im Gügger. Kleinere Rebhalden zuoberst im Spätenlehen an der Bildsteiner Grenze, verpachtet um halben Ertrag an das Kloster Mehrerau. Im Flotzbachfeld. Verschieden Rebgärten in sogenannten „Ehäften". Das sind Güter, welche im Eigenbesitz lagen und eingezäunt werden durften. Zudem waren sie nicht dem „Feldrecht" unterworfen wie die anderen Flotzbachfelder. Feldrecht heißt Pflicht zum Anbau einer gemeinsamen Fruchtfolge, aber auch Recht zur allgemeinen Viehweide nach der Ernte und bei Brachezeit. Im Bannholz. Heute Rutzenbergstraße 23 bis 65. Ehemals Bregenz/Montfortischer Besitz, nach 1451 Übergang an das Haus Habsburg/Österreich. Auch als Bannholz seiner Kaiserlichen Majestät bezeichnet. Ursprünglich ein gebannter Wald, aus dem nur Bauholz für die Herrschaftstorkel gehauen werden durfte. Im Brand. Kleine ehemalige Rebberge bei Rutzenbergstraße 17 bis 23. Rutzenberg. Die größte von den ehemaligen Rebanlagen, auch Herrschafts- oder AmtsWeingarten mit Fronverpflichtung wie beim Narrenberg. Sie lag nordöstlich von Rutzenbergstraße 3 bis 17, der zugehörige Torkel stand in der S-Kurve. Östlich anschließend in das Rickenbachtobel hinein die Reben im Schedlerstobel bis zur Bildsteiner Gemeindegrenze. Ein Altbregenzisch/Montfortisches Lehen. Die Schedler waren Lehensnehmer. Urkundlich befand sich 1537 dort Schedlers Burgstall, herstammend von jener sagenhaften Burg auf dem Kuien. Groppersbühel ob Rickenbacherstraße 11, dazu Gilgenhalde ob Kellaweg 7 und Kellenhalde oberhalb des Kellawegs bis zur Bildsteiner Grenze. Diese drei Rebberge besassen Rechte im Kellentorkel (bei Haus Kellagweg 7). In Buchungen an der Steig der alten Bildsteiner Straße. Der zugehörige Torkel stand einst 100 m nordöstlich vom Haus Bächlingen im Winkel an der Gemeindegrenze, aber schon auf Bildsteiner Boden. Hier ist jener einzige Bereich in Wolfurt, wo seit 7 etwa 15 Jahren der Rebenbau wieder fröhlich auflebt. Domach und Krämer waren Bünten westlich von Rickenbach mit Rebgärten. Fälle, (etwa bei der heutigen Araltankstelle) und Im Brühl (heute Augasse-Weberstraße) hatten Rebanlagen mit Zinsverpflichtung gegenüber dem Kloster Mehrerau. Und hier endet unsere Reise durch fast 50 Wolfurter Rebberge. In der folgenden Auswahl aus den Urkunden finden sich aber noch mehr bekannte und auch längst vergessene Wolfurter Namen. Aus den Urkunden A. Bereich Ach bis Kirchdorf 1370 herman vo Schwarzach überläßt seinem Schwäher Hans vo Schönstein ... einen Weingart zu Wolfurt... wingart im Tobel nebent der Kilchen ... verkauft Peter Maiser Bürger zu Bregenz daraus Zins ... wingart ze Wolffurt an Huffenweg get darus eindrittail ... Junker vo Schwarzach hat ein drittail us dem Walderblehen burg und holz zu Wolfurt, und vom Gut sol ein Juchart Acker zu ainem Weingarten gemachet werden ... (Anmerkung: ident mit der Burgstelle Veldegg-Oberfeld) hans Keller genannt Schuchli zu Wolfurt git der Prebende Bregenz Weinzinse aus dem Wingart ze Wolfurt vor der gassen di ma nempt die Lerch, vom Wingart an der Keller Breitenweg gelegen stosst an das Veld und der Neffinen wingart, vom Wingart zu Wolfurt an der Kellerhalden sind 6 stuck mit reben ... 2 schopf reben in der bützin item 6 stuck reben in der lerchen item weingart in der buzin under der Heergassen alles um ein drittail Ertrag an das Kloster Mehrerau (Abt u. Convent) um halben eimer Wein von dem wolfurtsperger ... um ain drittail vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain ... item ein drittail von halb Juch reben in der büzi ... item ein drittail von henni grüls Weingart... geht dem Kloster in der Weißenow zue ... Gärtle und Reben am Buggenstain und ob dem Velde die Wissenhalden sind mit Reben bestockt... Aigen Stukken um drittails des Wins zu Wolfurt In der Buzin under der Heergassen ... item 6 stukk reben In der lerchen - baid gestifft von Elsbet Rainoltin des hainrich Metzgers Wittiben ... 9 1399 1402 1436 1439 1446 1457 Bild 2: Weinberge in Rickenbach. Ausschnitt aus der Katastralmappe von 1857. 1464 1467 8 1474 Weingart in der häher bizi - item in der niderin bizi item Weingart zu Kenlegg zu Wolfurt bi der Kemenat, hat inn der Spekker zu Bregentz item lütis Wingart zu Kenlegg ... 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain item 2 Juch der Wolfurtsperger item 4 Juch Weingart im Widach - um Drittel an Kloster Weißenau ... 1503 haini Veldegg leistet den Sondersiechen ... ab 1/2 Juch Reben in der bützin, an Kellhof Reben... 1515 Kellhofurbar: Kellerhalde 3 1/2 Juchart reben hat der yntel frick 1 Juchart reben in der büzy hat Peter haberstro 1 Juchart reben im Kenlegger hat der Jos Schobloch 1 Juchart reben in büzy hat Jacob Vogt, hans von ach, Peter frick, hans hainrich und jerg winzurn - diselben haben och inne 3 Juch reben in bützy an 10 stukken 1536 Weingart 1 1/2 Juch Reben an der Kemnat item Weingart in der bützy zum Weiler genant zu Wolfurt, stoßt an den Merttorggel, an lutracherstroß, und frauentorggel im Hirschtal... (Anmerkung: im Hofsteigischen Zinsbuch enthalten) 1559 Reben im Widach des Hansen Cleiners reben, drittail Weins in das Frauenkloster Hirschthal ... 1569 1 Juch Reben Kellhofgut in Bützy hat inne Jacob Vogt item von reben im Wydach In gestrasrüti ... 1571 rebgärten im Kenlegger - item wingart in Buzi item Reben im Nüwsatz Flotzbachfeld item Gozhus wingart am Attelbach - um Hälfte des Wins an Kl. Mehrerau 1595 weg mißratung und rebmangels die reben im Moßmaan ußgehowen und wurd vom Abt zu hewpoden vergunnt... 1597 Weingart im Widach in Gestraß Reutin item Reben in der Bizin genant Büchelman item Weingarten im Altengarten item Weingarten an der Fatt Weingart an Buggenstain ... gozhuswingart Wolfurtsgarten und an der Wingart Buggenstain und zu Oberveld - um halben wins an Kloster im Hirschthal ... 1601 Rebgertlin im Buggenstain - item Reben in der Undern Bützi ... 1610 Kloster Mehrerauw Reben im Buggenstain - im Wolfurtsgarten - im Einhofer - Reben im Newsatz 1615 des St. Mangen pfrundt zu Bregentz Reben im Widach, stoßt an ynsel, der herre abt hat Reben abgen lassen im Widach an fatt des Hilary Fröwisen Torggel ob dem Tor hinuß ... 1615 hans Gmainer ussem im buech hat 3 stuck reben zu Indern Büzin ... 1629 bartle Mosman der Samatschnider zuo Wolfurt git Zins us sinen reben auf der huob 10 1669 rebgarten in der bitze aber 3 tail reben in der buzi mit Torggel item der torggel ist eingefallen - das Holz haben die Gmeinder geteilt, die hoftstatt haben der Pfründ Bregenz überlassen die hernach Jörg Möschen um 10 fl erkaufft... 1670 des Lehen hanß Künzen reben in der bütze verdorben, hat er nachmalig ausgereut und ist zu graßboden machen laßen vergunt, stoßt an unser heilig kreutz reben desgleichen bei reben in Marx Höflin in der bützin ... Im Einkünfteverzeichnis der Pfarrpräbende Bregenz folgen interessante Eintragungen, welche über Ertrag und Witterung damaliger Zeit Bescheid geben: 1671 empfang ich us den reben in der bützi jarlich 7 Som (Anm.: Ein Som ist die Traglast eines Pferdes und faßt 3 aimer. Ein aimer hat etwa 57 Liter.) 1672 ist vil hagel darüber, daher nur noch 11 aimer 1673 hat der Blüeh und von regen geschadet nur 11 aimer 1674 hat es abermal und vil hagel nur 4 aimer geben 1675 weg kelt und regen, trauben erst am 6. November ableßen nur 3 aimer 1676 trotz übel erfroren noch 5 aimer 1677 haben unsre gut gewimlet in 12 aimer 1678 ist alda sehr edler Wein erwachsen 13 aimer 1679 ebenso und köstlich 20 aimer - detto 1680 köstlich 17 aimer 1681 wegen kelte und regen nur 8 aimer 1682 ebenso nur 7 aimer und 1683 besser 18 aimer 1764 Gemäß Verfachbuch sind noch Rebanlagen nachzuweisen in: Kelegger, im Widach, in der Bützi, im Nellhofer. 1766 Eintrag im betr. Urbar des Klosters Mehrerau (VLA Hdschr. Cod. 120) mit dem interessanten Hinweis auf ältere Rechtsverhältnisse: ... Die Inhaber des Kloster Mehrerauischen Lehenshofes zum Schlössel Oberfeld, und zwar Joseph Som vom halben Burghof, Antom Som vom viertel Burghof und Johann Müller vom anderen viertel Burghof zinsen dem erwähnten Kloster zu Eindrittel-Weinertrag aus dem zum Schlössel zugehörigen Gottshaus Rebgertel im Elhofner zu Wolfurt gelegen. Sie sind auch schuldig in des Gozhaus Rebgertel den Baumist und die Rebstücklein zu liefern ... Zur Erinnerung: Zum ehemaligen Schlößle Oberfeld (heute Hexenbühel) gehörten ein ansehnlicher Besitz an Acker- und Wiesenflächen und die erwähnten Rebgärten. Deren letzter weltlicher Herr, Ritter Ulrich von Schwarzach, verkaufte seinen Besitz 1451 an das Kloster Mehrerau. Dieses bewirtschaftete den umfangreichen Besitz nicht selbst, sondern vergab dieses Lehen an willige Pächter für Zinsleistungen. 11 In der Katastralmappe vom Jahre 1857 der Gemeinde Wolfurt sind enthalten: Grundparzelle 2, 4 und 142, Rebgarten; zusammen 9 ar Grundparzelle 83 - die Schloßreben, ca. 8 ar Grundparzelle 1232 - Unterlinden, ca 6 ar Grundparzellen 1319, 1320, 1338, 1339 im Narrenberg, ca. 15 ar Grundparzelle 2657 im Frickenesch, Reben, ca. 3 ar Grundparzelle 2580 im Bannholz, ca. 4 ar Grundparzellen 1528-1534, 1520, 1521, 1651,1654,2570 und 2568, an dem Rutzenberg gelegen, zus. ca. 70 ar Grundparzellen 2548 und 2549, im Kella, ca. 6 ar Zusammen eine Rebfläche von etwa 121 ar Zuletzt: 1886 Gemäß Parzellenprotokoll: ... die neuangelegten Reben im Buggelstain auf Grundparzelle 144 ... ... die Reben im Schwarzenland (Gp.83) und im Rebenacker (Gp.90-95) ... und Baumbgart, Speicher, 2 schopf Reben und Reblaitern, alles in einem Einfang under der Linden ... 1709 In den herrschafts Weingart der Narrenberg sambt Torggel, gehen darein 4 Zinß fuder Mist und 9 2/3 tagewerk in fron ... 1765 Im Steuerprotokoll sind noch genannt: Rebgarten im Himmelrich, der Probsty Lingenowen Reebgarten, Rebgarten am Narrenberg ... C. 1444 1488 1474 1488 1536 B. 1457 1474 1489 1490 1528 1536 1571 1597 1601 1615 1682 12 Bereich Unterlinden bis Steig 1446 Wingart im Spätenlehen so Conrad Wolfensperger hat... Weingarten in der alt Wegg und an Kaysermans Wingart (gehört das drittail Kloster Weißenauw) ... des Herrschafts Weingarten im Narrenberg und Vogelsang ... sollen die hofstetten Mist und Stickhel führen ... in des Bruederhofsguet wingarten und wingarten der apfenbach ... der Weingarten Opfenbach, gat darus ein Eimer wins an den Probst zue Lingenauw ... wingart zu spätenlehen und wingart Im banholz, gand zinse di der ersamb hainrich von fröwis Kirchher an der Egg daran erkoft und bezalt hat... Wingart das Vogelsang - Wingart in der Humelhalden Wingart dem Haberstro im Narrenberg ... Weingarten der Opfenbach genant sind 2 Juchart item der Weingart Guggelstain darob und Weingart zun Vogelsang ... Weingarten der Gugger so Marte Wilhelmen ist... Weingarten Narrenberg hat inn hans Fink um Hälfte Ertrag ... Wingart zu Spätenlehen und im Banholtz so weilund Conradt Wolfurtsperger gestiftet hat... haben in den Kayserlichen Weingarten im Narrenberg die Bruder und Berghöfler schuldig den S. V Tung in den Wingart Narrenberg zefiren ... Gemäß Verfachbuch hat hans Kundig zu Wolfurt ein Haus, Hofstatt, Kraut 1571 1604 1615 1691 1709 1765 Bereich Rickenbach lenhart Wolfersperger von den Reben gegen Schedleren im Tobel ... zinst Othmar Schedler ab Reben im Dobel zue Rickenbach ... an herrschafts Weingarten Rutzenberg sind Mist und Stickel von den Underthanen zu firen ... Reben zu Rikkenbach im Tobel Gemäß Hofstaig Urbar: Weingarten in Gilgenhalde zue Rickenbach Weingarten im Banholz an das Kaysl.Mayst. Banholz gelegen Weingarten in des Schedlerstobel und torgel daran stoßt uf an des Schedlers burg stall seiner Kays. Mayst. Weingarten der Rutzenberg 1 Juch Reben im vellis, git der hans von Ach 1 Juch Reben zue Rikhenbach an helbern, git hans von Ach ... in das Gotteshaus in der Auw bei Bregenz geben halben Wein so Weingarten Ruzenberg des Gozhus ist um halb wins verlihen und ab Gozhus Wingart ob der Stayg... und ist ain halb Fuder wins us dem Torgel im Ruzenberg führen für den Keller auf das Schloss zu Bregentz ... das Gotshauß Weingarten im Obern und Undern Brand sind 1 1/2 Juch ... das Kayßl. Weingart zu Ruezenberg und dem Ambts Rebgart Torggel ... Gemäß Verfachbuch: Martin Som der Müller zu Rikhenbach, ab sinen Reben und Pomgart der Groppersbühel negst bey der Müllin ... item 7 schopf reben im guet Bechling negst bey bildsteiner Torgel gelegen ... herrschafts reben und Weingart der Ruezenberg samt Torggel ist zehendfrey und gend darein 8 fuder Zünßmist und 19 1/3 Tagwerck frondienst von der Underthanen am Steußberg ... Im Verfachbuch sind noch genannt: ... Reben in schedlerstobel des Joseph Roner Schuechmacher ... ... Reben im Rutzenberg ... ... Reben im brüll in wingarten Mehreraw guet... 13 Siegfried Heim Der Ippachwald (2) Der erste Teil in Heft 18 befaßte sich vor allem mit der Geschichte des Ippachwaldes und mit der Arbeit im Wald. Im zweiten Teil stellen wir nun die Bäche, die Straßen und die Wanderwege vor. Die beigefügten Skizzen sollen Ihnen das Zurechtfinden erleichtern. Sie sind aber auch eine Einladung, diese Wege wieder einmal aufzusuchen. Ein paar alte Geschichten lockern den Stoff auf. Den Abschluß bilden dann noch ein Kapitel über die Jagd und über das Forstrecht. Bild 3: Mergelkuppe am Bereuter, vom Gletscher abgeschliffen. Die Waldbäche Gebirgsbildung Die Schluchten unserer Bäche schneiden so tief in den Steußberg ein, daß an vielen Stellen Felsplatten und senkrechte Felswände sichtbar werden. Es sind Mergelfelsen. Als sich im südlichen Vorarlberg die Alpen schon weit aus dem Urmittelmeer gehoben hatten, befand sich bei uns noch ein großes Meeresbecken. Da hinein lagerten die Alpenflüsse das mitgeschwemmte Material ab. Es war vor allem Granitsand mit beigemischtem Ton. Durch Kalkwasser verfestigte sich der Sand allmählich zu Mergel. Aus reinerem Sand bildete sich der härtere Sandstein, den wir an den Südhängen des Steußberges antreffen. Vor etwa 20 Millionen Jahren war der Meerestrog schließlich voll. Später wurden auch die neu gebildeten Felsschichten, in denen vielerlei Reste von Tieren und Pflanzen versteinert sind, durch den Gebirgsdruck angehoben. Dabei ergab sich eine Bruchstelle, ein Knick, der sich von Rickenbach über Bildstein zum Sulzberg und weiter ins Allgäu zieht. So entstand vor etwa 5 Millionen Jahren unser Steußberg. Endgültig formten ihn aber erst die gewaltigen Eisströme der Gletscher, die in den Eiszeiten ihre schweren Lasten vom Rheintal her über die Flanken des Steußbergs in das Tal der Rotach ergossen. Vor etwa 10 000 Jahren ging die letzte Eiszeit zu Ende. In das öde Land stießen Pflanzen und Tiere vor. Seit 8000 Jahren deckte ein Urwald den Berg zu. Vor 1000 Jahren rodeten die Menschen dann zwei Drittel davon. Den Rest kultivierten sie zu unserem heutigen Wald. In unserem niederschlagsreichen Land entspringen rund um den Steußberg viele Quellen. Weil sich parallel zum Gesteinsknick des Berges eine ganze Reihe von Falten von Ost nach West ziehen, zwingen diese den Wolfurtern Bächen auch eine Flußrichtung nach Westen statt zur nahen Bregenzerach auf. Nur die Bäche östlich vom Ippach-Brünnele, der Plattenbach und der Bildgraben, finden noch einen Weg nach Norden zur Ach hinab. 14 Der Tobelbach Hinter einem Felsgrat rinnen aus dem Moos am Saustall zwei Bäche. Während der Plattenbach durch das Sustall-Loh nach Osten fließt, sucht der Tobelbach den weiten Weg nach Westen. Er umgeht das Hinterfeld und erreicht nahe der Alten Bucherstraße die Rütte. Hier haben die Dorfbewohner vor vielen hundert Jahren ihre Brunnenstuben gegraben und durch lange hölzerne Düchelleitungen den Brunnen am Dorfplatz mit Wasser versorgt. Der Dorfbach floß damals noch durch das Töbele am Fuß der Weinberge des Pfarrers zum Dorfplatz, dann an den Haustüren der Gasthäuser Rößle, Alter Schwanen und Lamm vorbei in die Bütze und Richtung Ried. Heute wird er schon am Waldrand auf der Rütte in einem Schlammbecken gefangen und zur Ach abgeleitet. Nur ein kümmerliches Rinnsal fließt noch durch das Tobel in eine Versickerungsanlage mit sieben Gruben hinter dem Kindergarten im Dorf. Auch das Haldenbächlein, das einst von der Schloßgasse her zur Versorgung des Dorfes beitrug, versickert dort. Nur bei starken Niederschlägen muß sein Überwasser in den alten Unterlauf des Tobelbachs zur Neudorfstraße geleitet werden. Der Ippachbach Der nach dem Rickenbach zweitgrößte Wolfurter Bach heißt auch Sackgraben, Holzerbach, Schuolarbächle und im Unterlauf Landgraben. Seine Quelle hat er am Oberen Schach in den Gitzner Büheln oberhalb des Dreiländerblicks. Die Parzelle Sack muß er in Betonrohren unterqueren. Danach schneidet er an der Rappenfluh tief in den Mergelfels ein, sodaß sich eine bis zu 20 m hohe Wand gebildet hat. An Hoamolitto vorbei sprudelt der Bach ins Mösle hinab, nimmt dort noch andere Rinnsale auf und bricht dann beim Dachsfelsen am Frickenesch nach Norden Richtung Dreigassen durch das Felsband. Im Holz hat seine Kraft früher den Schmiedehammer und die 15 Oberhalb von Spetenlehen versorgt er eine Reihe von Brunnenstuben und wird dann durch Rohre in den Eulentobelbach geleitet. Der Rickenbach Dieser weitaus größte von allen Bächen am Steußberg entspringt nördlich von Gallin in Oberbildstein und nimmt unterhalb von Baumgarten den vom Schneiderkopf herabfließenden Hochtobelgraben auf. Dann stürzt er sich durch die tiefe Staudachschlucht und das Mühletobel ins Tal. Über den Rickenbach und sein ganzes Umfeld hat uns Alfons Fischer schon eingehend berichtet (Heimat Wolfurt, Heft 3, S. 1. Einen weiteren kurzen Beitrag mit einer Skizze des alten Unterlaufs der Bäche gibt es auch in Heft 6, S. 39.). Die Kraft des Rickenbachs gab den Impuls zum Entstehen der Firmen Mühle-Gunz und Schlosserei Doppelmayr. Unter den Fabrikshallen durch fließt der einstmals gefährliche Wildbach durch einen Kanal in den Kessel und vor der Stöonorno Brugg in die Schwarzach. Bild 4: Wasserscheide in den Gitzner Büheln. Knapp dahinter liegt im Wald der höchste Punkt von Wolfurt. Mühlräder getrieben. Unterhalb des Schlosses lockte sein frisches Wasser in Draiars Weiher (dem Silbersee) sogar die Dorfjugend zum Schwimmen. Heutzutage wird es in Rohren bis an die Unterhub hinab geleitet. Ein Teil muß sogar den Umweg zum Unterlauf des Tobelbachs im Neudorf machen, um dessen altes Bett wieder mit Leben zu füllen. In Unterlinden hat der Bach früher bei Überschwemmungen einen hohen Lehmkegel aufgeschüttet und dann den Weg ins Strohdorf genommen. Dort ist das kleine Himmelreichbächlein, das am Frickenesch entspringt, zu ihm gestoßen. An der Schule vorbei ging der Lauf weiter, hinab is Loamloch. Noch bis vor hundert Jahren tranken Mensch und Tier aus dem heute verrohrten Bach. Beim Lehmloch ist er wieder frei. Hier nimmt der Ippachbach von rechts den Tobelbach und von links den Eulentobelbach auf. Als großer Landgraben unterquert er den Güterbahnhof. In sein kostbares Bergwasser mischen sich die Schollenwässer aus den Neuwiesengräben. Weit unten beim Sender bildete der Landgraben früher die Gemeindegrenze gegen Lauterach. Heute wird er über Lauteracher Grund in die Dornbirnerach abgeleitet. (Siehe Heft 9, Seite 28!) Der Eulentobelbach Seine beiden Quellen sickern am Bereuter aus den Büheln unterhalb der alten Sennerei. Durch das dunkle Eulentobel, auf dessen rechter Schulter die Lichtung Hoamolitto und danach auf der linken das sonnige Meschen liegen, erreicht er die Ebene an der Hub. Wie alle anderen Bäche ist auch er im Wohngebiet verrohrt. Als Flotzbach tritt er unterhalb der Brühlstraße wieder zu Tage und erreicht im Lehmloch den Landgraben. Zu seinem Einzugsgebiet gehört auch der Bannholzbach, der bei Meschen entspringt. 16 Bild 5: Die Rappenfluh. Gefährliche Steilwände am Ippachbach. Noch rinnt aus den Moospolstern des Ippachwaldes reichlich klares Wasser durch die Bäche ins Tal herab und speist unseren Grundwassersee. Selbst anhaltende Trockenzeiten und Frost können sie nicht zum Versiegen bringen. Ein gewaltiges Kapital für die Zukunft, das es zu hüten gilt! Straßen durch den Ippachwald Die älteste Straße durch den Ippachwald war schon vor mehr als 1000 Jahren der Saumweg vom heutigen Kirchdorf über das Holz hinauf nach Buggenegg auf den Steußberg. Über Alberschwende und die Lorena stießen hier die ersten Siedler in den Bregenzerwald vor. Vom Steußberg führte ein Weg zu den ältesten Bucher Höfen auf die Siegerhalde hinab. Als die zahlreicher gewordenen Bucher eine direkte Verbindung ans Land suchten, entstand ein zweiter Saumweg, die Alte Bucherstraße. 17 1. Wolfurter Gemeindeholzteil Katzensteig 2. Wolfurter Gemeindeholzteil Frickenesch Die Gemeinde Wolfurt besitzt (einschl. einiger weiteren kleinen Parzellen) insgesamt 6,85 ha Wald. 3. Lauteracher Gemeindeholzteil Ippachbrünnele mit 5,57 ha Wald 4. Harder Gemeindeholzteil Gschliof und Kohlgrub 8,48 ha Wald Dann stieg der Holzbedarf in den großen Hofsteigdörfern im Tal. Erst jetzt begann man, mit Schlittenstraßen die Waldteile zu erschließen. Eine solche Straße - sie ist im Kataster von 1857 in einer Breite von einigen Metern (!) eingezeichnet - führte von der Ach auf der Trasse der 1996 neu gebauten Erlenstraße auf das Oberfeld und dort an der nördlichen Kante am Bergarhus vorbei zum Waldrand hinauf. Ihr letztes Stück von der Neuen hinüber zur Alten Bucherstraße besteht noch als Fahrstraße. Das Kirchdorf versorgte sich mit zwei Holzstraßen. Eine war die Alte Bucherstraße. Die zweite führte durch das Tobel ins Holz und in die Dreigassen hinauf. Über die Schloßgasse hatte sie einen bald mehr benutzten weiteren Anschluß. 18 Keinen direkten Zugang hatte das Frickenesch. Die Holzstraße von Unterlinden herauf erschloß nördlich davon am Ippachbach die Wälder bis zu den Dreigassen. Vom Strohdorf stieg man dagegen über das Himmelreich südlich vom Frickenesch in die Wälder an der Hohlgaß hinauf. Mit dieser wichtigen Holzstraße vereinigte sich oberhalb des Himmelreichs eine weitere Straße von der Hub durch das Eulentobel. Als 1929 eine zum Bau der Illwerkemasten neu angelegte Fahrstraße (beim heutigen Wasserspeicher) in zwei Kehren den steilen Bühel überwand, verloren die alten Holzstraßen zum Himmelreich und ins Eulentobel hinab ihre Bedeutung. Seither sind sie von Dornen überwuchert worden und nicht mehr passierbar. 19 Heute erlauben vier Straßen von Wolfurt aus die Zufahrt zum Ippachwald: Neue Bucherstraße Alte Bucherstraße Schloßgasse (Steußbergweg) Frickenescherweg A. Die Neue Bucherstraße Die Landesstraße L 14 über Buch nach Alberschwende beginnt bereits in der Bütze. Ihr erstes Stück, die Kellhofstraße, hieß um 1800 noch berggassen. Dort wo jetzt die Autos beim Schwanenmarkt parken, war bis 1950 ein großer öffentlicher Holzlagerplatz. Hier haben seit dem Mittelalter die Lauteracher und die Harder Bauern ihr Ippachholz von Has und Hund (Schleppschlitten) auf die schweren Block-Wagen umgeladen. Buch war bis 1935 ganz ohne Autostraße. Die Alte Bucherstraße und je ein Weg vom Schneider zur Siegerhalden und von Fischbach zur Mereute waren ja nur Karrenwege. Um das Jahr 1927 machte der Bucher Pfarrer Lutz in sehr vielen Artikeln im Vorarlberger Volksblatt unter dem Titel Aus dem Ippachwald auf diesen unhaltbaren Zustand aufmerksam. Jetzt begann das Land endlich, eine Autostraße in das abgelegene Dörfchen zu planen. Die ersten Pläne sahen eine Trasse von der Achbrücke her auf der alten Ächler Holzstraße am Nordrand des Oberfeldes vor. Nach der Überlieferung soll der Einfluß des Wolfurter Schwanenwirts Kalb und des Lammwirts Fischer eine Umplanung zum Kirchdorf erzwungen haben. Mit einer ganz neuen Trasse durchschnitt man nun die Felder bis zum Waldrand. Dort hatten die Illwerke gerade im Jahre 1929 einen großen Mast für ihre Überlandleitung nach Deutschland aufgestellt. In der Zeit schlimmster Arbeitslosigkeit von 1931 bis 1935 fanden nun zwei Gruppen von Arbeitern an der neuen Straße einen Verdienst. Fast alles wurde händisch mit Pickel, Schaufel, Brecheisen und Schubkarren gemacht. Mit möglichst wenig Steigung folgte man in unzähligen Kurven den Linien, die die Natur vorgab. Durch Felskanten sprengte man enge Tunällor. Das machte den Bau so interessant, daß in der Folge viele Vorarlberger die neue Kunststraße besichtigten und so zum ersten Mal in ihrem Leben nach Buch kamen. Über den großen Bucher Ippachbach führte nun eine moderne Betonbrücke, die noch heute den gestiegenen Anforderungen genügt. Die romantischen Tunnels mußten allerdings bei der Straßenrenovierung in den 80er Jahren verschwinden. Ein einziges blieb als Denkmal alter Straßenbaukunst neben seinem neuen größeren Bruder stehen. Alle paar Jahre kam es an dem steilen Hang, wo der Waldhumus nur in dünner Schicht auf dem Molassefels aufliegt, zu Rutschungen, Große Muren verlegten dem Bucher Boten Fridolin Scheffknecht oft den Weg. Er mußte mit seinem Kohle auf einem Leiterwagen die kleinen Kaufläden und das Gasthaus in Buch versorgen. Seit 1956 ermöglicht eine neue Straße nach Fischbach bei Vermurungen eine Umleitung des Verkehrs nach Alberschwende. So war zum Beispiel die Fahrt durch den Ippach nach einem gewaltigen Felssturz am 19. Juli 1981 gleich für mehrere Monate gesperrt. Natürlich ist die neue Straße auch für die Holzbringung von großer Bedeutung. Bis zu ihrem Bau hatte man die Stämme aus den Holzteilen an der Ach in steilen Riesen an die Ach rutschen lassen. Flößer brachten das Holz dann in gefährlicher Arbeit zum Schwellwuhr nach Kennelbach oder zum Rechen nach Hard. Vorher hatten die Besitzer ihr Holz mit dem Malhammer oder mit der Axt gemalt, damit jeder seine Stämme am Ziel wieder erkennen konnte. Die Aufgabe der Flößer bestand darin, die Stämme vom Ufer aus mit dem Flötzarhoggo, einer langen Stange mit eisernem Stoßhaken, in die Strömung zu bringen. Das war oft sehr gefährlich. Das Bucher Sterbebuch nennt eine ganze Reihe von Männern, die beim Flößen ums Leben kamen. Die letzten großen Holztriften auf der Ach fanden um das Jahr 1950 statt. Seither holt man die Stämme mit starken Wellenbock-Seilwinden aus den Tobein an die Straße herauf. Holzmale 1. Anschlagmal des Wolfurter Waldaufsehers zur Kennzeichnung der zum Fällen genehmigten Bäume. Im Original 42 x 29 mm groß. 2.-7. Triftmale, genehmigt von der BH Bregenz für die Flößerei auf der Ach im Triftjahr 1926. 2. Kaspar Steurer, Sägewerk, Schwarzach. Für 600 m3 Blockholz. 3. Johann Schertler Zimmermeister, Lauterach. 150 m3. 4. Norbert Hartmann, Dampfsäge, Hard. 440 m3. 5. Rudolf Bösch, Baugeschäft, Lustenau. 300 m3. 6. Kalb und Heim, Wolfurt-Bütze. 60 m3. 7. Baltus Scheffknecht, Wolfurt-Ach. 40 m3. Weitere 1000 m3 wollte auch noch die Gemeinde Hard aus ihrem Ippachteil flößen. Sie beantragte ein eigenes Triftzeichen. (Aus Sammlung Heim) 20 21 B. Die Alte Bucherstraße Ursprünglich war garmannesbuch von Bildstein aus über die Siegerhalden besiedelt worden. Der Kirchgang nach Bregenz und später nach Wolfurt ließ aber einen Saumweg nach Wolfurt entstehen, der sich schließlich zu einer schmalen Fahrstraße für Fuhrwerke entwickelte. Von der Berggasse beim Wolfurter Friedhof abzweigend durchquert er in einem Hohlweg zwischen Buggenstein (Stöcklers Bühel) und Tobelbach den Tobelwald und erreicht auf der Rütte den eigentlichen Ippachwald. Hier quert bim Bänkle am Waldrand der Wolfurter Höhenweg. Hier beginnt auch die neu ausgebaute Forststraße, für die auf der Ächler Holzstraße eine Verbindung zur Neuen Bucherstraße geschaffen worden ist. Schon nach 350 Metern Hohlgasse erreichen wir im Ippach den Holzplatz. Vom Holzplatz geht es über die kleine und die große Katzostoag hinauf auf die Anhöhe beim Ippabrünnele. Die Wälder zu beiden Seiten gehören bereits zum Lauteracher Ippach. Beim Ippachbrünnele erfrischt klares Quellwasser Mensch und Tier. Oft rasten hier müde Wanderer am Fuß des alten Wegkreuzes. Eine steile Straße zweigt zu den Wäldern am Sustall ab. Ganz flach, manchmal sogar leicht abwärts, führt die Alte Bucherstraße jetzt durch den Harder Ippach und überquert dabei mehrere Bäche. Der größte ist der Plattenbach, der vom Saustall kommt und über steile Felsplatten zur Ach hinabspringt. Nach dem Bildgraben geht es wieder aufwärts zum Gschliof. Einen fünf Meter hohen Damm haben die Straßenbauer hier aufgeschüttet und dann eine ganz neue Straße in zwei steilen Kehren in den Kohlgrubenwald hinauf gezogen. Eine Tafel weist uns auf die Alte Bucherstraße, die von hier ab nur mehr als schmaler Pfad erhalten geblieben ist. Die Wolfurter Bergsteiger haben ihn erst 1975 wieder begehbar gemacht. Kurz nach einer Tafel, die die Gemeindegrenze gegen Buch anzeigt, ist unterhalb des Weges in den 30er Jahren ein 2000 Tonnen schwerer Felsbrocken abgebrochen. Die etwa 30 m lange und bis zu 10 m tiefe Spalte hat sich zwei Meter breit geöffnet. Lange fürchtete man, der schwere Klotz würde die knapp darunter vorbeiführende Neue Bucherstraße zerschmettern. Er liegt aber nun schon 60 Jahre lang ruhig da und Bäume sind auf ihm gewachsen. Über den großen Bucher Ippachbach - nicht verwechseln mit dem Wolfurter Ippachbach - hat der Alpenverein einen neuen Steg erstellt. Bis ins 19. Jahrhundert bestand hier eine gedeckte Holzbrücke. Davon erfahren wir aus dem Bucher Sterbebuch: Auf dem Heimweg vom Nikolausmarkt fiel am 6. Dezember 1838 ein 76jähriger Mann bei finsterer Nacht von der gedeckten Brücke ins Wasser und starb. Nun ist es nicht mehr weit bis zu den Wiesen in der Bucher Parzelle Ippach. Im Gartland treffen wir auf die Neue Bucherstraße. Bis hierher, bis zum ehemaligen Gasthaus Engel, soll im 30jährigen Krieg die Pest eingeschleppt worden sein. Als die schreckliche Krankheit nicht weiter über den Bach in die Gemeinde vordrang, errichteten fromme Leute dort, wie sie es versprochen hatten, eine kleine Pestkapelle. Bis 1760 gingen die Bucher jeden Sonntag nach Wolfurt zur Messe. Jetzt wollten sie eine eigene Pfarre. Sie behaupteten, sie seien zwei Stunden weit von der Pfarrkirche Wolfurt entfernt, mit der Sackuhr ordentlich abgemessen (Rapp III. S. 73). Im Sommer bedrohten Erdrutschungen den Weg und hätten schon oft Versehgänge des Pfarrers so behindert, daß Sterbende ohne Sakramente blieben. Außerdem werfe es in Buch so viel Schnee, daß einer vor seines Vatters Hause den Schnee 11 Schuh tief gemessen habe. 3 1/2 m tief! Das war nun dem Wolfurter Pfarrer zuviel! Soviel Schnee sei hier seit Menschengedenken nirgends gefallen, außer etwann ein schwarzen Lugenschnee. Und die Distanz nach Wolfurt betrage nur eine, höchstens I 1/4 Stunden. Wie dem auch sei - die Bucher bekamen 1760 ihren ersten Pfarrer. Aber noch mehr als 170 Jahre lang trugen sie auf der alten Straße Bündel von Rebstecken und Heugeschirr nach Wolfurt und tauschten sie bei Hanso Hus gegen einen Stumpen Mehl oder 7: andere Krämerware. Mehr als 16 000 Bild Bänkle. Eingang zur Alten Bucherstraße. Bim Stück hölzerne Heugabeln und Handrechen wurden in manchen Jahren von Buch aus in den ganzen Bodenseeraum exportiert (Bucher Chronik von Vorsteher Joseph Flatz, 1860, S. 41). Viele Lebensmittel trugen die Frauen vom Wochenmarkt von Bregenz bis nach Buch: Alles oder das meiste tregt der Bewohner auf seinen Schultern daher, namentlich Lebensmittel, diese werden dann gewöhnlich aus der benachbarten Stadt Bregenz hieher getragen und zu dieser unnatürlichen Arbeit werden dann von manchen unbarmherzigen brutalen Hausvätern ihre Weiber und Töchter angehalten, seien sie auch in Umständen wie sie immer heißen mögen, da wird weder auf dieses, noch auf die Ungestümmigkeit der Witterung keine Rücksicht genommen. Dieses bildet zumal im Winter bei heftiger Kälte oder sonstigem Unwetter beim Sturm oder Schneien einen tragisch komischen Anblick, wenn man derartige Geschöpfe mit ungeheuren Lasten auf den Schultern, und noch sonstige Bagage am Arm, schnaubend ermattet und mit Schweis überronnen daher wanken sieht, gewöhnlich noch ohne Kopfbedekkung mit zerstreuten in der Luft herum fliegenden Haaren, im Sommer gewöhnlich noch barfuß, halbgekleidet was sehr unanständig und der Moralität sehr zuwider ist, und anderen Nachbargemeinden sehr zum Aerger gereicht. (Bucher Chronik, S. 46). Die Straße verdiene diesen Namen nicht, sie sei ein schlechter elender holp23 22 Bild 8: Ippa-Brünnele. Ölbild von Engelbert Köb aus dem Jahre 1914. Bild 9: Die Paradieswiese Hoamolitto. Rechts unten am Waldrand verläuft die Gemeindegrenze. riger Fahrweg (S. 4). Schon einige Jahre vorher hatte im Jahre 1855 der k.k. Bezirksvorstand den Hofsteiger Vorstehern, die in ihren Ippachteilen für die Erhaltung der Wege verantwortlich waren, die bittere Klage der Bucher vorgelegt, daß die Straße durchgehends zu schmal sei, indem sich ihre Breite nur auf das Maß der beiden Räder beschränkt... Der Fuhrmann könne nicht neben dem Pferde gehen. Lauterach verpflichtete sich zum Ausbau auf 9 Schuh Breite. Ein elender Karrenweg ist die alte Straße trotzdem bis zur Eröffnung der neuen im Jahre 1935 geblieben. Dann ließ man sie endgültig verfallen. Die Ippachbrücke stürzte ein. Erst 1975 erstellte der Wolfurter Alpenverein auf der alten Trasse einen neuen, schönen Wanderweg. Seither haben viele Erholungssuchende dieses herrliche Stück Wald entdeckt. Und noch schönere Gebiete erschließt seit 1996 die neue Forststraße vom Gschliof in die Kohlgrubwälder. C. Der Steußberg-Weg Der steile Straße an Schloß und Schmiede vorbei in den Wald hinauf ist also der älteste Weg durch unser Ippach. Bei der Besiedlung des Bregenzerwaldes traten bekanntlich vor 1000 Jahren die Montforter und die mit den Staufern verbündeten Pfullendorfer als Konkurrenten auf. Die Montforter hatten ihren Weg vom Hofsteig in Rickenbach über das Farnach und Alberschwende nach Ungenau und weiter nach Andelsbuch. Der Stützpunkt der Pfullendorfer und der Staufer war der Kellhof mit seiner Kapelle St. Nikolaus. Ihr Saumweg führte direkt über den berütterberg hinauf nach buggenegg, dann durch die roßgass und die Abendreute nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den „Reichspfarren" Schwarzenberg und Egg. Für das erste Stück ins Holz hinauf gab es drei Zugänge: den wichtigsten durch das Tobel, daneben einen links über die Rütte und einen rechts von der kirchgassen her (beim Haus Zilla Zoller, Kirchstraße 16). Der unterste Teil der Schloßgasse (bei HausNr. 1) wurde erst zum Umbau des Schlosses durch den Bregenzer Kaufmann Jakob Huter um das Jahr 1856 ausgebaut. Die Schloßgasse liegt jetzt im Schatten einer Baumreihe. Früher waren die Mulde links und der Hang dahinter ein Weinberg. Junker Jakob von Wolfurt erlaubte 1517 den Dörflern, hier eine Quelle für den ersten Dorfbrunnen zu fassen. Die beiden Mühlen im Holz, wurden 1852 durch die Hammerschmiede mit dem großen Wasserrad ergänzt, die seit 1980 zum Heim des Alpenvereines umgestaltet worden ist. Vom Schmiedeweiher führte bis 1950 eine steile Hohlgasse direkt über die Dreigassen auf die Ebene am Sandigen Weg hinauf. Durch sie schleppten die Fuhrleute ihr Blockholz zur Schmiede herab. Oft war die Gasse so vereist, daß eine Fahrt mit dem schwerbeladenen Homer zu einem gefährlichen Wagnis wurde. Nur mehr ein schmaler Pfad erlaubt heute rüstigen Wanderern einen direkten Aufstieg von der Schmiede zu den Dreigassen. Die neue Forststraße umgeht dieses Gebiet nach links am Rand des Hinterfelds und erreicht auf einer neuen Trasse in einem großen Bogen den Sandigen Weg. Hier oben teilen sich die Straßen. Nach links überquert eine kurze Sackgasse die Quellbäche des Tobelgrabens und endet an der oberen Grenze des Gemeindeholzteils. Nach rechts wurde die alte Saumstraße noch bis in die Dreigassen hinab ausgebaut. Den steilen Anstieg nach Süden bewältigt bis zum Ellobogo eine dritte Straße. Von dort müssen wir dem uralten Saumweg folgend durch eine ausgewaschene Hohlgasse bis in die Ebne hinauf steigen, wo wir auf die ganz neue Forststraße zum Ippachbrünnele treffen. Hier auf der Ebne kreuzen wir den Berütterweg, der nach rechts über den Ippachbach hinüber zur Paradieswiese Hoamolitto führt. 25 24 Wir haben nun noch das schwierigste Stück des alten Steußbergweges vor uns. Rechts fällt die Rappenfluh senkrecht zum Bach hinab. Direkt auf der Felskante verläuft hier die Gemeindegrenze. Mehrere parallele Gassen und Steige führen steil nach Osten hinauf. Solche Saumwege waren ja im Mittelalter nicht ausgebaut. Je nach Witterung und Last wählte der Säumer seinen Weg. Bei vereister Bahn mied er die gefährlichen Hohlgassen und schonte so die wertvollen Beine von Mensch und Tier. Bei Neuschnee wich er den Lichtungen und Viehweiden aus und suchte den schneearmen Weg unter den Tannen. Mit schweren Lasten legte er hier heroben eine zusätzliche Serpentine ein. Sonst scheute er den steilsten kürzesten Weg keineswegs. Auf alle Fälle aber war er (wie wir auch) froh, wenn er beim Sack die Höhe erreicht hatte und nun die sanften Hügel von Bereuter und Gitzen vor sich sah. Hier im Sack verläuft die Wolfurter Gemeindegrenze links, knapp hinter den ersten Tannen am Waldrand, noch weit hinauf zu den Gitzner Büheln, wo bei 825 m ihr höchster Punkt liegt. Die meisten von uns wählen aber den Weg nach rechts zum Dreiländerblick am Bereuter. Den Gehtüchtigen sei aber auf alle Fälle noch der wunderschöne Übergang über Buggenegg und Roßgaß (Weitwanderweg 204) nach Alberschwende empfohlen! D. Der Frickenescherweg Das Frickenesch gehörte bis 1806 wie Meschen zu Bildstein. Die beiden einsamen Höfe auf dem markanten Aussichtsberg besaßen bis ins 19. Jahrhundert als Zugang nur einen steilen Pfad vom Holz her und einen Fußsteig über den Rebberg-Kamm. Die Fahrstraße zu den Höfen wurde erst zum Bau der Illwerke-Masten 1929 errichtet. Vom Frickenesch steigt die Hohlgaß nach Süden leicht an. Sie bildet hier ein Teilstück des Wolfurter Höhenwegs, der dann das Eulentobel quert und die Wanderer nach Meschen und zum Rutzenberg bringt. Die Hohlgaß biegt aber schon vor dem Bach scharf nach Osten hinauf ab. Hier liegt links der zweite große Holzteil der Gemeinde Wolfurt, ein Mischwald mit vielen Buchen. Kurz danach überqueren wir die Grenze nach Bildstein und treffen auf die wunderschöne Lichtung Hoamolitto. Litto ist das alte Wort für eine Halde zum Heuen. Diese nennt der Volksmund jetzt meist Stefano Veowoad (Stephans Viehweide) oder neuerdings auch Paradieswiese. Sie ist ja auch wirklich ein Paradies für Wanderer. Besonders der mit verschiedenen Bäumen bestockte kleine Hügel in der Mitte und der darin verborgene hohe Jägerstand locken Kinder unwiderstehlich an. Für den Botaniker und den Schmetlerlingskundler erschließt sich an den Waldrändern ein reiches Feld. Am Weg gedeihen sogar noch Edelkastanien, die als Kesten bei unseren Vorfahren besonders geschätzt waren. Kleine Markierungen verraten, daß hier auch der europäische Weitwanderweg 204 von Frankreich nach Wien durchgeführt wird. Für unsere jungen Schi-Sportler klingt es unglaublich, daß ihre Großväter in den 30er und 40er Jahren diese Strecke für ihre Abfahrtsrennen benutzt haben. Die muti26 Bild 10: Im Sack. Auch hier verläuft die Gemeindegrenze zu Wolfurt knapp hinter dem Waldrand. gen Burschen steckten sich damals selbst eine Rennstrecke durch die steilen Viehweiden bis zum Schneiderkopf hinauf aus. Schlüsselstelle blieb aber jedes Jahr die Gleitstrecke durch die meist eisige Hohlgasse. Dann galt es noch, am Flötzerkopf genug Geschwindigkeit aufzunehmen und ohne Sturz das Ziel, weit unten nahe der Kirchstraße in Unterlinden, zu erreichen. Das erste Wolfurter Abfahrtsrennen auf dieser Strecke gewann am 22. Jänner 1932 Josef Brugger mit einer Zeit von 5 Minuten 42 Sekunden (!) vor Hermann Winkel und Herbert Gasser. Später waren dann meist Jielg Tschull oder Herbert Bechter die Sieger. Die Ippachstraßen bringen heute außer Waldarbeitern auch viele erholungssuchende Wanderer in den Wald und auf die Höhen von Bildstein und Buch. Wer außer den angeführten Straßen auch noch ein paar von den kleinen Verbindungswegen kennt, dem öffnen sich in zahlreichen Varianten Rundwege durch Wälder und über Bühel, die zu jeder Jahreszeit Naturschönheiten anbieten. Von den vielen Waldpfaden und Jägersteigen zähle ich hier nur die wichtigsten auf. Ich nenne sie den Höhenweg, den Berütterweg, den Saustallweg und den Gitznerweg. Auf der beigefügten Skizze (S. 18 und 19) sind sie eingezeichnet. Der Höhenweg ist markiert und mit Geländern gesichert. Der Saustallweg ist als Forststraße ausgebaut. Der Berütterweg und der Gitznerweg werden aber wie auch der Steußbergweg kaum mehr begangen und sind daher an vielen Stellen zugewachsen und nur mehr als schmale Pfade erkennbar. Der Wanderer muß hier unbedingt mit Bergschuhen ausgerüstet sein. 27 1. Der Höhenweg Fast jeder Wolfurter und sehr viele Gäste sind schon über den Höhenweg am Waldrand von der Ach bis Rickenbach gewandert. Er besteht seit 1968, doch wurden bereits 1962 da oben vom neu gegründeten Verkehrs verein 20 Ruhebänke aufgestellt. Aber erst 1968 waren die Tobelüberquerungen fertig, sodaß Wegweiser gesetzt werden konnten. Dabei galt folgende Regelung: Die von Wolfurt bergwärts nach Buch oder Bildstein führenden Wege sollten „weiß-blau" markiert werden, die Querwege dagegen „weiß-rot". So wurde denn auch der Höhenweg schon damals weiß-rot gekennzeichnet. Er beginnt bei der Achbrücke als Fortsetzung des Achuferwegs. Auf der Sportplatzstraße bringt er uns zuerst in die Schlucht der Bregenzerach. 1847 wurde diese Straße im damaligen Flußbett der Ach zur ehemaligen Fabriklerbrücke aufgeschüttet. Hier rodeten 1947 die Fußballer ihren Platz. 1975 eröffneten die Schützen den neuen Schießstand, den sie mit einer Kassettendecke aus kostbaren alten Schützenscheiben geschmückt hatten. Dort wo bis 1932 eine gedeckte Holzbrücke den Arbeitern einen eigenen Zugang zur Schindlerfabrik ermöglichte, steigen wir steil ins Oberfeld hinauf. Nach links folgen wir der Markierung auf dem ehemaligen Ächler Holzweg. Beim Illwerke-Mast queren wir am Waldrand die Neue Bucherstraße. Über die Forststraße gelangen wir zur Alten Bucherstraße, die wir beim Bänkle an der Rütte überqueren. An der Staumauer vorbei, die den Tobelbach hier in ein Rohr zwängt, steigen wir Richtung Schloß in die Parzelle Holz zum Steußbergweg hinauf. Gleich nach dem Schmiedeteich zweigen wir wieder ab. Ein schmaler Pfad bringt uns zur Brücke über den Ippachbach und ins Frickenesch hinauf. Immer wieder laden uns Ruhebänke mit herrlicher Aussicht auf Gebhardsberg und Bodensee zum Verweilen. Vom Frickenesch leitet uns die Markierung durch die Hohlgaß, der wir aber nur bis zur einem lichten Buchenwald folgen. Dort steigen wir über steile Stufen im Mergelfels zum Eulentobelbach hinab. Auf der anderen Seite finden Einheimische den alten Weg weiter geradeaus ins Staudach oder auch den direkten Zugang von der Hub zum Bereuter. Die Markierung bringt uns aber nach Meschen hinab und von dort auf die Straße zum Rutzenberg. An dessen sonnigen Halden wurde noch im 19. Jahrhundert viel Wein angebaut. Jetzt sind sie ein bevorzugtes Siedlungsgebiet geworden. Über die Wingertgasse finden wir zur Kapelle in Rickenbach hinab. 2. Der Berütterweg Der Bergrücken vom Strohdorf bis hinauf zur Schneiderspitze heißt in alten Kirchenbüchern berütterberg. Das ist ein Name, der uns wie Rütte und Schwende an die Rodungen vor 1000 Jahren erinnert. Von den Höfen am Bereuter führen etliche Wege ins Tal, einer davon direkt nach Norden zur Furt über die Bregenzerach als ehemaliger Kirchweg und kürzeste Verbindung nach Bregenz. Wir gehen ihn umgekehrt hinauf zum Berufter. Das erste Stück von der Achbrücke herauf folgen wir dem Höhenweg bis zur Neuen Bucherstraße. Gleich am Beginn der dort abzweigenden Forststraße verlassen wir diese und kürzen auf einem Pfad über einen Waldbühel nach Nordosten zur Alten Bucherstraße ab. Die alten Dokumente nennen diesen Weg den Bregenzer Weg. Um das Jahr 1850 tadelte das Bezirksgericht Bregenz die Gemeinde Wolfurt mehrmals, weil sie den Bregenzer Weg nicht genug pflegte. Die Bucher hatten geklagt. Sie brauchten ihn. Als letzte ging bis zum Bau der Neuen Bucherstraße Anna Hopfner (die Wolfurter nannten sie einfach Buochar-Anna) fast jeden Tag aus Buch auf dem Bregenzer Weg nach Kennelbach in die Fabrik, im Sommer meist barfuß. Wenn ein Unwetter tobte, übernachtete sie manchmal bei ihrer Arbeitskollegin Bischofs Anna, die bei Mohro Emile am Kirchplatz im Quartier war. Jeden Werktag barfuß aus Buch in die Fabrik! Bis 1935 auf diesem schmalen Pfad! Beim Holzplatz am Fuß der Katzensteig überqueren wir die Straße und steigen durch den Gemeindewald aufwärts. Unser Weg führt an einem Futterstand der Jäger vorbei. Ganz nahe liegt rechts über dem Tobelbach drüben das Hinterfeld mit der neuen Forststraße. Wir bleiben aber auf der Ostseite des Baches und steigen durch eine teilweise verwachsene Hohlgasse steil aufwärts. Erst auf dem neu aufgeschütteten Damm überqueren wir den Bach und erreichen den Sandigen Weg. Gleich klettern wir auf steilem Pfad weiter hinauf zur Ebne. Eine neue Straße führt von hier nach links über den Saustall zum Ippachbrünnele. Wir überqueren sie aber und steigen in die dahinter liegende romantische Schlucht des Ippachbaches hinab. Links bleiben die steilen Wände der Rappenfluh zurück. Jenseits des Baches kommen wir bald zur Paradieswiese Hoamolitto. Sie ist bereits Bildsteiner Boden. Die schöne Holzerhütte allerdings, die Böhlers Oskar rechts am Waldrand auf einen Felsen gestellt hat, die steht noch auf Wolfurter Grund. Ein halbes Dutzend Wege trifft hier zusammen. Eine Straße geht hinüber zur Staudachstraße und weiter zur Dellen. Dort könnten wir in der abgelegenen Kapelle das fromme Bild von St. Martin und St. Wendelin besuchen, das der Kennelbacher Maler und Krippenbauer Engelbert Karg schon 1910 gemalt hat. Durch das kühle Tobel des Rickenbaches gelangt man dann auf einem selten begangenen Weg zur Erscheinungskapelle und zur Wallfahrtskirche Maria Bildstein. Von der Hohlgaß herauf kommt der Weitwanderweg 204. Ortskundige finden auch die schmalen Pfade, die direkt nach Meschen oder auf der anderen Seite ins Mösle hinab führen. Wir aber wählen den Weg durch Wald und Wiesen hinauf zu den Häusern am Bereuter. Dort ist bei der ehemaligen Sennerei einer der schönsten Aussichtspunkte des ganzen Berges. Nur mehr selten steigt ein Bergler auf dem Berütterweg ins Tal. Vielleicht war Gottlieb Böhler der letzte. Er hat ihn mir gezeigt. Da heroben auf dem Bereuter war er daheim. Der Schulinspektor hatte ihn als jungen Lehrer aber nach Schröcken versetzt. Um 6 Uhr früh fuhr von Kennelbach aus der erste Zug der Wälderbahn nach Bezau. Jeden Montag, im Sommer und im Winter, bei Regen und bei Neuschnee, oft noch in dunkler Nacht, eilte Gottlieb den steilen Weg durch die Wälder zur Ach- 28 29 Bild 11: Bim Imbohüsle im Su-Stall. Klimmers Albert 1932. Bild 12. In der Kohlgrub. 30 cm hoch decken Kohlenreste den Lehmboden am Gitznerbach. brücke hinab und war rechtzeitig am Bahnhof. Im Jahre 1954 noch auf dem gleichen Weg, auf dem einige Jahrzehnte früher Bildsteiner Leute zur Fabrik in Kennelbach und einige Jahrhunderte früher die Gläubigen zur Sonntagsmesse nach St. Gallus in Bregenz gegangen waren! 3. Der Saustallweg Su-Stoag und Su-Stall liegen oberhalb vom Ippabrünnele. Sie haben ihre Namen lange Zeit zu Recht getragen. Hinter einem Hügelrücken hat sich hier ein Moos gebildet, aus dessen Wasservorräten zwei Bäche entspringen. Durch diesen Sumpf mußten die Pferde der Lauteracher Bauern einst die schweren Holzstämme schleppen. Oft sanken Roß und Fuhrmann tief in den Morast ein - ein Saustall! Nicht viel besser war der nasse Weg hinab zum Brünnele, die Sausteig. Hier haben die Forstwegbauer saubere Arbeit geleistet, das Wasser abgeleitet und einen festen Damm durch den Sumpf aufgeschüttet. Die Lichtung am Saustall ist ein besonders idyllischer Ort. Ippachwanderer nennen den Platz Bim Imbohüsle. Ab dem Jahre 1932 betrieb der Bienenzuchtverein hier nämlich eine Waisel-Zuchtstation. Sie wurde allerdings zu Kriegsende ausgeplündert und daher schon 1947 wieder abgebrochen. Ganz in der Nähe haben die Jäger ihr Forsthaus St. Hubertus erbaut. Zwei ganz neue Forststraßen erschließen von hier aus gegen Osten die Holzteile des Lauteracher Ippachs, eine links des Plattenbachs leicht abwärts ins Saustall-Loch, die andere steil aufwärts. Auf der dritten umgehen wir nach rechts die Quelle des Tobelbachs. Weit hinab nach Westen bringt sie uns zur Ebne. Hier finden wir Anschluß an den Steußbergweg und und an den Berütterweg. 4. Der Gitznerweg Wer der Alten Bucherstraße bis ins Gschliof gefolgt ist, könnte dort leicht die Markierungstafel nach Buch übersehen, denn die neue Forststraße zur Kohlgrub folgt steil aufwärts der Trasse des Wegs nach Gitzen. Den von den Fuhrleuten früher so gefürchteten steilsten Teil des Weges haben die Planer mit zwei Kehren und einigen heute schon wieder überwachsenen „Krainer"-Wänden aus aufgestapelten Baumstämmen überwunden. Durch den großen Holzteil der Gemeinde Hard erreichen wir hier die östlichste Wolfurter Waldparzelle, die Raimund Mohr mit weißblauen Marken gut gekennzeichnet hat. Daran schließt sich auf Bucher und Bildsteiner Gebiet die Kohlgrub am Gitznerbach an. Das war früher der abgelegenste Winkel des Ippachwaldes. Hier stellten die Kohlenbrenner ihre Meiler auf und gewannen die wertvolle Holzkohle, die sie in Ledersäcken zur Straße trugen, um sie teuer an die Schmiede zu verkaufen. So einträglich dürfte das Geschäft gewesen sein, daß schließlich ein Waldgebiet von über 30 Hektar Fläche in privater Nutzung dem Gericht Hofsteig entzogen wurde. So konnte es 1796 auch nicht verteilt werden und wurde überraschend als Keil im Bucher Ippach der Gemeinde Bildstein zugeschlagen. Noch heute sind der Hämmerlewald mit über 9 Hektar Fläche und seine Nachbarholzteile die größten Waldparzellen im Ippach. Längst brennt man keine Kohlen mehr. Beim Bau der neuen Forststraße, die nach der Überquerung des Gitznerbachs auf Bildsteiner Gebiet am Tobel des Bucher Ippachbachs endet, wurden drei Kohlplätze angeschnitten. Bis zu 30 Zentimeter liegt hier Kohlenstaub, durchsetzt mit Hühnerei-großen Kohlenbrocken. 31 30 Bild 14: Die Russenhütte. Eine alte Holzerhütte in der Kohlgrub. Das Kohlenbrennen hatte früher bei uns große Bedeutung, weil man nur mit Holzkohle jene hohen Temperaturen erreichen konnte, die man in der Schmiede, beim Brennen von Kalk und auch in der Töpferei benötigte. In der Chemie fand sie ebenfalls vielerlei Verwendung, z. B. bei der Erzeugung von Schwarzpulver. Holzkohle enthält 80 % Kohlenstoff und verbrennt rauchlos. Die Kohlenbrenner - davon kommen die Geschlechtsnamen Kohler und Köhler stapelten getrocknetes Holz möglichst dicht zu einem bis zu vier Meter hohen Meiler auf, wobei sie einen mit Spänen gefüllten Feuerschacht aussparten. Dann deckten sie das Holz mit Zweigen und Erde luftdicht ab. Nach dem Entzünden bestand die Kunst des Brennens darin, die Luftzufuhr zum glühenden Holz so zu beschränken, daß dieses nicht verbrannte, sondern eben verkohlte. Das geschah durch entsprechendes Öffnen und Schließen von Luftlöchern. An der Farbe des entweichenden Rauches, anfangs schwefelgelb, dann blaß und schließlich farblos, ließ sich der Fortgang ablesen. Wenn Teer und Holzgas ausgetrieben waren, wurde das Feuer erstickt. Beim Abräumen der Erde mußte die Glut mit viel Wasser gelöscht werden. Dann wurde die fertige Kohle noch zerkleinert und in Ledersäcke abgefüllt. Der ganze Brand hatte mehrere Wochen gedauert Auf seinen Schultern trug der Kohlenbrenner die Säcke aus dem Tobel heraus zu den Fuhrwerken der Händler. Er sah jetzt aus - schwarz as wio an Kohlobrennar. Gemeinsam mit den Gerbern und den Bergknappen feierten die Kohlenbrenner am 24. August das Fest ihres Schutzpatrons. Der Apostel Bartholomäus ist ja nach der Legende in Armenien eines schrecklichen Martertodes gestorben, als ihm seine Feinde bei lebendigem Leib die Haut abzogen. Er wird daher mit einem Messer in der Hand dargestellt und von all jenen als Patron verehrt, die mit Leder zu tun haben. 32 Auf einem Hügel überrascht uns ein moosüberwachsenes Holzhaus. Der Waldbesitzer hat es nach dem Ersten Weltkrieg erbauen lassen, damit er seinen Holzarbeitern den täglichen weiten Weg ins Tal ersparen konnte. Wie aus einem Märchen sieht es heute aus. Von der Russenhütte erzählt man aber eine tragische Geschichte. In dieser abgeschiedenen Waldhütte überlebten entflohene russische Kriegsgefangene 1945 das Kriegsende. Der Hunger trieb die Männer schließlich heraus. Einzeln tauchten sie mehrmals bei den abgelegenen Höfen am Bereuter auf und bettelten um Brot. In seinem Stall geriet ein Bildsteiner Bauer in Panik, als er sich plötzlich einem bärtigen Mann in zerfetzten Kleidern gegenüber sah. Er griff nach dem Karabiner, den er verborgen gehalten hatte, und streckte den Fremdling mit einem Schuß nieder. Die Leiche versteckte er. Einige Zeit später suchten Buben nach einem Pferd, das ihnen in den Wald hinab entlaufen war. Bei der Holzerhütte entdeckten sie fremde Männer. Als sie daheim davon erzählten, wurden die französischen Besatzungstruppen alarmiert. Eine Patrouille fing die fast verhungerten Flüchtlinge ein und führte sie ab. Erst später wurde der Leichnam des verschwundenen Soldaten bestattet. Über den verrohrten Gitznergraben, der weiter unten in den Ippachbach mündet, gehen wir ein Stück zurück und steigen an der Wolfurter Gemeindegrenze in den Wald hinauf. Zur Orientierung dienen uns die weißblauen Marken oder auch die roten Pfeile, die die Wolfurter Jäger zur Kennzeichnung ihres Reviers an die großen Tannen gemalt haben. Weiter oben geht der Jägersteig in einen Traktorweg über und bald erreichen wir die Wiesen der Gitzner Bühel. Hier stehen wir an der Wasserscheide zwischen dem Bucher Ippachbach und seinem Wolfurter Namensvetter, zwischen Bregenzerach und Dornbirnerach. Wenige Meter hinter dem Waldrand findet sich der höchste Punkt der Gemeinde Wolfurt, 825 m 33 über dem Meer. Am Ostende des Oberen Schachs (ein Schach oder Schachen ist ein kleiner Wald) sammeln sich die Rinnsale aus den Büheln zur Quelle des Wolfurter Ippachbachs, der von hier aus den weiten Weg am Schloß vorbei bis zum Sender im Ried auf sich nimmt. Rechts vom Schach finden wir einen kleinen Weg in den Sack hinab, links führt die Straße über den von den Gletschern der Eiszeit blank geschliffenen Berütterberg nach Gitzen oder hinab zum Dreiländerblick. Eine wunderbare Landschaft, die uns der Herrgott so nahe vor unsere Haustür gesetzt hat! Jagd im Ippach Nach der Eiszeit belebten Tiere der Tundra unser Land. Damals haben Steinzeitjäger dem Mammut und dem Ren nachgestellt und sich über jeden erlegten Schneehasen gefreut. Später waren es Bär, Luchs und Wolf, die in den Urwäldern Hirsch und Reh jagten, aber schließlich den vordringenden Menschen weichen mußten. Auch die ersten Siedler auf den Anhöhen am Steußberg dürften ihren kargen Mittagstisch noch manchmal mit einem Stück Wildbret aufgebessert haben. In der einsetzenden Feudalzeit beanspruchten aber die Edelleute auf den Burgen und die Mönche vom Kloster das alleinige Jagdrecht für sich. In dem im Jahre 1577 aufgeschriebenen Teil des Hofsteigischen Landsbrauchs (LMV 1900, S. 143) klingt das Bedauern der Hofsteiger durch: .... So soll kain underthon noch einsess ditz gerichtz Hofstaigs in dem vorst der herrschaft Bregentz kainen hasen, fux und tachs fahen, dergleichen kain richtstatt zufahung der vögel machen, oder in dem vorst voglen, er hob dann zuvor von vogt und ambtleuten dessen sondere Vergünstigung und erlaubnus. Alles bey Vermeidung der oberkait straf. Damals war auf allen Höfen noch der Ertrag der eigenen Äcker die Grundlage der Ernährung. Und in diesen Äckern richteten vor allem die Wildschweine oft große Schäden an. Da konnten sich die Bauern nur noch durch Wildern helfen. Bilgeri berichtet darüber (Vorarlberg III, S. 99): Groß war der Schreck bei den Regenten in Innsbruck, als 1541 die wegen Wildschadens verdrossenen Leute von Steussberg, Farnach, Buch und einige von Alberschwende sich zu gemeinsamer Jagd verbanden, ohne zu fragen, viele Wildschweine erlegten und die Beute unter sich aufteilten.... Es gelang damals den Behörden nicht, die Wilderer auszuforschen und zu bestrafen. Aus dem Landsbrauch (S. 154) erfahren wir auch, daß die kaiserlichen Vögte noch immer, so wie früher die Grafen von Bregenz, den Hof auf der Steig in Rickenbach als ihren Jagdstützpunkt verwendeten. Mit ihrem Gefolge und mit Hunden und Jagdfalken ließen sie sich hier verpflegen:.... Ain Inhaber des hofs zu Staig... ist schuldig, den Jägern und hunden zueessen zegeben Item so ain adlsperson von der herrschaft Bregentz wegen zu dem geiaid (Jagd) kerne und ainfalken oder habich mit ime brächt, ist ain pawmann (Bauer) oder Inhaber solches hofs schuldig demselben zueessen und zetrinken zegeben wie solches ainer adels person gebürt. Er pawmann soll auch dem habich oderfalken ain huen geben .... 34 Im 18. Jahrhundert wurde das Jagdrecht dann von der kaiserlichen Hofkammer gegen eine beachtliche Pachtsumme dem Gericht Hofsteig überlassen. Die eifrige Bejagung der Reviere durch gerichtseigene und ab 1806 durch gemeindeeigene Jäger ließ die Wälder nahezu wildleer werden. Wir erfahren davon aus den Aufzeichnungen von Ferdinand Schneider (Chronik Schneider III im GA), der selbst nicht nur Oberschützenmeister und der beste Schütze, sondern auch ein begeisterter Jäger war. Wenn es ihm einmal gelungen war, einen Fuchs vor die Büchse zu bekommen, schrieb er darüber ein Gedicht. Ein einziges Mal erlegte er ein Reh, eine Ricke. Er hatte sie mit Vogelschrot angeschossen, weil er überhaupt nicht mit dem Auftauchen eines Rehs gerechnet hatte. In Bregenz verkaufte er das Tier... hat 35 Pfund gewogen für 13 Gulden Silber, das war meine größte Jagdbeute ... Als sorgfältiger Chronist zählt Schneider (S. 61) all seine Jagderfolge genau auf: 1 Reh, 5 Füchse, 6 Hasen, eine Unmasse Vögel aller Art... Unter den Vögeln waren insgesamt 74 Jäken (Eichelhäher), aus deren Federn er sich ein Kissen machte. Als im Jänner 1874 sechs Jäger bei gemeinsamer Jagd gar einmal eine Wildente erlegten, brachten sie diese im Triumph dem Fabrikanten Schindler in Kennelbach, der ihnen dafür fünf Gulden zukommen ließ. Den allergrößten Erfolg hatten aber drei andere Jäger, die am 1. Februar 1874 gleich zwei Füchse schossen. Mit spürbarem Neid setzte Chronist Schneider unter sein Gedicht die Bemerkung: Es waren bei dieser Jagd die Jäger Johann Müller Schuster, Peter Flatz Gabelmacher, und Josef Böhler Küffer, die besten Jäger in Wolfurt. Ein paar Jahre früher galt Mathias Geiger, Schützos von der Inselstraße, als bester Jäger. Für jährlich sieben Gulden verpachtete die Gemeinde die Jagd lange Zeit an ihn. Er bildete dann jeweils eine Jagdgesellschaft von sieben Jägern, darunter zeitweise auch der Vorsteher Josef Halder und der angesehene Rickenbacher Mechaniker Josef Anton Dür. Auch in unserem Jahrhundert verpachten die Gemeinden die Jagd namens der Grundbesitzer an interessierte Jäger. In Buch wird der Pachtschilling jährlich an die Grundbesitzer ausbezahlt. Wegen des hohen Verwaltungsaufwandes bei so vielen Parzellen verwendet die Gemeinde Wolfurt das Geld dagegen direkt für ihre Forstmaßnahmen, also auch für die Erhaltung der Forstwege. Die Jagd hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Nach dem zweiten Weltkrieg kam es zu einer ungeheuren Zunahme des Wildes. Auf Grund der Wildschadensberichte und der Bestandsmeldungen sah sich das Forstamt bald zu hohen Abschußempfehlungen genötigt, die aber von den Jägern nicht immer eingehalten wurden. Trotzdem waren die Zahlen der gemeldeten Abschüsse überraschend hoch. Im Jagdjahr 1959/60 wurden in den drei Revieren Wolfurt, Bildstein und Buch zusammen folgende Tiere erlegt: 4 Hirsche, 51 Rehe. 12 Hasen und 90 (!) Füchse Im folgenden Jahr 1960/61: 5 Hirsche, 67 Rehe, 14 Hasen und 43 Füchse Genau 10 von den vielen Rehen wurden jedes Mal im Wolfurter Revier geschossen 35 schossen wurden dort in den letzten fünf Jahren zusammen nur mehr 4 Rehe. Hasen konnten 1992 noch 3 erlegt werden, im letzten Jahr kein einziger mehr. Was werden unsere Urenkel einmal zu den Zahlen von 1992 sagen? Und der Chronist und Vogeljäger Schneider würde sich sicher auch noch für die 1996/97 im Wolfurter Revier abgeschossenen Vögel interessieren: 3 Fischreiher, 3 Wildenten, 89 Eichelhäher(l), 57 Raben, 5 Elstern, 6 Wildtauben. Und dazu noch 4 Füchse. Nur 4 Füchse! - obwohl sich Fuchs und Dachs, die man wegen der Tollwut mit Giftködern ausrotten wollte, in den letzten Jahren wieder vermehren! Das ist gut so, denn unser Wald braucht das Raubwild. Er braucht auch den Jäger! Man findet im Ippach bereits wieder junge Weißtannen und junges Laubholz. Ihr Jäger, schaut dazu! Dann wollen wir Wanderer auch auf den Wegen bleiben und das Wild in seinen Verstecken in Ruhe lassen! Forstrecht Eine wachsende Zahl von Mitbürgern zeigt Interesse an unserem Wald. Da sind zuerst einmal die Waldbesitzer, die nach schönen Tannen, aber auch nach Schäden Ausschau halten. Sie sind vor allem am Holzzuwachs interessiert. Pro Hektar wachsen im Ippach jährlich bis zu 5 1/2 Festmeter Nutzholz zu. Dann sind da die Jäger, die für ihren Jagdpachtschilling natürlich entsprechend viel Wild und möglichste Ruhe im Wald haben möchten. Da kommen fallweise auch Pilzsammler und andere, die Ausschau nach Heilkräutern, Beeren, Haselnüssen und anderen Waldfrüchten halten. Auch Fischer steigen durch den Ippachwald zur Ach hinab. Weitaus am größten ist aber in den letzten Jahren die Zahl der Spaziergänger geworden, die plaudernd in Gruppen oder als meditierende Einzelgänger auf einsamen Wegen die abgelegensten Waldwinkel entdecken. Zu ihnen sind zuletzt auch noch hastende Jogger und sportliche Mountainbiker gestoßen. Aber auch jenen, die nicht selbst durch den Wald streifen, muß wie uns allen die reinigende Kraft des Waldes für Luft und Wasser ein ganz besonderes Anliegen sein. Seine lebensnotwendige Funktion für die Gesundheit von Mensch und Tier ist heute unbestritten. Da stoßen die verschiedensten Interessen aufeinander. Da liegt Konfliktstoff, der durch die neuen Forststraßen verstärkt werden könnte. Darum habe ich ein wenig in den Forstgesetzen geblättert. Das Bundesforstgesetz 1987 hat erstmals die Waldbenützung zum Zwecke der Erholung umfassend geregelt und die Rechte des Waldeigentümers zugunsten der Allgemeinheit eingeschränkt: § 33. Jedermann darf den Wald zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten. Ausgenommen sind Forstgärten, Holzlagerplätze, Neuaufforstungen und ähn37 Bild 15: Weidmanns Heil! Metzger Reiner und Flatz Bild 16: Im Frickenesch hat der Jagdaufseher Franz Isidor mit zwei erbeuteten Füchsen. (Um 1930) Müller, Rößlewirts, einen Rehbock erlegt. (Um 1930) und in jedem Jahr auch 3 Enten. Was hätte wohl der Chronist Schneider hundert Jahre früher zu solchen Zahlen gesagt? Der Wildbestand wuchs weiter an. Sogar Gemsen wechselten ein und wurden zum Standwild. Etwa 30 Jahre lang fielen dem Wildverbiß alle Weißtannensprößlinge und fast aller Nachwuchs an Laubbäumen zum Opfer. Erst in den 80er-Jahren setzte ein Umdenken ein, das zum Abschuß aller Gemsen und zu einer drastischen Reduzierung des Rehwildes führte. Das Forstamt konnte zuletzt die Abschußempfehlungen senken. Jagdaufseher Arno Hagspiel hat mir die Zahlen der letzten fünf Jahre für den Wolfurter Ippach gegeben: 1992/93 zum Abschuß empfohlen 24 Rehe, erlegt 24 1993/94 21 Rehe, erlegt 19 1994/95 18 Rehe, erlegt 11 6 weitere Rehe wurden aber im Ried von Autos getötet. 1995/96 zum Abschuß empfohlen 18 Rehe, erlegt 15 dazu auf der Straße getötet 3. 1996/97 zum Abschuß empfohlen 15 Rehe, erlegt 11 dazu bis März bereits 3 überfahren. Die Jagd im Wolfurter Ried ist seit dem Bau der Autobahn nahezu vernichtet. Ge36 liche Einrichtungen. Lagern bei Dunkelheit, Zelten, Befahren oder Reiten sind nur mit Zustimmung des Waldeigentümers zulässig. Für das Schifahren gelten besondere Bestimmungen. § 34. Befristete Sperren von Waldflächen sind nur zulässig zur Holzfällung, Holzbringung, Waldschadensbekämpfung und für wissenschaftliche Zwecke. Wenn die Dauer der Sperre vier Monate übersteigt, ist eine Genehmigung durch die Behörde notwendig. Wer in den Wald kommt, muß sich aber natürlich an eine ganze Reihe von Regeln halten. Viele davon finden sich in der Vorarlberger Naturschutzverordnung von 1979 und 1988: § 1. Wildwachsende Pflanzen dürfen weder mißbräuchlich genutzt noch mutwillig beschädigt oder vernichtet werden. § 2 und 3. Zahlreiche Pflanzen sind vollkommen oder wenigstens teilweise geschützt. Von den teilweise geschützten dürfen nur oberirdische Teile und nur für den persönlichen Bedarf gepflückt werden. § 4. Kräuter, Beeren und Pilze dürfen nur für den persönlichen Bedarf gesammelt werden, Pilze nur in einer Menge von höchstens 2 kg Frischgewicht je Person und Tag. § 5. Freilebende Tiere dürfen nicht mutwillig beunruhigt oder verfolgt, gefangen oder getötet werden. Für die Jagd gelten besondere Bestimmungen. Neben Säugetieren und Vögeln sind auch geschützt die Reptilien (Eidechsen, Blindschleichen, Schlangen) die Amphibien (Salamander, Molche, Frösche, Kröten) Schmetterlinge, Waldameisen, Libellen und Käfer. Ebenfalls geschützt sind ihre Brutstätten (die Vogelnester, aber auch Tümpel und Ameisenhügel). Uns allen steht der Ippachwald also offen, uns allen ist er aber auch anvertraut. Kein Zaun für Wanderer, wohl aber Abschrankungen für alle nicht zum Forst gehörigen Fahrzeuge! Kein Lärm, kein Müll, kein Feuer! Keine frei laufenden Hunde! - Wir alle, der Waldbesitzer, der Jäger und der Spaziergänger, gemeinsam müssen wir dieses kostbare Stück unserer Heimat hegen und für unsere Kindeskinder erhalten! Siegfried Heim Wie hoch liegt Wolfurt? In einer offiziellen Broschüre des Statistischen Zentralamts in Wien habe ich die Höhenangaben der sechs Hofsteiggemeinden nachgeschlagen: Hard 400 m Lauterach 415m Wolfurt 434 m! Schwarzach 434 m Bildstein 659 m Buch 725 m Von Wolfurt nach Schwarzach geht es aber doch aufwärts? Ja, das schon! Aber die Meereshöhe der Ortschaften wird eben als Differenz vom Meeresspiegel der Adria zur Schwelle der Kirche gemessen. Und da steht unsere Pfarrkirche auf dem Kirchenbühel halt gleich hoch wie die Schwarzacher Kirche in der dortigen Ebene. Tiefer liegt unser Gemeindeamt 415 m! Noch wesentlich tiefer liegt der niedrigste Platz unserer Gemeinde fast beim Sender unten an der Einmündung der Schwarzach in die Dornbirnerach, der Westpunkt 402 m! Von dort hat die Dornbirnerach also nur mehr sieben Meter Gefälle bis zum Bodensee 395 m. Reißender fließt die Bregenzerach dem Bodensee zu. Ihr Flußbett unter der Kennelbacher Brücke 414m zwischen Wida und VKW noch 407 m. Auch unsere Talebene ist nicht waagrecht. Vom Ried steigen die Felder bis zur Ach und zum Berghang beachtlich an. Folgende Angaben habe ich im Bauamt gefunden, die meisten in Spezialkarten aus der Vermessung Stolitzka-Zech aus dem Jahre 1973: Schilfwiesen im untersten Birka und Äcker im untersten Neuwiesen Weitried Bauernhof Rohner im Schreibern Zimmerei Berchtold Schule Mähdle Frächterei Schertler im Flotzbach Wasserwerk Wälderstraße Martins weg Schulhof der Hauptschule Altersheim Schule Bütze 404 m 405 m 408 m 409 m 410 m 411m 411m 412 m 413 m 414 m 416 m 39 38
  1. wolfurt
  2. imported
Wolfurt 2011 01 Frü... Wolfurt 21.03.2011 19.11.2012, 18:27 wolfurt FRÜHLING 2011 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Das erste warme Frühlingswochenende liegt hinter uns. Viele haben bereits die Obstbäume geschnitten, die Arbeiten im Garten haben begonnen. Die immer wärmer werdenden Tage laden förmlich dazu ein, wieder nach draußen zu gehen. Über Umweltthemen - Stichwort Japan, Energieautonomie, CO2 etc. wird täglich in großen Lettern in den Medien berichtet. Unser Mobilitätsverhalten ist diesbezüglich ein wichtiger Faktor. Nützen wir die kommenden Jahreszeiten, vermehrt zu Fuß zu gehen, das Fahrrad zu benützen oder au