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20090716_GVE021 Hohenweiler 16.07.2009 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Donnerstag, den 16. Juli 2009 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm/TP 2 MOOSBRUGGER Bruno. Gemeindevertreter: KEMTER Christoph NUßBAUMER Maria SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland HUTTER Pius Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth FESSLER Franz FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia GRATZER Martin Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: alle Anwesenden bis auf Ersatzmitglied GRATZER Martin Entschuldigt: GR BERKMANN Franz-Josef GV HEIDEGGER Ruth GV MILZ Lothar GVE ZOPPEL Alexander Nicht entschuldigt: GV DÜR Konrad u. GV SUTTER Thomas Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. 2. 3. 4. 5. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 29.April 2009 Vergabe der Asphaltierung – Straße Dorf ehem. Neubaugebiet Klagseinbringung bzw. Vergleichsangebot – Wasserschaden Hokus Allfälliges Seite 1 von 3 Erledigung: 2. Dem Protokoll der letzten Gemeindevertretungssitzung (29.04.09) wird einstimmig zugestimmt. 3. Der Bgm. erklärt, dass die Asphaltierung der Straße bereits auf mehreren Sitzungen besprochen und bisher immer wieder verschoben wurde. Nun wurden vier Firmen zur Angebotsstellung angeschrieben und haben auch ein Angebot eingereicht. Billigstbieter ist die Firma Allbau mit € 55.746,77 + 20 % MWSt. Nach ausführlicher Diskussion über die Verdoppelung der Kosten - im Vergleich zum Voranschlag im Budget - wird einstimmig für das Angebot der Firma Allbau abgestimmt. 4. Der Bgm. berichtet von der Verhandlung im Fall Wasserschaden HOKUS am 18.06.09 vor Gericht. Dies war eine Anhörung durch den Richter und ein Abtasten aller anwesenden Beteiligten vom Geschehen. Durch diese Gespräche wurde festgestellt, dass die Fa. Oberhauser die Schuld trifft. Üblich ist, dass in solchen Fällen ein Vergleich angesteuert wird. Seitens des Rechtsvertreters der Fa. Oberhauser wurde ein Vergleichsangebot von € 10.000,-- gemacht, das im Laufe der Verhandlung auf € 45.000,-- gesteigert wurde. Der Gemeinde Hohenweiler sind Kosten in der Höhe von € 56.000,-- entstanden. Abzüge wurden gemacht, da die Gemeinde jetzt eine wesentlich bessere Entwässerung mit acht Schächten eingebaut hat. Dr. Matt wurde zu einem Gespräch mit dem Gemeindevorstand eingeladen. Der Bgm. verliest das daraus resultierende Schreiben mit dem Vergleichsangebot von Dr. Matt (€ 49.508,96 einschl. Zinsen und Kosten) an den Rechtsvertreter der Fa. Oberhauser. Vbgm. Langes erklärt der Gemeindevertretung, dass es für einen Vergleich einen neuen Beschluss benötigt. Der letzte Beschluss in der Gemeindevertretungssitzung am 12.11.08 lautete auf Klagseinbringung. Dem Antrag auf ein Vergleichsangebot durch Hr. RA Dr. Matt (Untergrenze € 45.000,--) wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. 5. Bgm. Geissler berichtet über die Sitzung vom Landbus Unterland. Allgemeiner Knackpunkt sind die Kosten. Die Mehrkosten für den Viertelstundentakt betragen für die Gemeinde Hohenweiler jährlich € 11.000,--. Die fünf Gemeinden vom Leiblachtal sind sich einig, dass auch ein Halbstundentakt ausreichen würde. Es besteht jetzt auch die Möglichkeit, die Fahrplan-Planungsfirma zu wechseln (bisher eine Schweizer Firma). Bgm. Geissler berichtet, dass die Gemeinde Hohenweiler vom Landesgericht in zweiter Instanz im Rechtsstreit Gemeinde / Berkmann in allen Punkten recht erhalten habe. Die weitere Vorgehensweise ist, dass RA Dr. Battlogg dem Vermessungsbüro Markowski den Auftrag erteilt, die Grenze neu zu vermessen, damit diese dann richtig im Grundbuch auch eingetragen werden kann. GV Berkmann Gebhard bedankt sich für die Einladung zum Kubota-Einweihungsfest. Schade, dass so wenige von der Gemeindevertretung anwesend waren. Außerdem möchte er ein Lob an die Organisation vom Gemeindeausflug nach München aussprechen – es war ein toller Ausflug. GV Berkmann Gebhard fragt nach, ob der Fußball-Trainingsplatz abgesperrt wird. Der Bgm. erklärt, dass mit dem Fußballverein vereinbart wurde, dass der Trainingsplatz nicht abgesperrt wird und jeder dort Fußball spielen darf und kann. Seite 2 von 3 GV Berkmann Gebhard erkundigt sich auch über den aktuellen Verhandlungsstand Gemeinde/Pfarre. Der Bgm. erklärt, dass eine Verhandlung war, auch eine Vermessung stattgefunden hat. Derzeit ist aber ein Stillstand. GV Strauß Marianne berichtet, dass das Frauenreferat vom Land eine Kampagne startet „Mehr Frauen in die Gemeindepolitik“. Am 12. Oktober 2009 findet im Pfarrheim in Hörbranz eine Informationsveranstaltung dazu statt. Vbgm. Langes Wolfgang berichtet, dass es seitens der FPÖ Hörbranz und der Finanzabteilung der Gemeinde Lochau, Attacken in Richtung Sozialsprengel Leiblachtal gegeben hat. Es gibt eine Überprüfung mittels Fragenkatalog. GVE Hutter Gerhard fragt nach, ob es aufgrund vom Handeln der Abgabenkommission einen Einspruch gegeben hat. Bgm. Geissler berichtet, dass sich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat. GVE Hutter Gerhard hat gehört, dass einige Vbg. Gemeinden eine oder mehrere Verbundkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel in Vorarlberg besitzen und diese an die Einwohner ausleihen. Er fragt nach, ob dies auch für Hohenweiler denkbar wäre? GVE Hutter Gerhard überlegt, ob der Umweltausschuss eine Karte erstellt, wo in Hohenweiler überall öffentliche Papierkörbe und Hunde-Kot-Kübel stehen. Er beabsichtigt dies, um festzustellen zu können, ob es ein ausreichendes Netz von Mistkübeln in Hohenweiler gibt. Anstoß dafür ist die jährliche Flurreinigung, bei der immer sehr viel Müll entlang der Straße gesammelt und entsorgt wird. Der Bgm. erklärt, dass das Aufstellen von Robi-Dogs nicht so einfach ist, da der Grundbesitzer auch damit einverstanden sein muss (z.B. in Leutenhofen wurde dies verweigert). Die Kübel dürfen auch nicht so weit gestreut sein, da der Bauhofmitarbeiter sie in einem Weg entleeren sollte. GV Spieler Heinz berichtet, dass das Heimatarchiv das gesamte Schularchiv übernommen hat. Er lädt alle, die Interesse haben, zur Mitarbeit ein. GV Nußbaumer Maria bemängelt, dass der Pächter vom Kloster Gwiggen, Hr. Rauch sämtliche öffentliche Wanderwege mit Gülle bespritzt. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Vorsitzende die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die rege Teilnahme und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 21.20 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Konrad Herbert) (Geissler Josef) Seite 3 von 3
  1. hohenweilervertretung
20090429_GVE020 Hohenweiler 29.04.2009 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 29. April 2009 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: BERKMANN Franz-Josef Gemeindevertreter: KEMTER Christoph HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland HUTTER Pius Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth FESSLER Franz HUTTER Gerhard, DI Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: alle Anwesenden Entschuldigt: Vzbgm. LANGES Wolfgang GR MOOSBRUGGER Bruno GV NUßBAUMER Maria GVE ZOPPEL Alexander GVE FINK Peter jun., GVE ACHBERGER Lucia GVE GRATZER Martin Nicht entschuldigt: GV DÜR Konrad Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. 2. 3. 4. 5. 6. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 1. April 2009 Angebotsvergabe – Kleintraktor für den Bauhof Beschlussfassung einer Geschäftsordnung für die Abgabenkommission Rechnungsabschluss 2008 Allfälliges Seite 1 von 3 Erledigung: 2. Dem Protokoll der letzten einstimmig zugestimmt. Gemeindevertretungssitzung (01.04.09) wird 3. Es wurden vier Firmen zur Angebotsstellung angeschrieben wovon die Firma Wohllaib kein Angebot abgegeben hat. Der Bgm. erklärt, dass der derzeitige Kubota - Kleintraktor im Jahr 1996 angeschafft wurde und nun in die Jahre gekommen ist. In der letzten Zeit waren sehr viele Reparaturen nötig. Nach ausführlicher Diskussion wird einstimmig für das Angebot der Firma BayWa/LAMAG mit folgendem Inhalt abgestimmt: Kubota mit 40 PS mit allen Zusätzen (€ 31.150,--), Kippschaufel (€ 1.560,--) und Westa Schneefräse (€ 6.500,--), Rücknahme des Altgerätes (€ 9.166,67). Preise sind excl. MwSt. 4. GVE Hutter Gerhard erklärt, dass der Entwurf der Geschäftsordnung der Abgabenkommission beim Land von Dr. Hämmerle geprüft und für in Ordnung befunden wurde. GV Spieler Heinz bemerkt, dass die Abgabenkommission unter Zeitdruck stehe und die Gemeindevertretung bei dieser Sitzung die Geschäftsordnung beschließen muss, damit die Abgabenkommission dann eine Abstimmung im vorliegenden Fall vornehmen kann. Die Gemeinde wird danach einen Bescheid erlassen und termingerecht an die betroffene Partei senden. Wichtig ist auch, dass die Geschäftsordnung an der Amtstafel angeschlagen wird und zur Prüfung an die Bezirkshauptmannschaft vorgelegt wird. Abschließend wird von der Gemeindevertretung der vorliegenden Geschäftsordnung der Abgabenkommission einstimmig zugestimmt. 5. Der Rechnungsabschluss 2008 ist jedem Gemeindevertretungs- bzw. Ersatzmitglied bereits eine Woche vor Sitzungsbeginn zugestellt worden. Dieser umfasst Ausgaben von € 2.434.471,13, sowie Einnahmen in derselben Höhe. Weiters werden auch die verschiedenen Abweichungen gegenüber dem Voranschlag der Gemeindevertretung erläutert, welche anschließend dem Rechnungsabschluss 2008 einstimmige Zustimmung erteilt. 6. Am 7. Mai berichtet der Bürgermeister findet die Vollversammlung Landbus Unterland in Dornbirn statt. Danach entwickelt sich eine angeregte Diskussion zum Busfahrplan. GR Berkmann Franz-Josef macht den Vorschlag, ein Rundschreiben zu veröffentlichen, wo die Busbenützer Anregungen bzw. Reklamationen bei der Gemeinde einbringen sollen. GV Strauß Marianne wird an der Fahrplanklausur (Do 7.5.2009) gemeinsam mit Bgm. Geissler teilnehmen. Der Bgm. informiert die Anwesenden, dass die VOGEWOSI auf die Gemeinde zugekommen ist und am Wohnbau in Hohenweiler stark interessiert sei. Er verliest das Flugblatt, welches nächste Woche an alle Haushalte ergehe. Über den Standort kann noch nichts gesagt werden, denn erst muss eine Entscheidung bezüglich des Feuerwehrstandortes getroffen werden. Es werden dann auch nach Vorstellung der VOGEWOSI nur Mietwohnungen zur Verfügung stehen, Mietkauf sei nicht geeignet. Bgm. Geissler berichtet über die Urteilsverkündigung im Rechtsstreit Gemeinde / Berkmann welches am 15.04.09 ergangen ist, und dass die Gemeinde in allen Punkten recht erhalten habe. Die Einspruchsfrist ist noch bis zum 15.05.09 abzuwarten, dann wäre dieses Urteil rechtskräftig. Seite 2 von 3 GVE Hutter Gerhard erkundigt sich, ob die Gemeinde keine Rechtschutzversicherung hat. Der Bgm. erklärt, dass dies für eine Gemeinde sehr teuer ist, GR Berkmann Franz-Josef erklärt als Versicherungsfachmann, dass man evtl. einmal eine Kostengegenüberstellung machen könnte. Laut Bgm. war dies ja erst der erste Fall, ein zweiter Fall betrifft den Hokus und als drittes wird ein Rechtsstreit Boch/Simma noch anstehen, bei dem die Gemeinde nur indirekt zu tun haben wird – bzgl. Bauplatz im Dreiangel. GV Knünz Roland berichtet, dass am Gemeindeausflug nach München 41 Personen teilnehmen werden. Auf dem Plan steht: u.a. die Besichtigung der Allianz Arena, ca. 3,5 h Besichtigungstour durch München mit dem Fahrrad, gemeinsames Abendessen in der Innenstadt, am Samstag-Vormittag „Shopping“ in der Münchner Innenstadt, Besuch des Kloster Andechs, Besichtigung der Erdfunkstation Raisting und mit Abschluss in Memmingen im Cafe Klosterkreuz. GVE Holzer Anna Elisabeth hat sich mit Fitz Peter bezüglich dem Zebrastreifen bei der Volksschule unterhalten. Sollten der Bgm. und Straßenmeister einen Antrag auf eine Blinkanlage stellen, so werde er diese befürworten. Die Gemeindevertretung ist der Meinung, dass eine blinkende Tafel mit Bewegungsmelder - wie bereits in Höchst in Verwendung – mehr Aufmerksamkeit erregt, als eine stets blinkende. GVE Milz Lothar regt auch die vermehrte Präsenz der Polizei an. GV Strauß Marianne bemerkt, dass von den Totengräbern bei neuen Gräbern die Erde nicht ordentlich befestigt werde. Ein paar Tage nach der Beerdigung von Wetzel Eugen ist die Erde extrem abgesackt ebenso beim Grab von Hagspiel Olga. Der Bgm. wird mit Wucher Egon dieses Problem besprechen, außerdem hat der entschuldigte GR Moosbrugger Bruno eine Sitzung des Straßen-, Wegeund Friedhofsausschuss am 05.05.09 anberaumt, wo dies auch ein Thema sein wird. Auch die schrägen Grabsteine stellen eine Gefahr am Friedhof dar. Dür Rudolf hat vom Bgm. den Auftrag, den Friedhof zu begehen und alle schrägen Grabsteine aufzulisten, damit von der Gemeinde weitere Schritte in die Wege geleitet werden können. GV Berkmann Gebhard regt an, die Hecke am neuen Friedhof zwischen den Gräbern und den Urnengräbern zu entfernen. Dies könnte auch bei dieser Ausschuss-Sitzung am 05.05.09 besprochen werden. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Vorsitzende die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die rege Teilnahme und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 21.45 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Konrad Herbert) (Geissler Josef) Seite 3 von 3
  1. hohenweilervertretung
20090401_GVE019 Hohenweiler 01.04.2009 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 1. April 2009 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno/TP.4 Gemeindevertreter: DÜR Konrad/TP.2 HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard KNÜNZ Roland HUTTER Pius Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia GRATZER Martin Schriftf.: KONRAD Herbert Entschuldigt: GV STRAUß Marianne GVE ZOPPEL Alexander GV KEMTER Christoph GVE HOLZER Anna Elisabeth und GVE HAGSPIEL Jürgen, GVE FESSLER Franz bis einschl. TP 3 GVE FINK Peter jun. bis einschl. TP 2 Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 4. März 2009 Änderung der Ermächtigung zur Entgegennahme von Barzahlungen Verschiedene Widmungsanträge a) Teilflächen aus den Gst. Nr.129/1 und 130/1 (ca. 2250 m²) und b) Teilfläche aus der Gst. Nr. 637/2 (ca. 1000 m²) von jeweils landw. Freifläche in Bauwohngebiet Güterweg Schatten – Verordnung über die Erlassung eines Fahrverbots Grundsatzbeschluss - Straße Neubaugebiet Dorf Neubestellung Abgabenkommission (lt. Geschäftsordnung) Allfälliges Seite 1 von 5 Erledigung: 2. Nach Abänderung von GV auf GVE Hutter Gerhard im Protokoll der letzten Gemeindevertretungssitzung (04.03.09) wird diesem Protokoll einstimmig zugestimmt. 3. Nachdem die bestehende Zeichnungsvollmacht für die Ermächtigung zur Entgegennahme von Barzahlungen für die Gemeinde wie berichtet nicht mehr auf dem aktuellen Stand ist, wird diese einstimmig von der Gemeindevertretung - wie bekannt gegeben - neu beschlossen. 4. a) Bgm. Geissler erklärt, dass der Raumplanungsausschuss das Thema Umwidmung von Teilflächen aus den Gst. Nr. 130/1 und 129/1sowie später das Thema Zufahrt bereits öfters behandelt hat. Obmann GV Berkmann Gebhard verliest das Ansuchen um Umwidmung einer Teilfläche aus der Gst. Nr. 130/1 und 129/1 der Geschwister Rupp Gabriele, Schratt Elke und Rupfle Mario. Ebenso eine Mitteilung vom 27.01.09 von den Geschwistern Rupfle zum Thema Weg (Gst.Nr. 1317/2). Es liegt auch ein unterschriebener Vorvertrag zwischen Spieler Simone / Kleiner Armin und den Geschwistern Rupfle vor, dieser wird der Gemeindevertretung ebenfalls z.K. gebracht. Rupfle Mario der ebenfalls anwesend ist nimmt persönlich Stellung zu seinen Schreiben und möchte festhalten, dass er vier Bauwerber habe. Ebenso teilt er auch seine Ansichten zur Zufahrt mit. Anschließend erklärt der Vorsitzende diesen Tagesordnungspunkt 4a) in weiterer Folge mit einstimmiger Zustimmung der Gemeindevertretung für vertraulich bzw. als nicht öffentlich, und bittet die Anwesenden Zuhörer den Sitzungssaal zu verlassen. Anmerkung zu diesem TP 4a): Vzbgm Langes W. zitiert aus dem GG über die Möglichkeit der Beratung eines einzelnen Punktes als Vertraulich und das Abstimmungsergebnis als nicht vertraulich bekannt zugeben, da über dies ja nicht abgestimmt wurde, wird das Abstimmungsergebnis wie folgt bekannt geben: Die Gemeindevertretung hat dem Antrag auf Umwidmung einer Teilfläche (von rd. 2.250 m²) aus den Gst. Nr. 129/1 und 130/1 wie im Planentwurf ausgewiesen, von landw. Freihaltefläche in Bauwohngebiet mit 3 Gegenstimmen abschließend die Zustimmung erteilt. Ab diesem Tagesordnungspunkt ist die Sitzung wieder für öffentlich erklärt. 4. b) Umwidmung einer Teilfläche von ca. 1000 m² aus der Gst.Nr. 637/2 (Siegfried Fetz) von landw. Freifläche in Baufläche. Obmann des Raumplanungsausschusses, GV Berkmann Gebhard verliest die Stellungnahme der des Umwidmungswerbers Fetz Siegfried. Auch dieser Antrag wurde schon öfters im Raumplanungsausschuss behandelt (Eigene Kinder, keine hochwertige Landwirtschaftliche Fläche, hohe Kanalerschließungskosten) und immer wieder abgelehnt. Der Raumplanungsausschuss werde eine Widmung befürworten, wenn sich Herr Fetz bereit erkläre, einer privatrechtlichen Vereinbarung über eine Rückwidmung zu zustimmen, falls nicht innerhalb von 5 Jahren von den Kindern ein Bauantrag gestellt werde. Seite 2 von 5 GV Berkmann Gebhard bemerkt weiters, dass Herr Fetz auch schon erklärt habe eine Landwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer anzumelden, und dann einen „roten Punkt“ beantragen möchte. Er habe sich bei der Kammer informiert, dies ist nicht so einfach wie es sich Herr Fetz vorstelle, da müsse der größte Teile des Einkommens auch aus der Landwirtschaft z. B., usw. erwirtschaftet werden. Nach abschließender Diskussion wird diesem Antrag auf Umwidmung einer Teilfläche aus der Gst. Nr. 637/2 im Ausmaß von 1000 m² von landw. Freifläche in Baufläche von der Gemeindevertretung mit 3 Gegenstimmen (GR Berkmann Fr.-J., GR Moosbrugger Bruno und GV Nußbaumer Maria) zugestimmt, mit dem Hinweis: (dass eine Rückwidmung erfolgt falls nicht innerhalb von 5 Jahren von den Kindern ein Bauantrag gestellt wird) 5. GR Moosbrugger Bruno, Obmann der Güterweggenossenschaft Schatten, hat ein Schreiben an die Gemeinde Hohenweiler bzgl. der Erlassung eines Fahrverbotes auf dem Güterweg Schatten gerichtet, der Bgm. bringt dieses Schreiben z.K.. Bei der Vollversammlung am 06.03.09 wurde eine Musterverordnung der Genossenschaft vorgelegt. Dieser Verordnungsvorschlag wird von Vbgm. Langes Wolfgang verlesen und anschließend stimmt die Gemeindevertretung der Verordnung über Erlassung eines Fahrverbots für Kraftfahrzeuge auf dem Güterweg Schatten ebenfalls einstimmig zu. 6. Grundsatzbeschluss über das Fertigstellen der Straße beim Neubaugebiet Dorf (ehem. Rottmaier-Areal). Eine Kostenschätzung hat nun ergeben, dass mit ca. € 70.000,-- gerechnet werden muss, und im Budget 2009 nur rd. € 30.000,-- veranschlagt sind. Die erhöhten Kosten werden u. a. gerechtfertigt mit, verbesserter Randbegrenzung, Ergänzung um einen Abfluss, 10 cm Asphaltstärke, Baustelleneinrichtung mit € 10.000,-- usw.. Nach eingehender Diskussion wird einstimmig der Grundsatzbeschluss gefasst, diese Straße im Neubaugebiet endlich zu einem Abschluss zu bringen (Eine Angebotsüberarbeitung bzw. Einholung mit unterschiedlichen Varianten wird dazu veranlasst.). 7. In der Sache Neubestellung Abgabenkommission gibt es lt. Bürgermeister bereits einen Anlassfall (Greißing,) dies ist mehr ein formeller Fall – der Bgm. hat eine Reparaturkostenforderung gestellt welche von Herrn Greißing angezweifelt wird. GV Spieler Heinz berichtet, dass die Gemeinde verpflichtet ist, eine Abgabenkommission zu bilden. Es wurde bereits eine Sitzung abgehalten. GVE Gerhard Hutter hat sich mit dem Abgabenverfahrensgesetz § 13 auseinander gesetzt und berichtet nachstehend. Die Abgabenkommission besteht aus einem Vorsitz und zwei höchstens aber vier weiteren Mitgliedern. Die Mitglieder sind von der Gemeindevertretung auf die Dauer der Funktionsperiode zu wählen, Bgm. und Vbgm. dürfen nicht als Mitglieder bestellt werden. Für jedes Mitglied ist in gleicher Weise auch ein Ersatzmitglied zu bestellen. Seite 3 von 5 Vom Bgm. werden nachstehende Personen für die Abgabenkomission vorgeschlagen: Mitglieder: Ersatz: Vorsitzender GV Spieler Heinz als GV Berkmann Gebhard Stellv. Vorsitzender GV Milz Lothar als GVE Fessler Franz Schriftführer GVE Hutter Gerhard als GVE Hagspiel Jürgen Die Abstimmung für die Zusammensetzung der Abgabenkommission in oben angeführter Form wird von der Gemeindevertretung einstimmig befürwortet. GVE Hutter Gerhard regt an damit die Abgabenkommission tätig werden kann, ist auch noch eine Geschäftsordnung durch Verordnung der Gemeindevertretung zu genehmigen, um im Mai die entsprechende Entscheidung im anstehenden Fall mitteilen zu können GV Spieler Heinz wünscht, dass der Entwurf dieser Geschäftsordnung in kopierter Form allen Mitgliedern der Abgabenkommission übermittelt werde um diese besprechen zu können, um dann auch in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung diese beschließen zu können. 8. GVE Achberger Lucia reklamiert, dass das Licht am Hinterausgang Gemeindehaus nicht funktioniere od. erst zu spät. Dies wird kontrolliert, bzw. vom Bgm. z. K. genommen. GV Nußbaumer Maria erkundigt sich über den Pensionsantritt des Bürgermeisters vor oder nach der Sommerpause, welcher noch einmal bestätigt, dass er mit Ablauf des Septembermonats in Pension gehe, und nicht was in der Zeitung geschrieben werde (das sei ihm wurscht). GV Dür Konrad erkundigt sich bzgl. öffentl. Gut im Haslach welches an seinen Grund angrenze, der Bürgermeister teilt ihm mit, dass dies bzgl. Gespräche mit der betreffenden Partei geführt werden. GV Berkmann Gebhard informiert sich über das Urteil Gemeinde gegen Berkmann Felix. Der Bgm. erklärt, dass er RA Batlogg leider nicht erreicht habe, und dass die Gemeinde auf das Urteil des Gerichts warte. GV Knünz Roland berichtet, dass Berkmann R. bei ihm im Büro war und ihn diesbezüglich auch beschimpft habe. GV Knünz Roland berichtet, dass beim Gemeindeausflug bis zum heutigen Tage 36 Personen angemeldet sind, und es sicher ein toller Ausflug werden wird. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Vorsitzende die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die rege Teilnahme und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 22.10 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Konrad Herbert) (Geissler Josef) Seite 4 von 5 Nicht öffentlicher Tagesordnungspunkt - 4 a) der Gemeindevertretungssitzung vom 1. April 2009: Anwesende siehe nachstehend: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno/TP.4 Gemeindevertreter: DÜR Konrad/TP.2 HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard KNÜNZ Roland HUTTER Pius Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia GRATZER Martin Schriftf.: KONRAD Herbert GVE HOLZER Anna Elisabeth und GVE HAGSPIEL Jürgen, GVE FESSLER Franz bis einschl. TP 3 GVE FINK Peter jun. bis einschl. TP 2 4.a) GV Berkmann Gebhard stellt fest, dass der Raumplanungsausschuss keine ganzen Bautiefen mehr umwidmen möchte. Hr. DI Grasmugg von der Landesraumplanungsstelle war für die Umwidmung von einer Bautiefe, aber nicht mehr, da es sich um einen Siedlungsrand handle. Der Obmann des Straßenausschusses, Moosbrugger Bruno erklärt, dass bei der Sitzung am 24.03.09 auch das Wegerecht behandelt wurde. Wenn die Gemeinde schon ihr Grundstück (für eine Zufahrt) zur Verfügung stelle, sollte sie dafür auch das Geh- und Fahrrecht im Gegenzuge auf dem Gst.Nr. 1317/2 erhalten. Nun beginnt eine rege Diskussion um das Geh- und Fahrrecht auf diesem Weg. Eine Verbindung mit der Zufahrt der Straße in den Dreinagel wird auch von den Geschwistern Rupfle nicht gewünscht, und ist sicher abzulehnen. Anschließend werden folgende Abstimmungen vorgenommen: Abstimmung über die Aushandlung eines öffentlichen Geh- und Fahrrechtes mit Fahrrad erfolgt mit 1 Gegenstimme (GV Knünz Roland) Dem Antrag auf Umwidmung einer Teilfläche (von rd. 2.250 m²) aus den Gst.Nr. 129/1 und 130/1 wie im Planentwurf ausgewiesen, wird mit den Gegenstimmen von GV Berkmann Gebhard, GV Knünz Roland und GVE Hagspiel Jürgen von der Gemeindevertretung abschließend zugestimmt. Schriftführer: Der Bürgermeister: (Konrad Herbert) (Josef Geissler) Seite 5 von 5
  1. hohenweilervertretung
20090304_GVE018 Hohenweiler 04.03.2009 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 4. März 2009 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz ZOPPEL Alexander FINK Peter jun., HUTTER Gerhard, DI Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: GVE Holzer Anna Elisabeth und GVE Hagspiel Jürgen Entschuldigt: GV DÜR Konrad, GVE ACHBERGER Lucia und GVE Gratzer Martin Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 12. November 2008 Austritt von GVE Anwander-Sonnewend Theresia Dr. – Nachnominierung Bildung einer Abgabenkommission und Änderung von diversen Ausschüssen Grundverkauf aus Gp. .17 an Gst.Nr. 78/6 (50m2) und an Gst.Nr. 78/5 (57m2) Grundsatzbeschluss bzgl. Kleinkinderbetreuung Gemeindevoranschlag 2009 Gemeindeabgaben und –tarife für das Jahr 2009 Allfälliges Seite 1 von 5 Erledigung: 2. GV Strauß Marianne gibt bekannt, dass sie sich für die Sitzung am 12.11.2008 entschuldigt habe, dies wird z.K. genommen und geändert, ansonsten wird dem Gemeindevertretungsprotokoll einstimmig zugestimmt. 3. GV Dr. Anwander-Sonnewend Theresia hat am 12.12.2008 schriftlich der Gemeinde mitgeteilt, dass sie per 01.01.2009 aus der Gemeindevertretung austritt. Der Bgm. bringt das Schreiben z. K., bedankt sich im Namen der Gemeinde für ihren persönlichen Einsatz bei den unzähligen Besprechungen – Landbus, der Mitarbeit beim Heimatbuch und Willkommenstreff um nur einiges zu nennen, auch wenn Frau Anwander-Sonnewend heute nicht persönlich anwesend ist. Eine Nachbesetzung in den versch. Ausschüssen wird nicht als dringend notwendig angesehen. GR Berkmann Franz-Josef wird (anstelle von Th. Anwander-Sonnewend) in die Mitgliederversammlung der Musikschule Leiblachtal entsandt. Aufgrund des Verzichtes rückt für die verbleibende Periode GVE Hutter Pius in die Gemeindevertretung nach. 4. Der Vorsitzende erklärt, dass eine Abgabenkommission in der Gemeinde einzurichten ist. Diese Abgabenkommission hat nur zu tagen, wenn jemand gegen einen Abgabenbescheid des Bgm. beruft oder bestimmte Fälle vorliegen. Als Vorsitzender der Abgabenkommission wird vom Bgm. GV Ing. Spieler Heinz vorgeschlagen, weiters sind in dieser Abgabenkommission vertreten GV Berkmann Gebhard, GV Milz Lothar, GVE Hagspiel Jürgen, GVE Fessler Franz und GVE DI Hutter Gerhard. 5. Bgm. Geissler möchte das Thema Grundstückverkauf aus dem Gst. .17 an die Anrainer des Gehsteiges Dorf – Gmünd (Burger, Mennel, Linder) von der letzten Sitzung noch einmal aufgreifen. Damals wurde mehrheitlich abgestimmt, dass den drei Anrainern die Grundflächen um € 90,-/m² angeboten werden. Dies wurde von den Anrainern abgelehnt, da sie nur bereit sind, € 50,--/m² zu bezahlen. Der Vorsitzende weist darauf hin, dass bei Nicht-Verkauf der Fläche dies „nur totes“ Kapital ist. Seitens der Gemeinde wurden bei Grundeinlösen für Gehsteige immer nur € 21,90/m² bezahlt. Dieser Grundverkauf könnte auch im Zuge der Vermessung ohne größeren Aufwand vom Grundbesitzer (Gemeinde) abgeschrieben und den Anrainern zugeschrieben werden, wenn der Wert eine Obergrenze von € 5.000,-- je Einlagezahl nicht übersteigt. Dann könnte man mit einer Einverständniserklärung - ohne Kaufvertrag – die neuen Eigentümer im Grundbuch eintragen. Nach eingehender Diskussion wird abschließend folgende Abstimmung vorgenommen: Für einen Verkauf dieses Grundstückstreifens (107 m²) zum Preis von € 50,-pro m² an die 3 Interessenten wird mehrheitlich mit 2 Gegenstimmen (GV Sutter Thomas und GVE Hagspiel Jürgen) die Zustimmung erteilt. Es wird ein entsprechender Grundeinlösevertrag erstellt damit das Projekt vom Landesvermessungsamt abgeschlossen bzw. fertig gestellt werden kann. Seite 2 von 5 6. Vbgm. Langes Wolfgang stellt die jetzige Situation der Kleinkinderbetreuung dar: Derzeit besteht die Spielgruppe aufgrund der Privatinitiative von Fr. Halder Michaela. Seitens des Landes wird der Eltern-Beitrag auf dieselbe Höhe gestützt, wie der Kindergartenbeitrag ist. Einige Kinder besuchen das i-Tüpfle in Hörbranz und die Gemeinde muss jährlich ca. € 7000 - € 8000 dafür bezahlen. Neu wäre eine Kleinkinderbetreuung, die als Ganzjahreseinrichtung (höchst. 5 Wochen geschlossen) betrieben, da nur diese vom Land gefördert wird. Der Personalkostenaufwand wird mit 50 % vom Land gefördert, ebenso die Einrichtung pro Gruppe mit € 22.000,--. Die derzeitige Raumsituation im Dachboden des Gemeindehauses ist nicht ausreichend, die Wohnung im 1. Stock des Gemeindehauses (ehem. Leibitzki) stellt sich als Lösung dar. Die Räumlichkeiten sind somit vorhanden, da Kinder ab 1,5 Jahren auch einen Ruheraum benötigen. Nur die Sanitäranlagen müssen neu geschaffen werden und diverse Sicherungen (Fenster, Steckdosen, Heizkörper…), da es dafür auch eigene Vorschriften gibt. Starten möchte man bereits im Herbst mit einem durchgängigen Vormittagsbetrieb von 7:30 bis 12:30 Uhr. Die Weiterentwicklung ist zu beobachten. Der Tarif ist frei gestaltbar, für 3-jährige gilt der gestützte Tarif vom Land. Der Bedarf ist gegeben, denn die jetzige Spielgruppe ist voll – mit Warteliste. Auch der Druck auf den Kindergarten bezüglich des Sommerbetriebes würde somit kleiner. Eine Sommer-Aushilfe vom Kindergartenpersonal wäre denkbar. Halder Michaela hat die Voraussetzungen als Leiterin durch die langjährige Tätigkeit in der Spielgruppe. Das Land bietet auch Nachschulungsmöglichkeiten an. Bei der zweiten Kraft wäre dies deshalb nicht notwendig, dass sie ausgebildet ist. Die Räumlichkeiten ließen sich auch für die Mittagsbetreuung der Schüler nutzen. Anlieferung des Essens durch „Essen auf Rädern“. Laut Dir. Baumann ist die Ganztagsschule im Kommen. Die Kosten von € 60.000,-- sind großzügig kalkuliert, da die Errichtung der Sanitäranlagen eine heikle Geschichte ist. Eine Auflistung des Einrichtungsbedarfes wurde bereits zusammengestellt. Nach eingehender Diskussion wird einstimmig für die Kleinkinderbetreuung abgestimmt. 7. Der Haushaltsentwurf der Gemeinde für 2009, der bereits am 26.02.2009 jedem Gemeindemandatar zugestellt wurde, wird von Vzbgm. Langes Wolfgang in bewährter Form der Gemeindevertretung präsentiert. Er beinhaltet für das kommende Jahr ein Budget von € 4.465.400,- wie ersichtlich, sind einige Projekte u. a. die Fertigstellung des Kanals in der Parzelle Ried, Neubau einer Wasserleitung (Ringschluss) zwischen der Parzelle Ried und Koo geplant, und auch die Errichtung eines Feuerwehrhauses vorgesehen. Der Vorsitzende verliest einen Brief der Elternvertreter der Volksschule Hohenweiler mit dem Sanierungswunsch der Volksschule. Ebenso verliest der Vorsitzende den Brief von Nahversorger Konrad Dür, mit dem Ansuchen um weitere 10 Jahre Nahversorgungs-Förderung in derselben Höhe. Abschließend wird dem vorgelegten Haushaltsvoranschlag für 2009 von der Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung erteilt. Seite 3 von 5 8. Die Gemeindeabgaben und –Tarife für das Jahr 2009 werden - wie vom Finanzausschuss vorgelegt bzw. empfohlen - besprochen und von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen. In der Wassergrundgebühr sind Investitionskosten mit eingerechnet, die innerhalb von 10 Jahren abgezahlt werden sollen. Ebenso sollte es für die Wasserversorgung evtl. Rücklagen geben. Die Kanalgebühr müsste, aufgrund der derzeitigen Investitionen (Kanal Ried), theoretisch höher sein. Die Situation Schwarzmann wird ebenfalls diskutiert. Weiters werden auch die Kindergarten-Tarife bekanntgegeben und erläutert. 9. Bgm. Geissler J. informiert über den Rechtsstreit Berkmann/Gemeinde. Am 27.01.2009 war die Gerichtsverhandlung. Das Urteil ist noch nicht ergangen, da 6 Wochen Wartezeit sind. Von Bgm. Geissler J. wird in Erinnerung gerufen, dass er vor den Gemeindevertretungssitzungen immer im Gemeindeamt ist, und sich die Gemeindevertreter falls notwendig mehr Hintergrundwissen zu den jeweiligen Sitzungspunkten einholen können. Diesen Hinweis gibt er, da auch schon reklamiert wurde, dass es zu geringe Auskünfte bei den Sitzungen gäbe und die Gemeindvertretung nicht genau weiß, über was abgestimmt wird. Bgm. Geissler Josef erläutert kurz seine Gemeindelaufbahn: Von 1985 -1990 war er Gemeindevertretungsersatzmitglied, 1990 -1995 Gemeindevertreter und ab 1995 Bürgermeister. Mit Ende Sept. 2009 lege er sein Amt als Bgm. in jüngere Hände. Er möchte sich nach 42 Jahren im öffentlichen Bundesdienst, davon 28 Jahre Dienststellenleiter und parallel fast 15 Jahre BGM in die Pension zurückziehen. Dies habe er mit dem Gemeinde-Vorstand bereits besprochen. Vzbgm. Langes Wolfgang ist bereits informiert, er wird das Amt des Bgm. ab Sept. übernehmen. Er habe einen Monat Frist nach Rücktritt des Bgm. muss er dann auch von der Gemeindevertretung noch gewählt werden. Bgm. Geissler Josef bedankt sich bei den Anwesenden Gemeindevertretern für die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. GV Strauß Marianne gibt den Termin des Osterbasars des KPV bekannt (SO 29.03.2009) und lädt alle Handwerker und Bastler ein, den Verein zu unterstützen. Ebenso freut sich der Verein über regen Besuch des Basars. GV Milz Lothar spricht an sämtliche Anwesenden die Einladung zur diesjährigen Flurreinigung am SA 28.03.2009 aus. GVE Hagspiel Jürgen fragt nach, wieso der Antrag auf Umwidmung des Grundstückes Fetz noch nicht bearbeitet ist. Er wurde im Juli 2008 abgegeben und ist immer noch nicht beantwortet worden. Bgm. Geissler Josef erklärt, dass beschlossen wurde, Umwidmungen aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes nur noch im Frühjahr und im Herbst zu machen und dass noch einiges im Falle Fetz abzuklären ist. Die nächste Sitzung ist in absehbarer Zeit. GV Berkmann Franz-Josef erklärt, dass ein Grund der Umstand ist, dass dieses Grundstück nicht am Kanal angeschlossen ist und die Erschließung durch die Gemeinde sehr viel Geld kosten wird. Seite 4 von 5 GV Hutter Gerhard regt an, an der Bushaltestelle Leutenhofen (Seite RAIBA) einen Mülleimer zu montieren. Außerdem erläutert er einige Punkte von der Abwasserverband-Sitzung am 19.01.2009 (Fertigstellung von Bauabschnitt 09, Anpassung an den Stand der Technik, Adaptierung Pumpwerk Reisach, Kontrolle Verbandssammler) Im Juni 2008 erhielt die Gemeinde vom Umweltbüro Grabher einen Fragebogen zu Neophyten. Die Auswertung ist jetzt herausgekommen (Erklärung dazu) und es kann beim ihm oder in der Gemeinde in die Unterlagen eingesehen werden. GV Knünz Roland hat an der Rechnungsprüfung der Musikschule Leiblachtal teilgenommen. Aufgefallen ist, dass die Schere Beitrag Gemeinde und Eltern sehr auseinander geht. Ursache ist das neue Fördersystem des Landes, welches € 25.000,-- weniger Förderungen ergibt. Die fünf Gemeinden müssen sich stark machen, dass sie nicht mit dem neuen Förderprogramm vom Land einverstanden sind, da es sich sehr negativ auf die MSL auswirke. Der Gemeindeausflug für die Gemeindevertretung bzw. der Gemeindeangestellten (mit Begleitung) wird auf den 15./16.05.2009 festgelegt. Die Ausschreibung gibt es bei der Klausur und die Anmeldung sollte möglichst rasch erfolgen, da auch Zimmer usw. organisiert werden müssen GV Berkmann Gebhard regt an, dass im Hokus für Veranstaltungen PutzUtensilien zur Verfügung gestellt werden. GV Knünz Roland spricht dem Bauhof Hohenweiler ein großes Lob für die Schneeräumung in diesem Winter aus. Vergleiche mit den Nachbargemeinden Hörbranz und Lochau lassen darauf schließen, dass unser Bauhof viel geleistet hat. Der Bgm. erinnert die Anwesenden an die Klausur am Samstag und bittet um zahlreiches bzw. pünktliches Erscheinen. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Vorsitzende die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die rege Teilnahme und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 22.45 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Konrad Herbert) (Geissler Josef) Seite 5 von 5
  1. hohenweilervertretung
20081112_GVE017 Hohenweiler 12.11.2008 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 12. November 2008 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: LANGES Wolfgang, Vzbgm. Gemeinderäte: BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria BERKMANN Gebhard KNÜNZ Roland Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HUTTER Pius HAGSPIEL Jürgen FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: sämtl. Anwesenden Nicht entschuldigt: entfällt Entschuldigt: GEISSLER Josef, Bgm., GV MILZ Lothar, GV SPIELER Heinz, Ing., GV STRAUß Marianne, GV ANWANDER-SONNEWEND Theresia, Dr., GVE HOLZER Anna Elisabeth, GVE FESSLER Franz, GVE ZOPPEL Alexander und GVE GRATZER Martin Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Zu Beginn erfolgt auf Antrag des Vorsitzenden noch die Ergänzung des TP 3, dadurch ändert sich die Reihenfolge der nachfolgenden Tagesordnungspunkte. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 10. September 2008 3. Angebotsvergabe Pumpwerk Kanal-Ried / Elektroinstallation 4. Klagseinbringungen – Wegerechtsstreit bzw. Zahlungsforderung 5. Finanzierung bzw. Kreditvergabe Kanal Ried 6. Grundverkauf aus Gp. 17 an Gst. 78/6 (50 m²) und an Gst. 78/5 (57 m²) 7. Dienstposten- und Beschäftigungsrahmenplan 2009 8. Allfälliges (Petition z.K.) Erledigung: 2. Nach kurzer Diskussion zu Punkt 2 (Protokoll) vom 10.9.08 wird dem Protokoll der Gemeindevertretungssitzung ohne Ergänzung einstimmig zugestimmt. 3. Für das Projekt Pumpwerk Kanal Ried – Vergabe der Elektroinstallationen haben nachstehende Firmen ein Angebot abgegeben: Siemens AG, Bregenz Pircher, Bregenz Kiechel & Hagleitner, Bregenz netto netto netto € 9.334,17 € 12.395,58 € 12.421,36 Bei der sachlichen und rechnerischen Überprüfung der abgegebenen Angebote durch das Büro Rudhardt + Gasser, Bregenz, wurden keine Fehler festgestellt. Der Vergabevorschlag lautet daher auf den Best- bzw. Billigstbieter Fa. Siemens AG, Bregenz, welchem die Gemeindevertretung auch einstimmig zustimmt. 4. Öffentliches Gut der Gemeinde Hohenweiler (Kläger) vertreten durch RA Dr. M. Battlogg, Schruns / Wegerechtsstreit gegen beklagte Partei Felix Berkmann, Hohenweiler. Vzbgm. Langes W. informiert die Gemeindevertretung in dieser Sache. Bei einer vom Bezirksgericht Bregenz festgesetzten Begehung in der u. a. auch verschiedene Zeugen gehört wurden, bestätigten diese auch, dass immer schon (weit über mehrere Jahrzehnte) auf dem in der Natur verlaufenden Weg bzw. der ersichtlichen Trasse gegangen bzw. gefahren wurde. Es wurde auch festgestellt, dass dieser Weg schon länger so verlaufen muss, da auf den daneben liegenden Flächen (lt. Katasterplan ausgewiesen) bereits große alte Bäume stehen und ein befahren dort auch gar nicht möglich ist. Die beklagte Partei Felix Berkmann (vertreten von Mag. J. Häusle und Dr. St. Hämmerle, Dornbirn) möchte nun im Grenzfeststellungsverfahren diesen Weg (öffentliches Gut) verlegen lassen, dem von der Gemeinde keinesfalls zugestimmt werden kann. Aus diesem Grund ersucht die Gemeinde Hohenweiler Hr. RA Dr. M. Battlogg, Schruns im Namen der Gemeinde eine entsprechende Klage gegen Hr. Felix Berkmann, Hohenweiler einzubringen. Dem Antrag auf Klagseinbringung durch Hr. RA M. Battlogg, Schruns beim Bezirksgericht Bregenz, gegen Hr. Felix Berkmann, Hohenweiler wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. Wasserschaden/Sanierung HOKUS Gemeinde Hohenweiler (Kläger) gegen Oberhauser & Schedler (Beklagter). Vbgm. Langes W. informiert die Gemeindevertretung darüber, dass es aufgrund einer nicht Ausschreibungskonformen Ausführung der Drainage um den HOKUS durch die Firma Oberhauser & Schedler zu einem Wasserschaden kam. Die Kosten der Sanierung in der Höhe von ca. € 37.000,-- wurden von der Gemeinde vorfinanziert. RA Dr. Matt hat als Rechtsvertreter der Gemeinde mehrmals versucht, die Firma Oberhauser & Schedler gütlich dazu zu bewegen, diesen Betrag der Gemeinde zu ersetzen. Die Klagseinbringung wurde vom Gericht nun bis 28.2.2009 festgesetzt. GV Berkmann Franz-Josef erläutert, dass lt. Plan eine Entwässerung rund um die Bodenplatte des HOKUS sein sollte. Das Problem ist aber die Ableitung der Entwässerung, welche im Entwässerungskanal endet – bei dieser Ableitung hat sich ein sog. Sack gebildet (hängt durch) und dieser füllt sich mit der Zeit mit Sand. Ist die Abflussmenge zu gering, steigt der Wasserstand und rinnt bei den Kellerfenstern in den HOKUS. Im Betrag € 37.000,-- sind auch die Kosten für die Sanierung nach einem Wasserschaden vor zwei Jahren aufgrund eines Wasserrohrbruches. Es ist fraglich, ob die Gemeinde diese ca. € 4.000,-- ersetzt bekommt, da die Drainage nicht auf diese Mengen Wasser ausgerichtet sein muss. Sollte das Gericht feststellen, dass die Firma Oberhauser & Schedler unschuldig ist, wird evtl. eine Klage gegen den damaligen Bauleiter BM Hassler erwogen. Dem Antrag auf Klagseinbringung durch Hr.RA Dr. Matt beim Bezirksgericht Bregenz gegen die Firma Oberhauser & Schedler sofern nicht doch evtl. eine gütliche Lösung erzielt werden kann, wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. 5. Vbgm. Langes Wolfgang erklärt, dass die Gemeinde für die Finanzierung des Kanalprojektes Ried eine Kreditaufnahme in der Höhe von bis zu € 200.000,-benötigt. Die Schwierigkeit ist die zurzeit herrschende Finanzkrise. Konditionen und Zuverlässigkeit von Angeboten sind fraglich, da sich wahrscheinlich bis zum tatsächlichen Aufnahmezeitpunkt wie ersichtlich, der Zinssatz wieder ändern wird. Lt. Schriftführer Herbert Konrad wird der Kredit erst Anfang 2009 benötigt. Er schlägt vor, zum Zeitpunkt der tatsächlichen Aufnahme neue Angebote einzuholen und dann an den Best- bzw. Billigstbieter zu vergeben. Daher sollte die Aufnahme des benötigten Kredites von der Gemeindevertretung somit an den Gemeindevorstand übertragen werden, um eine raschere Entscheidung treffen zu können. Dieser Darlehensaufnahme der Gemeinde muss dann ebenfalls noch vom Land die Genehmigung erteilt werden. Die Gemeindevertretung diskutiert über Vor- und Nachteile von Euro- bzw. CHFKrediten. Abschließend wird einstimmig beschlossen, dass zum Zeitpunkt der Darlehensbenötigung neue Angebote eingeholt werden und der Gemeindevorstand beauftragt wird über Best- bzw. Billigstanbieter zu entscheiden. 6. Die Anrainer des Gehsteig Dorf - Gmünd, die Familien Burger und Mennel und Linder Herta haben den Wunsch, aus dem Gst. .17 (Gemeinde) für das Gst. 78/6 eine Teilfläche (von 50 m²) und für das Gst. 78/5 eine Teilfläche (von 57 m²) zu erwerben. Es handelt sich um einen ca. 2,5 m breiten Streifen zwischen den jeweiligen Grundstücken und dem neu errichteten Gehsteig. Die Gemeinde ist Eigentümer dieses Grundstückstreifens. Es besteht eine Vereinbarung, dass die Anrainer über diese Fläche zu ihren Grundstücken zufahren können. Schriftführer Konrad Herbert erklärt, bei der Gehsteig-Vermessung wurde festgestellt, dass quasi zwei Flächen „übrig“ bleiben, daher ist man seitens der Gemeinde an die Grundeigentümer herangetreten und habe auch wie vom Land (mit halbem Baulandpreis entspricht € 90,-) befürwortet, diesen angeboten. Dieser Grundverkauf könnte auch im Zuge der Vermessung ohne größeren Aufwand von den jeweiligen Grundbesitzern (Gemeinde) abgeschrieben bzw. (den Anrainern) zugeschrieben werden, wenn der Wert eine Obergrenze von € 5.000,-- je Einlagezahl nicht übersteigt. Dann könnte man mit einer Einverständniserklärung - ohne Kaufvertrag – die neuen Eigentümer im Grundbuch eintragen. Das ist das einfachste Verfahren. Sollte es zu einem späteren Zeitpunkt gemacht werden, muss ein Kaufvertrag erstellt werden, es fallen Vertragsgebühren, Grundbucheintragungsgebühren usw. an. Den Anrainern sind die € 90,--/m² zu viel, der Gemeinde wurde ein Gegenangebot gemacht, höchstens einen Preis von € 50,--/m² zu zahlen. Diskutiert wird, ob überhaupt verkauft werden soll und dass allen drei Anrainern die Grundflächen zum gleichen Preis angeboten werden sollen, obwohl das Nachbargrundstück von Gst. 78/5 (Linder Herta) nicht bebaut ist und eine bessere Nutzung des Gst. 78/5 gegeben ist. Abschließend werden folgende Abstimmungen vorgenommen: Für einen Verkauf dieses Grundstückstreifens (107 m²) an die 3 Interessenten wird mehrheitlich mit 3 Gegenstimmen (GV Sutter Thomas, GV Berkmann Gebhard und GVE Hagspiel Jürgen) die Zustimmung erteilt. Einem Verkauf um € 50,-/m² stimmen nur Vzbgm. Langes Wolfgang, GR Berkmann Franz-Josef, GVE Hutter Pius und GVE Achberger Lucia zu. Dem Verkauf um € 90,-/m² wird von GR Moosbrugger Bruno, GV Kemter Christoph, GV Dür Konrad, GV Heidegger Ruth, GV Nußbaumer Maria, GV Knünz Roland, GVE Fink Peter jun., und GVE Hutter Gerhard DI mehrheitlich zugestimmt. Die Interessenten werden darüber informiert. Sollten Sie den Grund zu diesem Preis nicht kaufen wollen, dann kann dem Landesvermessungsamt Bescheid gesagt werden, dass sie den Grundeinlösungsplan abschließen können, und der Grundbesitz bleibt wie er ist. 7. Dem zur Kenntnis gebrachten Dienstposten- u. Beschäftigungsrahmenplan der Gemeinde für 2009 wird von der Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung erteilt. 8. GVE Gerhard Hutter informiert sich über die Tagesordnung bei der Klausurtagung am 22.11.2008. Vbgm. Langes Wolfgang erklärt, dass es inhaltlich um Themen wie Gemeindeentwicklung, Standort Feuerwehr, Situation Bauhof …. geht. GV Berkmann Gebhard berichtet, dass er sich beim Bau Greißing Pepi/Jürgen, Gehren, über die Versickerung des Oberflächenwassers informiert hat. Der Bauherr ist der Meinung, dieses auch über den Abwasserschacht entsorgen zu dürfen. Laut Baubescheid ist ganz klar vorgeschrieben, dass die Schmutzwässer Fäkalien sowie Tag- bzw. Niederschlagswässer unbedingt getrennt zu entsorgen sind, da in Hohenweiler das Trennsystem festgelegt ist. GVE Achberger Lucia erkundigt sich, ob bei der Zufahrt in das neue Baugebiet (von Bader Rudi) an der Riedstraße ein Verkehrsspiegel möglich wäre. Laut Vbgm. Langes Wolfgang wird seitens der Gemeinde die Situation überprüft und entsprechend gehandelt. GV Knünz Roland macht für den zweitägigen Gemeindeausflug 2009 Terminvorschläge. Abschließend wird der Terminvorschlag 15./16. Mai 2009 (Freitag/Samstag) angenommen und GV Knünz Roland kann somit die Planung machen. GVE Hutter Pius erkundigt sich über die Zufahrt quer über das Feld bei Bader Rudi zum neuen Bauplatz. Es wird festgestellt, dass dies nur eine Baustellenzufahrt zum Bau Dr. Neyer ist und diese nach der Bauphase wieder zurückgebaut wird. GVE Hutter Gerhard stellt fest, dass keine sichere Straßenüberquerung beim Kinderspielplatz Dorf möglich ist und fragt, ob schon einmal über einen Zebrastreifen verhandelt wurde. Lt. Vbgm. Langes Wolfgang sollte der Spielplatz im Zuge der Dorfkernplanung wieder verlegt und neu gestaltet werden. Die jetzige Lage ist keine Dauerlösung sondern nur als Übergangslösung gedacht. GV Berkmann Gebhard erkundigt sich zum Thema „Sportplatz mähen“. GR Berkmann Franz-Josef erklärt, dass man sich mit dem Fußballverein darauf geeinigt hat, den Platz selbst zu pflegen und sie dafür eine Pauschale von € 5.000,-- erhalten und beim Bauhof Diesel tanken dürfen. Sollte der Fußballverein den Platz nicht mehr mähen wollen, bleibt – wie auch schon – die Arbeit am Bauhof hängen. GR Berkmann Franz-Josef erklärt, dass es den Veranstaltungsfolder in dieser Form nicht mehr geben wird. Vbgm. Langes Wolfgang hat in einem Gespräch mit Silvia Hinderegger geklärt, dass die Innenseiten des Hohenweiler aktuell für Kultur-Informationen genutzt werden und auf der Rückseite der Müllkalender platziert wird. Somit kann diese Doppelseite heraus genommen werden. Wichtig ist, dass die Termine pünktlich bekannt gegeben werden. Vbgm. Langes Wolfgang informiert, dass eine Petition zum Thema Wassergebühren vorliegt und verliest dieselbe, unterschrieben von Wetzel Josef und DI Dekitsch Anton. Vom Gemeindevorstand kommt der Vorschlag, sich erst wieder im neuen Jahr mit diesem Thema zu befassen, da bis jetzt keine konkreten Zahlen über ein ganzes Jahr bekannt sind. Somit gibt es auch keine Basis für eine Diskussion bzw. Beratung zum jetzigen Zeitpunkt. Diese wird sicherlich frühestens anlässlich der Gebührenfestlegung für das kommende Jahr, wenn entsprechende Zahlen vorliegen, erfolgen können. Vbgm. Langes Wolfgang bedankt sich bei GV Anwander-Sonnewend Theresia – nicht anwesend - für die Organisation vom Willkommensfest für Neuzugezogene, wo auch seitens der Pfarre viel organisiert wurde. Er hofft, dass es diese Veranstaltung öfters geben wird und eventuell auch für Bürger, die schon länger in Hohenweiler wohnen. Vbgm. Langes Wolfgang erinnert die Gemeindevertreter daran, dass sich im Büro des Bürgermeisters für jeden Gemeindevertreter ein Postfach befinde, und bittet um die regelmäßige Entleerung desselben. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Vorsitzende die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die rege Teilnahme und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 21.45 h Der Schriftführer: Der Vizebürgermeister: (Konrad Herbert) (Langes Wolfgang)
  1. hohenweilervertretung
20080910_GVE016 Hohenweiler 10.09.2008 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 10. September 2008 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20:00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad / Pkt. 2 HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HUTTER Pius HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius. Nicht entschuldigt: Entschuldigt: entfällt GV Anwander-Sonnewend Th, Dr., GVE ZOPPEL Alexander und GVE GRATZER Martin Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 18. Juni 2008 3. Angebotsvergabe Projekt Kanal-Ried 4. Notverbund Hörbranz-Hohenweiler: Änderung der Vergabe Spenglerarbeiten 5. Aufhebung des Teilbebauungsplanes (GVE-Beschluss vom 19.12.1996 - eh. Rottmaiergrund Gp. 158/1) 6. Erlassung von Fahrverboten auf Güterwegen (Änderung aufgr. der Novelle d. Güter- u. Seilwegegesetzes) 7. Berichte über Dringlichkeitsbeschlüsse des Gemeindevorstandes 8. Grundsatzbeschluss (Asphaltierung Straße Neubaugebiet-Dorf eh. Rottmaiergrund) 9. Allfälliges Erledigung: 2. Von GR Moosbrugger B. wird nachstehender Antrag auf Änderung bei TP 6 b) eingebracht: Vom Raumordnungsausschuss wird daher vorgeschlagen die gesamte Bautiefe in Bauerwartungsland zu widmen. Diesem Antrag auf Änderung bzw. dem Protokoll der Gemeindevertretung vom 18. Juni 2008 wird anschließend einstimmig zugestimmt. 3. Zum Projekt Kanal – Ried welchem grundsätzlich bereits in der Sitzung am 18. Juni 2008 zugestimmt wurde, haben nachstehende Firmen ein Angebot abgegeben: Dold Tiefbau, Hohenems Swietelsky, Innsbruck Nägele Bau, Sulz Rhomberg Bau, Bregenz Winsauer Bau, Dornbirn Schertler & Alge, Lauterach netto netto netto netto netto netto € € € € € € 156.489,61 158.484,48 161.697,14 181.487,96 189.537,81 195.117,38 Bei der sachlichen und rechnerischen Überprüfung durch das Büro Rudhardt + Gasser, Bregenz, der abgegebenen Angebote, wurden keine Fehler festgestellt, der Vergabevorschlag lautet daher auf den Best- bzw. Billigstbieter Fa. Dold Tiefbau, Hohenems, welchem die Gemeindevertretung auch einstimmig zustimmt. 4. Über Mitteilung des Büro Rudhardt + Gasser, Bregenz welches das Projekt Notverbund Hohenweiler – Hörbranz betreut, können infolge Konkursantrages des Billigstbieters der Fa. Längle DBZ, Hörbranz (Beschluss vom 8. August 2008 Österr. Justizministerium) die Arbeiten nicht an den Billigstbieter vergeben, sondern müssen an den Zweitgereihten in diesem Falle an die Fa. Schaffer, Hard zum Angebotspreis von netto € 3.151,42 vergeben werden. Die Gesamtbaukosten erhöhen sich durch diese Änderung nur geringfügig um ca. netto € 1.300,-. Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig die Vergabe der Arbeiten an den Zweitgereihten (Fa. Schaffer, Hard), zum netto Angebotspreis von € 3.151,42 . 5. Mittels Gemeindevertretungsbeschluss vom 19.12.1996 wurde für den ehem. Rottmaiergrund – Gst.Nr. 158/1 im Dorf ein Bebauungsplan beschlossen, welcher jedoch weder an der Amtstafel veröffentlicht bzw. an die Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt wurde. Die darin enthaltenen Bestimmungen wurden damals nur in einzelne Kaufverträge aufgenommen. In der Sache BV Gstir / Greißing wurde dies auch seitens der Volksanwaltschaft aufgegriffen und die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Bebauungsplan von der Gemeindevertretung mittels eines Formalaktes (sprich Rücknahme des damals beschlossenen Bebauungsplanes) erledigt werden kann, da der ehem. Rottmaiergrund zwischenzeitlich komplett verbaut worden ist. Nach kurzer Diskussion erklärt die Gemeindevertretung einstimmig die Aufhebung des damals beschlossenen Bebauungsplanes (ehem. Rottmaiergrund) – d.h. dass es in Zukunft für dieses Gebiet keinen Bebauungsplan mehr gibt. 6. Bzgl. Erlassung von Fahrverboten auf Güterwegen bringt Bgm. Geissler eine Musterverordnung der Gemeindevertretung zur Kenntnis. GR Moosbrugger Br. (als Obmann zweier Güterweggenossenschaften) hat sich in dieser Sache ebenfalls erkundigt und wie auch aus dem Schreiben der Landesregierung vom 28.7.2008 ersichtlich und hingewiesen wird, dass sämtliche von der Agrarbezirksbehörde Bregenz erlassenen Fahrverbotsverordnungen nicht mehr gültig sind. Dies treffe seiner Meinung nach in Hohenweiler nicht zu, da sämtliche Güterwege bereits in Hohenweiler von der Gemeinde bzw. nach Prüfung durch die Bezirkshauptmannschaft nach der StVO verordnet sind und nicht nach Fahrverbotsverordnungen durch die Agrarbezirksbehörde. Nach intensiver Diskussion wird dieser Punkt einstimmig von der Tagesordnung abgesetzt, die bestehenden Fahrverbote auf den bestehenden Güterwegen geprüft ob bereits nach StVO verordnet usw. und in der nächsten Sitzung darüber berichtet bzw. neu beraten werden. 7. Am 2. Juli 2008 hat der Gemeindevorstand im Sinne der Bestimmungen des § 60 Abs. 3 GG. - einstimmig aufgrund des Vergabevorschlages von Büro Rudhardt + Gasser im Dringlichkeitsweg die Vergabe folgender Arbeiten im Zusammenhang mit der Errichtung der Wasserübergabestation/Notverbund Hohenweiler – Hörbranz beschlossen. Fa. Winsauer, Dornbirn € Fa. Steurer, Holzbau, Buch € Fa. Längle (Neu Schaffer, Hard) € Fa. Stolz, Bregenz € Fa. Siemens, Bregenz € 43.315,17 4.817,28 1.855,57 17.284,38 51.927,60 netto netto netto netto netto Baumeisterarbeiten Installationsarbeiten Spenglerarbeiten Installationsarbeiten Elektroinstallationsarbeiten (An vorstehenden Kosten trägt die Gemeinde Hohenweiler gesamt € 72.782,- ) Die Gemeindevertretung nimmt diese Beschlüsse einstimmig zur Kenntnis. 8. Bürgermeister Geissler J. berichtet über die bereits am 10. November 2004 abgestimmte Sache - Asphaltierung der Zufahrtsstraße im Neubaugebiet, Dorf. Damals wurde einstimmig diese Arbeit an die Fa. Wilhelm & Mayer, Götzis vergeben. Durch die Verweigerung der Zustimmung (Greißing) dass sich Herr Gallautz mit einem Weganteil an dieser Straße einkaufen kann, wurde die Realisierung bisher nicht umgesetzt. Da diese Grundstücke nun alle bebaut sind haben es die Bewohner sicher verdient, dass diese Straße nun asphaltiert wird, da sie ja auch bereits durch die Grundbesitzer (mit dem Weganteil) ursprünglich bezahlt wurde. Von der Gemeindevertretung wird abschließend einstimmig der Grundsatzbeschluss gefasst, in dieser Sache eine neue Ausschreibung über die Asphaltierung (mit einer entsprechenden Asphaltmulde als Begrenzung) zu starten und evtl. auch deutsche Firmen zur Angebotsabgabe einzuladen. 9. Der Bürgermeister berichtet über den Schutz der Wasserquellen in Möggers, die letzten Arbeiten bzgl. Übergabeschacht für die Wasserabgabe an die Gemeinde Möggers sind im Gange. Überlegungen sind vielleicht noch anzustellen bzgl. Erwerb von Grund im Bereich der Zehquelle innerhalb der Einzäunung, und auch im Bereich der Kalbquellen. Bzgl. Zaunanlage (nicht realisieren) im Bereich der Kalbquellen stehe man auch im Kontakt mit der Bezirkshauptmannschaft Bregenz. Das einzige Problem sei dann eben noch der Bereich Anwesen Schwarzmann (Umlegung), welches noch nicht gelöst ist. GV Spieler H. berichtet über ein erhaltenes Mail in der Sache Trinkwasser/Preis von Fam. Dekitsch Marlies u. Anton, Riedstraße. Bgm. Geissler berichtet über das ebenfalls erhaltene Schreiben, welches nach Absprache mit dem Gemeindevorstand, nicht wie ersucht im Hohenweiler aktuell veröffentlicht wird. Außerdem habe sich Herr Anton Dekitsch und Herr Josef Wetzel für die kommenden Amtsstunden des Bürgermeisters in dieser Sache am Freitag bereits angekündigt. GVE Hutter G. erzählt ebenfalls kurz über die Meinungen in seiner Siedlung in Leutenhofen. GV Strauß M. berichtet vom Projekt Alt – Jung sein, welches noch im September 2008 in Hörbranz mit einem Schnupperkurs (von 5 Einheiten) siehe auch Hohenweiler aktuell starten wird. GV Milz Lothar habe erfahren, dass es in Hohenweiler Hunde gibt die nicht zur Hundesteuer veranlagt werden. Dies wird vom Gemeindeamt, wenn es in Erfahrung gebracht wird, sicherlich geprüft. Weiters erkundigt er sich in der Sache Hundekotständer welche beschlossen wurden, aber es anscheinend an der Umsetzung fehle. GV Dür Konrad erzählt von einer Verlegung der Feuerwehrsirene vom Auto – Wetzel, Bubenried. Lt. Bürgermeister führe man Verhandlungen mit einem neuem Standort in der Parzelle Leutenhofen. GVE Achberger Lucia erkundigt sich ob es stimmt, dass im Gemeindeamt keine Hundekotsäckchen erhältlich sind. Lt. Vzbgm. Langes ist dies richtig. GVE Hutter G. berichtet kurz von der stattgefundenen Sitzung des Abwasserverbandes am 3. Juli 2008, Stand der Umbaumaßnahmen Wärmetauscher, weiters ist der RA 2007 beschlossen worden, auch ein Bericht über den hohen Fremdwasseranteil aus Hohenweiler wurde z.K. gebracht. Ein weiterer Punkt war auch eine Diskussion bzw. Überlegung über die Änderung des Investitionskostenschlüssels. GV Berkmann Gebh. erkundigt sich ob in der Sache Grundstücksgrenzen z.B. in der Riedstraße die betroffenen Anrainer über einen Anwalt informiert wurden, dass sie Quasi fremden (sprich öffentlichen) Grund benützen, und nicht dass diese Leute dann behaupten, dass dieses Recht zwischenzeitlich ersessen sei. Lt. Bgm. ist dies in Vergessenheit geraten, jedoch gibt es auch die umgekehrte Sache, dass eine Gemeindestraße z.B. über Privatgrund verlaufe usw.. Lt. Langes W. an die Betroffenen einen Brief zu schreiben, dass daraus kein Rechtsanspruch entstehen dürfe, ist durchaus denkbar od. lt. Spieler H. noch besser eine Mitteilung zu schreiben, dass die Benützung lt. Gemeinde bis aus Widerruf geduldet werde und diese auch im betreffenden Bauakt des Gemeindeamtes dann abgelegt werde. Bgm. Geissler macht in diesem Zusammenhang beim Anwesen Kemter Christoph, Ried darauf aufmerksam, dass eine Bereinigung bzw. der Verlauf des neuen Rad- u. Wanderweges nach Sigmarszell (im Hofbereich) auch noch nicht gemacht wurde. GV Knünz stellt die Frage an den Gemeindevorstand ob heuer ein Gemeindeausflug ein Thema ist. Er wäre nicht abgeneigt einen solchen zu organisieren. Vorschlag wäre ein 2 – tägiger Ausflug nach München (in Verbindung mit einer Radtour durch München sowie Besuch der Allianz Arena) am 10. u. 11. Oktober. Nach kurzer Besprechung ist man der Auffassung, dass dieser Ausflug im Frühjahr April 2009 mit vorgeschlagenem Programm durchgeführt werden soll, da jetzt im Herbst der Termin Marktvorbereitung usw. , und später auch von der Witterung her, nicht mehr so günstig ist. Die Organisation (mit vorgeschlagenem Programm) durch GV Knünz R. für April 2009 wird von der Gemeindevertretung GV befürwortet. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Bürgermeister die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden und wünscht noch einen schönen Abend. Ende der Sitzung: 21:50 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20080618_GVE015 Hohenweiler 18.06.2008 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 18. Juni 2008 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20:00 h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: DÜR Konrad HUTTER Pius HEIDEGGER Ruth HOLZER Anna Elisabeth SUTTER Thomas HAGSPIEL Jürgen NUßBAUMER Maria FESSLER Franz MILZ Lothar FINK Peter jun. SPIELER Heinz, Ing. HUTTER Gerhard, DI BERKMANN Gebhard ACHBERGER Lucia STRAUß Marianne FEURSTEIN Peter KNÜNZ Roland Schriftf.: KONRAD Herbert ANWANDER-SONNEWEND Th., Dr. Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius, HOLZER Anna Elisabeth Nicht entschuldigt: Entschuldigt: GV KEMTER Christoph Vzbgm. LANGES Wolfgang, GVE ZOPPEL Alexander Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden, stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 26. März 2008 3. Präsentation – Projekt Kanal und Wasserleitung Parzelle Ried 4. Reparatur der Hauptleitung sowie Hausanschluss beim Anwesen Schwarzmann 5. Ergänzung der Wassergebühren 2008 6. Verschiedene Widmungsanträge a) Gst. Nr. 122/3 (ca. 1.600 m²) von landw. Freifläche in Bauwohngebiet b) Gst. Nr. 130/1,2 und 129/1 (ca. 2.000 m²) von landw. Freifläche in Bauwohngebiet c) Gst. Nr. 412 (landw. Fläche) als Betriebsgebiet für Pferdezucht mit Aussiedlerhof 7. Förderung von privaten Zufahrtsstraßen (Hauszufahrten) und landw. Hofzufahrten 7a. Förderung von Kikis (Fahrradanhänger) 8. Allfälliges Erledigung: 2. Dem Protokoll der Gemeindevertretung vom 26. März 2008 wird einstimmig zugestimmt. 3. Zu diesem TP begrüßt der Bürgermeister Hr. DI Rudhardt, Bregenz, welcher das Vorhaben der Gemeindevertretung kurz vorstellt. Probleme von Höhenverhältnissen konnten mithilfe einer Trassenvariante durch Aufstockungen und Anlandungen (die Grundbesitzer Hr. Fetz und Hr. Schweitzer wurden über das Ausmaß der Aufschüttungen bereits informiert) behoben werden. Vom Ried aus geht der Kanal entlang des Radweges (Teilstück) und zweigt dann ab zum Hohenweilerbach welcher überquert wird und danach zum bestehenden Pumpwerk Koo. Im Zusammenhang mit dem Kanal ist schon seit längerem eine Wasserleitungsverbindung zwischen Koo und Ried notwendig, da die Druckreduzierung (diese war erforderlich zum Einbau der Wasserzähler) sich negativ auf die Leistungsfähigkeit der dortigen Hydranten auswirkt. Dies wäre durch eine Verbindungsleitung (Ringschluss) zu kompensieren. Zudem verbessert diese für allfällige Reparaturen die Verfügbarkeit der Anlage. Das Kanalprojekt wurde bereits ausgeschrieben (die Vergabe erfolgt noch), das Wasserleitungsprojekt wurde nach diversen Problemen mit den Zustimmungserklärungen der Grundeigentümer am heutigen Tage (18.06.2008) eingereicht, und wird voraussichtlich noch diesen Sommer verhandelt werden. GV Anwander-Sonnewend Theresia erkundigt sich über die Anschlussbereitschaft der Landwirte im Ried an den geplanten Kanal. DI Rudhardt erklärt, dass laut § 4 des Kanalgesetzes (wenn die Voraussetzungen stimmen) die Landwirte befreit werden müssen. Zudem besteht nur seitens der Fam. M. Steurer ein vages Interesse. Der Bgm. erklärt, dass es jedem Landwirt frei stehe an den Kanal anzuschließen, zugleich werde aber kein Landwirt zu dieser Maßnahme verpflichtet. Dem Projekt Kanal und Wasserleitung in der Parzelle Ried wird geschlossen die Zustimmung erteilt. 4. Zu diesem TP wird nochmals die Information von Hr. DI Rudhardt in Anspruch genommen. Hr. DI Rudhardt erklärt das abgeschlossene Verfahren nochmals im groben Überblick. Die beiden Wasseruhren der Wohnobjekte Schönstein 60 und 61 (beide im Besitz von Hr. Schwarzmann) wurden bereits am 8. Mai 2008 seitens des Wassermeisters Hr. A. Halder ordnungsgemäß eingebaut. Weiters erklärt DI Rudhardt nochmals, dass Herrn Schwarzmann nur Brauchwasser verrechnet werden kann, da er sein Trinkwasser bereits von der Gemeinde Möggers bezieht. Preislich wird sich dieses so genannte Brauchwasser höchstwahrscheinlich am bestehenden Tarif der Gemeinde Möggers orientieren, deren Vergleichswerte dem Bgm. vorliegen. Seitens des Bgm. wird noch bekräftigt, dass die gesamte Vorgangsweise schriftlich festgehalten und die Behörde informiert wurde. Zur rechtlichen Ergänzung erklärt der Bgm. zudem, dass bei sämtlichem Gerichtsverfahren und verwaltungsbehördlichen Erledigungen der Gemeinde Hohenweiler Recht gegeben wurde. 5. Der Bgm. erklärt, dass bei der ersten Vorschreibung des Jahres 2008 festgestellt wurde, dass die Wassergrundgebühr (EUR 50,-) nur pro Haushalt festgelegt wurde und nicht pro Betrieb (auch Gewerbebetriebe) und pro Haushalt. Er schlägt eine Ergänzung dahingehend vor, dass die Wassergrundgebühr pro Betrieb (z.B: Autohaus Wetzel, Landwirte usw.) und pro Haushalt (Private) festgesetzt wird, um Missverständnisse in Zukunft zu vermeiden. Diesem Vorgehen wird einstimmig die Zustimmung erteilt. 6. a) Fr. Vonach Brigitte hat ihrerseits den Rechtsanwalt Dr. Batlogg beauftragt ein Schreiben in Ihrem Namen an die Gemeinde Hohenweiler zu richten. Dieses wird von GV Berkmann Gebh. (Obmann Raumordnungsausschuss) vorgelesen. Im Ausschuss wurde dieser Fall bereits bei der letzten Sitzung behandelt und damals abgelehnt. Auch dieses Mal spricht sich der Ausschuss gegen eine Umwidmung aus, da die Häuser Dr. Krenn und Herbert (als Freifläche - Altbestand) gewidmet und weitere Umwidmungen in diese Richtung nicht geplant sind. GR Moosbrugger Br. bemerkt, dass Fr. Vonach im Oberdorf zudem noch über zwei gewidmete, unverbaute Grundstücke verfügt. Dies wird vom Bgm. bestätigt. Des Weiteren hat die Landesraumplanungsstelle eine negative Stellungnahme abgegeben. Die Ablehnung dieses Antrages wird einstimmig beschlossen. b) GV Berkmann Gebh. bringt das Schreiben von Hr. Rupfle Mario vom 8. Februar 2008 zur Kenntnis. Es werden auch Stellungnahmen der direkten Anrainer (Achberger Stefan, Rauch Elmar, Rauch Arno und Boch Walter) vom Bgm. zu diesem Ansuchen verlesen. Im Raumordnungsausschuss wurde dieser Antrag bereits zum zweiten Mal intensiv behandelt, nachdem beim ersten Antrag die Rechte der Zufahrtsstraße ungeklärt waren. Nach Klärung dieser Umstände spricht sich der Ausschuss auch dieses Mal gegen eine Umwidmung einer ganzen Bautiefe wie im vorliegenden Plan dargestellt aus, da unter anderem keine konkreten Bauwerber genannt werden. Vom Raumordnungsausschuss wird daher vorgeschlagen die gesamte Bautiefe in Bauerwartungsland zu widmen. Somit könne dann immer nach Bedarf schrittweise dieses Bauerwartungsland in Bauwohngebiet umgewidmet werden, jedoch nur unter der Voraussetzung, dass konkrete Bauwerber vorhanden sind. GV Knünz R. berichtet über hartnäckige Gerüchte, wonach die Umwidmung bereits beschlossene Sache sein soll, außerdem würden immer wieder diverse Bauwerber aufkreuzen, um die Grundstücke in Augenschein zu nehmen. Nach eingehenden Diskussionen wird der Antrag auf Umwidmung von Teilflächen aus den Grundstücken 129/1, 130/1 und 130/2 in Bauwohngebiet mit den Stimmen von GR Moosbrugger Bruno, GV Heidegger Ruth, GV Nußbaumer Maria, GV Milz Lothar, GV Berkmann Gebhard, GV Strauß Marianne, GV Knünz Roland und GVE Holzer Anna abgelehnt. c) Zu diesem TP habe man lt. GV Berkmann Gebh. die Einreichpläne an die Agrarbezirksbehörde (Hr. Vögel) weitergeleitet bzw. bei dieser vorgesprochen. Dies wurde bereits kurz vor Ostern erledigt, bisher ist aber noch keine Stellungnahme eingetroffen und kann daher leider nicht besprochen bzw. behandelt werden. Somit wird der TP 6 c) einstimmig von der Tagesordnung abgesetzt. 7. Der Bgm. liest einen Aktenvermerk der Agrarbezirksbehörde vor, welche landwirtschaftliche Hofzufahrten auf einer Breite von bis zu 3 m bis zur wichtigsten Einfahrt (sprich Tenne) sowie einen Umkehrplatz in Ausmaß von 25 m² mit einem Zuschuss von 60% fördert. Bisher wurden seitens der Gemeinde private Zufahrtstraßen mit 50% der Kosten für die Asphaltdecke gefördert. Nun stellt sich jedoch die Frage nach dem Maß der Zufahrt. GR Berkmann Fr-J. schlägt vor, dass von den restlichen 40% der Kosten (Gesamtkosten abzüglich 60% Förderung der Agrarbezirksbehörde) 50% seitens der Gemeinde gefördert werden. Einem Vorschlag von GV Spieler Heinz nach einer fixen Pauschale wird seitens GR Berkmann Fr. –J. widersprochen, da die verschiedenen Zufahrten distanzmäßig große Unterschiede aufweisen. Somit wäre ein Fixum einer Pauschale nicht zweckmäßig bzw. gerechtfertigt. Bei landwirtschaftlichen Hofzufahrten wird beschlossen, sich der Vorgehensweise der Agrarbezirksbehörde (d.h. Zufahrten die der Hofbewirtschaftung dienen auf einer Breite von 3 m bis hin zur Tenne oder Milchkammer) anzuschließen. Somit werden in Zukunft 50% der Asphaltkosten abzüglich Förderung der Agrarbezirksbehörde (dzt. 60%) seitens der Gemeinde subventioniert. Es wird ebenfalls einstimmig festgelegt, dass zukünftig die Asphaltdecke (kein Unterbau etc.) auch privater Zufahrtsstraßen (sprich Hauszufahrten) von einer öffentlichen bzw. privaten Straße in einer Breite von 3 m bis hin zur Grundstücksgrenze mit 50% Gemeindezuschuss gefördert wird. 7. a) Bgm. Geissler erklärt, dass in letzter Zeit öfters an die Gemeinde herangetragen werde doch Kikis (sog. Fahrradanhänger) zu fördern. Nach kurzer Beratung wird einstimmig beschlossen einen neu gekauften Kiki mit 150,- Euro zu unterstützen. Voraussetzung ist, dass es sich um einen Kiki Anhänger (Gerät) mit Zertifikat handle. 8. Der Bgm. erklärt, dass derzeit hinter dem hokus Leitungsarbeiten stattfinden. Diese Arbeiten fallen noch in die Garantiezeit, welche aber Ende des Monats verfällt. Gleichzeitig werde Regress (nach Absprache mit dem Rechtsanwalt) gegen die Firma Oberhauser & Schedler geführt. Bgm. Geissler betont, dass diese Arbeiten dringend durchgeführt werden müssen, da sonst auch die Versicherung in einem neuerlichen Schadensfall aussteigen würde. Nach Anfrage von GR Berkmann F.-J. betreffend der Kosten, wird vom Bgm. erklärt, dass diese bei ca. 40.000,- Euro liegen werden. Bezüglich der Tankstellenresolution bringt der Bgm. ein Schreiben der BH Bregenz z. K., in welchem bestätigt wird, dass seitens der Fa. Schindele Handels GmbH an der Errichtung eines Tankstellenbaues auf den Gst. Nr. 63, 428/1 und 429 kein Interesse mehr bestehe. Bgm. Geissler berichtet über die bevorstehende Grenzverhandlung Weg bzw. Waldparzelle Berkmann am 26. Juni 2008 beim Bezirksgericht. Für diese Eintragungssitzung habe er eine Vorladung erhalten. Das U8 Fußballturnier vom 15. Juni 2008 wird vom Bgm. bezüglich der hervorragenden Veranstaltung seitens des Sportclubs Hohenweiler gelobt. GV Knünz Roland berichtet, dass die Vergabe an Hohenweiler nicht nur für das Ansehen ein „großer Wurf“ war, sondern auch finanziell dem SC Hohenweiler (einem kleineren Verein im Lande) dadurch auch etwas unter die Arme gegriffen werden konnte. GV Anwander-Sonnewend Th. berichtet über ein geplantes Willkommensfest (unter der Leitung des Kulturausschusses und der Pfarre) für Bürger, welche in den letzen zwei bis drei Jahren neu hinzugezogen sind. Dieses Fest wird am 27. September 2008 stattfinden. Geplant ist unter anderem eine Besichtigung des Kirchturmes, des hokus und der Volksschule. Eine Umfrage unter den Vereinen betreffend ihrer Mitwirkung an dieser Veranstaltung viel durchwegs positiv aus. Zudem ist eine Sonderausgabe des Hohenweiler aktuell zu diesem Fest in Planung. Außerdem erklärt GV Anwander-Sonnewend Th., dass die Abschlusskonzerte der Musikschule Leiblachtal vor der Tür stehen. Die Termine dieser Veranstaltungen sind der 20. Juni im Kloster Gwiggen und der 28. Juni 2008 im Leiblachtalsaal in Hörbranz. GV Anwander-Sonnewend Th. berichtet über die am 19. Mai stattgefundene Bürgerversammlung in der Hauptschule Hörbranz bezüglich der geplanten Änderungen im Fahrplan des Landbusses Unterland. Weiters bedankt sich GV Anwander-Sonnewend Th. bei der Gemeinde für die finanzielle Unterstützung der Projektwochen von Pflichtschülern. Ein Vorschlag ihrerseits wäre es, die Förderung eventuell auch über die neun Pflichtschuljahre hinaus auszuweiten, da vor allem in höheren Schulen laufend Projektwochen (überwiegend im Ausland – hohe Kosten) anstehen. GV Knünz R. berichtet über den neuen Jugenddrink Kennidi, der am 31. Mai angelaufen ist. Dieser halblitrige, gespritzte Mangosaft wurde im Zuge der Aktion „Mehr Spaß mit Maß“ realisiert. GV Milz L. bedankt sich bei allen Beteiligten (besonders beim Bgm. und Vzbgm.) für die Teilnahme an der diesjährigen Flurreinigung. Seitens der Vereine wäre nächstes Jahr eine regere Beteiligung wünschenswert. Der Bgm. spricht GVE Fink Peter jun. bezüglich einer Begehung des Pfaarwaldes betreffend der Abholzung und Errichtung einer Straße zum bestehenden Wasserwehr (für die Löschwasserversorgung) an. Laut GVE Fink Peter jun. ist jederzeit eine Besichtigung möglich, ein genauer Termin wird noch vereinbart. GV Sutter Th. stellt beim Bgm. die Anfrage bezüglich der Errichtung des Feuerwehrhauses auf dem Betriebsgelände Auto-Wetzel. Diesbezüglich wird ihm seitens des Bgm. mitgeteilt, dass derzeit Stillstand herrsche. Weiters liegt das endgültige Konzept von Hr. DI Hagspiel Edgar noch nicht vor. Dieses sollte nun bis Ende Juli 2008 vorliegen. GVE Hagspiel Jürgen erkundigt sich bezüglich des Angebotes an die Kirche für den Platz neben dem Fußballfeld. Der Bgm. teilt ihm mit, dass das erste Angebot zurückgesandt wurde. Eine Anfrage bei der Raumplanungsstelle hat ergeben, dass diese Sonderfläche jeweils zur Hälfte als Freifläche und zur Hälfte als Bauplatz gewidmet werden kann. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Bürgermeister die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden für die konstruktiven Beiträge und wünscht allen Anwesenden noch schöne Ferien. Ende der Sitzung: 22:30 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20080326_GVE014 Hohenweiler 26.03.2008 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 26. März 2008 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: KEMTER Christoph HUTTER Pius DÜR Konrad HAGSPIEL Jürgen SUTTER Thomas FESSLER Franz NUßBAUMER Maria /z.TP 1 ZOPPEL Alexander MILZ Lothar FINK Peter jun. SPIELER Heinz, Ing. HUTTER Gerhard, DI BERKMANN Gebhard ACHBERGER Lucia KNÜNZ Roland GRATZER Martin ANWANDER-SONNEWEND Th.,Dr. FEURSTEIN Peter z.TP 1 Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius, sowie HAGSPIEL Jürgen und Fessler Franz sowie Zoppel Alexander b.TP 1 Entschuldigt: GV HEIDEGGER Ruth, GV STRAUß Marianne, Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Weiters wird die Reihenfolge der Tagesordnung auf Antrag des Vorsitzenden kurzfristig geändert und somit ergibt sich nachstehende neue Reihenfolge: TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Wasserleitungsumlegung beim Anwesen Schwarzmann, Möggers 3. Wasser- und Kanalbenützungsgebühr sowie Zählermiete 2008 4. Grundsatzbeschluss – Errichtung Gehsteig Hub 5. Grundrückkauf Dreiangel - Bauplatz Gst. 116/14 (Claudia Milz) 6. Rechnungsabschluss 2007 7. Resolution Tankstellenprojekt/e 8. Beratung bzgl. Pflege der Sportplätze SC-Hohenweiler 9. Berichte 10. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 19. Dezember 2007 11. Allfälliges Erledigung: 2. Zu diesem TP begrüßt der Bürgermeister Hr. DI Rudhardt, Bregenz, welcher das Vorhaben der Gemeindevertretung kurz vorstellt. Diese Leitung im Bereich des Anwesens Schwarzmann, Möggers wurde in den 50er Jahren errichtet, bestehend aus einer Graugussleitung, von Hand gegraben, daher auch die Verlegetiefe teils nicht sehr groß. Weiters ist dies derzeit die einzige Transport- bzw. Verbindungsleitung vom Quellschutzgebiet Möggers zum Hochbehälter der Gemeinde Hohenweiler. Die letzten Jahre sind vermehrt Beschädigungen an dieser Leitung teils durch Materialermüdung (Grauguss spröde usw.), teils durch Baggerarbeiten auf dem Anwesen Schwarzmann aufgetreten. Daher nun der Vorschlag vom Büro Rudhardt, Bregenz auch im Interesse von Herrn Schwarzmann welcher ebenfalls bei dieser Sitzung anwesend ist, die bestehende Wasserleitung direkt in den Weg der durch das Anwesen Schwarzmann führt, zu verlegen. Die Variante wie ursprünglich 2007 überlegt in den am Anwesen vorbeiführenden Weg – (Güterweg / öffentlichen Weg) diese Leitung zu verlegen, ist nach genauer Prüfung eher nicht in Betracht zu ziehen. Laut neuem Vorschlag von Herrn Schwarzmann heuer Anfang des Jahres 2008 wäre eine neue Trassierung vorgesehen, welche eine Verringerung der Transportlänge um rund 10% bedeuten würde und auch der Hausanschluss für das Anwesen, welcher dzt. nicht ordnungsgemäß ist, dadurch auch leichter erneuert werden könnte. Dies bzgl. wäre DI Rudhardt nun der Meinung baldmöglichst Verhandlungen mit Hr. Schwarzmann aufzunehmen, auch evtl. eine Dienstbarkeit zu eröffnen bzw. für die neue Wasserleitung zu vereinbaren, und ersucht die Gemeindevertretung diesem Vorhaben näher zu treten. Abschließend wird von der Gemeindevertretung einstimmig der Grundsatzbeschluss gefasst, dass in dieser Sache vom Bürgermeister unter Mithilfe von Hr. DI Rudhardt Gespräche mit Hr. Schwarzmann und weiteren Beteiligten geführt werden können, in weiterer Folge die Gemeindevertretung wieder davon in Kenntnis zu setzen ist damit falls notwendig, auch die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden können. 3. Bgm. Geissler ersucht GR Moosbrugger Br. in dieser Sache die Erläuterungen bzw. Überlegungen des Ausschusses der Gemeindevertretung zu präsentieren. Der Antrag der Hohenweiler Landwirte für eine Reduzierung der Wassergebühren für Viehhaltende Betriebe zur Viehtränke, der bei der letzten Sitzung eingebracht wurde, wird lt. GR Moosbrugger Br. von den Landwirten zurückgezogen. Anschließend werden anhand vorliegender Auflistung bzgl. zweier Abrechnungsmodelle dann nachstehende Gebühren von der Gemeindevertretung eingehend besprochen und für 2008 einstimmig, wie folgt festgelegt: Wasserbenützungsgebühr - Grundgebühr pro Haushalt € 50,und per m³ € 0,26 Wasserzählermiete per Stk./jährlich € 22,Kanalbenützungsgebühr - per m³ € (sämtliche Gebühren sind incl. 10% MwSt.) 4. Vom Amt der Vlbg. Landesregierung liegt das Projekt Gehsteigbau an der L 9 Hub km 0,6 – km 1,0 vor. Es handelt sich dabei um einen Lückenschluss des Gehsteiges in die Parzelle Hub der heuer realisiert werden soll. 1,40 GR Berkmann Fr.-J. erläutert auch noch kurz die Situation bei dieser Errichtung, bzgl. Straßenverlegung der L 9 im Bereich der Geschw. Forster, Hub. Die Gesamtkosten von € 261.000,- werden vom Land mit rd. € 131.000,- und der Gemeinde Hohenweiler mit rd. € 130.000,- getragen. Wobei vom Anteil der Gemeinde noch Bedarfszuweisungen bzw. Strukturförderungsmittel seitens der Landesregierung von rd. 35% bzw. 15% zu erwarten sind, somit verbleiben für die Gemeinde Kosten in der Höhe von rd. € 70.000,- welche auch im Voranschlag für 2008 bereits vorgesehen sind. Die Gemeindevertretung fasst einstimmig den Grundsatzbeschluss für die Errichtung des Gehsteiges in der Parzelle Hub. 5. Im Jahr 1995 hat Fr. Claudia Milz das Gst.Nr. 116/14 (Bauplatz) in der Parzelle Dreiangel von der Gemeinde erworben. Da bis zum heutigen Tage auf diesem Grundstück kein Wohnhaus wie vorgesehen errichtet wurde, macht die Gemeinde nun lt. bestehendem Gemeindevertretungsbeschluss 24. Oktober 2007 vom Rückkaufrecht Gebrauch. Lt. Vzbgm. Langes W. gibt der Gemeindevorstand (nach bereits erfolgter Rücksprache mit Claudia Milz) die Empfehlung an die Gemeindevertretung, Frau Claudia Milz € 75.000,- aus dem Verkaufserlös ihres ehemaligen Grundstückes zur Abdeckung der ihr entstandenen Kosten zu überlassen. Dieser Vorgangsweise stimmt die Gemeindevertretung bei Stimmenthaltung (durch Milz Lothar / Bruder) einstimmig zu. 6. Die Jahresrechnung 2007 ist jedem Gemeindevertretungs- bzw. Ersatzmitglied bereits in der 12. Woche vor Sitzungsbeginn zugestellt worden. Sie wird von Vzbgm. W. Langes wie bereits schon die vergangenen Jahre in bewährter Form zur Kenntnis gebracht, umfasst Ausgaben in der Höhe von € 2.106.616,66 sowie Einnahmen in derselben Höhe. Weiters werden auch die verschiedenen Abweichungen gegenüber dem Voranschlag der Gemeindevertretung erläutert, welche anschließend der Haushaltsrechnung 2007 einstimmige Zustimmung erteilt. 7. Bgm. Geissler bringt das Schreiben der Nachbargemeinde Möggers (Bgm.Bantel) zum beabsichtigten Tankstellenprojekt in Hohenweiler zur Kenntnis. Der Bürgermeister hat sich in der Zwischenzeit bei der BH-Bregenz nochmals bzgl. Antrag erkundigt, welcher nach wie vor aufrecht ist, aber seit der ursprünglichen Vorprüfung die stattgefunden hat derzeit nichts weiter geschehen ist. GR Moosbrugger Br. (auch direkt Betroffener Anrainer) erläutert nochmals kurz die Situation der ersten Besprechung und dass wie sich damals ergab, die Gemeinde leider keinerlei Parteienstellung in diesem Verfahren habe, da es sich um eine gewerberechtliche Angelegenheit handle. Allgemein ist die Gemeindevertretung der Auffassung in dieser Sache eine entsprechende Resolution gegenüber geplanten Tankstellenprojekten (in Hohenweiler) zu verfassen und der Genehmigungsbehörde zu übermitteln. Evtl. sollten auch die Medien (Presse) dann davon verständigt werden. 8. Im Gemeindevorstand fand kürzlich eine Besprechung mit den Verantwortlichen des SC – Hohenweiler bzgl. Pflege der beiden Rasenplätze in Hohenweiler statt. Dabei wurde auch eine Kalkulation dieser Rasenpflege vorgelegt, welche in etwa u.a. für die Mäharbeiten 100 Stunden im Jahr zu einem Stundensatz von € 85,- vorsieht. Darüber hinaus müssen die Plätze mit entsprechender Düngung und mit dem Aufbringen von Sand (heuer) noch versehen werden. Die Übernahme des Düngematerials sowie des Sandes ist sicherlich Gemeindesache. Die Mäharbeiten sind jedoch lt.Gemeindevorstand mit einem zu hohen Stundensatz angesetzt. Nach eingehender Beratung ist man der Meinung bzgl. Mäharbeit dem SC – Hohenweiler bzw. den Verantwortlichen einen Pauschalbetrag dafür anzubieten, welcher vom Gemeindevorstand noch festgelegt wird. 9. Der Bürgermeister berichtet noch über nachstehende Dinge die vom Gemeindevorstand (gem. § 60 Abs. 3 GG.) in Auftrag gegeben bzw. abgehandelt wurden: - Anschaffung eines neuen Quellschachtes (Schweizer Fabrikat) im Quellschutzgebiet Möggers um € 13.990,- zur Verbesserung der Quellableitung im Bereich der Kalbquellen. - für die Studie Feuerwehrgarage bei Auto – Wetzel, Bubenried hat das Architektenbüro Walser & Werle, Feldkirch ein Honorar von € 13.572,- erhalten, und - beim Luggi – Leitner – Lift, Möggers hat man für weitere 10 Jahre die entsprechende Unterstützung (jährl. Kosten von rd. € 800,-) zugesichert. 1 0. Der Bgm. berichtet kurz über die Recherchen zur Ergänzung von Br. Moosbrugger aus dem letzten Protokoll. GR Br. Moosbrugger erklärt, dass diese Sache für ihn erledigt sei. Dem Protokoll der Gemeindevertretung vom 19. Dezember 2007 wird einstimmig zugestimmt. 11. GVE Hagspiel J. erkundigt sich bzgl. Wasserleitungsverlegung beim Kanal Ried, ob diese Leitung nicht in denselben Graben wie der Kanal verlegt wird. Die Wasserleitung würde nur in einem Teil des Grabens mitverlegt, der Rest muss wieder über Privatgrundstücke verlegt werden und darüber ist noch keine Einigung erzielt worden. GV Knünz Roland berichtet kurz von der Rechnungsprüfung bei der Musikschule und über die noch stattfindende Aktion „ Spaß mit Maß „ im Leiblachtal. In diesem Zusammenhang erwähnt auch GV Spieler H. – Gewalt an Schulen, welche sie tagtäglich erleben. GV Milz L. – spricht an sämtliche Anwesenden die Einladung zur diesjährigen Flurreinigung am kommenden Samstag, den 29. März um 9.oo h – mit Treffpunkt beim Feuerwehrhaus aus. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Bürgermeister nochmals beim Wasserausschuss für den Vorschlag bzw. die Ausarbeitung zu den Wassergebühren 2008 und erklärt die Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 23.00 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20071219_GVE013 Hohenweiler 19.12.2007 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 19. Dezember 2007 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad / TP 3 HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne ANWANDER-SONNEWEND Th.,Dr. Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HUTTER Pius HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz FINK Peter jun. HUTTER Gerhard, DI ACHBERGER Lucia FEURSTEIN Peter Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius, sowie HAGSPIEL Jürgen (bis TP 3) Entschuldigt: GV KNÜNZ Roland, GVE HOLZER Anna Elisabeth, GVE ZOPPEL Alexander und GVE GRATZER Martin. Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Bgm. Geissler beantragt die Aufnahme eines weiteren TP 3. und GVE Hagspiel J. stellt ebenfalls einen Antrag um Erweiterung der Tagesordnung um den Pkt. 5., beiden Anträgen wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. Somit verschieben sich die nachfolgenden TP dann jeweils in entsprechender Reihenfolge. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 24. Oktober 2007 3. Erlassung eines Park- u. Halteverbotes beim Mehrzweckgebäude 4. Zeichnungsvollmachten für Giro- und Kreditkonten und Ermächtigung zur Entgegennahme von Barzahlungen 5. Antrag der Hohenweiler Landwirte für eine Reduzierung der Wassergebühren für viehhaltende Betrieb zur Viehtränke 6. Gemeindeabgaben und -tarife für das Jahr 2008 7. Dienstposten- u. Beschäftigungsrahmenplan 2008 8. Voranschlag 2008 9. Allfälliges Erledigung: 2. Zum Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 24. Oktober 2007 ersucht GR Br. Moosbrugger um nachstehende Ergänzung seiner Meinungsäußerung beim TP 5.: Beim damaligen Antrag von Bader Rudi auf Bauerwartungsland sei gesagt worden, dass eigentlich genau dieses Grundstück nicht mehr auf Bauwohngebiet gewidmet werden kann (vom Bgm. erklärt wegen der Hanglage) und jetzt dieser Widmungsantrag von Markus Steurer beschlossen werden soll. (darum habe er eigentlich auch dagegen gestimmt, und nicht aus reiner Willkür, wie aus dem Protokoll sonst vielleicht zu entnehmen ist) Der Bürgermeister wird sich die damaligen Protokolle ansehen und diese Meinung, dann zum Protokoll vom 24. Oktober 07 ergänzen. Anschließend wird dem Protokoll von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. 3. In der Sache Park- u. Halteverbotverbot beim Mehrzweckgebäude berichtet Bgm. Geissler (der extra ein Foto gemacht hat) vom ersten Parkplatz der von einer Gemeindebediensteten benutzt, bereits auch im Vorstand besprochen, und bei Veranstaltungen im hokus auch als Entlade Parkplatz benutzt wird - verkehrstechnisch wäre dies auch möglich. Jedoch ein zweites Auto wie auf dem Foto ersichtlich ist, vertrage es nicht. GV M. Strauß berichtet auch von der Parksituation direkt vor dem Kindergarteneingang um die Mittagszeit, welches auch kein tragbarer Zustand sei. Nach eingehender Diskussion wird der Bürgermeister beide Sachen beim hokus auch bzgl. StVO noch abklären. Abschließend wird von der Gemeindevertretung einstimmig ein Park- u. Halteverbot beim hokus bei der Durchfahrt zwischen Gemeinde und hokus, sowie vor dem Kindergarteneingang beschlossen. 4. Nachdem die bestehenden Zeichnungsvollmachten für Giro- und Kreditkonten bzw. die Ermächtigung zur Entgegennahme von Barzahlungen für die Gemeinde wie berichtet nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind, werden diese einstimmig von der Gemeindevertretung wie bekannt gegeben ab 1.1.2008 neu beschlossen. 5. GVE Hagspiel Jürgen bringt im Namen der Hohenweiler Landwirte den Antrag für eine Reduzierung der Wassergebühren für Vieh haltende Betriebe zur Viehtränke der Gemeindevertretung zur Kenntnis. Allgemein ist man der Auffassung, da bzgl. Wasserverbrauch der einzelnen Haushalte in Hohenweiler keine Aufzeichnungen bekannt sind, dass dieser Antrag sowie auch die Festlegung über die Gebühren beim TP 6 (Wassergebühr, Wasserzählermiete und die Kanalgebühr, bis zur ersten Zählerablesung vertagt werden. Aufgrund des dann vorhandenen Zahlenmaterials (u. a. Hochrechnung) wird dieser Antrag noch einmal auf der kommenden Gemeindevertretungssitzung behandelt und auch die Tarife (Wasser- und Kanalgebühren) für 2008 dann festgelegt werden. 6. Die Gemeindeabgaben und –tarife für das Jahr 2008 werden wie vom Finanzausschuss vorgelegt besprochen, und mit Ausnahme der Punkte 5 b (Wassergebühr), c (Wasserzählermiete), und e (Kanalgebühr) von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen. Da in der ersten Jänner Woche 08 vorgesehen ist sämtliche Wasserzähler in Hohenweiler abzulesen werden die 3 Ausnahmen (Wassergebühr, Zählermiete und Kanalgebühr) nach Auswertung der gewonnenen Daten in der nächsten Sitzung von der Gemeindevertretung dann beschlossen werden. 7. Dem zur Kenntnis gebrachten Dienstposten- u. Beschäftigungsrahmenplan der Gemeinde für 2008 wird von der Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung erteilt. 8. Der Haushaltsentwurf für 2008 der Gemeinde der bereits am 12. Dezember 07 jedem Gemeindemandatar zugestellt wurde, wird in bewährter Form von Vzbgm. Langes W. der Gemeindevertretung präsentiert. Er beinhaltet für das kommende Jahr ein Budget von € 3.550.100,- wie ersichtlich sind einige Projekte u. a. Errichtung des Kanals in der Parzelle Ried, weiters die Fertigstellung des letzten Bauloses beim Gehsteig Hub und auch in der Sache Feuerwehr ist ein evtl. Neubau bzw. die Übersiedlung an eine andere Heimstätte vorgesehen. Abschließend wird dem vorgelegten Haushaltsvoranschlag für 2008 von der Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung erteilt. 9. GVE Hutter G. erkundigt sich wie aus den Medien erfahren bzgl.Tankstelle in Hohenweiler. Der Bürgermeister informiert über den Stand in dieser Sache. GV Spieler H. erzählt über erst kürzlich erlebtes und ersucht für behinderte Friedhofs- u. Kirchenbesucher eine entsprechende Rohlstuhlrampe (beim Kirchenhaupteingang) anzubringen. Es werden Überlegungen bzgl. Befestigungen angestellt werden. GV Berkmann Gebh. ersucht den Gemeindevorstand mit A. Halder in der Sache Schneepflug ein Gespräch zu führen, da er seiner Meinung nach etwas verärgert sei. GV Anwander Th. berichtet in der Sache Landbus Unterland und verteilt den neuen Taschenfahrplan. GVE Achberger L. berichtet noch von einer Benachteiligung (für versch. Hauptschulbesucher, Hörbranz) infolge der Umstellung des Fahrplanes für den Mittagskurs. Th. Anwander hätte die Bitte, dass sie diese Sache bitte direkt per Mail an Hr. Winkler vom Landbus mitteile. GVE Feurstein P. ist der Meinung, dass der bestehende Ortsplan doch schon in die Jahre gekommen sei und ob evtl. Überlegungen mittels GIS einen neuen zu erstellen, schon einmal angestellt worden sind. Dies+bzgl. wird im Frühjahr mit der VKW Kontakt aufgenommen da doch aktuelle Bestandsdaten vorhanden sind, ob so etwas auch zu realisieren ist. Nach keinen weiteren Wortmeldungen beendet der Bürgermeister die Sitzung, bedankt sich bei den Anwesenden, für die konstruktiven Beiträge, lt. seiner Meinung wurde auch kein „Wasserkrieg“ entfacht, u. verspricht das die Sache (durch die Zählerablesung) Wasser- und Kanalgebühren sachlich erhoben wird, und voraussichtlich bis Ende Jänner bzw. Anfang Februar 08 von der Gemeindevertretung in einer neuen Sitzung behandelt bzw. dann auch beschlossen werden können. Weiters resümiert der Bgm. noch kurz das abgelaufene Jahr und wünscht allen ein schönes Weihnachtsfest, schöne Feiertage und ein Glück bringendes, erfolgreiches, gesundes neues Jahr 2008. Ende der Sitzung: 22.40 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20071024_GVE012 Hohenweiler 24.10.2007 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 24. Oktober 2007 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno/TP.2 Gemeindevertreter: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: KEMTER Christoph HUTTER Pius DÜR Konrad HOLZER Anna Elisabeth HEIDEGGER Ruth HAGSPIEL Jürgen SUTTER Thomas FESSLER Franz NUßBAUMER Maria FINK Peter jun. MILZ Lothar HUTTER Gerhard DI SPIELER Heinz, Ing. FEURSTEIN Peter BERKMANN Gebhard Schriftf.: KONRAD Herbert STRAUß Marianne KNÜNZ Roland ANWANDER-SONNEWEND Th.,Dr./TP.2 Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius Entschuldigt: Vzbgm. LANGES Wolfgang, GVE ZOPPEL Alexander, GVE ACHBERGER Lucia und GVE GRATZER Martin. Nicht entschuldigt: entfällt Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Zu Beginn erfolgt noch eine Änderung der Tagesordnung. Es wird der Tagesordnungspunkt 8* teilw. (vorgezogen) aufgrund der Anwesenheit von 3 Feuerwehrmitgliedern. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 18. Juli 2007 3. Zustimmung zur Löschung des Rückkaufrechtes im Grundbuch – Gst. Nr. 158/15 und des 1/8 Anteiles (Weg) in EZ 553 (Netzer Jürgen) 4. Gebrauch des Rückkaufrechtes bzgl. Gst. Nr. 116/14 (Claudia Milz) im Dreiangel 5. Widmungsantrag einer Teilfläche von ca. 900 m² aus der Gst. Nr. 190/1 von landw. Freifläche in Bauwohngebiet 6. Vereinbarung mit der Gemeinde Hörbranz bzgl. Notverbund Wasserversorgung 7. Abschreibung von Vermögensverlusten des Wohnbaufonds 2005 und 2006 8. Berichte 9. Allfälliges Erledigung: 2. Das Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 18. Juli 2007 wird von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt. 8*. Der Bürgermeister berichtet kurz über die bereits am 19. September stattgefundene Besprechung des Gemeindevorstandes mit Wetzel Edwin (Auto-Wetzel, H´weiler) Feuerwehrkommandant A. Moosbrugger und ehem. LFWI Ulrich Welte in der Sache zukünftiges Feuerwehrhaus in der Parzelle Bubenried, da Herr Edwin Wetzel mit einem Kaufvorschlag seines Betriebsgebäudes an die Gemeinde herangetreten ist. In weiterer Folge hat nun die Architektengemeinschaft Walser + Werle ZT, Feldkirch eine Studie in dieser Sache erarbeitet, die der Gemeindevertretung von GR Berkmann Fr.-J. u. Bgm. Geissler mit einzelnen Erläuterungen heute z. K. gebracht wird. Dazu anwesend ist auch FW- Kommandant Alois Moosbrugger mit zwei weiteren Wehrkameraden, der ebenfalls seine Meinung, seitens der FW Hohenweiler abgibt. In dieser Studie ist auch vorgesehen einen gewissen Teil des Bauhofes in diesem Gebäude unterzubringen. Allgemein ist man der Auffassung um in dieser Sache eine weitere Vorgangsweise beschließen zu können, das entsprechendes Zahlenmaterial, sprich Kostenschätzungen, Ausmaß der Adaptierungen usw. vorhanden sein müssen. Lt. Bürgermeister werden nun voraussichtlich bis 14. November d. J. (nächste Sitzung der Gemeindevertretung) entsprechende Zahlen vorliegen, um die weitere Vorgangsweise besprechen zu können. 4. Claudia Milz, Reitmoos hat im Jahre 1995 einen Bauplatz von der Gemeinde im Dreiangel erworben. Die Käuferin verpflichtete sich, spätestens 5 Jahre ab Verbücherung dieses Vertrages auf der Vertragsliegenschaft ein Wohnhaus zu errichten und dieses spätestens innerhalb von 7 Jahren ab Verbücherung dieses Vertrages selbst zu beziehen. Zwischenzeitlich wurde die Verlängerung bis 19.07.2007 aufgrund des GR- Beschlusses 2001 ausgesprochen. Im Falle der Nichterfüllung dieser Verpflichtung hat die Gemeinde nun das Recht, die Vertragsliegenschaft gem. § 1068 ABGB um den in diesem Vertrag vereinbarten Kaufpreis wertgesichert zurückzukaufen. Als Wertmesser wird der vom Amt der Vlbg. Landesregierung verlautbarte Lebenshaltungskostenindex herangezogen. Lt. anschließender Abstimmung (bei Stimmenthaltung von GV Milz L. – Bruder der Bauplatzbesitzerin) macht die Gemeinde Hohenweiler nun vom Rückkaufrecht bzgl. Gst. Nr. 116/14, gebrauch. 5. Zum Antrag Widmung einer Teilfläche von ca. 900 m² aus der Gst. Nr. 190/1 (M. Steurer) von landw. Freifläche in Baufläche Wohngebiet gibt GV Berkmann Gebh. als Obmann die Stellungnahme des Raumplanungsausschusses, in dieser Sache bekannt. Nach abschließender Beratung wird mit den Gegenstimmen von (GR Moosbrugger Br., GV Heidegger R., Sutter Th., Nußbaumer M., Milz L., Knünz R. u. Anwander Th.) dieser Widmungsantrag befürwortet. 6. Im Entwurf liegt die Vereinbarung zwischen der Gemeinde Hörbranz, die der Gemeinde Hohenweiler das Recht einräumt, und auch umgekehrt, künftig Trinkwasser aus der Wasserversorgung zur Not- und Löschwasserversorgung unter Bedingungen zu nutzen, vor. Diese gegenständliche Vereinbarung soll ab dem Tage der Rechtswirksamkeit vorerst auf die Dauer von 10 Jahren abgeschlossen werden. Die Gemeindevertretung erteilt einstimmige Zustimmung zu dieser vorliegenden Vereinbarung. 7. Für die Gemeinde Hohenweiler wurden in den Jahren 2005 und 2006 Wohnbeihilfen in der Höhe von € 37.754,93 ausbezahlt. Die Darlehensforderungen der Gemeinde Hohenweiler zum 31.12.2006 betragen € 72.583,12, die Abschreibungsquote wie vom Amt der Landesregierung bekannt gegeben, beträgt insgesamt € 25.848,97 somit ergibt sich ein neuer Darlehensstand zum 31.12.2006 von € 46.734,15. Diese Darlehensabschreibung ist im Rechnungsjahr 2008 von den Gemeinden im Wege der Umwandlung des abzuschreibenden Betrages in einen verlorenen Zuschuss an den Landeswohnbaufonds zu budgetieren und zu verrechnen. Dieser Abschreibung von Vermögensverlusten des Wohnbaufonds für das Land Vorarlberg für die Jahre 2005 und 2006 bzw. der Verrechnung mit den Forderungen des Landes und der Gemeinden erteilt die Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung. 8*. Bgm. Geissler berichtet von der Aufnahme des 2. Gemeindebediensteten der leider unseren Erwartungen nicht entsprochen hat. Das Dienstverhältnis wurde noch in der Probezeit gelöst. Beim Landbus Unterland war kürzlich eine Besprechung in Hörbranz bzgl. neuer Fahrplanänderung ab Dezember 07, die noch einmal eine Verbesserung der Anschlüsse von und nach Hohenweiler lt. den Ausführungen von GV Anwander Th. mit sich bringen wird. Eine Neuerung wird auch sein, dass die Busse zum Bahnhof Lochau fahren, damit aufgrund der Verkehrslage (Lochau-Bregenz) auf die versch. Regionalzüge umgestiegen werden kann. Es wird auch kurz das Verhalten („Freundlichkeit“) einzelner Chauffeure gegenüber den Fahrgästen angesprochen, dabei bittet Fr. Anwander Th. falls dies wieder einmal vorkommen sollte, möge man sich doch bitte die Uhrzeit bzw. Buslinie merken um solche sogenannte „schwarzen Schafe“ vielleicht dem Landbus Unterland (Hr. Winkler) dann per e-mail melden zu können, damit dieser dann auch etwas konkret unternehmen kann. Der Bürgermeister berichtet noch vom Antrag zur Teilnahme am LEADER-Programm 2007 – 2013 und Antrag auf Mitgliedschaft im Verein Regionalentwicklung Vorarlberg der Gemeinde Hohenweiler. Diese Mitgliedschaft wird die Gemeinde einen jährlichen Beitrag von rund € 0,80 pro Einwohner (HWS) kosten. Nähere Informationen über die Vereinstätigkeit können auf der Homepage http://www.leader-vlbg.at eingeholt werden. Bgm. Geissler berichtet noch über die Abschlussarbeiten (Teeren) beim Gehsteig Gmünd und der versch. Flickstellen im Gemeindegebiet (A. Halder wird sich darum kümmern, dass diese auch noch vor dem kommenden Winter geschlossen werden). Man ist auch der Meinung, dass nach den Arbeiten am Gehsteig der Parkplatz hinterm Gemeindeamt wieder aufgeräumt und mit neuem Kies überzogen bzw. wieder ausgeglichen werden sollte. Auch die Sanierung des Sitzungszimmers bzw. die Malerarbeiten in den Gängen und den WC-Anlagen werden vom Bürgermeister kurz erwähnt. GV Strauß M. berichtet kurz über ein Projekt des Sozialsprengels in Verbindung mit Supro (www.supro.at). Sie macht auch den Vorschlag, dass diesbzgl. der Jugendausschuss der Gemeinde einmal tätig werden sollte, um dieses Projekt auch in unserer Gemeinde umsetzen zu können. Da dieses Projekt auch eine finanzielle Förderung benötigt, ersucht sie die Gemeinde um einen entsprechenden Haushaltsansatz bei der kommenden Budgeterstellung. (evtl. € 1.000,-) 9. Von GV Berkmann Gebh. wird ein Dank ausgesprochen für das Anbringen des Stiegengeländers beim Kirchenhaupteingang. Weiters möchte er auf die sehr gefährliche Situation beim Tennentor des ehem. Linderhauses hinweisen, welches für Kinder kein Hindernis ist um in den Tennen zu gelangen. Im Tennen selbst ist dann die Absturzgefahr von ca. 4 - 5 m sicherlich sehr gefährlich. Weiters wird von GV Berkmann Gebh. kurz die Situation im Kindergarten angesprochen, das Problem war lt. Gemeindevorstand, dass am Nachmittag teils sehr wenig Kinder in den Kindergarten gekommen sind, darum wurde auch die Rückstufung im Beschäftigungsausmaß versch. Kindergärtnerinnen vorgenommen. In der Sache öffentlicher Weg (Klage) nach Schönstein über das Grundstück Berkmann Felix/Rudolf berichtet Bgm. Geissler kurz über die erste Anhörung bei Gericht. GVE Fessler Fr. berichtet über die eingeschränkte Nutzung der von Alwin Halder errichteten Saugstelle im Gmünd, anlässlich des letzen Hochwassers. GV Anwander Th. erkundigt sich bzgl. Verkauf der Tripp-Trapp Stühle des Kindergartens. Durch die oft umständliche Handhabung (in der Praxis nicht bewährt) dieser Stühle, wurde die Umrüstung auf die kleineren Stühle vom Kindergarten her vorgeschlagen, berichtet der Gemeindevorstand, und daher ein Verkauf dieser Tripp-Trapp Stühle beschlossen. GV Anwander Th. erkundigt sich auch über den Weg nach dem Mehrfamilienhaus Diem, ehem. Fischer. Lt. Bürgermeister wird dieser Weg für die Holzbringung bei der Agrargemeinschaft Waldgemeinschaft teils saniert und ausgebaut. GVE Hutter Gerhard gibt eine allgemeine Einladung zum Vortrag von Rochus Schertler „Vorarlberger Kräuterwelten“ am 9.11.07 im Gasthaus Krone in Hohenweiler bekannt, bei dem es sich um einen botanischen Streifzug durchs Ländle handle, und welcher sicher recht interessant sein wird. GV Sutter Thomas erkundigt sich in der Sache Küchenteam im hokus. Dies bzgl. teilt der Bürgermeister bzw. GR Berkmann Fr.-J. mit, dass es voraussichtlich ein Catering geben wird, jedoch noch ausgehandelt werden muss, zu welchen Bedingungen und wie dies im Detail ablaufen sollte. Jedoch unter Umständen auch sehr einfach für Vereine nutzbar sein sollte, der Gemeindevorstand wird sich mit dieser Sache auseinandersetzen. Die kommende Ballsaison wird voraussichtlich sehr eingeschränkt, da ein kurzer Fasching ist. GVE Hagspiel J. erkundigt sich bzgl. Wasserkosten für das kommende Jahr, da es sicher interessant wäre, wie es für größere Verbraucher (z.B. die Landwirtschaft) in Zukunft ausschaue. Der Bürgermeister berichtet, dass man intensiv daran ist, eine entsprechende Gebührenkalkulation zustande zu bringen und GR Berkmann Fr.-J. ist der Meinung, dass man sich bei den Gebühren an die Nachbargemeinden in etwa anlehnen wird. GV Dür K. ersucht um die Montage der Wasseruhr in seinem Betrieb, damit er sich einen Überblick über seinen evtl. Verbrauch machen könne. GV Nußbaumer M. berichtet über die nicht zufrieden stellende Lichtsituation beim Parkplatz hinter dem Gemeindeamt. Der Bürgermeister verspricht, in dieser Sache Bemühungen anzustellen, um dann auch eine entsprechende Lösung zu finden. GVE Feurstein P. macht den Vorschlag anlässlich des vergangenen Herbstmarktes Silvia Hinderegger für die Organisation einmal eine Auszeichnung (z.B.Wellnessgutschein od. sonstiges) zu geben, da diese Veranstaltung (geselliger Treffpunkt) wie gesehen, unbedingt in unserem Ort beibehalten werden muss und nicht wie auch schon einmal erwähnt, nicht mehr stattfinden werde. Vom Bgm. wird dieser Vorschlag zur Kenntnis genommen. GVE Feurstein P. berichtet von Aon-TV (dzt. in Hohenweiler noch nicht möglich) da die Antennenanlage früher od. später im Dreiangel voraussichtlich aufgelassen werde. Er werde dran bleiben und in Erfahrung bringen was seitens der Post für einen evtl. Anschluss erforderlich sein sollte, und gegebenenfalls darüber berichten. Weiters bringt GVE Feurstein P. die Sache Verkehrsspiegel Dreiangel – Dorfstraße in Erinnerung. Bgm. Geissler gibt zu, dass diese Sache in Vergessenheit geraten ist, wird jedoch sofort vorgemerkt werden. GR Berkman Fr. – J. bringt noch einmal das Thema Wassergebühren zur Sprache. Man werde demnächst eine Sitzung im entsprechenden Ausschuss machen, bei der dann auch die Vorschläge über die Gebührenzusammensetzung erarbeitet werden. Bgm. Geissler überreicht GV Ing. Spieler Heinz eine Verleihungsurkunde in der die Gemeinde Hohenweiler, Hr. Heinz Spieler zum Leiter des Archivs in Hohenweiler ernennt. Heinz Spieler bedankt sich für diese Verleihung und teilt mit, dass sie sich über jeden Besucher freuen, der bei ihnen im Archiv in der Volksschule vorbeischaue, (wie z. B. Fessler Franz, od. der gesamte GR welcher auch schon bei ihm gewesen sei) Öffnungszeiten sind momentan jeden Mittwoch von 20.oo h – 22.oo h. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Vorsitzende bei den Anwesenden, für die Teilnahme, ersucht sich keine Sorgen über die Wassergebühren zu machen, Grundgedanke ist sicherlich sparsam mit dem Wasser auch gerade in der Zukunft umzugehen, und erklärt die heutige Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 21.50 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20070718_GVE011 Hohenweiler 18.07.2007 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 18. Juli 2007 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad / TP 3 HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland ANWANDER-SONNEWEND Th.,Dr. Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HOLZER Anna Elisabeth FESSLER Franz FINK Peter jun. ACHBERGER Lucia / TP 2 GRATZER Martin FEURSTEIN Peter Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HOLZER Anna Elisabeth sowie FESSLER Franz bis TP 3 Entschuldigt: GV NUßBAUMER Maria, GVE HUTTER Pius, GVE ZOPPEL Alexander und GVE HUTTER Gerhard, DI Nicht entschuldigt: entfällt Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Zu Beginn erfolgt noch eine Änderung der Tagesordnung. Es wird der Tagesordnungspunkt 6* (vorgezogen) bzw. mit dem TP 3* getauscht. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 9. Mai 2007 3. *Grundkauf für Übergabestation von L. Huber – für die Wasserversorgung Notverbund mit der Gemeinde Hörbranz 4. Vergabe über die Errichtung einer Zaunanlage beim Quellschutzgebiet in Möggers 5. Vereinbarung mit der Gemeinde Möggers wegen Wasserbezug *** 6. *Berichtigung des Grundbucheintrages – Felix/Rudolf Berkmann, Reitmoos 7. Nachbesetzung von verschiedenen Ausschüssen 8. Allfälliges Erledigung: 2. Das Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 9. Mai 2007 wird von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt. 3. Der Bürgermeister berichtet über eine stattgefundene Vermessung von DI Schwindhackl, Bregenz, beim Gst. Nr. 1242/3 (Waldparzelle) von Berkmann Felix in der Parzelle Gehren. Bei dieser Vermessung hat sich herausgestellt, dass die vorhandenen Grenzpunkte gegenüber der Gst.Nr. 1315/1 öffentliches Gut nicht mit dem in der Natur verlaufenden Weg übereinstimmen. D.h. dass bisher bei Benützung des in der Natur bestehenden Weges großteils über das Grundstück 1242/3 im Besitz von Berkmann Felix gefahren bzw. auch gegangen wurde. Nach Aufforderung durch Bgm. Geissler gibt auch Gebh. Berkmann als betroffener Anrainer eine Stellungnahme in dieser Sache ab. Nach Darstellung der Sachlage wird dieser TP von der Gemeindevertretung in weiterer Folge als vertraulich behandelt. Daraufhin verlässt GV Berkmann Gebhard wegen Befangenheit das Sitzungszimmer. 4. Als Maßnahme für das Schutzgebiet der Oberbuchhans-Quellen wurde die Fa. Rudhardt + Gasser, Bregenz mit der Ausschreibung einer entsprechenden Umzäunung der Zeh- bzw. Rädlerquelle beauftragt. Es liegen nun 3 Angebote vor. Blum Helgar, Höchst netto € 21.760,5% Nachlass Köb Johann, Feldkirch netto € 21.999,60 Fesenmeier, Schwarzach netto € 25.137,46 Nach Vorschlag durch die Fa. Rudhardt + Gasser wird die Vergabe über die Errichtung der entsprechenden Zaunanlage an die Fa. Blum Helgar, Höchst zum Angebotspreis netto € 21.760,- (5% Nachlass) von der Gemeindevertretung einstimmig beschlossen. 5. In der Gemeinde Möggers ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Wasserknappheiten gekommen. Einleitend berichtet der Bürgermeister über die Entstehung einer Vereinbarung mit der Gemeinde Möggers und der Gemeinde Hohenweiler welche von der BH Bregenz und der Wasserwirtschaftsabteilung des Landes unter Einbezug der beiden Gemeinden konstruiert wurde. Eckpunkte dieser Vereinbarung sind: Das Wasserbezugsrecht der Gemeinde Möggers wird mit höchstens 3 l/sec aus der Kalbquelle vereinbart. Diese Menge soll ausschließlich der Bedeckung des Trinkwasserbedarfs von an der Wasserversorgungsanlage der Gemeinde Möggers angeschlossenen Objekten dienen. Ein weiterer Verhandlungspunkt war die Gültigkeit der Vereinbarung, welche mit den 3 öffentlich – rechtlichen Bewilligungen (Zeh- Fehr - u.Kalb – Quellen) gültig für die Wasserversorgung in Hohenweiler auf die Dauer von 90 Jahren abgestimmt wurde. Sollte wider Erwarten im Versorgungsbereich der Gemeinde Hohenweiler die quantitative Bedarfsdeckung aus den 3 Quellen nicht möglich sein, ist der Bezug von Zusatzwasser aus der Gemeindewasserversorgungsanlage Hörbranz vereinbart. Entstehende Kosten der Wasserlieferung trägt die Gemeinde Möggers. Sämtliche mit der Errichtung dieser Vereinbarung verbundenen Kosten, Abgaben usw. sind von der Gemeinde Möggers zu tragen. Die Vereinbarung wird nach der heutigen Abstimmung wieder der BH Bregenz übermittelt und dort mit dem Abstimmungsergebnis versehen. Nach abschließender Besprechung wird der vorliegenden Vereinbarung mit der Gemeinde Möggers mit einer Gegenstimme (GV MILZ Lothar) von der Gemeindevertretung zugestimmt. 6. Es ist geplant für die Wasserversorgung von Hohenweiler einen so genannten Übergabeschacht bzw. Notverbund mit der Gemeinde Hörbranz an der Gemeindegrenze (Parzelle Weidach) zu errichten. Dazu benötigt die Gemeinde Hohenweiler entsprechenden Grund vom Besitzer Ludwig Huber, Weidach 1, welcher mit einer einvernehmlichen Grundablöse von gesamt € 5.214,- (aufgeteilt in 10 Jahresraten) einverstanden wäre. Um dieses Projekt realisieren zu können erteilt die Gemeindevertretung dem beabsichtigten Grundankauf von Ludwig Huber einstimmige Zustimmung. 7. Durch die in der Vergangenheit ausgesprochenen Mandatsverzichte ( von 4 Personen ) ist es erforderlich verschiedene Ausschüsse der Gemeinde nach zu besetzen. Den Nachbesetzungen in den Ausschüssen Finanzen, Bauausschuss, Raumordnung u. Landwirtschaft, Überprüfungsausschuss sowie Musikschule Leiblachtal wird einstimmige Zustimmung erteilt. Vom Gemeindeamt werden die entsprechend abgeänderten Ausschusslisten den einzelnen Mitglieder wieder schnellst möglich zugestellt. 8. Vom Bürgermeister wird über den negativen Bescheid bzgl. Umwidmung Gerbis berichtet. Zu den Widmungen generell werden im Jahr nur noch zwei Behandlungstermine – 1 x im Frühjahr und 1 x im Herbst d. J. bekannt gegeben. Auf Vorschlag werden diese Termine der Bevölkerung auch in der nächsten Gemeindezeitung mitgeteilt. Weiters berichtet der Bürgermeister von der Zurücknahme des Widmungsansuchens der Fam. Simma. Bgm. Geissler spricht das Thema Ausflug – evtl. Radausflug der Gemeindevertretung im Herbst (Oktober) an. Vom Bürgermeister wird auch über die Besprechung mit H. Rabanser, Dorf wegen Grundverkauf berichtet – dieser trete unter diesen Umständen von einem Grundkauf zurück. GV Strauß Marianne berichtet von der am 27.August 2007 stattfindenden Aktion ALT. JUNG. SEIN. Lebensqualität im Alter wirkt und macht Freude. Entsprechender Folder wird an die Sitzungsteilnehmer verteilt und auch an versch. Stellen wie der Raiba, Lebensmittelgeschäft usw. aufgelegt werden. GV Heidegger Ruth berichtet über den Druckkostenbeitrag des Landes zum KulturVeranstaltungskalender der Gemeinde. GV Berkmann Gebh. erinnert an den ausgemachten Termin bzgl. Feuerbrandaufnahme heute 19.3o h – dieser wird anschließend an die heutige Sitzung nachgeholt. GVE Gratzer Martin erkundigt sich bzgl. Studie Gemeindeentwicklung – lt. Bgm. werde diese nun voraussichtlich im Herbst der Gemeindevertretung präsentiert. GV Heidegger Ruth ersucht um Vorstellung des neuen Gemeindemitarbeiters (Wucher Jürgen) dies wird sicher im nächsten „hohenweiler aktuell“ erfolgen, lt. Bgm. Geissler. GVE Achberger Lucia erkundigt sich wie es im „hokus“ weitergehe. Gesucht würde ein Team, wie es vorhanden war. Lt. Bgm. werden gerne Vorschläge entgegengenommen, wie es in Zukunft weitergehen könnte. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Vorsitzende bei den Anwesenden, für die Teilnahme, wünscht noch schöne Sommerferien und erklärt die heutige Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 21.45 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20070509_GVE010 Hohenweiler 09.05.2007 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 9. Mai 2007 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. BERKMANN Gebhard STRAUß Marianne KNÜNZ Roland ANWANDER-SONNEWEND Ther. Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HUTTER Pius HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz ZOPPEL Alexander HUTTER Gerhard DI ACHBERGER Lucia FEßLER Josef GRATZER Martin FEURSTEIN Peter Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: entfällt Entschuldigt: GV HOLZER Anna Elisabeth Nicht entschuldigt: entfällt Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Zu Beginn erfolgt noch infolge des Mandatsverzichtes von Wucher S. u. Galehr O. die Angelobung der beiden „neuen“ Gemeindevertretungsmitglieder KNÜNZ Roland und ANWANDER-SONNEWEND Theresia. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 13. Dezember 2006 3. Verkauf einer Teilfläche aus der Gst. Nr. 151/2 u. Gst. Nr. 152/3 - KG Hohenweiler 4. Verschiedene Widmungsanträge a) Teilfläche von ca. 1600 m² aus der Gst. Nr. 637/2 von landw. Freifläche in Baufläche. b) Teilfläche von ca. 700 m² aus der Gst. Nr. 380/2 von landw. Freifläche in Baufläche. c) Teilflächen – ca. 45 m² aus der Gst.Nr. 974/1 und ca. 135 m² aus der Gst. Nr. 974/4 sowie eine Teilfläche von ca.175 m² aus der Gst. Nr. 974/3 von landw. Freifläche in Bauwohngebiet. d) Widmung von 2 Grundstücken – ca. 930 m² aus der Gst. Nr. 149/1 und einer Erweiterungsfläche beim bestehenden Wohnhaus zu einer Gesamtfläche von 964 m² von Bauerwartungsfläche in Baufläche Wohngebiet. 6. Rechnungsabschluss 2006 7. Berichte 8. Allfälliges Erledigung: 2. Das Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 13. Dezember 2006 wird von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt. 3. Aus dem ehem. Boch-Areal Gst. Nr. 151/2 u. Gst. Nr. 152/3 – KG Hohenweiler im Besitz der Gemeinde Hohenweiler ist beabsichtigt die Teilfläche 1 von 80 m² von der Gst. Nr. 151/2 abzutrennen und mit der Gst. Nr. 152/3 (öffentlicher Weg) zu vereinigen, und das gesamte Ausmaß 171 m² zum Preis von € 6.844,- an die Eheleute Hermann u. Brigitte Rabanser, Dorf 29 zu verkaufen. Die Gemeindevertretung beschließt mehrheitlich diesen Tagesordnungspunkt abzusetzen und mit den Eheleuten Rabanser nochmals Kontakt aufzunehmen, da der vorgeschlagene Kaufpreis nicht dem heutigen Preisniveau entspricht. 4. a) Teilfläche von ca. 1600 m² aus der Gst. Nr. 637/2 (Siegfried Fetz) von landw. Freifläche in Baufläche. Obmann Gebh. Berkmann verliest die Stellungnahme der Agrarbezirksbehörde sowie des örtlichen Raumplanungsausschusses zu diesem Widmungsantrag. Nach abschließender Diskussion wird eine Umwidmung von der Gemeindevertretung einstimmig abgelehnt. b) Teilfläche von ca. 700 m² aus der Gst.Nr. 380/2 (Winfried Gerbis) von landw. Freifläche in Baufläche. Dieser Widmung (damaliger Erstantrag) wurde bereits mit Schreiben vom 18.1.2007 (Landesregierung) die Versagung der aufsichtsbehördlichen Genehmigung mitgeteilt, weil für eine Widmung bei der Begründung zwingende Gründe wie Änderung der maßgeblichen Rechtslage und bei wesentlichen der für die Raumplanung bedeutsamen Verhältnisse fehlten. In dieser Sache wird ebenfalls eine Stellungnahme der Agrarbezirksbehörde sowie nachstehende Begründungspunkte des örtlichen Raumplanungsausschusses der Gemeindevertretung z. K. gebracht. Begründung – Angestammte Hohenweiler, eigenes Kind, welches eine reelle Bauabsicht hat, die Familie hat sonst keine weiteren Flächen zur Verfügung, Infrastruktur (Wasser, Kanal, Zufahrt) ist vorhanden, und die Abwanderung ansässiger junger Menschen soll verhindert werden, usw. Nach einer sehr intensiven Diskussion stimmt die Gemeindevertretung mit 8 Stimmen für und 7 Gegenstimmen (GR Langes W., Berkmann Fr.-J., GV Sutter Th., Milz L., Berkmann Gebh., Knünz R. u. Anwander-Sonnwend Th. für die neuerlich beantragte Widmung von landw. Freifläche in Baufläche. c) Teilflächen – ca. 45 m² aus der Gst.Nr. 974/1 (Elbs R.) und ca. 135 m² aus der Gst. Nr. 974/4 (Elbs R.) sowie eine Teilfläche von ca.175 m² aus der Gst. Nr. 974/3 (Giacomuzzi J.) von landw. Freifläche in Bauwohngebiet. Bei diesen Anträgen liegen kleine Teile von Grundstücken bereits gewidmeter Flächen außerhalb des gezeichneten Flächenwidmungsplanes, hier handelt es sich lediglich um eine Plankorrektur mit welcher der Flächenwidmungsplan bereinigt werden kann. Die Gemeindevertretung stimmt abschließender Plankorrektur im besprochenen Ausmaß einstimmig zu. d) Widmung von 2 Grundstücken – ca. 930 m² aus der Gst. Nr. 149/1 (Simma H. u. M.) und einer Erweiterungsfläche beim bestehenden Wohnhaus zu einer Gesamtfläche von 964 m² jeweils von Bauerwartungsfläche in Baufläche Wohngebiet, siehe beiliegende Kopie Planurkunde DI Klocker Planzahl 10140-d06 v. 26.2.2007. In dieser Sache wird auch die verkehrstechnische Stellungnahme v. Amtssachverständigen Hr. Ing. Fitz (Landesregierung) verlesen, da die Zufahrt zu diesen beiden Grundstücken über den Privatweg 149/10 (H.u.M. Simma) wie ersichtlich erfolgen soll. Dieser Punkt wird nach abschließender Diskussion von der Gemeindevertretung einstimmig von der Tagesordnung abgesetzt, bis eine Eintragung des neu zu errichtenden Zufahrtweges nördlich entlang des Grundstückes Nr. 149/11 (S.u.M. Stuckenberg) im Grundbuch veranlasst ist. 6. Vzbgm. Langes W. präsentiert wie bereits in bewährter Form den Rechnungsabschluss 2006, welcher den einzelnen Gemeindemandataren eine Woche vor Sitzung zugestellt worden ist. Dieser beinhaltet Ausgaben in Höhe von € 1.830.841,47 sowie Einnahmen in derselben Höhe. Weiters werden auch die verschiedenen Abweichungen gegenüber dem Voranschlag erläutert. Abschließend wird der vorgelegte Rechnungsabschluss 2006 von der Gemeindevertretung einstimmig zur Kenntnis genommen. 7. Bgm. Geissler berichtet über den schriftlichen Mandatsverzicht von GV Galehr O. Er spricht ihm weiters den Dank über die geleistete Arbeit in der Gemeindevertretung und im Namen derer aus. Der Vorsitzende berichtet über ein Schreiben der Vlbg. Landesregierung, in welchem auch bekannt gegeben wird, dass sich Fr. M. Strauß (Mitglied der Gemeindevertretung) zur Mitarbeit beim Projekt Frauennetzwerk Vorarlberg 2006 – 2010 bereiterklärt hat, und somit auch Frauensprecherin in unserer Gemeinde ist. Der Gemeindevorstand wird bis zur nächsten Sitzung für die ausgeschiedenen Mitglieder S. Wucher und O. Galehr für die Neubesetzung verschiedener Ausschüsse Vorschläge unterbreiten. 8. M. Strauß berichtet vom Ausscheiden von Fr. Gögl beim ABD des Sozialsprengels und deren Nachfolgerin Fr. Seeberger. H. Spieler berichtet in Sache Archiv – Euthanasieprogramm – Kontakt mit dem Heimatverein Meckenbeuren. Gebh. Berkmann ersucht um die Prüfung bzw. das Anbringen eines Geländers beim hinteren Kircheneingang. DI G. Hutter berichtet von der stattgefundenen Flurreinigungsaktion mit Unterstützung der Jungfeuerwehr, es konnten rd. 20 Säcke Abfall und versch. sperrige Abfälle gesammelt werden – er bedanke sich für die Teilnahme bei den Mitwirkenden. M. Gratzer erkundigt sich bzgl. Gemeindeentwicklungsplan und Linderhaus. Es werde versucht evtl. bei der nächsten Sitzung vom GVorstand in dieser Sache zu berichten. J. Hagspiel ersuche, nicht nur alle 5 Monate eine Gemeindevertretungssitzung abzuhalten und zeigt sich erfreut dass dies mit der Arztordination (Donnerstags) in Hohenweiler wieder klappe. J. Feßler gibt bekannt, dass er sich hier in diesem Kreise der Gemeindevertretung nicht Wohl fühle und somit auf sein Mandat als Ersatzmitglied der Gemeindevertretung ab sofort verzichte. Th. Sutter erkundigt sich bzgl. Nachfolge Bewirtung / Küche (V.Rottmaier) der Bälle im hokus – darüber wird man sich in nächster Zeit Gedanken machen und Überlegungen anstellen müssen. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Vorsitzende bei den Anwesenden, für die Teilnahme, wünscht noch einen schönen Abend und erklärt die heutige Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 22.55 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20070301_Heimat_Wolfurt_30 Wolfurt 01.03.2007 Heft 30 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 2007 Bild 1: Die Feuerwehrfahne von 1907. GOTT ZUR EHR; DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR Inhalt: 153. Unsere Feuerwehr 154. Brände in Wolfurt 155. Die Fatt 156. Zoll zahlen 157. Zeitstreifen II 158. Hafoloab Bildnachweis Mohr Hubert 9, 10, 24, 25, 28 Heim Siegfried 2, 29, 32 Sammlung Heim 20, 22, 30, 31 Alle anderen aus dem Archiv der Feuerwehr. Zuschriften und Ergänzungen Konto Das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) wird nach Abschluß des Versandes gelöscht, der Saldo an die Gemeinde abgeführt. Danke für alle bisherigen Zuwendungen! Dank Mit diesem 30. Heft schließe ich die Reihe „Heimat Wolfurt" ab. Ich habe dafür in den letzten Jahren viel Anerkennung erhalten. Daß ich als alter Lehrer noch manch Wissenswertes über unser schönes Dorf in die Wolfurter Stuben tragen durfte, mächt mich glücklich. Ich danke der Gemeinde und an ihrer Spitze vor allem dem Bürgermeister Erwin Mohr für alle Unterstützung und für die finanziellen Zuwendungen, die den Druck ermöglichten. Ein Dankeschön den Lesern für die vielen kleinen und großen Spenden, die einen wesentlichen Beitrag erbrachten. Mein Dank gilt auch den verläßlichen Setzern und Druckern, Erik Reinhard und den Firmen Mayr und Lohs. Nicht vergessen möchte ich meine Frau Friedel, die in all den Jahren die Adressen klebte und viele Anrufe entgegen nahm. Ich hoffe zuversichtlich, daß sich Nachfolger finden, die meine Sammlungen im Gemeinde-Archiv sichten und erweitern und uns noch viel Interessantes über unsere Heimat Wolfurt erzählen! Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 30) in beschränkter Anzahl zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Dazu gibt es auch ein Inhaltsverzeichnis und - ganz neu - ein alphabetisches Stichwort-Register. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Spende. Die Staufer (Heft 29, S. 5) Dieser Artikel verlangt nach kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. AltBürgermeister Hubert Waibel hat das getan und mir viel Wissenswertes zugeschickt. Seit 1423 ist Nürnberg „auf ewige Zeit" als Aufbewahrungsort für die Kaiserkrone bestimmt. Seither mußte sie aber mehrmals vor dem Zugriff feindlicher Heere außer Landes gebracht werden und kam schließlich in die Schatzkammer nach Wien, „bis es wieder einen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gibt". Aus der Inschrift „PER ME REGES REGNANT" leitete man im Mittelalter ab, daß nur der Inhaber der Krone als Kaiser des Reiches legitimiert sei. Daher strebten die Konkurrenten mit allen Mitteln nach ihrem Besitz. Von Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich VI. weiß man, daß sie die Krone auf ihrer starken Stauferburg Trifels bei Annweiler in der Pfalz aufbewahrten. Friedrich IL aber, ständig in Kriege verwickelt und meist in Italien abwesend, wählte nach seiner Krönung im Jahre 1220 die Waldburg bei Ravensburg als geheimes Versteck, wo die ReichsInsignien von treuen Weißenauer Mönchen behütet wurden. Dafür wurden diese denn auch mit den wertvollen Bregenzer Gütern und dem Kellhof Wolfurt belohnt. Nach dem Interregnum wurde Rudolf von Habsburg zwar 1273 in Aachen zum König gekrönt, die Kaiserkrönung in Rom verhinderte aber der plötzliche Tod des Papstes. Da nahm Rudolf die für ihn so wichtige Krone, die man damals noch symbolträchtig als „das riche" bezeichnete, mit auf seine Kyburg in der Schweiz. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bild 2: Aussichtspunkt Buggenstein. Am Fernrohr Adolf Heim. Siegfried Heim Feuersnot und Feuerwehr Feuer ist ein ganz großer Segen für uns Menschen. Es macht unser Leben erst lebenswert. Aber das gleiche Feuer, das die Menschen in der Winterkälte gewärmt und ihr Essen genießbar gemacht hat, das hat oft auch ihre Holzhäuser und das Leben von Menschen und Tieren bedroht und schweres Leid ausgelöst. Mit allerlei Geräten und Vorrichtungen versuchen wir Menschen daher, diese Gefahr abzuwenden. Der Einsatz der Nachbarn und der ganzen Dorfgemeinschaft half schon in alter Zeit mit, Schadensfeuer zu löschen oder wenigstens deren Ausbreitung zu verhindern. Das führte schließlich zur Gründung von vereinsmäßig organisierten Feuerwehren: 1859 in Feldkirch 1861 in Bregenz 1866 in Dornbirn 1877 in Hard 1878 in Schwarzach Am 18. Februar 1888 beschloß der Landtag ein Feuerwehrgesetz. Das war der Auslöser für weitere Vereinsgründungen: 1889 in Wolfurt 1891 in Lauterach. Der Buggenstein (Heft 29, S. 37) In Langen hat Adolf Heim diesen Beitrag besonders sorgfältig studiert. Ihm fiel die genannte „44 Meter hohe Wölbung" des Bodensees auf. Mit einer selbst entwickelten mathematischen Formel ergänzt und korrigiert der erfahrene Segel-Kapitän diese Feststellung. Die Wölbung zwischen Bregenz und dem 46 km entfernten Konstanz beträgt nur 42 m und bis zur Mainau fast gleich viel. Vom Buggenstein aus sind es allerdings bei 49 km Distanz bereits fast 48 m Höhe. Die größte Längserstreckung des Sees von der Bregenzer Pipeline bis zum Westpunkt bei Ludwigshafen ergibt bei 63 km Luftlinie sogar einen Buckel von 78 m! Wir wollten über diesen Buckel drüber schauen. Klarer noch als Föhntage sind sonnige Wintertage. Am 2. November, in der Mittags-Sonne nach dem ersten Nachtfrost, stellte Adolf auf dem Buggenstein sein großes Fernrohr auf. Bei 480 m ü.M steht die Linse 85 m über dem Wasserspiegel des Sees. Man muß also Konstanz sehen. Tatsächlich! Wir sehen nicht nur das große Fährschiff, das gerade Romanshorn ansteuert, sondern dahinter auch deutlich das Konstanzer Münster und natürlich auch den Hohentwiel. Rechts vom Münster erkennen wir die Universität und auf dem Bodanrück den hellen Wasserturm. Jetzt tastet sich unser Auge zum Überlinger See. Den deckt aber das vorspringende Steilufer von Meersburg fast völlig zu. Im Eingang müßte die Mainau liegen. Ihre Bäume lassen sich vom Bodanwald dahinter nicht unterscheiden. So können wir auch das auf 426 m stehende Schloß Mainau nicht eindeutig erkennen. Um so deutlicher sehen wir die Schlösser von Meersburg und von Kirchberg am rechten Seeufer. Aber die Segelboote und auch die großen Fährschiffe vor der Mainau bleiben unserem Auge immer noch hinter der Kimm des See-Buckels verborgen. Für sie ist er noch zu wenig hoch, unser Buggenstein! 4 Das Löschwesen vor der Vereinsgründung Die offizielle Gründung hat eine lange Vorgeschichte. Schon lange vor 1889 organisierte die Gemeinde ihr Feuerlöschwesen immer wieder neu. Von der Feuergefahr am offenen Herd berichtet schon ein Hofsteiger VerhörProtokoll von 1706: „.... das werckh in den Öfen zue döeren thue mann niemahlen verbieten, daraus doch so grosse gefahr entstehe .... " (Nach Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III. S. 520). Demnach hatte der Ammann das Dörren von Werg, von Flachs für die Leinenweber, wieder nicht rechtzeitig verboten. Zum Löschen brauchte man das Wasser aus den Dorfbächen und aus der Ach, das bis ins 19. Jahrhundert meist nur in ledernen Kübeln zu den Brandplätzen geschleppt werden konnte. Die wichtigsten Dorfbäche waren der Tobelbach im Kirchdorf, der Holzerbach für Unterlinden und Strohdorf, der Eulentobelbach an der Hub und der Rickenbach. Im Kirchdorf gab es zwar schon seit 1517 einen Brunnen, aber für Löschwasser reichten auch alle die vielen anderen Brunnen, die ihm nachfolgten, meist nicht aus. Daher wurde Löschwasser in eigenen Feuer-Weihern bereit gehalten. 5 Ein Nachtwächter schaute nach unbeaufsichtigten Feuerstellen aus. Über die Pflichten der „ Wacht" wissen wir aus einem Anstellungsprotokoll vom Jahre 1818: Die Wacht „.... habe alle Nächte am Werktag um 11 Uhr, an Sontag und Feierabend aber um 10 Uhr, dan alle stund aus Rufen bis Morgens 4 Uhr; Welche fleißig auf das feur obacht zu geben hat, wie auch alle Rauferejen und Spatte schwermungen, abhalten, auch auf die übertrettung der Polizeje stunden ob acht zu geben hat...." Der Wächter war also gleichzeitig Dorf-Polizist, der Junge und Alte rechtzeitig nach Hause schicken mußte. Um das Jahr 1800 gab es schon tragbare mechanische Spritzen, von denen die Gemeinde Wolfurt zwei Stück anschaffte. 1834 richtete das Landgericht in Bregenz eine Aufforderung an die Gemeindevertretung, eine fahrbare Feuerspritze anzuschaffen. Sie hätte etwa 400 Gulden gekostet. Weil die Gemeinde aber wegen des gerade erfolgten Kirchen-Neubaus in tiefen Schulden steckte, lehnte sie ab. Eine weitere Aufforderung von 1835 sah jetzt eine Spritze für 700 Gulden vor. Zu teuer! Jetzt wurde der gerade aus der Schweiz nach Wolfurt zugezogene Mechaniker Carl Zuppinger beauftragt, eine solche „Fahr-Spritze" anzufertigen. Nach Überprüfung seines Werkes durch das Kreisamt bezahlte die Gemeinde den stolzen Preis von 750 Gulden. Noch im gleichen Jahr erließ die Gemeinde eine umfangreiche „Feuerordnung", die den Einsatz aller Feuerwehr-Gerätschaften genau regelte. Der Entwurf dazu ist im Gemeindearchiv erhalten geblieben. Das Vierblatt-Papier, auf welchem sechs Seiten eng beschrieben sind, ist heute ein wertvolles Zeitdokument. Es soll daher nachfolgend vollständig abgedruckt und kommentiert werden. Feuerordnung 1838 Ein jeder Dorfmeister hat in hiesiger Gemeinde, nebst der Vorstehung u. Gemeinds Ausschüßen, wenn ein Feuer ausbrechen sollte, die schleunigsten Anordnungen helfen und treffen, und das möglichste mittzuwirken. (Dorfmeister waren gewählte Verantwortliche für die einzelnen Teile der Gemeinde, die aber dem Vorsteher unterstanden. Ausschüße nannte man die Gemeindevertreter.) Zu der Fahrfeuerspritze wird voraus der Gemeinds Aussschuß Martin Schertler bestimmt; u. als Beihülf wird Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid; welche bei ausbrechenden Bränden wie auch in Zwischen Zeiten, besondere Vorsichtsregeln zu beobachten haben, sollte allenfalls im Orte ein Brand ausbrechen, so sollen dieselbe mit Beihülfe, die Spritze von Hand auf den Brandplatz befördern. (Die Verantwortung für die kostbare Spritze vertraute man also neben einigen ört6 lichen Schlossern dem angesehenen Ziegel-Fabrikanten und früheren Vorsteher Martin Schertler aus Unterlinden an, der den Kirchenbau geleitet hatte. Auch die anderen wohnten nahe beim zur Unterbringung der Spritze bestimmten alten Schulhaus. Johann Böhler hatte seine Werkstätte neben dem Unterlinden-Brunnen, Zuppinger ein paar Schritte weiter oben in Draiars Hammerschmiede und Andreas Bildstein im Strohdorf. Seine Schmiede wurde später zu Molars Lädele umgebaut.) Zu der Tragspritze welche dem Lorenz Dür Schmid im Röhle zu Handen genommen werden solle, hat dieselbe in der hiesigen Gemeinde oder benachbarten Ortschaften mit seinen Gehülfen Fr. Jos. Dür, Jos. Ant. Schertler, Gebhard Klocker, Benedikt Dür, Gebhard Geiger, Martin Haltmayer, und Mathias Haltmayer, zu besorgen. (Die erste von den alten Tragspritzen erhielt ihren Platz bei dem Schmied Lorenz Dür im Röhle, der mit seinen Söhnen später die Vorgänger-Schlosserei der Firma Doppelmayr in Rickenbach begründete. Ihm sollten seine Nachbarn im Röhle helfen, darunter J. A. Schertler, Ziegel-Fabrikant und Bruder des oben genannten Altvorstehers, und die reichen Gerber-Haltmayer.) Zu der Tragspritze welche Joseph Böhler Schloßer Spettenlehen bekommt, soll dieselbe mit seinen Gehülfen Michael Sohm, Fr. Jos. Brüstle, Joh. Ant. Höfle, Dietrichs Sohn, Johann Rohner, Andreas Schwärzler, u. Johann Müller Schuster, zu besorgen haben. (Die zweite Tragspritze kam in die Südhälfte der Gemeinde zu Joseph Böhler. Seine Schmiede stand auf dem Platz von Hofsteigstraße 37. Aus ihr stammten auch Josephs Schmiede-Brüder Johann am Unterlindenbrunnen und Jakob, der Vater der Holzer-Schmiede. An der Spritze halfen mit anderen Spetenleher Nachbarn der Kronenwirt Michael Sohm und der Gerber Höfle.) Jewilliger Meßmer soll verpflichtet sein bei ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. (Sturm-Läuten, Lermen-leuthen, war ein noch lange Zeit übliches Warnsignal bei Sturm, Hochwasser, Feuersbrunst und auch in Kriegsgefahr. Erst während des Zweiten Weltkriegs wurde es von den Sirenen abgelöst.) Der Bronnenmeister in Wolfurt hat die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer u. Feuerbronnen im Ort Wolfurt gehörig zu besorgen und bei ausbrechenden Feuerbrünsten im Orte, besonders die Aufsicht zu halten, daß das Wasser benützt werden kann, und so auch jener zu Rickenbach, u. s. w. (Jeder von den fünf Dorfbrunnen hatte einen eigenen Brunnenmeister, der von den Brunnen-Genossen gewählt wurde und für die Instandhaltung der Leitungen und des Troges zu sorgen hatte. „Wolfurt" bedeutet in diesem Zusammenhang das Kirchdorf Wolfurt im Gegensatz zu Ach, Strohdorf und den anderen Teilen der Gemeinde.) Johann Köb hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, daß dieselbe bei ausbrechendem Brand benützt werden kann, u. auch jene zu Wolfurt Strohdorf u. Hub. 1 Fr. Jos. Flatz hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, diese Strohdorf. Joh. Böhler Küffer hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, Hub. Jos. Ant. Schwerzler Weber hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen, zur Linden. Joseph Mohr in Spetenlehen hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen. Lorenz Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. Jakob Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. (Hier erfahren wir also von den sieben „Wasserfallen", an denen die Anrainer mit Hilfe von breiten Brettern die Bäche aufstauen konnten. In Spetenlehen tat dies z. B. Joseph Mohr, der Kamm-Macher und Stammvater der Kampler-Mohr. An der Hub war die Falle beim Haus Flotzbachstraße 1, wo damals Johannes Böhler seine Küferei betrieb. Im Kirchdorf betreute Lorenz Schneider das Sperrbrett. Er besaß das Sammüller-Haus, an dessen Hauswand entlang der Tobelbach vom Brunnen in die Bütze hinab floß.) Zu den Feuerhaken und Feuer Leitern haben zu besorgen Joh. Gg. Rusch u. Michael Lau, Jos. Anton Bildstein Wagner u. Gebhart Höfle Lehrer. (Auch die Haken und Leitern wurden im Schopf des Schulhauses verwahrt. Dort hatten Nachbarn die Verantwortung: Rusch lebte direkt neben dem Schulhaus in einem längst verschwundenen Haus, Michael Lau gegenüber in Festinis Haus. Bildsteins Wagnerei war im Hause Hofsteigstraße 15 und der Lehrer Höfle lebte in einem später bei Eulentobelstraße 1 abgebrannten Haus.) Zu der Sicherheits Wacht werden bestimmt in Wolfurt Jos. Anton Schwerzler Todtengräber u. Andreas Klocker Glaser, In der Mitte im Dorf werden bestimmt Martin Rohner Weber u. Joseph Thaler an der Hub, In Rickenbach Michael Läßer u. Jos. Ant. Böhler. (Die Feuerwache beobachtete nach Beendigung der Löscharbeiten die Brandstätte und verhinderte ein Wieder-Aufflammen der Glut.) Die geflüchteten Wahren zu besorgen in Wolfurt werden bestimmt Jos. Klocker zur Ach u. Xaver Albinger u. Anton Schneider u. Joseph Mayer, In der Mitte Johann Müller u. Joseph Brugman, Joseph Schneider u. Joh. Gg. Höfle Gärber, In Rickenbach G. u. Ant. Rünzler u. Xaver Vonach u. Mart. Schneider u. Mart. Kalb. (Gerettete Möbel, Kleider und auch Tiere mußten versorgt und gegen Diebstahl geschützt werden.) Zu Zabinnen u. Flozer Haken werden bestimmt 1 Johann Müller 2 Joh. Georg Dür 3 Joh. Gg. Mäsch in Rickenbach, 4 Anton Kalb in Spetenlehen, 5 Jos. Ant. Fischer an der Hub, 6 Nicklaus Fischer 8 Strodorf u. Jos. Anton Schwerzler Zimmermann an der Hub, 7 Lorenz Rohner u. 8 Joh. Georg Schwerzler Zimmermann zur Linden, 9. Jos. Anton Mäsch 10 Xaver Geiger 11 Fr. Jos. Schwerzler im Tobel 12 Jos. Ant. Schwerzler Jung 13 Gebhart Geiger in Wolfurt 14 Jos. Anton Rohner Jakobs 15 Joseph Rusch u. Joseph Schwerzler zur Ach. (Ein Zabin ist ein auch heute bei Waldarbeitern noch häufig gebrauchter Haken mit starkem Hebelstiel. Flößerhaken wurden beim Holztriften in der Ach verwendet. Mit den an einer sehr langen Stange sitzenden Haken konnte man auch brennende Dachstühle und hölzerne Hauswände einreißen.) Wolfurt am vorstehenden Leonhard Fink Gmd. Vorsteher (1838) Der erste Teil der Feuerordnung nennt also viele Namen von zur Wehr eingeteilten Mitbürgern. Für diese war er wohl in erster Linie bestimmt. Ausgearbeitet und unterfertigt wurde sie von Gemeinde-Vorsteher Adlerwirt Leonhard Fink. Die Verordnung bedurfte aber einer Genehmigung durch die Oberbehörde. Daher wurde eine gekürzte und in einigen Punkten ergänzte zweite Schrift an das Landgericht in Bregenz eingereicht. Der Entwurf dazu füllt im zweiten Teil des Dokuments weitere drei Seiten: Löbl. kk. Land u. Krim. Gericht Anmit wird von der Gemeinde Wolfurt folgende Feuerordnung mit dem Bemerken vorgelegt, daß die weitere nothwendige Anordnungen, welche der Gemeinde noch nicht bekannt sein können, die gnädige Weißung von dem Gerichte erhalten werden möchte. (Man beachte die unterwürfigen Formulierungen, die in der Zeit des Absolutismus unter den Metternich'schen Beamten üblich geworden waren.) 1.) Bei einem ausbrechenden Brande in der eigenen Gemeinde soll einjewilliger Vorsteher, Gemeinde Ausschuß, und die aufgestellte Dorfmeister zur schleunigen Anordnung bestimmt werden. 2.) Zu der Fahrspritze wird verordnet der Gemeinds Ausschuß Martin Schertler, Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid, wobei bemelter Ausschuß Schertler bei der Fahrspritze besorgt und begwaltiget sein solle, alle mögliche Vorsicht zu treffen, daß wo mit der Spritze in andere Ortschaften ausgefahren werden müßte, daß die Spritze nicht mit mehreren Männern beladen werde, als mit jenen, welche hiezu bestimmt sind, damit man durch Überladung oder Ruinirung derselben nicht gehindert werde. 9 (Im ersten Entwurf ist nur von Einsätzen im eigenen Dorf die Rede, zu denen man die Spritze von Hand ziehen sollte. Jetzt sah man auch Hilfeleistungen in Nachbargemeinden vor, zu denen ein Pferdegespann notwendig war. Schertler wird ermächtigt - begwaltiget -, nicht berechtigte Fahrgäste am Mitfahren zu hindern, um die Spritze nicht zu gefährden.) 3.) Im Falle im Orte selbst ein Brand ausbrechen würde, so solle mit Beyhülfe der Anwesenden Männer, wenn nicht gleich Pferdte vorhanden sind, sogleich mit der Spritze auf den Brandplatz befördert werden. 4.) Da noch zwey Tragmaschinen vorhanden sind, allwo erstere sich im Röhle zu Wolfurt befindet, welche Lorenz Dür Schmid und 8 die nächsten Nachbaren zu besorgen haben. 5.) Zu der zweiten Tragmaschine wird bestimmt, welche zur Hub besteht, der Schloßermeister Joseph Böhler und ebenfalls 8 die nächste Nachbaren, welche dieselbe abwechselnd zu tragen und regieren haben. 6.) Bei einem auswertigen Brandlermen, soll dem ersten Paar Pferdtfiir ihren Eifer und Thätigkeit 2 fl 42 x, dem anderen Paar 2fl, und dem 3ten Par Pferdt 1 fl zum voraus vergütet werden, welch letzteres Par Pferdt die Hauen, Hacken und Leitern nach zuführen hat. ( Ein Gulden - 1 fl, Florin - war damals für einen Bauern viel Geld. Ein halber Gulden hatte 30 Kreuzer - 30 x -. Das war der Taglohn eines Arbeiters. Die ausgesetzte Prämie entsprach also nahezu einem ganzen Wochenlohn.) 7.) Jeder Meßmer soll verpflichtet sein, bei Ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. 8.) Bei jedem Brand im Orte solle besonders von den Bronnenmeister insgesamt, und jene Angränzer bei den Bächen wo schon wirklich Wasserfallen errichtet sind, beobachtet werden, dieselben sogleich herzurichten, daß das Wasser so viel möglich, benützt werden kann. Eben so sollen auch die Müller im Holz, Zuppinger zur Linden, und Müller zu Rickenbach verbunden sein, in all jenen erforderlichen Fällen ihre Weyer auf der Stelle los zu lassen, nicht minder hat der Bronnenmeister und Dorfmeister im Orte Wolfurt die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer und Feuerbronnen daselbst in gehöriger Ordnung zu erhalten und zu besorgen. (Zwei Mühlen standen im Holz hintereinander am Holzerbach, durch den das im Weiher aufgestaute Wasser in Richtung Unterlinden und Strohdorf abgelassen werden konnte. Den gleichen Bach staute der Drechsler und Mechaniker Zuppinger bei seiner zur Spulenfabrik umgebauten Hammerschmiede noch einmal auf. Linden ist die alte Bezeichnung für Unterlinden, das sind die Häuser um den ehemaligen Brunnen an der Frickenescherstraße. Die Mühle in Rickenbach war das heutige Stammhaus Doppelmayr, Rickenbacherstraße 9. Mit der Ort Wolfurt ist wieder das Kirchdorf allein gemeint.) 9.) Könnte man 16 Männer von Holzarbeiter oder Flötzer mit Zapin und kleinen Flötzerhacken aufstellen, wo diese Instrumente in vielen Fällen anwendbar 10 sein türften. 10.) Dann 4 Männer welche mit Beihülfe die großen Feuerhacken und vorhandenen Feuerleitern zu besorgen haben. 11.) Sollten 6 Männer bestimmt werden welche in drey Abtheilungen im Orte der Gemeinde die Sicherheits Wacht zu übernehmen haben und 12.) 4 Männer zu Wolfurt, 4 Männer in Mitte des Dorfes und 4 Männer bei Rickenbach, welch jede Parthei am nächsten ausbrechenden Brand mit 4 Männer die allenfalls geflüchtete Sachen zu verhüten und zu verwahren haben, welche nach der Gerichts Einverständigung die schleunigste Weißung erhalten werden. 13.) Werden zwei Feuerreiter in Antrag gebracht, nemlich Lorenz Schneider zu Wolfurth und Johann Georg Reiner zu Steig bei Rickenbach. (Zusätzlich zum Sturmläuten mit den Kirchturmglocken sollen zwei Reiter den Feueralarm in die ganze Gemeinde hinaustragen. Auf ihren Blasinstrumenten schmettern sie immer wieder ein Signal und rufen dann mit dem alten Ruf „Fürio!" die Dorfgemeinschaft um Hilfe. Lorenz Reiner war der Ahn der Sammüller-Böhler in deren Stammhaus an der Kellhofstraße. J. Gg. Reiner besaß ein Haus am Platz von Hofsteigstraßs 50 auf der Steig, wo später sein Nachkomme Alfred Fischer lebte.) 14.) All übrige welche keine eigene Bestimmung haben, werden verbindlich gemacht, ihre Feuer Kübel oder auch andere Schöpfgeschiere mit sich zu nehmen, und sich bei dem Brandplatze von dem aufgestellten Comando leiten zu lassen. (Es gab also bereits eine vereinsmäßig geführte „Feuerlöschmannschaft". Darüber hinaus waren aber alle männlichen Dorfbewohner zum Lösch-Einsatz verpflichtet. Das galt auch noch nach der Gründung der Feuerwehr im Jahre 1889.) Wolfurt am 10. Xber 1838 (10. Dezember 1838) Leonhard Fink Gmd. Vorsteher Zur sicheren Unterbringung der neuen teuren Fahrspritze wurde im alten Schulhaus an der Hofsteigstraße im August 1839 ein „Spritzenschopf' eingebaut, auch zum „Schläuche aufhänken". Wie die Genehmigung der obigen Feuerordnung ausgesehen hat, wissen wir nicht. Aber schon zwei Jahre später verlangte das Gericht 1840, daß die Gemeinde nun für jedes Haus ein Feuerbeschau-Protokoll anzufertigen habe. In dem dazu vorgelegten amtlichen Formular werden als notwendige „Feuerlöschgeräthschaften" vorgeschlagen: 2 Feuerkübel, 1 Handsprizen, 1 Laterne u. 1 Bottich auf dem Estrich Für die Gemeinde werden im Formular aber vielerlei Geräthschaften verlangt: 1 Fahrsprize 2 Tragsprizen, alle in sehr gutem Zustande, 11 1 Wagen für die Feuerlöschgeräthschaften 4 Feuerleitern 50 andere Leitern 6 Feuerhaken 4 Feuergabeln 10 Feueräxte Mehrere Zapine, Stockhauen und Schaufeln 200 Feuerkübel u. ebensoviel Laternen 2 Weier, Wasserkanäle, die Gemeinds u. Privat Brunnen sind sämtlich in gutem Zustande. Diese Anforderungen hatte Wolfurt in seiner Feuerordnung schon weitgehend erfüllt. Wir dürfen annehmen, daß sich die Gemeinde bei den sehr hohen Zahlen an Leitern, Kübeln und Laternen deutliche Abstriche erlaubt hat, zumal ja schon jedes Haus über mindestens zwei Feuerkübel und einige Laternen verfügte. Etwa ab 1860 bildete sich in Wolfurt, unterstützt von der Gemeinde, ein noch inoffizieller Feuerwehr-Verein heraus. Das erfahren wir aus der Chronik des Ferdinand Schneider, der selbst „Steiger" und auch Hornist bei diesem Verein war (GA, Schneider 3, S. 45). 1870 wurde in Kennelbach Josef Cuprano, der verdienstvolle Gründer von Gesangverein und Kirchenchor Wolfurt begraben. Daran nahmen neben diesen Chören auch ,,Feuerwehr und Blechmusik von Wolfurt" teil. Cuprano war ebenfalls „Mitglied der hiesigen Feuerwehr" gewesen. Noch im Jahre 1871 wurden je ein Nachtwächter für Wolfurt und einer für Rickenbach angestellt. Nach einer Verordnung der Gemeindevertretung vom 10. September 1871 mußte jeder Hausbesitzer am Sonntag-Nachmittag auf dem Kirchplatz Feuerkübel und Laterne vorweisen. Es drohte ihm eine empfindliche Strafe von zwei Gulden. Außerdem mußte jeder an einer Feuerlöschprobe am neuen Weiher teilnehmen. Die Gemeinde übernahm die Kosten für Ausrückungen ihrer „Löschmannschaft" in den Nachbargemeinden (GV-Protokoll 1876). Im Jahre 1887 wurde hinter dem neuen Schulhaus im Strohdorf ein Feuerwehr-Schopf gebaut. Jetzt verlangte das neue Landes-Feuerwehrgesetz von 1888 die Gründung einer offiziellen Wehr. Vorsteher Joh. Martin Schertler, der 1882 auch die erste GemeindeKanzlei eingerichtet hatte, schuf in mehreren Sitzungen die notwendigen Voraussetzungen und legte Statuten vor. Bild 3: Ältestes Feuerwehrbild von 1895. Vorne links mit dem Roßschweif auf dem Helm der erste Kommandant Gebhard Böhler, Schlosser Wolfurter Feuerwehr gegründet 1889 Unter Vorsitz des Rickenbacher Müllers Plazidus Gunz fand am 22. Dezember 1889 im Kreuz die Gründungs-Versammlung statt. Zum Obmann wurde der SpulenFabrikant J.W. Zuppinger gewählt, zum Ober-Kommandanten der Mechaniker 12 Gebhard Böhler („Schlosser" von der Kreuzstraße, ein Sohn des Holzer-Schmieds). Zuppinger lehnte aber die Wahl ab. In der auf den 19. Jänner 1890 in den Adler einberufenen General-Versammlung wurde daher Jakob Schertler, Ziegel-Fabrikant aus dem Flotzbach, zum Obmann gewählt. Unter Ober-Kommandant Gebhard Böhler wurde die Mannschaft in vier Abteilungen gegliedert. Kommandant Jos. Anton Köb, Lehrers, Zimmermann auf dem Bühel, übernahm die „Steiger" für die gefährlichsten Einsätze am Brandherd. Kommandant Joh. Bapt. Böhler, Schmied im Röhle und ein Bruder des Ober-Kommandanten, leitete die Ordnungs-Mannschaft. Kommandant Johann Haltmeyer, Kreuzwirt und Schriftführer der Wehr, war für die Rettungsmannschaft verantwortlich und Kommandant Wilhelm Böhler, Schmied im Strohdorf, befehligte die zahlenmäßig größte Mannschaft an den Spritzen und Schlauchleitungen. Auch zwei Hornisten wurden eingeteilt. (Siehe dazu die Berichte in den Feuerwehr-Festschriften 1973 und 1990!) 13 Bild 4: Fahnenweihe 1907. Fahnenpatin Rosa Köb. Neben ihr Kommandant Josef Anton Schwerzler. Bild 5: Die Feuerwehr 1924 vor dem Vereinshaus. Vorne in der Mitte Kommandant Rudolf Fischer, daneben Ehren-Kommandant J.A. Schwerzler. Schon 1891 erweiterte die Gemeinde den Schopf hinter dem neuen Schulhaus zu einem „Feuerwehrhaus ", aber es war eigentlich nur ein Stadel für Spritze und Geräte. Auch der „Neue Todtenwagen", den die Gemeinde 1884 angeschafft hatte, mußte im Spritzenschopf Platz finden. Ein eigener Laufbrunnen an der Stadelwand versorgte auch die Schule. Eine Gemeinde-Verordnung verpflichtete ab 1894 alle männlichen Gemeindebürger zu einer jährlichen Übung als Hilfsmannschaft der Feuerwehr. Über die recht sparsame Ausrüstung der Wolfurter Wehr gibt eine Statistik Auskunft. (Nach VLA, Vorarlbergische Statistik, 1907). Demnach besaß die Feuerwehr Wolfurt im Jahre 1901: 24 Mitglieder 1 vierrädrige Spritze 1 zweirädrige Spritze 90 Meter Schläuche 9 Leitern, davon 1 freistehend. Inzwischen war man mit der alt gewordenen Fahrspritze nicht mehr zufrieden, besonders weil ihr Wasserstrahl, je nach Leistung der Pumpenmannschaft, recht 14 unregelmäßig und stoßweise aus dem Strahlrohr schoß. Abhilfe sollte ein im Jahre 1890 angeschaffter „Hydrophor" bringen. Das war eine Saugpumpe mit einem Windkessel zum Druckausgleich. Zu ihrer Bedienung wurde eine Mannschaft mit einem eigenen Kommandanten notwendig. Der Hydrophor tat viele Jahre gute Dienste, besonders wenn man von den Feuerweihern oder gar von der Ach her lange Löschwasser-Leitungen bis zur Druckspritze am Brandplatz legen mußte. Erst mit der Inbetriebnahme der Hydranten wurde er überflüssig und daher 1952 zum Abbruch verkauft. Im Jahre 1901 erhielt die Wehr eine auf einen Zweirad-Wagen aufgebaute "mechanische Magirus-Leiter", die sich auf 12 Meter Höhe ausfahren ließ. Sie diente einige Jahrzehnte lang auch dem Gemeinde-Bautrupp, bis man sie nach der Anschaffunng der ersten Auto-Leiter ausmustern konnte. Eine schwere Krise kam 1906. Weil es ihr an finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde fehlte, drohte der Feuerwehr die Auflösung. Noch im gleichen Jahr wurde aber das Mitglied Ferdinand Köb Vorsteher. Ihm gelang es, die Krise zu überwinden. Neue Begeisterung kehrte ein. Es wurde sogar die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen. Mit einem großen Fest konnte diese am 16. Juni 1907 eingeweiht werden. Fahnenpatin war Rosa Köb, die Schwester des neuen Vor15 Bild 6: Die erste Motorspritze 1926. Zweiter von links der neue Kommandant Kolumban Thaler. Bild 7: Die Rettungskolonne 1928. Dritter v..l. der Gründer Johann Heitz. Stehers. 15 Feuerwehren und drei Musik-Kapellen nahmen am großen Festumzug teil. Eine bittere Unterbrechung im Vereinsleben brachte der Weltkrieg mit sich. Mit vielen anderen Mitgliedern mußte auch der kurz zuvor zum Kommandanten gewählte Albert Gmeiner, Lislos, Vater von acht Kindern, sofort einrücken. Er starb schon bei einem der ersten Gefechte. Der alte Kommandant Josef Anton Schwerzler, Murars Seppatone, mußte die Wehr weiterführen und auch die Bekämpfung von drei Bränden während des Krieges leiten. Ein eigenes Kapitel wurde der zum Trocknen der Leinen-Schläuche so dringend benötigte Schlauchturm. Erstmals hatte schon 1904 Gemeinderat Lorenz Gunz, der sich als langjähriger Feuerwehrmann und erstes Ehrenmitglied stets für die Wehr eingesetzt hatte, den Bau eines solchen Turmes beantragt. Auch weitere Vorstöße waren vergeblich, bis endlich 1913 wenigstens die Planung vergeben wurde. Der Weltkrieg verhinderte die Ausführung. Aber auch nach dem Krieg dauerte es noch zehn Jahre, bis Zimmermeister Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, den Bau in Angriff nehmen durfte. Im November 1929 wurde der hohe hölzerne Turm endlich fertig und nun zu einem Wahrzeichen des Schulbereiches in Wolfurt. 1958 wurde er mit dem Spritzenhaus abgebrochen. Inzwischen hatte die Wehr ihre Aufmerksamkeit auch dem Rettungswesen gewid16 met. Die Männer taten ja ihren Dienst oft unter Lebensgefahr und mußten manchmal auch verletzte Haus-Insassen oder freiwillige Helfer versorgen. Im Jahre 1924 war Wagnermeister Johann Heitz, ein ausgebildeter Sanitäter aus dem Weltkrieg, der Wehr beigetreten und hatte sofort einen Sanitätskurs durchgeführt. Im Sommer 1925 beantragte der neue Gemeindearzt Dr. Lecher die Anschaffung eines fahrbaren Krankenwagens. Zusammen mit Heitz gründete er dann eine „RettungsKolonne" der Feuerwehr, deren Gründungsversammlung am 4. Dezember 1927 stattfand. Nach dem Tod von Johann Heitz wurde Anton Klettl 1932 Obmann der Rettungs-Kolonne. Mit großem Einsatz führte er diese, auch noch als sie später als „Rotes Kreuz" ein eigener Verein geworden war. Im Jahre 1926 erhielt die Feuerwehr ihre erste Motorspritze, montiert auf einem gummibereiften Zweirad-Anhänger. Der damals als sehr hoch empfundene Anschaffungspreis lag bei 10 000 Schilling. Die Ausrüstung wurde 1929 noch durch einen Schlauch-Wagen und eine tragbare Motor-Spritze komplettiert. Diese fand ihren Platz in Rickenbach, das damals in einem Anbau an die Kapelle ein eigenes Spritzenhaus hatte und dazu auch einen eigenen „Parzellen-Kommandanten" wählte. In der NS-Zeit durfte die Feuerwehr als einer der wenigen Vereine weiter bestehen bleiben. Kommandant Kolumban Thaler führte jetzt den Titel „Oberbrandmeister" 17 Bild 8: Dr. Lechers Rettungsauto 1938. Links „Oberbrandmeister" Thaler und Rettungsleiter Anton Klettl. Bild 9: Schlauchturm und Spritzenhaus hinter der Schule, kurz vor dem Abbruch 1958. und wurde vom Bürgermeister als „Wehrführer" neu bestellt und angelobt. Noch in Friedenszeit wurde bereits mit Vorführungen auf dem Kirchplatz Fliegeralarm geprobt. Zur Alarmierung wurden im Gemeindegebiet drei Sirenen montiert, die das bis dahin bewährte Sturm-Läuten mit den Kirchenglocken und das AlarmBlasen der Hornisten ablösten. Die Feuerweiher wurden überprüft. Der Schmiedeweiher im Holz wurde 1940 beachtlich vergrößert und mit eisernen Fallklappen versehen, durch welche sowohl der Weiher an der Schloßgasse im Kirchdorf, als auch Draiars Weiher in Unterlinden gespeist werden konnten. Mit einem Fest an der Ach feierte die Feuerwehr im Juli 1939 sogar noch ihr 50jähriges Bestehen. Dann aber kam der Krieg. Die Protokollbücher blieben leer. Die meisten Männer wurden an die Front gerufen. Jugendliche und Schüler ab 14 Jahren sollten ihre Plätze einnehmen. Sie wurden mit Helm und Gurt ausgerüstet und an der Spritze ausgebildet. Ihr einziger ernster Einsatz blieb aber glücklicherweise der Brand des Berger-Hauses 1944 im Oberfeld. Die erste Generalversammlung nach dem Krieg im Dezember 1947 begann, jetzt wieder unter „Kommandant" Thaler, mit einem Totengedenken. Dann aber setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein, der sich natürlich auch auf die Feuerwehr auswirkte. 1952 übernahm Alois Bellmann das Kommando. 18 Damals wurde gerade der erste Teil der neuen Gemeinde-Wasserversorgung in Betrieb genommen. Ein Netz von Hydranten machte ab jetzt die Feuer-Weiher und die langen Schlauchleitungen entbehrlich. Modernes Gerät wurde angeschafft. Als dringend benötigtes erstes Kraftfahrzeug erhielt die Wehr allerdings erst 1955 ihren legendären „Dodge". Es handelte sich um ein etwa 1944 gebautes schweres amerikanisches Armee-Fahrzeug, das nach dem Krieg irgendwo in Kärnten liegen geblieben war. Von dort kaufte es die sparsame Gemeinde preisgünstig und rüstete es für die Feuerwehr um. Der Dotsch besaß eine starke Frontwinde, war mit seiner großen Spurweite und dem robusten Motor sogar für das Befahren steiler Bühel geeignet und leistete auch für den Gemeinde-Bautrupp gute Dienste. Er steht noch heute, nach mehr als 50 Dienstjahren, fahrbereit im Bauhof. Die Feuerwehr arbeitete jetzt eng mit der Gemeinde zusammen. Immer häufiger wurde sie außer zu Bränden auch zu „technischen" Einsätzen gerufen. Sie half bei Überschwemmungen und Vermurungen und pumpte überflutete Keller aus. Bei schweren Verkehrsunfällen beteiligte sie sich an der Bergung von Verletzten und an der Beseitigung von Wracks und von ausgelaufenem Öl. Dazu war eine ganz neue technische Ausrüstung notwendig, die von der Gemeinde mit immer größeren Beträgen angeschafft wurde. 19 Bild 11: Die hölzerne Leiter von 1901. Übung um 1962 beim Haus Braitsch im Oberfeld. Bild 10: Gefährliche Überschwemmung durch den Rickenbach 1957. Bei der ersten Erweiterung des Schulhauses hatten 1958 Spritzenhaus und Schlauchturm weichen müssen. Die Feuerwehr erhielt im Kellergeschoß der Schule erstmals Garagen und einen Schulungs- und Gemeinschaftsraum. Zum Bau der neuen Hauptschule mußte sie diesen aber schon 1969 wieder aufgeben und bis zur Fertigstellung eines eigenen Feuerwehrhauses mit einem unzulänglichen Provisorium im benachbarten Bösch-Stadel das Auslangen finden. Nach 19jähriger verdienstvoller Tätigkeit übergab Alois Bellmann 1970 das Amt als Kommandant an Richard Fischer. Am 21. Juni 1973 konnte das moderne neue Feuerwehrhaus neben dem Schulplatz eingeweiht werden. Damit verbunden waren ein großes Landes-Feuerwehrfest und die Weihe einer neuen Fahne. Fahnenpatin war diesmal Frau Lotte Winder aus Rickenbach. Gegen hundert Feuerwehren und zehn Musikkapellen beteiligten sich an dem Festumzug. In den großen Garagen fanden jetzt neben dem alten Dodge auch der 1961 als Mannschaftswagen angeschaffte Ford-Taunus und all das technische Gerät der Wehr genügend Platz. Zur Förderung von Nachwuchs wurde 1974 eine Jugend-Feuerwehr gegründet. Nach und nach konnten die meisten der gut ausgebildeten Jugendlichen in den Aktivstand übernommen werden. 1975 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Das erste mit Pumpen ausge20 stattete Lösch-Fahrzeug, ein Opel-Blitz, wurde in Dienst gestellt! Dadurch stieg die Schlagkraft der Wehr entscheidend. Als besondere Aufgabe wurde bei der Jahresschlußübung 1975 ein Brand bei Adolf Wüstner im Frickenesch angenommen. Eine Druckrohrleitung von 780 Metern Länge mußte von einem Hydranten an der Kirchstraße über die steilen Hänge ausgelegt werden. Den Höhenunterschied von 90 Metern überwanden drei in Stufen eingebaute Pumpen. In 11 Minuten war die Aufgabe gelöst. Eine Rekordzeit! Aber 11 Minuten wären bei einem Holzhaus zuviel. So wurden denn auch in den folgenden Jahren die Häuser auf den Wolfurter Büheln durch eine ganze Reihe von Hochbehältern und Hydrantenleitungen gesichert. Neue Aufgaben stellten die in der Ebene entstandenen Hochhäuser. Bei der Übung 1976 mußte zur Evakuierung von eingeschlossenen Personen aus einem 5. Stock an der Lerchenstraße die Drehleiter der Feuerwehr Bregenz angefordert werden. Die hölzerne „Magirus"-Leiter von 1901 war längst nicht mehr zugelassen. Erst der „Steiger" von 2005 löste dieses Problem befriedigend. Schon 1977 wurde aber ein erstes großes Tank-Löschfahrzeug eingeweiht, das noch heute als „Tank 2" im Dienst steht. Seither konnten viele Brände bereits im Entstehen gelöscht werden. Auch die eifrige Probenarbeit trug Früchte. Sichtbares 21 Bild 12: Erstes Feuerwehrhaus 1973. Bild 13: Die Feuerwehr 1973. Vorne als 7. v.l. Kommandant Richard Fischer, als 9. Ehren-Kommandant Alois Bellmann. stolzes Zeichen dafür war das Erringen des „Goldenen Helms" für die beste Löschmannschaft des Landes im Jahre 1973. Die gleiche Auszeichnung holten sich die Wolfurter noch einmal im Jahre 1983 und sogar ein drittes Mal 1990. Zunehmend mehr machte sich bei den bis zu 20 Einsätzen im Jahr unangenehm bemerkbar, daß nach dem Sirenen-Alarm zahlreiche Schaulustige zu den Brandplätzen eilten und mit ihren Fahrzeugen die Zufahrt der Wehr blockierten. Zudem hatte es allein im Jahre 1980 fünf Fehl-Alarme gegeben, ausgelöst vermutlich durch Kinder oder Jugendliche. So wurde denn im Jahre 1982 eine „Stille Alarmierung" mit „Piepsern" angeschafft. Seither erfolgen die meisten Einsätze unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die drei Sirenen bleiben aber für Großalarm in Katastrophenfällen in Bereitschaft. Im gleichen Jahr 1982 wurde der Fahrzeugpark durch einen VW-Bus als Kommandowagen ergänzt. Unbekannte Gefahren drohten vom ebenfalls 1982 eröffneten neuen Güterbahnhof der ÖBB. Dort wurden ja neben Öl und Gas noch vielerlei gefährliche Chemikalien befördert und gelagert. Schließlich bildete die Bahnhofsverwaltung eine eigene Betriebs-Feuerwehr, die mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung ab 1986 die Verantwortung übernahm. Sie hält dabei ständig Kontakt mit der Orts-Feuerwehr. Nach Richard Fischer hatten Kurt Rohner und dann 1980 Josef Stadelmann das 22 Kommando übernommen. Ihnen gelang es, zusammen mit einem eifrigen Führungsstab, die große Anzahl von Wehrmännern bei unzähligen Proben ständig neu zu motivieren. Auch die Zusammenarbeit mit der Gendarmerie und der Rettungsabteilung des Roten Kreuzes funktionierte weiterhin vorbildlich gut. Besonders wichtig war aber die Unterstützung der Wehr durch die Gemeinde, die jedes Jahr in ihrem Budget große Beträge bereitstellte. So konnte 1985 ein schweres Bergefahrzeug angeschafft werden. Für seine Verdienste um die Feuerwehr wurde daher Bürgermeister Hubert Waibel, als er 1985 nach 25 Jahren aus seinem Amt schied, zum Ehrenmitglied ernannt. Auch unter seinem Nachfolger Bürgermeister Erwin Mohr konnte sich die Wehr günstig weiter entwickeln. Im Jahre 1987 wurde das Feuerwehrhaus erweitert. Neben großzügigen Garagen besitzt es jetzt zusätzliche Kommando- und Schulungsräume und natürlich auch EDV-Zugang zum einschlägigen Datennetz. Im Dachgeschoß wurde die Musikschule untergebracht. Mit einem dreitägigen Fest wurde 1990 der 100jährige Bestand der Feuerwehr gefeiert. Kommandant Stadelmann konnte jetzt 70 aktive Wehrmänner und 5 Ehrenmitglieder melden. Stolz stellte die Wehr vor den neuen Garagen ihre fünf Fahrzeuge ins Bild. 23 Die Fahrzeuge der Feuerwehr Wolfurt im Jahre 2006 Derzeit verfügt die Ortsfeuerwehr Wolfurt über sechs Einsatzfahrzeuge: Kommando-Wagen, Steiger, zwei Tankwagen, ein weiteres Lösch- und ein BergeFahrzeug. 1. Der Kommandowagen „Einsatzleitung", Baujahr 2003, ist mit Funk- und EDVAnlage und mit Wärmebild-Kamera ausgestattet. 2. Das Hub-Rettungsfahrzeug „Steiger", Baujahr 2005, kann seinen Einsatzkorb bis zu 27 Meter Höhe oder 21 Meter Weite ausfahren. Es besitzt außer einem Wasserwerfer u.a. Notstrom-Aggregat, Scheinwerfer, Atemluft-Anschlüsse und Rettungsgeräte. 3. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 1", Baujahr 2001, ist mit Wasserwerfer, 2000 Liter-Tank und 60 Liter Schaum für den Erst-Einsatz bei Bränden ausgerüstet. Außerdem verfügt es über 13 Meter-Schiebeleiter, Atemschutz, Wärmebildkamera, Rettungsgeräte und vielerlei Werkzeuge. 4. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 2", Baujahr 1977, besitzt ebenfalls Wasserwerfer und 2000 Liter-Tank für den Schnell-Angriff. Mit seinem Anhänger für die Gefahrengut-Ausrüstung ist es speziell für Einsätze am Güterbahnhof und bei Verkehrsunfällen geeignet. 5. Ein weiteres Löschfahrzeug, Baujahr 1998, mit Schlauch-Anhänger kann zusätzlich schnell bis zu 600 Meter Schlauchleitung auslegen und damit den Steiger und die Tankwagen mit Löschwasser versorgen. 6. Das Bergefahrzeug „LF-B", Baujahr 1985, besitzt eine 6 Tonnen-Seilwinde und ein 8 Tonnen-Hebekissen und dazu vielerlei Lösch- und Rettungsgeräte. Eher aus Nostalgiegründen pflegt die Gemeinde in ihrem Bauhof als „Oldtimer" auch noch den alten „Dodge", Baujahr 1944. Er war ursprünglich ein amerikanisches Militär-Fahrzeug und wurde 1955 zum ersten Wolfurter Feuerwehrauto umgerüstet. Bild 14: Die alte Fahne von 1907. Linke Seite mit dem Gemeindewappen. Bild 15: Die neue Fahne von 1973. 1998 wurde Gerhard Pehr zum neuen Kommandanten gewählt. Unter ihm konnte die Wehr ihren Fahrzeugpark großzügig ergänzen und modernisieren. 1998 wurde ein weiteres Löschfahrzeug angeschafft und 2001 ein zweiter großer Tankwagen „Tank 1". 2003 ersetzte ein mit allen Kommunikationsgeräten ausgestatteter Kommandowagen den 20 Jahre alten VW-Bus. Krönung der modernen Ausrüstung wurde aber 2005 der große „Steiger", der seine Einsatzbühne bis zu 27 Meter Höhe ausfahren kann. Damit verfügt unsere Feuerwehr jetzt, ohne den alten Dodge, über sechs leistungsfähige Fahrzeuge. Diese Fahrzeuge erfordern natürlich mit ihrer reichen Ausstattung und den unzähligen Geräten eine ausgedehnte Probentätigkeit und unerhörten Einsatz von Wehrmännern und Funktionären. Dafür planen Feuerwehr und Gemeinde bereits den Bau eines großen neuen Hauses für Kommando, Ausbildung und für die umfangreiche Ausrüstung. In allen Notsituationen soll sich die Bevölkerung unserer Gemeinde gut behütet und beschützt wissen. Sie schätzt es aber auch, daß die Feuerwehr als blühender Verein einen großen Beitrag im Gemeinschaftsleben unserer Gemeinde leistet. Dank und Anerkennung gebühren ihr auch für die Verdienste um die Erziehung und Förderung der Jugend und für den Einsatz im Ordnungsdienst bei vielen festlichen Anlässen. „Gott zur Ehr! Dem Nächsten zur Wehr!" 24 25 Bild 16: Der Dodge von 1955, Baujahr 1944. Als erstes Feuerwehrauto transportiert er Mannschaft und M otorspritze. Bild 18: Der erste Tank-Wagen von 1977. Einweihung durch Pfarrer Willi. Bild 17: Zweites Feuerwehrauto von 1961. Der Kombi „V 58". Bild 19: Der „Steiger" von 2005. Ein ganz modernes Fahrzeug! 26 27 Siegfried Heim Brandkatastrophen Immer wieder haben Schadenfeuer Dörfer und Städte heimgesucht, Menschen und Tiere bedroht, Hab und Gut vernichtet. Die häufigsten Ursachen für die verheerenden Feuersbrünste waren in den vergangenen Jahrhunderten: Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde noch in den meisten Häusern auf offenem Feuer unter einem aus Ruten geflochtenen Kaminschurz gekocht. Sorglos aufgestapeltes brennbares Material oder zum Trocknen aufgehängte Kleidungsstücke waren gefährdet, besonders weil die Küche ja dem Zugwind offen stand. Auch heute ist fahrlässiger Umgang mit Feuer und Glut noch oft die Ursache von Brandschäden. Licht Hantieren mit Fackeln und mit Kerzen, dazu das Tabakrauchen, brachten Feuer in Schlafkammern und in Ställe und Scheunen. Elektrizität Elektrisches Licht gab es in Wolfurt schon ab 1900, aber anfangs war es wegen fehlerhafter Installationen ebenfalls eine häufige Brandursache. Schadhafte Leitungen und Überlastung sind eine Gefahrenquelle geblieben. Blitzschlag Selten, aber doch immer wieder zündeten Blitze Häuser an. Brandstiftung Im Mittelalter eine häufig gebrauchte Form des grausamen Krieges. Später nur mehr von kriminellen Tätern, vereinzelt auch am eigenen Haus. Manchmal zündeln auch spielende Kinder. Herdfeuer Großbrände im ganzen Land Chroniken und Geschichtsbücher berichten von zahlreichen schrecklichen Brandkatastrophen in Vorarlberg. Hier eine kleine Auswahl: 1079 brannte Abt Ulrich von St. Gallen die Stadt Bregenz nieder. Nachdem Graf Wilhelm von Bregenz 1405 Hard verbrannt hatte, legten die 1406 ins Land eingefallenen Appenzeller Götzis, Hohenems und Lauterach in Schutt und Asche. Die mittelalterliche ^tadt Feldkirch brannte gleich viermal: 1348, 1460, 1603 und noch einmal 1697. Dem letzten Großbrand fielen dabei 150 Häuser zum Opfer. Das ebenso in Stadtmauern eingeengte Bludenz mußte ebenfalls viermal neu aufgebaut werden: 1444, 1491, 1638 und 1682. Bei einem weiteren Stadtbrand kamen 1581 in Bregenz 40 Menschen um ihr Leben. In Lauterach wurden im ersten Franzosenkrieg 1796 sieben Häuser niedergebrannt. 1798 brannte das große Kloster Hirschthal in Kennelbach ab. Dabei verbrannten sechs Klosterfrauen. 28 Im 19. Jahrhundert gab es in dreizehn Dörfern in Vorarlberg größere Brände, in Parthenen 1800, Götzis 1843, Hohenems 1848, Fußach 1854, Schröcken 1863, Nüziders 1865, Lingenau 1866, Schnifis 1868, Satteins und Mellau 1810, Meschach 1890, Mäder 1891 und in Nenzing 1895. Allein in Nüziders wurden 1865 insgesamt 65 Häuser von den Flammen vernichtet. (Nach der Chronik Schneider 3 im GA) Der Historiker Franz Häfele bestätigt (in „Holunder" 1931, 21) die meisten dieser Brände. Er vermerkt dazu, daß man 1460 in Feldkirch den ertappten Brandstifter Hans Gilg gleich auch „zu Aschen verbrannt" habe. Auch in Bludenz wurde 1638 der Brandleger Martin Ratgeb „gefangen und verbrennt". Vom Bezirksamt kamen immer wieder Hilferufe an die Gemeindevertretung, in denen um Spenden für betroffene Orte in unserem damaligen Land Tirol gebeten wurde. Aus dem Jahr 1862 liegen drei davon vor: Im Februar waren 100 Häuser in Mezzana/Male abgebrannt, im Juli 140 Häuser in Borgo/Valsugana und im November noch 54 Häuser in Stilfs bei Glurns. Die daraus erwachsende Not trug dazu bei, daß in den folgenden Jahren viele obdachlose Familien aus dem Südteil des damaligen Tirols in die Industriedörfer nach Vorarlberg auswanderten. Bei uns war die Gefahr von Dorfbränden durch Vorsichtsmaßnahmen, vor allem aber durch den Einsatz der vielerorts gegründeten Vereins-Feuerwehren, stark gesunken. Im 20. Jahrhundert brannten 1916 an der Bahnhofstraße in Schwarzach fünf Häuser nieder. In Ebnit zerstörten 1927 die von der Säge ausgehenden Flammen Schule, Kirche und Pfarrhaus. Der allergrößte Dorfbrand traf im Sommer 1934 das Walserdorf Fraxern, wo im Föhnsturm 32 Häuser in Asche sanken. Letzte größere Brandkatastrophen brachte der Krieg 1945 mit sich. In der Innenstadt von Bregenz wurden 80 Häuser durch Granaten und Brandbomben zerstört. Aber auch Götzis mußte zwei Tage später den Verlust von 12 Häusern auf sich nehmen. Wolfurt war also, so weit wir die Geschichte kennen, von Dorfbränden verschont geblieben, obwohl sich auch bei uns zahlreiche Holzhäuser in den einzelnen Parzellen eng aneinander drängten. Brände in Wolfurt Aufzeichnungen über die sicher vorgekommenen Einzelbrände in früheren Jahrhunderten fehlen weitgehend. Eine Ausnahme bilden zwei Notizen von Ammann Fischer in seiner Chronik: „... 1751 den Uten Mertzen sind zue rikhenbach drey häußer, von wegen schlechter sorgung Feür offen floder ver brenth worden, in dem oberdorff und 1789 den 7ten Winthermonat sind zue rikhenbach im ober dorff 2 häußer ver brunnen worden, wegen einem stall licht morgen 6 Uhr. " (Aus GA, Adlerwirts Haus-Chronik, S. 66. Ein Floder war ein Tuch an einem Stiel, das zum Auswischen des Backofens verwendet wurde. An der Glut hatte es Feuer gefangen.) 29 Erst ab 1846 gibt es dann genauere Daten. Von einem besonderen Brand berichtet ein Protokoll im Archiv. Am 29. März 1846 setzte ein Blitzschlag den „Pfarrkirchen Thurn " in Brand und verursachte einen großen Schaden. Die aufwendige Reparatur schob die längst fällige Einweihung der neuen Kirche noch einmal bis 1849 hinaus. Ab jetzt ließ die Gemeinde ihre wichtigsten Gebäude versichern und bezahlte dafür jährlich „Assekuranz"-Geld: 1/. Für die Pfarrkirche u. Thurn 15 fl 2/. für Pfarrhaus 2 fl 3/. für das Kaplanhaus 2 fl 4L für das hiesige Schulhaus 1 fl 20 x Summa 20 fl 20 x österreichische Währung Die Prämienhöhe sagt etwas über die Geringschätzung des alten Schulhauses gegenüber dem neuen Kaplanhaus aus! (GA, Nota 52 in Schachtel 1859) Bild 20: Ammann Fischers Chronik berichtet von einem Großbrand 1751 in Rickenbach. Die Reihe der Brände im 19. Jahrhundert 1.) Aus dem gleichen Jahr 1846, in welchem der Kirchturm brannte, wird auch erstmals von einem abgebrannten Haus berichtet. Es war das Haus C 178 im Flotzbach und stand an dem Platz, wo später das Haus Flotzbachstraße 18 (Elmar Schertlers) gebaut wurde. Als allerältestes Haus im Flotzbach war es 1819 errichtet worden und stand jetzt im Besitz von Kaspar Köb, dem Stammvater von Bäschle-Köbs im Flotzbach. Nach der Überlieferung soll er einem obdachlosen Burschen im Heu Unterschlupf gewährt haben, der dann durch seine Unvorsichtigkeit das Haus in Brand setzte. Der Chronist Ferdinand Schneider, der wie vor ihm sein Vater, als Vertreter der „Assicuratione Generali" die Feuerversicherungen betreute, zählte in seiner Chronik (GA, Schneider 3, S. 296) die Brände zwischen 1846 und 1913 auf. Die Liste ist allerdings nicht ganz vollständig und auch zeitlich nicht richtig gereiht. Sie deckt sich nur teilweise mit der „Vormerkung" von 1915 im Protokollbuch I der Feuerwehr. Aber auch dort fehlen die Brände bei Putzers im Schlatt 1911 und bei Schwerzlers auf der Steig 1914. In der folgenden Reihung bezeichne ich die Häuser mit den C-Nummern, die bis 1900 verwendet wurden. Ab 1900 galten dann bis 1953 die neuen D-Hausnummern. 2.) Als zweites verbrannte am 2. April 1855 in Rickenbach das ganz neue Haus C 230 1/2 im Garten von Dornbirnerstraße 3, in der Ecke gegen den Gasthof Adler. Es stand im Besitz von Joh. Gg. Gmeiner, von dem die Lutzo-Schrinar abstammen. Auf dem Brandplatz baute später der Adlerwirt Fischer seine Brauerei. Daraus sind eine Metzgerei und schließlich ein Laden geworden. Der dritte Brand traf im August 1869 den größten Bauernhof im Kirchdorf, 4.) 5.) 6.) 7.) 8.) 9.) 10.) C 102, das ehemalige Gasthaus des Ammanns Jerg Rohner am Platz von Kreuzstraße 1. Es stand jetzt im Besitz des Vorsteher-Sohnes Gebhard Vonach. An dieser Stelle erbaute dann erst 1893 der Schützenhauptmann Ludwig Köb seine „Villa". 1873, C 241, Rickenbacherstraße 13 (Seogars). Es ist später noch einmal abgebrannt (S. Nr. 17!). 1876, C 155 des Mathias Böhler-Sammüllars. Es stand östlich von Inselstraße 11 und wurde nicht mehr aufgebaut. 1881, C 123 des Jakob Böhler-Bergars, in Unterlinden, nahe Bregenzerstraße 15. Seither verschwunden. 1883, C 22, Bregenzerstraße 15 im Röhle. Schädlars Hus stand damals im Besitz von Johann Köb. Hier war dessen Sohn, der spätere Vorsteher Ferdinand Köb, aufgewachsen. Das neue Haus ist 1985 abgebrannt. (Siehe Nr. 86!) 1883, C 91 des Ferd. Böhler in der Bütze. Viele Jahre lang blieb der Platz leer. Heute steht dort das Haus Mohr, Kellhofstraße 13. 1887, C 82, Bützestraße 9, im Besitz von Philipp Gmeiner-Knoblars, später Zwickles. Beim angrenzenden Rist-Haus ist noch heute die verkohlte Südwand unter der Fassade erhalten. 1889, 3. März. C 113 des Fidel Huster, ganz hinten im Tobel. Der Brandplatz am Tobelbach blieb leer, nur ein Stadel wurde wieder erbaut. 3.) 30 Im gleichen Jahr 1889 wurde die Feuerwehr als Verein gegründet. 31 11.) 12. 14. 1895, 16. Nov. C 177, am Anfang der Unterhubstraße im Garten von Flotzbachstraße 8. Es war einst das Haus des ersten Wolfurter Kapellmeisters Andreas Rohner gewesen und stand jetzt im Besitz des Weinhändlers Hermann Hämmerle. Beim Brand verletzten sich zwei Feuerwehrmänner, als sie ein Übergreifen des Feuers auf das nahe Nachbarhaus verhindern wollten. u. 13.) 1897, 27. April. C 210 u. 211. Ein uraltes Doppelhaus im Garten von Hofsteigstraße 53 in der Ecke gegen den Gasthof Kreuz, damals im Besitz von Schneidermeister Wilhelm Köb. Die Bauparzellen wurden vereinigt und dahinter das neue Haus Hofsteigstraße 53 erbaut. u. 15.) 1897,15. Juli. C 14 u. 15. Nur sechs Wochen nach dem großen Brand in Rickenbach verbrannten auch an der Ach zwei aneinander gebaute Häuser. Besitzer waren Joh. Bapt. Schwerzler-Naiolars, und Lorenz Rohner, Vinälars. Auch hier wurden die Plätze vereinigt und darauf ein besonders großes Haus gebaut, der spätere Gasthof „Wälderhof", Bregenzerstraße 28. Im 20. Jahrhundert 16.) 1900, 12. Mai. C 11 an der Ach mit der gerade in diesem Jahr neu aufgemalten Nummer D 19. Das alte Stammhaus der Sammüller-Böhler, die an die Kellhofstraße übersiedelt waren, gehörte jetzt dem Lauteracher Josef Vonach. Der Platz blieb lange leer, bis ganz in der Nähe das Siedlungshaus Inselstraße 1 errichtet wurde. 17.) 1900, 5. Sept. C 241, jetzt neu D 278, Dornbirnerstraße 13 (Seogars). Zum zweiten Mal brannte das nach dem Brand von 1873 (Siehe Nr. 4!) neu aufgebaute Haus völlig ab. Besitzer war jetzt Johann Köb. Als Mieter war eine Familie Kniebühler im Quartier. Deren zweijähriges Kind Hedwig verlor im Feuer sein Leben. Der Nachbar Joh. Gg. Müller baute das Haus neu auf. 18.) 1902, 13. März. D 188, des Martin Wohlgenannt im Eulentobel. Seither verschwunden. 19.) 1902, 17. März. D 185, Hofsteigstraße 12. Beim Brand des noch fast neuen Hauses des Joh. Gg. Böhler (Steonnowirts Hans-Irgos) an der Hub verbrannten auch zwei wertvolle Stickmaschinen. (Später ein zweites Mal abgebrannt, Nr. 43) 20.) 1902, 20. März. D 193, Hofsteigstraße 18. Nur drei Tage nach dem BöhlerHaus brannte in der Nachbarschaft auch das Glaser-Klocker-Haus. Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte es aber gerettet werden. 21.) 1903, 12. Mai. D 237, Hofsteigstraße 47, Konsum Rickenbach. 22.) 1905, ohne Nummer. Der alte Wuhrstadel stand außerhalb des Ach-Damms am Platz von Bregenzerstr. 35. Seit Jahrhunderten hatten die Hofsteiger darin ihre Wuhr-Werkzeuge aufbewahrt. Später errichtete die Firma Rädler hier ihre Zementerei. Bild 21: Gefährliche Feuerstelle noch im Jahre 1992. 23.) 1906, 21. Februar. D 53, Feldeggstraße 11, am Hexenbühel. Es stand im Besitz von Paulina Mathis-Embsars. Später erwarb die Firma Schindler den Neubau als Fabriks-Hus. Feuernächte in der Gemeinde 24. u. 25.) 1907, 30. Okt. D 130 u. 131, Kirchstraße 29 u. 27. Ein Großbrand vernichtete in der Nacht die beiden uralten und einst sehr bedeutenden Schneider-Häuser. Sie gehörten jetzt den Familien Johann Dür-Oachobergars, und Jos. Ant. Köb, Schloßburos. Nur Köb baute sein Haus sofort wieder auf. Der zweite Platz beim Gasthof Hirschen stand mehr als 40 Jahre lang leer. Mit dieser Feuernacht begann eine ganz unheimliche Brandserie, die in den folgenden sieben Jahren insgesamt 21 (!) Häuser in der Gemeinde vernichtete. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens: Das elektrische Licht! - Die von der Firma Loacker seit 1900 installierten Leitungen waren in den Häusern nur dürftig isoliert und eine ständige Gefahrenquelle. Es gab noch keine Zähler und viele unerfahrene Hausbesitzer manipulierten an den ohnehin fragwürdigen Sicherungen. 32 33 Zweitens: Der Stickerei-Boom, der von 1905 bis 1907 viel Geld ins Dorf gebracht und Bauern und Handwerker zu großen Investitionen verlockt hatte, war 1908 plötzlich zusammen gebrochen. Nun mußten viele Sticker große Schulden verzinsen. Die Not brachte manche in Versuchung, Feuer zu legen und die Brandversicherung in Anspruch zu nehmen. Ähnliches sagt man ja noch heute den Lustenauer Stickern nach: „ Warm abbreocho!" Als einzelne Hausbesitzer sogar versuchten, die Feuerwehr am Löschen zu hindern, mußten Vorsteher Ferdinand Köb und Kommandant Josef Anton Schwerzler durchgreifen: „.... daß bei den gegenwärtig häufig vorkommenden Brandfällen die Wahrnehmung gemacht wurde, daß man die Feuerwehr beeinfluße möglichst wenig zu löschen, was dieselbe unter keinen Umständen annehmen dürfe .... sondern sich stets stramm an das Kommando halten. " (FW-Protokoll 59 v. 16. Jänner 1910) 26. u. 27.) 1908, 23. Juli. D 260 u. 262. Großbrand in Rickenbach-Loch. Auch die Großschreinerei Lenz, eine Möbel- und Parkett-Fabrik, war im Besitz von Josef Karg in Schwierigkeiten geraten und brannte ab. Das Nachbarhaus des Ferdinand Müller, Stases im Lo, wurde durch das Feuer ebenfalls vernichtet. Beide Brandplätze zeigten noch viele Jahre lang die geschwärzten Grundmauern, bis die Firma Doppelmayr hier eine große Werkshalle errichtete. 1908, 29. Januar. D 14, Achstraße 3, Hohl Martin u. 30.) 1908, 31. März. D 20 u. 21, zwei alte Häuser an der Ach im Besitz von Johann Müller und Gebhard Kresser. Die Brandplätze wurden vereinigt für das neue Kresser-Haus, in welches später das Textilhaus Rohner und die Beschützende Werkstätte Bregenzerstraße 31 eingebaut wurden. 1908, 19. Juni. D 16, bei Achstraße 1. Nur wenige Wochen nach den anderen drei Häusern verbrannte an der Ach ein viertes Haus. Ein Jahr zuvor war es aus dem Nachlaß des Wagners Hieronymus Böhler, Holzerschmieds, in den Besitz von Emil Brüngger gekommen. Der Platz westlich der Traube Achstraße 1 blieb seither frei. u. 33.) 1909, 14. Januar. D 48, Auf dem Bühel 5 des Hilar Köb. Hilares Hus war im Oberfeld erst 1892 ganz neu gebaut worden. Nun brannte es gemeinsam mit der davor stehenden großen Maschinen-Stickerei der Brüder Köb, Lehrars, völlig ab. Der Zimmermann Hilar Köb baute sein Haus besonders schön „im Jugendstil" neu auf. 1909, 29. Januar. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Das noch fast neue Haus brannte 1909 zum ersten Mal ab und wurde von Martin Schertler sofort neu aufgebaut. Siehe Nr. 45! 1909, 24. Aug. D 301. Erst acht Jahre alt war das Haus des Ignaz Hämmerle an der Ach, das 1909 ebenfalls schon verbrannte. Viel später baute die Familie Sohm hier ihr neues Haus Achstraße 16. 1911, 8. Juni. D 290, Dornbirnerstraße 31, Putzers. Damit verbrannte am Bild 22: Das Schloß ist am 12. Dezember 1939 abgebrannt. 28.) 29. 31.) 32. 34.) 35.) 36.) 34 Bild 23: Haus Gorbach in der Bütze 1956. Beim Brand mußte Frau Eugenie Theurer sterben. 35 37. 39.) 40.) 41. 43.) 44.) 45.) 46.) 47.) anderen Dorfende das südlichste Haus der Gemeinde. u. 38.) 1911, 14. Juni. D 46 u. 47, Auf dem Bühel 1 u. 3. Wieder vernichtete das Feuer zwei Häuser auf einmal, des Gebhard Köb, Schrinars, und des Johann Köb, Meßmars. Während Johann sein Haus sofort wieder aufbaute, errichtete Gebhard vorerst nur einen großen Stadel beim OberfeldWäschhüttle. Viel später wurde auch dort eine Wohnung eingebaut. 1911, 12. Sept. D 248, Rickenbacherstraße 1. Nahe beim Kreuz war oberhalb des schon 1897 (Nr. 12) abgebrannten Doppelhauses ein weiteres ebenso uraltes Doppelhaus C 213/214 gestanden, das die Besitzer zu D 248 vereinigt hatten. Im Besitz von Franz Josef Forster wurde es im September 1911 vom Blitz getroffen und eingeäschert. Forsters bauten es neu auf. 1912, 12. Juni. D 243, der „Löwen". Eines der wichtigsten Wolfurter Häuser, zeitweise Sitz des Hofsteig-Ammanns, brannte 1912 im Besitz der Familie Fischer ab und wurde nicht mehr aufgebaut. An seinem Platz wurde die Brühlstraße neu in die Dornbirnerstraße eingeleitet und daneben viel später der Kiosk Kögl errichtet. u42.) 1913, 6. Aug. D 183 u. 184, Hofsteigstraße 13 u. 15. Schon wieder ein Doppelbrand! Das Haus des Alois Ammann wurde schwer beschädigt. Die Ruine kaufte später Josef Festini und baute das Haus neu auf. Das zweite Haus der Familie Bildstein, Wangars, brannte dagegen völlig ab. Beim Neubau setzte man zwischen Haus und Stadel eine „Feuermauer" als Schutz ein. 1913, 19. Aug. D 185, Hofsteigstraße 12. Nur zwei Wochen nach Bildsteins brannte auf der anderen Straßenseite „Steonnowirts Hans-Irgos" wieder ab, zum zweiten Mal nach 1902 (Nr. 19). Wieder baute die Familie das schöne Haus auf, diesmal ebenfalls mit einer mächtigen Feuermauer. 1913, 27. Aug. D 293, Unterlindenstraße 5. Erst zehn Jahre alt war Brauchles Haus, das sie sofort neu errichteten. 1913, 17. Sept. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Zum zweiten Mal nach 1909 (Nr. 34). Wieder baute es die Familie Schertler neu auf. 1914, 19. April. D 337, Unterlindenstraße 2, Pius Bitriol. Über den Grundmauern gegenüber vom Vereinshaus erbaute Wilma Böhler, Postmoastors, erst um 1955 ihr neues Haus. 1914, 3. Juni. D 228, Hofsteigstraße 42, des Gebhard Schwerzler, Rasiorars in Rickenbach. Den Brandplatz erwarb Johann Winder und errichtete darauf seine große Schreinerei und Karniesen-Erzeugung. Bild 24: Gasthof Lamm 1965. Weltkriege und Zwischenkriegszeit 48.) 1915,2. Juli. D 223, droben im Bannholz. Das einst sehr wichtige „BaholzarHus " brannte im ersten Kriegsjahr 1915 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Geschwister Schwerzler übersiedelten auf die Steig in das Stammhaus der Stöoglar-Fischer und übertrugen ihren Hausnamen „Baholzars " dorthin. 49.) 1916,20. Januar. D 236, Hofsteigstraße 52, des Wilhelm Arnold. Dieses Haus 36 Bild 25: 1969 sind an der Achstraße zwei Häuser abgebrannt: Künz und Kalb. 37 soll früher einmal das Gasthaus „Gemsle" gewesen sein. Im Feuer gingen auch die Geräte und Akten des Rickenbacher Turnvereins und dessen Fahne zugrunde. Bis hierher führt uns die Liste aus dem Protokollbuch der Feuerwehr. Eine erste Fortsetzung bis 1969 findet sich in der Festschrift von 1973. 50.) 1918, 19. Juli. D 186, Eulentobel 1, des Josef Höfle, Brunnenmeister am Hübler Brunnen. Höfle übersiedelte an die Kellhofstraße ins Kirchdorf. Auf dem Brandplatz erbaute später Josef Winder ein neues Haus. 1926, 23. Okt. D 192, Hofsteigstraße 16 des Martin Wohlgenannt, Kassians Hus. 1926, 8. Nov. D 356, Dammstraße 8, Dampfsäge des Anton Österle, der inzwischen Traubenwirt geworden war und Mieter eingelassen hatte. Hier baute sein Sohn Josef die Spenglerei Österle. 1930, 18. Aug. D 96, Bützestraße 14, des Martin Köb. Schloßburos. Dabei verbrannten auch eingestellte Stickmaschinen. Lange blieb das auffallende Kellergewölbe als Ruine stehen, bis die Familie Österle hier ein neues Haus erbaute. 1932, 6. Februar. D 280, Dornbirnerstraße 15, der Aloisia Girardini im Schlatt. Davor stand früher der Bildstock mit dem Rickenbacher Nothelferbild. Auf dem Platz erbaute der Konditor Franz Boch ein Haus. 1932, 7. Okt. D 9, Inselstraße 13, des Franz Geiger, Schützos. Es verbrannte auch das Vieh im Stall. u. 57.) 1935, 8. Nov. D 153 u. 154, Kirchstraße 9. Noch einmal ein altes Doppelhaus im Besitz von Adolf Kaufmann und Johann Berkmann. Kaufmann vereinigte die beiden Parzellen für sein neues Haus Kirchstraße 9, Berkmann erstellte das Haus Kirchstraße 4 auf dem gegenüber liegenden Bühel. 1935, 24. Nov. D 234, Hofsteigstraße 50, des Alfred Fischer. 1936, 24. März. D 10, Inselstraße 11, der Bauernhof des Martin Rohner. u. 61.) 1937, 24. Aug. D 121 u. 122. Ganz nahe nebeneinander standen an der Ecke Kirchstraße/Kreuzstraße die Häuser des Wagners Heitz und des Hausmetzgers Josef Reiner. Als das Heitz-Haus in der Nacht in Flammen aufging, war auch Reiners Haus nicht zu retten. Über Auftrag der Gemeinde vereinigten die Brüder Heitz die Hausparzellen für ein großes gemeinsames Geschäftshaus am Dorf-Eingang. Reiner erstellte dagegen einen neuen Bauernhof im Unterfeld. 1939, 12. Dezember. D 72, Schloßgasse 10. Das Schloß! Seit kurzer Zeit im Besitz des Fabrikanten Dr. Fritz Schindler und gerade neu renoviert. Nur der aus dicken Mauern gebaute Turm blieb erhalten. Obwohl Krieg war, gelang es Schindler, das Schloß im folgenden Jahr wieder aufzubauen. 1944, 23. Dez. D 54, Feldeggstraße 14, Bergar-Hus. Am Tag vor Weihnachten! 51.) 52.) 53.) 54.) 55.) 56. 58.) 59.) 60. Bild 26: Feuernacht 1976 im Rickenbach-Tobel: Die große Gunz-Mühle brennt. 62.) 63.) 38 39
  1. heimatwolfurt
20061213_GVE009 Hohenweiler 13.12.2006 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 13. Dezember 2006 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: LANGES Wolfgang, Vzbgm. MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: KEMTER Christoph DÜR Konrad HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. GALEHR Otto BERKMANN Gebhard jun. STRAUß Marianne Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: HUTTER Pius HOLZER Anna Elisabeth HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz FINK Peter jun. ACHBERGER Lucia FEURSTEIN Peter Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: HUTTER Pius und HOLZER Anna Elisabeth Entschuldigt: GR BERKMANN Franz-Josef, GV WUCHER Susanne, GVE KNÜNZ Roland, GVE ANWANDER-SONNEWEND Th. Dr., GVE ZOPPEL Alexander, GVE HUTTER Gerhard DI und GRATZER Martin. Nicht entschuldigt: entfällt Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. Der Vorsitzende bzw. Vizebgm. Langes W. beantragen die Aufnahme von zwei Tagesordnungspunkten 3. u. 4., welche einstimmig befürwortet werden. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 12. Juli 2006 3. Einbau von Wasserzählern – Angebote v. 2 Wasserzählern 4. Gemeindeverband – Erhöhung des Pensionskassenbeitrages um 0,1% 5. Ansuchen um Widmung einer Teilfläche aus der Gst.Nr. 380/2 im Ausmaß von ca. 700 m² von landw. Freifläche in Bauwohngebiet (nochmalige Behandl.) 6. Wasserleitungsordnung vom 12.7.2006 - Ergänzung 7. Wasserlieferung an die Gemeinde Möggers – Grundsatzbeschluss 8. Gemeindeabgaben und -tarife für das Jahr 2007 9. Dienstposten- u. Beschäftigungsrahmenplan 2007 10. Voranschlag 2007 11. Allfälliges Erledigung: 2. Das Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 29. November 2006 wird mit der Ergänzung der Anwesenheitsliste durch GVE Hagspiel Jürgen (welcher anwesend war) von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt. 3. Der Bürgermeister ersucht den anwesenden Alwin Halder (Wassermeister) die angebotenen 2 Wasserzähler kurz vorzustellen. Von der Genauigkeit sind beide Zähler identisch, jedoch besteht ein gravierender Preisunterschied. Der WSW – Zähler kostet rd. € 45,- und der Bernhardt – Zähler rd. € 26,- ( exkl. MwSt.) Die Durchflussmenge (nach der genau gezählt wird) liegt bei beiden Zählern bei ca. 3 – 5 m³ , dies entspricht den landesweit üblichen installierten Haushaltszählern. In erster Linie ist zu erheben, welche Vorkehrungen in den einzelnen Häusern noch zu treffen sind, welches dann auch den einzelnen Hausbesitzern mitgeteilt wird, um den ordnungsgemäßen Zählereinbau bewerkstelligen bzw. durchführen zu können. Nach kurzer Diskussion wird von der Gemeindevertretung dem Bernhardt – Zähler (als Type) für rd. € 26,- (exkl. MwSt.) einstimmige Zustimmung erteilt. 4. Vzbgm. Langes W. bringt das Rundschreiben des Vlbg. Gemeindeverbandes 16/2006 bzgl. Erhöhung des Pensionskassenbeitrages für die Gemeindebediensteten zur Kenntnis. Zwischenzeitlich sind mehr als 90 Gemeinden der Empfehlung des Gemeindeverbandes zur Einführung eines Pensionskassenbeitrages gefolgt. Der vorgeschlagenen Erhöhung des Beitrages im Ausmaß von 0,1% auf nunmehr 0,85% für das Jahr 2007 wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. 5. Vom Raumplanungsausschuss wird über die nochmalige Begehung mit Hr. DI Grasmugg (Landesraumplanungsstelle) in der Sache W. Gerbis berichtet. Widmungsantrag einer Teilfläche aus der Gst.Nr. 380/2 im Ausmaß von ca. 700 m² von landw. Freifläche in Bauwohngebiet. Das einzige das in dieser Sache nach seinen Aussagen denkbar ist, wäre die Bestandsregelung nach § 58 welche besage, dass ein 50% Ausbau über die Geschossfläche des bestehenden Wohnhauses hinaus möglich ist. Daraufhin entsteht eine sehr intensive und rege Diskussion über die auch in der letzten Sitzung behandelten Widmungsanträge, und die dort getroffenen Entscheidungen. Es wird auch eine von Vzbgm. W. Langes eingebrachte Prüfung eines Beschlusses gemäß § 86 des Gemeindegesetzes durch die Gemeindeaufsicht noch verlesen. Das Zufahrtsrecht in der heute zu behandelnden Sache ist zwischenzeitlich geklärt, eine Widmung entspräche jedoch nicht dem Leitbild der Gemeinde bzw. des Gemeindeentwicklungsplanes. Nach abschließender Beratung stimmt die Gemeindevertretung mit 3 Gegenstimmen (Vzbgm. Langes W., GV Berkmann Gebh. u. GV Milz Lothar) für die entsprechende Widmung dieser Teilfläche von landw. Freifläche in Bauwohngebiet. 6. Bei der am 12.7.2006 beschlossenen Wasserleitungsordnung soll unter § 4 Erweiterung oder Verlegung der Wasserversorgungsleitung ein weiterer Abs. 5 (als Ergänzung) hinzugefügt werden: Im Abstand von 1,5 m rechts und links von Wasserversorgungsleitungen dürfen ohne Zustimmung der Gemeinde keine Grabarbeiten und Aufschüttungen durchgeführt werden. Dieser Ergänzung wird mit 1 Gegenstimme (GV Galehr O.) zugestimmt. 7. Bgm. Geissler berichtet in der Sache Wasserlieferung an die Gemeinde Möggers. Hierzu werden zwei Aktenvermerke der Rechtsvertretung (Gemeinde) Dr. Matt, Bregenz bzgl. Gesprächen mit Bgm. Geissler bzw. Telefonat mit Hr. DI Hanefeld / Amt der Vlbg. Landesregierung jeweils vom 1.12.2006 der Gemeindevertretung z. K. gebracht. Abschließend wird von der Gemeindevertretung mit einer 1 Gegenstimme (GV Milz L.) der grundsätzliche Beschluss gefasst, dass der Gemeindevorstand mit den künftigen Verhandlungen (Laufzeit, Konditionen etc.) über eine Wasserlieferung an die Gemeinde Möggers, betraut wird. 8. Den Gemeindeabgaben und –tarifen für 2007 wird wie in vorgelegter Höhe besprochen, von der Gemeindevertretung einstimmige Zustimmung erteilt. (sämtliche Abgaben bleiben gegenüber 2006 unverändert - siehe auch Anlage) 9. Der Dienstposten- u. Beschäftigungsrahmenplan für 2007 sieht bestehende Arbeitsplätze wie im Jahr 2006 vor. Eine Änderung wird es wahrscheinlich während des Jahres geben, da die Dienstnehmerin (M. Köb) voraussichtlich mit Ende 2007 in Pension geht. Die Gemeindevertretung erteilt dem Dienstposten- bzw. Beschäftigungsrahmenplan 2007 einstimmige Zustimmung. 10. Von Vzbgm. Langes W. wird der Haushaltsentwurf für 2007 präsentiert, welcher jedem/r Gemeindemandatar/In bereits am 6.12.2006 zugestellt wurde. Er beinhaltet Ausgaben in Höhe von € 2.502.000,-, sowie Einnahmen in derselben Höhe. Für das kommende Jahr, wie ersichtlich stehen einige Projekte an, wie z.B. die Errichtung eines Gehsteiges vom Dorf in die Parzelle Gmünd mit gleichzeitiger Verlegung einer neuen Wasserleitung, die Errichtung einer Notversorgung mit Wasser zwischen der Gemeinde Hörbranz und der Gemeinde Hohenweiler, weiters die Einzäunung unseres Quellschutzgebietes in Möggers, sowie eine Erweiterung der öffentlichen Kanalisation in der Parzelle Ried. Sollten sämtliche Projekte bzw. Vorhaben wie geplant umgesetzt werden, bedeutet dies sicherlich eine sehr große finanzielle Herausforderung für unsere Gemeinde, wie aus dem Voranschlagsentwurf ersichtlich ist. In weiterer Folge dankt auch der Bürgermeister Vzbgm. Langes W. für die Präsentation des Jahresvoranschlages 2007 sowie Konrad H. (Gemeindekassier) für die geleistete Arbeit bei der Erstellung des Entwurfes. GV Nußbaumer M. (Obfrau) berichtet noch über die am 22.11.2006 stattgefundene Sitzung des Überprüfungsausschusses. Danach erteilt die Gemeindevertretung dem vorgelegten Haushaltsvoranschlag 2007 einstimmige Zustimmung. 11. Bgm. Geissler berichtet über den schriftlichen Mandatsverzicht von GV Wucher S. Er habe ihr den Dank über die geleistete Arbeit auch für die örtliche Frauenbewegung im Namen der Gemeindevertretung bereits ausgesprochen. Und zu guter letzt erinnert er noch an die stattfindende Weihnachtsfeier der Gemeindevertretung am kommenden Freitag, den 15.12. im Gasthaus Fesslers. Vzbgm. Langes W. informiert über die zuletzt eingegangenen Meldungen bzgl. Antennenanlage und sieht keine Möglichkeit diese Sache weiterzuführen. Die betroffenen Anschlussteilnehmer werden mittels Schreiben noch informiert. GVE Hutter P. ersucht die 3 Laubbäume (Eichen) am neuen Friedhof zu beseitigen, da sie bereits das Pflaster heben und vor allem sehr viel Laub und Schmutz verursachen, anstelle der Eichen könnte sicher etwas anderes gepflanzt werden. GV Spieler H. spricht die Einladung an den GR zur Besichtigung des neu geschaffenen Archivraumes aus. Der Termin mit 24.1.2007 ist bereits fixiert. GV Milz L. erkundigt sich bzgl. Wickeltisch für Kleinkinder im hokus. Diese Sache wird geprüft werden. GVE Feuerstein P. ersucht nochmals um das Anbringen eines Verkehrsspiegels bei der Ausfahrt Dreiangel. Der Bgm. wird diese Sache ebenfalls prüfen bzw. veranlassen. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Bürgermeister bei den Anwesenden, für die immer fairen Diskussionen in den Sitzungen des abgelaufenen Jahres, wünscht allen Anwesenden einen schönen Abend und erklärt die heutige Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 22.55 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20061129_GVE008 Hohenweiler 29.11.2006 VERHANDLUNGSSCHRIFT über die am Mittwoch, den 29. November 2006 im Sitzungszimmer des Gemeindehauses stattgefundene Sitzung der Gemeindevertretung. Der Vorsitzende eröffnet um 20.oo h im Gemeindehaus die öffentliche Sitzung der Gemeindevertretung. An der Sitzung nehmen teil als: Vorsitzender: GEISSLER Josef, Bgm. Gemeinderäte: BERKMANN Franz-Josef MOOSBRUGGER Bruno Gemeindevertreter: Gemeindevertreter-Ersatzmitglieder: KEMTER Christoph DÜR Konrad HEIDEGGER Ruth SUTTER Thomas NUßBAUMER Maria MILZ Lothar SPIELER Heinz, Ing. GALEHR Otto BERKMANN Gebhard jun. STRAUß Marianne KNÜNZ Roland ANWANDER-SONNEWEND Th., Dr./z. TP 3b HUTTER Pius HOLZER Anna Elisabeth HAGSPIEL Jürgen FESSLER Franz HUTTER Gerhard DI ACHBERGER Lucia GRATZER Martin Schriftf.: KONRAD Herbert Stimmberechtigt als Ersatzmitglied: KNÜNZ Roland, ANWANDER-SONNEWEND Theresia, Dr., ab TP 3 b und HUTTER Pius bis TP 3 a Entschuldigt: Vzbgm. LANGES Wolfgang, GVE WUCHER Susanne, GVE ZOPPEL Alexander, GVE FEßLER Josef und GVE FEURSTEIN Peter. Nicht entschuldigt: entfällt Der Vorsitzende begrüßt die Anwesenden stellt weiters fest, dass die Einladung zur Sitzung ordnungsgemäß erfolgt, und die Beschlussfähigkeit gegeben ist. TAGESORDNUNG 1. Eröffnung, Begrüßung und Feststellung der Beschlussfähigkeit 2. Genehmigung des Gemeindevertretungsprotokolls vom 12. Juli 2006 3. Ansuchen um Widmung von landw. Freifläche in Bauwohngebiet a) Teilfläche aus der Gst.Nr. 915 im Ausmaß von ca. 800 m² b) Teilfläche aus der Gst.Nr. 974/1 im Ausmaß von ca. 95 m² (zu Gst.974/4) c) Teilfläche aus der Gst.Nr. 985/1 im Ausmaß von ca. 1200 m² d) Teilfläche aus der Gst.Nr. 375 im Ausmaß von ca. 999 m² (rotoranger Punkt) e) Teilfläche aus der Gst.Nr. 380/2 im Ausmaß von ca. 700 m² f) Teilfläche aus der Gst.Nr. 152/4 im Ausmaß von ca. 265 m² (Restfläche) 4. Ansuchen um Widmung von landw. Freifläche in Bauwohngebiet (nochmalige Behandl.) a) Teilflächen aus den Gst.Nr. 787/1, 787/2 im Ausmaß von ca. 960 m² b) Widmung von landw. Freifläche in Bauerwartungsland – Teilflächen aus den Gst. Nr. 113 und 149/1 im Ausmaß von ca. 2000 m² 5. Schreiben der Landesregierung bzgl. Gehsteig Hub an der L 9 6. Antrag der Güterweggenossenschaft Hohenweiler-Bayer – Anbringen einer Tafel „Sackgasse“mit Zusatz (auch für Fahrräder)an der Abzweigung L1 in den Güterweg. 7. Antrag der Güterweggenossenschaft Hohenweiler-Glend – Anbringen einer Tafel mit der Geschwindigkeitsbeschränkung „ 30 km „ 8. Allfälliges Erledigung: 2. Das Protokoll der Gemeindevertretungssitzung vom 21. Juli 2006 wird von der Gemeindevertretung einstimmig genehmigt. 3. a) Das Ansuchen um Widmung einer Teilfläche aus dem Gst. Nr. 915 (Ausmaß von ca. 800 m²) von R. Gruber, E. Gruber, E. Mattei u. R. Mattei, Hohenweiler von dzt. landw. Freifläche in Bauwohngebiet wird z.K. gebracht, ebenfalls die Stellungnahme von Alfred u. Melitta Taferner (Anrainer). Weiters wird auch eine Stellungnahme des LKH Bregenz (Unfallchirurgische Abteilung) verlesen. Vom Obmann des Raumplanungsausschusses Gebh. Berkmann jun. wird eine negative Stellungnahme in dieser Sache abgegeben. Die Gemeindevertretung stimmt nach eingehender Diskussion mit 2 Gegenstimmen (GR B. Moosbrugger u. GV Gebh. Berkmann jun.) dieser Widmung zu. b) R. Elbs, Hohenweiler ersucht um Widmung einer Teilfläche aus dem Gst. Nr. 974/1 (Ausmaß ca. 95m²) zur Vergrößerung des bereits parzellierten Bauplatzes Gst. Nr. 974/4 von landw. Freifläche in Bauwohngebiet. Nach Überprüfung des Flächenwidmungsplanes wurde festgestellt, dass die beantragte Fläche des Gst. Nr. 974/4 bereits als Bauwohngebiet gewidmet ist. c) Ebenfalls ersucht R. Elbs um Widmung aus dem Gst. Nr. 985/1 (Ausmaß ca. 1200 m² 2 Bauplätze) zur Finanzierung des Rückkaufs Gst. Nr. 976/2 mit dazugehörendem Haus. Vom Raumordnungsausschuss werden beide Ansuchen b + c von Roland Elbs als negativ beurteilt. Die Gemeindevertretung schließt sich einstimmig der Meinung des Raumordnungsausschusses an und lehnt in beiden Fällen die ersuchte Widmung ab. d) E. Wucher, Hohenweiler beantragt eine Baufläche (Rotorangen Punkt) im Ausmaß von 999 m² - Teilfläche aus der Gst.Nr. 375 zur Errichtung eines Wohnhauses seiner Kinder. Diesbzgl. wird auch die Anfrage bzw. Stellungnahme der Güterweggenossenschaft Hohenweiler - Ried z. K. gebracht. Vom Obmann des Raumordnungsausschusses wird berichtet, dass ihm dieser Rotorange Punkt zustehe, da die Landwirtschaft noch aufrecht ist, und einmalig ein derartiger Punkt als Baufläche zugeteilt werden kann. Der Bürgermeister hat sich auch in dieser Sache beim Land erkundigt. Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig die Zuweisung eines Rotorangen Punktes (Baufläche im Ausmaß von 999 m²) auf der Gst. Nr. 375. e) W. Gerbis, Hohenweiler beantragt die Widmung einer Teilfläche von ca. 700 m² aus dem Gst. Nr. 380/2 von landw. Freifläche in Bauwohngebiet als Baugrundstück für seine Tochter Katharina. Diese Sache wurde vom Bgm. auch bereits mit der Landesraumplanungsstelle besprochen. Die Meinung des Raumplanungsausschusses wird bekanntgegeben. Die Gemeindevertretung beschließt einstimmig die Entscheidung zu vertagen bis die Zufahrtmöglichkeit endgültig geklärt ist. f) H. Simma, Hohenweiler ersucht um Widmung (Ergänzungswidmung) einer Teilfläche aus der Gst. Nr. 152/4 im Ausmaß von ca. 265 m² (Rest zur bereits gewidmeten Baufläche des Gst. Nr. 152/4) welche im Flächenwidmungsplan der Gemeinde Hohenweiler noch als landw. Freifläche ausgewiesen ist. Die Gemeindevertretung erklärt sich einstimmig mit dieser Ergänzungswidmung einverstanden. 4. Die beiden folgenden Widmungsansuchen wurden bereits in der Sitzung am 12. Juli 2006 besprochen, müssen jedoch nochmals lt. Schreiben der Raumplanungsstelle beim Amt der Vlbg. Landesregierung v. 29.8.2006 welches der Bgm. zur Kenntnis bringt, infolge Formalfehler (Parteiengehör usw.) behandelt werden. a) dem Ansuchen auf Widmung von landw. Freifläche in Bauwohngebiet zweier Teilflächen aus der Gst.Nr. 787/1 und 787/2 wie von Anton und Maria Huber, Hörbranz im Auszug des Flächenwidmungsplanes dargestellt und mit einem Ausmaß von ca. 960 m² ausgewiesen, wird von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. b) auch dem Ansuchen vom 27.1.2006 am 30.1.2006 bei der Gemeinde eingelangt (der Fam. H. u. M. Simma, Hohenweiler) auf Widmung als Baufläche wird insofern entsprochen, indem die beantragten drei Punkte – Widmung einer Fläche von gesamt rd. 2000 m² aus den Gst.Nr. 113 bzw. 149/1 auf dem das Stallgebäude sich befindet, und auch die Zusatzwidmung auf der Gst.Nr. 149/1 beinhaltet, angrenzend an das bestehende Wohnhaus (welches bereits als Baufläche ausgewiesen ist) wird nach verlesen der Stellungnahme des Anrainers Walter Boch und nochmaliger Behandlung auch durch den Raumplanungsausschuss von der Gemeindevertretung als „Bauerwartungsland“ einstimmig zugestimmt. 5. In der Sache Gehsteig Neubau an der L 9 in der Parzelle Hub bringt Bgm. Geissler das Schreiben vom Amt der Vlbg. Landesregierung (Aktenvermerk) vom 22.11.2006 zur Kenntnis. Es wird nun nochmals mit den betroffenen Grundeigentümern in Kürze eine Zusammenkunft bzw. Besprechung stattfinden. Der weiteren Vorgangsweise wird mit einer Gegenstimme (Gebh. Berkmann falls es zu einer Enteignung kommen sollte) von der Gemeindevertretung zugestimmt. 6. Die Güterweggenossenschaft Hohenweiler – Bayer vertreten durch Obmann Bruno Moosbrugger hat am 26. Juli 2006 folgendes Ansuchen an die Gemeinde gerichtet: Anbringung einer Tafel „Sackgasse“ mit Zusatz (auch für Fahrräder) an der Abzweigung L1 in den Güterweg Bayer. Es komme immer wieder vor, dass Radfahrer den Güterweg Bayer befahren und feststellen müssen, dass beim Mastschweinestall Hagspiel die Straße endet und somit wieder den Weg zur L 1 zurückfahren. Nach eingehender Diskussion wird der Anbringung der Tafel „ Sackgasse „ ohne weiteren Zusatz von der Gemeindevertretung einstimmig zugestimmt. 7. Die Güterweggenossenschaft Hohenweiler – Glend vertreten durch Obmann Harald Egle beantragt das Anbringen einer Tafel mit der Geschwindigkeitsbeschränkung „ 30 km „ bei der Zufahrt in die Parzelle Glend. Diesem Ansuchen wird von der Gemeindevertretung nach kurzer Diskussion ebenfalls einstimmige Zustimmung erteilt. 8. GVE Franz Fessler – erkundigt sich in der Sache Planung Urnenwand und Errichtung Fundament beim neuen Friedhof. In dieser Sache und bzgl. Graberde sowie Sammelboxen für das Friedhofkies sollte Hr. R. Gass eine Planung vorlegen, vielleicht kann evtl. bis zur nächsten Sitzung am 13.12.2006 schon näheres mitgeteilt werden. GVE Theresia Anwander – berichtet über das Abholzen beim Hang der Leichenhalle und erkundigt sich bzgl. Neupflanzung, derzeit sehe es dort aus wie ein kleiner Bauhof, welches durch Bildmaterial auch untermauert wird. Die Gemeinde wird bzgl. gelagerter Materialien aufräumen und Überlegungen in dieser Sache anstellen. Den Standort für die Graberde bzw. Sammelboxen für Kies finde sie nicht ideal und befürchte, das es evtl. eine Deponie geben könnte. Dies werde nicht der Fall sein, da es sich ausschließlich um Graberde bzw. Kies für den Friedhof handeln werde, welches dort gelagert wird. GV Ruth Heidegger meldet das Fehlen eines Lichtes bei der Leichenhalle links wo die neuen Urnengräber entstanden sind. GVE Annelies Holzer erkundigt sich über einen evtl. Bewegungsmelder beim Damen/WC im hokus. Dies wird geprüft werden. GVE Th. Anwander ersucht in der Sache Linderhaus - Hr. Arch. Gruber mitzuteilen wie die weitere Vorgangsweise (Studie - Hagspiel Edgar bis Ende d. J.) der Gemeinde ist. GVE Th. Anwander gibt noch nachstehende Termine der Musikschule Leiblachtal 16.12. – Weihnachtskonzert und 23.12. – X-Mas - Jazz im Pfarrheim in Lochau bekannt. Weiters wird ein neuer Fahrplan (Landbus Unterland) Anfang Dez. erscheinen bei dem geringfügige Änderungen wie z.B. Linie 12 nicht mehr ins Zentrum - Dorf führen wird, und eine Weiterführung bis Lindau geplant sei. GV Otto Galehr - sei kürzlich mit dem Bgm. der Gem. Sigmarszell zusammengetroffen und auch dieser habe festgestellt, dass das jährliche Brückenfest „ Zellersteg“ nur ideal an zutreffendem Ort (bei der Brücke selbst) ist und nicht wie das letzte Mal im „hokus“. Weiters hätte er gedacht, dass die GemeindevertreterInnen die Arbeit bei diesem Fest selbst verrichten könnten (er würde auch Hand anlegen) und nicht der Sportverein wie dies bisher der Fall war. GV Gebh. Berkmann erkundigt sich in der Sache Straße Neubaugebiet - Dorf, teeren. Lt. Bgm. ist mit Greißing P. noch diesbzgl. das Einvernehmen herzustellen, mit den anderen Parteien sei dies grundsätzlich erfolgt. GV M. Nussbaumer berichtet von den 3 kleinen Bäumen bei der Eiche Auto Wetzel Hehle Albine (Einfahrt Güterweg), welche evtl. die Eiche beschädigen könnten. Dies ist Privatgrund und kann nur vom Grundbesitzer wahrgenommen werden. GVE Pius Hutter erkundigt sich zum Gehsteigbau Mühlsteig – Gmünd. Verschiedene Planänderungen (Errichtung Schlammfangsammelschächte usw.) die von der Behörde u. a. noch verlangt werden, haben dieses Projekt jetzt leider verzögert, sodass mit der Ausführung voraussichtlich nun im Frühjahr 2007 gestartet wird. GV Strauß Marianne spricht dem Kulturausschuss der Gemeinde ein Lob für die Erstellung des Veranstaltungskalenders aus, welcher sehr gut ankomme. GVE Martin Gratzer ersucht die Veranstaltungstermine wie Balltermine usw. für Jänner, Februar, März 2007 bitte bekannt zu geben, auch im Gemeindeamt möglich, welche diese dann an ihn weiterleiten. GVE Martin Gratzer berichtet auch noch von versch. Jugendlichen welche im Reitmoos mit kleinen Motorrädern (Bikes) unterwegs sind – schnell, unbeleuchtet usw. - dies sei eine gefährliche Sache ! Der Bürgermeister teilt noch mit, dass in Sachen Widmungen voraussichtlich zwei Termine, einmal im 1. Halbjahr bzw. einmal im 2. Halbjahr in Zukunft die Gemeindevertretung mit einer Beschlussfassung beauftragt werden wird. Nach keinen weiteren Wortmeldungen bedankt sich der Bürgermeister bei den Anwesenden, voraussichtlich letzte Sitzung d. J. wird am 13.12.2006 stattfinden und erklärt die heutige Sitzung für beendet. Ende der Sitzung: 22.25 h Der Schriftführer: Der Bürgermeister: (Herbert Konrad) (Josef Geissler)
  1. hohenweilervertretung
20060901_Heimat_Wolfurt_29 Wolfurt 01.09.2006 Heft 29 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 2006 Bild 1: Die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Für ihre Sicherheit bezahlte der Kaiser mit dem Kellhof Wolfurt. Inhalt: 145. Die Staufer und der Kellhof 146. Rund um den Kirchplatz 147. Die Bregenzerstraße 148. Das Schwesternhaus 149. Der Buggenstein 150. St. Rochus und die Pest 151. Die Dornbirner Mohr 152. Haus Gunz in Rickenbach Bildnachweis Mohr Hubert Hinteregger Karl Heim Siegfried Köb Engelbert Schertler Rudolf Fischer Hannes Ost. Nat.-Bibl. Dornb. Schriften Sammlung Heim 3,10,14,16,19 8, 23, 31 4, 5, 7, 13, 15, 17, 20, 27, 29, 30, 31, 33, 37 9 12 24 1,2 34, 35 6, 12, 18, 21, 26, 28, 36, 38 Zuschriften und Ergänzungen Bitte! Nach der Aussendung des farbigen Sonderheftes „Die Schützen" legen wir diesem Heft 29 wieder einen Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. In eigener Sache: Der Name „Wolfurt" Nach einigem Zögern habe ich mich entschlossen, nach dem Schützen-Heft Nr. 28 doch noch einmal ein weiteres Heimat-Heft folgen zu lassen. Mein besonderes Anliegen ist dabei der Beitrag über die Staufer. Nach vieljähriger Beschäftigung mit der Geschichte von Wolfurt und nach intensivem Studium von Akten und Pergamenten in verschiedensten Archiven fühle ich mich verpflichtet, zwei Sätze in den Wolfurter Büchern und in den Heimatkunde-Heften der Schüler zu berichtigen. Es geht um die Entstehung von Schloß Wolfurt und um die Herkunft des Namens Wolfurt. Über beides habe ich schon mehrfach geschrieben, etwa in Heft 24 unter „Wolford" oder in Heft 22 unter „Rickenbach". Die jetzige Wiederholung ist vor allem eine Einladung an die Heimatkunde-Lehrer, diese Sätze in ihre Vorbereitungen aufzunehmen! Ich selbst muß auch einige von meinen früheren Aussagen zu diesen Themen berichtigen. Filme Über „Kirchdorf und „Röhle" habe ich im letzten Jahr zwei Vorträge gehalten. Emil Büchele hat beide als Filme aufgenommen und mit vielen Fotos bereichert. Kopien sind unter den Titeln „Vom Schwanen bis zum Wälderhof' und „Das Dorf und die Dörfler" sehr preiswert im Gemeindeamt erhältlich. Dort gibt es auch noch die Film-Kassetten „Fleißzettel und Tatzen" über die Wolfurter Schulgeschichte und „Mönche und Ritter" über das Schloß. Fahrräder (Heft 27, S. 9) Elmar Eberle konnte die Hochrad-Fahrer auf Bild 4 nach einem ähnlichen Bild identifizieren. Es zeigt eine Fasnat-Ausfahrt im Jahre 1928. Von links: Martin Schwärzler (Klamporar), Wucher (ein Schreinerlehrling bei Rudolf Fischer), Seppl Köb (Sattlars Seppl von der Steig) und Siegfried Fischer (Schnidarles). Elmar besitzt als bekannter Bastler auch noch das ganz alte Mechaniker-Werkzeug, mit welchem sein Urgroßvater Josef Fischer (1823-1902) u.a. winzige Gewinde für die Fahrradspeichen schneiden konnte. Demnach hat der Schreiner Josef Fischer (Schnidarles) diese Hochräder selbst erzeugt. Noch lange blieb eines davon auf Eberles Dachboden erhalten, bis Elmar und Adalbert damit ihre Runden durch Strohdorf und Hub drehten und es schließlich demolierten. Andere Wolfurter wissen zu erzählen, wie sie schon um 1947 mit ihrem schweren Waffenrad rund ums Ländle fuhren und dabei das schwere Fahrzeug auf der Schulter über den steilen Pfad von Schröcken nach Hochkrumbach hinauf trugen. Bald genügte ihnen das nicht mehr. Ohne Gangschaltung überwanden sie Brenner und Reschen und sogar den gefürchteten Splügen in der Schweiz und rollten nach Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 28) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bozen, nach Mailand und sogar bis Venedig. Auf dem Gepäcksträger den Rucksack mit Schwarzbrot und ein paar Konservendosen zum Essen und eine alte MilitärZeltbahn zum Schlafen! O du gute alte Zeit! Ahnenforschung Viel Zeit und Eifer investieren immer wieder traditionsbewußte Leute in die Erforschung ihrer Sippen. Besonders genau machen das zum Beispiel Remigius Brauchle und Richard Gmeiner mit den langen Reihen der Kassiänler-Schertler, Gmeinder, Dür, Höfle, Rohner, Müller, Schelling, Kohler, Zehrer, Scheffknecht und von einigen anderen Familien, die auf weiten Wegen von Ober-Bildstein, Lauterach, Lustenau und aus dem Schwabenland in unser schönes Wolfurt gefunden haben. Auch für mich bleiben bei diesen Forschungen Überraschungen nicht aus. Schon mehrmals habe ich über die „Sammüller"-Böhler geschrieben und dabei erklärt, daß ihr uralter Hausname von ,,Ammann Müller", einem früheren Besitzer des Hauses an der Kellhofstraße stammt. Dieses Geschlecht sei 1915 mit dem Sattler Gebhard Müller erloschen, der sein Haus im Kirchdorf dem Konsum zur Verfügung gestellt hatte. Nun hat sich ein anderer „echter" Sam-Müller gemeldet, Arthur Müller, Jg. 1938, aus Frastanz. Sein Ahn Gebhard Müller, 1802-1864, war ein Enkel des Gotteshaus-Ammanns Johann Müller gewesen. Gebhards Mutter Katharina Blank, die auch die Ahnfrau der Sammüller-Böhler ist, war 1808 beim Wäsche-Waschen in der Ach ertrunken. Lies darüber in Heft 11, S. 19! Gebhard erlernte das Schmiede-Handwerk und gelangte als Handwerksbursch um 1820 nach Wangen im Allgäu, wo er eine Familie gründete. Von seinen Enkeln fand Franz Müller als Schuhmacher nach Nenzing. Dessen Enkel Arthur Müller hat nun in Wangen gesucht und dort den Weg zurück nach Wolfurt gefunden. Rohner-Familien (Heft 27, S. 29) Nicht nur in Wolfurt, sondern auch in Fußach und in Dornbirn ist dieser Beitrag auf Interesse gestoßen. Aus Dornbirn fragte Franz Wehinger, der ehemalige Leiter des Arbeitsamts, an. Er schickte interessante Fotos aus dem Stadtarchiv. Eines zeigt seinen Urgroßvater Joh. Kaspar Rohner, 1827-1915, mit Frau Katharina Dietrich und zwölf Kindern. Kaspar war ein Urenkel des 1709 noch in Wolfurt geborenen Johann Rohner aus dem Stamm der „ Orglar "-Rohner und lebte nun als Bauer auf Heilgenreuthe. Von seinen zwölf Kindern gehen viele Linien aus, eine davon auch zu „Rohners vom Bürgle" in Mühlebach. Aus dieser stammt der von seinem Wirken in Übersee und aus vielen Leserbriefen bekannte Pfarrer Helmut Theodor Rohner. Wolfurter Blut! Siegfried Heim Die Staufer und der Kellhof Aus dem mittelalterlichen Kellhof ist unser Kirchdorf hervorgegeangen. In mehreren Beiträgen habe ich seine Geschichte gestreift.1 Hier möchte ich das Wesentliche noch einmal zusammenfassen. Daß die mächtigen Stauferkaiser bei der Gründung von Kirche und Dorf Wolfurt Pate gestanden sind, hat mich überrascht. „Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil'gen Land gezogen kam ..." Ganze Generationen von Schülern haben Uhlands berühmte Ballade im Ohr und den mächtigen Kaiser vor Augen. Friedrich Barbarossa wollte das zerfallenene Reich Karls des Großen wieder aufrichten und sammelte dazu Ritter aus ganz Europa unter seinen Fahnen. Sechs Kriegszüge führte er über die Alpen gegen die widerspenstigen reichen Städte in Italien. Seine Heere erlebten Triumphe und fürchterliche Niederlagen. Als der Kaiser dann auch noch einen Kreuzzug ins Heilige Land unternahm, starb er im Jahre 1190 ganz plötzlich bei einem Bad im türkischen Fluß Saleph. Das Volk in Deutschland, durch Jahrzehnte geblendet von des Kaisers Pracht und Macht, wollte aber seinen Tod nicht wahr haben. In den tiefen Karsthöhlen im Kyffhäuser harre er auf seine Wiederkunft, um dann das zersplitterte Reich zu einen. So erzählte bald die Sage. Wie aber kamen Kaiser Rotbart und das Geschlecht der Hohenstaufen zu ihrem Einfluß auf unser damals noch sehr kleines Dorf Wolfurt? Als die Grafen von Bregenz im 10. Jahrhundert ihren Besitz teilten, behielt die Bregenzer Linie das Schloß in der Oberstadt, in welchem 949 der Hl. Gebhard geboren worden war. Dazu gehörte auch fast das ganze Umland, darunter der für die Versorgung des Schlosses wichtige Hof Steig. Die Pfullendorfer Linie bekam dagegen Lindau und den Kellhof. Geteilt wurden auch die Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, die vielerlei große Einkünfte besaß, und der Bregenzerwald, dessen Besiedlung gerade begonnen hatte. Die Bregenzer übernahmen den Vorderwald mit Lingenau und Andelsbuch. Das Gebiet links der Ach, wo später Egg und Schwarzenberg entstanden, fiel dagegen an die Pfullendorfer. Damit wird klar, warum der Graf von Pfullendorf Wert auf den Kellhof gelegt hatte: der lag ja mitten im gegnerischen Gebiet. Er brauchte ihn als Ausgangspunkt und Verbindung zu seinen neuen Siedlungen hinter der Lorena. Als die Bregenzer ihren Besitz in Andelsbuch um 1085 mit dem Bau eines Klosters absicherten, taten die Pfullendorfer ähnliches mit dem Bau einer Kapelle St. Nikolaus auf dem Bühel oberhalb ihres Kellhofes. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, besonders als im blutig ausgetragenen Investiturstreit die Pfullendorfer zusammen mit dem Kloster St. Gallen auf die Seite des Kaisers traten, die Bregenzer dagegen mit ihrem Kloster Mehrerau auf die Seite des Papstes. 5 4 Bild 2: Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa mit seinen Falknern. Bild 3: Pfarrkirche St. Nikolaus. An ihrem Platz stand schon um 1090 eine Kapelle. Neuer Streit begann um 1165 im Krieg um das Erbe des letzten Grafen von Bregenz zwischen Hugo von Tübingen und Rudolf von Pfullendorf. Jetzt griff Kaiser Friedrich Barbarossa ein. Er entschied den Kampf für die Pfullendorfer, die damit auch Herren von Bregenz und fast des ganzen Rheintals wurden. Dafür verpflichteten sie sich, den Kaiser auf seinem vierten Kriegszug nach Italien zu begleiten. So ritt also an des Kaisers Seite auch Rudolfs Sohn Berthold von Pfullendorf, für den als einzigen Erben die Grafschaft am Bodensee bestimmt war. Vor den Toren Roms errang das Stauferheer einen großen Sieg. Dann aber brach eine TyphusEpidemie aus, die mit zahlreichen Kriegern auch den jungen Berthold dahinraffte. Der Kaiser mußte über die Alpen fliehen. Jetzt überließ der alternde Graf Rudolf die kurz zuvor erworbene Grafschaft Bregenz seinem früheren Gegner Hugo. Seine Privatgüter aber, darunter Lindau, 6 den Kellhof und Schwarzenberg, übergab er dem Kaiser Friedrich Barbarossa. So wurden die Kapelle St. Nikolaus und die aufstrebende Ansiedlung am Fuß des Kirchbühels kaiserlich staufisches Gut.2 Bald danach dürfte Barbarossa um das Jahr 1180 seinen Besitz mit der Errichtung einer Burg zusätzlich befestigt haben. Nach damaligem Brauch gab er sie einem seiner Ritter als Lehen. Den Namen des ersten Burgherren kennen wir zwar nicht aus Dokumenten, wohl aber aus der Überlieferung. Als erster hat diese der Historiker Weizenegger um 1820 aufgeschrieben: „ daß die ursprünglichen Wollfurth im 13. Jahrhundert aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M 'Dewr the Wolf ...führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford 7 Bild 4: Schloß Wolfurt. Es wurde zu Barbarossas Zeit um 1180 gebaut. gewann. Aber Kaiser Heinrich starb schon mit 32 Jahren in Messina und wurde im Dom von Palermo begraben. Sein einziger Sohn war erst drei Jahre alt. In wechselvollen Kämpfen gegen aufsässige deutsche und italienische Fürsten und vor allem auch gegen die Päpste gewann der Heranwachsende aber schließlich doch das bereits verlorene „Heilige Römische Reich" wieder. Papst Honorius III. war ihm zunächst wohlgesinnt und krönte ihn sogar im Jahre 1220 in Rom als Friedrich IL zum Kaiser. Kurz zuvor hatte der Papst auch das den Staufern nahestehende Kloster Weißenau bei Ravensburg unter seinen besonderen Schutz genommen. Diese Papst-Urkunde vom 31. März 1219 ist die älteste, die den Namen „ Wolfurt" enthält.4 Unter den 72 dort genannten Besitzungen des Klosters ist das „predium in Wolfurt" die einzige im heutigen Vorarlberg. Aber schon wenige Jahre später vermittelte Weißenau einen viel wichtigeren Bezug der Staufer-Kaiser zu Wolfurt. Das Reich hatte keine feste Hauptstadt. Seine Schwerpunkte lagen in Aachen, Mainz, Bamberg und Straßburg, aber auch im burgundischen Arles, in Pavia, Neapel und Palermo. Wo der Kaiser gerade Hofhielt, war der Mittelpunkt des Reiches. Es war für ihn viel zu riskant, die Insignien seiner Macht, vor allem Szepter und Krone, ständig mit sich zu führen. Zu viele aufständische Konkurrenten strebten nach deren Besitz. Da vertraute er diese kostbaren Schätze den Mönchen von Kloster Weißenau an. Nun ruhten sie, bewacht von zwei Prämonstratenser Chorherren, mehrere Jahre lang verborgen auf der Waldburg in der Nähe von Weißenau. Für diesen unschätzbaren Dienst sollten die Mönche entsprechend entschädigt werden. Im Auftrag des Kaisers schenkte sein Sohn König Heinrich VII. dem Kloster im Jahre 1226 wertvollen Grundbesitz. Es bekam die dem Kaiser gehörige Pfullendorfer Hälfte der Pfarre St. Gallus in Bregenz und die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt. Daraus bezog es ab jetzt jährlich 250 Malter Getreide als Zehent, dazu 6000 Liter Wein und noch manches andere.5 Also: Der Kellhof Wolfurt war im Jahre 1226 ein Geschenk von Kaiser Friedrich II. an das Kloster Weißenau für die sichere Bewahrung der Krone! Wolfsführe - und nach und nach in Wolffurth überging."3 So überraschend genau ist der überlieferte Text, daß er sogar noch vom Zug des Ritters nach Italien berichtet. Wir dürfen also festhalten: Kaiser Friedrich Barbarossa hat um das Jahr 1180 den Ritter Wolford auf sein staufisches Schloß gesetzt. Hier liegt die Wurzel zum Namen unserer Gemeinde und keineswegs, wie bisher in den Schulen gelehrt, in einer „wohlen Furt" über die Ach. Der Kaiser hat dann 1186 noch einen letzten (den sechsten!) Kriegszug nach Italien geführt, ehe er auf dem Kreuzzug vom Tod ereilt wurde. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich VI., der in verlustreichen Kämpfen auch noch das Erbe seiner Frau Konstanze, das Königreich Sizilien, zu seinem nun übermächtigen Stauferreich 8 So wichtig war dem Kloster die neue Erwerbung, daß es sich die Schenkung noch mehrfach in weiteren Urkunden vom Kaiser selbst, vom Papst, vom Bischof und vom Herzog von Bayern bestätigen ließ. Der Geschenkgeber, König Heinrich, empörte sich übrigens 1232 gegen seinen kaiserlichen Vater. Er wurde von diesem gefangen und starb im Kerker. Nachfolger als deutscher König wurde sein jüngerer Bruder Konrad IV. Der hielt seinem Vater die Treue, auch als dieser vom neuen Papst Innozenz IV. mit dem Bannstrahl geächtet wurde. Seine Truppen überfielen und plünderten das päpstlich gesinnte Kloster Mehrerau. Jetzt erhielt auch dieses vom Papst am 17. September 1249 jenen großen Schutzbrief, in welchem unter 60 Orten erstmals die Steig und Rickenbach dokumentiert sind.6 9 Mit dem Tod von Kaiser Friedrich II. im Jahre 1250 schwand die Macht der Staufer. Sein Nachfolger Konrad IV. starb mit 26 Jahren schon 1254. Als letzter aus dem einstmals so stolzen Geschlecht wurde der 16jährige Enkel Konradin gar im Jahre 1268 in Neapel enthauptet. Der Kellhof aber blühte auf und entwickelte sich mit der zur Pfarrkirche erweiterten Kapelle St. Nikolaus zum Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Und die Krone? Die wunderbare, mehr als 1000 Jahre alte Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches? Ein Reif aus acht massiv goldenen Platten mit aufgesetztem Kreuz und Bügel. Nach einem theologischen Konzept herrlich geschmückt mit Edelsteinen, Perlen und Emailarbeiten. Auf langen Umwegen gelangte sie im Jahre 1800 nach Wien. Der letzte „Römische Kaiser" Franz IL legte sie 1806 ab und barg sie in seiner Hofburg. Im „Dritten Reich" wurde sie 1938 nach Nürnberg entführt. Die Amerikaner brachten sie nach Wien zurück. Tausende Besucher ziehen jetzt in der Schatzkammer an ihr vorbei, halten staunend still und denken an Kaiserpracht und versunkenen Glanz. Siegfried Heim Rund um den Kirchplatz In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts glaubte man, unser altes Kirchdorf sei sterbenskrank. Der Dorfbrunnen war abgebrochen worden. Der Kirchplatz vom Autoverkehr überschwemmt. Viele Geschäfte und Gasthäuser geschlossen. Die alten Bauernhäuser den Zuwanderern aus fremden Ländern überlassen! Nun ist das Dorf um das Jahr 2000 aber wieder zu neuem Leben erweckt worden. Der große rote Platz bringt mit regelmäßigen Markttagen die Menschen zusammen. Neue Geschäfte, Arzt-Ordinationen und schöne Wohnungen ergeben ein anderes Bild. Ein Spielplatz, ein kleiner Bach, ein vielbeachtetes Spielzeug-Museum lassen wieder Kinderlachen hören. Aus dem Dorfbrunnen sprudelt frisches Wasser! Viel Mut, viel Arbeit und viel Geld waren für diese Erneuerung notwendig. Wir sind den Verantwortlichen unserer Gemeinde dankbar dafür. Wir dürfen auf unser Kirchdorf wieder stolz sein! Das Dorf hat eine lange und wechselhafte Geschichte. In vielen Beiträgen in unserer Zeitschrift habe ich darüber berichtet.1 Hier fasse ich das Wesentliche noch einmal zusammen. Eine Wiederholung für eifrige Leser, aber auch eine Einführung für jene, die die alten Hefte nicht besitzen! Zur Zeit von Christi Geburt führte am Talrand eine Römerstraße zur Furt über die Ach nach Brigantium. Um das Jahr 500 ließen sich alemannische Bauern am Tobelbach nieder. Hier fanden sie Holz für ihre Häuser, frisches Wasser und fruchtbaren Ackerboden. Etwa ab dem Jahr 1000 mußten einige Höfe im Umland die Grafen von Bregenz versorgen, darunter der „Hof zue Staig" in Rickenbach und der „Kelnhof" am Tobelbach. „Keller" ist ein altes Wort für „Verwalter". Von den Grafen von Bregenz fiel der Kellhof an die Grafen von Pfullendorf, dann an Kaiser Barbarossa und schließlich an das Kloster Weißenau. Lies darüber im Beitrag „Die Staufer und der Kellhof'! Der Kellhof erhielt in dieser Zeit eine Kapelle St. Nikolaus und das Schloß auf dem Bühel und auch den neuen Namen „ Wolfurt". Jetzt entwickelte er sich zum Kirchdorf. In der Kirche behielten die Weißenauer Mönche ihren Einfluß bis 1600. Der Kellhof aber wurde mit seinen zeitweise zweihundert Leibeigenen mehrfach verpfändet und verkauft. Er kam zuerst in den Besitz der Grafen von WerdenbergBludenz, dann 1402 für 1100 Goldgulden an Montfort-Bregenz und schließlich 1515 nach weiteren Verpfändungen an den bekannten Landsknechtführer Merk Sittich von Hohenems. Verpfändet und verkauft! Mit Frauen und Männern, mit Äckern und Wäldern, einfach verkauft!2 Das gleiche Schicksal hatte im Jahre 1451 auch die Hofsteiger getroffen. Als es deren Herrin, der Gräfin Elisabeth von Bregenz, an Geld mangelte, verkaufte sie ihre 11 1 Heim, „Wolford", Heimat Wolfurt, Heft 24 / 2000 und „Weißenau", Heimat Wolfurt, Heft 17/1996 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs, I, S. 138 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg, 2 / 1839, S. 350 Kopie abgedruckt in Info Wolfurt, April 2004, S. 16. Siehe auch VLA, Helbok-Regesten Nr. 353! Binder, 850 Jahre Weißenau, 1995, S. 248 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 364 Heim, „ 750 Jahre Rickenbach ", Heimat Wolfurt, Heft 22 / 1999 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 445 2 3 4 5 6 10 halbe Stadt samt Hofsteig an Sigismund den Münzreichen, den Habsburger Herzog von Tirol. Seither, seit 1451, gehört Rickenbach mit den-anderen Hofsteiger Dörfern zu Österreich. Nicht so der Kellhof! Der verblieb noch dreihundert Jahre lang unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Hohenemser Grafen. Erst im Jahre 1765, als deren Geschlecht im Mannesstamm ausstarb, fiel auch Hohenems mit seinen Besitzungen in Lustenau, Dornbirn und im Wolfurter Kellhof an den Kaiser und damit an Österreich. Gräfin Rebekka, die Tochter und Erbin, hatte nach Böhmen geheiratet. Nun machte sie ihre Rechte zu Geld. Im Jahre 1771 kauften vier angesehene Wolfurter für insgesamt 4500 Gulden die letzten Hohenemser Besitzungen frei, darunter die fast zwei Hektar große „Bütze", den von einer Mauer gegen Hochwasser geschützten Emser Weingarten. Bald danach wurden die Reben ausgerissen und zuerst Heims und dann Rädlers Haus in den ehemaligen Garten gebaut. Bei Rädlers Haus blieb ein Stück von der alten Mauer noch bis 1976 stehen. Schon lange vor Rebekkas Zeit waren die Grenzen zwischen den beiden Gerichten, zu denen sich die gräflichen Höfe entwickelt hatten, durchlässig geworden. Durch Heiraten hatten sich die Besitzverhältnisse geändert. Jetzt gehörten viele Dörfler zu Hofsteig, Kellhofer wohnten umgekehrt auch in Schwarzach, Kennelbach und in Langen. Jedes Jahr aber mußten sich die Kellhofer Männer zur Musterung vor dem Emser Grafen oder seinem Vogt bei der Standlaube neben der Kirchenstiege einfinden. Zu großen Festen, etwa zur Hochzeit des Grafen, mußten sie sich sogar mit ihren Waffen in Hohenems aufstellen.3 Die Neuzeit hatte begonnen. Dem Hofsteiger Ammann Sebastian Schnell, der drüben an der heutigen Schloßgasse wohnte, gelang es, die beiden eifersüchtigen Äbte von Mehrerau und Weißenau an einen Tisch zu bringen und zur Gründung einer selbständigen Pfarrei St. Nikolaus zu bewegen. Seit 1512 müssen die Wolfurter und mit ihnen auch die Bucher und Bildsteiner nicht mehr zum Sonntagsgottesdienst durch die Ach waten. Seither haben sie einen eigenen Taufstein und einen eigenen Friedhof! Noch einen weiteren Erfolg konnte Ammann Bascha Schnell für sich verbuchen. Der Schloßherr Junker Jakob von Wolfurt erlaubte ihm, die Quellen bei seinem Weinberg zu fassen und durch Düchel-Rohre zu einem Brunnen auf dem Dorfplatz zu leiten, zum allerersten Brunnen. Mehr als vierhundert Jahre lang versorgte dieser Brunnen nun das Dorf mit Trinkwasser für die wachsende Anzahl von Einwohnern und auch mit Wasser zum Tränken der Tiere. Allerdings schöpften viele Bauern weiterhin wie bisher ihr Wasser aus dem Tobelbach. Wenn klirrender Frost oder anhaltende Trockenheit den Bach versiegen ließen, kamen sie aber auch zum Genossenschafts-Brunnen und nutzten dort ihr Recht. Der älteste „Seelenbeschrieb" von 1760 hatte erst 56 Häuser und dazu Kirche und Pfarrhof zum Dorf gezählt. Nach der Verteilung der Äcker dehnte es sich aber jetzt schnell nach Norden ins Röhle-Feld, nach Süden fast bis Unterlinden und nach Westen weit in die Bütze hinab aus. 12 Bild 5: Der neue Brunnen auf dem Kirchplatz Nach den im Gemeindearchiv aufbewahrten Brunnenbriefen waren im Jahre 1816 bereits 71 Genossen zur Wasser-Entnahme am Dorfbrunnen berechtigt. Es wurde eng, wenn aus 51 Ställen 83 Kühe und 34 Pferde zur Tränke geführt wurden.4 Auffallend ist dabei die niedrige Zahl der Kühe und die hohe der Pferde. Die Pferde setzte man beim Getreide-Anbau ein, der damals noch die weitaus wichtigste Lebensgrundlage der Wolfurter war. Kühe nutzte man dagegen hauptsächlich zur Eigenversorgung der großen Familien mit Milch. Sennereien gab es in Wolfurt noch nicht. Um dem täglichen Gedränge am Brunnen auszuweichen, faßten immer mehr Bauern eigene Quellen am Berghang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstanden es die Brunnenmacher auch schon, Pumpbrunnen ins Grundwasser zu setzen. Damit konnte man den steigenden Bedarf für die größer gewordenen Ställe, aber auch für Waschfrauen und Schnapsbrennereien decken. Große Angst hatte man weiterhin vor den Feuersbrünsten, die so manchen Hof in Schutt und Asche legten. Es muß ein gütiger Gott seine schützende Hand über die alten Holzhäuser im Dorfkern gehalten haben, daß es hier nie zu einer ganz großen Katastrophe gekommen ist. In jeder Küche loderte ja bis etwa 1850 ein offenes Feuer unter dem Kamin-Schurz. Löschwasser schöpfte man mit ledernen Kübeln aus dem Bach, wo Nachbarn mit Fallen das Wasser aufstauen konnten. Viel mehr als alle Schadensfeuer hat aber dann die moderne Zeit unter den alten Häusern gewütet. Dutzende von ihnen fielen der Spitzhacke zum Opfer, zerbrachen unter den Rammstößen der Bagger. Schließlich setzte in den letzten dreißig Jahren ein Umdenken ein. Von den allerletzten Rheintalhäusern wurden doch etliche behutsam renoviert und gelten heute als Schmuck der Gemeinde. Insgesamt 16 Häuser füllten früher einmal den Stock, das ist der Raum zwischen dem Dorfbrunnen und dem Kleinen Brunnen beim Kreuz an der Kreuzstraße, dicht aus. Davon stehen heute noch drei: der Alt Schwano, Sammüllars und s Schwöstoro-Hus. 13 Drei von 16! Die sind dafür alle drei vorbildlich hergerichtet worden. Weitere renovierte Häuser findet man noch ein paar an anderen Dorfstraßen. Mit den folgenden Zeilen will ich vor allem die alten und die verschwundenen Häuser ins Gedächtnis rufen. Mitten im Dorf stand einst am Rand des Kirchplatzes die hölzerne Laube, das ,,tanz-hus" (T). Unter ihrem Dach war der Platz für die öffentlichen Gerichtssitzungen und Beratungen. Nach dem Sonntags-Gottesdienst verkündigten der Ammann und sein Waibel wichtige Neuigkeiten und gaben die Anweisungen für die Arbeiten bei Saat und Ernte in der kommenden Woche. Die Laube bot aber auch Platz für den Tanz in der Fasnat und für allerlei Kurzweil. Das war der Grund, warum sie der überfromme Pfarrer Barraga im Jahre 1830 abbrechen ließ. Daneben stand „An der Kirchstiegen " das uralte „Hanso Hus". Dort hatte der Arzt Antonius Bildstein seine Praxis und die damit verbundene Barbierstube gehabt. Nun richtete sein Sohn Crispin Bildstein um 1770 hier den allerersten Kaufladen ein. Nach der Messe war er für die Hausfrauen geöffnet. Manche mußten ihre Schulden anschreiben lassen. Kunden aus Buch bezahlten oft mit Rebstecken oder mit Heugeschirr. 1928 wurde Hanso Hus zum Bau des Kriegerdenkmals abgebrochen. Auf der anderen Seite der Kirchstiege stand das stattliche Gasthaus „Rößle". Seine beste Zeit hatte es mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal ab 1850 unter der Wirtsfamilie Fidel Müller. 1982 wurde es abgebrochen, 1985 entstand hier das neue Pfarrheim. Gegenüber befand sich hinter dem Dorfbrunnen das älteste Gasthaus im Dorf, das man heute als den „Alten Schwanen" bezeichnet. In der dortigen Stube fanden die Sitzungen der Brunnengenossen statt. Im Jahre 1811 wurde hier unter der BayernHerrschaft auch die erste Vorsteherwahl in der fünf Jahre vorher neu errichteten Gemeinde Wolfurt durchgeführt. Als der Schwanenwirt Kalb später zusehen mußte, wie sein Konkurrent, der Rößlewirt Müller, mit Bäckerei und Handlung und mit neuen Gaststuben das Geschäft an sich riß, erbaute er 1860 auf dem Platz einer abgerissenen Nagelschmiede den „Neuen Schwanen". Hundert Jahre lang galt dieser nun als nobelstes Gasthaus im Dorf, besonders als die reichen Sticker im „Römerstüble" ihre ausgelassenen Treffen abhielten. Um 1970 mußte zuerst die Gaststube geschlossen werden. Zehn Jahre später wurde die stark erweiterte Handlung als Schwanenmarkt an die untere Kellhofstraße verlegt. Das stattliche Haus mit dem alten Schwanen-Schild blieb aber glücklicherweise erhalten. Das dritte Gasthaus am Kirchplatz war der „Engel". Der ehemalige Löwenwirt und Hofsteig-Ammann Joseph Fischer aus Rickenbach hatte dort um 1800 ein altes Haus gekauft und zu einem Gasthaus umgebaut. Hier hielt die 1816 gegründete Bürgermusik ihre ersten Proben ab. Mit den „Sammar"- und den „Alt-Adlerwirt"Fischer stammen bedeutende Familien aus diesem Haus. Zum Gasthof gehörten eine Kegelhalle und ein großer Gastgarten am gegenüberliegenden Hang. 1975 übersiedelte der Wirt in sein neues Hotel Engel. 14 Bild 6: Das Kirchdorf Wolfurt im Jahre 1760 Eine Skizze aus Heimat Wolfurt, Heft 6 /1990. Dort sind die einzelnen Häuser aufgezählt. Der Pfarrer hatte im „Seelenbeschrieb" für den Steuerkataster der Kaiserin Maria Theresia alle Straßen und Häuser und alle Einwohner aufschreiben müssen. Das im Pfarrhof erhaltene dicke Buch gibt einen ersten Überblick über unsere Gemeinde. Die Landstraße führte am Hang entlang zum Tanzhaus (T) am Fuß der Kirchenstiege und dann über das Oberfeld zur Furt an der Ach. Die Numerierung beginnt bei der Kirche mit den 6 Häusern „Auf dem Bühel". Nach den 7 (hier fehlenden) Anwesen an der Ach setzt sich die Reihe im „Röhle" (beim heutigen „Engel") fort. Sie führt über „Loch" und „Berggasse" (heute Kellhofstraße), „Feldgasse" (Kreuzstraße) und „Gässele" ins „Tobel" und erreicht endlich „An der Kirchstiege" mit der Nr. 45 „Hanso Hus" beim Tanzhaus. Vom Dorfbrunnen weg folgen die Nummern jetzt der „Kirchgassen " in Richtung Unterlinden . Neben dem Dorfbrunnen (bei 47) gab es noch Gemeinschaftsbrunnen auf dem Bühel (bei 2), im Loch (bei 24), bei Stenzlers (54) und den Kleinen Brunnen (bei 57). 15 Bild 7: Kinder am neuen Bächlein Bild 8: Blick vom Kirchturm auf das Dorf An dessen Platz standen früher zu beiden Seiten der Straße „ im röle " die zwei großen Haltmayer-Gerbereien, die ihren Besitzer um 1870 zum reichsten Mann von Wolfurt gemacht hatten. Beide mußten ihren Betrieb später einstellen. In den riesigen Häusern wurden Miet-Quartiere eingerichtet. Zuletzt mußten sie neuen Häusern Platz machen. Abgebrochen wurde daneben 1982 auch die „Dörfler" Sennerei. Genau hundert Jahre vorher war sie über Betreiben von Oberlehrer Wendelin Rädler gebaut worden. Bis 1924 wurde hier die Milch aus der nördlichen Hälfte der Gemeinde zu Butter und Käse verarbeitet. Ab jetzt wurde sie für die Großmolkerei Dornbirn gesammelt. Gleich danach endete früher die Röhle-Straße am Vällenthor (V). Die Landstraße führte ja damals über das Oberfeld. Von dort aus sah man um 1760 noch ein unermeßlich großes Getreidefeld vom Bühel bis zu den Unterfeldern in der Lärche. Kein 16 einziges Haus bis zur Lauteracher Kirche, keines im heutigen Röhle, keines in der Bütze! Nur Getreide und das Buschwerk „ im Wida " an der Ach! Das Feld war in Drittel abgesteckt. Ein Drittel war mit „ Vesen " bebaut, das ist eine Weizenart, die man heute Dinkel nennt. Sie lieferte das Mehl für Brot, Mus und damals, bevor im Ried Mais angebaut wurde, auch für „Hafo-Loab". Das zweite Drittel trug Hafer für „Habor "-Suppe und „Habor-Stopfar". Das dritte Drittel lag brach. Es sollte sich bis zur nächsten Einsaat erholen. Ammann, Dorfmeister und der „Banwart" regelten die gemeinsam von allen Dorfgenossen durchgeführte Arbeit bei Saat und Ernte. Sie sorgten auch für die Abfuhr des Zehents an den Vogt und an das Kloster Mehrerau. Bis ins 18. Jahrhundert hatte sich diese Dreifelder-Wirtschaft bewährt. Dann waren Felder und Wälder an die einzelnen Bauern verteilt worden. Bis zur Inselstraße und zu den „Löchern" (an der heutigen Loackerstraße) herein 17 reichte das mit Stauden bewachsene Flußbett der Ach, doch überflutete das Hochwasser nicht selten die Äcker bis in die Lärche und bis zur Laüteracher Kirche. Erst 1771 ließ Kaiserin Maria Theresia den Schutzdamm errichten, der viel später zur Achstraße ausgebaut wurde. Und die Straßen? An der Stelle der heutigen Bregenzerstraße und der Bützestraße führten grasbewachsene „Bau-Gaßen " in die Äcker hinein, aber der Zutritt war bis zur Erntezeit durch die großen Gatter der „ Vällenthore " versperrt. Ab 1800 wurden noch in der Bayernzeit ein paar Häuser in das Röhle-Feld gebaut. Bald danach stellten die Familien Dür, Schertler und Klocker je eine Ziegelei in die Insel hinaus. Als „Iosol" bezeichnete man das ursprünglich wertlose StaudenVorland an der Ach, das man mit Maria Theresias Damm dem Fluß abgerungen hatte. Zu jeder Ziegelei gehörte auch ein großer Kalk-Brennofen. Am Damm stapelten die Flößer riesige Mengen Holz aus dem Bregenzerwald als Brennmaterial auf. Der Lehm wurde in den Lehmlöchern im Flotzbach gegraben und mit Pferdefuhrwerken an die Ach geführt. Der mühsame Umweg über das Oberfeld machte eine direkte Zufahrt durch das Röhlefeld notwendig. Daher wurde um das Jahr 1820 eine neue Straße gebaut, die heutige Bregenzerstraße. Etwa 1830 entwickelte sich auch die Bützestraße zu einer zweiten Zufahrtsstraße zu den Ziegeleien. Als die Schertler um 1880 eine ganz moderne neue Ziegelei im Flotzbach geschaffen hatten, mußten die drei alten bald schließen. An der Ach blieb nur das Geschäft mit dem Kalk und später mit Zementwaren. Aus der ursprünglichen SchertlerZiegelei und ihrer Kalkhütte entwickelte sich die Firma Baustoffe-Rädler. Inzwischen waren die meisten Weingärten gerodet worden. Ab 1860 ging auch der Getreide-Anbau rapide zurück, weil preisgünstiges Getreide zum Bregenzer Kornmarkt eingeführt wurde. Die Landwirtschaft geriet in eine ernste Krise, aus welcher sie sich erst durch den Obstbau und die Intensivierung der Milchwirtschaft mit der Errichtung von Sennereien wieder einigermaßen erholte. Die ehemaligen Äcker rund um das Dorf verwandelten sich in Obstgärten und Heuwiesen. Jetzt zurück ins Kirchdorf! Dort war auch die „ Berggaßen ", die heutige Kellhofstraße, mit einem Vällenthor beim Bütze-Weingarten gegen das Ackerfeld verschlossen. Es gab aber bereits einen Weg nach Lauterach und den „Bregenzer Weg" auf der heutigen Montfortstraße schräg durch Felder und Stauden-Vorland zur einzigen Brücke über die Ach in Lauterach. An der Berggasse brach Kaspar Gmeiner 1776 das oberste Haus beim Brunnen ab und stellte es weiter unten im damals noch freien Feld neu auf. Ergänzt mit einem Stadel steht es noch heute (Kellhofstraße 11, Mohrs). Schon früher hatte ein einzelnes Haus außerhalb des Vällenthores (Nr. 30, Bützestraße 1, Stülzes) die Besiedlung der Bütze eingeleitet. Am westlichen Teil der „Berggasse" stehen noch ein paar von den alten Häusern, darunter der am Giebel mit den allerschönsten Zimmermannsarbeiten geschmückte alte „Kunsum". In dem bereits 1779 erbauten Haus hatte der Arbeiter-Verein 1903 18 Bild 9: Die Berggasse 1890. Wandbild von E. Köb im Schwanen. Links s Wäschhütlle und Filitzos Hus Bild 10: Dr. Lorenz Böhlers Geburtshaus einen preisgünstigen Verkaufsladen eingerichtet, der 1938 zum weitaus größten und modernsten Gemischtwaren-Geschäft der Gemeinde erweitert wurde. Wie viele andere Läden ist auch der Konsum längst geschlossen. Ein Stück weiter unten mußte 1976 mit Rädlers Haus ein besonders schönes Bauernhaus samt dem letzten Stück der Weinberg-Mauer dem Neubau des Schwanenmarktes und der Raiffeisenbank weichen. Unterhalb der Weg-Abzweigung ins „Loch" (Im Dorf) hatten die Dörfler eine Waschhütte gebaut, in welcher das saubere Überwasser des Dorfbrunnens den Hausfrauen zur Verfügung stand. Eine zweite solche Waschhütte stand droben auf dem Bühel. Dort wurde auch Schnaps gebrannt. Auf der Südseite der Kellhofstraße steht noch, ganz nahe beim Alten Schwanen und 19 Bild 12: Gasthaus Lamm um 1930. Gemalt von Rudolf Schertler. Bild 11: Dörfler Konsum um 1935 Bild 13: Das Mohr-Haus an der Kellhofstraße. Es wurde 1776 aus dem Kirchdorf hierher übertragen. wie dieser schön restauriert, das „Sammüller "-Haus. Es trägt seinen Namen nun schon mehr als 250 Jahre lang vom Gotteshaus-Ammann Nikolaus Müller. In der Wohnung über der damals angebauten Schreinerei wurde 1885 unser Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler, „ Sammüllars Lorenz ", geboren. An der Ecke zur Kreuzstraße stand früher der Gasthof „Lamm ": Der Lohnmetzger Gebhard Fischer hatte um 1880 hier das allererste Metzgerei-Lokal von Wolfurt eingerichtet, in welchem er Fleisch und Wurst an die zunehmend nicht-bäuerliche Bevölkerung verkaufte, die in den „ Quartieren " der großen Häuser wohnte und ihren meist kargen Verdienst in der Fabrik in Kennelbach erarbeitete. 1962 ist das Lamm abgebrannt. Im großen Neubau wurde das Gastlokal „ Klim-Bim " eingerichtet. Wo die Kreuzstraße an ihrem Südende bei einem großen Wegkreuz in die Kirchstraße einmündet, war früher einmal das Ende des Dorfes gewesen. Das gemeinsam 20 Bild 14: Das Rädler-Haus. Vorne die Mauer des Emser Weingartens. 21 Bild 15: Rasiorars Hus an der Kurve. Links das Heitz-Haus. bewirtschaftete Feld westlich der zur „Kirchstraßen" gewordenen ehemaligen Römerstraße war durch Jahrhunderte gegen Verbauung geschützt. Im 18. Jahrhundert setzten sich einflußreiche Bürger über die alten Gesetze hinweg. Als erster baute der Hofsteig-Ammann Jerg Rohner beim Kreuz einen großen Hof und eröffnete darin ein Gasthaus. Dort soll nach der Legende einmal Kaiser Josef II. genächtigt haben, als er inkognito sein Reich bereiste.5 Vor dem Haus stellte der Wirt einen eigenen Brunnen auf, für welchen er Wasser von der Zuleitung zum Dorfbrunnen abzweigte. Der stolze Hof, damals der größte in der Gemeinde, ist 1869 abgebrannt. Im Jahre 1957 mußte auch der „Kleine Brunnen" dem zunehmenden Autoverkehr weichen. Gegenüber waren 1937 die zwei alten Häuser des Wagners Heitz und des Metzgers Reiner abgebrannt. Wegen der Beengtheit des Platzes versagte die Gemeinde die Erlaubnis zum Wiederaufbau. So legten die Geschwister Heitz beide Brandplätze zusammen und stellten darauf das übergroße Haus, das seither den Südeingang zum Kirchdorf dominiert. Im Erdgeschoß bauten die Brüder drei Werkstätten ein. Längst sind diese geschlossen und haben Platz gemacht für kleine Geschäftslokale. Noch weiter im Süden durfte man eigentlich nur auf der Bergseite der Kirchstraße bauen. Zu einem Doppelhaus zusammengezwängt standen dort weit abseits schon um 1700 zwei bescheidene Häuser. Sie wechselten alle paar Jahre die Besitzer. Nach dreihundert Jahren stehen die unverwüstlichen Zwillinge noch immer fest auf ihrem felsigen Grund und bieten Raum für junge Familien. Eines wurde in den letzten Jahren von Grund auf renoviert (Zilla Zollers). Noch einmal zurück ins Dorf! Im großen Rank an der Kirchstraße steht seit 1746 das bis heute fast unverändert gebliebene „Rochusles Hus". Daneben hat 1772 der reiche Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner aus Feldkirch sein schönes Haus gebaut. Viel später hat dort „Rasiorars Agathle" ihren Kundschaften die Haare frisiert oder schon am Sonntag-Vormittag die Barte gestutzt. An der Ecke zur Schloßgasse erinnert uns ein besonders originelles Doppelhaus daran, wie knapp bemessen der Baugrund im Dorf einst gewesen ist. Die Westhälfte heißt man „Stenzlars Hus". Hier, wo einst das kleine Halden-Bächlein zum Tobelbach abgeleitet wurde, wohnte um 1500 der Ammann Bascha Schnell. Das Haus ist aber sicher jünger. Nach der Überlieferung soll es sogar einmal ein Gasthaus gewesen sein. Seinen Namen hat es von der Witwe Schwerzler, geborene Stenzel, die hier allein ihre Kinder aufzog. Ein Stück weiter in Richtung Kirche steht „ Tannbergers ", das seinen Namen von einem Josef Anton Huber aus Lech am Tannberg trägt. Vor ihm besaß es 1873 der böhmische Schneider Franz Eiselt, der 33 (!) Schlafstellen für arme Gastarbeiter einrichtete und damit viel Geld verdiente. Ein paar von den allerältesten Häusern drücken sich noch „Im Tobel" zusammen. Den Südhang deckte bis zum Jahre 1900 mit Pfarrers Rebgarten der letzte Weinberg in Wolfurt. Von der Friedhofmauer weg, wo sie ihren ersten Schießstand aufgestellt 23 Bild 16: An der Kirchstraße 1970. Tannbergars, Gitschges, Rüstos und Stenzlars. Bild 17: Mohro Emiles und der Alt Schwano, 1995 22 hatten, erprobten ab 1838 die Wolfurter Schützen ihre Vorderlader-Stutzen. Der Zielstock stand auf dem Bühel gegenüber. Beim Schwesternhaus beenden wir unseren Rundgang durch das Dorf. Der Schuhmacher Weiß hatte es 1921 den Schulschwestern vermacht. Darüber berichtet ein eigener Artikel. Auch die vielen anderen, an denen wir vorbei gegangen sind, könnten uns jedes eine eigene Geschichte erzählen! Siegfried Heim Die Besiedlung der Bregenzerstraße Das Röhle-Getreidefeld war schon vor 1750 aufgeteilt worden. Aber erst die um 1820 neu angelegte Straße am Fuße des Oberfelds machte eine Besiedlung möglich. Bis 1750 war ein Dür-Haus (Bregenzerstr. 7, Schützo-Mathisos) das äußerste nördliche Gebäude des Kirchdorfs gewesen, direkt neben dem Vällenthor zum Getreidefeld. Als erster überschritt 1752 Joseph Vonach diese uralte Grenze und baute sein neues Haus an den Vorsprung des „Röhle", an den steilen „kleinen Rain". Er überließ es später seinem Schwiegersohn Johannes Dür, der mit seinen vielen Kindern bald danach die Besiedlung von Röhle und Ach vorantrieb. Das Dür-Stammhaus steht noch heute, vor wenigen Jahren renoviert, als „Hannes Franzos" (Breg.str. 6). Erst 1802 erhielt es in Joh. Georg Klocker den ersten Nachbarn, den Stammvater der „Strickar"-Klocker. (Breg.str. 8, „Gigars im Röohle"). Damals führte die Landstraße ja noch über das Oberfeld und umging damit das Röhle-Feld. Erst weit im Norden senkte sie sich wieder zu den sieben alten Häusern an der Ach und erreichte dort als erstes das kleine Klocker-Haus (Breg.str. 31, Wachters). Das dritte Haus im Röhle erbaute 1805 Franz Josef Dür, ein Sohn des Johannes (Breg.str. 10, Kapeollars). Er begann nach den Franzosen-Kriegen mit dem Ziegelbrennen an der Ach. Sein jüngerer Bruder Lorenz Dür hatte das SchmiedeHandwerk erlernt. Er stellte 1812 auf der anderen Seite des Weges eine Werkstatt ins Feld und baute dazu ein Jahr später ebenfalls ein Haus (Breg.str. 11, Schorrers). Seine tüchtigen Söhne verlegten 1848 die Schmiede nach Rickenbach und schufen dort das Stammwerk der Firma Doppelmayr. Schon 1814 kam dann auch Josef Anton Schertler, ein Sohn des legendären Schützenmajors Jakob Schertler, aus Unterlinden und erbaute genau vis-a-vis von Franz Josef Dür ein großes Haus (Breg.str. 15, Schertler I, „Schädlars Sepplos"). Mit einer zweiten Ziegelei an der Ach wurde er der große Konkurrent der Firma Dür. Gemeinsam setzten die beiden aber jetzt den Ausbau des bisherigen Ackerweges zu einer Fahrstraße durch das Röhlefeld bis zur Ach durch. Zwei Jahrhunderte lang galt die neue Straße neben der Bützestraße als die „Obere Straße". Als erste in Wolfurt wurde sie 1931 „geteert". Seit 1953 trägt sie den neuen Namen „Bregenzerstraße". 1964 konnte sie den unerträglich gewordenen DurchzugsVerkehr an die „untere" Straße abgeben. Am Nord-Ende der damals neuen oberen Straße hatte als erster der Küfer Johann Böhler 1822 die Verbindung für ein Haus genützt (Breg.str. 21, „Hann-Batistos"). Drinnen im Dorf stellten jetzt die Haltmayer 1818 und 1828 ihre beiden Gerbereien auf. Aus dem Gasthof Engel übersiedelte die Witwe Magdalena Schertler-Fischer 1835 in ihr neues Ausgedinge-Haus am Röhle-Rank (Breg.str. 9, „Sammars"). 25 1 Empfohlen seien besonders aus Heimat Wolfurt Heft 4, S. 54 Pfarrkirche St. Nikolaus Heft 6, S. 2 Das Kirchdorf Heft 13, S. 6 Hofsteig Heft 23, S. 6 Dorfbrunnen Nach Ludwig Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV Jahrbuch 1952 Nach Ludwig Welti, Jakob Hannibal, Wagner-Innsbruck, 1954 Heim, Dorfbrunnen, Heimat Wolfurt, Heft 23, 1999 Heim, Ein Kuß für den Kaiser, Heimat Wolfurt, Heft 14, 1994 2 3 4 5 24 Nun war nur mehr in der Mitte des Feldes ein Stück frei geblieben. Hierher bauten 1836 der Wagner Fidel Bildstein von der Hub (Breg.str. 12, Kassians) und der DürSchwiegersohn Max Rusch aus Kennelbach (Breg.str 20, „Küofar Böhlars", jetzt Fuchs). Die letzte Lücke schloß 1843 Franz Josef Dür (Breg.str. 14 u. 16, Bernhards). Als 1852 noch die Ziegelei-Firma „Schertler u. Cie" ihr großes Geschäftshaus auf die Westseite der Straße gestellt hatte (Breg.str. 21, Schertler II, „Schädlars Alfredos "), war die Besiedlung des Röhle für viele Jahre abgeschlossen. Nur an den Hang kamen 1888 noch die Schertler-Kalkhütte und 1889 die BöhlerWagenschmiede. Nach langer Unterbrechung stellte nach dem Ersten Weltkrieg Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, seine Zimmermanns-Werkstatt auf, die Alwin Fuchs einige Jahrzehnte später zu einem Wohnhaus umgestaltete (Breg.str. 18). Und um das Jahr 1930 erbaute Josef Lässer erstmals nach fast 70 Jahren wieder ein Wohnhaus (Breg.str. 23). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann die ungehemmte Besiedlung der Felder ein, verbunden mit einer massiven Rodung der schönen Obstbaum-Bestände. Sogar der steile Berghang wurde schließlich bebaut. Das Bild an der Straße bestimmen aber immer noch die alten Rheintal-Häuser mit ihren hohen Giebeln. Mit großem Einsatz haben mutige Besitzer bereits die meisten renoviert und die Wohnungen der neuen Zeit angepaßt. Eine schöne Straße ist uns erhalten geblieben, die Bregenzerstraße im Röhle! Bild 21: Die alten Häuser im Röhle auf einem Katasterplan von 1857 26 27 Bild 18: Bregenzerstraße und alte Landstraße auf das Oberfeld 1931. Neuer Schwanen, Engel und Kegelhalle. Bild 22: Das Röhle im Schmuck der großen Birnbäume. Schädlars Sepplos, Kapeollars und Kassians. Bild 19: Die zum Mietshaus umgebaute ältere „Gerbe" von 1818. Dahinter die Sennerei von 1882. Bild 23: Hannes Franzos Hus wurde 1752 als erstes im Röhlefeld gebaut. Bild 20: Schützo-Mathisos und Sammars. Beide vorbildlich renoviert. Bild 24: Die Dür-Ziegelei um 1890. Ein Bild von Schnidarles Hannes. 28 29 Siegfried Heim Das Schwesternhaus An der engen Kurve der Kirchstraße hat die Gemeinde Wolfurt vor wenigen Jahren ein altes Rheintalhaus renoviert. Mit dem Schwesternhaus bleibt ein wichtiges Gebäude erhalten, das nach außen das Bild unseres Kirchdorfs wesentlich beeinflußt, das in sich aber auch eine beachtliche Tradition trägt. In den letzten 250 Jahren war es nacheinander Mesmar-Hus Klockar-Hus Naglar-Hus Schuohmachar-Hus Schwöstoro-Hus und nun ist es noch zum Spielzeug-Museum geworden! Im Stock Nahe am neuen roten Marktplatz, wo im letzten Jahrzehnt große Anstrengungen zur Wiederbelebung des Kirchdorfs ihre ersten Früchte getragen haben, wurde im Mai 2004 ein neues Wohn- und Geschäftshaus eröffnet, das die Wolfurter nach den neuen Mietern bereits „s Doktor-Hus" nennen. Zusammen mit dem benachbarten Schwesternhaus hat „ der Stock" dadurch eine weitere Veränderung seiner in langen Jahren arg abgebröckelten Fassaden erfahren. „Stock" ist der alte Name für das Dreieck zwischen Kellhofstraße, Kreuz- und Kirchstraße. Bei unzähligen feierlichen Aufmärschen und manchmal auch bei großen Begräbnissen zog man früher mit Musik und Fahnen „umm-o Stock" zum Kirchplatz und zur Kirche. Das Schwesternhaus wurde um das Jahr 1700 nahe bei Kirchplatz und Dorfbrunnen als Bauernhaus erbaut und übertraf damals an Größe die meisten Nachbarhäuser. Von Anfang an hatte es unter den Überschwemmungen des Töbele-Baches zu leiden. Nach Schlagwettern brach dieser oft an der Ecke des gegenüber liegenden RößleStadels aus. Seine schmutzigen Fluten prallten dann an die Straßenwand des Schwesternhauses und suchten sich auf beiden Seiten einen Weg durch die Gärten hinab in die Bütze. Erst vor etwa hundert Jahren wurde am Haus eine hohe Betonschwelle angebracht, die seither die Fluten auf die Kirchstraße ablenkte. Die letzten Überschwemmungen durch den wilden Bach haben noch um das Jahr 1940 jeweils einen großen See unterhalb der Kreuzstraße entstehen lassen. Alte Familien Der erste Besitzer des Schwesternhauses, den unsere Bücher in des Pfarrers Seelenbeschrieb von 1760 in „domus 49 an der Kirchgaßen" erfassen, war der Pfarr-Mesner Anton Fischer, 1718-1789. Auf dem steilen Pfad durch Pfarrers Weinberg im Töbele konnte der Mesner damals zu seinem Dienst in die alte kleine 31 Bild 25: Schädlars Alfredos. Als Zentrale der SchertlerZiegeleien 1852 erbaut. Bild 26: Die SchertlerKalkhütte, später Kalkwerk Rädler. Bild 27: Hann-Batisto Jockls Huf- und Wagenschmiede. 30 Pfarrkirche hinaufsteigen und dort regelmäßig die Glocke zum Gebet läuten. Anton Fischer gehörte dem angesehenen Geschlecht der Stöoglar-Fischer an, zu dem man auch die Seppar, Klosos und Schnidarles-Fischer zählt. Weil er kinderlos blieb, fiel das Haus an seine Stieftochter, die 1772 Anton Klocker geheiratet hatte. Damit wurde es zum wichtigsten Zentrum der Wolfurter Klocker. Von den acht Kindern begründete der Sohn Joh. Georg Klocker im Röhle mit der Nachbarstochter Franziska Reiner aus dem alten Schwanen die Sippe der Strickar-Klocker. Der jüngere Sohn Xaver Nikolaus heiratete mit Barbara Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ebenfalls eine reiche Wirtstochter und wurde der Stammvater der Soalar-Klocker. Die Glasar-Klocker stammen dagegen von Vater Antons jüngerem Bruder Josef Klocker. Das Haus an der Kirchstraße behielt der Sohn Josef Anton Klocker, 1783-1859. Dieser erbaute 1835 von hier aus eine große Ziegelei an der Ach und dazu das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohners). Das Elternhaus im Dorf wurde frei. Im Jahre 1843 übernahm es der einflußreiche Gemeinderat Johann Kalb, Naglars, und zog mit seiner großen Familie vom Strohdorf her hier ein. Später überließ er es seinem Sohn Gebhard Kalb, 1829-1878, von dem die vielen Naglar-Kalb-Familien an der Ach, in Unterlinden, in Schwarzach und auch in der Schweiz stammen. Alle aus diesem Haus! Wie in vielen anderen Bauernhäusern wurden jetzt auch im Schwesternhaus Mieter ins „ Quartier" aufgenommen. So lebte im oberen Stock durch längere Zeit die aus Rickenbach zugezogene Familie des Johann Mathias Bernhard, Lohansolars. Das Haus bekam im Jahre 1900 bereits seine fünfte Hausnummer. Nach des Pfarrers „domus 49" von 1760 hatte man aus steuerlichen Gründen bereits 1785 unter Kaiser Joseph II. die Nummer 50 und 1806 unter den Bayern die Nummer 25 auf den Türstock malen müssen. 1843 folgte die Nummer 51 und 1900 bei der letzten Durch-Numerierung der Gemeinde von der Ach bis Rickenbach die Nummer 64. Diese hielt nun bis zum Jahre 1954. Dann wurde sie beim Schwesternhaus durch die noch heute gültige Bezeichnung „Kirchstraße 45" ersetzt. Die Weiß-Stiftung Als Kalbs erwachsene Kinder das Elternhaus vor dem Jahr 1900 nach verschiedenen Richtungen verlassen hatten, konnte es der Schuhmachermeister Josef Weiß, 18681921, kaufen. Weiß stammte aus Lauterach und heiratete 1901 Maria Hinteregger. Sie war die älteste Tochter unter den 15 Kindern des Gemeinderats und Dorfmeisters Franz Hinteregger in der Bütze. Ihre Mutter war 1888 wenige Wochen nach der Geburt des 15. Kindes gestorben. So hatte Maria die Mutterstelle bei ihren vielen Geschwistern übernehmen müssen. Nun zog sie zu ihrem Mann ins Dorf. Weiß hatte in den Stadel des Hauses eine Schuhmacher-Werkstatt eingebaut. In einem kleinen Schaufenster an der Kirchstraße zeigte er die fertigen Schuhe. Über seine Arbeit hinaus war er auch politisch tätig. Schon 1899 war er einer der maßgeblichen Begründer des Katholischen 32 Bild 28: Das Stifterbild im Schwesternheim 33 Bild 29: Das Schwesternhaus 1989. Bild 30: Sr. Regina 1992 im Kreis ihrer Wolfurter Mitschwestern. Arbeitervereins gewesen. Bei der ersten Sitzung im Sternen hatten ihn die Wolfurter Arbeiter sogar zum Obmann gewählt. Im folgenden Jahr 1900 schaffte er für seinen Verein eine schöne Fahne an. Erst im Jahre 1904 konnte er das GemeindeBürgerrecht erwerben. Die kleine Rosa, das einzige Kind der Eheleute Weiß, starb schon im Alter von einem Monat. Die Wirschaftskrise am Ende des Ersten Weltkrieges traf den Schuhmacher schwer. Er erkrankte und starb, erst 52 Jahre alt, im Jänner 1921. Auch seine Frau Maria war todkrank. Als Pflegerin hatte sie ihre jüngere Schwester Paulina ins Haus genommen. Vor dem herbeigerufenen Pfarrer Stadelmann erstellte Maria Weiß, ganz im Sinne ihres Mannes, ein Testament. Darin stiftete sie ihr Haus den Schulschwestern als Wohnung. Diese hatten sich seit ihrem Einzug in Wolfurt im Jahre 1864 viele Jahre lang mit einer kümmerlichen Notwohnung im Schulhaus begnügen müssen, bis die Gemeinde für sie eine Wohnung im Haus Bucherstraße 3 mietete. Nun sollten sie endlich ein eigenes Haus bekommen. Grundbücherlich gehörten zum Haus ein großer Garten auf der anderen Seite der Straße, das Recht zur Nutzung des Tobelbaches und ein Anteil am Dorfbrunnen. Marias leibliche Schwester Paulina Hinteregger behielt das Wohnrecht in zwei rückwärtigen Zimmern. Die Schuhmacher-Werkstatt sollte der Jungfrauen-Kongregation zur Verfügung gestellt werden. Am 25. Jänner 1921 starb die Stifterin Maria Weiß, nur eine Woche nach dem Tod ihres Gatten. Nach dem Testament mußten ihre Verwandten vom Pfarrer mit einem BargeldBetrag abgefunden werden. Wegen der Geld-Entwertung durch die Inflation hatte man dafür 500 Schweizer Franken bestimmt. Als der Pfarrer diese Summe im notleidenden Wolfurt nicht auftreiben konnte, wandte er sich an Auswanderer in Amerika, darunter an den Pfarrer Theodor Rohner. Schon nach wenigen Wochen 34 traf eine viel größere Summe ein, die auch noch für den Umbau des Hauses ausreichte. Erster Verwalter des Stiftungsvermögens wurde ein Schwager der Stifterin, der Schreiner Rudolf Fischer, Schnidarles. Schwesternhaus Noch im Jahre 1921 zogen die Barmherzigen Schwestern Sebastina Oberhauser, Hildegund Gmeiner und Gisela Amann ein. Vom nunmehrigen „Schwesternhaus" aus setzten sie ihr segensreiches Wirken für Schule und Pfarrei Wolfurt fort. Nach dem Tod von Sr. Hildegund stieß 1932 noch Sr. Regina Pichler zu ihnen. Sie war die letzte Schwester, die das Haus bis 1992 bewohnte, begleitet und betreut von ihrer Helferin Zilla Zoller. Als dann auch Zilla die Wohnung räumte, blieb das Haus zehn Jahre lang leer. In die ehemalige Werkstatt war 1922 die damals sehr aktive JungfrauenKongregation eingezogen. Sie hielt hier ihre wöchentlichen Heimabende mit Gebet, Gesang und fröhlichem Gespräch ab. Dazu kamen Bildungsvorträge, Koch- und Näh-Kurse und Ausbildung in Kranken- und Säuglingspflege. Das rührige Treiben trug dem Mädchenheim bald den Spottnamen „Henno-Stal" ein. Auch die Pfarr-Bücherei fand hier einen Platz. Nach Beschlagnahme und „Säuberung" in der NS-Zeit wurde die Bücherei mit den übrig gebliebenen alten und einigen wertvollen neuen Büchern nach dem Krieg wieder eröffnet und war jetzt ein wichtiger Treffpunkt für die bildungshungrigen Wolfurter. Darüber hinaus verwendete die Gemeinde die Räume viele Jahre lang als Wahllokal für Gemeinde-, Landes- und Bundeswahlen. Streng mußte der Wahlleiter darauf achten, daß am Wahltag zuerst im näheren Umkreis die Wahlplakate entfernt wurden. In den Gasthäusern durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden. Findige Wirte sollen allerdings für ihre Stammgäste immer wieder einen Ausweg gefunden haben. 35 Als die Gemeinde dann in den 60er-Jahren neue Schulen und ein Rathaus gebaut hatte, wurden für Vereine, Bücherei und natürlich auch als Wahllokal bessere Räume gefunden. Die Kongregation wandelte sich zur Jungschar und fand im neuen Pfarrheim Aufnahme. Jetzt blieb der „Henno-Stal" lange Zeit ungenutzt. Schon 1922 hatte sich die Gemeinde zur Erhaltung des Schwesternhauses verpflichtet. Nach dem Statut kann sie es aber, wenn es nicht für Schulschwestern oder einen anderen Orden beansprucht wird, einem gemeinnützigen Zweck zuführen. So wurde mit Zustimmung des Generalrats der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck und von Stiftungskurator Dr. Franz Hinteregger im Jahre 1991 im Stadelteil des Hauses der Kindergarten Kirchdorf eingerichtet. Weil der Orden wegen des Mangels an Nachwuchs keine Rückkehr von Schwestern mehr in Aussicht stellen konnte, machte sich die Gemeinde nach Sr. Reginas Tod Gedanken um eine Verwendung der Wohnung. Zu viele von den alten typischen Häusern des Dorfes waren bereits verschwunden. Eine Revitalisierung der alten Bausubstanz erwies sich als schwierig und aufwendig. Trotzdem entschloß sich die Gemeinde mutig zu dem Schritt, nach dem Alten Schwanen auch noch das traditionsreiche Schwesternhaus, das Stammhaus vieler Wolfurter Familien, für die Nachwelt zu erhalten. Mit einem Aufwand von über 300 000 Euro wurden Wohnung und Dachboden saniert. Uraltes Gebälk und „gestrickte" Wände wurden dabei freigelegt und als Zeugnisse der Baukunst unserer Vorfahren dauerhaft sichtbar gemacht. Nun konnte Frau Iris Alge, die in jahrzehntelanger aufwendiger Sammeltätigkeit einen einmaligen Schatz zusammengetragen hatte, hier vom Keller bis zum Dachboden ein Puppen- und Spielzeug-Museum einzurichten. Die Gemeinde Wolfurt leistete damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Rettung und Erhaltung alter Kulturgüter. Dazu wünschen wir Glück! Und dem uralten Haus noch viele Jahre! Siegfried Heim Der Buggenstein Wer über die Wolfurter Bühel wandert und einen Aussichtspunkt sucht, der findet einen der schönsten Plätze droben auf „Stöckelers Bühel". Wir Älteren nennen den langen grünen Rücken zwischen Kirche und Ippachwald meist noch „Jochums Bühel". In den alten Schriften heißt er aber seit mehr als fünfhundert Jahren der „Buggenstein ". In dem Namen steckt das alte Wort „Buggel" für einen nicht gerade hohen und abgerundeten Bühel. Er ist ja nur 478 Meter hoch, 57 Meter über dem Dorfplatz und 45 Meter über dem nahen Friedhof. Aber sein sanftes Grün vor dem dunklen Ippachwald prägt neben Kirche und Schloß doch die Ansicht unseres Dorfes ganz entscheidend mit. Wunderbar läßt es sich da droben in der milden Herbstsonne sitzen. Bald aber fegt dann wieder der West-Sturm über den Querriegel, der sich ihm als erstes Hindernis vor dem Steußberg entgegenstellt, und zerzaust die zähen Birken. Steil fällt die schattige Nordseite zur Neuen Bucherstraße ab. Die Sonnenseite neigt sich dagegen gemächlich zum kühlen Tobel und zur idyllischen Rütte. Dort zieht seit dem Mittelalter die Alte Bucherstraße durch. Sie erschließt den großen Ippachwald. Harder, Lauteracher und Wolfurter Fuhrleute versorgten lange Zeit auf diesem Weg ihre Dörfer mit Bau- und mit Brennholz. Manch Interessantes könnte uns der Buggenstein erzählen. Nach der Meinung von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank dürften Grabungen auf seiner windgeschützten Seite vielleicht Funde aus der Steinzeit erbringen. Jedenfalls wäre dieser Platz, nahe beim Wald und beim frischen Wasser des Tobelbachs, für ein Lager der frühen Jäger sehr geeignet gewesen. Einen seltsamen Hinweis dazu gibt die unbestimmbare Überlieferung, daß auf dem inzwischen fast ganz überwachsenen Felsband an der Südostkante einst eingeritzte Zeichen zu sehen waren. Ins Licht der Geschichte tritt der Buggenstein am Ende des Mittelalters. Eine Pergament-Urkunde im Landesarchiv nennt den Namen erstmals im Jahre 1449. (VLA, Nr. 1096, nach Wolfurt in Chroniken, 1982). Damals tauschten die Wolfurter einen Meßkelch für ihre Kapelle St. Nikolaus ein und gaben dafür „ein stück feld ob der kirche auf dem Buggestain". Der größte Teil des Südhangs war einst mit Weinreben bepflanzt. Erhalten geblieben sind Urkunden von 1457 vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain 1464 Gärtle und Reben am Buggenstain 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain 1597 Weingart an Buggenstain 1601 Rebgertlin in Buggenstain 1610 Kloster Mehrerauw Reben in Buggenstain (Nach Werner Vogt, Heimat Wolfurt, Heft 19, S. 9 f.) 37 36 Bild 31: Neben Kirche und Schloß prägt der grüne Rücken des Buggensteins das Bild von Wolfurt. Bild 32: BuggensteinSüdseite und Alte Bucherstraße Bis 1601 hatte ein Teil vom Buggenstein zur Kirche Wolfurt und damit zum Kloster Weißenau gehört. Jetzt waren diese Rechte für bares Geld an das reiche Kloster Mehrerau verkauft worden. (Heimat Wolfurt, Heft 17, S. 7) Seit dem Niedergang des Weinbaus gab es da oben noch ein paar Dinkel-Äcker, aber etwa ab 1870 nur mehr Viehweiden. Von einer Bebauung blieben die Hänge noch lange Zeit frei. Einzige Ausnahme waren Kirche, Friedhof und Pfarrhof „uff-om Roa", auf dem westlichsten Ausläufer des Buggensteins. Das allererste Haus am Nordfuß des Bühels (heute Bucherstraße 6, Stöcklers) erbaute im Jahre 1824 Joh. Gg. Gasser. Gasser war Waffenschmied an der Berggasse (Bucherstraße 1) gewesen und zog nun mit seiner Frau Magdalena Flatz, einer Schwester des berühmten Malers Gebhard Flatz, ins Oberfeld. Später besaß ihre Tochter Viktoria Gasser, die in Bregenz den Onkel Gebhard in seinen letzten Lebensjahren betreute, das Haus. Pächter und nachfolgende Eigentümer behielten den Hof meist wenige Jahre, weil der steile Bühel nur mit großer Mühe zu bewirtschaften war und nur geringen Ertrag einbrachte. Auf Kressers, die nach Lauterach zogen, folgte die Familie Rai, die 1924 nach Amerika auswanderte. Jetzt kam aus Lech Johann Jochum, der mit Frau und Töchtern viel Kraft aufwendete, um dem Hang mehr Gras abzugewinnen. Dazu schaffte er sogar eine starke Jauchepumpe an. Mit langen eisernen Rohren konnte er nun erstmals richtig düngen. Inzwischen hatte der Zimmermann Josef Anton Köb, „Lehrars Seppatone", im Jahre 1900 ganz nahe bei der Kirche sein schönes Haus (Bucherstraße 2) als zweites nach dem Gasser-Haus errichtet. Auf der rechten Seite der Alten Bucherstraße baute die Gemeinde dann 1911 ihren oberen Friedhof mit den Arkaden. Der Pfarrhof war schon 1882 erneuert worden. Jetzt kehrte noch einmal für viele Jahre Ruhe auf dem Buggenstein ein. 38 Das wurde 1952 mit einem Schlag anders. Die Gemeinde betonierte fast ganz oben auf „Jochums Bühel", genau 468 m ü. M., ihren ersten Wasserspeicher in den Fels, der für den nötigen Druck im Leitungsnetz des neuen Wasserwerks sorgen mußte. Jetzt konnte mit der Zersiedelung der Felder auch die Überbauung der Bühel beginnen. Architekt Ernst Hiesmayr und DI Otto Gruber waren die ersten, die die herrliche Aussicht vom Westhang des Buggensteins und die Ruhe am Waldrand höher einschätzten als die Probleme mit der schwierigen Zufahrt über die Rütti-Gasse. Ihre beiden Häuser waren mit Nr. 444 und 446 die allerletzten, die 1953 noch eine Hausnummer nach der alten D-Reihung bekamen (Rüttigasse 5 und 7, später Bildhauer Albrecht). Um diese Zeit erwarb Erich Stöckler den Hof samt dem großen Bühel. Immer mehr Siedler erkannten den hohen Wohnwert am Hang. Ganz am Ostende von „ Stöcklers Bühel" - so hieß der Buggenstein jetzt - begann der Bregenzer Textil-Fabrikant Benger mit dem Bau von zwei großen Landhäusern. Bald folgten mehr als ein Dutzend Häuser an der Bucherstraße und an der Rüttigasse. Der bis weit ins Tal sichtbare Rücken des Bühels und seine sonnige Südseite blieben aber - Gott sei Dank! - frei und grün. Auch die malerische Birken-Gruppe auf dem Kamm blieb erhalten. Von der oberen Rüttigasse steige ich manchmal die paar Schritte hinauf und setze mich ins Gras. Ich durfte auch schon Gruppen von Schülern und von heimatkundlich interessierten Wolfurtern dorthin führen und ihnen die Aussicht erklären. Zu Füßen liegen das Oberfeld und das Kirchdorf und ein buntes Häusermeer hinaus bis zu den Flußauen an der Bregenzerach. Dahinter grüßen Gebhardsberg und Kanzele mit ihrem roten Felsband. Rechts sieht man die Kennelbacher Kirche und neben ihrer Turmspitze die Kapelle auf der Halden. Nach Westen schweift der Blick an der Wolfurter Kirche vorbei zur Kirche von Lauterach und, nur mehr ganz klein am Bodensee-Ufer zu sehen, zum Kirchturm 39
  1. heimatwolfurt
20041001_Heimat_Wolfurt_28 Wolfurt 01.10.2004 Heft 28 Zeitschrift des Heimatkundekreises Oktober 2004 Bild 1: Der neue Schießstand an der Ach im Jahre 1975 Sonderheft Schützen Weil unsere wertvollen Schützenscheiben und auch die Schützenfahnen nicht allen zugänglich sind, soll ein großer Teil davon in diesem Heft den interessierten Lesern gezeigt werden. Um eine bessere Vorstellung von den Bildern zu erhalten, verwenden wir zum ersten Mal Farbdruck. Bildnachweis Bilder 1, 2, 3 u. 5 Hubert Mohr 4 Engelbert Köb 36 bis 41 Karl Hinteregger Alle anderen stammen aus dem Schützenarchiv Wolfurt. Bitte! Diesem Sonderheft 28 liegt wieder ein Erlagschein bei. Zur Deckung unserer Auslagen bitten wir um eine Spende auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482). Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 27) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Siegfried Heim Wolfurter Schützengeschichte Ein „Schütze" war ursprünglich ein Jäger, der mit seinem Pfeil oder auch dem Speer seine Sippe mit Fleisch von erlegtem Wild versorgte. Seit dem Mittelalter wurden aber auch die Männer, die mit Bogen, Armbrust oder später mit einer Büchse bewaffnet das Land gegen eindringende Feinde verteidigen sollten, als Schützen bezeichnet. Noch bis 1918 wurden die Schützen-Vereine, deren Mitglieder ihre Treffsicherheit in friedlichen Wettkämpfen auf den Schießständen unter Beweis gestellt hatten, immer wieder auch als militärische Einheiten in die Kriege einberufen. Heute gilt der Schießsport als sinnvolle Freizeit-Beschäftigung und als friedlicher Wettbewerb, der die körperliche und geistige Ertüchtigung der Schützen zum Ziel hat. Außer den Sportschützen vom Schießstand und einigen Erinnerungen an den Militärdienst kennt man bei uns das Wort „Schützen" als Namen für ein altes Gasthaus. Es gibt auch noch ein paar Familien „Schützos ", die ihren Hausnamen in Erinnerung an einen Jäger in der Ahnenreihe tragen. Und vom Horoskop her wissen wir vom Sternbild Schütze und von seinem Symbol mit dem gespannten Bogen. Unsere Wolfurter Schützengilde gibt als Gründungsjahr ihres Vereins das Jahr 1838 an, also als Zweitältester Verein nach der Blasmusik von 1816. Das hat seine Berechtigung, denn in jenem Jahr wurde über kaiserlichen Auftrag im Dorf ein Schießstand eingerichtet. Hier wurden ab jetzt regelmäßig „Besf'-Schießen veranstaltet. Die Wurzeln des Schützenwesens reichen aber viel weiter zurück. Die Quellen berichten vor allem von Kriegen, aber auch von Festen, bei denen MusketenSchüsse und Böller-Krachen die Feier verschönerten. Die allerältesten Schießstände für Bogen- und Armbrustschützen sind schon um 1370 in Bregenz, Feldkirch und in Bludenz nachgewiesen. 1434 feierten die Feldkircher ein Schützenfest mit „internationaler" Beteiligung. Im Jahre 1498 vereinigten sich in Bregenz die Armbrustschützen mit den neumodischen Büchsenschützen zu einer kirchlich genehmigten Bruderschaft, bei welcher sogar Kaiser Maximilian Mitglied war.1 Kellhofer und Hofsfeiger Schützen Die erste Nachricht von den Hofsteiger Schützen haben wir aus dem Jahre 1525, als hundert Männer nach Bregenz zogen und die katholisch gebliebene Stadt vor dem Ansturm der reformierten Bauern retteten.2 Im Schmalkaldischen Krieg verteidigten die Hofsteiger Schützen das Land zusammen mit den Hofriedenern an der Bregenzer Klause. Weil Galli Küng zu den Evangelischen übergelaufen war, wurde er gefangen, gefoltert und schließlich von Pferden zerrissen.3 Erfreulicheres erfahren wir von den Wolfurt-Kellhofer Schützen in Diensten der Grafen von Hohenems. Dort führte Jakob Hannibal 1567 seine junge Frau Hortensia, die Schwester des später heilig gesprochenen Karl Borromäus, im Triumphzug aus Italien heim. Das Paar wurde mit Kanonen, Böllern, Glockengeläute und Festbeleuchtung großartig empfangen. Unter den 500 Bewaffneten standen auch die Kellhofer mit Musketen und Hellebarden. Als im Jahre 1603 die wehrfähigen Männer zur Erbhuldigung an Jakob Hannibals Sohn Graf Kaspar nach Hohenems befohlen wurden, reihten sich in die insgesamt 443 Schützen auch 77 aus Dornbirn und 55 aus dem Kellhof Wolfurt ein. Die letzteren wurden von Bastian Kelnhofer angeführt und trugen nur 13 Musketen, sonst Spieße, Hellebarden oder Schlachtschwerter. Die Männer schworen einen feierlichen Eid, sie wollten in Kriegszeiten für ihren Herrn und seine Festung Hohenems Leib, Gut und Blut einsetzen.4 Auch 1618, als der 30jährige Krieg begann, mußten die Kellhofer zur Musterung nach Hohenems. Sonst fand die Musterung der Schützen meist in der Standlaube am Fuß der Kirchenstiege in Wolfurt statt. Im Jahre 1621 wurde eine neue Wehrordnung für das Land beschlossen. Die Stände beharrten auf ihren alten Rechten. Weiterhin durften die Schützen nur zur Verteidigung des eigenen Landes aufgeboten werden und weiterhin sollte jeder sein Gewehr daheim aufbewahren. In andere Ländern wurden die Waffen ja damals in zentralen Zeughäusern gesammelt und gepflegt. Gar oft wurden die Hofsteiger und Kellhofer Schützen in den folgenden Jahrhunderten in Kriegseinsätzen an die Grenzen des Landes gerufen. Daß sie aber auch andere Funktionen hatten, beweist eine Notiz in der Fischer-Chronik von 1768. Die Schützen („Ausschutz ") von Wolfurt und Rickenbach nehmen „ von alters her.. mit under und yber gewehr" (mit Seiten- und Schulterwaffe) an der jährlichen Fronleichnams-Prozession teil. Nun wird ein „Krigsfahnen" angeschafft, eine Fahne, die die Aufmärsche der Schützen verschönern sollte.5 Große Not brachten die Franzosenkriege von 1796 bis 1814 über das Dorf. Die Hofsteiger Schützen standen damals unter der Führung von Joh. Jakob Schertler aus Unterlinden. Als das Land 1805 an die Bayern gefallen war, führten diese die allgemeine Wehrpflicht ein. Beim Aufstand von 1809 nahmen die Hofsteiger und Hofriedener Schützen jetzt auch außerhalb des Landes an Überfällen auf Lindau und Konstanz teil. 4 Im Juni 1809 führte Hauptmann Schertler „zu Roß" seine Hofsteiger Schützen mit 15 Offizieren und 369 „Gemeinen" nach Weiler im Allgäu. Dort wurde er vom Landeskommandanten Anton Schneider zum Major befördert und mit der Führung des ganzen Bataillons Bregenz betraut. Die 169 Wolfurter wurden jetzt von den beiden Leutnanten Josef Schwerzler und Joh. Georg Reiner befehligt. Der erste Sturm auf Kempten mißlang. Dabei starben Leutnant Reiner und der Schütze Anton Lenz „in acie campiduni", in der Kemptener Schlacht. Drei Wochen später versuchte Schertler einen zweiten Sturm. Das Gefecht vom 17. Juli bei Eglofs endete mit schweren Verlusten und einer panikartigen Flucht. Unter den Toten war auch Anton Geiger vom Bühel, der Fahnenträger. Die erste Wolfurter Schützenfahne dürfte damals, wenn sie nicht verbrannt wurde, als Kriegsbeute in ein bayerisches Museum gekommen sein. Jetzt mußten die Vorarlberger alle ihre Waffen samt dem Schießpulver nach Lindau abliefern. Im Gemeinde-Archiv ist noch eine Ablieferungsliste vom August 1809 erhalten geblieben: Gewehre 52 Stuck Stutzen 5 Stuck Säbel 3 Stuck Patron Taschen 7 Stuck auch einige Päckel Pulfer et bley. Schon ein paar Tage vorher waren 48 Gewehre abgeliefert worden. 13 Schützen gaben an, sie hätten ihre Waffen bei der Flucht von Eglofs verloren. Major Schertler mußte sich im Hauptquartier von General Beaumont in Lindau einfinden und seine Unterwerfung beschwören. Hundert Jahre später wurde der Name des allseits geschätzten Mannes am Anton-Schneider-Denkmal in Bregenz eingefügt. Seit 1977 erinnert auch eine Gedenktafel am neuen Wolfurter Schießstand an Jakob Schertler und seine Schützen von 1809. Daß wenigstens einige von diesen Schützen schon bald nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich wieder Gewehre und Pulver besaßen, erfahren wir aus dem Bericht über den Einzug eines neuen Pfarrers: „Pro 1814 den 4ten Jully ist .... der Hochwürdige Herr .... Aloys Graßmayer .... von Bregenz abgeholt worden mit gröster Solumetät, es wahren bey 20 Reiter, 5 Gutschen u. Wägen von der Zollbrügge hat Ihn auch der Ausschuß mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen abgeholt .... nach dem Gottesdienst.... mit wiederholtem böller geschüze und Salve der Musgeten zum Pfarrhof begleitet worden. " h Zu einem Freudenfest gehörten damals und noch lange danach einfach Böllerkrachen und Pulverdampfund natürlich auch Musik. Seit in Wolfurt im Jahre 1816, zwei Jahre nach dem Pfarrer-Einzug, eine Blasmusik gegründet worden war, marschierte diese bei unzähligen festlichen Anlässen gemeinsam mit den Schützen. So ist zum Beispiel aus dem Jahre 1824 eine Abrechnung des Gemeindekassiers erhalten geblieben. Schützen und Musik waren miteinander „zur Paradierung bei S. K. K. 5 Hocheit Prinzen von Österreich " ausgerückt. Erzherzog Franz Karl, der Vater des späteren Kaisers Franz Joseph, hatte in Bregenz eine Parade der Schützen abgenommen. Am anderen Tag kassierte der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde die Spesen von 44 Gulden ein. Auch die Musikanten erhielten 24 Gulden. Dem Kaiser ging es darum, die Wehrkraft seines Heeres durch gut ausgebildete Schützen zu stärken. Mit seinen Vorarlberger Schützen konnte er aber in diesen Jahren gar nicht zufrieden sein. Das geht aus einem umfangreichen Schriftverkehr des Guberniums in Innsbruck mit Kreishauptmann Ebner hervor. Ebner war auch für die Landesverteidigung verantwortlich und faßte die Berichte der sechs Vorarlberg er Landrichter zusammen: 1. Von den Bayern wurden 1809 alle Schußwaffen beschlagnahmt. Das Scheibenschießen war verboten. Die Bevölkerung ist verarmt. Nur wenige Schützen waren nach 1814 in der Lage, sich neue Gewehre zu besorgen. Daher sind auch viele Schießstände verfallen. 2. Der Anreiz zum Scheibenschießen fehlt, weil die landesfürstlichen Preisgelder nur mehr spärlich fließen. 3. Ein wesentliches Hindernis zur Wiederbelebung des Scheibenschießens ist das gültige Wehrstatut. Danach muß sich jeder Bürger und Bauer nach seiner Verehelichung oder bei Antritt eines Gewerbes in die Schützenmatrik einschreiben. Er ist verpflichtet, drei Jahre lang an den Schießübungen („KaisergabenSchießen") teilzunehmen. Anfänger sehen keine Möglichkeit, ein „Best" zu gewinnen, weil gute Schützen im Vorteil sind. Sie werden daher durch die hohen „Muß"-Einlagen abgeschreckt. Zur Beendigung dieser unbefriedigenden Zustände fordert Kreishauptmann Ebner daher: 1. Bau neuer Schießstände. Sie müssen so zentral gelegen sein, daß die Anmarschzeit höchstens drei Stunden beträgt. 2. Erhöhung der landesfürstlichen Gnadengaben. 3. Einführung einer neuen Schützenordnung, die zum Scheibenschießen ermuntert. Unter den Orten, wo Ebner schon im Jahre 1828 neue Schießstände fordert, ist Wolfurt. Hier sollen auch Bucher und Lauteracher Schützen unter Aufsicht eines „einsichtsvollen" Oberschützenmeisters ihre Übungen abhalten.7 Es dauerte noch volle zehn Jahre, bis die durch den Kirchenbau von 1833 verarmte und auch arg zerstrittene Gemeinde Wolfurt dem Auftrag des Kreishauptmanns folgte und dem Schützenwesen neuen Auftrieb gab. Schützen des Kaisers, Neubeginn 1838 Gemeindevorsteher war in jenen schwierigen Jahren der Rickenbacher Adlerwirt Leonhard Fink. Wolfurt besaß jetzt in 230 Häusern 236 Familien mit insgesamt 1311 Einwohnern. Fink hatte 1834 die Pfarrkirche gegen großen Widerstand provisorisch fertiggestellt. 1835 hatte er eine erste Feuerwehrspritze angeschafft. Nun plante er gemeinsam mit dem neuen Pfarrer Hiller die Errichtung einer Kaplanei und den Bau eines Kaplanhauses. Da blieb für den vom Kreisamt geforderten Schießstand nur wenig Geld. Treibende Kraft für das Schützenwesen dürfte der Ziegelfabrikant und langjährige Schützenhauptmann Andreas Klocker (1787-1844) gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef Anton besaß er eine große Ziegelei an der Ach. 1836 baute er an der Bützestraße ein neues Haus (Forstars, jetzt Nr. 18, Zimmerei Böhler). Klockers einziger Sohn Josef ließ sich 1845 als Glaser an der Hub nieder und begründete dort mit seinen zehn Kindern die Sippe der Glasar-Klocker. Ein Schießstand-Gebäude vermochten die Wolfurter vorerst nicht. Aus der von Schnidarles Hannes im Jahre 1899 gemalten Scheibe geht hervor, daß der Stand lediglich aus ein paar Pfählen und einer Latte bestand. Wenige Jahre vorher hatte der Rößlewirt für die Vergrößerung von Kirche und Friedhof ein gutes Stück von seinem Bühel abgetreten. Als man dann alle Bäume gefällt hatte, blieb unterhalb der Friedhofmauer gerade noch genug Platz für einen Garten und einen „Stand" für die Schützen. Für den Schreiber mußten ein Tisch und ein Stuhl auslangen. Die Scheiben standen auf der anderen Seite des Tobeis in Richtung Schloß. Von dort dürften schon damals Schützenbuben mit Zeichen die Treffer und die Fehlschüsse angezeigt haben. Kein Wunder, daß die dem Wolfurter Stand zugeteilten Schützen aus Lauterach nicht zufrieden waren! Schon nach einem Jahr suchte die Gemeinde Lauterach 1839 um einen eigenen Schießstand an. Sie fürchtete, „ daß die jungen Leute alle Sonn- und Feiertage ihr Geld verzehren, in Streit und Händel geraten und endlich bei Nacht auf den unsicheren Straßen mit den verschlagenen Köpfen nach Hause kämen ".8 Ab jetzt übten viele Lauteracher an verschiedenen Plätzen im eigenen Dorf. Einen richtigen Schießstand erhielten sie aber erst 1847. Den Wolfurtern mußte ihr einfacher Stand auf dem Rößle-Bühel vorerst genügen. Auch bei festlichen Anlässen rückten Schützen und Musik aus. Eine Gelegenheit dazu bot im September 1844 der neuerliche Besuch von Erzherzog Franz Karl in Bregenz. Diesmal hatte er seine ältesten drei Söhne mitgebracht, den 14jährigen Prinzen Franz Joseph, der schon vier Jahre später als Kaiser den Thron der DonauMonarchie besteigen sollte, den 12jährigen Prinzen Maximilian, der später als unglücklicher Kaiser von Mexiko erschossen wurde, und den 11jährigen Prinzen Karl Ludwig. Kreishauptmann Ebner notierte vom Schützen-Aufmarsch: 6 7 „Es waren Zuseher von allen Seiten herbeigeströmt. Namentlich waren nebst den Bregenzerschützen auch jene von Hörbranz, Hard, Lautrach und Wolfurt einmarschirt in großentheils absurden Kostümen Die türkischen Musiken derselben vollbrachten einen Höllenlerm, und endlich gaben sie Dechargen wovon mehrere dem regulären Militär zur Ehre gereicht haben würden!" 9 Bald danach übersiedelte der Wolfurter Schießstand vom Kirchenbühel nach Rickenbach. Der Engelwirt Josef Fischer hatte in den Adler hinaus geheiratet und wollte das gute Geschäft mit den Schützen dorthin mitnehmen. Die paar Latten konnte man ja überall schnell aufstellen. Schon 1846 richtete der Adlerwirt neben seinem Biergarteri direkt an der Landstraße nach Schwarzach einen Schuppen für die Schützen ein. Im Kataster von 1857 wird dieser Schuppen als „Schießhaus" bezeichnet. Auf der Fischer-Schützenscheibe sieht man die Begrenzungsmauer zur Dornbirnerstraße. Der Kugelfang stand nach einem Schreiben von 1848 am anderen Ende von Adlerwirts Wiese nahe am Rickenbach. Nach der Überlieferung soll auch im Kella geschossen worden sein. Dafür gibt es aber keine Belege. Der Rickenbacher Stand war ja auch nur 14 Jahre lang in Betrieb. Im Jahre 1845 hatte das Gubernium die neue kaiserliche Schießstandsordnung für Tirol und Vorarlberg verlautbart. In mehreren Schreiben wurden Bestellung, Bezug, Transport und Aufbewahrung von Schießpulver genau geregelt. Das Pulver mußte in Säckchen abgefüllt und diese in Fäßchen verschlossen werden. Transport in Postkutschen war verboten, vielmehr mußten die Fäßchen von „nüchternen Bothen" überbracht werden. Ein Zentner „rundkörniges Scheibenpulver" für die Stutzen kostete 41 Gulden, Sprengpulver für die Böller dagegen nur 29 Gulden.10 Eine ganz wichtige Änderung im Wolfurter Schützenwesen brachte das Jahr 1860. In Spetenlehen hatte Joh. Martin Fischer, ein Enkel des ersten Wolfurter Vorstehers, in seinem Haus (heute Hofsteigstraße 27) ein Gasthaus „Schützen" eingerichtet und dazu auf dem Bühel auf eigene Kosten einen neuen Schießstand gebaut.11 Damit zog er das Geschäft mit den Schützen an sich. Schon im ersten Jahr wurden hier die vom Bezirksamt überwiesenen 13 kaiserlichen Gnadengaben im Betrag von 40 Gulden 95 Kreuzer ausgeschossen. Abwechselnd mit Hard und Lauterach fand jetzt jedes Jahr ein „Hofsteigschießen" statt, damals bereits unter diesem heute wieder gebräuchlichen Namen. In das Schießprotokoll des „4. Hofsteig-Freischießen in Wolfurt 1865" ließen sich 391 (!) Schützen eintragen, darunter neben Wolfurtera und Lauterachern solche aus dem ganzen Land von Hohenweiler bis Nenzing und von Fußach bis Andelsbuch. Dem „K.K. Gemeinde-Schießstand zu Wolfurt" gehörten jetzt 69 Schützen an. Oberschützenmeister war 1866 der damalige Gemeinde-Vorsteher Josef Halder. Das Fischer-Gasthaus hieß eigentlich „Rose", wurde aber meist „Schützen" genannt. Der Schützenwirt Fischer war ein begeisterter Sänger und beherbergte neben den Schützen regelmäßig auch den Gesangverein. Trotzdem geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. 1873 bot er den Schießstand der Gemeinde zum Kauf an, „wiederigenfalls er seine Gebäulichkeit für sich verwende, und die Gemeinde 8 andersartig für einen Schießstand zusorgen überlasse ". Die Gemeinde lehnte ab. 1875 kaufte der Nachbar Kronenwirt Michael Sohm das Gasthaus Schützen samt dem Schießstand. Das Konkurrenz-Gasthaus schloß er, den Schießbetrieb hielt er aufrecht. Ab 1875 wurde also die „Krone" zur Schützenwirtschaft und blieb es genau hundert Jahre lang, bis die Schützen ihren neuen Stand an der Ach eröffneten. Der erfolgreiche Kronenwirt hatte natürlich Neider. Mehrmals wurde er angezeigt, weil die Schützen ohne den vorgeschriebenen Kugelfang gegen den Wald hinauf geschossen hätten. Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Gg. Fischer. Dieser unternehme, so hieß es in der Zeitung, nichts gegen den Kronenwirt Michael Sohm, weil der Sohn des Kronenwirts mit der Schwester des Vorstehers verheiratet sei. Schon 1877 übergab Michael Sohm seine beiden Häuser an seinen gleichnamigen Sohn. Als dieser bald danach den ehemaligen Schützen verkaufte, behielt er den Bühel und vereinigte ihn mit Kronenwirts Bühel. Seither gehört der Schießstand zur Krone. Alles zusammen verkaufte Sohm 1879 an Wendelin Pfanner. Pfanner überließ nun 1880 den Schießstand für 200 Gulden der Gemeinde. Er behielt sich aber Nutzungsrechte vor, darunter das Recht zur Abhaltung von PrivatFreischießen und das alleinige Recht zum Ausschank von alkoholischen Getränken. Er baute 1882 sogar eine Kegelbahn ein. Erst später ging der Schießstand ganz in Gemeindebesitz über und wurde in mehreren Stufen zu einem beliebten SchützenTreffpunkt ausgebaut. Mit vielen anderen Schützen beteiligten sich auch die Wolfurter am Aufmarsch zum Kaiser-Besuch von 1881 in Bregenz und am anschließenden großen Schützenfest am „Berg Isel". Unter Oberschützenmeister Ferdinand Schneider wurde zum 50-JahrJubiläum 1888 gemeinsam mit den Fronleichnams-Schützen eine Fahne angeschafft. Allerdings gab es ihretwegen viel Streit.12 (Mehr darüber weiter hinten S. 53). Die meisten Standschützen waren übrigens gleichzeitig auch Fronleichnams-Schützen. Sie rückten dort bei feierlichen kirchlichen Anlässen in Uniform aus.13 Aus dem Jahre 1891 ist die älteste Wolfurter Ehrenscheibe erhalten geblieben. Alle älteren Scheiben waren mangels Aufbewahrungsmöglichkeit bald wieder verloren gegangen. 1895 wurde der neue Kronenwirt Carl Müller zum O.Sch.M. gewählt. Der Verein blühte auf. In diesen Jahren setzten sich endgültig Gewehre mit PatronenMunition durch. Bisher waren noch häufig Vorderlader-Stutzen verwendet worden. Schon 1898 wurde der baufällig gewordene Schießstand von Grund auf erneuert. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph fand am 1. Mai 1898 ein großes Fest-Schießen auf dem neuen Stand statt. Dazu wurde dem Kaiser eine Ehrenscheibe gewidmet. Landeshauptmann Adolf Rhomberg hielt vor über 1000 Zuhörern die Festrede. Besonders beeindruckte die Besucher das Feuerwerk in den späten Abendstunden.14 Noch im gleichen Jahr fuhren die beiden Schützenmeister mit Vorsteher Lorenz Schertler und vier weiteren Schützen zum Bundes-Schießen nach Wien. 9 Nach der k.k. Schießstandsordnung von 1874 war jeder Schütze verpflichtet, jährlich auf dem eigenen Stand an mindestens drei Schießübungen teilzunehmen. Jedesmal mußte er dabei mindestens dreißig Schüsse abgeben. Zur Kontrolle wurde ein Matrikelbuch geführt. Im neuen Buch von 1898 sind 308 Schützen eingeschrieben, darunter 59 aus Lauterach und 7 aus anderen Nachbargemeinden. Unter den 242 Wolfurtern ist selbverständlich auch der Vorsteher Lorenz Schertler. Die Freude an dem neuen Schießstand zeigte sich nicht nur in der großen Schützenzahl, sondern auch in den vielen Ehrenscheiben aus diesen Jahren. Darunter befindet sich auch jene kostbarste Wolfurter Scheibe, auf die Schnidarles Hannes 1899 die drei Schießstände malte (Bild 6). Nach der Jahrhundertwende folgten die goldenen Sticker-Zeiten für Wolfurt. Sie spiegeln sich in einer ganzen Reihe von übermütigen und trinkseligen Schützenscheiben wieder. Am 29. Juni 1913 feierte die „Standschützen Gesellschaft Wolfurt" - so nannte sie sich jetzt - ihr 75jähriges Gründungsfest. Unter Oberschützenmeister Rudolf Böhler, Postmeister und Sternenwirt, erhielt der Verein eine neue Fahne (Bilder 4, 40 u. 41). Ein Jahr darauf begann der große Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 mußten die Männer bis zu 42 Jahren mit dem Landsturm einrücken. Am 21. August wurden im Vereinshaus durch Landeshauptmann Rhomberg auch die Standschützen als reguläre Soldaten vereidigt. 60 Kennelbacher bildeten zusammen mit 95 Wolfurtern eine Kompagnie. Sie wählten Ludwig Köb, Lehrars, zu ihrem Hauptmann. Nur ein paar Tage exerzierten sie im Oberfeld. Dann marschierten 60 Wolfurter Schützen am Pfmgst-Heiligtag, 23. Juni 1915, vom Kirchplatz weg nach Bregenz. Mit dem Zug wurden sie an die Front ins Südtirol gebracht. Dreieinhalb Jahre härteste und verlustreiche Kämpfe in den Dolomiten folgten und dann noch ein Hungerjahr in italienischer Gefangenschaft in Albanien.15 Neun Schützen kehrten nicht mehr heim. Schützengesellschaft und Schützengilde Die Not nach dem Krieg zwang eine ganze Reihe von jungen Wolfurtern, darunter auch einige Schützen, zur Auswanderung nach Amerika. Vorsteher Lorenz Schertler versuchte, dem Vereinsleben wieder Auftrieb zu geben. Auf sein Schreiben hin trafen sich am 26. August 1923 elf Männer im neuen Vereinshaus und gründeten den Schützenverein neu, jetzt unter der Bezeichnung „Schützengesellschaft Wolfurt". Standschützen-Oberleutnant Dr. Wilhelm Mohr hatte Statuten erarbeitet. Er übernahm auch selbst die Stelle als „1. Schützenmeister". Der „2. Schützenmeister" Josef (Pepe) Flatz und Schriftführer Albert Kirchberger stellten sich als verläßliche Helfer an seine Seite. Zuerst mußte der wieder baufällig gewordene Schießstand mit Hilfe eines Baukredits von vier Millionen Kronen saniert werden. Die Gemeinde als Eigentümerin des Standes besaß ja am Höhepunkt der Inflation selbst kein Geld mehr und konnte lediglich ein paar Tannen für Bretter und Balken beisteuern. Aber am 4. November 1923 wurde doch bereits ein erstes „Schübling"-Schießen durchgeführt. Zum ersten Mal knallten nach zehn bitteren Jahren die Stutzen wieder in sportlichem Wettkampf. Aus 125 Metern Distanz schoß man auf 33 Zentimeter-Scheiben mit 10 Kreisen.16 Noch immer füllten die Schützen ihre Patronen selbst nach individuellen „Rezepten" und setzten oft erst am Stand ihre Zündkapseln ein. Eine ganz wichtige Aufgabe hatten bei jedem Schießen die Schreiber und die „Zeiger" zu erfüllen. Die Zeiger waren Buben und Burschen, die am Scheibenstock die Scheiben beaufsichtigten. Mit einer zweifarbigen Kelle zeigten sie jeden Treffer und auch dessen Abweichung vom Zentrum an. Dafür erhielten sie Schübling und Brot und meist auch eine Limonade. Nach Beendigung des Schießens gruben sie mit ihren Taschenmessern die Bleikugeln aus dem Erdreich. Als Schreiber benötigte man gestandene Männer, denn es kam nicht selten zu Auseinandersetzungen, wenn ein ehrgeiziger Schütze seinen Fehlschuß nicht akzeptieren wollte. Als Dr. Mohr nach Bregenz übersiedelte und Martin Dietrich 1. Schützenmeister wurde, nahm man das Inventar auf. Da fanden sich neben zwei Fahnen und sechs Gewehren bereits 32 Ehrenscheiben. In den nächsten Jahren gewann der Schießstand Wolfurt mit seinen verschiedenen Gesellschafts- Schießen einen guten Ruf und konnte immer mehr prominente Gäste begrüßen. Die Mitglieder Isidor Flatz und Martin Gmeinder errangen 1928 die Auszeichnung „Meisterschütze in Vorarlberg". Ab 1929 wirkten sich die Weltwirtschaftskrise und die parteipolitischen Auseinandersetzungen immer mehr auch in Streitigkeiten bei den Vereinen aus. Von 53 eingeschriebenen Mitgliedern erschienen 1932 nur mehr 11 zur Hauptversammlung. Statt einer geplanten Schützen-Uniform konnte nur ein einheitlicher Hut mit einem Adler-Stoß angeschafft werden. In diesen Jahren nahm das Schießen mit dem Kleinkaliber-Gewehr, das die alten Schützen lange als „Pfutzgarle" belächelt hatten, einen großen Aufschwung. 11 10 Trotz der gedrückten Stimmung gab es immer wieder Anlässe, zu denen Schützenfreunde eine Ehrenscheibe spendierten. Weitaus die meisten davon malte der unermüdliche Johann Fischer, Schnidarles Hannes. Im Jahre 1937 ließen sich fünf ehemalige Standschützen-Offiziere, darunter der inzwischen als Arzt zu Weltruhm gelangte Wolfurter Professor Dr. Lorenz Böhler, eine Scheibe vom Kennelbacher Schützenkameraden Engelbert Karg malen. Der Aufmarsch und das Schießen auf diese Scheibe wurden am 5. September 1937 zum letzten Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon am Vorabend hatten Dr. Böhler selbst und seine Söhne mit je einem Schuß auf diese Scheibe ein Erinnerungszeichen gesetzt. Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Schützengilde wie alle anderen Vereine sofort aufgelöst. Die Ortsleitung der NSDAP übernahm den Schießstand. Dort begann ein reger Schießbetrieb. Allerdings hatten die alten Stutzen ausgedient. HJ (HA-Jott, Hitlerjugend) und SA (Sturm-Abteilung) schössen jetzt mit dem preisgünstigen KK-Gewehr auf den 50 Meter-Ständen. Sogar die zehnjährigen Pimpfe übten schon in den Schulklassen mit LuftdruckGewehren im Rahmen der „vormilitärischen Ausbildung". Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Auszugs der Standschützen in den Ersten Weltkrieg stifteten die neuen Machthaber im Mai 1940 eine Ehrenscheibe (Bild 19). Zu einem Preis-Schießen kamen am Pfingstmontag, 2. Juni 1941, sogar Gauleiter Hofer und Kreisleiter Dietrich auf den Wolfurter Schießstand. Auch die zur „Schützenmusik" umgetaufte Bürgermusik mußte spielen, allerdings fehlte der in Ungnade gefallene Kapellmeister Rohner. Bald wurde der Umgang mit dem Gewehr für viele Männer an den Fronten zum entsetzlichen Ernst. In den letzten Kriegsmonaten mußten im Rahmen des „Volkssturms" sogar die bisher verschonten älteren Jahrgänge noch unter dem TraditionsNamen „Standschützen" zur Ausbildung in vierwöchigen Kursen ins Südtirol. Am 2. Mai 1945 marschierte die französische Armee ein, der Krieg ging zu Ende. Wieder mußten, wie damals nach dem Aufstand von 1809 gegen die Bayern, alle Waffen abgeliefert werden. Neben Jagdgewehren und uralten Stutzen aus dem vorigen Jahrhundert wurden auch gute Sportwaffen eingesammelt und auf einem Haufen beim Schulhaus vernichtet. Der Schießstand wurde einige Zeit von marokkanischen Soldaten bewohnt und erlitt dadurch arge Beschädigungen. Es dauerte viele Jahre, bis sich das Leben wieder normalisierte. Albert Kirchberger hatte mit den alten Schützen-Akten sein Protokollbuch getreulich aufbewahrt und übergab nun alles zusammen dem ehemaligen U.Sch.M. Pepe Flatz. Gemeinsam mit dem langjährigen Funktionär Paul Schwarz versuchte dieser ab 1951, das Schützenwesen zu neuem Leben zu erwecken. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten wurden tatsächlich schon im Herbst 1952 ein Jagd-Schießen und ein Frei-Schießen durchgeführt. Unter Leitung des provisorischen Schützenmeisters Erich Gasser fanden sich dann am 15. März 1953 in der Krone immerhin 15 Schützen zu einer Generalversammlung zusammen. Nur mühsam ging es aufwärts. Es fehlte an Gewehren und 12 Munition, an Geld und an Preisen. Ein Gewittersturm richtete im August 1958 am Schießstand großen Schaden an. Eine Änderung brachte erst das Jahr 1960. Unter O.Sch.M. Josef Dietrich waren Karl Aichholzer als Kassier und Hubert Flatz als Schriftführer in den Ausschuß gewählt worden. Mit neuen Ideen setzten sie Impulse zur Umkehr des „Krebsgangs im Schützenwesen". Besonders bewährte sich die Einführung eines regelmäßigen Trainings. Nach zwanzig Jahren wurde 1960 auch erstmals wieder eine Scheibe geschossen, mit der man der in den letzten Jahren verstorbenen Funktionäre gedachte (Bild 20). Schon im Jahre 1961 konnten bei Mannschafts-Wettkämpfen gegen Hohenems, Nonnenhorn und Schwarzenberg beachtliche Erfolge erzielt werden. Als stets zielsichere Schützen sind in den Aufzeichnungen Hans Loacker, Karl Aichholzer und Martin Dietrich festgehalten. Ihr Beispiel riß mit, auch bei den ständigen Renovierungsarbeiten am Schießstand, bei denen Aichholzer das Kommando und die meiste Arbeit übernahm. Die Zahl der Mitglieder stieg an. Jetzt wurden jedes Jahr gut vorbereitete Vereinsmeisterschaften durchgeführt und mit großem Ehrgeiz ein „Schützenkönig" gekürt. Auch Damen wurden als Mitglieder aufgenommen und die Jungschützen mit großer Aufmerksamkeit betreut. Als sich immer mehr junge Menschen um die Mitgliedschaft bemühten, auch solche aus Nachbargemeinden, in denen kein Schützenverein mehr bestand, wurde es bei den Schüblings- und Meisterschafts-Schießen auf Kronenwirts Bühel und bei den Generalversammlungen in Luzias Stube in der Krone langsam eng. Unter Allfälligem begann Egon Pehr in der Generalversammlung vom 30. Jänner 1970 daher eine Debatte über einen Schießstand-Neubau. Schriftführer Hubert Flatz griff die Idee auf und fand allgemeine Zustimmung. Wieviel Arbeit ihm daraus in den folgenden fünf Jahren erwachsen würde, konnte er noch nicht ahnen. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Vallaster, Schützenscheibenbuch, Dornbirn 1984, S. 118 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III, S. 44 Wie 2, S. 90 Welti, Jakob Hannibal, S. 103 und S. 443 ff und Kellnhof Wolfurt, S. 6. GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 16 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 Hubert Flatz, Schützen-Chronik, 1988, S. 1 ff, nach Forschungen im VLA Fröweis, Rathausfenster Lauterach, Nr. 3/2001, S. 14 Ebner, Tagebuch 1844, 14.-17. September Nach Akten 1846 im Schützenarchiv Wolfurt GA, GV-Protokolle, Einladung zur Sitzung am 16. Aug. 1860 GA, Chronik Schneider 3, S. 277 ff Heimat Wolfurt 23/1999, S. 42 GA, Chronik Schneider 3, S. 213 Heimat Wolfurt 7/1991, S. 33 ff Schützenprotokoll v. 1. Okt. 1924, Ladschreiben 13 1975 - Der neue Schießstand an der Ach Im Jänner 1970 war also in der Krone die Idee zu einem neuen Schießstand geboren worden. Alle dachten dabei zuerst an einen Neubau am alten Platz auf Kronenwirts Bühel. Dort gab es aber schon bisher Probleme mit Zufahrt und Parkplatz für die inzwischen ja weitgehend motorisierten Schützen. Und auf dem vor ein paar Jahren noch unverbauten Bühel standen jetzt auch schon einige Einfamilienhäuser. Trotz alter verbriefter Rechte konnten daraus in der Zukunft für die Schützen Erschwernisse entstehen. Da richtete Gemeindesekretär August Geiger die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf das LAWK-Gelände an der Ach, von dem der Fußballverein schon 1947 ein großes Stück pachtweise übernommen und darauf seinen Sportplartz errichtet hatte. Tatsächlich erhielten die Schützen nun am 17. Dezember 1970 von der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) die Grundparzelle 303/15 in Pacht. Die Planung konnte beginnen. Hubert Flatz hat darüber mit Hilfe von sorgfältig geführten Tagebuch-Aufzeichnungen im Jahre 1988 eine eigene Schießstand-Chronik verfaßt, aus welcher ich hier einiges zitieren darf. Im Februar 1971 wurde unter Obmann Karl Aichholzer ein Bauausschuß gebildet und bald danach die Rodung des Auwaldes in Angriff genommen. Als Hindernis erwies sich eine von der Gemeinde nach dem Krieg aufgestellte Baracke, deren Bewohner zuerst umgesiedelt werden mußten. Die Gemeinde verbürgte sich für einen Baukredit. Schon im Mai 1972 legte Edelbert Klimmer als Mitglied des Bauausschusses die ersten Pläne vor. Ab jetzt übernahm er die gesamte Planung und auch den größten Teil der Bauaufsicht. Die nun beginnende dreijährige Bautätigkeit wurde eine heute unglaublich anmutende Erfolgsgeschichte. Es gelang Hubert Flatz und Ferdl Matt, eine große Anzahl von freiwilligen Helfern zur Mitarbeit zu bewegen, die Arbeiten unter Leitung von erfahrenen Fachleuten zu koordinieren und das notwendige Baumaterial rechtzeitig vor Ort zu bringen. Darüber hinaus erhielten die Schützen, deren Begeisterung sich nicht selten auch auf die Lieferanten übertrug, beachtliche Spenden an Material, Maschinenstunden oder Zufuhrkosten. Viele Kontakte zu den Firmen vermittelte der Planer Edelbert Klimmer, andere besaß Hubert Flatz selbst in seinem Freundeskreis und unter den Wirtschaftstreibenden von Wolfurt. Im April 1973 begann man mit dem Aushub für das Hauptgebäude, bereits am 29. September konnte die Firstfeier stattfinden. Einziger Wermutstropfen war ein Protest der Oberfelder Nachbarn gewesen, die glaubten, ihre paradiesische Ruhe könnte allenfalls durch Schießlärm beeinträchtigt werden. Sie ließen sich aber bald durch Schallmessungen von Fachleuten beruhigen. Durch das ganze Jahr 1974 waren immer wieder ganze Gruppen von Schützen mit ihren Freunden mit dem Innenausbau beschäftigt. Fast alle taten es für ein Dankeschön und eine Jause, die in großzügiger Art jeweils der Sternenwirt Metzgermeister Johann Fischer spendierte. 14 Bild 2: Die Schützenstube mit der Kassettendecke Bild 3: Wegkreuz beim Schießstand: „.... daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt." Im November 1974 konnte im ausgebauten Kellergeschoß das Luftgewehr-Training aufgenommen werden. Den ganzen Winter über arbeiteten Willi Abier und Tone Repolusk an der Restaurierung der kostbaren alten Schützenscheiben, die sie von der Decke des alten Standes an der Hub abgenommen hatten. Bei der Zimmerei Berchtold wurden sie zum Einbau vorbereitet. Als die aus 38 Scheiben zusammengesetzte Decke schließlich von Fachleuten begutachtet wurde, ernteten die Handwerker höchstes Lob. Am 30. Mai 1975 wurde die Eröffnungsscheibe geschossen. An den folgenden 14 Tagen kamen 363 Schützen aus dem ganzen Land, aus der Schweiz und aus Deutschland und machten das Schießen auf dem vielbewunderten Wolfurter Stand zu einem anhaltenden Fest. Gemeinschaftssinn und Idealismus hatten ein großes Werk geschaffen. Zuerst sind da sicher die weit über 12 000 freiwillig von Handwerkern und Hilfsarbeitern geleisteten Arbeitsstunden zu nennen, die Schriftführer Ferdl Matt in seinem Stundenbuch fein säuberlich aufgezeichnet hat. Aus der Liste der 130 Namen stechen einige mit besonders großen Stundenzahlen hervor. Weitaus angeführt werden sie vom Gesamtleiter Hubert Flatz und seiner rechten Hand Ferdl Matt. Daneben 15 sind der Planer Edelbert Klimmer, Zimmermann Willi Abler, Baupolier Josef Leitner, Bodenleger Karl Aichholzer, die Schlosser Tone Lingenhel und Günther Muxel, die Elektriker Werner Dietrich und Wilfried Braitsch, Gärtner Franz Strezek und schließlich der Maler Anton Repolusk zu nennen, die für ihre Spezialgebiete verantwortlich zeichneten, aber auch sonst überall Hand anlegten, wo sie gebraucht wurden. Entscheidend für das Gelingen ihres Werks war jedoch die Mitarbeit jener weiteren 120 hier nicht genannten Helfer! Auch in der Liste der zahlreichen Förderer des Schießstandes fallen einige Namen auf. So hatte Alwin Rohner schon in der ersten Stunde, damals 1970 noch draußen in der Krone, die Lieferung sämtlicher Ziegel zugesagt. Er hielt sich nicht nur daran, sondern stellte unentgeltlich zusätzlich noch Zement, Kalk und Rohre nach Bedarf zur Verfügung. Neben den großen Beiträgen durch die Firmen Doppelmayr, Eisenkonstruktionen, und Berchtold, Zimmermannsarbeit, fällt Luis Erath in Lochau auf, der die Waschbetonplatten für den Hausplatz nicht nur spendierte, sondern auch selbst verlegte. Viele andere schließen sich an, von Holzsägern über Baggerfahrer bis zum Bildhauer Nitz in Lochau, der das Kruzifix für die Schützenstube stiftete. Ihre Namen sind auf einer Ehrenscheibe im Hauseingang verzeichnet. Nicht vergessen werden sollen die beachtlichen finanziellen Zuwendungen von Gemeinde Wolfurt, Land Vorarlberg und von der Österr. Turn- und Sportunion, der die Schützengilde Wolfurt beigetreten war. Sie alle konnten das Geld im sicheren Bewußtsein überweisen, daß es durch den Idealismus der Schützen vervielfacht in der Zukunft reiche Zinsen tragen würde. Als Hubert Flatz sein großes Werk fertiggestellt und auch fertig bezahlt hatte, wollte er seinen Dank noch auf ganz besondere Art abstatten. Bei Bildhauer Hubert Fessler in Hörbranz fand er ein Wegkreuz aus Stein, das er persönlich etwas oberhalb des Schießstandes aufstellte und am 18. Mai 1980 von Pfarrer Willi einweihen ließ (Bild 3). Er schreibt dazu. „Ich habe dieses Feldkreuz aufstellen lassen im Bewußtsein, daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt. Ihm haben wir zu danken, daß unser Gemeinschaftswerk, der Schießstandbau, gut gelungen ist. " Der neue Schießstand bewährte sich in den folgenden Jahren bei vielen Wettkämpfen. Im Erdgeschoß beherbergt er die Halle mit den 12 Klein-Kaliber-Ständen für die 50 Meter-Distanz und den großen Aufenthaltsraum, die „Schützen-Stube". Sie besitzt als Nebenräume eine kleine Küche mit einer praktisch eingerichteten Schank und die notwendigen Sanitär-Anlagen. Das ermöglicht die Bewirtung von Schützen und Gästen in angenehmer Atmosphäre. Hier hat sich ein Team von fleißigen Schützenfrauen sehr bewährt. Neben der Schießhalle befinden sich noch ein abgesonderter Auswertungsraum, natürlich mit Computer-Einrichtung, und ein Büro. Im Untergeschoß sind 12 Luftgewehr-Stände für 10 Meter-Distanz eingerichtet. Daneben sind eine zweite Schützenstube und ein separater Auswertungsraum sowie ein Vorratskeller situiert. Das Schießen mit großkalibrigen Gewehren und Jagd16 waffen, wie es auf den ehemaligen Ständen gepflegt wurde, ist im neuen Wolfurter Schießstand nicht mehr möglich. Dazu werden Interessenten auf die Anlagen einiger befreundeter Vereine im Land verwiesen. In einem Anbau stehen ausreichend Absteilflächen und Stauraum für die vielen Gerätschaften, die der moderne Schießbetrieb erfordert, zur Verfügung. Auf dem landschaftlich schönen Platz vor dem Gebäude ist auch die Abhaltung der zur Tradition gehörenden Schützenfeste möglich. Regelmäßig treffen sich an den Ständen junge und alte Schützen, Frauen und Männer, Wolfurter und Freunde aus den Nachbargemeinden. Sie üben ihr Auge und ihre ruhige Hand. Sie tauschen Erfahrungen aus und pflegen nach Feierabend die Gemeinschaft in gastlicher Runde. Die Liste der Erfolge von Vereins-Mitgliedern füllt viele Seiten der Chronik. Die junge Generation von Funktionären wird, gestützt auf die Erfahrung ihrer älteren Schützenkameraden, die USG Wolfurt sicherlich gut in die Zukunft führen. Wir Wolfurter sind stolz auf unsere Schützengilde und auf unseren Schießstand! 17 „Union Schützengilde Wolfurt" Die Vereinsführung im Jahre 2004 Markus Gasser Oberschützenmeister Romana Herburger Unterschützenmeisterin Roland Matt Marjeta Ulmer Thomas Ulmer Werner Böhler Rene Skamletz Josef Leitner Willi Hehle Franz Ratz Schriftführer Kassierin Sportleiter Kleinkaliber Sportleiter Luftgewehr Sportleiter Luftpistole Schützenrat Schützenrat Schützenrat Obersehüt/enmeister in Wolfurt Nach der Schützen-Chronik von Hubert Flatz, 1988. Aus den Anfängen des Schützenwesens sind nur zwei Schützenmeister bekannt: 1838-1844 um 1866 Andreas Klocker Josef Halder Ziegelfabrikant Gemeinde-Vorsteher Ab 1883 hat Flatz die Liste mit Hilfe der Schützenscheiben erstellt, ab 1923 liegen Protokolle vor. 1883-1886 1886-1890 1890-1895 1895-1904 1904-1911 1911-1915 1923-1926 1926-1928 1928-1931 1931-1937 1953-1954 1954-1957 1957-1963 1963-1972 1972-1979 1979-1981 1981-1996 1996Joh. Georg Fischer Ferdinand Schneider Martin Arnold Carl Müller Josef Rünzler Rudolf Böhler Dr. Wilhelm Mohr Hans-Martin Dietrich Paul Schwarz Siegfried Kalb Erich Gasser Josef Flatz Josef Dietrich Alfred Fischer Hubert Flatz Günther Muxel Ferdl Matt Markus Gasser Adlerwirt und Vorsteher Fabriksarbeiter und Chronist Bauer Kronenwirt Steinhauer Sternenwirt und Postmeister Landesbeamter Bauer Klöppelspitzenfabrikant Schwanenwirt Schreiner Fahrradmechaniker Elektriker Klöppelspitzenfabrikant Finanzbeamter Schlosser Finanzbeamter Angestellter Annelies Rohner Klaus Muxel Fahnenpatin 1984 Fähnrich Ehrenmitglieder 2004 Ferdl Matt Franz Strezeck Edelbert Klimmer Wilfried Braitsch Josef Leitner Valentin Lanker Helmut Vögel Alwin Rohner Roman Fekonja Ehren-Oberschützenmeister 18 19 Die Schützenscheiben Schützenscheiben sind Ehrenscheiben! Sie halten meist ein besonderes Ereignis fest und bekunden die Wertschätzung, die die Kameraden mit ihrem Ehrenschuß auf die bunte Scheibe zum Ausdruck bringen wollten. Darüber hinaus lassen sie den Betrachter einen Blick in die Geschichte tun, erzählen von den Leistungen der Schützen und von übermütigem Festtreiben, von Kaiser und Papst, von Jubiläen großzügiger Spender, aber auch von Kriegsnot und Tod. Die älteste erhalten gebliebene Schützenscheibe in unserem Land stammt aus Feldkirch und trägt die Jahreszahl 1640. Da können die Wolfurter Scheiben natürlich nicht mithalten. Noch lange Zeit besaß unsere Gemeinde keinen Stand, in dem man die Bilder hätte aufbewahren können. Auch die 12 Scheiben, für die Lorenz Höfle 1863 den Schützen sieben Gulden verrechnete, sind verschwunden. Auf eine davon war bereits ein „Hanswurst" aufgemalt, ein Faschingsnarr als Zielfigur. Im Schießstand wurden in die Täfel-Decke der Schützenstube 38 Scheiben eingearbeitet, dazu 11 in die Decke des LG-Standes im Keller. Weitere 21 Bildtafeln schmücken die Wände. Etwa 30 kleine Scheiben haben einen Platz an der Wand im LG-Stand gefunden. Von den insgesamt mehr als hundert Scheiben soll in diesem Heft eine Auswahl aus allen Gebieten des Schützenwesens gezeigt werden. Sie könnten für dich bei einem Besuch in unserem Schützenheim ein kleiner Führer sein. Den Anfang machen wir mit der historisch besonders wertvollen Scheibe aus dem Jahre 1899. Die folgenden Bilder sind in bunter Vielfalt nach ihrem Alter von 1891 bis 1988 gereiht und machen uns das Auf und Ab des Schützenwesens im 20. Jahrhundert bewußt. Angeschlossen sind einige Scheiben aus der Serie „AltWolfurt" und drei Ehrenscheiben für besonders verdiente Funktionäre. Den Abschluß bildet die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Bild 6. Die Schießstand-Scheibe von 1899. Johann Fischer, Schnidarles Hannes, 1853-1945, war ein künstlerisch begabter Schreiner, Zeichner und Maler. Er hat sie für seinen Vater Josef Fischer, Schreiner an der Hub, zu dessen 50jährigem SchützenJubiläum gemalt. Das besondere an ihr ist, daß sie uns die drei ehemaligen Schießstände zeigt. Eigentlich hatte Fischer sein Jubiläum schon drei Jahre früher gefeiert, denn er war gemeinsam mit Johann Baptist Höfle 1846 bei den Schützen eingetreten.. Der Neubau des Schießstandes im Jahre 1898 machte eine Fertigstellung der Fischer-Scheibe mit dem gewählten Motiv erst jetzt möglich. Aber mit dem KaiserJubiläum im gleichen Jahr wollte Fischer wohl doch nicht konkurrieren und wartete daher noch ein Jahr. Im Bild sieht man den grauhaarigen Schützen mit geschultertem Stutzen. Er winkt uns grüßend mit dem Schützenhut zu. Zu seinen Füßen ein Schützen-Symbol: Schießscheibe und Narrenkappe zusammen auf einem Lorbeerzweig! Daneben der neue 20 Schießstand auf Kronenwirts Bühel mit grünen Fensterläden und einer rot-weißen Fahne auf hohem Mast. Davor sitzen Gäste, eine Kellnerin wartet auf. Im Hintergrund der Scheibenstock. Im Zentrum der Scheibe hält ein Falke die schwarzen Ringe des Ziels. Im der oberen Hälfte eine Rückblende in die jungen Jahre des Jubilars: Zuerst in einem Quadrat der älteste Schießstand im Kirchdorf. Zwei Schützen an einem einfachen Latten-„Stand". Daneben an einem Tisch der Schreiber. Hinten links die Häuser im Tobel, auf dem Bühel gegenüber die Schießscheiben. Oben das alte Schloß. Dazu eine Inschrift: „Schützenwesen 1838 beim Rössle Wolfurt". Die zweite Einblendung zeigt in einem Kreis einen anderen Stand. Diesmal lautet die Schrift: „Schießstand in Rickenbach 1846". Von der Straße tritt ein Schütze durch eine Lücke in der Mauer zu der einfachen „Schießhütte" mit dem steilen Bretterdach. Auf der Wiese einige Bäume und ein kleiner Stock mit zwei Scheiben. Weiter hinten ein Haus im Rickenbach-Lo und ein Berg. Aus Gemeinde-Akten und aus dem Kataster wissen wir, daß dieser Stand beim Gasthof Adler unmittelbar neben der Landstraße nach Dornbirn stand. An beide Stände konnten sich die Jubilare Josef Fischer, 1823-1902, und J.B. Höfle, 1826-1923, ganz sicher persönlich erinnern. Auf der Fischer-Scheibe sind insgesamt 43 Schützen mit ihren Ehren-Schüssen verzeichnet. Wir finden darunter den Jubilar Josef Fischer selbst, Altvorsteher Martin Schertler, den Altschützen und ehemaligen O.Sch.M. Ferdinand Schneider und O.Sch.M. Carl Müller. Ein einziger von den Schüssen, bei denen es ja nicht um Sieg und Niederlage ging, traf ins Schwarze, jener von Johann Gmeinder, Frickeneschers. Bild 7. Die älteste Wolfurter Scheibe trägt das Datum 3. Mai 1891. Sie zeigt einen vor dem Schützen flüchtenden Gamsbock. Auch diese Scheibe hat Schnidarles Hannes gemalt. Gewidmet wurde sie den neuen Schützenmeistern Martin Arnold aus Rickenbach und Gebhard Böhler aus dem Kirchdorf anläßlich ihres Amtsantritts. Bild 8. J.B. Höfle, s alt Küofarle von der Hub, hatte schon 1896 eine 50er-Ehrenscheibe spendiert. Als begeisterter Jäger sah er im Steinadler eine begehrte Beute. Höfle hat danach noch 27 weitere Jahre den Schützen angehört und ist erst 1923 als 9 8j ähriger von ihnen zu Grabe getragen worden. Diese und die meisten anderen von den 28 erhaltenen alten Schützenscheiben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat nach einer Untersuchung von Anton Repolusk und Hubert Flatz der Maler Engelbert Köb angefertigt. Lehrars Engelbert auf dem Bühel war 1890 bekannt geworden, als er nach eigenen Entwürfen die Wolfurter Pfarrkirche ausgemalt hatte. Später hat er für seine Familie die Villa Bucherstraße 1 gebaut. Er war viele Jahre Erster Gemeinderat. 1915 ist er mit den Standschützen an die Front in den Dolomiten eingerückt und hat sich dort eine tödliche Krankheit zugezogen. 21 Bild 9. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph schoß die Schützengesellschaft 1898 eine Scheibe mit dem Kaiserwappen und dem Lothringer Kreuz aus. Wenige Wochen später ließen die befreundeten „Veteraner" ihre schöne Fahne weihen (Bild 38). Nachdem sieben Schützen im gleichen Jahr am Bundesschießen in Wien teilgenommen hatten, stifteten diese eine zweite Scheibe. Auch die 14 Teilnehmer am nächsten Kaiser-Jubiläums-Schießen 1908 spendierten wieder eine Scheibe, diesmal eine mit der Siegesgöttin. Bild 10. Daß manche Schützen auch sehr trinkfest waren, erfahren wir aus vielen Geschichten in den Protokollen. Daher stellte der Maler 1898 den Schmied Wilhelm Böhler vom Strohdorf mit Stutzen und Weinglas auf ein Faß. Bild 11. Ganz anders die Scheibe von 1899, die der Zimmermeister Josef Anton Köb, Lehrars, seinen Schützen-Kollegen widmete. Aus seinen Erinnerungen trat ein Bild aus dem Balkankrieg hervor, wo sich ein Schütze im grausamen Bajonettkampf gegen zwei Feinde durchsetzte. Bild 12. Im gleichen Jahr aber auch wieder Leichtsinn und Übermut.Schertler-Veres waren als eine der ersten Sticker-Familien zu Geld gekommen. Maria Schertler wurde von den Veteranern zu ihrer Fahnenpatin ausersehen. Ihr älterer Bruder Bernhard stiftete dieses Bild mit dem gefährlichen Hochrad und der Aufschrift „Behüt Dich Gott vor Fall und Wunden, vor bösen Weibern und vor Hunden!". Ein paar Jahre später hat Schertler die großartige Villa an der Lauteracherstraße bauen lassen. Bild 13. Ein neuer Vorstand wurde 1903 gewählt. Auf seine Schützenscheibe ließ er einen prachtvollen Löwen malen. Darunter verewigten sich die beiden Schützenmeister Josef Rünzler, Steinhauer in Spetenlehen, und Martin Dietrich, Bauer und „Armenvater" an der Hub, und dazu die beiden Schützenräte Gebhard Böhler, Schlosser im Dorf, und Gebhard Schedler, „Maschinen-Macher" im Loch. Bild 14. Noch eine Scheibe aus der Stickerei-Blütezeit von 1905! Schwankende Musikanten sind das Motiv für Kapellmeister Franz Rohner, Vinälars, und StickereiFabrikant Bernhard Schertler, Veres. Sie kommen vom Schwanen, wo sich die Sticker regelmäßig im Römer-Stüble trafen. Bild 15. Stellvertretend für viele erfolgreiche Meisterschützen des Vereins steht die Jubiläums-Tafel von Alt-O.Sch.M. Ferdinand Schneider aus dem Jahre 1908. Er war ein armer Fabriksarbeiter, aber begeisterter Jäger, Bergsteiger und Musikant. Außerdem betätigte er sich als Schauspieler, Feuerwerker, Sänger und Botaniker. Besonders wertvoll ist seine Dorf-Chronik, die auch allerlei Schützengeschichten enthält. So berichtet er, daß er die 3 Gulden 60 Kreuzer, die er dem Maler Engelbert 22 Köb für diese Scheibe schuldete, mit der Anlegung eines Gartens zu dessen neuer Villa oberhalb des Dorfplatzes abarbeitete. Aber wie bei vielen früheren Bewerben hielt er sich auch diesmal schadlos und gewann beim Kaiser-Jubiläums-Schießen im gleichen Jahr das bar ausbezahlte „Hauptbest". Bild 16. In den Kriegszeiten klaffen von 1912 bis 1924 und von 1940 bis 1960 große Lücken in den Reihen der Scheiben. Die erste nach dem Ersten Weltkrieg hat Pfarrer Simon Stadelmann 1924 zusammen mit Kapellmeister Rohner und O.Sch.M. Dr. Mohr nach einer Pilgerfahrt zum Papst nach Rom gestiftet. Sie zeigt ein prachtvolles Bild des Petersplatzes und wurde mit den Schützen auch vom Pfarrer selbst beschossen. An die gefallenen Schützen erinnern erst die Scheiben 1934 vom Heldendenkmal in Wien, 1936 vom Wolfurter Kriegerdenkmal, 1937 eine von fünf ehemaligen Offizieren gestiftete Tafel und schließlich die von 1940 (Bild 19). Bild 17. Albert Schwerzler, Hafnars, war 1905 nach Amerika ausgewandert, kehrte aber mehrmals auf Besuch in die Heimat zurück. Als er 1936 diese Scheibe mit der Silhouette von New York ausschießen ließ, waren unter den 44 Schützen auch der alte Hauptmann Ludwig Köb und viele Jungschützen. Den besten Schuß in die schwarzen Ringe brachte der damals 15jährige Hubert Flatz an. In seiner Chronik erzählt er, er habe dafür fünf Schillinge bekommen, die ihm seine Mutter aber gleich wieder zur Aufbesserung ihres schmalen Haushaltsgeldes abgefaßt habe. Bild 18. Eine Hochzeitsscheibe spendierte Ernst Gmeiner, Fideles, 1937 anläßlich seiner Vermählung. Etwas anzüglich neckten ihn seine übermütigen Freunde mit einem Schützen, der vor einer drohenden Wildsau auf einen Baum geflüchtet ist und die Waffe wegwirft. Bild 19. Sogar die NS-Zeit ist als bedrückender Teil unserer Geschichte in der Scheibensammlung präsent. Die 1940 gemalte „Ehrenscheibe zum 25. Jahrestag des Ausmarsches der Standschützen von Wolfurt am 23. Mai 1915 in den Weltkrieg" nennt die Namen der im Krieg verstorbenen neun Schützen. Sie zeigt nach dem Anschluß Vorarlbergs an den Gau Tirol als Wappen den roten Tiroler Adler mit dem Hakenkreuz und dazu das Wolfurter Wappen von der Schützenfahne von 1913. Gestiftet wurde die wegen ihrer Rarität heute sicher auffallende Scheibe vom „Ortsschützen-Verband Wolfurt 1940". Unter den zum Ehrenschuß aufgerufenen Schützen-Veteranen findet man den ehemaligen Standschützen-Hauptmann Ludwig Köb und die beiden Leutnante Dr. Wilhelm Mohr und Joh. Gg. Hohl. Daneben steht als Ehrengast der „Orts-Schützen-Leiter" Emil Beck. Bild 20. Die Scheibe von 1960 ist die erste nach der langen Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Sie zeigt den Scheibenstock und weit hinten die Wald23 Kapelle auf Kronenwirts Bühel vor dessen Verbauung. Gewidmet ist sie dem Gedächtnis an acht verstorbene Funktionäre. Drei davon waren O.Sch.M. gewesen: Hansmarte Dietrich, der Schwanenwirt Siegfried Kalb und der Fahrrad-Mechaniker Pepe Flatz. Dazu erinnert sie an Fritz Pehr, Karl Müller, Hannes Fischer-Seppos, Mathias Rist und Isidor Flatz. Bild 21. Eine feinsinnige Hochzeitsscheibe von 1967 für Alwin Rohner und Annelies Schertler. Beide blieben den Schützen mit großen Verdiensten verbunden, Annelies als Fahnenpatin, Alwin als großzügiger Förderer des Schießstand-Neubaus. Bild 22. Viele Scheiben berichten von den Erfolgen der Wolfurter Schützen bei örtlichen und internationalen Wettkämpfen. Diese häuften sich besonders, nachdem ab 1960 ein regelmäßiges Training aufgenommen worden war und die JungschützenBetreuung Früchte trug. Zuerst war schon 1973 Wolfgang Aichholzer als Jungschütze Landesmeister und ein Jahr später österreichischer Junioren-Staatsmeister geworden. Eine eigene Scheibe zeigt 1979 Gerhard Muxel, der bei der Europa-Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte. Eine weitere Tafel faßt die Namen von zehn Gildenmitgliedern zusammen, die bis 1979 zu Staatsmeisterschaften gefahren waren: Gerhild Flatz, Doris Muxel, Wolfgang Aichholzer, Gerhard und Günther Muxel, Josef Vonach, Josef Hechenberger, Alexander Strezeck, Werner Böhler und Werner Vogel. Ihnen folgten in den Jahren danach noch zahlreiche weitere Teilnehmer an Staatsmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Die abgebildete Ehrenscheibe erhielt 1983 Reinhard Muxel, österreichischer Jugend-Meister und Teilnehmer an der EM in Dortmund. Bild 23. Mit mehreren Scheiben ist die Schützen-Dynastie Fischer vertreten, Nachkommen des Schützenwirts Martin Fischer, der 1860 den Schießstand an der Hub erbaut hatte. Sein Sohn war der Lammwirt und Metzger Gebhard Fischer, ein langjähriger Förderer des Schützenwesens, der schon 1897 eine fröhliche Scheibe mit einem „Ochsenreiter" spendierte. Auch der Enkel Dr. August Fischer blieb den Schützen sein Leben lang verbunden. Er erforschte ihre Geschichte beim Aufstand gegen die Bayern im Jahre 1809 und ließ zum Gedenken an den Wolfurter Major Jakob Schertler 1977 am Schützenheim eine Bronzetafel anbringen. Zu seinem 90. Geburtstag spendierte er 1988 diese Scheibe, die ihn als Ehrenmitglied der Matreier Schützen in Tiroler Tracht zeigt. Den besten Schuß beim Festschießen gab übrigens sein Neffe August Hinteregger, der Pfarrer von Bildstein, ab. Als Förderer der Schützen galt auch ein anderer Neffe, Johann Fischer, Metzgermeister und Sternenwirt. Zum Kreis der Schützenwirt-Verwandten gehört schließlich auch noch Alfred Fischer von der Steig, zu dessen 60jährigem SchützenJubiläum 1970 eine Ehrenscheibe ausgeschossen wurde. Als O.Sch.M. war er damals an den Vorbereitungen zum Schießstand-Neubau beteiligt. 24 Bild 24. Zwei große Tafeln ehren die Sieger der „ER und SIE-Schießen". Die erste von 1976 zeigt das Schloß noch mit dem ursprünglichen Turm, den es vor der Gründung des Schützenvereins 1835 besessen hatte. Die Umrahmung bilden oben zwei Ansichten von 1936, unten Motive nach dem Brand von 1939. Bild 25. Das zweite „ER und SIE"-Bild von 1980 ruft die alte Volksschule im Strohdorf in Erinnerung. 1872 war sie gebaut worden, hatte dann bis 1967 neben der Schule auch das Gemeindeamt beherbergt und war schließlich 1979 abgebrochen worden. Bilder 26 bis 31. Anton Repolusk hatte schon 1968 die Scheiben-Serie „AltWolfurt" begonnen, mit der er abgebrochene Häuser dem Vergessen entreißen wollte. Für die jährlichen Vereins-Meisterschaften schufen er und nach ihm einige andere Vereins-Angehörige mehr als 30 kleine Scheiben. Ein wirklich beachtlicher Beitrag zur Dorf-Geschichte! Bild 32. Drei Männern mit ganz besonderen Verdiensten um die Schützengilde sind eigene Ehrenscheiben gewidmet. Zuerst Hubert Flatz, 1921-1991. Von seinem Vater Josef (Pepe) Flatz wurde er dem Verein schon 1935 als Jungschütze zugeführt. Nach dem Krieg half er dem Vater beim Wiederaufbau und übernahm 1960 als Schriftführer Verantwortung. Mit ungeheurem Einsatz trieb er, nachdem er 1972 zum Oberschützenmeister gewählt worden war, den Neubau des Schießstandes an der Ach voran. Er trat von dem Amt erst 1979 zurück, als er den vier Jahre vorher fertiggestellten Bau seinem Nachfolger Günther Muxel schuldenfrei übergeben konnte. Jede Ehrung lehnte er ab. Erst nach seinem Tod wurden mit dem „HubertFlatz-Schießen" von 1993 und dieser Gedenkscheibe, auf der sich 170 Schützen eintrugen, seine Verdienste festgehalten. Bild 33. Die nächste Scheibe hat die Gilde 1995 ihrem Ehren-O.Sch.M. Ferdl Matt gewidmet. 221 Schützen haben darauf mit einem Ehrenschuß ihre Anerkennung gezeigt. Ferdl Matt war 1972 als Schriftführer an die Seite von Hubert Flatz getreten und hatte mit ihm den Bau des Schießstandes geleitet. Von 1981 bis 1995 übernahm er selbst das Amt des O.Sch-M. Bild 34. Eine weitere Tafel zeigt Ehrenmitglied Anton Repolusk, den Maler. Mit unendlicher Sorgfalt restaurierte er viele von den alten Scheiben, die dann in die beiden Decken in der Schützenstube und im LG-Stand eingefügt wurden. Eine ganze Reihe von den jüngeren Scheiben malte er selbst. Viele Bilder schuf aber auch der Schütze und Jäger Hubert Gasser, akad. Maler, der ebenso zur Restaurierung der alten Scheiben beigetragen hatte. Zum Abschluß des Schießstandbaus hielt Repolusk 1975 viele Namen der Mitarbeiter und Förderer auf 25 einer Ehrentafel fest. Sie hängt heute im Haus-Eingang. Unter die Bilder der am Platz des Schießstands längst verschwundenen alten Holzbrücke und des neuen Hauses setzte der Maler dort die Worte „Idealismus - Einigkeit - Tatkraft". Bild 42. Nach den nun angeschlossenen Fahnen-Bildern (35 bis 41, 4 und 5) steht als Abschluß die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Noch einmal scheint hier die Wolfurter Schützengeschichte auf. Hubert Gasser malte die Tafel zum 150-JahrJubiläum der Gilde und nahm dabei die „Fischer"-Schicßstand-Scheibe von 1899 (Bild 6) zur Vorlage. Stifter waren die Marktgemeinde Wolfurt und Bürgermeister Erwin Mohr. Der Tradition zuliebe sammelten sich die Schützen noch einmal zu einem letzten Fest draußen auf Kronenwirts Bühel. „Geschossen am alten Schießstand in der Hub am 17. September 1988 unter Oberschützenmeister Ferdl Matt". Prächtig ist der neue Stand mit seiner grün-weißen Schützenfahne und der Schrift „An der Ach, erbaut 1972-1975" dargestellt. Die Aufschriften zu den anderen Ständen wurden gegenüber dem Original verändert. Der „Rößle"-Garten war inzwischen beim Bau des Pfarrheims verschwunden. Daher steht jetzt beim ersten Stand „Auf dem Pfarrbühel 1846". Beim zweiten steht „Im Kella 1846". Das müßte auf „Beim Adler 1846" korrigiert werden. Der dritte Stand an der Hub erhielt zwar bei der Renovierung von 1898 dieses Aussehen, er war dort aber bereits 1860 erbaut worden. Insgesamt 69 Ehrenschüsse sind auf der Scheibe verzeichnet, darunter die von Bürgermeister Erwin Mohr, Altbürgermeister Hubert Waibel, O.Sch.M. Ferdl Matt und Alt-O.Sch.M. Hubert Flatz. Auffallend ist der hohe Anteil von 11 „Schützinnen". Als bester Schuß ins Zentrum wurde der von Hans Schwaighofer gewertet. Ihm folgt mit Susanne Fekonja bereits die erste Dame. Noch zahlreiche weitere Scheiben von Mitgliedern und Ehrenmitgliedern, von Hochzeiten, Jubiläen und anderen Schützenfesten, schmücken den Schießstand. Sie künden den Nachkommen von der Verbundenheit ihrer Väter und zunehmend auch der Mütter mit dem Wolfurter Schützenwesen. Mögen noch viele folgen! Bild 6: Schützenjubiläum 1899. Diese besonders wertvolle Scheibe, gemalt von Schnidartes Hannes, zeigt die drei alten Wolfurter Schießstände beim Rößle, beim Adler und auf Kronenwirts Bühel. 26 27 Bild 7: Die älteste Wolfurter Scheibe von 1891. Ein Gamsbock für die beiden neuen Schützenmeister. Bild 8: 50 Jahre bei den Schützen! Küfermeister Joh. Bapt. Höfle feierte 1896 sein Jubiläum mit einem übergroßen Adler. 28 29 Bild 9: Kaiser-Jubiläum 1898. Die Schützen ehrten ihren Landesherrn bei vielerlei Anlässen. Bild 10: 1898. Trinkfest sollten die Schützen auch sein! Jedenfalls galt das für den Schmied Böhler aus dem Strohdorf. 30 31 Bild 11: Der Krieg auf dem Balkan als Thema einer Schützenscheibe von 1899. Josef Anton Köb, Lehrars Seppatone auf dem Bühel, hatte es gewählt. Bild 12: Ein Hochrad von 1899. Bernhard Schertler, Veres, hielt den neumodischen Männersport samt einer übermütigen Warnung fest. 32 33 Bild 13: Ein Löwe als Ziel! Der neue Vorstand von 1903 wollte in Würde erscheinen. Bild 14: 1905. Musik und Gesang auf dem Kirchplatz vor dem Schwanen. Die reichen Sticker Bernhard Schertler und Franz Rohner, Kapeollar, freuten sich über die goldenen Zeiten. 34 35 Bild 15: 1908. Wieder ein Goldenes Jubiläum. Ferdinand Schneider, 1841-1917, hatte sich als Meisterschütze und Oberschützenmeister Verdienste erworben. Aber auch in anderen Vereinen und vor allem als Dorf-Chronist hat der einfache FabriksArbeiter viel für die Gemeinschaft geleistet. Bild 16. 1924. Wallfahrt nach Rom! Die erste Schützenscheibe nach dem Ersten Weltkrieg. 36 37
  1. heimatwolfurt
20030701_Heimat_Wolfurt_27 Wolfurt 01.07.2003 Heft 27 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 2003 Bild 1: Ein Veloziped! Albert Köb, Lehrers, traute sich um das Jahr 1890 als einer der ersten mit seinem Hochrad auf die holperigen Straßen. Inhalt: 137. Fahrräder 138. Deuring- Schlößle 139. Burg Guglionesi 140. Frauen 141. Rohner-Familien 142. Unterlinden 143. Kriegerdenkmal Bildnachweis Bilder 8, 9, 10 u. 12 Siegfried Heim Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Bittere Medizin (Heft 26, S. 4) Dieser Aufsatz hat viel Aufmerksamkeit gefunden. Hier noch einige Ergänzungen: Im Taufbuch wird schon 1674 ein „Baader" Georg Rohner genannt. Das wäre demnach der älteste bekannte Wolfurter Arzt, lange vor Antonius Bildstein. Druckfehler! Seite 10, Zeile 12, richtig ist: 1864 ist Martin Rohner gestorben, (nicht Georg Gmeiner) Zu Dr. Dünser: Nach dem Hausbesitzer-Buch (Codex 8a im Gemeindearchiv) haben Dr. Ferdinand Dünser und seine Gattin Amalia Hofer am 6. Okt. 1874 in Wolfurt das Haus C 124 (später Kirchstraße 19) gekauft. Somit kennen wir ein weiteres ehemaliges Doktor-Haus. Zu Dr. Embacher: Das Vlbg. Volksblatt berichtet im Mai 1908 von seinem 40jährigen Arzt-Jubiläum. Daran beteiligten sich neben Musik und Gemeindevertretung auch der Pfarrer und der Schulleiter. Es gratulierten die zwei Töchter und sechs Söhne: ein Arzt, ein Zahntechniker, ein Medizin-Student, ein Jus-Student, ein Eisenbahn-Stationsvorstand und ein Handelsangestellter. Wohin sich die EmbacherSöhne zerstreut haben, ist nicht bekannt. Die beiden Töchter heirateten in Wolfurt. Zu Dr. Lecher: Die seit kurzer Zeit im Archiv zugängliche Schwärzler-Chronik ermöglicht es, einige Daten aus Dr. Lechers Arbeit zu berichtigen: Angefangen hat er in Wolfurt am 1. März 1924. Schon im September 1925 schaffte die Gemeinde auf sein Ansuchen hin ein fahrbares Liegebett an. Aber erst im Dezember 1927 gründete Dr. Lecher die Rettungsabteilung der Feuerwehr. Sein erstes Arzt-Auto besaß er übrigens bereits seit August 1926. In Lechers Zeit fällt auch ein besonders dunkles Kapitel der Medizin-Geschichte, die Tötung unwerten Lebens während der Nazi-Zeit. Aus Karl Schwärzlers Notizen erfahren wir, daß die Bevölkerung doch manches darüber wußte. Schon im Februar 1941 berichtet er unter „Hiobsnachrichten", daß die Kranken von Valduna und Jesuheim nach Linz transportiert wurden. Von dort kommen Todesnachrichten. Am 25. April weiß er, daß auch Hammerschmieds Josef von der Valduna nach Hall überstellt worden und dort „gestorben" ist. (Josef Rohner, Hammerschmieds, war 73 Jahre alt. Er hatte an der Achstraße gewohnt). Im September 1942 ist die geisteskranke Sr. Euphrasia (Höfle) in Linz „gestorben". Zu Dr. Schneider: Unser geschätzter ehemaliger Arzt bestätigte die Not bei der Kinderlähmungs-Epidemie von 1958. Die Ärzte waren sich nicht einig, ob es allenfalls gefährlich sei, in die bereits grassierende Krankheit hinein noch zu impfen. Es waren ja drei Impfungen mit Zeitabständen notwendig. Eine Mutter, die damals selbst zwei Kinder verlor, einen 15jährigen und einen einjährigen Sohn, erinnert sich, wie Dr. Simma, der Leiter des Krankenhauses Valduna, erklären mußte: „Wir können gar nichts machen!" Allein im kleinen Kennelbach starben innerhalb weniger Wochen fünf Kinder an der schrecklichen Krankheit. Bitte! Nach der Aussendung von Heft 26 fragte eine ganze Reihe von Lesern nach einem Erlagschein. Wir haben zuletzt immer nur in jedes zweite Heft einen solchen eingelegt. Diesem Heft 27 liegt also wieder ein Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Es ist der erste in Euro. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 26) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Zu Dr. Beck: Unabhängig voneinander wußten etliche Leser, zuerst Toni Fink im Kessel, daß unser Ehrenring-Träger Emil nicht der allererste Leiter des UnfallKrankenhauses in Feldkirch gewesen sei. Ludwig Gmeiner, dessen Gedächtnis ja unerhört viele Daten speichert, nannte auf Anhieb einen Dr. Amann aus Hohenems, der zuerst schon als Nachfolger von Primarius Dr. Schalle das Unfallkrankenhaus Valduna geleitet habe und dann nach der Übersiedlung vom 1. November 1972 an auch Feldkirch. Am 1. Jänner 1974 löste ihn Dr. Emil Beck ab. Strom für Wolfurt (Heft 26, S. 24) In Wien hat Dr. Mittersteiner diesen Artikel zustimmend gelesen und etliche Hefte für die VKW nachbestellt. Im Streit um die erste elektrifizierte Gemeinde Österreichs dürfte die Stadt Steyr voran liegen. Dort hat nämlich schon 1884 der Waffenschmied Josef Werndl „die erste elektrische Straßenbeleuchtung Europas" installieren lassen. In Vorarlberg folgten als erste Schwarzach und Wolfurt 1900 vor Rieden-Kennelbach 1901 und Bregenz 1903. Über das Geschehen in Wolfurt lese ich in einem Schulaufsatz vom 4. Jänner 1900 (dazu die umseitige Abbildung!): Jetzt bekommen wir das elektrische Licht. Es sind schon lange die Arbeiter am Baue dran. Sie haben schon die Stangen gesteckt. Von Schwarzach sind schon Leitungsdrähte gespannt bis zur Krone in Wolfurt. Aber sie müssen noch an der Ach draußen die Stangen stecken und bis in das Dorf herein. Man sagt, es werde bis im Mai fertig. Es kommen 25 Lampen zur Straßenbeleuchtung in das ganze Dorf. Der Vater hat das Licht noch nicht bestellt es ist ihm noch zu theuer. Der Schertler im Flotzbach läßt die Maschine elektrisch treiben, ebenso einige ihre Schnelläufermaschinen. Auch wegen der schönen Kurrentschrift ist der abgebildete Aufsatz des damals 13jährigen Rudolf Guldenschuh ein bemerkenswertes Zeitdokument. Kannst du es noch lesen? Für mich ist es eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Wolfurter Strom-Aktivitäten vor der VKW-Gründung 1901. Bei weitem nicht alle Wolfurter Häuser wurden gleich zu Anfang 1900 mit Strom versorgt. In die abgelegene Parzelle Holz und zum Schloß wurden die Leitungen erst im Jänner 1936 verlegt. Vermutlich war Dr. Fritz Schindler, der die Absicht hatte, das Schloß zu renovieren, die treibende Kraft. Einzelne Höfe in Bildstein, Buch und Alberschwende erhielten erst in den 50er-Jahren Strom. Als letztes Wolfurter Haus war am 6. Dezember 1948 der Gasthof Hohe Brücke, „do Studowirt", angeschlossen worden. Eine teure Leitung mit 37 Masten mußte dazu gebaut werden. Während des Krieges hatten strenge Verdunkelungs-Vorschriften gegolten. Nach fast sechs Jahren wurden am 19. Juni 1945 erstmals wieder die Straßenlampen eingeschaltet. Eine ganz neue Straßenbeleuchtung mit modernen Leuchtröhren wurde am 22. Dezember 1961 in Betrieb genommen. 4 Bild 2: Elektrischer Strom für Wolfurt schon im Jahre 1900! Ein Schulaufsatz von Rudolf Guldenschuh. 5 Zu Plazidus Gunz, dem Wolfurter Elektro-Pionier. Die Gunz-Chronik berichtet von ihm, daß er auch ein Wegbereiter für die neuen Verkehrsmittel gewesen sei. Als erster in Wolfurt schaffte er sich 1885 ein Fahrrad an. Lies darüber im anschließenden Beitrag vom „Veloziped"! 1907 führte ihn „Büro Franzele" mit dem ersten Wolfurter Auto nach Bludenz. Seine Kritik an dem Gefährt, das die wenigen Steigungen nur mit Mühe schaffte, soll den Ausschlag gegeben haben, daß sie das teure Auto mit großem Verlust an die französische Lieferfirma zurückgab. Ein Jahr später kaufte sich Plazidus ein Motorrad, ebenfalls das erste in Wolfurt. Begeistert soll er zu seinem Bruder Lorenz gesagt haben. „Der Mensch geht erst beim Motorrad an!" Licht für den Maialtar (Heft 26, S. 41) Abbitte leisten muß ich dem seligen Pfarrer Alexander Gut für die Unterstellung, er hätte bei der Kirchenrenovierung von 1938 das schöne Letsch-Bild von der Gottesmutter aus der Kirche entfernt. Inzwischen ist nämlich ein Foto von der Wolfurter Nachprimiz des Innsbrucker Geistlichen Anton Fischer am Weißen Sonntag, 7. April 1940, aufgetaucht. Es zeigt Guts Nachfolger Pfarrer Wilhelm Brunold und im Hintergrund an der linken Seitenwand der Kirche das vermißte Letsch-Bild. Dieses ist also erst später verschwunden. Weiß jemand etwas über seinen Verbleib? Pfarrer Brunolds Nachfolger wurde nach dem Krieg nach einigen Monaten Vertretung durch Kaplan Nesensohn und Hofrat Dr. Metzler ab 27. Mai 1947 Pfarrer Guntram Nagel. Ein altes Hochzeitsbild (Heft 26, S. 50) Interessiert haben viele der zahlreichen Nachkommen das Bild studiert. Vom alten Rößlewirt Fidel Müller war bis jetzt gar kein Foto bekannt, nur von seinem Sohn Fidel Müller junior, der als Rößlewirt auch ein bedeutender Gemeinde-Politiker war. Zu ihrer Hochzeit im Jahre 1877 hatte die Braut Karolina Müller ihre WäscheAusstattung nach damaliger Sitte mit einem schönen Monogramm „KM" bestickt. Ein kunstvoll verziertes Taschentuch blieb bei der Enkelin Herta Böhler (Postmoastors) und später bei deren Nachbarin Celine Gliebe erhalten. Nun hat diese es als „Karolina Müller"-Taschentuch identifizieren können und daher an Karolines Ur-Enkelin Christi Rohner, die im fernen Kanada lebt, übergeben. Ganz begeistert schrieb diese zu Weihnachten, das alte „Deckele" auf ihrem Bauernschrank erinnere sie immer wieder an die Heimat. Wozu ein altes Foto noch gut sein kann! Menschen um uns (Heft 26, S. 54) Die aufgezählten Originale sollten Anlaß zu fröhlich erzählten Geschichten sein. Bild 3: Das Letsch-Bild noch 1940 in der Kirche. Wir wurden uns nicht einig, woher eigentlich Schuostor-Heinrich (Köb) stammte. Vermutlich aus Bildstein! Er soll einige Zeit lang bei Husters auf dem Rutzenberg gewohnt haben. Nach dem Krieg handelte er mit Kleiderbügeln und hölzernen Kluppa, die Küonzo Leonhard erzeugte. Hildegund Gmeiner-Mathis erzählte von einem Tirolar-Schwerzler, der beim Küfer Georg Höfle in Untermiete wohnte und in der Stickerei Gmeiner eine komplizierte Maschine gebaut hatte, ein „Perpetuum mobile ". Immer wieder haben Tüftler unter den Erfindern nach einer solchen unmöglichen Maschine geforscht, dem Tirolar war sie endlich gelungen. Bei den reichen Dornbirner Fabriksherren wollte er nun sein Patent mit dem „ewigen Umgang" vorstellen. Er fand aber kein Gehör. Der Tirolar blieb arm und mußte weiterhin da und dort eine Suppe betteln. Auswanderer Aus dem Allgäu hat sich eine junge Auswandererin gemeldet: Erna Donat, geb. Köb, Jg. 1944, „ Sattlars Robertos " auf der Steig. Als junges Mädchen ging sie mit vielen anderen zum „Hopfo-Brocko " ins Schwabenland. Sie fand dort Freunde und heiratete später. Jetzt lebt sie in Leutkirch. Die „Heimat'-Heftchen von Wolfurt schätzt sie sehr: „Da wird so manches in Erinnerung gerufen. " Wir erwidern ihre Grüße. Ganz begeistert zeigte sich auch „Hammorschmiods Minele" in Gisingen, Frau Mina Fischer-Österle. Zum Begräbnis ihres allerletzten Vetters Arthur Fischer war 7 6 sie in Wolfurt und brachte alte Photos. Als Ahnenforscher meldeten sich weitere Nachkommen von Auswanderern. Zuerst kamen Vater und Sohn Rohner aus dem Saarland, deren Ahn Johann Rohner Wolfurt schon um das Jahr 1740 verlassen hat. Lies dazu weiter hinten unter „Die Rohner"! Dann stellten sich mit dem Ehepaar Isabella und Perluigi Sibilla besonders interessante Forscher vor, Nachkommen von Auswanderern, die wir noch zu den Einwanderern zählen. Isabellas Großmutter Cecilia Salvaterrra ist 1902 in Wolfurt geboren worden und hier in die Schule gegangen. 1920 ist sie mit ihrer Familie nach Bozen ausgewandert (Siehe Heft 17, S. 49!). Mit fast 100 Jahren ist sie erst im Jahre 2000 gestorben. In den letzten Jahren war sie etwas verwirrt. Obwohl sie mit ihren Kindern und Enkeln bisher immer Italienisch gesprochen hatte, verwendete sie jetzt nur mehr den Wolfurter Dialekt aus ihrer Schulzeit. Den konnten die Enkel aber beim besten Willen nicht verstehen! Siegfried Heim Vom Veloziped zum Bike Die Geschichte des Fahrrades! - Das abgelaufene 20. Jahrhundert hat außer den beiden Weltkriegen auch eine ungeheure Fülle von technischen Errungenschaften gebracht. Mit Auto, Flugzeug und Mondrakete können sich freilich die meisten nicht messen. Trotzdem möchte ich einem treuen Diener hier ein paar Zeilen widmen, dem guten alten Fahrrad. Um das Jahr 1900 hatte die Eisenbahn auch für unser Land ein Tor in die weite Welt geöffnet. Aber nur ganz wenige Dorfbewohner vertrauten sich dem fauchenden Ungetüm an. Auch das Angebot der Postkutsche wurde kaum genutzt. Zu Fuß ging man zur Arbeit in Feld und Ried, zu Fuß auch auf den Markt nach Bregenz und zur Wallfahrt auf die Fluh und nach Bildstein. Aber da und dort tauchte jetzt doch auch schon ein viel bestauntes „Velizipe " auf. Noch ahnte niemand, daß es bald viele weite Wege erleichtern würde. Schon 1817 hatte der badische Forstmeister Karl Drais zur Beschleunigung seiner ausgedehnten Märsche ein hölzernes Zweirad gebaut. Aber anfangs fand die „Draisine" nur Nachahmer bei den jungen Lords in England, die mit ihrem „Dandy Horse " bei den Damen Eindruck machten. Erst technische Verbesserungen ebneten dem Zweirad den Weg zu weiteren Bevölkerungsschichten, vorerst allerdings fast nur zu sportlich begabten Männern. Wichtige Stationen der Entwicklung waren der Einbau von Pedalen 1844, das „Hochrad" von 1870, der Kettenantrieb mit Übersetzung am „Niederrad" 1879, die Luftreifen 1888 und der Freilauf 1900. „Bicycle ", das heißt „Zweirad", nannten die Engländer ihr neues Sportgerät, „Velocipede " hießen es die Franzosen, was etwa „schneller Fuß" bedeutet. Bald wurden daraus das umgangssprachliche „Bike", das kurze „Velo" und bei uns aus „Fahrrad" ganz einfach „Rad". In der Gunz-Chronik1 beschreibt Lorenz Gunz um das Jahr 1925 rückblickend die Entwicklung in Wolfurt von der „Tressina" (Draisine) bis zum „Velizipe" (Velocipede): das erste (Fahrrad) meines Dänkens war ein hölzenes Zweirad, die Räder sind hintereinander gegangen wie bei den heutigen Fahrrädern, die Räder waren mit Eisenreifen beschlagen und natürlich nicht gefedert. Das Rad hat dem Caspar Bereuter auf der Dellenmoosmühle gehört, das war ein Wunderding. Wir Buben sind dem Bereuters Caspar nachgesprungen, und der Casper hatte keine leichte Arbeit, wenn er den Buben aus dem Weg kommen wollte. Man hat dießes Rad Tressina genant. Später kamen die Hochräder, unser Plaze hatte das erste 1885 in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, bei denen das vordere Rad gross, das hintere bedeutend kleiner war. Dann kamen die Fahrräder mit auf gekiteten Gumme Reifen, 9 8 Bild 4: Hochrad-Fahrer auf Holzfelgen Bild 5: Die ältesten Niederräder, noch ohne Kettenantrieb Bild 6: Firmling und Pate mit den modernsten Rädern von 1903 dann die mit Kisselreifen. Diese beiden nannte man Velizipe. Dann kam die Luftbereifung und später die Motorräder. Nach Plazidus Gunz gehörte zu den Pionieren des Wolfurter Radsports der junge Turner Albert Köb, 1872-1914, der sich mit seinem teuren Velocipede stolz dem Fotografen stellte (Titelbild). Sein Hochrad hatte schon Vollgummireifen auf die Holzfelgen aufgeklebt, aber es besaß weder Freilauf noch Bremsen. Nur ein wagemutiger Turner konnte den hohen Sattel erklimmen und das Fahrzeug über die rauhen Schotterstraßen lenken. Bei Geralle versuchte er, mit den Lederschuhen an den Felgen zu bremsen. Oft rettete ihn aber nur ein rechtzeitiger Absprung vor einem gefährlichen Sturz. Vielleicht war aber gerade dieses Risiko der Grund dafür, daß jetzt an vielen Orten Fahrrad-Clubs gegründet und sogar internationale Wettrennen durchgeführt wurden. Das erste Rennen in Vorarlberg fand 1898 auf der Strecke Hohenems-Feldkirch und zurück statt.2 Bei ihren Ausfahrten wurden die Sportler oft verspottet und sogar behindert. Bild 4 zeigt ein paar bei einer Faschingsveranstaltung. Ihre Räder sind noch ganz aus Holz, die Felgen mit Eisenreifen beschlagen. Jeder führt eine Karbid-Laterne mit. Einer (ganz rechts) hat eine Hebel-Bremse eingebaut. Nach 1900 verschwanden die Hochräder schnell in den Dachböden und Rumpel10 kammern. Moderne Niederräder hatten sie abgelöst. Zu einem Festumzug im Jahre 1958 nahmen Gassers Engelbert und Thalers August noch einmal zwei solche Veteranen in Betrieb (Bild 5). Auch beim Niederrad wirkten die Pedale direkt auf das Vorderrad. Aber es besaß immerhin bereits eine Stempelbremse mit einem Gummiklotz. Ein solches Niederrad war natürlich auch viel leichter zu beherrschen. Schnell entwickelte es sich zu einem Symbol von Luxus und Reichtum. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich in einem Bregenzer Foto-Atelier vor einer Natur-Kulisse mit seinem Fahrrad ablichten. Wenn ein Sticker seine Belegschaft aufnehmen ließ, stellte er sich selbst meist mit seinem Rad dazu. Bild 6 stammt aus dem Jahre 1903. Es zeigt den angesehenen Steinbruch-Besitzer Josef Rünzler, 1871-1935, und sein Patenkind Julius Müller, Kronenwirts, 18931916. Ihre hochmodernen und teuren Fahrräder haben bereits Luftbereifung, Stollenbremsen, Freilauf und Klingel, aber noch keine Schutzbleche. An der Hinterachse besitzen sie auch noch den Eisensporn, der früher - noch ohne Freilauf - das Aufsteigen erleichtert hatte. Im Übermut der goldenen Stickerzeiten wagten sich sogar die ersten emanzipierten jungen Damen auf ein spezielles Fahrrad. Zum Schutz der kostbaren Spitzenkleider hatte man dieses mit Schutzblechen, einem vornehmen Kettenkasten und mit zier11 Bild 7. Gottfrieda Österle mit dem ersten Damenrad 1908 lichen Spann-Netzen verschönert. Mit einem solchen Fahrzeug ließ sich um 1908 die reiche Stickerstochter Gottfrieda Österle fotografieren (Bild 7). Der Pfarrer sah solcherlei Hoffahrt gar nicht gerne. Bertha Gasser, geboren 1893 in Meschen und später als Frau Fischer an der Brühlstraße verheiratet, erzählte von ihrer leidvollen ersten Bekanntschaft mit dem Rad. Eine Stickersfrau in Spetenlehen, der die 15jährige Bertha manchmal bei der Arbeit half, besaß auch ein solches Wunderding, getraute sich aber nicht zu fahren. Schließlich durfte Bertha einmal probieren. Schnell hatte das wendige Mädchen den Trick erfaßt. Nun lenkte sie, von jubelnd nachrennenden Schulkindern gefolgt, ihr Gefährt bis ins Kirchdorf hinein. Sicher brachte sie es wieder heim nach Spetenlehen. Die Abrechnung erfolgte am Sonntag, als die schulentlassenen Mädchen in der Kirche feierlich in die Jungfrauen-Kongregation aufgenommen werden sollten. Da wurde Berthas Name erst ganz am Schluß aufgerufen. Öffentlich verweigerte ihr der gestrenge Pfarrer wegen ihres „ungebührlichen Benehmens" die Aufnahme. Welche Schande! Trotzdem! Das Fahrrad setzte sich nun rasch durch, auch bei den Frauen. Es ersparte viel Zeit bei der Bewirtschaftung der Äcker im Feld und im Ried. Es erleichterte das Einkaufen und den Weg zur Fabrik in Kennelbach. Bald standen in jedem Haus 12 mindestens ein Herren- und ein Damenrad. Bei der ersten Fahrzeugzählung in Wolfurt fanden sich 1933 bei fast 2000 Einwohnern bereits 400 Fahrräder, dazu auch schon 25 Motorräder und sogar 10 „Luxus"-Autos. Die Fahrräder wurden jetzt mit einem stabilen Gepäcksträger ausgerüstet, die meisten zudem mit einem abnehmbaren „Sattele " für Kleinkinder. Sonntags-Ausflüge führten die ganze Familie bis Lustenau oder Hohenems. Und einmal im Sommer banden die Eltern einen leeren Koffer auf den Gepäcksträger und fuhren bis Kreßbronn oder Nonnenhorn „ga Kriose holo "? Ein unvergeßlicher Höhepunkt im Fest-Kreis des Kinderjahres! Manche von uns erinnern sich auch noch an den Fischhändler oder an den Käshändler, die mit speziell angefertigten Dreirädern schwere Lasten zu ihren Kunden transportierten. Auch der Bäckergeselle mit seiner „Krätzo" stellte das Brot per Rad zu. Natürlich beherrschten die Schulkinder nach kurzer Einübungszeit die Fahrräder ihrer Eltern, lange bevor sie den Sattel erreichen konnten. Die Buben führen anfangs mit Vaters Rad „ undor-or Stang " „ a Ränkle "5 durchs Dorf, dann aber bald „freihändig" wie Kunstradfahrer. Bei ihren Ausfahrten nahmen sie oft Freunde oder kleine Geschwister mit, „ ufliocko lo " war Ehrensache. Sogar Rennen führten sie mit ihren dazu gar nicht geeigneten schweren „Waffen"-Rädern durch. Draußen in der fernen Welt gab es ja bereits seit 1903 die Tour de France und längst auch den Giro d'Ttalia und die Tour de Suisse. Dann kam der Krieg. Als Treibstoffmangel den Autoverkehr lahmlegte, wurden Fahrräder für den Weg zur Arbeit und zur Schule nach Bregenz besonders wichtig. Schuhnägel und Scherben bedrohten die Gummireifen. Ein Flickzeug mit Raspel und Gummi-Lösung mußte ständig mitgeführt werden. Irgendwie schaffte es unser großer Bruder immer wieder, mit „ Undorleggar "6 oder „ Üborleggar " die defekten Reifen zu heilen. Manchem alten Fahrrad gaben dann 1945 noch die Marokkaner den Rest, als sie den Umstieg von ihren Mulis auf unsere Technik versuchten. „Das nix gut Rad!" entschuldigten sie sich, wenn sie wieder eine Felge verbogen hatten. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg zeigte sich bald in neuen, farbigen und chromglitzernden Fahrrädern. Etwa ab 1950 besaßen manche sogar schon eine „Sturmay"-Dreigang-Schaltung und zwei Felgenbremsen. Die Besitzer wurden bestaunt und beneidet. Schnell begann dann aber die Motorisierung. Mofa, Moped, Motorroller und die vielen Motorräder stießen das Fahrrad in ein AschenbrödelDasein. Im April 1947 hatte die nicht mehr ganz junge Krankenschwester Sr. Epiphania noch ein erstes Fahrrad bekommen - der Pfarrer hatte jetzt nichts mehr dagegen. Von den Pfarrherren selbst habe ich aber nur unseren guten Pfarrer Willi in Erinnerung, wie er ab 1957 wöchentlich mehrmals auf seinem schwarzen Rad die Kranken in den Spitälern von Bregenz und Dornbirn besuchte. Am Sonntag trug es ihn manchmal auch zu einem Fußballmatch nach Lustenau. Bei einer Ehrung rechnete der Festredner dem Pfarrer diese Treue zum bescheidenen Fahrrad ganz hoch 13 an, denn längst fuhren die Kapläne jetzt Autos oder schnelle Motorräder. Das Fahrrad schien auszusterben. Fabriken und Händler mußten schließen. Nur „Sammars Hubert" hielt noch Ersatz-Schrauben bereit und flickte für ein paar Groschen die letzten Räder für die Wolfurter und für die weite Umgebung. Und dann war plötzlich ein neuer Trend da. Etwa ab 1975 stellten immer mehr Frauen und Männer Gesundheitssport und Fitness in die Mitte ihres Lebens. Wer „in" sein wollte, mußte wieder ein Fahrrad haben, besser noch zwei oder drei. Zuerst ein Rennrad mit möglichst schmalen Reifen, Tachometer und mindestens 21 Gängen. Dann auch ein Mountain-Bike mit dicken Spezialreifen und komplizierter Federung. Dazu das richtige „Outfit" mit buntem Trikot, Ledereinsätzen in den Hosen, Spezialschuhen, Sturzkappen und Handschonern und natürlich mit einem ganz genauen Herzfrequenz-Meßgerät. Neue Firmen entstanden, neue Zweiradgeschäfte. Jedes Jahr warfen sie eine Fülle neuer Dinge auf den Markt: City-Bike, Cross-Maschine, BMX-Rad, Klapprad, Scheiben- und Trommelbremsen, neue Lenker, Holzfelgen(!), Aluminium- und Carbon-Rahmen, aber auch das TandemRad und als Anhänger den „Kiki"-Kinderwagen. Neue Radwege wurden angelegt, zu den Schulen und quer durch die Großstädte. Reizvolle Uferwege begleiten Donau, Inn und Rhein. Nobelhotels werben um den Fahrrad-Gast. Reise-Büros und Bus-Unternehmer bieten ausgesuchte Bike-Touren an. Noch lebt das gute alte Fahrrad! Siegfried Heim Die Wolfurter Wappen am Deuring-Schlößle Die aus dem Mittelalter stammende Stadtmauer der Bregenzer Oberstadt umschließt in ihrer dem See zugewandten Südwest-Ecke das uralte DeuringSchlößchen mit dem malerischen Eckturm und seiner barocken Blechhaube. Als die neuen Besitzer das Schlößchen im Jahre 1990 behutsam renovierten, um es zu einem Feinschmecker-Restaurant umzubauen, wurden auch die lange Zeit übertünchten Fassaden-Malereien aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg freigelegt. An vielen Stellen zeigen sie, mit phantasievollen Bändern geschmückt, das Wolfurter Ritterwappen mit dem steigenden Wolf über dem Fluß. Man spürt förmlich den Stolz der ehemaligen Besitzer auf ihr Familien-Symbol. Seinen Namen hat das Schlößchen von der Kaufmanns-Familie Deuring, die es um 1660 erworben und bis 1801 besessen hat. Vorher wohnte dort Oberst Kaspar Schoch, ein alter Haudegen aus dem 30jährigen Krieg, der sich vom einfachen Musketier bis zum vom Kaiser geadelten Feld-Obristen hinaufgedient hatte. Auf seinem originellen Epithaph neben der Kanzel in der Pfarrkirche St. Gallus bezeichnete er sich selbst als „Madensack". Und vor Schoch war das Schlößchen mehr als hundert Jahre lang im Besitz der Ritter von Wolfurt gewesen. Ihnen gehörte natürlich auch das Schloß Wolfurt. Aber angenehmer leben als auf dem Wind und Wetter ausgesetzten Bühel ließ sich in der Stadt Bregenz. Daher verlegten sie ihren Wohnsitz kurzerhand in ihren Stadt„Palast", ähnlich wie es die Emser Grafen zu dieser Zeit auch taten. Das zweite Edelgeschlecht „von Wolfurt" war aus der Bregenzer Bürgerfamilie Leber hervorgegangen und durch den Handel mit Holz und Wein reich geworden. Durch verwandtschaftliche Beziehungen erhielt es im Jahre 1463 nach dem Aussterben des ersten Rittergeschlechts derer von Wolfurt das Schloß Wolfurt als Lehen. Von Kaiser Maximilian wurde Jakob Leber um 1515 in den Adelsstand erhoben. Er nannte sich jetzt „den Edlen und Vesten Jakoben von Wolfurth uf Wolfurth" und führte das Wappen der Vorgänger weiter. Seine Kinder und Enkel schmückten damit auch ihr Schlößchen in Bregenz. Erhalten geblieben ist eine von dort stammende bunte Glasscheibe aus dem Jahre 1539. In schönen gotischen Buchstaben liest man „Hanns von Wolffurt zu Wolffurt - 1539 - Edeltrut von Wolffurt geborn von Hochenlandeberg". Der Historiker Andreas Ulmer hat die Scheibe schon 1925 beschrieben und als „ein prachtvolles Stück zeitgenössischer Glasmalereikunst" bezeichnet. Aus Ulmers Burgenbuch2 und aus seinen Grabstein-Forschungen3 übernehme ich einige der folgenden Ausführungen. Es fällt auf, daß die Vermählungs-Scheibe wohl die drei Ringe des Wappens der Hohenlandenberg zeigt, nicht aber den Wolfurter Wolf. Eine Verbindung mit dem alten Adelsgeschlecht der Hohenlandenberg war dem neuen Geschlecht von Wolfurt 15 1 2 3 4 5 6 GA Wolfurt, Gunz-Chronik, S. 153 VN v. 4.9.1986 Kriose sind Kirschen Krätzo ist ein Tragkorb a Ränkle, eine Kurve Undorleggar, Unterlage 14 Bild 8: Das Deuring-Schlößle im Frühling 2003 Bild 9: Fassadenschmuck mit Wolfürter Wappen Bild 10: Die Wappenscheibe von 1539 Bild 11: Der Wappenstein von 1610 hochwillkommen. Wegen ihrer Herkunft von Bregenzer Bürgern wurden sie ja „ von etwelchen übelnachredenden Leuten und Diffamanten" noch nach mehreren Generationen schief angeschaut und des adeligen Standes für unwürdig gehalten. Anders die Ritter von Hohenlandenberg! Sie stammten ursprünglich aus Schwaben und waren dann in der Schweiz ansässig. Aus ihrem Geschlecht stammt Hugo von Hohenlandenberg, der zur Zeit der Reformation von 1496 bis 1529 Fürstbischof von Konstanz war. Die Braut Edeltraut war vermutlich eine Schwester des Ritters Sigmund von Hohenlandenberg. Dieser war österreichischer Vogt der Herrschaft Neuburg und befehligte in Ungarn ein Landsknecht-Regiment gegen die Türken. Das erfahren wir aus seinem Grabdenkmal, welches am Chorbogen der St. GallusKirche eingemauert ist. Dort ist auch das Landenberg-Wappen mit den drei Ringen zu sehen. Eine adelige Herkunft des Bräutigams Hans war dagegen nur schwer nachzuweisen. Das erste Rittergeschlecht von Wolfurt, dem die mächtigen Söldnerführer Ulrich und Konrad angehört hatten, war ja um 1450 erloschen. Maria von Wolfurt, eine der letzen Töchter des Geschlechtes, hatte Johann Kaisermann, den Stadt-Ammann von Bregenz, geheiratet. Eine von ihren Enkelinnen wurde später die Ehefrau des Holzhändlers Hans Leber und damit die Ahnfrau des zweiten Geschlechts „von 16 Wolfurt". Maria, gestorben schon 1415, ist auf einem Fresko in der Michaelskapelle von St. Gallus dargestellt.4 In Bregenz kaufte Junker Jakob im Jahre 1521 auch noch das ansehnliche Gut „uff der Rütte ", die heutige „Weißenreute". In sein Schloß in Wolfurt nahm er im Jahre 1529 den Abt Kilian von St. Gallen samt seinem Konvent auf. Die Mönche waren vor der Reformation nach Wolfurt geflohen. Abt Kilian ist dann 1530 beim Durchreiten der reißenden Ach ertrunken. Seine Gefährten konnten bald wieder nach St. Gallen heimkehren. Im Jahre 1537 erhielt Jakobs Sohn Hans von Wolfurt das Schloß als Lehen. Er vermählte sich mit Ehrentraut von Hohenlandenberg und ließ zu diesem Anlaß die Wappenscheibe malen. Wie schon seine Vorfahren hob Hans für das Kloster Weißenau bei Ravensburg von vielen Besitzungen in Weiler und Hörbranz über Bregenz bis zum Sulzberg den Zehent ein und vergrößerte sein Vermögen. Im Namen des Klosters Weißenau sorgte er für die Erhaltung der rechten Hälfte (!) der Pfarrkirche St. Gallus.5 Nach einer Bregenzer Urkunde hatte „Hanns von Wolfurt" im Jahre 1540 sogar das einflußreiche Amt des Stadt-Ammanns inne. Nach seinem Tod konnte die Witwe Edeltraut mit ihrem Sohn Hans Georg 1547 für 465 Gulden auch noch den riesigen „Loherhof" in Bregenz kaufen, das spätere Gut 17 Kronhalden. Das Ansehen dieses „Hans Jörg von Wolfurt zu Wolfurt" war so groß, daß er 1565 mit seinem Siegel das Testament des Grafen Gabriel von Hohenems bezeugen durfte. Eine Urkunde von 1571 weist nach, daß er gemeinsam mit seiner Mutter „Edeltrauta geb Hohenlanndenberg" am Brand in Bregenz ein Jauchert Reben steuerfrei besaß. 1582 erlaubte er der Stadt die Fassung der Quellen auf seinem Gut Reutin für ihren Stadtbrunnen6. Im Jahre 1587 machte er eine bedeutende Stiftung für die „Lateinschüler" von Bregenz. Auch seine Mutter Edeltraut hatte der Lateinschule eine Stiftung hinterlassen, dazu eine ausdrückliche Widmung „für den Kirchengesang". Damit ist sie die erste bekannte Fördererin des Kirchenchors von St. Gallus. Auch in der Kirche St. Nikolaus in Wolfurt hatte sich Edeltraut mit einer Stiftung von 100 Gulden je eine „ewige Messe" zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gesichert7. Schon lange vergessen! Ab 1575 war Hans Georg wie früher sein Vater Zehent-Einnehmer des Klosters Weißenau geworden. Sein eigenhändig geschriebenes Zehentbuch ist erhalten geblieben und vermittelt eine Fülle von Wirtschafts-Daten aus dieser Zeit.8 Auch er bewohnte nicht sein Schloß Wolfurt, sondern sein Bregenzer Gut Reutin (Weißenreute). Das erfahren wir aus einer Urkunde von 1601, als er einen Besitz mit Stadel und Brunnen an das Kloster Thalbach verkaufte". Hans Georg hatte eine ganze Reihe von bedeutenden Söhnen. Laux (Lukas) von Wolfurt war bischöflicher Obervogt von Konstanz und wurde unter Erzbischof Mark Sittich Stadt-Hauptmann von Salzburg. 1608 verkaufte er sein vom Vater Hans Georg ererbtes Gut Reutin für die ungeheure Summe von 5000 Gulden." Domprobst Sigmund verwaltete für den Erzbischof dessen Besitzungen in Konstanz. Der Jesuitenpater Hugo von Wolfurt leitete als Rektor das Kolleg in Hall. Ein weiterer Sohn Hans Sigmund betreute die Besitzungen in der Oberstadt. Im Schlößle ließ er über einem Torbogen seinen Wappenstein einmauern. Das Relief zeigt unter dem Wolf die Jahreszahl 1610 und die Buchstaben „HS. V.W.Z. W. " Das bedeutet Hans Sigmund von Wolfurt zu Wolfurt. Im Jahre 1940 ließ Dr. Fritz Schindler eine Kopie dieses Wappensteines anfertigen und beim Neubau des abgebrannten Schlosses in Wolfurt in den Turm einfügen. Zu höchsten Ehren brachte es der letzte Sohn des Hans Georg. Ab dem Jahre 1616 war Eucharius von Wolfurt Fürstabt des mächtigen Benediktiner-Klosters Kempten und behielt dieses hohe Amt bis zu seinem Tod 1631. In dieser Zeit war er ein einflußreicher Anführer der Gegenreformation in Süd-Deutschland. Nach seinem Tod schändeten die mit den Schweden verbündeten Protestanten sein Grab. Mit dem Tod von Fürstabt Eucharius und seiner kinderlosen Brüder starb das zweite Geschlecht der ,fidlen von Wolfurt" um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus. Weil dem Adel eine ganze Anzahl von Vorrechten zugebilligt wurden, hatten längst auch andere wohlhabende Bregenzer Bürgerfamilien nach dem Vorbild der Leber einen ähnlichen sozialen Aufstieg angestrebt. Etliche hatten vom Kaiser ebenfalls einen Wappenbrief erhalten und waren in den Adelsstand erhoben worden. Schon 1601 18 Bild 12: Der Turm von Schloß Wolfurt waren es etwa die Schmid „ von Wellenstein " und 1621 die Deuring „ von Mittelweyerburg". Später folgten 1681 die Bildstein „zu Bildstein " und 1684 die ursprünglich aus Wolfurt stammenden Vonach „zu Gernhaimb ". Das Schloß-Lehen in Wolfurt war an Österreich heimgefallen. Es wurde nacheinander an verschiedene kaiserliche Beamte vergeben, darunter 1696 an den in Hofsteig verhaßten Amtmann Benedikt Reichart „ von Wolfurt und Wellenstein ". Im Jahre 1772 konnte der erste „Schloßbauer" Johann Stadelmann das Schloß kaufen. Noch einmal erwarb es 1856 mit Jakob Huter ein reicher Bregenzer Kaufmann, der Vater des Bürgermeisters und Ehrenbürgers von Bregenz Josef Huter. Von dessen Familie kam es 1935 in den Besitz von Dr. Fritz Schindler. 1939 ist es mit Ausnahme des massiven Turmes vollständig abgebrannt. Schon 1940 wurde es neu aufgebaut. Es gilt als Wahrzeichen der Markt-Gemeinde Wolfurt, die ja auch das alte Wolfs-Wappen der Ritter als ihr Gemeinde-Wappen führt. Welch eine Fülle von Bezügen der Stadt Bregenz zu den Wolfurtern findet sich aber in der Geschichte! Die Gallus-Kirche und ihre Michaelskapelle. Das DeuringSchlößle und die großen Höfe von Weißenreute und Kronhalde. Stadtammann, Lateinschule, Kirchen-Chor und sogar der Stadtbrunnen! Und noch eine weitere Verbindung findet sich heute in Wolfurt. In dem schönen 19 Haus auf dem Hexenbühel, wo vor fast zweihundert Jahren die letzten Mauern der Burg Veldegg von den Steinbrechern abgetragen wurden, wohnt die Familie Kispert. Sie besitzt aus dem Nachlaß von späteren Bewohnern des Deuring-Schlößchens jene kostbare Wappenscheibe von 1539. Der erst vor wenigen Monaten verstorbene Dr. Wolf Kispert trug nach 1945 als Geschäftsführer die Verantwortung für die Textilwerke Schindler in Kennelbach, bei denen damals noch mehrere hundert Wolfurter beschäftigt waren. Er und seine Frau Eleonore brachten mit der Scheibe eines der ältesten Wolfurt-Kunstwerke in unsere Gemeinde. Nur Pergamente und Siegel und der Ritter Konrad-Kelch von 1364 sind älter. Siegfried Heim Guglionesi Die „Wolfurter" Burg in den Abruzzen Seit im Jahre 1982 anläßlich der Markterhebung die Geschichte von Ritter Konrad von Wolfurt und von seinem goldenen Kelch erforscht wurde, läßt sie uns nicht mehr los. So nützte auch unser Bürgermeister Erwin Mohr seinen Sommerurlaub 2002 in Apulien dazu, einen Besuch in Guglionesi zu machen. Er wußte ja, daß Ritter Konrad einige Jahre lang Herr dieser mächtigen Bergfestung gewesen war. Türme und Mauern sind längst verfallen. Guglionesi ist ein friedliches Städtchen geworden. Vom Bürgermeister wurde sein Wolfurter Kollege freundlich empfangen. Er brachte eine Beschreibung der Bild 13: Das Stadtwappen Stadt mit, in der doch tatsächlich der Name unseres von Guglionesi gewaltigen Ritters als „Wolfard (Lupo)" erwähnt wird. So weit fort in Italien! Und das nach fast 700 Jahren! Die Stadt Guglionesi hat heute rund 6000 Einwohnern. Sie liegt auf einem 375 m hohen Vorberg der Abruzzen etwa 10 km entfernt vom Ufer des Adriatischen Meeres in der Region Campobasso. Mit seiner weiten Aussicht über Land und Meer war dieser Platz schon in römischer Zeit und noch mehr im Mittelalter von hohem strategischem Wert. Deshalb erbaute hier schon der Normannen-Herzog Robert Guiscard um das Jahr 1050 eine starke Burg. Nach dem Untergang der Staufer durch die Enthauptung von König Konradin 1268 in Neapel wurden die Anjou aus Frankreich Könige von Neapel und bald danach auch von Ungarn. Im Jahr 1347 kam es zu einem erbittert geführten Erbstreit um Neapel und ganz Unter-Italien, in welchem die Ritter Ulrich und Konrad von Wolfurt ungarische Heere anführten. Bei Guglionesi überstieg Konrad 1348 mit seinen Söldnern die Abruzzen und gab dem Krieg eine entscheidende Wendung. König Ludwig von Ungarn verlieh ihm darauf die Burg und den Titel eines Barons von Guglionesi. Konrad ließ die Festung ausbauen: „Corradus Lupus .... fortivicavit se in Guillonisio" (Burmeister, Edelgeschlecht von Wolfurt, S. 36). Das Fort hatte jetzt eine große Mauer mit 18 Türmen und zwei Toren. Von hier aus plünderte Konrad 1350 das benachbarte Foggia und machte ungeheure Beute. Später kehrte er auf seine Besitzungen in Ungarn und im Schwabenland zurück. Im Jahre 1355 ritt er als Gesandter des Königs zum Papst nach Avignon, der dort gerade seinen riesigen Palast baute. Wahrscheinlich mußte Konrad aus seiner Kriegsbeute einen Beitrag zu den ungeheuren Kosten leisten. 1364 stiftete er zur Sühne 1 2 GA Wolftut, Brunnenbrief von 1517, Heimat Wollte 23, S.9 Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze, Dornbirn 1925, S. 626, Deuringschlößchen, und S. 383, Schloß Wollte Andreas Ulmer, Die Epitaphien der Bregenzer Stadtpfarrkirche, Alemania, Bregenz, 1927 4 Heimat Wollte, Heft 9, S. 38, Michaelskapelle 5 Heimat Wollte, Heft 179, S. 4, Weißenau 6 LA, Breg. Regesten Nr. 641 7 LA, Breg. Regesten Nr. 650 8 Abschrift im GA Wollte 9 LA, Vlbg. Regesten 1601 10 LA, Vlbg. Regesten 1608 20 21 Siegfried Heim Frauenleben Zu einem Vortrag für Frauen hat man mir dieses Thema gestellt: Frauenleben in Wolfurt, ein Rückblick. Ein problematisches Unterfangen! Zu schnell gingen manche Veränderungen in den letzten hundert Jahren vor sich. Zu verschieden sind die Standpunkte von Jung und Alt, von Mann und Frau, von Tradition und Fortschritt. Patriarchat da, Emanzipierung dort. Zeitweise heiß umstritten die Themen „der dressierte Mann", „die Frau an den Herd" und „das Recht auf den eigenen Bauch". Manche Diskussionen zeigen Risse auf, die quer durch die Familien, vor allem auch quer durch die Gemeinschaft der Frauen gehen. Mit ein paar Namen will ich einen Beitrag zum Nachdenken versuchen. „Gott schuf also den Menschen, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. ... Es war sehr gut!" (Genesis 1; 26) Es war sehr gut! - Die Biologie erkennt die Spezialisierung, die Arbeitsteilung zwischen allen Formen des Lebens, als höchste Stufe der Entwicklung und als Voraussetzung für den Fortbestand. Jede Zelle muß ihren Beitrag leisten, ihre ureigenste Aufgabe erfüllen, wenn der Organismus gedeihen und bestehen soll. Und jede ist dazu besonders ausgerüstet. Die Frau anders als der Mann! Die Geschichtsschreibung berichtet fast nur von den Taten (und Untaten) der Männer. Vor jedem von ihnen stand aber seine Mutter und neben den meisten eine Gattin. Nur selten wurde deren Anteil anerkannt. Wie im alten Testament wurden auch im römischen Recht, das noch durch das ganze Mittelalter herauf Gültigkeit hatte, die Frauen nahezu ohne Rechte gelassen. Sie wurden bevormundet. Über ihr Leben entschied zuerst der Vater, dann der Ehemann. Die Hl. Elisabeth wurde als vierjähriges Kind aus Ungarn nach Thüringen verheiratet und wuchs am fremden Hofe auf. Mit 15 Jahren wurde ihre Ehe vollzogen. Fünf Jahre später hatte sie fünf Kinder und war Witwe - und rechtlos. Nicht einmal Brot an die Armen verschenken durfte sie. Mit 24 Jahren ist sie gestorben. So ähnlich erging es damals auch vielen Mädchen und Frauen in unserem Dorf. Ihr Leben war Arbeit und Mutterschaft und Dienst an der Familie. Und wenn Segen über der Familie lag, wenn viele von den Kindern groß wurden, dann wurden häufig überzählige Buben als Landsknechte verkauft, Mädchen als Mägde verdingt. Und manche wurden - anfangs allerdings nur bei noblen Leuten - ins Kloster gesteckt. Klosterfrauen sind die ersten Wolfurter Frauen, deren Namen wir kennen. Sigena von Wolfurt ließ als Äbtissin des einflußreichen Frauenklosters von Lindau schon um 1250 Silbermünzen prägen. Guta von Wolfurt war um 1370 Meisterin im Kloster Münsterlingen bei Konstanz. „Ora et labora!" bestimmte dort ihre Tage. Ganz anders lebten ihre Brüder, die Ritter Ulrich und Konrad, die Guta im 23 Bild 14: Die Burg der 18 Türme, Rekonstruktion für seine Sünden den Wolfurter Kelch für das Kloster Pfäfers. Als er 1365 mit seinem großen Vermögen Stadt und Burg Arbon am Bodensee kaufte, siegelte er den Vertrag mit seinem Wolfswappen und der Umschrift „S. Coradi d Uulfort Baronie Guillon Dominus ". Noch immer nannte er sich also stolz „Herr von Guglionesi". Seither hatten wir den Ritter Konrad durch viele Jahrhunderte vergessen. Nicht so die Italiener. Sie nennen seine Zeit „il periodo in cui si ebbero numerose invasioni, lapiü dannosa delle quali, quella di Wolfard (Lupo) ". Die schlimmste Invasion war die durch den Ritter Wolfurt, den sie den Wolf hießen. 22 Jahrzeitbuch von 1370 in ihr Gebet einschloß. Sie hatten 1348 ungarische Söldnerheere nach Süd-Italien geführt, hatten die Städte Foggia, Capua und Aversa geplündert und „.... und überließen sich ihren bösen Gelüsten mit Frauen und Jungfrauen Als sie sich mit schweren Wagenladungen voll von geraubten Schätzen auf den Heimweg machten, „.... nahmen sie viele Mädchen und Frauen, die sie ihren Männern geraubt hatten, mit sich auf die Reise "-.' Schlimm! Solche Schicksale gab es auch in unserem Land, das immer wieder von durchziehenden Heeren verwüstet wurde. Frauen als Kriegsbeute! Konnte es denn noch schlimmer kommen? Leider ja! Als um das Jahr 1500 Hungersnot und Pest Europa heimsuchten, gab man die Schuld daran dem Teufel und den vom ihm besessenen Hexen. Verbunden mit sexuellen Skrupeln breitete sich ein entsetzlicher Wahn aus: Im Flotzbach und im Kellasumpf tanzen die Hexen! Wir müssen sie unschädlich machen! - Auf den Scheiterhaufen in Bregenz starben Dutzende von Frauen. Mindestens acht davon stammten aus Wolfurt, das damals ein Dörfchen mit nicht einmal 400 Einwohnern war. Acht Frauen und auch ein Mann, der Bäcker. Wir kennen ihre Namen. Stellvertretend für alle nenne ich nur Maria Kelhofer. Sie war die letzte aus Wolfurt, die noch im Jahre 1628 durch gräßliche Folter zu einem Geständnis gezwungen und dann als Hexe geköpft und verbrannt wurde. Frauen als Brandopfer! Ein Jahr später ist 1629 in Bildstein die Muttergottes erschienen. Noch einen anderen Namen habe ich auf einem Pergament gefunden: Christina Muchsel. Sie war die Bäuerin im Bannholz und lebte dort um 1580 mit Sebastian Fischer zusammen, dem Pfarrer von Wolfurt. Das war damals durchaus üblich. Fünf Kinder gebar sie ihm. Auf Geheiß des neuen Bischofs mußte sie der Pfarrer verlassen. Ganz allein sorgte sie sich nun um die Kinder - und Gott gab sichtbar seinen Segen dazu. Das Geschlecht blühte auf, mehr als jedes andere in Wolfurt. Es brachte Handwerker hervor, Ammänner, Gemeinde-Vorsteher, Wirte, Ärzte und Advokaten und auch viele Priester, Patres und Klosterschwestern. Christina Muxel vom Bannholz! Auch in den folgenden Jahrhunderten war das Leben der Frauen bestimmt von Arbeit und Mutterschaft und oft auch von einem frühen Tod. Denn nicht selten starben Frauen in Ausübung ihres Mutterberufes im Kindbett. Dann hatte ein Mann manchmal hintereinander drei oder vier Ehefrauen. Ein Beispiel dafür ist Johann Baptist Köb, geboren 1814 im Schloß, der Stammvater von „Schloßburos" in der Bütze. Seine erste Frau Maria Anna Österle starb nach der Geburt ihres fünften Kindes mit 31 Jahren. Die zweite Frau Agatha Fischer starb schon bei der Geburt ihres ersten Kindes mit 34 Jahren. Und die dritte Frau Anna Huber gebar elf Kinder. Eine Woche nach der Geburt des elften starb auch sie mit 36 Jahren. Ein vergleichbares Schicksal kennen viele von uns noch von „Kamplar-Mohros " an der Hub. Dort gebar Agatha Köb ihrem Mann jedes Jahr ein Kind: 1911, 1912, 13, 14, 15, 16, 17. Drei Wochen nach der Geburt des siebten ist sie gestorben. Der älte24 Bild 15: Mutter Maria Anna Mohr mit ihrem Mann und 13 Kindern ste von den sieben war gerade sechs Jahre alt. Die Kinder brauchten und bekamen eine neue Mutter in Maria Anna Arnold. Zu den sieben Stiefkindern gebar sie in den folgenden zehn Jahren sieben eigene, zusammen also 14. Welche Enge um die „Stopfar "-Schüssel am Morgen! Welches Gedränge um die Mus-Pfanne am Mittagstisch! Und welche Sorgen erst, als fast alle Buben in den Krieg einrücken mußten! Über Maria Anna Mohrs Grab steht „Alles liegt in Gottes Hand". Das gilt wohl auch für eine andere Frau, die genau 100 Jahre früher an der Hub lebte: Maria Anna Fischer, die Ehefrau von Andreas Rohner, dem Begründer und ersten Kapellmeister der Blasmusik Wolfurt. Zwischen 1811 und 1831 gebar sie 15 Kinder, fünfzehn! - und alle starben am Tag der Geburt. Rhesus-Faktor unverträglich! Das konstatieren wir heute nüchtern und können nicht erahnen, mit welcher verzweifelten Hoffnung sich die unglückliche Frau damals an jede neue Schwangerschaft geklammert hat. Und dann gab es auch noch die vielen unverheirateten Frauen, denen die Ehe versagt blieb, weil ihnen die Familiensituation oder die Gemeindevertretung den „EheKonsens" verweigerte. Magd blieben sie, ohne Zahltag, ein Leben lang. Oder sie gingen in die Fabrik wie Karolina Heim. Zu Fuß nach Kennelbach, 50 Jahre lang, jeden Tag, auch am Samstag, täglich 13 Stunden, später nur mehr 12, jeden Tag, ohne Krankenkasse, ohne Rente! 25 Bild 16: Karolina Heim, ledig geblieben Bild 17: Franzele Dür, emanzipiert Bild 18: Promotion 1939, Dr. iur. Marianne Fischer Unvergessen bleiben jene Ordensschwestern aus Hall, Sr. Epiphania und Sr. Theodora: den Tag für die Kranken, die Nächte bei den Sterbenden, ein Leben im Dienst am Nächsten, meist für ein „ Vergelt 's Gott!". Samariterinnen! Und dann kündigte sich , in winzig kleinen Schritten zuerst, eine neue Zeit für die Frauen an: Juditha Fischer, 1855-1921, bricht 1881 in einen bisher den Männern vorbehaltenen Bereich ein. Sie spielt Theater, öffentlich! Sie spielt die Rolle der „Berta" in Schillers revolutionärem Werk „Die Räuber". - Eine Frau! Vor 1000 Zuschauern, 1881! - Bei allen bisherigen Aufführungen der großen Wolfürter Freilicht-Theater hatten Männer auch die Frauenrollen gespielt, etwa der Sternenwirt Böhler die Armgard im „Wilhelm Teil" oder der Rößlewirt Müller die „Jungfrau von Orleans" oder der Kunstmaler Schneider die „Genovefa". Juditha Fischer hat übrigens bald danach den Vorsteher Johann Martin Schertler geheiratet und ihm zehn Kinder geboren. Einen nächsten Schritt tat Franziska Dür, 1854-1922. Obwohl einzige Tochter und reich - sie heiratete nicht! Sie las viel, sie hielt sich Zeitungen, sie reiste, nach Wien, nach Rom, nach Lourdes, nach Jerusalem, auf die Welt-Ausstellung 1900 nach Paris. Sie trank gerne Wein. Sie besaß einen Revolver, mit welchem sie Schießübungen machte. Und 1907 kaufte sie gar - ganz unerhört für jene Zeit! - ein 26 Auto, das erste im Dorf. Da blieb den Männern wohl der Mund offen. „Düro Franzele" hat dann auch noch andere Seiten gezeigt. Sie galt als mildtätig und fromm und hat 1913 für die Kirche die große Grödner Krippe gestiftet. Durch die Inflation verarmt ist sie 1922 gestorben.2 Politisch blieben Frauen noch lange ohne Rechte. Um 1870 durften nur die Steuerzahler wählen. Nicht aber die Frauen! Bei Wahlen mußten sich vermögende und steuerzahlende Frauen durch einen Mann vertreten lassen, durch einen Nachbarn etwa oder durch einen Verwandten mit schriftlicher Vollmacht. Erst unter dem Druck der bisher ebenfalls Unterdrückten, der in den sozialistischen Parteien organisierten Arbeiter, erhielten die Frauen politische Rechte. Zuerst führten die Bolschewisten nach der Oktober-Revolution von 1917 in der Sowjet-Union das Frauen-Stimmrecht ein. Deutschland und Österreich folgten nach dem Zusammenbruch der Monarchien 1918, in Österreich mit dem Gesetz vom 18. Dezember 1918. Das ist sehr früh, wenn man bedenkt, daß Frauen in den Frauenfreundlichen USA erst 1920, in England 1928 und in Frankreich, dem Land von „ liberte " und „ egalite ", gar erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1944 ihr Stimmrecht bekamen. Die konservative Schweiz und Liechtenstein hinkten noch lange nach, am längsten unsere Nachbarn, die Appenzeller. 27 Ebenso schwierig war es für die Frauen, sich einen Zugang zur Bildung zu erkämpfen. Mädchen aus Wolfurt durften erst ab 1938 das Gymnasium besuchen, das damals „Oberschule für Mädchen" hieß. Ich weiß nicht, welche Wolfurterin als erste eine Universität besucht hat. Vermutlich war es Frau Dr. Marianne Fischer, Jahrgang 1912, die von der Steig aus noch in die Volksschule in Wolfurt ging und dann nach Innsbruck übersiedelte. Später ist sie nach einem Jus-Studium die Rechtsberaterin von Bischof Paulus Rusch geworden. Beruf hieß damals selbstverständlich Verzicht auf eigene Familie. Frau Marianne lebt heute hochbetagt im Altersheim der Ordensschwestern in Hoch-Rum. Frau Dr. Isolde Moosbrugger-Hiesmayer, Jahrgang 1925, war die erste Frau aus dem ganzen Bregenzer Wald, die ein Medizin-Studium erfolgreich abschloß. Als sie dann aber heiratete, verzichtete sie auf die Ausübung ihres Arzt-Berufes und widmete ihre Kraft der Karriere des Ehegatten als Architekt und der des Sohnes, welcher als Mediziner ebenfalls bereits Hochschul-Professor ist. Frau Isolde feierte vor kurzem an der Rüttigasse Goldene Hochzeit. Da durfte sie sich auch über die Glückwünsche ihrer Enkelkinder freuen. Zurück zur Frauenpolitik! In Wolfurt wählten die Frauen, die immer die überwiegende Mehrzahl der Wähler bildeten, lange Zeit nur Männer in die Gemeindevertretung. Wieder waren es die Sozialisten, die im Jahre 1956 mit Frau Anna Fischer, Stöoglars Anna, erstmals eine Frau in die Gemeindestube brachten, allerdings nur für vier Jahre. Bei der ÖVP dauerte es bis 1970, als mit großer Mühe (der Männer!) Irma Feuerstein und Gertrud Gunz wenigstens zur Kandidatur und zur Mitarbeit in den Ausschüssen bewegt werden konnten. Seit 1975 besetzen Frauen immer ein paar Plätze in der Gemeindevertretung. Es könnten viel mehr sein, - wenn Frauen auch Frauen wählen würden. Da muß man es besonders hoch werten, daß sich Frau Xaveria Dür, Hausfrau, Mutter und Geschäftsfrau, im Jahre 1990 als Vizebürgermeisterin zur Verfügung stellte und dieses schwierige Amt acht Jahre lang mit großem Erfolg ausübte. Das 21. Jahrhundert wird ganz sicher viele Veränderungen bringen, auch für die Frauen und für unsere bedrohten Familien. Schon stellten die Mädchen mit 870 von 1500 Kandidaten bei der Matura 2002 in Vorarlberg fast 60 Prozent. Zur gleichen Zeit erleben wir einen ganz unglaublichen Rückgang der Geburtenzahl. Gesellschafts-Forscher und Sozial-Politiker beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Eines ist sicher: Wenn unser Volk und unsere Kultur fortbestehen sollen, muß es uns gelingen, Arbeitsleben und Mutterschaft in Übereinstimmung zu bringen! Siegfried Heim Die Rohner in Wolfurt Ein Besuch von Auswanderer-Rohnern aus dem Saarland, die hier in Wolfurt erfolgreich nach ihrer Herkunft forschten, macht mich wieder einmal auf dieses große Geschlecht aufmerksam. Durch zwei Jahrhunderte, vom Beginn der Pfarrbücher bis 1850 standen die Rohner in Wolfurt zahlenmäßig stets knapp hinter den Schwerzlern an zweiter Stelle. So wie die Schwerzler sind sie inzwischen von einem halben Dutzend anderer Geschlechter überholt worden. Über die Schwerzler habe ich in Heft 16 berichtet. Auch die Rohner schenkten unserer Gemeinde starke Familien und tatkräftige Männer, die wir nicht vergessen sollten. Seit 1363 Schon im Jahre 1363 gehörten drei Roner zu den wohlhabenden Bürgern von Bregenz.1 Im Urbar des Hugo von Montfort werden um 1380 Roner in Rieden, Lauterach und Bregenz nachgewiesen. Bald danach findet man sie in Hard, Wolfurt und am Steußberg.2 In Alberschwende lebt der Name im Ortsteil Rohnen fort, in Buch in der Parzelle Zum Rohner. Die mündliche Überlieferung berichtet, die ersten Rohner seien aus dem Schweizer Rheintal nach Wolfurt gekommen. Dafür gibt es allerdings keine Belege. Wir wissen aber, daß der Name auch im unteren Schweizer Rheintal beheimatet ist. Nach dem 30jährigen Krieg blühte das Geschlecht gleichzeitig in Dornbirn und in Wolfurt auf. In Dornbirn hatte um 1640 ein Georg Rohner 6 Kinder und zahlreiche Nachkommen, die sich in alle vier Dornbirner Dörfer ausbreiteten.3 In Wolfurt hatte der Häuserbeschrieb von 1594 keine Rohner mehr genannt. Nach den schrecklichen Pestzügen von 1594, 1629 und 1635, die bei uns viele Häuser geleert hatten, dürften aber etliche starke Rohner-Familien zugezogen sein. Jedenfalls wurden in den 1650 begonnenen Wolfurter Taufbüchern schon in den ersten 20 Jahren Kinder von 17 verschiedenen Rohner-Ehepaaren aufgeschrieben. Einige Väter hatten mehrmals geheiratet. Der Seelenbeschrieb von 1760 zählte 12 Rohner-Familien auf. Im Jahre 1843 waren es sogar 20 Hausbesitzer. Damit hatten sie aber ihren Höhepunkt erreicht. Bis 1900 sank die Zahl auf 13 Familien aus sieben alten Sippen. Seither sind zuerst DoktorRohnars im Strohdorf 1909 und Sattlar-Rohnars in Unterlinden um 1930 ausgestorben, dann Instrumentomachars im Strohdorf mit Josef Anton Rohner 1940, Hammorschmiods an der Ach mit Josef Rohner 1941, Orglars in der Bütze mit Adelheid Rohner 1966 und zuletzt noch Haldobuobos mit Gebhard Rohner 1975. Die aus Lauterach stammende Familie des Bürgermeisters Theodor Rohner ist 1945 nach Tirol verzogen. Übrig geblieben ist eine einzige von den alten Rohner-Sippen, die Vinälar. Sie ist 29 2 Zitiert aus Bronner, Herzog Werner von Urslingen, 1828 Nach Karl Schwärzler in V.V. v. 14.12.1957 28 Der Name Die Schreibart des Namens wechselte vom mittelalterlichen Roner schon 1650 auf Rohner, dann aber bei den Pfarrern im 18. Jahrhundert auf das ans Griechische angelehnte Rhoner. Ab 1814 führt Pfarrer Grasmayer wieder das heutige Rohner ein. Für die Namensdeutung gibt es mehrere Möglichkeiten. An Roa (Rain) ist ein Ackerrand oder eine Geländekante. Ganz anders klingt an Rohno. Das Wort ist verschwunden. Damit meinte man früher einen am Boden liegenden morschen Baumstamm. Dagegen kennt jeder - nur bei uns im Unterland! - die weibliche Form a Rohno. Es ist eine schwulstige Strieme auf der Haut nach einem schmerzhaften Schlag mit der Rute oder der Peitsche. Schließlich gab es früher noch die Rohn. Eine Rohn (vom mittelhochdeutschen run) war eine geheime Beratung.5 Das gäbe doch einen Sinn! - Dann wäre ein Rohner also ein wichtiger Mann gewesen, bei dem man sich in Notzeiten Rat holen konnte. Einige bekannte Rohner Jerg Rohner, 1671-1743, Hofsteig-Ammann Jerg (in Wolfurt sagte man Irg) war einer der Anführer beim Aufruhr des "Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der Obrigkeit.6 Nach einer vergeblichen Vorsprache beim Kaiser in Wien besetzte er mit 2000 Bauern im Jahre 1706 die Stadt Bregenz und verjagte den Vogt des Kaisers. Sechsmal wurde er danach zum Ammann gewählt und leitete nun das Gericht Hofsteig von Hard am See bis nach Buch. Er war für Äcker, Wald und Straßen verantwortlich und für den Einzug der Steuern. Dreimal im Jahr hielt er mit zwölf Beisitzern Gericht. Erfolgreich kämpfte er für die alten Hofsteiger Rechte. Im Kirchdorf besaß er einen Gasthof. In Wolfurt leben noch viele von seinen Nachkommen. Die Orglar waren davon die letzten Rohner. in den letzten Jahren sogar stark angewachsen. Im Jahr 2003 tragen in Wolfurt wieder etwa 70 Personen den Namen Rohner. Mit Ausnahme einiger Zuwanderer sind das lauter Vinälar. Nirgendwo in Vorarlberg ist der Rohner-Anteil unter den Einwohnern so groß wie in Wolfurt. Am nächsten kommt noch das große Dornbirn mit über 50, gefolgt von Hard mit etwa 40. Nur jeweils ein paar findet man in Bregenz, Fußach und den anderen Unterländer Gemeinden, ganz vereinzelte im Oberland. Eher noch könnte man Rohner in Amerika finden, denn in der großen Notzeit nach 1850 sind 6 Rohner aus Wolfurt und 14 aus Hard nach den USA ausgewandert.4 Auch im Saarland gibt es eine Gruppe von Rohner-Familien. Darüber mehr im Anhang. Die Kies-Rohner in Fußach stammen ebenfalls aus Wolfurt (Siehe unten bei Sippen unter A, Orglars!), wahrscheinlich auch die meisten Harder Rohner (Siehe unter C, Doktors^. Bild 20: Siegel des Ammanns Jerg Rohner Johann Martin Rohner, 1790-1864, Arzt7 Als junger Soldat machte er mit Napoleons Großer Armee 1812 den Feldzug nach Rußland mit und war einer der ganz wenigen glücklichen Heimkehrer. Danach wirkte er als Gemeindearzt in Alberschwende und ab 1828 in Wolfurt. Unter seinen vielen Nachkommen gibt es ebenfalls keine Rohner mehr. 30 31 Andreas Rohner, 1791-1857, Kapellmeister Er war Steinhauer im Eulentobel und begründete 1816 die erste Wolfurter MusikKapelle, die er 25 Jahre lang dirigierte. Beim Kirchenbau im Jahre 1833 übernahm er die Steinmetz-Arbeiten, darunter auch die große Kirchenstiege mit ihren 87 Stufen. Weil alle seine 15 Kinder am Tag der Geburt starben, blieb er ohne Nachkommen. Franz Rohner, 1872-1959, Kapellmeister Er war Bauer und Sticker im Röhle. Nachdem er schon 1898 die Harmoniemusik Wolfurt geleitet hatte, übernahm er 1901 die Bürgermusik Wolfurt und führte sie in den folgenden 55 Jahren als Kapellmeister zu großen Erfolgen. Zusätzlich wirkte er auch viele Jahre lang als Gemeinderat. Seine zahlreichen Nachkommen nennt man nach ihm die Kapeollar. In der langen Geschichte des Geschlechtes gibt es auch dunkle Stellen. Joh. Georg Rohner, 1797-1834, Michelis-Buob aus Rickenbach Wegen der Ermordung eines Mädchens wurde er zum Tode verurteilt. Am 12. Dezember 1834 büßte er seine Untat in Bregenz am Galgen.8 Johann Rohner, 1813-1861, Tonelis-Buob von der Hub Wegen Totschlag wurde er 1839 zu acht Jahren Kerker verurteilt. Die Familien der beiden Übeltäter sind längst ausgestorben. Stenzlar-, Liborats, Schnidar-, Ludwigos, Tirolar-, Filitzos, Hafnars und MurarSchwerzler.9 Von der Tochter Katharina Rohner, die 1697 die Frau des Jakob Schneider im Kirchdorf wurde, stammen unter anderen der Gotteshaus-Ammann und Vorsteher Mathias Schneider und seine vielen Nachkommen in Wolfurt, Amerika und Deutschland, die Sammüller in Wolfurt und in Wien und die vielen Familien der Lehrar-Köbs auf dem Bühel. 1. Rohner Johann +1696 Wolfurt-Kirchdorf oo 1654 Müller Anna, 11 Kinder 2. Rohner Georg (Jerg) 1671-1743 Hofsteig-Ammann oo 1696 Bayer Anna Maria, 6 Kinder 3. Rohner Anton 1703-1759 Gastwirt im Kirchdorf oo 1728 Steu Franziska, 8 Kinder 4. Rohner Joh. Georg 1729-1773 Gastwirt im Kirchdorf oo 1756 Künz Franziska, 11 Kinder. Von ihnen stammen u.a. der Vorsteher Johann Maier und SchloßburoKöbs in Unterlinden, aber auch die Spetenleher Fischer, Kalbs im Tobel und Heims in der Bütze, dazu noch Anwanders in Rickenbach und DelloKorles. Ein Jahr nach ihres Gatten Tod heiratete die Witwe Franziska 1774 einen FlötzarVönach von der Ach und schenkte ihm bald noch 5 weitere Kinder. Danach verließen die Rohner-Kinder das Gasthaus beim „Kleinen Brunnen", das ihr Urgroßvater Jerg am Rand des Kirchdorfs (am Platz von Kreuzstraße 1) gebaut hatte. Das FlötzerHaus war jetzt der weitaus größte Bauernhof im Kirchdorf. Er ist 1869 abgebrannt. 5. Rohner Jakob 1773-1841 Bauer in der Bütze oo Höfle Anna, 13 Kinder. Von ihnen stammen u.a. Murars im Strohdorf, Klosos im Oberfeld und SchrinarSchertlers in der Bütze. Jakob hatte um 1800 in der Bütze das Haus C 84 (Gorbachs, Bützestraße 1, abgebrannt 1956) erbaut. Mit seinen tüchtigen Kindern erreichte das Geschlecht seinen Höhepunkt. Innerhalb weniger Jahre kauften die Söhne drei weitere Häuser, darunter das Haus C 101 (Rasiorars, Kirchstraße 22) für Martin Rohner, den Orglar (Organist) in der neuen Kirche. Martins Sohn Gebhard, geb. 1849, heiratete als junger Lehrer nach Fußach. Dort gründete der Enkel Rudolf Rohner als Schiffsführer jene Kies-Firma, die sich unter den Söhnen Jakob und Dr. Fritz Rohner zu einem am ganzen Bodensee bekannten Unternehmen entwickelt hat. 6. Rohner Joh. Georg 1807-1873 Bauer in der Bütze oo 1847 Dür Katharina, Schmiods Kathrie aus dem Röhle, 7 Kinder. Joh. Georg hatte 1850 das schöne Haus C 90 (Orglars, Unterlindenstr. 27) gekauft. Dieses wurde nun zum letzten Stammhaus der Orglar. 33 Die wichtigsten Rohner-Sippen Weil die Familienväter nur wenige unterschiedliche Vornamen trugen, bei den Rohnern meist Johann, Josef, Georg oder Martin, mußte man sie schon von Anfang an durch Beifügung von Hausnamen voneinander unterscheiden. Einige davon blieben als Sippennamen über Jahrhunderte erhalten, andere entstanden neu und verschwanden wieder. A. Ammann Jergs - die Orglar Sehr viele Rohner-Sippen und noch weit mehr andere Wolfurter Familien stammen von Johann Rohner, der im Kirchdorf lebte und anno 1654 Anna Müller heiratete. Von ihrem Sohn Jerg leitet sich der Stamm der Orglar (A) ab, zu denen auch die Seitenlinie der Kies-Rohner in Fußach zählt. Vom Sohn Johann stammen Doktors und Hammorschmiods (C) und auch eine große Linie nach Schwarzach und Dornbirn. Aus Tochter-Linien leiten sich zwei weiteren große Wolfurter Geschlechter ab. Von der Enkelin Maria Kündig, die 1710 den Felix Schwerzler im Kirchdorf ehelichte, stammen die meisten Wolfurter Schwerzler, die Toblar-, Büoblar-, Hannes, 32 7. Rohner Martin 1854-1925 Bauer und Organist Von seinem Onkel Martin hatte er das Amt des Orgelspielens übernommen, oo 1879 Schertler M. Agatha aus dem Röhle, 9 Kinder. Von allen neun Kindern heiratete nur die Modistin Sophie Rohner, blieb aber kinderlos. Albert Rohner, ein geschickter Automechaniker, war ebenfalls Chorleiter und Organist. Mit der ledig gebliebenen Adelheid Rohner, 1885-1966, erlosch das alte AmmannRohner-Geschlecht. Im Jahre 1971 wurde Orglars Hus zum Bau des Unterlinden-Zentrums abgebrochen. B. Instrumento-Machars, Sattlars und Haldobuobos Ebenfalls im Kirchdorf hatte bei Beginn der Kirchenbücher ein zweites großes Geschlecht seinen Anfang mit Johann Rohner und Ursula Vonach genommen, die ihre Ehe 1666 schlössen. Eine Reihe gleicher Vornamen und die Nachbarschaft im Kirchdorf lassen den Schluß zu, daß beide Geschlechter miteinander nahe verwandt waren. 1. Rohner Johann +1699 Wolfurt-Kirchdorf oo 1666 Vonach Ursula, 2 Kinder. 2. Rohner Georg 1667-1726 Kellhof-Ammann Während zur gleichen Zeit ein anderer Georg Rohner (1671-1743) das Amt des Hofsteig-Ammanns innehatte, war Georg im Kirchdorf „Khellhof-A." (laut Sterbebuch) geworden. Als solcher war er Vorsitzender des Kellhof-Niedergerichts und hob für den Grafen von Hohenems bei etwa 200 Leibeigenen, die nicht zu Hofsteig gehörten, den Zehent ein. oo 1 1692 Straßer Anna, 2 Kinder oo2 1707 Höfle Christina, 7 Kinder Aus seiner zweiten Ehe: Josef, geb. 1711, der Stammvater der Sattlar-Rohner, und Andreas (./. 3). Die Sattlar erwarben im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Häusern im Kirchdorf, in der Bütze, in Unterlinden und im Eulentobel. Alle Namens-Träger sind ausgestorben, doch leben noch viele Nachkommen aus weiblichen Linien. Eine große Sattlar-Sippe besteht in Amerika fort. Sie stammen von jenem Jakob Rohner, der 1866 als 14j ähriger Bub aus der Bütze nach Pineview in Montana ausgewandert ist. 3. Rohner Andreas 1720-1774 Bauer im Loch Im Loch, dem westlichsten Teil des Kirchdorfs, besaß Andreas das älteste bekannte Haus dieser Sippe. Es trug später die Nummer C 67 und wurde in neuester Zeit zum Haus „Im Dorf 4", Schedlers, umgebaut. oo 1724 Schneider Maria, 9 Kinder, darunter Bild 21: Instrumentenmacher Josef Anton Rohner Joh. Georg, geb. 1751, (./. 4) und Joh. Martin Rohner, geb. 1758, der auf die Halde heiratete. Seine Nachkommen, die Haldobuob-Rohner wurden bekannte Steinbrecher. 4. Rohner Joh. Georg 1751Bauer im Loch oo 1763 Gunz Barbara, 8 Kinder. 5. Rohner Josef Anton 1785-1864 Bauer im Loch oo 1 1817 Sinz Anna Maria, 3 Kinder. 002 1835 Reiner Katharina, 5 Kinder. Aus der zweiten Ehe stammt der Enkel Theodor Rohner, geb. 1877, der als Priester in Milwaukee, USA, wirkte. 6. Rohner Joh. Georg 1823Bauer im Strohdorf oo 1857 Schwerzler M. Anna. Sie war eine Schwester des Kapellmeisters und ersten Wolfurter Instrumentenmachers Joh. Georg Schwerzler. Zu ihrer Hochzeit hatten sie das Albinger-Haus C 153 am Brunnen im Strohdorf gekauft. 3 Kinder, darunter Johanna, geb. 1858, die mit dem Steinbrecher Gebhard Gmeiner die Sippe Stoahouars begründete, und Josef Anton, geb. 1860. 7. Rohner Josef Anton 1860-1940 Instrumentenmacher Von seinem Onkel hatte er das seltene Gewerbe gelernt, mit dem er nun alle Blasmusik-Kapellen im ganzen Land Vorarlberg betreute, oo 1891 Pfefferkorn Katharina, 2 Kinder Die Tochter Elisabeth heiratete Gebhard Hinteregger, der das Gewerbe als Instrumentenmacher fortführte. Mit Josef Anton Rohner ist diese Linie der Rohner 1940 erloschen. 34 35 C. Doktor Rohnars und Hammorschmiods Der Rohner-Stamm C ist eine Seitenlinie des Stammes A (Ammann Jergs). 1. Rohner Johann +1696 Wolfurt-Kirchdorf oo 1654 Müller Anna, 11 Kinder Ein Sohn war der weiter oben genannte Ammann Jerg Rohner, ein anderer der vier Jahre jüngere und nach dem Vater getaufte Johann. 2. Rohner Johann 1675-1739 Wolfurt-Kirchdorf oo 1704 Wort Barbara, 10 Kinder. Vom Sohn Anton, geb. 1704, führt eine Linie in das ehemalige Rohnerhaus C 152 am Strohdorf-Brunnen (Hofsteigstraße 3, Ratzers). Von ihnen stammen Brauchles. Von Anton stammt aber auch jener Gebhard Rohner, der mit seiner Familie schon 1795 nach Hard übersiedelte und dort heute viele Nachkommen zählt. Ein weiterer Sohn Johann, geb. 1709, begründete eine besonders starke Linie, die sich über Farnach und Schwarzach nach Dornbirn ausbreitete. Sie war Teilhaberin an den Steinbrüchen in Schwarzach und in Dornbirn-Mühlebach. Anton Rohner, geb. 1892, war Lehrer in Watzenegg. Von seinen Söhnen erbaute Josef Rohner, Jg. 1932, das Haus Hofsteigstraße 34 a und brachte um 1968 nach mehr als 200 Jahren seine Rohner-Linie nach Wolfurt zurück. Die Linie C im Kirchdorf führte der Sohn Franz fort. 3. Rohner Franz 1717-1789 Wolfurt-Kirchdorf oo 1745 Sohm Maria, 1 Kind. Die Familie lebte im Haus C 69 im Loch (Im Dorf 2, Sophies). 4. Rohner Joh. Baptist 1754Gastwirt im Kirchdorf Bis 1818 besaß er dort den Gasthof „Rößle". oo 1785 Karg Maria Anna, 3 Kinder. Vom Sohn Johannes stammen Hammorschmiods. Johannes Rohner, 1794-1868, war zur Bayernzeit Waffenschmied gewesen und hatte dann 1824 in Unterlinden am Holzerbach die erste Hammerschmiede gebaut, aus der sich später Draiars Säge entwickelte. Mit seiner Familie übersiedelte er an die Ach. Sein Enkel Martin Rohner erbaute 1906 das große Haus Achstraße 14 (Zwickles). Mit Martins Bruder Josef Rohner, der 1941 in einer NS-Anstalt in Hall sterben mußte, ging die Linie Hammorschmiods zu Ende. Von den Schwestern leben aber noch zahlreiche Nachkommen. Ein anderer von Joh. Baptists Söhnen wurde der Doktor Rohner: 5. Rohner Joh. Martin 1790-1864 Doktor im Strohdorf oo 1827 Gmeiner Anna Maria, 9 Kinder. Über ihn siehe oben unter „Bekannte Rohner"! Von seinem Schwiegervater hatte er dessen Haus C 143 an der Kirchstraße und die Arztpraxis übernommen. 6. Rohner Ferdinand 1839-1909 Wolfurt-Strohdorf oo 1864 Böhler Maria Agatha, 4 Töchter. 36 Bild 22: „Vanäler vulgo", eine Eintragung im Pfarrbuch Mit Ferdinand starb auch diese Rohner-Linie aus. Von den Töchtern leben noch zahlreiche Nachkommen. Das Doktor-Rohner Haus am Sternenplatz kaufte der Gemeindesekretär Josef Böhler. Im Jahre 1949 ist es abgebrannt. D. Die Vinälar Die Sippe der Vinälar-Rohner ist die einzige, die von den vielen Rohner-Sippen geblieben ist. Ihr seltsamer Hausname taucht in den Pfarrbüchern erstmals als Vanäler um das Jahr 1830 auf. Pfarrer Barraga notierte zum Namen der Ehefrau des Johann Bapt. Rohner „ Vanelerin " und zum Namen ihres Sohnes Joh. Martin Rohner „ Vanäler vulgo ".w Damals arbeiteten noch sehr viele Männer an ihren Webstühlen. Einige spezialisierten sich schon auf Musselin, Buntweberei oder Flanell. Nach der Überlieferung veränderte sich der falsch verstandene Hausname Flaneller zuerst zu Vaneler und später zu Vinälar. Die eher dunkelhaarigen Nachkommen des Lorenz Rohner nennt man heute Schwarz-Vinälar. Die eher hellhaarigen Nachkommen seines jüngeren Bruders Joh. Baptist Rohner heißen dagegen die Wiß-Vinälar. Dieser starke Rohner-Stamm geht zurück auf Georg Rohner und Ursula Gmeiner, die ihre Ehe 1670 geschlossen haben. Die Namen Georg und Johann lassen auch hier eine nahe Verwandtschaft mit den anderen Rohner-Stämmen vermuten. Georg war von Beruf „baader", also Wundarzt. Sein hohes Ansehen trug ihm die Ehre ein, daß der „hospes" (Gastwirt) Theodosius Mäsch und das Edelfräulein Franziska Deuring Paten seiner sieben Kinder wurden. Die „Prae Nobilis Virgo Maria Francisco Düring Zu Mittel Weyerburg " trat in das Dominikanerinnen-Kloster Hirschthal in Kennelbach ein, blieb aber auch als dortige Superiorin noch Patin bei den jüngeren Rohner-Kindern.'' 37 1. Rohner Georg, gest. 9.2.1708 Wundarzt Wolfurt oo 5.6.1670 Gmeiner Ursula 7 Kinder, darunter die Söhne Johann, Joh. Martin und Balthasar. Von Joh. Martin, geb. 8.11.1675, stammen die Gasser-Waffenschmiede in S 3 am Kirchplatz. Von Balthasar, geb. 31.1.1678, stammt jener Auswanderer Johann Rohner, der die Linie der Rohner-Bergleute im Saarland begründete. Die Linie D führte der älteste Sohn Johann, geb. 7.10 1671, fort. (./. 2) 2. Rohner Johann, 7.10.1671-16.2.1743 Unterlinden Nach seiner Patin Franziska Deuring erhielt er „Franciscus" als zweiten Vornamen. Er war dreimal verheiratet, zuletzt in Unterlinden. oo 1 1701 Sohm Anna, 1665-1703, einziges Kind Martin (./. 3) 002 1704 Brüstle Magdalena, gest. 1719, 3 weitere Kinder 003 1720 Schelling Barbara, keine Kinder 3. Rohner Martin 1701 -1755 Hub oo 1733 Anwander Agatha, 5 Kinder Im Eulentobel an der Hub besaßen sie ein Haus. Ganz in der Nähe lagen mehrere Mergel-Steinbrüche, die den Familien ein zusätzliches Einkommen verschafften. 4. Rohner Johannes 1734-1781 Hub Steinbrecher im Eulentobel. Um das Jahr 1775 versetzte er das Haus aus dem engen Tobel an den Anfang der Unterhubstraße, oo 1763 Kalb Kunigunda, 8 Kinder. Der älteste Sohn Joh. Jakob Rohner, 1764-1829, übernahm das Elternhaus. Von seinen Kindern wurde der ebenfalls hier wohnende Steinbrecher Andreas Rohner, 1791-1857, im Jahre 1816 Begründer der Blasmusik Wolfurt und deren erster Kapellmeister. Der jüngste Sohn Joh. Baptist pflanzte die Linie fort. 5. Rohner Joh. Baptist 1777Kirchdorf oo 1801 Vonach Anna Katharina, „Vanelerin", 9 Kinder. Sie bewohnten ein Haus an der Kirchstraße. 6. Rohner Joh. Martin 1805-1886, „ Vanäler vulgo" Strohdorf oo 1831 Stürz Agatha, 10 Kinder, darunter 7a Lorenz und 7c Joh. Baptist. Die Schwarz-Vinälar mit Kapeollars und Schwarz-Sepplos 7a. Rohner Lorenz 1836-1912 Ach, später im Röhle Lorenz war Spinnereimeister in der Schindler-Fabrik in Kennelbach. Vor seiner Heirat hatte er an der Ach das alte Haus C 15 (am Platz des späteren Wälderhofs) gekauft. Als dieses 1897 abbrannte, übersiedelte die Familie in das Haus C 21 im Röhle (jetzt Bregenzerstraße 10). 38 Bild 23: Kapellmeister Franz Rohner Bild 24: Josef Rohner, Schwarz-Seppl oo 26.4.1870 Rusch Anna Maria, 5 Kinder: 1. Agatha 1871 - oo 1897 Albinger Jos. Anton Ihre Nachkommen sind u.a. die Albinger, Stenzel und Grafoner. 2. Franz 1872./.8a der Kapeollar 3. Rosina 1875- oo 1907 Gmeiner Joh. Martin Knores 4. Josef 1880./.8b Schwarz-Seppl 5. Maria Anna 1882- oo 1910 Sturn Franz Josef, Lustenau 8a. Rohner Franz 1872-1959 Kapeollar im Röhle oo 1900 Klocker Anna Maria, 7 Kinder: 1. Franziska 1901 oo 1932 Fehle Adolf, 3 Kinder. 2. Filibert 1902 oo 1941 Dietrich ArAoma, 6 Kinder. 3. Ernst 1904- gestorben 1947 in russischer Gefangenschaft. 4. Ludwig 1905 oo Gmeiner Augusta, 3 Kinder. 5. Franz 1907 oo Feuerstein Katharina, 4 Kinder. 6. Irma 1910 ledig 7. Hubert 1916 oo Gehrer Rösle, 4 Kinder. Zahlreiche Nachkommen. 8b. Rohner Josef 1880-1914 Kirchdorf Schwarz-Seppl wohnte mit seiner Familie im Haus Bregenzerstraße 4. Er war Sticker und ein bekannter Trompeter. Er starb im Krieg in Serbien, oo 1905 Schwärzler Agatha, 7 Kinder. 1. Franz 1905 oo 1932SchwerzlerAdelheid, 3 Kinder. 2. Hirlanda 1907 oo 1930 Renninger Otto, 3 Kinder. 3. Laura 1908 oo 1939 Köb Anton, 4 Töchter. 4. Viktor 1909 oo Wenefrieda, 3 Kinder. 5. Eugen 1910 oo Mohr Katharina, 2 Töchter 6. Frieda 1912 oo Stefani in Kennelbach 7. Josefma 1915 ledig Zahlreiche Nachkommen. 39
  1. heimatwolufurt
20020401_Heimat_Wolfurt_26 Wolfurt 01.04.2002 Heft 26 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 2002 Bild 1: s Doktor-Hus an der Hub. Erbaut 1905. Inhalt: 130. Ärzte in Wolfurt 131. Elektrizität 132. Malerfamilie Schneider 133. Das älteste Bild 134. Anna selbdritt 135. Menschen um uns 136. Alte Häuser Bildnachweis: Bild 16 Sammlung Johann Kaufmann Bilder 27 u. 28 VLM, Flatz-Katalog 2000 Bilder 15 u. 20 Siegfried Heim Bild 30 Karl Hinteregger Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Vorsteher und Bürgermeister (4) (Heft 25, S. 6) Das Echo auf den letzten Teil der Bürgermeister-Serie, die sich mit den kritischen Jahren des 20. Jahrhunderts befaßte, war durchaus positiv, obwohl bei genauer Durchsicht sicher einiges zu beanstanden oder auf alle Fälle zu ergänzen wäre. Das hat bis jetzt - trotz Aufforderung - niemand getan. Lediglich Alt-Bürgermeister Emil Geiger berichtet, daß er damals 1950 mit seinen 27 Jahren der weitaus jüngste Bürgermeister im Lande gewesen sei. Mord und Totschlag (Heft 25, S. 47) Im Sterbebuch von 1839 fand ich endlich die Totschlag-Geschichte von Toniles Bub. Das Unglück ereignete sich am 29. Juni 1839, nachts 1/4 vor 11 Uhr an der Hub. Gestorben ist Franz Xaver Flatz, verehelicht in Alberschwende und beiläufig 30 Jahre alt. Die Leiche wurde nach Alberschwende überführt und dann dort am Iten Juli l. J. beerdiget. Dieser Mann wurde an der Hub der Pfarre Wolfurt mit einem Stiletstich, der 6 3/4 Zoll tief war, u. durch den Magen, Leber und eine Schlagader gieng, plötzlich getödtet. So heo s i ghört (25) (Heft 25, S. 63) Zum Mundart-Beitrag ist eine Berichtigung von meinem Bruder Adolf Heim eingegangen, die ich ganz hinten im Heft wiedergebe. Danke! Auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt sind mit den in Heft 25 ausgesandten Erlagscheinen wieder viele Spenden eingegangen. Damit konnte ein beachtlicher Teil der Druckkosten abgedeckt werden. Allen Spendern sagen wir ein herzliches Danke schön. Unser besonderer Dank gilt aber wieder der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Siegfried Heim Bittere Medizin Die Arzneikunst, die uns heute mit hochqualifizierten Ärzten und großartig ausgestatteten Krankenhäusern unser ganzes Leben lang umsorgt, hat einen langen und schwierigen Weg zurückgelegt. Auf ihre Entwicklung in Wolfurt möchte ich hier zurückschauen. Angefangen hat sie wohl bei allen Naturvölkern mit den Erfahrungen über Wunden und Krankheiten. Weise Frauen und Medizinmänner gaben ihr Wissen um Heilpflanzen, Salben und „Behandlungen" weiter. Erste Höhepunkte der Medizin kennen wir von den Priestern des Altertums und von der Schule des Hippokrates in Griechenland. Im Mittelalter zeigte sich wenig Fortschritt. Arzneikunst erschien vielen als eine Art von Zauberei. Große Kenner der Natur wie Hildegard von Bingen und Albertus Magnus waren Ausnahmen. Erst am Beginn der Neuzeit reformierte der 1493 in Einsiedeln geborene Paracelsus die Medizin in Mitteleuropa. Wundärzte begleiteten im Dreißigjährigen Krieg die Söldnerheere. Gegen Pest und Cholera, die in schrecklichen Epidemien Städte und Dörfer menschenleer fegten, wußten sie aber keinen Rat. Bei vielen Krankheiten suchte man Heilung in den Bädern. Von der geheimnisvollen Kraft mancher Quellen erhoffte man sich wahre Wunderdinge. Unter den Heilwässern in Vorarlberg findet sich auch der Rickenbach. Zwar heißt es 1605 von der Badstube am Rickenbach, sie sei „zergangen". Aber 1694 wird dort noch einmal ein „Meister Caspar Gasser, Barbierer von dem Bad neben der Mülin zu Rikhenbach" ' erwähnt. Es dürfte der gleiche Kaspar Gasser gewesen sein, der um 1700 als Besitzer der Taverne in Spetenlehen genannt wird, aus der später der Gasthof Krone wurde. Unsere vergilbten Sterbebücher geben allerlei Hinweise auf die Krankheiten und auch auf die allerältesten Wolfurter Ärzte. Einer davon war Antonius Bildstein. In Dornbirn, das damals aus mehreren zu einem Gericht zusammengefaßten Dörfern bestand, war er 1706 geboren worden. Sein Vater Michael Bildstein war hier der Gemeindearzt, den man damals chirurgus nannte. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Mathias erhielt auch Anton eine Ausbildung zum Chirurgus. Mathias wurde später selbst Arzt in Dornbirn. Anton kam als junger Doktor zuerst nach Hard, wo er seine Frau Katharina Dörler kennen lernte. Um das Jahr 1739 ließ sich das junge Paar dann in Wolfurt nieder. Der Arzt hatte das große Haus neben der Kirchenstiege erworben, das man später nach einem seiner Nachkommen Hanso Hus nannte.2 Die Tätigkeit eines Dorfarztes war in jenen Hungerjahren noch sehr eingeschränkt. Zu seiner Ausstattung gehörten scharfe Messer. Er führte damit verschiedene Operationen durch und amputierte sogar zerquetschte oder von Wundbrand be4 Bild 2: Hanso Hus. Hier lebte um 1750 der erste bekannte Wolfurter Arzt, der Chirurgus Antonius Bildstein. fallene Glieder. Er öffnete bei manchen Krankheiten eine Vene, um durch „zuAder-Lassen" im Körper neue Kräfte zu aktivieren. Bei „Schwerblütigkeit" setzte er Blutegel auf Bauch und Oberschenkel. Die Verstopfung bekämpfte er mit einer Klistier-Spritze. Bei Wasser-Leiden führte er schon Katheter ein. Mit einer Zange riß er schmerzende Zähne aus. Er verband Wunden und versuchte, mit einem glühenden Eisen eiternde Wunden zu desinfizieren. Mit Schindeln und straffen Verbänden behandelte er Beinbrüche und Verrenkungen. Und in allerhand Tiegeln und Töpfen verwahrte der Chirurgus seine Salben, Pülverchen und getrockneten Heilpflanzen, von denen man sich Abhilfe von den verschiedensten Leiden versprach. - Wahrhaft bittere Medizin! Auch zu komplizierten Geburten wurde der Arzt gerufen. Doch allzu oft war seinen geschickten Händen hier der Erfolg versagt. Die Sterbebücher mit den Aufzählungen von Kindbetterinnen und ihren notgetauften „Engeln" lassen viel Leid erahnen. Die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe war für die meisten Familienväter viel zu teuer. Der Ertrag seiner Kunst vermochte den Arzt Anton Bildstein und seine neun Kinder in dem großen Haus am Kirchplatz nicht zu ernähren. Er gebrauchte sein scharfes Messer bald auch, um den Bauern damit ihre Bärte zu stutzen. Balbierer schrieb der Pfarrer jetzt zu seinem Namen. Schon im Alter von 47 Jahren starb er. Keiner von seinen vielen Söhnen wählte den Arztberuf. Crispin Bildstein, 1740-1819, richtete im Arzthaus den ersten Wolfurter Krämerladen ein. Unter seinen zahlreichen Wolfurter Nachkommen finden sich ein Pfarrer und ein Vorsteher und der bedeutendste aller Wolfurter Ärzte, der Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler. Ein anderer Sohn des Anton war Johannes Bildstein, geb. 1746. Der Enkel Josef Anton Bildstein, 1773-1846, begründete als Wagner an der Hub jenes große 5 Geschlecht, aus dem nicht nur Dutzende von Wolfurter Familien stammen, sondern u.a. auch die Lauteracher und Feldkircher Bildstein und der Lecher Schilift-Pionier Sepp Bildstein. Wenn Antonius Bildstein, der Stammvater all dieser angesehenen Familien, von der Not getrieben, sich vom Chirurgus zum Balbierer wandeln mußte, so war eine der Ursachen auch, daß viele Kranke aus Furcht vor dem Arzthonorar lieber Zuflucht zu alten Hausmitteln oder gar zu Zaubermitteln nahmen. Solche fand man in den „Egyptischen Geheimnissen", einem noch um 1800 in vielen Auflagen verbreiteten Buch, das geschäftstüchtige Verleger fälschlich dem Bischof Albertus Magnus zuschrieben.3 Der gelehrte Dominikanermönch war um 1250 als Naturwissenschaftler selbst der Zauberei verdächtigt worden. Für Bild 3: Egyptische Geheimnisse. Titelseite eines uns klingen die ihm später zugeschriemedizinischen Zauberbuches benen und trotz kaiserlichem Verbot verbreiteten Rezepte ganz unglaublich. Aber noch bis etwa zum Jahr 1850 folgten ihnen nicht wenige Leute. Man hatte dem Buch ja mit Totenkopf und Kreuz, die in schwarzem Siegellack aufgeprägt worden waren, und mit lateinischen Zauberformeln einen magisch anziehenden Anstrich verliehen. Einige Rezepte aus den Egyptischen Geheimnissen des Albertus Magnus: Gegen Husten Brate Zwiebel, schmiere die Fußsohlen damit, es wird besser; oder man nehme starken Branntwein, tauche ein weißes Tüchlein darin, und schmiere die Fußsohlen damit; Morgens und Abends, es hilft. Gegen Blasensteine Man brenne einen im März gefangenen Hasen mit Haut und Haar zu Pulver, nehme gestoßenen Petersilien-Saamen und Honig, bereite eine Latwerge daraus, gebe sie dem Patienten Morgens früh nüchtern und Abends beim Schlafengehen, so bricht der Stein. Gegen Zahnweh Lorbeerpulver für 2 Kreuzer, Venchelpulver für 2 Kreuzer. Eine Hand voll weiß Mehl und ein Ei, dises zu einem Küchlein gebacken, und nächtlich warm über die Ohren gelegt. 6 Für neuen Haarwuchs Nimm Hundsmilch und bestreich den Ort damit, wo du Haare haben willst, es wächst gewiß Haar. Gegen Durchfall Nimm Hasel-Zapfen zwei Theil, Roßknochen zwei Theil, ein Theil Schuhsohlen, mache alles zu Pulver. Morgens und Abends 2 Löffel davon eingeben. Gegen anhaltendes Fieber Dagegen ist ein gutes Mittel eine große Kreuzspinne, welche man in einer Nuß dem Patienten etliche Tage am Hals hängen läßt, doch muß der Patient nicht wissen, was in der Nuß ist. Gegen Halsbräune (Diphtherie) Gut ist ein ganzes Schwalbennest, klein gestoßen und in Wein gesotten; der hieraus entstandene Brei wird dem Kranken um den Hals geschlagen. Zwischen die Rezepte eingefügt finden sich aber auch reine Zaubersprüche, etwa: Gegen Fußweh Satora robote Netabe rottota S. + Gegen solche „Rezepte" und gegen den Wildwuchs von kaum ausgebildeten Wundärzten, Badern, Barbieren, Wurzelkrämern und Bauchschneidern wandte sich Kaiserin Maria Theresia, die 1764 die allgemeine Schulpflicht eingeführt hatte, mit zwei Sanitätsgesetzen von 1767 und 1770, in denen sie ausdrücklich die Anpreisung von Zaubermitteln verbot. Sie verlangte ab jetzt als Abschluß der ärztlichen Lehr- und Wanderjahre eine Prüfung an der Hochschule. Einer der ersten, der in Wolfurt den neuen Normen entsprach, war der „Kyrurg" Georg Gmeiner, 1766-1827, der sich in manchen Schreiben selbst als „Wundarzt und Geburtshelfer" bezeichnete. Er war 1766 in Unterlinden geboren worden, im heute noch stehenden Haus Frickenescherweg 4. Aus dem gleichen Haus stammte auch sein Onkel Lorenz Gmeiner, der von 1781 bis 1814 als Pfarrer die große Pfarrei Wolfurt durch die Franzosen- und Bayernzeit lenkte. Der junge Arzt Georg Gmeiner erwarb zu seiner ersten Hochzeit 1794 ein Haus am heutigen Sternen-Platz (Kirchstraße 1. Es ist 1949 abgebrannt). Für lange Zeit wurde dieses Haus damit zum Wolfurter „Doktor-Hus ". Der Winter 1796/97 brachte für den Arzt die erste große Belastungsprobe. Durchziehende Soldaten hatten die „Schwarzen Blattern" eingeschleppt, die Pocken. Innerhalb weniger Monate raffte die schreckliche Seuche 57 Kinder dahin, die meisten ein oder zwei Jahre alt, nur wenige 4 oder 5 Jahre. Dagegen verschwindet im Sterbebuch fast die Notiz des Pfarrers vom 15. September 1796: „Sex milites caesarei et tres gallicani quorum nomina ignota". Sechs kaiserliche und drei französische Soldaten, deren Namen unbekannt waren, hatte man nach einem schweren Gefecht in Wolfurt begraben müssen. Sicher mußte auch der Gemeindearzt den vielen Verwundeten Hilfe leisten. 7 Bild 4: Doktor Rohner-Hus im Strohdorf Ungeheuer groß war die Kindersterblichkeit, verursacht vor allem durch falsche Ernährung, Vitamin-Mangel, aber auch fehlende Hygiene. Ganz erschütternd und für uns fast unfaßbar sind die Zahlen aus Pfarrer Gmeiners Sterberegister: 1790 42 Verstorbene davon 32 Kinder unter 7 Jähren 1791 52 Verstorbene davon 29 Kinder 1792 52 Verstorbene davon 34 Kinder. Auf diese Not waren jetzt auch die kaiserlichen Behörden aufmerksam geworden. Mit einer Reihe von Verordnungen versuchten sie, den Ausbildungsstand der Hebammen zu verbessern. Hebammen trugen ja einen großen Teil der Verantwortung für die Gesundheit im Ort. Außer Geburtshilfe und Betreuung von Wöchnerin und Säugling war ihnen die Behandlung von vielerlei Frauenleiden anvertraut. Sie stillten Blutungen und legten Katheter an. Für Wolfurt ließ der Wundarzt Georg Gmeiner seine eigene Frau Magdalena Höfle zur Hebamme ausbilden. Nach siebenjähriger Tätigkeit starb sie 1804 sehr früh. Gmeiner heiratete noch im gleichen Jahr die 1885 in Schwarzach geborene Anna Maria Greussing. Auch diese wurde nun für Jahrzehnte Hebamme für Wolfurt und Schwarzach. 1815 unterzog sie sich der von den Behörden geforderten Prüfung und erhielt dafür ein Diplom. Vorsteher Mathias Schneider, der ab 1817 die noch junge Gemeinde durchorganisierte, gewährte ihr nun für ihre Tätigkeit ein jährliches „Wartgeld" von 50 Gulden. Ihr Gatte, der als Arzt ohne Wartgeld ganz auf HonorarEinnahmen angewiesen war, holte diesen Betrag jeweils ab. Als 1824 der neue Vorsteher Vonach sein Amt antrat und dafür jährlich 51 Gulden zuerkannt erhielt, mißgönnte er der Hebamme ihren Lohn. Es kam zu einem häßlichen Streit mit ihr und ihrem Ehemann. Der Vorsteher warf dem Arzt häufigen Gasthausbesuch und Spielsucht und der Hebamme eine ganze Anzahl von Pflichtversäumnissen bis zur Beherbergung von Huren vor. Gmeiner antwortete mit 8 einer Verleumdungsklage beim Landgericht und bekam Recht. Der Vorsteher mußte nach nur elfmonatiger Amtszeit gehen.4 Wenige Jahre danach starb 1827 der Wundarzt nach 33jähriger Tätigkeit in Wolfurt. Von seinen sechs Kindern studierte damals der Sohn Gebhard Gmeiner in Wien Medizin. Als 19jähriger Student verstarb er dort schon 1830. Noch zu Lebzeiten des Vaters hatte die Tochter Anna Maria Gmeiner den Alberschwender Gemeindearzt Joh. Martin Rohner, 1790-1864, geheiratet. Dieser stammte aus Wolfurt und war im späteren Gasthaus „Rößle" an der Kirchenstiegen geboren worden. Er hatte Napoleons Rußland-Feldzug heil überstanden,5 In Wien hatte er 1820 sein Arztdiplom erhalten. Nun verzichtete er auf seine Arztstelle in Alberschwende und übernahm die Praxis seines erkrankten Schwiegervaters. Nur wenig ist über seine Tätigkeit überliefert, außer daß er recht rauhe Umgangsformen hatte und in Erinnerung an seine Soldatenzeit häufig französisch und russisch fluchte. Beim Landgericht ging 1833 eine Anzeige ein, weil er ohne Einverständnis der Angehörigen, aber im Beisein von Pfarrer Barraga, einen verstorbenen jungen Mann untersucht hatte. Er habe dem Leichnam den Bauch aufgeschnitten und die Eingeweide heraus genommen.6 Solche Eingriffe erschienen den meisten Leuten als Frevel. In einem Rundschreiben vom 25. Jänner 1842 an alle Gemeinden7 fragte das k.k. Landgericht nach der Todtenbeschau. Es waren Klagen vorgebracht worden, .... daß Leichname sogleich nach ihrem Ableben entweder in Schupfen, Gängen u. abgelegenen Kammern, mit gänzlicher Vernachläßigung einer ferneren Aufsicht untergebracht, oder sogleich nach gemachtem Todtensarg vor Ablauf von 48 Stunden in Todtensarg gelegt, u. mit dem Sargdeckel fest verschloßen worden Die Behörden waren besorgt, es könnten Scheintote bestattet werden, .... wovon uns die Vorzeit die gräßlichsten Beyspiele aufgezeichnet hat.... In dem angeordneten Antwortschreiben hielt der neue Pfarrer J. A. Hiller fest, daß so etwas in Wolfurt nicht zu befürchten sei. In diesen Jahren machte die Medizin gewaltige Fortschritte. In einer Preisliste für chirurgische Verrichtungen, herausgegeben vom k.k. Gubernium im Jahre 1821, werden bereits eine Reihe von höchst komplizierten Operationen genannt:8 Für die Operation einer Hasenscharte 2 fl Für Luftröhrenöffnung 7 fl Für den Kaiserschnitt bei einer Lebenden 10 fl Für den Blasensteinschnitt 20 fl Solche Eingriffe waren mit großen Schmerzen verbunden, denn sie fanden praktisch ohne Narkose statt. Nur höchst selten verwendete man Hanf-Absud oder andere pflanzliche Drogen, häufiger starke Eingaben von Alkohol. Erst ab 1844 verbreitete sich von den Städten aus der Gebrauch von Lachgas für Betäubungen. Bald folgten Äther und Chloroform. Erst mit diesen beiden Narkosemitteln konnte sich die Chirurgie in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert entwickeln. 9 Bild 5: Die Post im Strohdorf beherbergte von 1860 bis 1905 die Arztpraxis und von 1928 bis 1963 die Krankenschwestern. Von einem sehr frühen Kaiserschnitt berichtet das Sterbebuch der Pfarrei Buch. Im Jahre 1834 lag die Frau des Vorstehers Böhler in argen Wehen. Mit mehreren anderen Ärzten wurde auch der Kreis-Physikus von Soltmann aus Bregenz gerufen. In höchster Not wagte dieser einen Kaiserschnitt. Vergebens! Frau und Kind überlebten den Eingriff nicht. Und immer noch war die Kindersterblichkeit entsetzlich groß: 1849 66 Taufen / 54 Verstorbene, davon 24 weniger als ein Jahr alt 1850 58 Taufen / 79 Verstorbene, davon 33 weniger als ein Jahr alt 1851 64 Taufen / 56 Verstorbene, davon 23 weniger als ein Jahr alt. Im Durchschnitt starben also 42 (!) Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr. Im Jahre 1864 ist der „Doktor" Georg Gmeiner gestorben. Eine ganze Reihe von verschiedenen Ärzten bemühten sich in den folgenden Jahren um die Wolfurter Kranken. Als Doktorhaus diente viele Jahre lang eine Wohnung im 1851 vom späteren Vorsteher Josef Anton Schertler aus Stein erbauten schönen Haus Schulstraße 1, der im Jahre 1965 abgebrochenen Post. Der Pfarrer führte dieses neue Haus provisorisch ein paar Jahre lang unter der Nummer „154", was später die Nachforschungen recht kompliziert machte. Nachweisbar9 sind die Ärzte Joh. Gmeiner und Franz Müller mit ihren Familien im Haus C 149 (Wälderstraße 1, Köbo Ferdeles) und Johann Moritz mit seiner Familie in C 147 (Wälderstraße 10, Düros). Weil sie aber in der damals sehr armen Gemeinde kein Wartgeld und wahrscheinlich auch nicht genügend zahlende Patienten bekamen, blieben die meisten nur wenige Jahre. Folgende Namen konnte ich ausfindig machen:10 Dr. med. Johann Gmeiner, 1827-1862, Studium in Wien, promoviert 1857. Noch zu Lebzeiten von Rohner praktizierte er von 1857 bis 1862 in Wolfurt. Schon als 35jähriger ist er am 2. Februar 1862 gestorben, nach dem Sterbebuch im Haus „154" (Post). Beerdigt wurde er in Lauterach. 10 Dr. med. Franz Müller, 1820-1868, Studium in Wien und in Innsbruck, promoviert 1844. Als Wundarzt kam er mit seiner Familie 1865 nach Wolfurt. Schon nach drei Jahren ist er am 10. April 1868 im Haus „154" an Brustwassersucht und Altersschwäche gestorben. - Altersschwäche? Mit 48 Jahren? - Müller hinterließ seine Frau Cäcilia und fünf Kinder im Alter zwischen 5 und 18 Jahren. Dr. med. Johann Moritz, geb. 1825, zuständig nach Feldkirch. Im Taufbuch findet er sich 1869 als Geburtshelfer. Mit seiner Frau und den drei Buben verließ er Wolfurt bald wieder. Dr. med. Dünser, Arzt in Wolfurt etwa von 1871 bis 1877. Im Taufbuch findet wir ihn in diesen Jahren oft als Geburtshelfer, einmal 1877 auch als Spender der Nottaufe. Daten und Vorname werden aber nirgends genannt. Im Jahre 1875 war Vorsteher Schertler in sein neues Zieglerhaus im Flotzbach übersiedelt und hatte das Haus „154" an den Kronenwirt Sohm verkauft. Es blieb aber Doktorhaus. Dr. med. Franz Josef Gmeiner, 1847-1915, geboren in Alberschwende, Studium in Innsbruck, promoviert 1877. Als junger Arzt begann er 1877 seine Praxis in Wolfurt, bildete sich zum Homöopathen aus und arbeitete zeitweise als Kurarzt im Heilbad Obladis in Tirol. 1880 übersiedelte er nach Dornbirn und schon 1883 nach Bregenz. Dort wirkte er als gesuchter Augen- und Lungen-Spezialist noch 30 Jahre lang." Dr. med. Schnetzer. Auch ihn kennen wir nur aus den Pfarrbüchern. Schon im Mai 1879 wird er im Sterbebuch als „von hier" bezeichnet und dann bis 1883 mehrmals im Taufbuch als Geburtshelfer. Dr. med. Fritz Elsler. Er stammte aus Ried in Tirol und hatte von 1883 bis 1890 in Wolfurt die Stelle eines Gemeindearztes inne. Bekannt geworden ist seine gemeindepolitische Tätigkeit mit den Casino-Leuten.12 1882 hatte Pfarrer Sieber den Friedhof vergrößert und 1883 den ersten Todtenwagen für Beerdigungen eingeführt. Im Jahre 1888 ging vom verseuchten Rickenbacher Brunnen eine Typhus-Epidemie aus, die acht Todesopfer forderte. Darunter befand sich auch der Mechaniker Dür, der mit seiner Groß-Schlosserei das Stammwerk der Firma Doppelmayr geschaffen hatte. Laut Sanitätsgesetz von 1889 mußte das ganze Land flächendeckend in Sanitätssprengel aufgeteilt werden. So wurde für Wolfurt, Schwarzach und Bildstein (ohne Farnach) ein gemeinsamer Sprengel erstellt und von den Vorstehern J. M. Schertler, Johann Kohler und Urban Grabher in einer gemeinsamen Sitzung am 15. September 1889 im Löwen in Rickenbach dem Wolfurter Gemeindearzt Dr. Elsler anvertraut. Die Bedingungen waren aber so schlecht, daß Elsler ein Jahr später kündigte. Dr. med. Bilgeri. Auch der im Dezember 1890 zum Sprengelarzt bestellte Dr. Bilgeri wurde mit der Festsetzung des Wartgeldes so lange vertröstet, bis er Wolfurt schon nach zwei Jahren wieder verließ. 11 Erst jetzt erstellten die drei Gemeinden gemeinsam einen ordentlichen Vertrag:13 1. Der Sprengelarzt erhält jährlich ein Wartgeld von 400 Gulden, das in vier Raten ausbezahlt wird. 2. Folgende Gebühren werden festgelegt: a) Ganggeld für Hausbesuche in Wolfurt 50 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden in Bildstein 1 Gulden b) Totenbeschau in Wolfurt 80 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden 50 Kreuzer in Bildstein 1 Gulden 50 Kreuzer c) Ordination im Hause 30 Kreuzer. 3. Die Kündigungsfrist beträgt 3 Monate. Dr. med. Martin Hauser. Am 8. Juli 1892 wurde der obige Vertrag von Dr. Hauser aus Kappl bei Landeck unterzeichnet. Schon ein Jahr später kündigte er ihn wieder und ging nach Silz in Tirol. Trotz mehrfacher Ausschreibung konnte lange Zeit für den großen Sprengel mit der kleinen Rendite kein Arzt mehr gefunden werden. Der Schwarzacher Vorsteher Johann Kohler, der als Reichsratsabgeordneter über gute Kontakte verfügte, bemühte sich vergeblich sogar in Wien und in der Steiermark. Ein paar junge Mediziner, die sich die Verhältnisse im Sprengel wenigstens angeschaut hatten, verließen Wolfurt schnell wieder. Kranke mußten daher teure auswärtige Ärzte holen lassen. Im Jahre 1885 hatte der Sticker Gebhard Gmeiner, Lutzo-Schrinars, das Doktorhaus - es führte jetzt wieder die richtige Nummer C 261 - erworben. Weil aber ArztPraxis und Wohnung meist leer standen, drohte er 1894, die Wohnung anderweitig zu vergeben. Da schlössen die Sprengel-Gemeinden, bei denen Wolfurt jetzt durch den neuen Vorsteher Lorenz Schertler vertreten wurde, einen Vertrag mit ihm. Für jährlich 150 Gulden konnte der Vorsteher ab 1. Mai 1894 Räume für eine Arztpraxis mit Apothek-Zimmer und Wohnung (im Haus Schulstraße 1) mieten. Dr. med. Franz Lutz aus Steinhaus im Südtiroler Ahrntal bezog diese Räume, verließ sie aber schon nach einem Jahr wieder. Das „Wartgeld", der Grundgehalt des Arztes, war mit jährlich nur 400 Gulden einfach zu niedrig, auch wenn die Fabrik Jenny und Schindler für die Betreuung ihrer Arbeiter noch zusätzliche 100 Gulden beisteuerte. Schon im Herbst 1896 mußte die Stelle neu ausgeschrieben werden. Diesmal bewarb sich der bereits 58 Jahre alte Doktor Embacher, der bisherige Gemeindearzt von Blons. Dr. med. Johann Embacher, 1839-1923, Studium in Wien, promoviert 1868. Er stammte aus Kössen in Tirol und trat am 1. März 1897 die Sprengelarztstelle in Wolfurt an. 26 Jahre lang behielt er sie bis in das hohe Alter von 84 Jahren. Die Einwohnerzahl des Sanitätssprengels war stark im Steigen und lag 1900 bei etwa 3500 Menschen, die der Doktor - zu Fuß! - zu betreuen hatte, zum Teil auf abgelegenen Höfen in Bildstein und in Schwarzach. 12 Allein unter den über 2000 Wolfurtern gab es jetzt jedes Jahr im Durchschnitt 73 Geburten und 51 Sterbefälle. Und noch immer lag die Kindersterblichkeit mit etwa 20 Prozent Verstorbenen im ersten Lebensjahr sehr hoch. Als Todesursachen gab der Arzt bei den Kindern am häufigsten Durchfall, Bronchitis und Fraisen oder Gichter (durch Vitamin-Mangel verursachte Krämpfe) an, daneben manchmal auch Lebensschwäche, harte Geburt, Keuchhusten und andere. Als Ergänzung zu diesen nüchternen Prozentzahlen biete ich dem interessierten Leser umseitig eine Skizze des Wolfurter Friedhofs mit den vielen Kindergräbern von 1906 an! Nach langen Verhandlungen erbaute die Gemeinde 1905 für Dr. Embacher ein gemeindeeigenes Haus an der Hub (heute Schulstraße 12, Titelbild), das nun bis zum Jahre 1965 das Wolfurter Doktor-Hus blieb. Bild 6: Vor der Rädler-Arkade im neuen Friedhof, 1912. Von links: Oberlehrer Rädler, Kaplan Hagspiel, Dr. Embacher, Pfarrer Nachbauer Im Februar 1906 bekam es der Arzt noch einmal mit den so gefürchteten „Blattern " zu tun. Von Lustenau herauf, wo die Krankheit etliche Todesopfer forderte, waren sie durch Frau Emerenz Holzer eingeschleppt worden. Die arme Emerenz wurde eingesperrt und streng bewacht, die gesamte Bevölkerung geimpft und alle Bälle und Zusammenkünfte in der Fasnat abgesagt. Mit Erfolg! Die Verbreitung der Seuche blieb aus. Überaus viele Tote forderte dagegen die „Spanische Grippe " von 1918 unter der vom Krieg arg geschwächten Bevölkerung. Dr. Embacher war jetzt 80 Jahre alt und - nach schriftlichen Aufzeichnungen im Gemeindeamt - eigentlich dienstunfähig, fast erblindet und schwerhörig. Trotzdem behielten ihn die knauserigen Sprengelgemeinden. Er verlangte ja nicht einmal in den Jahren der Inflation die ihm zustehende Lohn-Aufbesserung. Die Kranken mußten also wieder Hilfe in den Nachbargemeinden suchen. Am 8. November 1923 ist der gute alte Doktor gestorben. Mit Dr. Embacher und seiner Frau Kreszentia waren von ihren sieben Kindern nur die Tochter Emilie Embacher und die Stieftochter Emma Klotz nach Wolfurt gekommen. Emilie wurde 1901 die Ehefrau des Schwanenwirts Joh. Gg. Kalb und damit die Mutter des Wolfurter Schwanenwirts Siegfried Kalb und seiner 13 Friedhofs-Aufnahme 1906 Wegen des Platzmangels auf dem Friedhof ordnete Pfarrer Nachbauer 1906 eine Bedarfserhebung an. Die Zählung am 22. April 1906 ergab insgesamt 605 Gräber: 1 Priestergrab für den 1902 beerdigten Pfarrer J. Gg. Sieber 15 Separatgräber (Familiengräber), z.B. für Schwanen- und Lammwirt 459 Reihengräber, unglaublich eng beieinander 127 „Engel"Gräber für die vielen verstorbenen Kleinkinder 3 Selbstmörder-Gräber in ungeweihter Erde in der Friedhofsecke. Als Folge dieser Zählung ließ die Gemeinde unter Vorsteher Ferdinand Köb und Bauleiter Gemeinderat Engelbert Köb den „oberen" Friedhof mit den Arkaden erbauen. 1911 konnte er eingeweiht werden. Das große Holzkreuz in der Mitte des Friedhofs wurde 1914 zum „Kriegergrab", zur Gedenkstätte für die in fernen Ländern gefallenen Soldaten. Zur Kirche gehörte seit Gründung der Pfarrei Wolfurt im Jahre 1512 ein anfangs sehr kleiner Friedhof. „ et in ac apud capellam coemeterium " heißt es im Erhebungsbrief. In Ausnahmsfällen, etwa bei der Beerdigung eines Priesters, wurde das Grab also innerhalb der Kirche ausgehoben. Als es auf dem Friedhof dann zu wenig Platz gab, mußte jedes Grab schon nach wenigen Jahren neu belegt werden. Für die unverwesten Knochen errichtete man jetzt beim Kirchturm ein Beinhaus. Es enthielt einige Hundert Schädel und wurde erst 1833 beim Neubau der Kirche unter Pfarrer Barraga abgebrochen14. Jetzt wurde der Friedhof ab dem bisherigen Priestergrab, das am Platz der später errichteten Lourdes-Kapelle stand, um ein beachtliches Stück gegen Westen (in der Skizze oben) erweitert. Schon 1882 gewann Pfarrer Sieber beim Abbruch des alten Pfarrhofs und des Pfarrer-Stadels neuerlich Platz für eine Ausdehnung nach Osten. Im Jahre 1906 war nun der Friedhof wieder zu klein geworden. In langen Reihen standen ringsum die weißen Kreuzchen für die verstorbenen Kleinkinder. Mit dem Arkaden-Friedhof von 1911 fand die Gemeinde das Auslangen bis zum Jahre 1988. Dann mußte auf dem anschließenden Hügel der große Terrassen-Friedhof, der auch Platz für Urnengräber einschließt, gebaut werden. Nur mehr ganz vereinzelt findet man ein Kindergrab. Schau noch einmal hin: 1906 waren es noch 127! 14 15 Schwestern Elsa Mohr und Anna Schertler in Bregenz. Emma Klotz heiratete den Sticker Ferdinand Köb in der Bütze. Von ihren drei Töchtern haben wir alle noch die erst 1998 verstorbene Ferdinanda Grabher von der Unterlindenstraße gekannt. Dr. med. Eugen Lecher, 1884-1964, geboren in Dornbirn, Studium in Wien, promoviert 1919. Am Wilhelminen-Spital in Wien hatte er sich im Anschluß an sein Studium noch einer Spezial-Ausbildung in Frauen-Heilkunde unterzogen und 1923 eine Privatpraxis in Dornbirn eröffnet. Noch im gleichen Jahr bewarb er sich um die Arztstelle in Wolfurt, die er 1924 antrat. Unermüdlich war er mit seinem Fahrrad und der bald abgegriffenen ledernen Arzt-Tasche durch seinen großen Sprengel unterwegs. Im Winter zog der Schäferhund „Rexl" den Schlitten mit der Tasche nach Bildstein hinauf. Das Einkommen blieb bescheiden. Erst in den 30er-Jahren konnte sich der „Doktor" für die besonders bei Nacht oft beschwerlichen Krankenbesuche ein Auto anschaffen. Als 1928 medizinisch ausgebildete Krankenschwestern nach Wolfurt kamen, war sein Verhältnis zu diesen anfangs sehr reserviert. Für ein „Vergelt 's Gott" verbanden die beliebten Schwestern ja jetzt Wunden, legten Salben auf heiße Abszesse auf und übernahmen mit Rat und Tat einen großen Teil der Kranken-Versorgung. So sehr man ihre aufopferungsvolle Tätigkeit in Wolfurt15 schätzte, so waren sie für den Arzt doch eine beachtliche Konkurrenz. Dr. Lecher hatte schon 1924 zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz innerhalb der Feuerwehr eine Rettungsabteilung gegründet, die mit einem fahrbaren Liegebett ausgerüstet war. Er blieb bis zu seiner Pensionierung Mitglied der Feuerwehr und des Roten Kreuzes, dessen Ortsgruppe sich aus der Rettungsabteilung entwickelt hatte. In zahlreichen Schulungen lehrte er Erste Hilfe. Auch hier schuf er sich eine Konkurrenz, denn bei vielen Verletzungen und Verstauchungen suchten die Wolfurter jetzt ausgezeichnete (und preisgünstige) Hilfe bei Postmeister Anton Klettl, dem Ortsleiter des Roten Kreuzes. Fast nur bei schwereren Erkrankungen ging man zum Arzt, der auch schmerzende Zähne zog und unter Zuhilfenahme von Lachgas sogar manchmal auf dem schlichten Liegebett in seiner Ordination einen Leistenbruch operierte. Jetzt gab es bereits Krankenhäuser. Zu schweren Operationen ließ man sich in das „Spital" in Hohenems bringen, dessen jüdische Ärzte einen ganz besonders hohen Ruf hatten. Auch im „Sanatorium" Mehrerau suchte man Heilung, seltener in den Krankenhäusern von Bregenz und Dornbirn. Entbindungen fanden aber noch bis etwa zum Jahr 1950 immer zu Hause im Gado statt. Dazu holte man die erfahrene Hebamme, die zusammen mit einer Pfleogare Mutter und Kind versorgte. Wenn aber Komplikationen eintraten, rief man nach Dr. Lecher, der ja als Geburtshelfer speziell ausgebildet war. Gar manche Wolfurter haben ihm ihr Leben zu verdanken. Die Kindersterblichkeit sank enorm. Große Fortschritte in der Hygiene und in der Kinderernährung trugen dazu bei. Aber es sank auch die Anzahl der Geburten. In den Jahren von 1901 bis 1910 schwankte die jährliche Geburtenzahl in Wolfurt bei etwa 2200 Einwohnern noch 17 Bild 8: Dr. Eugen Lecher mit Frau und Adoptivtochter Hedl. Bild 9: Fahrbare RettungsBahre der Feuerwehr 1924 Bild 10: Dr. Lecher in seinem ersten Arztauto 1930 16 zwischen 57 (1906) und 80 (1908) und lag im Durchschnitt bei 70 pro Jahr. Von 1931 bis 1940 pendelte sie dagegen bei annähernd gleich viel Einwohnern zwischen 23 (1937) und 44 (1939) und lag im Durchschnitt mit 33,5 unter der Hälfte der ersten zehn Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Zeit der Großfamilien war vorbei! Es wandelten sich auch die Anforderungen an den Arzt. Krankenkassen und Krankenversicherungen ermöglichten vielen Menschen jetzt einen Arztbesuch. Die nach dem Krieg ab 1948 ansteigende Bevölkerungszahl machte die Teilung des Sanitätssprengeis notwendig. Im Jahre 1955 wurde für Schwarzach und Bildstein ein eigener Sprengel festgelegt, der von 1956 bis 1987 dem Schwarzacher Gemeindearzt Dr. Walter Hinteregger anvertraut wurde. Gleichzeitig hatte 1955 in Wolfurt Dr. Lecher seine Pensionierung angemeldet. 32 Jahre lang hatte er hier in schwierigen Friedenszeiten und in den Notjahren während und nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Arztdienst verläßlich versehen. Jetzt übersiedelte er mit Frau und Adoptivtochter Hedl ins Feldmoos nach Bregenz. 1964 ist er gestorben. Beerdigt wurde er im Familiengrab in Dornbirn. Dr. med. Lothar Schneider, Jg. 1920, ein Sohn des Gymnasial-Direktors und ehemaligen Unterrichtsministers Dr. Emil Schneider. Bis 1955 war Dr. Schneider Arzt am Stadt. Krankenhaus in Bregenz gewesen. Am 1. Jänner 1956 trat er die neue Stelle in Wolfurt an. Sein Sanitätssprengel umfaßte jetzt das ganze Gemeindegebiet mit rund 3000 Einwohnern. Weil das nun schon 50 Jahre alte Doktorhaus zuerst umgebaut werden sollte, mußte Dr. Schneider einige Zeit lang in der Schulküche Ordination abhalten. Mit seiner Freundlichkeit und Geduld und vor allem mit seiner Einsatzbereitschaft durch alle 24 Stunden des Tages gewann er schnell das Vertrauen der Mitbürger. Wieder hatte sich in den letzten Jahren viel geändert. Fast alle Haushalte besaßen jetzt Telefon. Fast alle Leute waren jetzt in der Krankenkassa versichert. Manche machten es sich nun leicht und ließen den Arzt bei jedem Husten oder Fieber und auch bei eingebildeten Krankheiten ins Haus kommen, und das nicht selten sogar nach Mitternacht. Es gab aber auch noch Stunden schwerster Prüfung. Pest und Cholera waren längst aus dem Gedächtnis entschwunden, seit 1888 auch der Typhus als Epidemie. Noch lange hatten Pocken, Scharlach und Diphtherie ihre Opfer gefordert. Aber seit Kleinkinder und Schüler dagegen geimpft wurden, galten auch sie als überwunden. Eine einzige Geißel war noch geblieben: die Kinderlähmung, die gefürchtete Poliomyelitis. Alle paar Jahre durchzog sie als Epidemie die Lande, forderte Menschenleben oder machte Kinder zu Krüppeln. Drüben in Amerika bot der Bakterienforscher Dr. Salk seit 1953 seine sicher wirkende Schutzimpfung an. Aber unsere Behörden zögerten zu lange. Als im Frühjahr 1958 die Epidemie wieder ausbrach, fühlten sich Ärzte und Eltern verlassen. Täglich las man Todesmeldungen in der Zeitung. Die einzige Eiserne Lunge in der Valduna konnte die Vielzahl von eingelieferten und in höchster Todesangst nach 18 Luft ringenden Gelähmten nicht alle aufnehmen. Völlig gesunde Buben und Mädchen waren nach zwei Krankheitstagen tot! Und der Arzt wußte keinerlei Hilfe für die verzweifelten Eltern. Als junger Lehrer und Vater habe ich im benachbarten Buch diese Wochen selbst erlebt. Seltsame Rezepte aus dem „finsteren" Mittelalter wurden wieder hervorgeholt. Während einzelne Mütter ihre Kinder mit starkem Bohnenkaffee abwuschen und ihnen auch solchen einflößten, taten andere das gleiche mit Schnaps! Viele rieben ihre Kinder mit zerschnittenem Knoblauch ein und hängten ihnen eine Kette aus Knoblauchzehen um den Hals. Und als zwei Kinder verstorben waren, verbot man den Mitschülern die Teilnahme am Begräbnis. Nur zu Hause durften sie noch beten! Nur beten! Weit mehr als einhundert Todesopfer forderte diese letzte Seuche damals im Bild 11: Dr. Lothar Schneider Land Vorarlberg, dazu gab es viele bleibend Invalide. Seither impfte man auch bei uns gegen Polio. Der Gemeindearzt war jetzt kein Einzelkämpfer mehr. Für Blut- und Harn-Untersuchungen und auch zum Röntgen arbeitete er eng mit benachbarten Laboratorien zusammen. Und bei schweren Erkrankungen konnte er in ein Krankenhaus einweisen. Aber sein Wartezimmer blieb stets übervoll. Schließlich benötigte er sogar noch spezielle Sprachkenntnisse, um auch den vielen eingewanderten türkischen und jugoslawischen Patienten helfen zu können. Im Jahre 1965 übersiedelte Dr. Schneider mit seiner Familie an die Unterlindenstraße, wo er in einem neuen Haus seine eigene Praxis und auch weiterhin eine eigene Arzt-Apotheke eingerichtet hatte. Als in den 70er-Jahren die Einwohnerzahl auf über 6000 gestiegen war, mußten die Gemeinde-Verantwortlichen an eine Erweiterung der ärztlichen Versorgung denken. Im Jahre 1977 wurde mit Dr. Vorhofer ein zweiter Gemeindearzt eingestellt. Er ordinierte vorerst im alten Doktorhaus an der Schulstraße. Gleichzeitig richtete Mag. Wolf im Unterlinden-Zentrum an der Lauteracherstraße die erste selbständige Apotheke ein. Noch bis zum September 1984 blieb Dr. Lothar Schneider im Dienst. Dann über19 ließ er die Praxis seinem Sohn Dr. Gerold Schneider und zog sich in den Ruhestand nach Bregenz zurück. In seiner Bescheidenheit lehnte er eine ihm von der Gemeinde für den 28jährigen aufopferungsvollen Einsatz zugedachte Ehrung ab. Seither hat sich die medizinische Versorgung der Menschen in unserem 8000Einwohner-Dorf immer schneller verändert. Eine ganze Anzahl von Ärzten hat sich hier niedergelassen. Ich entnehme ihre (wahrscheinlich schon wieder überholte) Liste dem letzten „Blauen Buch" aus dem Jahre 2000: Praktische Ärzte Dr. Roland Gmeiner Dr. Michael Tonko Dr. Rudolf Vorhofer Dr. Agnes Thurnher Fachärzte Dr. Herwig Meusburger Dr. Christof Breier Dr. Christian Allhoff Dr. Peter Huemer Dr. Markus Lunardon Apotheke Mag. pharm. Rainer Wolf Achstraße 33a Unterlinden 24 Fattstraße 1 Kreuzstraße 2 Frauenheilkunde und Geburtshilfe Innere Medizin Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Bützestraße 9 Bildsteinerstraße 5 Kirchstraße 2a Lauteracherstraße 3 Kellhofstaße. 1 Lauteracherstraße 1 Das ist eine ganz unglaubliche Entwicklung und Bereicherung, wenn man bedenkt, daß hier noch bis 1976 Dr. Schneider ganz allein gewirkt hat. Zusätzlich stehen uns zahlreiche Fachärzte in den nahen Städten zur Verfügung, sowie auch die ausgezeichnet ausgestatteten Krankenhäuser mit ihren Ambulanz-, Operations-, Bestrahlungs- und Rehabilitations-Einrichtungen. Nicht vergessen soll der Beitrag der Natur-Heilpraktiker sein. Eine große Rolle spielen aber auch Maßnahmen für eine gesunde Ernährung und für sinnvolle Freizeitgestaltung mit Bewegung und Entspannung. Wesentlich ergänzt wird das Gesundheits-Programm durch Bestrebungen gegen den Mißbrauch von Alkohol, Nikotin und anderer Suchtgifte. Schutzimpfungen machen uns immun gegen viele Krankheiten, die in vergangenen Jahrhunderten Tod und Entsetzen ins Dorf brachten. Durch unser ganzes Leben sind wir ärztlich umsorgt. Es beginnt mit Mutter-KindPaß und Säuglings-Fürsorge und setzt sich fort über die zahlreichen Schuluntersuchungen bis zu mancherlei Vorsorge-Untersuchungen für Gesunde, für Frauen, für Schwangere, für Schwerarbeiter und Risiko-Berufe. In den letzten Jahrzehnten des Wohlstandes und der sozialen Sicherheit hat sich 20 unsere Einstellung zum Leben und zum Sterben völlig verändert. Die Lebenserwartung ist sehr hoch geworden. Schon spricht man sogar von unwertem Leben in den Pflegeheimen und von aktiver Sterbehilfe. Stark gesunken ist dagegen die Anzahl der Geburten. Am besten wird das an den nüchternen Zahlen der Statistik sichtbar: Ende der 50er- und in den 60er-Jahren lag in dem mit seinen vielen neuen Einfamilienhäusern rasch wachsenden Wolfurt die Rate mit bis zu 33 Geburten auf 1000 Einwohner überdurchschnittlich hoch. Die allerhöchste absolute Geburtenzahl brachte dann das Jahr 1972 mit 147 Geburten. Das war bei 6305 Einwohnern immer noch eine hohe Rate von 23. Dann sank sie aber mit der Entwicklung der „Anti-Baby-Pille" schlagartig ab. Die letzten drei Jahre: Einwohner Geburten Sterbefälle 1999 7931 87 45 2000 7960 79 50 2001 7984 69 38 Damit ist die Geburtenrate (von früher 33) auf durchschnittlich 9,8 gesunken, im letzten Jahr 2001 sogar auf sehr niedrige 8,6! Und die Kindersterblichkeit? - Im Jahre 1999 sind zwei Kleinkinder gestorben, im Jahre 2000 eines und 2001 keines. Kein einziges! - Wenn du jetzt so ganz schnell über diesen letzten Satz hinweg gelesen hast, dann blättere doch zurück zu den 127 kleinen weißen „Engel"-Kreuzlein von 1906! Was haben die Ärzte, denen ich am Anfang „Bittere Medizin" unterstellt habe, mit ihrem Forschergeist und ihrem großen Einsatz alles geleistet! - Und doch hat all dieses menschliche Bemühen seine Grenzen. Irgendwann holt der unerforschliche Tod uns alle heim! Ärzte aus Wolfurt Neben den oben genannten Wolfurter Gemeindeärzten Joh. Georg Gmeiner und Joh. Martin Rohner möchte ich hier noch ein paar Namen von Ärzten nennen, die ebenfalls aus Wolfurt stammten, ihren Beruf aber in der Fremde ausgeübt haben. Dr. Balthasar Gmeiner, 1791-1863. Er war ein Neffe des Wolfurter Gemeindearztes J. Gg. Gmeiner (I.) und stammte wie dieser aus dem Haus an der Frickenescherstraße. Er hatte in Wien studiert und dort 1820 promoviert. Schon 1826 erlangte er die bedeutende Stelle eines Stadt-Wundarztes von Feldkirch, die er bis 1862 innehatte. 1863 ist er in Feldkirch gestorben.16 Dr. Joh. Georg Gmeiner (II.), 1804-1851. Er war der jüngste Bruder des Balthasar. Als Militärarzt verschlug es ihn bis in die Walachei. Gestorben ist er schon 1851 in Wien. Sein Enkel diente später in Wien als k.u.k. Offizier. Dr. Karl Wilhelm Rohner, geb. 1832 im Strohdorf. Er war nach dem Tod von sechs Geschwistern der älteste lebende Sohn des Gemeindearztes Joh. Martin Rohner. 21 Während sehr viele seiner Alterskollegen in den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswanderten, wählte er Australien als Ziel. Dort soll er „in Chiltern, Victoria" gearbeitet haben. Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973. Er gilt als Begründer der modernen UnfallChirurgie und war schon zu Lebzeiten weltweit bekannt. Im Jahre 1957 ernannte ihn die Gemeinde Wolfurt zum Ehrenbürger. Viele Jahrzehnte lang leitete er das von ihm gegründete legendäre Unfall-Krankenhaus an der Webergasse in Wien. Eine lange Reihe von Büchern sind von ihm und auch über ihn geschrieben worden. Seine 1991 von Inge Lehne herausgebrachte Biographie wird in Wolfurt jedes Jahr als Teil des „Böhler-Preises" an die besten Schüler vergeben. Prof. Dr. Jörg Böhler, geb. 1917. Er hat zwar immer in Bozen, Wien oder Linz gelebt und gearbeitet, aber Wolfurt regelmäßig besucht. Von hier erhielt er auch seinen „Heimatschein". Als Unfall-Chirurg wurde er der Nachfolger seines berühmten Vaters Lorenz Böhler. Er leitete das Unfall-Krankenhaus in Linz und ab 1972 das große neue „Lorenz-Böhler-Krankenhaus" in Wien. Dr. Josef Hinteregger, 1888-1947. Erwuchs als Sohn des Andreas Hinteregger auf dem Bühel in Wolfurt auf. Schon als Student beteiligte er sich in Verbindung mit amerikanischen Wissenschaftlern an der Erforschung der in Wolfurt wegen Jodmangel weit verbreiteten Kropf-Erkrankungen. Seine Schwestern mußten dazu die Station für die Versuchs-Ratten betreuen. Nach zehn Dienstjahren in Oberösterreich war Hinteregger 24 Jahre lang Gemeindearzt in Satteins. Er starb bei einem MotorradUnfall. Auch seine beiden Söhne studierten Medizin. Dr. Walter Hinteregger wurde von 1956 bis 1987 der erste Gemeindearzt in Schwarzach. Dr. Georg Hinteregger war von 1958 bis 1994 Gemeindearzt in Alberschwende. Prof. Dr. Emil Beck, 1931-2001. Er wurde im „Engel" im Kirchdorf geboren. Während seines Studiums in Wien wurde er von seinem Lehrer Prof. Lorenz Böhler besonders gefördert. Als Unfall-Chirurg begleitete er dessen Sohn Jörg nach Linz und kehrte mit ihm nach Wien zurück. Im Jahre 1974 wurde er der erste Leiter des neuen Vorarlberger Unfall-Krankenhauses in Feldkirch. Später erhielt er den Lehrstuhl für Unfall-Chirurgie in Innsbruck. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Feldkirch. Die Marktgemeinde Wolfurt verlieh ihm ihren Ehrenring. Sicher gibt es noch weitere Ärzte aus Wolfurt, deren Namen hier fehlen. Stellvertretend für jene, die in den letzten Jahrzehnten diesen verantwortungsvollen Beruf gewählt haben, nenne ich nur mehr zwei: Dr. Norbert Böhler, Jg. 1951. Er wuchs als Sohn des Zimmermeisters Eduard Böhler an der Bützestraße auf. Seit vielen Jahren ist er Gemeindearzt in Schruns. Dr. Gerold Schneider, Jg. 1954. Er ist ein Sohn des Gemeindearztes Dr. Lothar Schneider und übernahm 1984 dessen Arztpraxis an der Unterlindenstraße. Nach wenigen Jahren gab er die Gemeindearzt-Stelle auf und unterzog sich einem FachStudium. Heute arbeitet er als geschätzter Facharzt für Augen-Heilkunde in Dornbirn. Bild 12: Bekannte Ärzte aus Wolfurt, 1992: Prof. Dr. Emil Beck und Prof. Dr. Jörg Böhler vor dem Bild von Prof. Dr. Lorenz Böhler. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Werner Vogt, Alte Vorarlberger Heilbäder, Feldkirch 2001, S. 101 Siegfried Heim, Heims Ahnen, Privat, 2001, S. 20 Albertus magnus, egyptische Geheimnisse, 20. Auflage, ohne Angabe des Verlages mit Ausnahme der vermutlich gefälschten Herkunftsbezeichnung „Toledo", antiquarisch in Privatbesitz Forschungen von Dr. Johann Greißing in Landesgerichtsakten im VLA, die er freundlich zur Verfügung gestellt hat Heimat Wolfurt, Heft 7/1991,'S. 21 Wie Anm. 4, Forschungen Dr. Greißing GA Wolfurt, Schachtel 1842 Walter Hinteregger, Gesundheitswesen, Heimat Schwarzach, 1990, S. 178 GA Wolfurt, Familienbuch 1850, cod. 19 Die meisten aus: Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 Andere aus Gemeinde- und Pfarrbüchern Hinteregger, wie Anm. 8, S. 179 Heimat Wolfurt, Heft 24/2000, S. 28 GA Wolfurt, Schachtel 1892 Vorsteher Schertler für Landeskunde, Schachtel 1883 im GA Heimat Wolfurt, Heft 15/1995, S. 3 Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 22 23 Siegfried Heim Strom für Wolfurt „s Eläcktrisch" im Jahre 2002! - Tausend Apparate jeden Tag vom Wecker am Morgen über Kaffeemaschine und Telephon bis zum Fernseher noch spät am Abend! Dazwischen all die unzähligen Maschinen und Automaten in Werkstatt, Büro und im Straßenverkehr! Strom-Ausfall im Jahre 2002? - Nicht auszudenken! Wir sind völlig abhängig geworden von der Elektrizität. Da ist es vielleicht ganz gut, wenn wir uns einmal an die Anfänge vor gut 100 Jahren zurückerinnern. Der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner hat letztes Jahr die Elektrizitätsgeschichte unseres Landes gründlich erforscht und uns in seinem Buch Kraftfelder' zugänglich gemacht. Zu Weihnachten 2001 haben die Vorarlberger Kraftwerke ihr 100Jahr-Jubiläum gefeiert. Anlaß dazu war, daß das E-Werk Schindler in Rieden als Vorgänger der VKW am 24. Dezember 1901 erstmals Strom in das dörfliche Ortsnetz Rieden eingespeist hat. Die Stadt Bregenz bekam erst 1903 Strom, Hard und Lustenau folgten 1905. Und Wolfurt? Unsere Gemeinde war zusammen mit Schwarzach mehr als ein Jahr früher dran. Bei uns leuchteten die Glühlampen schon ab Mai 1900. Als allererste Gemeinden im Land wurden wir flächendeckend mit der neuen Energieform versorgt. Wie hat das alles begonnen? Große Wissenschaftler hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlagen der Elektrizität erforscht: Galvani, Volta, Faraday, Ampere, Ohm und andere. Fünfzig Jahre später griffen die Techniker die Ergebnisse der Forschungen auf und machten daraus Geld. Als Begründer der E-Technik gilt Werner von Siemens,18161896, der 1866 eine Dynamo-Maschine erfand und damit 1879 eine erste elektrische Lokomotive und 1881 die erste elektrische Straßenbahn baute (Schon 1902 fuhr eine solche Tram von Dornbirn nach Lustenau!). In Amerika erfand Thomas Alva Edison, 1847-1931, im Jahre 1879 eine brauchbare Kohlenfaden-Glühlampe und richtete damit 1882 in New-York erstmals ein Ortsnetz für 400 Haushalte ein. Seit 1883 erzeugten sowohl Siemens als auch Edison in ihren Firmen serienweise Glühlampen. Der rasche Siegeszug des neuen Lichtes konnte beginnen! Mittersteiner hat nun in seinem Buch manches richtig gestellt, was wir Lehrer bis jetzt falsch gelehrt haben, weil es falsch in unseren Büchern stand und immer wieder falsch abgeschrieben wurde: 1. In Kennelbach brannte 1884 das erste elektrische Licht der ganzen öst.-ung. Monarchie. (Dr. Hans Nägele in Feierabend 1932 / 30, S. 17) Falsch! Schon 1870 und 1873 leuchteten elektrische Bogenlampen in Wien. Auf der „Internationalen Electrischen Ausstellung" erstrahlten 1883 an der Rotunde in Wien sogar bereits 3400 Glühlampen. (Mittersteiner, S. 21 u. 22) 2. Die Schindler-Fabrik in Kennelbach bekam als erste Fabrik elektrische Beleuchtung. Falsch! 24 Schon 1884 installierte die Firma F.M. Hämmerle in ihrem Werk in DornbirnFischbach die erste Fabriks-Beleuchtung in Vorarlberg. Im Juli 1886 folgten Getzner im Werk Bludenz-Klarenbrunn und als dritte dann am 29. September 1886 die Firma Jenny und Schindler in ihrer großen Spinnerei in Kennelbach. (Mittersteiner, S. 29) Diese Richtigstellungen können der Pionierleistung Friedrich Schindlers, 1856-1920, auf dem Gebiet der Elektrizität keinen Abbruch tun. Seine Forschungen ab 1882 in der oberen Villa in Kennelbach, seine Thermo-ElektrikPatente für die Welt-Ausstellung 1893 in Chicago, der Bau der Kraftwerke Rieden und Andelsbuch und die Gründung der „Elektra" sind Marksteine in der Elektrizitäts-Geschichte Vorarlbergs. Bild 13: Plazidus Gunz, 1861-1920 Jetzt aber endlich zu „Strom für Wolfurt"! Dessen Geschichte ist vor allem mit zwei Namen verbunden, mit Plazidus Gunz und mit Albert Loacker. Pazidus Gunz, 1861-1920 Als junger Weber heiratete der aus Bildstein-Staudach stammende Josef Gunz 1853 in die Familie des Rickenbacher Schmiedes Lorenz Dür ein. Der Schwiegervater vertraute ihm die neu aufgebaute Mühle an und begründete damit die Firma MühleGunz. Die junge Familie wohnte äußerst bescheiden in der Mühle. Von den 16 Kindern der tüchtigen Mutter Christina starben 11 ganz jung. Die anderen mußten von Kindheit an schwer arbeiten.2 Plazidus hatte glücklich die Pocken überstanden, trug aber davon tiefe Narben im Gesicht. In der Schule war er einer der besten, allerdings wurde sein Schulbesuch als mangelhaft eingestuft. Allzu oft versäumte er den Unterricht, weil er in Mühle und Landwirtschaft helfen mußte. Schon früh zeigte sich bei ihm die technische Begabung der Dür-Ahnen. Ohne besondere Ausbildung galt er als ausgezeichneter Schreiner, Schlosser, Schmied, Mühlenmacher und Dreher. Das meiste davon hatte er sich selbst in der benachbarten Schlosserei seines Onkels Josef Anton Dür angeeignet. Nach absolviertem Militärdienst widmete er sich nun dem Ausbau der Mühle. 25 Bild 14: Die Gunz-Mühle um 1900. Hier brannte zu Weihnachten 1896 das erste elektrische Licht in Wolfurt. Im Jahre 1890 schafften die Brüder Gunz bei der Firma Rüsch in Dornbirn eine Turbine an. (Mehr darüber im Anhang unter Vor der Elektrizität) Im gleichen Jahr übersiedelten Plazidus und sein jüngerer Bruder Christian nach Bludenz, wo sie die alte Mühle bei St. Peter mit ihrem Wasserrecht erworben hatten. Sofort begannen sie mit der Renovierung. Dazu gehörte auch der Einbau einer gebrauchten Turbine, die sie preisgünstig bei Samuel Jenny in der Mühle Lauterach-Lerchenau aufgetrieben hatten. Äußerste Sparsamkeit gehörte zu den Prinzipien der Gunz-Brüder. Wo immer möglich, kauften sie gebrauchte Einrichtung und richteten diese mit ihren geschickten Händen wieder her. Im Jahre 1891 wurde die Kunstmühle Gunz in Bludenz eröffnet. Bei einer folgenden Renovierung der Mühle in Rickenbach setzte Plazidus bei seinen Brüdern im Jahre 1896 seine Idee durch, auch hier, ähnlich wie in den Fabriken von Kennelbach und Dornbirn, elektrisches Licht einzuführen. Für 300 Gulden kaufte er bei der Firma Josef Oser in Krems eine kleine Dynamo-Maschine und setzte sie selbst auf die Turbine auf. .... Welch eine Freude hatten wir als es zum ersten mal gebrant hat, der Plaze ist bereitz die gantze Nacht bei der Dinamomaschine gestanden und hat den Schöpfer gelobt für diese Erfindung. Es wurde bald bekannt das Müllers elektrisches Licht haben. Die Nachbarn .... sind herbei geeilt und haben das Wunderding bewundert Sobald es in Rickenbach im Betrieb war, ist der Plaze nach Bludenz geeilt mit der Aufgabe, das mus in Bludenz auch gemacht werden. Es hat aber nichts kosten sollen. Der Albert Loaker war damals ein noch junger Elektrotechniker und der Plaze hat in Erfahrung gebracht, das er eine Djinamomaschine habe, die aber nicht gehe. Das hat dem Plaze schon gefallen, denn die kranke Djnamomaschine wurde nach Rickenbach gebracht. Der Loaker und Plaze 26 haben den Anker sowie die Spulen neu gewikelt mit Anstrangung aller ihrer Kenntniße und haben die Maschine zum gehen gebracht. Dieselbe wurde zuerst in Rickenbach ausbrobiert und als sie die Lebensfähigkeitsprobe bestanden hatte hat man dieselbe in möglichst feierlicher Weiße nach Bludenz überführt und in der Bludenzermühle zur Überraschung der ganzen Bludenzer gegend in Bewegung gesetzt (Gunz-Chronik, S. 455. Die oft fehlerhafte Rechtschreibung ist dadurch zu erklären, daß der Verfasser Lorenz Gunz wegen seines mangelhaften Schulbesuchs das Schreiben erst beim Militär erlernt hat.) Seit 1896 brannte also elektrisches Licht in der Mühle Rickenbach, seit April 1897 auch in Bludenz, jeweils mit einer Spannung von 110 Volt. Im gleichen Jahr 1897 nahm jetzt auch Johann Walter Zuppinger in seiner Mühle im Kessel einen großen Generator in Betrieb. Ganz sicher wollte er nicht hinter der Müller-Konkurrenz zurückbleiben. Plazidus Gunz hatte aber bereits neue Pläne. .... er hat sich mit dem nicht begnügt, daß wir nur allein Licht haben und ist dann auf den Gedanken gekommen, man müße die Wasserkraft im Schwarzachtobel ausnützen für die Gemeinden Schwarzach und Wolfurt Ein völlig neuer Gedanke im Lande Vorarlberg! Bisher hatten die meist liberalen Fabrikanten in der Elektrizität nur einen Weg zur weiteren Produktionssteigerung in ihren Fabriken gesehen. Kaum einer hatte an den Annehmlichkeiten des neuen Lichtes die Nachbarn teilhaben lassen, schon gar nicht die Einwohner eines ganzen Dorfes! Plazidus Gunz ließ bei Ingenieur Julius Rhomberg (So wird er in der Gunz-Chronik genannt. Vermutlich handelt es sich um den Dornbirner Ingenieur Leopold Rhomberg. Siehe Mittersteiner, S. 75) Pläne für ein E-Werk und ein Ortsnetz ausarbeiten. Bei Troll und Hefel und anderen Mitbesitzern der Wetzstein-Schleifen im Schwarzachtobel sicherte er sich die Wasserrechte und beantragte bei der k.u.k. Bezirkshauptmannschaft Bregenz schon 1897 die Baugenehmigung. Nach zwei Bürgerversammlungen legte er die Pläne den Gemeinden vor. Dort fand er in den fortschrittlichen Casino-Männern Johann Kohler und Wendelin Rädler3 starke Befürworter. Die Zuschrift der Gebrüder Gunz betreffend die Anlage einer elektrischen Beleuchtung in u. für Wolfurt sowie der Plan der Hauptstromleitung wurde zur Einsicht genommen. Dieses Unternehmen wird begrüßt mit der Versicherung daß ihm seitens der Gemeindevertretung die bestmögliche Unterstützung zu theil werde. (Gemeindevertretung Wolfurt, Protokoll v. 14.10.1897) Nun schlössen die Brüder Gunz mit der Elektrofirma Ganz u. Co. in Budapest(!) einen Bauvertrag für das zukünftige Werk ab. 4 Durch Einsprüche der Schwarzacher Anrainer verzögerte sich der Baubeginn. Erst nach einem langen Instanzenweg erhielten die Gebrüder Gunz von der B.H. Feldkirch endlich am 10. Februar 1900 27 die Baubewilligung. Inzwischen hatte Plazidus Gunz enge Kontakte zu Albert Loacker geknüpft. Im Mai 1899 hatte er diesem alle seine Pläne und die an der Schwarzach erworbenen Rechte für bare 1000 Gulden verkauft. Zum Kaufpreis gehörte auch noch die unentgeltliche Lieferung von Strom „für einen 15 PfK Elektromotor" solange das Werk besteht. Plazidus betreute weiterhin die technische Einrichtung und die Lichtmaschine in der Mühle in Wolfurt. In Bludenz setzte er sich mit Erfolg für die Gründung eines Städtischen E-Werks ein, das dann am 1. Jänner 1901 in Betrieb ging. Für seine Frau baute er ein elektrisches Bügeleisen, das auch als MusWärmer für die Kinder Verwendung fand. Bekannt wurden seine elektrische Christbaum-Beleuchtung, der AusbrüteBild 15: Das E-Werk am Rickenbach 2002. Apparat für Hühnereier und der ScheinElmar Gunz vor dem unter der Werkbank werfer, mit dem er vom Giebel seines arbeitenden Generator. Hauses aus in die Stadt hinaufleuchtete. Im Jahre 1911 baute er für die Stadtpfarrkirche St. Laurentius das erste elektrische Läutewerk in Vorarlberg, das er mit einem Fest am Katharinentag 1913 der Öffentlichkeit vorstellte.5 Um die Stadt Bludenz machte sich Plazidus Gunz aber auch als christlich-sozialer Politiker und als Gründer der Raiffeisenkassa verdient. Schon im Alter von 60 Jahren ist er im Sommer 1920 plötzlich gestorben. Seine technische Begabung lebte und lebt in zahlreichen Nachkommen weiter. Die Mühle in Bludenz mußte allerdings unter dem Druck der globalisierten Getreide-Weltwirtschaft im Jahre 1997 geschlossen werden. Die Mühle im Rickenbach-Tobel ist schon 1976 abgebrannt. Geblieben ist dort aber ein winziges E-Werk. Noch immer wird es, wie schon vor 106 Jahren, aus den alten Rohren vom Rickenbach betrieben. Mit Sorgfalt betreut Elmar Gunz, Jg. 1931, ein Enkel des Plazidus, den Generator, der das Gunz-Haus mit Licht und Wärme versorgt. Und den Energie-Überschuß von etwa 150 000 kWh im Jahr, den speist er, durch Sondervertrag mit den VKW geregelt, in unser Landes-Netz ein. Immerhin ausreichend für etwa dreißig Einfamilienhäuser! - Strom aus Wolfurt! Albert Loacker, 1873-1956 Albert Loacker hatte sich nach seiner Schlosserlehre in Rankweil bei der Elektro-Firma Ganz u. Co in Budapest zum Fachmann für Elektro-Technik ausgebildet. Im Jahre 1895 eröffnete er dann in Rankweil das erste ElektroInstallationsgeschäft in Vorarlberg. Der junge Mann hatte große Pläne. Mit einem Kraftwerk an der Frutz wollte er fast ganz Vorarlberg von Bludenz bis Bregenz mit Strom versorgen. Für ein solches Gemeinschaftswerk waren aber die Gemeinden und Städte des Landes noch nicht reif. Es war schwer genug, Geld und Interessenten für kleine lokale E-Werke aufzutreiben. Loacker verlegte sein Geschäft zuerst nach Dornbirn und dann 1902 nach Bregenz. Inzwischen hatte er Plazidus Gunz kennen gelernt und ihm die ersten Kenntnisse der Bild 16: Albert Loacker, 1873-1956 Elektro-Technik beigebracht. Während Gunz noch auf die Genehmigung seines Kraftwerks im Schwarzach-Tobel wartete, begann Loacker schon mit den Vorarbeiten dazu. Im Frühling 1899 traten die Gebrüder Gunz ihre Rechte an ihn ab. Darauf schloß die Gemeinde Wolfurt mit Loacker am 20. Juni 1899 ihren ersten Vertrag ab, in welchem sie ihm u. a. ein Elektro-Monopol in ihrem Gemeindegebiet einräumte. Erst jetzt fixierte Loacker am 31. August 1899 den endgültigen Ablösevertrag mit den Brüdern Gunz und begann sofort mit dem Bau von Kraftwerk und Ortsnetz. Ab Mai 1900 konnte er die beiden Gemeinden Schwarzach und Wolfurt mit Strom versorgen. Jetzt erkannten Jenny und Schindler, deren Werk Rieden seit 1891 genügend Strom für die Fabriken in Kennelbach lieferte, daß auch die Errichtung von Ortsnetzen ein Geschäft werden könnte. Ab 1901 belieferten sie Rieden und 1903 die Stadt Bregenz, während Loacker mit seinen beschränkten Mitteln 1903 nur noch Lauterach anschließen konnte. Um Hard lieferten sich die beiden Konkurrenten dann 1905 einen häßlichen Kampf in den Tageszeitungen, den schließlich Schindler für sich entschied. Resignierend schrieb Loacker schon 1904 in einem Brief an die Gemeinde Wolfurt: .... Sie werden mir zugeben müssen, dass ich der erste war, der es wagte in Vorarlberg Elektrizitätswerke unter Verhältnissen zu gründen, wo deren Gewinn ein fraglicher war, und niemand getraute sich damals für so eine Sache Geld 29 28 herzugeben, weil er den Wert eines Elektrizitätswerkes nicht schätzen konnte. Nachdem ich der Firma Jenny & Schindler im Jahre 1900 & 1901 einen weiteren Beweis erbringen konnte, dass die Errichtung elektrischer Zentralstationen ein gewinnbringendes Unternehmen sein könnte, da entschloss sich jene Firma zur Vergrösserung ihrer damaligen Kraftanlage und dazu noch Rieden und Kennelbach Strom abzugeben, später kam dann auch Bregenz dazu, und nun auch Lustenau und Hohenems, aber angefangen in solchen Gemeinden habe ich .... (Brief im GA Wolfurt) Das ist also der eigentliche Anfang der VKW als Versorger der Allgemeinheit: 1897 eine Idee von Plazidus Gunz 1899 deren Verwirklichung durch Albert Loacker in Schwarzach und Wolfurt 1901 die Nachahmung durch Jenny und Schindler in Rieden. Loacker mußte sich ab jetzt auf sein Werk an der Schwarzach beschränken. Seine Installations-Monteure waren allerdings im ganzen Land tätig, besonders auch bei der Errichtung des großen Kraftwerks Andelsbuch. In Lauterach (heute Antoniusstraße 14) besaß er eine große Werkstätte für Motoren- und Freileitungsbau, die zuletzt sein Chef-Monteur Bargehr betreute. Viele Jahre lang gehörte Albert Loacker dem Stadtrat in Bregenz an. Vom Land Vorarlberg wurde er als Fachmann sowohl bei der Übernahme der Schindler-Werke durch das Land als auch bei der Gründung der 111-Werke 1924 zugezogen. In Tirol konnte er bis 1914 noch die Kraftwerke Fügen, Uderns, Ried, Kaltenbach und Stumm (im Zillertal) errichten. Im Alter von 84 Jahren ist der um unser Land so hochverdiente Mann 1956 in Bregenz gestorben. Bild 17: Rickenbach um 1925 mit dem Loacker-Trafo und den alten Stromleitungen. Die Entwicklung in Wolfurt Am 26. Juni 1899 hatte die Gemeinde Wolfurt also den ersten Vertrag mit Loacker geschlossen und diesen am 19. August noch ergänzt. Sie erkannte darin die von Loacker vorgeschlagenen Strombezugs-Bedingungen und Tarife an. Loacker erhielt ein Stromdurchleitungs-Monopol für 40 Jahre und ein Verkaufs-Monopol für Elektro-Material und Lampen. Die Preise mußten allerdings den allgemeinen Marktpreisen angepaßt werden. Die Stangen für die Leitungen durften auf Gemeindegrund an den Straßenrändern aufgestellt werden. Den Strom für eine große Lampe auf dem Kirchplatz lieferte Loacker kostenlos. Eine für jene Gründerzeit bezeichnende Ausnahme vom Leitungs-Monopol wurde auch noch in den Vertrag aufgenommen. Vorsteher Lorenz Schertler und sein Bruder Jakob beabsichtigten, für ihre große Ziegelei im Flotzbach ein eigenes Kraftwerk im Wirthatobel zu errichten. (Sie haben daran übrigens bis zum Sommer 1903 gebaut, dann aber nach einem Hochwasser-Schaden ihre Pläne und Rechte an Loacker verkauft. Dieser legte die Pläne beiseite, zumal er von Schindler keine Durchleitungsrechte durch Kennelbach bekam.) 30 Die Gemeinde bildete ein Elektrizitäts-Komitee, bestehend aus Vorsteher Lorenz Schertler Adlerwirt Joh. Georg Fischer Kreuzwirt Johann Haltmayer Gemeinderat Fidel Kirchberger und Oberlehrer i. R. Wendelin Rädler. Nach einer Begehung wurden im November 1899 die Leitungsmasten aufgestellt. Loacker offerierte die geplanten 22 Straßenlampen mit 4200 Meter Kupferdraht und 170 Isolatoren für 1046 Gulden. Die 6 Lampen (sechs!) für das Schulhaus sollten 80 Gulden kosten, die 5 für den Pfarrhof 133 Gulden. Eine einzelne Leuchte samt Kohlenfaden-Lampe kam auf stolze 2.30 Gulden. Für einen Monteur berechnete Loacker gar pro Tag 5 Gulden. Das war in einer Zeit, wo Taglöhner noch um einen Gulden arbeiteten, sehr viel. Das Werk im Schwarzachtobel war im März 1900 fertig. Sofort begann es mit der Stromlieferung, im Mai dann auch für Wolfurt. Zwei Turbinen von der Firma Rüsch in Dornbirn nützten 70 Meter Gefälle der Schwarzach. Diese lieferte bis zu 300 Liter Wasser pro Sekunde, bei Vereisung oder anhaltender Trockenheit aber leider oft nicht einmal 50 Liter. Zwei Generatoren erzeugten Strom mit einer Spannung von 3000 Volt, der in vier hölzernen Trafo-Häuschen auf die von Loacker (nach Empfehlung durch die Berliner AEG) vorgeschlagene Haushalts-Spannung von 220 Volt transformiert wurde. Von der Maximal-Leistung von 45 Kilowatt mußten 15 Kilowatt kostenlos für die Wasserrechte an Troll, Hefel u. Co. abgegeben werden. Zwei Aufseher betreuten das Kraftwerk in abwechselnden Arbeitsschichten von je 12 Stunden. Sofort nach der Inbetriebnahme schafften die vielen Wolfurter Sticker ElektroMotoren an. Bald reichte die Leistung des Werkes nicht mehr aus, den steigenden 31 Bedarf zu decken. Schon im ersten Winter 1900/01 kam es zu großen „Kalamitäten": Die Lampen brannten „schlecht oder fast gar nicht", die Motoren liefen auf halben Touren. Eine vorübergehende Besserung erreichte Loacker durch Strom-Zukauf von Schindler aus dessen Werk Rieden. Schon im Juni 1901 und später noch mehrmals bot Loacker sein Werk den beiden Gemeinden zum Kauf an. Sie getrauten sich aber nicht, den inzwischen auf 350 000 Kronen geschätzten Betrieb selbst zu übernehmen und zu führen. Bis März 1902 waren von den insgesamt fast 450 Häusern aber erst 90 angeschlossen. Sie besaßen zusammen 1207 Glühlampen und 40 Motoren. Dazu kamen noch 6 Bügeleisen von je 500 Watt. Diese galten als ausgesprochene Luxus-Geräte und kosteten dementsprechend auch je 42 Gulden (oder 84 Kronen). Der Strompreis war pro Lampe pauschaliert. Die Benutzer schalteten ihre Lampen daher nur aus, weil die Kohlenfaden-Lampen eine Brenndauer von höchstens 1000 Stunden hatten und jede neue Lampe 1.40 Kronen kostete. In Rieden und in Dornbirn hielten die E-Werke eine Spannung von 150 Volt. Gerne hätte sich Loacker jetzt den Nachbarn angepaßt. Wolfurt weigerte sich aber, die teure Umstellung zu genehmigen. Inzwischen hatten die Wolfurter Lausbuben die Straßenlampen als Ziel für ihre Steinwürfe entdeckt. Schon im März 1902 verlangte Loacker von der Gemeinde Schaden-Ersatz und Ausforschung der Übeltäter. Im Lande hatte eine Hochkonjunktur der Stickerei mit den neuen Schiffle-Stickmaschinen eingesetzt. Im Zentrum Lustenau liefen 1903 insgesamt 111 Maschinen, alle von ratternden Benzin- oder von komplizierten Gas-Motoren angetrieben. Jetzt konnte Wolfurt den Vorteil des eigenen E-Werkes ausnützen! In Wolfurt surrten im gleichen Jahr bereits 45 Schiffle-Stickmaschinen (in Relation zur Einwohnerzahl also deutlich mehr als in Lustenau), und die besaßen alle einen bequemen ElektroMotor! (Nach Mittersteiner, S. 137) Jetzt wurden auch Lauterach und Lustenau wach. Lauterach schloß 1903 einen Vertrag mit Loacker zum Anschluß an das Wolfurter Netz, Lustenau einen mit Schindler. Weil Loacker nicht einmal genug Strom für den rasch wachsenden Bedarf in Wolfurt hatte und Schindler die Hilfslieferungen ab 1. April 1903 einstellte, legte sich die Gemeinde Wolfurt gegen den Anschluß von Lauterach quer. Loacker schaffte als Energie-Reserve jetzt eine teure Dampf-Lokomobile an, eine riesige Dampfmaschine mit Generator, und stellte das Ungetüm in Lauterach in der Nähe des Bahnhofs auf. Für den Strom aus Schwarzach, aber auch zur Einspeisung des mit Hilfe der Lokomobile in Lauterach erzeugten Stroms in das Wolfurter Netz, baute Loacker eine Verbindungsleitung von der Kapelle Rickenbach an der Ziegelhütte im Flotzbach vorbei nach Lauterach. Die Gemeinde Wolfurt, seit 1901 vom neuen Vorsteher Fidel Kirchberger geführt, klagte wegen Besitzstörung, konnte aber die Fertigstellung der Leitung nur verzögern. Damit schadete sie am meisten ihren eigenen Stickern, die den Strom aus der Lokomobile dringend gebraucht hätten. Die Sticker verlangten nun in einer Krisen32 Bild 18: Gasthof Rößle um 1910. Davor auf dem Kirchplatz der große Kandelaber, für den Loacker kostenlos Strom liefern mußte. Sitzung am Neujahrstag 1904, die Gemeinde solle „auf Grund der schlächten Licht und Kraftzusendung von Herrn Albert Loacker" die Auflösung des MonopolVertrages mit diesem beschließen. Sie wollten Strom von dem leistungsfähigeren Schindler-Werk in Rieden beziehen. Fast zwei Jahre dauerte nun der (vermutlich von Schindler geschürte) Streit. Die Gemeinde verlor schon ihre beiden ersten Prozesse beim Bezirksgericht in Bregenz, dann auch noch im September 1905 die beiden Berufungs-Prozesse am Kreisgericht in Feldkirch und mußte die Kosten in der Höhe von 932 Kronen übernehmen. Trotzdem entschloß sie sich zur Berufung an das Höchstgericht in Wien. Sie hätte wohl auch dort verspielt, wenn nicht Loacker nun Konzessionen nach den Tarifen von Schindler gemacht und die Gemeinde damit zum Zurückziehen der Klagen gebracht hätte. Inzwischen lief die Lokomobile in Lauterach seit Jänner 1904 fast ohne Probleme. Nur am 12. Februar 1905 kam es noch einmal zu einem Strom-Ausfall von einer Viertelstunde. Großer Schneefall hatte das Wasser der Schwarzach plötzlich fast verschwinden lassen. Es dauerte einige Zeit, bis die Lokomobile in Schwung war. Loacker mußte sich entschuldigen. Das Verhältnis zu ihm war nach den Prozessen für lange Zeit vergiftet. In einem Brief an die Gemeinde klagte er über „Hass und Verläumdung". Ein anderes Mal mußte er von der auffallend großen Menge zerschlagener Isolatoren berichten. Im März 1906 konnte Loacker aber wieder einen Strom-Liefervertrag mit Schindler abschließen, der ihn aller Sorgen enthob und den Einsatz der Lokomobile als Reserve entbehrlich machte. Schindler brauchte ihn jetzt wieder. Für das von ihm erworbene Netz Dornbirn, vor allem aber als Verbindung zum großen neuen Werk in Andelsbuch wollte er eine Ringleitung durch Wolfurt bauen und dazu war Loackers Einverständnis notwendig. Andere Sorgen stellten sich ein. 1907 stellten Loackers Inkassanten fest, daß nicht 33 wenige Leute in Wolfurt größere und hellere Lampen eingeschraubt hatten. Das war natürlich bei den pauschalierten Anlagen ein arger Mißbrauch des Vertrauens und mußte entsprechend bestraft werden. Jetzt empfahl Loacker den Einbau von „Zählern". Inzwischen hatte er auch in seinem Bereich die in Bregenz und Dornbirn gebräuchliche Spannung von 150 Volt eingeführt. Immer mehr von den neuen Osram-Lampen traten an die Stelle der bisher verwendeten Kohlenfaden-Lampen. Auer von Welsbach hatte ja schon 1902 Metallfäden in seine Glühbirnen eingebaut. Nach vielen Versuchen hatte schließlich eine Osmium-Wolfram-Legierung die besten Eigenschaften gezeigt. Nach langen zähen Verhandlungen schloß Loacker am 13. Juni 1908 einen neuen Vertrag mit der Gemeinde, der sich weitgehend an Schindlers Tarifen in Bregenz orientierte. Damit waren nun beide Seiten für lange Zeit zufrieden. Im Jahre 1913 hatten einige durch die Stickerei-Krise verarmte Wolfurter ihre Stromzähler manipuliert. Seither mußten die Zähler und die Sicherungs-Kassetten plombiert werden. Im Jahre 1916 wurde die Hauptleitung nach Lauterach begradigt, um die eingesparten Kupferdrähte wie die Glocken vom Kirchturm als Kanonen-Metall abliefern zu können. Große Schwierigkeiten bereitete die Inflation nach dem Weltkrieg mit den immer wieder überholten und neu festzulegenden Tarifen. Bis zum 1. Jänner 1925 stiegen die Stromkosten auf das 9500-fache des Vorkriegspreises und wurden jetzt mit vielen Nullen geschrieben. Im Februar 1924 konnten die VKW endlich ihre Hochspannungsleitung auf Holzmasten von Rieden über die Ach und durch die Wolfurter Felder nach Schwarzach und weiter nach Andelsbuch verlegen. Um dem Chaos mit den verschiedenen Spannungen, das ja von Ort zu Ort verschiedene Anschlüsse für die vielen Elektrogeräte und auch für die jetzt zahlreich gewordenen Glühbirnen verlangte, ein Ende zu bereiten, gab es seit 1924 eine internationale Empfehlung zum Übergang auf die Normalspannung von 220/380 Volt. Das führte natürlich in Wolfurt, wo man erst 1908 von den jetzt wieder geforderten 220 Volt abgegangen war, zu neuem Ärger. Zuerst änderte Loacker in Wolfurt die Spannung nur in dem von der Trafo-Station bei der Kapelle Rickenbach versorgten Bereich. Zahlreiche der neuen Glühbirnen brannten dort schnell durch und mußten auf Kosten der Lieferfirma ersetzt werden. Erst 1927 wagte Loacker die Umstellung des Bereichs Hub. Er nahm die alten Lampen zurück und lieferte neue zum halben Preis. Die Motoren wickelte er auf eigene Kosten in seiner Werkstatt in Lauterach neu. Im Dezember 1931 notierte Loacker befriedigt, jetzt sei schon „ein großer Teil" von Wolfurt auf die moderne Spannung von 220/380 Volt umgestellt. Bregenz und Dornbirn stellten erst 1932 um, Hard 1934 und Kennelbach gar erst 1936! Die Illwerke bauten im Winter 1929/30 ihre große Überlandleitung von Bürs bis ins Ruhrgebiet. Es war die allererste 220 000 Volt-Anlage in Europa. Seither beherrschen ihre Masten die schönen Wolfurter Bühel vom Bannholz über das Schloß bis 34 zur Ach. Bald galt es für die Buben als Mutprobe, die Masten bis zu den drei „Schiffle" zu ersteigen. Am meisten bewunderten wir Königs Max, wenn er ganz oben an der Spitze auf dem „Blitzableiter" (Erdseil) seine Turnkünste vorführte. Im Jahre 1930 stand Loacker vor der Notwendigkeit, sein nun schon dreißig Jahre altes E-Werk an der Schwarzach zu modernisieren. Das Netz Schwarzach-LauterachWolfurt mußte jetzt fast 10 000 Glühlampen und dazu gegen 500 Motoren und 600 Koch- und Heizgeräte versorgen. Nachdem Loacker das ganze Werk noch einmal ohne Erfolg den Gemeinden zum Kauf angeboten hatte, legte er es aus wirtschaftlichen Erwägungen still und bezog ab 1931 den gesamten Strom von den VKW, die seit 1929 Eigentum des Landes Vorarlberg waren. Laufend wurden „elektrische" Herde angeschlossen, zu denen zwingend ein Zähler vorgeschrieben werden mußte. Im Jahre 1936 bekam sogar die Schule einen ersten Elektro-Herd, auf welchem nun die Schulschwestern und andere bekannte Köchinnen die Wolfurter Frauen in Kochkursen ausbildeten. Im gleichen Jahr erhielt auch die Pfarrkirche ein „elektrisches" Geläute, 25 Jahre nachdem der Wolfurter Elektro-Pionier Plazidus Gunz sein erstes in Bludenz installiert hatte. Wenn aber der alte Mesner Johann Köb jetzt die starken Motoren des Läutewerks einschaltete, war das Netz so überlastet, daß alle Lampen im Kirchdorf zu zucken begannen. Allmählich wurden die alten Haus-Installationen den neuen Erfordernissen angepaßt. Für das Bügeleisen hatte man bisher einen Schraubkontakt anstelle der Glühbirne einschrauben müssen. Nun wurde eine Steckdose an der Wand angebracht, allerdings noch eine ohne Erdungsschutz. Die Stromzuführung von der Holzstange an der Straße zur Haus wand erwies sich mehrfach als gefährliche Todesfalle. So kostete eine Berührung mit den Drähten unter anderen ein siebenjähriges Kind in Rickenbach, den 16jährigen Rudolf Seichter im Oberfeld und noch 1955 den 42jährigen Maler Julius Loitz, der in Ausübung seines Berufes beim Gasthaus Adler verunglückte, das Leben. Wo Motoren oder ein Elektro-Herd verwendet wurden, mußten anstelle der beiden „Licht"-Drähte nun die vier „Starkstrom"-Drähte zugeführt werden. Seit Kriegsende wurden diese meist zu einem weniger gefährlichen „Dachreiter" geführt und ab 1960 sogar durch ein isoliertes (selbst-tragendes) „Setra"-Kabel. Später verlegten die VKW nach und nach fast alle Leitungen im ganzen Land unter die Erde. Wer die Verhältnisse in anderen Bundesländern oder gar in den Staaten des östlichen Auslandes kennt, weiß das dankbar zu schätzen! Die vielen neuen Elektrogeräte führten anfangs häufig zur Überlastung der als Lichtleitungen verlegten Anschlüsse im Haus. Wenn die damals gebräuchlichen Schraub-Sicherungen dann durchbrannten, behalfen sich nicht wenige „Bastler" mit „Flicken" derselben mit Hilfe von Drähten. Das war dann immer wieder die Ursache, daß Häuser in Brand gerieten. Nicht einmal das Schloß war ausreichend sicher installiert. Als Fritz Schindler jun., der Sohn des Kennelbacher Elektro-Pioniers, 1936 dort eingezogen war, hatte man 35 hat, nicht verzichten. Daher schreibe ich an den Schluß ein großes „Danke schön" an Friedrich Schindler, an Plazidus Gunz, Albert Loacker und an die VKW! Was war denn vor der Elektrizität? Sie ist ja heute unsere wichtigste Energie-Form. Energie ist aber - so lernen es die Schüler - die Fähigkeit, eine Arbeit zu verrichten. Arbeit gab es aber wohl immer schon. Am Beispiel der Wolfurter Familie Dür-Gunz möchte ich von der Entwicklung der Arbeitsbewältigung erzählen. Lorenz Dür wurde 1788 in „Hannes Franzo Hus" am Röhle-Rank geboren. Nach seiner Lehrzeit durchwanderte er zur Zeit der Franzosenkriege als Schmiedegeselle Süd-Deutschland und die West-Schweiz. Nach Ablegung der Meisterprüfung erbaute er 1812 im Getreidefeld gegenüber seinem Elternhaus eine Schmiede und ein Jahr später ein Haus (Es steht noch heute unter der Nummer 11, Schorrers, an der Bregenzerstraße). Seine Frau Johanna Köb gebar ihm dort fast jedes Jahr ein Kind, insgesamt fünfzehn. Dazu mußte sie noch als Schmiede-Gesellin am Amboß schaffen: .... Wenn der Mann in der Schmiede war und mit dem Hammer auf dem Amboß das Zeichen gab zum Daraufschlagen, dan mußte das Weib, wenn sie gerade mit dem beschäftigt war dem Kind Muß zu geben, die Pfanne wegwerfen und in die Schmiede springen zum den Gehilfen machen (Gunz-Chronik,S.444) Später baute der Schmied einen schweren Fall-Hammer und dazu einen GöppelAntrieb. Jetzt führten seine Buben einen alten Gaul um den Goppel und ersetzten damit die Muskelkraft ihrer Mutter durch die des Pferdes. Drei von den Dür-Buben erlernten ebenfalls das Schmiede-Handwerk. Ihnen genügte der Göppel-Hammer bald nicht mehr. 1846 kaufte ihr Vater für sie die uralte und zerfallene Hunds-Mühle am Rickenbach. Sie hatte den Namen davon, daß ihr Müller schon im Mittelalter verpflichtet war, die Jagdhunde des Grafen von Bregenz zu versorgen. Als Mühle hatte sie ausgedient, aber ihre Wasserkraft stand nun den jungen Schmieden zur Verfügung. Sie bauten das Haus (heute Rickenbacherstraße 9, Stammhaus Doppelmayr) neu auf. Mit hölzernen Känern leiteten sie das Wasser des Rickenbachs auf zwei Wasserräder und betrieben damit ihre neue Hammerschmiede, dazu aber zeitweise auch eine Säge, eine Nudlerei, eine kleine Maismühle und einen Lor-Stampf, in welchem Baumrinde für die Gerber zerquetscht wurde. Schon 1852 erbauten sie dann weiter hinten im Tobel eine neue große Mühle, die sie zwei Jahre später ihrem Schwager Josef Gunz überließen. Auch die neue Mühle wurde durch ein Wasserrad vom Rickenbach angetrieben. Mit seinen heranwachsenden Söhnen Josef, Lorenz, Plazidus und Christian erweiterte der Vater Josef Gunz den Betrieb ständig. Ein Lor-, ein Knochen- und ein GerstenStampf wurden angefügt, dazu Landwirtschaft und Frächterei und schließlich sogar 37 Bild 19. Durch einen ElektroDefekt ist das Schloß am 12. Dez. 1939 abgebrannt. vieles großzügig renoviert. Den Stromverbrauch eines nachträglich noch eingebauten großen Bade-Boilers dürfte man aber unterschätzt haben. Jedenfalls sollen dessen überhitzte Zuleitungen die Ursache jenes Großbrandes gewesen sein, dem das Schloß am 12. Dezember 1939 zum Opfer fiel. Noch immer leitete Albert Loacker sein angesehenes Unternehmen in Bregenz und die Stromversorgung in unserem Netz. Sein Bruder besuchte in regelmäßigen Abständen die Häuser und kassierte die Stromrechnung ein. Wir schätzen diese Besuche wohl mehr als die Mutter, denn für uns Kinder hatte der weißbärtige Mann immer „a Pfefformünzle" in der Tasche. Im Jahre 1939 legte Loacker in einem gedruckten Heft die neuen Tarife vor, die im nationalsozialistischen Staat für das ganze Reich einheitlich gestaltet werden sollten. Das seit vielen Jahren stillstehende Werk nannte sich jetzt „Elektrizitätswerk an der Schwarzach" mit dem Untertitel „Gegründet 1899". Mitten im Krieg übernahmen dann am 1. Jänner 1943 die VKW das von Loacker geschaffene und betreute Netz Schwarzach-Wolfurt-Lauterach und beendeten damit dessen 44 Jahre alte Eigenständigkeit. Wie sich die Elektrizität seither entwickelt hat, haben wir selbst erlebt. Wir erinnern uns an den Bau der zweiten großen Illwerke-Überlandleitung vom Ried durch das Kella und über die Schneiderspitze nach Deutschland im Jahre 1957. Wir erinnern uns an den Bau von Zwentendorf und an die Aufrufe zum Strom-Sparen während der Öl-Krise. Wir haben die Einführung von Fernseher, Computer und Handy erlebt. Ganze Lichterketten erhellen die Straßen, grelle Halogen-Scheinwerfer am Güterbahnhof auch das einst so friedliche Ried. Wir schimpfen über vieles und wir kaufen noch mehr. Auch wenn da und dort einer vor gesundheitsschädlichen Strahlungen aus Kabeln und Elektro-Geräten warnt -, wir möchten doch alle auf die Annehmlichkeiten, die uns die Elektrizität gebracht 36 Bild 20: Noch nach mehr als 100 Jahren tun die Arlberg-Rohre im Rickenbach-Tobel ihren Dienst. eine Malzkaffee-Rösterei, die erst 1893 wegen der Konkurrenz durch Kathreiner aufgegeben werden mußte. Längst reichten die Wasserräder nicht mehr für den steigenden Energie-Bedarf. Eine Verbesserung brachte die von Onkel Josef Anton Dür selbst angefertigte Turbine. Dazu sollte aber auch der Druck des Wassers erhöht werden. Eine Rohrleitung ins Tobel erschien den sparsamen Gunz-Brüdern zu teuer. Da hörten sie davon, daß die beim Bau des Arlberg-Tunnels bis 1884 verwendeten Abwasserrohre nun als Schrott verkauft wurden. Statt 80 Gulden Neuwert kostete ein Rohr nur noch 5 Gulden. Gekauft! Die arg beschädigten Rohre waren 6 m lang und hatten 30 cm Durchmesser. Bei einer Wandstärke von 4 mm wog jedes über 200 kg. Jetzt mußten sie repariert werden: .... An den meisten Röhren hat etwas gefält Die eingetrückten Röhren hat man in folgender Weiße hergerichtet. Man hat das defekte Rohr hinten und vorne auf einen Stein gelegt und die eingedrückten stellen rotwarm gemacht indem man mit Buschein und Holz ein festes Feuer gemacht hat. Wenn die genanten stellen warm genug waren, haben es 4 Mann gepakt und an einem teil fest gemacht und dan eine alte Schrotwalze in das Rohr hineingegeben mit 28 cm, dann durch das Rohr eine Kette gezogen, die Walze die etwas konisch war angebunden und mit einem vierfachen Seilflaschenzug, der an das Zugseil angemacht wurde, nach Willkür vorwärts gezogen. Und dann sind immer 4 junge Männer mit je einem Eisenschlegel bereit gestanden und wenn die Walze nicht vorwätz gehen wollte hat es geheißen Darauf. Daß muste ales aber schnell gehen, also es hat damals schon geheißen, mann mus das Eisen schmieden wenn es warm ist. .... dann kam die zweite aufgäbe, das Hinmontiren es war ebenfals keine leichte aufgäbe, es war schon Herbst bei allem Wetter must man weiter machen, den ganzen Tag nass, man muste die Röhren durch den Bach hineintra38 gen, 4 Mann haben sich aufgestellt, zwei vorne und zwei hinten, es wurde nämlich an der Flansche eine Eisenstange mit einem Haken angebracht und dann hat es geheißen Marsch. Die Röhren bis zum Weyer hat mann bis Ankereute mit Pferden geführt und in den Bach hinunter gelasen und die anderen wurden wie schon gezeigt hinein getragen Im September haben wir angefangen die Röhren herzuführen und an Weinachten hat mann die Mühle mit der Neuenwasserleitung in Betrieb gesetzt. Da hatten wir eine Große Freude (Gunz-Chronik, S. 451 ff, verfaßt vom Müller Lorenz Gunz) Welch gigantische körperliche Leistung der jungen Männer war da notwendig! Zuerst schlugen sie fünf Wochen lang mit schweren Eisen-Schlegeln auf die glühenden Rohre ein. Dann trugen sie zu viert die 230 kg schweren Lasten durch das rutschige Bachbett hinauf. Jeder Fehltritt hätte alle Träger gefährdet. Noch einmal also ein Triumph der Muskelkraft! Im Jahre 1890 bauten die Brüder Gunz dann eine neue Turbine von der Firma Rüsch aus Dornbirn ein, die nun bis 1923 genügend Energie für die Mühle lieferte. Zusätzlich trieb sie ab 1896 die von Plazidus Gunz aufgesetzte Dynamo-Maschine an und lieferte das erste elektrische Licht in Wolfurt. Außer bei der Gunz-Mühle gab es noch einige andere Wasserräder in Wolfurt. Die Tobel-Mühle hinter dem Rößle am Fuß des Kirchenbühels konnte nie große Bedeutung erreichen. Zu gering war das Wasser-Aufkommen des Tobelbachs im Sommer und auch im Winter. Seit dem Mittelalter mehrfach erwähnt ist dagegen die Mühle im Holz, die die Kraft des Holzer-Baches (auf den Karten heißt er Ippach-Bach) ausnützte. Sie gehörte ursprünglich zum Schloß und war bis etwa 1920 im Besitz der Holz-Müller Schwerzler in Betrieb. Nur wenige Meter daneben lag die schon 1731 erwähnte obere Mühle im Holz, die seit 1852 den Holzer-Schmieden gehörte. Wegen der Wasserkraft hatte Jakob Böhler in diesem Jahr seine Schmiede von Unterlinden an den Mühlteich im Holz verlegt, wo zwei neue Wasserräder nun Fall-Hammer, Blasebalg und Drehbank antrieben. Immer noch wurde aber in der oberen Mühle Dinkel-Korn gemahlen und Gerste gestampft und der berühmte Chirurg Dr. Lorenz Böhler hat als Bub manchen Mehl-Stumpen ins Dorf hinab getragen. Um 1890 bauten die Holzer-Schmiede August und Adolf Böhler auch hier eine Turbine ein, die zusätzlich zu den Mühlsteinen noch eine Werkzeug-Schleifmaschine antreiben mußte. Um das Jahr 1935 wurde die obere Mühle stillgelegt, die Schmiede erst 1950. Die allererste Hammerschmiede mit Wasserrad-Antrieb hat in Wolfurt aber schon 1824 Joh. Baptist Rohner am Unterlauf des Holzer-Baches in Unterlinden erbaut. Allerdings verkaufte er sie schon nach zehn Jahren wieder. Seine Familie nahm den Hausnamen „Hammorschmiods" mit in ihr neues Haus an der Ach. Die Schmiede kaufte 1835 der aus der Schweiz zugewanderte Drechsler („Draiar") Karl Zuppinger und ließ sich dort nun seine Drehbank durch das Wasserrad antreiben. 39
  1. heimatwolfurt
20011101_Heimat_Wolfurt_25 Wolfurt 01.11.2001 Heft 25 2001 Zeitschrift des Heimatkundekreises November Bild 1: Markterhebung 1982. Bei einem großen Jubelfest zeigt Bürgermeister Waibel die ihm von Landeshauptmann Keßler überreichte Urkunde. Inhalt: 125. Vorsteher und Bürgermeister (4) 126. Gemeindewahlen 127. Die Roten 128. Mord und Totschlag 129. Blaues Buch 2000 Bildnachweis: Johann Greißing Bild 2 Siegfried Heim Bilder 21, 22, 29, 30 u. 31 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Die Porträts der Bürgermeister und Ehrenbürger stammen von Graphiken und Ölbildern von Hubert Gasser im Kultursaal. Zuschriften und Ergänzungen In eigener Sache Nach mehr als einem Jahr - ich habe in dieser Zeit einen großen Teil der alten Akten in unserem Gemeinde-Archiv durchforscht und auch an anderen Projekten gearbeitet - kann ich heute das 25. Heft von Heimat Wolfurt vorlegen. Sein Hauptteil Vorsteher und Bürgermeister (4) soll ein Beitrag zur Dorfgeschichte des 20. Jahrhunderts sein. Als Ergänzung dazu steht der zweite Artikel Die Roten. Damit möchte ich die Rechte einer bei uns einst unterdrückten "Minderheit" wahren. Für beide gilt, daß sie nicht vollständig sein können, vor allem aber, daß das Zeitgeschehen verschiedenartige Wertungen zuläßt. Ich habe das Manuskript daher mit einigen Betroffenen und mit Zeitzeugen abgestimmt. Trotzdem wäre ich für jede Ergänzung und Korrektur sehr dankbar. Siegfried Heim Wolfurt und Wolford (Heft 24, S. 5) Dazu erreichte uns eine besonders interessante Zuschrift mit dem beigefügten Bild. Der Heimatkundler Dr. Johann Greißing in Hohenems, ein .besonderer Kenner von Hofrieden und Hofsteig, fand auf einem Schuldschein vom 17. Dezember 1819 den ältesten bekannten Abdruck eines Wolfurter Gemeindesiegels. Die Vorsteher hatten ihre Tätigkeit ja erst wenige Jahre zuvor im Jahre 1811 aufgenommen. Die Gemeinde führte also damals auf ihrem Siegel den k.k. Doppeladler der österreichischen Habsburger-Monarchie mit Reichsapfel und Schwert und dem rotweißroten Bindenschild. Die Adlerköpfe tragen aber nicht die Reichskrone, sondern den Herzogshut der Kronländer. Die Umschrift lautet "SIGILL DER GEMEIND WOLFURT": Eine seltsame Zusammenstellung! Vielleicht findet sich ein Fachmann, der uns ihren Sinn erklärt? Auf alle Fälle handelt es sich aber um eine frühe Besiegelung der noch heute gültigen Schreibart Wolfurt. Bild 2: Ältestes Wolfurter Gemeindesiegel von 1819 Bitte! Diesem Heft 25 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Die Gebarung und die Belege des Heimatkundekreises wurden am 26. Jänner 2001 von Seiten der Gemeinde Wolfurt durch Gerald Klocker überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H, A-6922 Wolfurt 3 Die Haltmayer (Heft 24, S. 13) Zuerst eine Berichtigung zu S. 19: Der Gerbergeselle aus Hergensweiler hieß nicht Josef, sondern Johann Georg Heim. Josef war sein Sohn, der 1891 aus Hanso Hus im Kirchdorf in das Küfer-Haltmayer-Haus in der Bütze einheiratete. Seine Nachkommen haben sich im Frühling 2001 im Kultursaal getroffen und mit Hilfe von Lichtbildern und einem Stammbaum ihre Vorfahren studiert. Zu S. 19 unten: Gemeldet haben sich auch mehrere Nachkommen des 1890 erstochenen Engelwirts August Haltmayer: Ernst Haltmayer, der Gründer der Firma Aerosol in Lauterach, und sein Vetter Alfons Haltmeier, leitender Spezialist für Flug-Radar in Dübendorf in der Schweiz. Zu mehreren Treffen brachten sie Bilder und Unterlagen von ihren Familien und auch Zeitungsberichte vom Tod ihres Großvaters mit. Auszüge daraus finden Sie im Beitrag Mord und Totschlag in diesem Heft. Vorsteher und Bürgermeister (3), (Heft 24, S. 27) Zu S. 27, Vorsteher Joh. Martin Schertler (IL): Der Beitrag hat den Weg zu weiteren Verwandten geöffnet. Zweimal besuchte mich aus der Schweiz Siegfried Schertler jun., ein Enkel des 14. Vorstehers und ein Bruder unseres Roman Schertler von der Lorenz-Schertler-Straße. Siegfried Schertler, geboren 1926 in Hard, hat nach dem Besuch der HTL Bregenz in verschiedenen Betrieben technische Erfahrung gesammelt. Im Jahre 1964 begründete er ganz allein in einem Kellerraum in Flawil eine Firma, die sich auf die Erzeugung von Vakuum-Ventilen spezialisierte. Daraus baute er in wenigen Jahrzehnten die VAT in Haag im Schweizer Rheintal auf, das weltweit führende Unternehmen für Vakuum-Dicht-Technik. Mit rund 500 Mitarbeitern und mit Tochterfirmen in Deutschland, Frankreich, England, Japan und USA erreicht VAT heute einen Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar und ist zum größten Steuerzahler des Kantons St. Gallen geworden. Die Firma leitet als geschäftsführender Präsident Dr. Richard Fischer aus Rankweil, ein Urenkel unseres 13. Vorstehers Joh. Georg Fischer und damit ein Vetter des Firmengründers Siegfried Schertler. Wolfurter Blut, das sich jenseits des Rheins bewährt! Ein weiterer Schertler-Nachkomme kam zu Pfingsten 2001 mit seiner Familie aus Amerika zu Besuch nach Wolfurt. Frank Schertler (der Dritte) ist ein Urenkel des 1923 nach den USA ausgewanderten Frank Schertler (des Ersten), der in Amerika die Wolfurterin Anna Heitz geheiratet hat. Ein Bild von dem Auswanderer findet sich in Wolfurt in alten Bildern auf Seite 148. Der Urgroßvater (Franz) Josef Schertler (18641898) war der älteste Sohn des 14. Vorstehers. Er war Gemeindeschreiber und zuletzt auch Konsumverwalter im neu gebauten Konsum Rickenbach. Mit der Gründung einer zweiten Blasmusik brachte er argen Streit in die Gemeinde (Heft 24, S. 31). Nun hat der Ururenkel wieder Kontakte zu vielen Verwandten geknüpft und auch Altvorstehers Haus an der Kirchstraße eingehend besichtigt. Zu S. 32, elektrisches Licht: Für einen Jubiläumsband "700 Jahre VKW hat der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner auch in unserem Gemeindearchiv geforscht. In der Chronik "Schneider 3 " fand sich ein lange gesuchtes Datum: "1886 im Septr. den 29. bekamen wir Elektrisches Licht in der Fabrik". Wir dürfen uns alle auf das noch heuer erscheinende Buch freuen, in dem auch die Wolfurter Gunz-Loacker-Geschichte ihren Platz findet. Zu S. 35 unten: Fehlerberichtigung! Der neue Schreiber hieß nicht Otto, sondern Josef Böhler, Jg. 1883. Ihm gehörte das alte Doktor-Rohner-Haus am Sternenplatz, das 1949 abgebrannt ist. Dort wohnte sein jüngerer Bruder Otto Böhler, Jg. 1885. Mehreren Lesern ist der Fehler aufgefallen, zuerst Anni Höfle-Germann in Lauterach, die in ihrer Kindheit auch dort gewohnt hat. Ahnenforschung Immer neue Briefe und Mails treffen aus Amerika ein, wo die ersten Forscher ihre Stammbäume den Computern übergeben und damit andere Nachkommen der Wolfurter Auswanderer neugierig gemacht haben. Neu schreibt Jill Bennet aus Rice Lake, WI. Ihr Ahn Johannes Schwerzler wanderte 1852 aus dem Eulentobel nach Cottonwood in Minnesota aus. Er war ein Enkel jener Elisabeth Fischer-Schwerzler (Lisol), die dem Haus im Eulentobel schon um 1770 den Hausnamen Lislos gegeben hat. Seine Verwandten waren also die Lisolar-Gmeiner und die Zimborar- und Naiolar-Schwerzler. (Heft 16) Aus Bergisch-Gladbach im Rheinland hat Frau Dr. Roswitha Flatz eine große Stammtafel ihrer Flatz-Familie geschickt. Es handelt sich um nahe Verwandte unseres berühmten Wolfurter Malers, die als Ärzte, Professoren, Künstler, Ingenieure und BankDirektoren den Namen Flatz aus Buch und Wolfurt nach Salzburg, Mondsee, Wien, Preßburg und schließlich ins Rheinland und nach Amerika getragen haben. Frau Roswitha bedankte sich für unsere Aufstellung (Heft 20, S. 46) und will weiter forschen. 4 5 Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (4) In den Heften 20,22 und 24 habe ich in drei Kapiteln über jene Vorsteher erzählt, die vor hundert und mehr Jahren Verantwortung für die Menschen in unserer Gemeinde getragen haben, für deren Arbeit und für das Zusammenleben. Das vierte Kapitel greift nun in unsere Zeit herein. Da gilt es, von Bürgermeistern zu berichten, die wir persönlich gekannt haben. Einige leben noch unter uns. Die folgenden Berichte sind ein Versuch, das wichtigste aus ihrer Amtszeit zu beschreiben. Vieles davon könnten die Leser aber wohl aus eigener Erinnerung noch wesentlich ergänzen. 18/1 Ludwig Hinteregger 1924-1938 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Die Wolfurter Hinteregger stammen vom Pfänder. Gebhard Hinteregger, der 1844 nach Wolfurt kam, war 1811 als Sohn des Adlerwirts in Bildstein geboren worden. Zehn Jahre lang besaß er die alte Schmiede an der Berggasse, wo seine Kinder zur Welt kamen. Dann konnte er 1854 das große Haus auf dem Bühel (Oberfeldgasse 2) kaufen, das seither das Stammhaus der vielen Wolfurter Hinteregger-Familien geworden ist. Hier wurde Ludwig 1892 geboren. Von seinen Brüdern wurde Josef Arzt in Satteins, Gebhard Instrumentenmacher im Strohdorf und Friedrich Bauer in Schwarzach. Ludwig arbeitete in seiner Jugend als Sticker, übernahm aber dann mit seinen Schwestern Lena und Maria die elterliche Landwirtschaft im Oberfeld. Schon früh zog es ihn zu den Vereinen. Er war ein begeisterter Chor-Sänger, spielte bei der Bürgermusik das Flügelhorn und gehörte 1910 im Arbeiterverein zu den Mitbegründern des Turnerbundes. Im Jahre 1913 rückte er zu den Kaiserjägern nach Südtirol ein und machte Dienst bei der Militärmusik. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, gehörte seine Einheit zu den ersten Truppenverbänden, die den Einmarsch der russischen Armee in Galizien aufhalten sollten. 1915 wurde er in die mörderichen Abwehrkämpfe gegen die Italiener in den Dolomiten geschickt. Für seinen Einsatz wurde er mit der Kleinen Silbernen und dann dreimal (!) mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Zugsführer befördert. Im Gebirgskrieg wurde er 1917 schwer verwundet. Den Zusammenbruch der Monarchie erlebte er im Lazarett. Nun holte man ihn 1919 in die Gemeindepolitik und wählte ihn unter Vorsteher Lorenz Schertler sofort zum Ersten Gemeinderat und damit zum Stellvertreter des Vorstehers. In den Jahren der Not sammelte er hier wertvolle Erfahrungen. 1924 wurde wieder gewählt. Aus dem Chaos bei den ersten "demokratischen" Wahlen von 1919 hatten die Wolfurter gelernt. Diesmal wurden rechtzeitig drei ParteiListen vorgelegt, die alle den Christlich-Sozialen nahe standen. Die Allgemeine Wähler- partei führte Gemeinderat Ludwig Hinteregger an, die Allgemeine Wählerschaft der ehemalige Vorsteher Ferdinand Köb und die Wirtschaftspartei der Schreinermeister Rudolf Fischer, Schnidarles. Eigentlich standen sich dabei nur die lokalen Interessen der Wolfurter und der Rickenbacher gegenüber. Die Sozial-Demokraten waren in Wolfurt noch gar nicht organisiert, während sie etwa in Hard, angeführt von ihrem Nationalrat Hermann Hermann, bereits zur mandatsstärksten Partei wurden. In Wolfurt gewann die Gruppe um Hinteregger 10 von den 18 Mandaten, die beiden anderen je 4. Sicher half Hinteregger dabei, daß er als Musikant, Sänger und Turner einen großen Rückhalt bei den Vereinen hatte. Die wirtschaftliche Lage war immer noch Bild 3: Ludwig Hinteregger als junger Kaiserjäger katastrophal und verschlechterte sich in den folgenden Jahren durch den Zusammenbruch wichtiger Banken noch mehr. Arbeitslosigkeit und Hunger führten zu einer Radikalisierung der politischen Parteien. Die Sozial-Demokraten stellten ihren bewaffneten Schutzbund auf, die Christlich-Sozialen ihre Heimatwehr. In Wien brannte 1927 der Justizpalast. Vorsteher Hinteregger sah seine Hauptaufgabe in der Schaffung von Arbeit. Zuerst wurde der Dorfbach aus seinem offenen Bett an der Kellhofstraße in eine Rohrleitung verlegt. Im Jahre 1929 wurde als ganz neue Straße die Verbindung von der Hub durch den Brühl nach Rickenbach gebaut. Die Gemeinde kaufte von der Familie Heim das uralte Hanso Hus am Dorfplatz zum Abbrach. Mit Wolfurter Arbeitslosen wurde an seiner Stelle 1930 das große Kriegerdenkmal erstellt. In einer von Schützenhauptmann Ludwig Köb gestifteten italienischen Blindgänger-Granate wurde die Urkunde hinterlegt. Ein Großprojekt sollte mehr Arbeit schaffen: Ausbau und Teerung der oberen Straße von der Ach bis Rickenbach. Dazu nahm die Gemeinde bei der Rheintalischen Kreditanstalt in der Schweiz einen Kredit von 100 000,- Schweizer Franken auf, damals eine unfaßbar große Summe! Im Sommer 1931 wurden damit die Straße ausgebaut, zwei Häuser abgebrochen, die Kurven gepflastert und etliche Gartenmauern erstellt. Kritisch wurde es, als die Schweizer Bank eine bessere Sicherstellung verlangte. Da halfen die Erben des 1930 plötzlich verstorbenen Gemeinderates Kreuzwirt Josef Haltmayer aus. Die Gemeindevertretung bedankte sich 1932 bei Vorsteher Hinteregger 7 6 Bild 4: Straßenbau 1931 an der Dorfkurve Bild 5: Teerung 1931 in Spetenlehen ausdrücklich für den großen Einsatz beim Bau "seiner" Straße. Es dürfte eine der allerersten asphaltierten Gemeindestraßen in ganz Vorarlberg gewesen sein! 1933 wurde dann auch noch die Rutzenbergstraße mit einer großen Schleife neu gebaut. Für eine neue Straße nach Buch hatte das Land 1930 eine Trasse an der Ach ausgearbeitet. Mit großem Nachdruck und einer Unterschriften-Sammlung verlangte die Gemeinde Wolfurt eine Variante über das Oberfeld zur Berg-Gasse und setzte sich mit Hilfe von einflußreichen Wolfurter Beamten durch. Ab 1932 begannen die Wolfurter zu bauen, die Bucher hatten schon ein Jahr früher am anderen Ende angefangen. Als die Bucherstraße mit ihren vier Tunnels 1935 eröffnet wurde, galt sie als Sehenswürdigkeit. Ab jetzt fanden 65 Maurer und Hilfsarbeiter Verdienst beim Ausmauern des Rickenbachs. Auch sonst hatte sich in der Gemeinde einiges verändert. Altvorsteher Köb war 1924 Sternenwirt geworden. Dort war seit 1871 die Post untergebracht gewesen. Jetzt verlegte die Gemeinde das Postamt ab 15. Jänner 1925 in das von ihr angekaufte SchertlerHaus bei der Schule, wo bald auch der Bauhof und eine große Brückenwaage Platz fanden. In den oberen Stock zogen 1928 zwei Haller "Kreuzschwestern" ein, die von hier aus ihre segensreiche Tätigkeit als Krankenschwestern aufnahmen. Gemeindearzt war seit 1924 Dr. Eugen Lecher. Dieser begründete noch im gleichen Jahr zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz im Rahmen der Feuerwehr eine Rettungsabteilung des Roten Kreuzes. Der Autoverkehr nahm zu. Konrad Bohle eröffnete beim Mohren die erste BenzinZapfstelle, August Rädler eine zweite beim Wälderhof. Am 30. September 1925 wurde die erste "Omnibus"-Linie nach Bregenz in Betrieb genommen. Die Fahrzeug-Zählung von 1933 erbrachte für Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 "Luxus"Autos (PKW) und 10 LKW. Im Jahre 1929 setzten die 111 werke die riesigen Masten ihrer Überlandleitung auf die 8 Wolfurter Bühel. Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr den hohen Schlauchturm beim Schulhaus. Der Vorsteher bekam in Adolf Fischer einen neuen Sekretär, der viele Jahre lang seine unentbehrliche Stütze wurde. 1931 wurde Karl Mohr neuer Schulleiter und 1933 Josef Kresser neuer Straßenmeister. Dieser arbeitete für einen Stundenlohn von 80 Groschen. (Ein Kilogramm Mehl kostete 45 Groschen!). Um dem parteipolitischen Streit auszuweichen, hatte Wolfurt im Jahre 1929 Mehrheitswahlen mit einer einzigen Liste durchgeführt. Ludwig Hinteregger erhielt 1044 von 1052 gültigen Stimmen, das sind sagenhafte 99,2 %. Am nächsten kam ihm noch der beliebte Konsumverwalter Johann Zwickle mit 954 Stimmen. Ein Kommentar in der Zeitung meinte: "... sich nicht erinnern, daß je in einer Periode so friedliche und einmütige Arbeit geleistet wurde".1 Im Jahre 1932 wurde Hinteregger auch in den Landtag gewählt. Als Vertreter der Landwirtschaft verblieb er dort bis zur Auflösung 1938. Inzwischen hatten sich die politischen Parteien völlig zerstritten. Das wirkte mit dem Verbot der Nationalsozialisten 1933 und der Sozialdemokraten 1934 bis in die Dörfer und in alle Vereine hinein. Die neue Verfassung von 1934 sah einen Ständestaat mit einer Einparteienregierung der "Vaterländischen Front" vor. Die gewählte Gemeindevertretung wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat ein "Gemeindetag", dessen Mitglieder über Vorschlag der örtlichen VF vom Landeshauptmann ernannt wurden. Der Vorsteher führte erst jetzt die Amtsbezeichnung "Bürgermeister" ein, wie es schon im Gesetz von 1919 bestimmt worden war. Erstmals trat der Gemeindetag mit 3 Gemeinderäten und nur 10 Mitgliedern am 9. August 1934 zusammen. Für Andersdenkende gab es jetzt keine politische Vertretung mehr. Eine ganze Serie von Sprengstoff-Attentaten im Lande sorgte für Aufregung. Bewaffnete Heimwehr-Leute patrouillierten nachts durch die Gemeinde. Der Druck aus dem nationalsozialistischen Deutschland nahm zu. Jetzt ließen sich auch junge 9 Bild 6: Heimatwehr 1936 als Chor-Schützen 19. Theodor Rohner 1938-1945 Geb. 28.10.1894, gest. 1.12.1964 Schlagartig wurde die Lähmung der vergangenen Jahre durch vordergründigen Jubel überdeckt, getragen vor allem von der Hoffnung auf Arbeit. Schon 1932 war in Wolfurteine Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden, 1933 auch eine Abteilung der SA. Nach dem Verbot der NSDAP waren 1933 acht Mitglieder des Kath. Arbeitervereins und 16 Turner aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden. Von den jungen Leuten, die sich nach Deutschland zur Legion absetzten, nennt Bürgermeister Hinteregger in seinem vorsichtigen Bericht vom 31. Okt. 19452 nur den als Heimatforscher bekannten Gebhard Anwander aus Rickenbach und den ausgezeichneten Schifahrer Josef Bragger aus dem Strohdorf, der spä- Bild 7: Bürgermeister Theodor Rohner ter im Krieg gefallen ist. Die wirkliche Anzahl war aber viel größer. Sofort bemächtigten sich die Nationalsozialisten der ganzen Gemeinde. Schon am 15. März wurden das Kartell und die meisten Vereine aufgelöst und das Vereinshaus beschlagnahmt. Die Vereine mußten Inventar und Barvermögen abliefern, einige versteckten aber doch ihre alten Fahnen. Eine gewaltige Propaganda-Flut setzte ein. Am 18. März stellte die Firma Loacker am Kirchplatz und beim Mohren in Rickenbach je einen Lautsprecher auf, eigens zum Empfang der "weltgeschichtlichen Rede des Führers". Zwar gab es seit 1934 einen Radiosender in Lauterach, aber nur ganz wenige Leute besaßen einen Empfänger. Jetzt kamen die billigen "Volksempfänger" auf den Markt, mit denen man nur den Reichssender Berlin empfangen konnte. Ausländische Sender abzuhören war ja bei schwersten Strafen verboten. Am 31. März wurde der alte Gemeindetag aufgelöst. Vorerst mußte Bürgermeister Hinteregger im Amt bleiben, doch stellte ihm der neue Bezirkshauptmann den NSOrtsgruppenleiter Theodor Rohner und die vier Beiräte Alfred Fischer, Anton Heim, Josef Rohner und Willi Köb zur Seite. Das Gemeindeamt wurde in allen politischpolizeilichen Angelegenheiten den Weisungen der in Bregenz amtierenden Gestapo unterstellt. Das Abstimmungsergebnis vom 10. April 1938 über den Anschluß lag in Wolfurt ähnlich wie bei den meisten Gemeinden im Land bei 98 Prozent und wurde mit einem 11 Wolfurter dort in die illegale "Österreichische Legion" einschreiben. Am 27. Mai 1936 wurde noch einmal ein neuer Gemeindetag installiert, diesmal bestehend aus dem Bürgermeister, einem Vertreter der Katholischen Kirche und 14 Gemeindevertretern. Aus nur 6 von der VF ausgesuchten Kandidaten hatte der Bauernstand 4 Vertreter "gewählt", ähnlich die Gewerbetreibenden ihre 6 Leute. Wahlberechtigt waren aber nur eingeschriebene Mitglieder der "Vaterländischen Front". Weil Industrie und Öffentlicher Dienst zu wenig "verläßliche" Kandidaten aufbieten konnten, verzichtete die VF hier auf Wahlen und legte selbst ihre 4 Männer fest. Von der Demokratie hatte man sich damit verabschiedet. Dafür rief der Gemeindetag im Dezember zur Spende von Geld, Lebensmitteln, Bekleidung und Heizmaterial für die "Minderbemittelten" auf. An die Ärmsten wurden Brot und im März auch einige Hundert Kilogramm "Bundeswurst" aus Inner-Österreich verteilt. Ihre Lage blieb aber trostlos. Seit 1931 lag die Jänner-Arbeitslosigkeit in der Gemeinde immer über 100, im Jahre 1936 sogar bei 140. Ungeheure Not bedrückte viele Familien. Das Gemeindeblatt war voll von Versteigerungs-Anzeigen. Angeboten wurden Häuser und Grundstücke, Nähmaschinen, Wolldecken und Fahrräder. Immer mehr Leute hörten auf die Versprechungen Adolf Hitlers, der seit 1933 in Deutschland regierte. Am 12. März 1938 rückten seine Truppen in Österreich ein. 10 riesigen Aufmarsch uniformierter Fackelträger gefeiert. Zu diesem Tag war erstmals "Großbeflaggung" angeordnet worden: Nur Hakenkreuzfahnen! Rot-weiß-rot "ist zu vermeiden!"3 Am 19. Mai ordnete der Landesschulrat an, daß alle Kinder ausnahmslos mit "Heil Hitler!" zu grüßen hätten, "und zwar mit voll nach vorne in Augenhöhe ausgestreckter Rechten". Jetzt mußte auch Bürgermeister Hinteregger seine Briefe mit "Heil Hitler!" unterzeichnen. In Vorarlberg war ein gewaltiges Programm zur Staubfreimachung von 244 km Straßen in Angriff genommen worden. Dazu gehörte u. a. die Straße von Wolfurt über Schwarzach nach Dornbirn. Ganz neu begann man in Hard mit dem Bau einer Umfahrungsstraße (die spätere Betonstraße) mit als sensationell empfundenen 9 m Breite. Im März 1937 waren in ganz Vorarlberg 300 Arbeiter beim Straßenbau beschäftigt gewesen, im Mai 1938 waren es 1370.4 Von solchen Zahlen und noch mehr von der neu eingeführten Kinderbeihilfe war die Bevölkerung ungemein beeindruckt. Ab 1. Juli 1938 übernahm der bisherige Ortsgruppenleiter Theodor Rohner selbst das Amt des Bürgermeisters. Sein Nachfolger als Ortsgruppenleiter wurde Emil Beck. Nach dem "Führerprinzip" war der Bürgermeister allein für die Gemeinde verantwortlich. Zwar wurden einige Leute als Beiräte benannt, doch waren Abstimmungen untersagt. Schulleiter Mohr wurde als ehemaliger Leiter der VF in den Lehrerstand zurückversetzt. Die drei hochverdienten Schulschwestern Sr. Sebastina, Sr. Gisela und Sr. Regina mußten die Schule verlassen. An die Stelle der Vereine traten NS-Formationen. Schon die 10jährigen wurden im "Jungvolk" und bei den "Jungmädels" erfaßt, die 14jährigen zu HJ ("Ha-Jott", Hitlerjugend) und BDM (Bund deutscher Mädel) überstellt. Die Erwachsenen wurden in vielerlei Gliederungen der "Partei" aufgenommen, in Wolfurt vor allem bei der SA (Sturmabteilung) und beim NSKK (Kraftfahrer-Korps), wo sich die Motorisierten trafen. Die Frauen der NSV (Volkswohlfahrt) richteten im Konsum eine Säuglings-Fürsorge und im Kleinen Saal des Vereinshauses den ersten Kindergarten ein. Regelmäßige Sammlungen für das WHW (Winterhilfswerk) mit teilweise sehr gefälligen Aufsteck-Abzeichen sollten die Not der Alten und Armen lindern. Alles, gar alles! in der Hand einer Partei. Dazu eine ganz neue Art von aggressiver Propaganda in den Partei-hörigen Zeitungen, im Rundfunk und vor allem in den Schulen. Dort war das Kreuz in den Klassen durch ein Hitlerbild und einen "markanten" Wochenspruch des Führers ersetzt worden. Die Bürgermusik blieb als "Schützenmusik" erhalten, weil man auf sie bei den vielen Aufmärschen nicht verzichten wollte. Sogar den Alt-Gemeinderat Franz Rohner, an dessen Haus die SA eine große Tafel "Hier wohnt ein Feind des deutschen Volkes " angebracht hatte, brauchte man als Kapellmeister. Und die beliebte Krankenschwester Sr. Epiphania erhielt vom Bürgermeister eine Anstellung als "Frl. Härle", verbunden allerdings mit dem strikten Vebot geistlicher Betätigung. Natürlich fiel auf, daß die Kirche unter schwerem Druck stand. An Feiertagen mußte auch vom Kirchturm die Hakenkreuzfahne wehen. Prozessionen wurden "aus Ver12 Bild 8: NS-KK. Die Wolfurter Kraftfahrer 1939 unter Alfred Fischer. kehrsgründen" ins Oberfeld verwiesen. Auch das Läuten mußte eingeschränkt werden "wegen Störung des Rundfunks". Ab 1. Jänner 1939 wurden die Standesämter eingeführt. Bürgermeister Rohner übernahm selbst dieses zusätzliche Amt. Standesamtliche Trauungen unter der Hakenkreuzfahne ohne nachfolgende kirchliche Hochzeit blieben aber die seltene Ausnahme, ebenso wie "germanische Namensgebung" für Neugeborene. Junge Ehepaare erhielten vom Bürgermeister Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf. Gelesen werden es wohl wenige haben! Eine ganze Anzahl von Wolfurtern trat aber aus der Kirche aus und nannte sich nun "gottgläubig". Die Pfarrämter bekamen eine riesige Aufgabe mit der Erstellung von Ahnenpässen als Arier-Nachweis aufgebürdet. Alt-Pfarrer Leopold Berchtold schrieb deshalb in einem großen Buch alle Familien aus den alten Tauf- und Trauungsbüchern heraus. Es ist heute bei der Familienforschung eine wertvolle Hilfe. Am 1. September 1939 begann der Krieg. Über seinen Verlauf und sein schreckliches Ende haben wir in dieser Zeitschrift in zwei Artikeln umfangreich berichtet.5 Hier wiederhole ich daher nur jene fürchterliche Zahl: Am Kriegerdenkmal mußten die Namen von 99 jungen Männern aufgeschrieben werden, die nicht mehr heimkehrten. In einem langen schmerzhaften Prozeß war der Jubel von 1938 untergegangen, nicht in allen Familien zur gleichen Zeit. Für die meisten war ja die NS-Propaganda die einzige Informationsquelle. Lange, allzu lange schauten viele weg, hörten nichts, wollten nichts hören, von der Verfolgung von Juden und Zigeunern, vom Sterben der Behinderten, von der Mißhandlung von Kriegsgefangenen, von der Unterdrückung von Menschen in den besetzten Ländern. Auch nicht von den Niederlagen in Rußland und von der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg. Jede unbedachte Bemerkung konnte das Leben kosten. So wurde die 60jährige Hausfrau Ottilia Köb, Schmieds, 1941 wegen "Beleidigung der Regierung" von der Gestapo zwei Wochen lang eingesperrt.6 Ihre Entlassung verdankte sie wohl nur dem 13 Umstand, daß ihre beiden Söhne an der Front standen. Aus einem ganz ähnlichen Grund wurde zwei Jahre später in Bregenz Frau Karoline Redler zum Tode verurteilt. Unter allerschärfster Beobachtung standen jene Familien, die man für Kommunisten hielt. Aus nichtigen Gründen wurden 1941 und 1942 etliche Wolfurter Jugendliche verhaftet und von der Gestapo mißhandelt. August Wachter und Martin Österle waren bei ihrer Verhaftung erst 16 Jahre alt. Wachter wurde aus der Haft zu einer StrafKompagnie an die Front überstellt und ist dort gefallen. Auch sein Vater war verhaftet worden. Wegen "Abhörens von Feindsendern" mußte auch noch der Familienvater Karl Zanetti die letzten Kriegsmonate im Gefängnis absitzen.7 Bei Kriegsende zwang am Morgen des 2. Mai 1945 eine große Gruppe Wolfurter Zivilisten, in der Mehrzahl Frauen und Mädchen, den Bürgermeister zu dem Versuch, die deutschen Truppen an der Ach von der Fortsetzung des Verteidigungkampfes abzuhalten. Bei seinem Eintreffen waren diese aber bereits abgezogen, der Einmarsch der Franzosen hatte begonnen. Noch am gleichen Tag wurde Ortgruppenleiter Beck von einem französischen Kommando verhaftet und mit dem Erschießen bedroht, . schließlich aber in das Anhaltelager Brederis eingeliefert. Bürgermeister Rohner blieb noch zwei Tage im Amt. Am 4. Mai 1945 übergab er in einem offiziellen Akt das Amt an seinen Vorgänger Ludwig Hinteregger. Auch Rohner wurde dann einige Zeit inhaftiert. 1946 mußte er bei der Entnazifizierung der Wolfurter "Partei"-Mitglieder als Auskunftsperson helfen. Theodor Rohner war 1894 in Lauterach als Sohn des Wilhelm Rohner und der Anna Maria Schwerzler geboren worden.. Die Mutter stammte aus dem Tobel in Wolfurt. Als die Familie Rohner mit ihren acht Kindern nach Wolfurt in das Haus C 5 an der Ach (heute Zementerei Rohner, Bützestraße 39) übersiedelte, benannte man sie nach der Mutter mit dem Hausnamen "Toblars". Früh verstarben beide Eltern. Die Waisenkinder mußten das Haus verkaufen. Außer Theodor, der als Sticker Arbeit suchte, blieb auch seine Schwester Klara, verehelichte Schwerzler, als Toblars Klara mit ihren Söhnen in Wolfurt. Theodor heiratete 1920 Rosina Böhler, eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Mit ihren zwei Kindern Bertram und Theodora wohnten sie in Miete im Haus D 293 (Villa Köb, Hofsteigstraße 54) in Rickenbach. Schon 1937, mitten in der Not der Arbeitslosigkeit, starb die Mutter. 1940, jetzt schon als Bürgermeister, ging Rohner eine zweite Ehe mit Katharina Bohle ein, einer Tochter des Rickenbacher Kaufmanns Konrad Bohle. Der Sohn Bertram betrieb nach dem Krieg eine Handlung in Landeck. Die Tochter Dora, verehelichte Zangerl, lebte mit ihrer Familie in Pians. Zu ihnen übersiedelte der Alt-Bürgermeister für seine letzten Lebensjahre. In Pians ist er am 1. Dezember 1964 gestorben. An seinem Begräbnis nahm auch eine offizielle Abordnung der Gemeinde Wolfurt teil. Dafür bedankten sich die Kinder mit einer Spende für die Totenkapelle in Wolfurt. 18/2 Ludwig Hnteregger 1945-1950 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Seit 4. Mai 1945 waren also der 1938 abgesetzte Bürgermeister Hinteregger und als sein Sekretär Adolf Fischer wieder im Amt. Während der NS-Zeit hatte Hinteregger neben seiner Landwirtschaft eine Anstellung im Büro der Firma Baustoffe-Rädler übernommen. 1945 war er auch noch zum Dienst beim "Volkssturm" im Südtirol verpflichtet worden. Als Bürgermeister wollte er nun den 1938 aufgelösten VF-Gemeindetag wieder einsetzen. Das scheiterte aber am Einspruch der französischen Behörden. Diese verlangten eine paritätische Vertretung der Links-Parteien. So mußte ein auf fünf Personen reduzierter provisorischer Ausschuß nominiert werden, bestehend aus Bürgermeister Hinteregger, den Bild 9: Bürgermeister Ludwig Hinteregger ehemaligen Gemeinderäten Alfons Gunz, Franz Rohner (Kapeller), Martin Höfle und dem zusätzlich bestimmten Bauarbeiter Karl Geiger, der den Kommunisten nahe stand. Die erste Sorge des Bürgermeisters galt der Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln, Heizmaterial und auch mit Wohnraum. Nur mit größtem Einsatz und gestützt auf seine Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg konnte er die Ablieferung von Schlachtvieh, Milch, Mais und Brennholz erreichen, viel zu wenig für die Not der ausgebombten Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet und die heimatlosen Familien aus Ost-Europa. Vielen konnte er einen Acker an der Ach oder im Ried zuweisen. Sogar auf dem Schulplatz wurden Mais und Kartoffeln angebaut. Die Gärtner Stöckli, Hans Schwerzler und Gebhard Mohr mußten große Mengen von Setzlingen produzieren. Einen besonderen Beitrag leistete auch die Familie Erwin Karg mit dem Anbau von Gemüse auf den steinigen Insel-Gründen. Feldwachen mußten nachts die Äcker schützen. Im August wurden alle "Reichsdeutschen" ausgewiesen. Mit ganz wenig Handgepäck wurden sie auf Lastautos an die Grenze transportiert, auch Frauen mit kleinen Kindern. Sogar der Wirt August Keckeisen, der den Gasthof "Sternen" schon seit 1931 besessen hatte, mußte gehen. Seine Gastwirtschaft wurde als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und für einige Flüchtlingsfamilien als Notquartier bestimmt.8 Am 25. November 1945 fanden Wahlen zum Landtag und zum Nationalrat statt. Die 15 14 ehemaligen "Partei"-Mitglieder blieben ausgeschlossen und viele Männer waren noch in der Kriegsgefangenschaft. So waren von den Wahlberechtigten mehr als zwei Drittel Frauen. Zum weit überwiegenden Teil wählten sie die neu gegründete ÖVP. Auf Grund des für die Kommunisten negativen Ergebnisses legte Karl Geiger sein Mandat zurück. An seiner Stelle machte die SPÖ den ehemaligen Wehrmachts-Offizier Armin Schertler namhaft. Dieser übernahm auch die Verwaltung des Sternens. Das folgende Jahr stand ganz im Zeichen der "Entnazifizierung". Nur schwer konnte die Wirtschaft angekurbelt werden. Politische Gutachten spielten bei Betriebsgenehmigungen und Wohnungsvergaben eine große Rolle. Ohne eigene Wahlen wurde 1947 per Gesetz bestimmt, daß die Landtagswahlergebnisse von 1945 jetzt auch für eine Gemeindevertretung Gültigkeit hätten. Das ergab in Wolfurt 10 Mandate für die ÖVP und 3 für die SPÖ. Einstimmig wählte diese "Provisorische" Gemeindevertretung am 16. April 1947 Ludwig Hinteregger zum Bürgermeister. Jetzt konnte dieser neue Aufgaben anpacken. Große Aufmerksamkeit widmete er den Vereinen, die bei der Umerziehung der im Nationalsozialismus aufgewachsenen Jugend mitwirken sollten. Die Gemeinde half bei der Renovierung des arg verwahrlosten Vereinshauses und unterstützte 1947 die Gründung des Fußballklubs. 1948 begannen die Vorarbeiten für ein Gemeinde-Wasserwerk. An der Ach wurde Grund für neue Siedlungen erschlossen und für 5 Schilling pro m2 verkauft. Eine Erweiterung des Schulhauses wurde geplant. Die Verhältnisse normalisierten sich. Geradezu symbolisch konnte im Jahre 1950 endlich der Maisacker auf dem Schulplatz wieder zu einem Sportplatz eingesät werden. Aus den bitteren Erfahrungen seiner ersten Amtszeit bemühte sich Ludwig Hinteregger sehr, den Frieden in der Gemeindestube zu sichern. In Land und Bund bekriegten sich die politischen Parteien schon wieder. Die Aufstellung einer Einheits-Liste für die Gemeinde-Wahlen 1950 gelang ihm aber nicht mehr. Er lehnte daher eine von vielen erhoffte Wiederwahl zum Bürgermeister ab, war aber bereit, noch einmal eine Periode lang als Gemeinderat zu dienen. Nach zwei Jahren mußte er sogar noch einmal das Amt des Ersten Gemeinderates und Vizebürgermeisters übernehmen und hatte als solcher entscheidenden Anteil bei der Lösung seiner letzten großen Aufgabe, des Wolfurter Wasserwerks. Erst dieses ermöglichte die Besiedlung der Bühel und der Felder. 1955 zog sich Hinteregger ganz aus der Gemeindevertretung zurück, der er 29 Jahre lang angehört hatte, davon 19 Jahre als Bürgermeister. Anläßlich seines 70. Geburtstages bedankte sich die Gemeinde für sein Wirken und überreichte ihm als Ehrengeschenk ein Bild vom Kriegerdenkmal. Bis ins hohe Alter arbeitete Hinteregger aber noch unermüdlich im Kirchenrat und im Krankenpflegeverein weiter mit und kümmerte sich um Kirchenfahnen und Schneeräumung und natürlich auch um seine Landwirtschaft. An seiner Seite stand, immer still und bescheiden im Hintergrund, seine Frau Rosa. Sie war eine Tochter des Lammwirts Gebhard Fischer und hatte ihrem Gatten sechs Kinder geschenkt. Eine besondere Freude war für beide, daß der Sohn August zum Priester geweiht und schließlich 16 Pfarrer in Bildstein wurde. Aber auch die zahlreichen Enkel scharten sie oft um sich. 1973 konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern. Bald danach ist Ludwig Hinteregger im Alter von fast 81 Jahren gestorben. Sein letzter Wunsch um eine schlichte Beerdigung ohne jede Grabrede wurde erfüllt. 20. Emil Geiger 1950-1952 Geb. 2.9.1923, lebt in Bregenz Die Gemeindewahlen von 1950 waren seit 1929 die ersten, die wieder nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt werden konnten. Eine Reihe von älteren Gemeindemandataren war abgetreten, junge Kriegsheimkehrer nahmen ihre Plätze ein. Viele ehemalige Angehörige der NSDAP durften jetzt wieder wählen, die meisten sammelten sich im VDU Bild 10: Bürgermeister Emil Geiger (Verband der Unabhängigen). In der Gemeinde Wolfurt bildeten sie mit anderen oppositionellen Wählern die Liste Unabhängige Wählerschaft und erreichten auf Anhieb 6 der nunmehr 21 Mandate. Die traditionelle Allgemeine Wählerliste, die mit dem abtretenden Bürgermeister Hinteregger der ÖVP nahe stand, erhielt 13 Mandate. Der SPÖ verblieb ein einziges Mandat, das der aus Lauterach ins Wolfurter Wida zugezogene langjährige Landtagsabgeordnete Josef Greußing ausübte. In der Konstituierenden Sitzung vom 11. Mai 1950 erhielt Emil Geiger, der junge Kandidat der Allgemeinen Wählerpartei, nur 12 von den 21 Stimmen. Die Unabhängigen hatten geschlossen für Hinteregger gestimmt. Emil Geiger gehörte einer alten Wolfurter Sippe an. Ihr Stammvater Sebastian Geiger hatte schon 1666 aus Alberschwende nach Wolfurt geheiratet. Nun lebte die Familie Adolf Geiger im Röhle und betrieb dort eine kleine Landwirtschaft. Die Mutter Theresia war eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Von den neun Kindern war Emil das älteste. Im Krieg war er 1943 in Tunesien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten. Nach langen Arbeitseinsätzen in den USA wurde er erst 1946 in die Heimat entlassen. Hier hatte er dann eine Stelle als Angestellter im Landesdienst gefunden. Eine Flut von Arbeit wartete nun auf den jungen Bürgermeister. Das Wasserwerk nahm konkrete Formen an. Die Arbeiten für das Pumpwerk im Schulhof, die Rohrleitungen und den Hochbehälter auf dem Bühel über der alten Bucherstraße wurden 17 vergeben. Schon im Juli 1951 ging das erste Teilstück des Werkes in Betrieb und versorgte 130 Häuser. Nun schloß die Gemeinde auch das alte Rickenbacher Netz an. Eine rege Bautätigkeit hatte eingesetzt. Die Siedlungen weiteten sich in die Felder hinab und auf die Bühel hinauf aus. Der Bürgermeister ließ ein neues Häuserverzeichnis erstellen. Das letzte (D) aus dem Jahre 1900 hatte die damals 290 Häuser fein säuberlich von der Höll an der Ach bis in den Schlatt an der Schwarzacher Grenze aufgereiht. Dazu waren aber in den 50 Jahren bis 1950 in der ganzen Gemeinde verstreut weitere 130 Hausnummern vergeben worden. Für Orts-Unkundige und oft auch für Einheimische waren sie meist nur mehr mit Hilfe der Parzellennamen zu finden. In der Gemeindekanzlei häuften sich weitere Ansuchen um Baugenehmigungen, Grundtrennungen und Zufahrtswege. Auch die Schule mußte saniert werden. Das dunkle hölzerne Stiegenhaus und vor allem die stinkenden alten Abortanlagen erregten berechtigte Kritik. In die Neuplanung wurde eine Vergrößerung der Kanzlei mit einbezogen. Ganz überraschend legte da Bürgermeister Geiger Ende April 1952 nach nur zweijähriger Amtsführung ein Rücktritts-Schreiben vor. Hauptgrund war seine Absicht, sich in Bregenz zu verehelichen und dort wieder in den Landesdienst einzutreten. Er berücksichtigte aber wohl auch, daß sein Bruder August Geiger die ausgeschriebene Stelle als Gemeindesekretär im April 1952 angetreten hatte. So stellten sich keine Fragen der Befangenheit. Der junge Alt-Bürgermeister Emil Geiger hatte später mit seiner Frau Hedwig Schönherr in Bregenz sechs Kinder. Viele Jahre lang arbeitete er in leitender Stellung bei der Hypothekenbank. Mit Wolfurt blieb er immer eng verbunden. großes Stiegenhaus mit modernen WCAnlagen angebaut. Daneben konnten das Gemeindeamt erweitert und endlich ein schönes Sitzungszimmer für die Gemeindevertretung geschaffen werden. Einfache Dusch-Anlagen im Keller erlaubten den meisten Schülern einen ersten Kontakt mit neuzeitlicher Hygiene. Das übergroße Stiegenhaus sollte den Anbau neuer Klassen ermöglichen, denn obwohl die Schülerzahl noch bis zu einem Tiefststand von 269 im Jahre 1954 am Sinken war, erkannte der Bürgermeister aus den Geburtenzahlen, daß sich das bald ändern würde. Im Jahre 1954 erhielt die Schule in Josef Heinzle einen neuen Leiter. An den Gemeindegrenzen hatte Bürgermeister Gunz Tafeln aufstellen lassen, die die Einwohnerzahl von Wolfurt mit 2400 angaben. Offiziell waren es bei der VolksBild 11: Bürgermeister Alfons Gunz 21. Alfons Gunz 1952-1957 Geb. 14.7.1899, gest. 19.6.1969 Schon seit 1929 hatte der Rickenbacher Mühlenbesitzer der Gemeindevertretung angehört. 1931 war er als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Kreuzwirts und als Vertreter für Rickenbach zum Gemeinderat gewählt worden. Seither hatte er diese Funktion mit Ausnahme der sieben Jahre Nationalsozialismus ununterbrochen ausgeübt. Vom Ersten Gemeinderat rückte er nun nach dem Rücktritt des Vorgängers zum Bürgermeister auf und wurde als solcher bei der Neuwahl im August 1952 einstimmig bestätigt. Die Familie Gunz stammt aus Bildstein-Staudach. Von dort war Josef Gunz 1853 nach Rickenbach gekommen und hatte im Tobel einen neuen Müllerbetrieb angefangen. Von seinen tüchtigen Söhnen hatte Plazidus Gunz eine große Mühlen-Filiale in Bludenz aufgebaut. Dessen Sohn Alfons war aus Bludenz nach Wolfurt zurückgekehrt und hatte hier die Leitung des Stamm-Werkes übernommen. Die Wolfurter GunzMühle ist später im Jahre 1978 abgebrannt. Mit seinem unternehmerischen Denken versuchte der neue Bürgermeister, in dem konservativen Wolfurt einiges zu verändern. Zuerst wurde an das alte Schulhaus ein zählung 1952 bereits 2455 gewesen. Der Ausbau des Wasserwerks wurde mit Nachdruck fortgesetzt. Am 12. Juli 1953 konnte es eingeweiht und mit einem großen Volksfest eröffnet werden. Die Gemeinde übernahm jetzt auch die beiden alten Brunnen im Dorf in ihre Obhut. Die beiden Brunnen in Strohdorf und Hub wurden weiter von den dortigen Brunnen-Genossenschaften betreut. Überall wuchsen neue Einfamilienhäuser aus dem Boden, oft von den zukünftigen Bewohnern in harter Arbeit am Feierabend und an Samstagen eigenhändig gebaut. 1952 vergab der Bürgermeister die letzte D-Hausnummer 446 ganz oben beim Hochbehälter. Die 32 Häuser des Jahres 1953 bekamen vorerst keine Nummern mehr. Zum 1. Jänner 1954 stellte die Gemeinde auf Straßenbezeichnungen um. Viele alte Flurnamen blieben darin erhalten, andere gerieten seither in Vergessenheit. Zu den ganz neuen Problemen zählten jetzt Kanalisierung und Müll-Abfuhr. 1956 wurde der erste große Kanal durch die Bützestraße und die Lauteracherstraße zu einem mit Lauterach geplanten Klärwerk im Ried gebaut. Anschließend wurden beide Straßen asphaltiert - als erste nach der "oberen" Straße von 1931! Gar nicht leicht waren die Wolfurter zur Einführung von Müllkübeln zu bewegen. Ab 1957 begann die Gemeinde aber doch, die großen Tümpel im Flotzbacher Lehmloch mit Haushaltsmüll aufzufüllen. Mit Dr. Lothar Schneider kam 1956 ein neuer Gemeindearzt nach Wolfurt. Vom großen bisherigen Sanitätssprengel Wolfurt waren Schwarzach und Bildstein abgetrennt 19 18 Bild 12: Erster Kanal 1955 in der Bütze tödlich. In der schwierigen Situation kam die Idee auf, den nicht der Gemeindevertretung angehörenden pensionierten Postmeister Julius Amann zum Bürgermeister zu wählen. Es bedurfte vieler Vorsprachen, bis das Land seine Genehmigung für dessen vorerst nur provisorische Amtsführung gab. Inzwischen leitete der zurückgetretene Bürgermeister Gunz noch die meisten Sitzungen, darunter auch die FestSitzung vom 18. Jänner 1957, in welcher Prof. Dr. Lorenz Böhler zum Ehrenbürger ernannt wurde. Am 1. März 1957 wurde dann Amann gewählt. Gunz verblieb als einfacher Gemeindevertreter bis 1960 und als Ersatzmann sogar noch bis 1965. Jetzt widmete er sich ganz seiner Familie und seiner Firma Mühle-Gunz. Von seinen drei Kindern arbeitete die Tochter Gertrud später ebenfalls viele Jahre in der Gemeindevertretung mit. 22. Julius Amann 1957-1960 Bild 13: Sanierte Schule und Spritzenturm 1958 Geb. 22.7.1888, gest. 9.5.1971 Auf ungewöhnliche Art hatte also der allseits sehr beliebte Postmeister Amann, der schon bisher Standesbeamter gewesen war, noch im Alter von 69 Jahren die Bürde des Bürgermeisteramtes auf sich genommen. Amann stammte aus Rankweil und war nach vielen Dienstjahren bei der Post in Hohenweiler 1925 nach Wolfurt gekommen, weil dem Postmeister hier in der "Post" eine Wohnung für seine große Familie zur Verfügung stand. Das Haus gehörte der Gemeinde. Amanns bewohnten den ersten Stock über dem ebenerdigen Postamt. Den zweiten Stock hatten die Krankenschwestern für sich. Zur Familie Amann zählten neben Vater Julius und Mutter Hedwig, geborene Feurle aus Krumbach, neun jetzt schon erwachsene Kinder, eine Tochter und acht Söhne. Von den Söhnen waren Karl und Erich im Krieg gefallen. Die meisten anderen hatten Wolfurt verlassen. Die Tochter Erna hatte mit dem Nachbarn Edelbert Köb eine Familie in Bludenz gegründet. Ihr Sohn Edelbert ist später Mitbegründer und erster Leiter des Kunsthauses Bregenz geworden. In seiner Freizeit war Amann Schütze und Jäger. Viele ehemalige Schüler erinnern sich noch an die großen Käfige hinter dem Bild 14: Bürgermeister Julius Amann 21 worden. In die Volksschule schulten über 50 Erstkläßler ein. Ab jetzt mußten Parallelklassen geführt werden. Bei den GV-Wahlen von 1955 hatte die ÖVP zum ersten Mal unter diesem Namen kandidiert und 15 von den jetzt 24 Mandaten erhalten. Die Unabhängigen bekamen 6, die SPÖ 3 Mandate. Eines dieser drei besetzte als erste Frau in der Wolfurter Gemeindestube Anna Fischer (Stöoglars). Innerhalb der ÖVP hatten die Wähler stark umgereiht Die "alten" waren zurückgefallen, junge "Studierte" machten ihnen die Plätze streitig. Trotzdem war Alfons Gunz noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden. In der Folgezeit kam es aber zu vielen Reibereien innerhalb seiner Fraktion. Am 1. Oktober 1956 legte Gunz deshalb sein Amt nieder. Der junge Erste Gemeinderat Dr. Georg Herburger sollte sein Nachfolger werden. Am gleichen Tage verunglückte dieser aber auf der Heimfahrt aus Deutschland zur entscheidenden Sitzung 20 Rankweil. Nach dem Tod seiner Frau Hedwig betreute ihn Frau Paulina Gorbach aus Wolfurt noch viele Jahre lang. In seinem Geburtsort Rankweil ist Julius Amann 1971 gestorben und unter großer Anteilnahme der Wolfurter Bevölkerung begraben worden. 23. Hubert Waibel 1960-1985 Geb. 6.11.1922, wohnt in Wolfurt-Kella Die Vorbereitung der GV-Wahlen von 1960 führte zunächst zu Auseinandersetzungen innerhalb der Wolfurter ÖVP Man suchte einen jungen dynamischen Spitzenkandidaten und stieß dabei auf den 38jährigen Hubert Waibel. Dieser stellte sich der ÖVP als Quereinsteiger zur Verfügung und errang mit ihr auf Anhieb 16 der 24 GV-Mandate. Als Vizebürgermeister stand Hubert Mohr an seiner Seite. Die beiden ersten Ehrenbürger: Bild 15: Pfarrer Joh. Gg. Sieber 1901 Bild 17: Bürgermeister Hubert Waibel Bild 16: Prof. Dr. Lorenz Böhler 1957 Garten der Post, wo er gefangene Marder hielt. Nun tauschte er also das freie Jägerleben im Interesse der Dorfgemeinschaft gegen ein zermürbendes Kanzlei-Dasein ein. Am meisten beschäftigten ihn die vielen Bauverhandlungen für immer noch mehr Einfamilienhäuser. Um 35 Prozent stieg die Bevölkerung in diesem Jahrzehnt auf 3391 im Jahre 1961. Jetzt zwangen die vielen Schulkinder im Jahre 1958 die Gemeinde zum Anbau von vier Klassen an das neue Stiegenhaus. Am 3. Mai 1959 wurde die "Heimkehrer-Siedlung" im Neudorf eingeweiht. Im Juni 1957 hatte Bürgermeister Amann an Dr. Böhler die Ehrenbürger-Urkunde überreicht. Böhler war nach Pfarrer Sieber im Jahre 1901 erst der zweite Wolfurter Ehrenbürger. Der weltberühmte Unfall-Chirurg hat später für die Wolfurter Schüler den begehrten Böhler-Preis gestiftet. Im September 1957 kam Gebhard Willi, der bisherige Kaplan von Egg, vorerst als Pfarr-Provisor nach Wolfurt. Eineinhalb Jahre leitete Amann seine Gemeinde "provisorisch". Ein eigens vom Landtag beschlossenens Gesetz ermöglichte am 21. September 1958 eine Volksabstimmung über ihn. Von 91 Prozent der Wähler erhielt er Zustimmung. Damit war er der erste und einzige Volkswahl-Bürgermeister in Vorarlberg geworden. Amann dürfte erleichtert gewesen sein, als er bei den Wahlen von 1960 sein Amt wieder zurücklegen konnte. Bald danach übersiedelte er in sein Elternhaus nach 22 Beide sahen in einer völligen Umstrukturierung der Gemeinde ihre wichtigste Aufgabe. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft und der Erschließung der dadurch frei gewordenen Baugründe war Wolfurt eine finanzschwache Zuzugs- und Wohn-Gemeinde geworden. Schon konnte die Schule die Schulkinder nicht mehr fassen. Eine unglaubliche Geburtenrate von 31,6 auf Tausend (1960: 105 Geburten bei 3391 Einwohnern!) deutete auf eine kommende Bevölkerungs-Explosion hin.'' Daraus mußten gewaltige Ausgaben im Straßen-, Wasser-, Kanal-, Schul- und Siedlungsbau erwachsen. Das würde die Wolfurter Finanzen ganz sicher überfordern! Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Wolfurt pendelten in die Nachbargemeinden aus. Große Busse voll wurden täglich in die Dornbirner Fabriken geholt. Nur wenig vom SteuerErtrag der andernorts wachsenden Industrie floß in die Gemeindekasse. Schon in seinem ersten Jahr als Bürgermeister gelang es Hubert Waibel. mit Pawag und Roylon zwei große Firmen auf den Achwuhr-Gründen anzusiedeln. Damit leitete er, unterstützt von der Expansion der Rickenbacher Firma Doppelmayr, für Wolfurt den Weg zur Industrie-Gemeinde ein. 25 Jahre lang hat er mit der Ansiedlung weiterer Betriebe konsequent diese Richtung beibehalten. Die steigenden Steuer-Einnahmen machten Wolfurt zu einer finanzstarken Gemeinde und erlaubten schließlich große Investitionen für Gemeinde, Schulen und Vereine. Als "Architekt des modernen Wolfurt" hat später sein Nachfolger den Bürgermeister Hubert Waibel bezeichnet. 23 Neben der Ansiedlung von Betrieben mußten ständig Schulen gebaut werden. Zwei Jahrzehnte lang wurde dafür jeweils ein Drittel des Gemeinde-Budgets bereit gestellt: 1962 Hauptschule mit Turnhalle 1967 Volksschule Bütze mit Kindergarten 1971 neue Hauptschule mit zweiter Turnhalle 1976 Volksschule Mähdle mit Kindergarten 1984 Hofsteig-Sporthalle zur Hauptschule. Gegen großen Widerstand der Behörden hatte Wolfurt 1961 die Errichtung einer Hauptschule durchgesetzt. Unter Direktor Hans Vogl wurden hier bald auch die Schüler aus Buch, Bildstein und Schwarzach unterrichtet. Bei der Hauptschule wurde ab 1964 ein Kindergarten geführt, erstmals wieder seit der NS-Zeit. Ab 1965 baute hier Direktor Aldo Kremmel sogar eine Musikschule auf, die allererste in einer Vorarlberger Landgemeinde. Eine besonders wichtige Entscheidung war der 1964 erfolgte Ausbau der "unteren" Straße zur Hauptdurchzugsstraße. Mit dem Aushub wurde das früher als Müll-Deponie verwendete Vorland der Ach so saniert, daß später dort ein großer Kinderspielplatz und der Bauhof Platz fanden. Die Wahlen von 1965 bestätigten den neuen Kurs eindrucksvoll mit 19(!) von 24 Mandaten für die ÖVP. Für die neuen Strukturen war der Bau eines eigenen Gemeindehauses notwendig geworden. 1967 konnten das Rathaus und das angebaute Postamt bezogen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Totenkapelle eingeweiht, ein sichtbares Zeichen für die vielen inneren Veränderungen im Leben der Gemeinde.10 1972 folgte der Neubau eines großen Feuerwehrhauses. Alle die vielen Wolfurter Vereine konnten jetzt großzügig gefördert werden. Die Schützen bezogen 1975 ihren schönen Schießstand an der Ach, der Alpenverein 1980 seine "Alte Schmiede" im Holz. Turner, Ringer und Fußballklub erhielten neue Trainingsstätten. Als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde wurde das Vereinshaus mehrmals verbessert. An der Ach, an der Lerchenstraße, am Martinsweg, im Kessel, auf dem Rebberg und an der neuen Bildsteiner Straße entstanden große Siedlungen, zum Teil mit Wohnblocks und Hochhäusern. Die Gendarmerieposten von Kennelbach und Schwarzach wurden 1977 mit dem neu errichteten Posten Wolfurt vereinigt. 1979 konnte das Seniorenheim an der Lauteracher Straße eröffnet werden. Jahrhunderte lang hatte die Gemeinde mit wenigen Versorgungsplätzen im "Leprosenhaus" in Bregenz das Auslangen gefunden. Die Veränderung der Familienstruktur, die Abkehr von der bäuerlichen Großfamilie, machte die Betreuung der alten Menschen zu einer ständig wachsenden Aufgabe. Alle diese vielen Veränderungen wurden aber von zwei Jahrhundert-Problemen in den Schatten gestellt, von Güterbahnhof und Autobahn. Mehr als zehn Jahre lang beschäftigten sie den Bürgermeister und die Gemeindevertretung. Die unterschiedlichen Planungen rissen Klüfte vor allem gegenüber Bregenz 24 Bild 18: Der Güterbahnhof 1993. Gewaltige Gleisanlagen beanspruchen riesige Flächen und Hard auf, sie entzweiten aber auch die Gemeindebürger., Mit dem neuen Flächenwidmungsplan hätte eine "Dörfer-Straße" den Durchzugsverkehr von Schwarzach, Lauterach und Wolfurt aufnehmen sollen. Der lange Kampf gegen die Autobahn ging trotz Vorsprachen in Wien und Demonstrationen verloren. Jetzt mußte für ihr breites Band eine ganze Reihe von neuen Häusern abgebrochen werden. Immerhin hatte Wolfurt den Bau von Schutzdämmen und Verbindungsbrücken erreicht. Im Jahre 1980 wurde die Autobahn durch den Pfänder-Tunnel und durch Wolfurt in Betrieb genommen. Das Abgehen von einer Schweiz-nahen Trasse und der Verzicht auf die Dörferstraße hatten schwerwiegende Folgen. Bregenz und Hard und der internationale Verkehr rufen seither nach einer Transit-Autobahn in die Schweiz. Jn Wolfurt und in Lauterach sind viele Wohnungen an den Hauptstraßen verödet. Die Auslagerung des Bregenzer Güterbahnhofs brachte einen schmerzhaft großen Eingriff in das kostbare Wolfurter Ried mit sich. In zwölfjähriger Bauzeit wurde von 1970 bis 1982 mit ungeheurem Kostenaufwand der größte Güterbahnhof West-Österreichs errichtet. Die Eröffnung nahm 1982 Bundeskanzler Bruno Kreisky vor. Beim Güterbahnhof und seinen Container-Kranen siedelten sich u.a. das zentrale UmleitePostamt für Vorarlberg, ein Groß-Zollamt und zahlreiche Speditionen an. Das anschließende Gewerbegebiet stärkt mit zahlreichen Arbeitsplätzen die Wirtschaftskraft der Gemeinde. Die überregionale Bedeutung des Güterbahnhofs war ausschlaggebend dafür, daß Wolfurt über Antrag von Bürgermeister Waibel ab 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erklärt wurde. Bei den zahlreichen Festen und Ausstellungen zu diesem Anlaß gelang es dem Bürgermeister durch seinen persönlichen Einsatz, eine Kopie des von Legenden umwobenen "Wolfurter Kelchs" von 1365, der im Schweizer Staatsschatz 25 Bild 19: Markterhebung! Die Urkunde zum 1. Mai 1982 aufbewahrt wird, zu erwerben. Nachhaltig hat er damit das Geschichtsbewußtsein von Wolfurt beeinflußt. Auf kulturellem Gebiet dürfen der Neubau des Kultursaals und der Bücherei 1982 nicht vergessen werden. Auch der Bau des 1985 eröffneten Pfarrheimes war von der Gemeinde maßgeblich unterstützt worden. Unter Mitverantwortung von Gemeinderat Pompl wurde das Wasserwerk mit einem modernen Pumpwerk an der Wälderstraße und einem riesigen Hochbehälter im Frickenesch völlig erneuert und 1983 eingeweiht. Längst hatte die Kanalisierung zu einer gemeinsamen Groß-Abwasserreinigungsanlage mit Lauterach und Hard in Hard geführt, an welche sich später noch andere Gemeinden des unteren Rheintals anschlossen. Eine Krönung für des Bürgermeisters erfolgreiche Arbeit für die Sportvereine war die 1984 erfolgte Eröffnung der Hofsteig-Sporthalle, die seither bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen unserer Gemeinde viel Anerkennung eingetragen hat. Daß Hubert Waibel auch Rückhalt bei anderen Vereinen hatte, zeigen seine Obmannschaft bei Gesangsverein und Kneippverein. Bei der Feuerwehr wurde er Ehrenmitglied und von den Schützen erhielt er die Goldene Ehrennadel. Aber natürlich hatte der Bürgermeister bei seinen vielen Aktivitäten auch Kritiker, vor allem solche in der eigenen Partei. Manchen aus den konservativen Reihen ging das Wachstum zu schnell. 26 Sehr häufig wechselten die Vizebürgermeister, einige davon wurden durch Krankheit oder plötzlichen Tod abberufen. Weil die insgesamt sieben Vizebürgermeister an seiner Seite auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Gemeinde hatten, seien hier wenigstens ihre Namen festgehalten: Hubert Mohr ab 1960, Dr. Adolf Schwärzler ab 1962, Dr. Richard Hinteregger ab 1963, Otto Gratt ab 1970, Dr. Gerhard Hammer ab 1975, Heinrich Beuchert ab 1980 und Helmut Schertler 1983 bis 1990. Schon 1966 hatte die Gemeinde den neu geschaffenen Ehrenring an die beiden Krankenschwestern Sr. Epiphania (Härle) uns Sr. Theodora (König) verliehen. Beide hatten viele Jahre lang Kranke und Sterbende betreut. 1976 erhielt mit Hubert Mohr ein Gemeindemandatar mit vielerlei Verdiensten um die Dorfgemeinschaft den Ring. Schließlich wurde er 1983 auch an Pfarrer Gerbhard Willi für sein langjähriges Wirken in Wolfurt vergeben. Als Waibel 1985 seine fünfte Periode als Bürgermeister abschloß, hatte er dieses Amt 25 Jahre und damit weitaus am längsten innegehabt. Darüber hinaus hatte er von 1964 bis 1984 zwanzig Jahre lang erfolgreich im Landtag mitgewirkt, davon ab 1974 als Obmann des wichtigen Rechtsausschusses. Das Land zeichnete ihn mit dem Silbernen Ehrenzeichen aus. Ab 1970 war Waibel Vizepräsident und ab 1974 Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes. Der Verband erkannte seine Arbeit 1985 mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten an. Auch als Delegierter zum Österreichischen Gemeindebund in Wien hatte Waibel viele Jahre lang erfolgreich die Interessen der Gemeinden vertreten. Das würdigte der Gemeindebund 1986 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Kein Wolfurter hat je so hohe politische Funktionen ausgeübt, keiner mußte je solche Verantwortung in einer sprunghaft wachsenden Gemeinde tragen. Im Jahre 1960 hatte er ein Bauerndorf mit 3391 Einwohnern übernommen. In den zehn Jahren bis zur Volkszählung 1971 stieg die Zahl auf 5732. Das war mit unglaublichen 69(!) Prozent der allerhöchste Zuwachs in ganz Vorarlberg gewesen, der erst durch "Pillenknick" und "Ölschock" um 1970 deutlich abflachte. Im Jahre 1985 konnte der Bürgermeister an seinen Nachfolger eine blühende Marktgemeinde mit 6600 Einwohnern übergeben, dazu noch beachtliche finanzielle Rücklagen zur Lösung weiterer Aufgaben. Stets hatte der Sparmeister ja das Notwendige und das Nützliche im Auge gehabt, das "Angenehme" dagegen erst auf den dritten Platz gereiht. So waren zum Beispiel mustergültig mit modernsten Lehrmitteln ausgestattete Schulen entstanden, zum Eislaufen und ins Hallenbad führte man die Schüler dagegen in die benachbarten Städte. Für seine Verdienste ernannte die Gemeindevertretung Hubert Waibel zum Ehrenbürger der Marktgemeinde. Am 26. Oktober 1992 überreichte Bürgermeister Erwin Mohr dem "Architekten des modernen Wolfurt" die Urkunde. Zu hohen Ehren hatte es der Sohn aus einer einfachen Familie gebracht. Sein Vater Johann Waibel stammte aus Ebnit und war mit einigen Geschwistern nach dem Ersten Weltkrieg nach Wolfurt zugezogen. Hier hatte er Wilhelmine Müller, Seogars 27 aus Rickenbach, geheiratet. Sechs Kinder wurden ihnen geboren, von denen Hubert das älteste war. In der Not der Zwischenkriegszeit wuchsen sie in bescheidenen Verhältnissen in verschiedenen Mietwohnungen auf. Auf den Besuch der Handelsschule in Lustenau folgten für Hubert bald Kriegseinsatz und Gefangenschaft. Nach einer Anstellung im Büro der Stickereifirma Franz Mäser in Dornbirn übernahm er die Kaufmännische Leitung der Mohren-Brauerei. Von dort holte ihn die Gemeinde Wolfurt als Bürgermeister. Im Sommer 1954 hatte er Inge Jordan aus Dornbirn geheiratet und bald mit ihr sein Einfamilienhaus im Kella bezogen. Fünf Töchter sind dort aufgewachsen. Der rüstige Großvater lebt aber keineswegs im "Ruhestand". Als Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirats kümmert er sich um die Anliegen der alten Leute. Seine Fahrten nach Wien lassen sich jetzt aber auch manchmal mit Besuchen in Oper oder Theater verbinden. Dazwischen führt ihn sein lange Zeit unterdrücktes Fernweh auf KulturReisen in die weite Welt hinaus. 24. Erwin Mohr seit 1985 Geb. 25.6.1947 Die anhaltente Expansion der letzten Jahrzehnte hatte auch ihre Schattenseiten. Straßen- und Siedlungsbau hatten viel Boden gefordert, der Verkehr war zur Belastung geworden. Viele Bäche und Brunnen waren verschwunden. Waldsterben und Wasserverschmutzung schreckten die Menschen auf. An vielen Orten entstanden Bürgerbewegungen, die sich vor allem gegen neue Straßen und den Massenverkehr wehrten. Zur GV-Wahl von 1985 suchten die Verantwortlichen daher einen Kandidaten, der dieser Entwicklung Rechnung tragen sollte. Im 38jährigen Erwin Mohr fanden sie einen tatkräftigen Mann, dem sie das schwere Amt anvertrauen wollten. Wieder sollte ein Quereinsteiger die Gemeinde führen. Mit 19 von 27 Mandaten erhielt die stark verjüngte ÖVP in Wolfurt wieder ihre frühere Zweidrittel-Mehrheit. Die vom Gegenkandidaten Gemeinderat Pompl angeführte SPÖ errang mit 7 Sitzen ihr bisher bestes Ergebnis. Dagegen fiel die FPÖ auf ein einziges Mandat zurück. In den folgenden Jahren konnte Bürgermeister Mohr die Hoffnungen der Wolfurter Wähler so weit erfüllen, daß er mit seiner Partei 1990 sogar noch auf 20 Mandate zulegen konnte und auch später ähnlich hohe Ergebnisse erreichte. Erwin Mohr war als ältestes von sechs Kindern der Eheleute Siegfried Mohr und Elsa Klocker in Wolfurt-Hub aufgewachsen. Sowohl die Mohr als auch die Klocker sind alte Dornbirner Geschlechter, deren Nachkommen seit 1700 in Wolfurt seßhaft sind und sich hier in zahlreiche Linien aufgespaltet haben. Nach dem Besuch der Handelsschule in Bregenz trat der 16jährige Erwin in die "Erste Allgemeine VersicherangsA.G." in Bregenz ein und arbeitete dort 21 Jahre lang im Innen- und im Außendienst. Daneben leitete er zusammen mit seiner Mutter Elsa zehn Jahre lang die Aral-Tankstelle in Wolfurt-Schlatt. 1979 heiratete er Albine De Gasperi aus Dornbirn und be28 zog mit ihr wenige Jahre später das neu erbaute Einfamilienhaus an der Unterhubstraße. Dort wachsen jetzt die drei Söhne heran. Im Jahre 1985 übernahm Erwin Mohr also von Hubert Waibel das Bürgermeisteramt. Im gleichen Jahr ergaben sich in Wolfurt noch andere wichtige Wechsel. In der Pfarrei folgte nach 28 Jahren auf Pfarrer Gebhard Willi der bisherige Kaplan German Amann. Nach 29 Jahren verdienstvollen Wirkens überließ der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider die Ordination seinem Sohn Dr. Gerold Schneider. Schließlich übergab auch noch Dir. Hans Vogl die Leitung der Hauptschule, die er 24 Jahre lang innegehabt hatte, an Siegfried Heim. Ein Jahr später übernahm 1986 Dr. Sylv Schneider von August Geiger das Amt des Gemeindesekretärs, das dieser seit 1952 ausgeübt hatte. Bild 20: Bürgermeister Erwin Mohr Schon das erste Konzept des neuen Bürgermeisters ließ aufhorchen. Es enthielt neben der Fortsetzung des erfolgreichen bisherigen Kurses neue zusätzliche Ziele: "Grundreserven sparen", "Ortskern-Gestaltung", "Wander- und Radwege", "FreizeitBewältigung" und andere. Natürlich mußten weiterhin zahlreiche Häuser gebaut werden. Der neue Trend zur Klein- und Einpersonen-Familie erhöhte den Bedarf und ließ schließlich sogar weitere Groß-Siedlungen an der Unterlinden- und an der Fattstraße entstehen. Die Einwohnerzahl stieg aber nur mehr langsam auf 7326 im Jahre 1991 und auf 7864 im Jahre 2001 an. Jetzt war Wolfurt von der Nachbargemeinde Lauterach, die 1971 noch hinter Wolfurt gelegen war, um mehr als 800 Personen überholt worden. Auch der Zuzug von fremdsprachigen Gastarbeiter-Familien aus Jugoslawien und der Türkei hatte nachgelassen. Immerhin hatten sie eine Zeit lang mit fast 20 Prozent der Wohnbevölkerung den Schulen besondere Aufgaben gestellt. Zahlreiche neue Betriebe ließen sich nieder. Das Straßennetz wurde nur mehr behutsam erweitert, an manchen Stellen sogar zugunsten von Radfahrern und Fußgängern zurückgebaut. Mit hohem Einsatz bekämpfte Bürgermeister Mohr unermüdlich die drohende Auto-Transitstraße S 18 durch das Ried. Er diskutierte mit den GemeindeVerantwortlichen die Umwelt-Empfehlungen des "Club of Rome" und die Auswirkungen der Tschernobyl-Atomkatastrophe von 1986. 29 Bild21:Der Cubus. Der neue Festsaal von 1998 Bild 22: Der Dorfbrunnen von 1999 Im Informationsdienst der Gemeinde häuften sich jetzt Artikel über Einsparung von Rohstoffen und Energie, Müll-Trennung, Solar-Anlagen, Ozonloch, Waldwoche, Tag des Wassers und ähnliche Anliegen. Große Unterstützung fanden die Bemühungen der "3. Welf'-Gruppe. Sie führten sogar zu einer Partnerschaft mit dem Ort Yerya in Uganda und zu gegenseitigen Besuchen. Zur besseren medizinischen Versorgung ließen sich neben den drei praktischen Ärzten auch drei Fachärzte nieder. Drei neue Kindergärten und mehrere neue Spielplätze wurden gebaut. Weil immer mehr Mütter einem Beruf nachgehen, wurden jetzt auch Spielgruppen für Kleinkinder eingerichtet. Die Altersstruktur der Gemeindebürger veränderte sich nachhaltig. Immer mehr Leute erreichen ein immer höheres Alter. Für viele betagte Mitbürger ist seit 1996 der "Rollende Essenstisch" eine wichtige Erleichterung. Das Seniorenheim wurde durch einen Erweiterungsbau 1993 beträchtlich vergrößert und hat nun 52 Betten. Seit 1987 finden Behinderte in der "Beschützenden Werkstätte" im ehemaligen Textilhaus Rohner Unterkunft und Betreuung. 1989 wurde auf Bühel-Terrassen ein dritter Friedhof angelegt. Einen schwierigen Kampf hatte die Gemeinde gegen das Vordringen von Super-Märkten geführt, besonders gegen den Bau eines riesigen Einkaufsparks im Ried. Statt dessen wurden der einheimische Einzelhandel unterstützt und eine ganze Anzahl von Handelsgeschäften neu angesiedelt. Im Kirchdorf wurde auf dem Dach einer Tiefgarage der "Rote Platz" gestaltet, auf welchem seit 1997 wöchentlich ein Markttag abgehalten wird. Die mühsame Sanierung des alten vernachlässigten Dorfkerns am Fuß der Kirche kam Schritt für Schritt voran. 1994 wurde mit dem "Alten Schwanen" das älteste Gasthaus am Dorfplatz wieder belebt. Seit 1999 sprudelt sogar der aus dem Jahre 1517 stammende Dorfbrunnen wieder Wasser. Der große Ippach-Wald wurde durch den Einsatz von Alt-Vizebürgermeister Helmut Schertler mit neuen Waldstraßen erschlossen, die auch als Wanderwege geschätzt werden. 30 Mit dem "Cubus" eröffnete die Gemeinde 1998 einen großen Festsaal, der dem kulturellen Leben Auftrieb gibt und auch von auswärtigen Veranstaltern gerne genutzt wird. Zwanzig Jahre lang war um eine Saal-Lösung gerungen worden. Nun blieb das alte Vereinshaus erhalten, unmittelbar daneben fand der neue Saal Platz. Der zukünftigen Entwicklung des Gemeinde-Zentrums Strohdorf trägt auch der 1990 erfolgte Ankauf des Sternen-Areals Rechnung. Die Marktgemeinde Wolfurt erhielt überregionale Anerkennung mit dem Dorferneuerungspreis 1999 des Landes Vorarlberg und sogar mit dem internationalen Europa-Dorferneuerungspreis 2000. Aus der Fülle weiterer Anerkennungen seien nur genannt: 1991 "Energie sparen" 1994 "Fahrradfreundliche Gemeinde" 1995 und 1998 "Für Schutz des globalen Klimas" 1996 "Menschengerechtes Bauen" 1997 "Familiengerechte Gemeinde". 1999 Sieger im Wettbewerb der Vlbg. Energiespargemeinden An der Seite des Bürgermeisters hatten bei dieser Entwicklung neben einer aufgeschlossenen Gemeindevertretung die Vizebürgermeister Helmut Schertler bis 1990, Xaveria Dür 1990 bis 1998 und Ferde Hammerer ab 1998 maßgeblich mitgewirkt. Xaveria Dür war in Wolfurt die erste Frau als Vizebürgermeisterin. Man darf es wohl als Zeichen des guten Einvernehmens werten, daß 1997 der Ehrenring an zwei ehemalige Vorsitzende der beiden kleinen Parteien verliehen wurde. Theo Pompl von der SPÖ hatte sich vor allem um das Wasserwerk Verdienste erworben. Ernst Kögl von der FPÖ hatte viele Jahre lang den Verkehrsverein geleitet und sich auf verschiedenen Gebieten für Rickenbach eingesetzt. Schon 1992 hatte die Gemeinde zwei geachtete Persönlichkeiten zu ihrem dritten 31 Drei ganz große Probleme sind in den kommenden Jahrzehnten zu bewältigen: die Stärkung der Familie die Fürsorge für die betagten Menschen und die Integration von fremden Zuwanderern. Mit dem Jahr 2000 schließe ich die Berichte über zwei Jahrhunderte Wolfurter Gemeinde-Geschehen ab. Unsere Marktgemeinde kann voll Optimismus in das dritte Jahrtausend gehen. Zwar trägt sie auch ihren Anteil an den Sorgen und Lasten unserer Zeit, aber für die meisten Mitbürger ist sie ein wunderschönes Stück Heimat geblieben oder geworden. Wir schätzen unsere Häuser, die Gärten, die Wiesen und den Wald. Wir sind dankbar, daß es bei uns Arbeit und Verdienst gibt, und freuen uns über den Zusammenhalt in den Familien, Vereinen und in der Gemeinde. 1 2 W., 7.2.1929 Weber, NS-Herrschaft am Land, 1999, S. 216 3 Diese und manche der folgenden Formulierungen stammen aus Akten im GA Wolfurt. 4 5 Dritter und vierter Wolfurter Ehrenbürger: Bild 23: Bürgermeister Hubert Waibel 1992 Bild 24: Senator Dr. Artur Doppelmayr 1992 und vierten Ehrenbürger ernannt: Hubert Waibel erhielt die höchste Gemeinde-Auszeichnung für seine außerordentlichen Verdienste als Langzeit-Bürgermeister. Artur Doppelmayr hatte seinen Schilift-Betrieb zu einer Weltfirma ausgeweitet und damit gute Arbeitsplätze für viele Wolfurter geschaffen. Das neue Gemeindegesetz von 1999 sah für das Jahr 2000 zum ersten Mal Bürgermeister-Direktwahlen vor. Von rund 7600 Gemeindebürgern waren am 2. April 5065 wahlberechtigt. Von 4026 gültigen Stimmen lauteten 3341 auf den nun schon 15 Jahre amtierenden Bürgermeister Erwin Mohr. Mit 83,0 % war das ein überzeugender Vertrauensbeweis. Für Artur Schwarzmann und Andreas Blum als Kandidaten der beiden kleinen Parteien verblieben nur je 8,5 Prozent. Bei den gleichzeitig angesetzten GV-Wahlen erhielt die ÖVP 70,5 Prozent der 3967 gültigen Stimmen und damit 20 von den 27 Mandaten. Die SPÖ bekam mit 15,9 Prozent 4 Mandate und einen Sitz im Gemeinde-Vorstand. Für die neu formierte FPÖ gab es 13,6 Prozent und 3 Mandate. Unter den gewählten Gemeindevertretern befinden sich insgesamt fünf Frauen. Alle diese Frauen und Männer haben also die Verantwortung für die Entwicklung von Wolfurt am Beginn des neuen Jahrhunderts übernommen, für die soziale und wirtschaftliche Sicherheit ebenso wie für unsere Landschaft und für die kulturellen Werte. 32 VV„ 13.6.1938 Heim in Heimat Wolfurt, Heft 3, 1989, S. 32, Der letzte Krieg, und Reis in Heimat Wolfurt, Heft 17, 1996, S. 9, Nachkriegsjahre. 6 Malin-Gesellschaft, Von Herren und Menschen, S. 312 7 Wie 6., S. 334, 364 und 371. 8 Mehr über diese Zeit in Heft 17: Nachkriegsjahre 9 Die Geburtenrate erreichte 1963 mit 33 auf Tausend ihre Rekordmarke: 123 Geburten bei 3904 Einwohnern! 10 Siehe dazu den Bildband von Hubert Mohr, 1994: Wolfurt; Ein Dorf verändert sich 33 Siegfried Heim Siegfried Heim Gemeindewahlen in Wolfurt 1950-2000 Die Roten in Wolfurt Am 1. Mai 1890 sammelten sich in vielen Industriestädten erstmals die Arbeiter mit roten Nelken um ihre roten Fahnen. In einem Festzug demonstrierten sie zu ihrem "Tag der Arbeit". Von jeher war "Rot" als Farbe des Blutes auch die Farbe der Fahne des Sozialismus gewesen. Reich und arm, Prasser und Lazarus, Kapitalistische und Dritte Welt - schreckliche Gegensätze weltweit! Auch wenn wir sie im Wohlfahrtsstaat gemildert sehen. Auch wenn wir den Zusammenbruch des Sowjet-Sozialismus noch vor Augen haben! Seit dem Mittelalter gab es bei uns im Gericht Hofsteig eine vernünftige Frühform des Kommunismus, die sich jahrhundertelang bewährte. In den Dörfern gehörte allen alles gemeinsam. Die Arbeit und die gemeinsame Ernte wurden geteilt, auch Alte und Waisenkinder mitversorgt. Freilich gab es schon eine Oberschicht in den Schlössern und Klöstern, die ihren Anteil einforderte. Als diese Steuerlast in den Notzeiten um 1700 unerträglich groß wurde, wehrten sich die "Gemeinen" in einem Aufruhr dagegen.1 Die "Gemeinen" - wohl die ersten Sozialisten! Denn "sozial" heißt wörtlich "gemeinschaftlich" und "kommunistisch" bedeutet das gleiche. Bis in das 20. Jahrhundert unterschied man die beiden Begriffe nicht. Die Industrialisierung hatte im 19. Jahrhundert die Kluft zwischen Reich und Arm erschreckend weit geöffnet. Karl Marx rief jetzt mit seinem "Kommunistischen Manifest" zu Klassenkampf und Revolution auf. Bei uns im Land gehörten der Dichter Franz Michel Felder und sein Schwager Kaspar Moosbrugger zu den ersten, die sich 1867 mit der Gründung der "Vorarlbergischen Partei der Gleichberechtigung" für die kleinen Bauern und die Arbeiter einsetzten. Mit ihren "Casinos" traten ab 1868 auch die "Schwarzen" auf den Plan. Die Leute um Thurnher, Kohler und den Wolfurter Lehrer Wendelin Rädler2 stürzten in einer sanften Revolution 1870 die Vorherrschaft der kapitalistischen Liberalen im Land. Mit der Verwirklichung ihrer sozialen Ideen sorgten sie dafür, daß seither der Sozialismus in unserem Industrieland nur schwer Fuß fassen kann. In Wien hatte Viktor Adler 1889 die verschiedenen marxistischen Gruppen in der "Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei" (SDAP) zusammengeschlossen. Auch in Vorarlberg gab es damals schon Sozialisten. Aber erst 1899 gelang ihnen die Organisation einer eigenständigen Partei. Diese wurde allerdings fast nur von "Fremdhäßigen" geleitet, von zugewanderten Arbeiterführern, die im konservativen Vorarlberg mit Mißtrauen beobachtet wurden. Nur Hard bildete die große Ausnahme. Schon 1894 waren dort zwei Sozialisten in die Gemeindevertretung gewählt worden, die allerersten in Vorarlberg. Von alteingesessenen Handwerkern und Stickern getragen gründete die SDAP Hard zahlreiche 35 Nach 1929 wurden im Jahre 1950 zum ersten Mal wieder demokratische Gemeindevertretungs-Wahlen durchgeführt, seither regelmäßig alle fünf Jahre. Von den kandidierenden Parteien erreichte die ÖVP, die sich bei der ersten Wahl 1950 noch Allgemeine Wählerschaft genannt hatte, jeweils die absolute Mehrheit an Stimmen und Mandaten. Sie stellte daher auch immer den Bürgermeister. In vergleichbaren Nachbargemeinden war das häufig ganz anders. Offensichtlich waren die Wolfurter Wähler mit der Personal- und Sach-Politik der führenden Partei weitgehend einverstanden! Zweitstärkste Partei war bis 1975 die Unabhängige Wählerschaft, die sich 1965 Bürgerliche Wählerschaft und ab 1970 FPÖ nannte. Dritte Partei war in den ersten Wahlgängen die SPÖ. Sie überholte 1975 die FPÖ und hielt seither den zweiten Platz. Die nur selten kandidierende KPÖ konnte nie ein Mandat erreichen. Beachten Sie bitte bei der folgenden Aufstellung, daß wegen der gestiegenen Einwohnerzahl die Anzahl der Mandate von anfangs 21 schon 1955 auf 24 und 1975 schließlich auf 27 erhöht wurde. Ab einer Einwohnerzahl von 8000 werden vielleicht auch in Wolfurt schon bald 30 Mandate vergeben werden. ÖVP FPÖ SPÖ Zus. 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 13 15 16 «19 16 <19 18 <19 «20 < 19 «20 «7 6 5 3 5 3 3 >I >1 3 3 >1 3 3 2 5 6 «7 6 5 4 21 24 24 24 27 27 27 27 27 27 3 24 34 Vereine. Unter Nationalrat Hermann Hermann wurde sie 1924 die mandatsstärkste Partei. Mit Adolf Kölbl stellte das "rote" Hard 1947 erstmals in Vorarlberg einen sozialistischen Bürgermeister. Ganz anders in Wolfurt! Hier konnte erst 1945 ein einzelner "Roter" in der Gemeindestube Platz nehmen, und auch das nur unter dem Druck der französischen Militärbehörde. Der erste Versuch für eine sozialistische Organisation war in Wolfurt schon 1903 unter den über 200 Italienisch-sprechenden Trentiner Fabriksarbeitern gestartet worden.3 Vergeblich! Pfarrer Nachbauer konnte die meisten, darunter auch viele Sozialdemokraten, in seiner schwarzen "Societa Cattolica Operaia di Wolfurt e Kennelbach" in ein anderes Lager führen. Als ab 1906 das allgemeine und gleiche Wahlrecht für alle Männer - nur für diese! eingeführt worden war, hätten die Roten unter den bisher rechtlosen Wolfurter Fabriksarbeitern sicher auch Chancen gehabt. Es gelang ihnen aber nicht einmal, ein Gastlokal für eine Partei-Versammlung aufzutreiben. Eine solche hätte am Ostermontag 1908 im Adler in Rickenbach stattfinden sollen. Der Adler gehörte damals der Familie Huber von der Mohren-Brauerei in Dornbirn, deren "Mohren" damals das wichtigste Versammlungslokal der Dornbirner Sozialdemokraten war. Zur Versammlung hatte der Landessekretär der SDAP Ertl aus Dornbirn eingeladen. Über Initiative von Pfarrer Nachbauer und des Wolfurter Schulleiters Matthias Wächter, der noch im gleichen Jahr Landessekretär der Christlichsozialen werden sollte, war der Adlersaal schon lange vor Beginn gestopft voll mit schwarzen Wolfurtern. Sie wählten ein Präsidium mit Wachter als Vorsitzendem. Dieser begrenzte durch "einstimmigen" Beschluß die Redezeit auf zwanzig Minuten. Zwar protestierte der rote Sekretär Ertl. Er mußte aber unter dem johlenden Beifall der Anwesenden den Saal verlassen.4 Natürlich berichtete auch die sozialistische "Volkszeitung" in großer Aufmachung über die gescheiterte Versammlung. Hier ein paar Zitate daraus: "...sehr gut besucht, denn die Katholischen wurden vom Pfarrer in die Versammlung kommandiert.... zur Vorsicht haben sie Stecken mitgenommen .... Gelogen hat Herr Wachter, als er pathetisch in den Saal rief, daß auf dem Programm der Sozialdemokraten die freie Liebe stehe und die Männer die Weiber wechseln können, so oft es ihnen paßt ..." 5 Verleumdung also und Wahl-Terror! Ein Jahr später trafen sich die Sozialdemokraten von Bregenz, Lustenau und Dornbirn dann aber doch am 1. Mai 1909 im Adler in Rickenbach. Die Feier wurde von den Arbeitersängern aus Dornbirn festlich umrahmt. In seiner Rede gab Sekretär Ertl seiner Genugtuung Ausdruck, "daß es der Sozialdemokratie trotz des Terrorismus und dem Wirtschaftsboykott der Wolfurter Christlichsozialen gelungen sei, in dieser Gemeinde ein Lokal zu einer Versammlung zu bekommen." 6 Als der Lammwirt Gebhard Fischer 1910 den Adler gekauft hatte, schrieb das Volksblatt: "Hoffentlich wird auf Jahre hinaus diesen Weltverbesserern kein Lokal in Wolfurt mehr offenstehen!" 7 36 Dann aber kam der große Weltkrieg. Für einige Jahre schien der Parteienstreit unwichtig. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Mit Karl Renner stellten die Sozialdemokraten den ersten Kanzler. In Vorarlberg lagen sie aber weiterhin deutlich hinter den Christlichsozialen. Bei den NR-Wahlen vom 16.2.1919 durften zum ersten Mal auch die Frauen wählen. In Wolfurt wurden bei 878 gültigen Stimmen nur 122 (13,9 %) für die SD abgegeben, noch weit weniger als im Vorarlberger Durchschnitt von 21,8%. Der Wahl-Terror hielt an. Zur Vorbereitung der Landtagswahlen vom 27.4.1919 war den Sozialisten wieder jeder Versammlungssaal in Wolfurt verwehrt worden. Da wollten die Genossen Weißmann und Spindler aus Bregenz eine Woche vor der Wahl am Nachmittag des Ostermontag eine Versammlung unter freiem Himmel auf dem Kirchplatz abhalten. Sie sahen sich aber einer von den Christlichsozialen aufgebotenen großen Gruppe von Schulkindern und Jugendlichen gegenüber, die "mit Altarglocken, Kuhschellen, Trompeten, Karfreitagratschen und sonstigen Lärminstrumenten" jede Ansprache unmöglich machten. Als die Redner den Platz verließen, kam von hinten "ein Hagel von Steinen, Pferdemist und anderen Wurfgeschossen". Unter anstachelnden Zurufen der Erwachsenen "Jagt sie nur fort die Sozi!" wurden die Genossen bis zu St. Antone an die Lauteracher Grenze verfolgt. Als einen "Tag der Schande" für das Wolfurter Bürgertum bezeichnete die sozialistische Zeitung solche Vorkommnisse.8 Die GV-Wahlen wurden in Wolfurt vorerst immer mit Einheitslisten durchgeführt, auf denen Sozialisten gar keine Chance hatten. Einige Wolfurter Wahlergebnisse für Nationalrat und Landtag aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, wobei Sozialdemokraten und Kommunisten den übermächtigen Christlichsozialen gegenübergestellt werden. Die teilweise beachtlich großen Splittergruppen bleiben unberücksichtigt: Gültig NR 1919 NR 1920 NR 1923 878 (62,8%) CS SD 551122 (13,9%) KP 0 0 4 (0,4%) andere 205 94 186 830 915 (72,9%) 654 82 667 58 (6,3%) Also eine ständige Abnahme der SD-Stimmen! 37 CS LT 1928 NR 1930 714 702 SD 148 171 KP 0 1 andere .... (darunter NS 9) Nach dem Aufruhr und dem Brand des Justizpalastes 1927 in Wien hatten die SD starken Wählerzuwachs zu verzeichnen und erreichten ihr bisher bestes Ergebnis. CS LT 1932 693 SD 64 KP 40 (darunter NS 208!) Die letzten demokratischen Wahlen in der ersten Republik! Arbeitslosigkeit und Not der Wirtschaftskrise hatten die SD schwer erschüttert. Ihr linker Flügel war zur KP abgewandert, ein viel größerer Teil aber zur nun stark anwachsenden NSDAP. 1933 wurden KP und NSDAP verboten, 1934 auch die SD-Partei. Irrtümlich wurde vom Sicherheitsdirektor auch der Arbeiter-Turnerbund in Wolfurt aufgelöst, der seinen Namen von der Gründung durch den Katholischen Arbeiterverein herleitete. Die Turner mußten neue Statuten beschließen und sich ab jetzt "Turnerbund Wolfurt" nennen. Jede sozialdemokratische Tätigkeit schien erloschen zu sein. Nur wenige der Gesinnungsgenossen, darunter eine Gruppe um Johann Fischer und seine Frau Anna (Stöoglars an der Ach), trafen sich regelmäßig bei einem "Schuhplattler"-Verein in Kennelbach, wo bei als Ausflüge und Brauchtumsabende getarnten Veranstaltungen das Tagesgeschehen diskutiert wurde. Mitglied des sehr populären Vereins war auch Maria Österle, die Mutter des späteren Kommunisten Martin Österle. Dann Nationalsozialismus und Krieg. In Wolfurt ist kein Anzeichen sozialdemokratischen Widerstandes bekannt geworden. In Ansätzen scheint es solchen nur von christlichsozialer Seite und von der kleinen Gruppe der Kommunisten gegeben haben. Bild 25: Schuhplattler 1936 in Kennelbach. Hinter der Brauchtumsgruppe verbarg sich ein verbotener sozialistischer Verein. andere Die Sozial-Demokraten der SPÖ Nach 1945 wählten die Sozialdemokraten für ihre erneuerte Bewegung den Namen Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ). In Wolfurt fehlte ihnen vorerst jegliche Organisation. Im Mai 1945 bildeten daher vier ehemalige Angehörige der Vaterländischen Front zusammen mit einem Kommunisten den ersten provisorischen Gemeindetag. Als Karl Geiger auf Grund der Ergebnisse der Nationalratswahl vom 25. November 1945 sein Mandat zu Gunsten der SPÖ zurücklegte, übernahm Armin Schertler seinen Platz. Die SPÖ hatte landesweit 27 Prozent der Stimmen erhalten, die KPÖ dagegen nur 2,5 Prozent. Es dominierte mit 70 Prozent die ÖVP. Schertler stand der erst nach dem Krieg gebildeten "Widerstandsbewegung" nahe und war ganz bestimmt kein Marxist. 1947 wurden ohne eigene Wahlen Gemeindevertretungen nach den Ergebnissen der NR-Wahl von 1945 gebildet, die SPÖ sollte drei Plätze besetzen. Sie fand aber keine Arbeitervertreter. Neben Gemeinderat Schertler nominierte sie daher den "Wanderlehrer" Anton Gasser (Eulentobel) und den Bauern Kassian Schertler (Röhle). Gasser 39 38
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