19020707_ltb00551902_Finanzausschussbericht_Landesarchivarstelle

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Letzte Änderung 05.07.2021, 12:36
Gemeinde Landtag
Bereich oeffentlich
Schlagworte: ltm_,ltp08,lt1902,ltb0,ltb1902
Dokumentdatum 05.07.2021
Erscheinungsdatum 05.07.2021
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LV, der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtages. VI, Session der 8. Periode 1902. Beilage LV. Bericht des Finanz-Ausschusses betreffend die Frage der (Kreierung einer (andesarchivar-ötelle. Hoßee Lanötugl Der Landes-Ausschuß hat sich dadurch, daß er im Jahre 1898 die Initiative zur Schaffung eines Landesarchiv's ergriffen und die Regierung vermocht hat, jenen Urkundenschatz aus Vorarlberg, welcher schon bestimmt war, das Statthalterei-„Archiv" in Innsbruck noch mehr zu bereichern, unserem Lande zu erhalten, ein wahres Verdienst erworben. Es ist dem Landes Ausschüsse auch gelungen, in der Person des Herrn Viktor Kleiner, Beamter bei der Hypothekenbank, eine für Besorgung des Archivdienstes geeignete Kraft zu gewinnen, über dessen bisherige Leistungen der k. k. Archiv-Direktor und Vorstand des Statthalterei-Archivs in Innsbruck, Professor Dr. M. Mayr sich außerordentlich lobend ausspricht. Professor Mayr findet jedoch, daß die Bestände des Archivs so umfangreich geworden seien, daß deren richtige Verwaltung und Frucht­ barmachung für die historische Forschung, für die Bedürfnisse von Privaten, Gemeinden und Behörden eine volle Arbeitskraft erheischen, er ersucht daher den Landes-Ausschuß, zu veranlassen, daß Herr- Viktor Kleiner seiner Dienstleistung bei der Hypothekenbank enthoben und mit der ausschließlichen Leitung und Verwaltung des Landesarchives betraut werdeAuf diese fachmännische Anregung hat der Landes-Ausschuß in seiner Sitzung vom 21. April d. I. beschlossen, der k. k. Regierung die Geneigtheit auszusprechen, beim hohen Landtage die Creierung der Stelle eines Landesarchivars mit einem Gehalte von 2000 K und die Übertragung derselben an Viktor Kleiner zu vertreten, unter einem aber auch die Bitte an die hohe Regierung zu richten, die Hälfte des Gehaltes von 2000 K aus Staatsmitteln beisteuern zu wollen. Wenn auch auf dieses Gesuch noch keine Erledigung seitens der h. Regierung erfolgt ist, so hat der Landes-Ausschuß doch die Frage der Creierung einer Landesarchivarstelle dem h. Landtage zur Beratung und Beschlußfassung vorgelegt, welcher in der Sitzung vom 27. Juni d. Js. diese Angelegenheit dem Finanzausschnsse zur Berichterstattung und Antragstellung zugewiesen hat. Der Finanzausschuß hat dieser Frage seine volle Aufmerksamkeit geschenkt und sich einstimmig zur Ansicht bekannt, daß die Creierung der Stelle eines Landesarchivars zum Zwecke einer raschen Sichtung, Verwaltung und Fruchtbarmachung aller Schütze des Archivs schon im Interesse tunlichster Ausgestaltung der noch lückenhaften Geschichte unseres Landes wünschenswert wäre. Der vom Landes- 255 LV. der Beilagen zu den stenogr. Protokollen des Vorarlberger Landtages. VL Session der 8. Periode 1902. Ausschüsse vorgeschlagene Gehalt erscheint dem Finanzausschüsse als angemessen und für die Landesfinanzen nicht zu drückend, wenn die h. Regierung resp, der Staat, dessen Archivalien da mitverwaltet werden, die Hälfte des Gehaltes beisteuert. Die Person des Herrn Viktor Kleiner betreffend, ist nach dem ausgezeichneten Zeugnisse, welches ihm vom Archiv-Direktor Professor Mapr ausgestellt wurde, an seiner Qualifikation nicht zu zweifeln, wenn auch Kleiner keine akademische Studien gemacht, also gewissermaßen Autodidakt ist. Herr Kleiner hat jedoch einen Kursus am Statthalterei-Archiv in Innsbruck absolviert, zeigt ungewöhn­ lichen Fleiß und Eifer und scheint die Fähigkeit zu besitzen, sich zu einem vorzüglichen Archivar auszubilden. Er ist von einer gewissen Begeisterung für den archivarischen Beruf getragen, welche durch kein Pflichtbewußtsein völlig ersetzt werden kann. Der Finanzausschuß hat auch den 34 Groß-Folioseiten umfassenden Bericht Kleiner's, betitelt „Das Vorarlberger Landcsarchiv" zur Kenntnis genommen. Dieses klare erschöpfende Expos« verrät ein eingehendes Studium der Geschichte des Archivwesens in Vorarlberg und bietet in seinem zweiten Teil eine Übersicht der voi handelten Archivalien, Perganient-Urkunden, Urbarien, Kopialbücher und Akten verschiedenen Inhaltes. Aus dieser fleißig gearbeiteten, reichhaltigen Übersicht geht allein schon hervor, daß zur Bearbeitung dieses Materiales für die geschichtliche Forschung die volle Tätigkeit eines eigenen Archivars erforderlich ist. Aus diesem Berichte erhellt aber auch, daß die so wertvollen Mehrerauer-Archivalien vom Landesmuseum, in dessen Verwaltung sich dieselben s. Z. befanden, nur unter der Bedingung an das Landesarchiv abgetreten wurden, daß dieser Urkundenschatz, wenn der Mnseumsverein in einem Nenbaue entsprechende Lokalien erstelle, wieder in dessen Verwahrung übergehe. Nach diesem Vor­ behalte wäre nun angesichts des Museums-Neubau, s der Verlust dieses interessantesten Quellenmateriales des Landcsarchivs bald zu befürchten, wenn anders die Regierung, nachdem doch der Staat Eigentümer des Mehrcrauer-Archivs ist, nicht zu Gunsten des Landcsarchivs interveniert. Es ist indessen anzu­ nehmen, daß der Mnseumsverein zu einer Verstüniinclung des Landesarchivs sich nicht berufen fühlen dürfte und auch der Einsicht sich nicht verschließen wird, daß das Musenm in der Tat „andere Auf­ gaben zu erfüllen hat, als die Sammlung, Sichtung und Verwaltung von Archivalien". Nach all' diesen Erwägungen hat der Finanzausschuß einstimmig beschlossen, zu stellen folgende Ä tt i r a $ e: Der hohe Landtag wolle beschließen: „1. Es ist die Stelle eines Landesarchivars mit einem Jahresgehalte von 3000 K zu kreieren, wenn die h. Negierung die Hälfte dieses Gehaltsbetrages aus Staatsmitteln beisteuert. 2. Es ist diese Stelle dem Herrn Viktor Kleiner zu verleihen. 3. Der Landes-Ausschuß wird beauftragt, bei der h. Negierung dahin zu wirken, daß das dem Staate gehörige Mchrerauer Archiv in der Verwaltung des Landesarchivs auch in Zukunft verbleibt". Bregenz, am 7. Juli 1902. I. Nägele, A Ganahl, Obmann. Berichterstatter. Druck von I. 31 Teuri ch, Bregenz. 250