19140519_ltb00481913_Finanzausschussbericht_Ankauf_österreichischerHofes_in_Bregenz

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Letzte Änderung 05.07.2021, 13:26
Gemeinde Landtag
Bereich oeffentlich
Schlagworte: ltm_,ltp10,ltb0,lt1913,ltb1913
Dokumentdatum 04.07.2021
Erscheinungsdatum 04.07.2021
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48. Beilage zu den stenogr. Berichten des Vorarlberger Landtages. VI. Session der 10. Periode 1913/14. Beilage 48. Bericht des Finanzausschusses betreffs Ankauf des „Österreichischen f}ofes" in Bregenz. Hoher Landtag! Im Laufe des vorangegaugenen Sommers hat die Sparkasse Bregenz gegen die Besitzerin des Hotels „Österreichischer Hof" in Bregenz wegen einer Schuldforderung Exekution eingeleitet. In der Sitzung des Landesausschusses voni 24. November 1913 hat derselbe betreffs Erwerbung des Hotels zu einem Landhause Stellung genommen und suchte eine Verschiebung der Versteigerung zu erwirken, um unterdessen ein genaues Bild über die Eignung der Liegenschaft sowie über die finannzielle Situation erlangen zu können. Die Verschiebung der Versteigerung war jedoch nicht mehr zu erwirken und so wurde am 28. November 1913 bei der exekutiven Versteigerung das Hotel von Herrn Herrmann Reinthaler um den Preis von K 138.050'— erworben. Die Konkursmasse hatte sich aber in den Versteigerungsbediugungen durch 14 Tage die Annahme des Angebotes vorbehalten. Unterdessen wurde der Gedanke, dieses Haus wäre für ein Landhaus in mehrfacher Hinsicht besonders geeignet, immer klarer ausgesprochen, weshalb der Landeshauptmann dem Landesbauamte den Auftrag gab, auf Grund genauer Einsichtnahme einen Befund über die Verwend­ barkeit dieses Besitzes auszuarbeiten und dem Landesausschusse vorzulegen. Das Landesbauamt kam diesem Auftrage nach und erstattete unter dem 6. Dezember 1913 einen eingehenden, günstigen Bericht sowohl nach der baulichen wie »ach der fmanziellen Seite hin. Auf Grund dieses Gutachtens lud Herr Landeshauptmann sämtliche Abgeordnete auf den 9. Dezember 1913 in den Landhaussitzungssaal zu einer Besprechung in Bregenz ein, bei welcher sich die weitaus über­ wiegende Mehrzahl der Abgeordneten für die käufliche Erwerbung dieser Liegenschaft zu einem Land­ hause aussprach. Zufolge dieses Beratungsergebnisscs hat der Landeshauptmann gemäß Landcsausschußbeschluß vom 9. Dezember 1913 unter dem gleichen Datum an das k. k. Bezirksgericht in Bregenz das den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Überbot gemacht und den Betrag von K 172.600'— geboten. Da Herr Reinthaler innerhalb der gesetzlichen Frist sich nicht erklärte, den Überbotspreis selbst zu geben, wurde die Liegenschaft laut Zuschrift des k. k. Bezirksgerichtes Bregenz vom 2. Jänner 1914 dem Lande Vorarlberg zugeschlagen. In Folge dieses Zuschlages hat der Landesausschuß in der Sitzung vom 3. Jänner 1914 gleich die nötigen Vorkehrungen beschlossen und zwar: Die Kündigung des Vertrages mit dem k. k. Postärar, die Intervention bei der Liquidierungstagfahrt sowie die Art der Veräußerung des Inventars. In der gleichen Sitzung wurde der Landeshauptmann beauftragt, die erlaufenden Kosten für die Abzahlung des Kaufschillings, für die Übertragungsgebühren rc. aus dem Landeshausbaufond zur Zahlung anzuweisen. 211 48. Beilage zu den stenogr. Berichten des Vorarlberger Landtages. VI. Session der 10. Periode 1913/14. Bezüglich der notwendigen Adaptierungen wurde beschlösse», es solle der Landeshauptmann unter Bcizug des Landesausschusses Fink, des Sekretärs Wachter, des Leiters des Landcsbauamtes und eines Vertreters des Landeskulturrates die notwendigen Beratungen über die Verteilung und Verwendung der zur Verfügung stehenden Räumen pflegen und auf Grund dieser Beratungen dem Landesausschusse Adaptierungsvorschläge unterbreite«. Diese Beschlüsse gelangten sofort zur Durchführung und hat der Landesausschuß in seiner Sitzung von 24. März 1914 auf Grund des vom Landesbauamte erstatteten Berichtes die bringe»ft notwendigen Adaptierungen im Kostenvoranschlage von K 18.000"— beschlossen. Dies der Entwicklungsgang der ganzen Angelegenheit. Nun noch eine kurze Darlegegung der finanziellen Situation. Laut Verteilungsbeschluß des k. k. Bezirksgerichtes Bregenz vom 5. Februar 1914 und Richtigstellungsbcschluß vom 12. Februar 1914 bleibt eine Schuldpost üoii K 110.000"—der Sparkasse Bregenz als einzige Hypothek auf dem Anwesen bestehen. Die übrigen Forderungen nebst den Übertragungs­ gebühren in der Höhe von K 69.993 93 wurden über Auftrag des Landesausschusses von der Hypothekenbank ausbezahlt. Der fast durchgeführte Verkauf des Jnvertars ergab einen Erlös von K 18.650"—, um welchen Betrag sich die faktischen Ausgaben veringern, sodaß diese heute eine Höhe von K 51.343 93 erreichen. Wenn wir mit dieser finanziellen Situation das Gutachten des Landesbauamtes vergleichen, so finden wir, daß der Ankauf dieser Liegenschaft für das Land unbedingt von Vorteil gewesen ist. Das Studium der 23mtplmie sowie die von Seite der Landtagsmitglieder stattgefundenen Besichtigung des Objektes haben ergeben, daß der Bau für unsere Bedürfnisse praktisch ist und daß das Gebäude mit verhältnismäßig geringen Kosten so eingerichtet werden kann, daß wir auf Jahrzehnte hinaus genügend Platz haben. Sollte dann in späteren Dezennien eine Vergrößerung notwendig erscheinen, so haben wir bei dieser Liegenschaft Boden genug, um durch Zubauten auch den größten Anforderungen entsprechen zu föimeii. Wenn wir dazu noch in Betracht ziehen, daß wir nun mit einem Schlage eine Angelegenheit der Erledigung zugeführt haben, die uns schon wiederholt beschäftigt hat, wenn wir weiters bedenken, daß das neue Landhaus an einem der schönsten Plätze in Bregenz steht und den praktischen Bedürfnissen des Landes in würdiger Weise entspricht, ohne die Finanzen des Landes ungebührlich zu belasten, so können wir die Bcschlüfie des Landesausschusses nur begrüßen und ihnen unsere Zustimmung erteilen. Der Finanzausschuß stellt daher folgende Anträge: Der hohe Landtag wolle beschließen: „1. Der Ankauf des Hotels „Österreichischer Hof" in Bregenz durch den Landesausschuß wird genehmigt. 2. Der Landesausschuß wird bevollmächtigt, die notwendigen Adaptierungen vor­ nehmen zu lassen, die Zentralheizung einzuführen und die Einrichtungen für die Kanzleien und den Sitzungssaal zu beschaffen". Bregenz, 19. Mai 1914. Joh. Müller, Obmannstellvertreter. Alois Amann, Berichterstatter. Druck von I. N. Teutsch tu Breg.uz. 212