19140519_ltb00541913_Volkswirtschaftsausschussbericht_Förderung_Schiffbarmachung_Rhein_Bodensee

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Letzte Änderung 05.07.2021, 13:34
Gemeinde Landtag
Bereich oeffentlich
Schlagworte: ltm_,ltp10,ltb0,lt1913,ltb1913
Erscheinungsdatum 04.07.2021
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54, Setlnqe zu den ftenogr. Berichten des Borarlberger Landtages. VI. Session der 10. Periode 1913/14. Beilage 54. Bericht des volkswirtschaftlichen Ausschusses betreffend die Förderung der Schiffbarmachung des Rheines bis zum Bodensee. Hoher Landtag! Die Herrn Abgeordneten Franz Natter und Dr. Josef Peer haben in der Sitzung des Landtages vom 11. Mai d. I. einen Antrag betreffend die Schiffbarmachung des Rheines eingebracht, nach welchem die Regierung vom Landtage aufzufordern wäre, die Bestrebungen nach Schiffbarmachung des Rheines bis zum Bodensce mit allem Nachdrucke zu fördern. In der Sitzung vom 18. Mai d. I. hat der Herr Abgeordnete Loser eine Petition der Minorität des Stadtrates in Bregenz in dem gleichen Belange eingebracht. In dieser Eingabe wird verlangt, der Landtag wolle: „1 bei der k. k. Regierung nachdrücklichst dahin arbeiten, daß der Staat dem Projekte der Schiffbarmachung des Rheines bis in den Bodensee und der Anlage eines entsprechenden Großhafens in Bregenz die gebührende Aufmerksamkeit zuwendet und in verkehrstechnischer und handelspolitischer Hinsicht die nötigen Maßnahmen zur Durchführung des Projektes trifft; 2. sich prinzipiell für die finanzielle Förderung des Werkes erklären; 3. dafür Sorge tragen, daß das Land in jenen Körperschaften, die sich die Förderung des Projektes zum Ziele gesetzt haben, eine offizielle Vertretung erhalte." In beiden Eingaben wird auf die Wichtigkeit dieses Projektes für Vorarlberg hingewiesen. Vorarlberg als das westlichste aller Kronländcr der Monarchie sei mehr als jedes andere Land daran interessiert, den Bezug von Rohstoffen und den Absatz fertiger Fabrikate auf dem billigeren Wasserwege verfrachten zu können. Das Projekt der Schiffbarmachung des Rheines bis zum Bodensee begegne daher dem großen Interesse des Landes. Der Landesausschuß hatte bisher wiederholt Gelegenheit, sein Interesse an dieser Frage zum Ausdrucke zu bringen. Als im Jahre 1908 der Rheinschiffahrtsverband in Konstanz gegründet wurde, trat er als ordentliches Mitglied mit einem Jahresbeiträge von K 100'— bei. Als später ein Landeskomitee gebildet wurde, entsendete der Landesausschuß als seine Vertreter die Herren Landeshauptmann Rhomberg und Oberdirektor Olz. Im Jahre 1911 handelte es sich darum, zur dringenden Frage der Schleuse beim Augst-Wyhler Kraftwerke durch einen Beitrag Stellung zu nehmen. Der Vorarlberger Landtag widmete hiefür den vom österreichischen Arbeitsausschüsse der internationalen Pereinigung angesprochenen Beitrag von K 1000. 235 54. Beilage zu den stenogr. Berichten des Vorarlberger Landtages. VI. Session der 10. Periode 1913/14. Der volkswirtschaftliche Ausschuß anerkennt den sachlichen Inhalt und die Bestrebungen der beiden Eingaben. Das großzügige Projekt, das von den unmittelbar beteiligten Ländern Baden und der Schweiz bisher mit großen Opfern und starker Initiative gefördert wurde, verdient gewiß auch die besondere Aufmerksamkeit Österreichs. Auch Württemberg und Bayern, die nicht so sehr wie die zwei erstgenannten Länder, sondern ungefähr wie Österreich daran interessiert sind, haben schon seit längerer Zeit diesem Plane die volle Aufmerksamkeit und ihre ernste Mitwirkung gewidmet. Während die reichsdentschen Länder in ihrer Gesamtheit ihre Verbindung mit der Ost- und Nordsee haben, würde Österreich durch Vorarlberg und durch seinen Besitz am Bodensee ebenfalls einen Wasserweg nach dem nördlichen Meere erhallen. Welche Umwälzungen besonders auf dem Gebiete des Handels und Verkehrs dieser neue Weg bringen könnte, läßt sich heute kaum ahnen, es genügt aber die Vorstellung, in den Brcgenzer Großhafen die Schiffe einfahren zu sehen, welche im Rheinland oder gar an der Mündung des Rheines überseeische Waren eingefrachtet haben. Es eröffnet sich da durch die direkte Verbindung des Bodensees mit den nördlichen Meeren, wodurch ein Wasserweg in das Herz Europas geschaffen wird, eine Perspektive, die gewiß eher unterschätzt als überwertet wird. Aus diesen Gründen muß Österreich dieser Angelegenheit seine volle Aufmerksamkeit schenken und mehr als bisher sein tätiges Interesse durch seine Mitwirkung und Förderung im Bunde der fünf Bodenseeländer zum Ausdrucke bringen. Das Land Vorarlberg wird wie bisher auch in Zukunft diese Aktion unterstützen und fördern, insoweit aber das Wort ganz Österreichs gewichtiger ist und insbesondere insoweit es sich darum handelt, die Jntereffen Österreichs durch finanzielle Mitwirkung zu betätigen, muß der Landtag damit rechnen, daß der Staat entsprechend eingreife. Der volkswirtschaftliche Ausschuß stellt daher den Antrag: Der hohe Landtag wolle beschließen: „Die k. k. Regierung wird aufgefordert, das Interesse Österreichs, besonders aber des Landes Vorarlberg, an der Schiffbarmachung des Rheins bis zum Bodensce durch eine entsprechende, kräftige Mitwirkung im Vereine mit den anderen Nachbarstaaten zum Ausdrucke zu bringen." Bregenz, 19. Mai 1914. Mart. Thnrnher, Obmann-Stellvertreter. Jodok Fink, Berichterstatter. Druck nett I. N. T utsch in Bregenz, 236