Heimat_Wolfurt_1994_14

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Letzte Änderung 01.06.2021, 20:43
Gemeinde Wolfurt
Bereich oeffentlich
Schlagworte: wolfurt,imported
Erscheinungsdatum 01.05.1994
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Heft 14 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 1994 Die Kennelbacher Brücke und das Zollhäuschen. Erste Eisenbetonbrücke in Österreich, erbaut 1904. Inhalt: 65. Ein Hauch Barock 66. Die Ach und die Ächler 67. Ein Kuß; Kloster Hirschthal 68. Wolfurter Alpen (Vogt) 69. Fremdenverkehr 1903 70. Steuerverzeichnis 1873 Zuschriften und Ergänzungen Autoren Die meisten Beiträge in diesem Heft stammen von Siegfried Heim. Die Forschungsarbeit über die Wolfurter Alpen hat Werner Vogt geschrieben. Vogt Werner Jg. 1931, Landesbeamter i. R., wohnt in Hard. Er ist Mitbegründer und Leiter des Bregenzerwald-Archivs in Egg und Verfasser des Vorarlberger Flurnamenbuchs, der Sagensammlung aus dem Bregenzerwald und vieler anderer Publikationen. Bildnachweis S. 5 von Hubert Mohr Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. Druckfehler Heft 13, S. 5: Pfarrer Columban Reiner wurde 1776 geboren. Hofsteig (Heft 13, S. 6). Als Obmann der HofSteiger Musikvereinigung hat Hubert Sinz den Artikel allen Musikkapellen seines Bezirks zugeleitet und sich herzlich bedankt. Das Schneider-Wappen der Musikvereinigung ist übrigens ident mit dem Bischofswappen der 1000 Jahre alten Stadt Brixen im Südtirol. Über die Dokumentation »Hofsteig« hat sich ein Fachmann lobend ausgesprochen: Dr. Isfried Pichler, Chorherr in Stift Schlägl, OÖ. Er ist Autor vieler Geschichtswerke und auch ein Kenner unseres Landes. Leser der Zeitschrift »Montfort« erinnern sich an seinen Beitrag (42/ 1990) über Abt Martin Greysing aus Mellau, der Stift Schlägl nach den Wirren der Reformation neu aufgebaut hat. Wir sind stolz, daß Pater Isfried sich im fernen Schlägl die Zeit nimmt, unser »Heimat Wolfurt« zu lesen. Ammänner (Heft 13, S. 14). Zur Liste der HofSteiger Ammänner hat uns Werner Vogt eine ganze Reihe von ergänzenden Urkunden genannt, auf denen sogar bis jetzt unbekannte Ammänner aufscheinen. Nach weiteren Forschungen werden wir darüber berichten. Stammvater Fischer (Heft 13, S. 50). Von den vielen Nachkommen haben sich einige dafür bedankt, daß sie nun ihre verschiedenen Stammtafeln auf einen gemeinsamen Vater zurückführen können. Als Ergänzung dazu finden sie in diesem Heft unter »Barock« auch einen verwandten Klosterbruder Benedikt Fischer, der als Barockbaumeister arbeitete. Pfarrer Sebastian Vischers Testament nennt seine fünf Kinder Magdalena, Verena, Margaretha, Ursula und Johannes Vischer. Er vermachte ihnen 1591 das guoth so genant würdt das Bauholz und zue Wolffurt an dem Berg Im gericht hofstaig ligt. Das Bannholz-Gut gehörte eigentlich Christina Müchslin, seiner fünf Kinder Muoter. Nach ihrem Tod übernahm es der einzige Sohn Johannes Vischer, der dort mit seiner Frau Anna Düringin viele Kinder hatte, von denen fünf ab 1650 in den Pfarrbüchern aufscheinen. Er selbst ist am 15. April 1663 gestorben. Seine Kinder: Elsa Fischer, 1651 Patin bei Ammann Jakob Schneiders jüngster Tochter Maria, gestorben 1684, verheiratet mit Johann Anwander, Stamm-Mutter der Rickenbacher Anwander Balthasar, Bauer im Bannholz, Geschworener des Gerichts Hofsteig, Stammvater der Spetenleher Fischer Bartholomäus, Vater des Steinmetz Andreas Fischer Sebastian, Stammvater der »Stöoglar«Fischer, Großvater des Bruders Benedikt Fischer im Kloster Fischingen. Das Bannholz, das Stammgut aller Fischer, besaßen sie noch um 1750. Dann erwarben es die »Baholzar«-Schwerzler. Bitte! Diesem 14. Heft liegt ein Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87957 Raiba Wolfurt bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag wenigstens einen Teil der entstehenden Druck- und Versandkosten abzudecken. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 Besonders interessiert für diese Forschungen zeigten sich Frau Mathilde Rauth von den »Seppar«Fischern aus Bregenz und Frau Dr. Marianne Fischer von den »Löwenwirtlern« aus Innsbruck. Frau Marianne ist Jahrgang 1912 und stand als Juristin über viele Jahrzehnte in leitender Stellung im kirchlichen Dienst beim Bischof in Innsbruck. Sie spricht aber noch ausgeprägten Wolfurter Dialekt, denn sie ist nach dem 1. Weltkrieg von der Steig aus in Wolfurt eingeschult worden. Ihr Vater Eduard Fischer, geboren 1884 im »Löwen« in Rickenbach, leitete in Innsbruck die Rechtsanwaltskanzlei Dr. Fischer/Dr. Schuschnigg. Sein jüngerer Partner Dr. Kurt Schuschnigg war 1934-38 Bundeskanzler. Dr. Fischers Frau Paulina war ebenfalls eine geborene Fischer aus Wolfurt und gehörte zur Sippe der »Seppar«. Von ihren sieben Kindern hat Anton im Jahre 1940 gemeinsam mit Pfarrer Rohner in Wolfurt Nachprimiz gefeiert. Er war später viele Jahre Pfarrer in Kematen und ist jetzt seit 1993 in Hoch-Rum in Pension. Die Tochter Mag. Rita Fischer ist in Schwarzach mit dem langjährigen Gemeindearzt Dr. Walter Hinteregger verheiratet. Freundliche Grüße an alle! Fußball und Liebe (Heft 13, S. 52). Armin Böhler, Murars, der in den Anfangsjahrern des FC 1947 am längsten das Tor hütete, gab folgende Reihe der ersten Wolfurter Tormänner an: 1. Klettl Karl (Karl hat das bestätigt. Allerdings ergänzte er, für einen Goole sei er zu klein gewesen. Manchen Ball »im Krützegg« habe er nicht erwischt.) 2. Bereiter Josef, der Dschoo aus Kennelbach 3. Fischer Ludwig 4. Schubert Helmut, nach ihm wieder Luggi Fischer 5. Böhler Armin Armin erzählte auch von der damals überaus bescheidenen Ausrüstung. Er selbst habe die alten Schuhe seiner Bäsa Katrie getragen. Als ihm der Schuhmacher Albert Schertler (Altvorstehers) Stoppeln aufnageln sollte, fragte ihn der: »Stoppla? Was ist ou des?« Stolz konnte Armin bald darauf Bäsas Schuhe beim Training zeigen. Aber das nächste Mal kam er wieder barfuß. Seine Mutter Anna hatte die praktischen Schuhe zur Arbeit im Acker »a dr Iosol« entführt. Kügolo (Heft 13, S. 54). Wie eine Reihe anderer Leser bedankte sich Neide Böhler (Metzger Reiners, Jg. 1913) für die Zusendung der Hefte. Sie freue sich auf jedes neue und schicke es dann ihrer Christi (Rohner) nach Amerika. Beim Lesen von »Kügolo« erinnerte sie sich, daß ihr Vater, ein bekannter Jäger und Schütze, die Kügolar beim genauen Anvisieren gelobt habe: »Tond nu fest öüglo! Das git guot Schützo!« - Einen schönen Gruß an Christi und Kurt, die Farmer in Ontario. Sammüller Böhler (Heft 11, S. 16 und 25). Die Sammüller haben ihre Sippe im November 1993 zu einem fröhlichen und langen Treffen ins Kreuz eingeladen. Weil einer dabei aus unserem Heft 11 vorgelesen hat, wurden nachher zusätzliche Exemplare angefordert. Die Mohr-Familien (Heft 11, S. 2) haben sich für unsere Beiträge bedankt und den gesamten Ertrag ihres Festes dem Krankenpflegeverein überwiesen. Danke schön! 2 Siegfried Heim Ein Hauch Barock Baumeister Beer von Bildstein Schrecklich hatte der 30jährige Krieg in Mitteleuropa gewütet. Auf die Jahre des Brennens und Mordens folgte aber dann eine Zeit des Wiederaufbaus. Von Italien her breitete sich die Baukunst des Barocks in die Länder nördlich der Alpen aus. Als ersten großen Kirchenbau in Deutschland ließen die Benediktiner 1651 ihr Stift St. Lorenz in Kempten wiedererstehen. Zwanzig Jahre zuvor hatten es die protestantischen Kemptener selbst gemeinsam mit den Schweden zerstört und dabei die Gruft des mächtigen Fürstabts Eucharius von Wolfurt geschändet. Nun bezog ein Bregenzerwälder Trupp unter Michael Beer von Au die Baustelle. Aus diesem Anlaß hatte Baumeister Beer die Auer Zunft gegründet, aus der im folgenden Jahrhundert jene großen Meister wuchsen, die an insgesamt etwa 400 Bauorten arbeiteten. Staunend stehen wir heute vor den Prunkfassaden von Einsiedeln, St. Gallen, Birnau, Weingarten oder Ottobeuren und sind stolz, daß Leute aus unserem Land all diese Pracht ersannen. Fast noch wichtiger war aber damals, daß sie Hunderte von Männern aus den Wälder Dörfern mit in die Fremde nehmen konnten und diesen Gastarbeitern dort einen sicheren Arbeitsplatz vermittelten. Denn daheim in Vorarlberg war in jenem Jahrhundert die Not unsagbar groß.1 Die Hälfte (!) der Einwohner suchte Verdienst im Ausland. Nun hat mich Hubert Mohr, der seit einigen Jahren mit seinem Fotoapparat den Spuren der Barockbaumeister folgt, darauf aufmerksam gemacht, daß mit der Auer Zunft auch Männer aus Wolfurt in die Fremde zogen. Wie kamen sie dazu? In Bildstein hatte man 1663 mit dem Bau einer für jene Zeit überaus großen Kirche begonnen. Finanziert wurde sie aus den Gaben der Wallfahrer. Die Aufsicht über Wallfahrt und Geld hatte der Pfarrer von Wolfurt, denn noch mehr als 100 Jahre lang gehörte Bildstein zu Wolfurt. Baumeister war Michael Kuen aus Bregenz. Die Doppelturm-Fassade wurde aber erst 1692 erstellt. Daran dürfte die Auer Bauzunft gearbeitet haben, denn Meister Kuen war schon 1686 gestorben und die Auer Meister waren inzwischen berühmt geworden. Bildstein war um jene Zeit das Tor zum Bregenzerwald. Wenn die Wälder Bauarbeiter jetzt im Spätherbst von ihren Baustellen in der Schweiz den Rhein oder aus Süddeutschland die Ach überquerten, sahen sie in den Türmen von Bildstein den ersten Gruß der lang entbehrten Heimat. Und oben in Bildstein trafen sie einen alten Freund. Nach dem B au der Türme hatten Jakob Natter und seine Frau Catharina Willi gleich 1 Heimat 13, S. 28: »Der Gemeine Mann« und Heimat 2, S. 27ff. »eine elend betrübte Zeit«. 3 neben der Kirche den Gasthof Adler errichtet. Beide entstammten hoch angesehenen Auer Baumeisterfamilien. Nun machten sieden Adlerzu einem beliebten Treffpunkt der Wallfahrer. Der Priester Dr. Jakob Halder leitete damals die große Bildsteiner Bruderschaft, die über 40.000 Menschen umfaßte. Er war ein Freund der Familie Natter und Taufpate für deren Kinder. Adlerwirt Natter erhielt von 1716 bis 1722 auch das Amt des Hofsteigammanns. Von den Auer Bauleuten kehrte einer besonders gern im Adler zu, Johann Michael Beer I, der später ein ganz großer Baumeister werden sollte. Am 11. Septemter 1723 hielt er in Wolfurt Hochzeit mit Maria Christina Natter, der Tochter des Bildsteiner Altammanns. Zeugen der Eheschließung waren der Brautvater und der beliebte Wolf urter Hofsteigammann Georg Rohner.2 Ammann Rohner wurde später auch Taufpate für einige Beerkinder. Johann Michael Beer I. entstammte der Auer Baumeisterfamilie Beer, doch war er kein direkter Nachkomme des Gründers der Zunft. Dessen gleichnamiger Enkel Johann Michael Beer II. war nur vier Jahre jünger als unser Bildsteiner Johann Michael I. Damit man sie unterscheiden kann, fügt man bei I. den Wohnort »von Bildstein« an. Bei II. bedeutet »von Bleichten« dagegen einen Adelstitel, den er von seinem berühmten Vater Franz Beer II. von Bleichten übernommen hat. Johann Michael I. von Bildstein war 1796 in Au geboren worden. Bei seinem Vater Franz I. hatte er die Lehre als Maurer und Steinhauer gemacht und war 1717 freigesprochen worden. Nun war der junge Baumeister gleichzeitig auch Adlerwirt in Bildstein geworden. Aber die Obsorge für die Gäste dürfte er wohl meist seiner Frau Christina und den heranwachsenden Töchtern Katharina und Isabella überlassen haben. Er selbst saß den ganzen Winter über hinter seinen Plänen und zeichnete »Risse« von Schlössern, Klöstern und schönen Bürgerhäusern. Dazwischen traf er sich in Au bei den Versammlungen der Zunft mit den anderen Meistern und besprach mit ihnen die anstehenden Probleme. Viele seiner Entwürfe sind in den Archiven erhalten geblieben. Im Frühling aber stellte er jeweils Bautrupps unter einem erfahrenen »Palier«3 zusammen und wanderte mit ihnen zu den manchmal viele Tagereisen entfernten Baustellen, wo sie bis zum Spätherbst schwer arbeiteten. Von 5 Uhr früh bis 7 Uhr abends dauerte täglich die Arbeit, unterbrochen nur von zwei einstündigen Essenspausen. Aus den Werken von Meister Beer von Bildstein ragen einige besonders hervor. 1753 bis 1765 arbeitete er an der Benediktinerabtei Fischingen in Toggenburg, für die er die Pläne Caspar Moosbruggers umgearbeitet hatte. Dazwischen entstand 1757 das Bregenzer Kapellenkleinod St. Nepomuk am Kornmarkt, das ihm ebenfalls zugeschrieben wird. Dann aber zog er nach St. Gallen zum Bau der Stiftskirche St. Gallus und Othmar. Dreißig Jahre lang hatten die größten Auer Architekten hier geplant. Auch Beer von Bildstein hatte eine ganze Serie von Plänen vorgelegt.4 Schließlich baute Peter Thumb das Langhaus. Den neuen Chor und die imponierende Ost-Fassade mit den Doppeltürmen durfte aber Johann Michael Beer von 2 Trauungsbuch Wolfurt. Über Georg Rohner lies nach in Heimat 13, S. 28-34 Palier = Vorarbeiter und Aufseher 4 Norbert Lieb, Die Vorarlberger Barockbaumeister, 1976, S. 170. Diesem Buch sind auch viele andere Angaben entnommen. 3 Die Ostfassade der Kathedrale von St. Gallen. Im Jahre 1767 hat Meister Beer von Bildstein dieses herrliche Spätwerk des Barock fertiggestellt. Foto: Hubert Mohr 4 5 Bildstein 1761 bis 1767 errichten. Auch an der Planung zur großen Stiftsbibliothek, die Peter Thumb gleichzeitig baute, hatte Beer entscheidenden Anteil. Die Fertigstellung des Stifts fiel mit dem 50. Jahrestag seiner Freisprechung zusammen und wurde am 11. Jänner 1767 in Au groß gefeiert. Den Adler in Bildstein hatte Beer längst übergeben. Schon 1734 war sein Schwiegervater Ammann Jakob Natter gestorben. Aber bald war ein neuer Adlerwirt eingezogen. Beers Tochter Isabella hatte am 17. Jänner 1751 in Wolfurt den Dornbirner Johann Caspar Luger geheiratet. Dieser führte nun das Gasthaus und war bald so bekannt, daß ihn die Hofsteiger 1761 bis 1764 zu ihrem Ammann machten. Wenn Meister Beer von seinen weiten Reisen heimkehrte, sah er seine Enkel groß werden. Der älteste war nach ihm Johann Michael getauft worden und der Rickenbacher Adlerwirt Andreas Haltmayer war sein Taufpate in der Pfarrkirche zu Wolfurt. Noch mit 80 Jahren zeichnete der rüstige Greis Pläne für Thurgauer Bauherren. Am 8. Juli 1780 ist er im Alter von 84 Jahren in Bildstein gestorben. Im Tode widerfuhr dem großen Meister eine besondere Ehre. Mit Erlaubnis des Wolfurter Pfarrers wurde er als erster Bildsteiner in Bildstein begraben. »Omnibus sacramentis provisus in Ecclesia Bildsteinensi sepultus iacet, persolutis parocho Wolffurtensi iuribus stolae«.5 Wie einen Fürsten trug man ihn zu einer Gruft in der Kirche, so wie man fast 100 Jahre zuvor hier den österreichischen Feldherrn Graf Max Lorenz von Starhemberg bestattet hatte. Einen Friedhof gab es ja 1780 bei der Wallfahrtskirche noch nicht. Mit dem Tode des Meisters fällt auch das Ende des Rokoko-Zeitalters zusammen, zu dem sich der Barock und die Kunst der Wälder Baumeister und Stukkateure längst entwickelt hatten. Die Aufklärung, die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege veränderten das Denken und die Landkarte Europas nachhaltig. Die Saison-Auswanderung kam zum Erliegen, die Industrialisierung begann. Mit ihrer vielfach gering geachteten Kunst gerieten die Vorarlberger Meister des Barock in Vergessenheit. Erst in unseren Jahrzehnten hat man manche ihrer herrlichen Kirchen wieder restauriert. Der Adler in Bildstein kam im 19. Jahrhundert zuerst in Besitz der Familie Gunz und dann an Franz Anton Böhler, dessen Nachkommen noch heute »Adlerwirts« genannt werden. Den gebrechlich gewordenen mehr als 200 Jahre alten Gasthof kaufte im Frühling 1903 Pfarrer Josef Anton Köb für die Kirche Bildstein. Er errichtete an seiner Stelle ein Armenhaus, in dem die Barmherzigen Schwestern viele Jahre lang aufopferungsvoll wirkten. Heute ist dort das Gemeindeamt untergebracht. An der Kirche von Au erinnert seit 1957 eine große Tafel andie Auer Thumb, Beer und Moosbrugger. Wird man sich auch in Bildstein eines Tages wieder an Meister Johann Michael Beer von Bildstein erinnern? Palier Sebastian Fischer aus Wolfurt Wenn die Wälder Bautrupps im Frühjahr zu ihren Arbeitsplätzen aufbrachen, schlössen sich ihnen auch manchmal Männer aus dem Unterland an. Einzelne wurden sogar in die Auer Zunft aufgenommen. Jodok Beer I. aus Au war ein Onkel des Joh. Michael Beer I. von Bildstein und wie dieser in Au geboren. Als 34jähriger Meister heiratete er 1684 Agnes Bertel aus Wolfurt. Sie war als einzige Tochter des Gallus Bertel 1653 in Rickenbach geboren worden und mit der Familie Fischer auf der Steig nahe verwandt. Ihr Mann Jodok arbeitete an mehreren Baustellen in Württemberg, hauptsächlich in Sigmaringen und in Leutkirch. Dorthin nahm er 1685 auch den jungen Andreas Fischer mit, der bei ihm die Lehre als Maurer und Steinmetz machen sollte. Noch vor Beendigung der Lehrzeit verstarb aber der Meister Jodok Beer. Andreas Fischer war auf der Steig am 30. 1.. 1666 als Sohn des Bartholomä Fischer und der Maria Bertel geboren worden. Die Barock-Forscher fanden ihn noch als Steinmetz im Jahre 1701 bei der Erstellung der Säulen für das Kloster St. Mang in Füssen. Dann verliert sich seine Spur.6 Etwas mehr wissen wir über seinen jüngeren »Stöoglar« Verwandten Sebastian Fischer. Dieser wurde am 17. Juli 1722 ebenfalls auf der Steig als Sohn des Georg Fischer und der Barbara Höfle geboren. Ab wann er mit den Auern ausgezogen ist, weiß man nicht. Aber jedenfalls hatte er in Johann Michael Beer von Bildstein einen ausgezeichneten Lehrmeister. Als dieser ab 1753 einen neuen Trakt an das Kloster in Fischingen anzubauen hatte, setzt er den 31jährigen Meister Sebastian bereits als verantwortlichen Palier ein. Die Benediktinerabtei Sancta Maria in Ova liegt zwischen St. Gallen und Winterthur im oberen Murgtal beim Dörflein Fischingen nur wenige Kilometer neben der Autobahn. Sie besitzt im Grab der Hl. Idda von Toggenburg eine Wallfahrtsstätte, die wie Bildstein um das Jahr 1700 einen ungeheuren Zustrom hatte. Daher plante der große Caspar Moosbrugger schon bald nach seinem Eintritt ins Kloster Einsiedeln auch hier eineriesigeAnlage. Nach von MeisterBeervonBildsteinüberarbeiteten»Rissen«wurde jetzt weitergebaut.7 Sebastian Fischer war so von seiner Aufgabe erfüllt, daß er nach drei Jahren um Aufnahme ins Kloster bat. Am 5 6 Sterbebuch der Pfarre Wolfurt 1780 Lieb, S. 91 Klaus Speich, Kirchen und Klöster der Schweiz, 1978, S. 274 7 6 7 14. November 1756 wurde er als »Bruder Benedikt« bei den Benediktinern aufgenommen. Wie sein großes Vorbild Bruder Caspar Moosbrugger sollte er ab jetzt die Aufgaben eines Klosterarchitekten übernehmen. Aber schon zu Allerheiligen 1757 starb er, gerade 35 Jahre alt.8 Das Kloster Fischingen wurde 1848 aufgehoben. Die herrliche Barockkirche und die angebaute Iddakapelle mit dem mittelalterlichen Grab der Heiligen stehen aber weiterhin der Wallfahrt offen. Wir sollten dort auch einmal stillhalten! Wenn wir dabei an jene Männer denken, die aus unseren Dörfern ausziehen mußten, um unter Entbehrungen in der Fremde diese kostbaren Bauten zu schaffen, dann werden wir wohl ein wenig zufriedener heimkehren. Siegfried Heim •• Die Ach und die Achler »A dor Ach dus« - das hat für die Wolfurter einen besonderen Klang. Darin ist etwas enthalten vom Rauschen des Hochwassers, vom Rascheln des Windes in den Erlenbüschen, von jubelnden Kinderstimmen auf dem Spielplatz, von vielen Erinnerungen an schöne Tage an unserem großen Wasser. »Ach«, -unsere Eltern sagten noch »A«, »a dor A«-, kommt vom althochdeutschen »aha« und bedeutet einfach »Wasser«. Es ist eines der ersten Kinderwörter wie »mama« oder »ata«. Daher findet es sich als »Ach« oder »Achen« auch überall im deutschen Sprachraum in unzähligen Ruß- und Städtenamen. In alten Urkunden hieß unsere Ach ganz einfach die »Bregenz«, etwa im Hofsteiger Landsbrauch »das wasser die Bregentz genannt«' oder in der Emser Chronik »nach dem Hoff Rieden über das Wasser die Bregentz ligt der Hoff Staig«.2 Wasser, Steine und Holz Seit Menschen in unserem Land leben, war die Ach zugleich Segen und Sorge für sie. Man schätzte ihr Wasser zum Trinken und Waschen, man nutzte ihren Fischreichtum und ihre Steine und ließ sich von ihr das Holz aus dem Wald tragen. Immer wieder aber überfluteten große Hochwässer die Äcker und rissen Menschen und Tiere mit sich. Etwa ab dem Jahr 1000 begannen Bregenzer Bürger das Holz aus dem Bregenzerwald zu »flößen«. Die »holzlüt« mußten an die Montforter Grafen eine besondere Transportsteuer bezahlen, die »ahlösi« (Achlöse). Als ab 1300 der Weinbau überall rund um den Bodensee aufblühte, stieg der Bedarf an Rebstecken ungeheuer an. Das »Holzwerk« wurde zur wichtigsten Einnahmequelle für die Stadt Bregenz. Jeder dritte Bregenzer lebte davon3. Bis aus dem hintersten Wald wurden »huwen« von 8 Schuh Länge geflößt.4 Ungeheure Holzvorräte lagerten am Bregenzer Seeufer. Im Jahre 1494 waren es 15.000 Blöcke, 1509 29.000 Stück und 1511 sogar 40.000. In zahlreichen Spalthütten wurden sie zu Rebstecken, Schindeln, Rafen und auch zu Brückendielen verarbeitet und dann in alle Städte 8 Ebenso bei Lieb, S. 91 1 2 3 4 LMV 1900, S. 167, aus dem Jahre 1544 Schleh, Emser Chronik, S. 25, aus dem Jahre 1616 Bilgeri, Bregenz, S. 53 8 Schuh = 2, 5 Meter 8 9 Sonntag an der Ach (um 1932). Hammerschmieds Wilhelm, Künz Heinrich, Rohner Eugen, Kresser Josef II-, Kresser Josef I., Kresser Franz. Eines der schönsten Ächler Häuser: Hohl Hans-Irgs an der Bützestraße. An seinem Platz steht jetzt das Zementwerk Rohner. am See bis hinab nach Schaffhausen verkauft5. Eine der reichsten Holzhändlerfamilien waren die Leber, die sich auf Schloß Wolfurt niederließen und von Kaiser Maximilian zu Rittern »von Wolfurt« geadelt wurden.6 Natürlich hätten sich auch die Hofsteiger gerne an den guten Geschäften beteiligt. Aber die Bregenzer ließen keinen Fremden zu und wußten ihre Privilegien gut zu schützen. Auf Holzdiebstahl standen schwerste Strafen, sogar das Abhauen der rechten Hand.7 Erst allmählich gelang es den Hofsteigern, auch in das Rebsteckengeschäft einzusteigen. Aber die Klimaverschlechterungen nach 1600 brachten bald den Weinbau und damit den Holzhandel zum Erliegen. Immerhin wurden im Jahre 1818 noch über 800.000 Rebstecken von Hard aus mit Schiffen über den See exportiert.8 Die letzten Bündel aus Bildstein und Buch lagerten noch 1916 auf dem Wolfurter Kirchplatz. Die Flößerei von Nutzholz auf der Ach wurde erst 1948 endgültig eingestellt, als die Harder Holzhändler ihren »Rechen« abmontierten. An der Ach hatte man 5 6 7 8 Bilgeri, Bregenz, S. 80, S. 142 und S. 205 Siehe Heimat 5, S. 8 Bilgeri, Bregenz, S. 79 Tiefenthaler, Daubrawa-Berichte, 1950, S. 69 sich anderen Geschäften zugewendet. Da war der Handel mit »Achbollen« aufgekommen. Schon 1656 standen in Bregenz und Hard sieben Kalköfen, in denen Achsteine gebrannt wurden. Jetzt beschwerten sich deren Besitzer, daß die Hofsteiger injüngster Zeit ungebrannte Steine nach Lindau und bis Konstanz verkauften. Das wurde verboten !9 Dagegen wehrten sich die Hofsteiger. Doch erlaubte ihnen Vogt Pappus von Tratzberg schließlich nur den Tausch von ausgeführten Steinen gegen Dachziegel aus Langenargen. Wollten sie ungebrannte Steine verkaufen, so mußten sie diese zuerst in Bregenz anbieten.10 Ab 1800 begannen die Ächler, den Holzreichtum der Ach selbst zu nutzen. Man hatte die Lehmvorkommen im Flotzbach entdeckt. Von dort wurden jetzt unzählige Fuhren von gelbem und blauem Ton an die Ach verfrachtet und dort mit geflößtem Holz gebrannt. Die Wolfurter Familien Klocker, Dür und Schertler hatten am Damm Ziegeleien gebaut und kamen damit im 19. Jahrhundert zu Reichtum und Ansehen. Erst die Einfuhr billiger Kohle, die die Eisenbahn ab 1884 brachte, hatte die Verlegung der Ziegelei zu den Lehmlöchern im Flotzbach zur Folge. An der Ach blieb nur mehr die Kalkbrennerei. 9 10 Kleiner, Bregenzer Regesten, 1656 Kleiner, Bregenzer Regesten, 1665 10 11 Damm und Wuhr Die Ach entspringt im Auenfeld am Tannberg. Ihre höchstem Quellen an der Mohnenfluh liegen fast 2, 500 m hoch. Nach rund 65 km Lauf mündet sie bei Hard in den Bodensee, jetzt nur mehr 396 m über dem Meer. Die Wasserführung schwankt ungeheuerund erschwert die Nutzung ihrer Kraft, Bei anhaltendem Frost kann sie im Februar unter 4 m3 pro Sekunde liegen. Auch nach langen Dürrewochen ist das Flußbettim August manchmal fast trocken. Bei extremen Hochwassern führt die Ach dagegen über 1000 m 3 Wasser pro Sekunde und transportiert natürlich auch riesige Geschiebemassen mit sich, Ihre jährliche Schottermenge wird mit 56.000 m3 angegeben.1 Dieser Schotter ist zum Teil Kalkstein aus dem Quellgebiet zwischen. Braunarl (2.649 m, höchster Berg des Einzugsgebietes) und Widderstein, zum weit größeren Teil aber gehört er verschiedensten Molassegesteinen an. Eine Unzahl von Nebenflüssen haben ihn ins Achbett getragen, wo er zum grobkörnigen Achsand zerrieben wird. Die wichtigsten Nebenflüsse: Argenbach (Damüls) Mellenbaeh (vom Hohen Freschen) Bizauer Bach Sehmiedebach (Schetteregg) Subersach (von Schönenbaeh) Weißach (von Oberstaufen im Allgäu) mit Bolgenach (aus Baldersehwang) Rotach (von Weiler im Allgäu) Von weit her bringt, also unsere Ach ihr Wasser, aus dem ganzen Bregenzerwald und Das Flußbett der Ach hat sich immer wieder verändert. Als sich am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren der Rheingletscher langsam aus dem Bodenseetrog zurückzog, schüttete die Ach in seiner Randkluft mit ihren Schottermassen die Terrassen von Oberfeld und Ölrain auf. Einen großen Teil davon trug sie später selbst wieder ab, als sie mit dem Rhein bei der Auffüllung des Sees wetteiferte. Noch im Mittelalter hatte die Ach freien Lauf, sobald sie bei Kennelbach aus der engen Schlucht heraus das offene Rheintal erreichte. Ihr Bett war vom heutigen VKW-Kanal am »Falligen Bach« bis zur Wolfurter Loackerstraße mehr als einen Kilometer breit. In mehreren Armen und vielen Windungen strömte ihr Wasser zum See hinab. Dazwischen entstanden und verschwanden immer wieder Inseln, von jedem Hochwasser neu geformt. Nur zaghaft weiteten die Hofsteiger ihren Getreide-Esch gegen das Ufer aus. Noch viele Jahre war der oft überflutete Auwald ein Paradies für Wasservögel und Wild und ein riesiges Laichgebiet für Fische und Frösche. Im freien Bereich im Wolfurter Weidach erwarben um das Jahr 1350 Bregenzer Bürger den Grund, rodeten die Stauden und legten große Weingärten an." Weil Äcker und Weingärten immer wieder unter dem Achhochwasser litten, begann man in Wolfurt und Lauterach mit der Anlage von Schutzwuhren. Das alte Achufer ist heute noch an vielen Stellen als Geländekante sichtbar. Es entspricht dem Lauf von Inselstraße - Firma Lohs - Loackerstraße nach Lauterach zur Weißenbildstraße und zum »Kresser-Bühel«. An der Erhaltung der Wuhranlagen beteiligten sich neben Hofsteig auch die Bregenzer Bürger. Das Kloster Weißenau bei Ravensburg mußte seit 1491 ebenfalls Wuhrsteuer bezahlen.12 Im Jahre 1542 drang das Hochwasser mit so großer Gewalt in das ungeschützte Hard ein, daß sogar die Leichen aus dem Friedhof gespült wurden. Hard hatte bis jetzt die Teilnahme an einer gemeinsamen Wuhrung verweigert, jetzt sträubten sich Lauterach und Wolfurt gegen eine Verlängerung ihres Dammes bis an den See. Zwei Tage lang mühte sich im Jahre 1544 eine vom König und späteren Kaiser Ferdinand eigens eingerufene Kommission, der Vogt Hans Werner von Raitenau und Graf Hans von Hohenems als Schiedsrichter vorstanden, den Streit zu schlichten. Schließlich kam ein Vertrag zwischen den drei Uferdörfern zustande, in den auch der Abt von Mehrerau als Lehensherr vieler Klostergüter links der Ach und der Rat der Stadt Bregenz eingebunden wurden. Bregenzer Bürger besaßen ja ebenfalls viel Grund im Hofsteigischen. Außerdem beschädigten Bregenzer Holzleute häufig mit ihren geflößten Holzmassen die Wuhrbauten. Jetzt wurde die gemeinsame Errichtung und Instandhaltung der Dämme unter der Leitung gewählter Wuhrmeister beschlossen. Einen Teil der Kosten übernhamen die Holzleute, der größere Teil wurde als Wuhrsteuer auf alle Grundstücke in "Bilgeri, Bregenz, S. 53 12 Kleiner, Bregenzer Regesten 311 1 1 Schwarz, Heimatkunde, 1949 12 13 der Ebene »von Ach zu Wolfurt und der pergstrass hinaus bis an Tellenmossprugg« und bis hinab zur Fußach verumlagt. Vergebens wehrten sich später die Rickenbacher mit der Begründung dagegen, sie hätten schon übergroße Kosten mit der Bändigung ihres wilden Baches.'3 Der Vertrag von 1544 besteht seit nunmehr 450 Jahren noch immer in der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) fort. Im Jahre 1605 wurde die Wuhrordnung als Grundlage der Zusammenarbeit von Bregenz mit den drei linksseitigen Hofsteiggemeinden neu erlassen. Später trat auch Fußach dem Vertrag bei. Nach der Straße Lauterach-Dornbirn wurde unter Maria Theresia 1771 auch eine neue Straße Lauterach - Hard - Fußach auf einem Achdamm angelegt. Zu ihrem Schutz mußte auch in Wolfurt ein neuer Damm errichtet werden. Auf ihm verläuft die heutige Achstraße. Jetzt konnte die »Alte Insel« bis herein zur Inselstraße gerodet und verteilt werden. Der westliche Teil »in den Löchern« und »in der Hell« blieb noch viele Jahre Wildnis. Negrelli bezeichnet dieses Gebiet auf einer Karte von 1827 als »Lautracher Ried«14. Allerdingshatte 1819 der erste »Höll-Bur« Joh. Georg Gasser mitten in diese Wildnis hinein ein einsames Haus gebaut. Es mußte erst 1978 der Autobahn weichen (Bösch Hans, Achstraße 49). Der große Achdamm war den wilden Hochwassern nicht immer gewachsen. Im Jahre 1813 brach er im Wida. Die Fluten strömten weit nach Lauterach hinein und rissen in der Lerchenau ein Stück von der alten Papierfabrik weg.15 In den Jahren 1866 bis 1870 wurde außerhalb der Achstraße ein zweiter Damm aufgeschüttet, die heutige Dammstraße von der Kennelbacher bis zur Lauteracher Brücke. Auf den dabei gewonnenen von Buschwerk überwucherten und von Steinen übersäten Feldern stand den Wolfurter Interessenten fünf Jahre lang die unentgeltliche Nutzung frei. Wegen Unstimmigkeiten in der Verrechnung setzten die Hofsteiggemeinden 1868 den Bregenzer Wuhrschreiber ab und gründeten die LAWK, in die Hard und Lauterach je 3, Wolfurt und Fußach nur je 2 Vertreter entsandten. Gleichzeitig verkaufte die Riedener Parzelle Kennelbach das ganze rechte Achufer an die Firma Jenny und Schindler. Durch massive Wuhrungen im »Millionenloch« drängte diese innerhalb weniger Jahre die Ach vom Berghang weg und gewann auf drei Kilometer Länge mehr als einen halben Quadratkilometer Grund. Darauf stehen heute die Firma Uhl, große Siedlungen, der Kennelbacher Sportplatz und die riesigen Anlagen der Vorarlberger Kraftwerke. In ihrem eingeengten Bett begann die Ach nun, sich mit erhöhter Fließgeschwindigkeit in die Tiefe zu graben. Dabei unterspülte sie die Wolfurter Ufer. Ein starkes Hochwasser riß 1926 vom heutigen Bauhof abwärts große Teile der Böschung mit sich und gefährdete den Damm. Mit Unterstützung des Landes befestigte die LAWK im Jahre 1927 das Ufer. Die Firma Menia betonierte massive Mauern. Diese »Spicker« halten seither den Hochwassern stand. Ab 1936 13 14 15 Die Achstraße um 1940. Hohl Engelbert auf seinem Brückenwagen und zwei Radfahrer. verteilte das Wasserbauamt mit einem von der Firma Doppelmayr erstellten Kran riesige Steinquader und festigte damit die Uferböschung. Noch bis etwa 1960 transportierten große Lastautos ganze Felsen aus dem Hohenemser Steinbruch an die Ach. Inzwischen war diese aber zum reißenden Kanal geworden und unterspülte die Brückenpfeiler. Jetzt mußte man gegensteuern. Ende der 70er-Jahre wurden unterhalb der Brücken mächtige Sohlschwellen eingebracht, die seither ein weiteres Absinken des Flußbettes und des für uns so wichtigen Grundwasserspiegels verhindern. Nach dem Rheindurchstich und der Regulierung der Dornbirnerach trat Fußach 1937 aus der LAWK aus. Seither wird diese von acht Vertretern der drei Gemeinden nach einem neuen Statut von 1952 geleitet. Sie hat viel Grund für Siedler und Industriebauten verkauft und dafür Waldbesitz erworben. Nach menschlichem Ermessen scheint die ungestüme Kraft der Ach nun gebändigt. Noch immer ruft das Tosen ihres Frühsommerhochwassers jedes Jahr viele Ächler ans Ufer. Erschauernd beobachten sie den Tanz von entwurzelten Bäumen auf den reißenden Wellen. Da ist es ein gutes Gefühl, sich auf dem festen Grund zu wissen, den die Väter in jahrhundertelangem Kampf der Ach abgerungen haben. 15 Heimat 6, S. 41 Baudirektionsplan P. 13 im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck Schneider, Lauterach 1953, S. 208 14 Brücken Schon für die kriegerischen Räter und dann auch für die Marschkolonnen und Handelsfahrzeuge der Römer war die Ach ein arges Hindernis. Bei Frost und bei Trockenheit konnte man das Rußbett an vielen Stellen zwischen Wolfurt und Hard überqueren. Hochwasser zwang die Reisenden aber oft zu langer, unwillkommener Rast und machte sie von einem ortskundigen Führer oder einem Fährmann abhängig. Eine Römer-Furt läßt sich bei Rieden nach Lauterach nachweisen. Ein Furt vom Oberfeld nach Kennelbach kennt man spätestens seit dem Mittelalter. Die Überlieferung meint, der Name »Wolfurt« (um 1600 meist »Wolffurt«geschrieben) bedeute »Furt der Wölfe« oder auch »Wohl-Furt«. Dagegen spricht aber sein spätes Auftauchen in den Urkunden. Als die anderen Siedlungen längst ihre heutigen Namen besaßen, fiel unser Ort 1167 noch unter dem Namen »St. Nikolaus« an Kaiser Friedrich Barbarossa und 1226 unter dem gleichen Namen von dessen Sohn Heinrich an das Kloster Weißenau. Um das Jahr 1220 taucht» von Wolffurt« erstmals als Name der Ritter unseres Schlosses auf, die nach der Sage als »Wolfford« aus Schottland stammten. Vom Schloß ging der Name erst viel später auf den Kellhof rund um die Kapelle St. Nikolaus und schließlich auf das ganze Gemeindegebiet über, hat also wohl keinen Bezug zur Ach. Der Furt viel näher stand Schloß »veldegg« oder »oberveld«, das seit dem 13. Jahrhundert den Achübergang für die Montforter Grafen bewachte. Im Jahre 1409 läßt sich an der Ach ein »varlehen« (Fährelehen) im Besitz der Bregenzer nachweisen. Diese Fähre bestand noch bis ins 19. Jahrhundert. Um das Jahr 1800 verpachtete die Stadt Bregenz das Recht an einen Kennelbacher Bürger. Nach dem Aufstand von 1809 schleppten die siegreichen Franzosen das Fährschiff als Kriegsbeute nach Bregenz. Auf der Achkarte von 182716 ist aber wieder ein Boot bei Kennelbach eingezeichnet. 1837 pachteten Jenny und Schindler die Fähre von der Stadt Bregenz, um damit ihre vielen Arbeiter nach Wolfurt überzusetzen, wo die meisten wohnten. Als das überladene Schiff am späten Abend des 24. April 1839 kenterte, ertranken 2 Jungfrauen und 5 Kinder.17 Sicher hat das Durchwaten der Furt immer wieder Todesopfer gefordert. Eine Bregenzer Urkunde von 1525 berichtet: »es sind unzählbar viele Leute, Roß, Vieh, Hab und Gut in diesem sorgenbringenden und ungestümen Wasser ertrunken»18 Das bekannteste Unglück ist jenes vom 30. August 1530, als Abt Kilian von St. Gallen beim Durchreiten der Furt stürzte und ertrank.19 Auch bei der Gründung der Pfarrei Wolfurt wird 1512 ausdrücklich die Wildheit des reißenden Flusses als Grund für die Loslösung von Bregenz genannt. Schon 1443 hatten sich die Hofsteiger bitter über die Wasser beklagt, »die denn tief und zu mengen Malen unergründlich, das sie nur kümmerlich gen Bregenz kommen mögen«.20 16 17 18 Als später Brücken gebaut wurden, für deren Benutzung jeder Passant Zoll zahlen mußte, wateten viele Leute weiterhin durch die Furt. Noch um 1912 »verdienten« sich die Wolfurter Gymnasiasten ein Sackgeld, indem sie zwar vom Vater den täglichen Brückenkreuzer ausfaßten, dann aber neben der Brücke durch das Wasser oder über das Eis gingen. Über die Brücken hat Egon Sinz in »Kennelbach« 1987 umfassend berichtet. Hier daher nur das wichtigste und einige Ergänzungen: Die Römerbrücke. Wahrscheinlich haben die Römer schon um das Jahr 50 einen Holzsteg über die Ach geschlagen. 1820 fand man Pfahlreste im Achbett und noch einmal im Winter 190721. Die Römer waren Meister des Brücken- und Straßenbaus. Nach ihrem Abzug verfiel die Brücke schnell. Es dauerte mehr als 1000 Jahre, bis die zweite erstellt wurde. Maximilians Brücke. Im Mittelalter umging der Handelsweg von Schwaben nach Italien die enge Bregenzer Klause und die Ach. Die Lasten wurden per Schiff von Lindau nach Fußach transportiert. 1517 bewilligte Kaiser Maximilian den Bau einer Brücke und stellte auch einen Baumeister aus Augsburg. 1518 konnte die 211 Meter lange gedeckte Holzbrücke von Rieden nach Lauterach eröffnet werden. Sie beeinflußte in Hinkunft das Leben im Raum Bregenz entscheidend. Immer wieder mußte sie erneuert werden, wenn sie vom Hochwasser Schaden erlitt. 1573 wurde sie völlig zerstört und auch 1650 stürzte der Neubau wieder ein. Eine Katastrophe hatte sie drei Jahre früher gesehen. Nach der Einnahme von Bregenz durch die Schweden am 4. Jänner 1647 verstopften Hunderte von fliehenden Fuhrwerken den Zugang zur Brücke. In der entstehenden Panik wurden Menschen und Tiere abgedrängt und ertranken im eisigen Wasser. Mehrfach war die Brücke in den Franzosenkriegen umkämpft. Bei der Verteidigung des Brückenkopfes am 30. Juni 1800 hatten die Franzosen 16Tote zu beklagen. Bei einem Hochwasser stürzte am 30. August 1837 ein großes Stück der Brücke ein. Der Hohenemser Postbote wurde mit seinem Fuhrwerk mitgerissen. Schwimmend konnte er sich retten. Die Pferde ertranken.22 Bei der Wiederherstellung erhielt der 87 m lange Mittelteil der Brücke kein Dach mehr, was ihr ein seltsames Aussehen verlieh. Beim Gasthof »Zoll« auf der Riedener Seite, wo der Wirt den Brückenzoll einhob, waren am Brückendach ein schützender St. Nepomuk und eine Beschränkungstafel auf 3.000 kg angebracht. Nur ungern wagten sich Fuhrleute mit beladenen Kiestruhen auf die um 1900 schon wieder morsch gewordene Brücke. Schließlich errichtete die Firma Heimbach und Schneider 1914 bis 1916 flußaufwärts neben 21 22 wie Anmerkung 14 Heimat 1, Seite 18, und Egon Sinz, Kennelbach, S. 80 Bilgeri, Bregenz, S. 156 19 20 Bilgeri, Geschichte III, S. 74 Rapp, 1896 II. S. 100 V. Volksblatt, 21. 3. 1897, und Holunder 1934/46ff Lepuschitz, Achbrücke, in »Lauterach« 1953, S. 157 16 17 der alten Holzbrücke eine Eisenbetonbrücke mit 4, 5 m breiter Fahrbahn und Gehsteigen, die am 12. Oktober 1916, mitten im 1. Weltkrieg, eingeweiht werden konnte. Jetzt wurde die alte abgebrochen. Am 1. Mai 1945 sprengten die fliehenden deutschen Truppen zwei Pfeiler und damit 56 Meter Fahrbahn aus dieser wichtigsten Achbrücke heraus. Zwei junge deutsche Leutnante, Anton Renz aus Bregenz und Helmut Falz aus Mötz i. T., hatten die Sprengung verhindern wollen. Sie wurden von der SS verhaftet und erschossen. Einige Monate später wurde die Lauteracher Brücke provisorisch mit Holz geflickt. Zwölf Jahre hielt das Provisorium, dann riß es im Februar 1957 ein Eisstoß weg. Damals hatte man aber bereits mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen, jetzt wieder flußabwärts am Platz von Maximilians Holzbrücke. Den neuen Zufahrtsrampen für die nun 10m breite Fahrbahn mußten auch das schon 1751 errichtete historische Gasthau Zoll auf der Riedener Seite und später das Karg-Lädele in Lauterach weichen. Am 27. Juni 1958 wurde die neue Lauteracher Brücke eingeweiht. Die Zunahme des Verkehrs brachte mit sich, daß nun täglich mehr als 20.000 Fahrzeuge die Brücke passieren. Für die Radfahrer baute man 1993 eine eigene Fahrbahn an. Die Fabriklerbrücke. Am 1. November 1838 hatten Jenny und Schindler in Kennelbach die größte Textilfabrik Vorarlbergs in Betrieb genommen. Ein Jahr später beschäftigten sie dort bereits 270 Leute, von denen weitaus die meisten aus Wolfurt kamen. Kennelbach hatte ja 1837 erst 50 Häuser mit insgesamt 277 Einwohnern.23 Bei Arbeitsschluß drängten sich alle Arbeiter gleichzeitig beim Fährmann zusammen, dessen Schifflein nur für 15 Personen zugelassen war. Nach dem Unglück von 1839, als 7 Leute beim Kentern des Bootes ertrunken waren, forderte das k.k. Landgericht in Bregenz von den Fabriksherren ein größeres Schiff oder einen sicheren Steg. Diese gaben bei einem Harder Zimmermann einen 112m langen und 2, 6m breiten Holzsteg in Auftrag, der ab 1840 den Fabriksarbeitern aus Wolfurt zollfrei zur Verfügung stand. Er führte von der Fabrik ans steile Wolfurter Ufer. Hinter dem Kugelfang des heutigen Schießstands sind noch Reste des Widerlagers erhalten. Durch einen schlechten Hohlweg kamen die Arbeiter zur Feldeggstraße ins Oberfeld hinauf. Wer nicht zur Fabrik gehörte, mußte Zoll zahlen: für eine Person 1/2 Kreuzer, für Schaf oder Geiß 1 1/2 Kreuzer, für Hornvieh 2 Kreuzer und für ein zweispänniges Fuhrwerk gar 6 Kreuzer. Zollfrei waren außer den Fabriklern nur noch die Pfarrer und die Vorsteher von Wolfurt und Kennelbach. Als der Frachtverkehr zunahm, erwies sich der Hohlweg auf das Oberfeld als Hindernis. 1847 23 Im Jahre 1932 sind Franz Geiger und seine Frau Klara, Schützos, aus Amerika an die Inselstraße heimgekehrt. Von den vielen Festteilnehmern leben noch die Tochter Franziska und der Nachbar Rohner Eugen (ganz rechts). Die beiden Buben Siegfried und Georg Schwerzler (links) sind im Krieg gefallen. ließen die Fabriksherrn daher am linken Ufer auf dem damaligen Kiesbett der Ach eine Straße bis zum ersten Wolfurter Haus aufschütten. Sie besteht noch heute als Sportplatzstraße. Weil die Holzbrücke, die man bald mit einem Schindeldach versehen hatte, feuergefährdet war, bestand in ihrem Bereich strenges Rauchverbot. Rauchkessel für die Pferde mußte der Fuhrmann von der Deichsel abnehmen und vorsichtig über die Brücke tragen. Bis 1904 war die Fabriklerbrücke ein wichtiger Übergang. Weil man auf der neuen Betonbrücke 2 Heller Zoll verlangte, benützten die Arbeiter weiterhin den Steg. Am 15. Juni 1910 riß aber ein fürchterliches Hochwasser ein großes Stück aus der alten Brücke heraus. Mit dem Familienvater Josef Karg, der sich daran festklammerte, schwamm es vor den Augen vieler entsetzter Zuschauer unter den drei anderen damaligen Brücken durch, ehe es unterhalb der Eisenbahnbrücke zerschellte. Karg wurde am anderen Tag tot aufgefunden24. Für die Fabriksarbeiter wurde der Steg noch einmal erneuert, aber 1931 mußte er wegen Baufälligkeit gesperrt werden. Ein Eisstoß zerbrach am 3. Jänner 1932 neuerdings das mor24 Kurt Klein, Montfort 1991, S. 296 Heimat 5, S. 36 18 19 sehe Tragwerk. Damit war das Ende der ersten Wolfurter Brücke gekommen. Die Zimmerleute der Fabrik trugen ihre Reste ab.25 Die Eisenbahnbrücke. Hartnäckig und erfolgreich hatten die konservativen Wolfurter vor 1870 die Führung der Eisenbahn durch Flotzbach, Fatt und Lärche nach Bregenz verhindert. Nun wurde die Vorarlbergbahn westlich von Lauterach gebaut. Aus Stahlträgern erstellte man nach der Wolfurter und Lauteracher nun eine dritte Achbrücke. Am 30. Juni 1972 wurde sie in Betrieb genommen. Seither hört man oft das Rasseln der Züge und deutet es an der Ach und im Dorf in Wolfurt als Schlechtwetterzeichen. 1945 wurde auch die Eisenbahnbrücke gesprengt, aber bald wieder repariert. 1960 baute man für das zweite Geleise nach Bregenz eine parallele Brücke. Zusätzlich wurde eine Nebenfahrbahn für Radfahrer und Fußgänger angehängt. Die Kennelbacher Brücke. Die Eröffnung der Wälderbahn am 15. September 1902 machte für den Anschluß verkehr links der Ach die Erstellung einer Brücke notwendig, da ja die schmale hölzerne Fabriklerbrücke weit abgelegen war. Es ist das Verdienst des Wolfurter Oberlehrers Wendelin Rädler26, daß man sich nach langen Verhandlungen für eine ganz moderne Lösung entschloß. Die Firma Westermann in St. Gallen erbaute von November 1903 bis April 1904 die erste Stahlbetonbrücke der österreichisch-ungarischen Monarchie. Bei einer Länge von 114m hatte sie eine Fahrbahnbreite von 4, 90m und zusätzlich einen Gehsteig. Sie bekam sogar elektrische Straßenlampen und durfte von Lastwagen bis zu 6 Tonnen befahren werden. Am 29. Juni 1904 wurde sie feierlich eingeweiht. Für den Zolleinnehmer wurde 1907 ein hübsches Zollhaus aufgestellt, das im Jahre 1917 noch eine große Holzfigur des Brückenpatrons St. Nepomuk als Schmuck bekam. Auf den Zöllner Johann Matt und seine Frau Katharina folgten nach dem 1. Weltkrieg der pensionierte Major Anton Witzemann und seine Frau Mina. Nachdem man in den 20er Jahren den Zoll abgeschafft hatte, betrieben Witzemanns noch lange eine Tabak-Trafik und versorgten die Ächler Kinder mit den begehrten Süßigkeiten. Im Zuge des Ausbaus der oberen Straße wurde die bis dahin nur geschotterte Brückenfahrbahn im Jahre 1931 gepflastert. Große Sorgen bereitete den Brückenerhaltern das Absinken des Achbetts. Alte Fuhrleute erzählten, daß ihre Pferde in den ersten Jahren nach 1904 beim Befahren der «Steinat» unter der Brücke mit dem Kummet angestoßen seien. Das änderte sich schnell. Das reißende Wasser grub sich in die Tiefe. Schon 1912 und noch einmal 1926 mußten die freigelegten Fundamente der Brückenpfeiler verstärkt werden. Im April 1945 sollte das Achufer Verteidigungslinie der deutschen Truppen werden. Schützengräben und Maschinengewehrstellungen wurden ausgehoben. Um auch vom Ober25 26 feld her freies Schußfeld zu erhalten, holzte man das Wäldele am Ufer ab. Mit zwei Bomben wurde am 1. Mai 1945 die Brücke gesprengt. Allerdings knickte nur ein Stück Fahrbahn ein. So gelang es den französichen Pionieren am frühen Morgen des 2. Mai schnell, mit ein paar Eisenschienen das Loch zu überbrücken. In Kennelbach und bei der benachbarten Schreinerei Diem requirierten sie Bretter für die Notbrücke. In den nächsten Tagen zwängte sich der ganze Vormarsch der französischen Armee mit zahlreichen Panzern, Maultierkolonnen und einem riesigen Autotroß über die Stufen auf der Fahrbahn. Erst ein zweiter Steg auf der ebenfalls nur eingeknickten Eisenbahnbrücke in Lauterach schaffte Erleichterung. Nach einem Jahr Provisorium wurde das fehlende Stück wieder betoniert. Noch zweimal, 1963 und 1977, mußte die Brücke gesperrt werden, weil die Strömung die Pfeiler unterwaschen hatte. Auch der stark zunehmende Verkehr forderte jetzt eine größere Lösung. Ein Neubau wurde 1979 erstellt. Nachdem man die alte Brücke am 13. Dezember 1979 in kleine Stücke gesprengt hatte, wurde die neue langsam an ihren Platz geschoben. Zusätzlich zu ihrer 7, 60m breiten Fahrbahn besitzt sie zwei Gehsteige. Damit sollte sie eigentlich dem Verkehr der kommenden Jahrzehnte gewachsen sein. Eine schon 1976 eingebaute Sohlschwelle schützt ihre Pfeiler. Die Harder Brücke. Die als Industrieort groß gewordenen Marktgemeinde Hard kämpfte lange vergebens um einen eigenen Anschluß an die Stadt Bregenz. Erst 1925 bekam sie einen eigenen Übergang, der aus Kostengründen nur als Holzbrücke mit vielen Pfeilern von je 10m Abstand ausgeführt wurde. Am 11. Juli 1926 konnte sie eingeweiht werden. Mit den anderen Achbrücken wurde auch derHarderHolzsteg 1945 gesprengt. Für den gewaltig zunehmenden Verkehr in die Schweiz mußte schließlich eine moderne Betonbrücke erstellt werden. Die Autobahnbrücke. Der jahrzehntelange Trassenstreit um eine Autobahn bei Bregenz endete schließlich mit der Festlegung auf einen Tunnel durch den Pfänder. 1977 begannen der Abbruch des alten Bauernhofes in der Höll und etlicher Wohnhäuser auf der Autobahntrasse und der Bau einer gewaltigen Doppelbrücke mit Abbiegespuren für den Weidachknoten. Als auch der 6, 7 km lange Pfändertunnel fertiggestellt war, konnte am 10. Dezember 1980 das nur 14 km lange, aber sehr teure Autobahnteilstück von Dornbirn über die Bregenzerach und durch den Tunnel an die Staatsgrenze bei Hörbranz dem Verkehr übergeben werden. Riesige Autokolonnen wälzen sich seither durch unser Gemeindegebiet und stauen sich oft auf der Brücke vor dem Tunnelportal. 1993 hat man auch für den lange benachteiligten Fahrradverkehr einen Steg an die Autobahn angehängt. Weitere Achbrücken? Radfahrer und Wanderer haben schon oft den Wunsch nach einem seenahen Steg im Mündungsgebiet der Ach zum Ausdruck gebracht, damit sie sich nicht auf die gefährliche Harder Brücke zwängen müssen. Er wird sicher eines Tages kommen! Die zukünftige Öffnung des Weidachknotens droht mit einer Verkehrslawine durch Kennelbach und Wolfurt. Das könnte dazu führen, daß alte Pläne einer Verbindung des Knotens mit der Wolfurter Seite wieder hervorgeholt werden. 21 Die meisten Angaben stammen aus Sinz, Kennelbach, 1987, S. 79ff und S. 263ff Heimat 12, S. 40 20 Die alten Häuser an der Ach Im Jahre 1900 hatten alle Wolfurter Häuser neue Nummern bekommen. Die Reihe begann in der Höll mit Nr. 1 und endete im Schlatt mit Nr.290. In der folgenden Aufstellung ist nach der Hausnummer immer der Besitzer vom Jahre 1900 genannt. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. Geiger Johann Martin. «Hell-Bur». 1922 an Jodok Bösch. 1977 für die Autobahn abgebrochen. Waldinger Agatha, Witwe. Später kauften «Naglar»-Kalbs aus dem Tobel das Haus. Es ist 1969 abgebrannt. Meusburger Jodok. Er verkaufte an «Küonzos»: Johann Georg und Leonhard Künz. Mit Naglars 1969 abgebrannt. Thaler Fridolin. Heute wohnt dort seine Enkelin Gebhardine Gorbach. Bernhard Joh. Baptist. «Lo-Hansolars» verkauften an «Stöoglars» Hanne. Familie Fischer. Schneider Remigius. Ehemaliges Gasthaus «Bosnien». 1903 kaufte es der Zimmermann Josef Kresser. Schertler Johann Martin. «Hans Marteles». Ehemaliges Gasthaus «Schiffle». Abgebrannt etwa 1970. Rohner Wilhelm. Vater des späteren Bürgermeisters Theodor Rohner. Schon 1902 kaufte Joh. Georg Hohl, «Hohlo Schnidar», das Haus und baute es großartig um. 1968 ist es abgebrannt. Heute Zementwerk Alwin Rohner. Geiger Joh. Martin. «Schützos». Es ist 1932 abgebrannt. Im neuen Haus wohnt jetzt die Urenkelin Ilse Moosbrugger-Österle mit ihrer Familie. Höfle Lorenz. Im Jahre 1904 heiratete Martin Rohner hierher. 1937 ist das Haus abgebrannt. Im neuen Hof wohnt Rohner Rosmarie, «Paulos». Schertler Theodor. Er tauschte das Haus um das Jahr 1910 gegen das Haus Nr.25 ein. Seither leben «Vinälar»-Rohners hier. Rohner Gebhard. «Hammorschmiods». Um das Jahr 1930kaufte Josef Höfle Haus und Werkstatt. Sinz Josef. In den 50er-Jahren übernahm sein Enkel August Thaler Haus und Hof von Tante Adelheid Sinz. Dür Lorenz's Witwe. 1901 heiratete der Nachbar «Hohlo Marte» hier ein. 1908 ist das Haus abgebrannt. Heute Hohl Georg. Hohl Geschwister. «Hohlo Fidele» und später Franz Hohl. Er ließ das Haus 1987 abbrechen. Böhler Hieronymus. «Holzars Ronimus». Das Haus ist 1908 abgebrannt und seither verschwunden. Malin Fidel. In seinem Haus richtete Leonhard Salvaterra einen Laden ein, den später Frau Rüscher als Rupps Lädele weiterführte. Um 1940richteteHans Schwarz hier seine Schumacherwerkstatt ein. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 22 23 18. Fait Giovanni, «Gasthaus Traube». 1921 kaufte es Anton Österle. 19. Vonach Josef. Das Stammhaus der «Sammüller»-Böhler ist schon 1900 abgebrannt und seither verschwunden. 20. Müller Johann. «Irgo Buobos». Abgebrannt 1908. 21. Kresser Katharina, Witwe. Mit Nr.20 im Jahre 1908 abgebrannt. Kressers bauten das Haus neu auf und verkauften es 1932 an «Kapeollars», deren Sohn Franz Rohner hier ein Textilgeschäft einrichtet. Jetzt «Beschützende Werkstätte». 22. Schwerzler Joh. Martin. «Naiolars Hannbatist» hatte anstelle von zwei im Jahre 1897 abgebrannten Häusern ein neues gebaut, das August Rädler 1909 zum «Gasthof Wälderhof» machte. Etwa 1975 wurde es abgebrochen. 23. Scheffknecht Johann. Hier baute um 1930 Rudolf Diem seine Schreinerwerkstätte an. 24. Jenny und Schindler. Das «Fabrikshus». 25. Rohner Johann.«Vinälars». Sein Sohn Josefübersiedeltenach Nr.11und überließ sein Haus «Thedoros». Die Tochter Martina heiratete 1922 Josef Wachter. 26. Böhler Joh. Baptist. «Holzars Hannbatist» und sein Sohn «Hannbatisto Jockl» arbeiteten an der Grenze Ach-Röhle als Schmiede. 26 Häuser gab es also an der Ach im Jahre 1900. Hundert Jahre früher waren es erst 7 gewesen. Nach dem Blauen Buch von 1989 stehen im Achgebiet heute etwa 220 Häuser, darunter etliche große Mehrfamilienhäuser. Neue Siedlungen Zu den 26 Häusern an der Ach (von insgesamt 290 in Wolfurt), die man im Jahre 1900 neu numeriert hatte, kamen bald viele neue dazu: Nr. 291 Thaler Ferdinand / Thaler, Achstr. 5 Nr. 294 Scheffknecht Baltus / Gmeinder, Inselstr. 5 Nr. 297 Böhler / Bechter / Geiger / Kresser, Achstr. 29 Nr. 298 Schwerzler-«Naiolar» / «Böglar-Olga» / Achstr. 25 Nr. 300 Rohner-«Harnmorschmiods» / Zwickle, Achstr. 14 Nr. 301 Raidl / Ignaz Hämmerte - abgebrannt 1909 / Sohm, Achstr. 16 Als erstes Haus außerhalb des zweiten Damms stellte Anton Österle zu seiner Säge das Wohnhaus Nr. 303 /Dorrer, Dammstr. 6. Die Dampfsäge ist 1927 abgebrannt. An ihrem Platz errichtete Josef Österle seine Spenglerei. Ächler Jungmänner vor dem Krieg 1939. Rohner Viktor, Lenz Seppl, Hohl Georg, Lenz Eugen, Hohl Franz, Rohner Eugen, Graß Othmar, Thaler Ernst und Österle Josef. Zwar wohnten Rohners längst im Dorf, aber immer zog es sie hinaus zu Vaters Heimat an die Ach. Im Jahre 1907 war die Hochblüte der Stickerei. An vielen Häusern wurden eigene Sticklokale ein- oder angebaut. Im folgenden Rezessionsjahr 1908 brannten schnell hintereinander die Häuser Hohl, Kresser, Müller und Brüngger ab. Neu dazu kamen 1907 an der Ach auch das Brückenzollhaus und ganz unten an der Lauteracher Grenze als erstes Haus der späteren «Kolonie» Nr. 304 Simma / Im Wida 13. 1912 erhielt die Zementerei Rädler am Platz des 1905 abgebrannten Wuhrstadels die Nr. 352. Erst 20 Jahre später wurden dort aber das Firmenbüro Rädler und die Wohnung für die Hebamme Frau Graß eingerichtet / Lutz, Bregenzerstr. 35. Nach dem 1. Weltkrieg entstand die Kolonie « Im Wida». Sie lag so weit abseits vom Kirchdorf, daß ihre Bewohner sich die Zugehörigkeit zu Kirche, Schule und Post Lauterach erkämpften und sich auch zu den Lauteracher Vereinen bekannten. Seit 1967 besuchen die Kinder aus dem Wida die Schule Bütze und die Hauptschule Strohdorf und fühlen sich erst jetzt der Gemeinde Wolfurt zugehörig. Begonnen haben mit der «Kolonisierung» beim Simmahaus im Wida zuerst 1922 Fritz Pissinger / Achstr. 56 und 1924 Ferdinand Vonach / Im Wida 18. Dann folgten in nur 10 Jahren ab 1926 schnell 14 weitere Häuser, darunder die Gärtnerbetriebe Erwin Karg und Alois Stöckli. Auch in der Höll baute Anton Plankel bei dem seit mehr als 100 Jahren einsam stehenden «Höll-Bur» nun ein zweites Haus. Dann kam mit dem 2. Weltkrieg eine große Pause. Die Kresser-Brüder stellten 1941 noch ein 24 25 den am Bregenzerweg Schule und Kindergarten Bütze eröffnet und daduch den Ächlerkindern weite Wege erspart. Schon 1953 hatte Rudolf Fitz einen ersten Lebensmittelkiosk an der Kurve zur Bützestraße erbaut, der bald dem Ansturm der Käufer nicht mehr gewachsen war und in Stufen zu einem Lebensmittelmarkt erweitert werden mußte. In den 70er-Jahren wurde auch die Besiedelung an der oberen Achstraße und an der Inselstraße verdichtet. Frei blieben nur ein großes Stück im Oberfeld und schöne Wiesen zwischen Bütze- und Lerchenstraße. Dort hat sich die Gemeinde Gründe gesichert, um vielleicht eines Tages den Wunsch nach einem Schulzentrum Ach erfüllen zu können. Die ältesten Familien Nahe der Furt über die Ach stand schon im Mittelalter eine kleine Ansiedlung. Hier gab es wahrscheinlich Stallungen und eine Raststätte, wo Fuhrleute manchmal lange Zeit das Ende des Hochwassers abwarteten. Ein Fährmann bot eiligen Wanderern seine Dienste an. Im ältesten Wolfurter Häuserbeschrieb1 von 1594 wird die «Crommerin zue Ach» genannt, die hier mit einem Krämerladen die Reisenden versorgte. Von der Siedlung an der Ach haben die »Vonach»-Familien ihren Namen. Sie schrieben sich noch bis 1814 «von Ach». Erst der neue Pfarrer Grasmeier machte daraus ab jetzt nur mehr ein Wort. Die «von Ach» lassen sich schon 1391 als Grundbesitzer an der Ach und im Oberfeld nachweisen.2 Sie breiteten sich nach Lauterach und Bregenz aus. In Bregenz erhielt eine ihrer Familien sogar den Adelstitel «von Ach zu Gerhaimb».3 Die Lauteracher «von Ach» stellten eine Reihe von Hofsteigammännern. An der Ach selbst lebten um 1800 noch zwei «von Ach»Familien. Vom Hofsteiger Gerichtsgeschworenen Martin von Ach (1723-1796) stammen viele Wolfurter Familien, darunter jene, die den Namen «Flötzar» von der Ach ins Kirchdorf und später bis hinauf ins Frickenesch mitgenommen haben. Einer von ihnen, Andreas Vonach, war 1821 bis 1824 Vorsteher von Wolfurt. Zu den Nachkommen gehören Fischer-Klosos, Schertler-Veres, Schwerzlers im Tobel, Giselbrechs in der Bütze und Kalb Ferdes in der Bütze, aber auch die angesehenen Familien Ölz in Dornbirn und Tizian in Bregenz. Die beiden Vonach-Häuser (B2 und 3) an der Ach sind miteinander am 15. Juni 1897 abgebrannt. An ihrem Platz stand später der Wälderhof. Aus Bildstein-Geißbirn kam um das Jahr 1740 Markus Höfle an die Ach. Seine Söhne besaßen dort 1760 drei von den insgesamt sieben Häusern.4 Antons und Andreas Familien lebten in zwei aneinander gebauten Häusern gegenüber vom späteren Wälderhof. Martin hatte das heutige Scheffknecht-Diemhaus (B1), zu dem seit der Auflösung des Klosters Mehrerau ein großes Stück Oberfeld gehört. Dieses Feld ist als einziges in Wolfurt als Klosterbesitz der Zerstückelung im 18. Jahrhundert entgangen. 1 2 3 4 Von den vielen Ziegeleien an der Ach ist ein einziges Bild geblieben, das Schnidarles Hannes beim Abbruch der letzten 1896 gemalt hat. Auf ihrem Platz steht jetzt das Thalerhaus Achstraße 5. Haus an den Rand des Oberfelds / Rohner, Bregenzerstr. 24. Und nach Kriegsende entstandan der vielbefahrenen Achkurve beim Wälderhof der Kiosk Madiener, den der Kriegsinvalide Hans Künz viele Jahre führte. In dieser Zeit war der Kiosk ein beliebter Sammelplatz für die Dorfjugend. Zwischen Ach und Wida bestand immernoch ein weites Grasland, durchsetzt mit fruchtbaren Äckern und großen Obstgütern. Ab 1947 begann nun die Zersiedelung dieses Gebietes, die in dreißig Jahren Wolfurt und Lauterach zusammenwachsen ließ. Die erste Siedlung an der Ach schufen die Familien Wetzel, Meusburger, Moosbrugger, Gasser und Hofer / Achstr. 22 bis 30. Eine zweite, größere folgte ab 1950 außerhalb des neuen Damms, beginnend mit Höfle Engelbert, Dammstr. 28, und Fink Otto, Wuhrweg 1. Preisgünstige LAWK-Gründe lockten viele Siedler hierher. Unter größten Mühen rodeten sie das steinige Achgelände bis hinab ins Wida und schufen Wohnraum in schönster Lage am Auwald der Ach. Die Gemeinde brauchte aber dringend Arbeitsplätze, damit sie mit höherem Steueraufkommen ihre Struktur verbessern konnte. So förderte sie ab 1960 die Errichtung der Firmen Wolff, Pawag und Roylon im Baugebiet an der Achstraße und der Firma Rädler beim Sportplatz. Längst hatte auch eine Besiedlung der Felder an Lerchenstraße und Albert Loackerstraße eingesetzt. Blocks entstanden dort und forderten den Bau neuer Straßen. Im Jahre 1967 wur26 Holunder 1932, Nr. 30 Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952, S. 24 Wie Anmerkung 2 Seelenbeschrieb 1760 der Pfarre Wolfurt 27 Zwei Höfle-Familien blieben ohne männliche Nachkommen. Ihre Häuser kamen 1860 an Johann Scheffknecht aus Lustenau, bzw. 1868 an Josef Kresser aus Sulzberg. Im dritten aber lebten Joh. Georg Höfle, «Irg», und sein Sohn Josef Anton Höfle, «Irgo Buob», mit vielen Nachkommen. Einer davon war Lorenz Höfle (1837-1904), der einen großen neuen Hof an der Inselstraße kaufte. Nach dem Brand von 1937 baute ihn Paul Rohner noch größer wieder auf. Außer den Rohner-Familien gehören auch die Büobler- und Stenzler-Schwerzler und die Schloßburo-Köb beim Hirschen zu den Höfle-Nachkommen von der Ach. Das sechste Haus (B7) steht noch mit der Nr. 31 an der Bregenzerstraße. Hierher heiratete 1708 der Dornbirner Martin Klocker. Von ihm stammen all die vielen Wolfurter Klockerfamilien: die Glaser-, Sticker-, Bäcker- und Seiler-Klocker von der Hub, die Stricker vom Röhle und die Wagner und Ziegler an der Ach. Einer von ihnen, Josef Anton Klocker 17831853, besaß 1835 die größte Ziegelei an der Ach und baute neben sie das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohner Eugen). Im siebten Haus an der Inselstraße (B6) wohnten die Müller und ab 1784 die Böhler. Dieses Stammhaus der Sammüller-Böhler ist 1900 abgebrannt und seither verschwunden.5 Erst nach den Franzosenkriegen begann die Erschließung der «Iosol», der ehemaligen Insel im Achbett, die man durch den Damm von 1772 gewonnen hatte. Zuerst kamen die Dür aus dem Kirchdorf. Dismas Dür hatte um 1805 sein altes Haus an der Kirchstraße abgebrochen und in der Bütze neu aufgestellt. Dann aber baute er mit seinen tüchtigen Söhnen 1816 das erste Haus an den Achdamm und dazu eine große Ziegelei, beides dort, wo jetzt die «Traube» Achstraße 1, steht. Schon 1835 konnte er für seinen Sohn ein zweites Dür-Haus bauen, Achstraße 4 (Franz Hohl). Das Haus in der Bütze hatte Dismas seinem Neffen Martin Dür überlassen. Aber der kam 1840 ebenfalls an die Ach. Er erbaute das Haus Achstraße 3 (Hohl Georg) und dazu gleich eine weitere große Ziegelei. Dort hat er 1857 das Vaterhaus aus der Bütze verheizt. Andere Dür-Vettern hielten um diese Zeit das Röhle fest in der Hand. Sie besaßen an der Bregenzerstraße schon Nr. 6 (Hannes Franz) und hatten von dort aus 1805 Nr. 10 (Kappeollars) gebaut, 1814 Nr. 11 (Rößlewirts Franz), 1836 Nr. 20 (Küofars) und 1843 Nr. 14 (Bernhards). Eine Dür-Tochter erbaute 1883 mit ihrem Mann Josef Sinz aus Kennelbach das Haus Achstraße 6 (Thaler August). Schließlich gründete auch noch Lorenz Dür aus dem Röhle 1848 die bedeutende DürSchlosserei am Rickenbach, die ab 1892 von der Familie Doppelmayr zum heutigen Großbetrieb ausgeweitet wurde. Auch in den anderen Dür-Häusern tauchten neue Namen auf. Georg und Peter Dür (Düro Tones) sind in Wolfurt heute die einzigen Namensträger aus der einst so großen Sippe, doch gibt es noch unzählig viele Verwandte. 5 Achhäuser, Ausschnitt aus dem Baudirektionsplan von Negrelli aus dem Jahre 1827 a Flußlauf und Kiesbänke b eine Insel c Staudenvorland d neuer Damm/Achstraße e alter Damm/Inselstraße f «Weidachfeld», Getreideäcker an der Bützestraße g Oberfeld Sieben alte Häuser mit den bayrischen Nummern von 1 (Scheffknecht-Diems) bis 7 (Wächters) Zwei neue Häuser ohne Nummer: h Dür Dismas/1816 i Böhlers/1822 Z die ältesten drei Ziegeleien Heimat l l , S. 19ff 28 29 Im Röhle und bei den Ziegeleien an der Ach erwuchs den Dür eine starke Konkurrenz in der FamilieSchertleraus Unterlinden. Josef Anton Scheitler, 1791-1867, ein Sohn des berühmten Schützenmajors Jakob Schertler, erbaute schon 1814 an der Bregenzerstraße das Haus Nr. 15 (Schedlars im Röohle) und 1852 für seinen Sohn Joh. Martin Nr. 21 (Alfredos). Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Vorsteher MartinSchertlerin Unterlinden, erwarb und betrieb er an der Ecke Bützestraße-Achstraße die große Klocker-Ziegelei. Die Schertler kauften dazu auch noch die zwei Nachbarhäuser Bützstraße 24 (Rohner Eugen) und 41 (Hansmarteies). Als sich gar 1852 ein Schertler-Sohn und eine Dür-Tochter ehelich verbanden, war die Grundlage für eine Zusammenarbeit der Ächler Ziegeleien gelegt. Man erbaute für das junge Paar eine Fuhrwerks- und Bürozentrale im Strohdorf, das spätere Postamt gegenüber der Schule. Hier kamen die Brüder Jakob und LorenzSchertlerzur Welt, die um 1885 ihren Betrieb von der Ach ins Flotzbach verlegten. Jetzt wurden die Ziegelhütten an der Ach abgebrochen. Auf die Fundamente der obersten baute der Schuhmacher und Weinhändler Giovanni Fait aus dem Valsugana 1896 ein riesiges Haus, den Gasthof Traube. Auf den Mauern der zweiten errichtete 1900 Ferdinand Thaler sein Haus, in dem später sein Sohn Gebhard die Bürstenbinderei betrieb. Am Platz der dritten an der Achkurve ist erst viel später das Haus Bützestraße 28 entstanden. Ein anderer Schertlerzweig aus dem Röhle kaufte den uralten Wuhrstadel am Achufer und begann dort mit der Zementerei. 1888 erbauten sie eine große moderne Kalkhütte im Röhle und begründeten die Baumaterialienfirma «Schertler und Cie». Durch seine Heirat mit einer Schertlertochter war auch der landesweit bekannte Lehrer Wendelin Rädler6 Teilhaber geworden, der bald die Führung der Betriebe übernahm. 1908 wurde die Firma geteilt. Rädler und sein Sohn August waren nun Alleininhaber von Zementerei und Kalkwerk. Der Firmensitz wurde in den Wälderhof verlegt und damit die für die Ächler so bedeutsame Firma «Baustoffe Rädler» gegründet. Wohl trägt sie noch heute den alten Firmennamen, als Familienname ist er aber erloschen. Im Jahre 1858 war Josef Anton Hohl aus Schwarzach an die Ach gekommen und hatte mit seiner Frau Anna M. Albinger das Dürhaus, Achstraße 4, gekauft. Von ihren vielen Kindern übernahm «Fidele» das Elternhaus. «Hohlo Marte» heiratete im Nachbarhaus die letzte Dürtochter Katharina. «Hans-Irg» ließ sich als Schneider und Sticker an der Bützestraße nieder. Ein weiterer wichtiger Name tauchte auf, als die «Vinälar»-Brüder Lorenz und Johann Rohner um 1870 aus dem Strohdorfan die Ach kamen. Schon 70 Jahre früher hatte der Pfarrer ihre Großeltern mit«Vaneler» bezeichnet. Wir verstehen das seltsame Wort heute nicht mehr. Lorenz Rohner kaufte 1869 eines von den alten Vonachhäusern (beim Wälderhof). In der Fabrik Kennelbach arbeitete er sich zum Spinnreimeister hinauf. Als sein Haus 1897 abbrannte, übersiedelte er mit der Familie ins Röhle. Sein Sohn Franz wurde dort der unvergeßliche 6 Die Einmündung der schmalen Bützestraße um 1935. Fahrverbot! Rechts das ehemalige «Schiffle». «Kapeollar». Von den Enkeln kehrte «Fränzle» an die Ach zurück und begründete dort das Textilhaus Rohner. Hier wohnte lange Zeit auch sein Bruder Ludwig Rohner, bei den Wolfurtern bekannt und beliebt u.a., weil er den Fußballklub gründete und durch seine Verbindungen zur LAWK den Bau des ersten Sportplatzes an der Ach möglich machte. Johann Rohner kaufte 1879 das kleine, alte Klocker-Haus, Bregenzerstraße 31 (Wachters). Von seinen Söhnen übernahm Martin durch Heirat mit der letzten Höfletochter den Hof Inselstraße 11, wo mit Johann und Paul Rohner weitere bekannte Ächler geboren wurden. Ihr jüngster Bruder Siegfried war viele Jahre Pfarrer in Schwarzach. Martins Bruder Josef, «Vinälars Seppl», hatte sein kleines Elternhaus an der Bregenzerstraße gegen das großeSchertlerhausand er Bützestraßeeingetauscht. Dort lebte er nun als Bauer und Fuhrmann. Ihm folgte sein Sohn Eugen. Die Schwester Rosa Rohner war ebenfalls an der Bützestraße mit dem Schneider und Sticker Joh. Georg Hohl verheiratet. Eine andere Schwester, Magdalena, wurde die Gattin von Fridolin Scheffknecht, Bauer und Bucher Bote. Ihre Kinder waren der gutmütige Herbert und «Elis» Diem, die heute die riesigen Gründe verwaltet. Schließlich möchte ich noch eine Ächler Familie nennen, die bei den meisten längst vergessen ist: die Rusch. Aus Kennelbach war 1838 ihr Stammvater über die Ach gekommen undhatte eine Dür-Tochter geheiratet. Katharina, Anna Maria und Franz Maximilian wurden die drei Kinder getauft. Von Katharina und ihrem Mann Josef Kresser aus Sulzberg stammen 31 Heimat 11, S. 43 30 Gasthof Bosnien die beiden Kresser-Sippen an der Ach, die eine aus dem ehemaligen Gasthof «Bosnien», die andere aus demnach dem Brand von 1908 neu erbauten Kresser-Elternhaus. Dort ist heute die «Beschützende Werkstätte» eingerichtet. Anna Maria Rusch war mit Lorenz Rohner ebenfalls an der Ach verheiratet. Zu ihren Nachkommen zählen neben vielen «Kapeollar»-Familien auch die «Schwarz-Vinälar»-Musikanten, die «Feogar»-Albinger und etliche andere. Franz Max Rusch übersiedelte von der Ach schon vor 100 Jahren nach Bregenz. Zu seiner Sippe zählen dort der bekannte Büchsenmacher Hans Rusch in der Maurachgasse, der Mundartdichter Ferdinand Schlegel und der weitum bekannte originelle Heimatkundler «Flädle»-Wolfgang Rusch. Eine weitere wichtige Familie an der Ach waren die «Naiolar»-Schwerzler. Josef Schwerzler, 1773-1837, stammte aus Unterlinden und kaufte 1804 eines der alten Vonach-Häuser an der Ach. Sein Sohn, der «Flaschner» MartinSchwerzler, besaß den Gasthof «Schiffle»an der Bützestraße, seine Kinder übersiedelten jedoch bald nach Kennelbach. Vom anderen Sohn, dem Näher Joh. GeorgSchwerzler, stammen drei bedeutende Familien. Naiolars «Hans-Irg» wurde in der Bützestraße 2 Stammvater der Familien Eugen undAlfons Rist. Sein einziger 32 Der «Wälderhof» war viele Jahre lang wichtigster Treffpunkt der Ächler. Sohn Josef Schwerzler war 1914 in Galizien gefallen Naiolars «Hannbatist» baute 1905 das Haus Achstraße 25, wo seine Töchter «Böglars» Olga und Lena lebten. Der einzige Enkel Elmar Schwerzler ist 1944 gefallen. Naiolars Lorenz heiratete in die Bütze. Seine Tochter Adelheid wurde die Mutter von Alfons und Hubert Kalb. Mit seinem einzigen Sohn «Naiolars Lorenzle» starben 1957 die «Naiolar»-Schwerzler aus. Ihr Stammhaus an der Ach war schon 1897 abgebrannt. Die Rohner-«Hammorschmiods» hatten 1834 weit unten am Achdamm ein kleines Haus gebaut. Es hieß später «Naglars», denn Hammerschmieds waren schon 1870 weiter herauf ins Haus Achstraße 11 übersiedelt. Der Sohn Rohner Martin, 1865-1930, hat sogar noch um 1905 das schöne Haus Achstraße 14 (Zwickle Hermanns) erbaut. Dann ist auch die Sippe «Hammorschmiods» erloschen. An der Inselstraße hatten sich 1846 «Schützos» niedergelassen. Ihr Familienname Geiger ist dort aber ebenso wieder verschwunden wie der der «Hellbur»-Geiger drunten in der Höll. Um 1900 kamen die Thaler an die Ach, dann die «Naglar»-Kalb und die «Stöoglar»-Fischer. Viele andere Familien sind ihnen gefolgt, viele auch schon wieder verschwunden. 33 Gasthäuser an der Ach Einst hat wohl die «Crommerin zue Ach» Durst und Hunger der Wanderer an der Furt gestillt. Dann fehlen lange Zeit Nachrichten von einem Gasthaus an der Ach. Als im 19. Jahrhundert die Ziegeleien manchen Umtrieb brachten, wurde an der unteren Straße das «Schiffle» als Gasthaus gebaut. Es dürfte keine Goldgrube gewesen sein. Jedenfalls wechselten ständig Besitzer und Wirte: Erbaut 1838 vonSchertlerJoh. Martin, 1841 Köb Michael, 1856 Bereiter Michael, 1863 Albinger Franz Xaver, 1866 Schertler Jos. Anton, 1871 Schwerzler Martin, Flaschner, 1883SchertlerJoh. Martin, «Hansmartele». Dieser schloß die Gaststube. Im Besitz seiner Urenkelin Martina Weiß ist das «Schiffle» um 1970 abgebrannt. Seither fehlt Bützestraße 41. Im Jahre 1879 erbaute der Schneider Franz Eiselt das Haus Achstraße 6. Er stammte aus Böhmen und hatte mit seiner Frau Katharina Rohner, Rößlewirts, seit 1872 Wohnungen an die Fabriksarbeiter aus dem Valsugana vermietet. Das neue Haus an der Ach besaß nicht nur viele Zimmer für die «Italiener, sondern auch eineriesigeGaststube. «Bosnien» nannten die Wolfurter diese Schenke, weil dort viel gestritten worden sei. 1892 übersiedelte Eiselt nach Innsbruck und verkaufte das Gasthaus an die Familien Bayer und Schneider aus Württemberg. 1903 erwarb es der Zimmermann Josef Kresser. Es gab aber jetzt keinen Gastbetrieb mehr. In der Wirtsstube wurden Webstühle aufgestellt. Zum Bau des Blocks Dammstraße 19 mußte das alte «Bosnien» 1974 abgebrochen werden. An der oberen Achkurve waren 1897 zwei uralte Häuser abgebrannt. An ihrer Stelle baute der «Naiolar» Joh. Bapt. Schwerzler einen großen Hof, in dem nach der Eröffnung der neuen Eisenbahn im Jahre 1902 das Restaurant «zur Wälderbahn» eingerichtet wurde. Die ersten Wirte waren schnell hintereinander Josef Ganahl aus Bregenz, Jos. Anton Sohm aus Kennelbach und Mathias Schwendinger aus Schwarzach. 1909 übernahm der Kalkwerksbesitzer August Rädler den Gasthof undrichtetehier sein Firmenzentrum ein. Das Haus wurde in «Wälderhof» umbenannt. Rädlers zweite Frau Anna Lindebar erwies sich als ausgezeichnete Köchin. Sie machte den Wälderhof zu einem gut besuchten Feinschmeckerzentrum. Aber auch die Ächler und viele Fabrikler kehrten nach Feierabend gerne zu. Hinter dem Haus lockte im Sommer ein großer kühler Biergarten. Mit den Schützen gemeinsam hielt dort die Musik jedes Jahr ihr großes Fronleichnamskonzert ab. Zugkräftig war auch die Kegelbahn. Als das größte Fest erwies sich aber der jährliche Ächlerball. 1968 ist Frau Anna gestorben. Die traditionsreiche Wirtschaft wurde geschlossen. Um das Jahr 1975 mußte der Wälderhof dem Neubau des großen Mehrfamilienhauses Bregenzerstraße 28 weichen. Der Gasthof «Traube» wurde 1896 bis 1921 von der Familie Fait geführt, dann bis zum 2. Weltkrieg von der Familie Österle. Inzwischen hatte Paul Rohner für seine Tochter Rosmarie weit unten bei den neuen Fabriken das Restaurant «Romy» eröffnet, wo viele Ächler wieder einen Treffpunkt fanden. Aus dem wegen seiner Sauna beliebten Gasthof ist später ein chinesisches Restaurant geworden. 34 Der Gasthof «Traube» wurde 1896 bis 1921 von der Familie Fait geführt, dann bis zum Zweiten Weltkrieg von der Familie Österle. Gasthof «Traube». Metzgermeister Matthias Rist kehrt mit seinen Freunden zu. Vorne Lislo Franz, Hinteregger Tone, Schwarz Hans, Thaler Gebhard und Matthias Rist. Dahinteru.a.SchertlerAlfred. Einzelne Ächler löschen ihren Durst nun an der Tankstelle, andere gehen ins Dorf oder auswärts und nehmen weite Wege auf sich. Viele aber beklagen das Sterben der alten bäuerlichen Gasthöfe, holen ihr Bier beim Gassenschank und trinken es daheim. Schade! Wo begegnen sich eigentlich heute noch alte und neue Ächler? Leben und Treiben am Fluß Das Leben der Ächler war immer eng mit dem Fluß verbunden. Täglich trieb man ursprünglich das Vieh zur Tränke ans Ufer und schleppte in schweren Holzkübeln Trinkwasser zum Kochen nach Hause. Auf ein paar Brettern oder großen Steinen wuschen die Frauen ihre Wäsche aus. Bei einer solchen «Tuchwaschung» ist 1808 Katharina Blank, die Stammutter der Sammüller, ertrunken.1 1 Heimat 11, S. 19 35 In die Stauden der Flußauen und auf die Inseln trieb man früher das Vieh auf die Weide. Wir erinnern uns noch gut an die Geißen der Frau Kaufmann am Damm, an die Hüterbuben Siegfried und Georg Schwerzler von der Bützestraße und an die große Herde, die die Frau Karg täglich an die Ach führte. Auch bei Geigers und bei Künz Hans-Irg hielt man Geißen. Die Hirtenbuben holten mit ihren geschickten Fingern auch manchen Fisch unter den Steinen aus dem Wasser. Das war zwar immer schon verboten, aber der Fischreichtum in den Tümpeln lockte gar zu sehr. Seit man die Ufer begradigt hat, ist die Fischerei stark zurückgegangen. Bäume gab es früher keine am Ufer, nur Weidengebüsch. Erst wenn es im Herbst öffentlich erlaubt wurde, durften die Hofsteiger diese Weiden abhauen. Ruten konnte dagegen jeder holen. Sie wurden zum Korbflechten verwendet, «für Zoanna und Krätto». Ein bekannter Korbflechter war «Bergers» Hannes, der im Quartier in Geigers Haus 10 Kinder versorgen mußte. Ganz wichtig war jedes Jahr das Holzen an der Ach, das Fangen von Wildholz aus dem Hochwasser. Nicht jeder besaß ja einen eigenen «Bergteil», aus dem er sich mit Brennholz hätte versorgen können. Daher schätzte man das Heizmaterial, das die Ach kostenlos lieferte, ganz besonders. Aber auch die Waldbesitzer wurden von der Sucht befallen und wetteiferten mit den anderen beim Fang der kostbaren Beute. Nach plötzlicher Schneeschmelze oder starken Niederschlägen stieg das Wasser oft schnell an und führte Prügel, Reisig, Stöcke und manchmal ganze Tannen mit sich. Da galt es, denrichtigenZeitpunkt zu treffen. Wenn der Ruf «as kut Holz» von Haus zu Haus ging, ließen Burschen und Männer alles stehen und liegen und eilten mit «Flötzarstang» und «Zabi» an ihren durch Tradition familieneigen gewordenen Standplatz. Mit sicherem Stoß wurden Prügel aufgespießt oder ganze Stämme nach wiederholtem Nachfassen mit dem Haken an Land gezogen. Das war sehr gefährlich. Nicht selten erwiesen sich die braunen Strudel an einem gefangenen Holzstück stärker als der Arm des Flößers. Dann mußte er Haken und Stange davonschwimmen lassen. Beim Versuch, seine Stange zu retten, ist am 19. Juni 1926 der 44jährige Bernhard Buchhammer, Vater von sechs kleinen Kindern, in die Strömung gerissen worden und ertrunken.2 Und sechs Jahre später verunglückte am 16. Juli 1932 der 49jährige Anton Haneberg, damals Schreiner bei Schnidarles Rudolf im Strohdorf, auf ähnlich tragische Weise. Er hatte versucht, Schwemmholz mit einem Drahtseil zu bergen und stürzte dabei ins Wasser. Am gleichen Tag ertrank beim Holzfangen auch der junge Eduard Lehner aus Kennelbach.2 Nahe der Haltestelle Langen-Buch war am 5. August 1935 der Milchhändler Gasser mit Holzarbeiten beschäftigt. Als seine Kinder Anna und Erwin dort durch die Ach waten wollten, konnten sie sich aus dem reißenden Wasser mit Mühe auf eine Kiesbank retten. Der Vater eilte ihnen zu Hilfe, geriet aber selbst in die Strömung und ertrank. Strenge Vorschriften hatten schon im «Landsbrauch» das Wildholzen geregelt. An Feiertagen 2 «Stöoglars Hanne». Joh. Bapt. Fischer und seine Frau Christina waren um 1900 an die Ach gekommen und hatten hier 12 Kindern und vielen Enkeln Heimstatt gegeben. und bei Nacht war es verboten. Gefangenes Holz mußte in großen Haufen «nit under ainem fueder» aufgestapelt werden. Wenn man auf die Spitze des Haufens noch einen Stein legte, war das Holz als persönliches Eigentum gekennzeichnet und damit vor Dieben geschützt. Kritischer war die Sache mit dem «gemalten» Triftholz. Das Hochwasser schwemmte ja auch viele zu «Block» gesägte und geschälte Stämme an, in die der Holzhändler vor dem «Einwerfen» sein besonderes Kennzeichen («Mal») eingeschlagen hatte. Gemaltes Holz durfte, wie auch Balken von zerstörten Brücken, auf keinen Fall gesammelt werden. Aber der Versuchung, den Berg von knorrigem und sperrigem Prügelholz mit einem glatten Stamm zuergänzen, erlag doch mancher. Wenn man schon am frühen Morgen hinter Nachbars Haus das Singen der großen Waldsäge hörte, dachte sich jeder etwas. Gendarmerie-Chronik Wolfurt/Kennelbach 36 37