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EKTC_19020729_0...Koch_ Eichenberg 29.07.1902 03.06.2021, 08:20 Kurze Chronik der Höfe von Eichenberg. Wahres Interessantes wäre da für die Nachwelt aufzuzeichnen. Was mir gerade einfällt, will ich zu Papier bringen. Lutzenreute. Haus Nr. 23. In diesem Hause wohnen zur Zeit Sohler. Die Vorfahren sind circa 1735 – 40 aus Baiern eingewandert. Der Urgroßvater von meiner Großmutter scheint der Einwanderer gewesen zu sein. – Circa 1890 wurde bei diesem Hause ein neuer Stadel gebaut. – Nach einer Urkunde vom Jahr 1723 war damals in Lutzenreute ein gewisser Sebastian Hiller, nachweislich in diesem Hause. Haus Nr. 24. In diesem Hause wohnt zur Zeit Konrad Gorbach, von dem ich auf der anderen Urkunde schon erzählte. Er ist der 3. seines Geschlechtes auf diesem Hause. Das Haus trägt eine Jahreszahl aus dem 17. Jahrhundert (circa 1654). Vor 130 Jahren finden wir da auch schon Gorbach, nicht aber die Ahnen des jetzigen. In der Stubendecke ist eine von einem Schusse durchbohrte Tafel. Eine Inschrift gibt darüber Aufschluß. Sie lautet: „Zur Erinnerung an die Gefangennahme dreier französischer Deserteure im Jahre 1814.“ Mein Großvater erzählte, daß die Deserteure in der Hube waren und ein gewisser Bantel von Rucksteig stand vor dem Hause. Bantel hat wahrscheinlich einen Schuß in die 1 Höhe abgefeuert, dessen Spur heute noch zu sehen ist. Die Deserteure sollen Schuß auf Bantel abgefeuert und ihn in den Bauch getroffen haben. Bantels sei aber mit dem Leben davon gekommen. Daß in diesem Hause jetzt eine Wirtschaft ist, habe ich auf der undern Urkunde berichtet. Haus Nr. 25 Dieses Haus trägt die Inschrift 1774. Haus Nr. 26 In diesem Hause wohnten durch mehr als 200 Jahre Mangold. Schon 1665 traf ich [in] den Taufregistern von Bregenz einen Martin Mangold von Lutzenreute. 1878 starb hier mit Gebhard Mangold das Geschlecht aus. Mit seinem Bruder Johann Mangold Hutmacher in Bregenz pflanzt sich das Geschlecht in Bregenz und Dornbirn fort. Vor etwa 20 Jahren fanden sich auf dem Estrich dieses Hauses noch ein ganzer Stoß alter Urkunden und man hätte eine ganze Geschichte dieses Geschlechtes schreiben können. Leider verstand ich damals von der Sache nichts, und ich habe sie meinem Onkel Johann Georg Dürr, der nach Gebhard Mangold Besitzer des Hauses wurde, „verpflichtet“. Vor 130 Jahren war dort ein Besitzer, der sich mit dem Prädikat „von“ unterschrieb. Meine Großmutter erzählte mir, daß sie behaupteten, sie haben das Adelsprädikat. Vielleicht wäre davon unter den alten Urkunden etwas zu finden gewesen. Lehen. Haus Nr. 27. Dieses Haus stand früher in Lutzenreute. Vor 130 Jahren wurde es von einem gewissen Gorbach von Lutzenreute an die jetzige Stelle gebaut. Als es erst 14 Wochen bewohnt wurde, brannte es nieder. Es soll an einem Vormittag gewesen sein, Das jetzige Haus trägt die Jahreszahl 1773. Vor 100 Jahren wohnte da ein Sohler von 2 Lutzenreute. Von 1798 – 1812 wohnte da ein gewisser Köchle, der dann nach Bregenz zog. Noch zu unserer Zeit wohnten seine Nachkommen noch in Bregenz. 1812 kam dann daher mein Ururgroßvater Johann Georg Dür, der vorher durch 6 jahre – 1806 - 12 – in ?? droben wohnte. Dorthin war er aus seiner Heimat Geserberg Gemeinde Langen gekommen. Sein Vater hieß Martin Dürr und dessen Vater Johann Georg. Schon 1709 finden sich in den Taufregistern von Langen Dürr. Johann Georg Dür war von 1812 - 1843 Besitzer von Lehen. Nach ihm war sein Sohn Martin, mein Großvater, von 1843 – 73. Er feierte am 13. Februar 1893 mit seiner Gattin Magdalena Sohler von Lutzenreute die goldene Hochzeit. Das Ehepaar lebte dann noch 4 ½ Jahre miteinander. Nach Martin Dürr wurde Besitzer am Lehen sein ältester Sohn Bernhard, mein Vater. Er war Kapellmeister und Chorregent. Er besaß ein großes Malertalent. Ohne jede Ausbildung malte mit Tuschfarben Portraits, für einen einfachen Landsmann gewiß eine große Leistung. Er brachte auch die Eichenberger Musikkapelle auf eine Höhe, daß sie bei der Bregenzer Landesausstellung 1887 eine der besten Musikkapellen war. Sehr viel that er auch für den Kirchenchor. Wenn er auch mitunter Undank erntete, so setzte er doch zur Ehre Gottes dieses Amt bis zu seinem Tod fort. Er starb nach etwa 5jähriger Krankheit am 18. Jänner 1894 am Krebs, der am rechten Ohr seinen Anfang genommen hatte. Bei 14 Ärzten hat er vergeblich um Hilfe gesucht. Was er während seiner Krankheit geduldet, das weiß nur Gott. Er litt mit größter Geduld. 3 Mühle. Nr. 28 Das Haus trägt eine Jahreszahl 1808. Nr. 29 Hier wohnten nach einer Urkunde schon 1709 Feßler. Dieses Geschlecht ist jetzt dort mit der weiblichen Linie im Erlöschen. In Bregenz pflanzt sich aber noch die männliche fort. In diesem Hause solle eine alte Urkunde sein, der zufolge anno 1585 der Sägbach von den Möggersern um einen langen Rock gekauft wurde. Vor etwa 12 Jahren wollte die Stadt Bregenz dieses Wasser kaufen. Dann verlangten die 5 Sägebauern in Lutzenreute, Mühle und Unterfluh zusammen etwa 50000 Florentiner Gulden. Mein Vater verstand es, die Sache zu hintertreiben. Es hätte eben mit den Unterbergern, die Viehbesitzer sind, einen großartigen Prozeß abgesetzt, wenn man ihnen hier das Wasser so verkauft hätte. – Vor 50 Jahren war Mühle eine Gastwirtschaft. Unterfluh. Haus Nr. 30. Dieses Haus stand früher weiter droben, am Fuße des Waldes. Daher rührt wohl der Name Unterfluh. Um das Jahr 1816 gab es eine große Erdrutschung. Eine ?? soll es gerade mitten in den Stall hineingeführt haben. Es wurde dann das Haus an die heutige Stelle gebaut. Damals wohnten dort Feßler. Einer von ihnen, Michael Feßler, der als 90jähriger Mann in den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts in Großen droben starb, soll ein ungemein 4 starker und couragierter Mann gewesen sein. Das beweist ein Fall. Um das Jahr 1800 erhängte sich ein gewisser Feßler von Niederhaus in der Gemeindemühle von Lutzenreute, die heute noch unter dem Lehen drunten am Rinderhauser Kirchweg steht. Dann kam dieser Feßler in die Mühle und sah seinen Nachbar in den Mühlenrädern drunten hängen. Das machte dem Feßler gar nichts: Fing an zu mahlen und erst nachdem er mit seiner Arbeit zuende war, ging er zum Vorsteher, damals Geschworener genannt – wahrscheinlich war es Andreas Spieler in Lutzenreute – und erstattete die Anzeige. Von diesem zur Rede gestellt, warum er nicht sofort die Anzeige erstattet habe, soll dieser geantwortet haben: „Bigemp! Mir hat er wohl bombelet. I ho miesse Meahl hong.“ Von diesem Michael Feßler werden noch mehr Anekdoten erzählt, ich will sie aber hier der Kürze halber weglassen. Schüssellehen. Nr. 31 Dieses Haus soll einmal abgebrannt sein. Beim Schmalzsieden soll es in Brand geraten sein. Es dürfte das schon 200 Jahre her sein. Denn beim alten Hause, das vor etwa 2 Jahren neu gebaut wurde, war ob der Haustüre zu lesen: „Th. 1708. K.“ – TH. K.. = Thomas Kinz, ein Sohn des Kinz ?? in Bregenz. Schon 1772 treffen wir da einen Josef Feßler, den Urgroßvater des gegenwärtigen Besitzers. Sein Sohn Johannes, der nach Niederhaus zu einem Bauern in die Schule ging, sei beim Brande des Hauses in Lehen gerade da vorbai aus der Schule nach Hause gegangen. 5 Hochberg Haus Nr. 32. Dieses Haus war vor einigen Jahrzehnten noch das ganze Jahr bewohnt. Heute ist es eine Alphütte. Bromatsreute. Haus Nr. 33. War durch längere Zeit nur mehr im Sommer bewohnt. Heute ist man das ganze Jahr dort. Trögen Die Kapelle wurde vor etwa 150 Jahren von 3 Geschwistern namens Achberger, die damals in Trögen wohnten, gebaut. Diese Achberger zogen 100 Jahre später nach Bregenz, wo jetzt aber dieses Geschlecht erlöschen wird. 1885 wurde an der Kapelle eine große Reparatur vorgenommen. Sie mag etwa 300 Florentiner Gulden gekostet haben. Gschwend Haus Nr. 35. Dieses Haus ist seit etwa 4 Jahren das ganze Jahr unbewohnt. Nachdem Alois King und seine Gattin da gestorben, wurde es von Johann Georg Mayer, Kronenwirt und Vorsteher in Eichenberg, angekauft. Das Haus ist ganz baufällig. Haus Nr. 37 Dieses Haus soll vor einigen Jahrzehnten abgebrannt sein. Es soll vom Besitzer angezündet worden sein. Der letzte, vor mehr als 100 Jahren in Bregenz Hingerichtete, soll in diesem Hause Knecht gewesen sein. 6 Möschen oder Meschen Haus Nr. 38 Von diesem Hause weiß ich nichts Geschichtliches. Deshalb will ich hier nur die Ableitung des Namens anführen. Das Wort kommt hier von „Esch“, „im Esch (Eschen)“ = Meschen. Gorbachen Haus Nr. 39 Dieses Haus wurde vor 15 – 20 Jahren neu gebaut. In diesem Hause wurde im Jänner 1866 der erste einheimische Priester, Peter Schmidinger, geboren. Er feierte am 13. Juli 1892 in der Pfarrkirche zu Eichenberg seine Primiz. Seine Familie ging um diese Zeit hier bankrott. Halden Nr. 40 Davon weiß ich nichts zu berichten. Vor 50 Jahren lebte hier ein riesig starker Mann namens Fidel Gorbach. Er war imstande, mit seinem Zähnen an der Ecke einen Tisch vom Boden aufzuheben. Hinteregg Nr. 41 Dieses Haus wurde zu meiner Zeit neu gebaut. Nr. 42 Auch dieses Haus wurde vor noch nicht langer Zeit neu gebaut. In der zu diesem Haus gehörigen Viehweide steht auf dem Wege von Trögen nach dem Pfänder die sogenannte (uralte) Bischofsquelle. Wie gesagt, sie ist uralt. Eine Tradition berichtet, daß hier einst 2 Bischöfe durchreisten und da rasteten. Es wäre möglich, daß der eine der Heilige Ulrich gewesen wäre, der ja auch bei der heutigen Ulrichsquelle gewesen sein soll, und daß von da aus Ulrich auf den Sch??berg, den Geburtsort seines Zeitgenossen gereist wäre. Seit dem wie immer, die Kapelle ist uralt und heißt Bischofsquelle oder auch „beim Bischof“. Eine Zahl die heute noch drinnen aber verdeckt ist, gibt an, daß die Kapelle im Jahre 1763 von Michael und Johannes Reihart von Jungholz restauriert wurde. Der in der Kapelle 7 sich befindliche große Christus (Ecce homo) war früher in einer Kapelle, die sich im Dorfe von Eichenberg vor der Erbauung einer Kirche sich befand. Beim Kirchenbau in Eichenberg wollten die Fürberger die Kirche bei der Bischofsquelle droben haben. Jungholz Vor etwa 50 Jahren wollte diese Parzelle „verschleifen“. Der „Bühl“ ob Jungholz drohte hinunter zu rutschen. Stockach. Nr. 48 Vor 50 Jahren brannte dieses Haus ab. Es wurde von damaligen Besitzer, namens Sutter, in Brand gesteckt. Es wurden darüber zu meiner Zeit noch verschiedene Anekdoten erzählt. Z.B. sei die Schwarzwälderuhr während des Brandes an keinem Baume unter dem Hause drunten gehangen und habe ihr „Tik tak“ weiter gemacht. Verschiedene Mobilarien seien in der Tenne auf einen Wagen geladen gewesen und man habe den Wagen nur aus der Tenne ins Freie lassen müssen. – Von 1806 – 12 wohnte in diesem Hause mein Urgroßvater Johann Georg Dürr. Hub. Vor mehr als 50 Jahren sind hier an einem Lindauerjahrmarkt 3 Häuser niedergebrannt. Holzanger Nr. 53 ist seit mehr als 10 Jahren unbewohnt. Das Haus erhielt dann einen eigentlichen Beruf. Die Regierung fürchtete, es könnte die Cholera ausbrechen. Es wurden in den Gemeinden Vorkehrungen getroffen. Es wurden Plätze und Häuser zur Aufnahme von Cholerakranken ausgesucht und bestimmt. In der Gemeinde Möggers nun ward der Holzanger dazu bestimmt. Der damalige Besitzer Andreas Österle von Juggen erhielt dafür von der Gemeinde jährlich 10 Gulden. Juggen. Nr. 54 Das Haus trägt eine Jahreszahl aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. 8 Klein Juggen. Nr. 55 Dieses Haus wurde vor etwa 15 Jahren abgebrochen. Es stand von Juppen aus 1 – 2 Minuten gegen Fallenberg hin ob der Fluh und ob dem Walde. Trögle. Nr. 56 Von diesem Hause ist mir nichts bekannt. Hier wohnte der Gründer der Eichenberger Musikkapelle. Man hieß ihn nur den Nagler im Trögle. Die Gründung war circa 1846. Eichenberg. Nr. 57. In dieses Haus schlug am 3. September 1886 der Blitz. Es brannte total nieder und in ihm 8 – 10 Stück Vieh. Der damalige Besitzer war Jakob Hehle. Nr. 58. Schulhaus. Dieses brannte an jenem Tage ebenfalls ab. Am Eichenberg hatte man damals noch keine Feuerspritze und bis die von Möggers da war, stand das Schulhaus schon in Flammen. Beim Wiederaufbau leistete man viele Frondienste. Das Assekuranzgeld wurde dafür zum Ankauf einer neuen Orgel verwendet. Das wollte den Möggersern aber nicht recht gefallen. Auf dem Estrich des alten Schulhauses befand sich eine alte Fahne aus den Franzosenkriegen. Sie ist leider auch verbrannt. Von 1886 auf 87 wurde im Kaplanhaus Schule gehalten. Die Knaben und die Mädchen waren in einem eigenen Zimmer. Der Lehrer Homdbomus[?] Heiß hatte da zu thun genug, um über alle die Aufsicht zu führen. Nr. 59 In diesem Hause war seit urdenklichen Zeiten eine Wirtschaft. Der letzte Wirt war Andreas Reichart. Er stellte sein Geschäft ein um das Jahr 1880. Das Gasthaus hieß „Adler“. Auf dem Haus war das Wirtschaftsrecht, was nur bei ganz alten Wirtschaften der Fall ist. Nr. 63 Dieses Haus heißt auf der Mamm. Bernhard sind hier vielleicht schon seit mehr als 100 Jahren. In der Nähe des Hauses ist ein Bildstock (Marterl) mit der Inschrift: 9 „Am 8. August 1796 ist hier Katharina Hitzhaus von Lochau von dem Franzosen erschossen worden.“ Der Bildstock soll früher unter dem Hause gestanden sein. Nr. 64. Haus und Stadel wurden vor kurzem neu gebaut. Das Geschlecht Altmann ist bis auf eine alte weibliche Person ausgestorben. Eplisgehr. Von dem Brande der 2 Häuser am 6. Juni 1900 habe ich bereits berichtet. Das noch stehende Haus wurde vor 60 Jahren von Ferdinand Immler gebürtig aus Halberstein gebaut. Diese Immler kauften um das Jahr 1700 das Schlößlein Halberstein, das vor einem halben Jahrhundert abgetragen wurde und dort stand, wo heute der schöne Garten steht. – Von den 2 abgebrannten Häusern in Eplisgehr schaute das mittlere der Geschwister Ziller gegen das noch stehende des Franz Josef Immler. Das untere schaute gegen den Berg hinauf. In dieses schlug der Blitz circa 8 Uhr abends und es stand in kürzester Zeit in Flammen. – In Eplisgehr soll einst eine Kapelle gestanden sein. Ich bin im Besitze zweier Ölgemälde (die Rosenkranzkönigin und Maria Krönung). Diese Bilder sollen nach einer Tradition in dieser Kapelle gewesen sein. Das eine trägt die Jahreszahl 1738. Der Name Eplisgehr wird abgeleitet von „Gehr“ und Egli oder Eple (ein Geschlechtsname) Gehr des Egli. Ruggburg. Nr. 70 Das hiesige Schloß wurde circa 1462 von den verbündeten Städten am See an einem Nikolaustag zerstört. Der Besitzer, Hans von Rechberg, hatte sich große Gewalttaten erlaubt. Ich will darüber nichts Näheres schreiben. Aufschluß gibt ein Bericht des Vorarlberger Landesmuseums vor etwa 15 – 20 Jahren. Eine Tradition will ich hier niederschreiben. Auf der Mauer drüben habe man eine Kanone aufgestellt und sie auf die Ruggburg abgezielt. Als Hans v. Rechberg eines Tages bei der Mittagstafel saß, habe eine seiner Mägde in jenem Zimmer und bei jenem Fenster mit einem roten Sacktuch den Kanonieren ein Zeichen gegeben. Dann haben diese die Kanone abgefeuert und den Rechberg erschossen. Das ist eine reine Sage. Ich wollte sie aber doch niederschreiben. 10 Rechberg starb aber in der Schlacht bei Überlingen. – Um das Jahr 1560 wollte die ganze Ruggburg verschleifen. Einen Fehler beging man diesbezüglich vor 1 – 2 Jahrzehnten. Es stand damals viel Wald und Gebüsch in der Ruggburg. Dann hat der damalige Besitzer Jakob Krüsi, ein Schweizer, das meiste Holz gehauen und verkauft. Dann fing es an vielen Stellen wieder zu rutschen an. Trotzdem haben es vor etwa 5 Jahren die Lutzenreuter gewagt, durch die Ruggburg eine Straße zu bauen. Das Nähere hierüber steht auf der andern Urkunde. – Zu meiner Zeit sprach man noch viel vom Rutzensteiger Weiblein, das in der Rutzensteig geistern soll. Der im Jahre 1878 in Lutzenreute verstorbene Bauersmann Fidel Gorbach soll von ihm oft belästigt worden sein. Oft sei es ihm bis nach Lutzenreute nachgelaufen. Heute glaubt niemand mehr daran. Doch den Namen des Weibleins – Rutzensteigerweiblein – führt man hier noch oft im Munde. Niederhaus. Hier stand noch im 19. Jahrhundert nur ein Haus. Das obere Haus ist 1869 durch Blitzschlag eingeäschert worden. Vor 130 Jahren gab hier ein Bauer Schulunterricht. Damals wohnte da ein gewisser Judas Feßler. Er mag Lehrer gewesen sein. Ich habe bereits berichtet, daß sich vor etwa 100 Jahren ein Mann aus Niederhaus in der Lutzenreutener Gemeindemühle erhängt habe. Er soll geheißen haben „der Judasar“. So war es wahrscheinlich der Judas Feßler der dessen Sohn. Er soll an einer Gemütskrankheit gelitten haben. An einem Feste Maria Geburt (8. September) habe er sich erhängt. Mein Urgroßvater Johann Martin Sohler von Lutzenreute, der am 6. Juli 1818 starb, soll an jenem Tage noch mit ihm von Bregenz heraufgegangen sein. – Hinter dem obern Haus führt ein Weg durch den sogenannten Ledenbach. Dies war für die Umgebung von Lutzenreute der Leichenweg nach Bregenz, bevor in Eichenberg noch eine Kirche stand. Mit der Leiche sei man da hinunter gefahren. Der Leichenzug d.h. die Leute, die Begleiter, seien immer durch die Ruggburg hinunter gegangen. In Backenreute sei man dann wieder mit der Leiche zusammengetroffen. Auf dem steilen und holprigen Weg sei einmal ein Sargdeckel aufgesprungen und die Leiche habe es in die Höhe geworfen, wie wenn sie aufgestanden wäre. Darob sei der Fuhrmann oder der Bremser derart 11 erschrocken, daß er in einigen Tagen gestorben sei. Die Leiche, deren Sargdeckel aufsprang, war die Frau des Firmpaten meines Großvaters Martin Dürr. Der Firmpate hieß Steurer aus Niederhaus. – Im Jahre 1890 wurde ein Stück oberhalb des obern Hauses in Niederhaus eine Kapelle erbaut an die Stelle, wo ehedem ein Wegkreuz gestanden. Die Kapelle wurde von Franz Gorbach von Niederhaus ex voto gebaut, weil ihm 4 Jahre früher, im März 1886, ein Kind geboren wurde, das keinen Verstand hat und bis zur Stund weder laufen noch reden kann. – Am 15. Oktober 1895 starb in der Nähe dieser Kapelle plötzlich am Schlagfluß ein Kapuzinerbruder des Klosters in Bregenz namens Johann Georg Milz, gebürtig aus Scheidegg. Er wollte in seine Heimatgemeinde auf das Patrozinium gehen, fühlte sich in der Ruggburg drunten schon unwohl, nahm dort eine Stärkung, setzte seinen Weg weiter und wurde dann nach Einbruch der Nacht von Theodor Forster von Möggers am Wege tot aufgefunden. Der Finder stieß im Dunkel auf den Toten, zündete ein Zündhölzchen an und sah was geschah. Schnell erstattete er in Lutzenreute davon die Anzeige. Der Tote wurde in das Haus des Konrad Gorbach nach Lutzenreute getragen. Von dort wurde er am andern Tage nach Bregenz überführt. Die Stelle, wo er starb, ist von der Niederhauser Kapelle etwa 50 Schritte gegen Eplisgehr hin auf dem alten Fußweg. Stegen. In einer alten Urkunde von 1709 heißt es „auf der Stäg“. Das äußerste Haus (Nr. 74) wurde vor circa 20 Jahren von Benedikt Gorbach neu gebaut. Der Stadel des innern Haus (Nr. 73) stammt aus dem Jahr 1862. Beim Aufrichten dieses Stadels gab es ein Malheur. Ich schreibe die Geschichte wieder nieder, so gut und so genau sie mir bekannt ist. Ein gewisser Martin Sinz von Stadlers wollte von Stegen aus zur Nachtzeit mit einem Mädchen, dessen Namen mir unbekannt ist, nach Hause gehen. 12 Da lauerten ihm mehrere junge Burschen auf, und wie er mit dem Mädchen ahnungslos des Weges daherkam, schlugen sie mit „Hagstecken“ auf den Martin Sinz los. Das Werkzeug ist zum Loshauen auf einen Menschen etwas zu bunt und sie mögen auch nicht fein zugehauen haben. Kurz, Sinz sank unter den Streichen tot nieder. Ich weiß die Namen der Täter nicht alle. Die ich weiß will ich hier namhaft machen: Michael Wiedemann (oder Gorbach) aus Ebnit, Mangold Gebhard von Lutzenreute, Franz Josef Immler von Eplisgehr und ob Benedikt Reichart von Trögen auch dabei war, weiß ich nicht ganz gewiß. Einer von allen ist heute nur noch am Leben, Franz Josef Immler von Eplisgehr. Alle kamen längere oder kürzere Zeit in den Arrest oder ins Zuchthaus. Als Totschläger gab sich selbst an Gebhard Mangold. Er erhielt meines Wissens 3 Jahr Zuchthaus. Oft soll er nachher geäußert haben, nichts kränke ihn so sehr wie der Husten. Er starb im Mai 1878 im obersten Haus in Lutzenreute. So bin ich nun mit meiner „Chronik der Höfe“ zu Ende. Noch manches ließe sich niederschreiben, wenn man weiter nachfragen würde. Ich schrieb nur nieder, was mir zuerst einfiel. Für die Nachwelt ist wenigstens das gerettet und nach Jahrzehnten wird manches davon für die späteren Generationen von Eichenberg gewiß von Interesse sein. Mögen meine Aufzeichnungen gut aufbewahrt, und wenn es nötig ist, neu geschrieben werden. – Ich will nun noch einzelne Aufzeichnungen verschiedener Art machen. Im Jahre 1869 war in Eichenberg die erste goldene Hochzeit. Es konnte aber nur der Bräutigam, Martin Gmeiner von Hof in die Kirche kommen. Seine Frau, die viele Jahre bettlägrig war, mußte auf die Feier in der Kirche verzichten. Die Feier war am 28. Oktober, die Eheleute lebten dann noch bis 1872. – Die zweite oder genau genommen die erste goldene Hochzeit war in Eichenberg am 13. Februar 1893. 13 Es waren meine Großeltern Martin Dürr und Magdalena Sohler. In der Kirche war eine Predigt, gehalten von J.[ohann] G.[eorg] Giselbrecht Pfarrer von Möggers. Dann war die Erneuerung des Ehebundes am Altare, wobei vom Pfarrer Schedler dem Bräutigam ein Kruzifix überreicht wurde mit den Worten: „Nimm hin das Kruzifix! Es sei deine Stütze im Alter!“ Hierauf war ein Amt. Ich spielte dabei die Orgel. Der kirchliche Teil war beendet. Es begann der gemütliche. Natürlich spielte schon ein Kapellmeister. Um 12 Uhr begann das Mahl. Toste und Reden und Musizieren wechselten ab und würzten das Mahl. Es war ein recht eigentliches und recht schönes Familienfest, wie man eines erlebt haben muß, um sich davon einen rechten Begriff zu machen. Viele Verwandte aus nah und fern waren erschienen und freuten sich mit, alles war in heiterster Stimmung. __________________ Die erste Primiz in Eichenberg … am 13. Juli 1892. Der Primiziant war Peter Schmidinger aus Gorbachen. Wochenlang war ganz Eichenberg auf den Füßen, um sich auf diese Feier zu rüsten. Die ganze Pfarrei teilte sich in 3 Gruppen: 1.) Lutzenreute und Umgebung, 2.) Der Fürberg und 3.) die Dörfler Jede mußte einen Triumphbogen erstellen. Da gab es einen Wetteifer. Jede Gruppe wollte den schönsten Bogen haben. Die Lutzenreuter trugen schließlich doch den Sieg davon. Ihr Bogen aus 8 Säulen bestehend hatte nicht weniger als 1000 m Kränze aus Moos. Es war eine Pracht. Von Fremden wurde er abgezeichnet. Ein anderer Bogen kam dann noch bis nach Dornbirn zur Benützung bei einer Primiz. Das Wetter war am Primiztag vormittags leider ganz schlecht. Es regnete heftig. Die Festpredigt hielt P. de Hoya S. J. aus Feldkirch. Damals hieß es dann, jetzt erlebt Eichenberg keine Primiz mehr. Aber damals lag der Gedanke schon tief in meiner Brust, ich wolle studieren und Priester werden. Über jene Primiz wurde er nur noch erhärtet und im September desselben Jahres ging ich nach Feldkirch ans Gymnasium; und nun ist mein Ziel um 10 Jahre näher gerückt. 14 Das 50jährige Kirchenjubiläum in Eichenberg. Am 21. Jänner 1890 waren 50 Jahre verflossen, seit in Eichenberg der erste Gottesdienst gefeiert wurde. Dieser Tag wurde festlich begonnen. Die Musik und der Schützenverein rückte aus. Das Portal der Kirche war prächtig dekoriert. Leider war an diesem Tage wieder das Wetter schlecht. Dieser Tag war stürmisch wie kein zweiter in diesem Winter. Von diesem Jahre ab wird alljährlich der 21. Jänner – das Fest der Heiligen Agnes als zweites Kirchenpatrozinium – festlich begangen. Es kommt jedesmal ein fremder Priester nach Eichenberg und hält die Festpredigt. Jungfrau Katharina Reichart von Unterfluh stiftete dazu die Summe von 300 Florentiner Gulden. – Der 21. Jänner 1840 war ein Feiertag. Damals soll das Wetter recht schön gewesen sein. Musikverein von Eichenberg Darüber habe ich leider nur spärlich Daten. Der Musikverein soll von einem Nagler (Nagelschmied) in Trögen wohnhaft, gegründet worden sein. Ich hatte noch Statuten in den Händen aus dem Jahre 1848. Der Verein soll aber etwa 1846 gegründet worden sein. Im Juli 1898 starb Josef Gorbach von Ebnit, der durch mehr als 50 Jahre Mitglied des Vereines war. Mein Vater selig war es durch etwa 30 Jahre. Nahezu so lange war er auch Kapellmeister. Er war für den Verein unermüdlich tätig. Bei seinem Tod war es vorauszusehen, daß Eichenberg keinen solchen Musikfreund mehr haben werde, und mit seinem Tod wurde der Verein vaterlos und verweist. Eine bedeutende Einbuße hat der Verein aber schon durch den am 24. November 1889 erfolgten Tod meines Onkels Johann Georg Dürr in Lutzenreute erlitten. Er war der letzte Pistonbläser weit und breit. Möge der Verein zu neuer Blüte gelangen. Schützenverein Im Frühjahr 1886 starb in Hohenweiler ein Mitglied des dortigen Schützenvereines. Dabei verfiel man auf den Gedanken, beim nahen Fronleichnamsfest „Schützen zu haben“ Es waren 8 ehemalige Landesschützen. Konrad Gorbach war Hauptmann. Als am 7. Juli desselben Jahres der hochwürdigste Bischof Zobel nach Eichenberg kam, war[en] es bereits 14 Mann, und so wuchs er von Jahr zu Jahr. So an einem Fronleichnamstag oder Patrozinium war ein harmonisch schönes Leben. Pfarrer Rhomberg war ein großer Gönner beider Vereine. Der Schützenverein hat sich jetzt wieder aufgelöst. Zerschlitterung und Zerwürfnisse waren die Ursache. Schon vor 50 Jahren war hier ein Schützenverein, der wieder einging. 15 Der Fall Rhomberg. Auch darüber will ich kurz berichten, was ich weiß. Rhomberg kam im Mai 1880 als Pfarrprovisor nach Eichenberg. Am 25. Juli 1885 verkündete er in der Kirche, man habe ihm „Papierschnitzel“ in den Opferstock getan. Natürlich fiel das etwas auf. Es war dann aber wieder alles still. Im Herbst 1888 oder im Frühjahr 1889 brachte einmal meine Großmutter selig die Nachricht von Kaplans Köchin in Hörbranz, Rhomberg sei im Kopf nicht recht. Am 18. Juni 1889 kam dann der Neosacerdot J.A. Schäfer von Blons als provisorischer Kaplan nach Eichenberg und hatte keine geringere Aufgabe als über Rhomberg die Aufsicht zu führen. Rhomberg schmeckte den Braten und Kaplan Schäfer war von ihm nie geliebt. Es stellte sich dann heraus, daß Rhomberg bei der Heiligen Messe nicht communizierte, sondern die Heilige Hostie sonst irgendwie beseitigte. Mitte Oktober 1890 kam ein bischöfliches Dekret, daß die Deputierten und Kirchenpfleger von Rhomberg die Schriften und Schlüssel nehmen sollten. Das taten sie nicht. Schäfer wollte ihm dann den Kelch selbst nehmen. Rhomberg nahm ihn aber immer mit in den Pfarrhof. Die Jurisdiktion zur Spendung des Heiligen Bußsakramentes ward ihm ebenfalls genommen. Er hörte aber doch nicht und es gingen noch Leute zu ihm. Es war ein ganz furchtbarer Durcheinander in der Pfarrei. Die Mehrzahl der Leute stand auf Seite Rhombergs. Vom Kaplan hieß es, er gehe nur so vor, um in Eichenberg Pfarrer zu werden. Nach meiner Ansicht aber beging die kirchliche Obrigkeit einen Fehler, daß sie die Leute nicht näher aufklärte. Ob ihr das gelungen wäre, weiß ich nicht. Denn wenn die Bauern einmal verschrobene Köpfe haben, so ist es von Übel. Schäfer hatte ungemein viel zu leiden in Eichenberg. Er tat pünktlich seine Pflicht und zudem war es sein erster Posten. In den Predigten spielte Rhomberg oft auf den Kaplan an. So sagte er zum Beispiel einmal: „In jedes Kloster schickt der Teufel ein Luder, um Unfrieden zu stifen.“ Ja es ist wahr Rhomberg hat in der Pfarrei den Frieden bewahrt. Aber wie stellte er das an? Er ließ alles gehen. Die jungen Leute konnten machen, was sie wollten. So ist es ein Leichtes, den Frieden bewahren. Die Obrigkeit suchte vergebens, auf gütlichem Wege Rhomberg in Eichenberg fort zu bringen. Doch etwas muß ich einflechten. Im Juli 1890 kam der hochwürdigste Bischof zur Firmung und Visitation nach Eichenberg. Da verbarg sich Rhomberg in dem Wald, der gegen Lutzenreute dem Dorf Eichenberg am nächsten liegt. Pfarrer Giselbrecht von Möggers hatte nun die Aufgabe, Rhomberg dort zu holen, eine schwierige Aufgabe, denn Rhomberg hatte stets eine Pistole bei sich. Giselbrecht gelang es nicht, Rhomberg nach Eichenberg zu bringen. Erst nachdem es mit allen Glocken läutete und Rhomberg somit wußte, daß jetzt der Bischof abreiste, ging er ins Pfarrhaus zurück. Auf friedlichem Wege war mit Rhomberg nichts auszurichten. Er fürchtete aber, er werde vergiftet. Er litt an Verfolgungswahn. Deshalb erschien, so viel ich mich erinnere, am 27. Jänner 1891 in Eichenberg Polizei Schmid aus Bregenz und Lohnkutscher Hasler. Rhomberg wurde auf einem Schlitten gewaltsam fortgeführt und nach Valduna gebracht, wo er heute noch an dem Übel als Unheilbarer leidet. Das war an einem Samstag. Die Unruhe, die darob in Eichenberg neuerdings 16 entstand, kann man sich denken. Am andern Tag, am Sonntag, erkühnte sich während der Liturgie des Nachmittagsgottesdienstes der Schnapsbruder Johannes Reichart von Hinteregg in einem Rausche von einem seiner Kollegen ausgesetzt, zum Schlüsselloch der hinteren Kirchentür zweimal in die Kirche hineinzujauchzen. Das erstemal glaubte man, daß ein Hund vor der Kirchentür draußen heule, das zweitemal aber erkannte man deutlich, daß es ein Mensch sei, der dem Kaplan einen Streich spielen wollte. Johannes Reichart erhielt dann wegen Religionsstörung 2 Wochen Arrest. Die Anzeige wurde von meinem Vater selig erstattet. Schäfer war dann noch bis etwa zum 20. April in Eichenberg. Wie wird er Gott gedankt haben, daß er endlich in Eichenberg erlöst wurde und nach Hirschegg kam. Nach Wochen und Monaten, ja fast nach Jahren glaubten die Eichenberger, daß Rhomberg nicht recht sei im Kopfe. Er war in Eichenberg aber sehr beliebt. Er hatte mehrere Priestertugenden. So war er ein großer Freund der Armen. Bis dato kam es in Eichenberg 3mal vor, daß man an einem Tage zwei Leichen hatte. Nämlich im Mai 1870 Ferdinand Immler von Eplisgehr und Johann Georg Gorbach von Eichenberg (Kirchdorf im obersten Haus); im September 1885 Johannes Schmidinger in Gschwend (ein Onkel von Pfarrer Peter Schmidinger) und Franz Anton Schneider (im Haus unter der Kirche) und am 21. Juli 1892 Witwe Feßler von Schüssellehen und Bernhard Reichart, Uhrmacher in Eplisgehr, gebürtig aus Hinteregg. Einmal im Jahr 1891 hatte man an einem Tage auch die Leiche eines Erwachsenen und eines Kindes. – Den längsten Stillstand im Sterben unter den Erwachsenen mag gewesen sein vom 10. März 1900 – 18. September 1901, in welcher Zeit kein Erwachsenes starb. Ein solcher Zeitraum war auch einmal um das Jahr 1888, worauf mehr als 1 Jahr kein Erwachsenes verstarb. Im Jahr 1887 hatte man in Eichenberg keinen Organisten. Der damalige Lehrer H Heß konnte das Orgelspielen nicht und sonst konnte es in der Pfarrei auch niemand. Am 22. Dezember 1889 trat ich als 15jähriger Jüngling dieses Amt an und blieb Organist bis Mitte September 1892, wo ich dann nach Feldkirch ins Gymnasium ging. Vom Frühjahr 1888 an war ich auch bei der Eichenberger Musikkapelle. Lehen am 27. Juli 1902 B. Dürr. 17 Nach meinem Dafürhalten entsprechen vorstehende von Theologe Dürr gemachte Aufzeichnungen so ziemlich vollkommen den Tatsachen. Es wäre noch hinzuzufügen daß Eichenberg mehr und mehr zurückgeht. So sind während meines 4 ½ jährigen Hierseins 5 Höfe eingegangen und beträgt die Seelenzahl, welche vor einigen Jahrzehnten noch 438 war, jetzt nur mehr 302, und wird wahrscheinlich noch weiter zurückgehen. Die materiellen Verhältnisse werden auch nicht günstiger. Die Güterpreise sind viel zu hoch, was zur Folge hat, daß schon mancher verkauft hat und aus ?? wofür gewöhnlich arme Leute herkommen, die nicht existieren können, oder daß dort wo mehrere Kinder sind, eines davon das gut um einen viel zu hohen Preis übernehmen muß. Das Wirtshaussitzen soll seit Pfarrer Rhomberg stark überhandgenommen haben, und ist namentlich das Wirtshaussitzen der Mädchen respektive Jungfrauen ein Krebsschaden. Der gegenwärtige Lehrer heißt Fidel Wilhelmi, gebürtig von Thüringen, der sehr Meßmer Gallus Beck. Es wurde früher ein neues Vorzeichen aus Eisenkonstruktion aufgestellt, dasselbe bezahlte der Private Franz Martin Reichart, früher wohnhaft in Eplisgehr, jetzt im Kaplaneihaus. Sein Bruder Konrad Reichart von Unterfluh ist gegenwärtig Kirchenpfleger, und gleichfalls ein Wohntäter der Kirche. Eichenberg am 29. Juli 1902 Franz Koch, Pfarrer N.B. die Neuvergoldung des Kropfes und Kreuzes kostete 80 Florentiner Gulden. Einige Muster der gegenwärtigen Kronenwährung liegen an. 18
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EKTC_1969_07_Pf...ns-Wa Eichenberg 01.01.1969 03.06.2021, 08:09 Eichenberg 27. März 1969 Da in diesem Monat der Turm neu gedeckt wird und Turm und Knauf neu vergoldet, will ich den bisherigen Schriften auch eine hinzu fügen. Bisher war der Turm einfach mönchisch[?] und schlecht gedeckt. Diesmal wird er mit Lärchenschindeln (aus Brixlegg) vierfach gedeckt und mit einem Imprimierungsmittel (Xylamon Lassur – Mahagoni) behandelt von der gerüstlosen Turmdeckerfirma Walter Zeiner, Osttirol, Dölsach. Kreuz und Knopf werden ebenfalls von ihm mit Blattgold vergoldet. Gleichzeitig muß die Empore neu gestützt bezw. aufgelängt werden, da der äußere Tragbalken in der Mauer abgefault ist. Auch der Volksaltar wird neu errichtet werden um auch in Eichenberg nach Vaticanum II entsprechen zu können. Der Schreiber ist schon im 11. Jahr hier Seelsorger und hat über diese Zeit folgendes zu berichten. An der Kirche wurden bis jetzt circa 800.000 Schilling verbaut. Es wurden neue Türrahmen und Türen eingesetzt (Ferd. Immler), ein neuer Beichtstuhl, an Stelle einer Seitentür (früher waren die offenen Beichtstühle neben dem Hochaltar), die Orgel umgebaut (Orgelbauer Meier, Altenstadt), Innen ausgemalt und im Chor die Gipsstruktur gemacht, die Heizung v. „Accom“ Zürich angeschafft, beim Vorzeichen eine Mauer aufgeführt 1 Dach gedeckt mit Schweizer Falzziegeln und Eternit, Blitzableiter und Dachrinnen, und Mauerentfeuchtung, die alte Kanzel wurde abgetragen dafür ein Ambo errichtet und viele Paramente, Altartücher u.s.w. angeschafft. Auch elektrisches Geläute wurde angeschafft. Näheres in der Chronik! Jetzt den Turmhelm neueindecken, nächstes Jahr den Turm und die Kirche so Gott will und auch die Trögen Kapelle. Das größte aber war der neue Pfarrhof, der mehr als zu 80% von mir selbst finanziert wurde, er kam ebenfalls auf circa 800.000 S zu stehen. Der Plan stammt von mir. Der alte Pfarrhof war sehr baufällig und ungeschickt. Ich hab gleich daneben (nördlich) den Neuen bauen lassen und dann den alten abgebrochen. Die Leute hatten für den Pfarrhof nichts übrig und so habe ich mich um eigene Mittel umgesehen. Ein Großteil bekam ich von 2 alten Leuten (Geschwister Lang auf der Hub) die ihre große Landwirtschaft und wertvollen Wald (12 ha) dem Neffen Stefan gegeben haben, aber von ihm sehr enttäuscht wurden. Sie haben aber, was niemand wusste, noch viel Ersparnisse auf der Bank gehabt und diese dann mir gegeben, wenn ich sie in den neuen Pfarrhof, der ganz bei der 2 Kirche liegt, was für sie wichtig war, zeitlebens aufnehme und für sie sorge. Katharina und Maria Lang haben ihren Schritt noch keine Minute bereut. Meine Köchin und ich haben aber für die Eichenberger eine große Last auf uns genommen. Katharina Lang bei der Übernahme 86 Jahre alt war schon 5 Jahre völlig blind. Dr. Hefel von Dornbirn ein Schulfreund von mir hat sie aber operiert und jetzt sieht sie wieder mit beiden Augen und kann ganze Bücher lesen, was sie auch fleißig tut. Auch sonst habe ich so kleinere Gebrechen (wie ein eingeklemmtes Band) bei beiden wieder in Ordnung bringen lassen. Der neue Pfarrhof ist sehr schön. Bischof Wechner, der 1. Bischof der Diözese Vorarlberg, sagte, er sei der Schönste von ganz Vorarlberg. Zu meiner Zeit hat sich in Vorarlberg eine große Umschichtung vollzogen und ich glaub es ist nur der Anfang einer noch größeren. Vor zehn Jahren waren in Eichenberg außer 2 Lehrkräften und dem Pfarrer 2 – 3 Wegarbeiter, 3 Sennen und 3 der Hebamme, die im Kaplanhaus wohnte, noch alles Bauern. Jetzt gibt es außer den Genannten 3 Wirte, die nicht mehr Landwirtschaft betreiben, 1 Gendarm, der in Lochau Dienst macht und verschiedene Arbeiter, die auswärts arbeiten. Auch ein Apartmenthaus mit 6 Wohnungen, viele Wochenendhäuser und eine ganze Reihe von Häusern, die Bürgern der deutschen Bundesrepublik gehören, wurden auf unserem Gemeindegebiet erbaut. Vor einigen Jahren gingen noch alle Kinder in Eichenberg in die Schule, jetzt gehen 30 nach Lochau oder Bregenz. Auch in die Lehre fahren jetzt jeden Tag etwa ein Dutzend Burschen und Mädchen, was sehr zu begrüßen ist. Früher war keine Fahrtmöglichkeit und man mußte zu Fuß gehen, jetzt hat Wolfgang Hehle einen regelmäßigen Busverkehr eingerichtet. Die Bundes-Post will auf der steilen Straße nach Eichenberg keinen Busverkehr einricht[en]. Erst wenn die schon geplante neue Straße fertig ist, wird auch die Post an Eichenberg denken. Vor 10 Jahren waren in Eichenberg etwa 4 PKW. Heute sind in jedem 4 Hause PKW, Traktor, fast überall Bad und sehr viel Maschinen aller Art. Natürlich wird auch der Volkscharakter im Lauf der Jahre geändert und auch das religiöse Leben leidet darunter. Auch die Spendefreudigkeit ist zurück gegangen, man braucht ja das Geld für den Komfort. Früher war es noch leichter für die Kirche noch etwas hereinzubringen als heute. Aber eines muss man sagen für Bruder in Not Entwicklungshilfe und Missionen geben die Leute bis jetzt noch reichlich. Auch haben wir voriges Jahr seit Dürr Bernhard, also seit 63 Jahren, mit Hehle Herbert, Moos, wieder die erste Primiz gehabt. Nächstes Jahr werden wir wieder eine haben. Rädler Peter v. Fallenberg, der älteste von 13 Geschwistern, bereitet sich auf das Theologiedoktorat vor, er ist bereits im 12. Semester. Auch in Wien haben wir einen Theologen, Josef Böhler v. der Mühle, der letztes Jahr bei den Salvatorianern das Noviziat gemacht hat. Auch im Aufbaugymnasium Stams im Tirol und im „Marianum“ Bregenz sind Buben und danken mal jetzt noch daran Priester zu werden. Also besteht gute Hoffnung, daß noch mehr 5 Priester aus Eichenberg kommen. Das Schulhaus Eichenberg wurde vor 5 Jahren auch neu gebaut, der Bau ist aber nicht glücklich ausgefallen, das lag wohl am damaligen Vorsteher Josef Mager. Das alte Schulhaus verkaufte die Gemeinde an Finanzrat Oerlinds von Aachen. Als der Mesner Gebhard Immler zu Beginn dieses Jahres in sein neues Haus neben dem Pfarrhaus umzog, verlangte der H.[err] Finanzrat, daß der untere Stock (wo bisher der Mesner wohnte und auch seinen Verkaufsladen hatte und ebenso 3 Kühe im Stall) in Stand gesetzt werde (Trockenlegung usw.) und vom Stall zum Haus eine Feuerwand errichtet werde u.a. mehr. Und da Haus und Stall in einem schlechten Zustand waren und viel Geld zur Instandsetzung erfordert hätten, wurde die bisherige Mesnerwohnung an den Finanzrat verkauft um 110.000 S. Mit Genehmigung der bischöflichen Behörde aber mit der Auflage, daß das Kaplanhaus später zu einer Mesnerwohnung ausgebaut werde. Der Kauferlös wird gegenwärtig zum größten Teil für die Kirche verwendet. 6 Brand war in den letzten zehn Jahren einer. Der Hof auf der Stegen brannte an einem Sonntag 10 Uhr abends nieder. Wahrscheinlich durch einen hießen Tauchsieder, den ein Kind in einen Kasten versorgte. Gebaut wurde sehr viel, außer den schon genannten Häusern, das Café Fernblick, das an Stelle des 1945 abgebrannten (wahrscheinlich von einer aus Russland während des Krieges (39-45) deportierten Magd angezündet) Wohnhauses von Jakob Hehle 1958 erbaut wurde. Lothar Hehle, der Adoptivsohn d. I. M., errichtete das Gasthaus und das mit 6 Wohnungen ausgestattete Gästehaus weiter unten. Dann ein geräumiges Ferienhaus von Dr. Heiland, Chefarzt der Kinderklinik Scheidegg. Auf dem gleichen Grundstück ein Haus von einem Augsburger, der wieder verkauft an DDr. Ruß, Besitzer der Vorarlberger Nachrichten, des größten Blattes von Vorarlberg, und das Haus des damaligen Jagdpächters, eines deutschen Ingenieurs, der unter dessen aber wieder verkaufte. Auf der Ruggburg ebenso 2 neue Häuser, beide Besitzer deutsche Bundesbürger. Ein großes Fremdenhaus wird gegenwärtig in Lutzenreute gebaut von Edi Kienreich, Schwiegersohn des I. Baldauf, 7 Gastwirt in Lutzenreute, ehemals Konrad Gorbach. N.B. Das Gasthaus Ruggburg wurde abgebrochen und im neuen Haus keine Wirtschaft eröffnet. Das Haus neben der Sennerei Lutzenreute, Besitzer Eugen Immler, Sohn des Ferdinand Immler, fast alles neu und sehr schön gebaut. Neu gebaut hat auch Ferdinand Immler, der Bruder des Obigen, Schreinermeister, ebenfalls sehr schön. Auf Gorbachen wurde neu und groß gebaut. In der Sennerei Hinteregg, ein Wohnhaus auf der Halden von Alfons Feßler. In Jungholz Hans Vogler und Josef Halder, auf der Hub Stefan Lang und in Moosegg Heidegger ein schönes Gasthaus, nachdem das gepachtete Bauernhaus vor einigen Jahren abgebrannt ist. Neue Ställe hat in den letzten Jahren fast das ganze Dorf gebaut mit ganz wenigen Ausnahmen. Man will eben mit der Zeit gehen und modern sein, wenigstens was den Stall betrifft. Neu gebaut wurde auch das Wohnhaus des Alois Rädler im äußersten Dorf gegen 8 Lutzenreute und das Haus des Josef Gorbach, das vom Stall getrennt aufgestellt wurde. Es schaut so aus, daß auch in nächster Zeit noch viel gebaut wird. Aber die Leute geraten mit dem Bauen auch immer mehr in Schulden, denn das Bauen ist teuer, die Löhne hoch und der Holz- und Milchpreis hält nicht Schritt, ja wird kleiner. Der Straßenbau ist in den letzten Jahren sehr vorangetrieben worden, überall wurden Güterwege gebaut und auch die Straße von Lochau und Eichenberg soll jetzt neu angelegt und 5 m breit werden. Durch das Dorf ist sie bereits fertig. Bis zur Kirche ist es jetzt schon Landesstraße und das Land soll die Straße bis zur Grenze von Möggers übernehmen. Heuer wurde auch zu Fallenberg und Hof ein schöner Güterweg gebaut und von Lutzenreute bis Möggers während der Güterweg durch den Fürberg bis Eichenberg zum Teil geteert wurde. 9 Das wären so einige Dinge, die mir gerade eingefallen sind. Näheres ist in der Chronik zu finden, die im Pfarrheim aufbewahrt wird. N.B. Habe heute erfahren, daß der „Ecce Homo“ aus der Bischofskapelle, ehemals aus der Kapelle in Eichenberg, jetzt im Vorarlberger Landesmuseum sei. Alfons Walser, Pfarrer geb. 28.7.1913 in Gisingen im 31. Priesterjahr und im 11. Jahr als Pfarrer von Eichenberg am 28. März 1969 j 10
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EKTC_1837_02a_I..._Memo Eichenberg 13.12.1901 03.06.2021, 08:08 In perpetuam rei Memoriam Über den neuen Kirchenbau am Eichenberg. Der Eichenberg bildet eine Parzelle der Gemeinde Möggers und gehört zur Pfarrey Bregenz des k.k. Land- und Criminal Gerichts daselbst. Ihre Kirche war besonders im Winter äußerst beschwerlich, und überdies von der Pfarrkirche Bregenz weit entlegen. Aus diesem Grund entwickelte sich dann unter mehreren Bewohner von Eichenberg der Wunsch daselbst eine Kirche zu erbauen, wozu wesentlich der biedere Bauer Josef Gorbach zu Ebert |: der aber leider am 5ten Februar 1830 in einem Alter von 86 Jahren im Herrn entschlafen ist, bevor der neue Kirchenbau förmlich entschieden war:| Magnus Reichhart damals zu Jungholz, und Jakob Rädler am Eichenberg, die Haupttriebfeder waren. Durch ihre unausgesetzten Bemühungen brachten sie es endlich mit tätiger Mitwirkung und Unterstützung des Gubernialrates und Kreishauptmannes v. Ebner soweit, daß durch den ehemaligen Hochlöblichen Kreis-Ingenieur Adjunkten Negrelli ein Kirchenbau Projekt entworfen wurde, welches von der hohen Landesstelle noch unter der Regentschaft des inzwischen verblichenen Kaisers Franz des Iten mit Dekret vom 5ten Dezember 1843 Nr 26784 zur Herstellung bewilliget worden ist. Schon früher, und während dieser Bewilligung bemühten sich die genannten Individuen mit 1 Hilfe einiger Mitbürger von Eichenberg, - weil eigentlich die Konkurrenz zur beabsichtigten neuen Kirchenbaute äußerst klein, und unbemittelt, ja selbst späterhin nicht ganz einig war, milde Beiträge zu sammeln. Als erster und größter Wohltäter zeigte sich: 1. Seine hochfürstliche Gnaden der hochwürdigste Fürstbischof zu Brixen Hochlöblicher Herr Bernhard Galura für den Kirchenbau für den Pfarrhofbau für die Existenz eines Geistlichen 300 Florentiner Gulden 200 Florentiner Gulden 1500 Florentiner Gulden 2. Der Hochwürdigste Bischof zu Hypsopolus Weihbischof und General-Vikar für Vorarlberg zu Feldkirch hochwürdiger Herr Georg Prünster zum Kirchenbau 300 Florentiner Gulden 3. Seine hochfürstlichen Gnaden Fürstbischof zu Trient ehemals Weihbischof und General-Vikar zu Feldkirch hochlöblicher Herr Johann Nepomuk v. Tschiderer zu Gleisheim 100 Florentiner Gulden 4. Der nunmehr verstorbene Herr Benefiziat Ambros Hehle zu St. Joseph in Bregenz 200 Florentiner Gulden 5. 24 Familien Einwohner am Eichenberg und in der Umgebung 2400 Florentiner Gulden 6. Im Kreise Vorarlberg fielen durch Sammlungen 4500 Florentiner Gulden 7. Hochlöblicher Adam Girer Weinhändler in Bregenz stiftete 1 schöne Bahne, und 1 Prozessionskreuz nebst Meßgewand 2 Bei diesen günstigen Folgen wurde sohin der neue Kirchenbau unter der Regentschaft Seiner Majestät Ferdinand des Iten am 1ten Juni 1836. Unter Leitung des kaiserlich königlichen Hochlöblichen Kreis-Ingenieurs Joseph Hirn, des Hochlöblichen Adjunkten Martin Kink und des k.k. Hochlöblichen Straßenmeisters Johann v. Hörmann durch den Maurermeister Joseph Daum und Zimmermeister Johann Stökeler von Weiler, das königlich kaiserliche Landgericht daselbst im Akkord begonnen, und im November 1837 mit aller Zufriedenheit vollendet, und zwar mit einer baren Auslage von 300 Florentiner Gulden jedoch ohne die innere Verzierungen etc. Als Bau-Inspizient wurde von Seite der politischen Behörden Magnus Reichhart derzeit am Eichenberg, und als Kassier Jakob Rädler am Eichenbergj aufgestellt, welche mit großen Aufopferungen ihrer zeitlichen Güter unermüdet waren, den neuen Kirchenbau gehörig zu Stande zu bringen wozu übrigens auch der Herr Landgerichts-Vorstand Anton Palang, der Hochlöbliche Landgerichts-Adjunkt Sebastian Stöckel, und Johann Seiter wesentlich beigetragen haben. Das erforderliche Holz wurde gleichfalls durch milde Beiträger in natura gespendet, und die Bausteine, so wie der Kalk und Sand haben die Einwohner von Eichenberg geliefert und so auch die mühseligen und vielen Hand- und Spannfronen unentgeltlich geleistet, wobei aber nur der geringere Teil von Eichenberg sich der ehrenvollen Arbeit widmete, da wie schon früher Erwähnung geschah, ein großer Teil mit dem neuen Kirchenbau nicht ganz einverstanden war, - so daß der ganze 3 Kirchenbau bloß von einigen wenigen Familien zur vollen Ausführung gebracht worden ist, die wir hier in soweit nicht namhaft machen wollen, da sie ihren Verdienst um das Wohl der Kirche selbst kennen werden. Der Hochwürdige Hochlöbliche Dekan Walser in Bregenz erteilte den Bauleiter die zu ihrem Zwecke führenden Ratschläge, und segnete ihre Schritte während auch der Hochlöbliche Gemeindevorsteher Fidel Hagen zu Möggers das Seine beitrug. Dank sei allen unseren Wohltätern dieser neuen Kirchenbaute, und der Himmel möge ihnen dies, und Jenseits hiefür eingedenk sein, und durch andere Wohltaten vergüten. Eichenberg den 16ten September 1837 Verfasst und geschrieben von Hauser zu Bregenz. 4
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EKTC_1829_Bette...en_Ka Eichenberg 13.12.1901 03.06.2021, 08:06 Euer Majestät In aller untertänigster und tiefster Verehrung bringen die gefertigten Deputierten der katholischen Gemeinde Eichenberg, der Pfarrer und des Landgerichts Bregenz, des Kreises Vorarlberg eine ihren Herzen höchst wichtige Bitte vor den Thron unseres Allergnädigsten Kaisers. Aller untertänigst bitten wir um eine seelsorgliche Expositur auf den Eichenberg der Pfarre und des k.k. Landgericht Bregenz um eine jährliche Dotation für den Seelsorger pro 300 fl. R. W. aus den jährlichen Konten des aufgehobenen Klosters Mehrerau, welches bis zur Aufhebung Patron von Eichenberg der Pfarre Bregenz war, dessen Konten sich jährlich auf circa 12000 fl. belaufen mögen. Manche Orte erhielten Exposituren und Eichenberg ist selber am meisten benötiget, und zwar aus folgenden physischen, moralischen und ökonomischen Gründen: a. Die physischen Gründe dafür bestehen in der 1 ½ bis 2 Stunden weiten und hohen Entfernung von der Pfarrkirche zu Bregenz<, - der Zugang zu dieser ist in der schönsten Jahreszeit immer beschwerlich und steil, dann zur Winterszeit wegen hohem Schnee, Eis und stürmischer Witterung für die zarte Jugend, die alten und gebrechlichen, besonders schwangeren Personen höchst gefährlich und oft gar nicht zu unternehmen. Daraus gehen b. Die moralischen Gründe hervor, daß nämlich diese Pfarrangehörigen von Bregenz, welche in 300 Seelen, in 55 über die Gebirge sehr zerstreut liegenden Häuser bestehen, dem Religionsunterrichte und Gottesdienste sehr oft gar nicht beiwohnen können, und wenn es ihnen auch gelingt in die Pfarrkirche zu kommen, das Bedürfnis der Ruhe und der Erquickung mit Nahrung zu sehr fühlen, als daß sie dem Gottesdienste mit der gehörigen Stimmung beiwohnen könnten, daß die gefährlich und schwer Erkrankten zur Winterszeit beim hohen Schnee immer in der bangen Besorgnis daliegen, der Seelsorger könne gar nicht oder zu spät kommen; - daß die Jugend dem nachmittäglichen Gottesdienste, der Widerholungsschule und so weiter gar nicht beiwohnen kann, auf dem Heimwege sich selbst überlassen, zu Ausgelassenheiten verstalt[?] , bei dunkler Nacht erst heim kommt; daß Eichenberg am äußersten Punkte des von Sekten verrissenen Auslande liegt, wo es nichts braucht als daß sich Einer, als Vorsteher zum Erklärer der Bibel hervor tut, die Leute zur Versammlung in Häuser einladet, wovon wir schon Versuche hatten, und so zum Separatismus verleiten; daß den längern Kranken und Sterbenden der Seelsorger im glücklichen Falle nur die Heiligen Sakramente reichen aber ihren bangen Kümmernissen mit Religionstrost nicht mehr beistehen kann, weil sie zu weit entfernt sind, und die gebieterischen Umstände sehr oft die Ankunft unmöglich machen. c. Als ökonomische Gründe müssen sie nur im Kurzen aufführen: - Die Beschwerlichkeit und Weite des Weges zur Pfarrkirche, welche sie schon um 9 Uhr frühe und folglich die längere Zeit des Jahres bei eitler Nacht durchwandern müssen, fördert Erquickung im Wirtshause, und wollten sie beim Nachmittagsgottesdienste bleiben, wären sie genötiget ein Mittagsmahl einzunehmen, womit für Einzelne und besonders für eine jede Familie Großer Aufwand verbunden ist. Die Länge und Beschwerlichkeit des Wegs die oft raue Witterung und verdorbenen Wege erhöhen den Bedarf der Kleider und Schuhe für jede Familie. – Wegen Beschwerlichkeit und weiter Entfernung zum Gottesdienste haben unsere Güter einen geringen Wert, welcher, wie auch die Kultur der noch öden Güter merklich steigen würde, wenn aus den angeführten Gründen eine beständige Seelsorge da wäre. Alle diese Gründe haben die hochoberkeitlichen aufgestellten Pfarr-Errichtungs Kommissionen von den Jahren 1755 et 56, - dann von 1780, 81 et 1785 als wahr und wichtig eingesehen, und schon in jenen Jahren auch die Errichtung einer eigenen Seelsorge auf dem Eichenberge angetragen. Diese Gründe erklärte als wahr eine am 6ten August 1823 nach Eichenberg abgeordnete k.k. Kommission, und trug auch eine eigene Seelsorge daselbst an.
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  3. bettelbrief
EKTC_1913_06_Pf...ael_H Eichenberg 01.01.1913 03.06.2021, 08:00 Seit den letzten hier aufbewahrten Aufzeichnungen wäre etwa das folgende bemerkenswert: Durch Pfarrer Grass wurde die Restaurierung der Kirche begonnen und durch den Unterzeichneten vollendet. Früher war die Kirche, wie die Leute es schildern, ein kahler, finsterer, kalter Keller, nach Durchführung der Restaurierung wird sie zu den schönsten des Landes gehören. Dies vorzüglich wegen der Bilder, sieben Schmerzen Mariens, die sie schmücken. Die Copien dieses Meisterwerkes Jansens sind von Meister Marte aus Schnifis. Bis heute sind in dieser Kirche die einzigen Kopien diese Bilder, Jansen erteilte keinem andern die Erlaubnis. Die Bilder, mit Ausnahme der 2 im Chor, wurden im Herbste fertig, das Bild für 280 Kronen. Die Vergoldung der Altäre lieferte Kunsttischler Dünser aus Düns für 1000 Kronen. Die Kirchenwände sind in Kalkfarbe getüncht und mit den Bildern der Apostel versehen, beides durch Maler Marte. Eine große Glocke ist nun angeschafft. – Soweit war die Restaurierung, als Pfarrer Grass (Dreikönigsfest 1912) erkrankte und am Portiuncula (4. August) 1912 starb. Bis zum 19. Dezember blieb die Pfarrei unter der Provision des Pater Philemon . Die Arbeiten an der Kirche ruhten. Dann wurde die Pfarrei dem Unterzeichneten verliehen. Im Sommer 1913 wurde die Restaurierung wieder aufgenommen. Maurermeister Gebhard Rupp von Hörbranz verputzte Kirche und Türen, für 1250 Kronen. Der Meßner Gebhard Immler übernahm das Anstreichen des Helmes und Vergolden des Kreuzes, für 200 Kronen. Spenglermeister Marik aus Lochau besorgte die nötigen Flaschnerarbeiten. Neue Bänke liefert (bis Allerheiligen) Alfons Dünser, für 2900 Kronen. Ein neuer Boden, aus Mettlacher Platten, kostet 2400 Kronen, wird im Sommer 1914 fertig. Meister Marte hat das Marmorieren der Altäre und die Herstellung der zwei noch fehlenden Bilder (über der Orgel) um 1000 Kronen übernommen. Die 6 Statuen auf den Altären sowie die Engelsfiguren auf dem Kanzeldach kommen von Ferdinand Stuflesser in Gröden und Kosten roh 520 Kronen. Marte wird sie fassen, wie er ebenso auch einen konstruktiv wirkenden Sockel herstellen wird. – Die sämtlichen Kosten wurden größtenteils durch die Freigiebigkeit der Pfarrei aufgebracht, teils durch Kirchenwald und ein wenig auch durch auswärtige Spenden. – Soviel von der Kirche. Sie ist ein Werk des Marte und Pfarrers Grass. Noch immer haben wir bloß viermalige Post wöchentlich; aber wir haben Aussicht auf Besserung. Auch der Bau einer ordentlichen Verbindungsstraße Eichenberg – Möggers scheint bald Wirklichkeit zu werden. Und hoffentlich wird diese Straße über Fallenberg und Haggen nach Bregenz, andererseits bis Scheidegg [erstellt]. Das Gäbe, besonders wenn sie über Lutzenreute – Stadlers – Ramsach – Weienried käme, die schönste Straße „in Mitteleuropa“. Ich halte die Eichenberger für brav und schätze, daß Gott und die Welt zufrieden wären, wäre die ganze Christenheit wie sie. Eichenberg, am 11. August 1913 Michael Huber Pfarrer
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EKTC_1837_02b_E...z_Mad Eichenberg 13.12.1901 03.06.2021, 07:59 Geschenke von Fachmänner und Straßenmeister v. Hörmann Bregenz d. [Ordnungszahl wegen Blattkorruption unlesbar] September 1837
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EKTC_1837_02c_kl._Sc... Eichenberg 13.12.1901 03.06.2021, 07:59 Diesen Knopf hat gemacht und im Sommer vergoldet Karl Anton Leupold Bürger und Gürtler Meister von Bregenz für den Preis von 110 Florentiner Gulden Rheinische Währung das Kreuz dazu für den Preis von 40 Florentiner Gulden Rheinische Währung und ist am Tage der heiligen Ludmilla am 16ten September 1837 auf den Kirchturm nach Eichenberg zur neuen Kirche gekommen. Gott sei mir wie auch allen Gnädig
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EKTC_19020723_0..._Theo Eichenberg 23.07.1902 03.06.2021, 07:59 EKTC Chronik Bernhard Dür Theologe 1902 Die Kuppel des Eichenberger Kirchturmes wurde im Jahr 1874 neu gedeckt. Ein gewisser Boch, ein Maler, sollte damals die Kuppel malen. Er verwickelte sich aber derart in die Seile und Stricke des Gerüstes, dass er aus seiner Lage befreit und von der Kuppel heruntergeholt werden musste. Das Mittagessen soll ihm nach der ausgestandenen Höllenangst an jenem Tage gar nicht mehr gemundet haben. Das Kreuz und die Turmkugel wurden damals wahrscheinlich nicht heruntergenommen; denn sonst hätte man gewiss irgendein neues Schriftstück beigelegt. 1902 war wieder eine Reparatur notwendig. Die Kuppel mußte fast ganz neu gedeckt und das Kreuz und die Turmkugel neu vergoldet werden. Ausgeführt von Fidel Himmer Gold- und Silberarbeiter in Feldkirch. Die Vergoldung kostete…. Die Neudeckung der Kuppel geschah von folgenden Zimmerleuten: Ferdinand Immler, Gebhard Immler, Frz. Jos. Gessler junior v. Eplisgehr, Bartholomä Gorbach von Ebnit (derzeit Kapellmeister in Eichenberg) und Alois Österle von Juggen gebürtig. Der Verfasser dieser Schrift war auch auf der Kuppel und half einige Zeit abbrechen. Man konnte gespannt sein, was für Schriftstücke unten in der Turmkugel sich fänden. Es war leider sehr wenig. 2 Schriftstücke, von denen das eine Aufschluß gibt über die Erbauung der Kirche, das andere aber eine ganz kurze Geschichte über das kreuz und die Turmkugel. Ferners fanden sich einige alte Münzen vor. Das alles wird in der 1 Turmkugel weiter aufbewahrt und über Ersuchen des gegenwärtigen Hochwürdigen Herrn Pfarrers Franz Meinrad Koch, gebürtig aus Götzis, habe ich diese Schrift verfaßt und den erwähnten zwei Schriftstücken beigelegt. Hoffentlich wird auch späterer Zeit, wenn diese Turmkugel wieder einmal geöffnet wird, eine weitere Schrift geschrieben und beigelegt. Und so will ich noch der Nachwelt einiges überliefern vom gegenwärtigen Leben und Treiben der Eichenberger Bevölkerung. Seit mehreren Jahren kann man beobachten, wie hier Bauernhöfe in fremde Hände kommen, auch in die Hände von Hofhändlern, die dann die Wälder arg aushauen und zerstückeln – alles zum Schaden der ganze Pfarrgemeinde. Im Jahre 1900 schlug der Blitz in das Haus des Franz Martin Reinhart in Eplisgehr. Das Haus stand in kürzester Zeit in Flammen und es geriet auch das sehr nahe gelegene Haus der Geschwister Ziller in Brand. Diese Besitzer der 2 Häuser waren bereits ältere kinderlose Leute. Deshalb scheuten sie das Bauen und sie verkauften ihre Höfe an das Kloster Mehrerau. Auch das Kloster unterließ das Bauen der 2 Häuser. An ihre Stelle wurde nur ein Stadel gestellt. Der 3. Hof in Eplisgehr, dessen Besitzer bisher Franz Josef Immler war, ging durch Kauf ebenfalls an das Kloster Mehrerau über. So gehört diesem Kloster nun ganz Eplisgehr. Ob zum Nutzen der Pfarrgemeinde? In den Viehweiden wurden vom Kloster alsobald etwa 70000 Tannen angepflanzt. In Jahrzehnten gibt es dort, wo früher Saatenfelder und Weideplätze waren, einen 2 großen Wald, um nicht zu sagen, eine Wildnis. Und wie schön wäre es, wenn in Eplisgehr wieder 3 Häuser stehen würden. Wenn ich das alles überdenke, so muß ich mir sagen, daß die Veräußerung der Parzelle Eplisgehr an das Kloster Mehrerau ein Mißgriff war. Ich komme nun auf einen anderen Punkt zu sprechen, auf die Straßen. Vor einigen Jahren wurden vom Lande herauf zwei neue Straßen gebaut, die eine von Hofen zum Kirchdorf Eichenberg, die andere von Backenreute über Ruggburg nach Lutzenreute. Dieser Straßenbau war ebenfalls ein Mißgriff. Man hätte eine und nicht zwei Straßen bauen sollen, und diese Straße hätte direkt von Bregenz quer über den Bregenzerberg, etwa bei Grünegger und Fallenberg vorbei, zum Kirchdorf von Eichenberg und von da direkt und gerade noch Eplisgehr, Unterfluh und weiter nach Lutzenreute respective nach Mühle führen sollen. Das hätte eine schöne und bequeme Verbindungsstraße zwischen Bregenz und Scheidegg respective dem Allgäu gegeben Die Bewohner von Möggers und der Gegenden von Buchenberg und Fürberg wären ebenfalls Interessenten dieser großen Straße geworden. Diese Straße wäre dem Einzelnen nicht so hoch zu stehen gekommen wie die jetzigen zwei neuen Straßen, die zusammen ungefähr 40000 Kronen kosteten. Man hätte, wie man es anderorts bei großen Straßenbauten macht, den Staat und das Land um die Mithilfe ansprechen können. Wie schade ist es, daß man es hier nicht so gemacht! 3 Vielleicht macht es eine spätere Generation von Eichenberg so. Auf diese Weise würden dann die Bewohner der Gegend von Butzenreute einen bequemeren Kirchweg erhalten. Der jetzige Kirchweg von Lutzenreute ist in einem traurigen Zustand und er wird noch von Jahr zu Jahr schlechter. Übrigens wollen die jetzigen Bewohner dieser Gegend keinen besseren Kirchweg, sonst hätten sie heuer die günstige Gelegenheit benützt. Das Kloster Mehrerau wollte wollte von Eichenberg nach Eplisgehr eine Straße bauen, die Lutzenreuter sollten aber helfen und das Kloster hätten diesen wiederum bis Lutzenreute weitergeholfen; die Bauern gaben sich aber mit dem alten Kirchweg zufrieden und das Kloster baute allein eine Straße von Ruggburg aus durch den sogenannten Sattel. Es handelt sich nun um die Frage, warum die Eichenberger beim Straßenbau geteilt waren, warum sie zwei und nicht eine Straße bauten. Da voraussichtlich diese Schrift nicht in die Hände der gegenwärtigen Generation von Eichenberg gelangen wird, so glaube ich hier schon offen werden zu können und zu dürfen. Ein Geschichtsschreiber soll eben objektiv sein. Übrigens trifft das nicht alle Eichenberger, sondern nur einige oder auch nur einen. Aber auch auf diesen einen will ich keinen Stein werfen, ich will der Nachwelt nur die Wahrheit überliefern. Wo ist also die Ursache der Spaltung beim Straßenbau in Eichenberg zu suchen? Im Dezember des Jahres 1894 war Vorsteherwahl der Gemeinde Möggers-Eichenberg. Seit circa 1812 war der Vorsteher ohne Unterbrechung in Möggers. Fast schien es, es müßte so 4 sein. Das Jahr 1894 brachte eine Änderung. Durch eifrige Agitation des Fidel Eller von Großen, der den eigenen Pfarrangehörigen, den Möggersern, einen Possen spielen wollte, gelang es, bei der Ausschußwahl 7 Ausschußmänner nach Eichenberg zu bringen. 7 in Eichenberg gegen 5 in Möggers! Der Vorsteher war den Eichenbergern nun gewiß. Es handelte sich nur noch darum, welchen von diesen 7 man wählen wolle. Zu diesem Behufe versammelten sich die 7, respektive 6 erschienen. Konrad Gorbach von Lutzenreute erschien bei der Beratung nicht. Die 6 Teilnehmer nahmen an, Konrad Gorbach sei deshalb nicht erschienen, weil er so wie so zum Vorsteher gewählt wurde, ja gewählt werden müsse, weil sich unter den 6 übrigen kein Tauglicher fände. (Gorbach war aber am Erscheinen wegen eines Zwischenfalles zu Hause verhindert worden.) Weil die 6 den angeführten Grund für das Fernbleiben des K. Gorbach annehmen zu müssen glaubten und sie sich darob gekränkt fühlten, so beschlossen sie einstimmig, die Stimme dem Johann Georg Mayer, Kronenwirt in Eichenberg, zu geben. Fidel Eller, der den 5 Möggersern beigezählt war, gab die Stimme auch dem Johann Georg Mayer, und so konnten sie 4 übrigen Möggerser samt dem Konrad Gorbach, der aber den Wahlvorschlag arg erbost wurde, nichts ausrichten. Dem Johann Georg Mayer war die Stimmenmehrheit gesichert und er wurde bei der Vorsteherwahl dann wirklich gewählt. Darob erboste, wie gesagt, Konrad Gorbach und er mag dem neuen Vorsteher 5 Rache geschworen haben. Unglücklicherweise wurde um diese Zeit die Ruggburg an einen Berliner Protestanten namens Alexander Bau verkauft. Dieser hatte die Ruggburg unter der Bedingung gekauft, daß dorthin vom Lande herauf eine Straße gebaut werde. Die Ruggburg allein wäre eine Straße nie und nimmer wert gewesen und so mußte man sich um die Mithilfe der Lutzenreuter umsehen. Dies war dem Konrad Gorbach eine erwünschte Gelegenheit, den Eichenbergern Dorfbewohnern mit ihrem Vorsteher Mayer an der Spitze einen Streich zu spielen. Schnell gab es unter den Bauern der Lutzenreuter Gegend eine Agitation für eine neue Straße vom Lande herauf über Ruggburg nach Lutzenreute. In 2 oder 3 Wochen war das Projekt gemacht, der Straßenbau vergeben und in Angriff genommen. Die ganze Sache war überstürzt und viel zu rasch zum Abschluß gebracht worden. Aber Konrad Gorbach war der Hauptagitator und was tut der Mensch nicht alles, wenn er auf Rache sinnt? Die Dorfbewohner von Eichenberger wollten nun auch nicht den bloßen Zuschauer spielen. Auch sie wollten eine neue Straße haben; es blieb ihnen aber nichts anderes übrig, als von Hofen aus eine eigene Straße nach Eichenberg zu bauen. Das ist in kurzen Zügen der Grund, warum wir jetzt in Eichenberg 2 neue Straßen haben. Die Rache fiel unglücklich aus. Ganz Eichenberg hat daran zu büßen. Denn wir haben jetzt 2 halbe Straßen 6 und doch keine ganze. Noch auf andere Weise rächte sich Konrad Gorbach an Johann Georg Mayer. Vor 2 Jahren erlangte Gorbach nach mehrjährigem Ringen und Bemühen die Konzession zu einer Wirtschaft. Er betreibt sie bis heute und betreibt sie noch weiter, und wahrscheinlich ist der Hauptzweck der Wirtschaft, dem Kronenwirt und Vorsteher Johann Georg Mayer Konkurrenz zu machen. Jeder vernünftige Mensch muß bei der Kenntnis der Umstände dieser Ansicht sein. Eine schimpfliche, kleinliche Rache wiederum! Gorbach schadete durch Konkurrenz nicht so fest dem Kronenwirt als vielmehr seinen Nachbarn und Anwohnern, die bei ihm des öfteren zukehren, anstatt sie sonst an Sonntagen abends nach Hause gegangen und das sauer verdiente Geld bei sich behalten hätten. Solche Winkelwirtschaften sind oft der zeitliche und oft auch der ewige Ruin der Bevölkerung. Einen indirekten Vorteil aber hat die Wirtschaft in Lutzenreute doch gebracht. Seit 25 Jahren war in den Kellern dieses Hauses eine Brennerei der Bauern von Lutzenreute, Mühle, Niederhaus, Lehen und Unterfluh. Als dann die Gastwirtschaft begonnen hatte, zeigte sich zu wenig Platz für die Getränke und für die Sennerei, und Konrad Gorbach kündete den Milchbauern seine Keller auf. Deshalb beschlossen die Bauern von Lutzenreute und Umgebung im Herbste des Jahres 1901 die Erbauung eines eigenen Sennlokals in Lutzenreute. Im Februar 1902 wurde das neue große Lokal feierlich eröffnet. Es spielte die Eichenberger Musikkapelle und viele Menschen beteiligten sich an der Feier. Heute sind bei der Sennerei 7 18 Bauern beteiligt, während es früher nur etwa 8 oder 10 waren. Der Milchpreis ist jetzt schon um 20 Kronen für 1000 Liter gestiegen. Wie gesagt, die Milchwirtschaft ist mit diesem Lokal in der Gegend von Lutzenreute sehr vorangeschritten, und das hat man indirekt der Gastwirtschaft des Konrad Gorbach in Lutzenreute zu verdanken. Wäre diese nicht gewesen, so hätte man in den dortigen Kellern weiter gemacht wie bisher. Von einer Seite habe ich bereit vernommen, daß auch die Dorfbewohner von Eichenberg es mit einem Sennlokal den Lutzenreutern nachmachen wollen. Vielleicht tun es an dritter Stelle dann noch die Furberger[?] Mit der Hebung der Milchwirtschaft in Eichenberg ist da der Getreidebau im Abnehmen begriffen. Die Bauern halten lieber mehr Vieh und kaufen das Getreide respektive das Mehl. Die Mahlmühlen, deren es zu meiner Zeit noch etwa acht gab, gehen ab. Die Zeiten ändern sich. Am 2. August 1901 wurde die Gegend von Bregenz bis Feldkirch und der Bregenzerwald von einem derartigen Hochwasser betroffen wie seit Menschengedenken noch nie. Eichenberg wurde arg in Mitleidenschaft gezogen. Im Felde des Remig Gorbach in Mühle war z. B. eine große Erdabrutschung in das Feld von Lehen bis zum Wald hinunter (ein Stück hinter dem Hause von Unterfluh.) In Unterfluh war unterhalb des Hauses eine große Erdabrutschung. Der gegenwärtige Besitzer, 8 Konrad Reichart, sagte um Unglückstag abends, er würde 1000 Florentiner Gulden bezahlen, wenn die Abrutschung unter dem Haus nicht stattgefunden hätte. Von Eichenberg nach Lutzenreute riß das Wasser von den 5 Brücken 4 fort. Die sogenannte Lehenbrücke konnte noch gerettet werden. Zahlreich waren die Abrutschungen in ganz Eichenberg. Der Schaden war hier wie anderorts groß. In einzelnen Gemeinden im Oberland betrug der angerichtete Schaden tausende von Gulden. Im Winter auf 1902 wehte einmal ein orkanartiger Sturm und richtete hier und anderorts ungeheuren Schaden an in den Wäldern und Obstgärten. An Stellen, die stark dem Wind ausgesetzt waren, wurden viele große und kleine Tanne entwurzelt. Das Frühjahr 1902 war schlecht und spät. Der Wonnemonat Mai glich einem stürmischen und kalten März. Im Verlaufe des ganzen Monats war kaum ein schöner Tag. In Eichenberg machte es wiederholt Schnee. Ganz wenige Bauern waren es, die kein Heu kaufen mußten. Mitte Mai schneite es einmal am Vormittag in Bregenz wie mitten im Winter. Mitte Juni war eines Morgens der Pfänder mit Schnee bedeckt. Am 5. Juli 1901 brannte das Haus des Ferdinand Ruck in Stadlers infolge Blitzschadens ab. So schlug der Blitz in zwei Jahren nacheinander auf unserem Berg heroben 9 ein. Kein Wunder, daß die Leute in Angst gerieten. Bei den Dorfbewohnern von Eichenberg war das in einem solchen Grade der Fall, daß sie nach Stadlers zum Brande nicht einmal mit der Feuerspritze ausrückten, weil sie fürchteten, es könnte inzwischen im Dorfe der Blitz einschlagen. Von Freunden in der Not, gehen hundert auf ein Lot. Nach dem Brande in Stadlers giengen manche Bauern in Eichenberg sicher in die Feuerversicherung. Die hatten recht und taten gut, denn gewöhnlich sagt man erst nach dem Brande, man hätte sollen lieber in der Versicherung sein. In 32 Jahren hat der Blitz in Eichenberg, wenn man Stadlers dazu rechnen will, nicht weniger als fünfmal eingeschlagen. Im Jahre 1869 in das Gorbachsche Haus in Niederhaus, am 3. September 1886 in das Haus des Jakob Hehle in Eichenberg, mit welchem Hause zugleich das Schulhaus abbrannte, am 1. September 1894 in das Haus des Josef Walser in Hintereg (das Haus brannte nicht ab. Es war ein sogenannter kalter Streich.) Und dann das vierte- und fünftemal schlug der Blitz noch ein in Eplisgehr und Stadlers. Auf Blitzableiter hält man hier nicht viel. Nur 2 gibt es: auf dem Hause des Josef Anton Gorbach in Eichenberg und auf dem Hause des Remig Gorbach in Mühle. 10 Seit etwa 10 oder 15 Jahren verdient man hier auch mit dem Sticken auf den sogenannten Pariser Maschinen ein hübsches Geld; manche auch mit der Fabrikation von Besen aus Birkenreisig. Das Kohlenbrennen, das vor Jahrzehnten hier noch stark betrieben wurde, ist heute so gut wie ausgestorben. Vor etwa 2 Jahren sprach man wieder von einer Trennung der Gemeinden Möggers und Eichenberg. Es wurde nichts daraus. Jetzt ist wieder alles still davon. Nach dem Abbrennen des Schulhauses 1886 wäre eine Trennung am ehesten möglich gewesen, als es den Möggersern so schwer ankam, den Eichenbergern ein neues Schulhaus bauen zu helfen. Im vergangenen Winter erhielt Eichenberg endlich eine viermalige Post. Nun will ich meine geschichtlichen Notizen zum Abschluß bringen. Wenigstens wird jetzt die Nachwelt im Turmknopf etwas mehr aufgezeichnet finden, als wir gefunden. Bis man diese Schrift in fernen Jahren wieder liest, wird der Schreiber in der Ewigkeit sein. Möge dann seiner der Leser in seinem Gebete gedenken. Lehen bei Eichenberg am 23. Juli 1902, Bernhard Dür Theolog ________________________ Geschrieben mit Tuschfarbe | 11
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EKTC_1890_03_Pfr._Huber Eichenberg 13.12.1901 03.06.2021, 07:58 An die löbliche Gemeindevorstehung in Möggers Das gefertigte Generalvikariat setzt hiemit die löbliche Gemeindevorstehung diensthöflich davon in Kenntnis, daß es genötiget ist, im Auftrage des hochwürdigsten hochlöblichen Ordinariats den hochwürdigen Herrn Adolph Rhomberg, Pfarrprovisor in Eichenberg, wegen andauernder Geistesstörung der Provision der Pfarre Eichenberg zu entheben. Das Enthebungs-Dekret wird in den nächsten Tagen ausgefertiget, und wird gleichzeitig die Provision dem derzeitigen Kaplan hochwürdigem Herrn Anton Schäfer übertragen werden Da sich bei dem gestörten Geisteszustande des Herrn Rhomberg nicht voraussehen läßt, was derselbe in Folge dieser Enthebung tun werde, glaubt das General-Vikariat die löbliche Gemeindevorstehung jetzt schon über die bevorstehende Verfügung verständigen zu müssen, damit dieselbe das Erforderliche in Eichenberg veranlassen könne, um Herrn Rhomberg sorgfältig zu überwachen und unglücklichen Schritten vorzubeugen, bis es möglich sein wird, ihn in eine Heilanstalt zu überbringen, 1 was vor der Enthebung nicht möglich war. Auch wird die löbliche Gemeindevorstehung ersucht, dem neuen Pfarrprovisor Herrn Anton Schäfer ernstlich an die Hand zu gehen, damit ihm die Kirchenlade und Kirchenkassa ausgefolgt, und so die Pfarrkirche und Pfarrpfründe in Eichenberg vor Schaden bewahrt werde. F. B. General-Vikariat Feldkirch, den 10. Oktober 1890 Johannes Bischof u. freier Generalvikar Müller 2 [Briefumschlag] 140.90, Nr. 405 Nach genommener Einsicht wird dieser Auftrag an Herrn Gemeinderat Bernhard Dürr zur Verfügung abgetreten. Möggers den 14ten 10. 1890 Rupert Sinz Vorsteher „N.B. H.H. Jos. Rhomberg war vorher Professor der Theologie und kam nur wegen seines Geisteszustandes nach Eichenberg, wo aber seine Krankheit schlimmer wurde. Walser“ 3
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