43 Treffer
  Dokument Gemeinde Datum geändert Inhalt des Dokuments Schlagworte
Heimat_Wolfurt_...rzeic Wolfurt 01.01.1987 26.03.2013, 15:58 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mit Unterstützung durch die Marktgemeinde Wolfurt seit 1988 herausgegeben von Siegfried Heim Inhaltsverzeichnis Heft 1 1. Zeittafel für Wolfurt u. Hofsteig 3 2. Bauern und Fabrikler 16 3. Franzosenkrieg 1800 (Chronik Schneider I.) 20 Heft 2 4. Sozialstrukturen (1) 5. Hofsteiger Bauern 6. Der Weg zum März 1938 Heft 3 7. Der Rickenbach 8. Wolfurter Geschlechter 9. Der letzte Krieg 1939-1945 Heft 4 10. Wolfurter Mundart 11. Kriegsende 12. Pfarrkirche St.Nikolaus Heft 5 13. Schlösser in Wolfurt 14. Pfarrer Barraga 15. Auswanderer (1) 16. Autos 17. Chronik Köb (1) Heft 7 24. Das Vereinshaus 25. Mit Napoleon in Rußland (Chronik Schneider IL) 26. Lehrer Köbs, Chron. Köb (2) 27. Streifzüge der Gedanken Heft 8 28. Volkszählungen Strohdorf, Hub und Flotzbach 29. 30. St.Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt Heft 9 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Auswanderer (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz Heft 10 40. Unser tägliches Brot (1) 41. Kriegstagebuch Fischer Heft 12 49. 500 Jahre Seelsorge in Wolfurt 50. Nachbarn in der Bütze 51. Veres Stickerei 52. Die Kommunistin 53. Wendelin Rädler 54. Rogges Brot und kernes Brot 2 12 24 42 Heft 13 55. Ein Hofsteiger Siegel 56. Hofsteig 57. Ammänner 58. Der Gemeine Mann 59. Die Schneider 60. Mutter in Nöten, Auswand.(4) 61. Dorfschmiede 62. Stammvater Fischer 63. Fußball und Liebe 64. Kügolo Heft 14 65. Ein Hauch Barock 66. Die Ach und die Ächler 67. Ein Kuß; Kloster Hirschthal 68. Wolfurter Alpen 69. Fremdenverkehr 1903 70. Steuerverzeichnis 1873 Heft 15 71. Die Krankenschwestern 72. Hausnamen 73. Bier für St.Louis, Auswanderer (5) x. Kurt von Wolfurt 74. Vornamen 3 4 22 29 33 47 Heft 16 75. Schwerzler und Schwärzler 76. Heimkehrer 77. Einwanderer (1) Heft 17 78. Mutterpfarre Weißenau 79. Nachkriegsjahre 1945-1949 80. Einwanderer (2) 81. Das Erbe aus Indien 82. Kindstaufe in Bildstein x. Tanzen verboten Heft 18 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament x Gemeindediener x Inhaltsverzeichnis 3 26 42 3 23 38 3 29 32 2 6 21 24 27 30 3 6 14 28 35 40 46 50 52 54 4 9 37 54 57 59 3 7 16 30 45 49 52 1 52 54 3 12 19 23 35 38 3 9 45 48 52 54 1 11 25 30 34 4 16 3 22 36 43 44 Heft 6 18. Das Kirchdorf 2 19. Häuserverzeichnis 1926 10 20. Sozialstrukturen (2) 13 21. Wasser und Wald 39 22. Tagebuch (Chr. Schneider III.) 45 23. Spatzecklo 48 Heft 11 42. Inhaltsverzeichnis 1 43. Unser tägliches Brot (2) 5 44. Dr. Lorenz Böhler 15 45. Kalb's Creek, Auswanderer (3) 32 46. Der Schnitztrog 34 47. Altvorstehers Haus 37 48. Ein altes Dokument 41
  1. wolfurt
  2. imported
Wolfurt 2011 03 Herbst Wolfurt 23.09.2011 03.12.2012, 16:18 wolfurt HERBST 2011 Blick ins Gemeindegeschehen Fest der Begegnung Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Die Urlaubs- und Ferienzeit ist vorbei und mit Beginn der Schulzeit tauchen auch die Letzten wieder in den Alltag ein. Ich hoffe, Sie haben sich über den Sommer gut erholt und sind wieder voller Energie für einen hoffentlich schönen Herbst. Auch im Sommer hat sich einiges in unserer Marktgemeinde getan. Hochwasser in Wolfurt Leider wurde Wolfurt auch heuer nicht von Hochwasser verschont. Auch wenn die Niederschlagsereignisse nicht so flächendeckend wie letztes Jahr waren, so hat es wiederum einige Häuser und Parzellen getroffen, die bisher schon nicht verschont blieben. An derartige Regengüsse, wie sie in der Nacht auf den 30. Juni auf Wolfurt niedergingen, können sich auch alteingesessene Wolfurter kaum erinnern. Glück im Unglück war, dass die Intensität des Regens nicht allzu lange anhielt. Besonders betroffen waren der Einzugsbereich des Eulentobelbaches und das Dorfzentrum. In beiden Bereichen mussten innerhalb eines Jahres nun schon zum zweiten Mal Keller ausgepumpt werden. Noch größere Schäden konnten teilweise durch das beherzte Eingreifen der Anrainer verhindert werden. Dafür mein Respekt und mein Dank. Zu einer zeitweisen Straßensperre kam es in den Morgenstunden auch auf der Bucher Straße. Unmittelbar vor dem Portal des Ippachtunnels verlegte eine Mure die Straße 30 Zentimeter hoch auf einer Breite von drei Metern. Ein großer Dank gilt unserer Feuerwehr, die wieder rasch und kompetent den Hochwasseropfern beistand. Auch dem Gemeindebauhof gebührt großer Dank. Dorfgemeinschaft und Ehrenamt - zwei tolle Beispiele > Das Fest der Begegnung war eine beeindruckende Veranstaltung. Sie wurde nur möglich, weil sich viele Menschen im Vorfeld zusammengefunden haben, die sich bereit erklärten zu planen, zu organisieren und tatkräftig mitzuarbeiten. Die Gemeinde bedankt sich sehr herzlich beim Kulturkreis Wolfurt, vor allem bei Susanne Mohr und Ernst Stadelmann, die für die Organisation und die Finanzen die Hauptverantwortung übernahmen. Begleitet und unterstützt wurden sie von August Rohner, Jadranko Lesic und einer Gruppe von interessierten Vereinsleuten, Gruppierungen und Privatpersonen, die das Fest auf die Beine brachten. Es war ein wunderschönes Erlebnis und es wurde uns allen ein sehr bunter, lebendiger Tag beschert. Dafür ein herzliches Dankeschön! Die fotografische Dokumentation übernahm der noch junge Wolfurter Verein „Fototeam Digital“. Er stellt uns die Bilder unter folgendem Link zur Verfügung: www.ft-digital.at. > Der Stundenlauf wurde im Juli zu Gunsten von Donald Peter ausgetragen, der durch einen tragischen Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist. Fast ein Jahr haben sich der Verein „Wolfurt für Wolfurt“ und viele andere Beteiligte, Freunde und Firmen bemüht, Hilfe zu organisieren. Viele haben von sich aus gefragt: was kann ich tun? Und haben beim Hausumbau selbst Hand angelegt. Firmen haben Mann und Material kostenlos zur Verfügung gestellt. Eine unglaubliche Dynamik hat sich entwickelt, und wir konnten förmlich die positive Energie spüren, die unser Dorf vereinnahmt hatte. Ich darf mich ausdrücklich im Namen von Doris und Donald Peter und deren Kinder, aber auch im Namen der Marktgemeinde Wolfurt bei allen bedanken, die dies ermöglicht haben. Es ist schön zu wissen, dass wenn wirklich Hilfe benötigt wird, in unserer Dorfgemeinschaft Menschen aufstehen und sagen: „Mit mir kannst du rechnen!” 2 Aus dem Rathaus Carmen Zeilinger Elke Kruijen Dietmar Wüstner Nach den Hochwasserereignissen des vergangenen Jahres wurden sämtliche Schotterfänge geräumt und instandgesetzt, dadurch konnten weitere Schäden verhindert werden. Die Gemeindeverantwortlichen beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit der Hochwasserproblematik. Im Zuge eines generellen Projektes wurden Maßnahmen für alle unsere Bäche entwickelt. Die Umsetzungen werden uns sicher die nächsten 2 Jahrzehnte beschäftigen. Zur Zeit läuft die Einreichung des ersten großen Hochwasserabschnittes für den Ippach- und Himmelreichbach. Erste Teilbereiche wurden im Zuge des Sternenprojektes vorgezogen und umgesetzt. Die nächste Bauetappe soll noch in diesem Herbst/Winter starten. ist eine Aufstockung des Personalstandes an diesem Kindergarten erforderlich geworden. Elke Kruijen ist verheiratet und Mutter von 3 Söhnen. Sie hat im zweiten Bildungsweg eine Ausbildung zur Kindergartenassistentin absolviert. > Bevorstehende Änderungen in der Gemeindeimmobiliengesellschaft und anstehende Hochbauprojekte haben eine organisatorische Umstellung und eine Aufstockung des Personalstandes im Bauamt erforderlich gemacht. Aus den eingegangenen hochkarätigen Bewerbungen konnte mit Dietmar Wüstner ein neuer, engagierter Mitarbeiter gewonnen werden. Dietmar Wüstner ist 37 Jahre alt, verheiratet und Vater von 2 Kindern. Er kommt ursprünglich aus dem Holz- und Fensterbau und war zuletzt viele Jahre beim Landesflussbauhof als stellvertretender Leiter tätig. Er bringt damit sowohl Kenntnisse aus dem Bauhandwerk, wie auch Verhandlungserfahrung mit. Ich bedanke mich bei Christian Hartmann für sein langjähriges Engagement und wünsche ihm und unseren neuen Mitarbeiter/innen einen guten Start und viel Erfolg. Bürgermeister Christian Natter Straßenprojekte > Die Inselstraße wird zwischen der L3 und der Bregenzer Straße generalsaniert. In diesem Zuge werden sämtliche Leitungen geprüft und wenn nötig ersetzt. Eine neue Entwässerung und Beleuchtung wird installiert. Mit den Bauarbeiten soll noch Ende September gestartet werden. Voraussichtliche Bauzeit 2 - 3 Monate. > Im Zuge der anstehenden Bautätigkeiten in der Nußgasse muss die Straße an die zukünftigen Anforderungen angepasst werden. Im Herbst werden die Unterbauarbeiten, Entwässerungen und Leitungsbauwerke umgesetzt. Der Teerbelag wird nach Fertigstellung der Objekte 2012 aufgetragen. Die Nußgasse wird auch in Zukunft nur für Fußgänger und Fahrradfahrer durchgängig bleiben. > Für beide Straßenprojekte ist ein Gesamtbudget von ca. EUR 230.000,- budgetiert. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gemeindedienst > Mit 31.7.2011 hat Christian Hartmann aus der Gemeindebuchhaltung zu den Bregenzer Festspielen gewechselt. Aus einer großen Anzahl an Bewerberinnen und Bewerbern für die Nachbesetzung der Stelle fiel die Wahl auf Carmen Zeilinger. Carmen ist 26 Jahre alt, in Wolfurt wohnhaft und war zuletzt in der Vermögensabteilung beim Amt der Vbg. Landesregierung beschäftigt. Sie tritt ihren Dienst am 1.9.2011 an. > Ebenfalls per 1.9.2011 wird Elke Kruijen das Team des Kindergartens Bütze verstärken. Aufgrund der großen Kinderzahl und der Führung einer Integrationsgruppe Aus dem Rathaus 3 Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Pauger & Stüble GmbH, Zeichenbüros und Baumeister für ausführende Tätigkeiten sowie Heizungstechnik, Bützestraße 39, Lubica Lukacikova, Personenbetreuung, Rutzenbergstraße 3/1, Gyöngyi Jakab, Personenbetreuung, Brunnengasse 2, D & K Gastronomie OG, Gastgewerbe, Sternenplatz 2, Peter Jappel, Marktfahrer, St.-Antonius-Weg 19, SternenHotel Betriebs GmbH, Gastgewerbe Hotel, Sternenplatz 4, Dietmar Hohn, automatische Datenverarbeitung und Informationstechnik, Kirchstraße 9/1, Josef Eduard Muxel, Versicherungsvermittlung, Brühlstraße 34, Johann Willi, Handelsgewerbe und Angebot von Hausbetreuungstätigkeiten, Feldweg 13, Mürfet Yilmaz, Vermittlung von Kunden zu Buchmachern/Wettbüros, Achstraße 2, Tanja Maria Ganahl, Puppenerzeugerin und Reparateurin, Lauteracher Straße 7, Barbara Irmgard Bildstein, Friseurin, Brühlstraße 34, Marta Vidova, Personenbetreuung, Im Wida 6, Ländleumzug Aydin Yildiz e.U., Güterbeförderung bis 3.500 kg, Güterbeförderung mit vier Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr und Vermieten von Kraftfahrzeugen ohne Beistellung eines Lenkers, Holzriedstraße 33, Maria Tatranska, Personenbetreuung, Unterhub 9. Korrektur der Standortanschrift ÖBB-Shared Service Center Gesellschaft mbH, Gastgewerbe Betriebsart Selbstbedienungsküche, Senderstraße 8. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte TRIAMI Consulting und IT Management GmbH & Co KG, Datenverarbeitung und Informationstechnik, Auf dem Bühel 5. Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 05. Oktober 2011, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 02. November 2011, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 30. November 2011, Dr. Nikolaus Schertler ___________________________________ Verlegung einer Betriebsstätte in einen anderen Standort: Silka Österreich GmbH, Erzeugung von Zementund Mörtelzusatz, von Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 11 nach Wolfurt, Senderstraße 10, Maria Jevinova, Personenbertreuung, von Wolfurt, Felle 8 nach Feldkirch, Thomas Feuerbacher, Güterbeförderung bis 3.500 kg, von Lustenau nach Wolfurt, Bützestraße 24, Anna Hruscakova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Bregenzer Straße 29h nach Lauterach, Janka Baricova, Personenbetreuung, von Seiersberg nach Wolfurt, Flotzbachstraße 13, digibon Datentechnik GmbH, automatische Datenverarbeitung und Informationstechnik, von Wolfurt, Schulstraße 9 nach Dornbirn, Innokentij Plantonow, Grafiker, von Wolfurt, Nelkenweg 10 nach Bregenz, Hans Peter Mathis, Handelsgewerbe mit Maschinen und Zuberhörteilen, von Schwarzach nach Wolfurt, Moosmahdgasse 19, Marcel Prasch, Versicherungsagent, von Hohenems nach Wolfurt, Konrad-DoppelmayrStraße 17, Monika Kubistova, Personenbetreuung, von Lochau nach Wolfurt, LorenzSchertler-Straße 18, IDEEFIX System- und Softwareentwicklung GmbH, Handelsgewerbe und Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung/Informationstechnik, von Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 17, nach Dornbirn, Maria Sorocinova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Fattstraße 25 nach Schwarzach, Eva Belopotoczka, Personenbetreuung, von Spital am Pyhrn nach Wolfurt, Brühlstraße 34/2, Viera Stefanerova, Personenbetreuung, von Bregenz nach Wolfurt, Unterlinden 3/2, Kristjani Balasko, Schreibbüros, von Wolfurt, Bregenzer Straße 9 nach Dornbirn. Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 21. September 2011, Dr. Kurt Zimmermann Mittwoch, 16. November 2011, Dr. Kurt Zimmermann ___________________________________ Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Gewerbelöschungen Rita Bereuter, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Moosmahdgasse 12c, Jeannette Mennel, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Weberstraße 3a, Günter König, Tischler, Bützestraße 21, Peter Sebastian Kohler, Datenverarbeiter und Informationstechniker, Unterlinden 13, Restaurant „Speckstadel zur Eiche“, Gastgewerbe, Flotzbachstraße 28. Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers JCL Logistics Austria GmbH, grenzüberschreitender Güterverkehr, Geschäftsführer: Eugen Schädler, Senderstraße 28. 4 Aus dem Rathaus Betriebsausflug Wegen des Betriebsausfluges am Freitag, 09. September 2011, bleibt das Rathaus geschlossen! DANKE FÜR IHR VERSTÄNDNIS. Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 3. Quartal 2011 im Fundamt abgegeben wurden: __________________________________________________ Kostenlose Beratung in Grundstücks- und Immobilienangelegenheiten Richard Richter, der gerichtlich beeidete Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürgern und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: diverse Schlüssel __________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb Rathaus Wolfurt 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 14. September 2011 Mittwoch, 19. Oktober 2011 ____________________________________________________ ____________________________________________________ ____________________________________________________ Abfallentsorgung an Gewässern und Gräben Bei sämtlichen wasserführenden Gewässern / Gräben, die durch Wolfurt fließend, muss immer wieder festgestellt werden, dass hier Material entsorgt wird, das dort nichts verloren hat (Rasenmähgut, Blätter, Bioabfälle, Äste, etc...). Da es aufgrund dessen bei Niederschlägen immer wieder zu Verklausungen im offenen Gerinne sowie in den Verrohrungen kommt, bitten wir die Bevölkerung darauf zu achten, dass die Gewässer und Gräben frei zu halten sind. Diese dürfen nicht als Müllentsorgung verwendet oder angesehen werden. Bauhof Wolfurt Aus dem Rathaus 5 Tag der offenen Türe: Sternen Hotel, Gasthaus Stern und Sparkasse Bregenz Es goss in Strömen. Die Leute kamen dennoch in Massen zur Eröffnung des Sternenplatzes und dem Tag der offenen Türe des Sternen Hotels, des Gasthauses Stern und der neuen Filiale der Sparkasse Bregenz. Am Samstag, den 18. Juni 2011, verlegten die Veranstalter aufgrund der starken Regenfälle die Eröffnungsfeier kurzerhand in die Tiefgarage. Die Bauernkapelle Wolfurt sorgte für die musikalische und erwärmende Unterhaltung und eröffnete den offiziellen Teil mit einer Triumphfanfare. Bürgermeister Christian Natter begrüßte um 10:00 Uhr die bereits zahlreich erschienenen Gäste und beantwortete die Fragen der Moderatorin Dorothea Schertler. Er war sichtlich stolz auf das neu geschaffene Zentrum im Strohdorf. Besonders die Verwirklichung des Sternenplatzes als Begegnungsplatz für alle, ohne Bevorzugung eines einzelnen Verkehrsteilnehmers, war ihm ein großes Anliegen. Bürgermeiser Natter betonte, dass der Bau des Sternen Hotels, des Gasthaus Stern und der Filiale der Sparkasse Bregenz zur weiteren Belebung unserer Gemeinde positiv beitragen wird. Abschließend bedankte er sich bei allen Beteiligten für die wirklich gelungene Umsetzung. Hotel Dir. Richard Zünd, der Geschäftsführer der GIG, Ferde Hammerer, und die Filialleiterin der Sparkasse Bregenz, Ingrid Bader, repräsentierten das neue Gebäude und erklärten die Zielsetzungen und Funktionen. Die Moderatorin stellte auch die beiden Pächter des Gasthaus Stern, Thomas Dellagiacoma und Sven Kaminski, vor. Pfarrer German Amann sprach den himmlischen Schutz für das neue Haus und die Betriebe aus und segnete die Räumlichkeiten. Im Anschluss wurde den Besuchern die Möglichkeit geboten, die drei neuen Betriebsstätten zu besichtigen. Im Sternen Hotel wurde der exquisite Eingangs- und Rezeptionsbereich bewundert. Bei einem Gang durch die Zimmer konnte man sich ein Bild über das sehr gute Ausstattungsniveau der Räumlichkeiten mit dem Sauna- und Wellnessbereich machen. Das Personal gab den Besuchern bereitwillig Auskunft über das neue Hotel. Im Gasthaus Stern standen die Gastronomen den Besuchern Rede und Antwort und zeigten voller Stolz die neuen Räume. Sie freuten sich, dass sie als junge Gastronomen hier die Chance erhalten haben, ein Gastlokal mit hohen Erwartungen und vielfältigen Möglichkeiten zu führen. Nach dem Containerleben der Filiale der Sparkasse Bregenz in den beiden vergangen Jahren sah man den Mitarbeitern die Erleichterung und die Freude an, nun in einem architektonisch sehr schönen Ambiente kundenorientiert arbeiten zu dürfen. Die Feuerwehr Wolfurt sorgte mit ihrer ganzen Mannschaft dafür, dass trotz des Ansturms der Besucher alle mit Speisen und Getränken bestens versorgt wurden. Die Sternen Errichtergemeinschaft überreichte am Wolfurter Stundenlauf dem Verein „Wolfurt für Wolfurt“ den Reinerlös vom Tag der offenen Tür in Höhe von EUR 1.700,-. 6 Gemeindepanorama Die Bauernkapelle verzichtete zugunsten einer Spende an den Verein „Wolfurt für Wolfurt“ auf ihre Gage. Inzwischen sind das Hotel, das Gasthaus und die Filiale der Sparkasse bereits gut zwei Monate in Betrieb. Nach einer sehr knappen Bauzeit litten die Anfangswochen noch unter den notwendigen Restarbeiten der Handwerksbetriebe, sodass es manchmal nicht einfach war, dies ohne dass es der Gast bemerkte, zu bewerkstelligen. Über die Anfangsauslastung des Sternen Hotel war der Betreiber selbst überrascht. Neben den Betrieben und privaten Buchungen ist insbesondere die Buchung über Internet hervorragend angelaufen. Auch die Rückmeldungen der Gäste wird von www.booking.com als „fabelhaft“ bezeichnet. Das Gasthaus Stern wird insbesondere wegen der hervorragenden Küche von den Gästen gelobt. Die jungen Gastronomen haben die Chance, sich im Gasthaus Stern einen Namen zu machen, verdient und sind sehr bemüht, die Wünsche der Gäste zu erfüllen. Auch das bisherige Fehlen eines Veranstaltungsraumes dieser Größenordnung hat sich bestätigt. Das Gasthaus Stern hat die Feuertaufe mit zwei Hochzeiten und verschiedenen anderen Veranstaltungen bestanden. Wir haben in der letzten Zeit viele positive Rückmeldungen über die Investition am Sternenplatz von der Bevölkerung erhalten. Wir freuen uns darüber und möchten uns bei allen, die am Gelingen dieses wichtigen Projektes beteiligt waren, bedanken. Besonders bedanken wir uns bei den Investoren, bei Arch. Erwin Werle und den Fachplanern, beim Generalunternehmer Nägele, der es ermöglicht hat, dass wir über ein Drittel der Investitionen in Wolfurt oder in der Region halten konnten, und bei allen beteiligten Firmen für die geleistete Arbeit. Ferde Hammerer, Geschäftsführer GIG Gemeindepanorama 7 Gemeindearchiv - "Gedächtnis der Gemeinde" Nach § 27 Abs. 4 des Gemeindegesetzes ist jede Gemeinde zur Führung eines Archivs, in dem Akten, Urkunden und Verhandlungsschriften dauerhaft zu erhalten sind, verpflichtet. Neben dieser verwaltungsrechtlichen Aufgabe soll unser historisches Archiv auch als "Gedächtnis von Wolfurt" dienen, in dem alle Dokumente gesammelt werden, die für die Geschichte der Gemeinde und ihrer Bewohner von Bedeutung sind. unseres Dorfs, von Vereinen, von Wirtschafts- und Gewerbebetrieben beitragen. Wie verstehen es als unseren Auftrag, diese Unterlagen für die Nachwelt zu erhalten und zu erschließen. Die Übernahme solcher Dokumente (Briefe, Tagebücher, Chroniken, alte Fotos, Akten aus Firmenarchiven) kann auf mehrerlei Weise erfolgen. Sollte der Besitzer das Original behalten wollen, bieten wir an, eine Kopie bzw. einen Scan im Gemeindearchiv abzulegen. Wichtige Dokumente wie z. B. Vereinschroniken übernehmen wir gerne auch als Leihgabe. Das Gemeindearchiv ermöglicht eine gesicherte Erhaltung solcher Dokumente. Schäden durch unfachmännische Lagerung oder Handhabung können damit vermieden werden. In kritischen Fällen (z. B. Briefe aus Privatbestand) sind wir auch bereit, Einschränkungen bezüglich öffentlicher Einsichtnahme in die zur Verfügung gestellten Dokumente zu vereinbaren. Bevor Sie also alte Dokumente, Briefe, Postkarten oder Fotos aus "Omas Zeiten" wegwerfen, denken Sie bitte an die Möglichkeit, dass Teile davon vielleicht aus lokalhistorischer Sicht erhaltenswürdig sein könnten. Richard Eberle Sammlungstätigkeit - das Archiv als „Gedächtnis von Wolfurt“ sichert die Erhaltung eines breiten Spektrums von historischen Dokumenten Schon vor über 30 Jahren hat Siegfried Heim mit dieser Sammlungstätigkeit begonnen. Die dadurch erhaltenen Fotos und die alten Chroniken und Schriftstücke aus privaten Beständen ermöglichen tiefe Einblicke in die Lebensverhältnisse unserer Großelterngeneration und die Entwicklung des Gemeinschaftslebens im Dorf. Sie bilden somit eine optimale Ergänzung zu den gemeindeamtlichen Akten, die immer nur eine "trockene, amtliche Sicht" repräsentieren. Wie bereits berichtet ist das historische Gemeindearchiv seit einigen Monaten in die neuen Räumlichkeiten in der Volksschule Mähdle umgezogen. Eine kleine Gruppe ehrenamtlich tätiger Archivare betreut nun diese Einrichtung. Die Bestände des Gemeindearchivs sollen erschlossen und soweit es die datenschutzrechtlichen Bestimmungen und archivarische Gesichtspunkte (Erhaltungszustand historischer Dokumente) zulassen, interessierten Bürgern und historisch Forschenden zur Verfügung gestellt werden. Für Anfragen zu den Archivalien oder Terminvereinbarungen zur Einsichtnahme in Dokumente bitten wir, die angeführten Kontaktmöglichkeiten zu nutzen. Im Rahmen unserer - sicherlich eingeschränkten - Möglichkeiten unterstützen wir Sie gerne bei der Erforschung Ihrer Familiengeschichte oder der Geschichte Ihres Hauses. Das Gemeindearchiv wird auch die von Siegfried Heim begonnene Sammlungstätigkeit weiter führen. Wir sind interessiert an allen Dokumenten, die Einblicke in die Lebensverhältnisse in Wolfurt bieten oder die zur Dokumentation der Entwicklung Kontakt Gemeindearchiv Wolfurt: Adresse: Mähdlestraße 27a E-Mail: archiv@wolfurt.info Telefon: 0699 1 6840 450 Jeweils dienstags, 19:30 - 21:30 Uhr Für Besucher nur nach vorheriger Terminvereinbarung geöffnet. 8 Gemeindepanorama zeitraum - Wolfurter Geschichte erforschen Über zwei Jahrzehnte lang hat Siegfried Heim als Leiter des Heimatkundekreises Wolfurt neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Gemeindearchivar auch lokalhistorisch und heimatkundlich geforscht, Vorträge gehalten und in den "Heimat Wolfurt" Heften wertvolle Beiträge zur Siedlungs- und Ortsgeschichte und zu Familien- und Hausgeschichten veröffentlicht. Aus Altersgründen äußerte er schon länger den Wunsch, seine Tätigkeit in jüngere Hände übergeben zu können. Vor gut einem Jahr formierte sich nun eine Gruppe lokalhistorisch Interessierter, die diese von vielen Gemeindebürgern geschätzte Arbeit weiter führen wird. Diese Gruppe will eine offene Plattform sein, in der jede/r lokalhistorisch Interessierte im Rahmen ihrer/seiner Möglichkeiten mitarbeiten kann. Unter dem neuen Namen "zeitraum - Wolfurter Geschichte erforschen" sollen verschiedene Aktivitäten stattfinden. Der Rahmen spannt sich von der Archivierung alter Fotos und Identifikation von darauf abgebildeten Personen über familiengeschichtliche und lokalhistorische Forschung bis zur Dokumentation der Wirtschafts- und Gewerbegeschichte in Wolfurt. Als erste Veranstaltung des zeitraum fand im Juli 2011 ein Vortrag zum Thema „Das Gasthaus zum Stern – die wechselvolle Geschichte eines Dorfgasthauses“ statt. Dieser informative und spannende Vortrag von Richard Eberle und viele der anschließenden Wortmeldungen aus dem Publikum wurden gefilmt und als DVD aufbereitet. Die DVD kann zum Preis von EUR 15,- plus Versandkosten im Gemeindearchiv bestellt oder direkt beim Bürgerservice im Rathaus gekauft werden. Mit der Herausgabe weiterer "Heimat Wolfurt" Hefte soll auch das bewährte Publikationskonzept von Siegfried Heim weiter geführt werden. In der “Heimat Wolfurt” werden themenbezogene Aufsätze zur Wolfurter Geschichte und Heimatkunde veröffentlicht. In der nächsten Ausgabe, die voraussichtlich im Spätherbst/Winter 2011 erscheinen wird, werden Artikel über die Geschichte des Gasthauses Stern, die 50-jährige Geschichte der Hauptschule/Neuen Mittelschule Wolfurt und die 100-jährige Geschichte des Wasserverbandes Schwarzach-Rickenbach enthalten sein. Team Zeitraum Gemeindepanorama 9 Neues von den Sozialdiensten Innsbruck-Urlaub Bereits zum 7. Mal fand heuer im Juni ein Bewohneraustausch mit dem Seniorenheim St. Josef in Innsbruck statt. 6 Bewohner/innen aus Wolfurt und Kennelbach fuhren mit unserem Bus nach Innsbruck und verbrachten dort fünf wunderschöne Tage mit Ausflügen, Besichtigungen und Rundfahrten. So sind wir mit der Bahn auf das Hafelekar gefahren, waren in Meran zum Flanieren, einmal wurde ein Grillfest veranstaltet, und der Heimweg führte uns über Bayern zurück nach Vorarlberg. Wie jedes Jahr konnten wir im Gegenzug 6 Innsbrucker Bewohner/innen bei uns begrüßen, welche eine schöne Woche mit diversen Ausflügen etc. bei uns im Ländle verbrachten. Ein Dank an alle Organisatoren aus Innsbruck und Wolfurt, dass diese Woche wieder ein für alle unvergessliches Ereignis geworden ist. Grillfest mit den „Hofoloabar Läbbe“ Am 02. Juli fand das traditionelle Grillfest der „Läbbe“ im Seniorenheim statt. Nachdem auch das Wetter hervorragend war, schön, aber nicht zu heiß, entschieden wir uns, das Fest beim Nussbaum zu veranstalten. Neben unseren Bewohner/innen vom Seniorenheim Wolfurt und dem Seniorenwohnheim Kennelbach mit ihren Angehörigen konnten wir noch einige Gemeindemandatare/innen sowie Vertreter der Seniorenverbände willkommen heißen, welche mit uns den Nachmittag verbrachten. Nach der Begrüßung durch den Chef der „Läbbe“, Hanspeter Mathis, fing das Team der „Läbbe“ mit der Bewirtung an. Begonnen wurde mit Kaffee und Kuchen und anschließend gab es neben diversen köstlichen Getränken ausgezeichnete Grillwaren zu genießen, die in perfekter Weise zubereitet und serviert wurden. Auch Bürgermeister Christian Natter und Gemeinderätin Elisabeth Fischer beehrten uns mit ihrem Erscheinen. Wie immer kümmerten sich die „Läbbe“ in vorbildhafter Manier um die Bewirtung unserer Bewohner/innen sowie der Gäste (Nachbarn und Angehörige), und der „hafoloabareigene“ Musiker Oskar (er tritt inzwischen bei jedem Fest der „Läbbe“ im Seniorenheim auf) traf die passenden Töne und avancierte schnell zum Liebling unserer Senior/innen. Ein spezieller Höhepunkt dieses Festes war die Überreichung eines kleinen Dankeschöns an unsere „Donnerstag-Singers“: es handelt sich hier um 14 Frauen, die in wechselnder Besetzung seit 20 (!) Jahren jeden bzw. jeden zweiten Donnerstag zu uns ins Heim kommen, um mit den Bewohner/innen zu singen. Dafür auch an dieser Stelle herzlichen Dank! Es war wie immer ein schönes Fest, und wir bedanken uns bei den „Läbbe“, die unseren Bewohner/innen wieder einen schönen, unvergesslichen Nachmittag geboten haben. Geschäftsführer Mag. Erich Gruber 10 Gemeindepanorama Neue Radkarte für die plan-b Region Positives erleben, Geld sparen und gleichzeitig Umwelt und Klima schützen - das ist per Fahrrad durchaus einfach. Denn viele Wege in Alltag und Freizeit sind fürs Rad wie gemacht. Zur leichteren Orientierung bringen die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Hard mit Unterstützung des Landes Vorarlberg eine regionale Radkarte heraus. Sie ist ab sofort in den Gemeindeämtern und Rathäusern der Region kostenlos erhältlich. Die sechs plan-b Gemeinden geben mit der neuen Radkarte erstmals einen gemeinsamen Überblick über die wichtigsten Radverbindungen in der Region. „Die Wege im eigenen nahen Umfeld sind in der Regel bekannt. Doch bei den attraktiven und sicheren Radrouten etwas weiter weg ist die neue plan-b Radkarte eine wichtige Orientierungshilfe“, sind sich die plan-b Verantwortlichen sicher. Die Karte im Maßstab 1:22.000 zeigt die wichtigen lokalen und regionalen Routen und informiert über verschiedene fahrrad-bezogene Möglichkeiten. Service der Gemeinde: Radkarte kostenlos in den Postkasten Als besonderer Service der Gemeinde liegt die neue Radkarte druckfrisch dieser Gemeindezeitung bei - auch als Einladung, das Fahrrad für noch mehr Wege zu nutzen. Unsere Region bietet sich fürs Radfahren in Alltag und Freizeit wirklich optimal an. Das toll ausgebaute Radwege-Netz, das Gelände und die Entfernungen sprechen auf vielen Strecken für das Rad - gutes Gefühl, Lebensqualität und kurze Wege inklusive. Die beste Alternative zum Auto. Robert Hasler, Gemeinderat für Umwelt und Mobilität Umwelt 11 e5 - Förderungen für Holzheizungen Aus aktuellem Anlass möchten wir auf die verschiedenen Förderungen aufmerksam machen, die derzeit beim Einbau einer Holzheizung in Anspruch genommen werden können: > Der Klima- und Energiefonds der österreichischen Bundesregierung fördert den Einbau von Pellets- und Hackgutheizungen mit einem Pauschalbetrag von € 500,-. Die Anmeldung zu dieser Förderaktion ist mit 31. Oktober 2011 befristet! Alle Informationen dazu finden Sie unter www.umweltfoerderung.at/holzheizungen. > Die Vorarlberger Landesregierung fördert im Jahr 2011 die Errichtung von Stückholz-, Hackschnitzel- und Pelletsheizungen sowie Kachel- und Kaminöfen mit bis zu € 2.400,-. Bei gleichzeitiger thermischer Sanierung kann die Förderung um 50% erhöht werden. > Die Marktgemeinde Wolfurt gewährt für Kachelöfen, Stückholz-, Hackschnitzelund Pelletsheizungen sowie Biomasse-Mikronetzwerke einen Zuschuss in Höhe von bis zu € 1.100,-. Die genauen Förderrichtlinien können unter www.wolfurt.at/files/biomassefoerderung2010.pdf abgerufen werden. Detaillierte Informationen und individuelle Beratung zu diesen und anderen Energieförderungen erhalten Sie bei der Energieberatungsstelle Hofsteig, Kirchstraße 43, jeden Mittwoch von 18:00 bis 20:00 Uhr. Während dieser Zeit erreichen Sie die Energieberater auch unter Tel: 76580 oder energieberatung.hofsteig@aon.at. Johannes Köb, e5-Team-Leiter Vorarlberg MOBILWoche 16.-22.9.2011! Anders unterwegs, besser leben Die europaweite Mobilitätswoche mit dem traditionellen Autofreien Tag am 22. September macht Werbung für klimaschonende und zukunftsfähige Mobilität. Zu Fuß gehen, Rad fahren, Bus- und Bahn fahren stehen im Mittelpunkt zahlreicher Aktionen. Ganz Vorarlberg macht mit. Das 11,- Euro Ticket Der Verkehrsverbund Vorarlberg bietet in der Aktionswoche ein sensationell günstiges MOBILWochen-Umsteigerticket an: Um nur 11,- Euro können alle vom 16. 9. bis zum 23. 9. in ganz Vorarlberg Bus- und Bahnfahren. Das Ticket ist in allen Verkaufsstellen, an den Ticketautomaten und bei den Buschauffeuren erhältlich. Auch Jahreskartenbesitzer/innen profitieren: Ihre Jahreskarten (domino, regio, SL+) gelten im gleichen Zeitraum im gesamten Verbundraum. Verpackungskünstler/innen gewinnen Wer den eigenen Pkw am 22. September originell verpackt und auf Fahrrad, Bus oder Bahn umsteigt, hat die Chance, eine von drei Verkehrsverbund-MaximoJahreskarten zu gewinnen. Einfach ein Bild des verpackten Autos an iris.scheibler @energieinstitut.at mailen und an der Verlosung teilnehmen (Einsendeschluss 27.9.2011). Wann steigen Sie um? Zu Fuß gehen, Rad fahren, Bus- und Bahn fahren oder Car-Sharing sind attraktive Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Das spart Kosten, reduziert Lärm und Umweltbelastung und nützt der Gesundheit. Starten Sie mit uns in die MOBILWoche. Gemeinsam fahren wir alle besser. Robert Hasler, Gemeinderat für Umwelt und Mobilität 12 Umwelt 6. Wolfurter Lehrlingstag Arbeitsplätze und eine gute Ausbildung sind wichtige Bestandteile für die Gesellschaft. Die Marktgemeinde Wolfurt unterstützt die Wolfurter Betriebe bei der Ausbildung von Lehrlingen und veranstaltete nun schon zum 6. Mal den Wolfurter Lehrlingstag. Als Anerkennung und Dankeschön für die geleistete Arbeit wurden Lehrlinge im 1. Lehrjahr und deren Ausbildner für einen Tag bei High 5 in Lingenau eingeladen. Am 30. Juni war es soweit. 43 Lehrlinge und 12 Ausbildner freuten sich auf das Programm bei High 5. Doch der starke Regen in der Nacht und damit das Hochwasser der Bregenzer Ach ließen leider kein Rafting zu. Die Sicherheitsbedingungen waren nicht gegeben. Flexibilität, Organisationstalent und Teamfähigkeit waren schon in den Morgenstunden von allen Teilnehmern gefordert. Das Team rund um Chris Alge organisierte zusammen mit dem Team der Wirtschaft Wolfurt in kurzer Zeit eine Alternative in der Kletterhalle in Dornbirn für den Vormittag. Neben Kraft war auch Vertrauen ein Thema beim Klettern. „Kann ich mich auf meine Kollegen verlassen?“, „erreiche ich sicher mein Ziel?“ wurden zum Thema. Pünktlich zum Mittagessen fuhren wir dann nach Lingenau, wo inzwischen der Regen aufgehört hatte. Aufgeteilt in drei Teams konnten wir doch noch einen Teil unseres Programmes durchführen: Bogenschießen - Konzentration! Klettern, abseilen an der Brücke - im Teamgedanken die Jakobsleiter klettern, wie helfen wir uns gegenseitig zum Ziel? Dies war ein wesentlicher Bestandteil dieser Aufgaben. Krönung des Tages war der Flying Fox über die Bregenzer Ach. Dieser abwechslungsreiche Tag wurde mit einem tollen Grillfest und Sonnenschein abgerundet. Die gute Gemeinschaft innerhalb der verschiedenen Betriebe war spürbar. Die Lehrlinge und Ausbildner konnten die Zeit zum Erfahrungsaustausch und Netzwerken nützen. Facts 2010/2011 270 Lehrlinge in Wolfurter Betrieben 55 Lehrbetriebe 94 Lehrlinge absolvierten das 1. Lehrjahr in 40 Betrieben. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 13 18. Wolfurter Herbstmarkt Am Sonntag, den 25. September 2011, findet wieder der traditionelle Herbstmarkt unter dem Motto „Handwerk erleben“ statt. Pünktlich zum Herbstbeginn erwartet Sie erneut ein tolles Marktangebot und buntes Markttreiben. Die bunte Palette reicht von Waren wie Filz, Keramik, „Selbstgemachtes“, bis Gewürze, Edelsteine, Deko, Schmuck…., und natürlich präsentieren sich wieder viele Vereine und laden herzlich zum Verweilen ein. Programm: Ab 08:00 Uhr: Aufbau des Marktes Ab 11:00 Uhr: Eröffnung mit Bürgermeister Christian Natter und Kinderchor des Kindergartens Bütze sowie eine Show der VS-Bütze. Segnung des 40 m Apfelstrudels und Verkauf für einen guten Zweck. Sowie der Frühschoppen mit der Bauerkapelle Wolfurt Um 14:00 Uhr und 15:00 Uhr: Modeschau mit Fair Trade Produkten, Vorstellung Handwerker Schule, Kinderprogramm „Handwerk erleben“, Kinderschminken, Forme deine Hand in Wachs, Feuerwehr - Steigerfahrten,… Wir freuen uns auf zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Obstannahme und Obstigel-Verleih! Die Streuobstinitiative Hofsteig wurde 2001 als Verein mit Unterstützung der Gemeinden Wolfurt und Lauterach gegründet, um durch die stärkere Nutzung des Obstes unsere wertvollen Hochstammbäume zu erhalten. Ein Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft. Um das Auflesen großer Obstmengen etwas zu erleichtern, haben wir zwei Auflesemaschinen angeschafft. Eine davon haben wir in der Flotzbachstraße stationiert. Wir bieten diesen praktischen, sogenannten Obstigel, zum Verleih an. Interessenten können sich dazu bei Sigrid Schertler, Tel. 71349-15 (Wolfurt-Flotzbachstraße) oder Familie Ölz, Tel.-Nr.: 71335 (Lauterach-Harderstraße) melden. Kosten pro Halbtag sind 5,- €. Wir übernehmen wieder Obst von Hochstämmen ab Samstag, 03. September, bis ca. Ende Oktober, jeweils Samstag von 15:00 - 17:00 Uhr auf dem Parkplatz der Fa. Schneider Transporte, Harderstraße (vis a vis Horner Holz) in Lauterach. 14 Wirtschaft Ein.kaufen - Rad.fahren Einkaufen mit Rad, Bus, Bahn und zu Fuß - Glückspunkte-Aktion in der plan-b Region erfolgreich abgeschlossen. Zwischen 30. Mai und 30. Juni haben 250 Geschäfte in den plan-b Gemeinden und in Bildstein eine spezielle Einladung an ihre Kunden ausgesprochen: In der Nähe einkaufen, umweltfreundlich unterwegs sein, Menschen treffen - dazu motivierte die gemeinsame Glückspunkte-Aktion. Das Ergebnis: tausende Sammelpässe wurden ausgegeben, zigtausende Glückspunkte gesammelt. Rund 2.500 volle Sammelpässe wurden wieder abgegeben, allein in den Gemeinden Wolfurt und Kennelbach waren es 660 Stück bei 33 Betrieben, die diese Aktion unterstützten. Am 08. Juli 2011 fand auf dem Wolfurter Wochenmarkt die Schlussveranstaltung statt. Zusammen mit unserem Bürgermeister Christian Natter und dem Bürgermeister von Kennelbach, Hans Bertsch, fand die Preisverlosung statt. Weitere Preise und Gutscheine im Wert von 30,- €: Monika Dür Daniela Gerner Irene Nußbaumer Helmut Bauer Hildegard Schüssling Gretl Böhler Karin Baldauf Irma Schwarz Gertrud Hochfellner Manfred Gunsch Erika Klimmer Ulrike Golderer Edith Klimmer Claudia Wille Silvia Makovec Dylan Gmeiner Waltraud Schaper Brunhilde Fickinger Bertram Thaler Sabrina Degasperi Vera Kalcher Gretl Bachler Maria Guldenschuh Anuschka Amhof Gabi Heim Mario Wild Margritha Juen Brunhilde Baldauf Gertrud Schuster Helmut Flatz Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Kennelbach Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Kennelbach Wolfurt Wolfurt Wolfurt Wolfurt Lauterach Kennelbach Wolfurt Wolfurt Wolfurt Bienenhaus Spielwaren Daniela Fetz, Schmuck David Vonier Optik OEG Fink Otto, Elektro Frisiersalon Gorbach Günter Eva Graf, Tabaktrafik Haar-Zone Edith Meusburger Hofsteig Apotheke Kolibri IceCream Mirjana Hair Design Musikhaus Hinteregger Pure Kosmetik, Pyrovolikos Fotini Raiffeisenbank am Hofsteig Schuh Schertler Schwanenmarkt Fitz Schwanenbäckerei Shanti, Café und Teestube Sparmarkt Markus Greber – Unterlinden Sparmarkt Sternenplatz Strezeck Blumenfloristik Tabak Trafik Wörz Teutsch Pointner OEG Weltladen Wolfurt Wirtschaft Wolfurt Einkaufsgutscheine Wirtschaft Wolfurt Einkaufsgutscheine Wirtschaft Wolfurt Einkaufsgutscheine Wirtschaft Wolfurt Einkaufsgutscheine Die Frisur Kennelbach Sparmarkt Kennelbach Tabak Trafik Berkmann, Kennelbach Wir gratulieren den Gewinnern herzlich und bedanken uns bei den Unternehmern für die Preise! Einkaufen in der Nähe und ohne Auto hat viele Vorteile Einkaufen im Umfeld ist jedenfalls ein Beitrag zu einer attraktiven Nahversorgung und damit zur persönlichen Lebensqualität. Die Vorteile sind bekannt, aber nicht immer bewusst. „Eine funktionierende Nahversorgung ermöglicht kurze Wege, Erreichbarkeit auch ohne Auto, kann zur persönlichen Fitness beitragen und hilft bei Kontakten – man trifft und kennt einander“. „Die Glückspunkte waren ein Impuls, sich mit dem Angebot in der Nähe bewusst auseinanderzusetzen.“ Gemeinderätin Yvonne Böhler, Gemeinderat Robert Hassler Folgende Gewinner konnten ihre Preise entgegen nehmen: 1. Preis: Gertrud Lauchart, Kennelbach 500,- € Reisebüro Sonne und Meer 2. Preis: Vera Kalcher, Kennelbach 250,- € Bike Puchmayr 3. Preis: Hans Wiedenbauer, Wolfurt 250,- € Radcult Schedler Wirtschaft 15 Abschlussbericht der Haupt- und Mittelschule Wolfurt Schuljahr 2010/11 Spektakulärer Galaabend im Cubus Selbstgemachtes am Tag der offenen Schule Hauptschule Wolfurt - 50 Jahre: Mit dem Ende dieses Schuljahres geht die Ära der Hauptschule in Wolfurt zu Ende. Vor 50 Jahren unter der Führung von Hans Vogl gegründet, bildete die Hauptschule Wolfurt einen Großteil der Wolfurter Kinder aus. Die meisten Betriebe in Wolfurt werden heute von ehemaligen Schüler/innen geführt, und sogar der Bürgermeister ist ein Ehemaliger. In dieser langen Zeit hat sich vieles verändert. Die Auflassung der Klassenzüge und die Einführung der Leistungsgruppen, bzw. die Einführung der Sportklasse waren wesentliche Veränderungen im System der Schule. 50-Jahr-Feier und Tag der offenen Schule Anlässlich 50 Jahre Hauptschule wurde das Publikum bei einem Galaabend auf eine Reise um die Welt begleitet. Verschiedene Häfen wurden angesteuert und Ausflüge in fremdsprachige Länder unternommen. Den Schüler/innen und Lehrer/innen gelang es, Schauspiel, Musik und sportliche Beiträge zu einer abwechslungsreichen Vorstellung auf höchstem Niveau zu verbinden. Mit der perfekt abgestimmten und professionell inszenierten Show begeisterte die Fahrt auf dem „Luxusliner“ das Publikum im restlos gefüllten Cubus. Am Ende gab es tosenden Applaus und Standing Ovations. Dass die Mittelschule eine der größten Schulen des Landes ist, präsentierte die Schule am nächsten Tag mit einem umfangreichen und abwechslungsreichen Programm am Tag der offenen Schule. Dort stellten sich auch die Juniorenergieberater zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor. Mittelschule Wolfurt Mit der Einführung der Mittelschule vor 3 Jahren ist ein wichtiger Schritt gelungen. Mittelschule heißt: 1. Stärkung der Stammklasse und dort eine intensivere Förderung in Deutsch, Mathe und Englisch, weil mehr Lehrer/innen-Stunden zur Verfügung stehen. 2. Zusätzliche Fremdsprache für begabte Schüler/innen. 3. Vermehrter Einsatz von modernen Lernformen. 4. Neue Formen der Evaluation. Mit der Neuen Vorarlberger Mittelschule ist es gelungen, frischen Schwung in die Schullandschaft zu bringen. 16 Bildung links: Böhlerpreise v.l.n.r.: Dir. Norbert Moosbrugger, Annalena Hinteregger, Theresa Toldo, Ines Beck, Tamara Feuerstein, Isabella Schneider, Fabian Lang Das „Handwerker-Organisatoren-Team“ v.l.n.r.: Walter Eberle, Dir. Norbert Moosbrugger, Werner Kessler Die stolzen Junghandwerker mit ihren „Meistern“ Aus der Statistik Im abgelaufenen Schuljahr haben 417 Schüler/innen die Hauptschule besucht, die von 52 Lehrer/innen in 19 Klassen unterrichtet wurden. 5 Klassen wurden als Integrationsklassen geführt, in denen 24 Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf integriert waren. Jeweils 1 Klasse pro Jahrgang wurde wieder als Sportklasse mit erhöhtem sportlichem Angebot geführt. Zusammenarbeit mit der Seniorenbörse Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Zusammenarbeit mit der Seniorenbörse in den Projekten Lesepaten, Computerkurs und Handwerkerschule. Besonders die Handwerkerschule wurde schnell über die Ortsgrenzen bekannt und stellt eine Bereicherung für das Schulleben dar! Abschlussfeier der vierten Klassen mit Böhler-Preis-Verleihung Zur Abschlussfeier mit der Böhlerpreis-Verleihung fanden sich neben den Gemeindeverantwortlichen von Buch, Kennelbach und Wolfurt die Schüler/innen der vierten Klassen mit ihren Eltern ein. „It´s Showtime“ war das Motto, das sich durch verschiedenste Beiträge zog, die in 3 verschiedenen Sprachen und teilweise unter Verwendung von aufwändiger Technik auf die Bühne gezaubert wurden. Mit Tamara Feuerstein aus Lauterach, sowie Ines Beck, Isabella Schneider, Theresa Toldo, Annalena Hinteregger und Fabian Lang aus Wolfurt gab es heuer sechs Preisträger des Dr.-Lorenz-Böhler-Preises. Beachtliches Leistungsniveau 124 von 417 SchülerInnen haben mit einem „ausgezeichnetem Erfolg“ abgeschlossen. Drei Schüler/innen treten im Herbst zu einer Wiederholungsprüfung an. Fünf Schüler müssen eine Schulstufe wiederholen. Mittagsbetreuung, Nachmittagsbetreuung und Ganztagsklasse Bereits im vierten Jahr wird an der Mittelschule Wolfurt eine Mittagsbetreuung mit warmem Mittagessen angeboten. Zwischen 36 und 12 schwankte die Zahl der teilnehmenden Schüler/innen. Die Gemeinde Wolfurt und das Land Vorarlberg bezahlten einen Großteil der Kosten, sodass der Elternbeitrag erträglich gehalten werden konnte. Die Nachmittagsbetreuung stieß bei den Schüler/innen bzw. den Eltern nur auf wenig Interesse, sodass nur eine kleine Gruppe zustande kam. Die Anmeldung für die zukünftigen ersten Klassen hat ergeben, dass es einen Bedarf für eine freiwillige Ganztagsklasse gibt. Sie startet im Herbst mit 21 Schüler/innen mit den Klassenvorständen Karin Oberhauser und Hubert Sinz. Eine Vielzahl von Projekten Elternabende und Informationsveranstaltungen zeigten erneut auf, dass an unserer Mittelschule weit über das geforderte Maß versucht wird, die vielseitigen Talente unserer Schüler anzusprechen und zu fördern. Die laufend aktualisierte Homepage www.vms.wolfurt.at gibt einen lebhaften Einblick in das Jahresgeschehen. Dir. Norbert Moosbrugger Bildung 17 Verkehrserziehung Kreativprojekt Spaß mit Sport und Spiel Volksschule Wolfurt Bütze Jahresbericht 2010/11 Das Schuljahr 10/11 war geprägt von eifriger Lernarbeit und tollen Aktionen. Wie immer ist das Jahr nur so verflogen! Die Viertklässler haben uns verlassen - viel Glück im neuen Lebensabschnitt! Neue Kinder kommen hinzu (3 erste Klassen) herzlich willkommen in der VS Bütze! Erziehungsarbeit Auch im Schuljahr 10/11 hat es wieder „gebrummt“ in der VS Bütze. Tolle Veranstaltungen, Projekte, Lehrausgänge, Vorführungen, Theater, Musik... Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus dem bunten Bützeleben: > > > > > > > > Musikalische Mitgestaltung der Markteröffnung im Herbst 2010 Kostenloser Badminton-Kurs für Zweitklässler Teilnahme am Albanienhilfeabend im Cubus (Hansmann Ingrid ) Computerkurs für 3. und 4. Klässler Theateraufführungen an der Schule und außerhalb Teilnahme am Fest der Begegnungen im Cubus (Elisabeth Maier, Jeannine Schilcher) Elternsprechtag mit Bewirtung, Marktpräsentation des Elternvereins Bütze UGOTCHI - Sportfest zum Schulschluss + gesunde Jause Schule bietet viel Raum für Diskussionen und unterschiedliche Meinungen! Wo nicht miteinander gesprochen wird, entstehen Missverständnisse. Viele Stunden intensiver Gespräche mit Schülern, Eltern, LehrerInnen und externen Partnern (IFS, AKS, Schulpsychologie, …) konnten so manche schwierige Situation klären. Meine Tür steht für Fragen, Anregungen und Diskussionen immer offen! Lese- und Lernhilfeprojekt Neu ist das Lese- und Lernhilfeprojekt an unserer Schule - darüber wurde in der vorhergehenden Ausgabe ausführlich berichtet. Die Seniorenbörse als Initiator/ Organisator unterstützt uns dabei tatkräftig - vielen herzlichen Dank an Werner Kessler und sein Team! Lern- und Lebensraum Bütze > In erster Linie ist es uns ein Anliegen, dass sich jedes Kind an unserer Schule wohl fühlen kann und aufgehoben ist. Wir versuchen, behutsam und mit pädagogischem Gespür die Lehrplaninhalte zu vermitteln. > Erziehung zur Selbständigkeit, zur Eigenverantwortung und die Rücksicht auf Mitschüler sind uns ebenfalls ein großes Anliegen. In unserer Schulordnung, dem „Roten Bützefaden“, sind Höflichkeit, Freundlichkeit und Offenheit sowie gegenseitige Rücksichtnahme die Pfeiler des Zusammenlebens! > Ein gesunder Leistungsanspruch ist ebenso nötig, um die Kinder behutsam auf die Anforderungen des Lebens bestmöglich vorzubereiten. Umweltbewusstsein Das Schoolwalkerprojekt, bei dem die Kinder angehalten werden, möglichst viele Wege zu Fuß zurückzulegen, war wieder Pädagogik an der VS Bütze ein großer Erfolg. 44 begeisterte Preis> Die Fähigkeiten unserer Schüler fördern und fordern wir durch einen zeitgemä- träger erlebten auf ihrem Ausflug in die ßen, anregenden, abwechslungsreichen Unterricht, der auch Freiarbeitsaspekte Inatura einen tollen Abschluss der Akenthält und allen gesetzlich anerkannten Unterrichtsmethoden Raum bietet. tion. „Danke“ an die Gemeinde für ihre Lehrausgänge, Naturerlebnisse, kulturelle und sportliche Aktivitäten sind selbst- großzügige Unterstützung! verständlich integraler Teil des Unterrichts! > Zur Unterrichtsmethode nur so viel: Es gibt nicht „die beste Methode“! Es geht Raiba Malwettbewerb immer darum, eine der Klasse bzw. dem jeweiligen Kind angemessene Methode Alle Kinder der VS Bütze nahmen am bzw. einen passenden Methodenmix zu finden. Raiba Malwettbewerb teil. Tolle Zeich> Die Persönlichkeit und Motivation der Lehrperson ist mit ausschlaggebend für nungen, tolle Preise, lachende Kindergedie Qualität des Unterrichts - nie eine Methode an sich! sichter - was will man mehr? 18 Bildung Raiba Malwettbewerb Schoolwalkerpreisträger Sport Volleyball, Schwimmen, Eislaufen und neu: Spaß mit Sport und Spiel für unsere Kleinen! Es war für jeden etwas dabei. Viele Stunden Bewegung für gesunde Schüler! Allen Zweitklässlern wurde das Angebot gemacht, ein ganzes Jahr lang kostenlos 1x in der Woche in der Bützeturnhalle Badminton zu erlernen. Rene Nichterwitz bewies großes Geschick und Einfühlungsvermögen mit seiner bunten Truppe. Gerne führen wir das Angebot für die nächstjährigen Zweitklässler weiter und bedanken uns herzlich beim Vorarlberger Badminton Landesverband! Schulhomepage (http://www.vobs.at/vs-buetze/) Unsere Schulhomepage findet regen Zuspruch. Fortlaufend wird sie von Frau Maier gewartet (Fotos sichten und bearbeiten, texten etc.). Aus der Statistik > > > > 218 Schüler und 32 Lehrpersonen freuen sich auf die Ferien. 52 Viertklässler verlassen unsere Schule. Der Großteil wird unsere Hauptschule im Dorf besuchen. 14 Kinder werden ein Gymnasium besuchen. Generalsanierung VS Wolfurt Bütze In Absprache mit der Gemeinde findet im Sommer 2011 die Bausubstanzerhebung statt. Sie stellt die Basis für das weitere partnerschaftliche Vorgehen bei diesem Projekt dar. Als Direktor der VS Wolfurt Bütze möchte ich allen Partnern einen herzlichen Dank aussprechen! > In erster Linie meinem Bützeteam! Für das Bemühen, das tolle Engagement, die Motivation und den Ideenreichtum sowie das pädagogische Einfühlungsvermögen! > Unserem Hausteam Karl-Heinz Zuggal, Elfriede Vonach und Andreas. > Vielen Eltern dafür, dass sie sich engagiert einbringen. > Unserem Elternverein, der immer ein offenes Ohr für uns hat! > Den Partnerschulen VS Mähdle und VMS Wolfurt für die angenehme, kollegiale Zusammenarbeit. > Den Kindergärten für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit - sie legen engagiert und kompetent die Grundsteine im Bildungsbereich! > Und - last but not least - der Gemeinde Wolfurt. Bürgermeister Christian Natter, Schulreferentin Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger und Alex Wohlmuth sind als unsere direkten Ansprechpartner immer da, wenn es um die Bildung der Wolfurter Kinder geht! Dir. Bernd Dragosits Wintersporttag Auch diesen Winter konnten unsere Schüler einen tollen Tag am Bödele erleben. Alle durften ihrem Lieblingswintersport nachgehen: Eis laufen, rodeln oder Schi fahren. Tatkräftige Unterstützung erhielt das Bützeteam von vielen Eltern. Religiöse Feiern Einen wichtigen Anker im religiösen Leben der VS Bütze stellen die gut besuchten Bützemessen für „Frühaufsteher“ dar. Sie wurden vom ReligionslehrerInnenteam, Frau Tomasini und Herrn Pfarrer German Amann, immer gut vorbereitet und kindgerecht begleitet. Bitt- und Dankgottesdienste, Beichten sowie die aufwändige Vorbereitung zur Erstkommunion ergänzen das Angebot. Romana Breier - heuer neu im Team - hat die Zweitklässler bestens auf die Erstkommunion vorbereitet. Markteröffnung Herbst 2010 Leseunterricht Wintersporttag Bildung 19 Schlussbericht der VS Mähdle Ein paar Zahlen Im vergangenen Schuljahr 2010/11 besuchten 158 Kinder in 8 Klassen die Volksschule Mähdle. 9 Kinder wurden als Vorschüler integrativ in den beiden ersten Klassen, und 15 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf wurden ebenfalls integrativ, verteilt auf 6 Klassen, unterrichtet. Von 40 Viertklässlern haben sich 25 Kinder für die VMS Wolfurt angemeldet, 1 Schüler wird die VMS Schwarzach besuchen und 1 Schülerin wird in die VMS Lochau wechseln. Der Anteil der Kinder, die ins Gymnasium wechseln beträgt ca. 25%. Ich wünsche allen unseren SchülerInnen einen guten Start in ihrer neuen Schule und viel Erfolg für die nächsten Schuljahre. Seit nunmehr 5 Jahren wird an unserer Schule Schülerbetreuung angeboten, welche im vergangenen Schuljahr von 35 Familien in Anspruch genommen wurde. Die Betreuung fand jeweils von Montag bis Freitag von 11:30 Uhr bis 16:30 Uhr statt. Erstmals machte auch der EURO-Bus an der VS Mähdle Station, bot den Kindern Einblick in die Welt unseres Geldes und brachte allerlei Interessantes rund ums Thema EURO mit. Großen Anklang fand auch heuer wieder das Waldprojekt mit Frau Gasser, welches sich wiederum über beide Semester erstreckte und an dem sich alle Klassen beteiligten. An unterschiedlichsten Tagen verbrachten die Kinder bei jedem Wetter den Vormittag im Wald und lernten dabei den Umgang mit der Natur und auch die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt des Wolfurter Waldes kennen. In der Gemeinde gab es Auftritte einzelner Klassen wie bei der Benefizveranstaltung der Albanienhilfe und beim Fest der Begegnung. Auch ein gemeinsamer Besuch des Tanz- und Klangtheaters „Die verlorenen Schritte“ in Bregenz stand auf dem Programm. Durch die Teilnahme an verschiedensten Aktionen konnten wir unter anderem tolle Preise gewinnen: > Ugotchi - einen Bewegungstag mit der Sportunion Vorarlberg für die ganze Schule > Selektissima - Gewinn eines Schulpreises, einer Autorenlesung für das kommende Schuljahr > Leseinititative Vorarlberg - jede Klasse gewinnt einen Büchergutschein in Höhe von € 50,-. Zusatzangebote Mit großer Begeisterung nahmen die Kinder an den verschiedenen unverbindlichen Übungen teil. Neben Bewegung und Sport wurden mehrere Gruppen Englisch für Anfänger und Englisch für Fortgeschrittene angeboten. Erstmals konnten sich Kinder für „Gesunde Ernährung/Kochen“ anmelden. Sich mit Rezepten und der Zubereitung von Lebensmitteln zu beschäftigen, englische Lieder zu singen und Geschichten zu erzählen fand großen Anklang. Auch unsere Schulzeitung „Mä(h)dle- und Buaba Zitung“ wurde von den Klassen gestaltet und 2 x im Jahr herausgebracht. In Zusammenarbeit mit der SUPRO wurde in allen Klassen das Freifach „Eigenständig werden“ angeboten, welches das Ziel hat, Kinder stark zu machen. Mit vielen interessanten Übungen wurden die Kinder zu verstärkter Eigenständigkeit hingeführt. Projekte und gemeinsame Aktionen Eine Vielzahl an Aktivitäten setzte gezielte Impulse in den verschiedensten Bildungsund Erziehungsbereichen. Neben speziellen Elternabenden zu den Themen Schuleinschreibung, Schullaufbahnberatung und Einschulung waren die Eltern auch immer wieder in Klassenprojekte eingebunden. Durch zahlreiche Lehrausgänge und praktische Übungen in den unterschiedlichsten Fächern (Schülerwege abgehen, Verkehrserziehung an der Weberstraße, Besuch von Museen und Ausstellungen, Besuch des Rathauses und des Landhauses, ..) hat Lernen auch immer wieder außerhalb der Schule stattgefunden. 20 Bildung
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.2001 19.11.2012, 18:34 Heft 25 2001 Zeitschrift des Heimatkundekreises November Bild 1: Markterhebung 1982. Bei einem großen Jubelfest zeigt Bürgermeister Waibel die ihm von Landeshauptmann Keßler überreichte Urkunde. Inhalt: 125. Vorsteher und Bürgermeister (4) 126. Gemeindewahlen 127. Die Roten 128. Mord und Totschlag 129. Blaues Buch 2000 Bildnachweis: Johann Greißing Bild 2 Siegfried Heim Bilder 21, 22, 29, 30 u. 31 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Die Porträts der Bürgermeister und Ehrenbürger stammen von Graphiken und Ölbildern von Hubert Gasser im Kultursaal. Zuschriften und Ergänzungen In eigener Sache Nach mehr als einem Jahr - ich habe in dieser Zeit einen großen Teil der alten Akten in unserem Gemeinde-Archiv durchforscht und auch an anderen Projekten gearbeitet - kann ich heute das 25. Heft von Heimat Wolfurt vorlegen. Sein Hauptteil Vorsteher und Bürgermeister (4) soll ein Beitrag zur Dorfgeschichte des 20. Jahrhunderts sein. Als Ergänzung dazu steht der zweite Artikel Die Roten. Damit möchte ich die Rechte einer bei uns einst unterdrückten "Minderheit" wahren. Für beide gilt, daß sie nicht vollständig sein können, vor allem aber, daß das Zeitgeschehen verschiedenartige Wertungen zuläßt. Ich habe das Manuskript daher mit einigen Betroffenen und mit Zeitzeugen abgestimmt. Trotzdem wäre ich für jede Ergänzung und Korrektur sehr dankbar. Siegfried Heim Wolfurt und Wolford (Heft 24, S. 5) Dazu erreichte uns eine besonders interessante Zuschrift mit dem beigefügten Bild. Der Heimatkundler Dr. Johann Greißing in Hohenems, ein .besonderer Kenner von Hofrieden und Hofsteig, fand auf einem Schuldschein vom 17. Dezember 1819 den ältesten bekannten Abdruck eines Wolfurter Gemeindesiegels. Die Vorsteher hatten ihre Tätigkeit ja erst wenige Jahre zuvor im Jahre 1811 aufgenommen. Die Gemeinde führte also damals auf ihrem Siegel den k.k. Doppeladler der österreichischen Habsburger-Monarchie mit Reichsapfel und Schwert und dem rotweißroten Bindenschild. Die Adlerköpfe tragen aber nicht die Reichskrone, sondern den Herzogshut der Kronländer. Die Umschrift lautet "SIGILL DER GEMEIND WOLFURT": Eine seltsame Zusammenstellung! Vielleicht findet sich ein Fachmann, der uns ihren Sinn erklärt? Auf alle Fälle handelt es sich aber um eine frühe Besiegelung der noch heute gültigen Schreibart Wolfurt. Bild 2: Ältestes Wolfurter Gemeindesiegel von 1819 Bitte! Diesem Heft 25 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Die Gebarung und die Belege des Heimatkundekreises wurden am 26. Jänner 2001 von Seiten der Gemeinde Wolfurt durch Gerald Klocker überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H, A-6922 Wolfurt 3 Die Haltmayer (Heft 24, S. 13) Zuerst eine Berichtigung zu S. 19: Der Gerbergeselle aus Hergensweiler hieß nicht Josef, sondern Johann Georg Heim. Josef war sein Sohn, der 1891 aus Hanso Hus im Kirchdorf in das Küfer-Haltmayer-Haus in der Bütze einheiratete. Seine Nachkommen haben sich im Frühling 2001 im Kultursaal getroffen und mit Hilfe von Lichtbildern und einem Stammbaum ihre Vorfahren studiert. Zu S. 19 unten: Gemeldet haben sich auch mehrere Nachkommen des 1890 erstochenen Engelwirts August Haltmayer: Ernst Haltmayer, der Gründer der Firma Aerosol in Lauterach, und sein Vetter Alfons Haltmeier, leitender Spezialist für Flug-Radar in Dübendorf in der Schweiz. Zu mehreren Treffen brachten sie Bilder und Unterlagen von ihren Familien und auch Zeitungsberichte vom Tod ihres Großvaters mit. Auszüge daraus finden Sie im Beitrag Mord und Totschlag in diesem Heft. Vorsteher und Bürgermeister (3), (Heft 24, S. 27) Zu S. 27, Vorsteher Joh. Martin Schertler (IL): Der Beitrag hat den Weg zu weiteren Verwandten geöffnet. Zweimal besuchte mich aus der Schweiz Siegfried Schertler jun., ein Enkel des 14. Vorstehers und ein Bruder unseres Roman Schertler von der Lorenz-Schertler-Straße. Siegfried Schertler, geboren 1926 in Hard, hat nach dem Besuch der HTL Bregenz in verschiedenen Betrieben technische Erfahrung gesammelt. Im Jahre 1964 begründete er ganz allein in einem Kellerraum in Flawil eine Firma, die sich auf die Erzeugung von Vakuum-Ventilen spezialisierte. Daraus baute er in wenigen Jahrzehnten die VAT in Haag im Schweizer Rheintal auf, das weltweit führende Unternehmen für Vakuum-Dicht-Technik. Mit rund 500 Mitarbeitern und mit Tochterfirmen in Deutschland, Frankreich, England, Japan und USA erreicht VAT heute einen Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar und ist zum größten Steuerzahler des Kantons St. Gallen geworden. Die Firma leitet als geschäftsführender Präsident Dr. Richard Fischer aus Rankweil, ein Urenkel unseres 13. Vorstehers Joh. Georg Fischer und damit ein Vetter des Firmengründers Siegfried Schertler. Wolfurter Blut, das sich jenseits des Rheins bewährt! Ein weiterer Schertler-Nachkomme kam zu Pfingsten 2001 mit seiner Familie aus Amerika zu Besuch nach Wolfurt. Frank Schertler (der Dritte) ist ein Urenkel des 1923 nach den USA ausgewanderten Frank Schertler (des Ersten), der in Amerika die Wolfurterin Anna Heitz geheiratet hat. Ein Bild von dem Auswanderer findet sich in Wolfurt in alten Bildern auf Seite 148. Der Urgroßvater (Franz) Josef Schertler (18641898) war der älteste Sohn des 14. Vorstehers. Er war Gemeindeschreiber und zuletzt auch Konsumverwalter im neu gebauten Konsum Rickenbach. Mit der Gründung einer zweiten Blasmusik brachte er argen Streit in die Gemeinde (Heft 24, S. 31). Nun hat der Ururenkel wieder Kontakte zu vielen Verwandten geknüpft und auch Altvorstehers Haus an der Kirchstraße eingehend besichtigt. Zu S. 32, elektrisches Licht: Für einen Jubiläumsband "700 Jahre VKW hat der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner auch in unserem Gemeindearchiv geforscht. In der Chronik "Schneider 3 " fand sich ein lange gesuchtes Datum: "1886 im Septr. den 29. bekamen wir Elektrisches Licht in der Fabrik". Wir dürfen uns alle auf das noch heuer erscheinende Buch freuen, in dem auch die Wolfurter Gunz-Loacker-Geschichte ihren Platz findet. Zu S. 35 unten: Fehlerberichtigung! Der neue Schreiber hieß nicht Otto, sondern Josef Böhler, Jg. 1883. Ihm gehörte das alte Doktor-Rohner-Haus am Sternenplatz, das 1949 abgebrannt ist. Dort wohnte sein jüngerer Bruder Otto Böhler, Jg. 1885. Mehreren Lesern ist der Fehler aufgefallen, zuerst Anni Höfle-Germann in Lauterach, die in ihrer Kindheit auch dort gewohnt hat. Ahnenforschung Immer neue Briefe und Mails treffen aus Amerika ein, wo die ersten Forscher ihre Stammbäume den Computern übergeben und damit andere Nachkommen der Wolfurter Auswanderer neugierig gemacht haben. Neu schreibt Jill Bennet aus Rice Lake, WI. Ihr Ahn Johannes Schwerzler wanderte 1852 aus dem Eulentobel nach Cottonwood in Minnesota aus. Er war ein Enkel jener Elisabeth Fischer-Schwerzler (Lisol), die dem Haus im Eulentobel schon um 1770 den Hausnamen Lislos gegeben hat. Seine Verwandten waren also die Lisolar-Gmeiner und die Zimborar- und Naiolar-Schwerzler. (Heft 16) Aus Bergisch-Gladbach im Rheinland hat Frau Dr. Roswitha Flatz eine große Stammtafel ihrer Flatz-Familie geschickt. Es handelt sich um nahe Verwandte unseres berühmten Wolfurter Malers, die als Ärzte, Professoren, Künstler, Ingenieure und BankDirektoren den Namen Flatz aus Buch und Wolfurt nach Salzburg, Mondsee, Wien, Preßburg und schließlich ins Rheinland und nach Amerika getragen haben. Frau Roswitha bedankte sich für unsere Aufstellung (Heft 20, S. 46) und will weiter forschen. 4 5 Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (4) In den Heften 20,22 und 24 habe ich in drei Kapiteln über jene Vorsteher erzählt, die vor hundert und mehr Jahren Verantwortung für die Menschen in unserer Gemeinde getragen haben, für deren Arbeit und für das Zusammenleben. Das vierte Kapitel greift nun in unsere Zeit herein. Da gilt es, von Bürgermeistern zu berichten, die wir persönlich gekannt haben. Einige leben noch unter uns. Die folgenden Berichte sind ein Versuch, das wichtigste aus ihrer Amtszeit zu beschreiben. Vieles davon könnten die Leser aber wohl aus eigener Erinnerung noch wesentlich ergänzen. 18/1 Ludwig Hinteregger 1924-1938 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Die Wolfurter Hinteregger stammen vom Pfänder. Gebhard Hinteregger, der 1844 nach Wolfurt kam, war 1811 als Sohn des Adlerwirts in Bildstein geboren worden. Zehn Jahre lang besaß er die alte Schmiede an der Berggasse, wo seine Kinder zur Welt kamen. Dann konnte er 1854 das große Haus auf dem Bühel (Oberfeldgasse 2) kaufen, das seither das Stammhaus der vielen Wolfurter Hinteregger-Familien geworden ist. Hier wurde Ludwig 1892 geboren. Von seinen Brüdern wurde Josef Arzt in Satteins, Gebhard Instrumentenmacher im Strohdorf und Friedrich Bauer in Schwarzach. Ludwig arbeitete in seiner Jugend als Sticker, übernahm aber dann mit seinen Schwestern Lena und Maria die elterliche Landwirtschaft im Oberfeld. Schon früh zog es ihn zu den Vereinen. Er war ein begeisterter Chor-Sänger, spielte bei der Bürgermusik das Flügelhorn und gehörte 1910 im Arbeiterverein zu den Mitbegründern des Turnerbundes. Im Jahre 1913 rückte er zu den Kaiserjägern nach Südtirol ein und machte Dienst bei der Militärmusik. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, gehörte seine Einheit zu den ersten Truppenverbänden, die den Einmarsch der russischen Armee in Galizien aufhalten sollten. 1915 wurde er in die mörderichen Abwehrkämpfe gegen die Italiener in den Dolomiten geschickt. Für seinen Einsatz wurde er mit der Kleinen Silbernen und dann dreimal (!) mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Zugsführer befördert. Im Gebirgskrieg wurde er 1917 schwer verwundet. Den Zusammenbruch der Monarchie erlebte er im Lazarett. Nun holte man ihn 1919 in die Gemeindepolitik und wählte ihn unter Vorsteher Lorenz Schertler sofort zum Ersten Gemeinderat und damit zum Stellvertreter des Vorstehers. In den Jahren der Not sammelte er hier wertvolle Erfahrungen. 1924 wurde wieder gewählt. Aus dem Chaos bei den ersten "demokratischen" Wahlen von 1919 hatten die Wolfurter gelernt. Diesmal wurden rechtzeitig drei ParteiListen vorgelegt, die alle den Christlich-Sozialen nahe standen. Die Allgemeine Wähler- partei führte Gemeinderat Ludwig Hinteregger an, die Allgemeine Wählerschaft der ehemalige Vorsteher Ferdinand Köb und die Wirtschaftspartei der Schreinermeister Rudolf Fischer, Schnidarles. Eigentlich standen sich dabei nur die lokalen Interessen der Wolfurter und der Rickenbacher gegenüber. Die Sozial-Demokraten waren in Wolfurt noch gar nicht organisiert, während sie etwa in Hard, angeführt von ihrem Nationalrat Hermann Hermann, bereits zur mandatsstärksten Partei wurden. In Wolfurt gewann die Gruppe um Hinteregger 10 von den 18 Mandaten, die beiden anderen je 4. Sicher half Hinteregger dabei, daß er als Musikant, Sänger und Turner einen großen Rückhalt bei den Vereinen hatte. Die wirtschaftliche Lage war immer noch Bild 3: Ludwig Hinteregger als junger Kaiserjäger katastrophal und verschlechterte sich in den folgenden Jahren durch den Zusammenbruch wichtiger Banken noch mehr. Arbeitslosigkeit und Hunger führten zu einer Radikalisierung der politischen Parteien. Die Sozial-Demokraten stellten ihren bewaffneten Schutzbund auf, die Christlich-Sozialen ihre Heimatwehr. In Wien brannte 1927 der Justizpalast. Vorsteher Hinteregger sah seine Hauptaufgabe in der Schaffung von Arbeit. Zuerst wurde der Dorfbach aus seinem offenen Bett an der Kellhofstraße in eine Rohrleitung verlegt. Im Jahre 1929 wurde als ganz neue Straße die Verbindung von der Hub durch den Brühl nach Rickenbach gebaut. Die Gemeinde kaufte von der Familie Heim das uralte Hanso Hus am Dorfplatz zum Abbrach. Mit Wolfurter Arbeitslosen wurde an seiner Stelle 1930 das große Kriegerdenkmal erstellt. In einer von Schützenhauptmann Ludwig Köb gestifteten italienischen Blindgänger-Granate wurde die Urkunde hinterlegt. Ein Großprojekt sollte mehr Arbeit schaffen: Ausbau und Teerung der oberen Straße von der Ach bis Rickenbach. Dazu nahm die Gemeinde bei der Rheintalischen Kreditanstalt in der Schweiz einen Kredit von 100 000,- Schweizer Franken auf, damals eine unfaßbar große Summe! Im Sommer 1931 wurden damit die Straße ausgebaut, zwei Häuser abgebrochen, die Kurven gepflastert und etliche Gartenmauern erstellt. Kritisch wurde es, als die Schweizer Bank eine bessere Sicherstellung verlangte. Da halfen die Erben des 1930 plötzlich verstorbenen Gemeinderates Kreuzwirt Josef Haltmayer aus. Die Gemeindevertretung bedankte sich 1932 bei Vorsteher Hinteregger 7 6 Bild 4: Straßenbau 1931 an der Dorfkurve Bild 5: Teerung 1931 in Spetenlehen ausdrücklich für den großen Einsatz beim Bau "seiner" Straße. Es dürfte eine der allerersten asphaltierten Gemeindestraßen in ganz Vorarlberg gewesen sein! 1933 wurde dann auch noch die Rutzenbergstraße mit einer großen Schleife neu gebaut. Für eine neue Straße nach Buch hatte das Land 1930 eine Trasse an der Ach ausgearbeitet. Mit großem Nachdruck und einer Unterschriften-Sammlung verlangte die Gemeinde Wolfurt eine Variante über das Oberfeld zur Berg-Gasse und setzte sich mit Hilfe von einflußreichen Wolfurter Beamten durch. Ab 1932 begannen die Wolfurter zu bauen, die Bucher hatten schon ein Jahr früher am anderen Ende angefangen. Als die Bucherstraße mit ihren vier Tunnels 1935 eröffnet wurde, galt sie als Sehenswürdigkeit. Ab jetzt fanden 65 Maurer und Hilfsarbeiter Verdienst beim Ausmauern des Rickenbachs. Auch sonst hatte sich in der Gemeinde einiges verändert. Altvorsteher Köb war 1924 Sternenwirt geworden. Dort war seit 1871 die Post untergebracht gewesen. Jetzt verlegte die Gemeinde das Postamt ab 15. Jänner 1925 in das von ihr angekaufte SchertlerHaus bei der Schule, wo bald auch der Bauhof und eine große Brückenwaage Platz fanden. In den oberen Stock zogen 1928 zwei Haller "Kreuzschwestern" ein, die von hier aus ihre segensreiche Tätigkeit als Krankenschwestern aufnahmen. Gemeindearzt war seit 1924 Dr. Eugen Lecher. Dieser begründete noch im gleichen Jahr zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz im Rahmen der Feuerwehr eine Rettungsabteilung des Roten Kreuzes. Der Autoverkehr nahm zu. Konrad Bohle eröffnete beim Mohren die erste BenzinZapfstelle, August Rädler eine zweite beim Wälderhof. Am 30. September 1925 wurde die erste "Omnibus"-Linie nach Bregenz in Betrieb genommen. Die Fahrzeug-Zählung von 1933 erbrachte für Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 "Luxus"Autos (PKW) und 10 LKW. Im Jahre 1929 setzten die 111 werke die riesigen Masten ihrer Überlandleitung auf die 8 Wolfurter Bühel. Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr den hohen Schlauchturm beim Schulhaus. Der Vorsteher bekam in Adolf Fischer einen neuen Sekretär, der viele Jahre lang seine unentbehrliche Stütze wurde. 1931 wurde Karl Mohr neuer Schulleiter und 1933 Josef Kresser neuer Straßenmeister. Dieser arbeitete für einen Stundenlohn von 80 Groschen. (Ein Kilogramm Mehl kostete 45 Groschen!). Um dem parteipolitischen Streit auszuweichen, hatte Wolfurt im Jahre 1929 Mehrheitswahlen mit einer einzigen Liste durchgeführt. Ludwig Hinteregger erhielt 1044 von 1052 gültigen Stimmen, das sind sagenhafte 99,2 %. Am nächsten kam ihm noch der beliebte Konsumverwalter Johann Zwickle mit 954 Stimmen. Ein Kommentar in der Zeitung meinte: "... sich nicht erinnern, daß je in einer Periode so friedliche und einmütige Arbeit geleistet wurde".1 Im Jahre 1932 wurde Hinteregger auch in den Landtag gewählt. Als Vertreter der Landwirtschaft verblieb er dort bis zur Auflösung 1938. Inzwischen hatten sich die politischen Parteien völlig zerstritten. Das wirkte mit dem Verbot der Nationalsozialisten 1933 und der Sozialdemokraten 1934 bis in die Dörfer und in alle Vereine hinein. Die neue Verfassung von 1934 sah einen Ständestaat mit einer Einparteienregierung der "Vaterländischen Front" vor. Die gewählte Gemeindevertretung wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat ein "Gemeindetag", dessen Mitglieder über Vorschlag der örtlichen VF vom Landeshauptmann ernannt wurden. Der Vorsteher führte erst jetzt die Amtsbezeichnung "Bürgermeister" ein, wie es schon im Gesetz von 1919 bestimmt worden war. Erstmals trat der Gemeindetag mit 3 Gemeinderäten und nur 10 Mitgliedern am 9. August 1934 zusammen. Für Andersdenkende gab es jetzt keine politische Vertretung mehr. Eine ganze Serie von Sprengstoff-Attentaten im Lande sorgte für Aufregung. Bewaffnete Heimwehr-Leute patrouillierten nachts durch die Gemeinde. Der Druck aus dem nationalsozialistischen Deutschland nahm zu. Jetzt ließen sich auch junge 9 Bild 6: Heimatwehr 1936 als Chor-Schützen 19. Theodor Rohner 1938-1945 Geb. 28.10.1894, gest. 1.12.1964 Schlagartig wurde die Lähmung der vergangenen Jahre durch vordergründigen Jubel überdeckt, getragen vor allem von der Hoffnung auf Arbeit. Schon 1932 war in Wolfurteine Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden, 1933 auch eine Abteilung der SA. Nach dem Verbot der NSDAP waren 1933 acht Mitglieder des Kath. Arbeitervereins und 16 Turner aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden. Von den jungen Leuten, die sich nach Deutschland zur Legion absetzten, nennt Bürgermeister Hinteregger in seinem vorsichtigen Bericht vom 31. Okt. 19452 nur den als Heimatforscher bekannten Gebhard Anwander aus Rickenbach und den ausgezeichneten Schifahrer Josef Bragger aus dem Strohdorf, der spä- Bild 7: Bürgermeister Theodor Rohner ter im Krieg gefallen ist. Die wirkliche Anzahl war aber viel größer. Sofort bemächtigten sich die Nationalsozialisten der ganzen Gemeinde. Schon am 15. März wurden das Kartell und die meisten Vereine aufgelöst und das Vereinshaus beschlagnahmt. Die Vereine mußten Inventar und Barvermögen abliefern, einige versteckten aber doch ihre alten Fahnen. Eine gewaltige Propaganda-Flut setzte ein. Am 18. März stellte die Firma Loacker am Kirchplatz und beim Mohren in Rickenbach je einen Lautsprecher auf, eigens zum Empfang der "weltgeschichtlichen Rede des Führers". Zwar gab es seit 1934 einen Radiosender in Lauterach, aber nur ganz wenige Leute besaßen einen Empfänger. Jetzt kamen die billigen "Volksempfänger" auf den Markt, mit denen man nur den Reichssender Berlin empfangen konnte. Ausländische Sender abzuhören war ja bei schwersten Strafen verboten. Am 31. März wurde der alte Gemeindetag aufgelöst. Vorerst mußte Bürgermeister Hinteregger im Amt bleiben, doch stellte ihm der neue Bezirkshauptmann den NSOrtsgruppenleiter Theodor Rohner und die vier Beiräte Alfred Fischer, Anton Heim, Josef Rohner und Willi Köb zur Seite. Das Gemeindeamt wurde in allen politischpolizeilichen Angelegenheiten den Weisungen der in Bregenz amtierenden Gestapo unterstellt. Das Abstimmungsergebnis vom 10. April 1938 über den Anschluß lag in Wolfurt ähnlich wie bei den meisten Gemeinden im Land bei 98 Prozent und wurde mit einem 11 Wolfurter dort in die illegale "Österreichische Legion" einschreiben. Am 27. Mai 1936 wurde noch einmal ein neuer Gemeindetag installiert, diesmal bestehend aus dem Bürgermeister, einem Vertreter der Katholischen Kirche und 14 Gemeindevertretern. Aus nur 6 von der VF ausgesuchten Kandidaten hatte der Bauernstand 4 Vertreter "gewählt", ähnlich die Gewerbetreibenden ihre 6 Leute. Wahlberechtigt waren aber nur eingeschriebene Mitglieder der "Vaterländischen Front". Weil Industrie und Öffentlicher Dienst zu wenig "verläßliche" Kandidaten aufbieten konnten, verzichtete die VF hier auf Wahlen und legte selbst ihre 4 Männer fest. Von der Demokratie hatte man sich damit verabschiedet. Dafür rief der Gemeindetag im Dezember zur Spende von Geld, Lebensmitteln, Bekleidung und Heizmaterial für die "Minderbemittelten" auf. An die Ärmsten wurden Brot und im März auch einige Hundert Kilogramm "Bundeswurst" aus Inner-Österreich verteilt. Ihre Lage blieb aber trostlos. Seit 1931 lag die Jänner-Arbeitslosigkeit in der Gemeinde immer über 100, im Jahre 1936 sogar bei 140. Ungeheure Not bedrückte viele Familien. Das Gemeindeblatt war voll von Versteigerungs-Anzeigen. Angeboten wurden Häuser und Grundstücke, Nähmaschinen, Wolldecken und Fahrräder. Immer mehr Leute hörten auf die Versprechungen Adolf Hitlers, der seit 1933 in Deutschland regierte. Am 12. März 1938 rückten seine Truppen in Österreich ein. 10 riesigen Aufmarsch uniformierter Fackelträger gefeiert. Zu diesem Tag war erstmals "Großbeflaggung" angeordnet worden: Nur Hakenkreuzfahnen! Rot-weiß-rot "ist zu vermeiden!"3 Am 19. Mai ordnete der Landesschulrat an, daß alle Kinder ausnahmslos mit "Heil Hitler!" zu grüßen hätten, "und zwar mit voll nach vorne in Augenhöhe ausgestreckter Rechten". Jetzt mußte auch Bürgermeister Hinteregger seine Briefe mit "Heil Hitler!" unterzeichnen. In Vorarlberg war ein gewaltiges Programm zur Staubfreimachung von 244 km Straßen in Angriff genommen worden. Dazu gehörte u. a. die Straße von Wolfurt über Schwarzach nach Dornbirn. Ganz neu begann man in Hard mit dem Bau einer Umfahrungsstraße (die spätere Betonstraße) mit als sensationell empfundenen 9 m Breite. Im März 1937 waren in ganz Vorarlberg 300 Arbeiter beim Straßenbau beschäftigt gewesen, im Mai 1938 waren es 1370.4 Von solchen Zahlen und noch mehr von der neu eingeführten Kinderbeihilfe war die Bevölkerung ungemein beeindruckt. Ab 1. Juli 1938 übernahm der bisherige Ortsgruppenleiter Theodor Rohner selbst das Amt des Bürgermeisters. Sein Nachfolger als Ortsgruppenleiter wurde Emil Beck. Nach dem "Führerprinzip" war der Bürgermeister allein für die Gemeinde verantwortlich. Zwar wurden einige Leute als Beiräte benannt, doch waren Abstimmungen untersagt. Schulleiter Mohr wurde als ehemaliger Leiter der VF in den Lehrerstand zurückversetzt. Die drei hochverdienten Schulschwestern Sr. Sebastina, Sr. Gisela und Sr. Regina mußten die Schule verlassen. An die Stelle der Vereine traten NS-Formationen. Schon die 10jährigen wurden im "Jungvolk" und bei den "Jungmädels" erfaßt, die 14jährigen zu HJ ("Ha-Jott", Hitlerjugend) und BDM (Bund deutscher Mädel) überstellt. Die Erwachsenen wurden in vielerlei Gliederungen der "Partei" aufgenommen, in Wolfurt vor allem bei der SA (Sturmabteilung) und beim NSKK (Kraftfahrer-Korps), wo sich die Motorisierten trafen. Die Frauen der NSV (Volkswohlfahrt) richteten im Konsum eine Säuglings-Fürsorge und im Kleinen Saal des Vereinshauses den ersten Kindergarten ein. Regelmäßige Sammlungen für das WHW (Winterhilfswerk) mit teilweise sehr gefälligen Aufsteck-Abzeichen sollten die Not der Alten und Armen lindern. Alles, gar alles! in der Hand einer Partei. Dazu eine ganz neue Art von aggressiver Propaganda in den Partei-hörigen Zeitungen, im Rundfunk und vor allem in den Schulen. Dort war das Kreuz in den Klassen durch ein Hitlerbild und einen "markanten" Wochenspruch des Führers ersetzt worden. Die Bürgermusik blieb als "Schützenmusik" erhalten, weil man auf sie bei den vielen Aufmärschen nicht verzichten wollte. Sogar den Alt-Gemeinderat Franz Rohner, an dessen Haus die SA eine große Tafel "Hier wohnt ein Feind des deutschen Volkes " angebracht hatte, brauchte man als Kapellmeister. Und die beliebte Krankenschwester Sr. Epiphania erhielt vom Bürgermeister eine Anstellung als "Frl. Härle", verbunden allerdings mit dem strikten Vebot geistlicher Betätigung. Natürlich fiel auf, daß die Kirche unter schwerem Druck stand. An Feiertagen mußte auch vom Kirchturm die Hakenkreuzfahne wehen. Prozessionen wurden "aus Ver12 Bild 8: NS-KK. Die Wolfurter Kraftfahrer 1939 unter Alfred Fischer. kehrsgründen" ins Oberfeld verwiesen. Auch das Läuten mußte eingeschränkt werden "wegen Störung des Rundfunks". Ab 1. Jänner 1939 wurden die Standesämter eingeführt. Bürgermeister Rohner übernahm selbst dieses zusätzliche Amt. Standesamtliche Trauungen unter der Hakenkreuzfahne ohne nachfolgende kirchliche Hochzeit blieben aber die seltene Ausnahme, ebenso wie "germanische Namensgebung" für Neugeborene. Junge Ehepaare erhielten vom Bürgermeister Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf. Gelesen werden es wohl wenige haben! Eine ganze Anzahl von Wolfurtern trat aber aus der Kirche aus und nannte sich nun "gottgläubig". Die Pfarrämter bekamen eine riesige Aufgabe mit der Erstellung von Ahnenpässen als Arier-Nachweis aufgebürdet. Alt-Pfarrer Leopold Berchtold schrieb deshalb in einem großen Buch alle Familien aus den alten Tauf- und Trauungsbüchern heraus. Es ist heute bei der Familienforschung eine wertvolle Hilfe. Am 1. September 1939 begann der Krieg. Über seinen Verlauf und sein schreckliches Ende haben wir in dieser Zeitschrift in zwei Artikeln umfangreich berichtet.5 Hier wiederhole ich daher nur jene fürchterliche Zahl: Am Kriegerdenkmal mußten die Namen von 99 jungen Männern aufgeschrieben werden, die nicht mehr heimkehrten. In einem langen schmerzhaften Prozeß war der Jubel von 1938 untergegangen, nicht in allen Familien zur gleichen Zeit. Für die meisten war ja die NS-Propaganda die einzige Informationsquelle. Lange, allzu lange schauten viele weg, hörten nichts, wollten nichts hören, von der Verfolgung von Juden und Zigeunern, vom Sterben der Behinderten, von der Mißhandlung von Kriegsgefangenen, von der Unterdrückung von Menschen in den besetzten Ländern. Auch nicht von den Niederlagen in Rußland und von der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg. Jede unbedachte Bemerkung konnte das Leben kosten. So wurde die 60jährige Hausfrau Ottilia Köb, Schmieds, 1941 wegen "Beleidigung der Regierung" von der Gestapo zwei Wochen lang eingesperrt.6 Ihre Entlassung verdankte sie wohl nur dem 13 Umstand, daß ihre beiden Söhne an der Front standen. Aus einem ganz ähnlichen Grund wurde zwei Jahre später in Bregenz Frau Karoline Redler zum Tode verurteilt. Unter allerschärfster Beobachtung standen jene Familien, die man für Kommunisten hielt. Aus nichtigen Gründen wurden 1941 und 1942 etliche Wolfurter Jugendliche verhaftet und von der Gestapo mißhandelt. August Wachter und Martin Österle waren bei ihrer Verhaftung erst 16 Jahre alt. Wachter wurde aus der Haft zu einer StrafKompagnie an die Front überstellt und ist dort gefallen. Auch sein Vater war verhaftet worden. Wegen "Abhörens von Feindsendern" mußte auch noch der Familienvater Karl Zanetti die letzten Kriegsmonate im Gefängnis absitzen.7 Bei Kriegsende zwang am Morgen des 2. Mai 1945 eine große Gruppe Wolfurter Zivilisten, in der Mehrzahl Frauen und Mädchen, den Bürgermeister zu dem Versuch, die deutschen Truppen an der Ach von der Fortsetzung des Verteidigungkampfes abzuhalten. Bei seinem Eintreffen waren diese aber bereits abgezogen, der Einmarsch der Franzosen hatte begonnen. Noch am gleichen Tag wurde Ortgruppenleiter Beck von einem französischen Kommando verhaftet und mit dem Erschießen bedroht, . schließlich aber in das Anhaltelager Brederis eingeliefert. Bürgermeister Rohner blieb noch zwei Tage im Amt. Am 4. Mai 1945 übergab er in einem offiziellen Akt das Amt an seinen Vorgänger Ludwig Hinteregger. Auch Rohner wurde dann einige Zeit inhaftiert. 1946 mußte er bei der Entnazifizierung der Wolfurter "Partei"-Mitglieder als Auskunftsperson helfen. Theodor Rohner war 1894 in Lauterach als Sohn des Wilhelm Rohner und der Anna Maria Schwerzler geboren worden.. Die Mutter stammte aus dem Tobel in Wolfurt. Als die Familie Rohner mit ihren acht Kindern nach Wolfurt in das Haus C 5 an der Ach (heute Zementerei Rohner, Bützestraße 39) übersiedelte, benannte man sie nach der Mutter mit dem Hausnamen "Toblars". Früh verstarben beide Eltern. Die Waisenkinder mußten das Haus verkaufen. Außer Theodor, der als Sticker Arbeit suchte, blieb auch seine Schwester Klara, verehelichte Schwerzler, als Toblars Klara mit ihren Söhnen in Wolfurt. Theodor heiratete 1920 Rosina Böhler, eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Mit ihren zwei Kindern Bertram und Theodora wohnten sie in Miete im Haus D 293 (Villa Köb, Hofsteigstraße 54) in Rickenbach. Schon 1937, mitten in der Not der Arbeitslosigkeit, starb die Mutter. 1940, jetzt schon als Bürgermeister, ging Rohner eine zweite Ehe mit Katharina Bohle ein, einer Tochter des Rickenbacher Kaufmanns Konrad Bohle. Der Sohn Bertram betrieb nach dem Krieg eine Handlung in Landeck. Die Tochter Dora, verehelichte Zangerl, lebte mit ihrer Familie in Pians. Zu ihnen übersiedelte der Alt-Bürgermeister für seine letzten Lebensjahre. In Pians ist er am 1. Dezember 1964 gestorben. An seinem Begräbnis nahm auch eine offizielle Abordnung der Gemeinde Wolfurt teil. Dafür bedankten sich die Kinder mit einer Spende für die Totenkapelle in Wolfurt. 18/2 Ludwig Hnteregger 1945-1950 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Seit 4. Mai 1945 waren also der 1938 abgesetzte Bürgermeister Hinteregger und als sein Sekretär Adolf Fischer wieder im Amt. Während der NS-Zeit hatte Hinteregger neben seiner Landwirtschaft eine Anstellung im Büro der Firma Baustoffe-Rädler übernommen. 1945 war er auch noch zum Dienst beim "Volkssturm" im Südtirol verpflichtet worden. Als Bürgermeister wollte er nun den 1938 aufgelösten VF-Gemeindetag wieder einsetzen. Das scheiterte aber am Einspruch der französischen Behörden. Diese verlangten eine paritätische Vertretung der Links-Parteien. So mußte ein auf fünf Personen reduzierter provisorischer Ausschuß nominiert werden, bestehend aus Bürgermeister Hinteregger, den Bild 9: Bürgermeister Ludwig Hinteregger ehemaligen Gemeinderäten Alfons Gunz, Franz Rohner (Kapeller), Martin Höfle und dem zusätzlich bestimmten Bauarbeiter Karl Geiger, der den Kommunisten nahe stand. Die erste Sorge des Bürgermeisters galt der Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln, Heizmaterial und auch mit Wohnraum. Nur mit größtem Einsatz und gestützt auf seine Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg konnte er die Ablieferung von Schlachtvieh, Milch, Mais und Brennholz erreichen, viel zu wenig für die Not der ausgebombten Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet und die heimatlosen Familien aus Ost-Europa. Vielen konnte er einen Acker an der Ach oder im Ried zuweisen. Sogar auf dem Schulplatz wurden Mais und Kartoffeln angebaut. Die Gärtner Stöckli, Hans Schwerzler und Gebhard Mohr mußten große Mengen von Setzlingen produzieren. Einen besonderen Beitrag leistete auch die Familie Erwin Karg mit dem Anbau von Gemüse auf den steinigen Insel-Gründen. Feldwachen mußten nachts die Äcker schützen. Im August wurden alle "Reichsdeutschen" ausgewiesen. Mit ganz wenig Handgepäck wurden sie auf Lastautos an die Grenze transportiert, auch Frauen mit kleinen Kindern. Sogar der Wirt August Keckeisen, der den Gasthof "Sternen" schon seit 1931 besessen hatte, mußte gehen. Seine Gastwirtschaft wurde als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und für einige Flüchtlingsfamilien als Notquartier bestimmt.8 Am 25. November 1945 fanden Wahlen zum Landtag und zum Nationalrat statt. Die 15 14 ehemaligen "Partei"-Mitglieder blieben ausgeschlossen und viele Männer waren noch in der Kriegsgefangenschaft. So waren von den Wahlberechtigten mehr als zwei Drittel Frauen. Zum weit überwiegenden Teil wählten sie die neu gegründete ÖVP. Auf Grund des für die Kommunisten negativen Ergebnisses legte Karl Geiger sein Mandat zurück. An seiner Stelle machte die SPÖ den ehemaligen Wehrmachts-Offizier Armin Schertler namhaft. Dieser übernahm auch die Verwaltung des Sternens. Das folgende Jahr stand ganz im Zeichen der "Entnazifizierung". Nur schwer konnte die Wirtschaft angekurbelt werden. Politische Gutachten spielten bei Betriebsgenehmigungen und Wohnungsvergaben eine große Rolle. Ohne eigene Wahlen wurde 1947 per Gesetz bestimmt, daß die Landtagswahlergebnisse von 1945 jetzt auch für eine Gemeindevertretung Gültigkeit hätten. Das ergab in Wolfurt 10 Mandate für die ÖVP und 3 für die SPÖ. Einstimmig wählte diese "Provisorische" Gemeindevertretung am 16. April 1947 Ludwig Hinteregger zum Bürgermeister. Jetzt konnte dieser neue Aufgaben anpacken. Große Aufmerksamkeit widmete er den Vereinen, die bei der Umerziehung der im Nationalsozialismus aufgewachsenen Jugend mitwirken sollten. Die Gemeinde half bei der Renovierung des arg verwahrlosten Vereinshauses und unterstützte 1947 die Gründung des Fußballklubs. 1948 begannen die Vorarbeiten für ein Gemeinde-Wasserwerk. An der Ach wurde Grund für neue Siedlungen erschlossen und für 5 Schilling pro m2 verkauft. Eine Erweiterung des Schulhauses wurde geplant. Die Verhältnisse normalisierten sich. Geradezu symbolisch konnte im Jahre 1950 endlich der Maisacker auf dem Schulplatz wieder zu einem Sportplatz eingesät werden. Aus den bitteren Erfahrungen seiner ersten Amtszeit bemühte sich Ludwig Hinteregger sehr, den Frieden in der Gemeindestube zu sichern. In Land und Bund bekriegten sich die politischen Parteien schon wieder. Die Aufstellung einer Einheits-Liste für die Gemeinde-Wahlen 1950 gelang ihm aber nicht mehr. Er lehnte daher eine von vielen erhoffte Wiederwahl zum Bürgermeister ab, war aber bereit, noch einmal eine Periode lang als Gemeinderat zu dienen. Nach zwei Jahren mußte er sogar noch einmal das Amt des Ersten Gemeinderates und Vizebürgermeisters übernehmen und hatte als solcher entscheidenden Anteil bei der Lösung seiner letzten großen Aufgabe, des Wolfurter Wasserwerks. Erst dieses ermöglichte die Besiedlung der Bühel und der Felder. 1955 zog sich Hinteregger ganz aus der Gemeindevertretung zurück, der er 29 Jahre lang angehört hatte, davon 19 Jahre als Bürgermeister. Anläßlich seines 70. Geburtstages bedankte sich die Gemeinde für sein Wirken und überreichte ihm als Ehrengeschenk ein Bild vom Kriegerdenkmal. Bis ins hohe Alter arbeitete Hinteregger aber noch unermüdlich im Kirchenrat und im Krankenpflegeverein weiter mit und kümmerte sich um Kirchenfahnen und Schneeräumung und natürlich auch um seine Landwirtschaft. An seiner Seite stand, immer still und bescheiden im Hintergrund, seine Frau Rosa. Sie war eine Tochter des Lammwirts Gebhard Fischer und hatte ihrem Gatten sechs Kinder geschenkt. Eine besondere Freude war für beide, daß der Sohn August zum Priester geweiht und schließlich 16 Pfarrer in Bildstein wurde. Aber auch die zahlreichen Enkel scharten sie oft um sich. 1973 konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern. Bald danach ist Ludwig Hinteregger im Alter von fast 81 Jahren gestorben. Sein letzter Wunsch um eine schlichte Beerdigung ohne jede Grabrede wurde erfüllt. 20. Emil Geiger 1950-1952 Geb. 2.9.1923, lebt in Bregenz Die Gemeindewahlen von 1950 waren seit 1929 die ersten, die wieder nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt werden konnten. Eine Reihe von älteren Gemeindemandataren war abgetreten, junge Kriegsheimkehrer nahmen ihre Plätze ein. Viele ehemalige Angehörige der NSDAP durften jetzt wieder wählen, die meisten sammelten sich im VDU Bild 10: Bürgermeister Emil Geiger (Verband der Unabhängigen). In der Gemeinde Wolfurt bildeten sie mit anderen oppositionellen Wählern die Liste Unabhängige Wählerschaft und erreichten auf Anhieb 6 der nunmehr 21 Mandate. Die traditionelle Allgemeine Wählerliste, die mit dem abtretenden Bürgermeister Hinteregger der ÖVP nahe stand, erhielt 13 Mandate. Der SPÖ verblieb ein einziges Mandat, das der aus Lauterach ins Wolfurter Wida zugezogene langjährige Landtagsabgeordnete Josef Greußing ausübte. In der Konstituierenden Sitzung vom 11. Mai 1950 erhielt Emil Geiger, der junge Kandidat der Allgemeinen Wählerpartei, nur 12 von den 21 Stimmen. Die Unabhängigen hatten geschlossen für Hinteregger gestimmt. Emil Geiger gehörte einer alten Wolfurter Sippe an. Ihr Stammvater Sebastian Geiger hatte schon 1666 aus Alberschwende nach Wolfurt geheiratet. Nun lebte die Familie Adolf Geiger im Röhle und betrieb dort eine kleine Landwirtschaft. Die Mutter Theresia war eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Von den neun Kindern war Emil das älteste. Im Krieg war er 1943 in Tunesien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten. Nach langen Arbeitseinsätzen in den USA wurde er erst 1946 in die Heimat entlassen. Hier hatte er dann eine Stelle als Angestellter im Landesdienst gefunden. Eine Flut von Arbeit wartete nun auf den jungen Bürgermeister. Das Wasserwerk nahm konkrete Formen an. Die Arbeiten für das Pumpwerk im Schulhof, die Rohrleitungen und den Hochbehälter auf dem Bühel über der alten Bucherstraße wurden 17 vergeben. Schon im Juli 1951 ging das erste Teilstück des Werkes in Betrieb und versorgte 130 Häuser. Nun schloß die Gemeinde auch das alte Rickenbacher Netz an. Eine rege Bautätigkeit hatte eingesetzt. Die Siedlungen weiteten sich in die Felder hinab und auf die Bühel hinauf aus. Der Bürgermeister ließ ein neues Häuserverzeichnis erstellen. Das letzte (D) aus dem Jahre 1900 hatte die damals 290 Häuser fein säuberlich von der Höll an der Ach bis in den Schlatt an der Schwarzacher Grenze aufgereiht. Dazu waren aber in den 50 Jahren bis 1950 in der ganzen Gemeinde verstreut weitere 130 Hausnummern vergeben worden. Für Orts-Unkundige und oft auch für Einheimische waren sie meist nur mehr mit Hilfe der Parzellennamen zu finden. In der Gemeindekanzlei häuften sich weitere Ansuchen um Baugenehmigungen, Grundtrennungen und Zufahrtswege. Auch die Schule mußte saniert werden. Das dunkle hölzerne Stiegenhaus und vor allem die stinkenden alten Abortanlagen erregten berechtigte Kritik. In die Neuplanung wurde eine Vergrößerung der Kanzlei mit einbezogen. Ganz überraschend legte da Bürgermeister Geiger Ende April 1952 nach nur zweijähriger Amtsführung ein Rücktritts-Schreiben vor. Hauptgrund war seine Absicht, sich in Bregenz zu verehelichen und dort wieder in den Landesdienst einzutreten. Er berücksichtigte aber wohl auch, daß sein Bruder August Geiger die ausgeschriebene Stelle als Gemeindesekretär im April 1952 angetreten hatte. So stellten sich keine Fragen der Befangenheit. Der junge Alt-Bürgermeister Emil Geiger hatte später mit seiner Frau Hedwig Schönherr in Bregenz sechs Kinder. Viele Jahre lang arbeitete er in leitender Stellung bei der Hypothekenbank. Mit Wolfurt blieb er immer eng verbunden. großes Stiegenhaus mit modernen WCAnlagen angebaut. Daneben konnten das Gemeindeamt erweitert und endlich ein schönes Sitzungszimmer für die Gemeindevertretung geschaffen werden. Einfache Dusch-Anlagen im Keller erlaubten den meisten Schülern einen ersten Kontakt mit neuzeitlicher Hygiene. Das übergroße Stiegenhaus sollte den Anbau neuer Klassen ermöglichen, denn obwohl die Schülerzahl noch bis zu einem Tiefststand von 269 im Jahre 1954 am Sinken war, erkannte der Bürgermeister aus den Geburtenzahlen, daß sich das bald ändern würde. Im Jahre 1954 erhielt die Schule in Josef Heinzle einen neuen Leiter. An den Gemeindegrenzen hatte Bürgermeister Gunz Tafeln aufstellen lassen, die die Einwohnerzahl von Wolfurt mit 2400 angaben. Offiziell waren es bei der VolksBild 11: Bürgermeister Alfons Gunz 21. Alfons Gunz 1952-1957 Geb. 14.7.1899, gest. 19.6.1969 Schon seit 1929 hatte der Rickenbacher Mühlenbesitzer der Gemeindevertretung angehört. 1931 war er als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Kreuzwirts und als Vertreter für Rickenbach zum Gemeinderat gewählt worden. Seither hatte er diese Funktion mit Ausnahme der sieben Jahre Nationalsozialismus ununterbrochen ausgeübt. Vom Ersten Gemeinderat rückte er nun nach dem Rücktritt des Vorgängers zum Bürgermeister auf und wurde als solcher bei der Neuwahl im August 1952 einstimmig bestätigt. Die Familie Gunz stammt aus Bildstein-Staudach. Von dort war Josef Gunz 1853 nach Rickenbach gekommen und hatte im Tobel einen neuen Müllerbetrieb angefangen. Von seinen tüchtigen Söhnen hatte Plazidus Gunz eine große Mühlen-Filiale in Bludenz aufgebaut. Dessen Sohn Alfons war aus Bludenz nach Wolfurt zurückgekehrt und hatte hier die Leitung des Stamm-Werkes übernommen. Die Wolfurter GunzMühle ist später im Jahre 1978 abgebrannt. Mit seinem unternehmerischen Denken versuchte der neue Bürgermeister, in dem konservativen Wolfurt einiges zu verändern. Zuerst wurde an das alte Schulhaus ein zählung 1952 bereits 2455 gewesen. Der Ausbau des Wasserwerks wurde mit Nachdruck fortgesetzt. Am 12. Juli 1953 konnte es eingeweiht und mit einem großen Volksfest eröffnet werden. Die Gemeinde übernahm jetzt auch die beiden alten Brunnen im Dorf in ihre Obhut. Die beiden Brunnen in Strohdorf und Hub wurden weiter von den dortigen Brunnen-Genossenschaften betreut. Überall wuchsen neue Einfamilienhäuser aus dem Boden, oft von den zukünftigen Bewohnern in harter Arbeit am Feierabend und an Samstagen eigenhändig gebaut. 1952 vergab der Bürgermeister die letzte D-Hausnummer 446 ganz oben beim Hochbehälter. Die 32 Häuser des Jahres 1953 bekamen vorerst keine Nummern mehr. Zum 1. Jänner 1954 stellte die Gemeinde auf Straßenbezeichnungen um. Viele alte Flurnamen blieben darin erhalten, andere gerieten seither in Vergessenheit. Zu den ganz neuen Problemen zählten jetzt Kanalisierung und Müll-Abfuhr. 1956 wurde der erste große Kanal durch die Bützestraße und die Lauteracherstraße zu einem mit Lauterach geplanten Klärwerk im Ried gebaut. Anschließend wurden beide Straßen asphaltiert - als erste nach der "oberen" Straße von 1931! Gar nicht leicht waren die Wolfurter zur Einführung von Müllkübeln zu bewegen. Ab 1957 begann die Gemeinde aber doch, die großen Tümpel im Flotzbacher Lehmloch mit Haushaltsmüll aufzufüllen. Mit Dr. Lothar Schneider kam 1956 ein neuer Gemeindearzt nach Wolfurt. Vom großen bisherigen Sanitätssprengel Wolfurt waren Schwarzach und Bildstein abgetrennt 19 18 Bild 12: Erster Kanal 1955 in der Bütze tödlich. In der schwierigen Situation kam die Idee auf, den nicht der Gemeindevertretung angehörenden pensionierten Postmeister Julius Amann zum Bürgermeister zu wählen. Es bedurfte vieler Vorsprachen, bis das Land seine Genehmigung für dessen vorerst nur provisorische Amtsführung gab. Inzwischen leitete der zurückgetretene Bürgermeister Gunz noch die meisten Sitzungen, darunter auch die FestSitzung vom 18. Jänner 1957, in welcher Prof. Dr. Lorenz Böhler zum Ehrenbürger ernannt wurde. Am 1. März 1957 wurde dann Amann gewählt. Gunz verblieb als einfacher Gemeindevertreter bis 1960 und als Ersatzmann sogar noch bis 1965. Jetzt widmete er sich ganz seiner Familie und seiner Firma Mühle-Gunz. Von seinen drei Kindern arbeitete die Tochter Gertrud später ebenfalls viele Jahre in der Gemeindevertretung mit. 22. Julius Amann 1957-1960 Bild 13: Sanierte Schule und Spritzenturm 1958 Geb. 22.7.1888, gest. 9.5.1971 Auf ungewöhnliche Art hatte also der allseits sehr beliebte Postmeister Amann, der schon bisher Standesbeamter gewesen war, noch im Alter von 69 Jahren die Bürde des Bürgermeisteramtes auf sich genommen. Amann stammte aus Rankweil und war nach vielen Dienstjahren bei der Post in Hohenweiler 1925 nach Wolfurt gekommen, weil dem Postmeister hier in der "Post" eine Wohnung für seine große Familie zur Verfügung stand. Das Haus gehörte der Gemeinde. Amanns bewohnten den ersten Stock über dem ebenerdigen Postamt. Den zweiten Stock hatten die Krankenschwestern für sich. Zur Familie Amann zählten neben Vater Julius und Mutter Hedwig, geborene Feurle aus Krumbach, neun jetzt schon erwachsene Kinder, eine Tochter und acht Söhne. Von den Söhnen waren Karl und Erich im Krieg gefallen. Die meisten anderen hatten Wolfurt verlassen. Die Tochter Erna hatte mit dem Nachbarn Edelbert Köb eine Familie in Bludenz gegründet. Ihr Sohn Edelbert ist später Mitbegründer und erster Leiter des Kunsthauses Bregenz geworden. In seiner Freizeit war Amann Schütze und Jäger. Viele ehemalige Schüler erinnern sich noch an die großen Käfige hinter dem Bild 14: Bürgermeister Julius Amann 21 worden. In die Volksschule schulten über 50 Erstkläßler ein. Ab jetzt mußten Parallelklassen geführt werden. Bei den GV-Wahlen von 1955 hatte die ÖVP zum ersten Mal unter diesem Namen kandidiert und 15 von den jetzt 24 Mandaten erhalten. Die Unabhängigen bekamen 6, die SPÖ 3 Mandate. Eines dieser drei besetzte als erste Frau in der Wolfurter Gemeindestube Anna Fischer (Stöoglars). Innerhalb der ÖVP hatten die Wähler stark umgereiht Die "alten" waren zurückgefallen, junge "Studierte" machten ihnen die Plätze streitig. Trotzdem war Alfons Gunz noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden. In der Folgezeit kam es aber zu vielen Reibereien innerhalb seiner Fraktion. Am 1. Oktober 1956 legte Gunz deshalb sein Amt nieder. Der junge Erste Gemeinderat Dr. Georg Herburger sollte sein Nachfolger werden. Am gleichen Tage verunglückte dieser aber auf der Heimfahrt aus Deutschland zur entscheidenden Sitzung 20 Rankweil. Nach dem Tod seiner Frau Hedwig betreute ihn Frau Paulina Gorbach aus Wolfurt noch viele Jahre lang. In seinem Geburtsort Rankweil ist Julius Amann 1971 gestorben und unter großer Anteilnahme der Wolfurter Bevölkerung begraben worden. 23. Hubert Waibel 1960-1985 Geb. 6.11.1922, wohnt in Wolfurt-Kella Die Vorbereitung der GV-Wahlen von 1960 führte zunächst zu Auseinandersetzungen innerhalb der Wolfurter ÖVP Man suchte einen jungen dynamischen Spitzenkandidaten und stieß dabei auf den 38jährigen Hubert Waibel. Dieser stellte sich der ÖVP als Quereinsteiger zur Verfügung und errang mit ihr auf Anhieb 16 der 24 GV-Mandate. Als Vizebürgermeister stand Hubert Mohr an seiner Seite. Die beiden ersten Ehrenbürger: Bild 15: Pfarrer Joh. Gg. Sieber 1901 Bild 17: Bürgermeister Hubert Waibel Bild 16: Prof. Dr. Lorenz Böhler 1957 Garten der Post, wo er gefangene Marder hielt. Nun tauschte er also das freie Jägerleben im Interesse der Dorfgemeinschaft gegen ein zermürbendes Kanzlei-Dasein ein. Am meisten beschäftigten ihn die vielen Bauverhandlungen für immer noch mehr Einfamilienhäuser. Um 35 Prozent stieg die Bevölkerung in diesem Jahrzehnt auf 3391 im Jahre 1961. Jetzt zwangen die vielen Schulkinder im Jahre 1958 die Gemeinde zum Anbau von vier Klassen an das neue Stiegenhaus. Am 3. Mai 1959 wurde die "Heimkehrer-Siedlung" im Neudorf eingeweiht. Im Juni 1957 hatte Bürgermeister Amann an Dr. Böhler die Ehrenbürger-Urkunde überreicht. Böhler war nach Pfarrer Sieber im Jahre 1901 erst der zweite Wolfurter Ehrenbürger. Der weltberühmte Unfall-Chirurg hat später für die Wolfurter Schüler den begehrten Böhler-Preis gestiftet. Im September 1957 kam Gebhard Willi, der bisherige Kaplan von Egg, vorerst als Pfarr-Provisor nach Wolfurt. Eineinhalb Jahre leitete Amann seine Gemeinde "provisorisch". Ein eigens vom Landtag beschlossenens Gesetz ermöglichte am 21. September 1958 eine Volksabstimmung über ihn. Von 91 Prozent der Wähler erhielt er Zustimmung. Damit war er der erste und einzige Volkswahl-Bürgermeister in Vorarlberg geworden. Amann dürfte erleichtert gewesen sein, als er bei den Wahlen von 1960 sein Amt wieder zurücklegen konnte. Bald danach übersiedelte er in sein Elternhaus nach 22 Beide sahen in einer völligen Umstrukturierung der Gemeinde ihre wichtigste Aufgabe. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft und der Erschließung der dadurch frei gewordenen Baugründe war Wolfurt eine finanzschwache Zuzugs- und Wohn-Gemeinde geworden. Schon konnte die Schule die Schulkinder nicht mehr fassen. Eine unglaubliche Geburtenrate von 31,6 auf Tausend (1960: 105 Geburten bei 3391 Einwohnern!) deutete auf eine kommende Bevölkerungs-Explosion hin.'' Daraus mußten gewaltige Ausgaben im Straßen-, Wasser-, Kanal-, Schul- und Siedlungsbau erwachsen. Das würde die Wolfurter Finanzen ganz sicher überfordern! Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Wolfurt pendelten in die Nachbargemeinden aus. Große Busse voll wurden täglich in die Dornbirner Fabriken geholt. Nur wenig vom SteuerErtrag der andernorts wachsenden Industrie floß in die Gemeindekasse. Schon in seinem ersten Jahr als Bürgermeister gelang es Hubert Waibel. mit Pawag und Roylon zwei große Firmen auf den Achwuhr-Gründen anzusiedeln. Damit leitete er, unterstützt von der Expansion der Rickenbacher Firma Doppelmayr, für Wolfurt den Weg zur Industrie-Gemeinde ein. 25 Jahre lang hat er mit der Ansiedlung weiterer Betriebe konsequent diese Richtung beibehalten. Die steigenden Steuer-Einnahmen machten Wolfurt zu einer finanzstarken Gemeinde und erlaubten schließlich große Investitionen für Gemeinde, Schulen und Vereine. Als "Architekt des modernen Wolfurt" hat später sein Nachfolger den Bürgermeister Hubert Waibel bezeichnet. 23 Neben der Ansiedlung von Betrieben mußten ständig Schulen gebaut werden. Zwei Jahrzehnte lang wurde dafür jeweils ein Drittel des Gemeinde-Budgets bereit gestellt: 1962 Hauptschule mit Turnhalle 1967 Volksschule Bütze mit Kindergarten 1971 neue Hauptschule mit zweiter Turnhalle 1976 Volksschule Mähdle mit Kindergarten 1984 Hofsteig-Sporthalle zur Hauptschule. Gegen großen Widerstand der Behörden hatte Wolfurt 1961 die Errichtung einer Hauptschule durchgesetzt. Unter Direktor Hans Vogl wurden hier bald auch die Schüler aus Buch, Bildstein und Schwarzach unterrichtet. Bei der Hauptschule wurde ab 1964 ein Kindergarten geführt, erstmals wieder seit der NS-Zeit. Ab 1965 baute hier Direktor Aldo Kremmel sogar eine Musikschule auf, die allererste in einer Vorarlberger Landgemeinde. Eine besonders wichtige Entscheidung war der 1964 erfolgte Ausbau der "unteren" Straße zur Hauptdurchzugsstraße. Mit dem Aushub wurde das früher als Müll-Deponie verwendete Vorland der Ach so saniert, daß später dort ein großer Kinderspielplatz und der Bauhof Platz fanden. Die Wahlen von 1965 bestätigten den neuen Kurs eindrucksvoll mit 19(!) von 24 Mandaten für die ÖVP. Für die neuen Strukturen war der Bau eines eigenen Gemeindehauses notwendig geworden. 1967 konnten das Rathaus und das angebaute Postamt bezogen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Totenkapelle eingeweiht, ein sichtbares Zeichen für die vielen inneren Veränderungen im Leben der Gemeinde.10 1972 folgte der Neubau eines großen Feuerwehrhauses. Alle die vielen Wolfurter Vereine konnten jetzt großzügig gefördert werden. Die Schützen bezogen 1975 ihren schönen Schießstand an der Ach, der Alpenverein 1980 seine "Alte Schmiede" im Holz. Turner, Ringer und Fußballklub erhielten neue Trainingsstätten. Als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde wurde das Vereinshaus mehrmals verbessert. An der Ach, an der Lerchenstraße, am Martinsweg, im Kessel, auf dem Rebberg und an der neuen Bildsteiner Straße entstanden große Siedlungen, zum Teil mit Wohnblocks und Hochhäusern. Die Gendarmerieposten von Kennelbach und Schwarzach wurden 1977 mit dem neu errichteten Posten Wolfurt vereinigt. 1979 konnte das Seniorenheim an der Lauteracher Straße eröffnet werden. Jahrhunderte lang hatte die Gemeinde mit wenigen Versorgungsplätzen im "Leprosenhaus" in Bregenz das Auslangen gefunden. Die Veränderung der Familienstruktur, die Abkehr von der bäuerlichen Großfamilie, machte die Betreuung der alten Menschen zu einer ständig wachsenden Aufgabe. Alle diese vielen Veränderungen wurden aber von zwei Jahrhundert-Problemen in den Schatten gestellt, von Güterbahnhof und Autobahn. Mehr als zehn Jahre lang beschäftigten sie den Bürgermeister und die Gemeindevertretung. Die unterschiedlichen Planungen rissen Klüfte vor allem gegenüber Bregenz 24 Bild 18: Der Güterbahnhof 1993. Gewaltige Gleisanlagen beanspruchen riesige Flächen und Hard auf, sie entzweiten aber auch die Gemeindebürger., Mit dem neuen Flächenwidmungsplan hätte eine "Dörfer-Straße" den Durchzugsverkehr von Schwarzach, Lauterach und Wolfurt aufnehmen sollen. Der lange Kampf gegen die Autobahn ging trotz Vorsprachen in Wien und Demonstrationen verloren. Jetzt mußte für ihr breites Band eine ganze Reihe von neuen Häusern abgebrochen werden. Immerhin hatte Wolfurt den Bau von Schutzdämmen und Verbindungsbrücken erreicht. Im Jahre 1980 wurde die Autobahn durch den Pfänder-Tunnel und durch Wolfurt in Betrieb genommen. Das Abgehen von einer Schweiz-nahen Trasse und der Verzicht auf die Dörferstraße hatten schwerwiegende Folgen. Bregenz und Hard und der internationale Verkehr rufen seither nach einer Transit-Autobahn in die Schweiz. Jn Wolfurt und in Lauterach sind viele Wohnungen an den Hauptstraßen verödet. Die Auslagerung des Bregenzer Güterbahnhofs brachte einen schmerzhaft großen Eingriff in das kostbare Wolfurter Ried mit sich. In zwölfjähriger Bauzeit wurde von 1970 bis 1982 mit ungeheurem Kostenaufwand der größte Güterbahnhof West-Österreichs errichtet. Die Eröffnung nahm 1982 Bundeskanzler Bruno Kreisky vor. Beim Güterbahnhof und seinen Container-Kranen siedelten sich u.a. das zentrale UmleitePostamt für Vorarlberg, ein Groß-Zollamt und zahlreiche Speditionen an. Das anschließende Gewerbegebiet stärkt mit zahlreichen Arbeitsplätzen die Wirtschaftskraft der Gemeinde. Die überregionale Bedeutung des Güterbahnhofs war ausschlaggebend dafür, daß Wolfurt über Antrag von Bürgermeister Waibel ab 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erklärt wurde. Bei den zahlreichen Festen und Ausstellungen zu diesem Anlaß gelang es dem Bürgermeister durch seinen persönlichen Einsatz, eine Kopie des von Legenden umwobenen "Wolfurter Kelchs" von 1365, der im Schweizer Staatsschatz 25 Bild 19: Markterhebung! Die Urkunde zum 1. Mai 1982 aufbewahrt wird, zu erwerben. Nachhaltig hat er damit das Geschichtsbewußtsein von Wolfurt beeinflußt. Auf kulturellem Gebiet dürfen der Neubau des Kultursaals und der Bücherei 1982 nicht vergessen werden. Auch der Bau des 1985 eröffneten Pfarrheimes war von der Gemeinde maßgeblich unterstützt worden. Unter Mitverantwortung von Gemeinderat Pompl wurde das Wasserwerk mit einem modernen Pumpwerk an der Wälderstraße und einem riesigen Hochbehälter im Frickenesch völlig erneuert und 1983 eingeweiht. Längst hatte die Kanalisierung zu einer gemeinsamen Groß-Abwasserreinigungsanlage mit Lauterach und Hard in Hard geführt, an welche sich später noch andere Gemeinden des unteren Rheintals anschlossen. Eine Krönung für des Bürgermeisters erfolgreiche Arbeit für die Sportvereine war die 1984 erfolgte Eröffnung der Hofsteig-Sporthalle, die seither bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen unserer Gemeinde viel Anerkennung eingetragen hat. Daß Hubert Waibel auch Rückhalt bei anderen Vereinen hatte, zeigen seine Obmannschaft bei Gesangsverein und Kneippverein. Bei der Feuerwehr wurde er Ehrenmitglied und von den Schützen erhielt er die Goldene Ehrennadel. Aber natürlich hatte der Bürgermeister bei seinen vielen Aktivitäten auch Kritiker, vor allem solche in der eigenen Partei. Manchen aus den konservativen Reihen ging das Wachstum zu schnell. 26 Sehr häufig wechselten die Vizebürgermeister, einige davon wurden durch Krankheit oder plötzlichen Tod abberufen. Weil die insgesamt sieben Vizebürgermeister an seiner Seite auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Gemeinde hatten, seien hier wenigstens ihre Namen festgehalten: Hubert Mohr ab 1960, Dr. Adolf Schwärzler ab 1962, Dr. Richard Hinteregger ab 1963, Otto Gratt ab 1970, Dr. Gerhard Hammer ab 1975, Heinrich Beuchert ab 1980 und Helmut Schertler 1983 bis 1990. Schon 1966 hatte die Gemeinde den neu geschaffenen Ehrenring an die beiden Krankenschwestern Sr. Epiphania (Härle) uns Sr. Theodora (König) verliehen. Beide hatten viele Jahre lang Kranke und Sterbende betreut. 1976 erhielt mit Hubert Mohr ein Gemeindemandatar mit vielerlei Verdiensten um die Dorfgemeinschaft den Ring. Schließlich wurde er 1983 auch an Pfarrer Gerbhard Willi für sein langjähriges Wirken in Wolfurt vergeben. Als Waibel 1985 seine fünfte Periode als Bürgermeister abschloß, hatte er dieses Amt 25 Jahre und damit weitaus am längsten innegehabt. Darüber hinaus hatte er von 1964 bis 1984 zwanzig Jahre lang erfolgreich im Landtag mitgewirkt, davon ab 1974 als Obmann des wichtigen Rechtsausschusses. Das Land zeichnete ihn mit dem Silbernen Ehrenzeichen aus. Ab 1970 war Waibel Vizepräsident und ab 1974 Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes. Der Verband erkannte seine Arbeit 1985 mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten an. Auch als Delegierter zum Österreichischen Gemeindebund in Wien hatte Waibel viele Jahre lang erfolgreich die Interessen der Gemeinden vertreten. Das würdigte der Gemeindebund 1986 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Kein Wolfurter hat je so hohe politische Funktionen ausgeübt, keiner mußte je solche Verantwortung in einer sprunghaft wachsenden Gemeinde tragen. Im Jahre 1960 hatte er ein Bauerndorf mit 3391 Einwohnern übernommen. In den zehn Jahren bis zur Volkszählung 1971 stieg die Zahl auf 5732. Das war mit unglaublichen 69(!) Prozent der allerhöchste Zuwachs in ganz Vorarlberg gewesen, der erst durch "Pillenknick" und "Ölschock" um 1970 deutlich abflachte. Im Jahre 1985 konnte der Bürgermeister an seinen Nachfolger eine blühende Marktgemeinde mit 6600 Einwohnern übergeben, dazu noch beachtliche finanzielle Rücklagen zur Lösung weiterer Aufgaben. Stets hatte der Sparmeister ja das Notwendige und das Nützliche im Auge gehabt, das "Angenehme" dagegen erst auf den dritten Platz gereiht. So waren zum Beispiel mustergültig mit modernsten Lehrmitteln ausgestattete Schulen entstanden, zum Eislaufen und ins Hallenbad führte man die Schüler dagegen in die benachbarten Städte. Für seine Verdienste ernannte die Gemeindevertretung Hubert Waibel zum Ehrenbürger der Marktgemeinde. Am 26. Oktober 1992 überreichte Bürgermeister Erwin Mohr dem "Architekten des modernen Wolfurt" die Urkunde. Zu hohen Ehren hatte es der Sohn aus einer einfachen Familie gebracht. Sein Vater Johann Waibel stammte aus Ebnit und war mit einigen Geschwistern nach dem Ersten Weltkrieg nach Wolfurt zugezogen. Hier hatte er Wilhelmine Müller, Seogars 27 aus Rickenbach, geheiratet. Sechs Kinder wurden ihnen geboren, von denen Hubert das älteste war. In der Not der Zwischenkriegszeit wuchsen sie in bescheidenen Verhältnissen in verschiedenen Mietwohnungen auf. Auf den Besuch der Handelsschule in Lustenau folgten für Hubert bald Kriegseinsatz und Gefangenschaft. Nach einer Anstellung im Büro der Stickereifirma Franz Mäser in Dornbirn übernahm er die Kaufmännische Leitung der Mohren-Brauerei. Von dort holte ihn die Gemeinde Wolfurt als Bürgermeister. Im Sommer 1954 hatte er Inge Jordan aus Dornbirn geheiratet und bald mit ihr sein Einfamilienhaus im Kella bezogen. Fünf Töchter sind dort aufgewachsen. Der rüstige Großvater lebt aber keineswegs im "Ruhestand". Als Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirats kümmert er sich um die Anliegen der alten Leute. Seine Fahrten nach Wien lassen sich jetzt aber auch manchmal mit Besuchen in Oper oder Theater verbinden. Dazwischen führt ihn sein lange Zeit unterdrücktes Fernweh auf KulturReisen in die weite Welt hinaus. 24. Erwin Mohr seit 1985 Geb. 25.6.1947 Die anhaltente Expansion der letzten Jahrzehnte hatte auch ihre Schattenseiten. Straßen- und Siedlungsbau hatten viel Boden gefordert, der Verkehr war zur Belastung geworden. Viele Bäche und Brunnen waren verschwunden. Waldsterben und Wasserverschmutzung schreckten die Menschen auf. An vielen Orten entstanden Bürgerbewegungen, die sich vor allem gegen neue Straßen und den Massenverkehr wehrten. Zur GV-Wahl von 1985 suchten die Verantwortlichen daher einen Kandidaten, der dieser Entwicklung Rechnung tragen sollte. Im 38jährigen Erwin Mohr fanden sie einen tatkräftigen Mann, dem sie das schwere Amt anvertrauen wollten. Wieder sollte ein Quereinsteiger die Gemeinde führen. Mit 19 von 27 Mandaten erhielt die stark verjüngte ÖVP in Wolfurt wieder ihre frühere Zweidrittel-Mehrheit. Die vom Gegenkandidaten Gemeinderat Pompl angeführte SPÖ errang mit 7 Sitzen ihr bisher bestes Ergebnis. Dagegen fiel die FPÖ auf ein einziges Mandat zurück. In den folgenden Jahren konnte Bürgermeister Mohr die Hoffnungen der Wolfurter Wähler so weit erfüllen, daß er mit seiner Partei 1990 sogar noch auf 20 Mandate zulegen konnte und auch später ähnlich hohe Ergebnisse erreichte. Erwin Mohr war als ältestes von sechs Kindern der Eheleute Siegfried Mohr und Elsa Klocker in Wolfurt-Hub aufgewachsen. Sowohl die Mohr als auch die Klocker sind alte Dornbirner Geschlechter, deren Nachkommen seit 1700 in Wolfurt seßhaft sind und sich hier in zahlreiche Linien aufgespaltet haben. Nach dem Besuch der Handelsschule in Bregenz trat der 16jährige Erwin in die "Erste Allgemeine VersicherangsA.G." in Bregenz ein und arbeitete dort 21 Jahre lang im Innen- und im Außendienst. Daneben leitete er zusammen mit seiner Mutter Elsa zehn Jahre lang die Aral-Tankstelle in Wolfurt-Schlatt. 1979 heiratete er Albine De Gasperi aus Dornbirn und be28 zog mit ihr wenige Jahre später das neu erbaute Einfamilienhaus an der Unterhubstraße. Dort wachsen jetzt die drei Söhne heran. Im Jahre 1985 übernahm Erwin Mohr also von Hubert Waibel das Bürgermeisteramt. Im gleichen Jahr ergaben sich in Wolfurt noch andere wichtige Wechsel. In der Pfarrei folgte nach 28 Jahren auf Pfarrer Gebhard Willi der bisherige Kaplan German Amann. Nach 29 Jahren verdienstvollen Wirkens überließ der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider die Ordination seinem Sohn Dr. Gerold Schneider. Schließlich übergab auch noch Dir. Hans Vogl die Leitung der Hauptschule, die er 24 Jahre lang innegehabt hatte, an Siegfried Heim. Ein Jahr später übernahm 1986 Dr. Sylv Schneider von August Geiger das Amt des Gemeindesekretärs, das dieser seit 1952 ausgeübt hatte. Bild 20: Bürgermeister Erwin Mohr Schon das erste Konzept des neuen Bürgermeisters ließ aufhorchen. Es enthielt neben der Fortsetzung des erfolgreichen bisherigen Kurses neue zusätzliche Ziele: "Grundreserven sparen", "Ortskern-Gestaltung", "Wander- und Radwege", "FreizeitBewältigung" und andere. Natürlich mußten weiterhin zahlreiche Häuser gebaut werden. Der neue Trend zur Klein- und Einpersonen-Familie erhöhte den Bedarf und ließ schließlich sogar weitere Groß-Siedlungen an der Unterlinden- und an der Fattstraße entstehen. Die Einwohnerzahl stieg aber nur mehr langsam auf 7326 im Jahre 1991 und auf 7864 im Jahre 2001 an. Jetzt war Wolfurt von der Nachbargemeinde Lauterach, die 1971 noch hinter Wolfurt gelegen war, um mehr als 800 Personen überholt worden. Auch der Zuzug von fremdsprachigen Gastarbeiter-Familien aus Jugoslawien und der Türkei hatte nachgelassen. Immerhin hatten sie eine Zeit lang mit fast 20 Prozent der Wohnbevölkerung den Schulen besondere Aufgaben gestellt. Zahlreiche neue Betriebe ließen sich nieder. Das Straßennetz wurde nur mehr behutsam erweitert, an manchen Stellen sogar zugunsten von Radfahrern und Fußgängern zurückgebaut. Mit hohem Einsatz bekämpfte Bürgermeister Mohr unermüdlich die drohende Auto-Transitstraße S 18 durch das Ried. Er diskutierte mit den GemeindeVerantwortlichen die Umwelt-Empfehlungen des "Club of Rome" und die Auswirkungen der Tschernobyl-Atomkatastrophe von 1986. 29 Bild21:Der Cubus. Der neue Festsaal von 1998 Bild 22: Der Dorfbrunnen von 1999 Im Informationsdienst der Gemeinde häuften sich jetzt Artikel über Einsparung von Rohstoffen und Energie, Müll-Trennung, Solar-Anlagen, Ozonloch, Waldwoche, Tag des Wassers und ähnliche Anliegen. Große Unterstützung fanden die Bemühungen der "3. Welf'-Gruppe. Sie führten sogar zu einer Partnerschaft mit dem Ort Yerya in Uganda und zu gegenseitigen Besuchen. Zur besseren medizinischen Versorgung ließen sich neben den drei praktischen Ärzten auch drei Fachärzte nieder. Drei neue Kindergärten und mehrere neue Spielplätze wurden gebaut. Weil immer mehr Mütter einem Beruf nachgehen, wurden jetzt auch Spielgruppen für Kleinkinder eingerichtet. Die Altersstruktur der Gemeindebürger veränderte sich nachhaltig. Immer mehr Leute erreichen ein immer höheres Alter. Für viele betagte Mitbürger ist seit 1996 der "Rollende Essenstisch" eine wichtige Erleichterung. Das Seniorenheim wurde durch einen Erweiterungsbau 1993 beträchtlich vergrößert und hat nun 52 Betten. Seit 1987 finden Behinderte in der "Beschützenden Werkstätte" im ehemaligen Textilhaus Rohner Unterkunft und Betreuung. 1989 wurde auf Bühel-Terrassen ein dritter Friedhof angelegt. Einen schwierigen Kampf hatte die Gemeinde gegen das Vordringen von Super-Märkten geführt, besonders gegen den Bau eines riesigen Einkaufsparks im Ried. Statt dessen wurden der einheimische Einzelhandel unterstützt und eine ganze Anzahl von Handelsgeschäften neu angesiedelt. Im Kirchdorf wurde auf dem Dach einer Tiefgarage der "Rote Platz" gestaltet, auf welchem seit 1997 wöchentlich ein Markttag abgehalten wird. Die mühsame Sanierung des alten vernachlässigten Dorfkerns am Fuß der Kirche kam Schritt für Schritt voran. 1994 wurde mit dem "Alten Schwanen" das älteste Gasthaus am Dorfplatz wieder belebt. Seit 1999 sprudelt sogar der aus dem Jahre 1517 stammende Dorfbrunnen wieder Wasser. Der große Ippach-Wald wurde durch den Einsatz von Alt-Vizebürgermeister Helmut Schertler mit neuen Waldstraßen erschlossen, die auch als Wanderwege geschätzt werden. 30 Mit dem "Cubus" eröffnete die Gemeinde 1998 einen großen Festsaal, der dem kulturellen Leben Auftrieb gibt und auch von auswärtigen Veranstaltern gerne genutzt wird. Zwanzig Jahre lang war um eine Saal-Lösung gerungen worden. Nun blieb das alte Vereinshaus erhalten, unmittelbar daneben fand der neue Saal Platz. Der zukünftigen Entwicklung des Gemeinde-Zentrums Strohdorf trägt auch der 1990 erfolgte Ankauf des Sternen-Areals Rechnung. Die Marktgemeinde Wolfurt erhielt überregionale Anerkennung mit dem Dorferneuerungspreis 1999 des Landes Vorarlberg und sogar mit dem internationalen Europa-Dorferneuerungspreis 2000. Aus der Fülle weiterer Anerkennungen seien nur genannt: 1991 "Energie sparen" 1994 "Fahrradfreundliche Gemeinde" 1995 und 1998 "Für Schutz des globalen Klimas" 1996 "Menschengerechtes Bauen" 1997 "Familiengerechte Gemeinde". 1999 Sieger im Wettbewerb der Vlbg. Energiespargemeinden An der Seite des Bürgermeisters hatten bei dieser Entwicklung neben einer aufgeschlossenen Gemeindevertretung die Vizebürgermeister Helmut Schertler bis 1990, Xaveria Dür 1990 bis 1998 und Ferde Hammerer ab 1998 maßgeblich mitgewirkt. Xaveria Dür war in Wolfurt die erste Frau als Vizebürgermeisterin. Man darf es wohl als Zeichen des guten Einvernehmens werten, daß 1997 der Ehrenring an zwei ehemalige Vorsitzende der beiden kleinen Parteien verliehen wurde. Theo Pompl von der SPÖ hatte sich vor allem um das Wasserwerk Verdienste erworben. Ernst Kögl von der FPÖ hatte viele Jahre lang den Verkehrsverein geleitet und sich auf verschiedenen Gebieten für Rickenbach eingesetzt. Schon 1992 hatte die Gemeinde zwei geachtete Persönlichkeiten zu ihrem dritten 31 Drei ganz große Probleme sind in den kommenden Jahrzehnten zu bewältigen: die Stärkung der Familie die Fürsorge für die betagten Menschen und die Integration von fremden Zuwanderern. Mit dem Jahr 2000 schließe ich die Berichte über zwei Jahrhunderte Wolfurter Gemeinde-Geschehen ab. Unsere Marktgemeinde kann voll Optimismus in das dritte Jahrtausend gehen. Zwar trägt sie auch ihren Anteil an den Sorgen und Lasten unserer Zeit, aber für die meisten Mitbürger ist sie ein wunderschönes Stück Heimat geblieben oder geworden. Wir schätzen unsere Häuser, die Gärten, die Wiesen und den Wald. Wir sind dankbar, daß es bei uns Arbeit und Verdienst gibt, und freuen uns über den Zusammenhalt in den Familien, Vereinen und in der Gemeinde. 1 2 W., 7.2.1929 Weber, NS-Herrschaft am Land, 1999, S. 216 3 Diese und manche der folgenden Formulierungen stammen aus Akten im GA Wolfurt. 4 5 Dritter und vierter Wolfurter Ehrenbürger: Bild 23: Bürgermeister Hubert Waibel 1992 Bild 24: Senator Dr. Artur Doppelmayr 1992 und vierten Ehrenbürger ernannt: Hubert Waibel erhielt die höchste Gemeinde-Auszeichnung für seine außerordentlichen Verdienste als Langzeit-Bürgermeister. Artur Doppelmayr hatte seinen Schilift-Betrieb zu einer Weltfirma ausgeweitet und damit gute Arbeitsplätze für viele Wolfurter geschaffen. Das neue Gemeindegesetz von 1999 sah für das Jahr 2000 zum ersten Mal Bürgermeister-Direktwahlen vor. Von rund 7600 Gemeindebürgern waren am 2. April 5065 wahlberechtigt. Von 4026 gültigen Stimmen lauteten 3341 auf den nun schon 15 Jahre amtierenden Bürgermeister Erwin Mohr. Mit 83,0 % war das ein überzeugender Vertrauensbeweis. Für Artur Schwarzmann und Andreas Blum als Kandidaten der beiden kleinen Parteien verblieben nur je 8,5 Prozent. Bei den gleichzeitig angesetzten GV-Wahlen erhielt die ÖVP 70,5 Prozent der 3967 gültigen Stimmen und damit 20 von den 27 Mandaten. Die SPÖ bekam mit 15,9 Prozent 4 Mandate und einen Sitz im Gemeinde-Vorstand. Für die neu formierte FPÖ gab es 13,6 Prozent und 3 Mandate. Unter den gewählten Gemeindevertretern befinden sich insgesamt fünf Frauen. Alle diese Frauen und Männer haben also die Verantwortung für die Entwicklung von Wolfurt am Beginn des neuen Jahrhunderts übernommen, für die soziale und wirtschaftliche Sicherheit ebenso wie für unsere Landschaft und für die kulturellen Werte. 32 VV„ 13.6.1938 Heim in Heimat Wolfurt, Heft 3, 1989, S. 32, Der letzte Krieg, und Reis in Heimat Wolfurt, Heft 17, 1996, S. 9, Nachkriegsjahre. 6 Malin-Gesellschaft, Von Herren und Menschen, S. 312 7 Wie 6., S. 334, 364 und 371. 8 Mehr über diese Zeit in Heft 17: Nachkriegsjahre 9 Die Geburtenrate erreichte 1963 mit 33 auf Tausend ihre Rekordmarke: 123 Geburten bei 3904 Einwohnern! 10 Siehe dazu den Bildband von Hubert Mohr, 1994: Wolfurt; Ein Dorf verändert sich 33 Siegfried Heim Siegfried Heim Gemeindewahlen in Wolfurt 1950-2000 Die Roten in Wolfurt Am 1. Mai 1890 sammelten sich in vielen Industriestädten erstmals die Arbeiter mit roten Nelken um ihre roten Fahnen. In einem Festzug demonstrierten sie zu ihrem "Tag der Arbeit". Von jeher war "Rot" als Farbe des Blutes auch die Farbe der Fahne des Sozialismus gewesen. Reich und arm, Prasser und Lazarus, Kapitalistische und Dritte Welt - schreckliche Gegensätze weltweit! Auch wenn wir sie im Wohlfahrtsstaat gemildert sehen. Auch wenn wir den Zusammenbruch des Sowjet-Sozialismus noch vor Augen haben! Seit dem Mittelalter gab es bei uns im Gericht Hofsteig eine vernünftige Frühform des Kommunismus, die sich jahrhundertelang bewährte. In den Dörfern gehörte allen alles gemeinsam. Die Arbeit und die gemeinsame Ernte wurden geteilt, auch Alte und Waisenkinder mitversorgt. Freilich gab es schon eine Oberschicht in den Schlössern und Klöstern, die ihren Anteil einforderte. Als diese Steuerlast in den Notzeiten um 1700 unerträglich groß wurde, wehrten sich die "Gemeinen" in einem Aufruhr dagegen.1 Die "Gemeinen" - wohl die ersten Sozialisten! Denn "sozial" heißt wörtlich "gemeinschaftlich" und "kommunistisch" bedeutet das gleiche. Bis in das 20. Jahrhundert unterschied man die beiden Begriffe nicht. Die Industrialisierung hatte im 19. Jahrhundert die Kluft zwischen Reich und Arm erschreckend weit geöffnet. Karl Marx rief jetzt mit seinem "Kommunistischen Manifest" zu Klassenkampf und Revolution auf. Bei uns im Land gehörten der Dichter Franz Michel Felder und sein Schwager Kaspar Moosbrugger zu den ersten, die sich 1867 mit der Gründung der "Vorarlbergischen Partei der Gleichberechtigung" für die kleinen Bauern und die Arbeiter einsetzten. Mit ihren "Casinos" traten ab 1868 auch die "Schwarzen" auf den Plan. Die Leute um Thurnher, Kohler und den Wolfurter Lehrer Wendelin Rädler2 stürzten in einer sanften Revolution 1870 die Vorherrschaft der kapitalistischen Liberalen im Land. Mit der Verwirklichung ihrer sozialen Ideen sorgten sie dafür, daß seither der Sozialismus in unserem Industrieland nur schwer Fuß fassen kann. In Wien hatte Viktor Adler 1889 die verschiedenen marxistischen Gruppen in der "Sozialdemokratischen Arbeiter-Partei" (SDAP) zusammengeschlossen. Auch in Vorarlberg gab es damals schon Sozialisten. Aber erst 1899 gelang ihnen die Organisation einer eigenständigen Partei. Diese wurde allerdings fast nur von "Fremdhäßigen" geleitet, von zugewanderten Arbeiterführern, die im konservativen Vorarlberg mit Mißtrauen beobachtet wurden. Nur Hard bildete die große Ausnahme. Schon 1894 waren dort zwei Sozialisten in die Gemeindevertretung gewählt worden, die allerersten in Vorarlberg. Von alteingesessenen Handwerkern und Stickern getragen gründete die SDAP Hard zahlreiche 35 Nach 1929 wurden im Jahre 1950 zum ersten Mal wieder demokratische Gemeindevertretungs-Wahlen durchgeführt, seither regelmäßig alle fünf Jahre. Von den kandidierenden Parteien erreichte die ÖVP, die sich bei der ersten Wahl 1950 noch Allgemeine Wählerschaft genannt hatte, jeweils die absolute Mehrheit an Stimmen und Mandaten. Sie stellte daher auch immer den Bürgermeister. In vergleichbaren Nachbargemeinden war das häufig ganz anders. Offensichtlich waren die Wolfurter Wähler mit der Personal- und Sach-Politik der führenden Partei weitgehend einverstanden! Zweitstärkste Partei war bis 1975 die Unabhängige Wählerschaft, die sich 1965 Bürgerliche Wählerschaft und ab 1970 FPÖ nannte. Dritte Partei war in den ersten Wahlgängen die SPÖ. Sie überholte 1975 die FPÖ und hielt seither den zweiten Platz. Die nur selten kandidierende KPÖ konnte nie ein Mandat erreichen. Beachten Sie bitte bei der folgenden Aufstellung, daß wegen der gestiegenen Einwohnerzahl die Anzahl der Mandate von anfangs 21 schon 1955 auf 24 und 1975 schließlich auf 27 erhöht wurde. Ab einer Einwohnerzahl von 8000 werden vielleicht auch in Wolfurt schon bald 30 Mandate vergeben werden. ÖVP FPÖ SPÖ Zus. 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 13 15 16 «19 16 <19 18 <19 «20 < 19 «20 «7 6 5 3 5 3 3 >I >1 3 3 >1 3 3 2 5 6 «7 6 5 4 21 24 24 24 27 27 27 27 27 27 3 24 34 Vereine. Unter Nationalrat Hermann Hermann wurde sie 1924 die mandatsstärkste Partei. Mit Adolf Kölbl stellte das "rote" Hard 1947 erstmals in Vorarlberg einen sozialistischen Bürgermeister. Ganz anders in Wolfurt! Hier konnte erst 1945 ein einzelner "Roter" in der Gemeindestube Platz nehmen, und auch das nur unter dem Druck der französischen Militärbehörde. Der erste Versuch für eine sozialistische Organisation war in Wolfurt schon 1903 unter den über 200 Italienisch-sprechenden Trentiner Fabriksarbeitern gestartet worden.3 Vergeblich! Pfarrer Nachbauer konnte die meisten, darunter auch viele Sozialdemokraten, in seiner schwarzen "Societa Cattolica Operaia di Wolfurt e Kennelbach" in ein anderes Lager führen. Als ab 1906 das allgemeine und gleiche Wahlrecht für alle Männer - nur für diese! eingeführt worden war, hätten die Roten unter den bisher rechtlosen Wolfurter Fabriksarbeitern sicher auch Chancen gehabt. Es gelang ihnen aber nicht einmal, ein Gastlokal für eine Partei-Versammlung aufzutreiben. Eine solche hätte am Ostermontag 1908 im Adler in Rickenbach stattfinden sollen. Der Adler gehörte damals der Familie Huber von der Mohren-Brauerei in Dornbirn, deren "Mohren" damals das wichtigste Versammlungslokal der Dornbirner Sozialdemokraten war. Zur Versammlung hatte der Landessekretär der SDAP Ertl aus Dornbirn eingeladen. Über Initiative von Pfarrer Nachbauer und des Wolfurter Schulleiters Matthias Wächter, der noch im gleichen Jahr Landessekretär der Christlichsozialen werden sollte, war der Adlersaal schon lange vor Beginn gestopft voll mit schwarzen Wolfurtern. Sie wählten ein Präsidium mit Wachter als Vorsitzendem. Dieser begrenzte durch "einstimmigen" Beschluß die Redezeit auf zwanzig Minuten. Zwar protestierte der rote Sekretär Ertl. Er mußte aber unter dem johlenden Beifall der Anwesenden den Saal verlassen.4 Natürlich berichtete auch die sozialistische "Volkszeitung" in großer Aufmachung über die gescheiterte Versammlung. Hier ein paar Zitate daraus: "...sehr gut besucht, denn die Katholischen wurden vom Pfarrer in die Versammlung kommandiert.... zur Vorsicht haben sie Stecken mitgenommen .... Gelogen hat Herr Wachter, als er pathetisch in den Saal rief, daß auf dem Programm der Sozialdemokraten die freie Liebe stehe und die Männer die Weiber wechseln können, so oft es ihnen paßt ..." 5 Verleumdung also und Wahl-Terror! Ein Jahr später trafen sich die Sozialdemokraten von Bregenz, Lustenau und Dornbirn dann aber doch am 1. Mai 1909 im Adler in Rickenbach. Die Feier wurde von den Arbeitersängern aus Dornbirn festlich umrahmt. In seiner Rede gab Sekretär Ertl seiner Genugtuung Ausdruck, "daß es der Sozialdemokratie trotz des Terrorismus und dem Wirtschaftsboykott der Wolfurter Christlichsozialen gelungen sei, in dieser Gemeinde ein Lokal zu einer Versammlung zu bekommen." 6 Als der Lammwirt Gebhard Fischer 1910 den Adler gekauft hatte, schrieb das Volksblatt: "Hoffentlich wird auf Jahre hinaus diesen Weltverbesserern kein Lokal in Wolfurt mehr offenstehen!" 7 36 Dann aber kam der große Weltkrieg. Für einige Jahre schien der Parteienstreit unwichtig. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Mit Karl Renner stellten die Sozialdemokraten den ersten Kanzler. In Vorarlberg lagen sie aber weiterhin deutlich hinter den Christlichsozialen. Bei den NR-Wahlen vom 16.2.1919 durften zum ersten Mal auch die Frauen wählen. In Wolfurt wurden bei 878 gültigen Stimmen nur 122 (13,9 %) für die SD abgegeben, noch weit weniger als im Vorarlberger Durchschnitt von 21,8%. Der Wahl-Terror hielt an. Zur Vorbereitung der Landtagswahlen vom 27.4.1919 war den Sozialisten wieder jeder Versammlungssaal in Wolfurt verwehrt worden. Da wollten die Genossen Weißmann und Spindler aus Bregenz eine Woche vor der Wahl am Nachmittag des Ostermontag eine Versammlung unter freiem Himmel auf dem Kirchplatz abhalten. Sie sahen sich aber einer von den Christlichsozialen aufgebotenen großen Gruppe von Schulkindern und Jugendlichen gegenüber, die "mit Altarglocken, Kuhschellen, Trompeten, Karfreitagratschen und sonstigen Lärminstrumenten" jede Ansprache unmöglich machten. Als die Redner den Platz verließen, kam von hinten "ein Hagel von Steinen, Pferdemist und anderen Wurfgeschossen". Unter anstachelnden Zurufen der Erwachsenen "Jagt sie nur fort die Sozi!" wurden die Genossen bis zu St. Antone an die Lauteracher Grenze verfolgt. Als einen "Tag der Schande" für das Wolfurter Bürgertum bezeichnete die sozialistische Zeitung solche Vorkommnisse.8 Die GV-Wahlen wurden in Wolfurt vorerst immer mit Einheitslisten durchgeführt, auf denen Sozialisten gar keine Chance hatten. Einige Wolfurter Wahlergebnisse für Nationalrat und Landtag aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, wobei Sozialdemokraten und Kommunisten den übermächtigen Christlichsozialen gegenübergestellt werden. Die teilweise beachtlich großen Splittergruppen bleiben unberücksichtigt: Gültig NR 1919 NR 1920 NR 1923 878 (62,8%) CS SD 551122 (13,9%) KP 0 0 4 (0,4%) andere 205 94 186 830 915 (72,9%) 654 82 667 58 (6,3%) Also eine ständige Abnahme der SD-Stimmen! 37 CS LT 1928 NR 1930 714 702 SD 148 171 KP 0 1 andere .... (darunter NS 9) Nach dem Aufruhr und dem Brand des Justizpalastes 1927 in Wien hatten die SD starken Wählerzuwachs zu verzeichnen und erreichten ihr bisher bestes Ergebnis. CS LT 1932 693 SD 64 KP 40 (darunter NS 208!) Die letzten demokratischen Wahlen in der ersten Republik! Arbeitslosigkeit und Not der Wirtschaftskrise hatten die SD schwer erschüttert. Ihr linker Flügel war zur KP abgewandert, ein viel größerer Teil aber zur nun stark anwachsenden NSDAP. 1933 wurden KP und NSDAP verboten, 1934 auch die SD-Partei. Irrtümlich wurde vom Sicherheitsdirektor auch der Arbeiter-Turnerbund in Wolfurt aufgelöst, der seinen Namen von der Gründung durch den Katholischen Arbeiterverein herleitete. Die Turner mußten neue Statuten beschließen und sich ab jetzt "Turnerbund Wolfurt" nennen. Jede sozialdemokratische Tätigkeit schien erloschen zu sein. Nur wenige der Gesinnungsgenossen, darunter eine Gruppe um Johann Fischer und seine Frau Anna (Stöoglars an der Ach), trafen sich regelmäßig bei einem "Schuhplattler"-Verein in Kennelbach, wo bei als Ausflüge und Brauchtumsabende getarnten Veranstaltungen das Tagesgeschehen diskutiert wurde. Mitglied des sehr populären Vereins war auch Maria Österle, die Mutter des späteren Kommunisten Martin Österle. Dann Nationalsozialismus und Krieg. In Wolfurt ist kein Anzeichen sozialdemokratischen Widerstandes bekannt geworden. In Ansätzen scheint es solchen nur von christlichsozialer Seite und von der kleinen Gruppe der Kommunisten gegeben haben. Bild 25: Schuhplattler 1936 in Kennelbach. Hinter der Brauchtumsgruppe verbarg sich ein verbotener sozialistischer Verein. andere Die Sozial-Demokraten der SPÖ Nach 1945 wählten die Sozialdemokraten für ihre erneuerte Bewegung den Namen Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ). In Wolfurt fehlte ihnen vorerst jegliche Organisation. Im Mai 1945 bildeten daher vier ehemalige Angehörige der Vaterländischen Front zusammen mit einem Kommunisten den ersten provisorischen Gemeindetag. Als Karl Geiger auf Grund der Ergebnisse der Nationalratswahl vom 25. November 1945 sein Mandat zu Gunsten der SPÖ zurücklegte, übernahm Armin Schertler seinen Platz. Die SPÖ hatte landesweit 27 Prozent der Stimmen erhalten, die KPÖ dagegen nur 2,5 Prozent. Es dominierte mit 70 Prozent die ÖVP. Schertler stand der erst nach dem Krieg gebildeten "Widerstandsbewegung" nahe und war ganz bestimmt kein Marxist. 1947 wurden ohne eigene Wahlen Gemeindevertretungen nach den Ergebnissen der NR-Wahl von 1945 gebildet, die SPÖ sollte drei Plätze besetzen. Sie fand aber keine Arbeitervertreter. Neben Gemeinderat Schertler nominierte sie daher den "Wanderlehrer" Anton Gasser (Eulentobel) und den Bauern Kassian Schertler (Röhle). Gasser 39 38
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...1988_ Wolfurt 01.06.1988 19.11.2012, 18:34 Heft 1 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni/88 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Obwohl erst vor drei Monaten ein diesbezüglicher Aufruf an die Bevölkerung erging, hat sich in unserer Gemeinde bereits ein «Heimatkunde-Kreis» zusammengefunden und in intensiver Arbeit auch schon die erste Ausgabe einer heimatkundlichen Zeitschrift fertigstellt. Zu diesem sehr vielversprechenden Start in die Vergangenheit unseres Dorfes möchte ich mich bei allen, die daran mitarbeiten, besonders aber bei Direktor Siegfried Heim, herzlich bedanken. Ich bin überzeugt davon, daß das Kennenlernen und Verstehen unserer Vergangenheit ein entscheidender Schritt in die Zukunft sein kann. Somit wünsche ich unserem Heimatkundekreis viel Erfolg und darf die volle Unterstützung der Marktgemeinde in jeder Hinsicht zusagen. Ihr Bürgermeister Grüß Gott! Immer mehr Menschen aus unserem Ort, auch die Schulen und die Gemeinde, fragen wieder nach den Wurzeln und dem Wachsen unserer Gemeinschaft. Im Heimatkundekreis treffen sich Leute, die ihr eigenes Wissen mehren möchten, aber auch die Ergebnisse ihrer Forschungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Vorträge werden geplant und eine Zeitschrift soll Wissenswertes festhalten und verbreiten. Dieses erste Heft will mit einer Zeittafel ein paar Grundlagen vermitteln und vielleicht auch schon ein paar Fragen aufwerfen. Wir ersuchen unsere Leser um Stellungnahmen und Vorschläge, die wir gern nächstes Mal abdrucken. Darauf freuen sich schon alle Mitarbeiter. Siegfried Heim Inhalt: 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig (Heim) 2. Bauern und Fabrikler (Heim) 3. Franzosenkrieg 1800 (Volaucnik) Siegfried Heim DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Altertum: Um 10.000 v. Chr. Die letzte Eiszeit geht zu Ende. Am Ufer des Bodensees nimmt die Landschaft langsam ihre heutige Gestalt an. Rhein, Ach und Bergbäche schütten die Talsohle auf. Der Ippachwald bedeckt den Steußberg, noch lange Zeit reicht der Riedsumpf bis an den Kellahang. Um 500 v. Chr. Die keltischen Räter besiedeln das Land. 15 v. Chr. Die Römer erobern Vorarlberg. Am Fuß des Steußbergs führt die Straße von Chur nach Brigantium. 259 n. Chr. Die Alemannen zerstören das römische Brigantium 496 n. Chr. Chlodwig besiegt die Alemannen. Der Gotenkönig Theoderich bietet den Flüchtlingen Schutz im Bodenseeraum. Mittelalter: Um 500 n. Chr. Die Alemannen besetzen das Rheintal bis Dornbirn. Sie bilden Markgenossenschaften, die in Dreifelderwirtschaft den Boden bebauen. 610 Kolumban und Gallus bringen das Christentum. 742 Die Franken unterwerfen Alemannien. 746 Die alemannischen Adeligen werden in Cannstatt getötet. Franken regieren den Argengau, zu dem auch das Hofsteiger Gebiet gehört. Ab 800 halten die fränkischen Grafen in Schwarzach Gericht. Um 800 weisen St. Galler Urkunden bereits- Obst- und Weinbau in unserem Gebiet nach. 853 Lauterach wird urkundlich genannt. In Hofsteig errichten freie Leute ihre Einzelhöfe, aus denen später Weiler und Dörfer entstehen. 891 «Allen soll alles gemeinsam sein!»: Felder, Weiden, Wälder, Wiesen, Wege, Gewässer und das Ried. 895 Dornbirn wird als «Torrinpuirron» urkundlich genannt. Um 920 Ulrich von Buchhorn wird als erster Graf von Bregenz Herr unseres Landes. Um 955 Der Kellhof, in dessen Bereich später die Kapelle St. Nikolaus und Schloß Wolfurt gebaut werden, fällt nach Graf Ulrichs Tod an Marquard, den Stammvater der Pfullendorfer Grafen. 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt / Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt In Konstanz stirbt der Hl. Gebhard, ein Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz. Ab 1075 Der Streit zwischen Kaiser und Papst verwüstet das Land. 1079 Bregenz wird niedergebrannt. 1089 Auch Hofsteig fällt mit halb Bregenz an die Pfullendorfer Grafen. 1094 Kloster Mehrerau wird gegründet. Es gewinnt bald Besitz und Einfluß in unserer Gegend. Ab 1050 bis 1400 werden große Teile des Steußbergs und des Bregenzerwaldes von Hofsteig aus gerodet. 1167 Bregenz kommt mit Hofsteig an Markgraf Hugo von Tübingen, den Stammvater der Grafen von Montfort. Lindau dagegen und der Wolfurter Kellhof fallen an Kaiser Friedrich Barbarossa. Kellhof und Hofsteig bleiben jetzt bis 1806 getrennt. 1167 wird die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt urkundlich erwähnt. 1180 Zur neuen Pfarre Alberschwende gehören einige Rickenbacher Höfe. Noch 1810 sind sie nach Alberschwende zehentpflichtig. Um 1200 Kriege der Staufer gegen die Weifen. In unserem Gemeindegebiet entstehen die Burgen Veldegg, Wolfurt und Kujen. 1226 oder kurz davor erscheint der Name «Wolfurt» erstmals urkundlich als der eines Rittergeschlechts. 1249 besitzt Lauterach eine Kapelle St. Georg. 1260 wird Hofsteig erwähnt. Ammänner verwalten die Höfe. 1289 wird Schloß Veldegg im Oberfeld urkundlich genannt. 1291 Ludwig von Wolfurt studiert als erster Vorarlberger in Bologna. Um 1300 breitet sich das Geschlecht der Ritter mit dem Wolf im Wappenschild in Süddeutschland und in der Schweiz aus. Ritter, Chorherren, Äbte und Äbtissinnen. 1338 Das Montfort-Erbe wird an der Schwarzach geteilt. Das alte Gericht Schwarzach wird aufgelöst. Während Dornbirn und Höchst an Feldkirch fallen, kommt Hofsteig zu Bregenz - Tettnang. Bregenz sichert sich auch die wichtigen Flößerrechte auf der Ach und den Holzhandel. Die Schwarzach ist die Grenze zwischen den Pfarreien Bregenz und Dornbirn. 1349 Wolfurter Ritter als Söldnerführer und Statthalter in Neapel und Apulien. 1350 bis 1450 Wolfurter Ritter als Grafen in Ungarn. 1352 Graf Ulrich von Wolfurt als ungarischer Gesandter beim Papst in Avignon. Einer seiner Ritter ist Marquard von Ems. 1364 Ritter Konrad stiftet den Wolfurter Kelch für Pfäfers. 1370 Hochblüte des Wolfurter Rittergeschlechts im Bodenseeraum als Besitzer vieler Burgen, als Äbte und Äbtissinnen. 4 995 1371 Schloß Wolfurt wird von den Lindauern erobert und zur Hälfte in Besitz genommen. 1379 Das Urbar der Grafschaft Bregenz weist in Hofsteig 44 Güter von wohlhabenden freien Leuten nach. 1391 Die Vorarlberger Eidgenossenschaft mit dem jetzt zu Bludenz-Werdenberg gehörigen Kellhof Wolfurt richtet sich gegen Bregenz. 1391 Der Herrenbund mit Bregenz und Hofsteig richtet sich gegen die Eidgenossen und Habsburg. Schwere Kriegsnot in den folgenden Jahren. 1402 Die Hälfte von Schloß Wolfurt wird an Mehrerau verkauft. 1402 Der Kellhof wird von Bludenz-Werdenberg an Graf Wilhelm von Bregenz verkauft. 1405 Herzog Friedrich verbrennt Hard, das zu Graf Wilhelm hält. 1405 Graf Wilhelm verbrennt Schloß Veldegg. Es gehört zu dieser Zeit dem Ritter Ulrich von Schwarzach. 1405 bis 1408 Appenzellerkrieg. Die Bauern verbrennen viele Burgen im Land, darunter wohl auch Burg Kujen, von der später nur mehr der «Burgstal» nachzuweisen ist. 1406 Die Eidgenossen besiegen Graf Wilhelm und verbrennen Lauterach und die Bregenzer Vorstadt. Viele freie Hofsteiger und der ganze Kellhof schwören zu den Eidgenossen. 1407 Die Bauern belagern Bregenz und plündern das Kloster Mehrerau. Sie werden aber am 13. Jänner 1408 entscheidend geschlagen. 1443 Die Hofsteiger erhalten ihre erste Kaplanei in Lauterach, zu der sie 1476 die Kirche St. Georg erbauen. 1445 Die Appenzeller verwüsten das Rheintal. Hofsteig kommt mit der Bezahlung von «brandschatzgeld» in große Schwierigkeiten. Um 1450 Das erste Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist ausgestorben. 1451 Hofsteig wird mit der halben Herrschaft Bregenz an die Habsburger verkauft und kommt damit zu Österreich. 1451 Ulrich von Schwarzach verkauft Veldegg an Kloster Mehrerau. Mehrerau besitzt 452 Leibeigene, darunter viele aus Wolfurt. 1458 Die Grafen von Bregenz verkaufen den Kellhof mit ausgedehnten Gütern in Wolfurt, Lauterach, Bildstein, Kennelbach, Langen und anderen Gemeinden an Ritter Marquart IV. von Hohenems. 1463 Die Familie Leber, reiche Wein- und Holzhändler aus Bregenz, erhält Schloß Wolfurt als Lehen. 1464 In Kennelbach wird das Kloster Hirschthal erbaut, das dort bis zum Brand von 1796 besteht und auch Beziehungen zu Wolfurt unterhält. 1484 In Buch wird eine Kapelle erbaut. 5 Neuzeit: 1493 Wolfurt erhält für seine Kapelle St. Nikolaus eine eigene Kaplanei. 1512 Wolfurt hat bis jetzt zur Pfarre St. Gallus in Bregenz gehört. Nun wird es selbständige Pfarrei. Eingeschlossen sind auch die Bewohner von Schwarzach, Bildstein und Buch. 1515 Mark Sittich I. löst vom Kaiser den Kellhof endgültig für Hohenems ein. 1517 Das Kirchdorf Wolfurt erhält den ersten Dorfbrunnen. 1518 Unter Kaiser Maximilian wird zwischen Lauterach und Bregenz die erste Brücke gebaut. Die Holzbrücke besteht bis 1916. Die Straße von Bregenz nach Wien führt 250 Jahre lang von der Brücke schräg durch die Felder am St. Antone nach Rickenbach. 1520 Jakob Leber wird vom Kaiser geadelt und begründet das zweite Rittergeschlecht von Wolfurt. 1523 Ferdinand von Habsburg kauft die zweite Hälfte von Bregenz für Österreich. 1525 Unter dem Einfluß lutherischer Prediger erheben sich die Bauern im Allgäu und bedrohen unter Mithilfe der Vorderwälder Bregenz. Die Hofsteiger bleiben ausdrücklich beim alten Glauben und retten unter Mark Sittichs Führung Bregenz. Dieser läßt 50 aufständische Bauern henken. 1529 Abt und Konvent von St. Gallen suchen vor den Aufständischen Zuflucht auf Schloß Wolfurt. Abt Kilian ertrinkt 1530 beim Durchreiten der Ach. 1537 Die Bregenzer beklagen sich über die Qualität des Wolfurter Weines. 1541 Wildschweinplage. Die Bauern greifen zur Selbsthilfe und erlegen viele Tiere. 1544 Der Hofsteiger Landsbrauch wird aufgeschrieben. Er regelt die Erbfälle und den Gerichtstag, wie auch die Verwaltung und Nutzung von Feld und Wald. Das Gericht Hofsteig umfaßt ein Gebiet von etwa 60 km2. Der Hauptort ist Lauterach, wo alle drei Jahre der Ammann neu gewählt wird. 1544 Vertrag über die linksseitige Achwuhrung. 1546 bis 1552 Im Schmalkaldischen Krieg ziehen die Hofsteiger mehrmals zur Landesverteidigung an die Bregenzer Klause. Einzelne Hofsteiger kämpfen aber auch auf der Seite der Protestanten. Galli Küng wird deshalb als Spion und Mordbrenner im Jahre 1552, nachdem er auf der Folter gestanden hat, in Bregenz «zu dem Rad, Vierthailen und Brand» verurteilt und hingerichtet. 1550 Die Pest! 1573 Die Lauteracher Brücke wird vom Hochwasser weggerissen. 1593 Die Pest! 1594 Das älteste Häuserverzeichnis zählt in Wolfurt 70 Häuser auf, davon sind 10 unbewohnt. 27 Häuser werden zum Dorf gerechnet, 43 zur «Staig». Zusammen leben hier 350 Einwohner. 6 1595 Hexenprozeß gegen Anna Martin wegen der Weinreben in der Bütze. 1603 Bastian Kölnhofer führt 55 Kellhofmänner zur Musterung nach Ems. 1613 Junker Laux von Wolfurt ist unter Erzbischof Mark Sittich Stadthauptmann von Salzburg. 1615 Graf Kaspar von Hohenems verleiht den Kellhof neu. Zum Kellhof gehören 200 Leibeigene. 1616 Neuvermarkung der Wälder. Sie sind Genossenschaftsbesitz wie die meisten Äcker. 1616 Die «Embser Chronik» beschreibt den schönen Weinwachs von Wolfurt. 1618 Jetzt löst sich auch Lauterach als selbständige Pfarrei von Bregenz. In Lauterach wird eine Schule eingerichtet, die auch Wolfurter Kinder aufnimmt. 1618 bis 1648 Der Dreißigjährige Krieg 1616 bis 1631 Eucharius von Wolfurt regiert als Fürstabt in Kempten. Er mehrt den Besitz des Klosters und treibt die Gegenreformation voran. 1628 bis 1635 Kriegsnot, Einquartierung, Pest! In dieser Notzeit wird Bildstein ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Dort soll nach der Legende 1629 die Mutter Gottes erschienen sein. 1646 Hard wird selbständige Pfarrei und baut eine Kirche am See. 1647 Die Schweden erobern Bregenz und brandschatzen das Land. Hofsteig wird auf Fürsprache der Schweizer Eidgenossen verschont. 1650 Das Rittergeschlecht der Leber von Wolfurt ist ausgestorben. Seit 1650 sind in Wolfurt Pfarrbücher erhalten. 1663 In Bildstein erbaut Michael Kuen eine Barockkirche, die 1676 eingeweiht wird. Sofort gibt es Streit zwischen den Bildsteiner Krämern und den anderen Hofsteigern um den Brothandel und den Weinausschank. 1676 Auch Buch erbaut eine Kirche. Beide Kirchen bleiben aber vorerst bei der Pfarre Wolfurt. 1676 Eine Hungersnot zwingt Erwachsene und Kinder zum Betteln und zur Arbeitssuche im Ausland. Der Maisanbau beginnt. 1689 Obersthauptmann Kreis berichtet von der «ellendbetriebten» Zeit in Vorarlberg. 1700 Flachsanbau und Export von Garn und Leinen bringen etwas Geld ein, werden aber hoch besteuert. 1702 Hochwasser in Rickenbach. 1705 Jerg Roner aus Wolfurt klagt als Vertreter des «Gemeinen Mannes» in Wien gegen die Willkür der Beamten. 2.000 aufrührerische Bauern besetzen von Rickenbach aus die Stadt Bregenz und verjagen den Vogteiverwalter. Jerg Roner wird 1710 zum Hofsteigammann gewählt. 7 1707 Der Bregenzer Amtmann und unbeliebte Steuereinheber Benedikt Reichart baut Schloß Wolfurt neu. 1720 Durch die Not nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701—1714) verbreitet sich der Anbau von Mais. Um 1725 wird die Kartoffel eingeführt. 1723 Den Grafen von Hohenems fehlt es an Geld. Sie verpfänden all ihre Zehentrechte im Kellhof an Dornbirner Patrizier und an die Gemeinden. 1726 Bregenz erhält ein Direktorium (später Oberamt oder Kreisamt) und wird Verwaltungszentrum des Landes. 1729 Das Gericht Hofsteig kauft die Weingärten am Rutzen- und am Narrenberg. 1730 Wolfurt zählt 398 Kommunikanten (Erwachsene), Hard 427, Lauterach 434. 1750 Der Bregenzer Oberamtsrat Konrad von Tröndlin kauft Schloß Wolfurt. Er hat bei der Verteidigung von Bregenz 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg eine unrühmliche Rolle gespielt. 1750 Beginn der Handstickerei. 1750 Beginn der Weberei, zuerst für Schweizer Unternehmer, ab 1770 auch für die k.k. Cottonweberei in Bregenz. Um 1750 werden erstmals Schindeldächer durch Ziegeldächer ersetzt. 1753 In Lauterach wird erstmals Torf gestochen («Schollen»). 1755 Die neue Vermögenssteuer vom Grundbesitz wird eingeführt. 1760 Häuser- und Einwohnerverzeichnis: «Seelenbeschrieb» von Pfr. Feuerstein mit ersten Wolfurter Hausnummern: In Wolfurt und Rickenbach zusammen gibt es 151 Häuser. Frickenesch und Bächlingen werden mit Meschen zu Bildstein gerechnet. 1760 Buch löst sich mit 30 Familien und 165 Einwohnern aus der Pfarrei Wolfurt und wird eine selbständige Pfarrei. 1765 Mit Hohenems fällt auch der Kellhof 300 Jahre später als Hofsteig an Österreich. 1768 Eine neue Reichsstraße von Lauterach nach Dornbirn nimmt Wolfurt den Verkehr weg. 1771 wird auch eine Straße von Lauterach nach Höchst gebaut. 1770 bis 1773 Hungerjahre! 1772 Der Bauer Johann Stadelmann kauft Schloß Wolfurt. 1773 An der Ach wird die Alte Insel gerodet und verteilt. Schon früher waren die meisten Felder verteilt worden. 1771 bis 1775 Die Ammänner Johannes und Joseph Fischer kaufen die letzten Kellhoffelder von Ems frei. 1774 Maria Theresia führt mit der Normalschule die Schulpflicht ein. 1778 Im Strohdorf wird das erste Schulhaus erbaut. 1781 In Schwarzach wird eine Pfarr-Expositur eingerichtet. 1782 Die Reformen Josef IL Auch der Frondienst wird reformiert. 8 1789 Das Volk feiert ohne den Pfarrer die von Joseph II. verbotenen Gottesdienste. 1792 Bildstein löst sich als selbständige Pfarrei von der Mutterpfarre Wolfurt. Die Bildsteiner Straße wird befahrbar gemacht. 1792 In Wolfurt wird das allgemeine Weiderecht auf den Feldern abgeschafft. 1793 Dornbirn erhält das Marktrecht. 1794 In Hofsteig stehen schon 148 Webstühle in Betrieb. Damit liegt das Gericht im Land bei der Baumwollweberei hinter Dornbirn an zweiter, bei der Musselinweberei an erster Stelle. 1794 Zweite Durchnumerierung der Häuser. 1795 Der Ippachwald wird auf die einzelnen Häuser in Hard, Lauterach und Wolfurt aufgeteilt. 1796 Franzosenkrieg! Gefechte in Wolfurt, 2 Bauern erschossen, 9 Soldaten gefallen. In Lauterach verbrennen sieben Häuser. 1796 In Kennelbach brennt das Kloster Hirschthal ab, wobei 6 Frauen den Tod finden. Das Kloster übersiedelt nach Bregenz-Thalbach. 1798 Auch das Ried wird verteilt. Private Nutzungen und neue Anbaumethoden bringen der Landschaft jetzt großen Aufschwung. Die 1.000-jährige Dreifelderwirtschaft der Markgenossen hat ihr Ende gefunden. Um diese Zeit verkauft das Kloster Mehrerau seine Schupf- und Erblehen, darunter 16 große Lehen in Wolfurt. 1799 Major Jakob Schertler führt die Hofsteiger gegen die Franzosen. 1800 Franzosenkrieg! Mehrere schwere Gefechte in Wolfurt und in Rickenbach. In der Bütze wird der Bauer Johann Kaspar Haltmayer in seinem Haus erschossen. 1802 Schwarzach erhält eine eigene Kaplanei. 1803 Die Wolfurter helfen beim Kirchenbau in Schwarzach. 1805 Neue Glocken für die Wolfurter Kirche. 1805 Beim Friedensschluß von Preßburg kommt Vorarlberg zu Bayern. 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig werden aufgelöst und dem neuen Landgericht Bregenz zugeteilt. Wolfurt wird eine selbständige Gemeinde. 1806 Das Kloster Mehrerau wird abgebrochen. 700 Jahre lang hatte es in Wolfurt großen Einfluß gehabt. 1808 Die neue Gemeindeordnung tritt in Kraft. Joh. Georg Fischer wird der erste Vorsteher. Der bayerische Steuerkataster erfaßt 1809 alle Grundstücke und die 185 Häuser, die nun schon ihre dritte Nummer tragen. Mathias Schneider zählt 1143 Einwohner und 266 Kühe. Hohe Steuern und der Stillstand von Stickerei und Weberei führen zu einer Wirtschaftskrise. 1809 Aufstand! Das von Truppen entblößte Vorarlberg ist rasch befreit. Hofsteiger Schützen unter Mayor Jakob Schertler beteiligen sich an Angriffen am Untersee und im Allgäu. Der Aufstand bricht zusammen. 9 Wolfurter Männer ziehen mit Napoleon nach Rußland. Vorarlberg gehört wieder zu Österreich. Die erste Musikkapelle in Wolfurt gegründet. Überschwemmung der Felder. Mißernte. Große Hungersnot im Frühjahr! Wolfurt ist ein Getreideort. Es erntet 3.250 Viertel Vesen-Weizen, 1.125 Viertel Dintel-Weizen, 1.280 Viertel Haber, keine Gerste, aber auch schon 1.620 Viertel Türken und dazu noch Kartoffeln, Obst und Wein. (Ein Bregenzer Viertel entspricht 21,7 Liter Korn.) 1818 Fähnrich Weiß zeichnet eine genaue Landkarte von Vorarlberg. 1819 Wolfurt kommt vom Bistum Konstanz zum Bistum Brixen. Die Bevölkerung wächst stark an. Die alte Kirche vermag die Gläubigen nicht mehr zu fassen. 1824 Nun löst sich auch die Pfarre Schwarzach als letzte von der Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt. 1827 Negrelli läßt eine Karte vom Rheintal zeichnen. 1830 Steinbrecher machen die Ruine Veldegg dem Erdboden gleich. 1830 Auf dem Kirchplatz wird die alte Tanzlaube abgebrochen. Daneben ist «Hanso Lädele» der einzige Kaufladen im Ort. 1830 Die Rickenbacher beantragen einen Kirchen-Neubau in Unterlinden. 1833/34 Die alte Kirche wird nach Negrelli-Plänen bedeutend erweitert. 1834 Michaelis-Bub wird wegen Kindermord gehenkt. 1837 Jenny und Schindler bauen nach Ablehnung durch die Wolfurter ihre große Textilfabrik in Kennelbach. 1837 Hochwasser reißt die hölzerne Lauteracher Brücke weg. Ein Pferdefuhrwerk stürzt in die Fluten. 1837 Der Maisanbau hat sich seit 1809 fast verdoppelt. 1838 Der Schützenverein wird gegründet. 1838 Die Schwarzachtobelstraße wird eröffnet. 1839 An der Fähre nach Kennelbach sind bei der nächtlichen Heimkehr von einem 13-stündigen Arbeitstag in der Fabrik zwei Frauen und fünf Kinder ertrunken. Der jüngste von den sieben Fabriks-«Arbeitern» ist der siebenjährige Xaver Geiger. Jetzt wird ein hölzerner Fabriks-Steg gebaut, der bis 1932 seinen Dienst tut. 1839 Neben der Pfarrei wird eine Kaplanei Wolfurt eingerichtet. 1843 Die vierten Hausnummern. Jetzt sind es schon 252 Häuser mit 268 Familien. 1.492 Einwohner, davon 179 Fremde. 1850 bis 1880 werden in Wolfurt viele Freilicht-Theater aufgeführt, darunter «Wilhelm Teil», «Die Räuber» und die «Jungfrau von Orleans». 1850 bis 1870 wandern etwa 120 junge Wolfurter nach Amerika aus. 10 1812 1814 1816 1816 1817 1852 Die Schmiede im Holz erbaut. 1856 Beginn der Braunviehzucht im Montafon, die sich ab 1870 auch im Rheintal schnell ausbreitet. 1857 Ein Katasterplan mit Bau- und Grundparzellennummern wird gezeichnet. 1865 Der Gesangsverein wird beim «Schützenwirt» Fischer in Spetenlehen gegründet. 1866 In Kennelbach gründen Kaplan Ammann und Lehrer Rädler mit dem «Vorarlberger Volksblatt» eine wichtige politische Zeitung, die bis 1972 besteht. 1866 bis 1870 Ein zweiter Achdamm wird aufgeschüttet. Jetzt kann auch die Neue Insel kultiviert werden. 1868 Die erste Post wird eingerichtet. 1868 Im «Rößle» wird von Lehrer Wendelin Rädler das zweite Casino gegen den Liberalismus gegründet. In den Gasthäusern und in der Gemeindestube tobt ein heftiger Streit zwischen «Kasinern» und dem freidenkerischen Leseverein der Liberalen. 1869 Die erste Handstickmaschine! Bald folgen viele. 1869 Sechs Mühlen sind in Betrieb. Als Hauptnahrung wird das Habermus jetzt endgültig durch den Türken-Stopfer verdrängt. 1872 Eisenbahnbau von Bregenz nach Bludenz durch das Ried. Eine Führung durch das Dorf hatten die Wolfurter abgelehnt. Arbeitskräftemangel in der Industrie. Die ersten Welschen aus dem Trentino lassen sich in Wolfurt nieder. Ihre Anzahl steigt bis 1900 auf 239 an, dann übersiedeln viele in die neuen Mietshäuser nach Kennelbach. 1872 Im Strohdorf wird ein neues Schulhaus gebaut, es besteht bis 1979. 1873 Der Wolfurter Kunstmaler Gebhard Flatz (1800-1881) bringt aus Rom sein großes Altarbild mit. 1874 Drei Barmherzige Schwestern treten in den Schuldienst in Wolfurt. 1874 Der Kameradschaftsbund wird gegründet. 1878 Lauterach baut eine neue Kirche östlich der Straße, die alte stand westlich. 1879 Gemeindediener Joh. Böhler wird ermordet. 1880 Wolfurt hat 272 Häuser mit 1.623 Einwohnern. 213 Bauern besitzen 38 Pferde, 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh, 192 Schweine, 106 Ziegen und null Schafe. Um 1880 Die letzten Weinberge am Kirchenbühel und am Rutzenberg werden aufgelassen. 1881 In Rickenbach wird ein Spar- und Vorschußverein gegründet. 1882 Die erste Gemeindekanzlei eingerichtet. 1882 Die Molkereigenossenschaft Wolfurt erbaut die Sennerei Kirchdorf. 11 1884 Ein neuer Pfarrhof wird gebaut und der Friedhof vergrößert. 1884 In Kennelbach brennt das erste elektrische Licht von ganz Österreich 1884 Die Arlbergbahn wird eröffnet. Sie verändert ganz entscheidend Landwirtschaft und Handel in Vorarlberg. 1886 Die Kapelle Rickenbach wird eingeweiht. 1886 Die Liberalen gründen den ersten Wolfurter Turnverein. 1886 Die Achrain-Straße von Dornbirn nach Alberschwende wird eröffnet. 1888 Für Wolfurt und Schwarzach erscheint das erste Gemeindeblatt. Aus ihm entwickelt sich eine Zeitung für den ganzen Bezirk Bregenz. 1888 Wegen verseuchter Brunnen rafft eine Typhus-Epidemie 8 Rickenbacher dahin, darunter den Mechaniker Dür, der am oberen Rickenbach zwei mechanische Schmieden errichtet hat. 1889 Die Feuerwehr wird gegründet. 1889 Die Raiffeisenkasse gegründet. Lehrer Wendelin Rädler (1835—1913) fördert in ganz Vorarlberg das Zustandekommen von 80 Raiffeisenkassen und sehr vielen Genossenschafts-Sennereien. 1890 Die drei alten Ziegeleien an der Ach werden abgebrochen. 1893 Konrad Doppelmayr übernimmt die Dur-Schmiede am Rickenbach und gründet die Firma Doppelmayr. 1898 Die erste Schiffle-Stickmaschine. 1899 Der Katholische Arbeiterverein wird gegründet. 1899 Die fünfte und letzte Durchnumerierung der Wolfurter Häuser mit Nr. 1 in der HÖH an der Ach und Nr. 290 bei Putzers an der Schwarzacher Grenze. Weitere Nummern werden jetzt bei Neubauten in der ganzen Gemeinde verstreut. 1900 Albert Loacker beginnt mit der Elektrifizierung Wolfurts aus dem E-Werk Schwarzach. 1901 Der Musikstreit ist beendet. Kapellmeister Franz Rohner übernimmt für 56 Jahre den Dirigentenstab. 1901 Dornbirn wird Stadt. 1902 Die Wälderbahn wird eröffnet. 1902 Pfarrer Johann Georg Sieber (1826-1902) wird der erste Wolfurter Ehrenbürger. 1903 Neue Kirche in Schwarzach, westlich der Straße. Die alte stand östlich im Friedhof. 1903 Das Grundbuch wird eröffnet. 1904 Ein höherer Kirchturm. 1904 Erste Betonbrücke nach Kennelbach. 1905 Neue Bronzeglocken. Sie läuten nur bis 1916. 1907 Hochblüte der Stickerei. 1907 Lehrer Wendelin Rädler (1835-1913) erhält vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz. Er hat sich als Kassengründer und Sozialreformer verdient gemacht. 1907 Franzele Dür bringt das erste Auto nach Wolfurt. 1910 Wolfurt hat jetzt 2265 Einwohner. Durch den Stillstand der Stickerei setzt wirtschaftliche Not ein. Wolfurt hat 143 Schiffle-Stickmaschinen und 26 Handmaschinen. 1910 Der obere Friedhof mit den Arkaden wird gebaut. 1910 Hochwasser! Beim Einsturz der Holzbrücke ertrinkt der Spinnereimeister Karg. 1911 Kennelbach löst sich von Rieden und wird selbständige Gemeinde. 1913 Das Vereinshaus wird erbaut. Erst 1922 erhält es aber den großen Saal. 1914 bis 1918 Erster Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 rücken die ersten von 180 Landsturmmännern ein. Zu Pfingsten 1915 folgen ihnen 60 Standschützen. 87 Männer kehren nicht mehr heim. 1916 Neue Brücke in Lauterach. 1919 Die Gemeinde Rieden-Vorkloster schließt sich an die Stadt Bregenz an. 1922 Nur 11 Schulanfänger. 1923 Viele Auswanderer nach Amerika. Tiefstand der Bevölkerung: 1798 Einwohner. 1923 Neue Stahlglocken. 1923 Bregenz wird Landeshauptstadt. 1925 Aufnahme des Omnibusverkehrs. Verkehrszählung: Am 9. August fahren insgesamt 191 Motorfahrzeuge durch das Dorf, am folgenden Tag 167. 1926 Ein Krankenpflegeverein wird gegründet. Kreuzschwestern aus Hall versorgen ab 1928 die Kranken. 1929 Die erste Illwerke-Leitung wird durch Wolfurt gebaut. 13 12 1930 Das Kriegerdenkmal wird eingeweiht. 1931 Der Schiverein wird gegründet. 1931 Die obere Straße wird geteert. 1933 Fahrzeug-Zählung in Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 Luxusautos (PKW), 10 Lastautos. 1935 Neue Straße nach Buch. 1938 Anschluß an Deutschland. 1939 Schloß Wolfurt abgebrannt und bald unter Dr. Fritz Schindler neu aufgebaut. 1939 bis 1945 Zweiter Weltkrieg. 99 Wolfurter Männer sterben in fernen Ländern. 1945 Die Achbrücke wird gesprengt. Franzosen und Marokkaner besetzen das Dorf. Bei der Verteidigung sterben noch drei deutsche Soldaten. Auch ein Wolfurter Mädchen und ein Familienvater finden den Tod. Schloß Wolfurt wird Sitz der Militärkommandatur für Vorarlberg. 1940 bis 1950 In der Kriegsnot nimmt der Ackerbau einen großen Aufschwung. In Gärten, Feldern und im Ried werden hauptsächlich Kartoffeln und Mais angebaut, aber auch Weizen, Raps, Rüben und Kraut. 1947 Der Fußball-Club Wolfurt wird gegründet. 1953 Erstes Wasserwerk Wolfurt wird eröffnet. 1954 Ab jetzt gibt es Hausnummern mit Straßenbezeichnungen. Es stehen schon über 400 Wohnhäuser. 1955 Der Ackerbau verschwindet. Viele Landwirtschaften werden aufgegeben. Im allgemeinen Wirtschaftsaufschwung beginnt die Zersiedelung der Felder und Bühel. 1957 Professor Lorenz Böhler (1885-1973), ein Pionier der Unfall-Chirurgie in Wien, wird der zweite Wolfurter Ehrenbürger. 1957 Zweite Illwerke-Leitung durch Schlatt und Kella wird gebaut. Nach 1960 Die Industrie-Ansiedlung beginnt: Wolf, Pawag, Roylon, Doppelmayr weiten die Betriebsstätten aus. 1961 Eine Hauptschule wird eröffnet. 1964 Eine Musikschule fängt an. 1964 Die untere Straße wird als Hauptstraße ausgebaut, die alte Römerstraße am Fuß des Berges verliert den Durchzugsverkehr. 14 1967 Das neue Postamt im Strohdorf wird erbaut. 1967 Neue Volksschule Bütze. 1967 Totenkapelle wird eingeweiht. 1970 Erstmals erscheint der Gemeinde-Informationsdienst. 1971 Ein neues Gebäude für die Hauptschule. 1975 Bevölkerungsrekord: 6637 Einwohner, davon 1197 fremdsprachige Gastarbeiter. 1976 Viehzählung: Nur mehr 23 Viehhalter. Sie besitzen 4 Pferde, 158 Kühe, 166 Stück Galtvieh, 242 Schweine, 10 Ziegen, 21 Schafe. 1976 Neue Volksschule Mähdle. 1977 In Wolfurt wird ein Gendarmerieposten eröffnet. 1978 Das «Blaue Buch» zählt 1081 Häuser auf, davon noch 13 Bauernhöfe. 1979 Das Altersheim wird eröffnet. 1980 Nach jahrzehntelangem Kampf werden Pfändertunnel und Autobahn durch Wolfurt in Betrieb genommen. 1981 Das Wälderbähnle stellt seinen Betrieb ein. 1981 Verkehrszählung: An einem gewöhnlichen Werktag fahren 711 Autos in einer Stunde durch die Bützestraße. Auf der Hohen Brücke sind es 1408 Autos. 1982 Am 1. Mai 1982 wird Wolfurt Marktgemeinde. Kultursaal und Bücherei werden eröffnet. 1982 Güterbahnhof und Groß-Zollamt werden eröffnet. Im Industriegebiet lassen sich neue Firmen nieder. 1983 Groß-Postamt wird eröffnet. 1983 Zweites Wasserwerk wird eröffnet. Der tägliche Wasserverbrauch ist auf über 300 1 pro Einwohner gestiegen. 1984 «Hofsteig»-Sporthalle in Wolfurt und «Hofsteig»-Saal in Lauterach eröffnet. 1985 Lauterach wird Marktgemeinde. 1985 Nach 30 Jahren Wirtschaftsaufschwung zeigen sich verstärkt Verkehrsmüdigkeit, Waldsterben, Ablehnung von Beton und Asphalt, Sehnsucht nach unberührter Natur. 15 Siegfried Heim Bauern und Fabrikler Die Arbeitswelt unserer Vorfahren I. Dreifelderwirtschaft Um das Jahr 500 nach Christi Geburt besetzten alemannische Siedler unser Land. Am Fuß des Steußberges errichteten sie an den Waldbächen oberhalb der alten Römerstraße sechs kleine Weiler: Kellhof am Tobelbach Hub am Eulentobelbach Unterlinden am Holzer Bach (Ippachbach) Spetenlehen am Bannholzbach Strohdorf am Himmelreichbächlein Rickenbach Den fruchtbaren Boden unterhalb der Straße bebauten sie mit Getreide. Alle Arbeit wurde gemeinsam verichtet, angeleitet von einem erfahrenen Ammann und seinen Helfern. Dazu teilte man die Felder in drei «Esche». Im ersten Esch wurde Winterweizen gesät, meist die widerstandsfähige Sorte «Vesen», aber häufig auch «Däntel». Im zweiten Esch wuchs eine Sommerfrucht, meist «Haber», nicht selten auch Gerste. Den dritten Esch ließ man ein Jahr «brach» liegen. Dorthin trieb der Dorfhirt das wenige Vieh. Auch die Auen an der Ach und das Ried dienten der Viehweide, doch stand die Viehzucht an Bedeutung weit hinter dem Ackerbau. «Allen soll alles gemeinsam sein», steht in einer St. Galler Urkunde von 891: Felder und Ackerweide, Weiden, Wälder, Holzschläge, Schweinemast, Wiesen, Wege, Wässer, Fischereien, Nutzung des Rieds. Ausgenommen war das «ehaft Gut», die eingezäunte Hofstatt beim Haus, wo jeder für sich privat Kraut, Flachs und Obst anbauen konnte. Als die Bevölkerung zunahm, wurden die Wälder auf dem «berg» gerodet. Hofsteiger Siedler setzten sich um 1000 n.Chr. in Bildstein, Buch und im Vorderwald fest. Später legten sie auch die Unterfelder gegen Lauterach trocken und gewannen neue Getreide-Esche. Immer größerer Wertschätzung erfreute sich der Weinbau. An den sonnigen Hängen und in der Bütze gedieh ein Weißwein, «herb, sauer und haltbar», der als «Bregenzer» bis nach Augsburg gehandelt wurde. Um 1600 lieferte Hofsteig jährlich etwa 150.000 1 Wein. II. Hunger 1000 Jahre lang hatte sich die Dreifelderwirtschaft bewährt. Im 18. Jahrhundert vermochte sie die zahlreicher gewordene Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Kriege, Klimaverschlechterung und Mißwirtschaft führten immer wieder zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 aus Vorarlberg an die Regierung, daß die Hälfte der Bevölkerung am Hungertuch nage und mit Weib und Kindern «das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen». Ein Großteil der alten und jungen Leute, Buben und Mädchen, müsse jedes Jahr in der Fremde als Maurer, Zimmerleute und Hirtenbuben Arbeit suchen «als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt». Gastarbeiter also — und Bettler! Einflußreiche Dorfgewaltige zäunten gegen den alten «Hofsteigischen Landsbrauch» Stücke aus der gemeinsamen «Almende» für private Nutzung ein. Benedikt Bilgeri erzählt 16 in seiner «Geschichte Vorarlbergs», wie Georg Rohner aus Wolfurt vergeblich Recht für den «Gemeinen Mann» beim Kaiser in Wien suchte und dann die Bauern 1706 zu bewaffnetem Aufstand gegen die Beamten in Bregenz führte. III. Felderverteilung Rettung in der großen Not hätte der Anbau der aus Amerika eingeführten neuen Früchte Mais und Kartoffeln bringen können, die einen weit höheren Flächenertrag als Weizen bringen. Dem standen aber die alten Bräuche im Wege. In den Getreide-Eschen war kein Platz! Nur in den «Neuwiesen» im weit entfernten Ried begann man vorerst zaghaft mit dem Anbau von «Türggo und Bodobiera». Endlich setzte sich um 1750 der «Gemeine Mann» durch: Die Getreide-Esche wurde zerstückelt und auf die einzelnen Bauern verteilt. Private Nutzung erbrachte nun bald weit höhere Erträge. Daher wurden 1795 auch noch der Ippachwald und 1798 das ganze Ried an die 166 Bauern verteilt. Der Maisanbau nahm rasch zu. Im Jahre 1817 übertraf die Maisernte mit 1620 Vierteln bereits den Hafer mit 1280 Vierteln. Weitaus an der Spitze lag aber noch immer der Vesenweizen mit 3250 Vierteln. Ein Viertel wurde in Wolfurt auch «Staren» genannt und faßte etwa 21,71 Körner. Wolfurt war also noch immer von Getreidefeldern umgeben, doch wurde das allmorgendliche Habermus nun langsam vom Türkenmus und ab 1850 vom Türken-Stopfer verdrängt. Die Arbeit in Feld und Garten galt nicht als Plage. Um 1860 beschreibt sie der Arzt Kaspar Hagen in seiner Bregenzer Mundart als «lustiges Leben». Das Leben am Bodensee. Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! Ma hot a wackre Husmaskost,l Hot Hereleable,2 Bier und Most, A munters Zottele? Kaffee, De Susar4 vu der Reabe. Wo ist der Friehling o so nett? A so a gottvolls Bleie?3a Ma gärtlat5 froh um Hus und Stal Und bstellt de Bode-n-iberal, Ma sait und setzt und ackeret, Lot wachse und lot treie.6 Im Summer ist ma zittle7 wach, Ma bloacht und tricknet d'Wescha. As zittnet8 d'Frucht a Halm und Ast, Ma mait und schnidt und haltet Rast, Ma lescht de Durst us Krueg und Bach Und schwimmt im See wie d'Frescha. Der Hierbst, a Zitt, fidel und reg, Lot breache, schwinge, fimmle.^ Ma schittlet Obß, ma priglet10 Nuß. Drescht noch-em Takt im Stadel duß,11 Fillt Kammer, Mahreneast12 und Treg, De Torkel noch-em Wimmle.B Der Winter, sus14 a ruha Ma, Drait d'Spindel, trillet's15 Rädle, Macht, daß ma gern de-n-Ofe mag, Bringt Stubat, Schlittbah, Klosetag,16 's lieb Krippele und Maschgara17 Und Freid fier Bue und Mädle. A jede Johrszitt, Bluest18 und Schnee, Wie's golde Korn und d'Reabe Freit Dorf und Stadt, freit Hof und Hus; Drum rief i kurlemusper19us: Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! 1 Hausmannskost. 2 Herrenlaibchen, eine Bregenzer Brotart. 3 Kaffeeschälchen. 3a Blühen. 4 Weinmost, Sauser. 5 bestellt den Garten. 6 gedeihen, fett werden. 7 zeitlich. 8 reift. 9 den weiblichen Hanf ausziehen und vom männlichen sondern. 10 schüttelt. 11 draußen. 12 Aufbewahrungsort für auszureifendes Obst. 13 nach der Weinlese. 14 sonst. 15 dreht. 16 Nikolaustag. 17 Masken. 18 Blüte. 19 recht fröhlich. Kaspar Hagen, 1820—1885, Stadtarzt / Bregenzer Mundart Zur täglichen Arbeit gehörte damals also der Umgang mit Getreide, Wein und Obst und auch mit Hanf und Flachs. 17 IV. Fabriksarbeit Die Folgen der Felderverteilung wurden schnell sichtbar: Starkes Anwachsen der Bevölkerung. Erbteilung der Bauerngüter. Neue Häuser in den Getreidefeldern. Die sechs alten Weiler wachsen zu einem Straßendorf zusammen. Ab 1800 beginnt die Besiedlung von Ach, Bütze, Flotzbach und Schlatt. Der Hunger aber blieb, denn die Felder konnten die zahlreicher gewordenen Einwohner nicht ernähren. Man war auf Nebenverdienste angewiesen. Schon um 1750 waren in den meisten Häusern Webkeller eingerichtet worden, wo die Männer für Schweizer Händler Flachs zu Leinwand und bald auch Baumwolle zu feinem Tuch verwoben. Frauen und Mädchen versuchten, mit feinen Handstickereien ein paar Kreuzer zu verdienen. 1837 bauten Jenny und Schindler ihre große Fabrik in Kennelbach. Die Wolfurter hatten ihnen vorher den Platz verweigert. Weil die Konkurrenz durch die Fabriken die Handweber brotlos gemacht hatte, suchten bald etwa 300 Arbeiter jenseits der Ach einen Verdienst, darunter sehr viele Kinder aus Wolfurt. Über die Arbeitsbedingungen erzählt Egon Sinz in «Kennelbach»: 300 Arbeitstage gab es damals und keinen Urlaub. Jeden Tag wurde 14 Stunden gearbeitet, von 5 Uhr früh bis 12 Uhr und nach einstündiger Mittagspause wieder von 1 Uhr bis 8 Uhr am späten Abend. Der Taglohn für Facharbeiter lag bei 50 Kreuzern. Dafür konnte man 5 kg Mehl kaufen. Die Kinder verdienten aber nur 12 Kreuzer im Tag, das reichte gerade für 1 kg Mehl und1/2lMilch. Strenge Aufseher kontrollierten die Arbeit und verhängten oft noch Lohnabzüge als Strafe. Geradezu unfaßbar erscheint uns heute, daß zu der langen Arbeitszeit oft noch ein langer, beschwerlicher Fußmarsch kam. Anfangs gab es nicht einmal eine Brücke über die Ach. Nach Arbeitsschluß drängten gegen 200 Leute zum kleinen Fährboot und mußten dort noch lange Wartezeiten auf sich nehmen. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt zählt die Namen von 2 Jungfrauen und 5 Kindern auf, die ihr Leben verloren, als das überladene Schifflein in der stürmischen Nacht des 24. April 1839 kenterte: Franz Xaver Geiger, Kirchdorf, 7 Jahre Maria Agatha Gmeiner, Strohdorf, 21 Jahre deren Schwester Katharina Gmeiner, 16 Jahre Franziska Kresser aus Hohenweiler, 13 Jahre Anna Maria Schwerzler, Hub, 21 Jahre deren Schwester Rosa Schwerzler, 10 Jahre Jakob Krug, Hub, 9 Jahre Und doch nannte Kreishauptmann Ebner 1843 die Fabriksarbeit einen «leichten Verdienst». Die Hungerjahre vorher müssen noch viel schlimmer gewesen sein! Allmählich wurde die Stundenzahl gesenkt, aber 1902 betrug sie immer noch 6 mal 10 Stunden. Kinderarbeit in der Fabrik war jetzt verboten. Italienische Einwanderer hatten den Dienst in den Spinnereien übernommen. Jetzt aber begann in Wolfurt die goldene Zeit der Sticker. An die Plätze der alten Webstühle stellte man neue Stickautomaten. Und wieder mußten 10jährige barfüßige Mädchen bis zu 15 Stunden täglich die eintönige Arbeit als Fädler an den rasselnden Maschinen übernehmen. Wen wundert es da, daß bald «s'Uszehro», die Geißel Tuberkulose, im Dorf reiche Ernte einholte? 18 V. Äcker werden Heuwiesen Durch viele Jahrhunderte hatten Wolfurter Bauern das Korn für ihr karges tägliches Brot selbst angebaut. Eine tiefgreifende Veränderung brachte der Eisenbahnbau. 1856 hatte die bayrische Südbahn Lindau erreicht. Billiges Korn überschwemmte bald den Bregenzer Kornmarkt. 1872 wurde die Vorarlbergbahn eröffnet, 1884 der Arlbergtunnel. Große Umwälzungen in der Wirtschaft zerbrachen die alten Strukturen: Belebung des Handels. Vernichtung der Frächterei und vieler Handwerksberufe. Vernichtung des Getreidebaus und des Weinbaus. 1882 ließ der Wolfurter Pfarrer den letzten Weinberg im Tobel eingehen, 1898 brach der Kreuzwirt den letzten Weintorkel ab. Der Getreidebau warf keinen Ertrag mehr ab, der Bauernstand war tief verschuldet. Da rief der Wolfurter Lehrer Rädler nach der Idee Raiffeisens zur Selbsthilfe auf. Er lehrte Milchwirtschaft und Obstbau. 1882 gründete er die Sennerei Kirchdorf, 1884 folgte die Sennerei Hub. Vorschußverein Rickenbach ab 1881 und Raiffeisenkasse Wolfurt ab 1889 sorgten für notwendiges Kapital. Die Viehställe wurden vergrößert. Dreschflegel und Sichel verschwanden mit Flachsbrechel und Hanfhechel auf dem Dachboden. Das monatliche Milchgeld wurde zur Grundlage des Familieneinkommens. VI. Ausblick Am schwersten traf ab 1955 die dritte Bodenreform die Landwirtschaft mit Industrialisierung und Zersiedelung der Felder. 1880 hatte Wolfurt 213 Bauern mit 426 Kühen gezählt. 1976 waren es noch 23 Bauern mit 158 Kühen. 1988 sind es nur mehr ein Dutzend, die voll Sorge auf die EWG-Landwirtschaft blicken: Bringt sie das Ende? In den Betrieben ist die Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden gesunken, Lohn und Urlaub sind gewachsen. Die Kinder dürfen lernen und spielen. Die Sorgen aber sind nicht kleiner geworden, nur anders. Und weise Leute sagen, daß man sich die Sorgen selber macht. Wir dürfen uns jedenfalls dankbar unserer Vorfahren erinnern, die in viel schwereren Zeiten mit ihrer Hände Arbeit den Grundstock zu unserem heutigen Wohlstand gelegt haben. 19 Christoph Volaucnik Franzosenkrieg im Jahre 1800 Vorarlberg wurde ab 1792 in die Wirren des französischen Krieges verwickelt und geriet durch die Kampfhandlungen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges in eine langjährige Wirtschaftskrise. In den Franzosenkriegen wurde die Verteidigung des Landes neben den regulären kaiserlichen Truppen noch zum größten Teil von der Landwehr durchgeführt. Die Landwehr stand zwischen 1796 und 1800 immer zur Verteidigung Vorarlbergs bereit. Auch im Gericht Hofsteig waren die Schützen für die Verteidigung Vorarlbergs aufgeboten worden und 1800 wurde die Gemeinde Wolfurt in die Kriegswirren hineingezogen. Am 8. Mai 1800 erschienen die Franzosen am Rhein. Das österreichische Militär zog sich nach Füssen zurück und am 12. Mai rückten die Franzosen von Lindau nach Bregenz ein. Die Bregenzerwälder, Oberländer und Hofsteiger entschlossen sich, gegen die Franzosen weiterzukämpfen. Über die Kampfhandlungen im Gebiet Wolfurt vom Mai bis Juli 1800 hat sich im Vorarlberger Landesarchiv eine Wolfurter Chronik aus dieser Zeit erhalten, die von einem Maler Anton Schneider verfaßt wurde. Sie schildert die Ereignisse in Wolfurt und Vorarlberg von 1784 bis 1804, ist aber leider nicht mehr ganz vollständig. Aus dieser Chronik sollen die Ereignisse des Jahres 1800 wiedergegeben werden. Nach dem Einmarsch der Franzosen waren Soldaten nach Wolfurt gekommen und hatten von der Bevölkerung Essen und Trinken verlangt, waren aber nach Erhalt der Lebensmittel wieder abgezogen. Die Franzosen haben sich nicht über die Lauteracher Brücke hinausgewagt und sind in Lauterach und Wolfurt nur sporadisch zu Patrouillengängen erschienen. Die Bevölkerung wurde am 17. und 18. Mai zum Abbruch der Schanzen und Befestigungen in Bregenz kommandiert. Der Chronist vermerkt zu dieser Arbeit, daß diese Schanzen von den selben Bauern erst vor wenigen Monaten auf Befehl des österreichischen Militärs errichtet und für die Befestigungen Äcker, Felder und Wälder vernichtet worden waren. Die Schützen der Alberschwender Landwehr stießen am 18. und 20. Mai bis an die Lauteracher Achbrücke vor und eröffneten mit den Franzosen ein Feuergefecht. Besonders das Feuergefecht am 20. Mai muß sehr stark gewesen sein, da die Wolfurter Bevölkerung durch den Gefechtslärm stark verängstigt wurde. Die Einwohner eilten zur Kirche, um einen Psalter und einen Rosenkranz zu beten. Während der Gebete wurden der Barbier und der Pfarrer aus der Kirche geholt, um die Verwundeten der Alberschwender Schützen ärztlich zu versorgen und ihnen seelsorgerischen Beistand zu geben. Die Bevölkerung floh darauf aus der Kirche, da sie den Einmarsch der Franzosen befürchtete. Völlig überraschend zogen die Franzosen sich am selben Tag aus Bregenz zurück. Tags darauf rückten 3 Kompagnien kaiserlicher Truppen in Wolfurt ein und blieben bis zum 24. Mai in Wolfurt einquartiert. An diesem Tage hatten die Franzosen Bregenz in einer Zangenbewegung von der Klause und von Weiler-Langen her angegriffen und eingenommen. Die Österreicher konnten noch rechtzeitig aus Bregenz fliehen. In Wolfurt traf an diesem Tag der Befehl ein, daß sich die Wolfurter Schützen sammeln und nach Gaißau oder Hörbranz ziehen sollten. In der Reihe der Schützen gab es aber gegen diesen Befehl Widerstand, sodaß beschlossen wurde, die Entwicklung der nächsten Stunden abzuwarten. In der Nacht wurde aus Lauterach Gefechtslärm gehört, der die Leute aus dem Schlaf riß und zur Flucht führte. Es wurde ein Bote nach Lauterach geschickt, der nach einigen Stunden berichtete, daß die kaiserlichen Truppen aus Lautersch geflüchtet wären und die Franzosen wieder an der Lauteracher Brücke wären. 20 Am nächsten Tag, Sonntag dem 25. Mai, zogen sich die Schützen nach Bildstein zurück und warteten dort auf weitere Befehle. Als am 26. Mai von einem Wolfurter einige Franzosen bei der Kennelbacher Fähre gesichtet wurden, kam es im Dorf wiederum zu Panik, da man mit einem Einmarsch der Franzosen rechnete. Die Franzosen hatten aber das Fährschiff nur konfisziert und nach Lauterach gebracht, um damit den Achübergang bei Kennelbach zu unterbrechen. Die Schützen waren alarmiert worden und zogen von Bildstein nach Wolfurt zurück. Sie marschierten an die Achbrücke und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. In der Nacht erhielten sie den Befehl zum Rückzug nach Bildstein, errichteten aber Wachtposten im Oberfeld. Die Schützen wurden in den Parzellen Bereuter, Staudach, in Buch und Bildstein untergebracht. Sie patrouillierten jeden Morgen und Abend durch das Dorf und die Felder. Auch die kaiserlichen Soldaten führten täglich von Dornbirn her Patrouillengänge bis nach Lauterach und Wolfurt durch. Die Franzosen entsandten zweimal Spähtrupps nach Wolfurt, die aber nur bis zum Schmerzenbild und bis in den Ortsteil Bütze kamen. Die auf den Feldern arbeitenden Bauern flüchteten bei Ankunft der französischen Spähtrupps in das Dorf und schlugen Alarm. Wolfurt hatte durch die Brückenbesetzung und durch die Vernichtung der Fährverbindung keine Verbindung mehr mit Bregenz. Bregenz hatte aber als Getreidemarkt für Wolfurt eine lebenswichtige Bedeutung. Der Kornpreis war durch die Kriegsereignisse bereits stark gestiegen und zusätzlich zur Teuerung kam es zu einem spürbaren Mangel an Getreide. Die Schützen hatten in Schloß Wolfurt, Frickenesch und dem Oberfeld weitere Wachtposten anfang Juni errichtet. Besondere Bedeutung sollten die Wachen am Flotzbach und am Rickenbach erhalten. Französische Patrouillen waren Mitte Juni zweimal auf diese Wachen gestoßen. Am 30. Juni waren 160 französische Reiter und Infanterie am Rickenbach erschienen, hatten sich aufgestellt und die Wolfurter Schützen überrascht. Ein Teil der Rickenbacher Schützen eilte vom Dorf zu den Franzosen, während der zweite Teil der Schützen zuerst zur Ach marschierte und von dort erst zum Rickenbach kam. Die Franzosen griffen an und versuchten, möglichst rasch zum Schloßbühel zu gelangen, um die dort befindlichen Schützen gefangen zu nehmen und die «Kanon» zu vernichten. Die im Schloß liegenden Schützen waren rechtzeitig nach Frickenesch geflohen, hatten sich dort neu gesammelt und einen Angriff von der Höhe auf die Franzosen begonnen. Sie konnten das Dorf von den Franzosen befreien und diese bis nach Lauterach zurücktreiben. Der Kampf hatte von halb 8 Uhr bis 12 Uhr gedauert und mehrere Tote gefordert. Die Schützen haben die Wachen neu besetzt und sich nach Bildstein zurückgezogen. Der kommandierende französische General übermittelte noch am selben Tag den Gemeinden Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach eine Kapitulations-Aufforderung. Er drohte den Gemeinden bei weiterem Widerstand mit Plünderungen, Morden und Brandlegungen. Der Pfarrer von Wolfurt wurde mit der Abfassung eines Bittbriefes beauftragt. Er erklärte darin, daß die Wolfurter an den Kämpfen unschuldig wären und Wälder und Tiroler Schützen den Kampf geführt hätten. Weiters versprach die Gemeinde, alle Forderungen der Franzosen zu erfüllen, Brandschatzung zu zahlen und Vieh freiwillig abzuliefern. In der Gemeinde herrschte große Angst und man rechnete mit keiner Schonung durch die Franzosen. Eigentümlich scheint der Inhalt des Bittbriefes bezüglich der eingesetzten Schützen. In mehreren Stellen in der Chronik werden ausdrücklich die «Rickenbacher Schützen», «unsere Schützen» als Verteidiger genannt. Der Pfarrer dürfte hier aus Furcht vor der französischen Vergeltung die Rolle der Wolfurter Schützen vermutlich heruntergespielt haben. Die erwartete Strafaktion blieb vorerst 21 aus. Erst am 12. Juli 1800 brachen die Franzosen aus Bregenz auf und marschierten in Richtung Feldkirch. Die Wolfurter schickten Johann Dür aus dem Tobel nach Bregenz, um sich über die Lage zu informieren. Der Aufmarsch über die Achbrücke erfolgte nachts. Im Schutze der Dunkelheit wurde eine Abteilung französischer Soldaten dem Achdamm entlang nach Wolfurt geschickt. An einer Stelle in den Inselgründen teilten sich die Soldaten in zwei Gruppen und marschierten durch die Felder dem Dorf zu. Bregenzerwälder Schützen, die am Ortsrand auf Wache standen, bemerkten die angreifenden Franzosen und flohen, nachdem sie Alarmschüsse abgegeben hatten, vor den Angreifern. Die Franzosen stürmten Richtung Schloß, um die dort befindlichen Bregenzerwälder Schützen gefangennehmen zu können. Bei der Einnahme des Schlosses wurden mehrere Schützen und Franzosen getötet. Die Franzosen haben die Schützen bis nach Bildstein und Alberschwende verfolgt. Dort wurden sie von den Schützen bereits erwartet und erst nach dreimaligem Sturmangriff der Schützen zogen sich die Franzosen wieder bis Wolfurt und Lauterach zurück. In Lauterach verschanzten sich die Franzosen hinter einem «Hag» und es wurden den ganzen Tag in Lauterach noch Feuergefechte geliefert. In der Gemeinde herrschte wegen der Kampfhandlungen Furcht, Schrecken und Ratlosigkeit. Die Franzosen hatten bei der Einnahme von Wolfurt in viele Häuser eingebrochen, geplündert und einen Mann, Michael Haltmayer, in seinem Haus erschossen, da er sich geweigert hatte, ihnen Geld zu geben. Er wurde in aller Stille beerdigt, da die Franzosen das Glockenläuten verboten hatten und aus Furcht nur 3 bis 4 Personen es gewagt hatten, die Beerdigung zu besuchen. Am Abend kam der Befehl für die Bregenzerwälder Schützen, sich wieder bis Alberschwende zurückzuziehen. Die Wolfurter haben ihre eigenen Schützen den Wäldern hinterhergesandt, um das Dorf frei von Schützen zu haben. Am folgenden Tag, Montag dem 13. Juli, wurden 4 Wolfurter zu den Franzosen gesandt mit der Nachricht, daß die Schützen das Dorf verlassen hätten und die Gemeinde um Schonung beim Einmarsch bitte. Die Wolfurter zogen den Franzosen mit Branntwein und Brot entgegen und der Chronist vermeint dazu, daß es trübe Zeiten wären, da man dem Feind entgegenziehen müsse. Die einrückenden Franzosen schonten das Dorf aber in keiner Weise. Sie haben bei den Hausdurchsuchungen mit Äxten die Türen und Läden aufgeschlagen, sind sogar in der Kirche eingebrochen, wobei sie aber nur die Kerzen stahlen. Der Chronist kommentiert diese Plünderung mit einem Vergleich. Er sagt, daß die Franzosen «wie wütende Hund herum gefohren» und mit Wut und «garosch» (=Rage, Zorn, Empörung, Wut) in das Dorf gekommen wären. Die Franzosen blieben zwei Tage im Dorf und marschierten dann in den Bregenzerwald weiter. Ab dem 17. Juli erfolgte eine neuerliche Einquartierung von Franzosen in Wolfurt. Die Bevölkerung hatte die Soldaten (100 Mann) mit Suppe, Brot, Fleisch und Branntwein zu verköstigen. Für einen Brückenbau in Gaißau mußten täglich 10 Männer für die Bauarbeiten abgestellt werden und Kornlieferungen an die französische Armee durchgeführt werden. Weiters schrieben die Franzosen der Gemeinde bis zu einem bestimmten Datum die Herstellung der Gemeindestraßen vor. Im Dezember 1800 wurden 3 Wolfurter als Wegführer und Fuhrleute für einen Truppentransport nach Schwarzenberg verpflichtet. In den folgenden Jahren litt die Bevölkerung Wolfurts unter ständigen Truppeneinquartierungen und unter Fuhrdiensten für das Militär. Kriegerische Auseinandersetzungen im Dorf gab es glücklicherweise keine mehr für die nächsten 145 Jahre. 22 Siegfried Heim So heo s i ghört! (Nicht-Wolfurter sollten sich unseren Dialekt vorlesen lassen, wenn er ohne phonetische Zeichen geschrieben wird.) Deon und heon, deonna und heonna, ummar und umme: umme gi Kennolba, gi Breogoz, gi Lindo, id Schwiz, gi Amerika dünn und homm, dunna und homma, uffar und abe: abe in Keor, gi Luttora, gi Nuschlou, gi Wion, id Steiormark, uf Italien domm und hunn, domma und hunna, abar und uffe: uffe in Ufzug, gi Bildsto, gi Schwarza, is Oborland, uffe uffo Mo duß und hinn, dussa und hinna, inar und usse: usse is Riod, gi Locho, is Dütscho dinn und huß, dinna und hussa, ussar und ine: ine is Gado, is Buoch, ad Egg, is Muntofu, is Tirol, ine is Dorf und usse gi Rickoba, usse id Kelte, ine ad Werme! Füor s Klennst Rita, rita, Rößle! Z Breogoz stoht a Schlößle, z Riodoburg a Kappele. D Moatla trägond Schappele. Buobo trägond Moio. D Henna leggond Oior. D Wibor neommond s us und Heorro schleockond s us. Was wir planen Vortrag: Gewerbe im vorigen Jahrhundert Zeitschrift: Geologisches aus Wolfurt Lesung: Aus der Schneider-Chronik Führungen: In und um die Kirche Quer durch Rickenbach Wir werden Sie rechtzeitig einladen. Bitte, lassen sie uns die Adressen von weiteren Interessenten zukommen, denen wir dieses und die folgenden Hefte zuschicken dürfen!
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...990_A Wolfurt 01.04.1990 19.11.2012, 18:33 Heft 5 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 90 SCHLOSS WOLFURT auf einem Foto aus dem Anfang unseres Jahrhunderts. So hatte der Bregenzer Kaufmann Jakob Huter 1856 das alte Schloß umgebaut und den massiven Turm mit einem romantischen Zinnenkranz im «Neuschwanstein»-Stil geschmückt. 1936 bekam der Turm seine heutige Form. Das Schloß ist 1939 abgebrannt. Inhalt: 13. 14. 15. 16. 17. Schlösser in Wolfurt (Heim) Pfarrer Barraga (Köb) Pfarrkirche (Heim) Autos (Heim) Chronik (Engelbert Köb) Zuschriften und Notizen Wie hoch ist der Wolfurter Kirchturm? Eine Reihe von Anfragen befaßte sich mit der in Heft 4 veröffentlichten Planskizze aus dem Pfarramt, die die Turmhöhe mit 57,30 m angibt: «In der Schule haben wir gelernt 65 m!» Ein erfahrener Handwerker berichtete sogar, wie er einst vom «Giggolar» bis zum Friedhof herab ein Seil ausrollte und nachher abmaß: 63 m. Mit modernsten Meßgeräten hat daher Karl Hinteregger den Turm im November 1989 noch einmal abgemessen: 56,92 m. Ein Gruß daher an alle Heimatkundelehrer: Der Wolfurter Kirchturm ist 57 Meter hoch. Zu Kriegsende 1945 (Heft 3/36) erinnert sich Albert Köb (Mesmers auf dem Bühel): «Luise Bilgeri wurde nicht mit den beiden Soldaten in ein gemeinsames Grab gelegt, sondern einen Tag später allein ein paar Grabreihen weiter hinten beerdigt. Ich habe dem Totengräber beim Graben geholfen.» Mundartausdrücke (Heft 4/1) Besonders viel Aufmerksamkeit hat Helmut Heim mit seinem Beitrag gefunden. Manche haben fröhlich darüber diskutiert. ArminSchertlerund Celine Gliebe haben selbst ergänzende Beiträge geschickt. Wir bitten alle Dialekt-Freunde, uns weitere Sprüche und Notizen zuzusenden, damit bald eine Fortsetzung folgen kann. Weit in die Fremde werden manche unserer Hefte als Gruß aus Wolfurt verschickt, aus dem fernen Wien erreichte uns ein Brief: Lieber Heimatkundekreis! Vielen Dank für die Heimatkundehefte. Sie sind interessant, informativ und erweitern meine Kenntnisse in diesen Bereichen gewaltig. Allein die Entwicklung in den 28 Jahren, die ich von Wolfurt fort bin, ist unglaublich. Jedesmal wenn ich nach Wolfurt komme, hat sich wieder was verändert. Z. B. hat die Bregenzerstraße ein ganz anderes Gesicht als zu der Zeit, als ich noch zu Hause war. Überall entstehen neue Häuser oder Wohnbauten oder auch öffentliche Gebäude, wo ich mir dann überlegen muß, was da früher gestanden ist — wie es ausgesehen hat. Ein bißchen wehmütig berührt mich, daß die vielen Wiesen verschwinden, wo ich mit König 's Kühe hüten war oder mit den Freunden gespielt habe. Das Bächle in der unteren Straße, in das ich nicht nur einmal «abgestürzt» bin, vermisse ich auch—alles Nostalgie — lassen wirs. 1 DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Heinrich Köb, geboren 1946, Hauptschullehrer in Wolfurt Berichtigungen 1. Die Kapläne (Heft 4/71): auf einen besonders schlimmen Fehler weisen mehrere aufmerksame Leser hin. In der Reihe wurde unser besonders beliebter Kaplan Pius Fäßler vergessen. Ich bitte den fröhlichen Pfarrer von Au um Verzeihung. Er feiert heuer das 20jährige Pfarrjubiläum. Am 13. September 1970 ist er von Wolfurt nach Au eingezogen. 2. Druckfehler (Heft 4/62, Zeile 12): statt Gelände richtig «Geläute». Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Die andere Seite ist, daß es jetzt viel mehr Möglichkeiten gibt, ob Freizeit, Schule oder Erwachsenenbildung und auch ein reges Vereinsleben. Ich komme immer wieder gerne das «Hoamweh abstroafa» und Dialekt «uffrischa». Auch meine Söhne sind mit dem Dialekt vertraut, denn jeder von ihnen kommt gern ins Ländle. Meine Haupt- und wesentlichste Erinnerung an Wolfurt ist die, daß ich überhaupt noch am Leben bin: Im Jahr 49 hatte ich Diphtherie, die der Arzt aber nicht erkannt hat. Dank Schwester Epiphania kam ich dann im letzten Augenblick noch zu meinem Luftröhrenschnitt und blieb dadurch am Leben. Die anderen Erinnerungen beziehen sich fast alle auf Flatz' Isidor, der für mich Vater, Großvater, Freund, Kumpel war und viel zu früh gestorben ist. 1958 sind wir an die Ach gezogen, und ich 1962 nach Wien. Damals ist der Kontakt zu Wolfurt und den Wolfurtern leider abgerissen. Schellings (Gliebe) Celine versorgt mich mit Informationen (Hinweis auf den Heimatkundekreis), Zeitungsausschnitten, Festbroschüren über Wolfurt. Sie ist meine Hauptquelle für Neues aus der Heimat. Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg und bleibe mit herzlichen Grüßen Eure Helga Klement (Berkmann) Siegfried Heim SCHLOSS WOLFURT Auszug aus einem Vortrag im November 1989 Das Schloß auf dem Bühel über dem Kirchdorf prägt wesentlich das Bild unseres Ortes. Es ist Privatbesitz der Familie Schindler, aber es gehört doch auch uns allen. Sage und Geschichte Chronist Ferdinand Schneider nennt um das Jahr 1880 vier Schlösser in Wolfurt: «Vom Schlößle Holz bei Unterlinden weiß die Geschichte nichts.» Vom Schloß Kuien auf dem Rutzenberg kennen wir immerhin die Sage von der goldenen Schlange. Schloß Veldegg auf dem Hexenbühel im Oberfeld und Schloß Wolfurt sind durch viele Dokumente bezeugt. Zuerst die älteste Sage, die Weizenegger in seiner Beschreibung Vorarlbergs aus dem Jahre 1839 (auf S. 350) berichtet: «Unter den Familienmitgliedern pflanzte sich die Erinnerung fort, daß die ursprünglichen Wolffurth im 13. Jhdt. aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M'Dewr the Wolf— sprich Mac Diur the Wolf— führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford — Wolfsführe — und nach und nach in Wolffurth überging.» Es gibt keinerlei Beweis für die Echtheit dieser Sage. Aber tatsächlich durchzogen in jenen Jahrhunderten zahlreiche Ritter die Länder Europas, manche als Abenteurer und in Minnediensten, viele als Söldner und Söldnerführer. Ich verweise auf das berühmte Fresko von Ucello im Dom von Florenz, das den britischen Söldnerführer John Hawkwood («Giovanni Acuto») in florentinischen Diensten zeigt. Diese Sage von M'Dewr the Wolf würde erklären, warum der Name Wolfurt erst so spät um das Jahr 1220 auftaucht und zwar als Name einer Burg, während die Ansiedlung beim Kellhof schon lange bestand und nachweislich schon 1172 eine Kapelle St. Nikolaus besaß. 2 3 Ab 1220 tauchen der Name Wolfurt und das Siegel mit dem Wolf auf vielen Dokumenten im Raum von Lindau bis Konstanz und Pfullendorf auf und bezeugen ein mächtiges Rittergeschlecht. Thomas Lirer zählt es in seiner Schwäbischen Chronik zu den bedeutendsten Geschlechtern Schwabens. Das Lindauer Geschlechterbuch nennt es «fürnehm in der Ritterschaft des Landes Schwaben». In Vorarlberg selbst war Schloß Wolfurt mit seinem Kellhof und dessen selbständigem Gericht aber ein Fremdkörper. Der Kellhof war 1167 als Königsgut in den Besitz des Kaisers Friedrich Barbarossa gekommen und mit der Stadt Lindau Reichsgut geworden. Mitten im Montfortischen Hofsteig war er jetzt Stützpunkt der Staufer, die bei der Besiedlung des Bregenzerwaldes mit den Grafen von Bregenz konkurrierten. Wahrscheinlich waren Kellhof und Schloß auch Rastplätze am staufischen Kaiserweg über die Alpen nach Italien. Hierin könnte die ursprüngliche Bedeutung der Ritter von Wolfurt liegen, die sich zwar im Bodenseeraum einen Namen machten, in Vorarlberg selbst aber bei späteren Geschichtsschreibern kaum Beachtung fanden. Erst Burmeister richtete ab 1982 mit seinen Forschungen und seinen Veröffentlichungen «Das Edelgeschlecht von Wolfurt» (1984 in Lindau!) und «Die Siegel der Edlen von Wolfurt» (1984 in Eisenstadt!) die Aufmerksamkeit der Historiker auf das Wolfswappen. Er weist nach, daß die Wolfurter im 14. Jahrhundert zwanzig Burgen besaßen, allerdings in Vorarlberg nur ihr Stammschloß, aber zehn am Untersee und im Schwarzwald, neun in Ungarn und eine in Italien. 10. Jenny Samuel: Der Wolfurter Kelch in Pfäfers, LM-Jahresbericht 1888 11. Nigg Theophil: Der Wolfurter Kelch, Heimatblätter aus dem Sarganserland 1937/7 12. Rapp Anna: Der Meßkelch aus Pfäfers, Schatzkammer der Schweiz, Landesmuseum Zürich 1980/40 13. Vogler Werner: Die Wolfurter in Pfäfers, LM-Jahrbuch 1982 14. Weizenegger-Merkle: Vorarlberg 1839/1-350 Die goldene Schlange von Wolfurt Als erster hat Pfarrer Barraga 1834 diese alte Wolfurter Sage im Pfarr-«Catalogus III» aufgeschrieben. Er erzählt vom Schloß Kuien: «Von diesem Schloße sah man öfters eine goldene Schlange über die Felswand hinabschießen u. aus (dem) Rickenbach Waßer schlürfen.» Franz Josef Vonbun hat die Sage in Oberländer Mundart in Verse gesetzt. Die erste Strophe lautet: «Ob Wolfurt ist a Zwingburg gsi, sie ist jetzt frile zämmekeit und nur verwetterts Murewerk ist d'Loabat vu der Herrlichkeit.» Fälschlich verlegen schon Ulmer und nach ihm auch Burmeister die Sage vom Kuien nach Schloß Wolfurt. Die Überlieferung weist sie aber eindeutig dem nach der Sage im Jahre 1408 von den Appenzellem verbrannten Schloß Kuien am Rickenbach zu. Ungefähr so habe ich sie von meinem Lehrer gehört: « Ufom Kujo im Bahholz obor Rikkoba ist amol a Schloß gstando. Döt dorn heot an böso Rittar gwohnt. Am heallo Tag heot ar Kouflütt uf or Stroß üborfallo und heot eona s Geold gnuh. No meh händ alle dio hoffürtig Tochtor vum Rittar gfürchtot. Dio ist vielmol mit ihrom wildo Roß miotta dur d Kornäckargritto und heot mit dor Goasol uschuldige Lütt gschlago. Viel Gold heot si im Keor zemmod treit. Abor wenn an armo Beattlar am Burgtoar klopfot heot, dann heot sie dio böso Hund ufon ghetzt. Zletscht händ d Buro d Appozellar us or Schwiz z Hilf gholot. In ar dunklo Nacht händ se d Burg übrfallo und azündt. Heolluf heot as brennt und dann ist alls zemmodgfallo und dio brennigo Balko händ deo böso Rittar arschlago. Des hoffürtig Fräulein ist im Rouch ufom Geold im Keor eländig vorstickt. 5 Literatur: Für besonders interessierte Leser füge ich hier eine Liste von Werken ein, die Schloß Wolfurt oder seine Ritter beschreiben: 1. Schwärzler Kaspar: Die Edelgeschlechter von Wolfurt a) Manuskript 1897 in der Schulchronik Wolfurt b) Volkskalender 1898 c) Volksblatt 1898/48-51 2. Ulmer Andreas: Burgen und Edelsitze 1925/385 3. Neurauter: Schlösser, Feierabend 1932/5 4. Gasser Siegfried: Schloß Wolfurt, Illwerke 1972 5. Burmeister Karl Heinz: Die Wolfurter, Landesmuseum 1982, Katalog 99 6. Burmeister Karl Heinz: Ritter Konrad, LM-Jahrbuch 1982 7. Burmeister Karl Heinz: Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Museum Lindau 1984 8. Burmeister Karl Heinz: Die Siegel von Wolfurt, Burgenländische Forschungen VII/1984 9. Bronner Franz Xaver: Herzog Werner von Urslingen, Aarau 1828 (aus italienischen Chroniken). 4 A bor d Seel vun-oro heot ka Ruoh gfundo. Sit do muoß seas Schlang im Keor goastoro und Buoß toa. All hundort Johr amol darfse ussar krücho und am Rikkoba Wassortrinko. Wenn däs an uschuldigs Sunntagskind sioht und ohne Angst stoh blibt, dann kan as dio arm Seel mit am Gebeott arlöso und kut viel Geold und Gold übor. Sus abor muoß dio glitzgorig Schlang wiedor zruck in Keor ine und ma hört se z Nacht rumplo und pflänno.» und ein anderer Baron mußten 100.000 Goldgulden, mehrere Freiherrn und Ritter 50.000, die Ritter und Schildträger von Neapel auch 50.000bezahlen; der Graf von Spreck und Wilhelm von Fogliano, die selbst um Sold dienten, verloren ihre Waffen, Harnische und Pf erde.» Mit den anderen Söldnerführern teilte Konrad von Wolfurt — die italienischen Chronisten nennen ihn «Wolfart» oder «Corrado Lupo», den Wolf— die unfaßbar große Beute von 500000 Goldgulden und die vielen Wagenladungen voll anderer Schätze: «Nebst dem beträchtlichen Geldschatze theilten sie unter sich auch eine Menge Streitrosse, reiche Harnische und Waffengeräthe, ferner ganze Haufen durch Kirchenraub zusammengebrachte silberne Kirchengefasse, Kreuze, Kelche, köstliche Priestergewänder, Altarschmucku. dgl., auch ganze Gewölbe voll theure Juwelen, Schmuckkästchen von großem Werthe, die sie den Gemarterten durch lange Qualen entrissen hatten. Nach dieser Theilung war jeder Soldat reicher als er erwartet hatte; das Heer zog sich über den Volturno zurück, und die Feldherrn gingen zu Rathe, ob sie sich trennen wollten. Die Deutschen trachteten mit ihrem Raube ins Vaterland zu entkommen; nur Conrad Wolfart mit einigen ungarischen Heerscharen blieb noch im Königreiche Neapel und ging nach Apulien in feste Plätze zurück. Die reichen Freibeuter nahmen, als sie schieden, viele Mädchen und Frauen, die sie ihren Männern geraubt hatten, mit sich auf die Reise, und schlugen den Weg nach Deutschland ein.» Ulrich machte mit seinen Schätzen nun Karriere als Graf in Ungarn. Unter anderem war er Herr von Ödenburg und ritt als Gesandter des Königs 1352 zum Papst nach Avignon. Konrad hatte sich zuerst nach Guglionesi in die italienischen Abruzzen zurückgezogen, doch dann finden wir auch ihn als Grafen in Ungarn. Auch er war 1355 Gesandter beim Papst. An seiner Seite ritt damals Marquard von Hohenems. 1365 kaufte Konrad Stadt und Burg Arbon am Bodensee. 1364 hatte er dem Kloster Pfafers den berühmten Wolfurter Kelch gestiftet. Selbstbewußt stellte er darauf sein Wolfswappen zu den Zeichen der vier Evangelisten. Der Kelch zählt heute zu den Kostbarkeiten der Schweizer Schatzkammer in Zürich. Die Gemeinde Wolfurt besitzt seit 1982 eine Kopie. Ebenso schnell wie die Wolfurter Ruhm und Reichtum gewonnen hatten, verloren sie auch alles wieder in wenigen Jahrzehnten. Schon 1402 mußten sie ihre Stammburg Wolfurt verkaufen, 1405 auch noch Burg Gießer bei Lindau «samt Mühle, Korn, Weinzehnten und aller Zugehör, dazu 40 Bauern mit ihren Weibern und Kindern, . . . » Die verschiedenen Ritterlinien im Schwarzwald und am Bodensee starben aus oder wurden Bürger in den Städten. Auch in Ungarn erlosch das Geschlecht um 1450. 7 Äbte und Raubritter Weil im Mittelalter die Klöster ungeheuren Einfluß hatten, versuchten Kaiser und Fürsten jeweils die Abtwahl zu beeinflussen. So kamen auch viele Wolfurter in den staufischen Klöstern zu hohen Ehren. Allein im wichtigen Pfafers (im oberen Rheintal) stellten sie dreimal den Abt. Um 1370 war Burkhart Abt in Pfafers und seine Schwester Agnes Äbtissin in Lindau. Im gleichen Jahr finden wir einen Konrad von Wolfurt als Prior in Chur, Wolfhard als Propst im Stift Waldsee und Guta von Wolfurt als Meisterin von Münsterlingen. Eine ungeheure kirchliche Machtfülle in der Hand eines einzigen Geschlechts! Weit größere weltliche Macht hatten aber die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt als Anführer von Söldnerheeren in Italien gewonnen. Für König Ludwig den Großen eroberten sie 1348 das Königreich Neapel. Italienische Chroniken berichten mit überschwenglichen Worten von ihrer Tapferkeit und Kriegkunst, aber auch von ihrer Grausamkeit und Geldgier. Von Konrad heißt es, als er die Stadt Foggia plünderte: «Erließ seine Soldaten nach Gefallen wirtschaften, sie bemächtigten sich der Häuser, der Geräthe, der Lebensmittel, und überließen sich ihren bösen Gelüsten mit Frauen und Jungfrauen; nicht zu frieden, die Bürger ihres Eigenthums beraubt, und das Glück der Familien gestört zuhaben, quälten sie die Hausväter noch überdies mit ausgesonnenen Martern, um von ihnen noch mehr Geld zu erpressen. Man schaudert bei der Beschreibung solcher Unthaten.» Auch Capua und Aversa wurden geplündert. Dabei machten die Söldner zahlreiche Gefangene, die sie nun durch grausame Martern zur Zahlung von ungeheuren Lösegeldern zwangen: «Die gefangenen Feldobersten, Raymund del Balzo, die beiden Grafen Robert und Tricario von San-Severino, der Graf von Santo-Agnolo 6 Holzhändler und Beamte Im 15. Jahrhundert kauften die Habsburger Stück um Stück von Vorarlberg, darunter auch Wolfurt. Als Lehen vergaben sie es an die Familie Leber aus Bregenz, die durch Handel mit Holz und Wein reich geworden war und nun noch nach Titel und Wappen strebte. Jakob Leber wurde schließlich um 1515 von Kaiser Maximilian geadelt. Er begründete das zweite Geschlecht «Ritter von Wolfurt». Wohl als Symbol seines Reichtums setzte er dem Wolf im Wappen eine goldene Krone auf. 1529 bis 30 stellten die Leber von Wolfurt ihr Schloß dem Fürstabt Kilian von St. Gallen und seinem Konvent zur Verfügung, der vor der Reformation hatte fliehen müssen. Kilian verunglückte beim Durchreiten der Ach. Die Leber hatten große Besitzungen in Bregenz. Ihnen gehörte das Gut Kronhalde. Auch am Deuring-Schlößchen hat man ihr Wappen mit dem gekrönten Wolf gefunden. Einige von den sechs Söhnen des Hans Jörg Leber trugen es noch einmal weit in die Welt hinaus. Junker Laux (Lukas) von Wolfurt diente den Grafen von Ems, die um 1600 auf dem Höhepunkt ihrer Macht standen. Erzbischof Mark Sittich machte ihn zum Stadthauptmann von Salzburg, der seinen Herrn mit ungeheuer zahlreichem Troß im Jahre 1608 zum Reichstag nach Regensburg geleitete. Sigmund von Wolfurt war Dompropst zu Konstanz. Als solcher verwaltete er die dortigen Güter des Salzburger Erzbischofs und versorgte diesen unter anderem auch mit Meersburger Wein. Ein Fenster im Münster trägt sein Wappen und das Todesjahr 1621. Johann Eucharius von Wolfurt wurde 1616 Fürstabt des Benediktinerklosters Kempten. Er machte es zu einem Zentrum der Gegenreformtion im 30jährigen Krieg. Das Kloster erwarb Dörfer und Schlösser und betrieb eine eigene Münzstätte. Seine Münzen mit dem Wolfurter Wappen sind heute besondere Raritäten. Um 1650 starb auch das Geschlecht der «Leber von Wolfurt zu Wolfurt» aus. Österreichische Beamte versuchten nun, mit Schloß und Wappen ihren Namen Klang und Geltung zu verschaffen. Ihr bedeutendster Vertreter ist Benedikt Reichart «von Wolfurt und Wellenstein», ein verhaßter Stadtammann und Steuereintreiber in Bregenz, der das Lehen ab 1695 besaß. Unter ihm bekam das Schloß jenes Aussehen, das wir von den ältesten Bildern kennen. Der Turm trug ein Satteldach. Ebenerdig war eine Schloß kapeile eingerichtet. Auf der Südseite deckte ein großer Weinberg den steilen Hang. Die letzte Adelsfamilie «von Wolfurt» war die des Bregenzer Amtsrats Konrad von Tröndlin-Greiffenegg, die das Schloß 1750 für 900 Gulden kaufte. 8 Schloßbauern Zum Schloß hatten einst auch die Bauern und die Mühle im Holz gehört. Längst hatten diese ihre Freiheit gewonnen. Im Jahre 1760 war Johann Stadelmann aus Buch (1725—1800) Besitzer des zweiten Hofes im Holz geworden (In diesem Haus lebte später der Wolfurter Ehrenbürger Dr. Lorenz Böhler). Johann Stadelmann trieb 1772 die 3600 Gulden auf, die die Witwe Tröndlin für das Schloß und allen dazugehörigen Grundbesitz verlangte und wurde der erste Schloßbauer. Seine Tochter Agatha heiratete 1799 Franz Xaver Köb aus Bildstein-Haag (1777—1859). Sie zogen in das alte Gemäuer ein und begründeten mit ihren 12 Kindern die große Sippe «Schloßburos» in Wolfurt. Von den Kindern wurde der Krämer Johann Köb (1805—1849) im Haus Kirchstraße 6 in Unterlinden Stammvater der Waldaufseher Köbs (Alwin, Anna...) an der Kirchstraße, der Gottfrieda Köb-Kalb in Unterlinden und der Schmied-Köbs an der Wälderstraße, aber auch vieler Tochterfamilien. Johann Baptist Köb (1814—1884) zog in die Bütze. Aus dem 1930 dort abgebrannten Haus stammen nicht nur die großen Familien von Vinzenz und Herbert Köb in der Bütze und von Johann Köb an der Schloßgasse («Stenzlers»), sondern neben anderen weit zerstreuten Köb-Familien durch ihre Großmütter auch die «Kapeller» und einige «Mohr»-Familien. Die Schloßbauern Xaver Köb und seine Söhne verkauften das Schloß 1856 an den Kaufmann Jakob Huter in Bregenz. Mit seinen zehn Kindern, darunter der Bürgermeister und Ehrenbürger Josef Huter (1844—1902), baute Jakob Huter das verwahrloste Schloß zu einem schönen Sommersitz um. Der Turm erhielt einen romantischen Zinnenkranz. An die Stelle der alten Wirtschaftsgebäude kam ein Wehrgang mit Wohnzimmern. Der alte Roßweg über die Halde wurde durch eine Fahrstraße ins Dorf erweitert. Von Huters Erben erwarb 1937 der Textilindustrielle Dr. Fritz Schindler aus Kennelbach das wieder arg baufällige und unbewohnte Schloß samt drei Hektar Grund. Schon ein Jahr vorher hatte er mit dem Umbau begonnen. Der Turm wurde ein Stück erhöht und mit Schwimmbad und Fernrohr ausgestattet. Wohnhaus und Wehrgang wurden komfortabel eingerichtet. Die neue Elektroinstallation wurde aber zur Ursache eines Großbrandes, der das Schloß am Abend des 12. Dezember 1939 fast völlig zerstörte. Unersetzbare alte Möbel, Türen und Deckengewölbe verbrannten. Es gelang Schindler, das Schloß nach Plänen von Architekt Tscharner bis zum Herbst 1940 wieder aufzubauen. Seine mutigen Flüge als einer der ganz wenigen Sportflieger von Altenrhein mußte er im Krieg einstellen. Immer noch wurden aber die prachtvollen Luxus-Autos, darunter das von 36 Elementen mit Energie versorgte große Elektro-Mobil des Schloßherren, von der Wolfurter Dorf-Jugend bewundert. 9 Als die Familie Schindler zu Kriegsende in die Schweiz flüchtete, vertraute sie das Schloß der getreuen Wirtschafterin Lisa an. Bald nahmen es die Franzosen in Besitz. In den unruhigen Maitagen 1945 verschwanden zwar einige Kostbarkeiten aus der Bibliothek, Insgesamt aber blieb das Schloß in gutem Zustand, weil die französische Militärregierung unter Colonel Jung ihren Sitz hierher verlegte und es von Militärpolizei bewachen ließ. Immer wieder kamen jetzt hohe Gäste auf Besuch, darunter General Bethouard und das Fürstenpaar von Liechtenstein. 1950 kehrte die Familie Schindler heim. Auch Dr. Fritz Schindler empfing nun häufig Gäste aus aller Welt, Fabrikanten, Künstler, Weltreisende oder den bekannten Radioprediger Pater Suso Braun. Die Söhne der Familie brachten eine besondere Form von exotischem Leben ins Schloß. Sie züchteten gefahrliche Giftschlangen, seltene Echsen und Krokodile. Alexander, der jüngste Sohn, widmete sich einige Jahre lang dem ebenso gefährlichen Auto-Rennsport. Seit dem Tode ihres Gatten ist nun Frau Friedel Schindler Besitzerin und Bewahrerin unseres schönen Wolfurter Schlosses. Franz de Barraga 1788—1835 • Seelsorger und Kirchenbauer (Vorwort von Siegfried Heim) Unter den sechs Wolfurter Pfarrern im 19. Jahrhundert gebührt Franz Xaver Barraga ein besonderer Platz. Im Jahre 1818 hatte der Papst aus Teilen der uralten Diözesen Chur, Konstanz und Augsburg das neue Generalvikariat Vorarlberg zusammengefügt. Bischof Bernhard Galura, der als erster Generalvikar seit 1820 in Feldkirch residierte, fiel die schwere Aufgabe zu, die hier aufeinander treffenden theologischen Schulen von Konstanz und Chur zu vereinen. Weil ein Priesterseminar fehlte, entstand drückender Priestermangel. Nur 156 von 176 Stellen waren besetzt. Die starke überalterte Geistlichkeit wehrte sich gegen neue Strömungen. (Nach Elmar Fischer, Die Seelsorge im Generalvikariat Feldkirch, 1968). Vor diesem Hintergrund müssen wir die in der Folge berichteten Auseinandersetzungen um Pfarrer Barraga in Wolfurt sehen. Im Pfarrbuch Catalogus Ic / Seite 4, findet sich über ihn folgende Eintragung: «Franz de Barraga, Viennensis, Tirolensis, zur Aushilfe von Tirol nach Vorarlberg berufen. War Kaplan zu Rankweil, Schwarzenberg, Pfarrer zu Damüls,nun hier seit dem 2. September 1828. - Starb allhier den 2ten November 1835.» Barraga war 1828 in die von seinen Vorgängern, «welche die Wirtshäuser zu sehr liebten», ziemlich vernachlässigte Pfarrgemeinde Wolfurt gekommen und hatte sofort mit dem Kirchenbau begonnen (Siehe Heft 4, Seite 58!). Damit schuf er sich erbitterte Gegner. Unbeirrt ging der Pfarrer seinen Weg. 1834 war der Rohbau der Kirche fertig. Aber auch des Pfarrers Kräfte waren verzehrt. Am Allerseelentag 1835 starb er - erst 47 Jahre alt. Das Diösezanarchiv in Feldkirch verwahrt eine Reihe von Barraga-Dokumenten. Vier davon hat Heinrich Köb für uns aufbereitet. 10 11 Bewerbungen um die Pfarrstelle Wolfurt im Jahre 1828 An das Ordinariat in Bregenz Daß die Pfarrei Wolfurt den 16. 12. dieses Jahres durch den Tod des Pfarrers Joh. Alois Graßmayer zur Erledigung gekommen sei, hat das unterzeichnete Amt zur gehörigen Zeit angezeigt. Daß diese Erledigung der vorarlbergischen Geistlichkeit bekanntgemacht worden sei, bezeugen die angeschlossenen Umlaufschreiben. Diese Pfarre ist eine der gut dotierten und der angenehmsten im ganzen Lande: eine halbe Stunde von der Hauptstraße entfernt, eine Stunde von Bregenz, in einer schönen und fruchtbaren Gegend. Kirche und Pfarrhaus sind auf einer Anhöhe, die Kirche ist schlecht und viel zu klein. Die Gemeinde etwa eine Stunde lang, zählt über 1200 Seelen und besteht aus 9 Parzellen: Wolfurt mit 139, Rickenbach mit 37, Ach mit 10, Holz mit 5, Steig mit 4, Frikkenesch mit 3, Bannholz mit 3, Meschen mit 2 und Bächlingen mit 2, zusammen 205 Häuser; 229 Familien. Vermutlich hat die Zahl seit der Zeit obiger vor einigen Jahren geschehenen Angaben zugenommen. Daß diese Gemeinde keinen gemeinen, sondern einen außerordentlichen Seelsorger erhalte, ist für selbe dringendes Bedürfnis, indem sie von den zwei verstorbenen Pfarrern, welche die Wirtshäuser zu sehr liebten, ziemlich vernachlässigt worden ist. Daher sind Unglauben, Verachtung des Heiligen, Rohheit und auch Säumen mit dem Eifer für die Schule recht zu finden. Wie könnte es anders sein? Vor allem muß das unterzeichnete Amt pflichtgemäß bemerken, daß da ein Seelsorger notwendig sei, der ein Feind des Wirtshausbesuches ist, der jahrum zu Hause bleibt, sich durch ein stilles, frommes und sanftes Benehmen Achtung verschafft, Eifer mit Geduld, Sanftmut mit Bescheidenheit verbindet. Auch eine äußere Bildung ist für ein Volk notwendig. Hat einen steten Verkehr mit der Hauptstadt und dem Auslande. Kurz, da muß ein anderer Boden gelegt werden. Um diese Pfarre haben sich beworben: 1. 2. 3. 4. Franz Xaver Barraga, Pfarrer von Damüls Gebhard Bechter, Pfarrer von Gaißau Jos. Stebele, Pfarrer in Warth Joh. Caspar Willam, Pfarrer im Silberthal zu 1 Der Bewerber Barraga wurde am 19. Juli 1788 zu Wien geboren, Priester seit dem 13. Dezember 1812, ist der deutschen und der lateinischen Sprache kundig, von ausgezeichnet guten Sitten. Die Theologie hat er zu Innsbruck absolviert, teils mit Vorzug, teils mit der ersten Klasse. Die Einstellungs- und Fähigkeitsprüfung hat derselbe am 17. und 18. September 1823 abgeschlossen, er hat in allen Gegenständen Noten erster Klasse erhalten. Dieser Priester diente etwa 15 Jahre in der Seelsorge, zehn Jahre in Tirol und fünf Jahre in Vorarlberg, zuerst an der großen Pfarre Rankweil, dann in Schwarzenberg und seit 1823 an der wildgelegenen Gebirgspfarrei Damüls. Überall weiset er sich durch höchst rühmliche Zeugnisse aus und das unterzeichnete Amt bezeuget, daß Barraga einer der gesittetsten und frömmsten Priester des Landes sei, der stets zu Hause ist, alle Wirtshäuser meidet und die Würde seines Standes durch sein anständiges Benehmen vor jedermann behauptet. Den Ermahungungen seiner Oberen unterwirft er sich ganz, die, wenn sie notwendig sind, und Mäßigung seines Eifers zum Gegenstande haben. zu 2 Der Bewerber Bechter ist am 25. Juli 1778 zu Bregenz geboren, Priester seit dem 22. 9. 1804, ist von guten Sitten, der deutschen und lateinischen Sprache kundig. Die Theologie hat er teils zu Linz, teils zu Innsbruck absolviert, mit den Noten der ersten Klasse, aus einigen Gegenständen auch mit Vorzug. Bei der im Mai 1823 abgehaltenen Fähigkeitsprüfung hat er aus allen Gegenständen die Note der ersten Klasse erhalten. Dieser Priester dient seit 1804 in der Seelsorge, fünf Jahre als Katechet in Bregenz, 13 Jahre als Kaplan zu Rorschach in der Schweiz, einige Zeit als Josephs-Benefiziat in Bregenz und seit 1823 als Pfarrer in Gaißau. Derselbe weiset sich durch sehr rühmliche Zeugnisse aus und das gezeichnete Amt bezeugt, daß er für Seelsorge Eifer und gute Talente habe, daß er sich genau seinem Berufe widme, dient zum Beweise, daß er ein Gebetbuch im Manuskripte vorgelegt hat. Dabei ist er nüchtern und unterwirft sich ganz höheren Anordnungen. Da er von schwerem Körper und etwas engbrüstig ist, dürfte ihm die Situation der Gemeinde Wolfurt, wie diese beschrieben worden ist, beschwerlich und immer beschwerlicher werden. zu 3 Pfarrer Stebele in Warth weiset sich durch keine Zeugnisse aus, wohl aber kann das unterzeichnete Amt bezeugen, daß es mit ihm zufrieden sei, muß aber pflichtgemäß beisetzen, daß er für die sehr bedenkliche Pfarre Wolfurt nicht für geeignet gehalten wurde. 12 13 zu 4 Über den Pfarrer Willam muß das, eben das, was über den Pfarrer Stebels gesagt wurde, bemerkt werden. Das unterzeichnete Amt bezieht sich auf den bei Beschreibung dieser Gemeinde aufgestellten Hauptgrundsatz. Das Patronat stand ehedem dem Stifte Mehrerau und stehet nun der hohen Landesstelle zu. den 31. März 1828 Bernhard von Galura (Generalvikar seit dem 16. 4. 1820) Nachdem der öffentliche Unterricht im Spätjahr 1829 seinen Anfang etwas später genommen hatte, fing Mesch eine Privatschule an, ohne hievon eine Meldung gemacht zu haben. Die Eltern, welche ihre Kinder zu dieser Privatschule schickten, waren meines Wissen: Ferdinand und Jakob Schneider, Jakob Böhler, Franz Josef Dür, Ziegler, Josef Schelling und andere, welche mir nicht genau bekannt sind. Die Kinder, welche diese Schule (Privatunterricht) besuchen wollten, waren teils der Schule entlassen, teils Pflichtige Kinder. 3. Frage: Haben Sie keine Kinder der Werktagsschule entlassen, damit selbe obige Privatschule des Joseph Anton Mesch besuchen könnten? Wie alt waren diese Kinder? Unter den schulpflichtigen Kindern, die entlassen wurden (werden wollten), waren Joseph und Katharina Schelling. Johannes aber wurde zum Entlassen unfähig, die Katharina aber zu jung befunden, und somit erfüllt keines die förmliche und legale Entlassung. Da der Katharina Schelling am gesetzlichen Alter nur vierzehn Tage mangelten, wurde sie als entlassen angesehen, und sie besuchte die Privatschule des Joseph Anton Mesch. Dabei kann sich Herr Pfarrer nicht erinnern, daß bei der Entlassung der Katharina Schelling die Absicht gewesen sei, sie darum vom Schulbesuche frei zu sprechen, damit sie die Privatschule des Joseph Anton Mesch besuchen könne. Joseph Schelling aber besucht die öffentliche Werktagsschule noch dermal. 4. Frage: Ist die Privatschule des Mesch mit ihrem Willen und Wissen gehalten worden, wußten auch die Vorstehung und das Inspektorat davon? Diese Privatschule wurde zwar mit Wissen, aber nicht mit Willen oder Übereinstimmung des hl.* Pfarrers gehalten. Über das Wissen und Wollen der Ortsvorstehung kann Herr Pfarrer keine Antwort geben. Allein die Distriktsinspektion äußerte sich vor dem Vater des Oberlehrers dahin, man möchte noch 14 Tage zusehen, ob aus der Privatschule wirklich etwas werde, oder ob sie sich selbst auflöse. Die Privatschule des Joseph Anton Mesch bestand somit noch nicht von amtswegen, sondern nur willkürlich. 5. Frage: Wann nahm diese Privatschule ihren Anfang, und wann endete sie? Diese Privatschule nahm ihren Anfang am 16.10.1829 und endete am 15.1.1830. Soviel dem hl. Herrn Pfarrer bewußt ist, ohne jedoch diese Angabe zuversichtlich zu machen. Soviel bewußt, hörte dieser Unterricht auf, fing dann wieder auf kurze Zeit an. (*hl. = «hochlöblich») 15 Pfarrer und Lehrer im Jahre 1830 (Eine Auseinandersetzung vor dem Dekan.) Einberufungsprotokoll des Hochwürdigen Herrn Franz Barraga, derzeit Pfarrer in Wolfurt, in bezug auf die, gegen selben unterm 30.1.1830 von einigen Gemeindeangehörigen in Wolfurt eingereichten Beschwerden. Geschehen in Schwarzach am 24. 2. 1830 im Dekanatshause durch den hiezu vom hochwürdigsten Generalvikariate unterm 11.2.1830 beordneten Dekan und geistlichen Rat Joseph Stadelmann. An dem oben angeführten Tage erscheint der Hochwürdige Herr Franz Barraga, Pfarrer in Wolfurt, 42 Jahre alt, Pfarrer daselbst seit dem 2. Feber 1828. Er gibt ihm die Zusicherung, auf die ihm vorgelegten Fragen gewissenhaft zu antworten. 1. Frage: Hatte nicht der nun selige Schulkandidat Gebhard Köb in Wolfurt eine Privatschule gehalten, mit welchem Eifer, auf wessen Bewilligung? Gebhard Köb hat nebst dem, daß er erwählter und in der Folge durch Dekret angestellter Lehrer war, auch einigen Kindern Privatunterricht aus den Gegenständen der deutschen Schule gehalten, mit gutem Erfolg und ohne Widerspruch. 2. Frage: Sind nicht auch im Spätjahre 1829 einige Eltern auf Entschluß verfallen, für einige ihrer Kinder durch den gegenwärtigen Schulkandidaten Jos. Anton Mesch Privatunterricht erteilen zu lassen? Welche Eltern widmeten ihren Kindern diese Privatschule und was für Kinder besuchten selbe? 14 6. Frage: Durch welchen Auftrag wurde diese Privatschule geendet? Hat Mesch von der ihm erfüllten Bewilligung, in den Häusern den Unterricht zu erteilen, Gebrauch gemacht? Indem Joseph Anton Mesch vorgab, das k.k. Landgericht hätte ihm die Bewilligung erteilt den Privatunterricht fortzusetzen, machte Herr Pfarrer die Anfrage bei dieser Gerichtsbehörde, ob dieses wirklich geschehen sei. Das belobte k.k. Landesgericht gab hierauf die Antwort, dasselbe habe dem Mesch die Erteilung des Privatunterrichtes in seinem Hause untersagt, ihm aber bewilligt, in den Häusern der Eltern und unter dieser ihrer Aufsicht nur ihren Kindern Unterricht zu erteilen, wenn keine besonderen Verhältnisse obwalten. (Gerichtsakt No. IV 22/316 vom 14.1.1830). Der Privatunterricht in dem Hause des Mesch erhielt hiedurch das Ende. Er fing dennoch auf einige Zeit wieder an, ohne jedoch fortzudauern. Ob jedoch Mesch von der ihm erteilten Bewilligung, in den Häusern der Eltern Instruktion zu erteilen, Gebrauch gemacht habe, ist dem hl. Pfarrer nicht bewußt. 7. Frage: Wäre Herr Pfarrer mit dem Unterricht der Kinder in den Häusern der Eltern zufrieden gewesen? Warum aber nicht mit dem Unterricht in der Wohnung des Lehrers Joseph Anton Mesch? Herr Pfarrer gab auf dieses Ansuchen den Bescheid, den er mündlich vom Herrn Distrikts-Inspektor vernommen hatte: Wenn nämlich die Gemeinde-Vorstehung die Verantwortung aller Nachteile und Folgen, die diese Schule etwa hervorbringen könnte auf sich nehme, könne diese Privatschule im Hause des Mesch fortbestehen. Diese Bewertung und Vorsorge hielt hl. Pfarrer darum notwendig, weil selbem der verderbliche Charakter dieser Schule vor Augen schwebte, indem Knaben und Mädchen von 13, 14, 16, 17 bis über 18 Jahren, folglich Kinder im gefährlichsten Alter, diese Schule besuchten. Es war zu vermuten, die Vorstehung werde sich für die Verantwortung einer so gefährlichen Sache um so weniger einlassen wollen und können, da ihr Amt als Vorstand mit jedem Jahr aufhören kann. Der Vorsteher Martin Schertler protestierte anfänglich gegen die Abweisung einer solchen Verantwortung. 10. Frage: Hat Ihnen der Schulkandidat Mesch nicht ein Zeugnis von der Vorstehung vorgelegt? Ist das Zeugnis echt? Durch verschiedene bittliche Zudringlichkeiten mag. hl. Vorsteher endlich zur Ausstellung des anliegenden Zeugnisses beredet worden sein, welches, so viel ich glaube, mit jenem ganz eins ist, welches mir Mesch vorlegte. 11. Frage: Warum waren Sie mit diesem Zeugnis nicht zufrieden, welche Umänderung verlangten Sie? Mit diesem Zeugnis wollte Herr Pfarrer nicht zufrieden sein, weil es Lügen enthält und mit dem Inhalt der Benachrichtigung des hl. k.k. Landgerichtes vom 14.1.1830 übereinstimmt, da nicht der Pfarrherr sondern das k.k. Landgericht den Privatunterricht eingestellt hatte. Daß Herr Pfarrer aber der Schule das Wort gesprochen habe, dessen erinnert er sich nicht und stimmt mit seiner ganzen Stellung gegen diese Schule nicht überein. Herr Pfarrer verlangte, wenn man ihn mit diesem Zeugnis nicht in Ruhe lassen wolle, es möchten alle Unwahrheiten ausbleiben. 12. Frage: Was geschah hierauf? Ist nicht der Ausschuß Schneider und der Lehrer Mesch zu Ihnen gekommen, und zu welchem Ende? Waren Sie bei derselben Ankunft zu Hause? In welcher Stunde kamen Sie nach Hause? Was hinderte Sie, diesen zwei Männern gleich Gehör zu geben? Jakob Schneider und der Schulkandidat kommen dann wieder in den Pfarrhof. Herr Pfarrer war noch abwesend, entweder in der Schule, die mündliche Prüfung abzuhalten oder bei einer Kranken, das aber selbigem nicht mehr bewußt ist. Bei dessen Ankunft befand sich in der Küche bei der Köchin eine arme Weibsperson, welche da dem hl. Pfarrer und Häuserin den Bericht erzählte, der ihr das hl. k.k. Landgericht darüber gegeben hatte, weil sie zu große Forderungen an die Armenkasse stelle. Nachdem Herr Pfarrer diese Klage angehört hatte, verließ er die Weibsperson in der Küche bei der Köchin und eilte seinem Zimmer zu. 17 Auf dem das löbl. k.k. Landgericht einmal diese Bewilligung in den Häusern der Eltern ihre eigenen Kinder zu unterrichten erteilt hatte, konnte und wollte Herr Pfarrer nichts entgegen sagen. Aber gegen den Unterricht der Kinder in der Wohnung des Lehrers Joseph Anton Mesch glaubte Herr Pfarrer sich aus den Gründen erklären zu müssen: Weil der XVII Bbsh. § 10 der politischen Schulverfassung dererlei Winkelschulen ohne Erlaubnis der Behörde untersagt. Mesch aber konnte diese Bewilligung, obschon er sich bewarb, nirgends erhalten. Die Gründe, wegen welchen Mesch insbesondere vom Lesedienste an der hiesigen Gemeinde-Schule abgewiesen wurde, hat das HW Inspektorat zu Hörbranz an die höheren Behörden eingereicht. 8. Frage: Haben die Eltern der Kinder, welche an dem Privatunterricht des Mesch teilnahmen, das Ansuchen um die Bewilligung dieses Unterrichts nicht erneuert und durch wenn? Das Ansuchen um den Fortbestand der Privatschule des Mesch wurde erneuert, und zwar durch den Gemeinderat Jakob Schneider. 9. Frage: Welchen Bescheid gaben Sie? Bewilligten Sie die Fortsetzung der Privatschule nicht unter einer Bedingung und unter welcher? Und warum dieses? 16 13. Frage: Haben Sie den Jakob Schneider und Mesch in dieser Stunde angehört? Warum nicht? Es war schon über 12 Uhr mittags, die zwei Männer trugen sich an des Nachmittags oder Abends wieder zu kommen, sie wollen den Herrn Pfarrer vom Speisen nicht abhalten, wozu Herr Pfarrer zufrieden war. Die zwei Männer entfernten sich. 14. Frage: Wann kehrten diese Männer zurück? Welchen ließen Sie vor? Worüber unterredeten Sie sich mit Schneider? Am Abend dieses Tages kamen der Gemeinderat Schneider und Mesch in den Pfarrhof und wurden in das gewöhnliche geheizte Wohnzimmer eingeführt. Jakob Schneider aber wurde alsbald im größeren Wohnzimmer dem Pfarrherrn vorgestellt. Mit Mesch sich in ein Gespräch einzulassen, fand der hl. Barraga für ganz überflüssig. Mit dem Gemeinderat Schneider unterredete sich Herr Pfarrer über ein Zeugnis ab Seite der Gemeindevorstehung in bezug auf die Übernahme aller Folgen und Nachteile aus dieser Privatschule. 15. Frage: Wann brachte man Ihnen dieses zweite Zeugnis? Ist es wirklich jenes, welches Ihnen vorgewiesen wurde? Warum gaben Sie auch über dieses Ihr Mißfallen und haben Sie dieses Mißfallen mit einem Schwall von Beschimpfungen gegen Mesch ausgedrückt. Am folgenden Tage hinterbrachte der Gemeindeausschuß Jakob Schneider ein in etwas vom ersten abgehendes Zeugnis. Ihn begleitete Ferdinand Schneider und der hiesige Vorsteher Martin Schertler. Das nun vorgelegte zweite Zeugnis schien nun mit dem schon vorgelegten übereinzustimmen. Herr Pfarrer fühlte bewunderndes Mißfallen, daß der Vorsteher, der Anfangs, wie eben bemerkt wurde, gegen die Übernahme aller bösen Folgen aus dieser Privatschule geradestehe, nun jetzt dieses Zeugnis unterschrieben hat und erklärte den gegenwärtigen Männern abermals, daß hl. Pfarrer diese Winkelschule nicht genehmigen kann, und dieses um so weniger, da dieser Schule ein Mann vorstehen will, der nicht vorteilhaftesten Sittenzeugnisse aufzuweisen imstande ist. Ja, im hohen Mißtrauen bei dem k.k. Philosophischen Studiendirektorat zu Salzburg laut Zuschrift vom 28. Dezember 1829 stehet. Indem selbes dem Ermessen des hl. Pfarrers überläßt, ob ihm (für Mesch) ein Zeugnis ausgestellt werden soll oder nicht. Hierauf setzte hl. Pfarrer noch andere Umstände auseinander, aus welchen man von Mesch jenes gute und unbescholtene Betragen nie erwarten kann, welches einem Schullehrer, folglich einem Muster für die Gemeinde eigen sein muß. Wenn Herr Pfarrer diesen Männern, also den Vorständen der Gemeinde, auch im Eifer sagte, daß Mesch ein Schuldenmacher, ein ordnungsloser Übertreter der nächtlichen Polizeistunden u.s.w. sei, so sagte er eine Wahrheit, die nur zu allgemein bekannt ist. 18 16. Frage: Kennen Sie auch die Eltern jener Kinder, welche an dieser Privatschule Anteil nehmen wollen, und was halten Sie von ihrem Charakter und Lebenswandel? Einige von den Eltern jener Kinder, welche an dieser Privatschule des J. A. Mesch Anteil nehmen wollten, sind dem hl. Pfarrer bekannt: z. B. Ferdinand und Jakob Schneider, Jakob Böhler (Schwanenwirt), Franz Josef Dür (Ziegler), Magdalena Schertler (Wittwe), Kaspar Thaler (Wittwer), Kreszenzia Schneider, Barbara Gasser (Sternenwirtin), Johann Schelling (Kronenwirt) usw. In bezug auf den Charakter und Lebenswandel dieser Eltern kann Herr Pfarrer kein genaues Urteil fällen; wenn auch einige derselben eine belobungswürdige Aufführung haben, so zeigen sich andere als nicht ganz tadellos. Und überhaupt zeigt sich der Charakter dieser Eltern durch die Widerseztlichkeit gegen die gute Absicht des Herrn Pfarrers, welcher es mit seinen Pfarrangehörigen überhaupt, in diesem Falle aber insbesondere gut meinte, nicht in jenem Lichte, welches einem wahren Seelsorger angenehm und willkommen sein kann. 17. Frage: Haben Sie wirklich gesagt, wie die Anlage erweist, daß alle Eltern, welche ihre Kinder zum Mesch in die Privatschule zu seinem Hause schicken, schlechte, liederliche Eltern sind? Hl. Pfarrer fuhr in seinem wahrlich nicht ungerechten Eifer fort: Wenn Eltern wider den kräftig ausgedrückten Willen des Pfarrers ihre Kinder in eine Schule, wo ältere Knaben und Mädchen täglich zusammen kommen, in eine Schule, die keineswegs von der Obrigkeit genehmigt, sondern vielmehr untersagt worden ist, in eine Schule, wo ein gewester Student, der ohne Zeugnisse von seinem Studierplatze nach Hause gekommen und auch nicht das beste Sittenzeugnis aus dem Präparander-Curse in Bregenz erhielt, so fühlte sich hl. Pfarrer zu dem Ausdrucke gezwungen, daß jene schlechte Eltern sind, wenn sie das, was ihnen auf Erden das teuerste Gut sein soll, wofür sie die erste Sorge tragen und vor Gott so strenge Rechenschaft geben müssen, welches die eigenen Kinder sind, nicht einem würdigen, tadellosen, ehrenhaften Lehrerindividiuum anvertrauen wollen. Wer kann einem Seelsorger, welcher die Aufsicht über die Sitten und Seelenbildung der Pfarrjugend von der Kirche und von dem Staate anvertraut ist, einen solchen Ausdruck verübeln, da er gewahr wird, daß für einen unschuldigen Teil seiner Herde Gefahr drohet, einmal gewiß drohen könne? Herr Pfarrer sagte nicht, daß die Eltern jener Kinder, die an der Privatschule des Mesch Anteil nehmen, überhaupt schlechte, liederliche Eltern sind, sondern dadurch diesen Verdacht auf sich ziehen, indem sie zu wenig kluge Ansicht gebrauchen, wenn sie ihre Kinder anvertrauen und was die Kinder beiderlei Geschlechts in einer kleinen Winkelversammlung, in einem Alter von 16 bis 18 Jahren werden könnten. 19 18. Frage: Da die Kläger vorgeben, sie seien durch Ihre Beschimpfungen gekränkt worden und deswegen Satisfaktion verlangen, werden Sie sich verpflichtet finden, selbe zu leisten oder die beleidigende Aussage zu beweisen? Zu einer Satisfaktion kann sich der Hw. Pfarrer um so weniger verstehen, da er aus wohlwollendem, für das Heil seiner Pfarrjugend glühendem Herzen, seelsorglich und nur bedingt gesprochen, und nur diesen befraglichen Fall im Auge hatte. Übrigens sei für gute und sorgenvolle Eltern erklärt, wenn sie für ihre Kinder die beste Sorge tragen und auch die tauglichen, von ihren Seelsorgern ebenfalls gebilligten Mittel wählen. Da eben die Eltern jener Kinder, welche an dieser Winkelschule Anteil nahmen, sich dem bestgemeinten Bestreben des hl. Pfarrers widersetzten und blind und widersetzlich ihre, zur Verfügung so empfängliche Jugend beiderlei Geschlechts vom mehrmals bemelten Alter, in die Gefahr schicken wollten und darüber dem Seelsorger viel Ungelegenheit und kummervollen Mißmut verursachten, stehet das Recht an dem hl. Pfarrer, durch Abbitte an ihn Genugtuung und pflichtschuldige Aussöhnung zu fordern. Auch muß bemerkt werden, daß die zwei Augenzeugen Jakob Schneider und Joseph Anton Mesch jede Kleinigkeit, welche während ihrer Gegenwart im Pfarrhaus vorging, bezeugen wollen, um den Pfarrer vor den Zeugen seiner höheren Behörden herabzusetzen. Z.B.: sein spätes Nachhausekommen, wer weiß woher? Seinen Aufenthalt bei einem Weibsbild in der Küche, das Urteil der Köchin, welches aber durch die beiden berichtigt wird. Schließlich bittet gez. Pfarrer den Vorsteher das Unschickliche und Fehlerhafte seines Zeugnisses: «Für alle Folgen, welche aus dieser Schule entstehen durften, haften zu wollen», vor Zeugen zu stellen. Das Urteil des Dekans, 1830 Hochwürdiges Fürstbischöfliches Generalvikariat! Unterm 11. Februar 1830, Nr. 137, präsentiert am 16.2., hat das Hochwürdigste Generalvikariat dem gefertigten Dekanate den Auftrag erteilt, den Herrn Pfarrer Barraga in Wolfurt über die gegen ihn erhobenen Beschwerden Punkt für Punkt zu vernehmen und sodann die anher angeschlossenen Akten wieder ans Generalvikariat zurückzusenden, welches hiermit durch Anschluß geschieht. a) Eingebogen in dieses Schreiben folgt das Protokoll über die Klagepunkte einiger Gemeindeangehörigen von Wolfurt gegen den Herrn Pfarrer Barraga auf eine gewisse Privatschule unter dem Schulpräparanden Mesch zu Wolfurt, welches Klageprotokoll unterm 30. Jänner 1830 an das hochlöbliche Kreisamt eingereicht worden ist. b) Sodann folgte auch das Einvernehmungsprotokoll des benannten Herr Pfarrers gegen eine Klageschrift der Vorstehung von Wolfurt vom 29. Jänner 1830, beim k.k. Landgericht Bregenz eingereicht. zu a) Die Privatschule, welche J. A. Mesch in Wolfurt unternehmen wollte, war eine Sache de pane lucrando; aber unter den Verhältnissen, wie selbe da zusammentrafen, nicht ganz zu billigen. Ganz ungeeignet hat Herr Pfarrer den Vorsteher in dieses Geschäft einbezogen, von ihm eine Gewährleistung verlangt, die eitel, nutzlos und im Benötigungsfalle immer zu spät ist. Aus dem Klageprotokoll ist ersichtlich, wie Herr Pfarrer Barraga zwar alles ordnen will, sich aber nicht Rat weiß und endlich hinter die Wüste gerät. zu b) Die Klage der Vorstehung, daß sich Herr Pfarrer in die Angelegenheiten der Gemeinde einmenge, ist, wenn er sich schon hinauszuwinden bemühet, richtig. Der jetzige Vorsteher ist ein friedliebender Mann und hatte nun schon durch ein Jahr eine eiserne Geduld. Der vorige Vorstand klagte gegen den Herrn Pfarrer beim k.k. Landgerichte in jeder Sache. Hl. Barraga verkündete, daß jeder Streit, ehe man vor Landgericht gehe, vor ihn gebracht werde, wodurch verschiedene Spannungen und Reibungen entstehen. Das k.k. Landgericht beschwerte sich beim Gefertigten schon öfter über Barraga. Wenn das Dekanat ihm derlei Dinge vorhält, gehet er zum Landgericht, verlangt Aufschlüsse und Antwort. Die im letzten Herbste von Seiner Fürstbischöflichen Gnaden mir aufgegebenen Erinnerungen an Barraga machte ich ihm bekannt, wie auch mehrere Beschwerden vom hl. Landgerichte in Bregenz. Ich gab ihm die geeigneten Warnungen und Schwarzach, wie oben Joseph Stadelmann, Dekan Geistl.-Rat Franz von Barraga, Pfarrer Die eigenhändige Fertigung des Herrn Pfarrer Franz Barraga bezeuget Josef Stadelmann 20 21 Belehrungen. Er achtete nicht darauf, schickte an mich über 30 inquisitorische Fragen über meinen Bericht, und stellte mich dadurch unter seine Verantwortung. Barraga hat mehrere Weiber, die ihm vieles zutragen und rachgierige Klagen über die Gemeindevorstehung und andere Personen anbringen. Besonders gewichtig ist bei ihm die Mutter des Präparanden Stülz, welche unter dem Namen «Flatzen Mägdlein» bekannt ist und zweimal im Zuchthaus war. Barraga schreibt immer Protokolle, Briefe an die Leute in der Gemeinde, fordert die Gemeindevorstehung zur Verantwortung, macht Berichte an das Landgericht, eilt allem vor. Mit Verhören kaum etwas fertig, rührt er um1/211 zur Schule, hält die Kinder über die Zeit auf. Barraga hängt in allem, macht sich immer odioser, der Unwillen nagt bei einigen gegen ihn tief, er fragt niemanden was nach, ist stolz und unbeugsam. Daß er im übrigen sehr sittlich und ordentlich ist, und bei sich alles gut meine, überall die gute Absicht habe, kann ihm nicht in Abrede gestellt werden. Wenn selbem das Hochwürdige Generalvikariat eine triftige Zurechtweisung in seine Schranken, die vierteljährliche Einsendung seiner Predigten und Schriftenlehren und das Ausarbeiten theologischer Aufsätze auflegen und erteilen wollte, und vielleicht auch damit in die Schranken zurückweisen wollte, daß seine Eingaben an das Landgericht, Gemeinde, Kreisamt, jedesmal die dekanamtliche Fertigung haben müssen, ohne welche sie nicht anerkannt würden, könnte seinem exzentrischen Magen auf einige Zeit Einhalt getan werden. Aber zu wünschen wäre, Barraga möchte auf eine Kaplanei oder auf ein subalternes Benifizum versetzt werden. In Wolfurt wird er noch Geschäfte machen und kehret sich an keine Maßregel. Es ist war, er hat einige sehr böse Männer, diese sind gerade seine Feinde, nehmen ihm das Zutrauen, agieren rastlos gegen ihn, er gegen sie usw. Unter tiefster Verehrung Dekanat Schwarzach am 2. März 1830 Josef Stadelmann Dekan Der Moralitätsbericht des Pfarrers im Jahre 1832 Hochwürdiges, Gnädigstes, Fürstbischöfliches Generalvikariat zu Feldkirch Gehorsamst Unterzeichneter hat hiemit die Ehre, den Moralitätsbericht von der Pfarre Wolfurt vom Jahre 1831/32 zu erstatten. 1. Kinder sind 48 zur Welt gekommen. Unter diesen befinden sich zwei uneheliche. Indem eines dieser ledigen Kinder von einem übrigens sehr ordentlich gebildeten Weibsbilde, welches zudem sehr honette Eltern hat, herkommt, so glaubt Rat Herr Dekan Stadelmann, der diese Familie sehr gut kennt, man soll denken, daß ein Zwang angeordnet worden sei. Sie ist in einem Wirtshause. Das Weibsbild des zweiten ledigen Kindes ist eine Keßlerstochter. Sie ist von einem Keßler aus einer anderen Pfarrei - nicht in Wolfurt - verführt worden. Nebst zweckdienlichem Unterricht ist sie unter strenger Aufsicht gestellt, zudem hat sie fürdermal die Transportierung ins Schwazer Arbeitshaus erbettelt, aber zugleich den Revers abgegeben, daß sie, wofern sie sich noch einmal verführen lasse, ins Arbeitshaus gehen wolle und müsse. 2. Obwohl der gerechte Gott seit einigen Jahren schauderhafte Beispiele der Bestrafung des Lasters der unmäßigen Trunksucht aufgestellt hat, so gibt es leider noch Fälle des Volltrinkens. Neigung zur Unterhaltung in den Wirthäusern ist die Quelle dieses Lasters. Dazu gesellt sich noch eine Dosis Leichtsinn und Prahlerei, als dürfte man das Geld nicht achten. Möchten derlei Menschen die Ermahnungen, Vorstellungen zur Gottesfurcht, daher zur Nüchternheit, Bescheidenheit, pflichtschuldige Anwendung des Geldes, zur milden Freude immer mehr und mehr zu Herzen nehmen. Stufenweise werden sie sich aus ihrem Abgrunde reißen. 3. Die Trunkenheit gab auch die traurige Veranlassung zu Raufereien, die sich zweimal ereigneten unter Burschen, und aus diesen Raufereien entstanden Feindseligkeiten, indem auch die Obrigkeit einschreiten mußte und Unkosten absetzte. 4. Fernere Veranlassung aus dem obenbenannten Besuche der Wirtshäuser entsteht das bei einigen wenigen übliche Nachtschwärmen. Nebst Darstellung dieses Gott mißfälligen Benehmens wird auch in die Hausväter und Hausmütter gedrungen, solchen Vaganten keinen Unterschlupf zu geben. Daß aber die Belehrungen, Zusprüche viele Früchte bringen, wird den Seelsorger bei all seiner schuldigen, rastlosen Arbeit vor dem Tabernakel recht häufig sein Gebet ausgießen und in Erkenntnis seines Nichts vertrauensvoll rufen: Herr rette uns, wir gehen zugrunde! (Math. 5) 23 22 Mit blutendem Herzen und Tränen in den Augen durchblicke ich die nun hingelegten schauderhaften Schattenseiten der Pfarre; aber es sei doch auch erlaubt, einige Züge hinzuzusetzen, die gewiß ohne Rührung nicht gelesen werden können. a) Ausgezeichnet ist der Eifer der Eltern, ihre Kinder in die drei Klassen zu schicken. Wöchentlich aber sehen sie auch durch die Mühe der Lehrer die schönen Fortschritte der Kleinen. Sehr fleißig erscheinen die der Werktagschule entwachsene Jugend bis 18 Jahre in der Wiederholungsschule. Nur der enge Raum der Schule zwang Kinder aus der dritten Klasse zu entlassen, die noch gern - ohne Pflichtigkeit - geblieben wären. b) Sehr fleißig erscheint man auch bei den Gottesdiensten vor- und nachmittags. Es ist kein Sonn- und Feiertag, an welchem man nicht zur hl. Beichte und Kommunion geht. c) Die Jungfrauen bereicherten sich auch, ein prachtvolles rotsamtenes, mit reichen Goldblumen gesticktes Muttergotteskleid anzuschaffen. Tränen floßen, als man selbes das erste Mal in der Kirche erblickte. d) Auch die Jünglinge leisteten Beiträge zu einem prächtigen und lieblichen Muttergottesmeßkleid. Das unterwartete Erscheinen desselben erfüllte die ganze Gemeinde mit innigem Wohlgefallen. e) In Hinsicht des Kirchenbaues sieht man einem erstaunlichen Resultat entgegen. f) Das wohllöbliche k.k. Kreisamt und das löbliche k.k. Land- und Kriminalgericht wie auch die Ortsvorstehung arbeiten mit besonderem Interesse für das Wohl der Gemeinde. Indem Gehorsam Gefertigter in engen Umrissen den Schatten und das Licht seiner Gemeinde darlegte, so bittet er um die fernere Huld und Gnade des Hochwürdigsten Gnädig, Fürstbischöflichen Generalvikariats, und hat die Ehre in tiefster Ehrfurcht sich zu empfehlen. Wolfurt, den 29. Jänner 1832 verbindlichster, treugehorsamster Franz de Barraga, Pfarrer Siegfried Heim Bis nach Amerika! Auswandererschicksale Wer in unseren Jahrzehnten erlebt, wie Einwandererwellen aus Kärnten und Steiermark, aus Jugoslawien und der Türkei unser Industrieland Vorarlberg auffüllen, kann sich kaum vorstellen, daß einige Jahrzehnte früher ganze Ströme junger Arbeiter die kinderreichen und brotarmen Täler unserer Heimat verlassen mußten, um in fremden Ländern kargen Verdienst zu suchen. Nach Amerika flohen die ersten Wolfurter, als um 1850 die Handweberei durch die Konkurrenz der Fabriken brotlos wurde. Eine zweite große Welle folgte schon um 1870, weil die Fabriken nur Hungerlöhne zahlten und aus Amerika Gold-Nachrichten lockten. Die dritte Flucht ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten setzte 1922 ein, als die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg den jungen Kriegsheimkehrern die letzte Hoffnung auf Arbeit in der Heimat raubte. Insgesamt etwa 200 Wolfurter wanderten nach Amerika aus. Von drei besonders großen Familien will ich berichten. Im Haus Nr. 121 an der Kreuzstraße lebte seit 1903 der Wagner Johann Heitz aus Neustadt im Schwarzwald mit seiner Frau Theresia, geborene Reiner, die drüben an der Kirchstraße aufgewachsen war. Von 1906 bis 1914 wurde ihnen fast jedes Jahr ein Kind geboren, 7 Buben und 2 Mädchen: Karl, Josef, Anna, Johann, Albert, Maria, Franz, Anton und Ludwig. Als ersten zog es 1926 Josef Heitz nach Amerika. Der 21jährige Schlosser hatte bis dahin bei Doppelmayr gearbeitet und brachte es später in Amerika selbst zu einem großen Betrieb mit 70 Beschäftigten. Auf seine ersten Briefe hin folgten ihm schon 1927 die vier erwachsenen Geschwister: Karl, der Wagner und Zimmermann; Anna, die ein paar Jahre später den Wolfurter Auswanderer Franz Schertler heiratete; Johann, ebenfalls Schlosser; Albert, erst 18jährig. Im Jahre 1931 wollten auch die Eltern mit den vier jüngeren Kindern nachreisen. Sie hatten sich schon das Visum besorgt, mußten ihr Vorhaben aber dann wegen der hohen Kosten von je 300 Dollar aufgeben. Nach des Vaters Tod und dem Brand ihres Hauses bauten sie sich zu viert das große Haus an der Kirchstraße. Dort betrieb Franz seine Schreinerei und Ludwig seine Wagnerei. Die Konditorei des Bruders Anton konnte nicht mehr eröffnet werden, denn er ist 1940 als einer der ersten Wolfurter Soldaten gefallen. Als die Wagner kaum mehr Arbeit fanden, ging auch Ludwig 1955 bis 63 noch für ein paar Jahre nach Amerika. 25 24 Zwei Generationen früher hatten 1841 der «Tobler» Gebhard Schwerzler und seine Frau Maria Anna Rusch im Elternhaus im Tobel eine Familie gegründet. Zwischen 1843 und 1862 wurden ihnen zwölf Kinder beschieden, 7 Buben und 5 Mädchen: Ferdinand, Maria, Kreszentia, Josef, Anna, Gebhard, Johann, Wilhelm, Martina, Fridolina, Leopold und Fidel. Ferdinand heiratete in die Bütze und Josef ins Elternhaus. Beide begründeten selbst große Familien. Aber für die anderen zehn war kein Platz. Da wanderten sechs von ihnen nach Amerika aus: Kreszentia, Gebhard, Johann, Wilhelm, Leopold und Fidel. Es war eine Ausnahme, daß mit Schwester Kreszentia auch ein Mädchen ins Ungewisse mitfuhr. Sonst zogen ja nur Buben aus. Die Schwestern Maria, Martina und Fridolina mußten daheim ledig bleiben. Einzig Anna fand noch einen Ehepartner in Wilhelm Rohner aus Lauterach. Von ihren acht Kindern wurde Theodor Rohner 1938 Bürgermeister vonWolfurt.In Amerika starb Leopold schon mit 19 Jahren. Die anderen fanden zum Teil Arbeit beim Aufbau der 1871 durch einen Großbrand zerstörten Stadt Chicago. Einige ließen sich vor 100 Jahren in Tissin, Ohio, nieder. Bis zum Zweiten Weltkrieg kam manchmal ein Brief mit einem Foto. Seither sind die Kontakte erloschen. * Noch ein Jahrzehnt früher lebten in Rickenbach im Loch (Kellaweg 4) Martin Schneider und seine Frau Anna Maria Flatz. Sie war eine Nichte des Malers Gebhard Flatz. Ihr Vater, der Bäcker und Mohrenwirt Josef Anton Flatz, war verarmt gestorben. «Marteles im Lo» waren mit 13 Kindern gesegnet, von denen 6 früh starben. Franz Xaver, der älteste Sohn, fuhr schon 1851 nach Amerika. Als sich 1853 wieder ein paar Wolfurter Familien auf den Weg machten, schloß sich ihnen auch der zweite Sohn Johann Gebhard Schneider an. Er war noch nicht 17 Jahre alt. Über sein abenteuerliches Leben und das Schicksal seiner Eltern, die ihm 1859 mit ihren letzten 5 Kindern nach Amerika folgten, berichtet Schneider als 80jähriger Greis in gebrochenem Englisch in einer Chronik. Sein Urenkel hat mir eine Abschrift geschickt. Ich versuche hier eine Übersetzung, weil ich glaube, daß ein solches Wolfurter AuswandererSchicksal manchen von uns nachdenklich machen könnte: Martin Kalb und deren Familien. Wir wanderten durch die Schweiz und einen Teil Deutschlands und kamen in fünf Tagen nach Antwerpen in Belgien. (Anmerkung: Von Basel aus gab es damals schon eine ganz neue Eisenbahn, die überfüllte Auswandererzüge nach Antwerpen brachte.). Von dort schifften wir uns am 28. Februar 1853 in einem Segelschiff namens «: etrol» nach Amerika ein und landeten nach 49 Tagen am 8. April in New York. Am 24. April 1853 kamen wir nach Fremont in Ohio. Meine zwei Onkel kauften 40 "acres" Land (das sind über 16 Hektar) im Osten von Lindsay. Den ersten Sommer arbeitete ich dort für die Überfahrt in dieses Land, die sie für mich bezahlt hatten. Im Winter von 1853 auf 1854 versuchte ich den Möbelhandel bei Adam Miller in Fremont zu erlernen. Aber als er mich Hund (a dog) nannte, wollte ich nicht länger bleiben. Ich verließ ihn und ging nach Scott Township. Dort arbeitete ich einen Sommer lang für Jakob Zimmermann aufseiner Farm. Auch für andere Farmer arbeitete ich bis zum Frühjahr 1856. Im Herbst 1855 wurde ich von Fieber befallen und konnte es nicht mehr los werden. Man sagte mir, ich brauche einen Klimawechsel. So ging ich im Frühjahr 1856 nach Iowa, wo ich ein paar Freunde aus der Heimat wußte. Als ich zu ihnen stieß, machten sie sich gerade aufden Weg nach Minnesota. Sie sagten, ich solle mitgehen. Das tat ich und blieb den Sommer über bei ihnen. Sie warnten mich vor dem kalten Winter. Daher kam ich im Spätherbst wieder nach Ohio zurück, zu meinem alten Freund Zimmermann in Scott Township. Den Winter über blieb ich bei ihm. Drei Monate lang arbeitete ich in der Landwirtschaft und besuchte gleichzeitig eine Englisch-Schule. Im Frühjahr 1857 brachen Joseph Böhler und ich nach Kansas auf. Jeder von uns übernahm dort ein Stück Staatsland fürje 114 Dollar pro Acre (40 ar). Im Frühling 1859 erhob sich der Goldrausch (Gold Excitement) von Pikes peak. Joe Böhler und ich verkauften unser Land in Kansas und trafen in einer Gesellschaft zu viert Vorbereitungen für den Weg nach Pikes Peak. Jeder kaufte ein Paar Ochsen und einen Wagen. Wir zogen nach Leavenworth City und besorgten uns dort Proviant für sechs Monate. (Anmerkung: City war damals natürlich noch keine Stadt, sondern ein von Indianern bedrohtes kleines Nest im Wilden Westen.) Als wir ein paar Hundert Meilen weit gekommen waren, trafen wir auf Hunderte von Goldsuchern. Sie waren auf dem Rückweg und berichteten, es sei nichts. Da wir große Vorräte mitführten, beschlossen wir nun, nach Kalifornien zu gehen. 27 Autobiography Of John Gephart Sneider Lebenslauf des Johann Gebhard Schneider. Von der Zeit, da ich, Johann Gebhard Schneider, die Heimat ("the Old Country") verlassen habe, bis zum gegenwärtigen Datum, dem 15. März 1915. Ich verließ meine alte Heimat, ein Dorf mit dem Namen Wolfurt, nicht weit vom Bodensee (Lake Constance), Vorarlberg, Tirol, am 18. Februar 1853 mit zwei Onkeln, den Herren Flatz, und einer Tante, Johanna Flatz, mit Martin Schwerzler, Joseph Böhler, 26 Fünf Jahre und vier Monate war ich in Kalifornien und schuftete in den Goldminen. Aber ich gehörte nicht zu den Glücklichen, diedortReichtum fanden. Als ich in die Minen ging, besaß ich 150 Dollar. Nach fünf Jahren Arbeit kam ich mit 750 Dollar heraus. Im Dezember 1864 machte ich mich auf den Weg nach Ohio. Ich wollte meinen Vater, die Brüder und die Schwester besuchen, die ich seit nahezu zwölf Jahren nicht mehr gesehen hatte. Vater und Mutter waren mit unserer Familie 1859 ebenfalls in dieses Land gekommen, sechs Jahre nach mir. Meine Mutter war vier Tage nach Ihrer Ankunft in Fremont gestorben. DenRückweg von Kalifornien nach Ohiomachteich über das Meer (by water). Ich querte Pananama an der Stelle, wo jetzt der Panamakanal situiert ist. (1864 waren dort noch Urwald und Sümpfe.) Den Winter von 1864 auf 1865 wohnte ich mit Vater, Brüdern und Schwestern in Rice Township auf der Farm, wo mein Bruder Leonhard nochjetzt lebt. Im Frühling 1865 zog ich wieder westwärts nach Iowa. Ich arbeitete dort für die Eisenbahngesellschaft. Als Heizer auf einer BauLokomotive verdiente ich zwei Dollar pro Tag. Wäre ich jünger gewesen, so hätte ich das Eisenbahnergeschäft gelernt. Aber ich war schon in meinem dreißigsten Jahr, zu alt um noch eine Ausbildung als Eisenbahningenieur zu beginnen. Damals mußten alle noch als Heizer anfangen! Zu Winteranfang 1865/66 kam ich wieder heim. Am 22. Oktober 1866 wurde ich mit Mary Ann Reineck getraut. Für ein Jahr ließ ich mich in Fremont nieder. Dann kaufte ich sechs Acres Boden in Flat Brush, eine Meile westwärts von der Stadt Fremont. Darauf stellte ich ein Haus und machte es für 45 Jahre zu meinem Heim. Meine Frau wurde Mutter von zwölf Kindern. Eines starb im Alter von neun Wochen, die anderen erzogen wir zu Männern und Frauen. Meine liebe Ehefrau starb am 24. April 1908. Sie war mehr als fünf Jahre lang krank und von Schmerzen geplagt gewesen. Meine Töchter und ich haben uns sehr um Ma bemüht. Alles, was man für einen Kranken tun kann, wurde für sie getan. Nachdem ich geheiratet hatte und in die Stadt gezogen war, suchte ich in der Zimmermannswerkstätte John Stierwalt Arbeit. 27 Jahre lang war ich dort beschäftigt. Dann zog sich Mr. Stierwalt vom Zimmermannsgeschäft zurück und ich übernahm es bis zum Tod meiner lieben Frau. Nach ihrem Tod lebten meine jüngeren Kinder und ich weiter in 28 unserem alten Heim in Ballville Township zusammen, bis vor einem Jahr im Juli 1914. Dann verkaufte ich unser altes Haus an R.W. Jackson. Seither wohnen meine Jüngste Tochter Mary und ich in Fremont. So weit die Chronik. Gebhard Schneider zählt dann noch Namen und Daten seiner zwölf Kinder auf. Fast alle tragen Namen aus der alten Heimat Rickenbach, nur wenige sind amerikanisiert: Balbina, John Martin, Frank Joseph, Mary Josephine, Eleanor, Gephart, Ida Rose, Wilhelm, Johanna Adeline, Bernhard, Ann Mary und Roman Isidor. Aus ihrem Schneider-Namen wurde aber schnell das amerikanische Sneider. Von Heimweh geplagt kamen zwei von Martin Schneiders Kindern 1908 als alte Leute nach Rickenbach auf Besuch. Der 1836 an der Kellastraße geborene Gebhard hatte es um diese Zeit also zum selbständigen Zimmermann in Fremont gebracht. Sein 1878 dort geborener Sohn «Gephart» wurde ein leitender Gemeindebeamter der Stadt. 1906 wurde der Enkel Walter Johann geboren. Nach einer guten Ausbildung unterrichtete er als Professor am Katholischen Gymnasium Fremont Chemie und Physik. Der Aufstieg der Familie hielt an. Alle vier Urenkel machten Karriere: Patricia (1933) als Hausfrau und Mutter mit ihrem Gatten, der in einem Industriebetrieb in Ohio in leitender Stellung tätig ist Richard George Sneider (1934-74) als Geophysiker in Fort Collins James Roman Sneider (1936) als Rechtsanwalt in Chicago Dr. Thomas Sneider (1938) als Professor für Molekularbiologie. Er arbeitet als Krebsforscher an der Universität Fort Collins in Colorado. 1983 hat er anläßlich einer Gast-Vorlesung in Zürich sein Heimatdorf Wolfurt besucht und später vom Schicksal seiner Familie berichtet. Nur wenigen Auswanderern war im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Reichtum beschieden, doch mancher brachte es mit Fleiß und Ausdauer zu bescheidenem Wohlstand. Ganz wenige kehrten an ihrem Lebensabend in das «Old Country» am Steußberg zurück. Allzuviele sind verschollen. Wie dankbar müssen wir sein, wenn uns und unseren Kindern das ungewisse Schicksal in der Fremde erspart bleibt! 29 Siegfried Heim Die Besitzer und ihre Kennzeichen: 6 Lastautos: W-II-651 W-II-652 W-II-653 W-II-654 W-II-655 W-II-656 Zuppinger J. W. Gebrüder Gunz Gmeiner Fidel Rädler August Haltmeyer Josef Festini Josef AUTOS! AUTOS! Die ersten Autos, die sich um die Jahrhundertwende im Lande sehen und auch hören ließen, wurden von der Dorfjugend und den Erwachsenen gleichermaßen bestaunt. Der Wolfurter Lehrer Wendelin Rädler hatte noch 1898 eine «Tram» von Kennelbach über Dornbirn und Lustenau nach Altstätten projektiert. Als aber schon das erste Teilstück Dornbirn—Lustenau mit Defizit fuhr, holte er Offerte für einen Omnibus ein. Von den «Fahrradwerken Bilgeri und Wurzer» in Hörbranz erhielt er am 29. Dezember 1900 ein Angebot: «Auf die zwischen Ihnen und unserem Herrn Bilgeri gehabte Unterredung Bezug nehmend, erlauben wir uns, Ihnen folgende Offerte zu machen: Einen Motor-Omnibus für 14 Personen offerieren wir Ihnen zu Gulden 5.500,— Netto. Derselbe besitzt 3 Geschwindigkeiten von 6, 10 und 18 Kilometer und einen Rücklauf; auf Wunsch kann der Wagen auch mit anderen Geschwindigkeiten ausgeführt werden. Der Wagen ist vollständig geschlossen. Der Motor wird mit Benzin betrieben und ist der Benzinverbrauch ca 16 Kilo per Kilometer, 1 Kilo steuerfreies Benzin kostet 12 bis 25 Kreuzer, so daß der Benzinverbrauch per Kilometer 4 bis 5 Kreuzer beträgt. Zu weiteren wünschenswerthen Mittheilungen erklären wir uns jederzeit bereit und zeichnen hochachtend Bilgeri, Wurzer und Co.» Das Geschäft kam nicht zustande. Erst 1925 fuhr der erste Omnibus durch Wolfurt. Das erste «Luxusauto» hatte Jungfrau Franziska Dür in der Bütze (in König Alberts Haus) schon 1907 besessen. 1908 schafften die Gunzbrüder in der Mühle das erste Motorrad an. Nach der Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg hielt die Motorisierung schnell Einzug. Das VATC-Verzeichnis vom 15. November 1925 nennt für Wolfurt bereits 26 Kraftfahrzeuge (für Lauterach 12, für Hard 27, für Schwarzach 13, für Bildstein 1, für Buch 0; für ganz Vorarlberg 919). 30 (also zwei Müller, ein Fergger, ein Zementer und zwei Weinhändler) 6 Personenautos: W-II-491 W-II-492 W-II-494 W-II-495 W-II-496 W-II-497 Haltmeyer Johann Zuppinger J.W. Gunz Gebrüder Bohle Paul Schwarz Paul Doppelmayr Emil (da waren also auch Klöppler und Schlosser dabei, aber der Doktor noch nicht) 14 Motorräder: W-II-111 W-II-113 W-II-114 W-II-115 W-II-116 W-II-117 W-II-118 W-II-119 W-II-120 W-II-121 W-II-216 W-II-217 W-II-218 W-II-219 Schwerzler Joh. Georg Flatz Josef Gmeiner Fidel Gmeiner Josef Gebrüder Gunz Zuppinger Max Müller August Weber Alois Gmeiner Gottlieb Gasser Anton Fischer Johann Fischer J.A. Rohner Franz Schneider Ernst (da tummelten sich jetzt auch begeisterte Jungmänner) W-II bedeutet Land Vorarlberg, Bezirk Bregenz (Tirol fuhr mit E, Salzburg mit D, Wien mit A . . . ) 31 Darüber hinaus gab es schon seit 1909 das große A für Österreich neben dem D für Deutschland und dem CH für die Schweiz. Seit 1908 gab es auch schon 4 (vier! nicht mehr) Verkehrszeichen, damals noch weiß auf blauem Grund: Wassergraben, Kurve, Kreuzung, Eisenbahn. Während man in Vorarlberg 1925 bereits wie in Deutschland und der Schweiz rechts fahren und links überholen mußte, galt für Tirol bis Wien noch wie in England, Italien und Ungarn die Links-Fahrordnung mit rechts überholen. Damals kam nur höchst selten ein Tiroler oder Wiener über die geschotterten Arlberg-Serpentinen. Dabei mußte er sich auf rechts umstellen. Durch Verordnung des Landeshauptmanns waren auch die Höchstgeschwindigkeiten festgelegt worden. Sie betrugen im Jahre 1925: innerorts 25 Kilometer pro Stunde, von Mai bis September an Sonntagen aber nur 20 Kilometer! Außerorts 50 Kilometer pro Stunde, an Sommersonntagen aber nur 40 Kilometer. Seither mußten viele 1000 junge Schnellfahrer auf den Straßen sterben. Da und dort hat man wieder die Geschwindigkeit von 1925 vor Augen. Damals traf es aber auf 439 Österreicher erst ein Kraftfahrzeug! Das änderte sich nun schnell. Nach dem VATC-Buch von 1937 war die Zahl der Kraftfahrzeuge in Vorarlberg binnen zwölf Jahren von 919 auf 3395 geklettert. In Wolfurt gab es jetzt schon 39 Motorräder und 21 Autos, 10 davon waren Lastautos. Noch immer führten sie das Vorarlberger W auf der Nummerntafel, im Bezirk Bregenz mit Nummern von 5001 bis 7000. Die Autobesitzer von 1937 waren: 5176 5179 5218 5219 5223 5230 5243 5248 5264 5265 Bohle Konrad Klocker Eugen Haltmeyer Johann Sennerei Hub Doppelmayer Emil Festini Josef Gmeiner Fidel Gunz Gebrüder Roth Katharina Zuppinger Walter 5288 5289 5317 5320 5409 5413 5415 5421 5463 5545 5593 Rädler August Rädler August Schelling Josef Haltmayer J. Gunz Alfons Bohle Konrad Rädler August Rist Mathias Fischer Johannes Thaler Ernst Dr. Eugen Lecher Gottt sei Dank! zuletzt konnte sich nun doch auch noch der Gemeindearzt ein Auto leisten. Unter seinem rührigen Präsidenten Emil Doppelmayer hatte der VATC mitgeholfen, die Kraftfahrzeuggesetze völlig umzukrempeln. Man brauchte jetzt einen Führerschein. Statt 4 gab es nun 40 Verkehrszeichen, von denen die meisten heute noch gelten. Tirol und Kärnten hatten wie Italien auf Rechts-Fahrordnung umgestellt, während man von Salzburg bis Wien auch 1937 noch links fahren mußte. Un die Höchstgeschwindigkeit? Innerorts war sie trotz der schlechten Straßen auf 40 km/h erhöht worden, auf Freilandstraßen war jede Beschränkung gefallen. Der Straßentod hatte sich auch bereits seine ersten Opfer geholt. 32 33 Aus der Chronik des Engelbert Köb (Maler in Wolfurt, gestorben 1915) Um die Jahrhundertwende gehörte «Lehrers» Engelbert zu den führenden Köpfen in Wolfurt, der als Gemeinderat maßgeblich beim Bau der Achbrücke und bei der Einführung des elektrischen Stroms beteiligt war. Für seine Familie baute er 1907 die «Villa Lugaus» oberhalb des Dorfplatzes. Als Maler und Fotograf hinterließ er uns wertvolle Bilder. Die Chronik, die sein Sohn Hubert und seine Schwiegertochter Antoinette für uns bewahrt haben, ist ein kostbares Zeitdokument. Hier ein paar Auszüge daraus als Kostprobe für einen im Herbst geplanten Vortrag: 1898. Die erste Schifflimaschine hält in Wolfurt ihren Einzug. Mein Bruder Josef Anton («Lehrers Seppatone») und sein Schwager Martin Bildstein waren die ersten, diees wagten. Da auch in der näheren Umgebung noch keine «Schnell-Läufer» waren, so stutzte man anfangs undprofezeite den beiden nichts Gutes. Zum Betriebe verwenden sie einen Benzinmotor. 1900,26. April. Electrische Kraft und Licht werden von Albert Loacker in die Gemeinde eingeführt. Da sich «'s Electrische» zum Betriebe der Schifflimaschine bedeutend günstiger stellt als ein Benzin Motor, und als die Leute sahen, daß es den ersten Schifflistickern gut ging, so steckt einer den anderen an und alles wurde vom Maschinenfieber erfaßt. Handwerker, Wirthe, Krämer, Fabrikler und Bauern schafften sich solche «Frankenmühlen» an. In mancher Stickerei wird Tag und Nacht gearbeitet, denn die «Ratten» sind sehr gefräßige Viecher. Man hatte bald zu wenig Leute um die Maschinen zu bedienen, so daß einer dem anderen das Personal weg nahm, indem man ihnen höheren Lohn versprach. Die alte biedere Handmaschine wird mit Verachtung zum Lokal hinausgeworfen und den Bauleuten blüht der Weizen wie nie zuvor. 1901. Volkszählung, die heuer durchgeführte Volkszählung ergab 2070 Einwohner. Davon sind 984 männliche, 1086 weibliche Personen. Italienisch sprechende: 239. 1906. Ein hier wohnender Lustenauer hat von Lustenau, wo er zu Besuch war, die Blatternkrankheit (Pocken) eingeschleppt. Das betreffende Haus im Strohdorf, wo er wohnt, wurde polizeilich gesperrt und eine Gendarmeriewache davor gestellt. Diese Krankheit trafgerade im Fasching bei uns ein, deßwegen durfte kein Ball und auch sonst keine Versammlung abgehalten werden. 34 1907. In diesem Winter fiel ungewöhnlich viel Schnee. Anfangs Dezember hats angefangen zu schneien, und sozusagen immer geschneit bis Ende Februar. Einige Stadeldächer, die gerade nicht mehr zu den besten gehörten, wurden eingedrückt. 1907. Während dem «Rorate» wurde im Pfarrhof hier eingebrochen. Alle Kästen und Schubladen waren aufgerissen und alles durchwühlt. Der Dieb scheint es noch eilig gehabt zu haben, denn auf Pfarrers Bett ließ er sein Handwerkszeug liegen, nämlich eine Axt und ein Zabin. 1907. In Wolfurt wüthet gegenwärtig das Schifflimaschinenfieber. Man konnte 50 bis 100 Franken und mehr täglich verdienen. Es ist ein Leben wie nie zuvor. Es entstanden 23 Neubauten und zwar: 3 Villen, 7 Wohnhäuser, das übrige waren Sticklokale. — Im Gemeindeamte erfolgten 450 Fremden-Anmeldungen. 1907. Die Zentralheizung wird im Schulhause eingerichtet. Die alten Zilinder Öfen werden hinausgeworfen. Die Kosten betragen 4200 Kronen. Es dürften im «Ländle» noch wenig Schulen sein, die diese Heizung schon haben. 1908. Die Herrlichkeit mit der Schifflistickerei hat plötzlich ein Ende genommen. Die Stickerei hat unserem Dorf gerade keinen großen Nutzen gebracht. In den «fetten Jahren» fiel es keinem Jungen mehr ein, ein Handwerk zu lernen, und mancher Handwerker, Meister und Gesellen, verließen das Handwerk, um den silbernen Boden der Stickerei zu betreten. 1908, 9. November. «Stellwagenfahrt». Der Wirt zur Wälderbahn dahier hat heute eine Stellwagenfahrt zwischen Kennelbach—Wolfurt—Dornbirn eröffnet. Doch diese Fahrten fielen kläglich genug aus. Der Fuhrmann und sein Klepper waren gewöhnlich die einzigen, die die Tour machten. Wer heute noch «einen» gesunden Fuß hat, fahrt mit seinem Rad. 1909, Der alte Lenz fabriziert auch noch «Linnen» auf seinem hölzernen Webstuhl. Es dürfte dies noch der einzige Leinenweber sein, der weit und breit zu finden ist. In meinen ersten Schuljahren standen fast in jedem Hause einer oder mehrere solcher Webstühle. 1910, 29. Mai. «Altfrohnleichnam». Während bei der Prozession das vierte Evangelium auf dem Kirchhof gelesen wurde, explodierte beim Pfarrhofdroben ein Pöller. Ein über zwei Kilo schweres Stück Eisen flog herunter und fiel mitten unter die Menge, ohne glücklicherweisejemanden zu verletzen. Statt dieser alten Pumberer hat die Gemeinde jetzt eine Pöllerkanone gekauft. 35 1910, IL—13. Juni. In Wassernöthen. In folge anhaltendem Regen wurde Vorarlberg, besonders einzelne Orte wie Montafon und Feldkirch, von großen Überschwemmungen betroffen. Im Montafon wurden viele Geschäfte weg geschwemmt. In Feldkirch staute sich dieIllderart, daß das Wasser in der Vorstadt bis zu 5 Metern an den Häusern hinaufreichte. Die Leute mußten mit Gondeln aus den Häusern gerettet werden. Aber auch die Bregenzerach hatte eine Höhe erreicht, wie man sich dessen nie erinnern konnte. Dazu war sie noch angefüllt mit Gebüsch, Wildholz, Brettern, Stiegen, Fenstern und allerlei Geräthe schwamm daher. Auf der neuen Brücke Wolfurt-Kennelbach standen viele Leute und schauten dem wilden Treiben zu. Plötzlich hieß es: Die obere Brücke kommt! Wirklich hat es den dritten Theil der Fabrickbrücke in der Mitte weggerissen und schwamm dieses Stück mit Boden und Seitenwänden wie ein Schiff daher. Aber wie es näher kam, sah man mit Entsetzen, daß aufdiesen Trümmern sich ein Mann befand, der ganz verzweifelt mit den Händen ringend um Hilfe bat. Es war der allen bekannte Jos. Karg von Kennelbach, 50 Jahre alt. Es war selbstverständlich unmöglich, ihm irgendwie zu Hilfe zu kommen. Denn es war keine Stange und kein Seil zur Hand. Der eben auf der Brücke anwesende Wolfurter Pfarrer erteilte ihm noch die Absolution. Karg getraute sich nicht, sein gefährliches Fahrzeug zu verlassen — vielleicht konnte er nicht schwimmen — und so fuhr er schnell abwärts der Lauteracher Brücke zu. Auch hier hatte Karg wieder viele Zuschauer, und auch diese konnten ihm nicht helfen. Bei beiden Brücken, die Karg passierte, lief er Gefahr, erdrückt zu werden, da das Wasser so hoch ging, daß er stehend kaum unter den Brücken durchkam. Karg stand noch immer auf den Trümmern der weggerissenen Brücke und passierte jetzt die Eisenbahnbrücke Lauterach-Rieden. Ein Stück unter dieser Brücke zerschlug sich jetzt das «Fahrzeug» und Karg verschwand in den schmutzigen Wellen. Am andern Tag fand man ihn tod an Steinen und Gebüsch verhängt. Er war ertrunken. Karg hat sein Unglück selbst verschuldet, indem er und sein Freund noch über die Brücke wollten, wo man schon sehen konnte, daß sie alle Augenblicke wegreißen konnte. Der andere, Gregor Karg, konnte sich mit einem Sprung noch früh genug retten. 1911,2. April. Heute 8 Uhr früh, gerade als die Schulkinder aus der Messe kamen, flog «Zeppelin» mit seinem lenkbaren Luftschiff «Schwaben» ganz nahe an der Kirche vorbei. Das war ein Hallo! Zeppelin wurde von hier aus schon oft in den Lüften gesehen, doch hat er heute zum erstenmal «Wolfurter-Luft» befahren. (Aus der Chronik ausgewählt von Siegfried Heim) 36 Frau Brunhilde Eberle sandte uns für die Kinder ein altes Nachtgebet: «Hinat wend mor üs niodorlo. Viorzeh Engol söllond mit üs goh: Zwä ad Kopfnat, zwä ad Fuoßnat, zwä uf di reocht Sitto, zwä uf die lingg Sitto, zwä üs schö leggo, zwä üs guot zuodecko, zwä üs bewahro vor allom U-Glück. Amen!» Siegfried Heim So heo 's i ghört (5) Eosso und Trinko hebt Lib und Seel zämmod. Z Morgo — z Nüne — z Mitag — z Obod — z Nacht Z Morgo an ghöriga Stopfar mit Kafee. Z Nüne a Igsottos-Brot für d Kind, für dio Gwachsno Brot und Käs. Z Mitag (Betonung auf der zweiten Silbe!) a Kichoro-Suppo und Heoff-Küochle mit Holdor-Muos. Zum z-Obodesso nomol a Brot und eobbas zum Trinko: «Most muoß ma geo, Schnaps ka ma geo!» Z Nacht fast jedo-n Obod brotene Bodobiera. Noch om Beott-Lütto schneoll is Bett! Sus holot öü do Buhloma!
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...Septe Wolfurt 01.09.1989 19.11.2012, 18:32 Heft 4 Zeitschrift des Heimatkundekreises Sept. 89 KIRCHDORF WOLFURT Ältestes Foto. Der alte Kirchturm war nur 46 m hoch. Links der 1895 abgebrochene Bauernhof Schwerzier, Filitzos. Inhalt: 10. Wolfurter Mundart (Helmut Heim) 11. Kriegsende (Flatz) 12. Pfarrkirche (Heim) Helmut Heim DIE A U T O R E N : Helmut Heim, geb. 1932 in Wolfurt, Schreinermeister. Hubert Flatz, geboren 1921 in Wolfurt, Finanzbeamter. In vielen Vereinen aktiv. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Sammlung mundartlicher Ausdrücke, Reime und Redewendungen aus Wolfurt Die hier aufgezeichnete Mundart will das ehemalige dörfliche Leben unserer Gemeinde aufzeigen und entstammt daher vornehmlich dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag. Sehr viele dieser Ausdrücke sind aus dem heutigen Wortschatz bereits verschwunden. Einige sind nicht «ur-wolfurterisch», sondern aus andern Regionen irgendwann zugewandert, wie ja auch früher schon manche Fremdwörter Eingang in unsere Mundart fanden. Trotz etlicher Mängel, so hoffe ich, regt diese Niederschrift einige Leser dazu an, selber im Gedächtnis nach Altem zu graben und auf Papier festzuhalten, um diese Mundartsammlung zu ergänzen und zu bereichern. A abe Berichtigungen Wir korrigieren mit Ihrer Hilfe gerne alle Fehler, die Sie uns nennen. 1. Heimat Wolfurt, Heft 3, Seite 1: Inhalt: 8. Wolfurter Geschlechter (Heim) 2. Wolfurt in alten Bildern, Ausgabe 1981; Bild 25: Gottlieb Böhler berichtigt: Das Fischer-Haus ist nicht 1958, sondern am 18. 3. 1955 abgebrannt. Er hat mit großen Schülern Möbel herausgetragen. 3. Ebendort, Bild 42: Helmut Heim erkannte, daß das Bild aus Königs Album nicht im Unterfeld sein kann. Wer kann es lokalisieren? 4. Ebendort, Bild 55: Theresia Geiger wußte, daß das Bild nicht im Strohdorf, sondern bei Geigers im Röhle aufgenommen wurde. abe aberwendig Aggs abheldig aläg Ale allat allpot allomarsch! ament Ambalascht Angl Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Sau und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt - «as abéd»- es wird weniger «ar heat fest gabed» - sein körperliches oder geistiges Befinden hat sich verschlechtert, - «gang abe!» - gehe hinunter! - «aberwendig mache» - jemanden umstimmen, abspenstig machen, auf die Gegenseite bringen - Axt - z. B. Hanglage einer Wiese, schräg - z. B. Hanglage einer Wiese - Liebkosung Wange an Wange - immer - immer wieder, öfters - allowante! - verschwinde! hau ab! - am Ende, vielleicht, «I kumm ament a klä zu dir.» Ich komme auf ein Weilchen zu dir. - Jute - Achse, Zapfen, Bolzen, Türangel, Fischangel, jener Teil des Messers, der im Griff steckt, Angel der Bienen, usw. - Drehpunkt, Zirkelpunkt, Mittelpunkt 1 Angelpunkt arlückele arkulpe Arang Apedengar ästimiire äschbliziire - etwas herausfinden, etwas entdecken - etwas bewältigen, das Letzte an Kraft herausholen, «I heas gad no arkulpet» - Anstoß «Kumm nim an Arang!» - Beginne, fange an, getraue dich! - Himmelschlüssel, Aurikel - etwas schätzen, hochachten - erklären Beare Bämsel belfere bearhäm bearig, bärig Bettbrunzarle Betthäs bizele, biz - Schiebetruhe, «Mistbeare», «Bschüttebeare» - Pinsel - krachen, schießen, Geschützdonner - hinkend, nicht gut zu Fuß, fußmarod - schön, gut - Bettsoachar - Buschwindröschen - Bettwäsche aller Art, nicht Leibwäsche - wenig Bemperlewasser - alkoholfreies Getränk (oft mit Jgsottes zubereitet) B, P bägere barentig parat baschge Balise baff Bare Bändt palästere - bitten, mahnen, auffordern - pur, rein, unverfälscht, «Des ischt doch barentige Essig», sagt, wer sauren Most vorgesetzt bekommt - fertig, bereit - etwas bewältigen - beidseitig geschliffenes Stemmeisen - überrascht - Futtertrog, Turngerät - Band, Türbeschlag, Schöbändt - Scheinband, Kette um Kühe anzubinden - jemanden etwas zu Leide tun, Ausdruck beim «Spatzsecklspiel» (Wenn die Schaufel beim Schlagen den Boden berührt rufen die Mitspieler: «Bode palästeret») - weinen - kleine Verletzung, kleine Wunde - baldigst, «jo beider» - ja gewiß - kleinwüchsiges Tier, Winzling, «Du klenna Beanzgar», sagt man auch zu einem Buben, der wohl vom Wuchs her klein, sonst aber schneidig ist - «a warme, belzbachene Underhose» belzbache leitet sich ab von Barchent. Rauher Barchent, ein Baumwollgewebe, wurde früher oft zu warmer Unterwäsche verarbeitet. Die aufgerauhte Seite hatte eine weiche, pelzoderflaumähnlicheOberfläche Pflädder, Pfläder - Fladen z. B. «Kuhpflädder» pfluddere, pfludderig, Pfluddere - z. B. Verspritzen einer breiigen Masse, Aufkochen einer dicken Suppe usw., schwabbelig - Übername für dicke Frau pfludere - z. B. wenn eine Henne sich den Staub aus den Federn schüttelt, wenn jemand eine «nasse» Aussprache hat, wenn jemand beim Lachen Speisereste von sich gibt - fauchen der Katze; Geräusch, wenn die Luft aus einem Fahrradreifen entweicht, unterdrücktes Lachen, usw. - Pickel, Akne - rechtes Maß «Der kennt koa Pfacht» pfutzge Pfuze Pfacht, Pfarcht pfächte, pfächtle - einschränken, «Di tut ma denn ou no a klä pflichte.» Dir bringt man das rechte Maß schon noch bei. Pfannebreat, Pfannekneacht pfuche pfnitze pfnäschte pfuse pflenne pfundig Pilgere - Brett mit Halterung für den Pfannenstiel um die heiße, rußige Pfanne auf den Tisch zu stellen. - fauchen, apfuche — anfahren, unfreundlich sein - niesen - keuchen, vor Anstrengung schwer atmen - stark winden, stürmen; ruhen, dösen, schlafen - weinen - schön, gut - zahnloser Kiefer 3 belle Bele beider Beanzgar belzbache pfuballe, Pfuballe - Ball spielen, Ball 2 Birling Biestkuche bige, Big - kleiner Heuhaufen, «Schoche» - Auflauf aus Biestmilch (Die Milch einer Kuh gleich nach dem Kalben wird bei mäßiger Wärme zum Gerinnen gebracht) - beigen, «Schitterbig» Bötere böterle Böterlebohrar bögle Botsche, Bötschä Boh Bodebira Beckele Boaz Brüllekalb - binand, benand, - beieinander bejanand bigotr, bigöllar blangere Bläkte Bläktus Blutsugar bloge, Blog Bluascht blose, Blose blug - bei Gott - etwas sehnsüchtig erwarten, «Ma blanger'et uf des erschte Obscht» - Blatt - Schimpfname - Blutegel; Schimpfname für rücksichtslosen Ausbeuter - quälen, Plage - Blütezeit, «d Bluascht» - die Blüten - blasen, Blasinstrument - durchsichtig, dünn; neugeborene Mäuse und Vögel z.B. sind blug, sie haben eine dünne durchsichtige Haut. Blug ist eine frischverheilte Wunde. Blug ist auch jene Stelle an einem Kleidungsstück, die abgewetzt, dünn und durchsichtig ist. - dicke Blutwurst - Blase, «Sublötere», «Soafeblötere», Blase an der Ferse - Einer der sich nicht traut, langweiliger Mensch - weinen, «Si bläget wi a Kälble» - etwas sehnsüchtig erwarten - viel reden, nichts sagen - Schwätzer, dummer Angeber - schwer, «I he ble-iene Füeß» - fallen Kater spielen mit Puppe, Puppe nur sehr, fast, ziemlich Kügelchen des Rosenkranzes oder einer Halskette altes Wort für «kugele» (Kinderspiel) langweiliger Mensch bügeln Hausschuhe, Schimpfname für ungeschickten Menschen, «duat dear aber bötschig» - Heuhahn, Heuboden, Ablage für Brennholz, Zwischenboden in der Tenne - Kartoffeln - Tasse, «a irdes Beckele» - eine Tasse aus Ton - Eifer - sagt man, wenn man jemanden in den April schickt Pritsche, - behelfsmäßiges Bett; Brett mit dem der Mist auf den Wagen pritsche, pritschle glattgeschlagen wurde («Mistpritsche»), schlagen in Wasser, plantschen Brieme bromig, Brom brisele, brisle brocke Broß Brentöwilar Brentöwinar Broatdatschar Brünnerling Prüge, Brüge - Bremsen - rußig, schwarz, Ruß, «Bromiga Fritag» - Band durch Ösen ziehen, (Schuhe, Mieder) «ibrisele, zubrisele», leichter Schneefall «As briselet a klä.» - pflücken - Sprossen der Obstbäume - Apfelsorte - Apfelsorte - Apfelsorte - Ablage, Obst-, Mist-, Holz-, Heuprüge. Das Wort kommt von Prügel, Holzrundling. Eine Lehmgrube (Lacheloh) wurde mit Rundlingen abgedeckt und darauf der Mist gelagert - Mistprüge. Ein Zwischenboden in der Tenne aus Rundhölzern war eine Heuprüge. - Nachtgeschirr aus Holz - Holzkübel - abblättern, z.B. von Mais, Bohnen usw. - weinen - besessen - schlagfertig 5 Blunze Blotere Blöterlar bläge blangere bläfere, läfere Bläferar ble-ie bohle Bole bobbele, Bobbe bos, blos bode bödelet Brunzbrente Brente brätschle briage bseasse bschosse - etwas, z.B. Boden des Korbes mit Äpfel bedeckt 4 bschnotte, gschmotte Bschüttebine Bschüttebeare Bschüttekübel bschüse bsetzt bschlahe, bschlage - knapp, gerade noch, beengt, eingezwängt - zweirädriger Karren mit Holzbehälter für Jauche - einrädriger Karren mit Holzbehälter, «Lägelebeare» - Holzkübel mit langem Stiel - ergiebig sein, «Rogges Brot bschüst besser as Kernes» Schwarzbrot ist ergiebiger als weißes. - fest, dick, mollig - Tätigkeit des Zimmermannes, mit der Axt aus Rundholz Kantholz zu schlagen; des Schmied's, Pferde, Wagen, Truhen usw. zu beschlagen; des Schuhmachers, Holz- und Ledersohlen der Schuhe mit «Kappenägel» haltbarer und rutschfester zu machen. «An bschlahena Stöa» - ein behauener Stein - Schuhmacherutensil (Eisenfuß auf Holzsockel) - Steinpflaster, Besatz aus Stoff, «Ahbollebsetzä» - Kopfsteinpflaster. «A Hemp falsch bsetze» - war bei einem Hemd der Kragen zerschlissen so wurde manchmal am Hinterteil des Hemdes Stoff weggeschnitten, daraus ein neuer Kragen genäht und das fehlende Hinterteil mit einem oft andersfarbigen Stoff «falsch bsetzt». - klopfen - Kälbchen - Kinderschreck, böser Mann, unfolgsamen Kindern wird mit dem «Bulema» gedroht, der nachts unterwegs ist und schlimme Kinder mitnimmt. - gebundenes Heu wird auf dem Rücken getragen, auch Holz und anderes, von bürden, aufbürden. - weitausholende, lange Schritte - Konfetti, Abfall der Punschmaschine - reichen - gebündeltes Brennholz - Gestell auf dem die Buschein gebündelt, gepresst und gebunden werden Bündt Bühle pumpelusisch Butzge butznersch Budl Putsch Pulge Butte Butterfaß Buhlade Buttermodi - Wiese beim Haus - Beule - Sprache die man nicht verstehen kann, Kauderwelsch - kleiner Apfel, Rest eines gegessenen Apfels - total verrückt - kl. Flasche, Maß, «Milchbudl», «Schnapsbudl» - Tonflasche mit Henkel - kl. Holzfäßchenetwa 3 bis 5 Liter, Transport und Trinkgefäß - Transportgefäß mit Schulterriemen, ursprünglich aus Holz, «Milchbutte», «Schmalzbutte» - Holzfaß, das um eine Achse gedreht wird, um Butter zu schlagen, Rührkübel. - Bauchladen der Hausierer, aus Holz Budille, Budelle - Bauchflasche Bschlahfuaß Bsetzä - bsetze pumpere Busele Bulema - Holzform, Maß um den geschlagenen Butter die richtige Form und Größe zu geben. «D Buttermodi» war meist aus einem Stück weißem Ahornholz geschnitzt u. manchmal mit einer eingeschnittenen Blume verziert, welche sich dann auf dem «Butterstöckle» erhaben darstellte. Buchtel, Wuchtel - Mehlspeise büaze - ausbessern, flicken, reparieren, stopfen von Kleidern, Wäsche, Zäunen, Werkzeugen usw. Burde Buacharschriat Punschbolle büte Buschela Buschelebock D,T dante, dantig, Dantar dämpfig dasig DächlemacharTatsch, Tatsch, Tatsche tätschle - langsam sein, unentschlossen sein, von tändeln träse, träße, Träß - schimpfen, jammern, stets nörgelnde Frau - «a dämpfigs Roß» - Asthma beim Pferd - trübes Wetter, getrübte Stimmung; leichtes Unwohlsein Regenschirmflicker - Schlag, Knall, Blitz, etwas Zerdrücktes - leicht schlagen, Art von Liebkosung 7 Buaschtschüppe - Büschel harten Grases, welche von den Kühen verschmäht werden 6 dengele, Dengelstö, Dengelhammer, Dangel -Die Sense wird auf dem «Dengelstö» dünn gehämmert. Der dünngeschlagene Teil der Sense Daffatöpfel deare - Apfelsorte - dörren, Dörrobst. Äpfel wurden geschält, in Scheiben geschnitten, auf Schnüre aufgefädelt und außen an der Hauswand wie Girlanden unter die Fenster gehängt und von Sonne und Wind getrocknet. Birnen hingegen wurden meist in Blechen auf dem Holzherd oder Kachelofen gedörrt - nicht dauerhafte, nicht ernstzunehmende Liebschaft - Wagendeichsel - Gerede, Gejammer, viel Aufhebens um nichts - schleichen - Gerede, durcheinanderreden - Kauz, Eule - donnern, Donner - unschlüssig sein - nichtssagender Geschmack bei Speisen. Ein Bild, eine Tapete kann auch dötrlos sein, farblos, langweilig, nichtssagend - Maulwurfsgrille - gut gedeihen bei Kindern und Tieren; «übeltröijig» - schlecht gedeihend - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen, Kinderlatz; Schimpfname - Birnensorte - Tannenreisig - Geselchtes - Delle, Vertiefung, Rabenvogel - Fuß verschiedener Tiere z.B. «Hennetöpe», Katzetöple» usw. - Tintenklecks Dolder Docke toag trätze Trucke - Baumwipfel - Puppe aus Holz; Fußteil einer Bank, Konsole - Birne die abgelagert, weich und innen braun ist, zu unterscheiden von «mahr» - reizen - Truhe, Trog, Kiste, Behälter, Schimpfname. «Kiestrucke», «Gschiertrückle» - Werkzeugkiste, «Katzetrückle», «Kästrucke», «Spöütztrückle», «Kudrtrückle». - sehr einfältiges, gutmütiges Weibsbild - Truhe - von trügen, «an trogena Ma» - man sieht es ihm nicht an - Trog «Sutrügel» - Schimpfname - Trichter aus Holz oder Metall - Presse für Obst und Wein - Bahre, «Mistträge», mit ihr wurde der Mist auf dem Acker verteilt. schwindeln, schwindlig - erster Brand beim Schnapsbrennen, trübe, unsauber die kleine Trommel schlagen Trommel träumen, Traum Balken drehen Techtelmechtel Diggsl Termäne diche Dischkurs, dischgeriire Totevogel, Dotevogl dore, Dörar dötterle dötrlos Trodel Trog troge Trügel Trachtar Torkel Träge trümmle, trümmlig Trub trümmele Trummekübel tröme, Tröm Tröme dreie trole, Trölar drülle, Drülle Drüllebubbar trödle, Trödlar Tresterkäsle trostle drin Drohscht, drohschtig Trumm demol, a demmol - dieses Mal, vor etlichen Tagen, kürzlich, letzthin Dorle tröije triele, Trielar Döübela Dohs Diges Dohle Tope, Töple Tolgge 8 - rollen, kurzes Rundholz drehen, Wirbel im Wasser Spielzeugkreisel, Bezeichnung für kleinen Buben ohne Eile sein, langsamer Mensch; Händler Obsttrester in eine Form gepresst und getrocknet (Brennmaterial) - ohne weiteres, getrost, «red trostle lut, si hört koan Tun.» - aufgeregt sein, «I bi iez ghörig drin gsi» - Schwüle, schwül - Stück 9 trümsle, Trümslar tschare Tschügge Tschole Tüchl - langsam sein, etwas einfältiger, langsamer Mensch - kaputt - Schimpfname - gutmütiger, friedfertiger, manchmal etwas einfältiger Mensch - Holzrohre. Die alten Wasserleitungen von den Quellfassungen («Brunnestube») zu den Laufbrunnen waren alle aus durchbohrten Holzstangen gefertigt. - Werkzeug, Berufsstand Hochgewachsene Stangen der Weißtanne wurden mit einem langen Bohrer durchbohrt. Die Rundlinge wurden von beiden Enden her angebohrt. Leicht gebogene Stangen wurden während des Bohrens gerade gespannt. Es war eine sehr anstrengende, schweißtreibende Tätigkeit, deshalb ist heute noch die Redewendung erhalten: «Ar suft wi an Tüchlbohrar.» - Mais, wurde früher auch «Welschekorn» oder «Türkewoaze» genannt - Apfelsorte mit besonders großen Früchten - Teil des Faßes «A Tuge abesufe» - getrocknete Torfschollen, Brennmaterial - Übername der Lauteracher - stottern - Donnerstag - stoßen von Schafen oder Ziegen «Böckle, böckle, tütsch» E eapamöl eapas eadde, Eadd eere Eappr Eggoaß Engera - manchmal - etwas - jäten, Unkraut - pflügen - Erdbeeren - Eidechse - Engerlinge Tschick, tschick - Stück Kautabak; müde, erschöpft Tüchlbohrar F,V Fas Fasnat Falott - abgeschrägte Kante - Fasching - Nichtsnutz, Spitzbube Türke Türkeöpfel Tuge, Duge Turbe Türbelar dudere Dunnschtag tütsche Vatterunsarhals - Sunntagshals - Luftröhre «As ischt mr in Vatterunsarhals ku», sagt man, wenn man sich verschluckt hat feand, feandrig fendere, Fenderar Feal Fealbar fitze, Fitz foppe, Foppar Vorstehar Fleaka Flegel Fotogen flöüze, Flöüzar Flöüzarhoke flacke - voriges Jahr, letztjährig - herumlungern, umherziehende Nachtbuben - Wunde - Weide - schlagen, Peitschenschlag, Blitz - hänseln; lästiger, andere ausspottender Mensch - Bürgermeister - etwa 6 cm dicke Bohlen. Aus ihnen fertigte man gespundete Wände und Decken - Dreschwerkzeug, Schimpfname - Petroleum - flößen, Holz triften, Brennholz fischen, Berufsstand - Flößerhaken - liegen 11 Türkische Musig - ehemalige Musikkapelle in Wolfurt 10 Fläre fludere Flause frötzle fräggele freze frette, Gfrett Friedhofsjodlar Fratz Firggar Firgge firgge Fise Függe vrdimmet vrdwire vrhe-ie vrplempere vrquante vrrumpfele vrbudle vrsufe vrschustere vrdrüllet vrdatteret vrdruckt vrseckle vrschosse vrpfife 12 - Wunde, Schürfwunde - flattern - Hirngespinnst, Ohrfeige - reizen - entfernen der Baumrinde kleinweise mit Beil - abweiden des Grases durch Vieh - rackern, mühen, Plage - starker Husten - freches Kind - Ausguß, Abwasch, Waschbecken, in der Stickerei Mittelsmann zwischen Fabrikanten und Heimarbeiter - beim Mühlespiel eine Doppelmühle - scheuern, aufscheuern, sich wehtun «d Schuh heat mi gfirrget» - Bezeichnung für Rothaarigen «du rota Fise» - Bezeichnung für Rothaarigen - vermodert, verschimmelt, z.B. Stockflecken in Wäsche durch feuchten Aufbewahrungsort - verirren, sowohl räumlich als auch geistig nicht orientiert - kaputtmachen - vergeuden - versorgen, verräumen - zerknittern - zerknittern von Papier - ertrinken, versaufen z.B Geld - verpfuschen, nicht zum Vorteil veräußern, verkaufen - verdreht - erschreckt, in Verlegenheit sein - hinterhältig - jemanden zum Besten halten - verliebt sein, gebleichte Farben, erschossen - verraten vrpfifebüxle vrluse, vrdluse vrbutze vrsohle vrgitzle Fürfeall fuxe fürbe, Fürbat ful Fulfieber Funzl Füdletasse Füdlar Füdle fudig fuhre, fuhrig Furgge - verspekulieren - auslesen, sortieren - verputzen von Mauerwerk; Geld verjubeln; jemanden nicht leiden können - «Dean kane nit vrbutze» - schlagen, züchtigen, «sFüdle vrsohle» - verzweifeln - Lederschürze - jemanden ärgern, «as juxet mi» - nichts gelingt mir - kehren, Kehricht - faul, müde - vorgetäuschte Krankheit, Ausrede um länger als üblich schlafen zu können, übergroße Müdigkeit - Petroleumlicht, Schimpfname - Nachtgeschirr - Kinderschlitten - Hinterteil bei Mensch und Tier; Öse einer Nadel; unteres Ende eines Baumstammes - «fudig to» - jemanden reizen, spöttisch - fette Speisen «führend». Sie «tond zu». - Mistgabel G gäge, umgäge, gägig Gägarle gazge gad nö gaffe Galoscha Gade galt, Galtveah Gaude gänge - fallen, umfallen, «a gägigs Fuder» - einseitig geladenes Heufuder, das jeden Augenblick umfallen kann - kleiner Mann der unsicher auf den Füßen steht - gackern, weinen - gerade noch - starren; zuschauen, wo man wegschauen sollte - alte ausgetretene Schuhe, Gummiüberschuhe - Elternschlafzimmer - milchlos - Lustbarkeit - stechen der Wespen und Bienen - von geangelt 13 gängig galle - gutgehend - Obst einsammeln nach dem Gallustag. Mit dem Spruch: «Galletag ischt gsi, was ifindghörtmi!.»zogen die Kinder, mit einem Sack und einem Stecken, durch die Felder und nahmen alles Obst, das noch auf den Bäumen hing und darunterlag mit nach Hause. Der Brauch verschwand bei uns während des zweiten Weltkrieges. - Schlagmesser mit gebogener Spitze - gestern - kl. Schuppen oder Anbau an Scheune - Bottich, «Wöschgelte» - mögen wollen, «I gear hüt gär nidd schaffe» - flaches Holzgefäß um die Milch zu entrahmen - bei gutem Humor z.B. - richtig, recht, viel, «as heat ghörig gschne-it», « as göht ghörig» - geheuer, nicht geheuer - böse, zornig, geizig, Zorn, Geiz, «is Alter waggst nüt meh, as d Negel und de Gitt» - Mitesser - geizig, Geiz - Geißlein - Ziegenkot Früher rieben sich die Kinder den Zeigefinger der einen Hand, am Zeigefinger der anderen und riefen: «Gizgägele, ätsch,» um andere Kinder zu ärgern. Das nannten sie: «Usgiggsle» - Hahn - knarren des Fußbodens, der Türe usw., «giire mit d Zähne» - schlagen mit dem Fuß - «I giab dr an Gingg» Glufe glongge Glonggar, Glöngge Glanet Gloach gmo Gmoand gmoant, gwähnt Gmüdr, Gmütsch gmüatle gmach gnot, d gnote Weag gnu,gnug Goub, Gob, Göble Goasl Goldgranätlar göüple go, gang - Nadel, «igluß» - einfädeln. Wenn ein älteres Mädchen einen Partner findet heißt es: «Iez ischt si doch no z glußt ku» - hin-und herschwingen - etwas Hängendes das baumelt oder schwingt z.B. «Ohreglonggar», Glockeglonggar» usw.; Schimpfname - Klarinette Glied einer Kette bescheiden, leutselig, nicht eingebildet Gemeinde geglaubt, gemeint Abfall beim Holzhacken Gettar gestet Gentar Gelte geare Gebse ghumöhrt ghörig ghürle, ughürle gittig, Gitt Gittwurm gizig, Giz Gizile Gizgägele, Giggsgägile Giggelar giire gingge gigampfe - gemächlich, gemütlich - gemächlich - schnell - genug - Kind, kleines Kind - Peitsche - Apfelsorte - balgen, spielen, Kinder, junge Katzen und Verliebte «göüplend mitanand» - gehen, gehe - schauckeln auf einem Brett, welches in der Mitte auf einem Lagerbock aufliegt, z.B. giiße - schreien, laut weinen, kreischen glumpig, Glump - schlecht, schlechte Ware glese - gläsern, «an glesena Krug», aus Glas glasig glare glotze glei gli - glänzend, leuchtend, «glasige Ouge starren starren sofort, gleich, «i kumm glei» egal, gleich, «as ischt mr gli» goaste, Goast Göppel - spuken, geistern, Gespenst - Antriebsgerät mit Übersetzung, (Getriebe) bei dem mittels Pferde- oder Menschenkraft, Maschinen angetrieben wurden. Als das Fahrrad aufkam, wurde es seiner Übersetzung wegen, oft auch «Göppel» bezeichnet. Wird heute meist abwertend für ältere Fahrräder gebraucht. - bedeutet etwa Gehege, Bezirk, «Deam bin i is Göü ku» heißt die Kreise eines andern zu stören. - Haus hüten, während einer Beerdigung z. B. kommt eine Nachbarsfrau «ga gome.» 15 gosche, Gosche - schimpfen, derber Ausdruck für Mund Göü gome 14 Gogummere - Gurke Grüsch gschwunde Gspane Gspusi gstumpet Gschwear schnudere, Schnuderar Gschnüder Gschtrüch, Gschrücht gschmotte, bschnotte gspriggelet gstearr Gsüff Gschlüder, gschlüdrig gschniglet Gschier Gsims Gsod Gsodstuhl gspundet gstemmt gschutzt gstäht gugge güggle Guggar Guggarklee Guggähne - Kleie, Viehfutter - ohnmächtig - Begleiter, Gefährte heimliche Liebschaft kurz, klein Geschwür, «i hea a Zagschwear» Rotznase hochziehen, Schimpfname golgge, Golggar - schwappen, «d Milch golgget i dr Butte» Pumpbrunnen gozig goazge gülde goldig gottsjömmerle toa grötig gragöle grütschle, Grütschlat Gräms Grotseage Grabe grizgrame - einzig, von Gotteinzig - Geräusch, wenn man sich z.B. verschluckt hat oder, wenn jemand nahe dem Ersticken ist. - golden, aus Gold «a güldes Krüzle» - lieb, süß, gut «a goldigs Humörle» - zum Erbarmen jammern - schlechtgelaunt - lärmen - schaukeln, Schauckel - Rahmen, Türrahmen, profilierte Kassettendecken, usw. wurden als Gräms (Gerahmtes) bezeichnet - Gratsäge - altes Wort für Spaten; Wassergerinne, Bach - knirschen mit den Zähnen, von griesgrämig - Katarrh, Rotznase - Katarrh - siehe bschnotte - gesprenkelt - steif - schlechtes Getränk - Schneematch, «legg hohe Schuh a, as ischt hütt gschlüdrig dußa.» - sauber hergerichtet, «si ischt gschniglet und kamplet» - Werkzeug, Kochgeschirr, Kuhgeschirr usw., «Gschierlumpe» - Gesimse, «Gsimshobel» - kurz geschnittenes Heu - Handgerät bei dem mittels eines Stanzmessers Heu kurz geschnitten wurde - Holzverband - Holzverband - schnell, ohne Überlegung, ungeschickt - gemächlich schauen im geheimen schauen Kuckuck, «d Guggar soll di hole» Sauerklee Urgroßvater Gsottes, Igsottes - Gesottenes, Eingesottenes (Marmelade) grenne, Grenne - Gesicht verziehen, Grimasse schneiden, «grenne, grenne, tuat nit weh, wer grennet der heat Lüs und Flöh.» grüscht grea gröte Greular gruabe Grüba gruste, kruste Graffl Gramure Grampe grampe - fertig, hergerichtet, von gerüstet - fertig, erledigt, gerichtet, angerichtet - gelingen, geraten - trüber Most mit Grauschimmer ruhen «gruabe git gut Buabe» Grammeln stöbern, suchen Plunder Durcheinander Pickel, schlechtes Pferd Arbeit mit dem Pickel, heute noch manchmal gebräuchlich für die Tätigkeit der Bahnarbeiter beim Geleisebau. Grabehoue 16 - Werkzeug um Riedgräben zu öffnen 17 Guggöre - von guggen - schauen und Öhr-Öffnung bedeutet Ausguck, oberstes Giebelloch unter dem First. Wenn Buben eine Hütte bauen, die windschief und wackelig ist, sagt man heute noch: «Do machend ir aber a ghörige Guggöre.» Wird auch verwendet für sinnloses, unüberlegtes Aufeinanderstapeln von Dingen. - Kind im Arm wiegen, auf den Schultern tragen - starker Regen, Wolkenbruch - Flasche guge Güse Guttere gumpe, Gumper - pumpen, tanzen, hüpfen, Pumpbrunnen, «gumpiga Dunnschtag», «Bschüttegumpar» Gumpe Guat gunne Güsch Gurglholz güne Gumelascht - Wasserloch - Wiese beim Haus - gönnen, «vergunne» - mißgönnen - Schimpfname für moralisch minderwertige Frau - nennt man das Holz einer Tanne, das in Alkohol umgesetzt wird, bevor es den Wald verläßt. - winseln des Hundes, weinen - Gummiband Hälegigar Häs Hagel Häslus heare Hemp Herelöable hetze hetzig, Hetz heane, heat, kett, hea oder heo herze - Schmeichler, Einschmeichler Kleidung insgesamt «Weachtaghäs und Sunntagshäs» Stier Filzlaus, «freach, wi a Häslus» rufen Hemd Herrenlaibchen - Brot treiben, jagen lustig, Lustbarkeit, Spaß haben, hat, gehabt, habe liebkosen hergoles, hargoles, hargolane, hargolante, hardigate - beim Herkules! helde Hennelar hinat Himbr Hindrhusar Hille hindrfür Hinderung - z.B. ein Mostfaß in eine Schräglage bringen - Hühnerhabicht, aber auch Mäusebussard - heute Nacht, kommende Nacht «a guts Hinatle» - Himbeere - Apfelsorte - Helligkeit, Lichtschein einer Feuersbrunst z.B. - verkehrt, umgedreht, an hinderfura Voaderwäldar» - Rückstand, «i bi im Hinderung» - Ringkampf, ringen - Haken, schlechtes Pferd, unansehliche Frau - Haken - «Türhouche» auch «Klobe» oder «Angln genannt, siehe «Klobe» - Großer Brachvogel - Heuschrecken - Regenguß, Unwetter - Birnensorte - Werkzeug, um Heu schüppelweise aus dem Heustück zu ziehen, (armlanger Stil mit einer Spitze aus Eisen und Widerhaken) 19 H händig - geschickt, anstellig bei Menschen, auch bei Pferden. Bei Werkzeugen bedeutet es gut in der Hand liegend, wird auch gebraucht bei Geräten, Maschinen und Fahrzeugen aller Art. Hoselupf, hoselupfe Hoge Houche Holipar Höühoppar, Höüstäffel Höüdearar Höübira Höülüchar Hächlar, Häklar - «igwaggsene Dreak» - alter hartnäckiger Schmutz auf der Haut (Füße und Hals) häze - klettern Habermus - Haferspeise Haras - Obst-, Kartoffelsteige Hasebläckta - Wiesenbärenklau halte - hüten (Vieh hüten) hebe, Hebe, - halten, festhalten, Griff, (Griff aller möglichen Werkzeuge Hebel, Heft meist aus Holz oder Horn), «heb ü» - halte an, «heb da Götte», «Ar gitt s Heft nit uss r Hand», - er bleibt am Ruder halse - umarmen, liebkosen häl - schmeicheln - rutschig 18 Houe, houe höüile, Höüile Honnar, Honnare Hoanze, hoanze - Heinzen, Stange mit Querstäben auf denen das Heu getrocknet wird Hoanzesteckar - starkes Rundeisen mit Spitze Holtscha, Hölzlar - Holzschuhe, Schlüpfer, vorwiegend für Stallarbeiten Holtschemachar - Holzschuhmacher Hülzebödnar, «Lüch» ist eine alte Bezeichnung für Loh-Loch und Licht siehe «lüche» - Gartenwerkzeug, «Grabehoue», schneiden, schlagen - jäten, kl. Haue mit Zweispitz «Friedhofshöüile» - Holz- und Heuschlitten; Kuh die oft ihre Hörner gebraucht Hurnussl Hurde - Hornisse - von Hürde, etwas übervoll beladen, siehe «Schoche» hunze, vrhunze - spotten, verspotten, etwas verderben, «um di Sach nit ganz zu vrhunze, gommerliaberga brunze» hürle, anehürle - in die Hocke gehen hüsle, Hüslarzüg - spielen, Spielzeug huremäßig, hurementig, hargotmentig - Diese, sowie ähnliche andere Wörter werden verwendet, um die Aussage der nachfolgenden Wörter zu verstärken, nicht aber um sie zu bewerten. - Schuhe mit Schweinsleder - Oberteil und Holzsohlen «zum ibrisele». Die «Hülzebödner» waren während und nach dem Zweiten Weltkrieg sehr aktuell. - steif, ungelenk, hölzern - Hornerschlitten, dessen Gleitfläche unbeschlagen ist. - leichter Heuwagen, dessen Achsen aus Holz sind. - Haupt, Kopf, «Kruthöple», Salothöple» - Holunderkompott - Heidelbeeren - viel, zahlreich, «es hoadlet gat» - springen - langsam, bedächtig, vorsichtig, «1 tur a klä hofele» - heikel, «du hoakliga Beatlar», wennjemanden das Essen nicht genehm ist, «noch em hoakle si kut nüt meh», wenn einem Mädchen die Freier nicht passen - Hohlaxt, wurde gebraucht um Brunnentröge zu fertigen oder Dachrinnen - Jauche, Jaucheloch - Kleidungsstück, abwertende Bezeichnung - eilen, pressieren, ungenau arbeiten, «nu nit hudle, vor em Sterbe» - sparsam - heuer, heurig, «i bi ou koan hüriga Has me» - Birnensorte I,J idressiirt irger, irgerle, Irger Irmel irde Jägge Jankar Imbe Imachstande Ilge jöüche Isegräs Isehemp Igsottes, Jgsottr juze, Juz, Juzar jucke iez - äußerst sparsam - arg, ärgerlich, Ärger - Ärmel - aus Erde - Ton, «a irdes Beckele» - Eichelhäher - Kleidungsstück - Bienen - von einmachen, faßähnlicher Maischebehälter - Lilie, Iris - jagen, treiben hartes Gras, das von den Kühen verschmäht wird Rüstung Marmelade, Eingesottenes jauchzen, Jauchzer hülze Hülzesolar Hülzeaggsar Höple Holdersuppe Hoadla hoadle hoppe hofele hoakle Holthesl Hoflache Hötel hudle, hudlig, Hudlar husle hür, hürig Husbira 20 - springen - jetzt 21 K Kante, Käntle Katze Känar Kathel Kaserol Kachel kachele Kampl, kample Karrezühar Kaiserbira käl Kareß Kabriza Kalfaktr Kassinar Kämme kartätsche Katzestoeg Kastättere, Kastezar - Gefäß aus Metall z.B. «Milchkante»; Zusammenstoß zweier Flächen z.B. «Stahlkante» (Schi) - Schöpfwerkzeug, meist aus Kupfer, um Maische aus dem Faß zu schöpfen, z.B. - Rinne aus Holz oder Blech, «Bschüttekänar», «Dachkänar» - Aufzugsrolle aus Holz; weibl. Vorname - Kochtopf - Schüssel aus Ton; Teil des Kachelofens, Fliese - Ofen setzen, Fliesen legen - Kamm, kämmen - Zigeuner, fahrendes Volk - Birnensorte - ecklig, widerlich, unflätig - «allad uf Kareß» - immer unterwegs sein - Eigenwilligkeit, Sturheit, «der heat wiider Kabriza» - ungehobelter, grober Mensch - Name für Mitglieder einer ehemaligen christl. sozialen politischen Gruppierung, gilt heute eher als Schimpfname - Kamin - durchkämmen von Flachs, Schafwolle usw. - steiler, schlechter Weg - Teil der alten Bucherstraße - Frucht der Edelkastanie, die früher bei uns sehr verbreitet war. Heute noch gebräuchlich für die Roßkastanienfrüchte Kearesel Kesslar kiibe Kiestrucke - Kellerassel - Pfannenflicker, gehörten zum «fahrenden Volk»; Schimpfname - schimpfen - Wagenaufsatz aus Holz um Kies und Sand aus der Bregenzer Ache zu holen. Mittels einer Winde (Wagenheber teils aus Holz) konnte man die Ladung auch kippen - Teil des Wagens - keimen, Keim - Kürbis - Kirchweihfest, dazu gehörten früher auch Tanz und Vergnügungen - wenig, ein bißchen - armlanges, daumendickes, vierkantiges Holz. Für jedes gebetete Vaterunser durfte eine Kerbe eingeschnitten werden. Am Vorabend des Nikolaustages wurde das «Kloseholz» ins Fenster gelegt oder dem Nikolaus, so er ins Haus kam, vorgezeigt. Je nach Anzahl der Kerben erntete man Lob oder Tadel. - Spannwerkzeug, Schraubkloben, Feilkloben usw. Auch ein «Türhouche» wird als «Klobe» bezeichnet, wenn er aus zwei Teilen geschmiedet ist. «Klobe» ist jener Teil, der die eigentliche «Angl», Achse festhält und umklammert. «An nerviga Klobe» kann auch sein ein dickes Stück Holz, ein schwerer Stein oder aber ein großer, starker Bub. - kratzen - wuchtig, schwer wirkend, stark dimensioniert - Spannwerkzeug, «Wöschkluppe», Schntdkluppe» usw. Kirpfe kide, Kide Kürbse Kilbe klä, a kläle Kloseholz Kichere, kichere - Bohne, lachen Klobe klube, klöube klobig Kluppe Kapelo, Kaplo - Kaplan Kapele - kleine Kapelle ke-ie, ke-i-ig - streiten, zuwider sein, «hei, bis iez nit so ke-i-ig» ke-ie, anke-ie, umke-ie Kefe Kelle Kear 22 - fallen, hinfallen, umfallen - Käfig - Werkzeug, «Murarkelle, Suppekelle, Wasserkelle, Wöschkelle, Spatzseckelkelle» - Keller kluppe, kluppig, - spannen, klemmen, geizig, Geizhals Kluppar Kotarkarre - zweirädriger, kleiner Karren mit Kistenaufsatz mit dem man die Buben auf den Weg schickte, um den Pferde- und Kuhmist von der Straße einzusammeln. Zur «Ausrüstung» gehörte noch die «Kotarschufl» und das «Kotarbreatle» - Halsteil des Pferde- und Kuhgeschirres 23 Komat Kostanzar - Birnensorte Länglar kotze - erbrechen Köngel, Kängel - etwas Hängendes z.B. Teil der Glocke, Rotznase Konsorten Klattere Klamperar Klosebira Klepfe, klepfe knöbefle knöüle knozge knausrig Knüse kräzebuggele Kräze kreable krüche Kröasl Kröaslar Kröl Kratte Kriepe, Kriep, Krippele kroase, Kroas krose, krös Kröse Krömle Krazat Krimskrams 24 Kriase Kriacha Kreas kraglet kreie Krottemüchele Krottehägl Krottemoie krotte Klammera Küngl Kust - Kirschen Wildform der Pflaume gehackte Zweige überaus, besonders, «s Bömmle ischt kraglet voll» krähen Kaulquappen Taschenmesser Löwenzahn sich mühen, anstrengen, nicht vorankommen Waldameisen Hase Kunst, bezeichnete früher vor allem Fertigkeiten und Eigenschaften von Menschen und Tieren, die allgemein nicht üblich waren. «A Kust» war daher, was etwa ein Seiltänzer auf einer «Kilbe» zeigte, das Verrenken der Glieder eines Akrobaten auf einem Jahrmarkt usw. Auch ein Bär, der tanzen konnte, machte «Küsta». Dagegen war ein Gemälde z.B. einfach «schö» oder auch weniger. Daß auch banalste Dinge in die Nähe von Kunst gerückt wurden, verdeutlicht folgender alter Spruch: «I ka a Kust, s Füdle butze mit dr Fust.» - Gleichgesinnte, Genossen, wird meist abwertend gebraucht - eingetrockneter Schmutz oder Kot - Spengler - Birnensorte - Viehglocke aus Blech, knallen mit der Peitsche - wenig - knien - «as knozget mr i de Schuhne» wenn man Wasser in den Schuhen hat. - geizig - dicker Bub - etwas auf dem Rücken tragen - geflochtener Rückenkorb mit Schulterriemen - kriechen, krabbeln - sich auf allen Vieren bewegen - Kreisel, Zirkel - Gerät um den Acker einzuteilen (Furchenbreite) - abgewinkelte Gabel, um den Mist vom fahrenden Wagen zu ziehen. - geflochtener Korb, «Öpfelkratte», «Kriasekrättle», «Krättlemachar» - Korbmacher - Futterkrippe, Darstellung der Geburt Jesu - kreisen, Kreis - «s Höü kroset» von kraus - reicher, geiziger Mann, Krösus - kl. Geschenk, Süßigkeit, von Kram - Mehlspeise, Kaiserschmarren - kleine, meist nutzlose Dinge Küstle - nennt man den liegenden gemauerten Rauchabzug des Kachelofens, auch Ofenbank genannt. Manchmal auch den oberen Teil des Kachelofens auf dem allerlei getrocknet, erwärmt und warm gehalten wird. «Küstle», kann auch sein ein Gesims aus Stein oder ein Brett an der Wand, das als Ablage dient. «Küstle» leitet sich ab von Hypocauste, so nannten die Römer ihre Fußbodenheizungen - Teil des Spinnrades - merkwürdig, sonderbar Kunkel kurios Kudr - Auswurf von Schleim z.B. bei Bronchitis, Abfall beim Hanfbrechen Kudrtrückle - Holzkistchen mit langem Stiel, wurde vor allem von den auch Spöüztrückle «Tschickern» (Kautabakessern) benötigt kugele Kumede, Komede kützle Kutze Kutzemusar - Kinderspiel mit irdenen und gläsernen kleinen Kugeln - Theater, überraschendes Ereignis «Gestet hemr a ghörige Kumede bejanand kett.», unüberschaubares Durcheinander - kitzeln - grobe Wolldecke - Apfelsorte; besonders dickes Kleidungsstück z.B. Mantel 25 L lamentiire Larve Lätsch läfere Läferar Latsche lächt Lägele, lägele Lache Lacheloh Lämmel lampe leaz Lebrosehus leacher Lederar lis lidere Lismar Liible libig - jammernd gestikulieren - Maske, Gesicht - «Schwobelätsch» - Knoten; ein beleidigtes Gesicht machen, «was machst ou duflir an Latsch» viel reden, nichts sagen Schwätzer von dummem, sinnlosem Zeug Legföhre; Schimpfname -lieh, «rotlächt» - rötlich, «langlächt» - länglich Jauche, Jauche ausbringen Pfütze Jauchegrube ein Stück z.B. Wurst oder Brot hängen, herunterhängen falsch, unrichtig, nicht gut Haus der Leprakranken, Landspital Bregenz loabe, Loabat - nicht aufessen, übriggebliebene Mahlzeitreste «des gloabet ischt besser as des geasse» - es ist gut, etwas Übriggelassenes zu haben. - «triele» - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen - rütteln, wackelig, locker, nicht gut befestigt - weich, löst sich auf, Schnee bei Tauwetter - Brotlaibchen, «Herelöable» - streunende Hündin - brünstig z.B. Rind löübe lotere, loterig lösch Löable Löütsch, löütschig löüfig Load, loadig, load- Leid, schlecht gelaunt sein, «loadig si», «eapas z load tö» - ausgetrocknet, (bezeichnet bei allen Behältern und Gefäßen aus Holz das Schwinden desselben) - Apfelsorte - zu wenig gewürzt bei Speisen, ohne Geschmack - gerben - Strickweste - Leibchen, Jakett - fett, faißt, dick Loatsch, - liederliche Frau, liederliches Mädchen Löatschle Loatsche, loatsche, loatschig, veriotsched - abgenützter, ausgetretener Schuh; latschen, gehen; zerschlissen, ausgetreten bei Schuhen Loast - Schuhleisten Loase lose Loatsoal Lonarle loadwerke - eingedrückte Fahrspur z.B. im Schnee - horchen, hören - Leitseil, Teil des Pferdegeschirrs - Radsicherung am Wagen - etwas anstellen, jemanden etwas zu Leide tun Liecht - «Kirzeliecht» - Licht liecht, usliechte - lichter Wald, Bäume auslichten (lichter Wald - heller Wald) liecht - leicht, wenig Gewicht lüche Lohe Lorkäsle loh, loht, glöh löame, Loamsüdar - auslichten von Pflanzen z.B. Mais, Heu kleinweise aus dem Heustock ziehen. - Gerberlohe; Feuerschein, Feuer, «as brennt liechterloh» - verbrauchte Gerberlohe (Baumrinde) in Formen gepreßt und getrocknet (Brennmaterial) - läßt, gelassen - schwerfällig, langsam, langsamer Mensch Löre, Lüre, Glöre- beim Mosten wird ausgepreßte Maische mit Wasser angereichert und anderntags noch einmal gepreßt loufe - gehen lugg Lugge lützel Lusar luege lüttere lupfe - locker «nit lugg lo» - nicht locker lassen - Lücke - wenig - Lausbub, Lauskamm - schauen - läutern, säubern, zweiter Brand beim Schnapsbrennen - heben, tragen, «Hoselupf» 27 26 Lude - altes Wort für Lust. Bei uns ist das Wort nur noch in drohender Form bekannt, wenn etwa eine Mutter zu ihrem Sprössling, der etwas angestellt hat, sagt: «Du wirst denn Lude hea, wenn zobet d Dädd hoamkut!» - windig, wehen Miat Mies minder Mikte Mirz moan Mog Moikeafer Molle mords möt,mät Mose Moltschere Momele montsche, mantsche möüle moriksle Mores - Viehfutter, z.B. zerhackte Rüben, Kürbisse usw. - Moos - schlecht, wenig; «s Weattr wird minder» - schlechter «hür gitt as minder Höü asfeand» - weniger - Mittwoch - März - morgen - jammernde, ewig unzufriedene Frau - Maikäfer - Stier - von Mord, «an mords Stach, mords Kaib, mords Kog», z.B. - möchte - Fleck, Mal - Birnenbrot - Süßigkeiten - kauen ohne Zähne - laut schreien - jemanden unsanft behandeln, quälen luftig, lufte M marod mariasche maschgere mampfe Maläscht Malter mahre mahr Mahreneascht leicht krank altes Kartenspiel sich verkleiden unschön und viel essen Schwierigkeit, «des heat mr Maläscht gmachet» altes Maß, Holzgefäß, Mörtel warten, zuwarten abgelagert, reif, mürbe, weich, z.B. bei Obst, Käse ausgepolstertes Nest oder Versteck um hartes, unreifes Obst ablagern und reifen zu lassen. (Jeder von uns Brüdern hatte sein eigenes, verstecktes «Mahreneascht», Das konnte sein im «Bleazufzug» in einer alten Truhe, auf dem «Ströüestock» in einer Höhle, oder im «Schopf» hinter einem Maischefaß. Die Nester waren stets mit Lumpen oder Heu gepolstert.) - einer, der großes, handwerkliches Geschick hat, ohne eine Lehre absolviert zu haben - Wiese; Gras oder Heuzeile; dünne Zeilen aus halbdürrem Heu machen - mähen - Metzger, «Meksar, wetz mr s Meksarmeassr!» - danke - laute, lange Unterhaltung, Weihnachtsmette Mächlar Mahd, Mahde, mähdele meije Meksar merse Mett, Mette, Dermette - «J wir dr Mores lehre» heißt etwa: Ich werde dir zeigen, wer Meister ist, oder: Ich werde dir gutes Benehmen beibringen munggilebru - undefinierbare Farbe, «munggilebru bis schiißdräckgeal» murkse, abmurkse, Murksar - schlechte Arbeit leisten, töten, Arbeiter der alles verkehrt macht Mulaffe - «der heat ou no Mulaffe foal», sagt man zu jemanden der sich bei Festen, feierlichen Anlässen usw. unpassenderweise in den Vordergrund drängt - gesund, frisch, wach - leicht kränkelnd - schimpfen - eckiges Holzgefäß («Moltschere») - mit ihm wurden tiefe Löcher in die Ackererde gebohrt (Im Ried stand das Grundwasser in den Löchern, sodaß die Mäuse darin ertrankea Durchmesser der Löcher etwa 10 cm.) 29 mengsmol - viele Male, manchmal meangge, meanggig, Meanggar - jammern, Nörgler Melkar - Wiesenboxbart Mentag - Montag mentig - von Sakrament z.B. hurementig, saumentig, hargotmentig, kogementig mis 28 - unangenehm, schlecht muschbr mutlig mule Multe Musbohrar Musar mugge Muzzila, Muzz muzzele müge, mügig müchtelig, Müchtelar Munzela, Mumsala - Mäusefänger - Heureste auf der Wiese zusammennehmen - Kuß, liebkosen - gerne haben, nett, lieb - vermodert, feucht, schimmlig, Schimmelgeruch verbreitend, Schimpfname für langweiligen, nicht unternehmungslustigen Menschen - Fuseln, z.B. unter einem Bett nommas notig nötig notles nütig nüt, nünz nüschele Nüster - etwas - geizig, «an notiga Kog» - notwendig, «der heats nötig» - in Eile sein, «der heats notles» - schlecht, «an nütiga Siach» - nichts - flüstern, etwas suchen - Rosenkranz - kurzer Schlaf - wühlen, stöbern - Lustenau Nuggel, Noggel - Sauger, Babylutscher Nupparle nuhle Luschnou Nuschlou N namol, noamol nät, nacht nate, nachte Nascht Natpibolar - noch ein Mal gestern Abend, vorige Nacht dunkelwerden Ast Nachtvogel, Eule. Zu Kindern, die abends nicht ins Bett wollen, sagt man: «Gond is Bett, sus goht öü d Natpibölar i d Höör!» - wackeln - spielerische oder tändelnde Arbeitsweise, meist auch mit einem unzureichenden Werkzeug - durchgehend, bis zum Ende, z.B. «nanna usse is Ried heat as greanget.» - eiterndes Fingernagelbett - Großmutter - Großvater - schwer, wuchtig, groß - wässern, gießen - verrückt - Stirnfalten - zweiter Feiertag an Hochfesten, z.B. Ostermontag - Guten Abend, (Gruß) - kurz und leicht schlafen - fast, schier, nach, «i bi nöö gstorbe vor Angst.» - nachher o Oacharle Oamer Oachelekaffee oas, oan, oane oabar oalfe, oalf Oaße Obs Oferöhrlar Ofekatz Oggseoug Omahd Omahdstengel, Übrigstengel Ohreschlüfar Ohreglonggar Oier Ostnar ordile - Eichhörnchen Eimer, Holzgefäß, Maß Kaffeeersatz aus gebrannten Eicheln eins, ein, eine ohne Zutaten, einbar, pur elf Uhr, elf Furunkel Obst aufgewärmter Kaffee Mehlspeise Spiegelei (Ochsenauge) zweiter Heuschnitt Fruchtstand des Wisenbärenklau naggle näggele nanna, nanno Nagelbröü Nana Näne nervig netze nersch Nibela Noheiligtag Nobed nore noo, nooch nohar 30 - Ohrwurm - Ohrschmuck, Ohrgehänge - Eier - Ostwind - ordentlich 31 Roßripp - Spitzwegerich - Rain, «am Roh», «im Röhle» - Pferdekot - Stück, Teil z.B. Brot - von räumen, z.B. Reste von angebräunten Speisen in der Pfanne - schnell fahren oder laufen, «laß ruaßle» - ruhig - Runkelrübe; Schimpfname - Schimpfname; Wortspiel, Wortreim, besteht aus den Wörtern Runggel - Runkelrübe und Kunkel - Teil des Spinnrades. Ähnliche solche Wortspiele oder Reime sind: «holterdipolter, holperstolper, rumpes stumpes, rumpel pumpel rapedikap, usw. - Unke - Kruste auf einer Wunde - kümmerliche kleine Tannen und Fichten, «Rutze houe» nennt man auch das Säubern von Vieh- und Alpweiden von durch Flugsamen gewachsenen kleinen Fichten und Tannen R rantsche, Rantsch räple, Räplar räß Rallemus - viel und unnütz unterwegs sein, Frau die selten zu Hause ist - schälen von Baumrinde, Rindenschälwerkzeug - scharf, stark gesalzen, «räße Käs» - Mehlspeise Roh Roßbolle Rongge Rumat ruaßle rüabig Runggel Runggkunkel renke, Rank, - lenken, Kurve, Runde Ränkle ratsche, Ratsche - ratschen am Karfreitag, tratschen, Karfreitagsratsche «Rätschwib», Rätschkachel»; vrrätsche - verraten rangge Rabbe, Rabb Ralle, Rolle radibuz rapedikap reare, räre Reaf Renkschitt Reaketedohs riepse ribum ring, gring rööß röafle, Roaf - unruhig sitzen, hin- und herrutschen - Raben; schwarzes Pferd; aufgetakeltes Mädchen - Kater - alles - überstürzt, Hals über Kopf - weinen - Traggestell aus Holz mit Schulterriemen - Teil des Wagens - Wachholderzweige, wurden früher zum Räuchern des Specks verwendet - scheuern - Tauschhandel ohne Aufzahlung - leicht, schwächlich, klein gewachsener Mensch - sehr, fest, viel, stark, «as luftet hüt rooß» - Spiel mit alter Fahrradfelge Rudeguggar Rufe Rutze s spaniire, spanifle spatzseckle, Spatzseckl Spridla Spaseage Spinnewebb, Spinnebebb Spöütztrückle Spealte Spuntus Spore Spitzbira - auskundschaften - altes Spiel - fein gespaltenes Brennholz, Holzschiefer - Spannsäge - Spinne, auch Spinngewebe siehe «Kudrtrückle» grob gespaltenes Holz Angst Stoppeln; Teil des Reitsattels Rouchkesse, Rouchkessel - kleiner Rauchofen, (der Rauchkessel wurde an die Deichsel des Wagens gehängt um die Bremsen und Riegen von den Zugtieren fernzuhalten. Verbrannt, das heißt in Rauch umgewandelt wurden vor allem alte Schuhe und Lumpen) roufe, Roufe - streiten, raufen; Futterraufe Rotzhötl - derbe Bezeichnung für Taschentuch Röslebira 32 - Birnensorte - Birnensorte 33 Spunte - Zapfen des Faßes, ein mit Mehl, Obst usw. nur zum Teil gefüllter Sack. Auch zu einem kurzen, festen Bub sagt man «Spunte». - Holzverbindung, Spundwand, gespundeter Boden (Riemenboden z.B.), die Verbindung des Faßdeckels zum Faß ist gespundet. - dünne Waden laufen spähen Fernglas, Fernrohr freigiebig freigiebig wenn ein Redeschwall vermischt mit Speichel aus dem Mund kommt «mach ka Sparglamenter» - mache keine Dummheiten, räume das Feld, gib den Widerstand auf handeln, feilschen, markten; anrüchiges, unehrliches Handeln schräge, windschief, von scheel «der heat mi scheal agluget», «s Fuder ist schealb glade» «d Tür ist schealb» Scherenschleifer naschen schimpfen, derber Ausdruck für Mund Spund, Spundung Spatzewädl springe spechte Spektiv splendit spendabel spudere Sparglament schaggere scheal, schealb Schereschlifar schnöügge schnorre, Schnorre Schnorrewagglar schnorrle, usschnorrle Schapf, Schaff schwere schnädere schnattere schlättere, Schlättere schlottere schliete, schlietle schlifisele, Schlifisele Schiatze schlorgge, Schlorgge Schlotzar schlotze schloapfe Schlupfar schlüfe schlenze Schloufe Schiute Schmuttere Schmearbuh schmöüselig Schmirbe, Schmürbe Schmuz, schmuzig Schmalzbläckta Schmeala Schmelgar, Schmutzar schnelle Schnellar Schnitzkichera schnudere schnüze Schnifele Schnitzbrüh schnufe rodeln, schlittenfahren schlittschuhfahren, Schlittschuhe geronnene Milchteilchen aus dem Euter der Kuh nachschleifen der Füße beim Gehen, alte zerschlissene Schuhe, «lupfd Füaß, schlorgg nit so!» Kinderschnuller, Lutschbonbon mit Stiel lutschen, saugen ziehen, schleifen, schleppen, Holz ziehen z.B. Muff (zum Warmhalten der Hände) schlüpfen werfen, schwingen Schlinge, Schlaufe Rock Narbe, Absplitterung an einem Emailgeschirr z.B., Wunde an einem Baum - Dickwanst, «Schmear» - Schmalz; Fett - fettige, schmutzie Haare, unsaubere Kleidung z.B. - Kreme Schmirbetrückle - kl. Holzkistchen mit Wagenfett - Schmalz, Kuß, fettig - Wiesenunkraut - versch. Grasarten - Apfelsorte - knallen - Stachelbeere - Gericht aus gedörrten Birnen und Bohnen Rotznase hochziehen schneuzen kleines, geschnittenes Stück Brot oder Käse z.B. Brühe gesottenerDörrnbirnen.Name wird auch abwertend gebraucht für vielerlei Getränke und Flüssigkeiten. - atmen 35 - - Dampfplauderer - entfernen der Zweige bei Tannenästen z.B. - kl. Holzkübel - fluchen, von schwören - langandauerndes Erzählen - Laute der Gans, Redeschwall bei Frauen, zittern - schütteln, ausrutschen, fallen, Rausch - zittern, «ar schlotteret vor Angst» Schluechta - lange Triebe einer Pflanze, z.B. Brombeere Schlietegrennar - geschnitzter Kopf an einem herrschaftlichen Schlitten, ähnlich einer Galeonsfigur; Schimpfname für jemand, der unerwünscht ist, sich ungebeten einer Gruppe anschließt. Der Letzte. 34 Schnidesel Schöwinkel Schöbändt schore, Schorgrabe Schopf Schoche scholdere Schopploch Schrabnell Schrunta Schbage Schear Schelfere Scheafe, abscheafe Schiihuat Schick schitte, Schittrhufe Schindelise schiniire, scheniire Schickse - Schneidebank mit Haltevorrichtung - Scheinwinkel bei alten Fensterläden z.B., (es sind Verstärkungen der Eckverbindungen) - Scheinband, Türbeschlag - Mist entfernen im Stall, Mistrinne - Schuppen, Haarschopf - Haufen, «Höüschoche», «gschochetvoll» - übervoll - drängen, weiterbefördern, «Scholderar» - Kegelbursch - Futterloch zwischen Tenne und Stall - Geschoß, Schimpfname - Risse in der Haut der Innenhand, bes. an den Fingern Schnur, Spagat Maulwurf Haut, Schale von Früchten, Schimpfname Schale, «Kicherescheafa», abschälen Schwetar Schürpela, Schüppela Schrage Schrote Schwärtela Schwärtling - Pullover - Haarschuppen - Schope, Schöple - Rock, Röcklein Holzgestell, z.B. Bett, Bahre usw.; Schimpfname Werkzeug um den Heustock zu zerschneiden z.B. «Türkeschwärtela» - Umhüllungsblätter des Maiskolbens Außenbretter, die beim Einschneiden des Holzes entstehen und fast zur Gänze aus Baumkante bestehen sempere, semprig, Semperar - sich Zeit lassen, Herumtrödler - schlecht gelaunt sein, von seltsam - eigensinnig, selbstherrlich - Säge - Sense wund, schlecht heilende Wunde, wundgelaufene Füße Fensterbrett, Ablagebrett, Fachbrett schockoladefarbenes, süßes Nebenprodukt in der Käserei verschwenden, verschütten, vergeuden Samen Seifenblase freches Mädchen Landspital Bregenz Ferkel eine aufgeblasene Schweinsblase an einem Stecken war früher ein wesentliches Fasnatutensil unsittlich reden Birnensorte, Extraschnaps Sauerampfer häßlich sieden, Sud, leicht sieden, eine Wunde mit Ausfluß «sütterlet» gemächlich, langsam sein, gemächlicher Mensch sudeln beim Schreiben Lutschbonbon herumstehen, ohne Eile sein sealze sealbher Seage Seagas ser Simse Sig sode, gsodet Some Soafeblotere Soachtäsche Siachehus Süle Sublotere Suglogge lütte Subira, Subirar Surampfl sündwüascht süde, Sutt, sütterle südere, Südere sulfere Sugarle sumse, sumsig, Sumsar Sürfel stöane stoanig - leichter Sommerhut aus Stroh - abgebrochenes Stück Brot z.B. - Tätigkeit mit Beil, Scheiterhaufen, Mehlspeise - Schindelspalteisen - schämen - liederliches Mädchen schiege, vrschieget Schiegar - beim Gehen einen Fuß nachziehen, einseitig abgelaufene Schuhe, jemand der einen Fuß nachzieht, im übertragenen Sinn - wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, nicht mehr gerade läuft. Schamützl - Papiertüte, kl. Gefecht im Krieg Schese - Kutsche, Kinderwagen, Schimpfname Schwarzachar - Apfelsorte Schwozarmus 36 - Mehlspeise - Schluck - aus Stein, Steinfigur, Marmorboden usw., «an stöanena Bode» - steinig, viele Steine, «an stoaniga Weag» 37
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_..._1989 Wolfurt 01.05.1989 19.11.2012, 18:32 Heft 3 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 89 Der Rickenbach. Im Jahre 1957 überschwemmte er gemeinsam mit der Minderach zweimal Schlatt und Kessel. Inhalt: 7. Der Rickenbach (Fischer) 8. Hofsteiger Bauern (Heim) 9. Der letzte Krieg (Heim) DIE A U T O R E N : Dipl.-Ing. Alfons Fischer, geb. 1920 in Wolfurt und hier wohnhaft, entstammt einem alteingesessenen Rickenbacher Geschlecht. Er hat Forstwirtschaft studiert und war 36 Jahre lang bei der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg leitend tätig. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alfons Fischer DER RICKENBACH IN WOLFURT Porträt eines Wildbaches in seiner Umwelt EINLEITUNG Bild: Reproduktion von Hubert Mohr Mit der Kurzdiagnose aus dem Biotopinventar Vorarlberg, Teilinventar Nordvorarlberg, Gemeinde Bildstein, von Prof. Dr. Georg Grabher möchte ich beginnen: «Die Bildsteiner Bäche folgen vorgegebenen, mehr oder weniger tiefen Schichtfugen der granitischen Molasse. Es handelt sich durchwegs um von glatten Felsstufen und Rutschungsflächen durchsetzte Waldschluchten von wilder Ursprünglichkeit. Querende Wege und einige Hochwasserschutzbauten, Brücken etc., schmälern diese Beurteilung nicht wesentlich. Die Bäche selbst sind aufgrund der besonderen geologischen Unterlage als spezielle Typen anzusprechen. Die besondere Schutzwürdigkeit ergibt sich aus der weitgehenden Ursprünglichkeit und dem speziellen Bachtypus.» Der Aufsatz orientiert sich an wissenschaftlichen Fakten, hält sich aber nicht an die wissenschaftliche Systematik. «Ricke» ist ein althochdeutsches Wort und bedeutet nach Werner Vogt Felsenge oder Felsschlucht. Allein am Pfanderstock kommt der Name Rickenbach noch dreimal vor. Rickenbäche gibt es auch in der Schweiz und im süddeutschen Raum. Nach dem Vorarlberger Wörterbuch von Leo Jutz hat «Rick» die Bedeutung von Schlinge oder Knoten, z.B. an einer Getreidegarbe. Der Rickenbachunterlauf mäandrierte bis zu seiner Regulierung und Begradigung um 1850 in vielen Windungen zur Schwarzach. Es treffen daher beide Deutungen, sowohl für die Schluchtstrecke als auch für den Unterlauf zu. Unser Rickenbach ist ein rechtsufriger Zubringer der Schwarzach, in die er oberhalb des Kiesfängers, bzw. der Betonbrücke, einmündet (linksufrig und rechtsufrig bezieht sich auf die Betrachtung der Fließgewässer von der Quelle zur Mündung). Die Schwarzach mündet oberhalb des Senders als rechtsufriger Zubringer in die Dornbirner Ach und damit in den Bodensee. Das Quellgebiet liegt in Oberbildstein in rund 950 m Seehöhe, die Einmündung in die Schwarzach in rund 410 m Seehöhe. Der Bach durchfließt bis hm 18,20 Bildsteiner Gemeindegebiet, bildet bis hm 17,00 die Gemeindegrenze und durchfließt dann bis hm 0,00 Wolfurter Gemeindegebiet (die Hektometrierung — hm — am Lageplan erfolgt von 100 m zu 100 m. hm 0,00 ist die Einmündung in die Schwarzach, hm 14,00 heißt, der Unterlauf ist 1.400 m lang). 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Das Einzugsgebiet des Rickenbaches beträgt 7,5 km2. Davon entfallen 3,9 km2 auf die Minderach, die als linksufriger Zubringer beim Kühlhaus Alge einmündet. Ich beschränke mich auf den Rickenbach mit 3,6 km2 Einzugsgebiet, da in der Minderach die Verhältnisse ganz ähnlich sind. Als größere rechtsufrige Zubringer im Tobel sind noch der Staudachertobel- und der Hochtobelgraben zu erwähnen. Für fast alle Gewässer, die in die Rheintalebene oder in den Talboden des Walgaues abfließen, sind die fachlichen Zuständigkeiten heute getrennt. Die Mittel- und Oberläufe mit Wildbachcharakter gehören zum Zuständigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung, die flachen Unterläufe zum Zuständigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Am Rickenbach ist diese Grenze beim Einfangwerk der Unterlaufregulierung, direkt oberhalb der Brücke der alten Bildsteinerstraße bei der Firma Doppelmayr, das ist bei hm 14,00. Daraus ergibt sich ein Einzugsgebiet von 3,3 km2 im Tätigkeitsbereich der Wildbachverbauung und 0,3 km2 im Tätigkeitsbereich des Landeswasserbauamtes. Die Unterlaufregulierung ist überall ohne große Schwierigkeiten erreichbar. Die Schluchtstrecke ist dagegen nur schwer zugänglich. Das Einzugsgebiet wird randlich durch die Straße Rickenbach — Bannholz — Staudach — Bereuter—Gitzen—Oberbildstein— Geißbirn—Kapf— Dorf—Ankenreute—Rickenbach umfahren. Durch das Tobel führt nur die Straße Baumgarten—Grub—Dorf. Durch das Tobel führen auch noch die alten Kirch- und Schulwege als Fußwege von Bereuter und Baumgarten über Dellen und die Erscheinungskapelle ins Dorf und vom Staudach ins Dorf. Der Weg von Maschen nach Ankenreute ist verfallen und das Brückele schon viele Jahre zerstört. GEOLOGISCHE VERHÄLTNISSE Die Gesteine des Bildsteiner Stockes und des Pfänderstockes gehören zur Molassezone, die sich in einem 1.000 km langen Bogen am Nordrand der Alpen von Genf bis Wien erstreckt. Es handelt sich um junge Gesteine der Erdneuzeit, die im Oligozän, einer Zeitstufe des Tertiärs, vor ca. 30 bis 35 Mio. Jahren als Meeresablagerungen entstanden sind. In dieser Zeit wurden die Alpen nach Norden geschoben und zum Gebirge aufgefaltet. In unserer Gegend und weiter im Norden wurden durch große Flußsysteme Schotter, Sand und Schlamm, also schon Verwitterungsprodukte aus den Alpen, in flache Meeresbecken eingeschwemmt und versteinerten dort. Es entstanden Konglomerate und waagrechte Schichten von Sandsteinen und Mergeln von verschiedener Härte und Mächtigkeit. In den folgenden Jahrmillionen gingen die gewaltigen Faltungsvorgänge weiter. Das Gebirge der Alpen überfuhr bei uns den südlichsten Bereich der Molassezone und stauchte die Felsschichten wie eine Bugwelle vor sich her. Am Bildsteiner Berg ist diese Faltenmolasse vielfach aufgeschlossen. Entlang der «Bildsteiner Antiklinale», sie verläuft über Bächlingen, Platte, Dorf, Kapf nach Oberbildstein, wurde das Gestein zerbrochen und schräggestellt. Im Rickenbach fallen die Schichten in einem Winkel von 50 Grad bis 60 Grad von Süd 4 nach Nord ein, in der Minderach und im Schwarzachtobel dagegen fallen die Schichten genau umgekehrt in einem Winkel von ca. 35 Grad von Norden nach Süden. Am Pfänderstock wurden die Schichten nur noch gehoben und zeigen dort ein flaches Nordfallen. Diese verschiedenen Entwicklungen sind heute an den Geländeformen erkennbar. Das Einzugsgebiet des Rickenbaches liegt in der granitischen Molasse, die zur unteren Süßwassermolasse zählt. Es handelt sich hauptsächlich um kalkarme Glaukonitsandsteine. Ihre Sande und Tone wurden in den küstennahen, sumpfigen Gebieten abgelagert. Viele schöne Versteinerungen von Pflanzen, Tierfahrten, Muscheln und Tierzähnen weisen auf ein subtropisches Klima hin. In der Vorarlberger Naturschau sind u.a. schöne Schaustücke aus dem Rickenbach und dem Staudachertobel zu sehen. Sie geben viele Hinweise auf die Pflanzen- und Tierwelt von damals. Die Funde belegen das Vorkommen von Fächerpalmen, mehreren Arten von Zimtbäumen, Eichen, Feige, Gummibaum, Ebenholz, Edelkastanie und wilde Walnuß. Daneben gibt es aber auch noch heute vorkommende Pflanzenarten, wie Weiden, Ulmen, Sauergräser und Schilf. An sehr gut erhaltenen Blattformen konnten sogar typische Fraßbilder von Insektenraupen festgestellt werden und damit das Vorkommen von Schmetterlingen und Käfern nachgewiesen werden, obwohl sich von den Tieren selbst keine Reste erhalten haben. In der Naturschau können auch die im Unterstaudach gefundenen Versteinerungen der Zähne von Kleinsäugetieren eingesehen werden. Diese Funde waren eine wissenschaftliche Sensation. Durch sie wissen wir, daß der Küstenurwald von Zwerghirschen, Schweinchen, kleinen Paarhufern, Eichhörnchen und Hamstern belebt wurden und daß in den Tümpeln Krokodile und Süßwasserfische (Barben) lebten. In der Lehrmittelsammlung der Hauptschule Wolfurt befindet sich die ausgezeichnet erhaltene Versteinerung eines großen Blattes. Sie wurde 195 8 im Zuge der Verbauung des Rickenbaches im Bereich der ersten Felsbarriere, die von Ankenreute zum Kuien verläuft, bei einer Felssprengung freigelegt. Der Finder, ein innerösterreichischer Arbeiter, hat sie für den Gegenwert von einigen Kisten Bier an die Schule verkauft. Der Rickenbach hat sich in Millionen Jahren sein Bett entlang einer Schichtfuge eingegraben. Vor 1,5 Millionen Jahren wurde das subtropische Klima durch die Eiszeiten abgelöst. Dabei gab es mehrere Kälteperioden und dazwischen Wärmeperioden. Über diese Zeiträume sind in unserer Heimat keine Spuren erhalten. Vor etwa 20.000 Jahren kam es zur letzten Kälteperiode, der Würmeiszeit. Der Rheingletscher erfüllte das ganze Rheintal und reichte weit ins schwäbische Land hinaus. Der Illgletscher wurde an den rechten Rand gedrückt. Er floß zeitweise sogar über das Bödele und Alberschwende gegen den Bregenzerwald und von Oberbildstein in den Vorderwald. Das Gletschereis reichte damals bis ca. 1.100 m Seehöhe und lag damit fast 150 m über der Schneiderspitze. Die Eisströme haben z.B. den Achrain und 5 Oberbildstein glattgehobelt und auf den flachen Stellen Moränenschutt abgelagert. Der Rickenbach war, wie alle Bäche, total plombiert. Beim Abschmelzen des Eises kam vor etwa 15.000 Jahren v. Chr. die Erosion wieder voll zur Wirkung. Die Moränen wurden zum Teil abgetragen und sind nur noch auf den verschiedenen flachen Büheln, die heute weitgehend landwirtschaftlich genutzt werden, vorhanden. Im Tobel wurden die Moränen bis auf das Grundgestein ausgeräumt. Übrig geblieben sind nur einige Kleinflächen an den Steilhängen. Der aufmerksame Beobachter findet auf den Büheln und vor allem in den Tobein viele Steine, die der Illgletscher mitgebracht hat. Am auffälligsten sind dabei die hellen Gneise aus dem hinteren Montafon. Das Bildsteiner Kriegerdenkmal und der Sockel des Alberschwender Kriegerdenkmales sind aus Findlingsblöcken gehauen, die in Geißbirn gefunden wurden. Das Geschiebe aus der Schlucht wurde im Bodensee, der damals bis über Feldkirch hinaufreichte, und später in den randlichen Tümpeln und Sümpfen abgelagert. Es entwickelte sich im Laufe der Jahrtausende ein flacher Schwemmkegel, der mit Auwald bedeckt war. CHARAKTERISTIK DES BACHES Heute zeigt sich der Rickenbach als tief eingeschnittenes, bewaldetes Tobel, in einem relativ flachen, landwirtschaftlich genutzten Umland, seines weiteren Einzugsgebietes. Auffallend sind die vielen Felsstufen und die dazwischenliegenden Flachstrecken. Auf den Flachstrecken bleibt das Grobgeschiebe liegen, das auf weite Strecken vermoost ist. Die Felsstufen werden durch härtere Felsriegel gebildet, die meist schräg zum Bach von einem Einhang zum anderen ziehen. Linksufrig liegt der Fels in der Hangneigung von 50 Grad bis 60 Grad. Auf mehreren Flächen ist der Wald abgerutscht, sodaß große nackte Felsplatten anstehen. Der obere Rand des rechten Einhanges besteht fast zur Gänze aus senkrechten Felswänden mit Höhen von 10 bis 30 m. Hier findet man vereinzelt Kohleadern mit 2 bis 4 cm Stärke. Es handelt sich um Glanzkohle, wie sie im Wirtatobel abgebaut wurde. Die Felsschichten fallen parallel zum linken Einhang mit dem gleichen Gefälle in den Berg. Sie sind im Laufe der Jahrtausende durch Fußunterwaschung und nachbrechen der Schichtköpfe entstanden. Den letzten großen Felssturz habe ich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bei hm 24,40 beobachtet: Steine in der Größenordnung von bis zu 30 m3 haben den Bachlauf verlegt. Der Rückstau ist inzwischen verlandet und die Steine sind weitgehend durch Wald überwachsen. Unter den Felswänden liegen steile bewaldete Hangpartien. Die weichen Sandsteine verwittern relativ schnell zu Lehmböden, die zur Vernäßung neigen und rutschsüchtig sind. Es kommt daher im Tobel, vor allem bei Hochwasser, immer wieder zu Gschliefen mit Waldabrutschungen. Schadholz liegt an vielen Stellen im Bach und in den Einhängen. Feingeschiebe, weitgehend Sand und Letten, wird schon bei mittleren Hochwässern abgetriftet. Das Grobgeschiebe aus den Flachstrecken kommt nur bei schweren Hochwässern in Bewegung. 6 Aus den geologischen Gegebenheiten resultieren Gefällsverhältnisse, die für einen Wildbach wegen der vielen Flachstrecken untypisch, für die Bildsteiner Bäche dagegen typisch sind. Der Unterlauf durchfließt den flachen Schwemmkegel in einem künstlichen Gerinne. Das Gefälle beträgt zwischen hm 0,00 und der Eisenbahnbrücke bei hm 6,65 nur 0,4 % und erhöht sich bis zur Landesstraßenbrücke nach Schwarzach auf 0,8 %. Oberhalb der Brücke bis hm 14,00 beträgt das Durchschnittsgefälle 1,9 %. Die geringen Gefällsprozente am Schuttkegel sind ein Hinweis, daß der Rickenbach im Laufe der Zeit relativ wenig Grobgeschiebe, aber viel Feingeschiebe, Sand, Letten und Dreck gebracht hat. In Baugruben werden immer wieder die Schichten der großen Hochwässer angeschnitten. Der Mittellauf erstreckt sich von hm 14,00 bis zur Einmündung des Hochtobelgrabens bei hm 37,50. Auf den vielen Flachstrecken liegt das Durchschnittsgefälle zwischen 5 % und 10 %. Die Felsstufen haben ein Durchschnittsgefälle zwischen 10 % und 40 %. Das Durchschnittsgefälle des ganzen Mittellaufes beträgt aber lediglich 10 %. Die Oberläufe haben zum Teil glatte Felsgerinne und sind ebenfalls durch Felsbarrieren unterbrochen. Die Durchschnittsgefälle liegen aber höher. Alle Seitenzubringer, auch die vielen kleinen Gerinne, sind meist schon nach 100 m tief eingeschnitten und zum Teil nicht begehbar. In dieser kurzen Übersicht konnten die komplizierten Zusammenhänge der Geologie der Molasse nur angedeutet werden. An Unterlagen habe ich die «Einführung in die Geologie Vorarlbergs» von Dr. Krasser und ein «Geologisches Manuskript für das Schwarzacher Heimatbuch» von Dr. Krieg verwendet und eigene Beoachtungen eingebracht. Eine geologische Fundgrube ist die Naturschau in Dornbirn, das Lebenswerk von Siegfried Fußenegger. Wer tiefer in die geologischen Gegebenheiten eindringen will, muß sich mit Fachliteratur abgeben, z.B. «Molasse» von Heim/ Baumgartner. PFLANZENWELT Am Ende der Eiszeit vor rund 10.000 Jahren v. Chr. wurde unsere Heimat wieder grün. Die Rohböden wurden zuerst von niederen Pflanzen besiedelt: Aus der Untersuchung von Pollen, die sich im Torf erhalten haben, weiß man über die weitere Entwicklung ziemlich gut Bescheid. Nach Latschen und Krüppelbirken entwickelten sich Wälder aus Föhren und Birken, zu denen sich um ca. 8.000 v. Chr. Hasel und Fichte und etwas später die Eiche gesellten. In der wärmsten Periode der Nacheiszeit, etwa zwischen 5.500 bis 3.000 Jahren v. Chr. beherrschten Eichenwälder gemischt mit verschiedenen Laubholzarten die Landschaft. Buche und Weißtanne sind als letzte Arten erst in dieser Wärmeperiode eingewandert. Etwa um diese Zeit dürfte auch der erste Mensch in unsere Gegend gekommen sein. Beim Bau des Landgrabens oberhalb des heutigen Bahnhofs habe ich am Ende der zwanziger Jahre als Bub gesehen, daß große Eichenstämme ausgegraben wurden, die eine grauschwarze Farbe hatten und schon leicht versteinert waren. 7 Die Zeit der großen Laubholzurwälder ist erst vor etwa 1.000 Jahren mit den großen europäischen Rodungen zu Ende gegangen. In dieser Zeit wurde der Bildsteiner Berg besiedelt. Seither haben sich die land- und fortwirtschaftlichen Nutzungen zum heutigen Bild entwickelt. Ankenreute und Bereuter sind zwei typische Rodungsnamen. Bannholz steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit Rutschungen im Spetenlehengraben. Am Rickenbach sind 45 % des Einzugsgebietes mit Wald bestockt. Das entspricht dem österreichischen Durchschnitt, liegt aber 10 % über dem Vorarlberger Durchschnitt. Wald ist mehr als ein Haufen Bäume. Wald ist eine vielfältige, komplizierte Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die sich in langen Zeiträumen eingespielt hat. Heute sagt man dazu auf gut deutsch ein Biotop oder ein Ökosystem. Sein Erscheinungsbild wird, neben der Nutzung durch den Menschen, von vielen Faktoren geprägt, wie z.B. Grundgestein, Verwitterung und Gebirgsabtrag, Boden- und Bodenleben, Höhenlage, klimatische Einflüsse, wie Regen, Schnee und Lichtintensität. Dabei ist die Lichtintensität wieder von der Höhenlage oder von der Exposition Schattenseite oder Sonnenseite abhängig. Der Wald hat Nutz- und Schutzfunktion, die Voraussetzungen für das Leben und Überleben der Menschen sind. Für selbstverständlich genommen wird die Nutzfunktion, die Ernte von Holz, Pilzen, Beeren, Heilkräutern und Wild, und damit die Sicherung von Arbeitsplätzen. Auch die Erholungsfunktion ist eine Nutzfunktion. Zu den Schutzfunktionen: Waldboden speichert wesentlich mehr Wasser als Wiesenboden und hat dabei großen Einfluß auf die Abflußverhältnisse und die Geschiebebilanz, z.B. in Wildbächen, und die gleichmäßige Schüttung von Quellen. Wald ist der größte Massenproduzent und Sauerstofflieferant. Unter Einsatz von Sonnenenergie wird im Blattgrün Kohlenstoff in Stärke und Zucker und dann von der Pflanze in Lignin und Zellulose umgewandelt. Dabei wird Sauerstoff freigesetzt. Wald hält auch Wasser und Schnee im Kronendach zurück und vermindert dabei den Abfluß und überlagert die Verdunstung durch Blätter und Nadeln. Wald schützt in den Höhenlagen vor Lawinen. Wald bremst den Wind und verbessert dadurch das Lokalklima, verhindert zu starke Verdunstung, verhindert Schnee-Einwehungen. Wald reinigt die Luft durch das Ausfallen von Gasen und Staub. Heute ist er dabei schon weit überfordert, wie das fortgeschrittene Waldsterben in den Kammlagen beweist. Dort werden die größten Mengen von Giftstoffen eingetragen. Wald schützt vor Lärm. Wald mildert das Kleinklima im Gegensatz zum Freiland sowohl zwischen Tag und Nacht, als auch zwischen Sommer und Winter. Die großen Waldgebiete, vor allem die tropischen Regenwälder, haben Einfluß auf das Großklima. Die Folgen der riesigen Rodungen im Amazonasgebiet und in den afrikanischen und asiatischen Regenwäldern sind erst zu ahnen. Wald ist die einzige große Lebensgemeinschaft, die sich bei einem natürlichen Gefüge, also beim Vorhandensein aller Etagen von der Krautschicht über die Buschschicht, die Stangenhölzer und Altbestände selbst erhält. Wald hat also einen ausgewogenen Nahrungs- und Produktionskreislauf. Er betreibt, um 8 es deutsch zu sagen, Recycling in geschlossenen Kreisläufen. Die hier nur angerissenen Wirkungen sind viel umfangreicher und viel komplizierter und können nur aus dem Zusammenspiel der vernetzten Lebensgemeinschaft Wald verstanden werden. Am Rickenbach kenne ich folgende Baumholzarten: Fichte (Rottanne), Tanne (Weißtanne) , Weißkiefer (Föhre), Douglasie (Exote aus Nordamerika), Lärche (im Rickenbach künstlich eingebracht), Eibe (kein Nadelbaum, sondern ein immergrüner Laubbaum, keine Harzgänge im Holz und in den Nadeln), Traubeneiche, Edelkastanie (vielleicht schon seit der Römerzeit), Weißbuche (Hagebuche), Birke, Erle, Weide, Zitterpappel, Feldulme, Bergulme (Basthäsel, Rüster), Holzapfel, Holzbirne, Wildkirsche, Eberesche (Vogelbeere), Eisbeere, Mehlbeere, Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn, Winterlinde, Sommerlinde, Esche, Wilder Nußbaum. Die Strauchschicht setzt sich wie folgt zusammen: Erle, Weide, (zahlreiche Formen, von breitblättrig bis schmalblättrig), Feldahorn, Rosen, Wacholder, Weißdorn, Schwarzdorn, Vogelkirsche, Spindelbaum (Pfaffenhütchen), Kornelkirsche, Faulbaum, Gemeiner Schneeball, Wolliger Schneeball, Heckenkirsche, Hartriegel, Schwarzer Holder, Roter Holder, Pulverholz, Liguster, Seidelbast, Stechlaub, Mispel. An Kletterpflanzen kenne ich noch Efeu, Waldrebe (Liera) und wilden Hopfen. Als Schlagpflanzen sind Himbeere und Brombeere zu erwähnen. Die Krautschicht ist viel artenreicher als das Holz. Wer hier einen genauen Überblick haben will, muß sich mit Pflanzensoziologie befassen. Ich möchte mich nur auf die auffalligsten, mir bekannten Arten beschränken, wie zum Beispiel: Einbeere, Vielblütige Weißwurz, Immergrün, Bärlauch, Schattenblume, Flockenblume, Rotes Waldvögelein, Nestwurz, Weiße Teufelskralle, Gelbe Taubnessel, Rote Taubnessel, Brennessel, Klebriger Salbei, Tollkirsche, Sauerklee, Lungenkraut, Geißbart, Sanickelkraut, verschiedene Veilchenarten, Aronstab, Schachtelhalme (Katzenschwänz), Schilf (Streueröhrle), Springkraut, Buschwindröschen, Himmelschlüssel, Wolfsmilch, verschiedene Seggen (haben dreieckigen Querschnitt), verschiedene Gräser, Bärlapp, Huflattich, Pestwurz, Waldmeister, Labkraut, Bingelkraut, Pfefferminz, Kresse, verschiedene Farnarten, viele Moosarten und Flechten. Die Flechten sind zum Teil sehr empfindlich gegen Luftverschmutzung und sauren Regen. Ihr Absterben löst daher Alarm aus, lange bevor die sichtbaren Schadbilder auftreten. Manches wäre noch über die halbwegs intakt gebliebene Pflanzen- und Insektenwelt an ungedüngten Weg- und Wiesenrainen und auf den Magerwiesen (nur fallweise mit Mist gedüngt), über die Artenverarmung auf den überdüngten Wiesen und die erstaunliche Pflanzenvielfalt der Streuewiesen zu sagen. Eine Besonderheit im Einzugsgebiet des Rickenbaches stellen die Viehweiden dar. Sie werden leider durch Kultivierung und Düngung, durch Aufforstung oder natürliches Zuwachsen immer mehr zurückgedrängt. Zuerst kommen die schönen Einzelbäume, hauptsächlich Eichen, Edelkastanien, Buchen und Birken dran. Dann geht 9 es den typischen Pflanzen der Trockenrasen an den Kragen. Ich darf einige Vertreter nennen, wie z.B. Silberdistel, Arnika, Heidelbeere, Preiselbeere, Adlerfarn, verschiedene Moosarten, Wacholder, Besenheide (blüht im Herbst hell violett und hat nichts mit der Erika zu tun, die im Frühling sattviolett blüht und nur auf Kalk vorkommt), Katzenpfötchen und Buchsbaumblättrige Kreuzblume. An tiefgründigen, etwas feuchteren Stellen blühen Trollblume und Schwalbenwurzenzian. Ich habe alle genannten grünen Pflanzen aufgeschrieben, wie sie mir eingefallen sind. Selbstverständlich werden sie wissenschaftlich in Gruppen und Familien eingeteilt. Viele sind anspruchslos und haben ein großes Verbreitungsgebiet, andere sind spezialisiert und stellen hohe Ansprüche, z.B. an Boden, Licht und Pflanzengesellschaft. Manche sind kalkliebend, andere kalkfliehend, die einen leben auf saurem Boden, wieder andere sind stickstoffliebend oder Stickstoff fliehend. Die einen sind Tiefwurzler, die anderen Flachwurzler, die einen sind Lichtholzarten, die anderen Halbschattholzarten oder Schattholzarten. Es gibt also viele Möglichkeiten zur Einordnung in Gruppen. Darüber gibt es eine Fülle von Fachliteratur PILZE Die Pilze stehen zwischen den Pflanzen und Tieren. Sie bilden mit über 10.000 Arten eine große und lebenswichtige Gruppe in unserer Umwelt. Sie unterscheiden sich von den grünen Pflanzen grundsätzlich durch das Fehlen des Chlorophylls oder Blattgrüns. Pilze leben zum Teil parasitisch und haben dabei eine enorme Bedeutung für das ganze Pflanzenleben. Sie sind zusammen mit Bakterien und Kleinlebewesen in der Lage, organische Substanz, wie Totholz, Blätter, Nadeln, abgestorbene Pflanzen, Früchte, Tierleichen, in einfache organische Verbindungen umzubauen, sodaß sie von den Pflanzen wieder aufgenommen werden können. Sie allein sind in der Lage, das Lignin des Holzes abzubauen. Andere Arten leben in Symbiose mit den Pflanzen, vor allem im Bereich des Feinwurzelsystems. Sie sind für viele Holzarten lebenswichtig. Heute werden z. B. auf Fichte oder Zirbe spezialisierte Pilze gezüchtet und damit zur Aufforstung vorgesehene, früher landwirtschaftlich genutzte Böden geimpft. Was wir von den Pilzen sehen, sind die meist kurzlebigen Fruchtkörper, die der Fortpflanzung dienen. Sie vermehren sich hauptsächlich ungeschlechtlich durch Sporen, aber auch geschlechtlich durch Kopulation von Geschlechtszellen. Im Boden lebt ganzjährig das Myzelium, ein fadenartiges Fasergeflecht. Dieses Geflecht ist bei vielen Arten sehr langlebig. Allgemein werden die Pilze in drei Gruppen eingeteilt, und zwar Algenpilze, Schlauchpilze und Ständerpilze. Für den Hausgebrauch unterscheiden wir Speisepilze, Giftpilze und typische holzzerstörende Pilze. Speisepilze und Giftpilze sind mehr oder weniger bekannt. Ich bin kein Fachmann, aber als Speisepilz kenne ich zum Beispiel den Eierschwamm, Parasol, Steinpilz, Birkenpilz, Schafchampignon, Reizker, 10 Schopftintling, Morchel und Bärentatze. Als Giftpilze den Fliegenpilz, Knollenblätterpilz und Pantherpilz. Jeden Herbst freue ich mich auch an den seltenen, sehr schönen Erdsternen. Zu den auffälligsten Holzpilzen gehören die Fruchtkörper der Porlinge, die meist schöne Konsolen produzieren. Am bekanntesten ist der echte Zunderschwamm, der hauptsächlich als Parasit auf der Buche lebt. Andere Arten sind ebenfalls spezialisiert und leben auf der Birke, Eiche, Weide oder Fichte. Andere sind weniger heikel und leben auf verschiedenen Laubholzarten oder ganz allgemein auf Totholz und erzeugen dort die Weißfäule. Der Hallimasch ist für die Rotfäule (Stockröte) der Fichte verantwortlich. Nach Auskunft der Biologen gibt es bei den Pilzen noch weiße Flecken, also noch Arbeit für Forscher. Als Abschluß der Pflanzenwelt noch ein paar Hinweise auf die Waldtypen am Rickenbach. Vom Grundgestein der granitischen Molasse her sind die Verwitterungsböden kalkarm und silikatreich und werden als Typ nach der österreichischen Bodenkarte als silikatische Felsbraunerden angesprochen. Sie reagieren sauer bis stark sauer. Der relativ hohe Fichtenanteil im Einzugsgebiet ist daher natürlich und nur fallweise künstlich eingebracht. Es handelt sich um Schluchtwälder, die aufgrund der Einzelstammnutzung und der schwierigen Bringungsverhältnisse noch eine weitgehend natürliche Zusammensetzung aufweisen. Das wird auch durch die Artenvielfalt dokumentiert. Das Waldbild zeigt rechtsufrig auf der Sonnseite und linksufrig auf der Schattseite unterschiedliche Typen. Auf der Sonnseite handelt es sich weitgehend um eibenreiche Buchenwälder (Taxo-Fagetum). Als Mischhölzer kommen alle Laubholzarten und in geringerem Maße die Nadelholzarten vor. Dabei ist auch der Anteil der Strauch- und Krautschicht wesentlich höher als auf der Schattseite. Auf den sonnseitigen oberen Felsrändern sind die Lichtholzarten Eiche, Edelkastanie, Linde, Birke und Wildkirsche stärker vertreten. Die Schattseite ist vom Buchen-Tannenwald (Abiete-Fagetum) mit einem fallweise bis zu 50% igen Weißtannenanteil geprägt. Hier sind als eingesprengte Holzarten nur noch die halbschatten- und schattentragenden Laubholzarten vertreten. Die Busch- und Krautschicht ist bei weitem nicht mehr so artenreich. Mit zunehmender Höhe geht auch der Laubmischwald immer mehr in den Nadelwald über, der die Oberläufe prägt und wesentlich artenärmer ist. DAS WALDSTERBEN Wer mit offenen Augen am Bildsteiner Berg oder sonst irgendwo wandert, dem müssen die Schadbilder der kranken Weißtannen, Fichten, Buchen und Eschen auffallen. Für alle, die das nicht wahrhaben wollen, darf ich auf die Waldzustandserhebung in Vorarlberg aus 1984, aufgrund der Infrarot-Luftbildauswertung hinweisen. Diese Karte zeigt im Einzugsgebiet des Rickenbaches fast durchwegs die Stufe 4 — krank! 11 Lediglich kleinere Waldflächen zwischen Baumgarten und Grub sowie Dellen und Gitzen sind als Stufe 3 — kränkelnd — ausgewiesen. Die Stufen 1 und 2 — sehr gut und gesund — scheinen nirgends auf. Das Waldsterben spielt sich auf zwei Ebenen ab. Vor allem im Buchen-Tannenwald ist im Altholz noch ein hoher Weißtannenanteil vorhanden. Der Weißtanne fällt als Tiefwurzler eine wichtige Stabilisierungsfunktion auf den rutschsüchtigen Molasseböden zu. Weißtannen-Jung wuchs bis ins Dickungsalter wird man aber vergeblich suchen. Die millionenfach vorhandenen Weißtannensämlinge wurden seit 25 bis 30 Jahren, neben Buche, Ahorn und vor allem den seltener eingesprengten Laubholzarten , durch überhöhte Rehwildbestände weggefressen. Dadurch ist eine ganze Waldgeneration ausgefallen. Daß die Weißtanne aufkommen würde, habe ich durch 20-jähriges Streichen mit Verbißmitteln in Ankenreute und Oberbildstein praktisch nachgewiesen. Der Einsatz der Chemie führt zwar zu gravierenden Zuwachsverlusten bis zu 50 %, aber besser 50 % als nichts. Die zweite Ebene des Waldsterbens basiert auf der Luftverschmutzung und in der Folge dem Sauren Regen. Schwefeldioxyd und Stickoxyde sind als Hauptverursacher heute unbestritten. Die Schwefeldioxyd-Werte aus Industrie und Hausbrand konnten durch den Einsatz schwefelarmer Heizöle und dem Einsatz von Erdgas stark reduziert werden. Die Stickoxyde, zu einem hohen Prozentsatz aus den Autoabgasen stammend, sind steigend und werden durch den Einsatz von Katalysatoren nach Ansicht der Fachleute in den nächsten Jahren zunächst bestenfalls stabilisiert werden. Durch Oxydation entstehen bei warmem Wetter, vor allem aus Stickoxyden, neue Schadstoffe, wie z. B. Ozon. Gase und Saurer Regen schädigen einerseits Blätter und Nadeln. Im Boden führen sie zu einer Übersäuerung, zur Schädigung des komplizierten Bodenlebens und zu einer Herauslösung der Schwermetalle aus dem Ton-Humus-Komplex des Bodens. Die freigesetzten Schwermetalle sind giftig — «Die Bombe tickt also im Boden». Wenn die ersten optischen Schäden am Baum zu sehen sind, ist das Feinwurzelsystem bereits schwer geschädigt oder weitgehend zerstört. Das schleichende Waldsterben ist durch Stammanalysen genau nachweisbar. Die Jahresringe und damit die Zuwächse am Holz sind in den letzten 20 bis 30 Jahren gravierend zurückgegangen. Der Wald ist heute keine Sparkasse mehr. Das Waldsterben wird in einem Gebirgsland zur Überlebensfrage. Das wird auf weite Strecken verdrängt, da von jedem Einzelnen und von der Gemeinschaft einschneidende Konsequenzen gefordert werden müßten. Allen, die sich für die Lebensgemeinschaft Wald interessieren, möchte ich das allgemein verständliche, reich bebilderte Buch «Rettet den Wald» anraten. Es ist vom bekannten deutschen Journalisten Horst Stern und weitern fünf deutschen Fachleuten verfaßt worden (Verlag Kindler) 12 TIERWELT Die Tierwelt gehört genauso zu unserem Lebensraum wie die Pflanzenwelt. Auch hier gibt es Allroundler und Spezialisten sowie geschlossene Kreisläufe z. B. in der Nahrungskette. Es gibt ausgesprochene Waldbewohner, ausgesprochene Riedbewohner und Pendler. Es gibt Pflanzenfresser, Allesfresser und Fleischfresser, jagdbare Tiere und geschützte Tiere, Wirbeltiere, Vögel, Amphibien, Insekten und Kleinlebewesen, ganzjährig hier lebende Tiere, Wechselwild, Höhlenbewohner, Winterschläfer, Nachttiere, Zugvögel, Singvögel, Raubvögel u.a. WIRBELTIERE Dazu gehören die allgemein bekannten Tierarten, die zum großen Teil auch bejagt werden. Ich habe im Laufe der Zeit alle im Rickenbach lebenden zu Gesicht bekommen und will sie ohne Systematik aufzählen: Reh, Fuchs, Dachs, Hase, Marder, Wiesel, Iltis, Eichhörnchen, Siebenschläfer, verschiedene Mäuse, Garns und Hirsch als seltenes Wechselwild und die Bisamratte als Einwanderer. VÖGEL Hier gibt es schon viel mehr Arten. Auch für sie treffen die allgemeinen Aussagen zu, die aber wesentlich erweitert werden müssen. Es gibt ganzjährig hier lebende Vögel, Zugvögel, die nur durchziehen und hier rasten, Zugvögel die hier brüten, Vögel die im Buchenwald, im Mischwald oder im Nadelwald leben, Höhlenbrüter und Bodenbrüter, Wasservögel, Kulturflüchter und Kulturfolger, Singvögel, Raubvögel u. a. Ohne Anspruch auf Vollzähligkeit darf ich einige Arten nennen, die ganzjährig im Tobel leben: Mäusebussard, Habicht, Sperber, Turmfalke, Waldkauz, Waldohreule, Grünspecht, Buntspecht, Kleinspechte, Elster, Eichelhäher, Tannenhäher (hauptsächlich im Oberlauf), Rabenkrähe, Kolkrabe, Amsel, Wasseramsel, Zaunkönig, Kohlmeise, Tannenmeise, Blaumeise, Haubenmeise, Kleiber, Wacholderdrossel, Misteldrossel, Grasmücke, Buchfink, Baumläufer. Als unerwartete seltene Tagesgäste sind mir in der Schlucht auch Wildenten, Fischreiher, Bleßhühner (Taucherle) und im Winter Kreuzschnäbel begegnet. Als Zugvögel und Brutvögel kommen vor: Wespenbussard, Roter Milan, Schwarzer Milan, Ringeltaube (Wildtaube), Waldschnepfe, Waldwasserläufer, Gelbe Bachstelze, Kuckuck, Star, Ringdrossel, Nachtigall. Als Kulturfolger leben im Siedlungsgebiet Star, Gimpel, Amsel, Spiegelmeise, Gartenrotschwanz, Hausrotschwanz, Rotkelchen, Haussperling, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Bachstelze, Grünfink. Am Unterlauf, einschließlich des Kiesfangers mit seiner reichen Vogel weit, kann man im Frühjahr und Herbst am Durchziehen sehen: Graureiher, Seidenreiher, Purpurreiher, verschiedene Entenarten, Fischadler, Störche, Eisvogel, Wiedehopf, Blaukehlchen und Schnepfen. 13 Als Zugvögel und Brutvögel: Stockenten, Bleßhühner, Sumpfrohrsänger, Wanderfalke, Pirol, Bachstelze, Distelfink u. a. Der Fasan ist ein eingesetzter Vogel. Darüberhinaus gibt es noch viele kleinere und größere, graue, braune, gesprenkelte und bunte Vögel, die ich nicht einordnen kann. Wer mehr über die heimische Vogel weit erfahren will, kann sich gerne an Penz Reinhold, Lauterach, wenden. Er kennt die Arten nicht nur nach Flugbild, Federkleid, Brutgewohnheiten, Lebensraum und Nahrungsbedarf, sondern auch an der Stimme. Als leicht lesbares und reich bebildertes Buch kann ich «Rettet die Vögel» angeben. Es ist ebenfalls vom deutschen Journalisten Horst Stern und weiteren vier Fachleuten verfaßt (Herbig Verlag). Nicht vergessen möchte ich die Fledermäuse, die zwar nicht zu den Vögeln oder Mäusen zählen, die aber hervorragende Flieger sind. Ihre Gattung ist eine eigenwillige Erscheinung im Naturhaushalt. Sie haben ein phantastisches Orientierungssystem, mit dem sie allen Hindernissen ausweichen können und mit dem sie ihre Insektennahrung im Fluge finden. Sie sind leider selten geworden, aber für aufmerksame Beobachter fliegen sie jetzt nach dem Winterschlaf wieder. AMPHIBIEN UND REPTILIEN Es handelt sich um wechselwarme Wirbeltiere. Am Rickenbach beobachtet habe ich die Erdkröte, verschiedene braune und grüne Froscharten, den Laubfrosch, verschiedene Eidechsenarten, die Blindschleiche, Ringelnatter und die Schlingnatter. Kreuzottern hat es vor 60 Jahren noch am Rutzenberg gegeben. WASSERGÜTE UND FISCHE Über die Wassergüte im Rickenbach kann Erfreuliches berichtet werden. Die Vorarlberger Umweltschutzanstalt hat am 2. 3. 1989 bei der alten Bildsteiner Brücke, Wasserproben entnommen und biologisch und chemisch untersucht. Aus dem Befund geht hervor, daß eine Vielfalt von Gewässerorganismen vorhanden ist. Es handelt sich durchwegs um Kleinlebewesen. Der Bachflohkrebs tritt massenhaft auf. Die große Gruppe der Köcherfliegen ist mit Larven verschiedener Art vertreten. Eintagsfliegen und Steinfliegenlarven, darunter zwei ausgesprochene Reinwasserformen, sind reichlich vorhanden. Dazu kommen noch verschiedene Zuckmücken und Kriebelmücken und vereinzelt auftretende Egelarten. Die chemische Wasseranalyse zeigt eine ausgezeichnete Sauerstoffversorgung des Wassers und nur eine geringe Nährstoffbelastung durch Stickstoff- und Phosphorverbindungen. Daraus resultiert eine Einstufung des Rickenbaches in die Güteklasse I bis II. Es handelt sich somit um ein gering bis mäßig belastetes Fließgewässer. Die Kleinlebewesen bilden in ihrer Gesamtheit eine sehr gute Nahrungsgrundlage für Fische. In den Gumpen im Tobel leben gesunde Bachforellen, die sich natürlich vermehren. Das Fischwasser ist verpachtet. 14 SCHNECKEN Sie gehören zu den wirbellosen Weichtieren. Im Tobel und auf den Dämmen des Unterlaufes kommen viele nackte und behauste Arten in unterschiedlichen Größen vor. Sie haben sicher auch ihre Bedeutung im Naturhaushalt und in der Nahrungskette. Ihre Bestimmung muß ich den Fachleuten überlassen. Wer einen Garten hat, kennt die Nacktschnecken genau. Feinschmecker halten es lieber mit den Weinbergschnecken. INSEKTEN Das vieltausendfältige Heer der Eintagsfliegen, Libellen, Uferfliegen, Schaben, Schrecken, Grillen, Läuse, Wanzen, Zikaden, Blattläuse, Schildläuse, Schlammfliegen, Käfer, Hartflügler, Köcherfliegen, Schmetterlinge, Schnabelfliegen und Zweiflügler ist nur für Fachleute voll überschaubar. Der Laie kennt in jeder Gruppe mehr oder weniger Arten. Landläufig werden die Insekten, ohne Rücksicht auf ihren Stellenwert in der großen Lebensgemeinschaft, als Schädlinge und in seltenen Fällen sogar als Nützlinge eingestuft. Näher eingehen möchte ich nur auf die wichtigsten Forstschädlinge. Sie kommen überall als sogenannter «Eiserner Bestand» vor und richten dabei keine größeren Schäden an. Zu schweren Schäden kommt es erst bei Massenvermehrungen. Dafür müssen aber gewisse Voraussetzungen Vorhandensein, wie z. B. großflächige Monokulturen oder größere Mengen geschädigtes oder geschwächtes Holz, wie z. B. nach großen Wind würfen, Schneebrüchen, oder durch das Waldsterben. Die Schädlinge sind fast durchwegs auf gewisse Holzarten spezialisiert. In einem gesunden Mischwald ist daher die Käfergefahr am geringsten. Blatt- und Nadelfraß, der sich bei Massenvermehrungen bis zum Kahlfraß großer Waldgebiete entwickeln kann, erfolgt hauptsächlich durch die Raupen der verschiedenen Nachtfalter, wie Schwärmer, Spinner, Spanner, Zünsler, Wickler und Motten. Es ist eine faszinierende, vielgestaltige und bunte Gesellschaft. Dabei sind viele Falter und Raupen zum Teil so gut an die Umwelt angepaßt, daß sie nur schwer zu finden sind. Die Nützlinge, vorwiegend Blattwespen und Schlupfwespen, legen ihre Eier in die Raupen der Schädlinge. Ihre Larven fressen die Wirtstiere auf und wirken dadurch als Regulator. Nach Massenvermehrungen der Schädlinge kommt es auch zu Massenvermehrungen der Nützlinge, die im Zusammenwirken mit Krankheiten die großen Populationen zum Zusammenbruch führen. Zu den größeren Schädlingen gehören die Bockkäfer, bis zu 5 cm Größe, die durch ihre übergroßen, zurückgebogenen Fühler auffallen und die etwas kleineren Rüsselkäfer, bis zu 2 cm Größe, die eine typische rüsselartige Kopfform haben. Bockkäfer sind Holzschädlinge am lebenden oder eingebauten Holz und leben auch zum Teil auf 15 faulem Holz. Ihre Larven fressen auffällige Bohrgänge, die beim Aufsägen oder Spalten des Holzes sichtbar werden. Rüsselkäfer sind im allgemeinen Rindenbrüter, die als Larven zwischen Rinde und Splint fressen und artspezifische Fraßbilder hinterlassen. Sichtbar sind bei beiden Arten meist nur die Ausflugslöcher der Käfer und fallweise das Bohrmehl auf der Rinde. Zu den Winzlingen zählen die Borkenkäfer, Bastkäfer und Splintkäfer. Sie sind nur wenige Millimeter groß. Ihre Larven leben zwischen Rinde und Holz. Die Käfer fressen Gänge aus und legen ihre Eier links und rechts ab. Die Larven fressen dann etwa im rechten Winkel weiter. Sie leben überwiegend auf geschädigtem Nadelholz und Laubholz und haben ihre charakteristischen Fraßbilder, wie z. B. der Waldgärtner auf der Kiefer, der Buchdrucker auf der Fichte, der Kupferstecher in der dünnen Rinde der Fichtenäste. Auffallend ist das Fraßbild des krummzähnigen Tannenborkenkäfers, der einen doppelten, nahe beieinander liegenden Längsgang ausfrißt. Die Borkenkäfer schwärmen je nach Witterung schon im März-April und bringen ebenfalls je nach Witterung zwei bis vier Generationen in einem Sommer hervor. Zur Bekämpfung muß das Holz rechtzeitig entrindet und die Rinde verbrannt werden. Teilweise wird heute das in Rinde liegende Holz mit Gift besprüht. Dabei werden die ausfliegenden Käfer vergiftet. Wenn das Holz in Rinde länger im Wald bleibt, kommt es zum Befall durch Holzbrüter. Der bekannteste ist der Nadelnutzholzbohrer. Sein Fraßgang führt senkrecht ins Holz. Die seitlichen Gänge sind sehr kurz und sind durch Pilze schwarz gefärbt. Auffällig, aber nur gering schädlich, sind die verschiedenen Gallen, die durch Gallenlenläuse an Fichtenästen und auf Ulmenblättern oder durch Gallwespen z.B. auf Rosen und Eichenblättern, oder durch die Buchengallmücke auf Buchenblättern entstehen. Als größten mitteleuropäischen Käfer (kein Forstschädling) möchte ich noch den Hirschkäfer erwähnen. Die Larve lebt im Moderholz der Eiche. Der Käfer schlüpft erst im sechsten Jahr aus. Er ist schon sehr selten. Den letzten habe ich am Rickenbach vor ca. 20 Jahren gesehen. Die Einordnung der Falter und Raupen, der Käfer und Larven, der Schadbilder und Fraßbilder, der Lebensansprüche und Lebensgewohnheiten erfordert ein umfangreiches Fachwissen. KLEINLEBEWESEN Die unübersehbare Zahl der Bodenlebewesen ist erst in Ansätzen bekannt. Über ihr Zusammenwirken besteht nur ein grobes Bild. Um sich eine Vorstellung zu machen, kann man sie in größere, kleine und kleinste Lebewesen einteilen. Zu den größeren Lebewesen, die man mit dem freien Auge erkennen kann, gehören die grabenden Wirbeltiere, wie Mäuse und Maulwurf, der Regenwurm und viele Insekten. Sie zerkleinern und vermischen die Bodenstreu. Auf einem Hektar Laubwald leben ca. 250.000 Regenwürmer. Ihr Gewicht übertrifft das Gewicht aller Säugetiere auf der Fläche um mehr als das Zehnfache. 16 Zu den Kleinlebewesen zählen kleine Würmer, Ringwürmer, kleine Insektenlarven und kleine Gliederfüßler, wie Milben und Springschwänze. Bei den Milben kennt man derzeit etwa 10.000 Arten und bei den Springschwänzen etwa 2.000 Arten. Diese Lebewesen sind zum Teil noch mit freiem Auge zu sehen. Ihr Gewicht beträgt noch einmal das lOOfache der Regenwürmer. Die Mikroweit ist nur unter dem Mikroskop zu sehen. Sie enthält sowohl pflanzliche Algen, Bakterien und Pilze als auch einzellige Urtierchen. Ihre Zahl geht in die Milliarden pro Quadratmeter Waldboden. Das ist eine kaum vorstellbare Größenordnung. Die Mikroweit scheint durch fressen und gefressen werden das Bindeglied zwischen dem toten Material und den kleinen Lebewesen zu sein. Diese unvorstellbare Masse der Kleinlebewesen ist imstande, die auf einem Hektar Laubwald jährlich anfallenden 41 Streu so gut wie restlos abzubauen und den Pflanzen wieder zugänglich zu machen. In den letzten Jahren muß man leider beobachten, daß der Abbau wegen der Schädigung des Bodenlebens nicht mehr voll funktioniert. Interessante Bakterien sind die Knöllchenbakterien. Sie sind in der Lage, den Luftstickstoff, der den Pflanzen nicht zugänglich ist, aufzunehmen und weiterzugeben. Sie leben z. B. an den Feinwurzeln der Leguminosen, wie Bohnen, Erbsen oder Wicken, und sind als kleine weiße Knöllchen zu sehen. Sie leben auch an den Wurzeln der Erle, die dadurch befähigt wird, als Pionierholzart sterile Schotterböden und Rutschflächen zu besiedeln. So hat sich der Kreislauf des Pflanzenlebens und des Tierlebens jeweils vom Großen zum Kleinen geschlossen. Aufgrund der massiven Eingriffe in die Umwelt in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ist es zu gravierenden Veränderungen im Naturhaushalt gekommen. Immer mehr Arten, Pflanzen wie Tiere, sterben aus oder sind vom Aussterben bedroht, die Anzeichen einer katastrophalen Entwicklung mehren sich. Der Glaube, daß die Lebensräume von Tieren und Pflanzen, wie z. B. Wald, Hochmoore oder Streuewiesen, nur untergeordnete Bedeutung haben und daß die wirtschaftliche Entwicklung und der Lebensstandard — dokumentiert z. B. durch die Überbewertung des technisch Möglichen und des Autos — unbedingt den Vorrang haben, erweist sich immer mehr als Irrglaube. Die Ursachen und Auswirkungen sind bekannt. Die Konsequenzen werden nur sehr zögernd gezogen. WETTER UND KLIMA: Vorarlberg liegt im Randbereich des ozeanischen Klimaeinflusses und hat daher hohe Jahresniederschläge. Die höchsten Werte fallen im Vorsommer, Juni, Juli. Ca.1/3des Niederschlages fällt als Schnee. Wir haben im Verhältnis zum inneralpinen Klima, kühle Sommer und milde Winter. 17 In Bildstein-Dorf, in 650 m Seehöhe, wird seit 1894 eine Niederschlagsmeßstelle betrieben. Seit 1931 wird auch der Schnee getrennt gemessen. Komischerweise wurden nie Temperaturen gemessen. Es stehen daher lange Meßreihen zur Verfügung, die in den Jahrbüchern des hydrographischen Dienstes in Österreich aufgearbeitet sind. Daraus möchte ich einige Zahlenreihen anführen. Gesamtniederschlag, Regen und Schnee: Monatsmittel Jahresmittel Zeitraum zwischen zwischen 86 mm, I 240 mm, VI 1931—1960 104 mm, I 220 mm, VII 1901—1980 90 mm, 1 +III 213 mm, VII Extreme Tagesniederschläge: 1971-1980 93 mm 1961—1970 106 mm 1931-1960 122 mm 1901-1980 200 mm Ein-Tagesmaximum Zwei-Tagesmaximum Drei-Tagesmaximum Vier-Tagesmaximum Zehn-Tagesmaximum 93 mm 115 mm 144 mm 178 mm 227 mm 1971—1980 1314 mm, 1972 1946 mm, 1974 —.— —.— Im Jahre 1957 lief zwischen Kennelbach und Schwarzach innerhalb von 5 Wochen zweimal ein Schadenshochwasser ab. In Bildstein wurden dabei folgende Niederschlagswerte gemessen: 10. 7. 1957 106 mm 11.7.1957 51mm 157 mm 18. 8. 1957 18 mm 19. 8. 1957 67 mm 85 mm Das 2. Hochwasser hat mit nur ca. dem halben Niederschlag die gleichen Schäden angerichtet wie das 1. Hochwasser. Das ist auf den ersten Blick unverständlich. Aber durch die Erosion des 1. Hochwassers ist es im Tobel zu zahlreichen Gschliefen und damit zum Abrutschen von Holz gekommen. Es lag daher viel loses Gestein, Sand und Dreck im Gerinne, das leicht aktiviert werden konnte. Niederschlag als Schnee: Schneefalle Zeitraum zwischen 1971-1980 22. 9. 1979 29. 4. 1980 Summe der Neuschneehöhen 57 cm, 1971/72 384 cm, 1977/78 Schneedecke zwischen 28. 12. 1977 30. 3. 1978 Gesamtschneehöhe gesetzt 13 cm, 22.11.71 102 cm, 27. 2.73 Mittlerer Jahresdurch schnitt 1640 mm 1557 mm 1585 mm Neuschneetage 14, 1971/72 57, 1977/78 Größter Neuschneezuwachs 8 cm, 21.11.71 50 cm, 11.12.76 7.6.1971 10. 6. 1965 29.5.1940 14.6.1910 7. 6. 1971 6. 6. und 7. 6. 1971 5.6. und 6. 6. und 7.6. 1971 um den 22. 8. 1975 um den 19. 7. 1976 Zeitraum 1971-1980 Starkniederschlagsmengen 1971—1980: Auch bei den Neuschneehöhen werden sich über längere Zeiträume die Mittelwerte angleichen, wie beim Gesamtniederschlag. Temperaturen: In Bildstein wurden keine Temperaturen gemessen. Die nächste annähernd vergleichbare Station ist in Ebnit, in 1100 m Seehöhe. Das paßt in etwa für das Einzugsgebiet in Oberbildstein. Zeitraum 1971-1980 Tagesmittel min. max. -15,6°, 5. 3. +24,0°, 17. 9. 14. 6. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 16. 7. -24,0°, 10. 2. +26,5°, 14. 6. 1971 1975 1980 1956 1935 1956 1973 Monatsmittel min. max. - 3,0°, I 1979 + 16,3°, VIII 1973 - 1,9°, + 14,9°, - 1,4°, + 13,9°, I VII I VII, VIII Jahresmittel 6,7° Die Tages werte, Monats werte und Jahres werte differieren stark, aber die langjährigen mittleren Jahresdurchschnitte, z. B. von 1931—1960 und 1901—1980, nur um 2,8 cm. Von den extremen Tagesniederschlägen hat lediglich der vom Jahre 1910 ein Hochwasser ausgelöst. Damals waren ganz Vorarlberg, Graubünden, St. Gallen und weite Teile des Allgäus betroffen. Ursache war eine späte Schneeschmelze im Gebirge und eine Regenperiode von 3 Tagen, mit dem Exzeß vom 14. 6. 1910. Für die Auslösung einer Katastrophe müssen daher meist mehrere negative Faktoren zusammentreffen. Eine große Rolle spielen dabei die Wasseraufnahmefähigkeit oder Wassersättigung des Bodens, das Bewaldungsprozent, die Regenintensität, z. B. Starkregen über Stunden oder Landregen über Tage, die Überlagerung der Schneeschmelze durch Regenfälle, Regen bei gefrorenem Boden, geologische Gegebenheiten, die Gefällsverhältnisse u.a. 18 1931-1960 1901-1980 6,5° 6,3° 19 Ich möchte noch einige Beobachtungen anfügen, die das örtliche Kleinklima betreffen. Bekanntlich gibt es Unterschiede zwischen 1 Grad und 3 Grad, zwischen Freilandklima und Waldinnenklima. Im Wald ist es im Sommer kühler und im Winter wärmer. Die im Tobel abfließende kältere Luft verstärkt diesen Effekt. Im Sommer spürt man die angenehme Kühle deutlich. Im Winter erlebt man alle paar Jahre die Wirkungen dieser Überlagerungen. Im Gegensatz zu den umliegenden Wäldern kommt es im Tobel, z. B. bei gefrorenem Holz und Regen oder bei abnehmender Temperatur und Übergang von Regen in Schnee, immer wieder zu Eisanhang, der zu Wipfelbrüchen und zur Entwurzelung von Bäumen und ganzen Baumgruppen führt. So gesehen z.B. im Winter 1985/86 und 1988/89. Nach klaren Nächten kann man öfters örtliche Reifbildung, etwa zwischen Spettenlehergasse und Schlatt beobachten. Vor den Überbauungen im Kessel und im Bahnhof-Postbereich konnte man vom Rutzenberg aus die Grenze dieser Reifbildung gut als unregelmäßigen Halbkreis am Schwemmkegel des Rickenbaches, vom Brühl über die Bahnlinie bis zur Schwarzach beobachten. Diese Erscheinung beruht auf der Überlagerung der Abstrahlung durch ruhig abfließende Kaltluft aus dem Tobel, die gemeinsam zum Strahlungsfrost führen. An der Ach hat die aus dem großen Einzugsgebiet turbulent abfließende Kaltluft, bis zu einer Grenztemperatur genau den gegenteiligen Effekt. HOCHWASSEREREIGNISSE Aufgrund der geologischen Verhältnisse war der Rickenbach in der Siedlungsgeschichte immer ein gefährlicher Wildbach. Die Siedlungsdichte im Gefahrdungsbereich wird aus der Tatsache verständlich, daß Wasser für verschiedene Zwecke bis in die neuere Zeit, neben Holz, die einzige Energiequelle war. Schwere Hochwässer sind aus den folgenden Jahren überliefert: 1674 (zweimal), 1701, 1702, 1752, 1780, 1901, 1910, 1913, 1924, 1934, und 1957 (zweimal). Das folgenschwerste Hochwasser war 1702. Ein Felssturz hatte den Bach im Tobel aufgestaut, der dann mit verheerender Wucht durchgebrochen ist. Die meisten Ausbrüche erfolgten bei der Bildsteiner Brücke, dann bei der heutigen Landesstraßenbrücke, bei der Einmündung in die Minderach und im Ried. Immer wieder ist die Rede von weggerissenen, beschädigten und eingemurten Häusern und Ställen, von zerstörten Straßen und Brücken, von übermurten und verschlammten Feldern im Siedlungsbereich und auf den Feldern im Kessel, Brühl und im Ried, bis ins Birka. Schuldirektor Siegfried Heim hat in der Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach 1986» und in «Heimat Wolfurt — Heft 2» über die Hochwässer, die Steinbrüche, die alten Mühlen, die Gunz-Mühle, die Zuppinger-Mühle, die Firma Doppelmayr und viele andere Rickenbacher Angelegenheiten anschaulich berichtet. Das Büchlein kann allen Interessierten sehr empfohlen werden. 20 VERBAUUNGEN AM RICKENBACH Im Laufe der Jahrhunderte haben die Anrainer sicher nicht nur Hochwasserschäden aufgeräumt, sondern auch immer wieder örtliche Wuhrungen durchgeführt, um ihre Häuser und Gründe zu schützen. Die erste größere koordinierte Verbauung ist aus dem Jahre 1850 bekannt. Damals wurde der Rickenbach-Unterlauf begradigt und hat etwa die heutige Linienführung erhalten. Nach dem Hochwasser 1910 wurde 1911 und 1912 das Projekt der SchwarzachRickenbach-Regulierung genehmigt und für die Aufbringung des Interessentenbeitrages eine Wassergenossenschaft gegründet. An der Schwarzach kam das Projekt zur Ausführung. Die Verbauung des Rickenbaches wurde wegen des Ausbruches des Ersten Weltkrieges und später wegen Geldmangel zurückgestellt. 1925 verfaßte die Rheinbauleitung in Bregenz ein neues Projekt, das 1927 genehmigt wurde. Die Realisierung scheiterte wieder an der Aufbringung des Geldes. Nach dem Hochwasser vom 15. und 16. 7. 1934 konnte schon im Spätherbst 1934 ein weiteres Projekt vorgelegt und genehmigt werden. Die Arbeiten wurden durch die Wasserbauverwaltung noch im Spätherbst aufgenommen und 1936 fertiggestellt. Es ist die heute noch intakte Verbauung zwischen der Bildsteiner Brücke und der Einmündung in die Schwarzach. Diese Verbauung ist vor allem im Siedlungsbereich hart ausgefallen. Wenn man aber den Häuseraltbestand berücksichtigt, gab es schon damals für die Wasserbauer keine Alternative. Im Tätigkeitsbereich der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden zwischen Doppelmayr und der Gunz-Mühle von 1850 bis heute nur örtliche Maßnahmen durch die Anrainer gesetzt. Bei den Hochwässern vom 11. 7.1957 und 19. 8.1957 wurde die Unterlaufregulierung jeweils weitgehend aufgeschottert, die Bildsteiner Brücke kurzfristig, die Landesstraßenbrücke über Stunden verklaust und der Verkehr unterbrochen. 20 ha Wiesen und Äcker waren zum Teil vermurt, zum Teil verschlammt und zahlreiche Keller unter Wasser gesetzt. Feuerwehr und Bundesheer wurden eingesetzt. Im Kühlhaus Alge waren mehrere 1001 Lebensmittel gefährdet. 195 8 hat die Wildbach- und Lawinenverbauung das Verbauungsprojekt zur Überprüfung und Genehmigung vorgelegt. Das Gesamterfordernis betrug S 1,950.000,—. Davon bezahlte der Bund 55 %, das Land Vorarlberg 20 %, die Landesstraßenverwaltung 10 %, die Gemeinde Wolfurt 15 %. In den Jahren 1958 bis 1960 wurden zwischen der Gunz-Mühle und dem Fußweg Erscheinungskapelle-Dellen acht gemauerte Geschiebestausperren, ein Leitwerk in Drahtschotterbauweise, vier gemauerte Leitwerke und zwei Leitwerke in Trockenmauerung erstellt. Für die Sperren 1 bis 3 und alle Leitwerke konnte der nach dem Ersten Weltkrieg erbaute und beim Hochwasser 1957 teilweise zerstörte Schlittweg am rechten Ufer, zwischen hm 15,20 und hm 19,30 wieder hergestellt werden. Die Sperrenhöhe war in diesem Bereich durch die Druckrohrleitung zur Mühle Gunz vorgegeben. Alle Materialtransporte erfolgten mit Pferd und Zweiräderkarren bachaufwärts. Die Erschließung der Sperre 4 in hm 21,33 erfolgte mit einer Seilbahn von der 21 6. Station an der Bildsteinerstraße aus. Zur Sperre 5 in hm 22,80 wurde ein Schlittweg ab der 6. Station erstellt und das Baumaterial mit Pferd und Schlitten bergab transportiert. Die Sperre 6, in hm 25,71, wurde unterhalb der Häuser von Staudach, von der Straße Mäschen-Staudach aus, mit einer Seilbahn erschlossen. Für die Sperre 7 in hm 27,60 wurde der alte Weg Staudach-Dellen auf 120 m LKW-befahrbar gemacht und eine Seilbahn gebaut. Zur Sperre 8 in hm 34,09 konnte der Fußweg Kirche, Erscheinungskapelle, Dellen auf 530 m Unimog-befahrbar gemacht werden. Die große Felsplatte im Tobel wurde mit einer Seilbahn überbrückt. Zur Betreuung der Arbeiterpartien mußten Küche und Unterkunftsbaracken viermal umgestellt werden. Es war in Summe eine komplizierte Baustellenerschließung und Baustelleneinrichtung, die durch die Unzugänglichkeit des Tobeis erzwungen wurde. Jeder Wildbach hat sein eigenes Gesicht, das in Jahrtausenden aus den Vorgaben der Natur entstanden ist. Die Verbauungsmöglichkeiten müssen den örtlichen Gegebenheiten angepaßt werden. In einem engen, zum Teil felsigen Tobel ohne größere natürliche Stauräume sind diese Möglichkeiten sehr beschränkt. Es ging darum, weggerissene Ufer durch Leitwerke gegen weitere Erosion zu sichern und an günstigen Stellen durch Sperrenbauten künstliche Stauräume zu schaffen. Die Sperren stehen durchwegs linksufrig und in der Sohle im Fels. Sie sind zum Teil schon verlandet, aber auf den flachen Verlandungsräumen wird weiterhin Grobgeschiebe aussortiert und zurückgehalten und durch den Wasserabfall an den Sperren Energie vernichtet. Durch diese Wildbachverbauungen wird der Geschiebetrieb reduziert und damit die Anzahl der Schadensereignisse vermindert. Im Katastrophenfall muß aber weiterhin zumindest mit Überflutungen gerechnet werden. FORSTLICHE NUTZUNG IM TOBEL Blockholz konnte durch Jahrhunderte, bis zur Erfindung des händisch betriebenen Wellenbockes, nur auf den wenigen Parzellen genutzt werden, die für Schlitten oder Pferde zugänglich waren. Aus dem Tobel konnten nur Brennholz und Buschein geholt werden und das auch nur dort, wo die Anlage von Fußwegen möglich war. Es wurden die schönsten Buchen und Tannen auf 2 m-Spälten aufgearbeitet und «am Buckel» heraufgetragen. Über lange Zeiträume wurde Tannenholz auch zu Rebstecken aufgespalten. Damit konnte der Bedarf in den eigenen Weingärten gedeckt werden. Es wurden aber auch größere Mengen vor allem in die Schweiz verkauft. Der Frächter Eugen Gunz hat als Bub mit seinem Vater und seinen Brüdern noch bis zum Zweiten Weltkrieg Rebstecken aus dem Tobel nach Staudach getragen. Den letzten Holzträger habe ich noch 1946, nach meiner Heimkehr aus der Gefangenschaft, kennengelernt. Es war ein Südtiroler, der auf dem Fußweg Ankenreute-Mäschen gegen Tabak und Schnapswährung Buchenspälten auf Klimmer's Bühel getragen hat. Flösserei war wegen der Enge des Tobeis, wegen der zu geringen Wassermenge und wegen der Grobsteinigkeit der Flachstrecken praktisch nicht möglich. In der GunzChronik sind zwei Versuche vor der Jahrhundertwende beschrieben. Einmal wurden 22 in zwei bis drei Tagen etwa 50 Block geflößt und geliefert und beim Bierkeller ausgezogen. Einige Jahre später wurden nocheinmal bei einem mittleren Hochwasser etwa 5 bis 6 m Brennholz herausgeflößt und an der gleichen Stelle ausgezogen. Die Triftstrecke dürfte dabei aber nicht mehr als 400 bis 500 m betragen haben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der bereits genannte Schlittweg auf 400 m verlängert und im Winter 1924/25 größere Mengen Nutzholz und Brennholz mit Pferd und Schlitten ans Land gebracht. Seither wird auf den erschlossenen kleinen Flächen Plenterwaldwirtschaft betrieben. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurden nocheinmal ca. 60 bis 70 Block mühsam über 100 bis 150 m durch den Bach bis zum Schlittweg geliefert und dann im Winter abgeführt. Mit dem Aufkommen der Seilwinden wurde die Holzbringung bergauf aktiviert. Aber es sind auch heute noch größere Waldgebiete nicht erreichbar. Nach wie vor dominiert die Einzelstammnutzung. Am ganzen Bidsteiner Berg wurden bis nach dem Zweiten Weltkrieg die Birken gestümmelt und Besenreis gewonnen. Birkenbesen brachten als Winterarbeit einen bescheidenen Zusatzverdienst. Heute findet man die typischen Besenbirken nur noch selten. LANDWIRTSCHAFTLICHE NUTZUNG IM EINZUGSGEBIET Die flacheren Hänge und Rücken wurden seit der Rodung landwirtschaftlich genutzt. Es gibt praktisch nur Grünland mit Viehzucht und auf kleinen Flächen StreuObstbau. Die Nutzung des Adlerfarns in den Viehweiden als Streue ist stark zurückgegangen. Die Vollerwerbsbauern werden — wie überall — immer weniger. Die Nebenerwerbsbauern müssen vom Berg zur Arbeit auspendeln. In Summe ist das eine Entwicklung, die den Wald begünstigt, da die extensiv genutzten Viehweiden und die steileren, nicht mit Maschinen befahrbaren Bühel aufgeforstet werden oder von selbst zuwachsen. Die landwirtschaftlich genutzten Gründe am Schwemmkegel wurden zu einem guten Teil überbaut (Engerrütte, Brühl, Kessel, Bahnhof, Post). Die 50 ha große Grünfläche zwischen Bahnhof, Rickenbach und Schwarzach ist als Industriezone ausgewiesen und damit für Beton und Asphalt reserviert. Die verbliebenen Mähwiesen, Roßheuwiesen und Streuewiesen werden heute überdüngt (Klärschlamm-Orgien) und mit bis zu fünf Heuschnitten auch übernutzt. Von der früheren Blumenvielfalt sind fast nur noch Löwenzahn und Hahnenfuß übriggeblieben. STEINBRÜCHE IM TOBEL In den Vermögenssteuerbüchern der Gemeinde ist schon 1785 ein Steinmetz ausgewiesen. 1785 und 1797 ist u. a. ein Steinbruch in Rickenbach erwähnt. Abgebaut wurden in den zahlreichen Steinbrüchen in Schwarzach, Wolfurt und Bildstein stark gebankte Sandsteine der sogenannten Bausteinzone, die zu Stiegenstufen, Fenster23 stürzen, Grabsockeln, Schleifsteinen, Wetzsteinen, Backöfen, Pflastersteinen und Bausteinen etc. verarbeitet wurden. Das auffälligste Bauwerk aus diesen Steinen ist die Schwarzacher Kirche. Die Steine sind am Kopf wetterfest, verwittern aber in der Schichtfuge sehr schnell. Sie müssen daher in Mauern fachgerecht eingebaut werden. Im Rickenbach gab es noch im 19. Jhdt. rechtsufrig den Steinbruch an «Bohle'sBühel». Er ist heute eingewachsen und nicht mehr erkennbar. Etwa 80 m hinter der Gunz-Mühle ist rechtsufrig ein weiterer Steinbruch noch gut sichtbar. Linksufrig war der große Bächlinger Steinbruch. 40 m dahinter liegt die auffallende Kaverne, die zuerst als Steinbruch und dann 1874 bis 1890 als Bierkeller für die Adlerbrauerei genutzt wurde. Laut Gunz-Chronik wurden bis 1880 tausende zweispännige Fuhren Steine in die Schwarzacher Wetzsteinschleifen geliefert. Am 17.3.1935 ist der letzte Wolfurter Steinmetz, Josef Rünzler, gestorben. Sein Lehrbub, Anton Repolusk, baute im Sommer 1935 in Spetenlehen noch Steine für die Fa. Vetter in Dornbirn und für den Neubau des Backofens im Konsum Rickenbach ab. Dann hat der Beton endgültig seinen Siegeszug angetreten. WASSERKRAFTNUTZUNG AUS DEM TOBEL Die Wasserkraft wurde durch Jahrhunderte genutzt. Die Mühlen sind sicher so alt wie das Wasserrad. Am Rickenbach ist eine Mühle 1536, 1571, 1680, 1795 und 1797 erwähnt. 1680 und 1797 ist auch von einer Säge und 1795 von einem Lohrstampf die Rede. Er stand zwischen Doppelmayr und Gunz-Mühle. Der Standort der alten Hunds-Mühle war das heutige alte Doppelmayr-Haus. Zwischen Baumgarten und Grub stand früher die Baumgartner Mühle. Wegen der geringen Wasserführung im Oberlauf hatte sie einen Weiher, der das Wasser über Nacht aufstaute. Diese Mühle wurde zwischen 1870 und 1875 aufgelassen. Der Weiher ist im Gelände noch erkennbar. Unter Hinweis auf die Festschrift «100 Jahre St. Josefs-Kapelle Rickenbach» möchte ich mich nur auf die Nutzung der Wasserkraft durch die Gunz-Mühle und die Firma Doppelmayr beschränken. Die Mühle wurde 1852 vom Mechaniker Josef Anton Dür im Bächlinger Steinbruch gebaut und 1853 von seinem Schwiegersohn Josef Gunz von Staudach übernommen. Zuerst wurde das Wasser knapp hinter der Mühle mit einem Holzwuhr gefaßt. Dieses Wuhr wurde beim Hochwasser 1957 weggerissen und hat wesentlich zur ersten Verklausung der Landesstraßenbrücke beigetragen. Einige Jahre nach der ersten Wasserfassung wurde der heute noch sichtbare Weiher linksufrig bei hm 17,50 gebaut und das Wasser etwa 50 m weiter oben eingeleitet. Die Zuleitung zur Mühle erfolgte über 220 m mit Holzkähnern. Der Weiher war notwendig geworden, um die unregelmäßige Wasserführung aus der Baumgartner Mühle auszugleichen und eine Tagesreserve zu speichern. 1887 wurden Eisenrohre mit einem Durchmesser von 30 cm gekauft, die beim Bau des Arlberg-Tunnels als Wasserableitung gedient hatten. Daraus wurde 24 in mühevoller Handarbeit bis zum Weiher und von dort weiter bis zu hm 19,00 eine Druckrohrleitung errichtet. Bei einer Länge von 350 m stand nun eine Fallhöhe von 20 m zur Verfügung. Das reichte aus, um 1890 die erste Turbine einzubauen. Gleichzeitig wurde auch die Mühle aufgestockt und ein Fahrstuhl eingebaut. 1896 kam ein Dynamo dazu, der das erste elektrische Licht lieferte. 1923 hatte die alte Turbine ausgedient und wurde ersetzt. 1931 wurde die Druckrohrleitung bis hm 22,80 verlängert. Bei 730 m Länge kann nun eine Fallhöhe von 60 m abgearbeitet werden. Beim Hochwasser 1957 wurde die Rohrleitung an mehreren Stellen zerstört und in der Folge wieder instandgesetzt. Die Wasserfassung erfolgt seither bei der Wildbachsperre Nr. 5. Die Turbine wurde inzwischen zweimal überholt und betreibt heute das Kleinkraftwerk des Elmar Gunz. Nach dem Brand 1976 wurde die Mühle nicht mehr aufgebaut und der Betrieb zur Gänze nach Bludenz verlagert. 1848 bauten die Brüder Dür die alte Hundsmühle zu einer mechanischen Schmiede um. Um ihre zwei Wasserräder und später die Turbinen zu betreiben, wurde entweder schon 1848 oder 1852 beim Bau der neuen Mühle der Weiher gebaut. Er reichte bis knapp vor die Mühle und staute auch deren Unterwasser. 1892 kaufte Konrad Doppelmayr die Dür-Schmiede. Unserer Generation war der Weiher, in dem viele Rickenbacher schwimmen lernten, als Doppelmayr's Weiher bekannt. Im Winter wurden aus dem zugefrorenen Weiher mit Fuchsschwänzen Eisblöcke herausgesägt und in den Bierkeller der Adlerbrauerei hinter der Mühle transportiert (1874 bis 1890). Dann wurden die Eisblöcke in den inzwischen neu gebauten Bierkeller des Gasthauses Adler gebracht (1891 bis 1906). Später wurden die Eisblöcke in den Bierkeller nach Schwarzach und ins Schloßbräu nach Dornbirn verfrachtet. Ich kann mich noch gut an die Eisaktionen in den 30er-Jahren erinnern, die auch Zuppinger's Weiher mit eingeschlossen haben. 1913 wurde der hintere Teil des Weihers zugeschüttet und das Wohnhaus der Familie Gunz erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Weiher 1941 aufgelassen und zugeschüttet. Nach einem Grundtausch sind dort heute Gunz's Garten und die Garagen situiert. NUTZWASSER UND BRAUCHWASSER AUS DEM TOBEL Durch Jahrhunderte wurde das Nutz- und Brauchwasser weitgehend aus dem Bach ausgeleitet. Später hat die Rickenbacher Brunnengenossenschaft die Quelle in Bächlingen gefaßt und drei Laufbrunnen, bei der Bildsteiner Brücke (existiert heute noch) beim Gasthaus Kreuz und beim Haus Dornbirnerstraße 3 (dieser wurde bis Ende der 50er-Jahre benutzt) betrieben. 1911 wurde im Rickenbach die linksufrige Quelle bei hm 18,00 hinter dem alten Weiher gefaßt, ausgeleitet und mit der Bächlinger Leitung vereinigt. Jetzt war soviel Druck vorhanden, daß das Wasser in die Häuser eingeleitet werden konnte. 1953 wurde das Netz von der Gemeinde übernommen. 25 Das Gasthaus Mohren, heute Adeg-Bohle, hat das Brauchwasser zum Schnapsbrennen, Werkzeug waschen, Putzen usw. von altersher aus dem Rickenbach bezogen. Die Wasserfassung bei der Gunz-Mühle wurde beim Hochwasser 1957 zerstört und nicht mehr instandgesetzt. Für die Bierbrauerei im Adler (1874 bis 1906) wurde wahrscheinlich schon um 1874 eine Wasserleitung aus dem Tobel gebaut. Sie wurde beim Hochwasser 1957 ebenfalls teilweise weggerissen und durch den Adlerwirt Anton Geiger wieder hergerichtet. An den Laufbrunnen und Pumpbrunnen haben wir als Buben noch unseren Durst gelöscht. Sie sind heute fast überall verschwunden. Der moderne Mensch konnte lebendiges Wasser nicht sehen, das nutzlos in die Tröge plätscherte. WEINBAU AM SÜDHANG DES RICKENBACHES Der Weinbau spielte in Wolfurt durch Jahrhunderte eine große Rolle. Im 19. Jhdt. ging er zugunsten der Viehwirtschaft und des Obstbaues immer mehr zurück. Am Rutzenberg wurden die letzten Weingärten um 1880 aufgelassen. Einerseits hat die Reblaus um diese Zeit die Reben vernichtet, andererseits kam mit der Fertigstellung des Arlberg-Tunnels 1884 billiger Wein aus Südtirol. Mein Vater hat am Rutzenberg als junger Bursch um 1900 die Trockenmauern der Weinbergterrassen abgetragen und einen Teil des Weinberges aufgeforstet. Im heutigen Wald steht eine jahrhundertealte Trockenmauer, die zum Teil noch gut erhalten ist. Am Bühel sind die Übersteilungen der Weinbergterrassen heute noch gut zu sehen. Die damals gepflanzten Obstbäume gehen, genau wie der Wald, nacheinander am Sauren Regen durch Absterben der Wurzeln zugrunde. KIESABBAU IM TOBEL In der Molassezone sind keine brauchbaren Kies- oder Sandvorkommen vorhanden. Lediglich aus den Moränen im landwirtschaftlich genutzten Gebiet dürfte fallweise Kies oder Sand abgebaut worden sein. Die Parzellenbezeichnung Grub ist ein Hinweis auf einen derartigen Abbau. ZUM SCHLUSS EINIGE PERSÖNLICHE GEDANKEN UND ERINNERUNGEN Unter der engeren Heimat verstehe ich die kleine, überschaubare Welt, in die man hineingeboren wird, in der man seine Kindheit und Jugend erlebt, oder in der man als Erwachsener lebt und arbeitet. Ein Leben reicht bei weitem nicht aus, die unwahrscheinliche Vielfalt dieser kleinen Welt bis in alle Details zu erfahren und zu erforschen. Eine gute Kenntnis dieser überschaubaren Welt trägt aber sicher dazu bei, viele Erscheinungen der größeren Welt besser zu erkennen und zu verstehen. 26 Meine engere Heimat lag und liegt zwischen dem Bildsteiner Berg und dem Ried. Hier war und bin ich seit über 6 Jahrzehnten zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter unterwegs. Hier habe ich zahllose schöne und interessante Erfahrungen und Beobachtungen gemacht. Den ersten Naturkundeunterricht bekam ich bei meinem Vater Johann Georg Fischer. Er war in der kleinen Bauernschaft, im Ried und im Holz immer ein aufmerksamer und kritischer Beobachter, der viele Zusammenhänge im Naturgeschehen gekannt und weitergegeben hat. Manches verdanke ich auch meinem Großvater Ferdinand Gasser, Brunnenmacher und Bauer im Maschen. Auch er war mit der Natur vertraut und ein erfahrener Wassermann. Er hat Tüchel für Wasserleitungen und Brunnensäulen für Pumpbrunnen gebohrt. Dabei hat schon das Aussuchen der geeigneten Stangen viel Erfahrung mit Holz gefordert. Die Ventile für die Pumpbrunnen hat er aus Leder angefertigt. Als Bub habe ich oft beim Bohren geholfen und durfte beim Zurückziehen des Bohrers prüfen, ob das Mark des Stangenholzes noch mitten im Bohrkern lag. Wenn das Mark auswanderte, mußte mit Gefühl und Erfahrung der Hebel am langen Bohrer verstellt werden, bis die Richtung wieder stimmte. Für eine Rolle Kautabak oder ein Viertele hat er gerne mit der Wünschelrute Wasser geschmeckt. Aber nach Wasser gegraben hat er nur dort, wo er Hinweise in der Natur gefunden hat. Als Völksschüler haben wir dann im Rudel, zwei sind im Krieg geblieben, einer ist schon vor etlichen Jahren gestorben, Wald und Flur durchstreift, Wild angeschlichen, im Rickenbach von Hand Forellen gefischt, im Eulentobelgraben Krebse und im Flotzbach Miesmuscheln gesucht, in den Riedgräben Grobben und Elritzen gefangen, in den Lehmlöchern das vielfältige Pflanzen- und Tierleben beobachtet, abends dem Froschkonzert zugehört, und die Blumen, Schmetterlinge, Heuhopper und die vielen anderen Insekten der Mähwiesen als Selbstverständlichkeit betrachtet. Leider Gottes ist von dieser Vielfalt inzwischen vieles vernichtet worden. Sie ist durch Abwasser, die Autoabgase, durch den Sauren Regen, durch Überdüngung, durch Verrohrungen und Regulierungen der Kleingewässer, durch das Zufüllen aller Krottenlöcher, durch Überbauung und Versiegelung, unwiederbringlich zugrundegegangen. In der Realschule in Dornbirn hatte ich das Glück, Naturgeschichte vom originellen Professor Dr. Bär vermittelt zu bekommen. Ein Jahr vor der Matura kam der Anschluß mit Repressionen für uns Ungläubige. Nach der vorgezogenen Matura mußte ich am 1. April 1939 zum Reichsarbeitsdienst einrücken. Nach Kriegsausbruch wurden wir zur Wehrmacht überstellt. In 7 Jahren und 19 Tagen Reichsarbeitsdienst, Kriegsdienst und Gefangenschaft habe ich nicht nur härteste Strapazen, Zerstörung, Angst, Tod, Hunger und Elend, sondern auch bedingungslose Kameradschaft und selbstverständliche Hilfsbereitschaft erlebt. So waren zum Beispiel die vier Mann im Sturmgeschütz auf Gedeih und Verderben aufeinander angewiesen. Die Verpflegung wurde gemeinsam in einer Munitionskiste aufbewahrt und gemeinsam gegessen. 27 Siegfried Heim Trotz der Härte dieser Jahre ist mein Interesse für die Natur immer wach geblieben. Auf vielen Märschen und Fahrten kreuz und quer durch Europa habe ich, zwischen Caen in der Normandie und Orel südwestlich von Moskau und zwischen dem Polarkreis in Finnland und Marseille am Mittelmeer viele typische europäische Landschaften gesehen und in Erinnerung behalten. Nach meiner Verwundung bekam ich mit viel Glück einen dreimonatigen Studienurlaub und konnte in Wien das 1. Semester Forstwirtschaft inskribieren. Nach der glücklichen Heimkehr aus der Gefangenschaft habe ich im zerschossenen Wien mein Studium zwischen 1946 und 1949 unter heute kaum mehr vorstellbaren äußeren Bedingungen fortgesetzt und abgeschlossen. Die 36 Jahre meines Berufslebens verbrachte ich bei der Wildbach- und Lawinenverbauung. 17 Jahre habe ich im Bregenzerwald und Kleinen Walsertal gearbeitet. 19 Jahre war ich für ganz Vorarlberg zuständig. In diesem äußerst vielseitigen Beruf wird man nicht überheblich, steht man doch dauernd im ungleichen Kampf gegen die Naturgewalten. Das erfordert viel Verständnis für die Abläufe der Natur. Man muß mit Wasser, Rutschungen, Felsstürzen und Muren, mit Schnee und Lawinen, mit der forstlichen Problematik, vor allem im Schutzwald und an der Waldgrenze, aber auch mit den technischen Möglichkeiten in den hochgelegenen, schwer zugänglichen Wildbacheinzugsgebieten und Lawinenabbruchgebieten vertraut sein. Dabei konnte ich laufend neue Erfahrungen sammeln und auch vieles umsetzen. Der Wildbachverbauung wird heute vielfach der Vorwurf der Verbetoniererei gemacht. Dabei wird aber meist gerne übersehen, daß das österreichische forsttechnische System für Wildbach- und Lawinenverbauung seit 1884, also seit über 100 Jahren neben den technischen Verbauungen auch die schwierige und langwierige forstliche Arbeit auf der Fläche der Einzugsgebiete betreibt. Der praktische Umweltschutz datiert daher nicht, wie heute vielfach der Anschein erweckt wird, von gestern, sondern hat eine lange Tradition. So wurden z. B. allein seit den Lawinenkatastrophen 1951 und 1954, zwischen 1955 und 1988 rund 4,400.000 Forstpflanzen versetzt, das sind ca. 130.000 Pflanzen im Jahresdurchschnitt. Derzeit werden 770 ha Aufforstungen, fast zur Gänze auf Extremstandorten, durch die Wildbach- und Lawinenverbauung betreut. Mit diesem Wissen können vielleicht auch gewisse hochgespielte Tänneleaktionen und Umweltaktivitäten, die als solche sicher zu begrüßen sind, sachlich und maßstäblich in ein größeres Umfeld eingeordnet werden. Praktische Forstwirtschaft wird nicht erst seit zwei Jahren betrieben. WOLFURTER GESCHLECHTER Der erste Wolfurter Häuserbeschrieb von 1594 (aus «Holunder» 1932/30) nennt eine Reihe Familien, die später ausgestorben oder verzogen sind: Kellnhofer (6 Familien), Wirt, Schnell, Weiß, Weinzürn, Eberlin, Tobler, Wörlin, Abstaig und andere. Aber weitere zehn Geschlechtsnamen sind seit 1594 nun fast 400 Jahre lang in der Gemeinde erhalten geblieben: Böhler, Dietrich, Flatz, Höfle, Müller, Reiner, Schwärzler, Sohm, Thaler und Vonach. Übersicht über die ältesten Familiennamen in den Wolfurter Häuserlisten 1594 1760 1809 1843 1900 1950 Albinger — 2 3 3 3 4 Anwander — 3 3 1 1 Bildstein — 2 3 6 2 — Böhler 2 9 11 15 19 16 Dietrich 1 3 3 3 1 2 Dür — 6 5 9 5 — Fischer — 6 7 10 19 14 Flatz 2 4 7 4 — 2 Gasser — 1 4 3 1 4 Geiger — 7 5 7 8 7 Gmeiner — 6 17 7 20 18 Guldenschuh — 1 — 1 _ 2 Haltmayer — 10 7 6 4 1 Höfle 1 6 6 8 8 10 Kalb — 4 8 8 8 7 Klocker — 1 7 9 4 9 Köb — 1 4 g 17 24 Lenz — — 1 4 5 1 Mäsch — 2 1 4 1 1 Mohr — 1 3 2 5 7 Müller 2 5 3 4 9 7 Reiner 1 2 5 3 3 4 Rohner — 12 15 20 13 10 Rünzler — 1 1 2 2 — Schelling — 2 2 3 3 6 Scheiter — 2 5 6 13 15 Schneider — 4 7 10 3 1 Schwärzler, Schwerzler 4 14 12 22 20 18 Sohm 2 4 2 1 — 1 Stadelmann — 2 1 1 2 2 Stülz — 4 4 3 — _ 29 Thaler 2 2 3 1 3 8 Vonach 5 6 5 4 4 3 28 Der Grund, warum diese 33 Geschlechter fast unverändert bis ins 19. Jahrhundert den Großteil der Einwohner von Wolfurt ausmachten, liegt im mittelalterlichen Hofsteigischen Landsbrauch. Danach durften nur mit Sondergenehmigung des gräflichen Vogts «frembde leut» in Wolfurt aufgenommen werden. Außerdem mußte jeder für die Einheirat oder den Zuzug nach Wolfurt zwischen 10 und 60 Pfund Pfennig bezahlen, das wären heute etwa 5.000 bis 30.000 Schilling. Noch vor 100 Jahren betrug die «Einkaufstaxe», die jeder Bräutigam für eine fremde Frau erlegen mußte, 50 bis 100 Gulden (etwa 10.000 Schilling). Zugezogene Familien versuchten, für viel Geld das Wolfurter Bürgerrecht zu erwerben. Andernfalls wurden nicht selten Witwen, Waisen und Kranke einfach aus dem Dorf «abgeschoben». Trotzdem finden wir bis 1900 eine ganze Reihe neuer Familiennamen unter den Hausbesitzern: Rhomberg Hopfner 1 1 1 Albrecht 1 Huber 1 Rist 1 Ammann Roth Huster 1 1 3 Arnold Schirpf Hutter 1 1 1 Bernhard 2 Schedler Kaufmann ] 1 Bohle Scheffknecht 2 Kirchberger 1 1 Brauchle 1 Klien ] Sinz Doppelmayr 1 1 1 Kresser 1 Stenzel Drechsel 1 Verklärer Lüber 1 1 Fait 1 Wacker Malin 1 1 Fehle 1 Waldinger Matt 1 1 Feldkircher 2 Widmer Meusburger 1 2 Forster 4 Nagel 1 Winder 1 Gmeinder 1 Wohlgenannt Öhe 1 1 Göppel 1 Österle 1 Würz 4 Gunz 1 Zehrer Peter 1 2 Heim 2 Zuppinger Putzer 1 2 Hinteregger Hohl 1 Rädler 1 Am allermeisten neue Namen kamen in der Mitte unseres Jahrhunderts nach Wolfurt: Zuerst die Südtiroler: Ebnicher, Sepp, Andergassen, Kompatscher, Ladurner . . . , dann die Flüchtlinge aus dem Osten: Seichter, Sawtsenko, Kovacs . . . , dann die vielen Siedler aus dem Bregenzerwald und aus Bregenz: Albrecht, Bader, Baldauf, Bechter, Benger, Eugster, Lingenhel die Tiroler, Steirer, Kärntner: Aichholzer, Glantschnig, Hiesmayr, Kussian . . . , die Jugoslawen: Barisic, Blesic, Cubanovic, Manitasevic . . . , die Türken: Atay, Basar, Cengiz, Özdemir, Yilmaz . . . Das «Blaue Buch» von 1978 zählt in Wolfurt bereits mehr als 1100 verschiedene Familiennamen auf. Viel wichtiger als die Namen sind aber die Menschen, die diese Namen führen. Sie alle tragen ein Stück zur Fortentwicklung unserer Gemeinde bei. Aus dem Hofsteigischen Landsbrauch Die für Wolfurt gültigen Gesetze wurden 1544 aufgeschrieben und später durch neue Satzungen ergänzt. Die einundzwanzigste Satzung von 1570 verbot den Hofsteigern auf Antrag der Bregenzer Obrigkeit die gastliche Aufnahme von Fremden: «Nach dem bisher wider und über alles der oberkeit verschaffen, vil underthonen ditz gerichtz Hofstaigs, allerlay frembdes hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und dergleichen unnütz gesind, one vorwissen und willen berüerter oberkait der herrschaft Bregentz auf- und angenommen, auch denselben herberg und underschlouf gegeben, von denen zuvil zeiten, sonderlich disem gericht Hofsteig, wie meniglichem bewüsst ist, vil args und Übels, fürnemblich aber durch eingefüerte laidige krankhait der pestilentz und in ander mer weg, allerlay angst und not zuegestanden und begegnet ist. Zu abstellung und fürkumung desselben soll hinfüro kain underthon noch einsäss in disem gericht Hofstaig gesessen, gar kain dergleichen frembd hergeloffenes volk, landstraiffer, betler und sollich unnützes gesind, ohne wissen und bewilligung ir der oberkait, nit auf noch annemmen. Und ob schon ein herrschaft eingesessen weibs bild sich mit ainem sollichen frembden herkommen mann verheüraten solte oder würde, soll doch derselbig, one zuvor erfolgt der oberkait wissen und willen auch nit eingelassen oder angenomen werden, kains wegs. Alles bey straf zehen pfund pfening, und welcher dieselben an gelt zuebezahlen nit vermöchte, der solls in venknus abbüessen one gnad. Zu den 33 alten waren also — meist durch Zuzug — im 19. Jahrhundert 53 neue Namen gekommen. Darüber hinaus hatten Industrialisierung und Eisenbahnbau ab 1870 jedes Jahr etwa 100 neue Gastarbeiter ins Dorf gebracht, die nur im Fremdenbuch, nicht aber bei den Hausbesitzern aufscheinen. Neben deutschen und Schweizer Namen finden sich sehr viele italienische (Sarteno, Vesco, Castelrotto, Fait, Sperandio, Purin, Debortoli, Dalraj, Zortea, Berlanda, Tomaselli, Girardelli, Nicolussi, Paoli, Moretti, Devigili, Zoldo, Giacomo, Martini, Micheli, Casanova, Bigotti...). Die meisten blieben nur wenige Jahre und zogen dann wieder in ihre Heimat oder in die Industriegemeinden. 30 31 Siegfried Heim DER LETZTE KRIEG! (Mit diesem Beitrag soll eine Diskusssion ausgelöst werden. Ergänzungen und Richtigstellungen und besonders persönliche Beiträge von Zeitzeugen erbittet der Verfasser.) Quellen: Schelling: Festung Vorarlberg Gespräche mit Zeugen. Vor 50 Jahren begann am 1. September 1939 der große Zweite Weltkrieg. Noch leben viele Soldaten, aber nur selten erzählen sie von ihren erschütternden Erlebnissen draußen an den Fronten. Aus dem Blickwinkel eines damals 10- bis 14jährigen Buben möchte ich an die Ereignisse daheim in Wolfurt erinnern. 1938 war Hitler einmarschiert. Wir sahen Flugzeuge, braune Uniformen, große Hakenkreuzfahnen, einen Fackelumzug. Als 10jährige Schüler wurden wir ins «Jungvolk» der Hitlerjugend aufgenommen. Wir freuten uns an Sport und Zeltlagern und spürten nicht, daß wir mit Marschieren, Geländespiel und Luftgewehrschießen schon militärisch gedrillt wurden. Das Dorfleben veränderte sich. Die Männer wurden einberufen. Wir hörten Fanfaren zu Siegesmeldungen im Radio, lasen die Schlagzeilen in der Zeitung und wurden als «deutsche Jungs» in der Schule zum Appell gerufen. Bald rückten auch Familienväter und die Schüler der oberen Gymnasialklassen ein. Feldpostkarten kamen aus Frankreich und Norwegen, aus Libyen, Murmansk, vom Kuban und aus Kreta. Jetzt sahen wir schon manchmal ein verhärmtes Frauengesicht, ein paar Tränen. Die Kirchen waren übervoll. Schülerinnen strickten Schals für die erfrierenden Armeen in Rußland. Schulklassen sammelten Heilkräuter, Sanddornbeeren und Altpapier. Weil die Männer fehlten, wurden Kriegsgefangene in der Landwirtschaft eingesetzt, zuerst Bauernsöhne aus Frankreich, dann Serben. Polnische Mädchen wurden dienstverpflichtet. Unsere Danuta war noch nicht 18 und erzählte stolz, daß ihre Brüder in der britischen Armee gegen Deutschland kämpften. An der Eisenbahn in Kennelbach arbeiteten russische Gefangene. Im kältesten Winter mußten sie ohne Handschuhe Eisenschienen schleppen. Der Wachsoldat schaute weg, wenn wir bei den bärtigen, ausgemergelten Männern für unser Jausebrot Holzspielzeug eintauschten. In den Lebensmittelgeschäften fehlten alle Süßigkeiten. Aber Schokolade und Südfrüchte hätten wir Bauernkinder ohnehin fast nie bekommen. Wir hatten zwei Kühe im Stall, dazu ein paar Schweine und Schafe. Wir pflanzten Kartoffeln und Mais an, auch Weizen und Gemüse. Jeden Nachmittag und die ganzen 32 Ferien hindurch arbeiteten wir Schulkinder in Feld, Acker, Wald und Stall. Dafür kannten wir keinen Hunger. In der Stadt war das anders. Blasse Mütter und schmale Kinder kamen zum «Hamstern» ins Dorf. Für Wäsche und Geschirr versuchten sie, ein paar Liter Milch oder eine Tasche voll Kartoffeln einzutauschen. Bargeld hatte fast keinen Wert mehr. Der Bürgermeister ließ den Schulplatz und große Ried- und Achfelder zu Äckern umbrechen und verpachtete kleine Stücke an die hungernden Familien. 1944 zerbrachen die deutschen Fronten. Jetzt kamen zahlreiche Flüchtlinge ins Dorf. Zuerst waren es ausgebombte Frauen und Kinder aus Berlin und dem Ruhrgebiet, dann kamen Volksdeutsche aus Rußland und Siebenbürgen. Sie hungerten und froren in den Massenquartieren im Schwanensaal und im Sternen. Immer häufiger kamen Todesnachrichten aus dem Feld. Mütter weinten an Birkenkreuzen auf dem Friedhof. Verwundete mit riesigen Verbänden marschierten mit zur Heldenehrung am Kriegerdenkmal. Frauen trugen jetzt dreifache Lasten bei schweren Arbeiten, in Verwaltung und Erziehung. Einzelne rückten sogar zum Roten Kreuz oder zum Nachrichtendienst ein. Unser ältester Bruder war noch nicht 16 Jahre alt, als er mit seinen Mitschülern zur Bewachung italienischer Arbeiter beim Stellungsbau in Verona eingezogen wurde. Erstmals sahen wir die Mutter weinen, als auch der Vater von den neun Kindern weg einrückte. Sogar wir Schüler spürten jetzt, daß der Krieg verloren war. Aber niemand sprach darüber, es war zu gefährlich. Trotz strengen Verbotes begannen wir am Radioapparat zu drehen. Wir fanden Sender Luxemburg und konnten jetzt die alliierten Propagandasendungen mit den deutschen vergleichen. Täglich zählten wir die amerikanischen Großbomber, die von Italien aus am hellen Tag Einsätze nach Süddeutschland flogen. Oft waren es 400 Stück. Ein Regen von Stanniol fiel vom Himmel, mit dem sie das deutsche Radar störten, manchmal auch ein leerer Zusatz-Benzintank. Nur selten schoß irgendwo deutsche Flak. Einmal verfolgte eine deutsche Me 109 einen versprengten Bomber über Bregenz. Wir sahen die Fallschirme sich öffnen und waren mit unseren Fahrrädern schnell bei der Absturzstelle im Fußacher Ried, wo noch Munition in den Flammen explodierte und ein toter Soldat neben einem Streueschochen lag, während seine Kameraden vom Grenzschutz gefangen abgeführt wurden. Mehrmals wurden nachts die stark geschützten Rüstungsbetriebe in Friedrichshafen bombardiert. In unserer Dummheit bewunderten wir vom Dachboden aus das Farbenspiel, als Scout-Flugzeuge zwischen den Scheinwerferfingern große «Christbäume» setzten, als Leuchtgranaten ein Feuerwerk an den Himmel zauberten und sich der Horizont über dem See unter dem anhaltenden Wummen der Bombenteppiche blutigrot färbte. Für die nun folgenden Seiten entnehme ich Zeitangaben aus Georg Schellings «Festung Vorarlberg». 33 Ende April kam die Front an den Bodensee. Der Volkssturm faßte beim Vereinshaus scharfe Munition und Panzerfäuste. Jetzt weinte auch Papa, als er noch einmal unseren kleinsten Bruder aus Mamas Armen nahm, ehe er mit den alten Wolfurter Männern zur Bewachung des Harder Seeufers abmarschierte. Im Land hatten französische Tiefflieger ein Terrorregiment angetreten. An einem sonnigen Morgen (nach Schelling am 25.4.45 um 8.10 Uhr) bewunderten wir die saubere Formation, mit der 24 Maschinen in mittlerer Höhe Lauterach überflogen, über dem Ried der Reihe nach abkippten und mit Bomben und Bordwaffen einen Angriff auf einen Zug in Lauterach exerzierten, der viele Menschenleben kostete. In den folgenden Tagen machten die wendigen Flugzeuge Jagd auf alles, was sich bewegte, auf Pferdefuhrwerke und auf einzelne Feldarbeiter. In die Kirche schlugen Schüsse ein, Stülzes Haus mußte gelöscht werden und schließlich wurde die 15jährige Luise Bilgeri unter der Haustür des Kaplanhauses tödlich getroffen. Wir bereiteten uns auf den Einmarsch fremder Soldaten vor. Weil man uns fürchterliche Greuelgeschichten von betrunkenen Kriegern erzählt hatte, vergruben wir die Schnapsballons unter dem Heustock. Auf requirierten Pferdewagen trafen deutsche Verwundete ein und nahmen in der Bütze Quartier. Sie hatten genug vom Krieg, stellten sich selbst Entlassungspapiere aus und baten um Zivilkleidung. Auszeichnungen und Uniformen versteckten sie, die Waffen warfen sie weg. An allen Wegen fanden wir Karabiner und Munition, aber auch Handgranaten und Panzerfauste. Unser Schutzengel hatte damals wohl große Sorgen mit uns! Spät abends am Samstag, den 28. April 1945, hatte Hauptmann Petzold in Hard den Hofsteiger Volkssturm aufgelöst: «Mit solchen Soldaten kann man keinen Krieg gewinnen!» Auf Feldwegen schlichen die Männer heim nach Wolfurt, Bildstein und Buch, immer in Angst vor der SS, die Deserteure sofort erschoß. Zwei Tage lang hielten sich die Männer daheim versteckt. Flüchtende Truppen eilten auf der Straße vorbei. Am meisten staunten wir über die «Wlassow»-Soldaten mit den farbigen Gesichtern. Manche trugen große Turbane und aufgenähte schwarze Tiger. Am Montag, 30. April, marschierten die Franzosen im Leiblachtal ein. Granateinschläge dröhnten, die Bordkanonen der Tiefflieger rasselten. Unsere Nachbarn beluden ein Pferdefuhrwerk mit Habseligkeiten und flohen nach Bildstein. Auf der Unterlindenstraße ging eine große Flak in Stellung. Voll Angst packten wir schnell zwei Koffer und unsere vier kleinsten Geschwister auf einen Handwagen. Auch eine Nachbarin vertraute uns ihre zwei Jüngsten an. Sie selbst wollte beim Haus bleiben. Mein 15j ähriger Bruder und Michel, der alte Knecht, wollten ebenfalls daheim zu Haus und Vieh schauen. Wir anderen flohen durch den Ippachwald nach Buch. Mit zwei weiteren Familien fanden wir dort freundliche Aufnahme bei Bekannten. Mich schickte man mit dem Fahrrad wieder heim. Am anderen Morgen begann der Angriff auf Bregenz. Riesige 34 Rauchsäulen quollen aus der brennenden Stadt, eine besonders schwarze stieg aus den Lagern der Autowerkstätte Anwander auf. Gefährliche Jagdbomber hämmerten immer wieder auf die Flüchtlinge herab, die gruppenweise über die Achbrücken hasteten. Ich fuhr wieder als Kurier nach Buch und hörte noch, wie am späten Vormittag die Achbrücken und die Kennelbacher Kanalbrücke gesprengt wurden. Mittags wurde Bregenz besetzt, gegen Abend erschienen die Franzosen in Kennelbach. Am 2. Mai schneite es in Buch. Ein Bote berichtete mittags, jetzt sei auch Wolfurt besetzt. Schnell hoben wir wieder Koffer und Kinder auf den Wagen und verabschiedeten uns von den herzensguten Gastgebern. Eine weiße Windel sollte als Fahne unser Gefährt schützen. Im Ippachwald standen schwer bewaffnete deutsche Soldaten. Scheu und grußlos eilten wir vorbei. Menschenleer das Oberfeld! Aber auf dem Kirchplatz war Betrieb. Französische Soldaten hatten ein deutsches Kettenkrad erbeutet und jagten darauf lauthals jubelnd wie Buben in waghalsigen Kurven umher. Von uns nahm niemand Notiz. Daheim war alles in Ordnung. Weinend vor Freude schloß unsere Nachbarin ihre Kinder in die Arme. Dann gab es viel zu erzählen: Ganz früh am Morgen des 2. Mai hatte ein französischer Stoßtrupp die Ach überschritten und die Häuser durchsucht. Ein junger deutscher Soldat hatte sich bei Scheffknechts auf einem Baum versteckt. Eine MP-Garbe holte ihn herab. In Diems Stube starb er wenige Stunden später (Aussage Familie Diem). Französische Pioniere errichteten schnell einen Notsteg über die eingeknickte Kennelbacher Brücke. Weil die Brücken in Lauterach und Hard viel schwerer zerstört waren, marschierte nun eine ganze Armee durch Wolfurt. Im Röhle stellten noch einmal deutsche Soldaten ein Maschinengewehr auf. Ein paar MP-Garben warfen auch sie nieder. Noch ein Toter! Alle Häuser wurden durchgekämmt, entwaffnete deutsche Soldaten zusammengetrieben, ihre Gewehre beim Gasthof Lamm zerbrochen. An allen Häusern wehten weiße Fahnen. Von Dornbirn her schlugen deutsche Granaten im Röhle und im Oberfeld ein, rissen aber nur Erdtrichter auf. Während sich schon Kraftfahrzeuge und Panzer ins Dorf wälzten, erreichte die französische Vorhut Rickenbach. Als Gebhard Böhler am Haus eine weiße Fahne befestigte, zerschmetterte ihm eine deutsche Pak-Granate von der nahen Bachbrücke her den Rücken. In einem französischen Lazarett ist er gestorben (Aussage Familie Böhler). Die Panzerkolosse bogen vom Kirchplatz Richtung Lauterach ab. In den Kurven wühlten sie die Straße so tief auf, daß Personenautos kaum mehr folgen konnten. Fingerdick lag Staub auf den Fenstersimsen. Gemeindediener Gmeiner schellte Befehle der Franzosen aus. Später wurden auch Plakate angeschlagen. In Französisch und Deutsch verlautbarten sie etwa folgendes: 1. Dieses Gebiet untersteht der französichen Armee. 2. Wer deutsches Militär verbirgt oder unterstützt, wird erschossen. 35 3. Waffen, Landkarten und Fotoapparate müssen sofort abgeliefert werden. 4. Plünderer werden erschossen. 5. Während der Dunkelheit besteht strenges Ausgangsverbot. Die gesammelten Fotoapparate und Karten wurden beim Schulhaus zerstampft. Dutzende Panzerfäuste warf man in die Schützenlöcher bei der Achbrücke. Vielleicht sind sie später zugeschaufelt worden! Am anderen Tag wurde Bilgeris Luise zusammen mit den beiden gefallenen deutschen Soldaten in ein gemeinsames Grab gelegt. In den meisten Häusern quartierten sich französische Truppen ein. Frauen und Mädchen versteckten sich. Aber die Soldaten verhielten sich korrekt. Wir mußten ein Schaf abliefern. Auf der Steig errichteten farbige Hilfstruppen ihre Feuerstellen und ließen die geschächteten Schafe am Spieß schmoren. Die Soldaten trugen grob gewobene Kaftans mit gewaltigen Kapuzen und sahen aus wie Kurden. Als sie Marketenderware empfingen, sah ich den ersten Kaugummi. Und dann zogen die Marokkaner mit Hunderten Mulis ein! An Bütze- und Unterlindenstraße beschlagnahmten sie alle Bauernstädel — drei Monate lang. Die weißen Offiziere bezogen Zimmer, die braunen Soldaten lagerten im Heu. Die Kommandantur war in Kartonagen-Gmeiners Büro, die Küche in Zwickles Schopf. Mit den Franzosen hatte die Bevölkerung kaum Kontakt. Mädchen, die sich — manchmal als Flüchtlinge vom Hunger getrieben — mit ihnen einließen, wurden als Huren beschimpft. Mit den Marokkanern schlössen wir schnell Freundschaft. Sie waren wie Kinder und verschenkten Kekse und Schokolade an unsere kleinen Geschwister. Mühsam erlernten sie auf unseren ältesten Fahrrädern das Fahren. Auf den Hausplätzen zerklopften sie farbige Steine und legten riesige Mosaiks mit dem Fünfstern der Armee aus. Weil die meisten Mohammed oder Omar hießen, wurden sie von den Offizieren nur mit der Nummer gerufen. «Dus», «Disuit» und «Dris» ließen sich von unserer Mutter für ein paar Konservendosen scharfe Bügelfalten in ihre Hosen nähen, uns Buben belieferten sie für bunte Stecknadeln mit Tabak. Ihre Muliherden trieben sie einfach in die saftigen Wiesen und in die jungen Weizenfelder auf die Weide. Am Sonntag führten sie ein Muli-Wettreiten durch. Abends brauten sie Kaffee in großen Kesseln. Dann aber sotten sie wieder Rinderdärme und Igel. Uns graute! Böse wurden die gutmütigen Männer nur, wenn wir ihnen im Spiel ihre Turbane abstreiften und das kleine Zöpfchen mitten auf dem glattrasierten Schädel belachten, oder wenn wir sie an den Schweinestall lockten. Das waren wohl religiöse Verstöße, deren Schwere wir nicht ahnten. Aufschloß Wolfurt residierte nun Colonel Jung mit dem Militärkommando für Vorarlberg. Gelegentlich landete ein Fieseler-Storch im Feld und brachte einen Ordonnanz-Offizier. Sonntags standen ein Dutzend Offiziere unbeweglich die ganze 36 Messe durch in der Kirche. Am 14. Juli feierten die Franzosen ihren Nationalfeiertag in Bregenz mit einer Militärparade — ein geschmückter Ziegenbock voran. Auch auf Schloß Wolfurt gab es ein großes Fest samt Feuerwerk. Im August wurden die Marokkaner mir ihren Mulis ins Montafon verlegt. Plünderungen und Vergewaltigungen, wie sie von anderen Kriegsschauplätzen berichtet wurden, hatte es bei uns nicht gegeben. Eine einzige Ausnahme: Zwei Wolfurter Burschen fanden an der Bucherstraße zwei Bucher Mädchen mit durchschnittenen Kehlen auf. Beide waren offenbar sexuell mißbraucht worden. Französische Offiziere und ein Militärarzt stellten Nachforschungen an (Zeuge P. Schwerzler). Mehrfach wurden marokkanische Soldaten ausgepeitscht. Die Spannungen zwischen ihnen und ihren Kolonialherren waren deutlich spürbar, sie führten ja auch zehn Jahre später zum grauenhaften algerischen Aufstand. Die Bauernarbeit im Ried hatte schon in der ersten Maiwoche wieder begonnen, als noch große Kolonnen von deutschen Gefangenen an der Landstraße rasteten. Die Mutter suchte mit uns nach unserem Bruder, der ja auch noch Soldat geworden war. Ein paar Tage später kam er zu Fuß daheim an — mit etwas mehr als 16 Jahren schon ein entlassener Soldat. Fast täglich kehrten jetzt Männer heim, viele verwundet und halb verhungert, andere krank an Leib und Seele. Aus Rußland kamen manche erst nach Jahren zurück. Noch viele Birkenkreuze mußten gesteckt werden. 99 Namen am Kriegerdenkmal mahnen: der letzte Krieg! KRIEGERWAISEN Im Ersten Weltkrieg mußten am 1. August 1914 99 Wolfurter Männer und Väter nach Galizien und Serbien einrücken, denen bis zum Frühjahr weitere 220 folgten. «Mancher, mancher wird nicht mehr kommen!» schrieb der Chronist Engelbert Köb, der selbst ein Jahr später als Standschütze starb. Zu den ersten Opfern im Herbst 1914 gehörten vier Familienväter: Köb Albert, Lehrers, Maler im Strohdorf. Er hinterließ seine Frau Mina mit 4 Kindern zwischen 11 und 6 Jahren: Paul, Martha, Albertina und Anna. Gmeiner Albert, Lislo, Sticker in Rickenbach. Er hinterließ seine Frau Anna mit 8 Kindern zwischen 14 und 1 Jahr: Rosa, Albert, Franz, Otmar, Augusta, Maria, Raimunda und Ida. Rohner Josef, Schwarzvinälars, Sticker im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha, die in Erwartung war, mit 6 Kindern zwischen 9 und 2 Jahren: Franz, Hirlanda, Laura, Viktor, Eugen und Frieda. Als siebtes wurde 1915 Fina geboren. Böhler Alfred, Bergers, «Rasierers» im Kirchdorf. Er hinterließ seine Frau Agatha mit 5 Kindern zwischen 11 und5 Jahren: Agatha, Karl, Reinhilde, Alfred und Emilie. Ohne Väter wuchsen sie auf. 25 Jahre später mußten sie selbst oder ihre Ehegatten in den Zweiten Weltkrieg einrücken. 37 Siegfried Heim So heo s i ghört! (3) In der langen Geschichte der Hofsteiggemeinschaft hat jedes der sechs Dörfer aufsein Eigenleben gepocht. Bei aller Notwendigkeit zur Zusammenarbeit führte das immer wieder zu kleinen Sticheleien, aus denen auch manche Rauferei zwischen Buben und Burschen der Nachbardörfer erwuchs. Heute bekennen sich die Bewohner stolz zu den Übernamen, die ihnen einst freche Lausbuben als Schimpfwörter nachriefen: Wolfurtar — Hafoloabar Der Hafenlaib aus grobem Vesenmehl war — ohne Fleisch! — ein Essen für arme Leute. Luttorachar — Türbbolar Turrbo nannte man die Torf-Schollen, die mit Gestank in den Öfen und Rauchkesseln qualmten. Hardar — Mu-Fohar Die Harder wollten den Mond in einer Wasserstande fangen. Mit einem feinen Lächeln hat uns Wolfurtern der Lauteracher Chronist Elmar Fröweis ein Gedicht gewidmet: Glück ghet Z'Wolfurt hei's amolo brennt, so tuot ma se verzeih. Scho seiond etle Kerle grennt und heiond Glogga lütto wello. Wio se dra sind, seit der oa: «I tur-om nit reacht trouo, ma sioht koa Lüt, ma hört koa Gschroa, mir weorond ou koan Blödsinn bouol» «Wolback, lütto ohne Brand, des künnt no lustig wem! Ma lacht üs us im ganzo Land, und wirkle siohst koan Rouch, luog herol» Koanar sioht-om drübr us, so schiofist des ioz gloffo, und Glogga glongond langsam us, am liobsto wärond se vrschloffo. A jedar reachnot, was ioz kumm, mit Stillom und mit Lutom. Do sioht oan Rouch und dreit se um und rüoft in Turm: «Gottlob, as kut-om!» Schwarzachar — Schlifar An der Schwarzach kreischten Tag und nacht die großen Schleifen, in denen Wetzsteine geformt wurden. Bildstar — Beosorisar Bildsteiner Bauern verdienten ein paar Kreuzer am Verkauf von Birkenbesen. Buochar — Pfundlöoblar Man belächelte die Bucher, weil sie sich in der Wirtschaft nur «a Löoble», ein kleines Stück Brot leisten konnten. Die Hofsteiger hatten natürlich auch Übernamen für ihre anderen Nachbarn: Kengolbachar — Käsknöpflar Breogozar — Seebrünzlar Dorrobirar — Süoßlar Elmar Fröweis, Jahrgang 1933, Volksschuldirektor in Lauterach, ist der Verfasser des Lauteracher Heimatbuches 1985. Einige seiner Mundartgedichte aus Dorf und Ried liegen in dem Bändchen «Zilata und Furcha», Vorarlberger Verlagsanstalt, Dornbirn, 1982, vor. 38
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...3_Jä Wolfurt 01.01.1992 19.11.2012, 18:32 Heft 11 Zeitschrift des Heimatkundekreises Jänner 93 Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973, Begründer der modernen Unfallchirurgie. Ehrenbürger von Wolfurt. Inhalt: 42. Inhaltsverzeichnis 43. Unser tägliches Brot (2) 44. Dr. Lorenz Böhler 45. Kalb's Creek 46. Der Schnitztrog 47. Altvorstehers Haus 48. Ein altes Dokument Inhaltsverzeichnis und Rückblick Einleitend zum Vortrag «Nachbarn in der Bütze» hat sich Alexander Natter, der Leiter des Kath. Bildungswerkes, der die Vortragsreihe Heimatgeschichte mustergültig organisiert, beim Heimatkundekreis für die gute Zusammenarbeit bedankt und einen kurzen Rückblick gegeben. Das folgende Inhaltsverzeichnis der ersten zehn Hefte soll ein Nachschlagen oder allfälliges Nachbestellen erleichtern. Bildnachweis: Das Titelbild und S. 18 sind aus Lehne, Lorenz Böhler. Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. DIE Heft 1 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig 2. Bauern und Fabrikler 3. Franzosenkrieg 1800 Heft 2 4. Entwicklung der Wirtschaft (1) 5. Hofsteiger Bauern 6. Auf dem Weg zum März 1938 20. Sozialstrukturen (2) 21. Wasser und Wald 22. Tagebuch Schneider 23. Spatzecklo Heft 7 24. Das Vereinshaus 25. Mit Napoleon nach Rußland 26. Lehrer Köbs Familie 27. Streifzüge der Gedanken Heft 8 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt Heft 9 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Auswanderer (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz Heft 10 40. Unser tägliches Brot (1) 41. Kriegstagebuch Fischer 39-46 1 AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Bitte! Diesem 11. Heft liegt wieder einmal ein Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druckund Versandkosten abzudecken! Heft 3 7. Der Rickenbach 8. Wolfurter Geschlechter 9. Der letzte Krieg 1939-45 Heft 4 10. Wolfurter Mundart 11. Kriegsende 12. Die Pfarrkirche Heft 5 13. Schlösser in Wolfurt 14. Pfarrer Barraga 15. Auswanderer (1) 16. Autos 17. Chronik Köb Heft 6 18. Das Kirchdorf 19. Häuserverzeichnis 1926 Bestellungen Die Hefte «Heimat Wolfurt» werden nicht an alle Wolfurter, sondern nur an jene zugeschickt, die sie bestellt haben. Die Hefte 1 bis 4 sind vergriffen. Alle anderen können über Wunsch noch zugeschickt werden. Wir verweisen auf das nachfolgend abgedruckte Inhaltsverzeichnis und erbitten Bestellungen, am besten schriftlich mit Anschrift, an Siegfried Heim. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 10 Mohr-Familien (Heft 8, Seite 12). Der Beitrag hat ein überraschend großes Echo gefunden. Am 17. Oktober 1992 fanden sich rund 400 Familienangehörige zu einem großen Sippentreffen aller Mohren im überfüllten Vereinshaus ein. Theresia Wachter-Mohr eröffnete mit einem Prolog. Dann berichtete Siegfried Heim von seinen Forschungen über die Wolfurter Nachkommen des Mohr Urban, der vor 1700 in Dornbirn lebte. Sinz Michael hatte ungefähr 500 Namen in einem Computer-Ausdruck geordnet. In der 10. Generation findet man dort z. B. Dr. Markus Mohr, 1963, den Kaplan von Hohenems. In der 11. Generation stehen vorerst 177 (!) Namen, darunter etwa Mathias Mohr, 1980, Schüler-Meister im Turnen. Hubert Mohr zeigte Dias von den Familien, den alten Häusern und den MohrWappen. Roland Mohr hatte einen riesigen Stammbaum gemalt. Bürgermeister Erwin Mohr stellte mit «Baholzars Marte», 1908, einen bisher unbekannten MohrNachkommen vor, der sich aber mit einem 100 Jahre alten Ölgemälde seines Großvaters ausweisen konnte. Zahlreiche andere Familienangehörige trugen mit Musik und Gesang, mit einer Bilderausstellung und mit riesigen Kuchenbergen und süßen Mohrenköpfen zum Gelingen eines unvergeßlichen Festes bei. Konstanzer Münster (Heft 10, S. 3). Unser Dorf-Fotograf Hubert Mohr hat das Ritterwappen mit dem seitenverkehrten Wolf gesucht und gefunden und uns ein Bild gebracht. Ulmer hat 1925 in «Burgen und Edelsitze» geschrieben (S. 394): «An Sigmund erinnert noch eine schöne Glasscheibe mit Namen und Familienwappen im Münster zu Konstanz.» Heute befindet sich eine auf eine Holztafel gemalte Nachbildung im Kreuzgang links von der Kirche. Das Original dürfte demnach in einem Museum geschützt untergebracht worden sein. Danke, Hubert! Kriegstagebuch Fischer. Zahlreiche Rückmeldungen haben sich sehr positiv zu diesem wertvollen Zeitdokument geäußert. Eine ganze Reihe von Nachbestellungen resultierten daraus. Das Kriegstagebuch sollte besonders den jungen Lesern empfohlen werden. Marianne Barcatta (Heft 10, S. 3). Mehrere Rickenbacher bedankten sich für die Grüße aus Buenos Aires. Waibels Agnes (Frau Schneider im Hotel Monzabon am Lech) bat um die Adresse und hat nun bereits mit großer Freude von einem ausführlichen Antwortbrief ihrer verschollen geglaubten Jugendfreundin berichtet. Ein Bild aus der Mohr-Ausstellung: Martin Mohr, geboren 28. Dezember 1809 an der Hub in Wolfurt, gestorben 20. November 1900 in Bregenz als ältester Bregenzer Feuerwehrmann. Ein Vorfahre von Baholzers Marte. 2 3 Siegfried Heim Unser tägliches Brot (2) Der erste Teil dieses Beitrags ist bereits in Heft 10 erschienen. Die beiden Bilder auf S. 4 sind als Ergänzung dazu gedacht. Zu Tisch Schwere Arbeit verlangte nach kräftiger Kost. «Wer nüt2 ist zum Eosso, ist ou nüt zum Schaffet!» Der Bauerntag hatte daher fünf Mahlzeiten eingeplant: «Z Morgo», «z Nüne3», «z Mitag», «z Obod» und «z Nacht». Weizen auf dem Kapellen-Grundstück unter der Bahn 1936. Da freuen sich Regina, Rösle und Erna Stöckler. Erstkommunion-Frühstück. Hier im Schwanensaal saßen die Wolfurter Kinder in ihrem Leben zum ersten Mal an einem weiß gedeckten Tisch. Wie köstlich schmeckte damals die allererste Schaumrolle! Im Hintergrund sieht man Pfarrer Griesmayer, Kaplan Nesensohn, Sr. Gisela und die Musik mit Kapellmeister Rohner. Die letzte Weizengarbe ist geschnitten. 1940. Schnidarles Agath und Rudolf mit Tochter Rosa. Auch Bücheies Gebhard hilft mit der scharfen Sichel. nüt = nichts nüne = neun (Uhr) 4 5 «Z Morgo» gab es ursprünglich überall ein Mus, angerührt aus Milch und Mehl, ein wenig Butter darüber - kein Salz, kein Zucker, kein Zimt - einfach ein Mus. Heiß aus der Pfanne gegessen! Einzige Würze war «d Rummat», die leicht angebrannte Bodenkruste, die so herrlich schmeckte. Jeden Tag ein Mus, ein Mehlmus vom Vesenmehl, ein Habermus oder später auch ein Türkenmus. «Do ist ma do ganz Tag gfuttorot», hieß es, oder «Muos git an starko Fuoß». Wenn die Männer seit der Dämmerung «um Viore» mähten, trug die Bäuerin die Muspfanne sogar ins Feld. Der Müller Lorenz Gunz erzählte, daß etwa ab 1870 der Türggo-Stopfar allmählich das Mus verdrängt habe. Nun gab es alle Tage Stopfar in der Früh, dazu «a Beckile1 Milch» oder einen leichten «Mode2»-Kaffee. Gemeinsam löffelte man aus einer Schüssel. Ganz Schlaue füllten unauffällig nebenbei ihre Tasse - aber es wurden alle satt. In manchen Haushalten würzte man den Stopfar noch mit eingemischten Kartoffeln zu «Bodobioro-Stopfar». In guten Zeiten bekamen die Kinder ein wenig Zucker darübergestreut. Brot gab es erst zum «z Nüne». Das war eine willkommene Unterbrechung im langen Arbeitsvormittag. Kinder bekamen «a Igsottos3 -Brot», ganz selten Butter als Aufstrich, eher schon «Schwine4-Schmalz» mit einer Prise Salz. Das «Igsottos» kochte die Hausfrau von den «Zante Hannes 5 »-Beeren oder als «Schelee» im Sommer aus grünen Falläpfeln. Heidelbeermarmelade und Honig waren seltene Köstlichkeiten. Die Erwachsenen erhielten je nach Arbeit und Jahreszeit Brot und Käs, Brot und Speock oder auch einmal «an Schwartomago6-Salot». Sie durften das Brot selber vom «Loab»oder vom «Weggo» schneiden, eine dünne Scheibe oder «an ganzo Ronggo7». Kinder bekamen ihre Portionen von der Mutter zugeteilt. Dazu tranken sie mit der Kelle klares Wasser aus dem Kübel. Die Männer bekamen Most8, bei strenger Arbeit allerdings keinen starken «Saft», sondern «an Höüar-Most», halb Saft, halb «Glöre». Beckile = kleines Becken, Tasse Mode = Feigenkaffee 3 Igsottos = Eingesottenes, Marmelade Schwine = vom Schwein 5 Zante Hannes = Sankt Johannes 6 Schwartomago = Sulz-Preßwurst 7 Ronggo = ein großes Stück 8 Most = vergärter Apfel- und Birnensaft. Ohne Wasserzusatz heißt er Saft. Wenn die ausgepreßte Obstmaische über Nacht in Wasser gelegt und dann neuerlich ausgepreßt wird, heißt die Flüssigkeit «Glöre». Sie wird dem Saft beigemischt und verringert den Alkoholgehalt beträchtlich. 2 1 Die gleiche Jause gab es auch am Nachmittag um vier Uhr, «s Z-Obod-Eosso». Da ließ man sich, wenn nicht gerade schwarze Wolken drohten, auch schon etwas mehr Zeit. Jetzt lockerte auch manchmal «an Sürffol1 Wiß-Biorar2» aus der sonst streng gehüteten Flasche den Mund der Großen und die Kinder hörten viel Interessantes «und händ mit Mul und Naso glosot3». Die Hauptmahlzeit war aber das Mittagessen. Da sammelte sich die ganze Familie mit Nana 4 und Näne 5 - an vielen Orten war auch noch eine alt-ledige Bäsa6Gotta7- dabei-, um den großen Tisch in der Küche. Für jedes waren ein Teller aus Steingut und ein Löffel vorbereitet. Ein Tischtuch gab es nicht. Kuhfuhrwerk um 1940. Ludwig Kalb sen., im Tobel, führt Maisstroh heim. Unter dem Kreuz sprach man ein langes - fast unverständliches - Bittgebet «um Speis und Trank». Dann trug die Mutter die Suppe auf: eine gute «Flädle»-, «Knedol»- oder «Buostabo s »-Suppe, eine kräftige «Kichoro9»- oder «Spätzle»Suppe, häufig aber auch «a Brenn»-, «a Rubele10»-, «a I-Louf n »-Suppe mit einem eingerührten Ei oder gar «a Kuttlo12»-Suppe mit Lorbeerblatt und Essig. Da hätten sich die Kinder lieber verdrückt. Aber «Was uffo Tisch kut, wird geosso!», hieß es und «Noch om Hoakle-Si kut nüt me». Manch heikles Kind mußte sogar hören: Sürffol = ein Schluck Wiß-Biorar = Schnaps aus Weißbirnen mit besonderem Aroma. Die Weiß- oder Hausbirne war daher weit verbreitet. Heute ist sie fast ausgestorben. 3 11 glosot = zugehört Nana = Großmutter 5 Näne = Großvater 2 1 Bäsa = Tante oder Cousine Gotta = Patin 8 Buostabo = zu Buchstaben geformte Eierteigwaren 9 Kichora = Bohnen 10 Ribele = Teigknöllchen I-Louf = Einlauf 12 Kuttla = Gedärme 7 6 6 7 «Dior sott ma d Zungo schabo!» oder «Du tuost gad, as ob-d Schuoh-Negol eosso müßtost!» Hauptspeise waren Gsottene Bodobiora, Hörnle oder Nudla, später ganz selten auch Reis. Darüber wurde eine Soße mit ein wenig verhacktem Fleisch verteilt. Aber häufig gab es auch «a Kratzat 1 », Käs- oder Krutknöpfle, «Omlett mit Igsottos» und immer wieder «Bodobiora» und «Türggo» nach den verschiedensten Rezepten. Als Freitags-Fastenspeisen waren neben Milchreis und Auflauf auch Öpfolküochle, Polstorzipfele, Trachtarküochle und «Waffla» begehrt, auch einmal «a Holdormuos 2 » oder gar ein Heidelbeermus. Gemüse gab es nur zu Fleischspeisen und nur, was im Mamas Garten gewachsen war: grünen Salat, «Kichora», Blumenkohl, Krut, Gelbe Rüben und «Schniotloub3» für die Suppe. Für den Winter wurden Sauerkraut und Rüben eingehobelt und Randig eingelagert. Vitaminmangel führte regelmäßig zu Frühjahrsmüdigkeit. Das ließ man aber nicht als Ausrede gelten: «Im Mirz 4 ist a jeds müod, basta!» Um so gieriger langte man nach dem ersten Grün, nach «Surampfla5», «Melkar6» und «Guggarklee7». Den langen Arbeitstag beschloß, wenn das Heufuder abgeladen und die Stallarbeit getan war, «s Z-Nacht-Eosso». Es war wieder sehr bescheiden und bestand fast überall nur aus «brotona Bodobiora» oder nocheinmal «Stopfar» mit Malzkaffee. Zur «Brot-Schublad», zum «Zuckor-Schamützol » und natürlich auch zur «Rouchkammor» hatte nur die Mutter Zutritt. «Schnöuggo9» war verboten und wurde bestraft. Daher war auch «do Glusto10» auf alles Süße besonders groß. Weil Zucker so teuer war, wurde nur mit Honig oder auch mit Dörrobst gesüßt. 8 Deshalb schmeckten auch «d Leozeolto 1 -Klosomä2», «do Moltscheero3» und der Neujahrszopf so gut. Darum konnten Kinder um ein paar «Wi-Beerle» im «Gugolupf» streiten und sich freuen, wenn ihnen die Nachbarin für einen Botengang «a Hampfol4 deerte 5 Kriose » zusteckte. Der große «Bummoranzo 6 » zu Weihnachten und der «gläsene Ostorhas»waren Raritäten, auf die man sich das ganze Jahr freute. Heute würden uns «a Ofokatz7», «Schnitzkichora8» oder gar «an Biostkuocho9» kaum mehr schmecken. Wir wissen nur mehr vom Hörensagen, daß unsere Großeltern noch davon schwärmten. Oder wer hat noch einen Blutkoch gegessen? «A Kratzat», aber mit Blut statt mit Milch angerührt. Rinderblut vom «z Odor10-lo», wenn die Kuh nicht aufnehmen wollte. Oder natürlich Schweineblut «vu dor Su-Metzgate11». Damit kommen wir noch zur wichtigsten Unterbrechung im Speisealltag, wenn im Winter «d Su gmetzgot woro ist.» Ein ganzes Jahr lang war die Sau mit allen Abfällen der Landwirtschaft in ihrem «Trügol12» gefüttert worden. Nun hatte sie 130 kg Gewicht und «a foasts13 Gnack». Heißes Wasser und Baumharz für den riesigen «Bröü-Zubor14» wurden vorbereitet. Dann tötete der Hausmetzger die «Hiss15» mit sicherem Axthieb und Stich. Die Bäuerin fing das wertvolle Blut auf und rührte es kalt. Ein Schar von Kindern verfolgte mit erregtem Staunen das Bräuen, Ausnehmen und Zerlegen. Schöpfte der Metzger dann endlich die dampfenden Blutwürste aus dem Kessel, so durften die Kinder ein paar davon und meist auch ein Stück 1 1 2 3 4 5 Kratzat = Schmarren, Eierteigspeise Holdor = Holunder Schniotloub = Schnittlauch Mirz = März Surampfla = Sauerampfer 6 Melkar = Wiesenbocksbart. Seine milchigen Stengel schmecken süß, geben aber braune Flecken. 7 Guggarklee = Sauerklee 8 Schamützol = Papiersack 9 schnöuggo = naschen 10 Glusto = Lust, Gier Leozeolto = Lebkuchen Klosoma = Nikolaus-Mann. Ein Lebkuchen mit Nikolausbild oder ein als Mann geformtes Milchbrot mit Rosinenaugen. 3 Moltscheero = Früchtebrot spezieller Art, das unter diesem Namen und in dieser Qualität nur im Hofsteig und in Hofrieden - Bregenz zwischen Weihnachten und Dreikönig gebacken wurde. 4 a Hampfol = eine Handvoll 5 deerte Kriose = gedörrte Kirschen 6 Bummoranzo = Pomeranze, Orange 7 Ofokatz = im Kachelofen gebackener Eierkuchem mit Früchten 8 Schnitzkichora = Bohnenmus, durch mitgekochte Dörrbirnen gesüßt. 9 Biostkuocho = die gelbe Milch der Kuh in den ersten Tagen nach dem Kälbern wurde durch Kochen eingedickt. 10 z Odor lo = Aderlaß, ein bei Vieh und Mensch vielgebrauchter medizinischer Eingriff. 11 Su-Metzgate = Schweineschlachtung 12 Trügol = Futtertrog 13 a foasts Gnack = ein fetter Nacken 14 Bröü-Zubor = Braustande aus Holz. In heißem Wasser wurden die Schweinsborsten abgeschabt. 15 Hiss = Schwein 2 8 9 Kesselfleisch «mit am schöno Gruoß vo dor Mam» zu den Nachbarn tragen. Ganz sicher bekam die Mutter ein paar Wochen später eine gleiche Gabe zurück und hatte so mehrmals Frischfleisch. Das abendliche Wurstmahl wurde mit Freunden und Nachbarn ein richtiges Fest. Da gab es die majoran-duftenden schmalzreichen Blutwürste und durchzogenes Kesselfleisch. Feinschmecker hielten sich an die geröstete Leber oder auch an das sauer gewürzte «Vor-Eosso» aus zerhackten Innereien. Manche schmatzten begeistert, anderen grauste davor. Am folgenden Tag kochte die Mutter noch vom Saukopf und den Haxen den Schwartenmagen. «Schmutz1» wurde «usglo» und ein paar Tage lang durfte man noch von den «Grüoba 2 » naschen. Fast alles Fleisch war aber in der Stande und dann in der Rauchkammer verschwunden. Es mußte das ganze Jahr reichen. Nur ganz selten kaufte die Bäuerin «i dor Metzg» ein Schüblingpaar und einen Suppenknochen. Und nur bei Firmung, Hochzeit und Totenschmaus reichte es zu einem «Zitzele3» für die Kinder. Die erste Metzgerei in Wolfurt wurde überhaupt erst 1879 eingerichtet, als der Hausmetzger Gebhard Fischer sein zwei Jahre früher erworbenes Haus am Dorfbach zu «Gasthof und Metzgerei Lamm» umbaute. Daneben hatten aber die Hausmetzger Metzger-Hannes, Schützo Mathis im Röhle und Metzger Reiner noch lange Zeit viel Arbeit. Seither hat sich die Weltkugel viele Male gedreht. Mehrmals haben einander Reichtum und Hungerzeiten abgewechselt. Auf die letzten sieben mageren Jahre 1939 bis 1946 sind nun schon mehr als sechs mal sieben fette gefolgt. Wie gut verkraften wir sie? Können wir noch bitten um «unser tägliches Brot»? Anhang Das Hungerjahr 1817 Originalbericht aus den Aufzeichnungen des Wolfurter Gotteshaus-Ammanns und Vorstehers Matthias Schneider (1745-1833): «Märkwürdig ist dis 1817 ente Jahr, welches undenklich so, zu keiner Zeit, in keiner Kronik zu finden ist, wegen all zu grosser Theurung. Dieses Jahr 1817 ist ein solches Theur Beträngtes Jahr, daß es den Hunger und die Noth nicht genugsam beschreiben kann. Schon das Vorhergehende Jahr 1816 ist ein solches Fehljahr in allen Viktualien1, das es zum erbarmen war. Die Hauptfrucht, der Türken, ist wegen so schlimmer Witterung gahr nicht zur Zeitigung2 gekommen. Ob wohl in solcher bis bereits Allerseelen stehen geblieben, so ist er dennoch bereits nicht zu gebrauchen gewesen. Es hat der Mehreste gleich mit samt dem Razen3 den Pferdt und Vieh, um nicht gahr zu verfaulen, gefüttert werden (müssen). Die Erdäpfel sind auch weg zu vieler Näße nur halb gerathen, und noch überall sehr reudig geworden. Ops4 hat auch wenig gegeben, und was es gegeben, ist so Theur geworden, das es für das Virtel5 Bieren, nur gemeine, welche nicht einmal die vollkommene Zeitigung erlangt, für 1 f, die besseren aber, als Weinbieren, Bergbieren und dergleichen für 20 Bazen und noch weiter. So hat jede Gattung der Früchten den Aufschlag bekommen und von Tag zu Tag weiter gestiegen. Gegen Weihnächten hat das Korn der Elfer1 48 bis 50 f gekostet. der Haber der Elfer 20 bis 22 f der Roggen der Elfer 25 bis 28 f die Garsten der Elfer detto der Butter das Pfund 28 Kreuzer. So hat es von Einem Mart8 zu den anderen weiter aufgeschlagen, das die Kaufpreise kaum dörfen aufgeführt, und weit ohnmögliger9 mehr bezahlt werden. Da doch zur Zeit Juni bereits die besten Leute, einige alles, andere doch villes haben kaufen 1 2 6 1 2 3 Schmutz uslo = Schmalz, Fett ausschmelzen Grüoba = Grammeln, ausgepreßtes Fettgewebe Zitzele = Krenwürstchen, Frankfurter 3 4 Lebensmittel Reife Kolben Obst ein Viertel = 21,5 Liter 7 8 9 1 f (Gulden) = 60 Kreuzer = 15 Batzen. 1 Batzen = 4 Kreuzer ein Getreidemaß Markt unmöglicher 10 11 müssen, - und ohne Geld ist nicht vill zu bekommen gewessen, und Geld zu verdienen ist gahr kein Zeit Punkt. - Indeme alle Fabrizierung bereits aufgehört, und was noch ein wenig geschehen, hat bereits umsonst müssen geschehen, das Kaum nur das Salz hat können verdient werden, und doch haben die Markt Preiß im Juny so erschröklich aufgeschlagen, das es bedauerlich zu beschreiben das Viertel Korn 9 bis 10 f der Haber 2f45Xbis3f Roggen 3 bis 4 f Türgen detto 7 bis 8f rauhe Gärsten detto 3f gerolte detto 9f das Pfund Butter 26 X das gesottene detto Pfund 32 bis 34 X der Vierling Mußmehl, wie schlecht es noch war, 1 f20 bis 24 X das Weißmehl 1 f36 X und so alle Gattungen. Den 4ten July hat das Malter2 Korn 20 f abgeschlagen. Das gegenwärtige Jahr 1817 ist bis datto ein gutes vollkommnes Jahr anzusehen, für allgemein. Aber für einige Pfarreyen oder Gemeinden sind leider erbarmungswürdige Wetterstreiche, und andere mit unerhörtem hochgestiegenem Waßer des Bodensee dergestalten überhäuft worden, daß zu keiner Zeit solches kein Mensch gedenken noch in einer Beschreibung oder Kronik zu finden war. Denn der Bodensee ist so hoch gestiegen, daß er bis zum Löwenwirth zu Bregenz erwachsen, und auf dem Kornmarkt Blaz ein lauterer See von 2 Schuh3 tief gewessen, welcher in selber Gegend in alle Häußer und Keller eingetrungen, das einige genöthiget worden auszuziehen. Ja zu Hardt und Fußach ist das Wasser so gahr in die Kirchen gekommen, das man selbe gahr nicht mehr hat betretten können, sondern die Gottesdienste zu besondere Häußer und auch gahr auf freiem Felde hat halten müssen. Den 6ten July ist zu Hardt der Gottesdienst bey des Becken Haus des Joseph Hermann und Joh. Georg Ruß gehalten worden, und zwar täglich so muß gehalten werden, bis sich das Wasser wieder verlihret, und die Kirchen wieder kann gebraucht werden. Ebenso ist es auch zu Fußach, besonders auch zur Gaisau, und im Alt Rhein, wo die Mehreste Familien haben ausziehen müssen. Auch an allen Gegenden des Rheins hat sich das Wasser ihn alle Wissen und Felder erhöht und alle Früchten und Heu gänzlich zernichtet. 1 2 Die Ursach des so hochsteigenden Wasser ist: Daß letztes Jahr 1816 der Schnee auf den bergen Niemal abgegangen und den Winter darauf eine Mänge Schnee zu diessem gemacht. In diesem Jahre aber sehr warme Tage und besonders warme Regen, und Pfönnwind1 eingetretten, und dadurch den Schnee so stark geschmolzen, das die Gewässer Langezeit mit aller Überschwemmung daher geflossen, bis der See eine außerordentliche Höhe bestiegen2. Zu Lindau hat es auch großen Schaden gethan, weil das Wasser in alle Gärten der Stadt über Schwämmt hat, und an der Brücken und Mauerwerk großen Schaden gethan. Das Waßer ist 2 Schuhe hoch über die Brücke gestanden. Um selbe nicht gahr wegnehmen zu lassen, hat man selbe mit vielen der größten Quadersteinen und Eichblöcken beladen. An anderen Orten, als in Wasserburg und von da bis Wangen, und bei Konstanz durch die Schweiz bis gegen Luzern hat es den 20ten Juny durch Hagelstreich grossen Schaden angerichtet, wo es stuckweis alles in Grundboden verschlagen, die schönsten Früchten, Weinberg, Obsbäume, das Futter und was da war. Den 4ten July hat es durch den Bregenzer Wald und ein Strich der Schweiz wider mit einem Hagel haimgesucht, wo es auch eine solche Mänge Stein gefällt, das mit Schlitten hätte können darüber gefahren werden. Wettersegengebet O Gott, Du Ausspender aller guten Gaben! Du Ursprung aller erschaffenen Dinge, in welchen wir leben, bewegt werden und sind! Segne unsere Äcker und Güter! Wende ab von denselben alles Ungewitter und befehle, daß der Himmel uns gebe zu seiner Zeit den Regen, zu seiner Zeit die Sonne! Erwärme die Erde, damit sie uns die notwendigen Früchte hervorbringe, wenn Du es zu Deiner Ehre, zum Nutzen unserer Seele zu sein erkennest. Amen. Dieses uralte Bittgebet wurde in Wolfurt täglich mit dem Glockenläuten um 2 Uhr von Kreuzauffindung am 3. Mai bis Kreuzerhöhung am 14. September gebetet. In dieser Zeit betete der Priester mit den Gläubigen auch das «A fulgure, grandine et tempestate libera nos, Domine Jesu Christe» (Vor Blitz, Hagel und Ungewitter 1 X = Kreuzer 1 Malter = 8 Viertel = 172 Liter 3 1 Schuh = (= 1 Fuß) = 31,5 cm Föhn Auf dem Hochwasserpegel am Bregenzer Molo ist diese Marke unter dem 7. Juli 1817 eingeritzt. Sie liegt ungefähr um einen Meter höher als die Marke vom 29. Juni 1965, wo das See-Hochwasser den Autoverkehr am Bahnhof und auf dem Kornmarkt lahmlegte. 12 13 bewahre uns!). Dann segnete er mit «Benedictio Dei omnipotentis +++ descendat super vos, locum istum et fructus terrae, et maneat semper!» - Der Segen des allmächtigen Gottes komme auf euch herab, auf diesen Ort und auf die Früchte der Erde, und verbleibe allezeit! Siegfried Heim Tischgebet Daß unsere Eltern das tägliche Brot in Ehrfurcht und Dankbarkeit annahmen, zeigt sich in uralten Gebetsformeln. Zwei davon hat uns Frau Maria Bernhard, «Klosos» im Oberfeld, Jahrgang 1912, überliefert. Vor nunmehr fast 80 Jahren hat sie sie von ihren Eltern Hintereggers Bertha und «Kloso Marte» Fischer gelernt. Nur mehr wenige kennen ähnliche alte Texte. Vor dem Essen: Herr Gott! Segne diese Speise und sei uns armen Sündern gnädig! Amen. Vater unser... Gegrüßt seist Du, Maria... Kreuzzeichen. Nach dem Essen: Himmlischer Vater! Wir danken Dir, Daß Du uns unwürdige Menschen gespeist hast und (mit) Deiner Gnade so väterlich teilhaftig gemacht hast und nimmer aufhörest, Deine Wohltaten gütig mitzuteilen. Lob und Ehre sei Dir, o Gott, im Himmel! Friede den Menschen auf Erden, Gnade unsern Wohltätern, die ewige Ruh allen verstorbenen Gläubigen! Und nach diesem elenden Leben zu komm uns die ewige Freud und Seligkeit! Amen. Daran schloß man mindestens ein Vater unser für die armen Seelen an, meist aber noch eine Reihe von Gebeten aus besonderen Anlässen. Den Abschluß bildete die «letzte Angst»: Durch deine letzte Angst und schwere Verlassenheit, o gütigster Herr Jesus, wir bitten dich, verlasse uns niemals, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen. Ehrenbürger Dr. Lorenz Böhler und seine Wolfurter Vorfahren In Wien ist 1991 endlich eine Biographie erschienen: Inge Lehne: Lorenz Böhler. Die Geschichte eines Erfolges. Im November 1992 ist ein Abdruck in Fortsetzungen in den «Vorarlberger Nachrichten» erschienen und hat landesweit Beachtung gefunden. Es ist eine packende warme Schilderung der Entwicklung der Unfall-Chirurgie, die untrennbar mit dem großen Wolfurter Arzt vom «Unfallkrankenhaus Wien XX» verbunden ist. Prof. Dr. Poigenfürst nennt ihn im Vorwort «einen Arzt, dem Millionen von Verletzten dankbar sein können, der es immer verstanden hat, den medizinischen und technischen Fortschritt zu nutzen und dennoch den Menschen immer im Zentrum seiner Bemühungen sah.» Uns Wolfurter freuen natürlich die Bilder von seiner Heimat im Holz und von seiner Familie. In der Einleitung schreibt Lehne:«Die entscheidenden Eigenschaften der Persönlichkeit Lorenz Böhlers - der nüchterne Sinn für das Nützliche, die Zielstrebigkeit, die Zähigkeit und der große Fleiß sind die charakteristischen Qualitäten der Alemannen.» Bei Lorenz Böhler fanden sich diese Eigenschaften in besonders hohem Maße, wohl durch eine glückliche Fügung: Vom Vater Josef Böhler her ein echter «Sammüller» - zielstrebig, zäh, auch für das scheinbar Unmögliche kämpfend, wenn es als richtig erkannt ist. Von der Mutter Anna Fischer her ein echter «Seppar» - mit nüchternem Sinn für das Nützliche und begabt für das Organisatorische. Das alles geläutert durch eine strenge Erziehung beim Holzerschmied Adolf und seiner Frau Nanne Böhler, wo er Fleiß und Handwerksgeschick erlebte und übte. Wer diese Familien kennt, wird immer wieder lächeln und staunen, wie Frau Lehne deren Eigenschaften bei Lorenz Böhler im fernen Wien beobachtet hat und (z. B. auf Seite 8) so präzise beschreibt. 14 15 Dann aber schließt sie dieses Kapitel mit den zwei entscheidenden Faktoren seines Erfolgs ganz einfach: «Genie ist Fleiß» und «dem ärztlichen Ethos» getreu! Lorenz Böhlers Bild findet man heute im Brockhaus. Seine Daten faßt Meyers großes Lexikon am kürzesten zusammen: «Böhler Lorenz, geboren zu Wolfurt in Vorarlberg am 15. Januar 1885, gestorben in Wien am 20. Januar 1973. Österreichischer Chirurg. Professor in Wien. Begründer der modernen Unfallchirurgie.» Begründer der Unfallchirurgie! - Welcher Segen für Millionen von verletzten Menschen verbirgt sich hinter diesen nüchternen Worten! Zuerst sein Kampf gegen die Amputations-Chirurgie während des ersten Weltkrieges. Zäh und zielstrebig gewann er ihn gegen die übermächtige k. u. k. Militärbürokratie. Dann sein Organisationsgenie, sein nüchternes «Heilen kommt billiger als Renten zahlen», mit dem er die Unfallversicherungsanstalt auf seine Seite brachte. Schließlich seine titanenhafte Schaffenskraft beim Aufbau des ersten Unfallkrankenhauses in Wien und bei der Ausdehnung seines Werkes und seiner Lehre über Linz, Bozen, Bregenz hinaus in alle Welt bis ins ferne China! Lorenz Böhler hat schließlich zahlreiche Ehrungen erfahren dürfen, Ehrenprofessuren von berühmten Universitäten, hohe Auszeichnungen von Staat und Land. Dabei blieb er aber immer «seinen Wurzeln treu». Er freute sich über die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Wolfurt im Jahre 1957 und stiftete für die dortige Schule, wo er einst selbst das ABC gelernt hatte, den Böhler-Preis. Sehr zahlreich sind heute die «Sammüller» und die «Seppar», die Lorenz Böhler stolz zu ihrer Sippe zählen. Von Wolfurt aus haben sie sich weit im Land ausgebreitet. Als Ergänzung zu Lehnes Buch stelle ich hier eine Übersicht über die Verwandschaft zusammen. «Böler Johannes und Ursula Feßlerin de hueb» haben mehrere Kinder, darunter «Böler Josephus». Er wird am 26. März 1715 in der Pfarrkirche St. Gallus getauft und heiratet dort 1749 «Anna Feßlerin des Joannis Feßler de Parochia Langen», also aus der dem Pfänder sehr nahen Pfarrei Langen. Unter ihren Kindern ist «Böler Mathias ab der hueb», geboren 1753. Er heiratet 1782 «Catharina Blankin de Sulzberg». Als junge Witwe übersiedelt diese schon 1784 nach Wolfurt. Ihr einziger Sohn aus erster Ehe ist «Böler Joseph Hilar», getauft 2. März 1783 noch in Bregenz. Er erbt von seinem Stiefvater Anton Müller den Hof an der Ach in Wolfurt und heiratet 1811 Katharina Kalb, Naglers vom Dorfplatz. Bei ihren 12 Kindern schreibt der neue Pfarrer den Namen jetzt etwas verändert. Einer der Söhne ist Böhler Johann Baptist (1823 - 1876). Er heiratet 1853 Katharina Schneider und erwirbt damit den «Sammüller»-Hof» an der Kellhofstraße. Unter ihren neun Kindern sind Josef, 1854 - 1937, der Vater von Prof. Lorenz Böhler, Anna, 1857 - 1938, die Frau des Holzerschmieds Adolf Böhler, Lorenz, 1860 -1939, der Stammvater von «Sammüller-Lorenzos» in Rickenbach, und Joh. Baptist junior, 1864 - 1927, Vater der «Sammüller» im Dorf. Böhler Josef, 1854 -1937. Er schließt 1884 die Ehe mit Anna Fischer, Seppos von der Steig. Sie bewohnen einen neuen Anbau am Elternhaus «im Gässele» an der Kellhofstraße, übersiedeln aber später nach Bregenz. Drei Kinder: Lorenz, 1885 - 1973, ist der berühmte Unfallchirurg. Karolina, 1886. Sie stirbt mit 4 Monaten. Rosa, geb. 1891, heiratet Rudolf Böckle aus Altenstadt und wird die Mutter des Bregenzer Unfallchirurgen Dr. Rolf Böckle. 17 Die Böhler -Reihe Die Böhler stammen ursprünglich alle aus Buch, wo sie erstmals im Mehrerauer Zinsbuch von 1290 urkundlich erwähnt sind. Von Buch aus verbreiteten sie sich in alle Gemeinden rund um den Steußberg. Um 1700 findet sich ein Johann Böhler als Bauer auf der Hub, das ist ein Einzelhof am Weg vom Pfänder nach Eichenberg. In den Bregenzer Pfarrbüchern erscheinen dort drei Generationen Böhler: 16 Lorenz («Lenz»). 1914 -1945. «Mantika». Sie stirbt schon als Kleinkind. Georg («Jörg»), 1917. Als Unfallchirurg wird er Nachfolger des Vaters und Leiter des Dr. Lorenz-Böhler-Krankenhauses in Wien. Michael («Michel»), 1921. Kaufmann in Wien. Leopldine («Polla»), 1922, verehelichte Wodenegg in Dreikirchen. Ihr gehören auch Hof und Schmiede im Holz in Wolfurt. Peter, 1924 -1945, gefallen in den letzten Kriegstagen bei Wien. Catharina Blankin - aquis submersa Unter Prof. Lorenz Böhlers Vorfahren ist Katharina Blank die Frau, die dieses Geschlecht nach Wolfurt gebracht hat. Am 26. Oktober 1755 war sie auf dem Sulzberg zur Welt gekommen. Der Jungbauer Mathias Böhler holte sie 1782 als seine Frau auf die Hub am Pfänder. Am 2. März 1783 gebar sie dort ihren ersten Sohn und ließ ihn in St. Gallus in Bregenz nach den Großvätern Josef Hilar taufen. Ihr Glück war kurz. Schon im folgenden Winter starb, erst 31 Jahre alt, am 8. Jänner 1884 Vater Mathias «improvisa morte abreptus». «Durch einen unversehenen Tod hinweg gerafft» - war es ein Unfalltod? eine heimtückische Krankheit? - Auf alle Fälle konnte die junge Bäuerin den einsamen Hof über dem Bergwald nicht halten. Es mutet wie eine Flucht vor ihrer Sippschaft an, wenn sie schon wenige Monate nach des Gatten Tod mit ihrem einjährigen Büblein über die Ach nach Wolfurt kommt und hier am 10. Mai 1784 den Witwer Anton Müller heiratet. Der elfjährige Lorenz Böhler im Jahre 1896 mit Vater Josef, Mutter Anna, geb. Fischer, und Schwester Rosa. Böhler Lorenz. 1885 -1973, Arzt in Bozen und Brixen, ab 1924 in Wien. Er heiratet 1912 Leopoldine («Poldi») Settari aus Dreikirchen bei Waidbruck im Südtirol. Sie schenkt sechs Kindern das Leben: 18 Anton Müller war ein Sohn des Gotteshausammanns Johannes Müller im Kirchdorf und besaß einen Hof an der Ach, etwa an dem Platz, wo heute das Reihenhaus Inselstraße 1 steht. Hier wurde Katharina Blank, nun Frau Müller, noch zehnmal Mutter. 1807 starb auch ihr zweiter Mann. Jetzt war Josef Hilar, ihr Sohn aus erster Ehe ihre beste Stütze. Aber schon ein Jahr später am 27. Juni 1808 mußte auch sie eines unversehenen Todes sterben. Der nahe Damm, auf dem heute die Achstraße angelegt ist, war damals noch der Schutz gegen das Hochwasser der Ach. Dort wuschen die Bäuerinnen ihre Wäsche. 19 «Bei einer Tuchwaschung» ist Katharina Blank damals ertrunken, schreibt der Chronist Mathias Schneider. «Aquis submersa», notiert der Pfarrer und nimmt damit den Titel von Storms berühmter Novelle ein halbes Jahrhundert voraus, «in den Fluten versunken». Die Fischer-Reihe Prof. Lorenz Böhlers Mutter Anna war eine geborene Fischer von der Steig in Rickenbach. Sie gehörte der angesehenen Linie der «Seppar» an. «Seppos» auf der Steig gehen auf Josef (Sepp») Fischer, 1801 -1863, zurück und sind ein Zweig der viel größeren und älteren Sippe der «Stöoglar»-Fischer. Zu den Stöoglarn zählen neben Seppos auch noch «Schnidarles» und «Klosos». Um ihre Erforschung hat sich Dr. August Fischer sehr verdient gemacht. Hier führe ich ein paar Daten aus den Wolfurter Pfarr- und Gemeindebüchern an. Die älteste Erwähnung ist dort eine Hochzeit am 1. Februar 1659: Fischer Sebastian (+31.12.1689) heiratet 1659 Ursula Grül. Unter ihren 6 Kindern waren die Söhne Josef (1664) und Georg (1677). Von Georg (1677 -1748) stammen nicht nur «Klosos» im Oberfeld, sondern auch «Baholzers» vom Rutzenberg mit unserem 100jährigen Martin Höfle (1892 1992), Spengler Martin Schwärzler (1908) und Schwerzler Martin und Katharina von der Rutzenbergstraße 1. Zu Georgs Nachkommen zählen aber auch «Bäschles» im Flotzbach, Öl-Köbs und Giesingers, und eine große Gruppe von Auswanderern in Amerika. Fischer Josef (1664 - 1737) lebte bereits auf der Steig und war dort zweimal verheiratet. Ein Sohn aus seiner ersten Ehe war Sebastian (1694 - 1749), der Stammvater von «Schnidarles», zu denen neben Fischer Siegfrieds, Eberle Herminas und Bertas Nachkommen auch Altvorsteher-Schertlers mit SchuhMeusburgers und Schertlers von der Lorenz-Schertlerstraße zählen. Das achtzehnte und jüngste Kind aus Josefs zweiter Ehe mit Magdalena Schwerzler war Fischer Anton (1722 - 1781), Bauer auf der Steig im heute noch erhaltenen wunderschönen Haus Rutzenbergstraße 1, in dessen Nachbarschaft der ursprüngliche Sitz des Gerichts Hofsteig zu suchen ist. Auch von seinen Kindern leiten sich viele Wolfurter Familien ab, z. B. «Schnidar» Schwärzlers an der Hub. Ein Sohn aus der zweiten Ehe mit Agatha Dietrich aus Lauterach war Fischer Josef Anton (1767 -1847), der das Elternhaus erbte. Mit Ursula Bildstein heirate er 1795 eine Tochter aus «Hanso Hus» an der Kirchstiege, das damals eines der einflußreichsten im Ort war. Unter ihren elf Kindern war «Sepp», 1801, das 21 Josef Hilar Böhler, 1783 -1862 Nach dem plötzlichen Tod der Mutter mußte der 25jährige Sohn Josef Hilar den Hof an der Ach und die Obsorge für seine kleinen Stiefgeschwister übernehmen. 1811 fand er in Katharina Kalb, Naglers aus dem Kirchdorf, eine tüchtige Frau, die ihm in den folgenden zwei Jahrzehnten 12 ebenso tüchtige Kinder schenkte. Josef, 1812, heiratete nach Lauterach. Von ihm stammen u. a. die Krenkel, auch der heutige Stadtarzt Dr. Krenkel im Zwettl, NÖ. Gebhard, 1813, erwarb das Haus Bregenzerstraße 20. Sein einziger männlicher Enkel, der Lehrer Gebhard Böhler, ist 1916 in Rußland gefallen. Alte Leute nennen das Haus bei der Kalkhütte noch «Küfer Böhlers». Mathias, 1814, erbaute ein Haus am Platz von Inselstraße 9. Als es schon 1878 abbrannte, übersiedelte er in die Bütze (Nr. 6). Einer seiner Urenkel ist Volksschuldirektor Heinrich Höfle, 1922. Anton, 1821, besaß zuerst ein Haus beim Wälderhof und später eines am Platz von Achstr. 31. Johann Baptist, 1823, wurde an der Kellhofstraße der erste Böhler - Sammüller. Agatha, 1827, heiratete im Holz den Bauern Bernhard Gmeiner. Ihr Sohn Fidel Gmeiner, 1866, ist der Stammvater der Kartonagen-Gmeiner an der Unterlindenstraße. Von der Tochter Anna Maria, 1857, die mit dem Fergger Fidel Mohr verheiratet war, stammen viele Dörfler Mohr, darunter unser Ehrenringträger Hubert Mohr, 1922. Nach der Eltern Tod bewirtschafteten zwei ledige Töchter den Böhler-Hof an der Ach noch ein paar Jahrzehnte. Am 12. Mai 1900 ist er abgebrannt und seither verschwunden. 20 fünfte. Das «Stöoglar»-Haus erbte aber Johann, 1804, der Stammvater der «Stöoglar»-Fischer an der Ach und der «Stöoglar»-Steurer an der Rutzenbergstraße. Aus jahrhundertelangem Familienbesitz verkauften die «Stöoglar»-Erben 1915 ihr Stammhaus Rutzenbergstraße 1 an die Familie «Baholzer»-Schwerzler, deren Hof im Bannholz gerade abgebrannt war. Zu Weihnachten 1842 starb Frau Agatha. Zwei Monate später heiratete Sepp seine zweite Gattin Johanna Flatz aus Buch. Sie gebar ihrem Mann in den folgenden Jahren weitere zwölf Kinder, zusammen also 22. Etliche davon gründeten später selbst große Familien und trugen damit die tüchtige «Seppar»-Art weit über Wolfurt und Vorarlberg hinaus. Nur einige kann ich hier aufzählen. Gebhard Fischer (1848 - 1892) führte 1896 die erste Hand-Stickmaschine in Wolfurt ein und betrieb auf der Steig eine gutgehende Stick-Ferggerei, die seine Frau Agnes Pfefferkorn weit über seinen frühen Tod hinaus weiterführte. Die acht Kinder aus zehn Ehejahren: Johann Georg («Hans-Irg»), 1883, Bauer an der Brühlstraße. Paulina, 1885, verheiratet mit Dr. Eduard Fischer, Löwenwirts, Advokat in Innsbruck. Regina, 1886 - 1984, damals älterste Wolfurterin, Klöppelei an der Bützestraße Johannes (Seppo Hannes), 1887, Spetenlehen. Bertha, 1888, verheiratet mit Ludwig Weh, Lehrer in Wolfurt und später in Bregenz. Anna, 1890 + (Zwilling) Maria, 1890, verheiratet mit Karl Müller, Kronenwirts, Sticker an der Unterlindenstraße. Gebhardine, 1892, verheiratet mit August Böhler, Sternenwirts., in der Mehrerau. Franz Xaver Fischer (1849 -1895) wanderte wie sein älterer Bruder Joseph Anton (1845 - 1866) nach Amerika aus. Während dieser aber sofort ums Leben kam, erwarb «Vere» in Kalifornien und später in Chicago märchenhaften Reichtum. Bei einem Besuch in Wolfurt machte er auf seinen kleinen Neffen Lorenz Böhler besonderen Eindruck, wie Inge Lehne auf Seite 12 in ihrem Böhler-Buch berichtet. 1895 ist auch Vere in Chicago eines ungeklärten Todes gestorben. Anläßlich seiner ersten Amerika-"Reise soll Dr. Lorenz Böhler 1914 im Auftrag der Familie vergeblich nach seinem Nachlaß geforscht haben. Zwei «Seppar»-Schwestern, Anna Maria und Barbara, heirateten auswärts, die jüngsten vier in Wolfurt: Als Bruder Gebhard 1882 das Elternhaus auf der Steig übernahm, hatte die Mutter für sich und die Schwestern bereits das Haus Wingertgasse 2 (heute «Lislos») in Rickenbach gekauft. 23 Sepp und seine 22 Kinder - die Seppar Im großen alten «Stöoglar-Hus» am Weg ins Bannholz lebten zu Napoleons Zeiten der Bauer Josef Anton Fischer und seine Frau Ursula Bildstein. Ursula war eine Tochter des Kaufmanns Crispin Bildstein (1740 -1819) in Hanso Hus im Kirchdorf und eine Enkelin des ersten bekannten Wolfurter «Chirurgen» Antony Bildstein. Ihr Bruder Joh. Baptist war Kaufmann, Josef Anton Pfarrer von Laüterach, Bernhard Vorsteher von Wolfurt. Ihre Schwester Katharina wurde die StammMutter von «Veres», «Schrinars» und «Toblars» in der unteren Bütze und von «Knores» im Strohdorf. Andere aus dem Bildstein-Geschlecht wurden später ebenfalls Priester, Ärzte, Kaufleute, Vorsteher, Beamte und Ingenieure, aber auch biedere Handwerker und Bauern. Viele von diesen Talenten scheinen auch bei den Nachkommen aus dem Fischerhaus auf. Fischer Josef Anton (1801 -1863) wurde am 24. Oktober 1801 geboren. Er erhielt den gleichen Namen wie sein Vater, wurde aber «Sepp» gerufen. Danach werden noch jetzt seine Nachkommen benannt. Zu jung, um noch zu Napoleons Armee eingezogen zu werden, erlebte er den Wirtschaftsaufschwung nach dem Wiener Kongreß und nützte ihn. Er erwarb ein Vermögen, das ihm um das Jahr 1832 den Bau eines der größten damaligen Rickenbacher Häuser ermöglichte. Es steht noch heute an beherrschender Stelle oben auf der Steig, Spettels, Hofsteigstraße 48. Schon 1826 hatte Sepp seine erste Frau Agatha Schwerzler aus Spetenlehen geheiratet. Zehn Kinder brachte sie zur Welt, aber acht davon trug man schon nach wenigen Tagen oder Wochen als «Engel» zum Friedhof. Viermal taufte man nach der Mutter eine kleine Agatha, erst die vierte blieb am Leben. 22 Katharina, 1855, heiratete Wilhelm Gunz («Plazes» Wilhelm) und wurde im Nachbarhaus die Stamm-Mutter der Gunz-Familien. Maria Anna, 1859, Sepp Fischers 20. Kind, heiratete 1884 den «Sammüller» Josef Böhler. Er soll damals gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Lorenz als Fuhrmann im benachbarten «Kreuz» gearbeitet haben, wo Johann Haltmeyer einen ausgedehnten Weinhandel betrieb. Im Haus «im Gässele» wurde Maria Anna 1885 die Mutter des kleinen Lorenz, der später der berühmte Professor Lorenz Böhler geworden ist. Karolina, 1860, heiratete den zweiten Sammüller, Lorenz Böhler. Von ihr stammen «Sammüller Lorenzos» in Rickenbach. Theresia, 1861, die jüngste der «Seppar»-Schwestern, blieb ebenfalls in der Nachbarschaft. Mit ihrem Mann Konrad Bohle übernahm sie 1889 die Gastwirtschaft zum Mohren mit Bäckerei und Handlung und begründete die Wolfurter BohleSippe. Der Name Der Name Lorenz Böhler hat durch unseren berühmten Ehrenbürger weltweit, besonders aber in Wolfurt, einen guten Klang. «Böhler»: Der alte Wortstamm «bol» bedeutet «rollen» oder «rund» und fand (nach Jutz) zur Bezeichnung verschiedenster kugelartiger Gegenstände Verwendung. Welti nennt in seinem «Kellnhof Wolfurt» (1952) für das Bucher Geschlecht die alten Schreibweisen «Boller», «Böler», «Böuler» und «Bönler», von denen sich schließlich «Böler» durchsetzte. Als in Wolfurt 1814 der neue Pfarrer Grasmeier Einzug hielt, begann er in den Pfarrbüchern mit einer geänderten Schreibart, «Böhler» mit stummem h. Derzeit ist «Böhler» mit 152 Eintragungen im Blauen Buch von 1989 in Wolfurt der häufigste Geschlechtsname. Nur in den Städten Dornbirn und Bregenz gibt es noch mehr Böhler. Am dichtesten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind sie allerdings in Bildstein und in Schwarzach vertreten. «Lorenz»: Der Hl. Laurentius wurde nach der Legende im Jahre 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert. Sein Festtag ist der 10. August. In vielen Kirchen findet sich sein Bild. Fast immer wird er mit einem Buch und dem Eisenrost dargestellt. Durch all die Jahrhunderte war Laurent, später Lorenz, ein häufiger Taufname. In die «Sammüller»-Familie kam er durch Laurent Schneider, geb. 1790, dessen Tochter Katharina 1853 einen Böhler heiratete. Schon ihren ersten Sohn taufte sie Lorenz und nach dessen Tod einen zweiten. Aber erst der dritte Lorenz von 1860 blieb am Leben und begründete «Lorenzos» in Rickenbach. Es war fast selbstverständlich, daß auch sein Bruder Josef 1885 seinen ersten Sohn wieder Lorenz taufte, Prof. Dr. Lorenz Böhler. Als dieser 1914 in Bozen zum ersten Mal Vater wurde, gab es wieder einen Lorenz, «Lenz» wurde er meist gerufen. Auch Lorenz in Rickenbach hatte 1888 einen Sohn Lorenz taufen lassen, doch war dieser bald verstorben. So bekam 1931 der erste Enkel den klangvollen Namen Lorenz Böhler. Heute ist er der «Senior» in der bekannten Gardinenfabrik. Er ist aber auch der einzige unter den 152 Wolfurter Böhlern, der nach dem heiligen Märtyrer oder dem großen Vetter in Wien benannt wurde. Sollte er etwa der letzte sein? «Sammüller» ist der Hausname eines Böhler-Geschlechts, mit dem sich dieses von anderen, etwa den «Holzer»-Böhlern, «Bergers», »Rasierers» und «Sternenwirts» unterscheiden läßt. «Sam-Müllers» ist eine durch langen Gebrauch gekürzte Form und heißt eigentlich «des Ammann Müllers». 25 Sepp Fischers jüngste Töchter. Ein besonders altes Foto aus dem Jahr 1867 (!). Von links: Katharina (Gunz,1855), Anna (Böhler,1859, Dr. Böhlers Mutter), Karolina (Böhler, 1860), Annamaria (Lang, 1850), Barbara (Mörl, 1852) und Theresia (Bohle, 1861). 24 Seit 1985 trägt das Haus auch eine Gedenktafel an Dr. Lorenz Böhler. Derzeit wird es von Grund auf renoviert. Wir freuen uns darüber, daß das wohl an die 300 Jahre alte Ammannhaus wieder ein Schmuck des Dorfes sein wird. Die Holzer-Schmiede Das alte Bauernhaus «Im Holz 3» trägt seit 1985 eine Ehrentafel, die an Prof. Lorenz Böhler erinnert. Hier hat er die Kinderjahre bei Tante «Nanne» verbracht. Sein Leben lang betrachtete er es als Vaterhaus und besuchte es in seinen seltenen Urlauben, aber manchmal auch mit berühmten Ärzten, wenn sich bei einem Kongreß eine Gelegenheit dazu bot. Bei einer Übersicht über Böhlers Verwandte dürfen daher die Holzer-Schmiede nicht fehlen. Die Böhler im Holz sind zu den Sammüller-Böhlern überhaupt nicht verwandt. Sie stammen von einem Böhler Christian, geboren 1654 in Oberbildstein. 1738 heiratete sein Enkel nach Wolfurt. Seine Nachkommen findet man als Schmiede und Wagner in verschiedenen Häusern. Das 300 Jahre alte Sammüller-Haus beherrscht die Kellhofstraße im Kirchdorf. Links Veres Hus und der neue Schwanen. Im Hintergrund die Kirche mit dem damals neuen Turm und dem Pfarrhof. Davor der Spitzgiebel des alten Schwanens. An der Hausmauer des Sammüllerhauses vorbei fließt offen der Töbelebach zum Gasthaus Lamm herab. Ein Bild von 1910. Der «Gotteshaus»-Ammann Martin Müller(1674 -1732) und nach ihm sein Sohn Johannes Müller (1711 -1786) hatten das ehrenvolle und auch einträgliche Amt, als Verwalter der großen Mehrerauer Besitzungen in Wolfurt den jährlichen Zehent für das Kloster einzuheben, Streitigkeiten zu schlichten, Erbschaftsangelegenheiten zu regeln und vieles mehr. Ammann Müllers lebten schon um 1700 im Sammüllerhaus an der Kellhofstraße. Ein Sohn aus diesem Haus, Anton Müller, hatte 1784 in seinem Hof an der Ach die Witwe Katharina Blank und ihren kleinen Buben Josef Hilar Böhler aufgenommen. Im Dorf starben die Müller 1813 aus. Das Amt als Gotteshausammann hatte nach Johannes Müller sein Neffe Mathias Schneider (1745 -1833) bekommen, in dessen Zeit die Auflösung des Klosters fiel. 1813 erwarb er das leer gewordene «Ammann-Müller»-Haus für seinen Sohn Lorenz Schneider. Dieser vererbte es 1859 an seinen Schwiegersohn Joh. Bapt. Böhler. Seither sind drei Generationen von Sammüller-Böhlerkindern hier groß geworden. 26 Jakob Böhler (1819 -1897), hatte als Schmied noch bei seinem Vater Hieronymus in Spetenlehen gearbeitet und war dann in Unterlinden (Frickenescherweg 1) selbständig geworden. Wegen der im Gewerbe so wichtigen Wasserkraft übersiedelte er aber 1852 zu seinem Schwiegervater ins Holz, wo dieser Mühle und Mühlteich besaß. Noch im gleichen Jahr erstellte Jakob am Weiher die «alte Schmiede». Fünf von seinen Söhnen erlernten hier bei ihm das Schmiedehandwerk, einer, Hieronymus, wurde Wagner. Drei eröffneten eigene «Schlosser»-Werkstätten: Gebhard, 1849 -1924, an der Kreuzstraße. Seine Tochter war «Schlossers Juli». Johann Baptist, 1857 -1927, im Röhle, Bregenzerstraße 27. Die Schmiede, wo nach ihm noch sein Sohn «Hannbatisto Jockl» glühende Eisen schmiedete, träumt heute von Waldreben überwuchert vor sich hin. Zu Hannbatists Kindern zählen auch SAmmas Lina und der Frachter Gebhard Böhler. Rochus, 1865 - 1942, betrieb- eine Machinenschlosserei in Rickenbach (Rickenbacherstr. 4). Schellings Elvira war eine von seinen Töchtern. Zwei Schmiede übernahmen die väterliche Werkstätte im Holz, August und Adolf. Wegen ihrer Tüchtigkeit waren sie über das Land hinaus bekannt. Sie erzeugten 27 Bauern- und Maurerwerkzeuge, Wagenbeschläge und -achsen, große Schraubenspindeln und feine Brandstempel. Daneben betrieben sie weiterhin die Holzer Mühle mit dem großen Wasserrad. Hier hat Lorenz Böhler als Kind mitgearbeitet. Lehne berichtet (S. 14), daß er sogar die schweren Türkenstumpen, die die Wolfurter Bäuerinnen bei Onkel Gebhard an der Kreuzstraße deponiert hatten, zum Mahlen ins Holz hinauf schleppen mußte. August Böhler, 1852 - 1933, wohnte auf der Halde. Von seinen fünf Töchtern wurden Paulina die Mutter der Familie Guldenschuh in Unterlinden, Theresia die Mutter der Familie Geiger im Röhle und Maria die Mutter der Familie Klimmer in Spetenlehen. Adolf Böhler, 1854 -1936, heiratete 1892 Anna Böhler, 1857 -1938, «Sammüllers Nanne». Sie übernahmen das Böhlerhaus im Holz, betrieben neben der Schmiede eine kleine Landwirtschaft und auch, wie damals in fast jedem Haus, eine Stickerei. Hier arbeitete neben Nanne auch ihre ledige Schwester Rosalie («Rosele»), deren geschwinde Finger den Neffen Lorenz beeindruckten (Lehne S. 16). Als Lorenz Böhlers Eltern 1890 nach Bregenz übersiedelten, überließen sie den fünfjährigen Buben der Großmutter im Sammüllerhaus und nach deren Tod im Mai 1892 den Tanten Nanne und Rosele. Schon im Juni 1892 heiratete aber Nanne ins Holz hinauf. Und weil sie kinderlos blieb, holte sie bald den kleinen Lorenz zu sich in den Schmiedehaushalt., wo er nun bei den Zieheltern jene Prägung erfuhr, die ihn zu so außerordentlichen Leistungen befähigte. Frau Lehne nennt sie (S. 11) anerkennend «die charakteristischen Eigenschaften der Alemannen», Zähigkeit und Fleiß. Im Schmiedehaus hat Lorenz auch noch eine jüngere Ziehschwester bekommen, Rosa Böhler, geboren 1898. Sie war eine Tochter von Adolfs Bruder Hieronymus Böhler, dem Wagnermeister an der Achstraße. Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau war dieser 1907 allzufrüh gestorben und hatte vier kleine Mädchen hinterlassen. Die wurden nun, wie es damals bei Waisen selbstverständlicher Brauch war, an vier verwandte Familien aufgeteilt. Anna ging später als Sr. Petrina zu den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke ins Kloster, Hermina und Gebhardina starben in jungen Jahren. Rosa aber kam zu Onkel Adolf ins Holz. Zu ihrem großen «Bruder» Lorenz hatte sie ein so herzliches Verhältnis, daß er sie mit ins Südtirol nahm, nachdem er dort 28 1912 geheiratet hatte und nun Nachwuchs erwartete. So wurde «die Rosa» zehn Jahre lang Kindermädchen, aber auch Köchin und Haushaltshilfe für Frau Poldi Böhler-Settari an ihren damaligen Wohnsitzen in Bozen und Brixen und in den Ferien in Dreikirchen. Nach Wien ging Rosa 1924 allerdings nicht mehr mit. Sie kehrte heim ins Holz und wurde 1925 die Frau von Karl Schwärzler, «Liberats», an der Hub. Noch oft kehrte Prof. Böhler dort zu. Auch seine Kinder Jörg, Michel und Polla, die das Ende des Krieges 1945 im Holz erlebten, fanden immer wieder den Weg zu «ihrer Rosa». Die Holzer-Schmiede im Jahre 1930. Links Adolf Böhler (Dr. Böhlers Ziehvater), rechts August Böhler 29 Rosas jüngster Sohn Dr. Paul Schwärzler verwaltet heute den Böhler-Besitz im Holz für Frau Polla Wodenegg. Er konnte vermitteln, daß die Gemeinde Teich und Schmiede in Pacht bekam und daß der Alpenverein 1976 -80 dort sein Heim «Alte Schmiede» einrichten durfte. Böhler-Schüler Die «Wiener Schule» für Unfallchirurgie besaß schon zu Prof. Böhlers Lebenszeit durch seine Arbeit Weltruhm. Frau Lehne widmet ihr (S. 101) ein Kapitel. Fast alle Ärzte von der Webergasse leiteten später selbst Unfallkrankenhäuser. Zu Böhlers bekanntesten Schülern zählt ein Wolfurter, Prof. Dr. Emil Beck. «Becks Emil», wie ihn seine Freunde immer noch nennen, ist 1931 geboren und in Wolfurt aufgewachsen. Bei uns als Spitzen-Schifahrer und ausgezeichneter Fußballspieler bekannt, galt er bald in Wien als einer der begabtesten MedizinStudenten. Er wurde von seinem Lehrer Prof. Böhler persönlich gefördert und arbeitete noch unter ihm als Arzt am Wiener Unfallkrankenhaus. Später folgte er einer Berufung als Oberarzt zu Böhlers Sohn Dr. Jörg Böhler nach Linz und dann wieder nach Wien. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten wurde Dr. Beck bekannt. Schon 1974 holte ihn das Land Vorarlberg als Leiter des neuen Unfallkrankenhauses nach Feldkirch. Dort hat er unter den vielen Patienten die Wolfurter immer mit besonderer Aufmerksamkeit betreut. Längst ist er nun Professor in Innsbruck und trägt darüber hinaus als Präsident der Gesellschaft für Unfall-Chirurgie hohe Verantwortung für Forschung und Ausbildung. Das erfüllt uns alle mit Freude und Stolz! Im Jahre 1965 übernahm ihn die Hauptschule. Aus Anlaß seines 80. Geburtstages hatte Dr. Böhler das Kapital beachtlich erhöht. Ein Kuratorium vergibt seither jedes Jahr aus dem Zinsertrag ein Buch und eine Geldsumme an die beste Schülerin und den besten Schüler der 4. Klasse Hauptschule. Wenn mehr als zwei gleichberechtigte Preisträger sind, sorgt die Raiffeisenbank dafür, daß das Stammkapital nicht angetastet werden muß. Seit neuestem vergibt die Gemeinde zusätzlich Lehnes Böhler-Buch «Die Geschichte eines Erfolges». Aus den inzwischen über 70 Preisträgern sind eine Reihe geachteter Mitbürger hervorgegangen. Wie schreibt Lehne? - «Genie ist Fleiß!» Krut und Rüoba Als Prof. Lorenz Böhler im Jahre 1965 vom Land Vorarlberg mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde, veranstaltete die Gemeinde einen Festabend, bei dem Bürgermeister Waibel einen von Spengler Martin Schwärzler geschaffenen großen Kupferteller mit dem Gemeindewappen überreichte. Zum Festessen im Stern hatte sich der Ehrenbürger Wolfurter Kost gewünscht. So gab es denn auch «Speock, Krut und Hafoloab» und dazu «Most und Obstlar». Kenner meinten, zum Kraut gehörten eigentlich auch «sure Rüoba». Das hätte Lorenz Böhler vielleicht an jenen uralten Vers erinnert, mit dem man seit eh und je ihn und alle anderen Lorenze hänselte: «Lorenz, klenn Rüoba, groß Schwänz!» Die Bauernregel will damit sagen, daß es an Lorenzi (10. August) zu spät ist zur Rüben-Aussaat. Nach der Vorstellung des Böhler-Buches im September 1992 hielten Dr. Jörg Böhler und seine Schwester Polla mit Frau Lehne und Dr. Beck Einkehr in der «Alten Schmiede» und ließen sich unter dem Bild des Holzer-Schmieds fotografieren. Dr. Jörg erzählte von der Heimatverbundenheit seines Vaters allerlei Anekdoten. So habe er die Patienten gereiht in erstens Wolfurter, zweitens Klasseund drittens andere. Da könnte man eingebildet werden, wenn man liest, daß sich auch Ministerpräsidenten in der Patientenliste befanden. Übrigens wissen sich Wolfurter Verletzte auch bei Prof. Beck - früher in Feldkirch und jetzt in Innsbruck - ganz besonders gut aufgehoben. Böhler Preis Alle Jahre wird in Wolfurt ein kleiner, aber nicht weniger begehrter Preis nach dem Vorbild Nobels verliehen. Als Prof. Böhler 1957 Ehrenbürger wurde, besuchte er seine alte Volksschule im Strohdorf und übergab nach einem Gespräch mit den Schülern dem Schulleiter einen ansehnlichen Geldbetrag «für den besten Schüler und die beste Schülerin». Köb Hannelore und Thaler Heiner waren die ersten Preisträger. Acht Jahre lang vergab die Volksschule den Preis. 30 31 Siegfried Heim die er im Archiv von New Ulm gefunden hat. Darunter ist einer über Maria Kalb, die älteste Tochter des Ferdinand. Sie ist am 15. März 1842 an der Hub geboren und ging noch dort im alten Schulhäuschen zur Schule. In Amerika heiratete sie 1865 Fred Julius . In nur 14jähriger Ehe gebar sie 10 Kinder, die sie als junge Witwe allein versorgen mußte. Als sie - fast 90 Jahre alt - im Februar 1932 starb, widmete ihr die Zeitung als einer der letzten aus den «Pionier»-Tagen von Minnesota einen großen Artikel. Daraus übersetze ich: «Sie war erst 10 Jahre alt, als sie 1852 mit ihren Eltern Mr. and Mrs. Ferdinand Kalb in die United States kam. Sie landeten im Hafen von New York und zogen dann mit einem Ochsengespann westwärts, nach Blackswamp in Ohio, das heute Fremont heißt. 1855 kam die Familie nach Brown county und setzte sich auf der heutigen Albert Groebner-Farm im Gemeindegebiet von Cottonwood fest, genau südlich von New Ulm. Kalb's Creek, Kalbs Fluß, der nahe der Metzenbrücke der Trunk Highway No. 15 in den Big Cottonwood river mündet, wurde nach ihrem Vater so benannt. Während des Indianerangriffs auf New Ulm im Herbst 1862 war die Verstorbene hier im Dakota-Haus beschäftigt. Tapfer tat sie gemeinsam mit anderen Frauen Dienst bei den Verwundeten.» Marias Mutter war schon 1854 gestorben. Aus der zweiten Ehe des Vaters lebten eine Reihe kleiner Kinder auf der Farm, als die Indianer sich am 17. August 1862 auf den Kriegspfad machten. Der Vater war gerade bei der Getreideernte, als ihn ein vorbeireitender Nachbar warnte. Schnell lud er die ganze Familie auf den Ochsenkarren und führte sie zu einem vier Meilen entfernten Sammelpunkt, wo sie sich sicherer fühlten und die Männer bei der Abwehr der Indianerangriffe helfen konnten. Die Familie Kalb mit ihren kleinen Kindern, darunter der erst 7 Monate alte Berthold, floh weiter nach St. Peter. Nach der blutigen Niederwerfung des Aufstandes kehrte sie in ihre Heimstatt am Kalb's Creek zurück. Von den Kalb-Kindern lebten 1930 noch fünf Schwestern und die Brüder Berthold, John und Ferdinand Kalb, letztere in Pine City. Auch wenn ihre Enkel Wolfurt längst vergessen haben, erinnert der Name des Flusses noch an die alte Heimat. Und wenn einmal ein Wolfurter Weltenbummler in Kalbs Fluß seine wundgelaufenen Füße kühlt, dann soll er Grüße von uns ausrichten und vom schönen Dorf am Steußberg erzählen! 33 Kalb's Creek Ein «Wolfurter» Fluß im Wilden Westen Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa 200 junge Wolfurter ihr Heil im fernen Amerika suchten, blieben die meisten in Gruppen beieinander. Viele ließen sich um Fremont, am fruchtbaren, aber teilweise sumpfigen Südufer des Erie-Sees in Ohio nieder. Andere zogen mit ihren Ochsenwagen noch 1000 Kilometer weiter in den Wilden Westen, überquerten den Oberlauf des Mississippi und nahmen Land beim Fort New Ulm am Cottonwood River in Minnesota. Es war Land, das den Sioux-Indianern gehörte, in welches sie hier ihre Grenzpfähle setzten. Das Staatssiegel von Minnesota wurde 1858 geschaffen, also vier Jahre vor dem großen Siouxaufstand. Es zeigt einen pflügenden Bauern, der einen reitenden Indianer beobachtet und dabei sein Gewehr griffbereit hält. Hier in Minnesota lebten damals mehrere Wolfurter Auswandererfamilien. Zu den ersten Siedlern dort gehörte Ferdinand Kalb, geboren am 22. Februar 1813 in «Arnolds Haus» an der Hub, Flotzbachstraße 9. Mit seiner Frau Anna Maria Thaler und den beiden Kindern Maria, 10 Jahre alt, und Katharina, 9 Jahre, verließ er 1852 sein Haus an der Hub und wagte sich auf die große Reise. Auch drei von seinen Brüdern zogen mit: Josef, geboren 1811, Lorenz, 1819, und Martin, 1823. Martin Kalb nahm ebenfalls Frau und zwei kleine Kinder mit. Nun hat mir Herr Wilfried Schneider aus Kanada, dessen Vorfahren ebenfalls damals in New Ulm dabei waren, ein paar Nachrufe aus alten Zeitungen geschickt, 32 Von den daheim gebliebenen Schwestern der vier ausgewanderten Kalb-Brüder aus Arnolds Haus an der Flotzbachstraße (Hubert Mohr hat es 1991 ganz neu hergerichtet) stammen einige Wolfurter Familien: Arnolds und Kampler-Mohrs an der Hub, Nagler-Kalbs an der Ach und an der Kirchstraße. Verwandt sind aber auch Bildsteins an der Hub und im Röhle (Huster, Boch, Bernhards, Schertler Kassians, Heitz, Reiner Mathis, LisloGmeiners und die vielen Bregenzer und Lauteracher Bildstein-Familien). Ihr Bräutigam Johannes Haltmeier, geboren 1751 in Rickenbach, war der Sohn des Adlerwirts Andreas Haltmayer (-ay-, so schrieb der Pfarrer den Namen im Familienbuch!) und der Katharina Zumtobel aus Dornbirn. Der «Adler» war bis dahin auf der linken Seite des Kellawegs gestanden (Nr. 3, Schwerzlers, abgebrochen um 1970 für Halle Doppelmayr). Johannes Haltmayer betrieb dort neben der Gastwirtschaft noch einen umfangreichen Weinhandel und versorgte die Wolfurter Weber auch mit Baumwolle. So gut gingen die Geschäfte, daß er um das Jahr 1800 zuerst den Gasthof «Adler» neu am heutigen Platz errichten konnte und fast gleichzeitig für seinen Sohn Johann Michael Haltmayer das Haus Dornbirnerstraße 4 (Sammüller Lorenzos), das er mit ungewöhnlich großen Gewölben für seinen Weinhandel versah. 1799 starb seine Frau Magdalena, Mutter von 10 Kindern. 1802 verschied ganz plötzlich auch der 27jährige Sohn und Erbe Michael, 1804 folgte ihm der Adlerwirt selbst. Von den vielen Töchtern wurde nun Katharina Haltmayer (1777 - 1842) Adlerwirtin. Sie heiratete dreimal, zuletzt mit dem Vorsteher Leonhard Fink, der 1833/ 34 den Kirchenbau in Wolfurt leitete. Zu Katharinas Nachkommen zählt auch der «Alt-Adlerwirt» Joh. Georg Fischer (1847 - 1918), ebenfalls Vorsteher von Wolfurt und Mitbegründer der ersten Bank und des Konsums in Rickenbach. Wohin aber war die Hochzeitstruhe von 1772 gekommen? Ihren Weg können wir nur vermuten. 1805 hatte die Löwenwirtin Anna M. Albinger nach dem frühen Tod ihres Mannes Joseph Fischer ein neues Haus «in Engliswies» (Schwerzler, Schlattweg 9) gebaut und mit ihrem zweiten Gatten eingerichtet. Ob sie dazu damals schon die Truhe aus dem gerade aufgelassenen «alten» Adler bekommen hat? Oder hat sie erst ihr Nachfolger Ferdinand Haltmayer mitgebracht? Auf alle Fälle hat der 1830 in Alberschwende geborene Melchior Fehle im Jahr 1861 das Haus am Schlattweg mit allem Inventar erworben. Er war einer der ersten Mitarbeiter bei der sich mächtig entwickelnden Firma Zuppinger als Drechsler, Fuhrmann und Müller. Von seinen vielen Kindern konnte der Sohn Gebhard Fehle im Jahre 1900 das heutige Fehlehaus am Rickenbach (Kesselstraße 2) kaufen. Dabei wanderte wohl auch der inzwischen morsch gewordene Schnitztrog mit in das neue Haus, das der 35 Siegfried Heim Der alte Schnitztrog Voll Stolz hat mir Fehles Franz eine uralte Truhe gezeigt. «Sit ma denko ka», stand sie «im Ufzug domm». Vor Jahrzehnten diente sie noch als «Schnitztrog», dann sammelte sich in ihren morschen Fächern allerlei Gerumpel. Nun hat er sie vom Dachboden herabgeholt. Sie wurde sauber geputzt, ein paar fehlende Leisten und ein Stück Brett mußten ersetzt werden. Jetzt funktioniert "das Geheimfach» wieder, in dem man einst Geld oder wertvolle Dokumente verbergen konnte. Zuletzt hat der Maler die schäbig gewordenen Ornamente und Inschriften aufgefrischt. Jeder Besucher kann die gotischen Buchstaben wieder entziffern: Liebet Got und haltet seine Geboth Johaneß Haltmeier und Maria Magdalena Bröllin (empfehlen sich der Gottesmutter) 17 MARIA 72 Die Initialen P.H. deuten auf den Schreiner und Maler hin. Er könnte ein Dornbirner Handwerker gewesen sein, denn aus Dornbirn brachte Magdalena Bröll ihren «Brutt-Wago» mit, als sie 1772 den Wolfurter Adlerwirt heiratete. Anno 1750 war sie in Dornbirn als Tochter des Michael Bröll und der Katharina Herburger zur Welt gekommen. 34 «Säger» Joh. Gg. Müller aus Langen 1887 erbaut hatte. Der Säger hatte nämlich jetzt den Brandplatz in der Nachbarschaft (Dornbirnerstraße 13) erworben und dort 1900 ein zweites Haus erbaut, das erste aber an Fehles verkauft. So hatten diese denn nun eine neue Heimat am Rickenbach. Außer den Wolfurter Klöpplern Fehle stammen aus diesem Haus auch die Götzner Zahnarzt-Fehle und die Lochauer Kaufhaus-Dörler und natürlich Ludeschers Erna und Götzes Lotte in Lauterach. Der jüngste Sohn Gebhard starb 22 jährig bei einer Rauferei in der Silvesternacht 1928. An ihn erinnerten uns zwei alte Nachbarinnen jedes Jahr, wenn wir «zum Nöü-Jöhrlo» auszogen: «Ane, Buobo, tond nit stritto!» Franzosenkriege und Hungersnot, Hochzeiten und schweres Leid - was hat die alte Truhe aus dem Adler nicht schon alles überdauert! - 220 Jahre! Siegfried Heim Altvorstehers Haus Altvorstehers Haus Kirchstraße 11. Ein Bild aus dem Jahre 1910, als er noch Schindelkleid, Vordächle und Sprossenfenster besaß. Um jene Zeit ist auch die «Schuhmacher»-Werkstätte angebaut worden. Fehles Haus am Rickenbach um 1900. Es ist 1887 erbaut worden und seit 1900 im Besitz der Familie Fehle. Ein schmaler Weg führte zu den Äckern in den Kessel hinab. Im Hintergrund Zuppingers Wohnhaus. An der Kirchstraße in Wolfurt hat die Familie Meusburger 1992 eine große Aufgabe in Angriff genommen. Das großeSchertlerhaussoll sein «altes» Gesicht, das es bei mehreren Renovierungen in der Vergangenheit verloren hat, wieder bekommen. Weil es sich um ein historisch für Wolfurt sehr bedeutendes Haus handelt, das dazu noch wegen seiner Lage an der Straße ins Auge sticht, verdient der Bauherr unsere Anerkennung. 37 36
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...1998_ Wolfurt 01.07.1998 19.11.2012, 18:32 Heft 21 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 1998 DasWolfurter Wettersegenkreuz. Eine wertvolle alte Goldschmiedearbeit. Inhalt: 102. 103. 104. 105. Wohnen in Wolfurt GFG, der Ornath-Händler Goldschmiede aus Wolfurt Schnapsbrenner 106. 107. 108. 109. Kammerdiener Kalb (2) Altes Geld Aus Lutzos Notizbuch Flucht in die Höhle Autoren Mag. Christoph Volaucnik, Jg. 1961. Bekannt durch viele Veröffentlichungen in Geschichtswerken und Fachzeitschriften. Als ehemaliger Wolfurter hat er uns schon mehrere Beiträge zur Verfügung gestellt. Volaucnik arbeitet jetzt für das Archiv der Stadt Feldkirch und forscht in seiner Freizeit auch für uns. Mag. Meinrad Pichler, Jg. 1947. Er ist Direktor des Gymnasiums Gallusstraße in Bregenz und hat als namhafter Historiker eine ganze Anzahl von Werken zur neueren Geschichte Vorarlbergs herausgegeben. Besondere Bedeutung hat für uns Wolfurter sein Buch Auswanderer in die USA. Zuschriften und Ergänzungen Das letzte Heft (Nr. 20) hat wieder viel Beifall gefunden. Die Beiträge über die ersten Vorsteher und über die Flatz-Familien haben, wie auch die Geschichte vom Silbersee, zu einer ganzen Anzahl von Nachbestellungen geführt. Dorns Kinder (Heft 20, Bild 19) Martha Hinteregger erinnerte sich, daß auf dem Bild außer Klemens auch die älteste Schwester Antoinette fehlt. Sie sei ihr immer den schönen Namen der unglücklichen französischen Königin neidig gewesen. Der Ippachwald (Heft 18, S.16 und Heft 19, S. 14) Dazu hat das Katholische Bildungswerk Wolfurt am Sonntag, 17. Mai 1998, eine Lehrwanderung durchgeführt: Vom Ippachwald zur Paradieswiese. Mehr als hundert interessierte Wanderer stiegen den steilen Pfad durch den Wald hinauf. Dabei erinnerten sie sich daran, daß auf diesem Weg einst unsere Bildsteiner Vorfahren zur Taufe und zum Friedhof nach Bregenz oder später nach Wolfurt getragen worden sind. Auf der wunderbaren Lichtung Hoamolitto setzten sich Jung und Alt noch einmal zusammen. Kammerdiener des Kaisers (Heft 19, S. 46) Zu unserer Freude hat nach dem Lesen dieses Beitrages der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler den Kammerdiener Kaspar Kalb zum Gegenstand seiner Forschungen in den Wiener Archiven gemacht. Er berichtet darüber in diesem Heft. Dabei hat er dort gleich auch noch einen verschollenen Rickenbacher entdeckt: Mathias Kalb, geboren am 24. Februar 1775, war das 15. von 18 (achtzehn) Kindern des mit Kaspar Kalb nicht verwandten Sebastian Kalb. Die Familie lebte im Haus Bildnachweis Karl Hinteregger Bild 2 Alle anderen aus der Sammlung Heim, meist Reproduktionen von Hubert Mohr oder Karl Hinteregger. Bitte ! Diesem Heft 21 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Wegen der geringen Auflage sind die Druckkosten doch relativ hoch. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Bild 2: Erlebte Heimatkunde auf Hoamolitto 3 domus 127. Es stand am Platz von Hofsteigstraße 53 beim Kreuz und ist 1897 abgebrannt. Nach dem Tod des Vaters und der meisten Geschwister wurde Mathias Kalb Soldat und galt schon 1805 als verschollen. Nun hat ihn Pichler in den alten Schritten in Wien als Schätzmeister bei den Handschuhmachern gefunden. Seine nächsten Verwandten wären heute Kirchberger-Kalbs aus dem Alten Schwanen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 61) Aus Zams hat wieder Sr. Isabella Schedler geschrieben und sich für ein Heftchen bedankt. Dann erzählt sie aus ihren Erinnerungen: Im Kriegsjahr 1918 nahm Igels Hilda sie einmal mit zur Schule. Dort bekamen hungernde Schüler in der großen Pause aus einem Kessel einen Teller Gerstensuppe mit großen schwarzen Su-Kichora (Saubohnen) geschöpft. Später machte sie mit der dritten Klasse unter Lehrer Bitriol einen Ausflug: Eine lustige Fahrt mit dem Wälderbähnle nach Doren, dann zu Fuß über das Tobel nach Krumbach und nach fröhlicher Einkehr wieder zurück. Einsetzender Regen zwang die Klasse zum Unterstehen. Da hielt ein sechssitziges Luxusauto. Alle die vielen Mädchen wurden auf den Polstern übereinander gestapelt. Die Buben band man mit einem Seil auf dem Gepäcksträger und auf den Trittbrettern fest. So erreichten sie alle noch rechtzeitig den Zug am Bahnhof in Bozenau. Auswanderer (Hefte 5, 9, 11, 13 und 15) Wieder sind etliche Briefe von Nachkommen der Wolfurter Auswanderer nach Amerika eingetroffen. Aus Monticello in Iowa schreibt Brenda Knipper, eine Urenkelin des 1888 von der Hub nach Petersburg bei Dubuque ausgewanderten Mathias Bildstein. Während die einst sehr zahlreichen Bildstein im Kirchdorf, in der Bütze, an der Hub und im Röhle mit Klara Bildstein 1951 ausgestorben sind, leben noch zahlreiche aus Wolfurt stammende Bildstein-Familien in Bregenz, Lauterach und eben in Amerika. Dort bewirtschaftet z. B. Jim Bildstein (Jg. 1943) in Delaware County eine Großfarm mit mehreren Quadratkilometern Grund. Natürlich gibt es auch in Wolfurt noch ein paar Dutzend (entfernt) Bildstein-Verwandte - aber keiner kennt den reichen Onkel in Amerika! Aus Fremont in Ohio schreibt Marilyn Fisher. Sie gehört zur Sippe der StöoglarFischer und ist zu den Seppar-, Klosos- und Schnidarles-Fischer in Wolfurt verwandt, aber auch zu ßafto/zar-Schwerzlers und zu Bäschle-Köbs. Ihr Ahn Nikolaus Fischer ist mit seiner großen Familie 1853 aus dem Haus Wälderstraße 10 (Dürs) ausgewandert (Siehe Heft 8, S. 7!). Bruder und Vater waren Sternen-Wirte im Strohdorf gewesen. Nun sucht auch sie Bilder und Informationen für ein Familienbuch. Siegfried Heim Wohnen in Wolfurt Ein Dach über dem Kopf haben! - Grundbedürfnis für alle Menschen, so wie Essen und Schlafen. Ein Haus bauen! - seit ewigen Zeiten ein Urtrieb tief in uns. Kinder bauen ihr erstes Haus aus den Küchenstühlen und einer Wolldecke. Und welch großen Stolz haben sie ein paar Jahre später auf die selbst genagelte Bretterhütte hinter dem Haus oder gar auf dem Baum! Auch die Großen streben nach einem Ziel: nach einem Platz, wo man trocken und warm und in Frieden mit den Nachbarn wohnen kann. Das war immer so, von den Höhlen der Steinzeitjäger angefangen bis zu den Luxusvillen unserer Tage. In den letzten fünfzig Jahren hat sich das Bauen überschnell entwickelt, auch bei uns in Wolfurt. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft haben die meisten der 200 Wolfurter Bauernhäuser ihre alte Funktion mit Stall und Stadel verloren, aber auch als Wohnung für eine Großfamilie mit Großeltern und Tanten stehen sie nicht mehr hoch im Kurs. Viele wurden daher abgebrochen. Bei den meisten anderen wurden die Stadel zu Garagen, Geschäften oder Wohnungen umgebaut. Die Fassaden erhielten durch neue Beläge, "moderne" Fenster und Haustüren ein verändertes Aussehen. Einige wenige von den alten Häusern wurden behutsam restauriert. Die letzten der schönen Rheintalhäuser prägen das Bild unserer Gemeinde. Sie verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit, denn ihre Entwicklung hat mehr als 1000 Jahre lang gedauert. Das Einraumhaus Als die Alemannen um das Jahr 500 in unser Land kamen, waren die aus Stein gebauten römischen Villen in Brigantium mit ihren Säulenreihen und den Hypocaust-Zentralheizungen bereits dem Verfall preisgegeben. Die neuen Siedler erbauten ihre schlichten Häuser in der Nähe von Bächen und Wäldern, bei uns in Wolfurt also am Tobelbach, am Holzerbach in Unterlinden, an der Hub und am Rickenbach. Beim alemannischen hus trugen starke Holzpfosten ein Strohdach. Die Wände bestanden aus einem dick mit Lehm beschmierten Rutengeflecht. Im Lauf vieler Jahre entwickelte sich aus diesem Pfostenbau in manchen Ländern das Fachwerkhaus, bei uns aber das gestrickte Haus. Zuerst bestand es aus einem einzigen Raum. Mittelpunkt war die offene Feuerstelle, die für Licht und Wärme sorgte. Es gab weder Fenster noch einen Kamin, wohl aber genug Fugen für den Abzug des Rauchs. Auf dem festgestampften Lehmboden lag Laubstreu als Schlaflager für die ganze Familie und auch für die Haustiere. An den Wänden hingen Werkzeuge und Waffen. Im Rauch unter dem Dach hielten sich die Vorräte am längsten. Als Tür diente ein Tierfell, das durch große Holzklötze (Riegel) gesichert werden konnte. Für Getreide gab es außerhalb des Hauses eigene Speicher. 4 5 Vorstufen zum Rheintalhaus Viele Jahrhunderte lang genügte das hölzerne Einraumhaus den bescheidenen Ansprüchen der Bauern, während sich in Klöstern und Städten bereits die Steinbaukunst entwickelte. Auch die Burgmauern auf den nahen Hügeln mußten meist von den leibeigenen Bauern aus massiven Steinen aufgetürmt werden. Das Bauernhaus machte erst etwa um das Jahr 1200 den Schritt zum Zweiraumhaus.2 Eine Wand teilte jetzt den Schlafraum von der Wohnküche ab und hielt den Rauch fern. Auch aus der Küche leitete ein großer Rauchfang über dem offenen Feuer den quälenden Rauch durch das Dach hinaus, wenigstens bei günstigem Wetter. Drei Räume Um das Jahr 1500 fand bei uns das Bauernhaus dann schließlich seine Dreier-Grundstruktur irut Küche, Stube und Gaden3. Ein Fundament aus Bruchsteinen schützte die Holzwände vor Bodenfeuchtigkeit. An die Stelle des Strohdaches war ein flaches Schindeldach getreten, das durch schwere Steine gehalten wurde. Scheibenlose Löcher, die durch Läden verschlossen werden konnten, ließen Licht und Luft ein. Wichtigster Raum blieb die Küche, die sich als Flurküche quer durch das ganze Haus zog. Ein abgedecktes Kellerloch im Küchenboden hielt die Feldfrüchte feucht und kühl. Noch immer war ein Laublager im Gaden die gemeinsame Schlafstelle der Familie, nur erwachsene Kinder schliefen auf der Brüge4 unter dem Dach. Wasser schöpfte man aus dem nahen Bach. Schon 1517 legten die Dörfler unter Ammann Sebastian Schnell5 nach dem Vorbild der Städte Düchelrohre vom Schloßbühel zum Kirchplatz und erhielten so ihren ersten gemeinsamen Brunnen. Aber noch bis in unser Jahrhundert, als es neben vielen hauseigenen Laufbrunnen auch längst Pumpbrunnen gab, versorgten sich manche Familien mit Trink- und Waschwasser aus den klaren Bächen. Ein an das Haus angebauter Schopf war zum Vorratsstadel für Getreide, Stroh und Brennholz geworden. In dem darin eingebauten kleinen Stall hatten die Kuh und das Schwein ihre Verschläge. Über dem Schweinestall gackerten in einem Holzkäfig die Hühner. Der Stall diente aber auch als Abort. Erst viel später wurde im Stall oder auch außerhalb neben dem Misthaufen ein Hüsle mit einem Sitzbrett erstellt. Für nächtliche Bedürfnisse hatte man ja im lichtlosen Gaden den Nachthafen. Das Rheintalhaus Im 18. Jahrhundert bildeten sich dann aus dem Dreiraumhaus mehrere Formen unseres Hofsteiger Rheintalhauses heraus. Hauptgrund der Veränderung war der Bedarf nach einem Arbeitsraum für die nun vermehrt auch im Dorf ansässigen Handwerker und nach einem größeren Keller. So baute man jetzt Häuser, in denen die drei Räume unterkellert und damit in den ersten Stock gehoben wurden. Zur Haustüre, die weiterhin auf der Traufenseite des Hauses direkt in die Küche führte, mußte man jetzt über eine hohe Außenstiege hinaufsteigen. Das Baumaterial hatte sich stark verändert. Eine Reihe von Steinbrüchen am Steußberg Die Entwicklung des Flurküchen-Hauses 6 7 V. Das große Rheintalhaus - etwa ab 1700 Bild 5: Kleines Rheintalhaus. Schulstraße 4, Knores. Erbaut 1873, abgebrochen 1984. lieferte jetzt leicht bearbeitbare Mergelsteine für die Mauern des Kellergeschosses und für den Keller selbst, der schließlich ein massives Gewölbe bekam. Mit dem an der Ach gebrannten Kalk konnte man die Mauern festigen. Wichtigster Baustoff blieb aber das Holz aus dem Ippachwald. Aus Tannenstämmen fertigte man die mit der schweren Axt beschlagenen Balken, aus denen die Hauswände gestrickt wurden, und Pfättona und Rafo6 für den Dachstuhl. Breite Fleocka1 brauchte man in großer Zahl für Wände und Decken. Durch den Rauch aus der Küche wurden sie so gebeizt, daß ihnen Fäulnis und Wurmfraß nichts anhaben konnten. Die Fenster besaßen jetzt Butzenscheiben, kleine kreisrunde Glasscheibchen, die in Bleirahmen eingelötet waren. Etwa ab 1750 wurde das flache Schindeldach durch das viel steilere Ziegeldach abgelöst, unter welchem nun auch noch eine Schlafkammer Platz fand. Daneben setzte sich bei vermögenden Familien um diese Zeit auch schon immer mehr die zweistöckige Form des Rheintalhauses durch, die mit zusätzlichen Kammern mehr Schlafplatze für die Großfamilien und für jeden Erwachsenen ein eigenes Bett bot. Gelegentlich und ab 1850 sehr häufig wurden die Kammern als Quartier vermietet. Zusätzlich gewann man durch einen Anbau hinter dem Haus noch einige Räume. Die steinerne Außenstiege wurde fast überall durch hölzerne Innenstiegen ersetzt. Die schwere eichene Haustüre führte jetzt ins Unterhus, einen kleinen Raum am Fuß der steilen Stiege. Die Türe besaß außer dem mächtigen Schloß noch einen Balken als ausziehbaren Nachtriegel, der tagsüber in die dicke Mauer geschoben wurde. Oben in der Küche brannte noch bis etwa 1850 meist ein offenes Feuer unter dem Rauchfang. Wenn die Haustüre geöffnet wurde, trieb der Luftzug den Rauch bis in den Dachboden hinauf. Der Küchenboden bestand über dem Kellergewölbe aus gestampftem Lehm und war mit Steinplatten belegt. Er mußte ja unbedingt feuerfest sein. Trotzdem forderten Feuersbrünste immer wieder Opfer unter den leicht brennbaren Holzhäusern. 8 9 Bild 6: Großes Rheintalhaus. Kirchstraße 2, RichHöfles. Erbaut vor 1760, abgebrochen 1973. Bild 7: Genossenschaftsbrunnen Hub. Neu erstellt 1891. Eine zweite Feuerstelle neben dem Herd beheizte den Ofen in der Stube. Dort wurde nun im 19. Jahrhundert an vielen Orten eine Kust eingebaut, eine beheizte steinerne Ofenbank, die sich zum in den Steinhäusern der Stadt längst bekannten Kachelofen entwickelte. Auch der Herd hatte eine Sandsteinplatte mit zwei Löchern für Kessel und Pfanne und einen direkten Rauchabzug in den Kamin bekommen. In seiner Chronik berichtet Vorsteher Flatz, daß 1860 auch in Buch schon sehr viele Häuser Sparöfen und Kunstherde besäßen.8 Die Steinplatte auf dem Herd wurde bald durch eine gußeiserne Platte mit Ringen ersetzt. Ein eingebautes küpfernes Schiff hielt ständig ein paar Liter warmes Wasser bereit. Das Wasser trug man noch bis 1950 fast überall in Kübeln vom Brunnen in die Küche. Die Wäsche wurde im Freien oder in einer eigenen Waschhütte gewaschen. Hausgemeinschaften und Einzelhöfe hatten inzwischen die Quellen auf den Büheln in ihren Brunnenstuben gefaßt. Mit den großen Brunnen im Dorf, in Unterlinden, Strohdorf, Spetenlehen und Rickenbach gab es in der Gemeinde nun mehr als 50 Laufbrunnen. Dazu kamen seit dem 19. Jahrhundert sehr viele Golggar-Pumpbrunnen. Sie taten noch gute Dienste, bis 1953 das erste Gemeinde-Wasserwerk in Betrieb ging. Und wie war es mit den Badezimmern? Die Germanen hatten, so berichten römische Geschichtsschreiber, noch nackt in den Flüssen gebadet. Die Römer entwickelten in ihren Thermen eine hohe Badekultur. Wannenbäder weist auch der berühmte Klosterplan von St. Gallen aus dem Jahre 820 auf. Und aus Albrecht Dürers großartigen Graphiken erfahren wir, daß zumindest in den Städten noch am Ende des Mittelalters Gemeinschaftsbäder üblich waren. Dann aber begann jene Zeit, wo man Nacktheit mit Sünde in Verbindung brachte. Jetzt erlaubte man dem Wasser keinen Zutritt mehr zur Haut, außer an Gesicht, Händen und Füßen. Mangelnde Hygiene hatte katastrophale Folgen bei Infektions- und Kinderkrankheiten. So war es ein großer Fortschritt, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts wenigstens eine 10 schmale hölzerne Badgelte für den Säugling in Gebrauch kam. Im Winter wuschen nun nach dem Säuglingsbad auch die größeren Geschwister in dem warmen Wasser ihre Füße. Zwei geradezu luxuriöse Badezimmer lassen sich erstmals in der 1907 erbauten Villa Schertler in der Bütze nachweisen, ab 1936 auch eines im Schloß. Nur ganz wenige Badewannen wurden auch in anderen Häusern eingebaut. In den Bauernhäusern tat dagegen höchstens einmal vor hohen Festtagen eine Waschgelte mit heißem Wasser gute Dienste. Voll Neid hörte man davon, daß es in Kennelbach bereits seit 1925 ein Volksbad mit vier Badewannen und ab 1939 ganz moderne Badeanlagen im Kameradschaftshaus gab.9 In Wien gab es das erste Volksbad übrigens auch erst ab 1887. Bei uns in Wolfurt wurden Badezimmer erst in den vielen neuen Einfamilienhäusern ab 1948 allgemein üblich. In den alten Rheintalhäusern wurden sie erst später nach und nach eingebaut. Seither hat übertriebene Hygiene auch schon wieder manches Unheil angerichtet. Zurück zur Küche mit dem alten Feuerherd! Die rußigen Wände bekamen jedes Jahr beim Frühjahrsputz einen frischen Anstrich. Mit selbst gelöschtem Kalk wurden sie gwißlot. Obwohl die Küche düster und dem Durchzug ausgesetzt war, blieb sie noch lange der wichtigste Raum für die Familie. Hier wurde gegessen und hier spielten auch die Kinder, wenn ihnen nicht im Hinterhaus ein Stühle zur Verfügung stand. Die gute Stube blieb ihnen meist verschlossen. Dort, wo der Glaskasten allerlei Schätze und Dokumente barg und wo das große Kanabee und der prächtige Herrgottswinkel Würde und Ernst verlangten, hatten sie nur an hohen Feiertagen Zutritt. Hier waren die gestrickten Wände und die Fleckendecke durch eine Täfelung (a gstemmts Täfor) verschönert worden. Auch außen hatten die rohen Balken gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein ansehnliches Kleid aus Schuppenschindeln bekommen. Dazu gab es jetzt auch Krützstöck mit größeren Scheiben und mit Fensterläden und Vorfenstern für den Winter. 11 Bild 8: Nachtlopf: An bluomoto Nachthafo. Bild 9: Einfamilienhaus mit Kniestock: Wälderstraße 9. Im Gaden standen neben den Ehebetten mehrere Kinderbetten mit rauhen Laubsäcken, doch hatte nur selten jedes Kind ein Bett für sich allein. Das große Lawor auf dem Waschtisch wurde eigentlich nur von Hebamme und Doktor benutzt, wenn sie um Hilfe gerufen werden mußten. Die verschiedenen Nachthafo unter dem Bett, im Nachtkästle oder im Stuhl brauchte man dagegen alle Tage. Seit die Küche nicht mehr direkt neben dem Stall, sondern einen Stock höher lag, hatte man über dem Stall als Abort a Hüsle von der Ströüe-Bo10 abgeteilt. Ein winziges Fensterchen im Bretterschirm ließ Luft in den kalten Raum. Im Schulhaus und im Vereinshaus mußte so ein Plumps-Klo über mehrere Stockwerke funktionieren. Spülklosetts wurden erst mit dem Fließwasser nach 1950 eingeführt. Drunten im Unterhus führte eine Türe direkt in den Stall, eine andere in die Werkstatt und die dritte über hohe Steinstufen in den dunklen Keller hinab. In dem feuchten Raum wurden neben dem in Eichenfässern gelagerten Most auch Obst auf einer Brüge, Kraut in der Stande, Käse im Kästrog, eingekalkte Eier, Essig und Bodobiora kühl gehalten. Eine Werkstatt in der Größe von zwei Stuben mußte damals, als es noch keine Maschinen gab, dem Handwerksmeister samt Gesellen und Lehrling für ihr Gewerbe ausreichen, dem Schreiner, dem Sattler und dem Küfer genau so, wie dem Gerber und dem Schmied. Sehr häufig war in Wolfurt die Werkstatt aber als Webkeller eingerichtet, wo auf dem großen Webstuhl eigener Flachs zu kostbarem Leinen und später Baumwolle zu Tuch gewoben wurden. Nach 1870 stellte man hier Handstickmaschinen und ab 1900 fast überall Stickautomaten auf. Im oberen Stock waren die Schlafkammern für die großen Kinder und für andere Familienangehörige, die hier das Hausrecht besaßen. Oft gehörten altledige Tanten und Onkel zur bäuerlichen Großfamilie, bei der Arbeit genau so wie beim gemeinsamen Essen. In den Kammern standen auch die Vorratstruhen, angefüllt mit Korn, mit 12 Nüssen oder mit Schnitz11, die die Bäuerin auf dem Vordächle oder im Ofenrohr gedörrt hatte. Den Kamin hatte man zu einer Rauchkammer ausgeweitet. Das dort aufbewahrte Selchfleisch von der im Winter geschlachteten Sau mußte, in schmale Binden zerteilt, für ein ganzes Jahr ausreichen. Ganz wichtig war auch der Dachboden. Ufzug hieß der große Raum damals, weil man an einem Seilzug über eine Rolle oder einen Wellenbaum12 schwere Lasten bis unter die Dachbodenbalken heben konnte. Am meisten Platz brauchten da droben die großen Gestelle, an denen die Türkenkolben, ordentlich zu Paaren gebunden, zum Trocknen hingen. Daneben lagerte das Heizmaterial für Herd und Ofen: Buschla, Schittor, Kreos, an vielen Orten auch Schollo oder Trestorkäsle13. Und natürlich war noch Platz für abgelegten Hausrat, alte Werkzeuge und Möbel und vielerlei Kram, der in Schachteln und Kisten auf neue Verwendung wartete. Denn weggeworfen wurde nichts, gar nichts! Bis die neue Zeit das Dorf, die Menschen, ihr Denken und Wünschen völlig veränderte. Bis der Stall geschlossen und die Wiesen verbaut wurden! Die jungen Leute arbeiteten ungeheuer schwer, als sie nach dem großen Krieg die ersten Einfamilienhäuser mit eigenen Händen aufmauerten. Kleine Kniestockhäuser waren es zuerst, mit einem angebauten Holzschopf. Ein Elektroherd mit Zusatzofen und der erste Kühlschrank waren der große Stolz der jungen Hausbesitzer. Jeden Freitag kam die Schwiegermutter zum Baden! Am Samstag brauchte man das Wasser aus dem Boiler für die eigene Familie. Ein paar Jahre später wurden die neuen Häuser schon zweistöckig gebaut. Eine Garage und eine Fernsehantenne gehörten jetzt selbstverständlich dazu, und auch eine Waschmaschine, ja sogar ein Telefon. Und dann überschlug sich das Häusle-Bauen im ganzen Land. Schwarzarbeiter auf der einen, übermoderne Architekten auf der anderen Seite streuten Häuser, Paläste, 13 Betonblocks und Reihenhäuschen wirr und kunterbunt in die Felder und auf unsere schönen Bühel. Alle paar Jahre stellten neue Propheten neue Forderungen auf. Baubehörden und Flächenwidmungsplaner hatten einen schweren Stand. Kritisiert wurde alles und gebaut auch. Der Hausbau war jetzt den kurzzeitigen Modetrends genau so unterworfen wie Damenkleidung oder Haarfrisur. Kratzputz wurde von schwarzem Eternit abgelöst, Sichtbeton von rohen Schirmbrettern und großflächigen Schaufenstern am Wohnzimmer. Von einer Einheitlichkeit der Dachformen, wie sie sich bei uns durch ein ganzes Jahrtausend entwickelt und bewährt hatte, war keine Rede mehr, von Grundrissen, die einer Familie ein ganzes Leben lang genügen sollten, noch viel weniger. Beinahe wäre ein paar Jahre lang sogar das Einraum-Haus wieder modern geworden. Bild 10: Zweistöckig: Wälderstraße 12. Ein Bauplatz in Wolfurt vereinigte zwei der von den meisten Bauwerbern angestrebten Werte in sich. Erstens versprach die Nähe zu den Städten Bregenz und Dornbirn gute Berufsmöglichkeiten. Dann aber bot die Lage im Grünen, nahe bei Wald, Berg und See, auch einen hohen Freizeitwert. Das lockte immer mehr Zuwanderer an, auch als die Bauplatzspreise schwindelnde Höhen erklommen. In seinem Bildband Wolfurt, Ein Dorf verändert sich hat unser Dorffotograf Hubert Mohr das Geschehen dieser Jahre festgehalten. Die meisten heutigen Wolfurter schätzen ihre schönen Wohnungen, die Wärme des neuerdings wieder eingebauten Kachelofens und das Kanapee ebenso wie die Sitzgruppe draußen auf der Terrasse. Für manche ist die Wohnung aber nur mehr Schlafplatz. Am Sonntag suchst du sie vergeblich daheim. Irgendwo auf einer Jacht auf dem See sind sie vielleicht oder am Rasenmähen beim Wochenendhäuschen. Oder aber sie sind zu Nomaden geworden und stecken mit ihren Wohnwagen im Stau am Brenner. Wohnen? - Das heißt doch eigentlich Daheim sein! Warm und trocken und in Frieden mit sich selbst und mit den Nachbarn! ' Kreuzweise übereinander gestapelte Balken (Stricke) werden durch Holzzapfen fest verbunden. 2 Zeitangaben nach Ilg, Volkskunde Vorarlbergs, Band III, S. 291 3 Das Gaden ist die Schlafkammer der Eltern neben der Küche. 4 erhöhtes Holzgestell, auch zur Einlagerung von Vorräten. 5 Siehe Heft 13, S. 26! 6 Die Pfätte (Mz. Pfättona) ist der tragende Längsbalken am Dachstuhl, auf dem die Rafen aufliegen.Diese tragen dann die Dachlatten und die Ziegel. 7 Eine Flecke ist ein schweres starkes Brett, das, genau wie auch der Strick, durch Behauen eines Baumstammes angefertigt wurde. 8 Joseph Flatz, Buch 1860, S. 23 9 Bild 11: Blockwohnungen: Lerchenstraße 11. Sinz, Kennelbach, S. 347 Lagerplatz für Streue '' Dörrobst aus zerschnittenen Äpfeln und Birnen ' 2 Ein drehbarer Baumstamm als Wellenbaum ist im Ufzug des alten Schertlerhauses (AltvorStehers) in Unterlinden erhalten geblieben, I3 Buschein (Reisigbündel), Scheiter, Zweige, Schollen (Torfstücke) und käseförmig gepreßte und getrocknete Maischereste l0 Bild 12: Außergewöhnliche Architektur: Fattstraße 37. 14 15 Siegfried Heim G.F.G., der Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner Es war im Jänner 1977, als sich bei mir daheim im Oberfeld ein älterer Herr als Heimatkundler Ernst Geel aus Sargans vorstellte und in urwüchsigem Bündner Dialekt nach dem Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner in Wollfurt bey Bregenz am Bodensee erkundigte. Der seltsame Name elektrisierte mich. Ich hatte ihn schon viele Jahre früher gehört. In der schattigen Achschlucht in Buch besitzt unsere Familie seit 200 Jahren einen schroff abfallenden Waldteil. Wenn der Vater uns Buben dort die Marken suchen ließ, fanden wir immer wieder auf uralten eibenen Pfählen das Brennmal GFG. Was hieß das wohl? Daheim zeigte der Vater uns dann den vergilbten Marckenbeschrieb aus dem Jahre 1794, in welchem sich neben unserem Ahnherr Crispinus Bildstein, dem Krämer in Hanso Hus an der Wolfurter Kirchenstiege, auch sein Schwager mit eigener Hand ich Gallus Fideli Gantner Fahnenschneider in Wolfurt, als inhaber bemelten Holtz bezeichnet.1 Bild 14: Haus Kirch'straße 22, Rasiorars. Von Fidel Gantner 1772 erbaut. Gall Fidel Gantner (Ganter, Ganther) aus Bregenz-Wolfurt,.Silber- und Paramentenhändler. In den Jahren 1804-1840 lieferte dieser Händler eine ganze Reihe von Kirchengeräten, namentlich Kelche, in Aargauer Pfarrkirchen. Die letzteren haben zumeist kupfervergoldete Füße. Er ließ die Kunden im Glauben, er habe sie selbst gemacht. Die Kelche gleichen auffallend denjenigen des bisher unbekannten Augsburger Meisters IM ... und stammen wahrscheinlich aus dessen Werkstätte 2 Nach den Wolfurter Büchern müssen wir die vielen Geschäfte Gantners auf einen Vater G.F.G. und einen gleichnamigen Sohn aufteilen. Die erste Eintragung hat Pfarrer Jos. Andr. Feuerstein 1772 gemacht: Domus 57 an der Kirchgaße. Gallus Fidelis Gantner von Veldkirch, natus 751 7bris 8, nupsit 1772 Catharina Bildstainin von Wolfurth? Aus Feldkirch stammte also der junge Handelsmann, der 1772 eine der Töchter des schon 1753 verstorbenen ersten Wolfurter Arztes Antonius Bildstein, eine Schwester des Krämers Crispin Bildstein, zur Frau nahm. Zu seiner Hochzeit hatte er im Jahre 1772 ganz neu das Haus 57 in die Kurve der Kirchstraße gestellt. Es trug später noch vier andere Nummern und ist heute unter Kirchstraße 22 (Rasiorars) eines jener schönen alten Rheintalhäuser, die unser Dorfbild prägen. Gantners Frau Katharina starb schon 1791 bald nach der Geburt ihres neunten Kindes. Er heiratete noch im gleichen Jahr Elisabeth Achberger de Besenreuthe, die ihm weitere 8 Kinder gebar, zusammen also 17 Kinder. Viele davon starben allerdings schon in den ersten Lebensjahren. Es muß ein tüchtiger Mann gewesen sein, der in der Zeit der Franzosenkriege ein internationales Handelsgeschäft aufbauen und betreiben konnte. In der Schweiz sind seine Lieferungen in den Aargau 1804 in Mühlau, 1805 in Bünzen, 1813 und 1815 in Waltenschwil nachgewiesen.4 Seine letzte Reise führte Gantner aber nach Tirol. 1817 17 Bild 13: Gantners Schrift: ich Gallus Fideli Gantner Und nun tauchten also Dokumente auf, aus denen ersichtlich wurde, daß jener G.F.G. geschäftliche Beziehungen bis weit in die Schweiz unterhalten hatte. Nach Sargans hatte er zum Beispiel für 25 Gulden ein Meßgewand geliefert. Später fand ich den auffälligen Namen noch oft im Archiv. Als Fahnenschneider bezeichnete Gantner sich selbst, weil er Kirchenfahnen für die damals noch so häufigen Prozessionen herstellte. Ornath-Händler läßt aber den Schluß zu, daß er auch die mit kostbaren Goldfäden und mit Stickereien gezierten Meßgewänder samt Stola und Manipel in seinem Angebot führte. Und eine Forschungsarbeit der Schweizer Historikerin Dora Fanny Rittmeyer (+1966) zählt ihn sogar zu den Goldschmieden: 16 Jäner löte Gall. Ficlele Gantner Fahnenschneider, ist zu Innspruck auf einer Reise an Einem Schlag, welchen er an der Neujahr Nacht bekommen gestorben.5 Durch seine engen Beziehungen zu den Goldschmieden von Bregenz, Augsburg und Feldkirch, hatte Gantner auch veranlaßt, daß zwei seiner Nachbarn im Wolfurter Kirchdorf, die Vetter Joseph Geiger und Joseph Haltmayer, Zugang zu dem außergewöhnlichen Kunsthandwerk fanden. Beide wurden selbst Goldschmiede in Feldkirch. Ihr Leben hat Christoph Volaucnik im anschließenden Beitrag beschrieben. Zwei von den Söhnen Gantners führten das Handelsgeschäft weiter. Der gleichnamige Sohn Gallus Fidel Gantner junior, 1786-1863, belieferte weiterhin die Schweizer Kirchen. Er wird dort von den späteren Forschern mit seinem Vater als eine Person gesehen. Die Familie Gantner galt nach 50 (!) Jahren in Wolfurt immer noch als fremd und mußte jedes Jahr als Beisassen zwei Gulden Fremdengeld bezahlen. 1823 gelang dem Sohn in einem gut vorbereiteten Treffen endlich die Einbürgerung: & Vorstehung durch freiwillige Sammlung von den Gemeindsangehörigen, eingehoben werden solle. Wolfurt den obig. Dato Jos. Aloys Grasmayer PfarrerVorsteher Fink Joh. Georg Kloker Kirchenpfleger Fidele Gantner Ornathändler Kontrakt geschehen in der Behausung des Fidel Gantner Ornathändler zu Wolfurt den 14ten May 1823. In Gegenwart des Hl. Pfarrer Graßmayer, Vorsteher Fink & Gemeinds Rath Klocker, wurde vom gedachten Gantner folgende Kirchenornat in dem billichsten Preise aberkauft, wie folgt. 1.1 Ein Rauchmantel 2.1 Ein Rauchfas 3.1 Ein Stohl zu Kirche 90 fl 15 f 5 f 24 x betragt 110fl 24 x R.W. Nachdeme äusserte sich Gantner, daß er, wie auch schon sein Vater sei. das betreffende Beysas Geld, schon so viele Jahre her an die Gemeinde Wolfurt mit 2fl Jährl. bezahlt haben, und macht gegenwärtig das ansuchen, daß er für sich, und für seine gegenwärtige & nachkommende Kinder, in das Gemeindsbürger recht, mit einer billichen Ausgleichung einverleiben lassen wolle. Mitthin wurde auf gegenseitiger Kontrachirung folgende Ausgleichung gütlich geschlosen, das Gantner für das jähr!. Beysas Geld, überhaupt - 45 fl 24 x sage vierzig & fünf Gulden 24 x R.W. von obiger Summe abzusetzen habe, und somit seye er und seine Familie für je und allzeit wie andere Gemeinds Bürger anzusehen und zu behandeln. Wenn allso diese Schuldigkeit von obigem guthaben abgesetzt wird, so bleibt die Gemeinde dem Gantner - 65 fl. Welcher Betrag auf anlangen des Hl. Pfarrer, 18 Schon 1814 hatte noch Vater Gantner in der Bütze ein neues Haus C 83 gebaut, das bis heute als Bützestraße 7 (Hintereggers) erhalten geblieben ist. Dort lebte jetzt der Sohn Gallus Fidel mit seiner Familie. Aber die Geschäfte gingen schlecht. 1841 mußte er das Haus verkaufen. Er zog zu seiner Tochter Katharina ins Röhle. Sie war dort (heute Bregenzerstraße 8, Geigers) mit Gebhard Klocker, einem Sohn des Kirchenpflegers, verheiratet und begründete mit ihm die große Sippe der Stricker-Klocker. Verarmt starb der einst hochangesehene Ornathändler im Jahre 1863. Auch ein jüngerer Sohn des Fahnenschneiders, Franz Xaver Gantner, geboren 1801, betrieb einige Zeit den Ornathandel. Beim Unterlindenbrunnen war er im ehemaligen Haus Frickenescherstraße 1 mit Anna Maria Bildstein, einer Tochter des Vorstehers Bernhard Bildstein und Enkelin des Krämers Crispin Bildstein, verheiratet. Auch ihn dürften finanzielle oder private Probleme bedrängt haben. Der Pfarrer notierte bald zu seinem Namen: ist itzt nicht mehr bey seiner Frau. Gantner ging nach Amerika und ließ 1855 seinen Sohn Bernhard nachkommen. Ein weiterer Sohn des ersten Fahnenschneiders, Alois Gantner, geboren 1797, hatte mit seiner Familie noch einige Zeit das Vaterhaus an der Kirchstraße bewohnt. Auch er mußte es 1837 an den Orgler Martin Rohner verkaufen. Gantner übersiedelte nach Rankweil und wanderte von dort ebenfalls mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus. So war das Geschlecht der Gantner nach weniger als hundert Jahren schon wieder aus Wolfurt verschwunden. Einzige Nachkommen in Wolfurt und Umgebung sind die vielen Familien der Stricker-Klocker. Ob die alten Meßkelche und das schöne Wettersegen-Kreuz in unserer Kirche oder die prachtvollen Meßgewänder, die zum größten Teil in der Kapelle Rickenbach aufbewahrt werden, allenfalls von der Ornathändlerfamilie stammen, wäre noch zu untersuchen. Einen ganz besonderen Goldschatz hat Gantner aber ohne eigenes Zutun nach fast 200 Jahren noch auf indirekte Weise nach Wolfurt gebracht. Kehren wir dazu zum Anfang dieses Artikels zurück! Als Ernst Geel die erbetene Auskunft bekommen hatte, bedankte er sich dafür mit einer alten Schweizer Zeitung. In den Heimatblättern aus dem Sarganserland vom September 1937 fand sich ein Bericht über den Wolfurter Kelch von Pfäfers.6 Zum ersten Mal hörte ich von dieser großen Kostbarkeit in der Schatzkammer der Schweiz in Zürich. Zwar hatte der aus der Schweiz stammende Gründer des Vorarlberger Landesmuseums Samuel Jenny den Kelch schon 1888 im Jahresbericht beschrieben und ebenso Andreas Ulmer in 19 seinem Burgenbuch von 1925. Dann aber war der Kelch wohl in Vergessenheit geraten. In Benedikt Bilgeris Standardwerk zur Geschichte Vorarlbergs von 1971 fand er jedenfalls keinen Platz. Bei den Vorbereitungen zur Markterhebungsfeier konnte ich nun mit der alten Sarganser Zeitung das Interesse von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank auf den Wolfurter Kelch lenken. Er griff die Idee auf und brachte durch Zusammenarbeit mit Prof. Karl-Heinz Burmeister und anderen Wissenschaftlern innerhalb eines Jahres im Mai 1982 eine große Ausstellung Die Wolfurter zustande.7 Glanzstück war natürlich der 1364 von Ritter Konrad von Wolfurt gestiftete Meßkelch, der mit Zustimmung der Eidgenössischen Kommission erstmals außerhalb der Schweiz im Landesmuseum in Bregenz und dann auch in Wolfurt gezeigt wurde. Die Forschungen in den Archiven Italiens und Ungarns ergaben jetzt unglaublich viel interessanten Stoff über die Ritter von Wolfurt als Söldnerführer in Neapel und Apulien, Herzöge in Ungarn, Gesandte beim Papst in Avignon, aber auch als Äbte und Äbtissinnen und reiche Burgenbesitzer rund um den Bodensee. Ausführlich berichtete Prof. Burmeister darüber in mehreren Arbeiten.8 Schließlich gelang es dem Verhandlungsgeschick von Bürgermeister Hubert Waibel sogar, im Jahre 1985 eine originalgetreue Kopie des Kelchs in den Besitz der Gemeinde zu bekommen. Ein weiter, aber schließlich doch erfolgreicher Weg von Gantner über Geel, Heim, Vonbank, Burmeister und Waibel bis in die Schatzvitrine der neuen Marktgemeinde Wolfurt! Mögen Gantners Name und seine bestickten Ornate auch längst verstaubt und vergessen sein, vom goldenen Wolfurter Kelch und vom Ritter Konrad lernt heute doch jedes Wolfurter Schulkind. Christoph Volaucnik Zwei Wolfurter Goldschmiede in Feldkirch Joseph Geiger und Joseph Haltmayer In einem Dorf wie Wolfurt gab es früher neben den Bauern auch Handwerker, die aber zumeist für den Bedarf der Bauern arbeiteten wie Schmiede, Zimmerleute oder Müller. Handwerker anderer Berufssparten und besonders solche, die sich auf die Erzeugung von Luxuswaren spezialisiert hatten, konnten nur in einer Stadt ihrem Beruf nachgehen und mußten daher ihr Dorf verlassen und in der Fremde ihr Glück versuchen. Wie schwierig der Aufbau einer Existenz in einer fremden Stadt war bzw. wie schwer man es einem Fremden machte, kann am Beispiel des Wolfurter Goldschmiedes Joseph Geiger nachvollzogen werden. Als Joseph Geiger im Jahre 1793 beim Feldkircher Stadtrat um die Verleihung eines Bürgerrechts, also des Rechtes sich in Feldkirch als Bürger niederzulassen, ansuchte, wurde er abgelehnt.1 Da er sich mit dieser Ablehnung nicht abfand und Einspruch erhob, entstanden einige Akten, die auch biographische Hinweise enthalten. Er wurde am 18. März 1767 in Wolfurt als Sohn des Johann Caspar Geiger und der Agnes Haltmayer geboren. Sein Großvater Kaspar stammte aus Buch und hatte 1711 nach Wolfurt geheiratet. Seine Eltern lebten im Haus No. 22 im Loch, das heute noch gut erhalten als Haus Im Dorf 6, existiert. Sein Vater Johann Caspar wurde 1738 geboren und verstarb 1780. Seine Mutter Agnesa Haltmayerin, 1735 geboren, war eine Tochter des Gerbers Kaspar Haltmayer aus der Parzelle Röhle und verstarb am 9.12.1767, also neun Monate nach der Geburt ihres Sohnes. Der Vater heiratete bereits am 11.4.1768 seine zweite Frau Francisca Winder. Aus dieser Ehe stammten sechs Kinder.2 Joseph Geiger machte seine Berufsausbildung zum, wie es in den Dokumenten heißt, „Gold- und Silberarbeiter" in Bregenz. Da er keine Zeugnisse der Zunft vorweisen konnte, verhörte der Bregenzer Stadtrat die Witwe des Lehrmeisters und stellte aufgrund dieser Befragung eine Bestätigung aus.3 Im Feldkircher Stadtratsprotokoll wird erwähnt, daß Geiger zwar ein Vermögen von 550 Gulden besaß, man diese aber für die Gründung einer eigenen Werkstätte als nicht ausreichend ansah. Der Hauptgrund für die Ablehnung dürfte der Schutz der zwei bereits vorhandenen Goldschmiede und ihrer auf der Walz befindlichen Söhne vor einem neuen Konkurrenten gewesen sein. Diese Abschottung des heimischen Handwerks gegen neue Konkurrenz war eine allgemein übliche Haltung des Stadtrates und besonders der Zünfte und wurde in diesem Fall auch ganz offen im Protokoll vermerkt.4 Geiger wiederholte sein Ansuchen im Jahr 1794, es wurden sogar übergeordnete Behörden wie das Landgericht und das Kreisamt eingeschaltet.5 Er legte auch die erforderlichen Papiere vor.6 In einem Brief Geigers vom 25.10.1794 aus Wolfurt weist er darauf hin, daß man ihm die Aufnahme als Bürger versprochen habe, wenn es ihm gelin21 Privatarchiv Heim Rittmeyer, Von den Bregenzer Goldschmieden, Zeitschrift „Montfort", 1966 ' Pfarre Wolfurt, Catalogus II, Seelenbcschrieb von 1772 4 Wie Fußnote 2 5 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 59. 6 Verfaßt von Th. Nigg, abgedruckt in Fortsetzungen im Wolfurter Informationsdienst ab 1980 7 VLM, Katalog 99, Die Wolfurter, Bregenz 1982 8 Burmeister, Das Edelgcschlecht von Wolfurt, Museumsverein Lindau 1984 und Burmeister, Die Siegel der Edlen von Wolfurt, Burgenländische Forschungen VII, Eisenstadt 1984 : 1 20 gen sollte, eine Bürgerstochter zu heiraten. Er meint dazu richtigerweise, daß es ihm schwer falle, dieser Forderung nachzukommen, wenn er nicht in der Stadt leben dürfe. Doch wovon sollte er leben, wenn weder der Goldschmied von Zwickle noch der Gürtler Schädler Gehilfen brauchten? Ein Schreiben des Stadtrats zu dieser eher ungewöhnlichen Forderung nach Brautsuche hat sich nicht erhalten, sie ist jedoch im Stadtratsprotokoll vom 28.10.1794 festgehalten. Man bewilligte ihm auf die Einwände Geigers hin den unentgeltlichen Aufenthalt in Feldkirch auf ein halbes Jahr und versprach ihm die Aufnahme als Bürger, wenn es ihm gelingen sollte eine anständige und „vermögliche" Bürgertochter oder eine auswärtige Frau mit Vermögen zu heiraten.7 Zum besseren Verständnis dieser Bedingungen sei erklärt, daß ein Fremder sich in Feldkirch als Bei- oder Hintersäß niederlassen durfte, wenn er eine Gebühr bezahlte und man bei ihm während dieses halben Jahres auf die Gebühr verzichtete. Der Stadtrat verlangte bei der Bürgeraufnahme immer einen Vermögensausweis, da der Bürger ja im Unglücks- oder Krankheitsfall und daraus folgender Verarmung Anspruch auf Unterstützung hatte und man das Risiko armer Bürger minimieren wollte. Natürlich war das Vermögen eines Bürgers auch für das Steueraufkommen der Stadt wichtig. Geiger gelang es tatsächlich, das Herz einer Bürgerstochter für sich zu gewinnen. Im Jahre 1795 teilte er daher den Behörden mit, daß er gedenke „eine ziemlich bemittelte, und einiger Massen schön wohl bejahrte Bürgerstochter zu verehelichen." Seine Braut war Catharina Doldin, Tochter des Bäckermeisters Isidor Dold, der im Haus No 52, heute Schmiedgasse 52 (Himmer), lebte.8 Geiger war bereit, 400 Gulden Einkaufsgeld und die üblichen fünf Gulden für einen Feuerkübel zu bezahlen. Am 8. Juni 1795 gab er die Heirat mit der 36-jährigen Catharina Doldin bekannt.9 Wie ihm diese Brautwerbung gelungen ist und wovon er in diesem halben Jahr lebte, ist nicht zu eruieren. 1796 half er bei der Verpackung des besonders wertvollen Feldkircher Kirchensilbers in Packkisten für die Flucht dieses Kirchenschatzes nach Schloß Forsteck in die sichere Schweiz.10 Man benötigte sechs Kisten dafür. Diese Flucht fand wegen der aus Süddeutschland heranrückenden Franzosen statt. Der Feldkircher Stadtrat ließ gleichzeitig als weniger wertvoll eingestuftes Kirchensilber zum Einschmelzen in die Münzprägestätte in St.Gallen transportieren und kaufte mit dem Erlös Kriegsmaterial. 1806 entnahm der Stadtrat nochmals Gegenstände aus dem Kirchenschatz zum Einschmelzen. Dieser heute unvorstellbare Vorgang war jedoch durch ein amtliches Dekret und einen Beschluß der Landstände gedeckt." Über Geigers Tätigkeit als Gold- und Silberschmied finden sich noch zwei Eintragungen in den Archivbeständen. 1799 befanden sich russische Truppen unter Führung des Generals Suworow in Feldkirch, waren in Bürgerhäusern einquartiert und schonten das Eigentum der Bürger nicht. Der Stadtmagistrat nahm alle diese Kriegsschäden, Russische Erlittenheiten genannt, in einem eigenen Protokoll auf. Der Bäkkermeister Franz Josef Lisch gab zu Protokoll, daß ihm die Russen silberne Schuhschnallen aus dem Kasten gestohlen hätten. Diese habe er vom Goldschmied Geiger 22 um 24 Gulden gekauft. Er bat um Schadenersatz.12 1801 verdiente Geiger sieben Gulden für das Lampenputzen in der Feldkircher Pfarrkirche St.Nikolaus.13 Seine Frau Katharina Doldin verstarb 1809 im Alter von 50 Jahren. Joseph Geiger heiratete 1810 Crescentia Seger von Braz, die 11 Jahre lang bei ihrem Vetter Spitalverwalter Caspar Leo in Dienst stand. Geiger zahlte für seine Frau 100 Gulden Bürgereinkaufstaxe.14 Aus dieser Ehe stammten sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne. Leo war übrigens der Pate aller Kinder. Patin war Josefa Haltmayer, Ehefrau des ebenfalls aus Wolfurt stammenden Goldschmiedes Haltmayer. Wo hat Geiger in Feldkirch gewohnt? 1796 erwarb er von Felix Schwarzhans ein Haus und einen Garten in der „Krezgasse". 15 Ende 1805, anfang 1806 wird im Stadtratsprotokoll die Versteigerung des Hauses von Geiger erwähnt und die Einräumung eines Pfandrechtes für Geiger bestätigt.16 Ob es sich hierbei um eine freiwillige oder zwangsweise Versteigerung handelte, ist nicht eruierbar. 1797 bis 1813 wohnte die Familie Geiger im Haus No 71, das ist heute das Haus Gymnasiumgasse 2.17 Um 1815 zog sie in das Haus 184, Schmiedgasse 8, das heutige Furtenbachhaus, um. In diesem Haus wohnte auch sein Schwager, der Baumeister Franz Xaver Seeger mit seiner Familie.18 1822 ersteigerte er das Haus 193, heute Schmiedgasse 16, und blieb dort bis 1844.Am 15.7.1844 kaufte Adolf Gorhan dieses Haus.19 Es fällt auf, daß Geiger eigentlich immer in oder Nahe der Schmiedgasse wohnte. Geiger dürfte sich mit dem Hauskauf 1801 verschuldet haben, wie erhaltene Schuldverschreibungen aus diesen Jahren beweisen. Blieb Geiger seinem erlernten Beruf treu? Ab 1813 wird Joseph Geiger als aktiver Unternehmer und Pächter immer wieder in den Akten genannt. 1813/14 war er Pächter der städtischen Ziegelgrube und des städtischen Kalkwerkes.20 1816 ist er Associe des Ziegelstadelpächters Seger, vermutlich seines Schwagers, und sucht in dieser Funktion um die Zuteilung von Brennholz an. 1820 verpachtete die Stadt Josef Geiger auf sechs Jahre die Ziegel- und Kalkbrennerei.21 1819 hatte er das Amt eines Vorspannkommissärs, der für militärische Transporte Pferde zu organisieren und die Unkosten zu verrechnen hatte.22 1820 erhielt er den Posten des Holzmeisters verliehen. In dieser Funktion war er für die Verwaltung des städtischen Holzlagerplatzes, der auf dem heutigen Rösslepark lag, und für die Holzverteilung an die Bürger verantwortlich. 2 ' Er gab diesen Posten erst 1844 auf. 1837 hatte er auch das Amt eines Marschdeputierten inne, der für die Verrechnung des Marschkonkurrenzfonds zuständig war. Mit diesem Fonds wurden die Unkosten der militärischen Truppenverschiebungen und Einquartierungen beglichen.24 Es stellt sich angesichts dieser Aufzählung von Beschäftigungen die Frage, ob er das Goldschmiedehandwerk aufgegeben hat. Im Pachtvertrag 1820 wird er als Goldarbeiter bezeichnet, in den Taufbüchern ist bei der Geburt des Sohnes Ferdinand 1816 als Beruf des Vaters „Handelsmann" vermerkt, während er bei den späteren drei Kindern immer als Goldschmied bezeichnet wird. Joseph Geiger verstarb am 18. März 1845. 23 Ein zweiter Wolfurter Goldschmied, Josef Haltmayer, geboren am 1.April 1775 in Wolfurt als Sohn des Martin Haltmayer und der Maria Rieglin, suchte am 2.4.1805 um das Feldkircher Bürgerrecht an. Er entstammte einer seit 1650 im Wolfurter Kirchdorf beheimateten Familie und war ein Cousin Geigers.25 Über eine Beratung seines Ansuchens konnten keine Unterlagen gefunden werden. Am 22.6. teilten die Feldkircher Gürtler und Goldschmiede dem Stadtmagistrat mit, daß Haltmayer sich im unmittelbar an Feldkirch angrenzenden Weiler Heilig Kreuz, der damals zur Gemeinde Tisis gehörte, angesiedelt hatte. Sie baten um Einschaltung des Vogteiamtes und um die Ausweisung Haltmayers. Sie begründeten diese Maßnahme mit den gesetzlichen Vorschriften, welche die Ausübung eines Kommerzialgewerbes, wie es der Goldschmied war, nur in Städten erlaubte. Ob der Stadtmagistrat wirklich das Vogteiamt einschaltete, konnte nicht nachgewiesen werden. Am 17.1.1807 erhielt Haltmayer endlich das Bürgerrecht verliehen, mußte aber vorher noch eine Umsiedlungsbewilligung vorlegen, sein Vermögen in der Stadt Feldkirch versteuern, 150 Gulden in bar als Einkaufsgebühr bezahlen und einen Feuerkübel anschaffen.26 Am 24.8.1807 heiratete er Josefa Mangengin aus Vandans. Die beiden hatten wenige Tage vor der Heirat einen Heiratsvertrag abgeschlossen, der die Einbringung von 500 Gulden von der Braut und 450 Gulden vom Bräutigam als Heiratsgut vorsah.27 Aus dieser Ehe entstammten 6 Kinder, vier Mädchen und zwei Knaben.28 Rätsel gibt sein 1810 gestelltes Ansuchen um die Baubewilligung für eine Werkstätte im Gewölbe des Hauses Marktgasse 183 auf, da sich dieses Haus nach den erhaltenen Hausnummernverzeichnissen nicht in der Marktgasse, sondern in der Schmiedgasse befand.29 Es war das Nachbarhaus des Hauses No. 184, heute Schmiedgasse 4, in dem die Familie Haltmayer seit ca. 1816 nachweisbar ist.30 Vermutlich ist Haltmayer bzw. dem Schreiber des Ansuchens ein Irrtum in der Hausnummer passiert. Haltmayer ließ 1819 das ganze Haus neu decken. Das feuergefährliche Holzschindeldach wurde durch viel sichere Dachziegel ersetzt, was von der Stadt Feldkirch aus feuerpolizeilichen Gründen finanziell gefördert wurde.31 Über Haltmayers Arbeit als Gold- und Silberschmied ist nur durch einige wenige Akten etwas zu erfahren. Aus dem Jahre 1820 hat sich eine Bestätigung erhalten, daß er an den Postwagenkondukteur Thomas Lechtaler in Wien vier Dutzend silberne und einen vergoldeten Weinkegel übersandte.32 Unklar bleibt natürlich, um was es sich hier handeln könnte. 1821 stellte er für den Hohenemser Juden Markus Steinbach Löffel her, die dieser in Tirol verkaufen wollte. Es waren dies ein Dutzend silberne Löffel, zwei Dutzend silberne Vorlegelöffel, die inwendig vergoldet waren, und ein Dutzend silberne Kaffeelöffel.33 Alle diese Gegenstände trugen als Beschaumarke das Feldkircher Wappen und das Meisterzeichen. Damit garantierte die Stadt Feldkirch den richtigen Silbergehalt der Waren. 1828 kam es zu einer amtlichen Untersuchung wegen der Punzierung von Eßlöffeln. 24 Im Akt wird erwähnt, daß Ware, die Haltmayer nicht auf Bestellung anfertigte, oft Jahre im Geschäft lag. Weiters berichtet er, daß sein Sohn Josef ebenfalls den Goldschmiedberuf erlernt habe und sich auf der während der Gesellenzeit vorgeschriebenen Wanderschaft befand.34 Josef Haltmayer scheint ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen zu sein. Jedenfalls konnte er sich im Verlauf der Jahre einigen Grundbesitz erwerben. Er verfügte über Äcker in Altenstadt, Streuewiesen in Tisis, Torfmähder in Ruggel und über einen Weinberg in der Berggasse am Ardetzenberg.35 Es kann daraus geschlossen werden, daß er neben dem Handwerk auch eine kleine Landwirtschaft betrieb, also ein typischer Ackerbürger war. Er verstarb am 22. Mai 1843. Der Sohn erhielt 1838 die Betriebsbewilligung verliehen.36 1847 baute er seine Werkstätte aus.37 Vater und Sohn waren beide in der Feldkircher Großhammerzunft aktiv. Der Vater hatte 1828 den Posten eines Kerzenmeisters inne, der Sohn war 1861 Kerzenmeister und 1862 Zunftmeister.38 Läßt man diese bewegten Lebensläufe nochmals Revue passieren so fällt auf, daß zuerst ungern gesehene Fremde sich voll in das Leben dieser Stadt integrierten. Es sind dies recht typische Karrieren. Feldkirch stand wie jede Stadt für „Fremde" offen, ja lebte in gewissem Maß vom Zuzug. Das war sicherlich ein typischer Unterschied zu Landgemeinden, die sich meist abschlossen und Zuzug nicht gerne sahen. Interessant ist auch die enge verwandtschaftliche Beziehung dieser zwei Goldarbeiter und der Umstand, daß beide Familien sowohl in ihrer Heimat Wolfurt als auch in Feldkirch in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten. Stadtarchiv Feldkirch, Handschrift 41, Seite 100, 1.8.1793 Biographische Recherchen wurden freundlicherweise von Siegfried Heim durchgeführt 'STAK Akt FI Sch 100/18 4 wie Fußnote 1 5 STAF, Hds.42, 124 6 STAF Hds. 42, 304, 26.4.1794 ' STAF, Hds.43, 492, 28.10.1794 "STAF, Sch 33, 1807 9 STAF, Hds.44. 155. 1795 und 8.6.1795 10 STAF. Hds. 563, 70 " Ludwig Kapp, Topographisch - historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. Bandl.Brixen 1894. S.66 12 STAF. Akt 2396. In diesem Protokoll ist ein zweiter Fall von Diebstahl silberner Schuhschnallen verzeichnet. Ein nach Vaduz gehender Feldkircher wurde von russischen Dragonern aufgehalten und ihm die Schuhschnallen abgenommen. Heute noch gehören diese Schnallen zum Bestandteil der Feldkircher Tracht. "STAF. Hds. 568. 61. 1801 14 Vorarlberger Landesarchiv. Landgericht Feldkirch, Sch 22. Akt 1443 " STAF, Hds. 193, Dok. 31 16 STAF, Einlaufprotokoll 2. 31.1.1807, Publ. 52 2 1 25 17 STAF, Häuserbuch von Leopold Manner. Dort 1797 bis 1809 Geiger angegeben. Nach Akt F I Sch 83/24 bis 1813 dort nachweisbar. 18 Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript. o.J., S.30. Alfons Leuprecht, Die Familie Seeger in Vorarlberg. o.O., o.J.,S 98. Ob Geiger nur Untermieter oder Mitbesitzer war, ist unklar. 19 STAF, Abschrift Seelbeschrieb vom Jahre 1818. Verfachbuchabschrift I, S.162. Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript.o.J., S. 49-50, Abschrift Verfachbuch 13.12.1844, fol. 5876 20 STAF, Akt 686 21 STAF, F II Sch 35/20. Hier auch Hinweis auf Pachtvertrag mit Geiger von 1813. Abschriften Verfachbuch 7.6.1820 22 STAF, Repertorium 19, 1819 23 STAF, Einlaufprotokoll 1820, 4.3.1820 24 STAF, F II, Sch 73/19 25 Biographische Informationen von Siegfreid Heim erhalten 26 STAF, Einlauf- und Ratsprotokoll 2, 1807 27 STAF, Hds. 194, Dok.2 28 STAF, Abschrift Seelenbeschrieb 1818 2 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 24, No.2364, 1810 30 Sessler, Schmiedgassc, S.21. Sessler geht vom Jahr 1818 aus, doch beschreibt Haltmayer einen Brand beim Nachbarn im Jahre 1816 und daraus resultierenden Schäden an seinem Haus 31 STAF, FI, Sch 82/ 31 32 VLA, Lg Feldkirch, Sch 78, 1820. Akt 2026 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 81, 1821, Akt 1271 34 VLA, Lg Feldkirch, Sch 12, 1828, Pub XIX 405 35 STAF, F I, Sch 1/ Steuerakt No. 238 "STAF, FII 11/1 37 STAF, F II Sch 2/23 38 Manuskript Angelo Steccanella: Feldkircher Künstler und Handwerker. Dem Autor sei für die Überlassung des Manuskriptes gedankt. Christoph Volaucnik Von Schnapsbrennern und Bierbrauern Die Hofsteiggemeinden sind unter den Freunden und Kennern hochprozentiger alkoholischer Getränke als Herkunftsregion des „Subirers" und anderer Obstschnäpse bekannt. Die Auszeichnung von Schnapsbrennern aus dieser Region auf Fachmessen und die lobende Erwähnung in der Fachliteratur spricht für die gute Qualität dieser Produkte. Wenn wir aber versuchen, die historische Entwicklung des Schnapsbrennens zurückzuverfolgen, muß man leider feststellen, daß sich in den Archiven kaum Dokumente zu diesem bäuerlichen Nebenerwerb finden lassen. Nur bei strittigen Fällen, Beschwerden und Klagen kam es zur Erstellung von Akten, die sich heute unter Umständen in den Archiven auffinden lassen. Diese Dokumente bieten dem heutigen Leser die Möglichkeit, einen kurzen Einblick in ein Segment des Wolfurter Dorflebens vor gut 160 Jahren zu nehmen, allerdings nur aus der Sicht des Beschwerdeführers und des aktenführenden Beamten. Eine umfassende Darstellung des Schnapsbrennens oder der Trinkgewohnheiten unserer Vorfahren ist mit den folgenden kurzen Berichten nicht möglich und nicht beabsichtigt. 1839 beschwerte sich der Schnapsbrenner Joseph Anton Böhler aus Wolfurt über seine neu entstandene Konkurrenz, acht von der Behörde bewilligte Brennereigewerbe.1 Mit seinem Protest setzte er den Beamtenapparat des Bregenzer Kreisamtes und der Innsbrucker Regierung in Bewegung. Im Tiroler Landesarchiv haben sich die Eingabe Böhlers und die Stellungnahme des ranghöchsten Vorarlberger Beamten, des Kreishauptmanns Ebner, erhalten. Böhler behauptete, daß er im Jahre 1826 der einzige Schnapsbrenner in Wolfurt gewesen sei und erst später der Rößlewirt Johann Kalb, außerdem Martin Schertler, Jakob Schneider, Josef Anton Fischer, Johann Fischer, Kaspar Haltmayer, Joseph Rohner und Joseph Müller ebenfalls zu Konzessionen für das Schnapsbrennen kamen. Im Akt wird diese Dichte von Schnapsbrennern im kleinen Ort Wolfurt als „für das allgemeine Wohl nicht rätlich" bezeichnet und festgestellt, daß der Lokalbedarf damit um das Doppelte überschritten wurde. Sechs Tafernen und zwei Schankwirtschaften soll es 1839 in Wolfurt gegeben haben. Bezüglich seiner verstorbenen Konkurrenten Baptist Rohner und Nikolaus Fischer sowie von Haltmayer und Müller behauptete er, daß sie wegen der hohen Besteuerung sehr schnell mit der Produktion aufgehört hätten, und unterstellte ihnen Schwarzbrennerei. Im Dorf sollen 20 bis 25 Bauern für den Eigenbedarf gebrannt haben. Zu den übrigen Bauern meinte Böhler, daß sie nicht genügend Früchte für die Branntweinerzeugung hatten. Er warf der Konkurrenz auch vor, daß sie heimlich den Branntwein zu Hause ausschenkte und auch kleinweise verkaufte. Als Maßgrößen beim Kleinausschank nennt er" Seidel, Halbe und Maaß". Er befürchtete, daß es durch den unbewilligten Ausschank dieses 27 26 scharfen Getränkes zu Exzessen im Dorf käme und die Dorfjugend verdorben würde. Böhler schätzte, daß in Wolfurt nur zwei Branntweinbrennereien bestehen konnten, neben der seinen noch die des Rößlewirtes Kalb2. Kalb war das Branntweingewerbe angeblich von der Gemeinde bereits zugesichert worden, obwohl die Konzessionsverleihung Sache des Landgerichtes war. Sachlich und informativ fiel der Bericht des Kreishauptmannes aus. Er bestätigte, daß in Wolfurt viele Wein- und Obstgartenbesitzer die Früchte zu Branntwein brannten und jeder seinen eigenen Destillationsapparat besaß. Er meinte, daß die Branntweinerzeugung in Wolfurt ein wichtiger Wirtschaftszweig war und daß man amtlicherseits nichts dagegen einzuwenden hatte, da für den Eigenbedarf erzeugt wurde und kein Ausschank stattfand. Als die oben erwähnten acht Wolfurter um eine ordentliche Brennkonzession ansuchten, lehnte zuerst Ebner ihr Ansinnen ab. Ebner meinte, daß die Entscheidung für oder gegen die Konzessionserteilung schwierig wäre. Es handelte sich ja nur um eine Nebenbeschäftigung der Bauern (die wohl einen wichtigen Teil des Einkommens darstellte), andererseits stufte er den Branntweinkonsum in den Landgemeinden als schädlich ein. Ebner war aber Realist genug zu erkennen, daß gegen einen übermäßigen Schnapskonsum kein direkter Zwang von „oben" her Erfolg hatte. Letztendlich sprach er sich für die Erteilung von Konzessionen aus, da die Schnapsbrennerei damit unter polizeiliche, amtliche Aufsicht kam und der Staat durch die hohe Besteuerung der Schnapsbrennerei Einnahmen hatte. Wenn dem durstigen Wolfurter Wasser, Milch, selbsterzeugter Most und Wein zuwenig waren und er ein Bier wollte, mußte er sich in die Nachbargemeinden begeben. In den Jahren 1839 bis 1841 haben ein Kennelbacher und zwei Harder um Bierbraukonzessionen angesucht. Aus den dabei entstandenen Akten kann man einiges über die Bierbrauereien erfahren. 1841 suchte Joseph Sohm aus Kennelbach um die Gewerbekonzession für eine Bierbrauerei in seinem Heimatort an.3 Kennelbach war damals ein Ortsteil der Gemeinde Rieden, und Sohm hatte von der dortigen Gemeindevorstehung bereits die Bewilligung erhalten. Das Landgericht Bregenz, der Vorgänger der heutigen Bezirkshauptmannschaft, lehnte sein Gesuch jedoch ab. Aus der Begründung für die Ablehnung kann man entnehmen, daß man damals nur während weniger Monate im Jahr, nämlich während der kältesten Jahreszeit, ein gutes Bier bekam. Der Landgerichtsbeamte drückte sich bei der Qualitätsbeschreibung des Bieres während des Sommers und Herbstes recht drastisch aus. Er meinte, daß nur wenige ohne Ekel und Widerwillen imstande wären, dieses Bier in der warmen Jahreszeit zu trinken. Das ist mit der Unmöglichkeit einer dauernden kühlen Lagerung des Bieres zu erklären. Die einzige Kühlmöglichkeit war die Einlagerung von Eis in den Kellern während des Winters. Es soll damals im Gebiet des Landgerichtes Bregenz sehr viele Brauereien gegeben haben. Das Landgericht gibt 15 Brauereien an bei einer Bevölkerung von ca. 20 000. Die Situation der Bierbrauer wird nicht gerade als besonders gut beschrieben. Sie Bild 15: Der Brennhafen. Fahrbare Schnapsbrennerei mit Emil Dür um 1965. sollen keine ausreichenden Betriebsfonds gehabt haben, obwohl gerade dieser Beruf bedeutende Finanzreserven erforderte. Viele Inhaber von Bierbraukonzessionen hatten den Beruf nicht erlernt und waren daher auf Brauknechte angewiesen, die für sie arbeiteten. Als positives Beispiel für gute Bierbrauereien nannte der Landgerichtsbeamte Lindau. In dieser bayrischen Stadt sollen die zwei Brauereien das ganze Jahr über gutes Bier ausgeschenkt haben. In Bregenz gab es 1841 vier Brauereien und in Lauterach zwei. Am Ende des Berichtes vertröstete der Beamte die Kennelbacher damit, daß die nächste Brauerei nur eine halbe Stunde von ihrem Dorf entfernt an der Achbrücke stand, worunter er die Bregenzer Achbrücke verstand. Sohm legte gegen die Ablehnung seines Ansuchens erfolglos in Innsbruck Beschwerde ein. In Hard kam es 1839 und 1841 zu Ansuchen um Bierbrauereieröffnungen. Andreas Büchele von Hard erhielt 1839 die Konzession erteilt.4 Im Akt wird unter anderem betont, daß es wünschenswert sei, wenn „das herrschende Getränk des Branntweins und des Mostes unter der arbeitenden Klasse verdrängt werde". Damit waren die Arbeiter der Textilfabrik Jenny gemeint. Da Büchele den Beruf nicht erlernt hatte, war auch er auf einen Brauknecht angewiesen. Büchele hat von seiner Konzession jedoch niemals Gebrauch gemacht. 1841 suchte der gelernte Bierbrauer Caspar Brüstle in Hard um die Bierbrauerkonzession an.5 Im Akt werden die bei Sohm genannten Argumente über die Bierbrauereien wiederholt. Es wird aber noch ergänzt, daß Brüstle mit seinem Vater erst kürzlich ein Wohn- und Badehaus erworben hätte, ein Keller für die Bierlagerung aber fehle. Als Grund dafür wird sehr hoch stehendes Grundwasser genannt, was auch die Ursache für das völlige Fehlen von Brauereien in den Rheindeltagemeinden 28 29 gewesen sei. Auch hier folgt erneut das Argument über den Most- und Branntweinkonsum der Textil- und Holzarbeiter. Die Gemeinde sprach sich übrigens für die Konzessionserteilung an Brüstle aus, da es in Hard noch keine Bierbrauerei gab. Wenn wir die vielen Details dieser Berichte zusammenfassen, so fällt auf, daß der Schnapskonsum in Vorarlberg früher wahrscheinlich um einiges höher war als heute. Dies kann vermutet werden aufgrund der doch recht hohen Anzahl von Erzeugern und des Hinweises auf den Schnapskonsum der Arbeiter. Interessanterweise konnte in Altenstadt bei Interviews mit Zeitzeugen, ehemaligen Gastwirten und Kindern von Gastwirten, erhoben werden, daß Arbeiter jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit in der Wirtschaft noch ein „Budele" Schnaps tranken. Bei den Bierbrauern fällt auf, daß in allen drei Akten die mangelnde Qualität des Bieres und die fehlende Berufsqualifikation kritisiert wird. Genau dieselben Ergebnisse ergab eine Studie über die Bierbrauereien in Götzis. Die Behörden verwendeten in ihren Berichten dieselben Argumente. Meinrad Pichler Kammerdiener Kaspar Kalb: eine Ergänzung In der Heimat Wolfurt vom Juni 97 hat Siegfried Heim einen Artikel über Kaspar Kalb geschrieben, der eine ungewöhnliche Karriere als kaiserlicher Kammerdiener gemacht hatte. Als Kenner der örtlichen Verhältnisse hat Heim besonders den familiären Hintergrund dieses Wolfurters ausgeleuchtet und den Kaiser, dem Kalb hauptsächlich diente, gewürdigt. Mich hat diese von Heim erstmals vorgestellte Persönlichkeit dermaßen interessiert, daß ich bei meinen folgenden dienstlichen Wienaufenthalten jeweils auch ein wenig in Wiener Archiven nach Spuren von Kaspar Kalb suchte. Einiges war dabei zu erfahren, vieles wird für immer im Dunkeln bleiben. Studium Kaspar Kalb wurde als neuntes von 17 Kindern des Anton und det Benedikte Ka\b am 9.1.1756 in Wolfurt geboren. Das Geburtshaus, das vermutlich von Anton Kalb erbaut wurde, steht heute noch im Strohdorf. Als Paten fungierten Andreas Haltmeier und die Schwester des Vaters, Anna Kalb. Daß gerade Kaspar von den elf Söhnen für eine Bildungslaufbahn ausgewählt wurde, wird damit zusammenhängen, daß die Eltern selbst schon zur damaligen Dorfelite gehörten (der Vater konnte beispielsweise schreiben) und eben dieser Knabe von den Eltern oder vom Pfarrer als besonders begabt angesehen wurde. Wo Kalb das Gymnasium absolviert hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls scheint er aber eine Zeitlang in der Mehrerau gewesen zu sein, da der dortige Oberamtmann im Jahre 1771 aus einer Ausbildungsstiftung der Pfarre Bildstein 27 Gulden erhielt und zwar „für Caspar Kalb an sein Handwerkdeputat für erlernte Rechnungskunst". Und weil es im darauffolgenden Jahr keine Ansuchen um handwerkliche Ausbildungsunterstützungen gab, erhielt Kalb nochmals 28 Gulden. Ab 1775 finden wir Kaspar Kalb als Student der Philosophie in Wien. Die Reichshauptstadt war damals für alle, die nicht Theologie oder Medizin studierten, die erste Adresse. Die Reise dorthin war zwar etwas beschwerlich aber billig. Die Studenten begaben sich meist zu Fuß nach Ulm und trachteten von dort aus auf einem Floß billig donauabwärts mitgenommen zu werden. Eine solche Wienreise dauerte manchmal mehrere Wochen. Aus den Aufzeichnungen der Willi'schen Stipendienstiftung der Pfarre Bildstein ist in den folgenden Jahren zu entnehmen, daß Kapar Kalb kein besonders eifriger Student war, daß er das Philosophiestudium nach einigen Jahren abbrach, um mit Jus zu beginnen, und daß sich seine Studien sehr lange hinzogen, ohne daß sie mit einer akademischen Würde abgeschlossen worden sind. Mehrmals mußten väterliche Garantien die fehlenden Zeugnisse ersetzen. 1784 wurde ihm das Stipendium schließ31 Tiroler Landesarchiv, Jüngeres Gubernium, 1839, Gewerbe 4981, Fasz.865 Johann Kalb, 1799-1875, war von 1835 bis 1842 Rößlewirt und einige Jahre lang auch Gemeinderat. Er ist ein Vorfahre der Wolfurter Nagler-Kalb. 3 TLA. Jüngeres Gubernium. 1841, Gubernium 4569, Fasz.869 4 TLA, Jüngeres Gubernium, 1839, Gewerbe 22969, Fasz. 866 5 TLA, Jüngeres Gubernium, 1841, Gewerbe 6439, Fasz. 869 2 1 30 Wachter und Joseph Bergmann. Dem Bregenzer Bernhard Kiene war er bei der Besorgung einer Hofknechtstelle behilflich und auch sein Wolfurter Dorf- und Namenskollege Mathias Kalb kam vermutlich in den Genuß seiner Protektion. Dieser war zuerst beim Magistrat der Stadt Wien als „Schätzmeister bei den Handschuhmachern" angestellt, ehe er in gleicher Funktion 1832 an den Hof wechselte. Schließlich ist mit Sebastian Kalb ein Neffe des Kammerdieners nach Wien nachgereist, der ihm im Alter offensichtlich eine große Hilfe war und dafür vom betagten Onkel finanziell unterstützt wurde. Sebastian Kalb war selbständiger Bortenmacher, konnte aber offensichtlich ohne die Unterstützung seines Onkels von diesem Geschäft kaum leben. Jedenfalls wurde er nach dem Tod Kaspar Kalbs in den 1850er Jahren verarmt per Schub in seine Heimatgemeinde Hard zurückgebracht. Ein Leben und Sterben ohne Aufsehen Seinem Beruf entsprechend, in welchem Unterordnung, dauernde Präsenz und Diskretion die Grundtugenden zu sein hatten, scheint Kaspar Kalb ein zurückgezogenes und sparsames Leben geführt zu haben. Eine Zeitlang (bis 1824) war er verheiratet und hatte seine Privatwohnung in der Mariahilferstraße. Kinder hatte er keine. Nach dem Tod seiner Frau hat Kalb im Kirchberg'schen Stiftungshaus für Hofbedienstete am Spittelberg Wohnung genommen, wo er bis zu seinem Tode am 16. April 1841 blieb. Er beschäftigte eine Hausmagd, die in den letzten beiden Monaten von einer Krankenpflegerin unterstützt wurde. Bis zu seinem 85. Geburtstag im Jänner 1841 hat Kalb in der kaiserlichen Kammer gearbeitet. In seinem Testament hatte er eine „Stille Beerdigung" gewünscht mit dem einzigen Zusatz, daß zehn Armen, „die beim Ceremonial erscheinen je 20 Kreuzer" zu geben seien. Und auch die übrigen Bestimmungen des kurzen Testaments waren recht unspektakulär: Die Magd sollte die Einrichtung ihres Zimmers und der Küche erhalten, seinem Neffen Sebastian Kalb, der die letzten Verfügungen zu vollstrecken hatte, wurden alle übrigen Einrichtungs- und Kleidungstücke zugesprochen, die nur einen Schätzwert von 260 Gulden ausmachten. Seine Ersparnisse hatte der Erblasser in relativ komplizierten und - wie sich für die Erben erweisen sollte - unsicheren Transaktionen angelegt. Insgesamt hatte der Kammerdiener ein enormes Vermögen von 40.000 Gulden angespart, das zu gleichen Teilen an alle 12 lebenden Kinder seiner Brüder Johann Georg (Wolfurt), Benedikt (Hard), Andreas (Bregenz) und Balthasar (Wolfurt) gehen sollte. Allerdings meldete ein Wiener Kaufmann, dem Kalb einen Kredit von 20.000 Gulden gewährt hatte, wenige Tage nach der Testamentseröffnung seine Insolvenz an und aus der Masse war nicht mehr viel zu holen. Auch ein gewisser Freiherr von Bendern, der Kalb 4000 Gulden schuldete, zögerte lange mit der Rückzahlung. Wieviel die Erben tatsächlich erhalten haben, läßt sich aus dem komplizierten Verlassenschaftsakt, der erst 50 Jahre nach Kaspar Kalbs Tod geschlossen wurde, nicht mehr exakt feststellen. Jedenfalls haben drei Generationen von Wiener Notaren und Bregenzer Rechtsanwälten ordentlich mitverdient. Dies umso mehr, als 1885 der ohnehin komplizierte Erbfall neu aufgerollt wer34 den mußte, da man bei der Erstabwicklung eine Harder Nichte vergessen hatte. Zumindest auf diese Art blieb der bescheidene Kammerdiener Kaspar Kalb noch weit über seinen Tod hinaus in vieler Munde und zu unserem Glück in den Akten. Quellen: Stadtarchiv Wien, Verlassenschaften 2/2408/1841 Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, Akten des Oberstkämmereramtes 507 und 864/1807, 176/809/1830, 172/580/1837,37/8/1841 Vorarlberger Landesarchiv, Hs. U. Cod. Pfa. Bildstein 11 Hof- und Staats-Schematismus des österreichischen Kaiserthums (Jahre 1799 bis 1841) Siegfried Heim: Kammerdiener des Kaisers. In: Heimat Wolfurt, Heft 19, 6/97 Ivan Zolger: Der Hofstaat des Hauses Österreich, Wien 1917. 35 Siegfried Heim Vom Gulden zum Schilling Um das Jahr 2000 soll unsere Währung vom uns so lieb gewordenen Schilling auf den von vielen noch gefürchteten Euro umgestellt werden. Solche Veränderungen bringen viel Kopfzerbrechen mit sich. Dabei haben wir im Lauf der Geschichte doch schon etliche bewältigt. Und wenn ein vereinigtes Europa einen einzigen Krieg unter Nachbarn verhindern kann, dann ist dafür kein Preis zu hoch. Geld hat eine lange Geschichte. Der ursprüngliche Naturalien-Tauschhandel war schon in der Bronzezeit durch Bezahlung mit Metallstücken ergänzt worden. Den Lydern in Kleinasien schreibt man die Erfindung von geprägten Münzen um 700 v. Chr. zu. Bei Persern, Griechen und Römern entwickelte sich daraus schnell der Handel mit Geld. Könige und Kaiser prägten immer mehr Münzen aus Gold, Silber und auch aus Kupfer. Denar Die erste in unserem Land zur Zeit von Christi Geburt eingeführte Münze war der aus Silber geprägte römische Denar. Als Brakteat trug er nur auf einer Seite das Bild des jeweiligen Kaisers. Im Landesmuseum sind viele solche in langer Zeit schwarz gewordene Silberdenar zu sehen. Die meisten wurden in Brigantium gefunden, einige auch an der Römerstraße in Lauterach. Pfennig Im Reich Karls des Großen war um 800 n. Chr. aus dem Silberdenar ein Silberpfennig geworden. Zum Schutz gegen Verfälschungen wurde er abgewogen. Ein Pfund ( 1 1 / libra) mußte 240 Pfennige enthalten. 12 Pfennige (12 d / denar) galten als ein Schilling (1 s / solidus). Als Münzen wurden aber nur die Pfennige geprägt. 1 1 = 20 s = 240 d 1 s= 12d Diese Währung galt bei uns mit den Konstanzer Pfennigen bis zum Ende des Mittelalters, im übrigen Österreich meist mit Friesacher oder mit Wiener Pfennigen. In England galt diese Einteilung sogar bis 1971 (!): 1 Pfund Sterling = 20 Shilling, 1 sh = 12 pennies. Was konnte man bei uns im Mittelalter dafür kaufen? Einigen Aufschluß geben die Zchentbücher des Klosters Mehrerau, in denen die Mönche schon um 1290 fein säuberlich aufschrieben, was ihre Lehensnehmer jedes Jahr zu bezahlen hatten.' Ein Schwein kostete 8 s, also 96 Silberpfennige. Ein neun Pfund schwerer Käslaib kostete 6 Pfennige. Das Dorf Wolfurt gehörte zwar damals zum Kellhof und damit zum Kloster Weißenau. 36 Aber Rickenbacher Namen tauchen in den Mehrerauer Büchern häufig auf: ruozinberc (Rutzenberg), slattingen (Schlatt), rikkenbach, dictus spaete (Spetenlehen), de molendino in rikkenbach (aus der Mühle in Rickenbach). Der Hof auf dem Rutzenberg schuldete jährlich als Lehenszins 13 s. 2 scap. 50 ova. De orto 3 s. Das waren 13 Schillinge (156 Silberpfennige), 2 Schweinsschinken, 50 Eier und dazu aus dem Garten eigens noch 3 Schillinge. Das Gut im Schlatt kam dagegen mit der Zahlung von 18 den, also dem Wert von drei Käslaiben davon.2 Von viel größeren Summen erfahren wir aus Kaufverträgen. Im Jahre 1402 verkaufte Junker Hans für 500 Pfund Pfennige die Hälfte von Schloß Wolfurt an das Kloster Mehrerau.3 Ritter Ulrich von Schwarzach verkaufte 1451 seine Burg Veldegg im Wolfurter Oberfeld samt einem Haus in Bregenz und einem Hof in Schwarzach für 944 Pfund Pfennige ebenfalls an Mehrerau.4 Welch ungeheure Massen von Silberpfennigen mußten da bewegt, abgewogen und in mächtigen Truhen verschlossen werden, auch wenn sicher nicht alles bar bezahlt wurde! Gulden und Taler Kaufleute benötigten für große Werte andere Geldeinheiten als die Silberpfennige. In Florenz hatte man deshalb schon 1252 Goldstücke zu Münzen geprägt, die Florentiner Gulden. In Schwaz in Tirol ließ Herzog Sigismund (der Münzreiche!) ab 1484 aus Silber eine große Münze im Wert eines Guldens prägen, die bald als Taler (von Joachimsthal in Böhmen) in alle Welt hinaus ging. Der Pfennig war zum silbernen Kreuzer geworden. 3-Kreuzer-Stücke wurden als Groschen geprägt, an manchen Orten auch 4er als Batzen oder 6er als Sechser. Diese Münznamen kennen wir heute noch aus alten Volksliedern. Im Jahre 1753 versuchte Kaiserin Maria Theresia, Ordnung in die von Land zu Land verschiedenen Geldsorten zu bringen. Sie schuf in Übereinkunft mit Bayern für Österreich die Conventionswährung: 1 Taler = 2 Gulden = 120 Kreuzer 1 fl (Gulden) = 60 x (Kreuzer) Der Maria-Theresien-Taler aus Silber gewann weit über Österreich hinaus Bedeutung. Im Orient blieb er bis in das 20. Jahrhundert ein beliebtes Zahlungsmittel. Er wird in Wien auch heute noch geprägt. Das Gleiche gilt für den Dukaten aus Gold, der schon im 14. Jahrhundert aus Venedig nach Österreich kam und bei uns immer noch als Wertanlage geschätzt wird. Die Geldknappheit wegen des Siebenjährigen Krieges gegen Preußen zwang Maria Theresia, im Jahre 1762 auch erstmals Papiergeld auszugeben. Sie ließ Banknoten mit Werten zwischen 5 und 100 Gulden drucken. Die Bancozettel haben aber schon in der ersten Inflation von 1809 den größten Teil ihres Wertes verloren. Das Vertrauen auf Papiergeld ist seither auch von anderen Regierungen noch mehrmals arg miß37 braucht worden. Silbergulden und die ab 1760 aus Kupfer geprägten Kreuzer hatten ihren Wert behalten. In den Hohenemser Fallbüchern wurden um 1760 die Abgaben aus dem Kellhof Wolfurt aufgeschrieben. Eine Kuh kostete 8 bis 16 Gulden, ein Roß 12 bis 24, manchmal auch mehr als 30 Gulden. Die Wolfurter Bauernhöfe wurden im Steuerbuch von 1785, als Ried und Ippach noch nicht verteilt waren, im Durchschnitt mit etwa 1000 Gulden bewertet, nur wenige mit mehr als 2000 Gulden.5 Für 4500 Gulden löste Hofsteig-Ammann Joseph Fischer 1771 den Kellhof Wolfurt mit vier dazu gehörigen Höfen aus dem Besitz der Gräfin Rebecca von Hohenems.6 Der aus Buch stammende Holzmüller Johann Stadelmann konnte 1772 das Schloß Wolfurt samt dem großen Bühel für 3600 Gulden kaufen.7 Auch die kleinen Dinge hatten ihren Preis. Im Jahre 1822 rechnete der Schulaufseher mit der Gemeinde ab: 1 Reißbley (Bleistift) 3 x (Kreuzer) 1 Buch Schreibpapier 12 x 1 Dutzend Tintengläser 12 x 1 Büschel Schreibfedern 20 x 1 Lesebuch 20 x 1 Bettnoster (Rosenkranz) 7 x 8 Den Ausgaben muß man immer den Arbeislohn entgegenstellen. Ein Taglöhner erhielt für einen ganzen Tag Arbeit in Feld oder Wald oder auch bei einem Handwerker nur 30 x, also einen halben Gulden. Dabei waren die Grundnahrungsmittel keineswegs billig: 1 Kilogramm Mehl 10 x 1 Liter Milch 4x Zudem lasteten auf den meisten Höfen große Schulden bei Kirche, Schulfond oder bei den Geldverleihern in der Stadt, für die jährlich 5 Prozent Zinsen bezahlt werden mußten. Silbergulden Im Jahre 1857 stellte Österreich seine Währung auf das Dezimalsystem um. Jetzt galt: 1 fl (Gulden) = 100 x (Neukreuzer) Nur mehr 4- und 8-Guldenstücke wurden jetzt aus Gold geprägt, 2er und 1er dagegen aus Silber. Einige Preise aus dem Wolfurter Gemeindeblatt von 1891: 1 kg Maismehl 11 x l kg Mehl 18 x 1 kg Schweineschmalz 60 x 1 1 Wein (über die Gasse) 32 x Goldkronen Schon 1892 kam die nächste Umstellung, diesmal auf Goldkronen. Für einen Gulden erhielt man zwei Kronen. Neue Einheiten also jetzt 1 K (Krone) = 100 h (Heller) In den auf die Jahrhundertwende folgenden goldenen Stickerzeiten stand bei uns in Wolfurt der Schweizer Franken besonders hoch im Kurs. Da bezahlten die Sticker nicht selten mit einem Füf-Libar (Fünf-Franken-Stück). Als dann 1914 aber der Weltkrieg ausbrach, verschwand ganz schnell alles Hartgeld in den Sparstrümpfen. Die Regierung mußte Papiergulden drucken lassen. Das Papiergeld verlor ständig an Wert. Die Inflation steigerte sich bis 1922 in rasender Eile. Postmeister Rudolf Böhler notierte wichtige Preise in seiner Chronik: 1914 1917 1922 " 1 kg Mehl 0,38 K 0,70 K 550,- K 1 kg Maismehl 0,21 0,74 450,1 kg Butter 2,20 5,80 2 400,1 kg Rindfleisch 2,10 5,60 800,1 kg Schweinefleisch 2,30 6,50 2 000,Damit war aber das Ende der Teuerung noch nicht erreicht. Die Preise stiegen noch einmal auf das Zehnfache. Eine Briefmarke kostete 1914 noch 10 Heller, 1923 aber 1500 Kronen.9 Der Staat druckte riesige Banknoten. Die größte vom September 1922 hatte einen Nennwert von 500 000 Kronen. Der Stundenlohn eines Arbeiters lag jetzt bei 10 000 Kronen. Im Jahre 1923 konnte Bundeskanzler Seipel mit einer riesigen Anleihe vom Völkerbund die Inflation endlich stoppen. Bild 17: Inflation beim Tanzabend: 1919 kostete der Eintritt noch 2 Kronen, 1924 dagegen 4000 Kronen. 38 39 Schilling I Mit Datum vom 1. Jänner 1925 wurde eine ganz neue Währung eingeführt. Für 10 000 Kronen bekam man jetzt 1 Schilling. 1 S (Schilling) = 100 g (Groschen) Das Geld erwies sich jetzt als stabil. Für die allermeisten Österreicher wurde ihr Alpen-Dollar sogar bald sehr rar. Nach dem Schwarzen Freitag, dem 25. Oktober 1929, war eine furchtbare Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, die überall zu Arbeitslosigkeit und Hunger führte. Einige Preise vom Wolfurter Turnfest 1930: 1 großes Bier 1,- S 1 Limonade 0,40 S 1 Liter Wein 3,20 S 1 Schübling mit Brot 0,60 S Reichsmark Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein. Ab 17. März galt auch bei uns die deutsche Reichsmark. Für eine Reichsmark mußte man 1,50 Schilling umwechseln. 1 RM (Reichsmark) = 100 Rpf (Reichspfennig) Durch die Zwangswirtschaft blieben während des langen folgenden Krieges die Preise absolut stabil. Genau wie 1938 galt auch noch 1945 1 kg Mehl 0,45 RM 1 1 Milch 0,30 RM Schilling II Nach Kriegsende führte Österreich am 20. Dezember 1945 wieder die SchillingWährung ein. Für eine Reichsmark erhielt man jetzt einen Schilling. Allerdings bekam jeder Bürger nur 150 S in die Hand. Alles andere wurde auf Sperrkonten verrechnet. Kubikmeterweise wurden Papier-Reichsmark eingesammelt und vernichtet. Nicht wenige sollen auch in den Öfen der Schwarzhändler verbrannt worden sein. Groschen gab es noch keine. Als Münzen verwendete man noch weiterhin die alten Reichspfennige mit dem Hakenkreuz. Weil zusätzlich die Besatzungssoldaten ihre schon 1944 in den USA gedruckten Alliierten Militärschillinge auf den Markt warfen, hatte niemand Vertrauen in das Papiergeld. Es entstand schnell ein Schwarzmarkt mit einer seltsamen Währung aus Schnaps, Butter und Zigaretten. Das Gesetz vom 19. November 1947 brachte neue Schilling-Banknoten und jetzt endlich auch wieder österreichische Münzen. Und wieder erhielt jeder Staatsbürger nur 150 neue Schillinge. Diesmal wurde das übrige Geld gleich um zwei Drittel abgewertet. Ab 1948 brachte der Marshallplan mit seinen ERP-Mitteln die Grundlagen zur Gesundung der Wirtschaft. Mit der Vollbeschäftigung setzte gleichzeitig eine starke Geldentwertung ein. Bis 1952 stiegen die Lebenshaltungskosten auf das Sie40 benfache. Eine Reihe von Lohn-Preis-Abkommen minderten das Ansehen unseres Geldes. Das änderte sich mit dem Raab-Kamitz-Kurs ab 1953. Im Jahre 1955 gab es zum Staatsvertrag sogar die ersten silbernen 25er-Münzen. Zwar verschwanden sie ebenso schnell bei den Sammlern wie 1976 die wie aus einem Märchen auftauchenden Gold-Tausender, aber die Finanzwelt hatte Vertrauen zu unserem kleinen Land gefaßt. Längst stellt sich unser Schilling selbstbewußt als öS und seit einiger Zeit als ATS frei austauschbar der Konkurrenz aus den anderen Industrienationen. Das erwarten wir im nächsten Jahrtausend auch vom neuen Euro, von unserem Euro. 1 Benedikt Bilgeri, Zinsrodel Mehrerau, 1940 Wie 1, Seite 13 'Andreas Ulmer, Burgen, 1925, S. 390 4 Wie 3, S. 394 5 Volaucnik. Sozialstrukturen, Heimat Wolfurt, Heft 6, S.16 fi Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV 1952, S. 11 7 Wie 3, S 397 8 GA Wolfurt, Schachtel 1822, Schule " Karl Gcrstgrasscr, 100 Jahre Raiffeisen Thüringen, 1995. Diesem Buch sind auch einige der nachfolgenden Daten entnommen. 2 41
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...992_A Wolfurt 01.04.1992 19.11.2012, 18:31 Heft 9 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 92 Maria Bildstein feiert Jubiläum. Im Jahre 1692 wurden die beiden Türme gebaut. Damals gehörte die Wallfahrtskirche zu Wolfurt. Inhalt: 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Nach Amerika (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz BILDNACHWEIS: Titelbild: Kurt Gramer, München S 5, 8, 14, 17, 22: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern» S 13, 16, 20, 21, 25, 26, 29, 32: Siegfried Heim Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 8 DIE AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Zu «Volkszählungen» ist in der Zeitschrift «Montfort» 1991/4 von Kurt Klein eine sorgfältige Übersicht erschienen. Danach hat sich die Einwohnerzahl Vorarlbergs seit 1769 von 58700 auf jetzt 333000 verfünffacht. In der gleichen Zeit hat sie sich in Wolfurt von 726 auf 7326 verzehnfacht. In Österreich lebten 1991 pro km2 93 Einwohner, in Vorarlberg aber 128. In Wolfurt liegt die Dichte sogar bei 733 Einwohner pro km2. Die Zahlen von Heimat 8, Seite 4 und 5, werden weitgehend bestätigt. Bei den einander konkurrierenden Gemeinden Lauterach und Wolfurt war Lauterach erstmals von 1923 bis 1961 größer als Wolfurt. 1971 und 1981 lag wieder Wolfurt voran. 1991 hatte aber Lauterach fast 300 Einwohner mehr (7617). Schwarzach hatte 1850 noch genau 200 Einwohner weniger als Bildstein (701 /901). Erstmals 1869 überholte die expandierende Industriegemeinde die abnehmende Wallfahrtsgemeinde (869/807) Heute hat Schwarzach viereinhalbmal soviel Einwohner als Bildstein (3182/712). Zu «Schulschwestern»: Der Beitrag erreichte unsere letzte Schulschwester Regina auf ihrem Krankenlager an der Kettenbrücke. Sie hat sich seither gut erholt und ist wieder nach Wolfurt heimgekommen. Wir wünschen ihr Glück zur Genesung! In Innsbruck hat sie das Heftchen auch ihren Mitschwestern gezeigt und einige alte angefordert. Zwei Briefe sind seither gekommen: Sr. Leopolda (Hintereggers Annele, geboren 1917 in der Bütze. Sie war viele Jahre Kindergartenschwester in Egg.) bedankt sich besonders für die Mundart-Ausdrucke in Heft 4: «Ich hab immer wieder laut gelacht». Sie grüßt mit «Lang, lang ist's her .. !» Sr. Maria Regina Schertler (geboren 1929 im Strohdorf und von ihren Mitschülerinnen «Simones Helene» genannt) meint mit freundlichen Grüßen: «Beim Lesen tauchen Erinnerungen auf und führen zurück in eine Zeit, die etwas anders war als heute. Aber jede Zeit hat eben ihre Geschichte, die schön und lebenswert ist.» 1 Danke! Sehr viele Bezieher von «Heimat Wolfurt» haben große oder auch kleine Beiträge zur Deckung der Druckkosten auf Konto Raiba 87957 einbezahlt. Ihnen allen sei von Herzen gedankt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Siegfried Heim Bildstein und Wolfurt Zu Häuser im Strohdorf sind keine Beiträge eingelangt. Niemand klagt über die «Übernamen». Heute ist man auf Hausnamen stolz. Ich möchte aber gerne einige mehr kennenlernen. Bi «Ma goht is Holz» bi-n-i seol druf ku, daß i do Zabie vorgeosso heo. Zu den Anzeigen aus dem Gemeindeblatt hat man mich nach Mode, Fisolen und Unschlitt gefragt. «Mode» nannte man bei uns den von Pfarrer Kneipp propagierten Feigenkaffee. Er soll ursprünglich (nach Jutz) die Aufschrift «Mode d'emploi» (Gebrauchsanweisung, franz.) getragen haben. «Fisolen» nannte man im Oberland die Stangenbohnen. An vielen Orten hießen sie «Spizöla», bei uns aber «Kichora». In Lustenau unterscheidet man «Spizöla» und «Krüchora». «Uschlitt» heißt das minderwertige Rinderfett, das man zu Talglichtern und Unschlittkerzen verarbeitete. Mit Hilfe von Holzasche aus dem Kachelofen kochte man daraus auch Seife. Weil das ein langwieriger Vorgang war, betitelte man langweilige Menschen manchmal «Soafo-Südar.» Beim Jubiläum der Wallfahrt dürfen auch wir Wolfurter mitfeiern. Heuer, im Jahre 1992, läuten die Glocken von Maria Bildstein aus besonderem Anlaß: Vor 200 Jahren hat sich Bildstein von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst und 1792 erstmals einen eigenen Pfarrer bekommen. Und vor 300 Jahren wurden 1692 die herrlichen Barock-Doppeltürme errichtet und damit der Kirchenbau abgeschlossen. Die Pfarre Bildstein wird dazu heuer eine Festschrift herausgeben. Ergänzend will dieser Beitrag die engen Beziehungen von Wolfurt zu Bildstein aufzeigen. Die Leute vom Berg Um das Jahr 610 hatten die irischen Mönche Kolumban und Gallus in Bregenz das Christentum gepredigt. Bald gehörte das ganze Umland von der Leiblach bis zur Schwarzach zur Pfarre St. Gallus in Bregenz. Im 12. Jahrhundert gab es in Wolfurt bereits eine Kapelle St. Nikolaus. Um diese Zeit hatten die Hofsteiger begonnen, die Hänge des Steußberges zu roden und zu besiedeln. «Steußberg» heißt nach der Meinung des Bildsteiner Pfarrchronisten eigentlich «Steigsberg». Die Leute vom Berg gehörten ja auch zum Hof Steig bei Rickenbach und zum Gericht Hofsteig, das seinen Sitz später nach Lauterach verlegte. Dort galt der Raum am Steußberg weiterhin als eine Einheit, etwa wenn bei der Ammannwahl drei Kandidaten vorgeschlagen wurden: «drey ehrliche männer, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, abm berg oder von Schwartzach» (Landsbrauch von 1544). «Abm berg» waren die Leute von Buch und Bildstein, das noch bis ins 18. Jahrhundert den Namen «Berg» trug. Die Leute vom Berg mußten viele Jahre mit den anderen Hofsteigern durch die Achfurt waten, wenn sie zum Gottesdienst nach St. Gallus in Bregenz gingen. Sie 3 2 beteiligten sich daher auch an der Errichtung einer neuen Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt im Jahre 1512: «... wür gemaine Nachpurschafft zue-Wolfurth, und wür zue Schwartzach, am Berg und im Buech ...» (Stiftungsbrief) Fast 300 Jahre lang kamen jetzt die Leute vom Berg, ja sogar aus dem fernen Farnach, jeden Sonntag nach Wolfurt zur Kirche. Hier wurden sie getauft und getraut. Hierher trug man sie, oft durch Schnee und über steile Tobel, auf ihrem letzten Weg zum Wolfurter Friedhof. Wenn nach dem Kirchgang die Bauern auf dem Kirchplatz Wichtiges besprachen und die Frauen noch einige Einkäufe in «Hanso Hus» tätigten, lernte sich auch die Jugend kennen. So darf es nicht verwundern, daß viele Wolfurter nach Bildstein heirateten und noch mehr Bildsteiner ans Land kamen. Unter den 104 Hausbesitzern von 1760 in Bildstein findet man 14 Böhler, 10 Köb, 9 Gunz, 8 Gasser, 6 Höfle und 6 Geiger als die wichtigsten Geschlechter. Von ihnen stammen auch große Wolfurter-Familien ab. Die «Gallar»-Köb, (auch «Lehrars», «Schrinars uf om Bühol», «Molars») kamen 1788 von Gallin. Die «Schloßburo»-Köbs, zu denen auch «Stenzlars» und «Schmiods» zählen, kamen 1799 vom Haag im Farnach. Der Mohren-Bäcker Andreas Xaver Flatz holte 1783 aus Geißbirn die 18jährige Anna Köb nach Rickenbach, die ihm 13 Kinder schenkte. Darunter war auch Gebhard Flatz, der große Wolfurter Nazarener-Maler. Aus Geißbirn übersiedelte 100 Jahre später die Witwe Klara Schedler mit acht Kindern an die Kirchstraße. Etliche geachtete Wolfurter Familien haben von ihnen «Goaßbiorar» Ahnen. Aus dem Staudach kamen immer wieder «Pläzolar» und «Matheioslar»-Gunz herab. Ein Josef Gunz begründete 1853 die Mühle-Gunz-Familie. Andere aus der Gunz-Sippe ließen sich später in Rickenbach und im Holz nieder. Unter ihnen war ein anderer Josef Gunz, geboren 1892 und gestorben mit 99 Jahren 1991. Wie gesund die «Bildsteiner» sind, beweist sein Rickenbacher Nachbar Martin Höfle, geboren am 5. März 1892, der als unser Dorfältester heuer 100 Jahre alt geworden ist. Er ist ein «Dello»-Höfle, dessen Vater 1881 aus der Delle am «Berütter» ins Tal gezogen ist. 4 Eine Bildsteiner Familie in Wolfurt: «Dello-Korles» im Schlatt. Ein Bild von 1912. Vater Konrad Höfle (1857-1938) und Mutter Agatha Anwander (1856-1944) mit 12 Kindern: Wilhelm 1885, Karl 86, Rosa 87, Theresia 89, Josef 91, Julie 92, August 94 (gefallen 1917), Maria 95, Agatha 97, Magdalena 99, Anna 1900 und Georg 1903. Ein dreizehntes Kind ist gestorben. Vom Brunnenmacher Ferdinand Gasser und seinen 10 tüchtigen Kindern in Meschen stammen wohl über ein Dutzend Wolfurter Familien Gmeiner Jakob kam schon 1700 vom «Steußberg». Von ihm leiten sich die meisten Gmeiner ab, «Lutzo-Schrinars», «Lutzo-Ferdes» und «Lislos». Andere Gmeiner folgten später. Unübersehbar zahlreich sind die Böhler-Sippen. Einige trugen früher den Hausnamen «Bergar». Aber auch unter den Vorfahren der Fischer, Schertler, Hinteregger, Schwerzler und Heim finden sich Leute vom «Berg», wie eben bei fast allen Wolfurter Familien. Die einst so zahlreichen «Schelling», die um 1700 ebenfalls aus Bildstein nach Wolfurt gekommen waren, sind im Mannesstamm in Wolfurt erloschen. Sie sind die einzigen, von denen sich eine direkte Ahnenlinie zu jenem Martin Höfle nachweisen läßt, von dem im nächsten Abschnitt die Rede ist. Auch in unserer Zeit holen Bildsteiner Burschen manche junge Wolfurterin aus dem Nebel hinauf in die Sonne. Viele andere aber sagen sich «Lob do Beorg und züh is Tal!» und bereichern mit ihrem gesunden Berger Blut und ihrer Schaffenskraft unsere Gemeinde. 5 Die Wallfahrt Im Herbst 1629 ist den Brüdern Hans und Martin Höfle auf dem Weg zu Vaters Mühle im Baumgartnertobel im Nebel eine Frau erschienen «ganz weiß und glanzent wie die Sonn». Sie erinnerte die beiden an die vom Vater versprochene Kapelle. Als betagter Mann gab Martin Höfle 1676 vor einer kaiserlich-bischöflichen Kommission in Bregenz unter Eid das Geschehen zu Protokoll. Ein Jahr später starb er am 19. Mai 1677 - «sacris omnibus provisus» steht im Wolfurter Pfarrbuch, also «wohl versehen» - und wurde bei der Pfarrkirche St. Nikolaus begraben. Von seinen acht Kindern verehelichte sich nur die Tochter Magdalena. Einige Wolfurter Familien stammen von ihr, aber sie tragen andere Namen. Die Kunde von der Erscheinung und den ersten Gebetserhörungen verbreitete sich schnell im Land und in ganz Schwaben. Ab 1650 kamen Ströme von Pilgern nach Bregenz und wurden von den Kapuzinern durch Wolfurt und auf dem schmalen Steig über die Platte nach Bildstein geleitet. Pfarrer Lorenz Leuthold von Wolfurt hatte die Aufsicht über die von der Familie Höfle neu gebaute Kapelle mit dem Muttergottesbild, das dem Ort später den Namen Bildstein eintrug. Er sammelte auch die überreich fließenden Opfergaben und hinterlegte sie bei seinem Patronatsherrn, dem Abt von Mehrerau. Bald wurde der Ruf nach einer Kirche laut. Vom Bischof von Konstanz erhielt Michael Kuen aus Bregenz den Auftrag für die herrliche Barockkirche, die nun 1663-1676 erstellt wurde und 1692 noch die Fassade mit den Doppeltürmen bekam. Der Innenraum ist 32 Meter lang und 11 Meter, im Querschiff sogar 16 Meter, breit. Damit war die Kirche viel größer als alle anderen Dorfkirchen im Umkreis. Die Wolfurter Kirche war damals innen nur 24 Meter lang und 8 Meter breit. Trotzdem konnte die Bildsteiner Kirche die Pilger häufig nicht fassen. Die vier Geistlichen, die im 18. Jahrhundert die vier Pfründehäuser rund um die Kirche bewohnten, benötigten an den Feiertagen regelmäßig mehrere Aushilfen, vor allem für die acht Beichtstühle. Dabei war die Kirche eine reine Wallfahrtskirche ohne Taufstein und Friedhof. Die Bildsteiner selbst mußten weiterhin jeden Sonntag nach Wolfurt zur Messe. Zwar suchten sie schon 1698 um eine eigene Pfarre an. Aber Pfarrer Egender von Wolfurt wollte nicht auf die Opfergaben verzichten und Pfarrer Denig in Bregenz, der jetzt die Aufsicht über die Wallfahrt hatte, unterstützte ihn. So entschied der Bischof im fernen Konstanz gegen die Leute vom Berg. Nun mußten sie noch fast 100 weitere Jahre lang für Trauung, Kommunion und Beerdigung dem Wolfurter Pfarrer ihren österlichen Beichtzettel vorlegen. 6 Pfarrei Bildstein Erst Kaiser Josef IL sagte im Jahre 1788 den Bildsteinern das Recht auf einen eigenen Taufstein zu. Sofort erbauten sie schon 1789 einen eigenen Friedhof. Man darf sich nicht wundern, daß sich Lorenz Gmeiner, Pfarrer von Wolfurt und selbst aus Bildstein stammend, mit aller Kraft wehrte. Er wollte die 32 Bildsteiner Parzellen, in denen mit nun 524 Einwohnern ein Drittel seiner Pfarrangehörigen wohnte, nicht verlieren. Aber er kämpfte erfolglos. Traurig mußte er in sein Pfarrbuch schreiben: «anno 1789 der 31 Xber ist Bildstein von Wolfurt separiert worden». Und Chronist Geiger berichtet in Bildstein: «Am Neujahrstag 1790 ist der erste pfarrliche Gottesdienst gehalten worden. Ehrenprediger war der lustige Pater Wendelin von den Bregenzer Kapuzinern.» Pfarrer gab es allerdings noch keinen. Mehrere Lokalkapläne sorgten aber dafür, daß das Eigenleben der Pfarre beginnen konnte. Der erste «Bildsteiner» Täufling Martin Joseph Böhler aus dem Jungholz erhielt als Paten den wohledlen Herrn gräflichen Verwalter Martin Herburger aus Dornbirn und wurde am 18. Jänner 1790 demnach besonders feierlich getauft. Am 9. Februar 1790 beginnt das Sterberegister mit der fünfjährigen Anna Maria Lenz. Ihr folgen im gleichen Jahr weitere 22 Bildsteiner Verstorbene. Allerdings soll schon ein Jahr vorher Andreas Geiger, Wirt im Farnach, «als zweiter» auf dem neuen Bildsteiner Friedhof begraben worden sein. Die Bildsteiner Chronik berichtet davon unter «1790 den 27ten July» und fügt dazu «nicht im Sterbebuch». Wohl aber findet sich das Begräbnis dieses beim letzten Holzschlag in der nachher verteilten Gerichtswaldung «bey Sonderbrück» von einem Baum erschlagenen Andreas Geiger in Wolfurt im Sterbebuch ein Jahr früher am 30. Juni 1789 mit dem Zusatz: 49 Jahre, «arbore oppressus». Dort sind aus dem Jahre 1789 noch eine Reihe von Begräbnissen von Baumgarten, Bildstein, Kapf und «de Vokenbühl» angeführt. Anno 1790 aber wurde als einziger Bildsteiner nur mehr am 9. April der neunjährige Johann Schneider «de Ankereuthe» in Wolfurt beerdigt. So hatte sich Bildstein also von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst. 1792 wurde endlich Ludwig Sauter aus Konstanz zum «Lokalkaplan» für Bildstein bestellt. Er wird heute als erster Pfarrer gerechnet - daher das Jubiläum «200 Jahre Pfarrei». Noch waren aber viele Streitigkeiten um Mesnerlohn, Stolgebühren und andere Belastungen auszustehen. Erst 1829 kaufte sich Bildstein mit einer einmaligen Abfertigung in Höhe von 550 Gulden endgültig von der Pfarre Wolfurt frei. 7 Inzwischen war während der Franzosenkriege im Jahre 1804 der Kreuzwirtssohn Andreas Haltmayer aus Rickenbach dritter Pfarrer von Bildstein geworden. Als am 31. Mai 1805 in Wolfurt drei neue Glocken geweiht wurden, lud der Wolfurter Pfarrer Lorenz Gmeiner auch die Nachbarn zum Fest. Aus Bildstein kam also der Rickenbacher Andreas Haltmayer und aus Lauterach Josef Anton Bildstein, ein geborener Wolfurter aus «Hanso Hus» im Kirchdorf. Aus Hard kam Columban Reiner, ein Sohn aus dem «alten Schwanen» in Wolfurt. Seinen Neffen Benedikt Gmeiner aus Unterlinden hatte Pfarrer Lorenz Gmeiner zum Pfarrer von Buch gemacht. Fünf Wolfurter Geistliche in allen fünf Hofsteiger Pfarren! Schwarzach war ja damals noch bis 1824 eine Filialkapelle von Wolfurt. Auch später haben die Pfarrer von Bildstein und Wolfurt engen Kontakt gehalten. Kaplan Leopold Berchtold aus Riezlern erbaute 1891-94 das heutige Pfarrhaus von Bildstein. Der spätere Pfarrer von Schwarzach, ein ausgezeichneter Botaniker und Historiker, ließ sich 1937 in Wolfurt nieder. Hier erforschte er aus den alten Büchern die ältesten Familien von Bildstein, Buch, Schwarzach und Wolfurt und schrieb sie fein säuberlich auf. 1940 ist er gestorben. Als Bildstein 1903 die von den Geschwistern Hämmerle gestiftete große Marienglocke mit einem Gewicht von 3521 Kilogramm erhielt, organisierte der Rickenbacher Schlosser Konrad Doppelmayr die 120 Männer, die die schwere Last um die steilen Kurven von Ankenreute auf den Berg schleppten. Kaplan Heinrich Nußbaumer aus Thal hatte 1921 in Wolfurt das Vereinshaus gebaut. 1939-69 war er als Pfarrer von Bildstein in schwerer Kriegszeit der streitbare Hüter des Gnadenbildes. Mit eigener Hand verputzte er die Kirche innen. Seine originellen Predigten zogen auch viele Pilger aus Wolfurt an. Bildstein machte ihn zum Ehrenbürger. Sein Kaplan Gebhard Willi, der ihm in der Kirche noch den Mörtel gemischt hatte, wurde später der langjährige und mit dem Ehrenring der Gemeinde ausgezeichnete Pfarrer von Wolfurt. Seit 1972 ist wieder ein Wolfurter, Pfarrer August Hinteregger, für das geistliche Wohl der Bildsteiner und der Wallfahrer verantwortlich. Er ließ die 300 Jahre alte Kirche renovieren und den 100 Jahre alten Pfarrhof erneuern. Fast jeden Sonntag und auch bei den Maiandachten mischen sich viele Wolfurter Pilger unter die Gläubigen von Bildstein. Andere ziehen es vor, ihre Sorgen und Freuden in stillem Gebet zur Mutter Gottes in die Erscheinungskapelle zu tragen. Schönes Bildstein Bevor sich die getrösteten Beter, nach Stärkung in einem der ausgezeichneten Gasthöfe, auf den Heimweg machen, lassen wohl alle noch die wunderbare Aussicht auf sich wirken. Über die Dörfer im Tal schweift der Blick zum Gebhardsberg und zum Bodensee. Es grüßen die Schweizer Berge mit Fels und Schnee. Dunkle Wälder an Kugel und Staufen laden zum Wandern. Wandern! Der Steußberg selbst ist ein herrliches Wandergebiet. Viele Wolfurter haben das erkannt. Sie lassen ihr Auto stehen und suchen die Ruhe in den schattigen Wäldern oder auf den sonnigen Hügeln vor ihrer Haustür. Die schmalen Wege, die abgelegene Höfe miteinander und mit dem Dorf verbinden, überziehen den Steußberg wie ein dichtes Netz. Sie ermöglichen es, dem an Ausflugssonntagen doch recht beträchtlichen Autoverkehr jederzeit auszuweichen. Dabei gibt es so viele Varianten, daß selbst Kenner des Wandergebietes immer neue Steige entdecken. Wenn ich nun die schönen alten Bildsteiner Flurnamen aufschreibe, ist das auch eine Einladung, diese Plätze alle zu besuchen. Kennst Du sie schon? 9 Neubau der Bildsteinerstraße 1933. Ohne Maschinen schafften es Bildsteiner und Wolfurter Männer (u. a. Gasser Gebhard, Lenz Josef, Fischer Eugen), die steile Straße nach Ankenreute für die Autos umzubauen. Die erste Fahrstraße war schon 1792 durch die Platte gesprengt worden. 8 Im Jahre 1760 teilte Pfarrer Feuerstein den Hang in drei «Berge»: «Berütterberg», dann jenseits des Rickenbachtobels «Bildsteinerberg» und schließlich hinter dem unzugänglichen Sonder-Wald der «Farnacherberg». Jetzt ein paar empfehlenswerte Abstiege: 8. Vom Schneider an Tomasinis Hütte vorbei nach Siegerhalden. 9. Vom Loch mit der schönsten Aussicht auf den Vorderwald und den Sulzberg hinab zum Halder und nach Buch. 10. Von Buggenegg den fast 1000 Jahre alten Säumerweg durch die «Roßgaß» hinab in die Abendreute und nach Alberschwende. Immer wieder Fernblicke zu Ifen und Kanis. 11. Von Gallin über das besonders im Herbst und im Frühling einmalig schöne Hochmoor (Naturschutzgebiet!) nach Hinterhaag und den Asenenweg hinab nach Alberschwende. I. Berütterberg Meschen, Staudach, Dellen, Bereuter, Sack, Baumgarten, Gitzen, Künzen; Mühle, Grub, Kreuzmoos, Vockenbühel, Vogelsang, Schneider, Mairen, Buggenegg, Loch. Besonders reizvolle Anstiege von Wolfurt aus: 1. Über die Alte Bucherstraße zum Ippa-Brünnele, dann hinauf zurRappenfluhSchlucht am Holzerbach (Ippachbach) und zum Sack. Am Waldrand weiter zum höchsten Punkt von Wolfurt in fast 800 m Höhe und zur Schneiderspitze (973 m hoch). 2. Über Alte Schmiede und Dreigassen zur Rappenfluh. 3. Von Frickenesch oder Meschen über «Stefano Veohwoad» zum Bereuter und über die Gletscherschliffe nach Gitzen. 4. Abseits der Straße führt von Gitzen ein kleiner Weg nach Künzen und den Oberlauf des Rickenbachs überquerend nach Vockenbühel. Oberhalb des uralten Schulhäusleins kommt man an der großen Eibe (Naturdenkmal!) vorbei zum Ferienheim in Oberbildstein. 5. Kenner steigen noch auf dem alten Staudacher Kirchweg über das RickenbachTobel ins Dorf hinauf. III. Farnacherberg Hinterhaag und Bereite, die einst auch zur Pfarre Wolfurt zählten, gehören längst zu Alberschwende. (Vorder-)Haag, Loban, Farnach, Jungholz, Gärtle, Oberschwende, Unterschwende, Sonderwald, Schanz, Grül, Tobel. 12. Das sonnige Farnach ist am besten von Schwarzach über die Steige beim Blindenheim Ingrüne oder über den Linzenberg erreichbar, natürlich auch vom Zoll in Alberschwende. Auch hier trifft man immer wieder wandernde Wolfurter, die jetzt auch häufiger den günstigen Wälderbus als Zubringer benützen. Ist es nicht schön, daß wir so leicht Zutritt zum «Berg» finden? Darum wünschen wir Wolfurter allen Bildsteinern ein schönes Festjahr 1992! IL Bildsteinerberg Ankenreute, Platte, Unterdorf, Dorf, Knobel, Taschen, Kapf, Gaißbirn. Heuwachs, Gallin, Wirth, Acker, Oberbildstein. 6. Wer der Autostraße ausweichen will, findet einen alten Wallfahrtssteig vom Kella über das Oberteilenmoos ins Unterdorf. 7. Auch am Kapf zweigt ein Wanderweg über den landschaftlich besonders schönen Höhenrücken hinüber nach Vockenbühel oder hinauf über den Wirth zum Ferienheim ab. 10 11 Siegfried Heim Die Familie Mohr in Wolfurt Unter den großen Wolfurter Geschlechtern stehen die Mohr mit 94 Namen im Blauen Buch von 1989 an dritter Stelle nach den Böhler mit 152 und den Köb mit 149 Namensträgern. Während aber die Böhler und die Köb aus vielen verschiedenen Stämmen bestehen, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Wolfurt kamen, gehen die Mohr alle auf einen einzigen Stammvater zurück, auf Martin Mohr, der 1785 im Haus Hofsteigstraße 10 (Ratzers) an der Hub geboren wurde. Die Sippengeschichte ist aber viel älter. Nach mündlicher Überlieferung soll ein «Mohr» aus dem Rheinland nach Dornbirn eingewandert sein. Dort gab es MohrFamilien schon nach dem Dreißigjährigen Krieg. Einige haben sich bis heute gehalten. Fast jeder Dornbirner kennt «Mohro Vere» im Hatlerdorf. In Dornbirn wurde 1693 Sebastian Mohr geboren. Er heiratete 1719 die Magdalena Danner in Schwarzach. Von ihren neun Kindern führen zwei Linien nach Wolfurt. Folgen wir zuerst der Hauptlinie. Der Sohn Jakob Mohr (1722-1798) heiratete 1748 nach Wolfurt. Sein Haus stand am Eingang ins Eulentobel. Es muß der Familie dort wohl zu eng gewesen sein, als in Wolfurt um jene Zeit die Felder verteilt wurden. Sebastian Mohr (1762-1841) brach daher das Elternhaus ab und erbaute, wahrscheinlich 1784 anläßlich seiner Eheschließung mit Viktoria Flatz, das heute noch erhaltene Mohr-Stammhaus Hofsteigstraße 10. Die Tocher Rosa, verehelicht mit Johann Winder aus Bildstein, hatte dort sieben Kinder. Weil die Winder-Brüder ledig blieben, kam das schöne Haus 1903 in den Besitz von Johann Fischer und später an dessen Tochter Cilla Ratzer. 4. Der Sohn Martin Mohr (1785-1826) aber begründete zu Napoleons Zeiten die beiden Mohr-Familien, auf die alle heutigen Wolfurter «Mohren» zurückgehen. 12 3. 2. 1. Mit seiner ersten Frau Anna Maria Böhler bezog er das Nachbarhaus Hofsteigstraße 13 (Festinis), wo sie ihm drei Söhne gebar. Früh verwitwet übersiedelte er mit den Buben ins Dorf. Dort hatte er 1812 das Haus Kellhofstraße 11 (Mohrs) erworben. Seine zweite Frau Ursula Ibele aus Bregenz schenkte hier weiteren vier Kindern das Leben, darunter Michael Mohr (5. M) den Stammvater der Dörfler Mohr. Zuerst aber zu den Hüblern! Linie Josef Mohr 5.J Josef Mohr, geboren 1807 als ältester Sohn aus der ersten Ehe des Martin, wuchs im Dorf auf. Als strammer Kaiserjäger hatte er seine Braut Maria Crescentia Halder vom «Falligen Bach» in Bregenz kennengelernt. Nach dem damaligen Brauch mußte er nach der Geburt des ältesten Sohnes Josef Bernhard 1833 noch die fünf Jahre Militärdienst für den Kaiser abdienen, bis er endlich die Eheerlaubnis bekam. An der Hub hatte er inzwischen nahe dem heutigen MohrHaus an der Hofsteigstraße ein Haus erworben. Als «Gemeindediener» trug er Stammhaus der Mohr an der Hub, Hofsteigstraße 28. Um das Jahr 1750 von Martin Kalb erbaut, 1872 von Josef Mohr gekauft. Seither in Familienbesitz. Es ist das südlichste Haus von «Wolfurt» an der Grenze zu «Rickenbach» 13 Alfons 1911 (gefallen 1942), Erwin 1912 (gefallen 1945), Reineide 13, Eduard 14 (unseren langjährigen Gemeinde- und Standesbeamten), Cäcilia 15, Anna 16, Josefina 17. Drei Wochen nach der Geburt der kleinen Fina war die Mutter gestorben. Als zweite Frau sorgte nun M. Anna Arnold für die sieben Waisen und schenkte ihrem Mann sieben weitere Kinder dazu: Gebhardina 1919, Ernst 21, Siegfried 22, Herbert 23, Georg 25, Heinrich 27, Josef 29. Fast alle von den 14 Kindern heirateten. Sieben Mohr-Familien davon bereicherten Wolfurt mit vielen Enkeln an der Hub, in der Unterhub, im Flotzbach, im Oberfeld und im Brühl. Einer von den Enkeln in der neunten Mohr-Generation ist unser Bürgermeister Erwin Mohr, geboren 1947. Bei vielen Nachkommen des Kaiserjägers Josef Mohr war sein schneidiges und kämpferisches Blut immer wieder zum Durchbruch gekommen. Und unerbittlich hat der Krieg auch bei ihnen seine Opfer geholt. «Alles liegt in Gottes Hand» steht auf Mohrs Familiengrab unter den obersten Arkaden. So war es auch bei einer zweiten «Kampler»-Mohr-Linie in der unteren Bütze: 6. J-V Franz Xaver Mohr, «Vere» (1841-1927), ein zweiter Sohn des Kammmachers Josef Mohr an der Hub, hatte wie sein Vater bei den Kaiserjägern gedient. Dann erwarb er das kleine Bauernhaus Unterfeldstraße 3, wo er nun als Maurer und Kleinbauer lebte. 7. J-V Sein einziger Sohn Josef Mohr (1891-1983) hatte mit seiner Frau Agatha Kaufmann die Kinder Katharina (1922) und Walter (1927-1945). 8. J-V Einziger Sohn war Walter Mohr, geb. 1927. Schon mit 17 Jahren mußte er in den Zweiten Weltkrieg einrücken. Ein Jahr später ist er 1945 gefallen. Im Mannesstamm erlosch damit diese Linie im Unterfeld. Mohrs an der Hub. Mit 14 Kindern die größte Wolfurter Familie in unserem Jahrhundert. Vorne Vater Josef Bernhard Mohr (1868-1942), seine zweite Frau Anna (geb. Arnold) und die Söhne Herbert, Siegfried, Heinrich, Josef, Ernst und Georg. Töchterchen Gebhardine fehlt bereits. Hinten die Kinder aus erster Ehe: Anna (Rusch), Eduard, Reineide (Vonach), Alfons, Cilla (Schwärzler), Erwin und Fina (Feßler in Kennelbach). Ein Bild von 1937. hohe Verantwortung. Daneben übte er den seltenen Beruf eines Kamm-Machers aus. Davon stammt der Hausname «Kampler», den seine vielen Nachkommen, die «Hübler Mohr», tragen. 6.J Josef Bernhard Mohr (1833-1902) war Maurer und Bauer und konnte 1872 das Nachbarhaus Hofsteigstraße 28 erwerben, das heute die Familie seines Enkels Josef Mohr bewohnt. Das alte Elternhaus daneben wurde schon 1879 abgebrochen. 1882 mauerte J. B. Mohr den Wolfurter Pfarrhof auf. Die älteste Tochter Maria Anna Mohr (1864-1908) heiratete ins Tobel im Kirchdorf. Von ihren Enkeln kennen wir u. a. den Kennelbacher Bürgermeister Dr. Egon Sinz und den Wolfurter Altgemeinderat Ludwig Gmeiner, Steinhauers. 7.J Der Sohn Josef Bernhard Mohr jun. (1868-1942) ist den älteren Hüblern noch als Vater einer der größten Wolfurter Familien bekannt. Seine erste Frau Agatha Köb hatte der junge Bauer aus dem kleinen Bahnwächterhaus im Flotzbach an die Hub geholt, wo sie ihm sieben Kinder gebar: 15 14 Stammhaus der Dörfler Mohr, Kellhofstraße 11. Es wurde 1776 vom Dorfplatz hierher übertragen. 1812 erwarb es Mohr Sebastian für seinen Sohn Martin. Seither in Familienbesitz. Die Brüder Mohr um 1925 in Unterlinden: Dr. Wilhelm Mohr auf der Dezimalwaage, Gebhard Mohr und der Schulleiter Karl Mohr. Linie Michael Mohr 5. M Aus der zweiten Ehe des Martin Mohr übernahm Michael Mohr (18231913) das Vaterhaus an der Kellhofstraße und begründete die Dörfler Linie der Mohr. 6. M Der älteste Sohn Josef Mohr, geb. 1841, wanderte als junger Bursch nach Amerika aus und heiratete dort. Von seiner großen Familie schickte er ein Bild. Der zweite, Martin Mohr (1849-1918), war Wegmacher und besaß das Haus Kellhofstraße 1 («Mohro Emiles») gegenüber vom Pfarrheim. Sein einziger Sohn Josef Anton Mohr, geb. 1896, ist 1915 als einziger Wolfurter Freiwilliger (nach Chronik Köb) in den Krieg gezogen und schon 1916 gefallen. 6. M-G Der dritte Sohn Gebhard Mohr (1854-1925) blieb im Elternhaus Kellhofstraße 11. In seinem Sohn Altgemeinderat Dr. Hermann Mohr (19061972), den Enkeln Günther Mohr (geb. 1940) und Klaus Mohr (1942) und ihren Familien besteht die Linie Gebhard Mohr fort. 16 6. M-F Ein weiterer Sohn des Michael war der Stückfergger Fidel Mohr (18591939), der mit seiner Frau Maria Gmeiner im Haus Kirchstraße 25 in Unterlinden eine einflußreiche Familie begründete. 7. M-F Der ältester Sohn Dr. Wilhelm Mohr, geb. 1890, war einer der Wolfurter Standschützen-Offiziere an der Dolomitenfront und setzte sich besonders für die Erbauung des Kriegerdenkmals im Jahre 1930 ein. Als Landesbeamter übersiedelte er mit seiner Gattin Elsa Kalb (aus dem Schwanen) nach Bregenz. «Lehrer» Karl Mohr (1894-1959), viele Jahre Schulleiter in Wolfurt und in mehreren Gemeindeinstitutionen tätig, erbaute für seine Familie 1937 das Haus Unterlindenstraße 32. Sein ältester Sohn ist unser Wolfurter Ehrenringträger Hubert Mohr (1922), dann folgen Emil Mohr (1925) und Raimund Mohr (1928). Ein weiterer Sohn des Fidel ist Gebhard Mohr (geb. 1897) mit den Söhnen Werner (1935), Helmut (1938) und Walter (1947). Die Linie Fidel Mohr blüht in Wolfurt in zahlreichen großen Enkelfamilien fort. 17 Mohro Veres in Rickenbach Siegfried Heim Vor der Gardinenfabrik Böhler wurde 1975 an der Dornbirnerstraße in Rickenbach das Gmeinerhaus abgebrochen, das im Volksmund meist «Mohro Veres» oder auch «Mohro Feliples» genannt wurde. Mehr als 100 Jahre lang hatte sich der Hausname Mohr hier noch gehalten, wenn auch diese Seitenlinie längst ausgestorben war. 2. V Jakob Mohr, der 1748 als erster Mohr ins Eulentobel gekommen war, hatte in Schwarzach einen Bruder Georg Mohr (1727-1777) mit einer großen Familie, aus der zwei Söhne nach Rickenbach übersiedelten. 3. V Johannes Mohr, geb. 1767, bewohnte mit seiner Familie das Haus Brunnengasse 4, kehrte aber auf seine alten Tage wieder nach Schwarzach zurück. Das Haus ist 1855 abgebrannt. Heute wohnt dort Höfle Martin. Franz Xaver Mohr (1769-1817) erwarb um 1795 das Haus des Kellhofammanns Johannes Albinger, Dornbirnerstraße 8. Von seinen 11 Kindern starben 9 im zartesten Alter. Er selbst wurde 1817 in Opfenbach vom «Schlagfluß» ereilt. Seinen Leichnam hat man nach Wolfurt überführt. 4. V Franz Josef Mohr (1806-1836) starb schon als 20jähriger auf einer Geschäftsreise (vermutlich Wetzsteinhandel) in Alt-Breisach am Rhein. Damit endete diese Mohr-Linie. Seine junge Witwe Agatha Schwerzler verehelichte sich 1837 mit Gebhard Gmeiner aus Bildstein, dessen Nachkommen noch lange fälschlich «Mohro Veres» oder auch nach einem Sohn «Mohro Filippos» genannt wurden. «Vere» war einer der Leitnamen im Geschlecht, der sich in Dornbirn und in Wolfurt lange gehalten hat. Der häufigste Leitname war aber «Josef» oder auch «Josef Bernhard». Beide sind noch heute in der Linie Josef Mohr verbreitet. In der Linie «Michael» taucht der Leitname eher zufällig bei den Urenkeln wieder auf. Viel häufiger sind dort die schönen Namen Martin, Gebhard, Karl und auch Johannes. Seit 1748 werden sie bei den Mohr in Wolfurt getauft. In dieser Zeit hat die Sippe als Bauern, Handwerker und Beamte, aber auch als Gemeindemandatare und Vereinsverantwortliche unendlich viel für die Gemeinschaft der Wolfurter getan. Und immer wieder mußten sie zu den Soldaten, immer wieder wurden Väter und Söhne aus den Familien gerissen. Wir wünschen dem starken Geschlecht der Mohren von Wolfurt weiteres Blühen und Gedeihen! 18 Ganz große Bäume Naturdenkmale in Wolfurt Unser Ried ist ein wunderschöner Naturpark. Herbststimmungen und Rauhreif erfreuen den Wanderer ebenso wie das Erblühen der Streuewiesen im Frühling. Ganz wesentlich wird die Landschaft von den großen alten Bäumen geprägt, von Eichen und Birken und riesigen Weiden. Etwa 50 Meter nordwestlich der Betonbrücke beim Kiesfänger steht im Auwald an der Kesselstraße versteckt eine besonders alte Weide, «an Feolbar» haben ihn unsere Eltern genannt. Mistelbefall und Baumschwamm zeigen an, daß seine Jahre gezählt sind. Bald wird ihn ein Sturm knicken. Vielleicht werden Menschen wieder die Hand an ihn legen, vielleicht die gleichen, die vor Jahren die eine Seite mit Bauschutt abgedeckt haben, oder jene, die jetzt unter seinem Blätterdach nach Grundwasser bohren. Begeistert und beeindruckt haben meine Schüler zu viert den mächtigen Stamm umspannt: 5,20 Meter! Mehr als 1,60 Meter Durchmesser. Das ist weit mehr, als die Biologiebücher erlauben. Dort lese ich (Dr. Amann, München 1954): «Silberweide, Weißweide. Stattlicher, mittelgroßer Baum. Wächst sehr rasch; wird 80-100 Jahre alt, bis 24 m hoch und über 1 m stark.» Unsere Vorfahren haben die Silberweide an vielen Gräben und Straßenrändern im Ried gepflanzt, indem sie einfach eine Weidenrute in den feuchten Boden steckten. Die Bäume wurden dann alle paar Jahre «gstümmolot» oder «abgworfo». Alle ihre Äste wurden abgesägt. Das starke Ausschlagsvermögen der Weiden ließ schon im nächsten Jahr aus dem knorrigen «Kopf» unzählige Ruten hervorschießen, die den «Kopfweiden» besonders im nebeligen Herbst ein koboldhaftes unheimliches Aussehen verliehen. Weil in den hohlen Stämmen nicht selten auch Eulen und anderes Getier Zuflucht fanden, hielt man sie für die Wohnung von Hexen und Geistern. 19 Ich habe die Weide an der Kesselstraße für die größte in Wolfurt gehalten. Nun aber hat mich das Buch «Vorarlberger Naturdenkmale 1991» von Krieg/Alge zu einer weit größeren geführt. Zwei Bäume in Wolfurt sind als Naturdenkmale geschützt. Der eine ist die bekannte Eiche am Wiesenweg südlich vom Holzwerk Berchtold. Sie hat einen Umfang von 4,40 m und ist 1,40 m dick. Sie erscheint mit ihrer Baumkrone von etwa 25 m Höhe noch sehr gesund, obwohl ihr das Überfahren der halben Wurzelscheibe mit schweren Lastautos und die Giftgase ganz bestimmt zusetzen. Mich überraschte, daß Dr. Krieg das Alter dieses Prachtbaumes auf erst 130 Jahre schätzt. Die Stieleiche (weil zwei oder drei Eicheln an einem langen Stiel hängen) wird über 30 m hoch, 2 m dick und nicht selten 500 Jahre alt. In Einzelfällen sollen Eichen aber auch über 2000 Jahre alte geworden sein. Im Naturdenkmal 1. Die Stieleiche am Wiesenweg hat Ried waren sie früher sehr häu- 4,40 m Umfang. fig. Im Schatten rasteten Bauersleute und Weidevieh. Beim Gewitter galt «Eichen sollst du weichen!» Hofsteiger Sauhirten trieben die Schweine der Genossenschaft täglich zur Eichelmast in die Ried-Allmende. Als man die Riedstücke 1798 verteilte, blieben die Bäume ausdrücklich gemeinsames Eigentum. Das wertvolle, harte und wetterbeständige Eichenholz benötigte man ja für Brücken, Fässer, Markpfähle, Schwellen und schwere Tore. Die gerbstoffreiche Rinde zerkleinerte man in den wasserbetriebenen «LorStampfen» am Rickenbach und im Bannholz zu Gerberlohe für die vielen Wolfurter Gerber. 20 Nur 200 Meter westlich von dieser Eiche steht mitten im «Wiosa» das zweite Wolfurter Baum-Denkmal. «Wiosa» nannten die Bauern das oberste Ried zwischen Wiesenweg, Flotzbach, «Schribare» und «Speock», das sie durch den tiefen Wiesengraben zum Speckgraben entwässerten. Hier sind noch ein paar besonders schöne alte Bäume erhalten geblieben, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Die größte Weide davon trägt seit 1985 eine winzige Tafel: «Dieser Baum steht unter Naturschutz.» Der gewaltige Stamm hat an der dünnsten Stelle einen Umfang von 6,50 m, ist also mehr als 2 m dick! Am Boden fanden wir sogar einen Umfang von 8 m und auch die Äste sind noch über 1 m dick. Nach Dr. Krieg ergab eine Bohrprobe an diesem Riesen ein Alter von 100 Jahren, also das Höchstalter für Silberweiden. Er fand den Baum noch «vital» und «ohne nennenswerten Pilzbefall». Das hat sich leider schnell geändert. Im November 1991 mußten wir etliche über einen halben Meter große Baumschwämme entdecken, von denen zwei sogar wegen ihres übergroßen Gewichtes zu Boden gestürzt waren. Auch die vielen Misteln in der Krone lassen ahnen, daß die Widerstandskraft dieses fast 30 m hohen Baumes im Schwinden ist. Naturdenkmal 2. Die hundertjährige Silberweide Schaut ihn noch an, Ihr zwischen Wiesenweg und Schreibern ist über 2 m dick Wolfurter! Von Spätherbst bis und hat 6,50 m Umfang. Sie ist der größte Baum in Frühjahr ist er sowohl vom Wolfurt. Wiesenweg als auch von der untersten Flotzbachstraße her (100 m nördlich der Illwerke-Masten) leicht zugänglich. Er wird bald fallen! Moderne Maschinenbauern pflanzen keine Riedbäume mehr. Sie haben keine Zeit mehr zum «Z'Nüne-Eosso» im Schatten der Eiche, kein Weidevieh mehr, das 21 Siegfried Heim Wolfurter Grenzen im Ried Seit einigen Jahren entdecken immer mehr Radfahrer und Wanderer die Schönheiten unserer Riedlandschaft. Wenn auch Güterbahnhof und Autobahn große Stücke beansprucht haben, so ist doch zwischen Wolfurt und Lustenau, Lauterach und Dornbirn ein herrliches Land geblieben, das uns allen gehört. Luft und Bäume, Wasser, Wild, Schilf und Hecken sind uns allen anvertraut. Vögel und Rehe wechseln über die Gemeindegrenzen und die Radfahrer erkennen solche meist auch nicht. Das ist gut so! Vielleicht möchte aber ein aufmerksamer Wanderer doch wissen, wie weit Einflußnahme und Verantwortung der Gemeinde Wolfurt im Ried reichen. Ihn möchte ich einladen, mir auf seinem Fahrrad zu folgen. Gleichzeitig bitte ich ihn aber herzlich, auf den Wegen zu bleiben und den Hund niemals frei stöbern zu lassen. Wir kommen in Tierreservate, deren Betreten in der Brutzeit vom 1. März bis zum 31. August abseits der Wege nicht gestattet ist. Kopfweide im untersten Holzried um 1940. Die Fichte auf ihrem Kopf brach der Sturm 1945 herab. Heute führt hier die obere Senderstraße am Güterbahnhof vorbei. I. Zum Südpunkt im Weitried. Wir haben auf der Kesselstraße die «Steinerne Brücke» erreicht (Punkt A auf der beigefügten Skizze I.). 50 Meter weiter westlich verbirgt sich rechts im Dickicht eine Riesen-Silberweide mit über 5 m Stammumfang. Links blicken wir über die Schwarzach in den Wolfurter Kiesfänger hinein. Mit großem Aufwand hat er 1990 ein völlig neues Aussehen bekommen. Nun soll er Geschiebefang und Biotop zugleich sein. Wenn die mit Sorgfalt ausgewählten Bäumchen in wenigen Jahren feste Wurzeln geschlagen haben und Buschwerk die Baustellen abdeckt, werden hier wieder seltene Vögel nisten. Schon jetzt sind Wasseramsel und Nachtigall heimisch. Hier sollen gefangene Serben 1943 den letzten Fischotter erlegt haben. Über die Steinerne Brücke fahren wir ans Südufer auf Schwarzacher Gebiet. Die Dammstraße links und der Weg gerade aus ins Mittelried führen nach Schwarzach. Rechts haben Schwarzacher Schrebergärtner ihre Hütten auf den ehemaligen 23 unter den Feibern wiederkäut. Sie schneiden keine Ruten mehr für «Zoanna, ObsKrätto und Wösch-Körb». EG-Bauern glauben, sie müßten schnelle Traktoren unbehindert über ihre Felder jagen. Zu viele Bäume sind deshalb schon verschwunden. Denkmal-Schutz für morsche Riesen ist zu wenig! Eine Gemeinde, die riesige Riedflächen dem Güterbahnhof und der Autobahn geopfert hat, muß umso mehr für die Natur tun. Im Wiosa, i dor Schribare, im Birka, im Nöü-Wiasa, im Wit-Riod! Wir müssen wieder Bäume pflanzen! Für Eulen und Meisen, für Wasser und Luft, für uns und unsere Enkel. 22 Müllplatz gebaut. Zwischen ihnen und dem Kiesfänger fahren wir rechts hinab ins Wolfurter Weitreid. Schon nach 100 m erreichen wir beim letzten Häuschen (B) die Grenze. Schnurgerade führt von hier ein Grenzgraben nach Südwesten zum Südpunkt (S) auf der Bundesstraße. Mit dem Fahrrad können wir ihm allerdings nicht folgen. Aber wenigstens ein Stück vom oberen Weitried wollen wir noch erkunden. Rechts hat barmherziges Buschwerk den häßlichen Wolfurter Müllberg aus den 60er Jahren überwuchert (C). Eines Tages muß er noch als Altlast saniert werden. Geradeaus könnte man mit gutem Schuhwerk auf dem linken Achdamm zur Hohen Brücke wandern. Wir biegen aber auf den Fahrweg links ab. Nach 100 Metern beginnt bei einer schönen Birkengruppe der Weitriedgraben. Er wurde wohl schon zu Maria Theresias Zeiten gegraben, als man hier unten, eine Stunde weit vom Dorf, schmale Kartoffeläcker anlegte, jeder vom Nachbarn durch einen Wasserabzugsgraben getrennt. Nach weiteren 100 Metern kommen wir zum wasserreichen Konradsgraben. Vom Schwarzacher Roßfäng her bringt er sein Wasser ins Wolfurter Weitried. Er wird noch um das Wolfurter Pfarrwidumsstück geleitet, ehe er sich in den Mittelriedgraben ergießt. Seit vielen Jahren verpachtet Wolfurter Südpunkt. Links von der Ampel bei Dornbirn-Nord endet unser Gemeindegebiet. 25 24 die Pfarre Wolfurt hier ihren großen Acker an fleißige Schrebergärtner, die auf dem steinlosen Moorboden Gemüse ziehen. Am Südende des Widums (D) fließt der große Schwarzacher Mittelriedgraben vorbei, quert das ganze Weitried und mündet erst 400 m unterhalb der Bundesstraße in den Scheidegraben. Wir sind noch 400 m vom Südpunkt (S) entfernt, aber mit dem Fahrrad müssen wir jetzt umkehren, zurück zur Steinernen Brücke (A). Auf der Kesselstraße erreichen wir die Hohe Brücke (E) und fahren auf der Nebenfahrbahn der Bundesstraße B190 nun etwa 700 m weit nach Süden. Dort kommt linken Achdamm ins Untere Weitried wandern. Bei (F) endet Wolfurt bei einem verfallenen Gemäuer. Es ist das ehemalige Einlaßbauwerk für den Scheidegraben. Weil hier immer wieder Hochwasser ausgetreten ist, hat das Land den Scheidegraben weit auf Dornbirner Gebiet unter der Autobahn durch zur Dornbirnerach umgeleitet. Hier findet Dein aufmerksames Auge in Hecken und Sumpfwiesen immer wieder neue Wunder. Natürlich kannst Du, statt diesen Abstecher zu machen, auch gleich die Runde zum Westpunkt anhängen. IL Zum Westpunkt im Schwarzen Zeug Heute wollen wir ganz weit hinab ins unterste Birka bis fast zum Sender. Bei der Anfahrt vom Flotzbach schauen wir nach den beiden Denkmal-Bäumen am Wiesenweg und gelangen dann auf der breiten Senderstraße am Güterbahnhof vorbei auf die Brücke über die Bundesstraße B190. (G) Ganz bewußt halten wir vorsichtig am Brückengeländer an und nehmen den Verkehrslärm auf. Der Blick zurück nach Wolfurt findet nichts mehr von den großen Streuewiesen im Kupferloch und im Holzried. Seit 1972 wurden hier auf tiefem Sumpf massive Schüttungen aufgebracht und große Gebäude erstellt: Güterbahnhof, Groß-Postamt, Zentral-Zollamt, Speditionen, Industriebauten und ÖBB-Kraftwagendienst. Sie werden überragt von den gewaltigen Portalkränen und den Masten für die Halogen-Scheinwerfer, die hier im einst so einsamen Ried die Nacht zum Tag machen. Unter der Brücke brausen stündlich bis zu 2000 Autos durch. Man versteht das eigene Wort nicht. Wir drehen uns weg und flüchten, nach Westen, ins Birka! Unter der Straße durch führt die kleine Birkastraße nach links an «Böscho Stadel» vorbei ins obere Birka. Dorthin, zu den großen Eichen und zur Jägerhütte am Birkagraben (H) gehen wir ein anderes Mal, am besten zu Fuß. Heute fahren wir auf der Senderstraße ein Stück Richtung Lustenau. Nach 100 Metern überqueren wir zum ersten Mal den von Bäumen gesäumten Zielgraben, der hier die Drainagegräben sammelt. Links, an der Neuwiesenstraße, hat sich ein fürchterliches Hüttenwerk angesammelt. 27 Der Scheidegraben am Südpunkt trennt das Wolfurter Weitried (rechts) von der Gemeinde Dornbirn. links aus dem Haselstauder Ried der tiefe Scheidegraben. Er wird unter dem Wirrwarr von Ampeln und Schildern an der Bundesstraße durchgeführt und bildet nun als «Scheide» nach Nordwesten die Grenze des unteren Weitriedes zwischen Wolfurt und Dornbirn. Am Straßenrand, direkt östlich der Verkehrsampel, stehen wir am Südpunkt (S). Hast Du gewußt, daß sich das Wolfurter Gemeindegebiet bis zur Autobahnauffahrt Dornbirn-Nord erstreckt? Große Eschen und Birken im Nordosten und ein kleiner Pappelwald im Nordwesten markieren den Grenzverlauf. Ein ruhiger Punkt ist das allerdings nicht. Wenn Du einen solchen suchst, könntest Du jetzt bei der Hohen Brücke (E) Dein Fahrrad abstellen und zu Fuß auf dem 26 Hennen, Truthühner, Schafe, meist auch ein bellender Hund und viel Mist kommen ins Bild. Die vielen schmalen Parzellen im «Nöü-Wiosa» waren zweihundert Jahre lang bis 1950 die wichtige Grundlage für die Ernährung der Wolfurter mit «Türggo und Bodobiora». Jetzt werden nur mehr wenige Äcker von Hobbygärtnern bewirtschaftet. Am Geländer über den Landgraben halten wir kurz an. In diesem tierfeindlich ausgemauerten Kanal fließt das Wasser all unserer klaren Waldbäche zwischen Kirche und Rutzenberg. Die schmale Straße an seinem rechten Ufer erschließt hier im Mittel-Neuwiesen und auch noch unterhalb der Autobahn die letzten Wolfurter Parzellen. Wir unterqueren die Autobahn und erreichen nach etwa 200 Metern den Lauteracher Grenzgraben (J). Stop! Vor uns liegt das Lauteracher Ried mit den großen schönen Bäumen. Die Schilffelder links sind Wolfurter Torfgründe, aus denen noch bis 1960 «Schollo» gestochen wurden. Die erste Lauteracher Parzelle hat ein Blumenfreund in einen prachtvollen Garten mit einem kleinen Häuschen umgewandelt. Daneben aber träumt noch unberührtes Ried mit Birken, Moos und Weidengebüsch. Die Senderstraße durchschneidet einen besonders schönen Teil des Rieds. Hier endet Wolfurt 200 m westlich der Autobahnunterführung 28 29 Vor ein paar Jahren nisteten hier noch der «Hoo-Lippar», der Brachvogel mit dem langen krummen Schnabel, und auch die scheue Bekassine, eine Schnepfe mit geradem Schnabel. Wir kehren um. Knapp vor der Autobahn (bei K) biegen wir nach rechts auf die schmale Asphaltstraße mit Auto-Fahrverbot ab, Richtung Dornbirn. Am Damm hat der Straßenmeister ein paar Büsche gepflanzt und ein paar Tümpel angelegt winzige Pflaster auf der fürchterlichen Wunde, die die Autobahn ins Ried geschlagen hat! Immerhin aber haben sich Frösche und Libellen schon hier niedergelassen. Nach rechts zieht der Landgraben ins untere Ried hinab. Nach 400 Metern wird er zum Grenzgraben zwischen Wolfurt und Lauterach. Sein rechter Damm ist stark überhöht. Noch bis vor 20 Jahren hat dieser harmlos scheinende Bach manchmal das Lauteracher Ried bis zu den Häusern von Hard überflutet. Der nächste Kanal ist der Zielgraben. Er muß die Abwässer der Autobahn aufnehmen. Die unauffälligen 25 Meter langen Mauern und die anschließenden großen Bodengitter gehören zu einem riesigen Rohrsystem, das wohl das Öl, nicht aber die Tonnen von Streusalz abfiltert. Die Schaumblasen auf dem Wasser im Frühjahr kommen allerdings vom oberen Birka her. Dort haben «Landwirte» mit Klärschlamm und Jauche überreich gedüngt. Wochenlang wäscht es den Dreck nun durch die Drainagegräben in Richtung Bodensee. Der dritte Bach ist der Unterlauf des Birkagrabens. Dann macht unser Radweg eine große Rechtskurve durch saure Wiesen, in denen noch Wollgras, Knabenkräuter und Mehlprimeln blühen und im Frühling der Kiebitz balzt. Bei der Kreuzung (L) biegen wir nach rechts ab, zu den Mäandern der alten Schwarzach. Die Schwarzach war seit dem Mittelalter, seit 1338, die historische Grenze zwischen dem Einflußgebiet von St. Gallus-Bregenz und St. MartinDornbirn. Das Dorf Schwarzach war damals durch Jahrhunderte geteilt. Auf alten Landkarten heißt der Fluß hier unten fälschlich «Rickenbach». Bis 1910 wälzte er sich unterhalb der Hohen Brücke durch zahlreiche Flußschlingen zur Dornbirnerach, an denen er oft über die Ufer trat. Nach dem Hochwasser von 1910 schnitt man die Mäander durch einen geraden Kanal ab. Dabei fielen etliche Hektar Sumpf im «Schwarzo Zug» von Dornbirn an Wolfurt. Der Müller Lorenz Gunz besaß daneben ein riesiges Feld. In seiner Chronik beschreibt er ausführlich 30 den «alten Rickenbach» und den neuen. Entgegen der Chronik und den Plänen wollen wir aber dabei bleiben: Der Rickenbach mündet schon beim Kessel oben in die Schwarzach. Unter der Hohen Brücke fließt die «Schwarzach» durch - auch wenn das blaue Flußschild dort fehlt. Die ersten Mäander, an denen wir entlang fahren, führen selten Wasser und sind wundervolle Inseln des Lebens in einer sonst arg strapazierten Landschaft. Bei den Eisengeländern der Brücke über den Zielgraben, der hier sein Wasser ins alte Achbett bringt, erreichen wir die Gunz-Wiesen. Darauf stehen noch (1992!) die Startrampen der Modellflieger. Wir stellen die Fahrräder ab. An der Hütte vorbei, die vor Jahren einmal als Kiosk beim Wälderhof stand, erreichen wir nach 200 Metern die Gemeindegrenze am Landgraben (M). Dieser verläßt hier allerdings in weitem Rechtsbogen die Grenze, weil er aus Überflutungsgründen noch ein gutes Stück parallel zur Dornbirner Ach geführt wird, ehe man ihn beim Sender unten einmünden läßt. Wer wasserfeste Stiefel hat, kann nun - nicht in der Brutzeit, bitte! - an den Mäandern entlang zur Hütte zurückwandern. Aufmerksame Augen entdecken hier manche Kostbarkeit. Der Bach ist tief in den Lehmgrund eingeschnitten. An den Steilufern sieht man gelegentlich den blaugrün schillernden Eisvogel. Ob er hier noch Bruthöhlen baut? Vielleich entdeckst Du sogar die Kielwellen, die eine scheue Bisamratte durch das Wasser zieht. Sie stammt aus Nordamerika, hat sich aber seit 80 Jahren über ganz Europa ausgebreitet und ist seit 1980 bei uns heimisch. Sie durchwühlt die Ufer. Der Höhleneingang ist nicht zu entdecken, er liegt unter dem Wasserspiegel. Dafür siehst Du wohl die überwachsenen Hügel von großen Dachsbauen. Vor 50 Jahren hat der Dachs in den Maisäckern im Neuwiesen schwere Schäden angerichtet. Seither haben ihn Menschen und Autos aus dem Ried verjagt. Der zähere Fuchs aber jagt hier noch, wie der Jagdaufseher berichtet. Nahe der Hütte ermöglicht ein Balken dem trittsicheren Wanderer den einzigen Übergang. Wir ziehen es aber vor, mit dem Fahrrad zurück zur Kreuzung (L) und dann nach rechts auf die Brücke (N) zu fahren. Hier beginnt das Gebiet der Stadt Dornbirn, das erst weit oben hinter dem First auf den Damülser Bergen endet. Dieser Radweg führt in die herrlichen Achauen bei Martinsruh und erschließt beim Werbenhof das weite Dornbirner und Lustenauer Ried. Wir bleiben aber auf 31 der Wolfurter Seite und fahren auf dem holprigen rechten Achdamm flußabwärts, durch wuchernde Hecken und an prächtigen Sumpfwiesen vorbei. Wir dürfen unsere Augen auch nicht verschließen, wenn wir entdecken, wieviel Plastikfetzen und Unrat das letzte Hochwasser (bis 4 Meter über dem Niedrigwasser!) in die Baumzweige gehängt hat. Leider! trotz Müllabfuhr in den Gemeinden. Das letzte Stück müssen wir zu Fuß auf schlechtem Pfad durch den seit Jahren nicht mehr abgeernteten Schilf gehen. Plötzlich ein Stacheldraht, eine gepflegte Wiese mit einer jungen Eiche! Wir sind am Ziel, am Westpunkt (W) unserer Gemeinde. Hier mündet links die Schwarzach in die Dornbirner Ach, die ab jetzt Grenzfluß zwischen Dornbirn und Lauterach ist. Das dunkle klare Wasser der Schwarzach mischt sich mit dem milchigtrüben der Dornbirnerach. Nur ein paar Hundert Meter weiter flußaufwärts leiten die Dornbirner nämlich das Abwasser ihrer gigantischen Kläranlage - chemisch neutralisiert! - in ihre Ach. Ein Wunder, daß hier noch Forellen und Nasen vom See heraufwandern! Die Wiese vor uns ist Lauteracher Gebiet. Die Wildnis um uns gehört noch zu Wolfurt. Ein kostbarer letzter Zufluchtsort für bedrohte Tiere! Ganz weit im Wolfurter Westen! Wir kehren um, zurück zur Kreuzung (L). Jetzt fahren wir nach rechts, unter der Autobahn durch. Hier dröhnt der Autoverkehr unheimlich. Wie schaffen es die Rehe nur, durch dieses Loch vom unteren ins obere Birka zu wechseln? Zu Weihnachten 1991 war es allerdings vom Hochwasser bis an den Rand gefüllt und dann zugefroren, also lange Zeit unpassierbar. Hundert Meter östlich der Unterführung steigen wir auf den Achdamm. Auf der anderen Seite erkennen wir in den Büschen ein rostiges Geländer und das zerfallene Einlaßbauwerk des Scheidegrabens (F). Von dort verläuft die WolfurtDornbirner Grenze nun ganz gerade durch das Weitried hinauf zum Südpunkt (S) bei den Ampeln der Auffahrt Dornbirn-Nord. Wir schauen noch einmal zu First und Säntis und über das letzte Stück unseres schönen Rieds, dann geht es weiter zur Hohen Brücke - der Verkehr hat uns wieder! Und noch ein Tip: Kumm widor! Ganz allein, zu Fuß, mit Fernglas und Fotoapparat. Im Frühling, wenn die Mehlprimeln zarte Pünktchen ins Moor setzen! Im Herbst, wenn die Birken gilben! Oder im Winter, wenn die Eichen bizarre Graphiken in den grauen Himmel zeichnen! - Und wenn es Dir gefällt, dann bestärke doch unsere Gemeindevertreter in deren Bemühen, das Ried - unser aller Ried - zu erhalten! Lebensraum Ried bedroht! Auszug aus Landeskorrespondenz Nr. 72 vom April 1991 Die Streuewiesen sind als Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt von größter Bedeutung. Ihre Erhaltung ist von einer naturschonenden Nutzung durch Landwirte und Erholungssuchende abhängig. Verschiedene Grundregeln müssen eingehalten werden: Das Betreten von Streuewiesen ist in der Zeit vom 1. März bis 31. August, ausgenommen für zulässige Verrichtungen in Ausübung des Grundeigentums, verboten. Die bodenbrütenden Riedvögel, wie der schon seltene große Brachvogel, dürfen bei der Brut und der 33 Am Westpunkt im Schwarzen Zeug. Links mündet die Schwarzach in die Dornbirner Ach. Rechts beginnt das Lauteracher Ried. 32 Aufzucht ihrer Jungen nicht unnötig gestört werden. Ebenso ist das Reiten auf den geschützten Wiesen verboten. Da Streuewiesen vorwiegend auf feuchten und nassen Moorböden wachsen, werden sie bei der hohen Trittbelastung durch die Pferde zerstört. Die im Ried bestehenden Gräben dürfen von den Grundeigentümern und Bewirtschaftern nur in der Zeit von 1. Oktober bis 31. März instandgehalten werden. Dabei sollen die Gräben nur so tief gezogen werden, wie es für die Ableitung des Oberflächenwassers unbedingt erforderlich ist. Verboten ist auch das Abbrennen der Streuewiesen. Dabei werden nicht nur Kleintiere zerstört, es führt auch zu unnötiger Luftverunreinigung. Lebensraum von größter Bedeutung? Und trotzdem S18-Pläne? Trotzdem ständig steigende Autozahlen? Steigende C02-Werte? Trotzdem .. ? Siegfried Heim Nach Amerika (2.) In Heft 4, Seite 25, habe ich über ein paar Auswandererschicksale berichtet. In Heft 8, Seite 7, steht von den 34 Leuten aus Strohdorf und Hub, die um 1850 eine neue Heimat in Amerika gesucht haben. Darunter war auch der Sternenwirtssohn Nikolaus Fischer mit seiner Frau und neun kleinen Kindern. Wir fragten uns: Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Ganz überraschend konnte der Bregenzer Historiker Mag. Meinrad Pichler eine Antwort geben. Ein Pfarrer Huber aus Alberschwende hat 1872 den Wilden Westen bereist und die Ansiedlungen der Vorarlberger besucht. Nach dem großen Aufstand der Sioux-Indianer von 1862 - viele Wolfurter wurden in der kleinen Stadt Neu-Ulm in Minnesota belagert, 500 Neuansiedler kamen ums Leben - war Ruhe eingekehrt. Pfarrer Huber berichtet in seinem Tagebuch, daß er die Familie Fischer im Besitz einer «schönen Heimat» in Fremont angetroffen habe. Gott sei Dank! Nach Notizen in den Wolfurter Archiven sind zwischen 1849 und 1872 insgesamt 198 Wolfurter ausgewandert. Das sind 13 Prozent der 1500 Einwohner! Zwei gingen nach Australien, alle anderen nach Amerika. Der Schwerpunkt ihrer Ansiedlungen lag in Wisconsin und in Minnesota am Oberlauf des Mississippi. Längst sind sie Amerikaner geworden. Im heurigen Jahr 500 nach Kolumbus stellt sich in Amerika die Frage nach der Geschichte. History-Vereine erforschen die Einwanderungswellen und die Wurzeln in Europa. Auch an unser Pfarramt sind eine Reihe von Anfragen gekommen. Wilfred Schneider reiste selbst aus British Columbia in Canada an und ließ sich zu den Häusern seiner Ahnen führen. Einer seiner Vorfahren hat 1806 das Rädlerhaus an der Kellhofstraße gebaut, ein anderer wohnte im Samüllerhaus. Auch Jakob Schertler, der Schützenmajor von 1809, gehört zu seinen Vorfahren. 35 Schollen aus dem Ried Getrockneter Torf war früher eine wichtige Einnahmequelle für Wolfurter Bauern. Das bestätigt auch eine Rechnung aus dem Gemeindearchiv, die der «Caminfeger» Albinger im Instrumentenmacherhaus am Strohdörfler Brunnen an die Gemeinde richtete. Ein Fuder getrocknete Scholllen entsprach etwa einem Taglohn, in der Kaufkraft aber nicht einmal 100,- S von heute. Quittung Pr 6 f wörtlich sechs Gulden R. W., füer gegrabener, gederter und aufgeladener Schollen zum Haizen der Schulöffen. Hr 9fuder a 40 Kreuzer. Hr Lizidanto von dem gemeinds kassier Joseph Schneider Namens der gemeinde richtig empfangen zu haben hiemit quittire. Dann 3 Tag die feuerstette besittigef1 und füer den Tag 48 Kreuzer. Macht zu Sammen 2 f24 X. Wolfurt den 11 ten November 1826 Fidel Albinger *} durchgeschaut, repariert 34 Aus Wisconsin schrieb Scott Brunner, der in die gleiche Verwandtschaft gehört. Sein Ahn, der Sattler Johann Georg Rohner, hat 1839 das Haus Bützestraße 11 (Rüsto Tones) gebaut. Aus New Hampshire meldete sich William Brander. Zu seinen Ahnen zählt ein Geiger Martin im Haus Schloßgasse 1 (Stenzlers). Vom gleichen Stammvater stammen u. a. «Gigars im Röohle», Geigers im Adler, «Höllbur-Gigars» und Geigers am Unterlindenbrunnen. Schließlich fragte auch noch John Fischer aus Florida an. Er stammt aus dem Geschlecht des ersten Wolfurter Vorstehers Johann Georg Fischer im Haus Hofsteigstraße 27 («Schützen»). Als der Enkel Ferdinand Fischer 1865 nach Fremont in Ohio kam, waren dort andere Wolfurter schon jahrelang ansässig. So heiratete er denn auch mit Johanna Schneider ein Wolfurter Mädchen aus der Verwandtschaft unseres großen Malers Gebhard Flatz. Von den vielen Fischer-Verwandten haben neben dem 94jährigen Dr. August Fischer auch eine Reihe von Rupert Fischers kleinen Enkeln aus dem Flotzbach ihrem unbekannten Vetter im sonnigen Florida Grüße geschickt. Wir warten gespannt auf die Antwort. Mag. Pichler arbeitet an einem Buch über die Auswanderung. Vielleicht könnte uns jemand Fotos oder Dokumente von Verwandten aus Amerika zum Kopieren überlassen? Von Martha Hinteregger bekam ich einen solchen Brief. Er stammt von ihrem «Vetter» Theodor Rohner, dem «Pfarrer in Amerika». aufgeweckte Theodor hatte bei Lehrer Martin Köb, Oberlehrer Wendelin Rädler und Schulschwester Gottfrieda Oberhollenzer eine gute Volksschule gehabt. Nun schickte Pfarrer Georg Sieber den elternlosen Buben ins Lehrerseminar nach Tisis. Haus und Hof mußten verkauft werden. Bald wurde Theodor von einem Internat ins andere gereicht. Über Wien kam er nach Böhmen, dann gar nach Irland und schließlich 1897 nach Amerika. In Milwaukee, Wisconsin, trat er in das Priesterseminar ein und feierte 1903 Primiz. Nach sechs Kaplanjahren wurde er 1909 Pfarrer in Mount Horeb und 1928 bis 1946 Stadtpfarrer in Beaver-Dam, Wisconsin. Krankheitshalber mußte er in Pension gehen, konnte aber 1953 noch sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Zeitlebens hielt er Briefkontakt mit seinen Wolfurter Verwandten. Aus dem letzten Brief des greisen Pfarrers, dem er auch eine Zeichnung von den Häusern im Loch unter Engel und Schwanen anfügt, ist sein Heimweh spürbar: «Ob ich noch einmal in die Heimat komme . . .». 1955 wurde Theodor Rohner in die Ewige Heimat gerufen. Eine Inschrift am Pfarrergrab von Wolfurt empfiehlt ihn unserem Gebet. Eine alte Rechnung Konto 1826 Hab ich in die Schul 4 Stül gemacht, hab daß Holtz derzu gegeben, tut für 1 Stück 2 Gulden, also zusammen 8 Gulden. Weiters ich und der Sohn 1 Tag gewerchet, für Kost und Lohn tut 30 Kreuzer, zusammen 1 Gulden. Weiters einen Weg grösser gemacht, tut 36 Kreuzer, weiters für Negel 6 Kreuzer. Summa 9 Gulden 42 Kreuzer. Meister Frantz Xaver Schertler, Schreiner in Wohlfurth. Den 14 Jenner 1826 Der Schreiner Schertler (1747-1833) hat im Jahre 1800 «Schrinars Hus», Lauteracherstraße 6, gebaut. Es wurde 1971 abgebrochen (Reiners Armin). Aus diesem Haus stammen die vielen Familien Schertler Veres und Schertler Bernhards (Villa). Wer die Rechnung nachrechnet, muß beachten, daß ein Gulden damals 60 Kreuzer hatte. Für einen Gulden arbeiteten zwei Männer einen Tag lang. 37 Der Pfarrer in Amerika Eine bedeutende Wolfurter «Rohner»-Familie hatte ihren Hof im Loch, direkt neben der Kellhof-Weingartenmauer. Die Alten kannten das Haus noch als «Hollagoggols», heute ist es umgebaut (Im Dorf 4). Aus diesem Haus stammten die Steinbrecher-Rohner (Haldobuob) und die Instrumentenmacher-Rohner im Strohdorf. Hier wurde auch Theodor Rohner am 19. Jänner 1877 geboren. Schon mit drei Jahren verlor er die Mutter, mit 15 Jahren auch den Vater und die Stiefmutter. Der 36
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1991 19.11.2012, 18:31 Heft 8 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 91 Die Post. Das alte Gemeindehaus an der Schulstraße wurde 1965 abgebrochen. Hundert Jahre früher war es ein Zentrum der Schertler-Ziegeleien gewesen. Inhalt: 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. A uch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauterach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. DIE AUTOREN: Zuschriften Zu Heft 7 sind eine ganze Reihe von Rückmeldungen eingelangt. Einige bestätigen das Interesse an Mathias Schneiders Texten von 1812, seinem seltsamen Wortschatz, seiner ungewohnten Rechtschreibung. Andere erinnerten sich wieder an Lehrer Köbs «Buben», die sie noch gekannt haben, besonders an den immer zu Scherzen aufgelegten Ludwig, der als Schützenhauptmann, als Kirchenordner, als Ausgeher für die Metzgerei Rist und zuletzt noch als Ansager von Begräbnissen mit allen Wolfurter Gut-Freund war. Aus Lauterach kam ein Brieflein von Höfles Anni, die auch nach vielen Jahren im schönen Lauterach immer noch sieht, daß es dort «eben eben» ist, und sich gerne an ihre Strohdörfler Himmelreich-Bühel erinnert: Vielen herzlichen Dank für die zugeschickten Hefte. Ich hatte eine richtige Freude und gratuliere zu Eurem Heimatkunde-Kreis. Da ich nächstes Jahr ja auch 70 werde, kann ich in vielen Sachen mitdenken und gar Vieles ist in meinem Innersten recht lebendig erhalten. Besonders Lehrers Ludwig (Köb) sehe ich noch vor mir, wie er als Kirchenordner und Festführer bei vielen Anlässen fungierte. Als junges Mädchen machte ich im Postamt Lauterach Dienst.. Als Ludwig mit einem Korb voll Würste und Fleisch beim Gasthof Engel mich bei der Heimfahrt am Abend erblickte, lud er mich ein, mit ihm einzukehren und ein Viertele zu trinken. Ich erinnere mich gerne daran, als ob es erst 10 Jahre her wäre. Auch die schönen Bühel sind mir die ersten Jahre sehr abgegangen, denn Lauter ach ist eben eben. Grüße an die vielen Schönheiten in Wolfurt! Anni Germann Doppelmayr Arthur zeigte sich am Napoleon-Krieg interessiert. Er erzählt von den Nachkommen des Rußlandheimkehrers Michael Köb, die seine Nachbarn am Rickenbach waren. Die technische Begabung von «Mühlemacher Ferde» war weitum bekannt. Sein Sohn Ferdinand Müller betrieb ein Motorradgeschäft. Er begründete die Firma Gummi-Müller in Bregenz und gemeinsam mit seinem Wolfurter Freund Carl Müller (Kronenwirt) die Alemannia-Reifenfabrik. Die Enkel Dr. Kurt und Ing. Herbert Müller mußten 1942 wieder, wie 130 Jahre früher ihr Vorfahr, als junge Soldaten nach Rußland in den Krieg. Diesmal sind leider keine anderen Beiträge eingegangen. Einziger Autor ist daher Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983. Bitte! Diesem 8. Heft liegt der 3. Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87 957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druck- und Versandkosten abzudecken! Weitere Bestellungen erbitten wir schriftlich. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Herzliche Grüße schicken wir Wolfurter wieder hinaus an alle, die ihr Heimatdorf am Steußberg nicht vergessen haben. An alle Leser aber richten wir die Bitte, diese Hefte auch ihren interessierten Freunden zu zeigen. Mit Ausnahme von Heft 2, das leider vergriffen ist, könnten wir noch alte Hefte zur Verfügung stellen. Siegfried Heim Um 1900 sind in Hard und in Wolfurt sehr viele Italiener beheimatet. Die Entwicklung hält bis 1914 an. Der Erste Weltkrieg bringt einen gewaltigen Einbruch: In Hard fällt die Einwohnerzahl vom Rekordjahr 1910 bis zum Kriegsjahr 1923 um 600 ab. In Wolfurt fällt sie in der gleichen Zeit um fast 500. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre um 1945 bringen besonders starke Schwankungen durch Verluste, Flüchtlinge und einquartiertes Militär. Darüber habe ich keine Zahlen gefunden. Seit 1951 gibt es alle 10 Jahre genaue Volkszählungen. Weil es dabei um viel Geld geht, müssen die Angaben der Gemeinden von den Oberbehörden manchmal korrigiert werden. Daher finden sich in den Tabellen gelegentlich differierende Angaben. In allen aber zeigt sich das überdimensionale Wachstum der Industriegesellschaft unserer Hofsteiggemeinden «im Tal». Wie willst Du einem Wolfurter Schulkind, das vom Frickenesch aus auf das zersiedelte Feld schaut, beibringen, daß Wolfurt vor 50 Jahren nur 2.000 Einwohner hatte? Und erst Hard! Wie geht das dort weiter? Ist es ein Trost, daß sich nun auch die Berggemeinden Buch und Bildstein über ganz beachtliche Zuwächse freuen dürfen, weil die Talbewohner den hohen Wohnort der intakten Berglandschaft entdeckt haben? Bei allen Klagen sollten wir eines nicht vergessen: Durch viele Jahrhunderte mußten Hofsteiger auswandern, um in fremden Ländern als Maurer, Taglöhner, Söldner oder auch Bettler ihr tägliches Stück Brot zu bekommen. Nun dürfen wir es daheim verdienen! Es ist sogar noch genug für andere da. Gott sei Dank! Volkszählungen in Hofsteig Im Mittelalter war im montfortischen Gebiet am Steußberg das Gericht Hofsteig entstanden, in das im 18. Jahrhundert auch das Gericht Kellhof-Wolfurt integriert wurde. Innerhalb des 60 km2 großen Gerichtes bildeten sich vom Berg bis zum See feste Dorfgemeinschaften, die seit der Flurverteilung im 18. Jahrhundert auch gegenseitig anerkannte Grenzen und eigene Verwaltung besaßen. Sie alle unterstanden aber dem gewählten Hofsteigammann und den k. k. Behörden. Die Flächen waren verschieden groß und zwischen Wald und Riedsumpf unterschiedlich ertragreich. Seit Maria Theresias Zeiten gab es in den sechs Hofsteiggemeinden die ersten «Seelenbeschriebe» durch die Pfarrer, also erste genaue Aufschreibungen und Zählungen. Eine ältere Zählung liegt nur von 1594 vor. Sie erfaßte allerdings nur die Häuser. Damals hatte Hard 63, Lauterach 95 und Wolfurt 70 Häuser. Demnach dürfen wir die Einwohnerzahl im ausgehenden 16. Jahrhundert für Hard mit 350, Lauterach 530 und Wolfurt mit etwa 390 annehmen. Seither haben sich die Realitäten ständig verändert. Die älteste Vergleichsstatistik findet sich bei Mathias Schneider, der für die Bayern 1807 Konskriptionslisten anlegen mußte. Spätere Zahlen stammen aus offiziellen in Zeitungen verlautbarten Tabellen. Vergleichen Sie die umseitigen statistischen Zahlen und Kurven! Was da alles auffällt! 1807 gehört Bildstein zu den vier «großen» Hofsteiggemeinden, während Schwarzach noch klein und daher auch noch keine ständige Pfarre ist. Wolfurt liegt an der Spitze. Gleichmäßiges Anwachsen der bäuerlichen Bevölkerung bis 1837. Aber Hard hat durch seine Jenny- und Schindler-Fabriken die anderen überholt. Um 1880 ist auch Schwarzach groß geworden, während die Leute vom «Berg» aus Buch und besonders aus Bildstein ins Tal ziehen. 2 3 4 5 Siegfried Heim Strohdorf, Hub und Flotzbach Anmerkungen zu einem Dorfgeschichtevortrag am 14. Mai 1991. Spetenlehen mehr Verkehr brachte. Aber Sattler, Seiler, Schmiede, Wagner Wirte profitierten davon. Der Verkehr verschwand, als Kaiserin Maria Theresia 1768 die neue «Landstraße» von Lauterach durch das Ried nach Dornbirn bauen ließ. Nur ein paar Säumer in den Bregenzerwald und die Wallfahrer nach Bildstein belebten das nun abseits liegende Wolfurt noch ein wenig. Die Handstickerei der Frauen und die Webstühle der Männer brachten wenigstens eine kleine Einnahme. Fast jedes Haus hatte einen Webkeller. Die Weber wurden aber um 1840 alle durch die Konkurrenz der Fabriken arbeitslos. Die Not zwang viele zum Auswandern nach Amerika. Aus jedem dritten Haus zog ein junger Mann, selten auch ein Mädchen, in die Ferne. Allein aus dem Strohdorf waren es 23 Personen, dazu 11 aus der Hub, die sich auf den Weg nach Amerika machten. Von den meisten hat man nie mehr etwas gehört. Als Beispiel nenne ich die Familie Fischer. Nikolaus Fischer, ein Sohn aus dem heutigen Sternen an der Wälderstraße, hatte 1841 geheiratet und sein neu erbautes Haus im unteren Strohdorffeld (heute Dür, Wälderstraße 10) bezogen. Seine Frau Anna Geiger gebar jedes Jahr ein Kind. Das Brot reichte bald nicht mehr für die vielen hungrigen Mäuler. 1853 mußten Fischers ihr schönes Haus verkaufen. Am 22. April nahmen sie Abschied vom Strohdorf. Was muß das für ein Auszug gewesen sein! Neun Kinder - der älteste Bub war gestorben - : Rosa 12 Jahre, Sophie 9, Nikolaus 8, Maria 7, Joh. Georg 6, Katharina 4, Barbara 3, Anna 2, das kleine Agathle gerade ein halbes Jahr alt. Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Im Jahre 1838 hatten die Bregenzerwälder statt der beiden Saumwege über Berütter-Buggenegg und Linzenberg-Farnach endlich die vielbestaunte und gefährliche Fahrstraße durch das Schwarzachtobel bekommen. Gleichzeitig wurde in Wolfurt die Wälderstraße vom Strohdorf nach Lauterach gebaut. Rasch entwikkelte sich ein bedeutender Frachtverkehr. Da konnte auch ein tüchtiger Wirt ein Geschäft machen. Aus Bildstein-Geißbirn war 1842 der junge Jakob Böhler ins Tal gekommen und hatte sich als Steinmetz, Maler und Bildhauer einen Namen gemacht. Nun baute er den «Stern» zu einem großen Gasthof aus und betrieb dort auch eine Bäckerei und einen Gemischtwarenhandel. Sein Sohn Eduard Böhler, Sternenwirt und Bäckermeister, wurde dazu noch ab 1872 Postmeister. Der Stern war nun Post-Station für die Kutsche in den Bregenzerwald. Der Wirt gründete 1874 auch den ersten Veteranenverein des Landes. Neben den Fabrikanten Louis Schindler aus Kennelbach und Johann Gaßner aus Bludenz gehörten auch Geistliche und hohe Offiziere wie Feldmarschall-Leutenant Ritter von Burlou-Ehrwal aus Bregenz zu den Mitgliedern. 7 Eine Gemeinschaft wächst Im Laufe der Geschichte haben sich in Wolfurt zwei Dörfer entwickelt: das Kirchdorf aus dem staufischen Kellhof und Rickenbach aus dem montfortischen Hof zu Steig. In den letzten 200 Jahren versuchte man, mit Schule und Gemeindeamt im Strohdorf eine Klammer zwischen den beiden Ortschaften zu schaffen. Im Jahre 1760 gab es im Strohdorf um den alten Brunnen erst 14, am Eulentobelbach an der Hub 18 Häuser. Dort vermurte der wilde Bach manchmal die Straße. Daher heißt es im Hofsteigischen Landsbrauch von 1571: Item die Inhaber der Hueb sein schuldig den bach ob der strass vom brunnen an der Hueb bis an Speetenlehen dermassen zeleiten und zefüeren, damit der strass und sonsten niemands kain schaden widerfahre. Die Hochwässer von Holzerbach, Himmelreichbächlein und Eulentobelbach schütteten fruchtbare Lehmböden in die sumpfige Ebene. Darauf bauten die ersten Strohdörfer und Hübler Dinkelweizen und Haber an. Erst allmählich rodeten sie vor 1000 Jahren die sonnigen Bühel am Rebberg und im Himmelreich bis hinauf ins Frickenesch. Und noch viel später begannen sie mit der Entwässerung der Riedsümpfe, wo im «Nöü-Wiasa» und im «Wit-Riod» etwa ab 1750 «Türggo und Bodo-Biora» angebaut wurden. Am Südhang des Frickeneschs gedieh Wein und zwar der recht herbe weiße "Bregenzer" für die Bregenzer Herren. Erst 1729 konnten die Hofsteiger den sonnigen Rebberg kaufen. Sie nannten ihn «Narrenberg», wohl weil die schwere Winzerarbeit dort oben zuletzt kaum mehr Ertrag brachte. Um 1880 riß man die letzten Reben aus. Ursprünglich waren alle Häuser nur an der alten Römerstraße am Berghang gestanden. Daran änderte sich auch nichts, als mit Kaiser Maximilians Brücke von 1518 die Reichsstraße von Lauterach her über St.Antone und Unterhub nach 6 Bei der Fronleichnamsprozession kommandierte der schneidige Hauptmann manchmal über 100 Schützen. Auch bei den großen Freilicht-Theatern in Wolfurt war der-Sternenwirt unentbehrlich. Weil man den Frauen im Dorf damals noch den Zutritt zur Bühne verwehrte, spielte meist der Wirt die weibliche Hauptrolle, zum Beispiel 1875 in Schillers «Jungfrau von Orleans». Überhaupt war der Stern jetzt Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Jeden Sonntag trafen sich hinten in der Weinstube Pfarrer Sieber, AltvorsteherMartin Schertler, Gemeindearzt Dr. Eisler, Oberlehrer Rädler und Organist Fidel Kalb, der später unter dem neuen Namen Fidel Kirchberger Vorsteher wurde. Mit einigen Gleichgesinnten wurde Dorfpolitik gemacht. 1899 wurde hier im Sternen der Katholische Arbeiterverein gegründet, der bald mit seinen Sektionen Turnerbund, Jugendhort, Redeklub und Theatergruppe das Gemeindegeschehen wesentlich mitgestaltete. 1913 begann man mit dem Bau des Vereinshauses, das aber wegen des Weltkrieges erst 1922 fertig gestellt werden konnte. lernten. 1830 mußte im Stadel eine dritte Klasse eingebaut werden. Als auch diese nicht mehr ausreichte, wurde im unteren Strohdorf am «Holzer Bach» 1872 für 10.000 Gulden ein neues Schulhaus gebaut. Das alte wurde als Armenhaus und Turnraum verwendet und schließlich verkauft. Franz Pichler hat ihm vor ein paar Jahren ein völlig neues Gesicht gegeben (Hofsteigstraße 8). Ins neue Schulhaus zog mit den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke und Oberlehrer Wendelin Rädler ein neuer Geist ein. Neben Beten, Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen lernten die Mädchen jetzt auch Stricken, Flicken, Nähen, Kochen und Gartenarbeit. Die Buben übten sich in Baumpflege, Bienenzucht und Milchwirtschaft. Oberlehrer Rädler gründete im ganzen Land Sennereien und Raiffeisenkassen und unterrichtete die Bauern unermüdlich in Vorträgen und einer eigenen Zeitung. Er sorgte dafür, daß 1882 in der Schule eine Gemeindekanzlei eingerichtet wurde. Vorsteher Joh. Martin Schertler arbeitete dort mit seinem Neffen Lorenz Schertler aus dem Flotzbach eng zusammen. Lorenz war ein ausgezeichneter Schreiber und ein Organisationsgenie, der seinem Onkel 1885 bis 1901 als Vorsteher nachfolgte. Seine Arbeit war so geschätzt, daß ihn die Wolfurter in der Not nach dem Weltkrieg von 1919 bis 1924 noch einmal zum Bürgermeister machten und ihn sogar in den Landtag wählten. Jetzt war also das Strohdorf mit Schule, Gemeindeamt und Vereinshaus endgültig der politische und kulturelle Mittelpunkt der Gemeinde geworden. Musik, Turner, Feuerwehr, Theater und Gesangverein blühten auf. Die durch Tradition und jahrhundertelange Geschichte getrennten Kellhofer und Hofsteiger, die Rickenbächler und Dörfler wuchsen zur Gemeinschaft der Wolfurter zusammen. Nach dem Bau der Eisenbahn von 1872 hatten Importe von Getreide, Wein und Kohle die alten Strukturen der Landwirtschaft zerstört. Der Weinbau am Rebberg und die Getreidefelder im Strohdorf und Flotzbach waren verschwunden. Aber Lehrer Rädlers Umerziehung zu Milchwirtschaft und Obstbau trug Früchte und gab Selbstbewußtsein. Daher entstanden jetzt 1891 gleichzeitig die großen und auch teuren Sandsteinbrunnen im Strohdorf und an der Hub. Freiwillig schlossen sich Brunnengenossenschaften zusammen, zahlten ihre Anteile und schufen in schwerer Fronarbeit Wasserfassungen aus Lehm und Beton. Brunnenmacher Ferdinand Gasser aus Meschen legte die hölzernen Düchelrohre. Schmied Eduard Köb und Installateur Josef Köb setzten schließlich eiserne an Stelle der morsch gewordenen hölzernen Brunnensäulen. Unter Aufsicht erfahrener Brunnenmeister pflegten die Nachbarn der Brunnen den jeweiligen «Tränktrog» und putzten auch den «Sudeltrog». Durstige Schulkinder und Wanderer schätzen die Brunnen heute sicher am meisten, aber die ganze Gemeinde freut sich, daß hier Seit 1778 wurde im Strohdorf Schulunterricht gehalten. Gegen den Willen der bäuerlichen Bevölkerung hatte Maria Theresia die Normalschule beschlossen. Unter Zwang errichteten die Wolfurter als südlichstes Haus im Strohdorf 1777 ein kleines Schulhaus, wo in zwei Stuben alle Wolfurter Kinder Lesen und Schreiben Schertlers Seppl um 1940 mit dem ersten Traktor im Flotzbach. 9 8 (Ludwigos) am Weg ins Flotzbach verkauften neben Nähsachen ein paar «zückerne Krömle». Schließlich kam mit der neuen Zeit auch ein Supermarkt ins Strohdorf. Seit 1953 wurde ununterbrochen am Schulhaus gebaut und erweitert. Heute deckt es mit Spielplätzen und Sporthalle eine riesige Fläche von fast 3 Hektar. Die alte Volkschule, deren Glöcklein einst den Arbeitsrhythmus im ganzen Dorf bestimmte, wurde 1979 abgebrochen. Die Hauptschule und mit ihr Musikschule, Bürgermusik, Sportvereine und Gemeinde bekamen großzügige Räume. Die Sporthalle von 1984 ist ein Vorzeigestück der Gemeinde geworden. Das Gemeindeamt selbst hat seit 1967 ein eigenes schwarzes Rathaus mit weißem Wolf. Dort ist auch Platz für die Post und für den erst 1977 eingerichteten Gendarmerieposten. Seit 1982 nennt sich Wolfurt Marktgemeinde. Marktgemeinde mit dem Mittelpunkt im Strohdorf, das nun nicht nur Kirchdorf und Rickenbach verbindet, sondern auch das ferne Wida, das Hinterfeld, das Kella und den Güterbahnhof verwaltet und versorgt. Aus dem Strohdorf kommt auch das köstliche Wolfurter Wasser, zuerst ab 1953 aus dem alten Pumpwerk bei der Schule, dann seit 1983 aus dem modernen Wasserwerk am Gänsbühel. Das lebensspendende Wasser, das zuerst die Hübler und Strohdörfler Bauern zu Brunnengenossenschaften verbunden hat, sollte uns alle in die Verantwortung für die Gemeinschaft Wolfurt einbinden. Steinhauers Gebhard vom Strohdorf, der langjährige Gemeindediener am Pumpbrunnen. noch klares Quellwasser sprudelt, während etwa die großen Brunnen im Dorf und zu Unterlinden dem Autoverkehr geopfert worden sind. Wie überall wechselten auch bei den Leuten am Brunnen gute und schlechte Zeiten. Die Stickerei hatte um 1907 viel Geld gebracht, aber auch lockere Sitten. Es folgten Not und Tod der Weltkriege, Arbeitslosigkeit und eine neuerliche Auswanderungswelle um 1924 nach Amerika. 1926 übersiedelte die Post vom Stern in das steinerne Gemeindehaus. Unter dem Vordach bediente Altvorsteher Ferdinand Köb die riesige Brückenwaage. 1928 zogen auch die Kreuzschwestern Theodora und Epiphania ein, die als Krankenpflegerinnen und Tröster in der Sterbestunde Wunderbares vollbrachten. Im Gasthof Stern folgten auf Böhler-Sternenwirts Köb-Sternenwirts, dann Keckeisens und schließlich Fischers. Da gab es ein Volksbad, eine Großmosterei, die erste Eismaschine. Auf Zwangseinquartierung im Krieg folgten neuer Glanz, die Kegelbahn, Metzgerei und Laden. Der Maler Albert Köb hatte 1903 die alte Schmiede am Strohdorf-Brunnen zu einer Stickerei umgebaut und dann 1911 zu «Molars Lado». Da gab es alles, was Kinderaugen begehrten: Sidobollo, Beorodräck, Leozeolto und vor allem Katzim-Sack. Konkurrenzläden gab es zuerst in Metzlers Lädele und dann bei Festinis. Auch Frau Meusburger im alten Haus am Strohdorfbrunnen und Frau Schwärzler 10 Ein paar Namen Ein paar Leute, die sich besonders für die Gemeinschaft eingesetzt haben, sollten nicht vergessen werden. Ich nenne zuerst ein paar Brunnenmeister und ihre wichtigsten Helfer. Am Strohdorfbrunnen trugen vor 100 Jahren Joh. Georg Rohner (Instrumentenmachers Urgroßvater), der Schmied Andreas Böhler (damals in Malers Haus), Johann Brauchle (Hofsteigstr. 3) und der Wagner Joh. Martin Gmeiner (Wälderstraße 1) die Verantwortung. Dann folgen Sternenwirt Eduard Böhler und der «Frickenescher» Johann Gmeinder, dessen Nachkommen noch heute für den Brunnen sorgen. Viele Jahre kümmerten sich Instrumentenmacher J. A. Rohner, Anton Haneberg (Hofsteigstr. 1) und Paul Köb (Malers) um klares Wasser, wie es deren Nachkommen auch heute noch tun. Am Hübler Brunnen war vor dem ersten Weltkrieg Josef Höfle Brunnenmeister. Als sein Haus (Eulentobel 1) 1918 abbrannte, zog er ins Kirchdorf. Fridolin Albrecht (Hofsteigstr. 20) übernahm die Leitung. An seiner Seite arbeitete als 11 Organisator unermüdlich viele Jahre Karl Schwärzler, Liberats. Brunnenmeister waren ab 1927 Gebhard Klocker, Seilers, 1928 Josef Schwärzler, Schneider in Hofsteigstr. 24, und ab 1934 Johann Gmeinder, Frickeneschers, der das wichtige Amt mehr als 30 Jahre innehatte. Seit 1967 ist Karl Köb, Schmieds, Brunnenmeister. Er wird unterstützt von Karl Bellmann, der die alte Hübler Sennerei beim Brunnen zu einem schönen Wohnhaus umgebaut hat. An der Nordgrenze von Strohdorf steht als erstes Haus von Unterlinden das Schertler-Haus seit über 200 Jahren im Besitz von «Altvorstehers» (Kirchstr. 11). Es gehörte einst dem Hofsteiger Schützenmajor Jakob Schertler (1749-1822). Von seinen 18 Kindern eroberten zwei Söhne mit ihren Familien ab 1814 zuerst das Röhle und dann die Ach, wo sie mit Ziegeleien und Kalkwerk die heutigen Firma Rädler begründeten. In den Ziegeleien wurde Lehm aus dem Flotzbach mit Holz aus der Ach gebrannt. Als die Eisenbahn billige Kohle ins Land brachte, erkannten Josef Anton Schertler und seine tüchtigen Söhne Jakob und Lorenz die Chance und bauten eine Großziegelei zu den Lehmlöchern. Schon 1851 hatte Vorsteher Martin Schertler das große steinerne Haus an der Kreuzung mit der Wälderstraße gebaut, das wir als «Post« gegenüber der Schule in Erinnerung haben. Es diente als Frachtstation und Verwaltungszentrum. Hier kamen seine Neffen Jakob und Lorenz zur Welt. Aber schon 1874 übersiedelten sie in ihr neues Haus im Flotzbach und erwarben dort in den folgenden Jahrzehnten weitere Häuser und riesigen Grundbesitz. Von Conrad Doppelmayr, damals noch ein kleiner Schlosser in Hard, ließen sie sich 1885 eine große Hydraulik-Dampf-Ziegelpresse konstruieren. Damit erwarben sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den vielen anderen Ziegeleien im Land. Riesige Lehmlöcher öffneten sich und wurden später «Krotto-Löchor» - heute würde man sie Biotope nennen. Sie dienten der Jugend als Eisplätze und wurden um 1960 die riesigen Müllhalden der Gemeinde. Heute deckt sie gnädiges Grün zu. Die Familie Schertler war fast immer im Gemeinderat vertreten und stellte bedeutende Bürgermeister. 1850-53 Erbauer der «Post» Schertler Joh. Martin Schertler Josef Anton 1872-73 Erbauer der Volksschule Schertler Joh. Martin 1879-91 Gemeindeamt Schertler Lorenz 1891-1901 und 1919-24. Nach ihm ist eine Straße im Flotzbach benannt. Das Doktorhaus an der Hub und die Schulstraße um das Jahr 1935 Außer gutem Wasser braucht man in Wolfurt auch einen guten «Doktor» Das Doktorhaus stand früher auf der Kreuzung beim Sternenplatz. Dort praktizierte zu Napoleons Zeiten der Gemeindearzt Georg Gmeiner. Seine Frau half ihm als Hebamme. 1827 übergab er die Praxis seinem Schwiegersohn Martin Rohner, der noch mit Napoleon in Rußland gewesen war (Siehe Heimat 7, Seite 21). Diesem folgte als Arzt sein Sohn Ferdinand Rohner. Noch eine ganze Reihe von Ärzten versorgten die Wolfurter, bis die Gemeinde 1903 ein eigenes Doktorhaus an der Hub erbaute (Schulstr. 12). Dort arbeiteten viele Jahre lang Dr. Eugen Lecher und nach ihm Dr. Lothar Schneider. Dieser verlegte seine Praxis an die Unterlindenstraße. Das Dr. Rohner-Haus war zuletzt viele Jahre lang Sitz der Raiffeisenkasse. Als es 1949 abbrannte, wanderte die Bank in mehreren Schritten ins Dorf hinein. Also hat das Strohdorf mit Arzt und Bank auch wichtige Institutionen verloren. 12 Den Anfang der Besiedlung im Flotzbach, das damals noch das große Weizenfeld für die Hub war, machte um 1790 der Steinhauer Johannes Rohner. Er brach sein altes Elternhaus im Eulentobel ab und erbaute ein neues am Anfang der Unterhubstraße. Sein Sohn Andreas Rohner (1791-1857) war dort seit 1811 verheiratet. Seine Frau Anna gebar ihm in 20 Jahren 15 Kinder. Alle fünfzehn starben schon als Kleinkinder. Andreas Rohner gründete 1816 die erste Wolfurter Musik und war lange ihr Kapellmeister. Als alter Mann baute er 1850 noch ein schönes neues Haus an der Flotzbachstraße (Nr. 8, Schwärzlers). Sein altes ist 1895 abgebrannt. Vielleicht sollten wir uns manchmal an den Kapellmeister Rohner erinnern, an seine Frau und die 15 Kinder, wenn wir an Schwärzlers schönem Garten vorbei gehen! 13 Zur Bayernzeit waren auch Arnolds und Schertler Lenas Haus und bald danach Ruschs gebaut worden (Nr. 9,11 und 15). Ins untere Flotzbach war aber als erster 1819 ein Crispinus Gmeiner vorgestoßen (jetzt Nr. 18, Elmar). Erst 1872 hatte er in Jakob Köb, dem Stammvater der Bäschle-Köbs (Nr. 20) einen Nachbarn bekommen, ehe 1874 als drittes Schertlers Haus (Nr. 16, Helmut) gebaut wurde. Im gleichen Jahr 1874 wurde auch noch im «Speck», das ist ganz weit unten im Ried an der damals neuen Eisenbahn, ein winziges Bahnwärterhaus erbaut. Dort lebte die große Familie Joh. Georg Köb (t 1908), aus der sich die Wolfurter Sippe der «Bahwächtar»-Köbs ableitet. Die Tochter Agatha begründete mit Josef Bernhard Mohr die größte Hübler Familie, Mohrs «a dor ussoro Huob». Sie ist 1917, als ihr Mann im Kriegseinsatz in den Dolomiten stand, von sieben kleinen Kindern weg ganz plötzlich gestorben. Gmeiner wurde unten an der Wälderstraße die Mutter von Zehrers Hans-Irg und von Zehrers Marte. Wir erinnern uns noch gerne an seine elektrische Türkenmühle und an den ersten Fernseh-Apparat in Wolfurt. Der Zimmermann Josef Anton Gmeiner erbaute 1873 sein Haus neben der Schule (das 1982 für die Sporthalle abgebrochen wurde). Seine Söhne «Knore» Hansmarte und «Disjockeles» Albert gaben das Handwerk auf und wurden Sticker. Hansmarte Gmeiner betrieb im Stammhaus der Gmeiner, gegenüber vom Stern, seine Wagnerei bis zum ersten Weltkrieg. Dann übergab er das Haus seinem Schwiegersohn, dem Vorsteher Ferdinand Köb. Von seinen zahlreichen Nachkommen macht neuerdings Professor Edelbert Köb als Leiter des zukünftigen Kunsthauses in Bregenz von sich reden. Ein weiterer Sohn aus dem Wagnerhaus war Gebhard Gmeiner, der Steinhauer, der 1880 gegenüber der Schule sein Haus aus Stein aufmauerte. Sein Sohn Gebhard Gmeiner schellte noch viele Jahre als Gemeindediener wichtige Nachrichten im Dorf aus. Zahlreich verbreitet sind die «Kassiänler», die auf den Schwarzacher Kassian Schertler zurückgehen. 1852 erwarb er das Haus Hofsteigstraße 16 und zog zehn Kinder groß, die in die verschiedenen Nachbarfamilien einheirateten. Als das Haus 1926 abbrannte, baute es sein Enkel Johann Gmeinder wieder auf, der später 33 Jahre lang Brunnenmeister an der Hub war. Dabei arbeitete er mit Engelbert Gasser, dem Milchmesser in der Sennerei zusammen. Auch die Gasserbrüder aus Meschen belebten mit ihrer fröhlichen Art das gesellige Leben an der Hub. Engelbert hatte 1921 ein Buch «Sechs Jahre Sibirien» geschrieben und von seiner abenteuerlichen Flucht über Wladiwostok und den indischen Ozean berichtet. Der Schreiner Albert Gasser «Fixenatte» war ob seines schlagfertigen Humors weitum bekannt. Der «Wanderlehrer» Josef Anton Gasser erhielt für seine Verdienste um die Sticker-Ausbildung den Titel Professor. Sein Enkel «Sigi» Gasser ist heute Bürgermeister der Landeshauptstadt Bregenz. Noch unzählige Geschichten berichten die alten Bücher im Archiv von den Schicksalen der Familien von Strohdorf und Hub. Weit mehr noch wissen deren Nachkommen. Gerne möchte ich ein anderes Mal noch einiges nachholen. Fast 100 Namensträger Mohr gibt es heute in Wolfurt. Sie stammen alle von jenem Jakob Mohr, der um 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Sein Sohn Sebastian baute dreißig Jahre später das Stammhaus der Mohr an der Hofsteigstraße (heute Nr. 10, Ratzers). Von dort aus teilte sich die Sippe. Mohr Michael (1823-1913) begründete an der Kellhofstraße die Dörfler-Mohr, von denen wir stellvertretend den Lehrer Mohr und den Ehrenringträger Hubert Mohr mit ihren vielen Verwandten nennen. An der Hub aber ließ sich der Kaiserjäger und Kamm-Macher («Kampler») Josef Mohr (geb. 1807) nieder, dessen Enkel Josef Bernhard Mohr (1868-1942) mit sieben Kindern aus seiner ersten Ehe mit Agatha Köb und weiteren sieben aus seiner zweiten mit M. Anna Arnold besonders zahlreiche Nachkommen hinterließ, zu denen auch Bürgermeister Erwin Mohr gehört. Eine wichtige Schwärzler-Familie (mit «ä») lebte ab 1874 im Haus Hofsteigstr. 15 (Festinis), der Maurer Josef Schwärzler mit seinen 13 Kindern. Sohn Liberat erwarb das alte Doppelhaus, aus dem 1893 die Familie Rusch nach Amerika ausgewandert war, und vereinigte es zum Haus Flotzbachstraße 1. Sohn Josef Schwärzler, Schneidermeister, ließ sich mit seiner Frau Agatha Schwärzler zuerst im Loch an der Kellastraße in Rickenbach nieder, ehe er mit seinen sieben Kindern wieder an die Hub zurückkehrte. «Schnidars Bänkle» vor dem Haus Hofsteigstraße wurde ein beliebter Treffpunkt für junge Leute. Noch ein dritter Schwärzlersohn, Ludwig, erwarb ein Haus an der Hub (Flotzbachstr. 8), wo er eine große Stickerei einrichtete. Seine Frau Josefa betrieb dort in den dreißiger Jahren auch eine kleine Handlung. Aus Alberschwende hatte sich schon um 1725 ein Georg Gmeiner im Strohdorf festgesetzt, dessen Nachkommen wir als tüchtige Handwerker kennen. Johanna 14 15 Die alten Häuser von Strohdorf und Hub 1. Skizze nach dem Seelenbeschrieb von 1760. Nur schwer findet sich ein Neu-Wolfurter auf der beigefügten Skizze zurecht. Keine Schule, kein Gasthaus, keine Handlung! Dafür Bäche, Weinberge, Weizenfelder. 14 Häuser um den Strohdorfbrunnen, 18 im Eulentobel und an der Hub. Ab jetzt begann die Besiedlung der Felder. Die ersten Hausnummern hatte Pfarrer Feurstein 1760 in sein Buch eingetragen, insgesamt 150 Nummern vom Dorf bis nach Rickenbach. Strohdorf bekam 81 bis 94, Hub 95 bis 112. 2. Skizze nach dem Häuserverzeichnis von 1900 Weil immer wieder neue Häuser gebaut worden waren, gab es im Jahre 1900 zum fünften Mal neue Nummern, insgesamt 290. Die Nummern 153 bis 183 zählte der Gemeindeschreiber zum Strohdorf (31 Häuser), 184 bis 213 zur Hub. Weil er aber 202 bis 207 (6 Häuser) als Flotzbach separat bezeichnete, blieben für die Hub demnach noch 23 Häuser. Die Weinberge und die Weizenfelder sind verschwunden. Die neue Wälderstraße hat die alte Reichsstraße durch die Unterhub abgelöst. Auch Schulstraße und Flotzbachstraße sind wichtig geworden. Der Eulentobelbach ist an der Hofsteigstraße und im Flotzbach in ein neues Bett verlegt worden. Strohdorf: 153 + 154 Doppelhaus Schneider-Schelling. «Kaufmanns» ist am 8. Nov. 1935 abgebrannt. 155 Böhler Wilhelm, Schmied. Später «Schellings». 156 Schwerzler. «Murars» wurde um 1960 abgebrochen. 157 Höfle. «Der rich Höfle», später Metzgerei Fischer. Abgebrochen am 21. Nov. 1973 für die Rebberg-Garage. 158 Rohner, später Böhler. Das Doktor Rohner-Haus beherbergte auch die «Kassa». Es ist 1949 abgebrannt. 159 Böhler. Der wichtige Gasthof «Sternen». Post, Bäckerei, Handlung. 160 Lenz, später Schmied Köb. Abgebrochen 1983. Vereinshaus fehlt noch. (Erst 1913 gebaut!) 161 Zehrer. Mühle. Abgebrochen 1979. 16 17 Köb. «Briefbot Köbs», jetzt Dür. Albinger. Schreinerei. Abgebrochen 1979 zur Straßenbegradigung. Zweite Volksschule von 1872. Abgebrochen 1979 für Kultursaal. Gmeiner. «Knores». Abgebrochen 1982 für Sportplatz. Gmeiner. «Steinhauers». Gmeiner. Später Gemeindehaus und Postamt. Abgebrochen 1965 für Gemeindehaus. 168 Gmeiner. Wagner. Später «Sternowirt Köbs». 169 Vorklärer. Bildstein-Schmiede, später «Molars Lado». 170 + 171 Doppelhaus Schwerzler-Brauchle, später «Hanebergs» und «Ratzars«. 172 Brauchle. Jetzt Berchtolds. 173 Rohner. Das Haus am Strohdorfbrunnen. «Instrumentomachars». 174 Gmeinder. «Frickoneschars«. 175 + 176 Rohner-Lenz. Das baufällige «Salomoneum« - Doppelhaus wurde schon 1920 abgebrochen. 177 Lenz. «Flatzos Hüsle». Abgebrochen um 1950. 178 Schertler. «Kassians» ist 1909 und noch einmal 1913 abgebrannt. 179 Wacker. Hier lebte im Jahre 1900 die Familie des Bregenzer Künstlers Rudolf Wacker. Später «Festinis». 180 Rünzler. Steinmetz-Betrieb. Früher «Metzlers Lädele«, später «Flatzo Beppes» Fahrradgeschäft. 181 Erste Wolfurter Volksschule, dann Armenhaus. Jetzt Pichler. 182 Winder. Später Fischer, jetzt Ratzer. 183 Hopfner. Später «Festinis», Handlung. Abgebrannt 1913. 162 163 164 165 166 167 Hub 184 Bildstein. Abgebrannt 6. Aug. 1913. Später erstes Wolfurter «Cafe« Franz Boch. 185 Böhler. «Sternowirts Hans-Irg». Abgebrannt am 17. März 1902 und noch einmal am 19. Aug. 1913. Später «Hans-Irgo Georg«. 186 Höfle. Abgebrannt 1918. Jetzt Winder. 187 Gmeiner. Später Simma. Abgebrochen 1950 (?). 188 Wohlgenannt. Abgebrochen 12. März 1902. 189 Stenzel. Später Kressers Seppl. 190 Gmeiner. «Lislos». Später «Wanderlehrer» Gasser. 191 Klocker. Früher das Haus des Vorstehers F. Josef Halder, später «Soalars». 192 Schertler. Stammhaus der «Kassiänler». Später Gmeinder. Abgebrannt 22. Okt. 1926. 193 Klocker. Stammhaus der «Glaser« Klocker. 194 Albrecht. Jetzt Höfle. 18 19 195 Widmer. Später Küfer Köb Friedrich, dann «Schmieds Karle». 196 Sennerei Hub. Das Haus am Hübler Brunnen. An der Straße ist der Eulentobelbach seit 1931 verrohrt. 197 Schwärzler. «Schnidars». 198 Höfle. «Hermannos». 199 Fischer. «Schnidarles Hannes«. Jetzt Eberle. 200 Fischer. «Schnidarles Rudolf«. Abgebrannt 18. März 1955. 201 Lüber. Das Haus des Kapellmeisters Andreas Rohner. Später Schwärzler «Ludwigos». 202 Schwerzler. «Tirolars». 203 Schertler. Verwaltung der Flotzbächler Ziegelei. Später «Schädlars Seppl». Frächterei. 204 Schertler. «Schädlar Jokobos». 205 Köb. «Bäschles». 206 Bahnwärterhaus. Weit draußen im Ried. Abgebrochen um 1960. Z Die Ziegelei hatte wie alle Stadel und Schuppen keine Nummer. 207 Schertler. Hier wohnte später die Familie Rusch. Abgebrochen um 1980. 208 Schertler. Das Haus des Bürgermeisters Lorenz Schertler. «Lenas». 209 Arnold. Jetzt Mohr. 210 Lenz. Später Loitz. «Luitzos«. Jetzt Sinz. 211 Schwärzler. «Liberats». Früher ein Doppelhaus. 212 Höfle. «Des alt Küofarle» wurde 97 Jahre alt. Später Dietrich «Hansmarte». Abgebrochen 1978. Den um das Jahr 1900 an die Straße verlegten Eulentobelbach hat man 1931 wieder in seinem alten Bett hinter dem Haus verrohrt. 213 Mohr. «Kamplar»-Mohrs. Das ältere Mohr-Haus im Garten gegen die Krone war schon 1879 abgebrochen worden. Siegfried Heim St. Martin vom Strohdorf Der Heilige Martin (317-400 n. Chr.) wurde in Ungarn geboren und kam als römischer Reiteroffizier nach Gallien. Er ließ sich taufen und gründete das erste Mönchskloster in Frankreich. Als Bischof von Tour wurde er der Missionar Galliens und war wegen seiner Gerechtigkeit und Mildtätigkeit berühmt. Als Heiliger wird er besonders in Frankreich und Deutschland verehrt. Sein Feiertag, der 11. November, «Martini», gilt als Erntedanktag, Markttag, aber auch als Zinstag, an dem Schulden bezahlt werden mußten. Seine Symbole sind Schwert und Mantel, aber auch die Gans. Auch in unserem Land war er sehr beliebt. Sein Name wurde oft getauft. «Marte», «Martele», «Hansmarte» oder «Martina» und «Martin» hießen und heißen neuerdings wieder viele Wolfurter. Im Vorarlberger Landesmuseum findet sich im dritten Stock eine gotische Skulptur «St. Martin», datiert 1510. Sie ist 1,50 m hoch, aus Lindenholz geschnitzt und bemalt. St. Martins Schwert, mit dem er seinen roten, blau gefütterten Mantel teilt, ist abgebrochen. An der Stelle des linken Beins kniet ein flehender Bettler. Martins Blick geht in die Weite. Wie kommt die Figur mit dem Vermerk «aus Wolfurt» hierher? Spuren von Blattgold bei der Bemalung lassen vermuten, daß sie einst für einen Altar (St. Martin in Dornbirn?) oder eine Kapelle geschaffen wurde. Als bei der Barockisierung der Kirchen die gotischen Altäre abgebrochen wurden, könnte sie in ein Dornbirner Haus gekommen sein. Jedenfalls brachten Martin Albinger, geboren 1711 in Dornbirn, und seine Frau Anna Rimmele ihren Namenspatron aus Dornbirn mit - nach der Überlieferung sogar ihr ganzes Haus -, als sie sich 1740 direkt beim Strohdorfbrunnen in Wolfurt niederließen. Fortan beschützte St. Martin das Haus des «Caminfegers» Albinger und den Brunnen. Die Familie war mit vielen Nachkommen gesegnet. Tüchtige Handwerker gingen daraus hervor: die Bäcker Albinger vom Hirschen, die Feger Albinger im Dorf, die Schreiner Albinger bei der Schule. Aber auch die schöne Juditha im Hirschen, deren Sohn Louis Letsch der berühmte Maler geworden ist, und ihre Schwester M. Anna, die Mutter von «Schnidarles Hannes», gehörten zur Familie Albinger. 21 Beim «Schützen», aus dem die Ammänner und Vorsteher Fischer stammen, beginnt mit Spetenlehen der Raum Rickenbach. (Jetzt Gmeiner-Mathis) Ein kritischer Leser, der bisher mit gedacht hat, weiß sicher ein paar Hausnamen mehr, ein paar Ergänzungen, ein anderes Abbruchdatum. Ich bitte um Zuschriften. Die vielen «abgebrochenen« machen uns dankbar dafür, daß noch viele andere alte Häuser gut gepflegt und erneuert das heimelige Dorfbild von Hub und Strohdorf prägen. Das gefällt auch den Bewohnern der neuen Häuser. 20 1857 kaufte Joh. Georg Rohner das Haus am Brunnen, das immer noch St. Martin auf der Giebelseite trug. Sein Sohn Josef Anton Rohner richtete dort eine Werkstatt als Instrumentenmacher ein. Eines Tages hielt eine noble Kutsche vor dem Haus. Am anderen Tag stand es in der Zeitung, im Vorarlberger Tagblatt vom Mittwoch, 18. Dezember 1901: Wolfurt, 15. Dez- Heute Mittag 1/211Uhr fuhr S. k. k. Hoheit, Erzherzog Eugen in der Richtung Bregenz-Dornbirn durch unser Dorf. Plötzlich machte die Equipage bei Herrn Musik-Instrumentenmacher Rohner Halt. Es fiel dem hohen Herrn die an dem Hause angebrachte, uralte Hl. Martinus Statue auf und hochderselbe begab sich dann in die Wohnung, um das Alterthum zum Preise von 100 K zu erwerben. Herr Rohner, der freilich nicht ahnte, mit wem er die Ehre hatte, unterhielt sich mit dem hohen Besuche aufs Beste, zeigte ihm auch über Verlangen seine Werkstätte und dgl. Freilich war der gute Mann etwas in Verlegenheit als ihm bekannt wurde, wer dieser Herr sei, und erstaunt und erfreut über die Herablassung. Über die Herkunft der Statue ist nichts bestimmtes bekannt. Wahrscheinlich dürfte dieselbe aus der Pfarr kirche in Dornbirn stammen. Das Wohnhaus des Herrn Rohner stand vor Jahrhunderten in Dornbirn, wurde abgetragen und hier aufgestellt und mit ihm soll auch die Statue nach Wolfurt gekommen sein. In Instrumentenmachers Stube erinnert eine schöne Wandschrift an den hohen Besuch. Erzherzog Eugen schenkte die Figur dem Landesmuseum. Im Museumsbericht 41 von 1903 berichtete Konservator Carl von Schwerzenbach: Seine k. u. k. Hoheit, der hochwürdigst - durchlauchtigste Herr Erzherzog Eugen geruhten, dieses von höchstdemselben in Wolfurt erworbene wertvolle Stück dem Vereine als Geschenk zu überlassen. Vielleicht werden die Strohdörfler ihren Martin einmal heimholen, vielleicht eine Kopie in einem Bildstöcklein aufstellen! St. Martin vom Strohdorf; 1510 Er könnte uns an den Feger Martin Albinger, an den Vorsteher Martin Schertler, an den Wagner Martin Gmeiner, an Martin Mohr, an Zehrers Marte und Frickeneschers Martele und an all unsere Vorfahren erinnern. Er könnte dazu beitragen, daß St. Martins Gerechtigkeit und Mildtätigkeit rund um den Brunnen in der Gemeinschaft der Wolfurter nachgelebt werden! 22 23 Siegfried Heim In ihrer Freizeit stickte sie kostbare Altartücher und sogar Meßgewänder. Pfarre, Schule und Gemeinde Wolfurt haben ihr viel zu verdanken. Sr. Regina wehrt ab. Still will sie nur eine einfache «Barmherzige Schwester» von der Kettenbrücke sein. Ist sie die letzte in Wolfurt? Fast 100 Jahre lang hatten von 1778 bis 1872 im alten Schulhäuschen nur Männer unterrichtet. Für den Lehrberuf waren sie kaum ausgebildet. Die Schüler mußten Schulschwestern in Wolfurt Seit Oktober 1991 ist Unruhe in das sonst so stille Schwesternhaus Kirchstraße 45 eingekehrt. Mitten im Dorf baut die Gemeinde ihren vierten Kindergarten. Nach fast 60 Jahren im Schuldienst hat sich Schwester Regina zu ihrer Arbeit in Haus und Garten zurückgezogen. Oft steigt sie mit ihren 83 Jahren noch rüstig die steile Kirchstiege hinauf. Sie teilt Kommunion aus, spielt Orgel und singt mit ihrer sicheren Sopranstimme im Chor. Umsichtig pflegt sie die feinen Stickereien der Altarwäsche, schmückt das Priestergrab, betet da und dort bei einem Grabhügel, der einen ihrer ehemaligen Schüler deckt. In Heiligenblut am Großglockner wurde Sr. Regina 1908 in eine kinderreiche Bergbauernfamilie geboren. In Innsbruck erhielt sie die Ausbildung zur Lehrerin. Dort legte sie auch bei den Barmherzigen Schwestern an der Kettenbrücke die Ewigen Gelübde ab. Vom Mutterhaus aus tun die Barmherzigen Schwestern still ihren aufopferungsvollen Dienst in den Spitälern. Viele gehen hinaus in die Dörfer und betreuen dort Alte und Kranke oder sorgen für die Kinder in Kindergärten, Waisenhäusern und Schulen. Sr. Regina kam als junge Lehrerin 1932 nach Wolfurt an die Seite ihrer älteren Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela. Bis 1937 unterrichtete sie meist die Schulanfänger, oft in Klassen mit über 60 Kindern. 1938 erhielten die Schwestern Schulverbot. Katholische Erziehung stand im Widerspruch zum natinalsozialistischen Gedankengut. Kurze Zeit half Sr. Regina im Zillertal aus, betreute dann im Krieg die Pfarrkirche Wolfurt und arbeitete dazwischen in Innsbruck und im Stubaital. 1945 rief man sie an die Volksschule nach Wolfurt zurück. Wieder lehrte sie viele Erstkläßler das Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Beten. Dazu aber hielt sie sie immer freundlich und streng zu Ordnung und Sauberkeit an. Jahrzehnte lang wurden der immer mehr geschätzten Schwester dann die großen Mädchen, ab 1963 auch die großen Buben in der Oberstufe anvertraut. Ihrer Konsequenz und Geduld waren große Erziehungserfolge beschieden. Die Behörde ehrte sie dafür mit dem Titel Schulrat. Weit über das Pensionsalter hinaus blieb sie freiwillig im Dienst als Sonderlehrerin für lernschwache Kinder und bis zu ihrem 82. Lebensjahr als Religionslehrerin. Darüber hinaus gab sie für unzählige Wolfurter Frauen Koch-, Back- und Nähkurse. Dorfbekannt sind ihre Neujahrsbäckerein und ihre Schaumrollen. 24 Die Wolfurter Lehrerschaft 1933: Rudolf Wiedemann, Kaplan Rein, Pfarrer Stadelmann, Sr. Gisela Amann, Sr. Sebastina Oberhauser, Sr. Regina Pichler, Friedrich Schneider, Schulleiter Karl Mohr. in der Landwirtschaft und oft auch in der Fabrik schwer arbeiten. Da konnte auch die strenge Zucht mit dem Stock nur wenig zum Schulerfolg beitragen. Im Jahre 1867 brachte das «liberale» Reichsvolksschulgesetz Verbesserungen, vor allem eine gute Lehrerausbildung. Um diese Zeit tobte ein häßlicher Kulturkampf zwischen den freidenkerischen «Liberalen» und den «Konservativen». In Vorarlberg bestimmten die katholischen «Casinos» die Politik. Von fortschrittlichen Lehrern geführt - in Wolfurt von Wendelin Rädler - , erkannten sie die Bedeutung der Schulbildung. Schon 1872 wurde eine große neue Schule im Strohdorf gebaut. Dort wurde auch eine Wohnung für Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke eingerichtet. Als erste zogen 1874 Sr. Othmara und Sr. Gottfrieda ein. Lehrer Rädler übernahm 1876 die Schulleitung. Nun bestimmte ein neuer Geist den Unterricht. 25 Das Gebet stand an erster Stelle. Der tägliche Unterricht begann mit der Schulmesse. Auch die Rickenbacher mußten, selbst im kalten Winter, den weiten Weg zur Kirche machen. In der Schulbildung erreichten besonders Lesen und Schönschreiben bald einen hohen Stand. Aber auch praktischer Unterricht in Nähen, Kochen, Krankenpflege und Gartenarbeit war den Schwestern ein Anliegen. Hygiene und Ordnung wurde beachtet, das Gedächtnis mit Katechismusfragen und langen Gedichten geübt. Der Lohn waren neben guten Noten die begehrten Fleiß- und Hauchzettel und schöne Heiligenbildchen. So sehr schätzte die Gemeinde den unermüdlichen Dienst der Schulschwestern, daß sie 1897 eine dritte Barmherzige Schwester rief. Bis 1938 trugen nun neben dem Schulleiter drei Schwestern Lasten und Freuden des Unterrichts. Die wachsende Schüler- und Klassenzahl machte allerdings schon seit der Jahrhundertwende die Einstellung weiterer Lehrer notwendig. In der Schulchronik findet sich die Aufzählung der Schulschwestern mit ihren Dienstjahren in Wolfurt: 1874-1882 12. Sr. Leontina 1904 1874-1905 13. Sr. Zita Feichter 1904-1910 1883-1890 14. Sr. Rudolfina Brugger 1905-1906 1887-1898 15. Sr. Sebastina Oberhauser 1905-1938 1891-1893 16. Sr. Konstantina Streiter 1910-1913 1891-1892 17. Sr. Alfonsa Walzthöni 1914-1915 1893-1895 18. Sr. Katharina Sinz 1916-1920 1897-1900 19. Sr. Hildegund Gmeiner 1920-1931 1898-1922 20. Sr. Gisela Amann 1922-1938 1900-1904 1945-1957 1913-1916 21. Sr. Regina Pichler 1932-1937 11. Sr. Maria Bapt. Nagel 1904 1945-1990 Als der Platz im Schulhaus für n e u e Klassen benötigt wurde, übersiedelten die Schulschwestern näher zur Kirche, ins H a u s Bucherstraße 3 auf dem Bühel. 1921 vermachten der angesehene Schuhmacher Josef W e i ß und seine F r a u Maria ihr schönes B a u e r n h a u s am F u ß der Kirchenstiege den Schwestern als W o h n u n g . Als das fromme E h e p a a r starb, zogen die Schulschwestern ins H a u s Kirchstraße 45 ein. Seither gingen sie von dort aus den W e g hinaus zur Schule und noch viel öfter zum Gottesdienst hinauf in die Kirche. Die Schwestern wechselten. Einige zogen ins M u t t e r h a u s zurück und an a n d e r e Dienststellen. Einige starben in Wolfurt und wurden hier ins Schwesterngrab gebettet. I m m e r wieder kamen neue, als letzte 1932 Sr. Regina. Für die längst verstorbenen Mitschwestern Sr. Sebastina und Sr. Gisela fanden sich in unserer materialistischen Zeit keine Nachfolgerinnen mehr. U n b e i r r t geht Sr. Regina, jetzt meist begleitet von ihrer treuen Helferin Cilla Zoller, ihren W e g weiter. Vergelt's Gott! 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Sr.Othmara Ernst Sr. Gottfrieda Oberhollenzer Sr. Adelheid Giselbrecht Sr. Epiphania Schmid Sr. Cantia Silier Sr.RosaLeimgruber Sr. Liliosa Ceol Sr. Armella Stauder Sr.Ignatia Kleber Sr.Ludwiga Weiser Siegfried H e i m Sieben Söhne im Krieg Am Abend des 17. August 1958 ist im Dorf beim «Engel» mit Wolfs Haus auch «Schloßburo Martes» altes Haus abgebrannt. Dort hatte im Ersten Weltkrieg noch die große Familie Köb gewohnt. Vater Johann, geb. 1854, stammte aus «Schloßburos» Sippe in der Bütze und hatte dort mit seiner Frau Barbara 1880 neben das Eltenhaus ein besonders großes neues Haus gebaut. Ein paar Jahre später mußte er es an die Familie Schirpf (Bützestr. 16) verkaufen. Köbs zogen mit ihrer groß gewordenen Familie ins Dorf. Der Vater arbeitete als Kleinstbauer (mit einer Kuh) oft im Taglohn bei Fuhrleuten und im Wald. Die Buben verdingten sich als Knechte, Sticker und Fabriksarbeiter. Dann kam 1914 der große Krieg. Darüber berichtet nun ein Brief von 1918 an den Kaiser in Wien, den uns Mohr Hubert aus dem Nachlaß seines Onkels, des Standschützenoffiziers Dr. Wilhelm Mohr, überlassen hat. Er stammt aus den Akten des «Unterländer Schützenbundes»: Sr. Majestät, dem Kaiser und König Karl I. Allergnädigster und durchlauchtigster Kaiser und Herr! Geruhen Ew. kaiserliche und königliche apostolische Majestät allergnädigst nachstehenden Bericht der untertänigsten Bundesleitung entgegen zu nehmen. Wohl keine Familie unserer Gemeinde wie auch der Umgebung hat dem Vaterlande während des gewaltigen Völkerringens so viele Opfer gebracht, wie jene unseres Mitgliedes Johann Köb, Bauers und Taglöhners in Wolfurt. Joh. Köb selbst hat dem Vaterlande 3 Jahre treue Dienste geleistet. Ebenso sind 3 Söhne aktiv in Heeresdiensten gestanden und rückten gelegentlich der Mobilisierung am 1. August 1914 ein. Im Verlaufe der Jahre 1915, 16 und 1917 sind weiters wieder 3 Söhne eingerückt. 27 26 Ew. Majestät Ruf hat nun am 15. Mai der letzte und siebente Sohn Folge geleistet und wurde bereits als felddiensttauglich anerkannt. Es stehen somit alle 7 Söhne im Felde, bzw. an der Front. Die allseits anerkannte Charakterfestigkeit der Eingerückten bürgt dafür, daß diese nicht nur ihr ganzes Können, sondern auch ihr Wollen Kaiser und Reich untergeordnet und restlos zur Verfügung gestellt haben. Die Auszeichnung zweier Söhne mit der silbernen, sowie der bronzenen Tapferkeitsmedaille, sowie auch von Ew. Majestät gestifteten «Kaiser Karl TruppenKreuz» mögen Zeugen der Verläßlichkeit dieser wackeren Leute sein, wie auch der Umstand, daß 1 Sohn (Julius), der bereits 1914 in russische Gefangenschaft geriet, derselben jüngst - und zwar oft mit Lebensgefahr - entwich. Dieser letztere wird demnächst wieder zu seinem Cadre einrücken. Leider mußte, - wie nur allzu begreiflich -, das Hauswesen dieses Soldatenvaters, den das Glück allerdings auch nicht mit irdischen Gütern gesegnet hat, empfindlichen Schaden leiden. Trotz alledem hat das Vertrauen Vaters Köb in sein Vaterland keine Einbuße erlitten; vielmehr: Köb hat durchdrungen von dem Bewußtsein, daß heute auch die Tat des Einzelnen Geltung hat, erst vor einigen Tagen 3 dem Gefangenenlager Ulm entwichene Russen aufgegriffen und dem K. u. K. Etappen-Stations-Kommando Bregenz überstellt. Wollen Ew. Majestät allergnädigst aus dem Vorstehenden erkennen, daß diesem wackeren Familienvater tatsächlich Anerkennung zu zollen ist. Mit Rücksicht auf die wirkliche Bedürftigkeit Köbs gestattet sich die alleruntertänigst gefertigte Bundesleitung, Ew. Majestät die Bitte zu unterbreiten, Ew. Majestät wollen huldvollst dem Johann Köb in Wolfurt Nr. 84 eine allergnädigste Anerkennung zuteil werden lassen. Wir konnten nicht erfahren, wie die Antwort des Kaisers in Wien auf den «alieruntertänigsten» Brief des Wolfurter Postmeisters und Sternenwirts ausgefallen ist. Aber ein gnädiger Herrgott ließ alle sieben Köb-Söhne von den Fronten in Serbien, Rußland und Italien gesund heimkehren. Ludwig Wilhelm Martin Johann Julius Vinzenz Josef Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang Jahrgang 1880 1882 1886 1887 1888 1897 1899 Vinzenz wanderte 1924 nach Amerika aus, die anderen sechs gründeten alle in der Heimat Familien. Johann heiratete ins «Stenzler»-Haus an der Schloßgasse. In seinen vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln lebt auch in Wolfurt das «Schloßburo»-Blut fort. Mit der aufrichtigen Versicherung steter Lojalität zeichnet Alleruntertänigst f. d. Unterl. Schützenbund der Bundesobmann Rudolf Böhler 28 29 Siegfried Heim Unsere älteste Zeitung Nicht mehr alle Wolfurter halten «üsor Gmoandsblättle» in seinem Jahrgang 101, obwohl es äußerst kostengünstig über das Gemeindegeschehen informiert und eine Fülle von Anregungen bietet. Es betreut den ganzen Bezirk von Hohenweiler über Bregenz und Bezau bis Warth. Nur wenige Leser wissen, daß das Blatt vor mehr als hundert Jahren in Wolfurt gegründet worden ist. Zwei für ganz Vorarlberg sehr bedeutende politische Persönlichkeiten taten sich hier im Sommer 1888 zusammen und begannen ein Werk, das noch immer Bestand hat. Die Gründer von 1888 Freitag, 8. März 1991,10. Woche Jahrgang 101 Wendelin Rädler 1835-1913, Wolfurt Obmann Johann Kohler 1839-1916, Schwarzach Verwalter Die beiden Lehrer Johann Kohler und Wendelin Rädler waren ein Leben lang enge Freunde. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründeten sie den katholischen Lehrerverein für Vorarlberg. Sie errichteten die ersten Casinos und führten damit 30 31 den politischen Umsturz von 1870 im Lande Vorarlberg herbei. Während Johann Kohler als Vorsteher von Schwarzach einer der mächtigsten Parteiführer im Lande und schließlich Abgeordneter zum Reichsrat in Wien wurde, trieb Wendelin Rädler an seiner Seite die sozialen Reformen voran. Mit der Gründung von 80 Raiffeisenkassen und ebenso vielen Sennereien half er besonders dem verschuldeten Bauernstand. Maßgeblich trugen sie dazu bei, daß in Vorarlberg kaum ein Industrie-Proletariat entstehen konnte. Um ihre Ideen zu verwirklichen, brauchten die beiden Politiker ein Presseorgan. Schon bei der Gründung des «Volksblattes» 1866 durch Pfarrer Amann in Kennelbach, hatte Rädler, der bis 1872 Lehrer in Kennelbach war, mitgearbeitet und seither viele Artikel in diesem katholisch-politischen Blatt geschrieben. Nun schufen die beiden Lehrer ein kleinformatiges Wochenblatt für die Gemeinden Wolfurt und Schwarzach. Am 14. Juni 1888 unterzeichneten die damaligen Vorsteher Johann Martin Schertler und Gebhard Schwärzler den Gründungsvertrag. Am 1. Juli 1888 erschien die erste Nummer. Die Firma J. N. Teutsch in Bregenz besorgte den Druck. Bei 6 Verteilern in Wolfurt und 3 in Schwarzach mußten die Abonnenten ihr Blatt jeden Sonntag abholen. Das Echo war so positiv, daß sich in den folgenden drei Jahren nacheinander die Gemeinden Bildstein, Lauterach, Hard und Rieden (dazu gehörte damals noch die Parzelle Kennelbach) anschlossen. Ihnen folgten nun Fluh, Buch, Alberschwende, Langen, Lochau, Hörbranz, Möggers und Hohenweiler und nach dem ersten Weltkrieg auch Höchst, Fußach, Gaißau und Eichenberg. Mit Ausnahme der Stadt Bregenz waren damit alle Gemeinden von der Lorena bis zur Laiblach an gemeinsamen Informationen beteiligt. Als offizielles Amtsblatt wurde das Gemeindeblatt in fast allen Haushalten mit Interesse gelesen. Natürlich fanden auch die Mitteilungen der Vereine und die Inserate der Bauern und Händler viel Beachtung. Als Buben erhielten wir vom Viehhändler-Nachbarn eine kleine Belohnung, wenn wir ihm möglichst schnell das noch druckfeuchte Blättle brachten. Im März 1940 mußte das Gemeindeblatt auf Befehl der nationalsozialistischen Pressestelle in Berlin eingestellt werden. Erst im Juni 1945 durfte es mit einem Geleitwort von Landeshauptmann Urich Ilg wieder erscheinen. Jetzt versorgte es auch die Gemeinden des Bregenzerwaldes. Nun fehlte nur noch Bregenz. Im September 1948 tat dort Bürgermeister Othmar Michler, früher einmal Schulleiter in Wolfurt, den Schritt auf die Gemeinden zu und machte mit dem 57. Jahrgang das alte Wolfurt-Schwarzacher Blättle zum offiziellen Amtsblatt der Landeshauptstadt. Seither verlautbaren alle Gemeinden des Bezirkes hier ihre Gemeinde-Protokolle, Verordnungen und Kundmachun32 gen. Auch Arztnotdienste, Kirchliche Nachrichten und Bildungsprogramme machen das Blättle zu einer wichtigen Zeitung. Eine kleine Erinnerung an die Gründung vor mehr als 100 Jahren ist geblieben. Wolfurt, sonst immer am Ende des Alphabets, darf mit Schwarzach immer noch direkt nach der Landeshauptstadt den Reigen der vielen Gemeinden auf Seite 2 anführen.. Im Gemeindearchiv Wolfurt werden die meisten Gemeindeblätter aufbewahrt. Aus dem Jahrgang 1891 - also genau 100 Jahre alt - wählte ich ein paar Wolfurt betreffende Abschnitte in bunter Vielfalt aus. Im ersten Teil finden Sie die Volkszählungsergebnisse einiger Hofsteiggemeinden.. Vergleichen Sie dieselben und den dazu gehörigen Viehstand mit dem Jahr 1991! Die Verordnungen des Vorstehers betrafen fast nur Bauernprobleme. Unser Bürgermeister hat andere, größere - aber auch mehr Geld! Die Wahlen vom 26. Oktober 1891 standen ganz unter dem Einfluß von Rädlers katholischem «Casino» und von Pfarrer Sieber. Im zweiten Teil habe ich Einladungen von ein paar wichtigen Vereinen kopiert, dazu die Unterhaltungsangebote der vielen Gasthäuser von damals. Die Feuerwehr bekam ihr neues Spritzenhaus. Lehrer Rädler brachte auch noch (am 21. März 1891) einen Bienenzuchtverein zustande. Die Anzeigen im dritten Teil sollten uns im Vergleich mit unserer Konsum-GierGesellschaft ein bißchen nachdenklich machen, auch wenn wir über Unschlittkerzen und Modepäckle lächeln! 33
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...1_Feb Wolfurt 01.02.1991 19.11.2012, 18:30 Heft 7 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 91 Das Vereinshaus. Der Bau wurde 1913 vom Katholischen Arbeiterverein begonnen und 1922 vom Kartell christlicher Vereine fertig gestellt. Seither ist es das Veranstaltungszentrum der Gemeinde Wolfurt (Foto um 1935). Inhalt: 24. Vereinshaus Wolfurt (Johler) 25. Mit Napoleon nach Rußland (Heim) 26. Lehrer Köbs Familie (Heim) 27. Theresia Mohr-Wächter DIE A U T O R E N : Mag. Reinhard Johler aus Alberschwende ist 1960 geboren. Er hat Geschichte und Volkskunde studiert und ist Assistent am Institut für Volkskunde an der Universität Wien. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, ist Hauptschuldirektor Theresia Mohr-Wachter, geboren 1929 in Wolfurt, ist Hausfrau. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Zuschriften Unsere Zeitschrift findet auch bei Wolfurtern «im Ausland» aufmerksame Leser. Sie geht nach Linz und Wien und sogar nach Belgien zu Spenglers Renate. Dieser Tage überraschten uns eine Spende und ein Brief aus der Schweiz. Stöcklers Rösle ist im Schlatt aufgewachsen und lebt nun als Frau Wanzenried in Schaffhausen. Auch sie schreibt eine Ergänzung zu «Kriegsende 1945» in Heft 3, Seite 36: Vielen herzlichen Dank für die sehr interessanten Heimatkundehefte, die ich gerne lese. Zu Kriegsende 1945: Am 2. Mai 1945 zwischen 4 und 5 Uhr morgens hat uns Herr Höfle Martin geweckt und gebeten, daß wir Rickenbacher Mädchen und Frauen zum Bürgermeister Theodor Rohner gehen und bitten, Wolfurt für die Feinde freizugeben, damit das Dorf nicht zerstört werde. Als wir dann bei ihm erschienen und die Bitte vorbrachten, sagte Herr Rohner: wir müssen nach Wolfurt (Anmerkung d. H.: So sagen alte Rickenbacher zum Kirchdorf) zum Ortsgruppenleiter fahren und ihn darum bitten. Als wir dann bis ins Dorf kamen, war schon alles in Aufruhr und die SS-Soldaten schickten uns retour. Vielleicht können sich noch einige daran erinnern. Vielen Dank und freundliche Grüße Rösle Wanzenried-Stöckeier Abrechnung: Für Druck und Porto sind in drei Jahren S 30.000,— auf Konto 87957 der Raiba eingegangen. Davon wurden bis jetzt S 29.000,— an die Gemeindekasse, die den größten Teil der Kosten trägt, abgeführt. Die Kontoführung wurde am 26. November 1990 namens der Gemeinde von Frau Carmen Haderer überprüft und in Ordnung befunden. Wer kann sich noch an die Rickenbacher Friedensvermittlerinnen erinnern? Wir bitten um Zuschriften und Ergänzungen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Reinhard Johler Zur Geschichte des «Vereinshauses in Wolfurt» (Zum gleichen Thema hielt der Auto vor zwei Jahren einen Vortrag im Pfarrheim.) 1991 jährt sich das Erscheinen der Sozialenzyklika «Rerum Novarum» von Papst Leo XIII., im Jahre 1993 die Gründung des ersten christlichen Arbeitervereins in Vorarlberg jeweils zum 100. Mal.1 Beides sind Daten, die nicht nur die katholische Sozialbewegung betreffen, sondern sie waren Gründungsanlässe, welche die politische, soziale und kulturelle Landschaft im Lande wesentlich - und bis heute - prägten. Nur in diesem Umfeld ist die Geschichte des Wolfurter Vereinshauses darstellbar. Denn es ist weitestgehend unbestritten, daß es zwei Entwicklungen waren, die das Bild Vorarlbergs bestimmt haben. Beide fußen im 19. Jahrhundert. Zum einen ist die starke Industrialisierung, vor allem ab den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu nennen. Vorarlberg war vor der Industrialisierung ein übervölkertes und katastrophal verschuldetes Land. Die Bauernwirtschaften waren, trotz frühzeitiger Intensivierung etwa bei der Käseproduktion im Bregenzerwald weder in der Lage die Bevölkerung mit Arbeit zu versorgen, noch zu ernähren. Die Menschen lebten von einer Mischökonomie, die aus kleiner Landwirtschaft, Heimindustrie und saisonaler Auswanderung (Schweiz, Frankreich) bestand. Hier wären etwa die Montafoner Krauthobler und Bauarbeiter oder bis nach dem Ersten Weltkrieg die Schwabenkinder zu erwähnen2. Die Industrialisierung Vorarlbergs beschränkte sich nahezu ausschließlich auf die Baumwollverarbeitung (Weberei, Spinnerei); ab 1870 gewann verstärkt die Spinnerei an Bedeutung . Gerade dieser kam in Wolfurt eine Schlüsselstellung zu. Und obwohl es in der Gemeinde keine Textilfabriksgründungen gab - zur Jahrhundertwende existierten lediglich zwei kleine fabriksmäßige Betriebe, nämlich die mechanische Schlosserei Doppelmayr und die Spulenfabrik Zuppinger im Ortsteil Rickenbach - war Wolfurt trotzdem durch das benachbarte Kennelbach in den Sog der Industrialisierung miteinbezogen. Zum einen fanden zahlreiche Wolfurter in den Kennelbacher Fabriken, zu anfänglich katastrophalen Bedingungen Arbeit. Zum anderen ließen sich ab 1880 auch zahlreiche italienische Arbeiter in der Gemeinde nieder. Wolfurt wurde damit frühzeitig zu einer Arbeiter- und PendlerGemeinde. Aber die Industrialisierung bedeutete mehr als die Errichtung von Fabriksgebäuden, sie veränderte die Lebensweise eines Großteils der heimischen Bevölkerung entscheidend. Man sprach im 19. Jahrhundert davon, daß die Fabriksarbeiter2 schaft industriös war und meinte damit, daß sie weniger sparsam, verschwendungssüchtiger und in moralischer Hisicht ausschweifender sei. Das Land sei geradezu von «americanischen Verhältnissen» geprägt. Die Folgen der Industrialisierung können hier nicht näher geschildert werden, aber eine lag geradezu in der Luft: Eine zahlenmäßig starke Arbeiterschaft ließ auch das Schreckgespenst vor einer mächtigen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung aufkommen . Daß dem schlußendlich nicht so war, lag an der zweiten Entwicklung, die schon näher zum Vereinshaus führt. Denn trotz einer bedeutenden Industrialisierung Vorarlberg war mit Niederösterreich die am stärksten industrialisierte Region entwickelte sich hier keine bedeutende sozialistische Arbeiterbewegung, ganz im Gegenteil: In der politischen Entwicklung nahm das Land Vorarlberg einen Sonderweg ein. Hier gewannen 1870 die Katholisch-Konservativen die absolute Mehrheit im Landtag und gaben diese in der Folgezeit auch nicht mehr ab. Dabei war gerade der Anteil der christlichen Arbeiter sehr hoch. In dieser Entwicklung hatten die katholischen Vereinshäuser als Versammlungs- und Verantaltungsorte eine zentrale Bedeutung, sie waren die eigentlichen Bastionen des politischen Katholizismus. Steinerne Zeugen Beide Entwicklungen sind in Vorarlberg bis heute bestimmend geblieben, von beiden Prozessen zeugen historische Schlüsselbauten: im Bereich der Industrialisierung sind Fabriksbauten und Arbeiterwohnhäuser zu nennen, für den Katholizismus stehen die Vereinshäuser. Beide Gebäudetypen sind Erinnerungen, sind «steinerne Zeugen» der Vergangenheit; sie haben dementsprechend einen kulturhistorischen Wert. Allerdings, beide Gebäudetypen waren Nutzbauten und sind daher in der Gegenwart bereits verschwunden oder vom Abriß bedroht. Für die Fabriksbauten ist momentan ein stärkeres Interesse des Denkmalschutzes feststellbar, man überlegt sich eine Erhaltung, Umwidmung und Neuadaptierung . Es gibt keinen Grund, der dagegen spricht, ähnliche Überlegungen auch für die immer geringer werdende Zahl von Vereinshäusern anzustellen. Enstehung der katholisch-konservativen Volksbewegung, der Kasiner Bis 1870 - einem wirklichen Schlüsseljahr in der politischen Geschichte Vorarlbergs - war das Land von den Liberalen regiert, die, gestützt auf ein äußerst eingeschränktes Wahlrecht, eine relativ sichere Landtagsmehrheit besaßen. Nur kurz zur Erinnerung: Wahlberechtigt war man damals aufgrund der Vermögens3 Verhältnisse. Die Wähler waren je nach Eigentum in 4 Wahlklassen eingeteilt. In der ersten Wahlklasse waren die Wohlhabendsten vereint, hier reichten oft nur wenige Stimmen zum Wahlerfolg, hingegen waren in der vierten Wahlklasse, wo etwa Bauern meist eingeteilt waren, oft mehrere Tausend Wähler für einen Sitz notwendig. Dieses Wahlsystem begünstigte die Reichen und benachteiligte andere, etwa besitzlose Arbeiter. Frauen waren weitestgehend ausgeschlossen. Zwar gab es in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Wahlreform, das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde aber erst 1907 eingeführt, Frauen waren erst ab 1919 wahlberechtigt. Es verwundert daher nicht, daß vor 1870 die Wohlhabenden die politische Mehrheit inne hatten. Liberale wohnten vornehmlich in den Städten, sie waren Ärzte, Beamte und Fabrikanten. Der Landbevölkerung kam kein politisches Gewicht zu. Dies änderte sich abrupt in den späten 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Zu dieser Zeit schlossen sich die katholisch-konservativen Kräfte in Vorarlberg zu einer Partei zusammen, die auf katholischen Vereinen beruhte. Diese Vereine nannten sich in Anlehnung an ihre Vorbilder im Großherzogtum Baden KASINOS. Diese Kasiner-Bewegung war, zumal ein Treffpunkt äußerst wichtig war, auch eine VEREINSHAUS-Bewegung. Das erste Kasino wurde 1867 in Bregenz, das zweite 1868 in Feldkirch und im selben Jahr als drittes, das in Wolfurt gegründet, welches gleichzeitig als Wanderkasino fungierte und abwechselnd in Wolfurt, Schwarzach, Lauterach und Kennelbach tagte. 1868 wurde dann das landesweit wichtigste Kasino in Dornbirn begründet. Mitglieder der Kasinos, der Vereinshäuser waren vor allem kleine Gewerbetreibende und Bauern. Damit wurden sie zu einer wahren Volksbewegung, die vom katholischen Klerus und insbesonders von Kaplänen geleitet wurden. In .den Kasinos wurden religiöse und politische Fragestellungen äußerst intensiv erörtert, sie dienten zur Bildung und Unterhaltung, vor allem aber interessierten sie ihre Mitglieder für das politische Geschehen. Politik wurde zu dieser Zeit durch die Vereinshäuser zu einem wahren Massenphänomen, das die gesamte Bevölkerung etwas anging, aber gleichzeitig auch zum ersten Mal politische Lager schuf, die einander unerbitterlich bekämpften. Dabei orientierte sich die Kasiner-Bewegung ganz an den politischen Vorgaben der katholischen Kirche und wurde daher als «politischer Katholizismus» bezeichnet. Neben den katholischen Vereinen, war im Kampf gegen den Liberalismus, das 1867 gegründete «Vorarlberger Volksblatt» von größter Bedeutung. Es sei nur kurz angeführt, daß in dieser rhetorisch brillanten Zeitung, die ein wahres Kampforgan war, wiederum Priester an führender Stelle wirkten. Und es sei auch erwähnt, daß manche von ihnen, wegen ihrer scharfen Schreibweise infolge von Ehrenbeleidigungs- und Verleumdungs-prozessen zeitweise im Gefängnis landeten. Dies mag die Form kennzeichnen, in der Politik betrieben und Auseinandersetzungen geführt wurden. Die Katholisch-Konservativen waren von einem vollstän4 digen Machtanspruch im Lande erfüllt. Derart nahmen sie sich auch früh der in Vorarlberg besonders drückenden «sozialen Frage» an. Diese Organisierung war der Grundstein für den Wahlerfolg 1870. Örtliches Zentrum und Veranstaltungsort war dabei das Vereinshaus. In diesem wurde die Politik besprochen und gemacht, die dann für ganz Vorarlberg galt. Das Vereinshaus, also das Haus der katholischen Vereine, war anfänglich oft ein Gasthaus mit einem katholisch gesinnten Wirt. Bald aber folgte, zügig von der ChristlichSozialen Partei vorangetrieben und finanziert, der Bau von eigenen Vereinshäusern. Zu nennen wären etwa der in Dornbirn oder die feierliche Einweihung des Vereinshauses Lauterach am 29. 10. 1911. Sehr oft aber waren die katholischen Arbeitervereine führend in der Errichtung tätig. Dies trifft auch auf Wolfurt zu. Dann wurde das Vereinshaus als «katholisches Arbeiterheim» bezeichnet. Entstehung und Bedeutung der katholischen Arbeitervereine In Vorarlberg setzte - wie bereits erwähnt - die Organisierung der katholischen Arbeiterschaft sehr früh ein. Diese beruhte zunächst auf Formen aus dem Handwerkermilieu, etwa den Gesellen- und Kolpingvereinigungen. Allerdings entsprachen diese nicht den Bedürfnissen der Fabriksarbeiter. Zwei Anlässe waren es nun, die zur christlichen Arbeiterbewegung bzw. zu den katholischen Arbeitervereinen führten. Zum einen hatte die sozialdemokratische Agitation ab 1890 eingesetzt, dem galt es etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen, wollte man die Arbeiterschaft nicht verlieren. Und zum anderen erließ Papst Leo XIII. am 15. Mai 1891 die Enzyklika «Rerum Novarum», deren sozial-politische Konzeption zum Programm der katholischen Arbeitervereine wurde. Diese Vereine breiteten sich in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts vor allem in den Alpenländern der Monarchie aus. Der erste katholische Arbeiterverein in Vorarlberg wurde 1893 von Kaplan Längle in Dornbirn, der zweite von dem wichtigsten Arbeiterführer, von Dr. Karl Drexel 1896 in Hohenems und bereits der dritte zu Maria Himmelfahrt am 15. August 1899 in Wolfurt begründet. Der bedeutendste war jener von Dornbirn. Dort wurde im übrigen mit dem Bau des Arbeiterheims 1907 begonnen. Zweck der katholischen Arbeitervereine war die Sammlung des christlich gesinnten arbeitenden Volkes, die Pflege des katholischen und patriotischen Geistes, die religiöse und sittliche Hebung, die Förderung des Standesbewußtseins, die Fortbildung und schlußendlich die Abhaltung geselliger Veranstaltungen. Alle katholischen Arbeitervereine hatten eine sehr ähnliche Organisationsstruktur. An der Spitze stand der Präses, der in den meisten Fällen ein Priester war und dem die «Sorge für das geistige Leben des Vereins» oblag. Ihm wurde ein Obmann zur Seite gestellt, der als «weltlicher Arm» für die organisatorischen Belange verant5 wortlich war. Weiters bestand der Vereinsausschuß aus einem Obmannstellvertreter, einem Schriftführer, einem Kassier und zwei weiteren Mitgliedern.8 Gerade der Arbeiterverein Wolfurt ist ein passendes Beispiel für die soziale Zusammensetzung dieser Vereine. Denn die Bezeichnung «Arbeiterverein» täuscht ein wenig. Gemeint waren damit alle, die sich für die Anliegen der Arbeiter einsetzten. Vor allem der Vereinsausschuß war meist nicht mit Arbeitern, sondern von dörflichen Honoratioren besetzt. Im ersten Vorstand des Wolfurter Arbeitervereins saßen etwa zwei Sticker, ein Schreiner-meister, ein Dampfsägenbesitzer, ein Schlosser und ein Briefträger9. Noch ein Wort zur landesweiten Organisation. 1904 erfolgte der Zusammenschluß der bestehenden katholischen Arbeitervereine zum Vorarlberger Arbeiterbund. 1908 waren in diesem 12 Arbeitervereine mit insgesamt 1.024 Mitgliedern zusammengefaßt: Dornbirn, Hohenems, Wolfurt, Rieden-Vorkloster, Hard, Frastanz, Rankweil, Bregenz, Blumenegg/Thüringen, Lauterach, Nüziders und Ludesch. Für die katholischen Arbeiter wurde auch eine eigene Zeitung, das «Arbeiterblatt» gegründet. Daneben bestanden, wenn auch nicht in Wolfurt, eigene katholische Arbeiterinnenvereine und die katholische Arbeiterjugend. Bedeutender für die Gemeinde, wo die Stickerei ab der Jahrhundertwende eine wahre Blüte erlebte, war die Gründung des Stickerbundes am 1. Jänner 1907, der zur stärksten Organisation der katholischen Arbeiterbewegung werden sollte. Ende 1907 zählte der Stickerbund bereits 23 Ortsgruppen mit über 1.000 Mitgliedern. Die Ortsgruppe Wolfurt gehörte mit 113 Mitgliedern zu den stärksten in ganz Vorarlberg. Abschließend sei noch eine weitere Organisation genannt: Es wurde bereits darauf verwiesen, daß viele in Kennelbach arbeitende Italiener in Wolfurt wohnten. Es verwundert daher nicht, daß 1904 die «Societa Operaia Cattolica di Kennelbach e Wolfurt» (Katholischer Arbeiterverein von Kennelbach und Wolfurt) unter der Leitung von Leonardo Salvaterra gegründet wurde. Und es sei auch nur am Rande vermerkt, daß in einem Wahlkampf der spätere christlichsoziale Ministerpräsident von Italien De Gasperi unterstützt vom Wolfurter Pfarrer eine Rede hielt10. Der katholische Arbeiterverein Wolfurt wurde 1899 gegründet. Dem Gründungskomitee im Gasthaus «Sternen» gehörten Ferdinand Müller, Josef Weiß, Albert Köb, Anton Giesinger und Rudolf Böhler an. Weiters waren im neu gegründeten Verein Mitglieder: Johann Hohl, Rudolf Fischer, Gottfried Oehe, Johann Mesch, Joh. Martin Gmeiner, Gebhard Rünzler, Josef Schwärzler, Josef Anton Köb und Wenzel Meinl. Der Verein zählte also zum Zeitpunkt der Gründung 15 Mitglieder. 6 Zum 1. Präses wurde Kaplan Simon Stadelmann, zum 1. Obmann der Schuhmachermeister Josef Weiß gewählt. Die konstituierende Versammlung fand zu Maria Himmelfahrt, am 15. August 1899 im Gasthaus «Sternen» statt. Anwesend waren auch die Bruderverine von Dornbirn und Hohenems. Der Arbeiterführer Dr. Karl Drexel und der Reichsratsabgeordnete Loser hielten Reden. Der Zweck des Vereins läßt sich am deutlichsten aus den am 16. Juli eingereichten Statuten ermitteln. Genannt sind dabei: «Zweck dieses nichtpolitischen Vereines ist: 1. Förderung der Religiosität und Sittlichkeit der Arbeiter. 2. Fortbildung in Dingen von praktischer Nützlichkeit, sowie Wahrung und Warnung vor verderblichen Zeitbestrebungen. 12 3. Frohsinn und Geselligkeit und Gemeinschaft zu pflegen.» Der Arbeiterverein Wolfurt war ausgesprochen rührig und aktiv. So konnte schon 1900 die Vereinsfahne um 180 Gulden in Sigmarszeil angeschafft werden. Das Fest der Fahnenweihe mit der Fahnenpatin Fräulein Julie Böhler galt als besonders gelungen. Die Fahne zeigt auf der einen Seite den Schutzpatron aller katholischen Arbeitervereine, den Hl. Josef. Daher wurden die Jahreshauptversammlungen auch immer am Josefitag abgehalten. Bereits 1906 zählte der Arbeiterverein Wolfurt 52 Mitglieder13. Es kann nun im einzelnen weder näher auf die wechselnden Obmannschaften, noch auf die Vielzahl der Veranstaltungen eingegangen werden. Nur soweit: Nach einem Jahrzehnt des Bestehens konnte der katholische Arbeiterverein Wolfurt eine sehr positive Bilanz ziehen. 117 Ausschußsitzungen, 105 Vereins- und öffentliche Vorträge dienten dem Vereinsziel. Es wurde über nahezu alles referiert, so etwa über die Leichenverbrennung, über den Balkan, über London und über «400 Jahre Wolfurt». Ab 1900 ist die Abhaltung von Glückstöpfen und zu Weihnachten von Christbaum-Feiern belegt, deren Erträgnisse zur Vergrößerung des Vereinsfonds oder wie etwa 1902 zur Schaffung einer Bibliothek dienten. Es wurden Schießabende oder etwa 1910 Rednerclubs veranstaltet. Dazu kam eine rege Gesangssektion unter der Leitung des Oberlehrerers und späteren Bregenzer Bürgermeisters Mathias Wachter. 1909 wurde die Turnsektion gegründet, aus der sich dann der Arbeiter-Turnerbund Wolfurt mit dem ersten Obmann Albert Köb und als Turnwart Wilhelm Rünzler entwickelte . Zur selben Zeit wurde auch der Hort der erwerbenden Jugend (später Jugendhort) mit dem «Jugendvater» Martin Thaler begründet. Ein Überblick über die zahlreichen Feierlichkeiten und Veranstaltungen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt kann auch durch das «Gemeinde-Blatt» 7 gegeben werden. Dort finden auszugsweise etwa am 16. 7. 1911 die Einladung des Arbeiter-Turnbundes zum 1. Schauturnen, am 3. 12. ein Familienabend zum Nikolaustag (beachtenswert: «Der Reinerlös wird zum Bau eines Vereinshauses verwendet»), am 24. 12. eine Christbaum-Feier mit Theater und Gabenverlosung und am 17. 3. 1912 die Einladung zur 13. Ordentlichen Generalversammlung im Gasthaus «Hirschen» unter Obmann Ferdinand Thaler am Josefitag. Ein zentrales Anliegen des katholischen Arbeitervereins Wolfurt war der Bau eines eigenen Heims. Zur Jahreshauptversammlung 1900 wurde zum ersten Mal der Bau eines Vereinshauses besprochen, 4 Jahre später stellte dann Pfarrer Nachbauer den Antrag auf Errichtung eines Vereinshauses. Fertigstellung des Vereinshauses konnte allerdings nicht mehr vom Arbeiterverein alleine getragen werden. Kaplan Nußbaumer versuchte daher, die katholischen Vereine für dieses Anliegen zu gewinnen.16 Dies gelang am 14. April 1921 mit der Gründung des «Kartells christlicher Vereine in Wolfurt». Dieses Kartell, dessen Statuten am 8. Mai genehmigt wurden, war ausdrücklich für den Bau und die spätere Verwaltung des Vereinshauses gegründet worden. Als Mitglieder wurden nur Vereine mit «christlicher Weltanschauung» aufgenommen. Die vier in den Statuten genannten Vereine waren: Heinrich Nußbaumer, Obmann Gebhard Mohr, Obmann Karl Schwärzler, Schriftführer 2. Bürgermusik-Verein Wolfurt: Adolf Fischer, Obmann Albert Gasser, Schriftführer 1. Katholischer Arbeiterverein: Der Bau des Vereinshauses Wolfurt Als erstes Vereinslokal diente dem katholischen Arbeiterverein ein ebenerdiger Raum im «Hanso Hus» der Geschwister Heim am Anfang zur Kirchenstiege. Veranstaltungen wurden entweder im Gasthaus «Sternen» oder im «Rößle» abgehalten. Die Platzfrage aber war schon in Hinsicht auf die steigende Mitgliederzahl durchaus dringend zu behandeln, zumal auch Ausweichlokale, wie etwa die leerstehende Stickerei von Albert Gmeiner in Unterlinden, nur ein Provisorium darstellten. Als erster konkreter Schritt wurde 1904 unter der Federführung von Kaplan Fridolin Hagspiel und dem Vereinsmitglied Maurermeister August Klien ein Bauausschuß bestellt. 1907 lag der erste Plan vor, aber der Baubeginn zögerte sich hinaus. Gleichzeitig wurde auch erwogen, statt eines Neubaues, entweder das Haus von Gebhard Gmeiner (neben dem Schulhaus) oder das Gasthaus «Sternen» zu erwerben. Erst 1910 wurde durch den Ankauf eines Bauplatzes von den Geschwistern Heim im Strohdorf eine Entscheidung gefällt. Der bereits vorliegende Plan wurde 1911 vom Feldkircher Baumeister Kröner umgearbeitet. Die Kosten für diese neue Planerstellung von 800 Kronen übernahm Pfarrer Nachbauer. Nachdem dem am 13. 2. 1913 von Albert Köb eingebrachten Antrag zustimmt wurde, konnte mit dem Bau sofort begonnen werden. Im November desselben Jahres konnte der Verein in den Teilbau einziehen. Dieser bestand aus einem Versammlungslokal im Erdgeschoß, einem Theater, das gleichzeitig als Turnsaal diente und einem weiteren Nebenraum im ersten Stock. Der Erste Weltkrieg verhinderte eine Fertigstellung des Vereinshauses, das wegen seiner Form spottweise auch als «Schlauchturm» bezeichnet wurde. Im Jahre 1920 - der Arbeiterverein zählte durch die Kriegsfolgen nurmehr 25 Mitglieder - wurden unter dem neuen Präses Heinrich Nußbaumer (Obmann Rudolf Schertler) kleinere Zubauten, wie etwa eine Galerie errichtet. Eine 8 Das Kartell christlicher Vereine. Unter Kaplan Heinrich Nußbaumer hatten sich 1922 die Wolfurter Vereine zur Fertigstellung des Vereinshauses zusammengeschlossen. Außer dem Arbeiterverein entsandte jeder Verein zwei Vertreter. Erste Reihe v. 1.: Kaplan Nußbaumer, Rudolf Schertler, Mina Österle, Flora Böhler-Gunz, Gebhard Fehle, Martin Thaler; zweite Reihe: Gebhard Mohr, Josef Schertler, Karl Schwärzler, Ernst Köb, Rudolf Fischer; dritte Reihe: Rudolf Guldenschuh, Johann Zwickle, Jos. Ant. Köb, Pfarrer Simon Stadelmann, Albert Gasser, Adolf Fischer. 9 3. Turnerbund Wolfurt: 4. Liederhain Wolfurt: Ernst Köb, Obmann Franz Köhler, Schriftführer Adolf Fischer, Obmann Albert Kirchberger, Schriftführer 1 Zu diesem Zeitpunkt ist auch eine umfangreichere Arbeit des Autors zur katholischen Arbeiterbewegung in Wolfurt geplant, die auch die umfangreichen Archivalien mitberücksichtigen soll. 2 Kapeller, Kriemhild: Saisonwanderung und Heimarbeit als notwendiger Nebenverdienst in Vorarlberg. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, NS Bd. 43, 1989, S. 275-295. 3 Johler, Reinhard: Behinderte Klassenbildung - am Beispiel Vorarlbergs. In: Beiträge zur historischen Sozialkunde, 2, 1986, S. 51-57. 4 Heim, Siegfried: Bauern und Fabrikler. Die Arbeitswelt unserer Vorfahren. In Heimat Wolfurt, H. 1, 1988, S. 16-19. Sinz, Egon: Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987. 5 Zur Entwicklung der sozialdemokratischen und christlichen Arbeiterbewegung vgl. Greussing, Kurt: Im Prinzip: Hoffnung. Arbeiterbewegung in Vorarlberg 1870-1946 (= Beiträge zur Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs, 4). Bregenz 1984. 6 Johler, Reinhard: Sammlung und Präsentation zur Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Vorarlberg. In: Bockhorn, Olaf-Reinhard Johler (Hg.): Industriegeschichte und Arbeiterkultur in Österreich (Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde der Universität Wien, Bd. 14). Wien 1987, S.148-163. 7 Haffner, Leo: Die Kasiner. Vorarlbergs Weg in den Konservatismus. Bregenz 1977. 8 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise. Vorarlberger Arbeiterbewegung 1890-1914. In: Greussing, Kurt (Hg.): Im Prinzip: Hoffnung, a.a.O., 73-132. 9 Moosmann, Herbert: Kath. Arbeiterverein Wolfurt. Entstehung - Rückblick. In: Wolfurt-Information, Nr. 92, 1989, S. 20-22. 10 Mittersteiner, Reinhard: Wachstum und Krise, a.a.O. 11 Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre Kath. Arbeiterverein Wolfurt (Manuskript). 12 Statuten des «Katholischen Arbeitervereines Wolfurt» (Vorarlberger Landesarchiv). 13 Mittersteiner, Reinhard: Peripherie und Sozialismus. Diss. (Univ.) Wien 1988, S. 148. 14 Vgl. dazu die Protokollbücher. 15 Herburger, Josef: Die Turner und das Vereinshaus. In:WolfurterInformationsdienst, Nr. 17, 1973, S. 21f. 16 Vgl. Schwärzler, Karl: Sechzig Jahre, a.a.O. Sowie die Beiträge zur Festschrift «50 Jahre Vereinshaus Wolfurt». Feiern am 17. und 18. November 1973 (Wolfurter Informationsdienst, Nr. 17, 1973). 17 Satzungen des Kartells christlicher Vereine in Wolfurt vom 8. Mai 1921 (Vorarlberger Landesarchiv). Der Arbeiterverein behielt sich im Verwaltungsrat 2 Stimmen vor, hatte er doch den Teilbau und das Grundstück zur Verfügung gestellt.17 Bald darauf wurden auch andere Vereine (Jugendhort, Kongregation) in das Kartell aufgenommen. Die für die Errichtung notwendigen Finanzmittel konnten durch eine Haussammlung, durch den Reingewinn eines Volksfestes, durch unentgeltliche Arbeitsleistung der Mitglieder und durch ein Darlehen aufgebracht werden. 1922 wurde der Bau des Wolfurter Vereinshauses unter Einbezug des Arbeiterverein-Teilbaues vollzogen. Den endgültigen Plan hatte der Bregenzer Architekt W. Braun erstellt. Zu Pfingsten konnte dann das Vereinshaus Wolfurt feierlich eingeweiht und eröffnet werden. Das «Vorarlberger Völksblatt» berichtete darüber ausführlich: «Die katholischen Vereine von Wolfurt dürfen sich glücklich schätzen, nunmehr ein neues, sowohl den praktischen Anforderungen, als auch dem Schönheitssinn entsprechendes Vereinshaus zu besitzen. Es war wohl ein wagemutiges Unternehmen mit einer Unsumme von Sorge und Arbeit im Gefolge, in gegenwärtigen Zeiten einen so stattlichen und gut eingerichteten Bau zu erstellen, als welchen das Wolfurter Vereinshaus sich heute präsentiert.» Die Feier bestand aus einem Festgottesdienst, der kirchlichen Weihe und einem Festumzug der Vereine. Aber werfen wir noch einen Blick in das neueröffnete Vereinshaus: «Das neue, nunmehr fast fertige Haus enthält außer verschiedenen praktisch eingebauten Vereins- und Klubräumlichkeiten und einer Hausmeisterwohnung einen großartigen Festsaal von über 16 Metern Länge und 11 Metern Breite und mit zwei geräumigen Galerien. Einen gefälligen Eindruck machen die der bodenständigen Bauweise entsprechenden Holz-Vertäfelungen, die hölzernen Galeriebalustraden, der gleichartige Plafond mit einer zugleich architektonisch schmückenden Ventilationsvorrichtung in der Mitte. Die Bühne ist geräumig und zweckentsprechend gebaut und erhielt erst noch in den letzten Tagen die neuen, von Meister Ulrich Ender (Götzis) gemalten Szenerien. Auch im Äußeren bietet der Bau einen überaus gefälligen Anblick: mitten in freie Umgebung sich erhebend, läßt er seine schönen Verhältnisse im Eintrittsvestibül, Mitteltrakt mit dem Ventilationsaufsatz sowie Bühnenbau mit den kleineren Lokalitäten prächtig zur Geltung kommen.» 10 11 Siegfried Heim Zur Erinnerung ein paar Zahlen Mit Napoleon nach Rußland Franzosenkriege in Wolfurt «Vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, Herr Jesus Christus!» beteten unsere Vorfahren. Unter diesen drei Geißeln litten sie ja immer wieder. Besondere Not kehrte um das Jahr 1800 ein. Die ersten Kriegsahnungen hat der Maler Anton Schneider schon 1787 gehabt. («Beschreibung des Franzosenkriegs», Chronik Schneider im Landesarchiv). «In Hißigem Dorf daß Hauß Numeriren an gefangen, der Aman Fischer und ein Geschworener war dar bey, der Martin Haltmayer, Schreiner auf dem Bühel, hat es müßen Numeriren. Auf dem Bühel hat man angefangen und also an die Ach hinaus und so fort. Jeder Man sagt, was doch das Ding bedeutten thue. Dan niemand weiß, auf was es an gesehen, doch muthmäßet man, daß es nichts Guttes werde andeuthen.» Erstmals wurden also im Jahre 1787 auf kaiserlichen Befehl Hausnummern an die Türen gemalt. Die Amtleute gingen durch das ganze Dorf, auch nach Schwarzach, Bildstein und Buch. Während der Maler die Nummer aufpinselte, schrieb der Ammann Leute und Besitz auf, «so gahr das Kind in der Wigen». Diese Hausverzeichnisse wurden in den folgenden Jahren verwendet für Steuerlisten, für die Einquartierung von Soldaten und zur Aushebung von Rekruten. Dreißig Jahre der Not und Unterdrückung folgten, Jahre von «Hunger und Krieg». Vom ersten Blutvergießen berichtet Pfarrer Walser (Volksblatt, 25. 10. 1912): «Nach dem Totenbuchjener Zeit wurde am 11. August 1796 Johann Michael Gasser von einer feindlichen Kugel hingestreckt. Am 16. September 1796 wollte der 66jährige Michael Hübe im Garten eine von einem andern vergessene «Schopete» (Flinte) holen und wurde dabei von den Kugeln der Franzosen getötet. An demselben Tage tobte in und durch Wolfurt ein heftiges Gefecht. Es fielen hier 6 kaiserliche Soldaten und 3 Franzosen. Die erstgenannten 2 Männer und 3 kaiserliche Soldaten konnten noch versehen werden. Gleichzeitig waren in Lauterach 10 Häuser von den Franzosen in Brand gesteckt worden.» Schwere Gefechte gab es auch im Sommer 1800 in Wolfurt. Darüber hat Volaucnik berichtet (Heimat 1/20). Dabei wurde im Juli 1800 Michael Haltmayer in seinem ganz neuen Haus im Bütze-Weingarten erschossen. «Auch haben die Franken am Sontag in vil Häußer ein gebrochen und geblündert und die Leyt ausgesucht und ihnen die Todesangst angetan.» Drei Tage lang wurde Wolfurt damals geplündert. 12 1789 Französische Revolution 1792— 1797 1. Franzosenkrieg 1796 Gefechte in Wolfurt 1799— 1802 2. Franzosenkrieg 1800 Gefechte in Wolfurt 1805 3. Franzosenkrieg 25. Dezember 1805 Vorarlberg an Bayern abgetreten 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig aufgelöst 1808 Wolfurt wird selbständige Gemeinde 1809 Aufstand. Wolfurter kämpfen im Allgäu 1812 Napoleon zieht mit der Großen Armee nach Rußland. Brand von Moskau. Winterkatastrophe 1813 Völkerschlacht bei Leipzig 1814 Napoleon nach Elba. Vorarlberg wieder zu Österreich 1815 Schlacht bei Waterloo. Napoleon nach St. Helena verbannt. Wiener Kongreß 1795 waren in Wolfurt die «Bergteile» im Ippachwald und 1798 die «Riedstücker» verteilt worden. 1808 gab es in Wolfurt 185 Häuser. Die 1143 Einwohner besaßen zusammen 266 Kühe. Sie ernährten sich hauptsächlich vom Getreideanbau. 1817 Große Hungersnot! Schwer hatte das Dorf auch 1804 unter den Einquartierungen der Kaiserlichen und 1805 unter denen der Franzosen zu leiden. Bayerische Rekrutenaushebung Im Frieden von Preßburg mußte Österreich Vorarlberg und Tirol an das Königreich Bayern abtreten. Sofort hatte der schreibkundige Gotteshausammann Mathias Schneider einer Liste aller wehrfähigen Männer zu erstellen. In seinem Buch «Märckwürdige Begebenheiten» (Schneider-Chronik 2) sind uns die 239 Namen erhalten geblieben. 13 Demnach gab es 1805 in Wolfurt: 99 23 21 96 ledige Männer von 17 bis 30 Jahren, ledige Männer von 30 bis 50 Jahren, «Verheurathete» von 17 bis 30 Jahren und Verheiratete von 30 bis 50 Jahren. Rekruten ohne gespilt Weg genohmen. Von Wolfurt hat man Anton und Johann Stülz zurlinden, Joseph Böhlerzurach, für Hofrieden durch das Spiel, Thomas Vonach nur weil er mit obigem zum Spiel ins Hofriedisch gegangen. Von Steusberg (Bildstein) hat man 6 Mann alles Ledige genohmen.» Als im Juni 1807 neue Konskriptionslisten erstellt wurden, «allwo alle Jünglinge Von 16 bis 40 Jahren sich haben müssen abmessen und Fixidiren lassen», kam es zum Weiberaufstand in Langenegg und Krumbach. Darauf quartierten die Bayern 4000 Mann Kavallerie und Infanterie ein, die auch Wolfurt außerordentlich belasteten. Das Gericht Hofsteig mußte 2700 Gulden Bußgeld zahlen. Außerdem mußte es am 15. Juli 1807 vier Rekruten stellen. Weitere 12 Mann, darunter 4 Wolfurter, wurden am 30. Juli ausgehoben: Josef Lenz von Rickenbach, Josef Anton Schwerzler Gugers, Joseph Dür im Tobel, Kaspar Gasser auf dem Bühel. Fünf Jahre später starben sie in Rußland. In seiner Kriegschronik (Schneider 1) ergänzt Schneiders Vetter Anton diese Darstellung: das Spiel in Schwarzach konnte nicht stattfinden, weil die Wolfurter in der Krone mit großem Geschrei aufbegehrten und sogar eine «Botillen» in den Tischwinkel zum neu aufgestellten Bregenzer Landrichter warfen. Zur Strafe dafür wurden drei Tage später einfach 4 Wolfurter und 6 Steußberger in Lauterach verhaftet und «geschloßner» (gefesselt) nach Bregenz und weiter nach Augsburg geführt. Vermutlich haben sich die Angehörigen der Verhafteten beschwert, denn «noch dazu hab man den Vatter Stültzen sambt dem jüngsten Sohn Martin auch zu haus abgeholt und auf Bregentz und in Arrest auf einige Tag geben.» Sie sollten so lange in Haft bleiben, bis man des Flaschenwerfers habhaft sei. Im April 1809 beteiligten sich auch die Wolfurter am allgemeinen Aufstand gegen die Bayern. Mit Schiffen fuhren sie mit bis Konstanz und Ludwigshafen und holten sich reiche Beute. Auch das bayrische Lindau wurde von den Vorarlbergern fürchterlich geplündert. «Ein jeder hat ein Sack a ufdem Bügel in die Stadt Bregentz gebracht, ich hab es selber gesehen», schreibt der Chronist. In ihrem Siegesrausch marschierten die Hofsteiger unter Major Schertler sogar mit nach Wangen und Kempten. Aber dort wendete sich das Kriegsglück. Im Gefecht bei Eglofs erlitten sie schwere Verluste. Mathias Schneider berichtet: «Es sind aber dieses Jahr diese Landes Völker, welche schon bis auf dem Buchberg bei Kempten gestanden, vom Königlich Bayr. und mit hilf der Königlich Würthenberg. Truppen zu Haus geschlagen worden, wobey unser Seite etliche Mann das Leben Verlohren, so wohl von Frey willigen als von dem Landsturm besonders und zwar erstens Joh. Georg Reiner als Hauptmann, Jos. Ant. Lenz, Ant. Geiger, Andreas Flatz.» Hauptmann Reiner war schwer verwundet in Gefangenschaft geraten. Er starb in Kempten (Walser, V.V. 29. 10. 1912). 15 Panik brach aus, als die Bayern nun die allgemeine Wehrpflicht einführten und die Ledigen der Reihe nach rekrutierten. Einige Jungmännerflohenaus dem Land, viele retteten sich durch schnelle Heirat vor dem Militär. «Anno pro Domine Jesu Christe 1806 haben Hochzeit gemacht.. . Welches aber aus sonderbaren Umständen geschehen. Es hat sich durch den Willen und Zulassung Gottes ereignet, daß der Kaiser (Napoleon), welcher zwar nur vor wenig Jahren den Zepter und Krone erhalten von Frankreich, aber Mahlen Krieg angefangen mit unserem Römischen Kaiser Franz des II. und so gesieget, daß er in kleiner Zeit bei 3 Monaten nicht nur ganz Vorarlberg und Tiroll, sondern auch bereits ganz Bömen, Ungarn, ja Wien selbsten, mit hilf des Bayerfürsten eroberet hat, welches alles geschehen vom Oktober bis Dezember. Dan den 14. November sind die Franken bei uns Eingerückt, nur zu Wolfurt bey 13 Compagnien, über Tausend Mann. In diesen Unglücks Tagen ist Seine Mayestät der Kaiser genöthiget worden, einen mit großem Verlust betreffenden Frieden mit Frankreich zu schließen, wo bey er auch ganz Tirol und Vorarlberg Nebst Villen andern Ortschaften Verlohren und abtretten müssen. Über diesen Friedens Contrackt hat der Kaiser von Frankreich den Fürsten von Bayern so belohnet, das er denselben Erstens zu Einem König gekrönet, und Zweytens mit Viellen Landschaften beehret, unter welchen auch ganz Tirol und Vorarlberg, samt allen Entzwischen liegenden Ort und Reichs Herrschaften gegeben worden. Aus diesem Umstände willen, und Forcht Militär stellen zu müssen, haben sich in allen Pfarreyen des Vorarlbergs sehr Viele Menschen Verheuratet, und zwar nur in der zeit zwischen Weihnächten und Herren Faßnacht, welche nur 8 Wochen lang gewesen . . . » Nun zählt Mathias Schneider fein säuberlich die 22 jungen Paare auf, die sich in Massenhochzeiten am 27. Jänner, 3., 11. und 17. Februar 1806 vor dem Soldat-Werden drückten. Es findet sich darunter auch sein Sohn: «Jakob Schneider Wolfurt mit Jungfrau Maria Agatha Schertlerin Underlinden». Er konnte dem Ehepaar das neue Haus an der Berggasse («Rädlers» an der Kellhofstraße) übergeben. Die Braut bekam ja von ihrem Vater, dem reichen Schützenmajor JakobSchertlerauch noch eine beachtliche Ausstattung. So gut hatten es die anderen 21 Paare in jener Fasnat wohl nicht! In den folgenden Jahren gab es nun fast keine Hochzeit mehr in Wolfurt. Die Ledigen aber holten die Bayern zu ihrer Armee: «Anno 1807 den 22ten Jäner hat mann anstattdem 19ten Jäner, alwo zu Schwarzach hätte sollen gespilt werden, die 14 Die siegreichen Bayern und Franzosen bestraften die Vorarlberger schwer. So nahm man den Wolfurtern am 27. Mai sogar das Fährschiff, ihre einzige Verbindung nach Kennelbach, weg und transportierte es nach Bregenz. Und vor allem wollten die Bayern noch mehr Soldaten. «Anno 1810 den 12. März abermahl Rekruten ausgehoben. Alle von 18 et 19 Jahr gleich weg genommen. Das Landgericht Bregenz hat 65 Mann gesteh.» Die meisten Familien versteckten jetzt ihre Söhne. Zu genau kannten die Häscher ihre Opfer aber aus den Listen, die Mathias Schneider ein paar Jahre früher erstellt hatte. «Aufdieses hat man Einigen Exekution eingelegt und zwar aufden ersten Tag 4 Mann, den zweiten 8 Mann, dendritten 12 Mann. So behalten bis die Forchtsamen Ihre Söhne Von der Frömbde her geholt und gestellt haben. Gestelt habe ich selbst den Michael Schneider, Ferdinant Rohner, Jos. Köb auf dem Bühel, Aloys Haltmayer Sohn, Jos. Böhlers Sohn an der Hub, Joh. Georg Schwärzlers Sohn zu Steig . . . Nach diesem hat mann alle am Joseph Tag mit ein und weg genommen bis nach Augspurg.... Die Exekution hat manchen 80, 90 bis 100 Gulden gekostet. Got helfe!» An anderer Stelle zählt der Chronist weitere Burschen auf, die mit seinem Sohn Michel am 19. März 1910 abgeführt wurden: «und sind den 20. Merz von Bregenz über kempten bis nach Augspurg transportirt, Von dort wider bis nach Lindau und über 5 Wochen dort, ohne Asentirt zu seyn, behalten worden. Nach diesem erst den 2. May nach Ingolstadt abgefürt worden. Von da ist der Sohn Johann Michl, Ferd. Rohner, Kaspar Gunz nach Neuburg zurück zu den Jägern gestellt worden. . . . 1810 den 17. May erhalten den 26. dis das Erste Schreiben des Michl Schneider. Die Attreß ist zu machen an Michael Schneider bey dem 7ten Leichten Infantry Bartalion Trauberg, bei Herrn Hauptmann GrafKunn Copagni, abzugeben in Neuburg an der Donau.» Weihnachten sollen ganze 1000 Mann mit 60 Pferden die rettende preußische Grenze erreicht haben. Das Volk empfand diese Katastrophe als ein Gottesurteil «Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen!» (Aus «Weltgeschichte» von Kinder.) Mathias Schneider notierte sich das, was ihm davon zu Ohren kam, so: «Der Kaiser Napoleon hat immer noch weiter geschlagen, daß er auch den Kaiser von Rußland angegriffen, und so weit gesieget, das er bis November 1812 nach Moskau und Polox (Smolensk?) gekommen, wo aber grosse schlachten Vor gekommen, in welchen der Napoleon das Kürzer gezogen, wodurch er Viele Tausend Mann und Kanonen und Geld Kasse Verlohren.» . . . «. . . die Meerern gestorben oder gefangen worden. Doch sey Dank ist unser Sohn den 24. Feber 1813 wider Glücklich nach Haus Kommen, hat nur ein Verhörten Fuß gehabt. Es ist auch sein Herr Oberleutnant und ein Herr Major mit ihm gekommen. Alle andern Vom Ganzen Gericht sind noch abwesend und unwissend wo. 1813 den 16. April hat der Sohn Michael wider mit 3 Compagnigen nach Augspurg von Lindau abreisen müssen.» Die Überlieferung hat Michael Schneiders Heimkehr aus der russischen Winterkatastrophe später dramatisch ausgeschmückt. «Es wird erzählt, er hätte eine ihm abgefrorene Zehe, in Papier eingewickelt, noch heimgebracht. Die Rettung sei ihm nur dadurch möglich geworden, daß er sich in der größten Not an einen Roßschweifhängen und weiterschleppen konnte.» (Walser, V.V. 25. 10. 1912). Schneider soll mit seiner Truppe im Oktober 1813 noch an der Völkerschlacht bei Leipzig teilgenommen haben, die das Schicksal Napoleons besiegelte. Nur zwei weitere Wolfurter kamen aus Rußland gesund heim, der Zimmermann Michael Köb aus Rickenbach und der Student Martin Rohner aus dem Kirchdorf, der später als Gemeindearzt noch französisch und russisch schimpfte. Über sie berichte ich an anderer Stelle. Die vielen anderen jungen Burschen aus unserer Gemeinde waren mit der ganzen Großen Armee in Rußland gefallen, im Eiswasser der Beresina ertrunken, von Kosaken erschlagen, im Schnee verhungert, von Wölfen zerrissen . . . Kaum eine Todesnachricht traf ein. Verzweifelt warteten die Eltern. Nur zögernd wurde nach Jahren manchem eine Totenmesse gelesen. «Am 12. November starb in Preußisch-Polen Anton Dür. Am 11. Februar 1813 starb als Soldat in Lindau Kaspar Gasser. Endlicham 14. Januar 1814 starb im Görzer Feldspital, erst 18 Jahre alt, Johann Gmeiner. Wahrscheinlich gehörte erzumletzten Aufgebot Napoleons.» (Walser, a.a.O.) Auch Chronist Schneider nennt noch ein paar Daten: «13. April 1817 ist Thomas Vonach, welcher aber schon Vor 4 Jahren Laut Totten Schein in Rußland im Spittal gestorben, die erste Bestattniß gehalten worden.» 17 Nach Rußland Kaiser Napoleon sammelte ein Vielvölkerheer, die «Grand Armee», mit 500 000 Soldaten. In den Reihen der Bayern marschierten auch rund 20 Wolfurter mit. Am 24. 6. 1812 überschritt Napoleon ohne Kriegserklärung den Njemen. Mit dabei die Preußen unter Yorck und die Österreicher unter Fürst Schwarzenberg. Die unterlegenen Russen wichen in die Weite ihres Landes zurück. Nach den blutigen Schlachten von Smolensk und Borodino besetzte Napoleon am 14. September Moskau. Nachschubschwierigkeiten und der Brand von Moskau zwangen ihn am 19. Oktober zum verspäteten Rückzug. Hunger, Kälte und die ständigen Angriffe der Kosaken zerrütteten die Große Armee. Nur 30 000 Mann gelang die Flucht über die Beresina. Um 16 «17. Februar 1820. JosefAnton Gantner, Königlich Bayr. Soldat, welcher im Feldzug nach Rußland hat ziehen müssen, dato für Todt erklärt worden und sein Vermögen unter die gesäzlichen Erben Vertheilt worden, in21tenJahr.» «2. April 1828 ist der Jüngling Joh. Georg Haltmeyer, Aloys, als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden und die Erste Besingnis gehalten worden.» «10. April 1828 Sind 3 Jüngling als Soldat in Rußland als Todt erklärt worden Nemmlich Sebastian Schwärzler zu Steig, Martin Klocker und Joseph Köb mit 3 gegenwärtigen Prister.» «9. April 1828 ist der Ehrbare Jüngling Gebhart Köb, Examinierter Schullehrer, an einer lang tauernden Krankheit sellig entschlafen, und am Balmsonntag zur Erden Bestattet worden, und feyerliche Bestattniß gehalt worden nebst einer halbstund tauernden Leichbredig, es ist auch zugleich für sein Bruder Joseph Köb K. K. Soldat, der in Ruß gestorben und Todt erklärt worden, nebst obigem Bruder, die Besingnißen gehalten worden.» Wieder österreichisch Die Erleichterung und Freude des Chronisten klingt in seinen Berichten nun durch: «... die Festungen alle sind übergeben worden, die Militärische Truppen ziehen wider Heraus bis an die Rhein gräntzen, wo aber noch Besatzungen Liegen bleiben. Die National Garde wird widerum entlassen um nachhauß zu Kehren. Was das Glücklichste. Daß Tiroll und Vorarlberg mit Ausnahm des Landgerichts Weiler widerum Von dem unerträglichen Joch des Königs Von Bayern entlediget, und unter den Mildreichen Zepter des Hausses Österreich aufgenohmen worden, Von welchem wir 8 1/2 Jahr Entlassen Gewessen, Gott Sey Lob, Ehr und Dank. Den 6ten July 1814 Hat die Sonne Vom Hauß Ostreich unssere Gegenden das Erste mal wider Erfreuet, an welchem TagderKönigl. Kaiserliche Kommißär die Aufnahm Vorarlbergs Zu Bregenz feyrlichst befestiget, allwo die bayrische Wappen Hinweg geschah, und der Glänzende Adler wider aufgeführt worden!. . . Allwo solches Jubelgeschrey Vivat, Es Lebe der Kaiser von Ostreich, in der Ganzen Stadt Entstanden, das seyn eigenes Wort Kaum mehr gehört worden Die Ganze Stadt in allen Gassen sind mit Thännlein besetzt worden und viele der Herrlichsten Triumph Bögen errichtet, und mit Lob Sprüchlein Gezierd worden. . . . Wobey mit allen Gloken in allen Kirchen zusammen geLeuttet worden, und Ein Salve nach dem Andern von allen Militär und Stadt Commpagnien, auch die Völkerschaft von Dornbirn, von Wolfurt und Lauterach sind wider gegenwärtig gewessen. . . . Vor Freude haben Viele geweint, und Ville ge Jubelirt. 1816 den 26. Febr. als am Faßnacht Montag, ist zu Bregenz von der Bürgerschaft Zur Freude und Angedenken der So Siegreichen Schlacht bei Moskau, allwo Ponebart den rest bekommen, Ein Freudiger Rith im Kriegsordnung Vor gespielt worden. Welche durch Franzosen, Rußische und Kaiserliche Gavalery und Infanten Vorgekommen, die Schlacht gegen ein ander so Thättig gefürt, durch Mehrmaliges Hin und Her Treiben des Feindes, mit Kanonen und Muschgeten geschüzt, der gestalten, daß man Glaubte, alle Müssen zusammen geschoßen und Nider gesäbelt seyn, wobey Vielle Fenster von den Kanonen Schüßen gänzlich Verbrochen worden. Der Schaden soll sich über 70 fl belaufen haben, wofür aber nicht hat müssen bezahlt werden. Diesses Spiel ist so Schön und Herlich anzusehen, daß zu Keiner Erdenklichen Zeit solches gesehen worden. Die Haupt Rolle hat gespült H. Joseph Reiner auf dem Thamm als Rußischer Kaiser. Anno 1816 den 30ten May ist die Huldigung zu Inspruk für S. Kaiserl. Königl. Mayestät Franz des I. von Tiroll und Vorarlberg widerum abgelegt worden. . . . » Ein allerletztes Mal war dazu in den sechs Hofsteiggemeinden ein Ammann in der Person des Schwarzacher Kronenwirts Joh. Georg Haltmeyer gewählt worden. Das alte Gericht erhielt aber seine Rechte nicht mehr zurück. 19 Auch über das Ende des Franzosenkaisers berichtet der Chronist Mathias Schneider: «Anno 1813 hat man In ganz Vorarlberg ein Nationalgarde aufgeführt worden. Von 23 bis 30 Jahre Haben alle Taugliche Jünglinge müssen Hingehen, welche sich nicht mit einer Vorhin erhaltenen Looszahlung oder einer Anseßmachung haben Können ausweißen. Zu Wolfurt hat es 7 Mann genohmen: 1. FidelSchwerzler,2. Joh. Georg Guth, 3. Lorenz Stülz, 4. Fr. Jos. Rohner, 5. Joh. Georg Schwärzler Fr. Josephs, 6. Joseph Geiger Niklaus, 7. Mathias Gmeiner im Holz, dieser aber ist deserdirt.» «Napoleon ist bis Ende November 1813 wieder bis über den Rain nach Frankreich geschlagen worden. Den 10. Dezember sind die Kaiserl. Rußischen auch Kaiserl. Östereichische und sämtlich Alirte Truppen über Bassel und andern Orten in Frankreich gezogen, bis ihn Paris. Haben anstatt des Bonebart ein andern König aus der alten Königl. Famil v. Porbon gesetzt und den Bonebart nach der Insul Elba abgeschikt. Nach diesem sind die Allirten Mächte wider nach Haus zurukgekert, um dem Congres beyzu wohnen. Aber es tauerte nicht lang, 1815 ist der Bonebart von der Elba wider mit einer gewafneten Kriegsmacht nach Frankreich gekommen, und den Neugestellten König wider in die Flucht genöthiget, und einen solchen Anhang Vom Volke bekommen, daß die Alirten Mächten genöthiget wurden, abermal nach Frankreich zu Ziehen, und auch glüklich wider hineingekommen, die Bonebartische Macht gänzlich geschlagen und den Bonebart, welcher Ville Wochen gahr Vermißt gewessen, bis er wider aredirt und wider nach einer Insul St. Helena Trazbortirt worden, und Entlich alldort gestorben.» 18 «Anno 1817 den 1. Mai ist Vorarlberg widerÖstreichKaiserlich geworden, und Profisorisch aufgehört, Gott sey Lob und Dank. NB. Aber es ist nicht Viel Gutes erfolgt, seine Mayestät der Kaiser hat wohl ein Vertröstung schriftlich Heraufgegeben, aber es ist nicht erfolgt! Was der König von Bayern unter seyner Regierung Ein Gricht, welches ihm einträglich war, ist nicht mehr geändret worden. Zum Exempel. Vor hero haben wir für klein Zehend an die Mehrerau nur 22 fl bezahlen müssen; bei der Regierung des Königs von Bayern haben wir den klein Zehend in Natura entrichten müßen, unter diesem ist Verstanden Erdäpfel, Kraut, Hanf, Flachs, Ops, welches Jährlich Cirga 180 fl ausmacht anstatt 22 fl. So ist aber, da wir wider Kaiserl. geworden, nicht mehr das alt recht gestattet. . . . » Die von den Bayern eingeführten Gemeinden blieben bestehen. Unser Chronist Mathias Schneider wurde noch als 72jähriger im Hungerjahr 1817 der erste «österreichische» Vorsteher der Gemeinde Wolfurt. In der Bayernzeit hatten vor ihm Joh. Georg Fischer aus Spetenlehen und dann kurze Zeit Johann Flatz das Amt inne. Im Volk erzählte man noch lange Jahre von den schrecklichen Ereignissen im russischen Winter von 1812. Hunger, Leid und Zorn entluden sich in fürchterlichen Ergüssen. Noch 100 Jahre später schrieb uns Mathias Schneiders Enkel Ferdinand Schneider im Jahre 1912 einen solchen Text auf: Napoleons Titel anno 1814 herausgegeben. Wier in Gottes Zorn gemachter von der Insel Corsica heraus geschleudert, mit der blutigen Kappe gekrönter Kaiser der Franzosen, Ritter deß schwarzen Rabens Orden, Hauptanführer einer großen furchtbaren Räuberbande, Wurgängel der letzten Raste der unglücklichen Könige und Familien in Frankreich, Großheuchler in Egibten, Thron und Krön Räuber der Königreiche Neapel und Spanien, Banco Räuber von Hamburg Heiligthums, Schänder in Hanover, Thron umwälzer und unersätlicher Wolf in Deutschland, Königlicher Pferddieb in Berlin, Scherpfen Degen und Ringkragen Dieb, Riegel und Siegel aufbrecher deß grünen Gewölbes in Dresden, Erzblünderer aller fürstlichen Schatzkammern, groß Schatzausräuber in Haßenkaßel, groß BeutelSchneider und groß Verderber in Pohlen, Blutigel in Holland, gemeinde Vermögen Verblünderer und Wütrich in Frankreich, berichtigter Freibeiter all deß auf dem Continent sich befindlichen Englischen Eigenthums, Wiederhersteller deß Robespirischen Sistem, Bestürmer und Mordbrenner von Europa, vermummter Bandit der ganzen Erde, und wirklich bestellter Erzengels Satan, auch erster besitzer der höllischen Legion und verworfener Scheusal der Menschen.» Abgesehen von all den geschriebenen Bosheiten muß man doch staunen, welche Fülle von geographischen und historischen Kenntnissen — von Ägypten bis Robespierre — in diesen Text eingearbeitet wurden, die das Volk auch ohne Zeitung und Fernsehen schon kannte. Wir dürfen hoffen, daß der große Tote von St. Helena und der kleine Dichter all dieser «Tittel» einen gnädigen Richter gefunden haben! 20 Die drei Heimkehrer Von etwa 20 Wolfurter Burschen waren also 1813 nur drei dem Grauen des russischen Winters entkommen. Michael Köb, 1790-1878. Die Familie Köb stammte aus Bildstein und lebte im Haus C 227 in Rickenbach. Das Haus «Stases im Lo» ist 1908 mit der Lenz-Fabrik abgebrannt. An seinem Platz steht jetzt das Doppelmayr-Bürogebäude. 1810 wurde der 20jährige Michael Köb zum 7. bayrischen Infanterie-Regiment eingezogen. Von Kempten aus marschierte er 1912 nach Rußland und kehrte gesund wieder heim. Als Zimmermann lebte er ab jetzt im Vaterhaus. Dreimal heiratete er. Nach dem Tod seiner ersten Frau Theresia Fehle ehelichte der 61jährige seine zweite Gattin Magdalena Rusch und wurde ein Jahr darauf Vater. Als 67jähriger Witwer heiratete er ein drittes Mal und starb erst 1878 im Alter von 88 Jahren. Seine einzige Tochter Anastasia «Stase» heiratete einen Ferdinand Müller aus Langen. Ihre Söhne Gebhard 1875 und Ferdinand 1889 («Mühlemacher Ferde») müßten den älteren Rickenbachern eigentlich noch bekannt sein. Martin Rohner, 1790—1864 Das Pfarrfamilienbuch nennt bei den drei Söhnen des Joh. Baptist Rohner «an der Kirchstiegen» drei bemerkenswerte Berufe: 1. Franz Joseph Rohner, 1789 «miles» (Soldat) 2. Joh. Martin Rohner, 1790 «chirurgus» (Wundarzt) 3. Johannes Rohner, 1794 Waffenschmied Keiner von den drei Kriegern blieb am Dorfplatz daheim. Das Haus C 46 wurde vom nächsten Besitzer zum «Rößle» umgebaut. Jetzt steht dort das Pfarrheim. Martin Rohner wurde als junger Student der Chirurgie zur französischen Armee eingezogen. Aus dem Rußlandfeldzug von 1812 heil heimgekehrt, beendete er seine Studien und wurde Gemeindearzt in Alberschwende. 1827 heiratete er Anna Maria Gmeiner, die Tochter des Wolfurter Gemeindearztes Joh. Gg. Gmeiner (1766—1827) und Großnichte des streitbaren Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner, der die große Pfarre geschickt durch Franzosen- und Bayernzeit gesteuert hatte. Er übernahm die Praxis seines Schwiegervaters im Haus C 143 im Strohdorf («Böhler Ottos Haus» auf dem Sternenplatz ist 1949 abgebrannt). Viele Jahre war er ein geachteter Gemeindearzt. Gern erzählte er von seinen Kriegserlebnissen und galt als Original, weil er dabei auch französisch und russisch fluchte. Über seinen ausdrücklichen Wunsch wurde er nach seinem Tode 1864 von Kriegs-Veteranen zu Grabe getragen. Der alte Rußland-Heimkehrer Michael Köb ging mit dem Grabkreuzlein an der Spitze des Zuges. 21 Von Dr. Martin Rohners Kindern waren ein Sohn und eine Tochter nach Amerika ausgewandert. Sein zweiter Sohn Dr. Ferdinand Rohner (1839—1909) führte die Gemeindearzt-Praxis im Strohdorf fort. Vier Töchter hatte er, die alle «gute Partien» machten. Anna Maria, 1865, übersiedelte mit dem Holzhändler Lorenz Dür nach Hard. Rosalie, 1868—1927, heiratete den Fergger Fidel Gmeiner in Unterlinden und wurde die Mutter der «Kartonagen-Fideles». Maria Anna, 1872, wurde die Gattin des Wolfurter Oberlehrers Mathias Wächter. Von ihren 7 Kindern wurde Julius Bürgermeister von Bregenz und Festspielpräsident. Auch Frau Brigitte, die Gattin unseres Bildhauers Albrecht, ist eine Enkelin. Engelberta, 1881, heiratete den angesehenen «Büchele-Beck» Anton Büchele, der Adlerwirt beim Rathaus in Bregenz, der als Schützenmajor auch die Wolfurter Standschützen 1915 in die Dolomiten führte. Von seinen Kindern hat Anton Büchele die letzten Lebensjahre im Oberfeld verbracht. Michael Schneider, 1791—1827 Er war der Sohn unseres Chronisten Mathias Schneider(1745—1833), der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser, Wuhrmeister und schließlich als Gemeinde-Vorsteher in ganz Hofsteig hohes Ansehen besaß. Sein Haus «an der Kirchgassen» (heute Kirchstraße 29) ist 1907 abgebrannt. Von den 18 Kindern aus zwei Ehen des Mathias Schneider stammen viele Wolfurter Familien ab, darunter Lehrer Köbs («Meßmers» und «Malers») und «Sammüller»-Böhlers. Etliche Schneider-Familien wanderten um 1850 nach Amerika aus, der letzte Namensträger in Wolfurt war der «Numerant» Ferdinand Schneider (1841—1917), der uns die bedeutende Schneider-Chronik 3 hinterließ. Wie es dem Michael Schneider auf dem Feldzug in Rußland ergangen ist, hat uns sein Vater geschildert. (Siehe weiter vorn auf den Seiten 16 und 17!). Als Soldat war er in der Garnisonsstadt Augsburg heimisch geworden. Nach dem glücklich überstandenen Krieg kehrte er dorthin zurück. Er übte den anspruchsvollen Beruf eines Blättersetzers aus. Ein «Blattmacher» fertigte Kämme für die damals wichtigen Handwebstühle an und mußte mit einem besonderen Eid deren Qualität beschwören. Sein Sohn Mathias Schneider (1826) zog von Augsburg nach Regensburg und gründete dort als Glasmaler eine bedeutende Firma, die Kirchenfenster für Bayern, aber auch nach Wien und nach Ungarn lieferte. Im Jahre 1885 fertigte er die drei schönen Chorfenster (Mutter Gottes, St. Gallus und St. Gebhard) für die Kapelle in Rickenbach an. Sein Bruder Josef Anton Schneider (1827—1898) wurde Drechslermeister in Augsburg und begründete eine geachtete Familie. Sein Urenkel Dipl.-Ing. Josef Schneider hat 1990 Wolfurt besucht und von seiner umfangreichen Ahnenforschung berichtet: 22 Die Industrialisierung brachte um 1870 auch in die Handwerkerfamilie Schneider große Not. Großvater Jakob Josef Schneider (1858—1934) trat daher als Modelldrechsler in den Dienst der aufstrebenden MAN-Werke Augsburg, wo auch fünf von seinen Söhnen Arbeit fanden. Darunter war Josef Schneider (1889—1983), der als Modell-Schreinermeister 47 Jahre lang im Werke arbeitete. Er konnte ein Haus kaufen, das allerdings in den Bombennächten von 1944 völlig zerstört wurde. Sein Sohn Josef Schneider (1917) durfte studieren und war dann 48 Jahre für M A N tätig. Als Ober-Ingenieur leitete er zuletzt die Abteilung für Werkplanung. Das Erbe der Schneider aus Wolfurt lebt nun fort in seinem Sohn Dr. Thomas Schneider (1953), der als Geograph unterrichtet. Die Familie widmet sich auch dem Malen und der Musik, immer noch, wie vor Napoleons Zeiten, als die Schneider den Hausnamen «Maler» bekamen. Wenn die Chronik unseres 20. Jahrhunderts einst vom Kriegsgrauen im russischen Winter von 1943 berichtet, dann hoffentlich auch mit dem versöhnlichen Ende, daß Malen und Musik schließlich die Kriegsschrecken überdauern! 23 Siegfried Heim Vor 100 Jahren Lehrers Engelbert und seine Zeit. Auszug aus einem Vortrag am 12. November 1990 über den Chronisten Engelbert Köb und seine Familie. Köbs auf dem Bühel Die drei größten Wolfurter Geschlechter sind die Böhler mit 152 Namen im Blauen Buch von 1989, knapp gefolgt von den Köb mit 149 Namen. Weit abgeschlagen liegen die Mohr mit immerhin 94 Namen. Ihnen folgen die übrigen 7.000 Wolfurter mit mehr als 1100 Namen, im Durchschnitt also etwa 6 Namensträger pro Geschlecht. Die Mohr gehen alle auf einen Stammvater zurück, Johann Jakob Mohr, der um das Jahr 1750 aus Schwarzach ins Eulentobel kam. Die Böhler gibt es schon seit 400 Jahren ununterbrochen im Dorf. Darüber hinaus haben sie ständig Zuzug aus Bildstein und Buch bekommen. Die Köb finden sich schon 1650 sehr zahlreich in Bildstein und Buch, aber erst 1760 taucht der erste Namensträger in Wolfurt auf. Ihm folgen nun rasch viele andere, die in Wolfurt bedeutende Familien gründen. Einer ist Franz Xaver Köb aus Hag-Bildstein (1777-1859) der im Schloß Wolfurt mit seinen 12 Kindern die Sippe «Schloßburos» begründet. Ein anderer ist Jakob Köb (1761-1840) aus Gallin in Bildstein, der «Galler». Er heiratet 1788 die einzige Tochter des Schreiners Martin Haltmeyer, Auf dem Bühel (jetzt Nr. 1). Es wird der Stammvater all der vielen Wolfurter Köb-Familien, die wir heute mit den Hausnamen «Gallars, «Schrinars uf om Bühol», «Lehrars», «Molars im Strohdorf», «Meßmars», «Seppatones» und «Hilares» benennen. Von Jakob Köbs 13 Kindern starben die meisten schon als Kleinkinder. Sohn Joseph erfror mit Napoleons Großer Armee 1812 in Rußland. Sohn Gebhard Köb starb tief betrauert als junger Wolfurter Schullehrer. 24 Sohn Martin Köb jedoch führte die Schreinerei des Vaters auf dem Bühel fort. Seine Nachkommen «Schrinars», bewohnen das Haus noch heute, also mehr als 200 Jahre lang. Allerdings mußten sie nach dem Großbrand von 1911 in ein Nachbarhaus ausweichen, bis sich Bernhard Köb um 1950 wieder auf dem alten Platz beim Bühel-Brunnen ansiedelte. Jakobs vierter Sohn Michael Köb, 1794-1852, wurde wie sein Vater und sein Bruder ebenfalls Schreiner- und Glasermeister. Neben dem Elternhaus erbauter er an der Landstraße im Oberfeld 1826 ein neues großes Haus (heute Hintereggers, Oberfeld 2). Mit seiner Frau Agatha Dietrich hatte er dort 9 Kinder. Diese Agatha scheint eine besonders unternehmungslustige Frau gewesen zu sein. Im Landesarchiv gibt es eine Notiz (gefunden von Chr. Volaucnik), wonach sie mit einem Compagnon Krüsy aus Bregenz 1835 in der alten Schmiede auf dem Bühel eine Baumwollfabrikation begonnen hat. Während aber zur gleichen Zeit Baumwollfabriken in Kennelbach und Dornbirn ihre Besitzer reich machten, hörte man vom Wolfurter Untenehmen bald nichts mehr. Michael Köb mußte 1840 sogar sein Haus verkaufen und an die Ach in «Hansmarteies» Haus an der Bützestraße übersiedeln. Dort starb er schon 1854. Nun mußte seine Witwe Agatha auch dieses Haus aufgeben und mit ihren 9 Kindern in die baufällige Schmiede auf dem Bühel ziehen. An dem schönsten Platz im Wolfurter Kirchdorf, wo heute die Villa Köb über dem Dorfplatz aufragt, setzte sich die «Galler»-Familie jetzt fest. Von Ihren Söhnen übernahm später Josef Anton Köb (1837-1919) das Haus und den Hausnamen. Er war Vater bzw. Großvater der bekannten Wolfurter Brunnenmacher Gallers Seppl und Gallers Erich und Urgroßvater der Aichholzer-Söhne, die wieder wie einst ihr Stammvater Jakob das Schreinerhandwerk ausüben. Lehrers Einen anderen Hausnamen gewann aber der ältere Galler-Sohn Johann Martin Köb (1831-1884), der «Lehrer». Eigentlich war er ja Schreiner und Glaser wie seine Vorfahren. Er arbeitete auch täglich in der Werkstatt. Daneben diente er noch dem Pfarrer im Ehrenamt als Mesner. In den sieben Wintermonaten aber vertrauten ihm die Wolfurter ihre großen Buben in der alten zweiklassigen Schule im Strohdorf an. Mit ihnen übersiedelte er noch als Unterlehrer für 10 Jahre auch in die 1872 errichtete (und 1979 abgebrochene) neue Volksschule. Der Chronist Lorenz Gunz berichtet ausführlich, wie er von seinem Lehrer Köb 12 saftige Tatzen bekam, und schließt dann: «Der Lehrer war ein braver Mann, ist 1884 gestorben, der Herrgott möge sein Tröster sein!» 25 Auch der Chronist Engelbert Köb erzählt nachdenklich aus dem Lehrerleben seines Vaters, als er den Funken im Oberfeld und die Funkenküchle beschreibt: «Es war Brauch, daß jedes Schulkind seinem Lehrer ein Geldgeschenk überbrachte. Die Ärmeren gaben 4, 10 oder 20 Kreuzer, die Besseren auch einen Gulden. Man betrachtete dies als Aufbesserung des damaligen schlechten Lehrergehaltes. Für diese paar lumpigen Gulden mußte der Lehrer den Alten das ganze Jahr schön tun.» Die Wolfurter mochten ihren «kleinen Lehrer» sehr gern. Um 1880 mußten alle Lehrer Prüfungen nach dem neuen Reichsvolkschulgesetz ablegen oder ihren Posten aufgeben. So erhielt auch der fünfzigjährige Lehrer Köb die Kündigung. Als 1882 Kaiser Franz Joseph nach Bregenz kam, ging der neue Pfarrer Joh. Gg. Sieber namens der Gemeinde zu ihm in den Österreichischen Hof und erreichte in einer Audienz tatsächlich, daß dem alten Lehrer die Prüfung erlassen wurde. Das Geld war also immer knapp beim Lehrer Köb, aber er gewann einen großen Schatz in seiner jungen Frau Agatha, die er aus der Feldstraße zu sich herauf in die alte Schmiede geholt hatte. Agatha Schneider (1829-1916) war eine Tochter des ersten Hirschenwirts Hilar Schneider und eine Enkelin des Gotteshausammanns Mathias Schneider, der als Verwalter der Mehrerauer Güter, als Feldmesser und Vorsteher in Hofsteig großen Einfluß besessen hatte. Etliche Schneider waren Maler und sie trugen auch den Hausnamen «Malers». Es ist nicht überraschend, daß Lehrers Buben von ihrer Mutter Agatha mit der Begabung und der Freude am Malen auch den Hausnamen «Malers» weitertrugen. In 12 Jahren gebar Frau Agatha 9 Kinder. Das erste, Josefa I., starb bei der Geburt 1861. Jetzt kamen hintereinander fünf Buben: Seppatone 1862, Hilare 1863, Engelbert 1864, Johann 1866 und Ludwig 1867. Auf Tochter Sefa II. 1870 folgten noch der sechste Bub Albert 1872 und schließlich Theresia 1873, die schon mit neun Jahren starb. Längst war in der Schmiede neben den vielen Geschwistern des Lehrers für die Kinder zu wenig Platz. Da konnte er 1874 das Nachbarhaus (heute Meßmers, Auf dem Bühel 3) erwerben und mit seiner Familie dorthin übersiedeln. Aber schon 1884 starb er, erst 53 Jahre alt. Seine sechs Söhne, von ihrer hochverehrten Mutter Agatha geleitet, wurden tüchtige Leute, die in Wolfurt einiges zu wege brachten, besonders als sie alle später mit der Stickerei zu Geld gekommen waren. Josef Anton Köb, gest. 1949, war Zimmermann. Er erbaute 1900 das Haus Bucherstraße 2. Von seinen Kindern erinnern wir uns besonders an Alfons in Bregenz, an den Gemeinderat Willi und an Frau Resi Rist. 26 Hilar Köb, gest. 1925, war Schreiner. Sein 1892 erbautes Haus (Auf dem Bühel 5) war nach wenigen Jahren abgebrannt. Da baute er es schöner im Jugendstil wieder auf. Von seinen Kindern wurde Engelbert nach dem Götte benannt. Engelbert Köb, gest. 1915, war Maler. Zuerst erbaute er 1890 ein Haus an der Bucherstraße (heute Nr. 3, Ciaessens). Dann erwarb er 1907 sein erstes Elternhaus, die alte Schmiede. Er brach sie ab und schmückte unser Dorf mit seiner schönen Villa «Lug aus». Über sein Leben berichtet der nächste Abschnitt. Villa «Lug aus» wurde von Engelbert Köb 1907 auf dem Platz der ehemaligen Dorfschmiede zwischen der Landstraße und der Bucherstraße erbaut. 27 Johann Köb, gest. 1938, war Bauer und Meßmer im zweiten Elternhaus (Auf dem Bühel 5). Als es 1911 abbrannte, baute er es neu auf. In zwei Ehen hatte er zusammen 17 Kinder. Davon nenne ich nur Köbo Tone, den Elektriker, und Frau Klara Bilgeri, aber auch Paula, Adelinde, Albert, Kaspar und Ludwig. Ludwig Köb, gest. 1943, Sticker und Standschützenhauptmann. Er erbaute 1893 das große Bürgerhaus an der Kreuzstraße (jetzt Nr. 1, Rohner). Er war kinderlos verheiratet und nahm seine Schwester Sefa, gest. 1952, zu sich. Albert Köb, gest. 1914, war ebenfalls Maler. Er erwarb 1902 die alte BildsteinSchmiede im Strohdorf und baute sie zu einer Stickerei um. 1911 begann er dort den Gemischtwarenhandel, den wir alle als «Molars Lado» in Erinnerung haben. 1899 war er einer der Gründer des Kathol. Arbeitervereins und ein wichtiger Funktionär. 1909 gründete er den christlich-sozialen Turnerbund, den er bis zum Weltkrieg führte. In dieser Zeit betrieb er auch den Bau des Vereinshauses. Als einer der ersten rückte der 42jährige Familienvater 1914 in den Krieg ein. Bei Przemysl ist er gefallen. Von seinen sechs Kindern nenne ich Paul, Vizebürgermeister und Turnerobmann, Martha, Albertina und s'Annele in Röthis. Werke von Weizenegger und die seines Urgroßvaters Mathias Schneider, aber auch die Chronik seines Vetters Ferdinand und die Arbeiten seines Oberfelder Freundes Kaspar Schwärzler, der die Geschichte der Ritter von Wolfurt erforscht und als erster im Völkskalender von 1898 darüber berichtet hatte. Köb schrieb auch über Hofsteig und hielt das Haus «Blazes Veres» Nr. 231 (heute Wurzer, Rutzenbergstraße 2) für den Hof zu Steig. Schon als 18jähriger interessierte er sich füt das Gemeindegeschehen: «1882. Die Gemeindekanzlei wird errichtet und Lorenz Schertler als Gemeindeschreiber angestellt. Oberlehrer W. Rädler hat das Hauptverdienst am Zustandekommen derselben. Bisher hatte der jeweilige Vorsteher alle Schriftstücke und Akten in seinem Hause herumzuliegen. Wenn dann ein anderer Vorsteher wurde, so wurden ihm auf Gerathewohl einige Körbe voll übergeben. Auf diese Weise giengen viele wichtige alte Aufschreibungen verloren.» Weil sein Vater, der Lehrer Köb, auch Mesner war, nahm Engelbert besonderen Anteil an der Umgestaltung der Kirche, die der neue Pfarrer Sieber begonnen hatte: «1882. Da der Friedhof vergrößert wird, so muß der Pfarrhof, welcher etwa 10 Meter nahe bei der Sakristei steht, auch weichen, er wird abgebrochen. Es war ein geräumiger Holzbau an sonniger Lage beim Tobel Stiegele. Ein großer Garten mit Laubengängen war dabei, und der ganze Bühel gegen das Tobel war mit Reben angebaut. Schreiner Lenz hat den Bau ersteigert, und in Rickenbach wieder aufgebaut. Bis zu dieser Zeit hatte jede Verwandtschaft ihre bestimmten Gräberplätze. Grabsteine waren bisher wenige, sondern meistens Schmideiserne Kreuze mit Thürlein. Pfarrer Sieber ließ diese Kreuze entfernen, er sagte: Im Sommer stand das Gras immer so hoch, das man kaum die Kreuzlein sah. Mein Vater als Meßner mähte von Zeit zu Zeit den Friedhof für unsere Gaißen ab. Diese Friedhof-Idylle verschwand jetzt durch Erweiterung anno 1882.» 1890 erhielt Engelbert vom Pfarrer einen besonders großen, ehrenvollen Auftrag. Für 1200 Gulden sollte er die ganze Kirche neu ausmalen. Er führte das Werk zur allgemeinen Zufriedenheit aus. Weil allerdings das Geld des Stifters ausblieb, mußte er warten, bis die Gemeinde die Kosten übernahm. Alte Fotos lassen uns bedauern, daß die kunstvollen Malereien im Jahre 1938 einfach übertüncht worden sind. 1892 zeichnete Köb den Plan für einen neuen Hauptaltar als Fassung für das große Flatzbild Maria Krönung. Gemeinsam mit seinem Bruder Hilar, dem Schreiner, führte er auch die ganze Arbeit durch. Nur die Stecharbeiten wurden an den Bildhauer Gaudel in Bregenz übertragen. 29 Engelbert Köb, Maler und Chronist «Lehrers» Engelbert war also dritte von sechs Buben. Er ist 1864 geboren. Als 17jähriger Malergeselle ging er vier Jahre auf die Walz nach Süddeutschland und anschließend drei Jahre zum Militär. 1890 heiratete er Theresia Fischer, «s'Ammas» im Röhle, und bezog mit ihr sein neues Haus an der Bucherstraße, wo sie ihm fünf Kinder schenkte. Ernst, der älteste, ist in Amerika gestorben. Hubert, den jüngsten, haben wir alle noch als den Besitzer der Villa «Lug aus» gekannt. Er ist 1988 gestorben. Engelbert Köb tat unendlich viel für unser Dorf Wolfurt, als angesehenes Mitglied mehrerer Vereine, als Maler und Kunstmaler, als erster Fotograf, vor allem aber auch als Erster Gemeinderat - Vizebürgermeister würde man heute sagen. Von 1903 bis zu seinem Tode 1915 hatte er die Stelle inne. Von besonderem Wert ist seine «Chronik über Wolfurt». Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Chronikschreiben in Mode gekommen. Sicher hatten daran die Aktivitäten des Museumsvereines, aber auch das Casino im Dorf und der Liberale Leseverein in Rickenbach ihren Anteil. Von den drei Schneider-Chroniken ausgehend schrieben jetzt neben Lehrers Engelbert auch der Altadlerwirt Fischer, der Kreuzwirt Haltmayer, der Müller Gunz und der Postmeister Böhler ihre Privat-Chroniken. Engelbert Köb kannte und zitierte die 28 Friedhof vergrößert und die Kirche innen renoviert. Er war auch ein sehr politischer Pfarrer, der der Casino-Bewegung gegen die Liberalen in Wolfurt endgültig zum Durchbruch verholfen hatte. 1902 Die Bregenzerwaldbahn wird eröffnet. «Es ist ganz merkwürdig, daß Wolfurt immer daneben kommt.» Zuerst bei der Fabrik, dann bei der Vorarlberger Bahn. «Die Wolfurter fürchteten, sie sei gefährlich wegen dem Vieh und es sei schade um die Felder.» Nun fuhr auch noch das Bähnle auf der falschen Seite der Ach. «Auf diese Weise bleibt Wolfurt immer zurück.» 1904 jubelt der Chronist über die Einweihung der neuen Brücke nach Kennelbach und anerkennt die Verdienste von Oberlehrer Rädler für dieses großartige Bauwerk. Im gleichen Jahr bestellte der neue Pfarrer Nachbauer die herrliche Bronzeglocken. Engelbert Köb war selbst beim Guß in der Firma Graßmayr in Feldkirch dabei und schildert alles ausführlich, auch daß der Pfarrer die 43.000 Kronen leicht aus Spenden der Sticker herein brachte. Nur «Die besseren Rickenbacher waren zu dieser Glockenanschaffung nicht gut zu sprechen und zahlten auch nicht dazu.» Die alten Glocken von 1805 mit der Inschrift: «Custodi nos Domine a Farne Peste et Bello» wurden am 14. Juli 1905 im Turm droben in Stücke geschlagen. «Ich habe dabei zugesehen, und es tat einem im Herzen wehe, wenn eine Glocke nach der anderen mit einem grellen Mißton zusammenbrach.» Das alte Bittgebet von Pest, Hunger und Krieg scheint dem Chronisten vertrauter gewesen zu sein als die romantischen Sprüche auf den neuen Glocken. («Ich bin die Glocken Königin und brumme über Wolfurt hin». Siehe Heimat 4, Seite 70!). Jedenfalls schweigt er sich über die neuen völlig aus. In den Jahren bis 1910 berichtet er nun vom Höhenflug und Absturz der Stickerei, aber auch von Schneeund Wassernot. (Siehe Heimat 5, Seite 35f!). 1911, 29. Oktober Einweihung des neuen Friedhofs mit den schönen Arkaden. Die Kosten von 32.000 Kronen wurden bei der Versteigerung der Arkaden fast voll hereingebracht. Eine Arkade kostete 600 bis 1000 Kronen. Die Pläne von Architekt Rusch in Bregenz hatte der Maurermeister August Klien ausgeführt. Die Pfarrkirche wurde von Engelbert Köb 1890 ausgemalt. Auch die Altäre entwarf er. Links sieht man die Grödner Krippe von 1913. Um die Jahrhundertwende ist der Maler Köb vom Elektrischen Licht und von der Einführung der Stickmaschinen ebenso begeistert wie seine Brüder, die zu den ersten gehören, die sich in Wolfurt «Frankenmühlen» anschaffen. (Siehe Heimat 5, Seite 34!) Schon 1896 und 1897 hatten die Gebrüder Gunz für ihre Mühle und Doppelmayr für seine Schlosserei ein E-Werk gebaut. Ihre Rechte am geplanten Kraftwerk Schwarzach und am Netz Schwarzach-Wolfurt traten sie 1899 an Albert Loacker ab. Bald betrieben nun die vielen Sticker in Wolfurt, angeführt von den Brüdern Köb und ihrem Schwager Bildstein, ihre Maschinen mit Elektromotoren. Wegen einiger Störungen kam es zu Differenzen, die Friedrich Schindler mit seinem Kraftwerk Rieden noch schürte. Als Erster Gemeinderat leitete Engelbert Köb gemeinsam mit Wendelin Rädler die Verhandlungen, die schließlich mit einem alle Seiten befriedigenden Ausgleich endeten. 1901 berichtet Köb, daß Wolfurt nun 2070 Einwohner hat, davon sind 239 italienische Fabriksarbeiter. 1902 erzählt er vom 50jährigen Priesterjubiläum des Pfarrers Joh. Georg Sieber (1826-1902). Die Gemeinde ernannte den greisen Priester zum Ehrenbürger. Sieber hatte nicht nur den Pfarrhof neu erbaut, den 30 31 In die Berichte über Feste, Theater und Aufbauleistungen mischt sich zu Weihnachten 1912 plötzlich ein fremder schriller Ton: «Grüne Weihnachten. Der Vollmond scheint so schön auf diese krumme Welt herunter, als ob hier alles in Ordnung war, dieweil spuckts gewaltig mit dem Frieden auf Erden. Man redet von einem Krieg Österreichs mit Serbien und ist, wie es scheint, schon auf beiden Seiten gerüstet. Die Geschäfte gehen sehr schlecht. Die Fabriken verkürzen die Arbeitszeit und entlassen Arbeiter. Die Stickerei ist ebenfalls ganz auf dem Hund wie noch nie.» Das Jahr 1913 wurde ein Notjahr: Arbeitslosigkeit griff um sich. Ein Frost vernichtete die gesamte Obsternte. Der Rickenbach überschwemmte mehrmals das Ried. Maul- und Klauenseuche befiel die Rinder. Fünf Häuser brannten nacheinander ab. Ein Lichtblick am Jahresende: «Die Kirche Wolfurt erhielt eine neue Krippe, gespendet von Jungfr. Franziska Dür. Diese Krippe wurde in Gröden gemacht und soll 1200 Kronen kosten.» «1914. Für die Gemeindekanzlei wurde eine Schreibmaschine angeschafft und Telefon eingerichtet.» Der Maler Engelbert Köb verschweigt bescheiden, daß er selbst den Ölberg so schön ausmalte, daß fast 80 Jahre lang viele 100 Wolfurter Kinder andächtig diese Szenerie bewunderten. Um diese Zeit stand er auf dem Höhepunkt seiner Malkunst. Mit ungeheurem Aufwand hatte er seine Villa «Lug aus» zu einem Schmuckkästchen ausgemalt. Herrliche Ölgemälde mit Wolfurter Motiven schmücken die Wände. Solche Wandbilder malte er nun auch für die Gaststuben im Schwanen und im Rößle. Im Eingang der Klöpplerei Fischer bewunderten wir das herrliche Schloß «Miramare», das der unglückliche Kaiser Maximilian von Mexiko für seine Frau Charlotte bei Triest erbaut hatte. Auch eine Reihe von gerahmten Ölbildern und Aquarellen sind erhalten. Engelbert Köb hatte sich auch den ersten Fotoapparat in Wolfurt angeschafft. Seine Aufnahmen vom Dorfgeschehen sind wertvolle Zeitdokumente geworden. Ein Teil seines Plattenarchivs ist im Fotobuch «Wolfurt in alten Bildern» veröffentlicht worden. In Köbs Aufzeichnungen tauchen immer wieder die Wolfurter Vereine auf, in denen er und seine Brüder vielfach führend tätig waren. Als Gemeinderat waren sie ihm ein großes Anliegen. Wenn er sie im Jahre 1912 aufzählt, ist ihre Reihenfolge bezeichnend für jene Zeit: «Militär-Veteranen-Verein Standschützen Musik Verein Gesang Verein Feuerwehr Kath. Arbeiter Verein Zwei Turn Vereine Bienenzucht Verein Obstbau Verein Jugendhort Handwerkergenossenschaft Stickerbund Pius Verein Mütter Verein Jungfrauen Congregation Zwei Consum Vereine Zwei Spar- und Vorschuß Vereine Zwei Sennerei Genossenschaften Dann kommen noch Viehzuchtgenossenschaft und noch manches andere.» In den Krieg! Schreibmaschine und Telefon: «in unser verlaßenes Dorf am Steusberg», Symbole einer neuen Zeit, die des Chronisten geliebte stille Heimat nun bald schrecklich aufwühlen wird. Am 1. Juli 1914 rückten Musik, Veteranen und Schützen mit der gesamten Bevölkerung zur Trauerfeier für den in Sarajevo ermordeten Thronfolger aus. Nach dem Gottesdienst spielte die Musik auf dem neuen Friedhof das «Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!» «31. Juli 1914. Es ist 6 Uhr früh. Stöaglers Seppl, der Gemeindediener, steht schon am Kirchplatz und schellt aus Leibeskräften. Es sind noch wenige Leute zu sehen. Von der Kirchenstiege kommen etliche Frauenspersonen aus der Frühmesse. Der Todtengräber Sepp kommt mit langen Schritten vom Tobel herunter, um zu sehen, was schon los ist. Nachdem etliche Personen gekommen waren, zeigt der Gemeindediener auf einen großen Zettel an Hansens Haus und sagt: 33 1912 fand die erste Viehausstellung in Wolfurt statt, bei der 140 Stück aufgetrieben wurden: «Es sah aus wie halber Feiertag. Nach der Prämierung war Umzug mit den prämirten Thieren. (Strohdorf - Hub). Selbverständlich that die Musik beim Umzug auch mit, denn ohne Musik festet der Wolfurter überhaupt nicht.» 32 Die Krieger waren durchwegs in gehobener Stimmung, mancher hatte sich Muth angetrunken, um sich den Abschied zu erleichtern. Musik und Veteranen waren ebenfalls gekommen, um die Scheidenden bis Bregenz zu geleiten. Jetzt wars Zeit zum Abmarsch. Die Krieger riefen nochmals Abschiedsworte und schwangen die Hüte. Dann hieß es: Doppelreihen, rechts um, Marsch! und hinaus giengs zum Dorf unter den flotten Märschen der Musik. Man stimmte wohl auch Lieder an, doch hatte es damit.» Köb schildert dann noch die Stunden des Abschieds am Bregenzer Bahnhof und schließt: «Als der Zug in der Ferne verschwunden war, wischten sich viele der Zurückgebliebenen verstohlen die Augen und sagten sich: Mancher, mancher wird nicht mehr kommen . . . » Es folgt ein genaues Verzeichnis der 100 Männer, die am 1. August aus Wolfurt direkt an die Front nach Serbien oder nach Galizien einrückten. Die ältesten vom Jahrgang 1972 waren 42 Jahre alt, die jüngsten (1893er) 21 Jahre. Freiwillig rückte der 19jährige Josef Mohr mit ein. Nur wenige waren Kaiserjäger, die meisten Wolfurter hatten ihre dreijährige Militärdienstzeit in den Garnisonen Südtirols und Trients als Kaiserschützen abgedient. Nun wurden ihre Kompagnien in den Angriff auf Serbien geführt oder den vorrückenden russischen Armeen entgegengeworfen. Sie erlitten furchtbare Verluste. Nach einem halben Jahr hatte der Chronist schon zu vielen Namen geschrieben: gefallen, vermißt, in russischer Gefangenschaft. Darunter waren etliche Familienväter mit 5, 7 oder 8 Kindern. Schrecklich hatten sich die düsteren Ahnungen bewahrheitet. Auch daheim hatte sich vieles verändert: «Mitte August 1914. Es hat plötzlich aller Verdienst aufgehört; die Stickereien sind alle geschlossen. Selbst die Kennelbacher Fabrik beschäftigt ihre Leute nur noch 3 Tage in der Woche. Die Leute sind sehr niedergeschlagen und traurig. Man hat noch nie so viel gebetet wie jetzt.» «21. August 1914. Es wird die schwarze Fahne vom Kirchturm ausgehängt. Papst Pius X. ist gestern gestorben. Die Leute sagen: As kut doch Alls z'sämmet.» Durch kaiserlichen Erlaß wurden nun die Sportschützen, die nach alter Vorarlberger Tradition auf ihren Dorfschießständen gelernt hatten, mit dem Gewehr umzugehen, über Nacht in Militärverbände umgewandet und zur LandsturmReserve erklärt. 35 Jetzt wurde es aber auf einmal lebendig im Dorfe. Man rennt hin und her und überall stehen Leute beieinander und überall heißt es Radfahrer und Fußgänger eilen in die Gemeindekanzlei und fragen: Auf dem großen Zettel steht, daß auch der Landsturm bis zu 42 Jahren einrücken muß, aber man kennt sich nicht recht aus. Über telefonische Anfrage bei der Bezirkshauptmannschaft kam die Weisung: Jeder, der im Besitz eines Militärpasses ist, hat einzurücken. Jetzt gabs große Aufregung. Bis jetzt hatte man den Landsturm nicht so ernst genommen. Der junge Theil der Mannschaft war Frohen Mutes, die Älteren jedoch, besonders die Verheirateten, nahmen die Sache schon ernster, waren aber auch nicht verzagt. Man dachte nicht, daß der Landsturm schon so bald den Russen gegenüber stehen würde. Man meinte, man habe es nur mit einem Häuflein Serben zu thun, da Rußland den Krieg noch nicht erklärt hatte. Einen wehmütigen Eindruck machte es auch, als man mit den 16 kriegspflichtigen Rossen zum Dorfe hinaus gallopirte. Jedes mußte ein Komat mitbringen, und hatte für 2 Tage Futter auf den Rücken gebunden. Für diese Rosse zahlte der Staat 21.000 Kronen Entschädigung. Abends und in der Früh giengen die Krieger noch zu den hl. Sakramenten. Ein Landstürmler sagte: gehts lebhaft zu. In der Gemeindekanzlei ists nun ruhiger geworden. Ab und zu kommt noch einer und wieder trifft man einen mit verweinten Augen. Man einigt sich, Nachmittag 4 Uhr miteinander abzumarschieren und in Bregenz zur Bahn zu gehen. Beim war Sammlung. Jeder hatte einen vollgepackten Rucksack auf dem Rücken. Der Platz vor dem Sternen war voll Menschen, da viele Angehörige, sowie Mütter mit den Kindern ebenfalls gekommen waren, die Krieger noch einmal zu sehen. Manche Frauen und Kinder weinten. Pfr. A. Nachbauer hielt vom Gangfenster aus eine feurige Ansprache an die Scheidenden und forderte sie auf, für Gott, Kaiser und Vaterland in den Krieg zu ziehen. Hierauf wurde auf den Kaiser ein Hoch ausgebracht, in welches alles begeistert einstimmte. 34 Wolfurt und Kennelbach wurden zu einer Kompagnie zusammengefaßt, Wolfurt trug 95 Männer in die Listen ein, Kennelbach 60. Landeshauptmann Rhomberg kam am 21. August 1914 nach Wolfurt und nahm im neuen Vereinshaus die Vereidigung der Kompagnie Wolfurt-Kennelbach vor. Anschließend wurden - ganz anders als sonst beim k.u.k. Militär - die Offiziere von ihren «Soldaten» gewählt. Hauptmann wurde Ludwig Köb, Lehrers; Oberleutnant Leo Wolf aus Kennelbach; Leutnant Johann Georg Hohl (HohloSchnidar). Aber kaum einer rechnete damit, daß er wirklich an die Front müßte. «27. August, Gebhardstag. Kriegsprozession. Solange der Gebhardsberg steht, war wohl nie eine so große Menge Menschen dort oben. Es kamen Prozessionen 6 Stund weit her zu Fuß.» Jetzt wurden Lebensmittel gehamstert. Mühlen und Läden waren ausverkauft. Auch alles Münzgeld war verschwunden, in das Papiergeld setzten die Leute kein Vertrauen mehr. Die Welschen-Arbeiter wurden entlassen. Viele Sticker suchten Arbeit bei der Rickenbachregulierung. Im Oktober ging die Kennelbacher Fabrik mit der Erzeugung von Verbandstoffen wieder voll in Betrieb. Der Staat sammelte Edelmetall unter dem Schlagwort «Gold gab ich für Eisen.» In Wolfurt kamen 25 Eheringe, 20 goldene Ringe, 15 goldene Broschen, 26 Paar Ohrringe und verschiedener anderer Schmuck zusammen. «17. Oktober 1914. Heute wurde für den ersten Wolfurter, welcher den Tod fürs Vaterland starb, Gottesdienst gehalten. Einjährig Freiwill. Korporal Joh. Georg Kirchberger fiel am 30. September in einem Gefecht bei Pordorzin, Galizien, durch Brustschuß im Alter von 22 Jahren. Er studierte Juri und war auch ein ausgezeichneter Musikant.» Zum Gottesdienst waren auch Landeshauptmann Adolf Rhomberg und der spätere Bundeskanzler Dr. Ender nach Wolfurt gekommen. Als in den folgenden Monaten immer häufiger im ganzen Land die Glocken zu Totenmessen riefen, war ihnen das nicht mehr möglich. Immer mehr Männer, auch jüngere Jahrgänge, wurden nun nachgemustert und eingezogen. «Weihnachten im Kriegsjahr 1914. Friede den Menschen auf Erden. - Millionen Soldaten stehen im Felde. Seitdem Krieg ist, sind die Menschen viel erträglicher miteinander; Streitigkeiten und politischer Zank haben aufgehört. Man hat jetzt nur noch einen Wunsch: Wenn nur der Krieg aus wäre.» «In Lauterach sind einige hundert Flüchtlinge (Ruthener) aus den von den Russen bewohnten Grenzgebieten Ungarns und Bukowina angekommen. Sie wurden in der Kaserne untergebracht.» 36 «Mitte Jänner 1915. Da hier keine Arbeit und kein Verdienst ist, so sind einige Wolfurter nach Wälschtirol gegangen. Es werden dort viele Leute angestellt, um gegen den
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_..._Nove Wolfurt 01.11.1990 19.11.2012, 18:30 Heft 6 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 90 Im Dorf. Die Fronleichnamsprozession mit Kirchenchor, Schützen und Musik. Die Gemeinderäte tragen den Himmel. Links der «alte» Schwanen mit dem großen Sandsteinbrunnen am Dorfbach, rechts der neue Schwanen. Im Hintergrund die Waschhütte. Inhalt: 18. 19. 20. 21. 22. 23. Das Wolfurter Kirchdorf (Heim) Häuserverzeichnis 1926 Sozialstrukturen (Volaucnik) Wasser und Wald (Heim) Aus Großvaters Tagebuch (Ferdinand Schneider) Spatzecklo (Heim) Zuschriften Zu «Kriegsende 1945» (Heft 3/36) ist noch ein Brief eingegangen. Sicher wüßten andere Wolfurter noch mehr zu erzählen: Auch ich habe die letzten Kriegstage so in Erinnerung, daß die französischen Flieger im Tiefflug aufalles schossen, was sich da unten bewegte. Ob Radfahrer oder Kinder, es wurde einfach geschossen. Und so erlebte ich einen der Tagesangriffe. Wir Flotzbächler Buben, 12—14jährig, waren an diesen letzten Kriegstagen immer unterwegs. Die Jabo's (Jagdbomber) warfen nämlich nicht nur Bomben, sondern auch Flugblätter ab, auf die wir Buben natürlich scharf waren. Nun muß ich für alle Wolfurter, die damals noch nicht auf der Welt waren oder noch nicht in unserer Gemeinde wohnten, etwas ausholen. Die Unterhubstraße, das ist die Straße vom ehemaligen Doktor-Haus bis zum Hause Herburger (Fa. Stark), war damals nur ein kleiner staubiger Weg, beidseitig eingesäumt von hohen Hecken. Weit und breit aber kein einziges Haus, nur eine riesige Wiese und ein paar Äcker. Ausgerechnet über dieser Wiese flatterten die Flugblätter auf uns herab. Erwartungsvoll schauten wir Knirpse (Gasser Arthur,SchwerzlerKarl und ich) nach oben, als plötzlich einer von uns aufgeregt schrie: «Die Flugzeuge kommen zurück!» Tatsächlich wendeten sie nach dem Abwurf der Blätter über Rickenbach und stießen nun direkt aufuns herunter. Blitzschnell sausten wir in Richtung Straße, zu den kleinen Bäumen, um dort Schutz zu suchen. Wir standenja wie Zielscheiben ohnejede Deckungsmöglichkeit mitten aufder Wiese. Kaum lagen wir angstzitternd mit eingezogenen Köpfen hinter den Bäumen, als die Bord-Maschinengewehre schon zu hämmern begannen. Hinterher prasselten die leergeschossenen Patronenhülsen durch das Geäst auf uns herunter. Viele Jahre habe ich einige dieser Hülsen aufbewahrt. Wir Buben hatten Glück. Niemand wurde verletzt. Kein Glück hingegen hatte die damals 15jährige Luise Bilgeri, die bei diesem Angriff tödlich getroffen wurde. Ludwig Schwärzler DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1961 in Bregenz. Er hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Nach seinem Geschichtestudium betreut er jetzt das Industrie-Archiv in Feldkirch. Ferdinand Schneider, 1845—1917, Wolfurt. Fabriksarbeiter, Musikant, Schauspieler, Chronist. Die Bilder sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Serie «Wolfurt in alten Bildern», 1983 Berichtigung In Heft 5 muß die Inhaltsangabe auf der Titelseite berichtigt werden: 15. Auswandererschicksale (Heim) Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt 1 Siegfried Heim Das Kirchdorf Wolfurt Auszug aus einem Vortrag im März 1990. Dritter Teil der Serie Geschichte nach «Pfarrkirche» (Heft 4/54) und «Schlösser» (Heft 5/3). Unser Kirchdorf hat sich in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Es hat viel von seiner Bedeutung eingebüßt. 1. Schon seit 1870 hat es durch den Bau von Schule und Gemeindeamt im Strohdorf einen Konkurrenten erhalten, der später mit Vereinshaus und Post als weltliches Gemeindezentrum das Dorf weiter hinter sich ließ. 2. Die Kirche hat an Boden verloren. Nur mehr 30 % der Wolfurter besuchen die Gottesdienste. 3. Der Autoverkehr hat den Kirchplatz zerstört. Er ist kein Platz mehr, wo sich Wolfurter bei Gespräch, Spiel oder Versammlung treffen. Gasthäuser und Geschäfte wurden verlegt, der Brunnen abgebrochen. Gastarbeiter bewohnen die alten Häuser. Wir hören von Bemühungen um die Wiederbelebung des Dorfes und haben die Pläne gesehen. Wenn sie verwirklicht werden sollen, sind dazu Dörflerstolz, Traditionsbewußtsein und viel Mut notwendig. Kirchdorf und Bütze um das Jahr 1938. Eng drängen sich die alten Bauernhäuser um den Brunnen am Fuß der Kirche. Ein riesiger Obstwald und blumige Wiesen erstrecken sich bis ins Wida. Der Großteil der Mark wurde aber von allen Bauern in Dreifelderwirtschaft gemeinsam bebaut. Die drei Esche waren mit einem Zaun gegen «trib und trat» des Weideviehs geschützt. «Vällenthörer», das sind große Gattertore, ermöglichten den Zugang. Sie bestanden noch bis zur Auflösung der Dreifelderwirtschaft im 18. Jahrhundert. Eines weist der alte Brunnenbrief beim Haus Bregenzerstraße 6 («Hannes Franz») nach, welches noch um 1800 das nördlichste Haus des Dorfes war. Nach Westen endete das Feld ursprünglich bei Bütze- und Unterlindenstraße. Dort sollen nach der Überlieferung zur Pestzeit die Toten am Feldrain bestattet worden sein. Die jetzige Kreuzstraße hieß früher «Feld»-Straße. Als auch die Unterfelder westlich der Bützestraße kultiviert worden waren, wurde das zweite Vällenthor an das untere Ende der «Berg»-Gasse (heutige Kellhofstraße) verlegt. Markgenossenschaft Der Gotenkönig Theoderich hatte um 500 n. Chr. die vor dem Frankenkönig Chlodwig fliehenden Alemannen im Land um den Bodensee aufgenommen. Eine Hundertschaft überquerte die Ach und ließ sich an der alten Römerstraße am Fuß des Steußbergs nieder. Hier gab es genug Holz zum Bau von festen Häusern und zwischen Berg und Sumpf auch guten Boden für Getreideäcker. Das unentbehrliche Wasser lieferten die Waldbäche selbst in der Sommerhitze und in den Frosttagen des Winters. So drängte sich bald eine Gruppe von alemannischen Einraumhäusern im Tobel und am «Roa», wo die alte Römerstraße vom Oberfeld her den Talrand erreichte, nahe an den Tobelbach. Zu jedem Haus gehörte das «ehaft gut», eine eingezäunte Bündt für Obst, Reben und Flachs. 2 Kellhof des Königs 742 mußten sich die inzwischen christianisierten Alemannen doch noch den übermächtigen Franken unterwerfen. Fränkische Grafen übernahmen die Herrschaft. In Wolfurt entwickelten sich die beiden Herrschaftshöfe «zu staig» in Rickenbach und «kelnhof» am Tobelbach zu selbständigen Gerichten. Sie zogen immer mehr Besitz und unfreie Leute an sich. Ein Ammann verwaltete den Hof für den Grafen. Er sprach Recht und führte die waffenfähigen Männer an. 3 Von den Bregenzer Grafen fiel der Kellhof 955 an die Pfullendorfer Linie und 1167 an den Stauferkaiser Friedrich Barbarossa. Lange Zeit blieb er nun als selbständiges Gericht und Königsgut ein Fremdkörper im Hofsteiger Besitztum der Montforter Grafen. Zu seinem Selbstbewußtsein trug auch die Kapelle St. Nikolaus auf dem Rain bei, die die Pfullendorfer für ihren Hof gestiftet hatten. Viele freie Bauern unterstellten sich der Schutzherrschaft des Hofes oder auch des nahen Klosters Mehrerau. Ihre freiwillig abgetretene Habe erhielten sie als «Lehen» von ihrem Herrn wieder anvertraut, nur mußten sie jährlich eine Abgabe zahlen. Der «Großzehent» bestand in jeder zehnten Gabe von Vesen und Hafer, auch von Heu, und jedem elften Maß Wein. Der «Kleinzehent» wurde von Kälbern, Gänsen, Enten, Hühnern, Äpfeln, Birnen, Rüben, Bohnen, Erbsen, Nüssen, Hanf und Flachs genommen, aber auch von Milch, Butter, Käse, Eiern, Honig und Wachs. Statt in natura wurde der Kleinzehent später in bar oder durch Frondienst abgegolten. Daneben gab es noch andere drückende Steuern. Die schwerste war der «fal», der beim Ableben des Familienältesten «fällig» wurde, meist als «besthaupt» im schönsten Pferd oder Rind aus dem Stall und als «häsfal» im besten Kleid aus dem Kasten. Für diese Abgaben bot der Hof aber mehr als nur Schutz in Kriegszeiten. Er zwang unter Leitung der erfahrensten Männer das Dorf zu einer Gemeinschaft wie in einer großen Familie. Er verlieh Pflug und Wagen. Er stellte den Kessel, in dem der Hafer zum Enthülsen gesotten wurde, und die Mühle am Tobelbach. Der Hof hielt für alle im Dorf Hengst, Stier und Eber. Er bot auch Gastfreundschaft. Er stellte Herberge und Wirtshaus für Wanderer, Bettler und Landfahrer. Auf einem umzäunten Platz bestand die Möglichkeit zur Rast für Mann und Pferd. Der Hof stellte den Dorfschmied, den Metzgerzuber und die Badgelte. Ihm gehörte der Weintorggel. Der Hof besaß auch ein Armenhaus und versorgte die Waisenkinder. Er verlieh und kontrollierte Maße und Gewichte. So fand der Zehent vielfältige und nützliche Verwendung (nach Bilgeri in «Holunder» 1932/35). Vom Kellhof führte ein Säumerweg über Oberbildstein und die «Roßgasse» nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den freien Reichspfarren im Hinterwald . Der Montfort-Mehrerauer Teil des Bregenzerwaldes war schon früher von Hofsteig aus über Schwarzach-Farnach erschlossen worden. Barbarossas Sohn Heinrich schenkte 1226 die Kapelle St. Nikolaus an das Kloster Weißenau bei Ravensburg. Der Kellhof wurde mehrfach verpfändet. 1458 kauften ihn die reichen Grafen von Hohenems. Sie musterten nunmehr die Kellhofer Burschen in der Tanzlaube an der Kirchstiege und hielten dort Gericht! Durch Erbteilungen und Käufe waren die Gebiete von Hofsteig und Kellhof völlig ineinander verwachsen. Zum Kellhof gehörten jetzt 200 Leibeigene. 1603 führte Amann Bastian Kölnhofer 55 Männer zur Musterung nach Ems. 4 Kirchdorf am Steußberg Das Gericht Hofsteig mit Rickenbach und Schwarzach hatte längst seinen Hauptsitz nach Lauterach verlegt. Es war 1451 mit Bregenz an Habsburg-Österreich gekommen. Gemeinsam mit den emsischen Kellhofern errichteten die Hofsteiger 1512 eine selbständige Pfarrei Wolfurt. Abwechselnd durfte einmal das Kloster Mehrerau, dann wieder das Kloster Weißenau den Pfarrer stellen. Jetzt wurde die Tanzlaube bei der Kirche ein wichtiges Zentrum für die Leute von der Ach bis zur Schwarzach und für Bildstein und Buch. 1517 errichteten die Bewohner des Dorfes hier den ersten Dorfbrunnen. Durch hölzerne Düchel leiteten sie das Quellwasser vom Weinberg des Schloßherrn Jakob von Wolfurt her. Die Vällenthörer und die gemeinsamen Getreide-Esche erwiesen sich bei der Zunahme der Wohnbevölkerung nun immer mehr als Fessel. Um 1720 erzwang der einsetzende Anbau von Mais und Kartoffeln die Verteilung der Felder. Einzelne Bauern versetzten jetzt ihre Häuser aus dem engen Dorf in die neuen Felder. Der Pfarrer nennt sie im Seelenbeschrieb von 1760 «translata» oder «delocata». Reichere Bauern errichteten neue Höfe außerhalb des Dorfzauns im Röhle und in der Bütze. 1765 war der Kellhof mit Hohenems schließlich doch auch zu Österreich gekommen. Vier Wolfurter Bürger kauften 1771 die letzten Kellhofgüter, darunter den großen, von einer Mauer gegen den Tobelbach geschützten Weingarten in der Bütze, aus der Emser Herrschaft frei. Als erster baute ein Haltmayer-Sohn aus dem Dorf im Jahre 1800 ein Haus in die westlichste Ecke des Weingarten (heute Heims in der Bütze). Das zweite baute 1806 der Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider an die «Berggasse». Es war das spätere Rädlerhaus, das samt der Bütze-Mauer 1976 für die Geschäfte an der Kellhofstraße abgebrochen wurde. Vor der Mauer war noch genug Platz für die riesigen Holzstapel der Laute racher und Harder Bauern. Hier lagerten sie ihr Ippach-Holz, um es bei guter Schlittbahn oder auf schweren Blockwagen nach Hause zu führen. Der alte Brunnen bei der Tanzlaube und der 1811 errichtete «Kleine Brunnen» an der Kreuzstraße waren wichtige Treffpunkte der Dorfgemeinschaft. Jeden Morgen und Abend trieb jeder Bauer sein Vieh hierher zur Tränke. Ein paar Holzkübel voll Wasser wurden für den täglichen Bedarf in die Küche getragen. Bei gutem Wetter besorgten die Frauen am Brunnen und am Bach ihren Waschtag, bis eigene Waschhütten erstellt wurden. Für die Kinder und die Jugend des Dorfes waren Brunnen, Bach und Tanzlaube Mittelpunkt ihrer Spiele. Wegen unliebsamer Vorkommnisse bestanden die Nachbarn und der Pfarrer 1830 auf dem Abbruch der Laube. Rundum waren inzwischen Gasthöfe entstanden. In ihren Sälen gab es Fasnatunterhaltung, Theater, Hochzeits- und Totenschmaus. Aber auch Gemeindevertretungssitzungen und Musikproben wurden im Schwanen-, Rößle- oder Engelsaal abgehalten. 5 lungen geschlossen, die Brunnen abgebrochen, die Plätze dem seit 1955 einbrechenden Autoverkehr überlassen. 1953 hatte die Gemeinde mit ihrem Wasserwerk die Möglichkeit zur Erschließung und Zersiedlung der umliegenden Felder und Bühel geschaffen. Zwei Jahrzehnte lang lag Wolfurt an der Spitze der Zuwachsraten in Vorarlberg und verdreifachte seine Häuserzahl. Die alte Römerstraße am Berghang vermochte den Autoverkehr nicht mehr zu fassen, der Durchzugsverkehr wurde 1964 auf die neue Straße in der Bütze verlegt. Aber auch der Quell verkehr von den nahen neuen Siedlungen genügte, um die Lebensqualität am Dorfplatz entscheidend zu mindern. Die Jungen siedelten in ruhigere Eigenheime ab. Investitionen in die alten Häuser erschienen fragwürdig. Sie wurden vielfach Gastarbeiterfamilien überlassen, verwahrlost und abgewohnt. Manche stehen heute leer oder fast leer, einige wurden abgebrochen, nur wenige neu erstellt. Nur ein großzügiges Revitalisierungsprojekt kann das 1000jährige Kirchdorf noch retten. Das Kirchdorf 1760 (Zur folgenden Skizze) Das Rößle um 1910 an der alten Kirchstiege. Gasthaus, Bäckerei, Handlung, Theater- und Tanzsaal, Casino. Dort, wo der neue Lampenmast steht, wurde bis 1830 in einer Tanzlaube am Dorfbach Rat gehalten. 1982 wurde das Rößle abgebrochen. Auf dem Kirchplatz hielt die Bürgermusik ihre Platzkonzerte. Hier sammelten sich die Turner zu ihrem Festaufmarsch. Von hier aus zogen die Standschützen 1915 an die Dolomitenfront, hier standen die Dorfvereine bei den vielen Heldenehrungen des zweiten Weltkrieges. Es wechselten die Fahnen an der Kirchstiege, aber immer waren Dorf und Kirchplatz von regem Leben erfüllt. Im «Seelenbeschrieb» von 1760 legte Pfarrer Josef Andreas Feurstein erstmals ein numeriertes Häuserverzeichnis an, das zusammen mit späteren Landkarten eine Übersicht über das Dorf ermöglicht. 57 Häuser gehörten zum Kirchdorf. Kirche (K), Tanzlaube (T) und Pfarrhof (Pf) sind ohne Nummer. Vom Dorfplatz stieg die Landstraße steil auf den Bühel. Sie führte den Verkehr zur Achfurt und nach Bregenz. • Die Numerierung beginnt bei der Kirche: Nr. 1—6 «Auf dem Bühel». Die Köb-Häuser (1 und 2) sind 1911 abgebrannt. An der Stelle der Dorfschmiede (3) steht heute die Villa «Lug aus». Das Kinzhaus (4) ist 1880 abgebrochen worden. Erst 1839 entstand hier das Kaplanhaus. Nr. 7—13 waren die sieben Häuser «Zur Ach». Sie zählten nicht zum Dorf. Nr. 14—18 «Im Röhle». Das damals neue Haus 14 (Hannes Franz) stand bereits außerhalb des Vällenthores. Nr. 16+17 mußten 1826 der großen Haltmayer-Gerbe weichen. Dort steht jetzt der neue Gasthof Engel. Die wichtige «Bregenzerstraße» entstand erst nach 1810. Nr. 19—25 «Im Loch». Mit sechs Häusern dicht verbaut. Nr. 26—33 «An der Berggaßen». Aus der Enge des Dorfplatzes wurde das oberste Haus 26 schon etwa 1780 ans untere Ende der Berggasse (heute Mohr Zita) übertragen. Nr. 27 mußte 1860 dem «neuen» Schwanen weichen, Nr. 28 («Filitzos») wurde 1895 für den Schwanengarten abgebrochen. Nr. 29 («Veres» — Höfles) stand noch bis 1980. Nr. 30 («Stülzes») stand Das Kirchdorf zerfällt Die Gemeinde Wolfurt besaß im zwei Kilometer entfernten Rickenbach, das sich aus dem alten Weiler Steig zu einem selbstbewußten eigenen Dorf entwickelt hatte, ein zweites kleineres Zentrum. Auch hier gab es Dorfbrunnen, Gasthöfe, einflußreiche Gerwerbebetriebe und dörflichen Zusammenhalt. Im Wettbewerb der beiden Dörfer wurde ab 1870 der dazwischen liegende Weiler Strohdorf der lachende Dritte. Zwar war es den Rickenbachern 1830 nicht gelungen, eine neue Kirche hierher «in die Mitte» zu bauen, wohl aber wurde 1872 die neue Schule mit dem Gemeindeamt hier errichtet. Es folgten die Post, das Vereinshaus, auch Handelsgeschäfte und schließlich die Hauptschule mit den großen Sporthallen. Die Abwanderung der öffentlichen Einrichtungen ins Strohdorf hatte die Verödung von Kirchdorf und Rickenbach zur Folge. Nach und nach wurden Gasthöfe und Hand6 7 ursprünglich ganz einsam außerhalb des westlichen Vällenthores (V). Im Haus 31 lebte bis 1797 der einflußreiche Kloster-Ammann Nikolaus Müller, von dem es noch heute den Namen «Sam-Müllers» trägt. Nr. 33 war das einzige Gasthaus im Dorf, der «alte Schwanen». Hier tagten die Dorfverwalter. Der Wirt Joh. Georg Reiner trat in der Bayernzeit als «Amtsverweser» an den Platz des früheren Ammanns. Nr. 32 läßt sich nicht mehr lokalisieren. Da die «Berggasse» vom Dorfbrunnen bis zum großen Kellhofweingarten führte, trägt sie heute zu recht den Namen Kellhofstraße. Nur ihre steile Fortsetzung beim Kriegerdenkmal wird im Volksmund weiterhin Berggasse genannt. Nr. 34—37 «An der Feldgaßen». Heute heißt sie «Kreuzstraße». Das Haus 34 ist erst im Jahre 1879 zum Gasthof «Lamm» erweitert worden. Nr. 38—40 «Im Gäßele». Das Haus 38 ist 1911 abgebrochen worden. Nr. 41—44 «Im Tobel». Zum schon vor 1800 verschwundenen Haus 41 gehörte vermutlich die Kellhof-Mühle. Nr. 45—46 «An der Kirchstiegen». Das große «Hanso Hus» Nr. 45 war der einzige Kaufladen im Ort. Nach den Gottesdiensten stand er auch den Leuten von Buch und Bildstein offen. Der Besitzer Anton Bildstein war «Balbierer» und «Chirurg». Nr. 46 wurde erst 1850 zum «Rößle» umgebaut. Nr. 47—62 «An der Kirchgaßen». Heute heißt sie «Kirchstraße». Auch hier ist das erste Haus 47 direkt beim Dorfbrunnen schon um 1810 verschwunden. Nr. 51 wurde 1806 in der Bütze (bei der Rittergasse) neu aufgestellt. Andere Bauherren nützten aber bald den freien Platz. Das «Girschke»Haus 52 wurde etwa 1975 abgebrochen. 53 und 54 («Stenzlers») ist eines der wenigen erhaltenen alten Doppelhäuser, die beweisen, wie rar die Bauplätze im Dorf schon um 1750 waren. Daher hatten der reiche Rohner (57) und die beiden mächtigen Schneider (61 und 62) ihre neuen großen Häuser in das Getreidefeld gestellt. Nr. 57 ist 1869 abgebrannt, erst 1893 erbaute Lehrers Ludwig hier ein anderes. Die Schneiderhäuser sind miteinander 1907 abgebrannt. Nr. 63 «Auf der Halden» ist das letzte Haus, das noch zum Kirchdorf zählte. An ihm vorbei führte der alte Reitweg zum Schloß und ins Holz. Links waren damals noch ein zum Schloß gehöriger Weinberg und die älteste Quellfassung (X) für den Dorfbrunnen(B). Das Überwasser mußte später auch noch für den «kleinen Brunnen» bei Nr. 57 und die Waschplätze bei 28 und 54 reichen. Die Waschhütte auf dem Bühel (bei 2) besaß eigene Wasserrechte. Pfarrers Weinberg im Tobel bestand als letzter von den vielen Wolfurter Weingärten noch im Jahre 1882. 9 Häuser-Verzeichnis der Gemeinde Wolfurt nach dem Stande vom 31. Dezember 1926. 10 11 Christoph Volaucnik II. Sozialstrukturen im vorigen Jahrhundert Einleitung Der vorliegende Aufsatz stellt die Fortsetzung eines im Heft 2, November 1988, der Zeitschrift «Heimat Wolfurt» erschienenen Artikels dar. Während der erste Artikel die wirtschaftliche Entwicklung Wolfurts und die historischen Veränderungen des Berufslebens zum Thema hatte, sollen nun die sozialen Verhältnisse meiner Heimatgemeinde im 19. Jahrhundert skizziert werden. Der Aufsatz gliedert sich in zwei Teile, wobei zuerst anhand vorhandener Statistiken und Quellen die Bevölkerungs- und Vermögensverhältnisse und dann im zweiten Teil der Wandel und Aufbau der Gemeindeinfrastruktur (Schule, Straßen) kurz vorgestellt werden sollen. Zum ersten Teil des Aufsatzes sei vorweg festgestellt, daß mit den zahlreichen Quellen des Gemeindearchivs eine statistische Darstellung der Bevölkerungszunahme, der Familiengröße des Jahres 1839, der Vermögensklassen und der Fremden im Dorf möglich war und dadurch zumindestens ein Einblick in das soziale Leben und in die gesellschaftlichen Abstufungen des Dorfes gewonnen werden konnte. Eine statistische Darstellung (quantitative Auswertung) von Quellen ist aber nur ein beschränktes Mittel für die Erforschung der Sozialgeschichte eines Dorfes und muß durch Forschungen zur Familiengeschichte, zur Hausgeschichte abgerundet werden. Gerade hier kommt dem Dorfchronisten eine wichtige Aufgabe zu, da er in detailreichen Forschungen Informationen gesammelt hat, die Basis für die sozialgeschichtliche Forschung sein könnten. Dieser Aufsatz kann daher nur als Skizze und Versuch einer dörflichen Sozialgeschichte verstanden werden. Im Jahre 1899 wurden die Wolfurter Häuser zum vierten und letzten Mal von der Ach bis in den Schlatt durchnumeriert. Diese Reihung galt bis zum 1. Jänner 1954. Dann wurden die heutigen Straßenreihungen eingeführt. Nur wenige von uns werden all die Namen kennen, die 1926 in der Gemeinde Geltung hatten. Vielleicht helfen sie Ihnen aber doch, sich wenigstens Ihre Nachbarn ins Gedächtnis zu rufen. Welche Häuser haben die Bau-Wut der letzten 40 Jahre überdauert? Viele Unterlagen über die alten Häuser finden Sie noch im Gemeinde-Archiv. 12 13 II. 1 Bevölkerungsentwicklung Jahr 1807 1819 1832 1833 1834 1835 1837 1839 1869 1880 1890 1900 1910 1923 männl. weibl. Total 1143 1069 1279 1209 1222 1214 1236 1332 1648 1623 1892 2070 2265 1798 Dienstboten Fremde Häuser Haushalte mit n-Personen 1 2 3 4 5 1- 5 6 7 8 9 10 6-10 11 12 mehr Total 6 26 30 46 41 38 26 13 9 7 5 1 2 in % 2,4 10,4 12,0 18,4 16,4 59,6 15,2 10,4 5,2 3,6 2,8 37,2 2,0 0,4 0,8 581 604 577 560 621 788 759 562 675 645 654 711 860 864 183 2 22 22 19 20 21 44 16 16 20 30 215 219 220 221 228 230 262 272 344 Wie aus dieser statistischen Übersicht hervorgeht, erlebte Wolfurt im 19. Jahrhundert einen bedeutenden Bevölkerungszuwachs, wobei interessanterweise der Zuwachs in den Jahren 1877 und 1880 20 % betrug, in der Zeitspanne von 1880 bis 1890 aber ein Zuwachs von 16,6 % zu verzeichnen war. Dieser enorme Zuwachs ging bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges noch weiter. Ein gewaltiger Rückgang der Bevölkerung setzte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg ein, als die Bevölkerung bis zum Jahre 1923 auf 1798 zurückging. Der Aufschwung seit 1880 ist mit der großen Bedeutung und dem Aufschwung der Stickereiindustrie zu erklären und den Vergrößerungen in der Textilindustrie ab 1890. Die Stickerei konnte sich vom Rückschlag des Weltkrieges nicht mehr erholen, und durch diesen bedeutenden Verlust eines der wichtigsten Erwerbszweige der Gemeinde, kam es zu einer Abwanderung der Bevölkerung und sogar zu einer Auswanderungswelle vieler Wolfurter nach Amerika. Durchschnittliche Anzahl pro Haushalt: 4,9 Personen Diese Zahlen zeigen, daß 1839 eher die Kleinhaushalte dominierten. Eine Durchschnittszahl von 4,9 Personen pro Haushalt und die Tatsache, daß Haushalte mit bis zu 5 Personen mit 59,6 % am stärksten vertreten waren, zeigt die Dominanz des Kleinhaushaltes. Aber auch noch Haushalte mit 6 bis 7 Personen waren in Wolfurt recht stark vertreten, während Großfamilien mit 10 Personen selten waren. Leider gibt es für das 19. Jahrhundert keine weiteren derartigen Haushaltsverzeichnisse mehr, die über die Haushaltsformen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Auskunft geben könnten. Im Jahre 1839 waren von 241 gezählten Häusern lediglich 18 Häuser mit 2 Familien-Haushalten besetzt. II 2. Haushaltsstrukturen 1839 Aus dem Jahre 1839 hat sich ein Bevölkerungsverzeichnis mit Angabe der Familiengröße erhalten, das Aufschlüsse über die Haushaltsstrukturen und auf Familienstrukturen gibt. II 3 Vermögensstruktur Mit den im Gemeindearchiv befindlichen Vermögenssteuerverzeichnissen der Jahre 1785, 1797, 1846 und 1850 ist es möglich einen Einblick in die Vermögensstruktur der Gemeinde, den sozialen Aufbau und in die sehr bedeutende Verschuldung zu gewinnen. Diese Steuerbücher bestehen aus dem geschätzten Vermögen (Haus, Grund, Fahrnis und Kapital), den Schulden, wobei der Kreditgeber meistens genannt wurde, und, nach Abzug der Schulden von der Schätzsumme, das tatsächlich zur Verfügung stehende Vermögen, das zur Besteuerung herangezogen wurde. Um einen Eindruck von der Verschuldung zu erhalten, werden in den folgenden Tabellen das geschätzte und das versteuerte Vermögen dargestellt. 15 14 Kategorie in Gulden % % % % Versteuertes Vermögen % % % % 1785 1797 1846 1850 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber 15,2 42,6 22,9 8,9 3,2 1,2 1,9 1,2 0,6 0,6 1,2 6,2 22,9 31,6 18,6 6,2 6,2 1,8 1,2 1,2 0,6 0,6 3,1 4,5 18,0 24,5 17,2 9,8 7,3 7,3 3,3 1,6 2,5 1,3 2,5 5,1 7,8 11,3 17,0 14,9 7,2 6,2 10,8 5,6 5,2 2,5 6,18 0- 500 500-1000 1000-1500 1501-2000 2001-2500 2502-3000 3000-3500 3501-4000 4001-4500 4501-5000 5001-5500 darüber kein Vermögen nur minus Schulden 1785 1797 1846 1850 47,7 21,6 13,3 3,8 0,6 1,9 1,2 0,6 0,6 8,2 29,2 32,2 12,5 4,7 5,0 1,8 1,3 0,6 0,6 0,6 3,1 10,1 20,0 13,1 13,1 8,2 3,7 3,3 2,9 2,1 0,4 0,4 0,4 2,5 29,9 26,8 12,9 12,4 6,2 11,3 6,7 6,7 3,6 1,1 2,6 1,03 8.2 Bei einer Gegenüberstellung der beiden Tabellen ist sichtbar, daß die Schulden der Bevölkerung den Vermögensstand von den mittleren Steuerklassen auf die Klasse bis 1000 Gulden drückte. Sehr viel deutlicher kann folgende Tabelle über die Verschuldung Auskunft geben. Schulden - Fälle: in Gulden keine 0- 100 101- 200 201- 300 301- 400 401- 500 501- 600 601- 700 701- 800 801- 900 901-1000 1001-1100 1101-1200 1201-1300 1301-1400 1401-1500 1501-1600 1601-1700 1701-1800 1801-1900 1901-2000 2001-2100 2101-2210 2201-2300 2301-2400 2401-2500 2501-2600 2601-2700 2701-2800 2801-2900 2901-3000 darüber Bei genauer Betrachtung der Tabelle fällt die Verschiebung im Bereich des geschätzten Vermögens vom Jahre 1785 bis 1797 auf. Es fand scheinbar eine Verbesserung der finanziellen Lage statt, da sich im Bereich zwischen 1000 und 3000 Gulden mehr Vermögenswerte befinden. Diese Verschiebung ist jedoch mit der damals stattgefundenen Riedteilung zu erklären, die jedem Gemeindebürger eine Wiese im Ried einbrachte und einen Vermögenszuwachs bedeutete. Bei einem Vergleich mit der Rubrik versteuertes Vermögen, ist an diesen Tabellen auch die Wirtschaftskrise in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu erkennen, die in Vorarlberg Arbeitslosigkeit und Verarmung mit sich brachte. Die Anzahl der vermögenslosen, völlig überschuldeten Haushaltsvorstände in Wolfurt stieg in diesem Jahr immerhin auf knapp 30 %, während diese Quote in den anderen Jahren sich bis 8 % bewegte. Auffallend ist auch der Rückgang der Steuerzahler von 244 im Jahre 1846 auf 194 im Jahre 1850. Anhand der Tabellen kann gezeigt werden, daß sich der größte Teil der Bevölkerung in den untersten und in den mittleren Steuerklassen befand und nur ein sehr kleiner Bevölkerungsteil in den höheren Steuerklassen, die in der Regel schuldenfrei waren und sogar noch über bedeutendes Kapital und über Zinsbriefe verfügten. 16 1785 15 3 18 16 16 28 19 12 7 5 3 2 1 1 2 1 — 1 1 — — — — — — — — — — — 1794 7 7 10 14 11 15 18 13 13 11 7 4 3 2 7 1 1 _ 3 — 2 — — — — 2 — — — — — 1846 2 4 14 13 11 7 11 15 11 14 13 8 11 7 13 16 11 6 6 4 3 7 _ — 2 2 4 _ 2 2 4 1850 3 9 7 9 11 7 10 13 8 7 9 17 15 8 10 8 4 8 9 6 3 9 — — 3 3 2 2 2 1 8 17 Diese Zahlen zeigen, daß es in Wolfurt kaum ein schuldenfreies Haus gab und daß die Schuldenhöhe gerade im 19. Jahrhundert stark anstieg. Die jährlichen Zinszahlungen müssen für die Bevölkerung eine große Belastung dargestellt haben und dürften wohl existenzgefährdend gewesen sein. Interessant ist auch die Angabe der Kreditgeber, die in den Steuerlisten genannt werden. Für das Steuerbuch 1785 wurden folgende Kreditgeber ermittelt. Bei folgenden Institutionen und Personen wurden in 136 Fällen Kredite aufgenommen und damit Schulden gemacht: Kirche Wolfurt in 5 Fällen Kloster Hirschtal 3 Privat 32 Kirche Wolfurt und Kloster Hirschtal 3 Kloster, Kirche, Privat 38 Kirche Wolfurt und Privat 27 Kloster Hirschtal und Privat 9 Unklar 18 Man sieht daraus, daß die meisten Personen bei mehreren Institutionen und Privatpersonen gleichzeitig Geld aufgenommen hatten. Mit diesen Krediten, die von den Klöstern und Kirchen ausgegeben wurden, erhielten diese Institutionen das für den Unterhalt des Pfarrers und der Kirche notwendige Kapital. Die Zinsen für diese Kredite waren mit 4 bis 5 Prozent über Jahrhunderte hinweg konstant. Als Kreditgeber fungierten im Dorf auch die reichen Bauern und Wirte, wie auch die zum Vormund von Waisen bestellten Verwandten, die das Erbe der Waisen damit sicherten, wobei dies unter Aufsicht der Gemeinde geschah. Unter den Privatkreditgebern tauchen im Steuerbuch auch immer wieder Bregenzer Bürger und besonders Wirte auf. In drei Fällen wurde auch die Weber-, Maurer- und Krämerbruderschaft in Bregenz genannt. Die durch die antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten als skrupellose Geldverleiher gebrandmarkten Juden wurden nur in einem Fall erwähnt. Ein «Jud Mayer», ohne Ortsbezeichnung, wird neben anderen Privatpersonen und der Kirche Wolfurt in der Reihe der Kreditgeber genannt. Im Steuerbuch von 1794 werden auch die Pfarre Maria Bildstein und das Kloster Mehrerau als Kreditgeber angeführt. Mit der Errichtung der Spinnerei Kennelbach im Jahre 1838 ergab sich für viele Wolfurter eine Arbeitsmöglichkeit in der Fabrik. Doch war das Arbeitskräftepotential der Region Kennelbach-Wolfurt bald erschöpft, sodaß die Fabriksdirektion zur Anwerbung fremder Arbeiter überging und für die Unterbringung dieser Leute sorgen mußte. Nachdem in Kennelbach bald alle Quartiere belegt waren, versuchte die Fabriksleitung die Arbeiter auch in Wolfurter Häusern unterzubringen. Die Bevölkerungsstatistik von 1839 gibt auch über die Verteilung der Fremden in Wolfurter Häusern Auskunft. Von insgesamt 241 Wohnhäusern waren 10 mit Angehörigen anderer österreichischer Kronländer sowie 5 mit Ausländern belegt. Wem diese Häuser gehörten und ob es sich um Mietshäuser handelte, läßt sich heute nicht mehr nachweisen. Nur in einer einzigen Wolfurter Familie waren 6 Fremde als Untermieter gemeldet. Durch die Vergabe von Darlehen an Hauseigentümer in Kennelbach und Wolfurt erhielt die Fabrik zusätzlichen Wohnraum für Arbeiter, da als Bedingung für die Darlehen Arbeiter in das Haus aufgenommen werden mußten. Der Wolfurter Schneidermeister Fr. Eiselt erhielt 1872 von der Spinnerei ein Darlehen und verpflichtete sich, 5 Familien mit 33 Personen aufzunehmen.2 Es handelte sich dabei um die ersten Welschtiroler Arbeiter in der Spinnerei Kennelbach und auch vermutlich um die ersten Welschtiroler in Wolfurt. Die Zahl der italienischen Arbeiter in Wolfurt stieg bis 1910 auf 400 an.3 Neben diesen aus dem Trentino stammenden Arbeitern kamen auch andere Arbeitssuchende nach Wolfurt. In der Monarchie hatten diese Fremden sich nach ihrer Ankunft im Ort auf dem Gemeindeamt zu melden, sich auszuweisen und wurden anschließend in ein Fremdenbuch eingetragen. Im Gemeindearchiv Wolfurt hat sich dieses Fremdenbuch für die Jahre 1872 bis 1890 erhalten und gibt Auskunft über den Namen des Fremden, seine Heimatgemeinde, seinen Beruf, seine Wohnung in Wolfurt, seinen Arbeitsplatz und das Anmelde- und Abreisedatum. Leider wurde dieses Fremdenbuch nicht sehr sorgfältig geführt und nur teilweise das Abreisedatum eingetragen. Trotz dieser Mängel stellt dieses Fremdenbuch einen interessanten Einblick in das Sozialleben des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts dar. In der folgenden Tabelle soll ein Überblick über die Herkunft, den Beruf und die Verweildauer der Fremden gegeben werden. Natürlich beschränkten sich die Berufe der Fremden nicht allein auf die in der Tabelle genannten Berufe. Neben den genannten Berufen finden sich noch Näherinnen, die vermutlich «Störarbeit» durchführten, Weber, Säger, und Handelscomis. Die Zahlen dieser Berufe sind aber vergleichsweise gering, sodaß in der Tabelle nur die häufigsten Berufe aufgeführt wurden. Zur Verweildauer muß gesagt werden, daß sich nur für ein Drittel der Eintragungen im Fremdenbuch die Verweildauer eruieren läßt, da das Fremdenbuch sehr schlampig geführt und das Abreisedatum nur sporadisch genannt wurde. Trotzdem kann ein Überblick über die Aufenthaltsdauer der fremden Arbeiter gegeben werden. 19 II. 4 Die «Fremden» im Dorf In Wolfurt waren, wie in den 1832 einsetzenden Bevölkerungsstatistiken zu sehen ist, immer Fremde anwesend, wobei zwischen Ausländern, Bürgern anderer Vorarlberger Gemeinden und Angehörigen anderer Kronländer der Monarchie unterschieden wurde. Die Trennung zwischen Einheimischen und Fremden hatte vor allem rechtliche Gründe, da nach den damaligen Gesetzen im Krankheitsfalle die Heimatgemeinde für die entstehenden Unkosten haften mußte und die jeweilige Wohngemeinde die Fremden im Dorf erfasste und das Heimatrecht nur selten verlieh. 1839 befanden sich im Dorf 57 Fremde, wobei es sich um 15 Ausländer und 42 Angehörige anderer Kronländer oder anderer Vorarlberger Gemeinden handelte.1 18 Herkunft der Fremden 1873—1883 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Herkunft der Fremden 1884—1890 Taglöhner Fabriks- Sticker Dienst- Knecht arbeiter mädchen Handwerker Bauer Aufgliederung Rheintal Rheintal Total 57 Schwarzach 3 Bildstein 10 Buch 8 Lauterach 3 Hard 4 Höchst 9 Lustenau Dornbirn 5 Rieden Langen 2 andere Rheintalgemeinden 13 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet 1 Bregenzerwald 8 Nordtirol 15 Südtirol 1 Welschtirol 43 Italien 5 Schweiz 1 Deutschland 1 Liechtenstein Österreich-Ungarn 55 1 5 2 1 2 15 7 3 3 16 4 2 23 10 2 17 5 10 2 1 6 27 3 15 3 2 4 1 1 22 1 1 1 1 _ 34 6 8 2 1 3 2 2 1 9 8 8 16 6 2 14 5 4 — 5 1 5 2 — — 61 8 14 4 3 1 3 3 7 1 4 13 19 3 31 14 4 3 8 30 11 16 3 6 4 2 — 1 1 5 — — 2 2 8 1 _ Aufgliederung Rheintal Rheintal Schwarzach Bildstein 2 1 Buch Lauterach Hard Höchst 2 Lustenau 3 Dornbirn Rieden Langen andere Rheintalgemeinden 2 Vbg. Oberland 4 Vbg. Berggebiet Bregenzerwald 2 Nordtirol 26 1 Südtirol Welschtirol 90 Italien Schweiz 1 2 Deutschland Liechtenstein Österreich-Ungarn 2 Verweildauer 2 2 1 2 1 7 9 20 12 41 11 22 9 11 3 1 3 15 2 3 3 17 5 25 6 1 2 9 - 2 1 1 2 2 3 6 16 14 1 17 - 2 2 1 1 1 3 2 2 1 2 7 1 1 1 - 2 9 1 1 .2 1 2 3 3 4 5 17 17 3 3 3 39 1 16 2 -. 2 2 1 - (1873-831884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-90 1873-83 1884-901873-8831884-90) Handwerker Taglöhner Fabriksarb. Sticker Dienstknecht Magd 1- 6M. 6-12 M. 1- 2J. 2 - 3J. 3 - 4J. 4 - 5J. 6J. 8J. länger 20 57 23 8 14 4 6 2 1 3 22 10 12 1 3 - 33 8 9 6 2 6 1 1 44 9 14 2 1 2 - 25 11 12 2 3 4 2 2 42 13 17 5 3 3 1 - 5 4 2 2 1 3 1 - 23 7 13 1 - 3 4 1 3 - - 17 10 4 2 1 1 - 27 6 7 1 - 21 Bei näherer Betrachtung der aus dem Fremdenbuch gewonnenen Informationen und Daten können Fabriksarbeiter, Taglöhner und in der Stickerei Beschäftigte als die häufigsten Berufe der Fremden angegeben werden. Die Fabriksarbeiter waren zum größten Teil in der Spinnerei Kennelbach beschäftigt, doch haben die Spulenfabrik Zuppinger und der Mechaniker Josef Anton Dür sowie sein Nachfolger Doppelmayr vielen Fremden Arbeit gegeben. Zuppinger hat einige Facharbeiter aus der Schweiz geholt, und der Mechaniker Dür beschäftigte zahlreiche Eisendreher, Metallarbeiter und Mechaniker. Die Aufenthaltsdauer dieser Fabriksarbeiter, der Textilarbeiter und auch der Metallarbeiter war, wie aus der Tabelle zu ersehen ist, eher kurz. Die Masse der Arbeiter wechselte nach 6 bis 12 Monaten die Arbeitsplätze. Dieses, als Fluktuation bezeichnete Phänomen, ist typisch für die Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts. Dieser häufige Wechsel des Arbeitsplatzes ist mit den Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung und den schlechten sozialen Verhältnissen zu erklären. Ein ähnliches Phänomen ist auch bei den Taglöhnern zu beobachten, die als ungelernte Arbeiter noch viel stärker den schlechten sozialen Bedingungen ausgesetzt waren. Interessant ist auch die Herkunft der Arbeiter und Taglöhner. Bei den Taglöhnern und Arbeitern ist die Zahl der Welschtiroler, Nordtiroler, Schweizer und Deutschen beachtlich hoch. Bei den Vorarlberger Arbeitern und Taglöhnern stammte ein bedeutender Teil aus den umliegenden Gemeinden, besonders in der Phase 1873—83 aus Bildstein. Auch die Anzahl der aus dem Bregenzerwald stammenden Arbeiter ist recht hoch. Die Stickerei erlebte im Untersuchungszeitraum die Mechanisierung und erste Blüte. Bei einer Betrachtung der Herkunftsorte der in der Stickerei Beschäftigten fällt das Nachbardorf Bildstein als Rekrutierungsschwerpunkt für Sticker und Fädlerinnen auf. Aus Lustenau, dem Zentrum der Vorarlberger Stickerei stammen in der Phase 1884—1890 zahlreiche Stickereiarbeiter. Aus dem Bregenzerwald stammte ebenfalls ein sehr großer Teil der Stickereiarbeiter und wurde in der Phase 1883—90 noch verstärkt. Auch die Stickereiarbeiter blieben nur verhältnismäßig kurze Zeit in Wolfurt. Die in Wolfurt arbeitenden Dienstmägde und Knechte dürften in der Landwirtschaft beschäftigt gewesen sein. Als Herkunftsgebiete können das Rheintal, der Bregenzerwald und in der Phase 1884—1890 Nordtirol angegeben werden. Die Aufenthaltsdauer, besonders der Dienstmägde, war überraschend kurz, wobei in der Phase 1883—1890 die Verweildauer oft auf wenige Wochen und Monate zurückging. Erstaunlich hoch war die Zahl der Handwerker, die durch Wolfurt zogen, hier sich nach Arbeit umsahen und in der Regel nur kurz im Dorf blieben. Die Handwerksgesellen erhielten bis 1878 von der Gemeinde ein Dorfgeschenk, das als Unterstützungsgeld gedacht war und aus dem Armenfonds bezahlt wurde. Dieses Dorfgeschenk wurde aber von der Gemeinde eingestellt, da es sich um eine freiwillige Spende handelte und gesetzlich nicht festgelegt war.4 Die Herkunftsorte der Handwerker waren schwerpunktmäßig im Rheintal wiederum Bildstein, Schwarzach und Dornbirn. 22 Sehr viele Handwerker stammten aus dem Bregenzerwald, Nordtirol und auffallend viele der durchziehenden Handwerker aus Deutschland. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Nachbargemeinden Wolfurts, darunter besonders Bildstein, die häufigsten Herkunfsorte der nach Wolfurt kommenden Fremden waren. Besondere Bedeutung hatten auch die als Taglöhner und Fabriksarbeiter bezeichneten Welschtiroler, und auffallend hoch ist auch der Anteil von Arbeitern und Handwerkern aus der Schweiz und Deutschland. Der Gemeindeausschuß verhielt sich insgesamt eher ablehnend gegen die fremden Arbeiter. Die Gemeindeprotokolle enthalten einige interessante Stellungnahmen des Gemeindeausschusses zur Behandlung der Fremden im Dorf. In der Bekanntmachung 71 von 1860 wurde beispielsweise den Fabriksarbeitern verboten an der Ache Büsche abzuschneiden und abzuholzen, da diese Büsche für die Wuhrungen eine Bedeutung hatten.5 Als in den 80-er und 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts die Zahl der Welschtiroler Arbeiter enorm zugenommen hatte und ständig weiter wuchs, dürfte es zu einer Ablehnung dieser rasch wachsenden Bevölkerungsgruppe im Dorf gekommen sein. An zwei Stellen des Gemeindeprotokolls sind Hinweise auf diese Ablehnung zu finden. 1897 interpellierte das Ausschußmitglied Wendelin Rädler in einer Ausschußsitzung, daß den italienischen Arbeitern das unbefugte Holzsammeln in den Wolfurter Wäldern verboten werde und der Gemeindediener für die Ergreifung eines jeden Holzdiebes eine Prämie erhalten solle.6 Als 1899 ein Ansuchen für eine Gasthauskonzession gestellt und im Ausschuß beraten wurde, kam es nach einer Diskussion zur Ablehnung und folgender Bemerkung im Protokoll: «... es ist zu befürchten, daß es ein Tummelplatz der italienischen Elemente geben würde und die hiesige Bevölkerung dieses Gasthaus als unbehaglich empfinden wird .. .»7 Fremde wurden nur nach bestimmten Kriterien in den Gemeindeverband aufgenommen. In einem Gemeindebeschluß von 1853 wurde festgelegt, daß Quartiergeber für fremde Einzelpersonen und Familien 48 Kreuzer bzw. 2 Gulden in die Amtskasse zu zahlen hatten und daß Fremde, die in Wolfurt ein Anwesen kaufen wollten, für das Bürgerrecht als Mann 75 Gulden und als Frau 25 Gulden zu zahlen hatten.8 Mit der Veränderung der Heimatverbandgesetze im Jahre 1896, Reichsgesetzblatt Nr. 222 von 1896, wurde die Aufnahme in den Bürgerverband nach 10-jähriger Anwesenheit in der Gemeinde erleichtert. Die erste Aufnahme in den Bürgerverband auf Grund dieser Gesetzesänderung fand in Wolfurt im Jahre 1901 statt.9 Es wurden 32 fremde Familien, die sich seit 10 Jahren in der Gemeinde aufgehalten hatten, in den Heimatverband von Wolfurt aufgenommen, wobei aber nur von 9 Familien die Herkunftsorte bekannt sind. Es waren 4 Familien aus Bildstein, je 1 Familie aus Buch, Lauterach, Schwarzach, Hohenems und aus Kaltern. 1902 erfolgten nur 4 Aufnahmen, wobei 3 Familien ursprünglich aus Bildstein stammten. Die Aufnahmen von 1903 sehen sehr ähnlich aus, da 3 Familien und ein Lediger aus Buch, 3 nach Lauterach und je 1 nach Lustenau und Bildstein zuständig waren. Von diesen aufgenommenen Familien waren 4 in der 23 Stickerei tätig. Die Berufsstruktur und Herkunft von 1904 sieht etwas differenzierter aus. Von den 5 Familien stammten 3 aus Lustenau und 2 aus Alberschwende, wobei es sich um eine Sticker-, eine Fabriksarbeiter- und eine Taglöhnerfamilie handelte. Die meisten der neu in den Heimatverband aufgenommenen Familien stammten also aus Nachbargemeinden, wobei der größte Teil aus Bildstein stammte. Leider ist nur von einem Bruchteil der Familien der Beruf des Familienvorstandes bekannt, doch ist aus den wenigen Informationen die Bedeutung der Stickerei als Erwerbszweig zu ersehen. Aus dem Wolfurter Heimatverband schieden 1901 7 Wolfurter aus, wovon je 4 in den Gemeindeverband von Hörbranz, je eine in Lauterach, Feldkirch und Rieden aufgenommen wurden. 3 der Familienvorstände waren Handwerker, einer war Krämer und einer Taglöhner. Es ist anzunehmen, daß diese Personen während ihrer Berufsausbildung in die genannten Orte kamen und dort im erlernten Handwerksberuf sich niederließen. II.6 Die Fabriksarbeiter im Dorf Mit der 1838 gegründeten Spinnerei Kennelbach bot sich vielen Wolfurtern eine neue Arbeitsmöglichkeit. Über die soziale Stellung dieser «Fabrikler» in einem reinen Bauerndorf gibt es nur wenige Hinweise. Über das Selbstverständnis der Fabriksarbeiter sind uns aus dem ersten Bestandsjahr der Fabrik und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zwei Quellentexte erhalten geblieben. 1839 suchte ein junger Arbeiter bei der Gemeinde um die Heiratsbewilligung an.1 Er schreibt darin, daß er monatlich 30 Gulden verdiene und «glaube, daß die Beschäftigung als Spinner bei einem soliden Gemeindebürger mehr Sicherheit auf gutem und bleibendem Verdienst, besonders in Kennelbach bei den so eben erst gegründeten Fabriksentablisment bietet, als jedes bürgerliche Gewerbe und Beschäftigung . . .» Ob der junge Arbeiter daraufhin die Heiratsgenehmigung erhielt, ist nicht bekannt, doch zeigt sich in einem Brief, daß der garantierte, wenn auch schmale Verdienst,eine Bedeutung für das Selbstverständnis der Arbeiter hatte. Ferdinand Schneider, der fleißige Wolfurter Chronist, war selbst Arbeiter in Kennelbach und er hat in seiner Chronik die hohe Arbeitszeit, die Nachtarbeit und das patriarchalische Verhältnis zwischen dem Arbeiter und dem Fabriksherrn beschrieben. Kritik kommt nur selten in diesen Schilderungen vor, der Fabrikant wird sogar positiv dargestellt, während die Fabriksdirektoren, die Vorarbeiter und Abteilungsleiter scharf kritisiert werden. Über das Dienstende nach 27 Jahren Tätigkeit in der Fabrik schreibt er « . . . es war mir wie man einem eingefangenen Vogel den Käfig öffnete schnell heraus ohne noch einen Schnabel Hanfsamen zu nehmen.. .»2 An einer anderen Stelle seiner Chronik erwähnt er in einem Gedicht über eine Theateraufführung «... nur die armen Fabrikler bleiben fort.. .»3 Obwohl diese Aussagen stark subjektiven Charakter haben, zeigen sie doch, daß vom Selbstverständnis des jungen Arbeiters von 1839 nicht mehr viel übrig blieb und die harte Arbeit im Vordergrund des Denkens stand. Die Anzahl der Wolfurter, die in Kennelbach arbeiteten, ist nur für das Jahr 1871 bekannt. Damals waren neben 34 Kennelbachern 108 Wolfurter in der Spinnerei beschäftigt. Laut der Volkszählung waren also 6,6 % der Einwohner Wolfurts, Fabriksarbeiter in Kennelbach. Es muß aber auch die hohe Anzahl von Wolfurter Fabriksarbeitern bedacht werden, die in anderen Industrieorten in Vorarlberg und in Süddeutschland Arbeit gesucht hatten. Zahlenmäßig können diese Personen nicht erfaßt werden, doch geht aus mehreren Akten im Gemeindearchiv die Abwanderung dieser Arbeiter hervor. Zu den einheimischen Arbeitern kamen die fremden Arbeiter hinzu, die von der Gemeinde nicht gerne gesehen wurden, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten. Die Gründung des Arbeitervereins wurde 1899 durch das Christlichsoziale Lager initiiert. Dieser eher dem konservativen Lager zugehörige Arbeiterverein bot seinen Mitgliedern Weihnachtsfeiern und Unterhaltung in Form von Tanz und Musik.5 25 II.5 Eheerlaubnis Die Gemeinde hatte auch über Ehegesuche abzustimmen. Der Bräutigam mußte bei der Gemeinde in seinem Ansuchen um die Heiratserlaubnis, seine finanziellen Verhältnisse, seinen Beruf und den Namen sowie die Herkunft seiner Verlobten angeben. Nach Erhalt der Informationen wurde im Gemeindeausschuß über das Ansuchen abgestimmt und diskutiert. Der Zweck dieser heute unvorstellbaren Vorschrift lag in der Angst vor Bettlerehen, die der Armenkasse der Gemeinde zur Last fallen würden. Man versuchte damit die Soziallasten der Gemeinde möglichst niedrig zu halten. Der Gemeindeausschuß scheint bei seinen Verhandlungen über Ehegesuche auch unter einem gewissen Druck von Seite der Bevölkerung gestanden zu sein. Im Gemeindeprotokoll von 1868 befindet sich eine Stelle, in der über den Vorwurf aus der Bevölkerung diskutiert wird, daß der Gemeindeausschuß zu liberal in der Behandlung von Ehegesuchen sei und sich die Zahl der «Bettlerehen» erhöht habe.1 In den Protokollen von 1867 bis 1890 werden 44 Eheansuchen genannt, wobei 28 Ansuchen angenommen und 16 abgelehnt wurden. In der Begründung der Ablehnung wird regelmäßig der Beruf und das mangelnde Vermögen des Bittstellers genannt.2 Auffallend ist bei den abgelehnten Gesuchen die Zahl der in den süddeutschen Industriezonen lebenden Wolfurter Metallarbeiter, die in Deutschland eine Braut gefunden hatten und bei der Gemeinde Wolfurt um die Eheerlaubnis ansuchten. Da mit der Genehmigung auch die Verpflichtung zum Unterhalt dieser in Süddeutschland lebenden Familie entstanden wäre und die Braut in Wolfurt unbekannt war, dürfte die Gemeinde die Erlaubnis nicht erteilt haben. Der Bräutigam konnte aber bei einer Ablehnung sich an die Bezirkshauptmannschaft wenden und dort einen Protest einlegen und erhielt nach längerem Schriftwechsel und mehreren Verhandlungen über die BH die Heiratserlaubnis. 24 II.7 Armenversorgung Über die Anzahl der Armen und das Ausmaß der Armut im 18. und 19. Jahrhundert ist für Wolfurt nichts bekannt, doch haben sich Informationen über die Armenpolitik der Gemeinde und über einige Einzelschicksale erhalten. Die Gemeinde Wolfurt hatte die Möglichkeit, unheilbar Kranke und Arme im Landspital in Bregenz-Rieden unterzubringen. Diese Institution entwickelte sich aus dem seit 1400 bestehenden Siechenhaus in Bregenz. Als dieses im 17. Jahrhundert durch Mißwirtschaft in finanzielle Probleme geriet, erklärten die das Siechenhaus mitfinanzierenden 7 Landgerichte Hofsteig, Lingenau, Alberschwende, Sulzberg, Hofrieden, Simmerberg und Grünenbach den Wunsch nach Errichtung eines eigenen Siechenhauses. Dieses Gebäude wurde 1614 errichtet und blieb bis zum heutigen Tag als Altersheim bestehen.1 Die Gemeinde Wolfurt benützte diese Institution im 19. Jahrhundert zur Unterbringung von Armen und wehrte sich im Jahre 1901, gemeinsam mit anderen Gemeinden, gegen die Auflösung des Landspitals. 1905 wurden über die weitere Zukunft des Landspitals Verhandlungen geführt, wobei die Gemeinden mit eigenen Armenhäusern für eine Auflösung des Landspitals, während die Gemeinden ohne ein eigenes Armenhaus für die Weiterführung dieses Hauses waren.2 Im August wurden diese Verhandlungen mit dem Ergebnis abgeschlossen, daß 13 Gemeinden das Landspital aufkauften und weiterführten.3 Das Armenwesen wurde in Wolfurt im 19. Jahrhundert zweimal organisiert und mit Statuten ausgestattet. 1823 versuchte die Gemeinde, nach vorheriger behördlicher Aufforderung, das Armenwesen zu regulieren und nach den vom Landgericht bzw. dem Kreisamt 1819 erlassenen allgemeinen Verordnungen zu organisieren. Es wurde eine Armenkommission eingerichtet, in der der Pfarrer und Gemeindevertreter waren. Die Gemeinde hatte die Pflicht, für den Unterhalt der Gemeindearmen aufzukommen und die Finanzierung der Armenversorgung zu regeln. Die Finanzierung der Unterstützungsgelder wurde zuerst durch milde Sammlungen in der Gemeinde hereingebracht, und erst bei Finanzierungsproblemen griff man zu einer Umlage, also einem Aufschlag auf die Gemeindesteuern. Weiters wurden Strafgelder, Prozente von Freiwilligen Versteigerungen und die Hundesteuer für die Finanzierung des Armenfonds verwendet. Die Armen hatten ihre Unterstützungsgesuche dem Armenrat vorzutragen, und dieser entschied über die Gewährung und die Höhe der Unterstützungszahlungen.4 Über die Armenpolitik der Gemeinde geben die Sitzungsprotokolle des Gemeindeausschusses hinreichend Auskunft. Es wurden im Rahmen der Armenversorgung den Armen Kleidungsstücke gekauft, ihren Kindern die Ausbildung vorfinanziert, für Kranke Arztkosten und Kuren bezahlt.5 Diese Unterstützungen waren aber von der Gemeinde auf Grund der allgemeinen Verordnung zu leisten. Für unsere Zeit erschreckend und ungemein hart sind aber Einzelschicksale und die Vorgangsweise der Armenkommission. 1867 beriet der Gemeindeausschuß über das 26 weitere Schicksal eines Mannes, der sein Vermögen verloren hatte. Es wurde beschlossen den Versuch zu unternehmen, ihn in der Fabrik unterzubringen und bei Nichtaufnahme in die Fabrik seine Verpflegung in einem Privathaus öffentlich zu versteigern.6 1868 erwarb die Gemeinde an der Ach ein Haus und Grundbesitz für die Einrichtung eines Armenhauses.7 Über dieses Haus, die Aufnahmebedingungen und die internen Verhältnisse sind leider keine Unterlagen vorhanden. 1874 wurde eine neue Armenordnung erlassen und wiederum eine Armenkommission einberufen. Als Einnahmen für den Armenfond fanden Pachtzinse aus den Armengütern, Grundstücke, die dem Armenfonds gehörten, das Armenprozent bei der Gemeindesteuer, Hundesteuern, Kapitalzinsen des Armenfonds, Strafgelder und Zuschüsse aus der Gemeindekasse Verwendung.8 Im selben Jahr adaptierte man auch das alte Schulhaus als Armenhaus.9 Die Versorgung der Armen sah so aus, daß der Arme ein Armenbuch erhielt und bei den einzelnen Häusern im Dorf, an bestimmten Tagen, einen sogenannten «Kosttag» einzuhalten hatte.10 Für die heutige Zeit, die durch Wohlfahrtsgesetze den Armen hilft, scheinen diese Vorgangsweisen unvorstellbar. III. Ausbau der Infrastruktur III.1 Schulen Das erste Schulhaus wurde 1778 im Strohdorf errichtet. Während des 19. Jahrhunderts stieg die Anzahl der Schüler in Wolfurt ständig, sodaß sich die Gemeinde veranlaßt sah, die*Zahl der Lehrer zu erhöhen und die Schulbauten zu vergrößern bzw. einen Neubau zu erstellen. 1834 waren in Wolfurt drei Lehrer angestellt, die aber keine fixe Anstellung hatten.1 Man entschloß sich dann aber zu einem festen Vertragsverhältnis mit folgender Begründung: «... daß man hoffen durfte daß das Schulwesen in einigen Gegenständen besser empor kommen und die Obliegenheit der bestätigten Lehrer mit großem Eifer und Eindruck bewirkt werden sollte ...» Die Lehrer waren in drei Gehaltsklassen eingeteilt und neben dem normalen Unterricht zur Abhaltung einer Wiederholungsschule am Sonntag und zum Vorbeten in der Kirche verpflichtet. Sie erhielten im Schulhaus eine Dienstwohnung und waren dem Schulausschuß der Gemeinde verpflichtet. Die Bezahlung der Lehrer wurde bis 1814 mit den Mitteln des Bruderschaftsgeldes bestritten, wobei das Bregenzer Rentamt dieses Geld ausbezahlte. Wie aus dem Akt des Jahres 1877 klar hervorgeht, war die Gemeinde wegen des Fehlens eines Schulfonds zur Zahlung der Lehrergehälter verpflichtet. Das Lehrergehalt und die Unterhaltskosten für die 3 Schulklassen bedeuteten für das Budget der Gemeinde eine Belastung, und als 1867 das Lehrergehalt gesetzlich erhöht wurde, sah sich die Gemeinde gezwungen, das Legat des 27 Pfarrers Hiller bzw. die Zinsen dieses Legats, zur Finanzierung der Mehrkosten heranzuziehen.2 Seit 1874 setzte man Barmherzige Schwestern als Lehrerinnen ein.3 Ein Bericht des Gemeindeausschusses von 1874 gibt Einblick in die damals verwendeten Schulrequisiten. Es wurden Landkarten Österreichs, Palästinas, Tier- und Pflanzenbilder, Haushaltskundewandkarten, eine Wandkarte des metrischen Systems, ein Kompaß und Meterstab angeschafft.4 1870/71 wurde ein neues Schulhaus geplant und errichtet.5 Es war für 220 bis 240 Schüler geplant, und das alte Schulhaus fand als Armenhaus und Turnsaal für Sportler Verwendung.6 Trotz der großzügigen Planung klagte man 1891 bereits über die erhöhte Schülerzahl und die Raumnot.7 1899 diskutierte der Gemeindeausschuß das Schulproblem und erklärte, daß im Schulhaus kein Zimmer mehr frei wäre. Als Ursache für diese Raumnot und Erhöhung der Schülerzahl wurde folgendes protokolliert: «. . . die Schullast die Gemeinde schwer drückte, in dem die Fabriken in Kennelbach eine große Anzahl Arbeiterfamilien und Schüler bringe...» Weiters wurde erklärt, daß diese Arbeiterfamilien für die Gemeinde auch keine Einnahmequelle bedeuteten, da sie ja kaum Steuern zu zahlen hatten.8 Zu den öffentlichen Pflichtschulen kam die im ersten Aufsatz bereits erwähnte Gewerbliche Fortbildungsschule, die man während der Wintermonate abhielt. selbst erhalten und gepflegt.3 Bis zum Bau dieser Straße bildete der Oberfeldweg die einzige Verbindung von Kennelbach nach Wolfurt. Auch über den Zustand der Ippachstraße finden sich Klagen.4 Diese Straße wurde von den Gemeinden Wolfurt, Hard und Lauterach gemeinsam erhalten, doch stellte ein Bericht vom Jahre 1863 fest, daß der Zustand der Straße sehr schlecht und ein Durchkommen auf ihn kaum mehr möglich sei. Der schlechte Straßenzustand wurde auch in Zeitungsartikeln beanstandet.5 1881 hatte die Gemeinde für die Erhaltung ihrer Straßen 2 Straßenmeister und 2 Wegmacher angestellt. Der Straßenbau und die Straßenerhaltung wurden auch als Arbeitsplatzbeschaffungsmöglichkeit für Arme betrachtet.6 In einer Gemeindeausschußsitzung des Jahres 1882 beschloß man die Armen im Dorf, sofern sie arbeitsfähig waren, in der Straßenpflege einzusetzen. Das System der Schotterung der Straßen blieb bis in das 20. Jahrhundert üblich, und erst mit der Asphaltierung der Oberen Straße im Jahre 1931 änderte und modernisierte sich der Straßenbau. III. 3 Brücken Die Gemeinde hatte für die Instandhaltung der Brücken im Gebiet Wolfurts zu sorgen. Im Ausgabebuch der Gemeinde aus dem Jahre 1816 wurden die Instandhaltungskosten der 18 «Bruggen» auf den Wolfurter Straßen als Ausgabeposten genannt. Die Gemeinde war auch für die Brücke über den Rickenbach verantwortlich, die als Verbindung in das Weitried diente. Vor der Brücke hatte sich nur ein Fußsteg an dieser Stelle befunden, und da sich im Weitried auch der größte Teil des Gemeindegrundbesitzes befand, war die Gemeinde nach einem bestimmten Aufteilungsschlüssel zur teilweisen Finanzierung der Reparaturkosten verpflichtet. Eine Verbindung mit Kennelbach existierte anfänglich nur in einer Fähre, die aber nach einem Unglück durch eine von der Spinnerei Kennelbach errichtete Holzbrücke ersetzt wurde. 1839 gab die Spinnerei den Bau der siebenjöchigen Holzbrücke in Auftrag. Diese Brücke war eine Mautbrücke, die nur für die Arbeiter gratis zu passieren war. Da diese Brücke den einzigen Übergang über die Bregenzerach oberhalb von Rieden darstellte, hatte sie für die ganze Region eine besondere Bedeutung. Erst mit dem Bau der Wälderbahn wurde die Frage eines Brückenneubaus in der Nähe des geplanten Bahnhofs interessant. In Wolfurt kam es zur Gründung eines Komitees «betreffs Verbindung mit der Bregenzerwälderbahn», das zur Aufgabe hatte «dahin zu sorgen, daß bei Ausführung des bestehenden Projekts der Bahnhof in tunlichster Nähe des Weilers Ach zu stehen kommt.»3 Dieses Komitee reichte nach zweijähriger Tätigkeit im Jahre 1897 ein Offert für eine Brücke und eine Petition an den Landtag ein. Als Hauptinitiator des Brückenbaus kann Wendelin Rädler genannt werden, der 1899 einen Plan und Kostenvoranschlag für eine hölzerne Brücke vorlegte und ein Jahr später im Gemeindeausschuß eine Petition verlesen ließ, in der er den Brückenbau gemeinsam mit Kennelbach vorschlug.4 Bei wei29 III.2 Straßen Mathias Schneider, Feldvermesser aus Wolfurt, hat in seiner Chronik auch über die Straßenabmessungen in Wolfurt im Jahre 1805 berichtet. Er schrieb, daß die Hauptstraße im ganzen Gericht Hofsteig 12 332 Klafter umfasse, wobei auf Wolfurt alleine 3 333 Klafter entfallen. Die Länge der Seitenstraßen im Gericht Hofsteig, gab er mit 6 794 Klafter an (11549,8 m), wobei die Seitenstraßen in Wolfurt 2 075 Klafter Länge (3 527,5 m) hatten. Schneider vermerkte weiter, daß es in Wolfurt noch besondere Nebenstraßen gebe, wie die Straße in die Berg, auf das Oberfeld, die Straße unter den Linden, im Strohdorf, an der Hub, Rutzenberg und Kellen. Alle diese Straßen waren lediglich geschottert, und die Straßenpflege bestand in der periodischen Neuschotterung, wobei die Gemeinde bis 1880 diese Arbeiten nicht durch eigene Arbeiter durchführen ließ, sondern die Arbeit an Bestbietende auf dem Versteigerungsweg vergab.1 In den verschiedensten Quellen finden sich immer wieder Klagen über die Beschaffenheit der Wolfurter Straßen. 1859 beschwerte sich die Direktion der Spinnerei Kennelbach über den schmutzigen und schlechten Zustand des Oberfeldweges und verlangte dessen Schotterung, da diese Straße für viele Arbeiter der tägliche Weg zur Spinnerei war.2 Die Spinnerei Kennelbach hat 1846 auf eigene Kosten eine Straße von der alten Kennelbacher Brücke (Obere Brücke bei der Spinnerei), dem Wolfurter Achufer entlang bis zu der Stelle gebaut, an der die Straße von Wolfurt in die Straße nach Lauterach einmündet. Diese Straße wurde von der Spinnerei auch 28 teren Verhandlungen schlug der Bregenzer Baumeister Kraushaar den Bau einer Betonbrücke vor, der nur unwesentlich teurer als eine Holzbrücke war, aber laut Sitzungsprotokoll «dauerhafter und an Eleganz einer Eisenbrücke kaum nachstehend».5 1901 fand in Kennelbach mit Landeshauptmann Rhomberg eine Besprechung statt, bei der die Errichtung einer «Concurrenz» für den Brückenbau beschlossen wurde.6 Der St. Galler Baumeister Westermann legte 1902 ein Offert für eine Betonbrücke «System Henebique» vor und nannte als Bausumme 447 000 Kronen. Ein Vertrag mit dieser Schweizer Firma wurde erst im September 1903 unterzeichnet und eine vertragliche Garantie für Hochwasserfestigkeit über 10 Jahre gegeben.7 Für die Finanzierung des Brückenbaus holte man auf Antrag Rädlers beim Landesausschuß die Bewilligung für eine Darlehensaufnahme von 33 000 Kronen mit 21-jähriger Amortisation ein. Im Juni 1904, nach einjähriger Bauzeit, wurde die Brücke dem Verkehr übergeben.8 III. 5 Entwässerung und Wasserversorgung Ein großer Teil des Gemeindegebietes von Wolfurt liegt im Ried, das ursprünglich aus Feuchtwiesen bestand und durch Entwässerung zumindest teilweise trockengelegt wurde. Bei der Riedteilung im Jahre 1792 legte die Behörde das Problem der Entwässerung und des Hochwasserschutzes vertraglich fest.1 Die Gemeinde wurde verpflichtet, den Rickenbach zu verwuhren, und die Grundbesitzer hatten jährlich die Abzugsgräben zu öffnen und von Stauden zu befreien. Diese Gräben kontrollierte jährlich zwischen dem 18. und 25. Mai ein Abgeordneter des Gemeindeausschusses, und bei nicht durchgeführter Öffnung der Wasserabzugsgräben wurde von der Gemeinde, auf Kosten des Grundbesitzers, der Graben geöffnet. Der Gemeindeausschuß hat auch jährlich durch Verlautbarung die Öffnung der Gräben angeordnet. Eine moderne wasserbautechnische Lösung der Rickenbachverbauung wurde erst um die Jahrhundertwende möglich, als in Vorarlberg im Zuge der Rheinregulierung auch der Plan einer Binnenwasserregulierung entstand. 1901 wandte sich die Gemeinde wegen der Regulierung des Rickenbachs an das Land und konnte eine Aufnahme in das Regulierungsprogramm erreichen.2 Nach einer Begehung des Rickenbachs mit Ingenieuren, machte man noch 1901 Pläne für eine Uferverbesserung. Die weitere Planung zog sich aber dahin, sodaß man erst 1906 ein Elaborat über die Regulierung des Rickenbachs und der Dornbirnerach im Gemeindeausschuß beraten konnte.3 Die Trinkwasserversorgung spielte sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung ab und konnte mit der enormen Bevölkerungsentwicklung und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht mehr Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.4 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Wasser hatte. Wegen dieser unhaltbaren Zustände kam es im «Rössle» zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, welche die Suche nach einer neuen Quelle für die allgemeine Wasserversorgung beschloß. Im Zeitungsartikel wird der durch die Industrie hervorgerufene Bevölkerungszuwachs als Grund für die Wasserprobleme genannt. 1907 wurde in Rickenbach eine Hochdruckwasserleitung für Trink- und Nutzwasser geplant und vom Gemeindeausschuß genehmigt.5 Ein weiterer Bereich der Gemeindeaufgaben waren die Wuhranlagen an der Bregenzerach. Seit 1833 versuchte man, das viele Hektar umfassende Überschwemmungsgebiet der Bregenzerach urbar zu machen. Über viele Jahre wurde der Flußlauf der Bregenzerach reguliert und konnten die entstehenden Inselgründe an der Ach als landwirtschaftlichen Grund genutzt werden. Dieser Grund war Gemeindebesitz und von der Gemeinde an Wolfurter Bauern verpachtet.6 III. 4 Straßenbahn Kennelbach-Dornbirn Die Gemeinde Dornbirn war in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim Bau der Bodenseegürtelbahn übergangen worden und versuchte daher krampfhaft, eine Verbindung mit den verschiedenen Eisenbahnlinien zu erhalten. Dornbirn hatte sich beim Bau der Bodenseegürtelbahn eine Verbindung BregenzDornbirn-Schweiz vorgestellt, um damit eine direkte Verbindung in die für die Textilindustrie bedeutende Schweiz zu erhalten. Besonders mit der Blüte der Stickerei machte sich das Fehlen einer direkten Bahnverbindung in die Schweiz bemerkbar. Aus diesen Gründen wurde die Idee einer Straßenbahn Dornbirn-LustenauSchweiz geboren.1 Als der Bau der Wälderbahn beschlossen wurde, bemühte sich Dornbirn um eine Verlängerung der Straßenbahn von Dornbirn nach Kennelbach. Wolfurt wäre durch dieses Straßenbahnprojekt mit Dornbirn verbunden worden und die Gemeinde zeigte an diesem Projekt großes Interesse. Bei diesem Projekt zeigte Lehrer Wendelin Rädler großes Engagement und erreichte, daß die Gemeinde Wolfurt 2 Vertreter in die vorbereitende Sitzung des Proponentenkomitees im März 1897 entsandte.2 Die Gemeindevertretung war sogar bereit, sich an den Unkosten für die technischen Vorarbeiten dieser Straßenbahnlinie zu beteiligen.3 Im November 1897 wurde der Gemeinde der Verlauf der Straßenbahntrasse vorgestellt und auch akzeptiert.4 1899 wurden die Pläne für die Straßenbahn auf den reinen Personentransport und nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, für Personen und Güterverkehr geändert.5 Die Dornbirner verloren sehr bald das Interesse an dieser Verbindung und konzentrierten sich auf die Straßenbahn DornbirnLustenau, die 1900 fertiggestellt wurde.6 30 31 III. 6 Feuerlöschwesen Eine sehr wichtige Aufgabe der Gemeinde war die Organisation des Feuerlöschwesens. 1873 ließ sich die Gemeinde vom Mechaniker Karl Zuppinger einen Plan und ein Offert für eine Feuerspritze machen. Da die Kosten von 750 Gulden für die Gemeinde Wolfurt allein zu hoch waren, wurde versucht, mit der Nachbargemeinde Lauterach diese Spritze gemeinsam zu erwerben, wobei die Spritze in Lauterach aufbewahrt werden sollte. Ob dieser Plan zur Durchführung kam, läßt sich aus den Akten nicht mehr eruieren.1 1853 kaufte die Gemeinde zur Vervollständigung der Feuerbekämpfungsmittel Feuerhacken, Feuerleitern, Kübel und eine Feuerspritze.2 Die Organisation der Feuerbekämpfung war jedoch recht locker. 1868 wurden Erdröhren vom Schloßweiher ins Kirchdorf verlegt, damit bei einem Brandausbruch im eng verbauten Kirchdorf, eine reguläre Wasserzufuhr möglich war.3 Die Erhaltung und Pflege dieser Wasserleitung und des Weihers blieb eine wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung. 1876 richtete der Gemeindeausschuß ein Komitee zur Errichtung einer Feuerwehr ein, das sich mit der Organisation der Feuerwehr und des Feuerlöschwesens zu beschäftigen hatte, aber keine großen Fortschritte brachte.4 Erst 1889 wurden Statuten für eine Feuerwehr erlassen.5 1900 schaffte die Gemeinde eine moderne Feuerspritze an und verkaufte den bis dahin noch in Verwendung befindliche Feuerkübelwagen.6 und einer gerichtlichen Klage gegen Loacker. Die Gemeinde ging in diesem Rechtsstreit nach negativen Urteilen in der ersten und zweiten Instanz zu einer Klage am Obersten Gerichtshof über.4 Gleichzeitig mit diesen Prozessen verhandelte die Gemeinde mit Loacker über neue Stromtarife für Stickereimaschinen, die einen besonderen Tarif erhalten sollten. Als Loacker diesen Wünschen der Gemeinde nachkam, zog die Gemeinde die Klage gegen Loacker zurück. Da der Strombedarf in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, den vom E-Werk Schwarzach versorgten Gemeinden, immer mehr stieg, sah sich Loacker gezwungen, eine Dampfanlage mit 180 PS zusätzlich für die Stromerzeugung aufzustellen. Loacker verhandelte daher mit dem Elektrowerk Jenny & Schindler in Rieden und konnte ein Abkommen über Lieferung von Reservekraft an das E-Werk Schwarzach abschließen.5 1931 wurde das Schwarzacher E-Werk stillgelegt und die Energieversorgung der Hofsteiggemeinden von den Vorarlberger Kraftwerken übernommen. Es muß noch auf das nur für betriebsinterne Zwecke gebaute E-Werk Zuppinger in Wolfurt hingewiesen werden. 1885 hat die Spulenfabrik und Mühle Zuppinger einen Generator angeschafft, der Licht- und Kraftstrom für den Eigenbedarf lieferte.6 III.8Telefon Die Telegraphenverwaltung Innsbruck wandte sich 1900 erstmals wegen der Einführung eines Telefonanschlusses an die Gemeinde.1 Es wurde die Errichtung eines «Sprachbureaus mit Telefon» in Wolfurt und Rickenbach vorgeschlagen und die Gemeinde um eine Stellungnahme gebeten. Nachdem der Gemeindeausschuß einen Kostenvoranschlag eingeholt hatte, vertagte er den Plan eines Telefonanschlusses aus Kostengründen.2 1902 wurde diese Idee von Wendelin Rädler im Gemeindeausschuß neu aufgegriffen und beschlossen, mit den Nachbargemeinden Kontakt wegen eines Telefonanschlusses an Bregenz aufzunehmen.3 Die erste Telefonleitung in Wolfurt konnte dann 1904 in Betrieb genommen werden.4 III.7 Elektrifizierung Das erste E-Werk in Wolfurt errichteten die Gebr. Gunz und 1897 machte diese Firma der Gemeinde das Angebot, in Wolfurt die elektrische Beleuchtung einzuführen und die Gemeinde mit Strom zu versorgen.1 1899 sprach in derselben Angelegenheit der Elektropionier Albert Loacker in der Gemeinde vor, und es wurden Vorverhandlungen für eventuelle Vertragsbedingungen begonnen.2 Der Strom sollte aus dem im selben Jahr erbauten Kraftwerk in Schwarzach stammen. Dieses E-Werk nützte die Wasserkraft der Schwarzach mit einem Gefälle von 70 Metern und hatte eine Turbinenleistung von 150 PS. Am 30.6.1899 wurde mit Loacker ein Stromlieferungsvertrag unterzeichnet und ein eigenes Straßenbeleuchtungskomitee gegründet, das im Oktober desselben Jahres dem Gemeindeausschuß berichten konnte, daß «die Bürgerschaft der Stromeinführung simpatisch» gegenüberstehe.3 Loacker offerierte Glühlampen mit 16 «Kerzen stärken» und schlug die Installation von 22 «Flammen» im Dorf vor, da damit der Bedarf notdürftig gedeckt wäre. Die Installationskosten wurden mit 1046 Gulden berechnet. Im Dezember 1890 kam es zu einem Streit mit Loacker, da er die Vertragsbedingungen nicht erfüllt hatte. Die Gemeinde warf ihm vor, die Preise ohne Rücksprache erhöht zu haben, und daß die Beleuchtungs- und Motorenkraft zeitweise schon nachlasse infolge der Abgabe von Strom nach auswärts. Da dieser Streit nicht gelöst werden konnte, entschloß sich die Gemeinde 1904 zu einem Gespräch mit einem Juristen 32 III. 9 Die Gründung von Sparkassen Wegen der mit Zahlen im Kapitel Vermögensstrukturen geschilderten Notlage der Bevölkerung wurde die Idee eines Spar- und Vorschußvereins geboren. Der Fabrikant Johann Walter Zuppinger ergriff 1881 die Initiative zur Gründung eines solchen Vereins nach dem System Schulze-Delitsch. Am 26. und 28. Dezember 1881 fanden die Gründungsversammlungen dieses Vereins statt. Für Einlagen wurden 4 % bezahlt und für Ausleihungen 5,5 % von vornherein abgezogen.1 Gleichzeitig debattierte auch der Gemeindeausschuß die Gründung einer Sparkasse, wobei als Initiator Wendelin Rädler auftrat, der die Einsetzung eines Komitees für eine Gemeindesparkasse erreichte.2 Nach einem Monat wurde im Jänner 1882 der vom Gemeindeschreiber Lorenz Schertler erstellte Entwurf von Sparkassenstatuten dem Gemeindeausschuß vorgelegt.3 Die Gemeinde beschwerte sich bei der Bezirkshauptmannschaft 33 und beim Innenministerium gegen den Spar- und Vorschußverein Rickenbach. Die Bezirkshauptmannschaft erklärte aber in einer Stellungnahme, daß nach der bereits erfolgten Vereinsgründung eine Sparkasse keine besondere Bedeutung erlangen könne.4 Die Gemeinde beschäftigte sich daraufhin nicht mehr mit dieser Angelegenheit. 1889 ergriff Wendelin Rädler wieder die Initiative zur Gründung einer Raiffeisenkasse und am 31. März 1889 fand die Gründungsversammlung statt. Als Beitrittsgebühr zur Genossenschaft wurde 1 Gulden festgelegt, der Einlagezinsfuß mit 4 % und der Zinsfuß für Darlehen mit 5 % festgesetzt.5 Die Mitgliederzahl stieg in den folgenden Jahren ständig an und erreichte bis 1912, dem Austrittsjahr Rädlers aus der Kasse, 222 Mitglieder. Der Umsatz in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wuchs kontinuierlich an, sodaß die Spar- und Darlehenskasse für mehrere öffentliche Bauten der Gemeinde Darlehen gewähren konnte. Das Warengeschäft nahm man 1895 auf, beschränkte sich aber auf Kunstdünger, Viehsalz und Maismehl.6 Durch die Schaffung dieser Institution konnte die wirtschaftliche Not im Dorf zumindest gelindert und mit dem Warengeschäft die landwirtschaftliche Produktion gefördert werden. leben eine bedeutende Rolle. Das Fronleichnamsfest wurde mit einem Umzug der Schützen durch das Dorf gefeiert, wobei die Schützen und die Musik mitgingen. Die Zugordnung bei der Prozession wurde genau festgelegt und führte 1895 im Gemeinderat zu einer scharfen Diskussion, da sich 2 Musikgruppen gebildet hatten und nun um die Ehre stritten, an der Spitze des Zuges zu marschieren.2 Als besonderes kirchliches Fest gestaltete sich das 25-jährige Jubiläum von Papst Pius IX. im Jahre 1871, das man mit Feuerwerk, Böllerschießen und Gewehrsaluten feierte.3 Christbaumfeiern wurden 1832 für die Schuljugend eingeführt, wobei es zuerst zu Widerstand gegen diesen aus dem protestantischen Deutschland stammenden Brauch kam. Auf dem Dachboden der Schule wurden von den Sqhülern Weihnachtsspiele einstudiert und vor den Eltern aufgeführt.4 Auch Vereine führten für ihre Mitglieder Christbaumfeiern durch. So sind aus dem «Rössle»-Saal Christbaumfeiern im Jahre 1893 bekannt, wobei das Christlichsoziale Kasino und dann der Christlichsoziale Arbeiterverein diese Feiern organisierten.5 Als beliebte Formen der Geselligkeit werden in den Quellen auch Schlittenfahrten der Wolfurter in die benachbarten Ortschaften erwähnt.6 Zu Silvester zogen die Musikanten und Sänger durch das Dorf und überbrachten, wie auch heute noch üblich, den Dorfbewohnern Glückwünsche für das neue Jahr.7 Die Geselligkeit scheint von einigen Leuten im Dorf übertrieben worden zu sein, da sich der Gemeindeausschuß 1868 gegen das «Nachtschwärmen» der jungen Burschen aussprach und ein scharfes Vorgehen dagegen ankündigte.8 Ob man dieses Vorgehen auch wirklich durchführte und damit einen Erfolg hatte, ist in den Protokollen nicht erwähnt. 1883 sah sich der Gemeindeausschuß gezwungen, die Polizeistunde auf 11 Uhr festzusetzen.9 Als eine neue organisierte Form der Geselligkeit gestalteten sich ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Vereine. Es wurden ein Turnverein, Musikvereine und ein Veteranenverein gegründet.10 Der Turnverein erhielt 1886 von der Gemeinde als Übungsraum 2 Schulklassen im alten Schulhaus zugewiesen.11 Diese Vereine organisierten in der Faschingszeit Bälle. Wie vielfältig das Angebot der Bälle war, sieht man daran, daß beispielsweise im Jahres 1884, kurz hintereinander ein Stickerball, Schützen-, Sänger- und Boltzschützenbälle abgehalten wurden.12 Diese Feiern und Feste fanden in wirtschaftlichen Notzeiten, wie während der Stikkereikrise 1904, nicht statt.13 Als Zentren der Geselligkeit fungierten damals wie ja auch heute noch die Gasthäuser. 1891 gab es in Wolfurt 12 Gasthäuser, was einem statistischen Durchschnitt von 158 Einwohnern pro Gasthaus entsprach.14 In diesem Jahr wechselten mehrere Gasthäuser ihre Besitzer. Tanzveranstaltungen waren ebenfalls ein beliebter Treffpunkt, wobei man diese Tänze bei der Gemeinde anzumelden hatte, da sie besonders besteuert wurden. Spontane, nicht angemeldete Tänze bezeichnete man als «Winkeltänze» und die Veranstalter wurden nach der Ausforschung von der Gemeinde verwarnt. Ein Beispiel dafür ist ein Verbot der Winkeltänze aus dem Jahre 1832. Die normalen Tanzveranstaltungen wurden in den Wirtshäusern des Dorfes durchgeführt.15 35 IV. Geselliges Leben Beim Versuch einer Darstellung der Wolfurter Dorfgeschichte im 19. Jahrhundert muß auch auf die verschiedenen Formen der Unterhaltung und Geselligkeit eingegangen werden. Es ist gut vorstellbar, daß während der Frühindustrialisierung bei der einförmigen Tätigkeit am Webstuhl und am Spinnstock ein starkes Bedürfnis nach Geselligkeit und Unterhaltung entstand. Auch im bäuerlichen Milieu war ein solches Bedürfnis natürlich vorhanden, wobei aber das bäuerliche Arbeitsjahr mit seinem auf die Natur abgestimmten Rhythmus von Arbeit und Festen die Dorfunterhaltungen dominierte. Für Wolfurt ist über die verschiedenen Formen der Geselligkeit reichlich Quellenmaterial vorhanden. Eine besondere Form der Geselligkeit in Wolfurt waren die Theateraufführungen, die an verschiedenen Plätzen des Dorfes aufgeführt wurden. Es kamen dabei unter Beteiligung des ganzen Dorfes, Stücke wie «Wilhelm Tell», «Die Jungfrau von Orleans» und «Die Räuber» von Schiller zur Aufführung.1 Alle diese Theaterstücke wurden während des Faschings aufgeführt. Während des Faschings gab es auch Umzüge durch das Dorf, und auf Schauwagen wurden Szenen gespielt, wobei der Eindruck entstehen könnte, daß man teilweise einen makaberen Humor hatte. So stellte man z. B. 1850 auf einem Wagen einen Leinenweber mit vielen Kindern und einem Gerichtsschreiber, der das Eigentum des Webers für die Versteigerung notierte. 1914 wurde dann ein Schiff «Titanic II.» im Umzug mitgeführt, das für die Stickerei neue Absatzmärkte finden sollte. Man sieht, daß das Volk damals reale wirtschaftliche Probleme auf satirische Art und Weise im Fasching darstellen konnte. Auch kirchliche Festtage spielten im Dorf34 Quellenverzeichnis: Zeitungen: Vorarlberger Volksblatt Vorarlberger Landbote Feldkircher Zeitung Archive: Vorarlberger Landesarchiv: Bestand Kreisamt Bestand Bezirkshauptmannschaft Gemeindearchiv Wolfurt: Akten in Schachteln nach Jahrgängen geordnet Steuerbücher Gemeindeausschußprotokolle (GAPR) Chroniken Ferdinand und Mathias Schneider Armenvorsorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Stadtarchiv Bregenz, Akt 703 GAPR 27.7.1901, 9.8.1905 GAPR 29.8.1905 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800, Bericht GAPR 4.12.1867 und 12.7.1872 GAPR 4.12.1867 und Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 94, 1869 GAPR 26.4.1872, Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1868, Akt vom 1.4.1868 GAPR 25.2.1874 GAPR 23.11.1875 GAPR 17.9.1882 AUFBAU DER INFRASTRUKTUR Schulen Bevölkerungsbewegung 1 Statistische Unterlagen: Mathias Schneider, Wolfurter Chronik, Manuskript Original im Gemeindearchiv; Wolfurter Statistiken im Gemeindearchiv, Sch 1800; Beiträge zur Österreichischen Statistik Heft 630/1 A, S. 87 Franz Leitzinger, Die Bevölkerungsbewegung in Vorarlberg seit 1873 und der Stand der Bevölkerung im Jahre 1890, Bozen 1898, S. 9. Haushaltsstrukturen 1839 Gemeindearchiv Wolfurt Wolfurt, Sch 1800 1 2 3 4 5 6 7 Gemeindearchiv Wolfurt, Schachtel 1800 GAPR 20.11.1867 GAPR 23.5.1874 GAPR 27.11.1874 GAPR 12.11.1871 und Gemeindearchiv Sch 1869 GAPR 27.11.1875 Vorarlberger Landbote Nr. 19, 1891 und GAPR 23.10.1899 Straßen 1 2 3 4 5 6 Schneider, Chronik Gemeindearchiv Wolfurt, Bekanntmachung der Gemeinde Nr. 47 vom 17.4.1859 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 ebd. Feldkircher Zeitung 2.4.1881 und 23.4.1881 GAPR 25.11.1882 Fremde 1 2 3 4 5 6 7 8 9 GAPR Bevölkerungsstatistik Sch 1800 Egon Sinz, Kennelbach. Die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 138. Reinhard Johler, Mir parlen Italiano und spreggen Dütsch piano. Feldkirch 1987, S 25. GAPR 23.1.1878 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1860 GAPR 14.10.1897 GAPR 15.7.1899 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschlüsse GAPR 29.5.1901, 6.10.1903, 29.4.1904 und 28.2.1903 Brücken 1 2 3 4 5 6 7 8 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeinderechnungen 1816 GAPR 29.9.1867 GAPR 5.11.1895 GAPR 9.8.1899 und 15.9.1900 GAPR 16.2.1901 GAPR 17.4.1901 GAPR 8.5.1902 und 10.9.1903 GAPR 14.3.1904 Eheerlaubnis 1 GAPR 9.2.1868 2 aus Gemeindeausschußprotokoll im Gemeindearchiv errechnet Straßenbau Dornbirn-Kennelbach 1 2 3 4 5 6 Feldkircher Zeitung, 8.5.1897 GAPR 17.3.1897 GAPR 24.4.1897 GAPR 18.11.1897 GAPR 9.8.1899 Gemeindeblatt Dornbirn, 30.11.1902 Fabriksarbeiter 1 2 3 4 5 Gemeindearchiv Wolfurt, Sch 1800 F. Schneider, Chronik, S. 166 F. Schneider, Chronik, S. 35 Egon Sinz, Kennelbach, die Geschichte einer Industriegemeinde. Kennelbach 1987, S. 136 GAPR 15.7.1899 6 Schneider, Chronik, S. 222, 223, 225 Entwässerung 1 Gemeindearchiv Wolfurt. Faszikel Riedteilung 2 GAPR 9.1.1901, 16.2.1901, 17.4.1901 3 GAPR 15.12.1901 und GAPR 9.8.1906 36 37
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...995_M Wolfurt 01.03.1995 19.11.2012, 18:30 Heft 15 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 1995 Wolfurter Ordensschwestern 1989. Vorne Sr. Angelika Gunz, Sr. Auxilia Devich, Sr. Anna Moosbrugger und Sr. Clarina Mittelberger. Dahinter Sr. Karla Thaler, Sr. Josefa Maria Hager, Sr. Regina Pichler, Sr. Isabella Schedler und Sr. Christiana Lipburger. Inhalt: 71. 72. 73. 74. Die Krankenschwestern Hausnamen Bier für St.Louis (Auswanderer 5) Vornamen Zuschriften und Ergänzungen Bildnachweis 2 Sr.Leonis Maurer, 2 Alfons Kalb, 1 Meinrad Pichler, alle anderen sind Fotos oder Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim Druckfehler In Heft 14 sind wieder zwei Jahreszahlen falsch. Aufmerksame Leser haben das sicher bemerkt: Seite 4: Johann Michael Beer I. von Bildstein wurde 1696 in Au geboren. Seite 20: Die Lauteracher Eisenbahnbrücke wurde am 30. Juni 1872 in Betrieb genommen.—Bitte ausbessern ! Auch im neuen Wolfurtbuch „Ein Dorf verändert sich" wurden bereits zwei Fehler entdeckt: Bild 238, Text im Anhang, letzte Zeile: Der Zimmermannsgeselle bei Sammüllers Eduard hieß nicht Moosbrugger, sondern Muxel Leonhard. Bild 77: Hier wurde ein fremdes Bild eingeschoben. Das war nicht der alte Altar von Rickenbach, sondern der von Farnach. Wir bitten um Entschuldigung! Danke! Den dem letzten Heft beigelegten Erlagschein haben die meisten Bezieher unserer Zeitschrift wieder genutzt. Andere werden das noch tun: Konto 87 957 Raiba Wolfurt. Einige sehr namhafte Beträge sind eine Bestätigung für die Wertschätzung unserer volkskundlichen Arbeit. Allen sagen wir herzlichen Dank ! Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1995 wieder durch Frau Carmen Haderer vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Die Gemeinde trägt ja dankenswerterweise den Abgang. Abbestellen - Bestellen Sollte jemand kein Interesse am weiteren Empfang der Hefte haben, so bitte ich um telefonische Information. Für den Papierkorb sind uns die Büchlein zu schade. Es besteht übrigens immer wieder Nachfrage nach den vergriffenen alten Heften, besonders nach den Nummern 1 bis 5. Kann sie jemand abgeben? Auch Neubestellungen nehmen wir gerne an. Wir schicken „Heimat Wolfurt" ja nicht als Postwurfsendung, aber doch an alle, die die Zusendung wünschen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Stammvater Fischer (Heft 14, S. 1): Immer noch zeigen sich Fischer-Nachkommen überrascht darüber, daß ihr Stammvater in Wolfurt ein Pfarrer gewesen ist. Sebastian Fischer findet sich aber nicht nur in den Ahnentafeln der Fischer, sondern genau so bei Heims, Hintereggers, Höfles, Mohrs und noch bei vielen anderen Familien. Fußball und Liebe (Heft 14, S. 2): Der erste FC-Tormann im Jahre 1947 sei Doppelmayrs Arthur gewesen. Das berichten übereinstimmend einige alte Fußballer. Wegen seines Studiums stand er allerdings nicht immer zur Verfügung. Arthur war aber auch Leichtathlet und stellt noch heute bei den Turnern und auf dem Tennisplatz seinen Mann. Ein Hauch Barock (Heft 14, S. 3): Der Bericht über den Baumeister Johann Michael Beer I. von Bildstein hat besonders Pfarrer Hinteregger und Bürgermeister Lenz gefreut. Letzterer hat darüber sogar in der Gemeindevertretung berichtet. Die Bildsteiner suchen nun nach einer Möglichkeit, das Andenken an ihren wohl berühmtesten Bürger zu festigen. Die Ach und die Ächler (Heft 14, S. 9): Wegen dieses Artikels ist eine ganze Reihe von Nachbestellungen eingetroffen. Altbürgermeister Emil Geiger erkannte auch die beiden Männer auf dem Bild Seite 35: Hinten links von Schertlers Alfred Zwickles Johann, rechts Österles Pepe. Aus Bregenz schickte Walter Präg einen umfangreichen und interessanten Fachbeitrag. Er nimmt Bezug darauf, daß die Ach bis ins Mittelalter einfach die „bregez" hieß. Der gleiche Flurname findet sich bei anderen Gewässern am Tannberg, im Schwarzwassergebiet und in Unterdamüls. Zum selben keltischen Stammwort gehören auch „Brigach" und „Breg", die Quellflüsse der Donau. Demnach hat nicht die Stadt Bregenz dem Fluß den Namen gegeben, sondern umgekehrt ist der Flußname auf die keltische Siedlung auf seiner Uferterrasse übertragen worden. Wolfurter Alpbesitzungen (Heft 14, S. 48): Hierher paßt als Ergänzung ein Beitrag, den der aus Wolfurt stammende Historiker Christoph Volaucnik in der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von 1917 für uns ausfindig gemacht hat. Dort wird aus dem Hofener Urbar von 1620 berichtet, daß das Kloster Hofen (im heutigen Friedrichshafen) um 600 Gulden in Wolfurt einen Besitz erworben hat. ,Es ist dies Haus, Hof, Stadel, Kraut- und Baumgarten samt ganzer Ehäfti an der Huob zu Wolfurt, unweit Bregenz schon jenseits der ersten Brücke über die Ach gelegen, das, wie es ausdrücklich in dem Aufschrieb heißt, um deswillen gekauft wurde, damit das Hofische Vieh, wenn es in und aus den Alpen getrieben wird, eine gewisse Herberg und Weid habe." Solch mehrtägige Viehtriebe mit Rastplätzen kennt man heute noch vom Wöster-Vieh im Bregenzerwald. In Wolfurt erinnern sich ältere Leute noch an den jährlichen großen Auf1 trieb von Lochau über Wolfurt nach Sibratsgfäll, den das tiefe Dröhnen der Rumpeln, das Jauchzen der Hirten und der Ruf „Do Stadlar kut!" schon lange vorher ankündigten. Ahnenforscher aus der Fremde - Auswanderer. Wieder sind verschiedene Gruppen von Leuten aufgetaucht, um in Wolfurt nach ihren Ahnen zu fragen. Zuerst kamen in den ersten Juni-Tagen 1994 fünf Geschwister Pfersich aus Osterfeld in der ehemaligen DDR. Ein Leben lang hatte ihnen ihr Vater, der dort als Bergmann unter Tage arbeiten mußte, von seiner sonnigen Heimat Wolfurt erzählt. Wilhelm Pfersich, Jahrgang 1901, war in Schertler Lenas Haus an der Flotzbachstraße aufgewachsen und hatte Wolfurt 1925 verlassen. Leider erlebte er die Wende in Ostdeutschland nicht mehr. Umso begeisterter äußerten sich seine Kinder über unser schönes Land, schauten vom Gebhardsberg und vom Pfänder ins Tal, besuchten die Bürgermeister von Wolfurt und Bildstein und blätterten in den alten Kirchenbüchern. Erstaunt zeigten sie sich, aus beengten Industriewohnungen kommend, daß zur Zeit die beiden schönen alten Bauernhäuser, in denen einst ihr Großvater gewohnt hatte, praktisch leer stehen: Sattler Köbs auf der Steig und Schertler Lenas im Flotzbach. Ganz überraschend tauchte dann im Oktober aus Oberösterreich ein weiterer Sohn des Wilhelm Pfersich auf, der nach seinem Vater fragte und erst bei uns die Adressen seiner fünf Stiefgeschwister fand. Zu Weihnachten hat er zum ersten Mal mit ihnen gesprochen. Unsere Krankenschwestern 1995: Sr.Paulina und Sr.Barbara Im September kam Scott Brunner aus Green Bay, Wisconsin/USA, um auf den Spuren seines Vetters Wilfred Schneider (Heft 13, S. 38) ebenfalls einige Tage lang seine wiedergefundenen Wolfurter Verwandten und die schönsten Plätze am Steußberg zu besuchen. Übrigens hatten beide eigens zu diesem Zweck ein erstaunlich gutes Deutsch gelernt. Scott schreibt sogar schon seine Briefe in Deutsch. Jetzt kann er auch die noch erhaltenen Grabsteine seiner Auswanderer-Vorfahren in Amerika entziffern. Im Oktober 1994 überraschte uns dann noch das Ehepaar Grobl aus Naperville, Illinois/USA. Luise Grobls Urgroßvater Matthew Schneider ist 1866 aus dem Haus Frickenescherstraße 4 nach Amerika ausgewandert. Als Bauunternehmer kam er zu Besitz und gründete auch eine Blasmusik, die Pinckneyville-Band. Dagegen ist sein begabter Bruder, der Oberschützenmeister und Numerant Ferdinand Schneider, völlig verarmt 1917 daheim in Wolfurt gestorben (Heft 13, S.39). Frau Grobl hat inzwischen u.a. eine Reihe von Liedtexten aus Österreich, die ihr Urgroßvater aufgeschrieben und in der Familienbibel aufbewahrt hatte, zum Übersetzen geschickt. Für sie bedeuten die mit Bleistift bekritzelten Papiere eine wichtige Verbindung zur alten Heimat. Von ihrer riesigen Schneider-Verwandtschaft haben weitere Gruppen ihren baldigen Besuch in Wolfurt angekündigt. Von den vielen Weihnachtsgrüßen, die die Auswanderer an uns alle richteten, möchte ich nur einen aus dem Indianerland Colorado für alle anderen sprechen lassen: May the Great Spirit watch over you as long as the gross grows and the water flows! 2 Siegfried Heim Die Krankenschwestern Still knien die Ordensfrauen beim Gottesdienst in der Wolfurter Kirche St.Nikolaus. In der zweitletzten Bank vor dem Kreuzgang auf der Frauenseite. Andächtig ins Gebet versunken, gebeugt das Haupt, dunkel die schlichte Tracht, ein schmaler weißer Leinenstreifen nur über der Stirn. Dann eilen sie schnell wieder ihre Wege. Sr.Paulina muß zu den Kranken. Sr.Barbara geht heim in die Schwesternwohnung beim Altersheim an der Gartenstraße. Dort führt sie den Haushalt. Sie ist ja mit fast 79 Jahren „im Ruhestand". In St.Leonhard im Pitztal, hoch oben in den Tiroler Bergen, wurde sie 1916 als 15. von 16 Kindern auf einem kleinen Bergbauernhof geboren. Schwere Arbeit gehörte zu ihrer Jugend, besonders als die Brüder in den Krieg eingezogen wurden. Drei sind gefallen, ein vierter beim Heuziehen verunglückt. Erst 1945 konnte Maria Haid ins Kloster in Hall eintreten, wo sie 1947 als Sr.Barbara ihr Gelübde ablegte. Viele Jahre lang hat sie dann in 3 den Sanatorien Innsbruck und Rum gearbeitet. 1991 wurde sie nach Wolfurt gerufen. Wenn Gott es will, kann sie bei uns in zwei Jahren ihre Goldene Profeß feiern. Sr.Paulina (Rosalia) Brem wurde 1932 in Münster, im Tiroler Unterinntal, geboren. Schon 1954 trat sie ins Kloster Hall ein, erhielt dort die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester und legte 1959 ihr Gelübde ab. Nun tat sie Dienst an den Krankenhäusern in Hall und in Kufstein und dann in der Hauskrankenpflege in Innsbruck. Schließlich wurde sie als Stationsschwester ins Sanatorium Mehrerau versetzt. Der Schwesternmangel zwang 1992 die Kreuzschwestern zur Aufgabe ihrer dortigen Niederlassung. Jetzt übernahm Sr.Paulina die Hauskrankenpflege in Wolfurt. An ihrem langen Werktag arbeitet sie eng mit dem Pfarrer, den Gemeindeärzten und den Spitälern zusammen. Oft wechselt sie schon früh ab 6 Uhr die ersten Verbände, mißt Fieber und Blutdruck, salbt wunde Rücken und reicht ihren Kranken die vorgeschriebenen Medikamente. Viele einsame Alte brauchen ihren oftmaligen Besuch, neben Pflege auch Zuspruch und Rat oder aber auch ein gemeinsames Gebet. Denn Sr.Paulina sieht ihre Aufgabe in einer ganzheitlichen Pflege, in Heilung für den wunden Leib verbunden mit seelsorglicher Hilfe. Jeden Monat einmal bringt sie über Wunsch sogar die Hl. Kommunion ins Krankenzimmer und immer wieder soll sie den Pfarrer holen. Wenn sie an einem Tag manchmal besonders viele Besuche zu machen hat, leistet ihr das Auto unentbehrliche Dienste. Sie schätzt es aber auch für den Besuch der Gottesdienste, besonders zur Frühmesse bei den Kapuzinern in Bregenz und zu einem kurzen Innehalten in der dortigen Lourdesgrotte. Schnell ist sie dann wieder bei den Kranken, darf vielleicht sogar einen Sterbenden in seiner letzten Stunde begleiten. „Wir sind gerne in Wolfurt", sagt Sr.Paulina. „Ich spüre die Freude der Patienten und daß ich erwartet werde. Da komme ich gern!" Unsere Krankenschwestern! Pflegerinnen, Helferinnen, Trösterinnen. Christen! Kreuzschwestern Unsere Krankenschwestern sind „Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz" aus dem Provinzhaus Hall in Tirol. Sie nennen sich selbst schlicht „Kreuzschwestern". Ihr Gründer ist der Schweizer Kapuziner und Sozialapostel Pater Theodosius Florentini, 1808 -1865. Der begabte arme Ladiner Bauernbub aus dem Münstertal hinter dem Ofenpaß ließ schon während seines Studiums durch besondere Leistungen aufhorchen und wurde bereits mit 22 Jahren zum Priester geweiht. Bald geriet er in den Schweizer Kulturkampf, wurde von der liberalen Regierung steckbrieflich mit einer Fangprämie von 600 Franken gesucht und schließlich wegen „Aufwieglerei" zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Große Gebiete derSchweiz waren damals noch außerordentlich arm und rückständig. Erst 1848 wurde die Schulpflicht eingeführt. Die christliche Bildung sah P. Theodosius als seine Hauptaufgabe 4 und begründete deshalb 1844 in Altdorf eine neue Kongregation nach der Regel des Hl.Franziskus von Assisi. Daraus erwuchs unter der ersten Generaloberin Mutter Maria Theresia Scherer der Orden der Kreuzschwestern. Im Jahre 1856 errichteten sie ihr erstes Mutterhaus zu Ingenbohl oberhalb von Brunnen am Vierwaldstätter See. Dort ist seither der Hauptsitz der Kreuzschwestern. Von Anfang an hatte das Kloster eine ungeheure Ausstrahlung. Die Idee von der „Caritas", der tätigen Nächstenliebe, faszinierte viele junge Frauen. Auch aus Wolfurt wählten einige den Weg nach Ingenbohl. Eine davon war Franziska Schwerzler von Toblers in der Bütze, die dort um das Jahr 1900 als Sr. Nivarda eintrat. Anna Maria Bildstein aus dem Röhle ging 1914 als Sr. Gottfrieda in das Kloster Heiligenkreuz in Cham im Kanton Zug. Mutter Maria Theresia Scherer, Mitbegründerin der Kreuzschwestern von Ingenbohl Ungeheuer groß wurde bald der Aufgabenbereich, dem sich die Schwestern stellten: Schulen zuerst und Mädchenheime, dann Fortbildungsschulen und Lehrerbildungsanstalten. Von Anfang an aber auch Armen- und Waisenhäuser, bald auch Krankenhäuser und Lazarette in Kriegen und bei Cholera-Epidemien. Ihre ganz besondere Fürsorge schenkten die Kreuzschwestern aber den allerärmsten Mitmenschen in Taubstummenschulen, Heimen für geisteskranke Kinder und in den damals noch so gefürchteten Irrenanstalten. Von allen Seiten rief man nun nach ihnen. Schnell breitete sich der Orden über die Schweiz hinaus besonders in der österreichisch-ungarischen Monarchie bis Böhmen und Kroatien aus. Jede Stadt wollte ihr Spital den Schwestern anvertrauen. Nach Vorarlberg holte sie zuerst 1874 der liberale Bürgermeister Dr. Waibel von Dornbirn. Er war selbst Arzt und übergab nun die 100 Jahre alte und furchtbar verwahrloste Kaserne an der Sägerbrücke den Schwestern, die daraus das spätere Stadtspital formten. 1876 kam der Orden nach Innsbruck. Dort wuchs mit den Aufgaben die Zahl der Schwestern so stark an, daß 1904 eine eigene Ordensprovinz mit über 200 Schwestern errichtet werden konnte. Sie erbauten 1910 für sich ihr neues Provinzhaus in Hall. Von Hall aus wurden nun die großen und kleinen Niederlassungen in den Städten und die zahlreichen Krankenstationen in den Dörfern betreut. Wichtigste Zentren in Vorarlberg 5 ziehung junger Menschen und bei der Pflege von kranken, alten oder von behinderten Hilfsbedürftigen den sich ständig wandelnden Anforderungen. Während sich aber in manchen Provinzen weiterhin zahlreiche junge Frauen in feierlicher Profeß zum Ordensleben bekennen, gehören zur Provinz Hall nur mehr etwas über 200 Kreuzschwestern. Von diesen sind viele schon weit über 6o Jahre alt. Wohl harren sie bewundernswert lange bei ihrer Arbeit aus, aber schließlich müssen sie doch in die Obhut ihrer Mitschwestern im Mutterhaus zurückkehren. In Vorarlberg sind 1995 nur mehr sechs Stationen besetzt. Geblieben ist das Institut St. Josef in Feldkirch mit Schulen, Internat und vielerlei Aufgaben in der Pfarre und in der Sonderschule Jupident. Daneben gibt es noch fünf von den einst so zahlreichen Niederlassungen für Krankenpflege: Bludenz, Götzis, Dornbirn, Lustenau und -ja, Gott sei Dank! - und Wolfurt. Krankenpflege in Wolfurt Seit 1928, also nun schon fast 70 Jahre lang, wirken Haller Kreuzschwestern als Krankenschwestern in Wolfurt. Hier hatte von 1916 bis 1936 der aus Buch stammende Pfarrer Simon Stadelmann die Verantwortung als Seelsorger. Und Sorgen gab es für ihn gar viele in den Jahren nach dem verlorenen Weltkrieg. Zu Hunger und Arbeitslosigkeit hatte sich tiefe Verzweiflung gesellt. Ohne große Hoffnung wanderten ab 1923 ganze Gruppen von jungen Menschen nach Amerika aus. Alte und Kranke aber blieben oft in ihrer Not allein. Familie Schwerzler, Toblars in der Bütze, kurz bevor Franziska als Sr.Nivarda um 1900 ins Kloster eintrat. VaterFerdinand, Mutter Anna Maria, Franziska mit den Brüdern Josef und Martin und Tante Maria Anna Dür. wurden das 1911 in Feldkirch errichtete Institut St. Josef mit dem dazu gehörigen Antoniushaus und das Sanatorium Mehrerau. Auf seine große Blüte folgte für den Orden die schwere Heimsuchung in den Jahren 1938 bis 1945. Aus den Schulen und Kindergärten wurden die Schwestern entlassen, die Häuser alle für Lazarette beschlagnahmt. Als Krankenpflegerinnen waren die ausgebildeten Fachkräfte aber gerade in der Kriegsnot unentbehrlich, wenn man ihnen die Arbeit auch schwer machte. Neueintritte waren verboten. Nach 1945 bestürmten Bürgermeister, Pfarrer und Ärzte die Ordensoberin und baten um Wiedererrichtung der verwaisten Stationen. Viele Wünsche konnten nicht mehr erfüllt werden. Im Gegenteil: Ein neuer Zeitgeist im anbrechenden Wohlstandszeitalter machte Berufungen zu karitativem Dienen immer seltener. Der Nachwuchsmangel zwang dieMutter Oberin, immer mehr von den einst so zahlreichen Stationen zu schließen. Zuletzt wurden die Kreuzschwestern sogar noch aus dem wegen der hervorragenden Pflege so sehr geschätzten Sanatorium Mehrerau abgezogen. Weltweit wirken derzeit etwa 7 000 Kreuzschwestern in 15 Provinzen und drei Missionsgebieten. In ihrem ungeheuer groß gewordenen Aufgabengebiet stellen sie sich bei der Er6 Pfarrer Stadelmann hatte von der segensreichen Arbeit der Kreuzschwestern in einigen Nachbarorten gehört. Um aber eine Station nach Wolfurt zu bekommen, mußten zuerst die finanzielle Grundlage und eine Wohnung bereit gestellt werden. Den Anstoß dazu gab ein Vermächtnis. In „Draiars Seago" am Holzerbach in Unterlinden lebte 1923 „s Agathle", Maria Agatha Böhler, 1848 dort geboren und nun 75 Jahre alt. Ihr Vater Martin Böhler, ein Verwandter der Holzer-Schmiede, hatte Mühle und Säge 1842 vom „Draiar" (Spulendrechsler) Carl Zuppinger erworben. Nun war er längst tot und auch die Mutter Kreszentia und die sechs Geschwister waren gestorben. Als Agatha selbst erkrankte und beim Pfarrer Hilfe suchte, gab ihr dieser den Rat zu einer Stiftung. Darauf vermachte sie in einem Testament ihren Grundbesitz, bestehend aus einem Acker im Schmerzenbild und drei Streueparzellen im unteren Weitried, einer noch zu errichtenden „Kreuzschwesternstiftung in Wolfurt". Sie bestimmte auch den Stiftungszweck: „armen und kranken Personen der Gemeinde Wolfurt billige Pflege durch Barmherzige Schwestern vom hl. Kreuz angedeihen zu lassen". Am 18. Sept. 1924 starb Agatha Böhler. Ihre Stiftung besteht bis heute fort und auch alle vier Grundstücke sind noch in deren Besitz. Zunächst sollte ein Krankenpflegeverein gegründet werden. Ein Proponentenkomitee, bestehend aus Pfarrer Stadelmann, Vorsteher Ludwig Hinteregger, Sprengelarzt Dr. Eugen Lecher, Wagnermeister Johann Heitz und den Damen Mina Österle und Regina 7 troffen, „daß zwei Schwestern für die Krankenpflege bis spätestens 20. April in Wolfurt eintreffen werden". Als Bedingungen stellte sie, wie an anderen Orten in Vorarlberg auch, „freie, vollständig eingerichtete Wohnung, inbegriffen Licht, Wasser, Brennmaterial", dazu einen Monatsgehalt von 60 Schilling für jede Schwester und jährlich „ein Paar neue Schuhe und Schuhflicken". Die Wohnung wurde rechtzeitig fertig, Kohle und gehacktes Holz standen bereit. Wasser mußten die Schwestern allerdings beim Gemeindebrunnen vor dem Schulhaus in Kübeln holen. Am 19. April bewilligte der Kassier auch noch ein Lebensmittelpaket aus Köbs Lädele, denn heute sollten die Schwestern eintreffen. Mit zwei Autos holten sie der Pfarrer, der Vorsteher, der Gemeindearzt und Kassier Heitz am Bahnhof in Bregenz ab und geleiteten sie in ihr neues Heim. Am 20. April 1928 nahmen Sr. Agnes und Sr.Gordiana ihre segensreiche Tätigkeit auf. Schon eine Woche zuvor hatte der Krankenpflegeverein mit jetzt 263 Mitgliedern unter Obmann Pfr.Stadelmann seine Statuten beschlossen. Nun wurde mit Sr.Oberin Knoflach in Hall ein umfangreicher Vertrag ausgefertigt, der neben der Versorgung der Schwestern auch deren Aufgaben genau regelte. Aus dem Kassabuch Die Eintragungen von Kassier Heitz bei der Einrichtung der Schwesternwohnung 1927/ 28 nennen nicht nur alte Wolfurter Geschäfte und Handwerker, sondern sind auch als Information über die damaligen Preise interessant. Eine kleine Auswahl: 19.10.27 29.10.27 Rudolf Fischer, Möbel für Wohn- und Schlafzimmer Johann Bernhard, Möbel für Küche u. Fremdenzimmer Conrad Bohle, Kissen und Decken Albert Klimmer, Verschiedenes Franz Jos. Köb, neue Unter- u. Obermatratzen und ein Diwan Anton Haneberg, Schreinerarbeiten Julie Böhler, Näharbeiten Hirschbühl, Küche reinigen Rosa Grass, Näharbeiten Johann Bernhard, ein Tisch und ein Betstuhl Albert Loacker, ein Bügeleisen Josef Rohner, 2 Mtr. Brennholz Martin Fischer, Holz spalten Wilhelmina Köb, Lebensmittel S 1.021,00 471,00 183,14 28,00 512,80 53,60 19,10 1,50 13,41 37,30 27,78 51,00 15,00 6,22 120,00 113,30 Draiars Seogo am Holzerbach im Unterlinden. Hier wohnte bis 1924 Agatha Böhler, die mit ihrem Besitz den Grundstein für den Krankepflegeverein legte. Fischer, übernahm die Vorarbeit und die Ausarbeitung von Statuten. Am Ostermontag, 5.April 1926, wurde im Vereinshaus der Krankenpflegeverein gegründet. Schon im ersten Jahr traten 267 Mitglieder bei, um sich mit einem Beitrag von 10,— S (damals für die meisten viel Geld!) unentgeltliche Pflege im Krankheitsfall zu sichern. Längst hatte der Pfarrer Bittbriefe an die Kreuzschwestern in Hall geschickt. Die ersten Antworten waren Absagen: „heuer leider noch nicht". Aber Pfr.Stadelmann gab nicht auf. Gerade hatte die Gemeinde das Haus gegenüber der Schule gekauft und das Postamt vom Sternen dorthin verlegt. Über Ersuchen des Pfarrers machte nun Frau Maria Winder ihre Mietwohnung im zweiten Stock frei und übersiedelte mit Unterstützung durch den Krankenpflegeverein in Böhler Ottos Haus beim Sternen. Jetzt konnte die Wohnung über dem Postamt als künftige Schwesternwohnung adaptiert werden. Der Wagnermeister Johann Heitz, Gründer und Leiter der Sanitätsabteilung der Wolfurter Feuerwehr, beaufsichtigte als verantwortlicher Kassier die Reparatur der Räume und die Anschaffung der notwendigen Fahrnisse. Als die Beiträge der Mitglieder und die bei Sterbefällen reichlich fließenden Spenden nicht ausreichten, half der Pfarrer mit einem Darlehen aus. Es eilte plötzlich, denn aus Hall war mit Schreiben vom 15. Februar 1928 endlich die so sehnlich erwartete Mitteilung von Sr. Oberin M.Augusta Knoflach einge8 11.11.27 24.11.27 11.12.27 9. 1.28 13.1.28 17. 2.28 1. 3.28 6. 4.28 9.4.28 19.4.28 Aus den folgenden vielen Posten noch zwei zum Vergleich: 3. 9.28 Monatsgehalt für zwei Schwestern (je 60 Schilling) 16.3.29 Engelbert Brauchle, Schuhreparatur und zwei Paar neue Da hatten die Schwestern also im Dienst für die Wolfurter Kranken bereits ihre ersten Schuhsohlen durchgelaufen! 9 Johann Heitz, Mitbegründer des Krankenpflegevereins Pfarrer Simon Stadelmann, Gründer des Krankenpflegevereins Wolfurt Die Post kurz vor dem Abbruch 1965. Von 1928 bis 1963 wohnten im zweiten Stock die Krankenschwestern. Ein Jahr später konnte der Pfarrer voll Freude in der Versammlung des Krankenpflegevereins berichten: „Das Samenkorn ist mit Gottes Hilfe aufgegangen, es trägt bereits herrliche Blüten." Von Anfang an war man mit den Schwestern sehr zufrieden. Schon in den ersten zehn Monaten machten sie 1850 Krankenbesuche und hielten 15 Tag- und 59 Nachtwachen. Diese Zahlen stiegen in den nächsten Jahren auf mehr als das Doppelte. Die Gemeinde zeigte ihre Anerkennung dadurch, daß sie dem Verein die Wohnung kostenfrei überließ. Im Jahre 1932 starb der um den Verein hochverdiente Kassier Johann Heitz. Seine Tochter Maria Heitz übernahm für viele Jahre das oft unbedankte Amt. In der Zeit der Wirtschaftskrise war ja auch der auf 7, später sogar auf 6 Schilling ermäßigte Vereinsbeitrag für manche Familien kaum aufzubringen. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl ständig. Die Zahl der Krankenbesuche kletterte 1934/35 auf 4233. Alle die weiten Wege durch das langgezogene Wolfurt machten die Schwestern damals zu Fuß. Aber auch in ihrem bescheidenen Heim in der Post stellten sich jeden Tag Kranke und Verletzte an. Für ein Vergelt's Gott ließ man sich dort Verbände wechseln, eitrige Wunden mit Kamillentee baden oder eine Ziehsalbe auf einen heißen Abszeß auflegen. Und immer 10 taten die Krankenschwestern ihre Arbeit fröhlich, die Kranken freuten sich auf jeden Besuch. Bei Visitationen durch die Mutter Oberin aus Hall kam aber ein Problem zur Sprache: die weite Entfernung zur Kirche. Zu viel Zeit nahm der tägliche Weg zur Messe und zur Abendandacht in Anspruch. Und gerne wären die Schwestern öfter vor dem Altar gekniet, um neue Kraft für ihren Beruf zu holen! Mehrmals hatte die Oberin inzwischen neue Schwestern nach Wolfurt geschickt (Siehe Anhang!), bis im Oktober 1933 mit Sr.Epiphania jene Klosterfrau einzog, die nun in den folgenden 37 Jahren bei uns durch ihr Beispiel an Fleiß, Bescheidenheit, Einsatzfreude, Güte und Frömmigkeit das Bild der Krankenschwestern am meisten prägte. Ihr zur Seite stand, nicht minder geachtet und beliebt, ab 1935 Sr.Theodora. Unermüdlich sah man die beiden, „dio Klenn" und „dio Groß", wie man sie in Wolfurt bald liebevoll nannte, mit schnellen Schritten durch das Dorf zu ihren Kranken eilen. Nach ein paar Jahren erhielten sie vom Orden die Genehmigung zum Gebrauch von Fahrrädern. Das Erlernen des Radfahrens muß für die nicht mehr ganz jungen Frauen in 11 ihrer langen Ordenstracht eine besonders arge Prüfung gewesen sein, aber mit ihrem Gottvertrauen meisterten sie auch diese ohne größere Verletzungen. Nun stand ihnen mehr Zeit für die Kranken zur Verfügung und auch der weite Weg zur Kirche fiel nicht mehr so sehr ins Gewicht. Andere, schwerere Prüfungen standen den Schwestern und dem Krankenpflegeverein bevor. Im Februar 1936 war Pfarrer Simon Stadelmann, der Gründer und langjährige Obmann des Vereins, gestorben. Kaplan Johann Rein übernahm die Leitung. In seinem Tätigkeitsbericht vom März 1937 berichtet er noch von der Rekordzahl von 281 Mitgliedern, die die Arbeit der Schwestern über alles schätzen. 4200 Krankenbesuche haben diese im Berichtsjahr gemacht, dazu 120 Nachtwachen gehalten. Ein Jahr später ist der Anschluß Österreichs an Deutschland vollzogen, der Verein der N.S.Volkswohlfahrt unterstellt. Das Vereinsvermögen von 3562,41 Schilling wurde am 20. März 1938 in 2374,94 Reichsmark umgewechselt und beschlagnahmt. Bald danach wurde der Verein dann am 27.6.39 ganz „liquidiert". Nach außen aber änderte sich wenig: NS-Leute sammelten nun bei den gleichen Mitgliedern jährlich 4 RM ein. Und - fast ein Wunder in jener antichristlichen Zeit! - die Schwestern Epiphania und Theodora taten unverändert ihren Dienst an den Kranken. Zwar war das Schreiben des Kreisleiters vom 16. Jänner 1940 für Sr.Epiphania mit „Heil Hitler" an die „Krankenschwester Elise Härle in Wolfurt" gerichtet, aber es erlaubte ihr ausdrücklich, weiterhin im Auftrag der NSV die Krankenpflege durchzuführen. Als Vergütung wurden ihr monatlich von der Kreisamtsleitung in Bregenz 60,- RM überwiesen. Eine katholische Ordensfrau ganz offiziell im Dienst der NS-Kreisleitung! Welche Anerkennung für ihr selbstloses Wirken sogar durch dieses Regime! In den Anweisungen stand dann allerdings auch: „Es ist selbverständlich, daß sich Ihre Tätigkeit ausschließlich auf die Krankenpflege beschränken muß." Aber ihr stilles Beten und auch ihre Kirchenbesuche konnte den beiden Schwestern wohl niemand nehmen. Die im Grundbuch verankerte Kreuzschwesternstiftung erklärte der Bürgermeister allerdings für unmöglich. Er löste sie am 3. September 1942 mit Hilfe der deutschen Gemeindeordnung auf und übernahm die vier Grundparzellen in Gemeindebesitz. So wurde das auch vom Amtsgericht im Grundbuch eingetragen. Doch danach fragten die Schwestern nicht. Ihre Arbeit war ja davon nicht betroffen. Sie fragten auch nicht nach Rang, Herkunft und Weltanschauung ihrer Patienten. Als gegen Kriegsende immer mehr Flüchtlinge in Notquartieren untergebracht wurden, kümmerten sie sich auch um diese. Es wird erzählt, daß sie manchmal ein Stück Brot oder ein Stück Selchfleisch, das ihnen eine Bäuerin zugesteckt hatte, zu den hungernden Flüchtlingen trugen. Sie selbst streckten ihre karge Kost mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Dann kam im Mai 1945 das Kriegsende. Bald danach besprach der damalige Pfarrer Wilhelm Brunold mit dem wieder in seinem Amt befindlichen Bürgermeister Ludwig Hin12 teregger und dessen Bruder, dem Instrumentenmacher Gebhard Hinteregger, die zukünftige Gestaltung und Finanzerung der Krankenpflege. Nach Rückfrage bei den Schwestern sahen sie von einer Neugründung des aufgelösten Krankenpflegevereins ab. Zur Deckung der Kosten wurde eine jährliche Haussammlung mit freiwilligen Spenden beschlossen, die durch weitere Spenden anläßlich von Sterbefällen ergänzt werden sollte. Das neue Modell der Pfarrkrankenpflege ohne Verein bewährte sich, auch wenn es sonst nirgends im Land so gehandhabt wurde. Weiterhin konnten alle Bedürftigen im Ort ohne Unterschied der Person betreut werden. Gebhard Hinteregger kümmerte sich um die Organisation und trug selbst, unterstützt von Frau Berta Gmeiner, Fideles, die vielen kleinen und großen Spenden zusammen. Am 7. Jänner 1945 hatte Pfr. Brunold noch 3850 RM in ebenso viele österreichische Schillinge umgetauscht und dann als Grundstock an Hinteregger übergeben. Seither funktionierte die freiwillige Finanzierung. Auch die ehemalige „Kreuzschwesternstiftung" wurde wieder errichtet. Die Gemeindevertretung beschloß am 19.8.1948, die im Jahre 1942 enteigneten Grundstücke zurück zu geben. Sie wurden 1949 neu für die Stiftung verbüchert. Ein erster Wermutstropfen war, daß vom Provinzhaus aus das unzertrennliche Wolfurter Schwesternpaar getrennt wurde. Im August 1945 übernahm die „große" Sr.Theodora einen Posten in Lingenau, ein Jahr später in Lustenau. Sieben Jahre lang mußte die „kleine" Sr.Epiphania die anfallende Arbeit meist allein bewältigen, nur kurzzeitig konnte ihr der Orden Helferinnen senden. Umso größer war die Freude, als Sr.Theodora 1952 nach Wolfurt zurückkehrte. Zehn Jahre später wurde dann im März 1962 Sr.Epiphania nach Götzis versetzt. Der Mangel an Schwesternnachwuchs zwang um diese Zeit die Provinzoberin Sr.M.Angelina Neuhauser, eine ganze Reihe von Niederlassungen in Vorarlberg zu schließen. Mit Kennelbach und Lauterach sollten auch aus Wolfurt die Schwestern abgezogen werden. Allenfalls hätte dann noch eine auf der Platte in Bregenz bestehende Schwesterngemeinschaft Wolfurt mitbetreut. Damit war man aber in Wolfurt nicht einverstanden. Nacheinander intervenierten im Mutterhaus zunächst Pfarrer Willi und Bürgermeister Waibel, dann auch Gemeindearzt Dr.Schneider und vor allem der in Hall sehr geschätzte Obmann Gebhard Hinteregger. Wahrscheinlich hat auch das Gebet und Hoffen der Kranken dazu beigetragen: das Wunder geschah! Die Station Wolfurt blieb erhalten und - schon im Oktober 1963 kehrte Sr.Epiphania zurück. Für die Schwesternwohnung wurde ein Ersatz notwendig, weil die alte Post zum Abbruch bestimmt worden war. Obmann Hinteregger fand eine gute Unterkunft im Haus Rohner, Kreuzstraße 1, nahe bei der Kirche. Er kümmerte sich 1963 noch sehr um die Einrichtung und um den Umzug der Schwestern in ihr neues Heim. Ein Jahr später starb er. Die Obmannstelle übernahm sein Bruder, Altbürgermeister Ludwig Hinteregger. 13 Sr.Theodora und Sr.Epiphania, seit 1966 Ehrenringträgerinnen. Längst wollte man sich auch von Seiten der Gemeinde, die schon bisher die Wohnung gestellt und manche Unkosten getragen hatte, bei den beiden Schwestern für ihr Lebenswerk bedanken. Jetzt wußte Sozialreferent Hubert Mohr einen Weg. Nach dem neuen Gemeindegesetz konnte die Gemeinde einen Ehrenring schaffen. Auszug aus dem Sitzungsprotokoll vom 22.9.1966: In Würdigung ihrer aufopferungsvollen und vorbildlichen Tätigkeit in der Krankenpflege wird einstimmig beschlossen, den ehrw. Srn. Theodora (Paula) König und Epiphanie (Elisabeth) Härle den Ehrenring der Gemeinde zu verleihen. Am Sonntag, 4.Dez.l966, überreichte Bürgermeister Waibel in einer Festsitzung der Gemeindevertretung im Beisein von Vertretern des Ordens und der Pfarre die ersten Wolfurter Ehrenringe an die sichtlich erfreuten Schwestern. Doch deren Lebensjahre gingen nun zur Neige. Im Mai 1971 verabschiedete sich die gebrechlich gewordene Sr.Epiphania und kehrte ins Provinzhaus Hall zurück. Dort starb sie am 3.November 1970. Eine große Abordnung aus Wolfurt nahm an ihrem Begräbnis teil. Schon zwei Monate später übersiedelte im Jänner 1971 auch Sr.Theodora im Alter von über 80 Jahren aus Wolfurt nach Hall. Noch acht Jahre eines ruhigen Lebensabends schenkte ihr dort der Herrgott, bis er sie am 27.Jänner 1979 zu sich rief. In Wolfurt wird man sich der beiden Ehrenringträgerinnen stets mit Dankbarkeit erinnern. Auf ihrem Werk lag Segen. Jüngere Schwestern nahmen ihre Plätze ein, zuerst Sr.Anna und Sr.Auxilia, dann nacheinander Sr.Imelda und Sr.Christiana. 19 Jahre lang stand ihnen 14 Familie Fischer, Lammwirts. Vorne Rosa (Hinteregger), Mutter M.Katharina geb. Sonderegger, Vater Gebhard Fischer, Agatha. Hinten Dr. August Fischer als Kaiserjäger und Anna (Mohr). Agatha ist 1930 als Sr.Georgia ins Kloster eingetreten. von 1971 bis 1990 Sr.Clarina als Haushälterin treu zur Seite. Die jungen Schwestern besaßen einen Führerschein. Schon 1970 hatte ihnen die Firma Doppelmayr einen ersten VW gestiftet. Seither ermöglichen die Spenden immer wieder die Haltung eines bescheidenen Autos. Dadurch haben sich die Arbeitsbedingungen ganz entscheidend gebessert. Im neu eingerichteten Pfarrgemeinderat befaßte sich seit 1971 der Sozialausschuß unter Dr. Paul Schwärzler mit den Aufgaben der Pfarrkrankenpflege. Von Ludwig Hinteregger übernahm jetzt Werner Mohr die organisatorischen Aufgaben, vor allem die Bereitstellung der insgesamt beträchtlichen finanziellen Mittel. Seit nunmehr 24 Jahren bittet erjedes Jahr im Juli eifrige Sammlerinnen und Sammler um ihre Mitarbeit. Diese finden fast überall offene Türen, denn das Verhältnis zu unseren Schwestern ist weiterhin überaus herzlich. Über Initiative von Dir. Ferdinand Schwärzler aus Schwarzach schloß der Sozialausschuß der Pfarrgemeinde Wolfurt 1971 mit dem Krankenpflegeverein Schwarzach ein Übereinkommen, das das Aufgabengebiet der Wolfurter Krankenschwestern auch auf Schwarzach ausdehnte. Dort hatten bis 1968 Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke in Innsbruck die Kranken betreut. Nach der Verabschiedung von Sr.Andronika blieben die Schwarzacher drei Jahre lang schwesternlos. Ab jetzt aber fuhren zwölf Jahre lang die 15 notwendigkeiten und arbeitet auch mit den Ärzten eng zusammen. Natürlich kommt ihr die reiche Erfahrung als Stationsschwester im Krankenhaus sehr zustatten. Sie ist auch nicht mehr allein. Krankenpflegeschülerinnen aus Feldkirch vervollständigen bei ihr ihre Ausbildung. Junge Frauen aus Wolfurt, darunter Diplom-Krankenschwestern, helfen ihr wöchentlich wenigstens einige Stunden. Freiwillig übernehmen manche in Nachbarschaftshilfe die wichtigsten Handreichungen für einsame Kranke. „Es geht so weiter!", meint Sr.Paulina. Die Namen der Wolfurter Kreuzschwestern sollen nun im Anhang aufgeschrieben werden. Ihr Arbeiten, ihr stilles Opfern und Beten ist in einem anderen Buch aufgezeichnet. Vergelt's Gott! Kreuzschwestern in Wolfurt (Die folgenden Namen und Daten stammen zum allergrößten Teil von Sr.Leonis(Rosmarie)Maurer aus den Aufzeichnungen im Mutterhaus Hall) 1. Familie Thaler im Lo 1939. Vorne Resi, Mutter Marie, Theodor, Vater Kolumban Thaler, August. Dahinter Karl, Elsa und Siegbert. Karl und Siegbert sind gefallen. Elsa ging als Sr.Karla ins Kloster. 2. Schwestern Anna, Auxilia, Imelda und Christiana jeden Tag mit ihrem Auto nach Schwarzach und pflegten auch die dortigen Kranken. Ab 1983 kam dann eine weltliche Krankenschwester zum Einsatz. Im Oktober 1979 eröffnete die Gemeinde Wolfurt ihr schönes Altersheim mit angeschlossener Pflegestation an der Lauteracherstraße. Als Anbau hatte man ein kleines Klösterlein errichtet. Die Gemeinde hoffte damals noch, die Kreuzschwestern könnten auch die Betreuung der Schwerstkranken im Pflegeheim übernehmen. Wegen des immer größer gewordenen Schwesternmangels mußte die Oberin aber diesen Wunsch ablehnen. So wurde denn mit Frau Isabella Kaufmann eine weltliche Krankenschwester mit der Leitung des Heimes betraut. Die Kreuzschwestern übersiedelten in ihre neue Wohnung. Mit der Leitung des Altersheims halten sie seither guten Kontakt. Sie schmücken auch die dortige Hauskapelle. Seit einigen Jahren hat sich die Krankenpflege gewandelt. Schwerkranke kommen ins Krankenhaus, viele Pflegefälle in die Pflegestation. Dagegen werden Sr.Paulina in der Privatkrankenpflege oft Kranke nach einem Schlaganfall, nach Amputationen oder mit anderen großen Wunden zur Nachbehandlung zugewiesen. Sie erhält dann vom Spital jeweils einen Brief mit genauen Instruktionen über Medikamente, Verbände und Pflege/ 16 3. 4. 5. Sr.Agnes (Berta) Peer aus Tösens, Tirol, geb.7.10.1876, gest. 21.12.1939 Eintritt in den Orden 24.8.1907, Profeß 8.12.1909 Viele Jahre in Bregenz, dann im Epidemiespital in Meran. Ab 20.4.1928 als erste Oberin bisl933 in Wolfurt. Sr.Gordiana (Afra) Frank aus Wetterdingen, Deutschland, geb.4.11.1898, gest.1.12.1981 Eintritt 1.10.1924, Profeß 3.5.1927 Ebenfalls ab 20.4.1928 in Wolfurt, aber schon nach kurzer Zeit wieder zum Spitalsdienst ins Mutterhaus zurück gerufen. Rasch hintereinander dienten mehrere Schwestern an der Seite von Sr.Agnes: Sr.Lauretana (Katharina) Rey aus Besenbüren, Kt.Aargau, Schweiz, 1929 Sr.Plazida Rummel aus Eisenharz, Deutschland, 1930 -1931 Sr.Gordiana Frank zum zweiten Mal 1932 -1933 Sr.Hilaria Albrecht 1933 Sr.Getrudis (Barbara) Unterweger aus Aßling,Osttirol,geb.25.12.1879, gest. 16.12.1961 Eintritt 27.8.1904, Profeß 9.9.1907 Sie kam aus Hard im Februar 1931 nach Wolfurt, löste 1933 Sr.Agnes als Oberin ab und wurde im August 1935 nach Götzis versetzt. Sr.Epiphania (Elisabeth) Härle aus Steinberg bei Ulm, Deutschland, geb.28.9.1898,gest.3.11.1970 Eintritt 1.5.1923, Profeß 8.10.1925 Sie arbeitete zuerst in Brixen, dann ab 1930 in Lustenau. Am 5.10.1933 kam sie nach Wolfurt, wirkte dort bis 17 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 27.3.1962 und nach kurzzeitiger Versetzung nach Götzis wieder ab 17.10.1963 bis 25.5.1970. Ehrenringträgerin seit 1966. Sr.Theodora (Pauline) König aus Lustenau, geb. 11.9.1890, gest 27.1.1979 Eintritt 20.10.1916, Profeß 29.9.1919 Sie arbeitete nacheinander in Meran, Hörbranz, Götzis und in Gaisbühel. Am 9.8.1935 kam sie nach Wolfurt an die Seite von Sr.Epiphania, mit der sie mehrmals die Aufgaben als Oberin wechselte. Ab 25.8.1945 wurde sie nach Lingenau, 1946 nach Lustenau versetzt. Am 3.3.1952 kehrte sie nach Wolfurt zurück und blieb bis 13.1.1971. Ehrenringträgerin seit 1966 Sr.Brigitta Fleisch fand nach der Auflösung vieler Niederlassungen der Kreuzschwestern während des Krieges von Jänner 1940 bis 25.6.1941 in Wolfurt Unterkunft. Mehrere Schwestern unterstützten Sr.Epiphania jeweils für kurze Zeit während der Abwesenheit von Sr.Theodora: Sr.Libia Madiener von Aug. bis Nov. 1945 Sr.Praxedis Kresser von Juni bis Okt. 1947 Sr.Rufina Vieider 1949 Sr.Hedwig Seywald von Aug. bis Nov. 1957 Sr.Eligia (Augusta) Mark aus Fendels, Tirol, geb. 10.12.1923 Eintritt 2.5.1946, Profeß 25.3.1949 In Wolfurt 1.12.1949 bis 3.3.1952. Sie arbeitet jetzt im Sanatorium der Kreuzschwestern in Rum, Tirol. Sr.Frowina Bürer kam für Sr.Epiphania vom 27.3.1962 bis zum 17.10.1963 nach Wolfurt. Sr.Anna (Maria) Moosbrugger aus Au, geb. 15.10.1922 Eintritt 2.2.1950, Profeß 16.3.1953 In Wolfurt als Nachfolgerin von Sr.Epiphania 29.4.1970 bis 8.9.1975. Seither in der Privatkrankenpflege in Altenstadt. Sr.Auxilia (M.Theresia) Devich aus Bezau, geb.21.2.1925 Eintritt 2.7.1948, Profeß 25.3.1952 Nach langer Tätigkeit im Lungenkrankenhaus Gaisbühl vom 15.12.1970 bis 10.9.1977 als Nachfolgerin von Sr.Theodora in Wolfurt. Anschließend in Au, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.M.Clarina Mittelberger aus Götzis, geb. 14.5.1907, gest. 19.12.1990 Eintritt 14.10.1930, Profeß 1.5.1935 In Wolfurt als Haushälterin vom 15.12.1971 bis zu ihrem Tod. Für kurze Zeit kamen um das Jahr 1975 hintereinander auch zwei Kreuzschwestern als Volksschul- bezw. Religionslehrerinnen nach Wolfurt: 15. 16. 17. 18. Sr.Dora und Sr.Irmina Sr.Imelda (Maria) Schwärzler aus Langenegg, geb.26.2.1925 Eintritt 4.3.1943, Profeß 6.8.1946 In Wolfurt 4.9.1975 bis 16.2.1981, dann Privatkrankenpflege in Feldkirch, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.Christiana Lipburger aus Lingenau, geb. 16.5.1920 Eintritt 31.3.1950, Profeß 15.10.1952 In Wolfurt 16.2.1981 bis 30.4.1992, jetzt ebenfalls im Antoniushaus. Sr.Barbara (Maria) Haid aus St.Leonhard im Pitztal, Tirol, geb.l 1.4.1916 Eintritt 21.11.1945, Profeß 11.10.1947 In Wolfurt als Haushälterin seit 1.12.1991. Sr.Paulina (Rosalia) Brem aus Münster, Tirol, geb.30.7.1932 Eintritt 8.9.1954, Profeß 10.3.1959 Sie arbeitete in den Krankenhäusern in Hall, Kufstein und Mehrerau und nun seit 20.4.1992 in der Pfarrkrankenpflege in Wolfurt. Kreuzschwestern aus Wolfurt in Hall 1. Sr.Alfonsa (Katharina) Schwerzler, Naiolars in der Bütze, eine Schwester von Lorenz Schwerzler und Adelheid Kalb, Bützestraße 13. Geb.4.4.1880, gest. 11.3.1957 Eintritt 1.11.1904, Profeß 9.9.1907 Als Handarbeitslehrerin 1907 bis 1926 im Institut St. Josef in Feldkirch, dann Postulatsleiterin in Hall, Einsatz im Antoniushaus in Feldkirch und an anderen Orten, zuletzt im Provinzhaus Hall. Am Tag ihrer Jubelprofeß, am 11.3.1957, starb sie während des Festgottesdienstes. Sr.Georgia (Agatha) Fischer, Lammwirts, eine Schwester von Anna Mohr, Rosa Hinteregger und Dr.August Fischer aus dem Lamm an der Kellhofstraße. Geb.26.6.1903, gest.3.5.1963 Eintritt 3.4.1930, Profeß 4.6.1934 Sie arbeitete im Annaheim in Hall. Sr.Karla (Elsa) Thaler, Kolobanos im Lo, eine Schwester von August und Theodor Thaler, Im Dorf 6 Geb.4.3.1922 Eintritt 6.10.1951, Profeß 9.4.1954 Einsatz an vielen Orten: Hall, Lustenau, Annaheim Hall, Götzis, Au, Nenzing, Webschule Imst, Brixlegg. Von 1975 bis 1987 Oberin im Erholungsheim Völs. Jetzt als Haushälterin in Dornbirn. 19 2. 3. 18 Sr. Alfonsa Schwerzler aus der Bütze mit ihrem Neffen Hubert Kalb im Jahre 1950 Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer aus der Bütze Sr.Gottfrieda Bildstein zu Besuch bei Schwager Kassian Schertler im Röhle. Paul Berkmann, Hermann Gangl, Mina mit Werner, Sr.Gottfrieda, Erna und Kassian. 4. Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer, Hintereggers in der Bütze, eine Schwester von Josef Maurer, beide früher Bützestraße 7 Geb.28.3.1942 Eintritt 1.8.1964, Profeß 17.4.1969 Zuerst Krankenschwester in Hall, dann 22 Jahre Lehrerin an den Krankenpflegeschulen Kufstein und Hall. Seit 1993 in der Verwaltung des Sanatoriums der Kreuzschwestern in Rum. Cham, Kt. Zug, Schweiz 6. Sr.M.Gottfrieda (Anna Maria) Bildstein, Bildsteins im Röhle, eine Schwester von Rosina Bernhard, Ilga Schertler und Maria Schertler, Bregenzerstraße 12 Geb. 10.4.1894, gest.29.12.1987 Eintritt 1914, Profeß 1916, Goldene Profeß 10.7.1966 Zuerst im Sanatorium Unterägeri, dann Kindergärtnerin in Heimeli. Ab 1934 zwanzig Jahre lang Pförtnerin in Dußnang, schließlich im Kloster Cham. Ingenbohl, Kt. Schwyz, Schweiz 5. Sr. Nivarda (Franziska) Schwerzler, Toblers in der Bütze, eine Schwester von Josef und Martin Schwerzler, Lauteracherstraße 2 Geb 6.11.1876, gest.29.10.1952 Eintritt um 1900, Profeß 1904 Krankenschwester in Frauenfeld und an anderen Orten in der Schweiz, dann viele Jahre lang Pflegerin im Männer-Asyl der Psychiatrie Wil, zuletzt im Mutterhaus in Ingenbohl. 20 21 Siegfried Heim Hausnamen Namen haben die Aufgabe, ihre Träger zu identifizieren. Durch seinen Namen sollte jeder Schüler in seiner Klasse, jeder Bürger in seinem Ort von den anderen unterscheidbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, so behilft man sich mit allerlei Beifügungen. In einer Schulklasse unterschied man Johannes Böhler 1 von Johannes Böhler 2. Bei unserer Bürgermusik kannte man Eugen Rohner-Horn und Eugen Rohner-Baß, Franz Rohner-Trompete und Franz Rohner-Flügelhorn und dazu noch Franz Rohner-Kapellmeister (alle fünf aus der Sippe der Vinälar). Früher einmal schrieb der Pfarrer in sein Familienbuch einen Johann Schwerzler-Strohdorf und einen anderen Johann SchwerzlerWolfurt ein. Unter „Wolfurt" verstand man damals das Kirchdorf. Und ganz häufig fügte man zu den Personennamen einen Hausnamen, mit dem man den Träger als Angehörigen einer im Dorf bekannten Gemeinschaft kennzeichnete. Hausnamen haben sich ganz genau wie die Geschlechtsnamen im Lauf der Zeit aus Vorund Zunamen oder vielfach aus Berufen entwickelt. Manche geben auch die Herkunft an. Wenige sind Übernamen, die auf eine körperliche oder geistige Besonderheit hinweisen. A. Bekannte Wolfurter Hausnamen aus Vornamen: Hansmarteles, Hambadistos (eigentlich Hannbatist, Johann Baptist), Kassians, Filipplar, Hannes, Hansos, Hilares, Seppatones (Josef Anton), Lisolar (Elisabeth), Seppar, Hansirgos (Johann Georg), Fideles, Bäbolar (Barbara, Babette), Bäschles (Sebastian), Rochuslar, Märtolar, Mathisos, Filitzos (Felix, früher nannte man sie Felixos), Veres (Xaver), Disjockeles (des Jockei, Jakob), Jokobos, Lorenzos, Liborats, Ludwigos, Galles, Petorles, Plazes und Pläzolar (Plazidus), Vefos (Genovefa), Vefobuob, Melkos (Melchior), Stases (Anastasia), Kolobanos (Kolumban), Sofie im Lo, u.a. B. Aus Geschlechtsnamen, die auf die Häuser übertragen wurden: Hohlo-Martes, Hohlo-Fideles, Hindoreggars uf om Bühol, Hindoreggars i dor Bütze, Scheoffkneochts, Wachtars, Giotschges (Girschke), A wandars, Stenzlars, Arnolds, Luitzos, Diotoris (Dietrich), Festinis, Pfersolar (Pfersich), Kaufmanns, Ruoschos, Zilla Zollar u.a. C. Berufe. Diese Hausnamen sind kulturgeschichtlich besonders interessant, weil viele von den alten Berufen in unserem Jahrhundert verschwunden sind: Sattlar, Georbar, Küofar, Schädlar (Ein Schädel-Macher war ebenfalls ein Küfer. Schädel ist ein Holzgefäß.), Soalar, Strickar, Naiolar (Näher), Strumpfar, Schuostor, Böglar (Büg22 ler), Büorstobindar, Klamporar (Spengler), Flaschnar (ebenfalls Spengler), Hafnar (Töpfer), Glasar, Seogar (Säger), Zimborar (Zimmermann), Draiar (Dreher, Drechsler), Gabolmachar (Heugeschirrmacher), Mühlemachar, Maschinomachar (Mechaniker für Stickmaschinen), Sargmachar, Schmiod, Hammorschmiod, Naglar (Nagelschmied). Auch weniger geläufige Berufe blieben in Hausnamen erhalten: Flötzar (Flößer), Zioglar, Weogmachar, Finanzar, Bot (Bote, auch Einkäufer), Kamplar (Kammacher), Wandorlehrar (Stickereifachlehrer), Zeichnar (Musterzeichner), Rasiorar, Postmoastor, Stoahouar (Steinmetz), Loamar (Lehmkneter, auch Verputzer), Feogar (Kaminkehrer), Musar (Mäusefänger), Schütz (Jäger), Huotmachar, Bahwächtar (Bahnwärter), Nummorant (Versicherungsvertreter), Sack-Waibol (Handel mit Säcken), Kunsümmlar (Konsum-Verwalter), Lädolar (Ladenbesitzer), Kiorchomoastor (Aufseher in der Kirche), Uhrowible (Maria Stadelmann konnte Uhren reparieren), Armo-Vattor (Armenvater im Auftrag der Gemeinde). Besonders wichtig waren all die vielen Wirte. Sehr häufig behielten Familien von Angehörigen den Wirtsnamen: Schwanowiorts, Rößlewiorts, Engolwiorts, Trubowiorts, Lammwiorts, Hiorschowiorts, Steonnowiorts (für Böhler Hansirgos, Köbo Ferdeles und Fischer Johanns Familien), Kronowiorts, Löüowiorts, Adlarwiorts, Altadlarwiorts, Krützwiorts, Mohrowiorts, Studowiorts und früher noch einige andere. Schöflewiorts stammen aus dem Lauteracher Schäfle, Sunnowiorts Hans aus der Kennelbacher Sonne. Als alte Hausnamen hören wir auch noch heute ausgeübte Berufe: Vorsteohar (Bürgermeister), Lehrar, Schlossar, Molar (Maler), Murar (Maurer), Schrinar (Schreiner, Tischler), Schnidar, Metzgar, Beck (Bäcker), Holzmüllar (der Müller im Holz), Instrumentomachar (für Blasmusik-Instrumente), Doktor (Arzt), Hebammar, Oarglar (Organist), Kapeollar (Kapellmeister). Einige Hausnamen sind nach langem Gebrauch für unser Ohr unverständlich (verballhornt) geworden: Sammars heißt eigentlich „s Ammas". Des Ammann Joseph Fischers Frau und Kinder wurden schon 1810 so bezeichnet. Sammüllars heißt „des Ammann Müllers". Ihr Stammvater Ammann Martin Müller lebte 1674 bis 1732. Vinälar soll nach der Familienüberlieferung eigentlich „Flaneller" bedeuten. Demnach hätte ein Vorfahre schon Flanell gewoben oder damit gehandelt. Vor 150 Jahren schrieb der Pfarrer noch „Vaneler". Recht ungewöhnlich ist, daß einige Schertler-Familien „Büros" genannt wurden. 23 D. Ortsangaben. Sie enthalten entweder die Lage des Hauses im Ort oder die Herkunft des Besitzers. In Wolfurt: Hellbur (Parzelle Höll), Frickoneschar, Hindorfeoldar, Baholzar, Toblar, Stöoglar (Steig), Haldobuob, Schloßbur, Mändles im Kessol, Marteles im Lo (Loch ist ein Ortsteil von Rickenbach. Es gibt aber auch ein Loch im Kirchdorf), Lohansolar („Hans im Lo", Johann Gmeiner, starb 1829 in Rickenbach-Loch. Sein Schwiegersohn Joh. Mathias Bernhard übernahm den Hausnamen), Studowiort (Johann Bereuter erbaute 1909 in den Stauden im Ried den Gasthof „Hohe Brücke"), Holzar, Holzarschmiod, Holzmüllar, Kessolmüllar. Vom Steußberg: Mehrere Wolfurter Familien trugen den Hausnamen „Buochar", andere wurden „Beorgar" genannt. Berg ist der alte Name für Bildstein. Von dort stammen auch die Gallar (aus Gallin in Oberbildstein), Goaßbiorar (Geißbirn), Knoblar (Knobel), Sackburos, Dello-Korles und Dello-Sepplos (Dellen). Oachobeorgars Stammvater Johann Dür kam 1862 von Eichenberg, war aber nach Möggers zuständig. Tambeorgars haben ihren Hausnamen von Josef Anton Huber, der 1878 aus Lech am Tannberg hier einzog. Embsars nannte man die Familie Mathis aus Hohenems, die seit 1882 am Fuß des Hexenbühels wohnte. Mehr als 200 Jahre hat sich der Name „Tirolar" für eine Wolfurter Schwerzler-Familie gehalten. Schon 1751 hatte Johannes Winkler aus Rodenegg in Tirol nach Wolfurt geheiratet. Als 1786 Hansirg Schwerzler, der älteste von Felixos sieben Söhnen, Winklers Tochter Katharina ehelichte, bekam er seinen neuen Hausnamen. Mehrere Rückwandererfamilien wurden „Amerikanar" genannt. Als Wilhelm Albinger um 1930 sein großes Haus an der Wälderstraße baute, erhielt es von den Wolfurtern den Namen „Dollar-Palast" (mit der Betonung auf der zweiten Silbe!). E. Eigenschaften. Eher auf Einzelpersonen als auf Familien bezogen sich die folgenden Namen. Nur wenige wurden allgemein verwendet: der rieh Höfle, der lang Finanzar, der rot Stöckolar, der wiß Vinälar, Schwarz-Sepplos, Tschuppatone, der blind Scheoffkneocht, Katzo-Beppe, dio hörig Schuohmachare, Hollagoggol (Giggolar), Fixenatte, Heimat, Grabowattar, Lachokröttle, Büoblar. „FelsoKalb" nannten die Wolfurter den Seppatone Kalb, seit er sich von Kalb auf Fels hatte umtaufen lassen. Jeder von uns kennt noch ein paar andere solche Eigennamen. Daneben gab es natürlich auch noch schlimme Übernamen, die nur von gedankenlosen oder böswilligen Mitmenschen verwendet wurden, denn sie taten weh: Schilar, Schioggar, der schiof, der krumm, der stottorig, der glatzig, der oa-öüg, der schlappohrig, der bugglig ...und noch einige. Aus unserem heutigen Sprachgebrauch sind solche Namen - Gott sei Dank! - fast ganz verschwunden. Wenn ein Hausname allein nicht ausreichte, verwendete man mehrere gemeinsam: Murars Seppatones, Lehrars Seppatones, Steonnowiorts Hansirgos, Naiolars Hansirgos. Man mußte auch die verschiedenen „Schrinar" und „Küofar" unterscheiden: Schrinars uf om Bühol, Schrinars Hannos, Schrinar-Veres, Lutzo-Schrinars, Glasar-Windar, GlasarKlockar, Küofars im Röohle, Küofar-Köbs. Es fällt auf, daß in der patriarchalischen Gesellschaft unserer Großväter nur ganz wenige Frauen in Hausnamen verewigt wurden. Lutzos: Lutz Agatha aus Lauterach heiratete 1734 den Rickenbacher Hansirg Gmeiner. Ihre vielen Nachkommen heißen seither Lutzo-Gmeinar mit den Sippen Lutzo-Schrinar, Lutzo-Ferdes und Lislos. Lislos Stammhaus stand im Eulentobel und hatte seinen Namen von Elisabeth Fischer, die dort seit 1763 mit Anton Schwerzler verheiratet war. Seit nun 1841 Kaspar Gmeiner, Lutzos, im Eulentobel Lislos Enkelin Agatha ehelichte, trug die neue Familie den alten Namen Lisolar weiter. Noch ein anderer Lutzo-Schrinar bekam einen „weiblichen" Hausnamen. Ferdinand Gmeiner aus Schrinars Haus beim Kreuz in Rickenbach heiratete 1894 im Kirchdorf die Hebamme Johanna Schwerzler, Filitzos. Fortan wurde seine Familie „Hebammars" gerufen. Hebammars Sohn Ehrenfried ist 1932 als erster Wolfurter Opfer eines Autounfalls geworden. Allerlei Geschichten weiß die Überlieferung noch von „Vefos", den Nachkommen der Genovefa Böhler. Besonders Vefobuob Ruppert war weit über das Dorf hinaus bekannt. Als Hambadist Bernhard, Lohansos, vor mehr als 100 Jahren in zwei Ehen zweimal eine Barbara (Babel) Schwerzler heiratete, erhielten seine Nachkommen den Hausnamen „Bäbolar". Zwei Generationen später setzte sich aber wieder der ältere Name Lohansolar durch. Sonst blieben von den Frauennamen noch im Kirchdorf „Sofie im Lo", im Strohdorf „Knores Zischgele", im Spetenlehen „Kronowiorts Luzia" und in Rickenbach „Schlossars Elvira" und „Melko Senz" erhalten. Selbverständlich waren die Hausnamen auch einem ständigen Wandel unterzogen. So spaltete sich die riesige Familie der „Felixlar"-Schwerzler bald in die Äste der Dellomoosmüllar, Tirolar, Färbar, Büoblar, Hannes, Stenzlar und Toblar auf. Aus dem Ast der „Färbar" oder „Färbarles" lebte um 1880 der Maurer Josef Schwärzler (er schrieb sich jetzt mit ä!) mit seinen 13 Kindern an der Hub. Drei Söhne begründeten die neuen Linien der Schnidar-Schwärzlar, Liborats und Ludwigos. Aus der Sippe der „Gallar" spalteten sich „Schrinars uf om Bühol" und „Lehrars" ab. Lehrars teilten sich bald wieder auf in die Sippen Seppatones, Hilares, Meßmars, Engolbertos und Molars. „Disjockeles" haben ihren Namen von einem „Jockei", von Jakob Gmeiner, der 1731-1804 25 24 in Ferdeles Hus gegenüber vom heutigen Stern im Strohdorf wohnte. Seine Nachkommen spalteten sich in die Linien Wangars, Stoahouars und Knores auf. „Knore" ist ein Übername aus der goldenen Stickerzeit. Als Wangars einzige Tochter Anna Maria Gmeiner 1903 den späteren Vorsteher Ferdinand Köb heiratete, bekam Disjockeles Hus den neuen Namen „Ferdeles", und als Ferdinand Köb um 1925 für ein paar Jahre den Sternen übernommen hatte, trug das seiner Familie und dem Haus den jüngsten Hausnamen „Steonnowiorts" ein. Noch ein Namenswandel: Als eine Gmeinersippe aus Buch noch im Holz wohnte, wurde sie „Bernhardos" gerufen. Seit sich der Sohn Bernhardo Fidele im ehemaligen Gasthof „Linde" an der Unterlindenstraße niedergelassen hat, kennen wir „Fideles". Und für die Nachkommen drängt sich jetzt immer mehr der neue Name „Kartonaschars" auf. Bald werden diese Namen alle nur mehr Geschichte sein. Viele sind es schon jetzt. Im Telefonbuch sind die vielen Böhler, Köb und Mohr kaum zu unterscheiden. Im viel gelesenen Wolfurter „Blauen Buch" verschwinden die alten Namen unter der Flut von mehr als 1000 (!) neuen Geschlechtsnamen. Ob das mit ein Grund ist, daß sich heute so viele stolz zu ihrem „angestammten" Hausnamen bekennen? Längst ist keiner mehr beleidigt, wenn man ihn mit „Herr Sammer" oder mit „Herr Schloßbauer" anredet. Mit der folgenden Sammlung möchte ich einige Namen vor dem Vergessen bewahren. Manche davon habe ich in alten Gemeindebüchern gefunden. Andere haben mir interessierte Mitbürger, mit denen ich Gespräche geführt habe, aufgeschrieben. Sehr viele haben letztes Jahr die Hauptschüler gebracht, davon über 80 allein „Sammüllars Lorenzo Sepplo Atturos Isabel". Trotz allem Bemühen ist diese Sammlung aber sicher nicht vollständig! Bitte, schreiben Sie Ihre Ergänzungen dazu! Wolfurter Hausnamen Gereiht nach den D-Hausnummern (Siehe Häuserverzeichnis 1926 in Heimat 6, Seite 10!) Höll 1. Hell-Bur, Höll-Bur Ach 2. 3. 4. 297. 298. 301. Naglar Küonzos, Zehrar-Naiare Thalars Fridolinos Gigars, Kressars Naiolars Hambadist, Böglar Sohms, Sunnowiorts Hänsle 5. Stöoglar (früher Bäbolar) 300. Hammorschmiods Marte, Zwickles Hermann 6. Bosnien (Spottname für ein Gasthaus) 7. Hansmarteies (früher Flaschnars, Schifflewiorts) 8. Hohlo-Schnidar 319. Toblars Hans-Irg, Gitze-Mägges (von ihren Ziegen) 9. Schützo Franz 10. Paulos, Vinälars Marte (früher Irgobuobos) 11. Vinälars Seppl 12. Hammorschmiods 13. Sinzo Adolheit 291. Thalars Ferde, Bürstobindar 14. Hohlo Martes 15. Hohlo Fideles 16. Holzars Ronimus (abgebrannt 1908) 17. Schuohmachar Schwarz (früher Filitzo Hansirle, Salvaterra, Rupps Lädele) 303. Östorles a dr A, Dello-Korles Karle 18. Trubo, Trubowiorts, Faitele (Giovanni Fait hatte die Traube gebaut) 19. Vonachs (abgebrannt 1900) 294. Scheoffkneochts Bakus, Frickoneschars Kassian 20. Irgobuobos, Hörig Schuohmachare 21. Kapeollars Fränzle (früher Kressars) 22. Radiär, Wäldarhof 23. Scheoffkneochts Fridolin 24. Schindlarhus, Fabrikshus 25. Wachtars, Schädlars Thedoros Röhle 26. Hambadisto Jockl, Holzars Hambadist x. Schmiodto im Röohle x. Kalkhütto 27. Küofar Böhlars, Böhlar-Wibor 28. Schädlars Alfredos 29. Lohansolar, Bäbilis, Vef 30. Bildsteins Hansmarte, Kassians 31. Kapeollar, Vinälar 32. Zioglar, Schädlars Geobart, Seppl 33. Gigars Andrais, Rochuslar 34. Rößlewiorts Franz, Schmiods (Hier stand die erste Dür-Schmiede) 35. Hannes, Hannes Franz 36. s Ammas, Sammar 37. Schützo Mathisos 38. Sennare-i 39. Georbe, Georbars Emma 40. Georbe-Wohnhus (u.a. Schwarz-Sepplos, Feogars, Übolhörs, Bellmanns, Büocheles, Vefobuob, Holzars) 41. Engol, Engolwiorts Bühel, Oberfeld 42. Kaplo, Kaplohus 43. Schrinars 44. Hindoreggars, Vorsteohar 45. Villa, Lehrars Engolbert (früher Gallars) 46. Schrinars Stadol 47. Meßmars, Lehrars Johann 48. Hilares 296. Seppatones 49. Engolbertos, später bis 1921 Schwöstorohus 50. Jochums 51. Kloso Martes 52. Klions 53. Embsars, Schindlarhus 54. Beorgarhus 55. Soalar, Forstars, Braitschos 56. Pfarar, Pfarhus 57. Kiorcho Kirchdorf 58. Heims, Hanso Hus 59. Schwano, Schwanowiorts 60. Rößle, Rößlewiorts 61. Mohro Emile, Weogmachars (früher Felixos) Tobel 62. Naglar, Naglars Ludwigos 63. Klamporar, Räschles (früher Büros) 64. Toblar, Töbolar Kirchdorf 65. Schwöstora, Schwöstorohus, Hennostal 66. Tambeorgar (von Lech am Tannberg) 67. Hambadisto Geobart, Totogrebar 68. Giotschge (Girschke) 69. Rüstos 70. Stenzlar, Schloßburos, Tschuppatone 26 27 Beorgarhus im Oberfeld. Baltus Böhler vom Berg (Bildstein) hat es 1843 erbaut, 1944 ist es abgebrannt. Instrumentomachars Hus im Strohdorf. Davor die alte Werkstatt, links Frickoneschars, Molars und Steonnowiorts Ottonos Hus. 93. Heims, Hanso Josef (früher Küofar Haltmaior) 94. Beorgars Hannos (früher Mathisos, Lädolars) 95. Königs, Marxo Giobol (früher Düro Franzele) 96. Schloßburos 97. Schüorpfos, Sackbur 98. Forstars Konrad, Sammüllars Edowart 99. Strickars 100. Schellings 101. Naiolar, Lorenzle, Tirolare, Kalbs Ferdes 102. Rüsto Tones 103. Zwickles, Knoblars 104. Hindoreggars i dor Bütze, Weogmachars 105. Oachobeorgars Katrie (früher Düorobuobos) 106. Stülzes, Metzgar-Hannos, Tscheppo 107. 108. 109. 110. 339. 333. 111. 112. 113. 292. 114. Toblars Martes Schrinar-Veres, Schöflewiorts Franz Mohro Josefs Gabolmachar, Uhrowible Guldeschuohs Villa, Veres Bernhardos,Villa-Armin, Su-Biorar Thalars Josef Orglars, Musars, Schmiods-Katrinos Köbo Ferdes, Ferdinanda, Heimat Flatzolsidor Mohro Stase Halde 71. Klockars uffor Haldo (früher Holzars August) Schloß, Holz 72. Schloß, Schindlar 73. Holzmüllar 74. Holzar-Schmiod 75. Bernhardos, Wörzos, Paßlars x. Schmiodto im Holz 76. Bischofs (früher Hustors, Kustors Bühol) Hinterfeld 77. Hindorfeoldar, Kompatschar Kirchdorf 78. Mäschos 79. Öhes, Klions 80. Kalbs im Gässele, Felso-Kalb (abgebrochen 1911) 81. Kiorchbeorgars, Alta Schwano (ältestes Gasthaus im Kirchdorf) 82. Sammüllars x. Filitzos (abgebrochen 1895 im heutigen Schwanengarten) Loch 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. Graningars (früher Oachobeorgars) Schloßburos im Lo Kolobanos Büoblar Giggolar, Hollagoggol Goaßbiorar, Maschinomachar Sofie, Georbe im Lo, (früher Feogars) Höfles (früher Veres) Bütze 91. Rädlars 92. Naiolars Hans-Irg, Hansirgos, Rüsto Eugenos Kirchdorf 115. Jockele-Schuohmachar 116. Kunsum (früher Sattlar Müllar) 117. Lammwiort, Metzg, Rüsto Mathis (früher Fischar) 118. Schlossars Julie, Holzars Geobart 119, Schrinar Hannos, Sargmachar Seppl (früher Büros) 29 28 Lutzo-Ferdes Hus wurde 1884 aus dem abgebrochenen Pfarrhof erstellt. Heute Muxels, Brühlstraße 30. Steonnowiorts um 1928 vor Gasthof und Kegelbahn. Rechts Altvorsteher Ferdinand Köb, in der Mitte seine Frau Wangars Marie mit Ferdeles Töchtern Resi, Barbara und Frieda und dem jüngsten Sohn Walter. Zwei unbekannte Gäste. Unterlinden 146. Guldeschuohs Rudolf 147. Thalars Marte (früher Nummorant Schneidarie) 148. Thalars Josef 149. Klockars, Brunnomoastor 150. Waibols Vizzenz 151. Altvorsteohars, Schuohmachars, Zeichnar 152. Schloßburos Strohdorf 153. Kaufmanns 154. Kalbs (Doppelhaus mit Nr. 153) 155. Schmiod-Böhlar, Schellings 156. Murars, Murars Seppatone 157. Rieh Höfle, Goldonkol 158. Doktor-Rohnars, Steonnowiorts Otto 159. Steonno, Steonnowiorts, Postmoastors 160. Schmiods, Schmiods Edowart 293. 358. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. Brauchles, Drogorie Voreinshus Zehrarmühle, Zehrars Marte Briofbot, Bot-Köb Albingars Schuol Disjockeles, Knores Zischgele Stoahouars Post, Postmoastors Disjockeles, Wangars, Ferdeles, Steonnowiorts Waltor 169. Molars 170. Hanebeorgs 171. Ratzars (früher Brauchles) 172. Simonis 173. Instrumentomachars (früher Feogar Albingar) 174. Frickoneschars, Schuohmachar Martele 175 u. 176. Salomoneum (uraltes Doppelhaus, abgebrochen 1920) 31 120. 121. 122. 123. 124. 341. 125. 126. 127. 128. 129. Schellings (1910 mit Nr. 119 vereinigt) Heitzos Metzgar-Reinar, Bot-Reinars Beorgars, Rasiorar-Wible, Agathle Lehrars Ludwig Rasiorar-Reinar, Bot-Reinars Gigars Fidele, Rochuslar, Gassars Engolbeort Reinars Mathis, (früher Goaßbiorar und Stülzes) Waldingars, Büocheles Attur (früher Hebammars) Hirscho, Hirschowirts Zilla Zoller 133. Fideles, Bernhardo Fideles, Kartonaschars (früher Lindowiorts, Märtolar) 134. Mohro Fidele 135. Mohro Geobart 136. Sattlar-Rohnars 137. Loamar 138. Blind-Scheoffkneocht, Agathle 139. Kiorchbeorgars 140. Gigars Finele, Rochuslar 141. Gigars Ludwigos 142. Draiars Seogo (früher Drechslerei Zuppinger, Hammorschmiods) 143. Bühlars Frickenesch 144. Flötzar, Frickoneschar 145. Wüostnars Unterlinden 130. Oachobeorgars 131. Schloßburos, Naglars Seppl (früher Feogars) 132. Haldobuob 30 186. Jockele-Windars, Windars Seppl (früher Lehrar-Höfles) Eulentobel 187. Simmas 188. Wohlgenannts, Brandplatz 189. Kressars Seppl (früher Stenzlars, Scheibles) 190. Wandorlehrar Gassar (früher Lislos) Hub 191. Soalars 192. Kassians, Wohlgenannts, Frickoneschars Johann 193. Glasars, Glasar Klockar 194. Albrechts 195. Küofar Köb, Schmiods Karle 196. Hüoblar Sennare-i (früher Toneies) 197. Schnidar Schweorzlar (früher Zimborars und Stülzes) 198. Höfles Hermann 325. Höfles Geobart, Kiorchomoastor 199. Schnidarles Hannos, Schnidolar 200 Schnidarles Rudolf 295. 201. 202. 203. 204. 205. 206. x. 207. Hub 208. 209. 210. 211. 212. Doktorhus Ludwigos Tirolar Schädlars Seppl Zioglar, Schädlars Jokob, Jokobos im Flotzba Bäschles, Öl-Köb Bahwächtars, Bahwächtarhüsle Ziogolhütto Ruoschos Brunnomachars Albert (Fixenatte) und Schnidar Schwerzler an der Hub. Vinälars vor ihrer Stickerei im Röhle 1911. Als zweiter der Großvater Lorenz Rohner. Links sein Schwiegersohn Seppatone Albinger, Feogars. Neben Lorenz seine Tochter Agath (Albinger), Sohn Josef - Schwarz-Seppl, Schwiegersohn Franz Sturn, die Töchter Anna (Sturn) und Rosina (Knores) und die Ehefrau Annomei. Es fehlt der zweite Sohn Franz Rohner, der Kapeollar. Dessen Kinder sind (von links) Ludwig, Filibert, Ernst, Ziska (Fehle) und Fränzle. Vor Fränzle im dunklen Kleidchen noch Knores Armin (+1912). 177. Flatzhüsle Himmelreich 178. Kassians, Langa Finanzar, Katzo-Beppe 179. Hindorfeoldars (Kapellmeister Anton Heim), Bruggars, Festinis Strohdorf 180. Rünzlars, Flatzo Beppe 181. Alte Schuol, Armohus (u.a. Klosos) Hub 182. Fischars Johann, Ratzars Zilla (früher Windars) 183. Festinis Lädele 184. Wangar Bildsteins 185. Steonnowiorts Hansirgos, Hansirgo Georg Schädlars Lorenzos, Lenas Arnolds Luitzos Liborats Diotoris, Armo-Vattor (früher s Küofarle) 215. 309. 216. 217. 218. 219. 220. 221. 222. Krono, Kronowiorts, Luzia Kronowiorts Eugen Windars Benedikt Galles (früher Georbar-Höfle) Hafnars, Klimmars Albert Petorles Vonachs Diotoris Rünzlars, Windars Franz 306. Östorles Stickare-i, Seppo Hannos Steig 228. Schweorzlars Brandplatz, Glasar Windar 229. Baholzar (früher Stöoglar) 230. Stöoglar, Stürar 231. Plazes Veres, Veres Alfred, Büoble 232. Sattlars, Sattlars Robert (früher Pfersolar) 233. Seppos, Seppar 234. Fischars Alfred 235. Fischars Hermann 236. Arnolds Willem, Kapeollars Ludwig 302. Filippos Rickenbach-Unterdorf 237. Rickobachar Kunsum 238. Brandplatz (abgebrannt 1911) Bannholz 223. Baholzar (abgebrannt 1915) 224. Hustors Spetenlehen 225. Windars Johann (früher Lutzo Hansirgos, Sapporas) 226. Glasar Windar, Windars Vizzenz 227. Östorles, Benzars Alfred Spetenlehen 213. Kamplar-Mohros 214. Lutzo-Ferdes (früher Schützo, Schützowiorts) 32 33 Rochusles im Röhle 1932. Adolf Geiger mit seiner Frau Theresia (Holzarschmiods) und den Kindern Emil, Mile (Gmeiner), August, Paul, Emma und Josef. Es fehlen noch Irene, Robert und Erich. 239. Bahwächtar Köb, Huotmachare, Köbo Villa 240. Stenzols 359.Seppo Hansirgos 241. Arnolds 242. Lutzo-Ferdes (früher Schrinar Lenz) 323. Bohles Paul, Naiare-i 243. Löüo, Löüowiortlar (Der Löwen ist 1912 abgebrannt) 244. Kaufmanns 245. Schnidar Köb, Küofars Eugen 246. Kapeollo 247. Krütz, Krützwiort, Haltmaior 248. Forstars 249. Plazes Willem, Pläzolar (von Plazidus Gunz im Staudach) Rickenbach-Oberdorf 250. Lislo, Lisolar 251. Mohro, Mohrowiort, Bohle 252. Schlossars, Modistos, Huotmachars, Elvira 253. Dello-Sepplos, Höfles Marte, Kunsümlar 254. Gunz-Mühle, Pläzolar, Mataioslar (von Matthäus Gunz im Staudach) 255. Doppolmaior (früher Schmiods, Mechanikar Düor) Bächlingen 256. Matts Tone Rickenbach-Platte 257. Vallants x. Lenzo Kappele 258. Pläzolar (früher Lenzos) Rickenbach-Loch 259. Klöpplare-i Schwarz, Doppolmaiors Hallo 260. Stase im Lo, Mühlemachar-Ferde 261. Göppols im Kella 262. Schrinar-Lenz (abgebrannt 1908) Melkos im Schlatt, Kinder des Melchior Fehle: Katharina (Liborats), Sefa (Sutter), Kreszentia (Melko Senz), Gebhard und Jos.Anton Fehle. 263. Waibols im Lo (früher Marteles im Lo) 264. Ammanns im Lo Rickenbach-Unterdorf 265. Schnidar Schweorzlar 266. Lutzo-Schrinar 299. Krützwiorts Stickare-i, Füchsols 267. Lorenzos, Sammüllar 268. Adlar, Adlarwiorts, Altadlarwiorts 269. Filippos, Mohro Filippos, Mohro Veres 270. Brauchles 271. Becko-Sepplos, Strumpfars 272. Awandars, Baschas Kessel 273. Melko Geobart, Fahles 274. Mändles im Kessol, Kessolbur (früher Toneies) 324. Hoh-Brugg, Hoh-Bruggar, Studowiort 275. WurzosHüsle 276. Bahwächtarhüsle im Kessol 277. Zuppingars Wohnhus, Alges Wohnhus Schlatt 278. Seogar 279. Soalar 280. Bochs (früher Girardinis) 281. Wolfgangs 282. Milian, Iso-Händlar 283. Gmeinars im Schlatt (abgebrochen um 1920) 284. Bicholmaior 285. Dello-Korles 286. Kessolmüllar, Zobingar (Zuppinger), Alge 287. Melkos, Melko Senz 288. Rot-Stöckolar (früher Diotoris im Schlatt) 289. Stadolmanns, Spioßos, Feuorsteins 290. Putzars 34 35 Einige brachten es hier sogar zu lokaler Bedeutung. Darüber berichtet Meinrad Pichler auf Grund eingehender Forschungen in seinem Buch „Auswanderer"1. Ein Wolfurter namens Schwerzler führte das „Tyrolerhaus", in dem sich die Vorarlberger am Sonntag trafen. Ein Brief von 1875 nennt dort einen Böhler, Dür, Gmeinder und Erger von Wolfurt2. Großen Einfluß gewannen die fünf Brüder Heim als Seiler, Holzhändler und Brauer. Sie fanden Anschluß an die Oberschicht der Stadt. Zwei Söhne, Joe und Mike Heim, versuchten sich sogar auf Seite der konservativen Demokratischen Partei in der Politik. Mit Hilfe einer Unmenge Freibier, das auf allen Wahlveranstaltungen ausgegeben wurde, gelang es ihnen, bei den Stadtratswahlen des Jahres 1900 erstmals die republikanische Mehrheit zu kippen und ihren demokratischen Freund als Bürgermeister zu installieren? Die Brüder Heim sind aus Wolfurt ausgewandert, stammen aber aus Langen bei Bregenz. Mit der Familie Heim in der Bütze, also auch mit dem Verfasser dieses Artikels, sind sie nicht verwandt. Die Heim sind ursprünglich Walser. Heute trifft man den Namen aber auch im Walgau , im Allgäu und in Sulzberg und Langen recht häufig an. In Langen ließen Xaver und M.Agatha Heim ihren im Jahre 1794 geborenen Buben auf den seltenen Namen Wunibald taufen. Der tüchtige Wunibald Heim wurde ein Seiler. Aus dem damals in Vorarlberg noch häufig angebauten Hanf fertigte er für Bauern und Fuhrleute die notwendigen Stricke und Seile. Daß man den Hanf später einmal als Cannabiskraut mißbrauchen und daher auch verbieten würde, konnte Wunibald nicht ahnen. Sein Geschäft ging gut. Im Jahre 1823 heiratete er Anna Maria Österle. Fast jedes Jahr schenkte sie ihm ein Kind. Als es acht waren, übersiedelte die Familie „auf's Land" nach Wolfurt. Dort kamen noch drei dazu. Im Wolfurter Familienbuch von 1850 sind sie aufgeschrieben, einige mit späteren Anmerkungen: 1. Franz Josef Heim 1824 Mit Familie 1852 in Amerika 2. M.Agatha 1825 Verehelicht auf Fraxern 3. Johann 1826 Amerika 4. Franz Xaver 1828 Gest. 11. Sept. 1849 5. Ferdinand 1830 Amerika 1851 6. Anna Barbara 1832 Amerika 1858 7. Christina 1834 Gest. 1834 8. Friedrich 1836 Amerika 9. Johann Michael 1839 Amerika 10. Gebhard 1841 Gestorben in Amerika 1858 11. Wilhelm 1843 Gest. 1843 Vorarlberger Autoren, Bregenz 1993 2 3 Die Brauerei der Brüder Heim in St.Louis um 1880 (aus Pichler, Auswanderer) Siegfried Heim Bier für St.Louis Die Auswandererfamilie Heim St.Louis, eine Großstadt von etwa 700.000 Einwohnern, ist eine der führenden Industrieund Handelsstädte in den USA. Am rechten Ufer des Mississippi knapp unterhalb der Einmündung des Missouri liegend, ist es zugleich ein Verkehrsknoten von überregionaler Bedeutung, dazu Bischofssitz und Universitätsstadt. St.Louis nennt sich „Gateway to the West", Tor zum Westen, weil in der Mitte des 19. Jahrhunderts von hier aus der Hauptstoß zur Besiedlung des „Wilden Westens" erfolgte. Damals hatte der von französischen Pelzjägern gegründete Ort erst etwa 50.000 überwiegend deutschsprachige Einwohner. Auch für die um 1850 aus Wolfurt ausgewanderten 200 Siedler war St.Louis neben Fremont und New Ulm das wichtigste Ziel. 36 Pichler, S. 92 Pichler, S. 98 37
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...Septe Wolfurt 01.09.2006 19.11.2012, 18:30 Heft 29 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 2006 Bild 1: Die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Für ihre Sicherheit bezahlte der Kaiser mit dem Kellhof Wolfurt. Inhalt: 145. Die Staufer und der Kellhof 146. Rund um den Kirchplatz 147. Die Bregenzerstraße 148. Das Schwesternhaus 149. Der Buggenstein 150. St. Rochus und die Pest 151. Die Dornbirner Mohr 152. Haus Gunz in Rickenbach Bildnachweis Mohr Hubert Hinteregger Karl Heim Siegfried Köb Engelbert Schertler Rudolf Fischer Hannes Ost. Nat.-Bibl. Dornb. Schriften Sammlung Heim 3,10,14,16,19 8, 23, 31 4, 5, 7, 13, 15, 17, 20, 27, 29, 30, 31, 33, 37 9 12 24 1,2 34, 35 6, 12, 18, 21, 26, 28, 36, 38 Zuschriften und Ergänzungen Bitte! Nach der Aussendung des farbigen Sonderheftes „Die Schützen" legen wir diesem Heft 29 wieder einen Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. In eigener Sache: Der Name „Wolfurt" Nach einigem Zögern habe ich mich entschlossen, nach dem Schützen-Heft Nr. 28 doch noch einmal ein weiteres Heimat-Heft folgen zu lassen. Mein besonderes Anliegen ist dabei der Beitrag über die Staufer. Nach vieljähriger Beschäftigung mit der Geschichte von Wolfurt und nach intensivem Studium von Akten und Pergamenten in verschiedensten Archiven fühle ich mich verpflichtet, zwei Sätze in den Wolfurter Büchern und in den Heimatkunde-Heften der Schüler zu berichtigen. Es geht um die Entstehung von Schloß Wolfurt und um die Herkunft des Namens Wolfurt. Über beides habe ich schon mehrfach geschrieben, etwa in Heft 24 unter „Wolford" oder in Heft 22 unter „Rickenbach". Die jetzige Wiederholung ist vor allem eine Einladung an die Heimatkunde-Lehrer, diese Sätze in ihre Vorbereitungen aufzunehmen! Ich selbst muß auch einige von meinen früheren Aussagen zu diesen Themen berichtigen. Filme Über „Kirchdorf und „Röhle" habe ich im letzten Jahr zwei Vorträge gehalten. Emil Büchele hat beide als Filme aufgenommen und mit vielen Fotos bereichert. Kopien sind unter den Titeln „Vom Schwanen bis zum Wälderhof' und „Das Dorf und die Dörfler" sehr preiswert im Gemeindeamt erhältlich. Dort gibt es auch noch die Film-Kassetten „Fleißzettel und Tatzen" über die Wolfurter Schulgeschichte und „Mönche und Ritter" über das Schloß. Fahrräder (Heft 27, S. 9) Elmar Eberle konnte die Hochrad-Fahrer auf Bild 4 nach einem ähnlichen Bild identifizieren. Es zeigt eine Fasnat-Ausfahrt im Jahre 1928. Von links: Martin Schwärzler (Klamporar), Wucher (ein Schreinerlehrling bei Rudolf Fischer), Seppl Köb (Sattlars Seppl von der Steig) und Siegfried Fischer (Schnidarles). Elmar besitzt als bekannter Bastler auch noch das ganz alte Mechaniker-Werkzeug, mit welchem sein Urgroßvater Josef Fischer (1823-1902) u.a. winzige Gewinde für die Fahrradspeichen schneiden konnte. Demnach hat der Schreiner Josef Fischer (Schnidarles) diese Hochräder selbst erzeugt. Noch lange blieb eines davon auf Eberles Dachboden erhalten, bis Elmar und Adalbert damit ihre Runden durch Strohdorf und Hub drehten und es schließlich demolierten. Andere Wolfurter wissen zu erzählen, wie sie schon um 1947 mit ihrem schweren Waffenrad rund ums Ländle fuhren und dabei das schwere Fahrzeug auf der Schulter über den steilen Pfad von Schröcken nach Hochkrumbach hinauf trugen. Bald genügte ihnen das nicht mehr. Ohne Gangschaltung überwanden sie Brenner und Reschen und sogar den gefürchteten Splügen in der Schweiz und rollten nach Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 28) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bozen, nach Mailand und sogar bis Venedig. Auf dem Gepäcksträger den Rucksack mit Schwarzbrot und ein paar Konservendosen zum Essen und eine alte MilitärZeltbahn zum Schlafen! O du gute alte Zeit! Ahnenforschung Viel Zeit und Eifer investieren immer wieder traditionsbewußte Leute in die Erforschung ihrer Sippen. Besonders genau machen das zum Beispiel Remigius Brauchle und Richard Gmeiner mit den langen Reihen der Kassiänler-Schertler, Gmeinder, Dür, Höfle, Rohner, Müller, Schelling, Kohler, Zehrer, Scheffknecht und von einigen anderen Familien, die auf weiten Wegen von Ober-Bildstein, Lauterach, Lustenau und aus dem Schwabenland in unser schönes Wolfurt gefunden haben. Auch für mich bleiben bei diesen Forschungen Überraschungen nicht aus. Schon mehrmals habe ich über die „Sammüller"-Böhler geschrieben und dabei erklärt, daß ihr uralter Hausname von ,,Ammann Müller", einem früheren Besitzer des Hauses an der Kellhofstraße stammt. Dieses Geschlecht sei 1915 mit dem Sattler Gebhard Müller erloschen, der sein Haus im Kirchdorf dem Konsum zur Verfügung gestellt hatte. Nun hat sich ein anderer „echter" Sam-Müller gemeldet, Arthur Müller, Jg. 1938, aus Frastanz. Sein Ahn Gebhard Müller, 1802-1864, war ein Enkel des Gotteshaus-Ammanns Johann Müller gewesen. Gebhards Mutter Katharina Blank, die auch die Ahnfrau der Sammüller-Böhler ist, war 1808 beim Wäsche-Waschen in der Ach ertrunken. Lies darüber in Heft 11, S. 19! Gebhard erlernte das Schmiede-Handwerk und gelangte als Handwerksbursch um 1820 nach Wangen im Allgäu, wo er eine Familie gründete. Von seinen Enkeln fand Franz Müller als Schuhmacher nach Nenzing. Dessen Enkel Arthur Müller hat nun in Wangen gesucht und dort den Weg zurück nach Wolfurt gefunden. Rohner-Familien (Heft 27, S. 29) Nicht nur in Wolfurt, sondern auch in Fußach und in Dornbirn ist dieser Beitrag auf Interesse gestoßen. Aus Dornbirn fragte Franz Wehinger, der ehemalige Leiter des Arbeitsamts, an. Er schickte interessante Fotos aus dem Stadtarchiv. Eines zeigt seinen Urgroßvater Joh. Kaspar Rohner, 1827-1915, mit Frau Katharina Dietrich und zwölf Kindern. Kaspar war ein Urenkel des 1709 noch in Wolfurt geborenen Johann Rohner aus dem Stamm der „ Orglar "-Rohner und lebte nun als Bauer auf Heilgenreuthe. Von seinen zwölf Kindern gehen viele Linien aus, eine davon auch zu „Rohners vom Bürgle" in Mühlebach. Aus dieser stammt der von seinem Wirken in Übersee und aus vielen Leserbriefen bekannte Pfarrer Helmut Theodor Rohner. Wolfurter Blut! Siegfried Heim Die Staufer und der Kellhof Aus dem mittelalterlichen Kellhof ist unser Kirchdorf hervorgegeangen. In mehreren Beiträgen habe ich seine Geschichte gestreift.1 Hier möchte ich das Wesentliche noch einmal zusammenfassen. Daß die mächtigen Stauferkaiser bei der Gründung von Kirche und Dorf Wolfurt Pate gestanden sind, hat mich überrascht. „Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil'gen Land gezogen kam ..." Ganze Generationen von Schülern haben Uhlands berühmte Ballade im Ohr und den mächtigen Kaiser vor Augen. Friedrich Barbarossa wollte das zerfallenene Reich Karls des Großen wieder aufrichten und sammelte dazu Ritter aus ganz Europa unter seinen Fahnen. Sechs Kriegszüge führte er über die Alpen gegen die widerspenstigen reichen Städte in Italien. Seine Heere erlebten Triumphe und fürchterliche Niederlagen. Als der Kaiser dann auch noch einen Kreuzzug ins Heilige Land unternahm, starb er im Jahre 1190 ganz plötzlich bei einem Bad im türkischen Fluß Saleph. Das Volk in Deutschland, durch Jahrzehnte geblendet von des Kaisers Pracht und Macht, wollte aber seinen Tod nicht wahr haben. In den tiefen Karsthöhlen im Kyffhäuser harre er auf seine Wiederkunft, um dann das zersplitterte Reich zu einen. So erzählte bald die Sage. Wie aber kamen Kaiser Rotbart und das Geschlecht der Hohenstaufen zu ihrem Einfluß auf unser damals noch sehr kleines Dorf Wolfurt? Als die Grafen von Bregenz im 10. Jahrhundert ihren Besitz teilten, behielt die Bregenzer Linie das Schloß in der Oberstadt, in welchem 949 der Hl. Gebhard geboren worden war. Dazu gehörte auch fast das ganze Umland, darunter der für die Versorgung des Schlosses wichtige Hof Steig. Die Pfullendorfer Linie bekam dagegen Lindau und den Kellhof. Geteilt wurden auch die Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, die vielerlei große Einkünfte besaß, und der Bregenzerwald, dessen Besiedlung gerade begonnen hatte. Die Bregenzer übernahmen den Vorderwald mit Lingenau und Andelsbuch. Das Gebiet links der Ach, wo später Egg und Schwarzenberg entstanden, fiel dagegen an die Pfullendorfer. Damit wird klar, warum der Graf von Pfullendorf Wert auf den Kellhof gelegt hatte: der lag ja mitten im gegnerischen Gebiet. Er brauchte ihn als Ausgangspunkt und Verbindung zu seinen neuen Siedlungen hinter der Lorena. Als die Bregenzer ihren Besitz in Andelsbuch um 1085 mit dem Bau eines Klosters absicherten, taten die Pfullendorfer ähnliches mit dem Bau einer Kapelle St. Nikolaus auf dem Bühel oberhalb ihres Kellhofes. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, besonders als im blutig ausgetragenen Investiturstreit die Pfullendorfer zusammen mit dem Kloster St. Gallen auf die Seite des Kaisers traten, die Bregenzer dagegen mit ihrem Kloster Mehrerau auf die Seite des Papstes. 5 4 Bild 2: Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa mit seinen Falknern. Bild 3: Pfarrkirche St. Nikolaus. An ihrem Platz stand schon um 1090 eine Kapelle. Neuer Streit begann um 1165 im Krieg um das Erbe des letzten Grafen von Bregenz zwischen Hugo von Tübingen und Rudolf von Pfullendorf. Jetzt griff Kaiser Friedrich Barbarossa ein. Er entschied den Kampf für die Pfullendorfer, die damit auch Herren von Bregenz und fast des ganzen Rheintals wurden. Dafür verpflichteten sie sich, den Kaiser auf seinem vierten Kriegszug nach Italien zu begleiten. So ritt also an des Kaisers Seite auch Rudolfs Sohn Berthold von Pfullendorf, für den als einzigen Erben die Grafschaft am Bodensee bestimmt war. Vor den Toren Roms errang das Stauferheer einen großen Sieg. Dann aber brach eine TyphusEpidemie aus, die mit zahlreichen Kriegern auch den jungen Berthold dahinraffte. Der Kaiser mußte über die Alpen fliehen. Jetzt überließ der alternde Graf Rudolf die kurz zuvor erworbene Grafschaft Bregenz seinem früheren Gegner Hugo. Seine Privatgüter aber, darunter Lindau, 6 den Kellhof und Schwarzenberg, übergab er dem Kaiser Friedrich Barbarossa. So wurden die Kapelle St. Nikolaus und die aufstrebende Ansiedlung am Fuß des Kirchbühels kaiserlich staufisches Gut.2 Bald danach dürfte Barbarossa um das Jahr 1180 seinen Besitz mit der Errichtung einer Burg zusätzlich befestigt haben. Nach damaligem Brauch gab er sie einem seiner Ritter als Lehen. Den Namen des ersten Burgherren kennen wir zwar nicht aus Dokumenten, wohl aber aus der Überlieferung. Als erster hat diese der Historiker Weizenegger um 1820 aufgeschrieben: „ daß die ursprünglichen Wollfurth im 13. Jahrhundert aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M 'Dewr the Wolf ...führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford 7 Bild 4: Schloß Wolfurt. Es wurde zu Barbarossas Zeit um 1180 gebaut. gewann. Aber Kaiser Heinrich starb schon mit 32 Jahren in Messina und wurde im Dom von Palermo begraben. Sein einziger Sohn war erst drei Jahre alt. In wechselvollen Kämpfen gegen aufsässige deutsche und italienische Fürsten und vor allem auch gegen die Päpste gewann der Heranwachsende aber schließlich doch das bereits verlorene „Heilige Römische Reich" wieder. Papst Honorius III. war ihm zunächst wohlgesinnt und krönte ihn sogar im Jahre 1220 in Rom als Friedrich IL zum Kaiser. Kurz zuvor hatte der Papst auch das den Staufern nahestehende Kloster Weißenau bei Ravensburg unter seinen besonderen Schutz genommen. Diese Papst-Urkunde vom 31. März 1219 ist die älteste, die den Namen „ Wolfurt" enthält.4 Unter den 72 dort genannten Besitzungen des Klosters ist das „predium in Wolfurt" die einzige im heutigen Vorarlberg. Aber schon wenige Jahre später vermittelte Weißenau einen viel wichtigeren Bezug der Staufer-Kaiser zu Wolfurt. Das Reich hatte keine feste Hauptstadt. Seine Schwerpunkte lagen in Aachen, Mainz, Bamberg und Straßburg, aber auch im burgundischen Arles, in Pavia, Neapel und Palermo. Wo der Kaiser gerade Hofhielt, war der Mittelpunkt des Reiches. Es war für ihn viel zu riskant, die Insignien seiner Macht, vor allem Szepter und Krone, ständig mit sich zu führen. Zu viele aufständische Konkurrenten strebten nach deren Besitz. Da vertraute er diese kostbaren Schätze den Mönchen von Kloster Weißenau an. Nun ruhten sie, bewacht von zwei Prämonstratenser Chorherren, mehrere Jahre lang verborgen auf der Waldburg in der Nähe von Weißenau. Für diesen unschätzbaren Dienst sollten die Mönche entsprechend entschädigt werden. Im Auftrag des Kaisers schenkte sein Sohn König Heinrich VII. dem Kloster im Jahre 1226 wertvollen Grundbesitz. Es bekam die dem Kaiser gehörige Pfullendorfer Hälfte der Pfarre St. Gallus in Bregenz und die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt. Daraus bezog es ab jetzt jährlich 250 Malter Getreide als Zehent, dazu 6000 Liter Wein und noch manches andere.5 Also: Der Kellhof Wolfurt war im Jahre 1226 ein Geschenk von Kaiser Friedrich II. an das Kloster Weißenau für die sichere Bewahrung der Krone! Wolfsführe - und nach und nach in Wolffurth überging."3 So überraschend genau ist der überlieferte Text, daß er sogar noch vom Zug des Ritters nach Italien berichtet. Wir dürfen also festhalten: Kaiser Friedrich Barbarossa hat um das Jahr 1180 den Ritter Wolford auf sein staufisches Schloß gesetzt. Hier liegt die Wurzel zum Namen unserer Gemeinde und keineswegs, wie bisher in den Schulen gelehrt, in einer „wohlen Furt" über die Ach. Der Kaiser hat dann 1186 noch einen letzten (den sechsten!) Kriegszug nach Italien geführt, ehe er auf dem Kreuzzug vom Tod ereilt wurde. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich VI., der in verlustreichen Kämpfen auch noch das Erbe seiner Frau Konstanze, das Königreich Sizilien, zu seinem nun übermächtigen Stauferreich 8 So wichtig war dem Kloster die neue Erwerbung, daß es sich die Schenkung noch mehrfach in weiteren Urkunden vom Kaiser selbst, vom Papst, vom Bischof und vom Herzog von Bayern bestätigen ließ. Der Geschenkgeber, König Heinrich, empörte sich übrigens 1232 gegen seinen kaiserlichen Vater. Er wurde von diesem gefangen und starb im Kerker. Nachfolger als deutscher König wurde sein jüngerer Bruder Konrad IV. Der hielt seinem Vater die Treue, auch als dieser vom neuen Papst Innozenz IV. mit dem Bannstrahl geächtet wurde. Seine Truppen überfielen und plünderten das päpstlich gesinnte Kloster Mehrerau. Jetzt erhielt auch dieses vom Papst am 17. September 1249 jenen großen Schutzbrief, in welchem unter 60 Orten erstmals die Steig und Rickenbach dokumentiert sind.6 9 Mit dem Tod von Kaiser Friedrich II. im Jahre 1250 schwand die Macht der Staufer. Sein Nachfolger Konrad IV. starb mit 26 Jahren schon 1254. Als letzter aus dem einstmals so stolzen Geschlecht wurde der 16jährige Enkel Konradin gar im Jahre 1268 in Neapel enthauptet. Der Kellhof aber blühte auf und entwickelte sich mit der zur Pfarrkirche erweiterten Kapelle St. Nikolaus zum Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Und die Krone? Die wunderbare, mehr als 1000 Jahre alte Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches? Ein Reif aus acht massiv goldenen Platten mit aufgesetztem Kreuz und Bügel. Nach einem theologischen Konzept herrlich geschmückt mit Edelsteinen, Perlen und Emailarbeiten. Auf langen Umwegen gelangte sie im Jahre 1800 nach Wien. Der letzte „Römische Kaiser" Franz IL legte sie 1806 ab und barg sie in seiner Hofburg. Im „Dritten Reich" wurde sie 1938 nach Nürnberg entführt. Die Amerikaner brachten sie nach Wien zurück. Tausende Besucher ziehen jetzt in der Schatzkammer an ihr vorbei, halten staunend still und denken an Kaiserpracht und versunkenen Glanz. Siegfried Heim Rund um den Kirchplatz In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts glaubte man, unser altes Kirchdorf sei sterbenskrank. Der Dorfbrunnen war abgebrochen worden. Der Kirchplatz vom Autoverkehr überschwemmt. Viele Geschäfte und Gasthäuser geschlossen. Die alten Bauernhäuser den Zuwanderern aus fremden Ländern überlassen! Nun ist das Dorf um das Jahr 2000 aber wieder zu neuem Leben erweckt worden. Der große rote Platz bringt mit regelmäßigen Markttagen die Menschen zusammen. Neue Geschäfte, Arzt-Ordinationen und schöne Wohnungen ergeben ein anderes Bild. Ein Spielplatz, ein kleiner Bach, ein vielbeachtetes Spielzeug-Museum lassen wieder Kinderlachen hören. Aus dem Dorfbrunnen sprudelt frisches Wasser! Viel Mut, viel Arbeit und viel Geld waren für diese Erneuerung notwendig. Wir sind den Verantwortlichen unserer Gemeinde dankbar dafür. Wir dürfen auf unser Kirchdorf wieder stolz sein! Das Dorf hat eine lange und wechselhafte Geschichte. In vielen Beiträgen in unserer Zeitschrift habe ich darüber berichtet.1 Hier fasse ich das Wesentliche noch einmal zusammen. Eine Wiederholung für eifrige Leser, aber auch eine Einführung für jene, die die alten Hefte nicht besitzen! Zur Zeit von Christi Geburt führte am Talrand eine Römerstraße zur Furt über die Ach nach Brigantium. Um das Jahr 500 ließen sich alemannische Bauern am Tobelbach nieder. Hier fanden sie Holz für ihre Häuser, frisches Wasser und fruchtbaren Ackerboden. Etwa ab dem Jahr 1000 mußten einige Höfe im Umland die Grafen von Bregenz versorgen, darunter der „Hof zue Staig" in Rickenbach und der „Kelnhof" am Tobelbach. „Keller" ist ein altes Wort für „Verwalter". Von den Grafen von Bregenz fiel der Kellhof an die Grafen von Pfullendorf, dann an Kaiser Barbarossa und schließlich an das Kloster Weißenau. Lies darüber im Beitrag „Die Staufer und der Kellhof'! Der Kellhof erhielt in dieser Zeit eine Kapelle St. Nikolaus und das Schloß auf dem Bühel und auch den neuen Namen „ Wolfurt". Jetzt entwickelte er sich zum Kirchdorf. In der Kirche behielten die Weißenauer Mönche ihren Einfluß bis 1600. Der Kellhof aber wurde mit seinen zeitweise zweihundert Leibeigenen mehrfach verpfändet und verkauft. Er kam zuerst in den Besitz der Grafen von WerdenbergBludenz, dann 1402 für 1100 Goldgulden an Montfort-Bregenz und schließlich 1515 nach weiteren Verpfändungen an den bekannten Landsknechtführer Merk Sittich von Hohenems. Verpfändet und verkauft! Mit Frauen und Männern, mit Äckern und Wäldern, einfach verkauft!2 Das gleiche Schicksal hatte im Jahre 1451 auch die Hofsteiger getroffen. Als es deren Herrin, der Gräfin Elisabeth von Bregenz, an Geld mangelte, verkaufte sie ihre 11 1 Heim, „Wolford", Heimat Wolfurt, Heft 24 / 2000 und „Weißenau", Heimat Wolfurt, Heft 17/1996 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs, I, S. 138 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg, 2 / 1839, S. 350 Kopie abgedruckt in Info Wolfurt, April 2004, S. 16. Siehe auch VLA, Helbok-Regesten Nr. 353! Binder, 850 Jahre Weißenau, 1995, S. 248 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 364 Heim, „ 750 Jahre Rickenbach ", Heimat Wolfurt, Heft 22 / 1999 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 445 2 3 4 5 6 10 halbe Stadt samt Hofsteig an Sigismund den Münzreichen, den Habsburger Herzog von Tirol. Seither, seit 1451, gehört Rickenbach mit den-anderen Hofsteiger Dörfern zu Österreich. Nicht so der Kellhof! Der verblieb noch dreihundert Jahre lang unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Hohenemser Grafen. Erst im Jahre 1765, als deren Geschlecht im Mannesstamm ausstarb, fiel auch Hohenems mit seinen Besitzungen in Lustenau, Dornbirn und im Wolfurter Kellhof an den Kaiser und damit an Österreich. Gräfin Rebekka, die Tochter und Erbin, hatte nach Böhmen geheiratet. Nun machte sie ihre Rechte zu Geld. Im Jahre 1771 kauften vier angesehene Wolfurter für insgesamt 4500 Gulden die letzten Hohenemser Besitzungen frei, darunter die fast zwei Hektar große „Bütze", den von einer Mauer gegen Hochwasser geschützten Emser Weingarten. Bald danach wurden die Reben ausgerissen und zuerst Heims und dann Rädlers Haus in den ehemaligen Garten gebaut. Bei Rädlers Haus blieb ein Stück von der alten Mauer noch bis 1976 stehen. Schon lange vor Rebekkas Zeit waren die Grenzen zwischen den beiden Gerichten, zu denen sich die gräflichen Höfe entwickelt hatten, durchlässig geworden. Durch Heiraten hatten sich die Besitzverhältnisse geändert. Jetzt gehörten viele Dörfler zu Hofsteig, Kellhofer wohnten umgekehrt auch in Schwarzach, Kennelbach und in Langen. Jedes Jahr aber mußten sich die Kellhofer Männer zur Musterung vor dem Emser Grafen oder seinem Vogt bei der Standlaube neben der Kirchenstiege einfinden. Zu großen Festen, etwa zur Hochzeit des Grafen, mußten sie sich sogar mit ihren Waffen in Hohenems aufstellen.3 Die Neuzeit hatte begonnen. Dem Hofsteiger Ammann Sebastian Schnell, der drüben an der heutigen Schloßgasse wohnte, gelang es, die beiden eifersüchtigen Äbte von Mehrerau und Weißenau an einen Tisch zu bringen und zur Gründung einer selbständigen Pfarrei St. Nikolaus zu bewegen. Seit 1512 müssen die Wolfurter und mit ihnen auch die Bucher und Bildsteiner nicht mehr zum Sonntagsgottesdienst durch die Ach waten. Seither haben sie einen eigenen Taufstein und einen eigenen Friedhof! Noch einen weiteren Erfolg konnte Ammann Bascha Schnell für sich verbuchen. Der Schloßherr Junker Jakob von Wolfurt erlaubte ihm, die Quellen bei seinem Weinberg zu fassen und durch Düchel-Rohre zu einem Brunnen auf dem Dorfplatz zu leiten, zum allerersten Brunnen. Mehr als vierhundert Jahre lang versorgte dieser Brunnen nun das Dorf mit Trinkwasser für die wachsende Anzahl von Einwohnern und auch mit Wasser zum Tränken der Tiere. Allerdings schöpften viele Bauern weiterhin wie bisher ihr Wasser aus dem Tobelbach. Wenn klirrender Frost oder anhaltende Trockenheit den Bach versiegen ließen, kamen sie aber auch zum Genossenschafts-Brunnen und nutzten dort ihr Recht. Der älteste „Seelenbeschrieb" von 1760 hatte erst 56 Häuser und dazu Kirche und Pfarrhof zum Dorf gezählt. Nach der Verteilung der Äcker dehnte es sich aber jetzt schnell nach Norden ins Röhle-Feld, nach Süden fast bis Unterlinden und nach Westen weit in die Bütze hinab aus. 12 Bild 5: Der neue Brunnen auf dem Kirchplatz Nach den im Gemeindearchiv aufbewahrten Brunnenbriefen waren im Jahre 1816 bereits 71 Genossen zur Wasser-Entnahme am Dorfbrunnen berechtigt. Es wurde eng, wenn aus 51 Ställen 83 Kühe und 34 Pferde zur Tränke geführt wurden.4 Auffallend ist dabei die niedrige Zahl der Kühe und die hohe der Pferde. Die Pferde setzte man beim Getreide-Anbau ein, der damals noch die weitaus wichtigste Lebensgrundlage der Wolfurter war. Kühe nutzte man dagegen hauptsächlich zur Eigenversorgung der großen Familien mit Milch. Sennereien gab es in Wolfurt noch nicht. Um dem täglichen Gedränge am Brunnen auszuweichen, faßten immer mehr Bauern eigene Quellen am Berghang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstanden es die Brunnenmacher auch schon, Pumpbrunnen ins Grundwasser zu setzen. Damit konnte man den steigenden Bedarf für die größer gewordenen Ställe, aber auch für Waschfrauen und Schnapsbrennereien decken. Große Angst hatte man weiterhin vor den Feuersbrünsten, die so manchen Hof in Schutt und Asche legten. Es muß ein gütiger Gott seine schützende Hand über die alten Holzhäuser im Dorfkern gehalten haben, daß es hier nie zu einer ganz großen Katastrophe gekommen ist. In jeder Küche loderte ja bis etwa 1850 ein offenes Feuer unter dem Kamin-Schurz. Löschwasser schöpfte man mit ledernen Kübeln aus dem Bach, wo Nachbarn mit Fallen das Wasser aufstauen konnten. Viel mehr als alle Schadensfeuer hat aber dann die moderne Zeit unter den alten Häusern gewütet. Dutzende von ihnen fielen der Spitzhacke zum Opfer, zerbrachen unter den Rammstößen der Bagger. Schließlich setzte in den letzten dreißig Jahren ein Umdenken ein. Von den allerletzten Rheintalhäusern wurden doch etliche behutsam renoviert und gelten heute als Schmuck der Gemeinde. Insgesamt 16 Häuser füllten früher einmal den Stock, das ist der Raum zwischen dem Dorfbrunnen und dem Kleinen Brunnen beim Kreuz an der Kreuzstraße, dicht aus. Davon stehen heute noch drei: der Alt Schwano, Sammüllars und s Schwöstoro-Hus. 13 Drei von 16! Die sind dafür alle drei vorbildlich hergerichtet worden. Weitere renovierte Häuser findet man noch ein paar an anderen Dorfstraßen. Mit den folgenden Zeilen will ich vor allem die alten und die verschwundenen Häuser ins Gedächtnis rufen. Mitten im Dorf stand einst am Rand des Kirchplatzes die hölzerne Laube, das ,,tanz-hus" (T). Unter ihrem Dach war der Platz für die öffentlichen Gerichtssitzungen und Beratungen. Nach dem Sonntags-Gottesdienst verkündigten der Ammann und sein Waibel wichtige Neuigkeiten und gaben die Anweisungen für die Arbeiten bei Saat und Ernte in der kommenden Woche. Die Laube bot aber auch Platz für den Tanz in der Fasnat und für allerlei Kurzweil. Das war der Grund, warum sie der überfromme Pfarrer Barraga im Jahre 1830 abbrechen ließ. Daneben stand „An der Kirchstiegen " das uralte „Hanso Hus". Dort hatte der Arzt Antonius Bildstein seine Praxis und die damit verbundene Barbierstube gehabt. Nun richtete sein Sohn Crispin Bildstein um 1770 hier den allerersten Kaufladen ein. Nach der Messe war er für die Hausfrauen geöffnet. Manche mußten ihre Schulden anschreiben lassen. Kunden aus Buch bezahlten oft mit Rebstecken oder mit Heugeschirr. 1928 wurde Hanso Hus zum Bau des Kriegerdenkmals abgebrochen. Auf der anderen Seite der Kirchstiege stand das stattliche Gasthaus „Rößle". Seine beste Zeit hatte es mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal ab 1850 unter der Wirtsfamilie Fidel Müller. 1982 wurde es abgebrochen, 1985 entstand hier das neue Pfarrheim. Gegenüber befand sich hinter dem Dorfbrunnen das älteste Gasthaus im Dorf, das man heute als den „Alten Schwanen" bezeichnet. In der dortigen Stube fanden die Sitzungen der Brunnengenossen statt. Im Jahre 1811 wurde hier unter der BayernHerrschaft auch die erste Vorsteherwahl in der fünf Jahre vorher neu errichteten Gemeinde Wolfurt durchgeführt. Als der Schwanenwirt Kalb später zusehen mußte, wie sein Konkurrent, der Rößlewirt Müller, mit Bäckerei und Handlung und mit neuen Gaststuben das Geschäft an sich riß, erbaute er 1860 auf dem Platz einer abgerissenen Nagelschmiede den „Neuen Schwanen". Hundert Jahre lang galt dieser nun als nobelstes Gasthaus im Dorf, besonders als die reichen Sticker im „Römerstüble" ihre ausgelassenen Treffen abhielten. Um 1970 mußte zuerst die Gaststube geschlossen werden. Zehn Jahre später wurde die stark erweiterte Handlung als Schwanenmarkt an die untere Kellhofstraße verlegt. Das stattliche Haus mit dem alten Schwanen-Schild blieb aber glücklicherweise erhalten. Das dritte Gasthaus am Kirchplatz war der „Engel". Der ehemalige Löwenwirt und Hofsteig-Ammann Joseph Fischer aus Rickenbach hatte dort um 1800 ein altes Haus gekauft und zu einem Gasthaus umgebaut. Hier hielt die 1816 gegründete Bürgermusik ihre ersten Proben ab. Mit den „Sammar"- und den „Alt-Adlerwirt"Fischer stammen bedeutende Familien aus diesem Haus. Zum Gasthof gehörten eine Kegelhalle und ein großer Gastgarten am gegenüberliegenden Hang. 1975 übersiedelte der Wirt in sein neues Hotel Engel. 14 Bild 6: Das Kirchdorf Wolfurt im Jahre 1760 Eine Skizze aus Heimat Wolfurt, Heft 6 /1990. Dort sind die einzelnen Häuser aufgezählt. Der Pfarrer hatte im „Seelenbeschrieb" für den Steuerkataster der Kaiserin Maria Theresia alle Straßen und Häuser und alle Einwohner aufschreiben müssen. Das im Pfarrhof erhaltene dicke Buch gibt einen ersten Überblick über unsere Gemeinde. Die Landstraße führte am Hang entlang zum Tanzhaus (T) am Fuß der Kirchenstiege und dann über das Oberfeld zur Furt an der Ach. Die Numerierung beginnt bei der Kirche mit den 6 Häusern „Auf dem Bühel". Nach den 7 (hier fehlenden) Anwesen an der Ach setzt sich die Reihe im „Röhle" (beim heutigen „Engel") fort. Sie führt über „Loch" und „Berggasse" (heute Kellhofstraße), „Feldgasse" (Kreuzstraße) und „Gässele" ins „Tobel" und erreicht endlich „An der Kirchstiege" mit der Nr. 45 „Hanso Hus" beim Tanzhaus. Vom Dorfbrunnen weg folgen die Nummern jetzt der „Kirchgassen " in Richtung Unterlinden . Neben dem Dorfbrunnen (bei 47) gab es noch Gemeinschaftsbrunnen auf dem Bühel (bei 2), im Loch (bei 24), bei Stenzlers (54) und den Kleinen Brunnen (bei 57). 15 Bild 7: Kinder am neuen Bächlein Bild 8: Blick vom Kirchturm auf das Dorf An dessen Platz standen früher zu beiden Seiten der Straße „ im röle " die zwei großen Haltmayer-Gerbereien, die ihren Besitzer um 1870 zum reichsten Mann von Wolfurt gemacht hatten. Beide mußten ihren Betrieb später einstellen. In den riesigen Häusern wurden Miet-Quartiere eingerichtet. Zuletzt mußten sie neuen Häusern Platz machen. Abgebrochen wurde daneben 1982 auch die „Dörfler" Sennerei. Genau hundert Jahre vorher war sie über Betreiben von Oberlehrer Wendelin Rädler gebaut worden. Bis 1924 wurde hier die Milch aus der nördlichen Hälfte der Gemeinde zu Butter und Käse verarbeitet. Ab jetzt wurde sie für die Großmolkerei Dornbirn gesammelt. Gleich danach endete früher die Röhle-Straße am Vällenthor (V). Die Landstraße führte ja damals über das Oberfeld. Von dort aus sah man um 1760 noch ein unermeßlich großes Getreidefeld vom Bühel bis zu den Unterfeldern in der Lärche. Kein 16 einziges Haus bis zur Lauteracher Kirche, keines im heutigen Röhle, keines in der Bütze! Nur Getreide und das Buschwerk „ im Wida " an der Ach! Das Feld war in Drittel abgesteckt. Ein Drittel war mit „ Vesen " bebaut, das ist eine Weizenart, die man heute Dinkel nennt. Sie lieferte das Mehl für Brot, Mus und damals, bevor im Ried Mais angebaut wurde, auch für „Hafo-Loab". Das zweite Drittel trug Hafer für „Habor "-Suppe und „Habor-Stopfar". Das dritte Drittel lag brach. Es sollte sich bis zur nächsten Einsaat erholen. Ammann, Dorfmeister und der „Banwart" regelten die gemeinsam von allen Dorfgenossen durchgeführte Arbeit bei Saat und Ernte. Sie sorgten auch für die Abfuhr des Zehents an den Vogt und an das Kloster Mehrerau. Bis ins 18. Jahrhundert hatte sich diese Dreifelder-Wirtschaft bewährt. Dann waren Felder und Wälder an die einzelnen Bauern verteilt worden. Bis zur Inselstraße und zu den „Löchern" (an der heutigen Loackerstraße) herein 17 reichte das mit Stauden bewachsene Flußbett der Ach, doch überflutete das Hochwasser nicht selten die Äcker bis in die Lärche und bis zur Laüteracher Kirche. Erst 1771 ließ Kaiserin Maria Theresia den Schutzdamm errichten, der viel später zur Achstraße ausgebaut wurde. Und die Straßen? An der Stelle der heutigen Bregenzerstraße und der Bützestraße führten grasbewachsene „Bau-Gaßen " in die Äcker hinein, aber der Zutritt war bis zur Erntezeit durch die großen Gatter der „ Vällenthore " versperrt. Ab 1800 wurden noch in der Bayernzeit ein paar Häuser in das Röhle-Feld gebaut. Bald danach stellten die Familien Dür, Schertler und Klocker je eine Ziegelei in die Insel hinaus. Als „Iosol" bezeichnete man das ursprünglich wertlose StaudenVorland an der Ach, das man mit Maria Theresias Damm dem Fluß abgerungen hatte. Zu jeder Ziegelei gehörte auch ein großer Kalk-Brennofen. Am Damm stapelten die Flößer riesige Mengen Holz aus dem Bregenzerwald als Brennmaterial auf. Der Lehm wurde in den Lehmlöchern im Flotzbach gegraben und mit Pferdefuhrwerken an die Ach geführt. Der mühsame Umweg über das Oberfeld machte eine direkte Zufahrt durch das Röhlefeld notwendig. Daher wurde um das Jahr 1820 eine neue Straße gebaut, die heutige Bregenzerstraße. Etwa 1830 entwickelte sich auch die Bützestraße zu einer zweiten Zufahrtsstraße zu den Ziegeleien. Als die Schertler um 1880 eine ganz moderne neue Ziegelei im Flotzbach geschaffen hatten, mußten die drei alten bald schließen. An der Ach blieb nur das Geschäft mit dem Kalk und später mit Zementwaren. Aus der ursprünglichen SchertlerZiegelei und ihrer Kalkhütte entwickelte sich die Firma Baustoffe-Rädler. Inzwischen waren die meisten Weingärten gerodet worden. Ab 1860 ging auch der Getreide-Anbau rapide zurück, weil preisgünstiges Getreide zum Bregenzer Kornmarkt eingeführt wurde. Die Landwirtschaft geriet in eine ernste Krise, aus welcher sie sich erst durch den Obstbau und die Intensivierung der Milchwirtschaft mit der Errichtung von Sennereien wieder einigermaßen erholte. Die ehemaligen Äcker rund um das Dorf verwandelten sich in Obstgärten und Heuwiesen. Jetzt zurück ins Kirchdorf! Dort war auch die „ Berggaßen ", die heutige Kellhofstraße, mit einem Vällenthor beim Bütze-Weingarten gegen das Ackerfeld verschlossen. Es gab aber bereits einen Weg nach Lauterach und den „Bregenzer Weg" auf der heutigen Montfortstraße schräg durch Felder und Stauden-Vorland zur einzigen Brücke über die Ach in Lauterach. An der Berggasse brach Kaspar Gmeiner 1776 das oberste Haus beim Brunnen ab und stellte es weiter unten im damals noch freien Feld neu auf. Ergänzt mit einem Stadel steht es noch heute (Kellhofstraße 11, Mohrs). Schon früher hatte ein einzelnes Haus außerhalb des Vällenthores (Nr. 30, Bützestraße 1, Stülzes) die Besiedlung der Bütze eingeleitet. Am westlichen Teil der „Berggasse" stehen noch ein paar von den alten Häusern, darunter der am Giebel mit den allerschönsten Zimmermannsarbeiten geschmückte alte „Kunsum". In dem bereits 1779 erbauten Haus hatte der Arbeiter-Verein 1903 18 Bild 9: Die Berggasse 1890. Wandbild von E. Köb im Schwanen. Links s Wäschhütlle und Filitzos Hus Bild 10: Dr. Lorenz Böhlers Geburtshaus einen preisgünstigen Verkaufsladen eingerichtet, der 1938 zum weitaus größten und modernsten Gemischtwaren-Geschäft der Gemeinde erweitert wurde. Wie viele andere Läden ist auch der Konsum längst geschlossen. Ein Stück weiter unten mußte 1976 mit Rädlers Haus ein besonders schönes Bauernhaus samt dem letzten Stück der Weinberg-Mauer dem Neubau des Schwanenmarktes und der Raiffeisenbank weichen. Unterhalb der Weg-Abzweigung ins „Loch" (Im Dorf) hatten die Dörfler eine Waschhütte gebaut, in welcher das saubere Überwasser des Dorfbrunnens den Hausfrauen zur Verfügung stand. Eine zweite solche Waschhütte stand droben auf dem Bühel. Dort wurde auch Schnaps gebrannt. Auf der Südseite der Kellhofstraße steht noch, ganz nahe beim Alten Schwanen und 19 Bild 12: Gasthaus Lamm um 1930. Gemalt von Rudolf Schertler. Bild 11: Dörfler Konsum um 1935 Bild 13: Das Mohr-Haus an der Kellhofstraße. Es wurde 1776 aus dem Kirchdorf hierher übertragen. wie dieser schön restauriert, das „Sammüller "-Haus. Es trägt seinen Namen nun schon mehr als 250 Jahre lang vom Gotteshaus-Ammann Nikolaus Müller. In der Wohnung über der damals angebauten Schreinerei wurde 1885 unser Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler, „ Sammüllars Lorenz ", geboren. An der Ecke zur Kreuzstraße stand früher der Gasthof „Lamm ": Der Lohnmetzger Gebhard Fischer hatte um 1880 hier das allererste Metzgerei-Lokal von Wolfurt eingerichtet, in welchem er Fleisch und Wurst an die zunehmend nicht-bäuerliche Bevölkerung verkaufte, die in den „ Quartieren " der großen Häuser wohnte und ihren meist kargen Verdienst in der Fabrik in Kennelbach erarbeitete. 1962 ist das Lamm abgebrannt. Im großen Neubau wurde das Gastlokal „ Klim-Bim " eingerichtet. Wo die Kreuzstraße an ihrem Südende bei einem großen Wegkreuz in die Kirchstraße einmündet, war früher einmal das Ende des Dorfes gewesen. Das gemeinsam 20 Bild 14: Das Rädler-Haus. Vorne die Mauer des Emser Weingartens. 21 Bild 15: Rasiorars Hus an der Kurve. Links das Heitz-Haus. bewirtschaftete Feld westlich der zur „Kirchstraßen" gewordenen ehemaligen Römerstraße war durch Jahrhunderte gegen Verbauung geschützt. Im 18. Jahrhundert setzten sich einflußreiche Bürger über die alten Gesetze hinweg. Als erster baute der Hofsteig-Ammann Jerg Rohner beim Kreuz einen großen Hof und eröffnete darin ein Gasthaus. Dort soll nach der Legende einmal Kaiser Josef II. genächtigt haben, als er inkognito sein Reich bereiste.5 Vor dem Haus stellte der Wirt einen eigenen Brunnen auf, für welchen er Wasser von der Zuleitung zum Dorfbrunnen abzweigte. Der stolze Hof, damals der größte in der Gemeinde, ist 1869 abgebrannt. Im Jahre 1957 mußte auch der „Kleine Brunnen" dem zunehmenden Autoverkehr weichen. Gegenüber waren 1937 die zwei alten Häuser des Wagners Heitz und des Metzgers Reiner abgebrannt. Wegen der Beengtheit des Platzes versagte die Gemeinde die Erlaubnis zum Wiederaufbau. So legten die Geschwister Heitz beide Brandplätze zusammen und stellten darauf das übergroße Haus, das seither den Südeingang zum Kirchdorf dominiert. Im Erdgeschoß bauten die Brüder drei Werkstätten ein. Längst sind diese geschlossen und haben Platz gemacht für kleine Geschäftslokale. Noch weiter im Süden durfte man eigentlich nur auf der Bergseite der Kirchstraße bauen. Zu einem Doppelhaus zusammengezwängt standen dort weit abseits schon um 1700 zwei bescheidene Häuser. Sie wechselten alle paar Jahre die Besitzer. Nach dreihundert Jahren stehen die unverwüstlichen Zwillinge noch immer fest auf ihrem felsigen Grund und bieten Raum für junge Familien. Eines wurde in den letzten Jahren von Grund auf renoviert (Zilla Zollers). Noch einmal zurück ins Dorf! Im großen Rank an der Kirchstraße steht seit 1746 das bis heute fast unverändert gebliebene „Rochusles Hus". Daneben hat 1772 der reiche Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner aus Feldkirch sein schönes Haus gebaut. Viel später hat dort „Rasiorars Agathle" ihren Kundschaften die Haare frisiert oder schon am Sonntag-Vormittag die Barte gestutzt. An der Ecke zur Schloßgasse erinnert uns ein besonders originelles Doppelhaus daran, wie knapp bemessen der Baugrund im Dorf einst gewesen ist. Die Westhälfte heißt man „Stenzlars Hus". Hier, wo einst das kleine Halden-Bächlein zum Tobelbach abgeleitet wurde, wohnte um 1500 der Ammann Bascha Schnell. Das Haus ist aber sicher jünger. Nach der Überlieferung soll es sogar einmal ein Gasthaus gewesen sein. Seinen Namen hat es von der Witwe Schwerzler, geborene Stenzel, die hier allein ihre Kinder aufzog. Ein Stück weiter in Richtung Kirche steht „ Tannbergers ", das seinen Namen von einem Josef Anton Huber aus Lech am Tannberg trägt. Vor ihm besaß es 1873 der böhmische Schneider Franz Eiselt, der 33 (!) Schlafstellen für arme Gastarbeiter einrichtete und damit viel Geld verdiente. Ein paar von den allerältesten Häusern drücken sich noch „Im Tobel" zusammen. Den Südhang deckte bis zum Jahre 1900 mit Pfarrers Rebgarten der letzte Weinberg in Wolfurt. Von der Friedhofmauer weg, wo sie ihren ersten Schießstand aufgestellt 23 Bild 16: An der Kirchstraße 1970. Tannbergars, Gitschges, Rüstos und Stenzlars. Bild 17: Mohro Emiles und der Alt Schwano, 1995 22 hatten, erprobten ab 1838 die Wolfurter Schützen ihre Vorderlader-Stutzen. Der Zielstock stand auf dem Bühel gegenüber. Beim Schwesternhaus beenden wir unseren Rundgang durch das Dorf. Der Schuhmacher Weiß hatte es 1921 den Schulschwestern vermacht. Darüber berichtet ein eigener Artikel. Auch die vielen anderen, an denen wir vorbei gegangen sind, könnten uns jedes eine eigene Geschichte erzählen! Siegfried Heim Die Besiedlung der Bregenzerstraße Das Röhle-Getreidefeld war schon vor 1750 aufgeteilt worden. Aber erst die um 1820 neu angelegte Straße am Fuße des Oberfelds machte eine Besiedlung möglich. Bis 1750 war ein Dür-Haus (Bregenzerstr. 7, Schützo-Mathisos) das äußerste nördliche Gebäude des Kirchdorfs gewesen, direkt neben dem Vällenthor zum Getreidefeld. Als erster überschritt 1752 Joseph Vonach diese uralte Grenze und baute sein neues Haus an den Vorsprung des „Röhle", an den steilen „kleinen Rain". Er überließ es später seinem Schwiegersohn Johannes Dür, der mit seinen vielen Kindern bald danach die Besiedlung von Röhle und Ach vorantrieb. Das Dür-Stammhaus steht noch heute, vor wenigen Jahren renoviert, als „Hannes Franzos" (Breg.str. 6). Erst 1802 erhielt es in Joh. Georg Klocker den ersten Nachbarn, den Stammvater der „Strickar"-Klocker. (Breg.str. 8, „Gigars im Röohle"). Damals führte die Landstraße ja noch über das Oberfeld und umging damit das Röhle-Feld. Erst weit im Norden senkte sie sich wieder zu den sieben alten Häusern an der Ach und erreichte dort als erstes das kleine Klocker-Haus (Breg.str. 31, Wachters). Das dritte Haus im Röhle erbaute 1805 Franz Josef Dür, ein Sohn des Johannes (Breg.str. 10, Kapeollars). Er begann nach den Franzosen-Kriegen mit dem Ziegelbrennen an der Ach. Sein jüngerer Bruder Lorenz Dür hatte das SchmiedeHandwerk erlernt. Er stellte 1812 auf der anderen Seite des Weges eine Werkstatt ins Feld und baute dazu ein Jahr später ebenfalls ein Haus (Breg.str. 11, Schorrers). Seine tüchtigen Söhne verlegten 1848 die Schmiede nach Rickenbach und schufen dort das Stammwerk der Firma Doppelmayr. Schon 1814 kam dann auch Josef Anton Schertler, ein Sohn des legendären Schützenmajors Jakob Schertler, aus Unterlinden und erbaute genau vis-a-vis von Franz Josef Dür ein großes Haus (Breg.str. 15, Schertler I, „Schädlars Sepplos"). Mit einer zweiten Ziegelei an der Ach wurde er der große Konkurrent der Firma Dür. Gemeinsam setzten die beiden aber jetzt den Ausbau des bisherigen Ackerweges zu einer Fahrstraße durch das Röhlefeld bis zur Ach durch. Zwei Jahrhunderte lang galt die neue Straße neben der Bützestraße als die „Obere Straße". Als erste in Wolfurt wurde sie 1931 „geteert". Seit 1953 trägt sie den neuen Namen „Bregenzerstraße". 1964 konnte sie den unerträglich gewordenen DurchzugsVerkehr an die „untere" Straße abgeben. Am Nord-Ende der damals neuen oberen Straße hatte als erster der Küfer Johann Böhler 1822 die Verbindung für ein Haus genützt (Breg.str. 21, „Hann-Batistos"). Drinnen im Dorf stellten jetzt die Haltmayer 1818 und 1828 ihre beiden Gerbereien auf. Aus dem Gasthof Engel übersiedelte die Witwe Magdalena Schertler-Fischer 1835 in ihr neues Ausgedinge-Haus am Röhle-Rank (Breg.str. 9, „Sammars"). 25 1 Empfohlen seien besonders aus Heimat Wolfurt Heft 4, S. 54 Pfarrkirche St. Nikolaus Heft 6, S. 2 Das Kirchdorf Heft 13, S. 6 Hofsteig Heft 23, S. 6 Dorfbrunnen Nach Ludwig Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV Jahrbuch 1952 Nach Ludwig Welti, Jakob Hannibal, Wagner-Innsbruck, 1954 Heim, Dorfbrunnen, Heimat Wolfurt, Heft 23, 1999 Heim, Ein Kuß für den Kaiser, Heimat Wolfurt, Heft 14, 1994 2 3 4 5 24 Nun war nur mehr in der Mitte des Feldes ein Stück frei geblieben. Hierher bauten 1836 der Wagner Fidel Bildstein von der Hub (Breg.str. 12, Kassians) und der DürSchwiegersohn Max Rusch aus Kennelbach (Breg.str 20, „Küofar Böhlars", jetzt Fuchs). Die letzte Lücke schloß 1843 Franz Josef Dür (Breg.str. 14 u. 16, Bernhards). Als 1852 noch die Ziegelei-Firma „Schertler u. Cie" ihr großes Geschäftshaus auf die Westseite der Straße gestellt hatte (Breg.str. 21, Schertler II, „Schädlars Alfredos "), war die Besiedlung des Röhle für viele Jahre abgeschlossen. Nur an den Hang kamen 1888 noch die Schertler-Kalkhütte und 1889 die BöhlerWagenschmiede. Nach langer Unterbrechung stellte nach dem Ersten Weltkrieg Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, seine Zimmermanns-Werkstatt auf, die Alwin Fuchs einige Jahrzehnte später zu einem Wohnhaus umgestaltete (Breg.str. 18). Und um das Jahr 1930 erbaute Josef Lässer erstmals nach fast 70 Jahren wieder ein Wohnhaus (Breg.str. 23). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann die ungehemmte Besiedlung der Felder ein, verbunden mit einer massiven Rodung der schönen Obstbaum-Bestände. Sogar der steile Berghang wurde schließlich bebaut. Das Bild an der Straße bestimmen aber immer noch die alten Rheintal-Häuser mit ihren hohen Giebeln. Mit großem Einsatz haben mutige Besitzer bereits die meisten renoviert und die Wohnungen der neuen Zeit angepaßt. Eine schöne Straße ist uns erhalten geblieben, die Bregenzerstraße im Röhle! Bild 21: Die alten Häuser im Röhle auf einem Katasterplan von 1857 26 27 Bild 18: Bregenzerstraße und alte Landstraße auf das Oberfeld 1931. Neuer Schwanen, Engel und Kegelhalle. Bild 22: Das Röhle im Schmuck der großen Birnbäume. Schädlars Sepplos, Kapeollars und Kassians. Bild 19: Die zum Mietshaus umgebaute ältere „Gerbe" von 1818. Dahinter die Sennerei von 1882. Bild 23: Hannes Franzos Hus wurde 1752 als erstes im Röhlefeld gebaut. Bild 20: Schützo-Mathisos und Sammars. Beide vorbildlich renoviert. Bild 24: Die Dür-Ziegelei um 1890. Ein Bild von Schnidarles Hannes. 28 29 Siegfried Heim Das Schwesternhaus An der engen Kurve der Kirchstraße hat die Gemeinde Wolfurt vor wenigen Jahren ein altes Rheintalhaus renoviert. Mit dem Schwesternhaus bleibt ein wichtiges Gebäude erhalten, das nach außen das Bild unseres Kirchdorfs wesentlich beeinflußt, das in sich aber auch eine beachtliche Tradition trägt. In den letzten 250 Jahren war es nacheinander Mesmar-Hus Klockar-Hus Naglar-Hus Schuohmachar-Hus Schwöstoro-Hus und nun ist es noch zum Spielzeug-Museum geworden! Im Stock Nahe am neuen roten Marktplatz, wo im letzten Jahrzehnt große Anstrengungen zur Wiederbelebung des Kirchdorfs ihre ersten Früchte getragen haben, wurde im Mai 2004 ein neues Wohn- und Geschäftshaus eröffnet, das die Wolfurter nach den neuen Mietern bereits „s Doktor-Hus" nennen. Zusammen mit dem benachbarten Schwesternhaus hat „ der Stock" dadurch eine weitere Veränderung seiner in langen Jahren arg abgebröckelten Fassaden erfahren. „Stock" ist der alte Name für das Dreieck zwischen Kellhofstraße, Kreuz- und Kirchstraße. Bei unzähligen feierlichen Aufmärschen und manchmal auch bei großen Begräbnissen zog man früher mit Musik und Fahnen „umm-o Stock" zum Kirchplatz und zur Kirche. Das Schwesternhaus wurde um das Jahr 1700 nahe bei Kirchplatz und Dorfbrunnen als Bauernhaus erbaut und übertraf damals an Größe die meisten Nachbarhäuser. Von Anfang an hatte es unter den Überschwemmungen des Töbele-Baches zu leiden. Nach Schlagwettern brach dieser oft an der Ecke des gegenüber liegenden RößleStadels aus. Seine schmutzigen Fluten prallten dann an die Straßenwand des Schwesternhauses und suchten sich auf beiden Seiten einen Weg durch die Gärten hinab in die Bütze. Erst vor etwa hundert Jahren wurde am Haus eine hohe Betonschwelle angebracht, die seither die Fluten auf die Kirchstraße ablenkte. Die letzten Überschwemmungen durch den wilden Bach haben noch um das Jahr 1940 jeweils einen großen See unterhalb der Kreuzstraße entstehen lassen. Alte Familien Der erste Besitzer des Schwesternhauses, den unsere Bücher in des Pfarrers Seelenbeschrieb von 1760 in „domus 49 an der Kirchgaßen" erfassen, war der Pfarr-Mesner Anton Fischer, 1718-1789. Auf dem steilen Pfad durch Pfarrers Weinberg im Töbele konnte der Mesner damals zu seinem Dienst in die alte kleine 31 Bild 25: Schädlars Alfredos. Als Zentrale der SchertlerZiegeleien 1852 erbaut. Bild 26: Die SchertlerKalkhütte, später Kalkwerk Rädler. Bild 27: Hann-Batisto Jockls Huf- und Wagenschmiede. 30 Pfarrkirche hinaufsteigen und dort regelmäßig die Glocke zum Gebet läuten. Anton Fischer gehörte dem angesehenen Geschlecht der Stöoglar-Fischer an, zu dem man auch die Seppar, Klosos und Schnidarles-Fischer zählt. Weil er kinderlos blieb, fiel das Haus an seine Stieftochter, die 1772 Anton Klocker geheiratet hatte. Damit wurde es zum wichtigsten Zentrum der Wolfurter Klocker. Von den acht Kindern begründete der Sohn Joh. Georg Klocker im Röhle mit der Nachbarstochter Franziska Reiner aus dem alten Schwanen die Sippe der Strickar-Klocker. Der jüngere Sohn Xaver Nikolaus heiratete mit Barbara Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ebenfalls eine reiche Wirtstochter und wurde der Stammvater der Soalar-Klocker. Die Glasar-Klocker stammen dagegen von Vater Antons jüngerem Bruder Josef Klocker. Das Haus an der Kirchstraße behielt der Sohn Josef Anton Klocker, 1783-1859. Dieser erbaute 1835 von hier aus eine große Ziegelei an der Ach und dazu das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohners). Das Elternhaus im Dorf wurde frei. Im Jahre 1843 übernahm es der einflußreiche Gemeinderat Johann Kalb, Naglars, und zog mit seiner großen Familie vom Strohdorf her hier ein. Später überließ er es seinem Sohn Gebhard Kalb, 1829-1878, von dem die vielen Naglar-Kalb-Familien an der Ach, in Unterlinden, in Schwarzach und auch in der Schweiz stammen. Alle aus diesem Haus! Wie in vielen anderen Bauernhäusern wurden jetzt auch im Schwesternhaus Mieter ins „ Quartier" aufgenommen. So lebte im oberen Stock durch längere Zeit die aus Rickenbach zugezogene Familie des Johann Mathias Bernhard, Lohansolars. Das Haus bekam im Jahre 1900 bereits seine fünfte Hausnummer. Nach des Pfarrers „domus 49" von 1760 hatte man aus steuerlichen Gründen bereits 1785 unter Kaiser Joseph II. die Nummer 50 und 1806 unter den Bayern die Nummer 25 auf den Türstock malen müssen. 1843 folgte die Nummer 51 und 1900 bei der letzten Durch-Numerierung der Gemeinde von der Ach bis Rickenbach die Nummer 64. Diese hielt nun bis zum Jahre 1954. Dann wurde sie beim Schwesternhaus durch die noch heute gültige Bezeichnung „Kirchstraße 45" ersetzt. Die Weiß-Stiftung Als Kalbs erwachsene Kinder das Elternhaus vor dem Jahr 1900 nach verschiedenen Richtungen verlassen hatten, konnte es der Schuhmachermeister Josef Weiß, 18681921, kaufen. Weiß stammte aus Lauterach und heiratete 1901 Maria Hinteregger. Sie war die älteste Tochter unter den 15 Kindern des Gemeinderats und Dorfmeisters Franz Hinteregger in der Bütze. Ihre Mutter war 1888 wenige Wochen nach der Geburt des 15. Kindes gestorben. So hatte Maria die Mutterstelle bei ihren vielen Geschwistern übernehmen müssen. Nun zog sie zu ihrem Mann ins Dorf. Weiß hatte in den Stadel des Hauses eine Schuhmacher-Werkstatt eingebaut. In einem kleinen Schaufenster an der Kirchstraße zeigte er die fertigen Schuhe. Über seine Arbeit hinaus war er auch politisch tätig. Schon 1899 war er einer der maßgeblichen Begründer des Katholischen 32 Bild 28: Das Stifterbild im Schwesternheim 33 Bild 29: Das Schwesternhaus 1989. Bild 30: Sr. Regina 1992 im Kreis ihrer Wolfurter Mitschwestern. Arbeitervereins gewesen. Bei der ersten Sitzung im Sternen hatten ihn die Wolfurter Arbeiter sogar zum Obmann gewählt. Im folgenden Jahr 1900 schaffte er für seinen Verein eine schöne Fahne an. Erst im Jahre 1904 konnte er das GemeindeBürgerrecht erwerben. Die kleine Rosa, das einzige Kind der Eheleute Weiß, starb schon im Alter von einem Monat. Die Wirschaftskrise am Ende des Ersten Weltkrieges traf den Schuhmacher schwer. Er erkrankte und starb, erst 52 Jahre alt, im Jänner 1921. Auch seine Frau Maria war todkrank. Als Pflegerin hatte sie ihre jüngere Schwester Paulina ins Haus genommen. Vor dem herbeigerufenen Pfarrer Stadelmann erstellte Maria Weiß, ganz im Sinne ihres Mannes, ein Testament. Darin stiftete sie ihr Haus den Schulschwestern als Wohnung. Diese hatten sich seit ihrem Einzug in Wolfurt im Jahre 1864 viele Jahre lang mit einer kümmerlichen Notwohnung im Schulhaus begnügen müssen, bis die Gemeinde für sie eine Wohnung im Haus Bucherstraße 3 mietete. Nun sollten sie endlich ein eigenes Haus bekommen. Grundbücherlich gehörten zum Haus ein großer Garten auf der anderen Seite der Straße, das Recht zur Nutzung des Tobelbaches und ein Anteil am Dorfbrunnen. Marias leibliche Schwester Paulina Hinteregger behielt das Wohnrecht in zwei rückwärtigen Zimmern. Die Schuhmacher-Werkstatt sollte der Jungfrauen-Kongregation zur Verfügung gestellt werden. Am 25. Jänner 1921 starb die Stifterin Maria Weiß, nur eine Woche nach dem Tod ihres Gatten. Nach dem Testament mußten ihre Verwandten vom Pfarrer mit einem BargeldBetrag abgefunden werden. Wegen der Geld-Entwertung durch die Inflation hatte man dafür 500 Schweizer Franken bestimmt. Als der Pfarrer diese Summe im notleidenden Wolfurt nicht auftreiben konnte, wandte er sich an Auswanderer in Amerika, darunter an den Pfarrer Theodor Rohner. Schon nach wenigen Wochen 34 traf eine viel größere Summe ein, die auch noch für den Umbau des Hauses ausreichte. Erster Verwalter des Stiftungsvermögens wurde ein Schwager der Stifterin, der Schreiner Rudolf Fischer, Schnidarles. Schwesternhaus Noch im Jahre 1921 zogen die Barmherzigen Schwestern Sebastina Oberhauser, Hildegund Gmeiner und Gisela Amann ein. Vom nunmehrigen „Schwesternhaus" aus setzten sie ihr segensreiches Wirken für Schule und Pfarrei Wolfurt fort. Nach dem Tod von Sr. Hildegund stieß 1932 noch Sr. Regina Pichler zu ihnen. Sie war die letzte Schwester, die das Haus bis 1992 bewohnte, begleitet und betreut von ihrer Helferin Zilla Zoller. Als dann auch Zilla die Wohnung räumte, blieb das Haus zehn Jahre lang leer. In die ehemalige Werkstatt war 1922 die damals sehr aktive JungfrauenKongregation eingezogen. Sie hielt hier ihre wöchentlichen Heimabende mit Gebet, Gesang und fröhlichem Gespräch ab. Dazu kamen Bildungsvorträge, Koch- und Näh-Kurse und Ausbildung in Kranken- und Säuglingspflege. Das rührige Treiben trug dem Mädchenheim bald den Spottnamen „Henno-Stal" ein. Auch die Pfarr-Bücherei fand hier einen Platz. Nach Beschlagnahme und „Säuberung" in der NS-Zeit wurde die Bücherei mit den übrig gebliebenen alten und einigen wertvollen neuen Büchern nach dem Krieg wieder eröffnet und war jetzt ein wichtiger Treffpunkt für die bildungshungrigen Wolfurter. Darüber hinaus verwendete die Gemeinde die Räume viele Jahre lang als Wahllokal für Gemeinde-, Landes- und Bundeswahlen. Streng mußte der Wahlleiter darauf achten, daß am Wahltag zuerst im näheren Umkreis die Wahlplakate entfernt wurden. In den Gasthäusern durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden. Findige Wirte sollen allerdings für ihre Stammgäste immer wieder einen Ausweg gefunden haben. 35 Als die Gemeinde dann in den 60er-Jahren neue Schulen und ein Rathaus gebaut hatte, wurden für Vereine, Bücherei und natürlich auch als Wahllokal bessere Räume gefunden. Die Kongregation wandelte sich zur Jungschar und fand im neuen Pfarrheim Aufnahme. Jetzt blieb der „Henno-Stal" lange Zeit ungenutzt. Schon 1922 hatte sich die Gemeinde zur Erhaltung des Schwesternhauses verpflichtet. Nach dem Statut kann sie es aber, wenn es nicht für Schulschwestern oder einen anderen Orden beansprucht wird, einem gemeinnützigen Zweck zuführen. So wurde mit Zustimmung des Generalrats der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck und von Stiftungskurator Dr. Franz Hinteregger im Jahre 1991 im Stadelteil des Hauses der Kindergarten Kirchdorf eingerichtet. Weil der Orden wegen des Mangels an Nachwuchs keine Rückkehr von Schwestern mehr in Aussicht stellen konnte, machte sich die Gemeinde nach Sr. Reginas Tod Gedanken um eine Verwendung der Wohnung. Zu viele von den alten typischen Häusern des Dorfes waren bereits verschwunden. Eine Revitalisierung der alten Bausubstanz erwies sich als schwierig und aufwendig. Trotzdem entschloß sich die Gemeinde mutig zu dem Schritt, nach dem Alten Schwanen auch noch das traditionsreiche Schwesternhaus, das Stammhaus vieler Wolfurter Familien, für die Nachwelt zu erhalten. Mit einem Aufwand von über 300 000 Euro wurden Wohnung und Dachboden saniert. Uraltes Gebälk und „gestrickte" Wände wurden dabei freigelegt und als Zeugnisse der Baukunst unserer Vorfahren dauerhaft sichtbar gemacht. Nun konnte Frau Iris Alge, die in jahrzehntelanger aufwendiger Sammeltätigkeit einen einmaligen Schatz zusammengetragen hatte, hier vom Keller bis zum Dachboden ein Puppen- und Spielzeug-Museum einzurichten. Die Gemeinde Wolfurt leistete damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Rettung und Erhaltung alter Kulturgüter. Dazu wünschen wir Glück! Und dem uralten Haus noch viele Jahre! Siegfried Heim Der Buggenstein Wer über die Wolfurter Bühel wandert und einen Aussichtspunkt sucht, der findet einen der schönsten Plätze droben auf „Stöckelers Bühel". Wir Älteren nennen den langen grünen Rücken zwischen Kirche und Ippachwald meist noch „Jochums Bühel". In den alten Schriften heißt er aber seit mehr als fünfhundert Jahren der „Buggenstein ". In dem Namen steckt das alte Wort „Buggel" für einen nicht gerade hohen und abgerundeten Bühel. Er ist ja nur 478 Meter hoch, 57 Meter über dem Dorfplatz und 45 Meter über dem nahen Friedhof. Aber sein sanftes Grün vor dem dunklen Ippachwald prägt neben Kirche und Schloß doch die Ansicht unseres Dorfes ganz entscheidend mit. Wunderbar läßt es sich da droben in der milden Herbstsonne sitzen. Bald aber fegt dann wieder der West-Sturm über den Querriegel, der sich ihm als erstes Hindernis vor dem Steußberg entgegenstellt, und zerzaust die zähen Birken. Steil fällt die schattige Nordseite zur Neuen Bucherstraße ab. Die Sonnenseite neigt sich dagegen gemächlich zum kühlen Tobel und zur idyllischen Rütte. Dort zieht seit dem Mittelalter die Alte Bucherstraße durch. Sie erschließt den großen Ippachwald. Harder, Lauteracher und Wolfurter Fuhrleute versorgten lange Zeit auf diesem Weg ihre Dörfer mit Bau- und mit Brennholz. Manch Interessantes könnte uns der Buggenstein erzählen. Nach der Meinung von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank dürften Grabungen auf seiner windgeschützten Seite vielleicht Funde aus der Steinzeit erbringen. Jedenfalls wäre dieser Platz, nahe beim Wald und beim frischen Wasser des Tobelbachs, für ein Lager der frühen Jäger sehr geeignet gewesen. Einen seltsamen Hinweis dazu gibt die unbestimmbare Überlieferung, daß auf dem inzwischen fast ganz überwachsenen Felsband an der Südostkante einst eingeritzte Zeichen zu sehen waren. Ins Licht der Geschichte tritt der Buggenstein am Ende des Mittelalters. Eine Pergament-Urkunde im Landesarchiv nennt den Namen erstmals im Jahre 1449. (VLA, Nr. 1096, nach Wolfurt in Chroniken, 1982). Damals tauschten die Wolfurter einen Meßkelch für ihre Kapelle St. Nikolaus ein und gaben dafür „ein stück feld ob der kirche auf dem Buggestain". Der größte Teil des Südhangs war einst mit Weinreben bepflanzt. Erhalten geblieben sind Urkunden von 1457 vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain 1464 Gärtle und Reben am Buggenstain 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain 1597 Weingart an Buggenstain 1601 Rebgertlin in Buggenstain 1610 Kloster Mehrerauw Reben in Buggenstain (Nach Werner Vogt, Heimat Wolfurt, Heft 19, S. 9 f.) 37 36 Bild 31: Neben Kirche und Schloß prägt der grüne Rücken des Buggensteins das Bild von Wolfurt. Bild 32: BuggensteinSüdseite und Alte Bucherstraße Bis 1601 hatte ein Teil vom Buggenstein zur Kirche Wolfurt und damit zum Kloster Weißenau gehört. Jetzt waren diese Rechte für bares Geld an das reiche Kloster Mehrerau verkauft worden. (Heimat Wolfurt, Heft 17, S. 7) Seit dem Niedergang des Weinbaus gab es da oben noch ein paar Dinkel-Äcker, aber etwa ab 1870 nur mehr Viehweiden. Von einer Bebauung blieben die Hänge noch lange Zeit frei. Einzige Ausnahme waren Kirche, Friedhof und Pfarrhof „uff-om Roa", auf dem westlichsten Ausläufer des Buggensteins. Das allererste Haus am Nordfuß des Bühels (heute Bucherstraße 6, Stöcklers) erbaute im Jahre 1824 Joh. Gg. Gasser. Gasser war Waffenschmied an der Berggasse (Bucherstraße 1) gewesen und zog nun mit seiner Frau Magdalena Flatz, einer Schwester des berühmten Malers Gebhard Flatz, ins Oberfeld. Später besaß ihre Tochter Viktoria Gasser, die in Bregenz den Onkel Gebhard in seinen letzten Lebensjahren betreute, das Haus. Pächter und nachfolgende Eigentümer behielten den Hof meist wenige Jahre, weil der steile Bühel nur mit großer Mühe zu bewirtschaften war und nur geringen Ertrag einbrachte. Auf Kressers, die nach Lauterach zogen, folgte die Familie Rai, die 1924 nach Amerika auswanderte. Jetzt kam aus Lech Johann Jochum, der mit Frau und Töchtern viel Kraft aufwendete, um dem Hang mehr Gras abzugewinnen. Dazu schaffte er sogar eine starke Jauchepumpe an. Mit langen eisernen Rohren konnte er nun erstmals richtig düngen. Inzwischen hatte der Zimmermann Josef Anton Köb, „Lehrars Seppatone", im Jahre 1900 ganz nahe bei der Kirche sein schönes Haus (Bucherstraße 2) als zweites nach dem Gasser-Haus errichtet. Auf der rechten Seite der Alten Bucherstraße baute die Gemeinde dann 1911 ihren oberen Friedhof mit den Arkaden. Der Pfarrhof war schon 1882 erneuert worden. Jetzt kehrte noch einmal für viele Jahre Ruhe auf dem Buggenstein ein. 38 Das wurde 1952 mit einem Schlag anders. Die Gemeinde betonierte fast ganz oben auf „Jochums Bühel", genau 468 m ü. M., ihren ersten Wasserspeicher in den Fels, der für den nötigen Druck im Leitungsnetz des neuen Wasserwerks sorgen mußte. Jetzt konnte mit der Zersiedelung der Felder auch die Überbauung der Bühel beginnen. Architekt Ernst Hiesmayr und DI Otto Gruber waren die ersten, die die herrliche Aussicht vom Westhang des Buggensteins und die Ruhe am Waldrand höher einschätzten als die Probleme mit der schwierigen Zufahrt über die Rütti-Gasse. Ihre beiden Häuser waren mit Nr. 444 und 446 die allerletzten, die 1953 noch eine Hausnummer nach der alten D-Reihung bekamen (Rüttigasse 5 und 7, später Bildhauer Albrecht). Um diese Zeit erwarb Erich Stöckler den Hof samt dem großen Bühel. Immer mehr Siedler erkannten den hohen Wohnwert am Hang. Ganz am Ostende von „ Stöcklers Bühel" - so hieß der Buggenstein jetzt - begann der Bregenzer Textil-Fabrikant Benger mit dem Bau von zwei großen Landhäusern. Bald folgten mehr als ein Dutzend Häuser an der Bucherstraße und an der Rüttigasse. Der bis weit ins Tal sichtbare Rücken des Bühels und seine sonnige Südseite blieben aber - Gott sei Dank! - frei und grün. Auch die malerische Birken-Gruppe auf dem Kamm blieb erhalten. Von der oberen Rüttigasse steige ich manchmal die paar Schritte hinauf und setze mich ins Gras. Ich durfte auch schon Gruppen von Schülern und von heimatkundlich interessierten Wolfurtern dorthin führen und ihnen die Aussicht erklären. Zu Füßen liegen das Oberfeld und das Kirchdorf und ein buntes Häusermeer hinaus bis zu den Flußauen an der Bregenzerach. Dahinter grüßen Gebhardsberg und Kanzele mit ihrem roten Felsband. Rechts sieht man die Kennelbacher Kirche und neben ihrer Turmspitze die Kapelle auf der Halden. Nach Westen schweift der Blick an der Wolfurter Kirche vorbei zur Kirche von Lauterach und, nur mehr ganz klein am Bodensee-Ufer zu sehen, zum Kirchturm 39
  1. wolfurt
  2. imported
Heimat_Wolfurt_...6_Feb Wolfurt 01.02.1996 19.11.2012, 18:29 Heft 18 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1997 Bild 1: Die Turmkugel hoch über dem Kirchdorf. Zuletzt wurde sie im Jahre 1985 von Spenglermeister Walter Schwerzler und Architekt Peter Konzet geöffnet. Inhalt: 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament Bildnachweis: Karl Hinteregger Bilder 1, 2, 21 Helmut Schertler 6, 8, 9, 11 Raimund Mohr 12 Siegfried Heim 5, 7, 10, 13, 14, 15 Sammlung Heim 3, 4, 16, 17, 18, 19, 20, 22 Zuschriften und Ergänzungen Fast ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis auf Heft 17 nun endlich Heft 18 folgt. Aus einer Reihe von Anfragen war zu entnehmen, daß es mit Interesse erwartet wird. Mutterpfarre Weißenau (Heft 17, S. 4) Die Frauen der Pfarre Wolfurt nahmen diesen Beitrag zum Anlaß, ihren Sommerausflug 1996 nach Weißenau zu machen. Sie haben dort eine Führung durch die großartige Barockkirche bekommen und vor dem Heiligblut-Altar gebetet. Damit ist wohl ein Neuanfang für unsere fast 400 Jahre lang unterbrochenen Beziehungen zum Kloster Weißenau gemacht. Das Landesarchiv verwaltet noch etliche Urkunden zu Weißenau und Wolfurt: Am 5. September 1447 verlieh Abt Ulrich von Weißenau sein Klostergut auf dem Bühel zu Wolfurt an Ulrich Böler. Am 31. Juli 1573 verlieh Abt Michael von Weißenau das Gut, das vormals Peter Böler innehatte, gegen Entrichtung von Zehent und eines Drittels vom Kornertrag an Hans Schnell von Wolfurt. Mir ist übrigens in dem Artikel ein Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldigen möchte. Die Mönche von Weißenau standen in Konkurrenz mit den Benediktinern von Mehrerau, nicht mit den Zisterziensern. Das für unsere Pfarre noch weit wichtigere Kloster Mehrerau war seit seiner Gründung im Jahre 1097 (vielleicht schon ein paar Jahre früher) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 eine Benediktinerabtei. Sein Einfluß auf Wolfurt und ganz Hofsteig bedarf noch einer eigenen Untersuchung. Die Zisterzienser kamen erst 1854 nach Mehrerau, nachdem man sie aus Wettingen in der Schweiz vertrieben hatte. Nachkriegsjahre 1945 -1949 (Heft 17, S. 9) Dieser Artikel von Burkhard Reis hat ein vielfältiges Echo gefunden und mit seinen interessanten Bildern zu mancher Diskussion angeregt. Es ist höchste Zeit, daß die noch lebenden Zeitzeugen ihr Wissen weiter geben. Wir sind für jede Notiz dankbar. Ernst Maurer bestätigt die Angaben über Ludwig Gmeiners unbrauchbar gemachtes Auto (S. 22). Er habe selbst als junger Arbeiter in der Mechan. Werkstätte Reimair in Lauterach den Keil neu gehärtet, allerdings nicht in einem Hochofen, sondern in einem speziellen Härtungsofen. Zur Ausweisung der Reichsdeutschen (S. 22) erinnert sich Ernst Maurer, daß er damals in seinem Heimatort Sulzberg-Eibelesmühle gemeinsam mit Bekannten mehrmals deutsche Staatsbürger samt Koffern voll Wäsche und Eßgeschirr über die Grenze nach Bayern geschmuggelt habe. Für Direktor Welter von den Bregenzer MichelWerken hätten sie sogar Möbel geschleppt. Umgekehrt wurden deutsche Soldatenbräute, einmal sogar mit einem Säugling, über die Grenze eingeschleust, damit sie 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den beachtlichen Abgang trägt. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1997 durch Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim. Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H.. A-6922 Wolfurt hier ihre österreichischen Partner heiraten konnten. Vorerst war allerdigs nur eine geheime kirchliche Eheschließung möglich. Hildegund Mathis-Gmeiner berichtet, daß Franziska Gmeiner (Knores Zischgele, Jg. 1914) am 1. Mai 1945 eine Gruppe von Frauen und Mädchen zuerst in Rickenbach zu Bürgermeister Rohner und dann Richtung Dorf geführt habe. Sie riefen laut, sie wollten die Sprengung der Brücken verhindern und die friedliche Übergabe der Gemeinde erreichen. Hildegunds Vater, der gerade vom Hilfsgrenzdienst in Gaißau heimgekehrt war, verbot ihr das Mitgehen. Lina Schmid-Schwärzler wurde nach dem Einsatz im RAD zur Dienstleistung in der Hutfabrik Egg verpflichtet, wo man Elektroteile für die Rüstung fabrizierte. Das Bild von der Musterung des Jahrgangs 1918 (S. 34) wurde für viele zum Suchbild. Paul Schwerzler hat mir folgende Namen angegeben: Vorne sitzend v. 1.: Paul Schwerzler, Bütze; Johann Simioni, Strohdorf. Zweite Reihe v. 1.: Julius Amann, Postmeisters; Franz Mitterdorfer, Rickenbach (Sein jüngerer Bruder Mario ist 1943 gefallen); Karl Büchele, Schlatt; Erich Künz, Ach; Karl Rohner, Ach (gestorben schon 1939). Hinten v. 1.: Schöllnberger (ein jüngerer Bruder des Schneidermeisters Ernst Schöllnberger in der KellhofStraße); Anton Wolfgang, Rickenbach (gefallen 1945); unbekannt (vermutlich aus dem Wida). Der Jahrgang 1918 war mit 22 Geburten der zweitkleinste in unserem Jahrhundert. Weniger Kinder, nämlich 20, waren nur 1916 zur Welt gekommen, als die meisten Männer im Krieg waren. Georg Klettl hat mir ein paar Notizen vom Geschehen rund um das Vereinshaus 1945 gebracht. Er war damals als 15jähriger dort daheim: Ich erinnere mich noch daran, daß in Wolfurt ein RAD-Lager errichtet werden sollte. Dort wo jetzt das Heinzle-Haus in der Neudorfstraße steht, wurde der Rasen von RAD-Männern abgehoben und zu sauberen Würfeln aufgestapelt. Für uns Buben war der Aufmarsch der Männer am Morgen eine Sensation: blitzblanke Spaten, glänzende Stiefel, gute Disziplin. Es blieb aber beim Rasenabheben. Als sich die Front von Frankreich her dem Bodensee näherte, wurden im Vereinshaus 4 oder 5 LKW voll Werkzeug (Pickel, Schaufeln, Schlägel, hölzerne Schubkarren etc.) eingelagert. Es gehörte der Organisation Todt und war zum Bau von Befestigungsanlagen bestimmt. Nach wenigen Wochen wurde alles wieder abtransportiert. Bald darauf wurde auf der Nordseite des Vereinshauses ein Holzschuppen aufgestellt. Hinein kamen eine Gulaschkanone (Kochkessel) und ein großer Holztrog. Auch eine Pumpe und eine Wasserverteilung mit 5 Hahnen wurden installiert. Der große und der kleine Saal wurden mit Pritschen und Strohsäcken aus Papierspagat ausgelegt. Dann wurde im April 1945 die bisher in Schlünders im Südtirol stationierte Volkssturmabteilung hierher verlegt. Beim „Besensturm" waren Männer aus Bregenz und Umgebung, lauter ältere Semester. Unser Vater war auch dabei, natürlich als Sanitäter. Die Volkssturmmänner sollten bei der Verteidigung des Bodenseeufers in Hard zum Einsatz kommen. Ende April waren die Volksstürmler plötzlich nicht mehr da. An zwei Namen erinnere ich mich noch: Kommandant war der Schuldirektor Niederer aus Gaißau, Koch war ein Herr Rüscher aus Vorkloster. Dann kam der Einmarsch der Franzosen und Marokkaner mit gewaltigem Kriegsmaterial und unzähligen Mulis. Auf Instrumentenmachers Wiese beim Vereinshaus standen jede Menge Dodge und Jeeps (Autos), aber auch Kanonen und anderes Kriegsgerät. Die Panzer waren auf der Wälderstraße abgestellt. Viele hatten Käslaibe aufgeladen, die die Soldaten in den Käsereien im Allgäu erbeutet hatten. Eine große Anzahl Marokkaner schlief im großen Saal auf den vom Volkssturm verlassenen Pritschen. Drei Schmiede waren bei Schmied Köbs einquartiert. Sie hatten die Werkstatt beschlagnahmt und beschlugen nun dort ihre Mulis. Diese weideten in allen Feldern, am meisten unten in den Lehmlöchern. Die Marokkaner waren im allgemeinen diszipliniert. Sie wurden von den französischen Oberen strenge behandelt. Ich erinnere mich noch, daß unsere Mutter ihnen einen ganzen Einweckhafen voll Innereien kochen mußte. Ein fürchterlicher Gestank erfüllte unsere ganze Wohnung. Unvergeßlich! Ganz andere Erinnerungen verbindet Frau Gebhardine Ciaessens mit dem Kriegsende. Als Tochter von Bürgermeister Ludwig Hinteregger, der damals die Verantwortung für Wolfurt wieder übernahm, erhielt sie Einblick in das tragische Geschehen um die Kriegstoten in Wolfurt: Bei dem Tieffliegerangriff am Nachmittag des 1. Mai 1945 hörten meine Mama und ich den Einschlag im benachbarten Kaplanhaus. Im Hausgang wurde die 15 Jahre alte Luise Bilgeri getroffen, als sie in den Keller laufen wollte. Sie wurde über die Stiege hinab geschleudert. Eine Flüchtlingsfamilie, die schon vorher dort Zuflucht gesucht hatte, glaubte zuerst, die Großmutter werfe ihnen noch ein Kleiderbündel zu. Schnell wurden die Krankenschwester Epiphanie und Herr Klettl vom Roten Kreuz verständigt. Ein Transport war nicht möglich. Innerhalb von 12 Stunden ist Luise innerlich verblutet. Das Sterbebuch der Gemeinde hält dazu fest: Luise Bilgeri, geb. 22.5.1930, am 2. Mai 1945, 4.30 Uhr früh, verstorben. Leberdurchschuß durch Tieffliegerangriff am 1. Mai 1945. Am 2. Mai brachte man zwei tote deutsche Soldaten zu uns. Sie lagen zuerst im Tenn. Dann wurde jeder in einen Sarg gelegt und bis zur Beerdigung unter der ersten Arkade des Friedhofs aufgebahrt. Ihr gemeinsames Grab bekamen sie im unteren Friedhof links vom Eingang in der dritten Reihe an der Mauer. Der eine war ein unbekannter Soldat. Er trug nur mehr einen Rosenkranz bei sich. Die Papiere und die Erkennungsmarke hatten ihm wahrscheinlich seine Kameraden abgenommen, um die Angehörigen zu verständigen. Dazu ist im Sterbebuch, bezeugt von Bürgermeister Hinteregger, notiert: Unbekannter Soldat, am 2. Mai 1945, 6 Uhr, gefallen bei Haus 23. (Haus 23 ist Scheffknechts Haus hinter dem Wälderhof an der Ach.) 5 4 Der zweite Soldat trug sein Soldbuch bei sich: Herbert Hümpel, geb. 3.1.1927, aus Kirch-Mummendorf, Bez. Grevenmühlen, Mecklenburg. Das Soldbuch und ein paar Fotos aus seiner Heimat blieben vorerst bei uns. Jeden Suchdienst habe ich angeschrieben. Weil Mummendorf im von den Russen besetzten Gebiet lag, kam erst im November 1952 die erste Anfrage von seinen Eltern. Vom Roten Kreuz in Hamburg hatten sie eine Nachricht erhalten. Ich konnte ihnen das Soldbuch zuschicken. Ende der 60er Jahre wurden die beiden Toten vom Österr. Schwarzen Kreuz exhumiert und auf dem Kriegerfriedhof bei der Evangelischen Kirche in Bregenz neu beigesetzt. An Hümpels Finger steckte noch sein Ring mit den eingravierten Buchstaben H.H. Für die Übermittlung dieser Erinnerung an ihren einzigen Sohn äußerten sich die Eltern dankbar. Inzwischen konnte die einzige Tochter auch schon das Grab ihres Bruders besuchen. Im Sterbebuch bezeugt Bürgermeister Hinteregger: Kanonier Herbert Hümpel ist am 2. Mai 1945, 6 Uhr, in Wolfurt-Oberfeld beim Einmarsch der Franzosen durch Kopfschuß verstorben. Einige Seiten weiter ist im Sterbebuch auch der Tod des Familienvaters Gebhard Böhler (Heft 17, S. 10) vermerkt: Verstorben am 2. Mai 1945, um 18.15 Uhr, in Tuttlingen in der Karlsschule. Lungen- und Leberdurchschuß beim Einmarsch der Franzosen am 2. Mai 1945. Die Leiche wurde nach Wolfurt überführt und am 27. Juli 1947 beigesetzt. Vier junge Menschen mußten also am letzten Kriegstag allein noch in Wolfurt sterben. Einige Zeugen berichten sogar von einem weiteren Todesopfer. In einer Wiese neben der heutigen Nußgasse wurde ein deutscher Maschinengewehrschütze durch einen Lungendurchschuß schwer verletzt. Arthur Fischer berichtet, daß man ihn in sein Elternhaus, in die ebenerdig gelegene Wohnung seines Bruders Eugen, brachte. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Einwanderer 2, Italiener (Heft 17, S. 39) Dieser Bericht wurde in Kennelbach diskutiert. Die Nachkommen der Wolfurter „Italiener" wissen noch, daß ihre Eltern besonders unter dem Übernamen „Tschinggo" gelitten hätten. Das Spottwort stammt angeblich vom italienischen „cinque" (fünf). Die Italiener waren übrigens tief-katholisch. Pfarrer Nachbauer verlangte 1905 für sie einen ständigen italienischen Seelsorger. In Scharen gingen die Männer am Palmsonntag oder am Karsamstag zu den Kapuzinern in Bregenz zur Beichte. Daheim mußten sie dann ihren Beichtzettel vorlegen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 60) Einen wunderschönen Brief hat Sr. Isabella Schedler aus Mils geschickt. Unter anderem erzählt sie darin, wie sie als Schülerin 1923 helfen durfte, die neue kleine Glocke über die Berggasse zur Kirche hinauf zu ziehen. Siegfried Heim Dokumente aus der Turmkugel In Bildstein lie