raumentwicklung montafon
exp. KAIROS Kirchstraße 35, 6900 Bregenz
Themen der raumentwicklung montafon 2010
In der folgenden Zusammenstellung wollen wir einen kompakten Überblick über die Themen und wesentlichen Ergebnisse des Prozesses "Raumentwicklung Montafon" im Jahr 2010 geben. Bestandsaufnahme Bushaltestellen Im Frühjahr 2010 wurde eine Bestandsaufnahme aller bestehenden Bushaltestellen durchgeführt. Zu diesem Zweck wurden alle Haltestellen fotografisch dokumentiert, die Ausstattungsmerkmale protokolliert und die Haltestellen aufgrund einer Frequenzabschätzung der Busfahrer und Bauhofmitarbeiter in drei Kategorien eingeteilt. Um künftig eine leichte Wartung dieses Haltestellendokuments zu ermöglichen, wurde eine Datenbank programmiert, in der alle Haltestellen mit ihren Ausstattungsmerkmalen und Buslinien, die für diese Haltestelle relevant sind, vermerkt sind. Die Bauhofmitarbeiter der einzelnen Gemeinden haben die Datenbankeintragungen der Haltestellen überprüft und die Korrekturwünsche an die mbs-Bus weitergeleitet, wo sie von Gebi Schoder in die Datenbank eingearbeitet werden. Gebi Schoder wird zukünftig die Datenbank auch zentral verwalten und auf dem Laufenden halten. Gestaltungswettbewerb Bushaltestellen Auffallend bei der Bestandsaufnahme waren die uneinheitliche Ausstattung sowie die Tatsache, dass viele Haltepunkte nur auf der gegenüberliegenden Straßenseite markiert sind - die Haltestellen und damit der Öffentliche Verkehr generell also wenig sichtbar sind. Deshalb wurde im Sommer 2010 ein Gestaltungswettbewerb für neue Haltestellen im Montafon ausgeschrieben. Ziel dieses Wettbewerbs war es, eine gestalterisch ansprechende Lösung zu finden, das gut ausgebaute Bussystem im Tal präsenter zu machen und den Fahrgästen Komfort und bessere Orientierung zu bieten. Um eine möglichst breite Ausstattung der Haltestellen im Tal zu ermöglichen, war es wichtig, eine sehr kostengünstige Lösung zu entwickeln.
RAUMENTWICKLUNG MONTAFON c/o KAIROS Wirkungsforschung & Entwicklung gGmbH 6900 Bregenz T 0664 8845 4398 oder 0664 2385752 oder M montafon@kairos.or.at
Kirchstraße 35
Die Wettbewerbsjury leitete Axel Steinberger vom Büro integral.ruedi-baur in Zürich, Stellvertreter war Architekt Hans Hohenfellner aus Feldkirch. Der dritte Fachpreisrichter war Stefan Mayr vom Büro superwien architektur und stadtplanung, der bereits den Visionsprozess Mobilität im Montafon und die dazu gehörende Wanderausstellung gestalterisch begleitet hatte. Das Team der Sachpreisrichter setzte sich aus Bertram Luger, Christian Österle (Verkehrsverbund Vorarlberg), Martin Netzer, Siegi Fritz und Rudi Lerch zusammen. Der Gestaltungswettbewerb wurde vom Bregenzer Büro raumhochrosen begleitet. Zur Jurierung Ende November wurden 92 Projekte eingereicht. Ein Großteil der Arbeiten kam aus Vorarlberg, es gingen jedoch auch Vorschläge aus anderen österreichischen Bundesländern, aus der Schweiz, Deutschland und England ein. In einer zwölfstündigen Jurysitzung am 29. November wurden aus der Vielzahl der Einreichungen schließlich drei Projekte ausgewählt, die mit Preisgeldern ausgezeichnet wurden. Die Juryentscheidung darüber war einstimmig, ebenso über den endgültigen Gewinner: Das Büro SOLID architecture aus Wien, das in seinem Entwurf "eine Möblierung für den öffentlichen Raum" vorschlug, ging als Sieger des Wettbewerbs hervor. Der Schwerpunkt dieser Möblierung mit den Elementen "Bügel" und "Sitzbox" liegt auf den Themen Aufenthaltsqualität, Entspannung, Aussicht in die Landschaft und Kommunikation. Die Möblierung soll so Orte schaffen, die als Treffpunkte dienen und zur Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel genutzt werden können. Die Jury war besonders von der einfachen Grundform und den flexiblen Anordnungsmöglichkeiten der Einzelelemente angetan. Angesichts der hohen Zahl von Haltestationen im Montafon erscheint auch der kleine Maßstab des Einzelelements optimal. Der ausgezeichnete Entwurf ist weiters gut identifizierbar, zeitlos und soll als neue visuelle Marke für das Montafon einladend wirken. Als nächster Schritt wird das Siegerprojekt im Jänner weiter verfeinert und mit einem verbesserten Wetterschutz ausgestattet. Bis Anfang März werden erste Prototypen gebaut, die in mehreren Montafoner Gemeinden aufgestellt und bis zum Sommer 2011 auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden. Anschließend beginnt in der zweiten Jahreshälfte die Kleinserienfertigung der künftigen Montafoner Einstiegsstellen bei lokal ansässigen Handwerksbetrieben. Wanderausstellung: Mobilität im Montafon Frühjahr und Sommer 2010 waren wesentlich geprägt von der Wanderausstellung „Mobilität im Montafon“. Ziel dieser Ausstellung, die in Kooperation mit den Montafoner Museen konzipiert und umgesetzt wurde, war es, die historische Entwicklung der Mobilität im Tal aufzuzeigen und gleichzeitig mit den im Zuge den Raumentwicklung Montafon erarbeiteten Ideen langfristige Visionen für die zukünftige Mobilität zu schaffen. Als Ausstellungsraum wurde dafür ein alter Schiffscontainer begehbar gemacht und sein Innenraum in ein hochwertiges Möbel aus Holz verwandelt. Die historische Entwicklung und künftigen Visionen zur Mobilität wurden in 12 Kurzfilmen anschaulich aufbereitet.
Die Ausstellung war ursprünglich in allen 10 Gemeinden über einen Zeitraum von 10 Wochen hinweg geplant. Aufgrund des großen Interesses wurde sie über den Sommer verlängert und an neun zusätzlichen Standorten im Tal gezeigt. Während der Ausstellungsdauer wurden jeweils dienstags und donnerstags Führungen angeboten, um die Inhalte mit der Bevölkerung zu diskutieren. Der Ausstellungsraum war ganztägig geöffnet, in den aufgelegten Ausstellungsbüchern hinterließen Besucherinnen und Besucher außerhalb der Führungen zahlreiche Kommentare zum Ausstellungsinhalt. Die Einträge in die Ausstellungsbücher wurden pro Gemeinde getrennt ausgewertet. Auffallend bei den Eintragungen ist, dass die Rückmeldungen zur vorgestellten Vision durchaus positiv waren, wenngleich die Finanzierbarkeit kurz- und mittelfristig vereinzelt in Frage gestellt wurde. Im September machte der Container schließlich Station vor dem Landhaus in Bregenz und fand in einer kleinen Finissage mit Landesstatthalter Markus Wallner, Landesrat Karl-Heinz Rüdisser und den Bürgermeistern des Montafons seinen Abschluss. Die 12 Kurzfilme werden zur weitere Nutzungen Anfang 2011 als eigene DVD über die Montafon Museen vertrieben. Aufbauend auf den durchwegs positiven Rückmeldungen aus der Wanderausstellung wurde daraufhin an einer kostengünstigen und zeitnah realisierbaren Variante der Vision „Mobilität Montafon“ gearbeitet. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind im Kapitel Masterplan ÖPNV zusammengefasst. Verkehrserhebung Wintertourismus Aus Anlass des Projekts „Verbindungsbahn“ bzw. Grasjochbahn NEU der Silvretta Montafon wurde das Büro Besch und Partner im Februar dieses Jahres beauftragt, an allen Montafoner Seilbahnstationen das Anreiseverhalten der Schifahrer durch Gästebefragungen zu analysieren. Im Rahmen dieser Studie wurde an drei Tagen – zwei Werktagen und einem gut besuchten Sonntag - eine Vollerhebung durchgeführt. Die Daten wurden entsprechend ausgewertet und zeigen, dass sowohl an Wochentagen wie auch an Wochenenden der PKW das dominierende Anreisemittel für die Skifahrer ist. Interessanterweise wählen aber nicht nur Tagesgäste, die für einen Schitag das Montafon besuchen, den Pkw als bevorzugtes Anreisemittel, sondern auch ein Großteil der Gäste, die im Montafon nächtigen. Einzig bei der Kapellbahn im Silbertal und der Schafbergbahn in Gargellen zeigt sich ein deutlich anderes Anreiseverhalten: Der lokal angebotene Schibus holt die Gäste direkt von den Hotels ab und wird von fast 40% der Gäste in Anspruch genommen. In Gargellen kommt der überwiegende Teil der Gäste, die vor Ort nächtigen, zu Fuß. Im Zuge dieser Studie wurde aufbauend auf diesen Daten auch versucht, die Auswirkungen des Projektes Verbindungsbahn/Grasjochbahn NEU auf die PKWBelastung an Spitzentagen abzuschätzen. Die Studie zeigte neben dem großen Potenzial, das Anreiseverhalten zu den Skiliften vom PKW auf andere Verkehrsmittel zu verlagern, dass an Spitzentagen durch die Errichtung der neuen Bahn mit keiner wesentlichen Verkehrszunahme im Pkw-Verkehr zu rechnen ist.
Machbarkeitsstudie "Erdölfreies Gargellen" Zu Jahresbeginn 2010 wurde aufgrund des großen Interesses des Ortsteils Gargellen eine Erhebung zum derzeitigen Erdölverbrauch im Ort gemacht. Ziel der Erhebung war es, nicht nur die Erdölmengen, die für die Raumheizung verwendet werden, sondern auch die eingesetzten Energiemengen für die Mobilität der Einheimischen und Gäste, für den Lieferverkehr und die Pistenpräparierung abzuschätzen. Die vor Ort mittels Fragebögen erhobenen Daten wurden durch die Verkehrserhebung der Studie Besch und Partner an der Schafbergbahn ergänzt. Zurzeit werden in Gargellen rund 800.000 Liter Öl pro Jahr eingesetzt. Das entspricht einem Verbrauch von 650 Litern pro Bett und Jahr. Die Raumwärmeund Warmwasserbereitstellung macht mit jährlich gut 500.000 Litern einen Großteil dieser Menge aus. Die Einheimischen verbrauchen mit rund 100.000 Liter pro Jahr für den Alltags- und Wirtschaftsverkehr annähernd gleich viel wie die Bergbahnen für die Pistenpräparierung. Mit knapp 40.000 Litern jährlich fällt die An- und Abreise der Tagesgäste ins Gewicht, die Bereiche Lieferverkehr, öffentlicher Bus und Mobilität der Aufenthaltsgäste fallen mit je 20.000 Litern pro Jahr vergleichsweise gering aus. Neben einer Darstellung der derzeitigen Verbrauchssituation wurden in dieser Studie auch Ansatzpunkte und Strategien aufgezeigt, wie die Umstellung auf eine erdölfreie Energieversorgung in Angriff genommen und daraus eine neue touristische Positionierung abgeleitet werden kann. Die Präsentation der Ergebnisse dieser Studie im Oktober fand vor dem Vorstand des Tourismusvereins großen Anklang. Im November des Jahres wurden die Ergebnisse der Bevölkerung vorgestellt. Das Thema stieß auf großes Interesse - über 80% der Bevölkerung waren bei dieser Präsentation anwesend - und diskutierten das Thema bis in die Nachtstunden leidenschaftlich. Die Bergbahnen Gargellen haben die in der Studie vorgeschlagene Strategie unmittelbar aufgegriffen und im Rahmen ihrer Klausur zur mittelfristigen strategischen Ausrichtung des Unternehmens weiter verfeinert. In einer Gästebefragung soll in der Wintersaison 2010/2011 die Sensibilität der GargellenGäste für das Thema „Erdölfreiheit“ erhoben werden, um dann nach Abschluss der Wintersaison die nächsten Schritte zu beschließen. Spontanes Mitfahrsystem COPILOT In ländlichen Regionen gelingt es nur mit hohem Aufwand, den öffentlichen Verkehr wirklich attraktiv zu machen. Für einen dichten Takt sind zu wenig Fahrgäste da, die geringe Taktdichte führt jedoch dazu, dass nur wenige Leute den öffentlichen Verkehr nutzen. Aus diesem Grund wurde das Projekt COPILOT als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr ausserhalb der Stoßzeiten entwickelt.
Wer schon einmal an einer Bushaltestelle gewartet hat, weiß, wie viele Pkws auch außerhalb der Stoßzeiten vorbeifahren. Und im Schnitt sitzt im Montafon nur in jedem zehnten PKW mehr als eine Person. Darum wurde im Rahmen von "Raumentwicklung Montafon" das spontane Mitfahrsystem Copilot geschaffen. Ziel von Copilot ist es, in Ergänzung zum öffentlichen Verkehr, Mobilität auch außerhalb der Stoßzeiten sicherzustellen. Das Modell wurde von der Kairos gGmbH entwickelt und wird zusammen mit der Gemeinde Silbertal und den MBS nun 6 Monate lang getestet. Registrierte „Piloten“ erhalten einen Aufkleber mit Fahrzeugnummer für die Windschutzscheibe. Sehen sie in Zukunft bei Fahrten in oder aus dem Silbertal „Copiloten“ (Personen, die eine Mitfahrgelegenheit brauchen und ebenfalls registriert sind) an Bushaltestellen stehen, laden sie diese zum Mitfahren ein. Registrierte Copiloten erhalten zu diesem Zweck einen Mitgliedsausweis mit reflektierender Folie, den sie an einer gekennzeichneten Bushaltestelle stehend an der Kleidung anbringen. Damit signalisieren sie vorbeifahrenden Autos, dass sie mitfahren wollen. Sobald ein Pilot anhält, und das gemeinsame Ziel vereinbart ist, schickt der Copilot ein SMS mit dem Haltestellen-Code und der Fahrzeugnummer ab. Das System dokumentiert auf diese Art, wer mit wem, wann und von wo mitfährt und bietet deshalb für Fahrer und Mitfahrer optimale Sicherheit. Fahrer und Mitfahrer bekommen ein Bestätigungs-SMS. Für alle registrierten Fahrten wurde eine subsidiäre Haftpflichtversicherung für Personenschäden bis zu EUR 15.000.000,- abgeschlossen. Vom Konto des Copiloten wird ein geringer Betrag abgebucht, der in eine gemeinsame Kassa fließt. Einmal pro Jahr entscheiden alle TeilnehmerInnen, was mit dem Geld geschehen soll. Ein gemeinsames Fest, eine Spende für einen sozialen Zweck oder eine andere Aktion. Weitere Informationen zum Projekt finden sich unter www.copilot.or.at Innerörtliche Fußwege Das Projekt innerörtliche Fußwege befasst sich mit der innerörtlichen, fußläufigen Erschließung von wichtigen Zielen und Quellen innerhalb der Gemeinde, um im Alltag das zu Fuß Gehen als attraktive Verkehrsoption zu fördern. An dem Projekt beteiligen sich die Gemeinden St. Anton, Vandans, Bartholomäberg, Schruns, Tschagguns, St. Gallenkirch und Gaschurn. In einem ersten Schritt wurde im Frühjahr 2010 zusammen mit den Bürgermeistern, Wegwarten und Bauhofleitern eine Kartierung aller innerörtlichen Ziele und Quellen vorgenommen. In einem zweiten Schritt wurden die Ziele und Quellen mit dem bestehenden Fußwegenetz und alten Fußwegeverbindungen aus dem Kataster von 1846 abgeglichen.
Über den Sommer haben die Wegwarte der Gemeinden zusätzlich Bestandsaufnahmen im Feld durchgeführt und sinnvolle Lückenschlüsse im Fußwegenetz notiert. Im Herbst 2010 wurden diese Informationen digitalisiert und vom Projektbetreuer Georg Rauch ein erster Entwurf für einen Maßnahmenplan zur Verbesserung des innerörtlichen Fußweg-Angebots ausgearbeitet. Dieser Maßnahmenplan wird im Frühjahr 2011 mit den einzelnen Gemeinden diskutiert und durch zusätzliche Vor-Ort-Begehungen weiter entwickelt. Mit Sommer 2011 sollen die vorgeschlagenen Maßnahmen soweit detailliert und größenordnungsmäßig bepreist sein, dass sie mit den Gemeindevertretungen diskutiert und zur Beschlussfassung vorgelegt werden können. Das Projekt „Innerörtliche Fußwege“ hat in den Talschaften Klostertal, Großes Walsertal und Bregenzerwald reges Interesse geweckt und wird im Rahmen eines transnationalen LEADER Projekts in den Jahren 2011 und 2012 auch dort umgesetzt. Vorbereitung Pendlerfahrgemeinschaften Ein weiterer Baustein in Richtung einer multimodalen Mobilität, die auf jene Verkehrsmittel zugreift, die für die jeweilige Anwendung am meisten geeignet sind, ist das Projekt Pendlerfahrgemeinschaften. Mehrere Montafoner Gemeinden haben im Herbst 2010 die Anschaffung von Elektrofahrzeugen beschlossen, die für das Projekt Pendlerfahrgemeinschaften zur Verfügung stehen sollen. In jeder Gemeinde des Montafons wird ab Frühjahr 2011 die Bildung von Fahrgemeinschaften für Berufspendler beworben. Jede Person, die zumindest zwei Mitfahrer für die tägliche Pendelstrecke zur Arbeit findet, bekommt für diese Fahrgemeinschaft einen Monat kostenfrei ein Elektroauto zur Verfügung gestellt. Die Begleitung und Koordination der Betankungsmöglichkeit der Fahrzeuge wird über das Projekt Raumentwicklung abgewickelt. Bei Rückgabe des Fahrzeugs nach einem Monat wird die Fahrgemeinschaft über ihre Erfahrungen, Hindernisse und Motivation zur Weiterführung der Fahrgemeinschaft befragt. Im Rahmen der Raumentwicklung ist geplant, zumindest 50 Fahrgemeinschaften neu zu gründen, wobei als Ziel gilt, dass 35 dieser Fahrgemeinschaften nach Abschluss der einmonatigen Probezeit weiter bestehen sollen. Durch die Gründung von 100 Fahrgemeinschaften könnte der durchschnittliche tägliche PKW-Verkehr auf der L 188 um rund 10% gesenkt werden. Projekt MontafonMobil Im Projekt MontafonMobil werden in Schruns, Tschagguns, Silbertal, St. Gallenkirch, Gargellen und Gaschurn je ein Elektroauto anschafft, das an den Gemeindeämtern stationiert und gemeinsam von der Gemeinde und der Bevölkerung genutzt wird. Dieses Autoteilen - „Carsharing“ - ist bisher vor allem in städtischen Räumen etabliert, weil dort die Bevölkerungsdichte größer ist. Gemeinsame Autonutzung führt zu einem bewussteren Umgang mit dem Auto, weil das Auto nur dann Kosten verursacht, wenn es wirklich benötigt wird. Erhebungen in Gargellen haben gezeigt, dass über 40% des dortigen PKW-Bestandes weniger als 5.000 km im Jahr genutzt werden. Für diese Gruppe ist die gemeinsame Autonutzung auch
wirtschaftlich hochinteressant. In Österreich ist es für den einzigen CarsharingAnbieter mit Sitz in Wien wirtschaftlich unrentabel, die Fahrzeuge im ländlichen Raum zu betreuen. Aus diesem Grund werden die MontafonMobile direkt von den Gemeinden betreut. Für jedes angeschaffte Fahrzeug werden an zentraler Stelle im Ort zwei Abstellplätze mit Elektrotankstelle ausgerüstet. Die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde können über ein einfaches Internetbuchungssystem das Auto gegen eine pauschale Abgeltung von rund EUR 15 pro Halbtag zu den Zeiten nutzen, zu denen es von der Gemeinde nicht verwendet wird. Elektromoped Testwochen für Jugendliche In diesem Projekt wird an den alltäglichen Mobilitätsbedürfnissen der Jugendlichen im Montafon angesetzt: Alle Jugendlichen, die an einer Befragung zu ihrem Mobilitätsverhalten teilnehmen, können für eine Woche kostenfrei ein Elektromoped testen. Während dieser Testwoche führen die Jugendlichen ein Mobilitätstagebuch und zeichnen alle ihre Wege und dabei gewählte Verkehrsmittel auf. Die Aktion ist im Juli 2010 gestartet und wird nach der Winterpause bis Sommer 2011 fortgesetzt. Auf diese Art werden wertvolle Daten über die Mobilitätsmuster, Mobilitätsbedürfnisse und die Verkehrsmittelwahl von Jugendlichen im Montafon gewonnen. Zudem wird eine konkrete Idee entwickelt, welche Rolle die Technologie der elektrisch betriebenen Zweiräder für die Mobilität von Jugendlichen in Zukunft spielen kann. Entsprechende Angebote können darauf aufbauend in einem nächsten Schritt ausgearbeitet werden. Mit Abschluss des Projektes wird das eingesetzte Elektromoped unter allen TeilnehmerInnen verlost. Im Jahr 2011 und 2012 soll dieses Projekt in ähnlicher Form im Großen Walsertal, im Klostertal und auch im Bregenzerwald umgesetzt werden. Die notwendigen Mittel dafür werden einerseits über ein LEADER-Projekt und andererseits über Kofinanzierungsmittel direkt aus den Regionen aufgebracht. Vorstudie Verlängerung Montafonerbahn Im Zuge der Entwicklung des Masterplans Montafon wurde eine Vorstudie zur Verlängerung der Montafonerbahn beauftragt. Das Büro Bernard Ingenieure aus Hall in Tirol hat auf Basis der 25 Jahre alten Studie von Dietmar Zierl, der im Rahmen seiner Diplomarbeit drei Varianten für eine Bahnverlängerung von Schruns bis Gaschurn vorgeschlagen hat, die aktuelle Situation beleuchtet. Ein Vergleich der von Zierl vorgeschlagen Trasse mit der derzeitigen Situation zeigt, dass sich bis auf wenige Konfliktpunkte an der grundsätzlichen Realisierbarkeit dieses Vorhabens nicht viel geändert hat. Die heutigen Kosten für eine Verlängerung der Bahn von Tschagguns bis vorerst St. Gallenkirch wurden in einer ersten groben Kostenschätzung je nach Variante zwischen 60 und 105 Millionen € eingeschätzt. Die grundsätzliche Realisierbarkeit dieses Projekts war wesentlicher Input für die Entwicklung des Masterplans ÖPNV.
Masterplan ÖPNV Aufbauend auf der Vision „Mobilität im Montafon“ wurde im Sommer und Herbst 2010 der Masterplan ÖPNV erarbeitet, der die Grundidee der Vision aufgreift, sich in der Umsetzung aber stärker an der vorhandenen Situation orientiert. Leitgedanken aus der erarbeiten Vision zur Mobilität im Montafon sind: (i) eine leistungsfähige Mobilitätsachse des öffentlichen Verkehrs durch das Montafon an der (ii) alle wichtigen Ziele und Quellen niederschwellig angebunden sind. (iii) Die Erschließung des Raumes mit dem öffentlichen Verkehr wird durcheine Neuorganisation verbessert und (iv) die Einstiegs- und Ausstiegspunkte des öffentlichen Verkehrs werden zu Mobilitätsschnittstellen verschiedenster Verkehrsmittel für BewohnerInnen und Gäste des Montafons. Der Masterplan ÖPNV sieht im wesentlichen folgende Elemente vor: 1. Verlängerung der Bahnstrecke von Tschagguns nach St. Gallenkirch und später nach Gaschurn Die derzeitige Bahnlinie wird beim Bahnhof Tschagguns in einen Mobilitätsknoten Schruns/Tschagguns umgebaut und entlang der Ill über die Haltestellen Aktivpark, Zamangbahn, bis zur vorläufigen Endhaltestelle St. Gallenkirch/Valiserabahn und später nach Gaschurn/ Versettlabahn geführt. Dabei ist wichtig, auf eine gute Anbindung des Zentrums von Tschagguns zu achten und diese wenn möglich zu verbessern. Durch die Verlängerung der Bahn mit einer Auslegungsgeschwindigkeit von z.B. 80 km/h verkürzt sich die Fahrzeit vom Hochmontafon in den Walgau und das Rheintal im Vergleich zur derzeitigen Bus und Bahnverbindung über Schruns Zentrum um bis zu 20 Minuten pro Weg. Zusätzlich erschließt die Bahn direkt und staufrei das geplante Bad- und Hotelzentrum im Aktivpark, den Fußballplatz Schruns, den Golfplatz Tschagguns, das geplante Schanzenzentrum in Tschagguns/Zelfen, das Schigebiet Hochjoch über die Zamang Bahn und das Schigebiet Nova über die Valiserabahn bzw. später zur Versettlabahn wo eine weltcupfähige Piste geplant ist. 2. Bahnachse Vandans-Schruns mit direkter Bahnanbindung des Hochjochs und der Golmerbahn Nach Verlagerung der MBS Remise und Werkstätten aus dem Zentrum von Schruns könnte die Gleisanlage direkt an die Talstation Hochjoch herangeführt werden.
Damit erhält auch die Reha-Klinik, das Josefsheim und der Friedhof eine attraktive ÖPNV Verbindung. Mit einer zusätzlichen Station kann auch das Sozialzentrum, die Hauptschule Grüt und der geplante Gewerbepark im derzeitigen Gebäude der Illwerke angebunden werden. Von Tschagguns bis Kaltenbrunnen wird die bestehende Trasse - um im Betrieb optimale Flexibilität zu erreichen - zweigleisig ausgebaut. Bei der Station Kaltenbrunnen zweigt ein Strang über die bestehende Gleisanlage der Illwerke direkt zum geplanten Illwerkezentrum Montafon mit bis zu 500 Arbeitsplätzen und dem künftigen Besucherzentrum der illwerke ab. Die bestehende Gleisanlage kann weiters zur Talstation der Golmerbahn und weiter durch das Zentrum von Vandans bis zur Bahnhaltestelle Vandans geführt werden und dort wieder ins Hauptgleis einmünden. Befahren werden die Trassen mit Zweisystemfahrzeugen, wie sie Karlsruhe und anderen Städten bereits seit 10 Jahren zum Einsatz kommen. Das besondere dieser Fahrzeuge ist, dass sie die Anforderungen der Eisenbahn mit den Möglichkeiten einer Straßenbahn verbinden und somit geräusch- und erschütterungsarm und mit kleinen Kurvenradien direkt in das Siedlungsgebiet geführt werden können. Damit sind wesentliche Ziele des Alltags- und Pendlerverkehrs und die Schigebiete Golm und Hochjoch mit einem leistungsfähigen, schienengebunden Verkehrsmittel auf einer stausicheren Trasse direkt erreichbar. Die Zweisystemfahrzeuge können (i) im Pendelbetrieb zwischen Vandans Bahnhof und Schruns Zentrum eingesetzt werden, (ii) die Strecke ab Bludenz abwechselnd über Vandans, Golm, IZM nach Schruns oder direkt über Tschagguns nach St. Gallenkirch bedienen oder (iii) bei Bedarf auch direkt nach Buchs oder Lindau durchgebunden werden. 3. Neuorganisation ÖPNV Flächenerschließung Das Busliniennetz der MBS Bus wird unter diesen neuen Rahmenbedingungen zur optimalen Anbindung der Fläche neu konzipiert. Es entstehen zwei getrennte Bussysteme, eines für die Außerfratte, um die Bereiche Schruns, Tschagguns, Silbertal, Bartholomäberg, Vandans und St. Anton optimal an die Bahn anzubinden; ein zweites im Hochmontafon für eine leistungsfähige und möglichst dichte Anbindung von Gargellen, St. Gallenkirch, Gortipohl, Gaschurn, Partenen und Bielerhöhe an die Bahn. Die möglichst direkte Anbindung wichtiger Unterbringungsbetriebe, Arbeitsstellen und Seilbahnen spielt dabei eine besondere Rolle. Durch die Trennung des derzeitigen Bussystems in zwei Untersysteme ist es möglich, bei gleicher Gesamtkilometerleistung das Angebot deutlich zu attraktivieren. Die neuen Busnetze decken dabei auch die Ortsbusfunktion ab. Zusätzlich sollen alternative Systeme die Erschließung der Fläche auch zu
Randzeiten verbessern. Niederschwellige Mitfahrsysteme, wie COPILOT, das derzeit im Silbertal getestet wird, sind Beispiele dafür. 4. Einstiegsstellen als Mobilitätsschnittstellen Zur Erschließung der Streusiedlungen und Hanglagen sind in enger Verknüpfung mit dem ÖPNV individuelle Verkehrsmittel notwendig. Durch die attraktive Gestaltung der neuen Verkehrsknoten St. Gallenkirch, Schruns/Tschagguns und später Gaschurn, soll erreicht werden, dass die individuellen Verkehrsmittel künftig vor allem dort eingesetzt werden, wo sie gegenüber dem ÖPNV ihre Stärken haben. Für Pendler wird ein möglichst früher Umstieg auf die leistungsfähige Bahn, die in ihren Reisezeiten dem PKW überlegen sein wird, angestrebt. Umgekehrt sollen Anreisende ins Tal durch Fahrzeugverleih in den Stationen zu einem möglichst späten Umstieg auf individuelle Verkehrsmittel angeregt werden. In gleicher Weise sollten im Walgau und Rheintal unkompliziert individuelle Verkehrsmittel, für die “letzten Kilometer” zur Verfügung stehen. Ziel ist es, dass möglichst wenige Personen wegen der ersten oder letzten Kilometer die Gesamtstrecke mit ihrem Auto fahren müssen. Neben Park&Ride Anlagen an den wichtigen Bahnhöfen werden auch die Einstiegsstellen in den Bus aufgewertet. Das Abstellen von Fahrrädern, Schi, Gepäck und der Umstieg in möglichst viele unterschiedlichen Verkehrsmittel muss an diesen Stellen attraktiv und einfach sein. 5. Beteiligung und Querverbindungen Die Größenordnung des Vorhabens und die Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Region, machen es notwendig, dabei die gesamte Bevölkerung intensiv einzubinden. Dies soll einerseits über einen Montafoner Mobilitätsdialog geschehen, in dessen Rahmen zu klaren Aufgaben nach einem transparenten Fahrplan Mitgestaltung angeboten wird. Weiters sollen Möglichkeiten geprüft werden, durch ein geeignetes finanzielles Beteiligungsmodell die Identifikation der Bevölkerung mit dem Verkehrssystem zu erhöhen und zu einer stärkeren Nutzung anzuregen. Querverbindungen zu allen anderen Themen und Herausforderungen im Montafon sollen frühzeitig identifiziert und im Prozess eingebettet werden. Die Bürgermeister der Montafoner Gemeinden haben in der Steuerungsgruppensitzung vom 9.11.2010 im Silbertal einstimmig beschlossen, an diesen Ansätzen weiterzuarbeiten. Zur Planung der weiteren Vorgangsweise wurde eine Arbeitsgruppe installiert, die ihre Ergebnisse am 14.12.2010 den Bürgermeistern präsentierte. Nach einzelnen Ergänzungswünschen wurde die weitere Konkretisierung des Masterplans in mehreren Studien unter Einbindung der Bevölkerung in der ersten Jahreshälfte 2011 beschlossen.
Studienreise Unterengadin Im Herbst 2010 wurde im Rahmen der Raumentwicklung erstmals eine Studienreise angeboten. Alle Mitglieder der Steuerungsgruppe, der Begleitgruppe sowie die touristischen Vertreter des Montafon Tourismus, Schruns-Tschagguns Tourismus, und Hochmontafon Tourismus wurden zu einer zweitägigen Fahrt ins Unterengadin eingeladen. Im Zentrum dieser Studienreise stand einerseits das Thema Sommertourismus mit den Schwerpunkten Natur und Kultur und andererseits die Nutzung und das Potenzial von öffentlichen Verkehrsmitteln in der touristischen Erschließung. Das Unterengadin zeichnet sich durch einen extrem hohen Anteil an anreisenden Gästen mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus: Während im Montafon rund 3% der Übernachtungsgäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, sind es im Unterengadin über 30%. In zahlreichen Referaten wurden mit Gemeindepräsidenten, Unternehmern, Landwirten und Touristikern des Unterengadins die Entwicklung des naturnahen und kulturorientierten Tourismus und dessen Zukunftsperspektiven diskutiert. Die Eindrücke der Studienreise wurden in der darauf folgenden Steuerungsgruppe im Silbertal gesammelt und werden im Frühling 2011 in konkrete Umsetzungsprojekte einfließen. Ein wichtiger Nebeneffekt dieser Studienreise war das nähere Kennenlernen des südlichen Nachbarn. Ein Gegenbesuch der Tourismusverantwortlichen aus dem Unterengadin wurde bereits vereinbart. Eine Besonderheit dieser Studienreise war die ausschließliche Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln: Sowohl für die Anreise als auch für die Mobilität vor Ort wurde ausschließlich auf den ÖPNV zurückgegriffen. Aus dieser Erfahrung heraus wurden auch zahlreiche Anregungen für die Organisation, Kommunikation und Abwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs im Montafon gewonnen. Jugendkoordination Montafon Auf Wunsch der Bürgermeister wurde im Herbst 2010 das Thema Jugendkoordination Montafon in den Prozess Raumentwicklung aufgenommen. Zurzeit werden Teilaufgaben der talweiten Jugendkoordination von der offenen Jugendarbeit JAM in Schruns wahrgenommen. Da diese Organisation an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt ist und nicht alle Gemeinden die Aufstockung des Budgets mittragen wollen, wurden in einem gemeinsamen Prozess die Ziele der Jugendkoordination und die Ziele der offenen örtlichen Jugendarbeit zusammengetragen und gegenseitig abgestimmt. In einem zweiten Schritt wurde ein Strukturvorschlag erarbeitet, der vorsieht, künftig die Aufgaben der Jugendkoordination räumlich und personell von denen der örtlichen offenen Jugendarbeit zu trennen. Von den Bürgermeistern wurde bereits signalisiert, dass sie auf dieser Basis bereit sind, die Aufwände für die talweite Jugendkoordination gemeinsam zu tragen. Das Konzeptpapier für die Jugendkoordination im Montafon wurde im Dezember von der Arbeitsgruppe abgeschlossen und wird im Jänner den Bürgermeistern des Tals zur Diskussion vorgelegt.
Raumwahrnehmung - „Ansichten aus dem Montafon“ Unter dem Titel „Ansichten aus dem Montafon“ wurde im Sommer 2010 eine Fotoaktion vorbereitet, bei der Einheimische und Gäste dazu eingeladen sind, Bilder von gelungenen und weniger gelungenen, typischen und untypischen Orten und räumlichen Situationen im Montafon einzureichen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden darüber hinaus dazu eingeladen, ihre Fotos mit einigen Stichworten zu kommentieren und den Ort der Aufnahme auf einer Landkarte räumlich zu markieren. Unter allen Einsendungen werden Sachpreise und ein erholsames Sommer-Wochenende für zwei Personen verlost. Für teilnehmende Gäste ein Wochenende im Montafon, für Einheimische im Unterengadin. Alle eingereichten Fotos werden mit Ende der Wintersaison nach Aufnahmeort sortiert und den betreffenden Gemeinden zur Verfügung gestellt. Die gesammelten Fotos werden Ausgangspunkt für einen Austausch über Erwartungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Wahrnehmung des Montafons sein. Neben einer Ausstellung in den einzelnen Gemeinden des Tals ist darüberhinaus geplant, aufbauend auf diesem Eindrücken an der räumlichen Identität zu arbeiten. Auf der Homepage "www.ansichten-montafon.at" ist neben der Funktion des Hochladens auch ein Fotoalbum eingerichtet, in dem die eingereichten Beiträge veröffentlich sind. Um Diffamierungen von vornherein zu vermeiden, werden alle Beiträge nach dem Hochladen zwischengespeichert und erst nach Prüfung vom Projektteam zur Veröffentlichung freigegeben. Bei Erfolg wird die Aktion in der Sommersaison 2011 fortgesetzt. Dann gibt es natürlich Winterurlaube zu gewinnen. Beherbergungsstudie Im Herbst wurde eine Studie zu Analyse der Beherbergungssituation im Montafon gestartet. Ziel dieser Studie ist es, die bestehende Beherbergungsstruktur genauer zu analysieren. Da vor allem unter den Privatzimmervermietern einige Vermieter sind, die ihre Angebote nicht mehr aktiv kommunizieren und trotz schlechter Auslastung auf Grund ihres Alters oder anderer Gründe an keiner Steigerung der Auslastung mehr interessiert sind, führt die einfache Berechnung der durchschnittlichen Auslastung zu einer grob verzerrten Sicht auf die Situation. Darüber hinaus ist die Datengrundlage der Gästemeldungen in den einzelnen Gemeinden verschieden: In einigen Gemeinden werden Zweitwohnungsbesitzer mit einem pauschalen Nächtigungsansatz mitgerechnet, in einzelnen Gemeinden werden Schulklassen und Kongressteilnehmer mitgerechnet und auch bezüglich der Weitervermietung von Zweitwohnungen an Dritte besteht unter den Gemeinden keine einheitlich Vorgangsweise. Dadurch ist die Aussagekraft der publizierten Statistiken, die wiederum Basis für die Weiterentwicklung der Beherbergungsstruktur im Tal sind, drastisch einschränkt. Deshalb wurden in den Meldeämtern der einzelnen Gemeinden die
Nächtigungsziffern der letzten Jahre differenzierter ausgewertet. In einem ersten Blick wurden alle jene Betriebe, die eine Auslastung von unter 20% in der Saison hatten, in einer eigenen Kategorie der „nicht mehr aktiven Vermieter“ zusammengefasst. Dadurch verschiebt sich die Beherbergungsstruktur grob: die Zahl der Privatzimmervermieter geht im Vergleich zu den gewerblichen Vermietern drastisch zurück, die durchschnittliche Auslastung steigt aufgrund dieser Maßnahme naturgemäß deutlich an. Ziel dieser Untersuchung ist es, einen geschärften Blick auf die tatsächlich aktiven Vermieter zu bekommen und den Betreuungsaufwand künftig auf diese Gruppe zu konzentrieren. Schruns-Tschagguns Tourismus und Hochmontafon Tourismus arbeiten in ihrer Qualitäts- und Schulungsoffensive in dieselbe Richtung weiter. Zur Vereinheitlichung des Meldewesen wurde eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Montafon Tourismus eingerichtet, die bis im Frühjahr 2011 einen gemeinsamen Vorschlag zu einer einheitlichen Vorgangsweise zur Diskussion vorlegen wird. Monatliche Steuerungsgruppensitzung Die monatlichen Steuerungsgruppensitzungen, an denen alle 10 Bürgermeister, Vertreter des Standes Montafon und des Landes Vorarlberg teilnehmen, haben sich auch 2010 als Rückgrat des Prozesses Raumentwicklung Montafon bewährt. Durch die regelmäßigen Zusammentreffen und die hohe Sitzungsdisziplin ist es möglich, aktuelle Themen zu erkennen, aufzugreifen und über die passende Form der Aufarbeitung direkt zu entscheiden. Die Steuerungsgruppensitzungen sind auch 2010 so gut wie immer von allen Bürgermeistern besucht worden. Durch diese monatlich stattfindenden, halbtägigen Treffen war es möglich, den Kontakt untereinander weiter auszubauen, aktuelle Themen in moderierter Form zu diskutieren und den Kontakt zwischen Bürgermeistern und verschiedenen Fachabteilungen in der Landesregierung zu stärken. Durch die Vielzahl der Projekte, die im Rahmen der Raumentwicklung umgesetzt wurden, haben vereinzelt Bürgermeister Bedenken angemeldet, dass in der Steuerungsgruppe zu wenig Zeit bleibt, Dinge in Ruhe zu diskutieren. Aus diesem Grund wurden im Herbst 2010 Sitzungen zu Schwerpunktthemen eingeführt, durch die es möglich wurde, Themen wieder intensiver zu beleuchten. Außerdem wird auch 2011 das Format der außerordentlichen Steuerungsgruppensitzung fortgeführt, in der Themen behandelt werden, zu denen die Zusammensetzung der Steuerungsgruppe zweckmäßigerweise wesentlich erweitert wird. Im Jahr 2010 hat eine außerordentlichen Steuerungsgruppensitzung zur Verbindungsbahn In der nächsten außerordentlichen Steuerungsgruppensitzung „Verbindungsbahn“/ Grasjochbahn NEU stattgefunden. Für Februar 2011 ist eine außerordentlichen Steuerungsgruppensitzung zu „Themenbergen und Sommertourismus“ in Vorbereitung.
Bevölkerungseinbindung Geprägt durch frühere negative Erfahrungen aus mehreren ins Stocken geratenen Kooperationsprozessen im Montafon wurde mit dem Thema Bevölkerungseinbindung vorsichtig umgegangen. Die Raumentwicklung Montafon sollte nicht ein weiteres Projekt sein, bei dem zu Beginn mit großem Aufwand die Bevölkerung zusammengetrommelt, befragt und eingebunden wird, um in den darauf folgenden Umsetzungsschritten dann stecken zu bleiben. Aus diesem Grund wurde in der Raumentwicklung der umgekehrte Ansatz gewählt: Aufbauend auf den vorhandenen Zielen einzelner Gemeinden wurden Ziele für das Tal abgeleitet, an denen bestehende Projekte ausgerichtet und falls erforderlich neue Projekte entwickelt wurden. Als Zwischenschritt werden jeweils im Herbst des Jahres alle Gemeindevertretungen besucht und im Detail über die Fortschritte des Prozesses Raumentwicklung Montafon informiert. Nach dieser Vorarbeit wurden die bisherigen Ergebnisse in einer Wanderausstellung aufgearbeitet, um damit aktiv auf die Bevölkerung zuzugehen: So wurden im Rahmen der Ausstellung jeweils am Dienstag und Donnerstag Führungen zu den Inhalten des Mobilitätsprozesses angeboten. Zusätzlich organisierte jede Gemeinde eine Eröffnungsveranstaltung am Container. In den Ausstellungsbüchern wurde die Bevölkerung zusätzlich eingeladen, Kommentare zur Ausstellung zu hinterlassen. Im Jahr 2011 ist geplant, mit der Bevölkerungseinbindung einen Schritt weiter zu gehen: So werden die Inhalte des Masterplans ÖPNV in zwei großen Veranstaltungen Ende Februar öffentlich präsentiert und die Bevölkerung zur konkreten Mitarbeit in drei Arbeitsgruppen eingeladen. Begleitgruppe „Raumentwicklung Montafon“ Eine Besonderheit des Prozesses „Raumentwicklung Montafon“ ist die talweite Begleitgruppe. Jeweils zwei GemeindevertreterInnen aus jeder Gemeinde und ein Vertreter der Landesregierung treffen sich monatlich, um Projekte, die in ihrer Auswirkung über den unmittelbar lokalen Zusammenhang hinausgehen, anhand der zehn Leitsätze des Montafons zu diskutieren. Im Rahmen des ProjektDialogs findet neben der Diskussion auch eine Wirkungseinschätzung in Bezug auf die Leitsätze statt. Abschließend formuliert die Begleitgruppe Empfehlungen an die Projektleitung. Im Jahr 2010 wurden vier ProjektDialoge durchgeführt - für die Verbindungsbahn, für das Museum NEU, für den Masterplan ÖPNV und für das Bad- und Hotelprojekt im Aktivpark. Die Themen der ProjektDialoge werden von der Steuerungsgruppe oder der Begleitgruppe eingebracht. Die Ergebnisse gehen direkt an die Steuerungsgruppe und sind strikt vertraulich. Durch diese Disziplin wird es möglich, auch Projekte zu diskutieren, die erst im Entwicklungsstadium sind. Für das erste Quartal 2011 sind ProjektDialoge zum Nordischen Konzept, zur
Jugendolympiade und zu den Themenbergen für den Sommertourismus angesetzt. Exkursionen und Fachvorträge Die Herangehensweise und ersten Ergebnisse des Prozesses „Raumentwicklung Montafon“ haben dazu geführt, dass im Jahr 2010 bereits mehrere Universitäten für Exkursionen oder Vorträge angefragt haben, um den Prozess vor Ort genauer kennenzulernen. Die technische Universität Karlsruhe hat mit dreißig Studierenden das Projekt vor Ort besucht, für die Universität Innsbruck wurde das Projekt in zwei Referaten im Außerfern und in Obergurgl vorgestellt. Öffentlichkeitsarbeit Um die Öffentlichkeit regelmäßig über die Themen und Ergebnisse des Prozesses „Raumentwicklung Montafon“ zu informieren, wird einerseits auf die gemeindeeigenen Medien und andererseits auf das regionale Medium „Standpunkt Montafon“ zurückgegriffen, in denen regelmäßig über die Fortschritte des Prozesses berichtet wurde. Parallel dazu fanden Ergebnisse aus dem Prozess „Raumentwicklung Montafon“ in mehreren vorarlbergweit erscheinenden Zeitungen, im Radio Vorarlberg und auch in zwei ausführlichen Fernsehberichten in „Vorarlberg heute“ ihren Niederschlag. Obwohl im Zuge des Prozesses „Raumentwicklung Montafon“ bewusst auf bezahlte Inserate oder Medienbeiträge verzichtet wurde, haben die Ergebnisse dieses Prozesses das Interesse der Redakteure geweckt. Neben der Berichterstattung in den „klassischen“ Medien wurde im Frühjahr 2010 auch die Homepage zur Raumentwicklung unter der Adresse www.raumentwickungmontafon.at etabliert. Die Homepage greift dabei auf die Grundstruktur der neuen Homepage des Standes Montafon zurück und berichtet über die wesentlichen Ergebnisse aus den Fachplanungen. Um die Berichterstattung weiter zu fundieren, ist im Jahr 2011 die Herausgabe einer zwei mal jährlich erscheinenden Schriftenreihe geplant, in der die wesentlichen Ergebnisse des Prozesses zusammengefasst und mit Hintergrundberichten für interessierte Leser aufbereitet werden. Die Verteilung der Schriftenreihe soll an alle Montafoner Haushalte erfolgen. Finanzierung Der Prozess „Raumentwicklung Montafon“ wird bis Ende 2012 aus Mitteln der Raumplanungsabteilung der Vorarlberger Landesregierung finanziert. Über die Verwendung der Mittel wird in den monatlichen Steuerungsgruppensitzungen mit allen Bürgermeistern des Montafons, Vertretern des Standes und des Landes entscheiden. Für eine Fortführung des Prozesses über 2012 hinaus ist von Landesseite eine Finanzierung aus regionalen Mitteln und Landesmitteln im Verhältnis 50/50 angeboten.
Ausblick 2011 Auch im Jahr 2011 soll in der „Raumentwicklung Montafon“ genügend Platz sein, um auf aktuelle Themen eingehen zu können. Aus heutiger Sicht stehen jedenfalls die Themen Sommertourismus, speziell naturnahe und kulturelle Angebote im Tourismus als Thema an. Im Masterplan ÖPNV wird in der ersten Jahreshälfte 2011 ein dichtes Programm von Grundlagenstudien mit Einbindung der Bevölkerung in Veranstaltungen und Arbeitsgruppen stattfinden, sodass im Herbst 2011 die wesentlichen Aspekte des Masterplans soweit aufgearbeitet sind, dass politische Entscheidungen über den Start der konkreten Umsetzungsplanung getroffen werden können. Die Beherbergungsstudie wird im Frühjahr 2011 fertig gestellt und die Ergebnisse in die laufende Qualifizierungsinitiative einfließen. Neben der Umsetzung der ersten neuen Montafoner Bushaltestellen steht die Weiterführung der Mobilitätsprojekte Elektromopeds für Jugendliche, Pendlerfahrgemeinschaften, Innerörtliche Fußwege, COPILOT und MontafonMobil auf dem Programm. Bei entsprechender Nachfrage aus der Bevölkerung könnte 2011 auch eine Initiative für bergtaugliche Elektrofahrräder gestartet werden. Jedenfalls wird im Rahmen der Raumentwicklung ein überörtliches Radwegekonzept erarbeitet, bei dem besonders auf die Schnittstellen zu den innerörtlichen Radwegen geachtet wird. In Kooperation mit den Montafoner Museen ist eine Veranstaltungsreihe Herbst 2011 zum Thema „Wandel“ geplant. Abschließend möchten wir uns für die breite und engagierte Beteiligung am Prozess im Tal selbst sowie im Amt der Vorarlberger Landesregierung herzlich bedanken. Wir wissen dieses Engagement und das entgegengebrachte Vertrauen sehr zu schätzen und sind uns bewusst, dass ein derartiger Einsatz nicht selbstverständlich ist. Christoph Breuer und Martin Strele Kairos gGmbH Projektleiter Raumentwicklung Montafon