Wolfurt

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Dokumente aus Wolfurt

Wolfurt 2011 04 Winter
Don, 29. Dezember 2011 | Kuhn EDV

wolfurt WINTER 2011 * * „Die Weihnachtszeit ist eigeläutet...“ Im Dorfzentrum hängt die schöne Weihnachtsbeleuchtung und verzaubert die dunklen Abende mit ihrem warmen Licht. Die Menschen sprechen über ihre Wünsche, ihre Träume und Erlebtes, Trauer und Freude, Einsamkeit und Geselligkeit. Es scheint, als ob wir uns besinnen, nach der Hektik des Jahres wieder Zeit für uns und unsere Familien zu finden. Zeit, die wir vielfach viel zu schnell an uns vorüber ziehen ließen, ohne ein gutes Gespräch mit unseren Liebsten, mit Nachbarn oder Freunden geführt zu haben. Es ist aber auch eine Zeit des Rückblickes auf ein ereignisreiches, turbulentes und spannendes Jahr 2011. Weihnachten steht vor der Tür, und ich möchte dies gerne zum Anlass nehmen, mich bei allen Menschen zu bedanken, die rückblickend auf das Jahr zum Wohl unserer Gemeinde beigetragen haben. Bei allen Leuten, deren Hilfe in Vereinen und Organisationen ankam, in nachbarschaftlichem Miteinander eingesetzt wurde oder die in einer anderen Form dazu beigetragen haben, dass Wolfurt so ein lebenswertes Dorf ist und bleibt. * * * * * Einen herzlichen Dank möchte ich auch allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Bauhof, Kindergärten, Schulen und den Sozialen Diensten sagen. Sie haben mich und die Gemeinde in allen Belangen bestens unterstützt und eine tolle Arbeit geleistet. Mein Dank geht aber auch an alle Mandatare, Gemeinderäte und die Vizebürgermeisterin für ihr Engagement. Es bleibt mir, Ihnen geruhsame und besinnliche Weihnachtsfeiertage zu wünschen. Für das kommende Jahr 2012 wünsche ich Ihnen die allerbeste Gesundheit, Zufriedenheit und Zuversicht für die Umsetzung Ihrer Vorsätze und Pläne. Mit weihnachtlichen Grüßen. Euer Bürgermeister Christian Natter * * * Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Wohl kaum in einem anderen Jahr wurden so viele neue Konzepte verabschiedet und für die Umsetzung freigegeben. Langwierige und intensive Prozesse sind mit viel Beteiligung von engagierten Personen vorausgegangen. Bereits im ersten Halbjahr wurden das Integrationsund das regionale Radroutenkonzept verabschiedet. Über drei weitere Weichenstellungen darf ich Sie in dieser Ausgabe informieren. Betreuung unserer älteren Menschen Seit einigen Jahren wird in den Sozialdiensten Wolfurt sehr erfolgreich ein Case- und Caremanagement unter der Leitung von Barbara Moser-Natter durchgeführt. Im Wesentlichen geht es darum, Betroffenen den Zugang zu den diversen Hilfsdiensten und Einrichtungen zu erleichtern bzw. diese zu koordinieren. Nun wird in einem Pilotprojekt diese Herangehensweise auf die meisten Hofsteiggemeinden ausgedehnt. Lesen Sie dazu mehr auf der Seite 49. Immer wieder bekommen wir positive Rückmeldungen bezüglich der Betreuung in unserem Seniorenheim, was uns ganz besonders freut. Trotzdem müssen wir uns schon heute mit der weiteren Entwicklung beschäftigen. Bei den Pflegebetten bewegen wir uns permanent am „Anschlag“. Mohi, Tagesbetreuung, Krankenpflege und interne Strukturen wie die Küche etc. leiden unter einem zunehmenden Platzmangel. Die demographische Entwicklung fordert uns ebenfalls auf, die Weichen frühzeitig zu stellen. Im Sinne von regionaler Zusammenarbeit haben sich die Gemeinden Kennelbach, Schwarzach und Wolfurt entschlossen, genau zu prüfen, ob in Zukunft eine gemeinsame Lösung sinnvoll ist, organisatorische Vorteile mit sich brächte und kostengünstiger wäre. Es geht dabei nicht nur um die Verbesserung der bestehenden Strukturen, sondern auch darum, moderne Ansätze wie Betreutes Wohnen umzusetzen. Die drei Gemeindevorstände haben im Oktober die notwendige Auftragsvergabe verabschiedet. Die Sozialdienste Wolfurt GmbH hat nun in deren Auftrag Herrn Mag. Christoph Jochum engagiert, sämtliche relevante Daten wie demographische Entwicklung, vorhandene Strukturen, neue Lösungsansätze bei betreuenden Angehörigen etc. zu untersuchen. Wir werden daher bis April 2012 über genaue Informationen aus unserer Region verfügen. Ich gehe davon aus, dass noch im 1. Halbjahr 2012 die Entscheidungen für eine zukünftige Zusammenarbeit gefällt werden können. Aus dem Rathaus 3 Sprachfördernetzwerk Wolfurt beschlossen Im Zuge der Entwicklung unseres Integrationskonzeptes wurde immer wieder festgestellt, dass die gemeinsame Sprache wohl zu den wichtigsten Faktoren zählt, um erfolgreiche Integration auch wirklich leben zu können. Es war GR Elisabeth Fischer daher ein Anliegen, in Zusammenarbeit mit VizeBgm. Angelika Moosbrugger genau an diesem Punkt anzusetzen. Mit „okay.zusammenleben“ hat GR Fischer auch gleich einen kompetenten Partner gefunden. Andreas Holzknecht von „OBHUT - Beratungsservice für Kinderbetreuung“ wird den einjährigen Prozess als weiterer Profi begleiten. Anfang 2012 wird nun das 2-Phasen-Projekt mit folgenden Schwerpunkten gestartet: > Früh beginnen 0 - 3 Jahre > Kinder in Kindereinrichtungen intensiv fördern > Sprachförderung im Kontext von Mehrsprachigkeit > Kooperation mit Eltern > Qualifizierung der MitarbeiterInnen > Vernetzung aller Beteiligten > Dokumentation und Evaluation Nun gilt es, den Ist-Stand zu erheben und die Zielsetzungen und Leitlinien für die Zukunft festzulegen. Natürlich werden wir die intensive Planungsphase mit einer starken Beteiligung aller Betroffen durchführen. Ich bedanke mich heute schon bei allen Akteuren für die Mithilfe. Der Prozess findet im Budget 2012 mit EUR 18.000 Berücksichtigung und wird vom Land Vorarlberg mit 50% unterstützt. Strohdorf Areal - eine neue Ära wird eingeläutet Nicht nur, weil einige Gebäude (altes Feuerwehrhaus/ Musikschule, Osttrakt Mittelschule, Rathaus) im Strohdorfareal in die Jahre gekommen sind, sondern weil sich die Anforderungen in den letzten Jahren deutlich verändert haben, sind die Gemeindeverantwortlichen mit einer Vielzahl von gut begründeten Wünschen konfrontiert. Erweiterung/Neubau Musikschule, Hauptschuladaptierung, zusätzliche Turnhalle, Kinderund Schülerbetreuung, Kindergarten, Rathaus, Bibliothek, Hofsteig-Ader, Wälderstraße/Vereinshausparkplatz (Hochwasserschutzbau), Spiel- und Freiraumkonzept um nur einige zu nennen. Es war bald klar, dass wir nicht einfach mit einem beliebigen Gebäude starten können, ohne die Gesamtzusammenhänge zu verstehen und entsprechend geplant vorgehen zu können. So wurde im Oktober vorigen Jahres eine Projektgruppe, in der alle politischen Fraktionen vertreten sind, unter der Begleitung der Fa. Kairos ins Leben gerufen. Alle bisherigen Nutzer hatten die Möglichkeit, die Ist-Situation zu schildern und die Anforderungen an die Zukunft zu definieren. Inzwischen liegen die Erhebungen am Tisch. Es geht aber nicht nur um Gebäude (Größe, Höhe, Position etc.), sondern auch sehr stark um die Gestaltung der Außenräume. Räumlichkeiten gemeinsam zu nutzen, sowie Synergien auszubauen und zu verstärken, werden ebenfalls ihren Niederschlag finden. Die politischen Verantwortlichen haben daher sechs renommierte Architekturbüros eingeladen, ihr Angebot zur Erstellung eines städtebaulichen Masterplanes zu legen. Fünf Büros sind dieser Einladung gefolgt und wurden einen Tag lang über die komplexen Anforderungen informiert. Die Herangehensweise, die Einbeziehung der Nutzer und der Bevölkerung, Erkennen und Entwickeln gemeinsamer Ressourcen und die Berücksichtigung der „Wolfurter Philosophie“ (Leitbild, Spielund Freiraumkonzept, Umwelt, Nachhaltigkeit, …) waren mit die wichtigsten Vergabekriterien. Unter den fünf wirklich hochklassigen Präsentationen hat sich 4 Aus dem Rathaus Hochwasserschutz und Wasserleitungsbau Schwerpunkt 2012 Seit vielen Jahren investiert die Marktgemeinde beträchtliche Mittel in eine sichere Wasserversorgung. Wie ich bereits in der letzten Ausgabe berichtet habe, beschäftigt uns seit geraumer Zeit auch die Hochwasserproblematik immer mehr. Nach einer langen Vorbereitungszeit haben die Ressortverantwortlichen GR Robert Hasler und GR Hans Fetz mit viel Einsatz die Projekte Hochwasserschutz Ippachbach und die Wasserleitungsverlegung Sonnenstraße bis zum Hochbehälter Frickenesch vorangetrieben. Die letzten Details sind in Ausarbeitung. Voraussichtlich werden ca. 2,5 Mio. EUR im Budget 2012 für die Umsetzung berücksichtigt werden. Bund und Land beteiligen sich mit ca. 70% Förderung. Mit dem Bau der Geschiebesperre Ippachbach, hinter dem Haus Frickenescherweg 5 (beim „Silbersee“) wurde bereits begonnen. Das Auffangbecken wird erheblich erweitert. Die Verklausungsgefahr im unteren Bereich des Ippachbaches wird dadurch deutlich verringert. Damit das Geschiebe entfernt werden kann, wird auch die Zufahrtssituation verbessert. Die Fertigstellung erfolgt im Frühjahr 2012. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, wie Sie sehen, wird das Jahr 2012 einige Herausforderungen mit sich bringen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese in einem positiven Miteinander wiederum gut meistern werden. Ihr Bürgermeister Christian Natter im Rahmen eines Hearings die StrohdorfProjektgruppe, fachlich verstärkt durch DI Wolfgang Dittrich (Bauamtsleiter Gemeinde Wolfurt) und DI Bernhard Kathrein (Raumplanung Gemeinde Hard), nach intensiven Diskussionen einstimmig für das Büro Cukrowicz/Nachbaur ausgesprochen. Der Gemeindevorstand ist dieser Empfehlung gefolgt und hat die Vergabe ebenfalls einhellig beschlossen. Der Prozess wird umgehend im Jänner gestartet und soll bis im Sommer 2012 abgeschlossen sein. Nach Fertigstellung des städtebaulichen Masterplanes sollen die Grundlagen der weiteren Maßnahmen bzw. Architektenwettbewerbe vorliegen. Diese sind im Wesentlichen: > Baufelder und Funktionsflächen > Teilprojekte und deren Zusammenhänge > Übergeordnete Betrachtung des Außenraumes > Konzept Verkehr, Erschließung, Parkierung > Etappenpläne, Prioritätenliste Ich persönlich bin der Meinung, dass wir eine Jahrhundertchance haben, das Zentrum Strohdorf weiter zu entwickeln und in seiner Identität zu stärken. Nun gilt es, diese Aufgaben engagiert und mit viel Gefühl und Selbstvertrauen konsequent voran zu treiben. Bürgermeister- bzw. Wohnungssprechstunde im Winter: Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 11. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 25. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 08. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 22. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 07. März ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 21. März ___________________________________________________________________________ Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 18. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 01. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 29. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 14. März ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 28. März ___________________________________________________________________________ Vor dem 11. Jänner bzw. zwischen dem 13. - 17. Februar finden auf Grund der Weihnachts- bzw. Semesterferien keine Sprechstunden statt! Aus dem Rathaus 5 Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 4. Quartal 2011 im Fundamt abgegeben wurden: ________________________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb diverse Schlüssel 6 Aus dem Rathaus Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister e-Vision Elektrotechnik e. U., Elektrotechnik, Holzriedstraße 33, Ludmila Hribova, Personenbetreuung, Brühlstraße 15/1; Berchtold GmbH & Co. LG, Tischlerhandwerk verbunden mit Modell- und Bootbauer, Binder, Drechsler und Bildhauer, Wiesenweg 105, Ludmilla Drefkova, Personenbetreuung, Flotzbachstraße 13, Bc. Helena Dominikova, Personenbetreuung, Fattstraße 25, Angel Dimov, Schwarzdecker, Bahnhofstraße 8b 1, Trayko Gogov, Schwarzdecker, Bahnhofstraße 8b 1, Blanka Beganova, Personenbetreuung, Im Wida 6, CommuniCare - Susanne Lohs PR Beratung e. U., Public Relations Berater, Albert-Loacker-Straße 8, Michael Böhler, Datenverarbeitung und Informationstechnik, Bucher Straße 54a, Mathias Unterpirker, Vermittlung von Werkverträgen, Lerchenstr. 34a/1, Martin Erich Gasser, Erzeugung und Verteilung von Wärme, Mähdlestraße 58, Chananda Thanomwong, Handelsgewerbe, Bucher Str. 28/2, Maria Hajduova, Personenbetreuung, Hofsteigstraße 23, Vonier OG, Hörgeräteakustik, Kreuzstraße 7, Anton Kurt Meyer, Handelsgewerbe, Gartenstraße 6, Susanne Linder, Handelsgewerbe, Dammstr. 40; Verlegung einer Betriebsstätte in einen anderen Standort: Mangold Elektromaschinen GmbH, Mechatroniker für Elektromaschinen und Automatisierung, von Lustenau nach Wolfurt, Holzriedstraße 33, Marcel Prasch, Versicherungsagent, von Hohenems nach Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 17, Gerhard Winder, Gerüstverleih, Schneeräumer und Immobilientreuhänder für Bauträger, von Wolfurt, Holzriedstraße 21, nach Wolfurt, Holzriedstraße 33, Petra Erne, Lebensund Sozialberaterin, von Gmunden nach Wolfurt, Rutzenbergstraße 19c, Helena Edelmanova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Brühlstraße 15/2, nach Wolfurt, Unterlinden 3/2, Maria Lastikova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Achstraße 50 nach Dornbirn, Sandra Margarethe Lang, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt, Lerchenstraße 11 nach Wolfurt, Schnepfenweg 2d, Slavka Faberova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Hofsteigstraße 23 nach Bregenz, Maria Javorcikova, Personenbetreuung, von Hard nach Wolfurt, Flurstraße 30/27, Iveta Berankova, Personenbetreuung, von Höchst nach Wolfurt, Unterlinden 3, Ernst Wagner, Filmproduktion, von Wien nach Wolfurt, Kellhofstraße 1/3, Michael Böhler, Handelsgewerbe und Handelsagent, von Dornbirn nach Wolfurt, Bucher Straße 54a, Eva Tobkova, Personenbetreuung, von Leonding nach Wolfurt, Kesselsiedlung 20, Edita Berillova, Personenbeteruung, von Vandans nach Wolfurt, LorenzSchertler-Straße 18, Ivana Taticova, Personenbetreuung, von Göfis nach Wolfurt, Hofsteigstraße 23, Mirjana Mesarek, Friseurin und Perückenmacherin, von Wolfurt, Bützestraße 18, nach Wolfurt, Achstraße 35, Burkhard Nagele, MBA, Vermögensberatung, von Lochau nach Wolfurt, Bahnhofstraße 8b, Sarina Ursula Nagele, Vermögensberatung von Lochau nach Wolfurt, Bahnhofstraße 8b, Trafag Gesellschaft m.b.H., Handel mit Regel- und Steuergeräten, von Leopoldsdorf nach Wolfurt, Schreibern 7, Andrea Keri Events e. U., Reisebüro, von Klaus nach Wolfurt, Achstraße 25/4, Andrea Keri, Event-Agentur, von Klaus nach Wolfurt, Achstraße 25/4, Mgr. Dagmar Javorcikova, Personenbetreuung, von Hard nach Wolfurt, Flurstraße 30/27, Schwendinger + Fink Spenglerund Dachdecker Gesellschaft m.b.H., Dachdecker und Spengler, von Wolfurt, Inselstraße 22 nach Wolfurt, Inselstraße 19, Eleonora Suhajdova, Personenbetreuung, von Klaus nach Wolfurt, Wälderstraße 31/1, Edita Lopuchove, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Kesselstraße 10; Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 04. Jänner 2012, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 02. Februar 2012, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 07. März 2012, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 04. April 2012, Dr. Wolfgang Hirsch ___________________________________ Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 18. Jänner 2012, Dr. Michel Mittwoch, 14. März 2012, Dr. Michel ___________________________________ Gewerbelöschungen Dominic Holzer, Finanzdienstleistungsassistent, Lorenz-Schertler-Straße 1, Laritz Fenster & Fassaden GmbH, Tischler und Handelsgewerbe für Fenstern und Türen, Bucher Straße 32, Manfred Alwin Amann, Heizungs-, Sanitärund Klimabedarf Handel, Bahnhofstraße 4, Maria Ewa Smiejczak, Personenbetreuung, Unterhub 9, Wolfgang Barta, Kraftfahrzeugtechnik Herstellung und Montage von Motorrädern, Holzriedstraße 33; Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers Gerd Arnold, Stukkateure und Trockenausbauer, Engerrütte 18, gelöschter Geschäftsführer: Gerhard Krainz; Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte: Attensam T / V Hausbetreuung GmbH, Schneeräumung, Holzriedstraße 33; Änderung des Firmenwortlautes Von N. Berchtold Gesellschaft m.b.H. & Co KG zu Berchtold GmbH & Co. KG, Bauträgerund Zimmermeistergewerbe, Wiesenweg 105, Von Andrea Keri zu Andrea Keri Events e. U., Reisebüro, Achstraße 25/4; Aus dem Rathaus 7 Heizkostenzuschuss 2011/2012 Wie in den vergangenen Heizperioden besteht auch in der Heizperiode 2011/2012 für Personen, die ihren Lebensunterhalt, zu dem auch die Kosten für Beheizung zählen, für sich und für die in Familiengemeinschaft lebenden unterhaltsberechtigten Angehörigen voraussichtlich nicht oder nicht ausreichend selbst beschaffen können, die Möglichkeit, eine finanzielle Hilfe zu erhalten. Renten, Pensionen, Leistungen aus der Arbeitslosen- und der Krankenversicherung, weiters Wohnbeihilfen, Unterhaltszahlungen jeglicher Art, Kinderbetreuungsgeld und Lehrlingsentschädigungen. Nicht als Einkommen gelten Familienbeihilfen, Familienzuschüsse, Kinderabsetzbeträge, Studienbeihilfen, Pflegegelder, Zuschüsse im Rahmen der Unterstützung der 24-Stunden-Betreuung oder bei sonstiger ambulanter Pflege, Opferrenten nach dem Opferfürsorgegesetz sowie Grundrenten nach dem Kriegsopferversorgungs- und Heeresversorgungsgesetz. Unberücksichtigt bleiben auch allfällige Sonderzahlungen (sogenannte 13. und 14.). Tatsächlich geleistete Unterhaltszahlungen werden bei der Ermittlung der Höhe des Einkommens bis zu einem Betrag von € 133,00 pro Person berücksichtigt. Sämtliche Einkommen bzw. zu leistende Unterhaltszahlungen sind durch möglichst aktuelle Unterlagen (z.B. Pensionsbezugsabschnitt, Gehaltszettel, Kontoauszug, Wohnbeihilfebestätigung) nachzuweisen. Antragstellung und Ausbezahlung: Der Heizkostenzuschuss kann im Zeitraum von Montag, den 17. Oktober 2011, bis Freitag, den 10. Februar 2012, beim Marktgemeindeamt Wolfurt, Bürgerservice beantragt werden. Personen, die aus Mitteln der Sozialhilfe (Bedarfsorientierte Mindestsicherung) unterstützt werden, haben keinen Anspruch auf diesen Zuschuss, da deren Aufwand für Beheizung bereits im Rahmen der Sozialhilfe getragen wird. Berücksichtigung von Einkommen und Vermögen: a) Einkommen Das monatliche Haushaltseinkommen darf laut Tabelle höchstens betragen: 1 Anzahl Erwachsene (alleinstehend, alleinerziehend, Ehepaar, Lebensgemeinschaft oder sonst max. 2 E) 2 Anzahl Kinder bzw. weitere erwachsene Person im Haushalt 3 Mtl Nettoeinkommen bis höchstens Euro 4 Mtl Nettoeinkommen + 10 % in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen (Härtefall) 1 1.068,-1.175,-__________________________________________________ 2 1.575,-1.733,-__________________________________________________ __________________________________________________ 1 1 1.201,-1.321,-__________________________________________________ 1 2 1.334,-1.467,-__________________________________________________ 1 3 1.467,-1.614,-__________________________________________________ 1 4 1.600,-1.760,-__________________________________________________ 1 5 1.733,-1.906,-__________________________________________________ __________________________________________________ 2 1 1.708,-1.879,-__________________________________________________ 2 2 1.841,-2.025,-__________________________________________________ 2 3 1.974,-2.171,-__________________________________________________ Als Einkommen gelten alle Einkünfte aus selbständiger Arbeit, aus nicht selbständiger Arbeit, aus Gewerbebetrieb, aus Land- und Forstwirtschaft sowie aus Vermietung und Verpachtung. Zum Einkommen zählen somit insbesondere Löhne, Gehälter, b) Vermögen Die Vermögenssituation bleibt gänzlich außer Betracht. Bei Zuschussgewährung wird der Heizkostenzuschuss von € 250,-- unverzüglich ausbezahlt. Für allfällige weitere Fragen steht Ihnen das Marktgemeindeamt Wolfurt, Bürgerservice, Telefon 05574/6840 Frau Köb (DW 10), Frau Amhof (DW 16) oder Herr Hinteregger (DW 17) gerne zur Verfügung. 8 Aus dem Rathaus Neue Anfahrtsregelung für Problemstoffsammlung Bei der monatlich stattfindenden Problemstoffsammlung am Bauhof Wolfurt, jeweils am ersten Donnerstag und ersten Samstag des Monats, kam es bislang zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Bereich der Kreuzung Fitzkurve. Diese hat den Verkehr Kennelbach – Bregenz – Wolfurt massiv behindert, und es kam zu starken Rückstaubildungen, welche verkehrstechnisch nicht mehr tragbar sind. Für eine Lösung des Problems wird die Marktgemeinde Wolfurt den Versuch starten, eine Verkehrsumleitung für die Zufahrt entlang der Achstraße in die Dammstraße (vorbei am Pfadiheim zum Bauhof) einzurichten. Sollte sich diese bewähren und eine Verbesserung der Verkehrslage herbeiführen, wird dies an beiden Sammeltagen fortgeführt. Für einen reibungslosen Ablauf der Umleitung wurde zusätzliches Personal bis Februar beauftragt, den Verkehr zu regeln. Die Anrainer der Dammstraße haben selbstverständlich trotzdem die Zufahrt gewährt. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis. Böller und Feuerwerke müssen genehmigt werden In den letzten Monaten häufen sich im Gemeindeamt die Beschwerden über Lärmstörungen durch Feuerwerke und Böllerschüsse. Es wird darauf hingewiesen, dass in unserem Gemeindegebiet keinerlei Feuerwerke nach 22:00 Uhr genehmigt werden (außer Silvesternacht). Größere Feuerwerke müssen ohnedies von der Bezirkshauptmannschaft und nicht von der Gemeinde bewilligt werden. Das „Braut-Wachschießen“ am Hochzeitstag geht auf eine bereits ältere Tradition in Wolfurt zurück. Es wurde allerdings nur dann eine Braut wachgeschossen, wenn sie auch einen Mann aus dem Ort geheiratet hat. Entsprechend dieser Tradition kann ein „Braut-Schießen“ mit Böllern bewilligt werden, wenn die Braut in Wolfurt wohnhaft ist. Ein Wachschießen des Bräutigams ist strikt verboten, ebenso das Schießen vor 6:00 Uhr früh. Jedes Brautschießen muss vorher von der Gemeinde bewilligt werden. Es wird ersucht, diese Rahmenbedingung zu berücksichtigen, da bei nicht bewilligten Feuerwerken oder Böllerschüssen Anzeige erstattet werden muss. Bürgermeister Christian Natter Aus dem Rathaus 9 Österreichische Lesewoche auch in der Bücherei Wolfurt Vom 17. - 23. Oktober 2011 fanden wieder die Österreichischen Lesewochen mit dem Kampagnennamen „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ statt. Das landesweite Literaturfestival wurde heuer bereits zum sechsten Mal in der Woche vor dem Nationalfeiertag umgesetzt. Auch unsere Wolfurter Bücherei schloss sich dieser Aktionswoche tatkräftig an und beteiligte sich mit tollen Aktionen. Zum einen fand eine Lesung des Dornbirner Autors Peter Natter im „Alten Schwanen“ statt, zum anderen das Handpuppenspiel „Karlinchen“, welches die 3 - 6jährigen im Kultursaal begeisterte und unterhielt. Der zur Lesewoche hinzukommende „Welttag des Buches“ Ende April war Anlass für die Wolfurter Bücherei, zum gemütlichen Verweilen bei Kaffee und Kuchen einzuladen. Dieser Brauch gehört inzwischen zu einem Fixpunkt im Büchereijahr. Gleichzeitig nutzten wir diesen Nachmittag als Start unserer neuesten Aktion „Vorlesen für unsere Kleinen“. Dieses gemütliche Zusammensein findet seitdem am ersten Freitag jeden Monats um 14.30 Uhr statt und richtet sich an Kinder im Kindergartenalter, die sich gerne von neuen Geschichten und Bilderbüchern überraschen lassen. Dank großzügiger finanzieller Unterstützung kann die Bücherei Wolfurt mit einem äußert aktuellen und reichhaltigen Medienangebot punkten. Besonders positiv hat sich die Förderaktion der Gemeinde, die jedem Kind zum Kindergarten- und auch zum Volksschuleintritt einen Gutschein für eine Bücherei-Familienjahreskarte ausstellt, für die Bücherei ausgewirkt. Der Erfolg kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Stattliche 43.000 Entlehnungen konnte die Bücherei Wolfurt im letzten Jahr verzeichnen. In unser Angebot können Sie gerne unter www.buechereiwolfurt.webopac.at Einblick nehmen oder besuchen Sie uns Di + Do von 14:00 - 18:00 Uhr sowie Fr von 15:00 19:00 Uhr in unseren Büchereiräumlichkeiten gegenüber vom Wolfurter Rathaus. Wir freuen uns auf Sie! Neue Inselstraße Neben dem Neubau vom Sternenplatz konnte mit der Sanierung / Neubau der Inselstraße, Teilabschnitt von der L3 bis zur Bregenzerstraße, eine weitere Großbaustelle abgeschlossen werden. Eine moderne, erstmals in Wolfurt eingesetzte LED Straßenbeleuchtung sorgt für angenehme Helligkeit und entsprechende Sicherheit für die Straßenbenutzer. Die Kosten der neuen Straße belaufen sich auf € 240.000,- und werden von der Gemeinde finanziert In diesem Zuge bedanken wir uns beim Planungsbüro Rudhardt + Gasser, der ausführenden Firma Oberhauser und Schedler, speziell aber auch bei unseren Mitarbeitern vom Bauhof. Sie trugen stets dafür Sorge, dass die Anrainer trotz der Bauarbeiten geringstmögliche Behinderungen in Kauf nehmen mussten. Ganz besonderen Dank gebührt auch den Anrainern für das Entgegenkommen, die konstruktive Zusammenarbeit und das Verständnis während der Bauzeit. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur Die Inselstraße war in einem äußerst mangelhaften Zustand, hatte einen sehr schlechten Unterbau und keine Straßenentwässerung. Daher war die Straße für die Benutzer nur sehr erschwert passierbar. Vor allem Fußgänger und Radfahrer hatten bei Nässe und Schnee ihre Mühe. Der Teilabschnitt der Inselstraße wurde somit auf eine Länge von 331m komplett erneuert. Die Straßenbreite wurde zur Geschwindigkeitsreduzierung, auch auf Wunsch der Anrainer, variabel gestaltet. In diesem Zuge wurden auch die Versorgungsleitungen wie Wasserleitung, Erdgas und VKW neu verlegt. Im Rahmen von BA18 Ortskanal wurde gleichzeitig auch die Kanalsanierung durchgeführt. Neben neuem Unterbau wurde desweiteren eine Straßenentwässerung nach neuen Richtlinien im Trennsystem über Sickerschächte und Sickerpakete eingebaut. . 10 Gemeindepanorama 500 Jahre Pfarre Wolfurt Christliche Symbole: Wegkreuz in der Heimkehrersiedlung 1950 Der Kircheninnenraum um 1960 Pfarrkirche mit niedrigem Turm vor 1904 Ausschnitt aus der Stiftungsurkunde von 1512 Zeichen der Religiösen Dorfbevölkerung: Kapelle Rickenbach 1920 Im kommenden Jahr dürfen wir ein besonderes Jubiläum feiern. Vor einem halben Jahrtausend wurde Wolfurt zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Zu diesem Anlass wird es im Jahr 2012 verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen in unserer Pfarre und Gemeinde geben. Schon ab Jänner wird die Katholische Jugend Wolfurt (KJ) in verschiedenen Projekten auf das Jubiläum hinweisen. Der Schwerpunkt des umfangreichen Programms, das unter dem Motto „Glauben leben - Hoffnung geben“ steht, ist vom 14. Oktober bis 9. Dezember 2012 geplant. Unter anderem ist auch die Herausgabe eines Buches vorgesehen, in dem die 500jährige Geschichte der Pfarre beschrieben und illustriert werden soll. Das Buch soll nicht nur die "alte" Geschichte beinhalten, sondern auch die jüngere Pfarrgeschichte, die wir noch selbst miterlebt haben, soll darin dokumentiert werden. Um das Buch ansprechend und interessant für viele Mitbürger gestalten zu können, bitten wir dabei um Unterstützung. Kontaktadresse: Herr Richard Eberle E-Mail des Gemeindearchivs: archiv@wolfurt.info Telefon (nur abends): 05574 / 83701 Die Pfarrgemeinde Wolfurt freut sich auf das außergewöhnliche Jubiläum im kommenden Jahr 2012 und lädt die ganze Bevölkerung zur Teilnahme an den verschiedenen Aktivitäten ein. Walter Reis, Koordinator Richard Eberle, Gemeindearchiv Alte Bilder, Geschichten und Informationen von Zeitzeugen sind gefragt So suchen wir nach Fotos aus den Nachkriegsjahren, die z. B. den Innenraum der Kirche zeigen, Fotos von Prozessionen und kirchlichen Festen, von Wegkreuzen, Kapellen und Bildstöcken, ganz allgemein nach Bildern, die das kirchliche Leben in unserem Dorf dokumentieren. Wir sind aber auch dankbar, wenn uns Zeitzeugen Geschichten erzählen, die einen Einblick in die Veränderung des Pfarrlebens in den letzten 60 Jahren, die Tätigkeit der Seelsorger usw. ermöglichen. So gab es z.B. zwischen 1960 und 1970 Bemühungen zur Erbauung einer neuen Pfarrkirche im Mähdle (Kirchenbaukomitee St. Josef und Magnus), über die uns keine Unterlagen mehr vorliegen. Gemeindepanoroama 11 Haberkorn Ulmer erhält Natur- und Mitweltpreis Am 28. November 2011 lud die Vorarlberger Landesregierung zur Verleihung des Vorarlberger Mitwelt- und Energiepreises 2011 in das Landhaus ein. Das Wolfurter Unternehmen Haberkorn Ulmer erhielt aus einer Rekordzahl von 33 Einreichungen den Hauptpreis in der Kategorie Natur- und Mitwelt für das Projekt „Vom Klimaschutz zum Nachhaltigen Handeln“. Das Unternehmen hat eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, in deren Zentrum drei Hauptbereiche stehen: Der wertschätzende Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bewusste Gestaltung der Sortimente und Services sowie ressourcenschonende Prozesse. An allen 6 Standorten des Unternehmens in Österreich, von Wolfurt bis Wien, wurden Projektteams mit Umweltverantwortlichen gebildet, die sich den verschiedenen Themen im Bereich Klimaschutz annahmen. Einige Highlights seien genannt: Um möglichst viele Beschäftigte für sanfte Mobilität zu gewinnen, bietet das Unternehmen z.B. elf firmeneigene Jobräder, die für die Wege zwischen Bahnhof und Betrieb zur Verfügung stehen. Damit wurden ca. 100.000 Autokilometer auf Fahrrad bzw. Bahn verlagert. Jobtickets für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Gratis Tickets für den öffentlichen Verkehr werden zur Verfügung gestellt. E-Bikes werden gefördert, es gibt Pendlerberatungen und ein Mobilitätsfrühstück. Energieeffizienzcheck für alle IT Anschaffungen, virtuelle Server und die Energieoptimierung der Serverräume helfen die Energiekosten erheblich zu reduzieren. Die Optimierung des firmeneigenen Fuhrparks, die Gebäudeoptimierung, die Umstellung der Papiersorten, die Reduktion des Papierverbrauchs, Aktionen zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Mitarbeiter, Lehrlingsprojekte halfen, in den letzten Jahren über 500 Tonnen CO2 einzusparen. Alles in allem also ein umfassendes Maßnahmenpaket, das die Firma Haberkorn Ulmer zum würdigen Preisträger macht. Die Marktgemeinde gratuliert sehr herzlich zu diesem tollen Preis. Wolfurter Firmen erhalten gemeinsamen Anerkennungspreis Im Rahmen der oben genannten Veranstaltung wurde der vom Land ausgeschriebene Energie- und Mitwelt Anerkennungs-preis 2011 für das Gemeinschaftsprojekt „JOBRADe - auf die „sanfte“ Tour umsteigen“ an die Wolfurter Firmen Doppelmayr, Haberkorn Ulmer und INTEGRA verliehen. Auch wenn es sich bei den Firmen des gemeinschaftlichen Projektes um Unternehmen verschiedener Größe und unterschiedlicher Branchen handelt, bringt der gemeinsame Standort Wolfurt doch ähnliche Mobilitätsbedürfnisse der Beschäftigten mit sich. In den drei Unternehmen wurden tolle Mitarbeiteraktionen gestartet. E-Bikes sollen für die mit der Arbeit verbundenen Wege als Alternative ins Bewusstsein gerufen und die Hürde etwa des höheren Anschaffungspreises für hochwertige E-Bikes herabgesetzt werden. Daher wurde den interessierten Mitarbeitern ein ausgearbeitetes Leasingmodell zusammen gestellt, bei welchem der Kaufpreis unter Berücksichtigung eines Händlerrabatts, der Inanspruchnahme einer Bundesförderung, und eines zusätzlichen Beitrages des Unternehmens verringert wurde. Die Anschaffungskosten werden vom Betrieb vorfinanziert und können dann von den MitarbeiterInnen zinsfrei an das Unternehmen zurückbezahlt werden. Ein tolles Angebot, das so letztendlich vergleichbar mit den Kosten einer Monatskarte des ÖPNV ist und inzwischen von 74 begeisterten Angestellten genutzt wird. Zusätzlich bleibt anzumerken, dass dieses tolle Projekt und die daraus resultierende Wertschöpfung infolge der Beschaffung über die Wolfurter Radhändler komplett in der Region bleibt. Die Marktgemeinde Wolfurt gratuliert den teilnehmenden Firmen recht herzlich zu dieser tollen Auszeichnung, und bedankt sich sehr für den vorbildhaften Umweltund Gesundheitsgedanken, den diese Unternehmen vorleben. 12 Gemeindepanoroama Vorarlberg MOBILWoche Genießen und gewinnen - plan-b Grillfest zum Abschluss des Fahrradwettbewerbs 2011 Der Yachtclub Bregenz war am 21. September 2011 der besondere Rahmen, in dem der diesjährige Fahrradwettbewerb seinen Abschluss fand. Viele begeisterte Alltags- und FreizeitradlerInnen genossen den Grillabend am Bodensee. 1.262 TeilnehmerInnen beim Fahrradwettbewerb 2011, die mindestens 100 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt haben - das ist neuer plan-b Rekord. Gemeinsam haben die WettbewerbsteilnehmerInnen mehr als 1,17 Mio. Kilometer und damit die Distanz zum Mond gleich dreimal zurückgelegt. Besonders spannend verlief entsprechend die Verlosung der Hauptpreise in den drei Kategorien Einsteiger, Alltagsradler und Sportler. Je 3 HauptgewinnerInnen pro Kategorie durften sich über tolle Gutscheine des Fahrradfachhandels freuen. Jeweils ein/e TeilnehmerIn konnte gleich einen gefüllten Picknickkorb mit nach Hause nehmen. Das plan-b Grillfest stand unter dem Motto „genießen und gewinnen“. Die „First Leiblach Valley Pipes and Drums“, eine Dudelsack-Formation, und der Harder Alt-Bürgermeister Hugo Rogginer mit den 3M sorgten für beste Unterhaltung. Spannende Eindrücke und Blicke boten u. a. das Kuratorium für Verkehrssicherheit mit der Rauschbrille, oder die Polizei und Wasserrettung mit Bootsrundfahrten auf dem abendlichen Bodensee. Einsteiger: ___________________________________________________________________________ 1. Platz: Marjeta Ulmer, Wolfurt ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Renate Lechner, Bregenz ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Martin Rainer, Hard ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Günter Böhler, Schwarzach ___________________________________________________________________________ Jede/r TeilnehmerIn gewinnt „Radfahren macht Spaß, hält fit und entlastet die Geldbörse. Radfahren ist damit ein Beitrag zum Umweltschutz und zum Energiesparen - und zu mehr Lebensqualität. Somit kann sich jede/r TeilnehmerIn als GewinnerIn bezeichnen“, bringen es die teilnehmenden Radfahrer als persönliche Argumente auf den Punkt. Die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt bedanken sich bei allen HelferInnen. Insbesondere bei denen des Yachtclub Bregenz, bei den Schützlingen der Lebenshilfe, bei den Partnern und natürlich bei allen, die am Fahrradwettbewerb 2011 teilgenommen haben. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt Alltagsradler: 1. Platz: Gerda Neuwirt, Hard ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Otto Nester, Bregenz ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Christiane Janetscheck, Lauterach ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Fiona Stockmaier, Hard ___________________________________________________________________________ Sportler: 1. Platz: Alexander Schmidinger, Bregenz ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Martin Lindenthal, Wolfurt ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Ingrid Bickel, Hard ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Bruno Bildstein, Wolfurt ___________________________________________________________________________ Umwelt 13 Schnell und sicher durch den Winter! Zeitlich befristete Förderaktion für Rad-Lichtanlagen und Spike-Reifen Eine Aktion des In Zusammenarbeit mit Radfahren ist gesund, schützt die Umwelt und verringert Verkehrslärm. Um jedoch auch in der kalten Jahreszeit sicher und gefahrlos mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, sollte jedes Fahrrad mit einer modernen Lichtanlage – bestehend aus Nabendynamo und LED-Licht – ausgestattet sein. Nabendynamos sind im Gegensatz zu herkömmlichen „Seitenläufern“ unempfindlich gegen Schnee oder Nässe. LED-Lampen leuchten deutlich heller als Glühlampen und sind robuster. Wer auch bei glatten und rutschigen Straßenverhältnissen sicher und gefahrlos unterwegs sein möchte, sollte seinen Drahtesel darüber hinaus mit Spike-Reifen ausstatten. Der Marktgemeinde Wolfurt ist die Förderung des Alltagsradverkehrs als modernes und umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber auch die Verkehrssicherheit der Wolfurter BürgerInnen ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund möchten wir in einer zeitlich befristeten Förderaktion auf die Verfügbarkeit moderner Sicherheitstechnik für den Radverkehr aufmerksam machen. Gefördert werden in einer zeitlich befristeten Aktion bis zum 31. Jänner 2012 > 70 Nachrüstungen von Alltagsfahrrädern bei einem der Wolfurter Fahrradfachhändler mit einem Set aus einem hochwertigen Shimano-Nabendynamo, einer neuen Hohlkammerfelge und einem modernen LED-Scheinwerfer mit Lichtsensor und Standlichtfunktion im Wert von € 150,- mit einem Förderbeitrag in der Höhe von € 50,sowie > die Anschaffung von insgesamt 40 hochwertigen Spike-Reifen bei einem der Wolfurter Fahrradfachhändler im Wert von € 50,- mit einem Förderbeitrag von € 20,-. Die Fördergutscheine können – so lange der Vorrat reicht – ab dem 1. Dezember beim Bürgerservice im Gemeindeamt abgeholt, und bei einem der Wolfurter Radhändler eingelöst werden. Um möglichst viele Wolfurter Haushalte in den Genuss der Förderung kommen zu lassen, werden pro Haushalt maximal eine LichtanlagenNachrüstung und zwei Spike-Reifen gefördert. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt 14 Umwelt Bus fahren: Aber sicher! Über 1000 Kindergartenkinder der plan-b Region üben mit Kasperl und der Polizei Große Busse, kleine Kinder: Die Aktion „Kids im Bus“ gibt Kindergartenkindern erste Impulse für das sichere Unterwegssein mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Heute waren die letzten 250 von insgesamt über 1000 Kindern aus den sechs plan-b Gemeinden bei der ÖBB Postbus in Wolfurt zu Gast. Die plan-b Region, die Polizei, die Initiative „Sichere Gemeinden“ und der Verkehrsverbund Vorarlberg arbeiten mit „Kids im Bus“ gemeinsam mit dem Kindergarteninspektorat und weiteren Partnern an sicheren Wegen speziell für die jüngsten Verkehrsteilnehmer unter uns. Der Weg zur Haltestelle, das Warten, Einsteigen und Mitfahren - auch Bus fahren will gelernt sein. Die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gaben in den letzten zwei Wochen über 1000 Kindergartenkindern die Möglichkeit dazu. Linienbusse brachten die Kindergartengruppen mit ihren Begleiterinnen von der Haltestelle beim Kindergarten zur ÖBB-Postbus-Garage nach Wolfurt. Tipps, wie sich Kinder und Erwachsene im Bus und rundum verhalten sollten. Eine feine Sutterlüty-Jause für den Kindergarten rundete das Erlebte ab. Gemeinsam aktiv: Partner für bewusste Mobilität Kids im Bus ist eine gemeinsame Aktion der plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt, von der Polizei und von der ÖBBPostbus GmbH, die die Kinder transportiert und zugleich auch Gastgeber ist. Unterstützung kommt vom Verkehrsverbund Vorarlberg, den Sutterlüty-Märkten, die zur Jause beitragen, von der Kindergarteninspektorin und dem Landesschulrat beim Amt der Vorarlberger Landesregierung sowie von der Initiative Sichere Gemeinden. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt Spielerisch und praktisch erleben In Wolfurt erlebten die Kinder etwa, wie wichtig ausreichend Abstand zu den sich öffnenden Türen oder zu einem fahrenden Bus ist. Die bei der praktischen Übung vom ausschwenkenden Bus umgestoßene Puppe bleibt im Gedächtnis und hilft so, Unfälle zu vermeiden. Kasperl und andere bekannte Figuren gaben zusätzliche Neuer Busfahrplan ab 11. Dezember 2011 > Nichts geändert hat sich in der Taktdichte und Fahrstrecke der Linie 35 (Wälderbus) und Linie 24 (Richtung Buch Alberschwende) sowie der Linie 20 und 21. Sie werden auch im kommenden Jahr wie bisher unterwegs sein. > Eine kleine Änderung bei der Line 13: Der erste Bus (ab Dorfzentrum Richtung Dornbirn) fährt um 05:59 Uhr, und die Abfahrtszeiten Richtung Dornbirn haben sich um 3 Minuten verändert. Ansonsten sind die Taktdichte und die Fahrstrecke gleich geblieben. > Bei der Linie 18 sind die Abfahrtszeiten ab Wolfurt gleich geblieben. Die Streckenführung ab der Haltestelle Lerchenau hat sich geändert und wurde verlängert bis zum Bahnhof Lustenau (siehe Fahrplan). Detaillierte Informationen zum neuen Fahrplan können wie gewohnt dem Kursbuch des Verkehrsverbunds sowie den beigelegten Taschenfahrplänen des Landbus Unterland, und auf der Homepage der Gemeinde Wolfurt so wie auf http://www.vmobil.at/ entnommen werden. Außerdem möchten wir auf die kostenlose Mobilitätsberatung hinweisen, die von der Gemeinde einmal pro Monat in der Energieberatungsstelle angeboten wird. Genaue Terminangaben finden sich monatlich im Wolfurter Veranstaltungskalender. Robert Hasler, GR für Umwelt und Mobilität Umwelt 15 LED Testkoffer Seit 1. September 2011 dürfen 60-Watt-Glühbirnen in der EU nicht mehr produziert und vertrieben werden. (Im Handel dürfen die 60-Watt-Birnen aber weiterhin verkauft werden - solange der Vorrat reicht!) Die 100- und 75-WattGlühbirnen sind schon in den vergangenen Jahren gemäß EU-Verordnung aus den Regalen verschwunden. Der Fortschritt der LED-Technologie LED funktioniert ohne Energieverlust durch Wärmeentwicklung und ohne schädliche UV-Strahlen. Diese Lampen revolutionieren zur Zeit die Beleuchtung in privaten Bereichen. Daher wurde unser Lampen-Testkoffer mit sechs Stück LED-Lampen mit unterschiedlichen Sockeln ergänzt. Die Vorteile: > Im Vergleich zu herkömmlichen Glühlampen verbraucht jede LEDON Lampe um 80 Prozent weniger Strom. > Die Lebensdauer ist ca. 25-mal höher als jene von herkömmlichen Glühlampen. > Eine LED-Lampe erzeugt warmweißes Licht, ähnlich jenem der Glühlampe. > Die LED-Lampen passen in dieselben Fassungen wie herkömmliche Glühlampen. > Das Einschaltverhalten einer LED-Lampe ist gleich wie bei einer Glühlampe, d. h. Einschalten und sofort 100% Licht. Durch den Einsatz von Energiesparlampen kann der Stromverbrauch bereits deutlich gesenkt werden. Daher gibt es seit einiger Zeit den EnergiesparlampenTestkoffer, in welchem sich verschiedene Energiesparlampen befinden. Dieser kann im Wolfurter Rathaus ausgeliehen werden, um für das eigene Heim und die verschiedenen Räume die richtigen Lampen zu finden. Das e5-Team freut sich auf rege Ausleihfrequenz! Nach ca. 2-3 Tagen sollte der Koffer wieder zurückgebracht werden, dann gibt´s auch die € 20,- wieder retour. Kontakt Lampen-Testkoffer: Rathaus Wolfurt, Burkhard Hinteregger, Tel. 05574 / 6840-17, Kaution: € 20,- 16 Umwelt Ê Abfuhr Restabfall (Unrat) Jede ungerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Gelber Sack (Kunststoffe) Jede gerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Bioabfall Jede Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfallberatung Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Wertstoffannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Grünmüllannahme (1.3. - 30.11.2012) Grünschnittsammelstelle Lauteracher Str. Mittwoch und Freitag 15:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 15:00 Uhr Sperrmüllannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Problemstoffannahme - kostenlos Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr Problemstoffsammelstelle am Bauhof Kontaktadresse Burkhard Hinteregger, Gemeindeamt Wolfurt, Tel.: 6840-17 Abfallkalender Umwelt 17 Ê 18 Abfuhr Restabfall (Unrat) Jede ungerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Gelber Sack (Kunststoffe) Jede gerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Bioabfall Jede Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfallberatung Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Wertstoffannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Grünmüllannahme (1.3. - 30.11.2012) Grünschnittsammelstelle Lauteracher Str. Mittwoch und Freitag 15:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 15:00 Uhr Sperrmüllannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Problemstoffannahme - kostenlos Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr Problemstoffsammelstelle am Bauhof Kontaktadresse Burkhard Hinteregger, Gemeindeamt Wolfurt, Tel.: 6840-17 Abfallkalender Umwelt Tipps und Informationen vom e5-Team Neues Energieeffizienz-Label der EU Im Jahr 1995 wurde zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs verschiedener Güter das Energieeffizienz-Label der EU mit den Effizienzklassen A bis G eingeführt. Aufgrund des technischen Fortschritts ist diese Kennzeichnung in den letzten Jahren überarbeitet worden. Die höchste (beste) Stufe hat nun (je nach Art des Geräts) die Bezeichnung A+++. Für Kühl- und Gefriergeräte beispielsweise bedeutet das, dass ein Gerät der Klasse A+++ 60% weniger Energie verbraucht als ein Gerät der Klasse A. Ab 01. Juli 2012 dürfen keine Geräte mehr produziert werden, die schlechter eingestuft sind als A+. Die Energieeffizienzklasse alleine genügt nicht in allen Fällen zur Beurteilung des Energieverbrauchs. Bei Fernsehgeräten z.B. bezieht sie sich auf die Bildschirmfläche, d.h. ein 32-Zoll-Gerät verbraucht doppelt so viel Strom wie ein 46-Zoll-Gerät, auch wenn beide der Klasse A+ entsprechen! > Aktuelle Informationen zu energieeffizienten Produkten finden Sie im Internet unter www.topprodukte.at. Thermostatventile Zu Winterbeginn möchten wir auf die besonderen Eigenschaften von Thermostatventilen an Heizkörpern hinweisen. Thermostatventile sind automatische Regelgeräte, d.h. sie verändern die Leistung des Heizkörpers je nach Raumtemperatur. Das hat den Vorteil, dass z.B. bei Sonneneinstrahlung, beim Kochen oder wenn viele Personen anwesend sind, eine Überhitzung des Raums verhindert und wertvolle Energie gespart werden. Thermostatköpfe sind üblicherweise mit Zahlen von 1 bis 5 beschriftet. Die Mittelstellung (meist Stufe 3) entspricht einer Raumtemperatur von ca. 21°C und empfiehlt sich für die meisten Wohnräume. > Wichtig: Auf Stufe 5 wird ein Zimmer zwar wärmer als auf Stufe 3, schneller warm wird es aber nicht! Der Heizkörper heizt nicht stärker, nur länger. Damit ein Thermostatkopf richtig arbeiten kann, muss er frei von der Raumluft umströmt werden. Er darf nicht von einem Vorhang o.ä. verdeckt werden. Für Heizkörper, die hinter Verkleidungen montiert sind, werden Fernfühler angeboten. Sie haben noch Heizkörper ohne Thermostatventile? Sprechen Sie mit Ihrem Installateur - die Umrüstung rechnet sich aufgrund der Energieeinsparung innerhalb weniger Jahre! Stromverbrauch Schulzentrum Strohdorf Dass auch relativ neue Anlagen gelegentlich einer Überprüfung bedürfen, zeigt das Beispiel des im Jahr 2004 errichteten Gebäudes der Hauptschule. Dort wurde in den vergangenen Jahren ein Stromverbrauch festgestellt, der nicht den Erwartungen an ein energieeffizientes Gebäude entspricht. Durch ausführliche Messungen konnte das e5-Team die Lüftungsanlage als einen Hauptverursacher des erhöhten Verbrauchs identifizieren. Daraufhin wurden einige Einstellungen der Steuerung an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst. Nach einem knappen Jahr liegen erste, erfreuliche Ergebnisse vor: Der jährliche Stromverbrauch der Hauptschule hat sich um rund 42.500 kWh bzw. 18% verringert. Für die Marktgemeinde Wolfurt bedeutet das eine Einsparung von rund € 5.900,- pro Jahr. Johannes Köb, e5-Team-Leiter Umwelt 19 Viele Höhepunkte auf dem Wolfurter Markt Das Jahr 2011 ist schon fast wieder vorbei und es hat sich wieder einiges getan beim Wolfurter Wochenmarkt, der jeden Freitag von 14:00 bis 17:00 Uhr stattfindet. Tolle Musikgruppen, Zauberer, Artisten und Aktionen sowie die vielen Marktfahrer sorgten schon seit Jahresanfang für ein unterhaltsames Programm. Wunderbares Herbstwetter, viele Aktionen und begeisterte Besucher waren ein Garant für ein tolles Ambiente auf dem Marktplatz. Am 16. September 2011 präsentierte sich die Türkei als Urlaubs- und Tourismusland auf dem Wolfurter Markt. In Zusammenarbeit mit dem Türkischen Konsulat wurden nicht nur feine kulinarische Spezialitäten, die der Aktion „ma hilft“ gespendet wurden, angeboten, sondern vieles mehr. Es gab z.B. auch ein Reisebüro, bei dem die Besucher über die Schönheiten der Türkei informiert wurden. Das ganze wurde dann mit Folkloreauftritten und südländischer Musik abgerundet. Es war ein schöner Nachmittag mit sehr vielen Besuchern. Herr Konsulent Cagdas Bilgin und Landesrat Erich Schwärzler waren begeistert von den Darbietungen auf dem Wolfurter Markt. Weiters gab es zwei Mal ein Kürbisschnitzen und Gratiswürstel für die Kinder, Bastelnachmittage und soziale Aktionen. Hervorragend besucht war auch der 18. November. Hier gab es eine Aktion für die Pfarre Wolfurt - „Versteckte Not“. Kichoro- und Flädlesuppe, zubereitet von den „Frickenescher Moadla“, wurden von den Marktbesuchern geradezu weggeputzt. Alles ausverkauft hieß es um 17:00 Uhr, und eine Spende von über € 600,-- konnte übergeben werden. Ein herzliches Vergelt`s Gott an alle Marktbesucher. Der Wolfurter Markt bietet zahlreiche und vor allem qualitativ tolle Produkte an, und das auch im Winter. Da gibt es verschiedene Käsesorten aus dem Bregenzerwald und Eichenberg, Steirische, französische, griechische und italienische Spezialitäten, Brot und Gebäck, Obst und Gemüse, Säfte, Suppen und Soßen, Wurstwaren, Honig, Blumen und Pflanzen, Heilmittel und Naturprodukte, Dekowaren, Schmuckwaren, Steine, Fische, Messer- und Scherenschleifer, Weine, biotechnische Produkte, Olivenöle, Sockenund Textilwaren. Der Marktwirt Thomas Reichl freut sich auf viele Besucher. Michael Fröwis 20 Wirtschaft 18. Wolfurter Herbstmarkt - ein voller Erfolg! Unter dem Motto „Handwerk erleben“ organisierte die Marktgemeinde am 25. September 2011 ihren 18. Herbstmarkt im Zentrum von Wolfurt. Bei strahlendem Altweiber-Sommer-Wetter freute sich die Bevölkerung. Die Kinder vom Kindergarten Bütze eröffneten den Markt mit tollen Liedern, von der Volksschule Bütze wurde eine super Akrobatik Show vorgeführt, und die Bauernkapelle spielte zum Frühschoppen auf. Der traditionelle 45 Meter lange Apfelstrudel, welcher heuer zu Gunsten des Projektes „Tischlein deck dich“ vom Sozialkreis der Pfarre verkauft wurde, rundete die Eröffnungsfeier ab. Die Handwerkerschule auf dem Marktplatz gab Einblicke in ihre Arbeit. So konnten die entstandenen Werkstücke bewundert, und über Handwerker-Berufe diskutiert werden. Das tolle Kinderprogramm mit Gewinnspiel war eine große Attraktion. Es wurde Messing poliert, frische Äpfel und Birnen zu Süßmost gepresst, Hände in Wachs getaucht, das Wolfurter Wappen angemalt, geschminkt und geknetet. Wer höher hinaus wollte, konnte dies beim Klettern oder mit dem Steiger der Wolfurter Feuerwehr machen. Ein Highlight war die tolle Modenshow, welche vom Weltladen-Team mit „Fairer Mode“ präsentiert und mit viel Applaus belohnt wurde. Anhand des Projektes: „Wie flicke ich einen Fahrradschlauch - und wie gut ist die Reparatur?“ wurde ein kleiner Wettbewerb mit unserem Bürgermeister und Gemeinderätin organisiert. Mit über 40 Ausstellern und schönen Produkten war das Marktprogramm sehr vielfältig. An den vielen Marktständen verkauften Hobbykünstler und Hobbyhandwerker viel Selbstgemachtes. Kulinarische Köstlichkeiten sorgten für beste Verpflegung, musikalische Unterhaltung sorgte für tolle Stimmung. Unser Herbstmarkt war wieder ein schöner Treffpunkt für die Wolfurter Bevölkerung. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und besonders bei den Vereinen für die aktive Teilnahme und deren Beitrag für dieses Dorffest! Yvonne Böhler, GR für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 21 oben: Scheckübergabe an „Wolfurt für Wolfurt“, unten: das gesamte MRS-Team 50 Jahre MRS - Mayr Record Scan Am 18. November feierte die Firma Mayr Record Scan, Kirchstraße 13a, mit ihren Geschäftspartnern, Freunden und Nachbarn ihr 50jähriges Jubiläum in Lauterach beim Bodensee-Varieté. Nach dem Sektempfang, Fotoshooting und Gästeübersicht startete ein Bericht über die Firma und das Team. Firmengründer Norbert Mayr gründete das Unternehmen 1961 mit der ersten Bleisatz-Maschinensetzerei Österreichs in Teilkonzession als 1-Mann-Betrieb. Heute ist MRS eines der erfolgreichsten Druckvorstufen- und Digitaldruckunternehmen in der Bodenseeregion. 1995 wurde die Geschäftsleitung an Sohn Christof übergeben, der zusammen mit seiner Schwester Elisabeth den Betrieb leitet. Neben seiner Liebe zur Firma ist Christof begeisterter Pilot. Vielleicht ist es auch diese Freiheit, die er über den Wolken spürt, die ihn manchmal auf „wahnsinnige“ Ideen bringt und somit offen für Neues macht. Sein Ziel ist die Veränderung. Besonders wichtig ist ihnen ein gutes Betriebsklima und ausgezeichnetes Verhältnis zu den 22 Mitarbeitern. Die Freude, der Einsatz und das Engagement sind überall spürbar. Seit 2011 gibt es sogar ein Übersetzungsbüro in Shanghai. Mit dem Jubiläum wurde auch ein schönes Buch - 50 Jahre MRS / Zeit ist, was passiert! / 1961-2011 veröffentlicht. Die Firma Mayr Record Scan ist aktives Mitglied der Wirtschaft Wolfurt und nimmt gerne an verschiedenen Aktionen, Veranstaltungen und am Dorfgeschehen teil. Der Wirtschaftsstandort und Bezug zu Wolfurt und der Region ist ihnen ein großes Anliegen. Mit ihren Kommunalsteuerbeiträgen leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in unserer Gemeinde. Nicht nur wirtschaftlicher Erfolg, sonder auch soziales Engagement ist ihnen wichtig. In diesem Sinne haben sie ihre Jubiläumsgeldgeschenke über € 2965,- an Wolfurt für Wolfurt übergeben und diese sogar auf € 4000,- aufgestockt. Höchste Qualität, qualifizierte Mitarbeiter, Flexibilität und guter kundenorientierter Service, das ist das Erfolgsgeheimnis von MRS Wolfurt. Wir gratulieren den Jubilaren für die hervorragende Arbeit, für ein tolles Team und wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg, Freude und Innovation! Wir bedanken uns für ihr Engagement und freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit! Yvonne Böhler, GR für Wirtschaft und Nahversorgung Marlies Mayr, Moderator Heinz Wendl, Norbert Mayr 22 Wirtschaft v.l.n.r.: GR Yvonne Böhler, Barbara Bildstein (Wild Cut) , Mirjana Mersek (Hairdesign), Margot Gorbach (Frisiersalon Gorbach), Gbed. Manuela Bundschuh, BM Christian Natter „Wolfurt steht Kopf“ bei der Wirtschaftsgala 2011 Wolfurt ist ein hervorragender Wirtschaftsstandort. Verantwortlich dafür sind unter anderem die vielen Unternehmer aus Industrie, Handwerk und Gewerbe sowie aus dem Gastronomie- und Dienstleistungsbereich, die durch Abgabe der Kommunalsteuer und Schaffung einer Vielzahl von qualifizierten Arbeitsplätzen für eine blühende Wirtschaft sorgen. Dafür bedankt sich die Gemeinde alle drei Jahre mit einer unterhaltsamen „Wirtschaftsgala“ im Cubus. Unter dem Motto „Wolfurt steht Kopf“ wurde ein spektakuläres Programm für unsere Unternehmer zusammengestellt. Gleich zu Beginn eröffnete die Turnerschaft Wolfurt mit viel Schwung und Elan diesen Abend. Nachdem der deutsche Neuromarketingforscher Dr. Peter Kenning seine Theorien zur Beeinflussung des Kaufverhaltens aufgrund bekannter Marken darlegte, präsentierten „einheimische“ Unternehmen Einblicke in ihre Arbeit. DI Christoph Hinteregger zeigte Innovationen durch Herausforderung bei Doppelmayr. Anlässlich des 50jährigen Bestehens von Mayr Record Scan wurden die kreativen Köpfe in diesem Unternehmen vorgestellt. Die Handwerkerschule, als Musterbeispiel wie die Zusammenarbeit mit Wirtschaft/ Schule und erfahrenen Experten aus der Praxis funktioniert, rundete dieses Programm ab. Für Diskussion sorgte unter anderem das Duo Sonambul, welches mit Gedankenlesen das Publikum faszinierte. Ein kurzer Überblick von den erfreulichen Wirtschaftsdaten war ein Bestandteil der Powerpoint Präsentation, ebenso wie kulinarische Köstlichkeiten vom Cubus Team. Ein sehr tolles Soziales Projekt zeigten unsere vier Friseur-Unternehmen. Gemeinsam veranstalteten sie einen Wohlfühltag für die PWA (Pfadfinder wie alle). Dieses Projekt ist einzigartig in der Region und zeigt, welches enorme Potential wir in Wolfurt haben. Gemeinsam für eine gute Sache, Zusammenhalt, Erfahrungsaustausch, gesunder Wettbewerb! v.l.n.r.: KR Walter Eberle, Melitta und DI Christoph Hinteregger (Doppelmayr), Bernhard Feigl (Spartenobmann Gewerbe und Handwerk) Eine gut funktionierende Wirtschaft braucht kluge, engagierte Köpfe. Die Gemeindeverantwortlichen sind sehr stolz, bedanken sich für das Engagement der Unternehmer und freuen sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit. Herzlichen Dank! Wirtschaft 23 Meusburger: Ausbildungsoffensive und Ausbau der Lehrwerkstatt Das Familienunternehmen Meusburger Formaufbauten stellt dieses Jahr zwölf neue Lehrlinge ein. Ab Herbst 2012 sollen weitere 24 Lehrstellen geschaffen werden, um damit noch mehr Jugendlichen die Chance auf einen attraktiven Ausbildungsplatz zu ermöglichen. Als Folge dieser Entwicklung wird eine große Summe in den Ausbau der Lehrwerkstatt investiert und die Zahl der Lehrlingsausbilder entsprechend aufgestockt. Zurzeit werden in Wolfurt insgesamt 33 Lehrlinge als zukünftige Fachkräfte in den Lehrberufen MetalltechnikerIn (Zerspanungstechnik), MetalltechnikerIn (Maschinenbautechnik), ProduktionstechnikerIn sowie MetallbearbeiterIn ausgebildet. Um auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung zu haben, werden im Herbst 2012 weitere 24 Lehrlinge aufgenommen. Hierfür wurde schon im vergangenen Jahr in den Ausbau der Lehrwerkstatt investiert. Nun sollen weitere Maschinen, insgesamt sechs zusätzliche Bearbeitungszentren, sechs neue Drehbänke und auch neue CAM-Büroarbeitsplätze angeschafft bzw. eingerichtet werden. „Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Lehrlingsausbildung für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens äußerst wichtig ist. Während die Branche Werkzeug- und Formenbau den Mangel an Fachkräften thematisiert, bilden wir unsere Fachkräfte ganz einfach selbst aus“, erklärt Geschäftsführer Guntram Meusburger. firmeneigenen Kantine; Prämien für gute Noten und Leistungen; Nachhilfe bei Problemen in der Schule; interne wie externe Weiterbildungsseminare sowie viele außerbetriebliche Veranstaltungen wie Exkursionen, Ski- und Biketage, Kletterausflüge uvm.“, weiß Giesinger weiter. Sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten Die Qualität der Ausbildung bzw. der Ausbilder wurde der Firma Meusburger schon mehrfach vom Land Vorarlberg durch den Titel „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ bestätigt. Auf die jungen Menschen wartet eine Top-Ausbildung mit sehr guten Berufsaussichten in der Metallbranche. Ein sicherer Arbeitsplatz in einem Unternehmen auf Expansionskurs sowie die Möglichkeit, nach der Lehre im Betrieb Karriere zu machen. Mehr Lehrstellen fordern mehr Lehrmeister Neben der fachlichen Ausbildung wird bei Meusburger auch viel Wert auf die persönliche Entwicklung gelegt. Die Ausbilder vermitteln nicht nur fachspezifisches Wissen, sondern begleiten die Jugendlichen ganzheitlich auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen Fachkräften. Um diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden, wird die Zahl der Lehrlingsausbilder von zwei auf insgesamt vier Ausbilder aufgestockt. „Unsere Lehrmeister werden selbst bei Meusburger ausgebildet und verfügen neben der fachlichen Kompetenz auch über ausgezeichnete pädagogische und methodische Kenntnisse“, erzählt Personalleiter Roman Giesinger. „Zudem profitieren unsere Schützlinge neben einer Top-Ausbildung und großen Karrierechancen von vielen Sozialleistungen wie Werksverkehr, vergünstigtes Essen in der Weitere Informationen auf www.meusburger.com/lehre. Bewerbungen bitte schriftlich per E-Mail an: lehre@meusburger.com 24 Wirtschaft Doppelmayr: 21 neue Lehrlinge und wieder drei Landessieger Am 1. September 2011 starteten 21 neue Lehrlinge ihre qualitativ hochwertige, zukunftsorientierte Ausbildung am Standort Wolfurt. Das Heranführen an die faszinierende Welt der Technik und unsere anspruchsvollen Produkte findet mit System statt. Für die insgesamt 74 Lehrlinge gibt es neben der zentralen Lehrwerkstätte mit 770m² für die grundlegende Elektro- und Metallausbildung ein ausgefeiltes Rotationssystem in zahlreichen Produktionsabteilungen sowie in die Lehrlingsbereiche im Stahlbau und der Zerspanungstechnik im Werk Hohe Brücke. Alle Ausbildungsbereiche sind mit modernsten Maschinen und Anlagen ausgestattet. Es werden theoretisches Wissen und die praktische Umsetzung nach dem letzten Stand der Technik vermittelt. Dem Ausbildungsfortschritt der Lehrlinge entsprechend werden auch auftragsbezogene Tätigkeiten durchgeführt. Doppelmayr bildet seit der Unternehmensgründung im Jahre 1892 Lehrlinge aus und richtete bereits 1979 eine eigene Lehrwerkstätte ein. Diese langjährige Erfahrung, ein bestens geschultes Ausbilder-Team und die laufen


Wolfurt 2011 02 Sommer
Don, 29. Dezember 2011 | Kuhn EDV

wolfurt SOMMER 2011 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Vor der Sommerpause darf ich Sie wiederum über aktuelle Themen in unserer Gemeinde informieren. Sternenareal Im Juni haben die Sparkasse Bregenz, das Sternenhotel und das Gasthaus Stern mit einer Reihe von Veranstaltungen endlich die Pforten geöffnet. Lesen Sie dazu mehr auf den Seiten 8, 9 und 21. Nach einer Bauzeit von rund 1,5 Jahren präsentiert sich das neue Gebäude am Sternenplatz in voller Pracht. Die Platzgestaltung wurde noch während der 1. Bauphase entwickelt und mutig umgesetzt. Die vielen positiven Rückmeldungen für den Sternenkomplex und die Platzgestaltung freuen mich ganz besonders. Ich möchte es nicht verabsäumen, mich nochmals bei unseren Nachbarn für die große Geduld und ihr Verständnis zu bedanken. Einen ausführlichen Bericht über den „Tag der offenen Tür“ lesen Sie bitte dann in der Septemberausgabe. Rohner Emil GmbH - Deponie am neuen Standort Nach langem Suchen ist es gelungen, für die Firma Rohner Emil GmbH im Bereich Senderstraße L190 einen geeigneten Standort für die Deponie und Schredderanlage zu finden. Bis Anfang Sommer sollte der bisherige Standort auf dem Gelände der Firma Doppelmayr endgültig geräumt sein. Nun ist es dem Geschäftsführer Christoph Rohner möglich, auch den größten Teil der Geräte- und Maschinenlagerungen aus dem Flotzbach zu verlegen. Lediglich die Holz- und landwirtschaftlichen Gerätschaften verbleiben in Schreibern 7. Damit wird sich die Belastung für den Ortsteil Flotzbach deutlich reduzieren. Erweiterung Güterbahnhof Nach fast 30 Jahren ist allen klar, dass unser Güterbahnhof auf einen neuen Stand gebracht werden muss. Der Containerumschlag hat sich vervielfacht und entspricht zwischenzeitlich längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Das Terminal Wolfurt ist ein ganz zentraler Umschlagplatz für die gesamte Vorarlberger Wirtschaft. Auch seitens der Bundes- und Landesregierung wurde dem Projekt Güterbahnhof oberste Priorität zugestanden. Jetzt fehlt nur noch die endgültige Freigabe durch den Vor- 2 Aus dem Rathaus Schredderanlage Schotterfang stand der ÖBB-Infrastruktur. Nachdem in den letzten Jahren die Gespräche mit den unterschiedlichsten Partnern immer wieder ins Stocken kamen, haben Bürgermeister Elmar Rhomberg (der Güterbahhof steht auch auf Lauteracher Gemeindegebiet) und ich im Herbst letzten Jahres das Büro „stadtland“ beauftragt, einen Masterplan für die weitere Vorgehensweise zu entwickeln. Dieser wurde Anfang des Jahres vom Land genehmigt. Nun wurde endlich Fahrt aufgenommen und ich hoffe, dass ich Sie in den nächsten Ausgaben über die konkreten weiteren Schritte informieren kann. Hofsteig-Ader - es geht weiter Nach der Umsetzung der 1. Wohnzone an der Achstraße ist das gemeinsame Projekt der Gemeinden Schwarzach, Wolfurt und dem Land Vorarlberg auf Grund der wirtschaftlichen Lage etwas ins Stocken gekommen. Nach Rücksprache mit Landesrat Mag. Karl-Heinz Rüdisser sind die Mittel für die kommenden Jahre nun gesichert. Für Wolfurt bedeutet dies, dass nun die Planungsarbeiten für die zwei Kernzonen Cubus/Rathaus und Rickenbach 2011/12 vorangetrieben werden können. Die Umsetzung der ersten Kernzone soll dann 2013 erfolgen. In unserer Nachbargemeinde Schwarzach werden 2012 die Radwegführung im Pfeller sowie der Umbau der Kreuzung Tobelstraße/Bahnhofstraße in Angriff genommen. Hochwassermaßnahmen Unsere Bauhofmitarbeiter haben in den letzten Wochen alle Schotterfänge unserer Bäche geräumt. Wir sind daher soweit wie möglich für die kommenden Sommergewitter gerüstet. Extremereignisse bleiben aber immer unkalkulierbar. Wir hoffen, dass wir dieses Jahr von Intensivniederschlägen verschont bleiben. Die erste Bauphase für das Hochwasserschutzprojekt Ippachbach / Himmelreichbach ist im Zuge der Bauarbeiten am Sternenplatz bereits umgesetzt worden. Das Gesamtprojekt ist mit den Behörden vorbesprochen und wird im Herbst zur Genehmigung vorgelegt. Noch dieses Jahr sollen die Arbeiten am oberen Teil des Himmelreichbaches und an der Geschiebesperre im Frickenescherweg aufgenommen werden. 2012 erfolgt die Verbauung des verrohten Teiles bis zur Sonnenstraße und anschließend die Renaturierung des unteren Teiles inklusive Retentionsfläche (Nähe Güterbahnhof). Wir hoffen, bis im Herbst die Verhandlungen mit den betroffenen Grundeigentümern positiv abgeschlossen zu haben. Das Hochwasser im August 2010 hat uns die Ausleitung Tobelbach (Höhe Ende Bucher Straße) zu einem erheblichen Teil weggespült. Die Ausleitung muss nun komplett erneuert werden. Das Projekt vom Büro Rudhardt + Gasser wurde vor Kurzem verhandelt und wird noch 2011 mit einer Investitionssumme von ca. EUR 120.000 umgesetzt. Im Rahmen der Hochwassersofortmaßnahmen werden Land und Bund Fördermittel von 85 % zur Verfügung stellen. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich freue mich mit Ihnen auf die vor uns liegende Ferien- und Urlaubzeit. Ich wünsche Ihnen gute Erholung, viel Spaß und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Aus dem Rathaus 3 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Sebastian Martin Mathies, Finanzdienstleistungsassistent (Ausübung von Tätigkeiten gemäß des Wertpapieraufsichtsgesetzes, Raiffeisenstraße 4; Harald Mayer, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit mittels Bachblüten, Biofeedback oder Bioresonanz, Cranio Sacral Balancing, Auswahl von Farben, Düften, Lichtquellen, Aromastoffen, Edelsteinen, Musik, kinesiologischer Methoden, Aura-Interpretation, Einrichtungsberatung unter radiästhetischen Grundsätzen unter Einbeziehung von Feng Shui, Magnetfeldanwendungen mit Ausnahme der den Ärzten vorbehaltenen Magnetfeldtherapie, durch sanfte Berührung des Körpers bzw. gezieltes Handauflegen an bestimmten Körperstellen mit Ausnahme der den reglementierten Gewerben der Massage und Kosmetik (Schönheitspflege) vorbehaltenen Tätigkeiten wie insbesondere Massagetechniken, die vergleichbar Akupressur und Shiatsu sind bzw. infolge Wärmeentwicklung und damit verbundener Optimierung der Durchblutung von Muskulatur oder Haut einen der Massage oder der Schönheitspflege gleichkommenden Effekt erzielen oder von solchen Tätigkeiten, die dem Massagegewerbe bzw. den Kosmetikern vorbehaltenen Kenntnisse der Hygiene erfordern, Kreuzstraße 2; Daniel Feurle, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Schloßgasse 7a; Dietmar Menghin, Stukkateure und Trockenausbauer, Lorenz-Schertler-Straße 3; Ing. Philipp Oberforcher, MSc, Herstellung von Entwürfen für die Gestaltung von Produkten in Form- und Farbgebung, sowie die optische Gestaltung von Industriearbeiten einschließlich der Anfertigung von Modellen unter Ausschluss von Tätigkeiten, die den Technischen Büros und den Modellbauern vorbehalten sind, Unterfeldstraße 2. Bilgeri & Kohlhaupt OG, Blumenbinder (Floristen), verbunden mit Gärtner (Handwerk), Neudorfstraße 11a; Jürgen Thurnher, Handelsgewerbe, Bahnweg 8; Anna Saksova, Personenbetreuung, Fattstraße 25; Marco Leimegger, Karosseriebau- und Karosserielackiertechniker verbunden mit Kraftfahrzeugtechnik (verbundenes Handwerk), Dammstraße 70; Birgit Strele, Schreibbüros, Brühlstraße 36; Yvon del Valle Gomez, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Engerrütte 18; Manuela Kofler, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Flurstraße 28; Maria Jarecka, Personenbetreuung, Rutzenbergstraße 3/1; Gyöngyi Jakab, Personenbetreuung, Brunnengasse 2; Elke BargehrWirthensohn, Direktvertrieb, Rosenstraße 9c; Bernd Hörfarter, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Frickenescherweg 14. Gewerbelöschungen Michael Rupp, Tischler, eingeschränkt auf die Herstellung von Holzstiegen, Unterlinden 35; Roland Schwendinger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Albert-Loacker-Straße 62c; Manfred Erich Pfeiffer, Handelsagent, Werbungsvertreter, Montfortstraße 84; Darina Mrlianova, Personenbetreuung, Dornbirner Straße 20a; Sebastian Martin Mathies, Finanzdienstleistungsassistent, Raiffeisenstraße 4; Meusburger Immobilien OG, Immobilientreuhänder (Immobilienmakler, Immobilienverwalter, Bauträger) eingeschränkt auf Immobilienmakler, Florianweg 11; Heinz Wolf, Kraftfahrzeugtechnik und Karosseriebauer, Wuhrweg 31; Silwana Magdalena Jappel, Marktfahrer, Herstellung von kunstgewerblichen Artikeln, St. Antoniusweg 19. und Handelsagentengewerbe, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Senderstraße 28. Vonier OG (früher: David, Vonier Optik OEG), Augenoptiker, Kontaktlinsenoptiker, Kreuzstraße 7. Löschung des gewerberechtlichen Geschäftsführers Doppelmayr Transport Technology GmbH, Produktion von Transportmitteln auf Basis der Seiltechnologie in Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: Ing. Michael Konrad Doppelmayr. DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger; DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Projektierung, Konstruktion, Herstellung, Montage, Inbetriebnahme und Vertrieb von Cable Car Anlagen und ähnlicher urbaner Verkehrsmittel für den kontinuierlichen Transport von Personen und Gütern sowie deren Service in der Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger; DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger. Standortverlegungen Maria Sorocinova, Personenbetreuung, von Lustenau nach Wolfurt, Fattstraße 25. Slavka Sulakova, Personenbetreuung, von Wolfurt (Felle 8) nach Raggal. Jenni GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, von Wolfurt (Konrad-Doppelmayr-Straße 17) nach Dornbirn; Sigrun Brändle, Damenkleidermacher, von Wolfurt (Knappenweg 12) nach Lauterach; Mangold Elektromaschinen GmbH, Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierung, von Lustenau nach Wolfurt (Holzriedstraße 33); webtourismus.at gmbh, Werbungsmittler, von Wolfurt (Konrad-Doppelmayr-Straße 17) nach Dornbirn, Maria Ondikova, Personenbetreuung, von Feldkirch nach Wolfurt (Lauteracher Straße 27); Elke Strolz, Massage, eingeschränkt auf Shiatsu, von Wolfurt (Unterlindenstraße 24) nach Lauterach. Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Projektierung, Konstruktion, Herstellung, Montage, Inbetriebnahme und Vertrieb von Cable Car Anlagen und ähnlicher urbaner Verkehrsmittel für den kontinuierlichen Transport von Personen und Gütern sowie deren Service in der Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück; DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück, DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück; Doppelmayr Transport Technology GmbH, Produktion von Transportmitteln auf Basis der Seiltechnologie in Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück. Wiederaufnahme der Gewerbeausübung Jürgen Heinrich Willy Schumann, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Übergang einer Gewerbeberechtigung Emil Rohner GmbH & Co KG, (früher Emil Rohner Betriebs GmbH; Emil Rohner GmbH), Erdbeweger, Baumeister, Handelsgewerbe, eingeschränkt auf den Handel mit Holz, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 23 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Konrad-Doppelmayr-Straße 13a. Änderung des Firmenwortlautes JCL Logistics Austria GmbH (früher: JCL Overland Logistics GmbH), Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 50 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Handelsgewerbe Errichtung einer weiteren Betriebsstätte JCL Logistics Austria GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Senderstraße 28. 4 Aus dem Rathaus Neue Mitarbeiterin im Rathaus Victoria Thompson sieht Mutterfreuden entgegen und wird Mitte Juli ihren Karenzurlaub antreten. Mit Nicole Schmid konnte eine kompetente und engagierte Vertretung gefunden werden. Seit 1. Juni arbeitet sie sich in ihr Aufgabengebiet ein und übernimmt sukzessive die Stelle der Sekretärin des Bürgermeisters. Wir wünschen Nicole viel Freude und Erfolg bei ihrer neuen Tätigkeit Nicole Schmid Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 3. August 2011, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 7. September 2011, Dr. Nikolaus Schertler ___________________________________ Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2011 im Fundamt abgegeben wurden: _________________________________________________________________________ diverse Schlüssel, Handys _________________________________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, EMail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 20. Juli 2011, Dr. Kurt Zimmermann ___________________________________ Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Bürgermeister-/Wohnungssprechstunde im Sommer: Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. __________________________________________________________________________ Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter, 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 4. August Mittwoch, 7. September __________________________________________________________________________ Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer, 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 6. Juli Mittwoch, 17. August Mittwoch, 31. August __________________________________________________________________________ Vom 13. Juli 2010 bis 10. August 2011 finden auf Grund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! __________________________________________________________________________ Aus dem Rathaus 5 Gemeindehaushalt 2010 positiv abgeschlossen Der Rechnungsabschluss 2010 mit Einnahmen und Ausgaben von 18,97 Mio. Euro wurde am 18. Mai 2011 von der Gemeindevertretung einstimmig verabschiedet Die größten Einnahmen Die Einnahmensituation hat sich im 2. Halbjahr 2010 beruhigt, sodass wir für 2011 wieder etwas optimistischer kalkulieren durften. Trotzdem ist die finanzielle Situation nach wie vor sensibel. Nun gilt es, die kommenden Monate genau zu beobachten und auch für 2012 wieder mit Bedacht an die Budgeterstellung heranzugehen. Finanzreferent Bgm. Christian Natter __________________________________________________________________________ Ertragsanteile des Bundes (- 1,32 % gegenüber 2009) 5.232.000,-- Euro __________________________________________________________________________ 5.126.000,-- Euro Kommunalsteuer unserer Firmen (+ 2,32 %) __________________________________________________________________________ 614.000,-- Euro Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung __________________________________________________________________________ 488.000,-- Euro Grundsteuern __________________________________________________________________________ 83.000,-- Euro Zinserträge __________________________________________________________________________ 132.000,-- Euro Erträge aus Beteiligungen __________________________________________________________________________ __________________________________________________________________________ 1.996.000,-- Euro für Sozialhilfe (+ 9,28 %) __________________________________________________________________________ 883.000,-- Euro Spitalskosten (+ 14,86 %) __________________________________________________________________________ 1.109.000,-- Euro Landesumlage (+ 2,95 %) __________________________________________________________________________ 152.000,-- Euro Landespflegegeld (+ 6,88 %) __________________________________________________________________________ 105.000,-- Euro Wohnbauförderung (- 4,62 %) __________________________________________________________________________ Beiträge an das Land Ausgaben für Personalkosten __________________________________________________________________________ 1.279.000,-- Euro Musikschule (inkl. Lauterach und Schwarzach) __________________________________________________________________________ 1.053.000,-- Euro Verwaltung / Rathaus inkl. Pensionen __________________________________________________________________________ 901.000,-- Euro Kindergärten __________________________________________________________________________ 383.000,-- Euro Bauhof __________________________________________________________________________ 310.000,-- Euro Schulwarte / Raumpflege __________________________________________________________________________ Verschuldung neuerlich gesenkt Trotz der immer noch angespannten Budgetsituation konnte die Gesamtverschuldung neuerlich gesenkt werden und lag am Jahresende bei 1,65 Mio. Euro. Die ProKopf-Verschuldung von 197,20 Euro ist eine der niedrigsten im Land Vorarlberg, der Landesdurchschnitt liegt bei ca. 1.800,-- Euro. Anforderungen an die Gemeinde nach wie vor im Steigen In vielen Bereichen sind es die Gemeinden, die zusätzliche Forderungen und Qualitätsverbesserungen wesentlich mitfinanzieren. So wachsen in unserer Gemeinde, wie auch in vielen anderen, die Ausgaben für Betreuung im Kinder- als auch im Sozialbereich jedes Jahr deutlich an. Der Trend wird in diese Richtung wohl auch anhalten. 6 Aus dem Rathaus Wie wär’s mit einem zünftigen Straßenfest? Zu viele Autos, zu viel Lärm, zu wenig Begegnung. Auch Nebenstraßen sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Sackhüpfen, Kreidezeichnen, Radfängi, Ballspielen - ist das wirklich alles vorbei? Wenigstens für ein paar Stunden können Sie das Rad der Zeit zurückdrehen und die Straße in Ihrem Wohnviertel zu einem Ort der Begegnung, des Spielens und des gemeinsamen Feierns machen. Das Schönste daran - Sie erhalten bei der Organisation Unterstützung durch die Gemeinde Wolfurt und das Land Vorarlberg. Denn gelebte Nachbarschaft ist für unser aller Wohlbefinden wichtig. Das Land Vorarlberg Leistet über „Kinder in die Mitte“ (Karoline Diem, Tel.: 05574/511-24148) einen finanziellen Beitrag zum Gelingen Ihres Straßenfests: > Max. € 333,-- gibt es für die Miete von Kinderspielgeräten in der Spielothek, (www.spielothek-wolfurt.at) sowie für die Miete von Bankgarnituren, Zelten usw. > € 111.-- gibt es zusätzlich, wenn das Fest die Auszeichnung „ghörig feschta“ erhält und in diesem Sinne umgesetzt wird (Beratung durch Elke Klien, Tel.: 0664/400 64 34). Die Gemeinde Wolfurt sieht in diesen Straßenfesten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Dorfgemeinschaft und hilft auf mehreren Ebenen: > Organisation einer Straßensperre (nur Nebenstraßen) für den Festzeitraum > Bereitstellung von Tischen und Bänken durch den Bauhof > Verleih von Mehrweggeschirr und Abfalleimern > Kostenlose Kopie von Einladungsblättern im Gemeindeamt Ihr Beitrag besteht darin, gemeinsam mit Ihren Nachbarn die Initiative zu setzen und das Fest auf die Beine zu stellen: > Organisation über Eigeninitiative der Straßengemeinschaft > Einbeziehung des Straßenraums als Fest- und Spielplatz > Kinder- und familienfreundliches Fest > Bewusstes (autofreies) Mobilitätsverhalten der Festteilnehmer Alteingesessene Nachbarn treffen sich zum gemütlichen Hock, neu Zugezogene können sich zwanglos integrieren, Kinder finden eine herrliche Spielgelegenheit – was also spricht dagegen, gemeinsam einen Anlauf zu nehmen? Informationen erhalten Sie bei Burkhard Hinteregger im Gemeindeamt Wolfurt. Telefon: 05574/6840-17 E-Mail: burkhard.hinteregger@wolfurt.at Elisabeth Fischer, Gemeinderätin für Soziales Miteinander Gemeindepanorama 7 Das Sternenareal - der Sternenplatz Ein Meilenstein im Ortsteilzentrum Strohdorf Am Freitag den 17. Juni 2011 konnte in Wolfurt ein neuer Ort der Begegnung eröffnet werden. 200 geladene Gäste nahmen an der Eröffnungsfeier im neuen Hotel teil und wurden durch die Küche des neuen Gasthauses Stern verwöhnt. Landesrat Mag. Karl-Heinz Rüdisser war einer der Ehrengäste der von der Moderatorin Dorothea Schertler begrüßt wurde. Bgm. Christian Natter und der Vertreter der Hotelinvestoren DI Bernd Winsauer ließen die Entstehungsgeschichte in einem Kurzinterview Revue passieren. Mit der Entscheidung, das Sternareal neu zu gestalten, setzte Wolfurt ein Zeichen aktiver Wirtschaftspolitik. Die Arch. Walser/Werle sehen die Überbauung als Neuinterpretation und Weiterentwicklung der gewachsenen räumlichen Strukturen Wolfurts. Die Zielsetzungen der Betreiber wurden kurz vorgestellt. Für die Sparkasse Bregenz durch Vorst. Dir. Mag. Martin Jäger, für das Sternen Hotel durch Dir. Richard Zünd, und für den Bauherrn des Gasthaus Stern deren Geschäftsführer Ferde Hammerer. 8 Gemeindepanorama Die Filiale der Sparkasse präsentiert sich zeitgemäß, innovativ und freundlich. Bei allen Planungsüberlegungen stand der Kunde im Mittelpunkt. Der Sparkasse Bregenz ist die Nähe zum Kunden sehr wichtig. Alle Entscheidungen können damit vor Ort und daher sehr individuell und schnell getroffen werden. Das Sternen Hotel will tolle Dienstleistungen und erstklassige Produkte - zu charmanten, attraktiven Preisen bieten - und Gastfreundschaft, die von Herzen kommt. Dir. Zünd baut daher auf sympathische, aufgeschlossene und engagierte Mitarbeiter, um den Gästen eine persönliche Bindung zum Haus und dessen Charakteren zu gewähren. Nachdem es der Gemeinde in vielen Jahren nicht gelungen war, einen Investor für den Gastronomiebetrieb zu finden der die Wünsche der Bevölkerung erfüllen konnte, ist die Immobiliengesellschaft unserer Marktgemeinde selbst als Bauherr aufgetreten. Mit den beiden innovativen, motivierten Pächtern Thomas Dellagiacoma und Sven Kaminski hat sie Wirte gefunden, die auf Grund ihrer Ausbildung und Karriere die Anforderungen erfüllen können. Endlich wird die Möglichkeit geboten, dass adäquate Räume für Hochzeiten, Familienfeiern oder Vereinsfeiern in einem Gastronomiebetrieb in Wolfurt angeboten werden können. Die Platzgestaltung um den Sternkomplex bietet in Zukunft eine ganz neue Qualität und wird damit ebenfalls wesentlich zur Belebung beitragen. In Summe waren sich alle Besucher des Abends klar: ein neuer Stern ist aufgegangen. Für die Errichtergemeinschaft, Ferde Hammerer Gemeindepanorama 9 Lenkungsteam v.l.n.r.: Durmus Yildiz, Dr. Eva Häfele, Maria Thaler, Elisabeth Fischer Integration als Herausforderung für alle Entwurf des Integrationskonzeptes 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt Am 28. April 2011 war es so weit. Gemeinderätin Elisabeth Fischer als Vorsitzende des Sozialausschusses und Projektleiterin Maria Thaler luden in die Aula der Mittelschule Wolfurt ein, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Projektgruppe „Integration“ den Entwurf der Öffentlichkeit präsentieren konnten. Viele Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr und machten sich ein Bild über die erarbeiteten Handlungsfelder mit den begleitenden Umsetzungszielen und den geplanten konkreten Maßnahmen. Rege wurde in Kleingruppen diskutiert und die Anregungen aus der Bevölkerung anschließend in das Konzept eingearbeitet. Kernthemen waren Sprachförderung und Bildung die alle Lebensbereiche betreffen. Die Förderung soll so früh wie möglich beginnen, damit alle die gleichen Bildungschancen erhalten. Um das zu erreichen, bedarf es vor allem einer intensiven Elternarbeit. Es wurde auch die Erkenntnis gewonnen, dass ein friedliches Miteinander aller Wolfurterinnen und Wolfurter besonders gut gelingt, wenn eine gegenseitige Akzeptanz gegeben ist und die Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden. Die Arbeit der Projektgruppe Integration wurde bestätigt In der darauf folgenden Gemeindevertretungssitzung wurde das Integrationskonzept angenommen. Besonders erfreulich ist der Umstand, dass sich alle Fraktionen darüber einig waren, dass die vielfältigen Maßnahmen zur besseren Integration das positive Lebensgefühl in Wolfurt weiter verstärken werden. Vorbereitung auf die Präsentation am 19. Juni beim „Fest der Begegnung“ Die Idee, das Integrationskonzept in Form von Schmetterlingen und verschiedenen Blumen, die aus Holz gefertigt sind, zu präsentieren, wurde unter der Leitung von Siegi Fink und einer engagierten Mal-Gruppe wirkungsvoll umgesetzt. 10 Gemeindepanorama Farbenfrohe Präsentation beim Fest der Begegnung Höhepunkt und vorläufiger Abschluss der intensiven Arbeit war die öffentliche Präsentation der Eckpfeiler des Konzepts beim Fest der Begegnung am 19. Juni. Gemeinderätin Elisabeth Fischer erklärte im Gespräch mit Moderator Martin Hartmann, wie in gemeinsamer Arbeit die Ideen und konkreten Aufträge entwickelt wurden. Maria Thaler und Jadranko Lesic führten anschließend durch die Präsentation der einzelnen Handlungsfelder und erklärten die verschiedenen Möglichkeiten der Umsetzung. Die bunten Blumen und Schmetterlinge (sie werden dem Ortsbild erhalten bleiben) sorgten für ein farbenfrohes Bühnenbild und eine einprägsame optische Umsetzung. Die dahinter steckende Idee, dass ein gegenseitiges Geben und Nehmen der Schlüssel zum Erfolg ist, wurde von Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationen mit Begeisterung präsentiert. Allen Beteiligten ist aber klar, dass der Erfolg der Arbeit letztendlich davon abhängen wird, was von dem Konzept in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt werden kann und wie viele Menschen sich aktiv an diesem wichtigen Vorhaben beteiligen. Herzlichen Dank an alle, die engagiert mitgearbeitet haben. Vor allem danken wir Dr. Eva Häfele für die professionelle und freundschaftliche Prozessbegleitung. Elisabeth Fischer, Gemeinderätin für Soziales Miteinander Gemeindepanorama 11 Hurra - wir sprechen Deutsch Das Interesse an Orientierungskursen in deutscher Sprache ist ungebrochen. Frauen mit fünf verschiedenen Muttersprachen besuchten seit Herbst jeden Montagnachmittag einen Deutschkurs in der Volksschule Bütze. Oft finden diese Frauen dank ihrer Kinder den Weg zum Deutschkurs - etwa über den Vorkindergarten oder den Kindergarten. Dort werden sie von Bärbel Radl und Sandra Erath mit viel Sachkunde und Engagement betreut. Über erste kleine Erfolge wächst in der Regel schnell die Motivation, die deutsche Sprache besser zu erlernen. Der Schwerpunkt liegt im Einüben von alltäglichen Situationen, wie Besuch beim Kinderarzt oder Einkaufen. Heuer haben die Frauen den Kursnachmittag ins „Shanti“ verlegt und konnten dort das Erlernte sofort umsetzten. Dabei wurden sie von Andreas und Sonja zuvorkommend bedient. Damit sich die Frauen ganz auf den Kurs konzentrieren können, werden ihre Kleinsten im nahe gelegenen Kindergarten Bütze betreut. Die Kinder lernen von den Großen und haben so ganz selbstverständlich erste Berührungspunkte mit der deutschen Sprache. Da die Gemeinde Wolfurt und „Kinder in die Mitte“ die Kinderbetreuung finanziell unterstützen, ist eine Teilnahme für jede Frau leistbar. Dass daneben der Spaß nicht zu kurz kommt und viele wichtige Kontakte gepflegt werden können, macht die Deutschkurse doppelt wertvoll. Elisabeth Fischer, GR für Soziales Miteinander Wolfurter Jahrgang 1931 Am 5. April feierte der Wolfurter Jahrgang 1931 bei Jahrgänger Hermann Peter im Gasthof "Engel" dessen 80sten Geburtstag. Nach einer Gedenkandacht in der Pfarrkirche und Gräberbesuch von verstorbenen Jahrgängerinnen und Jahrgängern wurden im Gasthof “ Engel” bei Essen und Getränken alte Erlebnisse und Erinnerungen ausgetauscht. Unser Jahrgänger Siegfried Heim ließ in einer kurzen, launigen und besinnlichen Rede die vergangenen 80 Lebensjahre Revue passieren. Bürgermeister Natter übermittelte in seiner Ansprache an die Anwesenden Grüße und Glückwünsche der Gemeinde für den weiteren Lebensweg. Nach einigen Stunden gemütlichen Beisammenseins beendeten wir mit dem Wunsch eines baldigen gemeinsamen Ausfluges unser Fest. Remig Brauchle für den Jahrgang 1931 12 Gemeindepanorama Frauennetzwerk Regionensprecherinnen Hofsteig der Gemeinden: Schwarzach, Lauterach, Kennelbach, Hard, Höchst, Lustenau, Fussach und Wolfurt Regionensprecherinnen Laiblachtal der Gemeinden: Hörbranz, Lochau, Hohenweiler Gemeinsam mit den anderen Frauensprecherinnen der Gemeinden Vorarlbergs bilden wir das Frauennetzwerk-Vorarlberg. Als Netzwerk werden Informationen zu frauenrelevanten Themen ausgetauscht, Bildungsveranstaltungen organisiert und Kontakte zu anderen Vereinen oder beratenden Organisationen für Frauen hergestellt. Die Frauensprecherinnen sind alle ehrenamtlich tätig. Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau Das Netzwerk bietet die Möglichkeit zu persönlichen und beruflichen Verbesserungen von Frauen. Durch das Netzwerk können Frauen rascher und oft auch unbürokratischer zu Hilfestellungen und Informationen kommen. Wichtig ist auch die Vernetzung von Frauen. Wir organisieren Sprechtage und Vorträge und hoffen, dass wir mit unserem Engagement einen guten Beitrag für die Gleichstellung leisten. Im Rahmen der 39. Sitzung der FS-Hofsteig und FS-Leiblachtal wurden die Regionensprecherinnen Maria Claessens und Ruth Loitz verabschiedet. Ihr Engagement über 10 Jahre hinterlässt ein gut funktionierendes Netzwerk. Im Sommer findet noch im Rahmen der Regionensitzung eine Verabschiedung mit Monika Lindermayr statt. Nächster FEMAIL-Sprechtag in Wolfurt: Montag 3. Oktober 2011, 16:00 - 18:00 Uhr, Rathaus Wolfurt Kontakt: In einem persönlichen, vertraulichen Gespräch erhalten Sie Informationen zu Ihren Fragen und Unterstützung bei der Klärung und Bearbeitung Ihrer Anliegen. FEMAIL nimmt sich neben Arbeitssuche und Wiedereinstieg auch um Anliegen wie Bildung, Schwangerschaft und Karenz, Ehe bzw. Lebensgemeinschaft, Trennung und Scheidung, Kinder, Pension sowie Einkommen und Beihilfen an. Das Beratungsangebot ist kostenlos und anonym. Yvonne Böhler Bucher Straße 55 Wolfurt Tel. 0664-73822893 E-Mail: yb@aon.at Gemeindepanorama 13 6 Jahre Sprachencafé Wolfurt Monatlich, jeweils am 1. Dienstag, treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Gmeiner organisiert. Für Informationen ist sie unter der Tel. 0699 116 99 621 erreichbar. 5 Gemeinden - ein Fluss: Schülerinnen entwickeln Logo-Ideen Schülerinnen der Kreativklasse des BORG Lauterach haben sich mit Hintergründen und Aktivitäten des Kooperationsprojektes "5 Gemeinden - ein Fluss" auseinandergesetzt. Gemeinsam mit ihrem Professor, Herrn Erik Schneider, entwickelten sie in der Freizeit(!) Entwürfe für ein Logo dafür. Das Ergebnis hat die VertreterInnen von Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach und Wolfurt und des Landes bei der Präsentation am 5. Mai im neuen Rathaus Lauterach auf Anhieb überzeugt: Eine der Arbeiten wird im Detail ausgearbeitet und in Zukunft den Wert des regionalen Freizeit- und Erholungsraums an der Bregenzerach auf vielen Wegen weitertragen. Vizebgm. Angelika Moosbrugger 14 Gemeindepanorama „Ein guter Tag“ - der neue 360-Kalender ist da! Der neue 360-Kalender ist ab sofort erhältlich Der 360-Kalender ist seit Jahren ein begehrter und nützlicher Begleiter der Vorarlberger Jugendlichen durch ihr Schuljahr/Lehrjahr. Heuer erscheint der Kalender im neuen Look erstmals zum Schulschluss 2011. Der praktische Planer für 2011/2012 steht ganz unter dem Zeichen der CO2-Kampagne „Ein guter Tag hat 100 Punkte“. Dafür wurde der CO2-Ausstoß für alltägliche Tätigkeiten in Punkte umgerechnet. Im Sinne eines umweltverträglichen Verhaltens sollte jeder Mensch nicht mehr als 100 Punkte pro Tag verbrauchen. Die bewusstseinsfördernde Kampagne veröffentlicht unter www.eingutertag.org Produkte und Handlungen mitsamt den Punkten, die für den CO2-Ausstoß stehen. In einer großen Mitmachaktion kann der CO2-Verbrauch der VorarlbergerInnen mittels Aufklebern im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden. Klima-Gewinnspiel Zeitgleich mit dem Erscheinen des Jugend-Kalenders startet das 360-Gewinnspiel „Klimaschonend durch den Tag!“. Alle Infos dazu sind im 360-Kalender und auf www.360card.at. Bis zum 11. Juli können Jugendliche einen Elektro-Scooter im Wert von € 3.500,-- gewinnen. Der neue 360-Kalender liegt ab sofort im Gemeindeamt, so wie im aha Dornbirn, Bregenz und Bludenz, in Schulen und Jugendzentren auf. 360-Vorarlberger Jugendkarte 6850 Dornbirn, Poststraße 1 Tel.: 05572-372995, Fax 05572-52212-12 office@360card.at, www.360card.at Gemeindepanorama 15 Fahrradwettbewerb 2011 Wolfurt macht mit! Jeder kann mitmachen und gewinnen! Fahrradfahren ist in unserer Gemeinde eine beliebte Freizeitaktivität. Mindestens ebenso gut eignet sich das Fahrrad aber auch als Alltagsverkehrsmittel. Fast die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als 5 km - also Fahrten, die man vielfach gut mit dem Fahrrad zurücklegen könnte. Hievon profitiert nicht nur die Umwelt und wir somit an Lebensqualität, sondern wir stärken und sichern somit unsere Nahversorgung im Ort! Der Fahrradwettbewerb will deshalb Lust machen, sich nun im Sommer nicht nur in der Freizeit, sondern auch bei Alltagswegen verstärkt aufs Fahrrad zu setzen. Der landesweite Fahrradwettbewerb ist nicht auf sportliche Höchstleistungen ausgelegt. Alle Teilnehmer, die bis Mitte September mehr als 100 Kilometer sammeln, nehmen an der Verlosung attraktiver Preise teil. Mitmachen kann jeder, der ein Fahrrad hat! Alle weiteren Informationen gibt`s im Internet unter www.fahrradwettbewerb.at oder direkt im Gemeindeamt. Danke für Landschaftsreinigung Wie alljährlich im Frühjahr fand kürzlich die jährliche Landschaftsreinigung statt. Es haben sich wieder zahlreiche Ortsvereine daran beteiligt, aber auch ganze Familien und viele Einzelpersonen. Obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt doch sehr gut ist, gibt es leider immer wieder Menschen, die ihren Müll achtlos wegwerfen oder ganz bewusst in der Natur entsorgen, um Müllgebühren zu sparen. Ich möchte deshalb auf diesem Wege allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich an der diesjährigen Aktion beteiligt haben, ganz herzlich danken. Ein ebenso herzlicher Dank geht auch an die Firmen: Bernd Bechter – Erdbewegungen, Schwendinger & Fink GmbH und die Firma Doppelmayr, die uns Fahrzeuge für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Christian Natter Bäume und Sträucher an Straßen und Straßenkreuzungen bis 01.08.11 zurück schneiden Bäume und Sträucher, die am Straßenrand zu stark wachsen, sind für Kraftfahrer oft mit Sichtbehinderungen verbunden. Gemeint sind insbesondere Hecken, Bäume an Straßenkreuzungen und Einmündungen. Die dadurch mangelnde Verkehrssicherheit beschwört oft schwierige Situationen herauf. Aber auch entlang gerader Straßenzüge kommt es zu Problemen, dann nämlich, wenn das Benützen der Gehsteige für Fußgänger beschwerlich ist wegen überhängender oder heraushängender Sträucher. Sie gehören auf die Grundstücksgrenze zurück geschnitten! Die Anrainer von Straßen werden daher gebeten, schon im eigenen Interesse bzw. in eigener Verantwortung solche Gefahren umgehend zu beseitigen. Ansonsten müsste die Gemeinde gemäß AVG auf Rechnung und Gefahr des Grundstückseigentümers die Behinderungen entfernen lassen. Sylvester Schneider 16 Umwelt 1. Wolfurter Radtag Da Wolfurt in der glücklichen Lage ist, gleich über zwei kompetente Fahrradfachgeschäfte zu verfügen, veranstaltete die Gemeinde in Zusammenarbeit mit diesen Fachgeschäften den 1. Wolfurter Radtag zum Auftakt des Fahrradwettbewerbs am 8. April 2011. Bei strahlendem Wetter stand das Fahrrad auf dem Wolfurter Marktplatz im Mittelpunkt, ein Aktionsnachmittag unter dem Motto „Wolfurt macht sich radfit“. Eine besondere Attraktion war der KTM Truck, der die neuesten Elektrofahrräder präsentierte. Unsere Fahrradfachhändler gaben kompetent Auskunft und die Elektrofahrräder konnten gleich an Ort und Stelle ausprobiert werden. So manche Besucher erkundeten mit Begeisterung die Umgebung und wurden vom „Fahrrad-Virus“ infiziert. Besondere Schnäppchen konnten die Besucher bei der Fahrradversteigerung von Fundrädern, dessen Erlös einem sozialen Zweck zu Gute kommt, ergattern. Ein fleißiges Team der Firma Integra brachte beim Fahrrad-Frühjahrsputz so manches Fahrrad wieder zum Strahlen. Balance und Geschicklichkeit konnte bei einem interessanten Parcours auf der Kellhofstraße getestet werden. Die richtige Helmeinstellung wurde von der Aktion „Sichere Gemeinden“ unterstützt und geprüft. Clown Nano begeisterte mit seinen Späßen auf ganz „kleinen“ sowie „verdrehten“ Fahrrädern Groß und Klein. Kinderschminken rundete das vielfältige Angebot des 1. Wolfurter Radtages ab. Wer nach so viel Aktionen noch eine Stärkung brauchte, war bei der gesunden Jause, organisiert durch eine Klasse der Mittelschule Wolfurt, genau richtig. Dieser Aktionsnachmittag war eine gelungene Zusammenarbeit. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, die die Durchführung des 1. Wolfurter Radtages ermöglichten. GR Yvonne Böhler, GR Robert Hasler, GR Elisabeth Fischer Umwelt 17 Gemeinsam für die Wirtschaft! Die Wirtschaft Wolfurt lud am 24.05.2011 zur Mitgliederversammlung in den Cubus ein. Eingeladen waren alle Unternehmer und Unternehmerinnen mit Sitz in Wolfurt, die somit automatisch als passive Mitglieder der Wirtschaft Wolfurt geführt werden. Bei kulinarischen Köstlichkeiten nützten die Unternehmer die Zeit zum „Netzwerken“. Gemeinderätin Yvonne Böhler konnte rund 90 Personen begrüßen. Bürgermeister Christian Natter freute sich über die rege Teilnahme und richtete einführende Worte an die Mitgliederversammlung über die Wichtigkeit und Solidarität der Unternehmen in Wolfurt. Kernteam von links nach rechts: Bereits seit dem Jahr 1996 setzt sich die „Wirtschaft Wolfurt“ für Wirtschaftstreibende in der Marktgemeinde ein. An erster Stelle steht das Bestreben, gemeinsam mit den Unternehmen aus Handel, Gastronomie, Gewerbe, Industrie und Dienstleistung den Einwohnern eine funktionierende Nahversorgung und ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben in Wolfurt und in der Region zu bieten. Gemeinderätin Yvonne Böhler und Gerald Klocker führen zusammen die Agenden der WiWo. In einer Präsentation wurden die Aufgaben und Ziele erläutert. Unterstützt werden die beiden von einem ehrenamtlich arbeitenden Kernteam, welches einstimmig von den anwesenden aktiven Mitgliedern (Mitgliedsbeitrag 40,-- €) gewählt wurde. Ein weiterer Programmpunkt war Elvira Freuis, die mit ihrem Kabarett „Menschenkenntnis“ wertvolle Tipps auf humorvolle Art und Weise für die Unternehmer gab. Als kleines Dankeschön überreichte die Wirtschaft Wolfurt ihren Mitgliedern die neuen Mappen der Wirtschaft Wolfurt mit Block und Kugelschreiber. Gerald Klocker – Gemeinde Wolfurt Paul Hinteregger – Handel – Musikhaus Hinteregger Wolfgang Schwärzler – Handel – Bienenhaus Susanne Mathis – Handel Nahversorgung – Schwanen Andreas Gorbach – Gastro – Shanti Yvonne Böhler – Gemeinderätin für Wirtschaft Manfred Schrattenthaler - Mitglied der Gemeindevertretung, Wirtschaftsausschuss Mag. Jürgen Adami – Raiba – Finanzen KR Walter Eberle – Handwerk – Fend und Eberle – Sachverständiger – Wirtschaftsbund-Obmann Unsere Aktivitäten 2011 > > > > > > > > > > Handwerker Schule einkaufen - radfahren „Tu dir selbst Gutes und stärke den Wirtschaftsstandort Wolfurt“ Unternehmernacht im Sternen - Preopening Event Gastroführer mit Gasthäusern in Wolfurt Wochenmarkt lfd. Aktionen Lehrlingstag am 30.06.2011 für Lehrlinge im 1. Lehrjahr und deren Ausbildner Wirtschaftsempfang am 23.09.2011 im Cubus Herbstmarkt am 25.09.2011 Weihnachtsaktion 2012 Reise nach Brüssel in Planung Wir sind bemüht, diverse Aktionen zusammen mit den Unternehmern zu entwickeln, organisieren und realisieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und eine gute Zusammenarbeit! Gemeinderätin Yvonne Böhler im Namen des Kernteams Informationen erhalten Sie unter E-Mail: wirtschaft@wolfurt.at Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung 18 Wirtschaft Exkursion zum Bustechnik Service-Center Wolfurt Im Rahmen der Umweltwoche 2011 organisierten die Gemeinderäte Robert Hasler und Yvonne Böhler zusammen mit dem Umwelt- und Wirtschaftsausschuss eine Exkursion zum Bustechnik Service-Center Wolfurt. (=BSC) Dort konnten sich die Gmeindemanda- > Jährlich werden hier 600 Busreparaturen / Service durchgeführt. tare und Mitglieder des e5-Teams über > Rund 100 Busreparaturen sind es im gewerblichen Service. (Externe Kunden). das Programm ÖKOPROFIT informieren. > 11500 Buswaschungen werden pro Jahr durchgeführt und dies mit fast keiner (ÖKOlogische PROjekte Für Integrierte Chemie, die nur zum Abschluss des Waschganges gegen Kalkbildung auf dem Umwelt-Technik). Lack erforderlich ist. Helmut Hopfner (Werkstättenleiter), Gerhard Mayer (Regionalmanagement) und Stefan Birkel als Berater im Rahmen des Projektes ÖKOPROFIT informierten über ihren Betrieb. Mit 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern inkl. Lehrlingen liegen die Hauptaufgaben in der Wartung, im Service und in der Unfallinstandsetzung. Die Firma BSC ist selbst ein mit ÖKOPROFIT zertifizierter Betrieb und ist sich der Verantwortung gegenüber der Umwelt als größte Buswerkstätte in Vorarlberg bewusst. Ein Umweltteam setzt die Zielwerte und daraus folgenden Maßnahmen gemäß dem Umweltleitbild um. Hauptaugenmerk wird auf Einsparungen und Kontrolle gelegt. Dabei werden genaue Umweltkennzahlen analysiert: > Stromverbrauch – pro Fläche > Stromverbrauch – pro Arbeitsstunde > Wasserverbrauch – pro Waschung. Ökologische Investitionen rentieren sich. Spätestens bei der „Abfall-Entsorgung“ ist der Profit spürbar, so Helmut Hopfner. Die Ziele sind klar definiert: z.B.: > Laufender Austausch und Ersatz von gesundheits- und umweltschädlichen Arbeitsmitteln Flächendeckendes Abfalltrennsystem zur Erfassung von Wertstoffen Reduzierung der Druckgaspackungen Lichtsteuerungen für Einsparungen beim Stromverbrauch Umstellung von 1 Liter Getriebeölgebinden auf Fasssystem > > > > Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kann bei diesem Projekt seinen Beitrag leisten und ist motiviert. Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit und bewusster Umgang mit der Umwelt, um den Lebensraum für künftige Generationen zu erhalten. Durch die regelmäßige Zertifizierung nach der ÖKOPROFIT Methode zeigt BSC dieses Engagement nach innen und außen. Langfristig ist der Profit auch wirtschaftlich spürbar. Für die interessante Betriebsvorstellung und herzliche Bewirtung möchten wir uns bei allen Mitarbeitern von Bustechnik Service-Center Wolfurt bedanken. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 19 Yvonne Böhler, Michaela Konzett, Christian Natter Walter Heim, Michaela Konzet Siegfried Jakob, Michaela Konzett, Richard Fischer Physiotherapie-Praxis Michaela Konzett eröffnet Mit vielen Gästen feierte Michaela Konzett die Eröffnung ihrer Praxis für Physiotherapie in Wolfurt, Weberstraße 8. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft fanden sich in der Lebenshilfe-Werkstätte Wolfurt ein, um mit Michaela Konzett die Eröffnung ihrer Praxis für Physiotherapie zu feiern. Wolfurts Bürgermeister Christian Natter überbrachte Glückwünsche für den Schritt in die Selbständigkeit, ebenso wie die Wirtschafts-Gemeinderätin Yvonne Böhler. Zudem waren unter den Gästen der Obmann der Lebenshilfe Bregenz/Hofsteig Richard Fischer, der Leiter der Lebenshilfe-Werkstätte Wolfurt Walter Heim, Siegfried Jakob von Gleichweit Heilbehelfe, Christoph Ölz (Gehölz, Baumpflege), Bernhard Hagen (Hagen PR) und zahlreiche Freunde und Bekannte. Vielfältige Dienstleistungen Michaela Konzett, die nach einer abgeschlossenen Fach-Ausbildung in Konstanz bislang als Physiotherapeutin für die Lebenshilfe Vorarlberg tätig war, bietet in ihrer neuen Praxis ein breit gefächertes Spektrum an Dienstleistungen an: Von manueller Therapie bei Beschwerden des Bewegungsapparates, Bewegungstherapie bei neurologischen Erkrankungen, Prävention (Sturzprävention, Osteoporosevorbeugung und Mobilisationstraining im Bereich Geriatrie) bis hin zur arbeitsmedizinischen Beratung (Empfehlung und Maßnahmen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung). NEU: Gastroführer für Wolfurt, Schwarzach und Bildstein Mit Eröffnung des „Hotel Sternen“ und „Gasthaus Stern“ wurde unser vielseitiges Gastronomie-Angebot erweitert. Dies war für uns der Anlass, alle unsere guten Gasthäuser in Wolfurt und Umgebung in Form eines Folders zu präsentieren. Praktisch und handlich - ideal für jede Tasche - ideal für unterwegs! Ob bei einem Ausflug, Wanderung oder einer Tour mit dem Fahrrad – der Gastroführer ist immer griffbereit. Neben kulinarischen Köstlichkeiten bietet unsere Gastronomie in Wolfurt auch die Möglichkeit für Treffpunkte. Erfüllen doch unsere Gasthäuser auch soziale Aufgaben, da dort eine Kommunikation stattfindet und Bekanntschaften geschlossen werden können. Gerade jetzt im Sommer finden sich herrliche Gastgärten und kühle Erfrischungen im Ort. Unsere Gastroführer finden Sie in der Gemeinde und in allen Gasthäusern in Wolfurt zum Mitnehmen. Nutzen Sie die Angebote und lassen Sie sich verwöhnen! Die Gastronomiebetriebe in Wolfurt freuen sich auf Ihren Besuch! Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung 20 Wirtschaft v.l.n.r. VDir. Mag. Martin Jäger, Ingrid Bader, Mag. Gerhard Lutz Unternehmer-Nacht im Hotel Sternen, Gasthaus Stern, Sparkasse Bregenz - volles Haus schon vor der offiziellen Eröffnung! Am 15.06.2011 lud die Wirtschaft Wolfurt zusammen mit dem Hotel Sternen, Gasthaus Stern und Sparkasse Bregenz - Zweigstelle Wolfurt zur Unternehmer-Nacht ein. Ziel war es, den Unternehmerinnen und Unternehmern in Wolfurt die Möglichkeit zu bieten, das Hotel, die Gastronomie und die Räumlichkeiten selbst zu erleben und Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Nach einer guten Nacht in den schönen Zimmern gab es am nächsten Morgen ein herzhaftes und gutes Frühstücksbuffet. Somit stand einem guten Start (für viele ein normaler Arbeitstag) nichts mehr im Wege! Alle waren sich einig: Ein schönes Erlebnis, hervorragende Gastronomie und angenehme Unterkunft! Ein Pre-Opening-Event im speziellen Rahmen ermöglichte einen hervorragenden Testlauf! Nach einer charmanten Begrüßung von zwei „Sterntaler-Mädchen“, die einen angenehmen und süßen Aufenthalt wünschten, erfolgte der Check-In in der großzügigen und wunderbar dekorierten Hotelrezeption. Es gab die Möglichkeit, die Räumlichkeiten und die einzelnen Zimmer zu besichtigen und zu beziehen. Ein Sektempfang und Aperitif erfolgte in den neuen und freundlichen Räumlichkeiten der Sparkasse Bregenz. Die Begeisterung war groß, hatte sich doch der Aufwand der letzten Tage bis zur Fertigstellung gelohnt. Bürgermeister Christian Natter und Hausherr Richard Zünd freuten sich, die 120 Gäste begrüßen zu können. Bei festlich gedeckten Tischen und herrlichem Ambiente zeigten die Köche Sven Kaminski und Thomas Dellagiacoma mit ihrem freundlichen Service-Team ihr Können. Mit einem feinen Sterne-Menü und gutem Wein hatten die Unternehmer Zeit für Unterhaltung, sich vom reibungslosen Ablauf der Gastronomie zu überzeugen und sich im Gasthaus wohlzufühlen. Markus Linder führte musikalisch durch den Abend! Das Angebot in Wolfurt für die Wirtschaft ist um einen Stern reicher! „Wer in der Fremde ist - richtet sich nach den Sternen“. Wie gut, dass wir in Wolfurt unseren Gästen, Geschäftspartnern, Kunden und Freunden einen guten Platz - nicht nur zum Träumen bieten können! Selbst erlebt wissen wir, was wir empfehlen können! Diese gelungene Veranstaltung war ein wunderbarer Start für eine erfolgreiche Zukunft. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 21 Schulrätin Margit Schwanzer Seit September 1977 ist Frau Schwanzer, vielen noch als Frau Tschenett bekannt, an der Hauptschule Wolfurt und nun an der Mittelschule Wolfurt tätig. Bereits im Schuljahr 1979/80 wurde ihr von der Dienstbeschreibungskommission die Beurteilung „Arbeitserfolg erheblich überschritten“ zuerkannt. In der Zeit des Schulversuches „IGS – Integrierte Gesamtschule“ war sie an vorderster Front tätig! So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch bei der Einführung der Mittelschule konstruktiv kritisch ihr Engagement eingebracht hat und dort in der Steuergruppe mitarbeitete. Ihre Arbeitsweise ist untheatralisch und direkt, immer unterstützend und von Fachkompetenz getragen. Margit Schwanzer zählt zu den fleißigsten und engagiertesten Mitarbeiterinnen unseres Lehrkörpers, kein Schulprojekt, kein außerschulisches Anliegen, bei dem sie sich nicht einbringt. So engagiert sie sich seit über 20 Jahren als Leiterin der Schulbibliothek. Seit dem Umbau 2002 wurde aus der Schulbibliothek eine Mediathek die sie mit großer Umsicht gestaltet hat und weiter liebevoll gestaltet. Dass Lesen an der Mittelschule Wolfurt einen großen Stellenwert hat, verdanken wir zu einem Teil ihrer fachkundigen Beratung und ihrer Beharrlichkeit. Eine besondere Ehrung durfte Frau Margit Schwanzer aus der Hand von LR Mag. Siegi Stemer entgegen nehmen. Ihr wurde der Berufstitel Schulrätin verliehen. Sie hat keine Berührungsängste mit neuen Medien und setzt diese auch im Unterricht ein. Im Umgang mit Office Programmen und IKT-Technologien ist sie fit und ein Vorbild und Beraterin für viele KollegInnen. Sie interessiert sich für die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen und setzt dafür auch E-Mail und Internetrecherche ein. Sie stellt in verschiedenen Fächern komplexe, offene Fragen, die die SchülerInnen dann beantworten dürfen. Es ist regelmäßig ein großer Run auf diese Aufgaben. Ausgehend von ihrer Sorge um das Wohl der LehrerInnen und ihrem Verständnis für die schwierige Situation von auffälligen Kindern und Jugendlichen, war ihr die Einführung und die Pflege des Modells der Auszeitklasse ein großes Anliegen. Sie bildet sich auf diesem Gebiet auch ständig weiter und stellt Querverbindungen zu Themen wie Fundamentalismus, geschlechtsspezifische Erziehung und dem Umgang mit anderen Kulturen her. In Besprechungen und auf Konferenzen setzt sie sich für einen wertschätzenden Umgang mit schwierigen Kindern, aber auch für Arbeitserleichterungen von LehrerInnen ein. Auch außerhalb unserer Schule arbeitet sie seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen in der Personalvertretung mit, wo sie mit ihrer unmissverständlichen Art hervorragende Arbeit verrichtet. Die Zuerkennung des Titels „Schulrätin“ ist für sie eine verdiente Anerkennung für ihren außergewöhnlichen Einsatz für die Kinder und LehrerInnen, kurz für unsere Schule. Dir. Norbert Moosbrugger 22 Bildung oben v.l.: Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Reinhard Kahl, Sonja Reis, Bgm. Christian Natter. unten v.l.: Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Sonja Reis, Karin Guldenschuh. Leitbild im Gespräch -Thema Bildung und Kultur Im Mai fand die erste Veranstaltung der geplanten Leitbild-Vortragsreihe statt. „Wie Schulen gelingen“ war der Titel des Abends, an dem der Journalist Reinhard Kahl Ausschnitte aus seinen Filmen über Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zeigte. Es ging um neue Wege, die den Einrichtungen und Eltern helfen können, mit den heutigen Anforderungen noch besser zurecht zu kommen. Mutige, große Veränderungen kamen dabei genauso zur Sprache, wie einfache erste Schritte, die viel bewirken können. Zum Beispiel: Die freundliche Umgebung als wichtiger Teil des Lernens; Erhaltung der Freude am Lernen durch positive Rückmeldungen; genügend Zeit fürs Lernen etc. Alles Dinge, die den Wolfurter Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen nicht fremd sind. Unsere Pädagoginnen in den 6 Gemeindekindergärten Fatt, Dorf, Rickenbach, Strohdorf, Bütze und KiVi, in den Privateinrichtungen Waldeulen, Haus für Kinder und den Kleinkindgruppen des Vereins Impuls sind täglich dabei, in ihrer unterschiedlichen Arbeit die einzelnen Kinder auf ihrem Weg bestmöglich zu begleiten. Die beiden Volksschulen bemühen sich seit Langem um die Umsetzung von Lernmöglichkeiten, in der kein Kind „verlorengeht“, in der Mittelschule hat der Aufbruch ins neue Lernzeitalter auch von Seiten des Landes bereits begonnen. Die Gemeinde unterstützt das Engagement in den Einrichtungen und kümmert sich gemeinsam mit den Pädagogen um gute Bedingungen in Schule und Kindergarten. In den letzten Jahren hat sich in unserem Lebensumfeld in kurzer Zeit sehr vieles verändert. Wir sollten zulassen, dass die Einrichtungen, die unsere Kinder begleiten, ebenfalls mit der Zeit gehen können und sich weiterentwickeln dürfen. Dank an den Verein Freiraum für die Zusammenarbeit bei der Organisation und Durchführung des Vortrags, der auch Teil des 10-Jahres-Jubiläums des Hauses für Kinder war. Vizebgm. Angelika Moosbrugger Überall sind erste Schritte getan, die Filmausschnitte bzw. der Vortrag machen möglicherweise Mut, gemeinsam noch weiter zu gehen. Der Abend gab Anstöße, woran wir alle gemeinsam arbeiten können - nämlich an der Grundeinstellung zum Thema Bildung: Forschung und Praxis bestätigen, dass z.B. Lernen Freude machen muss, damit wir überhaupt etwas lernen können, wichtig ist das Wegkommen vom „Fehlersuchen“ zum „Finden von Richtig-Gemachtem“ und das Ändern von Sichtweisen: unsere Verschiedenheit ist eine Bereicherung, es ist unmöglich, von jedem das Gleiche zu erwarten. Vor 5 Jahren begann der Prozess, aus dem unter großer BürgerInnenbeteiligung das Wolfurter Leitbild entstand. Diese Leitlinien begleiten seither politische Entscheidungen und Entwicklungen in unserer Gemeinde. Um unser Leitbild bewusst und lebendig zu erhalten, und als Diskussionsgrundlage für Neues, wird jährlich eine Veranstaltung zu jeweils einem der 5 zentralen Handlungsfeldern durchgeführt. Bildung 23 50. Geburtstag der Mittelschule Wolfurt Ein besonderes Jubiläum feierte die Mittelschule Wolfurt mit einem Galaabend im Cubus und einem Tag der offenen Tür. Anlässlich des 50-jährigen Bestandes präsentierten unsere Schüler/innen und Lehrer am 13. Mai ein großartiges Showprogramm im Cubus. Beim Tag der offenen Schule am 14. Mai zeigte sich in einer umfassenden Leistungsschau, wie vielfältig und hochwertig der Unterricht an der Mittelschule umgesetzt wird. Galaabend „Auf hoher See“ An Bord des Segelschiffes „MS Wolfurt“ wurde das Publikum des Galaabends auf eine Reise um die Welt begleitet. In einer kleinen Schiffskunde führte die Crew in die Gepflogenheiten an Bord der MS Wolfurt ein. Verschiedene Häfen wurden angesteuert und Ausflüge in fremdsprachige Länder unternommen. Mystische Gesänge, tanzende Fische und akrobatische Piraten rundeten das Programm ab. Den Schüler/innen und Lehrer/innen der VMS Wolfurt gelang es, Schauspiel, Musik und sportliche Beiträge zu einer abwechslungsreichen Vorstellung zu verbinden. Die 50-jährige Geschichte der Wolfurter Mittelschule wurde von den drei ehemaligen Direktoren Hans Vogl, Siegfried Heim und Walter Reis erläutert. Direktor Norbert Moosbrugger stellte in seiner Ansprache den Bezug zur heutigen Zeit her. Die gesellschaftliche Entwicklung bringe stürmische Zeiten mit sich; die wichtigste Aufgabe der Schule sei es deshalb, geschickt zu reagieren, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und bei pädagogischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben. Mit der perfekt abgestimmten und professionell inszenierten Show begeisterte die Fahrt auf dem „Luxusliner“ das Publikum im restlos gefüllten Cubus. Am Ende gab es tosenden Applaus und Standing Ovations. Begeistert vom Programm zeigten sich auch Landtagspräsidentin Bernadette Mennel, Landesschulinspektorin Karin Engstler, Bezirksschulinspektor Christian Kompatscher, die Bürgermeister Christian Natter, Franz Martin und Hans Bertsch sowie die DirektorInnen Silvia Benzer, Beate Imhäuser, Bernd Dragosits und Martin Köb. Ein besonderer Dank gilt den Sponsoren: Raiba am Hofsteig, Haberkorn Ulmer und Doppelmayr. Gemeinsam mit 15 weiteren Förderern ermöglichten sie die Realisierung der Veranstaltung. Sie finden alle Sponsoren sowie viele Fotos des Jubiläums im Internet: www.vms-wolfurt.at 24 Bildung Tag der offenen Tür Den zweiten Höhepunkt des Jubiläums bildete der Tag der offenen Schule am 14. Mai. Zahlreiche Interessierte aus Wolfurt und den Nachbargemeinden bestaunten Projekte aus allen Bereichen des Schullebens. Dabei zeigte sich, dass die VMS Wolfurt mit den Klassen der Sportmittelschule über einen besonderen Schwerpunkt verfügt, gleichzeitig aber auch in den Bereichen Kreativität, musikalische Förderung, Fremdsprachen sowie den weiteren Unterrichtsgegenständen über ein besonders hochstehendes Niveau verfügt. Die Besucher des Tages der offenen Schule sammelten bei ihrem Rundgang durch die Schule Eindrücke in aufwändig gestalteten Klassenräumen. Zu sehen gab es thematisch abgestimmte Ausstellungen, unter anderem zum „American Way of Life“, London, geschichtlichen Themen, eine Werkausstellung, Ausstellungsstücke aus dem Fach Bildnerische Erziehung, ein Waldprojekt, Projekte in angewandeter Mathematik, Theater, Physik und Chemie, Sketsches, Showkochen und Kalligraphie. Der Schulchor sang Lieder aus seinem reichhaltigen Repertoire, die Sportler zeigten eine abwechslungsreiche Aufführung mit einem Mix verschiedener Sportarten. Lehrer/innen und Eltern der Mittelschule sorgten für das leibliche Wohl der Besucher, abgerundet von türkischen Spezialitäten und einem Kuchenbuffet. Der einhellige Tenor der Eltern fiel äußerst positiv aus: „Do tät i am liebschta wiedar id Schul go!“ Auch für die Schülerinnen und Schüler war es ein besonderes Erlebnis, sich in Projekten und Darbietungen zu präsentieren. Sie werden noch lange von ihren Auftritten und Projekte berichten. Dir. Norbert Moosbrugger Bildung 25 Spielefest in den Gemeindekindergärten Bütze, Dorf, Fatt, KiVi, Rickenbach und Strohdorf - am Freitag, den 27. Mai 2011 Ab 14:00 Uhr öffneten am Freitag, den 27. Mai 2011, alle Gemeindekindergärten ihre Pforten und warteten mit lustigen und spannenden Aufgaben zum Thema der Elemente “Wasser, Feuer, Luft und Erde“ auf die Besucherinnen und Besucher. Klein und Groß starteten mit einem spannenden Rundgang durch alle Kindergärten. Auf einer Laufkarte wurden die gelösten Aufgaben abgestempelt und als Preis erhielt jedes teilnehmende Kind einen Hüpfgummiball. angeboten wie Hubschrauber, Zeppelin, Flugzeuge verschiedener Arten und Fallschirme. Im Freien wartete noch ein spannendes Experiment auf die Kinder: Aus einem Behälter, gefüllt mit Seifenblasenlösung, entstand durch Blasen - zur Überraschung der Kinder - ein großer Schaumberg. Zu den Aktivitäten der einzelnen Kindergärten Kindergarten Fatt: Wasser Kindergarten Bütze: Fahrradparcours Wetterbedingt musste der 4 Elemente-Parcours (Feuer, Erde, Wasser und Luft) für Fahrräder abgesagt werden. Dieser wurde daher in einer anderen Form in den Kindergartenräumen auf 2 Beinen (anstelle von 4 Rädern) ausgeführt. Mit langen Fernrohren wurde dabei von den Kindern der Kindergarten auf der spannenden Suche nach Symbolen der 4 Elemente erkundet. Diese Symbole, versteckt in den Kindergartenräumen, waren der Planet Erde, ein Feuerdrache, eine seifenblasende Maschine, Regentropfen und eine Regenwolke. Bei einem weiteren Parcours starteten die Kinder den Versuch, brennende Kerzen mit einer Wasserpistole zu löschen. Als Erinnerung pflanzte jedes Kind einen Samen in einen Hosentaschengarten (=Überraschungsei) und durfte es mit nach Hause nehmen. Das Element Wasser konnte von den Kindern mit Hilfe von mehreren Stationen voll ausgekostet werden. Dazu passend war auch das Wetter. Die Kinder konnten bei der 1. Station Blumen und/oder Schiffchen falten. Und im eigens angelegten „Swimmingpool-Teich“ gingen zum Erstaunen der Kinder die gefalteten Blüten auf und verwandelten sich in wunderschöne, bunte Seerosen. Die 2. Station lud die Kinder ein, ihre Schiffe die Wasserrinne hinuntersausen zu lassen. Bei der 3. Station gestalteten die Kinder Wasserfarben-Pustebilder. In der 4. Station ging es um Schnelligkeit: jeweils 2 Kinder mussten einen Schwamm in einer Wanne mit Wasser vollsaugen lassen, und ihn dann im jeweiligen Kübelchen Kindergarten Dorf: Luft Das Element Luft wurde für die Kinder spielerisch erleb- und erfahrbar gemacht. Lustige Mundmotorikspiele wie z.B. ein Moosgummitransport standen auf dem abwechslungsreichen Programm. Eine weitere Aufgabe war es, Wattestäbchen wegzuschieben und in ein Ziel zu blasen. „Was fliegt alles am Himmel?“ Zu dieser Frage wurden verschiedene Bastelarbeiten 26 Bildung auswinden. Erstaunlich, dass die Kinder trotz des Wassers von oben und unten mit so viel Spaß dabei waren! Kindergarten Strohdorf: Feuer Trotz Regentag mit viel Wasser erwartete die Kinder das konträre Element Feuer, mittels welchem spannende Experimente (im Raum) durchgeführt wurden. U.a. sind wir gemeinsam der Frage nachgegangen, wie ein Feuer entstehen kann – auch in einem geschlossenen Raum. Sogar ein Feuerfunken wurde gebastelt und – wie könnte es anders sein - in den Feuerschlucker geworfen. Vor der Eingangstür im Freien wartete eine interessante Aufgabe auf die Kinder. Sie durften versuchen, mit der Wasserpistole brennende Kerzen zu löschen. Dies wurde natürlich gerne ausprobiert – aber: es war gar nicht so einfach, denn manchmal war der Wind doch etwas schneller! Auch die Wolfurter Feuerwehr stellte sich bei uns e


Wolfurt 2008 03 Herbst
Don, 10. März 2011 |



Wolfurt 2010 02 Sommer
Don, 10. März 2011 |

wolfurt SOMMER 2010 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! immer wieder höre ich von Außenstehenden, dass sich in Wolfurt viel bewegt und wir eine dynamische Gemeinde sind. Ich darf Sie über die wichtigsten Neuigkeiten informieren. Geschiebesperre Rickenbach Die Arbeiten an der Geschiebesperre Rickenbach sind inzwischen weit fortgeschritten. Die Brücke bei der Familie Gunz und die Zufahrt bis zur Geschiebesperre sind fertiggestellt. Auch die Absperrbauten selbst sind weit fortgeschritten. Die Arbeiter wurden nun zu Lawinenverbauungen abgezogen und werden ihre Tätigkeit wieder im Spätherbst aufnehmen. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten über den Winter dann endgültig abgeschlossen werden können. Architekt Hans Purin zum Gedenken Fünf Jahrzehnte lang war Bauen in Vorarlberg ohne den Namen Hans Purin nicht denkbar. Er entdeckte den Baustoff Holz auf völlig neuartige Weise, galt als einer der Pioniere auf dem Gebiet des Holzbaues und Wegbereiter der Vorarlberger Baukunst. Am 4. Juni verstarb der Bregenzer Architekt, der langjähriges Mitglied des Gestaltungsbeirates in Wolfurt war. Hans Purin hat in all diesen Jahren durch seine ruhige Art, aber vor allem durch seine fachliche Kompetenz wesentlich zur Gestaltung der oberen Straße beigetragen. Grundankauf Tobelgasse Postamt Wolfurt Wie bereits in der letzten Wolfurt-Info berichtet, wir die Post ihre Filiale bei uns in der Gemeinde nun definitiv mit 6. Juli 2010 schließen. Günther FRITZ, Leiter unserer Postniederlassung und seine Mitarbeiterin Lydia Sternad haben uns über viele Jahre bestens bedient. Für diese langjährige, positive Zusammenarbeit möchte ich mich recht herzlich bedanken. Beide werden an anderen Dienstposten Einsatz finden. In den letzten Wochen ist es uns gelungen, mit INTEGRA als neuen Postpartner die notwendigen Verträge zu fixieren. Damit ist gewährleistet, dass auch in Zukunft Postdienstleistungen bei uns im Dorf getätigt werden können und damit ein wesentlicher Teil einer funktionierenden Nahversorgung erhalten werden konnte. INTEGRA wird bereits am Mittwoch, den 7. Juli, die neue Postservicestelle eröffnen. Ich wünsche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen tollen und erfolgreichen Start. Alle weiteren Details finden Sie auf Seite 18. Vor kurzem hat die Gemeindevertretung den Ankauf des Grundstückes Nr. 19/1, Tobelgasse von den Geschwistern Schwärzler beschlossen. Das kleine Grundstück mit 148 m² liegt sehr zentral (vis à vis Pfarrheim) und kann in Zusammenhang mit dem Gst. Nr. 62, das sich im Besitz der Schwesternstiftung befindet, einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Pfarrkrankenpflege Wolfurt In den letzten Wochen konnten die Räumlichkeiten unserer Krankenschwestern im Seniorenheim durch eine interne Umstrukturierung erweitert werden. Schon lange mussten die Damen um Michaela Erath unter engsten Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Nun steht dem motivierten Team ein zusätzlicher Raum zur Verfügung. Die administrative Arbeit, Beratungsgespräche und Behandlungen können nun in zeitgemäßer Form abgewickelt werden. Ich wünsche unseren Krankenschwestern viel Spaß bei ihrer anspruchsvollen Arbeit und bedanke mich für ihr vorbildliches Engagement. Mein Dank gilt aber auch dem Obmann Peter Heinzle, der mit unermüdlichem Einsatz, seit vielen Jahren ehrenamtlich unsere Pfarrkrankenpflege Wolfurt leitet. Projektgruppe Areal-Strohdorf …hat die Arbeit aufgenommen. Nach der Umsiedlung der Feuerwehr in ihr neues Haus in die Weberstraße steht nun eine sinnvolle Nachnutzung des alten Feuerwehrgebäudes an. Bald wurde klar, dass viele Begehrlichkeiten, wie Musikschulerweiterung, neue Turnhalle, Mittagsbetreuung, neue Schulräumlichkeiten, neuer Sitzungssaal etc., seriös geprüft und diskutiert werden müssen. Auch ein Um- bzw. Erweiterungsbau im Rathaus wird mittelfristig anstehen. Es geht also darum, einen ganzheitlichen Blick auf das Strohdorf-Areal zu richten. Zu Beginn wird die bewusst schlank gehaltene Projektgruppe, bestehend aus Peter Grebenz (SPÖ), Anton Böhler (FPÖ), Othmar Gratt (GRÜNE), Vize Bgm. Angelika Mossbrugger und Bgm. Christian Natter (ÖVP), die Ist-Situation analysieren. Weiters wird der tatsächliche Bedarf erhoben. Dazu werden natürlich die betroffenen Institutionen mit einbezogen. Trotz der vielschichtigen Thematik wollen wir bis Mitte kommenden Jahres die konkrete Vorgehensweise fixiert haben. Gilt es ja nicht nur Wünsche zu erfüllen, sondern festzuhalten, was sinnvoll, notwendig und schlussendlich auch finanzierbar ist. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam eine gute Lösung für alle Beteiligten erarbeiten werden. 2 Aus dem Rathaus Selina Schmid Neue Gemeindebedienstete Mitte März hat Selina Schmid ihre Arbeit in der Finanzabteilung aufgenommen und sich bereits sehr gut eingearbeitet. Sie betreut schwerpunktmäßig den Bereich Gemeindegebühren und -abgaben, wird sich aber in den nächsten Wochen und Monaten auch in die anderen Bereiche einarbeiten. Bedingt durch den bevorstehenden Pensionsantritt von Lydia Bechter wechselt Melanie Amhof auf deren Arbeitsplatz und übernimmt schwerpunktmäßig neben dem Wohnungswesen auch Meldewesen und Amtskassa. Den Empfang und die Telefonzentrale hat seit Anfang Mai Angelika Köb übernommen. Auch sie arbeitet sich eifrig in den ganzen Aufgabenbereich ein. Vor wenigen Wochen hat Matthias Sieber seinen Dienst als achter Mitarbeiter im Gemeindebauhof angetreten. Matthias Sieber kommt aus Schwarzach. Er ist als gelernter Maurer und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach für die auf ihn wartenden Aufgaben bestens geeignet. Wir wünschen den 3 neuen Gemeindebediensteten viel Freude und Erfolg. Angelika Köb Übergabe Ordination Dr. Vorhofer Im April 1973 eröffnete Dr. Rudolf Vorhofer seine Praxis bei uns in Wolfurt. Seit 1.10.1984 ist er Gemeindearzt. Unterstütz von seiner Gattin Irmgard hat er all diese Jahre unzähligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern geholfen, sie gesund gepflegt oder ihnen geduldig zugehört. Wir bedanken uns bei Irmgard und Rudolf Vorhofer für ihren unermüdlichen Einsatz über fast vier Jahrzehnte zum Wohle von uns allen und wünschen ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute und vor allem Gesundheit. Nun schließt Rudi, wie er von vielen genannt werden darf, mit 13. August 2010 seine Pforten, um die Ordination an seine Tochter Dr. Gabriele Gort zu übergeben. Nach einer kurzen Umbauphase wird die Ordination wieder am 1. Oktober eröffnet. Wir wünschen der jungen Ärztin einen guten Start und viel Erfolg. Matthias Sieber Sommerfeste Die warme Jahreszeit ist auch die Zeit der Sommerfeste. Wer liebt es nicht, hin und wieder im Garten zu grillen und mit Freunden zu feiern. Auch einige unserer Vereine organisieren schon seit vielen Jahren in dieser Jahreszeit div. Feste (Beachturnier, Burn-Out, Ächler Frühschoppen etc.). Uns ist klar, dass diese Feste für die betroffene Bevölkerung durchwegs auch mit Lärmbelastungen einher gehen. Mit div. Maßnahmen versuchen wir, dies in einem erträgliche Maß zu halten. Ich möchte aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es eben diese Feste sind, die wesentlich zu unserer Dorfgemeinschaft beitragen. Wir leben in einer funktionierenden Gemeinschaft, um die uns viele Kommunen beneiden. Ich bitte daher alle um gegenseitiges Verständnis und Miteinander. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, wo immer Sie Ihren Urlaub, Ihre Ferien verbringen, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, gute Erholung und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Dr. Vorhofer Aus dem Rathaus 3 Gemeindewahlen Neue Gemeindevertretung gewählt Bei den am 14. März stattgefunden Gemeindevertretungswahlen wurden die Mandatare für die kommenden fünf Jahre gewählt und bei der Konstituierenden Sitzung am 8. April angelobt. Bei der feierlich und harmonisch verlaufenden Sitzung war förmlich zu spüren, dass auch in Zukunft das Miteinander vor dem Trennenden stehen soll. Mit den Grünen ist nun neben der SPÖ, FPÖ und der ÖVP seit langem wieder eine vierte Fraktion in diesem Gremium vertreten. Viele neue Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich bereit erklärt, sich zum Wohle unserer Gemeinde in der Gemeindevertretung zu engagieren. Alle Ausschüsse haben inzwischen die Arbeit aufgenommen und sind bereits mit viel Einsatz an die neuen Herausforderungen herangegangen. 4 Aus dem Rathaus Ressorts neu organisiert Im Vorfeld der Konstituierenden Sitzung habe ich versucht, die Ressorts neu zu strukturieren. Teilweise wurden Aufgaben neu zugeordnet, um Schnittpunkte zu reduzieren und die tägliche Arbeit in den Ausschüssen sowie im Rathaus noch effizienter zu gestalten. So wurde im neuen Infrastruktur-Ausschuss Straßen, Wasser und Kanal zusammengefasst. Das Bildungsressort wurde um den Kleinkinderbereich komplettiert, Umwelt und Mobilität wurden zusammengeführt. Das Sozialressort wurde um das Thema Integration erweitert, um nur die wesentlichsten Änderungen anzuführen. (siehe Grafik). Ausschüsse, Kommissionen, Delegierungen Von der Gemeindevertretung wurden folgende Ausschüsse, Kommissionen und Delegierungen beschlossen bzw. eingesetzt. Alle „Haupt-Ausschüsse“ bestehen aus 11 Mandataren. Dadurch wurde sicher gestellt, dass alle Fraktionen in den Gremien vertreten sind und somit auch über die notwendigen Informationen verfügen. Der Finanzausschuss wurde neu ins Leben gerufen. Dieser besteht aus dem Gemeindevorstand und Obleuten jener Fraktionen, die nicht im Gemeindevorstand vertreten sind. Somit kann das Budget parteiübergreifend diskutiert und zur Vorlage an die Gemeindevertretung im gegenseitigen Konsens vorbereitet werden. Es sind damit alle Fraktionen eingebunden und zur politischen Arbeit in den kommenden fünf Jahren eingeladen. (siehe Liste Seite 8) Neue Gemeinderäte Auf Grund des Wahlergebnisses besteht der neue Gemeinderat aus Mitgliedern der Fraktion „ÖVP + Parteifreie“. Alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte durften sich über ein beinahe einstimmiges Votum freuen. > Gemeinderätin und gleichzeitig Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger Ressort: Bildung, Jugend und Kultur > Gemeinderätin Elisabeth Fischer Ressort: Soziales Miteinander(Familien, Senioren, Integration) > Gemeinderat Hans Fetz Ressort: Infrastruktur (Straßen, Kanal, Wasser) und Sport > Gemeinderat Robert Hasler (neu) Ressort: Mobilität und Umwelt (e5) > Gemeinderätin Yvonne Böhler (neu) Ressort: Wirtschaft und Nahversorgung > Gemeinderat und gleichzeitig Bürgermeister Christian Natter Ressort: Dorfentwicklung, Sicherheit, Wirtschaft, Finanzen Vorsitzender des Gemeindevorstandes mit Stimmrecht Aus dem Rathaus 5 Dank an ausscheidende Mandatare Einige der rund 95 Mitglieder und Ersatzmitglieder haben sich nach teilweise langjähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit aus der Gemeindevertretung verabschiedet. Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger bedankte sich für die tolle Zusammenarbeit und die geleistete Arbeit. Bürgermeister Christian Natter schloss sich dem Dank an und überreichte Erinnerungsgeschenke. Besonders erwähnt wurden langgediente Gemeindevertreterinnen, Gemeindevertreter und Gemeinderäte. Ferde Hammerer ist mit 20 Jahren Gemeindevertretung einer der längst dienenden Mandatare. 1995 bis 2007 Gemeinderat, davon 9 Jahre Vizebürgermeister. Die Hauptschul- und Vereinshaussanierungen sind nur beispielhaft zu nennen. Als Geschäftsführer unserer Gemeindeimmobiliengesellschaft zeichnet er jüngst für die Umsetzung Feuerwehrhaus und VS Mähdle verantwortlich. Als Geschäftsführer bleibt Ferde uns dankenswerter Weise bis März 2012 erhalten. Maria Claeßens, ebenfalls seit 1990 in der Gemeindevertretung, hat bereits vor fünf Jahren das Amt der Sozialgemeinderätin, das sie mit sehr viel Engagement ausgeübt hatte, zurückgelegt. Aber auch in den letzten Jahren gehörte Maria zu unseren Aktivposten. So gab es wohl kaum ein Thema, bei dem Maria sich nicht in die Diskussion mit einbrachte. Bis zuletzt war Maria mit großem Einsatz Frauensprecherin der Region Hofsteig. 6 Aus dem Rathaus Wolfgang Dietrich, zuerst 1995 Ersatzmitglied, ab 1998 Gemeindevertreter. Sein Focus richtete sich in erster Linie in Richtung Umwelt und Mobilität. Dort profitierten wir von seiner fachlichen Kompetenz, die er auch seit vielen Jahren unserem e5-Team zur Verfügung stellt. Diesem wird er auch weiterhin die Treue halten. Elfriede Schneider war 10 Jahre in unserer Gemeindevertretung tätig. Frieda waren stets die Belange der Kinder und Familien wichtig. So zählte sie über viele Jahre in den Ausschüssen Schule und Kultur, bzw. Sozialem zu den „Fleißigsten“. Frieda musste auch nicht lange gebeten werden, wenn es galt, etwas zu organisieren und mit Hand anzulegen. Peter Grebenz hat 2003 das umfangreiche Ressort Wasser und Kanal übernommen und investierte viel Energie in diese Tätigkeit. In seine Amtszeit fielen die Umsetzung des neuen Verrechnungsschlüssels der ARA Hofsteig, Kanalisierung Wolfurt Nord, Verhandlungen mit TRM bezüglich schadhaften Wasserleitungen, Hochwasserentlastung Engerrütte und Rickenbach u.v.m. Peter wird auch in Zukunft als Gemeindevertreter tätig sein. Manfred Schrattenthaler zeichnete in den letzten fünf Jahren für das Wirtschaftsressort verantwortlich. Einführung Lehrlingstag, gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen mit den umliegenden Hofsteiggemeinden, Weichenstellung zum Nahversorgungszentrum Dorf sind nur einige Beispiele seiner Tätigkeit. Der Wochenmarkt als auch der Herbstmarkt haben sich in seinem Verantwortungsbereich bestens entwickelt. Auch Manfred wird der Gemeindevertretung erhalten bleiben. Aus dem Rathaus 7 Gemeindegremien 2010 - 2015 Gemeindevorstand Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Elisabeth Fischer M ÖVP ChristianNatter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler Robert Hasler Ernst Stadelmann Manfred Schrattenthaler Thomas Geiger Susanne Mathis Martin Reis Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler V ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M GRÜNE M SPÖ M FPÖ Johann Fetz Robert Hasler Yvonne Böhler Arno Hagspiel Wolfgang Schwärzler Johannes Böhler Simone Burtscher Michael Klimmer Peter Moosbrugger Jürgen Kessler Silvia Köb-Gisinger Ursula Molitor Bertram Thaler Lothar Schwendinger Ferdinand Kosielski Hans Werner Metzler Martin Leiter M ÖVP M ÖVP M ÖVP E E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Soziales Miteinander Elisabeth Fischer Sabine Schertler Daniela Marent Ernst Stadelmann Fatma Kaya Elisabeth Hirsch Silvia Köb-Gisinger Kerstin Schwarz Maria Thaler Evelyn Schwendinger Thomas Makovec Manuela Pechlaner Petra Theißl V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ ÖVP Otmar Meusburger E Heidi Winter E Barbara Geißler E Manfred Schrattenthaler E Oliver Natter E Daniela Gerner E Arno Wiedenbauer E Durmus Yildiz E Martin Lindenthal E Yvonne Breuer E Irene Danhofer E Andrea Peter E Sonja Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Dorfentwicklung und Raumplanung Ausschuss Infrastruktur und Sport Johann Fetz Peter Moosbrugger Hermann Schertler Johannes Böhler Alfred Köb Uros Umjenovic Christine Stark Wolfgang Simma Othmar Gratt Sabina Eschmann Jürgen Pinter Gerold Mohr Andreas Santa V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Bernhard Marte Dietmar Wüstner Michael Köb Thomas Geiger Martin Reis Simone Burtscher Hans Tarabochia Martin Lindenthal Helmut Bischelsberger Gerhard Strabler Wolfgang Mayer Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Bildung, Jugend und Kultur Angelika Moosbrugger Michael Klimmer Otmar Meusburger Thomas Geiger Barbara Geißler Simone Burtscher Heidi Winter Oliver Natter Stefan Thaler Hans Tarabochia Manfred Bischelsberger Sonja Köb Daniela Gerner V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP Harald Feldmann Sabine Schertler Daniela Marent Fatma Kaya Peter Lingenhel Elisabeth Hirsch Harald Moosbrugger Ines Müller Michaela Anwander Natalie Simon Bianca Straßbauer Alexandria Stauber Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Finanzausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler V M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Ausschuss Mobilität und Umwelt Robert Hasler Martin Reis Dietmar Wüstner Andreas Santa Peter Lingenhel Alwin Schönenberger Gernot Zwickle Harald Feldmann Martin Lindenthal Ferdinand Kosielski Eduard Madlener Arno Wiedenbauer Kerstin Schwarz V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Arno Hagspiel Alfred Köb Christine Stark Peter Moosbrugger Uros Umjenovic Wolfgang Schwärzler Ines Müller Michaela Anwander Emanuel Pegger Markus Theissl Jürgen Pinter Manfred Krusch E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Prüfungsausschuss Anton Böhler V Lothar Schwendinger M Claudius Bereuter M Manfred Schrattenthaler M Michael Köb M Gerold Mohr M Martin Lindenthal M FPÖ SPÖ ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE Wolfgang Simma E Harald Moosbrugger E Silvia Köb-Gisinger E Johannes Böhler E Durmus Yildiz E Manfred Bischelsberger E Susanne Ernst E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wohnungsausschuss Elisabeth Fischer Christian Natter SabineSchertler Petra Theißl Stefan Thaler Peter Grebenz Wolfgang Mayer Fatma Kaya Harald Moosbrugger V M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Otmar Meusburger Silvia Köb-Gisinger Ines Müller Bertram Thaler Jadranko Lesic Irene Danhofer Martin Leiter Hans Werner Metzler E E E E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Wirtschaft und Nahversorgung Yvonne Böhler V Manfred Schrattenthaler M Claudius Bereuter M Harald Moosbrugger M Jürgen Adami M Susanne Mathis M Andreas Gorbach M Wolfgang Schwärzler M Bertram Thaler M Jadranko Lesic M Susanne Ernst M Jürgen Kessler E Michael Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Hermann Schertler Johannes Böhler Petra Theißl Silvia Köb-Gisinger Wolfgang Simma Gerold Mohr Ursula Molitor Othmar Gratt Gerhard Strabler Sabina Eschmann Andrea Peter Verena Österle E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Umweltverband Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Gemeindeblattverwaltung Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger E ÖVP 8 Aus dem Rathaus Ehrungsausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Michaela Anwander Thomas Makovec Alfred Pechlaner V M M M M ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Yvonne Böhler Robert Hasler Bettina Leingartner Fritz Kuttner Richard Benzer E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Prüfungsausschuss Ferdinand Kosielski M SPÖ Peter Moosbrugger E ÖVP Fremdenverkehrsverband Bodensee-Rheintal Yvonne Böhler M ÖVP Manfred Schrattenthaler E ÖVP Abgabenkommission Lothar Schwendinger Ernst Stadelmann Thomas Geiger Bertram Thaler Susanne Ernst V M M M M SPÖ ÖVP ÖVP GRÜNE FPÖ Jürgen Kessler Jürgen Adami Durmus Yildiz Herbert Fuchshofer Jürgen Pinter E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Landbus Unterland Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Jagdgenossenschaft Vollversammlung Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Berufungskommission Ernst Stadelmann Thomas Geiger Jürgen Kessler Michael Köb Durmus Yildiz Lothar Schwendinger Hans Werner Metzler V M M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wolfgang Simma Susanne Mathis Peter Moosbrugger Wolfgang Schwärzler Stefan Thaler Ferdinand Kosielski Manfred Krusch E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Jagdgenossenschaft Vorstand Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Bringungsgenossenschaft Ippachwaldweg Alois Müller M ÖVP Gerold Mohr E ÖVP Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Dienstbeurteilungskommission Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz M ÖVP Elisabeth Fischer Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Grundverkehrsortskommission Christian Natter Claudius Bereuter Gernot Zwickle Wolfgang Rist M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Angelika Moosbrugger Bernhard Marte Dietmar Wüstner Hubert Gunz E ÖVP E ÖVP E ÖVP E Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH & Co. KG Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Vorstand (Empfehlung) Christian Natter M ÖVP Johann Fetz E ÖVP WV-Hofsteig Mitgliederversammlung Alfred Köb Bertram Thaler Lothar Schwendinger Jürgen Pinter M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Andreas Santa Othmar Gratt Helmut Bischelsberger Wolfgang Mayer E E E E ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Sozialdienste Wolfurt GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Hans Tarabochia Thomas Makovec Susanne Ernst M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Prüfungsausschuss Wolfgang Simma M ÖVP Uros Umjenovic E ÖVP Vorarlberger Erdgasgesellschaft Johann Fetz M ÖVP Christian Natter E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Verwaltungsausschuss Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP VOGEWOSI Christian Natter M ÖVP Elisabeth Fischer E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Prüfungsausschuss Andreas Santa M ÖVP Oliver Natter E ÖVP Vorarlberger Musikschulwerk Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Verwaltungsausschuss Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Frauennetzwerk Vorarlberg - Frauensprecherin Yvonne Böhler M ÖVP Wasserverband Schwarzach-Rickenbach Christian Natter M ÖVP Alwin Schönenberger E ÖVP Energiebeauftragter Robert Hasler M ÖVP Aus dem Rathaus 9 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Olga Tomasova, Personenbetreuung, Felle 8; Maria Nazadova, Personenbetreuung, Felle 8; Katarina Zvozilova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Lucia Hedwig Geiger, Warenpräsentatoren, Bregenzer Straße 8; Eva Maria Geiger, Warenpräsentatoren, Dorfweg 10; Norbert Kapp, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Bucher Straße 10e; Johannes Keck, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Feldweg 4a; Wilfried Düringer, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit zwei Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Engerrütte 3; Birgit Ingrid Lehner, Erteilung von Informationen über die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln, Rickenbacherstraße 15; JCL Overland Logistics GmbH, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 50 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Senderstraße 28; Margit König, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Lerchenstraße 34b; Doris Jäger, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit, Frickenescherweg 5; Robert Abbrederis, Werbeagentur, Auf dem Bühel 5; Michael Kohler, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik; Mechatroniker für Elektronik, Büro- und EDV-Systemtechnik; Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierung; Mechatroniker für Medizingerätetechnik, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kirchstraße 18; Gabriele Stark, Autoreinigung und Bootsreinigung, Segelmacher und Reparatur von Zelten; Plachenreparatur; Schonbezüge und Schutzkappenerzeugung, Feldeggstraße 2c; Thomas Hermann, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Mähdlestraße 29; Patrick Fischer, DIVUS e.U., Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Holzriedstraße 33; Adrian Georg Gassner, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Fliederweg 13b; DI Alfons Josef Natter, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Moosmahdgasse 2d; Maria Lastiakova, Personenbetreuung, Achstraße 50; Thomas Javornik-Stern, Stukkateure und Trockenausbauer (Handwerk), Lerchenstraße 17; Ibrahim Zencirci, Kraftfahrzeugtechnik, verbunden mit Karosseriebauer einschließlich Karosseriespengler und Karosserielackierer (Handwerk), Kesselstraße 25. Gewerbelöschungen Mag. Martina Susanna Goldner, Werbegrafikerin, Schlossgasse 10; Peter Böhler, Platten- und Fliesenleger, Heimkehrerstraße 4; Danijel Jovanovic, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Achstraße 46. ComBran GmbH, Handelsgewerbe eingeschränkt auf den Großhandel mit Waren und Getränken der Nachrichten- und Datentechnik und Elektronik, Radiomechaniker, Lauteracher Straße 21; Logwin Road + Rail Austria GmbH, Beförderung von Gütern mit fünfzig Lastkraftwagen, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Handelsgewerbe, Am Güterbahnhof; Dipl. Ing. Dr. tech. Andreas Weratschnig, Heizungstechnik (Handwerk) eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude und die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Kirchstraße 11; Biserka Stabodin, Handelsgewerbe, Bützestraße 24/9; Veronique Sandra Gassner, CallCenter (Entgegennahme und Weiterleitung telefonischer Aufträge, Anfragen, Informationen und entsprechendes Telefonservice für alle gesetzlich erlaubten Tätigkeiten), Fliederweg 13b; Karl Sapper, Masseur, Achstraße 42; Martin Kohler, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Kirchstraße 15. Standortverlegungen Marta Macugova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Brühlstraße 15/2, nach Bregenz, BAUCUT Bohren und Schneiden in Beton Gesellschaft m.b.H. von Wolfurt Achstraße 42 nach Wolfurt Bützestraße 39; Uros Miletic, Dolmetscher und Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), von Wolfurt Konrad-Doppelmayr-Straße 17 nach Lauterach; Elke Läßer, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Wolfurt Kreuzstraße 2 nach Langen bei Bregenz; Sven Hofer, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (Handwerk), Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, eingeschränkt auf Coaching, von Wolfurt Konrad-DoppelmayrStraße nach Hard; Ing. Lubica Vajova, Personenbetreuung, von Wolfurt Felle 4 nach Bregenz; Slavka Sulakova, Personenbetreuung, von Hohenems nach Wolfurt Felle 8; Anna Nekkarova, Personenbetreuung, von Höchst nach Wolfurt Achstraße 50; Dunja Barbara Huber, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Zürs nach Wolfurt Weiherstraße 4; Ariane Mischitz, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt Sonnenstraße 2a nach Wolfurt Eichenstraße 45d/15; AgenT-Com Telekommunikationshandel GmbH, Vermittlung von Verträgen betreffend die Benutzung von Fernmeldeeinrichtungen (Telekommunikationseinrichtungen) Dritter, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe von Wolfurt, Senderstraße 6 nach Nenzing; Sarlota Urcova, Personenbetreuung, von Nenzing nach Wolfurt, Brühlstraße 15/2; Maria Barusova, Personenbetreuung, von Lauterach nach Wolfurt, Kellaweg 4; Christoph Alexander Schindler, Werbegrafik-Designer, von Wolfurt Bregenzer Straße 61a nach Wolfurt Holzriedstraße 33. Verständigung über eine Namensänderung Elke Lässer (früher Fellinger), Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2 Übergang einer Gewerbeberechtigung (Umgründung) sowie Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Ritter Maschinenservice GmbH, Geschäftsführer: Dietmar Ritter, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Durchführung von Reparaturen von Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen, Bahnhofstraße 8a. Verständigung über die Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Klimmer Wohnbau GmbH, Heizungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude sowie die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Lauteracher Straße 7, Geschäftsführer: Johann Rauchegger. Eintragung ins Gewerberegister und Errichtung einer weiteren Betriebsstättes Buchhandlung Teutsch Pointner OG, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kornmarktstraße 18, Bregenz - Standort der weiteren Betriebsstätte: Kellhofstraße 10. Verständigung über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Fotini Pyrovolikos, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2. . Verständigung über die Löschung einer weiteren Betriebsstätte Logwin Road + Rail Austria GmbH, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Senderstraße 28. Verständigung über eine Änderung der Bezeichnung FEAL Austria Facade Engineering and Aluminium GmbH, (früher: ETZEL – FEC Facade Engineering and Consulting GmbH), Handelsgewerbe, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte sowie Filialgeschäftsführerbestellung Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Anbieten persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten im Sinne einer Hausmeistertätigkeit, Holzriedstraße 33, Filialgeschäftsführerbestellung: Michael Mießgang. Verständigung über das Ruhen der Gewerbeausübung Christine Ellinger, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Verständigung über den Übergang einer Gewerbeberechtigung auf Grund einer Umgründung, über eine Standortverlegung und über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Kurt Theurer, ELEKTRO TECHNIK THEURER e.U., Elektrotechniker, Wälderstraße 48, 6923 Lauterach, Standort der weiteren Betriebsstätte: Unterfeldstraße 6a, Wolfurt. . 10 Aus dem Rathaus Bürgermeister- bzw. Kostenlose Sprechstunden Wohnungssprechstunde von Rechtsanwälten und Notaren im Sommer: Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 14. Juli Mittwoch, 25. August Mittwoch, 8. September von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 07. Juli 2010, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 01. September 2010, Dr. Nikolaus Schertler Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 21. Juli 2010, Dr. Ivo Fussenegger Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 7. Juli Mittwoch, 18. August Mittwoch, 1. September Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Dr. Ivo Fussenegger Dr. Richard Huter Dr. E. Michel Dr. Kurt Zimmermann Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Februar, Juli und 13.11. - 26.11. März, August und 27.11. - 07.12. April, September und 08.12. - 20.12. Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Vom 21. Juli 2010 bis 11. August 2010 finden auf Grund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! Das Beschäftigungsausmaß beträgt 320 Jahresstunden, wovon während der Schulzeiten (= 38 Wochen) voraussichtlich 6 Stunden je Woche fix vereinbart werden und die restlichen 92 Stunden nach Bedarf abgerufen werden. Bewerber/Bewerberinnen mit Wohnort Wolfurt werden bevorzugt. Wir erwarten von Ihnen Wir suchen zum Eintritt nach Vereinbarung eine(n) SachbearbeiterIn für das Sekretariat der Mittelschule Wolfurt Das Aufgabengebiet umfasst Telefondienst, Abwicklung von Posteingang und Korrespondenz, eigenverantwortliche Abwicklung der finanziellen Belange, Führung von Statistiken, Ausstellung von Bestätigungen, Organisation von Veranstaltungen, Erstellen von Supplierplänen und natürlich vieles andere mehr. > abgeschlossene Handelsschule bzw. abgeschlossene Verwaltungslehre oder kfm. Lehre > freundliches und aktives Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeitern > Genauigkeit, Verlässlichkeit, Loyalität und Verschwiegenheit > Teamfähigkeit > gute EDV-Kenntnisse (Office-Programme) > Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Konfliktfähigkeit Wir bieten Ihnen > kinderfreundliche Arbeitszeiten > Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten > krisensicheren Arbeitsplatz > leistungsgerechte Entlohnung Senden Sie bitte Ihre ausschließlich schriftlichen (auch per E-Mail unter direktion@hswo.snv.at möglich) Bewerbungsunterlagen bis spätestens 15.7.2010 an die Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, zH Herrn Dir. Norbert Moosbrugger. Aus dem Rathaus 11 3. Türkische Kirmes in Wolfurt Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Islamische Kultur- und Bildungsverein in Wolfurt rund um das Vereinshaus ihre Kirmes. Zwei Tage lang wurde gekocht, gegessen, miteinander geredet. Angenehme Feststimmung – auf der Kirmes gibt es keinen Alkohol! Ein gutes Essen bringt Menschen an einen Tisch. Dass das Fest schon seinen fixen Platz im Wolfurter Kulturleben hat, bewiesen die zahlreichen Gäste aus dem „In- und Ausland“. Auch die politischen Vertreter aus Wolfurt und den umliegenden Gemeinden ließen sich die große Gastfreundschaft und die köstlichen Speisen nicht entgehen. Ein Fest für Jung und Alt, ein Fest für Menschen verschiedener Nationen, ein Fest fürs Kennenlernen. Wolfurter Wasserkrüge wieder verfügbar! Auf Grund der großen Nachfrage wurden die beliebten Wasserkrüge nachbestellt und sind ab sofort im Rathaus erhältlich. Die Wasserkrüge erhalten Sie zum Preis von 10,-- / Krug im Rathaus Wolfurt bei Angelika Köb und Melanie Amhof. Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2010 im Fundamt abgegeben wurden: diverse Schlüssel, Fotoapparat, Kinderrucksack Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb 12 Gemeindepanorama 5 Jahre Sprachencafé Wolfurt Bereits seit 5 Jahren gibt es eine hervorragende Privatinitiative, nämlich das im Jahr 2005 gegründete Sprachencafé. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Gmeiner organisiert. Für Information ist sie unter der Tel.: 0699 116 99 621 erreichbar. v.l.n.r.: Erich Reis, Martina Hörburger, Christine Grass, Clint Smith, Karina Gmeiner, Linda Hilbe, Birgit Lins, Michel Thoma, Claudia Saenz. Monatlich jeweils am 1. Dienstag treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Die Gemeindeverantwortlichen gratulieren zum 5-jährigen Jubiläum und danken der Organisatorin und allen Muttersprachlern für ihr außergewöhnliches Engagement. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht Dr. Lorenz Böhler war einer, der sich unbeirrbar auf seinen Weg gemacht hat, und einer, der dadurch einen Weg für die Zukunft der Medizin geebnet hat. Damit das Erinnern an den berühmten Wolfurter nicht nur eine Momentaufnahme, sondern für länger lebendig bleibt, laden wir alle herzlich ein, sich ebenfalls auf den Weg zu machen. Mithilfe der beigelegten Wanderkarte können Sie die Ausgangspunkte des Lebensweges von Dr. Lorenz Böhler erwandern. Hier in Wolfurt entwickelte er einige seiner Fähigkeiten, die später unter anderem Grundlagen seiner großartigen Entwicklung vom Bauernbub zum weltbekannten Arzt mit Vorbildwirkung waren. Die Ausstellung in Bregenz kann ebenfalls noch während der Sommermonate (bis Mitte August) besucht werden. Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich genauer über das Leben des Pioniers der Unfallchirurgie informieren möchte, kann das Buch zur Ausstellung in der Gemeinde (Bürgerservice) erwerben. Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Bildung, Jugend und Kultur (Franz Kafka) Der 125. Geburtstag von Dr. Lorenz Böhler wurde bei der Eröffnung der ihm gewidmeten Ausstellung in der Landesbibliothek in Bregenz und bei der feierlichen Begehung des Rundwegs „Auf den Spuren des Dr. Lorenz Böhler“ gebührend gefeiert. Gemeindepanorama 13 Skaterplatzgestaltung Volksschule Mähdle Schon seit längerem suchte die Marktgemeinde Wolfurt nach einer idealen Örtlichkeit, um einen dauerhaften Skaterplatz zu errichten. Im Rahmen der Sanierung der VS Mähdle, sowie des Außengeländes fiel die Entscheidung, den Skaterplatz im Außenbereich der VS Mähdle zu errichten. Damit dieser Platz auch wirklich den Ansprüchen eines Skaters gerecht wird, sowie das Angebot von den jugendlichen Nutzern aus Wolfurt auch mitgetragen wird, entstand die Idee, die „Profis“ selbst bei der Planung und Umsetzung mit einzubeziehen. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Pimp my Skaterplatz“ von der Offenen Jugendarbeit Wolfurt ins Leben gerufen. Am 10. April trafen sich alle interessierten Jugendlichen beim Platz der Volksschule Mähdle, um tatkräftig an der Gestaltung und Planung des Platzes mitzuwirken. Gemeinsam mit dem Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt, sowie der Architektin Maria Anna Moosbrugger wurden die bereits bestehenden Skaterrampen aufgestellt, sodass der Platz ideal zum Skaten genutzt werden kann. Weiter wurden Ideen zur Verbesserung der Situation des Platzes gesammelt. Der zweite Schritt erfolgte am 16. April mit dem Planungsworkshop im Jugendtreff [´wa´wa]. Themen des Nachmittags waren: Die bestehenden Skaterelemente sanieren und optimieren, Mini Ramp im Eigenbau, „Spielregeln“ und Müllsystem, Farbe am Platz, sowie das Jugendprogramm zur Eröffnung des Skaterplatzes am 28. Mai. Die erarbeiteten Ergebnisse wurden dann im Anschluss vor der Vertretung des Gemeindevorstandes präsentiert und diskutiert. Die Ergebnisse des Planungsworkshops werden im weiteren Verlauf des Jahres in verschiedenen Projektgruppen realisiert und umgesetzt. Jugendarbeiter Günter Sutterlüti 14 Gemeindepanorama 8. Frühschoppen der Dornbirner Berufskraftfahrer in Wolfurt Am Pfingstsonntag, den 23. Mai 2010, konnte bei herrlichem Wetter um 10:00 Uhr der Festgottesdienst abgehalten werden. Pater Rufus zelebrierte die Messe in gewohnt angenehmer Weise, was bei den Besucherinnen und Besuchern großen Anklang fand. Für die musikalische Umrahmung vom Chor „Die Herbstzeitlosen“ möchten wir uns herzlich bedanken. Der Obmann der Dornbirner Berufskraftfahrer, Alfons Brandstätter, begrüßte Bürgermeister Christian Natter mit Gattin, sowie Gemeinderat Hans Fetz und Robert Hasler recht herzlich. Nach der Begrüßung eröffneten Bürgermeister Christian Natter und Hans Fetz das Fest mit dem Fassanstich. Anschließend sorgten die „5 Rheintaler“ für hervorragende Frühschoppenstimmung bis in den Nachmittag hinein. Einen ganz besonderen Dank richten wir an die Fahrzeughersteller und Fahrzeugaufbauer für die hervorragende Ausstellung, sowie die Firma Orange College für das Fahrer-Weiterbildungsfahrzeug und Vorführungen im Sinne der Verkehrssicherheit. Ein besonderes Highlight war die Poolparty mit Stefan Köb, was für Stimmung bis in die Nacht sorgte. Dabei konnten EUR 1.500,-- eigenommen werden. Diese Summe wurde vom Verein auf EUR 2.000.-- erhöht und der Lebenshilfe sowie dem Krankenpflegeverein Wolfurt gespendet. Durch den vollen Einsatz von unseren Mitgliedern und deren Frauen konnte wieder ein erfolgreiches Fest verzeichnet werden. Die Vereinigung bedankt sich bei der Firma Schertler Transporte für die Bereitstellung des Festgeländes, bei allen Sponsoren sowie allen Festbesucherinnen und Festbesuchern, die einen maßgeblichen Anteil am guten Gelingen des Festes beigetragen haben. Gemeindepanorama 15 Notfallkarte speziell für Kinder Kinder sehen die Welt viel unbedarfter als Erwachsene und versuchen, sie jeden Tag neu zu entdecken. Schnell kann es da zu kleineren Wunden und größeren Verletzungen kommen. Wenn etwas passiert, sind in den meisten Fällen Erwachsene zur Stelle und sorgen für Hilfe. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass der Nachwuchs auf sich allein gestellt ist. Auch deshalb kann es nicht schaden, ihn frühzeitig mit den Notrufnummern vertraut zu machen. Und weil sich auf spielerische Art viele Dinge besser einprägen, hat die Initiative Sichere Gemeinden eine spezielle Kindernotfallkarte aufgelegt. Dort finden sich in übersichtlicher und für Kinder anschaulicher Form die Notrufnummern von Feuerwehr (122), Exekutive (133) Rettung (144) und Vergiftungszentrale (01/406 43 43). Als Illustrationen wurden die bei Kindern ebenso bekannten wie beliebten Playmobilfiguren verwendet. „Damit lassen sich die Zahlen leichter einprägen“, ist Geschäftsführer Ing. Franz Rein überzeugt. Und, was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist: die Männchen erhöhen den Wiedererkennungswert und kommen mit ihrem fröhlichen Blick als Freunde in der Not daher. Damit Kinder im Ernstfall aber entsprechend reagieren können, muss die Notfallkarte in Augenhöhe platziert werden. Hilfreich ist auch, die Notrufnummern gut sichtbar auf dem Telefon selbst anzubringen. Wobei Klebetiketten zu bevorzugen sind. Gleichzeitig sollten größer werdende Kinder zu vorsichtigem Verhalten angeleitet werden. So sollte ihnen der Sinn von Schutzausrüstungen bei Freizeitaktivitäten, wie Rad fahren und Skaten, möglichst früh klar gemacht werden. Eltern wiederum sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und selbst auch auf den Gebrauch von Schutzausrüstungen achten. Ein insgesamt kindgerechtes und sicheres Umfeld kann wesentlich zum Schutz von Kindern beitragen. Die Kindernotfallkarte ist kostenlos bei der Initiative Sichere Gemeinden, Realschulstraße 6, 6850 Dornbirn, Telefon: (05572) 543 43, E-Mail: info@sicheregemeinden.at erhältlich. Initiative Sichere Gemeinden Wert-Schätze: 12 schlaue Tipps für Frauen Das Frauenreferat des Landes, das Frauennetzwerk und FEMAIL haben unter dem Titel „Wert-Schätze – Schlaue Tipps für Frauen zur Lebensgestaltung“ eine Reihe von knappen, pointierten Ratschlägen formuliert. Themen sind unter anderem die Berufswahl, der Wiedereinstieg, Partnerschaft und das eigene Konto. Diese 12 schlauen Tipps sind in einer handlichen Broschüre (A 6) einfach zum Einstecken, Durchblättern und Mitnehmen, zusammengefasst. Sie liegen im Rathaus, bei der Fürsorge und im Jugend- und Kulturverein [´wa´wa] auf. Auskünfte: Yvonne Böhler, Frauensprecherin Wolfurt, Regionensprecherin Hofsteig E-Mail: yb@aon.at, Telefon: 66942 16 Gemeindepanorama Kursleiterin Evelyn Lingenhel (Mitte) mit den sechs Moderatorinnen aus Wolfurt und Lauterach Neue eltern.chat-Moderatorinnen in Wolfurt und Lauterach Im April fanden in Wolfurt unter der Leitung von Evelyn Lingenhel zwei Schulungsabende für die neuen eltern.chatModeratorinnen statt. Die sechs engagierten Mütter aus Wolfurt und Lauterach werden in Zukunft dafür sorgen, dass nicht nur am Computer „gechattet“ wird, sondern dass vermehrt Eltern persönlich, in gemütlichen Elterngesprächsrunden zum Thema Erziehung ins Gespräch kommen. „eltern.chat Moderatorinnen sind keine Fachfrauen für Erziehung“ betont die Projektleiterin Mag. Wilma Loitz vom Katholischen Bildungswerk, „aber sie erhalten das Handwerkszeug und Impulsmaterial, um die privatorganisierten Elternrunden gut begleiten zu können.“ Inzwischen fand schon das erste Austauschtreffen der neuen Moderatorinnen statt. Die eine oder andere hat auch schon eine eltern.chat Runde geleitet. Die Moderatorinnen sind bisher mit den Themenpaketen „Kinder stark machen“ und „Schlaf Kindlein Schlaf“ ausgestattet und freuen sich auf anregende Diskussionsrunden. „Jeder muss seinen eigenen Weg in der Erziehung finden; durch den Austausch bei eltern.chat werden Eltern unterstützt, diesen Weg bewusster zu gehen“, erklärt Evelyn Lingenhel. Sie begleitet die Moderatorinnen in ihrer Tätigkeit. eltern.chat setzt weniger auf Expertenwissen, sondern auf den Erfahrungsschatz von Eltern und darauf, dass man von einander lernen kann. Die Erfahrungen aus den 200 eltern.chats, die in Vorarlberg schon stattgefunden haben, zeigen: „Der Austausch mit anderen Eltern entlastet, eröffnet neue Handlungsspielräume, macht Spaß und stärkt das Vertrauen in die eigene Erziehungsfähigkeit..“ TeilnehmerInnen berichten: „Es tut einfach gut zu hören, dass es anderen ähnlich geht!“ Die meisten eltern.chats finden in privaten Haushalten am Vormittag oder am Abend statt. Die TeilnehmerInnen sind FreundInnen, Bekannte und NachbarInnen der Gastgeberin. Die Gemeinden Wolfurt, Lauterach und auch Schwarzach unterstützen diese Elterntreffen mit einem Einkaufsgutschein für die einladende Gastgeberin. Besonders erfreulich ist die rege Beteiligung von Frauen mit nicht deutscher Muttersprache. In diesen Elternrunden wird in türkisch oder russisch „gechattet“. Weitere Informationen unter www.elternbildung-vorarlberg.at Gemeindepanorama 17 Postpartnerstelle Wolfurt wird eröffnet INTEGRA wickelt nun als so genannter Postpartner den Postservice in vollem Umfang ab. Einerseits wird die Nahversorgung mit wichtigen Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gesichert, andererseits geht es um die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Stefan Koch, INTEGRA Geschäftsführer, betont, dass ein gemeinnütziger und sozialer Zweck verfolgt wird, da die neuen Stellen für die Theorie- und Praxisqualifizierung von arbeitsuchenden Menschen zur Verfügung stehen. Insbesondere ältere Arbeitsuchende und Wiedereinsteigerinnen können so hochwertige und sinnvolle Arbeitsplätze mit guten Vermittlungschancen vorfinden. Die Mitarbeiter/innen werden intensiv vorbereitet, sind gut betreut und angeleitet. Für das Arbeitsprojekt werden bevorzugt Bürger aus Wolfurt und Umgebung geschult und eingesetzt. Die neue Postpartnerstelle dient ab nun zudem auch als Verkaufsshop für INTEGRA Produkte, wie Dekoideen und Geschenksartikel. INTEGRA kümmert sich mit einem vielfältigen Angebot um Menschen, die längere Zeit auf Arbeitsuche sind. Um die Selbsthilfepotenziale zu fördern und zu aktivieren, bietet die gemeinnützige Arbeitsinitiative Beschäftigungsmöglichkeiten in acht Arbeitsbereichen (Holz, Metall, Umwelt, Reinigung, Textil, Handel, Manufaktur und Personalservice). Das Programm beinhaltet auch begleitende Weiterbildungsmaßnahmen, Beratung bei sozialen und persönlichen Fragestellungen und Vermittlungsunterstützung. INTEGRA verbindet Wirtschaftliches und Soziales. Diese Integrationsarbeit im Interesse aller wird von AMS, Land Vorarlberg und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Die neuen Postpartnerstellen in Lochau, Schwarzach und Wolfurt sind in den bereits bestehenden Kompetenzbereich Handel integriert und ergänzen das Angebot sehr sinnvoll. Das soziale Integrationsunternehmen INTEGRA wird am 7. Juli die Poststelle Wolfurt übernehmen. Öffnungszeiten: Mo – Fr, 08:30 bis 12:15 und 14:30 bis 17:15 Uhr Kontakt: INTEGRA gemGmbH, Stefan Koch Konrad-Doppelmayr-Str. 13, 6922 Wolfurt T 05574 / 54 2 54 – 12 F 05574 / 54 2 54 – 15 M 0664 / 420 67 95 E stefan.koch@integra.or.at H www.integra.or.at Schließung Postfiliale Nun steht der Termin der Schließung mit 06.07.2010 fest. Nach 12 Jahren Filialleiter-Tätigkeit ist es mir ein großes Bedürfnis, mich bei all meinen Kunden sowie der Bevölkerung von Wolfurt für ihr Vertrauen recht herzlich zu bedanken. Herzliche Postlergrüße Günther FRITZ 18 Wirtschaft Verleihung des Gütesiegels für soziale Integrationsunternehmen an INTEGRA Gemeinnütziges Wirtschaften und vor allem sozialintegratives Wirken eint die 17 PreisträgerInnen, die am 16. April 2010 im Beisein von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf mit dem Gütesiegel für Soziale Integrationsunternehmen ausgezeichnet wurden. Als einziges Vorarlberger Unternehmen erhielt auch INTEGRA die Auszeichnung. Das gemeinsam vom Dachverband der Arbeitsprojekte und Quality Austria entwikkelte Gütesiegel garantiert klar definierte soziale, organisatorische und wirtschaftliche Qualitätsstandards für Soziale Integrationsunternehmen. Mit dem Erwerb dieses Gütesiegels verpflichtet sich INTEGRA, bestimmte, international anerkannte Qualitätsstandards zu erfüllen. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Qualität ist, dass INTEGRA durch unabhängige AssessorInnen von Quality Austria bewertet wurde. Das Gütesiegel bestätigt den Anspruch, wirtschaftlich kompetent zu sein, gemeinnützig zu agieren, qualitätvolle Beschäftigung anzubieten und einen sozialen Integrationsauftrag zu erfüllen. INTEGRA trägt mit den neun verschiedenen Arbeitsbereichen - Holz, Metall, Textil, Umwelt, Reinigung, Handel, Manufaktur, Personalservice und Jugendwerkstatt - dazu bei, dass ein Social Profit generiert wird, in dem Menschen Verwirklichungs- und Teilhabechancen am Arbeitsmarkt erhalten. Qualität ist das Gegenteil von Zufall Die 17 Gütesiegel wurden am 16. April 2010 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf verliehen. Beide heben die besondere gesellschaftliche Bedeutung Sozialer Integrationsunternehmen hervor. "Qualität ist das Gegenteil von Zufall", konstatiert Johannes Kopf. Er prognostiziert einen wachsenden Bedarf Sozialer Integrationsunternehmen, der sich nicht zuletzt aus der Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung ergibt. Dass österreichische arbeitsmarktpolitische Instrumente als Best-practiceBeispiele gelten, lobt Bundesminister Rudolf Hundstorfer. "Unsere österreichischen Sozialen Integrationsunternehmen sind weltweit herzeigbar. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik, weil diese Unternehmen ihren sozialen und arbeitsmarktpolitischen Integrationsauftrag ernst nehmen“, so Hundstorfer. INTEGRA verfolgt nachhaltige Ziele der sozialen Integration im Sinne der Schaffung von Arbeitsplätzen und des nachhaltigen und gemeinnützigen Wirtschaftens. Vermittlung von Geschäftsflächen Immer wieder kommt es vor, dass wir spät oder gar nicht erfahren, dass Gewerbeflächen zur Vermietung freistehen, bzw. solche gesucht werden. Ich bitte Sie daher uns mitzuteilen, wenn Sie in Wolfurt eine Geschäftsfläche suchen, bzw. wenn Sie welche zur Vermietung oder zum Verkauf frei haben. Bitte senden Sie Ihre Infos an: victoria.thompson@wolfurt.at Wir sind bei der Vermittlung gerne behilflich. Wirtschaft 19 Die Web-Agentur VAUMEX nimmt ihren Betrieb auf VAUMEX ist ein Einzelunternehmen das von Beratung, Idee, Umsetzung bis Wartung alles macht, was mit Webdesign, Websites, Webportalen und Web-Applikationen zu tun hat. Sie erhalten bei mir folgende Leistungen: • Beratung • Webdesign • SEO • CMS • Web-Applikationen VAUMEX - web business DI Alfons Natter Moosmahdgasse 2d 6922 Wolfurt Mobil: 0699/815 501 04 office@vaumex.at www.vaumex.at Besuchen Sie meine Homepage. Ich freue mich auf Ihren Kontakt. Physiotherapeutin Berghild Böhler neu in Wolfurt Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich heiße Berghild Böhler und freue mich sehr, dass ich seit 1. Mai 2010 bei euch in Wolfurt meine Tätigkeit als Physiotherapeutin ausüben darf. Ich habe die großartige Möglichkeit bei Ingrid Amann, Kirchstraße 43, zwei Räume zu mieten. Die meisten von euch kennen Ingrid sicherlich und ihre Art zu arbeiten. Daher ist es nahe liegend, dass auch ich keine klassische Physiotherapie mache. Ich versuche, in meiner Arbeit den Menschen im Gesamten zu sehen und wahrzunehmen, und so sind auch meine Methoden ausgerichtet. Ich mache vor allem manuelle Lymphdrainage, Feldenkraisarbeit, energetische Aromamassagen nach M. Henglein, Breuss-Massagen, Moxatherapie, Akupunktur-Massage (APM) nach Klaus Radloff, viszerale Therapie, um ein paar Methoden zu nennen. Was ich besonders interessant und schön finde ist, soweit ich es bisher gesehen habe, dass sich die Kirchstraße so langsam zu einer „Gesundheitsstraße“ entwickelt. Im selben Gebäude sind auch Harry Veits (Physiotherapeut) und Dr. med. Armin Winder (Kinder- und Jugendheilkunde) tätig sind und gleich daneben Sonja Neunhäuserer ebenfalls Physiotherapeutin. 20 Wirtschaft Einkaufen mit dem Fahrrad lohnt sich erste Gewinnerinnen bereits ermittelt! Im Rahmen der Aktion „EIN.KAUFEN & RAD.FAHREN“ übergab der Wolfurter Mobilitätsgemeinderat Robert Hasler Einkaufsgutscheine der Wirtschaft Wolfurt an 10 Radlerinnen, die ihre Einkäufe trotz schlechten Wetters mit dem Drahtesel erledigt haben. Mit dieser Aktion, an der sich 24 Wolfurter Geschäfte beteiligen, soll ein Anreiz geschaffen werden, seine Besorgungen umweltfreundlich und in Wolfurt zu erledigen. Ein solches Verhalten lohnt sich mehrfach: Es sichert die Nahversorgung in unserem Ort, es unterstützt die persönliche Gesundheit und es entlastet die Umwelt. Alle Kundinnen und Kunden, die ihre Besorgungen bei den Teilnehmerbetrieben per Rad, zu Fuß oder mit dem Bus erledigen, können Glückspunkte sammeln und damit unter anderem eine Städtereise im Wert von € 500,-- und zahlreiche Warengutscheine gewinnen. Einkaufen mit dem Rad hat sich für diese Wolfurterinnen bereits gelohnt Mobilitätsgemeinderat Robert Hasler überreichte im Rahmen der Aktion 10 Euro Gutscheine der Wirtschaft Wolfurt Wirtschaft 21 Land Vorarlberg vergibt ÖKOPROFIT®-Zertifikate 138 Vorarlberger Betriebe dürfen sich 2010 ÖKOPROFIT®-zertifiziert nennen. 17 Betriebe, darunter die Wolfurter Firma Gruber Klimatechnik GmbH, haben das Basisprogramm erfolgreich absolviert und nahmen zum ersten Mal das ÖKOPROFIT®-Zertifikat in Empfang. Weitere 121 Betriebe freuten sich über ihre Rezertifizierung. Darunter auch der Bauhof der Gemeinde Wolfurt und fünf weitere Wolfurter Betriebe. Die Themen Ressourcenschonung, Klimaschutz und die Möglichkeiten zur Energieeinsparung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten im Rahmen von ÖKOPROFIT. Das ÖKOPROFIT®-Programm zeigt dabei auf, welche Möglichkeiten die teilnehmenden Betriebe haben, unsere Umwelt zu schonen und gleichzeitig Kosten einzusparen. Wir gratulieren allen beteiligten Wolfurter Firmen, speziell der Fa. Gruber Klimatechnik GmbH für die Erstzertifizierung und unserem Bauhof für die erfolgreiche Rezertifizierung. Aktuelle ÖKOPROFIT-Betriebe in Wolfurt: > Gruber Klimatechnik GmbH (Erstzertifiziert) Rezertifizierte Betriebe 2010: Ivica Marinovic, (Firma Gruber Klimatechnik GmbH) und Gemeinderat Robert Hasler bei der Urkundenübergabe > Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt > Bus Service Center der ÖBB-Postbus GmbH > Doppelmayr Aufzüge AG > Haberkorn Ulmer GmbH > INTEGRA Robert Hasler, Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Danke für Landschaftsreinigung Wie alljährlich im Frühjahr fand kürzlich die jährliche Landschaftsreinigung statt. Es haben sich wieder zahlreiche Ortsvereine daran beteiligt, aber auch ganze Familien und viele Einzelpersonen. Obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt doch sehr gut ist, gibt es leider immer wieder Menschen, die ihren Müll achtlos wegwerfen oder ganz bewusst in der Natur entsorgen, um Müllgebühren zu sparen. Ich möchte deshalb auf diesem Wege allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich an der diesjährigen Aktion beteiligt haben, ganz herzlich danken. Ein ebenso herzlicher Dank geht auch an die Firmen: Bernd Bechter – Erdbewegungen, Schwendinger & Fink GmbH, und die Firma Doppelmayr, die uns Fahrzeuge für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Christian Natter 22 Umwelt Exkursion zur Firma Haberkorn Im Rahmen der Umweltwoche 2010 organisierten die Gemeinderäte Robert Hasler und Yvonne Böhler zusammen mit dem Wirtschafts- und Umweltausschuss eine Exkursion zur Firma Haberkorn Ulmer GmbH in Wolfurt. Dort konnten sich die Gemeindemandatare und Mitglieder des e5-Teams über das Programm ÖKOPROFIT informieren. (ÖKOlogische PROjekt Für Integrierte Umwelt-Technik). Die Firma Habekorn ist selbst seit 2009 ein mit ÖKOPROFIT zertifizierter Betrieb, unterstützt Projekte zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und hat es sich zum Ziel gemacht, die direkt verursachten CO² Emissionen bis Ende 2011 um 40 % zu reduzieren. Die Geschäftsleitung will mit dem Engagement für Klimaschutz und Energie effizient gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und das Thema Nachhaltigkeit in die Breite tragen. Erste Erfolge konnten bereits erreicht werden - die CO² Emissionen konnten inzwischen um 15 % reduziert werden. Mit Mitarbeiter-Workshops wurden Ideen und Maßnahmen konzipiert. Großes Ein- sparungspotential liegt in den Bereichen Heizung / Strom / Mobilität der Mitarbeiter / Fuhrpark / Verpackungsmaterial. So wurde auch im Bereich von Stand by Geräten auf Zeitschaltuhren umgestellt, und der Papierverbrauch eruiert, ein Elektro-Auto für die Mobilität für Dienstfahrten steht bereit, Mitarbeiter haben via Bildschirm immer die aktuellen Busfahrpläne zur Information (www.abfahrtszeiten.at). So ist jeder Mitarbeiter bei diesem Projekt beteiligt und motiviert. Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit und bewusster Umgang mit der Umwelt, jeder kann seinen Beitrag leisten. Langfristig ist die Geschäftsleitung überzeugt, dass das Engagement nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile bringen wird! Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Bäume und Sträucher an Straßen und Straßenkreuzungen zurück schneiden Bäume und Sträucher, die am Straßenrand zu stark wachsen, sind für Kraftfahrer oft mit Sichtbehinderungen verbunden. Gemeint sind insbesondere Hecken, Bäume an Straßenkreuzungen und Einmündungen. Die dadurch mangelnde Verkehrssicherheit beschwört oft schwierige Situationen herauf. Aber auch entlang gerader Straßenzüge kommt es zu Problemen, dann nämlich, wenn das Benützen der Gehsteige für Fußgänger beschwerlich ist wegen überhängender oder heraushängender Sträucher. Sie gehören auf die Grundstücksgrenze zurück geschnitten! Die Anrainer von Straßen werden daher gebeten, schon im eigenen Interesse bzw. in eigener Verantwortung solche Gefahren umgehend zu beseitigen. Ansonsten müsste die Gemeinde gemäß AVG auf Rechnung und Gefahr des Grundstückseigentümers die Behinderungen entfernen lassen. Sylvester Schneider Umwelt 23 Hofsteig-Ader Die Bauarbeiten beim Neubau der L 3, Bauabschnitt Achstraße, machen sichtlich Fortschritte. So wird beim Erscheinen dieser Wolfurt Information der 1. Bauabschnitt, von der Autobahn bis einschließlich Essokreuzung, bereits für den Verkehr eröffnet sein. Bereits eine Woche früher als geplant kann der 2. Bauabschnitt, die Fitzkurve, in Angriff genommen werden. Die Bauarbeiten sollen dann planmäßig bis Anfang September abgeschlossen sein, sodass bis zum Schulanfang die Kreuzung L 3 / L 13 nach Kennelbach wieder befahren werden kann. Im September bis voraussichtlich Anfang Oktober wird der letzte Teil dieses Bauloses von der Fitzkurve bis zur Essokreuzung gebaut. Der erste, nach den Richtlinien vom Projekt Hofsteig-Ader, neu ausgebaute Abschnitt unserer Straße wird dann für den Verkehr freigegeben werden. Die notwendigen Umleitungen erfolgen weiterhin großräumig über die Weberstraße zur Autobahn, wobei der Halbanschluss an der Ach wieder voll funktionsfähig ist. Zudem wie bisher über die Wälderstraße nach Lauterach. Lokale Umleitungen erfolgen über die Albert-Loacker-Straße, die Lerchenstraße und die Montfortstraße, sowie zeitweise auch über die Bregenzer Straße nach Kennelbach. Auch die Buslinien werden während der Bauzeit über die lokalen Umleitungen geführt. Beim Kindergarten und der Schule Bütze soll mit entsprechenden Maßnahmen und Unterstützung unserer Polizei die Sicherheit der Kinder gewährleistet sein. Schon jetzt bedanken wir uns, auch im Namen der ausführenden Firmen, für das Verständnis der Anrainer der Baustelle, aber auch bei den Anwohnern der Umleitungsstrecken. Wie bereits in der Wolfurt-Information (Ausgabe Frühling 2010) angekündigt, wurden die im Projekt Hofsteig-Ader vorgesehenen Randstreifen längs der L 3 aufgetragen. Auch wurden in diesem Zuge die starken Spurrillen in der Straße bearbeitet. Vor allem bei Regen soll so das Benutzen von Straße und Gehsteig für Fußgänger und Radfahrer wieder angenehmer und sicherer sein. Die beidseitig der Fahrbahn aufgebrachten gelben Randstreifen, bei Fußgängerübergängen soll ein roter Streifen aufmerksam machen, ist kein Fahrradstreifen. Er bewirkt die optische Einengung des Straßenraums und soll so zur Reduzierung der Geschwindigkeit führen. Höhere Verkehrssicherheit für Fußgänger, Radfahrer und den motorisierten Verkehr soll damit erreicht werden. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur 24 Umwelt Neuer plan-b Radpark macht Fahrrad-Parken bei Veranstaltungen leicht Die plan-b Gemeinden bieten ab sofort einen besonderen Service an: Der neue plan-b Radpark enthält klappbare Module mit Abstellbügeln für bis zu 240 Räder, ein Leitsystem mit Marketingelementen und steht leihweise für kleine und große Veranstaltungen in der Region zur Verfügung. Veranstalter können damit ihren Gästen auf einfache und kostengünstige Weise praktische und komfortable Abstellanlagen bieten. Produziert hat die Abstellmodule die Wolfurter Firma INTEGRA, über die auch der Verleih läuft. Bereits bestens bewährt hat sich der plan-b Radpark bereits beim Berufsfahrer Frühschoppen und beim Tag der offenen Tür in der Volksschule Mähdle. > Mobile Abstellanlage für bis zu 240 Fahrräder inklusive Leitsystem und Werbeelemente > Im ersten Jahr lediglich Transport- und Betreuungskosten, falls Veranstalter diese Aufgaben nicht selbst übernimmt. > Kaution: 200,-- Euro, wird bei schadenfreier Rückgabe zur Gänze rückerstattet > Aktuelle Informationen und Termine: www.mobilplanb.at > Zu buchen über INTEGRA: Ansprechpartner: Harald Thaler, Tel.: 05574 54254-50 oder E-Mail: harald.thaler@integra.or.at Nähere Informationen erhalten Sie gerne bei der Marktgemeinde Wolfurt, Burkhard Hinteregger (Tel.: 05574 6840-17 oder E-Mail: burkhard.hinteregger@wolfurt.at). Robert Hasler, Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Asbeststaubbelastung - Hilfe für Betroffene Individuelle Beratung und Nachsorgeuntersuchungen in Ihrer Nähe! Der nachweislich krebsfördernde Baustoff Asbest wurde bereits in den 90er- Jahren in Österreich verboten. Dennoch sind heute viele Menschen – Experten sprechen von etwa 100.000 Betroffenen - durch die frühere berufliche Asbeststaubbelastung krankheitsgefährdet. Auch Jahrzehnte nach dem Kon


Wolfurt 2010 01 Frühling
Don, 10. März 2011 |



Wolfurt 2008 04 Winter
Don, 10. März 2011 |



Heimat Wolfurt Heft 25 2001 November
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 25 2001 Zeitschrift des Heimatkundekreises November Bild 1: Markterhebung 1982. Bei einem großen Jubelfest zeigt Bürgermeister Waibel die ihm von Landeshauptmann Keßler überreichte Urkunde. Inhalt: 125. Vorsteher und Bürgermeister (4) 126. Gemeindewahlen 127. Die Roten 128. Mord und Totschlag 129. Blaues Buch 2000 Bildnachweis: Johann Greißing Bild 2 Siegfried Heim Bilder 21, 22, 29, 30 u. 31 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Die Porträts der Bürgermeister und Ehrenbürger stammen von Graphiken und Ölbildern von Hubert Gasser im Kultursaal. Zuschriften und Ergänzungen In eigener Sache Nach mehr als einem Jahr - ich habe in dieser Zeit einen großen Teil der alten Akten in unserem Gemeinde-Archiv durchforscht und auch an anderen Projekten gearbeitet - kann ich heute das 25. Heft von Heimat Wolfurt vorlegen. Sein Hauptteil Vorsteher und Bürgermeister (4) soll ein Beitrag zur Dorfgeschichte des 20. Jahrhunderts sein. Als Ergänzung dazu steht der zweite Artikel Die Roten. Damit möchte ich die Rechte einer bei uns einst unterdrückten "Minderheit" wahren. Für beide gilt, daß sie nicht vollständig sein können, vor allem aber, daß das Zeitgeschehen verschiedenartige Wertungen zuläßt. Ich habe das Manuskript daher mit einigen Betroffenen und mit Zeitzeugen abgestimmt. Trotzdem wäre ich für jede Ergänzung und Korrektur sehr dankbar. Siegfried Heim Wolfurt und Wolford (Heft 24, S. 5) Dazu erreichte uns eine besonders interessante Zuschrift mit dem beigefügten Bild. Der Heimatkundler Dr. Johann Greißing in Hohenems, ein .besonderer Kenner von Hofrieden und Hofsteig, fand auf einem Schuldschein vom 17. Dezember 1819 den ältesten bekannten Abdruck eines Wolfurter Gemeindesiegels. Die Vorsteher hatten ihre Tätigkeit ja erst wenige Jahre zuvor im Jahre 1811 aufgenommen. Die Gemeinde führte also damals auf ihrem Siegel den k.k. Doppeladler der österreichischen Habsburger-Monarchie mit Reichsapfel und Schwert und dem rotweißroten Bindenschild. Die Adlerköpfe tragen aber nicht die Reichskrone, sondern den Herzogshut der Kronländer. Die Umschrift lautet "SIGILL DER GEMEIND WOLFURT": Eine seltsame Zusammenstellung! Vielleicht findet sich ein Fachmann, der uns ihren Sinn erklärt? Auf alle Fälle handelt es sich aber um eine frühe Besiegelung der noch heute gültigen Schreibart Wolfurt. Bild 2: Ältestes Wolfurter Gemeindesiegel von 1819 Bitte! Diesem Heft 25 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Die Gebarung und die Belege des Heimatkundekreises wurden am 26. Jänner 2001 von Seiten der Gemeinde Wolfurt durch Gerald Klocker überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H, A-6922 Wolfurt 3 Die Haltmayer (Heft 24, S. 13) Zuerst eine Berichtigung zu S. 19: Der Gerbergeselle aus Hergensweiler hieß nicht Josef, sondern Johann Georg Heim. Josef war sein Sohn, der 1891 aus Hanso Hus im Kirchdorf in das Küfer-Haltmayer-Haus in der Bütze einheiratete. Seine Nachkommen haben sich im Frühling 2001 im Kultursaal getroffen und mit Hilfe von Lichtbildern und einem Stammbaum ihre Vorfahren studiert. Zu S. 19 unten: Gemeldet haben sich auch mehrere Nachkommen des 1890 erstochenen Engelwirts August Haltmayer: Ernst Haltmayer, der Gründer der Firma Aerosol in Lauterach, und sein Vetter Alfons Haltmeier, leitender Spezialist für Flug-Radar in Dübendorf in der Schweiz. Zu mehreren Treffen brachten sie Bilder und Unterlagen von ihren Familien und auch Zeitungsberichte vom Tod ihres Großvaters mit. Auszüge daraus finden Sie im Beitrag Mord und Totschlag in diesem Heft. Vorsteher und Bürgermeister (3), (Heft 24, S. 27) Zu S. 27, Vorsteher Joh. Martin Schertler (IL): Der Beitrag hat den Weg zu weiteren Verwandten geöffnet. Zweimal besuchte mich aus der Schweiz Siegfried Schertler jun., ein Enkel des 14. Vorstehers und ein Bruder unseres Roman Schertler von der Lorenz-Schertler-Straße. Siegfried Schertler, geboren 1926 in Hard, hat nach dem Besuch der HTL Bregenz in verschiedenen Betrieben technische Erfahrung gesammelt. Im Jahre 1964 begründete er ganz allein in einem Kellerraum in Flawil eine Firma, die sich auf die Erzeugung von Vakuum-Ventilen spezialisierte. Daraus baute er in wenigen Jahrzehnten die VAT in Haag im Schweizer Rheintal auf, das weltweit führende Unternehmen für Vakuum-Dicht-Technik. Mit rund 500 Mitarbeitern und mit Tochterfirmen in Deutschland, Frankreich, England, Japan und USA erreicht VAT heute einen Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar und ist zum größten Steuerzahler des Kantons St. Gallen geworden. Die Firma leitet als geschäftsführender Präsident Dr. Richard Fischer aus Rankweil, ein Urenkel unseres 13. Vorstehers Joh. Georg Fischer und damit ein Vetter des Firmengründers Siegfried Schertler. Wolfurter Blut, das sich jenseits des Rheins bewährt! Ein weiterer Schertler-Nachkomme kam zu Pfingsten 2001 mit seiner Familie aus Amerika zu Besuch nach Wolfurt. Frank Schertler (der Dritte) ist ein Urenkel des 1923 nach den USA ausgewanderten Frank Schertler (des Ersten), der in Amerika die Wolfurterin Anna Heitz geheiratet hat. Ein Bild von dem Auswanderer findet sich in Wolfurt in alten Bildern auf Seite 148. Der Urgroßvater (Franz) Josef Schertler (18641898) war der älteste Sohn des 14. Vorstehers. Er war Gemeindeschreiber und zuletzt auch Konsumverwalter im neu gebauten Konsum Rickenbach. Mit der Gründung einer zweiten Blasmusik brachte er argen Streit in die Gemeinde (Heft 24, S. 31). Nun hat der Ururenkel wieder Kontakte zu vielen Verwandten geknüpft und auch Altvorstehers Haus an der Kirchstraße eingehend besichtigt. Zu S. 32, elektrisches Licht: Für einen Jubiläumsband "700 Jahre VKW hat der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner auch in unserem Gemeindearchiv geforscht. In der Chronik "Schneider 3 " fand sich ein lange gesuchtes Datum: "1886 im Septr. den 29. bekamen wir Elektrisches Licht in der Fabrik". Wir dürfen uns alle auf das noch heuer erscheinende Buch freuen, in dem auch die Wolfurter Gunz-Loacker-Geschichte ihren Platz findet. Zu S. 35 unten: Fehlerberichtigung! Der neue Schreiber hieß nicht Otto, sondern Josef Böhler, Jg. 1883. Ihm gehörte das alte Doktor-Rohner-Haus am Sternenplatz, das 1949 abgebrannt ist. Dort wohnte sein jüngerer Bruder Otto Böhler, Jg. 1885. Mehreren Lesern ist der Fehler aufgefallen, zuerst Anni Höfle-Germann in Lauterach, die in ihrer Kindheit auch dort gewohnt hat. Ahnenforschung Immer neue Briefe und Mails treffen aus Amerika ein, wo die ersten Forscher ihre Stammbäume den Computern übergeben und damit andere Nachkommen der Wolfurter Auswanderer neugierig gemacht haben. Neu schreibt Jill Bennet aus Rice Lake, WI. Ihr Ahn Johannes Schwerzler wanderte 1852 aus dem Eulentobel nach Cottonwood in Minnesota aus. Er war ein Enkel jener Elisabeth Fischer-Schwerzler (Lisol), die dem Haus im Eulentobel schon um 1770 den Hausnamen Lislos gegeben hat. Seine Verwandten waren also die Lisolar-Gmeiner und die Zimborar- und Naiolar-Schwerzler. (Heft 16) Aus Bergisch-Gladbach im Rheinland hat Frau Dr. Roswitha Flatz eine große Stammtafel ihrer Flatz-Familie geschickt. Es handelt sich um nahe Verwandte unseres berühmten Wolfurter Malers, die als Ärzte, Professoren, Künstler, Ingenieure und BankDirektoren den Namen Flatz aus Buch und Wolfurt nach Salzburg, Mondsee, Wien, Preßburg und schließlich ins Rheinland und nach Amerika getragen haben. Frau Roswitha bedankte sich für unsere Aufstellung (Heft 20, S. 46) und will weiter forschen. 4 5 Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (4) In den Heften 20,22 und 24 habe ich in drei Kapiteln über jene Vorsteher erzählt, die vor hundert und mehr Jahren Verantwortung für die Menschen in unserer Gemeinde getragen haben, für deren Arbeit und für das Zusammenleben. Das vierte Kapitel greift nun in unsere Zeit herein. Da gilt es, von Bürgermeistern zu berichten, die wir persönlich gekannt haben. Einige leben noch unter uns. Die folgenden Berichte sind ein Versuch, das wichtigste aus ihrer Amtszeit zu beschreiben. Vieles davon könnten die Leser aber wohl aus eigener Erinnerung noch wesentlich ergänzen. 18/1 Ludwig Hinteregger 1924-1938 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Die Wolfurter Hinteregger stammen vom Pfänder. Gebhard Hinteregger, der 1844 nach Wolfurt kam, war 1811 als Sohn des Adlerwirts in Bildstein geboren worden. Zehn Jahre lang besaß er die alte Schmiede an der Berggasse, wo seine Kinder zur Welt kamen. Dann konnte er 1854 das große Haus auf dem Bühel (Oberfeldgasse 2) kaufen, das seither das Stammhaus der vielen Wolfurter Hinteregger-Familien geworden ist. Hier wurde Ludwig 1892 geboren. Von seinen Brüdern wurde Josef Arzt in Satteins, Gebhard Instrumentenmacher im Strohdorf und Friedrich Bauer in Schwarzach. Ludwig arbeitete in seiner Jugend als Sticker, übernahm aber dann mit seinen Schwestern Lena und Maria die elterliche Landwirtschaft im Oberfeld. Schon früh zog es ihn zu den Vereinen. Er war ein begeisterter Chor-Sänger, spielte bei der Bürgermusik das Flügelhorn und gehörte 1910 im Arbeiterverein zu den Mitbegründern des Turnerbundes. Im Jahre 1913 rückte er zu den Kaiserjägern nach Südtirol ein und machte Dienst bei der Militärmusik. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, gehörte seine Einheit zu den ersten Truppenverbänden, die den Einmarsch der russischen Armee in Galizien aufhalten sollten. 1915 wurde er in die mörderichen Abwehrkämpfe gegen die Italiener in den Dolomiten geschickt. Für seinen Einsatz wurde er mit der Kleinen Silbernen und dann dreimal (!) mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Zugsführer befördert. Im Gebirgskrieg wurde er 1917 schwer verwundet. Den Zusammenbruch der Monarchie erlebte er im Lazarett. Nun holte man ihn 1919 in die Gemeindepolitik und wählte ihn unter Vorsteher Lorenz Schertler sofort zum Ersten Gemeinderat und damit zum Stellvertreter des Vorstehers. In den Jahren der Not sammelte er hier wertvolle Erfahrungen. 1924 wurde wieder gewählt. Aus dem Chaos bei den ersten "demokratischen" Wahlen von 1919 hatten die Wolfurter gelernt. Diesmal wurden rechtzeitig drei ParteiListen vorgelegt, die alle den Christlich-Sozialen nahe standen. Die Allgemeine Wähler- partei führte Gemeinderat Ludwig Hinteregger an, die Allgemeine Wählerschaft der ehemalige Vorsteher Ferdinand Köb und die Wirtschaftspartei der Schreinermeister Rudolf Fischer, Schnidarles. Eigentlich standen sich dabei nur die lokalen Interessen der Wolfurter und der Rickenbacher gegenüber. Die Sozial-Demokraten waren in Wolfurt noch gar nicht organisiert, während sie etwa in Hard, angeführt von ihrem Nationalrat Hermann Hermann, bereits zur mandatsstärksten Partei wurden. In Wolfurt gewann die Gruppe um Hinteregger 10 von den 18 Mandaten, die beiden anderen je 4. Sicher half Hinteregger dabei, daß er als Musikant, Sänger und Turner einen großen Rückhalt bei den Vereinen hatte. Die wirtschaftliche Lage war immer noch Bild 3: Ludwig Hinteregger als junger Kaiserjäger katastrophal und verschlechterte sich in den folgenden Jahren durch den Zusammenbruch wichtiger Banken noch mehr. Arbeitslosigkeit und Hunger führten zu einer Radikalisierung der politischen Parteien. Die Sozial-Demokraten stellten ihren bewaffneten Schutzbund auf, die Christlich-Sozialen ihre Heimatwehr. In Wien brannte 1927 der Justizpalast. Vorsteher Hinteregger sah seine Hauptaufgabe in der Schaffung von Arbeit. Zuerst wurde der Dorfbach aus seinem offenen Bett an der Kellhofstraße in eine Rohrleitung verlegt. Im Jahre 1929 wurde als ganz neue Straße die Verbindung von der Hub durch den Brühl nach Rickenbach gebaut. Die Gemeinde kaufte von der Familie Heim das uralte Hanso Hus am Dorfplatz zum Abbrach. Mit Wolfurter Arbeitslosen wurde an seiner Stelle 1930 das große Kriegerdenkmal erstellt. In einer von Schützenhauptmann Ludwig Köb gestifteten italienischen Blindgänger-Granate wurde die Urkunde hinterlegt. Ein Großprojekt sollte mehr Arbeit schaffen: Ausbau und Teerung der oberen Straße von der Ach bis Rickenbach. Dazu nahm die Gemeinde bei der Rheintalischen Kreditanstalt in der Schweiz einen Kredit von 100 000,- Schweizer Franken auf, damals eine unfaßbar große Summe! Im Sommer 1931 wurden damit die Straße ausgebaut, zwei Häuser abgebrochen, die Kurven gepflastert und etliche Gartenmauern erstellt. Kritisch wurde es, als die Schweizer Bank eine bessere Sicherstellung verlangte. Da halfen die Erben des 1930 plötzlich verstorbenen Gemeinderates Kreuzwirt Josef Haltmayer aus. Die Gemeindevertretung bedankte sich 1932 bei Vorsteher Hinteregger 7 6 Bild 4: Straßenbau 1931 an der Dorfkurve Bild 5: Teerung 1931 in Spetenlehen ausdrücklich für den großen Einsatz beim Bau "seiner" Straße. Es dürfte eine der allerersten asphaltierten Gemeindestraßen in ganz Vorarlberg gewesen sein! 1933 wurde dann auch noch die Rutzenbergstraße mit einer großen Schleife neu gebaut. Für eine neue Straße nach Buch hatte das Land 1930 eine Trasse an der Ach ausgearbeitet. Mit großem Nachdruck und einer Unterschriften-Sammlung verlangte die Gemeinde Wolfurt eine Variante über das Oberfeld zur Berg-Gasse und setzte sich mit Hilfe von einflußreichen Wolfurter Beamten durch. Ab 1932 begannen die Wolfurter zu bauen, die Bucher hatten schon ein Jahr früher am anderen Ende angefangen. Als die Bucherstraße mit ihren vier Tunnels 1935 eröffnet wurde, galt sie als Sehenswürdigkeit. Ab jetzt fanden 65 Maurer und Hilfsarbeiter Verdienst beim Ausmauern des Rickenbachs. Auch sonst hatte sich in der Gemeinde einiges verändert. Altvorsteher Köb war 1924 Sternenwirt geworden. Dort war seit 1871 die Post untergebracht gewesen. Jetzt verlegte die Gemeinde das Postamt ab 15. Jänner 1925 in das von ihr angekaufte SchertlerHaus bei der Schule, wo bald auch der Bauhof und eine große Brückenwaage Platz fanden. In den oberen Stock zogen 1928 zwei Haller "Kreuzschwestern" ein, die von hier aus ihre segensreiche Tätigkeit als Krankenschwestern aufnahmen. Gemeindearzt war seit 1924 Dr. Eugen Lecher. Dieser begründete noch im gleichen Jahr zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz im Rahmen der Feuerwehr eine Rettungsabteilung des Roten Kreuzes. Der Autoverkehr nahm zu. Konrad Bohle eröffnete beim Mohren die erste BenzinZapfstelle, August Rädler eine zweite beim Wälderhof. Am 30. September 1925 wurde die erste "Omnibus"-Linie nach Bregenz in Betrieb genommen. Die Fahrzeug-Zählung von 1933 erbrachte für Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 "Luxus"Autos (PKW) und 10 LKW. Im Jahre 1929 setzten die 111 werke die riesigen Masten ihrer Überlandleitung auf die 8 Wolfurter Bühel. Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr den hohen Schlauchturm beim Schulhaus. Der Vorsteher bekam in Adolf Fischer einen neuen Sekretär, der viele Jahre lang seine unentbehrliche Stütze wurde. 1931 wurde Karl Mohr neuer Schulleiter und 1933 Josef Kresser neuer Straßenmeister. Dieser arbeitete für einen Stundenlohn von 80 Groschen. (Ein Kilogramm Mehl kostete 45 Groschen!). Um dem parteipolitischen Streit auszuweichen, hatte Wolfurt im Jahre 1929 Mehrheitswahlen mit einer einzigen Liste durchgeführt. Ludwig Hinteregger erhielt 1044 von 1052 gültigen Stimmen, das sind sagenhafte 99,2 %. Am nächsten kam ihm noch der beliebte Konsumverwalter Johann Zwickle mit 954 Stimmen. Ein Kommentar in der Zeitung meinte: "... sich nicht erinnern, daß je in einer Periode so friedliche und einmütige Arbeit geleistet wurde".1 Im Jahre 1932 wurde Hinteregger auch in den Landtag gewählt. Als Vertreter der Landwirtschaft verblieb er dort bis zur Auflösung 1938. Inzwischen hatten sich die politischen Parteien völlig zerstritten. Das wirkte mit dem Verbot der Nationalsozialisten 1933 und der Sozialdemokraten 1934 bis in die Dörfer und in alle Vereine hinein. Die neue Verfassung von 1934 sah einen Ständestaat mit einer Einparteienregierung der "Vaterländischen Front" vor. Die gewählte Gemeindevertretung wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat ein "Gemeindetag", dessen Mitglieder über Vorschlag der örtlichen VF vom Landeshauptmann ernannt wurden. Der Vorsteher führte erst jetzt die Amtsbezeichnung "Bürgermeister" ein, wie es schon im Gesetz von 1919 bestimmt worden war. Erstmals trat der Gemeindetag mit 3 Gemeinderäten und nur 10 Mitgliedern am 9. August 1934 zusammen. Für Andersdenkende gab es jetzt keine politische Vertretung mehr. Eine ganze Serie von Sprengstoff-Attentaten im Lande sorgte für Aufregung. Bewaffnete Heimwehr-Leute patrouillierten nachts durch die Gemeinde. Der Druck aus dem nationalsozialistischen Deutschland nahm zu. Jetzt ließen sich auch junge 9 Bild 6: Heimatwehr 1936 als Chor-Schützen 19. Theodor Rohner 1938-1945 Geb. 28.10.1894, gest. 1.12.1964 Schlagartig wurde die Lähmung der vergangenen Jahre durch vordergründigen Jubel überdeckt, getragen vor allem von der Hoffnung auf Arbeit. Schon 1932 war in Wolfurteine Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden, 1933 auch eine Abteilung der SA. Nach dem Verbot der NSDAP waren 1933 acht Mitglieder des Kath. Arbeitervereins und 16 Turner aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden. Von den jungen Leuten, die sich nach Deutschland zur Legion absetzten, nennt Bürgermeister Hinteregger in seinem vorsichtigen Bericht vom 31. Okt. 19452 nur den als Heimatforscher bekannten Gebhard Anwander aus Rickenbach und den ausgezeichneten Schifahrer Josef Bragger aus dem Strohdorf, der spä- Bild 7: Bürgermeister Theodor Rohner ter im Krieg gefallen ist. Die wirkliche Anzahl war aber viel größer. Sofort bemächtigten sich die Nationalsozialisten der ganzen Gemeinde. Schon am 15. März wurden das Kartell und die meisten Vereine aufgelöst und das Vereinshaus beschlagnahmt. Die Vereine mußten Inventar und Barvermögen abliefern, einige versteckten aber doch ihre alten Fahnen. Eine gewaltige Propaganda-Flut setzte ein. Am 18. März stellte die Firma Loacker am Kirchplatz und beim Mohren in Rickenbach je einen Lautsprecher auf, eigens zum Empfang der "weltgeschichtlichen Rede des Führers". Zwar gab es seit 1934 einen Radiosender in Lauterach, aber nur ganz wenige Leute besaßen einen Empfänger. Jetzt kamen die billigen "Volksempfänger" auf den Markt, mit denen man nur den Reichssender Berlin empfangen konnte. Ausländische Sender abzuhören war ja bei schwersten Strafen verboten. Am 31. März wurde der alte Gemeindetag aufgelöst. Vorerst mußte Bürgermeister Hinteregger im Amt bleiben, doch stellte ihm der neue Bezirkshauptmann den NSOrtsgruppenleiter Theodor Rohner und die vier Beiräte Alfred Fischer, Anton Heim, Josef Rohner und Willi Köb zur Seite. Das Gemeindeamt wurde in allen politischpolizeilichen Angelegenheiten den Weisungen der in Bregenz amtierenden Gestapo unterstellt. Das Abstimmungsergebnis vom 10. April 1938 über den Anschluß lag in Wolfurt ähnlich wie bei den meisten Gemeinden im Land bei 98 Prozent und wurde mit einem 11 Wolfurter dort in die illegale "Österreichische Legion" einschreiben. Am 27. Mai 1936 wurde noch einmal ein neuer Gemeindetag installiert, diesmal bestehend aus dem Bürgermeister, einem Vertreter der Katholischen Kirche und 14 Gemeindevertretern. Aus nur 6 von der VF ausgesuchten Kandidaten hatte der Bauernstand 4 Vertreter "gewählt", ähnlich die Gewerbetreibenden ihre 6 Leute. Wahlberechtigt waren aber nur eingeschriebene Mitglieder der "Vaterländischen Front". Weil Industrie und Öffentlicher Dienst zu wenig "verläßliche" Kandidaten aufbieten konnten, verzichtete die VF hier auf Wahlen und legte selbst ihre 4 Männer fest. Von der Demokratie hatte man sich damit verabschiedet. Dafür rief der Gemeindetag im Dezember zur Spende von Geld, Lebensmitteln, Bekleidung und Heizmaterial für die "Minderbemittelten" auf. An die Ärmsten wurden Brot und im März auch einige Hundert Kilogramm "Bundeswurst" aus Inner-Österreich verteilt. Ihre Lage blieb aber trostlos. Seit 1931 lag die Jänner-Arbeitslosigkeit in der Gemeinde immer über 100, im Jahre 1936 sogar bei 140. Ungeheure Not bedrückte viele Familien. Das Gemeindeblatt war voll von Versteigerungs-Anzeigen. Angeboten wurden Häuser und Grundstücke, Nähmaschinen, Wolldecken und Fahrräder. Immer mehr Leute hörten auf die Versprechungen Adolf Hitlers, der seit 1933 in Deutschland regierte. Am 12. März 1938 rückten seine Truppen in Österreich ein. 10 riesigen Aufmarsch uniformierter Fackelträger gefeiert. Zu diesem Tag war erstmals "Großbeflaggung" angeordnet worden: Nur Hakenkreuzfahnen! Rot-weiß-rot "ist zu vermeiden!"3 Am 19. Mai ordnete der Landesschulrat an, daß alle Kinder ausnahmslos mit "Heil Hitler!" zu grüßen hätten, "und zwar mit voll nach vorne in Augenhöhe ausgestreckter Rechten". Jetzt mußte auch Bürgermeister Hinteregger seine Briefe mit "Heil Hitler!" unterzeichnen. In Vorarlberg war ein gewaltiges Programm zur Staubfreimachung von 244 km Straßen in Angriff genommen worden. Dazu gehörte u. a. die Straße von Wolfurt über Schwarzach nach Dornbirn. Ganz neu begann man in Hard mit dem Bau einer Umfahrungsstraße (die spätere Betonstraße) mit als sensationell empfundenen 9 m Breite. Im März 1937 waren in ganz Vorarlberg 300 Arbeiter beim Straßenbau beschäftigt gewesen, im Mai 1938 waren es 1370.4 Von solchen Zahlen und noch mehr von der neu eingeführten Kinderbeihilfe war die Bevölkerung ungemein beeindruckt. Ab 1. Juli 1938 übernahm der bisherige Ortsgruppenleiter Theodor Rohner selbst das Amt des Bürgermeisters. Sein Nachfolger als Ortsgruppenleiter wurde Emil Beck. Nach dem "Führerprinzip" war der Bürgermeister allein für die Gemeinde verantwortlich. Zwar wurden einige Leute als Beiräte benannt, doch waren Abstimmungen untersagt. Schulleiter Mohr wurde als ehemaliger Leiter der VF in den Lehrerstand zurückversetzt. Die drei hochverdienten Schulschwestern Sr. Sebastina, Sr. Gisela und Sr. Regina mußten die Schule verlassen. An die Stelle der Vereine traten NS-Formationen. Schon die 10jährigen wurden im "Jungvolk" und bei den "Jungmädels" erfaßt, die 14jährigen zu HJ ("Ha-Jott", Hitlerjugend) und BDM (Bund deutscher Mädel) überstellt. Die Erwachsenen wurden in vielerlei Gliederungen der "Partei" aufgenommen, in Wolfurt vor allem bei der SA (Sturmabteilung) und beim NSKK (Kraftfahrer-Korps), wo sich die Motorisierten trafen. Die Frauen der NSV (Volkswohlfahrt) richteten im Konsum eine Säuglings-Fürsorge und im Kleinen Saal des Vereinshauses den ersten Kindergarten ein. Regelmäßige Sammlungen für das WHW (Winterhilfswerk) mit teilweise sehr gefälligen Aufsteck-Abzeichen sollten die Not der Alten und Armen lindern. Alles, gar alles! in der Hand einer Partei. Dazu eine ganz neue Art von aggressiver Propaganda in den Partei-hörigen Zeitungen, im Rundfunk und vor allem in den Schulen. Dort war das Kreuz in den Klassen durch ein Hitlerbild und einen "markanten" Wochenspruch des Führers ersetzt worden. Die Bürgermusik blieb als "Schützenmusik" erhalten, weil man auf sie bei den vielen Aufmärschen nicht verzichten wollte. Sogar den Alt-Gemeinderat Franz Rohner, an dessen Haus die SA eine große Tafel "Hier wohnt ein Feind des deutschen Volkes " angebracht hatte, brauchte man als Kapellmeister. Und die beliebte Krankenschwester Sr. Epiphania erhielt vom Bürgermeister eine Anstellung als "Frl. Härle", verbunden allerdings mit dem strikten Vebot geistlicher Betätigung. Natürlich fiel auf, daß die Kirche unter schwerem Druck stand. An Feiertagen mußte auch vom Kirchturm die Hakenkreuzfahne wehen. Prozessionen wurden "aus Ver12 Bild 8: NS-KK. Die Wolfurter Kraftfahrer 1939 unter Alfred Fischer. kehrsgründen" ins Oberfeld verwiesen. Auch das Läuten mußte eingeschränkt werden "wegen Störung des Rundfunks". Ab 1. Jänner 1939 wurden die Standesämter eingeführt. Bürgermeister Rohner übernahm selbst dieses zusätzliche Amt. Standesamtliche Trauungen unter der Hakenkreuzfahne ohne nachfolgende kirchliche Hochzeit blieben aber die seltene Ausnahme, ebenso wie "germanische Namensgebung" für Neugeborene. Junge Ehepaare erhielten vom Bürgermeister Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf. Gelesen werden es wohl wenige haben! Eine ganze Anzahl von Wolfurtern trat aber aus der Kirche aus und nannte sich nun "gottgläubig". Die Pfarrämter bekamen eine riesige Aufgabe mit der Erstellung von Ahnenpässen als Arier-Nachweis aufgebürdet. Alt-Pfarrer Leopold Berchtold schrieb deshalb in einem großen Buch alle Familien aus den alten Tauf- und Trauungsbüchern heraus. Es ist heute bei der Familienforschung eine wertvolle Hilfe. Am 1. September 1939 begann der Krieg. Über seinen Verlauf und sein schreckliches Ende haben wir in dieser Zeitschrift in zwei Artikeln umfangreich berichtet.5 Hier wiederhole ich daher nur jene fürchterliche Zahl: Am Kriegerdenkmal mußten die Namen von 99 jungen Männern aufgeschrieben werden, die nicht mehr heimkehrten. In einem langen schmerzhaften Prozeß war der Jubel von 1938 untergegangen, nicht in allen Familien zur gleichen Zeit. Für die meisten war ja die NS-Propaganda die einzige Informationsquelle. Lange, allzu lange schauten viele weg, hörten nichts, wollten nichts hören, von der Verfolgung von Juden und Zigeunern, vom Sterben der Behinderten, von der Mißhandlung von Kriegsgefangenen, von der Unterdrückung von Menschen in den besetzten Ländern. Auch nicht von den Niederlagen in Rußland und von der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg. Jede unbedachte Bemerkung konnte das Leben kosten. So wurde die 60jährige Hausfrau Ottilia Köb, Schmieds, 1941 wegen "Beleidigung der Regierung" von der Gestapo zwei Wochen lang eingesperrt.6 Ihre Entlassung verdankte sie wohl nur dem 13 Umstand, daß ihre beiden Söhne an der Front standen. Aus einem ganz ähnlichen Grund wurde zwei Jahre später in Bregenz Frau Karoline Redler zum Tode verurteilt. Unter allerschärfster Beobachtung standen jene Familien, die man für Kommunisten hielt. Aus nichtigen Gründen wurden 1941 und 1942 etliche Wolfurter Jugendliche verhaftet und von der Gestapo mißhandelt. August Wachter und Martin Österle waren bei ihrer Verhaftung erst 16 Jahre alt. Wachter wurde aus der Haft zu einer StrafKompagnie an die Front überstellt und ist dort gefallen. Auch sein Vater war verhaftet worden. Wegen "Abhörens von Feindsendern" mußte auch noch der Familienvater Karl Zanetti die letzten Kriegsmonate im Gefängnis absitzen.7 Bei Kriegsende zwang am Morgen des 2. Mai 1945 eine große Gruppe Wolfurter Zivilisten, in der Mehrzahl Frauen und Mädchen, den Bürgermeister zu dem Versuch, die deutschen Truppen an der Ach von der Fortsetzung des Verteidigungkampfes abzuhalten. Bei seinem Eintreffen waren diese aber bereits abgezogen, der Einmarsch der Franzosen hatte begonnen. Noch am gleichen Tag wurde Ortgruppenleiter Beck von einem französischen Kommando verhaftet und mit dem Erschießen bedroht, . schließlich aber in das Anhaltelager Brederis eingeliefert. Bürgermeister Rohner blieb noch zwei Tage im Amt. Am 4. Mai 1945 übergab er in einem offiziellen Akt das Amt an seinen Vorgänger Ludwig Hinteregger. Auch Rohner wurde dann einige Zeit inhaftiert. 1946 mußte er bei der Entnazifizierung der Wolfurter "Partei"-Mitglieder als Auskunftsperson helfen. Theodor Rohner war 1894 in Lauterach als Sohn des Wilhelm Rohner und der Anna Maria Schwerzler geboren worden.. Die Mutter stammte aus dem Tobel in Wolfurt. Als die Familie Rohner mit ihren acht Kindern nach Wolfurt in das Haus C 5 an der Ach (heute Zementerei Rohner, Bützestraße 39) übersiedelte, benannte man sie nach der Mutter mit dem Hausnamen "Toblars". Früh verstarben beide Eltern. Die Waisenkinder mußten das Haus verkaufen. Außer Theodor, der als Sticker Arbeit suchte, blieb auch seine Schwester Klara, verehelichte Schwerzler, als Toblars Klara mit ihren Söhnen in Wolfurt. Theodor heiratete 1920 Rosina Böhler, eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Mit ihren zwei Kindern Bertram und Theodora wohnten sie in Miete im Haus D 293 (Villa Köb, Hofsteigstraße 54) in Rickenbach. Schon 1937, mitten in der Not der Arbeitslosigkeit, starb die Mutter. 1940, jetzt schon als Bürgermeister, ging Rohner eine zweite Ehe mit Katharina Bohle ein, einer Tochter des Rickenbacher Kaufmanns Konrad Bohle. Der Sohn Bertram betrieb nach dem Krieg eine Handlung in Landeck. Die Tochter Dora, verehelichte Zangerl, lebte mit ihrer Familie in Pians. Zu ihnen übersiedelte der Alt-Bürgermeister für seine letzten Lebensjahre. In Pians ist er am 1. Dezember 1964 gestorben. An seinem Begräbnis nahm auch eine offizielle Abordnung der Gemeinde Wolfurt teil. Dafür bedankten sich die Kinder mit einer Spende für die Totenkapelle in Wolfurt. 18/2 Ludwig Hnteregger 1945-1950 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Seit 4. Mai 1945 waren also der 1938 abgesetzte Bürgermeister Hinteregger und als sein Sekretär Adolf Fischer wieder im Amt. Während der NS-Zeit hatte Hinteregger neben seiner Landwirtschaft eine Anstellung im Büro der Firma Baustoffe-Rädler übernommen. 1945 war er auch noch zum Dienst beim "Volkssturm" im Südtirol verpflichtet worden. Als Bürgermeister wollte er nun den 1938 aufgelösten VF-Gemeindetag wieder einsetzen. Das scheiterte aber am Einspruch der französischen Behörden. Diese verlangten eine paritätische Vertretung der Links-Parteien. So mußte ein auf fünf Personen reduzierter provisorischer Ausschuß nominiert werden, bestehend aus Bürgermeister Hinteregger, den Bild 9: Bürgermeister Ludwig Hinteregger ehemaligen Gemeinderäten Alfons Gunz, Franz Rohner (Kapeller), Martin Höfle und dem zusätzlich bestimmten Bauarbeiter Karl Geiger, der den Kommunisten nahe stand. Die erste Sorge des Bürgermeisters galt der Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln, Heizmaterial und auch mit Wohnraum. Nur mit größtem Einsatz und gestützt auf seine Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg konnte er die Ablieferung von Schlachtvieh, Milch, Mais und Brennholz erreichen, viel zu wenig für die Not der ausgebombten Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet und die heimatlosen Familien aus Ost-Europa. Vielen konnte er einen Acker an der Ach oder im Ried zuweisen. Sogar auf dem Schulplatz wurden Mais und Kartoffeln angebaut. Die Gärtner Stöckli, Hans Schwerzler und Gebhard Mohr mußten große Mengen von Setzlingen produzieren. Einen besonderen Beitrag leistete auch die Familie Erwin Karg mit dem Anbau von Gemüse auf den steinigen Insel-Gründen. Feldwachen mußten nachts die Äcker schützen. Im August wurden alle "Reichsdeutschen" ausgewiesen. Mit ganz wenig Handgepäck wurden sie auf Lastautos an die Grenze transportiert, auch Frauen mit kleinen Kindern. Sogar der Wirt August Keckeisen, der den Gasthof "Sternen" schon seit 1931 besessen hatte, mußte gehen. Seine Gastwirtschaft wurde als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und für einige Flüchtlingsfamilien als Notquartier bestimmt.8 Am 25. November 1945 fanden Wahlen zum Landtag und zum Nationalrat statt. Die 15 14 ehemaligen "Partei"-Mitglieder blieben ausgeschlossen und viele Männer waren noch in der Kriegsgefangenschaft. So waren von den Wahlberechtigten mehr als zwei Drittel Frauen. Zum weit überwiegenden Teil wählten sie die neu gegründete ÖVP. Auf Grund des für die Kommunisten negativen Ergebnisses legte Karl Geiger sein Mandat zurück. An seiner Stelle machte die SPÖ den ehemaligen Wehrmachts-Offizier Armin Schertler namhaft. Dieser übernahm auch die Verwaltung des Sternens. Das folgende Jahr stand ganz im Zeichen der "Entnazifizierung". Nur schwer konnte die Wirtschaft angekurbelt werden. Politische Gutachten spielten bei Betriebsgenehmigungen und Wohnungsvergaben eine große Rolle. Ohne eigene Wahlen wurde 1947 per Gesetz bestimmt, daß die Landtagswahlergebnisse von 1945 jetzt auch für eine Gemeindevertretung Gültigkeit hätten. Das ergab in Wolfurt 10 Mandate für die ÖVP und 3 für die SPÖ. Einstimmig wählte diese "Provisorische" Gemeindevertretung am 16. April 1947 Ludwig Hinteregger zum Bürgermeister. Jetzt konnte dieser neue Aufgaben anpacken. Große Aufmerksamkeit widmete er den Vereinen, die bei der Umerziehung der im Nationalsozialismus aufgewachsenen Jugend mitwirken sollten. Die Gemeinde half bei der Renovierung des arg verwahrlosten Vereinshauses und unterstützte 1947 die Gründung des Fußballklubs. 1948 begannen die Vorarbeiten für ein Gemeinde-Wasserwerk. An der Ach wurde Grund für neue Siedlungen erschlossen und für 5 Schilling pro m2 verkauft. Eine Erweiterung des Schulhauses wurde geplant. Die Verhältnisse normalisierten sich. Geradezu symbolisch konnte im Jahre 1950 endlich der Maisacker auf dem Schulplatz wieder zu einem Sportplatz eingesät werden. Aus den bitteren Erfahrungen seiner ersten Amtszeit bemühte sich Ludwig Hinteregger sehr, den Frieden in der Gemeindestube zu sichern. In Land und Bund bekriegten sich die politischen Parteien schon wieder. Die Aufstellung einer Einheits-Liste für die Gemeinde-Wahlen 1950 gelang ihm aber nicht mehr. Er lehnte daher eine von vielen erhoffte Wiederwahl zum Bürgermeister ab, war aber bereit, noch einmal eine Periode lang als Gemeinderat zu dienen. Nach zwei Jahren mußte er sogar noch einmal das Amt des Ersten Gemeinderates und Vizebürgermeisters übernehmen und hatte als solcher entscheidenden Anteil bei der Lösung seiner letzten großen Aufgabe, des Wolfurter Wasserwerks. Erst dieses ermöglichte die Besiedlung der Bühel und der Felder. 1955 zog sich Hinteregger ganz aus der Gemeindevertretung zurück, der er 29 Jahre lang angehört hatte, davon 19 Jahre als Bürgermeister. Anläßlich seines 70. Geburtstages bedankte sich die Gemeinde für sein Wirken und überreichte ihm als Ehrengeschenk ein Bild vom Kriegerdenkmal. Bis ins hohe Alter arbeitete Hinteregger aber noch unermüdlich im Kirchenrat und im Krankenpflegeverein weiter mit und kümmerte sich um Kirchenfahnen und Schneeräumung und natürlich auch um seine Landwirtschaft. An seiner Seite stand, immer still und bescheiden im Hintergrund, seine Frau Rosa. Sie war eine Tochter des Lammwirts Gebhard Fischer und hatte ihrem Gatten sechs Kinder geschenkt. Eine besondere Freude war für beide, daß der Sohn August zum Priester geweiht und schließlich 16 Pfarrer in Bildstein wurde. Aber auch die zahlreichen Enkel scharten sie oft um sich. 1973 konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern. Bald danach ist Ludwig Hinteregger im Alter von fast 81 Jahren gestorben. Sein letzter Wunsch um eine schlichte Beerdigung ohne jede Grabrede wurde erfüllt. 20. Emil Geiger 1950-1952 Geb. 2.9.1923, lebt in Bregenz Die Gemeindewahlen von 1950 waren seit 1929 die ersten, die wieder nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt werden konnten. Eine Reihe von älteren Gemeindemandataren war abgetreten, junge Kriegsheimkehrer nahmen ihre Plätze ein. Viele ehemalige Angehörige der NSDAP durften jetzt wieder wählen, die meisten sammelten sich im VDU Bild 10: Bürgermeister Emil Geiger (Verband der Unabhängigen). In der Gemeinde Wolfurt bildeten sie mit anderen oppositionellen Wählern die Liste Unabhängige Wählerschaft und erreichten auf Anhieb 6 der nunmehr 21 Mandate. Die traditionelle Allgemeine Wählerliste, die mit dem abtretenden Bürgermeister Hinteregger der ÖVP nahe stand, erhielt 13 Mandate. Der SPÖ verblieb ein einziges Mandat, das der aus Lauterach ins Wolfurter Wida zugezogene langjährige Landtagsabgeordnete Josef Greußing ausübte. In der Konstituierenden Sitzung vom 11. Mai 1950 erhielt Emil Geiger, der junge Kandidat der Allgemeinen Wählerpartei, nur 12 von den 21 Stimmen. Die Unabhängigen hatten geschlossen für Hinteregger gestimmt. Emil Geiger gehörte einer alten Wolfurter Sippe an. Ihr Stammvater Sebastian Geiger hatte schon 1666 aus Alberschwende nach Wolfurt geheiratet. Nun lebte die Familie Adolf Geiger im Röhle und betrieb dort eine kleine Landwirtschaft. Die Mutter Theresia war eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Von den neun Kindern war Emil das älteste. Im Krieg war er 1943 in Tunesien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten. Nach langen Arbeitseinsätzen in den USA wurde er erst 1946 in die Heimat entlassen. Hier hatte er dann eine Stelle als Angestellter im Landesdienst gefunden. Eine Flut von Arbeit wartete nun auf den jungen Bürgermeister. Das Wasserwerk nahm konkrete Formen an. Die Arbeiten für das Pumpwerk im Schulhof, die Rohrleitungen und den Hochbehälter auf dem Bühel über der alten Bucherstraße wurden 17 vergeben. Schon im Juli 1951 ging das erste Teilstück des Werkes in Betrieb und versorgte 130 Häuser. Nun schloß die Gemeinde auch das alte Rickenbacher Netz an. Eine rege Bautätigkeit hatte eingesetzt. Die Siedlungen weiteten sich in die Felder hinab und auf die Bühel hinauf aus. Der Bürgermeister ließ ein neues Häuserverzeichnis erstellen. Das letzte (D) aus dem Jahre 1900 hatte die damals 290 Häuser fein säuberlich von der Höll an der Ach bis in den Schlatt an der Schwarzacher Grenze aufgereiht. Dazu waren aber in den 50 Jahren bis 1950 in der ganzen Gemeinde verstreut weitere 130 Hausnummern vergeben worden. Für Orts-Unkundige und oft auch für Einheimische waren sie meist nur mehr mit Hilfe der Parzellennamen zu finden. In der Gemeindekanzlei häuften sich weitere Ansuchen um Baugenehmigungen, Grundtrennungen und Zufahrtswege. Auch die Schule mußte saniert werden. Das dunkle hölzerne Stiegenhaus und vor allem die stinkenden alten Abortanlagen erregten berechtigte Kritik. In die Neuplanung wurde eine Vergrößerung der Kanzlei mit einbezogen. Ganz überraschend legte da Bürgermeister Geiger Ende April 1952 nach nur zweijähriger Amtsführung ein Rücktritts-Schreiben vor. Hauptgrund war seine Absicht, sich in Bregenz zu verehelichen und dort wieder in den Landesdienst einzutreten. Er berücksichtigte aber wohl auch, daß sein Bruder August Geiger die ausgeschriebene Stelle als Gemeindesekretär im April 1952 angetreten hatte. So stellten sich keine Fragen der Befangenheit. Der junge Alt-Bürgermeister Emil Geiger hatte später mit seiner Frau Hedwig Schönherr in Bregenz sechs Kinder. Viele Jahre lang arbeitete er in leitender Stellung bei der Hypothekenbank. Mit Wolfurt blieb er immer eng verbunden. großes Stiegenhaus mit modernen WCAnlagen angebaut. Daneben konnten das Gemeindeamt erweitert und endlich ein schönes Sitzungszimmer für die Gemeindevertretung geschaffen werden. Einfache Dusch-Anlagen im Keller erlaubten den meisten Schülern einen ersten Kontakt mit neuzeitlicher Hygiene. Das übergroße Stiegenhaus sollte den Anbau neuer Klassen ermöglichen, denn obwohl die Schülerzahl noch bis zu einem Tiefststand von 269 im Jahre 1954 am Sinken war, erkannte der Bürgermeister aus den Geburtenzahlen, daß sich das bald ändern würde. Im Jahre 1954 erhielt die Schule in Josef Heinzle einen neuen Leiter. An den Gemeindegrenzen hatte Bürgermeister Gunz Tafeln aufstellen lassen, die die Einwohnerzahl von Wolfurt mit 2400 angaben. Offiziell waren es bei der VolksBild 11: Bürgermeister Alfons Gunz 21. Alfons Gunz 1952-1957 Geb. 14.7.1899, gest. 19.6.1969 Schon seit 1929 hatte der Rickenbacher Mühlenbesitzer der Gemeindevertretung angehört. 1931 war er als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Kreuzwirts und als Vertreter für Rickenbach zum Gemeinderat gewählt worden. Seither hatte er diese Funktion mit Ausnahme der sieben Jahre Nationalsozialismus ununterbrochen ausgeübt. Vom Ersten Gemeinderat rückte er nun nach dem Rücktritt des Vorgängers zum Bürgermeister auf und wurde als solcher bei der Neuwahl im August 1952 einstimmig bestätigt. Die Familie Gunz stammt aus Bildstein-Staudach. Von dort war Josef Gunz 1853 nach Rickenbach gekommen und hatte im Tobel einen neuen Müllerbetrieb angefangen. Von seinen tüchtigen Söhnen hatte Plazidus Gunz eine große Mühlen-Filiale in Bludenz aufgebaut. Dessen Sohn Alfons war aus Bludenz nach Wolfurt zurückgekehrt und hatte hier die Leitung des Stamm-Werkes übernommen. Die Wolfurter GunzMühle ist später im Jahre 1978 abgebrannt. Mit seinem unternehmerischen Denken versuchte der neue Bürgermeister, in dem konservativen Wolfurt einiges zu verändern. Zuerst wurde an das alte Schulhaus ein zählung 1952 bereits 2455 gewesen. Der Ausbau des Wasserwerks wurde mit Nachdruck fortgesetzt. Am 12. Juli 1953 konnte es eingeweiht und mit einem großen Volksfest eröffnet werden. Die Gemeinde übernahm jetzt auch die beiden alten Brunnen im Dorf in ihre Obhut. Die beiden Brunnen in Strohdorf und Hub wurden weiter von den dortigen Brunnen-Genossenschaften betreut. Überall wuchsen neue Einfamilienhäuser aus dem Boden, oft von den zukünftigen Bewohnern in harter Arbeit am Feierabend und an Samstagen eigenhändig gebaut. 1952 vergab der Bürgermeister die letzte D-Hausnummer 446 ganz oben beim Hochbehälter. Die 32 Häuser des Jahres 1953 bekamen vorerst keine Nummern mehr. Zum 1. Jänner 1954 stellte die Gemeinde auf Straßenbezeichnungen um. Viele alte Flurnamen blieben darin erhalten, andere gerieten seither in Vergessenheit. Zu den ganz neuen Problemen zählten jetzt Kanalisierung und Müll-Abfuhr. 1956 wurde der erste große Kanal durch die Bützestraße und die Lauteracherstraße zu einem mit Lauterach geplanten Klärwerk im Ried gebaut. Anschließend wurden beide Straßen asphaltiert - als erste nach der "oberen" Straße von 1931! Gar nicht leicht waren die Wolfurter zur Einführung von Müllkübeln zu bewegen. Ab 1957 begann die Gemeinde aber doch, die großen Tümpel im Flotzbacher Lehmloch mit Haushaltsmüll aufzufüllen. Mit Dr. Lothar Schneider kam 1956 ein neuer Gemeindearzt nach Wolfurt. Vom großen bisherigen Sanitätssprengel Wolfurt waren Schwarzach und Bildstein abgetrennt 19 18 Bild 12: Erster Kanal 1955 in der Bütze tödlich. In der schwierigen Situation kam die Idee auf, den nicht der Gemeindevertretung angehörenden pensionierten Postmeister Julius Amann zum Bürgermeister zu wählen. Es bedurfte vieler Vorsprachen, bis das Land seine Genehmigung für dessen vorerst nur provisorische Amtsführung gab. Inzwischen leitete der zurückgetretene Bürgermeister Gunz noch die meisten Sitzungen, darunter auch die FestSitzung vom 18. Jänner 1957, in welcher Prof. Dr. Lorenz Böhler zum Ehrenbürger ernannt wurde. Am 1. März 1957 wurde dann Amann gewählt. Gunz verblieb als einfacher Gemeindevertreter bis 1960 und als Ersatzmann sogar noch bis 1965. Jetzt widmete er sich ganz seiner Familie und seiner Firma Mühle-Gunz. Von seinen drei Kindern arbeitete die Tochter Gertrud später ebenfalls viele Jahre in der Gemeindevertretung mit. 22. Julius Amann 1957-1960 Bild 13: Sanierte Schule und Spritzenturm 1958 Geb. 22.7.1888, gest. 9.5.1971 Auf ungewöhnliche Art hatte also der allseits sehr beliebte Postmeister Amann, der schon bisher Standesbeamter gewesen war, noch im Alter von 69 Jahren die Bürde des Bürgermeisteramtes auf sich genommen. Amann stammte aus Rankweil und war nach vielen Dienstjahren bei der Post in Hohenweiler 1925 nach Wolfurt gekommen, weil dem Postmeister hier in der "Post" eine Wohnung für seine große Familie zur Verfügung stand. Das Haus gehörte der Gemeinde. Amanns bewohnten den ersten Stock über dem ebenerdigen Postamt. Den zweiten Stock hatten die Krankenschwestern für sich. Zur Familie Amann zählten neben Vater Julius und Mutter Hedwig, geborene Feurle aus Krumbach, neun jetzt schon erwachsene Kinder, eine Tochter und acht Söhne. Von den Söhnen waren Karl und Erich im Krieg gefallen. Die meisten anderen hatten Wolfurt verlassen. Die Tochter Erna hatte mit dem Nachbarn Edelbert Köb eine Familie in Bludenz gegründet. Ihr Sohn Edelbert ist später Mitbegründer und erster Leiter des Kunsthauses Bregenz geworden. In seiner Freizeit war Amann Schütze und Jäger. Viele ehemalige Schüler erinnern sich noch an die großen Käfige hinter dem Bild 14: Bürgermeister Julius Amann 21 worden. In die Volksschule schulten über 50 Erstkläßler ein. Ab jetzt mußten Parallelklassen geführt werden. Bei den GV-Wahlen von 1955 hatte die ÖVP zum ersten Mal unter diesem Namen kandidiert und 15 von den jetzt 24 Mandaten erhalten. Die Unabhängigen bekamen 6, die SPÖ 3 Mandate. Eines dieser drei besetzte als erste Frau in der Wolfurter Gemeindestube Anna Fischer (Stöoglars). Innerhalb der ÖVP hatten die Wähler stark umgereiht Die "alten" waren zurückgefallen, junge "Studierte" machten ihnen die Plätze streitig. Trotzdem war Alfons Gunz noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden. In der Folgezeit kam es aber zu vielen Reibereien innerhalb seiner Fraktion. Am 1. Oktober 1956 legte Gunz deshalb sein Amt nieder. Der junge Erste Gemeinderat Dr. Georg Herburger sollte sein Nachfolger werden. Am gleichen Tage verunglückte dieser aber auf der Heimfahrt aus Deutschland zur entscheidenden Sitzung 20 Rankweil. Nach dem Tod seiner Frau Hedwig betreute ihn Frau Paulina Gorbach aus Wolfurt noch viele Jahre lang. In seinem Geburtsort Rankweil ist Julius Amann 1971 gestorben und unter großer Anteilnahme der Wolfurter Bevölkerung begraben worden. 23. Hubert Waibel 1960-1985 Geb. 6.11.1922, wohnt in Wolfurt-Kella Die Vorbereitung der GV-Wahlen von 1960 führte zunächst zu Auseinandersetzungen innerhalb der Wolfurter ÖVP Man suchte einen jungen dynamischen Spitzenkandidaten und stieß dabei auf den 38jährigen Hubert Waibel. Dieser stellte sich der ÖVP als Quereinsteiger zur Verfügung und errang mit ihr auf Anhieb 16 der 24 GV-Mandate. Als Vizebürgermeister stand Hubert Mohr an seiner Seite. Die beiden ersten Ehrenbürger: Bild 15: Pfarrer Joh. Gg. Sieber 1901 Bild 17: Bürgermeister Hubert Waibel Bild 16: Prof. Dr. Lorenz Böhler 1957 Garten der Post, wo er gefangene Marder hielt. Nun tauschte er also das freie Jägerleben im Interesse der Dorfgemeinschaft gegen ein zermürbendes Kanzlei-Dasein ein. Am meisten beschäftigten ihn die vielen Bauverhandlungen für immer noch mehr Einfamilienhäuser. Um 35 Prozent stieg die Bevölkerung in diesem Jahrzehnt auf 3391 im Jahre 1961. Jetzt zwangen die vielen Schulkinder im Jahre 1958 die Gemeinde zum Anbau von vier Klassen an das neue Stiegenhaus. Am 3. Mai 1959 wurde die "Heimkehrer-Siedlung" im Neudorf eingeweiht. Im Juni 1957 hatte Bürgermeister Amann an Dr. Böhler die Ehrenbürger-Urkunde überreicht. Böhler war nach Pfarrer Sieber im Jahre 1901 erst der zweite Wolfurter Ehrenbürger. Der weltberühmte Unfall-Chirurg hat später für die Wolfurter Schüler den begehrten Böhler-Preis gestiftet. Im September 1957 kam Gebhard Willi, der bisherige Kaplan von Egg, vorerst als Pfarr-Provisor nach Wolfurt. Eineinhalb Jahre leitete Amann seine Gemeinde "provisorisch". Ein eigens vom Landtag beschlossenens Gesetz ermöglichte am 21. September 1958 eine Volksabstimmung über ihn. Von 91 Prozent der Wähler erhielt er Zustimmung. Damit war er der erste und einzige Volkswahl-Bürgermeister in Vorarlberg geworden. Amann dürfte erleichtert gewesen sein, als er bei den Wahlen von 1960 sein Amt wieder zurücklegen konnte. Bald danach übersiedelte er in sein Elternhaus nach 22 Beide sahen in einer völligen Umstrukturierung der Gemeinde ihre wichtigste Aufgabe. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft und der Erschließung der dadurch frei gewordenen Baugründe war Wolfurt eine finanzschwache Zuzugs- und Wohn-Gemeinde geworden. Schon konnte die Schule die Schulkinder nicht mehr fassen. Eine unglaubliche Geburtenrate von 31,6 auf Tausend (1960: 105 Geburten bei 3391 Einwohnern!) deutete auf eine kommende Bevölkerungs-Explosion hin.'' Daraus mußten gewaltige Ausgaben im Straßen-, Wasser-, Kanal-, Schul- und Siedlungsbau erwachsen. Das würde die Wolfurter Finanzen ganz sicher überfordern! Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Wolfurt pendelten in die Nachbargemeinden aus. Große Busse voll wurden täglich in die Dornbirner Fabriken geholt. Nur wenig vom SteuerErtrag der andernorts wachsenden Industrie floß in die Gemeindekasse. Schon in seinem ersten Jahr als Bürgermeister gelang es Hubert Waibel. mit Pawag und Roylon zwei große Firmen auf den Achwuhr-Gründen anzusiedeln. Damit leitete er, unterstützt von der Expansion der Rickenbacher Firma Doppelmayr, für Wolfurt den Weg zur Industrie-Gemeinde ein. 25 Jahre lang hat er mit der Ansiedlung weiterer Betriebe konsequent diese Richtung beibehalten. Die steigenden Steuer-Einnahmen machten Wolfurt zu einer finanzstarken Gemeinde und erlaubten schließlich große Investitionen für Gemeinde, Schulen und Vereine. Als "Architekt des modernen Wolfurt" hat später sein Nachfolger den Bürgermeister Hubert Waibel bezeichnet. 23 Neben der Ansiedlung von Betrieben mußten ständig Schulen gebaut werden. Zwei Jahrzehnte lang wurde dafür jeweils ein Drittel des Gemeinde-Budgets bereit gestellt: 1962 Hauptschule mit Turnhalle 1967 Volksschule Bütze mit Kindergarten 1971 neue Hauptschule mit zweiter Turnhalle 1976 Volksschule Mähdle mit Kindergarten 1984 Hofsteig-Sporthalle zur Hauptschule. Gegen großen Widerstand der Behörden hatte Wolfurt 1961 die Errichtung einer Hauptschule durchgesetzt. Unter Direktor Hans Vogl wurden hier bald auch die Schüler aus Buch, Bildstein und Schwarzach unterrichtet. Bei der Hauptschule wurde ab 1964 ein Kindergarten geführt, erstmals wieder seit der NS-Zeit. Ab 1965 baute hier Direktor Aldo Kremmel sogar eine Musikschule auf, die allererste in einer Vorarlberger Landgemeinde. Eine besonders wichtige Entscheidung war der 1964 erfolgte Ausbau der "unteren" Straße zur Hauptdurchzugsstraße. Mit dem Aushub wurde das früher als Müll-Deponie verwendete Vorland der Ach so saniert, daß später dort ein großer Kinderspielplatz und der Bauhof Platz fanden. Die Wahlen von 1965 bestätigten den neuen Kurs eindrucksvoll mit 19(!) von 24 Mandaten für die ÖVP. Für die neuen Strukturen war der Bau eines eigenen Gemeindehauses notwendig geworden. 1967 konnten das Rathaus und das angebaute Postamt bezogen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Totenkapelle eingeweiht, ein sichtbares Zeichen für die vielen inneren Veränderungen im Leben der Gemeinde.10 1972 folgte der Neubau eines großen Feuerwehrhauses. Alle die vielen Wolfurter Vereine konnten jetzt großzügig gefördert werden. Die Schützen bezogen 1975 ihren schönen Schießstand an der Ach, der Alpenverein 1980 seine "Alte Schmiede" im Holz. Turner, Ringer und Fußballklub erhielten neue Trainingsstätten. Als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde wurde das Vereinshaus mehrmals verbessert. An der Ach, an der Lerchenstraße, am Martinsweg, im Kessel, auf dem Rebberg und an der neuen Bildsteiner Straße entstanden große Siedlungen, zum Teil mit Wohnblocks und Hochhäusern. Die Gendarmerieposten von Kennelbach und Schwarzach wurden 1977 mit dem neu errichteten Posten Wolfurt vereinigt. 1979 konnte das Seniorenheim an der Lauteracher Straße eröffnet werden. Jahrhunderte lang hatte die Gemeinde mit wenigen Versorgungsplätzen im "Leprosenhaus" in Bregenz das Auslangen gefunden. Die Veränderung der Familienstruktur, die Abkehr von der bäuerlichen Großfamilie, machte die Betreuung der alten Menschen zu einer ständig wachsenden Aufgabe. Alle diese vielen Veränderungen wurden aber von zwei Jahrhundert-Problemen in den Schatten gestellt, von Güterbahnhof und Autobahn. Mehr als zehn Jahre lang beschäftigten sie den Bürgermeister und die Gemeindevertretung. Die unterschiedlichen Planungen rissen Klüfte vor allem gegenüber Bregenz 24 Bild 18: Der Güterbahnhof 1993. Gewaltige Gleisanlagen beanspruchen riesige Flächen und Hard auf, sie entzweiten aber auch die Gemeindebürger., Mit dem neuen Flächenwidmungsplan hätte eine "Dörfer-Straße" den Durchzugsverkehr von Schwarzach, Lauterach und Wolfurt aufnehmen sollen. Der lange Kampf gegen die Autobahn ging trotz Vorsprachen in Wien und Demonstrationen verloren. Jetzt mußte für ihr breites Band eine ganze Reihe von neuen Häusern abgebrochen werden. Immerhin hatte Wolfurt den Bau von Schutzdämmen und Verbindungsbrücken erreicht. Im Jahre 1980 wurde die Autobahn durch den Pfänder-Tunnel und durch Wolfurt in Betrieb genommen. Das Abgehen von einer Schweiz-nahen Trasse und der Verzicht auf die Dörferstraße hatten schwerwiegende Folgen. Bregenz und Hard und der internationale Verkehr rufen seither nach einer Transit-Autobahn in die Schweiz. Jn Wolfurt und in Lauterach sind viele Wohnungen an den Hauptstraßen verödet. Die Auslagerung des Bregenzer Güterbahnhofs brachte einen schmerzhaft großen Eingriff in das kostbare Wolfurter Ried mit sich. In zwölfjähriger Bauzeit wurde von 1970 bis 1982 mit ungeheurem Kostenaufwand der größte Güterbahnhof West-Österreichs errichtet. Die Eröffnung nahm 1982 Bundeskanzler Bruno Kreisky vor. Beim Güterbahnhof und seinen Container-Kranen siedelten sich u.a. das zentrale UmleitePostamt für Vorarlberg, ein Groß-Zollamt und zahlreiche Speditionen an. Das anschließende Gewerbegebiet stärkt mit zahlreichen Arbeitsplätzen die Wirtschaftskraft der Gemeinde. Die überregionale Bedeutung des Güterbahnhofs war ausschlaggebend dafür, daß Wolfurt über Antrag von Bürgermeister Waibel ab 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erklärt wurde. Bei den zahlreichen Festen und Ausstellungen zu diesem Anlaß gelang es dem Bürgermeister durch seinen persönlichen Einsatz, eine Kopie des von Legenden umwobenen "Wolfurter Kelchs" von 1365, der im Schweizer Staatsschatz 25 Bild 19: Markterhebung! Die Urkunde zum 1. Mai 1982 aufbewahrt wird, zu erwerben. Nachhaltig hat er damit das Geschichtsbewußtsein von Wolfurt beeinflußt. Auf kulturellem Gebiet dürfen der Neubau des Kultursaals und der Bücherei 1982 nicht vergessen werden. Auch der Bau des 1985 eröffneten Pfarrheimes war von der Gemeinde maßgeblich unterstützt worden. Unter Mitverantwortung von Gemeinderat Pompl wurde das Wasserwerk mit einem modernen Pumpwerk an der Wälderstraße und einem riesigen Hochbehälter im Frickenesch völlig erneuert und 1983 eingeweiht. Längst hatte die Kanalisierung zu einer gemeinsamen Groß-Abwasserreinigungsanlage mit Lauterach und Hard in Hard geführt, an welche sich später noch andere Gemeinden des unteren Rheintals anschlossen. Eine Krönung für des Bürgermeisters erfolgreiche Arbeit für die Sportvereine war die 1984 erfolgte Eröffnung der Hofsteig-Sporthalle, die seither bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen unserer Gemeinde viel Anerkennung eingetragen hat. Daß Hubert Waibel auch Rückhalt bei anderen Vereinen hatte, zeigen seine Obmannschaft bei Gesangsverein und Kneippverein. Bei der Feuerwehr wurde er Ehrenmitglied und von den Schützen erhielt er die Goldene Ehrennadel. Aber natürlich hatte der Bürgermeister bei seinen vielen Aktivitäten auch Kritiker, vor allem solche in der eigenen Partei. Manchen aus den konservativen Reihen ging das Wachstum zu schnell. 26 Sehr häufig wechselten die Vizebürgermeister, einige davon wurden durch Krankheit oder plötzlichen Tod abberufen. Weil die insgesamt sieben Vizebürgermeister an seiner Seite auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Gemeinde hatten, seien hier wenigstens ihre Namen festgehalten: Hubert Mohr ab 1960, Dr. Adolf Schwärzler ab 1962, Dr. Richard Hinteregger ab 1963, Otto Gratt ab 1970, Dr. Gerhard Hammer ab 1975, Heinrich Beuchert ab 1980 und Helmut Schertler 1983 bis 1990. Schon 1966 hatte die Gemeinde den neu geschaffenen Ehrenring an die beiden Krankenschwestern Sr. Epiphania (Härle) uns Sr. Theodora (König) verliehen. Beide hatten viele Jahre lang Kranke und Sterbende betreut. 1976 erhielt mit Hubert Mohr ein Gemeindemandatar mit vielerlei Verdiensten um die Dorfgemeinschaft den Ring. Schließlich wurde er 1983 auch an Pfarrer Gerbhard Willi für sein langjähriges Wirken in Wolfurt vergeben. Als Waibel 1985 seine fünfte Periode als Bürgermeister abschloß, hatte er dieses Amt 25 Jahre und damit weitaus am längsten innegehabt. Darüber hinaus hatte er von 1964 bis 1984 zwanzig Jahre lang erfolgreich im Landtag mitgewirkt, davon ab 1974 als Obmann des wichtigen Rechtsausschusses. Das Land zeichnete ihn mit dem Silbernen Ehrenzeichen aus. Ab 1970 war Waibel Vizepräsident und ab 1974 Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes. Der Verband erkannte seine Arbeit 1985 mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten an. Auch als Delegierter zum Österreichischen Gemeindebund in Wien hatte Waibel viele Jahre lang erfolgreich die Interessen der Gemeinden vertreten. Das würdigte der Gemeindebund 1986 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Kein Wolfurter hat je so hohe politische Funktionen ausgeübt, keiner mußte je solche Verantwortung in einer sprunghaft wachsenden Gemeinde tragen. Im Jahre 1960 hatte er ein Bauerndorf mit 3391 Einwohnern übernommen. In den zehn Jahren bis zur Volkszählung 1971 stieg die Zahl auf 5732. Das war mit unglaublichen 69(!) Prozent der allerhöchste Zuwachs in ganz Vorarlberg gewesen, der erst durch "Pillenknick" und "Ölschock" um 1970 deutlich abflachte. Im Jahre 1985 konnte der Bürgermeister an seinen Nachfolger eine blühende Marktgemeinde mit 6600 Einwohnern übergeben, dazu noch beachtliche finanzielle Rücklagen zur Lösung weiterer Aufgaben. Stets hatte der Sparmeister ja das Notwendige und das Nützliche im Auge gehabt, das "Angenehme" dagegen erst auf den dritten Platz gereiht. So waren zum Beispiel mustergültig mit modernsten Lehrmitteln ausgestattete Schulen entstanden, zum Eislaufen und ins Hallenbad führte man die Schüler dagegen in die benachbarten Städte. Für seine Verdienste ernannte die Gemeindevertretung Hubert Waibel zum Ehrenbürger der Marktgemeinde. Am 26. Oktober 1992 überreichte Bürgermeister Erwin Mohr dem "Architekten des modernen Wolfurt" die Urkunde. Zu hohen Ehren hatte es der Sohn aus einer einfachen Familie gebracht. Sein Vater Johann Waibel stammte aus Ebnit und war mit einigen Geschwistern nach dem Ersten Weltkrieg nach Wolfurt zugezogen. Hier hatte er Wilhelmine Müller, Seogars 27 aus Rickenbach, geheiratet. Sechs Kinder wurden ihnen geboren, von denen Hubert das älteste war. In der Not der Zwischenkriegszeit wuchsen sie in bescheidenen Verhältnissen in verschiedenen Mietwohnungen auf. Auf den Besuch der Handelsschule in Lustenau folgten für Hubert bald Kriegseinsatz und Gefangenschaft. Nach einer Anstellung im Büro der Stickereifirma Franz Mäser in Dornbirn übernahm er die Kaufmännische Leitung der Mohren-Brauerei. Von dort holte ihn die Gemeinde Wolfurt als Bürgermeister. Im Sommer 1954 hatte er Inge Jordan aus Dornbirn geheiratet und bald mit ihr sein Einfamilienhaus im Kella bezogen. Fünf Töchter sind dort aufgewachsen. Der rüstige Großvater lebt aber keineswegs im "Ruhestand". Als Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirats kümmert er sich um die Anliegen der alten Leute. Seine Fahrten nach Wien lassen sich jetzt aber auch manchmal mit Besuchen in Oper oder Theater verbinden. Dazwischen führt ihn sein lange Zeit unterdrücktes Fernweh auf KulturReisen in die weite Welt hinaus. 24. Erwin Mohr seit 1985 Geb. 25.6.1947 Die anhaltente Expansion der letzten Jahrzehnte hatte auch ihre Schattenseiten. Straßen- und Siedlungsbau hatten viel Boden gefordert, der Verkehr war zur Belastung geworden. Viele Bäche und Brunnen waren verschwunden. Waldsterben und Wasserverschmutzung schreckten die Menschen auf. An vielen Orten entstanden Bürgerbewegungen, die sich vor allem gegen neue Straßen und den Massenverkehr wehrten. Zur GV-Wahl von 1985 suchten die Verantwortlichen daher einen Kandidaten, der dieser Entwicklung Rechnung tragen sollte. Im 38jährigen Erwin Mohr fanden sie einen tatkräftigen Mann, dem sie das schwere Amt anvertrauen wollten. Wieder sollte ein Quereinsteiger die Gemeinde führen. Mit 19 von 27 Mandaten erhielt die stark verjüngte ÖVP in Wolfurt wieder ihre frühere Zweidrittel-Mehrheit. Die vom Gegenkandidaten Gemeinderat Pompl angeführte SPÖ errang mit 7 Sitzen ihr bisher bestes Ergebnis. Dagegen fiel die FPÖ auf ein einziges Mandat zurück. In den folgenden Jahren konnte Bürgermeister Mohr die Hoffnungen der Wolfurter Wähler so weit erfüllen, daß er mit seiner Partei 1990 sogar noch auf 20 Mandate zulegen konnte und auch später ähnlich hohe Ergebnisse erreichte. Erwin Mohr war als ältestes von sechs Kindern der Eheleute Siegfried Mohr und Elsa Klocker in Wolfurt-Hub aufgewachsen. Sowohl die Mohr als auch die Klocker sind alte Dornbirner Geschlechter, deren Nachkommen seit 1700 in Wolfurt seßhaft sind und sich hier in zahlreiche Linien aufgespaltet haben. Nach dem Besuch der Handelsschule in Bregenz trat der 16jährige Erwin in die "Erste Allgemeine VersicherangsA.G." in Bregenz ein und arbeitete dort 21 Jahre lang im Innen- und im Außendienst. Daneben leitete er zusammen mit seiner Mutter Elsa zehn Jahre lang die Aral-Tankstelle in Wolfurt-Schlatt. 1979 heiratete er Albine De Gasperi aus Dornbirn und be28 zog mit ihr wenige Jahre später das neu erbaute Einfamilienhaus an der Unterhubstraße. Dort wachsen jetzt die drei Söhne heran. Im Jahre 1985 übernahm Erwin Mohr also von Hubert Waibel das Bürgermeisteramt. Im gleichen Jahr ergaben sich in Wolfurt noch andere wichtige Wechsel. In der Pfarrei folgte nach 28 Jahren auf Pfarrer Gebhard Willi der bisherige Kaplan German Amann. Nach 29 Jahren verdienstvollen Wirkens überließ der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider die Ordination seinem Sohn Dr. Gerold Schneider. Schließlich übergab auch noch Dir. Hans Vogl die Leitung der Hauptschule, die er 24 Jahre lang innegehabt hatte, an Siegfried Heim. Ein Jahr später übernahm 1986 Dr. Sylv Schneider von August Geiger das Amt des Gemeindesekretärs, das dieser seit 1952 ausgeübt hatte. Bild 20: Bürgermeister Erwin Mohr Schon das erste Konzept des neuen Bürgermeisters ließ aufhorchen. Es enthielt neben der Fortsetzung des erfolgreichen bisherigen Kurses neue zusätzliche Ziele: "Grundreserven sparen", "Ortskern-Gestaltung", "Wander- und Radwege", "FreizeitBewältigung" und andere. Natürlich mußten weiterhin zahlreiche Häuser gebaut werden. Der neue Trend zur Klein- und Einpersonen-Familie erhöhte den Bedarf und ließ schließlich sogar weitere Groß-Siedlungen an der Unterlinden- und an der Fattstraße entstehen. Die Einwohnerzahl stieg aber nur mehr langsam auf 7326 im Jahre 1991 und auf 7864 im Jahre 2001 an. Jetzt war Wolfurt von der Nachbargemeinde Lauterach, die 1971 noch hinter Wolfurt gelegen war, um mehr als 800 Personen überholt worden. Auch der Zuzug von fremdsprachigen Gastarbeiter-Familien aus Jugoslawien und der Türkei hatte nachgelassen. Immerhin hatten sie eine Zeit lang mit fast 20 Prozent der Wohnbevölkerung den Schulen besondere Aufgaben gestellt. Zahlreiche neue Betriebe ließen sich nieder. Das Straßennetz wurde nur mehr behutsam erweitert, an manchen Stellen sogar zugunsten von Radfahrern und Fußgängern zurückgebaut. Mit hohem Einsatz bekämpfte Bürgermeister Mohr unermüdlich die drohende Auto-Transitstraße S 18 durch das Ried. Er diskutierte mit den GemeindeVerantwortlichen die Umwelt-Empfehlungen des "Club of Rome" und die Auswirkungen der Tschernobyl-Atomkatastrophe von 1986. 29 Bild21:Der Cubus. Der neue Festsaal von 1998 Bild 22: Der Dorfbrunnen von 1999 Im Informationsdienst der Gemeinde häuften sich jetzt Artikel über Einsparung von Rohstoffen und Energie, Müll-Trennung, Solar-Anlagen, Ozonloch, Waldwoche, Tag des Wassers und ähnliche Anliegen. Große Unterstützung fanden die Bemühungen der "3. Welf'-Gruppe. Sie führten


Heimat Wolfurt Heft 28 2004 Oktober
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 28 Zeitschrift des Heimatkundekreises Oktober 2004 Bild 1: Der neue Schießstand an der Ach im Jahre 1975 Sonderheft Schützen Weil unsere wertvollen Schützenscheiben und auch die Schützenfahnen nicht allen zugänglich sind, soll ein großer Teil davon in diesem Heft den interessierten Lesern gezeigt werden. Um eine bessere Vorstellung von den Bildern zu erhalten, verwenden wir zum ersten Mal Farbdruck. Bildnachweis Bilder 1, 2, 3 u. 5 Hubert Mohr 4 Engelbert Köb 36 bis 41 Karl Hinteregger Alle anderen stammen aus dem Schützenarchiv Wolfurt. Bitte! Diesem Sonderheft 28 liegt wieder ein Erlagschein bei. Zur Deckung unserer Auslagen bitten wir um eine Spende auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482). Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 27) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Siegfried Heim Wolfurter Schützengeschichte Ein „Schütze" war ursprünglich ein Jäger, der mit seinem Pfeil oder auch dem Speer seine Sippe mit Fleisch von erlegtem Wild versorgte. Seit dem Mittelalter wurden aber auch die Männer, die mit Bogen, Armbrust oder später mit einer Büchse bewaffnet das Land gegen eindringende Feinde verteidigen sollten, als Schützen bezeichnet. Noch bis 1918 wurden die Schützen-Vereine, deren Mitglieder ihre Treffsicherheit in friedlichen Wettkämpfen auf den Schießständen unter Beweis gestellt hatten, immer wieder auch als militärische Einheiten in die Kriege einberufen. Heute gilt der Schießsport als sinnvolle Freizeit-Beschäftigung und als friedlicher Wettbewerb, der die körperliche und geistige Ertüchtigung der Schützen zum Ziel hat. Außer den Sportschützen vom Schießstand und einigen Erinnerungen an den Militärdienst kennt man bei uns das Wort „Schützen" als Namen für ein altes Gasthaus. Es gibt auch noch ein paar Familien „Schützos ", die ihren Hausnamen in Erinnerung an einen Jäger in der Ahnenreihe tragen. Und vom Horoskop her wissen wir vom Sternbild Schütze und von seinem Symbol mit dem gespannten Bogen. Unsere Wolfurter Schützengilde gibt als Gründungsjahr ihres Vereins das Jahr 1838 an, also als Zweitältester Verein nach der Blasmusik von 1816. Das hat seine Berechtigung, denn in jenem Jahr wurde über kaiserlichen Auftrag im Dorf ein Schießstand eingerichtet. Hier wurden ab jetzt regelmäßig „Besf'-Schießen veranstaltet. Die Wurzeln des Schützenwesens reichen aber viel weiter zurück. Die Quellen berichten vor allem von Kriegen, aber auch von Festen, bei denen MusketenSchüsse und Böller-Krachen die Feier verschönerten. Die allerältesten Schießstände für Bogen- und Armbrustschützen sind schon um 1370 in Bregenz, Feldkirch und in Bludenz nachgewiesen. 1434 feierten die Feldkircher ein Schützenfest mit „internationaler" Beteiligung. Im Jahre 1498 vereinigten sich in Bregenz die Armbrustschützen mit den neumodischen Büchsenschützen zu einer kirchlich genehmigten Bruderschaft, bei welcher sogar Kaiser Maximilian Mitglied war.1 Kellhofer und Hofsfeiger Schützen Die erste Nachricht von den Hofsteiger Schützen haben wir aus dem Jahre 1525, als hundert Männer nach Bregenz zogen und die katholisch gebliebene Stadt vor dem Ansturm der reformierten Bauern retteten.2 Im Schmalkaldischen Krieg verteidigten die Hofsteiger Schützen das Land zusammen mit den Hofriedenern an der Bregenzer Klause. Weil Galli Küng zu den Evangelischen übergelaufen war, wurde er gefangen, gefoltert und schließlich von Pferden zerrissen.3 Erfreulicheres erfahren wir von den Wolfurt-Kellhofer Schützen in Diensten der Grafen von Hohenems. Dort führte Jakob Hannibal 1567 seine junge Frau Hortensia, die Schwester des später heilig gesprochenen Karl Borromäus, im Triumphzug aus Italien heim. Das Paar wurde mit Kanonen, Böllern, Glockengeläute und Festbeleuchtung großartig empfangen. Unter den 500 Bewaffneten standen auch die Kellhofer mit Musketen und Hellebarden. Als im Jahre 1603 die wehrfähigen Männer zur Erbhuldigung an Jakob Hannibals Sohn Graf Kaspar nach Hohenems befohlen wurden, reihten sich in die insgesamt 443 Schützen auch 77 aus Dornbirn und 55 aus dem Kellhof Wolfurt ein. Die letzteren wurden von Bastian Kelnhofer angeführt und trugen nur 13 Musketen, sonst Spieße, Hellebarden oder Schlachtschwerter. Die Männer schworen einen feierlichen Eid, sie wollten in Kriegszeiten für ihren Herrn und seine Festung Hohenems Leib, Gut und Blut einsetzen.4 Auch 1618, als der 30jährige Krieg begann, mußten die Kellhofer zur Musterung nach Hohenems. Sonst fand die Musterung der Schützen meist in der Standlaube am Fuß der Kirchenstiege in Wolfurt statt. Im Jahre 1621 wurde eine neue Wehrordnung für das Land beschlossen. Die Stände beharrten auf ihren alten Rechten. Weiterhin durften die Schützen nur zur Verteidigung des eigenen Landes aufgeboten werden und weiterhin sollte jeder sein Gewehr daheim aufbewahren. In andere Ländern wurden die Waffen ja damals in zentralen Zeughäusern gesammelt und gepflegt. Gar oft wurden die Hofsteiger und Kellhofer Schützen in den folgenden Jahrhunderten in Kriegseinsätzen an die Grenzen des Landes gerufen. Daß sie aber auch andere Funktionen hatten, beweist eine Notiz in der Fischer-Chronik von 1768. Die Schützen („Ausschutz ") von Wolfurt und Rickenbach nehmen „ von alters her.. mit under und yber gewehr" (mit Seiten- und Schulterwaffe) an der jährlichen Fronleichnams-Prozession teil. Nun wird ein „Krigsfahnen" angeschafft, eine Fahne, die die Aufmärsche der Schützen verschönern sollte.5 Große Not brachten die Franzosenkriege von 1796 bis 1814 über das Dorf. Die Hofsteiger Schützen standen damals unter der Führung von Joh. Jakob Schertler aus Unterlinden. Als das Land 1805 an die Bayern gefallen war, führten diese die allgemeine Wehrpflicht ein. Beim Aufstand von 1809 nahmen die Hofsteiger und Hofriedener Schützen jetzt auch außerhalb des Landes an Überfällen auf Lindau und Konstanz teil. 4 Im Juni 1809 führte Hauptmann Schertler „zu Roß" seine Hofsteiger Schützen mit 15 Offizieren und 369 „Gemeinen" nach Weiler im Allgäu. Dort wurde er vom Landeskommandanten Anton Schneider zum Major befördert und mit der Führung des ganzen Bataillons Bregenz betraut. Die 169 Wolfurter wurden jetzt von den beiden Leutnanten Josef Schwerzler und Joh. Georg Reiner befehligt. Der erste Sturm auf Kempten mißlang. Dabei starben Leutnant Reiner und der Schütze Anton Lenz „in acie campiduni", in der Kemptener Schlacht. Drei Wochen später versuchte Schertler einen zweiten Sturm. Das Gefecht vom 17. Juli bei Eglofs endete mit schweren Verlusten und einer panikartigen Flucht. Unter den Toten war auch Anton Geiger vom Bühel, der Fahnenträger. Die erste Wolfurter Schützenfahne dürfte damals, wenn sie nicht verbrannt wurde, als Kriegsbeute in ein bayerisches Museum gekommen sein. Jetzt mußten die Vorarlberger alle ihre Waffen samt dem Schießpulver nach Lindau abliefern. Im Gemeinde-Archiv ist noch eine Ablieferungsliste vom August 1809 erhalten geblieben: Gewehre 52 Stuck Stutzen 5 Stuck Säbel 3 Stuck Patron Taschen 7 Stuck auch einige Päckel Pulfer et bley. Schon ein paar Tage vorher waren 48 Gewehre abgeliefert worden. 13 Schützen gaben an, sie hätten ihre Waffen bei der Flucht von Eglofs verloren. Major Schertler mußte sich im Hauptquartier von General Beaumont in Lindau einfinden und seine Unterwerfung beschwören. Hundert Jahre später wurde der Name des allseits geschätzten Mannes am Anton-Schneider-Denkmal in Bregenz eingefügt. Seit 1977 erinnert auch eine Gedenktafel am neuen Wolfurter Schießstand an Jakob Schertler und seine Schützen von 1809. Daß wenigstens einige von diesen Schützen schon bald nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich wieder Gewehre und Pulver besaßen, erfahren wir aus dem Bericht über den Einzug eines neuen Pfarrers: „Pro 1814 den 4ten Jully ist .... der Hochwürdige Herr .... Aloys Graßmayer .... von Bregenz abgeholt worden mit gröster Solumetät, es wahren bey 20 Reiter, 5 Gutschen u. Wägen von der Zollbrügge hat Ihn auch der Ausschuß mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen abgeholt .... nach dem Gottesdienst.... mit wiederholtem böller geschüze und Salve der Musgeten zum Pfarrhof begleitet worden. " h Zu einem Freudenfest gehörten damals und noch lange danach einfach Böllerkrachen und Pulverdampfund natürlich auch Musik. Seit in Wolfurt im Jahre 1816, zwei Jahre nach dem Pfarrer-Einzug, eine Blasmusik gegründet worden war, marschierte diese bei unzähligen festlichen Anlässen gemeinsam mit den Schützen. So ist zum Beispiel aus dem Jahre 1824 eine Abrechnung des Gemeindekassiers erhalten geblieben. Schützen und Musik waren miteinander „zur Paradierung bei S. K. K. 5 Hocheit Prinzen von Österreich " ausgerückt. Erzherzog Franz Karl, der Vater des späteren Kaisers Franz Joseph, hatte in Bregenz eine Parade der Schützen abgenommen. Am anderen Tag kassierte der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde die Spesen von 44 Gulden ein. Auch die Musikanten erhielten 24 Gulden. Dem Kaiser ging es darum, die Wehrkraft seines Heeres durch gut ausgebildete Schützen zu stärken. Mit seinen Vorarlberger Schützen konnte er aber in diesen Jahren gar nicht zufrieden sein. Das geht aus einem umfangreichen Schriftverkehr des Guberniums in Innsbruck mit Kreishauptmann Ebner hervor. Ebner war auch für die Landesverteidigung verantwortlich und faßte die Berichte der sechs Vorarlberg er Landrichter zusammen: 1. Von den Bayern wurden 1809 alle Schußwaffen beschlagnahmt. Das Scheibenschießen war verboten. Die Bevölkerung ist verarmt. Nur wenige Schützen waren nach 1814 in der Lage, sich neue Gewehre zu besorgen. Daher sind auch viele Schießstände verfallen. 2. Der Anreiz zum Scheibenschießen fehlt, weil die landesfürstlichen Preisgelder nur mehr spärlich fließen. 3. Ein wesentliches Hindernis zur Wiederbelebung des Scheibenschießens ist das gültige Wehrstatut. Danach muß sich jeder Bürger und Bauer nach seiner Verehelichung oder bei Antritt eines Gewerbes in die Schützenmatrik einschreiben. Er ist verpflichtet, drei Jahre lang an den Schießübungen („KaisergabenSchießen") teilzunehmen. Anfänger sehen keine Möglichkeit, ein „Best" zu gewinnen, weil gute Schützen im Vorteil sind. Sie werden daher durch die hohen „Muß"-Einlagen abgeschreckt. Zur Beendigung dieser unbefriedigenden Zustände fordert Kreishauptmann Ebner daher: 1. Bau neuer Schießstände. Sie müssen so zentral gelegen sein, daß die Anmarschzeit höchstens drei Stunden beträgt. 2. Erhöhung der landesfürstlichen Gnadengaben. 3. Einführung einer neuen Schützenordnung, die zum Scheibenschießen ermuntert. Unter den Orten, wo Ebner schon im Jahre 1828 neue Schießstände fordert, ist Wolfurt. Hier sollen auch Bucher und Lauteracher Schützen unter Aufsicht eines „einsichtsvollen" Oberschützenmeisters ihre Übungen abhalten.7 Es dauerte noch volle zehn Jahre, bis die durch den Kirchenbau von 1833 verarmte und auch arg zerstrittene Gemeinde Wolfurt dem Auftrag des Kreishauptmanns folgte und dem Schützenwesen neuen Auftrieb gab. Schützen des Kaisers, Neubeginn 1838 Gemeindevorsteher war in jenen schwierigen Jahren der Rickenbacher Adlerwirt Leonhard Fink. Wolfurt besaß jetzt in 230 Häusern 236 Familien mit insgesamt 1311 Einwohnern. Fink hatte 1834 die Pfarrkirche gegen großen Widerstand provisorisch fertiggestellt. 1835 hatte er eine erste Feuerwehrspritze angeschafft. Nun plante er gemeinsam mit dem neuen Pfarrer Hiller die Errichtung einer Kaplanei und den Bau eines Kaplanhauses. Da blieb für den vom Kreisamt geforderten Schießstand nur wenig Geld. Treibende Kraft für das Schützenwesen dürfte der Ziegelfabrikant und langjährige Schützenhauptmann Andreas Klocker (1787-1844) gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef Anton besaß er eine große Ziegelei an der Ach. 1836 baute er an der Bützestraße ein neues Haus (Forstars, jetzt Nr. 18, Zimmerei Böhler). Klockers einziger Sohn Josef ließ sich 1845 als Glaser an der Hub nieder und begründete dort mit seinen zehn Kindern die Sippe der Glasar-Klocker. Ein Schießstand-Gebäude vermochten die Wolfurter vorerst nicht. Aus der von Schnidarles Hannes im Jahre 1899 gemalten Scheibe geht hervor, daß der Stand lediglich aus ein paar Pfählen und einer Latte bestand. Wenige Jahre vorher hatte der Rößlewirt für die Vergrößerung von Kirche und Friedhof ein gutes Stück von seinem Bühel abgetreten. Als man dann alle Bäume gefällt hatte, blieb unterhalb der Friedhofmauer gerade noch genug Platz für einen Garten und einen „Stand" für die Schützen. Für den Schreiber mußten ein Tisch und ein Stuhl auslangen. Die Scheiben standen auf der anderen Seite des Tobeis in Richtung Schloß. Von dort dürften schon damals Schützenbuben mit Zeichen die Treffer und die Fehlschüsse angezeigt haben. Kein Wunder, daß die dem Wolfurter Stand zugeteilten Schützen aus Lauterach nicht zufrieden waren! Schon nach einem Jahr suchte die Gemeinde Lauterach 1839 um einen eigenen Schießstand an. Sie fürchtete, „ daß die jungen Leute alle Sonn- und Feiertage ihr Geld verzehren, in Streit und Händel geraten und endlich bei Nacht auf den unsicheren Straßen mit den verschlagenen Köpfen nach Hause kämen ".8 Ab jetzt übten viele Lauteracher an verschiedenen Plätzen im eigenen Dorf. Einen richtigen Schießstand erhielten sie aber erst 1847. Den Wolfurtern mußte ihr einfacher Stand auf dem Rößle-Bühel vorerst genügen. Auch bei festlichen Anlässen rückten Schützen und Musik aus. Eine Gelegenheit dazu bot im September 1844 der neuerliche Besuch von Erzherzog Franz Karl in Bregenz. Diesmal hatte er seine ältesten drei Söhne mitgebracht, den 14jährigen Prinzen Franz Joseph, der schon vier Jahre später als Kaiser den Thron der DonauMonarchie besteigen sollte, den 12jährigen Prinzen Maximilian, der später als unglücklicher Kaiser von Mexiko erschossen wurde, und den 11jährigen Prinzen Karl Ludwig. Kreishauptmann Ebner notierte vom Schützen-Aufmarsch: 6 7 „Es waren Zuseher von allen Seiten herbeigeströmt. Namentlich waren nebst den Bregenzerschützen auch jene von Hörbranz, Hard, Lautrach und Wolfurt einmarschirt in großentheils absurden Kostümen Die türkischen Musiken derselben vollbrachten einen Höllenlerm, und endlich gaben sie Dechargen wovon mehrere dem regulären Militär zur Ehre gereicht haben würden!" 9 Bald danach übersiedelte der Wolfurter Schießstand vom Kirchenbühel nach Rickenbach. Der Engelwirt Josef Fischer hatte in den Adler hinaus geheiratet und wollte das gute Geschäft mit den Schützen dorthin mitnehmen. Die paar Latten konnte man ja überall schnell aufstellen. Schon 1846 richtete der Adlerwirt neben seinem Biergarteri direkt an der Landstraße nach Schwarzach einen Schuppen für die Schützen ein. Im Kataster von 1857 wird dieser Schuppen als „Schießhaus" bezeichnet. Auf der Fischer-Schützenscheibe sieht man die Begrenzungsmauer zur Dornbirnerstraße. Der Kugelfang stand nach einem Schreiben von 1848 am anderen Ende von Adlerwirts Wiese nahe am Rickenbach. Nach der Überlieferung soll auch im Kella geschossen worden sein. Dafür gibt es aber keine Belege. Der Rickenbacher Stand war ja auch nur 14 Jahre lang in Betrieb. Im Jahre 1845 hatte das Gubernium die neue kaiserliche Schießstandsordnung für Tirol und Vorarlberg verlautbart. In mehreren Schreiben wurden Bestellung, Bezug, Transport und Aufbewahrung von Schießpulver genau geregelt. Das Pulver mußte in Säckchen abgefüllt und diese in Fäßchen verschlossen werden. Transport in Postkutschen war verboten, vielmehr mußten die Fäßchen von „nüchternen Bothen" überbracht werden. Ein Zentner „rundkörniges Scheibenpulver" für die Stutzen kostete 41 Gulden, Sprengpulver für die Böller dagegen nur 29 Gulden.10 Eine ganz wichtige Änderung im Wolfurter Schützenwesen brachte das Jahr 1860. In Spetenlehen hatte Joh. Martin Fischer, ein Enkel des ersten Wolfurter Vorstehers, in seinem Haus (heute Hofsteigstraße 27) ein Gasthaus „Schützen" eingerichtet und dazu auf dem Bühel auf eigene Kosten einen neuen Schießstand gebaut.11 Damit zog er das Geschäft mit den Schützen an sich. Schon im ersten Jahr wurden hier die vom Bezirksamt überwiesenen 13 kaiserlichen Gnadengaben im Betrag von 40 Gulden 95 Kreuzer ausgeschossen. Abwechselnd mit Hard und Lauterach fand jetzt jedes Jahr ein „Hofsteigschießen" statt, damals bereits unter diesem heute wieder gebräuchlichen Namen. In das Schießprotokoll des „4. Hofsteig-Freischießen in Wolfurt 1865" ließen sich 391 (!) Schützen eintragen, darunter neben Wolfurtera und Lauterachern solche aus dem ganzen Land von Hohenweiler bis Nenzing und von Fußach bis Andelsbuch. Dem „K.K. Gemeinde-Schießstand zu Wolfurt" gehörten jetzt 69 Schützen an. Oberschützenmeister war 1866 der damalige Gemeinde-Vorsteher Josef Halder. Das Fischer-Gasthaus hieß eigentlich „Rose", wurde aber meist „Schützen" genannt. Der Schützenwirt Fischer war ein begeisterter Sänger und beherbergte neben den Schützen regelmäßig auch den Gesangverein. Trotzdem geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. 1873 bot er den Schießstand der Gemeinde zum Kauf an, „wiederigenfalls er seine Gebäulichkeit für sich verwende, und die Gemeinde 8 andersartig für einen Schießstand zusorgen überlasse ". Die Gemeinde lehnte ab. 1875 kaufte der Nachbar Kronenwirt Michael Sohm das Gasthaus Schützen samt dem Schießstand. Das Konkurrenz-Gasthaus schloß er, den Schießbetrieb hielt er aufrecht. Ab 1875 wurde also die „Krone" zur Schützenwirtschaft und blieb es genau hundert Jahre lang, bis die Schützen ihren neuen Stand an der Ach eröffneten. Der erfolgreiche Kronenwirt hatte natürlich Neider. Mehrmals wurde er angezeigt, weil die Schützen ohne den vorgeschriebenen Kugelfang gegen den Wald hinauf geschossen hätten. Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Gg. Fischer. Dieser unternehme, so hieß es in der Zeitung, nichts gegen den Kronenwirt Michael Sohm, weil der Sohn des Kronenwirts mit der Schwester des Vorstehers verheiratet sei. Schon 1877 übergab Michael Sohm seine beiden Häuser an seinen gleichnamigen Sohn. Als dieser bald danach den ehemaligen Schützen verkaufte, behielt er den Bühel und vereinigte ihn mit Kronenwirts Bühel. Seither gehört der Schießstand zur Krone. Alles zusammen verkaufte Sohm 1879 an Wendelin Pfanner. Pfanner überließ nun 1880 den Schießstand für 200 Gulden der Gemeinde. Er behielt sich aber Nutzungsrechte vor, darunter das Recht zur Abhaltung von PrivatFreischießen und das alleinige Recht zum Ausschank von alkoholischen Getränken. Er baute 1882 sogar eine Kegelbahn ein. Erst später ging der Schießstand ganz in Gemeindebesitz über und wurde in mehreren Stufen zu einem beliebten SchützenTreffpunkt ausgebaut. Mit vielen anderen Schützen beteiligten sich auch die Wolfurter am Aufmarsch zum Kaiser-Besuch von 1881 in Bregenz und am anschließenden großen Schützenfest am „Berg Isel". Unter Oberschützenmeister Ferdinand Schneider wurde zum 50-JahrJubiläum 1888 gemeinsam mit den Fronleichnams-Schützen eine Fahne angeschafft. Allerdings gab es ihretwegen viel Streit.12 (Mehr darüber weiter hinten S. 53). Die meisten Standschützen waren übrigens gleichzeitig auch Fronleichnams-Schützen. Sie rückten dort bei feierlichen kirchlichen Anlässen in Uniform aus.13 Aus dem Jahre 1891 ist die älteste Wolfurter Ehrenscheibe erhalten geblieben. Alle älteren Scheiben waren mangels Aufbewahrungsmöglichkeit bald wieder verloren gegangen. 1895 wurde der neue Kronenwirt Carl Müller zum O.Sch.M. gewählt. Der Verein blühte auf. In diesen Jahren setzten sich endgültig Gewehre mit PatronenMunition durch. Bisher waren noch häufig Vorderlader-Stutzen verwendet worden. Schon 1898 wurde der baufällig gewordene Schießstand von Grund auf erneuert. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph fand am 1. Mai 1898 ein großes Fest-Schießen auf dem neuen Stand statt. Dazu wurde dem Kaiser eine Ehrenscheibe gewidmet. Landeshauptmann Adolf Rhomberg hielt vor über 1000 Zuhörern die Festrede. Besonders beeindruckte die Besucher das Feuerwerk in den späten Abendstunden.14 Noch im gleichen Jahr fuhren die beiden Schützenmeister mit Vorsteher Lorenz Schertler und vier weiteren Schützen zum Bundes-Schießen nach Wien. 9 Nach der k.k. Schießstandsordnung von 1874 war jeder Schütze verpflichtet, jährlich auf dem eigenen Stand an mindestens drei Schießübungen teilzunehmen. Jedesmal mußte er dabei mindestens dreißig Schüsse abgeben. Zur Kontrolle wurde ein Matrikelbuch geführt. Im neuen Buch von 1898 sind 308 Schützen eingeschrieben, darunter 59 aus Lauterach und 7 aus anderen Nachbargemeinden. Unter den 242 Wolfurtern ist selbverständlich auch der Vorsteher Lorenz Schertler. Die Freude an dem neuen Schießstand zeigte sich nicht nur in der großen Schützenzahl, sondern auch in den vielen Ehrenscheiben aus diesen Jahren. Darunter befindet sich auch jene kostbarste Wolfurter Scheibe, auf die Schnidarles Hannes 1899 die drei Schießstände malte (Bild 6). Nach der Jahrhundertwende folgten die goldenen Sticker-Zeiten für Wolfurt. Sie spiegeln sich in einer ganzen Reihe von übermütigen und trinkseligen Schützenscheiben wieder. Am 29. Juni 1913 feierte die „Standschützen Gesellschaft Wolfurt" - so nannte sie sich jetzt - ihr 75jähriges Gründungsfest. Unter Oberschützenmeister Rudolf Böhler, Postmeister und Sternenwirt, erhielt der Verein eine neue Fahne (Bilder 4, 40 u. 41). Ein Jahr darauf begann der große Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 mußten die Männer bis zu 42 Jahren mit dem Landsturm einrücken. Am 21. August wurden im Vereinshaus durch Landeshauptmann Rhomberg auch die Standschützen als reguläre Soldaten vereidigt. 60 Kennelbacher bildeten zusammen mit 95 Wolfurtern eine Kompagnie. Sie wählten Ludwig Köb, Lehrars, zu ihrem Hauptmann. Nur ein paar Tage exerzierten sie im Oberfeld. Dann marschierten 60 Wolfurter Schützen am Pfmgst-Heiligtag, 23. Juni 1915, vom Kirchplatz weg nach Bregenz. Mit dem Zug wurden sie an die Front ins Südtirol gebracht. Dreieinhalb Jahre härteste und verlustreiche Kämpfe in den Dolomiten folgten und dann noch ein Hungerjahr in italienischer Gefangenschaft in Albanien.15 Neun Schützen kehrten nicht mehr heim. Schützengesellschaft und Schützengilde Die Not nach dem Krieg zwang eine ganze Reihe von jungen Wolfurtern, darunter auch einige Schützen, zur Auswanderung nach Amerika. Vorsteher Lorenz Schertler versuchte, dem Vereinsleben wieder Auftrieb zu geben. Auf sein Schreiben hin trafen sich am 26. August 1923 elf Männer im neuen Vereinshaus und gründeten den Schützenverein neu, jetzt unter der Bezeichnung „Schützengesellschaft Wolfurt". Standschützen-Oberleutnant Dr. Wilhelm Mohr hatte Statuten erarbeitet. Er übernahm auch selbst die Stelle als „1. Schützenmeister". Der „2. Schützenmeister" Josef (Pepe) Flatz und Schriftführer Albert Kirchberger stellten sich als verläßliche Helfer an seine Seite. Zuerst mußte der wieder baufällig gewordene Schießstand mit Hilfe eines Baukredits von vier Millionen Kronen saniert werden. Die Gemeinde als Eigentümerin des Standes besaß ja am Höhepunkt der Inflation selbst kein Geld mehr und konnte lediglich ein paar Tannen für Bretter und Balken beisteuern. Aber am 4. November 1923 wurde doch bereits ein erstes „Schübling"-Schießen durchgeführt. Zum ersten Mal knallten nach zehn bitteren Jahren die Stutzen wieder in sportlichem Wettkampf. Aus 125 Metern Distanz schoß man auf 33 Zentimeter-Scheiben mit 10 Kreisen.16 Noch immer füllten die Schützen ihre Patronen selbst nach individuellen „Rezepten" und setzten oft erst am Stand ihre Zündkapseln ein. Eine ganz wichtige Aufgabe hatten bei jedem Schießen die Schreiber und die „Zeiger" zu erfüllen. Die Zeiger waren Buben und Burschen, die am Scheibenstock die Scheiben beaufsichtigten. Mit einer zweifarbigen Kelle zeigten sie jeden Treffer und auch dessen Abweichung vom Zentrum an. Dafür erhielten sie Schübling und Brot und meist auch eine Limonade. Nach Beendigung des Schießens gruben sie mit ihren Taschenmessern die Bleikugeln aus dem Erdreich. Als Schreiber benötigte man gestandene Männer, denn es kam nicht selten zu Auseinandersetzungen, wenn ein ehrgeiziger Schütze seinen Fehlschuß nicht akzeptieren wollte. Als Dr. Mohr nach Bregenz übersiedelte und Martin Dietrich 1. Schützenmeister wurde, nahm man das Inventar auf. Da fanden sich neben zwei Fahnen und sechs Gewehren bereits 32 Ehrenscheiben. In den nächsten Jahren gewann der Schießstand Wolfurt mit seinen verschiedenen Gesellschafts- Schießen einen guten Ruf und konnte immer mehr prominente Gäste begrüßen. Die Mitglieder Isidor Flatz und Martin Gmeinder errangen 1928 die Auszeichnung „Meisterschütze in Vorarlberg". Ab 1929 wirkten sich die Weltwirtschaftskrise und die parteipolitischen Auseinandersetzungen immer mehr auch in Streitigkeiten bei den Vereinen aus. Von 53 eingeschriebenen Mitgliedern erschienen 1932 nur mehr 11 zur Hauptversammlung. Statt einer geplanten Schützen-Uniform konnte nur ein einheitlicher Hut mit einem Adler-Stoß angeschafft werden. In diesen Jahren nahm das Schießen mit dem Kleinkaliber-Gewehr, das die alten Schützen lange als „Pfutzgarle" belächelt hatten, einen großen Aufschwung. 11 10 Trotz der gedrückten Stimmung gab es immer wieder Anlässe, zu denen Schützenfreunde eine Ehrenscheibe spendierten. Weitaus die meisten davon malte der unermüdliche Johann Fischer, Schnidarles Hannes. Im Jahre 1937 ließen sich fünf ehemalige Standschützen-Offiziere, darunter der inzwischen als Arzt zu Weltruhm gelangte Wolfurter Professor Dr. Lorenz Böhler, eine Scheibe vom Kennelbacher Schützenkameraden Engelbert Karg malen. Der Aufmarsch und das Schießen auf diese Scheibe wurden am 5. September 1937 zum letzten Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon am Vorabend hatten Dr. Böhler selbst und seine Söhne mit je einem Schuß auf diese Scheibe ein Erinnerungszeichen gesetzt. Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Schützengilde wie alle anderen Vereine sofort aufgelöst. Die Ortsleitung der NSDAP übernahm den Schießstand. Dort begann ein reger Schießbetrieb. Allerdings hatten die alten Stutzen ausgedient. HJ (HA-Jott, Hitlerjugend) und SA (Sturm-Abteilung) schössen jetzt mit dem preisgünstigen KK-Gewehr auf den 50 Meter-Ständen. Sogar die zehnjährigen Pimpfe übten schon in den Schulklassen mit LuftdruckGewehren im Rahmen der „vormilitärischen Ausbildung". Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Auszugs der Standschützen in den Ersten Weltkrieg stifteten die neuen Machthaber im Mai 1940 eine Ehrenscheibe (Bild 19). Zu einem Preis-Schießen kamen am Pfingstmontag, 2. Juni 1941, sogar Gauleiter Hofer und Kreisleiter Dietrich auf den Wolfurter Schießstand. Auch die zur „Schützenmusik" umgetaufte Bürgermusik mußte spielen, allerdings fehlte der in Ungnade gefallene Kapellmeister Rohner. Bald wurde der Umgang mit dem Gewehr für viele Männer an den Fronten zum entsetzlichen Ernst. In den letzten Kriegsmonaten mußten im Rahmen des „Volkssturms" sogar die bisher verschonten älteren Jahrgänge noch unter dem TraditionsNamen „Standschützen" zur Ausbildung in vierwöchigen Kursen ins Südtirol. Am 2. Mai 1945 marschierte die französische Armee ein, der Krieg ging zu Ende. Wieder mußten, wie damals nach dem Aufstand von 1809 gegen die Bayern, alle Waffen abgeliefert werden. Neben Jagdgewehren und uralten Stutzen aus dem vorigen Jahrhundert wurden auch gute Sportwaffen eingesammelt und auf einem Haufen beim Schulhaus vernichtet. Der Schießstand wurde einige Zeit von marokkanischen Soldaten bewohnt und erlitt dadurch arge Beschädigungen. Es dauerte viele Jahre, bis sich das Leben wieder normalisierte. Albert Kirchberger hatte mit den alten Schützen-Akten sein Protokollbuch getreulich aufbewahrt und übergab nun alles zusammen dem ehemaligen U.Sch.M. Pepe Flatz. Gemeinsam mit dem langjährigen Funktionär Paul Schwarz versuchte dieser ab 1951, das Schützenwesen zu neuem Leben zu erwecken. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten wurden tatsächlich schon im Herbst 1952 ein Jagd-Schießen und ein Frei-Schießen durchgeführt. Unter Leitung des provisorischen Schützenmeisters Erich Gasser fanden sich dann am 15. März 1953 in der Krone immerhin 15 Schützen zu einer Generalversammlung zusammen. Nur mühsam ging es aufwärts. Es fehlte an Gewehren und 12 Munition, an Geld und an Preisen. Ein Gewittersturm richtete im August 1958 am Schießstand großen Schaden an. Eine Änderung brachte erst das Jahr 1960. Unter O.Sch.M. Josef Dietrich waren Karl Aichholzer als Kassier und Hubert Flatz als Schriftführer in den Ausschuß gewählt worden. Mit neuen Ideen setzten sie Impulse zur Umkehr des „Krebsgangs im Schützenwesen". Besonders bewährte sich die Einführung eines regelmäßigen Trainings. Nach zwanzig Jahren wurde 1960 auch erstmals wieder eine Scheibe geschossen, mit der man der in den letzten Jahren verstorbenen Funktionäre gedachte (Bild 20). Schon im Jahre 1961 konnten bei Mannschafts-Wettkämpfen gegen Hohenems, Nonnenhorn und Schwarzenberg beachtliche Erfolge erzielt werden. Als stets zielsichere Schützen sind in den Aufzeichnungen Hans Loacker, Karl Aichholzer und Martin Dietrich festgehalten. Ihr Beispiel riß mit, auch bei den ständigen Renovierungsarbeiten am Schießstand, bei denen Aichholzer das Kommando und die meiste Arbeit übernahm. Die Zahl der Mitglieder stieg an. Jetzt wurden jedes Jahr gut vorbereitete Vereinsmeisterschaften durchgeführt und mit großem Ehrgeiz ein „Schützenkönig" gekürt. Auch Damen wurden als Mitglieder aufgenommen und die Jungschützen mit großer Aufmerksamkeit betreut. Als sich immer mehr junge Menschen um die Mitgliedschaft bemühten, auch solche aus Nachbargemeinden, in denen kein Schützenverein mehr bestand, wurde es bei den Schüblings- und Meisterschafts-Schießen auf Kronenwirts Bühel und bei den Generalversammlungen in Luzias Stube in der Krone langsam eng. Unter Allfälligem begann Egon Pehr in der Generalversammlung vom 30. Jänner 1970 daher eine Debatte über einen Schießstand-Neubau. Schriftführer Hubert Flatz griff die Idee auf und fand allgemeine Zustimmung. Wieviel Arbeit ihm daraus in den folgenden fünf Jahren erwachsen würde, konnte er noch nicht ahnen. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Vallaster, Schützenscheibenbuch, Dornbirn 1984, S. 118 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III, S. 44 Wie 2, S. 90 Welti, Jakob Hannibal, S. 103 und S. 443 ff und Kellnhof Wolfurt, S. 6. GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 16 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 Hubert Flatz, Schützen-Chronik, 1988, S. 1 ff, nach Forschungen im VLA Fröweis, Rathausfenster Lauterach, Nr. 3/2001, S. 14 Ebner, Tagebuch 1844, 14.-17. September Nach Akten 1846 im Schützenarchiv Wolfurt GA, GV-Protokolle, Einladung zur Sitzung am 16. Aug. 1860 GA, Chronik Schneider 3, S. 277 ff Heimat Wolfurt 23/1999, S. 42 GA, Chronik Schneider 3, S. 213 Heimat Wolfurt 7/1991, S. 33 ff Schützenprotokoll v. 1. Okt. 1924, Ladschreiben 13 1975 - Der neue Schießstand an der Ach Im Jänner 1970 war also in der Krone die Idee zu einem neuen Schießstand geboren worden. Alle dachten dabei zuerst an einen Neubau am alten Platz auf Kronenwirts Bühel. Dort gab es aber schon bisher Probleme mit Zufahrt und Parkplatz für die inzwischen ja weitgehend motorisierten Schützen. Und auf dem vor ein paar Jahren noch unverbauten Bühel standen jetzt auch schon einige Einfamilienhäuser. Trotz alter verbriefter Rechte konnten daraus in der Zukunft für die Schützen Erschwernisse entstehen. Da richtete Gemeindesekretär August Geiger die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf das LAWK-Gelände an der Ach, von dem der Fußballverein schon 1947 ein großes Stück pachtweise übernommen und darauf seinen Sportplartz errichtet hatte. Tatsächlich erhielten die Schützen nun am 17. Dezember 1970 von der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) die Grundparzelle 303/15 in Pacht. Die Planung konnte beginnen. Hubert Flatz hat darüber mit Hilfe von sorgfältig geführten Tagebuch-Aufzeichnungen im Jahre 1988 eine eigene Schießstand-Chronik verfaßt, aus welcher ich hier einiges zitieren darf. Im Februar 1971 wurde unter Obmann Karl Aichholzer ein Bauausschuß gebildet und bald danach die Rodung des Auwaldes in Angriff genommen. Als Hindernis erwies sich eine von der Gemeinde nach dem Krieg aufgestellte Baracke, deren Bewohner zuerst umgesiedelt werden mußten. Die Gemeinde verbürgte sich für einen Baukredit. Schon im Mai 1972 legte Edelbert Klimmer als Mitglied des Bauausschusses die ersten Pläne vor. Ab jetzt übernahm er die gesamte Planung und auch den größten Teil der Bauaufsicht. Die nun beginnende dreijährige Bautätigkeit wurde eine heute unglaublich anmutende Erfolgsgeschichte. Es gelang Hubert Flatz und Ferdl Matt, eine große Anzahl von freiwilligen Helfern zur Mitarbeit zu bewegen, die Arbeiten unter Leitung von erfahrenen Fachleuten zu koordinieren und das notwendige Baumaterial rechtzeitig vor Ort zu bringen. Darüber hinaus erhielten die Schützen, deren Begeisterung sich nicht selten auch auf die Lieferanten übertrug, beachtliche Spenden an Material, Maschinenstunden oder Zufuhrkosten. Viele Kontakte zu den Firmen vermittelte der Planer Edelbert Klimmer, andere besaß Hubert Flatz selbst in seinem Freundeskreis und unter den Wirtschaftstreibenden von Wolfurt. Im April 1973 begann man mit dem Aushub für das Hauptgebäude, bereits am 29. September konnte die Firstfeier stattfinden. Einziger Wermutstropfen war ein Protest der Oberfelder Nachbarn gewesen, die glaubten, ihre paradiesische Ruhe könnte allenfalls durch Schießlärm beeinträchtigt werden. Sie ließen sich aber bald durch Schallmessungen von Fachleuten beruhigen. Durch das ganze Jahr 1974 waren immer wieder ganze Gruppen von Schützen mit ihren Freunden mit dem Innenausbau beschäftigt. Fast alle taten es für ein Dankeschön und eine Jause, die in großzügiger Art jeweils der Sternenwirt Metzgermeister Johann Fischer spendierte. 14 Bild 2: Die Schützenstube mit der Kassettendecke Bild 3: Wegkreuz beim Schießstand: „.... daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt." Im November 1974 konnte im ausgebauten Kellergeschoß das Luftgewehr-Training aufgenommen werden. Den ganzen Winter über arbeiteten Willi Abier und Tone Repolusk an der Restaurierung der kostbaren alten Schützenscheiben, die sie von der Decke des alten Standes an der Hub abgenommen hatten. Bei der Zimmerei Berchtold wurden sie zum Einbau vorbereitet. Als die aus 38 Scheiben zusammengesetzte Decke schließlich von Fachleuten begutachtet wurde, ernteten die Handwerker höchstes Lob. Am 30. Mai 1975 wurde die Eröffnungsscheibe geschossen. An den folgenden 14 Tagen kamen 363 Schützen aus dem ganzen Land, aus der Schweiz und aus Deutschland und machten das Schießen auf dem vielbewunderten Wolfurter Stand zu einem anhaltenden Fest. Gemeinschaftssinn und Idealismus hatten ein großes Werk geschaffen. Zuerst sind da sicher die weit über 12 000 freiwillig von Handwerkern und Hilfsarbeitern geleisteten Arbeitsstunden zu nennen, die Schriftführer Ferdl Matt in seinem Stundenbuch fein säuberlich aufgezeichnet hat. Aus der Liste der 130 Namen stechen einige mit besonders großen Stundenzahlen hervor. Weitaus angeführt werden sie vom Gesamtleiter Hubert Flatz und seiner rechten Hand Ferdl Matt. Daneben 15 sind der Planer Edelbert Klimmer, Zimmermann Willi Abler, Baupolier Josef Leitner, Bodenleger Karl Aichholzer, die Schlosser Tone Lingenhel und Günther Muxel, die Elektriker Werner Dietrich und Wilfried Braitsch, Gärtner Franz Strezek und schließlich der Maler Anton Repolusk zu nennen, die für ihre Spezialgebiete verantwortlich zeichneten, aber auch sonst überall Hand anlegten, wo sie gebraucht wurden. Entscheidend für das Gelingen ihres Werks war jedoch die Mitarbeit jener weiteren 120 hier nicht genannten Helfer! Auch in der Liste der zahlreichen Förderer des Schießstandes fallen einige Namen auf. So hatte Alwin Rohner schon in der ersten Stunde, damals 1970 noch draußen in der Krone, die Lieferung sämtlicher Ziegel zugesagt. Er hielt sich nicht nur daran, sondern stellte unentgeltlich zusätzlich noch Zement, Kalk und Rohre nach Bedarf zur Verfügung. Neben den großen Beiträgen durch die Firmen Doppelmayr, Eisenkonstruktionen, und Berchtold, Zimmermannsarbeit, fällt Luis Erath in Lochau auf, der die Waschbetonplatten für den Hausplatz nicht nur spendierte, sondern auch selbst verlegte. Viele andere schließen sich an, von Holzsägern über Baggerfahrer bis zum Bildhauer Nitz in Lochau, der das Kruzifix für die Schützenstube stiftete. Ihre Namen sind auf einer Ehrenscheibe im Hauseingang verzeichnet. Nicht vergessen werden sollen die beachtlichen finanziellen Zuwendungen von Gemeinde Wolfurt, Land Vorarlberg und von der Österr. Turn- und Sportunion, der die Schützengilde Wolfurt beigetreten war. Sie alle konnten das Geld im sicheren Bewußtsein überweisen, daß es durch den Idealismus der Schützen vervielfacht in der Zukunft reiche Zinsen tragen würde. Als Hubert Flatz sein großes Werk fertiggestellt und auch fertig bezahlt hatte, wollte er seinen Dank noch auf ganz besondere Art abstatten. Bei Bildhauer Hubert Fessler in Hörbranz fand er ein Wegkreuz aus Stein, das er persönlich etwas oberhalb des Schießstandes aufstellte und am 18. Mai 1980 von Pfarrer Willi einweihen ließ (Bild 3). Er schreibt dazu. „Ich habe dieses Feldkreuz aufstellen lassen im Bewußtsein, daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt. Ihm haben wir zu danken, daß unser Gemeinschaftswerk, der Schießstandbau, gut gelungen ist. " Der neue Schießstand bewährte sich in den folgenden Jahren bei vielen Wettkämpfen. Im Erdgeschoß beherbergt er die Halle mit den 12 Klein-Kaliber-Ständen für die 50 Meter-Distanz und den großen Aufenthaltsraum, die „Schützen-Stube". Sie besitzt als Nebenräume eine kleine Küche mit einer praktisch eingerichteten Schank und die notwendigen Sanitär-Anlagen. Das ermöglicht die Bewirtung von Schützen und Gästen in angenehmer Atmosphäre. Hier hat sich ein Team von fleißigen Schützenfrauen sehr bewährt. Neben der Schießhalle befinden sich noch ein abgesonderter Auswertungsraum, natürlich mit Computer-Einrichtung, und ein Büro. Im Untergeschoß sind 12 Luftgewehr-Stände für 10 Meter-Distanz eingerichtet. Daneben sind eine zweite Schützenstube und ein separater Auswertungsraum sowie ein Vorratskeller situiert. Das Schießen mit großkalibrigen Gewehren und Jagd16 waffen, wie es auf den ehemaligen Ständen gepflegt wurde, ist im neuen Wolfurter Schießstand nicht mehr möglich. Dazu werden Interessenten auf die Anlagen einiger befreundeter Vereine im Land verwiesen. In einem Anbau stehen ausreichend Absteilflächen und Stauraum für die vielen Gerätschaften, die der moderne Schießbetrieb erfordert, zur Verfügung. Auf dem landschaftlich schönen Platz vor dem Gebäude ist auch die Abhaltung der zur Tradition gehörenden Schützenfeste möglich. Regelmäßig treffen sich an den Ständen junge und alte Schützen, Frauen und Männer, Wolfurter und Freunde aus den Nachbargemeinden. Sie üben ihr Auge und ihre ruhige Hand. Sie tauschen Erfahrungen aus und pflegen nach Feierabend die Gemeinschaft in gastlicher Runde. Die Liste der Erfolge von Vereins-Mitgliedern füllt viele Seiten der Chronik. Die junge Generation von Funktionären wird, gestützt auf die Erfahrung ihrer älteren Schützenkameraden, die USG Wolfurt sicherlich gut in die Zukunft führen. Wir Wolfurter sind stolz auf unsere Schützengilde und auf unseren Schießstand! 17 „Union Schützengilde Wolfurt" Die Vereinsführung im Jahre 2004 Markus Gasser Oberschützenmeister Romana Herburger Unterschützenmeisterin Roland Matt Marjeta Ulmer Thomas Ulmer Werner Böhler Rene Skamletz Josef Leitner Willi Hehle Franz Ratz Schriftführer Kassierin Sportleiter Kleinkaliber Sportleiter Luftgewehr Sportleiter Luftpistole Schützenrat Schützenrat Schützenrat Obersehüt/enmeister in Wolfurt Nach der Schützen-Chronik von Hubert Flatz, 1988. Aus den Anfängen des Schützenwesens sind nur zwei Schützenmeister bekannt: 1838-1844 um 1866 Andreas Klocker Josef Halder Ziegelfabrikant Gemeinde-Vorsteher Ab 1883 hat Flatz die Liste mit Hilfe der Schützenscheiben erstellt, ab 1923 liegen Protokolle vor. 1883-1886 1886-1890 1890-1895 1895-1904 1904-1911 1911-1915 1923-1926 1926-1928 1928-1931 1931-1937 1953-1954 1954-1957 1957-1963 1963-1972 1972-1979 1979-1981 1981-1996 1996Joh. Georg Fischer Ferdinand Schneider Martin Arnold Carl Müller Josef Rünzler Rudolf Böhler Dr. Wilhelm Mohr Hans-Martin Dietrich Paul Schwarz Siegfried Kalb Erich Gasser Josef Flatz Josef Dietrich Alfred Fischer Hubert Flatz Günther Muxel Ferdl Matt Markus Gasser Adlerwirt und Vorsteher Fabriksarbeiter und Chronist Bauer Kronenwirt Steinhauer Sternenwirt und Postmeister Landesbeamter Bauer Klöppelspitzenfabrikant Schwanenwirt Schreiner Fahrradmechaniker Elektriker Klöppelspitzenfabrikant Finanzbeamter Schlosser Finanzbeamter Angestellter Annelies Rohner Klaus Muxel Fahnenpatin 1984 Fähnrich Ehrenmitglieder 2004 Ferdl Matt Franz Strezeck Edelbert Klimmer Wilfried Braitsch Josef Leitner Valentin Lanker Helmut Vögel Alwin Rohner Roman Fekonja Ehren-Oberschützenmeister 18 19 Die Schützenscheiben Schützenscheiben sind Ehrenscheiben! Sie halten meist ein besonderes Ereignis fest und bekunden die Wertschätzung, die die Kameraden mit ihrem Ehrenschuß auf die bunte Scheibe zum Ausdruck bringen wollten. Darüber hinaus lassen sie den Betrachter einen Blick in die Geschichte tun, erzählen von den Leistungen der Schützen und von übermütigem Festtreiben, von Kaiser und Papst, von Jubiläen großzügiger Spender, aber auch von Kriegsnot und Tod. Die älteste erhalten gebliebene Schützenscheibe in unserem Land stammt aus Feldkirch und trägt die Jahreszahl 1640. Da können die Wolfurter Scheiben natürlich nicht mithalten. Noch lange Zeit besaß unsere Gemeinde keinen Stand, in dem man die Bilder hätte aufbewahren können. Auch die 12 Scheiben, für die Lorenz Höfle 1863 den Schützen sieben Gulden verrechnete, sind verschwunden. Auf eine davon war bereits ein „Hanswurst" aufgemalt, ein Faschingsnarr als Zielfigur. Im Schießstand wurden in die Täfel-Decke der Schützenstube 38 Scheiben eingearbeitet, dazu 11 in die Decke des LG-Standes im Keller. Weitere 21 Bildtafeln schmücken die Wände. Etwa 30 kleine Scheiben haben einen Platz an der Wand im LG-Stand gefunden. Von den insgesamt mehr als hundert Scheiben soll in diesem Heft eine Auswahl aus allen Gebieten des Schützenwesens gezeigt werden. Sie könnten für dich bei einem Besuch in unserem Schützenheim ein kleiner Führer sein. Den Anfang machen wir mit der historisch besonders wertvollen Scheibe aus dem Jahre 1899. Die folgenden Bilder sind in bunter Vielfalt nach ihrem Alter von 1891 bis 1988 gereiht und machen uns das Auf und Ab des Schützenwesens im 20. Jahrhundert bewußt. Angeschlossen sind einige Scheiben aus der Serie „AltWolfurt" und drei Ehrenscheiben für besonders verdiente Funktionäre. Den Abschluß bildet die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Bild 6. Die Schießstand-Scheibe von 1899. Johann Fischer, Schnidarles Hannes, 1853-1945, war ein künstlerisch begabter Schreiner, Zeichner und Maler. Er hat sie für seinen Vater Josef Fischer, Schreiner an der Hub, zu dessen 50jährigem SchützenJubiläum gemalt. Das besondere an ihr ist, daß sie uns die drei ehemaligen Schießstände zeigt. Eigentlich hatte Fischer sein Jubiläum schon drei Jahre früher gefeiert, denn er war gemeinsam mit Johann Baptist Höfle 1846 bei den Schützen eingetreten.. Der Neubau des Schießstandes im Jahre 1898 machte eine Fertigstellung der Fischer-Scheibe mit dem gewählten Motiv erst jetzt möglich. Aber mit dem KaiserJubiläum im gleichen Jahr wollte Fischer wohl doch nicht konkurrieren und wartete daher noch ein Jahr. Im Bild sieht man den grauhaarigen Schützen mit geschultertem Stutzen. Er winkt uns grüßend mit dem Schützenhut zu. Zu seinen Füßen ein Schützen-Symbol: Schießscheibe und Narrenkappe zusammen auf einem Lorbeerzweig! Daneben der neue 20 Schießstand auf Kronenwirts Bühel mit grünen Fensterläden und einer rot-weißen Fahne auf hohem Mast. Davor sitzen Gäste, eine Kellnerin wartet auf. Im Hintergrund der Scheibenstock. Im Zentrum der Scheibe hält ein Falke die schwarzen Ringe des Ziels. Im der oberen Hälfte eine Rückblende in die jungen Jahre des Jubilars: Zuerst in einem Quadrat der älteste Schießstand im Kirchdorf. Zwei Schützen an einem einfachen Latten-„Stand". Daneben an einem Tisch der Schreiber. Hinten links die Häuser im Tobel, auf dem Bühel gegenüber die Schießscheiben. Oben das alte Schloß. Dazu eine Inschrift: „Schützenwesen 1838 beim Rössle Wolfurt". Die zweite Einblendung zeigt in einem Kreis einen anderen Stand. Diesmal lautet die Schrift: „Schießstand in Rickenbach 1846". Von der Straße tritt ein Schütze durch eine Lücke in der Mauer zu der einfachen „Schießhütte" mit dem steilen Bretterdach. Auf der Wiese einige Bäume und ein kleiner Stock mit zwei Scheiben. Weiter hinten ein Haus im Rickenbach-Lo und ein Berg. Aus Gemeinde-Akten und aus dem Kataster wissen wir, daß dieser Stand beim Gasthof Adler unmittelbar neben der Landstraße nach Dornbirn stand. An beide Stände konnten sich die Jubilare Josef Fischer, 1823-1902, und J.B. Höfle, 1826-1923, ganz sicher persönlich erinnern. Auf der Fischer-Scheibe sind insgesamt 43 Schützen mit ihren Ehren-Schüssen verzeichnet. Wir finden darunter den Jubilar Josef Fischer selbst, Altvorsteher Martin Schertler, den Altschützen und ehemaligen O.Sch.M. Ferdinand Schneider und O.Sch.M. Carl Müller. Ein einziger von den Schüssen, bei denen es ja nicht um Sieg und Niederlage ging, traf ins Schwarze, jener von Johann Gmeinder, Frickeneschers. Bild 7. Die älteste Wolfurter Scheibe trägt das Datum 3. Mai 1891. Sie zeigt einen vor dem Schützen flüchtenden Gamsbock. Auch diese Scheibe hat Schnidarles Hannes gemalt. Gewidmet wurde sie den neuen Schützenmeistern Martin Arnold aus Rickenbach und Gebhard Böhler aus dem Kirchdorf anläßlich ihres Amtsantritts. Bild 8. J.B. Höfle, s alt Küofarle von der Hub, hatte schon 1896 eine 50er-Ehrenscheibe spendiert. Als begeisterter Jäger sah er im Steinadler eine begehrte Beute. Höfle hat danach noch 27 weitere Jahre den Schützen angehört und ist erst 1923 als 9 8j ähriger von ihnen zu Grabe getragen worden. Diese und die meisten anderen von den 28 erhaltenen alten Schützenscheiben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat nach einer Untersuchung von Anton Repolusk und Hubert Flatz der Maler Engelbert Köb angefertigt. Lehrars Engelbert auf dem Bühel war 1890 bekannt geworden, als er nach eigenen Entwürfen die Wolfurter Pfarrkirche ausgemalt hatte. Später hat er für seine Familie die Villa Bucherstraße 1 gebaut. Er war viele Jahre Erster Gemeinderat. 1915 ist er mit den Standschützen an die Front in den Dolomiten eingerückt und hat sich dort eine tödliche Krankheit zugezogen. 21 Bild 9. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph schoß die Schützengesellschaft 1898 eine Scheibe mit dem Kaiserwappen und dem Lothringer Kreuz aus. Wenige Wochen später ließen die befreundeten „Veteraner" ihre schöne Fahne weihen (Bild 38). Nachdem sieben Schützen im gleichen Jahr am Bundesschießen in Wien teilgenommen hatten, stifteten diese eine zweite Scheibe. Auch die 14 Teilnehmer am nächsten Kaiser-Jubiläums-Schießen 1908 spendierten wieder eine Scheibe, diesmal eine mit der Siegesgöttin. Bild 10. Daß manche Schützen auch sehr trinkfest waren, erfahren wir aus vielen Geschichten in den Protokollen. Daher stellte der Maler 1898 den Schmied Wilhelm Böhler vom Strohdorf mit Stutzen und Weinglas auf ein Faß. Bild 11. Ganz anders die Scheibe von 1899, die der Zimmermeister Josef Anton Köb, Lehrars, seinen Schützen-Kollegen widmete. Aus seinen Erinnerungen trat ein Bild aus dem Balkankrieg hervor, wo sich ein Schütze im grausamen Bajonettkampf gegen zwei Feinde durchsetzte. Bild 12. Im gleichen Jahr aber auch wieder Leichtsinn und Übermut.Schertler-Veres waren als eine der ersten Sticker-Familien zu Geld gekommen. Maria Schertler wurde von den Veteranern zu ihrer Fahnenpatin ausersehen. Ihr älterer Bruder Bernhard stiftete dieses Bild mit dem gefährlichen Hochrad und der Aufschrift „Behüt Dich Gott vor Fall und Wunden, vor bösen Weibern und vor Hunden!". Ein paar Jahre später hat Schertler die großartige Villa an der Lauteracherstraße bauen lassen. Bild 13. Ein neuer Vorstand wurde 1903 gewählt. Auf seine Schützenscheibe ließ er einen prachtvollen Löwen malen. Darunter verewigten sich die beiden Schützenmeister Josef Rünzler, Steinhauer in Spetenlehen, und Martin Dietrich, Bauer und „Armenvater" an der Hub, und dazu die beiden Schützenräte Gebhard Böhler, Schlosser im Dorf, und Gebhard Schedler, „Maschinen-Macher" im Loch. Bild 14. Noch eine Scheibe aus der Stickerei-Blütezeit von 1905! Schwankende Musikanten sind das Motiv für Kapellmeister Franz Rohner, Vinälars, und StickereiFabrikant Bernhard Schertler, Veres. Sie kommen vom Schwanen, wo sich die Sticker regelmäßig im Römer-Stüble trafen. Bild 15. Stellvertretend für viele erfolgreiche Meisterschützen des Vereins steht die Jubiläums-Tafel von Alt-O.Sch.M. Ferdinand Schneider aus dem Jahre 1908. Er war ein armer Fabriksarbeiter, aber begeisterter Jäger, Bergsteiger und Musikant. Außerdem betätigte er sich als Schauspieler, Feuerwerker, Sänger und Botaniker. Besonders wertvoll ist seine Dorf-Chronik, die auch allerlei Schützengeschichten enthält. So berichtet er, daß er die 3 Gulden 60 Kreuzer, die er dem Maler Engelbert 22 Köb für diese Scheibe schuldete, mit der Anlegung eines Gartens zu dessen neuer Villa oberhalb des Dorfplatzes abarbeitete. Aber wie bei vielen früheren Bewerben hielt er sich auch diesmal schadlos und gewann beim Kaiser-Jubiläums-Schießen im gleichen Jahr das bar ausbezahlte „Hauptbest". Bild 16. In den Kriegszeiten klaffen von 1912 bis 1924 und von 1940 bis 1960 große Lücken in den Reihen der Scheiben. Die erste nach dem Ersten Weltkrieg hat Pfarrer Simon Stadelmann 1924 zusammen mit Kapellmeister Rohner und O.Sch.M. Dr. Mohr nach einer Pilgerfahrt zum Papst nach Rom gestiftet. Sie zeigt ein prachtvolles Bild des Petersplatzes und wurde mit den Schützen auch vom Pfarrer selbst beschossen. An die gefallenen Schützen erinnern erst die Scheiben 1934 vom Heldendenkmal in Wien, 1936 vom Wolfurter Kriegerdenkmal, 1937 eine von fünf ehemaligen Offizieren gestiftete Tafel und schließlich die von 1940 (Bild 19). Bild 17. Albert Schwerzler, Hafnars, war 1905 nach Amerika ausgewandert, kehrte aber mehrmals auf Besuch in die Heimat zurück. Als er 1936 diese Scheibe mit der Silhouette von New York ausschießen ließ, waren unter den 44 Schützen auch der alte Hauptmann Ludwig Köb und viele Jungschützen. Den besten Schuß in die schwarzen Ringe brachte der damals 15jährige Hubert Flatz an. In seiner Chronik erzählt er, er habe dafür fünf Schillinge bekommen, die ihm seine Mutter aber gleich wieder zur Aufbesserung ihres schmalen Haushaltsgeldes abgefaßt habe. Bild 18. Eine Hochzeitsscheibe spendierte Ernst Gmeiner, Fideles, 1937 anläßlich seiner Vermählung. Etwas anzüglich neckten ihn seine übermütigen Freunde mit einem Schützen, der vor einer drohenden Wildsau auf einen Baum geflüchtet ist und die Waffe wegwirft. Bild 19. Sogar die NS-Zeit ist als bedrückender Teil unserer Geschichte in der Scheibensammlung präsent. Die 1940 gemalte „Ehrenscheibe zum 25. Jahrestag des Ausmarsches der Standschützen von Wolfurt am 23. Mai 1915 in den Weltkrieg" nennt die Namen der im Krieg verstorbenen neun Schützen. Sie zeigt nach dem Anschluß Vorarlbergs an den Gau Tirol als Wappen den roten Tiroler Adler mit dem Hakenkreuz und dazu das Wolfurter Wappen von der Schützenfahne von 1913. Gestiftet wurde die wegen ihrer Rarität heute sicher auffallende Scheibe vom „Ortsschützen-Verband Wolfurt 1940". Unter den zum Ehrenschuß aufgerufenen Schützen-Veteranen findet man den ehemaligen Standschützen-Hauptmann Ludwig Köb und die beiden Leutnante Dr. Wilhelm Mohr und Joh. Gg. Hohl. Daneben steht als Ehrengast der „Orts-Schützen-Leiter" Emil Beck. Bild 20. Die Scheibe von 1960 ist die erste nach der langen Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Sie zeigt den Scheibenstock und weit hinten die Wald23 Kapelle auf Kronenwirts Bühel vor dessen Verbauung. Gewidmet ist sie dem Gedächtnis an acht verstorbene Funktionäre. Drei davon waren O.Sch.M. gewesen: Hansmarte Dietrich, der Schwanenwirt Siegfried Kalb und der Fahrrad-Mechaniker Pepe Flatz. Dazu erinnert sie an Fritz Pehr, Karl Müller, Hannes Fischer-Seppos, Mathias Rist und Isidor Flatz. Bild 21. Eine feinsinnige Hochzeitsscheibe von 1967 für Alwin Rohner und Annelies Schertler. Beide blieben den Schützen mit großen Verdiensten verbunden, Annelies als Fahnenpatin, Alwin als großzügiger Förderer des Schießstand-Neubaus. Bild 22. Viele Scheiben berichten von den Erfolgen der Wolfurter Schützen bei örtlichen und internationalen Wettkämpfen. Diese häuften sich besonders, nachdem ab 1960 ein regelmäßiges Training aufgenommen worden war und die JungschützenBetreuung Früchte trug. Zuerst war schon 1973 Wolfgang Aichholzer als Jungschütze Landesmeister und ein Jahr später österreichischer Junioren-Staatsmeister geworden. Eine eigene Scheibe zeigt 1979 Gerhard Muxel, der bei der Europa-Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte. Eine weitere Tafel faßt die Namen von zehn Gildenmitgliedern zusammen, die bis 1979 zu Staatsmeisterschaften gefahren waren: Gerhild Flatz, Doris Muxel, Wolfgang Aichholzer, Gerhard und Günther Muxel, Josef Vonach, Josef Hechenberger, Alexander Strezeck, Werner Böhler und Werner Vogel. Ihnen folgten in den Jahren danach noch zahlreiche weitere Teilnehmer an Staatsmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Die abgebildete Ehrenscheibe erhielt 1983 Reinhard Muxel, österreichischer Jugend-Meister und Teilnehmer an der EM in Dortmund. Bild 23. Mit mehreren Scheiben ist die Schützen-Dynastie Fischer vertreten, Nachkommen des Schützenwirts Martin Fischer, der 1860 den Schießstand an der Hub erbaut hatte. Sein Sohn war der Lammwirt und Metzger Gebhard Fischer, ein langjähriger Förderer des Schützenwesens, der schon 1897 eine fröhliche Scheibe mit einem „Ochsenreiter" spendierte. Auch der Enkel Dr. August Fischer blieb den Schützen sein Leben lang verbunden. Er erforschte ihre Geschichte beim Aufstand gegen die Bayern im Jahre 1809 und ließ zum Gedenken an den Wolfurter Major Jakob Schertler 1977 am Schützenheim eine Bronzetafel anbringen. Zu seinem 90. Geburtstag spendierte er 1988 diese Scheibe, die ihn als Ehrenmitglied der Matreier Schützen in Tiroler Tracht zeigt. Den besten Schuß beim Festschießen gab übrigens sein Neffe August Hinteregger, der Pfarrer von Bildstein, ab. Als Förderer der Schützen galt auch ein anderer Neffe, Johann Fischer, Metzgermeister und Sternenwirt. Zum Kreis der Schützenwirt-Verwandten gehört schließlich auch noch Alfred Fischer von der Steig, zu dessen 60jährigem SchützenJubiläum 1970 eine Ehrenscheibe ausgeschossen wurde. Als O.Sch.M. war er damals an den Vorbereitungen zum Schießstand-Neubau beteiligt. 24 Bild 24. Zwei große Tafeln ehren die Sieger der „ER und SIE-Schießen". Die erste von 1976 zeigt das Schloß noch mit dem ursprünglichen Turm, den es vor der Gründung des Schützenvereins 1835 besessen hatte. Die Umrahmung bilden oben zwei Ansichten von 1936, unten Motive nach dem Brand von 1939. Bild 25. Das zweite „ER und SIE"-Bild von 1980 ruft die alte Volksschule im Strohdorf in Erinnerung. 1872 war sie gebaut worden, hatte dann bis 1967 neben der Schule auch das Gemeindeamt beherbergt und war schließlich 1979 abgebrochen worden. Bilder 26 bis 31. Anton Repolusk hatte schon 1968 die Scheiben-Serie „AltWolfurt" begonnen, mit der er abgebrochene Häuser dem Vergessen entreißen wollte. Für die jährlichen Vereins-Meisterschaften schufen er und nach ihm einige andere Vereins-Angehörige mehr als 30 kleine Scheiben. Ein wirklich beachtlicher Beitrag zur Dorf-Geschichte! Bild 32. Drei Männern mit ganz besonderen Verdiensten um die Schützengilde sind eigene Ehrenscheiben gewidmet. Zuerst Hubert Flatz, 1921-1991. Von seinem Vater Josef (Pepe) Flatz wurde er dem Verein schon 1935 als Jungschütze zugeführt. Nach dem Krieg half er dem Vater beim Wiederaufbau und übernahm 1960 als Schriftführer Verantwortung. Mit ungeheurem Einsatz trieb er, nachdem er 1972 zum Oberschützenmeister gewählt worden war, den Neubau des Schießstandes an der Ach voran. Er trat von dem Amt erst 1979 zurück, als er den vier Jahre vorher fertiggestellten Bau seinem Nachfolger Günther Muxel schuldenfrei übergeben konnte. Jede Ehrung lehnte er ab. Erst nach seinem Tod wurden mit dem „HubertFlatz-Schießen" von 1993 und dieser Gedenkscheibe, auf der sich 170 Schützen eintrugen, seine Verdienste festgehalten. Bild 33. Die nächste Scheibe hat die Gilde 1995 ihrem Ehren-O.Sch.M. Ferdl Matt gewidmet. 221 Schützen haben darauf mit einem Ehrenschuß ihre Anerkennung gezeigt. Ferdl Matt war 1972 als Schriftführer an die Seite von Hubert Flatz getreten und hatte mit ihm den Bau des Schießstandes geleitet. Von 1981 bis 1995 übernahm er selbst das Amt des O.Sch-M. Bild 34. Eine weitere Tafel zeigt Ehrenmitglied Anton Repolusk, den Maler. Mit unendlicher Sorgfalt restaurierte er viele von den alten Scheiben, die dann in die beiden Decken in der Schützenstube und im LG-Stand eingefügt wurden. Eine ganze Reihe von den jüngeren Scheiben malte er selbst. Viele Bilder schuf aber auch der Schütze und Jäger Hubert Gasser, akad. Maler, der ebenso zur Restaurierung der alten Scheiben beigetragen hatte. Zum Abschluß des Schießstandbaus hielt Repolusk 1975 viele Namen der Mitarbeiter und Förderer auf 25 einer Ehrentafel fest. Sie hängt heute im Haus-Eingang. Unter die Bilder der am Platz des Schießstands längst verschwundenen alten Holzbrücke und des neuen Hauses setzte der Maler dort die Worte „Idealismus - Einigkeit - Tatkraft". Bild 42. Nach den nun angeschlossenen Fahnen-Bildern (35 bis 41, 4 und 5) steht als Abschluß die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Noch einmal scheint hier die Wolfurter Schützengeschichte auf. Hubert Gasser malte die Tafel zum 150-JahrJubiläum der Gilde und nahm dabei die „Fischer"-Schicßstand-Scheibe von 1899 (Bild 6) zur Vorlage. Stifter waren die Marktgemeinde Wolfurt und Bürgermeister Erwin Mohr. Der Tradition zuliebe sammelten sich die Schützen noch einmal zu einem letzten Fest draußen auf Kronenwirts Bühel. „Geschossen am alten Schießstand in der Hub am 17. September 1988 unter Oberschützenmeister Ferdl Matt". Prächtig ist der neue Stand mit seiner grün-weißen Schützenfahne und der Schrift „An der Ach, erbaut 1972-1975" dargestellt. Die Aufschriften zu den anderen Ständen wurden gegenüber dem Original verändert. Der „Rößle"-Garten war inzwischen beim Bau des Pfarrheims verschwunden. Daher steht jetzt beim ersten Stand „Auf dem Pfarrbühel 1846". Beim zweiten steht „Im Kella 1846". Das müßte auf „Beim Adler 1846" korrigiert werden. Der dritte Stand an der Hub erhielt zwar bei der Renovierung von 1898 dieses Aussehen, er war dort aber bereits 1860 erbaut worden. Insgesamt 69 Ehrenschüsse sind auf der Scheibe verzeichnet, darunter die von Bürgermeister Erwin Mohr, Altbürgermeister Hubert Waibel, O.Sch.M. Ferdl Matt und Alt-O.Sch.M. Hubert Flatz. Auffallend ist der hohe Anteil von 11 „Schützinnen". Als bester Schuß ins Zentrum wurde der von Hans Schwaighofer gewertet. Ihm folgt mit Susanne Fekonja bereits die erste Dame. Noch zahlreiche weitere Scheiben von Mitgliedern und Ehrenmitgliedern, von Hochzeiten, Jubiläen und anderen Schützenfesten, schmücken den Schießstand. Sie künden den Nachkommen von der Verbundenheit ihrer Väter und zunehmend auch der Mütter mit dem Wolfurter Schützenwesen. Mögen noch viele folgen! Bild 6: Schützenjubiläum 1899. Diese besonders wertvolle Scheibe, gemalt von Schnidartes Hannes, zeigt die drei alten Wolfurter Schießstände beim Rößle, beim Adler und auf Kronenwirts Bühel. 26 27 Bild 7: Die älteste Wolfurter Scheibe von 1891. Ein Gamsbock für die beiden neuen Schützenmeister. Bild 8: 50 Jahre bei den Schützen! Küfermeister Joh. Bapt. Höfle feierte 1896 sein Jubiläum mit einem übergroßen Adler. 28 29 Bild 9: Kaiser-Jubiläum 1898. Die Schützen ehrten ihren Landesherrn bei vielerlei Anlässen. Bild 10: 1898. Trinkfest sollten die Schützen auch sein! Jedenfalls galt das für den Schmied Böhler aus dem Strohdorf. 30 31 Bild 11: Der Krieg auf dem Balkan als Thema einer Schützenscheibe von 1899. Josef Anton Köb, Lehrars Seppatone auf dem Bühel, hatte es gewählt. Bild 12: Ein Hochrad von 1899. Bernhard Schertler, Veres, hielt den neumodischen Männersport samt einer übermütigen Warnung fest. 32 33 Bild 13: Ein Löwe als Ziel! Der neue Vorstand von 1903 wollte in Würde erscheinen. Bild 14: 1905. Musik und Gesang auf dem Kirchplatz vor dem Schwanen. Die reichen Sticker Bernhard Schertler und Franz Rohner, Kapeollar, freuten sich über die goldenen Zeiten. 34 35 Bild 15: 1908. Wieder ein Goldenes Jubiläum. Ferdinand Schneider, 1841-1917, hatte sich als Meisterschütze und Oberschützenmeister Verdienste erworben. Aber auch in anderen Vereinen und vor allem als Dorf-Chronist hat der einfache FabriksArbeiter viel für die Gemeinschaft geleistet. Bild 16. 1924. Wallfahrt nach Rom! Die erste Schützenscheibe nach dem Ersten Weltkrieg. 36 37 Bild 17: Auswanderung nach Amerika! Albert Schwerzler, Hafnars in Spetenlehen, kam 1936 auf Besuch in die Heimat und erzählte von den Wolkenkratzern. Bild 18: Humor auch im schlimmen Jahr 1937! - Fideles Ernst und seine Braut Ilga halten Hochzeit. Die Kollegen bedauern das Ende der unbeschwerten Schützenfreiheit. 38 39 Bild 19: NS-Zeit 1940. Auch dieser Abschnitt der Schützengeschichte findet sich mit dem roten Adler des Reichsgaus Tirol auf einer Wolfurtcr Scheibe. Bild 20: 1960. Kronenwirts Bühel mit dem alten Scheibenstock. Die erste Scheibe nach dem Zweiten Weltkrieg ist dem Andenken an die verstorbenen Vereinsfunktionäre gewidmet. 40 41 Bild 21: Schützen-Hochzeit 1967: Alwin Rohner und Annelies Schertler, die spätere Fahnenpatin. Bild 22: Mit dem neuen Schießstand begann eine Kette von Erfolgen, die sich auch in den Schützenscheiben niederschlug. Reinhard Muxel wurde 1983 österreichischer Jugendmeister und nahm an der Europa-Meisterschaft teil. 42 43 Bild 23: 90 Jahre alt! Dr. August Fischer 1988 in Matreier Schützentracht. Sein Großvater Martin Fischer hatte den Schießstand an der


Heimat Wolfurt Heft 26 2002 April
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 26 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 2002 Bild 1: s Doktor-Hus an der Hub. Erbaut 1905. Inhalt: 130. Ärzte in Wolfurt 131. Elektrizität 132. Malerfamilie Schneider 133. Das älteste Bild 134. Anna selbdritt 135. Menschen um uns 136. Alte Häuser Bildnachweis: Bild 16 Sammlung Johann Kaufmann Bilder 27 u. 28 VLM, Flatz-Katalog 2000 Bilder 15 u. 20 Siegfried Heim Bild 30 Karl Hinteregger Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Vorsteher und Bürgermeister (4) (Heft 25, S. 6) Das Echo auf den letzten Teil der Bürgermeister-Serie, die sich mit den kritischen Jahren des 20. Jahrhunderts befaßte, war durchaus positiv, obwohl bei genauer Durchsicht sicher einiges zu beanstanden oder auf alle Fälle zu ergänzen wäre. Das hat bis jetzt - trotz Aufforderung - niemand getan. Lediglich Alt-Bürgermeister Emil Geiger berichtet, daß er damals 1950 mit seinen 27 Jahren der weitaus jüngste Bürgermeister im Lande gewesen sei. Mord und Totschlag (Heft 25, S. 47) Im Sterbebuch von 1839 fand ich endlich die Totschlag-Geschichte von Toniles Bub. Das Unglück ereignete sich am 29. Juni 1839, nachts 1/4 vor 11 Uhr an der Hub. Gestorben ist Franz Xaver Flatz, verehelicht in Alberschwende und beiläufig 30 Jahre alt. Die Leiche wurde nach Alberschwende überführt und dann dort am Iten Juli l. J. beerdiget. Dieser Mann wurde an der Hub der Pfarre Wolfurt mit einem Stiletstich, der 6 3/4 Zoll tief war, u. durch den Magen, Leber und eine Schlagader gieng, plötzlich getödtet. So heo s i ghört (25) (Heft 25, S. 63) Zum Mundart-Beitrag ist eine Berichtigung von meinem Bruder Adolf Heim eingegangen, die ich ganz hinten im Heft wiedergebe. Danke! Auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt sind mit den in Heft 25 ausgesandten Erlagscheinen wieder viele Spenden eingegangen. Damit konnte ein beachtlicher Teil der Druckkosten abgedeckt werden. Allen Spendern sagen wir ein herzliches Danke schön. Unser besonderer Dank gilt aber wieder der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Siegfried Heim Bittere Medizin Die Arzneikunst, die uns heute mit hochqualifizierten Ärzten und großartig ausgestatteten Krankenhäusern unser ganzes Leben lang umsorgt, hat einen langen und schwierigen Weg zurückgelegt. Auf ihre Entwicklung in Wolfurt möchte ich hier zurückschauen. Angefangen hat sie wohl bei allen Naturvölkern mit den Erfahrungen über Wunden und Krankheiten. Weise Frauen und Medizinmänner gaben ihr Wissen um Heilpflanzen, Salben und „Behandlungen" weiter. Erste Höhepunkte der Medizin kennen wir von den Priestern des Altertums und von der Schule des Hippokrates in Griechenland. Im Mittelalter zeigte sich wenig Fortschritt. Arzneikunst erschien vielen als eine Art von Zauberei. Große Kenner der Natur wie Hildegard von Bingen und Albertus Magnus waren Ausnahmen. Erst am Beginn der Neuzeit reformierte der 1493 in Einsiedeln geborene Paracelsus die Medizin in Mitteleuropa. Wundärzte begleiteten im Dreißigjährigen Krieg die Söldnerheere. Gegen Pest und Cholera, die in schrecklichen Epidemien Städte und Dörfer menschenleer fegten, wußten sie aber keinen Rat. Bei vielen Krankheiten suchte man Heilung in den Bädern. Von der geheimnisvollen Kraft mancher Quellen erhoffte man sich wahre Wunderdinge. Unter den Heilwässern in Vorarlberg findet sich auch der Rickenbach. Zwar heißt es 1605 von der Badstube am Rickenbach, sie sei „zergangen". Aber 1694 wird dort noch einmal ein „Meister Caspar Gasser, Barbierer von dem Bad neben der Mülin zu Rikhenbach" ' erwähnt. Es dürfte der gleiche Kaspar Gasser gewesen sein, der um 1700 als Besitzer der Taverne in Spetenlehen genannt wird, aus der später der Gasthof Krone wurde. Unsere vergilbten Sterbebücher geben allerlei Hinweise auf die Krankheiten und auch auf die allerältesten Wolfurter Ärzte. Einer davon war Antonius Bildstein. In Dornbirn, das damals aus mehreren zu einem Gericht zusammengefaßten Dörfern bestand, war er 1706 geboren worden. Sein Vater Michael Bildstein war hier der Gemeindearzt, den man damals chirurgus nannte. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Mathias erhielt auch Anton eine Ausbildung zum Chirurgus. Mathias wurde später selbst Arzt in Dornbirn. Anton kam als junger Doktor zuerst nach Hard, wo er seine Frau Katharina Dörler kennen lernte. Um das Jahr 1739 ließ sich das junge Paar dann in Wolfurt nieder. Der Arzt hatte das große Haus neben der Kirchenstiege erworben, das man später nach einem seiner Nachkommen Hanso Hus nannte.2 Die Tätigkeit eines Dorfarztes war in jenen Hungerjahren noch sehr eingeschränkt. Zu seiner Ausstattung gehörten scharfe Messer. Er führte damit verschiedene Operationen durch und amputierte sogar zerquetschte oder von Wundbrand be4 Bild 2: Hanso Hus. Hier lebte um 1750 der erste bekannte Wolfurter Arzt, der Chirurgus Antonius Bildstein. fallene Glieder. Er öffnete bei manchen Krankheiten eine Vene, um durch „zuAder-Lassen" im Körper neue Kräfte zu aktivieren. Bei „Schwerblütigkeit" setzte er Blutegel auf Bauch und Oberschenkel. Die Verstopfung bekämpfte er mit einer Klistier-Spritze. Bei Wasser-Leiden führte er schon Katheter ein. Mit einer Zange riß er schmerzende Zähne aus. Er verband Wunden und versuchte, mit einem glühenden Eisen eiternde Wunden zu desinfizieren. Mit Schindeln und straffen Verbänden behandelte er Beinbrüche und Verrenkungen. Und in allerhand Tiegeln und Töpfen verwahrte der Chirurgus seine Salben, Pülverchen und getrockneten Heilpflanzen, von denen man sich Abhilfe von den verschiedensten Leiden versprach. - Wahrhaft bittere Medizin! Auch zu komplizierten Geburten wurde der Arzt gerufen. Doch allzu oft war seinen geschickten Händen hier der Erfolg versagt. Die Sterbebücher mit den Aufzählungen von Kindbetterinnen und ihren notgetauften „Engeln" lassen viel Leid erahnen. Die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe war für die meisten Familienväter viel zu teuer. Der Ertrag seiner Kunst vermochte den Arzt Anton Bildstein und seine neun Kinder in dem großen Haus am Kirchplatz nicht zu ernähren. Er gebrauchte sein scharfes Messer bald auch, um den Bauern damit ihre Bärte zu stutzen. Balbierer schrieb der Pfarrer jetzt zu seinem Namen. Schon im Alter von 47 Jahren starb er. Keiner von seinen vielen Söhnen wählte den Arztberuf. Crispin Bildstein, 1740-1819, richtete im Arzthaus den ersten Wolfurter Krämerladen ein. Unter seinen zahlreichen Wolfurter Nachkommen finden sich ein Pfarrer und ein Vorsteher und der bedeutendste aller Wolfurter Ärzte, der Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler. Ein anderer Sohn des Anton war Johannes Bildstein, geb. 1746. Der Enkel Josef Anton Bildstein, 1773-1846, begründete als Wagner an der Hub jenes große 5 Geschlecht, aus dem nicht nur Dutzende von Wolfurter Familien stammen, sondern u.a. auch die Lauteracher und Feldkircher Bildstein und der Lecher Schilift-Pionier Sepp Bildstein. Wenn Antonius Bildstein, der Stammvater all dieser angesehenen Familien, von der Not getrieben, sich vom Chirurgus zum Balbierer wandeln mußte, so war eine der Ursachen auch, daß viele Kranke aus Furcht vor dem Arzthonorar lieber Zuflucht zu alten Hausmitteln oder gar zu Zaubermitteln nahmen. Solche fand man in den „Egyptischen Geheimnissen", einem noch um 1800 in vielen Auflagen verbreiteten Buch, das geschäftstüchtige Verleger fälschlich dem Bischof Albertus Magnus zuschrieben.3 Der gelehrte Dominikanermönch war um 1250 als Naturwissenschaftler selbst der Zauberei verdächtigt worden. Für Bild 3: Egyptische Geheimnisse. Titelseite eines uns klingen die ihm später zugeschriemedizinischen Zauberbuches benen und trotz kaiserlichem Verbot verbreiteten Rezepte ganz unglaublich. Aber noch bis etwa zum Jahr 1850 folgten ihnen nicht wenige Leute. Man hatte dem Buch ja mit Totenkopf und Kreuz, die in schwarzem Siegellack aufgeprägt worden waren, und mit lateinischen Zauberformeln einen magisch anziehenden Anstrich verliehen. Einige Rezepte aus den Egyptischen Geheimnissen des Albertus Magnus: Gegen Husten Brate Zwiebel, schmiere die Fußsohlen damit, es wird besser; oder man nehme starken Branntwein, tauche ein weißes Tüchlein darin, und schmiere die Fußsohlen damit; Morgens und Abends, es hilft. Gegen Blasensteine Man brenne einen im März gefangenen Hasen mit Haut und Haar zu Pulver, nehme gestoßenen Petersilien-Saamen und Honig, bereite eine Latwerge daraus, gebe sie dem Patienten Morgens früh nüchtern und Abends beim Schlafengehen, so bricht der Stein. Gegen Zahnweh Lorbeerpulver für 2 Kreuzer, Venchelpulver für 2 Kreuzer. Eine Hand voll weiß Mehl und ein Ei, dises zu einem Küchlein gebacken, und nächtlich warm über die Ohren gelegt. 6 Für neuen Haarwuchs Nimm Hundsmilch und bestreich den Ort damit, wo du Haare haben willst, es wächst gewiß Haar. Gegen Durchfall Nimm Hasel-Zapfen zwei Theil, Roßknochen zwei Theil, ein Theil Schuhsohlen, mache alles zu Pulver. Morgens und Abends 2 Löffel davon eingeben. Gegen anhaltendes Fieber Dagegen ist ein gutes Mittel eine große Kreuzspinne, welche man in einer Nuß dem Patienten etliche Tage am Hals hängen läßt, doch muß der Patient nicht wissen, was in der Nuß ist. Gegen Halsbräune (Diphtherie) Gut ist ein ganzes Schwalbennest, klein gestoßen und in Wein gesotten; der hieraus entstandene Brei wird dem Kranken um den Hals geschlagen. Zwischen die Rezepte eingefügt finden sich aber auch reine Zaubersprüche, etwa: Gegen Fußweh Satora robote Netabe rottota S. + Gegen solche „Rezepte" und gegen den Wildwuchs von kaum ausgebildeten Wundärzten, Badern, Barbieren, Wurzelkrämern und Bauchschneidern wandte sich Kaiserin Maria Theresia, die 1764 die allgemeine Schulpflicht eingeführt hatte, mit zwei Sanitätsgesetzen von 1767 und 1770, in denen sie ausdrücklich die Anpreisung von Zaubermitteln verbot. Sie verlangte ab jetzt als Abschluß der ärztlichen Lehr- und Wanderjahre eine Prüfung an der Hochschule. Einer der ersten, der in Wolfurt den neuen Normen entsprach, war der „Kyrurg" Georg Gmeiner, 1766-1827, der sich in manchen Schreiben selbst als „Wundarzt und Geburtshelfer" bezeichnete. Er war 1766 in Unterlinden geboren worden, im heute noch stehenden Haus Frickenescherweg 4. Aus dem gleichen Haus stammte auch sein Onkel Lorenz Gmeiner, der von 1781 bis 1814 als Pfarrer die große Pfarrei Wolfurt durch die Franzosen- und Bayernzeit lenkte. Der junge Arzt Georg Gmeiner erwarb zu seiner ersten Hochzeit 1794 ein Haus am heutigen Sternen-Platz (Kirchstraße 1. Es ist 1949 abgebrannt). Für lange Zeit wurde dieses Haus damit zum Wolfurter „Doktor-Hus ". Der Winter 1796/97 brachte für den Arzt die erste große Belastungsprobe. Durchziehende Soldaten hatten die „Schwarzen Blattern" eingeschleppt, die Pocken. Innerhalb weniger Monate raffte die schreckliche Seuche 57 Kinder dahin, die meisten ein oder zwei Jahre alt, nur wenige 4 oder 5 Jahre. Dagegen verschwindet im Sterbebuch fast die Notiz des Pfarrers vom 15. September 1796: „Sex milites caesarei et tres gallicani quorum nomina ignota". Sechs kaiserliche und drei französische Soldaten, deren Namen unbekannt waren, hatte man nach einem schweren Gefecht in Wolfurt begraben müssen. Sicher mußte auch der Gemeindearzt den vielen Verwundeten Hilfe leisten. 7 Bild 4: Doktor Rohner-Hus im Strohdorf Ungeheuer groß war die Kindersterblichkeit, verursacht vor allem durch falsche Ernährung, Vitamin-Mangel, aber auch fehlende Hygiene. Ganz erschütternd und für uns fast unfaßbar sind die Zahlen aus Pfarrer Gmeiners Sterberegister: 1790 42 Verstorbene davon 32 Kinder unter 7 Jähren 1791 52 Verstorbene davon 29 Kinder 1792 52 Verstorbene davon 34 Kinder. Auf diese Not waren jetzt auch die kaiserlichen Behörden aufmerksam geworden. Mit einer Reihe von Verordnungen versuchten sie, den Ausbildungsstand der Hebammen zu verbessern. Hebammen trugen ja einen großen Teil der Verantwortung für die Gesundheit im Ort. Außer Geburtshilfe und Betreuung von Wöchnerin und Säugling war ihnen die Behandlung von vielerlei Frauenleiden anvertraut. Sie stillten Blutungen und legten Katheter an. Für Wolfurt ließ der Wundarzt Georg Gmeiner seine eigene Frau Magdalena Höfle zur Hebamme ausbilden. Nach siebenjähriger Tätigkeit starb sie 1804 sehr früh. Gmeiner heiratete noch im gleichen Jahr die 1885 in Schwarzach geborene Anna Maria Greussing. Auch diese wurde nun für Jahrzehnte Hebamme für Wolfurt und Schwarzach. 1815 unterzog sie sich der von den Behörden geforderten Prüfung und erhielt dafür ein Diplom. Vorsteher Mathias Schneider, der ab 1817 die noch junge Gemeinde durchorganisierte, gewährte ihr nun für ihre Tätigkeit ein jährliches „Wartgeld" von 50 Gulden. Ihr Gatte, der als Arzt ohne Wartgeld ganz auf HonorarEinnahmen angewiesen war, holte diesen Betrag jeweils ab. Als 1824 der neue Vorsteher Vonach sein Amt antrat und dafür jährlich 51 Gulden zuerkannt erhielt, mißgönnte er der Hebamme ihren Lohn. Es kam zu einem häßlichen Streit mit ihr und ihrem Ehemann. Der Vorsteher warf dem Arzt häufigen Gasthausbesuch und Spielsucht und der Hebamme eine ganze Anzahl von Pflichtversäumnissen bis zur Beherbergung von Huren vor. Gmeiner antwortete mit 8 einer Verleumdungsklage beim Landgericht und bekam Recht. Der Vorsteher mußte nach nur elfmonatiger Amtszeit gehen.4 Wenige Jahre danach starb 1827 der Wundarzt nach 33jähriger Tätigkeit in Wolfurt. Von seinen sechs Kindern studierte damals der Sohn Gebhard Gmeiner in Wien Medizin. Als 19jähriger Student verstarb er dort schon 1830. Noch zu Lebzeiten des Vaters hatte die Tochter Anna Maria Gmeiner den Alberschwender Gemeindearzt Joh. Martin Rohner, 1790-1864, geheiratet. Dieser stammte aus Wolfurt und war im späteren Gasthaus „Rößle" an der Kirchenstiegen geboren worden. Er hatte Napoleons Rußland-Feldzug heil überstanden,5 In Wien hatte er 1820 sein Arztdiplom erhalten. Nun verzichtete er auf seine Arztstelle in Alberschwende und übernahm die Praxis seines erkrankten Schwiegervaters. Nur wenig ist über seine Tätigkeit überliefert, außer daß er recht rauhe Umgangsformen hatte und in Erinnerung an seine Soldatenzeit häufig französisch und russisch fluchte. Beim Landgericht ging 1833 eine Anzeige ein, weil er ohne Einverständnis der Angehörigen, aber im Beisein von Pfarrer Barraga, einen verstorbenen jungen Mann untersucht hatte. Er habe dem Leichnam den Bauch aufgeschnitten und die Eingeweide heraus genommen.6 Solche Eingriffe erschienen den meisten Leuten als Frevel. In einem Rundschreiben vom 25. Jänner 1842 an alle Gemeinden7 fragte das k.k. Landgericht nach der Todtenbeschau. Es waren Klagen vorgebracht worden, .... daß Leichname sogleich nach ihrem Ableben entweder in Schupfen, Gängen u. abgelegenen Kammern, mit gänzlicher Vernachläßigung einer ferneren Aufsicht untergebracht, oder sogleich nach gemachtem Todtensarg vor Ablauf von 48 Stunden in Todtensarg gelegt, u. mit dem Sargdeckel fest verschloßen worden Die Behörden waren besorgt, es könnten Scheintote bestattet werden, .... wovon uns die Vorzeit die gräßlichsten Beyspiele aufgezeichnet hat.... In dem angeordneten Antwortschreiben hielt der neue Pfarrer J. A. Hiller fest, daß so etwas in Wolfurt nicht zu befürchten sei. In diesen Jahren machte die Medizin gewaltige Fortschritte. In einer Preisliste für chirurgische Verrichtungen, herausgegeben vom k.k. Gubernium im Jahre 1821, werden bereits eine Reihe von höchst komplizierten Operationen genannt:8 Für die Operation einer Hasenscharte 2 fl Für Luftröhrenöffnung 7 fl Für den Kaiserschnitt bei einer Lebenden 10 fl Für den Blasensteinschnitt 20 fl Solche Eingriffe waren mit großen Schmerzen verbunden, denn sie fanden praktisch ohne Narkose statt. Nur höchst selten verwendete man Hanf-Absud oder andere pflanzliche Drogen, häufiger starke Eingaben von Alkohol. Erst ab 1844 verbreitete sich von den Städten aus der Gebrauch von Lachgas für Betäubungen. Bald folgten Äther und Chloroform. Erst mit diesen beiden Narkosemitteln konnte sich die Chirurgie in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert entwickeln. 9 Bild 5: Die Post im Strohdorf beherbergte von 1860 bis 1905 die Arztpraxis und von 1928 bis 1963 die Krankenschwestern. Von einem sehr frühen Kaiserschnitt berichtet das Sterbebuch der Pfarrei Buch. Im Jahre 1834 lag die Frau des Vorstehers Böhler in argen Wehen. Mit mehreren anderen Ärzten wurde auch der Kreis-Physikus von Soltmann aus Bregenz gerufen. In höchster Not wagte dieser einen Kaiserschnitt. Vergebens! Frau und Kind überlebten den Eingriff nicht. Und immer noch war die Kindersterblichkeit entsetzlich groß: 1849 66 Taufen / 54 Verstorbene, davon 24 weniger als ein Jahr alt 1850 58 Taufen / 79 Verstorbene, davon 33 weniger als ein Jahr alt 1851 64 Taufen / 56 Verstorbene, davon 23 weniger als ein Jahr alt. Im Durchschnitt starben also 42 (!) Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr. Im Jahre 1864 ist der „Doktor" Georg Gmeiner gestorben. Eine ganze Reihe von verschiedenen Ärzten bemühten sich in den folgenden Jahren um die Wolfurter Kranken. Als Doktorhaus diente viele Jahre lang eine Wohnung im 1851 vom späteren Vorsteher Josef Anton Schertler aus Stein erbauten schönen Haus Schulstraße 1, der im Jahre 1965 abgebrochenen Post. Der Pfarrer führte dieses neue Haus provisorisch ein paar Jahre lang unter der Nummer „154", was später die Nachforschungen recht kompliziert machte. Nachweisbar9 sind die Ärzte Joh. Gmeiner und Franz Müller mit ihren Familien im Haus C 149 (Wälderstraße 1, Köbo Ferdeles) und Johann Moritz mit seiner Familie in C 147 (Wälderstraße 10, Düros). Weil sie aber in der damals sehr armen Gemeinde kein Wartgeld und wahrscheinlich auch nicht genügend zahlende Patienten bekamen, blieben die meisten nur wenige Jahre. Folgende Namen konnte ich ausfindig machen:10 Dr. med. Johann Gmeiner, 1827-1862, Studium in Wien, promoviert 1857. Noch zu Lebzeiten von Rohner praktizierte er von 1857 bis 1862 in Wolfurt. Schon als 35jähriger ist er am 2. Februar 1862 gestorben, nach dem Sterbebuch im Haus „154" (Post). Beerdigt wurde er in Lauterach. 10 Dr. med. Franz Müller, 1820-1868, Studium in Wien und in Innsbruck, promoviert 1844. Als Wundarzt kam er mit seiner Familie 1865 nach Wolfurt. Schon nach drei Jahren ist er am 10. April 1868 im Haus „154" an Brustwassersucht und Altersschwäche gestorben. - Altersschwäche? Mit 48 Jahren? - Müller hinterließ seine Frau Cäcilia und fünf Kinder im Alter zwischen 5 und 18 Jahren. Dr. med. Johann Moritz, geb. 1825, zuständig nach Feldkirch. Im Taufbuch findet er sich 1869 als Geburtshelfer. Mit seiner Frau und den drei Buben verließ er Wolfurt bald wieder. Dr. med. Dünser, Arzt in Wolfurt etwa von 1871 bis 1877. Im Taufbuch findet wir ihn in diesen Jahren oft als Geburtshelfer, einmal 1877 auch als Spender der Nottaufe. Daten und Vorname werden aber nirgends genannt. Im Jahre 1875 war Vorsteher Schertler in sein neues Zieglerhaus im Flotzbach übersiedelt und hatte das Haus „154" an den Kronenwirt Sohm verkauft. Es blieb aber Doktorhaus. Dr. med. Franz Josef Gmeiner, 1847-1915, geboren in Alberschwende, Studium in Innsbruck, promoviert 1877. Als junger Arzt begann er 1877 seine Praxis in Wolfurt, bildete sich zum Homöopathen aus und arbeitete zeitweise als Kurarzt im Heilbad Obladis in Tirol. 1880 übersiedelte er nach Dornbirn und schon 1883 nach Bregenz. Dort wirkte er als gesuchter Augen- und Lungen-Spezialist noch 30 Jahre lang." Dr. med. Schnetzer. Auch ihn kennen wir nur aus den Pfarrbüchern. Schon im Mai 1879 wird er im Sterbebuch als „von hier" bezeichnet und dann bis 1883 mehrmals im Taufbuch als Geburtshelfer. Dr. med. Fritz Elsler. Er stammte aus Ried in Tirol und hatte von 1883 bis 1890 in Wolfurt die Stelle eines Gemeindearztes inne. Bekannt geworden ist seine gemeindepolitische Tätigkeit mit den Casino-Leuten.12 1882 hatte Pfarrer Sieber den Friedhof vergrößert und 1883 den ersten Todtenwagen für Beerdigungen eingeführt. Im Jahre 1888 ging vom verseuchten Rickenbacher Brunnen eine Typhus-Epidemie aus, die acht Todesopfer forderte. Darunter befand sich auch der Mechaniker Dür, der mit seiner Groß-Schlosserei das Stammwerk der Firma Doppelmayr geschaffen hatte. Laut Sanitätsgesetz von 1889 mußte das ganze Land flächendeckend in Sanitätssprengel aufgeteilt werden. So wurde für Wolfurt, Schwarzach und Bildstein (ohne Farnach) ein gemeinsamer Sprengel erstellt und von den Vorstehern J. M. Schertler, Johann Kohler und Urban Grabher in einer gemeinsamen Sitzung am 15. September 1889 im Löwen in Rickenbach dem Wolfurter Gemeindearzt Dr. Elsler anvertraut. Die Bedingungen waren aber so schlecht, daß Elsler ein Jahr später kündigte. Dr. med. Bilgeri. Auch der im Dezember 1890 zum Sprengelarzt bestellte Dr. Bilgeri wurde mit der Festsetzung des Wartgeldes so lange vertröstet, bis er Wolfurt schon nach zwei Jahren wieder verließ. 11 Erst jetzt erstellten die drei Gemeinden gemeinsam einen ordentlichen Vertrag:13 1. Der Sprengelarzt erhält jährlich ein Wartgeld von 400 Gulden, das in vier Raten ausbezahlt wird. 2. Folgende Gebühren werden festgelegt: a) Ganggeld für Hausbesuche in Wolfurt 50 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden in Bildstein 1 Gulden b) Totenbeschau in Wolfurt 80 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden 50 Kreuzer in Bildstein 1 Gulden 50 Kreuzer c) Ordination im Hause 30 Kreuzer. 3. Die Kündigungsfrist beträgt 3 Monate. Dr. med. Martin Hauser. Am 8. Juli 1892 wurde der obige Vertrag von Dr. Hauser aus Kappl bei Landeck unterzeichnet. Schon ein Jahr später kündigte er ihn wieder und ging nach Silz in Tirol. Trotz mehrfacher Ausschreibung konnte lange Zeit für den großen Sprengel mit der kleinen Rendite kein Arzt mehr gefunden werden. Der Schwarzacher Vorsteher Johann Kohler, der als Reichsratsabgeordneter über gute Kontakte verfügte, bemühte sich vergeblich sogar in Wien und in der Steiermark. Ein paar junge Mediziner, die sich die Verhältnisse im Sprengel wenigstens angeschaut hatten, verließen Wolfurt schnell wieder. Kranke mußten daher teure auswärtige Ärzte holen lassen. Im Jahre 1885 hatte der Sticker Gebhard Gmeiner, Lutzo-Schrinars, das Doktorhaus - es führte jetzt wieder die richtige Nummer C 261 - erworben. Weil aber ArztPraxis und Wohnung meist leer standen, drohte er 1894, die Wohnung anderweitig zu vergeben. Da schlössen die Sprengel-Gemeinden, bei denen Wolfurt jetzt durch den neuen Vorsteher Lorenz Schertler vertreten wurde, einen Vertrag mit ihm. Für jährlich 150 Gulden konnte der Vorsteher ab 1. Mai 1894 Räume für eine Arztpraxis mit Apothek-Zimmer und Wohnung (im Haus Schulstraße 1) mieten. Dr. med. Franz Lutz aus Steinhaus im Südtiroler Ahrntal bezog diese Räume, verließ sie aber schon nach einem Jahr wieder. Das „Wartgeld", der Grundgehalt des Arztes, war mit jährlich nur 400 Gulden einfach zu niedrig, auch wenn die Fabrik Jenny und Schindler für die Betreuung ihrer Arbeiter noch zusätzliche 100 Gulden beisteuerte. Schon im Herbst 1896 mußte die Stelle neu ausgeschrieben werden. Diesmal bewarb sich der bereits 58 Jahre alte Doktor Embacher, der bisherige Gemeindearzt von Blons. Dr. med. Johann Embacher, 1839-1923, Studium in Wien, promoviert 1868. Er stammte aus Kössen in Tirol und trat am 1. März 1897 die Sprengelarztstelle in Wolfurt an. 26 Jahre lang behielt er sie bis in das hohe Alter von 84 Jahren. Die Einwohnerzahl des Sanitätssprengels war stark im Steigen und lag 1900 bei etwa 3500 Menschen, die der Doktor - zu Fuß! - zu betreuen hatte, zum Teil auf abgelegenen Höfen in Bildstein und in Schwarzach. 12 Allein unter den über 2000 Wolfurtern gab es jetzt jedes Jahr im Durchschnitt 73 Geburten und 51 Sterbefälle. Und noch immer lag die Kindersterblichkeit mit etwa 20 Prozent Verstorbenen im ersten Lebensjahr sehr hoch. Als Todesursachen gab der Arzt bei den Kindern am häufigsten Durchfall, Bronchitis und Fraisen oder Gichter (durch Vitamin-Mangel verursachte Krämpfe) an, daneben manchmal auch Lebensschwäche, harte Geburt, Keuchhusten und andere. Als Ergänzung zu diesen nüchternen Prozentzahlen biete ich dem interessierten Leser umseitig eine Skizze des Wolfurter Friedhofs mit den vielen Kindergräbern von 1906 an! Nach langen Verhandlungen erbaute die Gemeinde 1905 für Dr. Embacher ein gemeindeeigenes Haus an der Hub (heute Schulstraße 12, Titelbild), das nun bis zum Jahre 1965 das Wolfurter Doktor-Hus blieb. Bild 6: Vor der Rädler-Arkade im neuen Friedhof, 1912. Von links: Oberlehrer Rädler, Kaplan Hagspiel, Dr. Embacher, Pfarrer Nachbauer Im Februar 1906 bekam es der Arzt noch einmal mit den so gefürchteten „Blattern " zu tun. Von Lustenau herauf, wo die Krankheit etliche Todesopfer forderte, waren sie durch Frau Emerenz Holzer eingeschleppt worden. Die arme Emerenz wurde eingesperrt und streng bewacht, die gesamte Bevölkerung geimpft und alle Bälle und Zusammenkünfte in der Fasnat abgesagt. Mit Erfolg! Die Verbreitung der Seuche blieb aus. Überaus viele Tote forderte dagegen die „Spanische Grippe " von 1918 unter der vom Krieg arg geschwächten Bevölkerung. Dr. Embacher war jetzt 80 Jahre alt und - nach schriftlichen Aufzeichnungen im Gemeindeamt - eigentlich dienstunfähig, fast erblindet und schwerhörig. Trotzdem behielten ihn die knauserigen Sprengelgemeinden. Er verlangte ja nicht einmal in den Jahren der Inflation die ihm zustehende Lohn-Aufbesserung. Die Kranken mußten also wieder Hilfe in den Nachbargemeinden suchen. Am 8. November 1923 ist der gute alte Doktor gestorben. Mit Dr. Embacher und seiner Frau Kreszentia waren von ihren sieben Kindern nur die Tochter Emilie Embacher und die Stieftochter Emma Klotz nach Wolfurt gekommen. Emilie wurde 1901 die Ehefrau des Schwanenwirts Joh. Gg. Kalb und damit die Mutter des Wolfurter Schwanenwirts Siegfried Kalb und seiner 13 Friedhofs-Aufnahme 1906 Wegen des Platzmangels auf dem Friedhof ordnete Pfarrer Nachbauer 1906 eine Bedarfserhebung an. Die Zählung am 22. April 1906 ergab insgesamt 605 Gräber: 1 Priestergrab für den 1902 beerdigten Pfarrer J. Gg. Sieber 15 Separatgräber (Familiengräber), z.B. für Schwanen- und Lammwirt 459 Reihengräber, unglaublich eng beieinander 127 „Engel"Gräber für die vielen verstorbenen Kleinkinder 3 Selbstmörder-Gräber in ungeweihter Erde in der Friedhofsecke. Als Folge dieser Zählung ließ die Gemeinde unter Vorsteher Ferdinand Köb und Bauleiter Gemeinderat Engelbert Köb den „oberen" Friedhof mit den Arkaden erbauen. 1911 konnte er eingeweiht werden. Das große Holzkreuz in der Mitte des Friedhofs wurde 1914 zum „Kriegergrab", zur Gedenkstätte für die in fernen Ländern gefallenen Soldaten. Zur Kirche gehörte seit Gründung der Pfarrei Wolfurt im Jahre 1512 ein anfangs sehr kleiner Friedhof. „ et in ac apud capellam coemeterium " heißt es im Erhebungsbrief. In Ausnahmsfällen, etwa bei der Beerdigung eines Priesters, wurde das Grab also innerhalb der Kirche ausgehoben. Als es auf dem Friedhof dann zu wenig Platz gab, mußte jedes Grab schon nach wenigen Jahren neu belegt werden. Für die unverwesten Knochen errichtete man jetzt beim Kirchturm ein Beinhaus. Es enthielt einige Hundert Schädel und wurde erst 1833 beim Neubau der Kirche unter Pfarrer Barraga abgebrochen14. Jetzt wurde der Friedhof ab dem bisherigen Priestergrab, das am Platz der später errichteten Lourdes-Kapelle stand, um ein beachtliches Stück gegen Westen (in der Skizze oben) erweitert. Schon 1882 gewann Pfarrer Sieber beim Abbruch des alten Pfarrhofs und des Pfarrer-Stadels neuerlich Platz für eine Ausdehnung nach Osten. Im Jahre 1906 war nun der Friedhof wieder zu klein geworden. In langen Reihen standen ringsum die weißen Kreuzchen für die verstorbenen Kleinkinder. Mit dem Arkaden-Friedhof von 1911 fand die Gemeinde das Auslangen bis zum Jahre 1988. Dann mußte auf dem anschließenden Hügel der große Terrassen-Friedhof, der auch Platz für Urnengräber einschließt, gebaut werden. Nur mehr ganz vereinzelt findet man ein Kindergrab. Schau noch einmal hin: 1906 waren es noch 127! 14 15 Schwestern Elsa Mohr und Anna Schertler in Bregenz. Emma Klotz heiratete den Sticker Ferdinand Köb in der Bütze. Von ihren drei Töchtern haben wir alle noch die erst 1998 verstorbene Ferdinanda Grabher von der Unterlindenstraße gekannt. Dr. med. Eugen Lecher, 1884-1964, geboren in Dornbirn, Studium in Wien, promoviert 1919. Am Wilhelminen-Spital in Wien hatte er sich im Anschluß an sein Studium noch einer Spezial-Ausbildung in Frauen-Heilkunde unterzogen und 1923 eine Privatpraxis in Dornbirn eröffnet. Noch im gleichen Jahr bewarb er sich um die Arztstelle in Wolfurt, die er 1924 antrat. Unermüdlich war er mit seinem Fahrrad und der bald abgegriffenen ledernen Arzt-Tasche durch seinen großen Sprengel unterwegs. Im Winter zog der Schäferhund „Rexl" den Schlitten mit der Tasche nach Bildstein hinauf. Das Einkommen blieb bescheiden. Erst in den 30er-Jahren konnte sich der „Doktor" für die besonders bei Nacht oft beschwerlichen Krankenbesuche ein Auto anschaffen. Als 1928 medizinisch ausgebildete Krankenschwestern nach Wolfurt kamen, war sein Verhältnis zu diesen anfangs sehr reserviert. Für ein „Vergelt 's Gott" verbanden die beliebten Schwestern ja jetzt Wunden, legten Salben auf heiße Abszesse auf und übernahmen mit Rat und Tat einen großen Teil der Kranken-Versorgung. So sehr man ihre aufopferungsvolle Tätigkeit in Wolfurt15 schätzte, so waren sie für den Arzt doch eine beachtliche Konkurrenz. Dr. Lecher hatte schon 1924 zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz innerhalb der Feuerwehr eine Rettungsabteilung gegründet, die mit einem fahrbaren Liegebett ausgerüstet war. Er blieb bis zu seiner Pensionierung Mitglied der Feuerwehr und des Roten Kreuzes, dessen Ortsgruppe sich aus der Rettungsabteilung entwickelt hatte. In zahlreichen Schulungen lehrte er Erste Hilfe. Auch hier schuf er sich eine Konkurrenz, denn bei vielen Verletzungen und Verstauchungen suchten die Wolfurter jetzt ausgezeichnete (und preisgünstige) Hilfe bei Postmeister Anton Klettl, dem Ortsleiter des Roten Kreuzes. Fast nur bei schwereren Erkrankungen ging man zum Arzt, der auch schmerzende Zähne zog und unter Zuhilfenahme von Lachgas sogar manchmal auf dem schlichten Liegebett in seiner Ordination einen Leistenbruch operierte. Jetzt gab es bereits Krankenhäuser. Zu schweren Operationen ließ man sich in das „Spital" in Hohenems bringen, dessen jüdische Ärzte einen ganz besonders hohen Ruf hatten. Auch im „Sanatorium" Mehrerau suchte man Heilung, seltener in den Krankenhäusern von Bregenz und Dornbirn. Entbindungen fanden aber noch bis etwa zum Jahr 1950 immer zu Hause im Gado statt. Dazu holte man die erfahrene Hebamme, die zusammen mit einer Pfleogare Mutter und Kind versorgte. Wenn aber Komplikationen eintraten, rief man nach Dr. Lecher, der ja als Geburtshelfer speziell ausgebildet war. Gar manche Wolfurter haben ihm ihr Leben zu verdanken. Die Kindersterblichkeit sank enorm. Große Fortschritte in der Hygiene und in der Kinderernährung trugen dazu bei. Aber es sank auch die Anzahl der Geburten. In den Jahren von 1901 bis 1910 schwankte die jährliche Geburtenzahl in Wolfurt bei etwa 2200 Einwohnern noch 17 Bild 8: Dr. Eugen Lecher mit Frau und Adoptivtochter Hedl. Bild 9: Fahrbare RettungsBahre der Feuerwehr 1924 Bild 10: Dr. Lecher in seinem ersten Arztauto 1930 16 zwischen 57 (1906) und 80 (1908) und lag im Durchschnitt bei 70 pro Jahr. Von 1931 bis 1940 pendelte sie dagegen bei annähernd gleich viel Einwohnern zwischen 23 (1937) und 44 (1939) und lag im Durchschnitt mit 33,5 unter der Hälfte der ersten zehn Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Zeit der Großfamilien war vorbei! Es wandelten sich auch die Anforderungen an den Arzt. Krankenkassen und Krankenversicherungen ermöglichten vielen Menschen jetzt einen Arztbesuch. Die nach dem Krieg ab 1948 ansteigende Bevölkerungszahl machte die Teilung des Sanitätssprengeis notwendig. Im Jahre 1955 wurde für Schwarzach und Bildstein ein eigener Sprengel festgelegt, der von 1956 bis 1987 dem Schwarzacher Gemeindearzt Dr. Walter Hinteregger anvertraut wurde. Gleichzeitig hatte 1955 in Wolfurt Dr. Lecher seine Pensionierung angemeldet. 32 Jahre lang hatte er hier in schwierigen Friedenszeiten und in den Notjahren während und nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Arztdienst verläßlich versehen. Jetzt übersiedelte er mit Frau und Adoptivtochter Hedl ins Feldmoos nach Bregenz. 1964 ist er gestorben. Beerdigt wurde er im Familiengrab in Dornbirn. Dr. med. Lothar Schneider, Jg. 1920, ein Sohn des Gymnasial-Direktors und ehemaligen Unterrichtsministers Dr. Emil Schneider. Bis 1955 war Dr. Schneider Arzt am Stadt. Krankenhaus in Bregenz gewesen. Am 1. Jänner 1956 trat er die neue Stelle in Wolfurt an. Sein Sanitätssprengel umfaßte jetzt das ganze Gemeindegebiet mit rund 3000 Einwohnern. Weil das nun schon 50 Jahre alte Doktorhaus zuerst umgebaut werden sollte, mußte Dr. Schneider einige Zeit lang in der Schulküche Ordination abhalten. Mit seiner Freundlichkeit und Geduld und vor allem mit seiner Einsatzbereitschaft durch alle 24 Stunden des Tages gewann er schnell das Vertrauen der Mitbürger. Wieder hatte sich in den letzten Jahren viel geändert. Fast alle Haushalte besaßen jetzt Telefon. Fast alle Leute waren jetzt in der Krankenkassa versichert. Manche machten es sich nun leicht und ließen den Arzt bei jedem Husten oder Fieber und auch bei eingebildeten Krankheiten ins Haus kommen, und das nicht selten sogar nach Mitternacht. Es gab aber auch noch Stunden schwerster Prüfung. Pest und Cholera waren längst aus dem Gedächtnis entschwunden, seit 1888 auch der Typhus als Epidemie. Noch lange hatten Pocken, Scharlach und Diphtherie ihre Opfer gefordert. Aber seit Kleinkinder und Schüler dagegen geimpft wurden, galten auch sie als überwunden. Eine einzige Geißel war noch geblieben: die Kinderlähmung, die gefürchtete Poliomyelitis. Alle paar Jahre durchzog sie als Epidemie die Lande, forderte Menschenleben oder machte Kinder zu Krüppeln. Drüben in Amerika bot der Bakterienforscher Dr. Salk seit 1953 seine sicher wirkende Schutzimpfung an. Aber unsere Behörden zögerten zu lange. Als im Frühjahr 1958 die Epidemie wieder ausbrach, fühlten sich Ärzte und Eltern verlassen. Täglich las man Todesmeldungen in der Zeitung. Die einzige Eiserne Lunge in der Valduna konnte die Vielzahl von eingelieferten und in höchster Todesangst nach 18 Luft ringenden Gelähmten nicht alle aufnehmen. Völlig gesunde Buben und Mädchen waren nach zwei Krankheitstagen tot! Und der Arzt wußte keinerlei Hilfe für die verzweifelten Eltern. Als junger Lehrer und Vater habe ich im benachbarten Buch diese Wochen selbst erlebt. Seltsame Rezepte aus dem „finsteren" Mittelalter wurden wieder hervorgeholt. Während einzelne Mütter ihre Kinder mit starkem Bohnenkaffee abwuschen und ihnen auch solchen einflößten, taten andere das gleiche mit Schnaps! Viele rieben ihre Kinder mit zerschnittenem Knoblauch ein und hängten ihnen eine Kette aus Knoblauchzehen um den Hals. Und als zwei Kinder verstorben waren, verbot man den Mitschülern die Teilnahme am Begräbnis. Nur zu Hause durften sie noch beten! Nur beten! Weit mehr als einhundert Todesopfer forderte diese letzte Seuche damals im Bild 11: Dr. Lothar Schneider Land Vorarlberg, dazu gab es viele bleibend Invalide. Seither impfte man auch bei uns gegen Polio. Der Gemeindearzt war jetzt kein Einzelkämpfer mehr. Für Blut- und Harn-Untersuchungen und auch zum Röntgen arbeitete er eng mit benachbarten Laboratorien zusammen. Und bei schweren Erkrankungen konnte er in ein Krankenhaus einweisen. Aber sein Wartezimmer blieb stets übervoll. Schließlich benötigte er sogar noch spezielle Sprachkenntnisse, um auch den vielen eingewanderten türkischen und jugoslawischen Patienten helfen zu können. Im Jahre 1965 übersiedelte Dr. Schneider mit seiner Familie an die Unterlindenstraße, wo er in einem neuen Haus seine eigene Praxis und auch weiterhin eine eigene Arzt-Apotheke eingerichtet hatte. Als in den 70er-Jahren die Einwohnerzahl auf über 6000 gestiegen war, mußten die Gemeinde-Verantwortlichen an eine Erweiterung der ärztlichen Versorgung denken. Im Jahre 1977 wurde mit Dr. Vorhofer ein zweiter Gemeindearzt eingestellt. Er ordinierte vorerst im alten Doktorhaus an der Schulstraße. Gleichzeitig richtete Mag. Wolf im Unterlinden-Zentrum an der Lauteracherstraße die erste selbständige Apotheke ein. Noch bis zum September 1984 blieb Dr. Lothar Schneider im Dienst. Dann über19 ließ er die Praxis seinem Sohn Dr. Gerold Schneider und zog sich in den Ruhestand nach Bregenz zurück. In seiner Bescheidenheit lehnte er eine ihm von der Gemeinde für den 28jährigen aufopferungsvollen Einsatz zugedachte Ehrung ab. Seither hat sich die medizinische Versorgung der Menschen in unserem 8000Einwohner-Dorf immer schneller verändert. Eine ganze Anzahl von Ärzten hat sich hier niedergelassen. Ich entnehme ihre (wahrscheinlich schon wieder überholte) Liste dem letzten „Blauen Buch" aus dem Jahre 2000: Praktische Ärzte Dr. Roland Gmeiner Dr. Michael Tonko Dr. Rudolf Vorhofer Dr. Agnes Thurnher Fachärzte Dr. Herwig Meusburger Dr. Christof Breier Dr. Christian Allhoff Dr. Peter Huemer Dr. Markus Lunardon Apotheke Mag. pharm. Rainer Wolf Achstraße 33a Unterlinden 24 Fattstraße 1 Kreuzstraße 2 Frauenheilkunde und Geburtshilfe Innere Medizin Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Bützestraße 9 Bildsteinerstraße 5 Kirchstraße 2a Lauteracherstraße 3 Kellhofstaße. 1 Lauteracherstraße 1 Das ist eine ganz unglaubliche Entwicklung und Bereicherung, wenn man bedenkt, daß hier noch bis 1976 Dr. Schneider ganz allein gewirkt hat. Zusätzlich stehen uns zahlreiche Fachärzte in den nahen Städten zur Verfügung, sowie auch die ausgezeichnet ausgestatteten Krankenhäuser mit ihren Ambulanz-, Operations-, Bestrahlungs- und Rehabilitations-Einrichtungen. Nicht vergessen soll der Beitrag der Natur-Heilpraktiker sein. Eine große Rolle spielen aber auch Maßnahmen für eine gesunde Ernährung und für sinnvolle Freizeitgestaltung mit Bewegung und Entspannung. Wesentlich ergänzt wird das Gesundheits-Programm durch Bestrebungen gegen den Mißbrauch von Alkohol, Nikotin und anderer Suchtgifte. Schutzimpfungen machen uns immun gegen viele Krankheiten, die in vergangenen Jahrhunderten Tod und Entsetzen ins Dorf brachten. Durch unser ganzes Leben sind wir ärztlich umsorgt. Es beginnt mit Mutter-KindPaß und Säuglings-Fürsorge und setzt sich fort über die zahlreichen Schuluntersuchungen bis zu mancherlei Vorsorge-Untersuchungen für Gesunde, für Frauen, für Schwangere, für Schwerarbeiter und Risiko-Berufe. In den letzten Jahrzehnten des Wohlstandes und der sozialen Sicherheit hat sich 20 unsere Einstellung zum Leben und zum Sterben völlig verändert. Die Lebenserwartung ist sehr hoch geworden. Schon spricht man sogar von unwertem Leben in den Pflegeheimen und von aktiver Sterbehilfe. Stark gesunken ist dagegen die Anzahl der Geburten. Am besten wird das an den nüchternen Zahlen der Statistik sichtbar: Ende der 50er- und in den 60er-Jahren lag in dem mit seinen vielen neuen Einfamilienhäusern rasch wachsenden Wolfurt die Rate mit bis zu 33 Geburten auf 1000 Einwohner überdurchschnittlich hoch. Die allerhöchste absolute Geburtenzahl brachte dann das Jahr 1972 mit 147 Geburten. Das war bei 6305 Einwohnern immer noch eine hohe Rate von 23. Dann sank sie aber mit der Entwicklung der „Anti-Baby-Pille" schlagartig ab. Die letzten drei Jahre: Einwohner Geburten Sterbefälle 1999 7931 87 45 2000 7960 79 50 2001 7984 69 38 Damit ist die Geburtenrate (von früher 33) auf durchschnittlich 9,8 gesunken, im letzten Jahr 2001 sogar auf sehr niedrige 8,6! Und die Kindersterblichkeit? - Im Jahre 1999 sind zwei Kleinkinder gestorben, im Jahre 2000 eines und 2001 keines. Kein einziges! - Wenn du jetzt so ganz schnell über diesen letzten Satz hinweg gelesen hast, dann blättere doch zurück zu den 127 kleinen weißen „Engel"-Kreuzlein von 1906! Was haben die Ärzte, denen ich am Anfang „Bittere Medizin" unterstellt habe, mit ihrem Forschergeist und ihrem großen Einsatz alles geleistet! - Und doch hat all dieses menschliche Bemühen seine Grenzen. Irgendwann holt der unerforschliche Tod uns alle heim! Ärzte aus Wolfurt Neben den oben genannten Wolfurter Gemeindeärzten Joh. Georg Gmeiner und Joh. Martin Rohner möchte ich hier noch ein paar Namen von Ärzten nennen, die ebenfalls aus Wolfurt stammten, ihren Beruf aber in der Fremde ausgeübt haben. Dr. Balthasar Gmeiner, 1791-1863. Er war ein Neffe des Wolfurter Gemeindearztes J. Gg. Gmeiner (I.) und stammte wie dieser aus dem Haus an der Frickenescherstraße. Er hatte in Wien studiert und dort 1820 promoviert. Schon 1826 erlangte er die bedeutende Stelle eines Stadt-Wundarztes von Feldkirch, die er bis 1862 innehatte. 1863 ist er in Feldkirch gestorben.16 Dr. Joh. Georg Gmeiner (II.), 1804-1851. Er war der jüngste Bruder des Balthasar. Als Militärarzt verschlug es ihn bis in die Walachei. Gestorben ist er schon 1851 in Wien. Sein Enkel diente später in Wien als k.u.k. Offizier. Dr. Karl Wilhelm Rohner, geb. 1832 im Strohdorf. Er war nach dem Tod von sechs Geschwistern der älteste lebende Sohn des Gemeindearztes Joh. Martin Rohner. 21 Während sehr viele seiner Alterskollegen in den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswanderten, wählte er Australien als Ziel. Dort soll er „in Chiltern, Victoria" gearbeitet haben. Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973. Er gilt als Begründer der modernen UnfallChirurgie und war schon zu Lebzeiten weltweit bekannt. Im Jahre 1957 ernannte ihn die Gemeinde Wolfurt zum Ehrenbürger. Viele Jahrzehnte lang leitete er das von ihm gegründete legendäre Unfall-Krankenhaus an der Webergasse in Wien. Eine lange Reihe von Büchern sind von ihm und auch über ihn geschrieben worden. Seine 1991 von Inge Lehne herausgebrachte Biographie wird in Wolfurt jedes Jahr als Teil des „Böhler-Preises" an die besten Schüler vergeben. Prof. Dr. Jörg Böhler, geb. 1917. Er hat zwar immer in Bozen, Wien oder Linz gelebt und gearbeitet, aber Wolfurt regelmäßig besucht. Von hier erhielt er auch seinen „Heimatschein". Als Unfall-Chirurg wurde er der Nachfolger seines berühmten Vaters Lorenz Böhler. Er leitete das Unfall-Krankenhaus in Linz und ab 1972 das große neue „Lorenz-Böhler-Krankenhaus" in Wien. Dr. Josef Hinteregger, 1888-1947. Erwuchs als Sohn des Andreas Hinteregger auf dem Bühel in Wolfurt auf. Schon als Student beteiligte er sich in Verbindung mit amerikanischen Wissenschaftlern an der Erforschung der in Wolfurt wegen Jodmangel weit verbreiteten Kropf-Erkrankungen. Seine Schwestern mußten dazu die Station für die Versuchs-Ratten betreuen. Nach zehn Dienstjahren in Oberösterreich war Hinteregger 24 Jahre lang Gemeindearzt in Satteins. Er starb bei einem MotorradUnfall. Auch seine beiden Söhne studierten Medizin. Dr. Walter Hinteregger wurde von 1956 bis 1987 der erste Gemeindearzt in Schwarzach. Dr. Georg Hinteregger war von 1958 bis 1994 Gemeindearzt in Alberschwende. Prof. Dr. Emil Beck, 1931-2001. Er wurde im „Engel" im Kirchdorf geboren. Während seines Studiums in Wien wurde er von seinem Lehrer Prof. Lorenz Böhler besonders gefördert. Als Unfall-Chirurg begleitete er dessen Sohn Jörg nach Linz und kehrte mit ihm nach Wien zurück. Im Jahre 1974 wurde er der erste Leiter des neuen Vorarlberger Unfall-Krankenhauses in Feldkirch. Später erhielt er den Lehrstuhl für Unfall-Chirurgie in Innsbruck. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Feldkirch. Die Marktgemeinde Wolfurt verlieh ihm ihren Ehrenring. Sicher gibt es noch weitere Ärzte aus Wolfurt, deren Namen hier fehlen. Stellvertretend für jene, die in den letzten Jahrzehnten diesen verantwortungsvollen Beruf gewählt haben, nenne ich nur mehr zwei: Dr. Norbert Böhler, Jg. 1951. Er wuchs als Sohn des Zimmermeisters Eduard Böhler an der Bützestraße auf. Seit vielen Jahren ist er Gemeindearzt in Schruns. Dr. Gerold Schneider, Jg. 1954. Er ist ein Sohn des Gemeindearztes Dr. Lothar Schneider und übernahm 1984 dessen Arztpraxis an der Unterlindenstraße. Nach wenigen Jahren gab er die Gemeindearzt-Stelle auf und unterzog sich einem FachStudium. Heute arbeitet er als geschätzter Facharzt für Augen-Heilkunde in Dornbirn. Bild 12: Bekannte Ärzte aus Wolfurt, 1992: Prof. Dr. Emil Beck und Prof. Dr. Jörg Böhler vor dem Bild von Prof. Dr. Lorenz Böhler. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Werner Vogt, Alte Vorarlberger Heilbäder, Feldkirch 2001, S. 101 Siegfried Heim, Heims Ahnen, Privat, 2001, S. 20 Albertus magnus, egyptische Geheimnisse, 20. Auflage, ohne Angabe des Verlages mit Ausnahme der vermutlich gefälschten Herkunftsbezeichnung „Toledo", antiquarisch in Privatbesitz Forschungen von Dr. Johann Greißing in Landesgerichtsakten im VLA, die er freundlich zur Verfügung gestellt hat Heimat Wolfurt, Heft 7/1991,'S. 21 Wie Anm. 4, Forschungen Dr. Greißing GA Wolfurt, Schachtel 1842 Walter Hinteregger, Gesundheitswesen, Heimat Schwarzach, 1990, S. 178 GA Wolfurt, Familienbuch 1850, cod. 19 Die meisten aus: Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 Andere aus Gemeinde- und Pfarrbüchern Hinteregger, wie Anm. 8, S. 179 Heimat Wolfurt, Heft 24/2000, S. 28 GA Wolfurt, Schachtel 1892 Vorsteher Schertler für Landeskunde, Schachtel 1883 im GA Heimat Wolfurt, Heft 15/1995, S. 3 Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 22 23 Siegfried Heim Strom für Wolfurt „s Eläcktrisch" im Jahre 2002! - Tausend Apparate jeden Tag vom Wecker am Morgen über Kaffeemaschine und Telephon bis zum Fernseher noch spät am Abend! Dazwischen all die unzähligen Maschinen und Automaten in Werkstatt, Büro und im Straßenverkehr! Strom-Ausfall im Jahre 2002? - Nicht auszudenken! Wir sind völlig abhängig geworden von der Elektrizität. Da ist es vielleicht ganz gut, wenn wir uns einmal an die Anfänge vor gut 100 Jahren zurückerinnern. Der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner hat letztes Jahr die Elektrizitätsgeschichte unseres Landes gründlich erforscht und uns in seinem Buch Kraftfelder' zugänglich gemacht. Zu Weihnachten 2001 haben die Vorarlberger Kraftwerke ihr 100Jahr-Jubiläum gefeiert. Anlaß dazu war, daß das E-Werk Schindler in Rieden als Vorgänger der VKW am 24. Dezember 1901 erstmals Strom in das dörfliche Ortsnetz Rieden eingespeist hat. Die Stadt Bregenz bekam erst 1903 Strom, Hard und Lustenau folgten 1905. Und Wolfurt? Unsere Gemeinde war zusammen mit Schwarzach mehr als ein Jahr früher dran. Bei uns leuchteten die Glühlampen schon ab Mai 1900. Als allererste Gemeinden im Land wurden wir flächendeckend mit der neuen Energieform versorgt. Wie hat das alles begonnen? Große Wissenschaftler hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlagen der Elektrizität erforscht: Galvani, Volta, Faraday, Ampere, Ohm und andere. Fünfzig Jahre später griffen die Techniker die Ergebnisse der Forschungen auf und machten daraus Geld. Als Begründer der E-Technik gilt Werner von Siemens,18161896, der 1866 eine Dynamo-Maschine erfand und damit 1879 eine erste elektrische Lokomotive und 1881 die erste elektrische Straßenbahn baute (Schon 1902 fuhr eine solche Tram von Dornbirn nach Lustenau!). In Amerika erfand Thomas Alva Edison, 1847-1931, im Jahre 1879 eine brauchbare Kohlenfaden-Glühlampe und richtete damit 1882 in New-York erstmals ein Ortsnetz für 400 Haushalte ein. Seit 1883 erzeugten sowohl Siemens als auch Edison in ihren Firmen serienweise Glühlampen. Der rasche Siegeszug des neuen Lichtes konnte beginnen! Mittersteiner hat nun in seinem Buch manches richtig gestellt, was wir Lehrer bis jetzt falsch gelehrt haben, weil es falsch in unseren Büchern stand und immer wieder falsch abgeschrieben wurde: 1. In Kennelbach brannte 1884 das erste elektrische Licht der ganzen öst.-ung. Monarchie. (Dr. Hans Nägele in Feierabend 1932 / 30, S. 17) Falsch! Schon 1870 und 1873 leuchteten elektrische Bogenlampen in Wien. Auf der „Internationalen Electrischen Ausstellung" erstrahlten 1883 an der Rotunde in Wien sogar bereits 3400 Glühlampen. (Mittersteiner, S. 21 u. 22) 2. Die Schindler-Fabrik in Kennelbach bekam als erste Fabrik elektrische Beleuchtung. Falsch! 24 Schon 1884 installierte die Firma F.M. Hämmerle in ihrem Werk in DornbirnFischbach die erste Fabriks-Beleuchtung in Vorarlberg. Im Juli 1886 folgten Getzner im Werk Bludenz-Klarenbrunn und als dritte dann am 29. September 1886 die Firma Jenny und Schindler in ihrer großen Spinnerei in Kennelbach. (Mittersteiner, S. 29) Diese Richtigstellungen können der Pionierleistung Friedrich Schindlers, 1856-1920, auf dem Gebiet der Elektrizität keinen Abbruch tun. Seine Forschungen ab 1882 in der oberen Villa in Kennelbach, seine Thermo-ElektrikPatente für die Welt-Ausstellung 1893 in Chicago, der Bau der Kraftwerke Rieden und Andelsbuch und die Gründung der „Elektra" sind Marksteine in der Elektrizitäts-Geschichte Vorarlbergs. Bild 13: Plazidus Gunz, 1861-1920 Jetzt aber endlich zu „Strom für Wolfurt"! Dessen Geschichte ist vor allem mit zwei Namen verbunden, mit Plazidus Gunz und mit Albert Loacker. Pazidus Gunz, 1861-1920 Als junger Weber heiratete der aus Bildstein-Staudach stammende Josef Gunz 1853 in die Familie des Rickenbacher Schmiedes Lorenz Dür ein. Der Schwiegervater vertraute ihm die neu aufgebaute Mühle an und begründete damit die Firma MühleGunz. Die junge Familie wohnte äußerst bescheiden in der Mühle. Von den 16 Kindern der tüchtigen Mutter Christina starben 11 ganz jung. Die anderen mußten von Kindheit an schwer arbeiten.2 Plazidus hatte glücklich die Pocken überstanden, trug aber davon tiefe Narben im Gesicht. In der Schule war er einer der besten, allerdings wurde sein Schulbesuch als mangelhaft eingestuft. Allzu oft versäumte er den Unterricht, weil er in Mühle und Landwirtschaft helfen mußte. Schon früh zeigte sich bei ihm die technische Begabung der Dür-Ahnen. Ohne besondere Ausbildung galt er als ausgezeichneter Schreiner, Schlosser, Schmied, Mühlenmacher und Dreher. Das meiste davon hatte er sich selbst in der benachbarten Schlosserei seines Onkels Josef Anton Dür angeeignet. Nach absolviertem Militärdienst widmete er sich nun dem Ausbau der Mühle. 25 Bild 14: Die Gunz-Mühle um 1900. Hier brannte zu Weihnachten 1896 das erste elektrische Licht in Wolfurt. Im Jahre 1890 schafften die Brüder Gunz bei der Firma Rüsch in Dornbirn eine Turbine an. (Mehr darüber im Anhang unter Vor der Elektrizität) Im gleichen Jahr übersiedelten Plazidus und sein jüngerer Bruder Christian nach Bludenz, wo sie die alte Mühle bei St. Peter mit ihrem Wasserrecht erworben hatten. Sofort begannen sie mit der Renovierung. Dazu gehörte auch der Einbau einer gebrauchten Turbine, die sie preisgünstig bei Samuel Jenny in der Mühle Lauterach-Lerchenau aufgetrieben hatten. Äußerste Sparsamkeit gehörte zu den Prinzipien der Gunz-Brüder. Wo immer möglich, kauften sie gebrauchte Einrichtung und richteten diese mit ihren geschickten Händen wieder her. Im Jahre 1891 wurde die Kunstmühle Gunz in Bludenz eröffnet. Bei einer folgenden Renovierung der Mühle in Rickenbach setzte Plazidus bei seinen Brüdern im Jahre 1896 seine Idee durch, auch hier, ähnlich wie in den Fabriken von Kennelbach und Dornbirn, elektrisches Licht einzuführen. Für 300 Gulden kaufte er bei der Firma Josef Oser in Krems eine kleine Dynamo-Maschine und setzte sie selbst auf die Turbine auf. .... Welch eine Freude hatten wir als es zum ersten mal gebrant hat, der Plaze ist bereitz die gantze Nacht bei der Dinamomaschine gestanden und hat den Schöpfer gelobt für diese Erfindung. Es wurde bald bekannt das Müllers elektrisches Licht haben. Die Nachbarn .... sind herbei geeilt und haben das Wunderding bewundert Sobald es in Rickenbach im Betrieb war, ist der Plaze nach Bludenz geeilt mit der Aufgabe, das mus in Bludenz auch gemacht werden. Es hat aber nichts kosten sollen. Der Albert Loaker war damals ein noch junger Elektrotechniker und der Plaze hat in Erfahrung gebracht, das er eine Djinamomaschine habe, die aber nicht gehe. Das hat dem Plaze schon gefallen, denn die kranke Djnamomaschine wurde nach Rickenbach gebracht. Der Loaker und Plaze 26 haben den Anker sowie die Spulen neu gewikelt mit Anstrangung aller ihrer Kenntniße und haben die Maschine zum gehen gebracht. Dieselbe wurde zuerst in Rickenbach ausbrobiert und als sie die Lebensfähigkeitsprobe bestanden hatte hat man dieselbe in möglichst feierlicher Weiße nach Bludenz überführt und in der Bludenzermühle zur Überraschung der ganzen Bludenzer gegend in Bewegung gesetzt (Gunz-Chronik, S. 455. Die oft fehlerhafte Rechtschreibung ist dadurch zu erklären, daß der Verfasser Lorenz Gunz wegen seines mangelhaften Schulbesuchs das Schreiben erst beim Militär erlernt hat.) Seit 1896 brannte also elektrisches Licht in der Mühle Rickenbach, seit April 1897 auch in Bludenz, jeweils mit einer Spannung von 110 Volt. Im gleichen Jahr 1897 nahm jetzt auch Johann Walter Zuppinger in seiner Mühle im Kessel einen großen Generator in Betrieb. Ganz sicher wollte er nicht hinter der Müller-Konkurrenz zurückbleiben. Plazidus Gunz hatte aber bereits neue Pläne. .... er hat sich mit dem nicht begnügt, daß wir nur allein Licht haben und ist dann auf den Gedanken gekommen, man müße die Wasserkraft im Schwarzachtobel ausnützen für die Gemeinden Schwarzach und Wolfurt Ein völlig neuer Gedanke im Lande Vorarlberg! Bisher hatten die meist liberalen Fabrikanten in der Elektrizität nur einen Weg zur weiteren Produktionssteigerung in ihren Fabriken gesehen. Kaum einer hatte an den Annehmlichkeiten des neuen Lichtes die Nachbarn teilhaben lassen, schon gar nicht die Einwohner eines ganzen Dorfes! Plazidus Gunz ließ bei Ingenieur Julius Rhomberg (So wird er in der Gunz-Chronik genannt. Vermutlich handelt es sich um den Dornbirner Ingenieur Leopold Rhomberg. Siehe Mittersteiner, S. 75) Pläne für ein E-Werk und ein Ortsnetz ausarbeiten. Bei Troll und Hefel und anderen Mitbesitzern der Wetzstein-Schleifen im Schwarzachtobel sicherte er sich die Wasserrechte und beantragte bei der k.u.k. Bezirkshauptmannschaft Bregenz schon 1897 die Baugenehmigung. Nach zwei Bürgerversammlungen legte er die Pläne den Gemeinden vor. Dort fand er in den fortschrittlichen Casino-Männern Johann Kohler und Wendelin Rädler3 starke Befürworter. Die Zuschrift der Gebrüder Gunz betreffend die Anlage einer elektrischen Beleuchtung in u. für Wolfurt sowie der Plan der Hauptstromleitung wurde zur Einsicht genommen. Dieses Unternehmen wird begrüßt mit der Versicherung daß ihm seitens der Gemeindevertretung die bestmögliche Unterstützung zu theil werde. (Gemeindevertretung Wolfurt, Protokoll v. 14.10.1897) Nun schlössen die Brüder Gunz mit der Elektrofirma Ganz u. Co. in Budapest(!) einen Bauvertrag für das zukünftige Werk ab. 4 Durch Einsprüche der Schwarzacher Anrainer verzögerte sich der Baubeginn. Erst nach einem langen Instanzenweg erhielten die Gebrüder Gunz von der B.H. Feldkirch endlich am 10. Februar 1900 27 die Baubewilligung. Inzwischen hatte Plazidus Gunz enge Kontakte zu Albert Loacker geknüpft. Im Mai 1899 hatte er diesem alle seine Pläne und die an der Schwarzach erworbenen Rechte für bare 1000 Gulden verkauft. Zum Kaufpreis gehörte auch noch die unentgeltliche Lieferung von Strom „für einen 15 PfK Elektromotor" solange das Werk besteht. Plazidus betreute weiterhin die technische Einrichtung und die Lichtmaschine in der Mühle in Wolfurt. In Bludenz setzte er sich mit Erfolg für die Gründung eines Städtischen E-Werks ein, das dann am 1. Jänner 1901 in Betrieb ging. Für seine Frau baute er ein elektrisches Bügeleisen, das auch als MusWärmer für die Kinder Verwendung fand. Bekannt wurden seine elektrische Christbaum-Beleuchtung, der AusbrüteBild 15: Das E-Werk am Rickenbach 2002. Apparat für Hühnereier und der ScheinElmar Gunz vor dem unter der Werkbank werfer, mit dem er vom Giebel seines arbeitenden Generator. Hauses aus in die Stadt hinaufleuchtete. Im Jahre 1911 baute er für die Stadtpfarrkirche St. Laurentius das erste elektrische Läutewerk in Vorarlberg, das er mit einem Fest am Katharinentag 1913 der Öffentlichkeit vorstellte.5 Um die Stadt Bludenz machte sich Plazidus Gunz aber auch als christlich-sozialer Politiker und als Gründer der Raiffeisenkassa verdient. Schon im Alter von 60 Jahren ist er im Sommer 1920 plötzlich gestorben. Seine technische Begabung lebte und lebt in zahlreichen Nachkommen weiter. Die Mühle in Bludenz mußte allerdings unter dem Druck der globalisierten Getreide-Weltwirtschaft im Jahre 1997 geschlossen werden. Die Mühle im Rickenbach-Tobel ist schon 1976 abgebrannt. Geblieben ist dort aber ein winziges E-Werk. Noch immer wird es, wie schon vor 106 Jahren, aus den alten Rohren vom Rickenbach betrieben. Mit Sorgfalt betreut Elmar Gunz, Jg. 1931, ein Enkel des Plazidus, den Generator, der das Gunz-Haus mit Licht und Wärme versorgt. Und den Energie-Überschuß von etwa 150 000 kWh im Jahr, den speist er, durch Sondervertrag mit den VKW geregelt, in unser Landes-Netz ein. Immerhin ausreichend für etwa dreißig Einfamilienhäuser! - Strom aus Wolfurt! Albert Loacker, 1873-1956 Albert Loacker hatte sich nach seiner Schlosserlehre in Rankweil bei der Elektro-Firma Ganz u. Co in Budapest zum Fachmann für Elektro-Technik ausgebildet. Im Jahre 1895 eröffnete er dann in Rankweil das erste ElektroInstallationsgeschäft in Vorarlberg. Der junge Mann hatte große Pläne. Mit einem Kraftwerk an der Frutz wollte er fast ganz Vorarlberg von Bludenz bis Bregenz mit Strom versorgen. Für ein solches Gemeinschaftswerk waren aber die Gemeinden und Städte des Landes noch nicht reif. Es war schwer genug, Geld und Interessenten für kleine lokale E-Werke aufzutreiben. Loacker verlegte sein Geschäft zuerst nach Dornbirn und dann 1902 nach Bregenz. Inzwischen hatte er Plazidus Gunz kennen gelernt und ihm die ersten Kenntnisse der Bild 16: Albert Loacker, 1873-1956 Elektro-Technik beigebracht. Während Gunz noch auf die Genehmigung seines Kraftwerks im Schwarzach-Tobel wartete, begann Loacker schon mit den Vorarbeiten dazu. Im Frühling 1899 traten die Gebrüder Gunz ihre Rechte an ihn ab. Darauf schloß die Gemeinde Wolfurt mit Loacker am 20. Juni 1899 ihren ersten Vertrag ab, in welchem sie ihm u. a. ein Elektro-Monopol in ihrem Gemeindegebiet einräumte. Erst jetzt fixierte Loacker am 31. August 1899 den endgültigen Ablösevertrag mit den Brüdern Gunz und begann sofort mit dem Bau von Kraftwerk und Ortsnetz. Ab Mai 1900 konnte er die beiden Gemeinden Schwarzach und Wolfurt mit Strom versorgen. Jetzt erkannten Jenny und Schindler, deren Werk Rieden seit 1891 genügend Strom für die Fabriken in Kennelbach lieferte, daß auch die Errichtung von Ortsnetzen ein Geschäft werden könnte. Ab 1901 belieferten sie Rieden und 1903 die Stadt Bregenz, während Loacker mit seinen beschränkten Mitteln 1903 nur noch Lauterach anschließen konnte. Um Hard lieferten sich die beiden Konkurrenten dann 1905 einen häßlichen Kampf in den Tageszeitungen, den schließlich Schindler für sich entschied. Resignierend schrieb Loacker schon 1904 in einem Brief an die Gemeinde Wolfurt: .... Sie werden mir zugeben müssen, dass ich der erste war, der es wagte in Vorarlberg Elektrizitätswerke unter Verhältnissen zu gründen, wo deren Gewinn ein fraglicher war, und niemand getraute sich damals für so eine Sache Geld 29 28 herzugeben, weil er den Wert eines Elektrizitätswerkes nicht schätzen konnte. Nachdem ich der Firma Jenny & Schindler im Jahre 1900 & 1901 einen weiteren Beweis erbringen konnte, dass die Errichtung elektrischer Zentralstationen ein gewinnbringendes Unternehmen sein könnte, da entschloss sich jene Firma zur Vergrösserung ihrer damaligen Kraftanlage und dazu noch Rieden und Kennelbach Strom abzugeben, später kam dann auch Bregenz dazu, und nun auch Lustenau und Hohenems, aber angefangen in solchen Gemeinden habe ich .... (Brief im GA Wolfurt) Das ist also der eigentliche Anfang der VKW als Versorger der Allgemeinheit: 1897 eine Idee von Plazidus Gunz 1899 deren Verwirklichung durch Albert Loacker in Schwarzach und Wolfurt 1901 die Nachahmung durch Jenny und Schindler in Rieden. Loacker mußte sich ab jetzt auf sein Werk an der Schwarzach beschränken. Seine Installations-Monteure waren allerdings im ganzen Land tätig, besonders auch bei der Errichtung des großen Kraftwerks Andelsbuch. In Lauterach (heute Antoniusstraße 14) besaß er eine große Werkstätte für Motoren- und Freileitungsbau, die zuletzt sein Chef-Monteur Bargehr betreute. Viele Jahre lang gehörte Albert Loacker dem Stadtrat in Bregenz an. Vom Land Vorarlberg wurde er als Fachmann sowohl bei der Übernahme der Schindler-Werke durch das Land als auch bei der Gründung der 111-Werke 1924 zugezogen. In Tirol konnte er bis 1914 noch die Kraftwerke Fügen, Uderns, Ried, Kaltenbach und Stumm (im Zillertal) errichten. Im Alter von 84 Jahren ist der um unser Land so hochverdiente Mann 1956 in Bregenz gestorben. Bild 17: Rickenbach um 1925 mit dem Loacker-Trafo und den alten Stromleitungen. Die Entwicklung in Wolfurt Am 26. Juni 1899 hatte die Gemeinde Wolfurt also den ersten Vertrag mit Loacker geschlossen und diesen am 19. August noch ergänzt. Sie erkannte darin die von Loacker vorgeschlagenen Strombezugs-Bedingungen und Tarife an. Loacker erhielt ein Stromdurchleitungs-Monopol für 40 Jahre und ein Verkaufs-Monopol für Elektro-Material und Lampen. Die Preise mußten allerdings den allgemeinen Marktpreisen angepaßt werden. Die Stangen für die Leitungen durften auf Gemeindegrund an den Straßenrändern aufgestellt werden. Den Strom für eine große Lampe auf dem Kirchplatz lieferte Loacker kostenlos. Eine für jene Gründerzeit bezeichnende Ausnahme vom Leitungs-Monopol wurde auch noch in den Vertrag aufgenommen. Vorsteher Lorenz Schertler und sein Bruder Jakob beabsichtigten, für ihre große Ziegelei im Flotzbach ein eigenes Kraftwerk im Wirthatobel zu errichten. (Sie haben daran übrigens bis zum Sommer 1903 gebaut, dann aber nach einem Hochwasser-Schaden ihre Pläne und Rechte an Loacker verkauft. Dieser legte die Pläne beiseite, zumal er von Schindler keine Durchleitungsrechte durch Kennelbach bekam.) 30 Die Gemeinde bildete ein Elektrizitäts-Komitee, bestehend aus Vorsteher Lorenz Schertler Adlerwirt Joh. Georg Fischer Kreuzwirt Johann Haltmayer Gemeinderat Fidel Kirchberger und Oberlehrer i. R. Wendelin Rädler. Nach einer Begehung wurden im November 1899 die Leitungsmasten aufgestellt. Loacker offerierte die geplanten 22 Straßenlampen mit 4200 Meter Kupferdraht und 170 Isolatoren für 1046 Gulden. Die 6 Lampen (sechs!) für das Schulhaus sollten 80 Gulden kosten, die 5 für den Pfarrhof 133 Gulden. Eine einzelne Leuchte samt Kohlenfaden-Lampe kam auf stolze 2.30 Gulden. Für einen Monteur berechnete Loacker gar pro Tag 5 Gulden. Das war in einer Zeit, wo Taglöhner noch um einen Gulden arbeiteten, sehr viel. Das Werk im Schwarzachtobel war im März 1900 fertig. Sofort begann es mit der Stromlieferung, im Mai dann auch für Wolfurt. Zwei Turbinen von der Firma Rüsch in Dornbirn nütz


Heimat Wolfurt Heft 13 1993 November
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 13 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 1993 Hofsteig Inhalt: 55. 56. 57. 58. 59. Ein Hof Steiger Siegel Hofsteig Ammänner Der Gemeine Mann Die Schneider 60. 61. 62. 63. 64. Mutter in Nöten, Auswanderer Dorfschmiede Stammvater Fischer Fußball und Liebe Kügolo Zuschriften und Ergänzungen Hofsteig Das vorliegenden Heft ist mit Beiträgen von Siegfried Heim vor allem der Erforschung des Gerichtes Hofsteig gewidmet. Bildnachweis Siegelzeichnungen aus dem Landesarchiv und aus «Lauterach 1953» S. 8 von Risch Lau S. 37 von Paula Klien S. 44 von Wilfred Schneider Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. Druckfehler-Berichtigung Heft 12, Seite 39: Die neue Straße in den Bregenzerwald wurde 1838 eröffnet, nicht 1833. Wieder haben sich eine ganze Reihe von Wolfurtern aus nah und fern mit Anfragen und Bestellungen unserem Kreis angeschlossen. Aus Hohenems schrieb Engelbert Köb, Bahwächtars, Jahrgang 1916. Wie Großvater und Vater war er ein Leben lang Eisenbahner «mit Leib und Seele.» In seiner harten Kindheit wohnte er mit Eltern und sechs Geschwistern in verschiedenen Rickenbacher Mietwohnungen, zuletzt im «Bahwächtarhüsle Nr. 20» im Kessel. Von dort aus ging er zu Sr. Sebastina und Schulleiter Klocker in die Volksschule, bis er 1924 mit seiner Familie nach Dornbirn übersiedelte. Seine beiden Brüder sind im Krieg gefallen, Alwin (1913) schon 1942 bei Murmansk, Willibald (1910) 1944 bei Nettuno in Italien. Von Engelberts erwachsenen Kindern hat sich der Lehrer Martin Köb mit Ingrid Braitsch von der Bucherstraße eine Wolfurterin zur Frau genommen. Herzliche Grüße! Aus Bregenz grüßt uns Hildegard Böhler, 1922, die Zweitälteste von den «Sibo Moatla» von Sternenwirts August (Böhler) und Seppos Gebhardie (Fischer). Sie kamen alle sieben im Seppar-Hus auf der Steig zur Welt und übersiedelten später ins Vorkloster. Weil noch kaum Autos fuhren, war die Straße der Spielplatz. Beim «Fängarles» lief die 5jährige Hildegard gegen Paul Schwarz's nobles Auto. Zufällig kam gerade der Kennelbacher Doktor, auch mit einem neuen Auto, daher und verarztete die Kleine. Es gab einen Riesenauflauf - wegen der Autos! Nie vorher hatte man auf der Steig zwei Autos gleichzeitig parken gesehen. Viele aufmerksame Leser fand das «Bütze»-Heft (Heimat 12). Mehrmals bedankte sich Veres Armin aus der Villa. Natürlich kannte er die letzten Bewohner der unteren Spinne (S. 28) noch gut. Der Vernickler hieß Hummel und kam aus Reutlingen. In seiner Werkstatt montierte er auch Bügeleisen und Schnellkochtöpfe zusammen. Nach ihm zog der Frächter Siegmund Greußing, ein Bruder des Schoppernauer Hirschenwirts, mit seiner schneidigen Frau und vielen Kindern in die baufällige Bude ein. Armin erinnert sich noch gut an den großen Mercedes-Lastwagen des Frächters von 1928, fast noch besser aber an seine hübschen Töchter Mika, Johanna, Martina und Frieda. Einen ganz besonderen Klang hat «Heimat Wolfurt» für die Auswanderer in ferne Länder. Zuerst kamen heuer die Schneider aus Kanada und wurden gastlich aufgenommen. Mr. Wilfred schrieb nachher: «Not a day goes by that I don 't think of the wonderful holiday we had in Wolfurt. I only wish that Wolfurt was not so far away.» 1 Danke! Auf Konto Raiba 87957 sind wieder eine Reihe von Beiträgen eingegangen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Ganz überraschend tauchte dann auch ein Nachkomme jenes Josef Mohr auf, der um 1870 aus der Bütze nach Amerika ging und es dort zu Wohlstand brachte. Mr. Buchner durchstreifte auf eigene Faust unser Dorf, landete, aber schließlich doch bei Raimund Mohr,einemVetter. Jetzt werden Briefe und Bilder ausgetauscht. Und mit besonderer Freude durften wir Anfang September Barcattas Marianne begrüßen, die seit 1958 in Buenos Aires lebt. Sie hielt brieflichen Kontakt mit Bechters Tone und seiner Frau Rosmarie. Als wir über sie (in Heimat 10, S.3) berichteten, schrieben ihr noch mehr Schulkollegen und Nachbarinnen. Das hat den Anstoß gegeben, daß Marianne mit ihrem Mann den Flug wagte, um noch einmal den Bildsteiner Berg zu sehen. Bechters nahmen sie freundlich auf. Im Landesmuseum hat Mag. Pichler eine große Ausstellung über die Schicksale der Vorarlberger Auswanderer gezeigt. Im Herbst wird darüber ein Buch erscheinen. Unter etwa 5000 Namen sind 400 aus Wolfurt, die zwischen 1850 und 1930 ihr Glück in der Fremde suchten. Siegfried Heim Ein Hofsteiger Siegel entdeckt Bei Umbauarbeiten in seinem Haus Bregenzerstraße 8 machte der Besitzer Erich Geiger vor einigen Jahren einen seltsamen Fund. In einem Zwischenboden versteckt lagen zwei Stichwaffen und ein Stempel. Die Waffen sind ein kurzes dreikantiges Bajonett, aus Eisen grob geschmiedet, und ein einfacher gebogener Säbel mit schlichtem Holzgriff, dazu eine stark abgenutzte Lederscheide. Der Stempel ist ein sogenanntes Petschaft, mit dem Amtspersonen einst in Wachs oder Siegellack die Siegel zur Beurkundung wichtiger Dokumente fertigten. Am eisernen Schaft fehlt der Holzgriff. Auch die in feinster Arbeit geschmiedete Platte mit 38mm Durchmesser weist am Rand einen Schaden auf. Das Wappenbild selbst ist aber ausgezeichnet erhalten. Es zeigt einen Doppeladler, den mächtigen Adler des römisch-deutschen Reiches, in der Form, wie ihn die letzten deutschen Kaiser bis 1806 verwendeten. Es handelt sich also um ein kaiserliches Siegel. Die beiden durch Kreise geschmückten Köpfe tragen gemeinsam eine Krone. Der linke Fang hält den Reichsapfel, der rechte Reichsschwert und Zepter. Zwischen den mächtigen Schwingen ist der Rumpf aber durch einen Schild mit dem Wolfurter Wappen, dem rechts steigenden gekrönten Wolf auf den Streifen der Furt, verdeckt. Gut lesbar ist die Schrift, von der nur drei Buchstaben fehlen. Es sieht so aus, als ob diese mit einer Jahreszahl oberhalb der Krone herausgebrochen worden wären. «(S)IG IUDICII DELEGATI ANTE MONTEM ARLE IN HOFSTE(IG)...» «Siegel des übertragenen Gerichts vor dem Arlberg in Hofsteig». Der Fund und das Bild geben einige Rätsel auf. Wann und warum wurde das HofsteigSiegel hier versteckt? Wieso das Wolfurter Wappen für Hofsteig? Wieso «delegatum» ? Ich versuche, eine Antwort zu finden. Ein bisher unbekanntes Hofsteigsiegel mit dem Wolfurter Wappen auf dem Reichsadler. Um 1790 geschaffen. 2 3 Das Geiger-Haus im Röhle wurde 1802 von Johann Georg Klocker (geboren 1773 im Kirchdorf Wolfurt) erbaut, der hier mit seiner Frau Franziska Reiner die Sippe «Stricker»Klocker begründete. Ganz in der Nähe, im alten Gasthof «Engel» am Kirchplatz, lebte damals der AltLöwenwirt Joseph Fischer (1723-1809), der den «Löwen» in Rickenbach an seinen Sohn Josef jun. übergeben hatte. Ab 1764 bis 1776 und noch einmal 1783 bis 1789 hatte Joseph Fischer als Hofsteig-Ammann die Verantwortung für das Gebiet vom Bodensee bis zu den Steußberg-Gemeinden getragen. Die Dokumente hatte er anfangs, wie alle Ammänner vor ihm, mit einem persönlichen Siegel gefertigt. Im Jahre 1784 waren aber die Befugnisse des Gerichtes im Zuge der Reformen Josef II. beschnitten worden'. Eine arge Bürokratisierung setzte ein. Um diese Zeit dürfte auch erstmals ein Hofsteig-Siegel geschaffen worden sein, das nicht ein persönliches Ammann-Siegel war. Der Reichsadler und das Wort «delegatum» machen es zu einem kaiserlichen Siegel. Die Rechte des uralten Gerichts Hofsteig werden ausdrücklich als vom Kaiser «übertragen» erklärt. Weil es bisher ein gemeinsames Hofsteiger Symbol nicht gegeben hatte, setzte man das Wappen der Ritter von Wolfurt in den Brustschild ein. Sicher kannte der Rickenbacher Ammann Fischer das Wolfs-Wappen, das aber bisher immer nur zum Schloß gehört hatte und von den verschiedenen Geschlechtern von Wolfurt als persönliches Wappen getragen worden war. Zur Gemeinde hatte es wenig Bezug, schon gar nicht zu den anderen Hofsteiggemeinden Lauterach, Hard und auf dem Berg. Dort mußte es als fremd empfunden werden und die Ablehnung gegen die josefinischen Reformen noch verstärken. Es ist bis jetzt auch kein Dokument bekannt, das mit diesem eigenartigen Petschaft gesiegelt worden wäre. Joseph Fischers Nachfolger im Ammannamt wurden 1790 der Wolfurter Schwanenwirt Joh. Georg Reiner, dann 1794 der Rickenbacher Josef Anton Böhler und 1800 bis 1802 noch einmal Joh. Georg Reiner als letzter Wolfurter Ammann. Dieser dürfte das Petschaft in den unruhigen Zeiten der Franzosenkriege vorerst behalten haben. Mehrfach wurde der Schwanen,das erste Wolfurter Gasthaus beim Brunnen am Kirchplatz, mit Einquartierung belegt und auch geplündert. Im Bestreben, das für ihn als Symbol der Ammannwürde des Gerichts Hofsteig so wichtige Petschaft vor dem Zugriff der Häscher zu verbergen, dürfte er es seinem Schwiegersohn Joh. Georg Klocker im Röhle anvertraut haben, der es im Dachboden seines neuen Hauses versteckte. Weil das Gericht 1806 von den Bayern aufgelöst wurde, brauchte man das Siegel nicht mehr. So wurde es vergessen. Aber noch ein anderer Hofsteig-«Schatz» ist im Röhle erhalten geblieben. Ammann Fischers Enkel gaben den «Engel» wieder auf. Einer übernahm den Adler in Rickenbach, ein anderer das neue Haus im Röhle, das sie 1835 gebaut hatten (Bregenzerstraße 9, Der alte Schwanen (links) und der 1860 erbaute neue Schwanen. Im alten Schwanen lebte der letzte Wolfurter Hofsteigammann Joh. Georg Reiner um 1800. Sammars). Aus «des Ammanns» Kinder machten die Wolfurter schon vor 150 Jahren den Hausnamen «Sammars». Seit dort der allgemein beliebte Fahrzeugmechaniker Sammars Hubert, 1909-1987, gestorben ist, lebt nur mehr als einziger Namensträger Fischer sein Bruder Arthur in der Lerchenstraße. Dieser bewahrt aus dem Ammann-Nachlaß ein letztes kostbares Erbstück auf, ein dickes, in Leder gebundenes Buch. Ammann Joseph Fischer hat es sich in seiner ersten Amtsperiode 1766 anfertigen lassen: «Das Weyland des EdlenVesten HansGeorgen von wolfurt hinterlassenen Zehendt Buch, so er mit aigener hand In folio geschrieben und also intitulirt hat... auf das Jahr 1576.» 200 Jahre lang waren nach diesem Buch die Zehentabgaben zwischen Sulzberg, Hard und Möggers im Raum Bregenz eingesammelt worden. Es enthält eine Fülle kulturhistorischer Details, wie alte Maße, Alprechte und anderes. Dieses Buch schrieb der Pfarrer von Scheffau Bartholomäy Finck, AD 1766, für den neuen Ammann ab «von wort zu wort gleich lauthend.» So lange ist es nun schon in «s Ammas» Besitz. In ganz Vorarlberg verstreut leben übrigens noch viele Nachkommen des Ammanns Fischer aus den Linien der «Löwenwirtler» und der «Altadlerwirts». Als Beispiele nenne ich den Generalvikar Dr. Elmar Fischer in Feldkirch, den Stadtrat Rudolf Fischer in Dornbirn und den Frauenarzt Konsul Dr. Ivo Fischer in Bregenz. Auch der bedeutende Feldkircher Historiker Gebhard Fischer, 1852-1935, Gymnasialdirektor, Ehrenbürger und Ritterkreuzträger des Franz-Josefs-Ordens, war ein Löwenwirtler aus Wolfurt. Ammann Reiners Geschlecht ist dagegen im Mannesstamm ausgestorben, denn sein einziger Sohn Columban Reiner, 1676-1838, wurde Priester und war viele Jahre Pfarrer in Lauterach. Die Tochter Franziska aber, verheiratet seit 22. November 1802 mit Joh. Georg Klocker im Röhle, hat dafür gesorgt, daß das Ammann-Blut auch noch heute in Wolfurt in den zahlreichen «Strickar»-Nachkommen weiterlebt. 5 1 Bilgen, Geschichte IV., S. 125ff 4 Siegfried Heim Hofsteig Zwischen der Bregenzerach und der Dornbirnerach faßt man heute sechs Gemeinden als «Hofsteig»-Gemeinden zusammen: zwei in der Ebene: Hard und Lauterach zwei am Talrand: Wolfurt und Schwarzach zwei auf dem Steußberg: Bildstein und Buch. Sie umfassen zusammen eine Fläche von etwa 60 km2, wobei Hard mit 18 und Lauterach mit 12 km2 schon die Hälfte besitzen. Die anderen 30 km2 sind aufgeteilt auf Wolfurt mit 10, Bildstein mit 9, Buch mit 6 und Schwarzach mit 5 km2. 1991 wurden insgesamt 30.178 Hofsteiger gezählt, über 10.000 davon allein in Hard.1 Auch Alberschwende hatte immer eine enge Verbindung mit Hofsteig, besaß aber seit 1451 - zeitweise gemeinsam mit Lingenau - ein Eigengericht und einen eigenen Abgeordneten zu den 24 Vorarlberger Landständen. Der Dornbirner Historiker Kalb versucht 1 nachzuweisen, daß die Hofsteiger Südgrenze im Mittelalter nicht an der Schwarzach, sondern am Stiglinger Sumpf lag2. Demnach gehörten auch Haselstauden und der Haselstauder Berg ins Hofsteiger Einflußgebiet. Als Beweise nennt er die alten Steußberger Familien Sohm, Winder, Gmeiner, Kalb, Köb und Höfle, die auch zu den wichtigsten Geschlechtern in Alberschwende und Haselstauden zählen. Als die Alemannen um 500 nach Chr. Geburt das Unterland besiedelten, suchten sie in dem sumpfigen und von den Hochwässern von Rhein und Ach bedrohten Gebiet feste Plätze an den Bächen aus, die für den Weizenanbau geeignet waren. Jeweils eine Gruppe von Siedlern schloß sich zu einer Markgenossenschaft zusammen. Rechts der Ach waren das Hofrieden bis zur Leiblach, links neben Hofsteig noch Dornbirn-Hatlerdorf und HöchstSt. Margarethen. In Hofsteig gab es geeignete Gründe am Talrand auf den Schuttkegeln der Bäche in Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach. Dazu kam der feste Grund an der Lauterach, wo sehr früh die Orte Lauterach im heutigen Unterdorf und Hard im Bereich der Mittel weiherburg entstanden. Ein zusätzlicher Anreiz waren die Römerstraße, die am Hang entlang von der Ach über Oberfeld - Wolfurt - Rickenbach - Schwarzach ins Oberland führte, und die zweite Römerstraße, die von Bregenz über Lerchenau und Mittelweiherburg in die Schweiz nachweisbar ist. Freie Bauern bewirtschafteten hier gemeinsam ihre Mark: die Äcker, die Weiden, die Wälder. «Allen soll alles gemeinsam sein!» schreibt eine Urkunde von 891.3 Aber die Freiheit verpflichtete auch zum Kriegsdienst und war nicht immer erstrebenswert. Viele übergaben daher ihren Anteil und sich selbst dem Grafen oder einem Kloster, in dessen Schutz sie sich besser geborgen wußten. Ein frühes Dokument dazu ist jenes, in dem Gerhart aus «luteraha» seinen Besitz im Jahre 853 dem Kloster St. Gallen vermachte.4 Viel mehr Unfreie zogen aber die gräflichen Höfe an sich. Einer davon war der Kellhof im heutigen Kirchdorf Wolfurt, seit 955 Privatbesitz der Pfullendorfer Grafen, die hier ihre Kapelle St. Nikolaus stifteten, dann Eigentum des Kaisers Barbarossa. Später kam der Kellhof Wolfurt mit seinen bis zu 200 Eigenleuten nacheinander in den Besitz des Klosters Weißenau bei Ravensburg, der Herren zu Werdenberg-Bludenz und ab 1402 der Grafen von Montfort-Bregenz und MontfortTettnang. Von letzteren kauften ihn schließlich 1458 die Grafen von Hohenems. Mit dem Emser Besitz fiel der Kellhof erst 1765 an Österreich, also 300 Jahre später als Hofsteig. Dabei muß aber berücksichtigt werden, daß der Kellhof nie eine geschlossene Einheit war, sondern ein Zusammenschluß von Personen. Ihr Besitz lag schließlich zum großen Teil außerhalb von Wolfurt am Steußberg, in Schwarzach, Kennelbach, Fluh und Langen.5 Genaue Zahlen in Heimat 8, Seite 4 2 3 Franz Kalb, Dornbirn, 1984, Seite 96 Bilgen, Geschichte I, S. 57 Bilgen, Geschichte I, S. 84 Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV 1952 Hofsteig auf der Blasius Hueber-Karte von 1783. Man sieht noch die alte Straße von Lauterach nach Rickenbach. Die ganz neuen Landstraßen durch das Ried und nach Hard haben aber den Verkehr an sich gezogen. 4 5 6 7 und Gewichte. Darüber hinaus war er eine soziale Einrichtung. Er besaß ein Armenhaus und sorgte für die Waisenkinder. In der Herberge bot er Gastfreundschaft. Ein umzäunter Platz gab die Möglichkeit zur Rast für Mann und Pferd. Dieser Platz war der Mittelpunkt des Hofes und erhielt später eine große Laube für Versammlungen. Hier wurde Gericht gehalten, doch war die Laube auch der Ort für Tanz und Spiel.6 So fand der Zehent vielfältige und nützliche Verwendung. Ein großer Teil der Vorräte, die der Ammann mit seinen Zinsknechten in den Speichern des Hofes gesammelt hatte, mußte allerdings an den Lehensherrn, den Grafen auf Schloß Bregenz, abgeliefert werden, ein Teil auch an das Kloster Mehrerau. Die Mehrheit im Dorf bildeten aber nicht die Hofsteigbauern. Es gab auch viele Freie. Für sie bestand bis 1338 ein Gericht der Freien zu Schwarzach, wo der Graf selbst Gericht hielt. Um die Jahrtausendwende hatte sich der Hof zu Steig nach Lauterach und Hard ausgedehnt. Nun begann man mit der Rodung des Steußbergs und der Besiedlung des Bregenzerwaldes. «Steußberg» ist der alte Name für Bildstein und bedeutet nach der ältesten Bildsteiner Chronik «Steigs-Berg». Sprachforscher nehmen allerdings den Wortstamm «stoß» als Namensursprung an. Bei der Besiedelung des Bregenzerwaldes ergab sich ein Interessenskonflikt. Die BregenzMontforter Grafen erschlossen von Hofsteig aus zuerst Alberschwende und den Lingenauer Raum für sich, dann auch Andelsbuch, wo sie um 1086 am Grab des seligen Diedo sogar ein Kloster errichteten. Die Pfullendorfer dagegen erwarben von ihrem Kellhof bei St. Nikolaus in Wolfurt aus den Raum Egg-Schwarzenberg. Zwei Saumwege führten über den Steußberg. Der eine war der Weg für die Kaiserlichen über Buggenegg und die Roßgaß nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den Reichspfarren Egg und Schwarzenberg. Der andere für die montfortischen Hofsteiger führte über Linzenberg und Farnach nach Alberschwende und Lingenau. Als ab 1075 der Streit zwischen Kaiser und Papst das Land verwüstete und die Kaiserlichen die papsttreue Stadt Bregenz verbrannten, gab es auch im Hofsteiger Raum Brand, Raub und Totschlag. Vielleicht hat der gewaltsame Tod des seligen Merbod, der die Bregenzer Grafen vertrat, hier seine Ursache. Urkunden fehlen ja, wie Erich Winder sorgfältig erforscht hat.7 Aber sicher waren keine bösen Heiden die Totschläger. Weil sich also der Kellhof Wolfurt mit Lindau nach Pfullendorf und Schwaben orientiert hatte, lag der Schwerpunkt von Hofsteig bald in Lauterach. Folgerichtig wurde daher auch im 13. Jahrhundert der Sitz des Gerichtes Hofsteig nach Lauterach verlegt. Aus dem Jahre 1260 datiert eine Urkunde mit dem Namen «curia staige» (Genossenschaft Steig). Ein Ammann bekleidete eine einmalige Doppelfunktion. Einerseits war er Vertrauensmann des Volkes und wurde von diesem gewählt und anerkannt. Andererseits war er aber der Verwalter des Grafen, von diesem als Stellvertreter eingesetzt für Zehenteinhebung und Gericht. 6 7 Gebhardsberg um 1950. Kirchlein und Gasthaus in den Ruinen von Burg Pfannenberg. Hier herauf mußten die Hofsteiger ihren Zehent abliefern. Der zweite Hof gehörte den Udalrichinger Grafen von Bregenz. Er stand draußen auf der Steig bei Rickenbach. Nach der Überlieferung sollen die Häuser Hofsteigstraße 46 und Rutzenbergstraße 1 und 2 heute seinen Platz einnehmen. Ein Ammann verwaltete hier die Güter für den Grafen. Die Bauern, die ihren Besitz der Schutzherrschaft des Hofes anvertraut hatten, erhielten denselben als «Lehen» zurück. Dafür mußten sie Abgaben zahlen. Der Großzehent bestand aus jeder zehnten Garbe von Getreide und Heu und jedem elften Maß Wein. Kleinzehent wurde von Kälbern, Gänsen, Hühnern, Milch, Käse, Eiern genommen, auch von Obst, Gemüse, Flachs und anderen Erträgen, doch konnte man Kleinzehent oft durch Frondienst abgelten. Am drückendsten aber war der «fal», der beim Ableben des Lehensbauern «fällig» wurde, meist als «besthaupt» im schönsten Pferd oder Rind aus dem Stall und als «häsfal» im besten Kleid aus dem Kasten. Für diese Abgaben bot der Hof mehr als nur Schutz in Kriegszeiten. Er zwang wie in einer großen Familie zu einer Gemeinschaft unter der Leitung erfahrenenr Männer. Er verlieh Pflug und Wagen. Er stellte den Schmied, die Mühle, den Weintorggel, den Metzgerzuber und die Badgelte. Der Hof hielt Hengst, Stier und Eber. Er verlieh und kontrollierte Maße 8 Nach Bilgen, Holunder 1932, Nr. 35 Winder, Alberschwender Lindenblatt 1972/1 9 der Wolfurter zur linden. Wahlberechtigt waren jene Männer, die eine Waffe tragen durften. Auf ein Zeichen des Vogts liefen sie zu dem Mann ihrer Wahl. Mit Strichlisten zählten Vertrauensleute die drei hauffen. Wer das mehr hatte, war für drei Jahre zum Ammanngewählt. Dann bestimmte man zwölf richter (Geschworene) als Berater des Ammanns und Vertreter ihrer Dörfer. Sie nahmen an seiner Seite Platz. Nun wurden durch weiteren Zulauf noch ein waibel (Polizist und Gemeindediener), ein Müller und ein Müllerknecht gewählt und sieben dorfgenossen (Dorfmeister) eingesetzt, je zwei für Hard, Lauterach, Wolfurt und einer für Schwarzach. Jeder mußte feierlich mit aufgehobenem Hand schwören, dem Landesfürsten getreu zu dienen und des Gerichts Hofsteig Nutzen zu fördern, sowie allzeit unparteiisch zu entscheiden, als mir gott helfe und alle hailigen!10 Auch die Gastwirte mußten diesen Eid schwören. Im Namen des Fürsten hob der Ammann von nun ab Zehent und Abgaben ein, beglaubigte mit seinem Siegel Verträge, Käufe und Schuldscheine und sorgte für die Einhaltung der im Landsbrauch aufgeschriebenen Gesetze. Er verwaltete mit seinen Richtern die gemeinsamen Weiden und Wälder, beaufsichtigte die Pflege von Straßen, Brücken und Gräben und bestimmte Saat und Ernte in den Weizenfeldern. Eigene Verträge regelten die aufwendigen Dammbauten gegen die Überschwemmungen durch die Bregenzerach. Sie leben noch heute in der «Linksseitigen Achwuhr-Konkurrenz» fort. Als besonders wichtig erwies sich auch die jährliche Kontrolle der Marken und Zäune. Zu den sozialen Aufgaben des Ammanns gehörte die Führung der Waisenbücher. Hofsteigdörfer um 1940. Blick vom Hinterfeld zum See. Aus den Obstbaumwäldern strecken sich die Kirchtürme von Wolfurt, Lauterach und Hard. Da war es wichtig, daß er gute Berater zur Seite hatte und die mündlich überlieferten Gesetze genau kannte. Erst im Jahre 1544 wurden dieselben als «alter landsgebrauch des gerichtz Hofstaig» aufgeschrieben. Alle drei Jahre wurde gewählt. Vormittags zogen die Amtsleute zum Gottesdienst in die Mehrerau, nahmen dort auch das Mittagsmahl ein und trafen sich dann in Lauterach auf dem Gerichtsplatz beim «Scharfen Eck» mit dem Volk, das vom See und vom Berg herbeigeströmt war, zur Wahl. Nach dem Rücktritt des alten Ammannns mußten drey ehrliche männer vorgeschlagen werden, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, ahm berg oder von Schwartzach.* Der Vogt nominierte im Namen des Fürsten die Kandidaten. Sie mußten der oberkait gefällig und habhaft9 sein. Es kamen also nur reiche Leute in Frage, meist Wirte oder geachtete Handwerker. Bei ihnen glaubte man die eingehobenen Steuern sicherer aufgehoben als bei armen Bauern. Vor allem aber mußten sie der Obrigkeit passen! Die Wahl erfolgt durch das lauffen. Am Platz standen zwei Häuser und eine Linde. Der Harder Vertreter stellte sich zum westlichen Haus, der Lauteracher meist zum zweiten und 8 9 An dem drei Gerichtstagen im März, im Mai und zu Micheli im Herbst wurden unter Vorsitz des Ammanns Streitigkeiten geschlichtet und Frevel gestraft. Meist tagte das Gericht in der Tanzlaube in Lauterach, nicht selten fanden das «Mayengericht» oder das «Herbstgericht» aber auch in Wolfurt oder in Rickenbach statt, selbst wenn Harder Streitigkeiten vorlagen." Über Totschlag, Landesverrat und natürlich auch in Hexenprozessen entschied allerdings das «Malefiz»-Gericht in Bregenz, wo sich auch Richtstätte und Galgen in der Nähe der Klause befanden. Der Hof auf der Steig diente weiterhin dem Herrn in Bregenz. Wenn dieser zur Jagd oft mehrere Tage einkehrte, hatten er und seine Begleiter Anspruch auf Essen und Unterkunft. Der Müller am Rickenbach mußte die Hunde versorgen. Falken und Habichte bekamen ein Huhn. Jederzeit mußte der Hof für den Grafen Wagen, Fuhrknecht und vier starke Pferde bereitstellen. Der Hofsteiger Landsbrauch lag in allen Gemeinden auf. Einige Abschriften sind erhalten. Landesarchivar Viktor Kleiner hat dieses wertvolle Dokument alter Sprache, Kultur und bäuerlichen Rechtes 1900 im 41. Jahresbericht des Vorarlberger Museumsvereines neu veröffentlicht. Rund 800 Jahre lang hat der Landsbrauch das Zusammenleben der Bauern und der Dörfer zwischen Berg und See geregelt und eine starke Gemeinschaft geschaffen, die sich sogar 10 LMV1900.S. 135 habhaft = vermögend LMV 1900,S. 136 ff VLA Urkunde 1389, 1402, 1570 10 11 im eigenen Hofsteiger Dialekt etwa von Dornbirn, Lustenau, vom Wald und auch von Bregenz abhebt. Man kannte sich gegenseitig, denn man traf sich ja regelmäßig bei den Gottesdiensten in Bregenz. Noch 1480 hatten alle HofSteiger beim Wiederaufbau der abgebrannten Pfarrkirche St. Gallus geholfen. Dann aber lösten sich 1512 als erste Wolfurt und der Steußberg und errichteten eine eigene Pfarrei. 1618 folgte Lauterach und 1646 machte sich auch Hard selbständig. Jetzt gab es erste Risse in der Hofsteiggemeinschaft. Bei Ammannwahlen traten immer häufiger die Bewohner einer Pfarre gegen die andere auf. Schwere Streitigkeiten gingen auch dem Auseinanderbrechen der Pfarre Wolfurt voraus. 1760 machte sich Buch selbständig, 1790 Bildstein und zuletzt 1824 auch noch Schwarzach. Umschichtungen in Handel und Gewerbe traten als Folge des Straßenbaus auf. Die Brücke über die Ach und die Heerstraße von 1518 hatten Lauterach und Rickenbach begünstigt. Als Kaiserin Maria Theresia 1768 die neue Landstraße durch das Ried bauen ließ, bekam auch Hard eine Verbindung zum Rhein. Wolfurt und Schwarzach lagen jetzt weit abseits. Das änderte sich erst 1838 durch die neue Wälderstraße von Lauterach nach Wolfurt und von Schwarzach durch das Tobel in den Bregenzerwald. Hofsteig war schon 1451 mit halb Bregenz an das Haus Habsburg-Österreich gekommen Der Kellhof Wolfurt aber blieb noch lange bei den Grafen von Ems. Allerdings verloren die Kellhofer mit dem Rückgang der Emser Macht immer mehr von ihrem Eigenleben. Im 18. Jahrhundert ging das Eigengericht schließlich fast zur Gänze im Hofsteiggericht auf. Aber auch das Ende von Hofsteig nahte. Hungersnöte um 1700 hatten den Anbau von Mais und Kartoffeln erzwungen und damit die alte Dreifelderwirtschaft zu Fall gebracht. Zuerst wurden nur die gemeinsamen Getreide-Esche aufgeteilt, 1795 auch der Ippachwald und um 1800 noch das Ried. Die Reformen Josef II. hatten die Rechte des Ammanns stark eingeengt. Als in den Franzosenkriegen die Bayern Vorarlberg besetzt hielten, wurden 1806 die Gerichte einfach abgeschafft. Altes Hofsteiger Recht wurde durch staatliches Recht ersetzt. Aus dem Gebiet Hofsteig wurden mit ziemlich willkürlichen Grenzen die sechs Gemeinden geschaffen. Um 1811 traten Bürgermeister ihr Amt an. Seither führen die Gemeinden ihr Eigenleben und sehen dabei oft nur bis zu ihrem eigenen Kirchturm. Straßen sollten eigentlich Dörfer verbinden, aber Autobahn, Dörferstraße, S 18 und andere haben in den letzten Jahrzehnten tiefe Klüfte zwischen die Gemeinden gegraben. Dabei wäre doch eine Zusammenarbeit für ein gemeinsames gutes Trinkwasser, für den Lebensraum Ried - unser aller Ried -, für den Wald und den Berg, eine Zusammenarbeit auch in der Schaffung von Arbeit für alle, für gemeinsame Schulen und gemeinsam gestaltete Freizeit so wichtig! Einige Vereine haben die Barrieren überwunden. Die Feuerwehren und die Blasmusikkapellen arbeiten eng zusammen. Auch die Bürgermeister treffen sich immer wieder und erörtern gemeinsame Probleme. Das läßt hoffen, daß guter alter Hofsteiger Brauch Zäune und Gräben überwinden kann. Die Lauteracher Brücke gegen Zoll und Riedenburg um 1910. Erbaut wurde die Holzbrücke 1518, abgebrochen 1916. 12 13 Hofsteiger Ammänner Ammann bedeutet Amtmann, Verwalter eines bestimmten Landessprengels von meist mehreren Gemeinden für die gräfliche oder fürstliche Herrschaft. Anfangs nannte sich der Inhaber des Amtes meist lateinisch «minister», später «Keller», Ammann, Amtmann, Landammann, Gerichtsammann, um 1470 auch «österreichischer Ammann» oder «Herzog Sigmunds Ammann in dem Hof zu Staig». Zuletzt lesen wir um 1800 häufig die Bezeichnung Amtsverweser oder Amtsammann. Ein abgelöster Ammann führte den Titel «Altammann» und diente dem Gericht oft noch lange als Beisitzer (Geschworener, Eidgenoß). Nicht selten bekam er das Ammannamt noch mehrmals übertragen. Im Sprengel Hofsteig gab es außerdem Hofsteigammann zwei weitere Ammänner, die von diesem unterschieden werden müssen: Der Kellhof-Ammann (auch Keller, Kellermeister) verwaltete die Wolfurter Kellhofgüter, die zum großen Teil auch in den Nachbargemeinden verstreut lagen, für die gräfliche Herrschaft, zuletzt für die Grafen von Hohenems. Der Gotteshausammann («gotshusaman») sorgte sich um die zahlreichen Besitzungen des Klosters Mehrerau in Wolfurt und auf dem Steußberg. In der folgenden Auflistung stelle ich aus Urkunden, Regesten, Besatzbüchern, Schaffund Copeybüchern die Namen der Hofsteig-Ammänner zusammen und notiere bemerkenswerte Einzelheiten zu den aus Wolfurt stammenden. Für die Lauteracher ist das schon in den Heimatbüchern 1953 und 1985 geschehen. In den Archiven gibt es eine Fülle von Akten, mit deren Hilfe sicher noch manche Ergänzung der Reihe möglich ist und manche Lücke geschlossen werden kann. I. Unter den Montforter Grafen von Bregenz Als ältestes Dokument für einen Hofsteig-Ammann galt bisher eine Urkunde von 12601, in der neben «curia staige» u. a. ein «Heinricus minister de Liutrah» genannt wird. Nun weist aber Niederstätter nach, daß dieser Ammann Heinrich aus Lauterach keineswegs Hofsteigammann war, sondern vielmehr in der Herrschaft Bregenz die Interessen der Werdenberger, denen bis 1402 der Wolfurter Kellhof gehörte, vertrat.2 Als älteste Verwalter des Gerichts Hofsteig fungierten Montforter Edelleute, etwa die Herren von Schwarzach und die Helwer, die aufSchloßVeldegg im Oberfeld saßen. «Jegliche Kompetenz dieser Gerichte leitete sich von oben, von der Herrschaft ab, nicht etwa beruhte sie auf der Souveränität des Volkes», schreibt Niederstätter.3 Er tritt damit der bisher verbreiteten Meinung entgegen, hier hätten die Landleute einen der ihren in demokratischer VLA Urk. 777 2 Alois Niederstätter, Die Ammänner, Montfort 46/1994, Vorabdruck S. 8 3 Alois Niederstätter, Verfassungsgeschichte, Montfort 39/1987, S. 62 1 Wahl in sein Amt gehoben. Noch im 1544 aufgeschriebenen «alten landsgebrauch des gerichtz hofstaig» ist ja die erste Bedingung für einen Ammannkandidaten «der oberkait geföllig» sein.4 Im Namen des Fürsten nominierte der Vogt die Kandidaten. Wir kennen die Verwalter und meist auch ihre Siegel nur von den erhaltenen Urkunden, die sie selbst ausstellten oder als Zeugen unterfertigten. Schon 1322 siegelte Conrat der Buch, Keller zu Staig, eine Verkaufsurkunde.5 Er war demnach Verwalter des großen gräflichen Hofes auf der Steig in Rickenbach. Am 23. Juli 1364 verkaufte Eberhard der Helwer seine Burg Veldegg. Als Zeuge war Cuonrat der Ammann dabei.6 Auf mehreren Urkunden finden sich auch die Ritter von Wolfurt. So tauschten etwa am 17. März 1373 Wölfli von Wolfurt und Abt Burkard von Bregenz ihre Leibeigenen Elsbeth die Gebührlin und Adelheid die Köbin.7 Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts lassen sich für Hofsteig regelmäßig Ammänner feststellen. Sie beaufsichtigten aber ursprünglich nicht ein abgegrenztes Gebiet, sondern den zum Hof Staig gehörigen Personenverband.8 Ihre Amtszeit läßt sich aus den Urkunden annähernd errechnen. 1. Johann von Bunis «des Grafen Chunrat von Bregentz Ammann, der im Dorf zu Lutrach öffentlich zu Gericht sitzt» oder «Ammann zu Hardt und im Hof Stayg». Er war wohl ein Montforter Edelmann, der in Hard wohnte. 2.1 Hans Keller genannt Buch Er war vermutlich aus der Familie des Conrat der Buch (von 1322) und ebenfalls Keller zu Staig. 3. Henny Veldegg Die in Wolfurt und Lauterach ansässigen Veldegg dürften Nachkommen der Helwer von Veldegg sein. 4. Jos Wiss 1383-1404 1406-1409 Zu 2.1 Siegel des Hans Keller genannt Buch, Ammann und Keller zu Staig 1423 (VLA Urk. 998) 1410-1413,1415 1414 4 5 6 7 8 LMV 1900/S. 135 VLA Urk. 80096 VLA Urk. 839, Ulmer, Burgen, S. 384 VLA Urk. 851 wie Anm. 2, S. 5 14 15 2.2 Hans Keller genannt Buch Anno 1423 ist er auch Landammann zu Lingenow.9 1444 befehligte Hans Keller als Hauptmann ein Vorarlberger Söldneraufgebot in Jenbach, das in Diensten der rebellierenden Tiroler gegen den späteren Kaiser Friedrich III. stand.10 5. Hans Lädlin aus Lauterach Anno 1423 auch Ammann zu «Albriswendi». 6.1 Heinrich Kaisermann Er war ein reicher Bregenzer Bürger und mehrfach auch Stadtammann zu Bregenz. Von seiner Mutter Maria aus dem Rittergeschlecht von Wolfurt hatte er Anteile am Schloß geerbt. Dort wohnte er zeitweise." 7. Heinrich Payger 6.2 Heinrich Kaisermann 8. Hans vom Bach genannt Hentz Bregenzer Bürger und Ratsherr,«des Markgrafen Wilhelm von Hochberg Landammann zu Bregenz», aber auch «Landammann im Hof zu Staig» 1417-1423 II. Unter Österreich I., 1451-1686 Waren bisher meist Edelleute oder angesehene Bregenzer Bürger als Amtmänner für den Grafen tätig gewesen, die für einen starken Einfluß der Stadt in den Dörfern gesorgt hatten, so änderte sich das unter den österreichischen Vögten. Sie hatten kein Interesse daran, die Stadt zu bevorzugen, und nahmen die neuen Amtmänner aus den Dörfern. 9.1 Peter Boss, Lauterach 10.1 Uli Götpfried 9.2 Peter Boss, Lauterach 11. Jos Wiss Die Wiss, später Weiß, waren in Wolfurt und in Lauterach daheim. 10.2 Uli Götpfried «der Herrschaft von Österreich Ammann in dem Hof zu Staig». 12. Hans Troll von Schwarzach «Herzog Sigmunds Ammann in dem Hof zu Staig» 13. Jos Berüttiner 14. Cunrat Veldegg aus Wolfurt 15. Jörg Riner, Lauterach Ein Johann Riner von Ach reiste 1476 nach Rom und erhielt die Erlaubnis zum Bau einer Kirche St. Georg in Lauterach, die auch von den Wolfurtern besucht wurde. 16. Hans Gunthalm, Lauterach 17.1 Sebastian Schnell, Wolfurt Er erreichte 1512 die Gründung der Pfarrei Wolfurt. Siehe Anhang: Ammann Schnell, S.26 18. Auf einer Urkunde von 1511, in der Landammann Sebastian Schnell selbst als Käufer auftritt, siegelt Hans Boss, Landammann im Hof Staig zu Lutrach. 1453 1454 -1457 1458 - 1465 1465-1475 1424-1430 1431 - 1433 1476 - 1478 zu 1478-1479 14 Siegel des Cunrat Veldegg, Ammann 1482 1434 - 1439 1439 - 1443 1446 - 1452 1481-1482 1482 - 1486 1486 - 1492 1493 - 1495 1496 - 1524 Am 4. September 1451 verkaufte Markgraf Wilhelm die halbe Herrschaft Bregenz, darunter auch das Gericht Hofsteig, an Herzog Sigmund von Österreich. Vom Preis von 35.000 Gulden blieb eine Schuld von 6.000 Gulden offen. Die Zinsen dafür waren in den Gerichten Bregenz, Hofsteig, Lingenau und Alberschwende aufzubringen. LingenauAlberschwende löste sich jetzt von Hofsteig und erhielt einen eigenen Ammann. 9 10 11 VLA Urk. 997 Bilgeri, Geschichte II, S. 462 und 605 «Wolfurt» Siehe Heimat 9, S. 39 16 17 19.1 Heinrich Hummel, Wolfurt 17.2 Sebstian Schnell siegelt auch noch auf späteren Urkunden als Ammann im Hof Staig, als «Verwalter des Kellnhofammannamts zu Wolfurt» 1539 und wieder als Ammann im Hof Staig. 19.2 Heinrich Hummel Er ließ 1544 den Hofstaigischen Landsbrauch aufschreiben.12 20.1 Oschwald Caspar aus Wolfurt 21. Jörg im Hag aus Hard Eine exakte Zuweisung der «Dienstjahre» der einzelnen Ammänner ist nicht möglich, aber es dürften auch jetzt schon dreijährige Perioden gewesen sein. Manchmal siegelten Altammänner noch in der Amtszeit der Nachfolger. 22. Hans Bärtel aus Schwarzach 20.2 Oschwald Caspar 19.3 Heinrich Hummel «zu Wolfurt» 20.3 Oschwald Caspar 23. Sebastian Troll aus Schwarzach 24.1 Jakob Gundthalm aus Lauterach 25.1 Caspar von Ach aus Lauterach genannt Dorff 26. Adam Bärtel aus Schwarzach 25.2 Caspar von Ach gen. Dorff 24.2 Jakob Gundthalm 27. Hans Weiß aus Lauterach 28.1 Hans Schertler aus Lauterach 29. Zacharias Birnbaumer Ein Harder Geschlecht 1524-1527 1527-1528 1540 1539 zu 19.1 Siegel des Heinrich Hum1542-1544 mel, Ammann im Gericht 1541,1546,VLAUrk.1780) 1548-1551 30.1 Hans Jacob Ölz zu Schwarzach 28.2 Hans Schertler 31.1 Kaspar von Ach, Lauterach 30.2 Hans Jacob Ölz 31.2 Kaspar von Ach 32. Georg Wehrlin «zu Rickenbach»13 33.1 Hilar Fröwis zu Lauterach 30.3 Hans Jacob Ölz 34. Hans Müller «zu Rickenbach»14 Gleichzeitig siegelt aber auch 33.2 Hilar Fröwis als Ammann des Gerichts Hofstaig 35.1 Jacob Feurstein, Wolfurt Er besaß schon 1617 einen Hof in Rickenbach.15 36. Georg Schwerzler zu Wolfurt Er ist der Stammvater fast all der zahlreichen Schwerzler - und Schwärzlerfamilien in Wolfurt und Umgebung. 37.1 Hans Sommer zu Lauterach 3 8.1 Hans Weiß zu Lauterach 37.2 Hans Sommer 35.2 Jacob Feurstein 37.3 Hans Sommer 38.2 Hans Weiß 37.4 Hans Sommer 35.3 Jacob Feurstein 37.5 Hans Sommer Er nennt sich aber auch noch 1672 und 1673 Ammann. 39.1 Jakob Schneider, Wolfurt. Siehe Anhang, S. 28 und S. 35 40. Gregor von Ach, Lauterach 41. Caspar Dietrich, Lauterach 13 14 1609 1610 1614- 1615 1616-1620 1621-1622 1624 1625 1626 1627-1630 1629 - 1631 1636 1640 1552 1552 - 1556 1557 1562 - 1565 1567 1569 - 1574 1578 - 1583 1586 - 1587 1588 1590 - 1592 1594 - 1596 1599 - 1602 1605 1641 - 1642 1643 - 1646 1646 - 1653 1653 1657 - 1658 1658-1661 1661-1664 1664 - 1667 1668 - 1671 1671-1676 1676 - 1678 1680 - 1686 In den Wolfurter Pfarrbüchern finden sich «Wärlin» bis 1752 Müller-Familien hielten sich in Wolfurt noch lange. Sie stellten im 18. Jahrhundert die Gotteshaus-Ammänner. Das Wolfurter Familienbuch zählt 8 Feurstein-Familien auf, doch starben alle um 1750 aus. LMV 1900, S. 132. Dort sind u.a. genannt: «Hainrich Humbel amman», «Jerg im Hag», «Oschwald Caspar», «Hans Bärtel», lauter zukünftige Ammänner 12 15 18 19 In zwei Jahrhunderten unter österreichischer Herrschaft hatte sich die Struktur des Gerichts Hofsteig grundlegend gewandelt. Nacheinander hatten sich seine Gemeinden von der Mutterpfarre St. Gallus abgespalten: zuerst Wolfurt 1512, dann Lauterach 1618 und Hard 1646. Kaiser Maximilians Heerstraße und die erste Achbrücke von 1518 hatten den Verkehr ins Schwabenland verstärkt. Die Reformation, die Bauernkriege von 1525, der Schwedeneinfall 1647 und die gewaltigen Pilgerströme nach Maria Bildstein im 17. Jahrhundert hatten viele fremde Menschen und neue Ideen in das konservative Hofsteig gebracht. Jetzt wirkte «das Volk» bereits sehr aktiv bei den Ammannwahlen mit. Zwar mußte es sich weiterhin zwischen den vom herrschaftlichen Vogt vergeschagenen Männern entscheiden. Aber die immer häufiger werdenden Wechsel der Amtsinhaber zeigen, daß die Wähler nur mehr selten mit der im Landsbrauch vergesehenen Verlängerung des Mandats einverstanden waren. Dabei spielten sicher auch Eifersüchteleien zwischen den neuen Pfarren eine Rolle. III. Unter Österreich II, 1686 -1759, Kampf um eigene Rechte Die nächsten Jahre sind geprägt von einer bitteren Auseinandersetzung mit der Herrschaft der Vögte, von Erfolgen des «Gemeinen Mannes» unter Jerg Rohner und Niederlagen in der Zeit des Absolutismus. Über die Ammann wahlen in dieser Zeit sind wir besonders gut informiert, weil die «Besatzbücher» des Gerichtes fast lückenlos erhalten geblieben sind.16 Sie beginnen: Actum bey gehaltener Gerichtsbesatzung zue Lutherach vom 10. Merzen 1686. Die Nominierung lautet: In Amman-Schuß sind genomben worden Sigmund Dörler gegen Amman Diethrichs Hauß Jacob Schneider alter Amman gegen Sigmund Dörlers Hauß und Linden Hanß Morsch gegen Hardt. Dörler vertrat Lauterach, Schneider Wolfurt und Steußberg, Morsch stand für Hard. Das Mehr bekam Schneider, der schon 1671 - 76 Ammann gewesen war. Die Liste der 12 Geschworenen führen seine abgelösten Vorgänger Caspar Dietrich und Gregor von Ach an. Als zwölfter wurde der Rickenbacher Adlerwirt Caspar Haltmayer neu aufgenommen. 39.2 Jakob Schneider, Wolfurt Spannend wurde die Wahl vom 21. August 1689. Weil Schneider eine nochmalige Nominierung ablehnte, stellten die Wolfurter den jungen Hans Schwerzler, den Sohn des früheren Ammann Georg Schwerzler (Nr. 36) auf. Gegen ihn boten die Lauteracher ihren Alt16 1686 - 1689 ammann Gregor von Ach auf, die Harder wieder Hans Morsch. Das knappe Ergebnis des Mehrlaufens stand erst nach einer genauen Zählung fest. Die Strichlisten sind dem Akt beigelegt und geben Aufschluß darüber, daß aus ganz Hofsteig 517 Männer wählten: 249 für von Ach, 263 für Schwerzler, nur 5 für Morsch. So begann Hans Schwerzlers umstrittene Amtszeit.17 42.1 Hans Schwerzler, Wolfurt 1692 zu Lauterach «per Maiora widerum zum Amman erwählt». Durch die Wallfahrt hatte Bildstein seine Einwohnerzahl stark vergrößert. Die Pfarre Wolfurt mit Bildstein dominierte jetzt. So brachte sie bei den nächsten Wahlen auch ihren neuen Kandidaten, den Rickenbacher Adlerwirt, durch. 43.1 Caspar Haltmayer, Rickenbach und noch einmal 42.2 Hans Schwerzler, Wolfurt und in seiner vierten Amtszeit. Gegen Schwerzlers Amtsführung richteten sich die Klagen und der Aufstand des «Gemeinen Mannes». 43.2 Caspar Haltmayer 44.1 Jerg Rohner, Wolfurt18 und 45 Jakob Natter, Bildstein 44.2 Jerg Rohner, noch einmal 4 Perioden 46.1 Martin von Ach, Lauterach 1740 wurde die öffentliche Ammannwahl abgeschafft. 47. Anton Greußing, Rickenbach19 48.1 Joh. Kaspar Winder, Bildstein 17 18 19 1689 - 1692 1692 - 1695 1695 - 1698 1698 - 1701 1701 - 1704 1704 - 1707 (VLA Zu 43.1 Siegel des Caspar Haltmayr, Ammann 1697 Urk- 2687) 1707 - 1710 1710 - 1713 1713-1716 1716-1722 1722 - 1734 1734 - 1743 1743 - 1746 1746 - 1755 VLA, Oberamt Bregenz, n 471, Schachtel 42 Siehe im Anhang unter «Der Gemeine Mann», S. 28 ff Über Rohner berichtet ein eigener Beitrag im Anhang: «Der Gemeine Mann», S. 28 ff Die Greußing kamen um 1690 aus Egg, betrieben im Haus Rickenbacherstraße 4 eine Gerberei und übersiedelten um 1800 nach Schwarzach, Lauterach und ins «Schlößle» nach Hard. 20 21 46.2 Martin von Ach, Lauterach 1755 - 1759 IV. Bis zum Ende unter den Bayern. 1759 - 1 8 0 6 48.2 Joh. Caspar Winder, Bildstein 49. Joh. Caspar Luger, Bildstein 2I 50.1 Joseph Fischer, Wolfurt, Löwenwirt 2 2 vier Perioden hintereinander «Ambtsammann» 5 1 . Mathias von Ach, Lauterach ein Sohn des Martin (46.) 50.2 Joseph Fischer weitere zwei Perioden Das Gericht war müde geworden. Die kaiserlichen Beamten zogen immer mehr Aufgaben an sich. Ein ganzes Jahr verspätet setzte man erst im Herbstgericht am 30. September 1759 die neue Ammannbestellung auf die Tagesordnung, zu der alle Unterthanen bei denen Kirchen convocirnt und einberufen wurden. Der bisherige Ammann Martin von Ach übergab den Gerichtsstab und legte damit sein Amt nieder. Wolfurt schlug den Bildsteiner Altammann Winder zur Wiederwahl vor. Aber in der Lauteracher Tanzlaube verhinderte ein Durcheinander die Wahl. So ist man mit dem Verlaß ohnverrichteter Sachen auseinandergegangen. 20 Man wollte sich noch einmal zur Auflösung des Gerichts treffen. Das wirkte nun doch wie ein Schock. So konnte einige Tage später der Altammann Winder durch das stille Mehr mit 365 gegen 180 Stimmen in bester Ruhe und Einigkeit auch außerordentlich guter Mannszucht wieder gewählt werden. Still war es geworden! Fest hatten die Beamten, darunter der auf Schloß Wolfurt residierende Oberamtsrath Tröndlin von Greiffenegg, das Volk im Griff. 20 1759 - 1 7 6 1 1761-1764 1764 - 1 7 7 6 1776 - 1783 1783 - 1789 1790 - 1 7 9 3 Zu 5 0 1 Siegel des Joseph Fischer, Wie 16, 1759 52.1 Joh. Gg. Reiner, Wolfurt, Schwanenwirt 23 Nur mehr selten und in völliger Abhängigkeit von den kaiserlichen Beamten trat das «iudicum delegatum in Hofstaig» jetzt zusammen. So konnte sich auch der Lauteracher Geschworene Joh. Martin Vonach gleichzeitig einmal als «Ammann, Amtsverweser» bezeichnen. 24 53. Jos. Anton Böhler, Wolfurt 25 52.2 Joh. Gg. Reiner 54. Franz Joseph Dörfer, Hard, Kronenwirt Der letzte Ammann vertrat Hard schon seit 1894 als «Ortsgeschworener». Auch 1806 - 1811 nennt er sich Ammann und führt in Hard die Amtsgeschäfte weiter, bis er im Oktober 1811 zum ersten Vorsteher der neuen Gemeinde Hard bestellt wird. 1 Ammann 1764 1794 - 1799 1800 -1802 1802 - 1806 Der Löwen in Rickenbach um 1910. Das große Gasthaus ist 1912 abgebrannt. 1764 bis 1789 war hier der Amtssitz des Hofsteigammanns Joseph Fischer. Luger war 1722 in Dornbirn geboren worden und nun Adlerwirt in Bildstein. Er hatte dort Isabella Beer, die Tochter des Auer Barockbaumeisters Joh. Michael Beer von Bildstein geheiratet. 22 Joseph Fischer, 1723 -1809, aus Spetenlehen. Er hatte in das angesehene Rickenbacher Gasthaus «Löwen» eingeheiratet. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kellhofammann Johann Fischer, kaufte er 1771 die Kellhofer von ihrer Herrschaft Ems frei. Mehr über ihn in «Ein Hofsteiger Siegel entdeckt», S. 3 ff 23 Joh. Gg. Reiner, geboren 1845, stammte aus einer von Lauterach zugezogenen Familie. Er heiratete 1771 die Witwe des reichen Wolfurter Schwanenwirts Hilar Freyis. Siehe «Ein Hofsteiger Siegel», S. 3 ff 24 VLA Landgericht Bregenz 102, Copeybuch Lauterach 1.4.1791 25 Anton Böhler, 1742 -1805, stammte vom Bereuther in Bildstein und hatte 1864 Ursula Haltmeyer aus dem «Löwen» geheiratet, eine Stieftochter des Ammanns Josef Fischer. Sie lebten im Haus Dornbirnerstraße 3 beim «Kreuz». 22 23 Ein Protokoll über die letzte Ammann-Besatzung findet sich in der Chronik des Gotteshaus-Ammanns Mathias Schneider.26 Anno 1802 ist den 9ten Dezember die Amann Besetzung zu Lautrach vorgenommen worden, und ist zum Amann erwählt worden Franz Jos. Dörler zu Hard, und zu Geschwornen sind wieder bestättiget worden als zu Wolfurt Joh. Georg Reiner vorher Amannamtsverweser Xaver Gmeiner unter der Linden 21 neu Joh. Georg Fischer. Anstatt Amann Böhler. Lautrach Michael Mathis Martin Geuze neu Kaspar Kalb. Weil vorhin einer zu wenig. Hard Joseph Hermann neu Rochus Dörler Schwarzach Jos. Anton Haltmayer für freywilig abgetretten Ant. Schertler Steusberg Joseph Dür zum Berütterfür den reseirten Jos. Böhler Buch Thomas Flaz Waibel Jos. Ant. Fischer zu Lautrach ledigen Stands. Am 13. März 1806 übernahm Bayern offiziell das von Österreich im Frieden von Preßburg abgetretene Land Vorarlberg. Zuerst wurde es an die Provinz Schwaben angeschlossen, dann an den Illerkreis. Neue Hauptstadt war jetzt Kempten. Am 1. Oktober 1806 trat die Bayerische Gerichtsordnung in Kraft: Die 24 alten Gerichte wurden aufgelöst, an ihrer Stelle sieben Landgerichte gebildet. Jetzt gehörte Hofsteig dem Landgericht Bregenz an und wurde von bayerischen Beamten verwaltet. Die bayerische Gemeindeordnung sah die Wahl eines Vorstehers und zweier Räte in jeder Gemeinde vor, die aber vom Landrichter ernannt wurden. Alle ihre Beschlüsse unterlagen der Genehmigung der Obrigkeit in Bregenz, Kempten oder München.28 Es dauerte aber fünf Jahre, bis sich erstmals Gemeindeorgane gebildet hatten29: Pro 1811 den lten Oktober hat die Neue Gerneinds Vorstehung angefangen, und dato bey dem Königl. Landgericht Bregenz beeidiget worden, alwo das allgemeine Gericht aufgehört hat. Zu Wolfurt Erstens ist als Friedens Richter erwählt Joh. Georg Fischer alt Geschworener30. 2ter als Rath ist erwählt Joh. Zumtobel zu Rickenbach31. 3ter als Rath ist erwählt Kaspar Müller zur Linden32. Diese haben alle Wochen jedes mall am Dinstag einen Verhandlungs Tag, jede Parti welche verhandlet wird hat 24 Kreuzer zu bezahlen. Am 7. Juli 1814 wurde Vorarlberg wieder an Österreich übergeben. Die Hoffnung auf Wiedererrichtung der alten Vorarlberger Landstände und Gerichte erfüllte sich aber nicht. Vergeblich wählten die HofSteiger 1816 noch einmal einen Ammann: ... hat man den 22ten May Deputirte zur Amman Besatzung gewählt von jeder Gemeinde 6 oder 7 Mann nach Maaß des Popolationsstand, welche den 23ten May den Amman gewählt, und ist Hiezu ernannt worden Joh. Georg Haltmeyer Kronenwirth zu Schwarzach.33 Mit den neu errichteten Vorarlberger Landständen reiste Ammann Haltmeyer zur Huldigung an Kaiser Franz I. am 30. Mai 1816 nach Innsbruck. Aber die Gerichte blieben aufgelöst. Eine neue österreichische Gemeindeordnung trat in Kraft, die alle drei Jahre Gemeindewahlen vorsah. In Lauterach nannte sich zwar der Geschworene Joh. Micheal Mattis schon 1808 bis 1811 «Ortsvorsteher». Zum ersten offiziellen Lauteracher Vorsteher wurde aber im Oktober 1811 Josef Kühne bestellt. In Schwarzach wurde mit Anton Schertler ebenfalls ein ehemaliger Geschworener erster Vorsteher. Die Leute «am berg» wurden 1806 von den Bayern zu einer einzigen Gemeinde «Steußberg» zusammengefaßt. Ihr Vorsteher war ab 1811 der Bildsteiner Joseph Dür. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich trennten sich die Steußberger aber sofort. Dür blieb Vorsteher von Bildstein. In Buch wurde Martin Schelling zum Halder, der noch in der letzten Gerichtsperiode Thomas Flatz als Geschworenen abgelöst hatte, der erste Vorsteher. Österreichische Beamte im Landgericht Bregenz standen nun an der Stelle der Hofsteiger Ammänner und Geschworenen. Die letzten Gerichtsmänner begannen mit dem Aufbau der neuen Gemeinden. 26 Gemeindearchiv Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 1/2 Xaver Gmeiner, 1762 - 1835, war ein Neffe des mächtigen Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner und wohnte mit seiner großen Familie im Haus Frickenescherstraße 4, Thalers Martes. Ein Bruder und zwei Söhne waren Ärzte. Siehe Heimat 11, S. 43 Burmeister, Geschichte 1980, S. 150, und Peter, Heimatbuch Röthis 1982, Die Gemeinde GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 30 28 29 J. G. Fischer, 1760 - 1849, ein Neffe des Ammanns Joseph Fischer, Hofsteig-Geschworener 1802 bis zum Ende, Vorsteher von Wolfurt 1811 bis 1817. 31 Johann Zumtobel war als zweiter Gatte der Katharina Haltmayer Adlerwirt geworden. Seine Tochter Carolina heiratete 1843 den «Sammer» Jos. Ant. Fischer und wurde die Stammutter der «Alt-Adlerwirts». 32 Dort lebte er am Platz Kirchstraße 21 in «Loamars» Doppelhaus 33 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 22 24 25 Ammann Sebastian Schnell Er ist der Mann, der Wolfurt und Hofsteig in einer besonders langen Amtszeit von 1496 bis 1540 vom Mittelalter in die Neuzeit geführt hat. Die Schnell waren eines der ältesten Wolfurter Geschlechter. 1371 waren Hans und Hermann Schnell, die aus der Leibeigenschaft der Ritter von Wolfurt zu Lindauer Bürgern aufgestiegen waren, Grund zur Belagerung von Schloß Wolfurt durch die Lindauer.1 Als der Ritter 1402 die Hälfte des Schlosses an das Kloster Mehrerau verkaufte, behielt er Cuntzen den Snellen von Wolfurt und sin wibe und sine kinde samt dem Weinberg als Leibeigene.2 Anno 1408 stiftete Adelheit Schnellin, Cuntzen Schnellen selig Hausfrau, aus ihrem Weingarten in der unteren Bütze zu Wolfurt einen Jahrtag.3 Ab 1496 siegelte Sebastian Schnell, Ammann im Gericht Hof Stayg, Dutzende von Urkunden, meist Kaufverträge oder Stiftungsbriefe. Am bekanntesten davon ist der Stiftbrief für die neue Pfarre St. Nikolaus vom St. GallenTag 1512, der mit den Worten beginnt: Ich Sebastian Schnell, der Zeit Ammann im Hofstaig, und wür gemaine Nachbarschafft zue Wolffurth, und wür zue Schwartzach, am Berg und im Buech ...4 Am 26. Juli 1517 erlaubte Kaiser Maximilian Siegel des Sebastian Schnell, zu Augsburg den Bregenzern eine Brücke über Hofsteigammann 1497 das Wasser genannt die Bregentz zu bauen (VLA Urk. 1390) und einen Zoll von Kaufmannsgütern, Salz, 5 Schmalz, Käse, Korn, Wein, Vieh etc. einzuheben. Diese erste Brücke über die Ach und die neue Heerstraße von Lauterach nach Rickenbach brachten große Veränderungen für Hofsteig. Im Bauernkrieg von 1525 bedrohten die protestantischen Allgäuer Bauern Vorarlberg. Große Teile des Landes sympathisierten mit ihnen. Die HofSteiger dagegen stellten 100 Mann zum Schutz von Bregenz und erklärten feierlich das wir bey dem hailligen cristenlichen glauben, so wir bisher gehalten, beleiben.6 1539 war Sebastian noch Verwalter des Kellnhofs zu Wolfurt und 1540 siegelte er wieder als Ammann im Hofstaig.7 Die höchste Ehre aber erfuhr der alternde Sebastian Schnell, als er im Jahre 1541 als einer der 6 Vorarlberger Abgeordneten zu der von Kaiser Ferdinand I. in Linz abgehaltenen Ständetagung ausgewählt wurde.8 Für einen Bauern so kurz nach den mörderischen Bauernkriegen wahrhaft ungewöhnlich! 1 2 3 4 Zur gleichen Zeit war ein Jakob Schnell Gastwirt zu Bregenz.9 Und ein Sebastian Schnell, wohl ein Verwandter unseres Ammanns, erschlug im Streit den Bregenzer Landwaibel Cunrad Veldegg. Er mußte fliehen und diente 1546 im Heer der Protestanten bei Weingarten als Hauptmann. Weil er Heimweh zu Frau und Kindern hatte, wollte er im Schmalkaldischen Krieg mit seinen Söldnern in der Hoffnung auf Begnadigung zu den Kaiserlichen überlaufen. Er wurde aber bei der Bregenzer Klause gefaßt und gerichtet.10 Im Hofsteigischen Landsbrauch von 1571 werden gleich drei Schnell als Hausbesitzer in Wolfurt genannt: Friderich, Hans und Bestli (Sebastian).1 ] Davon lebten 1594 noch Friderich und Hansen Wittib»12. Kurz danach dürften sie in Wolfurt ausgestorben sein, die Pfarrbücher von 1650 enthalten den Namen Schnell nicht mehr. Burmeister, Edelgeschlecht Wolfurt, 1984, S. 28 VLA Urk. 922 Kleiner, Bregenzer Regesten 24 Rapp, Generalvikariat 1896, S. 287; VLA Urk. 1722a 5 6 7 8 Kleiner, Bregenzer Regesten 432 Bilgeri, Geschichte III, S. 350 VLA, Regesten Bilgeri, Geschichte III, S. 578 9 10 11 12 Kleiner, Bregenzer Regesten 512 Bilgeri III, S. 399 LMV 1900, S. 161 Holunder 1932/Nr. 30 26 27 Siegfried Heim Der Gemeine Mann Jerg Rohners Kampf gegen die Willkür der Mächtigen Um das Jahr 1700 lebten in Wolfurt etwa 600 Leute, die meisten als kleine Bauern und Handwerker. Viele suchten als Saisonarbeiter im Sommer Verdienst im Ausland, andere verdienten mit dem Anbau von Flachs und dem Weben von Leinentüchern ein paar Kreuzer. Verhältnismäßig reich waren nur ein paar Wirte und Frächter, wie die Haltmayer im Adler in Rickenbach, und ein paar Fergger, die mit Garn und Leinen handelten. Nur die Reichen konnten nach Hofsteiger Landsbrauch Ammann werden und dann das öffentliche Gut verwalten. Als Steuereinnehmer arbeiteten sie eng mit den kaiserlichen Beamten zusammen. So bildete sich eine Oberschicht der «Ständischen», die sich von der großen Zahl der «Gemeinen» immer mehr entfremdete. «Am Ende des 17. Jahrhunderts trieb das Land in einen der härtesten Daseinskämpfe seiner Geschichte.»1 Mißernten führten schon 1676 und dann jahrelang anhaltend ab 1688 zu einer ganz entsetzlichen Hungersnot. Dazu zogen immer wieder österreichische Armeen durch das Land an die Rheinfront gegen Ludwig XIV. oder nahmen aus den Schlachten zurückkehrend bei uns Winterquartier und verlangten Verpflegung. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt verzeichnet 6 Soldaten («miles austriacus»), die im November 1679 hier ihren Verwundungen erlagen. Im Haus des Hans Schneider starb der «tympanista», der Trommler der Compagnie Baronis des Wels. Nach der Belagerung Wiens 1683 brachten ein 16 Jahre dauernder Türkenkrieg und ein neuerlicher Aufmarsch gegen die Franzosen fürchterliche Steuerlasten. Noch schlimmer aber wurde es mit Beginn des Spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1701. Nun bedrohten auch noch die Bayern auf der Seite Frankreichs unser Land. Zuerst plünderte die herbeigerufene Österreichsische Armee die Dörfer aus. Dann erschienen die Franzosen an der Bregenzer Klause und zwangen die Männer zur Landesverteidigung an die Front. In dieser Zeit mit ihren unerhörten Belastungen hätten die Hofsteiger einen verläß-lichen Ammann gebraucht. Das hatten sie aber nicht! Auf den allgemein hoch geschätz-ten Jakob Schneider war 1689 bis 1695 Hans Schwerzler gefolgt. Nach einer Unterbrechung durch den Rickenbacher Adlerwirt Caspar Haltmayer bekam Schwerzler 1701 bis 1 1707 noch einmal das jetzt so schwierige Amt übertragen. Aus den Akten über seine Amtsführung hat Bilgeri umfangreiche Erhebungen gemacht2: Ammann Schwerzler und auch schon seine Vorgänger hatten geduldet, daß die Gerichtswälder ausgeholzt wurden. Sie hatten auch einfach weggesehen, wenn einzelne Bauern Teile der allgemeinen Weide einzäunten und privat nutzten. Jetzt klagten andere mit dem Alt-Ammann Haltmayer beim Oberamt: In den wälderen seye freylich eine Unordnung. Man solte die alte holtzordnung, gleich wie bey dess ammann Schneiders seelig Zeithen observiert worden, hervorsuechen... der ammann Undt der waibl haben den bessten nutzen Von den aichen, dann sie beede nemmen das abholz darvon. Des Ammanns Sohn verkaufte sogar auf eigene Rechnung Gemeindeholz an die Harder Schiffsbauer. Die Straßen und Gräben waren verwahrlost. Und bei der Rechnungslegung fehlten dem Ammann Belege über 300 Gulden. Auch die Waisenbücher wiesen Mängel auf. Getadelt wurde außerdem, der Ammann verbiete das in den engen Holzhäusern so gefährliche Dörren von Flachs am Herdfeuer immer erst dann, wenn seine Frau damit fertig sei. Und diese bleibe sogar in des Ammanns Stube sitzen, wenn dort Beratungen abgehalten wurden. Die «Gemeinen» Leute hatten aus ihren Reihen Georg Rohner zum Sprecher gemacht, der ihre Anliegen beim Gericht Hofsteig vortrug, wo er als Geschworener seit 1698 gewählt und vereidigt war.3 Aber die Stimmung war zu aufgeheizt. Der Wolfurter Bascha Kalb nannte den Ammann und die Geschworenen «Lumpen» und kam dafür hinter Schloß und Riegel. Michel Stültz und Joseph von Ach riefen zum Aufruhr: Sie wollen dise Fresser zue sammenschlagen. Es kam zu einer Rauferei mit den Söhnen und dem Schwiegersohn des Ammanns. Erst das beherzte Eingreifen des Pfarrers, der den Anwander Zue der Stuben hinauss gestossen, trennte die Streiter. Auch diese Aufrührer kamen ins Gefängnis. Die rebellische Vereinigung des «Gemeinen Mannes» gegen die «Ständischen» hatte sich ab 1702 schnell im ganzen Land ausgebreitet. Vor allem verlangten ihre Vertreter eine gerechtere Verteilung der Steuerlast durch Einführung der «aydt Steur». Jeder sollte unter Eid sein Vermögen angeben und danach besteuert werden. Dagegen wehrten sich jedoch die Reichen. Eine Eidsteuer wurde in Wolfurt daher erst viel später im Jahre 1755 eingeführt:... daß jeder Bey Eyd und Gewißen, alle seine schulden, so wohl Ein alles auß gehendte4, angegeben werden sollen et müssen, wie auch die schon angeschribnen: Hab5, roß und vih, auch grundtstükher, ob er noch mer oder weniger habe.6 Aber schon 1704 traf sich Georg Rohner mit Vertretern anderer Gerichte zu Aussprachen über die Eidsteuer im «Ochsen» in der Bregenzer Oberstadt. Dann hielt er Versammlungen im weiten Umkreis ab, nicht nur in Hofsteig, sondern auch in Hofrieden, Dornbirn und sogar in Rankweil. 2 3 Bilgeri, Geschichte III., S. 200 4 Bilgeri, Geschichte III, S. 222 und 519 ff. VLA, Besatzbuch 1698, Oberamt Bregenz, n 471 Forderungen und Schulden 5 6 Hab = Habe, Haus und Besitz GA Wolfurt, Steuerbuch 1755 28 29 Als durch neue österreichische Einquartierungen im folgenden Winter die Not ein unerträgliches Maß annahm, handelten die «Gemeinen» selbständig. Gegen den Willen der Obrigkeit stellten sie eine Delegation zum Kaiser nach Wien zusammen. Mit ein paar Gleichgesinnten machte sich Georg Rohner auf den Weg über Ulm nach Wien. Persönlich überreichten die Gesandten im Mai 1705 dem Kaiser ihr Bittschreiben. Aber es geschah nichts. Die Willkür der Ständischen und die Erpressungen durch das Militär gingen weiter. Da platzte endlich den Hinterwäldern der Kragen. Auf den Mittwoch in der Bittwoche, an dem man sich sonst zu Prozessionen um die Felder versammelte, setzten sie einen «Marsch auf Bregenz» fest. Sie wollten mit den Ständischen abrechnen und die Soldaten aus dem Land jagen. Während Frauen und Kinder auf der Bittprozession beteten, verdunkelte eine Sonnenfinsternis wie ein drohendes Vorzeichen den Himmel. Die Wälder Männer aber marschierten trotzdem über Alberschwende aufs Land heraus. Dort erhielten sie Verstärkung von den Unterländer Bauern, sodaß schließlich 2000 bewaffnete «Gemeine» um den Adler in Rickenbach versammelt waren. Aus Bregenz eilte ihnen der Landschreiber entgegen und wollte sie zur Umkehr bewegen. Im Adler, im Gasthaus des Alt-Ammanns Haltmayer, trugen die Aufständischen dem Landschreiber ihre Forderungen vor. Selbst die beliebten Bregenzer Kapuziner waren gekommen, um Frieden zu stiften. Vergebens! Nach der Übernachtung in Rickenbach marschierten die 2000 Mann am Morgen des Himmelfahrtstages, am 13. Mai 1706, mit Trommeln und Pfeifen über die Achbrücke von Lauterach in die Stadt hinein. Die stolzen kaiserlichen Kürassiere und Dragoner mußten abziehen. Der Kassier der Stände war ins Kapuzinerkloster geflohen, mußte aber nun die Abrechnung herausrücken. Daraus ging hervor, daß die Stände die früheren Abmachungen um viele 1000 Gulden überzogen hatten. Drei Tage lang mußten die Bregenzer die Einquartierung der Bauern ertragen. Georg Rohner wurde nach Innsbruck zur Berichterstattung an die Regierung geschickt. Nur kurze Zeit konnte sich der Gemeine Mann über seinen Erfolg freuen. Bald erfand die Regierung eine neue Steuer, diesmal auf die Ausfuhr von Garn. Das traf die Hofsteiger, wo viel Flachs angebaut wurde, besonders hart. Wieder riefen sie zum Aufstand. Am 28. Februar 1708 marschierten die Dornbirner und die Hofsteiger, bewaffnet mit Gewehren, Säbeln, Morgensternen, Äxten und Gabeln, ein zweites Mal nach Bregenz. Sie schlugen dem Vogt Baron Pappus von Tratzberg die Scheiben ein. Nur mit knapper Not konnte er sich ins Kapuzinerkloster retten. Dort zwangen ihn die Bauern zum Widerruf der Garnsteuer. Noch am selben Abend floh der Vogt nach Lindau und schickte einen Bericht an den Kaiser. Die Beamten waren aufs tiefste gekränkt. Aber nur insgeheim forschten sie nach den Urhebern der Unruhen. Noch wagten sie nicht, dieselben zu bestrafen. Georg Rohner hielt weiter Versammlungen ab und plante sogar eine neue Reise zum Kaiser. 30 Baron Pappus dagegen, unterstützt vom Bregenzer Amtmann Benedikt Reichart, holte wieder kaiserliche Besatzung ins Land und zog im Stillen die Fäden zur Ausschaltung der Anführer des Gemeinen Mannes. Etliche kamen ins Gefängnis. Die Bewegung verlor ihre Kraft. Der verhaßte Amtmann Benedikt Reichart hatte übrigens schon 1696 Schloß Wolfurt erworben und es 1707 neu aufgebaut. Er führte das Wolfurter Ritterwappen und nannte sich «Freiherr von Wolfurt und Wellenstein».7 Gemeinsam mit Vogt Pappus von Tratzberg hatte Amtmann Reichart in Lauterach 1707 die Hofsteig-Ammannwahlen geleitet, bei denen Ammann Schwerzler durch Alt-Ammann Caspar Haltmayer ersetzt worden war. Nach den argen Turbulenzen von 1708 lehnten nun beide 1710 eine neuerliche Wiederwahl ab. Trotzdem wollte sie der Vogt vorschlagen weil mann aber an sithen des Kaiserl. Ambts nit rathsam Befunden, so vil alte geschworene auf einmahl zu entlassen, und lauter Junge und neue Leuth anzunemmen.8 Weil beide Alt-Ammänner bei ihrem hartnäckigen Nein blieben, mußte der Vogt seinen Gegner Georg Rohner, der schon bisher als Geschworener dem Gericht gedient hatte, als Wolfurter Ammann-Kandidaten gegen den Lauteracher Jakob Vonach und den Harder Caspar Dörler antreten lassen und zuschauen, wie dieser das Laufen der Wähler gewann. Nun konnte Rohner als Ammann selbstbewußt den «Ständischen» entgegentreten und das Recht der «Gemeinen» einfordern. Als ihn der Vogt 1713 ablösen wollte, ließ das versammelte Volk dies nicht zu: Gleich fast alle zuesammen geruoffen, das sie den alten ammann begehren.


Heimat Wolfurt Heft 11 1993 Jänner
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 11 Zeitschrift des Heimatkundekreises Jänner 93 Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973, Begründer der modernen Unfallchirurgie. Ehrenbürger von Wolfurt. Inhalt: 42. Inhaltsverzeichnis 43. Unser tägliches Brot (2) 44. Dr. Lorenz Böhler 45. Kalb's Creek 46. Der Schnitztrog 47. Altvorstehers Haus 48. Ein altes Dokument Inhaltsverzeichnis und Rückblick Einleitend zum Vortrag «Nachbarn in der Bütze» hat sich Alexander Natter, der Leiter des Kath. Bildungswerkes, der die Vortragsreihe Heimatgeschichte mustergültig organisiert, beim Heimatkundekreis für die gute Zusammenarbeit bedankt und einen kurzen Rückblick gegeben. Das folgende Inhaltsverzeichnis der ersten zehn Hefte soll ein Nachschlagen oder allfälliges Nachbestellen erleichtern. Bildnachweis: Das Titelbild und S. 18 sind aus Lehne, Lorenz Böhler. Alle anderen sind Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim. DIE Heft 1 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig 2. Bauern und Fabrikler 3. Franzosenkrieg 1800 Heft 2 4. Entwicklung der Wirtschaft (1) 5. Hofsteiger Bauern 6. Auf dem Weg zum März 1938 20. Sozialstrukturen (2) 21. Wasser und Wald 22. Tagebuch Schneider 23. Spatzecklo Heft 7 24. Das Vereinshaus 25. Mit Napoleon nach Rußland 26. Lehrer Köbs Familie 27. Streifzüge der Gedanken Heft 8 28. Volkszählungen 29. Strohdorf, Hub und Flotzbach 30. St. Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt Heft 9 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Auswanderer (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz Heft 10 40. Unser tägliches Brot (1) 41. Kriegstagebuch Fischer 39-46 1 AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Bitte! Diesem 11. Heft liegt wieder einmal ein Erlagschein des Heimatkundekreises für Konto 87957 Raiba Wolfurt bei. Bitte, helfen Sie uns mit Ihrer Spende, die Druckund Versandkosten abzudecken! Heft 3 7. Der Rickenbach 8. Wolfurter Geschlechter 9. Der letzte Krieg 1939-45 Heft 4 10. Wolfurter Mundart 11. Kriegsende 12. Die Pfarrkirche Heft 5 13. Schlösser in Wolfurt 14. Pfarrer Barraga 15. Auswanderer (1) 16. Autos 17. Chronik Köb Heft 6 18. Das Kirchdorf 19. Häuserverzeichnis 1926 Bestellungen Die Hefte «Heimat Wolfurt» werden nicht an alle Wolfurter, sondern nur an jene zugeschickt, die sie bestellt haben. Die Hefte 1 bis 4 sind vergriffen. Alle anderen können über Wunsch noch zugeschickt werden. Wir verweisen auf das nachfolgend abgedruckte Inhaltsverzeichnis und erbitten Bestellungen, am besten schriftlich mit Anschrift, an Siegfried Heim. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 10 Mohr-Familien (Heft 8, Seite 12). Der Beitrag hat ein überraschend großes Echo gefunden. Am 17. Oktober 1992 fanden sich rund 400 Familienangehörige zu einem großen Sippentreffen aller Mohren im überfüllten Vereinshaus ein. Theresia Wachter-Mohr eröffnete mit einem Prolog. Dann berichtete Siegfried Heim von seinen Forschungen über die Wolfurter Nachkommen des Mohr Urban, der vor 1700 in Dornbirn lebte. Sinz Michael hatte ungefähr 500 Namen in einem Computer-Ausdruck geordnet. In der 10. Generation findet man dort z. B. Dr. Markus Mohr, 1963, den Kaplan von Hohenems. In der 11. Generation stehen vorerst 177 (!) Namen, darunter etwa Mathias Mohr, 1980, Schüler-Meister im Turnen. Hubert Mohr zeigte Dias von den Familien, den alten Häusern und den MohrWappen. Roland Mohr hatte einen riesigen Stammbaum gemalt. Bürgermeister Erwin Mohr stellte mit «Baholzars Marte», 1908, einen bisher unbekannten MohrNachkommen vor, der sich aber mit einem 100 Jahre alten Ölgemälde seines Großvaters ausweisen konnte. Zahlreiche andere Familienangehörige trugen mit Musik und Gesang, mit einer Bilderausstellung und mit riesigen Kuchenbergen und süßen Mohrenköpfen zum Gelingen eines unvergeßlichen Festes bei. Konstanzer Münster (Heft 10, S. 3). Unser Dorf-Fotograf Hubert Mohr hat das Ritterwappen mit dem seitenverkehrten Wolf gesucht und gefunden und uns ein Bild gebracht. Ulmer hat 1925 in «Burgen und Edelsitze» geschrieben (S. 394): «An Sigmund erinnert noch eine schöne Glasscheibe mit Namen und Familienwappen im Münster zu Konstanz.» Heute befindet sich eine auf eine Holztafel gemalte Nachbildung im Kreuzgang links von der Kirche. Das Original dürfte demnach in einem Museum geschützt untergebracht worden sein. Danke, Hubert! Kriegstagebuch Fischer. Zahlreiche Rückmeldungen haben sich sehr positiv zu diesem wertvollen Zeitdokument geäußert. Eine ganze Reihe von Nachbestellungen resultierten daraus. Das Kriegstagebuch sollte besonders den jungen Lesern empfohlen werden. Marianne Barcatta (Heft 10, S. 3). Mehrere Rickenbacher bedankten sich für die Grüße aus Buenos Aires. Waibels Agnes (Frau Schneider im Hotel Monzabon am Lech) bat um die Adresse und hat nun bereits mit großer Freude von einem ausführlichen Antwortbrief ihrer verschollen geglaubten Jugendfreundin berichtet. Ein Bild aus der Mohr-Ausstellung: Martin Mohr, geboren 28. Dezember 1809 an der Hub in Wolfurt, gestorben 20. November 1900 in Bregenz als ältester Bregenzer Feuerwehrmann. Ein Vorfahre von Baholzers Marte. 2 3 Siegfried Heim Unser tägliches Brot (2) Der erste Teil dieses Beitrags ist bereits in Heft 10 erschienen. Die beiden Bilder auf S. 4 sind als Ergänzung dazu gedacht. Zu Tisch Schwere Arbeit verlangte nach kräftiger Kost. «Wer nüt2 ist zum Eosso, ist ou nüt zum Schaffet!» Der Bauerntag hatte daher fünf Mahlzeiten eingeplant: «Z Morgo», «z Nüne3», «z Mitag», «z Obod» und «z Nacht». Weizen auf dem Kapellen-Grundstück unter der Bahn 1936. Da freuen sich Regina, Rösle und Erna Stöckler. Erstkommunion-Frühstück. Hier im Schwanensaal saßen die Wolfurter Kinder in ihrem Leben zum ersten Mal an einem weiß gedeckten Tisch. Wie köstlich schmeckte damals die allererste Schaumrolle! Im Hintergrund sieht man Pfarrer Griesmayer, Kaplan Nesensohn, Sr. Gisela und die Musik mit Kapellmeister Rohner. Die letzte Weizengarbe ist geschnitten. 1940. Schnidarles Agath und Rudolf mit Tochter Rosa. Auch Bücheies Gebhard hilft mit der scharfen Sichel. nüt = nichts nüne = neun (Uhr) 4 5 «Z Morgo» gab es ursprünglich überall ein Mus, angerührt aus Milch und Mehl, ein wenig Butter darüber - kein Salz, kein Zucker, kein Zimt - einfach ein Mus. Heiß aus der Pfanne gegessen! Einzige Würze war «d Rummat», die leicht angebrannte Bodenkruste, die so herrlich schmeckte. Jeden Tag ein Mus, ein Mehlmus vom Vesenmehl, ein Habermus oder später auch ein Türkenmus. «Do ist ma do ganz Tag gfuttorot», hieß es, oder «Muos git an starko Fuoß». Wenn die Männer seit der Dämmerung «um Viore» mähten, trug die Bäuerin die Muspfanne sogar ins Feld. Der Müller Lorenz Gunz erzählte, daß etwa ab 1870 der Türggo-Stopfar allmählich das Mus verdrängt habe. Nun gab es alle Tage Stopfar in der Früh, dazu «a Beckile1 Milch» oder einen leichten «Mode2»-Kaffee. Gemeinsam löffelte man aus einer Schüssel. Ganz Schlaue füllten unauffällig nebenbei ihre Tasse - aber es wurden alle satt. In manchen Haushalten würzte man den Stopfar noch mit eingemischten Kartoffeln zu «Bodobioro-Stopfar». In guten Zeiten bekamen die Kinder ein wenig Zucker darübergestreut. Brot gab es erst zum «z Nüne». Das war eine willkommene Unterbrechung im langen Arbeitsvormittag. Kinder bekamen «a Igsottos3 -Brot», ganz selten Butter als Aufstrich, eher schon «Schwine4-Schmalz» mit einer Prise Salz. Das «Igsottos» kochte die Hausfrau von den «Zante Hannes 5 »-Beeren oder als «Schelee» im Sommer aus grünen Falläpfeln. Heidelbeermarmelade und Honig waren seltene Köstlichkeiten. Die Erwachsenen erhielten je nach Arbeit und Jahreszeit Brot und Käs, Brot und Speock oder auch einmal «an Schwartomago6-Salot». Sie durften das Brot selber vom «Loab»oder vom «Weggo» schneiden, eine dünne Scheibe oder «an ganzo Ronggo7». Kinder bekamen ihre Portionen von der Mutter zugeteilt. Dazu tranken sie mit der Kelle klares Wasser aus dem Kübel. Die Männer bekamen Most8, bei strenger Arbeit allerdings keinen starken «Saft», sondern «an Höüar-Most», halb Saft, halb «Glöre». Beckile = kleines Becken, Tasse Mode = Feigenkaffee 3 Igsottos = Eingesottenes, Marmelade Schwine = vom Schwein 5 Zante Hannes = Sankt Johannes 6 Schwartomago = Sulz-Preßwurst 7 Ronggo = ein großes Stück 8 Most = vergärter Apfel- und Birnensaft. Ohne Wasserzusatz heißt er Saft. Wenn die ausgepreßte Obstmaische über Nacht in Wasser gelegt und dann neuerlich ausgepreßt wird, heißt die Flüssigkeit «Glöre». Sie wird dem Saft beigemischt und verringert den Alkoholgehalt beträchtlich. 2 1 Die gleiche Jause gab es auch am Nachmittag um vier Uhr, «s Z-Obod-Eosso». Da ließ man sich, wenn nicht gerade schwarze Wolken drohten, auch schon etwas mehr Zeit. Jetzt lockerte auch manchmal «an Sürffol1 Wiß-Biorar2» aus der sonst streng gehüteten Flasche den Mund der Großen und die Kinder hörten viel Interessantes «und händ mit Mul und Naso glosot3». Die Hauptmahlzeit war aber das Mittagessen. Da sammelte sich die ganze Familie mit Nana 4 und Näne 5 - an vielen Orten war auch noch eine alt-ledige Bäsa6Gotta7- dabei-, um den großen Tisch in der Küche. Für jedes waren ein Teller aus Steingut und ein Löffel vorbereitet. Ein Tischtuch gab es nicht. Kuhfuhrwerk um 1940. Ludwig Kalb sen., im Tobel, führt Maisstroh heim. Unter dem Kreuz sprach man ein langes - fast unverständliches - Bittgebet «um Speis und Trank». Dann trug die Mutter die Suppe auf: eine gute «Flädle»-, «Knedol»- oder «Buostabo s »-Suppe, eine kräftige «Kichoro9»- oder «Spätzle»Suppe, häufig aber auch «a Brenn»-, «a Rubele10»-, «a I-Louf n »-Suppe mit einem eingerührten Ei oder gar «a Kuttlo12»-Suppe mit Lorbeerblatt und Essig. Da hätten sich die Kinder lieber verdrückt. Aber «Was uffo Tisch kut, wird geosso!», hieß es und «Noch om Hoakle-Si kut nüt me». Manch heikles Kind mußte sogar hören: Sürffol = ein Schluck Wiß-Biorar = Schnaps aus Weißbirnen mit besonderem Aroma. Die Weiß- oder Hausbirne war daher weit verbreitet. Heute ist sie fast ausgestorben. 3 11 glosot = zugehört Nana = Großmutter 5 Näne = Großvater 2 1 Bäsa = Tante oder Cousine Gotta = Patin 8 Buostabo = zu Buchstaben geformte Eierteigwaren 9 Kichora = Bohnen 10 Ribele = Teigknöllchen I-Louf = Einlauf 12 Kuttla = Gedärme 7 6 6 7 «Dior sott ma d Zungo schabo!» oder «Du tuost gad, as ob-d Schuoh-Negol eosso müßtost!» Hauptspeise waren Gsottene Bodobiora, Hörnle oder Nudla, später ganz selten auch Reis. Darüber wurde eine Soße mit ein wenig verhacktem Fleisch verteilt. Aber häufig gab es auch «a Kratzat 1 », Käs- oder Krutknöpfle, «Omlett mit Igsottos» und immer wieder «Bodobiora» und «Türggo» nach den verschiedensten Rezepten. Als Freitags-Fastenspeisen waren neben Milchreis und Auflauf auch Öpfolküochle, Polstorzipfele, Trachtarküochle und «Waffla» begehrt, auch einmal «a Holdormuos 2 » oder gar ein Heidelbeermus. Gemüse gab es nur zu Fleischspeisen und nur, was im Mamas Garten gewachsen war: grünen Salat, «Kichora», Blumenkohl, Krut, Gelbe Rüben und «Schniotloub3» für die Suppe. Für den Winter wurden Sauerkraut und Rüben eingehobelt und Randig eingelagert. Vitaminmangel führte regelmäßig zu Frühjahrsmüdigkeit. Das ließ man aber nicht als Ausrede gelten: «Im Mirz 4 ist a jeds müod, basta!» Um so gieriger langte man nach dem ersten Grün, nach «Surampfla5», «Melkar6» und «Guggarklee7». Den langen Arbeitstag beschloß, wenn das Heufuder abgeladen und die Stallarbeit getan war, «s Z-Nacht-Eosso». Es war wieder sehr bescheiden und bestand fast überall nur aus «brotona Bodobiora» oder nocheinmal «Stopfar» mit Malzkaffee. Zur «Brot-Schublad», zum «Zuckor-Schamützol » und natürlich auch zur «Rouchkammor» hatte nur die Mutter Zutritt. «Schnöuggo9» war verboten und wurde bestraft. Daher war auch «do Glusto10» auf alles Süße besonders groß. Weil Zucker so teuer war, wurde nur mit Honig oder auch mit Dörrobst gesüßt. 8 Deshalb schmeckten auch «d Leozeolto 1 -Klosomä2», «do Moltscheero3» und der Neujahrszopf so gut. Darum konnten Kinder um ein paar «Wi-Beerle» im «Gugolupf» streiten und sich freuen, wenn ihnen die Nachbarin für einen Botengang «a Hampfol4 deerte 5 Kriose » zusteckte. Der große «Bummoranzo 6 » zu Weihnachten und der «gläsene Ostorhas»waren Raritäten, auf die man sich das ganze Jahr freute. Heute würden uns «a Ofokatz7», «Schnitzkichora8» oder gar «an Biostkuocho9» kaum mehr schmecken. Wir wissen nur mehr vom Hörensagen, daß unsere Großeltern noch davon schwärmten. Oder wer hat noch einen Blutkoch gegessen? «A Kratzat», aber mit Blut statt mit Milch angerührt. Rinderblut vom «z Odor10-lo», wenn die Kuh nicht aufnehmen wollte. Oder natürlich Schweineblut «vu dor Su-Metzgate11». Damit kommen wir noch zur wichtigsten Unterbrechung im Speisealltag, wenn im Winter «d Su gmetzgot woro ist.» Ein ganzes Jahr lang war die Sau mit allen Abfällen der Landwirtschaft in ihrem «Trügol12» gefüttert worden. Nun hatte sie 130 kg Gewicht und «a foasts13 Gnack». Heißes Wasser und Baumharz für den riesigen «Bröü-Zubor14» wurden vorbereitet. Dann tötete der Hausmetzger die «Hiss15» mit sicherem Axthieb und Stich. Die Bäuerin fing das wertvolle Blut auf und rührte es kalt. Ein Schar von Kindern verfolgte mit erregtem Staunen das Bräuen, Ausnehmen und Zerlegen. Schöpfte der Metzger dann endlich die dampfenden Blutwürste aus dem Kessel, so durften die Kinder ein paar davon und meist auch ein Stück 1 1 2 3 4 5 Kratzat = Schmarren, Eierteigspeise Holdor = Holunder Schniotloub = Schnittlauch Mirz = März Surampfla = Sauerampfer 6 Melkar = Wiesenbocksbart. Seine milchigen Stengel schmecken süß, geben aber braune Flecken. 7 Guggarklee = Sauerklee 8 Schamützol = Papiersack 9 schnöuggo = naschen 10 Glusto = Lust, Gier Leozeolto = Lebkuchen Klosoma = Nikolaus-Mann. Ein Lebkuchen mit Nikolausbild oder ein als Mann geformtes Milchbrot mit Rosinenaugen. 3 Moltscheero = Früchtebrot spezieller Art, das unter diesem Namen und in dieser Qualität nur im Hofsteig und in Hofrieden - Bregenz zwischen Weihnachten und Dreikönig gebacken wurde. 4 a Hampfol = eine Handvoll 5 deerte Kriose = gedörrte Kirschen 6 Bummoranzo = Pomeranze, Orange 7 Ofokatz = im Kachelofen gebackener Eierkuchem mit Früchten 8 Schnitzkichora = Bohnenmus, durch mitgekochte Dörrbirnen gesüßt. 9 Biostkuocho = die gelbe Milch der Kuh in den ersten Tagen nach dem Kälbern wurde durch Kochen eingedickt. 10 z Odor lo = Aderlaß, ein bei Vieh und Mensch vielgebrauchter medizinischer Eingriff. 11 Su-Metzgate = Schweineschlachtung 12 Trügol = Futtertrog 13 a foasts Gnack = ein fetter Nacken 14 Bröü-Zubor = Braustande aus Holz. In heißem Wasser wurden die Schweinsborsten abgeschabt. 15 Hiss = Schwein 2 8 9 Kesselfleisch «mit am schöno Gruoß vo dor Mam» zu den Nachbarn tragen. Ganz sicher bekam die Mutter ein paar Wochen später eine gleiche Gabe zurück und hatte so mehrmals Frischfleisch. Das abendliche Wurstmahl wurde mit Freunden und Nachbarn ein richtiges Fest. Da gab es die majoran-duftenden schmalzreichen Blutwürste und durchzogenes Kesselfleisch. Feinschmecker hielten sich an die geröstete Leber oder auch an das sauer gewürzte «Vor-Eosso» aus zerhackten Innereien. Manche schmatzten begeistert, anderen grauste davor. Am folgenden Tag kochte die Mutter noch vom Saukopf und den Haxen den Schwartenmagen. «Schmutz1» wurde «usglo» und ein paar Tage lang durfte man noch von den «Grüoba 2 » naschen. Fast alles Fleisch war aber in der Stande und dann in der Rauchkammer verschwunden. Es mußte das ganze Jahr reichen. Nur ganz selten kaufte die Bäuerin «i dor Metzg» ein Schüblingpaar und einen Suppenknochen. Und nur bei Firmung, Hochzeit und Totenschmaus reichte es zu einem «Zitzele3» für die Kinder. Die erste Metzgerei in Wolfurt wurde überhaupt erst 1879 eingerichtet, als der Hausmetzger Gebhard Fischer sein zwei Jahre früher erworbenes Haus am Dorfbach zu «Gasthof und Metzgerei Lamm» umbaute. Daneben hatten aber die Hausmetzger Metzger-Hannes, Schützo Mathis im Röhle und Metzger Reiner noch lange Zeit viel Arbeit. Seither hat sich die Weltkugel viele Male gedreht. Mehrmals haben einander Reichtum und Hungerzeiten abgewechselt. Auf die letzten sieben mageren Jahre 1939 bis 1946 sind nun schon mehr als sechs mal sieben fette gefolgt. Wie gut verkraften wir sie? Können wir noch bitten um «unser tägliches Brot»? Anhang Das Hungerjahr 1817 Originalbericht aus den Aufzeichnungen des Wolfurter Gotteshaus-Ammanns und Vorstehers Matthias Schneider (1745-1833): «Märkwürdig ist dis 1817 ente Jahr, welches undenklich so, zu keiner Zeit, in keiner Kronik zu finden ist, wegen all zu grosser Theurung. Dieses Jahr 1817 ist ein solches Theur Beträngtes Jahr, daß es den Hunger und die Noth nicht genugsam beschreiben kann. Schon das Vorhergehende Jahr 1816 ist ein solches Fehljahr in allen Viktualien1, das es zum erbarmen war. Die Hauptfrucht, der Türken, ist wegen so schlimmer Witterung gahr nicht zur Zeitigung2 gekommen. Ob wohl in solcher bis bereits Allerseelen stehen geblieben, so ist er dennoch bereits nicht zu gebrauchen gewesen. Es hat der Mehreste gleich mit samt dem Razen3 den Pferdt und Vieh, um nicht gahr zu verfaulen, gefüttert werden (müssen). Die Erdäpfel sind auch weg zu vieler Näße nur halb gerathen, und noch überall sehr reudig geworden. Ops4 hat auch wenig gegeben, und was es gegeben, ist so Theur geworden, das es für das Virtel5 Bieren, nur gemeine, welche nicht einmal die vollkommene Zeitigung erlangt, für 1 f, die besseren aber, als Weinbieren, Bergbieren und dergleichen für 20 Bazen und noch weiter. So hat jede Gattung der Früchten den Aufschlag bekommen und von Tag zu Tag weiter gestiegen. Gegen Weihnächten hat das Korn der Elfer1 48 bis 50 f gekostet. der Haber der Elfer 20 bis 22 f der Roggen der Elfer 25 bis 28 f die Garsten der Elfer detto der Butter das Pfund 28 Kreuzer. So hat es von Einem Mart8 zu den anderen weiter aufgeschlagen, das die Kaufpreise kaum dörfen aufgeführt, und weit ohnmögliger9 mehr bezahlt werden. Da doch zur Zeit Juni bereits die besten Leute, einige alles, andere doch villes haben kaufen 1 2 6 1 2 3 Schmutz uslo = Schmalz, Fett ausschmelzen Grüoba = Grammeln, ausgepreßtes Fettgewebe Zitzele = Krenwürstchen, Frankfurter 3 4 Lebensmittel Reife Kolben Obst ein Viertel = 21,5 Liter 7 8 9 1 f (Gulden) = 60 Kreuzer = 15 Batzen. 1 Batzen = 4 Kreuzer ein Getreidemaß Markt unmöglicher 10 11 müssen, - und ohne Geld ist nicht vill zu bekommen gewessen, und Geld zu verdienen ist gahr kein Zeit Punkt. - Indeme alle Fabrizierung bereits aufgehört, und was noch ein wenig geschehen, hat bereits umsonst müssen geschehen, das Kaum nur das Salz hat können verdient werden, und doch haben die Markt Preiß im Juny so erschröklich aufgeschlagen, das es bedauerlich zu beschreiben das Viertel Korn 9 bis 10 f der Haber 2f45Xbis3f Roggen 3 bis 4 f Türgen detto 7 bis 8f rauhe Gärsten detto 3f gerolte detto 9f das Pfund Butter 26 X das gesottene detto Pfund 32 bis 34 X der Vierling Mußmehl, wie schlecht es noch war, 1 f20 bis 24 X das Weißmehl 1 f36 X und so alle Gattungen. Den 4ten July hat das Malter2 Korn 20 f abgeschlagen. Das gegenwärtige Jahr 1817 ist bis datto ein gutes vollkommnes Jahr anzusehen, für allgemein. Aber für einige Pfarreyen oder Gemeinden sind leider erbarmungswürdige Wetterstreiche, und andere mit unerhörtem hochgestiegenem Waßer des Bodensee dergestalten überhäuft worden, daß zu keiner Zeit solches kein Mensch gedenken noch in einer Beschreibung oder Kronik zu finden war. Denn der Bodensee ist so hoch gestiegen, daß er bis zum Löwenwirth zu Bregenz erwachsen, und auf dem Kornmarkt Blaz ein lauterer See von 2 Schuh3 tief gewessen, welcher in selber Gegend in alle Häußer und Keller eingetrungen, das einige genöthiget worden auszuziehen. Ja zu Hardt und Fußach ist das Wasser so gahr in die Kirchen gekommen, das man selbe gahr nicht mehr hat betretten können, sondern die Gottesdienste zu besondere Häußer und auch gahr auf freiem Felde hat halten müssen. Den 6ten July ist zu Hardt der Gottesdienst bey des Becken Haus des Joseph Hermann und Joh. Georg Ruß gehalten worden, und zwar täglich so muß gehalten werden, bis sich das Wasser wieder verlihret, und die Kirchen wieder kann gebraucht werden. Ebenso ist es auch zu Fußach, besonders auch zur Gaisau, und im Alt Rhein, wo die Mehreste Familien haben ausziehen müssen. Auch an allen Gegenden des Rheins hat sich das Wasser ihn alle Wissen und Felder erhöht und alle Früchten und Heu gänzlich zernichtet. 1 2 Die Ursach des so hochsteigenden Wasser ist: Daß letztes Jahr 1816 der Schnee auf den bergen Niemal abgegangen und den Winter darauf eine Mänge Schnee zu diessem gemacht. In diesem Jahre aber sehr warme Tage und besonders warme Regen, und Pfönnwind1 eingetretten, und dadurch den Schnee so stark geschmolzen, das die Gewässer Langezeit mit aller Überschwemmung daher geflossen, bis der See eine außerordentliche Höhe bestiegen2. Zu Lindau hat es auch großen Schaden gethan, weil das Wasser in alle Gärten der Stadt über Schwämmt hat, und an der Brücken und Mauerwerk großen Schaden gethan. Das Waßer ist 2 Schuhe hoch über die Brücke gestanden. Um selbe nicht gahr wegnehmen zu lassen, hat man selbe mit vielen der größten Quadersteinen und Eichblöcken beladen. An anderen Orten, als in Wasserburg und von da bis Wangen, und bei Konstanz durch die Schweiz bis gegen Luzern hat es den 20ten Juny durch Hagelstreich grossen Schaden angerichtet, wo es stuckweis alles in Grundboden verschlagen, die schönsten Früchten, Weinberg, Obsbäume, das Futter und was da war. Den 4ten July hat es durch den Bregenzer Wald und ein Strich der Schweiz wider mit einem Hagel haimgesucht, wo es auch eine solche Mänge Stein gefällt, das mit Schlitten hätte können darüber gefahren werden. Wettersegengebet O Gott, Du Ausspender aller guten Gaben! Du Ursprung aller erschaffenen Dinge, in welchen wir leben, bewegt werden und sind! Segne unsere Äcker und Güter! Wende ab von denselben alles Ungewitter und befehle, daß der Himmel uns gebe zu seiner Zeit den Regen, zu seiner Zeit die Sonne! Erwärme die Erde, damit sie uns die notwendigen Früchte hervorbringe, wenn Du es zu Deiner Ehre, zum Nutzen unserer Seele zu sein erkennest. Amen. Dieses uralte Bittgebet wurde in Wolfurt täglich mit dem Glockenläuten um 2 Uhr von Kreuzauffindung am 3. Mai bis Kreuzerhöhung am 14. September gebetet. In dieser Zeit betete der Priester mit den Gläubigen auch das «A fulgure, grandine et tempestate libera nos, Domine Jesu Christe» (Vor Blitz, Hagel und Ungewitter 1 X = Kreuzer 1 Malter = 8 Viertel = 172 Liter 3 1 Schuh = (= 1 Fuß) = 31,5 cm Föhn Auf dem Hochwasserpegel am Bregenzer Molo ist diese Marke unter dem 7. Juli 1817 eingeritzt. Sie liegt ungefähr um einen Meter höher als die Marke vom 29. Juni 1965, wo das See-Hochwasser den Autoverkehr am Bahnhof und auf dem Kornmarkt lahmlegte. 12 13 bewahre uns!). Dann segnete er mit «Benedictio Dei omnipotentis +++ descendat super vos, locum istum et fructus terrae, et maneat semper!» - Der Segen des allmächtigen Gottes komme auf euch herab, auf diesen Ort und auf die Früchte der Erde, und verbleibe allezeit! Siegfried Heim Tischgebet Daß unsere Eltern das tägliche Brot in Ehrfurcht und Dankbarkeit annahmen, zeigt sich in uralten Gebetsformeln. Zwei davon hat uns Frau Maria Bernhard, «Klosos» im Oberfeld, Jahrgang 1912, überliefert. Vor nunmehr fast 80 Jahren hat sie sie von ihren Eltern Hintereggers Bertha und «Kloso Marte» Fischer gelernt. Nur mehr wenige kennen ähnliche alte Texte. Vor dem Essen: Herr Gott! Segne diese Speise und sei uns armen Sündern gnädig! Amen. Vater unser... Gegrüßt seist Du, Maria... Kreuzzeichen. Nach dem Essen: Himmlischer Vater! Wir danken Dir, Daß Du uns unwürdige Menschen gespeist hast und (mit) Deiner Gnade so väterlich teilhaftig gemacht hast und nimmer aufhörest, Deine Wohltaten gütig mitzuteilen. Lob und Ehre sei Dir, o Gott, im Himmel! Friede den Menschen auf Erden, Gnade unsern Wohltätern, die ewige Ruh allen verstorbenen Gläubigen! Und nach diesem elenden Leben zu komm uns die ewige Freud und Seligkeit! Amen. Daran schloß man mindestens ein Vater unser für die armen Seelen an, meist aber noch eine Reihe von Gebeten aus besonderen Anlässen. Den Abschluß bildete die «letzte Angst»: Durch deine letzte Angst und schwere Verlassenheit, o gütigster Herr Jesus, wir bitten dich, verlasse uns niemals, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen. Ehrenbürger Dr. Lorenz Böhler und seine Wolfurter Vorfahren In Wien ist 1991 endlich eine Biographie erschienen: Inge Lehne: Lorenz Böhler. Die Geschichte eines Erfolges. Im November 1992 ist ein Abdruck in Fortsetzungen in den «Vorarlberger Nachrichten» erschienen und hat landesweit Beachtung gefunden. Es ist eine packende warme Schilderung der Entwicklung der Unfall-Chirurgie, die untrennbar mit dem großen Wolfurter Arzt vom «Unfallkrankenhaus Wien XX» verbunden ist. Prof. Dr. Poigenfürst nennt ihn im Vorwort «einen Arzt, dem Millionen von Verletzten dankbar sein können, der es immer verstanden hat, den medizinischen und technischen Fortschritt zu nutzen und dennoch den Menschen immer im Zentrum seiner Bemühungen sah.» Uns Wolfurter freuen natürlich die Bilder von seiner Heimat im Holz und von seiner Familie. In der Einleitung schreibt Lehne:«Die entscheidenden Eigenschaften der Persönlichkeit Lorenz Böhlers - der nüchterne Sinn für das Nützliche, die Zielstrebigkeit, die Zähigkeit und der große Fleiß sind die charakteristischen Qualitäten der Alemannen.» Bei Lorenz Böhler fanden sich diese Eigenschaften in besonders hohem Maße, wohl durch eine glückliche Fügung: Vom Vater Josef Böhler her ein echter «Sammüller» - zielstrebig, zäh, auch für das scheinbar Unmögliche kämpfend, wenn es als richtig erkannt ist. Von der Mutter Anna Fischer her ein echter «Seppar» - mit nüchternem Sinn für das Nützliche und begabt für das Organisatorische. Das alles geläutert durch eine strenge Erziehung beim Holzerschmied Adolf und seiner Frau Nanne Böhler, wo er Fleiß und Handwerksgeschick erlebte und übte. Wer diese Familien kennt, wird immer wieder lächeln und staunen, wie Frau Lehne deren Eigenschaften bei Lorenz Böhler im fernen Wien beobachtet hat und (z. B. auf Seite 8) so präzise beschreibt. 14 15 Dann aber schließt sie dieses Kapitel mit den zwei entscheidenden Faktoren seines Erfolgs ganz einfach: «Genie ist Fleiß» und «dem ärztlichen Ethos» getreu! Lorenz Böhlers Bild findet man heute im Brockhaus. Seine Daten faßt Meyers großes Lexikon am kürzesten zusammen: «Böhler Lorenz, geboren zu Wolfurt in Vorarlberg am 15. Januar 1885, gestorben in Wien am 20. Januar 1973. Österreichischer Chirurg. Professor in Wien. Begründer der modernen Unfallchirurgie.» Begründer der Unfallchirurgie! - Welcher Segen für Millionen von verletzten Menschen verbirgt sich hinter diesen nüchternen Worten! Zuerst sein Kampf gegen die Amputations-Chirurgie während des ersten Weltkrieges. Zäh und zielstrebig gewann er ihn gegen die übermächtige k. u. k. Militärbürokratie. Dann sein Organisationsgenie, sein nüchternes «Heilen kommt billiger als Renten zahlen», mit dem er die Unfallversicherungsanstalt auf seine Seite brachte. Schließlich seine titanenhafte Schaffenskraft beim Aufbau des ersten Unfallkrankenhauses in Wien und bei der Ausdehnung seines Werkes und seiner Lehre über Linz, Bozen, Bregenz hinaus in alle Welt bis ins ferne China! Lorenz Böhler hat schließlich zahlreiche Ehrungen erfahren dürfen, Ehrenprofessuren von berühmten Universitäten, hohe Auszeichnungen von Staat und Land. Dabei blieb er aber immer «seinen Wurzeln treu». Er freute sich über die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde Wolfurt im Jahre 1957 und stiftete für die dortige Schule, wo er einst selbst das ABC gelernt hatte, den Böhler-Preis. Sehr zahlreich sind heute die «Sammüller» und die «Seppar», die Lorenz Böhler stolz zu ihrer Sippe zählen. Von Wolfurt aus haben sie sich weit im Land ausgebreitet. Als Ergänzung zu Lehnes Buch stelle ich hier eine Übersicht über die Verwandschaft zusammen. «Böler Johannes und Ursula Feßlerin de hueb» haben mehrere Kinder, darunter «Böler Josephus». Er wird am 26. März 1715 in der Pfarrkirche St. Gallus getauft und heiratet dort 1749 «Anna Feßlerin des Joannis Feßler de Parochia Langen», also aus der dem Pfänder sehr nahen Pfarrei Langen. Unter ihren Kindern ist «Böler Mathias ab der hueb», geboren 1753. Er heiratet 1782 «Catharina Blankin de Sulzberg». Als junge Witwe übersiedelt diese schon 1784 nach Wolfurt. Ihr einziger Sohn aus erster Ehe ist «Böler Joseph Hilar», getauft 2. März 1783 noch in Bregenz. Er erbt von seinem Stiefvater Anton Müller den Hof an der Ach in Wolfurt und heiratet 1811 Katharina Kalb, Naglers vom Dorfplatz. Bei ihren 12 Kindern schreibt der neue Pfarrer den Namen jetzt etwas verändert. Einer der Söhne ist Böhler Johann Baptist (1823 - 1876). Er heiratet 1853 Katharina Schneider und erwirbt damit den «Sammüller»-Hof» an der Kellhofstraße. Unter ihren neun Kindern sind Josef, 1854 - 1937, der Vater von Prof. Lorenz Böhler, Anna, 1857 - 1938, die Frau des Holzerschmieds Adolf Böhler, Lorenz, 1860 -1939, der Stammvater von «Sammüller-Lorenzos» in Rickenbach, und Joh. Baptist junior, 1864 - 1927, Vater der «Sammüller» im Dorf. Böhler Josef, 1854 -1937. Er schließt 1884 die Ehe mit Anna Fischer, Seppos von der Steig. Sie bewohnen einen neuen Anbau am Elternhaus «im Gässele» an der Kellhofstraße, übersiedeln aber später nach Bregenz. Drei Kinder: Lorenz, 1885 - 1973, ist der berühmte Unfallchirurg. Karolina, 1886. Sie stirbt mit 4 Monaten. Rosa, geb. 1891, heiratet Rudolf Böckle aus Altenstadt und wird die Mutter des Bregenzer Unfallchirurgen Dr. Rolf Böckle. 17 Die Böhler -Reihe Die Böhler stammen ursprünglich alle aus Buch, wo sie erstmals im Mehrerauer Zinsbuch von 1290 urkundlich erwähnt sind. Von Buch aus verbreiteten sie sich in alle Gemeinden rund um den Steußberg. Um 1700 findet sich ein Johann Böhler als Bauer auf der Hub, das ist ein Einzelhof am Weg vom Pfänder nach Eichenberg. In den Bregenzer Pfarrbüchern erscheinen dort drei Generationen Böhler: 16 Lorenz («Lenz»). 1914 -1945. «Mantika». Sie stirbt schon als Kleinkind. Georg («Jörg»), 1917. Als Unfallchirurg wird er Nachfolger des Vaters und Leiter des Dr. Lorenz-Böhler-Krankenhauses in Wien. Michael («Michel»), 1921. Kaufmann in Wien. Leopldine («Polla»), 1922, verehelichte Wodenegg in Dreikirchen. Ihr gehören auch Hof und Schmiede im Holz in Wolfurt. Peter, 1924 -1945, gefallen in den letzten Kriegstagen bei Wien. Catharina Blankin - aquis submersa Unter Prof. Lorenz Böhlers Vorfahren ist Katharina Blank die Frau, die dieses Geschlecht nach Wolfurt gebracht hat. Am 26. Oktober 1755 war sie auf dem Sulzberg zur Welt gekommen. Der Jungbauer Mathias Böhler holte sie 1782 als seine Frau auf die Hub am Pfänder. Am 2. März 1783 gebar sie dort ihren ersten Sohn und ließ ihn in St. Gallus in Bregenz nach den Großvätern Josef Hilar taufen. Ihr Glück war kurz. Schon im folgenden Winter starb, erst 31 Jahre alt, am 8. Jänner 1884 Vater Mathias «improvisa morte abreptus». «Durch einen unversehenen Tod hinweg gerafft» - war es ein Unfalltod? eine heimtückische Krankheit? - Auf alle Fälle konnte die junge Bäuerin den einsamen Hof über dem Bergwald nicht halten. Es mutet wie eine Flucht vor ihrer Sippschaft an, wenn sie schon wenige Monate nach des Gatten Tod mit ihrem einjährigen Büblein über die Ach nach Wolfurt kommt und hier am 10. Mai 1784 den Witwer Anton Müller heiratet. Der elfjährige Lorenz Böhler im Jahre 1896 mit Vater Josef, Mutter Anna, geb. Fischer, und Schwester Rosa. Böhler Lorenz. 1885 -1973, Arzt in Bozen und Brixen, ab 1924 in Wien. Er heiratet 1912 Leopoldine («Poldi») Settari aus Dreikirchen bei Waidbruck im Südtirol. Sie schenkt sechs Kindern das Leben: 18 Anton Müller war ein Sohn des Gotteshausammanns Johannes Müller im Kirchdorf und besaß einen Hof an der Ach, etwa an dem Platz, wo heute das Reihenhaus Inselstraße 1 steht. Hier wurde Katharina Blank, nun Frau Müller, noch zehnmal Mutter. 1807 starb auch ihr zweiter Mann. Jetzt war Josef Hilar, ihr Sohn aus erster Ehe ihre beste Stütze. Aber schon ein Jahr später am 27. Juni 1808 mußte auch sie eines unversehenen Todes sterben. Der nahe Damm, auf dem heute die Achstraße angelegt ist, war damals noch der Schutz gegen das Hochwasser der Ach. Dort wuschen die Bäuerinnen ihre Wäsche. 19 «Bei einer Tuchwaschung» ist Katharina Blank damals ertrunken, schreibt der Chronist Mathias Schneider. «Aquis submersa», notiert der Pfarrer und nimmt damit den Titel von Storms berühmter Novelle ein halbes Jahrhundert voraus, «in den Fluten versunken». Die Fischer-Reihe Prof. Lorenz Böhlers Mutter Anna war eine geborene Fischer von der Steig in Rickenbach. Sie gehörte der angesehenen Linie der «Seppar» an. «Seppos» auf der Steig gehen auf Josef (Sepp») Fischer, 1801 -1863, zurück und sind ein Zweig der viel größeren und älteren Sippe der «Stöoglar»-Fischer. Zu den Stöoglarn zählen neben Seppos auch noch «Schnidarles» und «Klosos». Um ihre Erforschung hat sich Dr. August Fischer sehr verdient gemacht. Hier führe ich ein paar Daten aus den Wolfurter Pfarr- und Gemeindebüchern an. Die älteste Erwähnung ist dort eine Hochzeit am 1. Februar 1659: Fischer Sebastian (+31.12.1689) heiratet 1659 Ursula Grül. Unter ihren 6 Kindern waren die Söhne Josef (1664) und Georg (1677). Von Georg (1677 -1748) stammen nicht nur «Klosos» im Oberfeld, sondern auch «Baholzers» vom Rutzenberg mit unserem 100jährigen Martin Höfle (1892 1992), Spengler Martin Schwärzler (1908) und Schwerzler Martin und Katharina von der Rutzenbergstraße 1. Zu Georgs Nachkommen zählen aber auch «Bäschles» im Flotzbach, Öl-Köbs und Giesingers, und eine große Gruppe von Auswanderern in Amerika. Fischer Josef (1664 - 1737) lebte bereits auf der Steig und war dort zweimal verheiratet. Ein Sohn aus seiner ersten Ehe war Sebastian (1694 - 1749), der Stammvater von «Schnidarles», zu denen neben Fischer Siegfrieds, Eberle Herminas und Bertas Nachkommen auch Altvorsteher-Schertlers mit SchuhMeusburgers und Schertlers von der Lorenz-Schertlerstraße zählen. Das achtzehnte und jüngste Kind aus Josefs zweiter Ehe mit Magdalena Schwerzler war Fischer Anton (1722 - 1781), Bauer auf der Steig im heute noch erhaltenen wunderschönen Haus Rutzenbergstraße 1, in dessen Nachbarschaft der ursprüngliche Sitz des Gerichts Hofsteig zu suchen ist. Auch von seinen Kindern leiten sich viele Wolfurter Familien ab, z. B. «Schnidar» Schwärzlers an der Hub. Ein Sohn aus der zweiten Ehe mit Agatha Dietrich aus Lauterach war Fischer Josef Anton (1767 -1847), der das Elternhaus erbte. Mit Ursula Bildstein heirate er 1795 eine Tochter aus «Hanso Hus» an der Kirchstiege, das damals eines der einflußreichsten im Ort war. Unter ihren elf Kindern war «Sepp», 1801, das 21 Josef Hilar Böhler, 1783 -1862 Nach dem plötzlichen Tod der Mutter mußte der 25jährige Sohn Josef Hilar den Hof an der Ach und die Obsorge für seine kleinen Stiefgeschwister übernehmen. 1811 fand er in Katharina Kalb, Naglers aus dem Kirchdorf, eine tüchtige Frau, die ihm in den folgenden zwei Jahrzehnten 12 ebenso tüchtige Kinder schenkte. Josef, 1812, heiratete nach Lauterach. Von ihm stammen u. a. die Krenkel, auch der heutige Stadtarzt Dr. Krenkel im Zwettl, NÖ. Gebhard, 1813, erwarb das Haus Bregenzerstraße 20. Sein einziger männlicher Enkel, der Lehrer Gebhard Böhler, ist 1916 in Rußland gefallen. Alte Leute nennen das Haus bei der Kalkhütte noch «Küfer Böhlers». Mathias, 1814, erbaute ein Haus am Platz von Inselstraße 9. Als es schon 1878 abbrannte, übersiedelte er in die Bütze (Nr. 6). Einer seiner Urenkel ist Volksschuldirektor Heinrich Höfle, 1922. Anton, 1821, besaß zuerst ein Haus beim Wälderhof und später eines am Platz von Achstr. 31. Johann Baptist, 1823, wurde an der Kellhofstraße der erste Böhler - Sammüller. Agatha, 1827, heiratete im Holz den Bauern Bernhard Gmeiner. Ihr Sohn Fidel Gmeiner, 1866, ist der Stammvater der Kartonagen-Gmeiner an der Unterlindenstraße. Von der Tochter Anna Maria, 1857, die mit dem Fergger Fidel Mohr verheiratet war, stammen viele Dörfler Mohr, darunter unser Ehrenringträger Hubert Mohr, 1922. Nach der Eltern Tod bewirtschafteten zwei ledige Töchter den Böhler-Hof an der Ach noch ein paar Jahrzehnte. Am 12. Mai 1900 ist er abgebrannt und seither verschwunden. 20 fünfte. Das «Stöoglar»-Haus erbte aber Johann, 1804, der Stammvater der «Stöoglar»-Fischer an der Ach und der «Stöoglar»-Steurer an der Rutzenbergstraße. Aus jahrhundertelangem Familienbesitz verkauften die «Stöoglar»-Erben 1915 ihr Stammhaus Rutzenbergstraße 1 an die Familie «Baholzer»-Schwerzler, deren Hof im Bannholz gerade abgebrannt war. Zu Weihnachten 1842 starb Frau Agatha. Zwei Monate später heiratete Sepp seine zweite Gattin Johanna Flatz aus Buch. Sie gebar ihrem Mann in den folgenden Jahren weitere zwölf Kinder, zusammen also 22. Etliche davon gründeten später selbst große Familien und trugen damit die tüchtige «Seppar»-Art weit über Wolfurt und Vorarlberg hinaus. Nur einige kann ich hier aufzählen. Gebhard Fischer (1848 - 1892) führte 1896 die erste Hand-Stickmaschine in Wolfurt ein und betrieb auf der Steig eine gutgehende Stick-Ferggerei, die seine Frau Agnes Pfefferkorn weit über seinen frühen Tod hinaus weiterführte. Die acht Kinder aus zehn Ehejahren: Johann Georg («Hans-Irg»), 1883, Bauer an der Brühlstraße. Paulina, 1885, verheiratet mit Dr. Eduard Fischer, Löwenwirts, Advokat in Innsbruck. Regina, 1886 - 1984, damals älterste Wolfurterin, Klöppelei an der Bützestraße Johannes (Seppo Hannes), 1887, Spetenlehen. Bertha, 1888, verheiratet mit Ludwig Weh, Lehrer in Wolfurt und später in Bregenz. Anna, 1890 + (Zwilling) Maria, 1890, verheiratet mit Karl Müller, Kronenwirts, Sticker an der Unterlindenstraße. Gebhardine, 1892, verheiratet mit August Böhler, Sternenwirts., in der Mehrerau. Franz Xaver Fischer (1849 -1895) wanderte wie sein älterer Bruder Joseph Anton (1845 - 1866) nach Amerika aus. Während dieser aber sofort ums Leben kam, erwarb «Vere» in Kalifornien und später in Chicago märchenhaften Reichtum. Bei einem Besuch in Wolfurt machte er auf seinen kleinen Neffen Lorenz Böhler besonderen Eindruck, wie Inge Lehne auf Seite 12 in ihrem Böhler-Buch berichtet. 1895 ist auch Vere in Chicago eines ungeklärten Todes gestorben. Anläßlich seiner ersten Amerika-"Reise soll Dr. Lorenz Böhler 1914 im Auftrag der Familie vergeblich nach seinem Nachlaß geforscht haben. Zwei «Seppar»-Schwestern, Anna Maria und Barbara, heirateten auswärts, die jüngsten vier in Wolfurt: Als Bruder Gebhard 1882 das Elternhaus auf der Steig übernahm, hatte die Mutter für sich und die Schwestern bereits das Haus Wingertgasse 2 (heute «Lislos») in Rickenbach gekauft. 23 Sepp und seine 22 Kinder - die Seppar Im großen alten «Stöoglar-Hus» am Weg ins Bannholz lebten zu Napoleons Zeiten der Bauer Josef Anton Fischer und seine Frau Ursula Bildstein. Ursula war eine Tochter des Kaufmanns Crispin Bildstein (1740 -1819) in Hanso Hus im Kirchdorf und eine Enkelin des ersten bekannten Wolfurter «Chirurgen» Antony Bildstein. Ihr Bruder Joh. Baptist war Kaufmann, Josef Anton Pfarrer von Laüterach, Bernhard Vorsteher von Wolfurt. Ihre Schwester Katharina wurde die StammMutter von «Veres», «Schrinars» und «Toblars» in der unteren Bütze und von «Knores» im Strohdorf. Andere aus dem Bildstein-Geschlecht wurden später ebenfalls Priester, Ärzte, Kaufleute, Vorsteher, Beamte und Ingenieure, aber auch biedere Handwerker und Bauern. Viele von diesen Talenten scheinen auch bei den Nachkommen aus dem Fischerhaus auf. Fischer Josef Anton (1801 -1863) wurde am 24. Oktober 1801 geboren. Er erhielt den gleichen Namen wie sein Vater, wurde aber «Sepp» gerufen. Danach werden noch jetzt seine Nachkommen benannt. Zu jung, um noch zu Napoleons Armee eingezogen zu werden, erlebte er den Wirtschaftsaufschwung nach dem Wiener Kongreß und nützte ihn. Er erwarb ein Vermögen, das ihm um das Jahr 1832 den Bau eines der größten damaligen Rickenbacher Häuser ermöglichte. Es steht noch heute an beherrschender Stelle oben auf der Steig, Spettels, Hofsteigstraße 48. Schon 1826 hatte Sepp seine erste Frau Agatha Schwerzler aus Spetenlehen geheiratet. Zehn Kinder brachte sie zur Welt, aber acht davon trug man schon nach wenigen Tagen oder Wochen als «Engel» zum Friedhof. Viermal taufte man nach der Mutter eine kleine Agatha, erst die vierte blieb am Leben. 22 Katharina, 1855, heiratete Wilhelm Gunz («Plazes» Wilhelm) und wurde im Nachbarhaus die Stamm-Mutter der Gunz-Familien. Maria Anna, 1859, Sepp Fischers 20. Kind, heiratete 1884 den «Sammüller» Josef Böhler. Er soll damals gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Lorenz als Fuhrmann im benachbarten «Kreuz» gearbeitet haben, wo Johann Haltmeyer einen ausgedehnten Weinhandel betrieb. Im Haus «im Gässele» wurde Maria Anna 1885 die Mutter des kleinen Lorenz, der später der berühmte Professor Lorenz Böhler geworden ist. Karolina, 1860, heiratete den zweiten Sammüller, Lorenz Böhler. Von ihr stammen «Sammüller Lorenzos» in Rickenbach. Theresia, 1861, die jüngste der «Seppar»-Schwestern, blieb ebenfalls in der Nachbarschaft. Mit ihrem Mann Konrad Bohle übernahm sie 1889 die Gastwirtschaft zum Mohren mit Bäckerei und Handlung und begründete die Wolfurter BohleSippe. Der Name Der Name Lorenz Böhler hat durch unseren berühmten Ehrenbürger weltweit, besonders aber in Wolfurt, einen guten Klang. «Böhler»: Der alte Wortstamm «bol» bedeutet «rollen» oder «rund» und fand (nach Jutz) zur Bezeichnung verschiedenster kugelartiger Gegenstände Verwendung. Welti nennt in seinem «Kellnhof Wolfurt» (1952) für das Bucher Geschlecht die alten Schreibweisen «Boller», «Böler», «Böuler» und «Bönler», von denen sich schließlich «Böler» durchsetzte. Als in Wolfurt 1814 der neue Pfarrer Grasmeier Einzug hielt, begann er in den Pfarrbüchern mit einer geänderten Schreibart, «Böhler» mit stummem h. Derzeit ist «Böhler» mit 152 Eintragungen im Blauen Buch von 1989 in Wolfurt der häufigste Geschlechtsname. Nur in den Städten Dornbirn und Bregenz gibt es noch mehr Böhler. Am dichtesten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl sind sie allerdings in Bildstein und in Schwarzach vertreten. «Lorenz»: Der Hl. Laurentius wurde nach der Legende im Jahre 258 in Rom auf einem glühenden Rost zu Tode gefoltert. Sein Festtag ist der 10. August. In vielen Kirchen findet sich sein Bild. Fast immer wird er mit einem Buch und dem Eisenrost dargestellt. Durch all die Jahrhunderte war Laurent, später Lorenz, ein häufiger Taufname. In die «Sammüller»-Familie kam er durch Laurent Schneider, geb. 1790, dessen Tochter Katharina 1853 einen Böhler heiratete. Schon ihren ersten Sohn taufte sie Lorenz und nach dessen Tod einen zweiten. Aber erst der dritte Lorenz von 1860 blieb am Leben und begründete «Lorenzos» in Rickenbach. Es war fast selbstverständlich, daß auch sein Bruder Josef 1885 seinen ersten Sohn wieder Lorenz taufte, Prof. Dr. Lorenz Böhler. Als dieser 1914 in Bozen zum ersten Mal Vater wurde, gab es wieder einen Lorenz, «Lenz» wurde er meist gerufen. Auch Lorenz in Rickenbach hatte 1888 einen Sohn Lorenz taufen lassen, doch war dieser bald verstorben. So bekam 1931 der erste Enkel den klangvollen Namen Lorenz Böhler. Heute ist er der «Senior» in der bekannten Gardinenfabrik. Er ist aber auch der einzige unter den 152 Wolfurter Böhlern, der nach dem heiligen Märtyrer oder dem großen Vetter in Wien benannt wurde. Sollte er etwa der letzte sein? «Sammüller» ist der Hausname eines Böhler-Geschlechts, mit dem sich dieses von anderen, etwa den «Holzer»-Böhlern, «Bergers», »Rasierers» und «Sternenwirts» unterscheiden läßt. «Sam-Müllers» ist eine durch langen Gebrauch gekürzte Form und heißt eigentlich «des Ammann Müllers». 25 Sepp Fischers jüngste Töchter. Ein besonders altes Foto aus dem Jahr 1867 (!). Von links: Katharina (Gunz,1855), Anna (Böhler,1859, Dr. Böhlers Mutter), Karolina (Böhler, 1860), Annamaria (Lang, 1850), Barbara (Mörl, 1852) und Theresia (Bohle, 1861). 24 Seit 1985 trägt das Haus auch eine Gedenktafel an Dr. Lorenz Böhler. Derzeit wird es von Grund auf renoviert. Wir freuen uns darüber, daß das wohl an die 300 Jahre alte Ammannhaus wieder ein Schmuck des Dorfes sein wird. Die Holzer-Schmiede Das alte Bauernhaus «Im Holz 3» trägt seit 1985 eine Ehrentafel, die an Prof. Lorenz Böhler erinnert. Hier hat er die Kinderjahre bei Tante «Nanne» verbracht. Sein Leben lang betrachtete er es als Vaterhaus und besuchte es in seinen seltenen Urlauben, aber manchmal auch mit berühmten Ärzten, wenn sich bei einem Kongreß eine Gelegenheit dazu bot. Bei einer Übersicht über Böhlers Verwandte dürfen daher die Holzer-Schmiede nicht fehlen. Die Böhler im Holz sind zu den Sammüller-Böhlern überhaupt nicht verwandt. Sie stammen von einem Böhler Christian, geboren 1654 in Oberbildstein. 1738 heiratete sein Enkel nach Wolfurt. Seine Nachkommen findet man als Schmiede und Wagner in verschiedenen Häusern. Das 300 Jahre alte Sammüller-Haus beherrscht die Kellhofstraße im Kirchdorf. Links Veres Hus und der neue Schwanen. Im Hintergrund die Kirche mit dem damals neuen Turm und dem Pfarrhof. Davor der Spitzgiebel des alten Schwanens. An der Hausmauer des Sammüllerhauses vorbei fließt offen der Töbelebach zum Gasthaus Lamm herab. Ein Bild von 1910. Der «Gotteshaus»-Ammann Martin Müller(1674 -1732) und nach ihm sein Sohn Johannes Müller (1711 -1786) hatten das ehrenvolle und auch einträgliche Amt, als Verwalter der großen Mehrerauer Besitzungen in Wolfurt den jährlichen Zehent für das Kloster einzuheben, Streitigkeiten zu schlichten, Erbschaftsangelegenheiten zu regeln und vieles mehr. Ammann Müllers lebten schon um 1700 im Sammüllerhaus an der Kellhofstraße. Ein Sohn aus diesem Haus, Anton Müller, hatte 1784 in seinem Hof an der Ach die Witwe Katharina Blank und ihren kleinen Buben Josef Hilar Böhler aufgenommen. Im Dorf starben die Müller 1813 aus. Das Amt als Gotteshausammann hatte nach Johannes Müller sein Neffe Mathias Schneider (1745 -1833) bekommen, in dessen Zeit die Auflösung des Klosters fiel. 1813 erwarb er das leer gewordene «Ammann-Müller»-Haus für seinen Sohn Lorenz Schneider. Dieser vererbte es 1859 an seinen Schwiegersohn Joh. Bapt. Böhler. Seither sind drei Generationen von Sammüller-Böhlerkindern hier groß geworden. 26 Jakob Böhler (1819 -1897), hatte als Schmied noch bei seinem Vater Hieronymus in Spetenlehen gearbeitet und war dann in Unterlinden (Frickenescherweg 1) selbständig geworden. Wegen der im Gewerbe so wichtigen Wasserkraft übersiedelte er aber 1852 zu seinem Schwiegervater ins Holz, wo dieser Mühle und Mühlteich besaß. Noch im gleichen Jahr erstellte Jakob am Weiher die «alte Schmiede». Fünf von seinen Söhnen erlernten hier bei ihm das Schmiedehandwerk, einer, Hieronymus, wurde Wagner. Drei eröffneten eigene «Schlosser»-Werkstätten: Gebhard, 1849 -1924, an der Kreuzstraße. Seine Tochter war «Schlossers Juli». Johann Baptist, 1857 -1927, im Röhle, Bregenzerstraße 27. Die Schmiede, wo nach ihm noch sein Sohn «Hannbatisto Jockl» glühende Eisen schmiedete, träumt heute von Waldreben überwuchert vor sich hin. Zu Hannbatists Kindern zählen auch SAmmas Lina und der Frachter Gebhard Böhler. Rochus, 1865 - 1942, betrieb- eine Machinenschlosserei in Rickenbach (Rickenbacherstr. 4). Schellings Elvira war eine von seinen Töchtern. Zwei Schmiede übernahmen die väterliche Werkstätte im Holz, August und Adolf. Wegen ihrer Tüchtigkeit waren sie über das Land hinaus bekannt. Sie erzeugten 27 Bauern- und Maurerwerkzeuge, Wagenbeschläge und -achsen, große Schraubenspindeln und feine Brandstempel. Daneben betrieben sie weiterhin die Holzer Mühle mit dem großen Wasserrad. Hier hat Lorenz Böhler als Kind mitgearbeitet. Lehne berichtet (S. 14), daß er sogar die schweren Türkenstumpen, die die Wolfurter Bäuerinnen bei Onkel Gebhard an der Kreuzstraße deponiert hatten, zum Mahlen ins Holz hinauf schleppen mußte. August Böhler, 1852 - 1933, wohnte auf der Halde. Von seinen fünf Töchtern wurden Paulina die Mutter der Familie Guldenschuh in Unterlinden, Theresia die Mutter der Familie Geiger im Röhle und Maria die Mutter der Familie Klimmer in Spetenlehen. Adolf Böhler, 1854 -1936, heiratete 1892 Anna Böhler, 1857 -1938, «Sammüllers Nanne». Sie übernahmen das Böhlerhaus im Holz, betrieben neben der Schmiede eine kleine Landwirtschaft und auch, wie damals in fast jedem Haus, eine Stickerei. Hier arbeitete neben Nanne auch ihre ledige Schwester Rosalie («Rosele»), deren geschwinde Finger den Neffen Lorenz beeindruckten (Lehne S. 16). Als Lorenz Böhlers Eltern 1890 nach Bregenz übersiedelten, überließen sie den fünfjährigen Buben der Großmutter im Sammüllerhaus und nach deren Tod im Mai 1892 den Tanten Nanne und Rosele. Schon im Juni 1892 heiratete aber Nanne ins Holz hinauf. Und weil sie kinderlos blieb, holte sie bald den kleinen Lorenz zu sich in den Schmiedehaushalt., wo er nun bei den Zieheltern jene Prägung erfuhr, die ihn zu so außerordentlichen Leistungen befähigte. Frau Lehne nennt sie (S. 11) anerkennend «die charakteristischen Eigenschaften der Alemannen», Zähigkeit und Fleiß. Im Schmiedehaus hat Lorenz auch noch eine jüngere Ziehschwester bekommen, Rosa Böhler, geboren 1898. Sie war eine Tochter von Adolfs Bruder Hieronymus Böhler, dem Wagnermeister an der Achstraße. Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau war dieser 1907 allzufrüh gestorben und hatte vier kleine Mädchen hinterlassen. Die wurden nun, wie es damals bei Waisen selbstverständlicher Brauch war, an vier verwandte Familien aufgeteilt. Anna ging später als Sr. Petrina zu den Barmherzigen Schwestern von der Kettenbrücke ins Kloster, Hermina und Gebhardina starben in jungen Jahren. Rosa aber kam zu Onkel Adolf ins Holz. Zu ihrem großen «Bruder» Lorenz hatte sie ein so herzliches Verhältnis, daß er sie mit ins Südtirol nahm, nachdem er dort 28 1912 geheiratet hatte und nun Nachwuchs erwartete. So wurde «die Rosa» zehn Jahre lang Kindermädchen, aber auch Köchin und Haushaltshilfe für Frau Poldi Böhler-Settari an ihren damaligen Wohnsitzen in Bozen und Brixen und in den Ferien in Dreikirchen. Nach Wien ging Rosa 1924 allerdings nicht mehr mit. Sie kehrte heim ins Holz und wurde 1925 die Frau von Karl Schwärzler, «Liberats», an der Hub. Noch oft kehrte Prof. Böhler dort zu. Auch seine Kinder Jörg, Michel und Polla, die das Ende des Krieges 1945 im Holz erlebten, fanden immer wieder den Weg zu «ihrer Rosa». Die Holzer-Schmiede im Jahre 1930. Links Adolf Böhler (Dr. Böhlers Ziehvater), rechts August Böhler 29 Rosas jüngster Sohn Dr. Paul Schwärzler verwaltet heute den Böhler-Besitz im Holz für Frau Polla Wodenegg. Er konnte vermitteln, daß die Gemeinde Teich und Schmiede in Pacht bekam und daß der Alpenverein 1976 -80 dort sein Heim «Alte Schmiede» einrichten durfte. Böhler-Schüler Die «Wiener Schule» für Unfallchirurgie besaß schon zu Prof. Böhlers Lebenszeit durch seine Arbeit Weltruhm. Frau Lehne widmet ihr (S. 101) ein Kapitel. Fast alle Ärzte von der Webergasse leiteten später selbst Unfallkrankenhäuser. Zu Böhlers bekanntesten Schülern zählt ein Wolfurter, Prof. Dr. Emil Beck. «Becks Emil», wie ihn seine Freunde immer noch nennen, ist 1931 geboren und in Wolfurt aufgewachsen. Bei uns als Spitzen-Schifahrer und ausgezeichneter Fußballspieler bekannt, galt er bald in Wien als einer der begabtesten MedizinStudenten. Er wurde von seinem Lehrer Prof. Böhler persönlich gefördert und arbeitete noch unter ihm als Arzt am Wiener Unfallkrankenhaus. Später folgte er einer Berufung als Oberarzt zu Böhlers Sohn Dr. Jörg Böhler nach Linz und dann wieder nach Wien. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten wurde Dr. Beck bekannt. Schon 1974 holte ihn das Land Vorarlberg als Leiter des neuen Unfallkrankenhauses nach Feldkirch. Dort hat er unter den vielen Patienten die Wolfurter immer mit besonderer Aufmerksamkeit betreut. Längst ist er nun Professor in Innsbruck und trägt darüber hinaus als Präsident der Gesellschaft für Unfall-Chirurgie hohe Verantwortung für Forschung und Ausbildung. Das erfüllt uns alle mit Freude und Stolz! Im Jahre 1965 übernahm ihn die Hauptschule. Aus Anlaß seines 80. Geburtstages hatte Dr. Böhler das Kapital beachtlich erhöht. Ein Kuratorium vergibt seither jedes Jahr aus dem Zinsertrag ein Buch und eine Geldsumme an die beste Schülerin und den besten Schüler der 4. Klasse Hauptschule. Wenn mehr als zwei gleichberechtigte Preisträger sind, sorgt die Raiffeisenbank dafür, daß das Stammkapital nicht angetastet werden muß. Seit neuestem vergibt die Gemeinde zusätzlich Lehnes Böhler-Buch «Die Geschichte eines Erfolges». Aus den inzwischen über 70 Preisträgern sind eine Reihe geachteter Mitbürger hervorgegangen. Wie schreibt Lehne? - «Genie ist Fleiß!» Krut und Rüoba Als Prof. Lorenz Böhler im Jahre 1965 vom Land Vorarlberg mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde, veranstaltete die Gemeinde einen Festabend, bei dem Bürgermeister Waibel einen von Spengler Martin Schwärzler geschaffenen großen Kupferteller mit dem Gemeindewappen überreichte. Zum Festessen im Stern hatte sich der Ehrenbürger Wolfurter Kost gewünscht. So gab es denn auch «Speock, Krut und Hafoloab» und dazu «Most und Obstlar». Kenner meinten, zum Kraut gehörten eigentlich auch «sure Rüoba». Das hätte Lorenz Böhler vielleicht an jenen uralten Vers erinnert, mit dem man seit eh und je ihn und alle anderen Lorenze hänselte: «Lorenz, klenn Rüoba, groß Schwänz!» Die Bauernregel will damit sagen, daß es an Lorenzi (10. August) zu spät ist zur Rüben-Aussaat. Nach der Vorstellung des Böhler-Buches im September 1992 hielten Dr. Jörg Böhler und seine Schwester Polla mit Frau Lehne und Dr. Beck Einkehr in der «Alten Schmiede» und ließen sich unter dem Bild des Holzer-Schmieds fotografieren. Dr. Jörg erzählte von der Heimatverbundenheit seines Vaters allerlei Anekdoten. So habe er die Patienten gereiht in erstens Wolfurter, zweitens Klasseund drittens andere. Da könnte man eingebildet werden, wenn man liest, daß sich auch Ministerpräsidenten in der Patientenliste befanden. Übrigens wissen sich Wolfurter Verletzte auch bei Prof. Beck - früher in Feldkirch und jetzt in Innsbruck - ganz besonders gut aufgehoben. Böhler Preis Alle Jahre wird in Wolfurt ein kleiner, aber nicht weniger begehrter Preis nach dem Vorbild Nobels verliehen. Als Prof. Böhler 1957 Ehrenbürger wurde, besuchte er seine alte Volksschule im Strohdorf und übergab nach einem Gespräch mit den Schülern dem Schulleiter einen ansehnlichen Geldbetrag «für den besten Schüler und die beste Schülerin». Köb Hannelore und Thaler Heiner waren die ersten Preisträger. Acht Jahre lang vergab die Volksschule den Preis. 30 31 Siegfried Heim die er im Archiv von New Ulm gefunden hat. Darunter ist einer über Maria Kalb, die älteste Tochter des Ferdinand. Sie ist am 15. März 1842 an der Hub geboren und ging noch dort im alten Schulhäuschen zur Schule. In Amerika heiratete sie 1865 Fred Julius . In nur 14jähriger Ehe gebar sie 10 Kinder, die sie als junge Witwe allein versorgen mußte. Als sie - fast 90 Jahre alt - im Februar 1932 starb, widmete ihr die Zeitung als einer der letzten aus den «Pionier»-Tagen von Minnesota einen großen Artikel. Daraus übersetze ich: «Sie war erst 10 Jahre alt, als sie 1852 mit ihren Eltern Mr. and Mrs. Ferdinand Kalb in die United States kam. Sie landeten im Hafen von New York und zogen dann mit einem Ochsengespann westwärts, nach Blackswamp in Ohio, das heute Fremont heißt. 1855 kam die Familie nach Brown county und setzte sich auf der heutigen Albert Groebner-Farm im Gemeindegebiet von Cottonwood fest, genau südlich von New Ulm. Kalb's Creek, Kalbs Fluß, der nahe der Metzenbrücke der Trunk Highway No. 15 in den Big Cottonwood river mündet, wurde nach ihrem Vater so benannt. Während des Indianerangriffs auf New Ulm im Herbst 1862 war die Verstorbene hier im Dakota-Haus beschäftigt. Tapfer tat sie gemeinsam mit anderen Frauen Dienst bei den Verwundeten.» Marias Mutter war schon 1854 gestorben. Aus der zweiten Ehe des Vaters lebten eine Reihe kleiner Kinder auf der Farm, als die Indianer sich am 17. August 1862 auf den Kriegspfad machten. Der Vater war gerade bei der Getreideernte, als ihn ein vorbeireitender Nachbar warnte. Schnell lud er die ganze Familie auf den Ochsenkarren und führte sie zu einem vier Meilen entfernten Sammelpunkt, wo sie sich sicherer fühlten und die Männer bei der Abwehr der Indianerangriffe helfen konnten. Die Familie Kalb mit ihren kleinen Kindern, darunter der erst 7 Monate alte Berthold, floh weiter nach St. Peter. Nach der blutigen Niederwerfung des Aufstandes kehrte sie in ihre Heimstatt am Kalb's Creek zurück. Von den Kalb-Kindern lebten 1930 noch fünf Schwestern und die Brüder Berthold, John und Ferdinand Kalb, letztere in Pine City. Auch wenn ihre Enkel Wolfurt längst vergessen haben, erinnert der Name des Flusses noch an die alte Heimat. Und wenn einmal ein Wolfurter Weltenbummler in Kalbs Fluß seine wundgelaufenen Füße kühlt, dann soll er Grüße von uns ausrichten und vom schönen Dorf am Steußberg erzählen! 33 Kalb's Creek Ein «Wolfurter» Fluß im Wilden Westen Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts etwa 200 junge Wolfurter ihr Heil im fernen Amerika suchten, blieben die meisten in Gruppen beieinander. Viele ließen sich um Fremont, am fruchtbaren, aber teilweise sumpfigen Südufer des Erie-Sees in Ohio nieder. Andere zogen mit ihren Ochsenwagen noch 1000 Kilometer weiter in den Wilden Westen, überquerten den Oberlauf des Mississippi und nahmen Land beim Fort New Ulm am Cottonwood River in Minnesota. Es war Land, das den Sioux-Indianern gehörte, in welches sie hier ihre Grenzpfähle setzten. Das Staatssiegel von Minnesota wurde 1858 geschaffen, also vier Jahre vor dem großen Siouxaufstand. Es zeigt einen pflügenden Bauern, der einen reitenden Indianer beobachtet und dabei sein Gewehr griffbereit hält. Hier in Minnesota lebten damals mehrere Wolfurter Auswandererfamilien. Zu den ersten Siedlern dort gehörte Ferdinand Kalb, geboren am 22. Februar 1813 in «Arnolds Haus» an der Hub, Flotzbachstraße 9. Mit seiner Frau Anna Maria Thaler und den beiden Kindern Maria, 10 Jahre alt, und Katharina, 9 Jahre, verließ er 1852 sein Haus an der Hub und wagte sich auf die große Reise. Auch drei von seinen Brüdern zogen mit: Josef, geboren 1811, Lorenz, 1819, und Martin, 1823. Martin Kalb nahm ebenfalls Frau und zwei kleine Kinder mit. Nun hat mir Herr Wilfried Schneider aus Kanada, dessen Vorfahren ebenfalls damals in New Ulm dabei waren, ein paar Nachrufe aus alten Zeitungen geschickt, 32 Von den daheim gebliebenen Schwestern der vier ausgewanderten Kalb-Brüder aus Arnolds Haus an der Flotzbachstraße (Hubert Mohr hat es 1991 ganz neu hergerichtet) stammen einige Wolfurter Familien: Arnolds und Kampler-Mohrs an der Hub, Nagler-Kalbs an der Ach und an der Kirchstraße. Verwandt sind aber auch Bildsteins an der Hub und im Röhle (Huster, Boch, Bernhards, Schertler Kassians, Heitz, Reiner Mathis, LisloGmeiners und die vielen Bregenzer und Lauteracher Bildstein-Familien). Ihr Bräutigam Johannes Haltmeier, geboren 1751 in Rickenbach, war der Sohn des Adlerwirts Andreas Haltmayer (-ay-, so schrieb der Pfarrer den Namen im Familienbuch!) und der Katharina Zumtobel aus Dornbirn. Der «Adler» war bis dahin auf der linken Seite des Kellawegs gestanden (Nr. 3, Schwerzlers, abgebrochen um 1970 für Halle Doppelmayr). Johannes Haltmayer betrieb dort neben der Gastwirtschaft noch einen umfangreichen Weinhandel und versorgte die Wolfurter Weber auch mit Baumwolle. So gut gingen die Geschäfte, daß er um das Jahr 1800 zuerst den Gasthof «Adler» neu am heutigen Platz errichten konnte und fast gleichzeitig für seinen Sohn Johann Michael Haltmayer das Haus Dornbirnerstraße 4 (Sammüller Lorenzos), das er mit ungewöhnlich großen Gewölben für seinen Weinhandel versah. 1799 starb seine Frau Magdalena, Mutter von 10 Kindern. 1802 verschied ganz plötzlich auch der 27jährige Sohn und Erbe Michael, 1804 folgte ihm der Adlerwirt selbst. Von den vielen Töchtern wurde nun Katharina Haltmayer (1777 - 1842) Adlerwirtin. Sie heiratete dreimal, zuletzt mit dem Vorsteher Leonhard Fink, der 1833/ 34 den Kirchenbau in Wolfurt leitete. Zu Katharinas Nachkommen zählt auch der «Alt-Adlerwirt» Joh. Georg Fischer (1847 - 1918), ebenfalls Vorsteher von Wolfurt und Mitbegründer der ersten Bank und des Konsums in Rickenbach. Wohin aber war die Hochzeitstruhe von 1772 gekommen? Ihren Weg können wir nur vermuten. 1805 hatte die Löwenwirtin Anna M. Albinger nach dem frühen Tod ihres Mannes Joseph Fischer ein neues Haus «in Engliswies» (Schwerzler, Schlattweg 9) gebaut und mit ihrem zweiten Gatten eingerichtet. Ob sie dazu damals schon die Truhe aus dem gerade aufgelassenen «alten» Adler bekommen hat? Oder hat sie erst ihr Nachfolger Ferdinand Haltmayer mitgebracht? Auf alle Fälle hat der 1830 in Alberschwende geborene Melchior Fehle im Jahr 1861 das Haus am Schlattweg mit allem Inventar erworben. Er war einer der ersten Mitarbeiter bei der sich mächtig entwickelnden Firma Zuppinger als Drechsler, Fuhrmann und Müller. Von seinen vielen Kindern konnte der Sohn Gebhard Fehle im Jahre 1900 das heutige Fehlehaus am Rickenbach (Kesselstraße 2) kaufen. Dabei wanderte wohl auch der inzwischen morsch gewordene Schnitztrog mit in das neue Haus, das der 35 Siegfried Heim Der alte Schnitztrog Voll Stolz hat mir Fehles Franz eine uralte Truhe gezeigt. «Sit ma denko ka», stand sie «im Ufzug domm». Vor Jahrzehnten diente sie noch als «Schnitztrog», dann sammelte sich in ihren morschen Fächern allerlei Gerumpel. Nun hat er sie vom Dachboden herabgeholt. Sie wurde sauber geputzt, ein paar fehlende Leisten und ein Stück Brett mußten ersetzt werden. Jetzt funktioniert "das Geheimfach» wieder, in dem man einst Geld oder wertvolle Dokumente verbergen konnte. Zuletzt hat der Maler die schäbig gewordenen Ornamente und Inschriften aufgefrischt. Jeder Besucher kann die gotischen Buchstaben wieder entziffern: Liebet Got und haltet seine Geboth Johaneß Haltmeier und Maria Magdalena Bröllin (empfehlen sich der Gottesmutter) 17 MARIA 72 Die Initialen P.H. deuten auf den Schreiner und Maler hin. Er könnte ein Dornbirner Handwerker gewesen sein, denn aus Dornbirn brachte Magdalena Bröll ihren «Brutt-Wago» mit, als sie 1772 den Wolfurter Adlerwirt heiratete. Anno 1750 war sie in Dornbirn als Tochter des Michael Bröll


Heimat Wolfurt Heft 00 Inhaltsverzeichnis
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Zeitschrift des Heimatkundekreises Mit Unterstützung durch die Marktgemeinde Wolfurt seit 1988 herausgegeben von Siegfried Heim Inhaltsverzeichnis Heft 1 1. Zeittafel für Wolfurt u. Hofsteig 3 2. Bauern und Fabrikler 16 3. Franzosenkrieg 1800 (Chronik Schneider I.) 20 Heft 2 4. Sozialstrukturen (1) 5. Hofsteiger Bauern 6. Der Weg zum März 1938 Heft 3 7. Der Rickenbach 8. Wolfurter Geschlechter 9. Der letzte Krieg 1939-1945 Heft 4 10. Wolfurter Mundart 11. Kriegsende 12. Pfarrkirche St.Nikolaus Heft 5 13. Schlösser in Wolfurt 14. Pfarrer Barraga 15. Auswanderer (1) 16. Autos 17. Chronik Köb (1) Heft 7 24. Das Vereinshaus 25. Mit Napoleon in Rußland (Chronik Schneider IL) 26. Lehrer Köbs, Chron. Köb (2) 27. Streifzüge der Gedanken Heft 8 28. Volkszählungen Strohdorf, Hub und Flotzbach 29. 30. St.Martin vom Strohdorf 31. Schulschwestern 32. Sieben Söhne im Krieg 33. Das Gemeindeblatt Heft 9 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Auswanderer (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz Heft 10 40. Unser tägliches Brot (1) 41. Kriegstagebuch Fischer Heft 12 49. 500 Jahre Seelsorge in Wolfurt 50. Nachbarn in der Bütze 51. Veres Stickerei 52. Die Kommunistin 53. Wendelin Rädler 54. Rogges Brot und kernes Brot 2 12 24 42 Heft 13 55. Ein Hofsteiger Siegel 56. Hofsteig 57. Ammänner 58. Der Gemeine Mann 59. Die Schneider 60. Mutter in Nöten, Auswand.(4) 61. Dorfschmiede 62. Stammvater Fischer 63. Fußball und Liebe 64. Kügolo Heft 14 65. Ein Hauch Barock 66. Die Ach und die Ächler 67. Ein Kuß; Kloster Hirschthal 68. Wolfurter Alpen 69. Fremdenverkehr 1903 70. Steuerverzeichnis 1873 Heft 15 71. Die Krankenschwestern 72. Hausnamen 73. Bier für St.Louis, Auswanderer (5) x. Kurt von Wolfurt 74. Vornamen 3 4 22 29 33 47 Heft 16 75. Schwerzler und Schwärzler 76. Heimkehrer 77. Einwanderer (1) Heft 17 78. Mutterpfarre Weißenau 79. Nachkriegsjahre 1945-1949 80. Einwanderer (2) 81. Das Erbe aus Indien 82. Kindstaufe in Bildstein x. Tanzen verboten Heft 18 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament x Gemeindediener x Inhaltsverzeichnis 3 26 42 3 23 38 3 29 32 2 6 21 24 27 30 3 6 14 28 35 40 46 50 52 54 4 9 37 54 57 59 3 7 16 30 45 49 52 1 52 54 3 12 19 23 35 38 3 9 45 48 52 54 1 11 25 30 34 4 16 3 22 36 43 44 Heft 6 18. Das Kirchdorf 2 19. Häuserverzeichnis 1926 10 20. Sozialstrukturen (2) 13 21. Wasser und Wald 39 22. Tagebuch (Chr. Schneider III.) 45 23. Spatzecklo 48 Heft 11 42. Inhaltsverzeichnis 1 43. Unser tägliches Brot (2) 5 44. Dr. Lorenz Böhler 15 45. Kalb's Creek, Auswanderer (3) 32 46. Der Schnitztrog 34 47. Altvorstehers Haus 37 48. Ein altes Dokument 41


Heimat Wolfurt Heft 01 1988 Juni
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Heft 1 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni/88 Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Obwohl erst vor drei Monaten ein diesbezüglicher Aufruf an die Bevölkerung erging, hat sich in unserer Gemeinde bereits ein «Heimatkunde-Kreis» zusammengefunden und in intensiver Arbeit auch schon die erste Ausgabe einer heimatkundlichen Zeitschrift fertigstellt. Zu diesem sehr vielversprechenden Start in die Vergangenheit unseres Dorfes möchte ich mich bei allen, die daran mitarbeiten, besonders aber bei Direktor Siegfried Heim, herzlich bedanken. Ich bin überzeugt davon, daß das Kennenlernen und Verstehen unserer Vergangenheit ein entscheidender Schritt in die Zukunft sein kann. Somit wünsche ich unserem Heimatkundekreis viel Erfolg und darf die volle Unterstützung der Marktgemeinde in jeder Hinsicht zusagen. Ihr Bürgermeister Grüß Gott! Immer mehr Menschen aus unserem Ort, auch die Schulen und die Gemeinde, fragen wieder nach den Wurzeln und dem Wachsen unserer Gemeinschaft. Im Heimatkundekreis treffen sich Leute, die ihr eigenes Wissen mehren möchten, aber auch die Ergebnisse ihrer Forschungen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Vorträge werden geplant und eine Zeitschrift soll Wissenswertes festhalten und verbreiten. Dieses erste Heft will mit einer Zeittafel ein paar Grundlagen vermitteln und vielleicht auch schon ein paar Fragen aufwerfen. Wir ersuchen unsere Leser um Stellungnahmen und Vorschläge, die wir gern nächstes Mal abdrucken. Darauf freuen sich schon alle Mitarbeiter. Siegfried Heim Inhalt: 1. Zeittafel für Wolfurt und Hofsteig (Heim) 2. Bauern und Fabrikler (Heim) 3. Franzosenkrieg 1800 (Volaucnik) Siegfried Heim DIE A U T O R E N : Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Altertum: Um 10.000 v. Chr. Die letzte Eiszeit geht zu Ende. Am Ufer des Bodensees nimmt die Landschaft langsam ihre heutige Gestalt an. Rhein, Ach und Bergbäche schütten die Talsohle auf. Der Ippachwald bedeckt den Steußberg, noch lange Zeit reicht der Riedsumpf bis an den Kellahang. Um 500 v. Chr. Die keltischen Räter besiedeln das Land. 15 v. Chr. Die Römer erobern Vorarlberg. Am Fuß des Steußbergs führt die Straße von Chur nach Brigantium. 259 n. Chr. Die Alemannen zerstören das römische Brigantium 496 n. Chr. Chlodwig besiegt die Alemannen. Der Gotenkönig Theoderich bietet den Flüchtlingen Schutz im Bodenseeraum. Mittelalter: Um 500 n. Chr. Die Alemannen besetzen das Rheintal bis Dornbirn. Sie bilden Markgenossenschaften, die in Dreifelderwirtschaft den Boden bebauen. 610 Kolumban und Gallus bringen das Christentum. 742 Die Franken unterwerfen Alemannien. 746 Die alemannischen Adeligen werden in Cannstatt getötet. Franken regieren den Argengau, zu dem auch das Hofsteiger Gebiet gehört. Ab 800 halten die fränkischen Grafen in Schwarzach Gericht. Um 800 weisen St. Galler Urkunden bereits- Obst- und Weinbau in unserem Gebiet nach. 853 Lauterach wird urkundlich genannt. In Hofsteig errichten freie Leute ihre Einzelhöfe, aus denen später Weiler und Dörfer entstehen. 891 «Allen soll alles gemeinsam sein!»: Felder, Weiden, Wälder, Wiesen, Wege, Gewässer und das Ried. 895 Dornbirn wird als «Torrinpuirron» urkundlich genannt. Um 920 Ulrich von Buchhorn wird als erster Graf von Bregenz Herr unseres Landes. Um 955 Der Kellhof, in dessen Bereich später die Kapelle St. Nikolaus und Schloß Wolfurt gebaut werden, fällt nach Graf Ulrichs Tod an Marquard, den Stammvater der Pfullendorfer Grafen. 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt / Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt In Konstanz stirbt der Hl. Gebhard, ein Sohn des Grafen Ulrich von Bregenz. Ab 1075 Der Streit zwischen Kaiser und Papst verwüstet das Land. 1079 Bregenz wird niedergebrannt. 1089 Auch Hofsteig fällt mit halb Bregenz an die Pfullendorfer Grafen. 1094 Kloster Mehrerau wird gegründet. Es gewinnt bald Besitz und Einfluß in unserer Gegend. Ab 1050 bis 1400 werden große Teile des Steußbergs und des Bregenzerwaldes von Hofsteig aus gerodet. 1167 Bregenz kommt mit Hofsteig an Markgraf Hugo von Tübingen, den Stammvater der Grafen von Montfort. Lindau dagegen und der Wolfurter Kellhof fallen an Kaiser Friedrich Barbarossa. Kellhof und Hofsteig bleiben jetzt bis 1806 getrennt. 1167 wird die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt urkundlich erwähnt. 1180 Zur neuen Pfarre Alberschwende gehören einige Rickenbacher Höfe. Noch 1810 sind sie nach Alberschwende zehentpflichtig. Um 1200 Kriege der Staufer gegen die Weifen. In unserem Gemeindegebiet entstehen die Burgen Veldegg, Wolfurt und Kujen. 1226 oder kurz davor erscheint der Name «Wolfurt» erstmals urkundlich als der eines Rittergeschlechts. 1249 besitzt Lauterach eine Kapelle St. Georg. 1260 wird Hofsteig erwähnt. Ammänner verwalten die Höfe. 1289 wird Schloß Veldegg im Oberfeld urkundlich genannt. 1291 Ludwig von Wolfurt studiert als erster Vorarlberger in Bologna. Um 1300 breitet sich das Geschlecht der Ritter mit dem Wolf im Wappenschild in Süddeutschland und in der Schweiz aus. Ritter, Chorherren, Äbte und Äbtissinnen. 1338 Das Montfort-Erbe wird an der Schwarzach geteilt. Das alte Gericht Schwarzach wird aufgelöst. Während Dornbirn und Höchst an Feldkirch fallen, kommt Hofsteig zu Bregenz - Tettnang. Bregenz sichert sich auch die wichtigen Flößerrechte auf der Ach und den Holzhandel. Die Schwarzach ist die Grenze zwischen den Pfarreien Bregenz und Dornbirn. 1349 Wolfurter Ritter als Söldnerführer und Statthalter in Neapel und Apulien. 1350 bis 1450 Wolfurter Ritter als Grafen in Ungarn. 1352 Graf Ulrich von Wolfurt als ungarischer Gesandter beim Papst in Avignon. Einer seiner Ritter ist Marquard von Ems. 1364 Ritter Konrad stiftet den Wolfurter Kelch für Pfäfers. 1370 Hochblüte des Wolfurter Rittergeschlechts im Bodenseeraum als Besitzer vieler Burgen, als Äbte und Äbtissinnen. 4 995 1371 Schloß Wolfurt wird von den Lindauern erobert und zur Hälfte in Besitz genommen. 1379 Das Urbar der Grafschaft Bregenz weist in Hofsteig 44 Güter von wohlhabenden freien Leuten nach. 1391 Die Vorarlberger Eidgenossenschaft mit dem jetzt zu Bludenz-Werdenberg gehörigen Kellhof Wolfurt richtet sich gegen Bregenz. 1391 Der Herrenbund mit Bregenz und Hofsteig richtet sich gegen die Eidgenossen und Habsburg. Schwere Kriegsnot in den folgenden Jahren. 1402 Die Hälfte von Schloß Wolfurt wird an Mehrerau verkauft. 1402 Der Kellhof wird von Bludenz-Werdenberg an Graf Wilhelm von Bregenz verkauft. 1405 Herzog Friedrich verbrennt Hard, das zu Graf Wilhelm hält. 1405 Graf Wilhelm verbrennt Schloß Veldegg. Es gehört zu dieser Zeit dem Ritter Ulrich von Schwarzach. 1405 bis 1408 Appenzellerkrieg. Die Bauern verbrennen viele Burgen im Land, darunter wohl auch Burg Kujen, von der später nur mehr der «Burgstal» nachzuweisen ist. 1406 Die Eidgenossen besiegen Graf Wilhelm und verbrennen Lauterach und die Bregenzer Vorstadt. Viele freie Hofsteiger und der ganze Kellhof schwören zu den Eidgenossen. 1407 Die Bauern belagern Bregenz und plündern das Kloster Mehrerau. Sie werden aber am 13. Jänner 1408 entscheidend geschlagen. 1443 Die Hofsteiger erhalten ihre erste Kaplanei in Lauterach, zu der sie 1476 die Kirche St. Georg erbauen. 1445 Die Appenzeller verwüsten das Rheintal. Hofsteig kommt mit der Bezahlung von «brandschatzgeld» in große Schwierigkeiten. Um 1450 Das erste Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist ausgestorben. 1451 Hofsteig wird mit der halben Herrschaft Bregenz an die Habsburger verkauft und kommt damit zu Österreich. 1451 Ulrich von Schwarzach verkauft Veldegg an Kloster Mehrerau. Mehrerau besitzt 452 Leibeigene, darunter viele aus Wolfurt. 1458 Die Grafen von Bregenz verkaufen den Kellhof mit ausgedehnten Gütern in Wolfurt, Lauterach, Bildstein, Kennelbach, Langen und anderen Gemeinden an Ritter Marquart IV. von Hohenems. 1463 Die Familie Leber, reiche Wein- und Holzhändler aus Bregenz, erhält Schloß Wolfurt als Lehen. 1464 In Kennelbach wird das Kloster Hirschthal erbaut, das dort bis zum Brand von 1796 besteht und auch Beziehungen zu Wolfurt unterhält. 1484 In Buch wird eine Kapelle erbaut. 5 Neuzeit: 1493 Wolfurt erhält für seine Kapelle St. Nikolaus eine eigene Kaplanei. 1512 Wolfurt hat bis jetzt zur Pfarre St. Gallus in Bregenz gehört. Nun wird es selbständige Pfarrei. Eingeschlossen sind auch die Bewohner von Schwarzach, Bildstein und Buch. 1515 Mark Sittich I. löst vom Kaiser den Kellhof endgültig für Hohenems ein. 1517 Das Kirchdorf Wolfurt erhält den ersten Dorfbrunnen. 1518 Unter Kaiser Maximilian wird zwischen Lauterach und Bregenz die erste Brücke gebaut. Die Holzbrücke besteht bis 1916. Die Straße von Bregenz nach Wien führt 250 Jahre lang von der Brücke schräg durch die Felder am St. Antone nach Rickenbach. 1520 Jakob Leber wird vom Kaiser geadelt und begründet das zweite Rittergeschlecht von Wolfurt. 1523 Ferdinand von Habsburg kauft die zweite Hälfte von Bregenz für Österreich. 1525 Unter dem Einfluß lutherischer Prediger erheben sich die Bauern im Allgäu und bedrohen unter Mithilfe der Vorderwälder Bregenz. Die Hofsteiger bleiben ausdrücklich beim alten Glauben und retten unter Mark Sittichs Führung Bregenz. Dieser läßt 50 aufständische Bauern henken. 1529 Abt und Konvent von St. Gallen suchen vor den Aufständischen Zuflucht auf Schloß Wolfurt. Abt Kilian ertrinkt 1530 beim Durchreiten der Ach. 1537 Die Bregenzer beklagen sich über die Qualität des Wolfurter Weines. 1541 Wildschweinplage. Die Bauern greifen zur Selbsthilfe und erlegen viele Tiere. 1544 Der Hofsteiger Landsbrauch wird aufgeschrieben. Er regelt die Erbfälle und den Gerichtstag, wie auch die Verwaltung und Nutzung von Feld und Wald. Das Gericht Hofsteig umfaßt ein Gebiet von etwa 60 km2. Der Hauptort ist Lauterach, wo alle drei Jahre der Ammann neu gewählt wird. 1544 Vertrag über die linksseitige Achwuhrung. 1546 bis 1552 Im Schmalkaldischen Krieg ziehen die Hofsteiger mehrmals zur Landesverteidigung an die Bregenzer Klause. Einzelne Hofsteiger kämpfen aber auch auf der Seite der Protestanten. Galli Küng wird deshalb als Spion und Mordbrenner im Jahre 1552, nachdem er auf der Folter gestanden hat, in Bregenz «zu dem Rad, Vierthailen und Brand» verurteilt und hingerichtet. 1550 Die Pest! 1573 Die Lauteracher Brücke wird vom Hochwasser weggerissen. 1593 Die Pest! 1594 Das älteste Häuserverzeichnis zählt in Wolfurt 70 Häuser auf, davon sind 10 unbewohnt. 27 Häuser werden zum Dorf gerechnet, 43 zur «Staig». Zusammen leben hier 350 Einwohner. 6 1595 Hexenprozeß gegen Anna Martin wegen der Weinreben in der Bütze. 1603 Bastian Kölnhofer führt 55 Kellhofmänner zur Musterung nach Ems. 1613 Junker Laux von Wolfurt ist unter Erzbischof Mark Sittich Stadthauptmann von Salzburg. 1615 Graf Kaspar von Hohenems verleiht den Kellhof neu. Zum Kellhof gehören 200 Leibeigene. 1616 Neuvermarkung der Wälder. Sie sind Genossenschaftsbesitz wie die meisten Äcker. 1616 Die «Embser Chronik» beschreibt den schönen Weinwachs von Wolfurt. 1618 Jetzt löst sich auch Lauterach als selbständige Pfarrei von Bregenz. In Lauterach wird eine Schule eingerichtet, die auch Wolfurter Kinder aufnimmt. 1618 bis 1648 Der Dreißigjährige Krieg 1616 bis 1631 Eucharius von Wolfurt regiert als Fürstabt in Kempten. Er mehrt den Besitz des Klosters und treibt die Gegenreformation voran. 1628 bis 1635 Kriegsnot, Einquartierung, Pest! In dieser Notzeit wird Bildstein ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Dort soll nach der Legende 1629 die Mutter Gottes erschienen sein. 1646 Hard wird selbständige Pfarrei und baut eine Kirche am See. 1647 Die Schweden erobern Bregenz und brandschatzen das Land. Hofsteig wird auf Fürsprache der Schweizer Eidgenossen verschont. 1650 Das Rittergeschlecht der Leber von Wolfurt ist ausgestorben. Seit 1650 sind in Wolfurt Pfarrbücher erhalten. 1663 In Bildstein erbaut Michael Kuen eine Barockkirche, die 1676 eingeweiht wird. Sofort gibt es Streit zwischen den Bildsteiner Krämern und den anderen Hofsteigern um den Brothandel und den Weinausschank. 1676 Auch Buch erbaut eine Kirche. Beide Kirchen bleiben aber vorerst bei der Pfarre Wolfurt. 1676 Eine Hungersnot zwingt Erwachsene und Kinder zum Betteln und zur Arbeitssuche im Ausland. Der Maisanbau beginnt. 1689 Obersthauptmann Kreis berichtet von der «ellendbetriebten» Zeit in Vorarlberg. 1700 Flachsanbau und Export von Garn und Leinen bringen etwas Geld ein, werden aber hoch besteuert. 1702 Hochwasser in Rickenbach. 1705 Jerg Roner aus Wolfurt klagt als Vertreter des «Gemeinen Mannes» in Wien gegen die Willkür der Beamten. 2.000 aufrührerische Bauern besetzen von Rickenbach aus die Stadt Bregenz und verjagen den Vogteiverwalter. Jerg Roner wird 1710 zum Hofsteigammann gewählt. 7 1707 Der Bregenzer Amtmann und unbeliebte Steuereinheber Benedikt Reichart baut Schloß Wolfurt neu. 1720 Durch die Not nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701—1714) verbreitet sich der Anbau von Mais. Um 1725 wird die Kartoffel eingeführt. 1723 Den Grafen von Hohenems fehlt es an Geld. Sie verpfänden all ihre Zehentrechte im Kellhof an Dornbirner Patrizier und an die Gemeinden. 1726 Bregenz erhält ein Direktorium (später Oberamt oder Kreisamt) und wird Verwaltungszentrum des Landes. 1729 Das Gericht Hofsteig kauft die Weingärten am Rutzen- und am Narrenberg. 1730 Wolfurt zählt 398 Kommunikanten (Erwachsene), Hard 427, Lauterach 434. 1750 Der Bregenzer Oberamtsrat Konrad von Tröndlin kauft Schloß Wolfurt. Er hat bei der Verteidigung von Bregenz 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg eine unrühmliche Rolle gespielt. 1750 Beginn der Handstickerei. 1750 Beginn der Weberei, zuerst für Schweizer Unternehmer, ab 1770 auch für die k.k. Cottonweberei in Bregenz. Um 1750 werden erstmals Schindeldächer durch Ziegeldächer ersetzt. 1753 In Lauterach wird erstmals Torf gestochen («Schollen»). 1755 Die neue Vermögenssteuer vom Grundbesitz wird eingeführt. 1760 Häuser- und Einwohnerverzeichnis: «Seelenbeschrieb» von Pfr. Feuerstein mit ersten Wolfurter Hausnummern: In Wolfurt und Rickenbach zusammen gibt es 151 Häuser. Frickenesch und Bächlingen werden mit Meschen zu Bildstein gerechnet. 1760 Buch löst sich mit 30 Familien und 165 Einwohnern aus der Pfarrei Wolfurt und wird eine selbständige Pfarrei. 1765 Mit Hohenems fällt auch der Kellhof 300 Jahre später als Hofsteig an Österreich. 1768 Eine neue Reichsstraße von Lauterach nach Dornbirn nimmt Wolfurt den Verkehr weg. 1771 wird auch eine Straße von Lauterach nach Höchst gebaut. 1770 bis 1773 Hungerjahre! 1772 Der Bauer Johann Stadelmann kauft Schloß Wolfurt. 1773 An der Ach wird die Alte Insel gerodet und verteilt. Schon früher waren die meisten Felder verteilt worden. 1771 bis 1775 Die Ammänner Johannes und Joseph Fischer kaufen die letzten Kellhoffelder von Ems frei. 1774 Maria Theresia führt mit der Normalschule die Schulpflicht ein. 1778 Im Strohdorf wird das erste Schulhaus erbaut. 1781 In Schwarzach wird eine Pfarr-Expositur eingerichtet. 1782 Die Reformen Josef IL Auch der Frondienst wird reformiert. 8 1789 Das Volk feiert ohne den Pfarrer die von Joseph II. verbotenen Gottesdienste. 1792 Bildstein löst sich als selbständige Pfarrei von der Mutterpfarre Wolfurt. Die Bildsteiner Straße wird befahrbar gemacht. 1792 In Wolfurt wird das allgemeine Weiderecht auf den Feldern abgeschafft. 1793 Dornbirn erhält das Marktrecht. 1794 In Hofsteig stehen schon 148 Webstühle in Betrieb. Damit liegt das Gericht im Land bei der Baumwollweberei hinter Dornbirn an zweiter, bei der Musselinweberei an erster Stelle. 1794 Zweite Durchnumerierung der Häuser. 1795 Der Ippachwald wird auf die einzelnen Häuser in Hard, Lauterach und Wolfurt aufgeteilt. 1796 Franzosenkrieg! Gefechte in Wolfurt, 2 Bauern erschossen, 9 Soldaten gefallen. In Lauterach verbrennen sieben Häuser. 1796 In Kennelbach brennt das Kloster Hirschthal ab, wobei 6 Frauen den Tod finden. Das Kloster übersiedelt nach Bregenz-Thalbach. 1798 Auch das Ried wird verteilt. Private Nutzungen und neue Anbaumethoden bringen der Landschaft jetzt großen Aufschwung. Die 1.000-jährige Dreifelderwirtschaft der Markgenossen hat ihr Ende gefunden. Um diese Zeit verkauft das Kloster Mehrerau seine Schupf- und Erblehen, darunter 16 große Lehen in Wolfurt. 1799 Major Jakob Schertler führt die Hofsteiger gegen die Franzosen. 1800 Franzosenkrieg! Mehrere schwere Gefechte in Wolfurt und in Rickenbach. In der Bütze wird der Bauer Johann Kaspar Haltmayer in seinem Haus erschossen. 1802 Schwarzach erhält eine eigene Kaplanei. 1803 Die Wolfurter helfen beim Kirchenbau in Schwarzach. 1805 Neue Glocken für die Wolfurter Kirche. 1805 Beim Friedensschluß von Preßburg kommt Vorarlberg zu Bayern. 1806 Die alten Gerichte Kellhof und Hofsteig werden aufgelöst und dem neuen Landgericht Bregenz zugeteilt. Wolfurt wird eine selbständige Gemeinde. 1806 Das Kloster Mehrerau wird abgebrochen. 700 Jahre lang hatte es in Wolfurt großen Einfluß gehabt. 1808 Die neue Gemeindeordnung tritt in Kraft. Joh. Georg Fischer wird der erste Vorsteher. Der bayerische Steuerkataster erfaßt 1809 alle Grundstücke und die 185 Häuser, die nun schon ihre dritte Nummer tragen. Mathias Schneider zählt 1143 Einwohner und 266 Kühe. Hohe Steuern und der Stillstand von Stickerei und Weberei führen zu einer Wirtschaftskrise. 1809 Aufstand! Das von Truppen entblößte Vorarlberg ist rasch befreit. Hofsteiger Schützen unter Mayor Jakob Schertler beteiligen sich an Angriffen am Untersee und im Allgäu. Der Aufstand bricht zusammen. 9 Wolfurter Männer ziehen mit Napoleon nach Rußland. Vorarlberg gehört wieder zu Österreich. Die erste Musikkapelle in Wolfurt gegründet. Überschwemmung der Felder. Mißernte. Große Hungersnot im Frühjahr! Wolfurt ist ein Getreideort. Es erntet 3.250 Viertel Vesen-Weizen, 1.125 Viertel Dintel-Weizen, 1.280 Viertel Haber, keine Gerste, aber auch schon 1.620 Viertel Türken und dazu noch Kartoffeln, Obst und Wein. (Ein Bregenzer Viertel entspricht 21,7 Liter Korn.) 1818 Fähnrich Weiß zeichnet eine genaue Landkarte von Vorarlberg. 1819 Wolfurt kommt vom Bistum Konstanz zum Bistum Brixen. Die Bevölkerung wächst stark an. Die alte Kirche vermag die Gläubigen nicht mehr zu fassen. 1824 Nun löst sich auch die Pfarre Schwarzach als letzte von der Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt. 1827 Negrelli läßt eine Karte vom Rheintal zeichnen. 1830 Steinbrecher machen die Ruine Veldegg dem Erdboden gleich. 1830 Auf dem Kirchplatz wird die alte Tanzlaube abgebrochen. Daneben ist «Hanso Lädele» der einzige Kaufladen im Ort. 1830 Die Rickenbacher beantragen einen Kirchen-Neubau in Unterlinden. 1833/34 Die alte Kirche wird nach Negrelli-Plänen bedeutend erweitert. 1834 Michaelis-Bub wird wegen Kindermord gehenkt. 1837 Jenny und Schindler bauen nach Ablehnung durch die Wolfurter ihre große Textilfabrik in Kennelbach. 1837 Hochwasser reißt die hölzerne Lauteracher Brücke weg. Ein Pferdefuhrwerk stürzt in die Fluten. 1837 Der Maisanbau hat sich seit 1809 fast verdoppelt. 1838 Der Schützenverein wird gegründet. 1838 Die Schwarzachtobelstraße wird eröffnet. 1839 An der Fähre nach Kennelbach sind bei der nächtlichen Heimkehr von einem 13-stündigen Arbeitstag in der Fabrik zwei Frauen und fünf Kinder ertrunken. Der jüngste von den sieben Fabriks-«Arbeitern» ist der siebenjährige Xaver Geiger. Jetzt wird ein hölzerner Fabriks-Steg gebaut, der bis 1932 seinen Dienst tut. 1839 Neben der Pfarrei wird eine Kaplanei Wolfurt eingerichtet. 1843 Die vierten Hausnummern. Jetzt sind es schon 252 Häuser mit 268 Familien. 1.492 Einwohner, davon 179 Fremde. 1850 bis 1880 werden in Wolfurt viele Freilicht-Theater aufgeführt, darunter «Wilhelm Teil», «Die Räuber» und die «Jungfrau von Orleans». 1850 bis 1870 wandern etwa 120 junge Wolfurter nach Amerika aus. 10 1812 1814 1816 1816 1817 1852 Die Schmiede im Holz erbaut. 1856 Beginn der Braunviehzucht im Montafon, die sich ab 1870 auch im Rheintal schnell ausbreitet. 1857 Ein Katasterplan mit Bau- und Grundparzellennummern wird gezeichnet. 1865 Der Gesangsverein wird beim «Schützenwirt» Fischer in Spetenlehen gegründet. 1866 In Kennelbach gründen Kaplan Ammann und Lehrer Rädler mit dem «Vorarlberger Volksblatt» eine wichtige politische Zeitung, die bis 1972 besteht. 1866 bis 1870 Ein zweiter Achdamm wird aufgeschüttet. Jetzt kann auch die Neue Insel kultiviert werden. 1868 Die erste Post wird eingerichtet. 1868 Im «Rößle» wird von Lehrer Wendelin Rädler das zweite Casino gegen den Liberalismus gegründet. In den Gasthäusern und in der Gemeindestube tobt ein heftiger Streit zwischen «Kasinern» und dem freidenkerischen Leseverein der Liberalen. 1869 Die erste Handstickmaschine! Bald folgen viele. 1869 Sechs Mühlen sind in Betrieb. Als Hauptnahrung wird das Habermus jetzt endgültig durch den Türken-Stopfer verdrängt. 1872 Eisenbahnbau von Bregenz nach Bludenz durch das Ried. Eine Führung durch das Dorf hatten die Wolfurter abgelehnt. Arbeitskräftemangel in der Industrie. Die ersten Welschen aus dem Trentino lassen sich in Wolfurt nieder. Ihre Anzahl steigt bis 1900 auf 239 an, dann übersiedeln viele in die neuen Mietshäuser nach Kennelbach. 1872 Im Strohdorf wird ein neues Schulhaus gebaut, es besteht bis 1979. 1873 Der Wolfurter Kunstmaler Gebhard Flatz (1800-1881) bringt aus Rom sein großes Altarbild mit. 1874 Drei Barmherzige Schwestern treten in den Schuldienst in Wolfurt. 1874 Der Kameradschaftsbund wird gegründet. 1878 Lauterach baut eine neue Kirche östlich der Straße, die alte stand westlich. 1879 Gemeindediener Joh. Böhler wird ermordet. 1880 Wolfurt hat 272 Häuser mit 1.623 Einwohnern. 213 Bauern besitzen 38 Pferde, 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh, 192 Schweine, 106 Ziegen und null Schafe. Um 1880 Die letzten Weinberge am Kirchenbühel und am Rutzenberg werden aufgelassen. 1881 In Rickenbach wird ein Spar- und Vorschußverein gegründet. 1882 Die erste Gemeindekanzlei eingerichtet. 1882 Die Molkereigenossenschaft Wolfurt erbaut die Sennerei Kirchdorf. 11 1884 Ein neuer Pfarrhof wird gebaut und der Friedhof vergrößert. 1884 In Kennelbach brennt das erste elektrische Licht von ganz Österreich 1884 Die Arlbergbahn wird eröffnet. Sie verändert ganz entscheidend Landwirtschaft und Handel in Vorarlberg. 1886 Die Kapelle Rickenbach wird eingeweiht. 1886 Die Liberalen gründen den ersten Wolfurter Turnverein. 1886 Die Achrain-Straße von Dornbirn nach Alberschwende wird eröffnet. 1888 Für Wolfurt und Schwarzach erscheint das erste Gemeindeblatt. Aus ihm entwickelt sich eine Zeitung für den ganzen Bezirk Bregenz. 1888 Wegen verseuchter Brunnen rafft eine Typhus-Epidemie 8 Rickenbacher dahin, darunter den Mechaniker Dür, der am oberen Rickenbach zwei mechanische Schmieden errichtet hat. 1889 Die Feuerwehr wird gegründet. 1889 Die Raiffeisenkasse gegründet. Lehrer Wendelin Rädler (1835—1913) fördert in ganz Vorarlberg das Zustandekommen von 80 Raiffeisenkassen und sehr vielen Genossenschafts-Sennereien. 1890 Die drei alten Ziegeleien an der Ach werden abgebrochen. 1893 Konrad Doppelmayr übernimmt die Dur-Schmiede am Rickenbach und gründet die Firma Doppelmayr. 1898 Die erste Schiffle-Stickmaschine. 1899 Der Katholische Arbeiterverein wird gegründet. 1899 Die fünfte und letzte Durchnumerierung der Wolfurter Häuser mit Nr. 1 in der HÖH an der Ach und Nr. 290 bei Putzers an der Schwarzacher Grenze. Weitere Nummern werden jetzt bei Neubauten in der ganzen Gemeinde verstreut. 1900 Albert Loacker beginnt mit der Elektrifizierung Wolfurts aus dem E-Werk Schwarzach. 1901 Der Musikstreit ist beendet. Kapellmeister Franz Rohner übernimmt für 56 Jahre den Dirigentenstab. 1901 Dornbirn wird Stadt. 1902 Die Wälderbahn wird eröffnet. 1902 Pfarrer Johann Georg Sieber (1826-1902) wird der erste Wolfurter Ehrenbürger. 1903 Neue Kirche in Schwarzach, westlich der Straße. Die alte stand östlich im Friedhof. 1903 Das Grundbuch wird eröffnet. 1904 Ein höherer Kirchturm. 1904 Erste Betonbrücke nach Kennelbach. 1905 Neue Bronzeglocken. Sie läuten nur bis 1916. 1907 Hochblüte der Stickerei. 1907 Lehrer Wendelin Rädler (1835-1913) erhält vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz. Er hat sich als Kassengründer und Sozialreformer verdient gemacht. 1907 Franzele Dür bringt das erste Auto nach Wolfurt. 1910 Wolfurt hat jetzt 2265 Einwohner. Durch den Stillstand der Stickerei setzt wirtschaftliche Not ein. Wolfurt hat 143 Schiffle-Stickmaschinen und 26 Handmaschinen. 1910 Der obere Friedhof mit den Arkaden wird gebaut. 1910 Hochwasser! Beim Einsturz der Holzbrücke ertrinkt der Spinnereimeister Karg. 1911 Kennelbach löst sich von Rieden und wird selbständige Gemeinde. 1913 Das Vereinshaus wird erbaut. Erst 1922 erhält es aber den großen Saal. 1914 bis 1918 Erster Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 rücken die ersten von 180 Landsturmmännern ein. Zu Pfingsten 1915 folgen ihnen 60 Standschützen. 87 Männer kehren nicht mehr heim. 1916 Neue Brücke in Lauterach. 1919 Die Gemeinde Rieden-Vorkloster schließt sich an die Stadt Bregenz an. 1922 Nur 11 Schulanfänger. 1923 Viele Auswanderer nach Amerika. Tiefstand der Bevölkerung: 1798 Einwohner. 1923 Neue Stahlglocken. 1923 Bregenz wird Landeshauptstadt. 1925 Aufnahme des Omnibusverkehrs. Verkehrszählung: Am 9. August fahren insgesamt 191 Motorfahrzeuge durch das Dorf, am folgenden Tag 167. 1926 Ein Krankenpflegeverein wird gegründet. Kreuzschwestern aus Hall versorgen ab 1928 die Kranken. 1929 Die erste Illwerke-Leitung wird durch Wolfurt gebaut. 13 12 1930 Das Kriegerdenkmal wird eingeweiht. 1931 Der Schiverein wird gegründet. 1931 Die obere Straße wird geteert. 1933 Fahrzeug-Zählung in Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 Luxusautos (PKW), 10 Lastautos. 1935 Neue Straße nach Buch. 1938 Anschluß an Deutschland. 1939 Schloß Wolfurt abgebrannt und bald unter Dr. Fritz Schindler neu aufgebaut. 1939 bis 1945 Zweiter Weltkrieg. 99 Wolfurter Männer sterben in fernen Ländern. 1945 Die Achbrücke wird gesprengt. Franzosen und Marokkaner besetzen das Dorf. Bei der Verteidigung sterben noch drei deutsche Soldaten. Auch ein Wolfurter Mädchen und ein Familienvater finden den Tod. Schloß Wolfurt wird Sitz der Militärkommandatur für Vorarlberg. 1940 bis 1950 In der Kriegsnot nimmt der Ackerbau einen großen Aufschwung. In Gärten, Feldern und im Ried werden hauptsächlich Kartoffeln und Mais angebaut, aber auch Weizen, Raps, Rüben und Kraut. 1947 Der Fußball-Club Wolfurt wird gegründet. 1953 Erstes Wasserwerk Wolfurt wird eröffnet. 1954 Ab jetzt gibt es Hausnummern mit Straßenbezeichnungen. Es stehen schon über 400 Wohnhäuser. 1955 Der Ackerbau verschwindet. Viele Landwirtschaften werden aufgegeben. Im allgemeinen Wirtschaftsaufschwung beginnt die Zersiedelung der Felder und Bühel. 1957 Professor Lorenz Böhler (1885-1973), ein Pionier der Unfall-Chirurgie in Wien, wird der zweite Wolfurter Ehrenbürger. 1957 Zweite Illwerke-Leitung durch Schlatt und Kella wird gebaut. Nach 1960 Die Industrie-Ansiedlung beginnt: Wolf, Pawag, Roylon, Doppelmayr weiten die Betriebsstätten aus. 1961 Eine Hauptschule wird eröffnet. 1964 Eine Musikschule fängt an. 1964 Die untere Straße wird als Hauptstraße ausgebaut, die alte Römerstraße am Fuß des Berges verliert den Durchzugsverkehr. 14 1967 Das neue Postamt im Strohdorf wird erbaut. 1967 Neue Volksschule Bütze. 1967 Totenkapelle wird eingeweiht. 1970 Erstmals erscheint der Gemeinde-Informationsdienst. 1971 Ein neues Gebäude für die Hauptschule. 1975 Bevölkerungsrekord: 6637 Einwohner, davon 1197 fremdsprachige Gastarbeiter. 1976 Viehzählung: Nur mehr 23 Viehhalter. Sie besitzen 4 Pferde, 158 Kühe, 166 Stück Galtvieh, 242 Schweine, 10 Ziegen, 21 Schafe. 1976 Neue Volksschule Mähdle. 1977 In Wolfurt wird ein Gendarmerieposten eröffnet. 1978 Das «Blaue Buch» zählt 1081 Häuser auf, davon noch 13 Bauernhöfe. 1979 Das Altersheim wird eröffnet. 1980 Nach jahrzehntelangem Kampf werden Pfändertunnel und Autobahn durch Wolfurt in Betrieb genommen. 1981 Das Wälderbähnle stellt seinen Betrieb ein. 1981 Verkehrszählung: An einem gewöhnlichen Werktag fahren 711 Autos in einer Stunde durch die Bützestraße. Auf der Hohen Brücke sind es 1408 Autos. 1982 Am 1. Mai 1982 wird Wolfurt Marktgemeinde. Kultursaal und Bücherei werden eröffnet. 1982 Güterbahnhof und Groß-Zollamt werden eröffnet. Im Industriegebiet lassen sich neue Firmen nieder. 1983 Groß-Postamt wird eröffnet. 1983 Zweites Wasserwerk wird eröffnet. Der tägliche Wasserverbrauch ist auf über 300 1 pro Einwohner gestiegen. 1984 «Hofsteig»-Sporthalle in Wolfurt und «Hofsteig»-Saal in Lauterach eröffnet. 1985 Lauterach wird Marktgemeinde. 1985 Nach 30 Jahren Wirtschaftsaufschwung zeigen sich verstärkt Verkehrsmüdigkeit, Waldsterben, Ablehnung von Beton und Asphalt, Sehnsucht nach unberührter Natur. 15 Siegfried Heim Bauern und Fabrikler Die Arbeitswelt unserer Vorfahren I. Dreifelderwirtschaft Um das Jahr 500 nach Christi Geburt besetzten alemannische Siedler unser Land. Am Fuß des Steußberges errichteten sie an den Waldbächen oberhalb der alten Römerstraße sechs kleine Weiler: Kellhof am Tobelbach Hub am Eulentobelbach Unterlinden am Holzer Bach (Ippachbach) Spetenlehen am Bannholzbach Strohdorf am Himmelreichbächlein Rickenbach Den fruchtbaren Boden unterhalb der Straße bebauten sie mit Getreide. Alle Arbeit wurde gemeinsam verichtet, angeleitet von einem erfahrenen Ammann und seinen Helfern. Dazu teilte man die Felder in drei «Esche». Im ersten Esch wurde Winterweizen gesät, meist die widerstandsfähige Sorte «Vesen», aber häufig auch «Däntel». Im zweiten Esch wuchs eine Sommerfrucht, meist «Haber», nicht selten auch Gerste. Den dritten Esch ließ man ein Jahr «brach» liegen. Dorthin trieb der Dorfhirt das wenige Vieh. Auch die Auen an der Ach und das Ried dienten der Viehweide, doch stand die Viehzucht an Bedeutung weit hinter dem Ackerbau. «Allen soll alles gemeinsam sein», steht in einer St. Galler Urkunde von 891: Felder und Ackerweide, Weiden, Wälder, Holzschläge, Schweinemast, Wiesen, Wege, Wässer, Fischereien, Nutzung des Rieds. Ausgenommen war das «ehaft Gut», die eingezäunte Hofstatt beim Haus, wo jeder für sich privat Kraut, Flachs und Obst anbauen konnte. Als die Bevölkerung zunahm, wurden die Wälder auf dem «berg» gerodet. Hofsteiger Siedler setzten sich um 1000 n.Chr. in Bildstein, Buch und im Vorderwald fest. Später legten sie auch die Unterfelder gegen Lauterach trocken und gewannen neue Getreide-Esche. Immer größerer Wertschätzung erfreute sich der Weinbau. An den sonnigen Hängen und in der Bütze gedieh ein Weißwein, «herb, sauer und haltbar», der als «Bregenzer» bis nach Augsburg gehandelt wurde. Um 1600 lieferte Hofsteig jährlich etwa 150.000 1 Wein. II. Hunger 1000 Jahre lang hatte sich die Dreifelderwirtschaft bewährt. Im 18. Jahrhundert vermochte sie die zahlreicher gewordene Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Kriege, Klimaverschlechterung und Mißwirtschaft führten immer wieder zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 aus Vorarlberg an die Regierung, daß die Hälfte der Bevölkerung am Hungertuch nage und mit Weib und Kindern «das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen». Ein Großteil der alten und jungen Leute, Buben und Mädchen, müsse jedes Jahr in der Fremde als Maurer, Zimmerleute und Hirtenbuben Arbeit suchen «als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt». Gastarbeiter also — und Bettler! Einflußreiche Dorfgewaltige zäunten gegen den alten «Hofsteigischen Landsbrauch» Stücke aus der gemeinsamen «Almende» für private Nutzung ein. Benedikt Bilgeri erzählt 16 in seiner «Geschichte Vorarlbergs», wie Georg Rohner aus Wolfurt vergeblich Recht für den «Gemeinen Mann» beim Kaiser in Wien suchte und dann die Bauern 1706 zu bewaffnetem Aufstand gegen die Beamten in Bregenz führte. III. Felderverteilung Rettung in der großen Not hätte der Anbau der aus Amerika eingeführten neuen Früchte Mais und Kartoffeln bringen können, die einen weit höheren Flächenertrag als Weizen bringen. Dem standen aber die alten Bräuche im Wege. In den Getreide-Eschen war kein Platz! Nur in den «Neuwiesen» im weit entfernten Ried begann man vorerst zaghaft mit dem Anbau von «Türggo und Bodobiera». Endlich setzte sich um 1750 der «Gemeine Mann» durch: Die Getreide-Esche wurde zerstückelt und auf die einzelnen Bauern verteilt. Private Nutzung erbrachte nun bald weit höhere Erträge. Daher wurden 1795 auch noch der Ippachwald und 1798 das ganze Ried an die 166 Bauern verteilt. Der Maisanbau nahm rasch zu. Im Jahre 1817 übertraf die Maisernte mit 1620 Vierteln bereits den Hafer mit 1280 Vierteln. Weitaus an der Spitze lag aber noch immer der Vesenweizen mit 3250 Vierteln. Ein Viertel wurde in Wolfurt auch «Staren» genannt und faßte etwa 21,71 Körner. Wolfurt war also noch immer von Getreidefeldern umgeben, doch wurde das allmorgendliche Habermus nun langsam vom Türkenmus und ab 1850 vom Türken-Stopfer verdrängt. Die Arbeit in Feld und Garten galt nicht als Plage. Um 1860 beschreibt sie der Arzt Kaspar Hagen in seiner Bregenzer Mundart als «lustiges Leben». Das Leben am Bodensee. Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! Ma hot a wackre Husmaskost,l Hot Hereleable,2 Bier und Most, A munters Zottele? Kaffee, De Susar4 vu der Reabe. Wo ist der Friehling o so nett? A so a gottvolls Bleie?3a Ma gärtlat5 froh um Hus und Stal Und bstellt de Bode-n-iberal, Ma sait und setzt und ackeret, Lot wachse und lot treie.6 Im Summer ist ma zittle7 wach, Ma bloacht und tricknet d'Wescha. As zittnet8 d'Frucht a Halm und Ast, Ma mait und schnidt und haltet Rast, Ma lescht de Durst us Krueg und Bach Und schwimmt im See wie d'Frescha. Der Hierbst, a Zitt, fidel und reg, Lot breache, schwinge, fimmle.^ Ma schittlet Obß, ma priglet10 Nuß. Drescht noch-em Takt im Stadel duß,11 Fillt Kammer, Mahreneast12 und Treg, De Torkel noch-em Wimmle.B Der Winter, sus14 a ruha Ma, Drait d'Spindel, trillet's15 Rädle, Macht, daß ma gern de-n-Ofe mag, Bringt Stubat, Schlittbah, Klosetag,16 's lieb Krippele und Maschgara17 Und Freid fier Bue und Mädle. A jede Johrszitt, Bluest18 und Schnee, Wie's golde Korn und d'Reabe Freit Dorf und Stadt, freit Hof und Hus; Drum rief i kurlemusper19us: Am Bodesee, am Bodesee Do ist a lustigs Leabe! 1 Hausmannskost. 2 Herrenlaibchen, eine Bregenzer Brotart. 3 Kaffeeschälchen. 3a Blühen. 4 Weinmost, Sauser. 5 bestellt den Garten. 6 gedeihen, fett werden. 7 zeitlich. 8 reift. 9 den weiblichen Hanf ausziehen und vom männlichen sondern. 10 schüttelt. 11 draußen. 12 Aufbewahrungsort für auszureifendes Obst. 13 nach der Weinlese. 14 sonst. 15 dreht. 16 Nikolaustag. 17 Masken. 18 Blüte. 19 recht fröhlich. Kaspar Hagen, 1820—1885, Stadtarzt / Bregenzer Mundart Zur täglichen Arbeit gehörte damals also der Umgang mit Getreide, Wein und Obst und auch mit Hanf und Flachs. 17 IV. Fabriksarbeit Die Folgen der Felderverteilung wurden schnell sichtbar: Starkes Anwachsen der Bevölkerung. Erbteilung der Bauerngüter. Neue Häuser in den Getreidefeldern. Die sechs alten Weiler wachsen zu einem Straßendorf zusammen. Ab 1800 beginnt die Besiedlung von Ach, Bütze, Flotzbach und Schlatt. Der Hunger aber blieb, denn die Felder konnten die zahlreicher gewordenen Einwohner nicht ernähren. Man war auf Nebenverdienste angewiesen. Schon um 1750 waren in den meisten Häusern Webkeller eingerichtet worden, wo die Männer für Schweizer Händler Flachs zu Leinwand und bald auch Baumwolle zu feinem Tuch verwoben. Frauen und Mädchen versuchten, mit feinen Handstickereien ein paar Kreuzer zu verdienen. 1837 bauten Jenny und Schindler ihre große Fabrik in Kennelbach. Die Wolfurter hatten ihnen vorher den Platz verweigert. Weil die Konkurrenz durch die Fabriken die Handweber brotlos gemacht hatte, suchten bald etwa 300 Arbeiter jenseits der Ach einen Verdienst, darunter sehr viele Kinder aus Wolfurt. Über die Arbeitsbedingungen erzählt Egon Sinz in «Kennelbach»: 300 Arbeitstage gab es damals und keinen Urlaub. Jeden Tag wurde 14 Stunden gearbeitet, von 5 Uhr früh bis 12 Uhr und nach einstündiger Mittagspause wieder von 1 Uhr bis 8 Uhr am späten Abend. Der Taglohn für Facharbeiter lag bei 50 Kreuzern. Dafür konnte man 5 kg Mehl kaufen. Die Kinder verdienten aber nur 12 Kreuzer im Tag, das reichte gerade für 1 kg Mehl und1/2lMilch. Strenge Aufseher kontrollierten die Arbeit und verhängten oft noch Lohnabzüge als Strafe. Geradezu unfaßbar erscheint uns heute, daß zu der langen Arbeitszeit oft noch ein langer, beschwerlicher Fußmarsch kam. Anfangs gab es nicht einmal eine Brücke über die Ach. Nach Arbeitsschluß drängten gegen 200 Leute zum kleinen Fährboot und mußten dort noch lange Wartezeiten auf sich nehmen. Das Sterbebuch der Pfarre Wolfurt zählt die Namen von 2 Jungfrauen und 5 Kindern auf, die ihr Leben verloren, als das überladene Schifflein in der stürmischen Nacht des 24. April 1839 kenterte: Franz Xaver Geiger, Kirchdorf, 7 Jahre Maria Agatha Gmeiner, Strohdorf, 21 Jahre deren Schwester Katharina Gmeiner, 16 Jahre Franziska Kresser aus Hohenweiler, 13 Jahre Anna Maria Schwerzler, Hub, 21 Jahre deren Schwester Rosa Schwerzler, 10 Jahre Jakob Krug, Hub, 9 Jahre Und doch nannte Kreishauptmann Ebner 1843 die Fabriksarbeit einen «leichten Verdienst». Die Hungerjahre vorher müssen noch viel schlimmer gewesen sein! Allmählich wurde die Stundenzahl gesenkt, aber 1902 betrug sie immer noch 6 mal 10 Stunden. Kinderarbeit in der Fabrik war jetzt verboten. Italienische Einwanderer hatten den Dienst in den Spinnereien übernommen. Jetzt aber begann in Wolfurt die goldene Zeit der Sticker. An die Plätze der alten Webstühle stellte man neue Stickautomaten. Und wieder mußten 10jährige barfüßige Mädchen bis zu 15 Stunden täglich die eintönige Arbeit als Fädler an den rasselnden Maschinen übernehmen. Wen wundert es da, daß bald «s'Uszehro», die Geißel Tuberkulose, im Dorf reiche Ernte einholte? 18 V. Äcker werden Heuwiesen Durch viele Jahrhunderte hatten Wolfurter Bauern das Korn für ihr karges tägliches Brot selbst angebaut. Eine tiefgreifende Veränderung brachte der Eisenbahnbau. 1856 hatte die bayrische Südbahn Lindau erreicht. Billiges Korn überschwemmte bald den Bregenzer Kornmarkt. 1872 wurde die Vorarlbergbahn eröffnet, 1884 der Arlbergtunnel. Große Umwälzungen in der Wirtschaft zerbrachen die alten Strukturen: Belebung des Handels. Vernichtung der Frächterei und vieler Handwerksberufe. Vernichtung des Getreidebaus und des Weinbaus. 1882 ließ der Wolfurter Pfarrer den letzten Weinberg im Tobel eingehen, 1898 brach der Kreuzwirt den letzten Weintorkel ab. Der Getreidebau warf keinen Ertrag mehr ab, der Bauernstand war tief verschuldet. Da rief der Wolfurter Lehrer Rädler nach der Idee Raiffeisens zur Selbsthilfe auf. Er lehrte Milchwirtschaft und Obstbau. 1882 gründete er die Sennerei Kirchdorf, 1884 folgte die Sennerei Hub. Vorschußverein Rickenbach ab 1881 und Raiffeisenkasse Wolfurt ab 1889 sorgten für notwendiges Kapital. Die Viehställe wurden vergrößert. Dreschflegel und Sichel verschwanden mit Flachsbrechel und Hanfhechel auf dem Dachboden. Das monatliche Milchgeld wurde zur Grundlage des Familieneinkommens. VI. Ausblick Am schwersten traf ab 1955 die dritte Bodenreform die Landwirtschaft mit Industrialisierung und Zersiedelung der Felder. 1880 hatte Wolfurt 213 Bauern mit 426 Kühen gezählt. 1976 waren es noch 23 Bauern mit 158 Kühen. 1988 sind es nur mehr ein Dutzend, die voll Sorge auf die EWG-Landwirtschaft blicken: Bringt sie das Ende? In den Betrieben ist die Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden gesunken, Lohn und Urlaub sind gewachsen. Die Kinder dürfen lernen und spielen. Die Sorgen aber sind nicht kleiner geworden, nur anders. Und weise Leute sagen, daß man sich die Sorgen selber macht. Wir dürfen uns jedenfalls dankbar unserer Vorfahren erinnern, die in viel schwereren Zeiten mit ihrer Hände Arbeit den Grundstock zu unserem heutigen Wohlstand gelegt haben. 19 Christoph Volaucnik Franzosenkrieg im Jahre 1800 Vorarlberg wurde ab 1792 in die Wirren des französischen Krieges verwickelt und geriet durch die Kampfhandlungen und wirtschaftlichen Folgen des Krieges in eine langjährige Wirtschaftskrise. In den Franzosenkriegen wurde die Verteidigung des Landes neben den regulären kaiserlichen Truppen noch zum größten Teil von der Landwehr durchgeführt. Die Landwehr stand zwischen 1796 und 1800 immer zur Verteidigung Vorarlbergs bereit. Auch im Gericht Hofsteig waren die Schützen für die Verteidigung Vorarlbergs aufgeboten worden und 1800 wurde die Gemeinde Wolfurt in die Kriegswirren hineingezogen. Am 8. Mai 1800 erschienen die Franzosen am Rhein. Das österreichische Militär zog sich nach Füssen zurück und am 12. Mai rückten die Franzosen von Lindau nach Bregenz ein. Die Bregenzerwälder, Oberländer und Hofsteiger entschlossen sich, gegen die Franzosen weiterzukämpfen. Über die Kampfhandlungen im Gebiet Wolfurt vom Mai bis Juli 1800 hat sich im Vorarlberger Landesarchiv eine Wolfurter Chronik aus dieser Zeit erhalten, die von einem Maler Anton Schneider verfaßt wurde. Sie schildert die Ereignisse in Wolfurt und Vorarlberg von 1784 bis 1804, ist aber leider nicht mehr ganz vollständig. Aus dieser Chronik sollen die Ereignisse des Jahres 1800 wiedergegeben werden. Nach dem Einmarsch der Franzosen waren Soldaten nach Wolfurt gekommen und hatten von der Bevölkerung Essen und Trinken verlangt, waren aber nach Erhalt der Lebensmittel wieder abgezogen. Die Franzosen haben sich nicht über die Lauteracher Brücke hinausgewagt und sind in Lauterach und Wolfurt nur sporadisch zu Patrouillengängen erschienen. Die Bevölkerung wurde am 17. und 18. Mai zum Abbruch der Schanzen und Befestigungen in Bregenz kommandiert. Der Chronist vermerkt zu dieser Arbeit, daß diese Schanzen von den selben Bauern erst vor wenigen Monaten auf Befehl des österreichischen Militärs errichtet und für die Befestigungen Äcker, Felder und Wälder vernichtet worden waren. Die Schützen der Alberschwender Landwehr stießen am 18. und 20. Mai bis an die Lauteracher Achbrücke vor und eröffneten mit den Franzosen ein Feuergefecht. Besonders das Feuergefecht am 20. Mai muß sehr stark gewesen sein, da die Wolfurter Bevölkerung durch den Gefechtslärm stark verängstigt wurde. Die Einwohner eilten zur Kirche, um einen Psalter und einen Rosenkranz zu beten. Während der Gebete wurden der Barbier und der Pfarrer aus der Kirche geholt, um die Verwundeten der Alberschwender Schützen ärztlich zu versorgen und ihnen seelsorgerischen Beistand zu geben. Die Bevölkerung floh darauf aus der Kirche, da sie den Einmarsch der Franzosen befürchtete. Völlig überraschend zogen die Franzosen sich am selben Tag aus Bregenz zurück. Tags darauf rückten 3 Kompagnien kaiserlicher Truppen in Wolfurt ein und blieben bis zum 24. Mai in Wolfurt einquartiert. An diesem Tage hatten die Franzosen Bregenz in einer Zangenbewegung von der Klause und von Weiler-Langen her angegriffen und eingenommen. Die Österreicher konnten noch rechtzeitig aus Bregenz fliehen. In Wolfurt traf an diesem Tag der Befehl ein, daß sich die Wolfurter Schützen sammeln und nach Gaißau oder Hörbranz ziehen sollten. In der Reihe der Schützen gab es aber gegen diesen Befehl Widerstand, sodaß beschlossen wurde, die Entwicklung der nächsten Stunden abzuwarten. In der Nacht wurde aus Lauterach Gefechtslärm gehört, der die Leute aus dem Schlaf riß und zur Flucht führte. Es wurde ein Bote nach Lauterach geschickt, der nach einigen Stunden berichtete, daß die kaiserlichen Truppen aus Lautersch geflüchtet wären und die Franzosen wieder an der Lauteracher Brücke wären. 20 Am nächsten Tag, Sonntag dem 25. Mai, zogen sich die Schützen nach Bildstein zurück und warteten dort auf weitere Befehle. Als am 26. Mai von einem Wolfurter einige Franzosen bei der Kennelbacher Fähre gesichtet wurden, kam es im Dorf wiederum zu Panik, da man mit einem Einmarsch der Franzosen rechnete. Die Franzosen hatten aber das Fährschiff nur konfisziert und nach Lauterach gebracht, um damit den Achübergang bei Kennelbach zu unterbrechen. Die Schützen waren alarmiert worden und zogen von Bildstein nach Wolfurt zurück. Sie marschierten an die Achbrücke und wurden in ein Feuergefecht verwickelt. In der Nacht erhielten sie den Befehl zum Rückzug nach Bildstein, errichteten aber Wachtposten im Oberfeld. Die Schützen wurden in den Parzellen Bereuter, Staudach, in Buch und Bildstein untergebracht. Sie patrouillierten jeden Morgen und Abend durch das Dorf und die Felder. Auch die kaiserlichen Soldaten führten täglich von Dornbirn her Patrouillengänge bis nach Lauterach und Wolfurt durch. Die Franzosen entsandten zweimal Spähtrupps nach Wolfurt, die aber nur bis zum Schmerzenbild und bis in den Ortsteil Bütze kamen. Die auf den Feldern arbeitenden Bauern flüchteten bei Ankunft der französischen Spähtrupps in das Dorf und schlugen Alarm. Wolfurt hatte durch die Brückenbesetzung und durch die Vernichtung der Fährverbindung keine Verbindung mehr mit Bregenz. Bregenz hatte aber als Getreidemarkt für Wolfurt eine lebenswichtige Bedeutung. Der Kornpreis war durch die Kriegsereignisse bereits stark gestiegen und zusätzlich zur Teuerung kam es zu einem spürbaren Mangel an Getreide. Die Schützen hatten in Schloß Wolfurt, Frickenesch und dem Oberfeld weitere Wachtposten anfang Juni errichtet. Besondere Bedeutung sollten die Wachen am Flotzbach und am Rickenbach erhalten. Französische Patrouillen waren Mitte Juni zweimal auf diese Wachen gestoßen. Am 30. Juni waren 160 französische Reiter und Infanterie am Rickenbach erschienen, hatten sich aufgestellt und die Wolfurter Schützen überrascht. Ein Teil der Rickenbacher Schützen eilte vom Dorf zu den Franzosen, während der zweite Teil der Schützen zuerst zur Ach marschierte und von dort erst zum Rickenbach kam. Die Franzosen griffen an und versuchten, möglichst rasch zum Schloßbühel zu gelangen, um die dort befindlichen Schützen gefangen zu nehmen und die «Kanon» zu vernichten. Die im Schloß liegenden Schützen waren rechtzeitig nach Frickenesch geflohen, hatten sich dort neu gesammelt und einen Angriff von der Höhe auf die Franzosen begonnen. Sie konnten das Dorf von den Franzosen befreien und diese bis nach Lauterach zurücktreiben. Der Kampf hatte von halb 8 Uhr bis 12 Uhr gedauert und mehrere Tote gefordert. Die Schützen haben die Wachen neu besetzt und sich nach Bildstein zurückgezogen. Der kommandierende französische General übermittelte noch am selben Tag den Gemeinden Wolfurt, Rickenbach und Schwarzach eine Kapitulations-Aufforderung. Er drohte den Gemeinden bei weiterem Widerstand mit Plünderungen, Morden und Brandlegungen. Der Pfarrer von Wolfurt wurde mit der Abfassung eines Bittbriefes beauftragt. Er erklärte darin, daß die Wolfurter an den Kämpfen unschuldig wären und Wälder und Tiroler Schützen den Kampf geführt hätten. Weiters versprach die Gemeinde, alle Forderungen der Franzosen zu erfüllen, Brandschatzung zu zahlen und Vieh freiwillig abzuliefern. In der Gemeinde herrschte große Angst und man rechnete mit keiner Schonung durch die Franzosen. Eigentümlich scheint der Inhalt des Bittbriefes bezüglich der eingesetzten Schützen. In mehreren Stellen in der Chronik werden ausdrücklich die «Rickenbacher Schützen», «unsere Schützen» als Verteidiger genannt. Der Pfarrer dürfte hier aus Furcht vor der französischen Vergeltung die Rolle der Wolfurter Schützen vermutlich heruntergespielt haben. Die erwartete Strafaktion blieb vorerst 21 aus. Erst am 12. Juli 1800 brachen die Franzosen aus Bregenz auf und marschierten in Richtung Feldkirch. Die Wolfurter schickten Johann Dür aus dem Tobel nach Bregenz, um sich über die Lage zu informieren. Der Aufmarsch über die Achbrücke erfolgte nachts. Im Schutze der Dunkelheit wurde eine Abteilung französischer Soldaten dem Achdamm entlang nach Wolfurt geschickt. An einer Stelle in den Inselgründen teilten sich die Soldaten in zwei Gruppen und marschierten durch die Felder dem Dorf zu. Bregenzerwälder Schützen, die am Ortsrand auf Wache standen, bemerkten die angreifenden Franzosen und flohen, nachdem sie Alarmschüsse abgegeben hatten, vor den Angreifern. Die Franzosen stürmten Richtung Schloß, um die dort befindlichen Bregenzerwälder Schützen gefangennehmen zu können. Bei der Einnahme des Schlosses wurden mehrere Schützen und Franzosen getötet. Die Franzosen haben die Schützen bis nach Bildstein und Alberschwende verfolgt. Dort wurden sie von den Schützen bereits erwartet und erst nach dreimaligem Sturmangriff der Schützen zogen sich die Franzosen wieder bis Wolfurt und Lauterach zurück. In Lauterach verschanzten sich die Franzosen hinter einem «Hag» und es wurden den ganzen Tag in Lauterach noch Feuergefechte geliefert. In der Gemeinde herrschte wegen der Kampfhandlungen Furcht, Schrecken und Ratlosigkeit. Die Franzosen hatten bei der Einnahme von Wolfurt in viele Häuser eingebrochen, geplündert und einen Mann, Michael Haltmayer, in seinem Haus erschossen, da er sich geweigert hatte, ihnen Geld zu geben. Er wurde in aller Stille beerdigt, da die Franzosen das Glockenläuten verboten hatten und aus Furcht nur 3 bis 4 Personen es gewagt hatten, die Beerdigung zu besuchen. Am Abend kam der Befehl für die Bregenzerwälder Schützen, sich wieder bis Alberschwende zurückzuziehen. Die Wolfurter haben ihre eigenen Schützen den Wäldern hinterhergesandt, um das Dorf frei von Schützen zu haben. Am folgenden Tag, Montag dem 13. Juli, wurden 4 Wolfurter zu den Franzosen gesandt mit der Nachricht, daß die Schützen das Dorf verlassen hätten und die Gemeinde um Schonung beim Einmarsch bitte. Die Wolfurter zogen den Franzosen mit Branntwein und Brot entgegen und der Chronist vermeint dazu, daß es trübe Zeiten wären, da man dem Feind entgegenziehen müsse. Die einrückenden Franzosen schonten das Dorf aber in keiner Weise. Sie haben bei den Hausdurchsuchungen mit Äxten die Türen und Läden aufgeschlagen, sind sogar in der Kirche eingebrochen, wobei sie aber nur die Kerzen stahlen. Der Chronist kommentiert diese Plünderung mit einem Vergleich. Er sagt, daß die Franzosen «wie wütende Hund herum gefohren» und mit Wut und «garosch» (=Rage, Zorn, Empörung, Wut) in das Dorf gekommen wären. Die Franzosen blieben zwei Tage im Dorf und marschierten dann in den Bregenzerwald weiter. Ab dem 17. Juli erfolgte eine neuerliche Einquartierung von Franzosen in Wolfurt. Die Bevölkerung hatte die Soldaten (100 Mann) mit Suppe, Brot, Fleisch und Branntwein zu verköstigen. Für einen Brückenbau in Gaißau mußten täglich 10 Männer für die Bauarbeiten abgestellt werden und Kornlieferungen an die französische Armee durchgeführt werden. Weiters schrieben die Franzosen der Gemeinde bis zu einem bestimmten Datum die Herstellung der Gemeindestraßen vor. Im Dezember 1800 wurden 3 Wolfurter als Wegführer und Fuhrleute für einen Truppentransport nach Schwarzenberg verpflichtet. In den folgenden Jahren litt die Bevölkerung Wolfurts unter ständigen Truppeneinquartierungen und unter Fuhrdiensten für das Militär. Kriegerische Auseinandersetzungen im Dorf gab es glücklicherweise keine mehr für die nächsten 145 Jahre. 22 Siegfried Heim So heo s i ghört! (Nicht-Wolfurter sollten sich unseren Dialekt vorlesen lassen, wenn er ohne phonetische Zeichen geschrieben wird.) Deon und heon, deonna und heonna, ummar und umme: umme gi Kennolba, gi Breogoz, gi Lindo, id Schwiz, gi Amerika dünn und homm, dunna und homma, uffar und abe: abe in Keor, gi Luttora, gi Nuschlou, gi Wion, id Steiormark, uf Italien domm und hunn, domma und hunna, abar und uffe: uffe in Ufzug, gi Bildsto, gi Schwarza, is Oborland, uffe uffo Mo duß und hinn, dussa und hinna, inar und usse: usse is Riod, gi Locho, is Dütscho dinn und huß, dinna und hussa, ussar und ine: ine is Gado, is Buoch, ad Egg, is Muntofu, is Tirol, ine is Dorf und usse gi Rickoba, usse id Kelte, ine ad Werme! Füor s Klennst Rita, rita, Rößle! Z Breogoz stoht a Schlößle, z Riodoburg a Kappele. D Moatla trägond Schappele. Buobo trägond Moio. D Henna leggond Oior. D Wibor neommond s us und Heorro schleockond s us. Was wir planen Vortrag: Gewerbe im vorigen Jahrhundert Zeitschrift: Geologisches aus Wolfurt Lesung: Aus der Schneider-Chronik Führungen: In und um die Kirche Quer durch Rickenbach Wir werden Sie rechtzeitig einladen. Bitte, lassen sie uns die Adressen von weiteren Interessenten zukommen, denen wir dieses und die folgenden Hefte zuschicken dürfen!


Heimat Wolfurt Heft 09 1992 April
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 9 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 92 Maria Bildstein feiert Jubiläum. Im Jahre 1692 wurden die beiden Türme gebaut. Damals gehörte die Wallfahrtskirche zu Wolfurt. Inhalt: 34. Bildstein und Wolfurt 35. Mohr-Familien 36. Große Bäume 37. Grenzen im Ried 38. Nach Amerika (2) 39. Michaelskapelle in Bregenz BILDNACHWEIS: Titelbild: Kurt Gramer, München S 5, 8, 14, 17, 22: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern» S 13, 16, 20, 21, 25, 26, 29, 32: Siegfried Heim Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 8 DIE AUTOREN: Die Beiträge in diesem Heft sind von Siegfried Heim, 1931, HS-Direktor i. R. Zu «Volkszählungen» ist in der Zeitschrift «Montfort» 1991/4 von Kurt Klein eine sorgfältige Übersicht erschienen. Danach hat sich die Einwohnerzahl Vorarlbergs seit 1769 von 58700 auf jetzt 333000 verfünffacht. In der gleichen Zeit hat sie sich in Wolfurt von 726 auf 7326 verzehnfacht. In Österreich lebten 1991 pro km2 93 Einwohner, in Vorarlberg aber 128. In Wolfurt liegt die Dichte sogar bei 733 Einwohner pro km2. Die Zahlen von Heimat 8, Seite 4 und 5, werden weitgehend bestätigt. Bei den einander konkurrierenden Gemeinden Lauterach und Wolfurt war Lauterach erstmals von 1923 bis 1961 größer als Wolfurt. 1971 und 1981 lag wieder Wolfurt voran. 1991 hatte aber Lauterach fast 300 Einwohner mehr (7617). Schwarzach hatte 1850 noch genau 200 Einwohner weniger als Bildstein (701 /901). Erstmals 1869 überholte die expandierende Industriegemeinde die abnehmende Wallfahrtsgemeinde (869/807) Heute hat Schwarzach viereinhalbmal soviel Einwohner als Bildstein (3182/712). Zu «Schulschwestern»: Der Beitrag erreichte unsere letzte Schulschwester Regina auf ihrem Krankenlager an der Kettenbrücke. Sie hat sich seither gut erholt und ist wieder nach Wolfurt heimgekommen. Wir wünschen ihr Glück zur Genesung! In Innsbruck hat sie das Heftchen auch ihren Mitschwestern gezeigt und einige alte angefordert. Zwei Briefe sind seither gekommen: Sr. Leopolda (Hintereggers Annele, geboren 1917 in der Bütze. Sie war viele Jahre Kindergartenschwester in Egg.) bedankt sich besonders für die Mundart-Ausdrucke in Heft 4: «Ich hab immer wieder laut gelacht». Sie grüßt mit «Lang, lang ist's her .. !» Sr. Maria Regina Schertler (geboren 1929 im Strohdorf und von ihren Mitschülerinnen «Simones Helene» genannt) meint mit freundlichen Grüßen: «Beim Lesen tauchen Erinnerungen auf und führen zurück in eine Zeit, die etwas anders war als heute. Aber jede Zeit hat eben ihre Geschichte, die schön und lebenswert ist.» 1 Danke! Sehr viele Bezieher von «Heimat Wolfurt» haben große oder auch kleine Beiträge zur Deckung der Druckkosten auf Konto Raiba 87957 einbezahlt. Ihnen allen sei von Herzen gedankt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Siegfried Heim Bildstein und Wolfurt Zu Häuser im Strohdorf sind keine Beiträge eingelangt. Niemand klagt über die «Übernamen». Heute ist man auf Hausnamen stolz. Ich möchte aber gerne einige mehr kennenlernen. Bi «Ma goht is Holz» bi-n-i seol druf ku, daß i do Zabie vorgeosso heo. Zu den Anzeigen aus dem Gemeindeblatt hat man mich nach Mode, Fisolen und Unschlitt gefragt. «Mode» nannte man bei uns den von Pfarrer Kneipp propagierten Feigenkaffee. Er soll ursprünglich (nach Jutz) die Aufschrift «Mode d'emploi» (Gebrauchsanweisung, franz.) getragen haben. «Fisolen» nannte man im Oberland die Stangenbohnen. An vielen Orten hießen sie «Spizöla», bei uns aber «Kichora». In Lustenau unterscheidet man «Spizöla» und «Krüchora». «Uschlitt» heißt das minderwertige Rinderfett, das man zu Talglichtern und Unschlittkerzen verarbeitete. Mit Hilfe von Holzasche aus dem Kachelofen kochte man daraus auch Seife. Weil das ein langwieriger Vorgang war, betitelte man langweilige Menschen manchmal «Soafo-Südar.» Beim Jubiläum der Wallfahrt dürfen auch wir Wolfurter mitfeiern. Heuer, im Jahre 1992, läuten die Glocken von Maria Bildstein aus besonderem Anlaß: Vor 200 Jahren hat sich Bildstein von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst und 1792 erstmals einen eigenen Pfarrer bekommen. Und vor 300 Jahren wurden 1692 die herrlichen Barock-Doppeltürme errichtet und damit der Kirchenbau abgeschlossen. Die Pfarre Bildstein wird dazu heuer eine Festschrift herausgeben. Ergänzend will dieser Beitrag die engen Beziehungen von Wolfurt zu Bildstein aufzeigen. Die Leute vom Berg Um das Jahr 610 hatten die irischen Mönche Kolumban und Gallus in Bregenz das Christentum gepredigt. Bald gehörte das ganze Umland von der Leiblach bis zur Schwarzach zur Pfarre St. Gallus in Bregenz. Im 12. Jahrhundert gab es in Wolfurt bereits eine Kapelle St. Nikolaus. Um diese Zeit hatten die Hofsteiger begonnen, die Hänge des Steußberges zu roden und zu besiedeln. «Steußberg» heißt nach der Meinung des Bildsteiner Pfarrchronisten eigentlich «Steigsberg». Die Leute vom Berg gehörten ja auch zum Hof Steig bei Rickenbach und zum Gericht Hofsteig, das seinen Sitz später nach Lauterach verlegte. Dort galt der Raum am Steußberg weiterhin als eine Einheit, etwa wenn bei der Ammannwahl drei Kandidaten vorgeschlagen wurden: «drey ehrliche männer, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, abm berg oder von Schwartzach» (Landsbrauch von 1544). «Abm berg» waren die Leute von Buch und Bildstein, das noch bis ins 18. Jahrhundert den Namen «Berg» trug. Die Leute vom Berg mußten viele Jahre mit den anderen Hofsteigern durch die Achfurt waten, wenn sie zum Gottesdienst nach St. Gallus in Bregenz gingen. Sie 3 2 beteiligten sich daher auch an der Errichtung einer neuen Pfarre St. Nikolaus in Wolfurt im Jahre 1512: «... wür gemaine Nachpurschafft zue-Wolfurth, und wür zue Schwartzach, am Berg und im Buech ...» (Stiftungsbrief) Fast 300 Jahre lang kamen jetzt die Leute vom Berg, ja sogar aus dem fernen Farnach, jeden Sonntag nach Wolfurt zur Kirche. Hier wurden sie getauft und getraut. Hierher trug man sie, oft durch Schnee und über steile Tobel, auf ihrem letzten Weg zum Wolfurter Friedhof. Wenn nach dem Kirchgang die Bauern auf dem Kirchplatz Wichtiges besprachen und die Frauen noch einige Einkäufe in «Hanso Hus» tätigten, lernte sich auch die Jugend kennen. So darf es nicht verwundern, daß viele Wolfurter nach Bildstein heirateten und noch mehr Bildsteiner ans Land kamen. Unter den 104 Hausbesitzern von 1760 in Bildstein findet man 14 Böhler, 10 Köb, 9 Gunz, 8 Gasser, 6 Höfle und 6 Geiger als die wichtigsten Geschlechter. Von ihnen stammen auch große Wolfurter-Familien ab. Die «Gallar»-Köb, (auch «Lehrars», «Schrinars uf om Bühol», «Molars») kamen 1788 von Gallin. Die «Schloßburo»-Köbs, zu denen auch «Stenzlars» und «Schmiods» zählen, kamen 1799 vom Haag im Farnach. Der Mohren-Bäcker Andreas Xaver Flatz holte 1783 aus Geißbirn die 18jährige Anna Köb nach Rickenbach, die ihm 13 Kinder schenkte. Darunter war auch Gebhard Flatz, der große Wolfurter Nazarener-Maler. Aus Geißbirn übersiedelte 100 Jahre später die Witwe Klara Schedler mit acht Kindern an die Kirchstraße. Etliche geachtete Wolfurter Familien haben von ihnen «Goaßbiorar» Ahnen. Aus dem Staudach kamen immer wieder «Pläzolar» und «Matheioslar»-Gunz herab. Ein Josef Gunz begründete 1853 die Mühle-Gunz-Familie. Andere aus der Gunz-Sippe ließen sich später in Rickenbach und im Holz nieder. Unter ihnen war ein anderer Josef Gunz, geboren 1892 und gestorben mit 99 Jahren 1991. Wie gesund die «Bildsteiner» sind, beweist sein Rickenbacher Nachbar Martin Höfle, geboren am 5. März 1892, der als unser Dorfältester heuer 100 Jahre alt geworden ist. Er ist ein «Dello»-Höfle, dessen Vater 1881 aus der Delle am «Berütter» ins Tal gezogen ist. 4 Eine Bildsteiner Familie in Wolfurt: «Dello-Korles» im Schlatt. Ein Bild von 1912. Vater Konrad Höfle (1857-1938) und Mutter Agatha Anwander (1856-1944) mit 12 Kindern: Wilhelm 1885, Karl 86, Rosa 87, Theresia 89, Josef 91, Julie 92, August 94 (gefallen 1917), Maria 95, Agatha 97, Magdalena 99, Anna 1900 und Georg 1903. Ein dreizehntes Kind ist gestorben. Vom Brunnenmacher Ferdinand Gasser und seinen 10 tüchtigen Kindern in Meschen stammen wohl über ein Dutzend Wolfurter Familien Gmeiner Jakob kam schon 1700 vom «Steußberg». Von ihm leiten sich die meisten Gmeiner ab, «Lutzo-Schrinars», «Lutzo-Ferdes» und «Lislos». Andere Gmeiner folgten später. Unübersehbar zahlreich sind die Böhler-Sippen. Einige trugen früher den Hausnamen «Bergar». Aber auch unter den Vorfahren der Fischer, Schertler, Hinteregger, Schwerzler und Heim finden sich Leute vom «Berg», wie eben bei fast allen Wolfurter Familien. Die einst so zahlreichen «Schelling», die um 1700 ebenfalls aus Bildstein nach Wolfurt gekommen waren, sind im Mannesstamm in Wolfurt erloschen. Sie sind die einzigen, von denen sich eine direkte Ahnenlinie zu jenem Martin Höfle nachweisen läßt, von dem im nächsten Abschnitt die Rede ist. Auch in unserer Zeit holen Bildsteiner Burschen manche junge Wolfurterin aus dem Nebel hinauf in die Sonne. Viele andere aber sagen sich «Lob do Beorg und züh is Tal!» und bereichern mit ihrem gesunden Berger Blut und ihrer Schaffenskraft unsere Gemeinde. 5 Die Wallfahrt Im Herbst 1629 ist den Brüdern Hans und Martin Höfle auf dem Weg zu Vaters Mühle im Baumgartnertobel im Nebel eine Frau erschienen «ganz weiß und glanzent wie die Sonn». Sie erinnerte die beiden an die vom Vater versprochene Kapelle. Als betagter Mann gab Martin Höfle 1676 vor einer kaiserlich-bischöflichen Kommission in Bregenz unter Eid das Geschehen zu Protokoll. Ein Jahr später starb er am 19. Mai 1677 - «sacris omnibus provisus» steht im Wolfurter Pfarrbuch, also «wohl versehen» - und wurde bei der Pfarrkirche St. Nikolaus begraben. Von seinen acht Kindern verehelichte sich nur die Tochter Magdalena. Einige Wolfurter Familien stammen von ihr, aber sie tragen andere Namen. Die Kunde von der Erscheinung und den ersten Gebetserhörungen verbreitete sich schnell im Land und in ganz Schwaben. Ab 1650 kamen Ströme von Pilgern nach Bregenz und wurden von den Kapuzinern durch Wolfurt und auf dem schmalen Steig über die Platte nach Bildstein geleitet. Pfarrer Lorenz Leuthold von Wolfurt hatte die Aufsicht über die von der Familie Höfle neu gebaute Kapelle mit dem Muttergottesbild, das dem Ort später den Namen Bildstein eintrug. Er sammelte auch die überreich fließenden Opfergaben und hinterlegte sie bei seinem Patronatsherrn, dem Abt von Mehrerau. Bald wurde der Ruf nach einer Kirche laut. Vom Bischof von Konstanz erhielt Michael Kuen aus Bregenz den Auftrag für die herrliche Barockkirche, die nun 1663-1676 erstellt wurde und 1692 noch die Fassade mit den Doppeltürmen bekam. Der Innenraum ist 32 Meter lang und 11 Meter, im Querschiff sogar 16 Meter, breit. Damit war die Kirche viel größer als alle anderen Dorfkirchen im Umkreis. Die Wolfurter Kirche war damals innen nur 24 Meter lang und 8 Meter breit. Trotzdem konnte die Bildsteiner Kirche die Pilger häufig nicht fassen. Die vier Geistlichen, die im 18. Jahrhundert die vier Pfründehäuser rund um die Kirche bewohnten, benötigten an den Feiertagen regelmäßig mehrere Aushilfen, vor allem für die acht Beichtstühle. Dabei war die Kirche eine reine Wallfahrtskirche ohne Taufstein und Friedhof. Die Bildsteiner selbst mußten weiterhin jeden Sonntag nach Wolfurt zur Messe. Zwar suchten sie schon 1698 um eine eigene Pfarre an. Aber Pfarrer Egender von Wolfurt wollte nicht auf die Opfergaben verzichten und Pfarrer Denig in Bregenz, der jetzt die Aufsicht über die Wallfahrt hatte, unterstützte ihn. So entschied der Bischof im fernen Konstanz gegen die Leute vom Berg. Nun mußten sie noch fast 100 weitere Jahre lang für Trauung, Kommunion und Beerdigung dem Wolfurter Pfarrer ihren österlichen Beichtzettel vorlegen. 6 Pfarrei Bildstein Erst Kaiser Josef IL sagte im Jahre 1788 den Bildsteinern das Recht auf einen eigenen Taufstein zu. Sofort erbauten sie schon 1789 einen eigenen Friedhof. Man darf sich nicht wundern, daß sich Lorenz Gmeiner, Pfarrer von Wolfurt und selbst aus Bildstein stammend, mit aller Kraft wehrte. Er wollte die 32 Bildsteiner Parzellen, in denen mit nun 524 Einwohnern ein Drittel seiner Pfarrangehörigen wohnte, nicht verlieren. Aber er kämpfte erfolglos. Traurig mußte er in sein Pfarrbuch schreiben: «anno 1789 der 31 Xber ist Bildstein von Wolfurt separiert worden». Und Chronist Geiger berichtet in Bildstein: «Am Neujahrstag 1790 ist der erste pfarrliche Gottesdienst gehalten worden. Ehrenprediger war der lustige Pater Wendelin von den Bregenzer Kapuzinern.» Pfarrer gab es allerdings noch keinen. Mehrere Lokalkapläne sorgten aber dafür, daß das Eigenleben der Pfarre beginnen konnte. Der erste «Bildsteiner» Täufling Martin Joseph Böhler aus dem Jungholz erhielt als Paten den wohledlen Herrn gräflichen Verwalter Martin Herburger aus Dornbirn und wurde am 18. Jänner 1790 demnach besonders feierlich getauft. Am 9. Februar 1790 beginnt das Sterberegister mit der fünfjährigen Anna Maria Lenz. Ihr folgen im gleichen Jahr weitere 22 Bildsteiner Verstorbene. Allerdings soll schon ein Jahr vorher Andreas Geiger, Wirt im Farnach, «als zweiter» auf dem neuen Bildsteiner Friedhof begraben worden sein. Die Bildsteiner Chronik berichtet davon unter «1790 den 27ten July» und fügt dazu «nicht im Sterbebuch». Wohl aber findet sich das Begräbnis dieses beim letzten Holzschlag in der nachher verteilten Gerichtswaldung «bey Sonderbrück» von einem Baum erschlagenen Andreas Geiger in Wolfurt im Sterbebuch ein Jahr früher am 30. Juni 1789 mit dem Zusatz: 49 Jahre, «arbore oppressus». Dort sind aus dem Jahre 1789 noch eine Reihe von Begräbnissen von Baumgarten, Bildstein, Kapf und «de Vokenbühl» angeführt. Anno 1790 aber wurde als einziger Bildsteiner nur mehr am 9. April der neunjährige Johann Schneider «de Ankereuthe» in Wolfurt beerdigt. So hatte sich Bildstein also von der Mutterpfarre Wolfurt gelöst. 1792 wurde endlich Ludwig Sauter aus Konstanz zum «Lokalkaplan» für Bildstein bestellt. Er wird heute als erster Pfarrer gerechnet - daher das Jubiläum «200 Jahre Pfarrei». Noch waren aber viele Streitigkeiten um Mesnerlohn, Stolgebühren und andere Belastungen auszustehen. Erst 1829 kaufte sich Bildstein mit einer einmaligen Abfertigung in Höhe von 550 Gulden endgültig von der Pfarre Wolfurt frei. 7 Inzwischen war während der Franzosenkriege im Jahre 1804 der Kreuzwirtssohn Andreas Haltmayer aus Rickenbach dritter Pfarrer von Bildstein geworden. Als am 31. Mai 1805 in Wolfurt drei neue Glocken geweiht wurden, lud der Wolfurter Pfarrer Lorenz Gmeiner auch die Nachbarn zum Fest. Aus Bildstein kam also der Rickenbacher Andreas Haltmayer und aus Lauterach Josef Anton Bildstein, ein geborener Wolfurter aus «Hanso Hus» im Kirchdorf. Aus Hard kam Columban Reiner, ein Sohn aus dem «alten Schwanen» in Wolfurt. Seinen Neffen Benedikt Gmeiner aus Unterlinden hatte Pfarrer Lorenz Gmeiner zum Pfarrer von Buch gemacht. Fünf Wolfurter Geistliche in allen fünf Hofsteiger Pfarren! Schwarzach war ja damals noch bis 1824 eine Filialkapelle von Wolfurt. Auch später haben die Pfarrer von Bildstein und Wolfurt engen Kontakt gehalten. Kaplan Leopold Berchtold aus Riezlern erbaute 1891-94 das heutige Pfarrhaus von Bildstein. Der spätere Pfarrer von Schwarzach, ein ausgezeichneter Botaniker und Historiker, ließ sich 1937 in Wolfurt nieder. Hier erforschte er aus den alten Büchern die ältesten Familien von Bildstein, Buch, Schwarzach und Wolfurt und schrieb sie fein säuberlich auf. 1940 ist er gestorben. Als Bildstein 1903 die von den Geschwistern Hämmerle gestiftete große Marienglocke mit einem Gewicht von 3521 Kilogramm erhielt, organisierte der Rickenbacher Schlosser Konrad Doppelmayr die 120 Männer, die die schwere Last um die steilen Kurven von Ankenreute auf den Berg schleppten. Kaplan Heinrich Nußbaumer aus Thal hatte 1921 in Wolfurt das Vereinshaus gebaut. 1939-69 war er als Pfarrer von Bildstein in schwerer Kriegszeit der streitbare Hüter des Gnadenbildes. Mit eigener Hand verputzte er die Kirche innen. Seine originellen Predigten zogen auch viele Pilger aus Wolfurt an. Bildstein machte ihn zum Ehrenbürger. Sein Kaplan Gebhard Willi, der ihm in der Kirche noch den Mörtel gemischt hatte, wurde später der langjährige und mit dem Ehrenring der Gemeinde ausgezeichnete Pfarrer von Wolfurt. Seit 1972 ist wieder ein Wolfurter, Pfarrer August Hinteregger, für das geistliche Wohl der Bildsteiner und der Wallfahrer verantwortlich. Er ließ die 300 Jahre alte Kirche renovieren und den 100 Jahre alten Pfarrhof erneuern. Fast jeden Sonntag und auch bei den Maiandachten mischen sich viele Wolfurter Pilger unter die Gläubigen von Bildstein. Andere ziehen es vor, ihre Sorgen und Freuden in stillem Gebet zur Mutter Gottes in die Erscheinungskapelle zu tragen. Schönes Bildstein Bevor sich die getrösteten Beter, nach Stärkung in einem der ausgezeichneten Gasthöfe, auf den Heimweg machen, lassen wohl alle noch die wunderbare Aussicht auf sich wirken. Über die Dörfer im Tal schweift der Blick zum Gebhardsberg und zum Bodensee. Es grüßen die Schweizer Berge mit Fels und Schnee. Dunkle Wälder an Kugel und Staufen laden zum Wandern. Wandern! Der Steußberg selbst ist ein herrliches Wandergebiet. Viele Wolfurter haben das erkannt. Sie lassen ihr Auto stehen und suchen die Ruhe in den schattigen Wäldern oder auf den sonnigen Hügeln vor ihrer Haustür. Die schmalen Wege, die abgelegene Höfe miteinander und mit dem Dorf verbinden, überziehen den Steußberg wie ein dichtes Netz. Sie ermöglichen es, dem an Ausflugssonntagen doch recht beträchtlichen Autoverkehr jederzeit auszuweichen. Dabei gibt es so viele Varianten, daß selbst Kenner des Wandergebietes immer neue Steige entdecken. Wenn ich nun die schönen alten Bildsteiner Flurnamen aufschreibe, ist das auch eine Einladung, diese Plätze alle zu besuchen. Kennst Du sie schon? 9 Neubau der Bildsteinerstraße 1933. Ohne Maschinen schafften es Bildsteiner und Wolfurter Männer (u. a. Gasser Gebhard, Lenz Josef, Fischer Eugen), die steile Straße nach Ankenreute für die Autos umzubauen. Die erste Fahrstraße war schon 1792 durch die Platte gesprengt worden. 8 Im Jahre 1760 teilte Pfarrer Feuerstein den Hang in drei «Berge»: «Berütterberg», dann jenseits des Rickenbachtobels «Bildsteinerberg» und schließlich hinter dem unzugänglichen Sonder-Wald der «Farnacherberg». Jetzt ein paar empfehlenswerte Abstiege: 8. Vom Schneider an Tomasinis Hütte vorbei nach Siegerhalden. 9. Vom Loch mit der schönsten Aussicht auf den Vorderwald und den Sulzberg hinab zum Halder und nach Buch. 10. Von Buggenegg den fast 1000 Jahre alten Säumerweg durch die «Roßgaß» hinab in die Abendreute und nach Alberschwende. Immer wieder Fernblicke zu Ifen und Kanis. 11. Von Gallin über das besonders im Herbst und im Frühling einmalig schöne Hochmoor (Naturschutzgebiet!) nach Hinterhaag und den Asenenweg hinab nach Alberschwende. I. Berütterberg Meschen, Staudach, Dellen, Bereuter, Sack, Baumgarten, Gitzen, Künzen; Mühle, Grub, Kreuzmoos, Vockenbühel, Vogelsang, Schneider, Mairen, Buggenegg, Loch. Besonders reizvolle Anstiege von Wolfurt aus: 1. Über die Alte Bucherstraße zum Ippa-Brünnele, dann hinauf zurRappenfluhSchlucht am Holzerbach (Ippachbach) und zum Sack. Am Waldrand weiter zum höchsten Punkt von Wolfurt in fast 800 m Höhe und zur Schneiderspitze (973 m hoch). 2. Über Alte Schmiede und Dreigassen zur Rappenfluh. 3. Von Frickenesch oder Meschen über «Stefano Veohwoad» zum Bereuter und über die Gletscherschliffe nach Gitzen. 4. Abseits der Straße führt von Gitzen ein kleiner Weg nach Künzen und den Oberlauf des Rickenbachs überquerend nach Vockenbühel. Oberhalb des uralten Schulhäusleins kommt man an der großen Eibe (Naturdenkmal!) vorbei zum Ferienheim in Oberbildstein. 5. Kenner steigen noch auf dem alten Staudacher Kirchweg über das RickenbachTobel ins Dorf hinauf. III. Farnacherberg Hinterhaag und Bereite, die einst auch zur Pfarre Wolfurt zählten, gehören längst zu Alberschwende. (Vorder-)Haag, Loban, Farnach, Jungholz, Gärtle, Oberschwende, Unterschwende, Sonderwald, Schanz, Grül, Tobel. 12. Das sonnige Farnach ist am besten von Schwarzach über die Steige beim Blindenheim Ingrüne oder über den Linzenberg erreichbar, natürlich auch vom Zoll in Alberschwende. Auch hier trifft man immer wieder wandernde Wolfurter, die jetzt auch häufiger den günstigen Wälderbus als Zubringer benützen. Ist es nicht schön, daß wir so leicht Zutritt zum «Berg» finden? Darum wünschen wir Wolfurter allen Bildsteinern ein schönes Festjahr 1992! IL Bildsteinerberg Ankenreute, Platte, Unterdorf, Dorf, Knobel, Taschen, Kapf, Gaißbirn. Heuwachs, Gallin, Wirth, Acker, Oberbildstein. 6. Wer der Autostraße ausweichen will, findet einen alten Wallfahrtssteig vom Kella über das Oberteilenmoos ins Unterdorf. 7. Auch am Kapf zweigt ein Wanderweg über den landschaftlich besonders schönen Höhenrücken hinüber nach Vockenbühel oder hinauf über den Wirth zum Ferienheim ab. 10 11 Siegfried Heim Die Familie Mohr in Wolfurt Unter den großen Wolfurter Geschlechtern stehen die Mohr mit 94 Namen im Blauen Buch von 1989 an dritter Stelle nach den Böhler mit 152 und den Köb mit 149 Namensträgern. Während aber die Böhler und die Köb aus vielen verschiedenen Stämmen bestehen, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Wolfurt kamen, gehen die Mohr alle auf einen einzigen Stammvater zurück, auf Martin Mohr, der 1785 im Haus Hofsteigstraße 10 (Ratzers) an der Hub geboren wurde. Die Sippengeschichte ist aber viel älter. Nach mündlicher Überlieferung soll ein «Mohr» aus dem Rheinland nach Dornbirn eingewandert sein. Dort gab es MohrFamilien schon nach dem Dreißigjährigen Krieg. Einige haben sich bis heute gehalten. Fast jeder Dornbirner kennt «Mohro Vere» im Hatlerdorf. In Dornbirn wurde 1693 Sebastian Mohr geboren. Er heiratete 1719 die Magdalena Danner in Schwarzach. Von ihren neun Kindern führen zwei Linien nach Wolfurt. Folgen wir zuerst der Hauptlinie. Der Sohn Jakob Mohr (1722-1798) heiratete 1748 nach Wolfurt. Sein Haus stand am Eingang ins Eulentobel. Es muß der Familie dort wohl zu eng gewesen sein, als in Wolfurt um jene Zeit die Felder verteilt wurden. Sebastian Mohr (1762-1841) brach daher das Elternhaus ab und erbaute, wahrscheinlich 1784 anläßlich seiner Eheschließung mit Viktoria Flatz, das heute noch erhaltene Mohr-Stammhaus Hofsteigstraße 10. Die Tocher Rosa, verehelicht mit Johann Winder aus Bildstein, hatte dort sieben Kinder. Weil die Winder-Brüder ledig blieben, kam das schöne Haus 1903 in den Besitz von Johann Fischer und später an dessen Tochter Cilla Ratzer. 4. Der Sohn Martin Mohr (1785-1826) aber begründete zu Napoleons Zeiten die beiden Mohr-Familien, auf die alle heutigen Wolfurter «Mohren» zurückgehen. 12 3. 2. 1. Mit seiner ersten Frau Anna Maria Böhler bezog er das Nachbarhaus Hofsteigstraße 13 (Festinis), wo sie ihm drei Söhne gebar. Früh verwitwet übersiedelte er mit den Buben ins Dorf. Dort hatte er 1812 das Haus Kellhofstraße 11 (Mohrs) erworben. Seine zweite Frau Ursula Ibele aus Bregenz schenkte hier weiteren vier Kindern das Leben, darunter Michael Mohr (5. M) den Stammvater der Dörfler Mohr. Zuerst aber zu den Hüblern! Linie Josef Mohr 5.J Josef Mohr, geboren 1807 als ältester Sohn aus der ersten Ehe des Martin, wuchs im Dorf auf. Als strammer Kaiserjäger hatte er seine Braut Maria Crescentia Halder vom «Falligen Bach» in Bregenz kennengelernt. Nach dem damaligen Brauch mußte er nach der Geburt des ältesten Sohnes Josef Bernhard 1833 noch die fünf Jahre Militärdienst für den Kaiser abdienen, bis er endlich die Eheerlaubnis bekam. An der Hub hatte er inzwischen nahe dem heutigen MohrHaus an der Hofsteigstraße ein Haus erworben. Als «Gemeindediener» trug er Stammhaus der Mohr an der Hub, Hofsteigstraße 28. Um das Jahr 1750 von Martin Kalb erbaut, 1872 von Josef Mohr gekauft. Seither in Familienbesitz. Es ist das südlichste Haus von «Wolfurt» an der Grenze zu «Rickenbach» 13 Alfons 1911 (gefallen 1942), Erwin 1912 (gefallen 1945), Reineide 13, Eduard 14 (unseren langjährigen Gemeinde- und Standesbeamten), Cäcilia 15, Anna 16, Josefina 17. Drei Wochen nach der Geburt der kleinen Fina war die Mutter gestorben. Als zweite Frau sorgte nun M. Anna Arnold für die sieben Waisen und schenkte ihrem Mann sieben weitere Kinder dazu: Gebhardina 1919, Ernst 21, Siegfried 22, Herbert 23, Georg 25, Heinrich 27, Josef 29. Fast alle von den 14 Kindern heirateten. Sieben Mohr-Familien davon bereicherten Wolfurt mit vielen Enkeln an der Hub, in der Unterhub, im Flotzbach, im Oberfeld und im Brühl. Einer von den Enkeln in der neunten Mohr-Generation ist unser Bürgermeister Erwin Mohr, geboren 1947. Bei vielen Nachkommen des Kaiserjägers Josef Mohr war sein schneidiges und kämpferisches Blut immer wieder zum Durchbruch gekommen. Und unerbittlich hat der Krieg auch bei ihnen seine Opfer geholt. «Alles liegt in Gottes Hand» steht auf Mohrs Familiengrab unter den obersten Arkaden. So war es auch bei einer zweiten «Kampler»-Mohr-Linie in der unteren Bütze: 6. J-V Franz Xaver Mohr, «Vere» (1841-1927), ein zweiter Sohn des Kammmachers Josef Mohr an der Hub, hatte wie sein Vater bei den Kaiserjägern gedient. Dann erwarb er das kleine Bauernhaus Unterfeldstraße 3, wo er nun als Maurer und Kleinbauer lebte. 7. J-V Sein einziger Sohn Josef Mohr (1891-1983) hatte mit seiner Frau Agatha Kaufmann die Kinder Katharina (1922) und Walter (1927-1945). 8. J-V Einziger Sohn war Walter Mohr, geb. 1927. Schon mit 17 Jahren mußte er in den Zweiten Weltkrieg einrücken. Ein Jahr später ist er 1945 gefallen. Im Mannesstamm erlosch damit diese Linie im Unterfeld. Mohrs an der Hub. Mit 14 Kindern die größte Wolfurter Familie in unserem Jahrhundert. Vorne Vater Josef Bernhard Mohr (1868-1942), seine zweite Frau Anna (geb. Arnold) und die Söhne Herbert, Siegfried, Heinrich, Josef, Ernst und Georg. Töchterchen Gebhardine fehlt bereits. Hinten die Kinder aus erster Ehe: Anna (Rusch), Eduard, Reineide (Vonach), Alfons, Cilla (Schwärzler), Erwin und Fina (Feßler in Kennelbach). Ein Bild von 1937. hohe Verantwortung. Daneben übte er den seltenen Beruf eines Kamm-Machers aus. Davon stammt der Hausname «Kampler», den seine vielen Nachkommen, die «Hübler Mohr», tragen. 6.J Josef Bernhard Mohr (1833-1902) war Maurer und Bauer und konnte 1872 das Nachbarhaus Hofsteigstraße 28 erwerben, das heute die Familie seines Enkels Josef Mohr bewohnt. Das alte Elternhaus daneben wurde schon 1879 abgebrochen. 1882 mauerte J. B. Mohr den Wolfurter Pfarrhof auf. Die älteste Tochter Maria Anna Mohr (1864-1908) heiratete ins Tobel im Kirchdorf. Von ihren Enkeln kennen wir u. a. den Kennelbacher Bürgermeister Dr. Egon Sinz und den Wolfurter Altgemeinderat Ludwig Gmeiner, Steinhauers. 7.J Der Sohn Josef Bernhard Mohr jun. (1868-1942) ist den älteren Hüblern noch als Vater einer der größten Wolfurter Familien bekannt. Seine erste Frau Agatha Köb hatte der junge Bauer aus dem kleinen Bahnwächterhaus im Flotzbach an die Hub geholt, wo sie ihm sieben Kinder gebar: 15 14 Stammhaus der Dörfler Mohr, Kellhofstraße 11. Es wurde 1776 vom Dorfplatz hierher übertragen. 1812 erwarb es Mohr Sebastian für seinen Sohn Martin. Seither in Familienbesitz. Die Brüder Mohr um 1925 in Unterlinden: Dr. Wilhelm Mohr auf der Dezimalwaage, Gebhard Mohr und der Schulleiter Karl Mohr. Linie Michael Mohr 5. M Aus der zweiten Ehe des Martin Mohr übernahm Michael Mohr (18231913) das Vaterhaus an der Kellhofstraße und begründete die Dörfler Linie der Mohr. 6. M Der älteste Sohn Josef Mohr, geb. 1841, wanderte als junger Bursch nach Amerika aus und heiratete dort. Von seiner großen Familie schickte er ein Bild. Der zweite, Martin Mohr (1849-1918), war Wegmacher und besaß das Haus Kellhofstraße 1 («Mohro Emiles») gegenüber vom Pfarrheim. Sein einziger Sohn Josef Anton Mohr, geb. 1896, ist 1915 als einziger Wolfurter Freiwilliger (nach Chronik Köb) in den Krieg gezogen und schon 1916 gefallen. 6. M-G Der dritte Sohn Gebhard Mohr (1854-1925) blieb im Elternhaus Kellhofstraße 11. In seinem Sohn Altgemeinderat Dr. Hermann Mohr (19061972), den Enkeln Günther Mohr (geb. 1940) und Klaus Mohr (1942) und ihren Familien besteht die Linie Gebhard Mohr fort. 16 6. M-F Ein weiterer Sohn des Michael war der Stückfergger Fidel Mohr (18591939), der mit seiner Frau Maria Gmeiner im Haus Kirchstraße 25 in Unterlinden eine einflußreiche Familie begründete. 7. M-F Der ältester Sohn Dr. Wilhelm Mohr, geb. 1890, war einer der Wolfurter Standschützen-Offiziere an der Dolomitenfront und setzte sich besonders für die Erbauung des Kriegerdenkmals im Jahre 1930 ein. Als Landesbeamter übersiedelte er mit seiner Gattin Elsa Kalb (aus dem Schwanen) nach Bregenz. «Lehrer» Karl Mohr (1894-1959), viele Jahre Schulleiter in Wolfurt und in mehreren Gemeindeinstitutionen tätig, erbaute für seine Familie 1937 das Haus Unterlindenstraße 32. Sein ältester Sohn ist unser Wolfurter Ehrenringträger Hubert Mohr (1922), dann folgen Emil Mohr (1925) und Raimund Mohr (1928). Ein weiterer Sohn des Fidel ist Gebhard Mohr (geb. 1897) mit den Söhnen Werner (1935), Helmut (1938) und Walter (1947). Die Linie Fidel Mohr blüht in Wolfurt in zahlreichen großen Enkelfamilien fort. 17 Mohro Veres in Rickenbach Siegfried Heim Vor der Gardinenfabrik Böhler wurde 1975 an der Dornbirnerstraße in Rickenbach das Gmeinerhaus abgebrochen, das im Volksmund meist «Mohro Veres» oder auch «Mohro Feliples» genannt wurde. Mehr als 100 Jahre lang hatte sich der Hausname Mohr hier noch gehalten, wenn auch diese Seitenlinie längst ausgestorben war. 2. V Jakob Mohr, der 1748 als erster Mohr ins Eulentobel gekommen war, hatte in Schwarzach einen Bruder Georg Mohr (1727-1777) mit einer großen Familie, aus der zwei Söhne nach Rickenbach übersiedelten. 3. V Johannes Mohr, geb. 1767, bewohnte mit seiner Familie das Haus Brunnengasse 4, kehrte aber auf seine alten Tage wieder nach Schwarzach zurück. Das Haus ist 1855 abgebrannt. Heute wohnt dort Höfle Martin. Franz Xaver Mohr (1769-1817) erwarb um 1795 das Haus des Kellhofammanns Johannes Albinger, Dornbirnerstraße 8. Von seinen 11 Kindern starben 9 im zartesten Alter. Er selbst wurde 1817 in Opfenbach vom «Schlagfluß» ereilt. Seinen Leichnam hat man nach Wolfurt überführt. 4. V Franz Josef Mohr (1806-1836) starb schon als 20jähriger auf einer Geschäftsreise (vermutlich Wetzsteinhandel) in Alt-Breisach am Rhein. Damit endete diese Mohr-Linie. Seine junge Witwe Agatha Schwerzler verehelichte sich 1837 mit Gebhard Gmeiner aus Bildstein, dessen Nachkommen noch lange fälschlich «Mohro Veres» oder auch nach einem Sohn «Mohro Filippos» genannt wurden. «Vere» war einer der Leitnamen im Geschlecht, der sich in Dornbirn und in Wolfurt lange gehalten hat. Der häufigste Leitname war aber «Josef» oder auch «Josef Bernhard». Beide sind noch heute in der Linie Josef Mohr verbreitet. In der Linie «Michael» taucht der Leitname eher zufällig bei den Urenkeln wieder auf. Viel häufiger sind dort die schönen Namen Martin, Gebhard, Karl und auch Johannes. Seit 1748 werden sie bei den Mohr in Wolfurt getauft. In dieser Zeit hat die Sippe als Bauern, Handwerker und Beamte, aber auch als Gemeindemandatare und Vereinsverantwortliche unendlich viel für die Gemeinschaft der Wolfurter getan. Und immer wieder mußten sie zu den Soldaten, immer wieder wurden Väter und Söhne aus den Familien gerissen. Wir wünschen dem starken Geschlecht der Mohren von Wolfurt weiteres Blühen und Gedeihen! 18 Ganz große Bäume Naturdenkmale in Wolfurt Unser Ried ist ein wunderschöner Naturpark. Herbststimmungen und Rauhreif erfreuen den Wanderer ebenso wie das Erblühen der Streuewiesen im Frühling. Ganz wesentlich wird die Landschaft von den großen alten Bäumen geprägt, von Eichen und Birken und riesigen Weiden. Etwa 50 Meter nordwestlich der Betonbrücke beim Kiesfänger steht im Auwald an der Kesselstraße versteckt eine besonders alte Weide, «an Feolbar» haben ihn unsere Eltern genannt. Mistelbefall und Baumschwamm zeigen an, daß seine Jahre gezählt sind. Bald wird ihn ein Sturm knicken. Vielleicht werden Menschen wieder die Hand an ihn legen, vielleicht die gleichen, die vor Jahren die eine Seite mit Bauschutt abgedeckt haben, oder jene, die jetzt unter seinem Blätterdach nach Grundwasser bohren. Begeistert und beeindruckt haben meine Schüler zu viert den mächtigen Stamm umspannt: 5,20 Meter! Mehr als 1,60 Meter Durchmesser. Das ist weit mehr, als die Biologiebücher erlauben. Dort lese ich (Dr. Amann, München 1954): «Silberweide, Weißweide. Stattlicher, mittelgroßer Baum. Wächst sehr rasch; wird 80-100 Jahre alt, bis 24 m hoch und über 1 m stark.» Unsere Vorfahren haben die Silberweide an vielen Gräben und Straßenrändern im Ried gepflanzt, indem sie einfach eine Weidenrute in den feuchten Boden steckten. Die Bäume wurden dann alle paar Jahre «gstümmolot» oder «abgworfo». Alle ihre Äste wurden abgesägt. Das starke Ausschlagsvermögen der Weiden ließ schon im nächsten Jahr aus dem knorrigen «Kopf» unzählige Ruten hervorschießen, die den «Kopfweiden» besonders im nebeligen Herbst ein koboldhaftes unheimliches Aussehen verliehen. Weil in den hohlen Stämmen nicht selten auch Eulen und anderes Getier Zuflucht fanden, hielt man sie für die Wohnung von Hexen und Geistern. 19 Ich habe die Weide an der Kesselstraße für die größte in Wolfurt gehalten. Nun aber hat mich das Buch «Vorarlberger Naturdenkmale 1991» von Krieg/Alge zu einer weit größeren geführt. Zwei Bäume in Wolfurt sind als Naturdenkmale geschützt. Der eine ist die bekannte Eiche am Wiesenweg südlich vom Holzwerk Berchtold. Sie hat einen Umfang von 4,40 m und ist 1,40 m dick. Sie erscheint mit ihrer Baumkrone von etwa 25 m Höhe noch sehr gesund, obwohl ihr das Überfahren der halben Wurzelscheibe mit schweren Lastautos und die Giftgase ganz bestimmt zusetzen. Mich überraschte, daß Dr. Krieg das Alter dieses Prachtbaumes auf erst 130 Jahre schätzt. Die Stieleiche (weil zwei oder drei Eicheln an einem langen Stiel hängen) wird über 30 m hoch, 2 m dick und nicht selten 500 Jahre alt. In Einzelfällen sollen Eichen aber auch über 2000 Jahre alte geworden sein. Im Naturdenkmal 1. Die Stieleiche am Wiesenweg hat Ried waren sie früher sehr häu- 4,40 m Umfang. fig. Im Schatten rasteten Bauersleute und Weidevieh. Beim Gewitter galt «Eichen sollst du weichen!» Hofsteiger Sauhirten trieben die Schweine der Genossenschaft täglich zur Eichelmast in die Ried-Allmende. Als man die Riedstücke 1798 verteilte, blieben die Bäume ausdrücklich gemeinsames Eigentum. Das wertvolle, harte und wetterbeständige Eichenholz benötigte man ja für Brücken, Fässer, Markpfähle, Schwellen und schwere Tore. Die gerbstoffreiche Rinde zerkleinerte man in den wasserbetriebenen «LorStampfen» am Rickenbach und im Bannholz zu Gerberlohe für die vielen Wolfurter Gerber. 20 Nur 200 Meter westlich von dieser Eiche steht mitten im «Wiosa» das zweite Wolfurter Baum-Denkmal. «Wiosa» nannten die Bauern das oberste Ried zwischen Wiesenweg, Flotzbach, «Schribare» und «Speock», das sie durch den tiefen Wiesengraben zum Speckgraben entwässerten. Hier sind noch ein paar besonders schöne alte Bäume erhalten geblieben, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Die größte Weide davon trägt seit 1985 eine winzige Tafel: «Dieser Baum steht unter Naturschutz.» Der gewaltige Stamm hat an der dünnsten Stelle einen Umfang von 6,50 m, ist also mehr als 2 m dick! Am Boden fanden wir sogar einen Umfang von 8 m und auch die Äste sind noch über 1 m dick. Nach Dr. Krieg ergab eine Bohrprobe an diesem Riesen ein Alter von 100 Jahren, also das Höchstalter für Silberweiden. Er fand den Baum noch «vital» und «ohne nennenswerten Pilzbefall». Das hat sich leider schnell geändert. Im November 1991 mußten wir etliche über einen halben Meter große Baumschwämme entdecken, von denen zwei sogar wegen ihres übergroßen Gewichtes zu Boden gestürzt waren. Auch die vielen Misteln in der Krone lassen ahnen, daß die Widerstandskraft dieses fast 30 m hohen Baumes im Schwinden ist. Naturdenkmal 2. Die hundertjährige Silberweide Schaut ihn noch an, Ihr zwischen Wiesenweg und Schreibern ist über 2 m dick Wolfurter! Von Spätherbst bis und hat 6,50 m Umfang. Sie ist der größte Baum in Frühjahr ist er sowohl vom Wolfurt. Wiesenweg als auch von der untersten Flotzbachstraße her (100 m nördlich der Illwerke-Masten) leicht zugänglich. Er wird bald fallen! Moderne Maschinenbauern pflanzen keine Riedbäume mehr. Sie haben keine Zeit mehr zum «Z'Nüne-Eosso» im Schatten der Eiche, kein Weidevieh mehr, das 21 Siegfried Heim Wolfurter Grenzen im Ried Seit einigen Jahren entdecken immer mehr Radfahrer und Wanderer die Schönheiten unserer Riedlandschaft. Wenn auch Güterbahnhof und Autobahn große Stücke beansprucht haben, so ist doch zwischen Wolfurt und Lustenau, Lauterach und Dornbirn ein herrliches Land geblieben, das uns allen gehört. Luft und Bäume, Wasser, Wild, Schilf und Hecken sind uns allen anvertraut. Vögel und Rehe wechseln über die Gemeindegrenzen und die Radfahrer erkennen solche meist auch nicht. Das ist gut so! Vielleicht möchte aber ein aufmerksamer Wanderer doch wissen, wie weit Einflußnahme und Verantwortung der Gemeinde Wolfurt im Ried reichen. Ihn möchte ich einladen, mir auf seinem Fahrrad zu folgen. Gleichzeitig bitte ich ihn aber herzlich, auf den Wegen zu bleiben und den Hund niemals frei stöbern zu lassen. Wir kommen in Tierreservate, deren Betreten in der Brutzeit vom 1. März bis zum 31. August abseits der Wege nicht gestattet ist. Kopfweide im untersten Holzried um 1940. Die Fichte auf ihrem Kopf brach der Sturm 1945 herab. Heute führt hier die obere Senderstraße am Güterbahnhof vorbei. I. Zum Südpunkt im Weitried. Wir haben auf der Kesselstraße die «Steinerne Brücke» erreicht (Punkt A auf der beigefügten Skizze I.). 50 Meter weiter westlich verbirgt sich rechts im Dickicht eine Riesen-Silberweide mit über 5 m Stammumfang. Links blicken wir über die Schwarzach in den Wolfurter Kiesfänger hinein. Mit großem Aufwand hat er 1990 ein völlig neues Aussehen bekommen. Nun soll er Geschiebefang und Biotop zugleich sein. Wenn die mit Sorgfalt ausgewählten Bäumchen in wenigen Jahren feste Wurzeln geschlagen haben und Buschwerk die Baustellen abdeckt, werden hier wieder seltene Vögel nisten. Schon jetzt sind Wasseramsel und Nachtigall heimisch. Hier sollen gefangene Serben 1943 den letzten Fischotter erlegt haben. Über die Steinerne Brücke fahren wir ans Südufer auf Schwarzacher Gebiet. Die Dammstraße links und der Weg gerade aus ins Mittelried führen nach Schwarzach. Rechts haben Schwarzacher Schrebergärtner ihre Hütten auf den ehemaligen 23 unter den Feibern wiederkäut. Sie schneiden keine Ruten mehr für «Zoanna, ObsKrätto und Wösch-Körb». EG-Bauern glauben, sie müßten schnelle Traktoren unbehindert über ihre Felder jagen. Zu viele Bäume sind deshalb schon verschwunden. Denkmal-Schutz für morsche Riesen ist zu wenig! Eine Gemeinde, die riesige Riedflächen dem Güterbahnhof und der Autobahn geopfert hat, muß umso mehr für die Natur tun. Im Wiosa, i dor Schribare, im Birka, im Nöü-Wiasa, im Wit-Riod! Wir müssen wieder Bäume pflanzen! Für Eulen und Meisen, für Wasser und Luft, für uns und unsere Enkel. 22 Müllplatz gebaut. Zwischen ihnen und dem Kiesfänger fahren wir rechts hinab ins Wolfurter Weitreid. Schon nach 100 m erreichen wir beim letzten Häuschen (B) die Grenze. Schnurgerade führt von hier ein Grenzgraben nach Südwesten zum Südpunkt (S) auf der Bundesstraße. Mit dem Fahrrad können wir ihm allerdings nicht folgen. Aber wenigstens ein Stück vom oberen Weitried wollen wir noch erkunden. Rechts hat barmherziges Buschwerk den häßlichen Wolfurter Müllberg aus den 60er Jahren überwuchert (C). Eines Tages muß er noch als Altlast saniert werden. Geradeaus könnte man mit gutem Schuhwerk auf dem linken Achdamm zur Hohen Brücke wandern. Wir biegen aber auf den Fahrweg links ab. Nach 100 Metern beginnt bei einer schönen Birkengruppe der Weitriedgraben. Er wurde wohl schon zu Maria Theresias Zeiten gegraben, als man hier unten, eine Stunde weit vom Dorf, schmale Kartoffeläcker anlegte, jeder vom Nachbarn durch einen Wasserabzugsgraben getrennt. Nach weiteren 100 Metern kommen wir zum wasserreichen Konradsgraben. Vom Schwarzacher Roßfäng her bringt er sein Wasser ins Wolfurter Weitried. Er wird noch um das Wolfurter Pfarrwidumsstück geleitet, ehe er sich in den Mittelriedgraben ergießt. Seit vielen Jahren verpachtet Wolfurter Südpunkt. Links von der Ampel bei Dornbirn-Nord endet unser Gemeindegebiet. 25 24 die Pfarre Wolfurt hier ihren großen Acker an fleißige Schrebergärtner, die auf dem steinlosen Moorboden Gemüse ziehen. Am Südende des Widums (D) fließt der große Schwarzacher Mittelriedgraben vorbei, quert das ganze Weitried und mündet erst 400 m unterhalb der Bundesstraße in den Scheidegraben. Wir sind noch 400 m vom Südpunkt (S) entfernt, aber mit dem Fahrrad müssen wir jetzt umkehren, zurück zur Steinernen Brücke (A). Auf der Kesselstraße erreichen wir die Hohe Brücke (E) und fahren auf der Nebenfahrbahn der Bundesstraße B190 nun etwa 700 m weit nach Süden. Dort kommt linken Achdamm ins Untere Weitried wandern. Bei (F) endet Wolfurt bei einem verfallenen Gemäuer. Es ist das ehemalige Einlaßbauwerk für den Scheidegraben. Weil hier immer wieder Hochwasser ausgetreten ist, hat das Land den Scheidegraben weit auf Dornbirner Gebiet unter der Autobahn durch zur Dornbirnerach umgeleitet. Hier findet Dein aufmerksames Auge in Hecken und Sumpfwiesen immer wieder neue Wunder. Natürlich kannst Du, statt diesen Abstecher zu machen, auch gleich die Runde zum Westpunkt anhängen. IL Zum Westpunkt im Schwarzen Zeug Heute wollen wir ganz weit hinab ins unterste Birka bis fast zum Sender. Bei der Anfahrt vom Flotzbach schauen wir nach den beiden Denkmal-Bäumen am Wiesenweg und gelangen dann auf der breiten Senderstraße am Güterbahnhof vorbei auf die Brücke über die Bundesstraße B190. (G) Ganz bewußt halten wir vorsichtig am Brückengeländer an und nehmen den Verkehrslärm auf. Der Blick zurück nach Wolfurt findet nichts mehr von den großen Streuewiesen im Kupferloch und im Holzried. Seit 1972 wurden hier auf tiefem Sumpf massive Schüttungen aufgebracht und große Gebäude erstellt: Güterbahnhof, Groß-Postamt, Zentral-Zollamt, Speditionen, Industriebauten und ÖBB-Kraftwagendienst. Sie werden überragt von den gewaltigen Portalkränen und den Masten für die Halogen-Scheinwerfer, die hier im einst so einsamen Ried die Nacht zum Tag machen. Unter der Brücke brausen stündlich bis zu 2000 Autos durch. Man versteht das eigene Wort nicht. Wir drehen uns weg und flüchten, nach Westen, ins Birka! Unter der Straße durch führt die kleine Birkastraße nach links an «Böscho Stadel» vorbei ins obere Birka. Dorthin, zu den großen Eichen und zur Jägerhütte am Birkagraben (H) gehen wir ein anderes Mal, am besten zu Fuß. Heute fahren wir auf der Senderstraße ein Stück Richtung Lustenau. Nach 100 Metern überqueren wir zum ersten Mal den von Bäumen gesäumten Zielgraben, der hier die Drainagegräben sammelt. Links, an der Neuwiesenstraße, hat sich ein fürchterliches Hüttenwerk angesammelt. 27 Der Scheidegraben am Südpunkt trennt das Wolfurter Weitried (rechts) von der Gemeinde Dornbirn. links aus dem Haselstauder Ried der tiefe Scheidegraben. Er wird unter dem Wirrwarr von Ampeln und Schildern an der Bundesstraße durchgeführt und bildet nun als «Scheide» nach Nordwesten die Grenze des unteren Weitriedes zwischen Wolfurt und Dornbirn. Am Straßenrand, direkt östlich der Verkehrsampel, stehen wir am Südpunkt (S). Hast Du gewußt, daß sich das Wolfurter Gemeindegebiet bis zur Autobahnauffahrt Dornbirn-Nord erstreckt? Große Eschen und Birken im Nordosten und ein kleiner Pappelwald im Nordwesten markieren den Grenzverlauf. Ein ruhiger Punkt ist das allerdings nicht. Wenn Du einen solchen suchst, könntest Du jetzt bei der Hohen Brücke (E) Dein Fahrrad abstellen und zu Fuß auf dem 26 Hennen, Truthühner, Schafe, meist auch ein bellender Hund und viel Mist kommen ins Bild. Die vielen schmalen Parzellen im «Nöü-Wiosa» waren zweihundert Jahre lang bis 1950 die wichtige Grundlage für die Ernährung der Wolfurter mit «Türggo und Bodobiora». Jetzt werden nur mehr wenige Äcker von Hobbygärtnern bewirtschaftet. Am Geländer über den Landgraben halten wir kurz an. In diesem tierfeindlich ausgemauerten Kanal fließt das Wasser all unserer klaren Waldbäche zwischen Kirche und Rutzenberg. Die schmale Straße an seinem rechten Ufer erschließt hier im Mittel-Neuwiesen und auch noch unterhalb der Autobahn die letzten Wolfurter Parzellen. Wir unterqueren die Autobahn und erreichen nach etwa 200 Metern den Lauteracher Grenzgraben (J). Stop! Vor uns liegt das Lauteracher Ried mit den großen schönen Bäumen. Die Schilffelder links sind Wolfurter Torfgründe, aus denen noch bis 1960 «Schollo» gestochen wurden. Die erste Lauteracher Parzelle hat ein Blumenfreund in einen prachtvollen Garten mit einem kleinen Häuschen umgewandelt. Daneben aber träumt noch unberührtes Ried mit Birken, Moos und Weidengebüsch. Die Senderstraße durchschneidet einen besonders schönen Teil des Rieds. Hier endet Wolfurt 200 m westlich der Autobahnunterführung 28 29 Vor ein paar Jahren nisteten hier noch der «Hoo-Lippar», der Brachvogel mit dem langen krummen Schnabel, und auch die scheue Bekassine, eine Schnepfe mit geradem Schnabel. Wir kehren um. Knapp vor der Autobahn (bei K) biegen wir nach rechts auf die schmale Asphaltstraße mit Auto-Fahrverbot ab, Richtung Dornbirn. Am Damm hat der Straßenmeister ein paar Büsche gepflanzt und ein paar Tümpel angelegt winzige Pflaster auf der fürchterlichen Wunde, die die Autobahn ins Ried geschlagen hat! Immerhin aber haben sich Frösche und Libellen schon hier niedergelassen. Nach rechts zieht der Landgraben ins untere Ried hinab. Nach 400 Metern wird er zum Grenzgraben zwischen Wolfurt und Lauterach. Sein rechter Damm ist stark überhöht. Noch bis vor 20 Jahren hat dieser harmlos scheinende Bach manchmal das Lauteracher Ried bis zu den Häusern von Hard überflutet. Der nächste Kanal ist der Zielgraben. Er muß die Abwässer der Autobahn aufnehmen. Die unauffälligen 25 Meter langen Mauern und die anschließenden großen Bodengitter gehören zu einem riesigen Rohrsystem, das wohl das Öl, nicht aber die Tonnen von Streusalz abfiltert. Die Schaumblasen auf dem Wasser im Frühjahr kommen allerdings vom oberen Birka her. Dort haben «Landwirte» mit Klärschlamm und Jauche überreich gedüngt. Wochenlang wäscht es den Dreck nun durch die Drainagegräben in Richtung Bodensee. Der dritte Bach ist der Unterlauf des Birkagrabens. Dann macht unser Radweg eine große Rechtskurve durch saure Wiesen, in denen noch Wollgras, Knabenkräuter und Mehlprimeln blühen und im Frühling der Kiebitz balzt. Bei der Kreuzung (L) biegen wir nach rechts ab, zu den Mäandern der alten Schwarzach. Die Schwarzach war seit dem Mittelalter, seit 1338, die historische Grenze zwischen dem Einflußgebiet von St. Gallus-Bregenz und St. MartinDornbirn. Das Dorf Schwarzach war damals durch Jahrhunderte geteilt. Auf alten Landkarten heißt der Fluß hier unten fälschlich «Rickenbach». Bis 1910 wälzte er sich unterhalb der Hohen Brücke durch zahlreiche Flußschlingen zur Dornbirnerach, an denen er oft über die Ufer trat. Nach dem Hochwasser von 1910 schnitt man die Mäander durch einen geraden Kanal ab. Dabei fielen etliche Hektar Sumpf im «Schwarzo Zug» von Dornbirn an Wolfurt. Der Müller Lorenz Gunz besaß daneben ein riesiges Feld. In seiner Chronik beschreibt er ausführlich 30 den «alten Rickenbach» und den neuen. Entgegen der Chronik und den Plänen wollen wir aber dabei bleiben: Der Rickenbach mündet schon beim Kessel oben in die Schwarzach. Unter der Hohen Brücke fließt die «Schwarzach» durch - auch wenn das blaue Flußschild dort fehlt. Die ersten Mäander, an denen wir entlang fahren, führen selten Wasser und sind wundervolle Inseln des Lebens in einer sonst arg strapazierten Landschaft. Bei den Eisengeländern der Brücke über den Zielgraben, der hier sein Wasser ins alte Achbett bringt, erreichen wir die Gunz-Wiesen. Darauf stehen noch (1992!) die Startrampen der Modellflieger. Wir stellen die Fahrräder ab. An der Hütte vorbei, die vor Jahren einmal als Kiosk beim Wälderhof stand, erreichen wir nach 200 Metern die Gemeindegrenze am Landgraben (M). Dieser verläßt hier allerdings in weitem Rechtsbogen die Grenze, weil er aus Überflutungsgründen noch ein gutes Stück parallel zur Dornbirner Ach geführt wird, ehe man ihn beim Sender unten einmünden läßt. Wer wasserfeste Stiefel hat, kann nun - nicht in der Brutzeit, bitte! - an den Mäandern entlang zur Hütte zurückwandern. Aufmerksame Augen entdecken hier manche Kostbarkeit. Der Bach ist tief in den Lehmgrund eingeschnitten. An den Steilufern sieht man gelegentlich den blaugrün schillernden Eisvogel. Ob er hier noch Bruthöhlen baut? Vielleich entdeckst Du sogar die Kielwellen, die eine scheue Bisamratte durch das Wasser zieht. Sie stammt aus Nordamerika, hat sich aber seit 80 Jahren über ganz Europa ausgebreitet und ist seit 1980 bei uns heimisch. Sie durchwühlt die Ufer. Der Höhleneingang ist nicht zu entdecken, er liegt unter dem Wasserspiegel. Dafür siehst Du wohl die überwachsenen Hügel von großen Dachsbauen. Vor 50 Jahren hat der Dachs in den Maisäckern im Neuwiesen schwere Schäden angerichtet. Seither haben ihn Menschen und Autos aus dem Ried verjagt. Der zähere Fuchs aber jagt hier noch, wie der Jagdaufseher berichtet. Nahe der Hütte ermöglicht ein Balken dem trittsicheren Wanderer den einzigen Übergang. Wir ziehen es aber vor, mit dem Fahrrad zurück zur Kreuzung (L) und dann nach rechts auf die Brücke (N) zu fahren. Hier beginnt das Gebiet der Stadt Dornbirn, das erst weit oben hinter dem First auf den Damülser Bergen endet. Dieser Radweg führt in die herrlichen Achauen bei Martinsruh und erschließt beim Werbenhof das weite Dornbirner und Lustenauer Ried. Wir bleiben aber auf 31 der Wolfurter Seite und fahren auf dem holprigen rechten Achdamm flußabwärts, durch wuchernde Hecken und an prächtigen Sumpfwiesen vorbei. Wir dürfen unsere Augen auch nicht verschließen, wenn wir entdecken, wieviel Plastikfetzen und Unrat das letzte Hochwasser (bis 4 Meter über dem Niedrigwasser!) in die Baumzweige gehängt hat. Leider! trotz Müllabfuhr in den Gemeinden. Das letzte Stück müssen wir zu Fuß auf schlechtem Pfad durch den seit Jahren nicht mehr abgeernteten Schilf gehen. Plötzlich ein Stacheldraht, eine gepflegte Wiese mit einer jungen Eiche! Wir sind am Ziel, am Westpunkt (W) unserer Gemeinde. Hier mündet links die Schwarzach in die Dornbirner Ach, die ab jetzt Grenzfluß zwischen Dornbirn und Lauterach ist. Das dunkle klare Wasser der Schwarzach mischt sich mit dem milchigtrüben der Dornbirnerach. Nur ein paar Hundert Meter weiter flußaufwärts leiten die Dornbirner nämlich das Abwasser ihrer gigantischen Kläranlage - chemisch neutralisiert! - in ihre Ach. Ein Wunder, daß hier noch Forellen und Nasen vom See heraufwandern! Die Wiese vor uns ist Lauteracher Gebiet. Die Wildnis um uns gehört noch zu Wolfurt. Ein kostbarer letzter Zufluchtsort für bedrohte Tiere! Ganz weit im Wolfurter Westen! Wir kehren um, zurück zur Kreuzung (L). Jetzt fahren wir nach rechts, unter der Autobahn durch. Hier dröhnt der Autoverkehr unheimlich. Wie schaffen es die Rehe nur, durch dieses Loch vom unteren ins obere Birka zu wechseln? Zu Weihnachten 1991 war es allerdings vom Hochwasser bis an den Rand gefüllt und dann zugefroren, also lange Zeit unpassierbar. Hundert Meter östlich der Unterführung steigen wir auf den Achdamm. Auf der anderen Seite erkennen wir in den Büschen ein rostiges Geländer und das zerfallene Einlaßbauwerk des Scheidegrabens (F). Von dort verläuft die WolfurtDornbirner Grenze nun ganz gerade durch das Weitried hinauf zum Südpunkt (S) bei den Ampeln der Auffahrt Dornbirn-Nord. Wir schauen noch einmal zu First und Säntis und über das letzte Stück unseres schönen Rieds, dann geht es weiter zur Hohen Brücke - der Verkehr hat uns wieder! Und noch ein Tip: Kumm widor! Ganz allein, zu Fuß, mit Fernglas und Fotoapparat. Im Frühling, wenn die Mehlprimeln zarte Pünktchen ins Moor setzen! Im Herbst, wenn die Birken gilben! Oder im Winter, wenn die Eichen bizarre Graphiken in den grauen Himmel zeichnen! - Und wenn es Dir gefällt, dann bestärke doch unsere Gemeindevertreter in deren Bemühen, das Ried - unser aller Ried - zu erhalten! Lebensraum Ried bedroht! Auszug aus Landeskorrespondenz Nr. 72 vom April 1991 Die Streuewiesen sind als Lebensraum einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt von größter Bedeutung. Ihre Erhaltung ist von einer naturschonenden Nutzung durch Landwirte und Erholungssuchende abhängig. Verschiedene Grundregeln müssen eingehalten werden: Das Betreten von Streuewiesen ist in der Zeit vom 1. März bis 31. August, ausgenommen für zulässige Verrichtungen in Ausübung des Grundeigentums, verboten. Die bodenbrütenden Riedvögel, wie der schon seltene große Brachvogel, dürfen bei der Brut und der 33 Am Westpunkt im Schwarzen Zeug. Links mündet die Schwarzach in die Dornbirner Ach. Rechts beginnt das Lauteracher Ried. 32 Aufzucht ihrer Jungen nicht unnötig gestört werden. Ebenso ist das Reiten auf den geschützten Wiesen verboten. Da Streuewiesen vorwiegend auf feuchten und nassen Moorböden wachsen, werden sie bei der hohen Trittbelastung durch die Pferde zerstört. Die im Ried bestehenden Gräben dürfen von den Grundeigentümern und Bewirtschaftern nur in der Zeit von 1. Oktober bis 31. März instandgehalten werden. Dabei sollen die Gräben nur so tief gezogen werden, wie es für die Ableitung des Oberflächenwassers unbedingt erforderlich ist. Verboten ist auch das Abbrennen der Streuewiesen. Dabei werden nicht nur Kleintiere zerstört, es führt auch zu unnötiger Luftverunreinigung. Lebensraum von größter Bedeutung? Und trotzdem S18-Pläne? Trotzdem ständig steigende Autozahlen? Steigende C02-Werte? Trotzdem .. ? Siegfried Heim Nach Amerika (2.) In Heft 4, Seite 25, habe ich über ein paar Auswandererschicksale berichtet. In Heft 8, Seite 7, steht von den 34 Leuten aus Strohdorf und Hub, die um 1850 eine neue Heimat in Amerika gesucht haben. Darunter war auch der Sternenwirtssohn Nikolaus Fischer mit seiner Frau und neun kleinen Kindern. Wir fragten uns: Wo mögen sie im fernen Land ein Dach gefunden haben? Ganz überraschend konnte der Bregenzer Historiker Mag. Meinrad Pichler eine Antwort geben. Ein Pfarrer Huber aus Alberschwende hat 1872 den Wilden Westen bereist und die Ansiedlungen der Vorarlberger besucht. Nach dem großen Aufstand der Sioux-Indianer von 1862 - viele Wolfurter wurden in der kleinen Stadt Neu-Ulm in Minnesota belagert, 500 Neuansiedler kamen ums Leben - war Ruhe eingekehrt. Pfarrer Huber berichtet in seinem Tagebuch, daß er die Familie Fischer im Besitz einer «schönen Heimat» in Fremont angetroffen habe. Gott sei Dank! Nach Notizen in den Wolfurter Archiven sind zwischen 1849 und 1872 insgesamt 198 Wolfurter ausgewandert. Das sind 13 Prozent der 1500 Einwohner! Zwei gingen nach Australien, alle anderen nach Amerika. Der Schwerpunkt ihrer Ansiedlungen lag in Wisconsin und in Minnesota am Oberlauf des Mississippi. Längst sind sie Amerikaner geworden. Im heurigen Jahr 500 nach Kolumbus stellt sich in Amerika die Frage nach der Geschichte. History-Vereine erforschen die Einwanderungswellen und die Wurzeln in Europa. Auch an unser Pfarramt sind eine Reihe von Anfragen gekommen. Wilfred Schneider reiste selbst aus British Columbia in Canada an und ließ sich zu den Häusern seiner Ahnen führen. Einer seiner Vorfahren hat 1806 das Rädlerhaus an der Kellhofstraße gebaut, ein anderer wohnte im Samüllerhaus. Auch Jakob Schertler, der Schützenmajor von 1809, gehört zu seinen Vorfahren. 35 Schollen aus dem Ried Getrockneter Torf war früher eine wichtige Einnahmequelle für Wolfurter Bauern. Das bestätigt auch eine Rechnung aus dem Gemeindearchiv, die der «Caminfeger» Albinger im Instrumentenmacherhaus am Strohdörfler Brunnen an die Gemeinde richtete. Ein Fuder getrocknete Scholllen entsprach etwa einem Taglohn, in der Kaufkraft aber nicht einmal 100,- S von heute. Quittung Pr 6 f wörtlich sechs Gulden R. W., füer gegrabener, gederter und aufgeladener Schollen zum Haizen der Schulöffen. Hr 9fuder a 40 Kreuzer. Hr Lizidanto von dem gemeinds kassier Joseph Schneider Namens der gemeinde richtig empfangen zu haben hiemit quittire. Dann 3 Tag die feuerstette besittigef1 und füer den Tag 48 Kreuzer. Macht zu Sammen 2 f24 X. Wolfurt den 11 ten November 1826 Fidel Albinger *} durchgeschaut, repariert 34 Aus Wisconsin schrieb Scott Brunner, der in die gleiche Verwandtschaft gehört. Sein Ahn, der Sattler Johann Georg Rohner, hat 1839 das Haus Bützestraße 11 (Rüsto Tones) gebaut. Aus New Hampshire meldete sich William Brander. Zu seinen Ahnen zählt ein Geiger Martin im Haus Schloßgasse 1 (Stenzlers). Vom gleichen Stammvater stammen u. a. «Gigars im Röohle», Geigers im Adler, «Höllbur-Gigars» und Geigers am Unterlindenbrunnen. Schließlich fragte auch noch John Fischer aus Florida an. Er stammt aus dem Geschlecht des ersten Wolfurter Vorstehers Johann Georg Fischer im Haus Hofsteigstraße 27 («Schützen»). Als der Enkel Ferdinand Fischer 1865 nach Fremont in Ohio kam, waren dort andere Wolfurter schon jahrelang ansässig. So heiratete er denn auch mit Johanna Schneider ein Wolfurter Mädchen aus der Verwandtschaft unseres großen Malers Gebhard Flatz. Von den vielen Fischer-Verwandten haben neben dem 94jährigen Dr. August Fischer auch eine Reihe von Rupert Fischers kleinen Enkeln aus dem Flotzbach ihrem unbekannten Vetter im sonnigen Florida Grüße geschickt. Wir warten gespannt auf die Antwort. Mag. Pichler arbeitet an einem Buch über die Auswanderung. Vielleicht könnte uns jemand Fotos oder Dokumente von Verwandten aus Amerika zum Kopieren überlassen? Von Martha Hinteregger bekam ich einen solchen Brief. Er stammt von ihrem «Vetter» Theodor Rohner, dem «Pfarrer in Amerika». aufgeweckte Theodor hatte bei Lehrer Martin Köb, Oberlehrer Wendelin Rädler und Schulschwester Gottfrieda Oberhollenzer eine gute Volksschule gehabt. Nun schickte Pfarrer Georg Sieber den elternlosen Buben ins Lehrerseminar nach Tisis. Haus und Hof mußten verkauft werden. Bald wurde Theodor von einem Internat ins andere gereicht. Über Wien kam er nach Böhmen, dann gar nach Irland und schließlich 1897 nach Amerika. In Milwaukee, Wisconsin, trat er in das Priesterseminar ein und feierte 1903 Primiz. Nach sechs Kaplanjahren wurde er 1909 Pfarrer in Mount Horeb und 1928 bis 1946 Stadtpfarrer in Beaver-Dam, Wisconsin. Krankheitshalber mußte er in Pension gehen, konnte aber 1953 noch sein goldenes Priesterjubiläum feiern. Zeitlebens hielt er Briefkontakt mit seinen Wolfurter Verwandten. Aus dem letzten Brief des greisen Pfarrers, dem er auch eine Zeichnung von den Häusern im Loch unter Engel und Schwanen anfügt, ist sein Heimweh spürbar: «Ob ich noch einmal in die Heimat komme . . .». 1955 wurde Theodor Rohner in die Ewige Heimat gerufen. Eine Inschrift am Pfarrergrab von Wolfurt empfiehlt ihn unserem Gebet. Eine alte Rechnung Konto 1826 Hab ich in die Schul 4 Stül gemacht, hab daß Holtz derzu gegeben, tut für 1 Stück 2 Gulden, also zusammen 8 Gulden. Weiters ich und der Sohn 1 Tag gewerchet, für Kost und Lohn tut 30 Kreuzer, zusammen 1 Gulden. Weiters einen Weg grösser gemacht, tut 36 Kreuzer, weiters für Negel 6 Kreuzer. Summa 9 Gulden 42 Kreuzer. Meister Frantz Xaver Schertler, Schreiner in Wohlfurth. Den 14 Jenner 1826 Der Schreiner Schertler (1747-1833) hat im Jahre 1800 «Schrinars Hus», Lauteracherstraße 6, gebaut. Es wurde 1971 abgebrochen (Reiners Armin). Aus diesem Haus stammen die vielen Familien Schertler Veres und Schertler Bernhards (Villa). Wer die Rechnung nachrechnet, muß beachten, daß ein Gulden damals 60 Kreuzer hatte. Für einen Gulden arbeiteten zwei Männer einen Tag lang. 37 Der Pfarrer in Amerika Eine bedeutende Wolfurter «Rohner»-Familie hatte ihren Hof im Loch, direkt neben der Kellhof-Weingartenmauer. Die Alten kannten das Haus noch als «Hollagoggols», heute ist es umgebaut (Im Dorf 4). Aus diesem Haus stammten die Steinbrecher-Rohner (Haldobuob) und die Instrumentenmacher-Rohner im Strohdorf. Hier wurde auch Theodor Rohner am 19. Jänner 1877 geboren. Schon mit drei Jahren verlor er die Mutter, mit 15 Jahren auch den Vater und die Stiefmutter. Der 36 Siegfried Heim Die Michaelskapelle von St. Gallus Bis zur Gründung unserer Pfarrei St. Nikolaus im Jahre 1512 gehörte Wolfurt zu St. Gallus in Bregenz. Dort wurden die Wolfurter getauft, dort wurden sie auch zur letzten Ruhe bestattet. Längst ist der alte Friedhof bei der Kirche aufgelassen. Adelige und Geistliche wurden im Mittelalter meist in einer Gruft oder einer Krypta innerhalb der Kirche begraben. Zu solchen Ehren könnten in St. Gallus die Ritter von Wolfurt gekommen sein, falls sie nicht doch eine Gruft in der Nikolauskapelle in Wolfurt besaßen. Einen kleinen Hinweis finden wir in der Michaelskapelle. Sie ist nach Art einer Krypta unter den Chor von St. Gallus gebaut und nur von außen über eine kleine Stiege auf der Südseite zugänglich. Nur ganz selten wird die Türe für eine Führung geöffnet. Eine solche Gelegenheit hatte letztes Jahr Dr. Paul Gmeiner, ein alter und begeisterter Wolfurter. Er schickte mir Skripten, die die Bregenzer Historikerin Frau Reckefuß-Kleiner zusammengestellt hat. Sie basieren auf Forschungen von Landesarchivar Viktor Kleiner von 1911 und von Andreas Ulmer 1926 (Zeitschrift Alemania). Die Wände der Michaelskapelle sind mit Fresken geschmückt, die dem Bregenzer Maler Urrich Geser um 1500 zugeschrieben werden. Sie sind von großem kunsthistorischem Wert und für Wolfurt besonders interessant. Im Jahr 1911 beschrieb sie Landesarchivar und Landeskonservator Viktor Kleiner wie folgt: «Gleich beim Eingang in die Gruftkapelle fällt unser Blick auf das umfangreiche Votivbild der Familie Kaisermann. Rechts halten kleine Engel einen einfachen Vorhang. Davor stehen der Heilige Gallus im Mönchsgewand mit dem Abtstab und die Muttergottes mit dem Christkind auf dem Arm. Vor ihnen kniet von rechts nach links die Stifterfamilie: drei Ehepaare der Familie Kaisermann. Zu ihren Füßen lehnen die Wappen und über ihren Häuptern sind die 38 Inschriften angebracht: Johann Kaisermann, 11386, und seine Gattin Maria von Wolfurt, 11415, deren Sohn Heinrich Kaisermann, 11465, und seine Frau Elsbeth Schmidin, 11465 (aus der nachmals so berühmt gewordenen Familie der Schmid von Wellenstein), dann deren Sohn Hans Kaisermann (wahrscheinlich der Stifter des Bildes), gestorben nach 1498, und dessen Frau Elsbeth Zollerin von Zürich. An der Stirnseite des langgestreckten Kapellenraumes sieht man das schlecht erhaltene Bild des Heiligen Michael mit der


Heimat Wolfurt Heft 04 1989 September
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 4 Zeitschrift des Heimatkundekreises Sept. 89 KIRCHDORF WOLFURT Ältestes Foto. Der alte Kirchturm war nur 46 m hoch. Links der 1895 abgebrochene Bauernhof Schwerzier, Filitzos. Inhalt: 10. Wolfurter Mundart (Helmut Heim) 11. Kriegsende (Flatz) 12. Pfarrkirche (Heim) Helmut Heim DIE A U T O R E N : Helmut Heim, geb. 1932 in Wolfurt, Schreinermeister. Hubert Flatz, geboren 1921 in Wolfurt, Finanzbeamter. In vielen Vereinen aktiv. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor Sammlung mundartlicher Ausdrücke, Reime und Redewendungen aus Wolfurt Die hier aufgezeichnete Mundart will das ehemalige dörfliche Leben unserer Gemeinde aufzeigen und entstammt daher vornehmlich dem bäuerlichen und handwerklichen Alltag. Sehr viele dieser Ausdrücke sind aus dem heutigen Wortschatz bereits verschwunden. Einige sind nicht «ur-wolfurterisch», sondern aus andern Regionen irgendwann zugewandert, wie ja auch früher schon manche Fremdwörter Eingang in unsere Mundart fanden. Trotz etlicher Mängel, so hoffe ich, regt diese Niederschrift einige Leser dazu an, selber im Gedächtnis nach Altem zu graben und auf Papier festzuhalten, um diese Mundartsammlung zu ergänzen und zu bereichern. A abe Berichtigungen Wir korrigieren mit Ihrer Hilfe gerne alle Fehler, die Sie uns nennen. 1. Heimat Wolfurt, Heft 3, Seite 1: Inhalt: 8. Wolfurter Geschlechter (Heim) 2. Wolfurt in alten Bildern, Ausgabe 1981; Bild 25: Gottlieb Böhler berichtigt: Das Fischer-Haus ist nicht 1958, sondern am 18. 3. 1955 abgebrannt. Er hat mit großen Schülern Möbel herausgetragen. 3. Ebendort, Bild 42: Helmut Heim erkannte, daß das Bild aus Königs Album nicht im Unterfeld sein kann. Wer kann es lokalisieren? 4. Ebendort, Bild 55: Theresia Geiger wußte, daß das Bild nicht im Strohdorf, sondern bei Geigers im Röhle aufgenommen wurde. abe aberwendig Aggs abheldig aläg Ale allat allpot allomarsch! ament Ambalascht Angl Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Sau und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt - «as abéd»- es wird weniger «ar heat fest gabed» - sein körperliches oder geistiges Befinden hat sich verschlechtert, - «gang abe!» - gehe hinunter! - «aberwendig mache» - jemanden umstimmen, abspenstig machen, auf die Gegenseite bringen - Axt - z. B. Hanglage einer Wiese, schräg - z. B. Hanglage einer Wiese - Liebkosung Wange an Wange - immer - immer wieder, öfters - allowante! - verschwinde! hau ab! - am Ende, vielleicht, «I kumm ament a klä zu dir.» Ich komme auf ein Weilchen zu dir. - Jute - Achse, Zapfen, Bolzen, Türangel, Fischangel, jener Teil des Messers, der im Griff steckt, Angel der Bienen, usw. - Drehpunkt, Zirkelpunkt, Mittelpunkt 1 Angelpunkt arlückele arkulpe Arang Apedengar ästimiire äschbliziire - etwas herausfinden, etwas entdecken - etwas bewältigen, das Letzte an Kraft herausholen, «I heas gad no arkulpet» - Anstoß «Kumm nim an Arang!» - Beginne, fange an, getraue dich! - Himmelschlüssel, Aurikel - etwas schätzen, hochachten - erklären Beare Bämsel belfere bearhäm bearig, bärig Bettbrunzarle Betthäs bizele, biz - Schiebetruhe, «Mistbeare», «Bschüttebeare» - Pinsel - krachen, schießen, Geschützdonner - hinkend, nicht gut zu Fuß, fußmarod - schön, gut - Bettsoachar - Buschwindröschen - Bettwäsche aller Art, nicht Leibwäsche - wenig Bemperlewasser - alkoholfreies Getränk (oft mit Jgsottes zubereitet) B, P bägere barentig parat baschge Balise baff Bare Bändt palästere - bitten, mahnen, auffordern - pur, rein, unverfälscht, «Des ischt doch barentige Essig», sagt, wer sauren Most vorgesetzt bekommt - fertig, bereit - etwas bewältigen - beidseitig geschliffenes Stemmeisen - überrascht - Futtertrog, Turngerät - Band, Türbeschlag, Schöbändt - Scheinband, Kette um Kühe anzubinden - jemanden etwas zu Leide tun, Ausdruck beim «Spatzsecklspiel» (Wenn die Schaufel beim Schlagen den Boden berührt rufen die Mitspieler: «Bode palästeret») - weinen - kleine Verletzung, kleine Wunde - baldigst, «jo beider» - ja gewiß - kleinwüchsiges Tier, Winzling, «Du klenna Beanzgar», sagt man auch zu einem Buben, der wohl vom Wuchs her klein, sonst aber schneidig ist - «a warme, belzbachene Underhose» belzbache leitet sich ab von Barchent. Rauher Barchent, ein Baumwollgewebe, wurde früher oft zu warmer Unterwäsche verarbeitet. Die aufgerauhte Seite hatte eine weiche, pelzoderflaumähnlicheOberfläche Pflädder, Pfläder - Fladen z. B. «Kuhpflädder» pfluddere, pfludderig, Pfluddere - z. B. Verspritzen einer breiigen Masse, Aufkochen einer dicken Suppe usw., schwabbelig - Übername für dicke Frau pfludere - z. B. wenn eine Henne sich den Staub aus den Federn schüttelt, wenn jemand eine «nasse» Aussprache hat, wenn jemand beim Lachen Speisereste von sich gibt - fauchen der Katze; Geräusch, wenn die Luft aus einem Fahrradreifen entweicht, unterdrücktes Lachen, usw. - Pickel, Akne - rechtes Maß «Der kennt koa Pfacht» pfutzge Pfuze Pfacht, Pfarcht pfächte, pfächtle - einschränken, «Di tut ma denn ou no a klä pflichte.» Dir bringt man das rechte Maß schon noch bei. Pfannebreat, Pfannekneacht pfuche pfnitze pfnäschte pfuse pflenne pfundig Pilgere - Brett mit Halterung für den Pfannenstiel um die heiße, rußige Pfanne auf den Tisch zu stellen. - fauchen, apfuche — anfahren, unfreundlich sein - niesen - keuchen, vor Anstrengung schwer atmen - stark winden, stürmen; ruhen, dösen, schlafen - weinen - schön, gut - zahnloser Kiefer 3 belle Bele beider Beanzgar belzbache pfuballe, Pfuballe - Ball spielen, Ball 2 Birling Biestkuche bige, Big - kleiner Heuhaufen, «Schoche» - Auflauf aus Biestmilch (Die Milch einer Kuh gleich nach dem Kalben wird bei mäßiger Wärme zum Gerinnen gebracht) - beigen, «Schitterbig» Bötere böterle Böterlebohrar bögle Botsche, Bötschä Boh Bodebira Beckele Boaz Brüllekalb - binand, benand, - beieinander bejanand bigotr, bigöllar blangere Bläkte Bläktus Blutsugar bloge, Blog Bluascht blose, Blose blug - bei Gott - etwas sehnsüchtig erwarten, «Ma blanger'et uf des erschte Obscht» - Blatt - Schimpfname - Blutegel; Schimpfname für rücksichtslosen Ausbeuter - quälen, Plage - Blütezeit, «d Bluascht» - die Blüten - blasen, Blasinstrument - durchsichtig, dünn; neugeborene Mäuse und Vögel z.B. sind blug, sie haben eine dünne durchsichtige Haut. Blug ist eine frischverheilte Wunde. Blug ist auch jene Stelle an einem Kleidungsstück, die abgewetzt, dünn und durchsichtig ist. - dicke Blutwurst - Blase, «Sublötere», «Soafeblötere», Blase an der Ferse - Einer der sich nicht traut, langweiliger Mensch - weinen, «Si bläget wi a Kälble» - etwas sehnsüchtig erwarten - viel reden, nichts sagen - Schwätzer, dummer Angeber - schwer, «I he ble-iene Füeß» - fallen Kater spielen mit Puppe, Puppe nur sehr, fast, ziemlich Kügelchen des Rosenkranzes oder einer Halskette altes Wort für «kugele» (Kinderspiel) langweiliger Mensch bügeln Hausschuhe, Schimpfname für ungeschickten Menschen, «duat dear aber bötschig» - Heuhahn, Heuboden, Ablage für Brennholz, Zwischenboden in der Tenne - Kartoffeln - Tasse, «a irdes Beckele» - eine Tasse aus Ton - Eifer - sagt man, wenn man jemanden in den April schickt Pritsche, - behelfsmäßiges Bett; Brett mit dem der Mist auf den Wagen pritsche, pritschle glattgeschlagen wurde («Mistpritsche»), schlagen in Wasser, plantschen Brieme bromig, Brom brisele, brisle brocke Broß Brentöwilar Brentöwinar Broatdatschar Brünnerling Prüge, Brüge - Bremsen - rußig, schwarz, Ruß, «Bromiga Fritag» - Band durch Ösen ziehen, (Schuhe, Mieder) «ibrisele, zubrisele», leichter Schneefall «As briselet a klä.» - pflücken - Sprossen der Obstbäume - Apfelsorte - Apfelsorte - Apfelsorte - Ablage, Obst-, Mist-, Holz-, Heuprüge. Das Wort kommt von Prügel, Holzrundling. Eine Lehmgrube (Lacheloh) wurde mit Rundlingen abgedeckt und darauf der Mist gelagert - Mistprüge. Ein Zwischenboden in der Tenne aus Rundhölzern war eine Heuprüge. - Nachtgeschirr aus Holz - Holzkübel - abblättern, z.B. von Mais, Bohnen usw. - weinen - besessen - schlagfertig 5 Blunze Blotere Blöterlar bläge blangere bläfere, läfere Bläferar ble-ie bohle Bole bobbele, Bobbe bos, blos bode bödelet Brunzbrente Brente brätschle briage bseasse bschosse - etwas, z.B. Boden des Korbes mit Äpfel bedeckt 4 bschnotte, gschmotte Bschüttebine Bschüttebeare Bschüttekübel bschüse bsetzt bschlahe, bschlage - knapp, gerade noch, beengt, eingezwängt - zweirädriger Karren mit Holzbehälter für Jauche - einrädriger Karren mit Holzbehälter, «Lägelebeare» - Holzkübel mit langem Stiel - ergiebig sein, «Rogges Brot bschüst besser as Kernes» Schwarzbrot ist ergiebiger als weißes. - fest, dick, mollig - Tätigkeit des Zimmermannes, mit der Axt aus Rundholz Kantholz zu schlagen; des Schmied's, Pferde, Wagen, Truhen usw. zu beschlagen; des Schuhmachers, Holz- und Ledersohlen der Schuhe mit «Kappenägel» haltbarer und rutschfester zu machen. «An bschlahena Stöa» - ein behauener Stein - Schuhmacherutensil (Eisenfuß auf Holzsockel) - Steinpflaster, Besatz aus Stoff, «Ahbollebsetzä» - Kopfsteinpflaster. «A Hemp falsch bsetze» - war bei einem Hemd der Kragen zerschlissen so wurde manchmal am Hinterteil des Hemdes Stoff weggeschnitten, daraus ein neuer Kragen genäht und das fehlende Hinterteil mit einem oft andersfarbigen Stoff «falsch bsetzt». - klopfen - Kälbchen - Kinderschreck, böser Mann, unfolgsamen Kindern wird mit dem «Bulema» gedroht, der nachts unterwegs ist und schlimme Kinder mitnimmt. - gebundenes Heu wird auf dem Rücken getragen, auch Holz und anderes, von bürden, aufbürden. - weitausholende, lange Schritte - Konfetti, Abfall der Punschmaschine - reichen - gebündeltes Brennholz - Gestell auf dem die Buschein gebündelt, gepresst und gebunden werden Bündt Bühle pumpelusisch Butzge butznersch Budl Putsch Pulge Butte Butterfaß Buhlade Buttermodi - Wiese beim Haus - Beule - Sprache die man nicht verstehen kann, Kauderwelsch - kleiner Apfel, Rest eines gegessenen Apfels - total verrückt - kl. Flasche, Maß, «Milchbudl», «Schnapsbudl» - Tonflasche mit Henkel - kl. Holzfäßchenetwa 3 bis 5 Liter, Transport und Trinkgefäß - Transportgefäß mit Schulterriemen, ursprünglich aus Holz, «Milchbutte», «Schmalzbutte» - Holzfaß, das um eine Achse gedreht wird, um Butter zu schlagen, Rührkübel. - Bauchladen der Hausierer, aus Holz Budille, Budelle - Bauchflasche Bschlahfuaß Bsetzä - bsetze pumpere Busele Bulema - Holzform, Maß um den geschlagenen Butter die richtige Form und Größe zu geben. «D Buttermodi» war meist aus einem Stück weißem Ahornholz geschnitzt u. manchmal mit einer eingeschnittenen Blume verziert, welche sich dann auf dem «Butterstöckle» erhaben darstellte. Buchtel, Wuchtel - Mehlspeise büaze - ausbessern, flicken, reparieren, stopfen von Kleidern, Wäsche, Zäunen, Werkzeugen usw. Burde Buacharschriat Punschbolle büte Buschela Buschelebock D,T dante, dantig, Dantar dämpfig dasig DächlemacharTatsch, Tatsch, Tatsche tätschle - langsam sein, unentschlossen sein, von tändeln träse, träße, Träß - schimpfen, jammern, stets nörgelnde Frau - «a dämpfigs Roß» - Asthma beim Pferd - trübes Wetter, getrübte Stimmung; leichtes Unwohlsein Regenschirmflicker - Schlag, Knall, Blitz, etwas Zerdrücktes - leicht schlagen, Art von Liebkosung 7 Buaschtschüppe - Büschel harten Grases, welche von den Kühen verschmäht werden 6 dengele, Dengelstö, Dengelhammer, Dangel -Die Sense wird auf dem «Dengelstö» dünn gehämmert. Der dünngeschlagene Teil der Sense Daffatöpfel deare - Apfelsorte - dörren, Dörrobst. Äpfel wurden geschält, in Scheiben geschnitten, auf Schnüre aufgefädelt und außen an der Hauswand wie Girlanden unter die Fenster gehängt und von Sonne und Wind getrocknet. Birnen hingegen wurden meist in Blechen auf dem Holzherd oder Kachelofen gedörrt - nicht dauerhafte, nicht ernstzunehmende Liebschaft - Wagendeichsel - Gerede, Gejammer, viel Aufhebens um nichts - schleichen - Gerede, durcheinanderreden - Kauz, Eule - donnern, Donner - unschlüssig sein - nichtssagender Geschmack bei Speisen. Ein Bild, eine Tapete kann auch dötrlos sein, farblos, langweilig, nichtssagend - Maulwurfsgrille - gut gedeihen bei Kindern und Tieren; «übeltröijig» - schlecht gedeihend - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen, Kinderlatz; Schimpfname - Birnensorte - Tannenreisig - Geselchtes - Delle, Vertiefung, Rabenvogel - Fuß verschiedener Tiere z.B. «Hennetöpe», Katzetöple» usw. - Tintenklecks Dolder Docke toag trätze Trucke - Baumwipfel - Puppe aus Holz; Fußteil einer Bank, Konsole - Birne die abgelagert, weich und innen braun ist, zu unterscheiden von «mahr» - reizen - Truhe, Trog, Kiste, Behälter, Schimpfname. «Kiestrucke», «Gschiertrückle» - Werkzeugkiste, «Katzetrückle», «Kästrucke», «Spöütztrückle», «Kudrtrückle». - sehr einfältiges, gutmütiges Weibsbild - Truhe - von trügen, «an trogena Ma» - man sieht es ihm nicht an - Trog «Sutrügel» - Schimpfname - Trichter aus Holz oder Metall - Presse für Obst und Wein - Bahre, «Mistträge», mit ihr wurde der Mist auf dem Acker verteilt. schwindeln, schwindlig - erster Brand beim Schnapsbrennen, trübe, unsauber die kleine Trommel schlagen Trommel träumen, Traum Balken drehen Techtelmechtel Diggsl Termäne diche Dischkurs, dischgeriire Totevogel, Dotevogl dore, Dörar dötterle dötrlos Trodel Trog troge Trügel Trachtar Torkel Träge trümmle, trümmlig Trub trümmele Trummekübel tröme, Tröm Tröme dreie trole, Trölar drülle, Drülle Drüllebubbar trödle, Trödlar Tresterkäsle trostle drin Drohscht, drohschtig Trumm demol, a demmol - dieses Mal, vor etlichen Tagen, kürzlich, letzthin Dorle tröije triele, Trielar Döübela Dohs Diges Dohle Tope, Töple Tolgge 8 - rollen, kurzes Rundholz drehen, Wirbel im Wasser Spielzeugkreisel, Bezeichnung für kleinen Buben ohne Eile sein, langsamer Mensch; Händler Obsttrester in eine Form gepresst und getrocknet (Brennmaterial) - ohne weiteres, getrost, «red trostle lut, si hört koan Tun.» - aufgeregt sein, «I bi iez ghörig drin gsi» - Schwüle, schwül - Stück 9 trümsle, Trümslar tschare Tschügge Tschole Tüchl - langsam sein, etwas einfältiger, langsamer Mensch - kaputt - Schimpfname - gutmütiger, friedfertiger, manchmal etwas einfältiger Mensch - Holzrohre. Die alten Wasserleitungen von den Quellfassungen («Brunnestube») zu den Laufbrunnen waren alle aus durchbohrten Holzstangen gefertigt. - Werkzeug, Berufsstand Hochgewachsene Stangen der Weißtanne wurden mit einem langen Bohrer durchbohrt. Die Rundlinge wurden von beiden Enden her angebohrt. Leicht gebogene Stangen wurden während des Bohrens gerade gespannt. Es war eine sehr anstrengende, schweißtreibende Tätigkeit, deshalb ist heute noch die Redewendung erhalten: «Ar suft wi an Tüchlbohrar.» - Mais, wurde früher auch «Welschekorn» oder «Türkewoaze» genannt - Apfelsorte mit besonders großen Früchten - Teil des Faßes «A Tuge abesufe» - getrocknete Torfschollen, Brennmaterial - Übername der Lauteracher - stottern - Donnerstag - stoßen von Schafen oder Ziegen «Böckle, böckle, tütsch» E eapamöl eapas eadde, Eadd eere Eappr Eggoaß Engera - manchmal - etwas - jäten, Unkraut - pflügen - Erdbeeren - Eidechse - Engerlinge Tschick, tschick - Stück Kautabak; müde, erschöpft Tüchlbohrar F,V Fas Fasnat Falott - abgeschrägte Kante - Fasching - Nichtsnutz, Spitzbube Türke Türkeöpfel Tuge, Duge Turbe Türbelar dudere Dunnschtag tütsche Vatterunsarhals - Sunntagshals - Luftröhre «As ischt mr in Vatterunsarhals ku», sagt man, wenn man sich verschluckt hat feand, feandrig fendere, Fenderar Feal Fealbar fitze, Fitz foppe, Foppar Vorstehar Fleaka Flegel Fotogen flöüze, Flöüzar Flöüzarhoke flacke - voriges Jahr, letztjährig - herumlungern, umherziehende Nachtbuben - Wunde - Weide - schlagen, Peitschenschlag, Blitz - hänseln; lästiger, andere ausspottender Mensch - Bürgermeister - etwa 6 cm dicke Bohlen. Aus ihnen fertigte man gespundete Wände und Decken - Dreschwerkzeug, Schimpfname - Petroleum - flößen, Holz triften, Brennholz fischen, Berufsstand - Flößerhaken - liegen 11 Türkische Musig - ehemalige Musikkapelle in Wolfurt 10 Fläre fludere Flause frötzle fräggele freze frette, Gfrett Friedhofsjodlar Fratz Firggar Firgge firgge Fise Függe vrdimmet vrdwire vrhe-ie vrplempere vrquante vrrumpfele vrbudle vrsufe vrschustere vrdrüllet vrdatteret vrdruckt vrseckle vrschosse vrpfife 12 - Wunde, Schürfwunde - flattern - Hirngespinnst, Ohrfeige - reizen - entfernen der Baumrinde kleinweise mit Beil - abweiden des Grases durch Vieh - rackern, mühen, Plage - starker Husten - freches Kind - Ausguß, Abwasch, Waschbecken, in der Stickerei Mittelsmann zwischen Fabrikanten und Heimarbeiter - beim Mühlespiel eine Doppelmühle - scheuern, aufscheuern, sich wehtun «d Schuh heat mi gfirrget» - Bezeichnung für Rothaarigen «du rota Fise» - Bezeichnung für Rothaarigen - vermodert, verschimmelt, z.B. Stockflecken in Wäsche durch feuchten Aufbewahrungsort - verirren, sowohl räumlich als auch geistig nicht orientiert - kaputtmachen - vergeuden - versorgen, verräumen - zerknittern - zerknittern von Papier - ertrinken, versaufen z.B Geld - verpfuschen, nicht zum Vorteil veräußern, verkaufen - verdreht - erschreckt, in Verlegenheit sein - hinterhältig - jemanden zum Besten halten - verliebt sein, gebleichte Farben, erschossen - verraten vrpfifebüxle vrluse, vrdluse vrbutze vrsohle vrgitzle Fürfeall fuxe fürbe, Fürbat ful Fulfieber Funzl Füdletasse Füdlar Füdle fudig fuhre, fuhrig Furgge - verspekulieren - auslesen, sortieren - verputzen von Mauerwerk; Geld verjubeln; jemanden nicht leiden können - «Dean kane nit vrbutze» - schlagen, züchtigen, «sFüdle vrsohle» - verzweifeln - Lederschürze - jemanden ärgern, «as juxet mi» - nichts gelingt mir - kehren, Kehricht - faul, müde - vorgetäuschte Krankheit, Ausrede um länger als üblich schlafen zu können, übergroße Müdigkeit - Petroleumlicht, Schimpfname - Nachtgeschirr - Kinderschlitten - Hinterteil bei Mensch und Tier; Öse einer Nadel; unteres Ende eines Baumstammes - «fudig to» - jemanden reizen, spöttisch - fette Speisen «führend». Sie «tond zu». - Mistgabel G gäge, umgäge, gägig Gägarle gazge gad nö gaffe Galoscha Gade galt, Galtveah Gaude gänge - fallen, umfallen, «a gägigs Fuder» - einseitig geladenes Heufuder, das jeden Augenblick umfallen kann - kleiner Mann der unsicher auf den Füßen steht - gackern, weinen - gerade noch - starren; zuschauen, wo man wegschauen sollte - alte ausgetretene Schuhe, Gummiüberschuhe - Elternschlafzimmer - milchlos - Lustbarkeit - stechen der Wespen und Bienen - von geangelt 13 gängig galle - gutgehend - Obst einsammeln nach dem Gallustag. Mit dem Spruch: «Galletag ischt gsi, was ifindghörtmi!.»zogen die Kinder, mit einem Sack und einem Stecken, durch die Felder und nahmen alles Obst, das noch auf den Bäumen hing und darunterlag mit nach Hause. Der Brauch verschwand bei uns während des zweiten Weltkrieges. - Schlagmesser mit gebogener Spitze - gestern - kl. Schuppen oder Anbau an Scheune - Bottich, «Wöschgelte» - mögen wollen, «I gear hüt gär nidd schaffe» - flaches Holzgefäß um die Milch zu entrahmen - bei gutem Humor z.B. - richtig, recht, viel, «as heat ghörig gschne-it», « as göht ghörig» - geheuer, nicht geheuer - böse, zornig, geizig, Zorn, Geiz, «is Alter waggst nüt meh, as d Negel und de Gitt» - Mitesser - geizig, Geiz - Geißlein - Ziegenkot Früher rieben sich die Kinder den Zeigefinger der einen Hand, am Zeigefinger der anderen und riefen: «Gizgägele, ätsch,» um andere Kinder zu ärgern. Das nannten sie: «Usgiggsle» - Hahn - knarren des Fußbodens, der Türe usw., «giire mit d Zähne» - schlagen mit dem Fuß - «I giab dr an Gingg» Glufe glongge Glonggar, Glöngge Glanet Gloach gmo Gmoand gmoant, gwähnt Gmüdr, Gmütsch gmüatle gmach gnot, d gnote Weag gnu,gnug Goub, Gob, Göble Goasl Goldgranätlar göüple go, gang - Nadel, «igluß» - einfädeln. Wenn ein älteres Mädchen einen Partner findet heißt es: «Iez ischt si doch no z glußt ku» - hin-und herschwingen - etwas Hängendes das baumelt oder schwingt z.B. «Ohreglonggar», Glockeglonggar» usw.; Schimpfname - Klarinette Glied einer Kette bescheiden, leutselig, nicht eingebildet Gemeinde geglaubt, gemeint Abfall beim Holzhacken Gettar gestet Gentar Gelte geare Gebse ghumöhrt ghörig ghürle, ughürle gittig, Gitt Gittwurm gizig, Giz Gizile Gizgägele, Giggsgägile Giggelar giire gingge gigampfe - gemächlich, gemütlich - gemächlich - schnell - genug - Kind, kleines Kind - Peitsche - Apfelsorte - balgen, spielen, Kinder, junge Katzen und Verliebte «göüplend mitanand» - gehen, gehe - schauckeln auf einem Brett, welches in der Mitte auf einem Lagerbock aufliegt, z.B. giiße - schreien, laut weinen, kreischen glumpig, Glump - schlecht, schlechte Ware glese - gläsern, «an glesena Krug», aus Glas glasig glare glotze glei gli - glänzend, leuchtend, «glasige Ouge starren starren sofort, gleich, «i kumm glei» egal, gleich, «as ischt mr gli» goaste, Goast Göppel - spuken, geistern, Gespenst - Antriebsgerät mit Übersetzung, (Getriebe) bei dem mittels Pferde- oder Menschenkraft, Maschinen angetrieben wurden. Als das Fahrrad aufkam, wurde es seiner Übersetzung wegen, oft auch «Göppel» bezeichnet. Wird heute meist abwertend für ältere Fahrräder gebraucht. - bedeutet etwa Gehege, Bezirk, «Deam bin i is Göü ku» heißt die Kreise eines andern zu stören. - Haus hüten, während einer Beerdigung z. B. kommt eine Nachbarsfrau «ga gome.» 15 gosche, Gosche - schimpfen, derber Ausdruck für Mund Göü gome 14 Gogummere - Gurke Grüsch gschwunde Gspane Gspusi gstumpet Gschwear schnudere, Schnuderar Gschnüder Gschtrüch, Gschrücht gschmotte, bschnotte gspriggelet gstearr Gsüff Gschlüder, gschlüdrig gschniglet Gschier Gsims Gsod Gsodstuhl gspundet gstemmt gschutzt gstäht gugge güggle Guggar Guggarklee Guggähne - Kleie, Viehfutter - ohnmächtig - Begleiter, Gefährte heimliche Liebschaft kurz, klein Geschwür, «i hea a Zagschwear» Rotznase hochziehen, Schimpfname golgge, Golggar - schwappen, «d Milch golgget i dr Butte» Pumpbrunnen gozig goazge gülde goldig gottsjömmerle toa grötig gragöle grütschle, Grütschlat Gräms Grotseage Grabe grizgrame - einzig, von Gotteinzig - Geräusch, wenn man sich z.B. verschluckt hat oder, wenn jemand nahe dem Ersticken ist. - golden, aus Gold «a güldes Krüzle» - lieb, süß, gut «a goldigs Humörle» - zum Erbarmen jammern - schlechtgelaunt - lärmen - schaukeln, Schauckel - Rahmen, Türrahmen, profilierte Kassettendecken, usw. wurden als Gräms (Gerahmtes) bezeichnet - Gratsäge - altes Wort für Spaten; Wassergerinne, Bach - knirschen mit den Zähnen, von griesgrämig - Katarrh, Rotznase - Katarrh - siehe bschnotte - gesprenkelt - steif - schlechtes Getränk - Schneematch, «legg hohe Schuh a, as ischt hütt gschlüdrig dußa.» - sauber hergerichtet, «si ischt gschniglet und kamplet» - Werkzeug, Kochgeschirr, Kuhgeschirr usw., «Gschierlumpe» - Gesimse, «Gsimshobel» - kurz geschnittenes Heu - Handgerät bei dem mittels eines Stanzmessers Heu kurz geschnitten wurde - Holzverband - Holzverband - schnell, ohne Überlegung, ungeschickt - gemächlich schauen im geheimen schauen Kuckuck, «d Guggar soll di hole» Sauerklee Urgroßvater Gsottes, Igsottes - Gesottenes, Eingesottenes (Marmelade) grenne, Grenne - Gesicht verziehen, Grimasse schneiden, «grenne, grenne, tuat nit weh, wer grennet der heat Lüs und Flöh.» grüscht grea gröte Greular gruabe Grüba gruste, kruste Graffl Gramure Grampe grampe - fertig, hergerichtet, von gerüstet - fertig, erledigt, gerichtet, angerichtet - gelingen, geraten - trüber Most mit Grauschimmer ruhen «gruabe git gut Buabe» Grammeln stöbern, suchen Plunder Durcheinander Pickel, schlechtes Pferd Arbeit mit dem Pickel, heute noch manchmal gebräuchlich für die Tätigkeit der Bahnarbeiter beim Geleisebau. Grabehoue 16 - Werkzeug um Riedgräben zu öffnen 17 Guggöre - von guggen - schauen und Öhr-Öffnung bedeutet Ausguck, oberstes Giebelloch unter dem First. Wenn Buben eine Hütte bauen, die windschief und wackelig ist, sagt man heute noch: «Do machend ir aber a ghörige Guggöre.» Wird auch verwendet für sinnloses, unüberlegtes Aufeinanderstapeln von Dingen. - Kind im Arm wiegen, auf den Schultern tragen - starker Regen, Wolkenbruch - Flasche guge Güse Guttere gumpe, Gumper - pumpen, tanzen, hüpfen, Pumpbrunnen, «gumpiga Dunnschtag», «Bschüttegumpar» Gumpe Guat gunne Güsch Gurglholz güne Gumelascht - Wasserloch - Wiese beim Haus - gönnen, «vergunne» - mißgönnen - Schimpfname für moralisch minderwertige Frau - nennt man das Holz einer Tanne, das in Alkohol umgesetzt wird, bevor es den Wald verläßt. - winseln des Hundes, weinen - Gummiband Hälegigar Häs Hagel Häslus heare Hemp Herelöable hetze hetzig, Hetz heane, heat, kett, hea oder heo herze - Schmeichler, Einschmeichler Kleidung insgesamt «Weachtaghäs und Sunntagshäs» Stier Filzlaus, «freach, wi a Häslus» rufen Hemd Herrenlaibchen - Brot treiben, jagen lustig, Lustbarkeit, Spaß haben, hat, gehabt, habe liebkosen hergoles, hargoles, hargolane, hargolante, hardigate - beim Herkules! helde Hennelar hinat Himbr Hindrhusar Hille hindrfür Hinderung - z.B. ein Mostfaß in eine Schräglage bringen - Hühnerhabicht, aber auch Mäusebussard - heute Nacht, kommende Nacht «a guts Hinatle» - Himbeere - Apfelsorte - Helligkeit, Lichtschein einer Feuersbrunst z.B. - verkehrt, umgedreht, an hinderfura Voaderwäldar» - Rückstand, «i bi im Hinderung» - Ringkampf, ringen - Haken, schlechtes Pferd, unansehliche Frau - Haken - «Türhouche» auch «Klobe» oder «Angln genannt, siehe «Klobe» - Großer Brachvogel - Heuschrecken - Regenguß, Unwetter - Birnensorte - Werkzeug, um Heu schüppelweise aus dem Heustück zu ziehen, (armlanger Stil mit einer Spitze aus Eisen und Widerhaken) 19 H händig - geschickt, anstellig bei Menschen, auch bei Pferden. Bei Werkzeugen bedeutet es gut in der Hand liegend, wird auch gebraucht bei Geräten, Maschinen und Fahrzeugen aller Art. Hoselupf, hoselupfe Hoge Houche Holipar Höühoppar, Höüstäffel Höüdearar Höübira Höülüchar Hächlar, Häklar - «igwaggsene Dreak» - alter hartnäckiger Schmutz auf der Haut (Füße und Hals) häze - klettern Habermus - Haferspeise Haras - Obst-, Kartoffelsteige Hasebläckta - Wiesenbärenklau halte - hüten (Vieh hüten) hebe, Hebe, - halten, festhalten, Griff, (Griff aller möglichen Werkzeuge Hebel, Heft meist aus Holz oder Horn), «heb ü» - halte an, «heb da Götte», «Ar gitt s Heft nit uss r Hand», - er bleibt am Ruder halse - umarmen, liebkosen häl - schmeicheln - rutschig 18 Houe, houe höüile, Höüile Honnar, Honnare Hoanze, hoanze - Heinzen, Stange mit Querstäben auf denen das Heu getrocknet wird Hoanzesteckar - starkes Rundeisen mit Spitze Holtscha, Hölzlar - Holzschuhe, Schlüpfer, vorwiegend für Stallarbeiten Holtschemachar - Holzschuhmacher Hülzebödnar, «Lüch» ist eine alte Bezeichnung für Loh-Loch und Licht siehe «lüche» - Gartenwerkzeug, «Grabehoue», schneiden, schlagen - jäten, kl. Haue mit Zweispitz «Friedhofshöüile» - Holz- und Heuschlitten; Kuh die oft ihre Hörner gebraucht Hurnussl Hurde - Hornisse - von Hürde, etwas übervoll beladen, siehe «Schoche» hunze, vrhunze - spotten, verspotten, etwas verderben, «um di Sach nit ganz zu vrhunze, gommerliaberga brunze» hürle, anehürle - in die Hocke gehen hüsle, Hüslarzüg - spielen, Spielzeug huremäßig, hurementig, hargotmentig - Diese, sowie ähnliche andere Wörter werden verwendet, um die Aussage der nachfolgenden Wörter zu verstärken, nicht aber um sie zu bewerten. - Schuhe mit Schweinsleder - Oberteil und Holzsohlen «zum ibrisele». Die «Hülzebödner» waren während und nach dem Zweiten Weltkrieg sehr aktuell. - steif, ungelenk, hölzern - Hornerschlitten, dessen Gleitfläche unbeschlagen ist. - leichter Heuwagen, dessen Achsen aus Holz sind. - Haupt, Kopf, «Kruthöple», Salothöple» - Holunderkompott - Heidelbeeren - viel, zahlreich, «es hoadlet gat» - springen - langsam, bedächtig, vorsichtig, «1 tur a klä hofele» - heikel, «du hoakliga Beatlar», wennjemanden das Essen nicht genehm ist, «noch em hoakle si kut nüt meh», wenn einem Mädchen die Freier nicht passen - Hohlaxt, wurde gebraucht um Brunnentröge zu fertigen oder Dachrinnen - Jauche, Jaucheloch - Kleidungsstück, abwertende Bezeichnung - eilen, pressieren, ungenau arbeiten, «nu nit hudle, vor em Sterbe» - sparsam - heuer, heurig, «i bi ou koan hüriga Has me» - Birnensorte I,J idressiirt irger, irgerle, Irger Irmel irde Jägge Jankar Imbe Imachstande Ilge jöüche Isegräs Isehemp Igsottes, Jgsottr juze, Juz, Juzar jucke iez - äußerst sparsam - arg, ärgerlich, Ärger - Ärmel - aus Erde - Ton, «a irdes Beckele» - Eichelhäher - Kleidungsstück - Bienen - von einmachen, faßähnlicher Maischebehälter - Lilie, Iris - jagen, treiben hartes Gras, das von den Kühen verschmäht wird Rüstung Marmelade, Eingesottenes jauchzen, Jauchzer hülze Hülzesolar Hülzeaggsar Höple Holdersuppe Hoadla hoadle hoppe hofele hoakle Holthesl Hoflache Hötel hudle, hudlig, Hudlar husle hür, hürig Husbira 20 - springen - jetzt 21 K Kante, Käntle Katze Känar Kathel Kaserol Kachel kachele Kampl, kample Karrezühar Kaiserbira käl Kareß Kabriza Kalfaktr Kassinar Kämme kartätsche Katzestoeg Kastättere, Kastezar - Gefäß aus Metall z.B. «Milchkante»; Zusammenstoß zweier Flächen z.B. «Stahlkante» (Schi) - Schöpfwerkzeug, meist aus Kupfer, um Maische aus dem Faß zu schöpfen, z.B. - Rinne aus Holz oder Blech, «Bschüttekänar», «Dachkänar» - Aufzugsrolle aus Holz; weibl. Vorname - Kochtopf - Schüssel aus Ton; Teil des Kachelofens, Fliese - Ofen setzen, Fliesen legen - Kamm, kämmen - Zigeuner, fahrendes Volk - Birnensorte - ecklig, widerlich, unflätig - «allad uf Kareß» - immer unterwegs sein - Eigenwilligkeit, Sturheit, «der heat wiider Kabriza» - ungehobelter, grober Mensch - Name für Mitglieder einer ehemaligen christl. sozialen politischen Gruppierung, gilt heute eher als Schimpfname - Kamin - durchkämmen von Flachs, Schafwolle usw. - steiler, schlechter Weg - Teil der alten Bucherstraße - Frucht der Edelkastanie, die früher bei uns sehr verbreitet war. Heute noch gebräuchlich für die Roßkastanienfrüchte Kearesel Kesslar kiibe Kiestrucke - Kellerassel - Pfannenflicker, gehörten zum «fahrenden Volk»; Schimpfname - schimpfen - Wagenaufsatz aus Holz um Kies und Sand aus der Bregenzer Ache zu holen. Mittels einer Winde (Wagenheber teils aus Holz) konnte man die Ladung auch kippen - Teil des Wagens - keimen, Keim - Kürbis - Kirchweihfest, dazu gehörten früher auch Tanz und Vergnügungen - wenig, ein bißchen - armlanges, daumendickes, vierkantiges Holz. Für jedes gebetete Vaterunser durfte eine Kerbe eingeschnitten werden. Am Vorabend des Nikolaustages wurde das «Kloseholz» ins Fenster gelegt oder dem Nikolaus, so er ins Haus kam, vorgezeigt. Je nach Anzahl der Kerben erntete man Lob oder Tadel. - Spannwerkzeug, Schraubkloben, Feilkloben usw. Auch ein «Türhouche» wird als «Klobe» bezeichnet, wenn er aus zwei Teilen geschmiedet ist. «Klobe» ist jener Teil, der die eigentliche «Angl», Achse festhält und umklammert. «An nerviga Klobe» kann auch sein ein dickes Stück Holz, ein schwerer Stein oder aber ein großer, starker Bub. - kratzen - wuchtig, schwer wirkend, stark dimensioniert - Spannwerkzeug, «Wöschkluppe», Schntdkluppe» usw. Kirpfe kide, Kide Kürbse Kilbe klä, a kläle Kloseholz Kichere, kichere - Bohne, lachen Klobe klube, klöube klobig Kluppe Kapelo, Kaplo - Kaplan Kapele - kleine Kapelle ke-ie, ke-i-ig - streiten, zuwider sein, «hei, bis iez nit so ke-i-ig» ke-ie, anke-ie, umke-ie Kefe Kelle Kear 22 - fallen, hinfallen, umfallen - Käfig - Werkzeug, «Murarkelle, Suppekelle, Wasserkelle, Wöschkelle, Spatzseckelkelle» - Keller kluppe, kluppig, - spannen, klemmen, geizig, Geizhals Kluppar Kotarkarre - zweirädriger, kleiner Karren mit Kistenaufsatz mit dem man die Buben auf den Weg schickte, um den Pferde- und Kuhmist von der Straße einzusammeln. Zur «Ausrüstung» gehörte noch die «Kotarschufl» und das «Kotarbreatle» - Halsteil des Pferde- und Kuhgeschirres 23 Komat Kostanzar - Birnensorte Länglar kotze - erbrechen Köngel, Kängel - etwas Hängendes z.B. Teil der Glocke, Rotznase Konsorten Klattere Klamperar Klosebira Klepfe, klepfe knöbefle knöüle knozge knausrig Knüse kräzebuggele Kräze kreable krüche Kröasl Kröaslar Kröl Kratte Kriepe, Kriep, Krippele kroase, Kroas krose, krös Kröse Krömle Krazat Krimskrams 24 Kriase Kriacha Kreas kraglet kreie Krottemüchele Krottehägl Krottemoie krotte Klammera Küngl Kust - Kirschen Wildform der Pflaume gehackte Zweige überaus, besonders, «s Bömmle ischt kraglet voll» krähen Kaulquappen Taschenmesser Löwenzahn sich mühen, anstrengen, nicht vorankommen Waldameisen Hase Kunst, bezeichnete früher vor allem Fertigkeiten und Eigenschaften von Menschen und Tieren, die allgemein nicht üblich waren. «A Kust» war daher, was etwa ein Seiltänzer auf einer «Kilbe» zeigte, das Verrenken der Glieder eines Akrobaten auf einem Jahrmarkt usw. Auch ein Bär, der tanzen konnte, machte «Küsta». Dagegen war ein Gemälde z.B. einfach «schö» oder auch weniger. Daß auch banalste Dinge in die Nähe von Kunst gerückt wurden, verdeutlicht folgender alter Spruch: «I ka a Kust, s Füdle butze mit dr Fust.» - Gleichgesinnte, Genossen, wird meist abwertend gebraucht - eingetrockneter Schmutz oder Kot - Spengler - Birnensorte - Viehglocke aus Blech, knallen mit der Peitsche - wenig - knien - «as knozget mr i de Schuhne» wenn man Wasser in den Schuhen hat. - geizig - dicker Bub - etwas auf dem Rücken tragen - geflochtener Rückenkorb mit Schulterriemen - kriechen, krabbeln - sich auf allen Vieren bewegen - Kreisel, Zirkel - Gerät um den Acker einzuteilen (Furchenbreite) - abgewinkelte Gabel, um den Mist vom fahrenden Wagen zu ziehen. - geflochtener Korb, «Öpfelkratte», «Kriasekrättle», «Krättlemachar» - Korbmacher - Futterkrippe, Darstellung der Geburt Jesu - kreisen, Kreis - «s Höü kroset» von kraus - reicher, geiziger Mann, Krösus - kl. Geschenk, Süßigkeit, von Kram - Mehlspeise, Kaiserschmarren - kleine, meist nutzlose Dinge Küstle - nennt man den liegenden gemauerten Rauchabzug des Kachelofens, auch Ofenbank genannt. Manchmal auch den oberen Teil des Kachelofens auf dem allerlei getrocknet, erwärmt und warm gehalten wird. «Küstle», kann auch sein ein Gesims aus Stein oder ein Brett an der Wand, das als Ablage dient. «Küstle» leitet sich ab von Hypocauste, so nannten die Römer ihre Fußbodenheizungen - Teil des Spinnrades - merkwürdig, sonderbar Kunkel kurios Kudr - Auswurf von Schleim z.B. bei Bronchitis, Abfall beim Hanfbrechen Kudrtrückle - Holzkistchen mit langem Stiel, wurde vor allem von den auch Spöüztrückle «Tschickern» (Kautabakessern) benötigt kugele Kumede, Komede kützle Kutze Kutzemusar - Kinderspiel mit irdenen und gläsernen kleinen Kugeln - Theater, überraschendes Ereignis «Gestet hemr a ghörige Kumede bejanand kett.», unüberschaubares Durcheinander - kitzeln - grobe Wolldecke - Apfelsorte; besonders dickes Kleidungsstück z.B. Mantel 25 L lamentiire Larve Lätsch läfere Läferar Latsche lächt Lägele, lägele Lache Lacheloh Lämmel lampe leaz Lebrosehus leacher Lederar lis lidere Lismar Liible libig - jammernd gestikulieren - Maske, Gesicht - «Schwobelätsch» - Knoten; ein beleidigtes Gesicht machen, «was machst ou duflir an Latsch» viel reden, nichts sagen Schwätzer von dummem, sinnlosem Zeug Legföhre; Schimpfname -lieh, «rotlächt» - rötlich, «langlächt» - länglich Jauche, Jauche ausbringen Pfütze Jauchegrube ein Stück z.B. Wurst oder Brot hängen, herunterhängen falsch, unrichtig, nicht gut Haus der Leprakranken, Landspital Bregenz loabe, Loabat - nicht aufessen, übriggebliebene Mahlzeitreste «des gloabet ischt besser as des geasse» - es ist gut, etwas Übriggelassenes zu haben. - «triele» - Speichel oder Speisen aus dem Mund rinnen - rütteln, wackelig, locker, nicht gut befestigt - weich, löst sich auf, Schnee bei Tauwetter - Brotlaibchen, «Herelöable» - streunende Hündin - brünstig z.B. Rind löübe lotere, loterig lösch Löable Löütsch, löütschig löüfig Load, loadig, load- Leid, schlecht gelaunt sein, «loadig si», «eapas z load tö» - ausgetrocknet, (bezeichnet bei allen Behältern und Gefäßen aus Holz das Schwinden desselben) - Apfelsorte - zu wenig gewürzt bei Speisen, ohne Geschmack - gerben - Strickweste - Leibchen, Jakett - fett, faißt, dick Loatsch, - liederliche Frau, liederliches Mädchen Löatschle Loatsche, loatsche, loatschig, veriotsched - abgenützter, ausgetretener Schuh; latschen, gehen; zerschlissen, ausgetreten bei Schuhen Loast - Schuhleisten Loase lose Loatsoal Lonarle loadwerke - eingedrückte Fahrspur z.B. im Schnee - horchen, hören - Leitseil, Teil des Pferdegeschirrs - Radsicherung am Wagen - etwas anstellen, jemanden etwas zu Leide tun Liecht - «Kirzeliecht» - Licht liecht, usliechte - lichter Wald, Bäume auslichten (lichter Wald - heller Wald) liecht - leicht, wenig Gewicht lüche Lohe Lorkäsle loh, loht, glöh löame, Loamsüdar - auslichten von Pflanzen z.B. Mais, Heu kleinweise aus dem Heustock ziehen. - Gerberlohe; Feuerschein, Feuer, «as brennt liechterloh» - verbrauchte Gerberlohe (Baumrinde) in Formen gepreßt und getrocknet (Brennmaterial) - läßt, gelassen - schwerfällig, langsam, langsamer Mensch Löre, Lüre, Glöre- beim Mosten wird ausgepreßte Maische mit Wasser angereichert und anderntags noch einmal gepreßt loufe - gehen lugg Lugge lützel Lusar luege lüttere lupfe - locker «nit lugg lo» - nicht locker lassen - Lücke - wenig - Lausbub, Lauskamm - schauen - läutern, säubern, zweiter Brand beim Schnapsbrennen - heben, tragen, «Hoselupf» 27 26 Lude - altes Wort für Lust. Bei uns ist das Wort nur noch in drohender Form bekannt, wenn etwa eine Mutter zu ihrem Sprössling, der etwas angestellt hat, sagt: «Du wirst denn Lude hea, wenn zobet d Dädd hoamkut!» - windig, wehen Miat Mies minder Mikte Mirz moan Mog Moikeafer Molle mords möt,mät Mose Moltschere Momele montsche, mantsche möüle moriksle Mores - Viehfutter, z.B. zerhackte Rüben, Kürbisse usw. - Moos - schlecht, wenig; «s Weattr wird minder» - schlechter «hür gitt as minder Höü asfeand» - weniger - Mittwoch - März - morgen - jammernde, ewig unzufriedene Frau - Maikäfer - Stier - von Mord, «an mords Stach, mords Kaib, mords Kog», z.B. - möchte - Fleck, Mal - Birnenbrot - Süßigkeiten - kauen ohne Zähne - laut schreien - jemanden unsanft behandeln, quälen luftig, lufte M marod mariasche maschgere mampfe Maläscht Malter mahre mahr Mahreneascht leicht krank altes Kartenspiel sich verkleiden unschön und viel essen Schwierigkeit, «des heat mr Maläscht gmachet» altes Maß, Holzgefäß, Mörtel warten, zuwarten abgelagert, reif, mürbe, weich, z.B. bei Obst, Käse ausgepolstertes Nest oder Versteck um hartes, unreifes Obst ablagern und reifen zu lassen. (Jeder von uns Brüdern hatte sein eigenes, verstecktes «Mahreneascht», Das konnte sein im «Bleazufzug» in einer alten Truhe, auf dem «Ströüestock» in einer Höhle, oder im «Schopf» hinter einem Maischefaß. Die Nester waren stets mit Lumpen oder Heu gepolstert.) - einer, der großes, handwerkliches Geschick hat, ohne eine Lehre absolviert zu haben - Wiese; Gras oder Heuzeile; dünne Zeilen aus halbdürrem Heu machen - mähen - Metzger, «Meksar, wetz mr s Meksarmeassr!» - danke - laute, lange Unterhaltung, Weihnachtsmette Mächlar Mahd, Mahde, mähdele meije Meksar merse Mett, Mette, Dermette - «J wir dr Mores lehre» heißt etwa: Ich werde dir zeigen, wer Meister ist, oder: Ich werde dir gutes Benehmen beibringen munggilebru - undefinierbare Farbe, «munggilebru bis schiißdräckgeal» murkse, abmurkse, Murksar - schlechte Arbeit leisten, töten, Arbeiter der alles verkehrt macht Mulaffe - «der heat ou no Mulaffe foal», sagt man zu jemanden der sich bei Festen, feierlichen Anlässen usw. unpassenderweise in den Vordergrund drängt - gesund, frisch, wach - leicht kränkelnd - schimpfen - eckiges Holzgefäß («Moltschere») - mit ihm wurden tiefe Löcher in die Ackererde gebohrt (Im Ried stand das Grundwasser in den Löchern, sodaß die Mäuse darin ertrankea Durchmesser der Löcher etwa 10 cm.) 29 mengsmol - viele Male, manchmal meangge, meanggig, Meanggar - jammern, Nörgler Melkar - Wiesenboxbart Mentag - Montag mentig - von Sakrament z.B. hurementig, saumentig, hargotmentig, kogementig mis 28 - unangenehm, schlecht muschbr mutlig mule Multe Musbohrar Musar mugge Muzzila, Muzz muzzele müge, mügig müchtelig, Müchtelar Munzela, Mumsala - Mäusefänger - Heureste auf der Wiese zusammennehmen - Kuß, liebkosen - gerne haben, nett, lieb - vermodert, feucht, schimmlig, Schimmelgeruch verbreitend, Schimpfname für langweiligen, nicht unternehmungslustigen Menschen - Fuseln, z.B. unter einem Bett nommas notig nötig notles nütig nüt, nünz nüschele Nüster - etwas - geizig, «an notiga Kog» - notwendig, «der heats nötig» - in Eile sein, «der heats notles» - schlecht, «an nütiga Siach» - nichts - flüstern, etwas suchen - Rosenkranz - kurzer Schlaf - wühlen, stöbern - Lustenau Nuggel, Noggel - Sauger, Babylutscher Nupparle nuhle Luschnou Nuschlou N namol, noamol nät, nacht nate, nachte Nascht Natpibolar - noch ein Mal gestern Abend, vorige Nacht dunkelwerden Ast Nachtvogel, Eule. Zu Kindern, die abends nicht ins Bett wollen, sagt man: «Gond is Bett, sus goht öü d Natpibölar i d Höör!» - wackeln - spielerische oder tändelnde Arbeitsweise, meist auch mit einem unzureichenden Werkzeug - durchgehend, bis zum Ende, z.B. «nanna usse is Ried heat as greanget.» - eiterndes Fingernagelbett - Großmutter - Großvater - schwer, wuchtig, groß - wässern, gießen - verrückt - Stirnfalten - zweiter Feiertag an Hochfesten, z.B. Ostermontag - Guten Abend, (Gruß) - kurz und leicht schlafen - fast, schier, nach, «i bi nöö gstorbe vor Angst.» - nachher o Oacharle Oamer Oachelekaffee oas, oan, oane oabar oalfe, oalf Oaße Obs Oferöhrlar Ofekatz Oggseoug Omahd Omahdstengel, Übrigstengel Ohreschlüfar Ohreglonggar Oier Ostnar ordile - Eichhörnchen Eimer, Holzgefäß, Maß Kaffeeersatz aus gebrannten Eicheln eins, ein, eine ohne Zutaten, einbar, pur elf Uhr, elf Furunkel Obst aufgewärmter Kaffee Mehlspeise Spiegelei (Ochsenauge) zweiter Heuschnitt Fruchtstand des Wisenbärenklau naggle näggele nanna, nanno Nagelbröü Nana Näne nervig netze nersch Nibela Noheiligtag Nobed nore noo, nooch nohar 30 - Ohrwurm - Ohrschmuck, Ohrgehänge - Eier - Ostwind - ordentlich 31 Roßripp - Spitzwegerich - Rain, «am Roh», «im Röhle» - Pferdekot - Stück, Teil z.B. Brot - von räumen, z.B. Reste von angebräunten Speisen in der Pfanne - schnell fahren oder laufen, «laß ruaßle» - ruhig - Runkelrübe; Schimpfname - Schimpfname; Wortspiel, Wortreim, besteht aus den Wörtern Runggel - Runkelrübe und Kunkel - Teil des Spinnrades. Ähnliche solche Wortspiele oder Reime sind: «holterdipolter, holperstolper, rumpes stumpes, rumpel pumpel rapedikap, usw. - Unke - Kruste auf einer Wunde - kümmerliche kleine Tannen und Fichten, «Rutze houe» nennt man auch das Säubern von Vieh- und Alpweiden von durch Flugsamen gewachsenen kleinen Fichten und Tannen R rantsche, Rantsch räple, Räplar räß Rallemus - viel und unnütz unterwegs sein, Frau die selten zu Hause ist - schälen von Baumrinde, Rindenschälwerkzeug - scharf, stark gesalzen, «räße Käs» - Mehlspeise Roh Roßbolle Rongge Rumat ruaßle rüabig Runggel Runggkunkel renke, Rank, - lenken, Kurve, Runde Ränkle ratsche, Ratsche - ratschen am Karfreitag, tratschen, Karfreitagsratsche «Rätschwib», Rätschkachel»; vrrätsche - verraten rangge Rabbe, Rabb Ralle, Rolle radibuz rapedikap reare, räre Reaf Renkschitt Reaketedohs riepse ribum ring, gring rööß röafle, Roaf - unruhig sitzen, hin- und herrutschen - Raben; schwarzes Pferd; aufgetakeltes Mädchen - Kater - alles - überstürzt, Hals über Kopf - weinen - Traggestell aus Holz mit Schulterriemen - Teil des Wagens - Wachholderzweige, wurden früher zum Räuchern des Specks verwendet - scheuern - Tauschhandel ohne Aufzahlung - leicht, schwächlich, klein gewachsener Mensch - sehr, fest, viel, stark, «as luftet hüt rooß» - Spiel mit alter Fahrradfelge Rudeguggar Rufe Rutze s spaniire, spanifle spatzseckle, Spatzseckl Spridla Spaseage Spinnewebb, Spinnebebb Spöütztrückle Spealte Spuntus Spore Spitzbira - auskundschaften - altes Spiel - fein gespaltenes Brennholz, Holzschiefer - Spannsäge - Spinne, auch Spinngewebe siehe «Kudrtrückle» grob gespaltenes Holz Angst Stoppeln; Teil des Reitsattels Rouchkesse, Rouchkessel - kleiner Rauchofen, (der Rauchkessel wurde an die Deichsel des Wagens gehängt um die Bremsen und Riegen von den Zugtieren fernzuhalten. Verbrannt, das heißt in Rauch umgewandelt wurden vor allem alte Schuhe und Lumpen) roufe, Roufe - streiten, raufen; Futterraufe Rotzhötl - derbe Bezeichnung für Taschentuch Röslebira 32 - Birnensorte - Birnensorte 33 Spunte - Zapfen des Faßes, ein mit Mehl, Obst usw. nur zum Teil gefüllter Sack. Auch zu einem kurzen, festen Bub sagt man «Spunte». - Holzverbindung, Spundwand, gespundeter Boden (Riemenboden z.B.), die Verbindung des Faßdeckels zum Faß ist gespundet. - dünne Waden laufen spähen Fernglas, Fernrohr freigiebig freigiebig wenn ein Redeschwall vermischt mit Speichel aus dem Mund kommt «mach ka Sparglamenter» - mache keine Dummheiten, räume das Feld, gib den Widerstand auf handeln, feilschen, markten; anrüchiges, unehrliches Handeln schräge, windschief, von scheel «der heat mi scheal agluget», «s Fuder ist schealb glade» «d Tür ist schealb» Scherenschleifer naschen schimpfen, derber Ausdruck für Mund Spund, Spundung Spatzewädl springe spechte Spektiv splendit spendabel spudere Sparglament schaggere scheal, schealb Schereschlifar schnöügge schnorre, Schnorre Schnorrewagglar schnorrle, usschnorrle Schapf, Schaff schwere schnädere schnattere schlättere, Schlättere schlottere schliete, schlietle schlifisele, Schlifisele Schiatze schlorgge, Schlorgge Schlotzar schlotze schloapfe Schlupfar schlüfe schlenze Schloufe Schiute Schmuttere Schmearbuh schmöüselig Schmirbe, Schmürbe Schmuz, schmuzig Schmalzbläckta Schmeala Schmelgar, Schmutzar schnelle Schnellar Schnitzkichera schnudere schnüze Schnifele Schnitzbrüh schnufe rodeln, schlittenfahren schlittschuhfahren, Schlittschuhe geronnene Milchteilchen aus dem Euter der Kuh nachschleifen der Füße beim Gehen, alte zerschlissene Schuhe, «lupfd Füaß, schlorgg nit so!» Kinderschnuller, Lutschbonbon mit Stiel lutschen, saugen ziehen, schleifen, schleppen, Holz ziehen z.B. Muff (zum Warmhalten der Hände) schlüpfen werfen, schwingen Schlinge, Schlaufe Rock Narbe, Absplitterung an einem Emailgeschirr z.B., Wunde an einem Baum - Dickwanst, «Schmear» - Schmalz; Fett - fettige, schmutzie Haare, unsaubere Kleidung z.B. - Kreme Schmirbetrückle - kl. Holzkistchen mit Wagenfett - Schmalz, Kuß, fettig - Wiesenunkraut - versch. Grasarten - Apfelsorte - knallen - Stachelbeere - Gericht aus gedörrten Birnen und Bohnen Rotznase hochziehen schneuzen kleines, geschnittenes Stück Brot oder Käse z.B. Brühe gesottenerDörrnbirnen.Name wird auch abwertend gebraucht für vielerlei Getränke und Flüssigkeiten. - atmen 35 - - Dampfplauderer - entfernen der Zweige bei Tannenästen z.B. - kl. Holzkübel - fluchen, von schwören - langandauerndes Erzählen - Laute der Gans, Redeschwall bei Frauen, zittern - schütteln, ausrutschen, fallen, Rausch - zittern, «ar schlotteret vor Angst» Schluechta - lange Triebe einer Pflanze, z.B. Brombeere Schlietegrennar - geschnitzter Kopf an einem herrschaftlichen Schlitten, ähnlich einer Galeonsfigur; Schimpfname für jemand, der unerwünscht ist, sich ungebeten einer Gruppe anschließt. Der Letzte. 34 Schnidesel Schöwinkel Schöbändt schore, Schorgrabe Schopf Schoche scholdere Schopploch Schrabnell Schrunta Schbage Schear Schelfere Scheafe, abscheafe Schiihuat Schick schitte, Schittrhufe Schindelise schiniire, scheniire Schickse - Schneidebank mit Haltevorrichtung - Scheinwinkel bei alten Fensterläden z.B., (es sind Verstärkungen der Eckverbindungen) - Scheinband, Türbeschlag - Mist entfernen im Stall, Mistrinne - Schuppen, Haarschopf - Haufen, «Höüschoche», «gschochetvoll» - übervoll - drängen, weiterbefördern, «Scholderar» - Kegelbursch - Futterloch zwischen Tenne und Stall - Geschoß, Schimpfname - Risse in der Haut der Innenhand, bes. an den Fingern Schnur, Spagat Maulwurf Haut, Schale von Früchten, Schimpfname Schale, «Kicherescheafa», abschälen Schwetar Schürpela, Schüppela Schrage Schrote Schwärtela Schwärtling - Pullover - Haarschuppen - Schope, Schöple - Rock, Röcklein Holzgestell, z.B. Bett, Bahre usw.; Schimpfname Werkzeug um den Heustock zu zerschneiden z.B. «Türkeschwärtela» - Umhüllungsblätter des Maiskolbens Außenbretter, die beim Einschneiden des Holzes entstehen und fast zur Gänze aus Baumkante bestehen sempere, semprig, Semperar - sich Zeit lassen, Herumtrödler - schlecht gelaunt sein, von seltsam - eigensinnig, selbstherrlich - Säge - Sense wund, schlecht heilende Wunde, wundgelaufene Füße Fensterbrett, Ablagebrett, Fachbrett schockoladefarbenes, süßes Nebenprodukt in der Käserei verschwenden, verschütten, vergeuden Samen Seifenblase freches Mädchen Landspital Bregenz Ferkel eine aufgeblasene Schweinsblase an einem Stecken war früher ein wesentliches Fasnatutensil unsittlich reden Birnensorte, Extraschnaps Sauerampfer häßlich sieden, Sud, leicht sieden, eine Wunde mit Ausfluß «sütterlet» gemächlich, langsam sein, gemächlicher Mensch sudeln beim Schreiben Lutschbonbon herumstehen, ohne Eile sein sealze sealbher Seage Seagas ser Simse Sig sode, gsodet Some Soafeblotere Soachtäsche Siachehus Süle Sublotere Suglogge lütte Subira, Subirar Surampfl sündwüascht süde, Sutt, sütterle südere, Südere sulfere Sugarle sumse, sumsig, Sumsar Sürfel stöane stoanig - leichter Sommerhut aus Stroh - abgebrochenes Stück Brot z.B. - Tätigkeit mit Beil, Scheiterhaufen, Mehlspeise - Schindelspalteisen - schämen - liederliches Mädchen schiege, vrschieget Schiegar - beim Gehen einen Fuß nachziehen, einseitig abgelaufene Schuhe, jemand der einen Fuß nachzieht, im übertragenen Sinn - wenn etwas nicht mehr richtig funktioniert, nicht mehr gerade läuft. Schamützl - Papiertüte, kl. Gefecht im Krieg Schese - Kutsche, Kinderwagen, Schimpfname Schwarzachar - Apfelsorte Schwozarmus 36 - Mehlspeise - Schluck - aus Stein, Steinfigur, Marmorboden usw., «an stöanena Bode» - steinig, viele Steine, «an stoaniga Weag» 37 Stoanat strible stöh stocke Stebel Stabelar Stehle Star - Geröllablagerungen der Bregenzer Ache z.B. - strampeln - stehen - gerinnen z.B. von Blut oder Milch - Stab; ausgeschossener, schlanker Bub - alter Name für Stuhl - Gestell, Ablagebrett, Fachbrett - rundes Holzgefäß mit Vorrichtung um die Körner vom Maiskolben zu trennen; altes Maß Steage Stäffel - Stiege - Stufe u Ugfell Urschl ugwährle utrease uhoamle uhandle uflease Uneglar Ukrut Üle Ülesoach usschoppe üssere usloh usku überku ufstifere Ufzig, Ufzug - Unglück - Ursula; gebraucht für ungeschicktes Mädchen - ungeschicktes, gefährliches Hantieren mit einem Messer z.B. oder mit offenem Feuer, «iz dur doch nit so ugwährle» - unanständig, ausgelassen - unheimlich - nicht handlich - auflesen z.B. Obst - Kälteschmerz an Zehen und Fingern - Unkraut Eule abwertend für Getränk ausstopfen, «laß di usschoppe» äußern, jemanden ausschließen standapee - sofort Strigel, strigle - Viehputzgerät, bürsten Stande, Ständele - Bottich aus Holz, Eimer um Kraut einzumachen Stahl Ströüe Stopfar Strähl, strähle - Stall - Streu, ungedüngtes nur einmal im Jahr gemähtes Riedheu - Riebel - Kamm, kämmen Strickbira - Birnensorte stoare, Stoare - wühlen, suchen, rühren, Baumstrunk, alter kranker Baum Studie - weißes Tuch, das früher zur Trauerkleidung der Frauen gehörte stuchewiß Stumpe, gstumpet Storze strub, gstrub stifere stiire stübe staliire strudle, Strudel Stubat, Stubatbuab 38 - blaß im Gesicht - ein nur z.T. gefüllter Sack z.B. Mehl, kurze Zigarre; kurz, klein, «Dm Lümple ghört s Stumpfe» - Strunk von Pflanzen aller Art - ungekämmt, ungepflegt, struppig, «Strubebuabe» - anstiften, aufhetzen - glotzen, glaren, ausdruckslos schauen -stauben,-Rausch, «er heat Stoub im Huat» - sich ereifern, um sich schlagen - Wasser das kocht; gischtschlagende Wellen bei Hochwasser; Wasserwirbel mit Sog; Mehlspeise - Besuch; Verehrer, der regelmäßig seine Angebetete in deren Elternhaus besucht - auslassen, z.B. Vieh auf die Weide - auskommen, sich vertragen - bekommen - aufwiegeln, anstiften - Dachboden. Der Dachboden war Lagerraum für Brennholz, Mais, Weizen, Tresterkäsle und vieles andere. All das wurde mit einem Seil, welches über eine Rolle lief, aufgezogen W waggse waggse Wäzlat wähne - wachsen, «der hört s Gras waggse - aus Wachs, «d Schi waggse», «a wäggsene Kirze» - Übrigbleibsel beim Butter schmelzen - meinen, glauben 39 wüggse, wüggsig - wüchsig, «s Bammle ischt wüggsig» wäh Wangnar Windebrügel Wiesbomm Wisbira Witfeldera - gut angezogen, nobel, elegant, «an wäha Ma», «der ischt wäh binand» - Wagenmacher - Teil des Heuwagens - Teil der Ausrüstung eines Heuwagens - Birnensorte - Birnensorte wüascht Wuetas - häßlich - das wilde Heer, Wodan (germ. Gott). Wenn der Sturm nachts heult und an den Fensterläden reißt, hört man noch manchmal: «S Wuetas ischt dußa.» Wenn wir Buben durchs Haus tobten und lärmten, konnte unsere Mutter sagen: «Ir dondjo as wis Wuetas. - Ausdruck des Erstaunens - Ausdruck des Erstaunens wolback wolvere Welschepflumma, Welschekichera, Welschenuß - Sorten ihrer Art mit besonders großen Früchten welleweag - doch noch, sowieso, selbstverständlich wesr - geschmacklos, trocken, hölzern, bei Rettich, Bohnen usw. wela, wele Wehle wehrte - welcher, welche - Wunde - wehrfähig, regsam z zalb Zalp gsi zab-ander zänne zapferäs zättele, Zatte, Zättele zehre zette Zettfuader Zeggar Ziach Ziischtag Zilat zittig Zigore Zick Ziegere Ziegerehund zmol zminder zöüchle zu, «zalb-zweita», «zalbfiifta» usw. zu Alp gewesen - den Sommer auf der Alpe verbracht zu zweit weinen, zornen sich in Gärung befindlicher Most - aus halbdürrem Heu kleine Heuzeilen machen, Heuzeile - reißen, «abzehre» - abreißen, «uszehre» - ausreißen, «Uszehre» Tuberkulose - gemähtes Gras oder halbdürres Heu gleichmäßig mit der Heugabel ausbreiten - halbdürres Heu wird auf einen Wagen geladen, um es vor dem Nachttau oder einem Gewitter zu schützen - Tasche - Bettüberzug - Dienstag - Ackerfurche, Buchzeile - reif bei Obst - Kaffeersatz - unguter Beigeschmack bei Most z.B. «Faßzick» und andern Getränken, auch bei Speisen - Nebenprodukt bei der Käsebereitung, Quark, Topfen - hölzernes Gerät, Vorrichtung bei der die Ziegermasse durch ein Sieb gedrückt wird. - plötzlich, zumalen - zu schlecht - von ziehen, locken 41 wette, mötte, witt, wender - möchten, wollen weage - Weg machen, Schnee schaufeln; Gewicht nehmen Weaps - Wespe Wetzstoaschlifar - Übername der Schwarzacher wislos - vergeßlich im Alter, kindisch durch Verkalkung wimsle windsch wodle Worb woade, Woad Wösch woalle, walle Wusch wüsche wühsche, Wuhsch 40 - wimmeln - verdreht, windschief - flattern, wedeln, z.B. Haare oder Blätter im Wind - Sensenstiel - weiden, Weide - Wäsche - schnell - «an Wusch Höh» - eine Gabel voll Heu «an Handwüsch» - soviel man mit den Händen fassen kann - wischen, schlagen - wünschen, Wunsch Zönggel Zoane Zuber Zühmeasser zünzle Zwickar Zwick zwider Zübela zwerescht, vrzwerescht ze-ije, Ze-ija - etwas Herunterhängendes z.B. hängende, grüne Rotznase - geflochtener Korb mit zwei Henkeln - gr. Bottich aus Holz, «Suzuber», «Waschzuber» Zugmesser wenn Kinder mit Feuer spielen z.B. bügellose Klemmbrille Zwitterwesen; dünne feste Schnur, (Ende der Peitschenschnur) schlecht gelaunt sein, zuwider sein Kinderreime Anna, Pfanna, Kesselboge A Vögele hocket ufemDach was se se-it ischt alls vrloge, und luaget wie ma Küechle bacht. goht is Gade D Küechle sind schö bache, holt an Fade, s Vogele foht a lachee goht is Tenn dö kut a n-alte Fleadermus henkt a Henn, und riißt dem Vögele s Schwänzle us. goht id Kucherührt a Mues S Vögele schre-it: o weh, o weh, mit dem lingge Töpefueß. iez hea ni gär köa Schwänzle meh! As reangelet, as schneeijelet, as goht an kühla Wind und wenn de Guggar d Möadla holet denn ischt as ou koa Sund. Rädle, Rädle louf gfunde, gstohle, koufl. Rita, rita, Rößle! und alle Z Wange stoht a Schlößle, z Riedeburg a goldes Hus, luagend dre-i Mareija drus. Oane spinnt Side, oane höklet Kride und oanefohtde heilig Sunneschi. Rita, rita, Rößle! Z Wange stoht a Schlößle, z Riedeburg a Koppele, d Moadla tragend Schappele, d Buabe tragend Moije d Henna leggend Oier d Wiber neamend s us und d Hearre schleakend s us. Ringa, ringa, reiha, s Kätzle goht ga meija; d Muetter ischt a Schwizare und heat an Stahl voll Gizele und alle machend mäh! Ringa, ringa, reiha, s Kätzle goht ga meija, hocket underem Holderstock, machend hock, hock hock! I und du und Müllars Kuh und Müllars Esel, der bischt du! Hanne uf er Tanne heat an Vogel gfange, friaßt e nit aloe und gitt dem Kindle ou a Böe. Michele, mächele, brunzt is Kächele, sKächelerinnt und s Michele stinkt - Zwiebeln - quer, verkehrt - hageln, Hagelkörner Einige Umstandswörter und ihre Abwandlungen omma oba unda uffe abe uffar abar domma dunna homm hunna doba hoba ine uße oben oben unten hinauf hinab herauf herab droben drunten heroben herunten droben heroben hinein hinaus inar ußar dinna dußa hinna hußa inna ussa hinda voanna umme ummar deanna heanna herein heraus drinnen draußen herinnen heraußen innen außen hinten vorne hinüber herüber drüben herüben 42 43 Annele, Annele, wo bischt gsi? Hinderem Hus im Gärtle. Wer ischt gär alls be-i der gsi? A Mandle mit am spitzige Bartle. Was heat as be-i der to? Rabbe, A spitzigs, spitzigs Fürzle glo! Adam und Eva Kumm fahrend mit der Schesa, d Schesa gäget um und d Adam ischt krumm. Abraham und Isaak schiißend in Papiirsack, d Papiirsack loht und d Abraham goht! mit Hoale, hoale, Kälbledräck, bis übermoan ischt gär alls weagg. (während des Singens wird das Weh-Wehchen des Kindes mit Speichel befeuchtet) Rabbe, s Hüsle brennt, As sind no sibe Junge din, Stroh ga lösche! Seppatone, großa Ma, heat a kurzes Hämple Ferdenant, schiißt i d Hand, würft de Drück is Schwöbeland. Edewart, heat Krotta im Sack. a. Hettest gloset, heftest ghört, hettest d Ohre nit vrstört. Kängelbacher, Hosekrachar, Zübolebißar, Hoseschiißar! Schneagg, Schneagg, krüch us! streck alle sibe Hörner us! So stoht de Tisch, so schwimmt de Fisch, goht Gige und so d Ohrefige. so Wenn des Wörtle wenn nidd wär, war Hennedräck Zucker und Kühdräck Butter. Fingerzählreim: Dear ischt is Wasser gfalle, Fina, patschina, dear heat en ussarzoge, heat Bobbestrümpfle a, dear heat en hoam tre-it, vrrissene, vrschissene, ... dear heat en is Bett gle-it, ' wo si sealber numma ma. und der klänne Butzl heats der Mamma gse-it. Vögele, Vögele, bick am Bömml As hockt a schöne Jungkfrou dömm. As kut an Bear vo Konstanz hear und büßt des Kindle gad dohear. Schenke, schenke, nümma gea. Sälzle, Schmälzte, Tupf, Elleboge, Tatsch! Lisele, Lisele, lupf d Fueß, wenn in mit der tanze mueß! Geabart, Geabart, butz de Bart! Moan a morge ischt Sumart. 44 Als vor etwa hundert Jahren viele Si machend allad quack, quack, quack. Italiener aus dem Trentino und dem Val Sugano nach Kennelbach kamen Tschuppatone, hempre pemp, viele wohnten auch in Wolfurt «im schiißt i d Hose, soacht is Hemp Quartier» -, kam es öfters zu Zwistigkeiten zwischen Zuwanderern und Alteingesessenen. Die folgenden VersKarlema, heat Hosa a lein dürften aus jener Zeit stammen. und unda krumme Füaßle dra. Italienar, Benedikt, heat Nudla zwickt. böse Kaibe;; Buch ufschniide, Kutla trucke, Kateri, loht d Henna us und i. alls vrschlucke! Tone, gugg, was hone? Tschingga la more heats Füdle vrlore Sukegel heats wiider gfunde, heats a nan Bomm ufe bunde. Madlää, hender ou Henna mit Zäh? Ne-i mit Schnäbl, Bäbl! Liedchen: Hinat heane hinder hure Hanse Hütte O Italiano, hundert hungrig O ma bunella, hoorig Hase höre huste. Vögele fifa bis nach Amerika. Solang as Krut und Knöpfle gitt vareckend d Schwöbe nit. , , „„ Du heascht welle, iez schleack Kelle! Jokl mit dr Gige! Jokl mit dm Baß! Jokl heat id Hosa gschiasse! Jokl was ischt das? Judespöüzar hinderem Trog, wenn fürar kuscht, denn bischt an Kog. 45 Toblerantus, Bommbickus, drü Negel, Machend, wie der künnend! Durchs Jahr Neujahrswunsch I wüsch der a guets Nöüjohr, daß lang leabscht und gsund blibscht und, wennd stirbst, in Himmel kuscht. Spruch der Buben nach Gallustag Galletag ischt gsi, was i find ghört mi! Nu nidd hudle vor em Sterbe! Do Oa Holz git koe Krüz. künntescht gat Hooröl soache! Klänne Krotta händ ou Gift. Mit Esel späret ma d Roß! Nikolausgebet Vatter unsar, der du bischt, i woaß scho, wer de Grampus ischt, d Grampus ischt an Tüflma, wo alle Kinder packe ka. Was ma nidd im Kopfheat, heat ma id Füaß! Deam künnt ma underem Loufe d Schuh sohle. (Wenn jemand sehr langsam ist) Du kascht ga schiiße, wo nas gmeiht ischt. Vu der Arbat loufe, wie s Kind vm Dräck Dostoh, wie an Ölgötz Load, wie Sudräck Fasnatspruch Maschgere, Maschgere, roll-oll-oll, schiißt d Hafe ebe voll! Alter Silvesterbrauch An Silvester war es wichtig, zeitig Spruch der Funkensammler He, he, pfifato, früh aus den Federn zu kriechen. Buschla oder Stroh! Der Erste, der aufstand war der «Stubefuggs». Das war ein EhrenSo wird de Funke ho! titel. Schlief noch einer in den Vormittag hinein, so schlichen sich die andern mit Pfannendeckel und Nachtgebet* andern geräuschmachenden Utensilien Heiliga Sankt Vit! an dessen Bett und machten auf ein weck me zur Zit! Zeichen des Stubenfuchses laute Katzenmusik. Sie riefen und johlten. «Sylvester, Sylvester!» Der Langschläfer Nit zfrüh und nit z spoht, wurde den ganzen, weiteren Tag aber vor de Strudel agoht. *das besonders Kindern, die zum Bettnässen geneckt und Silvester genannt neigten, anempfohlen wurde. Mit dir ischt ma gstellt, wie a Dorf mit am nersche Pfarar. Ar hört gat s Gras waggse. Stur wie an Bock Dümmer, as d Nacht Dümmer, as Sudräck Ar goht mit der Kirche ums Dorf. (möglichst umständlich) An Kerle, wie an Gäge Der will glei Tür uss'er Angel hebe. (aufs Ganze gehen) Mit der Tür is Hus falle. . . Usseahe, wie an ghenkta Jud Zoege, wo Bartle de Moscht holet. . . Lüge, wenn ar s Mul uftuet Red oder schiiß Buhstabe! Ageo, wie sibe nackig Negar Du hinderfüra Voaderwäldar! All reacht, wie de Bettschiißar Di wird ma o


Wolfurt 2009 01 Frühling
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

wolfurt FRÜHLING 09 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Das neue Jahr ist bereits wieder drei Monate alt und die Gemeindevertretung hat wichtige Beschlüsse gefasst. Das Jahresprogramm wurde erstellt, das dazugehörende Budget 2009 wurde beschlossen. Details darüber finden Sie auf den nächsten Seiten. Flächenwidmungsplan wurde überarbeitet Der aus dem Jahr 1976 stammende Flächenwidmungsplan entsprach in vielen Details nicht mehr dem heute aktuellen Stand. So mussten unter anderem verschiedene Straßen, Bäche, Waldflächen oder Hochwasser-Schutzzonen aufgrund von inzwischen vorliegenden Plänen angepasst werden. In Rickenbach, im Strohdorf und im Dorfzentrum wurden drei Kerngebiete ausgewiesen, in denen zukünftig Ortsteilzentren entwickelt werden sollen. Von den insgesamt 63 eingelangten Stellungnahmen während der Auflagefrist des Planes konnte der größte Teil positiv bzw. zumindest teilweise positiv erledigt werden. Lediglich jene Wünsche, die auf eine Ausweitung von Bauland über die Siedlungsränder hinaus zum Ziel hatten, mussten abgelehnt werden. Der neue Flächenwidmungsplan wurde einstimmig beschlossen und wird nun dem Amt der Vorarlberger Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt. Kinderbetreuung wird erweitert Das Angebot der Ganztages-Kinderbetreuung wird deutlich ausgebaut. Entsprechend den Vorgaben einer Projektgruppe, die sich aus Kindergartenpädagoginnen, Elternvereinsvertretern, Gemeindemandataren und Fachleuten zusammensetzte, wird das Haus Wälderstraße 1a in den nächsten Monaten zu einer „Kindervilla“ umgebaut bzw. adaptiert. Ziel ist es, allen berufstätigen Eltern eine Ganztagsbetreuung während des ganzen Jahres für ihre Kinder anzubieten. Aufgenommen werden Kinder von 1,5 bis 6 Jahren (Vorschulalter). Der derzeitige Ganztages-Kindergarten Fatt wird dann ab Herbst 2009 in dieses Objekt übersiedeln, die täglichen Öffnungszeiten werden dem Bedarf angepasst sein. Sternen-Hotel soll gebaut werden Mit zwei Gemeindevertretungsbeschlüssen, jeweils einstimmig, wurde die Absicht bekräftigt, das derzeitige sehr desolate Sternen-Objekt abzureißen und an dessen Stelle ein Hotel mit 70 Zimmern, ein Gastronomielokal mit einem kleinen Saal sowie die Bankfiliale der Bregenzer Sparkasse neu zu errichten. Zwei TiefgaragenGeschosse sind ebenfalls Teil des Projektes. In den letzten Wochen fanden intensive Finanzierungsgespräche statt, ein privater Betreiber würde das Hotel mit einem Parkgeschoss, die Gemeinde das Gastlokal mit einem weiteren Parkgeschoss errichten, die Bregenzer Sparkasse ihre neue Filiale. Die gesamten Verhandlungen werden federführend von der Gemeinde-Immobilien GmbH bzw. deren Geschäftsführer Ferde Hammerer geführt. Wenn alle Gespräche erfolgreich verlaufen, könnte im Herbst mit dem Bau begonnen werden. 2 Aus dem Rathaus VOGEWOSI-Wohnanlage Dornbirner Straße “Kindervilla” Wälderstraße 1a Anmietung von Vereinsräumen Im ehemaligen Gardinen-Geiger Areal, Fattweg, wurden Räumlichkeiten für Vereinsaktivitäten durch die Gemeinde angemietet und verschiedenen Jugendgruppen für Vereinsaktivitäten zur Verfügung gestellt. Den einen Teil der Flächen benützen die Rovermen, die durch verschiedene Kulturveranstaltungen bekannt sind. Den zweiten Teil der Räumlichkeiten verwenden junge Musik-Bands zum Proben und Vorbereiten für Auftritte. Im Gardinen-Böhler Objekt, Dornbirner Straße, wurden rund 1.000 m² Fläche angemietet. Hier sollen voraussichtlich drei Gymnastikräume bzw. Bewegungsstudios eingerichtet werden. Diese Räumlichkeiten sind für jene Vereinsaktivitäten gedacht, die derzeit in verschiedenen Turnhallen stattfinden, die aber nicht unbedingt die Flächen einer Turnhalle benötigen. Durch diese Maßnahme sollen in Zukunft die Hallen wieder vermehrt jenen Vereinen zur Verfügung stehen, die auf solche Flächen angewiesen sind und derzeit verschiedene Aktivitäten gar nicht ausüben oder anbieten können. Die Anmietung ist eine wesentlich günstigere Variante als z.B. der Neubau solcher Räumlichkeiten. Achrain-Tunnel eröffnet Ende Jänner dieses Jahres wurde der neue Achrain-Tunnel eröffnet, der den Bregenzerwald-Verkehr direkt zur Autobahnauffahrt Dornbirn Nord leitet. Von diesem Neubau erwarten sich vor allem Haselstauden und Schwarzach eine drastische Verkehrsreduktion, auch in Wolfurt sollte der Durchzugsverkehr entsprechend der Prognosen des Landes etwas abnehmen. Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, wird durch genaue Verkehrszählungen erfasst. Die Zählungen an zahlreichen Zählstellen erfolgten einerseits vor der Eröffnung des Tunnels und andererseits in den nächsten Monaten. Dabei wird sich herausstellen, ob die Erwartungen auch erfüllt werden. Grundankauf Dorfzentrum Einstimmig beschloss die Gemeindevertretung den Ankauf einer bebauten Liegenschaft im Dorfzentrum (derzeit Stiegenbau Peter) von Familie Zeller aus Hohenems. Das Ausmaß der Fläche beträgt rund 1.000 m², sie liegt im Baukerngebiet. Mittelfristiges Ziel ist die Errichtung eines Geschäfts- und Wohnobjektes. Deshalb finden auch mit umliegenden Grundeigentümern Gespräche statt. Busangebot ausgebaut neuer Fahrplan Wie bereits früher berichtet, wurde das Angebot Landbus-Unterland auf mehreren Strecken deutlich ausgebaut bzw. der Takt zwischen Bregenz - Wolfurt Dornbirn tagsüber auf 15 Minuten verkürzt. Damit Sie immer wissen, wann in unserer Region der nächste Bus verfügbar ist, liegt in diesem Heft ein MiniTaschenfahrplan für Ihre Jackentasche bei. Deshalb mein Aufruf: Schonen Sie Ihr Auto und fahren Sie mit Chauffeur! Lärmkataster entlang der Autobahn Nach jahrelangem Drängen durch die Gemeinden Wolfurt und Lauterach hat die ASFINAG nun endlich einen Lärmkataster für die Wohnobjekte entlang der Rheintalautobahn A 14 erstellen lassen. Daraus ist die Lärmbelastung für die einzelnen Objekte ersichtlich. Am Mittwoch, 15. April 2009 findet um 18:00 Uhr im Hofsteigsaal Lauterach die öffentliche Präsentation mit Diskussion statt. Dabei wird vor allem diskutiert, welche Maßnahmen zum Schutz der Anrainer ergriffen werden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bauvorbereitung VOGEWOSI Dornbirner Straße Derzeit laufen die Bauvorbereitungen für die zweite Bauetappe der VOGEWOSIWohnanlage Dornbirner Straße auf Hochtouren. Der Bedarf an erschwinglichen Mietwohnungen in Wolfurt ist nach wie vor hoch. Es werden 20 zusätzliche Wohnungen entstehen, Baubeginn wird im heurigen Frühsommer sein, die Fertigstellung ist für Herbst 2010 geplant. > Fortsetzung Aus dem Rathaus 3 Vorzeitiger Bürgermeisterwechsel im Mai Ursprünglich hatte ich die Absicht, die volle Funktionsperiode bis zu den Neuwahlen im April 2010 im Amt zu bleiben. Allerdings bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass es für unsere Gemeinde und für die kontinuierliche Amtsübergabe von Vorteil ist, wenn ein Bürgermeisterwechsel bereits rund ein Jahr vor der Wahl stattfindet. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, ich bin aber der Auffassung, dass unserer Gemeinde ein Generationswechsel in der Führung neue Impulse geben kann. Ich kann guten Gewissens die Geschicke in jüngere Hände legen, vor allem weil ich mit unserem Vizebürgermeister Christian Natter einen wirklich guten und sehr engagierten Nachfolger vorschlagen darf, der sich in Abstimmung mit seiner Familie bereiterklärt hat, dieses nicht immer ganz leichte Amt zu übernehmen. Es gibt im Land zahlreiche Gemeinden, die kaum einen Nachfolger finden. Am 20. Mai 2009 gibt es eine Gemeindevertretungssitzung, in der die Nachfolge vollzogen werden soll. Durch den vorgesehenen Wechsel von Christian Natter ist auch die Funktion des Vizebürgermeisters neu zu besetzen. Hier gibt es einen einstimmigen Vorschlag der ÖVP-Fraktion auf Gemeinderätin Angelika Moosbrugger. Sie hat in den letzten vier Jahren in den Ressorts Schule und Kultur erfolgreich gearbeitet und würde diese neue Funktion sicher gut ausfüllen. Die Bevölkerung ist herzlich zur öffentlichen Sondersitzung der Gemeindevertretung eingeladen. www.wolfurt.at www.gem24.at Danke für schöne und interessante Jahre 24 Jahre durfte ich hauptverantwortlich die Geschicke unserer Gemeinde leiten und gemeinsam mit einem hervorragenden Mitarbeiterstab, mit verantwortungsbewussten und sehr engagierten Gemeinderäten und Gemeindemandataren in einem guten politischen Klima unzählige Entscheidungen treffen und Weichen für unseren Ort stellen. Fünfmal erhielt ich von Ihnen, geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger, großen Zuspruch bei den Wahlen, dies war die stärkste Motivation für mich, immer wieder mein Bestes zu geben. Ich möchte mich am Ende meiner Zeit als Bürgermeister ganz herzlich bei Ihnen bedanken für das Vertrauen, das Sie immer wieder in mich gesetzt haben und für die Unterstützung in vielerlei Belangen, die ich immer wieder erleben durfte. Ein ebenso herzlicher Dank geht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gemeindedienst, ich durfte hier ein wirklich tolles und motiviertes Team erleben. Der gleiche Dank geht auch an alle derzeitigen und ehemaligen Vizebürgermeister, Gemeinderäte und Gemeindevertreter. Mit ihren vielfältigen Ideen und Vorschlägen haben sie mich immer wieder auf Trab gehalten. Einen wichtigen Dank möchte ich hier am Schluss auch einmal öffentlich aussprechen: Den Dank an meine Familie und hier insbesondere an meine Gattin Albine. Sie hat mich in all den Jahren großartig unterstützt und in schwierigen Situationen, die es auch gegeben hat, ermuntert. Nochmals einen herzlichen Dank an Sie alle für 24 spannende, schöne, erfüllte Bürgermeister-Jahre! Mit etwas Wehmut im Herzen, Euer Bürgermeister Erwin Mohr 4 Aus dem Rathaus Dienstjubiläen bei Gemeinde Bgm. Erwin Mohr, Dr. Sylvester Schneider mit Gattin Frieda Beatrix Mersin, Bgm. Erwin Mohr Auch im vergangenen Jahr wurden anlässlich der traditionellen Abschlussfeier zwei langjährige und verdiente Bedienstete geehrt. Dr. Sylvester Schneider konnte unter Einrechnung seiner Vordienstzeit beim Bezirksgericht sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern. Er trat am 1. April 1986 in den Gemeindedienst ein und ist seitdem als Amtsleiter und Personalchef der oberste Bedienstete unserer Gemeinde. Insbesondere das positive Arbeitsklima im Rathaus und in zahlreichen Dienststellen ist seiner ruhigen und freundlichen Art zu verdanken. Sein außerordentlich breites Wissen über unsere Gemeinde machte ihn auch zur Anlaufstelle für zahllose Bürgeranfragen und Beratungen. Er ist auch über die Gemeindegrenzen hinaus Ratgeber in heiklen Fragen für Nachbargemeinden und übergeordnete Dienststellen. Im Kreise seiner Gemeindesekretäre-Kollegen gilt er als einer der Besten im Lande! Beatrix Mersin ist als ausgebildete Kindergärtnerin bereits seit 1979 tätig. Ihre früheren Dienstorte waren Doren, Schoppernau, Bildstein, Hohenems und wieder Bildstein, dann war sie einige Zeit in Karenz, bevor sie 1998 die Leitung des Kindergartens Mähdle in Wolfurt übernahm. 2007 erfolgte dann ein Wechsel in den Kindergarten Strohdorf. Beatrix Mersin bewältigte die während der letzten zweieinhalb Jahrzehnte gewaltigen Umbrüche im Kindergartenwesen bestens und war durch all die Jahre, die sie in unserer Gemeinde und für unsere Kinder tätig war, eine verlässliche und vorbildliche Mitarbeiterin. Wir möchten den beiden Jubilaren anlässlich ihres Dienstjubiläums herzlich gratulieren und auch den verdienten Dank für ihr vorbildliches Engagement in unserer Gemeinde zum Ausdruck bringen. Bürgermeister Erwin Mohr Aus dem Rathaus 5 Wer kennt Heiligen-Figur? Nachdem es zur abgebildeten Heiligen-Figur einige Unklarheiten gibt, möchten wir alle Personen aufrufen, sich zu melden, wenn Sie diese Figur schon einmal gesehen haben oder zuordnen können. Die Statue stellt die Heilige Maria dar und stammt aus dem Nachlass von Zilla Zoller. Früher soll diese Figur als „Wander-Madonna“ in vielen Wolfurter Häusern für Anbetungsstunden gestanden haben. Nach jeweils einigen Tagen musste man die Figur wieder ins Schwesternhaus (heute Spielzeugmuseum) zurückbringen. Die wesentliche Frage ist: Handelt es sich bei dieser Figur um die seinerzeitige Wander-Madonna oder nicht? Wer dazu Angaben machen kann oder Informationen hat, wird ersucht, dies im Gemeindeamt Wolfurt, Frau Victoria Thompson, Tel.: 6840-29, E-Mail: victoria.thompson@wolfurt.at, mitzuteilen. Sicherheitstipps zur Verhinderung von Haus- und Wohnungseinbrüchen Viele Menschen sorgen sich vor einer Urlaubsreise vor allem um die Sicherung ihrer Wohnung oder ihres Hauses. Kurz vor einer Reise lassen sich umfangreichere Sicherungsmaßnahmen im Wohnbereich kaum realisieren - so etwas verlangt Zeit und Planung. Man kann aber jedenfalls Zeichen längerer Abwesenheit vermeiden und die Hilfe von Freunden oder Nachbarn in Anspruch nehmen. Sicherheitstipps: > Ungeleerte Briefkästen, ständig heruntergelassene Rollläden, zugezogene Vorhänge sind für ausspähende Einbrecher sichere Zeichen, dass hier niemand zu Hause ist. Lassen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus durch Freunde, Verwandte, Bekannte oder Nachbarn bewohnt erscheinen und Ihren Briefkasten leeren sowie Rollläden, Vorhänge, Beleuchtung, Radio und Fernseher zu unregelmäßigen Zeiten betätigen. Einfache Maßnahmen, wie z.B. Zeitschaltuhren, können hier auch gute Dienste leisten. > Einbrecher vertrauen auch darauf, dass sich niemand darum kümmert, was im Stiegenhaus oder in der Nachbarwohnung vor sich geht. Aufmerksame Nachbarschaft würde vielen Ganoven das Handwerk legen. > Ziehen Sie Türen nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie diese immer zweifach ab. Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Lassen Sie Fenster nicht gekippt - für Einbrecher sind gekippte Fenster wie offene Fenster. > Verstecken Sie Ihren Wohnungs- oder Hausschlüssel nicht unter der Fußmatte. Hier schauen die Einbrecher zuerst nach. > Schließen Sie Leitern, Gartenmöbel, Mistkübel und andere Gegenstände, die sich als Aufstiegshilfen eignen, weg oder sichern Sie diese z. B. mit einer Kette. > Schalten Sie Außensteckdosen ab. > Notieren Sie Gerätenummern in einem Eigentumsverzeichnis und fotografieren Sie die Gegenstände. Für weitere Informationen in Sachen Einbruchsschutz, aber auch zu anderen Themen, stehen die Präventionsbeamten der österreichischen Sicherheitsexekutive zur Verfügung. Die Umsetzung der Tipps im eigenen häuslichen Bereich trägt garantiert zu einem höheren Sicherheitsstandard in unserem Land bei. Kontakt mit einem Präventionsbeamten kann über jede Polizeidienststelle in Österreich aufgenommen werden. Ein Besuch der Präventionsseiten unter www.bmi.gv.at lohnt sich auf jeden Fall. Es werden dort neben Informationen über die verschiedenen Bereiche der Kriminalprävention auch wichtige Kontaktadressen angeboten. Sicherheitsdirektion Vorarlberg 6 Aus dem Rathaus Gemeindebudget 2009 Mit dem größten je beschlossenen Budget im Ausmaß von 23,48 Mio. Euro (Vorjahr 18,44 Mio.) geht die Gemeinde in das Jahr 2009. Dieses Investitionsbudget war nur dank der sparsamen Haushaltsgebarung in den Vorjahren und der Bildung von entsprechenden Rücklagen möglich, die jetzt teilweise aufgelöst werden. Gebühren und Abgaben Trotz äußerst knapper Kalkulationen ist es auch für heuer gelungen, die Steuern und Gebühren im Wesentlichen auf dem Vorjahresstand zu belassen. Bei den Kindergartengebühren wird es aufgrund aktueller Gespräche mit dem Bund möglicherweise noch zu einer Reduktion für 5-Jährige kommen. Die Musikschultarife werden erst in den nächsten Wochen neu kalkuliert, müssen aber sicher aufgrund der Gehaltssteigerungen bei den Lehrpersonen angehoben werden. Schuldenstand Trotz der angespannten Finanzaussichten werden wir rund 200.000,-- Euro Schuldentilgung vornehmen und mit 1,9 Mio. Euro niedrig verzinsten Darlehen die zweitniedrigste Pro-Kopf-Verschuldung im Lande aufweisen. Beiträge an das Land 1.626.000,-1.164.400,-900.000,-148.000,-110.800,-€ € € € € Sozialhilfe-Umlage (Steigerung 15,45 %!) Landesumlage (Steigerung 7,95 %) Spitalbeiträge für Wolfurter Bürger und Bürgerinnen Beitrag zum Landes-Pflegegeld (+ 20 %) Beitrag für Wohnbauförderung (+ 10 %) Die wesentlichsten Aufwendungen Einnahmen werden sinken Die österreichweite Steuerreform für Arbeitnehmer und Betriebe im Ausmaß von 3,2 Mrd. Euro bedeutet auch beträchtliche Mindereinnahmen für die Gemeinde. Da auch die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, aus den Kapitalertragssteuern und Unternehmenssteuern zurück gehen, muss mit einer deutlichen Reduktion der Einnahmen in diesem Jahr gerechnet werden. Die Botschaft lautet daher, sinnvoll zu sparen, wo dies ohne Qualitätseinbußen möglich ist. 6.550.000,-- € Beiträge an Gemeinde-Immobiliengesellschaft für: Feuerwehrhaus, Sanierung VS Mähdle, Beteiligung Sternen-Hotel, Adaptierung Kindervilla Grundstücks-Ankäufe (gleichzeitig 1,0 Mio. Grundstückverkauf) Fahrrad-Brücke A 14 (durch Förderungen Echtkosten 350.000,-- Euro) Kunstrasenplatz Flotzbach Neubau / Sanierung Kanalnetz Neubau / Sanierung Wassernetz Sanierung Straßen Umbaumaßnahmen L 3 Hofsteig-Ader Direkte Vereinsförderung Finanzreferent Bgm. Erwin Mohr 1.000.000,-- € 690.000,-- € 420.000,-390.000,-305.000,-220.000,-160.000,-316.500,-€ € € € € € Vorinformation zu Vermessungsarbeiten Auch dieses Jahr werden in unserem Gemeindegebiet im Zuge der jährlichen GIS-Nachführung wieder div. Neubauten, Zubauten und Veränderungen bei Gebäuden vermessen. Früher wurden diese Vermessungsarbeiten von den VKW durchgeführt. Auf Wunsch der Vorarlberger Landesregierung werden die Vermessungsarbeiten an Privatunternehmen mittels Ausschreibung vergeben. Voraussichtlich wird im Mai Juni mit den Arbeiten begonnen. Wir bitten die Bevölkerung um Unterstützung und Verständnis, da meistens auf Privatgrund Zutritt gewährt werden muss. Aus dem Rathaus 7 Kostenlose Beratung in Grundstücksund Immobilienangelegenheiten: Richard Richter, der gerichtlich beeidete Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürgern und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: Wahltermine 2009 Für das heurige Jahr stehen bereits nachstehende Wahltermine fest: Europawahl: 7. Juni 2009 Landtagswahl: 20. September 2009 Nähere Informationen entnehmen Sie zum gegebenen Zeitpunkt dem Anschlag beim Rathaus oder der Homepage der Marktgemeinde Wolfurt unter www.wolfurt.at Bürgerservice-Leiter Stefan Fischer Rathaus Wolfurt 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 8. April 2009 Mittwoch, 27. Mai 2009 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Mag. Thomas Schelling, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit mittels der Methode von Dr. Bach, Schloßgasse 8; Anna Vladykova, Personenbetreuung, Kesselsiedlung 2; Johann Peter Meusburger, Gastgewerbe „Lorenzo B“, Kellhofstraße 3; Christine Ellinger, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, KonradDoppelmayr-Straße 17; Paradigma Österreich Energietechnik GmbH & Co. KG, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Heizungstechnik, Holzriedstraße 33; Jacqueline Hörburger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Frühlingstraße 10a; Dagmar Hörburger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Sonnenstraße 18; Sandra Margarethe Lang, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Lerchenstraße 11; Silvia Kadisch, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Lerchenstraße 4; DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29; Yakup Gürdap, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Albert-Loacker-Straße 13; Gerhard Presser, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Achstraße 46; FAIR PLAY Messestand- und Raumdesign GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Werbearchitekt, KonradDoppelmayr-Straße 17; Helena Edelmanova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Sandra Bertsch, Betrieb eines Reitstalls, Inselstraße 11; Ningbo CMC Handelsgesellschaft mbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Montfortstraße 86, Martin Ender, Werbeagentur, Bogenstraße 45, Christian Wilburger, Werbeagentur, Bogenstraße 45, Viera Stefanerova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13. Gökhan Alkin, Handelsgewerbe, Fattweg 7; Mag. (FH) Simon Nußbaumer, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Weiherstraße 26; Sona Kasanova, Personenbetreuung, Oberfeldgasse 7; Radcult Schedler OEG, Handelsgewerbe, eingeschränkt auf den Handel mit Fahrrädern samt Zubehör, Im Dorf 1a. Löschung eines Geschäftsführers ph-7 Unternehmensberatung OG, Mag. (FH) Simon Nußbaumer wurde als Geschäftsführer gelöscht. Geschäftsführerbestellung DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Geschäftsführer: DI Stephan Wabnegger, Holzriedstraße 29; Josef Köb Holding GmbH, Handelsgewerbe, Geschäftsführer: Günther Köb, Flotzbachstraße 20a. Standortverlegungen Marc Christian Lorünser, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik; Handelsgewerbe, von Wolfurt Bützestraße 39, nach Wolfurt, Fliederweg 9b; Jaroslava Samuelova, Personenbetreuung, von Lochau nach Wolfurt, Im Wida 18/1; IDEEFIX System- und Softwareentwicklung GmbH, Handelsgewerbe und Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, von Lauterach nach Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 17; Karl Sapper, Masseur, von Dornbirn nach Wolfurt, Achstraße 42; Robert Karlinger, Organisation von Events, von Dornbirn nach Wolfurt, Albert-LoackerStraße 53/3; Robert Bischof, Werbeagentur, von Wolfurt, Bucherstraße 29, nach Bregenz; Darina Mrlianova, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Augasse 17; Thomas Andreas Fohn, Baumeistergewerbe, von Wolfurt, Feldeggstraße 10, nach Wolfurt Kirchstraße 20; Michael Fischer, Massage ausgenommen Elektro- und Ultraschallanwendungen, sowie Hydro-, Thermo- und Balneoanwendungen von Dornbirn nach Wolfurt, Schwertgasse 11; Christian Mandlik, Handelsgewerbe, von Wolfurt, Senderstraße 16 nach Wolfurt, Holzriedstraße 33; Angelika Walser, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt, Senderstraße 16, nach Wolfurt, Holzriedstraße 33. Änderung des Gewerbewortlautes und eine Standortverlegung Slavica Eric, neu: Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (Handwerk), ausgenommen der Maschinen- und Anlagenreinigung sowie der Reinigung von Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Rehazentren, von Wolfurt, Gartenstraße 13f, nach Bregenz. Verständigung über den Übergang der Gewerbeberechtigung, eine Standortverlegung und die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte RADCULT GmbH & Co KG, Fahrradtechnik, von Wolfurt, Im Dorf 1a, nach Bregenz. Verständigung über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte RADCULT GmbH & Co KG, Handelsgewerbe, Jahnstraße 11, Bregenz, Standort der weiteren Betriebsstätte: Im Dorf 1a, Wolfurt. Übergang der Gewerbeberechtigung Fenkart Automaten KEG - Neu: Uwe Fenkart, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Bucher Straße 13. Gewerbelöschungen Fredi Jenni, Handelsgewerbe, KonradDoppelmayr-Straße 17; Elfriede Helga Mons, Buchhaltung, Martinsweg 5; Roman Martin Sieber, Gewerbliche Vermögensberatung, Flurstraße 7; Herbert Josef Schramm, Gastgewerbe „Lorenzo B“, Kellhofstraße 3; Firmenwortlautänderung MD Getränke GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Nelkenstraße 8; webtourismus.at gmbH, Werbungsmittler, KonradDoppelmayr-Straße 17; ph-7 OG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Weiherstraße 26. Verständigung über eine Änderung des Sitzes AgenT-Com Telekommunikationshandel GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Vermittlung von Verträgen betreffend Benützung von Fernmeldeeinrichtungen (Telekommunikationseinrichtungen) Dritter, Senderstraße 16, Änderung des Sitzes nach 6850 Dornbirn. 8 Aus dem Rathaus Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 1. Quartal 2009 im Fundamt abgegeben wurden: Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Diverse Schlüssel Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: melanie.amhof@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Melanie Amhof Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhrr Mittwoch, 06. Mai 2009, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 03. Juni 2009, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 01. Juli 2009, Dr. Wolfgang Hirsch Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 20. Mai 2009, Dr. Kurt Zimmermann Mittwoch, 15. Juli 2009, Dr. E. Michel Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen: Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni, 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli, 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August, 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September, 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober, 21.12. - 31.12. Aktuelle Zahlen aus dem Rathaus Stand: 31. Dezember 2008 2004 Gemeldete Personen (inkl. Zweitwohnsitz) 8.128 73 70 3 49 40 2005 8.192 78 64 14 40 33 2006 8.307 82 73 9 47 43 2007 8.373 92 82 10 54 17 2008 8.378 80 75 5 60 39 Auszahlung Heizkostenzuschuss Marktgemeinde Wolfurt 2004 / 2005 90 Antragsteller à 150,-= Gesamt € 13.500,-- Geburten gesamt davon Österreicher davon Ausländer Sterbefälle gesamt Eheschließungen 2005 / 2006 122 Antragsteller à 176-,= Gesamt € 21.472,-- Verdoppelung der Eheschließungen - Bemerkenswert ist der Anstieg der Eheschließungen von 17 auf 39. Hohe Anzahl Sterbefälle - Seit vielen Jahren mussten wir mit 60 die höchste Zahl an Sterbefällen verzeichnen. 2006 / 2007 139 Antragsteller à 208,-= Gesamt € 28.912,-- Bautätigkeit 2008 Erteilte Baubewilligungen Einfamilienhäuser Mehrfamilienhäuser Betriebsgebäude 2005 23 3 4 2006 30 3 2 2007 22 1 2 2008 23 3 2 2007 / 2008 138 Antragsteller à 208,-= Gesamt € 28.704,-- Zu- und Umbauten: Wohnhäuser Betriebsgebäude Althaussanierungsanträge Sonstige Bauwerke (Schwimmbäder, Schuppen etc.) 30 6 21 36 25 21 28 57 11 11 14 79 30 9 20 44 2008 / 2009 278 Antragsteller à 250,-= Gesamt € 69.500,-Bürgerservice-Leiter Stefan Fischer Aus dem Rathaus 9 8. Rheintalkonferenz: Rheintalgemeinden wollen noch stärker zusammenarbeiten Pflege und Betreuung älterer Menschen Wichtiges Thema der 8. Rheintalkonferenz war die Pflege und Betreuung älterer Menschen. Insgesamt wohnen im Rheintal rund 1.300 Menschen in 25 Pflegeheimen sowie acht Altersheimen und Seniorenwohnungen. Rund 31 Prozent dieser Personen kommen nicht aus der Gemeinde, in der sie nun betreut werden. Weitere 5.700 ältere Menschen greifen in den 29 Rheintalgemeinden auf die Dienste der Hauskrankenpflege, der Mobilen Hilfsdienste (MOHI) und anderer ambulanter Pflegeinstitutionen zurück. Einige dieser Einrichtungen - vor allem in kleineren Gemeinden - arbeiten bereits jetzt gemeindeübergreifend. „Die Zusammenarbeit im Pflege- und Betreuungsbereich soll über räumliche und institutionelle Grenzen hinweg gefördert werden. Denn sie garantiert eine optimale Betreuung und Pflege von älteren Menschen ", bringt der Altacher Bürgermeister und Mitglied des Lenkungsausschusses Vision Rheintal die Diskussion der Rheintalkonferenz auf den Punkt. Land und Gemeinden werden zu diesem Zweck gemeinsam mit den lokalen und regionalen Pflege- und Betreuungseinrichtungen die Ziele der Zusammenarbeit erarbeiten. Vision-Rheintal-Projektleiter Martin Assmann: „Aufbauend darauf werden wir die Kooperationspotenziale definieren." Pilotprojekte in Kleinregionen sollen gleichzeitig konkrete Lösungen erarbeiten. „Eine finanzielle Unterstützung für diese Projekte hat das Land auf der Rheintalkonferenz bereits zugesichert", so Assmann. die Bedeutung stationärer sowie ambulanter Pflege- und Betreuungsinstitutionen. Brändle: „Beide Einichtungen sind für eine optimale Betreuung und Pflege von älteren Menschen notwendig. Die Rheintalkonferenz hat deshalb beschlossen, eine Weiterentwicklung beider Strukturen zu fördern und zu unterstützen." Regionale Betriebsgebiete und Kinderbetreuung Konkretisiert haben die 38 TeilnehmerInnen der Rheintalkonferenz die Handlungsempfehlungen für die Schwerpunktthemen Regionale Betriebsgebiete und Kinderbetreuung. „In den nächsten Wochen wird die Raumplanungsabteilung des Landes, wie auf der letzten Rheintalkonferenz beschlossen, einen Auftrag zur Abschätzung des künftigen Bedarfs an regionalen Betriebsgebieten vergeben", berichtet Landesrat Karlheinz Rüdisser. Mitte März erfolgte eine Ausschreibung für ein Projekt, das mögliche Standorte für neue Betriebsgebiete ermitteln soll. Die Gesetzgebungsabteilung des Landes hat die rechtlichen Möglichkeiten geprüft, die eine bessere Verfügbarkeit von Bauflächen in Betriebsgebieten gewährleisten könnten. Land und Gemeinden werden nun gemeinsam ein Modell für Vorarlberg erarbeiten. Ebenfalls beauftragt hat das Land eine Studie, die bereits funktionierende Gemeindekooperationen in der Kinderbetreuung untersucht. Ziel dieser Analyse ist es, die Faktoren einer erfolgreichen Kooperation herauszufiltern und konkrete Empfehlungen zu erarbeiten. Gemeinde und Institutionen übergreifend „Trotz positiver Beispiele gibt es nach wie vor Faktoren, die eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Institutionen hemmen", berichtet Bürgermeister Brändle. Lösungen sollen deshalb künftig entsprechend dem Kooperationsgedanken gemeinsam erarbeitet werden, beschlossen die Politiker der Rheintalkonferenz. Zusätzlich einigte man sich auf eine vertiefte Analyse der Schnittstellen zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen. Untersucht wird weiters, inwieweit Rahmenbedingungen wie Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten die Zusammenarbeit unterstützen. Einig war man sich auf der Rheintalkonferenz über 10 Gemeindepanorama Bezirksredakteur Peter Strauß von Bürgermeistern verabschiedet Der langjährige VN-Bezirksredakteur der Region Bregenz / Bregenzerwald, Peter Strauß, ist mit Ende Jänner dieses Jahres in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten. Dies nahmen die Bürgermeister der Region Hofsteig / Rheindelta zwischen Alberschwende und Gaißau zum Anlass, dem engagierten Journalisten und Redakteur für seine nahezu 30jährige Tätigkeit und Berichterstattung in und über diese Regionen den verdienten Dank auszusprechen. Im Rahmen eines gemütlichen Mittagessens wurden die Leistungen und Verdienste von Peter Strauß entsprechend gewürdigt und gleichzeitig auch seiner Gattin Marianne für die zahllosen Termine gedankt, die ihr Gatte mit ihr gemeinsam und auch oft ohne sie in der Region wahrnehmen musste. In freundschaftlicher Verbundenheit wünschten ihm die anwesenden Bürgermeister gute Gesundheit und viel Freude im neuen Lebensabschnitt. hinten v.l.n.r.: Bgm. Elmar Rhomberg, Bgm. Werner Schneider, Bgm. Reinhold Eberle, Bgm. Hugo Rogginer vorne v.l.n.r.: Bgm. Reinhard Dür, Bgm. Hans Bertsch, Bgm. Egon Troy, Bgm. Franz Martin, Bgm. Helmut Leite, Marianne und Peter Strauß, Bgm. Erwin Mohr Einladung zur 21. Vollversammlung der Genossenschaftsjagd Wolfurt Kundmachung: Die Vollversammlung 2009 der Genossenschaftsjagd Wolfurt wird gemäß § 4 der Genossenschaftssatzungen auf Dienstag, 5. Mai 2009, um 19:00 Uhr, im Gasthaus „Adler“einberufen. Tagesordnung 1. Mitteilung 2. Vorlage der Jahresrechnung 2008/2009 und Verwendung des Jagdpachtertrages 3. Bestellung von Rechnungsprüfern 4. Neuwahlen Obmann 5. Sanierung Mösleweg, Zuschuss aus Jagdpachterlösen 6. Genehmigung der Verhandlungsschrift der 20. Vollversammlung vom 8.5.2008 7. Allfälliges Hinweis Ist die Vollversammlung zum festgesetzten Zeitpunkt nicht beschlussfähig, so wird sie nach Ablauf einer halben Stunde bei unveränderter Tagesordnung ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder und der auf die Mitglieder entfallenden Stimmen beschlussfähig. Bürgermeister Erwin Mohr Gemeindepanorama 11 Neues von der Offenen Jugendarbeit Über die Wintermonate hat sich einiges in der Offenen Jugendarbeit Wolfurt getan. In und rund um den Jugendtreff „Cage“ wurden verschiedene Veranstaltungen, Workshops und Projekte geplant und durchgeführt. Im Anschluss ein kurzer Ausschnitt von den wichtigsten Highlights. Hallenfussball in der Volksschule Bütze Jeden zweiten Samstag im Monat erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, ihren geliebten Fußball-Sort in der Sporthalle Bütze auszuüben. Thema, viele verstehen darunter die „Automobilität“. Dass dem nicht so ist, bedarf es einer Auseinandersetzung mit den Jugendlichen. Derzeit entsteht in Wolfurt ein wichtiges Bauwerk zur Hebung der „sanften Mobilität“, die Radbrücke über die L 3. Dies ist Anlass, sich der Thematik zu stellen, wir versuchen es mit einem Kunst-Projekt. Die offene Jugendarbeit stellt sich der Herausforderung und wagt sich an den Bau einer Kunstskulptur nach dem Motto „Kunst am Bau“. Die Skulptur wird im Bereich der neuen Radbrücke aufgestellt. Erfreulich ist die Unterstützung, die der Verein und damit die Jugendlichen durch das Land und die Gemeinde erfahren durften. Kulturgruppe Die Kulturgruppe für Jugendliche über 16 Jahre wurde bereits installiert, und wir können schon gespannt sein, welche Aktionen sie für uns dieses Jahr geplant haben. Projekte Zum Start in den Frühling laufen derzeit zwei verschiedene Kunst–Projekte, dabei werden die Jugendlichen kreativ gefordert. Die Arbeiten werden zur Eröffnung der Radbrücke der breiten Bevölkerung präsentiert. HipHop Body Percussion Am 17.02.09, erfolgte der Startschuss für das HipHop Body Percussion Projekt. Das Projekt ermöglicht den Jugendlichen, sich eigenständig mit der Jugendkultur HipHop zu beschäftigen. Im Rahmen dieses Projektes werden den Jugendlichen die Jugendkultur, sowie musikalische Grundlagen wie Rhythmus näher gebracht. Weiters wird versucht, mit verschiedensten Gegenständen aus dem Alltag und seinem eigenen Körper einen HipHop Song zu kreieren und im Anschluss vor Publikum zu präsentieren. Weiters entstand aus diesem Projekt ein Breakdance Kurs, der jeden Samstag für einen kleinen Selbstkostenbeitrag für interessierte Jugendliche zur Verfügung gestellt wird. Vorschau Frühling / Sommer: > Tag der offenen Tür im Jugendtreff am 2. Mai 2009 > Aufführungen des Jugendtheaters im Juli Günter Sutterlüti (Jugendarbeiter) und Michael Klimmer (Obmann s’Team) Kunst am Bau Zum Bau der neuen Radbrücke, hat sich unser Verein überlegt, dass auch wir etwas dazu beisteuern könnten. Die Idee der Jugendlichen ist es, gemeinsam mit dem Verein ein kleines Kunstwerk ins Leben zu rufen, welches dann bei der neuen Radbrücke aufgestellt wird. Mobilität ist für junge Menschen ein sehr wichtiges 12 Gemeindepanorama Jugendproberaum und Räumlichkeiten für den Kultur- und Freizeitverein a rovermenproduction Ein großer Wunsch aus dem Jugendprojekt „Case my place“ wird umgesetzt. Die Gemeinde hat im Geigerareal Räumlichkeiten angemietet. Einerseits findet dort der Kultur- und Freizeitverein a rovermenproduction endlich eine adäquate Heimstätte, anderseits entsteht ein Proberaum für Wolfurter Jugendliche. Das Erfreuliche ist, dass die Rovermen, unterstützt von den Jugendlichen, die Räumlichkeiten gestalten und ausbauen. Viele Stunden wurden von den jungen Männern bereits investiert. Die Gemeinde stellt die Materialkosten. Auch in Zukunft ist an eine enge Zusammenarbeit der Rovermen mit unseren Jugendlichen gedacht. Die Räumlichkeiten werden in Kürze fertig gestellt sein. Christian Natter, Gemeinderat für Jugend und Sport, Vizebürgermeister Gohscht mit is Museum? Wie wäre es mit einem Frühlings-Radausflug oder Spaziergang mit einem besonderen Ziel? Zwei Vorschläge: Erstens: Spielzeugmuseum Wolfurt Das jährliche Treffen der Kulturverantwortlichen der sieben Hofsteiggemeinden fand heuer im Wolfurter Spielzeugmuseum statt. Auch unsere Gemeinde-Nachbarn waren überrascht und begeistert von der umfangreichen Ausstellung, die mit sehr viel Liebe zum Detail und großem Engagement vom Ehepaar Alge zusammengestellt, gepflegt und ständig erweitert wird. Die momentane Sonderausstellung zum Thema „Ostern“ ist besonders sehenswert - da werden viele Erinnerungen geweckt, vom roten Zuckerhasen bis zum wunderschönen Papp-Ei ist alles zu finden. Ein Besuch lohnt sich! > Fr, Sa, So: 14:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt: Erwachsene € 4,--; Kinder von 6 -14 Jahren: € 1,--; Kinder bis 6 Jahre: Freier Eintritt Zweitens: Ausstellung „KUNST IM HOFSTEIG - Raum - Landschaft - Natur“ Ziel der Hofsteig-Zusammentreffen sind der Erfahrungsaustausch untereinander, gegenseitige Infos und das Organisieren gemeinsamer kultureller Projekte (ca. alle 1-2 Jahre). Erstes Ergebnis dieser Kooperation ist eine Ausstellung im Kunsthaus Rohner in Lauterach, zu der alle Hofsteig-Bewohner - Wolfurter, Lauteracher, Harder, Schwarzacher, Kennelbacher, Bucher und Bildsteiner - bei Gratis-Eintritt eingeladen sind. Künstler und Sammler aus allen diesen Gemeinden stellen Leihgaben zur Verfügung, einige schufen sogar eigens für diese Ausstellung ein neues Werk. Im Mittelpunkt steht das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts; die Auswahl der vielfältigen Arbeiten übernahm Alwin Rohner. Über 30 Werke von insgesamt 27 Kunstschaffenden allein zum Thema Landschaft und Ortsbilder sprechen für das enorme Potenzial in den Dörfern des Hofsteigs. > Eröffnung: Freitag, 8. Mai, 18:00 Uhr, Freier Eintritt von 9. bis 31. Mai, jeweils Mittwoch bis Sonntag, Dauer: ½ Jahr (bis Oktober 2009) Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Schule und Kultur Gemeindepanorama 13 Bushaltestellen: Verschmutzung und Beschädigungen In jüngster Vergangenheit kam es immer öfter zu erheblichen Verschmutzungen unserer Bushaltestellen. Vor kurzem wurden zum wiederholten Mal die Glasscheiben bei einer Halterstelle mutwillig zertrümert. Alleine die Behebung eines solchen Schaden beläuft sich auf ca. € 3.000,--. Die Reparatur ist von der Gemeinde zu bezahlen, also von Ihnen - den Steuerzahlern. Die Marktgemeinde Wolfurt leistet einen wesentlichen Anteil (ca. € 280.000,-- im Jahre 2009) an den qualitativen Verbesserungen der öffentlichen Verkehrsmittel. Beispielsweise die Verlängerung der Nachtfahrten - dass unsere Jugendlichen auch noch um 2:00 Uhr mit dem Bus nach Hause kommen, oder für die Berufspendler die inzwischen einen 10-Minuten-Takt nach Bregenz und Dornbirn in Anspruch nehmen können. Es scheint mir daher mehr wie angemessen, dass WIR alle mit dieser Infrastruktur behutsam umgehen. Ich bitte Sie daher, Personen, die Busse oder Haltestellen verschmutzen oder gar beschädigen, anzusprechen oder bei uns zu melden, damit wir die Verursacher zur Verantwortung ziehen können. Ich bedanke mich für Ihre Mitarbeit! Christian Natter, Umweltgemeinderat und Vizebürgermeister Neuer Traktor für Bauhof Das neue Fahrzeug leistet nicht nur wertvolle Dienste im Zuge der Schneeräumung, sondern ist speziell auch in meinem Ressort bei Maßnahmen und Sanierungen in den Bereichen Wasser, Kanal und öffentliche Gerinne unverzichtbar. Das neue Gerät kostete rund 75.000,-Euro und wurde angeschafft, weil der alte Traktor: > in die Jahre gekommen ist und schon aufwendige Reparaturen durchgeführt werden mussten. > mit diesem neuen, leistungsstarken Traktor die notwendigen Arbeiten wesentlich effizienter durchgeführt werden können. Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne 14 Gemeindepanorama Projekt Hofsteig-Ader: Erste Umsetzungen in Vorbereitung Verkehrszählung im März Beispielspielbild einer Markierungsänderung Die Eröffnung des Achrain-Tunnels hat Berichten zu Folge bereits erste spürbare Verkehrsentlastungen gebracht. Um jedoch auch konkrete Zahlen vorliegen zu haben, hat das Land Vorarlberg eine Vorher/Nachher-Zählung in Auftrag gegeben. Die Vorher-Zählung wurde an 10 Tagen Mitte November 2008 durchgeführt. Die Nachher-Zählung erfolgt im März 2009. Das Ergebnis der Zählungen wird nach Vorliegen des Endberichts veröffentlicht werden. Konkrete Umsetzungen im Jahr 2009 Um die erreichten Verkehrsentlastungen längerfristig abzusichern und Anrainern, Fußgängern und Radfahrern bessere Bedingungen an der „Hauptstraße“ zu bieten, werden nun auch die Umsetzungen aus dem Hofsteig-Ader-Planungsprozess in Angriff genommen: Konkret soll durch die Markierung von Seitenflächen und der Entfernung der Mittelstreifen eine optische Einengung des Straßenraums erreicht werden. Damit wird die neue Funktion der Hofsteig-Ader als Sammel- und Verbindungsstraße unterstrichen. Ebenfalls noch heuer sollen alle Fußwege im Bereich der Hofsteig-Ader neu markiert und mit einer verbesserten Beleuchtung ausgestattet werden. Neugestaltung Einmündung Bildsteiner Straße und Achtraße Planungen für die Neugestaltung der „Tempostrecke“ im Bereich der Einmündung Bildsteiner Straße und dem Abschnitt Achstraße/Fitzkurve laufen derzeit auf Hochtouren. Ziel ist es, die Detailplanung im Zeitraum Mai/Juni den Anrainern vorzustellen. Die Umsetzung könnte dann bereits im Herbst 2009 (Bildsteiner Straße) bzw. Frühjahr 2010 erfolgen. Detailplanung für Dorfzentrum, Cubus und Weberstraße Weiters sollen noch im Frühjahr die Detailplanung für den Bereich Dorfzentrum und die Pläne für den Kreisverkehr Weberstraße in Angriff genommen werden. Ziel ist es, auch den für den Verkehrsfluss wichtigen Kreisverkehr sowie die Gestaltung der Kernzonen Dorfzentrum und Cubus möglichst bald einer konkreten Realisierung zukommen zu lassen. Hans Fetz, Gemeinderat für Mobilität Gemeindepanorama 15 Richtlinien für Schwimmbäder Die Anzahl der privaten Schwimmbäder in Wolfurt hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen. Es mussten aus diesem Grunde entsprechende Richtlinien für die Befüllung bzw. Entleerung der Schwimmbäder erlassen werden. Grundsätzlich ist das Befüllen von Schwimmbädern nur mehr über den Hauswasseranschluss und damit über den Wasserzähler zulässig. Illegale Wasserentnahmen an Hydranten sind verboten! Für die Entleerung der Schwimmbäder und der verunreinigten bzw. mit Chemikalien belasteten Gewässer gelten strenge Vorschriften zum Schutze des Grundwassers. Diese Vorschriften können beim Gemeindeamt (Frau Bettina Hopfner, Tel.: 6840-44) angefordert oder von der Homepage der Gemeinde unter www.wolfurt.at heruntergeladen werden. Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne Grillen - des einen Freud, des anderen Leid! Mit dem Frühlingserwachen fängt auch wieder die lang ersehnte Garten- und damit auch die Grillsaison an. Was gibt es schöneres, als in der freien Natur die selbst gegrillten Köstlichkeiten zu genießen. Und was ein echter Grillprofi ist, der schwört auf seinen Holzkohlengrill. Doch ist des einen Freud möglicherweise auch des anderen Leid. Rauch- und Duftwolken machen leider nicht an der Grundstücksgrenze Halt, und der Nachbar kann den Grillfreuden möglicherweise nicht dasselbe abgewinnen wie der eifrige Grillmeister. Vor allem dann, wenn die Fenster zugerammelt werden müssen, um nicht „geräuchert“ zu werden, oder wenn danach an der frisch gewaschenen Wäsche in Nachbars Garten das komplette Grillmenü erschnuppert werden kann. Gleiches gilt natürlich auch für die stark im Trend liegenden Feuerschalen und Feuerkörbe, die zwar Lagerfeueratmosphäre verbreiten mögen, dem Nachbar aber möglicherweise die Sommerabende vergällen. Deshalb – Grillen und Feuerschalen ja, aber denken Sie auch an Ihre Nachbarn! Die persönliche Freiheit und das individuelle Vergnügen finden auch hier ihre Grenzen am Rücksichtnahmegebot gegenüber den Nachbarn. Empfohlene Rasenmäherzeiten Montag - Freitag: 08:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 19:00 Uhr Samstag: 9:00 - 12:00 Uhr Für alle anderen lärmerzeugenden Maschinen wie Holzsägen, Häcksler etc. sind die selben Zeiten empfohlen. Im Sinne gutnachbarschaftlicher Beziehungen bedanken wir uns für Ihr Verständnis! 16 Umwelt EU-Energiekommissar Andris Piebalgs (Mitte) mit vier österreichischen Bürgermeistern (Bgm. Mohr rechts) bei der Unterzeichnung im EU-Parlament Brüssel EU-Bürgermeisterkonvent, Wolfurt ist dabei Als einzige Gemeinde Vorarlbergs trat Wolfurt dem europaweiten Bürgermeister-Konvent bei, der sich im Rahmen der Europa-Initiative zu den Zielen „20:20:20“ bis 2020 bekannt hat. Das bedeutet, dass Wolfurt bis zu diesem Datum 20 % Energieeinsparung, 20 % mehr erneuerbare Energie und 20 % CO2-Einsparung erreichen muss. Gemeinsam mit Wolfurt haben 370 weitere Städte und Gemeinden, darunter auch z.B. Madrid, Hamburg oder Malmö diese Vereinbarung unterzeichnet. Diese Zielsetzung bedeutet, dass wir neben einer beträchtlichen Umweltentlastung auch eine deutliche EnergieEinsparung und damit Kostenersparnis erreichen werden. Darüber hinaus werden diese Maßnahmen einen wichtigen Beschäftigungsimpuls gerade in der regionalen Wirtschaft geben. Einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele kann die ganze Bevölkerung und vor allem jeder Einzelne leisten. Aktionen wie sanfte Mobilität, energieeffiziente Althaus-Sanierungen, intelligentes Heizungsmanagement, Energiesparlampen für Gebäude- und Straßenbeleuchtung, Einsatz von Photovoltaik und vieles mehr sind möglich. Alljährlich wird es einen großen Informationstag zu diesem Thema in unserer Gemeinde geben. Infostelle - Brachvogel, Kiebitz und Co. Eröffnung der Infostelle und Exkursion am Ostermontag Im Wolfurter Birken gibt es viel zu beobachten. Die Streuwiesen sind Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Hintergrund-Informationen dazu bietet die neue Infostelle, die im Interreg-Projekt „Feuchtgrünland und Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein und Donau“ erstellt wurde. Am Ostermontag sind alle Interessierten zur Eröffnung eingeladen. Im Anschluss führen Sie erfahrene Vogelkundler durch das Wolfurter und Lauteracher Ried. Mit etwas Glück sehen Sie neben Brachvögeln und Kiebitzen auch eine Bekassine. Denn diese Riede sind Teil des wichtigsten Wiesenbrütergebiets im Bodenseeraum. Treffpunkt: 9:00 Uhr Senderstraße bei der Autobahnunterführung Wolfurt Exkursionsleitung: Alwin Schönenberger, Dipl. Biol. Anne Puchta u. Mag. Jürgen Ulmer Veranstalter: Naturschutzbund Vorarlberg und Marktgemeinde Wolfurt Christian Natter, Umweltgemeinderat und Vizebürgermeister Umwelt 17 Energiesparlampen: 1/5 Stromverbrauch bei 10-facher Lebensdauer Die Zeiten des verschwenderischen Umgangs mit Energie sind vorbei. Neben Elektrogeräten ist die Beleuchtung ein weiterer Faktor, der die Stromrechnung in die Höhe treibt. Durch den Einsatz von Energiesparlampen kann der Stromverbrauch erheblich gesenkt werden. Energiesparlampen eignen sich hervorragend für dauerhafte Beleuchtung. Gleiche Leuchtkraft, wesentlich weniger Strom: So können z.B. 35 W Glühlampen durch 7 W Energiesparlampen, 40 W durch 9 W oder auch 60 W durch 11 W Energiesparlampen ersetzt werden. Hohe Lebensdauer: Während eine normale Glühbirne eine Lebensdauer von ca. 1.000 Stunden hat, kann eine Energiesparlampe im Mittel 10.000 Stunden aufweisen. Ihr Vorteil: 1/5 Stromverbrauch bei 10-facher Lebensdauer! Wenn das kein Grund zum Umsteigen ist! Der Testkoffer: Daher hat das e5-Team einen Energiesparlampen-Testkoffer zusammengestellt, in welchem sich 23 verschiedene Energiesparlampen befinden. Da es oft schwierig ist, die passende Energiesparlampe für den speziellen Einsatzbereich zu finden, kann dieser Koffer ausgeliehen und die darin befindlichen Lampen getestet werden. Ist die passende Energiesparlampe gefunden, so kann diese, mit der sich im Koffer befindlichen Lampenbeschreibung, beim Elektrofachgeschäft besorgt werden. Nach ca. 2 Tagen sollte der Koffer wieder zurückgebracht werden. Ausleihstelle: Rathaus Wolfurt, Burkhard Hinteregger, Tel. 05574 / 6840-17, Kaution: € 20,-- Übrigens: Im Flur, Treppenhaus, Garten- und Hauseingang, auf Zufahrt und Gartenwegen wird Licht oft nur zur Orientierung benötigt. Daher sollten Sie in diesen Bereichen Lampen benutzen, die direkt mit voller Lichtleistung leuchten. Wenn Sie in diesen Bereichen die Beleuchtung mit Bewegungsmeldern steuern, reduzieren Sie den Energieverbrauch ebenfalls. Das e5-Team freut sich auf rege Ausleihfrequenz! Robert Hasler, e5-Teamleiter 18 Umwelt LANDRAD - neue Mobilität für den Alltagsverkehr in Vorarlberg Mehr als 2/3 aller Wege, die wir VorarlbergerInnen an einem Werktag mit dem PKW zurücklegen, sind kürzer als 10 km. Immer noch 43 % aller Wege sind sogar kürzer als 5 km. Da sollte es doch kostengünstigere, gesündere und umweltfreundlichere Alternativen für solche Strecken geben. Das Fahrrad ist in Vorarlberg bereits heute eine der wichtigsten Alternativen. Ungefähr 14 % aller Wege an einem Werktag werden in Vorarlberg mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die Zahlen für den PKW auf Kurzstrecken versprechen da aber noch einiges an Potential. Gründe, die immer wieder gegen das Fahrrad ins Treffen geführt werden, sind vor allem das Problem, dass niemand verschwitzt ins Büro oder in eine Sitzung kommen kann, die vielen kleineren und größeren Steigungen, die es mit dem Fahrrad in Vorarlberg zu überwinden gilt und teilweise noch immer fehlende Radwege und ungünstige Routenführungen. Eine nicht mehr neue, aber in Vorarlberg noch wenig bekannte Technik ist das Pedelec. Ein Fahrrad, das über eine Batterie und einen in der Nabe integrierten Elektroantrieb verfügt. Dieser wird nicht über einen Gashebel gesteuert, sondern rein durch das eigene Treten. Je stärker in die Pedale getreten wird, desto mehr unterstützt der Motor. Geräuschlos, sauber und mit enorm geringem Energieverbrauch. Damit können Steigungen aber auch weitere Strecken mühelos auch mit einem Fahrrad überwunden werden. Und vor allem erlebt man Fahrfreude, ohne auf den positiven Effekt der Bewegung an der frischen Luft verzichten zu müssen. Um herauszufinden, in welchem Ausmaß solche elektrisch unterstützten Fahrräder in Vorarlberg PKW-Wege ersetzen können, hat das gemeinnützige Institut Kairos Wirkungsforschung & Entwicklung gemeinsam mit Land Vorarlberg und Energieinstitut das Projekt LANDRAD gestartet. Zwischen Mai und Juli werden in Vorarlberg 500 hochwertige, elektrisch unterstützte Fahrräder zu einem attraktiven Preis verkauft. Im Gegenzug stellen die LANDRAD-KäuferInnen Daten ihrer Fahrradsteuerung quartalsweise ein Jahr lang für dieses Forschungsprojekt zur Verfügung. Bereits jetzt können die LANDRÄDER reserviert werden. Bei ausgesuchten Fahrrad Fachhändlern liegen Informationen und Teilnahmeformulare auf, mit denen man sich „sein“ LANDRAD sichern kann. Die Händlerliste findet sich im Internet unter www.landrad.at. Persönlich getestet werden konnte das LANDRAD bereits bei der Radbrückeneröffnung am 4. April 2009, an der Ach. Die Kosten für ein LANDRAD, das im oberen Qualitätssegment liegt, belaufen sich auf EUR 1.250,--. Dieser Preis gilt für Privatpersonen bereits inkl. MWSt., für Institutionen und Firmen als Nettopreis. Weitere Informationen: Martin Strele, Kairos - Wirkungsforschung & Entwicklung gGmbH Anton Walser-Gasse 4, 6900 Bregenz, Tel.: 05574 58445, Fax: 05574 52607 E-Mail: ms@kairos.or.at, Internet: www.kairos.or.at Alle Daten aus: Verkehrskonzept Vorarlberg, 2006 Hans Fetz, Gemeinderat für Mobilität Umwelt 19 Sanierung von Hauptwasserleitungen Die Erstellung des flächendeckenden Wasserleitungsnetzes erfolgte in der Marktgemeinde Wolfurt ab dem Jahre 1953. Speziell in den 70er und 80er Jahren wurden überwiegend Ferroguß-Leitungen für die Trinkwasserversorgung verbaut. Korrodierte Hauptleitungen Bei einigen dieser Hauptleitungen mussten jedoch nach weniger als 15 Betriebsjahren teilweise massive Korrosionsangriffe an den Werkstoffen festgestellt werden. Die Folge waren unzählige punktuelle Rohrsanierungen aufgrund von Rohrbrüchen. Fazit war, dass die zu erwartende Lebensdauer des eingesetzten Rohrmaterials nicht annähernd erreicht werden konnte und damit bei diesen Rohrstrecken aufgrund der kurzen Lebensdauer ein Vollaustausch der Leitungen unausweichlich wurde. Von diesem Schadensumfang sind die Haupttransportleitungen zum Güterbahnhof Wolfurt, zum Hochbehälter Frickenesch sowie Transportleitungen ins Gewerbegebiet, in der Achstraße und in der Dornbirner Straße betroffen. Der Vollaustausch dieser Leitungen bedeutet jedoch einen hohen Kostenaufwand für die Gemeinde, den man nicht gewillt war, alleine zu tragen. Verhandlung mit Herstellerfirma Da die uns seinerzeit vom Hersteller zugesagte Lebensdauer für die verbauten Trinkwasserrohre nicht annähernd erreicht werden konnte, machte die Marktgemeinde Wolfurt einen verdeckten Mangel bei der Herstellerfirma geltend. In zähen, 2 ½ Jahren dauernden Verhandlungen konnte im Jahr 2008 schlussendlich mit der damaligen Erzeugerfirma ein Kompromiss ausgearbeitet werden. Planungen, Beginn der Sanierungen Im Jahre 2008 wurde das Trinkwassernetz einer Netzanalyse unterzogen, damit geänderte Netzverhältnisse in die Sanierung mit einbezogen werden können. Darauf aufbauend wurde vom Planungsbüro ein „Generelles Sanierungsprojekt“ erstellt, weil dieses große Sanierungsvorhaben nur über mehrere Jahre und in Etappen umgesetzt werden kann. Für dieses Jahr ist geplant, dass die Haupttransportleitung vom Grundwasserpumpwerk bis zum Güterbahnhof erneuert werden soll. Leitungsaustausch beim Fußballplatz Flotzbach Gemäß Planunterlagen hätte die Sanierung, ausgehend vom Grundwasserpumpwerk beginnen sollen. Da jedoch ein Teil der Leitung unter dem Fußballplatz Flotzbach liegt, sah man sich gezwungen, diesen Teil der Sanierung vorzuziehen, da seit Herbst 2008 an der Errichtung des neuen Kunstrasenplatzes gearbeitet wurde. Um einem ev. Schadensfall am neuen Kunstrasenplatz durch die alte Leitung vorzubeugen, wurde auf einer Länge von ca. 250 m die TrinkwasserLeitung in einer neuen Trasse umgelegt und die alte Leitung außer Betrieb gesetzt! Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne 20 Umwelt Traumhaus Althaus Sanieren: Jetzt so attraktiv wie noch nie! Mit Jahreswechsel hat das Land Vorarlberg die Förderung energetischer Gebäudesanierungen massiv erhöht. Das bedeutet: Mehr Geld für Sanierungen, zinsfreie Darlehen und geförderte Sanierungsberatung für alle Gebäude, die älter als 20 Jahre sind. Das sind gute Gründe, jetzt zu sanieren. Wie schaut das im Detail aus? Wie hoch sind die Förderungen? Was kostet es, ein Haus energetisch zu sanieren? Und wo und wie fange ich überhaupt an? Um kompetente Antworten auf diese Fragen geben zu können, organisieren das e5-Energieteam und die Wirtschaft Wolfurt einen Informationsabend. Sanierungsberater, Experten des Energieinstitut Vorarlberg und der Wohnbauförderstelle des Landes informieren Sie anhand praktischer Beispiele über Möglichkeiten, Kosten und Einsparpotentiale von Sanierungen. Und natürlich über die neue Sanierungsförderung des Landes. Traumhaus Althaus - jetzt sanieren! am Dienstag, 7. April 2009 um 19:30 Uhr im Vereinshaus Der Informationsabend „Traumhaus Althaus - jetzt sanieren!“ ist eine Veranstaltung der e5-Gemeinde Wolfurt mit dem Energieinstitut Vorarlberg. Der Eintritt ist frei. Was ist e5? Wolfurt beteiligt sich seit 1998 am e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden Ziel des e5-Programms ist es, den sparsamen und effizienten Einsatz von Energie und die Nutzung von erneuerbaren Energieträgen zu fördern. Christian Natter, Gemeinderat für Umwelt und Vizebürgermeister Umwelt 21 Neue Epoche für das Bustechnik Service-Center 20 Jahre Betriebsstandort in Wolfurt Neueröffnung Bustechnik Service-Center Der Grundstein für den neuen Standort der Buswerkstatt wurde 1986 - 1989 durch die ÖBB in der Senderstraße 20 in Wolfurt gelegt. Im Juni 1989 übersiedelte der Kraftwagendienst (KWD) mit seinen Mitarbeitern vom Betriebsstandort Bregenz Hafen nach Wolfurt und feierte im Oktober die Eröffnung des neuen Betriebsgeländes. Der günstig gelegene Platz in Wolfurt führte zur Integration mit dem Postautodienst Dornbirn im Jahre 2004. Die Werkstätte OSC, die sich weiterhin in Dornbirn befand, wurde 2007 aufgelöst und die gesamte Belegschaft übersiedelte in das Werkstattgebäude der ÖBBPostbus GmbH. Mit der Kooperation von EVO-Bus können zusätzliche Reparaturen der Marken Mercedes und Setra (Omnibusse) gewährleistet werden. 25 Werkstättenmitarbeiter, davon 4 KFZTechniker-Lehrlinge, sind jeden Tag bestrebt, den Fuhrpark der ÖBB-Postbus GmbH sowie den Fuhrpark der Kunden nach den hohen Qualitätsanforderungen zu servicieren, warten und zu reparieren. Es ist ein Ereignis fürs Jahr 2009, denn die Werkstätte Bustechnik ServiceCenter der ÖBB-Postbus GmbH feierte am 27.03.2009 nicht nur den 20-jährigen Betriebsstandort in Wolfurt, sondern auch die Neueröffnung des neuen, vergrößerten Gebäudes „Bustechnik Service Center“. Helmut Hopfner Leiter Bustechnik Service-Center, Fuhrparkmanager 2008 - Eine Wende für die Buswerkstatt in Wolfurt Neue technologische Innovationen, höhere Anfragen, neue Vertragsabschlüsse und Kooperationen führten dazu, eine Erweiterung des Werkstättengebäudes zu realisieren. Der Zubau, der mit dem Spatenstich am 17. März 2008 seinen Beginn nahm, sichert einerseits die bisherige Qualität der Erhaltung und Reparatur des internen Fuhrparks, als auch den weiteren Ausbau im Rahmen des Vertrages mit EVO-Bus als Vertragswerkstätte. 22 Wirtschaft Immobilien - Krise oder Chance? Welche Risiken eine Geldanlage in verschiedene Finanzprodukte bergen kann, wird uns allen derzeit gerade sehr eindringlich vor Augen geführt. Viele spekulative Geldveranlagungen weisen aktuell sehr starke Kursrückgänge auf. Ein Ende der Talfahrt ist noch gar nicht absehbar. Für viele betroffene Kleinanleger ist dies mit enormen Vermögensverlusten und in Extremfällen sogar mit Einschränkungen in vielen Bereichen des Lebens verbunden. Und trotz allem, es gibt eine gute Nachricht! Vorarlberg ist ganz sicher eine Region mit hoher Lebensqualität und großer Wirtschaftskraft. Das derzeit verhaltene Kaufinteresse auf dem Immobilienmarkt ist für mich daher höchstens eine „Krise“ auf hohem Niveau, denn eines gilt nach wie vor: Der Kauf einer Eigentumswohnung als Geldanlage oder auch als Vorsorgeinvestition, z.B. als Alterswohnsitz oder für Kinder / Enkelkinder ist aus heutiger Sicht eine perfekte Alternative zu den spekulativen Börsengeschäften. Renditen von 4 % bis 6 % (nach Steuern) auf das eingesetzte Eigenkapital sind bei entsprechenden „Qualitätsimmobilien“ sicher erzielbar. Um einen langfristigen Werterhalt zu sichern, müssen beim Ankauf einer Wohnung aber mehrere Qualitätsaspekte beachtet werden: Standort Die Region Hofsteig bietet hervorragende Wohnstandorte mit enormen Qualitäten derzeit ganz sicher die Region mit der stärksten Nachfrage in Vorarlberg. Kleinwohnanlage Eine überschaubare Größe der Wohnanlage mit einem „gesunden“ Bewohner-Mix von Eigentümern und Mietern bietet wesentliche Vorteile bezüglich Wohnqualität. Barrierefreiheit Für einen Alterswohnsitz eine unabdingbare Voraussetzung ist jedenfalls die barrierefreie Erschließung der Wohnung mit einem Personenlift. Energieoptimierte Haustechnik Es gibt am Markt bereits sehr gute Konzepte, die sowohl Behaglichkeit als auch sehr niedrige Energiekosten für Heizung, Warmwasser und Kühlung bieten. Bauweise Zu bevorzugen ist aus meiner Sicht die traditionelle Massivbauweise (auch bei den Innenwänden) mit sehr vielen Vorteilen für die Bewohner. Ein gewichtiges Argument für den Ankauf einer Wohnung ist das derzeit historisch niedrige Zinsniveau, das angeblich noch weiter fallen soll. Bei entsprechender Bonität sind somit sehr günstige Finanzierungen möglich. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Mietwohnungen sehr stark an, wodurch ein Vermietungsrisiko kaum mehr gegeben ist. Nach Abwägung aller Argumente muss man einfach zum Schluss kommen, dass der ideale Zeitpunkt für eine solide und sichere Immobilieninvestition gekommen ist, denn Vorsorgewohnungen sind für die aktuelle Marktsituation geradezu maßgeschneidert! Jochen Klimmer, Immobilien-Experte Wirtschaft 23 Kleinwohnanlage „Glockengasse“ Im Ortszentrum von Wolfurt errichtet die Firma ATRIUM® die Kleinwohnanlage „Glockengasse“. Wohnkomfort: Die attraktiven 2-, 3-, 4- und 5-Zimmer-Wohnungen sind nach Süden ausgerichteten und verfügen über große Sonnenterrassen bzw. Privatgärten. Die großzügig verglasten Wohnungen sind hell und freundlich. Jede Wohnung verfügt über einen Tiefgaragenplatz sowie einen großzügigen, nicht einsehbaren Keller. Selbstverständlich werden sämtliche Wohnungen barrierefrei ausgeführt und sind bequem mit dem Lift erreichbar. Wohlfühlen: Durch die optimale Wärmedämmung und die 3-ScheibenWärmeschutzverglasung erreichen wir ausgezeichnete Dämmwerte, die für niedrige Heizkosten sorgen. Die höheren Oberflächentemperaturen sowie die angenehme Strahlungswärme der Fußbodenheizung sorgen für spürbar mehr Behaglichkeit. Die Solaranlage unterstützt die umweltfreundliche und betriebskostengünstige Biomasseheizung bei der Aufbereitung des Warmwassers. Geld sparen: Die Ausführung als Niedrigenergiehaus sorgt für niedrigere Heizkosten und hilft Ihnen in Kombination mit dem ATRIUM®-BetriebskostenOptimierungs-Service bares Geld zu sparen. Mehrwert-Paket: Mit über 50 Mehrwert-Leistungen haben wir ein Paket für Sie geschnürt, das Ihre Investition zur echten Wert-Anlage macht. Unsere außergewöhnlichen Leistungen betreffend Bauqualität, Ausstattung, Betriebskosten, Finanzierung sowie individueller und persönlicher Betreuung überreichen wir Ihnen in Form von über 50 handfesten "Mehrwert-Schecks". Fordern Sie damit die Qualität ein, auf die Sie mit dem Erwerb einer ATRIUM®Immobilie nachhaltig Anspruch haben. Mehr Förderung - Öko-II: Sie erhalten die maximale Wohnbau- und Öko-IIFörderung des Landes, das sind € 1.020,--/m². In dieser einzigartigen Kleinwohnanlage ist noch eine 5-Zimmer-Terrassenwohnung verfügbar. Detaillierte Informationen über diese attraktive Kleinwohnanlage erhalten Sie von Herrn Wolfgang Lang. Ein Anruf lohnt sich! Tel.: 05574-844 44, www.atrium.at. 24 Neues vom Wolfurter Wochenmarkt Mit dem Frühling tut sich auch einiges auf dem Wolfurter Markt. Ilse Hämmerle, unsere bisherige Gemüse-Marktfahrerin und Marktsprecherin, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Wir konnten einen hervorragenden Nachfolger mit Gemüse und Obsthandel auf dem Wolfurter Markt organisieren. Obst und Gemüsehandel Natterer aus Tettnang garantiert ein noch vielfältigeres Angebot und bietet außer Gemüse und Obst auch noch Südfrüchte an. - Wir wünschen Familie Natterer auf diesem Wege viel Erfolg auf unserem Markt. Weiters konnten wir zudem einen weiteren Marktfahrer mit Weich- und Streichkäse sowie Aufstrichspezialitäten engagieren. Herr Stankovic freut sich auf viele Kunden. Zudem werden die Marktzeiten in den Monaten April bis Oktober um eine Stunde auf 18:00 Uhr ausgeweitet. In dieser Zeit findet der


Heimat Wolfurt Heft 02 1988 November
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 2 Zeitschrift des Heimatkundekreises Nov. 88 Handwerker. «Schnidarles» Schreinerei an der Schulstraße 1912. Meister und Gesellen arbeiteten bei gutem Wetter im Freien. Inhalt: 4. Entwicklung der Wirtschaft I. (Volaucnik) 5. Hofsteiger Bauern (Heim) 6. Auf dem Weg zum März '38 — Wolfurt in den 30er Jahren (Natter) Gewerbe im vorigen Jahrhundert DIE AUTOREN: Mag. Christoph Volaucnik, geboren 1960 in Bregenz, hat seine Jugendjahre in Wolfurt verbracht und wohnt jetzt in Bregenz. Er hat Geschichte studiert und arbeitet im IndustrieArchiv in Feldkirch. Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt und hier auch ansässig, ist Hauptschuldirektor und betreut das Wolfurter Gemeinde-Archiv. Alexander Natter, geboren 1952, ist in Wolfurt aufgewachsen und wohnhaft. Er ist Lehrer an der Berufsschule in Bregenz und leitet in Wolfurt das Katholische Bildungswerk. Die Bilder: Reproduktionen von Hubert Mohr aus «Wolfurt in alten Bildern», 1983, und Nachdrucke aus Ernst Mummenhoffs «Der Handwerker», 1924; und aus privaten Sammlungen. Unter diesem Titel hielt Mag. Volaucnik am 27. September 1988 einen Vortrag im Kultursaal, der den Zuhörern die Veränderungen der Einnahmequellen der Bevölkerung im Laufe der Zeit bewußt machte. Wir beginnen heute mit dem Abdruck des Manuskriptes. Der Leser möge nicht vergessen, daß das arme Bauerndorf Wolfurt im Jahre 1809 nur 1.143 Einwohner und auch 1880 erst 1.623 Einwohner zählte, während die industrialisierte Marktgemeinde heute fast 7.000 Einwohner beherbergt. Christoph Volaucnik I. Wirtschaft 1.1 Landwirtschaft Die Landwirtschaft bildete im 18. und 19. Jahrhundert für den größten Teil der Bevölkerung den Haupterwerbszweig und prägte die Lebenssituation, den Alltag und die Sozialstruktur des Dorfes. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts kam es in der Agrarstruktur der Hofsteiggemeinden zu einem Umbruch. Während Jahrhunderten erfolgte der Getreideanbau in gemeinschaftlichem Feldbetrieb und wurde die Weide gemeinsam benützt. In Wolfurt, wie übrigens auch in den anderen Hofsteiger Gemeinden, wurde eine Dreifelderwirtschaft geführt, die auf einem Wechsel von Anbau und Brache aufbaute. Im 18. Jahrhundert gab es in Wolfurt 4 bedeutende Felder:1 das Unterfeld, das hochgelegene Oberfeld, das Weidach- und das Flotzbachfeld. In einem Turnus wurde das Brachfeld auf dem Unterfeld und dem Oberfeld abgewechselt, während die anderen Felder mit Korn und Hafer bebaut wurden. In einem Bericht von 1793 wurde der Erdäpfel- und Türkenanbau als nachteilig für das Dreifeldersystem bezeichnet. Der Türken wurde damals fast nur auf dem Brachfeld gepflanzt und der vermehrte Anbau dieses immer wichtiger werdenden Nahrungsmittels setzte dem uralten Dreifeldersystem ein Ende. Eine Weide in den Feldern war durch den Türkenanbau nicht mehr möglich, sodaß es 1792 zur Aufhebung der Weide im Gebiet der Gemeinde Wolfurt kam. Diese Aufhebung der Weide erfolgte nach einer geheimen Abstimmung am 24. August 1791. Trotz des klaren Ausgangs der Abstimmung beschwerten sich die Mehrerauer Lehensbauern beim Abt der Mehrerau, daß sie durch die Aufhebung der Weide ihre Felder nicht mehr instandhalten können, da ihre Felder zu weit auseinanderliegen. Über den Umfang des Ackerbaus, die für den Ackerbau verwendete Grundfläche und die Ernteergebnisse sind leider nur wenige Unterlagen vorhanden. Als einzige brauchbare Quelle stehen die Erinnerungen des Feldvermessers und letzten Klosterammanns der Mehrerau, Mathias Schneider, zur Verfügung. Er erwähnte für 1814 folgende Getreidearten mit bebauter Fläche:2 Vesen Hafer Roggen Weizen 77 34 3 0 Jauchart Jauchart Jauchart Jauchart Gerste 5 Jauchart Erdäpfel 49 Jauchart Hanf 9 Jauchart Türken 77 Jauchart (Anmerkung: Ein Jauchart entspricht in Hofsteig 44,59 Ar) 3 Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Repro: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Besitzer von n-Kühen Jahr 1785 1794 1846 1888 Besitzer Total 148 139 288 213 Kühe Total 317 343 358 426 1 28 27 98 2 86 61 82 3 28 28 22 4 11 11 2 5 3 8 2 6 1 2 2 2 7 Durchschnittliche Zahl pro Besitzer 2,26 2,10 1,70 2,00 Prozentzahlen Kühe 1785 1794 1846 1880 1 14,2 19,4 47,1 2 61,4 43,8 39,4 3 14,2 20,1 10,5 4 7,8 7,9 0,9 5 2,1 5,7 0,9. 6 0,7 1,4 0,9 Weizenschnitt mit Schnidarles Rudolf und seinen Helfern 1940 im Ried Ein weiterer Hinweis findet sich in den Erinnerungen des Malers Engelbert Köb, der über seine Jugendzeit berichtet.3 Für die Zeit 1870-80 gibt er an, daß die Felder zwischen Wolfurt und Lauterach, auf denenjetzt geheut wird, mit Hanf, Hafer, Weizen, Gerste und Türken bebaut waren. Er berichtet, daß man im Spätsommer vor lauter Türken in den Feldern den Himmel nicht mehr gesehen habe. Köb gibt also selbst den Hinweis, daß sich ab 1870 die Landwirtschaft von Getreideanbau zu reiner Viehzucht gewandelt habe. Diese Umwandlung dürfte mit der Einfuhr billigen Getreides nach Eröffnung der Vorarlbergbahn und der Arlbergbahn in engem Zusammenhang stehen. Gegen diese billigen Importe war der Anbau in Vorarlberg nicht mehr konkurrenzfähig, während die Nachfrage nach gutem Vieh und Milchprodukten gestiegen sein dürfte. Neben dem Ackerbau waren die Viehzucht und die Milcherzeugung eine wichtige Einnahmequelle und Ernährungsgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung. Es wäre aber verfehlt, die heutige Viehzucht mit Hochleistungsrindern als Bezugsrahmen für die Landwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts zu nehmen. Kleinbäuerliche Substinenzwirtschaft dominierte die Landwirtschaft, da die Erträge aus der Milcherzeugung in der Selbstversorgung der Bauernfamilien aufgegangen sein dürfte. Die Bauern verfügten in der Regel nur über ein bis zwei Kühe, sodaß ein Verkauf der Milcherträge bzw. des Tieres kaum möglich war. Anhand der Angaben in den Vermögenssteuerbüchern von 1785, 1794 und 1846 können folgende Angaben über die Betriebsgrößen nach Kuhbesitz gemacht werden:4 4 Interessanterweise ändern sich die Betriebsgrößen und die durchschnittliche Zahl der Kühe pro Besitzer in diesen knapp 100 Jahren kaum. Einen kleinen Einbruch gibt es nur im Jahre 1846 als der Durchschnitt auf 1,7 Stück pro Besitzer abfiel. Bei einer genaueren Durchsicht der Steuerbücher fällt unter der Bauernschaft eine kleine Gruppe von «Mittelbauern» auf, die über 4 bis 5 Stück verfügen. Im Dorf gab es aber nur wenige «Großbauern», die neben einem sehr großen Viehbestand auch über beachtlichen Grundbesitz verfügten. Die wenigen bedeutenden Bauern hatten auch Alprechte im Bregenzerwald für die Sommerung ihres Viehs. Während 1785 nur die zwei reichsten Bauern im Dorf Weiderechte am Hirschberg hatten, werden 1794 bereits 8 Bauern genannt, die über Alpweiderechte verfügten, wobei 3 auf die Alpe Hirschberg, 4 auf die Alpe Ries und 1 auf die Alpe Kreyen (Egg) fallen. Auch die Handwerker besaßen Vieh und landwirtschaftliche Fläche. Neben den Kühen gab es in der Landwirtschaft natürlich weiteren Viehbesitz, der sich im ausgehenden 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stark vermehrte. Dazu einige Zahlen:5 Jahr 1807 1869 1880 1910 1923 Pferde 46 56 38 88 56 Rinder 49 Kälber 36 178 249 314 Schafe 2 20 35 248 Ziegen Schweine Stiere 1 5 1 19 113 406 12 235 209 192 427 206 5 Seit der Jahrhundertmitte kam es zu Verbesserungen in der Landwirtschaft Vorarlbergs. Der Vorarlberger Landwirtschaftsverein versuchte, durch Vorträge, Kurse und Ausstellungen die Bauern über die Errungenschaften der modernen Agrarwirtschaft zu informieren. Wie aus den Jahresberichten und dem Wochenblatt des Landwirtschaftsvereins hervorgeht, wurden auch in Wolfurt Vorträge von Wanderlehrern des Landwirtschaftsvereins abgehalten. Aus diesen Vorträgen entwickelte sich in einigen Vorarlberger Gemeinden Landwirtschaftliche Fortbildungsschulen. Auch in Wolfurt wurde von Wendelin Rädler 1869 die Gründung einer solchen Schule erörtert. In der Gemeindesitzung vom 11.6.1869 wurde dieser Antrag abgelehnt. Im Protokoll wurde dazu folgendes vermerkt: «(diese Schule) ist im Volk unbekannt und nicht für notwendig erachtet, da die Landwirtschaft regelmäßig betrieben wird.»6 Einen bedeutenden Fortschritt für die Wolfurter Landwirtschaft bedeutete die Gliederung der Sennereigenossenschaft im Jahre 1871. Diese Genossenschaft begann mit 34 Mitgliedern und verarbeitete in ihrer ersten Arbeitsperiode 47.513 Maß Milch. Im Betriebsjahr 1874 hatte sich der Mitgliederstand auf 48 Personen erhöht und 53.210 Maß Milch wurden zu 4.825 Pfund Butter, 9.212 Pfund Käse, 4.826 Pfund Zieger und 39.906 Maß Molke verarbeitet.7 und Geräte. So wurde im Jahresbericht des Landwirtschaftsvereins angegeben, daß der Mechaniker Fischer 6 Getreideputzmühlen mit Handbetrieb und der Mechaniker Dür 5 Dreschmaschinen, 4 Getreideputzmaschinen und 5 Strohstühle im Berichtsjahr 1871 erzeugt hatten.9 Es wurden durch die Gemeinde auch der Obstanbau und die Bienenzucht gefördert. 1897 wurde in einer Gemeindeausschußsitzung über den Nutzen des Obstanbaus diskutiert und festgestellt, daß dieser «für die Lehrpersonen ebenfalls lohnend wäre in die Hand genommen und mit den Schülern praktiziert werden solle .. .»10 Wendelin Rädler erreichte, daß die Gemeinde für die Bepflanzung der Gemeindegründe 50 Birnenbäume bestellte und einpflanzen ließ." Rädler war auch der Initiator einer Gemeindebaumschule, die der Bevölkerung die theoretische und praktische Obstbaumpflege näherbringen sollte. Er konnte 1899 die Verwendung der Inselgründe als Gemeindebaumschule im Gemeinderat durchsetzen. Diese Obstbaumpflanzungen sollten das Ortsbild von Wolfurt in unserem Jahrhundert entscheidend prägen. Das nunmehr vorhandene Obst hatte nicht nur als Grundsubstanz für den Most eine Bedeutung, sondern war für die Nahrungs- und Vitaminversorgung der Bevölkerung wichtig. 1897 wurde auch von den Lehrern und den Lehrschwestern für Anschauungsszwecke ein Bienenhaus errichtet, um die Schüler praktisch in die Bienenzucht einzuführen. Die Unkosten für die beiden Bienenhäuser wurden mit Gemeindemitteln bestritten.12 1.2 Handwerk Über die Geschichte und die Bedeutung des Wolfurter Handwerks im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert haben sich nur wenige Quellen erhalten. Bei der Darstellung der Handwerksgeschichte des Dorfes sind wiederum die Vermögenssteuerbücher 1755, 1771, 1785, 1794, 1816 und die Erwerbssteuerverzeichnisse von 1838 und 1881 als Quellen heranzuziehen.1 Aus diesen Steuerbüchern wurde folgende Strukturdarstellung des Handwerks versucht: 1755 3 1 1771 1 1 1 1 1785 1 2 2 1 1794 1 1 1 1 3 2 1 3 1838 4 3 1 3 3 1 1 1 4 1 3 2 1846 2 3 1 1 1 1 1 3 2 5 1 1881 5 1 3 3 1 2 3 2 1 5 3 1 1 7 Metall Nahrung Bau Auch der Viehbestand in Wolfurt stieg ab 1870 enorm an. Die Gemeinde unterstützte diese intensive Viehzucht mit dem Ankauf von Zuchtstieren. Einzelne Bauern erhielten für den Ankauf des Zuchtstiers von der Gemeinde das Geld, mußten das Tier den Gemeindeangehörigen aber zur Verfügung stellen. 1873 wurden beispielsweise wegen der ungenügenden Zahl von Stieren und der ständig steigenden Zahl an Rindern und Kühen von der Gemeinde 4 Stiere eingekauft.8 Die in Wolfurt ansässigen Mechaniker und Schlosser verfertigten besonders für die Landwirtschaft Maschinen 6 Schmied Schlosser Mechaniker Müller Bäcker Metzger Melber Zimmermann Schreiner Steinmetz Maurer Ziegler Glaser Spengler Ofensetzer 2 2 2 1 1755 Textil Leder Weber Schneider Schuster Strumpfwirker Sattler/Tapezierer Gerber Stricker Seiler Hafner Wagner Drechsler Küfer Barbier/Friseur Stickferker 2 1 2 1771 1 2 2 1785 1794 1 2 1 3 1838 1 2 1 1846 1881 1 3 4 1 10 1 1 2 1 1 1 1 1 4 1 1 1 1 1 1 2 - 2 Wie man in der Tabelle sieht, war die Berufsstruktur im ausgehenden 18. Jahrhundert auf die Bereiche Metall-, Holz-, Leder- und die in einem eigenen Kapitel noch zubehandelnde Textilverarbeitung beschränkt. Eher gering ist der Bereich Nahrungsmittelgewerbe vertreten. Die im 19. Jahrhundert steigende Zahl der Schmiede und Schlosser dürfte mit der Nachfrage nach technischen Erzeugnissen für den landwirtschaftlichen Bedarf erklärt werden. Zu einer Auffächerung der Berufsstruktur im Baugewerbe kam es erst im 19. Jahrhundert (Glaser, Ziegler, Maurer). Die Entwicklung dürfte mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum und dem erhöhten Bedarf an Wohnhäusern im 19. Jahrhundert zusammenhängen. Als eine neue Berufsgruppe im Baugewerbe werden im Steuerbuch von 1846 die Ziegler genannt. Der bedeutendste und vermögendste Ziegler war 1846 Josef Anton Schertler, der über sehr beachtlichen Grundbesitz im Schätzwert von 8.750 Gulden, über Kapitalbesitz von 7.370 Gulden und einen Viehbestand von 3 Kühen und 2 Pferden verfügte. Als wichtigster Besitz in der VermögensaufstellungSchertlerswird jedoch sein Kalk-und Ziegelofen genannt. Eine weitere Ziegelhütte war in den Händen von 2 Besitzern, die ihren Anteil an der Hütte mit 250 Gulden angaben und nur über ein bescheidenes Vermögen verfügten. Als ein weiterer Ziegler wird 1846 ein Josef Dür genannt, der zu den vermögenden Bürgern zählte. Diese Ziegelhütten befanden sich im Flotzbach und an der Ach, wobei die Flotzbacher Hütten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vergrößert und modernisiert wurden. Auf eine noch ältere Tradition konnten die Wolfurter Steinmetze zurückblicken, die in mehreren Steinbrüchen Sandstein abbauten. Die in den Steuerbüchern von 1785 und 1797 genannten Steinmetze verfügten neben den Anteilen am Steinbruch auch über landwirtschaftlichen Besitz und Vieh. Neben dem in Rickenbach in Privatbesitz befindlichen Steinbruch gab es im Dorf unter dem Pfarrhof einen in Gemeindebesitz befindlichen Steinbruch, der von der Gemeinde verpachtet wurde.2 In einer von der Handelskammer 1904 veröffentlichten Statistik des Baugewerbes befanden sich in Wolfurt 3 Steinmetze und 4 Zimmermeister, aber kein Maurer.3 Eine besondere Bedeutung und einen guten Ruf hatten im 18. und im 19. Jahrhundert die lederverarbeitenden Betriebe. In einem amtlichen Bericht des Jahres 1791 über die «Professionisten» der Herrschaft Bregenz wurden die Wolfurter Rot- und Weißgerber Caspar Haltmayer, Anton Höfle und Josef Greußing als «beachtliche Gerber mit Lederhandel» bezeichnet.4 Die Bezeichnung der Behörde läßt den Rückschluß zu, daß diese Gerber nicht, wie damals bei den Landhandwerkern üblich, nur für den lokalen Bedarf arbeiteten, sondern einen überregionalen Lederhandel begonnen hatten. Im Steuerbuch von 1785 wird eine Gerberei genannt, die einen Ledervorrat im Wert von 500 Gulden hatte und ab 1794 wird als großer Gewerbebetrieb eine «Lohstampf» genannt. In dieser Lohstampf wurde von den Gerbern Rinde (Eiche und Tanne) zu einer Masse gestampft, die als Gerbemittel verwendet wurde. Im Lauf des 19. Jahrhunderts ging die Anzahl der Gerber zurück, doch blieb als bedeutender Gerbereibetrieb die Fa. Ferdinand Haltmeyer im Kirchdorf bis zur Jahrhundertwende erhalten. Über die Ausbildung, die Auftragslage und die Betriebsgröße der Wolfurter Handwerker sind keine Informationen erhalten geblieben. Die Steuerbücher des 18. und teilweise des 19. Jahrhunderts geben aber über das Vermögen, den landwirtschaftlichen Besitz und den Hausbesitz der Handwerker Auskunft. Bei einer Untersuchung des Viehbesitzes der Handwerker fällt auf, daß 1785 und 1794 bei den Handwerkern noch bedeutender Viehbesitz vorhanden war, der aber 1846 stark zurückging. Dazu einige Zahlen: 1785 waren von 16 vorhandenen Handwerkern 14 Kuhbesitzer und 4 Pferdebesitzer, 1794 waren von 21 Handwerkern 19 Kuhbesitzer, während 1846 von 28 ausgewiesenen Handwerkern nur noch 21 Viehbesitzer waren. Fast alle Handwerker 9 Die Maurer haben die große Mauer am Tobelbach fertiggestellt und halten sie mit nassen Tüchern feucht. Jetzt legen sie die Rollierung für die Unterlindenstraße (1913) 8 verfügen auch über landwirtschaftlichen Grund und über Hausbesitz, waren also mit Sicherheit in der Landwirtschaft tätig und dürften, wie in allen Landgemeinden Vorarlbergs damals üblich, den Beruf des Handwerkers nur nebenberuflich ausgeübt haben. In der Reihe dieser «Bauernhandwerker» gab es aber auch Armutsfälle, die kaum über Grundbesitz und keinen Viehbestand verfügten, also ganz auf ihre Einnahmen als Gewerbetreibende angewiesen waren. 1794 gehörten von den 21 genannten Handwerkern 4 zu den ärmeren Schichten im Dorf, da sie kaum Grund und nur unbedeutendes bis kein Vermögen hatten. Größere Gewerbebetriebe wie die 2 Mühlen, die Lohstampf und der Steinbruch dürften aber wahrscheinlich professionell betrieben worden sein, obwohl auch der Müller, Gerber und die Steinmetze Viehbestand und teilweise bedeutenden Grundbesitz hatten. Da es sich aber bei diesen Betrieben um kapitalintensive Gewerbe handelte, kann doch mit einer professionellen Tätigkeit gerechnet werden. Bedeutende Umwandlungen erlebte das Handwerk im 19. Jahrhundert. Durch gesetzliche Neuordnung, die von der völligen Freiheit der Handwerksausübung bis zur Reglementierung in der Gewerbegesetznovelle von 1884 ging, wurde die Existenz des Handwerks stark betroffen. Die Entwicklung der Industrie bedeutete für das Handwerk eine Konkurrenz in den Bereichen der Wasserkraftnutzung und vor allem in der Personalrekrutierung. Auch die Maschinenstickerei, die ab 1870 in Vorarlberg einen bedeutenden Aufschwung nahm, bot manchem armen Handwerker einen beliebten neuen Erwerbszweig. Die Kalkhütte an der Bregenzerstraße 1908 10 Wie sich diese Umformungen auf das Wolfurter Handwerk auswirkten, ist nur schwer nachzuweisen. Wie vorhin bereits erwähnt, handelte es sich bei den Handwerkern in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts um Personen mit starkem landwirtschaftlichen Hintergrund. Wie diese Personen, die sich ja nicht alleine von den Einnahmen aus dem Handwerk ernähren konnten, diese Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich überstanden, ist quellenmäßig leider nicht nachvollziehbar. Für das Jahr 1832 hat sich im Gemeindearchiv eine Stellungnehme der Gemeinde erhalten, die über die Lage des Handwerks Auskunft gibt. Darin wird das Gewerbe als unbedeutend bezeichnet, die Gewerbetreibenden nur als Taglöhner eingestuft, die als Schneider und Schuster bei den Bauern um Lohn arbeilen.' Die Gemeinde gibt aber über die übrigen Gewerbetreibenden keinerlei Auskunft. Leider gibt es für dieses Jahr kein Steuerbuch, das über die finanzielle Lage und Besitzverhältnisse der Bevölkerung und besondes der Handwerker Auskunft geben könnte. Im Steuerbuch von 1846 wird aber eine große Anzahl verschiedenster Handwerksberufe genannt, die in Wolfurt sicher auf die längere Tradition zurückblicken können. Die Gewerbenovelle von 1884 schrieb die Gründung von Zwangsberufsgenossenschaften vor. In Wolfurt war es am 26.10.1883 zu einer vorbereiteten Sitzung und im Frühjahr 1884 im Gasthaus Adler zu den kurz hintereinander folgenden konstituierenden Sitzungen der Berufsgenossenschaften der Handelsleute und Wirte, der Handwerker und der Sticker gekommen.6 Als Vorstand der Handwerkergenossenschaft wurde der bereits erwähnte Ziegler Josef Anton Schertler gewählt. Das Interesse an dieser Berufsgenossenschaft scheint, wie aus einem zeitgenössischem Zeitungsartikel zu entnehmen ist, nicht sehr groß gewesen zu sein/ Die Handwerksgenossenschaft Wolfurt wurde in den folgenden Jahren auf die Gemeinden Schwarzach und Bildstein ausgedehnt und wies im Jahre 1892 94 Mitglieder auf.8 1899 wurde vom Gemeindevertreter Wendelin Rädler die Gründung einer Gewerblichen Fortbildungsschule in Wolfurt vorgeschlagen.9 Es kam in dieser Angelegenheit zu einer Sitzung mit den Wolfurter Volksschullehrern und dem Vertreter der Gewerbegenossenschaft Conrad Doppelmayr. Da die Schülerzahl aus dem Handwerkerstand zu gering für eine staatliche Subvention war, wurde beschlossen, die Fortbildungsschule in kleinem Stil zu gründen, wobei ursprünglich mit 3 Stunden Schulzeit pro Woche während der Wintermonate gerechnet wurden. Im Lehrplan waren gewerbliches Zeichnen, Rechnen und Schriftverkehr vorgesehen. Die Handwerkergenossenschaft übernahm die Bezahlung der Lehrergehälter freiwillig und ersuchte die Stickereigenossenschaft und die Genossenschaft der Händler um finanzielle Unterstützung. Der Unterricht wurde probeweise im November 1899 eingeführt, wobei die Stundenzahl auf 4 Stunden erhöht wurde.10 Über die Schülerzahl und das Lehrpersonal gibt eine Statistik des Jahre 1903 Auskunft. Es wurden 36 Schüler von 2 Lehrern während 7 Wochenstunden unterrichtet." Die Kursdauer betrug 7 Monate. 1906 befaßte sich der Gemeindeausschuß mit der Gewerblichen Fortbildungsschule. Die Gemeinde stellte fest, daß die Zahl der Gewerbetreibenden und damit auch die Zahl der beschäftigten Lehrlinge immer mehr zurückgehe. Die Frequenz der Schule ließ stark nach und die ganze Problematik wurde dem Schulausschuß zur Beratung vorgelegt.12 Über das Ergebnis dieser Verhandlungen sind keine Unterlagen vorhanden. Im Sitzungsprotokoll 1909 der Handelskammer findet sich ein Hinweis auf die Gewerbliche Forbildungsschule Wolfurt. Die Handelskammer stellte in diesem Jahr die Subvention an die Schule wegen Untätigkeit ein.13 11 1912 scheint es zu einem Wiederbelebungsversuch der Schule gekommen zu sein, da der Kammerrat Praeg sich in einer Subventionssitzung der Handelskammer für eine neuerliche finanzielle Unterstützung der Schule einsetzte.14 Auffallend ist besonders der Hinweis in der Gemeindesitzung von 1906, daß die Anzahl der Gewerbetreibenden in Wolfurt stark zurückgehe. Über die Ursache dieses Rückgangs können nur Vermutungen angestellt werden. Es ist möglich, daß der Stickereiboom für das mangelnde Interesse der Schüler verantwortlich war.15 1.3 Textilverarbeitung in Wolfurt Seit dem Mittelalter wurde von den Bauern Flachs angebaut und für den Eigenbedarf Leinwand gewoben. Über professionelle Leinwandweber in Wolfurt wird in einer vom Oberamt in Bregenz erstellten Übersicht aus dem Jahre 1767 berichtet.1 Josef und Joachim Geiger sowie ein Martin Herburger werden als für den allgemeinen Verkauf und auf Lager arbeitende Leinwandweber erwähnt. In den Steuerbüchern von 1762 und 1771 werden diese beiden Weber mit ihrem Vermögen genannt.2 Josef Geiger besaß 1762 ein Haus (Wert 190 Gulden), 2 Kühe und verfügte über beachtlichen Grundbesitz. Es gelang ihm, bis 1771 sein Vermögen beachtlich zu vermehren. Sein Gut wurde auf 600 Gulden geschätzt, er besaß jetzt 3 Kühe und hatte ein Reinvermögen von 821 Gulden. Er gehörte mit diesem Vermögen und dem beachtlichen landwirtschaftlichen Besitz zu den besser verdienenden Handwerkern und Bauern im Dorf. Jacob Geiger, ebenfalls Weber, war mit einer Kuh und einem Vermögen von 75 Gulden vergleichsweise eher arm. Neben diesen professionellen Webern gab es eine Reihe von Bauern, die während des Winters grobe Bauernleinwand, auch «BLÄZ» genannt, für den Eigenbedarf woben. Diese grobe rauhe Leinwand war wegen ihrer mangelnden Qualität nicht für den Verkauf geeignet und diente allein der Selbstversorgung. In der amtlichen Wirtschaftsübersicht von 1767 wird neben der Leinwandweberei bereits die Baumwollweberei für Wolfurt genannt. Im Auftrag der Bregenzer Baumwollmanufaktur «von der Trave», der ersten Baumwollmanufaktur in Vorarlberg, ließ der Rickenbacher Georg Haltmayer auf 4 Webstühlen Baumwollgarne verarbeiten.3 Im Wolfurter Steuerbuch von 1795 wird der Adlerwirt Johann Haltmayer als Handelsmann und Baumwollgarnhändler bezeichnet.4 Es ist für die Frühindustrialisierung typisch, daß ein Wirt und Händler die Aufgabe eines Baumwollverlegers übernahm. Er verfügte über das notwendige Kapital für den Einkauf der Baumwolle, hatte die notwendigen Geschäftskontakte und konnte daher leichter in dieses lukrative Geschäft einsteigen. Bezeichnend für seine Stellung im Dorf dürfte eine Angabe im Steuerbuch sein, in der festgestellt wird, daß er seine Einnahmen aus dem Baumwollhandel nicht genau kenne und daher für diese Einnahmen nicht versteuert wurde. Wie verbreitet die Baumwoll- und Flachsspinnerei in Wolfurt war, zeigen die Nachlaßinventare des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Diese in den sogenannten Waisenbüchern verzeichneten Inventare geben immer wieder Flachs- und Hanfgespinst, Spinnräder und Kunkeln als Besitz an. Beispielsweise hinterließ ein Johann Georg Kalb 1787 70 Schneller Garn, 25 Pfund reinen Hanf, eine Haspel, 3 Spinnräder und 2 «Stuhl» (Webstühle). Im Nachlaß des Altammann Böhler von 1787 fanden sich 3 Haspeln, 3 Kunkeln und 3 Flachsbrechen.5 12 Im Jahre 1801 werden in den Statistiken der Vorarlberger Zollbehörden 3 Wolfurter Baumwollverleger mit der Anzahl der von ihnen beschäftigten Heimspinner und Heimweber genannt. Es waren dies: Josef Anton Gmeiner, Josef Anton Meßmer und Johann Martin Fischer.6 Gmeiner hatte an 32 Heimweber Webarbeiten vergeben und an 91 Haushalte 1.015 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben. Im Zeitraum 1800—1801 legte er den Zollbehörden 196 Stück Baumwollgewebe zur Numerierung vor. Meßmer hatte 29 Weber beschäftigt, 114 Spinnern 1.105 Pfund Baumwolle zum Verspinnen übergeben und 165 Baumwollstücke zur Verzollung vorgelegt. Fischer ließ von seinen 12 Webern 16 Baumwollstücke erzeugen. Lediglich über die Person des Josef Anton Gmeiner sind einige Informationen erhalten geblieben. Er wird im Vermögenssteuerbuch von 1795 genannt.7 Er war Hausbesitzer, hatte bescheidenen landwirtschaftlichen Grundbesitz und verfügte über das beachtliche Vermögen von 2.155 Gulden. Schulden hatte er in der Höhe von 343 Gulden bei Privatpersonen in Altstätten, Kanton St. Gallen, das als wichtiger Baumwollieferungsplatz für Vorarlberg während der Frühindustrialisierung galt. Es ist anzunehmen, daß diese Schulden aus Baumwollieferungen stammten. Laut Steuerbach hatte er «800 Gulden auf dem Gewerb liegend», was auf den beachtlichen Kapitaleinsatz im Baumwollverlagswesen hinweist. 1802 wurde Gmeiner eines Zollvergehens beschuldigt und in Bregenz verhört. Im erhaltenen Verhörungsprotokoll gibt Gmeiner über seine persönlichen und geschäftlichen Verhältnisse Auskunft.8 Er stand 1802 im 33 Lebensjahr, hatte 2 Kinder und bezeichnet sich selbst als Weber und Fabrikant. Gmeiner erklärte, daß der Schweizer Weber Jakob Lüpfi für ihn gearbeitet habe. Da Lüpfi über keinen eigenen Webstuhl verfügte, arbeitete er im Hause Gmeiners und wob zwischen dem 14. April und 14. Juni insgesamt 4 Baumwollstücke. Ein weiterer Schweizer Weber, Jakob Rohner, der in Rickenbach wohnte, arbeitete ebenfalls für Gmeiner. 13 Interessant ist der Hinweis auf die Schweizer Weber, die als Facharbeiter während der Frühindustriealisierung in Vorarlberg arbeiteten und technisch vermutlich besser ausgebildet waren als die Vorarlberger Weber. Auch für Dornbirn und Rankweil-Sulz sind aus diesen Jahren Hinweise auf den Aufenthalt Schweizer Weber vorhanden. Der Ausgang der Untersuchung gegen Gmeiner ist nicht erhalten geblieben. Er wirkte jedenfalls weiter als Baumwollverleger, da er 1815 und 1818/19 als «Baumwollfabrikant» aktenmäßig aufscheint.9 Er wird im Steuerbuch von 1815 als Besitzer von nunmehr 2 Häusern erwähnt und hat seinen bisher eher schwachen Grundbesitz durch ein Bergteil am Ippach vergrößert.10 Die Baumwollweberei als wichtiger Erwerbszweig der Bevölkerung dürfte während der bayrischen Besatzungszeit, wie im übrigen Vorarlberg auch in Wolfurt, stark zurückgegangen sein. Nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich und der damit verbundenen Öffnung der großen Monarchie als Absatzmarkt für Vorarlberger Baumwollprodukte kam es in den Jahren 1818/19 zu einem neuerlichen Aufblühen der Baumwollverarbeitung in Vorarlberg. Nach den verheerenden, durch Mißernten bedingten Hungerjahren 1816/17 bot sich ab 1818 eine bedeutende Verdienstmöglichkeit mit der Weberei, wobei die Spinnerei seit der Eröffnung des mechanischen Spinnereibetriebes in Dornbirn-Juchen im Rückgang gewesen sein dürfte. Für das Jahr 1818/19 hat sich für Wolfurt eine sehr wertvolle Quelle erhalten, die den Umfang der Weberei in Wolfurt dokumentierte. In einer Produktionsstatistik für den Bregenzer Raum werden für die Gemeinde Wolfurt die von Verlegern bestellten und von Heimwebern erzeugten Baumwoll- und Mousselinstücke genannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr in Wolfurt 908 Stück Baumwollgewebe und 117 Stück Mousselingewebe gewoben.11 Wolfurt war in den Hofsteiggemeinden der bedeutendste Webereiproduktionsort, gefolgt von Steußberg (Buch und Bildstein) mit 713 Stück 14 Baumwollgewebe und Lauterach mit 404 Stück. Neben den bereits bekannten Wolfurter Verlegern Gmeincr und Moser mit zusammen 100 Stück Baumwollgewebe, ließen 9 Dornbirner, 2 Hohenemser, 1 Bildsteiner, l Schwarzacher und 1 Bregenzer Verleger in Wolfurt arbeiten. Im Wolrurter Gemeindearchiv befinden sichfürdie 30-er und 40-er Jahre des 19. Jahrhunderts einige Hinweise auf Weber, die aber keine Auskunft über die Produktion und die Lage dieser Weber geben. In Akten aus dem Jahre 1832 werden ein Weber Johann Klocker im Dorf und ein Weber Jakob Schneider in Rickenbach erwähnt. In den Konskriptionslisten für die Militärstellung 1838 und 1839 werden auch die Berufe der zur Stellung berufenen Männer genannt. 1838 waren von 20 angetretenen Männern 3 Weber, 1839 von 17 ganze 3 Weber.12 Diese Konskriptionslisten haben jedoch als Quelle für die Häufigkeit des Weberberufes keine große Aussagekraft. Interessant ist, daß 1832 ein Blattmacher in Wolfurt existierte, der von der Erzeugung von Bestandteilen für Webstühle lebte.13 Dieser Beruf konnte nur in einem Dorf mit einer entsprechenden Zahl von Webern existieren. Im Bevölkerungsverzeichnis von 1846 werden unter 20 Handwerkern aber nur mehr 1 Weber und 2 Blattmacher aufgezählt. Aus dem Jahre 1848 gibt ein Akt über die Aufdingung eines Lehrjungen beim Wolfurter Webermeister Ferdinand Kalb, Auskunft. Die in vielen Vorarlberger Fabriken zu diesem Zeitpunkt bereits durchgeführte Mechanisierung der Weberei hat diesen wenigen Webern in Wolfurt aber kaum noch Überlebenschancen gegeben und dürfte zu einem Stillstand der Weberei geführt haben, die für die betroffene Bevölkerun natürlich finanzielle Probleme gebracht haben dürfte. Eine gewisse Ausnahme spielte dabei die Buntweberei, da in diesem Bereich eine Mechanisierung aus technischen Gründen erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte. Die Buntweberei als Ausweg setzte aber auch für den Weber gewisse Erfahrung und Spezialisierung voraus. Als Ausweg bot sich die Arbeit in der 1838 eröffneten Kennelbacher Spinnerei. 1.4 Die Stickerei Die Lohnstickerei für Schweizer Handelshäuser dominierte im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert das Wirtschaftsleben in den landwirtschaftlichen Gebieten Vorarlbergs.1 Mit der Einführung der Maschinenstickerei wurde auch Wolfurt vom Stickereifieber erfaßt und veränderte die Gemeinde grundlegend. Die Bevölkerung verlegte sich auf die Stickerei und vernachlässigte die bisher dominierenden Wirtschaftszweige, wobei die Sticker sich in eine Abhängigkeit von der Konjunktur begaben.2 In guten Absatzjahren konnte unter der Ausnützung aller Familienmitglieder (Kinderarbeit) der Sticker sehr gute Einnahmen erzielen, während Absatzkrisen zu schweren finanziellen Einbußen führten. 1905, einem Krisenjahr, wurde keine Faschingsunterhaltung durchgeführt, da in der Gemeinde kein Geld vorhanden war.3 Trotz dieser ständigen Konjunkturschwankungen erhöhte sich die Anzahl der Stickereimaschinen in Wolfurt ständig. Während 1887 in Wolfurt 124 Handstickmaschinen waren, stieg die Zahl der Schifflistickmachinen 1900 auf 100, 1910 auf 143 Schiffli- und 26 Handstickmaschinen und bei der letzten Zählung vor dem I. Weltkrieg 1914 wurden in Wolfurt 115 Pantographen, 7 Automaten und Punchmaschinen gezählt.4 Die Stickereimaschinen wurden in der Regel in der Schweiz gekauft und in Raten abgezahlt. Während des Stickereibooms im Jahre 1900 15 sollen, wie in einem zeitgenössischen Zeitungsartikel erwähnt wird, viele unbrauchbare, ausgeleierte Stickmaschinen von Wolfurtern in der Schweiz zu überhöhten Preisen gekauft worden sein.5 Mit diesen Maschinen soll laut Zeitungsbericht maneher Sticker 24 Stunden durchgearbeitet haben, um möglichst viele Stiche zu erreichen. Die Qualität der Stickereien auf diesen allen Maschinen dürfte aber schlecht gewesen sein und zum schlechten Ruf (= billige Ware) der Vorarlberger Stickereien in der Schweiz beigetragen haben. Um an den großen Aufträgen mitmischen zu können, wurde die Qualität der Ware vernachlässigt und nur bedeutende Mengen produziert. Als Mittel für die Qualitätsverbesserung in der Stickerei wurden von der Stickereischule Dornbirn Kurse in den einzelnen Stickereidörfern abgehalten. In Wolfurt fand beispielsweise 1901 ein solcher Kurs statt, der mit einem Kurs für Nachsticker fortgesetzt wurde. Diese Kurse wurden von der Wolfurter Stickereigenossenschaft mitorganisiert und teilweise finanziert. In Wolfurt gab es 1907 12 Sticklokale mit 4 bis 6 Maschinen, wobei die Masse der Sticker nur eine Stickereimaschine besaß.6 In engem Zusammenhang mit dem Stickereiboom steht auch die vermehrte Bautätigkeit in Wolfurt um 1906/07, als neben normalen Wohnhäusern auch vermehrt Villen und Stickereilokale errichtet wurden. Trotz des Reichtums und Wohlstands, der sich mit der Stickerei in der Gemeinde etablieren konnte, muß auf die Schattenseiten dieses Booms hingewiesen werden. Als Arbeitskräfte in den Stickereilokalen wurden hauptsächlich Jugendliche und Kinder verwendet, wobei keine gesetzlichen Arbeitszeitbestimmungen vorhanden waren. Der Gewerbeinspektor erklärte 1885 in einem Bericht: «. . . die Arbeitskräfte der Kinder in so übertriebenem Masse ausgebeutet wurden, daß die in den Stickereigegenden domicilierend Ärzte und sonstigen Menschenfreunde den physischen Ruin der jungen Generation mit Sicherheit voraussahen, falls dem eingerissen Treiben nicht in irgend einer Weise Einhalt gethan würde .. .»7 Der in St. Gallen beheimatete Stickereiverband, der seine Tätigkeit auf die Ostschweiz und Vorarlberg erstreckte und eine Vereinigung der großen Stickereihandelshäuser und der Einzelsticker war, einigte sich 1886 auf eine Arbeitszeitregelung in den Stickereien, wobei die Arbeitszeit von 7 Uhr bis 18 Uhr festgesetzt wurde.8 Als Druckmittel für die Einhaltung der Bestimmung wurde der Liefer- und Abnahmeboykott gegen «Ausbeuterfirmen» beschlossen. Als Vorarlberg sich 1892 vom Verband löste, war auch die Einhaltung dieser Regelung nicht mehr möglich und das Gewerbeinspektorat konnte nur nach den allgemeinen Bestimmungen des Gewerbegesetzes vorgehen.9 Die Stickerei wurde durch den I. Weltkrieg schwer getroffen und konnte sich nie mehr von diesem Rückschlag erholen. 1.5 Händler und Nahrungsversorgung Die ersten Quellen über Krämer und Händler in Wolfurt stammen aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert. 1785 wird im Steuerbuch erstmals ein Krämer genannt. Im Steuerbuch von 1794 wird der Krämer Krispin Bildstein mit seinem Vermögen und seinen Schulden genannt.2 Bildstein, der 1755 noch als Wirt bezeichnet wird, gehörte zu den vermögendsten Personen im Dorf, hatte 4 Kühe und 1 Pferd im Stall und verfügte über bedeutenden Grundbesitz. Besonders interessant ist die Nennung seiner Schulden. Er hatte Schulden in Augsburg und Pavia; was auf Warenschulden hinweist und auch Rückschlüsse auf die Herkunft der von Bildstein verkauften Waren und auf seine Handelsbeziehungen zuläßt. Augsburg war das Handelszentrum Süddeutschlands und der Hinweis auf Schulden in dieser Stadt kann so interpretiert werden, daß Bildstein aus dieser Stadt Konsumgüter bezogen hat. 1798 suchte der Rösslewirt Baptist Rohner, der neben seiner Wirtschaft eine Branntweinbrennerei und eine Bäckereigerechtsame besaß, um eine Handelskonzession für Tuch, Zucker, Kaffee und Lichteran.3 Gegen dieses Ansuchen protestierten in einem Beschwerdebrief die anderen 4 Wolfurter Krämer. Sie hatten mit ihrem Protest Erfolg, da das Oberamt Rohner die Handelskonzession verweigerte. 4 Krämer in einem Dorf war für die damalige Zeit eine sehr hohe Zahl und es ist möglich, daß hier der Einfluß der Frühindustrialisierung sich bemerkbar machte.4 Die in der Heimindustrie beschäftigten Weber und Spinner verfügten, eine gute Konjunkturphase vorausgesetzt, über Bargeld, eine ständige Einnahmequelle. Diese Geldmittel wurden in Heimindustriegegenden in der Regel für den Einkauf von Konsumgütern verwendet. Es ist auch für Wolfurt, der führenden Webereigemeinde in Hofsteig, mit einer Veränderung des Konsumverhaltens zu rechnen, die sich in einer Vermehrung der Krämer im Dorf ausdrückte. Im Jahre 1840 gab es in Wolfurt nur mehr 3 Krämer und einen Mehlhändler.5 Ob das Ansuchen des Michael Lau aus dem Jahre 1828 um Verleihung einer Händlerkonzession für Kaffee und Zucker angenommen wurde, geht aus den erhaltenen Akten nicht klar hervor.6 Zur unmittelbaren Lebensmittelversorgung der Bevölkerung dienten Bäcker und Metzger. In der Tabelle der Handwerksberufe ist aber die geringe Zahl der Bäcker während des ganzen Untersuchungszeitraumes deutlich zu erkennen. Dies ist nur mit der Annahme zu erklären, daß Brot im eigenen Haushalt erzeugt wurde und auch Hausschlachtungen durchgeführt wurden. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist die Verbindung der Bäckergerechtsame mit einigen Wirtshäusern im Dorf. So besaßen 1798 die Wirte Baptist Rohner (Rössle) und Johann Haltmayer in ihrem 16 17 Wirtshause eine Bäckereigerechtsame, wobei diese «ex radice» war. Bei dieser Rechtsform lag die Gewerbeberechtigung auf dem Hause selbst und setzte keine Gewerbeausbildung des Hausbesitzes voraus. Diese Form der Gewerberechtsame wurde in den Steuerbüchern aber nicht erwähnt, da sie nicht zu versteuern war, während die «Profession» der anderen Handwerker mit einer Pauschalsumme versteuert wurden (20 Gulden). Über die Brotpreisgestaltung im 19. Jahrhundert hat sich im Gemeindearchiv ein Brief des Wolfurter Bäckers erhalten. Die Brotpreise wurden amtlich verordnet und in Wolfurt galt, wie in allen Gemeinden des Amtsbereiches Bregenz, der Bregenzer Brottarif. 1838 bat der Wolfurter Bäcker (Name im Akt nicht genannt) die Bregenzer Tarife für Wolfurt abzuschaffen, da die Tariftabelle erst mit 8 bis 14 Tagen Verspätung in Wolfurt eintreffe.7 Aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts haben sich im Gemeindearchiv zahlreiche Brotbeschauprotokolle erhalten. Durch ein Gemeindeorgan wurden bei den Bäckern Gewichtskontrollen und Preisüberprüfungen durchgeführt, wobei bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Gewichte und Preise das Brot durch die Gemeinde beschlagnahmt und an die Gemeindearmen ausgegeben wurde. Über den Fleischverzehr und die Nahrungsgewohnheiten haben sich keine schriftlichen Hinweise finden lassen, sodaß Vermutungen angestellt werden müssen. Der Fleischbedarf dürfte auch in Wolfurt, wie in allen Vorarlberger Gemeinden des 19. Jahrhunderts eher gering gewesen sein und die Ernährungsgrundlage aus Mehl- und Kartoffelspeisen bestanden haben. In einem Brief des Landgerichts Bregenz an die Gemeinde Wolfurt aus dem Jahre 1832 wurde festgestellt, daß neben der bereits erwähnten Brottaxe auch die vom Stadtmagistrat Bregenz festgesetzte Fleischtaxe in den Gemeinden nicht eingehalten werde. Ein Metzger wird in Wolfurt erst 1832 genannt, der vermutlich Lohnarbeiten ausführte. Über den Getränkekonsum und die Getränkeerzeugung in der Gemeinde sind ebenfalls nur wenige Nachrichten erhalten. Der im Mittelalter und in der frühen Neuzeit so bedeutende Weinbau spielte im 19. Jahrhundert keine sehr bedeutende Rolle mehr und dürfte mit der Eröffnung der Arlbergbahn und der damit verbundenen Einfuhr von billigem Südtiroler Wein ganz zugrunde gegangen sein. Im Steuerbuch von 1785 werden beim Wirt Johann Haltmayer in der Vermögensaufstellung unter anderem der Weinvorrat im Keller und Reben genannt und auch bei den Privatpersonen Josef Anton Haltmayer und Amtsamman Josef Fischer werden Reben und Weinvorräte im Kellerals zu versteuerndes Vermögen aufgezählt.9 Im Kartenwerk vom Jahre 1857 wurden noch einige Weinberge in Wolfurt und in Rickenbach eingezeichnet. Viel wichtiger dürften damals die kleinen Bierbrauereien gewesen sein, die sich in den Gasthäusern befanden. 1853 suchte der «Rössle»-Wirt Caspar Haltmayer bei der Gemeinde um eine Bierbrauereikonzession an und erhielt vom Gemeindeausschuß auch die Genehmigung.10 Eine weitere Brauerei war die bis 1902 bestehende Brauerei des Johann Georg Fischer." Weiters spielte die Branntweinerzeugung in Wolfurt eine große Rolle. 1798 besaß der «Rössle»-Wirt Baptist Rohner eine Branntweinerzeugungskonzession und 1842 nahm der Gemeindevorsteher Martin Schertler in einem Brief an das Kreisamt Stellung zur Einfuhrzollerhöhung von Obstbranntwein. '2 Er erklärte darin, daß im Inland zu viel Fruchtbranntwein erzeugt werde, der Obstpreis dadurch heruntergesetzt 18 werde und daher den Bauern die Obstkultur nicht mehr am Herzen liege. Es könnte sich bei diesem Fruchtbranntwein um die heute noch bekannte Spezialität «Subircn> handeln. Die Branntweinerzeugung muß aber im allgemeinen historischen Kontext des 19. Jahrhunderts gesehen werden. In einem Akt des Kreishauptmann Ebner wird der Alkoholismus als das größte soziale Übel in Vorarlberg während des 19. Jahrhunderts genannt. Die Trinkwasserversorgung in Wolfurt hat sich im 19. Jahrhundert auf der Basis der Brunnenversorgung abgespielt und konnte mit dem enormen Bevölkerungswachstum und der dadurch bedingten erhöhten Nachfrage nach Trinkwasser nicht Schritt halten. In einem Zeitungsartikel von 1893 wird über das schlechte Trinkwasser in Wolfurt geklagt.0 Im Kirchdorf befand sich der Dorfbrunnen, der oft kein Wasser führte und bei Regen getrübtes Regenwasser hatte. Wegen diesem unhaltbaren Zustand kam es im Rössle zu einer Versammlung der Brunnengenossenschaft, auf der die Suche nach einer Quelle für die allgemeine Wasserversorung beschlossen wurde. Im Zeitungsartikel wird die durch die Industrie stark zugenommene Bevölkerung als Grund für die Wasserprobleme genannt. Der Schwanen. Einstmals zentrales Gasthaus mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal. 19 1.6 Industrielle Betriebe in Wolfurt Im 19. Jahrhundert befanden sich in Wolfurt nur zwei industrielle Betriebe: die Spulenfabrik Zuppingcr und die Maschinenfabrik Doppelmayr. Der Gründer der Spulenfabrik Zuppinger war Konrad Zuppingeraus dem Kanton Zürich, der 1873 in Wolfurt eine kleine Holzspulenfabrik errichtete. Unter seinem Sohn Johann Walter wurden Filialbetriebe in Mähren und Bayern errichtet. In Wolfurt wurde die Produktion von Holzspulen 1909 eingestellt. Die Familie Zuppinger hatte auch Mühlen errichtet und nach Stillegung der Spulenfabrik den Mühlenbetrieb weitergeführt. Die Maschinenfabrik Doppelmayr geht auf die mechanische Werkstätte des Josef Dür zurück. Der Nachfolger Dürs, Konrad Doppelmayr, hat mit der Herstellung von Getrieberädern und landwirtschaftlichen Geräten den Anfang der Maschinenfabrik gemacht. Mit dem Eintritt Emil Doppelmayrs in die Fabrik im Jahre 1910 wurde das Produktionsprogramm auf Lasten- und Personenaufzüge erweitert. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts erstellte die Fa. Doppelmayr in Zürs den ersten modernen Umlaufschlepplift Österreichs und spezialisierte sich daraufhin auf die Erzeugung von Skiliften. Bedeutende Textilbetriebe entstanden erst in den zwanziger Jahren in Wolfurt. 1.1 Landwirtschaft 1 Benedikt Bilgeri, Der Getzreideanbau im Lande Vorarlberg. Dornbirn 1947, S. 212—215 2 Mathias Schneider, Wolfurter Chronik. «Merkwürdige Begebenheiten». Manuskript. Gemeindearchiv Wolfurt 3 Vorarlberger Volksblatt 10. 10. 1929 4 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbücher 5 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1870. Innsbruck 1871, S. 8 Ergebnisse der in Vorarlberg am 31. 12. 1910 vorgenommenen Volks- und Viehstandszählungen. Bregenz 1911. S. 3 6 Gemeindeausschußprotokoll 16. 11. 1869, zukünftig mit GAPr abgekürzt 7 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1872. Innsbruck 1873, S. 29 8 GAPR 5. 2. 1873 9 Beiträge zur Statistik der Bodenkultur in Vorarlberg mit Nachweisung der Ernteergebnisse des Jahres 1871. Innsbruck 1872, S. 49 10 GAPR 28. 3. 1897 11 GAPR 6. 9. 1898 12 GAPR 29. 10. 1898,22.9. 1899 und 23. 10. 1899 13 GAPR 17. 3. 1897 und 28. 3. 1897 1.2 Handwerk 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Steuerbücher Gemeindearchiv GAPR 17. 11. 1880 Handelskammer Feldkirch, Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1904, S. 46 Vorarlberger Landesarchiv, KOA 1 Seh 104, Nr. 111, 1791. Landesarchiv wird mit VLA abgekürzt werden Gemeindearchiv Wolfurt Seh 1800 Vorarlberger Volksblatt 9. 5. 1884 Vorarlberger Landbote 23. 1. 1885 Feldkircher Zeitung 15. 10. 1885 GAPR 23. 10. 1899 GAPR 22. 11. 1899 Österreichische Statistik, Band 77, S. 176 GAPR 27. 3. 1906 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1909, S. 112 Handelskammer Feldkirch. Archiv, Präsidiumssitzungsprotokoll 1912, S. VII GAPR 23. 10. 1899 1.3 Textilverarbeitung 1 Kaspar Schwärzler, Tabelle über die in der Graf- und Herrschaft Bregenz und Hohenegg befindlichen Fabriken. Manufakturen und Commercialprofessionisten 1767. In: Archiv für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs 1906/7. S. 58 2 Gemeindearchiv Wolfurt, Vermögenssteuerverzeichnis 1762, Folio 49 und Folio, S. 177 3 Schwärzler, Tabelle S. 57 20 21 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KOA 1 Seh 144 VLA, KOA 1 Seh 145 Gemeindearchiv Wolfurt, VLA, KA 1 Seh 239 Gemeindearchiv Wolfurt, wie 12 Steuerbuch 1795 Waisenbuch Wolfurt, I./5 Folio 413 und I./6 Folio 324 Steuerbuch 1794 Siegfried Heim Vermögenssteuerverzeichnis 1815 Schachtel 1800 1.4 Stickerei 1 2 3 4 5 7 8 9 VLA, KA II Seh 38. IV 1931 + IV 2404, Stickstückferker Ansuchen aus Wolfurt 1857 GAPR23. 10. 1899 Ferdinand Schneider, Wolfurter Chronik, Original Gemeindearchiv Wolfurt. S. 227 Gerhard Alge, Die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung der Vorarlberger Stickerei bis 1914 und ihre Beziehung zur Schweiz. Diplomarbeit Wien 1978, S. 36 und 54 Schneider Chronik s. 230 Vorarlberger Volksblatt 4. 1. 1900/6 Schneider, Chronik S. 233 und 234 Bericht Gewerbeinspektorat 1885, S. 406 Feldkircher Zeitung 30. 1. 1892 und Gewerbeinspektorat S. 407 Schneider Chronik S. 189 Feldkircher Zeitung 12. 11. 1892 1.5 Händler und Nahrungsmittelversorgung 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1785, Folio 34 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1794, Folio 28 VLA, KOA 1 Seh 145 VLA, KOA 1 Seh 145, Kommerz 1804 Gemeindearchiv Wolfurt, Steuerbuch 1840 VLA, KA 1 Seh 516 Zoll Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800, Gewerbe, 1838 Gemeindearchiv Wolfurt, Seh 1800 Steuerbuch 1785, Folio 306 + 332 Gemeindearchiv Wolfurt, Gemeindebeschluß Nr. 10, 1853 Einkommenssteuerverzeichnis 1873 und Heinrich Wurm, Historisches Verzeichnis der Österreichischen Braustätten und Brauereifirmen. Linz 1980, S. 81 12 VLA, KA 1 Seh 526, Zoll 3374 13 Vorarlberger Landbote 10. 2. 1893 Dieser und einige folgende Artikel sind teilweise aus Schriften zur Vorarlberger Geschichte zusammengetragen. Für besonders interessierte Leser schreibe ich sie hier auf: ( 1) Bilgeri, Geschichte Vbg., 1971-86 ( 2) Bilgeri, Getreidebau, 1948 ( 3) Burmeister, Geschichte, 1980 ( 4) Burmeister, Landesmuseumsverein 125/1982 ( 5) Burmeister, Die Wolfurter, 1984 ( 6) Heim, Zeittafel, 1985, Heimat Wolfurt 1 ( 7) Heim, Steußberg, 1983 ( 8) Heim, Schlösser, 1983 ( 9) Heim, Jüngste Marktgemeinde, 1982 (10) Kleiner, Hofsteiger Landsbrauch, 1902 (11) Welti, Kellnhof Wolfurt, 1952 (12) J. Heinzle, Ortskunde, 1967 (13) Bernhard, Jungbürgerbuch, 1978 (14) Heimatbuch Lauterach, 1953 und 1985 (15) Häfele, Bilder aus der Geschichte, 1922 (16) Gunz, Familienchronik, 1892 (17) Pfarrer Feurstein, Seelenbeschrieb Ia, 1760 (18) J. Walser, 400 Jahre Pfarre, 1912 (19) Anwander, Pfarre St. Nikolaus, 1931, Holunder 30 (20) Weizenegger-Merkle, 1839 (21) Rapp, Generalvikariat, 1896 (22) «Hofrieden» im VLA Anmerkungen im folgenden Text beziehen sich auf diese Quellen. Ackerbau in Hofsteig Bis zum Jahre 700 n. Chr. hatten die Alemannen das Unterland bis zum Kummenberg besiedelt, während im Oberland weiterhin die Rätoromanen fest verwurzelt waren. An der Kummen-Grenze trafen sich auch die Einflußsphären des Bistums Konstanz im Norden und des Bistums Chur im Süden. Durch Jahrhunderte blieb diese Teilung bestehen. Der Unterschied reichte in die Belange von Wirtschaft, Recht und Kultur hinein. (13/Seite 14) Benedikt Bilgeri weist in seinem «Getreidebau» diese Grenzen auch im Ackerbau nach.(2) Lange Jahre gehörte das Unterland zum «Vesen»-Gebiet der Alemannen im Bodenseeraum, das Oberland aber zum Gebiet des «Mischkorns», das sich über Liechtenstein nach Graubünden fortsetzte. Bregenzerwald und Allgäu aber bildeten aus klimatischen Gründen das «Haben>-Gebiet, zu dem als Ausnahme in der Ebene auch noch Hofsteig gezählt werden muß. 23 22 Die Milchwirtschaft spielte im Lande schon seit der Keltenzeit eine beachtliche Rolle, auch Obst- und Weinbau besaßen neben der Schweinezucht eine gewisse Bedeutung. Den Hauptanteil bei der Ernährung trug aber immer der Getreidebau Acht Getreidesorten wurden in Wolfurt angebaut: Vesen, Däntel, Weizen, Hafer, Roggen, Gerste. Hirse und Türken. 1. Vesen, «feaso», «Spelz», «Dinkel», auch einfach «Korn» genannt, ist ein widerstandsfähiger Winterweizen, bei dem die Körner wie bei Gerste mit dem Spelzblättchen verwachsen sind und von diesen Hülsen vor dem Mahlen befreit werden müssen. Enthülste Früchte heißen dann «Kernen». Drei Malter Vesen ergaben nur ein Malter Kernen. Für die Alemannen war Vesen weitaus das wichtigste Getreide. Sie hatten den Vesenanbau von den Römern übernommen (Getreidefund aus dem 1. Jhdt. in Brigantium), doch findet sich Vesen auch schon in Schweizer Pfahlbauten. Ins Oberland drang der Vesenanbau erst im 17. u. 18. Jhdt. vor. Aus Lustenau und Höchst wurde lange Zeit Vesen-Saatgut ins Schwabenland exportiert (Weizenegger-Merkle). Während Vesen im übrigen Österrreich unbekannt war, gab es in Vorarlberg noch 1913 mehr Vesen als Weizen im Verhältnis 165 ha zu 101 ha. 1944 wurden nur mehr 8 ha Vesen angebaut. Seither ist der alemannische Weizen bei uns verschwunden. In Niederösterreich wird Dinkel aber in allerneuester Zeit für die «Hildegard-Medizin» angebaut. Die Heilige Hildegard von Bingen (1098—1179), die große Mystikerin und Naturwissenschaftlerin, setzte das Dinkelkorn an die Spitze ihrer Ernährungslehre und pries seine Vorzüge an. Ihre Anhänger suchen heute wieder im einfachen Essen mit DinkelVollkorn Gesundheit und Kraft. 2. Däntel (auch «Dintel» genannt, nicht verwechseln mit Dinkel-Spelz), ist ein Winterweizen mit starken Grannen und Einzelkörnern («Einkorn»). Er läßt sich als ältester Weizen schon in der Steinzeit nachweisen und hatte in Vorarlberg das gleiche Verbreitungsgebiet wie Vesen. Im übrigen Österreich war er unbekannt. Um 1850 wurde er in Wolfurt noch angebaut. Der Müller Gunz berichtet in seiner Chronik, daß man damals aus Vesen und Däntel nur 40 % Mehl mahlte, während der neu eingeführte Weizen 75 % Mehl ergab. Der Rest wurde allerdings noch einmal untergeteilt in Kleie und das grobe «Jaumehl», aus dem sparsame Hausfrauen noch Hafenlaib kochten. Seit 1930 ist der Däntelanbau ganz verschwunden. 3. Weizen, vor allem der Zweikorn-Weizen «Emmer», wurde von alters her im Oberland angebaut, am häufigsten allerdings als «Mischkorn» oder «Halbkorn» mit Roggen vermischt. Erst im 19. Jhdt. setzten sich neue Weizensorten durch und verdrängten mit ihrem höheren Ertrag die alten Sorten Vesen und Däntel. Durch Getreide-Importe aus Ostösterreich, Frankreich, Argentinien, Kanada und anderen Staaten ist der mit Unwetter-Risiko behaftete Weizenanbau im Lande Vorarlberg seit Mitte des 20. Jahrhunderts nahezu ganz verschwunden. 4. Hafer, «Haber», wurde aus klimatischen Gründen in höheren Lagen angebaut, wo Vesen nicht mehr gedieh. 1576 berichtet Junker Hans Georg v. Wolfurt «Zue Alberschwendi gibt man in dem großzehenden keine andre frucht als haber.»(2/200) Auch Schleh schreibt 1616 in seiner Emser Chronik (S. 28) «Ob Alberschwendi liegt das Gericht Lingenaw, dessen Kirchensatz auch dem Abt von Bregenz gehörig, beyde Wilde Bergechte örther jedoch ohne Felsen allda kein ander Frucht als Haber wachßt.» Vom Steußberg (Bildstein und Buch) erhielt das Kloster Mehrerau 1601 nur 4 Viertel Vesen, aber 149 Viertel Haber als Zehent. Auch 1817 bestand die Steußberger Getreideernte noch zu 95% aus Haber nämlich 3800 von 4034 Vierteln. Getreidemaße: Ein Bregenzer Viertel faßte 21,5 Liter Kernen, d. s. etwa 13 kg, ein Feldkircher Viertel faßte 24,9 Liter, ein Alberschwender Viertel 30,6 Liter. Jedes Gericht, ursprünglich jeder Hof, hatte seine eigenen Maße. 1 Viertel sind 4 Vierling (zu je 5,4 Liter), 4 Viertel sind 1 Scheffel (86 Liter). 8 Viertel sind 1 Malter (172 Liter). In Bregenz gab es allerdings auch noch einen großen Malter von 18 Vierteln (demnach 387 Liter). Im 19. Jahrhundert wurde das Viertelmaß verdrängt. Jetzt galt: 1 Metze faßt 2 Staren, das sind 61,5 Liter (2/181). In Wolfurter Bauernhäusern findet sich noch heute der mit Brandzeichen geeichte halbe Staren für etwa 15 Liter Körner. Gunz berichtet: «Das Getreide wurde gemessen mit Staren, Vitel (so sagte man in Wolfurt zum Viertel) und Vierling. Ein Star hatte ungefähr 42 alte Pfund oder 19 kg». (16/170) 24 25 Zurück zum Haberanbau. Während im Unterland fast überall Vesen das Hauptgetreide für das tägliche Brot war, bildete das konservative Hofsteig eine Ausnahme. Hier stand Haber an der ersten Stelle. Von 1447 steht im Mehrerauer Zehentbuch aufgeschrieben: «acht malter haber und vier malter vesen, alles Bregentzer meß, nämlich in dem dorffe zuo Wolfurt.» Ein ähnliches Verhältnis gilt vom hofsteigischen Schwarzach, das 1603 nördlich des Flusses 33 Viertel Haber und nur 11 Viertel Vesen abführte, während der Zehent an die Emser Grafen in dem zu Dornbirn gehörigen südlichen Teil umgekehrt zu 8 Viertel Haber 32 Viertel Vesen betrug. (2/206) Auch als in Wolfurt um 1870 der Türken zum Hauptgetreide geworden war, so daß «Stopfar» und «Hafoloab» nicht mehr aus Vesenmehl, sondern aus Türkenmehl und Türkengrieß gekocht wurden, gab es am Morgen noch ab und zu ein Habermus, «. . . dann ist man auf den ganzen Tag gefüttert.» (16/156) Noch 1938 kochte uns unsere alte Großtante Karolina manchmal ein dickes Habermus oder einen Haberstopfer, sonst galt damals Hafer eigentlich nur als Pferdefutter. Als 1888 Pfarrer Kneipp in Wörishofen den Bohnenkaffee verdammte und Malzkaffee empfahl, begann Plaze Gunz in Rickenbach für die allerorts entstehenden Kneippvereine Hafer zu Malz zu rösten. Die erste Malzrösterei Vorarlbergs war ein gutes Geschäft, bis sie nach fünf Jahren der Konkurrenz von Kathreiners Malzkaffee unterlag. Aber noch einige Zeit wurden Hafer als Farbmalz für dunkles Bier und sogar Roggen als KaffeeErsatz für die Kneippianer geröstet. Den Rauch roch man bis Schwarzach. (16/429, 434 u. 521) 5. Roggen wurde bis ins 18. Jhdt. im Unterland noch fast gar nicht angebaut, im Oberland meist nur als Halbkorn mit Weizen vermischt. Auch im 19. Jhdt. blieb der Roggenanbau im Land unter 10 % der Getreidefläche. Erst der Getreide-Import mit der Arlbergbahn machte um das Jahr 1900 das billige Schwarzbrot zum täglichen Brot. Der Müller Gunz berichtet im Jahre 1895 vom billigen Importgetreide, daß 100 kg bester Weizen franko Schwarzacher Bahnhof nur noch 9 bis 12 Gulden (samt Sack) kostete, Roggen gar nur 6.50 bis 8 Gulden und Türken sogar nur 5.50 Gulden (16/346). 6. Gerste wurde ursprünglich wie Weizen auch nur im Oberland angebaut, vor allem im Montafon. Weit verbreitet war im Oberland die «Mengfrucht», eine Mischung von Gerste und Hafer, auch «Mischelkorn» oder «Rauchkorn» (= rauhes Korn) genannt. Sehr spät wurde in den Hanglagen im Unterland etwas Gerste angebaut. So meldete Streußberg im Hungerjahr 1817 die Ernte von 90 Vierteln Gerste. Das waren aber nur 2 % der Getreideernte, die damals ja noch fast zur Gänze aus Hafer bestand. Ob der Adlerwirt J. Gg. Fischer, der von 1874 bis 1906 in Rickenbach in seiner Waschküche das erste Bier für die Wolfurter braute, dazu eigene Gerste röstete oder Malz kaufte, konnte ich nicht mehr feststellen. Die Gunz-Mühle hatte ihre Gersten-Stampfe schon 1852 eingehen lassen, in der HolzMühle konnte man noch bis 1920 seine Gerste «rollen» lassen. Dabei wurde sie von den Hüllspelzen befreit, so daß man daraus mit Bohnen und rußigem Speckdie in Wolfurt noch heute so beliebte «Kichoro»-Suppe zubereiten konnte. 26 7. Hirse läßt sich als Getreide zwar schon in den Pfahlbauten nachweisen und wurde auch im Mittelalter im ganzen Land angebaut, aber niemals in den Getreide-Eschen, sondern nur wie Hanf, Flachs und Rüben am Rand der Flur in kleinen «Ländern», also eingezäunten Gärten. Daher war Hirse auch nicht Großzehent-pflichtig, sondern wurde mit dem Kleinzehent besteuert, der meist in bar bezahlt werden konnte. Aus Hirse kochte man Hirsebrei, nur ganz selten backte man Brot daraus. Es gab Rispenhirse «Hirsch» und Kolbenhirse «Fenk». Beide sind im 18. Jhdt. verschwunden, in Hofsteig schon viel früher. Jedenfalls heißt es in Mehrerau 1577 vom Hofsteiger Kleinzehent, daß man ihn «von Obst, Rüben, Bohnen, Erbsen, Hanf und Werk (= Flachs) und sonst von nichts mehr geben müsste». (2/80) «Türggo-Usmacho» bei Familie Reiner an der Lauteracherstraße 8. Mais, «Türken», Welschkorn. Mais stammt aus Amerika und war daher wie auch die Kartoffel im Mittelalter bei uns noch völlig unbekannt. Aber schon um 1600 tauchte das Welschkorn aus Italien, wo es «gran turco» genannt wurde, über die Pässe in Tirol und 1650 in der Schweiz auf. Von dort verbreitete er sich bis 1710 über das ganze Rheintal, aber wegen der Dreifelderwirtschaft konnte er nur in Bündten und Gärten, nicht aber in den großen Getreide-Eschen angebaut werden. Türken brauchte viel mehr Pflege als die alten Getreidesorten Vesen und Haber und reifte selbst im iöhnbegünstigten Rheintal so spät, daß die althergebrachte Brachweide im Herbst unmöglich wurde, wenn sich der Türkenanbau ausweitete. Andererseits konnte sich Vorarlberg am Ende des 17. Jhdts. nicht mehr selbst ernähren. Krieg, Mißernte und Einquartierung von Soldaten führten zu Hungersnöten. Obersthauptmann Kreis berichtet 1676 an die Regierung (2/85): 27 «. . . dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt b'ettlendt vor der thür suechen müessen . . . » « . . . zue deme mueß sich disses rauhe bergige landt mit handarbeiten, alß von villenmaurern, zimmerleuthen und stainmetzen, außerhalb des vatters thür, als gegen Elsas, Pfaltz, Lothringen, Burgundt, Schwaben, Franckhen und Saxenlandt hin ernehren und erhalten, gestalten, daß allejahr, so ich allergnawist bißher beobachtet, über die 7 bis 8000 alte und jungeleuth, kinder, bueben und megdlein, welch letztere mit spinen und viechhüetten sich ernehren müessen, außer dem landt begegen.» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! Es wurde noch schlimmer. Als Ludwig XIV. 1681 das Elsaß besetzte und 1689 bis 1697 der Pfälzische Krieg in ganz Süddeutschland wütete, mußten die Vorarlberger Saisonarbeiter zu Hause bleiben, wodurch die Not ganz unerträglich wurde und zu Raub und Totschlag führte. Ein Hofsteiger Gerichtsprotokoll schreibt 1689: « . . . eine solche ellendt betriebte zeit...» (2/88) Hunger tut weh und macht erfinderisch: Weitere Rodungen waren nicht mehr möglich, denn der ganze Vorderwald war schon ein Getreideland. Der Flächenertrag mußte gesteigert werden! Das konnte nur mit dem neuen Welschkorn gelingen. Aber dann mußten zuerst Brachfeld und Brachweide aufhören. Um das Jahr 1700 kam es überall im Land zu Mißständen. Ammänner und Richter mißbrauchten vielfach ihre Stellung in Eigennutz und Verwandtenwirtschaft. Durch private Nutzung und Verschwendung schmolz auch der Gemeinbesitz des Gerichts Hofsteig an Weide und Wald zusammen. Das Gericht beschaute keine Zäune und Gräben, man befolgte die Satzungen des Hofsteiger Landsbrauches nicht mehr. Die Reichen drangen mit Düngung und zweimaligem Mähen auf Kosten der Armen ins gemeinsame Weideland vor. (1/III/222 ff.) Die Unzufriedenheit des «Gemeinen Mannes» führte zu bösen Auftritten gegen die Richter und den Ammann. Als Sprecher der einfachen Leute verfaßte Georg Roner von Wolfurt eine Anklageschrift und suchte Hilfe beim Kaiser in Wien. 1706 kam es sogar zum bewaffneten Aufstand. Eine Änderung der Verhältnisse trat aber erst ein, als Georg Roner selbst 1710 und noch einmal 1713 zum Hofsteig-Ammann gewählt wurde. In den folgenden Jahren wurden die Almenden des Gerichts auf die einzelnen Dörfer verteilt, nur der Ippachwald, die Auwälder an der Ach und das Ried blieben noch fast 100 Jahre im Gemeindebesitz. (1/III/232 und 273) Die Esche wurden auf die einzelnen Bauern aufgeteilt. Jetzt stand dem privaten Maisanbau nichts mehr im Wege. Die Anbauflächen stiegen ständig. 1727 weigerten sich die Hofsteiger noch, von der neuen Frucht, die bisher mit Kleinzehent besteuert worden war, von nun an Großzehent in natura abzuliefern, mußten aber schließlich doch den Zinsknechten den zehnten Kolben samt Stroh überlassen. Im Mehrerauer Zinsbuch von 1731 steht: «Allda wird das der Orten vor wenig Jahren entstandene und eingeführte Welschkorn unter den Großzehent gerechnet, daher in natura bezogen.» (Bilgeri, Holunder 1927/42) 28 In Wolfurt stieg der Welschkorn-Zehent von 78 Vierteln im Jahre 1732 auf 126 Viertel 1761. (2/93) 1817 übertraf in Wolfurt die Türkenernte mit 1620 Vierteln schon deutlich die Haberernte mit 1280 Vierteln. An der Spitze lag noch immer der Vesen mit 3250 Vierteln. Aber das allmorgendliche Habermus wurde langsam vom Türkenmus und schließlich vom TürkenStopfer verdrängt. Dazu eine Tabelle über die Getreideernte von Wolfurt im Notjahr 1817 im Vergleich mit den Nachbargemeinden. Ernteergebnisse 1817 in Vierteln (1 Viertel ist rund 13 kg). Vesen Wolfurt Lauterach Schwarzach Steußberg Kennelbach 3250 5850 1000 Haber 1280 2080 Dintel 1125 1530 Gerste Türken 1620 2120 unbekannt 100 3800 90 300 250 220 54 30 0 0 0 90 0 0 20 (2/65 ff) Eines von den 200 Wolfurter Bauernhäusern: Waibels in Unterlinden. Ein riesiger «Ufzug» für Vesen- und Türken-Korn und ein großer Keller für Obst, Kartoffeln und Most. 29 Das waren schon beachtliche Türken-Ernten, aber sie verdoppelten sich in den nächsten Jahrzehnten noch. 1840 hatte der Maisanbau im Lande alle anderen Getreidesorten hinter sich gelassen: Jetzt erntete Vorarlberg bereits 80.000 hl Mais gegenüber 55.000 hl Vesen und Gerste. (Bilgeri, Holunder 1934/20) Noch mehr verschob sich das Bild bis 1884. Aus diesem Jahr liegt eine detaillierte Angabe der Anbauflä


Heimat Wolfurt Heft 18 1996 Februar
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 18 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1997 Bild 1: Die Turmkugel hoch über dem Kirchdorf. Zuletzt wurde sie im Jahre 1985 von Spenglermeister Walter Schwerzler und Architekt Peter Konzet geöffnet. Inhalt: 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament Bildnachweis: Karl Hinteregger Bilder 1, 2, 21 Helmut Schertler 6, 8, 9, 11 Raimund Mohr 12 Siegfried Heim 5, 7, 10, 13, 14, 15 Sammlung Heim 3, 4, 16, 17, 18, 19, 20, 22 Zuschriften und Ergänzungen Fast ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis auf Heft 17 nun endlich Heft 18 folgt. Aus einer Reihe von Anfragen war zu entnehmen, daß es mit Interesse erwartet wird. Mutterpfarre Weißenau (Heft 17, S. 4) Die Frauen der Pfarre Wolfurt nahmen diesen Beitrag zum Anlaß, ihren Sommerausflug 1996 nach Weißenau zu machen. Sie haben dort eine Führung durch die großartige Barockkirche bekommen und vor dem Heiligblut-Altar gebetet. Damit ist wohl ein Neuanfang für unsere fast 400 Jahre lang unterbrochenen Beziehungen zum Kloster Weißenau gemacht. Das Landesarchiv verwaltet noch etliche Urkunden zu Weißenau und Wolfurt: Am 5. September 1447 verlieh Abt Ulrich von Weißenau sein Klostergut auf dem Bühel zu Wolfurt an Ulrich Böler. Am 31. Juli 1573 verlieh Abt Michael von Weißenau das Gut, das vormals Peter Böler innehatte, gegen Entrichtung von Zehent und eines Drittels vom Kornertrag an Hans Schnell von Wolfurt. Mir ist übrigens in dem Artikel ein Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldigen möchte. Die Mönche von Weißenau standen in Konkurrenz mit den Benediktinern von Mehrerau, nicht mit den Zisterziensern. Das für unsere Pfarre noch weit wichtigere Kloster Mehrerau war seit seiner Gründung im Jahre 1097 (vielleicht schon ein paar Jahre früher) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 eine Benediktinerabtei. Sein Einfluß auf Wolfurt und ganz Hofsteig bedarf noch einer eigenen Untersuchung. Die Zisterzienser kamen erst 1854 nach Mehrerau, nachdem man sie aus Wettingen in der Schweiz vertrieben hatte. Nachkriegsjahre 1945 -1949 (Heft 17, S. 9) Dieser Artikel von Burkhard Reis hat ein vielfältiges Echo gefunden und mit seinen interessanten Bildern zu mancher Diskussion angeregt. Es ist höchste Zeit, daß die noch lebenden Zeitzeugen ihr Wissen weiter geben. Wir sind für jede Notiz dankbar. Ernst Maurer bestätigt die Angaben über Ludwig Gmeiners unbrauchbar gemachtes Auto (S. 22). Er habe selbst als junger Arbeiter in der Mechan. Werkstätte Reimair in Lauterach den Keil neu gehärtet, allerdings nicht in einem Hochofen, sondern in einem speziellen Härtungsofen. Zur Ausweisung der Reichsdeutschen (S. 22) erinnert sich Ernst Maurer, daß er damals in seinem Heimatort Sulzberg-Eibelesmühle gemeinsam mit Bekannten mehrmals deutsche Staatsbürger samt Koffern voll Wäsche und Eßgeschirr über die Grenze nach Bayern geschmuggelt habe. Für Direktor Welter von den Bregenzer MichelWerken hätten sie sogar Möbel geschleppt. Umgekehrt wurden deutsche Soldatenbräute, einmal sogar mit einem Säugling, über die Grenze eingeschleust, damit sie 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den beachtlichen Abgang trägt. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1997 durch Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim. Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H.. A-6922 Wolfurt hier ihre österreichischen Partner heiraten konnten. Vorerst war allerdigs nur eine geheime kirchliche Eheschließung möglich. Hildegund Mathis-Gmeiner berichtet, daß Franziska Gmeiner (Knores Zischgele, Jg. 1914) am 1. Mai 1945 eine Gruppe von Frauen und Mädchen zuerst in Rickenbach zu Bürgermeister Rohner und dann Richtung Dorf geführt habe. Sie riefen laut, sie wollten die Sprengung der Brücken verhindern und die friedliche Übergabe der Gemeinde erreichen. Hildegunds Vater, der gerade vom Hilfsgrenzdienst in Gaißau heimgekehrt war, verbot ihr das Mitgehen. Lina Schmid-Schwärzler wurde nach dem Einsatz im RAD zur Dienstleistung in der Hutfabrik Egg verpflichtet, wo man Elektroteile für die Rüstung fabrizierte. Das Bild von der Musterung des Jahrgangs 1918 (S. 34) wurde für viele zum Suchbild. Paul Schwerzler hat mir folgende Namen angegeben: Vorne sitzend v. 1.: Paul Schwerzler, Bütze; Johann Simioni, Strohdorf. Zweite Reihe v. 1.: Julius Amann, Postmeisters; Franz Mitterdorfer, Rickenbach (Sein jüngerer Bruder Mario ist 1943 gefallen); Karl Büchele, Schlatt; Erich Künz, Ach; Karl Rohner, Ach (gestorben schon 1939). Hinten v. 1.: Schöllnberger (ein jüngerer Bruder des Schneidermeisters Ernst Schöllnberger in der KellhofStraße); Anton Wolfgang, Rickenbach (gefallen 1945); unbekannt (vermutlich aus dem Wida). Der Jahrgang 1918 war mit 22 Geburten der zweitkleinste in unserem Jahrhundert. Weniger Kinder, nämlich 20, waren nur 1916 zur Welt gekommen, als die meisten Männer im Krieg waren. Georg Klettl hat mir ein paar Notizen vom Geschehen rund um das Vereinshaus 1945 gebracht. Er war damals als 15jähriger dort daheim: Ich erinnere mich noch daran, daß in Wolfurt ein RAD-Lager errichtet werden sollte. Dort wo jetzt das Heinzle-Haus in der Neudorfstraße steht, wurde der Rasen von RAD-Männern abgehoben und zu sauberen Würfeln aufgestapelt. Für uns Buben war der Aufmarsch der Männer am Morgen eine Sensation: blitzblanke Spaten, glänzende Stiefel, gute Disziplin. Es blieb aber beim Rasenabheben. Als sich die Front von Frankreich her dem Bodensee näherte, wurden im Vereinshaus 4 oder 5 LKW voll Werkzeug (Pickel, Schaufeln, Schlägel, hölzerne Schubkarren etc.) eingelagert. Es gehörte der Organisation Todt und war zum Bau von Befestigungsanlagen bestimmt. Nach wenigen Wochen wurde alles wieder abtransportiert. Bald darauf wurde auf der Nordseite des Vereinshauses ein Holzschuppen aufgestellt. Hinein kamen eine Gulaschkanone (Kochkessel) und ein großer Holztrog. Auch eine Pumpe und eine Wasserverteilung mit 5 Hahnen wurden installiert. Der große und der kleine Saal wurden mit Pritschen und Strohsäcken aus Papierspagat ausgelegt. Dann wurde im April 1945 die bisher in Schlünders im Südtirol stationierte Volkssturmabteilung hierher verlegt. Beim „Besensturm" waren Männer aus Bregenz und Umgebung, lauter ältere Semester. Unser Vater war auch dabei, natürlich als Sanitäter. Die Volkssturmmänner sollten bei der Verteidigung des Bodenseeufers in Hard zum Einsatz kommen. Ende April waren die Volksstürmler plötzlich nicht mehr da. An zwei Namen erinnere ich mich noch: Kommandant war der Schuldirektor Niederer aus Gaißau, Koch war ein Herr Rüscher aus Vorkloster. Dann kam der Einmarsch der Franzosen und Marokkaner mit gewaltigem Kriegsmaterial und unzähligen Mulis. Auf Instrumentenmachers Wiese beim Vereinshaus standen jede Menge Dodge und Jeeps (Autos), aber auch Kanonen und anderes Kriegsgerät. Die Panzer waren auf der Wälderstraße abgestellt. Viele hatten Käslaibe aufgeladen, die die Soldaten in den Käsereien im Allgäu erbeutet hatten. Eine große Anzahl Marokkaner schlief im großen Saal auf den vom Volkssturm verlassenen Pritschen. Drei Schmiede waren bei Schmied Köbs einquartiert. Sie hatten die Werkstatt beschlagnahmt und beschlugen nun dort ihre Mulis. Diese weideten in allen Feldern, am meisten unten in den Lehmlöchern. Die Marokkaner waren im allgemeinen diszipliniert. Sie wurden von den französischen Oberen strenge behandelt. Ich erinnere mich noch, daß unsere Mutter ihnen einen ganzen Einweckhafen voll Innereien kochen mußte. Ein fürchterlicher Gestank erfüllte unsere ganze Wohnung. Unvergeßlich! Ganz andere Erinnerungen verbindet Frau Gebhardine Ciaessens mit dem Kriegsende. Als Tochter von Bürgermeister Ludwig Hinteregger, der damals die Verantwortung für Wolfurt wieder übernahm, erhielt sie Einblick in das tragische Geschehen um die Kriegstoten in Wolfurt: Bei dem Tieffliegerangriff am Nachmittag des 1. Mai 1945 hörten meine Mama und ich den Einschlag im benachbarten Kaplanhaus. Im Hausgang wurde die 15 Jahre alte Luise Bilgeri getroffen, als sie in den Keller laufen wollte. Sie wurde über die Stiege hinab geschleudert. Eine Flüchtlingsfamilie, die schon vorher dort Zuflucht gesucht hatte, glaubte zuerst, die Großmutter werfe ihnen noch ein Kleiderbündel zu. Schnell wurden die Krankenschwester Epiphanie und Herr Klettl vom Roten Kreuz verständigt. Ein Transport war nicht möglich. Innerhalb von 12 Stunden ist Luise innerlich verblutet. Das Sterbebuch der Gemeinde hält dazu fest: Luise Bilgeri, geb. 22.5.1930, am 2. Mai 1945, 4.30 Uhr früh, verstorben. Leberdurchschuß durch Tieffliegerangriff am 1. Mai 1945. Am 2. Mai brachte man zwei tote deutsche Soldaten zu uns. Sie lagen zuerst im Tenn. Dann wurde jeder in einen Sarg gelegt und bis zur Beerdigung unter der ersten Arkade des Friedhofs aufgebahrt. Ihr gemeinsames Grab bekamen sie im unteren Friedhof links vom Eingang in der dritten Reihe an der Mauer. Der eine war ein unbekannter Soldat. Er trug nur mehr einen Rosenkranz bei sich. Die Papiere und die Erkennungsmarke hatten ihm wahrscheinlich seine Kameraden abgenommen, um die Angehörigen zu verständigen. Dazu ist im Sterbebuch, bezeugt von Bürgermeister Hinteregger, notiert: Unbekannter Soldat, am 2. Mai 1945, 6 Uhr, gefallen bei Haus 23. (Haus 23 ist Scheffknechts Haus hinter dem Wälderhof an der Ach.) 5 4 Der zweite Soldat trug sein Soldbuch bei sich: Herbert Hümpel, geb. 3.1.1927, aus Kirch-Mummendorf, Bez. Grevenmühlen, Mecklenburg. Das Soldbuch und ein paar Fotos aus seiner Heimat blieben vorerst bei uns. Jeden Suchdienst habe ich angeschrieben. Weil Mummendorf im von den Russen besetzten Gebiet lag, kam erst im November 1952 die erste Anfrage von seinen Eltern. Vom Roten Kreuz in Hamburg hatten sie eine Nachricht erhalten. Ich konnte ihnen das Soldbuch zuschicken. Ende der 60er Jahre wurden die beiden Toten vom Österr. Schwarzen Kreuz exhumiert und auf dem Kriegerfriedhof bei der Evangelischen Kirche in Bregenz neu beigesetzt. An Hümpels Finger steckte noch sein Ring mit den eingravierten Buchstaben H.H. Für die Übermittlung dieser Erinnerung an ihren einzigen Sohn äußerten sich die Eltern dankbar. Inzwischen konnte die einzige Tochter auch schon das Grab ihres Bruders besuchen. Im Sterbebuch bezeugt Bürgermeister Hinteregger: Kanonier Herbert Hümpel ist am 2. Mai 1945, 6 Uhr, in Wolfurt-Oberfeld beim Einmarsch der Franzosen durch Kopfschuß verstorben. Einige Seiten weiter ist im Sterbebuch auch der Tod des Familienvaters Gebhard Böhler (Heft 17, S. 10) vermerkt: Verstorben am 2. Mai 1945, um 18.15 Uhr, in Tuttlingen in der Karlsschule. Lungen- und Leberdurchschuß beim Einmarsch der Franzosen am 2. Mai 1945. Die Leiche wurde nach Wolfurt überführt und am 27. Juli 1947 beigesetzt. Vier junge Menschen mußten also am letzten Kriegstag allein noch in Wolfurt sterben. Einige Zeugen berichten sogar von einem weiteren Todesopfer. In einer Wiese neben der heutigen Nußgasse wurde ein deutscher Maschinengewehrschütze durch einen Lungendurchschuß schwer verletzt. Arthur Fischer berichtet, daß man ihn in sein Elternhaus, in die ebenerdig gelegene Wohnung seines Bruders Eugen, brachte. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Einwanderer 2, Italiener (Heft 17, S. 39) Dieser Bericht wurde in Kennelbach diskutiert. Die Nachkommen der Wolfurter „Italiener" wissen noch, daß ihre Eltern besonders unter dem Übernamen „Tschinggo" gelitten hätten. Das Spottwort stammt angeblich vom italienischen „cinque" (fünf). Die Italiener waren übrigens tief-katholisch. Pfarrer Nachbauer verlangte 1905 für sie einen ständigen italienischen Seelsorger. In Scharen gingen die Männer am Palmsonntag oder am Karsamstag zu den Kapuzinern in Bregenz zur Beichte. Daheim mußten sie dann ihren Beichtzettel vorlegen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 60) Einen wunderschönen Brief hat Sr. Isabella Schedler aus Mils geschickt. Unter anderem erzählt sie darin, wie sie als Schülerin 1923 helfen durfte, die neue kleine Glocke über die Berggasse zur Kirche hinauf zu ziehen. Siegfried Heim Dokumente aus der Turmkugel In Bildstein ließ Pfarrer Hinteregger anläßlich von Instandsetzungsarbeiten an seinen Kirchtürmen auch die Turmkugeln öffnen. Dabei fand sich in einem gut verschlossenen Behälter ein handgeschriebenes Dokument aus dem Jahre 1711. Weil die Wallfahrtskirche damals noch zur Pfarre Wolfurt gehörte, ist die Botschaft auch an uns gerichtet. Msgr. Gerhard Podhradsky und Werner Vogt haben sie für uns gelesen und kommentiert. Im Bildsteiner Pfarrbrief vom 25. Aug. 1996 wurde sie abgedruckt. Hier nur ein Auszug: Jesus Maria et Joseph Anno 1692 seindt die Thürnx zue bildtstain bey der Kirchen undt walfahrt erbawet, undt nach 19 verflossenen Jahren widerumb repariert, undt die Kupplen erhöchet worden. Daran haben gearbaithet M. Philipp Geiger undt bartholome böler in Bildtstain, Hanß Stadelmann, undt bartholome böler, zwey Zimmermann. Solche Rupien saindt gedäckht worden von H. Georg broz Landtaman2 undt Seinem Sohn Christian broz von Rankhwil. Zue der Zeitt:.... Nun berichtet der Schreiber, daß der Kaiser (Josef I.) gestorben sei und sein Bruder Karl um das Erbe in Spanien Krieg führe. Ludwig XIV von Frankreich sei in das Land eingedrungen. Die Ungarn hätten ihren Aufstand beendet. Aber noch führten die Schweden gegen die Polen und Dänemark gegen die Schweden langwierige Kriege. Er zählt auch die kirchliche Obrigkeit mit Papst Clemens XI. und dem Bischof von Konstanz Joannes Franciscus auf und fährt dann fort: Zur Zeitt, da H. Pfarrer in Bregenz Jo. Caspar Boch Administrator Episcopalis3 undt Ihro Gnaden Jo. Andreas Pappus v. Trazberg Archiducalis Administrator4 in Bildtstain der Kirchen waren. DD. Beneficiati5 in bildtstain waren zue der Zeitt R.D. Franciscus Casparus Frewis Brigantinus6 .... 1 2 3 4 5 Türme Georg Brotz aus Batschuns war Ammann im Gericht Rankweil-Sulz Verwalter des Bischofs Verwalter des Erzherzogs Die Herren Benefiziaten waren die Inhaber der vier aus Opfergaben der Pilger gestifteten und erhaltenen Pfründen in Bildstein. Im 18. Jahrhundert wirkten an der Wallfahrtskirche ständig vier Priester. aus Bregenz 6 6 7 R.D. Jo. Jacobus Reinhardt Wangenensis .... R.D Fran. Xaverius Wechinger Dornbürensis1 .... R.D. Jacobus Fer Weilhaimensis .... Aeditus hoc tempore: Joannes Schindel in Ranchwilanus simul et Ludemoderator.8 Parochus in Wolffurt R.D. Joannes Egendter Beznaviensis.9 Amanus im gericht hoffstaig H. Georg Ronner in Wolffurth.10 Also 1711 zur Zeitt, da die 4 vor Arlenbergische Herrschaften Ser betrangt waren mit Kriegß beschwerden, winther-quartier, durchzüg in Italien11, undt was daß Meriste12, mit haimmischen großen Uneingkeitten, oder bellis intestinisli. Aus Christlichem Mittleiden vor alle obbemelte Personen So einer Solcher solte noch in der quall des Fegfeürs aufgehalten werden Sollen betten alle gegenwerthige ein hailig undt Andächtiges Vatter Unsser undt Ave Maria.14 Amen. geschechen in bildtstain den 18. July 1711. — Soweit also das Bildsteiner Dokument. Der Wolfurter Kirchturm stammt als ältester Teil der heutigen Pfarrkirche wahrscheinlich noch aus dem 15. Jahrhundert. Vermutlich hat erst Pfarrer Franz Josef Feurstein im Jahre 1728 das alte gotische Satteldach durch eine Turmspitze ersetzen lassen. Jedenfalls läßt sich seither auch in Wolfurt eine Turmkugel nachweisen. Beim großen Kirchenumbau von 1833 ließ Pfarrer Barraga dieselbe öffnen. Er schreibt darüber15: 1834. DerSommer war unerhört warm und sehr trocken. Es regnete nur einige Mahl; daher konnte auch die im vergangenen Jahr aufgebaute Kirche sehr gut austrocknen und mit dem Thurm verputzet werden. - Der Thurmknopfhat 22 Zoll'6 im Durchmesser. Im selbigen fand sich ein kleines 1 1/4 Zoll langes Schächtchen von Holz, es schloß in sich das Evangelium des H. Johannes, ein Wachs17 und ein Zettelchen mit den Worten Franciscus Feurstein parochus18 1728, den 28. Oktober. In einer blechernen Büchse wurde es mit einigen Noten abermahl in selbigen gelegt. Leider ist diese Büchse mit dem ältesten Dokument von 1728 seither verschollen. Franz von Barraga, von 1828 bis 1835 Pfarrer in Wolfurt, schrieb aber auf eine kleine 7 Bild 2: Blick von der Kirchturmkugel auf den Dorfplatz hinab (1985) Rolle Pergament einen zweiten Brief an uns, den er 1834 in die Turmkugel einlegte: Lectori Salutem!19 1833 ist die alte Kirche, die im Langhause 9 Klafter oder 54 Schuhe, und in der Breite ohne Mauer 4 Klafter oder 24 Schuhe hatte20, stückweis so abgebrochen worden, daß der Gottesdienst immer in der Kirche gehalten werden konnte; indem das 13 aus Dornbirn Mesner war zu dieser Zeit Johann Schindl aus Rankweil, zugleich auch Lehrer. In Bildstein hatte nämlich ein Jahr vorher der Benefiziat Dr. Jakob Halder eine der ersten Schulen im weiten Umkreis errichtet. 9 Der aus Bezau stammende Wolfurter Pfarrer Egender hatte einige Jahre früher nur mit großer Mühe verhindern können, daß sich Bildstein als Pfarre selbständig machte. Hofsteig-Ammann Georg Rohner war zuvor einer der Anführer bei den erfolgreichen Aufständen des „Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der kaiserlichen Vögte gewesen. Lies über ihn und die im folgenden Absatz beschriebene Not in unserem Land in „Heimat Wolfurt", Heft 13, S. 28! 1 ' Durchmärsche von Soldaten nach Italien 12 das ärgste mit Bürgerkriegen. Gemeint sind die Aufstände des "Gemeinen Mannes", bei denen Bregenz zweimal von den Bauern besetzt worden war. 14 Demnach wurde das Schreiben öffentlich verlesen. Schon zu deren Lebzeiten wurde dabei für die Obrigkeit um Erlösung aus den Qualen des Fegefeuers gebetet. 15 im Anhang zum Pfarrfamilienbuch I C, Pfarrarchiv Wolfurt 16 17 18 22 Zoll sind etwa 57 Zentimeter Wachsfigur. Solche wurden häufig von Pilgern geopfert oder als Andenken gekauft. 19 Pfarrer Ein Gruß: Dem Leser sei Heil! 20 17,10 Meter lang und 7,60 Meter breit 8 9 neue Gebäude sich schnell erhob, und im obigen Jahre mit dem Dache versehen werden konnte. 1834, am Feste Maria Geburt stand die neue Kirche11 vollendet da. Baumeister war Peter Bilgeri von Lauterach, Bauer22 Sebastian Rüscher von Bitzau, die Maurer aus dem Bregenzerwald. Vorsteher L. Fink.23 Bauinspizient Anton Matt von Bregenz. Kassier MartinSchertler,Altvorsteher.2'1' Der Kosten beläuft sich gegen 6.000 Gulden. Freiwillige Beiträge der Pfarrkinder und das Drittel davon von seiner Majestät dem Kaiser Franz I. als Patron in den Fußstapfen des Klosters Mererau decken diese Unkosten.25 Unter Leitung des Zimmermeisters Fetz von Eck im Bregenzerwald ist den 26. August 1834 der Thurmknopf abgenommen worden. Es fand sich in demselben beiliegendes Schächtchen Nr. I von Franz Jos. Feuerstein, Pfarrer zu Wolfurt. Ad. 28 Oktober 172426. Derzeit ist Pfarrer Franz De Barraga, gebürtig von Wien, erzogen zu Innsbruck, wegen Priestermangel nach Vorarlberg berufen, war Kaplan zu Rankweil und Schwarzenberg, dann Pfarrer in Damüls. 1834 ist der Tit. Dekan zu Schwarzach, Joseph Stadelmann; der Hste. H. Generalvikar u. Weihbischof, Johannes von Tschiderer; der Hste. H. Fürstbischof zu Brixen, Bernard Galura; Seine päpstlichen Heiligkeit heißt Gregor der XVI. Den... September 1834 ist der Thurmknopf oder die Kugel vergoldet wieder an seine Stelle gesetzt worden - von Spengler Joseph Schwerzler. Nur etwas mehr als 40 Jahre ruhte das Dokument diesmal in der vergoldeten Kugel. Man hatte den Turmhelm mit kleinen grün glasierten Ziegeln eingedeckt. Diese hielten den rauhen Westwinden aber nicht stand. Dekan Josef Anton Waibel, von 1867 bis 1879 Pfarrer in Wolfurt, sah sich 1877 gezwungen, den morsch gewordenen TurmDachstuhl zu erneuern und mit einem Blechdach zu versehen. Bei vielen Wolfurter Es war eigentlich keine neue Kirche, sondern eine großzügige Erweiterung. Turm und linke Wand der alten Kirche blieben erhalten. Siehe Heimat, Heft 4, S. 59 u. 60! 22 Polier, Bauführer 23 Leonhard Fink (1777-1860) aus Sulzberg, Adlerwirt in Rickenbach, war in Wolfurt schon 1821-22 und dann wieder zur Zeit des Kirchenbaus ab 1832 Vorsteher. 24 Altvorsteher Joh. Martin Schertler (1793-1856), ein Sohn des Schützenmajors Jakob Schertler in Unterlinden, beaufsichtigte von Seiten der Gemeinde den Bau. Später wurde er 1850 bis 1853 ein zweites Mal Gemeindevorsteher. 25 Nach der Auflösung des Klosters Mehrerau im Jahre 1806 war das Patronat über die Pfarre Wolfurt im Umweg über den bayerischen Staat an das österreichische Kaiserhaus gekommen. Die mit dem Patronat verbundene Verpflichtung zum Beitrag am Neubau der Kirche soll der Kaiser aber sehr lange nicht eingelöst haben. Jedenfalls konnte der Brixner Weihbischof Georg Prünster die Kirche erst am 25. Juni 1849 einweihen (Rapp, S. 801). 26 Dieses Datum differiert mit Barragas Eintragung im Pfarrbuch (siehe weiter oben!) um vier Jahre. 27 68 Fuß sind etwa 21,5 Meter, für einen Dachbalken eine erstaunliche Länge. 21 Häusern setzte man einige von den vom Kirchturm entfernten grünen Ziegeln auf das Dach, um sich damit einem zusätzlichen Schutz zu unterstellen. Auf dem Turm wurde natürlich auch die Kugel geöffnet und darin ein dritter Brief hinterlegt: Lectori salutem! 1877 wurde der Thurm renovirt u. mit Eisenblech gedeckt. Dabei kam zur Verwendung: 7 (sieben) lange Stück Holz, wovon das längste 68 Fuß.27 Eisenblech 2400 Quadrat Fuß.28 Die Kugel wurde neu verfertigt aus Kupfer u. im Feuer vergoldet. Durchmesser 20 Zoll.29 Das Kreuz ganz neu. Die ganze Länge 12 Fuß 8 Zoll.30 Das Baucomite bildeten: Franz Hinteregger, Gemeindeausschuß, Dorfmeister, Hauptleiter des Baues.31 Jos. Anton Schedler, Gemeinderath.32 Jos. Anton Geiger, Altkirchenpfleger.33 Arbeiter des Baues: Josef Gmeiner (Strohdorf), Zimmermeister Johann G. Schwärzler (Unterlinden) Josef Schwärzler (Tobel)34 Dachdecker: Martin Schwärzler, Flaschner (Schifflewirth)35 Seine Gehilfen: Wilhelm Schwärzler, Sohn des Obigen Alexander „ Johann Köb von Bildstein, Geselle bei Obigen. 28 29 30 31 Das entspricht einer Fläche von 240 m2. Die neue Kugel war also mit nur mehr 53 Zentimeter Durchmesser etwas kleiner als die alte. Ziemlich genau 4 Meter. Franz Hinteregger (1845-1919) wohnte in der Bütze. Als Dorfmeister war er für Straßen, Bäche und Brunnen im Dorf verantwortlich. 32 Josef Anton Schertler (1829-1916), Flotzbach. Auffallend ist, daß der Pfarrer die Schreibart Schedler verwendete. 33 Jos. Anton Geiger (1820-1888), Rochusles 34 Alle drei waren Zimmerleute aus bekannten Familien: Gmeiner von Disjockeles (später nannte man sein Haus Knores) im Strohdorf. J.G. Schwerzler von Zimborars in Unterlinden. Sein Haus am Anfang der Frickenescherstraße in Unterlinden zeigt noch heute auffallenden Zimmermannsschmuck. Er hat 1905 auch Kreuz und Kugel auf die Turmspitze gesetzt. Josef Schwerzler (1850-1915), der schwarz Toblar, stellte 1911 das Kreuz im oberen Friedhof auf. 35 Das Gasthaus Schiffte stand am nördlichen Ende der Bützestraße. Sohn Wilhelm ist später nach Kennelbach übersiedelt, Alexander nach Amerika ausgewandert. 10 11 Bild 3: Für die neuen Glocken baute die Pfarre 1905 auch eine neue Glockenstube und erhöhte den Turm auf 57 Meter. Bild 4: Frau Agatha Schneider, 1895-1985, Wohltäterin der Kirche Bild 5: Der 1833 eingemauerte Grundstein der Kirche wurde 1994 freigelegt. Die Vergoldung des Hahnes kostet ungefähr 30 fl. Die Kosten übernahm J.G. Kalb (Schwanenwirth). Das Kreuz verfertigte Jos. Anton Dür, Mechaniker, aus eigenen Kosten.36 Der übrige Kosten des Baues kommt ungefähr auf 1500 fl öst. Wrg. u. wird durch Zuschlag auf die Gemeindesteuer gedeckt. (Die Kugel aus Kupfer kostet ungefähr 40 fl u. die Vergoldung 100 fl). Der Bau begann den 17. Juli 1877 unter dem Vorst. J.G. Fischer17. Der Thurmknopf mit Kreuz und Hahn ist unter Leitung des J.G. Schwerzler (Unterlinden) Samstag d. 11. Aug. 1877 wieder auf dem Thurm befestigt worden. Beigelegt wurde das Bild des göttl. Herzens Jesu u. der Zettel mit dem Gebet: „Akt der Sühne ". Der Zeit ist Pfarrer: Jos. Anton Waibel, Dekan, geb. zu Hohenems. Kaplan: Wilhelm Müller. 36 General-Vikar u. Weihbischof: Johann Amberg Fürstbischof zu Brixen: Vincenz Gasser Seiner päpstl. Heiligkeit: Pius IX. Hier schreibt Pfarrer Waibel ein Kompliment an seinen politischen Gegner: J. A. Dür (1818-1888), Gründer der Groß-Schlosserei in Rickenbach, aus der später die Firma Doppelmayr hervorging, war ein Anführer der Liberalen. 37 Vorsteher Joh. Georg Fischer (1847-1918) war Adlerwirt in Rickenbach und ebenfalls ein Liberaler. Als Pfarrer Nachbauer 1904 Spenden für neue Glocken sammelte, verweigerten die Rickenbacher ihre Zustimmung und sammelten lieber für eine zweite Kirche mitten im Dorf. Trotzdem brachte der Pfarrer 43.000 Kronen zusammen und konnte damit das schönste Geläute im Land anschaffen. Zur Erichtung einer größeren Glockenstube mußte die Turmspitze 1905 abgenommen werden. Dabei wurde die Kugel geöffnet. Die beiden alten Briefe darin kamen in das Pfarrarchiv. Im Trubel der Ereignisse beim Aufrichten des neuen Turmes - er war mit 57 Metern um 11 Meter höher als der alte! - dürfte der Pfarrer auf das Einlegen eines neuen Turm-Dokumentes vergessen haben. Vielleicht ist ein solches aber auch bei späteren Reparaturen verloren gegangen. Jedenfalls ist keines bekannt. Ganz neu eingedeckt wurde der Turm samt dem Kirchendach dann erst wieder im Herbst 1985. Diesmal hinterlegte Lehrer Peter Heinzle als Vorsitzender des 12 13 Pfarrgemeinderates wieder einen gut geschützten Brief in der Turmkugel. Dieser ist eigentlich für unsere Nachkommen im nächsten Jahrhundert bestimmt. Hier folgen daher nur einige Auszüge: Wolfurt, am 30. Okt. 85 In den Monaten Sept. und Okt. 1985 wurde die dringend nötige Erneuerung des Kirchendaches und der Turmeindeckung vorgenommen. Gleichzeitig wurde das größtenteils holzwurmbefallene Gebälk imprägniert und die gesamte Fassade gestrichen. (Aufzählung der beteiligten Baufirmen und der für den Bauverantwortlichen Mitglieder des Pfarrgemeinderats.) ... Die Arbeiten wurden durch extrem schönes und trockenes Herbstwetter besonders begünstigt und verliefen ohne Unfälle. Die Finanzierung der enormen Kosten (ca. 2 Mill. S - das ist etwa der halbe Wert eines Einfamilienhauses samt Grund) konnte zu einem großen Teil durch die Erbschaft der Wwe. Agathe Schneider, geb. Geiger, gestorben 1985, erfolgen. Gott vergelte ihr diese übergroße Wohltätigkeit! Die Marktgemeinde Wolfurt hat derzeit etwa 6500 Einwohner, davon etwa 4500 Katholiken. Gastarbeiter aus der Türkei u. Jugoslawien stellen mit ihren Familien etwa 1/10 der Bevölkerung. Wolfurt hat sich in den vergangenen 30 Jahren vom Bauerndorf zur Industrie gemeinde entwickelt. Es bleibt zu hoffen, daß verantwortliche Gemeindepolitiker diese Entwicklung in Bahnen lenken können, die zum Wohl aller Wolfurter und auch unserer Nachkommen gereichen. Das Jahr 1985 war für die Pfarre und die Marktgemeinde Wolfurt ein Jahr großer Veränderungen. Nach 28jähriger, überaus segensreicher Tätigkeit trat Pfarrer Gebhard Willi (Jg 1913 - Ehrenringträger der Markigem. Wolfurt) in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Kaplan German Amann Den Generationswechsel begann im verg. Herbst der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider (Jg 1920). Er war 28 Jahre Gemeindearzt in Wolfurt, davon viele Jahre einziger Arzt Ähnlich lange im Amt war Bürgermeister Hubert Waibel (1960-85). Er wurde im Mai von Erwin Mohr abgelöst In luftiger Höhe wartet diese Urkunde nun hoffentlich viele Jahre lang auf den ersten Leser. Sehr lange schon wartet eine andere Urkunde im Fundament der Pfarrkirche St. Nikolaus. Im Dezember 1994 wurden die Grundmauern freigelegt, weil man sie entfeuchten wollte. Dabei entdeckten die Arbeiter 2 Meter rechts vom Hauptportal in nur 70 Zentimeter Tiefe einen Stein mit seltsamer Inschrift. Eine Untersuchung ergab, daß es sich um einen alten Grabstein handelte. Eingemeißelt war unter dem Christuszeichen IHS auch das Datum Mai II 1770 zu erkennen. Bei der Errichtung dieses Fundaments im Jahre 1833 sollte der alte Sandstein wohl etwas schützen, das dahinter verborgen ist. Pfarrer Barraga berichtet darüber im Familienbuch bei den Aufzeichnungen über den Wolfurter Kirchenbau: 14 Den 28. April 1833 wurde vom Hochwürdigen Gnädigen Herrn H. Dekan, k.k. Schuldistriktsinspitient und fürstbischöflichen Geistlichen Rathe zu Bregenz in Schwarzach Joseph Stadelmann, nachdem er eine sehr angestande Rede hielt und die Stelle des Hochaltars eingesegnet hatte, unter dem Schalle der türkischen Musi38 der Eckstein gesetzt. Rechts an der forderen Seite der Kirchenmauer. Er hatte die Aufschrift, die die Jahrzahl enthält: Fördere, o Gott! dieß Werk von uns Wolfurtern zu Deiner höchsten Verherrlichung. Er wurde ausgehöhlt, und in die Höhle wurde ein Fläschchen gut versiegelt gelegt, welches einige Notizen z. B. von den zu leistenden Auslagen, von den Nähmen der regierenden geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, enthält. Auch wurden einige kleine Münzen beigelegt. Pfarrer Amann konnte der Versuchung, nach den kleinen Münzen zu greifen, widerstehen. Er ließ den Stein ungeöffnet. Der Graben wurde wieder zugeschüttet. Darin meine ich des Pfarrers Botschaft an uns zu hören: Unsere Kirche wird weiterhin auf festem Grund stehen! 38 gemeint ist die damalige Wolfurter Blasmusik 15 Siegfried Heim Der Ippachwald (1) Neue Straßen Seit 200 Jahren bewirtschaften im Ippach mehrere hundert Grundbesitzer ihre oft sehr kleinen Waldparzellen. Jedes Jahr holten sie früher, als es noch keine modernen Heizungen mit Kohle oder Öl gab, das notwendige Brennholz für Herd und Kachelofen aus dem eigenen Holztoal (Waldteil). Schöne Stämme sparte man für Bauvorhaben oder auch zum Verkauf. Durch steile Riesen ließen die Holzer die glatten Stämme über die Hänge herab rutschen. Starke Pferde schleppten die schweren Lasten zu den Holzplätzen. Nur auf Schneebahnen konnte man sie von dort ins Tal bringen. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft brachte ab 1950 auch für den Wald große Veränderungen. Zentralheizungen und Elektroherde verdrängten die Holzöfen. Während die Arbeitslöhne stiegen, sanken die Holzpreise immer tiefer. Auch Zugpferde wurden selten. Neue Waldbesitzer hatten oft kaum mehr Bezug zu ihrem Waldteil. Wege und Marken verfielen. Manche Waldteile wurden jahrzehntelang nicht mehr bewirtschaftet. Mehrmals versuchte die Gemeinde, die Waldbesitzer zu einem gemeinsamen Straßenbau zu bewegen. 1965 legten die Forstfachleute des Landes zusammen mit Waldaufseher Paul Geiger einer Grundbesitzerversammlung sogar baureife Pläne vor. Eine Einigung kam aber nicht zustande. Überall im Land wurden Wälder durch neue Straßen erschlossen. In Wolfurt ließ man dagegen die alten weiter verfallen, abrutschen, ausschwemmen, vermuren. Große Waldflächen waren für Traktoren nicht erreichbar. Im Winter 1988/89 wurden dann aber endlich oberhalb von Frickenesch drei Waldwege saniert. Jetzt erstellte die Forstbehörde durch Dipl.-Ing. Siegfried Tschann und Ing. Roland Eine ein neues Projekt für den Ippachwald, das den Ausbau von 5,2 km Waldstraßen vorsah. Sofort nahmen einige „grüne" Gemeindevertreter ablehnend Stellung. Sie erhielten Unterstützung durch ein Gutachten des Landschaftsschutzes: Eine intensive Waldbewirtschaftung würde zu Fichten-Monokulturen führen! Dem widersprach Dipl.-Ing. Tschann in einem Gegengutachten heftig: Die Ippach-Forststraße gehöre zu den dringensten Aufgaben im ganzen Bezirk. Jetzt lud die Gemeinde alle Grundbesitzer zu einem Informationsabend am 6. April 1990 in die Aula der Hauptschule ein. Das aufgelegte Projekt fand Zustimmung. Eine Reihe von Waldbesitzern forderte sogar eine Ausweitung auf weitere Waldteile. Am 4. Mai 1992 wurde schließlich in einer Versammlung in der Aula der Hauptschule die Bringungsgenossenschaft Ippachwald gegründet und ein Ausschuß mit Vertretern aus Hard, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gewählt. Obmann wurde 16 Bild 6: Bei der Alten Schmiede wurde die Forststraße 1993 neu angelegt. Im Hintergrund erkennt man den Einschnitt des alten Dreigassenwegs. Helmut Schertler. Zwar erklärten 113 Waldbesitzer spontan ihren Beitritt, aber nun mußten mit großem Aufwand weitere 200 Unterschriften eingeholt werden. Schließlich taten alle 331 Besitzer mit, lückenlos alle! Sonst hätte man ja Mautstraßen bauen müssen. Der Ausschuß erarbeitete Satzungen und eine Wegeordnung. Schon 1992 wurde die Zufahrt von der Neuen zur Alten Bucherstraße ausgebaut. Ab August 1993 begann der Bagger mit der Arbeit am Dreigassen-Weg bei der Alten Schmiede im Holz. Die Bauleitung hatte mit Gottfried Mathis ein Mann übernommen, der seine Erfahrung im Straßenbau von der Wildbachverbauung einbrachte. Bis zum Sandigen Weg hatten die Planer ein Stück weit eine neue Trasse wählen müssen, von dort hinab zu den Dreigassen, hinauf zum Ellbogen und nach links hinein über den Tobelbach konnte man alten Gassen oder Wegrechten folgen. Im März 1994 begann man mit der Sanierung der Alten Bucherstraße hinauf über die Katzensteig zum Ippachbrünnele. Es folgten das schwierige Stück über die Sausteig zum Saustall und drei anschließende Stichstraßen, von denen eine die Holzteile bis weit herab in der Ebene bei Hoamolitto erschließt. Eine zweite am Saustallgraben ließ diesen Naturbach möglichst unberührt. Im März 1995 kam das zweite Baulos der Alten Bucherstraße vom Ippachbrünnele zum Gschliof an die Reihe. Die sumpfigen Murablagerungen im Gschliof selbst mußten mit einem 5 m hohen Damm überquert werden. Daran wurde noch ein ganz neues Straßenstück in die Kohlplatzwälder hinauf angeschlossen. So hatte die Genossenschaft nun mit 6 1/2 km Straßen etwa 180 Hektar Bergwald für die Bewirtschaftung mit Maschinen erschlossen. Zu den Kosten von 6 Millionen Schilling mußte jeder Eigentümer einen Anteil bezahlen, den überwiegenden Teil finanzierten aber Land und Gemeinde. Diese günstige Lösung war nur durch den 17 Bild 7: Veranwortlich für die neuen Straßen: Gottfried Mathis, Helmut Schertler, Ing. Roland Erne, Paul Geiger. Bild 8: So sah die Sausteig bis 1994 aus: eng und matschig. großen Einsatz der Verantwortlichen möglich. Weil sie weitgehend den alten Wegerechten gefolgt waren, mußte nur ganz wenig Holz geschlagen werden. Keine einzige Sprengung war notwendig geworden. Durch dieses Beispiel angeregt, hatte sich in einer weiteren Gründungsversammlung am 17. März 1994 eine zweite Genossenschaft Ippachwald II gebildet, die die anschließenden Wälder auf Bucher und Bildsteiner Kohlplatz-Gebiet erschließen wollte. Unter Obmann Herbert Böhler und seinem Stellvertreter Raimund Mohr stießen sie im Winter 1995/96 mit einer 800 m langen Stichstraße bis in die Schlucht des Bucher Ippachgrabens vor. Dabei mußten sie den Gitznergraben queren und den Steilhang mit Hilfe von etlichen Krainerwänden (Konstruktionen aus Baumstämmen) überwinden. So wurden hier in dem abgelegensten Teil des Ippachwaldes weitere 33 Hektar erschlossen. Am 4. Oktober 1996 konnten die fertigen Straßen den neuen Besitzern vorgestellt werden. Landesrat Schwärzler und Bürgermeister Mohr eröffneten in einer kleinen Feier bei der Alten Schmiede die neuen Zugänge zu unserem Wald. Aus der Geschichte Gemeinschaftswald Der Ippachwald deckt eine Fläche von insgesamt etwa 600 Hektar. Er erstreckt sich von Wolfurt an der Ach entlang unterhalb von Buch bis zum Alberschwender Unterrain. Durch bewaldete Tobel ist er mit dem Asenenwald bei Alberschwende und dem Bildsteiner Täschenwald verbunden. Jenseits der Ach schließen sich die ausgedehnten Wälder über Hohwacht und Fluh bis zum Pfänder und durch das Wirtatobel zum 18 Hirschberg an. Von 415 m Meereshöhe am Achufer des Wolfurter Sportplatzes steigt der Ippachwald steil zur 973 m hohen Schneiderspitze auf. Im Mittelalter hatten zwischen 900 und 1200 n.Chr.G. Hofsteiger Siedler zuerst die Wolfurter Bühel und die sonnigen Südhänge des Steußbergs in Bildstein gerodet und dann auch die flachen Ebneten und die sanften Halden am Osthang in Fischbach und Buch. Den steilen, feuchten und schattigen Nordhang des Steußbergs ließen sie ungeschoren. So blieb dort der große Ippachwald erhalten. Sein uralter Name, im Volksmund Ippa, stammt wohl von den zahlreich vorkommenden Eiben (Iba). In überreichem Maß lieferte er den Siedlern das Bauholz für ihre Häuser und das Brennholz zur Beheizung ihrer Kochstellen. Die Bauern der alemannischen Markgenossenschaften und der sich daraus entwickelnden Dörfer bewirtschafteten den Wald und die Felder lange Zeit gemeinsam. Gemeinsam trieb ein Hirt das Vieh aller Höfe auf die Waldweiden. Gemeinsam erntete man an bestimmten Tagen Beeren, Holzäpfel, Eicheln und andere Waldfrüchte. Unter Aufsicht von Ammann und Geschworenen des Gerichts Hofsteig wurden jedes Jahr vom banwart die zum Fällen bestimmten Bäume gemalen (mit einem Mal versehen). Der Bannwart war ein vereidigter Aufseher (Siehe Hofsteigischer Landsbrauch, LMV 1900, Seiten 138 u. 149!) Jeder husröchi (jedem Haus mit einer rauchenden Feuerstelle) wurde eine bestimmte Anzahl von Bäumen zugelost. Das Los entschied also, ob einer seine Stämme vom nahen Frickenesch oder etwa in einem abgelegenen Ippachteil fällen durfte. Wer ein Haus oder einen Stadel baute, erhielt vom Gericht kostenlos das dazu notwendige Holz. Zu den Pflichten des Ammanns gehörte die regelmäßige Kontrolle der Marken, mit denen die Gerichtswälder abgegrenzt waren. Es scheint immer wieder Holzfrevel gegeben zu haben. Jedenfalls gibt der aus dem Mittelalter in die Neuzeit übernom19 Bild 9: Behutsam wurde der neue Dreigassenweg der Natur angepaßt. Bild 10: Im Gschliof war die Alte Bucherstraße nur mehr ein morastiger Pfad. Eine neue Forstsraße erschließt jetzt hier die Kohlplatzwälder. mene und 1544 aufgeschriebene Hofsteigische Landsbrauch strenge Anweisungen: Die an die Gemeindehölzer angrenzenden Nachbarn sollten die Marken anerkennen und .... darüber nit greifen noch dem tigen Hofstaig in dessen Waldungen, hölzern, gesteüd und gestreyppt ainichen schaden zuefüegen, weder wenig noch vil darinnen howen oder wegg tragen ... (S. 179. Ein tigen ist ein Bezirk.). .... Item am berg soll niemands in gemainen höltzern reuten noch holz howen, dann mit der andern willen .... (S. 149). Tannenholz durfte nur als Zimmermannsholz verwendet und nicht als Brennholz vergeudet werden: .... das bueche holtz zuebrennen und das tenni holtz zue gezimbern und gebewen und änderst nit. Dann welcher zimerholtz verwüesten würde, der soll ainer herrschaft fünf pfund pfening strafgelt zuebezalen schuldig und verbunden sein. Desgleichen soll auch kainer kainjung büechelin erkimin genannt, noch kain berend pomb ob den marken abhowen .... Also standen junge Buchen {erkimin, wörtlich Erdkeim) und Beerensträucher (berend pomb) unter besonderem Schutz. (S. 146). Aus den abgelegensten Tobein konnte man das Holz nicht herausführen. Dort stellten die Kohlenbrenner ihre Meiler auf und erzeugten die wertvolle Holzkohle: Item es soll niemands kolen, dan an den enden, dahin ain jeder von dem amman gewisen und beschaiden würdet (S. 146). Auch die Wagner wurden in jene Tobel gewiesen, aus welchen man das Holz auf dem Rücken heraufschleppen mußte: Item die wangner des gerichtz Hofstaigs sollen auch holtz howen an denen orten und enden, dahin man nitfaren kan, sonder zu ruck und unden auftragen muess; auch sy von amman und ge rieht beschaiden werden (S. 146) Gefälltes Holz mußte binnen eines Zeitraums von einem Jahr und 6 1/2 Wochen aus dem Wald entfernt sein, sonst durften es andere wegführen. 20 Das Eichenholz galt als besonders wertvoll. Daraus wurden die für die Brücken benötigten Balken geschlagen. Aber auch die Küfer brauchten es für Fässer und Standen. Eine bestimmte Menge Brennholz wurde dem Pfarrer für den Pfarrhof zur Verfügung gestellt. Anderes nahm die Gemeinde für sich selbst, besonders zur Herstellung von Dücheln (hölzernen Rohren) für die Dorfbrunnen, für Brücken und für Zäune. Die Aufteilung des Waldes Über viele Jahrhunderte fanden die Hofsteiger mit dieser Holzordnung ihr gutes Auskommen. Am Beginn des 18. Jahrhunderts häuften sich aber Streitigkeiten wegen des Gemeinschaftswaldes. Im Jahre 1706 beklagte sich Alt-Ammann Haltmayer vor Gericht bitter über die Unordnung in den Wäldern, die unter seinem Nachfolger aufgekommen war (Heimat, Heft 13/29). Mißbrauch der Schlägerungsrechte führte dazu, daß Ammann Jerg Rohner den jungen Pfarreien Lauterach und Hard ihr ius lignandi cumulative (das Recht, für den Pfarrer beliebig viel Holz zu schlagen) beschneiden wollte und dabei im Jahre 1728 beim Klerus auf Widerstand stieß (Rapp II, S. 274). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mußte der gemeinsame Wald in den sechs Dörfern von Hofsteig insgesamt 602 alt berechtigte Häußer versorgen. Dazu waren aber zuletzt noch 34 neu berechtigte sogenante Neübäüler gekommen, die auch Holz beziehen wollten. Als Andreas Haltmayer, ein Sohn des angesehenen Rickenbacher Adlerwirts, im Jahre 1773 ein ganz neues Gasthaus, das heutige Kreuz, erbaute, wies ihm das Gericht noch kostenlos das gewöhnliche Quantum von 45 Stämmen als Bauholz zu. Das Mißtrauen der sechs Dörfer gegeneinander und gegen die Obrigkeit waren aber 21 bald danach so groß geworden, daß die Geschworenen des Gerichts Hofsteig schließlich am 3. Juni 1794 die Aufteilung der Gerichtswälder beschlossen. In der Begründung dazu heißt es: Da aus den vorangeführten zu vertheillenden Waldungen das Holz zu sämtlichen Brücken, Stegen und jeder Gemeinde aufliegenden Wuhrungen, zu den Pfarrkirchen, Pfarr u. Schulhäusern, zur beheitzung der Letzteren und zu den Brunnen Deücheln des ganzen Hofsteiges immer unbestimmt und uneingeschränkt ausgefolgt, durch derley zu weitschichtige und eigenmächtige Holzschläge aber verschiedene zu mannigfaltigen Uneinigkeiten anlaßgebende Ungleichheiten unterlaufen; und das Holz selbst oder zum größten Nachtheile der Waldungen geschlagen, oder manchesmal gar unnütz und geringen Theils verwendet worden, so muß diesen dem Waldstande äußerst schädlichen Unfügen durch die gegenwärtige Theilung möglichst abgeholfen, und diese allgemeine Beschwerden auf jede der 6 bemelten Gemeinden verhaltnißmäßig ausgeglichen werden. (Abschrift im GA Wolfurt, cod 64) Die Geschworenen richteten ein entsprechendes Ansuchen an das k.k. Kreis- und Oberamt. Erst ein Jahr später stimmte Kreishauptmann Indermauer am 6. Oktober 1795 dem Teilungsplan zu. (Der verhaßte Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer ist übrigens ein Jahr später von wütenden Bauern im Kloster St. Peter in Bludenz erschlagen worden.) Ein großes Gesetz mit 17 Paragraphen regelte den Ablauf der Teilung. Es enthielt zuerst eine genaue Aufstellung über die Bedürfnisse der einzelnen Dörfer: Hard 151 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 16 1/2 Anteile für Pfarre, Schule, Brunnen und Brücken Lauterach 124 alt berechtigte Häuser 2 neue dazu 32 Anteile für die Gemeinde, davon 16 allein für die Brunnen Wolfurt für 150 alt berechtigte Häuser für 6 neu berechtigte Häuser zum Unterhalt der Pfarrkirche 2 1/2 des Pfarr Haußes 1 des Schulhaußes und Heitzung 2 Zimmer 4 der Brünnen 20 der betreffenden Brücken 7 1/2 der Gerneindswuhren 6 die Riedbrucken und Stegen 2 Für Wolfurt wurden also mit 43 Gemeindeanteilen weit mehr als für Hard oder Lauterach berechnet. Die Wuhren galten für die Bäche, nicht für die mit eigenen Wäldern ausgestattete Achwuhr. Schwarzach 53 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 18 Gemeindeanteile 22 Bild II: Krainerwände ermöglichen den Bau von Serpentinen am steilsten Hang. Steusberg (Bildstein) Buch 85 11 34 3 alt berechtigte Häuser neue dazu 31 1/2 Gemeindeanteile alt berechtigte Häuser neue dazu 11 1/2 Gemeindeanteile Im Ippach gab es einige große private Waldungen, die von einer Verteilung natürlich ausgenommen werden mußten: Konkurrenzwälder der Achwuhr, Klosterwaldungen zum Kloster Hirschthal in Kennelbach, Herrschaftswälder im Besitz der Deuring von Bregenz und die riesigen unzugänglichen Waldungen am Kohlplatz. Außerdem behielt das Gericht einige Eichenwälder für sich, weil deren Holz zur Erhaltung der überörtlichen Brücken dienen sollte: den Kellawald hinter Rickenbach, das Spetenlehenhölzele zwischen Wolfurt und Meschen und das Hölzele ob dem Strohdorf. Zur Verteilung bestimmt wurden fogende Wälder: 1. der sogenannte Ippach (ohne Privatwälder) 773 Juchart 2. die in der Gemeinde Steusberg befindliche Taschen 69 Juchart 3. der Sonder ober dem Dorfe Schwarzach 159 Juchart 4. die Asenen an der äußersten Gränze Hofsteig gegen das Gericht Alberschwende 136 5/16 Juchart 5. Entlich das Tobelholz gleich unter den Bildsteinerischen Viehweiden an dem Bache Rickenbach genant 9 Juchart 23 Zusammen also 1146 5/16 Juchart. Ein Hofsteiger Juchart entspricht 44,59 Ar. Demnach wurden also im Jahre 1796 insgesamt 511,14 Hektar Wald verteilt. Seit genau 200 Jahren sind die Steußbergwälder in Privatbesitz. Zunächst wurden den Dörfern Buch, Bildstein und Schwarzach die in ihrer Umgebung liegenden Flächen zugesprochen. So erhielt Buch mit seiner kleinen Anzahl von Häusern das kleinste Stück. Bildstein bekam den Asenenwald, das Tobelholz und dazu noch Teile von Sunder und Ippach. Schwarzachs Anteil reichte weit in den Sunder hinauf. Die manchmal recht willkürlich gezogenen Grenzen wurden zehn Jahre später, als die Bayern das Gericht Hofsteig im Jahre 1806 auflösten, zu Gemeindegrenzen der Steußbergdörfer. Den großen Rest des Ippachs teilten sich Hard, Lauterach und Wolfurt. Wolfurt bekam den an das Dorf angrenzenden nächstgelegenen Teil. Für Lauterach blieb der mittlere und für Hard der östlichste Ippachteil im Gemeindegebiet Wolfurt an der Grenze gegen Buch. Diese Flächen mußten mit haltbaren Marken gekennzeichnet werden. Dann wurden sie den sechs Gemeinden anvertraut. Diese nahmen nun durch eigene Vertrauensleute die weitere Verteilung vor. Zuerst steckte aber jedes Dorf ein großes Stück für seine eigenen Verpflichtungen ab. So entstanden Kirchenwald, Brunnenwald und Gemeindeteil. Erst jetzt wurde der Rest zu Parzellen vermessen. Dann mußte jeder der 156 Wolfurter, 126 Lauteracher und 157HarderHausbesitzer sein Los ziehen. Den Neubäulern wurde nur ein Drittel-Teil zugestanden. So kamen die Wolfurter zu ihren Holzteilen am Sandigen Weg und im Mösle. Die Lauteracher mußten bis an die Katzensteig und zum Saustall hinauf, die Harder gar bis zum Plattenbach und zum Kohlplatz. Innerhalb der ersten zwei Jahre durften die Holzteile ausgetauscht werden, dann erst wurden sie verbuchen und gehörten nun unzertrennlich zum Haus wie Haustür oder Kamin. Diese im 13. Paragraphen niedergeschriebene Bestimmung ließ sich aber nicht lange halten. Als nach den Napoleonischen Kriegen viele neue Häuser gebaut wurden, besaßen diese alle keinen Holzteil. Jetzt wurden gegen das Gesetz Parzellen geteilt und verkauft. Winzige Riemen entstanden, oft nur mehr etwa 20 Ar groß. Noch mehr Markpfähle steckten noch mehr Grenzen ab. Eine intensive Nutzung setzte ein. Möglichst viele Tannen wollte jeder haben. Buschwerk und Laubholz wurden gerodet. Mit der Stockhaue verpflanzte der Besitzer den Anflug junger Tannen und Fichten so, daß sich bald alle Lichtungen schlossen. Die Waldweide war ja abgeschafft worden. So verwandelte sich der lichte Mischwald innerhalb von zwei Menschenaltern in eine dunkle Tannen-Monokultur. Eine Untersuchung des Holzbestandes im Ippach, bei der in den große Wäldern der LAWK (Achwuhr) alle Bäume ab 16 Zentimeter Stammdurchmesser aufgenommen wurden, ergab im Jahre 1950: 70 % Weißtannen + 27 % Rottannen + 3 % Laubholz (!). Dieses unglaubliche und in Österreich wohl einmalige Verhältnis änderte sich aber in 24 den folgenden Jahren rasch. Die Bestände an Rehwild nahmen nach dem Krieg gewaltig zu. Auch Hirsche und Gemsen wechselten ein und wurden zum Standwild. Wildverbiß vernichtete einige Jahrzehnte lang jeglichen Nachwuchs von Weißtannen. Entstandene Lücken füllten Waldbesitzer daher nur mehr mit Jungfichten aus den Baumschulen auf. Die Weißtannen erwiesen sich aber in dieser Zeit auch als besonders empfindlich gegen die jetzt vom Westwind herbeigetragenen Luftschadstoffe. Ihr Nadelkleid wurde immer schütterer. Die einst so stolzen Wipfel verkümmerten zu Storchennestern. Übergroßer Befall durch schmarotzende Misteln zeigt an, daß auch schon junge Tannen wie fast alle alten schwer krank sind. Fichten halten sich dagegen bis jetzt viel besser. Trotzdem müssen wir uns um die Zukunft unseres Waldes Sorgen machen. Waldarbeit Längst arbeiten auch bei uns moderne Forstarbeiter mit Motorsäge, Schälmaschine, Seilzug und Lkw-Kran. Die Werkzeuge, mit denen die älteren von uns noch selbst im Holz gearbeitetet haben, rosten irgendwo hinten im Schopf vor sich hin. Zwölfjährige Schüler, denen ich sie dort gezeigt habe, hielten an Zabie für ein Kriegsgerät. Das ist der Grund, warum ich hier wenigstens die wichtigen aufschreiben möchte. Für Dich könnte es ein Anlaß sein, ihre Handhabung Deinen Enkeln zu erklären! Weil der eigene Holzteil jede Familie Jahr für Jahr mit Brennholz für Herd und Ofen versorgen mußte und der Hof auch sonst Holz in vielerlei Formen benötigte, gehörte die Arbeit im Wald zum Alltag im bäuerlichen Leben. Das begann damit, daß die Marken immer wieder kontrolliert wurden. Schadhafte mußten ersetzt werden. Am besten schlug man einen neuen ibenen (aus unverwüstlichem Eibenholz gespaltenen), mit einem Brennmal gekennzeichneten Markpfahl neben den morsch gewordenen alten. Fehlende Marken wurden gemeinsam mit dem Nachbarn im Beisein des Waldaufsehers neu eingemessen. Dabei kam es manchmal zu Streit, besonders wenn eine große Tanne genau auf der Grenze gewachsen war. Nur mit Genehmigung des Waldaufsehers durfte und darf man Tannen fällen. Der ganze Ippachwald gilt ja als Schutzwald. Daher werden im sogenannten Plenterbetrieb nur einzelne schlagreife Bäume herausgeschnitten. Kahlschlag ist verboten. Der Aufseher wählt die Bäume sorgfältig aus und kennzeichnet sie doppelt. Mit seinem Anschlaghammer entfernt er in Augenhöhe und am Stock je ein Stück Rinde und schlägt ein besonderes Zeichen in das freigelegte Holz. Das Mal im Stock muß auch nach dem Fällen noch zur Kontrolle sichtbar bleiben. Zum Fällen waren früher zwei Personen notwendig. Nicht selten arbeitete die Bäuerin an der Seite ihres Mannes. Zuerst wurde die Fallrichtung des Baumes bestimmt. Er sollte nach Möglichkeit auf eigenen Grund zu liegen kommen und beim Fallen keinen Schaden im Jungwald anrichten. Ob das gelang, entschied schließlich eine mit Säge und Axt sorgfältig angebrachte große Kerbe auf der Fallseite des Stammes. Dann wurde die große Waldseogo (eine Zugsäge) auf der anderen Seite angesetzt. Mit gleichmäßigen Zügen trieben die beiden Säger einen sauberen Schnitt durch das 25 Mark des Stammes bis fast zur Kerbe vor. Manchmal hatte sich der Bauer vorher bekreuzigt. Er war sich der Gefahr bewußt, die mit dem Sturz einer Tanne und noch mehr einer Buche immer verbunden war. Zuletzt setzte er am Sägeschnitt einen Keil an. Vorsichtige Schläge darauf brachten den Baum bis zum Wipfel hinauf zum Erzittern. Jetzt neigte er sich langsam und dann schneller, und schließlich prasselte er mit fürchterlicher Wucht auf die Erde. Jedes Mal ein aufregendes Geschehen für alle, die es miterleben durften! Waren alle angeschlagenen (gekennzeichneten) Tannen gefällt, so griff der Bauer zur Axt. Mit wuchtigen zielsicheren Schlägen hieb er Ast für Ast vom Stamm. Auch hier lauerten Gefahren, wenn federnde Äste plötzlich brachen oder gar der Stamm am Hang zu rollen begann. Nun mußte die Rinde entfernt werden. Sommerholz, das ab Beginn des Safttriebs, wenn d Buocha gruonond (grünen), gefällt worden war, ließ sich leicht schälen. Dazu mußte man nur mit der Axt alle Meter eine Kerbe in die Rinde ziehen. Dann konnte man rumpfo, mit dem Schellar oder einfach mit einem zugespitzten Ast die ganze Rinde abziehen. D Rümpf (große Rindenstücke) wurden dann zum Trocknen ausgelegt. Dabei rollten sie sich ein und galten jetzt als wertvolles Brennmaterial. Zimmermannsholz sollte beim Trocknen keine Sprünge bekommen und später als Balken oder Bretter am Haus bei allen Wetterlagen ohne Schwinden und Drehen möglichst ruhig bleiben. Deshalb mußte man es unbedingt in der Zeit der langen Nächte um Weihnachten und zudem bei einem truckno Zoacho (trockenes Tierkreiszeichen), am besten im Stoabock odor im Stior, fällen. Der Wipfel blieb samt seinen Ästen am Stamm. Die Rinde des saftlosen Baumes ließ sich aber nicht schälen. Man mußte sie mit der scharfen Schneide des Räpplars in kleinen Fetzen wegschneiden. Räpplo, manche sagten dazu auch fräggolo, galt als sehr anstrengende Arbeit und gab leicht Schwielen und Blasen. Winterholz blieb beim Trocknen ganz hell. Vom Zimmermann ließ man sich einen Holzrodel schreiben, eine Liste der benötigten Balken mit ihren Längen. Mit einem Zumaß von etwa 10 Zentimeter wurden die Stämme danach zu Blöcken abgelängt und zum Abtransport uf d Seogo (ins Sägewerk) vorbereitet. Dabei war do Zabie (Zappin) mit seinem scharfen Haken und dem starken Stiel ein unentbehrliches Werkzeug. Falls man die Straße aber nur durch steile Riesen (Rutschbahnen) erreichen konnte, in denen die Blöcke beim Aufprall auf die Felsen nicht selten Schaden nahmen, mußte man ein größeres Zumaß zugeben. Im Sägewerk bekam die unansehnlich gewordene Stirn des Blocks dann durch einen Kappschnitt wieder eine schöne Form. Das im Saft gefällte Sommerholz wurde meist durch Pilzbefall unansehnlich schwarz, Für die vielen Bretter und Latten, die auf dem Bauernhof benötigt wurden, eignete es sich trotzdem. Nur wenn es stockrot oder gar angefault, gebrochen, krumm oder büchse (besonders hart und kaum bearbeitbar) war, wurde es als Brennholz abtransportiert. Daheim zerschnitt man es mit der Waldsäge in ein Meter lange Stücke und spaltete diese mit Keilen und Schlegol (großer Hammer) zu handlichen Speolta. Ein großer Keil hieß an Weggo. Wer nun Zeit und Kraft hatte, holte den Seogbock aus dem Schopf (Schuppen) und zerschnitt darauf jede Speolto mit Spa-Seogo oder Fuchsschwanz in vier Klötze. Erst Ende der 30er Jahre konnten sich moderne Bauern dafür a Fräso (Kreissäge) anschaffen. Tagelang war man anschließend am Schitto. Mit der Axt spaltete der Bauer dabei die Klötze zu kleinen und großen Scheitern und zu feinen Spreißeln. Sorgfältig wurde bim üborgento Mo (über sich gehender Mond) an der Hauswand eine mächtige Schittor-Bieg zum Trocknen aufgerichtet. Aber die Arbeit im Wald war noch nicht fertig. Die Äste waren samt dem angefallenen Buschwerk zum Trocknen aufgestellt worden. Jetzt hackte man sie in 60 Zentimeter lange Stücke und band diese auf dem Buscholbock zu festen Buschla, außen die gespaltenen Äste, innen das feine Kreos (Zweige). Im Schatten der großen Tannen starb oft Jungholz aus Mangel an Licht ab. Solche Dürling mußten ebenso gefällt werden wie Jungtannen, denen Sturm oder übergroße Scheelasten die Wipfel abgebrochen hatten. Sie ergaben die auf dem Bauernhof so notwendigen Stangen und Pfähle und manchmal auch Kichoro-Stiogla (Bohnenstangen) für Mamas Garten. Noch einmal ging der Bauer durch seinen Holztoal, versetzte da und dort mit der Stockhaue eine junge Tanne auf einen frei gewordenen Platz und schaute nach den Marken. Ganz übereifrige Waldbesitzer stiegen sogar manchmal auf die Bäume zum 26 27 Bild 14: Am 4. Oktober 1996 eröffnet Landesrat Schwärzler mit den Bürgermeistern Kolb (Lauterach) und Mohr (Wolfurt) die neuen Ippachstraßen. Bild 12: Ein Damm über den Gitznergraben wird aufgeschüttet. Bild 13: Verantwortlich für die Kohlplatzstraße: Raimund Mohr und Herbert Böhler. Stümmolo. Durch Steigeisen und Bauchstrick gesichert, sägten sie die untersten Äste und die vertrockneten Aststummel ab. Dadurch wollten sie besonders gleichmäßigen Wuchs und astfreies Stammholz erzielen. Jetzt wartete man nur noch ufa guote Schliottbah, auf genügend Schnee. Beim ersten Frost spannten die Fuhrleute ihre Rösser ein und hängten ihnen 5 Scheollogschior um, einen Kranz mit einem Dutzend hell tönenden Schellen. Unter lautem Gebimmel zogen Gruppen von Fuhrwerken aus Lauterach und Hard mit Has und Hund (zwei schwere, stabile Blockschlitten) durch die Berggasse ins Ippach hinauf. Den Hund stellten sie beim Holzplatz ab. Auf dem Has ketteten sie oben im Holzteil ein paar Block fest und schleiften sie durch die vereisten Hohlgassen herab. Bei zu großer Geschwindigkeit legte der Fuhrmann rechtzeitig an Kretzar, eine starke kurze Kette, um die Schlittenkufen und bremste so die gefährliche Fahrt. Wenn alle ihre Last am Holzplatz abgeladen hatten, deckte man die verschwitzten Pferde mit einem dicken Roßkutzo zu und setzte sich zu einer kräftigen Jause zusammen. Dann stieg man gemeinsam ein zweites Mal auf. Es war Einbahnverkehr festgelegt. Kein Fuhrwerk durfte der Kolonne begegnen. Bei der zweiten Fuhr hob man am Holzplatz mit Zabie und lautem Ho-ruck! das hintere Ende der Stämme auf den zweiten Schlitten, den Hund, und lud die erste Fuhr noch oben darauf. In flotter Fahrt ging es jetzt ins Dorf hinab und über den Kirchplatz bis zum Lagerplatz bei der Mauer am einstigen BlitzeWeingarten. Es war inzwischen Nachmittag geworden. Bei guter Schneebahn fuhren die schweren Schlitten weiter nach Lauterach und Hard. Oft mußten die Stämme aber abgeladen werden. Dann holte der Fuhrmann sie ein paar Tage später mit seinem stabilen Block-Wagen. Inzwischen hatten andere Waldbesitzer ihre Hornar (Handschlitten) in die Dreigassen hinauf geschleppt. Große Fuhren von Buscheln wurden dort aufgeladen, manchmal auch die getrockneten Rinden oder Stanga und Speolta. In sausender Fahrt lenkten starke Männerarme die Schlitten durch die Hohlgasse herab. Hoffentlich ohne Umwerfen ! Es war ein gutes Gefühl, wenn dann endlich gnuo Holz vom Wändo die Familie wenigstens von einer von ihren vielen Sorgen befreite. Den größten Klotz sparte man uf Baschas-Tag (St. Sebastian, 20. Jänner), aber auch nachher wollte man noch überall eine warme Stube. 28 29 Siegfried Heim Familie / Personenzahl Detomaso Flora 5 Paßler Kassian 6 Kompatscher Anton 7 Piasinger Karl 7 Ladurner Rosa 7 Lechner Anna 5 Sepp Gottfried 5 Wolf Franz 4 Fischer Katharina 3 Ebnicher Maria 5 Gatterer Anton 4 Gottardi Josef 2 Plattner Raimund 2 Prantl Magdalena 2 Santa Alois 7 Nicolussi Emma 4 Moschen Anton 10 Meist nur kurzzeitig anwesende Einzelpersonen oder Paare 37 Zusammen H-Nr. 1945 und heutige Anschrift 51 75 77 142 203 204 204 206 233 242 279 279 294 319 351 388 300 Feldeggstraße 2, Klosos Im Holz 2, Paßler Im Holz 8, Hinterfeld Frickenescherweg 5, Draiars Flotzbachstr. 16, Schädlars Flotzbachstr. 18, Jokobos Flotzbachstr. 22, Wächterhaus Hofsteigstr. 48, Seppos Brühlstraße 30, Lutzo-Ferdes Dornbirnerstr. 16, Soalars Inselstraße 5, Kassians Bützestraße 22, Toblars Hansirg Flotzbachstr. 17, Lindinger Achstraße 50, Im Wida Achstraße 14, Zwickle Einwanderer 3 In Einwanderer 1 versuchte ich aufzuzeigen, daß ein ganz großer Teil der alteingesessenen Wolfurter Familien ursprünglich aus Nachbargemeinden zugezogen ist. In Einwanderer 2 ging es um die Fremden aus dem Schwabenland, aus der Schweiz und aus dem Trentino. Dieses dritte Kapitel ist nun zwei Volksgruppen gewidmet, die durch die politischen Umwälzungen in der Mitte unseres Jahrhunderts ihre Heimat aufgeben mußten und von denen einige Familien zu uns verschlagen wurden, Südtiroler und Sudeten-Deutsche. Daran schließt sich noch die Lebensbeschreibung einer nach Wolfurt zugewanderten jüdischen Frau an. Aussiedler aus Südtirol Seit dem Mittelalter besaß Tirol ein geschlossenes deutschsprachiges Siedlungsgebiet bis zur Salurner Klause. Für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg gegen Österreich bekam Italien von seinen Bundesgenossen das Trentino und Südtirol bis zum Brenner zugesichert. So wurde denn auch im Friedensvertrag von St. Germain am 10.9.1919 ganz Südtirol mit 240 000 deutsch sprechenden Einwohnern zu Italien geschlagen. In der Zeit des Faschismus begann eine scharfe Italianisierungspolitik mit dem Verbot der deutschen Sprache in Ämtern und Schulen. Vor allem in den Städten wurden italienische Einwanderer angesiedelt. 1939 schlossen Hitler und Mussolini ein Umsiedlungsabkommen. Wer sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschied, sollte seine Heimat verlassen müssen. Trotz dieser Drohung optierten 90 % der Südtiroler für Deutschland. Sofort begann deren Aussiedlung. Bis 1942, als die Kriegsereignisse der Aktion ein vorzeitiges Ende bereiteten, waren bereits 75 000 Südtiroler über den Brenner nach Norden transportiert worden. Etwa 11 000 davon landeten in Vorarlberg, wo man für sie in den größeren Orten eilig die für jene Zeit recht komfortablen Südtiroler-Siedlungen erstellte. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, so daß man in allen Dörfern weitere Wohnungen suchte. In Wolfurt besitzen wir eine Aufstellung über die im Sommer 1945 anwesenden Südtiroler. Gebhardine Hinteregger-Claessens mußte damals im Auftrag der Gemeinde alle anwesenden Ausländer aufschreiben, da deren Versorgung mit Lebensmitteln ein großes Problem war. Nach 189 „Reichsdeutschen" waren die 122 Südtiroler vor 20 Schweizern und 20 „Tschechen" die mit Abstand größte Gruppe. So setzte sie sich zusammen: 122 Südtiroler Einige von den Südtiroler Familien hatten um diese Zeit Wolfurt bereits wieder verlassen, weil sie in den Siedlungen von Bregenz oder Lochau eine Wohnung erhielten. Darunter war die Familie Pörnbacher. In Ober-Olang an der Rienz im Pustertal hatte Georg Pörnbacher seinen Hof verkaufen müssen. Über Innsbruck und Riefensberg war er mit seiner Frau Anna und den 11(!) Kindern schließlich nach Wolfurt gekommen und hatte im Bergarhus im Oberfeld ein bescheidenes Unterkommen gefunden. Die älteren Buben mußten einrücken. Paul fand 1944 bei Monte Cassino den Tod, auch sein Bruder Johann starb an den Folgen einer schweren Vewundung. Von den anderen Geschwistern leben heute noch vier in Lochau. Moschens sind eigentlich keine Umsiedlerfamilie. Vater Anton war schon um das Jahr 1930 zum ersten Mal aus Meran nach Vorarlberg gekommen und hatte hier seine Frau gefunden. Als er um 1940 zum zweiten Mal mit seiner nun großen Familie kam, fand er bei Hammorschmiods an der Achstraße eine Wohnung. 30 31 Nach dem Krieg hofften viele Südtiroler auf eine Korrektur des Vertrags von St. Germain und auf eine Heimkehr ihres Landes zu Österreich. Vergeblich! Das Abkommen der Außenminister Gruber und De Gaspari vom September 1946 brachte herbe Enttäuschungen. Aber wenigstens waren die deutschen Familiennamen jetzt wieder zugelassen. In den Schulen wurde wieder deutsch gesprochen. Die Forderung nach weiteren Rechten und deren Ablehnung durch die italienische Regierung führten 1966 zu Terroraktionen. Masten und Siegesdenkmäler wurden gesprengt und in der Folge viele junge Südtiroler zu langjähriger Kerkerhaft verurteilt. Erst das 1969 beschlossene „Paket" brachte Entspannung. Seither wuchs die Einwohnerzahl Südtirols auf übe


Heimat Wolfurt Heft 15 1995 März
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 15 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 1995 Wolfurter Ordensschwestern 1989. Vorne Sr. Angelika Gunz, Sr. Auxilia Devich, Sr. Anna Moosbrugger und Sr. Clarina Mittelberger. Dahinter Sr. Karla Thaler, Sr. Josefa Maria Hager, Sr. Regina Pichler, Sr. Isabella Schedler und Sr. Christiana Lipburger. Inhalt: 71. 72. 73. 74. Die Krankenschwestern Hausnamen Bier für St.Louis (Auswanderer 5) Vornamen Zuschriften und Ergänzungen Bildnachweis 2 Sr.Leonis Maurer, 2 Alfons Kalb, 1 Meinrad Pichler, alle anderen sind Fotos oder Reproduktionen von Hubert Mohr aus der Sammlung Heim Druckfehler In Heft 14 sind wieder zwei Jahreszahlen falsch. Aufmerksame Leser haben das sicher bemerkt: Seite 4: Johann Michael Beer I. von Bildstein wurde 1696 in Au geboren. Seite 20: Die Lauteracher Eisenbahnbrücke wurde am 30. Juni 1872 in Betrieb genommen.—Bitte ausbessern ! Auch im neuen Wolfurtbuch „Ein Dorf verändert sich" wurden bereits zwei Fehler entdeckt: Bild 238, Text im Anhang, letzte Zeile: Der Zimmermannsgeselle bei Sammüllers Eduard hieß nicht Moosbrugger, sondern Muxel Leonhard. Bild 77: Hier wurde ein fremdes Bild eingeschoben. Das war nicht der alte Altar von Rickenbach, sondern der von Farnach. Wir bitten um Entschuldigung! Danke! Den dem letzten Heft beigelegten Erlagschein haben die meisten Bezieher unserer Zeitschrift wieder genutzt. Andere werden das noch tun: Konto 87 957 Raiba Wolfurt. Einige sehr namhafte Beträge sind eine Bestätigung für die Wertschätzung unserer volkskundlichen Arbeit. Allen sagen wir herzlichen Dank ! Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1995 wieder durch Frau Carmen Haderer vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Die Gemeinde trägt ja dankenswerterweise den Abgang. Abbestellen - Bestellen Sollte jemand kein Interesse am weiteren Empfang der Hefte haben, so bitte ich um telefonische Information. Für den Papierkorb sind uns die Büchlein zu schade. Es besteht übrigens immer wieder Nachfrage nach den vergriffenen alten Heften, besonders nach den Nummern 1 bis 5. Kann sie jemand abgeben? Auch Neubestellungen nehmen wir gerne an. Wir schicken „Heimat Wolfurt" ja nicht als Postwurfsendung, aber doch an alle, die die Zusendung wünschen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, 6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Foto Satz, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Stammvater Fischer (Heft 14, S. 1): Immer noch zeigen sich Fischer-Nachkommen überrascht darüber, daß ihr Stammvater in Wolfurt ein Pfarrer gewesen ist. Sebastian Fischer findet sich aber nicht nur in den Ahnentafeln der Fischer, sondern genau so bei Heims, Hintereggers, Höfles, Mohrs und noch bei vielen anderen Familien. Fußball und Liebe (Heft 14, S. 2): Der erste FC-Tormann im Jahre 1947 sei Doppelmayrs Arthur gewesen. Das berichten übereinstimmend einige alte Fußballer. Wegen seines Studiums stand er allerdings nicht immer zur Verfügung. Arthur war aber auch Leichtathlet und stellt noch heute bei den Turnern und auf dem Tennisplatz seinen Mann. Ein Hauch Barock (Heft 14, S. 3): Der Bericht über den Baumeister Johann Michael Beer I. von Bildstein hat besonders Pfarrer Hinteregger und Bürgermeister Lenz gefreut. Letzterer hat darüber sogar in der Gemeindevertretung berichtet. Die Bildsteiner suchen nun nach einer Möglichkeit, das Andenken an ihren wohl berühmtesten Bürger zu festigen. Die Ach und die Ächler (Heft 14, S. 9): Wegen dieses Artikels ist eine ganze Reihe von Nachbestellungen eingetroffen. Altbürgermeister Emil Geiger erkannte auch die beiden Männer auf dem Bild Seite 35: Hinten links von Schertlers Alfred Zwickles Johann, rechts Österles Pepe. Aus Bregenz schickte Walter Präg einen umfangreichen und interessanten Fachbeitrag. Er nimmt Bezug darauf, daß die Ach bis ins Mittelalter einfach die „bregez" hieß. Der gleiche Flurname findet sich bei anderen Gewässern am Tannberg, im Schwarzwassergebiet und in Unterdamüls. Zum selben keltischen Stammwort gehören auch „Brigach" und „Breg", die Quellflüsse der Donau. Demnach hat nicht die Stadt Bregenz dem Fluß den Namen gegeben, sondern umgekehrt ist der Flußname auf die keltische Siedlung auf seiner Uferterrasse übertragen worden. Wolfurter Alpbesitzungen (Heft 14, S. 48): Hierher paßt als Ergänzung ein Beitrag, den der aus Wolfurt stammende Historiker Christoph Volaucnik in der Vierteljahrsschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte von 1917 für uns ausfindig gemacht hat. Dort wird aus dem Hofener Urbar von 1620 berichtet, daß das Kloster Hofen (im heutigen Friedrichshafen) um 600 Gulden in Wolfurt einen Besitz erworben hat. ,Es ist dies Haus, Hof, Stadel, Kraut- und Baumgarten samt ganzer Ehäfti an der Huob zu Wolfurt, unweit Bregenz schon jenseits der ersten Brücke über die Ach gelegen, das, wie es ausdrücklich in dem Aufschrieb heißt, um deswillen gekauft wurde, damit das Hofische Vieh, wenn es in und aus den Alpen getrieben wird, eine gewisse Herberg und Weid habe." Solch mehrtägige Viehtriebe mit Rastplätzen kennt man heute noch vom Wöster-Vieh im Bregenzerwald. In Wolfurt erinnern sich ältere Leute noch an den jährlichen großen Auf1 trieb von Lochau über Wolfurt nach Sibratsgfäll, den das tiefe Dröhnen der Rumpeln, das Jauchzen der Hirten und der Ruf „Do Stadlar kut!" schon lange vorher ankündigten. Ahnenforscher aus der Fremde - Auswanderer. Wieder sind verschiedene Gruppen von Leuten aufgetaucht, um in Wolfurt nach ihren Ahnen zu fragen. Zuerst kamen in den ersten Juni-Tagen 1994 fünf Geschwister Pfersich aus Osterfeld in der ehemaligen DDR. Ein Leben lang hatte ihnen ihr Vater, der dort als Bergmann unter Tage arbeiten mußte, von seiner sonnigen Heimat Wolfurt erzählt. Wilhelm Pfersich, Jahrgang 1901, war in Schertler Lenas Haus an der Flotzbachstraße aufgewachsen und hatte Wolfurt 1925 verlassen. Leider erlebte er die Wende in Ostdeutschland nicht mehr. Umso begeisterter äußerten sich seine Kinder über unser schönes Land, schauten vom Gebhardsberg und vom Pfänder ins Tal, besuchten die Bürgermeister von Wolfurt und Bildstein und blätterten in den alten Kirchenbüchern. Erstaunt zeigten sie sich, aus beengten Industriewohnungen kommend, daß zur Zeit die beiden schönen alten Bauernhäuser, in denen einst ihr Großvater gewohnt hatte, praktisch leer stehen: Sattler Köbs auf der Steig und Schertler Lenas im Flotzbach. Ganz überraschend tauchte dann im Oktober aus Oberösterreich ein weiterer Sohn des Wilhelm Pfersich auf, der nach seinem Vater fragte und erst bei uns die Adressen seiner fünf Stiefgeschwister fand. Zu Weihnachten hat er zum ersten Mal mit ihnen gesprochen. Unsere Krankenschwestern 1995: Sr.Paulina und Sr.Barbara Im September kam Scott Brunner aus Green Bay, Wisconsin/USA, um auf den Spuren seines Vetters Wilfred Schneider (Heft 13, S. 38) ebenfalls einige Tage lang seine wiedergefundenen Wolfurter Verwandten und die schönsten Plätze am Steußberg zu besuchen. Übrigens hatten beide eigens zu diesem Zweck ein erstaunlich gutes Deutsch gelernt. Scott schreibt sogar schon seine Briefe in Deutsch. Jetzt kann er auch die noch erhaltenen Grabsteine seiner Auswanderer-Vorfahren in Amerika entziffern. Im Oktober 1994 überraschte uns dann noch das Ehepaar Grobl aus Naperville, Illinois/USA. Luise Grobls Urgroßvater Matthew Schneider ist 1866 aus dem Haus Frickenescherstraße 4 nach Amerika ausgewandert. Als Bauunternehmer kam er zu Besitz und gründete auch eine Blasmusik, die Pinckneyville-Band. Dagegen ist sein begabter Bruder, der Oberschützenmeister und Numerant Ferdinand Schneider, völlig verarmt 1917 daheim in Wolfurt gestorben (Heft 13, S.39). Frau Grobl hat inzwischen u.a. eine Reihe von Liedtexten aus Österreich, die ihr Urgroßvater aufgeschrieben und in der Familienbibel aufbewahrt hatte, zum Übersetzen geschickt. Für sie bedeuten die mit Bleistift bekritzelten Papiere eine wichtige Verbindung zur alten Heimat. Von ihrer riesigen Schneider-Verwandtschaft haben weitere Gruppen ihren baldigen Besuch in Wolfurt angekündigt. Von den vielen Weihnachtsgrüßen, die die Auswanderer an uns alle richteten, möchte ich nur einen aus dem Indianerland Colorado für alle anderen sprechen lassen: May the Great Spirit watch over you as long as the gross grows and the water flows! 2 Siegfried Heim Die Krankenschwestern Still knien die Ordensfrauen beim Gottesdienst in der Wolfurter Kirche St.Nikolaus. In der zweitletzten Bank vor dem Kreuzgang auf der Frauenseite. Andächtig ins Gebet versunken, gebeugt das Haupt, dunkel die schlichte Tracht, ein schmaler weißer Leinenstreifen nur über der Stirn. Dann eilen sie schnell wieder ihre Wege. Sr.Paulina muß zu den Kranken. Sr.Barbara geht heim in die Schwesternwohnung beim Altersheim an der Gartenstraße. Dort führt sie den Haushalt. Sie ist ja mit fast 79 Jahren „im Ruhestand". In St.Leonhard im Pitztal, hoch oben in den Tiroler Bergen, wurde sie 1916 als 15. von 16 Kindern auf einem kleinen Bergbauernhof geboren. Schwere Arbeit gehörte zu ihrer Jugend, besonders als die Brüder in den Krieg eingezogen wurden. Drei sind gefallen, ein vierter beim Heuziehen verunglückt. Erst 1945 konnte Maria Haid ins Kloster in Hall eintreten, wo sie 1947 als Sr.Barbara ihr Gelübde ablegte. Viele Jahre lang hat sie dann in 3 den Sanatorien Innsbruck und Rum gearbeitet. 1991 wurde sie nach Wolfurt gerufen. Wenn Gott es will, kann sie bei uns in zwei Jahren ihre Goldene Profeß feiern. Sr.Paulina (Rosalia) Brem wurde 1932 in Münster, im Tiroler Unterinntal, geboren. Schon 1954 trat sie ins Kloster Hall ein, erhielt dort die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester und legte 1959 ihr Gelübde ab. Nun tat sie Dienst an den Krankenhäusern in Hall und in Kufstein und dann in der Hauskrankenpflege in Innsbruck. Schließlich wurde sie als Stationsschwester ins Sanatorium Mehrerau versetzt. Der Schwesternmangel zwang 1992 die Kreuzschwestern zur Aufgabe ihrer dortigen Niederlassung. Jetzt übernahm Sr.Paulina die Hauskrankenpflege in Wolfurt. An ihrem langen Werktag arbeitet sie eng mit dem Pfarrer, den Gemeindeärzten und den Spitälern zusammen. Oft wechselt sie schon früh ab 6 Uhr die ersten Verbände, mißt Fieber und Blutdruck, salbt wunde Rücken und reicht ihren Kranken die vorgeschriebenen Medikamente. Viele einsame Alte brauchen ihren oftmaligen Besuch, neben Pflege auch Zuspruch und Rat oder aber auch ein gemeinsames Gebet. Denn Sr.Paulina sieht ihre Aufgabe in einer ganzheitlichen Pflege, in Heilung für den wunden Leib verbunden mit seelsorglicher Hilfe. Jeden Monat einmal bringt sie über Wunsch sogar die Hl. Kommunion ins Krankenzimmer und immer wieder soll sie den Pfarrer holen. Wenn sie an einem Tag manchmal besonders viele Besuche zu machen hat, leistet ihr das Auto unentbehrliche Dienste. Sie schätzt es aber auch für den Besuch der Gottesdienste, besonders zur Frühmesse bei den Kapuzinern in Bregenz und zu einem kurzen Innehalten in der dortigen Lourdesgrotte. Schnell ist sie dann wieder bei den Kranken, darf vielleicht sogar einen Sterbenden in seiner letzten Stunde begleiten. „Wir sind gerne in Wolfurt", sagt Sr.Paulina. „Ich spüre die Freude der Patienten und daß ich erwartet werde. Da komme ich gern!" Unsere Krankenschwestern! Pflegerinnen, Helferinnen, Trösterinnen. Christen! Kreuzschwestern Unsere Krankenschwestern sind „Barmherzige Schwestern vom heiligen Kreuz" aus dem Provinzhaus Hall in Tirol. Sie nennen sich selbst schlicht „Kreuzschwestern". Ihr Gründer ist der Schweizer Kapuziner und Sozialapostel Pater Theodosius Florentini, 1808 -1865. Der begabte arme Ladiner Bauernbub aus dem Münstertal hinter dem Ofenpaß ließ schon während seines Studiums durch besondere Leistungen aufhorchen und wurde bereits mit 22 Jahren zum Priester geweiht. Bald geriet er in den Schweizer Kulturkampf, wurde von der liberalen Regierung steckbrieflich mit einer Fangprämie von 600 Franken gesucht und schließlich wegen „Aufwieglerei" zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Große Gebiete derSchweiz waren damals noch außerordentlich arm und rückständig. Erst 1848 wurde die Schulpflicht eingeführt. Die christliche Bildung sah P. Theodosius als seine Hauptaufgabe 4 und begründete deshalb 1844 in Altdorf eine neue Kongregation nach der Regel des Hl.Franziskus von Assisi. Daraus erwuchs unter der ersten Generaloberin Mutter Maria Theresia Scherer der Orden der Kreuzschwestern. Im Jahre 1856 errichteten sie ihr erstes Mutterhaus zu Ingenbohl oberhalb von Brunnen am Vierwaldstätter See. Dort ist seither der Hauptsitz der Kreuzschwestern. Von Anfang an hatte das Kloster eine ungeheure Ausstrahlung. Die Idee von der „Caritas", der tätigen Nächstenliebe, faszinierte viele junge Frauen. Auch aus Wolfurt wählten einige den Weg nach Ingenbohl. Eine davon war Franziska Schwerzler von Toblers in der Bütze, die dort um das Jahr 1900 als Sr. Nivarda eintrat. Anna Maria Bildstein aus dem Röhle ging 1914 als Sr. Gottfrieda in das Kloster Heiligenkreuz in Cham im Kanton Zug. Mutter Maria Theresia Scherer, Mitbegründerin der Kreuzschwestern von Ingenbohl Ungeheuer groß wurde bald der Aufgabenbereich, dem sich die Schwestern stellten: Schulen zuerst und Mädchenheime, dann Fortbildungsschulen und Lehrerbildungsanstalten. Von Anfang an aber auch Armen- und Waisenhäuser, bald auch Krankenhäuser und Lazarette in Kriegen und bei Cholera-Epidemien. Ihre ganz besondere Fürsorge schenkten die Kreuzschwestern aber den allerärmsten Mitmenschen in Taubstummenschulen, Heimen für geisteskranke Kinder und in den damals noch so gefürchteten Irrenanstalten. Von allen Seiten rief man nun nach ihnen. Schnell breitete sich der Orden über die Schweiz hinaus besonders in der österreichisch-ungarischen Monarchie bis Böhmen und Kroatien aus. Jede Stadt wollte ihr Spital den Schwestern anvertrauen. Nach Vorarlberg holte sie zuerst 1874 der liberale Bürgermeister Dr. Waibel von Dornbirn. Er war selbst Arzt und übergab nun die 100 Jahre alte und furchtbar verwahrloste Kaserne an der Sägerbrücke den Schwestern, die daraus das spätere Stadtspital formten. 1876 kam der Orden nach Innsbruck. Dort wuchs mit den Aufgaben die Zahl der Schwestern so stark an, daß 1904 eine eigene Ordensprovinz mit über 200 Schwestern errichtet werden konnte. Sie erbauten 1910 für sich ihr neues Provinzhaus in Hall. Von Hall aus wurden nun die großen und kleinen Niederlassungen in den Städten und die zahlreichen Krankenstationen in den Dörfern betreut. Wichtigste Zentren in Vorarlberg 5 ziehung junger Menschen und bei der Pflege von kranken, alten oder von behinderten Hilfsbedürftigen den sich ständig wandelnden Anforderungen. Während sich aber in manchen Provinzen weiterhin zahlreiche junge Frauen in feierlicher Profeß zum Ordensleben bekennen, gehören zur Provinz Hall nur mehr etwas über 200 Kreuzschwestern. Von diesen sind viele schon weit über 6o Jahre alt. Wohl harren sie bewundernswert lange bei ihrer Arbeit aus, aber schließlich müssen sie doch in die Obhut ihrer Mitschwestern im Mutterhaus zurückkehren. In Vorarlberg sind 1995 nur mehr sechs Stationen besetzt. Geblieben ist das Institut St. Josef in Feldkirch mit Schulen, Internat und vielerlei Aufgaben in der Pfarre und in der Sonderschule Jupident. Daneben gibt es noch fünf von den einst so zahlreichen Niederlassungen für Krankenpflege: Bludenz, Götzis, Dornbirn, Lustenau und -ja, Gott sei Dank! - und Wolfurt. Krankenpflege in Wolfurt Seit 1928, also nun schon fast 70 Jahre lang, wirken Haller Kreuzschwestern als Krankenschwestern in Wolfurt. Hier hatte von 1916 bis 1936 der aus Buch stammende Pfarrer Simon Stadelmann die Verantwortung als Seelsorger. Und Sorgen gab es für ihn gar viele in den Jahren nach dem verlorenen Weltkrieg. Zu Hunger und Arbeitslosigkeit hatte sich tiefe Verzweiflung gesellt. Ohne große Hoffnung wanderten ab 1923 ganze Gruppen von jungen Menschen nach Amerika aus. Alte und Kranke aber blieben oft in ihrer Not allein. Familie Schwerzler, Toblars in der Bütze, kurz bevor Franziska als Sr.Nivarda um 1900 ins Kloster eintrat. VaterFerdinand, Mutter Anna Maria, Franziska mit den Brüdern Josef und Martin und Tante Maria Anna Dür. wurden das 1911 in Feldkirch errichtete Institut St. Josef mit dem dazu gehörigen Antoniushaus und das Sanatorium Mehrerau. Auf seine große Blüte folgte für den Orden die schwere Heimsuchung in den Jahren 1938 bis 1945. Aus den Schulen und Kindergärten wurden die Schwestern entlassen, die Häuser alle für Lazarette beschlagnahmt. Als Krankenpflegerinnen waren die ausgebildeten Fachkräfte aber gerade in der Kriegsnot unentbehrlich, wenn man ihnen die Arbeit auch schwer machte. Neueintritte waren verboten. Nach 1945 bestürmten Bürgermeister, Pfarrer und Ärzte die Ordensoberin und baten um Wiedererrichtung der verwaisten Stationen. Viele Wünsche konnten nicht mehr erfüllt werden. Im Gegenteil: Ein neuer Zeitgeist im anbrechenden Wohlstandszeitalter machte Berufungen zu karitativem Dienen immer seltener. Der Nachwuchsmangel zwang dieMutter Oberin, immer mehr von den einst so zahlreichen Stationen zu schließen. Zuletzt wurden die Kreuzschwestern sogar noch aus dem wegen der hervorragenden Pflege so sehr geschätzten Sanatorium Mehrerau abgezogen. Weltweit wirken derzeit etwa 7 000 Kreuzschwestern in 15 Provinzen und drei Missionsgebieten. In ihrem ungeheuer groß gewordenen Aufgabengebiet stellen sie sich bei der Er6 Pfarrer Stadelmann hatte von der segensreichen Arbeit der Kreuzschwestern in einigen Nachbarorten gehört. Um aber eine Station nach Wolfurt zu bekommen, mußten zuerst die finanzielle Grundlage und eine Wohnung bereit gestellt werden. Den Anstoß dazu gab ein Vermächtnis. In „Draiars Seago" am Holzerbach in Unterlinden lebte 1923 „s Agathle", Maria Agatha Böhler, 1848 dort geboren und nun 75 Jahre alt. Ihr Vater Martin Böhler, ein Verwandter der Holzer-Schmiede, hatte Mühle und Säge 1842 vom „Draiar" (Spulendrechsler) Carl Zuppinger erworben. Nun war er längst tot und auch die Mutter Kreszentia und die sechs Geschwister waren gestorben. Als Agatha selbst erkrankte und beim Pfarrer Hilfe suchte, gab ihr dieser den Rat zu einer Stiftung. Darauf vermachte sie in einem Testament ihren Grundbesitz, bestehend aus einem Acker im Schmerzenbild und drei Streueparzellen im unteren Weitried, einer noch zu errichtenden „Kreuzschwesternstiftung in Wolfurt". Sie bestimmte auch den Stiftungszweck: „armen und kranken Personen der Gemeinde Wolfurt billige Pflege durch Barmherzige Schwestern vom hl. Kreuz angedeihen zu lassen". Am 18. Sept. 1924 starb Agatha Böhler. Ihre Stiftung besteht bis heute fort und auch alle vier Grundstücke sind noch in deren Besitz. Zunächst sollte ein Krankenpflegeverein gegründet werden. Ein Proponentenkomitee, bestehend aus Pfarrer Stadelmann, Vorsteher Ludwig Hinteregger, Sprengelarzt Dr. Eugen Lecher, Wagnermeister Johann Heitz und den Damen Mina Österle und Regina 7 troffen, „daß zwei Schwestern für die Krankenpflege bis spätestens 20. April in Wolfurt eintreffen werden". Als Bedingungen stellte sie, wie an anderen Orten in Vorarlberg auch, „freie, vollständig eingerichtete Wohnung, inbegriffen Licht, Wasser, Brennmaterial", dazu einen Monatsgehalt von 60 Schilling für jede Schwester und jährlich „ein Paar neue Schuhe und Schuhflicken". Die Wohnung wurde rechtzeitig fertig, Kohle und gehacktes Holz standen bereit. Wasser mußten die Schwestern allerdings beim Gemeindebrunnen vor dem Schulhaus in Kübeln holen. Am 19. April bewilligte der Kassier auch noch ein Lebensmittelpaket aus Köbs Lädele, denn heute sollten die Schwestern eintreffen. Mit zwei Autos holten sie der Pfarrer, der Vorsteher, der Gemeindearzt und Kassier Heitz am Bahnhof in Bregenz ab und geleiteten sie in ihr neues Heim. Am 20. April 1928 nahmen Sr. Agnes und Sr.Gordiana ihre segensreiche Tätigkeit auf. Schon eine Woche zuvor hatte der Krankenpflegeverein mit jetzt 263 Mitgliedern unter Obmann Pfr.Stadelmann seine Statuten beschlossen. Nun wurde mit Sr.Oberin Knoflach in Hall ein umfangreicher Vertrag ausgefertigt, der neben der Versorgung der Schwestern auch deren Aufgaben genau regelte. Aus dem Kassabuch Die Eintragungen von Kassier Heitz bei der Einrichtung der Schwesternwohnung 1927/ 28 nennen nicht nur alte Wolfurter Geschäfte und Handwerker, sondern sind auch als Information über die damaligen Preise interessant. Eine kleine Auswahl: 19.10.27 29.10.27 Rudolf Fischer, Möbel für Wohn- und Schlafzimmer Johann Bernhard, Möbel für Küche u. Fremdenzimmer Conrad Bohle, Kissen und Decken Albert Klimmer, Verschiedenes Franz Jos. Köb, neue Unter- u. Obermatratzen und ein Diwan Anton Haneberg, Schreinerarbeiten Julie Böhler, Näharbeiten Hirschbühl, Küche reinigen Rosa Grass, Näharbeiten Johann Bernhard, ein Tisch und ein Betstuhl Albert Loacker, ein Bügeleisen Josef Rohner, 2 Mtr. Brennholz Martin Fischer, Holz spalten Wilhelmina Köb, Lebensmittel S 1.021,00 471,00 183,14 28,00 512,80 53,60 19,10 1,50 13,41 37,30 27,78 51,00 15,00 6,22 120,00 113,30 Draiars Seogo am Holzerbach im Unterlinden. Hier wohnte bis 1924 Agatha Böhler, die mit ihrem Besitz den Grundstein für den Krankepflegeverein legte. Fischer, übernahm die Vorarbeit und die Ausarbeitung von Statuten. Am Ostermontag, 5.April 1926, wurde im Vereinshaus der Krankenpflegeverein gegründet. Schon im ersten Jahr traten 267 Mitglieder bei, um sich mit einem Beitrag von 10,— S (damals für die meisten viel Geld!) unentgeltliche Pflege im Krankheitsfall zu sichern. Längst hatte der Pfarrer Bittbriefe an die Kreuzschwestern in Hall geschickt. Die ersten Antworten waren Absagen: „heuer leider noch nicht". Aber Pfr.Stadelmann gab nicht auf. Gerade hatte die Gemeinde das Haus gegenüber der Schule gekauft und das Postamt vom Sternen dorthin verlegt. Über Ersuchen des Pfarrers machte nun Frau Maria Winder ihre Mietwohnung im zweiten Stock frei und übersiedelte mit Unterstützung durch den Krankenpflegeverein in Böhler Ottos Haus beim Sternen. Jetzt konnte die Wohnung über dem Postamt als künftige Schwesternwohnung adaptiert werden. Der Wagnermeister Johann Heitz, Gründer und Leiter der Sanitätsabteilung der Wolfurter Feuerwehr, beaufsichtigte als verantwortlicher Kassier die Reparatur der Räume und die Anschaffung der notwendigen Fahrnisse. Als die Beiträge der Mitglieder und die bei Sterbefällen reichlich fließenden Spenden nicht ausreichten, half der Pfarrer mit einem Darlehen aus. Es eilte plötzlich, denn aus Hall war mit Schreiben vom 15. Februar 1928 endlich die so sehnlich erwartete Mitteilung von Sr. Oberin M.Augusta Knoflach einge8 11.11.27 24.11.27 11.12.27 9. 1.28 13.1.28 17. 2.28 1. 3.28 6. 4.28 9.4.28 19.4.28 Aus den folgenden vielen Posten noch zwei zum Vergleich: 3. 9.28 Monatsgehalt für zwei Schwestern (je 60 Schilling) 16.3.29 Engelbert Brauchle, Schuhreparatur und zwei Paar neue Da hatten die Schwestern also im Dienst für die Wolfurter Kranken bereits ihre ersten Schuhsohlen durchgelaufen! 9 Johann Heitz, Mitbegründer des Krankenpflegevereins Pfarrer Simon Stadelmann, Gründer des Krankenpflegevereins Wolfurt Die Post kurz vor dem Abbruch 1965. Von 1928 bis 1963 wohnten im zweiten Stock die Krankenschwestern. Ein Jahr später konnte der Pfarrer voll Freude in der Versammlung des Krankenpflegevereins berichten: „Das Samenkorn ist mit Gottes Hilfe aufgegangen, es trägt bereits herrliche Blüten." Von Anfang an war man mit den Schwestern sehr zufrieden. Schon in den ersten zehn Monaten machten sie 1850 Krankenbesuche und hielten 15 Tag- und 59 Nachtwachen. Diese Zahlen stiegen in den nächsten Jahren auf mehr als das Doppelte. Die Gemeinde zeigte ihre Anerkennung dadurch, daß sie dem Verein die Wohnung kostenfrei überließ. Im Jahre 1932 starb der um den Verein hochverdiente Kassier Johann Heitz. Seine Tochter Maria Heitz übernahm für viele Jahre das oft unbedankte Amt. In der Zeit der Wirtschaftskrise war ja auch der auf 7, später sogar auf 6 Schilling ermäßigte Vereinsbeitrag für manche Familien kaum aufzubringen. Trotzdem stieg die Mitgliederzahl ständig. Die Zahl der Krankenbesuche kletterte 1934/35 auf 4233. Alle die weiten Wege durch das langgezogene Wolfurt machten die Schwestern damals zu Fuß. Aber auch in ihrem bescheidenen Heim in der Post stellten sich jeden Tag Kranke und Verletzte an. Für ein Vergelt's Gott ließ man sich dort Verbände wechseln, eitrige Wunden mit Kamillentee baden oder eine Ziehsalbe auf einen heißen Abszeß auflegen. Und immer 10 taten die Krankenschwestern ihre Arbeit fröhlich, die Kranken freuten sich auf jeden Besuch. Bei Visitationen durch die Mutter Oberin aus Hall kam aber ein Problem zur Sprache: die weite Entfernung zur Kirche. Zu viel Zeit nahm der tägliche Weg zur Messe und zur Abendandacht in Anspruch. Und gerne wären die Schwestern öfter vor dem Altar gekniet, um neue Kraft für ihren Beruf zu holen! Mehrmals hatte die Oberin inzwischen neue Schwestern nach Wolfurt geschickt (Siehe Anhang!), bis im Oktober 1933 mit Sr.Epiphania jene Klosterfrau einzog, die nun in den folgenden 37 Jahren bei uns durch ihr Beispiel an Fleiß, Bescheidenheit, Einsatzfreude, Güte und Frömmigkeit das Bild der Krankenschwestern am meisten prägte. Ihr zur Seite stand, nicht minder geachtet und beliebt, ab 1935 Sr.Theodora. Unermüdlich sah man die beiden, „dio Klenn" und „dio Groß", wie man sie in Wolfurt bald liebevoll nannte, mit schnellen Schritten durch das Dorf zu ihren Kranken eilen. Nach ein paar Jahren erhielten sie vom Orden die Genehmigung zum Gebrauch von Fahrrädern. Das Erlernen des Radfahrens muß für die nicht mehr ganz jungen Frauen in 11 ihrer langen Ordenstracht eine besonders arge Prüfung gewesen sein, aber mit ihrem Gottvertrauen meisterten sie auch diese ohne größere Verletzungen. Nun stand ihnen mehr Zeit für die Kranken zur Verfügung und auch der weite Weg zur Kirche fiel nicht mehr so sehr ins Gewicht. Andere, schwerere Prüfungen standen den Schwestern und dem Krankenpflegeverein bevor. Im Februar 1936 war Pfarrer Simon Stadelmann, der Gründer und langjährige Obmann des Vereins, gestorben. Kaplan Johann Rein übernahm die Leitung. In seinem Tätigkeitsbericht vom März 1937 berichtet er noch von der Rekordzahl von 281 Mitgliedern, die die Arbeit der Schwestern über alles schätzen. 4200 Krankenbesuche haben diese im Berichtsjahr gemacht, dazu 120 Nachtwachen gehalten. Ein Jahr später ist der Anschluß Österreichs an Deutschland vollzogen, der Verein der N.S.Volkswohlfahrt unterstellt. Das Vereinsvermögen von 3562,41 Schilling wurde am 20. März 1938 in 2374,94 Reichsmark umgewechselt und beschlagnahmt. Bald danach wurde der Verein dann am 27.6.39 ganz „liquidiert". Nach außen aber änderte sich wenig: NS-Leute sammelten nun bei den gleichen Mitgliedern jährlich 4 RM ein. Und - fast ein Wunder in jener antichristlichen Zeit! - die Schwestern Epiphania und Theodora taten unverändert ihren Dienst an den Kranken. Zwar war das Schreiben des Kreisleiters vom 16. Jänner 1940 für Sr.Epiphania mit „Heil Hitler" an die „Krankenschwester Elise Härle in Wolfurt" gerichtet, aber es erlaubte ihr ausdrücklich, weiterhin im Auftrag der NSV die Krankenpflege durchzuführen. Als Vergütung wurden ihr monatlich von der Kreisamtsleitung in Bregenz 60,- RM überwiesen. Eine katholische Ordensfrau ganz offiziell im Dienst der NS-Kreisleitung! Welche Anerkennung für ihr selbstloses Wirken sogar durch dieses Regime! In den Anweisungen stand dann allerdings auch: „Es ist selbverständlich, daß sich Ihre Tätigkeit ausschließlich auf die Krankenpflege beschränken muß." Aber ihr stilles Beten und auch ihre Kirchenbesuche konnte den beiden Schwestern wohl niemand nehmen. Die im Grundbuch verankerte Kreuzschwesternstiftung erklärte der Bürgermeister allerdings für unmöglich. Er löste sie am 3. September 1942 mit Hilfe der deutschen Gemeindeordnung auf und übernahm die vier Grundparzellen in Gemeindebesitz. So wurde das auch vom Amtsgericht im Grundbuch eingetragen. Doch danach fragten die Schwestern nicht. Ihre Arbeit war ja davon nicht betroffen. Sie fragten auch nicht nach Rang, Herkunft und Weltanschauung ihrer Patienten. Als gegen Kriegsende immer mehr Flüchtlinge in Notquartieren untergebracht wurden, kümmerten sie sich auch um diese. Es wird erzählt, daß sie manchmal ein Stück Brot oder ein Stück Selchfleisch, das ihnen eine Bäuerin zugesteckt hatte, zu den hungernden Flüchtlingen trugen. Sie selbst streckten ihre karge Kost mit Gemüse aus dem eigenen Garten. Dann kam im Mai 1945 das Kriegsende. Bald danach besprach der damalige Pfarrer Wilhelm Brunold mit dem wieder in seinem Amt befindlichen Bürgermeister Ludwig Hin12 teregger und dessen Bruder, dem Instrumentenmacher Gebhard Hinteregger, die zukünftige Gestaltung und Finanzerung der Krankenpflege. Nach Rückfrage bei den Schwestern sahen sie von einer Neugründung des aufgelösten Krankenpflegevereins ab. Zur Deckung der Kosten wurde eine jährliche Haussammlung mit freiwilligen Spenden beschlossen, die durch weitere Spenden anläßlich von Sterbefällen ergänzt werden sollte. Das neue Modell der Pfarrkrankenpflege ohne Verein bewährte sich, auch wenn es sonst nirgends im Land so gehandhabt wurde. Weiterhin konnten alle Bedürftigen im Ort ohne Unterschied der Person betreut werden. Gebhard Hinteregger kümmerte sich um die Organisation und trug selbst, unterstützt von Frau Berta Gmeiner, Fideles, die vielen kleinen und großen Spenden zusammen. Am 7. Jänner 1945 hatte Pfr. Brunold noch 3850 RM in ebenso viele österreichische Schillinge umgetauscht und dann als Grundstock an Hinteregger übergeben. Seither funktionierte die freiwillige Finanzierung. Auch die ehemalige „Kreuzschwesternstiftung" wurde wieder errichtet. Die Gemeindevertretung beschloß am 19.8.1948, die im Jahre 1942 enteigneten Grundstücke zurück zu geben. Sie wurden 1949 neu für die Stiftung verbüchert. Ein erster Wermutstropfen war, daß vom Provinzhaus aus das unzertrennliche Wolfurter Schwesternpaar getrennt wurde. Im August 1945 übernahm die „große" Sr.Theodora einen Posten in Lingenau, ein Jahr später in Lustenau. Sieben Jahre lang mußte die „kleine" Sr.Epiphania die anfallende Arbeit meist allein bewältigen, nur kurzzeitig konnte ihr der Orden Helferinnen senden. Umso größer war die Freude, als Sr.Theodora 1952 nach Wolfurt zurückkehrte. Zehn Jahre später wurde dann im März 1962 Sr.Epiphania nach Götzis versetzt. Der Mangel an Schwesternnachwuchs zwang um diese Zeit die Provinzoberin Sr.M.Angelina Neuhauser, eine ganze Reihe von Niederlassungen in Vorarlberg zu schließen. Mit Kennelbach und Lauterach sollten auch aus Wolfurt die Schwestern abgezogen werden. Allenfalls hätte dann noch eine auf der Platte in Bregenz bestehende Schwesterngemeinschaft Wolfurt mitbetreut. Damit war man aber in Wolfurt nicht einverstanden. Nacheinander intervenierten im Mutterhaus zunächst Pfarrer Willi und Bürgermeister Waibel, dann auch Gemeindearzt Dr.Schneider und vor allem der in Hall sehr geschätzte Obmann Gebhard Hinteregger. Wahrscheinlich hat auch das Gebet und Hoffen der Kranken dazu beigetragen: das Wunder geschah! Die Station Wolfurt blieb erhalten und - schon im Oktober 1963 kehrte Sr.Epiphania zurück. Für die Schwesternwohnung wurde ein Ersatz notwendig, weil die alte Post zum Abbruch bestimmt worden war. Obmann Hinteregger fand eine gute Unterkunft im Haus Rohner, Kreuzstraße 1, nahe bei der Kirche. Er kümmerte sich 1963 noch sehr um die Einrichtung und um den Umzug der Schwestern in ihr neues Heim. Ein Jahr später starb er. Die Obmannstelle übernahm sein Bruder, Altbürgermeister Ludwig Hinteregger. 13 Sr.Theodora und Sr.Epiphania, seit 1966 Ehrenringträgerinnen. Längst wollte man sich auch von Seiten der Gemeinde, die schon bisher die Wohnung gestellt und manche Unkosten getragen hatte, bei den beiden Schwestern für ihr Lebenswerk bedanken. Jetzt wußte Sozialreferent Hubert Mohr einen Weg. Nach dem neuen Gemeindegesetz konnte die Gemeinde einen Ehrenring schaffen. Auszug aus dem Sitzungsprotokoll vom 22.9.1966: In Würdigung ihrer aufopferungsvollen und vorbildlichen Tätigkeit in der Krankenpflege wird einstimmig beschlossen, den ehrw. Srn. Theodora (Paula) König und Epiphanie (Elisabeth) Härle den Ehrenring der Gemeinde zu verleihen. Am Sonntag, 4.Dez.l966, überreichte Bürgermeister Waibel in einer Festsitzung der Gemeindevertretung im Beisein von Vertretern des Ordens und der Pfarre die ersten Wolfurter Ehrenringe an die sichtlich erfreuten Schwestern. Doch deren Lebensjahre gingen nun zur Neige. Im Mai 1971 verabschiedete sich die gebrechlich gewordene Sr.Epiphania und kehrte ins Provinzhaus Hall zurück. Dort starb sie am 3.November 1970. Eine große Abordnung aus Wolfurt nahm an ihrem Begräbnis teil. Schon zwei Monate später übersiedelte im Jänner 1971 auch Sr.Theodora im Alter von über 80 Jahren aus Wolfurt nach Hall. Noch acht Jahre eines ruhigen Lebensabends schenkte ihr dort der Herrgott, bis er sie am 27.Jänner 1979 zu sich rief. In Wolfurt wird man sich der beiden Ehrenringträgerinnen stets mit Dankbarkeit erinnern. Auf ihrem Werk lag Segen. Jüngere Schwestern nahmen ihre Plätze ein, zuerst Sr.Anna und Sr.Auxilia, dann nacheinander Sr.Imelda und Sr.Christiana. 19 Jahre lang stand ihnen 14 Familie Fischer, Lammwirts. Vorne Rosa (Hinteregger), Mutter M.Katharina geb. Sonderegger, Vater Gebhard Fischer, Agatha. Hinten Dr. August Fischer als Kaiserjäger und Anna (Mohr). Agatha ist 1930 als Sr.Georgia ins Kloster eingetreten. von 1971 bis 1990 Sr.Clarina als Haushälterin treu zur Seite. Die jungen Schwestern besaßen einen Führerschein. Schon 1970 hatte ihnen die Firma Doppelmayr einen ersten VW gestiftet. Seither ermöglichen die Spenden immer wieder die Haltung eines bescheidenen Autos. Dadurch haben sich die Arbeitsbedingungen ganz entscheidend gebessert. Im neu eingerichteten Pfarrgemeinderat befaßte sich seit 1971 der Sozialausschuß unter Dr. Paul Schwärzler mit den Aufgaben der Pfarrkrankenpflege. Von Ludwig Hinteregger übernahm jetzt Werner Mohr die organisatorischen Aufgaben, vor allem die Bereitstellung der insgesamt beträchtlichen finanziellen Mittel. Seit nunmehr 24 Jahren bittet erjedes Jahr im Juli eifrige Sammlerinnen und Sammler um ihre Mitarbeit. Diese finden fast überall offene Türen, denn das Verhältnis zu unseren Schwestern ist weiterhin überaus herzlich. Über Initiative von Dir. Ferdinand Schwärzler aus Schwarzach schloß der Sozialausschuß der Pfarrgemeinde Wolfurt 1971 mit dem Krankenpflegeverein Schwarzach ein Übereinkommen, das das Aufgabengebiet der Wolfurter Krankenschwestern auch auf Schwarzach ausdehnte. Dort hatten bis 1968 Barmherzige Schwestern von der Kettenbrücke in Innsbruck die Kranken betreut. Nach der Verabschiedung von Sr.Andronika blieben die Schwarzacher drei Jahre lang schwesternlos. Ab jetzt aber fuhren zwölf Jahre lang die 15 notwendigkeiten und arbeitet auch mit den Ärzten eng zusammen. Natürlich kommt ihr die reiche Erfahrung als Stationsschwester im Krankenhaus sehr zustatten. Sie ist auch nicht mehr allein. Krankenpflegeschülerinnen aus Feldkirch vervollständigen bei ihr ihre Ausbildung. Junge Frauen aus Wolfurt, darunter Diplom-Krankenschwestern, helfen ihr wöchentlich wenigstens einige Stunden. Freiwillig übernehmen manche in Nachbarschaftshilfe die wichtigsten Handreichungen für einsame Kranke. „Es geht so weiter!", meint Sr.Paulina. Die Namen der Wolfurter Kreuzschwestern sollen nun im Anhang aufgeschrieben werden. Ihr Arbeiten, ihr stilles Opfern und Beten ist in einem anderen Buch aufgezeichnet. Vergelt's Gott! Kreuzschwestern in Wolfurt (Die folgenden Namen und Daten stammen zum allergrößten Teil von Sr.Leonis(Rosmarie)Maurer aus den Aufzeichnungen im Mutterhaus Hall) 1. Familie Thaler im Lo 1939. Vorne Resi, Mutter Marie, Theodor, Vater Kolumban Thaler, August. Dahinter Karl, Elsa und Siegbert. Karl und Siegbert sind gefallen. Elsa ging als Sr.Karla ins Kloster. 2. Schwestern Anna, Auxilia, Imelda und Christiana jeden Tag mit ihrem Auto nach Schwarzach und pflegten auch die dortigen Kranken. Ab 1983 kam dann eine weltliche Krankenschwester zum Einsatz. Im Oktober 1979 eröffnete die Gemeinde Wolfurt ihr schönes Altersheim mit angeschlossener Pflegestation an der Lauteracherstraße. Als Anbau hatte man ein kleines Klösterlein errichtet. Die Gemeinde hoffte damals noch, die Kreuzschwestern könnten auch die Betreuung der Schwerstkranken im Pflegeheim übernehmen. Wegen des immer größer gewordenen Schwesternmangels mußte die Oberin aber diesen Wunsch ablehnen. So wurde denn mit Frau Isabella Kaufmann eine weltliche Krankenschwester mit der Leitung des Heimes betraut. Die Kreuzschwestern übersiedelten in ihre neue Wohnung. Mit der Leitung des Altersheims halten sie seither guten Kontakt. Sie schmücken auch die dortige Hauskapelle. Seit einigen Jahren hat sich die Krankenpflege gewandelt. Schwerkranke kommen ins Krankenhaus, viele Pflegefälle in die Pflegestation. Dagegen werden Sr.Paulina in der Privatkrankenpflege oft Kranke nach einem Schlaganfall, nach Amputationen oder mit anderen großen Wunden zur Nachbehandlung zugewiesen. Sie erhält dann vom Spital jeweils einen Brief mit genauen Instruktionen über Medikamente, Verbände und Pflege/ 16 3. 4. 5. Sr.Agnes (Berta) Peer aus Tösens, Tirol, geb.7.10.1876, gest. 21.12.1939 Eintritt in den Orden 24.8.1907, Profeß 8.12.1909 Viele Jahre in Bregenz, dann im Epidemiespital in Meran. Ab 20.4.1928 als erste Oberin bisl933 in Wolfurt. Sr.Gordiana (Afra) Frank aus Wetterdingen, Deutschland, geb.4.11.1898, gest.1.12.1981 Eintritt 1.10.1924, Profeß 3.5.1927 Ebenfalls ab 20.4.1928 in Wolfurt, aber schon nach kurzer Zeit wieder zum Spitalsdienst ins Mutterhaus zurück gerufen. Rasch hintereinander dienten mehrere Schwestern an der Seite von Sr.Agnes: Sr.Lauretana (Katharina) Rey aus Besenbüren, Kt.Aargau, Schweiz, 1929 Sr.Plazida Rummel aus Eisenharz, Deutschland, 1930 -1931 Sr.Gordiana Frank zum zweiten Mal 1932 -1933 Sr.Hilaria Albrecht 1933 Sr.Getrudis (Barbara) Unterweger aus Aßling,Osttirol,geb.25.12.1879, gest. 16.12.1961 Eintritt 27.8.1904, Profeß 9.9.1907 Sie kam aus Hard im Februar 1931 nach Wolfurt, löste 1933 Sr.Agnes als Oberin ab und wurde im August 1935 nach Götzis versetzt. Sr.Epiphania (Elisabeth) Härle aus Steinberg bei Ulm, Deutschland, geb.28.9.1898,gest.3.11.1970 Eintritt 1.5.1923, Profeß 8.10.1925 Sie arbeitete zuerst in Brixen, dann ab 1930 in Lustenau. Am 5.10.1933 kam sie nach Wolfurt, wirkte dort bis 17 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 27.3.1962 und nach kurzzeitiger Versetzung nach Götzis wieder ab 17.10.1963 bis 25.5.1970. Ehrenringträgerin seit 1966. Sr.Theodora (Pauline) König aus Lustenau, geb. 11.9.1890, gest 27.1.1979 Eintritt 20.10.1916, Profeß 29.9.1919 Sie arbeitete nacheinander in Meran, Hörbranz, Götzis und in Gaisbühel. Am 9.8.1935 kam sie nach Wolfurt an die Seite von Sr.Epiphania, mit der sie mehrmals die Aufgaben als Oberin wechselte. Ab 25.8.1945 wurde sie nach Lingenau, 1946 nach Lustenau versetzt. Am 3.3.1952 kehrte sie nach Wolfurt zurück und blieb bis 13.1.1971. Ehrenringträgerin seit 1966 Sr.Brigitta Fleisch fand nach der Auflösung vieler Niederlassungen der Kreuzschwestern während des Krieges von Jänner 1940 bis 25.6.1941 in Wolfurt Unterkunft. Mehrere Schwestern unterstützten Sr.Epiphania jeweils für kurze Zeit während der Abwesenheit von Sr.Theodora: Sr.Libia Madiener von Aug. bis Nov. 1945 Sr.Praxedis Kresser von Juni bis Okt. 1947 Sr.Rufina Vieider 1949 Sr.Hedwig Seywald von Aug. bis Nov. 1957 Sr.Eligia (Augusta) Mark aus Fendels, Tirol, geb. 10.12.1923 Eintritt 2.5.1946, Profeß 25.3.1949 In Wolfurt 1.12.1949 bis 3.3.1952. Sie arbeitet jetzt im Sanatorium der Kreuzschwestern in Rum, Tirol. Sr.Frowina Bürer kam für Sr.Epiphania vom 27.3.1962 bis zum 17.10.1963 nach Wolfurt. Sr.Anna (Maria) Moosbrugger aus Au, geb. 15.10.1922 Eintritt 2.2.1950, Profeß 16.3.1953 In Wolfurt als Nachfolgerin von Sr.Epiphania 29.4.1970 bis 8.9.1975. Seither in der Privatkrankenpflege in Altenstadt. Sr.Auxilia (M.Theresia) Devich aus Bezau, geb.21.2.1925 Eintritt 2.7.1948, Profeß 25.3.1952 Nach langer Tätigkeit im Lungenkrankenhaus Gaisbühl vom 15.12.1970 bis 10.9.1977 als Nachfolgerin von Sr.Theodora in Wolfurt. Anschließend in Au, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.M.Clarina Mittelberger aus Götzis, geb. 14.5.1907, gest. 19.12.1990 Eintritt 14.10.1930, Profeß 1.5.1935 In Wolfurt als Haushälterin vom 15.12.1971 bis zu ihrem Tod. Für kurze Zeit kamen um das Jahr 1975 hintereinander auch zwei Kreuzschwestern als Volksschul- bezw. Religionslehrerinnen nach Wolfurt: 15. 16. 17. 18. Sr.Dora und Sr.Irmina Sr.Imelda (Maria) Schwärzler aus Langenegg, geb.26.2.1925 Eintritt 4.3.1943, Profeß 6.8.1946 In Wolfurt 4.9.1975 bis 16.2.1981, dann Privatkrankenpflege in Feldkirch, jetzt im Antoniushaus in Feldkirch. Sr.Christiana Lipburger aus Lingenau, geb. 16.5.1920 Eintritt 31.3.1950, Profeß 15.10.1952 In Wolfurt 16.2.1981 bis 30.4.1992, jetzt ebenfalls im Antoniushaus. Sr.Barbara (Maria) Haid aus St.Leonhard im Pitztal, Tirol, geb.l 1.4.1916 Eintritt 21.11.1945, Profeß 11.10.1947 In Wolfurt als Haushälterin seit 1.12.1991. Sr.Paulina (Rosalia) Brem aus Münster, Tirol, geb.30.7.1932 Eintritt 8.9.1954, Profeß 10.3.1959 Sie arbeitete in den Krankenhäusern in Hall, Kufstein und Mehrerau und nun seit 20.4.1992 in der Pfarrkrankenpflege in Wolfurt. Kreuzschwestern aus Wolfurt in Hall 1. Sr.Alfonsa (Katharina) Schwerzler, Naiolars in der Bütze, eine Schwester von Lorenz Schwerzler und Adelheid Kalb, Bützestraße 13. Geb.4.4.1880, gest. 11.3.1957 Eintritt 1.11.1904, Profeß 9.9.1907 Als Handarbeitslehrerin 1907 bis 1926 im Institut St. Josef in Feldkirch, dann Postulatsleiterin in Hall, Einsatz im Antoniushaus in Feldkirch und an anderen Orten, zuletzt im Provinzhaus Hall. Am Tag ihrer Jubelprofeß, am 11.3.1957, starb sie während des Festgottesdienstes. Sr.Georgia (Agatha) Fischer, Lammwirts, eine Schwester von Anna Mohr, Rosa Hinteregger und Dr.August Fischer aus dem Lamm an der Kellhofstraße. Geb.26.6.1903, gest.3.5.1963 Eintritt 3.4.1930, Profeß 4.6.1934 Sie arbeitete im Annaheim in Hall. Sr.Karla (Elsa) Thaler, Kolobanos im Lo, eine Schwester von August und Theodor Thaler, Im Dorf 6 Geb.4.3.1922 Eintritt 6.10.1951, Profeß 9.4.1954 Einsatz an vielen Orten: Hall, Lustenau, Annaheim Hall, Götzis, Au, Nenzing, Webschule Imst, Brixlegg. Von 1975 bis 1987 Oberin im Erholungsheim Völs. Jetzt als Haushälterin in Dornbirn. 19 2. 3. 18 Sr. Alfonsa Schwerzler aus der Bütze mit ihrem Neffen Hubert Kalb im Jahre 1950 Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer aus der Bütze Sr.Gottfrieda Bildstein zu Besuch bei Schwager Kassian Schertler im Röhle. Paul Berkmann, Hermann Gangl, Mina mit Werner, Sr.Gottfrieda, Erna und Kassian. 4. Sr.Leonis (Rosmarie) Maurer, Hintereggers in der Bütze, eine Schwester von Josef Maurer, beide früher Bützestraße 7 Geb.28.3.1942 Eintritt 1.8.1964, Profeß 17.4.1969 Zuerst Krankenschwester in Hall, dann 22 Jahre Lehrerin an den Krankenpflegeschulen Kufstein und Hall. Seit 1993 in der Verwaltung des Sanatoriums der Kreuzschwestern in Rum. Cham, Kt. Zug, Schweiz 6. Sr.M.Gottfrieda (Anna Maria) Bildstein, Bildsteins im Röhle, eine Schwester von Rosina Bernhard, Ilga Schertler und Maria Schertler, Bregenzerstraße 12 Geb. 10.4.1894, gest.29.12.1987 Eintritt 1914, Profeß 1916, Goldene Profeß 10.7.1966 Zuerst im Sanatorium Unterägeri, dann Kindergärtnerin in Heimeli. Ab 1934 zwanzig Jahre lang Pförtnerin in Dußnang, schließlich im Kloster Cham. Ingenbohl, Kt. Schwyz, Schweiz 5. Sr. Nivarda (Franziska) Schwerzler, Toblers in der Bütze, eine Schwester von Josef und Martin Schwerzler, Lauteracherstraße 2 Geb 6.11.1876, gest.29.10.1952 Eintritt um 1900, Profeß 1904 Krankenschwester in Frauenfeld und an anderen Orten in der Schweiz, dann viele Jahre lang Pflegerin im Männer-Asyl der Psychiatrie Wil, zuletzt im Mutterhaus in Ingenbohl. 20 21 Siegfried Heim Hausnamen Namen haben die Aufgabe, ihre Träger zu identifizieren. Durch seinen Namen sollte jeder Schüler in seiner Klasse, jeder Bürger in seinem Ort von den anderen unterscheidbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, so behilft man sich mit allerlei Beifügungen. In einer Schulklasse unterschied man Johannes Böhler 1 von Johannes Böhler 2. Bei unserer Bürgermusik kannte man Eugen Rohner-Horn und Eugen Rohner-Baß, Franz Rohner-Trompete und Franz Rohner-Flügelhorn und dazu noch Franz Rohner-Kapellmeister (alle fünf aus der Sippe der Vinälar). Früher einmal schrieb der Pfarrer in sein Familienbuch einen Johann Schwerzler-Strohdorf und einen anderen Johann SchwerzlerWolfurt ein. Unter „Wolfurt" verstand man damals das Kirchdorf. Und ganz häufig fügte man zu den Personennamen einen Hausnamen, mit dem man den Träger als Angehörigen einer im Dorf bekannten Gemeinschaft kennzeichnete. Hausnamen haben sich ganz genau wie die Geschlechtsnamen im Lauf der Zeit aus Vorund Zunamen oder vielfach aus Berufen entwickelt. Manche geben auch die Herkunft an. Wenige sind Übernamen, die auf eine körperliche oder geistige Besonderheit hinweisen. A. Bekannte Wolfurter Hausnamen aus Vornamen: Hansmarteles, Hambadistos (eigentlich Hannbatist, Johann Baptist), Kassians, Filipplar, Hannes, Hansos, Hilares, Seppatones (Josef Anton), Lisolar (Elisabeth), Seppar, Hansirgos (Johann Georg), Fideles, Bäbolar (Barbara, Babette), Bäschles (Sebastian), Rochuslar, Märtolar, Mathisos, Filitzos (Felix, früher nannte man sie Felixos), Veres (Xaver), Disjockeles (des Jockei, Jakob), Jokobos, Lorenzos, Liborats, Ludwigos, Galles, Petorles, Plazes und Pläzolar (Plazidus), Vefos (Genovefa), Vefobuob, Melkos (Melchior), Stases (Anastasia), Kolobanos (Kolumban), Sofie im Lo, u.a. B. Aus Geschlechtsnamen, die auf die Häuser übertragen wurden: Hohlo-Martes, Hohlo-Fideles, Hindoreggars uf om Bühol, Hindoreggars i dor Bütze, Scheoffkneochts, Wachtars, Giotschges (Girschke), A wandars, Stenzlars, Arnolds, Luitzos, Diotoris (Dietrich), Festinis, Pfersolar (Pfersich), Kaufmanns, Ruoschos, Zilla Zollar u.a. C. Berufe. Diese Hausnamen sind kulturgeschichtlich besonders interessant, weil viele von den alten Berufen in unserem Jahrhundert verschwunden sind: Sattlar, Georbar, Küofar, Schädlar (Ein Schädel-Macher war ebenfalls ein Küfer. Schädel ist ein Holzgefäß.), Soalar, Strickar, Naiolar (Näher), Strumpfar, Schuostor, Böglar (Büg22 ler), Büorstobindar, Klamporar (Spengler), Flaschnar (ebenfalls Spengler), Hafnar (Töpfer), Glasar, Seogar (Säger), Zimborar (Zimmermann), Draiar (Dreher, Drechsler), Gabolmachar (Heugeschirrmacher), Mühlemachar, Maschinomachar (Mechaniker für Stickmaschinen), Sargmachar, Schmiod, Hammorschmiod, Naglar (Nagelschmied). Auch weniger geläufige Berufe blieben in Hausnamen erhalten: Flötzar (Flößer), Zioglar, Weogmachar, Finanzar, Bot (Bote, auch Einkäufer), Kamplar (Kammacher), Wandorlehrar (Stickereifachlehrer), Zeichnar (Musterzeichner), Rasiorar, Postmoastor, Stoahouar (Steinmetz), Loamar (Lehmkneter, auch Verputzer), Feogar (Kaminkehrer), Musar (Mäusefänger), Schütz (Jäger), Huotmachar, Bahwächtar (Bahnwärter), Nummorant (Versicherungsvertreter), Sack-Waibol (Handel mit Säcken), Kunsümmlar (Konsum-Verwalter), Lädolar (Ladenbesitzer), Kiorchomoastor (Aufseher in der Kirche), Uhrowible (Maria Stadelmann konnte Uhren reparieren), Armo-Vattor (Armenvater im Auftrag der Gemeinde). Besonders wichtig waren all die vielen Wirte. Sehr häufig behielten Familien von Angehörigen den Wirtsnamen: Schwanowiorts, Rößlewiorts, Engolwiorts, Trubowiorts, Lammwiorts, Hiorschowiorts, Steonnowiorts (für Böhler Hansirgos, Köbo Ferdeles und Fischer Johanns Familien), Kronowiorts, Löüowiorts, Adlarwiorts, Altadlarwiorts, Krützwiorts, Mohrowiorts, Studowiorts und früher noch einige andere. Schöflewiorts stammen aus dem Lauteracher Schäfle, Sunnowiorts Hans aus der Kennelbacher Sonne. Als alte Hausnamen hören wir auch noch heute ausgeübte Berufe: Vorsteohar (Bürgermeister), Lehrar, Schlossar, Molar (Maler), Murar (Maurer), Schrinar (Schreiner, Tischler), Schnidar, Metzgar, Beck (Bäcker), Holzmüllar (der Müller im Holz), Instrumentomachar (für Blasmusik-Instrumente), Doktor (Arzt), Hebammar, Oarglar (Organist), Kapeollar (Kapellmeister). Einige Hausnamen sind nach langem Gebrauch für unser Ohr unverständlich (verballhornt) geworden: Sammars heißt eigentlich „s Ammas". Des Ammann Joseph Fischers Frau und Kinder wurden schon 1810 so bezeichnet. Sammüllars heißt „des Ammann Müllers". Ihr Stammvater Ammann Martin Müller lebte 1674 bis 1732. Vinälar soll nach der Familienüberlieferung eigentlich „Flaneller" bedeuten. Demnach hätte ein Vorfahre schon Flanell gewoben oder damit gehandelt. Vor 150 Jahren schrieb der Pfarrer noch „Vaneler". Recht ungewöhnlich ist, daß einige Schertler-Familien „Büros" genannt wurden. 23 D. Ortsangaben. Sie enthalten entweder die Lage des Hauses im Ort oder die Herkunft des Besitzers. In Wolfurt: Hellbur (Parzelle Höll), Frickoneschar, Hindorfeoldar, Baholzar, Toblar, Stöoglar (Steig), Haldobuob, Schloßbur, Mändles im Kessol, Marteles im Lo (Loch ist ein Ortsteil von Rickenbach. Es gibt aber auch ein Loch im Kirchdorf), Lohansolar („Hans im Lo", Johann Gmeiner, starb 1829 in Rickenbach-Loch. Sein Schwiegersohn Joh. Mathias Bernhard übernahm den Hausnamen), Studowiort (Johann Bereuter erbaute 1909 in den Stauden im Ried den Gasthof „Hohe Brücke"), Holzar, Holzarschmiod, Holzmüllar, Kessolmüllar. Vom Steußberg: Mehrere Wolfurter Familien trugen den Hausnamen „Buochar", andere wurden „Beorgar" genannt. Berg ist der alte Name für Bildstein. Von dort stammen auch die Gallar (aus Gallin in Oberbildstein), Goaßbiorar (Geißbirn), Knoblar (Knobel), Sackburos, Dello-Korles und Dello-Sepplos (Dellen). Oachobeorgars Stammvater Johann Dür kam 1862 von Eichenberg, war aber nach Möggers zuständig. Tambeorgars haben ihren Hausnamen von Josef Anton Huber, der 1878 aus Lech am Tannberg hier einzog. Embsars nannte man die Familie Mathis aus Hohenems, die seit 1882 am Fuß des Hexenbühels wohnte. Mehr als 200 Jahre hat sich der Name „Tirolar" für eine Wolfurter Schwerzler-Familie gehalten. Schon 1751 hatte Johannes Winkler aus Rodenegg in Tirol nach Wolfurt geheiratet. Als 1786 Hansirg Schwerzler, der älteste von Felixos sieben Söhnen, Winklers Tochter Katharina ehelichte, bekam er seinen neuen Hausnamen. Mehrere Rückwandererfamilien wurden „Amerikanar" genannt. Als Wilhelm Albinger um 1930 sein großes Haus an der Wälderstraße baute, erhielt es von den Wolfurtern den Namen „Dollar-Palast" (mit der Betonung auf der zweiten Silbe!). E. Eigenschaften. Eher auf Einzelpersonen als auf Familien bezogen sich die folgenden Namen. Nur wenige wurden allgemein verwendet: der rieh Höfle, der lang Finanzar, der rot Stöckolar, der wiß Vinälar, Schwarz-Sepplos, Tschuppatone, der blind Scheoffkneocht, Katzo-Beppe, dio hörig Schuohmachare, Hollagoggol (Giggolar), Fixenatte, Heimat, Grabowattar, Lachokröttle, Büoblar. „FelsoKalb" nannten die Wolfurter den Seppatone Kalb, seit er sich von Kalb auf Fels hatte umtaufen lassen. Jeder von uns kennt noch ein paar andere solche Eigennamen. Daneben gab es natürlich auch noch schlimme Übernamen, die nur von gedankenlosen oder böswilligen Mitmenschen verwendet wurden, denn sie taten weh: Schilar, Schioggar, der schiof, der krumm, der stottorig, der glatzig, der oa-öüg, der schlappohrig, der bugglig ...und noch einige. Aus unserem heutigen Sprachgebrauch sind solche Namen - Gott sei Dank! - fast ganz verschwunden. Wenn ein Hausname allein nicht ausreichte, verwendete man mehrere gemeinsam: Murars Seppatones, Lehrars Seppatones, Steonnowiorts Hansirgos, Naiolars Hansirgos. Man mußte auch die verschiedenen „Schrinar" und „Küofar" unterscheiden: Schrinars uf om Bühol, Schrinars Hannos, Schrinar-Veres, Lutzo-Schrinars, Glasar-Windar, GlasarKlockar, Küofars im Röohle, Küofar-Köbs. Es fällt auf, daß in der patriarchalischen Gesellschaft unserer Großväter nur ganz wenige Frauen in Hausnamen verewigt wurden. Lutzos: Lutz Agatha aus Lauterach heiratete 1734 den Rickenbacher Hansirg Gmeiner. Ihre vielen Nachkommen heißen seither Lutzo-Gmeinar mit den Sippen Lutzo-Schrinar, Lutzo-Ferdes und Lislos. Lislos Stammhaus stand im Eulentobel und hatte seinen Namen von Elisabeth Fischer, die dort seit 1763 mit Anton Schwerzler verheiratet war. Seit nun 1841 Kaspar Gmeiner, Lutzos, im Eulentobel Lislos Enkelin Agatha ehelichte, trug die neue Familie den alten Namen Lisolar weiter. Noch ein anderer Lutzo-Schrinar bekam einen „weiblichen" Hausnamen. Ferdinand Gmeiner aus Schrinars Haus beim Kreuz in Rickenbach heiratete 1894 im Kirchdorf die Hebamme Johanna Schwerzler, Filitzos. Fortan wurde seine Familie „Hebammars" gerufen. Hebammars Sohn Ehrenfried ist 1932 als erster Wolfurter Opfer eines Autounfalls geworden. Allerlei Geschichten weiß die Überlieferung noch von „Vefos", den Nachkommen der Genovefa Böhler. Besonders Vefobuob Ruppert war weit über das Dorf hinaus bekannt. Als Hambadist Bernhard, Lohansos, vor mehr als 100 Jahren in zwei Ehen zweimal eine Barbara (Babel) Schwerzler heiratete, erhielten seine Nachkommen den Hausnamen „Bäbolar". Zwei Generationen später setzte sich aber wieder der ältere Name Lohansolar durch. Sonst blieben von den Frauennamen noch im Kirchdorf „Sofie im Lo", im Strohdorf „Knores Zischgele", im Spetenlehen „Kronowiorts Luzia" und in Rickenbach „Schlossars Elvira" und „Melko Senz" erhalten. Selbverständlich waren die Hausnamen auch einem ständigen Wandel unterzogen. So spaltete sich die riesige Familie der „Felixlar"-Schwerzler bald in die Äste der Dellomoosmüllar, Tirolar, Färbar, Büoblar, Hannes, Stenzlar und Toblar auf. Aus dem Ast der „Färbar" oder „Färbarles" lebte um 1880 der Maurer Josef Schwärzler (er schrieb sich jetzt mit ä!) mit seinen 13 Kindern an der Hub. Drei Söhne begründeten die neuen Linien der Schnidar-Schwärzlar, Liborats und Ludwigos. Aus der Sippe der „Gallar" spalteten sich „Schrinars uf om Bühol" und „Lehrars" ab. Lehrars teilten sich bald wieder auf in die Sippen Seppatones, Hilares, Meßmars, Engolbertos und Molars. „Disjockeles" haben ihren Namen von einem „Jockei", von Jakob Gmeiner, der 1731-1804 25 24 in Ferdeles Hus gegenüber vom heutigen Stern im Strohdorf wohnte. Seine Nachkommen spalteten sich in die Linien Wangars, Stoahouars und Knores auf. „Knore" ist ein Übername aus der goldenen Stickerzeit. Als Wangars einzige Tochter Anna Maria Gmeiner 1903 den späteren Vorsteher Ferdinand Köb heiratete, bekam Disjockeles Hus den neuen Namen „Ferdeles", und als Ferdinand Köb um 1925 für ein paar Jahre den Sternen übernommen hatte, trug das seiner Familie und dem Haus den jüngsten Hausnamen „Steonnowiorts" ein. Noch ein Namenswandel: Als eine Gmeinersippe aus Buch noch im Holz wohnte, wurde sie „Bernhardos" gerufen. Seit sich der Sohn Bernhardo Fidele im ehemaligen Gasthof „Linde" an der Unterlindenstraße niedergelassen hat, kennen wir „Fideles". Und für die Nachkommen drängt sich jetzt immer mehr der neue Name „Kartonaschars" auf. Bald werden diese Namen alle nur mehr Geschichte sein. Viele sind es schon jetzt. Im Telefonbuch sind die vielen Böhler, Köb und Mohr kaum zu unterscheiden. Im viel gelesenen Wolfurter „Blauen Buch" verschwinden die alten Namen unter der Flut von mehr als 1000 (!) neuen Geschlechtsnamen. Ob das mit ein Grund ist, daß sich heute so viele stolz zu ihrem „angestammten" Hausnamen bekennen? Längst ist keiner mehr beleidigt, wenn man ihn mit „Herr Sammer" oder mit „Herr Schloßbauer" anredet. Mit der folgenden Sammlung möchte ich einige Namen vor dem Vergessen bewahren. Manche davon habe ich in alten Gemeindebüchern gefunden. Andere haben mir interessierte Mitbürger, mit denen ich Gespräche geführt habe, aufgeschrieben. Sehr viele haben letztes Jahr die Hauptschüler gebracht, davon über 80 allein „Sammüllars Lorenzo Sepplo Atturos Isabel". Trotz allem Bemühen ist diese Sammlung aber sicher nicht vollständig! Bitte, schreiben Sie Ihre Ergänzungen dazu! Wolfurter Hausnamen Gereiht nach den D-Hausnummern (Siehe Häuserverzeichnis 1926 in Heimat 6, Seite 10!) Höll 1. Hell-Bur, Höll-Bur Ach 2. 3. 4. 297. 298. 301. Naglar Küonzos, Zehrar-Naiare Thalars Fridolinos Gigars, Kressars Naiolars Hambadist, Böglar Sohms, Sunnowiorts Hänsle 5. Stöoglar (früher Bäbolar) 300. Hammorschmiods Marte, Zwickles Hermann 6. Bosnien (Spottname für ein Gasthaus) 7. Hansmarteies (früher Flaschnars, Schifflewiorts) 8. Hohlo-Schnidar 319. Toblars Hans-Irg, Gitze-Mägges (von ihren Ziegen) 9. Schützo Franz 10. Paulos, Vinälars Marte (früher Irgobuobos) 11. Vinälars Seppl 12. Hammorschmiods 13. Sinzo Adolheit 291. Thalars Ferde, Bürstobindar 14. Hohlo Martes 15. Hohlo Fideles 16. Holzars Ronimus (abgebrannt 1908) 17. Schuohmachar Schwarz (früher Filitzo Hansirle, Salvaterra, Rupps Lädele) 303. Östorles a dr A, Dello-Korles Karle 18. Trubo, Trubowiorts, Faitele (Giovanni Fait hatte die Traube gebaut) 19. Vonachs (abgebrannt 1900) 294. Scheoffkneochts Bakus, Frickoneschars Kassian 20. Irgobuobos, Hörig Schuohmachare 21. Kapeollars Fränzle (früher Kressars) 22. Radiär, Wäldarhof 23. Scheoffkneochts Fridolin 24. Schindlarhus, Fabrikshus 25. Wachtars, Schädlars Thedoros Röhle 26. Hambadisto Jockl, Holzars Hambadist x. Schmiodto im Röohle x. Kalkhütto 27. Küofar Böhlars, Böhlar-Wibor 28. Schädlars Alfredos 29. Lohansolar, Bäbilis, Vef 30. Bildsteins Hansmarte, Kassians 31. Kapeollar, Vinälar 32. Zioglar, Schädlars Geobart, Seppl 33. Gigars Andrais, Rochuslar 34. Rößlewiorts Franz, Schmiods (Hier stand die erste Dür-Schmiede) 35. Hannes, Hannes Franz 36. s Ammas, Sammar 37. Schützo Mathisos 38. Sennare-i 39. Georbe, Georbars Emma 40. Georbe-Wohnhus (u.a. Schwarz-Sepplos, Feogars, Übolhörs, Bellmanns, Büocheles, Vefobuob, Holzars) 41. Engol, Engolwiorts Bühel, Oberfeld 42. Kaplo, Kaplohus 43. Schrinars 44. Hindoreggars, Vorsteohar 45. Villa, Lehrars Engolbert (früher Gallars) 46. Schrinars Stadol 47. Meßmars, Lehrars Johann 48. Hilares 296. Seppatones 49. Engolbertos, später bis 1921 Schwöstorohus 50. Jochums 51. Kloso Martes 52. Klions 53. Embsars, Schindlarhus 54. Beorgarhus 55. Soalar, Forstars, Braitschos 56. Pfarar, Pfarhus 57. Kiorcho Kirchdorf 58. Heims, Hanso Hus 59. Schwano, Schwanowiorts 60. Rößle, Rößlewiorts 61. Mohro Emile, Weogmachars (früher Felixos) Tobel 62. Naglar, Naglars Ludwigos 63. Klamporar, Räschles (früher Büros) 64. Toblar, Töbolar Kirchdorf 65. Schwöstora, Schwöstorohus, Hennostal 66. Tambeorgar (von Lech am Tannberg) 67. Hambadisto Geobart, Totogrebar 68. Giotschge (Girschke) 69. Rüstos 70. Stenzlar, Schloßburos, Tschuppatone 26 27 Beorgarhus im Oberfeld. Baltus Böhler vom Berg (Bildstein) hat es 1843 erbaut, 1944 ist es abgebrannt. Instrumentomachars Hus im Strohdorf. Davor die alte Werkstatt, links Frickoneschars, Molars und Steonnowiorts Ottonos Hus. 93. Heims, Hanso Josef (früher Küofar Haltmaior) 94. Beorgars Hannos (früher Mathisos, Lädolars) 95. Königs, Marxo Giobol (früher Düro Franzele) 96. Schloßburos 97. Schüorpfos, Sackbur 98. Forstars Konrad, Sammüllars Edowart 99. Strickars 100. Schellings 101. Naiolar, Lorenzle, Tirolare, Kalbs Ferdes 102. Rüsto Tones 103. Zwickles, Knoblars 104. Hindoreggars i dor Bütze, Weogmachars 105. Oachobeorgars Katrie (früher Düorobuobos) 106. Stülzes, Metzgar-Hannos, Tscheppo 107. 108. 109. 110. 339. 333. 111. 112. 113. 292. 114. Toblars Martes Schrinar-Veres, Schöflewiorts Franz Mohro Josefs Gabolmachar, Uhrowible Guldeschuohs Villa, Veres Bernhardos,Villa-Armin, Su-Biorar Thalars Josef Orglars, Musars, Schmiods-Katrinos Köbo Ferdes, Ferdinanda, Heimat Flatzolsidor Mohro Stase Halde 71. Klockars uffor Haldo (früher Holzars August) Schloß, Holz 72. Schloß, Schindlar 73. Holzmüllar 74. Holzar-Schmiod 75. Bernhardos, Wörzos, Paßlars x. Schmiodto im Holz 76. Bischofs (früher Hustors, Kustors Bühol) Hinterfeld 77. Hindorfeoldar, Kompatschar Kirchdorf 78. Mäschos 79. Öhes, Klions 80. Kalbs im Gässele, Felso-Kalb (abgebrochen 1911) 81. Kiorchbeorgars, Alta Schwano (ältestes Gasthaus im Kirchdorf) 82. Sammüllars x. Filitzos (abgebrochen 1895 im heutigen Schwanengarten) Loch 83. 84. 85. 86. 87. 88. 89. 90. Graningars (früher Oachobeorgars) Schloßburos im Lo Kolobanos Büoblar Giggolar, Hollagoggol Goaßbiorar, Maschinomachar Sofie, Georbe im Lo, (früher Feogars) Höfles (früher Veres) Bütze 91. Rädlars 92. Naiolars Hans-Irg, Hansirgos, Rüsto Eugenos Kirchdorf 115. Jockele-Schuohmachar 116. Kunsum (früher Sattlar Müllar) 117. Lammwiort, Metzg, Rüsto Mathis (früher Fischar) 118. Schlossars Julie, Holzars Geobart 119, Schrinar Hannos, Sargmachar Seppl (früher Büros) 29 28 Lutzo-Ferdes Hus wurde 1884 aus dem abgebrochenen Pfarrhof erstellt. Heute Muxels, Brühlstraße 30. Steonnowiorts um 1928 vor Gasthof und Kegelbahn. Rechts Altvorsteher Ferdinand Köb, in der Mitte seine Frau Wangars Marie mit Ferdeles Töchtern Resi, Barbara und Frieda und dem jüngsten Sohn Walter. Zwei unbekannte Gäste. Unterlinden 146. Guldeschuohs Rudolf 147. Thalars Marte (früher Nummorant Schneidarie) 148. Thalars Josef 149. Klockars, Brunnomoastor 150. Waibols Vizzenz 151. Altvorsteohars, Schuohmachars, Zeichnar 152. Schloßburos Strohdorf 153. Kaufmanns 154. Kalbs (Doppelhaus mit Nr. 153) 155. Schmiod-Böhlar, Schellings 156. Murars, Murars Seppatone 157. Rieh Höfle, Goldonkol 158. Doktor-Rohnars, Steonnowiorts Otto 159. Steonno, Steonnowiorts, Postmoastors 160. Schmiods, Schmiods Edowart 293. 358. 161. 162. 163. 164. 165. 166. 167. 168. Brauchles, Drogorie Voreinshus Zehrarmühle, Zehrars Marte Briofbot, Bot-Köb Albingars Schuol Disjockeles, Knores Zischgele Stoahouars Post, Postmoastors Disjockeles, Wangars, Ferdeles, Steonnowiorts Waltor 169. Molars 170. Hanebeorgs 171. Ratzars (früher Brauchles) 172. Simonis 173. Instrumentomachars (früher Feogar Albingar) 174. Frickoneschars, Schuohmachar Martele 175 u. 176. Salomoneum (uraltes Doppelhaus, abgebrochen 1920) 31 120. 121. 122. 123. 124. 341. 125. 126. 127. 128. 129. Schellings (1910 mit Nr. 119 vereinigt) Heitzos Metzgar-Reinar, Bot-Reinars Beorgars, Rasiorar-Wible, Agathle Lehrars Ludwig Rasiorar-Reinar, Bot-Reinars Gigars Fidele, Rochuslar, Gassars Engolbeort Reinars Mathis, (früher Goaßbiorar und Stülzes) Waldingars, Büocheles Attur (früher Hebammars) Hirscho, Hirschowirts Zilla Zoller 133. Fideles, Bernhardo Fideles, Kartonaschars (früher Lindowiorts, Märtolar) 134. Mohro Fidele 135. Mohro Geobart 136. Sattlar-Rohnars 137. Loamar 138. Blind-Scheoffkneocht, Agathle 139. Kiorchbeorgars 140. Gigars Finele, Rochuslar 141. Gigars Ludwigos 142. Draiars Seogo (früher Drechslerei Zuppinger, Hammorschmiods) 143. Bühlars Frickenesch 144. Flötzar, Frickoneschar 145. Wüostnars Unterlinden 130. Oachobeorgars 131. Schloßburos, Naglars Seppl (früher Feogars) 132. Haldobuob 30 186. Jockele-Windars, Windars Seppl (früher Lehrar-Höfles) Eulentobel 187. Simmas 188. Wohlgenannts, Brandplatz 189. Kressars Seppl (früher Stenzlars, Scheibles) 190. Wandorlehrar Gassar (früher Lislos) Hub 191. Soalars 192. Kassians, Wohlgenannts, Frickoneschars Johann 193. Glasars, Glasar Klockar 194. Albrechts 195. Küofar Köb, Sch


Heimat Wolfurt Heft 10 1992 September
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 10 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 92 Die 92er. Ein besonders starker Jahrgang. 1942 zum 50er trafen sie sich mit ihrem alten Lehrer Wachter vor dem Kreuz. Mit diesem Bild grüßen wir Martin Höfle, unseren einzigen 100er. Inhalt: 40. Unser tägliches Brot (Heim) 41. Kriegstagebuch 1939-1946 (Fischer) Zum Titelbild Die 92er. «Hür schle-it jeda Stoaro us», soll Pfarrer Sieber 1892 gestaunt haben, als es so ungewöhnlich viele Geburten gab. Es wurde ein ganz besonders guter Jahrgang mit Frauen und Männern, die das Wolfurter Gemeinschaftsleben geprägt haben. Neben Oberlehrer Wachter sitzen Altbürgermeister Ludwig Hinteregger und Lehrer Alfons Fischer aus Tisis, Altadlerwirts. Du kennst sicher viele andere. Ich finde da: Sofie Köb - Gallers, Katharina Gunz im Kessel. Martha Jochum auf dem Bühel, Rosa Gmeiner - Steinhauers, Katharina Rohner - Haldobubs, Katharina Kalb Naglers, Gebhardina Böhler in Bregenz - Seppos, Rosa Schertler im Röhle, Rosa Rist in der Bütze, Berta Schertler - Altvorstehers, Katharina Gorbach - Eichenbergers, Julie Höfle - Dello Korles, Johann Arnold - an der Hub, Josef Gunz - Pläzolar, Johann Gmeinder - Frickeneschers, Paul Bohle - Mohrenwirts, Rudolf Fitz - Schwanenwirt, Hermann Fischer auf der Steig, Gebhard Klocker - Seilers, Gebhard Lohs an der Ach, Karl Podlipnik und natürlich Martin Höfle, der sich bescheiden an die Wirtshaustür drückt. DIE AUTOREN: Zuschriften und Ergänzungen zu Heft 9 Bildstein. Bis jetzt stand in vielen Schriften, die einen Druckfehler im «Rapp» nachdruckten, die Bildsteiner Kirche sei am 2. Mai 1676 eingeweiht worden. Inzwischen hatte ich Gelegenheit, in den uralten Bildsteiner Originalchroniken zu blättern und fand, daß sie schon an 2. Mai 1670 eingeweiht worden ist. Die Bauzeit betrug demnach 7 Jahre 1663 bis 1670. Ich bitte, dies in Heft 9 auf Seite 6 zu berichtigen. In Bildstein ist inzwischen eine sehr schöne bebilderte Festschrift erschienen, die auch allen Wolfurtern zu empfehlen ist. Schönes Bildstein - eine Reihe von Wanderern haben mir inzwischen bestätigt, wie sehr sie die Schönheiten von Stefano Veohwoand, Rappenfluh, Oberteilenmoos, Gallin . . . bis zur Roßgaß schätzen und daß sie auch nach den alten Parzellennamen Ausschau halten. Mohr-Sippe. Nicht alle Familienangehörigen wollten glauben, daß die Hübler und die Dörfler Mohren verwandt sind. Nun arbeiten sie an einer gemeinsamen Dokumentation. Große Bäume. Wer hat inzwischen die Riesenweide im Wiosa gefunden, angefaßt, mit staunenden Augen umgangen? Dir. Krieg von der Vorarlberger Naturschau hat den Beitrag, der ihn in seinem fast aussichtslosen Kampf für unser Ried unterstützen sollte, mit Befriedigung zu Kenntnis genommen. Wolfurter Grenzen im Ried. Das Heft Birken-Schwarzes-Zeug aus der Reihe «Natur und Landschaft» von Max Albrecht u. a. führt uns mit herrlichen Farbbildern und Karten wissenschaftlich und volkstümlich in die Tier- und Pflanzenwelt der bedrohten Landschaft ein. Es ist noch - kostenlos - im Gemeindeamt erhältlich. Unschlitt (S. 2 in Heft 9): Zu recht wurde berichtigt: In Wolfurt sagte man «Uschling» zu dem Darmfett der Rinder, mit dem man auch die Hände gegen Schrunden einfettete. Außerdem hing im Schopf ein «Su-Seckol», mit dem man die Waldsäge «gäng» machte und die «Seogass» vor Rost schützte. Nach Amerika hat sich ein vielfältiger Briefwechsel entwickelt. John Fischer schickte aus Florida eine Kopie der Todesanzeige des Wolfurter Malers Gebhard Flatz vom 19. Mai 1881, die in seiner Familie seither aufbewahrt wird. Einer seiner Angehörigen hat im Jahre 1945 als amerikanischer Offizier den Vetter Hermann Fischer an der Rutzenbergstraße auf der Steig besucht. Nun will John Fischer nächstes Jahr mit seiner Frau auch nach Wolfurt kommen (Heuer besucht er die Tochter in Singapore). Schon jetzt grüßt er alle Fischer-Familien: «Please give my most sincere best wishes to the Fischers of Wolfurt.» Heuer im Juli war Johann Heitz aus St. Louis in USA mit Sohn und drei Töchtern auf Besuch bei seinen Brüdern in Wolfurt. Der rüstige 85jährige Mann spricht drüben in 1 Siegfried Heim, geboren 1931 in Wolfurt, Hauptschuldirektor i. R. Hofrat Dipl. Ing. Alfons Fischer, geboren 1920 in Wolfurt. Er war Leiter der Wildbachund Lawinenverbauung in Vorarlberg. Unseren Lesern hat er in Heft 3 den «Rickenbach» vorgestellt. Die Bilder sind den Sammlungen von Hubert Mohr, Siegfried Heim und Alfons Fischer entnommen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, 6922 Wolfurt Satz und Bild: Norbert Mayr, 6922 Wolfurt Druck: Adolf Lohs Ges.m.b.H., 6922 Wolfurt Amerika seit 65 Jahren nur Englisch, «herüben» aber bringt er uns mit fröhlich im urwüchsigen Wolfurter Dialekt erzählten Jugendgeschichten zum Lachen. Er weiß noch genau, wo er und seine sechs Brüder einst Äpfel gestohlen haben, und wo die noblen Rickenbacher ihre offenen Autos vor den Gasthöfen stehen hatten, so daß man ihnen leicht «Roßbollen» auf die Sitze legen konnte. Johann Heitz ist 1908 geboren. 1911 erwarb sein Vater das alte Geiger-Haus an der Kreuzstraße und betrieb dort eine Wagnerei. Wie seine Brüder durfte Johann eine Handwerkslehre machen, was nach dem Ersten Weltkrieg keine Selbstverständlichkeit war. Aus seiner Schlosserlehre bei Doppelmayr erinnert er sich noch an den alten Chef Konrad, an seinen Meister Adolf Kaufmann und die Handvoll Mitarbeiter, die damals noch im alten Stammhaus landwirtschaftliche Geräte erzeugten. Er zählt auf: Vögel, Liberato Gebhardle, Lislo Albert (sein Vetter), Feogars Herbert... Als 19jähriger wanderte er 1927 mit vier Geschwistern nach Amerika aus. In 21 Tagen brachte sie der 21.000 BRT-Dampfer«New York» von Hamburg nach New York (Heute fliegen sie in 8 Stunden von Chicago nach Zürich!). Als Schlosser suchte er Arbeit in St. Louis, aber in den Krisenjahren 1929 bis 1931 war er oft arbeitslos. Nur der Zusammenhalt der Geschwister bewahrte ihn vor der größten Not. Seither aber ging es aufwärts. Schon 1949 machte er mit dem 9jährigen Sohn John den ersten Besuch in der Heimat. Woran sich der heute 52jährige «Bub» noch erinnert? An das «Castle» Schloß Wolfurt natürlich mit den französischen Offizieren. An die Kegelbahn beim Engel, in der er mit den Dörfler Buben spielte. An den «milkroom with Mary Heitz» in der Sennerei. An Rasierers Agathle, den ersten weiblichen «barber», der ihm die Haare schnitt. Und an den «Cable Car» auf den Pfänder, in dem sich die alte Großmama Theresia so fürchtete, weil auch sie dort 1949 zum ersten Mal fuhr. Was sich verändert hat? Oh, alles! vor allem die Autobahn. Als ihnen Vater Johann mit dem Mietauto von Kloten her den Weg wies, kamen sie richtig nach Wolfurt in die untere Straße - wo früher fast keine Häuser standen! - Die Abzweigung Kellhofstraße versäumte er, weil er Rädlers Hans suchte. - Dort steht jetzt die Raiffeisenbank! Schule und Post suchte er jetzt. - Er fand sie nicht mehr! Erst beim Kreuz und der Kapelle Rickenbach erkannte er, daß er zwei Kilometer zu weit gefahren war. Die obere Straße ist noch fast unverändert,Gott sei Dank! Die leitete ihn nun sicher heim, heim ins Haus seiner Brüder an der engen Kurve im Dorf. Was Vater Heitz nicht versteht? Daß die Geschäfte mittags geschlossen sind, daß sie abends geschlossen sind, daß wir soviel Freizeit haben. Aber er erkennt an, daß es uns auch gut geht, daß wir schöne (schönere!) Häuser haben mit vielen Blumen, daß er gerne nach Wolfurt kommt. Auch aus Etrechy in Frankreich ist ein Brief gekommen. Frau Amara Alaux war selbst schon zweimal in Wolfurt, um im Pfarramt nach ihren Ahnen zu forschen. Sie gehört zu einem Geiger-Stamm aus Bildstein: Von «Schützo Mathisos» im Röhle ist als letzte Frau Agatha Geiger-Schneider, die große Wohltäterin für Kirche und Pfarrheim, gestorben. Als entfernt Verwandte leben in Wolfurt noch «Schützos» von der Inselstraße 13 (Österle-Moosbrugger), aber auch Kressers Luise und Franziska von der Achstraße 29. Frau Alaux kam schon mit drei Jahren aus Dornbirn nach Paris, dann nach Beirut im Libanon und schließlich wieder nach Frankreich. Dort ist sie jetzt daheim, aber hier in der alten Heimat am Steußberg sucht sie nach den Wurzeln ihrer Familie. 2 Schließlich kam noch ein langer Brief von Marianne Barcatta aus Buenos Aires in Argentinien. Sie grüßt ihre Mitschüler und die 1931-Jahrgänger und erinnert sich besonders noch an Deuring Erich, Böhler Lorenz, Gunz Elmar, Waibel Agnes, Bohle Helga, Schwerzler Herta und Doppelmayr Traudi. Sie wohnte einst bei «Ammans» am Kellaweg, direkt am Rickenbach, und erzählt von lauter «sehr guten Nachbarn»: Waibels, Starks, Konzetts, Gmeiners, Winkels und Adlerwirts. Schon 1940 hatte Marianne ihre Mutter verloren. Die Schwestern Hermine und Luise erkrankten schwer an Tbc, Hermine starb. Der einzige Bruder Siegfried Barcatta mußte in den Krieg und fiel 1944 am Dnjepr in Rußland. Marianne kam an verschiedene Pflege und Arbeitsplätze. Als auch noch ihr Vater - die Wolfurter schätzten den tüchtigen Maurer - gestorben war, folgte sie 1958 ihrer letzten Schwester Luise nach Argentinien. «Am Anfang hab ich so geweint!» Dann aber half ihr die Arbeit über das Ärgste hinweg. Nun ist sie verheiratet, hat Kinder und Enkel. «Argentinien hat auch seine Schönheiten, aber man muß weit fahren, um Berge und Wälder zu sehen. Das ist, wonach ich so Sehnsucht habe!» An anderer Stelle schreibt sie: «Die Welt ist verrückt. Keiner ist zufrieden. Statt Gott zu danken für die Gesundheit und für die herrliche Natur, tun sie alles ruinieren.» Das wollen wir uns zu Herzen nehmen, liebe Marianne! Wir schicken Dir Grüße aus Rickenbach übers Meer und wünschen Dir Gesundheit und eine gute Fahrt zu den fernen Bergen und Wäldern. Die Michaelskapelle von St. Gallus ist der Bregenzer Historikerin Frau ReckefußKleiner ein besonderes Anliegen. Mit Herrn Dr. Kaltenhauser vom Bundesdenkmalamt und Herrn Dr. Swozilek vom Landesmuseum hat sie über den bedenklichen Zustand der «Wolfurter» Fresken gesprochen und deren Restaurierung reklamiert. Leider werden sie noch einige Zeit auf der Warteliste bleiben müssen. Frau Reckefuß will sich auch um die Erstellung von Fotos kümmern. Für ihre Bemühungen sagen wir ihr herzlichen Dank. Edith Fessler (Waibels Edith aus Rickenbach) hat im Konstanzer Münster das Wolfurter Wappen entdeckt. Gleich nach dem Eingang findet es sich im linken Seitenschiff in einem alten Glasfenster. Es ist noch das alte Ritterwappen mit einem seitenverkehrten Wolf und erinnert an Sigmund von Wolfurt, einen der berühmten sechs Söhne des Hans Jörg von Wolfurt. Ulmer berichtet über ihn (Burgen, Seite 394):Sigmund studierte 1588 in Ingolstadt und dann am Germanicum in Rom und wurde Kanonikus und Domdekan in Konstanz. Für den prunkliebenden Salzburger Erzbischof Mark Sittich, dem auch sein Bruder Laux von Wolfurt als Stadthauptmann von Salzburg diente, verwaltete er die Domprobstei in Konstanz. Welti schreibt (Graf Kaspar, Seite 86), daß Sigmund seinen Herrn in Salzburg auch mit Meersburger Wein versorgte. Im Domfenster wird 1621 als das Todesjahr Sigmunds angegeben. Um 1650 starb das zweite Wolfurter Rittergeschlecht aus. Welcher Wolfurter Fotograf macht uns einmal ein Bild vom Wolfurt-Fenster in Konstanz? 3 Siegfried Heim samt den unreifen Kolben an das Vieh verfüttert. Auch das Obst war sehr rar. Von einem Markttag zum anderen stiegen die Preise den ganzen Winter über und bis zum Sommer 1817 ungeheuer an. Dabei gab es keinen Verdienst mehr. Alle Fabrikation hatte aufgehört. Aber die nächste Ernte war noch weit entfernt. Die Situation wurde im Juni noch verschärft durch die rasche Schneeschmelze. Alle Flüsse und der Bodensee traten über die Ufer. In Hard und Fußach drang das Wasser in die Kirchen ein. In Bregenz stand es auf dem Kornmarktplatz zwei Schuh tief. Feldfrüchte und Heu wurden weitgehend vernichtet. Dazu kamen noch einige Hagelwetter, die in den verbliebenen Getreidefeldern, Weinbergen und Obstgärten fürchterlichen Schaden anrichteten. «Ein solches Theur Beträngtes Jahr, daß es den Hunger und die Noth nicht genugsam bescheiben kann.» (Originaltext im Anhang). Andere alte Chroniken berichten immer wieder von solchen Notjahren, etwa daß im fürchterlich langen Winter von 1572 Menschen von Wölfen zerrissen worden seien. Im anschließenden Notsommer hätten die Leute das Gras auf dem Feldern gegessen. Ebenso war es mehrmals im 17. Jahrhundert. 1676 berichtete Obersthauptmann Keis an die Regierung: «... dahero mehr alß der halbe theil underthonen nit allein höchst beschmertzlich schon eine geraumbe zeit an dem hungertuch nagen, sondern wie es mir selbsten alß anderen, die noch ein stuckh brodt zu essen, täglich erfahrlich, mit weib und kündern hier und aller orthen hin, das liebe brodt bettlendt vor der thür suechen müessen ...» Man stelle sich das heute, 300 Jahre später, im reichen Vorarlberg vor: Die Hälfte der Einwohner in Hungersnot am Betteln! Ein Großteil der arbeitsfähigen Bevölkerung als arbeitsuchende Gastarbeiter in fremden Ländern! (Siehe Heft 2, Seite 28!) Konnte man denn keine Nahrungsmittel einführen? Nein! Es fehlte ganz einfach das Geld. Es fehlten die Handelsstrukturen und auch die leistungsfähigen Transportfahrzeuge. «Theurung» hieß daher die Hungersnot. Unser tägliches Brot Dieser Beitrag ist den «Jungen» gewidmet, die durch Gottes Fügung in langer Friedenszeit in einem reichen Land leben dürfen. «Unser tägliches Brot gib uns heute» beten wir im «Vater unser». Oft gedankenlos! Ganz selbstverständlich nehmen wir, daß unser Tisch reichlich gedeckt ist. Unsere Kühlschränke sind voll. Die Regale im Lebensmittelgeschäft quellen über von wohlschmeckenden Angeboten. Ellenlang sind die Speisekarten in den Gasthöfen. Das ist nicht überall auf der Welt so. Das war bei uns auch nicht immer so. Hunger Die letzten Hungerjahre bei uns waren die Nachkriegsjahre 1945 und 1946, als es für Geld nichts mehr zu kaufen gab. Mit Wäsche und Geschirr versuchten blasse Mütter aus der Stadt, für ihre Kinder ein paar Liter Milch oder eine Tasche voll Kartoffeln einzutauschen. Ich erinnere mich noch an eine Flüchtlingsfrau aus dem Barackenlager im Weidach, wo Flüchtlinge lebten, die nur ihr nacktes Leben gerettet hatten. Mit einem Säugling auf dem Arm und einem Kleinkind an der Hand war sie in einen Acker in der Wolfurter Lärche gegangen. Mit bloßen Händen hatte sie nach den unreifen kleinen Kartoffeln gescharrt und ein paar in ihre Tasche gesammelt. Da war der Bauer gekommen. Schimpfend zerrte er nun die weinende Frau mit den Kindern durch die lange Straße, um sie im Gemeindeamt zur Anzeige zu bringen. Viel schlimmer noch hatten es unsere kriegsgefangenen Männer in den Lagern, wo manche die Hälfte ihres Körpergewichts verloren. Viele waren so geschwächt, daß sie keine Widerstandskraft mehr gegen Krankheiten besaßen. Deutsche verhungerten in russischen Lagern, Russen in deutschen, zu Hunderten, zu Zehntausenden. Hungerjahre hatte es auch 1917 bis 1919 nach dem Ersten Weltkrieg gegeben. Aber die letzte ganz schlimme Hungerkatastrophe war die von 1817, über die der Vorsteher Mathias Schneider berichtet. Im Sommer 1816 war das Wetter anhaltend naß und kalt. Auf den Bergen blieb der Schnee liegen, Die Kartoffeln faulten wegen der Nässe. Die Hauptfrucht, der Türken, wurde überhaupt nicht reif. Bis Allerseelen ließ man ihn stehen, dann wurde das Stroh 4 Jeder Bauer ein Selbstversorger Die Dreifelderwirtschaft des Mittelalters brachte es mit sich, daß sich im Dorf jeder nach seinen Kräften an der gemeinsamen Arbeit beteiligen mußte, damit er auch Anspruch auf seinen Ernteanteil hatte. «Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen», sagte man damals. Auch nach der Verteilung der Felder im 18. Jahrhundert war noch jeder im Dorf ein Bauer: der Doktor genau so wie der Pfarrer, der Wirt, der Schmied und der Schuster. Mit Lebensmitteln versorgte sich jeder selbst. Der Acker lieferte Dinkelkorn und Hafer, später auch Kartoffeln und Mais, dazu Kraut und Rüben. Eine oder zwei Kühe im Stall reichten aus für Milch, Butter und Käse. Wenn 5 eine Kuh «galt»1 ging, halfen die Nachbarn einander aus. Auch mit Fleisch und Schmalz versorgten sich die Bauern selbst. Geschlachtet wurde immer im Winter, Konservierung war ja ursprünglich nur im Rauch des Kamins möglich.Eier aus dem Hühnerstall, frisches und getrocknetes Obst, ein wenig Gemüse und Gewürze aus dem Garten und dazu noch ein paar Beeren ergänzten den Küchenzettel. Beeren und gedörrtes Obst waren neben Honig die einzigen Süßigkeiten. In Hanso Hus war einer der ganz wenigen Läden der großen Pfarre. Aber Lebensmittel gab es hier kaum zu kaufen, denn Geld hatte ja niemand. Nur die Bucherinnen schleppten manchen «Stumpen»2 Mehl, den sie für Holzwerkzeug oder Rebstecken eingetauscht hatten, durch den Ippachwald heim. Für Steuern und Abgaben und für Kleidung und Werkzeuge sparte man mühsam Kreuzer und Gulden zusammen, die sich jeder Bauer durch seinen Nebenverdienst als Schreiner, Schuster, Wagner, Schmied, Gerber, Küfer, Seiler oder einfach als Taglöhner verdienen konnte. Nur selten gelang es, Eier, Obst oder auch Brennholz und Torf in die Stadt zu verkaufen. Im Acker Ackerbau war also bis 1870, als er von der Viehzucht abgelöst wurde, die Grundlage der Ernährung in unserem Dorf. In Heimat 2, das leider vergriffen ist, haben Magister Volaucnik und ich in zwei Artikeln darüber berichtet. Von den sieben seit alters her bekannten Getreidesorten wurden in Wolfurt hauptsächlich Dinkel und Hafer angebaut. In dreijährigem Wechsel gab es zuerst Dinkel (bei uns hieß er «Feoso», Vesen, oder einfach Korn), dann Hafer (Haber) und im dritten Jahr Brache als Weidegebiet für das Vieh. Gemeinsam ging man zur Arbeit «is Feold». Unzählige Fußwege stammen noch aus j ener Zeit. Da gab es das Oberfeld und das große Unterfeld. Das Unterfeld war zuerst nur das fruchtbare Gebiet zwischen oberer und unterer Straße, dann kamen nacheinander die Felder bis zur Linie Unterfeld-Neudorfstraße-Schertlerstraße und schließlich bis zur Lärche-Fatt-Schmerzenbildstraße dazu. Um diesen riesig groß gewordene Esch ging noch bis 1938 die «Ösch»-Prozession an Christi Himmelfahrt, um Segen für die Äcker zu erbitten, als es dort längst fast nur mehr Graswiesen gab. Der mehrstündige Prozessionsweg führte über Oberfeld, Achstraße, Lärchenstraße, Fattstraße, Schmerzenbild zur Wälderstraße und dann über dir Kirchstraße zurück zur Kirche. Später ging man in umgekehrter Richtung. Nach der Entdeckung Amerikas 1492 waren zwei ganz wichtige Feldfrüchte nach Europa gekommen: Kartoffeln und Mais. Ab etwa 1730 wurden sie auch bei uns bekannt. Aber in den Eschen war kein Platz für sie. Nur in den Hausgärten und am äußersten Ende des Gemeindegebietes, im Neuwiesen und im Weitried, begann zögernd der Anbau. Das Ried mußte zuerst mühsam durch Gräben entwässert werden. 2 galt = ohne Milch! hier, weil die Kuh hochträchtig war. Stumpen = kleiner oder halbgefüllter Sack. 7 6 Als dann im 18. Jahrhundert Feld und Ried an die etwa 150 Wolfurter Bauern verteilt worden waren, stieg der Anbau von Mais rasch an. Er überholte zuerst um 1810 den Hafer und um 1840 auch den Vesen. Bald rollten die Bäuerinnen ihren «Hafoloab» 1 , us Türggo 2 -Meohl» statt aus dem billigen «Jau-Mehl» 3 . Jetzt verdrängten auch TürggoMuos und Türggo-«Stopfar» 4 das altgewohnte Habermus. «Hafoloabar» blieb aber der Spottname für die Wolfurter. Die Nachbarn wollten damit sagen: Die Wolfurter haben nichts zu essen als die Teignudel aus grauem Vesenmehl. Erst viel später kamen die «Speck-Seele» 5 oder gar «Speock und Krut» 6 dazu, die aus der ehemaligen Hauptspeise «Hafoloab» heutzutage eine delikate Beilage machen. Das ganze Jahr über gab es im Acker viel Arbeit. Sie begann schon im Herbst mit der Vorbereitung für das nächste Jahr, mit Aufräumen und Düngen, mit Ackern und Eggen, mit Instandhaltung von Marken, Gräben und Wegen. Das Werkzeug mußte hergerichtet werden: «Vum Wangar» 7 brauchte man einen neuen Stiel, «vum Schmiod» eine neue Haue. Die Böden wiesen verschiedene Qualitäten auf. Gegen die Ach zu waren sie steinig und lettig, das Schwemmland der Bäche war meist lehmig. Im Ried war der Schollenboden 8 zwar steinlos, dafür aber oft durch hochstehendes Grundwasser naß. Jeder Bauer sicherte sich seinen Besitz durch Marken, im Ried durch mit Sorgfalt gepflegte Gräben. Zäune waren im Ackerland nur hinderlich. Einen Markpfahl ausreißen oder gar eine Mark versetzen gehörte zu den ganz großen Freveln. Gute Marken verhinderten Streit. Vorsichtige Bauern schützten sich doppelt, indem sie zum Markstein noch «Zügo» 9 ins Erdreich setzten: flache Steine oder auch Ziegelsplitter. Eine beim «Eren» 10 verschwundene Grenzmark konnte danach wieder gesetzt werden. Nicht selten aber mußte das «hülzerne Gricht» 11 , zu Hilfe geholt werden. Das Eren und das Eggen besorgten jene wenigen Bauern, die Pferde besaßen, im Lohnauftrag. Für Neubruch 12 brauchte man zwei Pferde, für die lockeren Riedböden genügte eines. Für die schweren Lehmböden im unteren Rickenbach und in Engliswies Hafoloab = Hafenlaib. Ein Hafen ist ein Topf. Türggo = Türken, Mais, türkisches Korn 3 Jaumehl = graues, minderwertiges Dinkelmehl 4 Stopfar = Riebel. Der Grieskoch sättigt (stopft voll). Seele = ein Speckstreifen, in den Hafenloab eingelegt, machte diesen besonders schmackhaft. Speock und Krut = Selchfleisch und Sauerkraut. 7 Wangar = Wagner 8 Schollen = Torf Zügo = Zeugen Eren = acken, pflügen hülzernes Gricht = hölzernes Gericht. Ein vom Gericht Hofsteig bestimmtes Niedergericht aus Vertrauensmännern, die in Streitfällen vermitteln sollten. Es besteht auch in der heutigen Rechtsordnung noch als «Gemeindevermittlungsamt» fort, allerdings meist nur noch bei Ehrenbe\eiäigungen. 12 Neubruch = eine Wiese wird zu Ackerland umgebrochen. 8 9 1 brauchte man sogar Vorspann 1 . Da zog oft ein Pferd gemeinsam mit zwei Ochsen den schweren Pflug. Dem Pflug folgten der Hund und die flinken Buben mit der Haue, denn das «Ise»2 warf oft Mäuse ans Tageslicht. Auch die gefürchteten «Engora» 3 mußten eingesammelt werden. In manchen Jahren wimmelte das Feld davon. Viele von den kleinen Äckern waren aber nur schmale Riemen. Sie wurden mit der Grabe, einem Vorläufer unseres Spatens, umgegraben. Mit der Haue wurden die Schollen zerkleinert. «Do Bro houo» 4 galt als besonders schwere Arbeit, nach der manche müde Frau über Kreuzweh klagte. Von der Sonne hart gebrannte Lehmbrocken boten argen Widerstand. Im Ried zerfielen die Furchen dagegen fast von selbst. Da konnte man mit dem «Schollar», einem stabilen Holzrechen, den Boden lockern. Jetzt mußte man noch den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat abwarten. «Benedikt 1 macht Zübola dick» galt zwar nur für das Stecken der Zwiebeln. Um diese Zeit sollte aber auch die Frühjahrssaat von Getreide schon im Boden sein. Für «Türggo und Bodobiora» 2 galt dagegen: «Steckst me im April, kumm-i wenn-i will. Steckst du me im Mai, kummi glei.» Türken wurde auf alle Fälle erst ab dem 1. Mai gesteckt, Frühkartoffeln dagegen doch oft schon im April. Ganz wichtig war dabei «do Mo», das Mondzeichen aus dem Bauernkalender: «Undorgento» 3 für Zübola und Bodobiora, für «Randig» 4 und «Rätig» 5 und Rüoba, «üborgento» 6 für Türggo und Korn und alles; was oben Früchte tragen sollte. Man achtete aber auch auf die Tierkreiszeichen: Für die Kartoffeln «a truckos Zoacho» 7 , am besten «im Stior», niemals «im Wassorma», sonst wurden sie wässrig und faulten. Manche aber sagten: «Des best Zoacho ist Miost bis a-d Knü8!» und legten eher Wert auf gute Düngung. Kartoffeln wollten alten Stallmist, Mais eher «a guote Bschütte 9 ». So stank es denn auch auf allen Feldstraßen anfangs Mai ganz fürchterlich, wenn die Jauchefuhrwerke auf dem Weg waren. Da gab es neben den großen «Bschütte-Fässern» auch noch die hochrädrigen «Bschütte-Bina 10 », die man mit dem Schöpfkübel füllte und leerte, «Bschütte-Beora 11 » und allerlei kleine Fässer, die auf Handwagen die scharfe «Hüsle-Bschütte 12 » zu den Äckern brachten. Ins Ried führte man Mist. Die Fuder hatte man daheim kunstvoll gebaut und mit dem «Pritschbreot» 13 geglättet, damit ja nichts auf dem Weg verloren ging. Die Riedböden hatten so wenig Tragkraft, daß die Eisenreifen der schweren Wagen oft einschnitten. Dann steckte das Fuhrwerk bis auf die Achsen im Sumpf. Mit dem «Kröl»14 wurde abgeladen. Mit «Beoro» oder «Miost-Zoanno 15 » verteilte man den Mist. In langen Reihen wurden mit der Haue Löcher vorbereitet. Für die richtigen Abstände sorgte eine Markierung mit dem «Kreislar»16, der mit seinen drei Zähnen Spuren ins Vorspann = vor das Zugtierpaar werden weitere ein oder zwei Zugtiere vorgespannt. Ise = Pflugeisen, Pflugschar Engora = Engerlinge, Maikäferlarven Bro = der Brach oder die Brache ist ein vom Pflug abgelöstes Rasenstück, aber auch der ganze unbebaute Acker 10 Benedikt = 21. März, Tag des Hl. Benedikt Bodobiora = Bodenbirnen, Kartoffeln 3 Undorgento = untergehender Mond Randig = Rote Rüben 5 Rätig = Rettich übergento = übergehender Mond; Mondbahnwechsel, die man aus dem Volkskalender las. Nicht verwechseln mit abnehmendem und zunehmendem Mond! a truckos Zoacho = ein trockenes Zeichen 8 Knü = Knie 9 Bschütte = Jauche (beschütten) 0 Bino = Zweiradkarren mit Behälter für 200 bis 5001 Flüssigkeit. Beoro = Einradschubkarren. Die «Bschütte-Beoro» faßt 70 bis 130 1 Jauche, die «Miost-Beoro» eine entsprechende Menge Mist. Hüsle-Bschütte = Jauche aus dem Abort. 13 Pritschbreot = Brett mit Handgriff 4 Kröl = Zughaken Zoanno = großer Korb mit zwei Henkeln Kreisler («Kröoslar») = Ackerwerkzeug 11 1 Erdreich zog. Nach dem Einbrigen des Düngers wurden die sorgfälltig ausgewählten Saatkartoffeln «gstupft» und dann mit lockerer Erde zugedeckt. Vom Mais wurden drei Körner in jedes Loch «gstupft», weil man sicher genug Pflanzen haben wollte. Gingen alle auf, so mußten zwei von den dreien wieder ausgerissen werden. Bei all der schweren Arbeit fand man immer noch Zeit für einen Gruß und ein Scherzwort zu den Nachbarn im Feld nebenan. Zum «z Obod-Eosso» 1 setzte man sich zusammen «as Grabo-Ort» 2 und ließ sich zu «Brot und Käs» den herben Most aus dem «Butsch» 3 schmecken. Es war ein gutes Gefühl, wenn nach Tagen schwerster Arbeit der Acker bestellt war. Das Gedeihen mußte man weitgehend dem Herrgott und seinem Wetter überlassen. So sprach denn auch vom 3. Mai an, vom Fest Kreuz-Auffindung, der Priester täglich den Wettersegen. Und täglich beteten die Gläubigen ihr «Vor Blitz, Hagel und Ungewitter bewahre uns!» Das taten sie bis zum zweiten Kreuzfest, dem «Hoalig-Krüz-Tag» am 14. September, an dem das Vieh von den Alpen kam. Groß war auch die Beteiligung an allen Prozessionen und andächtig beteten alt und jung: «Segne unsere Äcker und Güter! Wende ab von denselben alles Ungewitter und befehle, daß der Himmel uns gebe zu seiner Zeit den Regen, zu seiner Zeit die Sonne!» Trockenzeit im Frühjahr und anhaltende Nässe im Sommer beeinträchtigten die Ernteaussichten. Wenn gelbe Wolken über dem See Hagel androhten, legte die Großmutter voller Angst geweihte Palmzweige ins Herdfeuer. Mit Glockengeläute versuchte man, die Gefahr zu bannen, und schimpfte auf die Schweizer, die mit Kanonenschüssen den Hagel über den Rhein herüberjagten. Schwerer Regen walzte das unreife Korn nieder. In den Nestern wuchsen «Windla» 4 und «Distla» und der Rostpilz breitete sich aus. In guten Jahren stand die Frucht dagegen schön. Die paar Vögel und die Mäuse schmälerten die Ernte kaum. Nur wenige Bauern stellten Vogelscheuchen auf. Eher hängte man an einen Stock «an tota Rabb» 5 oder ein glitzerndes Blech. Bodobiora und Türggo brauchten ständige Pflege. «Eotto» 6 -«uffo Knü»- beugte tagelang und immer wieder die Rücken. «Hüflo7»- «mit dor Houo»- ließ die schnurgeraden «Zilota 8 » entstehen. Dabei durften die jungen Pflanzen nicht beschädigt werden.. Allzu leicht entstanden sonst bei den Kartoffeln grüne «Sunnoluogora 9 », die als giftig galten. Gegen die gefürchtete «Krut-Füle 10 » wußte niemand einen Rat. Gegen die Mäuse, die in manchen Jahren zu Hunderten in die Kartoffeläcker kamen, konnte man sich wehren. Z-Obod-Eosso = (Abendessen) Jause um vier Uhr. Grabo-Ort = Ackerrand am Graben Butsch = Tonflasche Windla = Zaunwinde, ein gefürchtetes Unkraut 5 tota Rabb = toter Rabe eotto = jäten hüflo = häufeln, mit der Haue Erdreich an die Pflanzen bringen a Zilat (zwo Zilota) = Zeile Sunnoluogora = Sonnenschauerinnen. In grünen Knollen entwickelte sich das Nachtschattengift Solanin 10 Krut-Füle = Krautfäule 12 Im Ried bohrte man alle paar Zeilen mit dem «Mus-Boahrar 1 » etwa ein Meter tiefe Löcher bis ins Grundwasser. Da hinab stürzten die Nager, wenn sie nachts durch den Acker huschten, und ertranken jämmerlich. Wie erschraken wir aber, als sich einmal auch eine große Ringelnatter in dem Bohrloch gefangen hatte! Während des Zweiten Weltkriegs suchten Schüler und Erwachsene in ganzen Kolonnen regelmäßig nach Kartoffelkäfern - erfolglos! Aus Amerika kommend hatten die gefräßigen Tierchen sich schon über Frankreich ausgebreitet und gebietsweise den Kartoffelanbau vernichtet. Erst 1945 wurden die ersten bei uns entdeckt. Als sie sich in den folgenden Jahren schnell vermehrten, spritzte man tödlich giftige Arsen-Lösungen. Im «Türggo-Ackar» drohten ebenfalls Schädlinge. Engerlinge fraßen die Wurzeln ab. Der «Zünzlar» 2 bohrte sich durch das Stengelmark, so daß die abgestorbenen Spitzen wie verbrannt aussahen. Hin und wieder ließen Brandpilze die Kolben zu unförmigen schwarzen Klumpen aufquellen. Die mußte man sorgfälltig vernichten, sonst hätten die Sporen sich über den ganzen Acker verbreitet. Auch Raben rissen manchmal die unreifen Kolben auf und der Dachs brach in einer einzigen Nacht an die 50 Stück ab. Da war man froh, wenn endlich Föhntage im Herbst «do Türggobart 3 » trockneten und die milchigen Körner an den Kolben hart machten. Erntezeit! Das Getreide schnitt man fast überall mit der Sichel, selten mit der «Seogass4», für die es einen speziellen Getreide-«Worb 5 » mit langen Rechenzähnen gab. Erst ab 1930 kamen Lohn-Dreschmaschinen auf (z. B. bei Schnidarles Rudolf an der Schulstraße). Vorher drosch man von Hand mit Flegeln auf den Dielenbrettern im «Tenn 6 ». Große Siebe, aus dünnen Holzspänen geflochten, trennten die Spreu von den Körnern. Geschickte Hände arbeiteten noch mit der «Schwinge», einem flachen Korb. Darin blieben nur die schweren Körner liegen - genau wie beim Goldwäscher die Körner in seiner Pfannne. Im August wartete man, bis bei den Kartoffeln «s Krut abgstando 7 ist», dann zog die ganze Familie mit Wagen, Säcken, Kisten und Kübeln zur Ernte ins Ried. Manche rissen mit der Haue die Zeilen auf, andere gruben mit der Furke. Da kollerten jedesmal 10 bis 15 große und kleinere gelbbraune Früchte heraus. Die wurden in Körbe oder Kübel gelesen und zum Fuhrwerk getragen. «Git as us8?» grüßten die Nachbarn. »As goht a so!»9 oder «Mior sind z-frido!» war die Antwort. Daheim wurden die Kartoffeln auf dem Hausplatz gut getrocknet und dann «vortleoso 10 »: «Fule» und «fleockige» sollten eigentlich keine darunter sein. «Klenne Böbbele 11 », oder auch übergroße und seltsam Mus-Boahrar = Mäusebohrer Zünzlar = Zündler, eine schädliche Raupe 3 Türggobart = die langen Griffelfäden der weiblichen Maisblüten. Die Kinder spielten damit, die Buben rauchten den trockenen Türkenbart. 4 Seogass = Sense 5 Worb = Sensenhalterung mit zwei Griffen 6 Tenn = die Tenne. Großer Arbeits- und Vorratsraum im Stadel 7 abgstando = welk 8 Git as us? = Ist die Arbeit ergiebig? 9 As goht a so = Es geht einigermaßen, 10 vortleoso = auslesen, sortieren 11 Böbbele = kleine Knollen 2 1 13 geformte Riesen kamen «zu-n Su-Bodobiora» als Schweinefutter. Besonders schöne, eigroße Früchte wurden als «Somo 1 -Bodobiora» für das nächste Jahr im Keller dunkel gelagert. Die große Menge der anderen waren «Eoß-Bodobiora». Sie sollten die große Familie bis zur nächsten Ernte ernähren. Und die Mutter brachte auch täglich mindestens einmal ein Kartoffelgericht auf den Tisch. «Nöüe» mit Butter, Salz und Milch waren ein Leckerbissen und wurden «mit zamt dor Mundur 2 » verzehrt. Dann folgten jeden Tag «brotene 3 » oder «gsottene», «Biree4» oder «Bodobiora-Knedol 5 », aber auch «Küochle» und «Nudla» und andere Köstlichkeiten. «Tschips» und «Bommfritt» gab es allerdings damals noch nicht. Im Winter durfte kein Frost an die Kartoffeln kommen, sonst schmeckten sie süßlich und verdarben. Im Frühling trieben sie lange Keime in Richtung auf das Kellerfenster. Man mußte sie mehrmals sorgfältig «abkido» 6 , um noch einen Vorrat über den Sommer zu retten. Je nach der Wetterlage wurden die Maiskolben nacheinander im September und oft erst im Oktober reif. Der eine füllte sein«Handwägele», der andere den großen «LoattorWago» bis «a-d Gättor 7 uffe». Das war jedesmal ein Fest! «Undorom Vorschutz 8 » vor dem Stadel wurde die Ladung abgekippt. Flinke Hände machten sich daran, die Schutzhülle von den Kolben zu reißen, «do Türggo usmacho». Drei «Schwärtola 9 » blieben stehen und wurden mit denen eines zweiten Kolbens verknüpft. Gelblich weiß glänzten jetzt in langen Reihen die Körner, bis zu 400 auf einem Kolben. Nur «wißo Türggo» pflanzte man bei uns. Aber wir freuten uns, wenn als Irrläufer auch einmal ein dunkelroter oder polentagelber darunter war. Auf langen Gerüsten wurden die Kolbenpaare nun «im Ufzug10» aufgehängt. Die Katze mußte dafür sorgen, daß die Mäuse nicht dahinter gingen. Die schönsten «Schwärtola» hatte die Mutter auch versorgt. Daraus flocht sie später starke Bänder für allerlei Zwecke. Wenn die letzten Kolben vom Vorjahr aufgebraucht waren, holte man «do ersto Trag » neue Kolben in die Kammer herab. Am kantigen Eisen eines großen Getreidekübels, «Staro» 12 hieß er, wurden die Körner abgerieben. «An Stumpo» von etwa 20 kg brachten wir zu Zehrers Mühle. Je nach Verlangen mahlte Marte daraus «Türggo-Meohl», «Türggo-Grioß» oder «Türggo-Bruch 13 ». Jetzt konnte die Mutter wieder «Muos», «Stopfar», «Polento» und natürlich «Hafoloab» kochen.. Und der «Bruch» reichte auch noch mit der «Grüsch14» für die Hühner und die Schweine. Somo = Samen mit zamt dor Mundur = samt der Schale (Montur) brotene = gebratene Biree = Püree, Kartoffelbrei 5 Knedol = Knödel abkido = Keimlinge wegreißen 7 Gättor = Gestelle aus Latten oder Sprossen, die der Ladung Halt geben. 8 Vorschutz = großes Vordach am Stadel Schwärtola = Schutzblätter am Maiskolben 10 Ufzug = Aufzug, der Dachboden 11 Trag = das Getragene, ein Armvoll 12 Staro = der Star ist ein altes Getreidehohlmaß mit 21, 51 Inhalt 13 Bruch = gebrochene Getreidekörner 14 Grüsch = Kleie 2 1 11 Pflügen in Unterrickenbach 1940; Wegen des schweren Lehmbodens hat Konrad Immler vom Oberteilenmoos drei Kühe eingespannt. Den Pflug führt sein Sohn Emil. Auf den Äckern wurde zuletzt das «Türggo»-Stroh mit einem scharfen «Gettar 1 » abgeschnittten. Das Kartoffelkraut mottete tagelang auf kleinen Funken. Spätherbst! Das Bauernjahr begann von neuem. Hoffentlich wieder ein gutes! * Der zweite Teil dieses Beitrages mit den Kapiteln «Zu Tisch», «Hungerjahr 1817» und «Wettersegengebet» folgt in Heft 11. Gettar = schweres Schlagmesser 15 14 Kriegstagebuch Im Jahre 1939 wurde der 19jährige Maturant Alfons Fischer in den Krieg einberufen. Sieben Jahre später-sieben lange bittere Jahre - kehrte er heim. An fernen Fronten zum Mann gereift, ausgezeichnet, verwundet, gefangen! Nun packte er seine in engen Bleistiftnotizen geschriebenen Tagebücher samt dem Eisernen Kreuz und dem Verwundetenabzeichen in eine Schachtel und versorgte sie - gleichsam mit den sieben verlorenen Jahren seiner Jugend - am Dachboden. Fast 50 Jahre später hat er sie nun wieder gesucht. Ihn bedrängen die Fragen unserer jungen Generation. Junge Historiker von links und von rechts bieten oft zu einfache Antworten an. Umso wichtiger ist es, daß Alfons Fischer uns allen und ganz besonders den ehrlich suchenden Geschichtsforschern seine Tagebücher zur Verfügung stellt. Sie sind weder ein Heldenepos noch ein Sensationsbericht. Manche Seiten wirken trocken und langweilig- das gab es im Krieg auch! An anderen Stellen überschlagen sich die Ereignisse - da war keine Minute frei, weder zum Schlafen noch zum Schreiben! Gerade dadurch aber werden die Aufzeichnungen zu einem wertvollen ehrlichen Dokument. Alfons Fischer, Jahrgang 1920, ist neben drei jüngeren Schwestern der einzige Sohn einer Wolfurter Bauernfamilie. Auch Vater Hans-Jrg war sieben Jahre Soldat gewesen, davon vier im Ersten Weltkrieg. Nun hielt er sich von politischer Tätigkeit zurück. Aus ihrer christlichen Weltanschauung machte die Familie aber kein Hehl. Daher gehörte Alfons als Realschüler dem Reichsbund der Kath. Jugend und später der Pfarrjugend an. Diese Vorbemerkung soll dem besseren Verständnis einiger Urlaubsschilderungen dienen. Doch lassen wir nun die Tagebücher sprechen! Fischer Alfons Tagebuch eines Wolfurters zwischen 1939 und 1946. Vorwort Der Krieg in Jugoslavien, der Tod von zwei Kriegskameraden und die Kontaktaufnahme mit meinem seit 1947 in russischer Gefangenschaft todgeglaubten Ladekanonier und Funker, an Weihnachten 1991, waren der Anlaß, meine Kriegstagebücher auszugraben und aufzuarbeiten. Aufgrund meiner politischen Herkunft und der Tatsache, daß ich vom 1.4.1939. bis 19.4.1946. Uniformen tragen mußte, liegt es mir fern, den Krieg zu glorifizieren. Ganz im Gegenteil, ich möchte versuchen, meinen Kindern und Enkeln den Wahnsinn des Krieges anhand meines Schicksals, das ein Millionenschicksal war, aufzuzeigen. Ich möchte aber auch daraufhinweisen, daß der Krieg und die Gefangenschaft unsere Generation Toleranz, Bescheidenheit und Kameradschaft gelehrt hat und unser Leben sicher stärker geprägt hat, als z.B. das Wirtschaftswunder. Die Kriegskameradschaft wird heute gerne als Hobby der Ewiggestrigen abgetan. Bedingungslose Kameradschaft, wie sie oft in ausweglos erscheinenden Situationen erlebt wurde, schätze ich auch heute noch hoch ein. Sie hat mit Kameraderie nichts zu tun. Ein Beispiel, die vier Mann im Sturmgeschütz waren auf Leben und Tod aufeinander angewiesen und haben das letzte Stück Brot miteinander geteilt. Solche Kameradschaften haben als Freundschaften die Jahrzehnte überdauert. Der jungen Generation, die diese Zeit wohl kaum nachvollziehen kann, möchte ich trotzdem Toleranz und echte Kameradschaft wünschen. Kriegerdenkmäler werden heute zum Teil als Kultstätten der Heldenverehrung diskriminiert. Wer an der Front und in Gefangenschaft war und wer die Bombenangriffe auf die Städte erlebt hat, der weiß, unter welch unmenschlichen Bedingungen Soldaten und Zivilisten gefallen, verbrannt oder verhungert sind. Wer davongekommen ist, liest die Tafeln der Verwandten Schulkameraden und Mitbürger mit Trauer. Das hat mit Heldenkult nichts zu tun. Er gedenkt der vielen Millionen Toten in Pietät. Ich glaube diese Pietät steht auch den Hinterbliebenen in der zweiten und dritten Generation zu. Ein Wort zu den Tapferkeitsauszeichnungen : Das Birkenkreuz und das Eiserne Kreuz lagen meist haarscharf beisammen. Ausgezeichnet wurden im allgemeinen nur die Überlebenden. -Und in der größten Not waren sehr viele tapfer Wenn man seine Kriegstagebücher nach mehr als 45 Jahren nachliest, dann fällt einem sofort auf, daß sehr vieles aus dem Soldatenalltag, Namen und Orte, aber auch manche Einsätze, in Vergessenheit geraten ist. Ganz Gescheite werden dazu sofort sagen, das 17 16 haben sie alle ja gerne vergessen und verdrängt. Tatsache ist aber, daß man die härtesten Fronteinsätze, die Gefangenschaft in den Hungerlagern und echte Kameradschaft weder verdrängen noch vergessen kann. Es kommt einem aber auch deutlich wieder zum Bewußtsein, von wieviel Fügungen das Überleben in dieser Zeit abhängig war. Glück ist dafür sicher eine zu simple Erklärung. Die Tagebücher enthalten eine Fülle von Fakten, Daten und persönlichen Eindrücken, vom Wetter angefangen, über Landschaftsformen, Landnutzung, Straßenzustand, Wohnverhältnisse, Leben der Bevölkerung, Leben in den Kasernen, Ruhequartieren und Gefangenenlagern, Überleben im Einsatz, Aktivitäten im Urlaub, Namen von Urlaubern etc. Ein großes Problem war die Langeweile. Kinos gab es überall, bis in die Soldatenheime hinter der Front. Ich habe, wie Millionen Soldaten, in diesen Jahren sehr viele Filme gesehen und alle Titel aufgeschrieben. Ich habe sie nicht gezählt, aber es waren Hunderte. Ich habe auch die Gottesdienste in den Garnisonskirchen, bei den Fronteinheiten und in den Gefangenenlagern aufgeschrieben. Daraus ist zu ersehen, daß bei der Wehrmacht die Nationalsozialisten sicher nicht überall präsent waren. Politische Einschätzungen fehlen in den Tagebüchern zur Gänze, das war damals für mich zu riskant. Die folgenden Aufzeichnungen sind daher nur eine grobe, trockene Übersicht über diese Jahre, auf weite Strecken im Telegrammstil. Parteitagszug kam man ausnahmsweise nicht nach der politischen Verläßlichkeit, sondern nach der Körpergröße. Damals blühten und dufteten im Rankweiler Ried hunderttausende blaue Schwertlilien. Heute stehen dort die Aussiedlerhöfe und Schwertlilien sind eine Rarität. 23.5. -1.6.1939. Das Lager 1/331 geht in Urlaub, ich war bei den 20 Mann Lagerwache. 2.6. - 9.6.1939. Die Lagerwache geht in Urlaub. Das Lager Brederis marschierte in Feldkirch dreimal durch die Fronleichnamsprozession und sang ein zeitgemäßes Lied, dessen Refrain ich mir über die Jahrzehnte gemerkt habe: „Was hat einer deutschen Mutter Sohn, mit Papst und den Pfaffen zu schaffen." 9.8.1939. Musterung zur Wehrmacht, Gebirgsnachrichten Landeck. 1.9.1939. Einmarsch der deutschen Truppen in Polen. Beginn des Zweiten Weltkrieges „Der Reichsparteitag des Friedens" wird abesagt. 3.9.1939. England und Frankreich erklären Deutschland den Krieg. 17.9.1939. Einmarsch russischer Truppen in Ostpolen. 25.9.1939. Erster Luftangriff auf Friedrichshafen. 3.10.1939. Die Mannschaften des Lagers 1/331 werden überraschend in den Wehrkreis München überstellt.Rankweil-Bregenz-München-Freising. 4.10. -19.11.1939. Rekrut bei der Nachrichten Eratz Batterie 157 Freising. Ausbildung zum Fernsprecher, Kasernenleben, Fußdienst, Unterricht, Sport, Schießen, Übungen im Gelände etc. Hier herrschte ein gutes Klima, wir kamen uns nach Brederis fast wie im Urlaub vor. In unserer Stube waren lauter Vorarlberger. 6.10.1939. Mit der Kapitulation des polnischen Generals Kleeberg erlischt der letzte geschlossene Widerstand polnischer Trupppen. - Es gab weder eine Kriegserklärung noch eine Kapitulationsurkunde. 10.11. -11.11.1939. Erster Kurzurlaub als Rekrut. 20.11.1939. Abstellung zur Bayrischen 57. Infanterie Division, die gerade aus Polen zurückverlegt wurde. Freising-München-Ingolstadt-Nürnberg-Würzburg-HanauGelnhausen in Hessen-Nassau. 21.11.1939.Ankunft in Dorf-Kassel bei Gelnhausen. Die Einheiten lagen in den Dörfern zwischen Hanau und Gelnhausen in Privatquartieren. Als Fernsprecher wurde ich der 5. Batterie zugeteilt. Wir waren jetzt nur noch drei Vorarlberger unter lauter Bayern und haben einige Zeit gebraucht, bis wir Ernst und Spaß der kernigen Sprüche auseinanderhalten konnten. Eine Batterie hatte vier leichte Feldhaubitzen, Kaliber 10,5 cm. Die Geschütze und das Beobachtungsfahrzeug wurden 6-spännig, die Munitionsfahrzeuge 2 spännig und der übrige Troß 2 oder 1 spännig gefahren. Die Batterie hatte ca 130 Mann und etwa gleichviele Pferde. - Zuerst war ich Melder und mußte täglich mit dem Fahrrad ins übernächste Dorf nach Lauterbach zur Abteilung fahren, um Post und Befehle abzuholen. 18.12.1939. Der Futtermeister ist daraufgekommen, daß ich Maturant bin und hat mir gleich zwei Unteroffizierspferde zugeteilt. So wurden Futterfassen, Tränken, Füttern, Striegeln, Ausmisten, Auf- und Absatteln und Pferdeapelle, mit Ausnahme der Einsätze 19 Der Weg in den Krieg Jänner 1939. Da ich der Hitlerjugend nicht beigetreten bin, wurde mir die Ablegung der Matura verweigert. Nach der Meldung als vorzeitig Dienender zum Reichsarbeitsdienst wurde ich zugelassen. 20.2. - 22.2.1939. Vorgezogene schriftliche Matura. 14.3.1939. Musterung zum Reichsarbeitsdienst. 15.3.1939. Einmarsch deutscher Truppen in der Cschechoslowakei und ungarischer Truppen in Karpatorußland. 21.3.1939. Mündliche Matura, am gleichen Tag Einberufungsbefehl zum Reichsarbeitsdienst. 1.4. - 2.10.1939. Arbeitsmann im Lager 1/331. Rankweil/Brederis. Dieses Halbjahr war eine ungute Zeit mit Schikanen aller Art, vor allem für die zahlreichen Maturanten. Das Führercorps war mittelmäßig und bestand zum Teil aus Angehörigen der Österreichischen Legion. Im ersten Vierteljahr wurden im Rankweiler Ried, damals händisch, Drainagearbeiten durchgeführt. Ältere Leute haben vielleicht noch eine Vorstellung von der Dreckarbeit im dritten Stich, die ein Vorrecht der Maturanten war. Im zweiten Vierteljahr wurde der Fritzligraben in Brederis, als Vorfluter für die großen Drainagesysteme ausgebaut. Der Aushub wurde mit Rollwagen über Geleise verführt. Das war eine schönere Arbeit. Als Angehörige des Parteitagszuges für den „Reichsparteitag des Friedens" mußten wir nur am Vormittag arbeiten und wurden am Nachmittag brutal geschliffen. Zum 18 in Frankreich, mein Nebenjob bis Herbst 1940. Aber der Stalldienst hatte auch seine guten Seiten. Eine Kontrolle der im ganzen Ort verstreuten Ställe war kaum möglich. So konnte man zwischendurch immer wieder ins Quartier abhauen. Ich hatte ein gutes Quartier, dort stand immer eine Kaffeekanne auf dem Herd und auf großen Blechen gab es abwechselnd Streußelkuchen, Apfelkuchen oder Zwetschkenkuchen. Ich konnte auch Kameraden mitbringen, die es nicht so gut getroffen hatten. Da mein Stall am Ende des Dorfes lag, bin ich oft auf eigene Faust ausgeritten Der Winter war sehr kalt und schneereich.Bei den vielen Tag- und Nachtübungen im waldreichen, hügeligen Vorspessart gab es viele Zwischenfälle mit Pferden und Fahrzeugen. Heimaturlaub 6.2. -13.2.1940. Gelnhausen - Frankfurt - Darmstadt - Mannheim - Heidelberg -Stuttgart - Ulm - Bregenz. 8.2.1940. Am Abend wegen der Belanglosigkeit der schlechten Verdunklung der Fahrradbeleuchtung, Wortwechsel mit einer 3 Mannstreife des NS-Kraftfahrkorps. 9.2.1940. In der Früh hat mich ein Lauteracher Gendarm, ein Kaiserjägerkamerad meines Vaters, über die Anzeige und eventuelle Folgen informiert und die weitere Vorgangsweise besprochen. 10.2.1940. Einvernahme beim Posten Lauterach. 12.2.1940. Vorladung zur Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Bregenz. Der Beamte hat mir nach einem kurzen Gespräch alles Gute als Soldat gewünscht. 12.2.1940. Friede zwischen Rußland und Finnland nach 104 Tagen Winterkrieg. 5.4.1940. Verlegung der Batterie nach Mittelgründau in Oberhessen nahe Hanau, wieder Privatquartiere. 9.4.1940. Einmarsch deutscher Truppen in Dänemark, Landung in Norwegen. 24.4.1940. Scharfschießen am Truppenübungsplatz Villbach, zum erstenmal Granaten heulen gehört und die Einschläge vor der Beobachtungsstelle gesehen. her. Die paar Stunden geschlafen haben wir fast nur im Freien, wegen der Pferde unter den Fahrzeugen. Den Grundsatz der bespannten Truppen „zuerst das Pferd und dann der Mann" habe ich bis zur Neige erlebt. Ohne die Mithilfe der Kameraden wäre die Versorgung der Pferde nicht möglich gewesen. Manches Pferd ist im Zug zusammengebrochen und mußte erschossen werden. Nachschub gab es genug, da Vieh und Pferde überall herrenlos herumliefen. Die deutsche Luftwaffe hatte die Luftüberlegenheit und trat Tag und Nacht massiv in Erscheinung. Aber auch französische und englische Flugzeuge griffen die Marschkolonnen immer wieder mit Bomben und Bordwaffen an. Die Bilder an der Vormarschstraße: Überall Zerstörung, verlassene Stellungen und Dörfer, abgeschossene Panzer, ausgebrannte Fahrzeuge, gesprengte Brücken, zerschossene Batterien, abgeschossene Flugzeuge, zerstörte Dörfer, Flüchtlingskolonnen, Gefangene, Verwundete, Tote. Dazwischen gab es wieder unzerstörte Landstriche wie im Frieden. 24.5.-27.5.1940. Marsch parallel zur Front, das Geschützfeuer wird stärker, nachts brennen Dörfer, das Durcheinander nimmt zu. Origny St.Benoite - Hornblieres St.Quentin - Peronne -Bopaume - St. Albert - Bellenglise - Basentin - Fixcourt. Schon seit Tagen immer wieder große Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg, eine beklemmende Kulisse zu den übrigen Zerstörungen. 28.5. - 4.6.1940. Ablösung einer Panzerdivision, die bis ans Meer durchgestoßen ist. Erste Feuerstellung bei Flesseles an der Somme, in der Nähe von Abbeville. Feuertaufe beim Leitungsbau im schweren Artilleriefeuer. Noch in der Nacht Stellungswechsel nach Bellancourt, Richtung Abbeville. Stellungskrieg und schwere Abwehrkämpfe an der Frankreich 10.5.1940. Einmarsch deutscher Panzerverbände in Luxemburg, Belgien und Holland. 11.5.1940. Alarm! Fertigmachen zum Abmarsch. 12.5.1940. Bahnverladung in Wächtersbach - Frankfurt - Mainz - Koblenz -Andernach. Marsch nach Kripp am Rhein. 14.5. -17.5.1940. Marsch durch das Ahrtal und die Eifel. Altenahr - Ahrweiler - Pelm Gerolstein - Matzerath -Lüneberg - Westwallbunkerlinie - Dasburg. 18.5. -20.5.1940. Mittags bei Dasburg die Deutsch-Luxemburgische Grenze überschritten - Clerv - die Bevölkerung war teilweise deutschfreundlich, Blumen und Zigaretten 20 Uhr die Luxemburgisch - Belgische Grenze überschritten - Bastogne -erste Zerstörungen, erste Verwundeten und Gefangenentransporte - St.Hubert - Maissin - Oure - Graide - Bievre - um Mitternacht bei Nahon die Belgisch - Französiche Grenze überschritten. 21.5. -23.5.1940. Fontaine de Brulet - Montherme, die Maas auf einer Pionierbrücke überschritten, das erste Grab, zwei französische Flieger, ein Kilometer weiter das zweite Grab, vier deutsche Soldaten - Mazures - Bourg Fidele - Etalle/Vervins - Le Pont de Pierre - Bossus - Auberton - Martigny - Hirson - Vervins. Wir haben jetzt 14 Tage Gewaltmärsche von 40 bis 60 Kilometer hinter uns, immer hinter den Panzerdivisionen 20 Rast an der Vormarschstraße in Frankreich 21 Somme. Wir waren fast Tag und Nacht, je zwei Fernsprecher auf uns alleingestellt unterwegs, um die zerschossenen Telefonleitungen zwischen der Beobachtungsstelle und der Batterie zu flicken und aufrecht zu erhalten. In der Weygandlinie lagen uns englische und französische 18 To und 32 To Panzer, starke gutschießende Artillerie, Engländer, schottische Hochländer, Franzosen und französische Kolonialtruppen gegenüber. Sie versuchten immer wieder mit großer Überlegenheit, zum Teil sechs-bis achtmal am Tag, vor allem die Brückenköpfe in Abbeville und St.Valery zu nehmen. Unsere Infanterie und Pakkompagnien hatten schwerste Verluste. Unsere Pak war den schweren französischen Panzern nur zum Teil gewachsen. So wurden Flakbatterien vorgezogen und im direkten Schuß eingesetzt, das waren Himmelfahrtkommandos. Unsere Batterien haben fast pausenlos auf zahlreiche gegenüberliegende Ziele geschossen. Es gab auch zahlreiche Stukaangriffe auf Panzerbereitstellungen und Artilleriestellungen. Unsere Beobachtungsstelle kam immer stärker unter Beschuß. Wir haben unsere Löcher zwischen den Einsätzen tiefer gegraben und wurden so von Verlusten bewahrt. Pferde hat es aber immer wieder erwischt. 5.6. - 8.6.1940. Nach starker Artillerievorbereitung begann um 4,30 Uhr früh auf breiter Front der Angriff und der Durchbruch durch die Weygand-linie. In unserem Abschnitt kam der Angriff, bei massiver Gegenwehr bald zum Stehen. Nach mehreren Stukangriffen und dem Einsatz von 40 Panzern ging es weiter. Abbeville - Huppy - Pultieres - Doudelainville - Oisment -Monflieres - Mesnil/Endin - bei Francours die Bresle erreicht. Das war für unsere Batterie die letzte Feindberührung unter schwerem Artilleriebeschuß. Da die Telefonleitung durch einen Wald verlief, krepierten laufend Granaten in den Bäumen. Das war ein verdammt unguter Einsatz. Bei den mehrfachen Stellungswechseln dieser vier Tage sind wir Fernsprecher schwer zum Handkuß gekommen. Es gab laufend Feuerüberfälle der französischen Artillerie und Fliegerangriffe. Die Infanterie zahlte wiederum einen hohen Blutzoll. 9.6. -13.6.1940. Die Franzosen und Engländer leisten nur noch hinhaltenden Wiederstand und räumen nachts immer ihre Stellungen. In der Nacht sieht man immer noch brennende Dörfer. Aber die Zerstörungen nehmen ab. Die Zivilbevölkerung ist teilweise dageblieben. An den Straßen liegt massenhaft französiche und englische Ausrüstung. Vor allem die Engländer haben auf ihrer Flucht nach Dünkirchen große Fahrzeugkolonnen zurücklassen müssen. Wir lebten sehr gut aus den englischen Verpflegsbeständen. Wir marschieren wieder in Gewaltmärschen hinten nach, immer parallel zur Atlantikküste. Rieux - Grandcourt - NotreDame d'Aliermont - Neufchatelle -Doudeville - nördlich Rouen - Lillebone - Bolbec. 14.6 -16.6.1940. Wir erreichen in Fecamp die Atlantikküste und beziehen Stellungen zum Küstenschutz. Unsere Beobachtungsstelle ist eine Villa über der Steilküste mit herrlichem Blick auf das Meer, auf die Hafenstadt und im Dunst auf die Kreidefelsen der englischen Küste. Hier herrschte tiefer Friede. In der Stadt gab es um einen Schund zu kaufen, was das Herz begehrt. Nach einem Monat wieder ein Dach über dem Kopf, ordentlich gewaschen, ausgeschlafen, heimgeschrieben. Ein Leben wie Gott in Frankreich. 17.6. - 24.6.1940. Alarm! Aus mit dem schönen Leben. Toqueville - Antretot - Yvetot Barentin - Rouen - Elbeuf -Conches - nördlich Laigle. Nördlich und südlich Rouen waren weite Landstriche unversehrt. Hier waren nur noch größere Städte durch Bombardierungen schwer getroffen. In Rouen waren rund um den Dom ganze Stadtviertel zerstört, in den Trümmern hat es noch geraucht. Die Seine wurde über eine Kriegsbrücke aus Handelsschiffen überschritten. Die Seine ist bis Rouen für Hochseeschiffe befahrbar. Überall sind große Flüchtlingskolonnen nach Norden in ihre Dörfer, zu Fuß, mit Fahrrädern, Kinderwagen, Handwägelchen, Ochsenkarren, Pferden, Pferdefuhrwerken, Autos mit vorgespannten Pferden etc. unterwegs. Das waren Elendsbilder, Frauen haben um ein Stück Brot für ihre Kinder und Mädchen um Zigaretten gebettelt. Ab Null Uhr ruhen die Waffen in Frankreich. 25.6.1940. Die Nachricht erreichte uns um 1,30 nachts auf dem Marsch östlich Argentan. 26.6. -11.7.1940. Argentan - Mauvaisville. Hier Bezug von Ruhequartieren. Ausgeschlafen, nach sechs Wochen Wäsche gewechselt, Uniformen gewaschen, in der Orne gebadet, Briefe geschrieben, Pferde betreut, ich hatte wieder meine zwei Reitpferde, Fahrzeuge und Geräte instand gesetzt. Nach 14 Tagen begann schon wieder die Spinnerei, Apelle, Fußdienst, Sport etc. Aber im Allgemeinen war es nach den Strapazen der letzten 6 Wochen doch eine ruhige Zeit. Pferde betreut, ich hatte wieder meine Wochen doch eine ruhige Zeit. 12.7. -14.7.1940. Weitermarsch nach Norden - östlich Falaise nach St. Pierre du Fresne, ein Schloß südlich Caen. Die ersten Soldatengräber 22 23 15.7. - 26.7.1940. Schon fast kasernenmäßiger Zopf im Schloß. 27.7. - 28.7.1940. Weitermarsch nach Norden, nach Mesnil de Bures bei Caen, in einen großen Gutshof. 29.7. - 25.8.1940. An meinem 20 Geburtstag den Urlaubsschein erhalten. Caen - Lisieux - Evreux - Paris - Compiegne - Laon -Charleville - Dinant - ArlonLuxemburg -Trier - Koblenz -Frankfurt - Stuttgart - Bregenz. Zwischen Paris und Luxemburg waren praktisch alle Brücken gesprengt und in allen Ortschaften und Städten Zerstörungen zu sehen. 2.8. - 21.8.1940. Daheim Heuernte, Aktivitäten bei der Pfarrjugend mit Kaplan Giesinger. 26.8.1940. Nach der Rückkehr sofort zum Rapport befohlen. Batteriechef Hauptmann Winterstein, ein alter k.k. Offizier und Bankdirektor aus Salzburg, zeigte mir einen Brief der NS-Ortsgruppe Wolfurt. Der Spieß las mir den Brief vor, der mich als Schwarzen und damit als schlechten Volksgenossen abqualifizieren sollte. Er zerriß dann den Brief mit der Bemerkung: „Damit du siehst wo er hingekommen ist." 26.8. - 31.10.1940. Meist ruhiger Dienst, dazwischen Spinnerei, oft mit dem LKW der Batterie an die Küste nach Cabourg zum Baden gefahren. Jede Woche mindestens einmal an die Orne Mündung marschiert und dort auf schwimmende Ziele im Meer geschossen. (Die Allierten sind dann u.a.1944. genau dort gelandet) Zwischendurch waren in den mondänen Badeorten Cabourg, Deauville und Trouville zusammen mit Gebirgsjägern Verladeübungen auf Pfräme, für eine eventuelle Landung in England. Bei dieser Gelegenheit habe ich meinen Cousin Luitpold Weh aus Bregenz getroffen. Die Pferde hatten auch gute Zeiten, da sie meist auf der Weide waren. Zwischendurch sind wir oft ausgeritten. Caen war eine geschichtlich interessante Stadt mit vielen alten Kirchen, Klöstern und Gebäuden. Zur Truppenbetreuung gab es ein Soldatenheim, Theater und Kinos. (Caen wurde 1944 während der Invasion dem Erdboden gleichgemacht.) Englische Jäger und Bomber haben uns oft überflogen, aber nie bei uns abgeladen. In Summe waren das friedliche, ruhige Monate in einer schönen Gegend. 17.10.1940 Mit der Bahn zur Stadtbesichtigung nach Paris gefahren. 25.10. und 26.10.1940. Zweimal je 100 Kilometer nach Bayeux zum Brennholz holen gefahren. Die wunderschöne Kathedrale besichtigt. Ende Oktober Pferde, Waffen und Gerät Einmarsch in das zerstörte Abbeville. übergeben. Verschiedene Einheiten scheiden aus der 57. Infanterie Division aus und kommen nach Deutschland zu einer Neuaufstellung. Unsere Division ist in sechs Wochen 1200 km marschiert und hat an der Somme und beim Durchbruch durch die Weygand Linie mit 452 Toten und 1400 Verwundeten die größten Verluste aller in Frankreich eingesetzten Divisionen erlitten. Im Bereich der Division wurden 135 Panzer abgeschossen. 30.10.1940.Großer Abschiedsabend, Bischof Werner aus Bizau und ich bekamen das EK II für unsere gemeinsamen Einsätze als Fernsprecher. 31.10 - 3.11.1940. Caen - Argentan - Alencon - Tours - Vierzonville - Bourges -Nevers - Le Creusot - Dijon - Gray - Vesul - Beifort -Mühlhausen - Straßburg - Karlsruhe - Stuttgart -Ulm - Memmingen - Legau im Allgäu. Wieder in Deutschland, Lazarett: 4.11. - 13.12.1940. Mit Musik und schönen Worten empfangen und in guten Privatquartiern untergebracht. Sturer kasernenmäßiger Dienst und Schikanen, daß sich sogar der Ortsgruppenleiter eingemischt hat. An drei Wochenenden konnten wir drei Vorarlberger zu einem Kurzurlaub heimfahren. Es hat sicher viele fanatische Nationalsozialisten, aber auch sehr viele Andersgläubige gegeben. Auch unter alten Nationalsozialisten gab es selbstverständlich anständige Leute. Ich war über ein Jahr mit zwei Münchner Blutordensträgern, beide waren Funker, hautnah am gleichen Fahrzeug, im Einsatz und in vielen Massenquartiern zusammen. Sie waren beide dreißig Jahre älter als ich, haben es in der Partei zu nichts gebracht, waren gute Kameraden, haben nie politisiert und hatten die Nase noch voller als wir Jungen. Sie haben den Polen- und Frankreichfeldzug mitgemacht und wurden in Legau aus Altersgründen entlassen. 1.12.1940. Zum Gefreiten befördert. 14.12.1940.-5.1.1941. Heimaturlaub, am 19.12.1940. mit hohen Fieber erkrankt, daheim gelegen, am 31.12.1940. nach Bregenz zur Untersuchung, Tuberkuloseverdacht. In den Reservelazaretten Riedenburg und Gaisbühel nicht untergekommen. 5.1.1941. Nach Legau eingerückt, im Kreiskrankenhaus weitere Untersuchungen. 8.1. - 29.1.1941. Nach München ins Resevelazarett Schwabing überstellt. Am 13.1.1941. nach gründlichen Untersuchungen der Befund: Schwere Bronchitis. Das wäre eine große Erleichterung. Die Bronchitis hat mich dann mein weiteres Leben begleitet. Mädchen aus einem Betrieb und aus einer Versicherung brachten jede Woche Zigaretten, Kuchen, Apfelsaft, Lesestoff und freundliche Gesichter mit. Neben mir ist ein im I Weltkrieg hochdekorierter Feldwebel und Blutordensträger an Rückenmarkskrebs gestorben. Er hat mir viel über seinen Einsatz in der Kampfzeit der Zwanzigerjahre und über die spätere Machtübernahme durch Opportunisten und Konjunkturritter erzählt. Seine Frau hat drei Tage vor seinem Tod, gegen seinen Willen, einen Besuch des Gauleiters arrangiert. Es war eine peinliche Situation, da sich die beiden nichts zu sagen hatten. Ich konnte als junger Andersgläubiger hinter die Kulissen schauen. - Es war der einzige Gauleiter den ich in den ganzen Jahren gesehen habe. 30.1.1941. -17.2.1941. Überstellung ins Reservelazarett Hotel Sonnenbichl in Garmisch. Ab lo.2.1941. bekam ich schon fallweise Ausgang. In Garmisch fanden 1941. noch Winterspiele statt, an denen auch Sportler der Verbün25 24 deten teilnahmen. Schispringen auf der Olympiaschanze mit Bradl, Weiler, Finnen und Slowaken. Im Eisstadion ein Eishokeyspiel Berlin gegen Rissersee und Eiskunstlauf mit den Geschwistern Pausin, Horst Faber und Lydia Feicht. - Soviele Generale habe ich nie mehr auf einem Haufen gesehen. 18.2. - 3.3.1941. Entlassung aus dem Reservelazarett Hotel Sonnenbichl. Garmisch - München - Augsburg. Genesenden Batterie, Leichte Artillerie Ersatz Abteilung 27. Jeden Tag in der Küche Kartoffel geschält, aber nicht nur Kartoffel gegessen. 4.3. - 26.3.1941. Genesungsurlaub, viele Bekannte sind schon eingerückt. 30.3. - 5.4.1941. Zur Erholung auf der Schihütte der 27er auf der Alpe Obere Kalle in Thalkirchdorf bei Immenstadt. Das waren schöne Vorfrühlingstage. 6.4.1941. Deutsche Truppen marschieren in Jugoslavien und Griechenland ein. 18.4.1941. Jugoslawien hat kapituliert. 19.4.1941. Kv. kriegsverwendungsfähig geschrieben und als Hilfsausbildner zur dritten Batterie versetzt. 20.4.1941. Ein gleichaltriger Leutnant hat mich zu einer Freischützaufführung ins Stadttheater eingeladen. 17.5.1941. und 25.5.1941. Die Wolfurter Brüder Mohr Erwin (gefallen) und Mohr Ernst in der Kaserne in Augsburg/Pfersee besucht. 20.5.1941. Deutsche Fallschirmjäger und Gebirgsjäger landen auf Kreta. 5.6. -11.7.1941 Unterführerlehrgang, viel Theorie und viel Schinderei beim Fußdienst, Geschützexerzieren und bei Übungen. 22.6.1941. Deutsche Truppen marschieren in Rußland ein: 14.7. - 29.7.1941. Verlegung auf den Truppenübungsplatz Hohenfeis in der Oberpfalz zur weiteren Ausbildung. Bahnverladung Augsburg - Ingolstadt - Regensburg - Haindorf. 28km Marsch ins Lager Hohenfels, sturer Kommißbetrieb, Scharfschießen mit Geschützen und Infanteriewaffen, Nachtübungen und andere Spässe. 9.8. -24.8.1941. Heimaturlaub, gerade recht zum Heuen gekommen. 28.8. - 6.9.1941. Zu dritt Zugwache in den Nachtzügen München - Berlin und Berlin München gefahren. Am Vormittag jeweils ein paar Stunden in der Wehrmachtsübernachtung geschlafen, dann die beiden Städte gründlich besichtigt. Am 1.9.1941. anstatt zu schlafen nach Augsburg zur Einheit befohlen, Beförderung zum Unteroffizier, nachts wieder nach Berlin. 7.9. - 30.9.1941. Ruhiger Dienst, an manchen Tagen bis in die Lechauen ausgeritten. 1.10. - 2.10.1941. Versetzung zur Sturmartillerie. Augsburg - Nürnberg - Halle - Sturmartillerieschule Jüterbog


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