Wolfurt

Suchanleitung

Suchanleitung für amtliche Mitteilungen

1. Suchwort eingeben (genaue Suche). Anmerkung: Bei zwei oder mehreren unmittelbar aufeinander folgenden Suchwörtern ist der Gesamtbegriff zwischen Anführungszeichen zu setzen.

2. Die Trefferliste der Dokumente lässt sich nach Dateinamen (Symbol "A"), Dateigröße (Symbol "KB") und Indizierungsdatum (Symbol 'Kalenderblatt') jeweils durch Anklicken der daneben stehenden weißen Pfeile im blauen Kreis sortieren.

3. Beim Einzeldokument finden Sie unter dem Verweis "mehr" eventuell u.a. eine nähere Beschreibung sowie Schlüsselwörter angeführt, unter welchen das Dokument über die Volltestsuche auffindbar ist.

Dokumente aus Wolfurt

Wolfurt 2011 04 Winter
Don, 29. Dezember 2011 | Kuhn EDV

wolfurt WINTER 2011 * * „Die Weihnachtszeit ist eigeläutet...“ Im Dorfzentrum hängt die schöne Weihnachtsbeleuchtung und verzaubert die dunklen Abende mit ihrem warmen Licht. Die Menschen sprechen über ihre Wünsche, ihre Träume und Erlebtes, Trauer und Freude, Einsamkeit und Geselligkeit. Es scheint, als ob wir uns besinnen, nach der Hektik des Jahres wieder Zeit für uns und unsere Familien zu finden. Zeit, die wir vielfach viel zu schnell an uns vorüber ziehen ließen, ohne ein gutes Gespräch mit unseren Liebsten, mit Nachbarn oder Freunden geführt zu haben. Es ist aber auch eine Zeit des Rückblickes auf ein ereignisreiches, turbulentes und spannendes Jahr 2011. Weihnachten steht vor der Tür, und ich möchte dies gerne zum Anlass nehmen, mich bei allen Menschen zu bedanken, die rückblickend auf das Jahr zum Wohl unserer Gemeinde beigetragen haben. Bei allen Leuten, deren Hilfe in Vereinen und Organisationen ankam, in nachbarschaftlichem Miteinander eingesetzt wurde oder die in einer anderen Form dazu beigetragen haben, dass Wolfurt so ein lebenswertes Dorf ist und bleibt. * * * * * Einen herzlichen Dank möchte ich auch allen meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren öffentlichen Einrichtungen wie Rathaus, Bauhof, Kindergärten, Schulen und den Sozialen Diensten sagen. Sie haben mich und die Gemeinde in allen Belangen bestens unterstützt und eine tolle Arbeit geleistet. Mein Dank geht aber auch an alle Mandatare, Gemeinderäte und die Vizebürgermeisterin für ihr Engagement. Es bleibt mir, Ihnen geruhsame und besinnliche Weihnachtsfeiertage zu wünschen. Für das kommende Jahr 2012 wünsche ich Ihnen die allerbeste Gesundheit, Zufriedenheit und Zuversicht für die Umsetzung Ihrer Vorsätze und Pläne. Mit weihnachtlichen Grüßen. Euer Bürgermeister Christian Natter * * * Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Wohl kaum in einem anderen Jahr wurden so viele neue Konzepte verabschiedet und für die Umsetzung freigegeben. Langwierige und intensive Prozesse sind mit viel Beteiligung von engagierten Personen vorausgegangen. Bereits im ersten Halbjahr wurden das Integrationsund das regionale Radroutenkonzept verabschiedet. Über drei weitere Weichenstellungen darf ich Sie in dieser Ausgabe informieren. Betreuung unserer älteren Menschen Seit einigen Jahren wird in den Sozialdiensten Wolfurt sehr erfolgreich ein Case- und Caremanagement unter der Leitung von Barbara Moser-Natter durchgeführt. Im Wesentlichen geht es darum, Betroffenen den Zugang zu den diversen Hilfsdiensten und Einrichtungen zu erleichtern bzw. diese zu koordinieren. Nun wird in einem Pilotprojekt diese Herangehensweise auf die meisten Hofsteiggemeinden ausgedehnt. Lesen Sie dazu mehr auf der Seite 49. Immer wieder bekommen wir positive Rückmeldungen bezüglich der Betreuung in unserem Seniorenheim, was uns ganz besonders freut. Trotzdem müssen wir uns schon heute mit der weiteren Entwicklung beschäftigen. Bei den Pflegebetten bewegen wir uns permanent am „Anschlag“. Mohi, Tagesbetreuung, Krankenpflege und interne Strukturen wie die Küche etc. leiden unter einem zunehmenden Platzmangel. Die demographische Entwicklung fordert uns ebenfalls auf, die Weichen frühzeitig zu stellen. Im Sinne von regionaler Zusammenarbeit haben sich die Gemeinden Kennelbach, Schwarzach und Wolfurt entschlossen, genau zu prüfen, ob in Zukunft eine gemeinsame Lösung sinnvoll ist, organisatorische Vorteile mit sich brächte und kostengünstiger wäre. Es geht dabei nicht nur um die Verbesserung der bestehenden Strukturen, sondern auch darum, moderne Ansätze wie Betreutes Wohnen umzusetzen. Die drei Gemeindevorstände haben im Oktober die notwendige Auftragsvergabe verabschiedet. Die Sozialdienste Wolfurt GmbH hat nun in deren Auftrag Herrn Mag. Christoph Jochum engagiert, sämtliche relevante Daten wie demographische Entwicklung, vorhandene Strukturen, neue Lösungsansätze bei betreuenden Angehörigen etc. zu untersuchen. Wir werden daher bis April 2012 über genaue Informationen aus unserer Region verfügen. Ich gehe davon aus, dass noch im 1. Halbjahr 2012 die Entscheidungen für eine zukünftige Zusammenarbeit gefällt werden können. Aus dem Rathaus 3 Sprachfördernetzwerk Wolfurt beschlossen Im Zuge der Entwicklung unseres Integrationskonzeptes wurde immer wieder festgestellt, dass die gemeinsame Sprache wohl zu den wichtigsten Faktoren zählt, um erfolgreiche Integration auch wirklich leben zu können. Es war GR Elisabeth Fischer daher ein Anliegen, in Zusammenarbeit mit VizeBgm. Angelika Moosbrugger genau an diesem Punkt anzusetzen. Mit „okay.zusammenleben“ hat GR Fischer auch gleich einen kompetenten Partner gefunden. Andreas Holzknecht von „OBHUT - Beratungsservice für Kinderbetreuung“ wird den einjährigen Prozess als weiterer Profi begleiten. Anfang 2012 wird nun das 2-Phasen-Projekt mit folgenden Schwerpunkten gestartet: > Früh beginnen 0 - 3 Jahre > Kinder in Kindereinrichtungen intensiv fördern > Sprachförderung im Kontext von Mehrsprachigkeit > Kooperation mit Eltern > Qualifizierung der MitarbeiterInnen > Vernetzung aller Beteiligten > Dokumentation und Evaluation Nun gilt es, den Ist-Stand zu erheben und die Zielsetzungen und Leitlinien für die Zukunft festzulegen. Natürlich werden wir die intensive Planungsphase mit einer starken Beteiligung aller Betroffen durchführen. Ich bedanke mich heute schon bei allen Akteuren für die Mithilfe. Der Prozess findet im Budget 2012 mit EUR 18.000 Berücksichtigung und wird vom Land Vorarlberg mit 50% unterstützt. Strohdorf Areal - eine neue Ära wird eingeläutet Nicht nur, weil einige Gebäude (altes Feuerwehrhaus/ Musikschule, Osttrakt Mittelschule, Rathaus) im Strohdorfareal in die Jahre gekommen sind, sondern weil sich die Anforderungen in den letzten Jahren deutlich verändert haben, sind die Gemeindeverantwortlichen mit einer Vielzahl von gut begründeten Wünschen konfrontiert. Erweiterung/Neubau Musikschule, Hauptschuladaptierung, zusätzliche Turnhalle, Kinderund Schülerbetreuung, Kindergarten, Rathaus, Bibliothek, Hofsteig-Ader, Wälderstraße/Vereinshausparkplatz (Hochwasserschutzbau), Spiel- und Freiraumkonzept um nur einige zu nennen. Es war bald klar, dass wir nicht einfach mit einem beliebigen Gebäude starten können, ohne die Gesamtzusammenhänge zu verstehen und entsprechend geplant vorgehen zu können. So wurde im Oktober vorigen Jahres eine Projektgruppe, in der alle politischen Fraktionen vertreten sind, unter der Begleitung der Fa. Kairos ins Leben gerufen. Alle bisherigen Nutzer hatten die Möglichkeit, die Ist-Situation zu schildern und die Anforderungen an die Zukunft zu definieren. Inzwischen liegen die Erhebungen am Tisch. Es geht aber nicht nur um Gebäude (Größe, Höhe, Position etc.), sondern auch sehr stark um die Gestaltung der Außenräume. Räumlichkeiten gemeinsam zu nutzen, sowie Synergien auszubauen und zu verstärken, werden ebenfalls ihren Niederschlag finden. Die politischen Verantwortlichen haben daher sechs renommierte Architekturbüros eingeladen, ihr Angebot zur Erstellung eines städtebaulichen Masterplanes zu legen. Fünf Büros sind dieser Einladung gefolgt und wurden einen Tag lang über die komplexen Anforderungen informiert. Die Herangehensweise, die Einbeziehung der Nutzer und der Bevölkerung, Erkennen und Entwickeln gemeinsamer Ressourcen und die Berücksichtigung der „Wolfurter Philosophie“ (Leitbild, Spielund Freiraumkonzept, Umwelt, Nachhaltigkeit, …) waren mit die wichtigsten Vergabekriterien. Unter den fünf wirklich hochklassigen Präsentationen hat sich 4 Aus dem Rathaus Hochwasserschutz und Wasserleitungsbau Schwerpunkt 2012 Seit vielen Jahren investiert die Marktgemeinde beträchtliche Mittel in eine sichere Wasserversorgung. Wie ich bereits in der letzten Ausgabe berichtet habe, beschäftigt uns seit geraumer Zeit auch die Hochwasserproblematik immer mehr. Nach einer langen Vorbereitungszeit haben die Ressortverantwortlichen GR Robert Hasler und GR Hans Fetz mit viel Einsatz die Projekte Hochwasserschutz Ippachbach und die Wasserleitungsverlegung Sonnenstraße bis zum Hochbehälter Frickenesch vorangetrieben. Die letzten Details sind in Ausarbeitung. Voraussichtlich werden ca. 2,5 Mio. EUR im Budget 2012 für die Umsetzung berücksichtigt werden. Bund und Land beteiligen sich mit ca. 70% Förderung. Mit dem Bau der Geschiebesperre Ippachbach, hinter dem Haus Frickenescherweg 5 (beim „Silbersee“) wurde bereits begonnen. Das Auffangbecken wird erheblich erweitert. Die Verklausungsgefahr im unteren Bereich des Ippachbaches wird dadurch deutlich verringert. Damit das Geschiebe entfernt werden kann, wird auch die Zufahrtssituation verbessert. Die Fertigstellung erfolgt im Frühjahr 2012. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, wie Sie sehen, wird das Jahr 2012 einige Herausforderungen mit sich bringen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diese in einem positiven Miteinander wiederum gut meistern werden. Ihr Bürgermeister Christian Natter im Rahmen eines Hearings die StrohdorfProjektgruppe, fachlich verstärkt durch DI Wolfgang Dittrich (Bauamtsleiter Gemeinde Wolfurt) und DI Bernhard Kathrein (Raumplanung Gemeinde Hard), nach intensiven Diskussionen einstimmig für das Büro Cukrowicz/Nachbaur ausgesprochen. Der Gemeindevorstand ist dieser Empfehlung gefolgt und hat die Vergabe ebenfalls einhellig beschlossen. Der Prozess wird umgehend im Jänner gestartet und soll bis im Sommer 2012 abgeschlossen sein. Nach Fertigstellung des städtebaulichen Masterplanes sollen die Grundlagen der weiteren Maßnahmen bzw. Architektenwettbewerbe vorliegen. Diese sind im Wesentlichen: > Baufelder und Funktionsflächen > Teilprojekte und deren Zusammenhänge > Übergeordnete Betrachtung des Außenraumes > Konzept Verkehr, Erschließung, Parkierung > Etappenpläne, Prioritätenliste Ich persönlich bin der Meinung, dass wir eine Jahrhundertchance haben, das Zentrum Strohdorf weiter zu entwickeln und in seiner Identität zu stärken. Nun gilt es, diese Aufgaben engagiert und mit viel Gefühl und Selbstvertrauen konsequent voran zu treiben. Bürgermeister- bzw. Wohnungssprechstunde im Winter: Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 11. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 25. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 08. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 22. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 07. März ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 21. März ___________________________________________________________________________ Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 18. Jänner ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 01. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 29. Februar ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 14. März ___________________________________________________________________________ Mittwoch, 28. März ___________________________________________________________________________ Vor dem 11. Jänner bzw. zwischen dem 13. - 17. Februar finden auf Grund der Weihnachts- bzw. Semesterferien keine Sprechstunden statt! Aus dem Rathaus 5 Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 4. Quartal 2011 im Fundamt abgegeben wurden: ________________________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb diverse Schlüssel 6 Aus dem Rathaus Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister e-Vision Elektrotechnik e. U., Elektrotechnik, Holzriedstraße 33, Ludmila Hribova, Personenbetreuung, Brühlstraße 15/1; Berchtold GmbH & Co. LG, Tischlerhandwerk verbunden mit Modell- und Bootbauer, Binder, Drechsler und Bildhauer, Wiesenweg 105, Ludmilla Drefkova, Personenbetreuung, Flotzbachstraße 13, Bc. Helena Dominikova, Personenbetreuung, Fattstraße 25, Angel Dimov, Schwarzdecker, Bahnhofstraße 8b 1, Trayko Gogov, Schwarzdecker, Bahnhofstraße 8b 1, Blanka Beganova, Personenbetreuung, Im Wida 6, CommuniCare - Susanne Lohs PR Beratung e. U., Public Relations Berater, Albert-Loacker-Straße 8, Michael Böhler, Datenverarbeitung und Informationstechnik, Bucher Straße 54a, Mathias Unterpirker, Vermittlung von Werkverträgen, Lerchenstr. 34a/1, Martin Erich Gasser, Erzeugung und Verteilung von Wärme, Mähdlestraße 58, Chananda Thanomwong, Handelsgewerbe, Bucher Str. 28/2, Maria Hajduova, Personenbetreuung, Hofsteigstraße 23, Vonier OG, Hörgeräteakustik, Kreuzstraße 7, Anton Kurt Meyer, Handelsgewerbe, Gartenstraße 6, Susanne Linder, Handelsgewerbe, Dammstr. 40; Verlegung einer Betriebsstätte in einen anderen Standort: Mangold Elektromaschinen GmbH, Mechatroniker für Elektromaschinen und Automatisierung, von Lustenau nach Wolfurt, Holzriedstraße 33, Marcel Prasch, Versicherungsagent, von Hohenems nach Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 17, Gerhard Winder, Gerüstverleih, Schneeräumer und Immobilientreuhänder für Bauträger, von Wolfurt, Holzriedstraße 21, nach Wolfurt, Holzriedstraße 33, Petra Erne, Lebensund Sozialberaterin, von Gmunden nach Wolfurt, Rutzenbergstraße 19c, Helena Edelmanova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Brühlstraße 15/2, nach Wolfurt, Unterlinden 3/2, Maria Lastikova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Achstraße 50 nach Dornbirn, Sandra Margarethe Lang, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt, Lerchenstraße 11 nach Wolfurt, Schnepfenweg 2d, Slavka Faberova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Hofsteigstraße 23 nach Bregenz, Maria Javorcikova, Personenbetreuung, von Hard nach Wolfurt, Flurstraße 30/27, Iveta Berankova, Personenbetreuung, von Höchst nach Wolfurt, Unterlinden 3, Ernst Wagner, Filmproduktion, von Wien nach Wolfurt, Kellhofstraße 1/3, Michael Böhler, Handelsgewerbe und Handelsagent, von Dornbirn nach Wolfurt, Bucher Straße 54a, Eva Tobkova, Personenbetreuung, von Leonding nach Wolfurt, Kesselsiedlung 20, Edita Berillova, Personenbeteruung, von Vandans nach Wolfurt, LorenzSchertler-Straße 18, Ivana Taticova, Personenbetreuung, von Göfis nach Wolfurt, Hofsteigstraße 23, Mirjana Mesarek, Friseurin und Perückenmacherin, von Wolfurt, Bützestraße 18, nach Wolfurt, Achstraße 35, Burkhard Nagele, MBA, Vermögensberatung, von Lochau nach Wolfurt, Bahnhofstraße 8b, Sarina Ursula Nagele, Vermögensberatung von Lochau nach Wolfurt, Bahnhofstraße 8b, Trafag Gesellschaft m.b.H., Handel mit Regel- und Steuergeräten, von Leopoldsdorf nach Wolfurt, Schreibern 7, Andrea Keri Events e. U., Reisebüro, von Klaus nach Wolfurt, Achstraße 25/4, Andrea Keri, Event-Agentur, von Klaus nach Wolfurt, Achstraße 25/4, Mgr. Dagmar Javorcikova, Personenbetreuung, von Hard nach Wolfurt, Flurstraße 30/27, Schwendinger + Fink Spenglerund Dachdecker Gesellschaft m.b.H., Dachdecker und Spengler, von Wolfurt, Inselstraße 22 nach Wolfurt, Inselstraße 19, Eleonora Suhajdova, Personenbetreuung, von Klaus nach Wolfurt, Wälderstraße 31/1, Edita Lopuchove, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Kesselstraße 10; Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 04. Jänner 2012, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 02. Februar 2012, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 07. März 2012, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 04. April 2012, Dr. Wolfgang Hirsch ___________________________________ Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 18. Jänner 2012, Dr. Michel Mittwoch, 14. März 2012, Dr. Michel ___________________________________ Gewerbelöschungen Dominic Holzer, Finanzdienstleistungsassistent, Lorenz-Schertler-Straße 1, Laritz Fenster & Fassaden GmbH, Tischler und Handelsgewerbe für Fenstern und Türen, Bucher Straße 32, Manfred Alwin Amann, Heizungs-, Sanitärund Klimabedarf Handel, Bahnhofstraße 4, Maria Ewa Smiejczak, Personenbetreuung, Unterhub 9, Wolfgang Barta, Kraftfahrzeugtechnik Herstellung und Montage von Motorrädern, Holzriedstraße 33; Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers Gerd Arnold, Stukkateure und Trockenausbauer, Engerrütte 18, gelöschter Geschäftsführer: Gerhard Krainz; Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte: Attensam T / V Hausbetreuung GmbH, Schneeräumung, Holzriedstraße 33; Änderung des Firmenwortlautes Von N. Berchtold Gesellschaft m.b.H. & Co KG zu Berchtold GmbH & Co. KG, Bauträgerund Zimmermeistergewerbe, Wiesenweg 105, Von Andrea Keri zu Andrea Keri Events e. U., Reisebüro, Achstraße 25/4; Aus dem Rathaus 7 Heizkostenzuschuss 2011/2012 Wie in den vergangenen Heizperioden besteht auch in der Heizperiode 2011/2012 für Personen, die ihren Lebensunterhalt, zu dem auch die Kosten für Beheizung zählen, für sich und für die in Familiengemeinschaft lebenden unterhaltsberechtigten Angehörigen voraussichtlich nicht oder nicht ausreichend selbst beschaffen können, die Möglichkeit, eine finanzielle Hilfe zu erhalten. Renten, Pensionen, Leistungen aus der Arbeitslosen- und der Krankenversicherung, weiters Wohnbeihilfen, Unterhaltszahlungen jeglicher Art, Kinderbetreuungsgeld und Lehrlingsentschädigungen. Nicht als Einkommen gelten Familienbeihilfen, Familienzuschüsse, Kinderabsetzbeträge, Studienbeihilfen, Pflegegelder, Zuschüsse im Rahmen der Unterstützung der 24-Stunden-Betreuung oder bei sonstiger ambulanter Pflege, Opferrenten nach dem Opferfürsorgegesetz sowie Grundrenten nach dem Kriegsopferversorgungs- und Heeresversorgungsgesetz. Unberücksichtigt bleiben auch allfällige Sonderzahlungen (sogenannte 13. und 14.). Tatsächlich geleistete Unterhaltszahlungen werden bei der Ermittlung der Höhe des Einkommens bis zu einem Betrag von € 133,00 pro Person berücksichtigt. Sämtliche Einkommen bzw. zu leistende Unterhaltszahlungen sind durch möglichst aktuelle Unterlagen (z.B. Pensionsbezugsabschnitt, Gehaltszettel, Kontoauszug, Wohnbeihilfebestätigung) nachzuweisen. Antragstellung und Ausbezahlung: Der Heizkostenzuschuss kann im Zeitraum von Montag, den 17. Oktober 2011, bis Freitag, den 10. Februar 2012, beim Marktgemeindeamt Wolfurt, Bürgerservice beantragt werden. Personen, die aus Mitteln der Sozialhilfe (Bedarfsorientierte Mindestsicherung) unterstützt werden, haben keinen Anspruch auf diesen Zuschuss, da deren Aufwand für Beheizung bereits im Rahmen der Sozialhilfe getragen wird. Berücksichtigung von Einkommen und Vermögen: a) Einkommen Das monatliche Haushaltseinkommen darf laut Tabelle höchstens betragen: 1 Anzahl Erwachsene (alleinstehend, alleinerziehend, Ehepaar, Lebensgemeinschaft oder sonst max. 2 E) 2 Anzahl Kinder bzw. weitere erwachsene Person im Haushalt 3 Mtl Nettoeinkommen bis höchstens Euro 4 Mtl Nettoeinkommen + 10 % in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen (Härtefall) 1 1.068,-1.175,-__________________________________________________ 2 1.575,-1.733,-__________________________________________________ __________________________________________________ 1 1 1.201,-1.321,-__________________________________________________ 1 2 1.334,-1.467,-__________________________________________________ 1 3 1.467,-1.614,-__________________________________________________ 1 4 1.600,-1.760,-__________________________________________________ 1 5 1.733,-1.906,-__________________________________________________ __________________________________________________ 2 1 1.708,-1.879,-__________________________________________________ 2 2 1.841,-2.025,-__________________________________________________ 2 3 1.974,-2.171,-__________________________________________________ Als Einkommen gelten alle Einkünfte aus selbständiger Arbeit, aus nicht selbständiger Arbeit, aus Gewerbebetrieb, aus Land- und Forstwirtschaft sowie aus Vermietung und Verpachtung. Zum Einkommen zählen somit insbesondere Löhne, Gehälter, b) Vermögen Die Vermögenssituation bleibt gänzlich außer Betracht. Bei Zuschussgewährung wird der Heizkostenzuschuss von € 250,-- unverzüglich ausbezahlt. Für allfällige weitere Fragen steht Ihnen das Marktgemeindeamt Wolfurt, Bürgerservice, Telefon 05574/6840 Frau Köb (DW 10), Frau Amhof (DW 16) oder Herr Hinteregger (DW 17) gerne zur Verfügung. 8 Aus dem Rathaus Neue Anfahrtsregelung für Problemstoffsammlung Bei der monatlich stattfindenden Problemstoffsammlung am Bauhof Wolfurt, jeweils am ersten Donnerstag und ersten Samstag des Monats, kam es bislang zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Bereich der Kreuzung Fitzkurve. Diese hat den Verkehr Kennelbach – Bregenz – Wolfurt massiv behindert, und es kam zu starken Rückstaubildungen, welche verkehrstechnisch nicht mehr tragbar sind. Für eine Lösung des Problems wird die Marktgemeinde Wolfurt den Versuch starten, eine Verkehrsumleitung für die Zufahrt entlang der Achstraße in die Dammstraße (vorbei am Pfadiheim zum Bauhof) einzurichten. Sollte sich diese bewähren und eine Verbesserung der Verkehrslage herbeiführen, wird dies an beiden Sammeltagen fortgeführt. Für einen reibungslosen Ablauf der Umleitung wurde zusätzliches Personal bis Februar beauftragt, den Verkehr zu regeln. Die Anrainer der Dammstraße haben selbstverständlich trotzdem die Zufahrt gewährt. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis. Böller und Feuerwerke müssen genehmigt werden In den letzten Monaten häufen sich im Gemeindeamt die Beschwerden über Lärmstörungen durch Feuerwerke und Böllerschüsse. Es wird darauf hingewiesen, dass in unserem Gemeindegebiet keinerlei Feuerwerke nach 22:00 Uhr genehmigt werden (außer Silvesternacht). Größere Feuerwerke müssen ohnedies von der Bezirkshauptmannschaft und nicht von der Gemeinde bewilligt werden. Das „Braut-Wachschießen“ am Hochzeitstag geht auf eine bereits ältere Tradition in Wolfurt zurück. Es wurde allerdings nur dann eine Braut wachgeschossen, wenn sie auch einen Mann aus dem Ort geheiratet hat. Entsprechend dieser Tradition kann ein „Braut-Schießen“ mit Böllern bewilligt werden, wenn die Braut in Wolfurt wohnhaft ist. Ein Wachschießen des Bräutigams ist strikt verboten, ebenso das Schießen vor 6:00 Uhr früh. Jedes Brautschießen muss vorher von der Gemeinde bewilligt werden. Es wird ersucht, diese Rahmenbedingung zu berücksichtigen, da bei nicht bewilligten Feuerwerken oder Böllerschüssen Anzeige erstattet werden muss. Bürgermeister Christian Natter Aus dem Rathaus 9 Österreichische Lesewoche auch in der Bücherei Wolfurt Vom 17. - 23. Oktober 2011 fanden wieder die Österreichischen Lesewochen mit dem Kampagnennamen „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ statt. Das landesweite Literaturfestival wurde heuer bereits zum sechsten Mal in der Woche vor dem Nationalfeiertag umgesetzt. Auch unsere Wolfurter Bücherei schloss sich dieser Aktionswoche tatkräftig an und beteiligte sich mit tollen Aktionen. Zum einen fand eine Lesung des Dornbirner Autors Peter Natter im „Alten Schwanen“ statt, zum anderen das Handpuppenspiel „Karlinchen“, welches die 3 - 6jährigen im Kultursaal begeisterte und unterhielt. Der zur Lesewoche hinzukommende „Welttag des Buches“ Ende April war Anlass für die Wolfurter Bücherei, zum gemütlichen Verweilen bei Kaffee und Kuchen einzuladen. Dieser Brauch gehört inzwischen zu einem Fixpunkt im Büchereijahr. Gleichzeitig nutzten wir diesen Nachmittag als Start unserer neuesten Aktion „Vorlesen für unsere Kleinen“. Dieses gemütliche Zusammensein findet seitdem am ersten Freitag jeden Monats um 14.30 Uhr statt und richtet sich an Kinder im Kindergartenalter, die sich gerne von neuen Geschichten und Bilderbüchern überraschen lassen. Dank großzügiger finanzieller Unterstützung kann die Bücherei Wolfurt mit einem äußert aktuellen und reichhaltigen Medienangebot punkten. Besonders positiv hat sich die Förderaktion der Gemeinde, die jedem Kind zum Kindergarten- und auch zum Volksschuleintritt einen Gutschein für eine Bücherei-Familienjahreskarte ausstellt, für die Bücherei ausgewirkt. Der Erfolg kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Stattliche 43.000 Entlehnungen konnte die Bücherei Wolfurt im letzten Jahr verzeichnen. In unser Angebot können Sie gerne unter www.buechereiwolfurt.webopac.at Einblick nehmen oder besuchen Sie uns Di + Do von 14:00 - 18:00 Uhr sowie Fr von 15:00 19:00 Uhr in unseren Büchereiräumlichkeiten gegenüber vom Wolfurter Rathaus. Wir freuen uns auf Sie! Neue Inselstraße Neben dem Neubau vom Sternenplatz konnte mit der Sanierung / Neubau der Inselstraße, Teilabschnitt von der L3 bis zur Bregenzerstraße, eine weitere Großbaustelle abgeschlossen werden. Eine moderne, erstmals in Wolfurt eingesetzte LED Straßenbeleuchtung sorgt für angenehme Helligkeit und entsprechende Sicherheit für die Straßenbenutzer. Die Kosten der neuen Straße belaufen sich auf € 240.000,- und werden von der Gemeinde finanziert In diesem Zuge bedanken wir uns beim Planungsbüro Rudhardt + Gasser, der ausführenden Firma Oberhauser und Schedler, speziell aber auch bei unseren Mitarbeitern vom Bauhof. Sie trugen stets dafür Sorge, dass die Anrainer trotz der Bauarbeiten geringstmögliche Behinderungen in Kauf nehmen mussten. Ganz besonderen Dank gebührt auch den Anrainern für das Entgegenkommen, die konstruktive Zusammenarbeit und das Verständnis während der Bauzeit. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur Die Inselstraße war in einem äußerst mangelhaften Zustand, hatte einen sehr schlechten Unterbau und keine Straßenentwässerung. Daher war die Straße für die Benutzer nur sehr erschwert passierbar. Vor allem Fußgänger und Radfahrer hatten bei Nässe und Schnee ihre Mühe. Der Teilabschnitt der Inselstraße wurde somit auf eine Länge von 331m komplett erneuert. Die Straßenbreite wurde zur Geschwindigkeitsreduzierung, auch auf Wunsch der Anrainer, variabel gestaltet. In diesem Zuge wurden auch die Versorgungsleitungen wie Wasserleitung, Erdgas und VKW neu verlegt. Im Rahmen von BA18 Ortskanal wurde gleichzeitig auch die Kanalsanierung durchgeführt. Neben neuem Unterbau wurde desweiteren eine Straßenentwässerung nach neuen Richtlinien im Trennsystem über Sickerschächte und Sickerpakete eingebaut. . 10 Gemeindepanorama 500 Jahre Pfarre Wolfurt Christliche Symbole: Wegkreuz in der Heimkehrersiedlung 1950 Der Kircheninnenraum um 1960 Pfarrkirche mit niedrigem Turm vor 1904 Ausschnitt aus der Stiftungsurkunde von 1512 Zeichen der Religiösen Dorfbevölkerung: Kapelle Rickenbach 1920 Im kommenden Jahr dürfen wir ein besonderes Jubiläum feiern. Vor einem halben Jahrtausend wurde Wolfurt zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Zu diesem Anlass wird es im Jahr 2012 verschiedene Aktivitäten und Veranstaltungen in unserer Pfarre und Gemeinde geben. Schon ab Jänner wird die Katholische Jugend Wolfurt (KJ) in verschiedenen Projekten auf das Jubiläum hinweisen. Der Schwerpunkt des umfangreichen Programms, das unter dem Motto „Glauben leben - Hoffnung geben“ steht, ist vom 14. Oktober bis 9. Dezember 2012 geplant. Unter anderem ist auch die Herausgabe eines Buches vorgesehen, in dem die 500jährige Geschichte der Pfarre beschrieben und illustriert werden soll. Das Buch soll nicht nur die "alte" Geschichte beinhalten, sondern auch die jüngere Pfarrgeschichte, die wir noch selbst miterlebt haben, soll darin dokumentiert werden. Um das Buch ansprechend und interessant für viele Mitbürger gestalten zu können, bitten wir dabei um Unterstützung. Kontaktadresse: Herr Richard Eberle E-Mail des Gemeindearchivs: archiv@wolfurt.info Telefon (nur abends): 05574 / 83701 Die Pfarrgemeinde Wolfurt freut sich auf das außergewöhnliche Jubiläum im kommenden Jahr 2012 und lädt die ganze Bevölkerung zur Teilnahme an den verschiedenen Aktivitäten ein. Walter Reis, Koordinator Richard Eberle, Gemeindearchiv Alte Bilder, Geschichten und Informationen von Zeitzeugen sind gefragt So suchen wir nach Fotos aus den Nachkriegsjahren, die z. B. den Innenraum der Kirche zeigen, Fotos von Prozessionen und kirchlichen Festen, von Wegkreuzen, Kapellen und Bildstöcken, ganz allgemein nach Bildern, die das kirchliche Leben in unserem Dorf dokumentieren. Wir sind aber auch dankbar, wenn uns Zeitzeugen Geschichten erzählen, die einen Einblick in die Veränderung des Pfarrlebens in den letzten 60 Jahren, die Tätigkeit der Seelsorger usw. ermöglichen. So gab es z.B. zwischen 1960 und 1970 Bemühungen zur Erbauung einer neuen Pfarrkirche im Mähdle (Kirchenbaukomitee St. Josef und Magnus), über die uns keine Unterlagen mehr vorliegen. Gemeindepanoroama 11 Haberkorn Ulmer erhält Natur- und Mitweltpreis Am 28. November 2011 lud die Vorarlberger Landesregierung zur Verleihung des Vorarlberger Mitwelt- und Energiepreises 2011 in das Landhaus ein. Das Wolfurter Unternehmen Haberkorn Ulmer erhielt aus einer Rekordzahl von 33 Einreichungen den Hauptpreis in der Kategorie Natur- und Mitwelt für das Projekt „Vom Klimaschutz zum Nachhaltigen Handeln“. Das Unternehmen hat eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, in deren Zentrum drei Hauptbereiche stehen: Der wertschätzende Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bewusste Gestaltung der Sortimente und Services sowie ressourcenschonende Prozesse. An allen 6 Standorten des Unternehmens in Österreich, von Wolfurt bis Wien, wurden Projektteams mit Umweltverantwortlichen gebildet, die sich den verschiedenen Themen im Bereich Klimaschutz annahmen. Einige Highlights seien genannt: Um möglichst viele Beschäftigte für sanfte Mobilität zu gewinnen, bietet das Unternehmen z.B. elf firmeneigene Jobräder, die für die Wege zwischen Bahnhof und Betrieb zur Verfügung stehen. Damit wurden ca. 100.000 Autokilometer auf Fahrrad bzw. Bahn verlagert. Jobtickets für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Gratis Tickets für den öffentlichen Verkehr werden zur Verfügung gestellt. E-Bikes werden gefördert, es gibt Pendlerberatungen und ein Mobilitätsfrühstück. Energieeffizienzcheck für alle IT Anschaffungen, virtuelle Server und die Energieoptimierung der Serverräume helfen die Energiekosten erheblich zu reduzieren. Die Optimierung des firmeneigenen Fuhrparks, die Gebäudeoptimierung, die Umstellung der Papiersorten, die Reduktion des Papierverbrauchs, Aktionen zur Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung der Mitarbeiter, Lehrlingsprojekte halfen, in den letzten Jahren über 500 Tonnen CO2 einzusparen. Alles in allem also ein umfassendes Maßnahmenpaket, das die Firma Haberkorn Ulmer zum würdigen Preisträger macht. Die Marktgemeinde gratuliert sehr herzlich zu diesem tollen Preis. Wolfurter Firmen erhalten gemeinsamen Anerkennungspreis Im Rahmen der oben genannten Veranstaltung wurde der vom Land ausgeschriebene Energie- und Mitwelt Anerkennungs-preis 2011 für das Gemeinschaftsprojekt „JOBRADe - auf die „sanfte“ Tour umsteigen“ an die Wolfurter Firmen Doppelmayr, Haberkorn Ulmer und INTEGRA verliehen. Auch wenn es sich bei den Firmen des gemeinschaftlichen Projektes um Unternehmen verschiedener Größe und unterschiedlicher Branchen handelt, bringt der gemeinsame Standort Wolfurt doch ähnliche Mobilitätsbedürfnisse der Beschäftigten mit sich. In den drei Unternehmen wurden tolle Mitarbeiteraktionen gestartet. E-Bikes sollen für die mit der Arbeit verbundenen Wege als Alternative ins Bewusstsein gerufen und die Hürde etwa des höheren Anschaffungspreises für hochwertige E-Bikes herabgesetzt werden. Daher wurde den interessierten Mitarbeitern ein ausgearbeitetes Leasingmodell zusammen gestellt, bei welchem der Kaufpreis unter Berücksichtigung eines Händlerrabatts, der Inanspruchnahme einer Bundesförderung, und eines zusätzlichen Beitrages des Unternehmens verringert wurde. Die Anschaffungskosten werden vom Betrieb vorfinanziert und können dann von den MitarbeiterInnen zinsfrei an das Unternehmen zurückbezahlt werden. Ein tolles Angebot, das so letztendlich vergleichbar mit den Kosten einer Monatskarte des ÖPNV ist und inzwischen von 74 begeisterten Angestellten genutzt wird. Zusätzlich bleibt anzumerken, dass dieses tolle Projekt und die daraus resultierende Wertschöpfung infolge der Beschaffung über die Wolfurter Radhändler komplett in der Region bleibt. Die Marktgemeinde Wolfurt gratuliert den teilnehmenden Firmen recht herzlich zu dieser tollen Auszeichnung, und bedankt sich sehr für den vorbildhaften Umweltund Gesundheitsgedanken, den diese Unternehmen vorleben. 12 Gemeindepanoroama Vorarlberg MOBILWoche Genießen und gewinnen - plan-b Grillfest zum Abschluss des Fahrradwettbewerbs 2011 Der Yachtclub Bregenz war am 21. September 2011 der besondere Rahmen, in dem der diesjährige Fahrradwettbewerb seinen Abschluss fand. Viele begeisterte Alltags- und FreizeitradlerInnen genossen den Grillabend am Bodensee. 1.262 TeilnehmerInnen beim Fahrradwettbewerb 2011, die mindestens 100 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt haben - das ist neuer plan-b Rekord. Gemeinsam haben die WettbewerbsteilnehmerInnen mehr als 1,17 Mio. Kilometer und damit die Distanz zum Mond gleich dreimal zurückgelegt. Besonders spannend verlief entsprechend die Verlosung der Hauptpreise in den drei Kategorien Einsteiger, Alltagsradler und Sportler. Je 3 HauptgewinnerInnen pro Kategorie durften sich über tolle Gutscheine des Fahrradfachhandels freuen. Jeweils ein/e TeilnehmerIn konnte gleich einen gefüllten Picknickkorb mit nach Hause nehmen. Das plan-b Grillfest stand unter dem Motto „genießen und gewinnen“. Die „First Leiblach Valley Pipes and Drums“, eine Dudelsack-Formation, und der Harder Alt-Bürgermeister Hugo Rogginer mit den 3M sorgten für beste Unterhaltung. Spannende Eindrücke und Blicke boten u. a. das Kuratorium für Verkehrssicherheit mit der Rauschbrille, oder die Polizei und Wasserrettung mit Bootsrundfahrten auf dem abendlichen Bodensee. Einsteiger: ___________________________________________________________________________ 1. Platz: Marjeta Ulmer, Wolfurt ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Renate Lechner, Bregenz ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Martin Rainer, Hard ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Günter Böhler, Schwarzach ___________________________________________________________________________ Jede/r TeilnehmerIn gewinnt „Radfahren macht Spaß, hält fit und entlastet die Geldbörse. Radfahren ist damit ein Beitrag zum Umweltschutz und zum Energiesparen - und zu mehr Lebensqualität. Somit kann sich jede/r TeilnehmerIn als GewinnerIn bezeichnen“, bringen es die teilnehmenden Radfahrer als persönliche Argumente auf den Punkt. Die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt bedanken sich bei allen HelferInnen. Insbesondere bei denen des Yachtclub Bregenz, bei den Schützlingen der Lebenshilfe, bei den Partnern und natürlich bei allen, die am Fahrradwettbewerb 2011 teilgenommen haben. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt Alltagsradler: 1. Platz: Gerda Neuwirt, Hard ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Otto Nester, Bregenz ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Christiane Janetscheck, Lauterach ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Fiona Stockmaier, Hard ___________________________________________________________________________ Sportler: 1. Platz: Alexander Schmidinger, Bregenz ___________________________________________________________________________ 2. Platz: Martin Lindenthal, Wolfurt ___________________________________________________________________________ 3. Platz: Ingrid Bickel, Hard ___________________________________________________________________________ 4. Platz: Bruno Bildstein, Wolfurt ___________________________________________________________________________ Umwelt 13 Schnell und sicher durch den Winter! Zeitlich befristete Förderaktion für Rad-Lichtanlagen und Spike-Reifen Eine Aktion des In Zusammenarbeit mit Radfahren ist gesund, schützt die Umwelt und verringert Verkehrslärm. Um jedoch auch in der kalten Jahreszeit sicher und gefahrlos mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, sollte jedes Fahrrad mit einer modernen Lichtanlage – bestehend aus Nabendynamo und LED-Licht – ausgestattet sein. Nabendynamos sind im Gegensatz zu herkömmlichen „Seitenläufern“ unempfindlich gegen Schnee oder Nässe. LED-Lampen leuchten deutlich heller als Glühlampen und sind robuster. Wer auch bei glatten und rutschigen Straßenverhältnissen sicher und gefahrlos unterwegs sein möchte, sollte seinen Drahtesel darüber hinaus mit Spike-Reifen ausstatten. Der Marktgemeinde Wolfurt ist die Förderung des Alltagsradverkehrs als modernes und umweltfreundliches Verkehrsmittel, aber auch die Verkehrssicherheit der Wolfurter BürgerInnen ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund möchten wir in einer zeitlich befristeten Förderaktion auf die Verfügbarkeit moderner Sicherheitstechnik für den Radverkehr aufmerksam machen. Gefördert werden in einer zeitlich befristeten Aktion bis zum 31. Jänner 2012 > 70 Nachrüstungen von Alltagsfahrrädern bei einem der Wolfurter Fahrradfachhändler mit einem Set aus einem hochwertigen Shimano-Nabendynamo, einer neuen Hohlkammerfelge und einem modernen LED-Scheinwerfer mit Lichtsensor und Standlichtfunktion im Wert von € 150,- mit einem Förderbeitrag in der Höhe von € 50,sowie > die Anschaffung von insgesamt 40 hochwertigen Spike-Reifen bei einem der Wolfurter Fahrradfachhändler im Wert von € 50,- mit einem Förderbeitrag von € 20,-. Die Fördergutscheine können – so lange der Vorrat reicht – ab dem 1. Dezember beim Bürgerservice im Gemeindeamt abgeholt, und bei einem der Wolfurter Radhändler eingelöst werden. Um möglichst viele Wolfurter Haushalte in den Genuss der Förderung kommen zu lassen, werden pro Haushalt maximal eine LichtanlagenNachrüstung und zwei Spike-Reifen gefördert. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt 14 Umwelt Bus fahren: Aber sicher! Über 1000 Kindergartenkinder der plan-b Region üben mit Kasperl und der Polizei Große Busse, kleine Kinder: Die Aktion „Kids im Bus“ gibt Kindergartenkindern erste Impulse für das sichere Unterwegssein mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Heute waren die letzten 250 von insgesamt über 1000 Kindern aus den sechs plan-b Gemeinden bei der ÖBB Postbus in Wolfurt zu Gast. Die plan-b Region, die Polizei, die Initiative „Sichere Gemeinden“ und der Verkehrsverbund Vorarlberg arbeiten mit „Kids im Bus“ gemeinsam mit dem Kindergarteninspektorat und weiteren Partnern an sicheren Wegen speziell für die jüngsten Verkehrsteilnehmer unter uns. Der Weg zur Haltestelle, das Warten, Einsteigen und Mitfahren - auch Bus fahren will gelernt sein. Die plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gaben in den letzten zwei Wochen über 1000 Kindergartenkindern die Möglichkeit dazu. Linienbusse brachten die Kindergartengruppen mit ihren Begleiterinnen von der Haltestelle beim Kindergarten zur ÖBB-Postbus-Garage nach Wolfurt. Tipps, wie sich Kinder und Erwachsene im Bus und rundum verhalten sollten. Eine feine Sutterlüty-Jause für den Kindergarten rundete das Erlebte ab. Gemeinsam aktiv: Partner für bewusste Mobilität Kids im Bus ist eine gemeinsame Aktion der plan-b Gemeinden Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt, von der Polizei und von der ÖBBPostbus GmbH, die die Kinder transportiert und zugleich auch Gastgeber ist. Unterstützung kommt vom Verkehrsverbund Vorarlberg, den Sutterlüty-Märkten, die zur Jause beitragen, von der Kindergarteninspektorin und dem Landesschulrat beim Amt der Vorarlberger Landesregierung sowie von der Initiative Sichere Gemeinden. Robert Hasler, GR für Mobilität und Umwelt Spielerisch und praktisch erleben In Wolfurt erlebten die Kinder etwa, wie wichtig ausreichend Abstand zu den sich öffnenden Türen oder zu einem fahrenden Bus ist. Die bei der praktischen Übung vom ausschwenkenden Bus umgestoßene Puppe bleibt im Gedächtnis und hilft so, Unfälle zu vermeiden. Kasperl und andere bekannte Figuren gaben zusätzliche Neuer Busfahrplan ab 11. Dezember 2011 > Nichts geändert hat sich in der Taktdichte und Fahrstrecke der Linie 35 (Wälderbus) und Linie 24 (Richtung Buch Alberschwende) sowie der Linie 20 und 21. Sie werden auch im kommenden Jahr wie bisher unterwegs sein. > Eine kleine Änderung bei der Line 13: Der erste Bus (ab Dorfzentrum Richtung Dornbirn) fährt um 05:59 Uhr, und die Abfahrtszeiten Richtung Dornbirn haben sich um 3 Minuten verändert. Ansonsten sind die Taktdichte und die Fahrstrecke gleich geblieben. > Bei der Linie 18 sind die Abfahrtszeiten ab Wolfurt gleich geblieben. Die Streckenführung ab der Haltestelle Lerchenau hat sich geändert und wurde verlängert bis zum Bahnhof Lustenau (siehe Fahrplan). Detaillierte Informationen zum neuen Fahrplan können wie gewohnt dem Kursbuch des Verkehrsverbunds sowie den beigelegten Taschenfahrplänen des Landbus Unterland, und auf der Homepage der Gemeinde Wolfurt so wie auf http://www.vmobil.at/ entnommen werden. Außerdem möchten wir auf die kostenlose Mobilitätsberatung hinweisen, die von der Gemeinde einmal pro Monat in der Energieberatungsstelle angeboten wird. Genaue Terminangaben finden sich monatlich im Wolfurter Veranstaltungskalender. Robert Hasler, GR für Umwelt und Mobilität Umwelt 15 LED Testkoffer Seit 1. September 2011 dürfen 60-Watt-Glühbirnen in der EU nicht mehr produziert und vertrieben werden. (Im Handel dürfen die 60-Watt-Birnen aber weiterhin verkauft werden - solange der Vorrat reicht!) Die 100- und 75-WattGlühbirnen sind schon in den vergangenen Jahren gemäß EU-Verordnung aus den Regalen verschwunden. Der Fortschritt der LED-Technologie LED funktioniert ohne Energieverlust durch Wärmeentwicklung und ohne schädliche UV-Strahlen. Diese Lampen revolutionieren zur Zeit die Beleuchtung in privaten Bereichen. Daher wurde unser Lampen-Testkoffer mit sechs Stück LED-Lampen mit unterschiedlichen Sockeln ergänzt. Die Vorteile: > Im Vergleich zu herkömmlichen Glühlampen verbraucht jede LEDON Lampe um 80 Prozent weniger Strom. > Die Lebensdauer ist ca. 25-mal höher als jene von herkömmlichen Glühlampen. > Eine LED-Lampe erzeugt warmweißes Licht, ähnlich jenem der Glühlampe. > Die LED-Lampen passen in dieselben Fassungen wie herkömmliche Glühlampen. > Das Einschaltverhalten einer LED-Lampe ist gleich wie bei einer Glühlampe, d. h. Einschalten und sofort 100% Licht. Durch den Einsatz von Energiesparlampen kann der Stromverbrauch bereits deutlich gesenkt werden. Daher gibt es seit einiger Zeit den EnergiesparlampenTestkoffer, in welchem sich verschiedene Energiesparlampen befinden. Dieser kann im Wolfurter Rathaus ausgeliehen werden, um für das eigene Heim und die verschiedenen Räume die richtigen Lampen zu finden. Das e5-Team freut sich auf rege Ausleihfrequenz! Nach ca. 2-3 Tagen sollte der Koffer wieder zurückgebracht werden, dann gibt´s auch die € 20,- wieder retour. Kontakt Lampen-Testkoffer: Rathaus Wolfurt, Burkhard Hinteregger, Tel. 05574 / 6840-17, Kaution: € 20,- 16 Umwelt Ê Abfuhr Restabfall (Unrat) Jede ungerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Gelber Sack (Kunststoffe) Jede gerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Bioabfall Jede Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfallberatung Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Wertstoffannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Grünmüllannahme (1.3. - 30.11.2012) Grünschnittsammelstelle Lauteracher Str. Mittwoch und Freitag 15:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 15:00 Uhr Sperrmüllannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Problemstoffannahme - kostenlos Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr Problemstoffsammelstelle am Bauhof Kontaktadresse Burkhard Hinteregger, Gemeindeamt Wolfurt, Tel.: 6840-17 Abfallkalender Umwelt 17 Ê 18 Abfuhr Restabfall (Unrat) Jede ungerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Gelber Sack (Kunststoffe) Jede gerade Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfuhr Bioabfall Jede Woche am Dienstag ab 6:00 Uhr Abholung am Straßenrand Abfallberatung Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Wertstoffannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Grünmüllannahme (1.3. - 30.11.2012) Grünschnittsammelstelle Lauteracher Str. Mittwoch und Freitag 15:00 – 18:00 Uhr, Samstag 10:00 – 15:00 Uhr Sperrmüllannahme Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr am Bauhof Problemstoffannahme - kostenlos Jeden ersten Samstag im Monat von 8:00 – 11:00 Uhr sowie am Donnerstag davor von 17:00 – 19:00 Uhr Problemstoffsammelstelle am Bauhof Kontaktadresse Burkhard Hinteregger, Gemeindeamt Wolfurt, Tel.: 6840-17 Abfallkalender Umwelt Tipps und Informationen vom e5-Team Neues Energieeffizienz-Label der EU Im Jahr 1995 wurde zur Kennzeichnung des Energieverbrauchs verschiedener Güter das Energieeffizienz-Label der EU mit den Effizienzklassen A bis G eingeführt. Aufgrund des technischen Fortschritts ist diese Kennzeichnung in den letzten Jahren überarbeitet worden. Die höchste (beste) Stufe hat nun (je nach Art des Geräts) die Bezeichnung A+++. Für Kühl- und Gefriergeräte beispielsweise bedeutet das, dass ein Gerät der Klasse A+++ 60% weniger Energie verbraucht als ein Gerät der Klasse A. Ab 01. Juli 2012 dürfen keine Geräte mehr produziert werden, die schlechter eingestuft sind als A+. Die Energieeffizienzklasse alleine genügt nicht in allen Fällen zur Beurteilung des Energieverbrauchs. Bei Fernsehgeräten z.B. bezieht sie sich auf die Bildschirmfläche, d.h. ein 32-Zoll-Gerät verbraucht doppelt so viel Strom wie ein 46-Zoll-Gerät, auch wenn beide der Klasse A+ entsprechen! > Aktuelle Informationen zu energieeffizienten Produkten finden Sie im Internet unter www.topprodukte.at. Thermostatventile Zu Winterbeginn möchten wir auf die besonderen Eigenschaften von Thermostatventilen an Heizkörpern hinweisen. Thermostatventile sind automatische Regelgeräte, d.h. sie verändern die Leistung des Heizkörpers je nach Raumtemperatur. Das hat den Vorteil, dass z.B. bei Sonneneinstrahlung, beim Kochen oder wenn viele Personen anwesend sind, eine Überhitzung des Raums verhindert und wertvolle Energie gespart werden. Thermostatköpfe sind üblicherweise mit Zahlen von 1 bis 5 beschriftet. Die Mittelstellung (meist Stufe 3) entspricht einer Raumtemperatur von ca. 21°C und empfiehlt sich für die meisten Wohnräume. > Wichtig: Auf Stufe 5 wird ein Zimmer zwar wärmer als auf Stufe 3, schneller warm wird es aber nicht! Der Heizkörper heizt nicht stärker, nur länger. Damit ein Thermostatkopf richtig arbeiten kann, muss er frei von der Raumluft umströmt werden. Er darf nicht von einem Vorhang o.ä. verdeckt werden. Für Heizkörper, die hinter Verkleidungen montiert sind, werden Fernfühler angeboten. Sie haben noch Heizkörper ohne Thermostatventile? Sprechen Sie mit Ihrem Installateur - die Umrüstung rechnet sich aufgrund der Energieeinsparung innerhalb weniger Jahre! Stromverbrauch Schulzentrum Strohdorf Dass auch relativ neue Anlagen gelegentlich einer Überprüfung bedürfen, zeigt das Beispiel des im Jahr 2004 errichteten Gebäudes der Hauptschule. Dort wurde in den vergangenen Jahren ein Stromverbrauch festgestellt, der nicht den Erwartungen an ein energieeffizientes Gebäude entspricht. Durch ausführliche Messungen konnte das e5-Team die Lüftungsanlage als einen Hauptverursacher des erhöhten Verbrauchs identifizieren. Daraufhin wurden einige Einstellungen der Steuerung an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst. Nach einem knappen Jahr liegen erste, erfreuliche Ergebnisse vor: Der jährliche Stromverbrauch der Hauptschule hat sich um rund 42.500 kWh bzw. 18% verringert. Für die Marktgemeinde Wolfurt bedeutet das eine Einsparung von rund € 5.900,- pro Jahr. Johannes Köb, e5-Team-Leiter Umwelt 19 Viele Höhepunkte auf dem Wolfurter Markt Das Jahr 2011 ist schon fast wieder vorbei und es hat sich wieder einiges getan beim Wolfurter Wochenmarkt, der jeden Freitag von 14:00 bis 17:00 Uhr stattfindet. Tolle Musikgruppen, Zauberer, Artisten und Aktionen sowie die vielen Marktfahrer sorgten schon seit Jahresanfang für ein unterhaltsames Programm. Wunderbares Herbstwetter, viele Aktionen und begeisterte Besucher waren ein Garant für ein tolles Ambiente auf dem Marktplatz. Am 16. September 2011 präsentierte sich die Türkei als Urlaubs- und Tourismusland auf dem Wolfurter Markt. In Zusammenarbeit mit dem Türkischen Konsulat wurden nicht nur feine kulinarische Spezialitäten, die der Aktion „ma hilft“ gespendet wurden, angeboten, sondern vieles mehr. Es gab z.B. auch ein Reisebüro, bei dem die Besucher über die Schönheiten der Türkei informiert wurden. Das ganze wurde dann mit Folkloreauftritten und südländischer Musik abgerundet. Es war ein schöner Nachmittag mit sehr vielen Besuchern. Herr Konsulent Cagdas Bilgin und Landesrat Erich Schwärzler waren begeistert von den Darbietungen auf dem Wolfurter Markt. Weiters gab es zwei Mal ein Kürbisschnitzen und Gratiswürstel für die Kinder, Bastelnachmittage und soziale Aktionen. Hervorragend besucht war auch der 18. November. Hier gab es eine Aktion für die Pfarre Wolfurt - „Versteckte Not“. Kichoro- und Flädlesuppe, zubereitet von den „Frickenescher Moadla“, wurden von den Marktbesuchern geradezu weggeputzt. Alles ausverkauft hieß es um 17:00 Uhr, und eine Spende von über € 600,-- konnte übergeben werden. Ein herzliches Vergelt`s Gott an alle Marktbesucher. Der Wolfurter Markt bietet zahlreiche und vor allem qualitativ tolle Produkte an, und das auch im Winter. Da gibt es verschiedene Käsesorten aus dem Bregenzerwald und Eichenberg, Steirische, französische, griechische und italienische Spezialitäten, Brot und Gebäck, Obst und Gemüse, Säfte, Suppen und Soßen, Wurstwaren, Honig, Blumen und Pflanzen, Heilmittel und Naturprodukte, Dekowaren, Schmuckwaren, Steine, Fische, Messer- und Scherenschleifer, Weine, biotechnische Produkte, Olivenöle, Sockenund Textilwaren. Der Marktwirt Thomas Reichl freut sich auf viele Besucher. Michael Fröwis 20 Wirtschaft 18. Wolfurter Herbstmarkt - ein voller Erfolg! Unter dem Motto „Handwerk erleben“ organisierte die Marktgemeinde am 25. September 2011 ihren 18. Herbstmarkt im Zentrum von Wolfurt. Bei strahlendem Altweiber-Sommer-Wetter freute sich die Bevölkerung. Die Kinder vom Kindergarten Bütze eröffneten den Markt mit tollen Liedern, von der Volksschule Bütze wurde eine super Akrobatik Show vorgeführt, und die Bauernkapelle spielte zum Frühschoppen auf. Der traditionelle 45 Meter lange Apfelstrudel, welcher heuer zu Gunsten des Projektes „Tischlein deck dich“ vom Sozialkreis der Pfarre verkauft wurde, rundete die Eröffnungsfeier ab. Die Handwerkerschule auf dem Marktplatz gab Einblicke in ihre Arbeit. So konnten die entstandenen Werkstücke bewundert, und über Handwerker-Berufe diskutiert werden. Das tolle Kinderprogramm mit Gewinnspiel war eine große Attraktion. Es wurde Messing poliert, frische Äpfel und Birnen zu Süßmost gepresst, Hände in Wachs getaucht, das Wolfurter Wappen angemalt, geschminkt und geknetet. Wer höher hinaus wollte, konnte dies beim Klettern oder mit dem Steiger der Wolfurter Feuerwehr machen. Ein Highlight war die tolle Modenshow, welche vom Weltladen-Team mit „Fairer Mode“ präsentiert und mit viel Applaus belohnt wurde. Anhand des Projektes: „Wie flicke ich einen Fahrradschlauch - und wie gut ist die Reparatur?“ wurde ein kleiner Wettbewerb mit unserem Bürgermeister und Gemeinderätin organisiert. Mit über 40 Ausstellern und schönen Produkten war das Marktprogramm sehr vielfältig. An den vielen Marktständen verkauften Hobbykünstler und Hobbyhandwerker viel Selbstgemachtes. Kulinarische Köstlichkeiten sorgten für beste Verpflegung, musikalische Unterhaltung sorgte für tolle Stimmung. Unser Herbstmarkt war wieder ein schöner Treffpunkt für die Wolfurter Bevölkerung. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und besonders bei den Vereinen für die aktive Teilnahme und deren Beitrag für dieses Dorffest! Yvonne Böhler, GR für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 21 oben: Scheckübergabe an „Wolfurt für Wolfurt“, unten: das gesamte MRS-Team 50 Jahre MRS - Mayr Record Scan Am 18. November feierte die Firma Mayr Record Scan, Kirchstraße 13a, mit ihren Geschäftspartnern, Freunden und Nachbarn ihr 50jähriges Jubiläum in Lauterach beim Bodensee-Varieté. Nach dem Sektempfang, Fotoshooting und Gästeübersicht startete ein Bericht über die Firma und das Team. Firmengründer Norbert Mayr gründete das Unternehmen 1961 mit der ersten Bleisatz-Maschinensetzerei Österreichs in Teilkonzession als 1-Mann-Betrieb. Heute ist MRS eines der erfolgreichsten Druckvorstufen- und Digitaldruckunternehmen in der Bodenseeregion. 1995 wurde die Geschäftsleitung an Sohn Christof übergeben, der zusammen mit seiner Schwester Elisabeth den Betrieb leitet. Neben seiner Liebe zur Firma ist Christof begeisterter Pilot. Vielleicht ist es auch diese Freiheit, die er über den Wolken spürt, die ihn manchmal auf „wahnsinnige“ Ideen bringt und somit offen für Neues macht. Sein Ziel ist die Veränderung. Besonders wichtig ist ihnen ein gutes Betriebsklima und ausgezeichnetes Verhältnis zu den 22 Mitarbeitern. Die Freude, der Einsatz und das Engagement sind überall spürbar. Seit 2011 gibt es sogar ein Übersetzungsbüro in Shanghai. Mit dem Jubiläum wurde auch ein schönes Buch - 50 Jahre MRS / Zeit ist, was passiert! / 1961-2011 veröffentlicht. Die Firma Mayr Record Scan ist aktives Mitglied der Wirtschaft Wolfurt und nimmt gerne an verschiedenen Aktionen, Veranstaltungen und am Dorfgeschehen teil. Der Wirtschaftsstandort und Bezug zu Wolfurt und der Region ist ihnen ein großes Anliegen. Mit ihren Kommunalsteuerbeiträgen leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in unserer Gemeinde. Nicht nur wirtschaftlicher Erfolg, sonder auch soziales Engagement ist ihnen wichtig. In diesem Sinne haben sie ihre Jubiläumsgeldgeschenke über € 2965,- an Wolfurt für Wolfurt übergeben und diese sogar auf € 4000,- aufgestockt. Höchste Qualität, qualifizierte Mitarbeiter, Flexibilität und guter kundenorientierter Service, das ist das Erfolgsgeheimnis von MRS Wolfurt. Wir gratulieren den Jubilaren für die hervorragende Arbeit, für ein tolles Team und wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg, Freude und Innovation! Wir bedanken uns für ihr Engagement und freuen uns auf eine weitere gute Zusammenarbeit! Yvonne Böhler, GR für Wirtschaft und Nahversorgung Marlies Mayr, Moderator Heinz Wendl, Norbert Mayr 22 Wirtschaft v.l.n.r.: GR Yvonne Böhler, Barbara Bildstein (Wild Cut) , Mirjana Mersek (Hairdesign), Margot Gorbach (Frisiersalon Gorbach), Gbed. Manuela Bundschuh, BM Christian Natter „Wolfurt steht Kopf“ bei der Wirtschaftsgala 2011 Wolfurt ist ein hervorragender Wirtschaftsstandort. Verantwortlich dafür sind unter anderem die vielen Unternehmer aus Industrie, Handwerk und Gewerbe sowie aus dem Gastronomie- und Dienstleistungsbereich, die durch Abgabe der Kommunalsteuer und Schaffung einer Vielzahl von qualifizierten Arbeitsplätzen für eine blühende Wirtschaft sorgen. Dafür bedankt sich die Gemeinde alle drei Jahre mit einer unterhaltsamen „Wirtschaftsgala“ im Cubus. Unter dem Motto „Wolfurt steht Kopf“ wurde ein spektakuläres Programm für unsere Unternehmer zusammengestellt. Gleich zu Beginn eröffnete die Turnerschaft Wolfurt mit viel Schwung und Elan diesen Abend. Nachdem der deutsche Neuromarketingforscher Dr. Peter Kenning seine Theorien zur Beeinflussung des Kaufverhaltens aufgrund bekannter Marken darlegte, präsentierten „einheimische“ Unternehmen Einblicke in ihre Arbeit. DI Christoph Hinteregger zeigte Innovationen durch Herausforderung bei Doppelmayr. Anlässlich des 50jährigen Bestehens von Mayr Record Scan wurden die kreativen Köpfe in diesem Unternehmen vorgestellt. Die Handwerkerschule, als Musterbeispiel wie die Zusammenarbeit mit Wirtschaft/ Schule und erfahrenen Experten aus der Praxis funktioniert, rundete dieses Programm ab. Für Diskussion sorgte unter anderem das Duo Sonambul, welches mit Gedankenlesen das Publikum faszinierte. Ein kurzer Überblick von den erfreulichen Wirtschaftsdaten war ein Bestandteil der Powerpoint Präsentation, ebenso wie kulinarische Köstlichkeiten vom Cubus Team. Ein sehr tolles Soziales Projekt zeigten unsere vier Friseur-Unternehmen. Gemeinsam veranstalteten sie einen Wohlfühltag für die PWA (Pfadfinder wie alle). Dieses Projekt ist einzigartig in der Region und zeigt, welches enorme Potential wir in Wolfurt haben. Gemeinsam für eine gute Sache, Zusammenhalt, Erfahrungsaustausch, gesunder Wettbewerb! v.l.n.r.: KR Walter Eberle, Melitta und DI Christoph Hinteregger (Doppelmayr), Bernhard Feigl (Spartenobmann Gewerbe und Handwerk) Eine gut funktionierende Wirtschaft braucht kluge, engagierte Köpfe. Die Gemeindeverantwortlichen sind sehr stolz, bedanken sich für das Engagement der Unternehmer und freuen sich auf eine weitere gute Zusammenarbeit. Herzlichen Dank! Wirtschaft 23 Meusburger: Ausbildungsoffensive und Ausbau der Lehrwerkstatt Das Familienunternehmen Meusburger Formaufbauten stellt dieses Jahr zwölf neue Lehrlinge ein. Ab Herbst 2012 sollen weitere 24 Lehrstellen geschaffen werden, um damit noch mehr Jugendlichen die Chance auf einen attraktiven Ausbildungsplatz zu ermöglichen. Als Folge dieser Entwicklung wird eine große Summe in den Ausbau der Lehrwerkstatt investiert und die Zahl der Lehrlingsausbilder entsprechend aufgestockt. Zurzeit werden in Wolfurt insgesamt 33 Lehrlinge als zukünftige Fachkräfte in den Lehrberufen MetalltechnikerIn (Zerspanungstechnik), MetalltechnikerIn (Maschinenbautechnik), ProduktionstechnikerIn sowie MetallbearbeiterIn ausgebildet. Um auch in Zukunft qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung zu haben, werden im Herbst 2012 weitere 24 Lehrlinge aufgenommen. Hierfür wurde schon im vergangenen Jahr in den Ausbau der Lehrwerkstatt investiert. Nun sollen weitere Maschinen, insgesamt sechs zusätzliche Bearbeitungszentren, sechs neue Drehbänke und auch neue CAM-Büroarbeitsplätze angeschafft bzw. eingerichtet werden. „Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die Lehrlingsausbildung für die Weiterentwicklung unseres Unternehmens äußerst wichtig ist. Während die Branche Werkzeug- und Formenbau den Mangel an Fachkräften thematisiert, bilden wir unsere Fachkräfte ganz einfach selbst aus“, erklärt Geschäftsführer Guntram Meusburger. firmeneigenen Kantine; Prämien für gute Noten und Leistungen; Nachhilfe bei Problemen in der Schule; interne wie externe Weiterbildungsseminare sowie viele außerbetriebliche Veranstaltungen wie Exkursionen, Ski- und Biketage, Kletterausflüge uvm.“, weiß Giesinger weiter. Sehr gute Aufstiegsmöglichkeiten Die Qualität der Ausbildung bzw. der Ausbilder wurde der Firma Meusburger schon mehrfach vom Land Vorarlberg durch den Titel „Ausgezeichneter Lehrbetrieb“ bestätigt. Auf die jungen Menschen wartet eine Top-Ausbildung mit sehr guten Berufsaussichten in der Metallbranche. Ein sicherer Arbeitsplatz in einem Unternehmen auf Expansionskurs sowie die Möglichkeit, nach der Lehre im Betrieb Karriere zu machen. Mehr Lehrstellen fordern mehr Lehrmeister Neben der fachlichen Ausbildung wird bei Meusburger auch viel Wert auf die persönliche Entwicklung gelegt. Die Ausbilder vermitteln nicht nur fachspezifisches Wissen, sondern begleiten die Jugendlichen ganzheitlich auf ihrem Weg zu eigenverantwortlichen Fachkräften. Um diesem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden, wird die Zahl der Lehrlingsausbilder von zwei auf insgesamt vier Ausbilder aufgestockt. „Unsere Lehrmeister werden selbst bei Meusburger ausgebildet und verfügen neben der fachlichen Kompetenz auch über ausgezeichnete pädagogische und methodische Kenntnisse“, erzählt Personalleiter Roman Giesinger. „Zudem profitieren unsere Schützlinge neben einer Top-Ausbildung und großen Karrierechancen von vielen Sozialleistungen wie Werksverkehr, vergünstigtes Essen in der Weitere Informationen auf www.meusburger.com/lehre. Bewerbungen bitte schriftlich per E-Mail an: lehre@meusburger.com 24 Wirtschaft Doppelmayr: 21 neue Lehrlinge und wieder drei Landessieger Am 1. September 2011 starteten 21 neue Lehrlinge ihre qualitativ hochwertige, zukunftsorientierte Ausbildung am Standort Wolfurt. Das Heranführen an die faszinierende Welt der Technik und unsere anspruchsvollen Produkte findet mit System statt. Für die insgesamt 74 Lehrlinge gibt es neben der zentralen Lehrwerkstätte mit 770m² für die grundlegende Elektro- und Metallausbildung ein ausgefeiltes Rotationssystem in zahlreichen Produktionsabteilungen sowie in die Lehrlingsbereiche im Stahlbau und der Zerspanungstechnik im Werk Hohe Brücke. Alle Ausbildungsbereiche sind mit modernsten Maschinen und Anlagen ausgestattet. Es werden theoretisches Wissen und die praktische Umsetzung nach dem letzten Stand der Technik vermittelt. Dem Ausbildungsfortschritt der Lehrlinge entsprechend werden auch auftragsbezogene Tätigkeiten durchgeführt. Doppelmayr bildet seit der Unternehmensgründung im Jahre 1892 Lehrlinge aus und richtete bereits 1979 eine eigene Lehrwerkstätte ein. Diese langjährige Erfahrung, ein bestens geschultes Ausbilder-Team und die laufen


Wolfurt 2011 02 Sommer
Don, 29. Dezember 2011 | Kuhn EDV

wolfurt SOMMER 2011 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Vor der Sommerpause darf ich Sie wiederum über aktuelle Themen in unserer Gemeinde informieren. Sternenareal Im Juni haben die Sparkasse Bregenz, das Sternenhotel und das Gasthaus Stern mit einer Reihe von Veranstaltungen endlich die Pforten geöffnet. Lesen Sie dazu mehr auf den Seiten 8, 9 und 21. Nach einer Bauzeit von rund 1,5 Jahren präsentiert sich das neue Gebäude am Sternenplatz in voller Pracht. Die Platzgestaltung wurde noch während der 1. Bauphase entwickelt und mutig umgesetzt. Die vielen positiven Rückmeldungen für den Sternenkomplex und die Platzgestaltung freuen mich ganz besonders. Ich möchte es nicht verabsäumen, mich nochmals bei unseren Nachbarn für die große Geduld und ihr Verständnis zu bedanken. Einen ausführlichen Bericht über den „Tag der offenen Tür“ lesen Sie bitte dann in der Septemberausgabe. Rohner Emil GmbH - Deponie am neuen Standort Nach langem Suchen ist es gelungen, für die Firma Rohner Emil GmbH im Bereich Senderstraße L190 einen geeigneten Standort für die Deponie und Schredderanlage zu finden. Bis Anfang Sommer sollte der bisherige Standort auf dem Gelände der Firma Doppelmayr endgültig geräumt sein. Nun ist es dem Geschäftsführer Christoph Rohner möglich, auch den größten Teil der Geräte- und Maschinenlagerungen aus dem Flotzbach zu verlegen. Lediglich die Holz- und landwirtschaftlichen Gerätschaften verbleiben in Schreibern 7. Damit wird sich die Belastung für den Ortsteil Flotzbach deutlich reduzieren. Erweiterung Güterbahnhof Nach fast 30 Jahren ist allen klar, dass unser Güterbahnhof auf einen neuen Stand gebracht werden muss. Der Containerumschlag hat sich vervielfacht und entspricht zwischenzeitlich längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Das Terminal Wolfurt ist ein ganz zentraler Umschlagplatz für die gesamte Vorarlberger Wirtschaft. Auch seitens der Bundes- und Landesregierung wurde dem Projekt Güterbahnhof oberste Priorität zugestanden. Jetzt fehlt nur noch die endgültige Freigabe durch den Vor- 2 Aus dem Rathaus Schredderanlage Schotterfang stand der ÖBB-Infrastruktur. Nachdem in den letzten Jahren die Gespräche mit den unterschiedlichsten Partnern immer wieder ins Stocken kamen, haben Bürgermeister Elmar Rhomberg (der Güterbahhof steht auch auf Lauteracher Gemeindegebiet) und ich im Herbst letzten Jahres das Büro „stadtland“ beauftragt, einen Masterplan für die weitere Vorgehensweise zu entwickeln. Dieser wurde Anfang des Jahres vom Land genehmigt. Nun wurde endlich Fahrt aufgenommen und ich hoffe, dass ich Sie in den nächsten Ausgaben über die konkreten weiteren Schritte informieren kann. Hofsteig-Ader - es geht weiter Nach der Umsetzung der 1. Wohnzone an der Achstraße ist das gemeinsame Projekt der Gemeinden Schwarzach, Wolfurt und dem Land Vorarlberg auf Grund der wirtschaftlichen Lage etwas ins Stocken gekommen. Nach Rücksprache mit Landesrat Mag. Karl-Heinz Rüdisser sind die Mittel für die kommenden Jahre nun gesichert. Für Wolfurt bedeutet dies, dass nun die Planungsarbeiten für die zwei Kernzonen Cubus/Rathaus und Rickenbach 2011/12 vorangetrieben werden können. Die Umsetzung der ersten Kernzone soll dann 2013 erfolgen. In unserer Nachbargemeinde Schwarzach werden 2012 die Radwegführung im Pfeller sowie der Umbau der Kreuzung Tobelstraße/Bahnhofstraße in Angriff genommen. Hochwassermaßnahmen Unsere Bauhofmitarbeiter haben in den letzten Wochen alle Schotterfänge unserer Bäche geräumt. Wir sind daher soweit wie möglich für die kommenden Sommergewitter gerüstet. Extremereignisse bleiben aber immer unkalkulierbar. Wir hoffen, dass wir dieses Jahr von Intensivniederschlägen verschont bleiben. Die erste Bauphase für das Hochwasserschutzprojekt Ippachbach / Himmelreichbach ist im Zuge der Bauarbeiten am Sternenplatz bereits umgesetzt worden. Das Gesamtprojekt ist mit den Behörden vorbesprochen und wird im Herbst zur Genehmigung vorgelegt. Noch dieses Jahr sollen die Arbeiten am oberen Teil des Himmelreichbaches und an der Geschiebesperre im Frickenescherweg aufgenommen werden. 2012 erfolgt die Verbauung des verrohten Teiles bis zur Sonnenstraße und anschließend die Renaturierung des unteren Teiles inklusive Retentionsfläche (Nähe Güterbahnhof). Wir hoffen, bis im Herbst die Verhandlungen mit den betroffenen Grundeigentümern positiv abgeschlossen zu haben. Das Hochwasser im August 2010 hat uns die Ausleitung Tobelbach (Höhe Ende Bucher Straße) zu einem erheblichen Teil weggespült. Die Ausleitung muss nun komplett erneuert werden. Das Projekt vom Büro Rudhardt + Gasser wurde vor Kurzem verhandelt und wird noch 2011 mit einer Investitionssumme von ca. EUR 120.000 umgesetzt. Im Rahmen der Hochwassersofortmaßnahmen werden Land und Bund Fördermittel von 85 % zur Verfügung stellen. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich freue mich mit Ihnen auf die vor uns liegende Ferien- und Urlaubzeit. Ich wünsche Ihnen gute Erholung, viel Spaß und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Aus dem Rathaus 3 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Sebastian Martin Mathies, Finanzdienstleistungsassistent (Ausübung von Tätigkeiten gemäß des Wertpapieraufsichtsgesetzes, Raiffeisenstraße 4; Harald Mayer, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit mittels Bachblüten, Biofeedback oder Bioresonanz, Cranio Sacral Balancing, Auswahl von Farben, Düften, Lichtquellen, Aromastoffen, Edelsteinen, Musik, kinesiologischer Methoden, Aura-Interpretation, Einrichtungsberatung unter radiästhetischen Grundsätzen unter Einbeziehung von Feng Shui, Magnetfeldanwendungen mit Ausnahme der den Ärzten vorbehaltenen Magnetfeldtherapie, durch sanfte Berührung des Körpers bzw. gezieltes Handauflegen an bestimmten Körperstellen mit Ausnahme der den reglementierten Gewerben der Massage und Kosmetik (Schönheitspflege) vorbehaltenen Tätigkeiten wie insbesondere Massagetechniken, die vergleichbar Akupressur und Shiatsu sind bzw. infolge Wärmeentwicklung und damit verbundener Optimierung der Durchblutung von Muskulatur oder Haut einen der Massage oder der Schönheitspflege gleichkommenden Effekt erzielen oder von solchen Tätigkeiten, die dem Massagegewerbe bzw. den Kosmetikern vorbehaltenen Kenntnisse der Hygiene erfordern, Kreuzstraße 2; Daniel Feurle, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Schloßgasse 7a; Dietmar Menghin, Stukkateure und Trockenausbauer, Lorenz-Schertler-Straße 3; Ing. Philipp Oberforcher, MSc, Herstellung von Entwürfen für die Gestaltung von Produkten in Form- und Farbgebung, sowie die optische Gestaltung von Industriearbeiten einschließlich der Anfertigung von Modellen unter Ausschluss von Tätigkeiten, die den Technischen Büros und den Modellbauern vorbehalten sind, Unterfeldstraße 2. Bilgeri & Kohlhaupt OG, Blumenbinder (Floristen), verbunden mit Gärtner (Handwerk), Neudorfstraße 11a; Jürgen Thurnher, Handelsgewerbe, Bahnweg 8; Anna Saksova, Personenbetreuung, Fattstraße 25; Marco Leimegger, Karosseriebau- und Karosserielackiertechniker verbunden mit Kraftfahrzeugtechnik (verbundenes Handwerk), Dammstraße 70; Birgit Strele, Schreibbüros, Brühlstraße 36; Yvon del Valle Gomez, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Engerrütte 18; Manuela Kofler, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Flurstraße 28; Maria Jarecka, Personenbetreuung, Rutzenbergstraße 3/1; Gyöngyi Jakab, Personenbetreuung, Brunnengasse 2; Elke BargehrWirthensohn, Direktvertrieb, Rosenstraße 9c; Bernd Hörfarter, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Frickenescherweg 14. Gewerbelöschungen Michael Rupp, Tischler, eingeschränkt auf die Herstellung von Holzstiegen, Unterlinden 35; Roland Schwendinger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Albert-Loacker-Straße 62c; Manfred Erich Pfeiffer, Handelsagent, Werbungsvertreter, Montfortstraße 84; Darina Mrlianova, Personenbetreuung, Dornbirner Straße 20a; Sebastian Martin Mathies, Finanzdienstleistungsassistent, Raiffeisenstraße 4; Meusburger Immobilien OG, Immobilientreuhänder (Immobilienmakler, Immobilienverwalter, Bauträger) eingeschränkt auf Immobilienmakler, Florianweg 11; Heinz Wolf, Kraftfahrzeugtechnik und Karosseriebauer, Wuhrweg 31; Silwana Magdalena Jappel, Marktfahrer, Herstellung von kunstgewerblichen Artikeln, St. Antoniusweg 19. und Handelsagentengewerbe, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Senderstraße 28. Vonier OG (früher: David, Vonier Optik OEG), Augenoptiker, Kontaktlinsenoptiker, Kreuzstraße 7. Löschung des gewerberechtlichen Geschäftsführers Doppelmayr Transport Technology GmbH, Produktion von Transportmitteln auf Basis der Seiltechnologie in Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: Ing. Michael Konrad Doppelmayr. DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger; DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Projektierung, Konstruktion, Herstellung, Montage, Inbetriebnahme und Vertrieb von Cable Car Anlagen und ähnlicher urbaner Verkehrsmittel für den kontinuierlichen Transport von Personen und Gütern sowie deren Service in der Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger; DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer gelöscht: DI Stephan Wabnegger. Standortverlegungen Maria Sorocinova, Personenbetreuung, von Lustenau nach Wolfurt, Fattstraße 25. Slavka Sulakova, Personenbetreuung, von Wolfurt (Felle 8) nach Raggal. Jenni GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, von Wolfurt (Konrad-Doppelmayr-Straße 17) nach Dornbirn; Sigrun Brändle, Damenkleidermacher, von Wolfurt (Knappenweg 12) nach Lauterach; Mangold Elektromaschinen GmbH, Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierung, von Lustenau nach Wolfurt (Holzriedstraße 33); webtourismus.at gmbh, Werbungsmittler, von Wolfurt (Konrad-Doppelmayr-Straße 17) nach Dornbirn, Maria Ondikova, Personenbetreuung, von Feldkirch nach Wolfurt (Lauteracher Straße 27); Elke Strolz, Massage, eingeschränkt auf Shiatsu, von Wolfurt (Unterlindenstraße 24) nach Lauterach. Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Projektierung, Konstruktion, Herstellung, Montage, Inbetriebnahme und Vertrieb von Cable Car Anlagen und ähnlicher urbaner Verkehrsmittel für den kontinuierlichen Transport von Personen und Gütern sowie deren Service in der Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück; DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück, DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co KG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück; Doppelmayr Transport Technology GmbH, Produktion von Transportmitteln auf Basis der Seiltechnologie in Form eines Industriebetriebes, Holzriedstraße 29, Geschäftsführer: Ing. Hermann Frühstück. Wiederaufnahme der Gewerbeausübung Jürgen Heinrich Willy Schumann, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Übergang einer Gewerbeberechtigung Emil Rohner GmbH & Co KG, (früher Emil Rohner Betriebs GmbH; Emil Rohner GmbH), Erdbeweger, Baumeister, Handelsgewerbe, eingeschränkt auf den Handel mit Holz, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 23 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Konrad-Doppelmayr-Straße 13a. Änderung des Firmenwortlautes JCL Logistics Austria GmbH (früher: JCL Overland Logistics GmbH), Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 50 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Handelsgewerbe Errichtung einer weiteren Betriebsstätte JCL Logistics Austria GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Senderstraße 28. 4 Aus dem Rathaus Neue Mitarbeiterin im Rathaus Victoria Thompson sieht Mutterfreuden entgegen und wird Mitte Juli ihren Karenzurlaub antreten. Mit Nicole Schmid konnte eine kompetente und engagierte Vertretung gefunden werden. Seit 1. Juni arbeitet sie sich in ihr Aufgabengebiet ein und übernimmt sukzessive die Stelle der Sekretärin des Bürgermeisters. Wir wünschen Nicole viel Freude und Erfolg bei ihrer neuen Tätigkeit Nicole Schmid Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: ___________________________________ Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 3. August 2011, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 7. September 2011, Dr. Nikolaus Schertler ___________________________________ Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2011 im Fundamt abgegeben wurden: _________________________________________________________________________ diverse Schlüssel, Handys _________________________________________________________________________ Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, EMail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 20. Juli 2011, Dr. Kurt Zimmermann ___________________________________ Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. ___________________________________ Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: ___________________________________ Bürgermeister-/Wohnungssprechstunde im Sommer: Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. __________________________________________________________________________ Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter, 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 4. August Mittwoch, 7. September __________________________________________________________________________ Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli und 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August und 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September und 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer, 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 6. Juli Mittwoch, 17. August Mittwoch, 31. August __________________________________________________________________________ Vom 13. Juli 2010 bis 10. August 2011 finden auf Grund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! __________________________________________________________________________ Aus dem Rathaus 5 Gemeindehaushalt 2010 positiv abgeschlossen Der Rechnungsabschluss 2010 mit Einnahmen und Ausgaben von 18,97 Mio. Euro wurde am 18. Mai 2011 von der Gemeindevertretung einstimmig verabschiedet Die größten Einnahmen Die Einnahmensituation hat sich im 2. Halbjahr 2010 beruhigt, sodass wir für 2011 wieder etwas optimistischer kalkulieren durften. Trotzdem ist die finanzielle Situation nach wie vor sensibel. Nun gilt es, die kommenden Monate genau zu beobachten und auch für 2012 wieder mit Bedacht an die Budgeterstellung heranzugehen. Finanzreferent Bgm. Christian Natter __________________________________________________________________________ Ertragsanteile des Bundes (- 1,32 % gegenüber 2009) 5.232.000,-- Euro __________________________________________________________________________ 5.126.000,-- Euro Kommunalsteuer unserer Firmen (+ 2,32 %) __________________________________________________________________________ 614.000,-- Euro Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung __________________________________________________________________________ 488.000,-- Euro Grundsteuern __________________________________________________________________________ 83.000,-- Euro Zinserträge __________________________________________________________________________ 132.000,-- Euro Erträge aus Beteiligungen __________________________________________________________________________ __________________________________________________________________________ 1.996.000,-- Euro für Sozialhilfe (+ 9,28 %) __________________________________________________________________________ 883.000,-- Euro Spitalskosten (+ 14,86 %) __________________________________________________________________________ 1.109.000,-- Euro Landesumlage (+ 2,95 %) __________________________________________________________________________ 152.000,-- Euro Landespflegegeld (+ 6,88 %) __________________________________________________________________________ 105.000,-- Euro Wohnbauförderung (- 4,62 %) __________________________________________________________________________ Beiträge an das Land Ausgaben für Personalkosten __________________________________________________________________________ 1.279.000,-- Euro Musikschule (inkl. Lauterach und Schwarzach) __________________________________________________________________________ 1.053.000,-- Euro Verwaltung / Rathaus inkl. Pensionen __________________________________________________________________________ 901.000,-- Euro Kindergärten __________________________________________________________________________ 383.000,-- Euro Bauhof __________________________________________________________________________ 310.000,-- Euro Schulwarte / Raumpflege __________________________________________________________________________ Verschuldung neuerlich gesenkt Trotz der immer noch angespannten Budgetsituation konnte die Gesamtverschuldung neuerlich gesenkt werden und lag am Jahresende bei 1,65 Mio. Euro. Die ProKopf-Verschuldung von 197,20 Euro ist eine der niedrigsten im Land Vorarlberg, der Landesdurchschnitt liegt bei ca. 1.800,-- Euro. Anforderungen an die Gemeinde nach wie vor im Steigen In vielen Bereichen sind es die Gemeinden, die zusätzliche Forderungen und Qualitätsverbesserungen wesentlich mitfinanzieren. So wachsen in unserer Gemeinde, wie auch in vielen anderen, die Ausgaben für Betreuung im Kinder- als auch im Sozialbereich jedes Jahr deutlich an. Der Trend wird in diese Richtung wohl auch anhalten. 6 Aus dem Rathaus Wie wär’s mit einem zünftigen Straßenfest? Zu viele Autos, zu viel Lärm, zu wenig Begegnung. Auch Nebenstraßen sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Sackhüpfen, Kreidezeichnen, Radfängi, Ballspielen - ist das wirklich alles vorbei? Wenigstens für ein paar Stunden können Sie das Rad der Zeit zurückdrehen und die Straße in Ihrem Wohnviertel zu einem Ort der Begegnung, des Spielens und des gemeinsamen Feierns machen. Das Schönste daran - Sie erhalten bei der Organisation Unterstützung durch die Gemeinde Wolfurt und das Land Vorarlberg. Denn gelebte Nachbarschaft ist für unser aller Wohlbefinden wichtig. Das Land Vorarlberg Leistet über „Kinder in die Mitte“ (Karoline Diem, Tel.: 05574/511-24148) einen finanziellen Beitrag zum Gelingen Ihres Straßenfests: > Max. € 333,-- gibt es für die Miete von Kinderspielgeräten in der Spielothek, (www.spielothek-wolfurt.at) sowie für die Miete von Bankgarnituren, Zelten usw. > € 111.-- gibt es zusätzlich, wenn das Fest die Auszeichnung „ghörig feschta“ erhält und in diesem Sinne umgesetzt wird (Beratung durch Elke Klien, Tel.: 0664/400 64 34). Die Gemeinde Wolfurt sieht in diesen Straßenfesten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Dorfgemeinschaft und hilft auf mehreren Ebenen: > Organisation einer Straßensperre (nur Nebenstraßen) für den Festzeitraum > Bereitstellung von Tischen und Bänken durch den Bauhof > Verleih von Mehrweggeschirr und Abfalleimern > Kostenlose Kopie von Einladungsblättern im Gemeindeamt Ihr Beitrag besteht darin, gemeinsam mit Ihren Nachbarn die Initiative zu setzen und das Fest auf die Beine zu stellen: > Organisation über Eigeninitiative der Straßengemeinschaft > Einbeziehung des Straßenraums als Fest- und Spielplatz > Kinder- und familienfreundliches Fest > Bewusstes (autofreies) Mobilitätsverhalten der Festteilnehmer Alteingesessene Nachbarn treffen sich zum gemütlichen Hock, neu Zugezogene können sich zwanglos integrieren, Kinder finden eine herrliche Spielgelegenheit – was also spricht dagegen, gemeinsam einen Anlauf zu nehmen? Informationen erhalten Sie bei Burkhard Hinteregger im Gemeindeamt Wolfurt. Telefon: 05574/6840-17 E-Mail: burkhard.hinteregger@wolfurt.at Elisabeth Fischer, Gemeinderätin für Soziales Miteinander Gemeindepanorama 7 Das Sternenareal - der Sternenplatz Ein Meilenstein im Ortsteilzentrum Strohdorf Am Freitag den 17. Juni 2011 konnte in Wolfurt ein neuer Ort der Begegnung eröffnet werden. 200 geladene Gäste nahmen an der Eröffnungsfeier im neuen Hotel teil und wurden durch die Küche des neuen Gasthauses Stern verwöhnt. Landesrat Mag. Karl-Heinz Rüdisser war einer der Ehrengäste der von der Moderatorin Dorothea Schertler begrüßt wurde. Bgm. Christian Natter und der Vertreter der Hotelinvestoren DI Bernd Winsauer ließen die Entstehungsgeschichte in einem Kurzinterview Revue passieren. Mit der Entscheidung, das Sternareal neu zu gestalten, setzte Wolfurt ein Zeichen aktiver Wirtschaftspolitik. Die Arch. Walser/Werle sehen die Überbauung als Neuinterpretation und Weiterentwicklung der gewachsenen räumlichen Strukturen Wolfurts. Die Zielsetzungen der Betreiber wurden kurz vorgestellt. Für die Sparkasse Bregenz durch Vorst. Dir. Mag. Martin Jäger, für das Sternen Hotel durch Dir. Richard Zünd, und für den Bauherrn des Gasthaus Stern deren Geschäftsführer Ferde Hammerer. 8 Gemeindepanorama Die Filiale der Sparkasse präsentiert sich zeitgemäß, innovativ und freundlich. Bei allen Planungsüberlegungen stand der Kunde im Mittelpunkt. Der Sparkasse Bregenz ist die Nähe zum Kunden sehr wichtig. Alle Entscheidungen können damit vor Ort und daher sehr individuell und schnell getroffen werden. Das Sternen Hotel will tolle Dienstleistungen und erstklassige Produkte - zu charmanten, attraktiven Preisen bieten - und Gastfreundschaft, die von Herzen kommt. Dir. Zünd baut daher auf sympathische, aufgeschlossene und engagierte Mitarbeiter, um den Gästen eine persönliche Bindung zum Haus und dessen Charakteren zu gewähren. Nachdem es der Gemeinde in vielen Jahren nicht gelungen war, einen Investor für den Gastronomiebetrieb zu finden der die Wünsche der Bevölkerung erfüllen konnte, ist die Immobiliengesellschaft unserer Marktgemeinde selbst als Bauherr aufgetreten. Mit den beiden innovativen, motivierten Pächtern Thomas Dellagiacoma und Sven Kaminski hat sie Wirte gefunden, die auf Grund ihrer Ausbildung und Karriere die Anforderungen erfüllen können. Endlich wird die Möglichkeit geboten, dass adäquate Räume für Hochzeiten, Familienfeiern oder Vereinsfeiern in einem Gastronomiebetrieb in Wolfurt angeboten werden können. Die Platzgestaltung um den Sternkomplex bietet in Zukunft eine ganz neue Qualität und wird damit ebenfalls wesentlich zur Belebung beitragen. In Summe waren sich alle Besucher des Abends klar: ein neuer Stern ist aufgegangen. Für die Errichtergemeinschaft, Ferde Hammerer Gemeindepanorama 9 Lenkungsteam v.l.n.r.: Durmus Yildiz, Dr. Eva Häfele, Maria Thaler, Elisabeth Fischer Integration als Herausforderung für alle Entwurf des Integrationskonzeptes 2011 der Öffentlichkeit vorgestellt Am 28. April 2011 war es so weit. Gemeinderätin Elisabeth Fischer als Vorsitzende des Sozialausschusses und Projektleiterin Maria Thaler luden in die Aula der Mittelschule Wolfurt ein, wo die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Projektgruppe „Integration“ den Entwurf der Öffentlichkeit präsentieren konnten. Viele Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr und machten sich ein Bild über die erarbeiteten Handlungsfelder mit den begleitenden Umsetzungszielen und den geplanten konkreten Maßnahmen. Rege wurde in Kleingruppen diskutiert und die Anregungen aus der Bevölkerung anschließend in das Konzept eingearbeitet. Kernthemen waren Sprachförderung und Bildung die alle Lebensbereiche betreffen. Die Förderung soll so früh wie möglich beginnen, damit alle die gleichen Bildungschancen erhalten. Um das zu erreichen, bedarf es vor allem einer intensiven Elternarbeit. Es wurde auch die Erkenntnis gewonnen, dass ein friedliches Miteinander aller Wolfurterinnen und Wolfurter besonders gut gelingt, wenn eine gegenseitige Akzeptanz gegeben ist und die Begegnungen auf Augenhöhe stattfinden. Die Arbeit der Projektgruppe Integration wurde bestätigt In der darauf folgenden Gemeindevertretungssitzung wurde das Integrationskonzept angenommen. Besonders erfreulich ist der Umstand, dass sich alle Fraktionen darüber einig waren, dass die vielfältigen Maßnahmen zur besseren Integration das positive Lebensgefühl in Wolfurt weiter verstärken werden. Vorbereitung auf die Präsentation am 19. Juni beim „Fest der Begegnung“ Die Idee, das Integrationskonzept in Form von Schmetterlingen und verschiedenen Blumen, die aus Holz gefertigt sind, zu präsentieren, wurde unter der Leitung von Siegi Fink und einer engagierten Mal-Gruppe wirkungsvoll umgesetzt. 10 Gemeindepanorama Farbenfrohe Präsentation beim Fest der Begegnung Höhepunkt und vorläufiger Abschluss der intensiven Arbeit war die öffentliche Präsentation der Eckpfeiler des Konzepts beim Fest der Begegnung am 19. Juni. Gemeinderätin Elisabeth Fischer erklärte im Gespräch mit Moderator Martin Hartmann, wie in gemeinsamer Arbeit die Ideen und konkreten Aufträge entwickelt wurden. Maria Thaler und Jadranko Lesic führten anschließend durch die Präsentation der einzelnen Handlungsfelder und erklärten die verschiedenen Möglichkeiten der Umsetzung. Die bunten Blumen und Schmetterlinge (sie werden dem Ortsbild erhalten bleiben) sorgten für ein farbenfrohes Bühnenbild und eine einprägsame optische Umsetzung. Die dahinter steckende Idee, dass ein gegenseitiges Geben und Nehmen der Schlüssel zum Erfolg ist, wurde von Menschen unterschiedlicher Generationen und Nationen mit Begeisterung präsentiert. Allen Beteiligten ist aber klar, dass der Erfolg der Arbeit letztendlich davon abhängen wird, was von dem Konzept in den nächsten Monaten und Jahren umgesetzt werden kann und wie viele Menschen sich aktiv an diesem wichtigen Vorhaben beteiligen. Herzlichen Dank an alle, die engagiert mitgearbeitet haben. Vor allem danken wir Dr. Eva Häfele für die professionelle und freundschaftliche Prozessbegleitung. Elisabeth Fischer, Gemeinderätin für Soziales Miteinander Gemeindepanorama 11 Hurra - wir sprechen Deutsch Das Interesse an Orientierungskursen in deutscher Sprache ist ungebrochen. Frauen mit fünf verschiedenen Muttersprachen besuchten seit Herbst jeden Montagnachmittag einen Deutschkurs in der Volksschule Bütze. Oft finden diese Frauen dank ihrer Kinder den Weg zum Deutschkurs - etwa über den Vorkindergarten oder den Kindergarten. Dort werden sie von Bärbel Radl und Sandra Erath mit viel Sachkunde und Engagement betreut. Über erste kleine Erfolge wächst in der Regel schnell die Motivation, die deutsche Sprache besser zu erlernen. Der Schwerpunkt liegt im Einüben von alltäglichen Situationen, wie Besuch beim Kinderarzt oder Einkaufen. Heuer haben die Frauen den Kursnachmittag ins „Shanti“ verlegt und konnten dort das Erlernte sofort umsetzten. Dabei wurden sie von Andreas und Sonja zuvorkommend bedient. Damit sich die Frauen ganz auf den Kurs konzentrieren können, werden ihre Kleinsten im nahe gelegenen Kindergarten Bütze betreut. Die Kinder lernen von den Großen und haben so ganz selbstverständlich erste Berührungspunkte mit der deutschen Sprache. Da die Gemeinde Wolfurt und „Kinder in die Mitte“ die Kinderbetreuung finanziell unterstützen, ist eine Teilnahme für jede Frau leistbar. Dass daneben der Spaß nicht zu kurz kommt und viele wichtige Kontakte gepflegt werden können, macht die Deutschkurse doppelt wertvoll. Elisabeth Fischer, GR für Soziales Miteinander Wolfurter Jahrgang 1931 Am 5. April feierte der Wolfurter Jahrgang 1931 bei Jahrgänger Hermann Peter im Gasthof "Engel" dessen 80sten Geburtstag. Nach einer Gedenkandacht in der Pfarrkirche und Gräberbesuch von verstorbenen Jahrgängerinnen und Jahrgängern wurden im Gasthof “ Engel” bei Essen und Getränken alte Erlebnisse und Erinnerungen ausgetauscht. Unser Jahrgänger Siegfried Heim ließ in einer kurzen, launigen und besinnlichen Rede die vergangenen 80 Lebensjahre Revue passieren. Bürgermeister Natter übermittelte in seiner Ansprache an die Anwesenden Grüße und Glückwünsche der Gemeinde für den weiteren Lebensweg. Nach einigen Stunden gemütlichen Beisammenseins beendeten wir mit dem Wunsch eines baldigen gemeinsamen Ausfluges unser Fest. Remig Brauchle für den Jahrgang 1931 12 Gemeindepanorama Frauennetzwerk Regionensprecherinnen Hofsteig der Gemeinden: Schwarzach, Lauterach, Kennelbach, Hard, Höchst, Lustenau, Fussach und Wolfurt Regionensprecherinnen Laiblachtal der Gemeinden: Hörbranz, Lochau, Hohenweiler Gemeinsam mit den anderen Frauensprecherinnen der Gemeinden Vorarlbergs bilden wir das Frauennetzwerk-Vorarlberg. Als Netzwerk werden Informationen zu frauenrelevanten Themen ausgetauscht, Bildungsveranstaltungen organisiert und Kontakte zu anderen Vereinen oder beratenden Organisationen für Frauen hergestellt. Die Frauensprecherinnen sind alle ehrenamtlich tätig. Ziel ist die Gleichstellung von Mann und Frau Das Netzwerk bietet die Möglichkeit zu persönlichen und beruflichen Verbesserungen von Frauen. Durch das Netzwerk können Frauen rascher und oft auch unbürokratischer zu Hilfestellungen und Informationen kommen. Wichtig ist auch die Vernetzung von Frauen. Wir organisieren Sprechtage und Vorträge und hoffen, dass wir mit unserem Engagement einen guten Beitrag für die Gleichstellung leisten. Im Rahmen der 39. Sitzung der FS-Hofsteig und FS-Leiblachtal wurden die Regionensprecherinnen Maria Claessens und Ruth Loitz verabschiedet. Ihr Engagement über 10 Jahre hinterlässt ein gut funktionierendes Netzwerk. Im Sommer findet noch im Rahmen der Regionensitzung eine Verabschiedung mit Monika Lindermayr statt. Nächster FEMAIL-Sprechtag in Wolfurt: Montag 3. Oktober 2011, 16:00 - 18:00 Uhr, Rathaus Wolfurt Kontakt: In einem persönlichen, vertraulichen Gespräch erhalten Sie Informationen zu Ihren Fragen und Unterstützung bei der Klärung und Bearbeitung Ihrer Anliegen. FEMAIL nimmt sich neben Arbeitssuche und Wiedereinstieg auch um Anliegen wie Bildung, Schwangerschaft und Karenz, Ehe bzw. Lebensgemeinschaft, Trennung und Scheidung, Kinder, Pension sowie Einkommen und Beihilfen an. Das Beratungsangebot ist kostenlos und anonym. Yvonne Böhler Bucher Straße 55 Wolfurt Tel. 0664-73822893 E-Mail: yb@aon.at Gemeindepanorama 13 6 Jahre Sprachencafé Wolfurt Monatlich, jeweils am 1. Dienstag, treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Gmeiner organisiert. Für Informationen ist sie unter der Tel. 0699 116 99 621 erreichbar. 5 Gemeinden - ein Fluss: Schülerinnen entwickeln Logo-Ideen Schülerinnen der Kreativklasse des BORG Lauterach haben sich mit Hintergründen und Aktivitäten des Kooperationsprojektes "5 Gemeinden - ein Fluss" auseinandergesetzt. Gemeinsam mit ihrem Professor, Herrn Erik Schneider, entwickelten sie in der Freizeit(!) Entwürfe für ein Logo dafür. Das Ergebnis hat die VertreterInnen von Bregenz, Hard, Kennelbach, Lauterach und Wolfurt und des Landes bei der Präsentation am 5. Mai im neuen Rathaus Lauterach auf Anhieb überzeugt: Eine der Arbeiten wird im Detail ausgearbeitet und in Zukunft den Wert des regionalen Freizeit- und Erholungsraums an der Bregenzerach auf vielen Wegen weitertragen. Vizebgm. Angelika Moosbrugger 14 Gemeindepanorama „Ein guter Tag“ - der neue 360-Kalender ist da! Der neue 360-Kalender ist ab sofort erhältlich Der 360-Kalender ist seit Jahren ein begehrter und nützlicher Begleiter der Vorarlberger Jugendlichen durch ihr Schuljahr/Lehrjahr. Heuer erscheint der Kalender im neuen Look erstmals zum Schulschluss 2011. Der praktische Planer für 2011/2012 steht ganz unter dem Zeichen der CO2-Kampagne „Ein guter Tag hat 100 Punkte“. Dafür wurde der CO2-Ausstoß für alltägliche Tätigkeiten in Punkte umgerechnet. Im Sinne eines umweltverträglichen Verhaltens sollte jeder Mensch nicht mehr als 100 Punkte pro Tag verbrauchen. Die bewusstseinsfördernde Kampagne veröffentlicht unter www.eingutertag.org Produkte und Handlungen mitsamt den Punkten, die für den CO2-Ausstoß stehen. In einer großen Mitmachaktion kann der CO2-Verbrauch der VorarlbergerInnen mittels Aufklebern im öffentlichen Raum sichtbar gemacht werden. Klima-Gewinnspiel Zeitgleich mit dem Erscheinen des Jugend-Kalenders startet das 360-Gewinnspiel „Klimaschonend durch den Tag!“. Alle Infos dazu sind im 360-Kalender und auf www.360card.at. Bis zum 11. Juli können Jugendliche einen Elektro-Scooter im Wert von € 3.500,-- gewinnen. Der neue 360-Kalender liegt ab sofort im Gemeindeamt, so wie im aha Dornbirn, Bregenz und Bludenz, in Schulen und Jugendzentren auf. 360-Vorarlberger Jugendkarte 6850 Dornbirn, Poststraße 1 Tel.: 05572-372995, Fax 05572-52212-12 office@360card.at, www.360card.at Gemeindepanorama 15 Fahrradwettbewerb 2011 Wolfurt macht mit! Jeder kann mitmachen und gewinnen! Fahrradfahren ist in unserer Gemeinde eine beliebte Freizeitaktivität. Mindestens ebenso gut eignet sich das Fahrrad aber auch als Alltagsverkehrsmittel. Fast die Hälfte aller Autofahrten ist kürzer als 5 km - also Fahrten, die man vielfach gut mit dem Fahrrad zurücklegen könnte. Hievon profitiert nicht nur die Umwelt und wir somit an Lebensqualität, sondern wir stärken und sichern somit unsere Nahversorgung im Ort! Der Fahrradwettbewerb will deshalb Lust machen, sich nun im Sommer nicht nur in der Freizeit, sondern auch bei Alltagswegen verstärkt aufs Fahrrad zu setzen. Der landesweite Fahrradwettbewerb ist nicht auf sportliche Höchstleistungen ausgelegt. Alle Teilnehmer, die bis Mitte September mehr als 100 Kilometer sammeln, nehmen an der Verlosung attraktiver Preise teil. Mitmachen kann jeder, der ein Fahrrad hat! Alle weiteren Informationen gibt`s im Internet unter www.fahrradwettbewerb.at oder direkt im Gemeindeamt. Danke für Landschaftsreinigung Wie alljährlich im Frühjahr fand kürzlich die jährliche Landschaftsreinigung statt. Es haben sich wieder zahlreiche Ortsvereine daran beteiligt, aber auch ganze Familien und viele Einzelpersonen. Obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt doch sehr gut ist, gibt es leider immer wieder Menschen, die ihren Müll achtlos wegwerfen oder ganz bewusst in der Natur entsorgen, um Müllgebühren zu sparen. Ich möchte deshalb auf diesem Wege allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich an der diesjährigen Aktion beteiligt haben, ganz herzlich danken. Ein ebenso herzlicher Dank geht auch an die Firmen: Bernd Bechter – Erdbewegungen, Schwendinger & Fink GmbH und die Firma Doppelmayr, die uns Fahrzeuge für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Christian Natter Bäume und Sträucher an Straßen und Straßenkreuzungen bis 01.08.11 zurück schneiden Bäume und Sträucher, die am Straßenrand zu stark wachsen, sind für Kraftfahrer oft mit Sichtbehinderungen verbunden. Gemeint sind insbesondere Hecken, Bäume an Straßenkreuzungen und Einmündungen. Die dadurch mangelnde Verkehrssicherheit beschwört oft schwierige Situationen herauf. Aber auch entlang gerader Straßenzüge kommt es zu Problemen, dann nämlich, wenn das Benützen der Gehsteige für Fußgänger beschwerlich ist wegen überhängender oder heraushängender Sträucher. Sie gehören auf die Grundstücksgrenze zurück geschnitten! Die Anrainer von Straßen werden daher gebeten, schon im eigenen Interesse bzw. in eigener Verantwortung solche Gefahren umgehend zu beseitigen. Ansonsten müsste die Gemeinde gemäß AVG auf Rechnung und Gefahr des Grundstückseigentümers die Behinderungen entfernen lassen. Sylvester Schneider 16 Umwelt 1. Wolfurter Radtag Da Wolfurt in der glücklichen Lage ist, gleich über zwei kompetente Fahrradfachgeschäfte zu verfügen, veranstaltete die Gemeinde in Zusammenarbeit mit diesen Fachgeschäften den 1. Wolfurter Radtag zum Auftakt des Fahrradwettbewerbs am 8. April 2011. Bei strahlendem Wetter stand das Fahrrad auf dem Wolfurter Marktplatz im Mittelpunkt, ein Aktionsnachmittag unter dem Motto „Wolfurt macht sich radfit“. Eine besondere Attraktion war der KTM Truck, der die neuesten Elektrofahrräder präsentierte. Unsere Fahrradfachhändler gaben kompetent Auskunft und die Elektrofahrräder konnten gleich an Ort und Stelle ausprobiert werden. So manche Besucher erkundeten mit Begeisterung die Umgebung und wurden vom „Fahrrad-Virus“ infiziert. Besondere Schnäppchen konnten die Besucher bei der Fahrradversteigerung von Fundrädern, dessen Erlös einem sozialen Zweck zu Gute kommt, ergattern. Ein fleißiges Team der Firma Integra brachte beim Fahrrad-Frühjahrsputz so manches Fahrrad wieder zum Strahlen. Balance und Geschicklichkeit konnte bei einem interessanten Parcours auf der Kellhofstraße getestet werden. Die richtige Helmeinstellung wurde von der Aktion „Sichere Gemeinden“ unterstützt und geprüft. Clown Nano begeisterte mit seinen Späßen auf ganz „kleinen“ sowie „verdrehten“ Fahrrädern Groß und Klein. Kinderschminken rundete das vielfältige Angebot des 1. Wolfurter Radtages ab. Wer nach so viel Aktionen noch eine Stärkung brauchte, war bei der gesunden Jause, organisiert durch eine Klasse der Mittelschule Wolfurt, genau richtig. Dieser Aktionsnachmittag war eine gelungene Zusammenarbeit. Wir bedanken uns bei allen Beteiligten, die die Durchführung des 1. Wolfurter Radtages ermöglichten. GR Yvonne Böhler, GR Robert Hasler, GR Elisabeth Fischer Umwelt 17 Gemeinsam für die Wirtschaft! Die Wirtschaft Wolfurt lud am 24.05.2011 zur Mitgliederversammlung in den Cubus ein. Eingeladen waren alle Unternehmer und Unternehmerinnen mit Sitz in Wolfurt, die somit automatisch als passive Mitglieder der Wirtschaft Wolfurt geführt werden. Bei kulinarischen Köstlichkeiten nützten die Unternehmer die Zeit zum „Netzwerken“. Gemeinderätin Yvonne Böhler konnte rund 90 Personen begrüßen. Bürgermeister Christian Natter freute sich über die rege Teilnahme und richtete einführende Worte an die Mitgliederversammlung über die Wichtigkeit und Solidarität der Unternehmen in Wolfurt. Kernteam von links nach rechts: Bereits seit dem Jahr 1996 setzt sich die „Wirtschaft Wolfurt“ für Wirtschaftstreibende in der Marktgemeinde ein. An erster Stelle steht das Bestreben, gemeinsam mit den Unternehmen aus Handel, Gastronomie, Gewerbe, Industrie und Dienstleistung den Einwohnern eine funktionierende Nahversorgung und ein gutes gesellschaftliches Zusammenleben in Wolfurt und in der Region zu bieten. Gemeinderätin Yvonne Böhler und Gerald Klocker führen zusammen die Agenden der WiWo. In einer Präsentation wurden die Aufgaben und Ziele erläutert. Unterstützt werden die beiden von einem ehrenamtlich arbeitenden Kernteam, welches einstimmig von den anwesenden aktiven Mitgliedern (Mitgliedsbeitrag 40,-- €) gewählt wurde. Ein weiterer Programmpunkt war Elvira Freuis, die mit ihrem Kabarett „Menschenkenntnis“ wertvolle Tipps auf humorvolle Art und Weise für die Unternehmer gab. Als kleines Dankeschön überreichte die Wirtschaft Wolfurt ihren Mitgliedern die neuen Mappen der Wirtschaft Wolfurt mit Block und Kugelschreiber. Gerald Klocker – Gemeinde Wolfurt Paul Hinteregger – Handel – Musikhaus Hinteregger Wolfgang Schwärzler – Handel – Bienenhaus Susanne Mathis – Handel Nahversorgung – Schwanen Andreas Gorbach – Gastro – Shanti Yvonne Böhler – Gemeinderätin für Wirtschaft Manfred Schrattenthaler - Mitglied der Gemeindevertretung, Wirtschaftsausschuss Mag. Jürgen Adami – Raiba – Finanzen KR Walter Eberle – Handwerk – Fend und Eberle – Sachverständiger – Wirtschaftsbund-Obmann Unsere Aktivitäten 2011 > > > > > > > > > > Handwerker Schule einkaufen - radfahren „Tu dir selbst Gutes und stärke den Wirtschaftsstandort Wolfurt“ Unternehmernacht im Sternen - Preopening Event Gastroführer mit Gasthäusern in Wolfurt Wochenmarkt lfd. Aktionen Lehrlingstag am 30.06.2011 für Lehrlinge im 1. Lehrjahr und deren Ausbildner Wirtschaftsempfang am 23.09.2011 im Cubus Herbstmarkt am 25.09.2011 Weihnachtsaktion 2012 Reise nach Brüssel in Planung Wir sind bemüht, diverse Aktionen zusammen mit den Unternehmern zu entwickeln, organisieren und realisieren. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und eine gute Zusammenarbeit! Gemeinderätin Yvonne Böhler im Namen des Kernteams Informationen erhalten Sie unter E-Mail: wirtschaft@wolfurt.at Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung 18 Wirtschaft Exkursion zum Bustechnik Service-Center Wolfurt Im Rahmen der Umweltwoche 2011 organisierten die Gemeinderäte Robert Hasler und Yvonne Böhler zusammen mit dem Umwelt- und Wirtschaftsausschuss eine Exkursion zum Bustechnik Service-Center Wolfurt. (=BSC) Dort konnten sich die Gmeindemanda- > Jährlich werden hier 600 Busreparaturen / Service durchgeführt. tare und Mitglieder des e5-Teams über > Rund 100 Busreparaturen sind es im gewerblichen Service. (Externe Kunden). das Programm ÖKOPROFIT informieren. > 11500 Buswaschungen werden pro Jahr durchgeführt und dies mit fast keiner (ÖKOlogische PROjekte Für Integrierte Chemie, die nur zum Abschluss des Waschganges gegen Kalkbildung auf dem Umwelt-Technik). Lack erforderlich ist. Helmut Hopfner (Werkstättenleiter), Gerhard Mayer (Regionalmanagement) und Stefan Birkel als Berater im Rahmen des Projektes ÖKOPROFIT informierten über ihren Betrieb. Mit 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern inkl. Lehrlingen liegen die Hauptaufgaben in der Wartung, im Service und in der Unfallinstandsetzung. Die Firma BSC ist selbst ein mit ÖKOPROFIT zertifizierter Betrieb und ist sich der Verantwortung gegenüber der Umwelt als größte Buswerkstätte in Vorarlberg bewusst. Ein Umweltteam setzt die Zielwerte und daraus folgenden Maßnahmen gemäß dem Umweltleitbild um. Hauptaugenmerk wird auf Einsparungen und Kontrolle gelegt. Dabei werden genaue Umweltkennzahlen analysiert: > Stromverbrauch – pro Fläche > Stromverbrauch – pro Arbeitsstunde > Wasserverbrauch – pro Waschung. Ökologische Investitionen rentieren sich. Spätestens bei der „Abfall-Entsorgung“ ist der Profit spürbar, so Helmut Hopfner. Die Ziele sind klar definiert: z.B.: > Laufender Austausch und Ersatz von gesundheits- und umweltschädlichen Arbeitsmitteln Flächendeckendes Abfalltrennsystem zur Erfassung von Wertstoffen Reduzierung der Druckgaspackungen Lichtsteuerungen für Einsparungen beim Stromverbrauch Umstellung von 1 Liter Getriebeölgebinden auf Fasssystem > > > > Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kann bei diesem Projekt seinen Beitrag leisten und ist motiviert. Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit und bewusster Umgang mit der Umwelt, um den Lebensraum für künftige Generationen zu erhalten. Durch die regelmäßige Zertifizierung nach der ÖKOPROFIT Methode zeigt BSC dieses Engagement nach innen und außen. Langfristig ist der Profit auch wirtschaftlich spürbar. Für die interessante Betriebsvorstellung und herzliche Bewirtung möchten wir uns bei allen Mitarbeitern von Bustechnik Service-Center Wolfurt bedanken. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 19 Yvonne Böhler, Michaela Konzett, Christian Natter Walter Heim, Michaela Konzet Siegfried Jakob, Michaela Konzett, Richard Fischer Physiotherapie-Praxis Michaela Konzett eröffnet Mit vielen Gästen feierte Michaela Konzett die Eröffnung ihrer Praxis für Physiotherapie in Wolfurt, Weberstraße 8. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft fanden sich in der Lebenshilfe-Werkstätte Wolfurt ein, um mit Michaela Konzett die Eröffnung ihrer Praxis für Physiotherapie zu feiern. Wolfurts Bürgermeister Christian Natter überbrachte Glückwünsche für den Schritt in die Selbständigkeit, ebenso wie die Wirtschafts-Gemeinderätin Yvonne Böhler. Zudem waren unter den Gästen der Obmann der Lebenshilfe Bregenz/Hofsteig Richard Fischer, der Leiter der Lebenshilfe-Werkstätte Wolfurt Walter Heim, Siegfried Jakob von Gleichweit Heilbehelfe, Christoph Ölz (Gehölz, Baumpflege), Bernhard Hagen (Hagen PR) und zahlreiche Freunde und Bekannte. Vielfältige Dienstleistungen Michaela Konzett, die nach einer abgeschlossenen Fach-Ausbildung in Konstanz bislang als Physiotherapeutin für die Lebenshilfe Vorarlberg tätig war, bietet in ihrer neuen Praxis ein breit gefächertes Spektrum an Dienstleistungen an: Von manueller Therapie bei Beschwerden des Bewegungsapparates, Bewegungstherapie bei neurologischen Erkrankungen, Prävention (Sturzprävention, Osteoporosevorbeugung und Mobilisationstraining im Bereich Geriatrie) bis hin zur arbeitsmedizinischen Beratung (Empfehlung und Maßnahmen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung). NEU: Gastroführer für Wolfurt, Schwarzach und Bildstein Mit Eröffnung des „Hotel Sternen“ und „Gasthaus Stern“ wurde unser vielseitiges Gastronomie-Angebot erweitert. Dies war für uns der Anlass, alle unsere guten Gasthäuser in Wolfurt und Umgebung in Form eines Folders zu präsentieren. Praktisch und handlich - ideal für jede Tasche - ideal für unterwegs! Ob bei einem Ausflug, Wanderung oder einer Tour mit dem Fahrrad – der Gastroführer ist immer griffbereit. Neben kulinarischen Köstlichkeiten bietet unsere Gastronomie in Wolfurt auch die Möglichkeit für Treffpunkte. Erfüllen doch unsere Gasthäuser auch soziale Aufgaben, da dort eine Kommunikation stattfindet und Bekanntschaften geschlossen werden können. Gerade jetzt im Sommer finden sich herrliche Gastgärten und kühle Erfrischungen im Ort. Unsere Gastroführer finden Sie in der Gemeinde und in allen Gasthäusern in Wolfurt zum Mitnehmen. Nutzen Sie die Angebote und lassen Sie sich verwöhnen! Die Gastronomiebetriebe in Wolfurt freuen sich auf Ihren Besuch! Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung 20 Wirtschaft v.l.n.r. VDir. Mag. Martin Jäger, Ingrid Bader, Mag. Gerhard Lutz Unternehmer-Nacht im Hotel Sternen, Gasthaus Stern, Sparkasse Bregenz - volles Haus schon vor der offiziellen Eröffnung! Am 15.06.2011 lud die Wirtschaft Wolfurt zusammen mit dem Hotel Sternen, Gasthaus Stern und Sparkasse Bregenz - Zweigstelle Wolfurt zur Unternehmer-Nacht ein. Ziel war es, den Unternehmerinnen und Unternehmern in Wolfurt die Möglichkeit zu bieten, das Hotel, die Gastronomie und die Räumlichkeiten selbst zu erleben und Erfahrungen aus erster Hand zu sammeln. Nach einer guten Nacht in den schönen Zimmern gab es am nächsten Morgen ein herzhaftes und gutes Frühstücksbuffet. Somit stand einem guten Start (für viele ein normaler Arbeitstag) nichts mehr im Wege! Alle waren sich einig: Ein schönes Erlebnis, hervorragende Gastronomie und angenehme Unterkunft! Ein Pre-Opening-Event im speziellen Rahmen ermöglichte einen hervorragenden Testlauf! Nach einer charmanten Begrüßung von zwei „Sterntaler-Mädchen“, die einen angenehmen und süßen Aufenthalt wünschten, erfolgte der Check-In in der großzügigen und wunderbar dekorierten Hotelrezeption. Es gab die Möglichkeit, die Räumlichkeiten und die einzelnen Zimmer zu besichtigen und zu beziehen. Ein Sektempfang und Aperitif erfolgte in den neuen und freundlichen Räumlichkeiten der Sparkasse Bregenz. Die Begeisterung war groß, hatte sich doch der Aufwand der letzten Tage bis zur Fertigstellung gelohnt. Bürgermeister Christian Natter und Hausherr Richard Zünd freuten sich, die 120 Gäste begrüßen zu können. Bei festlich gedeckten Tischen und herrlichem Ambiente zeigten die Köche Sven Kaminski und Thomas Dellagiacoma mit ihrem freundlichen Service-Team ihr Können. Mit einem feinen Sterne-Menü und gutem Wein hatten die Unternehmer Zeit für Unterhaltung, sich vom reibungslosen Ablauf der Gastronomie zu überzeugen und sich im Gasthaus wohlzufühlen. Markus Linder führte musikalisch durch den Abend! Das Angebot in Wolfurt für die Wirtschaft ist um einen Stern reicher! „Wer in der Fremde ist - richtet sich nach den Sternen“. Wie gut, dass wir in Wolfurt unseren Gästen, Geschäftspartnern, Kunden und Freunden einen guten Platz - nicht nur zum Träumen bieten können! Selbst erlebt wissen wir, was wir empfehlen können! Diese gelungene Veranstaltung war ein wunderbarer Start für eine erfolgreiche Zukunft. Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Wirtschaft 21 Schulrätin Margit Schwanzer Seit September 1977 ist Frau Schwanzer, vielen noch als Frau Tschenett bekannt, an der Hauptschule Wolfurt und nun an der Mittelschule Wolfurt tätig. Bereits im Schuljahr 1979/80 wurde ihr von der Dienstbeschreibungskommission die Beurteilung „Arbeitserfolg erheblich überschritten“ zuerkannt. In der Zeit des Schulversuches „IGS – Integrierte Gesamtschule“ war sie an vorderster Front tätig! So ist es nicht verwunderlich, dass sie auch bei der Einführung der Mittelschule konstruktiv kritisch ihr Engagement eingebracht hat und dort in der Steuergruppe mitarbeitete. Ihre Arbeitsweise ist untheatralisch und direkt, immer unterstützend und von Fachkompetenz getragen. Margit Schwanzer zählt zu den fleißigsten und engagiertesten Mitarbeiterinnen unseres Lehrkörpers, kein Schulprojekt, kein außerschulisches Anliegen, bei dem sie sich nicht einbringt. So engagiert sie sich seit über 20 Jahren als Leiterin der Schulbibliothek. Seit dem Umbau 2002 wurde aus der Schulbibliothek eine Mediathek die sie mit großer Umsicht gestaltet hat und weiter liebevoll gestaltet. Dass Lesen an der Mittelschule Wolfurt einen großen Stellenwert hat, verdanken wir zu einem Teil ihrer fachkundigen Beratung und ihrer Beharrlichkeit. Eine besondere Ehrung durfte Frau Margit Schwanzer aus der Hand von LR Mag. Siegi Stemer entgegen nehmen. Ihr wurde der Berufstitel Schulrätin verliehen. Sie hat keine Berührungsängste mit neuen Medien und setzt diese auch im Unterricht ein. Im Umgang mit Office Programmen und IKT-Technologien ist sie fit und ein Vorbild und Beraterin für viele KollegInnen. Sie interessiert sich für die Kommunikation mit den Kindern und Jugendlichen und setzt dafür auch E-Mail und Internetrecherche ein. Sie stellt in verschiedenen Fächern komplexe, offene Fragen, die die SchülerInnen dann beantworten dürfen. Es ist regelmäßig ein großer Run auf diese Aufgaben. Ausgehend von ihrer Sorge um das Wohl der LehrerInnen und ihrem Verständnis für die schwierige Situation von auffälligen Kindern und Jugendlichen, war ihr die Einführung und die Pflege des Modells der Auszeitklasse ein großes Anliegen. Sie bildet sich auf diesem Gebiet auch ständig weiter und stellt Querverbindungen zu Themen wie Fundamentalismus, geschlechtsspezifische Erziehung und dem Umgang mit anderen Kulturen her. In Besprechungen und auf Konferenzen setzt sie sich für einen wertschätzenden Umgang mit schwierigen Kindern, aber auch für Arbeitserleichterungen von LehrerInnen ein. Auch außerhalb unserer Schule arbeitet sie seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen in der Personalvertretung mit, wo sie mit ihrer unmissverständlichen Art hervorragende Arbeit verrichtet. Die Zuerkennung des Titels „Schulrätin“ ist für sie eine verdiente Anerkennung für ihren außergewöhnlichen Einsatz für die Kinder und LehrerInnen, kurz für unsere Schule. Dir. Norbert Moosbrugger 22 Bildung oben v.l.: Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Reinhard Kahl, Sonja Reis, Bgm. Christian Natter. unten v.l.: Vizebgm. Angelika Moosbrugger, Sonja Reis, Karin Guldenschuh. Leitbild im Gespräch -Thema Bildung und Kultur Im Mai fand die erste Veranstaltung der geplanten Leitbild-Vortragsreihe statt. „Wie Schulen gelingen“ war der Titel des Abends, an dem der Journalist Reinhard Kahl Ausschnitte aus seinen Filmen über Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen zeigte. Es ging um neue Wege, die den Einrichtungen und Eltern helfen können, mit den heutigen Anforderungen noch besser zurecht zu kommen. Mutige, große Veränderungen kamen dabei genauso zur Sprache, wie einfache erste Schritte, die viel bewirken können. Zum Beispiel: Die freundliche Umgebung als wichtiger Teil des Lernens; Erhaltung der Freude am Lernen durch positive Rückmeldungen; genügend Zeit fürs Lernen etc. Alles Dinge, die den Wolfurter Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen nicht fremd sind. Unsere Pädagoginnen in den 6 Gemeindekindergärten Fatt, Dorf, Rickenbach, Strohdorf, Bütze und KiVi, in den Privateinrichtungen Waldeulen, Haus für Kinder und den Kleinkindgruppen des Vereins Impuls sind täglich dabei, in ihrer unterschiedlichen Arbeit die einzelnen Kinder auf ihrem Weg bestmöglich zu begleiten. Die beiden Volksschulen bemühen sich seit Langem um die Umsetzung von Lernmöglichkeiten, in der kein Kind „verlorengeht“, in der Mittelschule hat der Aufbruch ins neue Lernzeitalter auch von Seiten des Landes bereits begonnen. Die Gemeinde unterstützt das Engagement in den Einrichtungen und kümmert sich gemeinsam mit den Pädagogen um gute Bedingungen in Schule und Kindergarten. In den letzten Jahren hat sich in unserem Lebensumfeld in kurzer Zeit sehr vieles verändert. Wir sollten zulassen, dass die Einrichtungen, die unsere Kinder begleiten, ebenfalls mit der Zeit gehen können und sich weiterentwickeln dürfen. Dank an den Verein Freiraum für die Zusammenarbeit bei der Organisation und Durchführung des Vortrags, der auch Teil des 10-Jahres-Jubiläums des Hauses für Kinder war. Vizebgm. Angelika Moosbrugger Überall sind erste Schritte getan, die Filmausschnitte bzw. der Vortrag machen möglicherweise Mut, gemeinsam noch weiter zu gehen. Der Abend gab Anstöße, woran wir alle gemeinsam arbeiten können - nämlich an der Grundeinstellung zum Thema Bildung: Forschung und Praxis bestätigen, dass z.B. Lernen Freude machen muss, damit wir überhaupt etwas lernen können, wichtig ist das Wegkommen vom „Fehlersuchen“ zum „Finden von Richtig-Gemachtem“ und das Ändern von Sichtweisen: unsere Verschiedenheit ist eine Bereicherung, es ist unmöglich, von jedem das Gleiche zu erwarten. Vor 5 Jahren begann der Prozess, aus dem unter großer BürgerInnenbeteiligung das Wolfurter Leitbild entstand. Diese Leitlinien begleiten seither politische Entscheidungen und Entwicklungen in unserer Gemeinde. Um unser Leitbild bewusst und lebendig zu erhalten, und als Diskussionsgrundlage für Neues, wird jährlich eine Veranstaltung zu jeweils einem der 5 zentralen Handlungsfeldern durchgeführt. Bildung 23 50. Geburtstag der Mittelschule Wolfurt Ein besonderes Jubiläum feierte die Mittelschule Wolfurt mit einem Galaabend im Cubus und einem Tag der offenen Tür. Anlässlich des 50-jährigen Bestandes präsentierten unsere Schüler/innen und Lehrer am 13. Mai ein großartiges Showprogramm im Cubus. Beim Tag der offenen Schule am 14. Mai zeigte sich in einer umfassenden Leistungsschau, wie vielfältig und hochwertig der Unterricht an der Mittelschule umgesetzt wird. Galaabend „Auf hoher See“ An Bord des Segelschiffes „MS Wolfurt“ wurde das Publikum des Galaabends auf eine Reise um die Welt begleitet. In einer kleinen Schiffskunde führte die Crew in die Gepflogenheiten an Bord der MS Wolfurt ein. Verschiedene Häfen wurden angesteuert und Ausflüge in fremdsprachige Länder unternommen. Mystische Gesänge, tanzende Fische und akrobatische Piraten rundeten das Programm ab. Den Schüler/innen und Lehrer/innen der VMS Wolfurt gelang es, Schauspiel, Musik und sportliche Beiträge zu einer abwechslungsreichen Vorstellung zu verbinden. Die 50-jährige Geschichte der Wolfurter Mittelschule wurde von den drei ehemaligen Direktoren Hans Vogl, Siegfried Heim und Walter Reis erläutert. Direktor Norbert Moosbrugger stellte in seiner Ansprache den Bezug zur heutigen Zeit her. Die gesellschaftliche Entwicklung bringe stürmische Zeiten mit sich; die wichtigste Aufgabe der Schule sei es deshalb, geschickt zu reagieren, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und bei pädagogischen Entwicklungen am Puls der Zeit zu bleiben. Mit der perfekt abgestimmten und professionell inszenierten Show begeisterte die Fahrt auf dem „Luxusliner“ das Publikum im restlos gefüllten Cubus. Am Ende gab es tosenden Applaus und Standing Ovations. Begeistert vom Programm zeigten sich auch Landtagspräsidentin Bernadette Mennel, Landesschulinspektorin Karin Engstler, Bezirksschulinspektor Christian Kompatscher, die Bürgermeister Christian Natter, Franz Martin und Hans Bertsch sowie die DirektorInnen Silvia Benzer, Beate Imhäuser, Bernd Dragosits und Martin Köb. Ein besonderer Dank gilt den Sponsoren: Raiba am Hofsteig, Haberkorn Ulmer und Doppelmayr. Gemeinsam mit 15 weiteren Förderern ermöglichten sie die Realisierung der Veranstaltung. Sie finden alle Sponsoren sowie viele Fotos des Jubiläums im Internet: www.vms-wolfurt.at 24 Bildung Tag der offenen Tür Den zweiten Höhepunkt des Jubiläums bildete der Tag der offenen Schule am 14. Mai. Zahlreiche Interessierte aus Wolfurt und den Nachbargemeinden bestaunten Projekte aus allen Bereichen des Schullebens. Dabei zeigte sich, dass die VMS Wolfurt mit den Klassen der Sportmittelschule über einen besonderen Schwerpunkt verfügt, gleichzeitig aber auch in den Bereichen Kreativität, musikalische Förderung, Fremdsprachen sowie den weiteren Unterrichtsgegenständen über ein besonders hochstehendes Niveau verfügt. Die Besucher des Tages der offenen Schule sammelten bei ihrem Rundgang durch die Schule Eindrücke in aufwändig gestalteten Klassenräumen. Zu sehen gab es thematisch abgestimmte Ausstellungen, unter anderem zum „American Way of Life“, London, geschichtlichen Themen, eine Werkausstellung, Ausstellungsstücke aus dem Fach Bildnerische Erziehung, ein Waldprojekt, Projekte in angewandeter Mathematik, Theater, Physik und Chemie, Sketsches, Showkochen und Kalligraphie. Der Schulchor sang Lieder aus seinem reichhaltigen Repertoire, die Sportler zeigten eine abwechslungsreiche Aufführung mit einem Mix verschiedener Sportarten. Lehrer/innen und Eltern der Mittelschule sorgten für das leibliche Wohl der Besucher, abgerundet von türkischen Spezialitäten und einem Kuchenbuffet. Der einhellige Tenor der Eltern fiel äußerst positiv aus: „Do tät i am liebschta wiedar id Schul go!“ Auch für die Schülerinnen und Schüler war es ein besonderes Erlebnis, sich in Projekten und Darbietungen zu präsentieren. Sie werden noch lange von ihren Auftritten und Projekte berichten. Dir. Norbert Moosbrugger Bildung 25 Spielefest in den Gemeindekindergärten Bütze, Dorf, Fatt, KiVi, Rickenbach und Strohdorf - am Freitag, den 27. Mai 2011 Ab 14:00 Uhr öffneten am Freitag, den 27. Mai 2011, alle Gemeindekindergärten ihre Pforten und warteten mit lustigen und spannenden Aufgaben zum Thema der Elemente “Wasser, Feuer, Luft und Erde“ auf die Besucherinnen und Besucher. Klein und Groß starteten mit einem spannenden Rundgang durch alle Kindergärten. Auf einer Laufkarte wurden die gelösten Aufgaben abgestempelt und als Preis erhielt jedes teilnehmende Kind einen Hüpfgummiball. angeboten wie Hubschrauber, Zeppelin, Flugzeuge verschiedener Arten und Fallschirme. Im Freien wartete noch ein spannendes Experiment auf die Kinder: Aus einem Behälter, gefüllt mit Seifenblasenlösung, entstand durch Blasen - zur Überraschung der Kinder - ein großer Schaumberg. Zu den Aktivitäten der einzelnen Kindergärten Kindergarten Fatt: Wasser Kindergarten Bütze: Fahrradparcours Wetterbedingt musste der 4 Elemente-Parcours (Feuer, Erde, Wasser und Luft) für Fahrräder abgesagt werden. Dieser wurde daher in einer anderen Form in den Kindergartenräumen auf 2 Beinen (anstelle von 4 Rädern) ausgeführt. Mit langen Fernrohren wurde dabei von den Kindern der Kindergarten auf der spannenden Suche nach Symbolen der 4 Elemente erkundet. Diese Symbole, versteckt in den Kindergartenräumen, waren der Planet Erde, ein Feuerdrache, eine seifenblasende Maschine, Regentropfen und eine Regenwolke. Bei einem weiteren Parcours starteten die Kinder den Versuch, brennende Kerzen mit einer Wasserpistole zu löschen. Als Erinnerung pflanzte jedes Kind einen Samen in einen Hosentaschengarten (=Überraschungsei) und durfte es mit nach Hause nehmen. Das Element Wasser konnte von den Kindern mit Hilfe von mehreren Stationen voll ausgekostet werden. Dazu passend war auch das Wetter. Die Kinder konnten bei der 1. Station Blumen und/oder Schiffchen falten. Und im eigens angelegten „Swimmingpool-Teich“ gingen zum Erstaunen der Kinder die gefalteten Blüten auf und verwandelten sich in wunderschöne, bunte Seerosen. Die 2. Station lud die Kinder ein, ihre Schiffe die Wasserrinne hinuntersausen zu lassen. Bei der 3. Station gestalteten die Kinder Wasserfarben-Pustebilder. In der 4. Station ging es um Schnelligkeit: jeweils 2 Kinder mussten einen Schwamm in einer Wanne mit Wasser vollsaugen lassen, und ihn dann im jeweiligen Kübelchen Kindergarten Dorf: Luft Das Element Luft wurde für die Kinder spielerisch erleb- und erfahrbar gemacht. Lustige Mundmotorikspiele wie z.B. ein Moosgummitransport standen auf dem abwechslungsreichen Programm. Eine weitere Aufgabe war es, Wattestäbchen wegzuschieben und in ein Ziel zu blasen. „Was fliegt alles am Himmel?“ Zu dieser Frage wurden verschiedene Bastelarbeiten 26 Bildung auswinden. Erstaunlich, dass die Kinder trotz des Wassers von oben und unten mit so viel Spaß dabei waren! Kindergarten Strohdorf: Feuer Trotz Regentag mit viel Wasser erwartete die Kinder das konträre Element Feuer, mittels welchem spannende Experimente (im Raum) durchgeführt wurden. U.a. sind wir gemeinsam der Frage nachgegangen, wie ein Feuer entstehen kann – auch in einem geschlossenen Raum. Sogar ein Feuerfunken wurde gebastelt und – wie könnte es anders sein - in den Feuerschlucker geworfen. Vor der Eingangstür im Freien wartete eine interessante Aufgabe auf die Kinder. Sie durften versuchen, mit der Wasserpistole brennende Kerzen zu löschen. Dies wurde natürlich gerne ausprobiert – aber: es war gar nicht so einfach, denn manchmal war der Wind doch etwas schneller! Auch die Wolfurter Feuerwehr stellte sich bei uns e


Wolfurt 2010 02 Sommer
Don, 10. März 2011 |

wolfurt SOMMER 2010 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! immer wieder höre ich von Außenstehenden, dass sich in Wolfurt viel bewegt und wir eine dynamische Gemeinde sind. Ich darf Sie über die wichtigsten Neuigkeiten informieren. Geschiebesperre Rickenbach Die Arbeiten an der Geschiebesperre Rickenbach sind inzwischen weit fortgeschritten. Die Brücke bei der Familie Gunz und die Zufahrt bis zur Geschiebesperre sind fertiggestellt. Auch die Absperrbauten selbst sind weit fortgeschritten. Die Arbeiter wurden nun zu Lawinenverbauungen abgezogen und werden ihre Tätigkeit wieder im Spätherbst aufnehmen. Wir gehen davon aus, dass die Arbeiten über den Winter dann endgültig abgeschlossen werden können. Architekt Hans Purin zum Gedenken Fünf Jahrzehnte lang war Bauen in Vorarlberg ohne den Namen Hans Purin nicht denkbar. Er entdeckte den Baustoff Holz auf völlig neuartige Weise, galt als einer der Pioniere auf dem Gebiet des Holzbaues und Wegbereiter der Vorarlberger Baukunst. Am 4. Juni verstarb der Bregenzer Architekt, der langjähriges Mitglied des Gestaltungsbeirates in Wolfurt war. Hans Purin hat in all diesen Jahren durch seine ruhige Art, aber vor allem durch seine fachliche Kompetenz wesentlich zur Gestaltung der oberen Straße beigetragen. Grundankauf Tobelgasse Postamt Wolfurt Wie bereits in der letzten Wolfurt-Info berichtet, wir die Post ihre Filiale bei uns in der Gemeinde nun definitiv mit 6. Juli 2010 schließen. Günther FRITZ, Leiter unserer Postniederlassung und seine Mitarbeiterin Lydia Sternad haben uns über viele Jahre bestens bedient. Für diese langjährige, positive Zusammenarbeit möchte ich mich recht herzlich bedanken. Beide werden an anderen Dienstposten Einsatz finden. In den letzten Wochen ist es uns gelungen, mit INTEGRA als neuen Postpartner die notwendigen Verträge zu fixieren. Damit ist gewährleistet, dass auch in Zukunft Postdienstleistungen bei uns im Dorf getätigt werden können und damit ein wesentlicher Teil einer funktionierenden Nahversorgung erhalten werden konnte. INTEGRA wird bereits am Mittwoch, den 7. Juli, die neue Postservicestelle eröffnen. Ich wünsche den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen tollen und erfolgreichen Start. Alle weiteren Details finden Sie auf Seite 18. Vor kurzem hat die Gemeindevertretung den Ankauf des Grundstückes Nr. 19/1, Tobelgasse von den Geschwistern Schwärzler beschlossen. Das kleine Grundstück mit 148 m² liegt sehr zentral (vis à vis Pfarrheim) und kann in Zusammenhang mit dem Gst. Nr. 62, das sich im Besitz der Schwesternstiftung befindet, einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden. Pfarrkrankenpflege Wolfurt In den letzten Wochen konnten die Räumlichkeiten unserer Krankenschwestern im Seniorenheim durch eine interne Umstrukturierung erweitert werden. Schon lange mussten die Damen um Michaela Erath unter engsten Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Nun steht dem motivierten Team ein zusätzlicher Raum zur Verfügung. Die administrative Arbeit, Beratungsgespräche und Behandlungen können nun in zeitgemäßer Form abgewickelt werden. Ich wünsche unseren Krankenschwestern viel Spaß bei ihrer anspruchsvollen Arbeit und bedanke mich für ihr vorbildliches Engagement. Mein Dank gilt aber auch dem Obmann Peter Heinzle, der mit unermüdlichem Einsatz, seit vielen Jahren ehrenamtlich unsere Pfarrkrankenpflege Wolfurt leitet. Projektgruppe Areal-Strohdorf …hat die Arbeit aufgenommen. Nach der Umsiedlung der Feuerwehr in ihr neues Haus in die Weberstraße steht nun eine sinnvolle Nachnutzung des alten Feuerwehrgebäudes an. Bald wurde klar, dass viele Begehrlichkeiten, wie Musikschulerweiterung, neue Turnhalle, Mittagsbetreuung, neue Schulräumlichkeiten, neuer Sitzungssaal etc., seriös geprüft und diskutiert werden müssen. Auch ein Um- bzw. Erweiterungsbau im Rathaus wird mittelfristig anstehen. Es geht also darum, einen ganzheitlichen Blick auf das Strohdorf-Areal zu richten. Zu Beginn wird die bewusst schlank gehaltene Projektgruppe, bestehend aus Peter Grebenz (SPÖ), Anton Böhler (FPÖ), Othmar Gratt (GRÜNE), Vize Bgm. Angelika Mossbrugger und Bgm. Christian Natter (ÖVP), die Ist-Situation analysieren. Weiters wird der tatsächliche Bedarf erhoben. Dazu werden natürlich die betroffenen Institutionen mit einbezogen. Trotz der vielschichtigen Thematik wollen wir bis Mitte kommenden Jahres die konkrete Vorgehensweise fixiert haben. Gilt es ja nicht nur Wünsche zu erfüllen, sondern festzuhalten, was sinnvoll, notwendig und schlussendlich auch finanzierbar ist. Ich bin sicher, dass wir gemeinsam eine gute Lösung für alle Beteiligten erarbeiten werden. 2 Aus dem Rathaus Selina Schmid Neue Gemeindebedienstete Mitte März hat Selina Schmid ihre Arbeit in der Finanzabteilung aufgenommen und sich bereits sehr gut eingearbeitet. Sie betreut schwerpunktmäßig den Bereich Gemeindegebühren und -abgaben, wird sich aber in den nächsten Wochen und Monaten auch in die anderen Bereiche einarbeiten. Bedingt durch den bevorstehenden Pensionsantritt von Lydia Bechter wechselt Melanie Amhof auf deren Arbeitsplatz und übernimmt schwerpunktmäßig neben dem Wohnungswesen auch Meldewesen und Amtskassa. Den Empfang und die Telefonzentrale hat seit Anfang Mai Angelika Köb übernommen. Auch sie arbeitet sich eifrig in den ganzen Aufgabenbereich ein. Vor wenigen Wochen hat Matthias Sieber seinen Dienst als achter Mitarbeiter im Gemeindebauhof angetreten. Matthias Sieber kommt aus Schwarzach. Er ist als gelernter Maurer und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schwarzach für die auf ihn wartenden Aufgaben bestens geeignet. Wir wünschen den 3 neuen Gemeindebediensteten viel Freude und Erfolg. Angelika Köb Übergabe Ordination Dr. Vorhofer Im April 1973 eröffnete Dr. Rudolf Vorhofer seine Praxis bei uns in Wolfurt. Seit 1.10.1984 ist er Gemeindearzt. Unterstütz von seiner Gattin Irmgard hat er all diese Jahre unzähligen Mitbürgerinnen und Mitbürgern geholfen, sie gesund gepflegt oder ihnen geduldig zugehört. Wir bedanken uns bei Irmgard und Rudolf Vorhofer für ihren unermüdlichen Einsatz über fast vier Jahrzehnte zum Wohle von uns allen und wünschen ihnen für den neuen Lebensabschnitt alles Gute und vor allem Gesundheit. Nun schließt Rudi, wie er von vielen genannt werden darf, mit 13. August 2010 seine Pforten, um die Ordination an seine Tochter Dr. Gabriele Gort zu übergeben. Nach einer kurzen Umbauphase wird die Ordination wieder am 1. Oktober eröffnet. Wir wünschen der jungen Ärztin einen guten Start und viel Erfolg. Matthias Sieber Sommerfeste Die warme Jahreszeit ist auch die Zeit der Sommerfeste. Wer liebt es nicht, hin und wieder im Garten zu grillen und mit Freunden zu feiern. Auch einige unserer Vereine organisieren schon seit vielen Jahren in dieser Jahreszeit div. Feste (Beachturnier, Burn-Out, Ächler Frühschoppen etc.). Uns ist klar, dass diese Feste für die betroffene Bevölkerung durchwegs auch mit Lärmbelastungen einher gehen. Mit div. Maßnahmen versuchen wir, dies in einem erträgliche Maß zu halten. Ich möchte aber auch nicht unerwähnt lassen, dass es eben diese Feste sind, die wesentlich zu unserer Dorfgemeinschaft beitragen. Wir leben in einer funktionierenden Gemeinschaft, um die uns viele Kommunen beneiden. Ich bitte daher alle um gegenseitiges Verständnis und Miteinander. Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, wo immer Sie Ihren Urlaub, Ihre Ferien verbringen, ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit, gute Erholung und kommen Sie alle gesund und munter wieder nach Hause. Ihr Bürgermeister Christian Natter Dr. Vorhofer Aus dem Rathaus 3 Gemeindewahlen Neue Gemeindevertretung gewählt Bei den am 14. März stattgefunden Gemeindevertretungswahlen wurden die Mandatare für die kommenden fünf Jahre gewählt und bei der Konstituierenden Sitzung am 8. April angelobt. Bei der feierlich und harmonisch verlaufenden Sitzung war förmlich zu spüren, dass auch in Zukunft das Miteinander vor dem Trennenden stehen soll. Mit den Grünen ist nun neben der SPÖ, FPÖ und der ÖVP seit langem wieder eine vierte Fraktion in diesem Gremium vertreten. Viele neue Mitbürgerinnen und Mitbürger haben sich bereit erklärt, sich zum Wohle unserer Gemeinde in der Gemeindevertretung zu engagieren. Alle Ausschüsse haben inzwischen die Arbeit aufgenommen und sind bereits mit viel Einsatz an die neuen Herausforderungen herangegangen. 4 Aus dem Rathaus Ressorts neu organisiert Im Vorfeld der Konstituierenden Sitzung habe ich versucht, die Ressorts neu zu strukturieren. Teilweise wurden Aufgaben neu zugeordnet, um Schnittpunkte zu reduzieren und die tägliche Arbeit in den Ausschüssen sowie im Rathaus noch effizienter zu gestalten. So wurde im neuen Infrastruktur-Ausschuss Straßen, Wasser und Kanal zusammengefasst. Das Bildungsressort wurde um den Kleinkinderbereich komplettiert, Umwelt und Mobilität wurden zusammengeführt. Das Sozialressort wurde um das Thema Integration erweitert, um nur die wesentlichsten Änderungen anzuführen. (siehe Grafik). Ausschüsse, Kommissionen, Delegierungen Von der Gemeindevertretung wurden folgende Ausschüsse, Kommissionen und Delegierungen beschlossen bzw. eingesetzt. Alle „Haupt-Ausschüsse“ bestehen aus 11 Mandataren. Dadurch wurde sicher gestellt, dass alle Fraktionen in den Gremien vertreten sind und somit auch über die notwendigen Informationen verfügen. Der Finanzausschuss wurde neu ins Leben gerufen. Dieser besteht aus dem Gemeindevorstand und Obleuten jener Fraktionen, die nicht im Gemeindevorstand vertreten sind. Somit kann das Budget parteiübergreifend diskutiert und zur Vorlage an die Gemeindevertretung im gegenseitigen Konsens vorbereitet werden. Es sind damit alle Fraktionen eingebunden und zur politischen Arbeit in den kommenden fünf Jahren eingeladen. (siehe Liste Seite 8) Neue Gemeinderäte Auf Grund des Wahlergebnisses besteht der neue Gemeinderat aus Mitgliedern der Fraktion „ÖVP + Parteifreie“. Alle Gemeinderätinnen und Gemeinderäte durften sich über ein beinahe einstimmiges Votum freuen. > Gemeinderätin und gleichzeitig Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger Ressort: Bildung, Jugend und Kultur > Gemeinderätin Elisabeth Fischer Ressort: Soziales Miteinander(Familien, Senioren, Integration) > Gemeinderat Hans Fetz Ressort: Infrastruktur (Straßen, Kanal, Wasser) und Sport > Gemeinderat Robert Hasler (neu) Ressort: Mobilität und Umwelt (e5) > Gemeinderätin Yvonne Böhler (neu) Ressort: Wirtschaft und Nahversorgung > Gemeinderat und gleichzeitig Bürgermeister Christian Natter Ressort: Dorfentwicklung, Sicherheit, Wirtschaft, Finanzen Vorsitzender des Gemeindevorstandes mit Stimmrecht Aus dem Rathaus 5 Dank an ausscheidende Mandatare Einige der rund 95 Mitglieder und Ersatzmitglieder haben sich nach teilweise langjähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit aus der Gemeindevertretung verabschiedet. Vizebürgermeisterin Angelika Moosbrugger bedankte sich für die tolle Zusammenarbeit und die geleistete Arbeit. Bürgermeister Christian Natter schloss sich dem Dank an und überreichte Erinnerungsgeschenke. Besonders erwähnt wurden langgediente Gemeindevertreterinnen, Gemeindevertreter und Gemeinderäte. Ferde Hammerer ist mit 20 Jahren Gemeindevertretung einer der längst dienenden Mandatare. 1995 bis 2007 Gemeinderat, davon 9 Jahre Vizebürgermeister. Die Hauptschul- und Vereinshaussanierungen sind nur beispielhaft zu nennen. Als Geschäftsführer unserer Gemeindeimmobiliengesellschaft zeichnet er jüngst für die Umsetzung Feuerwehrhaus und VS Mähdle verantwortlich. Als Geschäftsführer bleibt Ferde uns dankenswerter Weise bis März 2012 erhalten. Maria Claeßens, ebenfalls seit 1990 in der Gemeindevertretung, hat bereits vor fünf Jahren das Amt der Sozialgemeinderätin, das sie mit sehr viel Engagement ausgeübt hatte, zurückgelegt. Aber auch in den letzten Jahren gehörte Maria zu unseren Aktivposten. So gab es wohl kaum ein Thema, bei dem Maria sich nicht in die Diskussion mit einbrachte. Bis zuletzt war Maria mit großem Einsatz Frauensprecherin der Region Hofsteig. 6 Aus dem Rathaus Wolfgang Dietrich, zuerst 1995 Ersatzmitglied, ab 1998 Gemeindevertreter. Sein Focus richtete sich in erster Linie in Richtung Umwelt und Mobilität. Dort profitierten wir von seiner fachlichen Kompetenz, die er auch seit vielen Jahren unserem e5-Team zur Verfügung stellt. Diesem wird er auch weiterhin die Treue halten. Elfriede Schneider war 10 Jahre in unserer Gemeindevertretung tätig. Frieda waren stets die Belange der Kinder und Familien wichtig. So zählte sie über viele Jahre in den Ausschüssen Schule und Kultur, bzw. Sozialem zu den „Fleißigsten“. Frieda musste auch nicht lange gebeten werden, wenn es galt, etwas zu organisieren und mit Hand anzulegen. Peter Grebenz hat 2003 das umfangreiche Ressort Wasser und Kanal übernommen und investierte viel Energie in diese Tätigkeit. In seine Amtszeit fielen die Umsetzung des neuen Verrechnungsschlüssels der ARA Hofsteig, Kanalisierung Wolfurt Nord, Verhandlungen mit TRM bezüglich schadhaften Wasserleitungen, Hochwasserentlastung Engerrütte und Rickenbach u.v.m. Peter wird auch in Zukunft als Gemeindevertreter tätig sein. Manfred Schrattenthaler zeichnete in den letzten fünf Jahren für das Wirtschaftsressort verantwortlich. Einführung Lehrlingstag, gemeinsame Aktionen und Veranstaltungen mit den umliegenden Hofsteiggemeinden, Weichenstellung zum Nahversorgungszentrum Dorf sind nur einige Beispiele seiner Tätigkeit. Der Wochenmarkt als auch der Herbstmarkt haben sich in seinem Verantwortungsbereich bestens entwickelt. Auch Manfred wird der Gemeindevertretung erhalten bleiben. Aus dem Rathaus 7 Gemeindegremien 2010 - 2015 Gemeindevorstand Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Elisabeth Fischer M ÖVP ChristianNatter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler Robert Hasler Ernst Stadelmann Manfred Schrattenthaler Thomas Geiger Susanne Mathis Martin Reis Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler V ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M ÖVP M GRÜNE M SPÖ M FPÖ Johann Fetz Robert Hasler Yvonne Böhler Arno Hagspiel Wolfgang Schwärzler Johannes Böhler Simone Burtscher Michael Klimmer Peter Moosbrugger Jürgen Kessler Silvia Köb-Gisinger Ursula Molitor Bertram Thaler Lothar Schwendinger Ferdinand Kosielski Hans Werner Metzler Martin Leiter M ÖVP M ÖVP M ÖVP E E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Soziales Miteinander Elisabeth Fischer Sabine Schertler Daniela Marent Ernst Stadelmann Fatma Kaya Elisabeth Hirsch Silvia Köb-Gisinger Kerstin Schwarz Maria Thaler Evelyn Schwendinger Thomas Makovec Manuela Pechlaner Petra Theißl V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ ÖVP Otmar Meusburger E Heidi Winter E Barbara Geißler E Manfred Schrattenthaler E Oliver Natter E Daniela Gerner E Arno Wiedenbauer E Durmus Yildiz E Martin Lindenthal E Yvonne Breuer E Irene Danhofer E Andrea Peter E Sonja Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Dorfentwicklung und Raumplanung Ausschuss Infrastruktur und Sport Johann Fetz Peter Moosbrugger Hermann Schertler Johannes Böhler Alfred Köb Uros Umjenovic Christine Stark Wolfgang Simma Othmar Gratt Sabina Eschmann Jürgen Pinter Gerold Mohr Andreas Santa V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Bernhard Marte Dietmar Wüstner Michael Köb Thomas Geiger Martin Reis Simone Burtscher Hans Tarabochia Martin Lindenthal Helmut Bischelsberger Gerhard Strabler Wolfgang Mayer Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Bildung, Jugend und Kultur Angelika Moosbrugger Michael Klimmer Otmar Meusburger Thomas Geiger Barbara Geißler Simone Burtscher Heidi Winter Oliver Natter Stefan Thaler Hans Tarabochia Manfred Bischelsberger Sonja Köb Daniela Gerner V M M M M M M M M M M M E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP Harald Feldmann Sabine Schertler Daniela Marent Fatma Kaya Peter Lingenhel Elisabeth Hirsch Harald Moosbrugger Ines Müller Michaela Anwander Natalie Simon Bianca Straßbauer Alexandria Stauber Alfred Pechlaner E E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Finanzausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler V M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Michaela Anwander Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Ausschuss Mobilität und Umwelt Robert Hasler Martin Reis Dietmar Wüstner Andreas Santa Peter Lingenhel Alwin Schönenberger Gernot Zwickle Harald Feldmann Martin Lindenthal Ferdinand Kosielski Eduard Madlener Arno Wiedenbauer Kerstin Schwarz V M M M M M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Arno Hagspiel Alfred Köb Christine Stark Peter Moosbrugger Uros Umjenovic Wolfgang Schwärzler Ines Müller Michaela Anwander Emanuel Pegger Markus Theissl Jürgen Pinter Manfred Krusch E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Prüfungsausschuss Anton Böhler V Lothar Schwendinger M Claudius Bereuter M Manfred Schrattenthaler M Michael Köb M Gerold Mohr M Martin Lindenthal M FPÖ SPÖ ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE Wolfgang Simma E Harald Moosbrugger E Silvia Köb-Gisinger E Johannes Böhler E Durmus Yildiz E Manfred Bischelsberger E Susanne Ernst E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wohnungsausschuss Elisabeth Fischer Christian Natter SabineSchertler Petra Theißl Stefan Thaler Peter Grebenz Wolfgang Mayer Fatma Kaya Harald Moosbrugger V M M M M M M E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Otmar Meusburger Silvia Köb-Gisinger Ines Müller Bertram Thaler Jadranko Lesic Irene Danhofer Martin Leiter Hans Werner Metzler E E E E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Ausschuss Wirtschaft und Nahversorgung Yvonne Böhler V Manfred Schrattenthaler M Claudius Bereuter M Harald Moosbrugger M Jürgen Adami M Susanne Mathis M Andreas Gorbach M Wolfgang Schwärzler M Bertram Thaler M Jadranko Lesic M Susanne Ernst M Jürgen Kessler E Michael Köb E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ ÖVP ÖVP Hermann Schertler Johannes Böhler Petra Theißl Silvia Köb-Gisinger Wolfgang Simma Gerold Mohr Ursula Molitor Othmar Gratt Gerhard Strabler Sabina Eschmann Andrea Peter Verena Österle E E E E E E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE GRÜNE SPÖ SPÖ FPÖ FPÖ Umweltverband Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Gemeindeblattverwaltung Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger E ÖVP 8 Aus dem Rathaus Ehrungsausschuss Christian Natter Angelika Moosbrugger Michaela Anwander Thomas Makovec Alfred Pechlaner V M M M M ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Yvonne Böhler Robert Hasler Bettina Leingartner Fritz Kuttner Richard Benzer E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Prüfungsausschuss Ferdinand Kosielski M SPÖ Peter Moosbrugger E ÖVP Fremdenverkehrsverband Bodensee-Rheintal Yvonne Böhler M ÖVP Manfred Schrattenthaler E ÖVP Abgabenkommission Lothar Schwendinger Ernst Stadelmann Thomas Geiger Bertram Thaler Susanne Ernst V M M M M SPÖ ÖVP ÖVP GRÜNE FPÖ Jürgen Kessler Jürgen Adami Durmus Yildiz Herbert Fuchshofer Jürgen Pinter E E E E E ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Landbus Unterland Robert Hasler M ÖVP Christian Natter E ÖVP Jagdgenossenschaft Vollversammlung Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Berufungskommission Ernst Stadelmann Thomas Geiger Jürgen Kessler Michael Köb Durmus Yildiz Lothar Schwendinger Hans Werner Metzler V M M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Wolfgang Simma Susanne Mathis Peter Moosbrugger Wolfgang Schwärzler Stefan Thaler Ferdinand Kosielski Manfred Krusch E E E E E E E ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Jagdgenossenschaft Vorstand Christian Natter M ÖVP Robert Hasler E ÖVP Bringungsgenossenschaft Ippachwaldweg Alois Müller M ÖVP Gerold Mohr E ÖVP Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Dienstbeurteilungskommission Christian Natter V ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz M ÖVP Elisabeth Fischer Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Grundverkehrsortskommission Christian Natter Claudius Bereuter Gernot Zwickle Wolfgang Rist M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Angelika Moosbrugger Bernhard Marte Dietmar Wüstner Hubert Gunz E ÖVP E ÖVP E ÖVP E Marktgemeinde Immobilienverwaltungs GmbH & Co. KG Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Martin Lindenthal Peter Grebenz Anton Böhler M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Vorstand (Empfehlung) Christian Natter M ÖVP Johann Fetz E ÖVP WV-Hofsteig Mitgliederversammlung Alfred Köb Bertram Thaler Lothar Schwendinger Jürgen Pinter M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Andreas Santa Othmar Gratt Helmut Bischelsberger Wolfgang Mayer E E E E ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ Sozialdienste Wolfurt GmbH Gesellschafterversammlung Christian Natter Angelika Moosbrugger Elisabeth Fischer Johann Fetz Yvonne Böhler M M M M M ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP ÖVP Robert Hasler Hans Tarabochia Thomas Makovec Susanne Ernst M M M M ÖVP GRÜNE SPÖ FPÖ WV-Hofsteig Prüfungsausschuss Wolfgang Simma M ÖVP Uros Umjenovic E ÖVP Vorarlberger Erdgasgesellschaft Johann Fetz M ÖVP Christian Natter E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Verwaltungsausschuss Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP VOGEWOSI Christian Natter M ÖVP Elisabeth Fischer E ÖVP Schulerhalterverband Polytechn. Schule Prüfungsausschuss Andreas Santa M ÖVP Oliver Natter E ÖVP Vorarlberger Musikschulwerk Angelika Moosbrugger M ÖVP Christian Natter E ÖVP Linksseitige Achwuhrkonkurrenz Verwaltungsausschuss Christian Natter M ÖVP Angelika Moosbrugger M ÖVP Johann Fetz Robert Hasler E ÖVP E ÖVP Frauennetzwerk Vorarlberg - Frauensprecherin Yvonne Böhler M ÖVP Wasserverband Schwarzach-Rickenbach Christian Natter M ÖVP Alwin Schönenberger E ÖVP Energiebeauftragter Robert Hasler M ÖVP Aus dem Rathaus 9 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Olga Tomasova, Personenbetreuung, Felle 8; Maria Nazadova, Personenbetreuung, Felle 8; Katarina Zvozilova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Lucia Hedwig Geiger, Warenpräsentatoren, Bregenzer Straße 8; Eva Maria Geiger, Warenpräsentatoren, Dorfweg 10; Norbert Kapp, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Bucher Straße 10e; Johannes Keck, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Feldweg 4a; Wilfried Düringer, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit zwei Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr (grenzüberschreitender Güterverkehr), Engerrütte 3; Birgit Ingrid Lehner, Erteilung von Informationen über die Zusammensetzung von Nahrungsmitteln, Rickenbacherstraße 15; JCL Overland Logistics GmbH, Gewerbsmäßige Beförderung von Gütern mit 50 Kraftfahrzeugen im grenzüberschreitenden Verkehr, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Senderstraße 28; Margit König, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Lerchenstraße 34b; Doris Jäger, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit, Frickenescherweg 5; Robert Abbrederis, Werbeagentur, Auf dem Bühel 5; Michael Kohler, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik; Mechatroniker für Elektronik, Büro- und EDV-Systemtechnik; Mechatroniker für Elektromaschinenbau und Automatisierung; Mechatroniker für Medizingerätetechnik, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kirchstraße 18; Gabriele Stark, Autoreinigung und Bootsreinigung, Segelmacher und Reparatur von Zelten; Plachenreparatur; Schonbezüge und Schutzkappenerzeugung, Feldeggstraße 2c; Thomas Hermann, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Mähdlestraße 29; Patrick Fischer, DIVUS e.U., Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Holzriedstraße 33; Adrian Georg Gassner, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Fliederweg 13b; DI Alfons Josef Natter, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Moosmahdgasse 2d; Maria Lastiakova, Personenbetreuung, Achstraße 50; Thomas Javornik-Stern, Stukkateure und Trockenausbauer (Handwerk), Lerchenstraße 17; Ibrahim Zencirci, Kraftfahrzeugtechnik, verbunden mit Karosseriebauer einschließlich Karosseriespengler und Karosserielackierer (Handwerk), Kesselstraße 25. Gewerbelöschungen Mag. Martina Susanna Goldner, Werbegrafikerin, Schlossgasse 10; Peter Böhler, Platten- und Fliesenleger, Heimkehrerstraße 4; Danijel Jovanovic, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Achstraße 46. ComBran GmbH, Handelsgewerbe eingeschränkt auf den Großhandel mit Waren und Getränken der Nachrichten- und Datentechnik und Elektronik, Radiomechaniker, Lauteracher Straße 21; Logwin Road + Rail Austria GmbH, Beförderung von Gütern mit fünfzig Lastkraftwagen, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Handelsgewerbe, Am Güterbahnhof; Dipl. Ing. Dr. tech. Andreas Weratschnig, Heizungstechnik (Handwerk) eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude und die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Kirchstraße 11; Biserka Stabodin, Handelsgewerbe, Bützestraße 24/9; Veronique Sandra Gassner, CallCenter (Entgegennahme und Weiterleitung telefonischer Aufträge, Anfragen, Informationen und entsprechendes Telefonservice für alle gesetzlich erlaubten Tätigkeiten), Fliederweg 13b; Karl Sapper, Masseur, Achstraße 42; Martin Kohler, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Kirchstraße 15. Standortverlegungen Marta Macugova, Personenbetreuung, von Wolfurt, Brühlstraße 15/2, nach Bregenz, BAUCUT Bohren und Schneiden in Beton Gesellschaft m.b.H. von Wolfurt Achstraße 42 nach Wolfurt Bützestraße 39; Uros Miletic, Dolmetscher und Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), von Wolfurt Konrad-Doppelmayr-Straße 17 nach Lauterach; Elke Läßer, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Wolfurt Kreuzstraße 2 nach Langen bei Bregenz; Sven Hofer, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (Handwerk), Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, eingeschränkt auf Coaching, von Wolfurt Konrad-DoppelmayrStraße nach Hard; Ing. Lubica Vajova, Personenbetreuung, von Wolfurt Felle 4 nach Bregenz; Slavka Sulakova, Personenbetreuung, von Hohenems nach Wolfurt Felle 8; Anna Nekkarova, Personenbetreuung, von Höchst nach Wolfurt Achstraße 50; Dunja Barbara Huber, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), von Zürs nach Wolfurt Weiherstraße 4; Ariane Mischitz, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt Sonnenstraße 2a nach Wolfurt Eichenstraße 45d/15; AgenT-Com Telekommunikationshandel GmbH, Vermittlung von Verträgen betreffend die Benutzung von Fernmeldeeinrichtungen (Telekommunikationseinrichtungen) Dritter, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe von Wolfurt, Senderstraße 6 nach Nenzing; Sarlota Urcova, Personenbetreuung, von Nenzing nach Wolfurt, Brühlstraße 15/2; Maria Barusova, Personenbetreuung, von Lauterach nach Wolfurt, Kellaweg 4; Christoph Alexander Schindler, Werbegrafik-Designer, von Wolfurt Bregenzer Straße 61a nach Wolfurt Holzriedstraße 33. Verständigung über eine Namensänderung Elke Lässer (früher Fellinger), Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2 Übergang einer Gewerbeberechtigung (Umgründung) sowie Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Ritter Maschinenservice GmbH, Geschäftsführer: Dietmar Ritter, Mechatroniker für Maschinen- und Fertigungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Durchführung von Reparaturen von Holz- und Metallbearbeitungsmaschinen, Bahnhofstraße 8a. Verständigung über die Bestellung eines gewerblichen Geschäftsführers Klimmer Wohnbau GmbH, Heizungstechnik (Handwerk), eingeschränkt auf die Erstellung von Energieausweisen für Gebäude sowie die damit im Zusammenhang stehenden Berechnungen sowie Energieberatung, Lauteracher Straße 7, Geschäftsführer: Johann Rauchegger. Eintragung ins Gewerberegister und Errichtung einer weiteren Betriebsstättes Buchhandlung Teutsch Pointner OG, Handelsgewerbe und Handelsagentengewerbe, Kornmarktstraße 18, Bregenz - Standort der weiteren Betriebsstätte: Kellhofstraße 10. Verständigung über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Fotini Pyrovolikos, Fußpflege und Kosmetik (Schönheitspflege), Kreuzstraße 2. . Verständigung über die Löschung einer weiteren Betriebsstätte Logwin Road + Rail Austria GmbH, Spediteure einschließlich der Transportagenten, Senderstraße 28. Verständigung über eine Änderung der Bezeichnung FEAL Austria Facade Engineering and Aluminium GmbH, (früher: ETZEL – FEC Facade Engineering and Consulting GmbH), Handelsgewerbe, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Errichtung einer weiteren Betriebsstätte sowie Filialgeschäftsführerbestellung Attensam Meisterfix Hausbetreuung GmbH, Anbieten persönlicher Dienste an nicht öffentlichen Orten im Sinne einer Hausmeistertätigkeit, Holzriedstraße 33, Filialgeschäftsführerbestellung: Michael Mießgang. Verständigung über das Ruhen der Gewerbeausübung Christine Ellinger, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, Konrad-Doppelmayr-Straße 17. Verständigung über den Übergang einer Gewerbeberechtigung auf Grund einer Umgründung, über eine Standortverlegung und über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte Kurt Theurer, ELEKTRO TECHNIK THEURER e.U., Elektrotechniker, Wälderstraße 48, 6923 Lauterach, Standort der weiteren Betriebsstätte: Unterfeldstraße 6a, Wolfurt. . 10 Aus dem Rathaus Bürgermeister- bzw. Kostenlose Sprechstunden Wohnungssprechstunde von Rechtsanwälten und Notaren im Sommer: Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Sprechstunden Bürgermeister Christian Natter von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 14. Juli Mittwoch, 25. August Mittwoch, 8. September von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 07. Juli 2010, Dr. Wolfgang Hirsch Mittwoch, 01. September 2010, Dr. Nikolaus Schertler Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 21. Juli 2010, Dr. Ivo Fussenegger Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Wohnungssprechstunden von Gemeinderätin Elisabeth Fischer von 18:00 - 19:30 Uhr Mittwoch, 7. Juli Mittwoch, 18. August Mittwoch, 1. September Todesfälle jeweils Dr. Nikolaus Ender Dr. Ivo Fussenegger Dr. Richard Huter Dr. E. Michel Dr. Kurt Zimmermann Jänner, Juni und 01.11. - 12.11. Februar, Juli und 13.11. - 26.11. März, August und 27.11. - 07.12. April, September und 08.12. - 20.12. Mai, Oktober und 21.12. - 31.12. Vom 21. Juli 2010 bis 11. August 2010 finden auf Grund der Sommerpause keine Sprechstunden statt! Das Beschäftigungsausmaß beträgt 320 Jahresstunden, wovon während der Schulzeiten (= 38 Wochen) voraussichtlich 6 Stunden je Woche fix vereinbart werden und die restlichen 92 Stunden nach Bedarf abgerufen werden. Bewerber/Bewerberinnen mit Wohnort Wolfurt werden bevorzugt. Wir erwarten von Ihnen Wir suchen zum Eintritt nach Vereinbarung eine(n) SachbearbeiterIn für das Sekretariat der Mittelschule Wolfurt Das Aufgabengebiet umfasst Telefondienst, Abwicklung von Posteingang und Korrespondenz, eigenverantwortliche Abwicklung der finanziellen Belange, Führung von Statistiken, Ausstellung von Bestätigungen, Organisation von Veranstaltungen, Erstellen von Supplierplänen und natürlich vieles andere mehr. > abgeschlossene Handelsschule bzw. abgeschlossene Verwaltungslehre oder kfm. Lehre > freundliches und aktives Verhalten gegenüber Kunden und Mitarbeitern > Genauigkeit, Verlässlichkeit, Loyalität und Verschwiegenheit > Teamfähigkeit > gute EDV-Kenntnisse (Office-Programme) > Eigeninitiative, Leistungsbereitschaft und Konfliktfähigkeit Wir bieten Ihnen > kinderfreundliche Arbeitszeiten > Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten > krisensicheren Arbeitsplatz > leistungsgerechte Entlohnung Senden Sie bitte Ihre ausschließlich schriftlichen (auch per E-Mail unter direktion@hswo.snv.at möglich) Bewerbungsunterlagen bis spätestens 15.7.2010 an die Mittelschule Wolfurt, Schulstraße 2, zH Herrn Dir. Norbert Moosbrugger. Aus dem Rathaus 11 3. Türkische Kirmes in Wolfurt Bereits zum dritten Mal veranstaltete der Islamische Kultur- und Bildungsverein in Wolfurt rund um das Vereinshaus ihre Kirmes. Zwei Tage lang wurde gekocht, gegessen, miteinander geredet. Angenehme Feststimmung – auf der Kirmes gibt es keinen Alkohol! Ein gutes Essen bringt Menschen an einen Tisch. Dass das Fest schon seinen fixen Platz im Wolfurter Kulturleben hat, bewiesen die zahlreichen Gäste aus dem „In- und Ausland“. Auch die politischen Vertreter aus Wolfurt und den umliegenden Gemeinden ließen sich die große Gastfreundschaft und die köstlichen Speisen nicht entgehen. Ein Fest für Jung und Alt, ein Fest für Menschen verschiedener Nationen, ein Fest fürs Kennenlernen. Wolfurter Wasserkrüge wieder verfügbar! Auf Grund der großen Nachfrage wurden die beliebten Wasserkrüge nachbestellt und sind ab sofort im Rathaus erhältlich. Die Wasserkrüge erhalten Sie zum Preis von 10,-- / Krug im Rathaus Wolfurt bei Angelika Köb und Melanie Amhof. Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 2. Quartal 2010 im Fundamt abgegeben wurden: diverse Schlüssel, Fotoapparat, Kinderrucksack Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.-Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: angelika.koeb@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Angelika Köb 12 Gemeindepanorama 5 Jahre Sprachencafé Wolfurt Bereits seit 5 Jahren gibt es eine hervorragende Privatinitiative, nämlich das im Jahr 2005 gegründete Sprachencafé. Gesprochen wird über Gott und die Welt, über Urlaub und Landessitten, über die Arbeit oder das Essen. Angebotene Sprachen sind Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch und Deutsch. Von Hausfrauen bis zu Lehrpersonen, von Monteuren über Sekretärinnen bis zu Geschäftsleuten spannt sich der Bogen der Interessierten. Das Sprachencafé wird seit Beginn von Karina Gmeiner organisiert. Für Information ist sie unter der Tel.: 0699 116 99 621 erreichbar. v.l.n.r.: Erich Reis, Martina Hörburger, Christine Grass, Clint Smith, Karina Gmeiner, Linda Hilbe, Birgit Lins, Michel Thoma, Claudia Saenz. Monatlich jeweils am 1. Dienstag treffen sich Sprachinteressierte um 19:00 Uhr im Alten Schwanen und perfektionieren ihre Sprachkenntnisse. An verschiedenen Tischen sitzen jeweils ein bis zwei Muttersprachler, die die Tischgespräche begleiten und Anregungen bzw. Hilfeleistung bei fehlenden Vokabeln bieten. Die Gemeindeverantwortlichen gratulieren zum 5-jährigen Jubiläum und danken der Organisatorin und allen Muttersprachlern für ihr außergewöhnliches Engagement. Wege entstehen dadurch, dass man sie geht Dr. Lorenz Böhler war einer, der sich unbeirrbar auf seinen Weg gemacht hat, und einer, der dadurch einen Weg für die Zukunft der Medizin geebnet hat. Damit das Erinnern an den berühmten Wolfurter nicht nur eine Momentaufnahme, sondern für länger lebendig bleibt, laden wir alle herzlich ein, sich ebenfalls auf den Weg zu machen. Mithilfe der beigelegten Wanderkarte können Sie die Ausgangspunkte des Lebensweges von Dr. Lorenz Böhler erwandern. Hier in Wolfurt entwickelte er einige seiner Fähigkeiten, die später unter anderem Grundlagen seiner großartigen Entwicklung vom Bauernbub zum weltbekannten Arzt mit Vorbildwirkung waren. Die Ausstellung in Bregenz kann ebenfalls noch während der Sommermonate (bis Mitte August) besucht werden. Wer auf den Geschmack gekommen ist und sich genauer über das Leben des Pioniers der Unfallchirurgie informieren möchte, kann das Buch zur Ausstellung in der Gemeinde (Bürgerservice) erwerben. Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Bildung, Jugend und Kultur (Franz Kafka) Der 125. Geburtstag von Dr. Lorenz Böhler wurde bei der Eröffnung der ihm gewidmeten Ausstellung in der Landesbibliothek in Bregenz und bei der feierlichen Begehung des Rundwegs „Auf den Spuren des Dr. Lorenz Böhler“ gebührend gefeiert. Gemeindepanorama 13 Skaterplatzgestaltung Volksschule Mähdle Schon seit längerem suchte die Marktgemeinde Wolfurt nach einer idealen Örtlichkeit, um einen dauerhaften Skaterplatz zu errichten. Im Rahmen der Sanierung der VS Mähdle, sowie des Außengeländes fiel die Entscheidung, den Skaterplatz im Außenbereich der VS Mähdle zu errichten. Damit dieser Platz auch wirklich den Ansprüchen eines Skaters gerecht wird, sowie das Angebot von den jugendlichen Nutzern aus Wolfurt auch mitgetragen wird, entstand die Idee, die „Profis“ selbst bei der Planung und Umsetzung mit einzubeziehen. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Pimp my Skaterplatz“ von der Offenen Jugendarbeit Wolfurt ins Leben gerufen. Am 10. April trafen sich alle interessierten Jugendlichen beim Platz der Volksschule Mähdle, um tatkräftig an der Gestaltung und Planung des Platzes mitzuwirken. Gemeinsam mit dem Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt, sowie der Architektin Maria Anna Moosbrugger wurden die bereits bestehenden Skaterrampen aufgestellt, sodass der Platz ideal zum Skaten genutzt werden kann. Weiter wurden Ideen zur Verbesserung der Situation des Platzes gesammelt. Der zweite Schritt erfolgte am 16. April mit dem Planungsworkshop im Jugendtreff [´wa´wa]. Themen des Nachmittags waren: Die bestehenden Skaterelemente sanieren und optimieren, Mini Ramp im Eigenbau, „Spielregeln“ und Müllsystem, Farbe am Platz, sowie das Jugendprogramm zur Eröffnung des Skaterplatzes am 28. Mai. Die erarbeiteten Ergebnisse wurden dann im Anschluss vor der Vertretung des Gemeindevorstandes präsentiert und diskutiert. Die Ergebnisse des Planungsworkshops werden im weiteren Verlauf des Jahres in verschiedenen Projektgruppen realisiert und umgesetzt. Jugendarbeiter Günter Sutterlüti 14 Gemeindepanorama 8. Frühschoppen der Dornbirner Berufskraftfahrer in Wolfurt Am Pfingstsonntag, den 23. Mai 2010, konnte bei herrlichem Wetter um 10:00 Uhr der Festgottesdienst abgehalten werden. Pater Rufus zelebrierte die Messe in gewohnt angenehmer Weise, was bei den Besucherinnen und Besuchern großen Anklang fand. Für die musikalische Umrahmung vom Chor „Die Herbstzeitlosen“ möchten wir uns herzlich bedanken. Der Obmann der Dornbirner Berufskraftfahrer, Alfons Brandstätter, begrüßte Bürgermeister Christian Natter mit Gattin, sowie Gemeinderat Hans Fetz und Robert Hasler recht herzlich. Nach der Begrüßung eröffneten Bürgermeister Christian Natter und Hans Fetz das Fest mit dem Fassanstich. Anschließend sorgten die „5 Rheintaler“ für hervorragende Frühschoppenstimmung bis in den Nachmittag hinein. Einen ganz besonderen Dank richten wir an die Fahrzeughersteller und Fahrzeugaufbauer für die hervorragende Ausstellung, sowie die Firma Orange College für das Fahrer-Weiterbildungsfahrzeug und Vorführungen im Sinne der Verkehrssicherheit. Ein besonderes Highlight war die Poolparty mit Stefan Köb, was für Stimmung bis in die Nacht sorgte. Dabei konnten EUR 1.500,-- eigenommen werden. Diese Summe wurde vom Verein auf EUR 2.000.-- erhöht und der Lebenshilfe sowie dem Krankenpflegeverein Wolfurt gespendet. Durch den vollen Einsatz von unseren Mitgliedern und deren Frauen konnte wieder ein erfolgreiches Fest verzeichnet werden. Die Vereinigung bedankt sich bei der Firma Schertler Transporte für die Bereitstellung des Festgeländes, bei allen Sponsoren sowie allen Festbesucherinnen und Festbesuchern, die einen maßgeblichen Anteil am guten Gelingen des Festes beigetragen haben. Gemeindepanorama 15 Notfallkarte speziell für Kinder Kinder sehen die Welt viel unbedarfter als Erwachsene und versuchen, sie jeden Tag neu zu entdecken. Schnell kann es da zu kleineren Wunden und größeren Verletzungen kommen. Wenn etwas passiert, sind in den meisten Fällen Erwachsene zur Stelle und sorgen für Hilfe. Allerdings kann es durchaus vorkommen, dass der Nachwuchs auf sich allein gestellt ist. Auch deshalb kann es nicht schaden, ihn frühzeitig mit den Notrufnummern vertraut zu machen. Und weil sich auf spielerische Art viele Dinge besser einprägen, hat die Initiative Sichere Gemeinden eine spezielle Kindernotfallkarte aufgelegt. Dort finden sich in übersichtlicher und für Kinder anschaulicher Form die Notrufnummern von Feuerwehr (122), Exekutive (133) Rettung (144) und Vergiftungszentrale (01/406 43 43). Als Illustrationen wurden die bei Kindern ebenso bekannten wie beliebten Playmobilfiguren verwendet. „Damit lassen sich die Zahlen leichter einprägen“, ist Geschäftsführer Ing. Franz Rein überzeugt. Und, was ebenfalls nicht zu unterschätzen ist: die Männchen erhöhen den Wiedererkennungswert und kommen mit ihrem fröhlichen Blick als Freunde in der Not daher. Damit Kinder im Ernstfall aber entsprechend reagieren können, muss die Notfallkarte in Augenhöhe platziert werden. Hilfreich ist auch, die Notrufnummern gut sichtbar auf dem Telefon selbst anzubringen. Wobei Klebetiketten zu bevorzugen sind. Gleichzeitig sollten größer werdende Kinder zu vorsichtigem Verhalten angeleitet werden. So sollte ihnen der Sinn von Schutzausrüstungen bei Freizeitaktivitäten, wie Rad fahren und Skaten, möglichst früh klar gemacht werden. Eltern wiederum sollten sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und selbst auch auf den Gebrauch von Schutzausrüstungen achten. Ein insgesamt kindgerechtes und sicheres Umfeld kann wesentlich zum Schutz von Kindern beitragen. Die Kindernotfallkarte ist kostenlos bei der Initiative Sichere Gemeinden, Realschulstraße 6, 6850 Dornbirn, Telefon: (05572) 543 43, E-Mail: info@sicheregemeinden.at erhältlich. Initiative Sichere Gemeinden Wert-Schätze: 12 schlaue Tipps für Frauen Das Frauenreferat des Landes, das Frauennetzwerk und FEMAIL haben unter dem Titel „Wert-Schätze – Schlaue Tipps für Frauen zur Lebensgestaltung“ eine Reihe von knappen, pointierten Ratschlägen formuliert. Themen sind unter anderem die Berufswahl, der Wiedereinstieg, Partnerschaft und das eigene Konto. Diese 12 schlauen Tipps sind in einer handlichen Broschüre (A 6) einfach zum Einstecken, Durchblättern und Mitnehmen, zusammengefasst. Sie liegen im Rathaus, bei der Fürsorge und im Jugend- und Kulturverein [´wa´wa] auf. Auskünfte: Yvonne Böhler, Frauensprecherin Wolfurt, Regionensprecherin Hofsteig E-Mail: yb@aon.at, Telefon: 66942 16 Gemeindepanorama Kursleiterin Evelyn Lingenhel (Mitte) mit den sechs Moderatorinnen aus Wolfurt und Lauterach Neue eltern.chat-Moderatorinnen in Wolfurt und Lauterach Im April fanden in Wolfurt unter der Leitung von Evelyn Lingenhel zwei Schulungsabende für die neuen eltern.chatModeratorinnen statt. Die sechs engagierten Mütter aus Wolfurt und Lauterach werden in Zukunft dafür sorgen, dass nicht nur am Computer „gechattet“ wird, sondern dass vermehrt Eltern persönlich, in gemütlichen Elterngesprächsrunden zum Thema Erziehung ins Gespräch kommen. „eltern.chat Moderatorinnen sind keine Fachfrauen für Erziehung“ betont die Projektleiterin Mag. Wilma Loitz vom Katholischen Bildungswerk, „aber sie erhalten das Handwerkszeug und Impulsmaterial, um die privatorganisierten Elternrunden gut begleiten zu können.“ Inzwischen fand schon das erste Austauschtreffen der neuen Moderatorinnen statt. Die eine oder andere hat auch schon eine eltern.chat Runde geleitet. Die Moderatorinnen sind bisher mit den Themenpaketen „Kinder stark machen“ und „Schlaf Kindlein Schlaf“ ausgestattet und freuen sich auf anregende Diskussionsrunden. „Jeder muss seinen eigenen Weg in der Erziehung finden; durch den Austausch bei eltern.chat werden Eltern unterstützt, diesen Weg bewusster zu gehen“, erklärt Evelyn Lingenhel. Sie begleitet die Moderatorinnen in ihrer Tätigkeit. eltern.chat setzt weniger auf Expertenwissen, sondern auf den Erfahrungsschatz von Eltern und darauf, dass man von einander lernen kann. Die Erfahrungen aus den 200 eltern.chats, die in Vorarlberg schon stattgefunden haben, zeigen: „Der Austausch mit anderen Eltern entlastet, eröffnet neue Handlungsspielräume, macht Spaß und stärkt das Vertrauen in die eigene Erziehungsfähigkeit..“ TeilnehmerInnen berichten: „Es tut einfach gut zu hören, dass es anderen ähnlich geht!“ Die meisten eltern.chats finden in privaten Haushalten am Vormittag oder am Abend statt. Die TeilnehmerInnen sind FreundInnen, Bekannte und NachbarInnen der Gastgeberin. Die Gemeinden Wolfurt, Lauterach und auch Schwarzach unterstützen diese Elterntreffen mit einem Einkaufsgutschein für die einladende Gastgeberin. Besonders erfreulich ist die rege Beteiligung von Frauen mit nicht deutscher Muttersprache. In diesen Elternrunden wird in türkisch oder russisch „gechattet“. Weitere Informationen unter www.elternbildung-vorarlberg.at Gemeindepanorama 17 Postpartnerstelle Wolfurt wird eröffnet INTEGRA wickelt nun als so genannter Postpartner den Postservice in vollem Umfang ab. Einerseits wird die Nahversorgung mit wichtigen Dienstleistungen des täglichen Bedarfs gesichert, andererseits geht es um die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Stefan Koch, INTEGRA Geschäftsführer, betont, dass ein gemeinnütziger und sozialer Zweck verfolgt wird, da die neuen Stellen für die Theorie- und Praxisqualifizierung von arbeitsuchenden Menschen zur Verfügung stehen. Insbesondere ältere Arbeitsuchende und Wiedereinsteigerinnen können so hochwertige und sinnvolle Arbeitsplätze mit guten Vermittlungschancen vorfinden. Die Mitarbeiter/innen werden intensiv vorbereitet, sind gut betreut und angeleitet. Für das Arbeitsprojekt werden bevorzugt Bürger aus Wolfurt und Umgebung geschult und eingesetzt. Die neue Postpartnerstelle dient ab nun zudem auch als Verkaufsshop für INTEGRA Produkte, wie Dekoideen und Geschenksartikel. INTEGRA kümmert sich mit einem vielfältigen Angebot um Menschen, die längere Zeit auf Arbeitsuche sind. Um die Selbsthilfepotenziale zu fördern und zu aktivieren, bietet die gemeinnützige Arbeitsinitiative Beschäftigungsmöglichkeiten in acht Arbeitsbereichen (Holz, Metall, Umwelt, Reinigung, Textil, Handel, Manufaktur und Personalservice). Das Programm beinhaltet auch begleitende Weiterbildungsmaßnahmen, Beratung bei sozialen und persönlichen Fragestellungen und Vermittlungsunterstützung. INTEGRA verbindet Wirtschaftliches und Soziales. Diese Integrationsarbeit im Interesse aller wird von AMS, Land Vorarlberg und dem Europäischen Sozialfonds unterstützt. Die neuen Postpartnerstellen in Lochau, Schwarzach und Wolfurt sind in den bereits bestehenden Kompetenzbereich Handel integriert und ergänzen das Angebot sehr sinnvoll. Das soziale Integrationsunternehmen INTEGRA wird am 7. Juli die Poststelle Wolfurt übernehmen. Öffnungszeiten: Mo – Fr, 08:30 bis 12:15 und 14:30 bis 17:15 Uhr Kontakt: INTEGRA gemGmbH, Stefan Koch Konrad-Doppelmayr-Str. 13, 6922 Wolfurt T 05574 / 54 2 54 – 12 F 05574 / 54 2 54 – 15 M 0664 / 420 67 95 E stefan.koch@integra.or.at H www.integra.or.at Schließung Postfiliale Nun steht der Termin der Schließung mit 06.07.2010 fest. Nach 12 Jahren Filialleiter-Tätigkeit ist es mir ein großes Bedürfnis, mich bei all meinen Kunden sowie der Bevölkerung von Wolfurt für ihr Vertrauen recht herzlich zu bedanken. Herzliche Postlergrüße Günther FRITZ 18 Wirtschaft Verleihung des Gütesiegels für soziale Integrationsunternehmen an INTEGRA Gemeinnütziges Wirtschaften und vor allem sozialintegratives Wirken eint die 17 PreisträgerInnen, die am 16. April 2010 im Beisein von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf mit dem Gütesiegel für Soziale Integrationsunternehmen ausgezeichnet wurden. Als einziges Vorarlberger Unternehmen erhielt auch INTEGRA die Auszeichnung. Das gemeinsam vom Dachverband der Arbeitsprojekte und Quality Austria entwikkelte Gütesiegel garantiert klar definierte soziale, organisatorische und wirtschaftliche Qualitätsstandards für Soziale Integrationsunternehmen. Mit dem Erwerb dieses Gütesiegels verpflichtet sich INTEGRA, bestimmte, international anerkannte Qualitätsstandards zu erfüllen. Entscheidend für die Glaubwürdigkeit und Qualität ist, dass INTEGRA durch unabhängige AssessorInnen von Quality Austria bewertet wurde. Das Gütesiegel bestätigt den Anspruch, wirtschaftlich kompetent zu sein, gemeinnützig zu agieren, qualitätvolle Beschäftigung anzubieten und einen sozialen Integrationsauftrag zu erfüllen. INTEGRA trägt mit den neun verschiedenen Arbeitsbereichen - Holz, Metall, Textil, Umwelt, Reinigung, Handel, Manufaktur, Personalservice und Jugendwerkstatt - dazu bei, dass ein Social Profit generiert wird, in dem Menschen Verwirklichungs- und Teilhabechancen am Arbeitsmarkt erhalten. Qualität ist das Gegenteil von Zufall Die 17 Gütesiegel wurden am 16. April 2010 im Rahmen einer feierlichen Zeremonie von Bundesminister Rudolf Hundstorfer und AMS-Vorstand Johannes Kopf verliehen. Beide heben die besondere gesellschaftliche Bedeutung Sozialer Integrationsunternehmen hervor. "Qualität ist das Gegenteil von Zufall", konstatiert Johannes Kopf. Er prognostiziert einen wachsenden Bedarf Sozialer Integrationsunternehmen, der sich nicht zuletzt aus der Einführung der Bedarfsorientierten Mindestsicherung ergibt. Dass österreichische arbeitsmarktpolitische Instrumente als Best-practiceBeispiele gelten, lobt Bundesminister Rudolf Hundstorfer. "Unsere österreichischen Sozialen Integrationsunternehmen sind weltweit herzeigbar. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik, weil diese Unternehmen ihren sozialen und arbeitsmarktpolitischen Integrationsauftrag ernst nehmen“, so Hundstorfer. INTEGRA verfolgt nachhaltige Ziele der sozialen Integration im Sinne der Schaffung von Arbeitsplätzen und des nachhaltigen und gemeinnützigen Wirtschaftens. Vermittlung von Geschäftsflächen Immer wieder kommt es vor, dass wir spät oder gar nicht erfahren, dass Gewerbeflächen zur Vermietung freistehen, bzw. solche gesucht werden. Ich bitte Sie daher uns mitzuteilen, wenn Sie in Wolfurt eine Geschäftsfläche suchen, bzw. wenn Sie welche zur Vermietung oder zum Verkauf frei haben. Bitte senden Sie Ihre Infos an: victoria.thompson@wolfurt.at Wir sind bei der Vermittlung gerne behilflich. Wirtschaft 19 Die Web-Agentur VAUMEX nimmt ihren Betrieb auf VAUMEX ist ein Einzelunternehmen das von Beratung, Idee, Umsetzung bis Wartung alles macht, was mit Webdesign, Websites, Webportalen und Web-Applikationen zu tun hat. Sie erhalten bei mir folgende Leistungen: • Beratung • Webdesign • SEO • CMS • Web-Applikationen VAUMEX - web business DI Alfons Natter Moosmahdgasse 2d 6922 Wolfurt Mobil: 0699/815 501 04 office@vaumex.at www.vaumex.at Besuchen Sie meine Homepage. Ich freue mich auf Ihren Kontakt. Physiotherapeutin Berghild Böhler neu in Wolfurt Liebe Wolfurterinnen und Wolfurter, ich heiße Berghild Böhler und freue mich sehr, dass ich seit 1. Mai 2010 bei euch in Wolfurt meine Tätigkeit als Physiotherapeutin ausüben darf. Ich habe die großartige Möglichkeit bei Ingrid Amann, Kirchstraße 43, zwei Räume zu mieten. Die meisten von euch kennen Ingrid sicherlich und ihre Art zu arbeiten. Daher ist es nahe liegend, dass auch ich keine klassische Physiotherapie mache. Ich versuche, in meiner Arbeit den Menschen im Gesamten zu sehen und wahrzunehmen, und so sind auch meine Methoden ausgerichtet. Ich mache vor allem manuelle Lymphdrainage, Feldenkraisarbeit, energetische Aromamassagen nach M. Henglein, Breuss-Massagen, Moxatherapie, Akupunktur-Massage (APM) nach Klaus Radloff, viszerale Therapie, um ein paar Methoden zu nennen. Was ich besonders interessant und schön finde ist, soweit ich es bisher gesehen habe, dass sich die Kirchstraße so langsam zu einer „Gesundheitsstraße“ entwickelt. Im selben Gebäude sind auch Harry Veits (Physiotherapeut) und Dr. med. Armin Winder (Kinder- und Jugendheilkunde) tätig sind und gleich daneben Sonja Neunhäuserer ebenfalls Physiotherapeutin. 20 Wirtschaft Einkaufen mit dem Fahrrad lohnt sich erste Gewinnerinnen bereits ermittelt! Im Rahmen der Aktion „EIN.KAUFEN & RAD.FAHREN“ übergab der Wolfurter Mobilitätsgemeinderat Robert Hasler Einkaufsgutscheine der Wirtschaft Wolfurt an 10 Radlerinnen, die ihre Einkäufe trotz schlechten Wetters mit dem Drahtesel erledigt haben. Mit dieser Aktion, an der sich 24 Wolfurter Geschäfte beteiligen, soll ein Anreiz geschaffen werden, seine Besorgungen umweltfreundlich und in Wolfurt zu erledigen. Ein solches Verhalten lohnt sich mehrfach: Es sichert die Nahversorgung in unserem Ort, es unterstützt die persönliche Gesundheit und es entlastet die Umwelt. Alle Kundinnen und Kunden, die ihre Besorgungen bei den Teilnehmerbetrieben per Rad, zu Fuß oder mit dem Bus erledigen, können Glückspunkte sammeln und damit unter anderem eine Städtereise im Wert von € 500,-- und zahlreiche Warengutscheine gewinnen. Einkaufen mit dem Rad hat sich für diese Wolfurterinnen bereits gelohnt Mobilitätsgemeinderat Robert Hasler überreichte im Rahmen der Aktion 10 Euro Gutscheine der Wirtschaft Wolfurt Wirtschaft 21 Land Vorarlberg vergibt ÖKOPROFIT®-Zertifikate 138 Vorarlberger Betriebe dürfen sich 2010 ÖKOPROFIT®-zertifiziert nennen. 17 Betriebe, darunter die Wolfurter Firma Gruber Klimatechnik GmbH, haben das Basisprogramm erfolgreich absolviert und nahmen zum ersten Mal das ÖKOPROFIT®-Zertifikat in Empfang. Weitere 121 Betriebe freuten sich über ihre Rezertifizierung. Darunter auch der Bauhof der Gemeinde Wolfurt und fünf weitere Wolfurter Betriebe. Die Themen Ressourcenschonung, Klimaschutz und die Möglichkeiten zur Energieeinsparung stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten im Rahmen von ÖKOPROFIT. Das ÖKOPROFIT®-Programm zeigt dabei auf, welche Möglichkeiten die teilnehmenden Betriebe haben, unsere Umwelt zu schonen und gleichzeitig Kosten einzusparen. Wir gratulieren allen beteiligten Wolfurter Firmen, speziell der Fa. Gruber Klimatechnik GmbH für die Erstzertifizierung und unserem Bauhof für die erfolgreiche Rezertifizierung. Aktuelle ÖKOPROFIT-Betriebe in Wolfurt: > Gruber Klimatechnik GmbH (Erstzertifiziert) Rezertifizierte Betriebe 2010: Ivica Marinovic, (Firma Gruber Klimatechnik GmbH) und Gemeinderat Robert Hasler bei der Urkundenübergabe > Bauhof der Marktgemeinde Wolfurt > Bus Service Center der ÖBB-Postbus GmbH > Doppelmayr Aufzüge AG > Haberkorn Ulmer GmbH > INTEGRA Robert Hasler, Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Danke für Landschaftsreinigung Wie alljährlich im Frühjahr fand kürzlich die jährliche Landschaftsreinigung statt. Es haben sich wieder zahlreiche Ortsvereine daran beteiligt, aber auch ganze Familien und viele Einzelpersonen. Obwohl das Umweltbewusstsein insgesamt doch sehr gut ist, gibt es leider immer wieder Menschen, die ihren Müll achtlos wegwerfen oder ganz bewusst in der Natur entsorgen, um Müllgebühren zu sparen. Ich möchte deshalb auf diesem Wege allen freiwilligen Helferinnen und Helfern, die sich an der diesjährigen Aktion beteiligt haben, ganz herzlich danken. Ein ebenso herzlicher Dank geht auch an die Firmen: Bernd Bechter – Erdbewegungen, Schwendinger & Fink GmbH, und die Firma Doppelmayr, die uns Fahrzeuge für diese Aktion zur Verfügung gestellt haben. Bürgermeister Christian Natter 22 Umwelt Exkursion zur Firma Haberkorn Im Rahmen der Umweltwoche 2010 organisierten die Gemeinderäte Robert Hasler und Yvonne Böhler zusammen mit dem Wirtschafts- und Umweltausschuss eine Exkursion zur Firma Haberkorn Ulmer GmbH in Wolfurt. Dort konnten sich die Gemeindemandatare und Mitglieder des e5-Teams über das Programm ÖKOPROFIT informieren. (ÖKOlogische PROjekt Für Integrierte Umwelt-Technik). Die Firma Habekorn ist selbst seit 2009 ein mit ÖKOPROFIT zertifizierter Betrieb, unterstützt Projekte zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und hat es sich zum Ziel gemacht, die direkt verursachten CO² Emissionen bis Ende 2011 um 40 % zu reduzieren. Die Geschäftsleitung will mit dem Engagement für Klimaschutz und Energie effizient gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und das Thema Nachhaltigkeit in die Breite tragen. Erste Erfolge konnten bereits erreicht werden - die CO² Emissionen konnten inzwischen um 15 % reduziert werden. Mit Mitarbeiter-Workshops wurden Ideen und Maßnahmen konzipiert. Großes Ein- sparungspotential liegt in den Bereichen Heizung / Strom / Mobilität der Mitarbeiter / Fuhrpark / Verpackungsmaterial. So wurde auch im Bereich von Stand by Geräten auf Zeitschaltuhren umgestellt, und der Papierverbrauch eruiert, ein Elektro-Auto für die Mobilität für Dienstfahrten steht bereit, Mitarbeiter haben via Bildschirm immer die aktuellen Busfahrpläne zur Information (www.abfahrtszeiten.at). So ist jeder Mitarbeiter bei diesem Projekt beteiligt und motiviert. Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit und bewusster Umgang mit der Umwelt, jeder kann seinen Beitrag leisten. Langfristig ist die Geschäftsleitung überzeugt, dass das Engagement nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch wirtschaftliche Wettbewerbsvorteile bringen wird! Yvonne Böhler, Gemeinderätin für Wirtschaft und Nahversorgung Bäume und Sträucher an Straßen und Straßenkreuzungen zurück schneiden Bäume und Sträucher, die am Straßenrand zu stark wachsen, sind für Kraftfahrer oft mit Sichtbehinderungen verbunden. Gemeint sind insbesondere Hecken, Bäume an Straßenkreuzungen und Einmündungen. Die dadurch mangelnde Verkehrssicherheit beschwört oft schwierige Situationen herauf. Aber auch entlang gerader Straßenzüge kommt es zu Problemen, dann nämlich, wenn das Benützen der Gehsteige für Fußgänger beschwerlich ist wegen überhängender oder heraushängender Sträucher. Sie gehören auf die Grundstücksgrenze zurück geschnitten! Die Anrainer von Straßen werden daher gebeten, schon im eigenen Interesse bzw. in eigener Verantwortung solche Gefahren umgehend zu beseitigen. Ansonsten müsste die Gemeinde gemäß AVG auf Rechnung und Gefahr des Grundstückseigentümers die Behinderungen entfernen lassen. Sylvester Schneider Umwelt 23 Hofsteig-Ader Die Bauarbeiten beim Neubau der L 3, Bauabschnitt Achstraße, machen sichtlich Fortschritte. So wird beim Erscheinen dieser Wolfurt Information der 1. Bauabschnitt, von der Autobahn bis einschließlich Essokreuzung, bereits für den Verkehr eröffnet sein. Bereits eine Woche früher als geplant kann der 2. Bauabschnitt, die Fitzkurve, in Angriff genommen werden. Die Bauarbeiten sollen dann planmäßig bis Anfang September abgeschlossen sein, sodass bis zum Schulanfang die Kreuzung L 3 / L 13 nach Kennelbach wieder befahren werden kann. Im September bis voraussichtlich Anfang Oktober wird der letzte Teil dieses Bauloses von der Fitzkurve bis zur Essokreuzung gebaut. Der erste, nach den Richtlinien vom Projekt Hofsteig-Ader, neu ausgebaute Abschnitt unserer Straße wird dann für den Verkehr freigegeben werden. Die notwendigen Umleitungen erfolgen weiterhin großräumig über die Weberstraße zur Autobahn, wobei der Halbanschluss an der Ach wieder voll funktionsfähig ist. Zudem wie bisher über die Wälderstraße nach Lauterach. Lokale Umleitungen erfolgen über die Albert-Loacker-Straße, die Lerchenstraße und die Montfortstraße, sowie zeitweise auch über die Bregenzer Straße nach Kennelbach. Auch die Buslinien werden während der Bauzeit über die lokalen Umleitungen geführt. Beim Kindergarten und der Schule Bütze soll mit entsprechenden Maßnahmen und Unterstützung unserer Polizei die Sicherheit der Kinder gewährleistet sein. Schon jetzt bedanken wir uns, auch im Namen der ausführenden Firmen, für das Verständnis der Anrainer der Baustelle, aber auch bei den Anwohnern der Umleitungsstrecken. Wie bereits in der Wolfurt-Information (Ausgabe Frühling 2010) angekündigt, wurden die im Projekt Hofsteig-Ader vorgesehenen Randstreifen längs der L 3 aufgetragen. Auch wurden in diesem Zuge die starken Spurrillen in der Straße bearbeitet. Vor allem bei Regen soll so das Benutzen von Straße und Gehsteig für Fußgänger und Radfahrer wieder angenehmer und sicherer sein. Die beidseitig der Fahrbahn aufgebrachten gelben Randstreifen, bei Fußgängerübergängen soll ein roter Streifen aufmerksam machen, ist kein Fahrradstreifen. Er bewirkt die optische Einengung des Straßenraums und soll so zur Reduzierung der Geschwindigkeit führen. Höhere Verkehrssicherheit für Fußgänger, Radfahrer und den motorisierten Verkehr soll damit erreicht werden. Hans Fetz, Gemeinderat für Infrastruktur 24 Umwelt Neuer plan-b Radpark macht Fahrrad-Parken bei Veranstaltungen leicht Die plan-b Gemeinden bieten ab sofort einen besonderen Service an: Der neue plan-b Radpark enthält klappbare Module mit Abstellbügeln für bis zu 240 Räder, ein Leitsystem mit Marketingelementen und steht leihweise für kleine und große Veranstaltungen in der Region zur Verfügung. Veranstalter können damit ihren Gästen auf einfache und kostengünstige Weise praktische und komfortable Abstellanlagen bieten. Produziert hat die Abstellmodule die Wolfurter Firma INTEGRA, über die auch der Verleih läuft. Bereits bestens bewährt hat sich der plan-b Radpark bereits beim Berufsfahrer Frühschoppen und beim Tag der offenen Tür in der Volksschule Mähdle. > Mobile Abstellanlage für bis zu 240 Fahrräder inklusive Leitsystem und Werbeelemente > Im ersten Jahr lediglich Transport- und Betreuungskosten, falls Veranstalter diese Aufgaben nicht selbst übernimmt. > Kaution: 200,-- Euro, wird bei schadenfreier Rückgabe zur Gänze rückerstattet > Aktuelle Informationen und Termine: www.mobilplanb.at > Zu buchen über INTEGRA: Ansprechpartner: Harald Thaler, Tel.: 05574 54254-50 oder E-Mail: harald.thaler@integra.or.at Nähere Informationen erhalten Sie gerne bei der Marktgemeinde Wolfurt, Burkhard Hinteregger (Tel.: 05574 6840-17 oder E-Mail: burkhard.hinteregger@wolfurt.at). Robert Hasler, Gemeinderat für Mobilität und Umwelt Asbeststaubbelastung - Hilfe für Betroffene Individuelle Beratung und Nachsorgeuntersuchungen in Ihrer Nähe! Der nachweislich krebsfördernde Baustoff Asbest wurde bereits in den 90er- Jahren in Österreich verboten. Dennoch sind heute viele Menschen – Experten sprechen von etwa 100.000 Betroffenen - durch die frühere berufliche Asbeststaubbelastung krankheitsgefährdet. Auch Jahrzehnte nach dem Kon


Wolfurt 2010 01 Frühling
Don, 10. März 2011 |



Wolfurt 2009 01 Frühling
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

wolfurt FRÜHLING 09 Blick ins Gemeindegeschehen Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Das neue Jahr ist bereits wieder drei Monate alt und die Gemeindevertretung hat wichtige Beschlüsse gefasst. Das Jahresprogramm wurde erstellt, das dazugehörende Budget 2009 wurde beschlossen. Details darüber finden Sie auf den nächsten Seiten. Flächenwidmungsplan wurde überarbeitet Der aus dem Jahr 1976 stammende Flächenwidmungsplan entsprach in vielen Details nicht mehr dem heute aktuellen Stand. So mussten unter anderem verschiedene Straßen, Bäche, Waldflächen oder Hochwasser-Schutzzonen aufgrund von inzwischen vorliegenden Plänen angepasst werden. In Rickenbach, im Strohdorf und im Dorfzentrum wurden drei Kerngebiete ausgewiesen, in denen zukünftig Ortsteilzentren entwickelt werden sollen. Von den insgesamt 63 eingelangten Stellungnahmen während der Auflagefrist des Planes konnte der größte Teil positiv bzw. zumindest teilweise positiv erledigt werden. Lediglich jene Wünsche, die auf eine Ausweitung von Bauland über die Siedlungsränder hinaus zum Ziel hatten, mussten abgelehnt werden. Der neue Flächenwidmungsplan wurde einstimmig beschlossen und wird nun dem Amt der Vorarlberger Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt. Kinderbetreuung wird erweitert Das Angebot der Ganztages-Kinderbetreuung wird deutlich ausgebaut. Entsprechend den Vorgaben einer Projektgruppe, die sich aus Kindergartenpädagoginnen, Elternvereinsvertretern, Gemeindemandataren und Fachleuten zusammensetzte, wird das Haus Wälderstraße 1a in den nächsten Monaten zu einer „Kindervilla“ umgebaut bzw. adaptiert. Ziel ist es, allen berufstätigen Eltern eine Ganztagsbetreuung während des ganzen Jahres für ihre Kinder anzubieten. Aufgenommen werden Kinder von 1,5 bis 6 Jahren (Vorschulalter). Der derzeitige Ganztages-Kindergarten Fatt wird dann ab Herbst 2009 in dieses Objekt übersiedeln, die täglichen Öffnungszeiten werden dem Bedarf angepasst sein. Sternen-Hotel soll gebaut werden Mit zwei Gemeindevertretungsbeschlüssen, jeweils einstimmig, wurde die Absicht bekräftigt, das derzeitige sehr desolate Sternen-Objekt abzureißen und an dessen Stelle ein Hotel mit 70 Zimmern, ein Gastronomielokal mit einem kleinen Saal sowie die Bankfiliale der Bregenzer Sparkasse neu zu errichten. Zwei TiefgaragenGeschosse sind ebenfalls Teil des Projektes. In den letzten Wochen fanden intensive Finanzierungsgespräche statt, ein privater Betreiber würde das Hotel mit einem Parkgeschoss, die Gemeinde das Gastlokal mit einem weiteren Parkgeschoss errichten, die Bregenzer Sparkasse ihre neue Filiale. Die gesamten Verhandlungen werden federführend von der Gemeinde-Immobilien GmbH bzw. deren Geschäftsführer Ferde Hammerer geführt. Wenn alle Gespräche erfolgreich verlaufen, könnte im Herbst mit dem Bau begonnen werden. 2 Aus dem Rathaus VOGEWOSI-Wohnanlage Dornbirner Straße “Kindervilla” Wälderstraße 1a Anmietung von Vereinsräumen Im ehemaligen Gardinen-Geiger Areal, Fattweg, wurden Räumlichkeiten für Vereinsaktivitäten durch die Gemeinde angemietet und verschiedenen Jugendgruppen für Vereinsaktivitäten zur Verfügung gestellt. Den einen Teil der Flächen benützen die Rovermen, die durch verschiedene Kulturveranstaltungen bekannt sind. Den zweiten Teil der Räumlichkeiten verwenden junge Musik-Bands zum Proben und Vorbereiten für Auftritte. Im Gardinen-Böhler Objekt, Dornbirner Straße, wurden rund 1.000 m² Fläche angemietet. Hier sollen voraussichtlich drei Gymnastikräume bzw. Bewegungsstudios eingerichtet werden. Diese Räumlichkeiten sind für jene Vereinsaktivitäten gedacht, die derzeit in verschiedenen Turnhallen stattfinden, die aber nicht unbedingt die Flächen einer Turnhalle benötigen. Durch diese Maßnahme sollen in Zukunft die Hallen wieder vermehrt jenen Vereinen zur Verfügung stehen, die auf solche Flächen angewiesen sind und derzeit verschiedene Aktivitäten gar nicht ausüben oder anbieten können. Die Anmietung ist eine wesentlich günstigere Variante als z.B. der Neubau solcher Räumlichkeiten. Achrain-Tunnel eröffnet Ende Jänner dieses Jahres wurde der neue Achrain-Tunnel eröffnet, der den Bregenzerwald-Verkehr direkt zur Autobahnauffahrt Dornbirn Nord leitet. Von diesem Neubau erwarten sich vor allem Haselstauden und Schwarzach eine drastische Verkehrsreduktion, auch in Wolfurt sollte der Durchzugsverkehr entsprechend der Prognosen des Landes etwas abnehmen. Ob dies tatsächlich der Fall sein wird, wird durch genaue Verkehrszählungen erfasst. Die Zählungen an zahlreichen Zählstellen erfolgten einerseits vor der Eröffnung des Tunnels und andererseits in den nächsten Monaten. Dabei wird sich herausstellen, ob die Erwartungen auch erfüllt werden. Grundankauf Dorfzentrum Einstimmig beschloss die Gemeindevertretung den Ankauf einer bebauten Liegenschaft im Dorfzentrum (derzeit Stiegenbau Peter) von Familie Zeller aus Hohenems. Das Ausmaß der Fläche beträgt rund 1.000 m², sie liegt im Baukerngebiet. Mittelfristiges Ziel ist die Errichtung eines Geschäfts- und Wohnobjektes. Deshalb finden auch mit umliegenden Grundeigentümern Gespräche statt. Busangebot ausgebaut neuer Fahrplan Wie bereits früher berichtet, wurde das Angebot Landbus-Unterland auf mehreren Strecken deutlich ausgebaut bzw. der Takt zwischen Bregenz - Wolfurt Dornbirn tagsüber auf 15 Minuten verkürzt. Damit Sie immer wissen, wann in unserer Region der nächste Bus verfügbar ist, liegt in diesem Heft ein MiniTaschenfahrplan für Ihre Jackentasche bei. Deshalb mein Aufruf: Schonen Sie Ihr Auto und fahren Sie mit Chauffeur! Lärmkataster entlang der Autobahn Nach jahrelangem Drängen durch die Gemeinden Wolfurt und Lauterach hat die ASFINAG nun endlich einen Lärmkataster für die Wohnobjekte entlang der Rheintalautobahn A 14 erstellen lassen. Daraus ist die Lärmbelastung für die einzelnen Objekte ersichtlich. Am Mittwoch, 15. April 2009 findet um 18:00 Uhr im Hofsteigsaal Lauterach die öffentliche Präsentation mit Diskussion statt. Dabei wird vor allem diskutiert, welche Maßnahmen zum Schutz der Anrainer ergriffen werden. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Bauvorbereitung VOGEWOSI Dornbirner Straße Derzeit laufen die Bauvorbereitungen für die zweite Bauetappe der VOGEWOSIWohnanlage Dornbirner Straße auf Hochtouren. Der Bedarf an erschwinglichen Mietwohnungen in Wolfurt ist nach wie vor hoch. Es werden 20 zusätzliche Wohnungen entstehen, Baubeginn wird im heurigen Frühsommer sein, die Fertigstellung ist für Herbst 2010 geplant. > Fortsetzung Aus dem Rathaus 3 Vorzeitiger Bürgermeisterwechsel im Mai Ursprünglich hatte ich die Absicht, die volle Funktionsperiode bis zu den Neuwahlen im April 2010 im Amt zu bleiben. Allerdings bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass es für unsere Gemeinde und für die kontinuierliche Amtsübergabe von Vorteil ist, wenn ein Bürgermeisterwechsel bereits rund ein Jahr vor der Wahl stattfindet. Ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, ich bin aber der Auffassung, dass unserer Gemeinde ein Generationswechsel in der Führung neue Impulse geben kann. Ich kann guten Gewissens die Geschicke in jüngere Hände legen, vor allem weil ich mit unserem Vizebürgermeister Christian Natter einen wirklich guten und sehr engagierten Nachfolger vorschlagen darf, der sich in Abstimmung mit seiner Familie bereiterklärt hat, dieses nicht immer ganz leichte Amt zu übernehmen. Es gibt im Land zahlreiche Gemeinden, die kaum einen Nachfolger finden. Am 20. Mai 2009 gibt es eine Gemeindevertretungssitzung, in der die Nachfolge vollzogen werden soll. Durch den vorgesehenen Wechsel von Christian Natter ist auch die Funktion des Vizebürgermeisters neu zu besetzen. Hier gibt es einen einstimmigen Vorschlag der ÖVP-Fraktion auf Gemeinderätin Angelika Moosbrugger. Sie hat in den letzten vier Jahren in den Ressorts Schule und Kultur erfolgreich gearbeitet und würde diese neue Funktion sicher gut ausfüllen. Die Bevölkerung ist herzlich zur öffentlichen Sondersitzung der Gemeindevertretung eingeladen. www.wolfurt.at www.gem24.at Danke für schöne und interessante Jahre 24 Jahre durfte ich hauptverantwortlich die Geschicke unserer Gemeinde leiten und gemeinsam mit einem hervorragenden Mitarbeiterstab, mit verantwortungsbewussten und sehr engagierten Gemeinderäten und Gemeindemandataren in einem guten politischen Klima unzählige Entscheidungen treffen und Weichen für unseren Ort stellen. Fünfmal erhielt ich von Ihnen, geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger, großen Zuspruch bei den Wahlen, dies war die stärkste Motivation für mich, immer wieder mein Bestes zu geben. Ich möchte mich am Ende meiner Zeit als Bürgermeister ganz herzlich bei Ihnen bedanken für das Vertrauen, das Sie immer wieder in mich gesetzt haben und für die Unterstützung in vielerlei Belangen, die ich immer wieder erleben durfte. Ein ebenso herzlicher Dank geht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Gemeindedienst, ich durfte hier ein wirklich tolles und motiviertes Team erleben. Der gleiche Dank geht auch an alle derzeitigen und ehemaligen Vizebürgermeister, Gemeinderäte und Gemeindevertreter. Mit ihren vielfältigen Ideen und Vorschlägen haben sie mich immer wieder auf Trab gehalten. Einen wichtigen Dank möchte ich hier am Schluss auch einmal öffentlich aussprechen: Den Dank an meine Familie und hier insbesondere an meine Gattin Albine. Sie hat mich in all den Jahren großartig unterstützt und in schwierigen Situationen, die es auch gegeben hat, ermuntert. Nochmals einen herzlichen Dank an Sie alle für 24 spannende, schöne, erfüllte Bürgermeister-Jahre! Mit etwas Wehmut im Herzen, Euer Bürgermeister Erwin Mohr 4 Aus dem Rathaus Dienstjubiläen bei Gemeinde Bgm. Erwin Mohr, Dr. Sylvester Schneider mit Gattin Frieda Beatrix Mersin, Bgm. Erwin Mohr Auch im vergangenen Jahr wurden anlässlich der traditionellen Abschlussfeier zwei langjährige und verdiente Bedienstete geehrt. Dr. Sylvester Schneider konnte unter Einrechnung seiner Vordienstzeit beim Bezirksgericht sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern. Er trat am 1. April 1986 in den Gemeindedienst ein und ist seitdem als Amtsleiter und Personalchef der oberste Bedienstete unserer Gemeinde. Insbesondere das positive Arbeitsklima im Rathaus und in zahlreichen Dienststellen ist seiner ruhigen und freundlichen Art zu verdanken. Sein außerordentlich breites Wissen über unsere Gemeinde machte ihn auch zur Anlaufstelle für zahllose Bürgeranfragen und Beratungen. Er ist auch über die Gemeindegrenzen hinaus Ratgeber in heiklen Fragen für Nachbargemeinden und übergeordnete Dienststellen. Im Kreise seiner Gemeindesekretäre-Kollegen gilt er als einer der Besten im Lande! Beatrix Mersin ist als ausgebildete Kindergärtnerin bereits seit 1979 tätig. Ihre früheren Dienstorte waren Doren, Schoppernau, Bildstein, Hohenems und wieder Bildstein, dann war sie einige Zeit in Karenz, bevor sie 1998 die Leitung des Kindergartens Mähdle in Wolfurt übernahm. 2007 erfolgte dann ein Wechsel in den Kindergarten Strohdorf. Beatrix Mersin bewältigte die während der letzten zweieinhalb Jahrzehnte gewaltigen Umbrüche im Kindergartenwesen bestens und war durch all die Jahre, die sie in unserer Gemeinde und für unsere Kinder tätig war, eine verlässliche und vorbildliche Mitarbeiterin. Wir möchten den beiden Jubilaren anlässlich ihres Dienstjubiläums herzlich gratulieren und auch den verdienten Dank für ihr vorbildliches Engagement in unserer Gemeinde zum Ausdruck bringen. Bürgermeister Erwin Mohr Aus dem Rathaus 5 Wer kennt Heiligen-Figur? Nachdem es zur abgebildeten Heiligen-Figur einige Unklarheiten gibt, möchten wir alle Personen aufrufen, sich zu melden, wenn Sie diese Figur schon einmal gesehen haben oder zuordnen können. Die Statue stellt die Heilige Maria dar und stammt aus dem Nachlass von Zilla Zoller. Früher soll diese Figur als „Wander-Madonna“ in vielen Wolfurter Häusern für Anbetungsstunden gestanden haben. Nach jeweils einigen Tagen musste man die Figur wieder ins Schwesternhaus (heute Spielzeugmuseum) zurückbringen. Die wesentliche Frage ist: Handelt es sich bei dieser Figur um die seinerzeitige Wander-Madonna oder nicht? Wer dazu Angaben machen kann oder Informationen hat, wird ersucht, dies im Gemeindeamt Wolfurt, Frau Victoria Thompson, Tel.: 6840-29, E-Mail: victoria.thompson@wolfurt.at, mitzuteilen. Sicherheitstipps zur Verhinderung von Haus- und Wohnungseinbrüchen Viele Menschen sorgen sich vor einer Urlaubsreise vor allem um die Sicherung ihrer Wohnung oder ihres Hauses. Kurz vor einer Reise lassen sich umfangreichere Sicherungsmaßnahmen im Wohnbereich kaum realisieren - so etwas verlangt Zeit und Planung. Man kann aber jedenfalls Zeichen längerer Abwesenheit vermeiden und die Hilfe von Freunden oder Nachbarn in Anspruch nehmen. Sicherheitstipps: > Ungeleerte Briefkästen, ständig heruntergelassene Rollläden, zugezogene Vorhänge sind für ausspähende Einbrecher sichere Zeichen, dass hier niemand zu Hause ist. Lassen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus durch Freunde, Verwandte, Bekannte oder Nachbarn bewohnt erscheinen und Ihren Briefkasten leeren sowie Rollläden, Vorhänge, Beleuchtung, Radio und Fernseher zu unregelmäßigen Zeiten betätigen. Einfache Maßnahmen, wie z.B. Zeitschaltuhren, können hier auch gute Dienste leisten. > Einbrecher vertrauen auch darauf, dass sich niemand darum kümmert, was im Stiegenhaus oder in der Nachbarwohnung vor sich geht. Aufmerksame Nachbarschaft würde vielen Ganoven das Handwerk legen. > Ziehen Sie Türen nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie diese immer zweifach ab. Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren. Lassen Sie Fenster nicht gekippt - für Einbrecher sind gekippte Fenster wie offene Fenster. > Verstecken Sie Ihren Wohnungs- oder Hausschlüssel nicht unter der Fußmatte. Hier schauen die Einbrecher zuerst nach. > Schließen Sie Leitern, Gartenmöbel, Mistkübel und andere Gegenstände, die sich als Aufstiegshilfen eignen, weg oder sichern Sie diese z. B. mit einer Kette. > Schalten Sie Außensteckdosen ab. > Notieren Sie Gerätenummern in einem Eigentumsverzeichnis und fotografieren Sie die Gegenstände. Für weitere Informationen in Sachen Einbruchsschutz, aber auch zu anderen Themen, stehen die Präventionsbeamten der österreichischen Sicherheitsexekutive zur Verfügung. Die Umsetzung der Tipps im eigenen häuslichen Bereich trägt garantiert zu einem höheren Sicherheitsstandard in unserem Land bei. Kontakt mit einem Präventionsbeamten kann über jede Polizeidienststelle in Österreich aufgenommen werden. Ein Besuch der Präventionsseiten unter www.bmi.gv.at lohnt sich auf jeden Fall. Es werden dort neben Informationen über die verschiedenen Bereiche der Kriminalprävention auch wichtige Kontaktadressen angeboten. Sicherheitsdirektion Vorarlberg 6 Aus dem Rathaus Gemeindebudget 2009 Mit dem größten je beschlossenen Budget im Ausmaß von 23,48 Mio. Euro (Vorjahr 18,44 Mio.) geht die Gemeinde in das Jahr 2009. Dieses Investitionsbudget war nur dank der sparsamen Haushaltsgebarung in den Vorjahren und der Bildung von entsprechenden Rücklagen möglich, die jetzt teilweise aufgelöst werden. Gebühren und Abgaben Trotz äußerst knapper Kalkulationen ist es auch für heuer gelungen, die Steuern und Gebühren im Wesentlichen auf dem Vorjahresstand zu belassen. Bei den Kindergartengebühren wird es aufgrund aktueller Gespräche mit dem Bund möglicherweise noch zu einer Reduktion für 5-Jährige kommen. Die Musikschultarife werden erst in den nächsten Wochen neu kalkuliert, müssen aber sicher aufgrund der Gehaltssteigerungen bei den Lehrpersonen angehoben werden. Schuldenstand Trotz der angespannten Finanzaussichten werden wir rund 200.000,-- Euro Schuldentilgung vornehmen und mit 1,9 Mio. Euro niedrig verzinsten Darlehen die zweitniedrigste Pro-Kopf-Verschuldung im Lande aufweisen. Beiträge an das Land 1.626.000,-1.164.400,-900.000,-148.000,-110.800,-€ € € € € Sozialhilfe-Umlage (Steigerung 15,45 %!) Landesumlage (Steigerung 7,95 %) Spitalbeiträge für Wolfurter Bürger und Bürgerinnen Beitrag zum Landes-Pflegegeld (+ 20 %) Beitrag für Wohnbauförderung (+ 10 %) Die wesentlichsten Aufwendungen Einnahmen werden sinken Die österreichweite Steuerreform für Arbeitnehmer und Betriebe im Ausmaß von 3,2 Mrd. Euro bedeutet auch beträchtliche Mindereinnahmen für die Gemeinde. Da auch die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer, aus den Kapitalertragssteuern und Unternehmenssteuern zurück gehen, muss mit einer deutlichen Reduktion der Einnahmen in diesem Jahr gerechnet werden. Die Botschaft lautet daher, sinnvoll zu sparen, wo dies ohne Qualitätseinbußen möglich ist. 6.550.000,-- € Beiträge an Gemeinde-Immobiliengesellschaft für: Feuerwehrhaus, Sanierung VS Mähdle, Beteiligung Sternen-Hotel, Adaptierung Kindervilla Grundstücks-Ankäufe (gleichzeitig 1,0 Mio. Grundstückverkauf) Fahrrad-Brücke A 14 (durch Förderungen Echtkosten 350.000,-- Euro) Kunstrasenplatz Flotzbach Neubau / Sanierung Kanalnetz Neubau / Sanierung Wassernetz Sanierung Straßen Umbaumaßnahmen L 3 Hofsteig-Ader Direkte Vereinsförderung Finanzreferent Bgm. Erwin Mohr 1.000.000,-- € 690.000,-- € 420.000,-390.000,-305.000,-220.000,-160.000,-316.500,-€ € € € € € Vorinformation zu Vermessungsarbeiten Auch dieses Jahr werden in unserem Gemeindegebiet im Zuge der jährlichen GIS-Nachführung wieder div. Neubauten, Zubauten und Veränderungen bei Gebäuden vermessen. Früher wurden diese Vermessungsarbeiten von den VKW durchgeführt. Auf Wunsch der Vorarlberger Landesregierung werden die Vermessungsarbeiten an Privatunternehmen mittels Ausschreibung vergeben. Voraussichtlich wird im Mai Juni mit den Arbeiten begonnen. Wir bitten die Bevölkerung um Unterstützung und Verständnis, da meistens auf Privatgrund Zutritt gewährt werden muss. Aus dem Rathaus 7 Kostenlose Beratung in Grundstücksund Immobilienangelegenheiten: Richard Richter, der gerichtlich beeidete Ortssachverständige für Immobilien, wird sein Wissen und seine Berufserfahrung den Bürgern und Bürgerinnen kostenlos zu folgenden Beratungsterminen zur Verfügung stellen: Wahltermine 2009 Für das heurige Jahr stehen bereits nachstehende Wahltermine fest: Europawahl: 7. Juni 2009 Landtagswahl: 20. September 2009 Nähere Informationen entnehmen Sie zum gegebenen Zeitpunkt dem Anschlag beim Rathaus oder der Homepage der Marktgemeinde Wolfurt unter www.wolfurt.at Bürgerservice-Leiter Stefan Fischer Rathaus Wolfurt 18:00 - 20:00 Uhr Mittwoch, 8. April 2009 Mittwoch, 27. Mai 2009 Veränderungen im Gewerberegister Eintragungen in das Gewerberegister Mag. Thomas Schelling, Hilfestellung zur Erreichung einer körperlichen bzw. energetischen Ausgewogenheit mittels der Methode von Dr. Bach, Schloßgasse 8; Anna Vladykova, Personenbetreuung, Kesselsiedlung 2; Johann Peter Meusburger, Gastgewerbe „Lorenzo B“, Kellhofstraße 3; Christine Ellinger, Versicherungsvermittlung in der Form Versicherungsagent, KonradDoppelmayr-Straße 17; Paradigma Österreich Energietechnik GmbH & Co. KG, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Heizungstechnik, Holzriedstraße 33; Jacqueline Hörburger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Frühlingstraße 10a; Dagmar Hörburger, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Sonnenstraße 18; Sandra Margarethe Lang, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Lerchenstraße 11; Silvia Kadisch, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Lerchenstraße 4; DCC Doppelmayr Cable Car GmbH & Co, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Holzriedstraße 29; Yakup Gürdap, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Albert-Loacker-Straße 13; Gerhard Presser, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, Achstraße 46; FAIR PLAY Messestand- und Raumdesign GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Werbearchitekt, KonradDoppelmayr-Straße 17; Helena Edelmanova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13; Sandra Bertsch, Betrieb eines Reitstalls, Inselstraße 11; Ningbo CMC Handelsgesellschaft mbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Montfortstraße 86, Martin Ender, Werbeagentur, Bogenstraße 45, Christian Wilburger, Werbeagentur, Bogenstraße 45, Viera Stefanerova, Personenbetreuung, Brühlstraße 13. Gökhan Alkin, Handelsgewerbe, Fattweg 7; Mag. (FH) Simon Nußbaumer, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Weiherstraße 26; Sona Kasanova, Personenbetreuung, Oberfeldgasse 7; Radcult Schedler OEG, Handelsgewerbe, eingeschränkt auf den Handel mit Fahrrädern samt Zubehör, Im Dorf 1a. Löschung eines Geschäftsführers ph-7 Unternehmensberatung OG, Mag. (FH) Simon Nußbaumer wurde als Geschäftsführer gelöscht. Geschäftsführerbestellung DCC Management GmbH, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Geschäftsführer: DI Stephan Wabnegger, Holzriedstraße 29; Josef Köb Holding GmbH, Handelsgewerbe, Geschäftsführer: Günther Köb, Flotzbachstraße 20a. Standortverlegungen Marc Christian Lorünser, Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik; Handelsgewerbe, von Wolfurt Bützestraße 39, nach Wolfurt, Fliederweg 9b; Jaroslava Samuelova, Personenbetreuung, von Lochau nach Wolfurt, Im Wida 18/1; IDEEFIX System- und Softwareentwicklung GmbH, Handelsgewerbe und Dienstleistungen in der automatischen Datenverarbeitung und Informationstechnik, von Lauterach nach Wolfurt, Konrad-Doppelmayr-Straße 17; Karl Sapper, Masseur, von Dornbirn nach Wolfurt, Achstraße 42; Robert Karlinger, Organisation von Events, von Dornbirn nach Wolfurt, Albert-LoackerStraße 53/3; Robert Bischof, Werbeagentur, von Wolfurt, Bucherstraße 29, nach Bregenz; Darina Mrlianova, Personenbetreuung, von Dornbirn nach Wolfurt, Augasse 17; Thomas Andreas Fohn, Baumeistergewerbe, von Wolfurt, Feldeggstraße 10, nach Wolfurt Kirchstraße 20; Michael Fischer, Massage ausgenommen Elektro- und Ultraschallanwendungen, sowie Hydro-, Thermo- und Balneoanwendungen von Dornbirn nach Wolfurt, Schwertgasse 11; Christian Mandlik, Handelsgewerbe, von Wolfurt, Senderstraße 16 nach Wolfurt, Holzriedstraße 33; Angelika Walser, Handelsgewerbe und Handelsagenten, von Wolfurt, Senderstraße 16, nach Wolfurt, Holzriedstraße 33. Änderung des Gewerbewortlautes und eine Standortverlegung Slavica Eric, neu: Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereinigung (Handwerk), ausgenommen der Maschinen- und Anlagenreinigung sowie der Reinigung von Alten- und Pflegeheimen, Krankenhäusern und Rehazentren, von Wolfurt, Gartenstraße 13f, nach Bregenz. Verständigung über den Übergang der Gewerbeberechtigung, eine Standortverlegung und die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte RADCULT GmbH & Co KG, Fahrradtechnik, von Wolfurt, Im Dorf 1a, nach Bregenz. Verständigung über die Errichtung einer weiteren Betriebsstätte RADCULT GmbH & Co KG, Handelsgewerbe, Jahnstraße 11, Bregenz, Standort der weiteren Betriebsstätte: Im Dorf 1a, Wolfurt. Übergang der Gewerbeberechtigung Fenkart Automaten KEG - Neu: Uwe Fenkart, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Bucher Straße 13. Gewerbelöschungen Fredi Jenni, Handelsgewerbe, KonradDoppelmayr-Straße 17; Elfriede Helga Mons, Buchhaltung, Martinsweg 5; Roman Martin Sieber, Gewerbliche Vermögensberatung, Flurstraße 7; Herbert Josef Schramm, Gastgewerbe „Lorenzo B“, Kellhofstraße 3; Firmenwortlautänderung MD Getränke GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Nelkenstraße 8; webtourismus.at gmbH, Werbungsmittler, KonradDoppelmayr-Straße 17; ph-7 OG, Unternehmensberatung einschließlich der Unternehmensorganisation, Weiherstraße 26. Verständigung über eine Änderung des Sitzes AgenT-Com Telekommunikationshandel GmbH, Handelsgewerbe und Handelsagenten, Vermittlung von Verträgen betreffend Benützung von Fernmeldeeinrichtungen (Telekommunikationseinrichtungen) Dritter, Senderstraße 16, Änderung des Sitzes nach 6850 Dornbirn. 8 Aus dem Rathaus Fundamt Fundgegenstände und Fahrräder, welche im 1. Quartal 2009 im Fundamt abgegeben wurden: Kostenlose Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren Die kostenlosen Beratungs-Sprechstunden von Rechtsanwälten und Notaren werden von der Wolfurter Bevölkerung gerne in Anspruch genommen, daher wird dieses Beratungsangebot wie folgt fortgesetzt: Diverse Schlüssel Ebenfalls wurden diverse Fahrräder abgegeben, die während der Amtsstunden beim Gemeindeamt Wolfurt, Fundamt (Tel.Nr.: 05574/6840-10, Fax: 6840-810, E-Mail: melanie.amhof@wolfurt.at) besichtigt und an den rechtmäßigen Besitzer ausgefolgt werden können. Direkte Informationen finden Sie auch im Internet unter www.fundinfo.at Melanie Amhof Sprechstunden Rechtsanwälte von 18:00 - 20:00 Uhrr Mittwoch, 06. Mai 2009, Dr. Claus Brändle Mittwoch, 03. Juni 2009, Dr. Nikolaus Schertler Mittwoch, 01. Juli 2009, Dr. Wolfgang Hirsch Sprechstunden Notar von 18:00 - 19:00 Uhr Mittwoch, 20. Mai 2009, Dr. Kurt Zimmermann Mittwoch, 15. Juli 2009, Dr. E. Michel Die Sprechstunden finden jeweils im Rathaus Wolfurt statt. Notariatsverteilung bei Todesfällen: Zur Abwicklung der Verlassenschaften nach Todesfällen von Familienangehörigen wurden vom Bezirksgericht Bregenz die Notare für folgende Termine nominiert: Dr. Nikolaus Ender Jänner, Juni, 01.11. - 12.11. Dr. Ivo Fussenegger Februar, Juli, 13.11. - 26.11. Dr. Richard Huter März, August, 27.11. - 07.12. Dr. E. Michel April, September, 08.12. - 20.12. Dr. Kurt Zimmermann Mai, Oktober, 21.12. - 31.12. Aktuelle Zahlen aus dem Rathaus Stand: 31. Dezember 2008 2004 Gemeldete Personen (inkl. Zweitwohnsitz) 8.128 73 70 3 49 40 2005 8.192 78 64 14 40 33 2006 8.307 82 73 9 47 43 2007 8.373 92 82 10 54 17 2008 8.378 80 75 5 60 39 Auszahlung Heizkostenzuschuss Marktgemeinde Wolfurt 2004 / 2005 90 Antragsteller à 150,-= Gesamt € 13.500,-- Geburten gesamt davon Österreicher davon Ausländer Sterbefälle gesamt Eheschließungen 2005 / 2006 122 Antragsteller à 176-,= Gesamt € 21.472,-- Verdoppelung der Eheschließungen - Bemerkenswert ist der Anstieg der Eheschließungen von 17 auf 39. Hohe Anzahl Sterbefälle - Seit vielen Jahren mussten wir mit 60 die höchste Zahl an Sterbefällen verzeichnen. 2006 / 2007 139 Antragsteller à 208,-= Gesamt € 28.912,-- Bautätigkeit 2008 Erteilte Baubewilligungen Einfamilienhäuser Mehrfamilienhäuser Betriebsgebäude 2005 23 3 4 2006 30 3 2 2007 22 1 2 2008 23 3 2 2007 / 2008 138 Antragsteller à 208,-= Gesamt € 28.704,-- Zu- und Umbauten: Wohnhäuser Betriebsgebäude Althaussanierungsanträge Sonstige Bauwerke (Schwimmbäder, Schuppen etc.) 30 6 21 36 25 21 28 57 11 11 14 79 30 9 20 44 2008 / 2009 278 Antragsteller à 250,-= Gesamt € 69.500,-Bürgerservice-Leiter Stefan Fischer Aus dem Rathaus 9 8. Rheintalkonferenz: Rheintalgemeinden wollen noch stärker zusammenarbeiten Pflege und Betreuung älterer Menschen Wichtiges Thema der 8. Rheintalkonferenz war die Pflege und Betreuung älterer Menschen. Insgesamt wohnen im Rheintal rund 1.300 Menschen in 25 Pflegeheimen sowie acht Altersheimen und Seniorenwohnungen. Rund 31 Prozent dieser Personen kommen nicht aus der Gemeinde, in der sie nun betreut werden. Weitere 5.700 ältere Menschen greifen in den 29 Rheintalgemeinden auf die Dienste der Hauskrankenpflege, der Mobilen Hilfsdienste (MOHI) und anderer ambulanter Pflegeinstitutionen zurück. Einige dieser Einrichtungen - vor allem in kleineren Gemeinden - arbeiten bereits jetzt gemeindeübergreifend. „Die Zusammenarbeit im Pflege- und Betreuungsbereich soll über räumliche und institutionelle Grenzen hinweg gefördert werden. Denn sie garantiert eine optimale Betreuung und Pflege von älteren Menschen ", bringt der Altacher Bürgermeister und Mitglied des Lenkungsausschusses Vision Rheintal die Diskussion der Rheintalkonferenz auf den Punkt. Land und Gemeinden werden zu diesem Zweck gemeinsam mit den lokalen und regionalen Pflege- und Betreuungseinrichtungen die Ziele der Zusammenarbeit erarbeiten. Vision-Rheintal-Projektleiter Martin Assmann: „Aufbauend darauf werden wir die Kooperationspotenziale definieren." Pilotprojekte in Kleinregionen sollen gleichzeitig konkrete Lösungen erarbeiten. „Eine finanzielle Unterstützung für diese Projekte hat das Land auf der Rheintalkonferenz bereits zugesichert", so Assmann. die Bedeutung stationärer sowie ambulanter Pflege- und Betreuungsinstitutionen. Brändle: „Beide Einichtungen sind für eine optimale Betreuung und Pflege von älteren Menschen notwendig. Die Rheintalkonferenz hat deshalb beschlossen, eine Weiterentwicklung beider Strukturen zu fördern und zu unterstützen." Regionale Betriebsgebiete und Kinderbetreuung Konkretisiert haben die 38 TeilnehmerInnen der Rheintalkonferenz die Handlungsempfehlungen für die Schwerpunktthemen Regionale Betriebsgebiete und Kinderbetreuung. „In den nächsten Wochen wird die Raumplanungsabteilung des Landes, wie auf der letzten Rheintalkonferenz beschlossen, einen Auftrag zur Abschätzung des künftigen Bedarfs an regionalen Betriebsgebieten vergeben", berichtet Landesrat Karlheinz Rüdisser. Mitte März erfolgte eine Ausschreibung für ein Projekt, das mögliche Standorte für neue Betriebsgebiete ermitteln soll. Die Gesetzgebungsabteilung des Landes hat die rechtlichen Möglichkeiten geprüft, die eine bessere Verfügbarkeit von Bauflächen in Betriebsgebieten gewährleisten könnten. Land und Gemeinden werden nun gemeinsam ein Modell für Vorarlberg erarbeiten. Ebenfalls beauftragt hat das Land eine Studie, die bereits funktionierende Gemeindekooperationen in der Kinderbetreuung untersucht. Ziel dieser Analyse ist es, die Faktoren einer erfolgreichen Kooperation herauszufiltern und konkrete Empfehlungen zu erarbeiten. Gemeinde und Institutionen übergreifend „Trotz positiver Beispiele gibt es nach wie vor Faktoren, die eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Institutionen hemmen", berichtet Bürgermeister Brändle. Lösungen sollen deshalb künftig entsprechend dem Kooperationsgedanken gemeinsam erarbeitet werden, beschlossen die Politiker der Rheintalkonferenz. Zusätzlich einigte man sich auf eine vertiefte Analyse der Schnittstellen zwischen ambulanten und stationären Einrichtungen. Untersucht wird weiters, inwieweit Rahmenbedingungen wie Förderungen und Finanzierungsmöglichkeiten die Zusammenarbeit unterstützen. Einig war man sich auf der Rheintalkonferenz über 10 Gemeindepanorama Bezirksredakteur Peter Strauß von Bürgermeistern verabschiedet Der langjährige VN-Bezirksredakteur der Region Bregenz / Bregenzerwald, Peter Strauß, ist mit Ende Jänner dieses Jahres in seinen wohlverdienten Ruhestand getreten. Dies nahmen die Bürgermeister der Region Hofsteig / Rheindelta zwischen Alberschwende und Gaißau zum Anlass, dem engagierten Journalisten und Redakteur für seine nahezu 30jährige Tätigkeit und Berichterstattung in und über diese Regionen den verdienten Dank auszusprechen. Im Rahmen eines gemütlichen Mittagessens wurden die Leistungen und Verdienste von Peter Strauß entsprechend gewürdigt und gleichzeitig auch seiner Gattin Marianne für die zahllosen Termine gedankt, die ihr Gatte mit ihr gemeinsam und auch oft ohne sie in der Region wahrnehmen musste. In freundschaftlicher Verbundenheit wünschten ihm die anwesenden Bürgermeister gute Gesundheit und viel Freude im neuen Lebensabschnitt. hinten v.l.n.r.: Bgm. Elmar Rhomberg, Bgm. Werner Schneider, Bgm. Reinhold Eberle, Bgm. Hugo Rogginer vorne v.l.n.r.: Bgm. Reinhard Dür, Bgm. Hans Bertsch, Bgm. Egon Troy, Bgm. Franz Martin, Bgm. Helmut Leite, Marianne und Peter Strauß, Bgm. Erwin Mohr Einladung zur 21. Vollversammlung der Genossenschaftsjagd Wolfurt Kundmachung: Die Vollversammlung 2009 der Genossenschaftsjagd Wolfurt wird gemäß § 4 der Genossenschaftssatzungen auf Dienstag, 5. Mai 2009, um 19:00 Uhr, im Gasthaus „Adler“einberufen. Tagesordnung 1. Mitteilung 2. Vorlage der Jahresrechnung 2008/2009 und Verwendung des Jagdpachtertrages 3. Bestellung von Rechnungsprüfern 4. Neuwahlen Obmann 5. Sanierung Mösleweg, Zuschuss aus Jagdpachterlösen 6. Genehmigung der Verhandlungsschrift der 20. Vollversammlung vom 8.5.2008 7. Allfälliges Hinweis Ist die Vollversammlung zum festgesetzten Zeitpunkt nicht beschlussfähig, so wird sie nach Ablauf einer halben Stunde bei unveränderter Tagesordnung ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder und der auf die Mitglieder entfallenden Stimmen beschlussfähig. Bürgermeister Erwin Mohr Gemeindepanorama 11 Neues von der Offenen Jugendarbeit Über die Wintermonate hat sich einiges in der Offenen Jugendarbeit Wolfurt getan. In und rund um den Jugendtreff „Cage“ wurden verschiedene Veranstaltungen, Workshops und Projekte geplant und durchgeführt. Im Anschluss ein kurzer Ausschnitt von den wichtigsten Highlights. Hallenfussball in der Volksschule Bütze Jeden zweiten Samstag im Monat erhielten die Jugendlichen die Möglichkeit, ihren geliebten Fußball-Sort in der Sporthalle Bütze auszuüben. Thema, viele verstehen darunter die „Automobilität“. Dass dem nicht so ist, bedarf es einer Auseinandersetzung mit den Jugendlichen. Derzeit entsteht in Wolfurt ein wichtiges Bauwerk zur Hebung der „sanften Mobilität“, die Radbrücke über die L 3. Dies ist Anlass, sich der Thematik zu stellen, wir versuchen es mit einem Kunst-Projekt. Die offene Jugendarbeit stellt sich der Herausforderung und wagt sich an den Bau einer Kunstskulptur nach dem Motto „Kunst am Bau“. Die Skulptur wird im Bereich der neuen Radbrücke aufgestellt. Erfreulich ist die Unterstützung, die der Verein und damit die Jugendlichen durch das Land und die Gemeinde erfahren durften. Kulturgruppe Die Kulturgruppe für Jugendliche über 16 Jahre wurde bereits installiert, und wir können schon gespannt sein, welche Aktionen sie für uns dieses Jahr geplant haben. Projekte Zum Start in den Frühling laufen derzeit zwei verschiedene Kunst–Projekte, dabei werden die Jugendlichen kreativ gefordert. Die Arbeiten werden zur Eröffnung der Radbrücke der breiten Bevölkerung präsentiert. HipHop Body Percussion Am 17.02.09, erfolgte der Startschuss für das HipHop Body Percussion Projekt. Das Projekt ermöglicht den Jugendlichen, sich eigenständig mit der Jugendkultur HipHop zu beschäftigen. Im Rahmen dieses Projektes werden den Jugendlichen die Jugendkultur, sowie musikalische Grundlagen wie Rhythmus näher gebracht. Weiters wird versucht, mit verschiedensten Gegenständen aus dem Alltag und seinem eigenen Körper einen HipHop Song zu kreieren und im Anschluss vor Publikum zu präsentieren. Weiters entstand aus diesem Projekt ein Breakdance Kurs, der jeden Samstag für einen kleinen Selbstkostenbeitrag für interessierte Jugendliche zur Verfügung gestellt wird. Vorschau Frühling / Sommer: > Tag der offenen Tür im Jugendtreff am 2. Mai 2009 > Aufführungen des Jugendtheaters im Juli Günter Sutterlüti (Jugendarbeiter) und Michael Klimmer (Obmann s’Team) Kunst am Bau Zum Bau der neuen Radbrücke, hat sich unser Verein überlegt, dass auch wir etwas dazu beisteuern könnten. Die Idee der Jugendlichen ist es, gemeinsam mit dem Verein ein kleines Kunstwerk ins Leben zu rufen, welches dann bei der neuen Radbrücke aufgestellt wird. Mobilität ist für junge Menschen ein sehr wichtiges 12 Gemeindepanorama Jugendproberaum und Räumlichkeiten für den Kultur- und Freizeitverein a rovermenproduction Ein großer Wunsch aus dem Jugendprojekt „Case my place“ wird umgesetzt. Die Gemeinde hat im Geigerareal Räumlichkeiten angemietet. Einerseits findet dort der Kultur- und Freizeitverein a rovermenproduction endlich eine adäquate Heimstätte, anderseits entsteht ein Proberaum für Wolfurter Jugendliche. Das Erfreuliche ist, dass die Rovermen, unterstützt von den Jugendlichen, die Räumlichkeiten gestalten und ausbauen. Viele Stunden wurden von den jungen Männern bereits investiert. Die Gemeinde stellt die Materialkosten. Auch in Zukunft ist an eine enge Zusammenarbeit der Rovermen mit unseren Jugendlichen gedacht. Die Räumlichkeiten werden in Kürze fertig gestellt sein. Christian Natter, Gemeinderat für Jugend und Sport, Vizebürgermeister Gohscht mit is Museum? Wie wäre es mit einem Frühlings-Radausflug oder Spaziergang mit einem besonderen Ziel? Zwei Vorschläge: Erstens: Spielzeugmuseum Wolfurt Das jährliche Treffen der Kulturverantwortlichen der sieben Hofsteiggemeinden fand heuer im Wolfurter Spielzeugmuseum statt. Auch unsere Gemeinde-Nachbarn waren überrascht und begeistert von der umfangreichen Ausstellung, die mit sehr viel Liebe zum Detail und großem Engagement vom Ehepaar Alge zusammengestellt, gepflegt und ständig erweitert wird. Die momentane Sonderausstellung zum Thema „Ostern“ ist besonders sehenswert - da werden viele Erinnerungen geweckt, vom roten Zuckerhasen bis zum wunderschönen Papp-Ei ist alles zu finden. Ein Besuch lohnt sich! > Fr, Sa, So: 14:00 bis 18:00 Uhr, Eintritt: Erwachsene € 4,--; Kinder von 6 -14 Jahren: € 1,--; Kinder bis 6 Jahre: Freier Eintritt Zweitens: Ausstellung „KUNST IM HOFSTEIG - Raum - Landschaft - Natur“ Ziel der Hofsteig-Zusammentreffen sind der Erfahrungsaustausch untereinander, gegenseitige Infos und das Organisieren gemeinsamer kultureller Projekte (ca. alle 1-2 Jahre). Erstes Ergebnis dieser Kooperation ist eine Ausstellung im Kunsthaus Rohner in Lauterach, zu der alle Hofsteig-Bewohner - Wolfurter, Lauteracher, Harder, Schwarzacher, Kennelbacher, Bucher und Bildsteiner - bei Gratis-Eintritt eingeladen sind. Künstler und Sammler aus allen diesen Gemeinden stellen Leihgaben zur Verfügung, einige schufen sogar eigens für diese Ausstellung ein neues Werk. Im Mittelpunkt steht das Kunstschaffen des 20. Jahrhunderts; die Auswahl der vielfältigen Arbeiten übernahm Alwin Rohner. Über 30 Werke von insgesamt 27 Kunstschaffenden allein zum Thema Landschaft und Ortsbilder sprechen für das enorme Potenzial in den Dörfern des Hofsteigs. > Eröffnung: Freitag, 8. Mai, 18:00 Uhr, Freier Eintritt von 9. bis 31. Mai, jeweils Mittwoch bis Sonntag, Dauer: ½ Jahr (bis Oktober 2009) Angelika Moosbrugger, Gemeinderätin für Schule und Kultur Gemeindepanorama 13 Bushaltestellen: Verschmutzung und Beschädigungen In jüngster Vergangenheit kam es immer öfter zu erheblichen Verschmutzungen unserer Bushaltestellen. Vor kurzem wurden zum wiederholten Mal die Glasscheiben bei einer Halterstelle mutwillig zertrümert. Alleine die Behebung eines solchen Schaden beläuft sich auf ca. € 3.000,--. Die Reparatur ist von der Gemeinde zu bezahlen, also von Ihnen - den Steuerzahlern. Die Marktgemeinde Wolfurt leistet einen wesentlichen Anteil (ca. € 280.000,-- im Jahre 2009) an den qualitativen Verbesserungen der öffentlichen Verkehrsmittel. Beispielsweise die Verlängerung der Nachtfahrten - dass unsere Jugendlichen auch noch um 2:00 Uhr mit dem Bus nach Hause kommen, oder für die Berufspendler die inzwischen einen 10-Minuten-Takt nach Bregenz und Dornbirn in Anspruch nehmen können. Es scheint mir daher mehr wie angemessen, dass WIR alle mit dieser Infrastruktur behutsam umgehen. Ich bitte Sie daher, Personen, die Busse oder Haltestellen verschmutzen oder gar beschädigen, anzusprechen oder bei uns zu melden, damit wir die Verursacher zur Verantwortung ziehen können. Ich bedanke mich für Ihre Mitarbeit! Christian Natter, Umweltgemeinderat und Vizebürgermeister Neuer Traktor für Bauhof Das neue Fahrzeug leistet nicht nur wertvolle Dienste im Zuge der Schneeräumung, sondern ist speziell auch in meinem Ressort bei Maßnahmen und Sanierungen in den Bereichen Wasser, Kanal und öffentliche Gerinne unverzichtbar. Das neue Gerät kostete rund 75.000,-Euro und wurde angeschafft, weil der alte Traktor: > in die Jahre gekommen ist und schon aufwendige Reparaturen durchgeführt werden mussten. > mit diesem neuen, leistungsstarken Traktor die notwendigen Arbeiten wesentlich effizienter durchgeführt werden können. Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne 14 Gemeindepanorama Projekt Hofsteig-Ader: Erste Umsetzungen in Vorbereitung Verkehrszählung im März Beispielspielbild einer Markierungsänderung Die Eröffnung des Achrain-Tunnels hat Berichten zu Folge bereits erste spürbare Verkehrsentlastungen gebracht. Um jedoch auch konkrete Zahlen vorliegen zu haben, hat das Land Vorarlberg eine Vorher/Nachher-Zählung in Auftrag gegeben. Die Vorher-Zählung wurde an 10 Tagen Mitte November 2008 durchgeführt. Die Nachher-Zählung erfolgt im März 2009. Das Ergebnis der Zählungen wird nach Vorliegen des Endberichts veröffentlicht werden. Konkrete Umsetzungen im Jahr 2009 Um die erreichten Verkehrsentlastungen längerfristig abzusichern und Anrainern, Fußgängern und Radfahrern bessere Bedingungen an der „Hauptstraße“ zu bieten, werden nun auch die Umsetzungen aus dem Hofsteig-Ader-Planungsprozess in Angriff genommen: Konkret soll durch die Markierung von Seitenflächen und der Entfernung der Mittelstreifen eine optische Einengung des Straßenraums erreicht werden. Damit wird die neue Funktion der Hofsteig-Ader als Sammel- und Verbindungsstraße unterstrichen. Ebenfalls noch heuer sollen alle Fußwege im Bereich der Hofsteig-Ader neu markiert und mit einer verbesserten Beleuchtung ausgestattet werden. Neugestaltung Einmündung Bildsteiner Straße und Achtraße Planungen für die Neugestaltung der „Tempostrecke“ im Bereich der Einmündung Bildsteiner Straße und dem Abschnitt Achstraße/Fitzkurve laufen derzeit auf Hochtouren. Ziel ist es, die Detailplanung im Zeitraum Mai/Juni den Anrainern vorzustellen. Die Umsetzung könnte dann bereits im Herbst 2009 (Bildsteiner Straße) bzw. Frühjahr 2010 erfolgen. Detailplanung für Dorfzentrum, Cubus und Weberstraße Weiters sollen noch im Frühjahr die Detailplanung für den Bereich Dorfzentrum und die Pläne für den Kreisverkehr Weberstraße in Angriff genommen werden. Ziel ist es, auch den für den Verkehrsfluss wichtigen Kreisverkehr sowie die Gestaltung der Kernzonen Dorfzentrum und Cubus möglichst bald einer konkreten Realisierung zukommen zu lassen. Hans Fetz, Gemeinderat für Mobilität Gemeindepanorama 15 Richtlinien für Schwimmbäder Die Anzahl der privaten Schwimmbäder in Wolfurt hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen. Es mussten aus diesem Grunde entsprechende Richtlinien für die Befüllung bzw. Entleerung der Schwimmbäder erlassen werden. Grundsätzlich ist das Befüllen von Schwimmbädern nur mehr über den Hauswasseranschluss und damit über den Wasserzähler zulässig. Illegale Wasserentnahmen an Hydranten sind verboten! Für die Entleerung der Schwimmbäder und der verunreinigten bzw. mit Chemikalien belasteten Gewässer gelten strenge Vorschriften zum Schutze des Grundwassers. Diese Vorschriften können beim Gemeindeamt (Frau Bettina Hopfner, Tel.: 6840-44) angefordert oder von der Homepage der Gemeinde unter www.wolfurt.at heruntergeladen werden. Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne Grillen - des einen Freud, des anderen Leid! Mit dem Frühlingserwachen fängt auch wieder die lang ersehnte Garten- und damit auch die Grillsaison an. Was gibt es schöneres, als in der freien Natur die selbst gegrillten Köstlichkeiten zu genießen. Und was ein echter Grillprofi ist, der schwört auf seinen Holzkohlengrill. Doch ist des einen Freud möglicherweise auch des anderen Leid. Rauch- und Duftwolken machen leider nicht an der Grundstücksgrenze Halt, und der Nachbar kann den Grillfreuden möglicherweise nicht dasselbe abgewinnen wie der eifrige Grillmeister. Vor allem dann, wenn die Fenster zugerammelt werden müssen, um nicht „geräuchert“ zu werden, oder wenn danach an der frisch gewaschenen Wäsche in Nachbars Garten das komplette Grillmenü erschnuppert werden kann. Gleiches gilt natürlich auch für die stark im Trend liegenden Feuerschalen und Feuerkörbe, die zwar Lagerfeueratmosphäre verbreiten mögen, dem Nachbar aber möglicherweise die Sommerabende vergällen. Deshalb – Grillen und Feuerschalen ja, aber denken Sie auch an Ihre Nachbarn! Die persönliche Freiheit und das individuelle Vergnügen finden auch hier ihre Grenzen am Rücksichtnahmegebot gegenüber den Nachbarn. Empfohlene Rasenmäherzeiten Montag - Freitag: 08:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 19:00 Uhr Samstag: 9:00 - 12:00 Uhr Für alle anderen lärmerzeugenden Maschinen wie Holzsägen, Häcksler etc. sind die selben Zeiten empfohlen. Im Sinne gutnachbarschaftlicher Beziehungen bedanken wir uns für Ihr Verständnis! 16 Umwelt EU-Energiekommissar Andris Piebalgs (Mitte) mit vier österreichischen Bürgermeistern (Bgm. Mohr rechts) bei der Unterzeichnung im EU-Parlament Brüssel EU-Bürgermeisterkonvent, Wolfurt ist dabei Als einzige Gemeinde Vorarlbergs trat Wolfurt dem europaweiten Bürgermeister-Konvent bei, der sich im Rahmen der Europa-Initiative zu den Zielen „20:20:20“ bis 2020 bekannt hat. Das bedeutet, dass Wolfurt bis zu diesem Datum 20 % Energieeinsparung, 20 % mehr erneuerbare Energie und 20 % CO2-Einsparung erreichen muss. Gemeinsam mit Wolfurt haben 370 weitere Städte und Gemeinden, darunter auch z.B. Madrid, Hamburg oder Malmö diese Vereinbarung unterzeichnet. Diese Zielsetzung bedeutet, dass wir neben einer beträchtlichen Umweltentlastung auch eine deutliche EnergieEinsparung und damit Kostenersparnis erreichen werden. Darüber hinaus werden diese Maßnahmen einen wichtigen Beschäftigungsimpuls gerade in der regionalen Wirtschaft geben. Einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele kann die ganze Bevölkerung und vor allem jeder Einzelne leisten. Aktionen wie sanfte Mobilität, energieeffiziente Althaus-Sanierungen, intelligentes Heizungsmanagement, Energiesparlampen für Gebäude- und Straßenbeleuchtung, Einsatz von Photovoltaik und vieles mehr sind möglich. Alljährlich wird es einen großen Informationstag zu diesem Thema in unserer Gemeinde geben. Infostelle - Brachvogel, Kiebitz und Co. Eröffnung der Infostelle und Exkursion am Ostermontag Im Wolfurter Birken gibt es viel zu beobachten. Die Streuwiesen sind Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Hintergrund-Informationen dazu bietet die neue Infostelle, die im Interreg-Projekt „Feuchtgrünland und Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein und Donau“ erstellt wurde. Am Ostermontag sind alle Interessierten zur Eröffnung eingeladen. Im Anschluss führen Sie erfahrene Vogelkundler durch das Wolfurter und Lauteracher Ried. Mit etwas Glück sehen Sie neben Brachvögeln und Kiebitzen auch eine Bekassine. Denn diese Riede sind Teil des wichtigsten Wiesenbrütergebiets im Bodenseeraum. Treffpunkt: 9:00 Uhr Senderstraße bei der Autobahnunterführung Wolfurt Exkursionsleitung: Alwin Schönenberger, Dipl. Biol. Anne Puchta u. Mag. Jürgen Ulmer Veranstalter: Naturschutzbund Vorarlberg und Marktgemeinde Wolfurt Christian Natter, Umweltgemeinderat und Vizebürgermeister Umwelt 17 Energiesparlampen: 1/5 Stromverbrauch bei 10-facher Lebensdauer Die Zeiten des verschwenderischen Umgangs mit Energie sind vorbei. Neben Elektrogeräten ist die Beleuchtung ein weiterer Faktor, der die Stromrechnung in die Höhe treibt. Durch den Einsatz von Energiesparlampen kann der Stromverbrauch erheblich gesenkt werden. Energiesparlampen eignen sich hervorragend für dauerhafte Beleuchtung. Gleiche Leuchtkraft, wesentlich weniger Strom: So können z.B. 35 W Glühlampen durch 7 W Energiesparlampen, 40 W durch 9 W oder auch 60 W durch 11 W Energiesparlampen ersetzt werden. Hohe Lebensdauer: Während eine normale Glühbirne eine Lebensdauer von ca. 1.000 Stunden hat, kann eine Energiesparlampe im Mittel 10.000 Stunden aufweisen. Ihr Vorteil: 1/5 Stromverbrauch bei 10-facher Lebensdauer! Wenn das kein Grund zum Umsteigen ist! Der Testkoffer: Daher hat das e5-Team einen Energiesparlampen-Testkoffer zusammengestellt, in welchem sich 23 verschiedene Energiesparlampen befinden. Da es oft schwierig ist, die passende Energiesparlampe für den speziellen Einsatzbereich zu finden, kann dieser Koffer ausgeliehen und die darin befindlichen Lampen getestet werden. Ist die passende Energiesparlampe gefunden, so kann diese, mit der sich im Koffer befindlichen Lampenbeschreibung, beim Elektrofachgeschäft besorgt werden. Nach ca. 2 Tagen sollte der Koffer wieder zurückgebracht werden. Ausleihstelle: Rathaus Wolfurt, Burkhard Hinteregger, Tel. 05574 / 6840-17, Kaution: € 20,-- Übrigens: Im Flur, Treppenhaus, Garten- und Hauseingang, auf Zufahrt und Gartenwegen wird Licht oft nur zur Orientierung benötigt. Daher sollten Sie in diesen Bereichen Lampen benutzen, die direkt mit voller Lichtleistung leuchten. Wenn Sie in diesen Bereichen die Beleuchtung mit Bewegungsmeldern steuern, reduzieren Sie den Energieverbrauch ebenfalls. Das e5-Team freut sich auf rege Ausleihfrequenz! Robert Hasler, e5-Teamleiter 18 Umwelt LANDRAD - neue Mobilität für den Alltagsverkehr in Vorarlberg Mehr als 2/3 aller Wege, die wir VorarlbergerInnen an einem Werktag mit dem PKW zurücklegen, sind kürzer als 10 km. Immer noch 43 % aller Wege sind sogar kürzer als 5 km. Da sollte es doch kostengünstigere, gesündere und umweltfreundlichere Alternativen für solche Strecken geben. Das Fahrrad ist in Vorarlberg bereits heute eine der wichtigsten Alternativen. Ungefähr 14 % aller Wege an einem Werktag werden in Vorarlberg mit dem Fahrrad zurückgelegt. Die Zahlen für den PKW auf Kurzstrecken versprechen da aber noch einiges an Potential. Gründe, die immer wieder gegen das Fahrrad ins Treffen geführt werden, sind vor allem das Problem, dass niemand verschwitzt ins Büro oder in eine Sitzung kommen kann, die vielen kleineren und größeren Steigungen, die es mit dem Fahrrad in Vorarlberg zu überwinden gilt und teilweise noch immer fehlende Radwege und ungünstige Routenführungen. Eine nicht mehr neue, aber in Vorarlberg noch wenig bekannte Technik ist das Pedelec. Ein Fahrrad, das über eine Batterie und einen in der Nabe integrierten Elektroantrieb verfügt. Dieser wird nicht über einen Gashebel gesteuert, sondern rein durch das eigene Treten. Je stärker in die Pedale getreten wird, desto mehr unterstützt der Motor. Geräuschlos, sauber und mit enorm geringem Energieverbrauch. Damit können Steigungen aber auch weitere Strecken mühelos auch mit einem Fahrrad überwunden werden. Und vor allem erlebt man Fahrfreude, ohne auf den positiven Effekt der Bewegung an der frischen Luft verzichten zu müssen. Um herauszufinden, in welchem Ausmaß solche elektrisch unterstützten Fahrräder in Vorarlberg PKW-Wege ersetzen können, hat das gemeinnützige Institut Kairos Wirkungsforschung & Entwicklung gemeinsam mit Land Vorarlberg und Energieinstitut das Projekt LANDRAD gestartet. Zwischen Mai und Juli werden in Vorarlberg 500 hochwertige, elektrisch unterstützte Fahrräder zu einem attraktiven Preis verkauft. Im Gegenzug stellen die LANDRAD-KäuferInnen Daten ihrer Fahrradsteuerung quartalsweise ein Jahr lang für dieses Forschungsprojekt zur Verfügung. Bereits jetzt können die LANDRÄDER reserviert werden. Bei ausgesuchten Fahrrad Fachhändlern liegen Informationen und Teilnahmeformulare auf, mit denen man sich „sein“ LANDRAD sichern kann. Die Händlerliste findet sich im Internet unter www.landrad.at. Persönlich getestet werden konnte das LANDRAD bereits bei der Radbrückeneröffnung am 4. April 2009, an der Ach. Die Kosten für ein LANDRAD, das im oberen Qualitätssegment liegt, belaufen sich auf EUR 1.250,--. Dieser Preis gilt für Privatpersonen bereits inkl. MWSt., für Institutionen und Firmen als Nettopreis. Weitere Informationen: Martin Strele, Kairos - Wirkungsforschung & Entwicklung gGmbH Anton Walser-Gasse 4, 6900 Bregenz, Tel.: 05574 58445, Fax: 05574 52607 E-Mail: ms@kairos.or.at, Internet: www.kairos.or.at Alle Daten aus: Verkehrskonzept Vorarlberg, 2006 Hans Fetz, Gemeinderat für Mobilität Umwelt 19 Sanierung von Hauptwasserleitungen Die Erstellung des flächendeckenden Wasserleitungsnetzes erfolgte in der Marktgemeinde Wolfurt ab dem Jahre 1953. Speziell in den 70er und 80er Jahren wurden überwiegend Ferroguß-Leitungen für die Trinkwasserversorgung verbaut. Korrodierte Hauptleitungen Bei einigen dieser Hauptleitungen mussten jedoch nach weniger als 15 Betriebsjahren teilweise massive Korrosionsangriffe an den Werkstoffen festgestellt werden. Die Folge waren unzählige punktuelle Rohrsanierungen aufgrund von Rohrbrüchen. Fazit war, dass die zu erwartende Lebensdauer des eingesetzten Rohrmaterials nicht annähernd erreicht werden konnte und damit bei diesen Rohrstrecken aufgrund der kurzen Lebensdauer ein Vollaustausch der Leitungen unausweichlich wurde. Von diesem Schadensumfang sind die Haupttransportleitungen zum Güterbahnhof Wolfurt, zum Hochbehälter Frickenesch sowie Transportleitungen ins Gewerbegebiet, in der Achstraße und in der Dornbirner Straße betroffen. Der Vollaustausch dieser Leitungen bedeutet jedoch einen hohen Kostenaufwand für die Gemeinde, den man nicht gewillt war, alleine zu tragen. Verhandlung mit Herstellerfirma Da die uns seinerzeit vom Hersteller zugesagte Lebensdauer für die verbauten Trinkwasserrohre nicht annähernd erreicht werden konnte, machte die Marktgemeinde Wolfurt einen verdeckten Mangel bei der Herstellerfirma geltend. In zähen, 2 ½ Jahren dauernden Verhandlungen konnte im Jahr 2008 schlussendlich mit der damaligen Erzeugerfirma ein Kompromiss ausgearbeitet werden. Planungen, Beginn der Sanierungen Im Jahre 2008 wurde das Trinkwassernetz einer Netzanalyse unterzogen, damit geänderte Netzverhältnisse in die Sanierung mit einbezogen werden können. Darauf aufbauend wurde vom Planungsbüro ein „Generelles Sanierungsprojekt“ erstellt, weil dieses große Sanierungsvorhaben nur über mehrere Jahre und in Etappen umgesetzt werden kann. Für dieses Jahr ist geplant, dass die Haupttransportleitung vom Grundwasserpumpwerk bis zum Güterbahnhof erneuert werden soll. Leitungsaustausch beim Fußballplatz Flotzbach Gemäß Planunterlagen hätte die Sanierung, ausgehend vom Grundwasserpumpwerk beginnen sollen. Da jedoch ein Teil der Leitung unter dem Fußballplatz Flotzbach liegt, sah man sich gezwungen, diesen Teil der Sanierung vorzuziehen, da seit Herbst 2008 an der Errichtung des neuen Kunstrasenplatzes gearbeitet wurde. Um einem ev. Schadensfall am neuen Kunstrasenplatz durch die alte Leitung vorzubeugen, wurde auf einer Länge von ca. 250 m die TrinkwasserLeitung in einer neuen Trasse umgelegt und die alte Leitung außer Betrieb gesetzt! Peter Grebenz, Gemeinderat für Wasser, Kanal und offene Gerinne 20 Umwelt Traumhaus Althaus Sanieren: Jetzt so attraktiv wie noch nie! Mit Jahreswechsel hat das Land Vorarlberg die Förderung energetischer Gebäudesanierungen massiv erhöht. Das bedeutet: Mehr Geld für Sanierungen, zinsfreie Darlehen und geförderte Sanierungsberatung für alle Gebäude, die älter als 20 Jahre sind. Das sind gute Gründe, jetzt zu sanieren. Wie schaut das im Detail aus? Wie hoch sind die Förderungen? Was kostet es, ein Haus energetisch zu sanieren? Und wo und wie fange ich überhaupt an? Um kompetente Antworten auf diese Fragen geben zu können, organisieren das e5-Energieteam und die Wirtschaft Wolfurt einen Informationsabend. Sanierungsberater, Experten des Energieinstitut Vorarlberg und der Wohnbauförderstelle des Landes informieren Sie anhand praktischer Beispiele über Möglichkeiten, Kosten und Einsparpotentiale von Sanierungen. Und natürlich über die neue Sanierungsförderung des Landes. Traumhaus Althaus - jetzt sanieren! am Dienstag, 7. April 2009 um 19:30 Uhr im Vereinshaus Der Informationsabend „Traumhaus Althaus - jetzt sanieren!“ ist eine Veranstaltung der e5-Gemeinde Wolfurt mit dem Energieinstitut Vorarlberg. Der Eintritt ist frei. Was ist e5? Wolfurt beteiligt sich seit 1998 am e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden Ziel des e5-Programms ist es, den sparsamen und effizienten Einsatz von Energie und die Nutzung von erneuerbaren Energieträgen zu fördern. Christian Natter, Gemeinderat für Umwelt und Vizebürgermeister Umwelt 21 Neue Epoche für das Bustechnik Service-Center 20 Jahre Betriebsstandort in Wolfurt Neueröffnung Bustechnik Service-Center Der Grundstein für den neuen Standort der Buswerkstatt wurde 1986 - 1989 durch die ÖBB in der Senderstraße 20 in Wolfurt gelegt. Im Juni 1989 übersiedelte der Kraftwagendienst (KWD) mit seinen Mitarbeitern vom Betriebsstandort Bregenz Hafen nach Wolfurt und feierte im Oktober die Eröffnung des neuen Betriebsgeländes. Der günstig gelegene Platz in Wolfurt führte zur Integration mit dem Postautodienst Dornbirn im Jahre 2004. Die Werkstätte OSC, die sich weiterhin in Dornbirn befand, wurde 2007 aufgelöst und die gesamte Belegschaft übersiedelte in das Werkstattgebäude der ÖBBPostbus GmbH. Mit der Kooperation von EVO-Bus können zusätzliche Reparaturen der Marken Mercedes und Setra (Omnibusse) gewährleistet werden. 25 Werkstättenmitarbeiter, davon 4 KFZTechniker-Lehrlinge, sind jeden Tag bestrebt, den Fuhrpark der ÖBB-Postbus GmbH sowie den Fuhrpark der Kunden nach den hohen Qualitätsanforderungen zu servicieren, warten und zu reparieren. Es ist ein Ereignis fürs Jahr 2009, denn die Werkstätte Bustechnik ServiceCenter der ÖBB-Postbus GmbH feierte am 27.03.2009 nicht nur den 20-jährigen Betriebsstandort in Wolfurt, sondern auch die Neueröffnung des neuen, vergrößerten Gebäudes „Bustechnik Service Center“. Helmut Hopfner Leiter Bustechnik Service-Center, Fuhrparkmanager 2008 - Eine Wende für die Buswerkstatt in Wolfurt Neue technologische Innovationen, höhere Anfragen, neue Vertragsabschlüsse und Kooperationen führten dazu, eine Erweiterung des Werkstättengebäudes zu realisieren. Der Zubau, der mit dem Spatenstich am 17. März 2008 seinen Beginn nahm, sichert einerseits die bisherige Qualität der Erhaltung und Reparatur des internen Fuhrparks, als auch den weiteren Ausbau im Rahmen des Vertrages mit EVO-Bus als Vertragswerkstätte. 22 Wirtschaft Immobilien - Krise oder Chance? Welche Risiken eine Geldanlage in verschiedene Finanzprodukte bergen kann, wird uns allen derzeit gerade sehr eindringlich vor Augen geführt. Viele spekulative Geldveranlagungen weisen aktuell sehr starke Kursrückgänge auf. Ein Ende der Talfahrt ist noch gar nicht absehbar. Für viele betroffene Kleinanleger ist dies mit enormen Vermögensverlusten und in Extremfällen sogar mit Einschränkungen in vielen Bereichen des Lebens verbunden. Und trotz allem, es gibt eine gute Nachricht! Vorarlberg ist ganz sicher eine Region mit hoher Lebensqualität und großer Wirtschaftskraft. Das derzeit verhaltene Kaufinteresse auf dem Immobilienmarkt ist für mich daher höchstens eine „Krise“ auf hohem Niveau, denn eines gilt nach wie vor: Der Kauf einer Eigentumswohnung als Geldanlage oder auch als Vorsorgeinvestition, z.B. als Alterswohnsitz oder für Kinder / Enkelkinder ist aus heutiger Sicht eine perfekte Alternative zu den spekulativen Börsengeschäften. Renditen von 4 % bis 6 % (nach Steuern) auf das eingesetzte Eigenkapital sind bei entsprechenden „Qualitätsimmobilien“ sicher erzielbar. Um einen langfristigen Werterhalt zu sichern, müssen beim Ankauf einer Wohnung aber mehrere Qualitätsaspekte beachtet werden: Standort Die Region Hofsteig bietet hervorragende Wohnstandorte mit enormen Qualitäten derzeit ganz sicher die Region mit der stärksten Nachfrage in Vorarlberg. Kleinwohnanlage Eine überschaubare Größe der Wohnanlage mit einem „gesunden“ Bewohner-Mix von Eigentümern und Mietern bietet wesentliche Vorteile bezüglich Wohnqualität. Barrierefreiheit Für einen Alterswohnsitz eine unabdingbare Voraussetzung ist jedenfalls die barrierefreie Erschließung der Wohnung mit einem Personenlift. Energieoptimierte Haustechnik Es gibt am Markt bereits sehr gute Konzepte, die sowohl Behaglichkeit als auch sehr niedrige Energiekosten für Heizung, Warmwasser und Kühlung bieten. Bauweise Zu bevorzugen ist aus meiner Sicht die traditionelle Massivbauweise (auch bei den Innenwänden) mit sehr vielen Vorteilen für die Bewohner. Ein gewichtiges Argument für den Ankauf einer Wohnung ist das derzeit historisch niedrige Zinsniveau, das angeblich noch weiter fallen soll. Bei entsprechender Bonität sind somit sehr günstige Finanzierungen möglich. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Mietwohnungen sehr stark an, wodurch ein Vermietungsrisiko kaum mehr gegeben ist. Nach Abwägung aller Argumente muss man einfach zum Schluss kommen, dass der ideale Zeitpunkt für eine solide und sichere Immobilieninvestition gekommen ist, denn Vorsorgewohnungen sind für die aktuelle Marktsituation geradezu maßgeschneidert! Jochen Klimmer, Immobilien-Experte Wirtschaft 23 Kleinwohnanlage „Glockengasse“ Im Ortszentrum von Wolfurt errichtet die Firma ATRIUM® die Kleinwohnanlage „Glockengasse“. Wohnkomfort: Die attraktiven 2-, 3-, 4- und 5-Zimmer-Wohnungen sind nach Süden ausgerichteten und verfügen über große Sonnenterrassen bzw. Privatgärten. Die großzügig verglasten Wohnungen sind hell und freundlich. Jede Wohnung verfügt über einen Tiefgaragenplatz sowie einen großzügigen, nicht einsehbaren Keller. Selbstverständlich werden sämtliche Wohnungen barrierefrei ausgeführt und sind bequem mit dem Lift erreichbar. Wohlfühlen: Durch die optimale Wärmedämmung und die 3-ScheibenWärmeschutzverglasung erreichen wir ausgezeichnete Dämmwerte, die für niedrige Heizkosten sorgen. Die höheren Oberflächentemperaturen sowie die angenehme Strahlungswärme der Fußbodenheizung sorgen für spürbar mehr Behaglichkeit. Die Solaranlage unterstützt die umweltfreundliche und betriebskostengünstige Biomasseheizung bei der Aufbereitung des Warmwassers. Geld sparen: Die Ausführung als Niedrigenergiehaus sorgt für niedrigere Heizkosten und hilft Ihnen in Kombination mit dem ATRIUM®-BetriebskostenOptimierungs-Service bares Geld zu sparen. Mehrwert-Paket: Mit über 50 Mehrwert-Leistungen haben wir ein Paket für Sie geschnürt, das Ihre Investition zur echten Wert-Anlage macht. Unsere außergewöhnlichen Leistungen betreffend Bauqualität, Ausstattung, Betriebskosten, Finanzierung sowie individueller und persönlicher Betreuung überreichen wir Ihnen in Form von über 50 handfesten "Mehrwert-Schecks". Fordern Sie damit die Qualität ein, auf die Sie mit dem Erwerb einer ATRIUM®Immobilie nachhaltig Anspruch haben. Mehr Förderung - Öko-II: Sie erhalten die maximale Wohnbau- und Öko-IIFörderung des Landes, das sind € 1.020,--/m². In dieser einzigartigen Kleinwohnanlage ist noch eine 5-Zimmer-Terrassenwohnung verfügbar. Detaillierte Informationen über diese attraktive Kleinwohnanlage erhalten Sie von Herrn Wolfgang Lang. Ein Anruf lohnt sich! Tel.: 05574-844 44, www.atrium.at. 24 Neues vom Wolfurter Wochenmarkt Mit dem Frühling tut sich auch einiges auf dem Wolfurter Markt. Ilse Hämmerle, unsere bisherige Gemüse-Marktfahrerin und Marktsprecherin, geht in den wohlverdienten Ruhestand. Wir konnten einen hervorragenden Nachfolger mit Gemüse und Obsthandel auf dem Wolfurter Markt organisieren. Obst und Gemüsehandel Natterer aus Tettnang garantiert ein noch vielfältigeres Angebot und bietet außer Gemüse und Obst auch noch Südfrüchte an. - Wir wünschen Familie Natterer auf diesem Wege viel Erfolg auf unserem Markt. Weiters konnten wir zudem einen weiteren Marktfahrer mit Weich- und Streichkäse sowie Aufstrichspezialitäten engagieren. Herr Stankovic freut sich auf viele Kunden. Zudem werden die Marktzeiten in den Monaten April bis Oktober um eine Stunde auf 18:00 Uhr ausgeweitet. In dieser Zeit findet der


Wolfurt 2008 04 Winter
Don, 10. März 2011 |



Wolfurt 2008 03 Herbst
Don, 10. März 2011 |



Heimat Wolfurt Heft 30 2007 März
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 30 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 2007 Bild 1: Die Feuerwehrfahne von 1907. GOTT ZUR EHR; DEM NÄCHSTEN ZUR WEHR Inhalt: 153. Unsere Feuerwehr 154. Brände in Wolfurt 155. Die Fatt 156. Zoll zahlen 157. Zeitstreifen II 158. Hafoloab Bildnachweis Mohr Hubert 9, 10, 24, 25, 28 Heim Siegfried 2, 29, 32 Sammlung Heim 20, 22, 30, 31 Alle anderen aus dem Archiv der Feuerwehr. Zuschriften und Ergänzungen Konto Das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) wird nach Abschluß des Versandes gelöscht, der Saldo an die Gemeinde abgeführt. Danke für alle bisherigen Zuwendungen! Dank Mit diesem 30. Heft schließe ich die Reihe „Heimat Wolfurt" ab. Ich habe dafür in den letzten Jahren viel Anerkennung erhalten. Daß ich als alter Lehrer noch manch Wissenswertes über unser schönes Dorf in die Wolfurter Stuben tragen durfte, mächt mich glücklich. Ich danke der Gemeinde und an ihrer Spitze vor allem dem Bürgermeister Erwin Mohr für alle Unterstützung und für die finanziellen Zuwendungen, die den Druck ermöglichten. Ein Dankeschön den Lesern für die vielen kleinen und großen Spenden, die einen wesentlichen Beitrag erbrachten. Mein Dank gilt auch den verläßlichen Setzern und Druckern, Erik Reinhard und den Firmen Mayr und Lohs. Nicht vergessen möchte ich meine Frau Friedel, die in all den Jahren die Adressen klebte und viele Anrufe entgegen nahm. Ich hoffe zuversichtlich, daß sich Nachfolger finden, die meine Sammlungen im Gemeinde-Archiv sichten und erweitern und uns noch viel Interessantes über unsere Heimat Wolfurt erzählen! Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 30) in beschränkter Anzahl zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Dazu gibt es auch ein Inhaltsverzeichnis und - ganz neu - ein alphabetisches Stichwort-Register. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Spende. Die Staufer (Heft 29, S. 5) Dieser Artikel verlangt nach kritische Auseinandersetzung mit dem Thema. AltBürgermeister Hubert Waibel hat das getan und mir viel Wissenswertes zugeschickt. Seit 1423 ist Nürnberg „auf ewige Zeit" als Aufbewahrungsort für die Kaiserkrone bestimmt. Seither mußte sie aber mehrmals vor dem Zugriff feindlicher Heere außer Landes gebracht werden und kam schließlich in die Schatzkammer nach Wien, „bis es wieder einen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gibt". Aus der Inschrift „PER ME REGES REGNANT" leitete man im Mittelalter ab, daß nur der Inhaber der Krone als Kaiser des Reiches legitimiert sei. Daher strebten die Konkurrenten mit allen Mitteln nach ihrem Besitz. Von Friedrich Barbarossa und seinem Sohn Heinrich VI. weiß man, daß sie die Krone auf ihrer starken Stauferburg Trifels bei Annweiler in der Pfalz aufbewahrten. Friedrich IL aber, ständig in Kriege verwickelt und meist in Italien abwesend, wählte nach seiner Krönung im Jahre 1220 die Waldburg bei Ravensburg als geheimes Versteck, wo die ReichsInsignien von treuen Weißenauer Mönchen behütet wurden. Dafür wurden diese denn auch mit den wertvollen Bregenzer Gütern und dem Kellhof Wolfurt belohnt. Nach dem Interregnum wurde Rudolf von Habsburg zwar 1273 in Aachen zum König gekrönt, die Kaiserkrönung in Rom verhinderte aber der plötzliche Tod des Papstes. Da nahm Rudolf die für ihn so wichtige Krone, die man damals noch symbolträchtig als „das riche" bezeichnete, mit auf seine Kyburg in der Schweiz. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bild 2: Aussichtspunkt Buggenstein. Am Fernrohr Adolf Heim. Siegfried Heim Feuersnot und Feuerwehr Feuer ist ein ganz großer Segen für uns Menschen. Es macht unser Leben erst lebenswert. Aber das gleiche Feuer, das die Menschen in der Winterkälte gewärmt und ihr Essen genießbar gemacht hat, das hat oft auch ihre Holzhäuser und das Leben von Menschen und Tieren bedroht und schweres Leid ausgelöst. Mit allerlei Geräten und Vorrichtungen versuchen wir Menschen daher, diese Gefahr abzuwenden. Der Einsatz der Nachbarn und der ganzen Dorfgemeinschaft half schon in alter Zeit mit, Schadensfeuer zu löschen oder wenigstens deren Ausbreitung zu verhindern. Das führte schließlich zur Gründung von vereinsmäßig organisierten Feuerwehren: 1859 in Feldkirch 1861 in Bregenz 1866 in Dornbirn 1877 in Hard 1878 in Schwarzach Am 18. Februar 1888 beschloß der Landtag ein Feuerwehrgesetz. Das war der Auslöser für weitere Vereinsgründungen: 1889 in Wolfurt 1891 in Lauterach. Der Buggenstein (Heft 29, S. 37) In Langen hat Adolf Heim diesen Beitrag besonders sorgfältig studiert. Ihm fiel die genannte „44 Meter hohe Wölbung" des Bodensees auf. Mit einer selbst entwickelten mathematischen Formel ergänzt und korrigiert der erfahrene Segel-Kapitän diese Feststellung. Die Wölbung zwischen Bregenz und dem 46 km entfernten Konstanz beträgt nur 42 m und bis zur Mainau fast gleich viel. Vom Buggenstein aus sind es allerdings bei 49 km Distanz bereits fast 48 m Höhe. Die größte Längserstreckung des Sees von der Bregenzer Pipeline bis zum Westpunkt bei Ludwigshafen ergibt bei 63 km Luftlinie sogar einen Buckel von 78 m! Wir wollten über diesen Buckel drüber schauen. Klarer noch als Föhntage sind sonnige Wintertage. Am 2. November, in der Mittags-Sonne nach dem ersten Nachtfrost, stellte Adolf auf dem Buggenstein sein großes Fernrohr auf. Bei 480 m ü.M steht die Linse 85 m über dem Wasserspiegel des Sees. Man muß also Konstanz sehen. Tatsächlich! Wir sehen nicht nur das große Fährschiff, das gerade Romanshorn ansteuert, sondern dahinter auch deutlich das Konstanzer Münster und natürlich auch den Hohentwiel. Rechts vom Münster erkennen wir die Universität und auf dem Bodanrück den hellen Wasserturm. Jetzt tastet sich unser Auge zum Überlinger See. Den deckt aber das vorspringende Steilufer von Meersburg fast völlig zu. Im Eingang müßte die Mainau liegen. Ihre Bäume lassen sich vom Bodanwald dahinter nicht unterscheiden. So können wir auch das auf 426 m stehende Schloß Mainau nicht eindeutig erkennen. Um so deutlicher sehen wir die Schlösser von Meersburg und von Kirchberg am rechten Seeufer. Aber die Segelboote und auch die großen Fährschiffe vor der Mainau bleiben unserem Auge immer noch hinter der Kimm des See-Buckels verborgen. Für sie ist er noch zu wenig hoch, unser Buggenstein! 4 Das Löschwesen vor der Vereinsgründung Die offizielle Gründung hat eine lange Vorgeschichte. Schon lange vor 1889 organisierte die Gemeinde ihr Feuerlöschwesen immer wieder neu. Von der Feuergefahr am offenen Herd berichtet schon ein Hofsteiger VerhörProtokoll von 1706: „.... das werckh in den Öfen zue döeren thue mann niemahlen verbieten, daraus doch so grosse gefahr entstehe .... " (Nach Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III. S. 520). Demnach hatte der Ammann das Dörren von Werg, von Flachs für die Leinenweber, wieder nicht rechtzeitig verboten. Zum Löschen brauchte man das Wasser aus den Dorfbächen und aus der Ach, das bis ins 19. Jahrhundert meist nur in ledernen Kübeln zu den Brandplätzen geschleppt werden konnte. Die wichtigsten Dorfbäche waren der Tobelbach im Kirchdorf, der Holzerbach für Unterlinden und Strohdorf, der Eulentobelbach an der Hub und der Rickenbach. Im Kirchdorf gab es zwar schon seit 1517 einen Brunnen, aber für Löschwasser reichten auch alle die vielen anderen Brunnen, die ihm nachfolgten, meist nicht aus. Daher wurde Löschwasser in eigenen Feuer-Weihern bereit gehalten. 5 Ein Nachtwächter schaute nach unbeaufsichtigten Feuerstellen aus. Über die Pflichten der „ Wacht" wissen wir aus einem Anstellungsprotokoll vom Jahre 1818: Die Wacht „.... habe alle Nächte am Werktag um 11 Uhr, an Sontag und Feierabend aber um 10 Uhr, dan alle stund aus Rufen bis Morgens 4 Uhr; Welche fleißig auf das feur obacht zu geben hat, wie auch alle Rauferejen und Spatte schwermungen, abhalten, auch auf die übertrettung der Polizeje stunden ob acht zu geben hat...." Der Wächter war also gleichzeitig Dorf-Polizist, der Junge und Alte rechtzeitig nach Hause schicken mußte. Um das Jahr 1800 gab es schon tragbare mechanische Spritzen, von denen die Gemeinde Wolfurt zwei Stück anschaffte. 1834 richtete das Landgericht in Bregenz eine Aufforderung an die Gemeindevertretung, eine fahrbare Feuerspritze anzuschaffen. Sie hätte etwa 400 Gulden gekostet. Weil die Gemeinde aber wegen des gerade erfolgten Kirchen-Neubaus in tiefen Schulden steckte, lehnte sie ab. Eine weitere Aufforderung von 1835 sah jetzt eine Spritze für 700 Gulden vor. Zu teuer! Jetzt wurde der gerade aus der Schweiz nach Wolfurt zugezogene Mechaniker Carl Zuppinger beauftragt, eine solche „Fahr-Spritze" anzufertigen. Nach Überprüfung seines Werkes durch das Kreisamt bezahlte die Gemeinde den stolzen Preis von 750 Gulden. Noch im gleichen Jahr erließ die Gemeinde eine umfangreiche „Feuerordnung", die den Einsatz aller Feuerwehr-Gerätschaften genau regelte. Der Entwurf dazu ist im Gemeindearchiv erhalten geblieben. Das Vierblatt-Papier, auf welchem sechs Seiten eng beschrieben sind, ist heute ein wertvolles Zeitdokument. Es soll daher nachfolgend vollständig abgedruckt und kommentiert werden. Feuerordnung 1838 Ein jeder Dorfmeister hat in hiesiger Gemeinde, nebst der Vorstehung u. Gemeinds Ausschüßen, wenn ein Feuer ausbrechen sollte, die schleunigsten Anordnungen helfen und treffen, und das möglichste mittzuwirken. (Dorfmeister waren gewählte Verantwortliche für die einzelnen Teile der Gemeinde, die aber dem Vorsteher unterstanden. Ausschüße nannte man die Gemeindevertreter.) Zu der Fahrfeuerspritze wird voraus der Gemeinds Aussschuß Martin Schertler bestimmt; u. als Beihülf wird Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid; welche bei ausbrechenden Bränden wie auch in Zwischen Zeiten, besondere Vorsichtsregeln zu beobachten haben, sollte allenfalls im Orte ein Brand ausbrechen, so sollen dieselbe mit Beihülfe, die Spritze von Hand auf den Brandplatz befördern. (Die Verantwortung für die kostbare Spritze vertraute man also neben einigen ört6 lichen Schlossern dem angesehenen Ziegel-Fabrikanten und früheren Vorsteher Martin Schertler aus Unterlinden an, der den Kirchenbau geleitet hatte. Auch die anderen wohnten nahe beim zur Unterbringung der Spritze bestimmten alten Schulhaus. Johann Böhler hatte seine Werkstätte neben dem Unterlinden-Brunnen, Zuppinger ein paar Schritte weiter oben in Draiars Hammerschmiede und Andreas Bildstein im Strohdorf. Seine Schmiede wurde später zu Molars Lädele umgebaut.) Zu der Tragspritze welche dem Lorenz Dür Schmid im Röhle zu Handen genommen werden solle, hat dieselbe in der hiesigen Gemeinde oder benachbarten Ortschaften mit seinen Gehülfen Fr. Jos. Dür, Jos. Ant. Schertler, Gebhard Klocker, Benedikt Dür, Gebhard Geiger, Martin Haltmayer, und Mathias Haltmayer, zu besorgen. (Die erste von den alten Tragspritzen erhielt ihren Platz bei dem Schmied Lorenz Dür im Röhle, der mit seinen Söhnen später die Vorgänger-Schlosserei der Firma Doppelmayr in Rickenbach begründete. Ihm sollten seine Nachbarn im Röhle helfen, darunter J. A. Schertler, Ziegel-Fabrikant und Bruder des oben genannten Altvorstehers, und die reichen Gerber-Haltmayer.) Zu der Tragspritze welche Joseph Böhler Schloßer Spettenlehen bekommt, soll dieselbe mit seinen Gehülfen Michael Sohm, Fr. Jos. Brüstle, Joh. Ant. Höfle, Dietrichs Sohn, Johann Rohner, Andreas Schwärzler, u. Johann Müller Schuster, zu besorgen haben. (Die zweite Tragspritze kam in die Südhälfte der Gemeinde zu Joseph Böhler. Seine Schmiede stand auf dem Platz von Hofsteigstraße 37. Aus ihr stammten auch Josephs Schmiede-Brüder Johann am Unterlindenbrunnen und Jakob, der Vater der Holzer-Schmiede. An der Spritze halfen mit anderen Spetenleher Nachbarn der Kronenwirt Michael Sohm und der Gerber Höfle.) Jewilliger Meßmer soll verpflichtet sein bei ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. (Sturm-Läuten, Lermen-leuthen, war ein noch lange Zeit übliches Warnsignal bei Sturm, Hochwasser, Feuersbrunst und auch in Kriegsgefahr. Erst während des Zweiten Weltkriegs wurde es von den Sirenen abgelöst.) Der Bronnenmeister in Wolfurt hat die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer u. Feuerbronnen im Ort Wolfurt gehörig zu besorgen und bei ausbrechenden Feuerbrünsten im Orte, besonders die Aufsicht zu halten, daß das Wasser benützt werden kann, und so auch jener zu Rickenbach, u. s. w. (Jeder von den fünf Dorfbrunnen hatte einen eigenen Brunnenmeister, der von den Brunnen-Genossen gewählt wurde und für die Instandhaltung der Leitungen und des Troges zu sorgen hatte. „Wolfurt" bedeutet in diesem Zusammenhang das Kirchdorf Wolfurt im Gegensatz zu Ach, Strohdorf und den anderen Teilen der Gemeinde.) Johann Köb hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, daß dieselbe bei ausbrechendem Brand benützt werden kann, u. auch jene zu Wolfurt Strohdorf u. Hub. 1 Fr. Jos. Flatz hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, diese Strohdorf. Joh. Böhler Küffer hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle im Bach zu besorgen, Hub. Jos. Ant. Schwerzler Weber hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen, zur Linden. Joseph Mohr in Spetenlehen hat die bei seinem Haus errichtete Wasserfalle zu besorgen. Lorenz Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. Jakob Schneider hat die Wasserfalle bei seinem Haus zu besorgen. (Hier erfahren wir also von den sieben „Wasserfallen", an denen die Anrainer mit Hilfe von breiten Brettern die Bäche aufstauen konnten. In Spetenlehen tat dies z. B. Joseph Mohr, der Kamm-Macher und Stammvater der Kampler-Mohr. An der Hub war die Falle beim Haus Flotzbachstraße 1, wo damals Johannes Böhler seine Küferei betrieb. Im Kirchdorf betreute Lorenz Schneider das Sperrbrett. Er besaß das Sammüller-Haus, an dessen Hauswand entlang der Tobelbach vom Brunnen in die Bütze hinab floß.) Zu den Feuerhaken und Feuer Leitern haben zu besorgen Joh. Gg. Rusch u. Michael Lau, Jos. Anton Bildstein Wagner u. Gebhart Höfle Lehrer. (Auch die Haken und Leitern wurden im Schopf des Schulhauses verwahrt. Dort hatten Nachbarn die Verantwortung: Rusch lebte direkt neben dem Schulhaus in einem längst verschwundenen Haus, Michael Lau gegenüber in Festinis Haus. Bildsteins Wagnerei war im Hause Hofsteigstraße 15 und der Lehrer Höfle lebte in einem später bei Eulentobelstraße 1 abgebrannten Haus.) Zu der Sicherheits Wacht werden bestimmt in Wolfurt Jos. Anton Schwerzler Todtengräber u. Andreas Klocker Glaser, In der Mitte im Dorf werden bestimmt Martin Rohner Weber u. Joseph Thaler an der Hub, In Rickenbach Michael Läßer u. Jos. Ant. Böhler. (Die Feuerwache beobachtete nach Beendigung der Löscharbeiten die Brandstätte und verhinderte ein Wieder-Aufflammen der Glut.) Die geflüchteten Wahren zu besorgen in Wolfurt werden bestimmt Jos. Klocker zur Ach u. Xaver Albinger u. Anton Schneider u. Joseph Mayer, In der Mitte Johann Müller u. Joseph Brugman, Joseph Schneider u. Joh. Gg. Höfle Gärber, In Rickenbach G. u. Ant. Rünzler u. Xaver Vonach u. Mart. Schneider u. Mart. Kalb. (Gerettete Möbel, Kleider und auch Tiere mußten versorgt und gegen Diebstahl geschützt werden.) Zu Zabinnen u. Flozer Haken werden bestimmt 1 Johann Müller 2 Joh. Georg Dür 3 Joh. Gg. Mäsch in Rickenbach, 4 Anton Kalb in Spetenlehen, 5 Jos. Ant. Fischer an der Hub, 6 Nicklaus Fischer 8 Strodorf u. Jos. Anton Schwerzler Zimmermann an der Hub, 7 Lorenz Rohner u. 8 Joh. Georg Schwerzler Zimmermann zur Linden, 9. Jos. Anton Mäsch 10 Xaver Geiger 11 Fr. Jos. Schwerzler im Tobel 12 Jos. Ant. Schwerzler Jung 13 Gebhart Geiger in Wolfurt 14 Jos. Anton Rohner Jakobs 15 Joseph Rusch u. Joseph Schwerzler zur Ach. (Ein Zabin ist ein auch heute bei Waldarbeitern noch häufig gebrauchter Haken mit starkem Hebelstiel. Flößerhaken wurden beim Holztriften in der Ach verwendet. Mit den an einer sehr langen Stange sitzenden Haken konnte man auch brennende Dachstühle und hölzerne Hauswände einreißen.) Wolfurt am vorstehenden Leonhard Fink Gmd. Vorsteher (1838) Der erste Teil der Feuerordnung nennt also viele Namen von zur Wehr eingeteilten Mitbürgern. Für diese war er wohl in erster Linie bestimmt. Ausgearbeitet und unterfertigt wurde sie von Gemeinde-Vorsteher Adlerwirt Leonhard Fink. Die Verordnung bedurfte aber einer Genehmigung durch die Oberbehörde. Daher wurde eine gekürzte und in einigen Punkten ergänzte zweite Schrift an das Landgericht in Bregenz eingereicht. Der Entwurf dazu füllt im zweiten Teil des Dokuments weitere drei Seiten: Löbl. kk. Land u. Krim. Gericht Anmit wird von der Gemeinde Wolfurt folgende Feuerordnung mit dem Bemerken vorgelegt, daß die weitere nothwendige Anordnungen, welche der Gemeinde noch nicht bekannt sein können, die gnädige Weißung von dem Gerichte erhalten werden möchte. (Man beachte die unterwürfigen Formulierungen, die in der Zeit des Absolutismus unter den Metternich'schen Beamten üblich geworden waren.) 1.) Bei einem ausbrechenden Brande in der eigenen Gemeinde soll einjewilliger Vorsteher, Gemeinde Ausschuß, und die aufgestellte Dorfmeister zur schleunigen Anordnung bestimmt werden. 2.) Zu der Fahrspritze wird verordnet der Gemeinds Ausschuß Martin Schertler, Johann Böhler Schloßer, Karl Zuppinger Mechaniker, und Andreas Bildstein Schmid, wobei bemelter Ausschuß Schertler bei der Fahrspritze besorgt und begwaltiget sein solle, alle mögliche Vorsicht zu treffen, daß wo mit der Spritze in andere Ortschaften ausgefahren werden müßte, daß die Spritze nicht mit mehreren Männern beladen werde, als mit jenen, welche hiezu bestimmt sind, damit man durch Überladung oder Ruinirung derselben nicht gehindert werde. 9 (Im ersten Entwurf ist nur von Einsätzen im eigenen Dorf die Rede, zu denen man die Spritze von Hand ziehen sollte. Jetzt sah man auch Hilfeleistungen in Nachbargemeinden vor, zu denen ein Pferdegespann notwendig war. Schertler wird ermächtigt - begwaltiget -, nicht berechtigte Fahrgäste am Mitfahren zu hindern, um die Spritze nicht zu gefährden.) 3.) Im Falle im Orte selbst ein Brand ausbrechen würde, so solle mit Beyhülfe der Anwesenden Männer, wenn nicht gleich Pferdte vorhanden sind, sogleich mit der Spritze auf den Brandplatz befördert werden. 4.) Da noch zwey Tragmaschinen vorhanden sind, allwo erstere sich im Röhle zu Wolfurt befindet, welche Lorenz Dür Schmid und 8 die nächsten Nachbaren zu besorgen haben. 5.) Zu der zweiten Tragmaschine wird bestimmt, welche zur Hub besteht, der Schloßermeister Joseph Böhler und ebenfalls 8 die nächste Nachbaren, welche dieselbe abwechselnd zu tragen und regieren haben. 6.) Bei einem auswertigen Brandlermen, soll dem ersten Paar Pferdtfiir ihren Eifer und Thätigkeit 2 fl 42 x, dem anderen Paar 2fl, und dem 3ten Par Pferdt 1 fl zum voraus vergütet werden, welch letzteres Par Pferdt die Hauen, Hacken und Leitern nach zuführen hat. ( Ein Gulden - 1 fl, Florin - war damals für einen Bauern viel Geld. Ein halber Gulden hatte 30 Kreuzer - 30 x -. Das war der Taglohn eines Arbeiters. Die ausgesetzte Prämie entsprach also nahezu einem ganzen Wochenlohn.) 7.) Jeder Meßmer soll verpflichtet sein, bei Ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. 8.) Bei jedem Brand im Orte solle besonders von den Bronnenmeister insgesamt, und jene Angränzer bei den Bächen wo schon wirklich Wasserfallen errichtet sind, beobachtet werden, dieselben sogleich herzurichten, daß das Wasser so viel möglich, benützt werden kann. Eben so sollen auch die Müller im Holz, Zuppinger zur Linden, und Müller zu Rickenbach verbunden sein, in all jenen erforderlichen Fällen ihre Weyer auf der Stelle los zu lassen, nicht minder hat der Bronnenmeister und Dorfmeister im Orte Wolfurt die wesentliche Pflicht, den Feuerweyer und Feuerbronnen daselbst in gehöriger Ordnung zu erhalten und zu besorgen. (Zwei Mühlen standen im Holz hintereinander am Holzerbach, durch den das im Weiher aufgestaute Wasser in Richtung Unterlinden und Strohdorf abgelassen werden konnte. Den gleichen Bach staute der Drechsler und Mechaniker Zuppinger bei seiner zur Spulenfabrik umgebauten Hammerschmiede noch einmal auf. Linden ist die alte Bezeichnung für Unterlinden, das sind die Häuser um den ehemaligen Brunnen an der Frickenescherstraße. Die Mühle in Rickenbach war das heutige Stammhaus Doppelmayr, Rickenbacherstraße 9. Mit der Ort Wolfurt ist wieder das Kirchdorf allein gemeint.) 9.) Könnte man 16 Männer von Holzarbeiter oder Flötzer mit Zapin und kleinen Flötzerhacken aufstellen, wo diese Instrumente in vielen Fällen anwendbar 10 sein türften. 10.) Dann 4 Männer welche mit Beihülfe die großen Feuerhacken und vorhandenen Feuerleitern zu besorgen haben. 11.) Sollten 6 Männer bestimmt werden welche in drey Abtheilungen im Orte der Gemeinde die Sicherheits Wacht zu übernehmen haben und 12.) 4 Männer zu Wolfurt, 4 Männer in Mitte des Dorfes und 4 Männer bei Rickenbach, welch jede Parthei am nächsten ausbrechenden Brand mit 4 Männer die allenfalls geflüchtete Sachen zu verhüten und zu verwahren haben, welche nach der Gerichts Einverständigung die schleunigste Weißung erhalten werden. 13.) Werden zwei Feuerreiter in Antrag gebracht, nemlich Lorenz Schneider zu Wolfurth und Johann Georg Reiner zu Steig bei Rickenbach. (Zusätzlich zum Sturmläuten mit den Kirchturmglocken sollen zwei Reiter den Feueralarm in die ganze Gemeinde hinaustragen. Auf ihren Blasinstrumenten schmettern sie immer wieder ein Signal und rufen dann mit dem alten Ruf „Fürio!" die Dorfgemeinschaft um Hilfe. Lorenz Reiner war der Ahn der Sammüller-Böhler in deren Stammhaus an der Kellhofstraße. J. Gg. Reiner besaß ein Haus am Platz von Hofsteigstraßs 50 auf der Steig, wo später sein Nachkomme Alfred Fischer lebte.) 14.) All übrige welche keine eigene Bestimmung haben, werden verbindlich gemacht, ihre Feuer Kübel oder auch andere Schöpfgeschiere mit sich zu nehmen, und sich bei dem Brandplatze von dem aufgestellten Comando leiten zu lassen. (Es gab also bereits eine vereinsmäßig geführte „Feuerlöschmannschaft". Darüber hinaus waren aber alle männlichen Dorfbewohner zum Lösch-Einsatz verpflichtet. Das galt auch noch nach der Gründung der Feuerwehr im Jahre 1889.) Wolfurt am 10. Xber 1838 (10. Dezember 1838) Leonhard Fink Gmd. Vorsteher Zur sicheren Unterbringung der neuen teuren Fahrspritze wurde im alten Schulhaus an der Hofsteigstraße im August 1839 ein „Spritzenschopf' eingebaut, auch zum „Schläuche aufhänken". Wie die Genehmigung der obigen Feuerordnung ausgesehen hat, wissen wir nicht. Aber schon zwei Jahre später verlangte das Gericht 1840, daß die Gemeinde nun für jedes Haus ein Feuerbeschau-Protokoll anzufertigen habe. In dem dazu vorgelegten amtlichen Formular werden als notwendige „Feuerlöschgeräthschaften" vorgeschlagen: 2 Feuerkübel, 1 Handsprizen, 1 Laterne u. 1 Bottich auf dem Estrich Für die Gemeinde werden im Formular aber vielerlei Geräthschaften verlangt: 1 Fahrsprize 2 Tragsprizen, alle in sehr gutem Zustande, 11 1 Wagen für die Feuerlöschgeräthschaften 4 Feuerleitern 50 andere Leitern 6 Feuerhaken 4 Feuergabeln 10 Feueräxte Mehrere Zapine, Stockhauen und Schaufeln 200 Feuerkübel u. ebensoviel Laternen 2 Weier, Wasserkanäle, die Gemeinds u. Privat Brunnen sind sämtlich in gutem Zustande. Diese Anforderungen hatte Wolfurt in seiner Feuerordnung schon weitgehend erfüllt. Wir dürfen annehmen, daß sich die Gemeinde bei den sehr hohen Zahlen an Leitern, Kübeln und Laternen deutliche Abstriche erlaubt hat, zumal ja schon jedes Haus über mindestens zwei Feuerkübel und einige Laternen verfügte. Etwa ab 1860 bildete sich in Wolfurt, unterstützt von der Gemeinde, ein noch inoffizieller Feuerwehr-Verein heraus. Das erfahren wir aus der Chronik des Ferdinand Schneider, der selbst „Steiger" und auch Hornist bei diesem Verein war (GA, Schneider 3, S. 45). 1870 wurde in Kennelbach Josef Cuprano, der verdienstvolle Gründer von Gesangverein und Kirchenchor Wolfurt begraben. Daran nahmen neben diesen Chören auch ,,Feuerwehr und Blechmusik von Wolfurt" teil. Cuprano war ebenfalls „Mitglied der hiesigen Feuerwehr" gewesen. Noch im Jahre 1871 wurden je ein Nachtwächter für Wolfurt und einer für Rickenbach angestellt. Nach einer Verordnung der Gemeindevertretung vom 10. September 1871 mußte jeder Hausbesitzer am Sonntag-Nachmittag auf dem Kirchplatz Feuerkübel und Laterne vorweisen. Es drohte ihm eine empfindliche Strafe von zwei Gulden. Außerdem mußte jeder an einer Feuerlöschprobe am neuen Weiher teilnehmen. Die Gemeinde übernahm die Kosten für Ausrückungen ihrer „Löschmannschaft" in den Nachbargemeinden (GV-Protokoll 1876). Im Jahre 1887 wurde hinter dem neuen Schulhaus im Strohdorf ein Feuerwehr-Schopf gebaut. Jetzt verlangte das neue Landes-Feuerwehrgesetz von 1888 die Gründung einer offiziellen Wehr. Vorsteher Joh. Martin Schertler, der 1882 auch die erste GemeindeKanzlei eingerichtet hatte, schuf in mehreren Sitzungen die notwendigen Voraussetzungen und legte Statuten vor. Bild 3: Ältestes Feuerwehrbild von 1895. Vorne links mit dem Roßschweif auf dem Helm der erste Kommandant Gebhard Böhler, Schlosser Wolfurter Feuerwehr gegründet 1889 Unter Vorsitz des Rickenbacher Müllers Plazidus Gunz fand am 22. Dezember 1889 im Kreuz die Gründungs-Versammlung statt. Zum Obmann wurde der SpulenFabrikant J.W. Zuppinger gewählt, zum Ober-Kommandanten der Mechaniker 12 Gebhard Böhler („Schlosser" von der Kreuzstraße, ein Sohn des Holzer-Schmieds). Zuppinger lehnte aber die Wahl ab. In der auf den 19. Jänner 1890 in den Adler einberufenen General-Versammlung wurde daher Jakob Schertler, Ziegel-Fabrikant aus dem Flotzbach, zum Obmann gewählt. Unter Ober-Kommandant Gebhard Böhler wurde die Mannschaft in vier Abteilungen gegliedert. Kommandant Jos. Anton Köb, Lehrers, Zimmermann auf dem Bühel, übernahm die „Steiger" für die gefährlichsten Einsätze am Brandherd. Kommandant Joh. Bapt. Böhler, Schmied im Röhle und ein Bruder des Ober-Kommandanten, leitete die Ordnungs-Mannschaft. Kommandant Johann Haltmeyer, Kreuzwirt und Schriftführer der Wehr, war für die Rettungsmannschaft verantwortlich und Kommandant Wilhelm Böhler, Schmied im Strohdorf, befehligte die zahlenmäßig größte Mannschaft an den Spritzen und Schlauchleitungen. Auch zwei Hornisten wurden eingeteilt. (Siehe dazu die Berichte in den Feuerwehr-Festschriften 1973 und 1990!) 13 Bild 4: Fahnenweihe 1907. Fahnenpatin Rosa Köb. Neben ihr Kommandant Josef Anton Schwerzler. Bild 5: Die Feuerwehr 1924 vor dem Vereinshaus. Vorne in der Mitte Kommandant Rudolf Fischer, daneben Ehren-Kommandant J.A. Schwerzler. Schon 1891 erweiterte die Gemeinde den Schopf hinter dem neuen Schulhaus zu einem „Feuerwehrhaus ", aber es war eigentlich nur ein Stadel für Spritze und Geräte. Auch der „Neue Todtenwagen", den die Gemeinde 1884 angeschafft hatte, mußte im Spritzenschopf Platz finden. Ein eigener Laufbrunnen an der Stadelwand versorgte auch die Schule. Eine Gemeinde-Verordnung verpflichtete ab 1894 alle männlichen Gemeindebürger zu einer jährlichen Übung als Hilfsmannschaft der Feuerwehr. Über die recht sparsame Ausrüstung der Wolfurter Wehr gibt eine Statistik Auskunft. (Nach VLA, Vorarlbergische Statistik, 1907). Demnach besaß die Feuerwehr Wolfurt im Jahre 1901: 24 Mitglieder 1 vierrädrige Spritze 1 zweirädrige Spritze 90 Meter Schläuche 9 Leitern, davon 1 freistehend. Inzwischen war man mit der alt gewordenen Fahrspritze nicht mehr zufrieden, besonders weil ihr Wasserstrahl, je nach Leistung der Pumpenmannschaft, recht 14 unregelmäßig und stoßweise aus dem Strahlrohr schoß. Abhilfe sollte ein im Jahre 1890 angeschaffter „Hydrophor" bringen. Das war eine Saugpumpe mit einem Windkessel zum Druckausgleich. Zu ihrer Bedienung wurde eine Mannschaft mit einem eigenen Kommandanten notwendig. Der Hydrophor tat viele Jahre gute Dienste, besonders wenn man von den Feuerweihern oder gar von der Ach her lange Löschwasser-Leitungen bis zur Druckspritze am Brandplatz legen mußte. Erst mit der Inbetriebnahme der Hydranten wurde er überflüssig und daher 1952 zum Abbruch verkauft. Im Jahre 1901 erhielt die Wehr eine auf einen Zweirad-Wagen aufgebaute "mechanische Magirus-Leiter", die sich auf 12 Meter Höhe ausfahren ließ. Sie diente einige Jahrzehnte lang auch dem Gemeinde-Bautrupp, bis man sie nach der Anschaffunng der ersten Auto-Leiter ausmustern konnte. Eine schwere Krise kam 1906. Weil es ihr an finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde fehlte, drohte der Feuerwehr die Auflösung. Noch im gleichen Jahr wurde aber das Mitglied Ferdinand Köb Vorsteher. Ihm gelang es, die Krise zu überwinden. Neue Begeisterung kehrte ein. Es wurde sogar die Anschaffung einer Vereinsfahne beschlossen. Mit einem großen Fest konnte diese am 16. Juni 1907 eingeweiht werden. Fahnenpatin war Rosa Köb, die Schwester des neuen Vor15 Bild 6: Die erste Motorspritze 1926. Zweiter von links der neue Kommandant Kolumban Thaler. Bild 7: Die Rettungskolonne 1928. Dritter v..l. der Gründer Johann Heitz. Stehers. 15 Feuerwehren und drei Musik-Kapellen nahmen am großen Festumzug teil. Eine bittere Unterbrechung im Vereinsleben brachte der Weltkrieg mit sich. Mit vielen anderen Mitgliedern mußte auch der kurz zuvor zum Kommandanten gewählte Albert Gmeiner, Lislos, Vater von acht Kindern, sofort einrücken. Er starb schon bei einem der ersten Gefechte. Der alte Kommandant Josef Anton Schwerzler, Murars Seppatone, mußte die Wehr weiterführen und auch die Bekämpfung von drei Bränden während des Krieges leiten. Ein eigenes Kapitel wurde der zum Trocknen der Leinen-Schläuche so dringend benötigte Schlauchturm. Erstmals hatte schon 1904 Gemeinderat Lorenz Gunz, der sich als langjähriger Feuerwehrmann und erstes Ehrenmitglied stets für die Wehr eingesetzt hatte, den Bau eines solchen Turmes beantragt. Auch weitere Vorstöße waren vergeblich, bis endlich 1913 wenigstens die Planung vergeben wurde. Der Weltkrieg verhinderte die Ausführung. Aber auch nach dem Krieg dauerte es noch zehn Jahre, bis Zimmermeister Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, den Bau in Angriff nehmen durfte. Im November 1929 wurde der hohe hölzerne Turm endlich fertig und nun zu einem Wahrzeichen des Schulbereiches in Wolfurt. 1958 wurde er mit dem Spritzenhaus abgebrochen. Inzwischen hatte die Wehr ihre Aufmerksamkeit auch dem Rettungswesen gewid16 met. Die Männer taten ja ihren Dienst oft unter Lebensgefahr und mußten manchmal auch verletzte Haus-Insassen oder freiwillige Helfer versorgen. Im Jahre 1924 war Wagnermeister Johann Heitz, ein ausgebildeter Sanitäter aus dem Weltkrieg, der Wehr beigetreten und hatte sofort einen Sanitätskurs durchgeführt. Im Sommer 1925 beantragte der neue Gemeindearzt Dr. Lecher die Anschaffung eines fahrbaren Krankenwagens. Zusammen mit Heitz gründete er dann eine „RettungsKolonne" der Feuerwehr, deren Gründungsversammlung am 4. Dezember 1927 stattfand. Nach dem Tod von Johann Heitz wurde Anton Klettl 1932 Obmann der Rettungs-Kolonne. Mit großem Einsatz führte er diese, auch noch als sie später als „Rotes Kreuz" ein eigener Verein geworden war. Im Jahre 1926 erhielt die Feuerwehr ihre erste Motorspritze, montiert auf einem gummibereiften Zweirad-Anhänger. Der damals als sehr hoch empfundene Anschaffungspreis lag bei 10 000 Schilling. Die Ausrüstung wurde 1929 noch durch einen Schlauch-Wagen und eine tragbare Motor-Spritze komplettiert. Diese fand ihren Platz in Rickenbach, das damals in einem Anbau an die Kapelle ein eigenes Spritzenhaus hatte und dazu auch einen eigenen „Parzellen-Kommandanten" wählte. In der NS-Zeit durfte die Feuerwehr als einer der wenigen Vereine weiter bestehen bleiben. Kommandant Kolumban Thaler führte jetzt den Titel „Oberbrandmeister" 17 Bild 8: Dr. Lechers Rettungsauto 1938. Links „Oberbrandmeister" Thaler und Rettungsleiter Anton Klettl. Bild 9: Schlauchturm und Spritzenhaus hinter der Schule, kurz vor dem Abbruch 1958. und wurde vom Bürgermeister als „Wehrführer" neu bestellt und angelobt. Noch in Friedenszeit wurde bereits mit Vorführungen auf dem Kirchplatz Fliegeralarm geprobt. Zur Alarmierung wurden im Gemeindegebiet drei Sirenen montiert, die das bis dahin bewährte Sturm-Läuten mit den Kirchenglocken und das AlarmBlasen der Hornisten ablösten. Die Feuerweiher wurden überprüft. Der Schmiedeweiher im Holz wurde 1940 beachtlich vergrößert und mit eisernen Fallklappen versehen, durch welche sowohl der Weiher an der Schloßgasse im Kirchdorf, als auch Draiars Weiher in Unterlinden gespeist werden konnten. Mit einem Fest an der Ach feierte die Feuerwehr im Juli 1939 sogar noch ihr 50jähriges Bestehen. Dann aber kam der Krieg. Die Protokollbücher blieben leer. Die meisten Männer wurden an die Front gerufen. Jugendliche und Schüler ab 14 Jahren sollten ihre Plätze einnehmen. Sie wurden mit Helm und Gurt ausgerüstet und an der Spritze ausgebildet. Ihr einziger ernster Einsatz blieb aber glücklicherweise der Brand des Berger-Hauses 1944 im Oberfeld. Die erste Generalversammlung nach dem Krieg im Dezember 1947 begann, jetzt wieder unter „Kommandant" Thaler, mit einem Totengedenken. Dann aber setzte der wirtschaftliche Aufschwung ein, der sich natürlich auch auf die Feuerwehr auswirkte. 1952 übernahm Alois Bellmann das Kommando. 18 Damals wurde gerade der erste Teil der neuen Gemeinde-Wasserversorgung in Betrieb genommen. Ein Netz von Hydranten machte ab jetzt die Feuer-Weiher und die langen Schlauchleitungen entbehrlich. Modernes Gerät wurde angeschafft. Als dringend benötigtes erstes Kraftfahrzeug erhielt die Wehr allerdings erst 1955 ihren legendären „Dodge". Es handelte sich um ein etwa 1944 gebautes schweres amerikanisches Armee-Fahrzeug, das nach dem Krieg irgendwo in Kärnten liegen geblieben war. Von dort kaufte es die sparsame Gemeinde preisgünstig und rüstete es für die Feuerwehr um. Der Dotsch besaß eine starke Frontwinde, war mit seiner großen Spurweite und dem robusten Motor sogar für das Befahren steiler Bühel geeignet und leistete auch für den Gemeinde-Bautrupp gute Dienste. Er steht noch heute, nach mehr als 50 Dienstjahren, fahrbereit im Bauhof. Die Feuerwehr arbeitete jetzt eng mit der Gemeinde zusammen. Immer häufiger wurde sie außer zu Bränden auch zu „technischen" Einsätzen gerufen. Sie half bei Überschwemmungen und Vermurungen und pumpte überflutete Keller aus. Bei schweren Verkehrsunfällen beteiligte sie sich an der Bergung von Verletzten und an der Beseitigung von Wracks und von ausgelaufenem Öl. Dazu war eine ganz neue technische Ausrüstung notwendig, die von der Gemeinde mit immer größeren Beträgen angeschafft wurde. 19 Bild 11: Die hölzerne Leiter von 1901. Übung um 1962 beim Haus Braitsch im Oberfeld. Bild 10: Gefährliche Überschwemmung durch den Rickenbach 1957. Bei der ersten Erweiterung des Schulhauses hatten 1958 Spritzenhaus und Schlauchturm weichen müssen. Die Feuerwehr erhielt im Kellergeschoß der Schule erstmals Garagen und einen Schulungs- und Gemeinschaftsraum. Zum Bau der neuen Hauptschule mußte sie diesen aber schon 1969 wieder aufgeben und bis zur Fertigstellung eines eigenen Feuerwehrhauses mit einem unzulänglichen Provisorium im benachbarten Bösch-Stadel das Auslangen finden. Nach 19jähriger verdienstvoller Tätigkeit übergab Alois Bellmann 1970 das Amt als Kommandant an Richard Fischer. Am 21. Juni 1973 konnte das moderne neue Feuerwehrhaus neben dem Schulplatz eingeweiht werden. Damit verbunden waren ein großes Landes-Feuerwehrfest und die Weihe einer neuen Fahne. Fahnenpatin war diesmal Frau Lotte Winder aus Rickenbach. Gegen hundert Feuerwehren und zehn Musikkapellen beteiligten sich an dem Festumzug. In den großen Garagen fanden jetzt neben dem alten Dodge auch der 1961 als Mannschaftswagen angeschaffte Ford-Taunus und all das technische Gerät der Wehr genügend Platz. Zur Förderung von Nachwuchs wurde 1974 eine Jugend-Feuerwehr gegründet. Nach und nach konnten die meisten der gut ausgebildeten Jugendlichen in den Aktivstand übernommen werden. 1975 ging ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Das erste mit Pumpen ausge20 stattete Lösch-Fahrzeug, ein Opel-Blitz, wurde in Dienst gestellt! Dadurch stieg die Schlagkraft der Wehr entscheidend. Als besondere Aufgabe wurde bei der Jahresschlußübung 1975 ein Brand bei Adolf Wüstner im Frickenesch angenommen. Eine Druckrohrleitung von 780 Metern Länge mußte von einem Hydranten an der Kirchstraße über die steilen Hänge ausgelegt werden. Den Höhenunterschied von 90 Metern überwanden drei in Stufen eingebaute Pumpen. In 11 Minuten war die Aufgabe gelöst. Eine Rekordzeit! Aber 11 Minuten wären bei einem Holzhaus zuviel. So wurden denn auch in den folgenden Jahren die Häuser auf den Wolfurter Büheln durch eine ganze Reihe von Hochbehältern und Hydrantenleitungen gesichert. Neue Aufgaben stellten die in der Ebene entstandenen Hochhäuser. Bei der Übung 1976 mußte zur Evakuierung von eingeschlossenen Personen aus einem 5. Stock an der Lerchenstraße die Drehleiter der Feuerwehr Bregenz angefordert werden. Die hölzerne „Magirus"-Leiter von 1901 war längst nicht mehr zugelassen. Erst der „Steiger" von 2005 löste dieses Problem befriedigend. Schon 1977 wurde aber ein erstes großes Tank-Löschfahrzeug eingeweiht, das noch heute als „Tank 2" im Dienst steht. Seither konnten viele Brände bereits im Entstehen gelöscht werden. Auch die eifrige Probenarbeit trug Früchte. Sichtbares 21 Bild 12: Erstes Feuerwehrhaus 1973. Bild 13: Die Feuerwehr 1973. Vorne als 7. v.l. Kommandant Richard Fischer, als 9. Ehren-Kommandant Alois Bellmann. stolzes Zeichen dafür war das Erringen des „Goldenen Helms" für die beste Löschmannschaft des Landes im Jahre 1973. Die gleiche Auszeichnung holten sich die Wolfurter noch einmal im Jahre 1983 und sogar ein drittes Mal 1990. Zunehmend mehr machte sich bei den bis zu 20 Einsätzen im Jahr unangenehm bemerkbar, daß nach dem Sirenen-Alarm zahlreiche Schaulustige zu den Brandplätzen eilten und mit ihren Fahrzeugen die Zufahrt der Wehr blockierten. Zudem hatte es allein im Jahre 1980 fünf Fehl-Alarme gegeben, ausgelöst vermutlich durch Kinder oder Jugendliche. So wurde denn im Jahre 1982 eine „Stille Alarmierung" mit „Piepsern" angeschafft. Seither erfolgen die meisten Einsätze unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Die drei Sirenen bleiben aber für Großalarm in Katastrophenfällen in Bereitschaft. Im gleichen Jahr 1982 wurde der Fahrzeugpark durch einen VW-Bus als Kommandowagen ergänzt. Unbekannte Gefahren drohten vom ebenfalls 1982 eröffneten neuen Güterbahnhof der ÖBB. Dort wurden ja neben Öl und Gas noch vielerlei gefährliche Chemikalien befördert und gelagert. Schließlich bildete die Bahnhofsverwaltung eine eigene Betriebs-Feuerwehr, die mit spezieller Ausbildung und Ausrüstung ab 1986 die Verantwortung übernahm. Sie hält dabei ständig Kontakt mit der Orts-Feuerwehr. Nach Richard Fischer hatten Kurt Rohner und dann 1980 Josef Stadelmann das 22 Kommando übernommen. Ihnen gelang es, zusammen mit einem eifrigen Führungsstab, die große Anzahl von Wehrmännern bei unzähligen Proben ständig neu zu motivieren. Auch die Zusammenarbeit mit der Gendarmerie und der Rettungsabteilung des Roten Kreuzes funktionierte weiterhin vorbildlich gut. Besonders wichtig war aber die Unterstützung der Wehr durch die Gemeinde, die jedes Jahr in ihrem Budget große Beträge bereitstellte. So konnte 1985 ein schweres Bergefahrzeug angeschafft werden. Für seine Verdienste um die Feuerwehr wurde daher Bürgermeister Hubert Waibel, als er 1985 nach 25 Jahren aus seinem Amt schied, zum Ehrenmitglied ernannt. Auch unter seinem Nachfolger Bürgermeister Erwin Mohr konnte sich die Wehr günstig weiter entwickeln. Im Jahre 1987 wurde das Feuerwehrhaus erweitert. Neben großzügigen Garagen besitzt es jetzt zusätzliche Kommando- und Schulungsräume und natürlich auch EDV-Zugang zum einschlägigen Datennetz. Im Dachgeschoß wurde die Musikschule untergebracht. Mit einem dreitägigen Fest wurde 1990 der 100jährige Bestand der Feuerwehr gefeiert. Kommandant Stadelmann konnte jetzt 70 aktive Wehrmänner und 5 Ehrenmitglieder melden. Stolz stellte die Wehr vor den neuen Garagen ihre fünf Fahrzeuge ins Bild. 23 Die Fahrzeuge der Feuerwehr Wolfurt im Jahre 2006 Derzeit verfügt die Ortsfeuerwehr Wolfurt über sechs Einsatzfahrzeuge: Kommando-Wagen, Steiger, zwei Tankwagen, ein weiteres Lösch- und ein BergeFahrzeug. 1. Der Kommandowagen „Einsatzleitung", Baujahr 2003, ist mit Funk- und EDVAnlage und mit Wärmebild-Kamera ausgestattet. 2. Das Hub-Rettungsfahrzeug „Steiger", Baujahr 2005, kann seinen Einsatzkorb bis zu 27 Meter Höhe oder 21 Meter Weite ausfahren. Es besitzt außer einem Wasserwerfer u.a. Notstrom-Aggregat, Scheinwerfer, Atemluft-Anschlüsse und Rettungsgeräte. 3. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 1", Baujahr 2001, ist mit Wasserwerfer, 2000 Liter-Tank und 60 Liter Schaum für den Erst-Einsatz bei Bränden ausgerüstet. Außerdem verfügt es über 13 Meter-Schiebeleiter, Atemschutz, Wärmebildkamera, Rettungsgeräte und vielerlei Werkzeuge. 4. Das Tanklöschfahrzeug „Tank 2", Baujahr 1977, besitzt ebenfalls Wasserwerfer und 2000 Liter-Tank für den Schnell-Angriff. Mit seinem Anhänger für die Gefahrengut-Ausrüstung ist es speziell für Einsätze am Güterbahnhof und bei Verkehrsunfällen geeignet. 5. Ein weiteres Löschfahrzeug, Baujahr 1998, mit Schlauch-Anhänger kann zusätzlich schnell bis zu 600 Meter Schlauchleitung auslegen und damit den Steiger und die Tankwagen mit Löschwasser versorgen. 6. Das Bergefahrzeug „LF-B", Baujahr 1985, besitzt eine 6 Tonnen-Seilwinde und ein 8 Tonnen-Hebekissen und dazu vielerlei Lösch- und Rettungsgeräte. Eher aus Nostalgiegründen pflegt die Gemeinde in ihrem Bauhof als „Oldtimer" auch noch den alten „Dodge", Baujahr 1944. Er war ursprünglich ein amerikanisches Militär-Fahrzeug und wurde 1955 zum ersten Wolfurter Feuerwehrauto umgerüstet. Bild 14: Die alte Fahne von 1907. Linke Seite mit dem Gemeindewappen. Bild 15: Die neue Fahne von 1973. 1998 wurde Gerhard Pehr zum neuen Kommandanten gewählt. Unter ihm konnte die Wehr ihren Fahrzeugpark großzügig ergänzen und modernisieren. 1998 wurde ein weiteres Löschfahrzeug angeschafft und 2001 ein zweiter großer Tankwagen „Tank 1". 2003 ersetzte ein mit allen Kommunikationsgeräten ausgestatteter Kommandowagen den 20 Jahre alten VW-Bus. Krönung der modernen Ausrüstung wurde aber 2005 der große „Steiger", der seine Einsatzbühne bis zu 27 Meter Höhe ausfahren kann. Damit verfügt unsere Feuerwehr jetzt, ohne den alten Dodge, über sechs leistungsfähige Fahrzeuge. Diese Fahrzeuge erfordern natürlich mit ihrer reichen Ausstattung und den unzähligen Geräten eine ausgedehnte Probentätigkeit und unerhörten Einsatz von Wehrmännern und Funktionären. Dafür planen Feuerwehr und Gemeinde bereits den Bau eines großen neuen Hauses für Kommando, Ausbildung und für die umfangreiche Ausrüstung. In allen Notsituationen soll sich die Bevölkerung unserer Gemeinde gut behütet und beschützt wissen. Sie schätzt es aber auch, daß die Feuerwehr als blühender Verein einen großen Beitrag im Gemeinschaftsleben unserer Gemeinde leistet. Dank und Anerkennung gebühren ihr auch für die Verdienste um die Erziehung und Förderung der Jugend und für den Einsatz im Ordnungsdienst bei vielen festlichen Anlässen. „Gott zur Ehr! Dem Nächsten zur Wehr!" 24 25 Bild 16: Der Dodge von 1955, Baujahr 1944. Als erstes Feuerwehrauto transportiert er Mannschaft und M otorspritze. Bild 18: Der erste Tank-Wagen von 1977. Einweihung durch Pfarrer Willi. Bild 17: Zweites Feuerwehrauto von 1961. Der Kombi „V 58". Bild 19: Der „Steiger" von 2005. Ein ganz modernes Fahrzeug! 26 27 Siegfried Heim Brandkatastrophen Immer wieder haben Schadenfeuer Dörfer und Städte heimgesucht, Menschen und Tiere bedroht, Hab und Gut vernichtet. Die häufigsten Ursachen für die verheerenden Feuersbrünste waren in den vergangenen Jahrhunderten: Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde noch in den meisten Häusern auf offenem Feuer unter einem aus Ruten geflochtenen Kaminschurz gekocht. Sorglos aufgestapeltes brennbares Material oder zum Trocknen aufgehängte Kleidungsstücke waren gefährdet, besonders weil die Küche ja dem Zugwind offen stand. Auch heute ist fahrlässiger Umgang mit Feuer und Glut noch oft die Ursache von Brandschäden. Licht Hantieren mit Fackeln und mit Kerzen, dazu das Tabakrauchen, brachten Feuer in Schlafkammern und in Ställe und Scheunen. Elektrizität Elektrisches Licht gab es in Wolfurt schon ab 1900, aber anfangs war es wegen fehlerhafter Installationen ebenfalls eine häufige Brandursache. Schadhafte Leitungen und Überlastung sind eine Gefahrenquelle geblieben. Blitzschlag Selten, aber doch immer wieder zündeten Blitze Häuser an. Brandstiftung Im Mittelalter eine häufig gebrauchte Form des grausamen Krieges. Später nur mehr von kriminellen Tätern, vereinzelt auch am eigenen Haus. Manchmal zündeln auch spielende Kinder. Herdfeuer Großbrände im ganzen Land Chroniken und Geschichtsbücher berichten von zahlreichen schrecklichen Brandkatastrophen in Vorarlberg. Hier eine kleine Auswahl: 1079 brannte Abt Ulrich von St. Gallen die Stadt Bregenz nieder. Nachdem Graf Wilhelm von Bregenz 1405 Hard verbrannt hatte, legten die 1406 ins Land eingefallenen Appenzeller Götzis, Hohenems und Lauterach in Schutt und Asche. Die mittelalterliche ^tadt Feldkirch brannte gleich viermal: 1348, 1460, 1603 und noch einmal 1697. Dem letzten Großbrand fielen dabei 150 Häuser zum Opfer. Das ebenso in Stadtmauern eingeengte Bludenz mußte ebenfalls viermal neu aufgebaut werden: 1444, 1491, 1638 und 1682. Bei einem weiteren Stadtbrand kamen 1581 in Bregenz 40 Menschen um ihr Leben. In Lauterach wurden im ersten Franzosenkrieg 1796 sieben Häuser niedergebrannt. 1798 brannte das große Kloster Hirschthal in Kennelbach ab. Dabei verbrannten sechs Klosterfrauen. 28 Im 19. Jahrhundert gab es in dreizehn Dörfern in Vorarlberg größere Brände, in Parthenen 1800, Götzis 1843, Hohenems 1848, Fußach 1854, Schröcken 1863, Nüziders 1865, Lingenau 1866, Schnifis 1868, Satteins und Mellau 1810, Meschach 1890, Mäder 1891 und in Nenzing 1895. Allein in Nüziders wurden 1865 insgesamt 65 Häuser von den Flammen vernichtet. (Nach der Chronik Schneider 3 im GA) Der Historiker Franz Häfele bestätigt (in „Holunder" 1931, 21) die meisten dieser Brände. Er vermerkt dazu, daß man 1460 in Feldkirch den ertappten Brandstifter Hans Gilg gleich auch „zu Aschen verbrannt" habe. Auch in Bludenz wurde 1638 der Brandleger Martin Ratgeb „gefangen und verbrennt". Vom Bezirksamt kamen immer wieder Hilferufe an die Gemeindevertretung, in denen um Spenden für betroffene Orte in unserem damaligen Land Tirol gebeten wurde. Aus dem Jahr 1862 liegen drei davon vor: Im Februar waren 100 Häuser in Mezzana/Male abgebrannt, im Juli 140 Häuser in Borgo/Valsugana und im November noch 54 Häuser in Stilfs bei Glurns. Die daraus erwachsende Not trug dazu bei, daß in den folgenden Jahren viele obdachlose Familien aus dem Südteil des damaligen Tirols in die Industriedörfer nach Vorarlberg auswanderten. Bei uns war die Gefahr von Dorfbränden durch Vorsichtsmaßnahmen, vor allem aber durch den Einsatz der vielerorts gegründeten Vereins-Feuerwehren, stark gesunken. Im 20. Jahrhundert brannten 1916 an der Bahnhofstraße in Schwarzach fünf Häuser nieder. In Ebnit zerstörten 1927 die von der Säge ausgehenden Flammen Schule, Kirche und Pfarrhaus. Der allergrößte Dorfbrand traf im Sommer 1934 das Walserdorf Fraxern, wo im Föhnsturm 32 Häuser in Asche sanken. Letzte größere Brandkatastrophen brachte der Krieg 1945 mit sich. In der Innenstadt von Bregenz wurden 80 Häuser durch Granaten und Brandbomben zerstört. Aber auch Götzis mußte zwei Tage später den Verlust von 12 Häusern auf sich nehmen. Wolfurt war also, so weit wir die Geschichte kennen, von Dorfbränden verschont geblieben, obwohl sich auch bei uns zahlreiche Holzhäuser in den einzelnen Parzellen eng aneinander drängten. Brände in Wolfurt Aufzeichnungen über die sicher vorgekommenen Einzelbrände in früheren Jahrhunderten fehlen weitgehend. Eine Ausnahme bilden zwei Notizen von Ammann Fischer in seiner Chronik: „... 1751 den Uten Mertzen sind zue rikhenbach drey häußer, von wegen schlechter sorgung Feür offen floder ver brenth worden, in dem oberdorff und 1789 den 7ten Winthermonat sind zue rikhenbach im ober dorff 2 häußer ver brunnen worden, wegen einem stall licht morgen 6 Uhr. " (Aus GA, Adlerwirts Haus-Chronik, S. 66. Ein Floder war ein Tuch an einem Stiel, das zum Auswischen des Backofens verwendet wurde. An der Glut hatte es Feuer gefangen.) 29 Erst ab 1846 gibt es dann genauere Daten. Von einem besonderen Brand berichtet ein Protokoll im Archiv. Am 29. März 1846 setzte ein Blitzschlag den „Pfarrkirchen Thurn " in Brand und verursachte einen großen Schaden. Die aufwendige Reparatur schob die längst fällige Einweihung der neuen Kirche noch einmal bis 1849 hinaus. Ab jetzt ließ die Gemeinde ihre wichtigsten Gebäude versichern und bezahlte dafür jährlich „Assekuranz"-Geld: 1/. Für die Pfarrkirche u. Thurn 15 fl 2/. für Pfarrhaus 2 fl 3/. für das Kaplanhaus 2 fl 4L für das hiesige Schulhaus 1 fl 20 x Summa 20 fl 20 x österreichische Währung Die Prämienhöhe sagt etwas über die Geringschätzung des alten Schulhauses gegenüber dem neuen Kaplanhaus aus! (GA, Nota 52 in Schachtel 1859) Bild 20: Ammann Fischers Chronik berichtet von einem Großbrand 1751 in Rickenbach. Die Reihe der Brände im 19. Jahrhundert 1.) Aus dem gleichen Jahr 1846, in welchem der Kirchturm brannte, wird auch erstmals von einem abgebrannten Haus berichtet. Es war das Haus C 178 im Flotzbach und stand an dem Platz, wo später das Haus Flotzbachstraße 18 (Elmar Schertlers) gebaut wurde. Als allerältestes Haus im Flotzbach war es 1819 errichtet worden und stand jetzt im Besitz von Kaspar Köb, dem Stammvater von Bäschle-Köbs im Flotzbach. Nach der Überlieferung soll er einem obdachlosen Burschen im Heu Unterschlupf gewährt haben, der dann durch seine Unvorsichtigkeit das Haus in Brand setzte. Der Chronist Ferdinand Schneider, der wie vor ihm sein Vater, als Vertreter der „Assicuratione Generali" die Feuerversicherungen betreute, zählte in seiner Chronik (GA, Schneider 3, S. 296) die Brände zwischen 1846 und 1913 auf. Die Liste ist allerdings nicht ganz vollständig und auch zeitlich nicht richtig gereiht. Sie deckt sich nur teilweise mit der „Vormerkung" von 1915 im Protokollbuch I der Feuerwehr. Aber auch dort fehlen die Brände bei Putzers im Schlatt 1911 und bei Schwerzlers auf der Steig 1914. In der folgenden Reihung bezeichne ich die Häuser mit den C-Nummern, die bis 1900 verwendet wurden. Ab 1900 galten dann bis 1953 die neuen D-Hausnummern. 2.) Als zweites verbrannte am 2. April 1855 in Rickenbach das ganz neue Haus C 230 1/2 im Garten von Dornbirnerstraße 3, in der Ecke gegen den Gasthof Adler. Es stand im Besitz von Joh. Gg. Gmeiner, von dem die Lutzo-Schrinar abstammen. Auf dem Brandplatz baute später der Adlerwirt Fischer seine Brauerei. Daraus sind eine Metzgerei und schließlich ein Laden geworden. Der dritte Brand traf im August 1869 den größten Bauernhof im Kirchdorf, 4.) 5.) 6.) 7.) 8.) 9.) 10.) C 102, das ehemalige Gasthaus des Ammanns Jerg Rohner am Platz von Kreuzstraße 1. Es stand jetzt im Besitz des Vorsteher-Sohnes Gebhard Vonach. An dieser Stelle erbaute dann erst 1893 der Schützenhauptmann Ludwig Köb seine „Villa". 1873, C 241, Rickenbacherstraße 13 (Seogars). Es ist später noch einmal abgebrannt (S. Nr. 17!). 1876, C 155 des Mathias Böhler-Sammüllars. Es stand östlich von Inselstraße 11 und wurde nicht mehr aufgebaut. 1881, C 123 des Jakob Böhler-Bergars, in Unterlinden, nahe Bregenzerstraße 15. Seither verschwunden. 1883, C 22, Bregenzerstraße 15 im Röhle. Schädlars Hus stand damals im Besitz von Johann Köb. Hier war dessen Sohn, der spätere Vorsteher Ferdinand Köb, aufgewachsen. Das neue Haus ist 1985 abgebrannt. (Siehe Nr. 86!) 1883, C 91 des Ferd. Böhler in der Bütze. Viele Jahre lang blieb der Platz leer. Heute steht dort das Haus Mohr, Kellhofstraße 13. 1887, C 82, Bützestraße 9, im Besitz von Philipp Gmeiner-Knoblars, später Zwickles. Beim angrenzenden Rist-Haus ist noch heute die verkohlte Südwand unter der Fassade erhalten. 1889, 3. März. C 113 des Fidel Huster, ganz hinten im Tobel. Der Brandplatz am Tobelbach blieb leer, nur ein Stadel wurde wieder erbaut. 3.) 30 Im gleichen Jahr 1889 wurde die Feuerwehr als Verein gegründet. 31 11.) 12. 14. 1895, 16. Nov. C 177, am Anfang der Unterhubstraße im Garten von Flotzbachstraße 8. Es war einst das Haus des ersten Wolfurter Kapellmeisters Andreas Rohner gewesen und stand jetzt im Besitz des Weinhändlers Hermann Hämmerle. Beim Brand verletzten sich zwei Feuerwehrmänner, als sie ein Übergreifen des Feuers auf das nahe Nachbarhaus verhindern wollten. u. 13.) 1897, 27. April. C 210 u. 211. Ein uraltes Doppelhaus im Garten von Hofsteigstraße 53 in der Ecke gegen den Gasthof Kreuz, damals im Besitz von Schneidermeister Wilhelm Köb. Die Bauparzellen wurden vereinigt und dahinter das neue Haus Hofsteigstraße 53 erbaut. u. 15.) 1897,15. Juli. C 14 u. 15. Nur sechs Wochen nach dem großen Brand in Rickenbach verbrannten auch an der Ach zwei aneinander gebaute Häuser. Besitzer waren Joh. Bapt. Schwerzler-Naiolars, und Lorenz Rohner, Vinälars. Auch hier wurden die Plätze vereinigt und darauf ein besonders großes Haus gebaut, der spätere Gasthof „Wälderhof", Bregenzerstraße 28. Im 20. Jahrhundert 16.) 1900, 12. Mai. C 11 an der Ach mit der gerade in diesem Jahr neu aufgemalten Nummer D 19. Das alte Stammhaus der Sammüller-Böhler, die an die Kellhofstraße übersiedelt waren, gehörte jetzt dem Lauteracher Josef Vonach. Der Platz blieb lange leer, bis ganz in der Nähe das Siedlungshaus Inselstraße 1 errichtet wurde. 17.) 1900, 5. Sept. C 241, jetzt neu D 278, Dornbirnerstraße 13 (Seogars). Zum zweiten Mal brannte das nach dem Brand von 1873 (Siehe Nr. 4!) neu aufgebaute Haus völlig ab. Besitzer war jetzt Johann Köb. Als Mieter war eine Familie Kniebühler im Quartier. Deren zweijähriges Kind Hedwig verlor im Feuer sein Leben. Der Nachbar Joh. Gg. Müller baute das Haus neu auf. 18.) 1902, 13. März. D 188, des Martin Wohlgenannt im Eulentobel. Seither verschwunden. 19.) 1902, 17. März. D 185, Hofsteigstraße 12. Beim Brand des noch fast neuen Hauses des Joh. Gg. Böhler (Steonnowirts Hans-Irgos) an der Hub verbrannten auch zwei wertvolle Stickmaschinen. (Später ein zweites Mal abgebrannt, Nr. 43) 20.) 1902, 20. März. D 193, Hofsteigstraße 18. Nur drei Tage nach dem BöhlerHaus brannte in der Nachbarschaft auch das Glaser-Klocker-Haus. Durch den Einsatz der Feuerwehr konnte es aber gerettet werden. 21.) 1903, 12. Mai. D 237, Hofsteigstraße 47, Konsum Rickenbach. 22.) 1905, ohne Nummer. Der alte Wuhrstadel stand außerhalb des Ach-Damms am Platz von Bregenzerstr. 35. Seit Jahrhunderten hatten die Hofsteiger darin ihre Wuhr-Werkzeuge aufbewahrt. Später errichtete die Firma Rädler hier ihre Zementerei. Bild 21: Gefährliche Feuerstelle noch im Jahre 1992. 23.) 1906, 21. Februar. D 53, Feldeggstraße 11, am Hexenbühel. Es stand im Besitz von Paulina Mathis-Embsars. Später erwarb die Firma Schindler den Neubau als Fabriks-Hus. Feuernächte in der Gemeinde 24. u. 25.) 1907, 30. Okt. D 130 u. 131, Kirchstraße 29 u. 27. Ein Großbrand vernichtete in der Nacht die beiden uralten und einst sehr bedeutenden Schneider-Häuser. Sie gehörten jetzt den Familien Johann Dür-Oachobergars, und Jos. Ant. Köb, Schloßburos. Nur Köb baute sein Haus sofort wieder auf. Der zweite Platz beim Gasthof Hirschen stand mehr als 40 Jahre lang leer. Mit dieser Feuernacht begann eine ganz unheimliche Brandserie, die in den folgenden sieben Jahren insgesamt 21 (!) Häuser in der Gemeinde vernichtete. Dafür gab es zwei Gründe: Erstens: Das elektrische Licht! - Die von der Firma Loacker seit 1900 installierten Leitungen waren in den Häusern nur dürftig isoliert und eine ständige Gefahrenquelle. Es gab noch keine Zähler und viele unerfahrene Hausbesitzer manipulierten an den ohnehin fragwürdigen Sicherungen. 32 33 Zweitens: Der Stickerei-Boom, der von 1905 bis 1907 viel Geld ins Dorf gebracht und Bauern und Handwerker zu großen Investitionen verlockt hatte, war 1908 plötzlich zusammen gebrochen. Nun mußten viele Sticker große Schulden verzinsen. Die Not brachte manche in Versuchung, Feuer zu legen und die Brandversicherung in Anspruch zu nehmen. Ähnliches sagt man ja noch heute den Lustenauer Stickern nach: „ Warm abbreocho!" Als einzelne Hausbesitzer sogar versuchten, die Feuerwehr am Löschen zu hindern, mußten Vorsteher Ferdinand Köb und Kommandant Josef Anton Schwerzler durchgreifen: „.... daß bei den gegenwärtig häufig vorkommenden Brandfällen die Wahrnehmung gemacht wurde, daß man die Feuerwehr beeinfluße möglichst wenig zu löschen, was dieselbe unter keinen Umständen annehmen dürfe .... sondern sich stets stramm an das Kommando halten. " (FW-Protokoll 59 v. 16. Jänner 1910) 26. u. 27.) 1908, 23. Juli. D 260 u. 262. Großbrand in Rickenbach-Loch. Auch die Großschreinerei Lenz, eine Möbel- und Parkett-Fabrik, war im Besitz von Josef Karg in Schwierigkeiten geraten und brannte ab. Das Nachbarhaus des Ferdinand Müller, Stases im Lo, wurde durch das Feuer ebenfalls vernichtet. Beide Brandplätze zeigten noch viele Jahre lang die geschwärzten Grundmauern, bis die Firma Doppelmayr hier eine große Werkshalle errichtete. 1908, 29. Januar. D 14, Achstraße 3, Hohl Martin u. 30.) 1908, 31. März. D 20 u. 21, zwei alte Häuser an der Ach im Besitz von Johann Müller und Gebhard Kresser. Die Brandplätze wurden vereinigt für das neue Kresser-Haus, in welches später das Textilhaus Rohner und die Beschützende Werkstätte Bregenzerstraße 31 eingebaut wurden. 1908, 19. Juni. D 16, bei Achstraße 1. Nur wenige Wochen nach den anderen drei Häusern verbrannte an der Ach ein viertes Haus. Ein Jahr zuvor war es aus dem Nachlaß des Wagners Hieronymus Böhler, Holzerschmieds, in den Besitz von Emil Brüngger gekommen. Der Platz westlich der Traube Achstraße 1 blieb seither frei. u. 33.) 1909, 14. Januar. D 48, Auf dem Bühel 5 des Hilar Köb. Hilares Hus war im Oberfeld erst 1892 ganz neu gebaut worden. Nun brannte es gemeinsam mit der davor stehenden großen Maschinen-Stickerei der Brüder Köb, Lehrars, völlig ab. Der Zimmermann Hilar Köb baute sein Haus besonders schön „im Jugendstil" neu auf. 1909, 29. Januar. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Das noch fast neue Haus brannte 1909 zum ersten Mal ab und wurde von Martin Schertler sofort neu aufgebaut. Siehe Nr. 45! 1909, 24. Aug. D 301. Erst acht Jahre alt war das Haus des Ignaz Hämmerle an der Ach, das 1909 ebenfalls schon verbrannte. Viel später baute die Familie Sohm hier ihr neues Haus Achstraße 16. 1911, 8. Juni. D 290, Dornbirnerstraße 31, Putzers. Damit verbrannte am Bild 22: Das Schloß ist am 12. Dezember 1939 abgebrannt. 28.) 29. 31.) 32. 34.) 35.) 36.) 34 Bild 23: Haus Gorbach in der Bütze 1956. Beim Brand mußte Frau Eugenie Theurer sterben. 35 37. 39.) 40.) 41. 43.) 44.) 45.) 46.) 47.) anderen Dorfende das südlichste Haus der Gemeinde. u. 38.) 1911, 14. Juni. D 46 u. 47, Auf dem Bühel 1 u. 3. Wieder vernichtete das Feuer zwei Häuser auf einmal, des Gebhard Köb, Schrinars, und des Johann Köb, Meßmars. Während Johann sein Haus sofort wieder aufbaute, errichtete Gebhard vorerst nur einen großen Stadel beim OberfeldWäschhüttle. Viel später wurde auch dort eine Wohnung eingebaut. 1911, 12. Sept. D 248, Rickenbacherstraße 1. Nahe beim Kreuz war oberhalb des schon 1897 (Nr. 12) abgebrannten Doppelhauses ein weiteres ebenso uraltes Doppelhaus C 213/214 gestanden, das die Besitzer zu D 248 vereinigt hatten. Im Besitz von Franz Josef Forster wurde es im September 1911 vom Blitz getroffen und eingeäschert. Forsters bauten es neu auf. 1912, 12. Juni. D 243, der „Löwen". Eines der wichtigsten Wolfurter Häuser, zeitweise Sitz des Hofsteig-Ammanns, brannte 1912 im Besitz der Familie Fischer ab und wurde nicht mehr aufgebaut. An seinem Platz wurde die Brühlstraße neu in die Dornbirnerstraße eingeleitet und daneben viel später der Kiosk Kögl errichtet. u42.) 1913, 6. Aug. D 183 u. 184, Hofsteigstraße 13 u. 15. Schon wieder ein Doppelbrand! Das Haus des Alois Ammann wurde schwer beschädigt. Die Ruine kaufte später Josef Festini und baute das Haus neu auf. Das zweite Haus der Familie Bildstein, Wangars, brannte dagegen völlig ab. Beim Neubau setzte man zwischen Haus und Stadel eine „Feuermauer" als Schutz ein. 1913, 19. Aug. D 185, Hofsteigstraße 12. Nur zwei Wochen nach Bildsteins brannte auf der anderen Straßenseite „Steonnowirts Hans-Irgos" wieder ab, zum zweiten Mal nach 1902 (Nr. 19). Wieder baute die Familie das schöne Haus auf, diesmal ebenfalls mit einer mächtigen Feuermauer. 1913, 27. Aug. D 293, Unterlindenstraße 5. Erst zehn Jahre alt war Brauchles Haus, das sie sofort neu errichteten. 1913, 17. Sept. D 178, Im Himmelreich 3, Kassians. Zum zweiten Mal nach 1909 (Nr. 34). Wieder baute es die Familie Schertler neu auf. 1914, 19. April. D 337, Unterlindenstraße 2, Pius Bitriol. Über den Grundmauern gegenüber vom Vereinshaus erbaute Wilma Böhler, Postmoastors, erst um 1955 ihr neues Haus. 1914, 3. Juni. D 228, Hofsteigstraße 42, des Gebhard Schwerzler, Rasiorars in Rickenbach. Den Brandplatz erwarb Johann Winder und errichtete darauf seine große Schreinerei und Karniesen-Erzeugung. Bild 24: Gasthof Lamm 1965. Weltkriege und Zwischenkriegszeit 48.) 1915,2. Juli. D 223, droben im Bannholz. Das einst sehr wichtige „BaholzarHus " brannte im ersten Kriegsjahr 1915 ab und wurde nicht mehr aufgebaut. Die Geschwister Schwerzler übersiedelten auf die Steig in das Stammhaus der Stöoglar-Fischer und übertrugen ihren Hausnamen „Baholzars " dorthin. 49.) 1916,20. Januar. D 236, Hofsteigstraße 52, des Wilhelm Arnold. Dieses Haus 36 Bild 25: 1969 sind an der Achstraße zwei Häuser abgebrannt: Künz und Kalb. 37 soll früher einmal das Gasthaus „Gemsle" gewesen sein. Im Feuer gingen auch die Geräte und Akten des Rickenbacher Turnvereins und dessen Fahne zugrunde. Bis hierher führt uns die Liste aus dem Protokollbuch der Feuerwehr. Eine erste Fortsetzung bis 1969 findet sich in der Festschrift von 1973. 50.) 1918, 19. Juli. D 186, Eulentobel 1, des Josef Höfle, Brunnenmeister am Hübler Brunnen. Höfle übersiedelte an die Kellhofstraße ins Kirchdorf. Auf dem Brandplatz erbaute später Josef Winder ein neues Haus. 1926, 23. Okt. D 192, Hofsteigstraße 16 des Martin Wohlgenannt, Kassians Hus. 1926, 8. Nov. D 356, Dammstraße 8, Dampfsäge des Anton Österle, der inzwischen Traubenwirt geworden war und Mieter eingelassen hatte. Hier baute sein Sohn Josef die Spenglerei Österle. 1930, 18. Aug. D 96, Bützestraße 14, des Martin Köb. Schloßburos. Dabei verbrannten auch einges


Heimat Wolfurt Heft 29 2006 September
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 29 Zeitschrift des Heimatkundekreises September 2006 Bild 1: Die Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Für ihre Sicherheit bezahlte der Kaiser mit dem Kellhof Wolfurt. Inhalt: 145. Die Staufer und der Kellhof 146. Rund um den Kirchplatz 147. Die Bregenzerstraße 148. Das Schwesternhaus 149. Der Buggenstein 150. St. Rochus und die Pest 151. Die Dornbirner Mohr 152. Haus Gunz in Rickenbach Bildnachweis Mohr Hubert Hinteregger Karl Heim Siegfried Köb Engelbert Schertler Rudolf Fischer Hannes Ost. Nat.-Bibl. Dornb. Schriften Sammlung Heim 3,10,14,16,19 8, 23, 31 4, 5, 7, 13, 15, 17, 20, 27, 29, 30, 31, 33, 37 9 12 24 1,2 34, 35 6, 12, 18, 21, 26, 28, 36, 38 Zuschriften und Ergänzungen Bitte! Nach der Aussendung des farbigen Sonderheftes „Die Schützen" legen wir diesem Heft 29 wieder einen Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. In eigener Sache: Der Name „Wolfurt" Nach einigem Zögern habe ich mich entschlossen, nach dem Schützen-Heft Nr. 28 doch noch einmal ein weiteres Heimat-Heft folgen zu lassen. Mein besonderes Anliegen ist dabei der Beitrag über die Staufer. Nach vieljähriger Beschäftigung mit der Geschichte von Wolfurt und nach intensivem Studium von Akten und Pergamenten in verschiedensten Archiven fühle ich mich verpflichtet, zwei Sätze in den Wolfurter Büchern und in den Heimatkunde-Heften der Schüler zu berichtigen. Es geht um die Entstehung von Schloß Wolfurt und um die Herkunft des Namens Wolfurt. Über beides habe ich schon mehrfach geschrieben, etwa in Heft 24 unter „Wolford" oder in Heft 22 unter „Rickenbach". Die jetzige Wiederholung ist vor allem eine Einladung an die Heimatkunde-Lehrer, diese Sätze in ihre Vorbereitungen aufzunehmen! Ich selbst muß auch einige von meinen früheren Aussagen zu diesen Themen berichtigen. Filme Über „Kirchdorf und „Röhle" habe ich im letzten Jahr zwei Vorträge gehalten. Emil Büchele hat beide als Filme aufgenommen und mit vielen Fotos bereichert. Kopien sind unter den Titeln „Vom Schwanen bis zum Wälderhof' und „Das Dorf und die Dörfler" sehr preiswert im Gemeindeamt erhältlich. Dort gibt es auch noch die Film-Kassetten „Fleißzettel und Tatzen" über die Wolfurter Schulgeschichte und „Mönche und Ritter" über das Schloß. Fahrräder (Heft 27, S. 9) Elmar Eberle konnte die Hochrad-Fahrer auf Bild 4 nach einem ähnlichen Bild identifizieren. Es zeigt eine Fasnat-Ausfahrt im Jahre 1928. Von links: Martin Schwärzler (Klamporar), Wucher (ein Schreinerlehrling bei Rudolf Fischer), Seppl Köb (Sattlars Seppl von der Steig) und Siegfried Fischer (Schnidarles). Elmar besitzt als bekannter Bastler auch noch das ganz alte Mechaniker-Werkzeug, mit welchem sein Urgroßvater Josef Fischer (1823-1902) u.a. winzige Gewinde für die Fahrradspeichen schneiden konnte. Demnach hat der Schreiner Josef Fischer (Schnidarles) diese Hochräder selbst erzeugt. Noch lange blieb eines davon auf Eberles Dachboden erhalten, bis Elmar und Adalbert damit ihre Runden durch Strohdorf und Hub drehten und es schließlich demolierten. Andere Wolfurter wissen zu erzählen, wie sie schon um 1947 mit ihrem schweren Waffenrad rund ums Ländle fuhren und dabei das schwere Fahrzeug auf der Schulter über den steilen Pfad von Schröcken nach Hochkrumbach hinauf trugen. Bald genügte ihnen das nicht mehr. Ohne Gangschaltung überwanden sie Brenner und Reschen und sogar den gefürchteten Splügen in der Schweiz und rollten nach Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 28) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Bozen, nach Mailand und sogar bis Venedig. Auf dem Gepäcksträger den Rucksack mit Schwarzbrot und ein paar Konservendosen zum Essen und eine alte MilitärZeltbahn zum Schlafen! O du gute alte Zeit! Ahnenforschung Viel Zeit und Eifer investieren immer wieder traditionsbewußte Leute in die Erforschung ihrer Sippen. Besonders genau machen das zum Beispiel Remigius Brauchle und Richard Gmeiner mit den langen Reihen der Kassiänler-Schertler, Gmeinder, Dür, Höfle, Rohner, Müller, Schelling, Kohler, Zehrer, Scheffknecht und von einigen anderen Familien, die auf weiten Wegen von Ober-Bildstein, Lauterach, Lustenau und aus dem Schwabenland in unser schönes Wolfurt gefunden haben. Auch für mich bleiben bei diesen Forschungen Überraschungen nicht aus. Schon mehrmals habe ich über die „Sammüller"-Böhler geschrieben und dabei erklärt, daß ihr uralter Hausname von ,,Ammann Müller", einem früheren Besitzer des Hauses an der Kellhofstraße stammt. Dieses Geschlecht sei 1915 mit dem Sattler Gebhard Müller erloschen, der sein Haus im Kirchdorf dem Konsum zur Verfügung gestellt hatte. Nun hat sich ein anderer „echter" Sam-Müller gemeldet, Arthur Müller, Jg. 1938, aus Frastanz. Sein Ahn Gebhard Müller, 1802-1864, war ein Enkel des Gotteshaus-Ammanns Johann Müller gewesen. Gebhards Mutter Katharina Blank, die auch die Ahnfrau der Sammüller-Böhler ist, war 1808 beim Wäsche-Waschen in der Ach ertrunken. Lies darüber in Heft 11, S. 19! Gebhard erlernte das Schmiede-Handwerk und gelangte als Handwerksbursch um 1820 nach Wangen im Allgäu, wo er eine Familie gründete. Von seinen Enkeln fand Franz Müller als Schuhmacher nach Nenzing. Dessen Enkel Arthur Müller hat nun in Wangen gesucht und dort den Weg zurück nach Wolfurt gefunden. Rohner-Familien (Heft 27, S. 29) Nicht nur in Wolfurt, sondern auch in Fußach und in Dornbirn ist dieser Beitrag auf Interesse gestoßen. Aus Dornbirn fragte Franz Wehinger, der ehemalige Leiter des Arbeitsamts, an. Er schickte interessante Fotos aus dem Stadtarchiv. Eines zeigt seinen Urgroßvater Joh. Kaspar Rohner, 1827-1915, mit Frau Katharina Dietrich und zwölf Kindern. Kaspar war ein Urenkel des 1709 noch in Wolfurt geborenen Johann Rohner aus dem Stamm der „ Orglar "-Rohner und lebte nun als Bauer auf Heilgenreuthe. Von seinen zwölf Kindern gehen viele Linien aus, eine davon auch zu „Rohners vom Bürgle" in Mühlebach. Aus dieser stammt der von seinem Wirken in Übersee und aus vielen Leserbriefen bekannte Pfarrer Helmut Theodor Rohner. Wolfurter Blut! Siegfried Heim Die Staufer und der Kellhof Aus dem mittelalterlichen Kellhof ist unser Kirchdorf hervorgegeangen. In mehreren Beiträgen habe ich seine Geschichte gestreift.1 Hier möchte ich das Wesentliche noch einmal zusammenfassen. Daß die mächtigen Stauferkaiser bei der Gründung von Kirche und Dorf Wolfurt Pate gestanden sind, hat mich überrascht. „Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil'gen Land gezogen kam ..." Ganze Generationen von Schülern haben Uhlands berühmte Ballade im Ohr und den mächtigen Kaiser vor Augen. Friedrich Barbarossa wollte das zerfallenene Reich Karls des Großen wieder aufrichten und sammelte dazu Ritter aus ganz Europa unter seinen Fahnen. Sechs Kriegszüge führte er über die Alpen gegen die widerspenstigen reichen Städte in Italien. Seine Heere erlebten Triumphe und fürchterliche Niederlagen. Als der Kaiser dann auch noch einen Kreuzzug ins Heilige Land unternahm, starb er im Jahre 1190 ganz plötzlich bei einem Bad im türkischen Fluß Saleph. Das Volk in Deutschland, durch Jahrzehnte geblendet von des Kaisers Pracht und Macht, wollte aber seinen Tod nicht wahr haben. In den tiefen Karsthöhlen im Kyffhäuser harre er auf seine Wiederkunft, um dann das zersplitterte Reich zu einen. So erzählte bald die Sage. Wie aber kamen Kaiser Rotbart und das Geschlecht der Hohenstaufen zu ihrem Einfluß auf unser damals noch sehr kleines Dorf Wolfurt? Als die Grafen von Bregenz im 10. Jahrhundert ihren Besitz teilten, behielt die Bregenzer Linie das Schloß in der Oberstadt, in welchem 949 der Hl. Gebhard geboren worden war. Dazu gehörte auch fast das ganze Umland, darunter der für die Versorgung des Schlosses wichtige Hof Steig. Die Pfullendorfer Linie bekam dagegen Lindau und den Kellhof. Geteilt wurden auch die Pfarrkirche St. Gallus in Bregenz, die vielerlei große Einkünfte besaß, und der Bregenzerwald, dessen Besiedlung gerade begonnen hatte. Die Bregenzer übernahmen den Vorderwald mit Lingenau und Andelsbuch. Das Gebiet links der Ach, wo später Egg und Schwarzenberg entstanden, fiel dagegen an die Pfullendorfer. Damit wird klar, warum der Graf von Pfullendorf Wert auf den Kellhof gelegt hatte: der lag ja mitten im gegnerischen Gebiet. Er brauchte ihn als Ausgangspunkt und Verbindung zu seinen neuen Siedlungen hinter der Lorena. Als die Bregenzer ihren Besitz in Andelsbuch um 1085 mit dem Bau eines Klosters absicherten, taten die Pfullendorfer ähnliches mit dem Bau einer Kapelle St. Nikolaus auf dem Bühel oberhalb ihres Kellhofes. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen, besonders als im blutig ausgetragenen Investiturstreit die Pfullendorfer zusammen mit dem Kloster St. Gallen auf die Seite des Kaisers traten, die Bregenzer dagegen mit ihrem Kloster Mehrerau auf die Seite des Papstes. 5 4 Bild 2: Der Stauferkaiser Friedrich Barbarossa mit seinen Falknern. Bild 3: Pfarrkirche St. Nikolaus. An ihrem Platz stand schon um 1090 eine Kapelle. Neuer Streit begann um 1165 im Krieg um das Erbe des letzten Grafen von Bregenz zwischen Hugo von Tübingen und Rudolf von Pfullendorf. Jetzt griff Kaiser Friedrich Barbarossa ein. Er entschied den Kampf für die Pfullendorfer, die damit auch Herren von Bregenz und fast des ganzen Rheintals wurden. Dafür verpflichteten sie sich, den Kaiser auf seinem vierten Kriegszug nach Italien zu begleiten. So ritt also an des Kaisers Seite auch Rudolfs Sohn Berthold von Pfullendorf, für den als einzigen Erben die Grafschaft am Bodensee bestimmt war. Vor den Toren Roms errang das Stauferheer einen großen Sieg. Dann aber brach eine TyphusEpidemie aus, die mit zahlreichen Kriegern auch den jungen Berthold dahinraffte. Der Kaiser mußte über die Alpen fliehen. Jetzt überließ der alternde Graf Rudolf die kurz zuvor erworbene Grafschaft Bregenz seinem früheren Gegner Hugo. Seine Privatgüter aber, darunter Lindau, 6 den Kellhof und Schwarzenberg, übergab er dem Kaiser Friedrich Barbarossa. So wurden die Kapelle St. Nikolaus und die aufstrebende Ansiedlung am Fuß des Kirchbühels kaiserlich staufisches Gut.2 Bald danach dürfte Barbarossa um das Jahr 1180 seinen Besitz mit der Errichtung einer Burg zusätzlich befestigt haben. Nach damaligem Brauch gab er sie einem seiner Ritter als Lehen. Den Namen des ersten Burgherren kennen wir zwar nicht aus Dokumenten, wohl aber aus der Überlieferung. Als erster hat diese der Historiker Weizenegger um 1820 aufgeschrieben: „ daß die ursprünglichen Wollfurth im 13. Jahrhundert aus politischen Gründen Schottland verließen, und eigentlich den Namen M 'Dewr the Wolf ...führten. Sie sollen nach Italien gezogen seyn, und sich später in unserem Ländchen niedergelassen haben, wo ihr Name in Wolvesford 7 Bild 4: Schloß Wolfurt. Es wurde zu Barbarossas Zeit um 1180 gebaut. gewann. Aber Kaiser Heinrich starb schon mit 32 Jahren in Messina und wurde im Dom von Palermo begraben. Sein einziger Sohn war erst drei Jahre alt. In wechselvollen Kämpfen gegen aufsässige deutsche und italienische Fürsten und vor allem auch gegen die Päpste gewann der Heranwachsende aber schließlich doch das bereits verlorene „Heilige Römische Reich" wieder. Papst Honorius III. war ihm zunächst wohlgesinnt und krönte ihn sogar im Jahre 1220 in Rom als Friedrich IL zum Kaiser. Kurz zuvor hatte der Papst auch das den Staufern nahestehende Kloster Weißenau bei Ravensburg unter seinen besonderen Schutz genommen. Diese Papst-Urkunde vom 31. März 1219 ist die älteste, die den Namen „ Wolfurt" enthält.4 Unter den 72 dort genannten Besitzungen des Klosters ist das „predium in Wolfurt" die einzige im heutigen Vorarlberg. Aber schon wenige Jahre später vermittelte Weißenau einen viel wichtigeren Bezug der Staufer-Kaiser zu Wolfurt. Das Reich hatte keine feste Hauptstadt. Seine Schwerpunkte lagen in Aachen, Mainz, Bamberg und Straßburg, aber auch im burgundischen Arles, in Pavia, Neapel und Palermo. Wo der Kaiser gerade Hofhielt, war der Mittelpunkt des Reiches. Es war für ihn viel zu riskant, die Insignien seiner Macht, vor allem Szepter und Krone, ständig mit sich zu führen. Zu viele aufständische Konkurrenten strebten nach deren Besitz. Da vertraute er diese kostbaren Schätze den Mönchen von Kloster Weißenau an. Nun ruhten sie, bewacht von zwei Prämonstratenser Chorherren, mehrere Jahre lang verborgen auf der Waldburg in der Nähe von Weißenau. Für diesen unschätzbaren Dienst sollten die Mönche entsprechend entschädigt werden. Im Auftrag des Kaisers schenkte sein Sohn König Heinrich VII. dem Kloster im Jahre 1226 wertvollen Grundbesitz. Es bekam die dem Kaiser gehörige Pfullendorfer Hälfte der Pfarre St. Gallus in Bregenz und die Kapelle St. Nikolaus in Wolfurt. Daraus bezog es ab jetzt jährlich 250 Malter Getreide als Zehent, dazu 6000 Liter Wein und noch manches andere.5 Also: Der Kellhof Wolfurt war im Jahre 1226 ein Geschenk von Kaiser Friedrich II. an das Kloster Weißenau für die sichere Bewahrung der Krone! Wolfsführe - und nach und nach in Wolffurth überging."3 So überraschend genau ist der überlieferte Text, daß er sogar noch vom Zug des Ritters nach Italien berichtet. Wir dürfen also festhalten: Kaiser Friedrich Barbarossa hat um das Jahr 1180 den Ritter Wolford auf sein staufisches Schloß gesetzt. Hier liegt die Wurzel zum Namen unserer Gemeinde und keineswegs, wie bisher in den Schulen gelehrt, in einer „wohlen Furt" über die Ach. Der Kaiser hat dann 1186 noch einen letzten (den sechsten!) Kriegszug nach Italien geführt, ehe er auf dem Kreuzzug vom Tod ereilt wurde. Nachfolger wurde sein Sohn Heinrich VI., der in verlustreichen Kämpfen auch noch das Erbe seiner Frau Konstanze, das Königreich Sizilien, zu seinem nun übermächtigen Stauferreich 8 So wichtig war dem Kloster die neue Erwerbung, daß es sich die Schenkung noch mehrfach in weiteren Urkunden vom Kaiser selbst, vom Papst, vom Bischof und vom Herzog von Bayern bestätigen ließ. Der Geschenkgeber, König Heinrich, empörte sich übrigens 1232 gegen seinen kaiserlichen Vater. Er wurde von diesem gefangen und starb im Kerker. Nachfolger als deutscher König wurde sein jüngerer Bruder Konrad IV. Der hielt seinem Vater die Treue, auch als dieser vom neuen Papst Innozenz IV. mit dem Bannstrahl geächtet wurde. Seine Truppen überfielen und plünderten das päpstlich gesinnte Kloster Mehrerau. Jetzt erhielt auch dieses vom Papst am 17. September 1249 jenen großen Schutzbrief, in welchem unter 60 Orten erstmals die Steig und Rickenbach dokumentiert sind.6 9 Mit dem Tod von Kaiser Friedrich II. im Jahre 1250 schwand die Macht der Staufer. Sein Nachfolger Konrad IV. starb mit 26 Jahren schon 1254. Als letzter aus dem einstmals so stolzen Geschlecht wurde der 16jährige Enkel Konradin gar im Jahre 1268 in Neapel enthauptet. Der Kellhof aber blühte auf und entwickelte sich mit der zur Pfarrkirche erweiterten Kapelle St. Nikolaus zum Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Und die Krone? Die wunderbare, mehr als 1000 Jahre alte Kaiserkrone des Heiligen Römischen Reiches? Ein Reif aus acht massiv goldenen Platten mit aufgesetztem Kreuz und Bügel. Nach einem theologischen Konzept herrlich geschmückt mit Edelsteinen, Perlen und Emailarbeiten. Auf langen Umwegen gelangte sie im Jahre 1800 nach Wien. Der letzte „Römische Kaiser" Franz IL legte sie 1806 ab und barg sie in seiner Hofburg. Im „Dritten Reich" wurde sie 1938 nach Nürnberg entführt. Die Amerikaner brachten sie nach Wien zurück. Tausende Besucher ziehen jetzt in der Schatzkammer an ihr vorbei, halten staunend still und denken an Kaiserpracht und versunkenen Glanz. Siegfried Heim Rund um den Kirchplatz In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts glaubte man, unser altes Kirchdorf sei sterbenskrank. Der Dorfbrunnen war abgebrochen worden. Der Kirchplatz vom Autoverkehr überschwemmt. Viele Geschäfte und Gasthäuser geschlossen. Die alten Bauernhäuser den Zuwanderern aus fremden Ländern überlassen! Nun ist das Dorf um das Jahr 2000 aber wieder zu neuem Leben erweckt worden. Der große rote Platz bringt mit regelmäßigen Markttagen die Menschen zusammen. Neue Geschäfte, Arzt-Ordinationen und schöne Wohnungen ergeben ein anderes Bild. Ein Spielplatz, ein kleiner Bach, ein vielbeachtetes Spielzeug-Museum lassen wieder Kinderlachen hören. Aus dem Dorfbrunnen sprudelt frisches Wasser! Viel Mut, viel Arbeit und viel Geld waren für diese Erneuerung notwendig. Wir sind den Verantwortlichen unserer Gemeinde dankbar dafür. Wir dürfen auf unser Kirchdorf wieder stolz sein! Das Dorf hat eine lange und wechselhafte Geschichte. In vielen Beiträgen in unserer Zeitschrift habe ich darüber berichtet.1 Hier fasse ich das Wesentliche noch einmal zusammen. Eine Wiederholung für eifrige Leser, aber auch eine Einführung für jene, die die alten Hefte nicht besitzen! Zur Zeit von Christi Geburt führte am Talrand eine Römerstraße zur Furt über die Ach nach Brigantium. Um das Jahr 500 ließen sich alemannische Bauern am Tobelbach nieder. Hier fanden sie Holz für ihre Häuser, frisches Wasser und fruchtbaren Ackerboden. Etwa ab dem Jahr 1000 mußten einige Höfe im Umland die Grafen von Bregenz versorgen, darunter der „Hof zue Staig" in Rickenbach und der „Kelnhof" am Tobelbach. „Keller" ist ein altes Wort für „Verwalter". Von den Grafen von Bregenz fiel der Kellhof an die Grafen von Pfullendorf, dann an Kaiser Barbarossa und schließlich an das Kloster Weißenau. Lies darüber im Beitrag „Die Staufer und der Kellhof'! Der Kellhof erhielt in dieser Zeit eine Kapelle St. Nikolaus und das Schloß auf dem Bühel und auch den neuen Namen „ Wolfurt". Jetzt entwickelte er sich zum Kirchdorf. In der Kirche behielten die Weißenauer Mönche ihren Einfluß bis 1600. Der Kellhof aber wurde mit seinen zeitweise zweihundert Leibeigenen mehrfach verpfändet und verkauft. Er kam zuerst in den Besitz der Grafen von WerdenbergBludenz, dann 1402 für 1100 Goldgulden an Montfort-Bregenz und schließlich 1515 nach weiteren Verpfändungen an den bekannten Landsknechtführer Merk Sittich von Hohenems. Verpfändet und verkauft! Mit Frauen und Männern, mit Äckern und Wäldern, einfach verkauft!2 Das gleiche Schicksal hatte im Jahre 1451 auch die Hofsteiger getroffen. Als es deren Herrin, der Gräfin Elisabeth von Bregenz, an Geld mangelte, verkaufte sie ihre 11 1 Heim, „Wolford", Heimat Wolfurt, Heft 24 / 2000 und „Weißenau", Heimat Wolfurt, Heft 17/1996 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs, I, S. 138 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg, 2 / 1839, S. 350 Kopie abgedruckt in Info Wolfurt, April 2004, S. 16. Siehe auch VLA, Helbok-Regesten Nr. 353! Binder, 850 Jahre Weißenau, 1995, S. 248 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 364 Heim, „ 750 Jahre Rickenbach ", Heimat Wolfurt, Heft 22 / 1999 und VLA, Helbok-Regesten Nr. 445 2 3 4 5 6 10 halbe Stadt samt Hofsteig an Sigismund den Münzreichen, den Habsburger Herzog von Tirol. Seither, seit 1451, gehört Rickenbach mit den-anderen Hofsteiger Dörfern zu Österreich. Nicht so der Kellhof! Der verblieb noch dreihundert Jahre lang unter der Herrschaft der reichsunmittelbaren Hohenemser Grafen. Erst im Jahre 1765, als deren Geschlecht im Mannesstamm ausstarb, fiel auch Hohenems mit seinen Besitzungen in Lustenau, Dornbirn und im Wolfurter Kellhof an den Kaiser und damit an Österreich. Gräfin Rebekka, die Tochter und Erbin, hatte nach Böhmen geheiratet. Nun machte sie ihre Rechte zu Geld. Im Jahre 1771 kauften vier angesehene Wolfurter für insgesamt 4500 Gulden die letzten Hohenemser Besitzungen frei, darunter die fast zwei Hektar große „Bütze", den von einer Mauer gegen Hochwasser geschützten Emser Weingarten. Bald danach wurden die Reben ausgerissen und zuerst Heims und dann Rädlers Haus in den ehemaligen Garten gebaut. Bei Rädlers Haus blieb ein Stück von der alten Mauer noch bis 1976 stehen. Schon lange vor Rebekkas Zeit waren die Grenzen zwischen den beiden Gerichten, zu denen sich die gräflichen Höfe entwickelt hatten, durchlässig geworden. Durch Heiraten hatten sich die Besitzverhältnisse geändert. Jetzt gehörten viele Dörfler zu Hofsteig, Kellhofer wohnten umgekehrt auch in Schwarzach, Kennelbach und in Langen. Jedes Jahr aber mußten sich die Kellhofer Männer zur Musterung vor dem Emser Grafen oder seinem Vogt bei der Standlaube neben der Kirchenstiege einfinden. Zu großen Festen, etwa zur Hochzeit des Grafen, mußten sie sich sogar mit ihren Waffen in Hohenems aufstellen.3 Die Neuzeit hatte begonnen. Dem Hofsteiger Ammann Sebastian Schnell, der drüben an der heutigen Schloßgasse wohnte, gelang es, die beiden eifersüchtigen Äbte von Mehrerau und Weißenau an einen Tisch zu bringen und zur Gründung einer selbständigen Pfarrei St. Nikolaus zu bewegen. Seit 1512 müssen die Wolfurter und mit ihnen auch die Bucher und Bildsteiner nicht mehr zum Sonntagsgottesdienst durch die Ach waten. Seither haben sie einen eigenen Taufstein und einen eigenen Friedhof! Noch einen weiteren Erfolg konnte Ammann Bascha Schnell für sich verbuchen. Der Schloßherr Junker Jakob von Wolfurt erlaubte ihm, die Quellen bei seinem Weinberg zu fassen und durch Düchel-Rohre zu einem Brunnen auf dem Dorfplatz zu leiten, zum allerersten Brunnen. Mehr als vierhundert Jahre lang versorgte dieser Brunnen nun das Dorf mit Trinkwasser für die wachsende Anzahl von Einwohnern und auch mit Wasser zum Tränken der Tiere. Allerdings schöpften viele Bauern weiterhin wie bisher ihr Wasser aus dem Tobelbach. Wenn klirrender Frost oder anhaltende Trockenheit den Bach versiegen ließen, kamen sie aber auch zum Genossenschafts-Brunnen und nutzten dort ihr Recht. Der älteste „Seelenbeschrieb" von 1760 hatte erst 56 Häuser und dazu Kirche und Pfarrhof zum Dorf gezählt. Nach der Verteilung der Äcker dehnte es sich aber jetzt schnell nach Norden ins Röhle-Feld, nach Süden fast bis Unterlinden und nach Westen weit in die Bütze hinab aus. 12 Bild 5: Der neue Brunnen auf dem Kirchplatz Nach den im Gemeindearchiv aufbewahrten Brunnenbriefen waren im Jahre 1816 bereits 71 Genossen zur Wasser-Entnahme am Dorfbrunnen berechtigt. Es wurde eng, wenn aus 51 Ställen 83 Kühe und 34 Pferde zur Tränke geführt wurden.4 Auffallend ist dabei die niedrige Zahl der Kühe und die hohe der Pferde. Die Pferde setzte man beim Getreide-Anbau ein, der damals noch die weitaus wichtigste Lebensgrundlage der Wolfurter war. Kühe nutzte man dagegen hauptsächlich zur Eigenversorgung der großen Familien mit Milch. Sennereien gab es in Wolfurt noch nicht. Um dem täglichen Gedränge am Brunnen auszuweichen, faßten immer mehr Bauern eigene Quellen am Berghang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstanden es die Brunnenmacher auch schon, Pumpbrunnen ins Grundwasser zu setzen. Damit konnte man den steigenden Bedarf für die größer gewordenen Ställe, aber auch für Waschfrauen und Schnapsbrennereien decken. Große Angst hatte man weiterhin vor den Feuersbrünsten, die so manchen Hof in Schutt und Asche legten. Es muß ein gütiger Gott seine schützende Hand über die alten Holzhäuser im Dorfkern gehalten haben, daß es hier nie zu einer ganz großen Katastrophe gekommen ist. In jeder Küche loderte ja bis etwa 1850 ein offenes Feuer unter dem Kamin-Schurz. Löschwasser schöpfte man mit ledernen Kübeln aus dem Bach, wo Nachbarn mit Fallen das Wasser aufstauen konnten. Viel mehr als alle Schadensfeuer hat aber dann die moderne Zeit unter den alten Häusern gewütet. Dutzende von ihnen fielen der Spitzhacke zum Opfer, zerbrachen unter den Rammstößen der Bagger. Schließlich setzte in den letzten dreißig Jahren ein Umdenken ein. Von den allerletzten Rheintalhäusern wurden doch etliche behutsam renoviert und gelten heute als Schmuck der Gemeinde. Insgesamt 16 Häuser füllten früher einmal den Stock, das ist der Raum zwischen dem Dorfbrunnen und dem Kleinen Brunnen beim Kreuz an der Kreuzstraße, dicht aus. Davon stehen heute noch drei: der Alt Schwano, Sammüllars und s Schwöstoro-Hus. 13 Drei von 16! Die sind dafür alle drei vorbildlich hergerichtet worden. Weitere renovierte Häuser findet man noch ein paar an anderen Dorfstraßen. Mit den folgenden Zeilen will ich vor allem die alten und die verschwundenen Häuser ins Gedächtnis rufen. Mitten im Dorf stand einst am Rand des Kirchplatzes die hölzerne Laube, das ,,tanz-hus" (T). Unter ihrem Dach war der Platz für die öffentlichen Gerichtssitzungen und Beratungen. Nach dem Sonntags-Gottesdienst verkündigten der Ammann und sein Waibel wichtige Neuigkeiten und gaben die Anweisungen für die Arbeiten bei Saat und Ernte in der kommenden Woche. Die Laube bot aber auch Platz für den Tanz in der Fasnat und für allerlei Kurzweil. Das war der Grund, warum sie der überfromme Pfarrer Barraga im Jahre 1830 abbrechen ließ. Daneben stand „An der Kirchstiegen " das uralte „Hanso Hus". Dort hatte der Arzt Antonius Bildstein seine Praxis und die damit verbundene Barbierstube gehabt. Nun richtete sein Sohn Crispin Bildstein um 1770 hier den allerersten Kaufladen ein. Nach der Messe war er für die Hausfrauen geöffnet. Manche mußten ihre Schulden anschreiben lassen. Kunden aus Buch bezahlten oft mit Rebstecken oder mit Heugeschirr. 1928 wurde Hanso Hus zum Bau des Kriegerdenkmals abgebrochen. Auf der anderen Seite der Kirchstiege stand das stattliche Gasthaus „Rößle". Seine beste Zeit hatte es mit Bäckerei, Handlung und Tanzsaal ab 1850 unter der Wirtsfamilie Fidel Müller. 1982 wurde es abgebrochen, 1985 entstand hier das neue Pfarrheim. Gegenüber befand sich hinter dem Dorfbrunnen das älteste Gasthaus im Dorf, das man heute als den „Alten Schwanen" bezeichnet. In der dortigen Stube fanden die Sitzungen der Brunnengenossen statt. Im Jahre 1811 wurde hier unter der BayernHerrschaft auch die erste Vorsteherwahl in der fünf Jahre vorher neu errichteten Gemeinde Wolfurt durchgeführt. Als der Schwanenwirt Kalb später zusehen mußte, wie sein Konkurrent, der Rößlewirt Müller, mit Bäckerei und Handlung und mit neuen Gaststuben das Geschäft an sich riß, erbaute er 1860 auf dem Platz einer abgerissenen Nagelschmiede den „Neuen Schwanen". Hundert Jahre lang galt dieser nun als nobelstes Gasthaus im Dorf, besonders als die reichen Sticker im „Römerstüble" ihre ausgelassenen Treffen abhielten. Um 1970 mußte zuerst die Gaststube geschlossen werden. Zehn Jahre später wurde die stark erweiterte Handlung als Schwanenmarkt an die untere Kellhofstraße verlegt. Das stattliche Haus mit dem alten Schwanen-Schild blieb aber glücklicherweise erhalten. Das dritte Gasthaus am Kirchplatz war der „Engel". Der ehemalige Löwenwirt und Hofsteig-Ammann Joseph Fischer aus Rickenbach hatte dort um 1800 ein altes Haus gekauft und zu einem Gasthaus umgebaut. Hier hielt die 1816 gegründete Bürgermusik ihre ersten Proben ab. Mit den „Sammar"- und den „Alt-Adlerwirt"Fischer stammen bedeutende Familien aus diesem Haus. Zum Gasthof gehörten eine Kegelhalle und ein großer Gastgarten am gegenüberliegenden Hang. 1975 übersiedelte der Wirt in sein neues Hotel Engel. 14 Bild 6: Das Kirchdorf Wolfurt im Jahre 1760 Eine Skizze aus Heimat Wolfurt, Heft 6 /1990. Dort sind die einzelnen Häuser aufgezählt. Der Pfarrer hatte im „Seelenbeschrieb" für den Steuerkataster der Kaiserin Maria Theresia alle Straßen und Häuser und alle Einwohner aufschreiben müssen. Das im Pfarrhof erhaltene dicke Buch gibt einen ersten Überblick über unsere Gemeinde. Die Landstraße führte am Hang entlang zum Tanzhaus (T) am Fuß der Kirchenstiege und dann über das Oberfeld zur Furt an der Ach. Die Numerierung beginnt bei der Kirche mit den 6 Häusern „Auf dem Bühel". Nach den 7 (hier fehlenden) Anwesen an der Ach setzt sich die Reihe im „Röhle" (beim heutigen „Engel") fort. Sie führt über „Loch" und „Berggasse" (heute Kellhofstraße), „Feldgasse" (Kreuzstraße) und „Gässele" ins „Tobel" und erreicht endlich „An der Kirchstiege" mit der Nr. 45 „Hanso Hus" beim Tanzhaus. Vom Dorfbrunnen weg folgen die Nummern jetzt der „Kirchgassen " in Richtung Unterlinden . Neben dem Dorfbrunnen (bei 47) gab es noch Gemeinschaftsbrunnen auf dem Bühel (bei 2), im Loch (bei 24), bei Stenzlers (54) und den Kleinen Brunnen (bei 57). 15 Bild 7: Kinder am neuen Bächlein Bild 8: Blick vom Kirchturm auf das Dorf An dessen Platz standen früher zu beiden Seiten der Straße „ im röle " die zwei großen Haltmayer-Gerbereien, die ihren Besitzer um 1870 zum reichsten Mann von Wolfurt gemacht hatten. Beide mußten ihren Betrieb später einstellen. In den riesigen Häusern wurden Miet-Quartiere eingerichtet. Zuletzt mußten sie neuen Häusern Platz machen. Abgebrochen wurde daneben 1982 auch die „Dörfler" Sennerei. Genau hundert Jahre vorher war sie über Betreiben von Oberlehrer Wendelin Rädler gebaut worden. Bis 1924 wurde hier die Milch aus der nördlichen Hälfte der Gemeinde zu Butter und Käse verarbeitet. Ab jetzt wurde sie für die Großmolkerei Dornbirn gesammelt. Gleich danach endete früher die Röhle-Straße am Vällenthor (V). Die Landstraße führte ja damals über das Oberfeld. Von dort aus sah man um 1760 noch ein unermeßlich großes Getreidefeld vom Bühel bis zu den Unterfeldern in der Lärche. Kein 16 einziges Haus bis zur Lauteracher Kirche, keines im heutigen Röhle, keines in der Bütze! Nur Getreide und das Buschwerk „ im Wida " an der Ach! Das Feld war in Drittel abgesteckt. Ein Drittel war mit „ Vesen " bebaut, das ist eine Weizenart, die man heute Dinkel nennt. Sie lieferte das Mehl für Brot, Mus und damals, bevor im Ried Mais angebaut wurde, auch für „Hafo-Loab". Das zweite Drittel trug Hafer für „Habor "-Suppe und „Habor-Stopfar". Das dritte Drittel lag brach. Es sollte sich bis zur nächsten Einsaat erholen. Ammann, Dorfmeister und der „Banwart" regelten die gemeinsam von allen Dorfgenossen durchgeführte Arbeit bei Saat und Ernte. Sie sorgten auch für die Abfuhr des Zehents an den Vogt und an das Kloster Mehrerau. Bis ins 18. Jahrhundert hatte sich diese Dreifelder-Wirtschaft bewährt. Dann waren Felder und Wälder an die einzelnen Bauern verteilt worden. Bis zur Inselstraße und zu den „Löchern" (an der heutigen Loackerstraße) herein 17 reichte das mit Stauden bewachsene Flußbett der Ach, doch überflutete das Hochwasser nicht selten die Äcker bis in die Lärche und bis zur Laüteracher Kirche. Erst 1771 ließ Kaiserin Maria Theresia den Schutzdamm errichten, der viel später zur Achstraße ausgebaut wurde. Und die Straßen? An der Stelle der heutigen Bregenzerstraße und der Bützestraße führten grasbewachsene „Bau-Gaßen " in die Äcker hinein, aber der Zutritt war bis zur Erntezeit durch die großen Gatter der „ Vällenthore " versperrt. Ab 1800 wurden noch in der Bayernzeit ein paar Häuser in das Röhle-Feld gebaut. Bald danach stellten die Familien Dür, Schertler und Klocker je eine Ziegelei in die Insel hinaus. Als „Iosol" bezeichnete man das ursprünglich wertlose StaudenVorland an der Ach, das man mit Maria Theresias Damm dem Fluß abgerungen hatte. Zu jeder Ziegelei gehörte auch ein großer Kalk-Brennofen. Am Damm stapelten die Flößer riesige Mengen Holz aus dem Bregenzerwald als Brennmaterial auf. Der Lehm wurde in den Lehmlöchern im Flotzbach gegraben und mit Pferdefuhrwerken an die Ach geführt. Der mühsame Umweg über das Oberfeld machte eine direkte Zufahrt durch das Röhlefeld notwendig. Daher wurde um das Jahr 1820 eine neue Straße gebaut, die heutige Bregenzerstraße. Etwa 1830 entwickelte sich auch die Bützestraße zu einer zweiten Zufahrtsstraße zu den Ziegeleien. Als die Schertler um 1880 eine ganz moderne neue Ziegelei im Flotzbach geschaffen hatten, mußten die drei alten bald schließen. An der Ach blieb nur das Geschäft mit dem Kalk und später mit Zementwaren. Aus der ursprünglichen SchertlerZiegelei und ihrer Kalkhütte entwickelte sich die Firma Baustoffe-Rädler. Inzwischen waren die meisten Weingärten gerodet worden. Ab 1860 ging auch der Getreide-Anbau rapide zurück, weil preisgünstiges Getreide zum Bregenzer Kornmarkt eingeführt wurde. Die Landwirtschaft geriet in eine ernste Krise, aus welcher sie sich erst durch den Obstbau und die Intensivierung der Milchwirtschaft mit der Errichtung von Sennereien wieder einigermaßen erholte. Die ehemaligen Äcker rund um das Dorf verwandelten sich in Obstgärten und Heuwiesen. Jetzt zurück ins Kirchdorf! Dort war auch die „ Berggaßen ", die heutige Kellhofstraße, mit einem Vällenthor beim Bütze-Weingarten gegen das Ackerfeld verschlossen. Es gab aber bereits einen Weg nach Lauterach und den „Bregenzer Weg" auf der heutigen Montfortstraße schräg durch Felder und Stauden-Vorland zur einzigen Brücke über die Ach in Lauterach. An der Berggasse brach Kaspar Gmeiner 1776 das oberste Haus beim Brunnen ab und stellte es weiter unten im damals noch freien Feld neu auf. Ergänzt mit einem Stadel steht es noch heute (Kellhofstraße 11, Mohrs). Schon früher hatte ein einzelnes Haus außerhalb des Vällenthores (Nr. 30, Bützestraße 1, Stülzes) die Besiedlung der Bütze eingeleitet. Am westlichen Teil der „Berggasse" stehen noch ein paar von den alten Häusern, darunter der am Giebel mit den allerschönsten Zimmermannsarbeiten geschmückte alte „Kunsum". In dem bereits 1779 erbauten Haus hatte der Arbeiter-Verein 1903 18 Bild 9: Die Berggasse 1890. Wandbild von E. Köb im Schwanen. Links s Wäschhütlle und Filitzos Hus Bild 10: Dr. Lorenz Böhlers Geburtshaus einen preisgünstigen Verkaufsladen eingerichtet, der 1938 zum weitaus größten und modernsten Gemischtwaren-Geschäft der Gemeinde erweitert wurde. Wie viele andere Läden ist auch der Konsum längst geschlossen. Ein Stück weiter unten mußte 1976 mit Rädlers Haus ein besonders schönes Bauernhaus samt dem letzten Stück der Weinberg-Mauer dem Neubau des Schwanenmarktes und der Raiffeisenbank weichen. Unterhalb der Weg-Abzweigung ins „Loch" (Im Dorf) hatten die Dörfler eine Waschhütte gebaut, in welcher das saubere Überwasser des Dorfbrunnens den Hausfrauen zur Verfügung stand. Eine zweite solche Waschhütte stand droben auf dem Bühel. Dort wurde auch Schnaps gebrannt. Auf der Südseite der Kellhofstraße steht noch, ganz nahe beim Alten Schwanen und 19 Bild 12: Gasthaus Lamm um 1930. Gemalt von Rudolf Schertler. Bild 11: Dörfler Konsum um 1935 Bild 13: Das Mohr-Haus an der Kellhofstraße. Es wurde 1776 aus dem Kirchdorf hierher übertragen. wie dieser schön restauriert, das „Sammüller "-Haus. Es trägt seinen Namen nun schon mehr als 250 Jahre lang vom Gotteshaus-Ammann Nikolaus Müller. In der Wohnung über der damals angebauten Schreinerei wurde 1885 unser Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler, „ Sammüllars Lorenz ", geboren. An der Ecke zur Kreuzstraße stand früher der Gasthof „Lamm ": Der Lohnmetzger Gebhard Fischer hatte um 1880 hier das allererste Metzgerei-Lokal von Wolfurt eingerichtet, in welchem er Fleisch und Wurst an die zunehmend nicht-bäuerliche Bevölkerung verkaufte, die in den „ Quartieren " der großen Häuser wohnte und ihren meist kargen Verdienst in der Fabrik in Kennelbach erarbeitete. 1962 ist das Lamm abgebrannt. Im großen Neubau wurde das Gastlokal „ Klim-Bim " eingerichtet. Wo die Kreuzstraße an ihrem Südende bei einem großen Wegkreuz in die Kirchstraße einmündet, war früher einmal das Ende des Dorfes gewesen. Das gemeinsam 20 Bild 14: Das Rädler-Haus. Vorne die Mauer des Emser Weingartens. 21 Bild 15: Rasiorars Hus an der Kurve. Links das Heitz-Haus. bewirtschaftete Feld westlich der zur „Kirchstraßen" gewordenen ehemaligen Römerstraße war durch Jahrhunderte gegen Verbauung geschützt. Im 18. Jahrhundert setzten sich einflußreiche Bürger über die alten Gesetze hinweg. Als erster baute der Hofsteig-Ammann Jerg Rohner beim Kreuz einen großen Hof und eröffnete darin ein Gasthaus. Dort soll nach der Legende einmal Kaiser Josef II. genächtigt haben, als er inkognito sein Reich bereiste.5 Vor dem Haus stellte der Wirt einen eigenen Brunnen auf, für welchen er Wasser von der Zuleitung zum Dorfbrunnen abzweigte. Der stolze Hof, damals der größte in der Gemeinde, ist 1869 abgebrannt. Im Jahre 1957 mußte auch der „Kleine Brunnen" dem zunehmenden Autoverkehr weichen. Gegenüber waren 1937 die zwei alten Häuser des Wagners Heitz und des Metzgers Reiner abgebrannt. Wegen der Beengtheit des Platzes versagte die Gemeinde die Erlaubnis zum Wiederaufbau. So legten die Geschwister Heitz beide Brandplätze zusammen und stellten darauf das übergroße Haus, das seither den Südeingang zum Kirchdorf dominiert. Im Erdgeschoß bauten die Brüder drei Werkstätten ein. Längst sind diese geschlossen und haben Platz gemacht für kleine Geschäftslokale. Noch weiter im Süden durfte man eigentlich nur auf der Bergseite der Kirchstraße bauen. Zu einem Doppelhaus zusammengezwängt standen dort weit abseits schon um 1700 zwei bescheidene Häuser. Sie wechselten alle paar Jahre die Besitzer. Nach dreihundert Jahren stehen die unverwüstlichen Zwillinge noch immer fest auf ihrem felsigen Grund und bieten Raum für junge Familien. Eines wurde in den letzten Jahren von Grund auf renoviert (Zilla Zollers). Noch einmal zurück ins Dorf! Im großen Rank an der Kirchstraße steht seit 1746 das bis heute fast unverändert gebliebene „Rochusles Hus". Daneben hat 1772 der reiche Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner aus Feldkirch sein schönes Haus gebaut. Viel später hat dort „Rasiorars Agathle" ihren Kundschaften die Haare frisiert oder schon am Sonntag-Vormittag die Barte gestutzt. An der Ecke zur Schloßgasse erinnert uns ein besonders originelles Doppelhaus daran, wie knapp bemessen der Baugrund im Dorf einst gewesen ist. Die Westhälfte heißt man „Stenzlars Hus". Hier, wo einst das kleine Halden-Bächlein zum Tobelbach abgeleitet wurde, wohnte um 1500 der Ammann Bascha Schnell. Das Haus ist aber sicher jünger. Nach der Überlieferung soll es sogar einmal ein Gasthaus gewesen sein. Seinen Namen hat es von der Witwe Schwerzler, geborene Stenzel, die hier allein ihre Kinder aufzog. Ein Stück weiter in Richtung Kirche steht „ Tannbergers ", das seinen Namen von einem Josef Anton Huber aus Lech am Tannberg trägt. Vor ihm besaß es 1873 der böhmische Schneider Franz Eiselt, der 33 (!) Schlafstellen für arme Gastarbeiter einrichtete und damit viel Geld verdiente. Ein paar von den allerältesten Häusern drücken sich noch „Im Tobel" zusammen. Den Südhang deckte bis zum Jahre 1900 mit Pfarrers Rebgarten der letzte Weinberg in Wolfurt. Von der Friedhofmauer weg, wo sie ihren ersten Schießstand aufgestellt 23 Bild 16: An der Kirchstraße 1970. Tannbergars, Gitschges, Rüstos und Stenzlars. Bild 17: Mohro Emiles und der Alt Schwano, 1995 22 hatten, erprobten ab 1838 die Wolfurter Schützen ihre Vorderlader-Stutzen. Der Zielstock stand auf dem Bühel gegenüber. Beim Schwesternhaus beenden wir unseren Rundgang durch das Dorf. Der Schuhmacher Weiß hatte es 1921 den Schulschwestern vermacht. Darüber berichtet ein eigener Artikel. Auch die vielen anderen, an denen wir vorbei gegangen sind, könnten uns jedes eine eigene Geschichte erzählen! Siegfried Heim Die Besiedlung der Bregenzerstraße Das Röhle-Getreidefeld war schon vor 1750 aufgeteilt worden. Aber erst die um 1820 neu angelegte Straße am Fuße des Oberfelds machte eine Besiedlung möglich. Bis 1750 war ein Dür-Haus (Bregenzerstr. 7, Schützo-Mathisos) das äußerste nördliche Gebäude des Kirchdorfs gewesen, direkt neben dem Vällenthor zum Getreidefeld. Als erster überschritt 1752 Joseph Vonach diese uralte Grenze und baute sein neues Haus an den Vorsprung des „Röhle", an den steilen „kleinen Rain". Er überließ es später seinem Schwiegersohn Johannes Dür, der mit seinen vielen Kindern bald danach die Besiedlung von Röhle und Ach vorantrieb. Das Dür-Stammhaus steht noch heute, vor wenigen Jahren renoviert, als „Hannes Franzos" (Breg.str. 6). Erst 1802 erhielt es in Joh. Georg Klocker den ersten Nachbarn, den Stammvater der „Strickar"-Klocker. (Breg.str. 8, „Gigars im Röohle"). Damals führte die Landstraße ja noch über das Oberfeld und umging damit das Röhle-Feld. Erst weit im Norden senkte sie sich wieder zu den sieben alten Häusern an der Ach und erreichte dort als erstes das kleine Klocker-Haus (Breg.str. 31, Wachters). Das dritte Haus im Röhle erbaute 1805 Franz Josef Dür, ein Sohn des Johannes (Breg.str. 10, Kapeollars). Er begann nach den Franzosen-Kriegen mit dem Ziegelbrennen an der Ach. Sein jüngerer Bruder Lorenz Dür hatte das SchmiedeHandwerk erlernt. Er stellte 1812 auf der anderen Seite des Weges eine Werkstatt ins Feld und baute dazu ein Jahr später ebenfalls ein Haus (Breg.str. 11, Schorrers). Seine tüchtigen Söhne verlegten 1848 die Schmiede nach Rickenbach und schufen dort das Stammwerk der Firma Doppelmayr. Schon 1814 kam dann auch Josef Anton Schertler, ein Sohn des legendären Schützenmajors Jakob Schertler, aus Unterlinden und erbaute genau vis-a-vis von Franz Josef Dür ein großes Haus (Breg.str. 15, Schertler I, „Schädlars Sepplos"). Mit einer zweiten Ziegelei an der Ach wurde er der große Konkurrent der Firma Dür. Gemeinsam setzten die beiden aber jetzt den Ausbau des bisherigen Ackerweges zu einer Fahrstraße durch das Röhlefeld bis zur Ach durch. Zwei Jahrhunderte lang galt die neue Straße neben der Bützestraße als die „Obere Straße". Als erste in Wolfurt wurde sie 1931 „geteert". Seit 1953 trägt sie den neuen Namen „Bregenzerstraße". 1964 konnte sie den unerträglich gewordenen DurchzugsVerkehr an die „untere" Straße abgeben. Am Nord-Ende der damals neuen oberen Straße hatte als erster der Küfer Johann Böhler 1822 die Verbindung für ein Haus genützt (Breg.str. 21, „Hann-Batistos"). Drinnen im Dorf stellten jetzt die Haltmayer 1818 und 1828 ihre beiden Gerbereien auf. Aus dem Gasthof Engel übersiedelte die Witwe Magdalena Schertler-Fischer 1835 in ihr neues Ausgedinge-Haus am Röhle-Rank (Breg.str. 9, „Sammars"). 25 1 Empfohlen seien besonders aus Heimat Wolfurt Heft 4, S. 54 Pfarrkirche St. Nikolaus Heft 6, S. 2 Das Kirchdorf Heft 13, S. 6 Hofsteig Heft 23, S. 6 Dorfbrunnen Nach Ludwig Welti, Kellnhof Wolfurt, LMV Jahrbuch 1952 Nach Ludwig Welti, Jakob Hannibal, Wagner-Innsbruck, 1954 Heim, Dorfbrunnen, Heimat Wolfurt, Heft 23, 1999 Heim, Ein Kuß für den Kaiser, Heimat Wolfurt, Heft 14, 1994 2 3 4 5 24 Nun war nur mehr in der Mitte des Feldes ein Stück frei geblieben. Hierher bauten 1836 der Wagner Fidel Bildstein von der Hub (Breg.str. 12, Kassians) und der DürSchwiegersohn Max Rusch aus Kennelbach (Breg.str 20, „Küofar Böhlars", jetzt Fuchs). Die letzte Lücke schloß 1843 Franz Josef Dür (Breg.str. 14 u. 16, Bernhards). Als 1852 noch die Ziegelei-Firma „Schertler u. Cie" ihr großes Geschäftshaus auf die Westseite der Straße gestellt hatte (Breg.str. 21, Schertler II, „Schädlars Alfredos "), war die Besiedlung des Röhle für viele Jahre abgeschlossen. Nur an den Hang kamen 1888 noch die Schertler-Kalkhütte und 1889 die BöhlerWagenschmiede. Nach langer Unterbrechung stellte nach dem Ersten Weltkrieg Fidel Schwerzler, Toblars Fidele, seine Zimmermanns-Werkstatt auf, die Alwin Fuchs einige Jahrzehnte später zu einem Wohnhaus umgestaltete (Breg.str. 18). Und um das Jahr 1930 erbaute Josef Lässer erstmals nach fast 70 Jahren wieder ein Wohnhaus (Breg.str. 23). Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte dann die ungehemmte Besiedlung der Felder ein, verbunden mit einer massiven Rodung der schönen Obstbaum-Bestände. Sogar der steile Berghang wurde schließlich bebaut. Das Bild an der Straße bestimmen aber immer noch die alten Rheintal-Häuser mit ihren hohen Giebeln. Mit großem Einsatz haben mutige Besitzer bereits die meisten renoviert und die Wohnungen der neuen Zeit angepaßt. Eine schöne Straße ist uns erhalten geblieben, die Bregenzerstraße im Röhle! Bild 21: Die alten Häuser im Röhle auf einem Katasterplan von 1857 26 27 Bild 18: Bregenzerstraße und alte Landstraße auf das Oberfeld 1931. Neuer Schwanen, Engel und Kegelhalle. Bild 22: Das Röhle im Schmuck der großen Birnbäume. Schädlars Sepplos, Kapeollars und Kassians. Bild 19: Die zum Mietshaus umgebaute ältere „Gerbe" von 1818. Dahinter die Sennerei von 1882. Bild 23: Hannes Franzos Hus wurde 1752 als erstes im Röhlefeld gebaut. Bild 20: Schützo-Mathisos und Sammars. Beide vorbildlich renoviert. Bild 24: Die Dür-Ziegelei um 1890. Ein Bild von Schnidarles Hannes. 28 29 Siegfried Heim Das Schwesternhaus An der engen Kurve der Kirchstraße hat die Gemeinde Wolfurt vor wenigen Jahren ein altes Rheintalhaus renoviert. Mit dem Schwesternhaus bleibt ein wichtiges Gebäude erhalten, das nach außen das Bild unseres Kirchdorfs wesentlich beeinflußt, das in sich aber auch eine beachtliche Tradition trägt. In den letzten 250 Jahren war es nacheinander Mesmar-Hus Klockar-Hus Naglar-Hus Schuohmachar-Hus Schwöstoro-Hus und nun ist es noch zum Spielzeug-Museum geworden! Im Stock Nahe am neuen roten Marktplatz, wo im letzten Jahrzehnt große Anstrengungen zur Wiederbelebung des Kirchdorfs ihre ersten Früchte getragen haben, wurde im Mai 2004 ein neues Wohn- und Geschäftshaus eröffnet, das die Wolfurter nach den neuen Mietern bereits „s Doktor-Hus" nennen. Zusammen mit dem benachbarten Schwesternhaus hat „ der Stock" dadurch eine weitere Veränderung seiner in langen Jahren arg abgebröckelten Fassaden erfahren. „Stock" ist der alte Name für das Dreieck zwischen Kellhofstraße, Kreuz- und Kirchstraße. Bei unzähligen feierlichen Aufmärschen und manchmal auch bei großen Begräbnissen zog man früher mit Musik und Fahnen „umm-o Stock" zum Kirchplatz und zur Kirche. Das Schwesternhaus wurde um das Jahr 1700 nahe bei Kirchplatz und Dorfbrunnen als Bauernhaus erbaut und übertraf damals an Größe die meisten Nachbarhäuser. Von Anfang an hatte es unter den Überschwemmungen des Töbele-Baches zu leiden. Nach Schlagwettern brach dieser oft an der Ecke des gegenüber liegenden RößleStadels aus. Seine schmutzigen Fluten prallten dann an die Straßenwand des Schwesternhauses und suchten sich auf beiden Seiten einen Weg durch die Gärten hinab in die Bütze. Erst vor etwa hundert Jahren wurde am Haus eine hohe Betonschwelle angebracht, die seither die Fluten auf die Kirchstraße ablenkte. Die letzten Überschwemmungen durch den wilden Bach haben noch um das Jahr 1940 jeweils einen großen See unterhalb der Kreuzstraße entstehen lassen. Alte Familien Der erste Besitzer des Schwesternhauses, den unsere Bücher in des Pfarrers Seelenbeschrieb von 1760 in „domus 49 an der Kirchgaßen" erfassen, war der Pfarr-Mesner Anton Fischer, 1718-1789. Auf dem steilen Pfad durch Pfarrers Weinberg im Töbele konnte der Mesner damals zu seinem Dienst in die alte kleine 31 Bild 25: Schädlars Alfredos. Als Zentrale der SchertlerZiegeleien 1852 erbaut. Bild 26: Die SchertlerKalkhütte, später Kalkwerk Rädler. Bild 27: Hann-Batisto Jockls Huf- und Wagenschmiede. 30 Pfarrkirche hinaufsteigen und dort regelmäßig die Glocke zum Gebet läuten. Anton Fischer gehörte dem angesehenen Geschlecht der Stöoglar-Fischer an, zu dem man auch die Seppar, Klosos und Schnidarles-Fischer zählt. Weil er kinderlos blieb, fiel das Haus an seine Stieftochter, die 1772 Anton Klocker geheiratet hatte. Damit wurde es zum wichtigsten Zentrum der Wolfurter Klocker. Von den acht Kindern begründete der Sohn Joh. Georg Klocker im Röhle mit der Nachbarstochter Franziska Reiner aus dem alten Schwanen die Sippe der Strickar-Klocker. Der jüngere Sohn Xaver Nikolaus heiratete mit Barbara Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ebenfalls eine reiche Wirtstochter und wurde der Stammvater der Soalar-Klocker. Die Glasar-Klocker stammen dagegen von Vater Antons jüngerem Bruder Josef Klocker. Das Haus an der Kirchstraße behielt der Sohn Josef Anton Klocker, 1783-1859. Dieser erbaute 1835 von hier aus eine große Ziegelei an der Ach und dazu das damals übergroße Haus Bützestraße 24 (Rohners). Das Elternhaus im Dorf wurde frei. Im Jahre 1843 übernahm es der einflußreiche Gemeinderat Johann Kalb, Naglars, und zog mit seiner großen Familie vom Strohdorf her hier ein. Später überließ er es seinem Sohn Gebhard Kalb, 1829-1878, von dem die vielen Naglar-Kalb-Familien an der Ach, in Unterlinden, in Schwarzach und auch in der Schweiz stammen. Alle aus diesem Haus! Wie in vielen anderen Bauernhäusern wurden jetzt auch im Schwesternhaus Mieter ins „ Quartier" aufgenommen. So lebte im oberen Stock durch längere Zeit die aus Rickenbach zugezogene Familie des Johann Mathias Bernhard, Lohansolars. Das Haus bekam im Jahre 1900 bereits seine fünfte Hausnummer. Nach des Pfarrers „domus 49" von 1760 hatte man aus steuerlichen Gründen bereits 1785 unter Kaiser Joseph II. die Nummer 50 und 1806 unter den Bayern die Nummer 25 auf den Türstock malen müssen. 1843 folgte die Nummer 51 und 1900 bei der letzten Durch-Numerierung der Gemeinde von der Ach bis Rickenbach die Nummer 64. Diese hielt nun bis zum Jahre 1954. Dann wurde sie beim Schwesternhaus durch die noch heute gültige Bezeichnung „Kirchstraße 45" ersetzt. Die Weiß-Stiftung Als Kalbs erwachsene Kinder das Elternhaus vor dem Jahr 1900 nach verschiedenen Richtungen verlassen hatten, konnte es der Schuhmachermeister Josef Weiß, 18681921, kaufen. Weiß stammte aus Lauterach und heiratete 1901 Maria Hinteregger. Sie war die älteste Tochter unter den 15 Kindern des Gemeinderats und Dorfmeisters Franz Hinteregger in der Bütze. Ihre Mutter war 1888 wenige Wochen nach der Geburt des 15. Kindes gestorben. So hatte Maria die Mutterstelle bei ihren vielen Geschwistern übernehmen müssen. Nun zog sie zu ihrem Mann ins Dorf. Weiß hatte in den Stadel des Hauses eine Schuhmacher-Werkstatt eingebaut. In einem kleinen Schaufenster an der Kirchstraße zeigte er die fertigen Schuhe. Über seine Arbeit hinaus war er auch politisch tätig. Schon 1899 war er einer der maßgeblichen Begründer des Katholischen 32 Bild 28: Das Stifterbild im Schwesternheim 33 Bild 29: Das Schwesternhaus 1989. Bild 30: Sr. Regina 1992 im Kreis ihrer Wolfurter Mitschwestern. Arbeitervereins gewesen. Bei der ersten Sitzung im Sternen hatten ihn die Wolfurter Arbeiter sogar zum Obmann gewählt. Im folgenden Jahr 1900 schaffte er für seinen Verein eine schöne Fahne an. Erst im Jahre 1904 konnte er das GemeindeBürgerrecht erwerben. Die kleine Rosa, das einzige Kind der Eheleute Weiß, starb schon im Alter von einem Monat. Die Wirschaftskrise am Ende des Ersten Weltkrieges traf den Schuhmacher schwer. Er erkrankte und starb, erst 52 Jahre alt, im Jänner 1921. Auch seine Frau Maria war todkrank. Als Pflegerin hatte sie ihre jüngere Schwester Paulina ins Haus genommen. Vor dem herbeigerufenen Pfarrer Stadelmann erstellte Maria Weiß, ganz im Sinne ihres Mannes, ein Testament. Darin stiftete sie ihr Haus den Schulschwestern als Wohnung. Diese hatten sich seit ihrem Einzug in Wolfurt im Jahre 1864 viele Jahre lang mit einer kümmerlichen Notwohnung im Schulhaus begnügen müssen, bis die Gemeinde für sie eine Wohnung im Haus Bucherstraße 3 mietete. Nun sollten sie endlich ein eigenes Haus bekommen. Grundbücherlich gehörten zum Haus ein großer Garten auf der anderen Seite der Straße, das Recht zur Nutzung des Tobelbaches und ein Anteil am Dorfbrunnen. Marias leibliche Schwester Paulina Hinteregger behielt das Wohnrecht in zwei rückwärtigen Zimmern. Die Schuhmacher-Werkstatt sollte der Jungfrauen-Kongregation zur Verfügung gestellt werden. Am 25. Jänner 1921 starb die Stifterin Maria Weiß, nur eine Woche nach dem Tod ihres Gatten. Nach dem Testament mußten ihre Verwandten vom Pfarrer mit einem BargeldBetrag abgefunden werden. Wegen der Geld-Entwertung durch die Inflation hatte man dafür 500 Schweizer Franken bestimmt. Als der Pfarrer diese Summe im notleidenden Wolfurt nicht auftreiben konnte, wandte er sich an Auswanderer in Amerika, darunter an den Pfarrer Theodor Rohner. Schon nach wenigen Wochen 34 traf eine viel größere Summe ein, die auch noch für den Umbau des Hauses ausreichte. Erster Verwalter des Stiftungsvermögens wurde ein Schwager der Stifterin, der Schreiner Rudolf Fischer, Schnidarles. Schwesternhaus Noch im Jahre 1921 zogen die Barmherzigen Schwestern Sebastina Oberhauser, Hildegund Gmeiner und Gisela Amann ein. Vom nunmehrigen „Schwesternhaus" aus setzten sie ihr segensreiches Wirken für Schule und Pfarrei Wolfurt fort. Nach dem Tod von Sr. Hildegund stieß 1932 noch Sr. Regina Pichler zu ihnen. Sie war die letzte Schwester, die das Haus bis 1992 bewohnte, begleitet und betreut von ihrer Helferin Zilla Zoller. Als dann auch Zilla die Wohnung räumte, blieb das Haus zehn Jahre lang leer. In die ehemalige Werkstatt war 1922 die damals sehr aktive JungfrauenKongregation eingezogen. Sie hielt hier ihre wöchentlichen Heimabende mit Gebet, Gesang und fröhlichem Gespräch ab. Dazu kamen Bildungsvorträge, Koch- und Näh-Kurse und Ausbildung in Kranken- und Säuglingspflege. Das rührige Treiben trug dem Mädchenheim bald den Spottnamen „Henno-Stal" ein. Auch die Pfarr-Bücherei fand hier einen Platz. Nach Beschlagnahme und „Säuberung" in der NS-Zeit wurde die Bücherei mit den übrig gebliebenen alten und einigen wertvollen neuen Büchern nach dem Krieg wieder eröffnet und war jetzt ein wichtiger Treffpunkt für die bildungshungrigen Wolfurter. Darüber hinaus verwendete die Gemeinde die Räume viele Jahre lang als Wahllokal für Gemeinde-, Landes- und Bundeswahlen. Streng mußte der Wahlleiter darauf achten, daß am Wahltag zuerst im näheren Umkreis die Wahlplakate entfernt wurden. In den Gasthäusern durfte kein Alkohol ausgeschenkt werden. Findige Wirte sollen allerdings für ihre Stammgäste immer wieder einen Ausweg gefunden haben. 35 Als die Gemeinde dann in den 60er-Jahren neue Schulen und ein Rathaus gebaut hatte, wurden für Vereine, Bücherei und natürlich auch als Wahllokal bessere Räume gefunden. Die Kongregation wandelte sich zur Jungschar und fand im neuen Pfarrheim Aufnahme. Jetzt blieb der „Henno-Stal" lange Zeit ungenutzt. Schon 1922 hatte sich die Gemeinde zur Erhaltung des Schwesternhauses verpflichtet. Nach dem Statut kann sie es aber, wenn es nicht für Schulschwestern oder einen anderen Orden beansprucht wird, einem gemeinnützigen Zweck zuführen. So wurde mit Zustimmung des Generalrats der Barmherzigen Schwestern in Innsbruck und von Stiftungskurator Dr. Franz Hinteregger im Jahre 1991 im Stadelteil des Hauses der Kindergarten Kirchdorf eingerichtet. Weil der Orden wegen des Mangels an Nachwuchs keine Rückkehr von Schwestern mehr in Aussicht stellen konnte, machte sich die Gemeinde nach Sr. Reginas Tod Gedanken um eine Verwendung der Wohnung. Zu viele von den alten typischen Häusern des Dorfes waren bereits verschwunden. Eine Revitalisierung der alten Bausubstanz erwies sich als schwierig und aufwendig. Trotzdem entschloß sich die Gemeinde mutig zu dem Schritt, nach dem Alten Schwanen auch noch das traditionsreiche Schwesternhaus, das Stammhaus vieler Wolfurter Familien, für die Nachwelt zu erhalten. Mit einem Aufwand von über 300 000 Euro wurden Wohnung und Dachboden saniert. Uraltes Gebälk und „gestrickte" Wände wurden dabei freigelegt und als Zeugnisse der Baukunst unserer Vorfahren dauerhaft sichtbar gemacht. Nun konnte Frau Iris Alge, die in jahrzehntelanger aufwendiger Sammeltätigkeit einen einmaligen Schatz zusammengetragen hatte, hier vom Keller bis zum Dachboden ein Puppen- und Spielzeug-Museum einzurichten. Die Gemeinde Wolfurt leistete damit einen bemerkenswerten Beitrag zur Rettung und Erhaltung alter Kulturgüter. Dazu wünschen wir Glück! Und dem uralten Haus noch viele Jahre! Siegfried Heim Der Buggenstein Wer über die Wolfurter Bühel wandert und einen Aussichtspunkt sucht, der findet einen der schönsten Plätze droben auf „Stöckelers Bühel". Wir Älteren nennen den langen grünen Rücken zwischen Kirche und Ippachwald meist noch „Jochums Bühel". In den alten Schriften heißt er aber seit mehr als fünfhundert Jahren der „Buggenstein ". In dem Namen steckt das alte Wort „Buggel" für einen nicht gerade hohen und abgerundeten Bühel. Er ist ja nur 478 Meter hoch, 57 Meter über dem Dorfplatz und 45 Meter über dem nahen Friedhof. Aber sein sanftes Grün vor dem dunklen Ippachwald prägt neben Kirche und Schloß doch die Ansicht unseres Dorfes ganz entscheidend mit. Wunderbar läßt es sich da droben in der milden Herbstsonne sitzen. Bald aber fegt dann wieder der West-Sturm über den Querriegel, der sich ihm als erstes Hindernis vor dem Steußberg entgegenstellt, und zerzaust die zähen Birken. Steil fällt die schattige Nordseite zur Neuen Bucherstraße ab. Die Sonnenseite neigt sich dagegen gemächlich zum kühlen Tobel und zur idyllischen Rütte. Dort zieht seit dem Mittelalter die Alte Bucherstraße durch. Sie erschließt den großen Ippachwald. Harder, Lauteracher und Wolfurter Fuhrleute versorgten lange Zeit auf diesem Weg ihre Dörfer mit Bau- und mit Brennholz. Manch Interessantes könnte uns der Buggenstein erzählen. Nach der Meinung von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank dürften Grabungen auf seiner windgeschützten Seite vielleicht Funde aus der Steinzeit erbringen. Jedenfalls wäre dieser Platz, nahe beim Wald und beim frischen Wasser des Tobelbachs, für ein Lager der frühen Jäger sehr geeignet gewesen. Einen seltsamen Hinweis dazu gibt die unbestimmbare Überlieferung, daß auf dem inzwischen fast ganz überwachsenen Felsband an der Südostkante einst eingeritzte Zeichen zu sehen waren. Ins Licht der Geschichte tritt der Buggenstein am Ende des Mittelalters. Eine Pergament-Urkunde im Landesarchiv nennt den Namen erstmals im Jahre 1449. (VLA, Nr. 1096, nach Wolfurt in Chroniken, 1982). Damals tauschten die Wolfurter einen Meßkelch für ihre Kapelle St. Nikolaus ein und gaben dafür „ein stück feld ob der kirche auf dem Buggestain". Der größte Teil des Südhangs war einst mit Weinreben bepflanzt. Erhalten geblieben sind Urkunden von 1457 vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain 1464 Gärtle und Reben am Buggenstain 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain 1597 Weingart an Buggenstain 1601 Rebgertlin in Buggenstain 1610 Kloster Mehrerauw Reben in Buggenstain (Nach Werner Vogt, Heimat Wolfurt, Heft 19, S. 9 f.) 37 36 Bild 31: Neben Kirche und Schloß prägt der grüne Rücken des Buggensteins das Bild von Wolfurt. Bild 32: BuggensteinSüdseite und Alte Bucherstraße Bis 1601 hatte ein Teil vom Buggenstein zur Kirche Wolfurt und damit zum Kloster Weißenau gehört. Jetzt waren diese Rechte für bares Geld an das reiche Kloster Mehrerau verkauft worden. (Heimat Wolfurt, Heft 17, S. 7) Seit dem Niedergang des Weinbaus gab es da oben noch ein paar Dinkel-Äcker, aber etwa ab 1870 nur mehr Viehweiden. Von einer Bebauung blieben die Hänge noch lange Zeit frei. Einzige Ausnahme waren Kirche, Friedhof und Pfarrhof „uff-om Roa", auf dem westlichsten Ausläufer des Buggensteins. Das allererste Haus am Nordfuß des Bühels (heute Bucherstraße 6, Stöcklers) erbaute im Jahre 1824 Joh. Gg. Gasser. Gasser war Waffenschmied an der Berggasse (Bucherstraße 1) gewesen und zog nun mit seiner Frau Magdalena Flatz, einer Schwester des berühmten Malers Gebhard Flatz, ins Oberfeld. Später besaß ihre Tochter Viktoria Gasser, die in Bregenz den Onkel Gebhard in seinen letzten Lebensjahren betreute, das Haus. Pächter und nachfolgende Eigentümer behielten den Hof meist wenige Jahre, weil der steile Bühel nur mit großer Mühe zu bewirtschaften war und nur geringen Ertrag einbrachte. Auf Kressers, die nach Lauterach zogen, folgte die Familie Rai, die 1924 nach Amerika auswanderte. Jetzt kam aus Lech Johann Jochum, der mit Frau und Töchtern viel Kraft aufwendete, um dem Hang mehr Gras abzugewinnen. Dazu schaffte er sogar eine starke Jauchepumpe an. Mit langen eisernen Rohren konnte er nun erstmals richtig düngen. Inzwischen hatte der Zimmermann Josef Anton Köb, „Lehrars Seppatone", im Jahre 1900 ganz nahe bei der Kirche sein schönes Haus (Bucherstraße 2) als zweites nach dem Gasser-Haus errichtet. Auf der rechten Seite der Alten Bucherstraße baute die Gemeinde dann 1911 ihren oberen Friedhof mit den Arkaden. Der Pfarrhof war schon 1882 erneuert worden. Jetzt kehrte noch einmal für viele Jahre Ruhe auf dem Buggenstein ein. 38 Das wurde 1952 mit einem Schlag anders. Die Gemeinde betonierte fast ganz oben auf „Jochums Bühel", genau 468 m ü. M., ihren ersten Wasserspeicher in den Fels, der für den nötigen Druck im Leitungsnetz des neuen Wasserwerks sorgen mußte. Jetzt konnte mit der Zersiedelung der Felder auch die Überbauung der Bühel beginnen. Architekt Ernst Hiesmayr und DI Otto Gruber waren die ersten, die die herrliche Aussicht vom Westhang des Buggensteins und die Ruhe am Waldrand höher einschätzten als die Probleme mit der schwierigen Zufahrt über die Rütti-Gasse. Ihre beiden Häuser waren mit Nr. 444 und 446 die allerletzten, die 1953 noch eine Hausnummer nach der alten D-Reihung bekamen (Rüttigasse 5 und 7, später Bildhauer Albrecht). Um diese Zeit erwarb Erich Stöckler den Hof samt dem großen Bühel. Immer mehr Siedler erkannten den hohen Wohnwert am Hang. Ganz am Ostende von „ Stöcklers Bühel" - so hieß der Buggenstein jetzt - begann der Bregenzer Textil-Fabrikant Benger mit dem Bau von zwei großen Landhäusern. Bald folgten mehr als ein Dutzend Häuser an der Bucherstraße und an der Rüttigasse. Der bis weit ins Tal sichtbare Rücken des Bühels und seine sonnige Südseite blieben aber - Gott sei Dank! - frei und grün. Auch die malerische Birken-Gruppe auf dem Kamm blieb erhalten. Von der oberen Rüttigasse steige ich manchmal die paar Schritte hinauf und setze mich ins Gras. Ich durfte auch schon Gruppen von Schülern und von heimatkundlich interessierten Wolfurtern dorthin führen und ihnen die Aussicht erklären. Zu Füßen liegen das Oberfeld und das Kirchdorf und ein buntes Häusermeer hinaus bis zu den Flußauen an der Bregenzerach. Dahinter grüßen Gebhardsberg und Kanzele mit ihrem roten Felsband. Rechts sieht man die Kennelbacher Kirche und neben ihrer Turmspitze die Kapelle auf der Halden. Nach Westen schweift der Blick an der Wolfurter Kirche vorbei zur Kirche von Lauterach und, nur mehr ganz klein am Bodensee-Ufer zu sehen, zum Kirchturm 39 von Hard. Bei klarer Sicht kann man im See hintereinander den langen Fußacher Rhein-Damm, den Rohrspitz und den Rheinspitz erkennen. Am Fuß der Schweizer Berge sieht man St. Margarethen, oben die Hoteldörfer Walzenhausen und Heiden. Hinter dem Rohrspitz springt am Schweizer Ufer Romanshorn weit in den See vor. Nur wenige Grad rechts davon, aber 50 Kilometer entfernt, liegt unsere ehemalige Bischofsstadt Konstanz. Ihren Münsterturm kann man nur an ausnahmsklaren Föhntagen ausmachen. Vom nahen Bregenz sind nur die Riedenburg und die Riedener Hochhäuser zu sehen. Mehrer


Heimat Wolfurt Heft 28 2004 Oktober
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 28 Zeitschrift des Heimatkundekreises Oktober 2004 Bild 1: Der neue Schießstand an der Ach im Jahre 1975 Sonderheft Schützen Weil unsere wertvollen Schützenscheiben und auch die Schützenfahnen nicht allen zugänglich sind, soll ein großer Teil davon in diesem Heft den interessierten Lesern gezeigt werden. Um eine bessere Vorstellung von den Bildern zu erhalten, verwenden wir zum ersten Mal Farbdruck. Bildnachweis Bilder 1, 2, 3 u. 5 Hubert Mohr 4 Engelbert Köb 36 bis 41 Karl Hinteregger Alle anderen stammen aus dem Schützenarchiv Wolfurt. Bitte! Diesem Sonderheft 28 liegt wieder ein Erlagschein bei. Zur Deckung unserer Auslagen bitten wir um eine Spende auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482). Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten Hefte (Nr. 17 bis 27) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Siegfried Heim Wolfurter Schützengeschichte Ein „Schütze" war ursprünglich ein Jäger, der mit seinem Pfeil oder auch dem Speer seine Sippe mit Fleisch von erlegtem Wild versorgte. Seit dem Mittelalter wurden aber auch die Männer, die mit Bogen, Armbrust oder später mit einer Büchse bewaffnet das Land gegen eindringende Feinde verteidigen sollten, als Schützen bezeichnet. Noch bis 1918 wurden die Schützen-Vereine, deren Mitglieder ihre Treffsicherheit in friedlichen Wettkämpfen auf den Schießständen unter Beweis gestellt hatten, immer wieder auch als militärische Einheiten in die Kriege einberufen. Heute gilt der Schießsport als sinnvolle Freizeit-Beschäftigung und als friedlicher Wettbewerb, der die körperliche und geistige Ertüchtigung der Schützen zum Ziel hat. Außer den Sportschützen vom Schießstand und einigen Erinnerungen an den Militärdienst kennt man bei uns das Wort „Schützen" als Namen für ein altes Gasthaus. Es gibt auch noch ein paar Familien „Schützos ", die ihren Hausnamen in Erinnerung an einen Jäger in der Ahnenreihe tragen. Und vom Horoskop her wissen wir vom Sternbild Schütze und von seinem Symbol mit dem gespannten Bogen. Unsere Wolfurter Schützengilde gibt als Gründungsjahr ihres Vereins das Jahr 1838 an, also als Zweitältester Verein nach der Blasmusik von 1816. Das hat seine Berechtigung, denn in jenem Jahr wurde über kaiserlichen Auftrag im Dorf ein Schießstand eingerichtet. Hier wurden ab jetzt regelmäßig „Besf'-Schießen veranstaltet. Die Wurzeln des Schützenwesens reichen aber viel weiter zurück. Die Quellen berichten vor allem von Kriegen, aber auch von Festen, bei denen MusketenSchüsse und Böller-Krachen die Feier verschönerten. Die allerältesten Schießstände für Bogen- und Armbrustschützen sind schon um 1370 in Bregenz, Feldkirch und in Bludenz nachgewiesen. 1434 feierten die Feldkircher ein Schützenfest mit „internationaler" Beteiligung. Im Jahre 1498 vereinigten sich in Bregenz die Armbrustschützen mit den neumodischen Büchsenschützen zu einer kirchlich genehmigten Bruderschaft, bei welcher sogar Kaiser Maximilian Mitglied war.1 Kellhofer und Hofsfeiger Schützen Die erste Nachricht von den Hofsteiger Schützen haben wir aus dem Jahre 1525, als hundert Männer nach Bregenz zogen und die katholisch gebliebene Stadt vor dem Ansturm der reformierten Bauern retteten.2 Im Schmalkaldischen Krieg verteidigten die Hofsteiger Schützen das Land zusammen mit den Hofriedenern an der Bregenzer Klause. Weil Galli Küng zu den Evangelischen übergelaufen war, wurde er gefangen, gefoltert und schließlich von Pferden zerrissen.3 Erfreulicheres erfahren wir von den Wolfurt-Kellhofer Schützen in Diensten der Grafen von Hohenems. Dort führte Jakob Hannibal 1567 seine junge Frau Hortensia, die Schwester des später heilig gesprochenen Karl Borromäus, im Triumphzug aus Italien heim. Das Paar wurde mit Kanonen, Böllern, Glockengeläute und Festbeleuchtung großartig empfangen. Unter den 500 Bewaffneten standen auch die Kellhofer mit Musketen und Hellebarden. Als im Jahre 1603 die wehrfähigen Männer zur Erbhuldigung an Jakob Hannibals Sohn Graf Kaspar nach Hohenems befohlen wurden, reihten sich in die insgesamt 443 Schützen auch 77 aus Dornbirn und 55 aus dem Kellhof Wolfurt ein. Die letzteren wurden von Bastian Kelnhofer angeführt und trugen nur 13 Musketen, sonst Spieße, Hellebarden oder Schlachtschwerter. Die Männer schworen einen feierlichen Eid, sie wollten in Kriegszeiten für ihren Herrn und seine Festung Hohenems Leib, Gut und Blut einsetzen.4 Auch 1618, als der 30jährige Krieg begann, mußten die Kellhofer zur Musterung nach Hohenems. Sonst fand die Musterung der Schützen meist in der Standlaube am Fuß der Kirchenstiege in Wolfurt statt. Im Jahre 1621 wurde eine neue Wehrordnung für das Land beschlossen. Die Stände beharrten auf ihren alten Rechten. Weiterhin durften die Schützen nur zur Verteidigung des eigenen Landes aufgeboten werden und weiterhin sollte jeder sein Gewehr daheim aufbewahren. In andere Ländern wurden die Waffen ja damals in zentralen Zeughäusern gesammelt und gepflegt. Gar oft wurden die Hofsteiger und Kellhofer Schützen in den folgenden Jahrhunderten in Kriegseinsätzen an die Grenzen des Landes gerufen. Daß sie aber auch andere Funktionen hatten, beweist eine Notiz in der Fischer-Chronik von 1768. Die Schützen („Ausschutz ") von Wolfurt und Rickenbach nehmen „ von alters her.. mit under und yber gewehr" (mit Seiten- und Schulterwaffe) an der jährlichen Fronleichnams-Prozession teil. Nun wird ein „Krigsfahnen" angeschafft, eine Fahne, die die Aufmärsche der Schützen verschönern sollte.5 Große Not brachten die Franzosenkriege von 1796 bis 1814 über das Dorf. Die Hofsteiger Schützen standen damals unter der Führung von Joh. Jakob Schertler aus Unterlinden. Als das Land 1805 an die Bayern gefallen war, führten diese die allgemeine Wehrpflicht ein. Beim Aufstand von 1809 nahmen die Hofsteiger und Hofriedener Schützen jetzt auch außerhalb des Landes an Überfällen auf Lindau und Konstanz teil. 4 Im Juni 1809 führte Hauptmann Schertler „zu Roß" seine Hofsteiger Schützen mit 15 Offizieren und 369 „Gemeinen" nach Weiler im Allgäu. Dort wurde er vom Landeskommandanten Anton Schneider zum Major befördert und mit der Führung des ganzen Bataillons Bregenz betraut. Die 169 Wolfurter wurden jetzt von den beiden Leutnanten Josef Schwerzler und Joh. Georg Reiner befehligt. Der erste Sturm auf Kempten mißlang. Dabei starben Leutnant Reiner und der Schütze Anton Lenz „in acie campiduni", in der Kemptener Schlacht. Drei Wochen später versuchte Schertler einen zweiten Sturm. Das Gefecht vom 17. Juli bei Eglofs endete mit schweren Verlusten und einer panikartigen Flucht. Unter den Toten war auch Anton Geiger vom Bühel, der Fahnenträger. Die erste Wolfurter Schützenfahne dürfte damals, wenn sie nicht verbrannt wurde, als Kriegsbeute in ein bayerisches Museum gekommen sein. Jetzt mußten die Vorarlberger alle ihre Waffen samt dem Schießpulver nach Lindau abliefern. Im Gemeinde-Archiv ist noch eine Ablieferungsliste vom August 1809 erhalten geblieben: Gewehre 52 Stuck Stutzen 5 Stuck Säbel 3 Stuck Patron Taschen 7 Stuck auch einige Päckel Pulfer et bley. Schon ein paar Tage vorher waren 48 Gewehre abgeliefert worden. 13 Schützen gaben an, sie hätten ihre Waffen bei der Flucht von Eglofs verloren. Major Schertler mußte sich im Hauptquartier von General Beaumont in Lindau einfinden und seine Unterwerfung beschwören. Hundert Jahre später wurde der Name des allseits geschätzten Mannes am Anton-Schneider-Denkmal in Bregenz eingefügt. Seit 1977 erinnert auch eine Gedenktafel am neuen Wolfurter Schießstand an Jakob Schertler und seine Schützen von 1809. Daß wenigstens einige von diesen Schützen schon bald nach der Rückkehr Vorarlbergs zu Österreich wieder Gewehre und Pulver besaßen, erfahren wir aus dem Bericht über den Einzug eines neuen Pfarrers: „Pro 1814 den 4ten Jully ist .... der Hochwürdige Herr .... Aloys Graßmayer .... von Bregenz abgeholt worden mit gröster Solumetät, es wahren bey 20 Reiter, 5 Gutschen u. Wägen von der Zollbrügge hat Ihn auch der Ausschuß mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen abgeholt .... nach dem Gottesdienst.... mit wiederholtem böller geschüze und Salve der Musgeten zum Pfarrhof begleitet worden. " h Zu einem Freudenfest gehörten damals und noch lange danach einfach Böllerkrachen und Pulverdampfund natürlich auch Musik. Seit in Wolfurt im Jahre 1816, zwei Jahre nach dem Pfarrer-Einzug, eine Blasmusik gegründet worden war, marschierte diese bei unzähligen festlichen Anlässen gemeinsam mit den Schützen. So ist zum Beispiel aus dem Jahre 1824 eine Abrechnung des Gemeindekassiers erhalten geblieben. Schützen und Musik waren miteinander „zur Paradierung bei S. K. K. 5 Hocheit Prinzen von Österreich " ausgerückt. Erzherzog Franz Karl, der Vater des späteren Kaisers Franz Joseph, hatte in Bregenz eine Parade der Schützen abgenommen. Am anderen Tag kassierte der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde die Spesen von 44 Gulden ein. Auch die Musikanten erhielten 24 Gulden. Dem Kaiser ging es darum, die Wehrkraft seines Heeres durch gut ausgebildete Schützen zu stärken. Mit seinen Vorarlberger Schützen konnte er aber in diesen Jahren gar nicht zufrieden sein. Das geht aus einem umfangreichen Schriftverkehr des Guberniums in Innsbruck mit Kreishauptmann Ebner hervor. Ebner war auch für die Landesverteidigung verantwortlich und faßte die Berichte der sechs Vorarlberg er Landrichter zusammen: 1. Von den Bayern wurden 1809 alle Schußwaffen beschlagnahmt. Das Scheibenschießen war verboten. Die Bevölkerung ist verarmt. Nur wenige Schützen waren nach 1814 in der Lage, sich neue Gewehre zu besorgen. Daher sind auch viele Schießstände verfallen. 2. Der Anreiz zum Scheibenschießen fehlt, weil die landesfürstlichen Preisgelder nur mehr spärlich fließen. 3. Ein wesentliches Hindernis zur Wiederbelebung des Scheibenschießens ist das gültige Wehrstatut. Danach muß sich jeder Bürger und Bauer nach seiner Verehelichung oder bei Antritt eines Gewerbes in die Schützenmatrik einschreiben. Er ist verpflichtet, drei Jahre lang an den Schießübungen („KaisergabenSchießen") teilzunehmen. Anfänger sehen keine Möglichkeit, ein „Best" zu gewinnen, weil gute Schützen im Vorteil sind. Sie werden daher durch die hohen „Muß"-Einlagen abgeschreckt. Zur Beendigung dieser unbefriedigenden Zustände fordert Kreishauptmann Ebner daher: 1. Bau neuer Schießstände. Sie müssen so zentral gelegen sein, daß die Anmarschzeit höchstens drei Stunden beträgt. 2. Erhöhung der landesfürstlichen Gnadengaben. 3. Einführung einer neuen Schützenordnung, die zum Scheibenschießen ermuntert. Unter den Orten, wo Ebner schon im Jahre 1828 neue Schießstände fordert, ist Wolfurt. Hier sollen auch Bucher und Lauteracher Schützen unter Aufsicht eines „einsichtsvollen" Oberschützenmeisters ihre Übungen abhalten.7 Es dauerte noch volle zehn Jahre, bis die durch den Kirchenbau von 1833 verarmte und auch arg zerstrittene Gemeinde Wolfurt dem Auftrag des Kreishauptmanns folgte und dem Schützenwesen neuen Auftrieb gab. Schützen des Kaisers, Neubeginn 1838 Gemeindevorsteher war in jenen schwierigen Jahren der Rickenbacher Adlerwirt Leonhard Fink. Wolfurt besaß jetzt in 230 Häusern 236 Familien mit insgesamt 1311 Einwohnern. Fink hatte 1834 die Pfarrkirche gegen großen Widerstand provisorisch fertiggestellt. 1835 hatte er eine erste Feuerwehrspritze angeschafft. Nun plante er gemeinsam mit dem neuen Pfarrer Hiller die Errichtung einer Kaplanei und den Bau eines Kaplanhauses. Da blieb für den vom Kreisamt geforderten Schießstand nur wenig Geld. Treibende Kraft für das Schützenwesen dürfte der Ziegelfabrikant und langjährige Schützenhauptmann Andreas Klocker (1787-1844) gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Bruder Josef Anton besaß er eine große Ziegelei an der Ach. 1836 baute er an der Bützestraße ein neues Haus (Forstars, jetzt Nr. 18, Zimmerei Böhler). Klockers einziger Sohn Josef ließ sich 1845 als Glaser an der Hub nieder und begründete dort mit seinen zehn Kindern die Sippe der Glasar-Klocker. Ein Schießstand-Gebäude vermochten die Wolfurter vorerst nicht. Aus der von Schnidarles Hannes im Jahre 1899 gemalten Scheibe geht hervor, daß der Stand lediglich aus ein paar Pfählen und einer Latte bestand. Wenige Jahre vorher hatte der Rößlewirt für die Vergrößerung von Kirche und Friedhof ein gutes Stück von seinem Bühel abgetreten. Als man dann alle Bäume gefällt hatte, blieb unterhalb der Friedhofmauer gerade noch genug Platz für einen Garten und einen „Stand" für die Schützen. Für den Schreiber mußten ein Tisch und ein Stuhl auslangen. Die Scheiben standen auf der anderen Seite des Tobeis in Richtung Schloß. Von dort dürften schon damals Schützenbuben mit Zeichen die Treffer und die Fehlschüsse angezeigt haben. Kein Wunder, daß die dem Wolfurter Stand zugeteilten Schützen aus Lauterach nicht zufrieden waren! Schon nach einem Jahr suchte die Gemeinde Lauterach 1839 um einen eigenen Schießstand an. Sie fürchtete, „ daß die jungen Leute alle Sonn- und Feiertage ihr Geld verzehren, in Streit und Händel geraten und endlich bei Nacht auf den unsicheren Straßen mit den verschlagenen Köpfen nach Hause kämen ".8 Ab jetzt übten viele Lauteracher an verschiedenen Plätzen im eigenen Dorf. Einen richtigen Schießstand erhielten sie aber erst 1847. Den Wolfurtern mußte ihr einfacher Stand auf dem Rößle-Bühel vorerst genügen. Auch bei festlichen Anlässen rückten Schützen und Musik aus. Eine Gelegenheit dazu bot im September 1844 der neuerliche Besuch von Erzherzog Franz Karl in Bregenz. Diesmal hatte er seine ältesten drei Söhne mitgebracht, den 14jährigen Prinzen Franz Joseph, der schon vier Jahre später als Kaiser den Thron der DonauMonarchie besteigen sollte, den 12jährigen Prinzen Maximilian, der später als unglücklicher Kaiser von Mexiko erschossen wurde, und den 11jährigen Prinzen Karl Ludwig. Kreishauptmann Ebner notierte vom Schützen-Aufmarsch: 6 7 „Es waren Zuseher von allen Seiten herbeigeströmt. Namentlich waren nebst den Bregenzerschützen auch jene von Hörbranz, Hard, Lautrach und Wolfurt einmarschirt in großentheils absurden Kostümen Die türkischen Musiken derselben vollbrachten einen Höllenlerm, und endlich gaben sie Dechargen wovon mehrere dem regulären Militär zur Ehre gereicht haben würden!" 9 Bald danach übersiedelte der Wolfurter Schießstand vom Kirchenbühel nach Rickenbach. Der Engelwirt Josef Fischer hatte in den Adler hinaus geheiratet und wollte das gute Geschäft mit den Schützen dorthin mitnehmen. Die paar Latten konnte man ja überall schnell aufstellen. Schon 1846 richtete der Adlerwirt neben seinem Biergarteri direkt an der Landstraße nach Schwarzach einen Schuppen für die Schützen ein. Im Kataster von 1857 wird dieser Schuppen als „Schießhaus" bezeichnet. Auf der Fischer-Schützenscheibe sieht man die Begrenzungsmauer zur Dornbirnerstraße. Der Kugelfang stand nach einem Schreiben von 1848 am anderen Ende von Adlerwirts Wiese nahe am Rickenbach. Nach der Überlieferung soll auch im Kella geschossen worden sein. Dafür gibt es aber keine Belege. Der Rickenbacher Stand war ja auch nur 14 Jahre lang in Betrieb. Im Jahre 1845 hatte das Gubernium die neue kaiserliche Schießstandsordnung für Tirol und Vorarlberg verlautbart. In mehreren Schreiben wurden Bestellung, Bezug, Transport und Aufbewahrung von Schießpulver genau geregelt. Das Pulver mußte in Säckchen abgefüllt und diese in Fäßchen verschlossen werden. Transport in Postkutschen war verboten, vielmehr mußten die Fäßchen von „nüchternen Bothen" überbracht werden. Ein Zentner „rundkörniges Scheibenpulver" für die Stutzen kostete 41 Gulden, Sprengpulver für die Böller dagegen nur 29 Gulden.10 Eine ganz wichtige Änderung im Wolfurter Schützenwesen brachte das Jahr 1860. In Spetenlehen hatte Joh. Martin Fischer, ein Enkel des ersten Wolfurter Vorstehers, in seinem Haus (heute Hofsteigstraße 27) ein Gasthaus „Schützen" eingerichtet und dazu auf dem Bühel auf eigene Kosten einen neuen Schießstand gebaut.11 Damit zog er das Geschäft mit den Schützen an sich. Schon im ersten Jahr wurden hier die vom Bezirksamt überwiesenen 13 kaiserlichen Gnadengaben im Betrag von 40 Gulden 95 Kreuzer ausgeschossen. Abwechselnd mit Hard und Lauterach fand jetzt jedes Jahr ein „Hofsteigschießen" statt, damals bereits unter diesem heute wieder gebräuchlichen Namen. In das Schießprotokoll des „4. Hofsteig-Freischießen in Wolfurt 1865" ließen sich 391 (!) Schützen eintragen, darunter neben Wolfurtera und Lauterachern solche aus dem ganzen Land von Hohenweiler bis Nenzing und von Fußach bis Andelsbuch. Dem „K.K. Gemeinde-Schießstand zu Wolfurt" gehörten jetzt 69 Schützen an. Oberschützenmeister war 1866 der damalige Gemeinde-Vorsteher Josef Halder. Das Fischer-Gasthaus hieß eigentlich „Rose", wurde aber meist „Schützen" genannt. Der Schützenwirt Fischer war ein begeisterter Sänger und beherbergte neben den Schützen regelmäßig auch den Gesangverein. Trotzdem geriet er in finanzielle Schwierigkeiten. 1873 bot er den Schießstand der Gemeinde zum Kauf an, „wiederigenfalls er seine Gebäulichkeit für sich verwende, und die Gemeinde 8 andersartig für einen Schießstand zusorgen überlasse ". Die Gemeinde lehnte ab. 1875 kaufte der Nachbar Kronenwirt Michael Sohm das Gasthaus Schützen samt dem Schießstand. Das Konkurrenz-Gasthaus schloß er, den Schießbetrieb hielt er aufrecht. Ab 1875 wurde also die „Krone" zur Schützenwirtschaft und blieb es genau hundert Jahre lang, bis die Schützen ihren neuen Stand an der Ach eröffneten. Der erfolgreiche Kronenwirt hatte natürlich Neider. Mehrmals wurde er angezeigt, weil die Schützen ohne den vorgeschriebenen Kugelfang gegen den Wald hinauf geschossen hätten. Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Gg. Fischer. Dieser unternehme, so hieß es in der Zeitung, nichts gegen den Kronenwirt Michael Sohm, weil der Sohn des Kronenwirts mit der Schwester des Vorstehers verheiratet sei. Schon 1877 übergab Michael Sohm seine beiden Häuser an seinen gleichnamigen Sohn. Als dieser bald danach den ehemaligen Schützen verkaufte, behielt er den Bühel und vereinigte ihn mit Kronenwirts Bühel. Seither gehört der Schießstand zur Krone. Alles zusammen verkaufte Sohm 1879 an Wendelin Pfanner. Pfanner überließ nun 1880 den Schießstand für 200 Gulden der Gemeinde. Er behielt sich aber Nutzungsrechte vor, darunter das Recht zur Abhaltung von PrivatFreischießen und das alleinige Recht zum Ausschank von alkoholischen Getränken. Er baute 1882 sogar eine Kegelbahn ein. Erst später ging der Schießstand ganz in Gemeindebesitz über und wurde in mehreren Stufen zu einem beliebten SchützenTreffpunkt ausgebaut. Mit vielen anderen Schützen beteiligten sich auch die Wolfurter am Aufmarsch zum Kaiser-Besuch von 1881 in Bregenz und am anschließenden großen Schützenfest am „Berg Isel". Unter Oberschützenmeister Ferdinand Schneider wurde zum 50-JahrJubiläum 1888 gemeinsam mit den Fronleichnams-Schützen eine Fahne angeschafft. Allerdings gab es ihretwegen viel Streit.12 (Mehr darüber weiter hinten S. 53). Die meisten Standschützen waren übrigens gleichzeitig auch Fronleichnams-Schützen. Sie rückten dort bei feierlichen kirchlichen Anlässen in Uniform aus.13 Aus dem Jahre 1891 ist die älteste Wolfurter Ehrenscheibe erhalten geblieben. Alle älteren Scheiben waren mangels Aufbewahrungsmöglichkeit bald wieder verloren gegangen. 1895 wurde der neue Kronenwirt Carl Müller zum O.Sch.M. gewählt. Der Verein blühte auf. In diesen Jahren setzten sich endgültig Gewehre mit PatronenMunition durch. Bisher waren noch häufig Vorderlader-Stutzen verwendet worden. Schon 1898 wurde der baufällig gewordene Schießstand von Grund auf erneuert. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph fand am 1. Mai 1898 ein großes Fest-Schießen auf dem neuen Stand statt. Dazu wurde dem Kaiser eine Ehrenscheibe gewidmet. Landeshauptmann Adolf Rhomberg hielt vor über 1000 Zuhörern die Festrede. Besonders beeindruckte die Besucher das Feuerwerk in den späten Abendstunden.14 Noch im gleichen Jahr fuhren die beiden Schützenmeister mit Vorsteher Lorenz Schertler und vier weiteren Schützen zum Bundes-Schießen nach Wien. 9 Nach der k.k. Schießstandsordnung von 1874 war jeder Schütze verpflichtet, jährlich auf dem eigenen Stand an mindestens drei Schießübungen teilzunehmen. Jedesmal mußte er dabei mindestens dreißig Schüsse abgeben. Zur Kontrolle wurde ein Matrikelbuch geführt. Im neuen Buch von 1898 sind 308 Schützen eingeschrieben, darunter 59 aus Lauterach und 7 aus anderen Nachbargemeinden. Unter den 242 Wolfurtern ist selbverständlich auch der Vorsteher Lorenz Schertler. Die Freude an dem neuen Schießstand zeigte sich nicht nur in der großen Schützenzahl, sondern auch in den vielen Ehrenscheiben aus diesen Jahren. Darunter befindet sich auch jene kostbarste Wolfurter Scheibe, auf die Schnidarles Hannes 1899 die drei Schießstände malte (Bild 6). Nach der Jahrhundertwende folgten die goldenen Sticker-Zeiten für Wolfurt. Sie spiegeln sich in einer ganzen Reihe von übermütigen und trinkseligen Schützenscheiben wieder. Am 29. Juni 1913 feierte die „Standschützen Gesellschaft Wolfurt" - so nannte sie sich jetzt - ihr 75jähriges Gründungsfest. Unter Oberschützenmeister Rudolf Böhler, Postmeister und Sternenwirt, erhielt der Verein eine neue Fahne (Bilder 4, 40 u. 41). Ein Jahr darauf begann der große Weltkrieg. Schon am 1. August 1914 mußten die Männer bis zu 42 Jahren mit dem Landsturm einrücken. Am 21. August wurden im Vereinshaus durch Landeshauptmann Rhomberg auch die Standschützen als reguläre Soldaten vereidigt. 60 Kennelbacher bildeten zusammen mit 95 Wolfurtern eine Kompagnie. Sie wählten Ludwig Köb, Lehrars, zu ihrem Hauptmann. Nur ein paar Tage exerzierten sie im Oberfeld. Dann marschierten 60 Wolfurter Schützen am Pfmgst-Heiligtag, 23. Juni 1915, vom Kirchplatz weg nach Bregenz. Mit dem Zug wurden sie an die Front ins Südtirol gebracht. Dreieinhalb Jahre härteste und verlustreiche Kämpfe in den Dolomiten folgten und dann noch ein Hungerjahr in italienischer Gefangenschaft in Albanien.15 Neun Schützen kehrten nicht mehr heim. Schützengesellschaft und Schützengilde Die Not nach dem Krieg zwang eine ganze Reihe von jungen Wolfurtern, darunter auch einige Schützen, zur Auswanderung nach Amerika. Vorsteher Lorenz Schertler versuchte, dem Vereinsleben wieder Auftrieb zu geben. Auf sein Schreiben hin trafen sich am 26. August 1923 elf Männer im neuen Vereinshaus und gründeten den Schützenverein neu, jetzt unter der Bezeichnung „Schützengesellschaft Wolfurt". Standschützen-Oberleutnant Dr. Wilhelm Mohr hatte Statuten erarbeitet. Er übernahm auch selbst die Stelle als „1. Schützenmeister". Der „2. Schützenmeister" Josef (Pepe) Flatz und Schriftführer Albert Kirchberger stellten sich als verläßliche Helfer an seine Seite. Zuerst mußte der wieder baufällig gewordene Schießstand mit Hilfe eines Baukredits von vier Millionen Kronen saniert werden. Die Gemeinde als Eigentümerin des Standes besaß ja am Höhepunkt der Inflation selbst kein Geld mehr und konnte lediglich ein paar Tannen für Bretter und Balken beisteuern. Aber am 4. November 1923 wurde doch bereits ein erstes „Schübling"-Schießen durchgeführt. Zum ersten Mal knallten nach zehn bitteren Jahren die Stutzen wieder in sportlichem Wettkampf. Aus 125 Metern Distanz schoß man auf 33 Zentimeter-Scheiben mit 10 Kreisen.16 Noch immer füllten die Schützen ihre Patronen selbst nach individuellen „Rezepten" und setzten oft erst am Stand ihre Zündkapseln ein. Eine ganz wichtige Aufgabe hatten bei jedem Schießen die Schreiber und die „Zeiger" zu erfüllen. Die Zeiger waren Buben und Burschen, die am Scheibenstock die Scheiben beaufsichtigten. Mit einer zweifarbigen Kelle zeigten sie jeden Treffer und auch dessen Abweichung vom Zentrum an. Dafür erhielten sie Schübling und Brot und meist auch eine Limonade. Nach Beendigung des Schießens gruben sie mit ihren Taschenmessern die Bleikugeln aus dem Erdreich. Als Schreiber benötigte man gestandene Männer, denn es kam nicht selten zu Auseinandersetzungen, wenn ein ehrgeiziger Schütze seinen Fehlschuß nicht akzeptieren wollte. Als Dr. Mohr nach Bregenz übersiedelte und Martin Dietrich 1. Schützenmeister wurde, nahm man das Inventar auf. Da fanden sich neben zwei Fahnen und sechs Gewehren bereits 32 Ehrenscheiben. In den nächsten Jahren gewann der Schießstand Wolfurt mit seinen verschiedenen Gesellschafts- Schießen einen guten Ruf und konnte immer mehr prominente Gäste begrüßen. Die Mitglieder Isidor Flatz und Martin Gmeinder errangen 1928 die Auszeichnung „Meisterschütze in Vorarlberg". Ab 1929 wirkten sich die Weltwirtschaftskrise und die parteipolitischen Auseinandersetzungen immer mehr auch in Streitigkeiten bei den Vereinen aus. Von 53 eingeschriebenen Mitgliedern erschienen 1932 nur mehr 11 zur Hauptversammlung. Statt einer geplanten Schützen-Uniform konnte nur ein einheitlicher Hut mit einem Adler-Stoß angeschafft werden. In diesen Jahren nahm das Schießen mit dem Kleinkaliber-Gewehr, das die alten Schützen lange als „Pfutzgarle" belächelt hatten, einen großen Aufschwung. 11 10 Trotz der gedrückten Stimmung gab es immer wieder Anlässe, zu denen Schützenfreunde eine Ehrenscheibe spendierten. Weitaus die meisten davon malte der unermüdliche Johann Fischer, Schnidarles Hannes. Im Jahre 1937 ließen sich fünf ehemalige Standschützen-Offiziere, darunter der inzwischen als Arzt zu Weltruhm gelangte Wolfurter Professor Dr. Lorenz Böhler, eine Scheibe vom Kennelbacher Schützenkameraden Engelbert Karg malen. Der Aufmarsch und das Schießen auf diese Scheibe wurden am 5. September 1937 zum letzten Schützenfest vor dem Zweiten Weltkrieg. Schon am Vorabend hatten Dr. Böhler selbst und seine Söhne mit je einem Schuß auf diese Scheibe ein Erinnerungszeichen gesetzt. Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich im März 1938 wurde die Schützengilde wie alle anderen Vereine sofort aufgelöst. Die Ortsleitung der NSDAP übernahm den Schießstand. Dort begann ein reger Schießbetrieb. Allerdings hatten die alten Stutzen ausgedient. HJ (HA-Jott, Hitlerjugend) und SA (Sturm-Abteilung) schössen jetzt mit dem preisgünstigen KK-Gewehr auf den 50 Meter-Ständen. Sogar die zehnjährigen Pimpfe übten schon in den Schulklassen mit LuftdruckGewehren im Rahmen der „vormilitärischen Ausbildung". Aus Anlaß des 25. Jahrestages des Auszugs der Standschützen in den Ersten Weltkrieg stifteten die neuen Machthaber im Mai 1940 eine Ehrenscheibe (Bild 19). Zu einem Preis-Schießen kamen am Pfingstmontag, 2. Juni 1941, sogar Gauleiter Hofer und Kreisleiter Dietrich auf den Wolfurter Schießstand. Auch die zur „Schützenmusik" umgetaufte Bürgermusik mußte spielen, allerdings fehlte der in Ungnade gefallene Kapellmeister Rohner. Bald wurde der Umgang mit dem Gewehr für viele Männer an den Fronten zum entsetzlichen Ernst. In den letzten Kriegsmonaten mußten im Rahmen des „Volkssturms" sogar die bisher verschonten älteren Jahrgänge noch unter dem TraditionsNamen „Standschützen" zur Ausbildung in vierwöchigen Kursen ins Südtirol. Am 2. Mai 1945 marschierte die französische Armee ein, der Krieg ging zu Ende. Wieder mußten, wie damals nach dem Aufstand von 1809 gegen die Bayern, alle Waffen abgeliefert werden. Neben Jagdgewehren und uralten Stutzen aus dem vorigen Jahrhundert wurden auch gute Sportwaffen eingesammelt und auf einem Haufen beim Schulhaus vernichtet. Der Schießstand wurde einige Zeit von marokkanischen Soldaten bewohnt und erlitt dadurch arge Beschädigungen. Es dauerte viele Jahre, bis sich das Leben wieder normalisierte. Albert Kirchberger hatte mit den alten Schützen-Akten sein Protokollbuch getreulich aufbewahrt und übergab nun alles zusammen dem ehemaligen U.Sch.M. Pepe Flatz. Gemeinsam mit dem langjährigen Funktionär Paul Schwarz versuchte dieser ab 1951, das Schützenwesen zu neuem Leben zu erwecken. Nach Überwindung großer Schwierigkeiten wurden tatsächlich schon im Herbst 1952 ein Jagd-Schießen und ein Frei-Schießen durchgeführt. Unter Leitung des provisorischen Schützenmeisters Erich Gasser fanden sich dann am 15. März 1953 in der Krone immerhin 15 Schützen zu einer Generalversammlung zusammen. Nur mühsam ging es aufwärts. Es fehlte an Gewehren und 12 Munition, an Geld und an Preisen. Ein Gewittersturm richtete im August 1958 am Schießstand großen Schaden an. Eine Änderung brachte erst das Jahr 1960. Unter O.Sch.M. Josef Dietrich waren Karl Aichholzer als Kassier und Hubert Flatz als Schriftführer in den Ausschuß gewählt worden. Mit neuen Ideen setzten sie Impulse zur Umkehr des „Krebsgangs im Schützenwesen". Besonders bewährte sich die Einführung eines regelmäßigen Trainings. Nach zwanzig Jahren wurde 1960 auch erstmals wieder eine Scheibe geschossen, mit der man der in den letzten Jahren verstorbenen Funktionäre gedachte (Bild 20). Schon im Jahre 1961 konnten bei Mannschafts-Wettkämpfen gegen Hohenems, Nonnenhorn und Schwarzenberg beachtliche Erfolge erzielt werden. Als stets zielsichere Schützen sind in den Aufzeichnungen Hans Loacker, Karl Aichholzer und Martin Dietrich festgehalten. Ihr Beispiel riß mit, auch bei den ständigen Renovierungsarbeiten am Schießstand, bei denen Aichholzer das Kommando und die meiste Arbeit übernahm. Die Zahl der Mitglieder stieg an. Jetzt wurden jedes Jahr gut vorbereitete Vereinsmeisterschaften durchgeführt und mit großem Ehrgeiz ein „Schützenkönig" gekürt. Auch Damen wurden als Mitglieder aufgenommen und die Jungschützen mit großer Aufmerksamkeit betreut. Als sich immer mehr junge Menschen um die Mitgliedschaft bemühten, auch solche aus Nachbargemeinden, in denen kein Schützenverein mehr bestand, wurde es bei den Schüblings- und Meisterschafts-Schießen auf Kronenwirts Bühel und bei den Generalversammlungen in Luzias Stube in der Krone langsam eng. Unter Allfälligem begann Egon Pehr in der Generalversammlung vom 30. Jänner 1970 daher eine Debatte über einen Schießstand-Neubau. Schriftführer Hubert Flatz griff die Idee auf und fand allgemeine Zustimmung. Wieviel Arbeit ihm daraus in den folgenden fünf Jahren erwachsen würde, konnte er noch nicht ahnen. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Vallaster, Schützenscheibenbuch, Dornbirn 1984, S. 118 Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs III, S. 44 Wie 2, S. 90 Welti, Jakob Hannibal, S. 103 und S. 443 ff und Kellnhof Wolfurt, S. 6. GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 16 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 Hubert Flatz, Schützen-Chronik, 1988, S. 1 ff, nach Forschungen im VLA Fröweis, Rathausfenster Lauterach, Nr. 3/2001, S. 14 Ebner, Tagebuch 1844, 14.-17. September Nach Akten 1846 im Schützenarchiv Wolfurt GA, GV-Protokolle, Einladung zur Sitzung am 16. Aug. 1860 GA, Chronik Schneider 3, S. 277 ff Heimat Wolfurt 23/1999, S. 42 GA, Chronik Schneider 3, S. 213 Heimat Wolfurt 7/1991, S. 33 ff Schützenprotokoll v. 1. Okt. 1924, Ladschreiben 13 1975 - Der neue Schießstand an der Ach Im Jänner 1970 war also in der Krone die Idee zu einem neuen Schießstand geboren worden. Alle dachten dabei zuerst an einen Neubau am alten Platz auf Kronenwirts Bühel. Dort gab es aber schon bisher Probleme mit Zufahrt und Parkplatz für die inzwischen ja weitgehend motorisierten Schützen. Und auf dem vor ein paar Jahren noch unverbauten Bühel standen jetzt auch schon einige Einfamilienhäuser. Trotz alter verbriefter Rechte konnten daraus in der Zukunft für die Schützen Erschwernisse entstehen. Da richtete Gemeindesekretär August Geiger die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auf das LAWK-Gelände an der Ach, von dem der Fußballverein schon 1947 ein großes Stück pachtweise übernommen und darauf seinen Sportplartz errichtet hatte. Tatsächlich erhielten die Schützen nun am 17. Dezember 1970 von der LAWK (Linksseitige Achwuhrkonkurrenz) die Grundparzelle 303/15 in Pacht. Die Planung konnte beginnen. Hubert Flatz hat darüber mit Hilfe von sorgfältig geführten Tagebuch-Aufzeichnungen im Jahre 1988 eine eigene Schießstand-Chronik verfaßt, aus welcher ich hier einiges zitieren darf. Im Februar 1971 wurde unter Obmann Karl Aichholzer ein Bauausschuß gebildet und bald danach die Rodung des Auwaldes in Angriff genommen. Als Hindernis erwies sich eine von der Gemeinde nach dem Krieg aufgestellte Baracke, deren Bewohner zuerst umgesiedelt werden mußten. Die Gemeinde verbürgte sich für einen Baukredit. Schon im Mai 1972 legte Edelbert Klimmer als Mitglied des Bauausschusses die ersten Pläne vor. Ab jetzt übernahm er die gesamte Planung und auch den größten Teil der Bauaufsicht. Die nun beginnende dreijährige Bautätigkeit wurde eine heute unglaublich anmutende Erfolgsgeschichte. Es gelang Hubert Flatz und Ferdl Matt, eine große Anzahl von freiwilligen Helfern zur Mitarbeit zu bewegen, die Arbeiten unter Leitung von erfahrenen Fachleuten zu koordinieren und das notwendige Baumaterial rechtzeitig vor Ort zu bringen. Darüber hinaus erhielten die Schützen, deren Begeisterung sich nicht selten auch auf die Lieferanten übertrug, beachtliche Spenden an Material, Maschinenstunden oder Zufuhrkosten. Viele Kontakte zu den Firmen vermittelte der Planer Edelbert Klimmer, andere besaß Hubert Flatz selbst in seinem Freundeskreis und unter den Wirtschaftstreibenden von Wolfurt. Im April 1973 begann man mit dem Aushub für das Hauptgebäude, bereits am 29. September konnte die Firstfeier stattfinden. Einziger Wermutstropfen war ein Protest der Oberfelder Nachbarn gewesen, die glaubten, ihre paradiesische Ruhe könnte allenfalls durch Schießlärm beeinträchtigt werden. Sie ließen sich aber bald durch Schallmessungen von Fachleuten beruhigen. Durch das ganze Jahr 1974 waren immer wieder ganze Gruppen von Schützen mit ihren Freunden mit dem Innenausbau beschäftigt. Fast alle taten es für ein Dankeschön und eine Jause, die in großzügiger Art jeweils der Sternenwirt Metzgermeister Johann Fischer spendierte. 14 Bild 2: Die Schützenstube mit der Kassettendecke Bild 3: Wegkreuz beim Schießstand: „.... daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt." Im November 1974 konnte im ausgebauten Kellergeschoß das Luftgewehr-Training aufgenommen werden. Den ganzen Winter über arbeiteten Willi Abier und Tone Repolusk an der Restaurierung der kostbaren alten Schützenscheiben, die sie von der Decke des alten Standes an der Hub abgenommen hatten. Bei der Zimmerei Berchtold wurden sie zum Einbau vorbereitet. Als die aus 38 Scheiben zusammengesetzte Decke schließlich von Fachleuten begutachtet wurde, ernteten die Handwerker höchstes Lob. Am 30. Mai 1975 wurde die Eröffnungsscheibe geschossen. An den folgenden 14 Tagen kamen 363 Schützen aus dem ganzen Land, aus der Schweiz und aus Deutschland und machten das Schießen auf dem vielbewunderten Wolfurter Stand zu einem anhaltenden Fest. Gemeinschaftssinn und Idealismus hatten ein großes Werk geschaffen. Zuerst sind da sicher die weit über 12 000 freiwillig von Handwerkern und Hilfsarbeitern geleisteten Arbeitsstunden zu nennen, die Schriftführer Ferdl Matt in seinem Stundenbuch fein säuberlich aufgezeichnet hat. Aus der Liste der 130 Namen stechen einige mit besonders großen Stundenzahlen hervor. Weitaus angeführt werden sie vom Gesamtleiter Hubert Flatz und seiner rechten Hand Ferdl Matt. Daneben 15 sind der Planer Edelbert Klimmer, Zimmermann Willi Abler, Baupolier Josef Leitner, Bodenleger Karl Aichholzer, die Schlosser Tone Lingenhel und Günther Muxel, die Elektriker Werner Dietrich und Wilfried Braitsch, Gärtner Franz Strezek und schließlich der Maler Anton Repolusk zu nennen, die für ihre Spezialgebiete verantwortlich zeichneten, aber auch sonst überall Hand anlegten, wo sie gebraucht wurden. Entscheidend für das Gelingen ihres Werks war jedoch die Mitarbeit jener weiteren 120 hier nicht genannten Helfer! Auch in der Liste der zahlreichen Förderer des Schießstandes fallen einige Namen auf. So hatte Alwin Rohner schon in der ersten Stunde, damals 1970 noch draußen in der Krone, die Lieferung sämtlicher Ziegel zugesagt. Er hielt sich nicht nur daran, sondern stellte unentgeltlich zusätzlich noch Zement, Kalk und Rohre nach Bedarf zur Verfügung. Neben den großen Beiträgen durch die Firmen Doppelmayr, Eisenkonstruktionen, und Berchtold, Zimmermannsarbeit, fällt Luis Erath in Lochau auf, der die Waschbetonplatten für den Hausplatz nicht nur spendierte, sondern auch selbst verlegte. Viele andere schließen sich an, von Holzsägern über Baggerfahrer bis zum Bildhauer Nitz in Lochau, der das Kruzifix für die Schützenstube stiftete. Ihre Namen sind auf einer Ehrenscheibe im Hauseingang verzeichnet. Nicht vergessen werden sollen die beachtlichen finanziellen Zuwendungen von Gemeinde Wolfurt, Land Vorarlberg und von der Österr. Turn- und Sportunion, der die Schützengilde Wolfurt beigetreten war. Sie alle konnten das Geld im sicheren Bewußtsein überweisen, daß es durch den Idealismus der Schützen vervielfacht in der Zukunft reiche Zinsen tragen würde. Als Hubert Flatz sein großes Werk fertiggestellt und auch fertig bezahlt hatte, wollte er seinen Dank noch auf ganz besondere Art abstatten. Bei Bildhauer Hubert Fessler in Hörbranz fand er ein Wegkreuz aus Stein, das er persönlich etwas oberhalb des Schießstandes aufstellte und am 18. Mai 1980 von Pfarrer Willi einweihen ließ (Bild 3). Er schreibt dazu. „Ich habe dieses Feldkreuz aufstellen lassen im Bewußtsein, daß einer über uns steht, der unsere Geschicke lenkt. Ihm haben wir zu danken, daß unser Gemeinschaftswerk, der Schießstandbau, gut gelungen ist. " Der neue Schießstand bewährte sich in den folgenden Jahren bei vielen Wettkämpfen. Im Erdgeschoß beherbergt er die Halle mit den 12 Klein-Kaliber-Ständen für die 50 Meter-Distanz und den großen Aufenthaltsraum, die „Schützen-Stube". Sie besitzt als Nebenräume eine kleine Küche mit einer praktisch eingerichteten Schank und die notwendigen Sanitär-Anlagen. Das ermöglicht die Bewirtung von Schützen und Gästen in angenehmer Atmosphäre. Hier hat sich ein Team von fleißigen Schützenfrauen sehr bewährt. Neben der Schießhalle befinden sich noch ein abgesonderter Auswertungsraum, natürlich mit Computer-Einrichtung, und ein Büro. Im Untergeschoß sind 12 Luftgewehr-Stände für 10 Meter-Distanz eingerichtet. Daneben sind eine zweite Schützenstube und ein separater Auswertungsraum sowie ein Vorratskeller situiert. Das Schießen mit großkalibrigen Gewehren und Jagd16 waffen, wie es auf den ehemaligen Ständen gepflegt wurde, ist im neuen Wolfurter Schießstand nicht mehr möglich. Dazu werden Interessenten auf die Anlagen einiger befreundeter Vereine im Land verwiesen. In einem Anbau stehen ausreichend Absteilflächen und Stauraum für die vielen Gerätschaften, die der moderne Schießbetrieb erfordert, zur Verfügung. Auf dem landschaftlich schönen Platz vor dem Gebäude ist auch die Abhaltung der zur Tradition gehörenden Schützenfeste möglich. Regelmäßig treffen sich an den Ständen junge und alte Schützen, Frauen und Männer, Wolfurter und Freunde aus den Nachbargemeinden. Sie üben ihr Auge und ihre ruhige Hand. Sie tauschen Erfahrungen aus und pflegen nach Feierabend die Gemeinschaft in gastlicher Runde. Die Liste der Erfolge von Vereins-Mitgliedern füllt viele Seiten der Chronik. Die junge Generation von Funktionären wird, gestützt auf die Erfahrung ihrer älteren Schützenkameraden, die USG Wolfurt sicherlich gut in die Zukunft führen. Wir Wolfurter sind stolz auf unsere Schützengilde und auf unseren Schießstand! 17 „Union Schützengilde Wolfurt" Die Vereinsführung im Jahre 2004 Markus Gasser Oberschützenmeister Romana Herburger Unterschützenmeisterin Roland Matt Marjeta Ulmer Thomas Ulmer Werner Böhler Rene Skamletz Josef Leitner Willi Hehle Franz Ratz Schriftführer Kassierin Sportleiter Kleinkaliber Sportleiter Luftgewehr Sportleiter Luftpistole Schützenrat Schützenrat Schützenrat Obersehüt/enmeister in Wolfurt Nach der Schützen-Chronik von Hubert Flatz, 1988. Aus den Anfängen des Schützenwesens sind nur zwei Schützenmeister bekannt: 1838-1844 um 1866 Andreas Klocker Josef Halder Ziegelfabrikant Gemeinde-Vorsteher Ab 1883 hat Flatz die Liste mit Hilfe der Schützenscheiben erstellt, ab 1923 liegen Protokolle vor. 1883-1886 1886-1890 1890-1895 1895-1904 1904-1911 1911-1915 1923-1926 1926-1928 1928-1931 1931-1937 1953-1954 1954-1957 1957-1963 1963-1972 1972-1979 1979-1981 1981-1996 1996Joh. Georg Fischer Ferdinand Schneider Martin Arnold Carl Müller Josef Rünzler Rudolf Böhler Dr. Wilhelm Mohr Hans-Martin Dietrich Paul Schwarz Siegfried Kalb Erich Gasser Josef Flatz Josef Dietrich Alfred Fischer Hubert Flatz Günther Muxel Ferdl Matt Markus Gasser Adlerwirt und Vorsteher Fabriksarbeiter und Chronist Bauer Kronenwirt Steinhauer Sternenwirt und Postmeister Landesbeamter Bauer Klöppelspitzenfabrikant Schwanenwirt Schreiner Fahrradmechaniker Elektriker Klöppelspitzenfabrikant Finanzbeamter Schlosser Finanzbeamter Angestellter Annelies Rohner Klaus Muxel Fahnenpatin 1984 Fähnrich Ehrenmitglieder 2004 Ferdl Matt Franz Strezeck Edelbert Klimmer Wilfried Braitsch Josef Leitner Valentin Lanker Helmut Vögel Alwin Rohner Roman Fekonja Ehren-Oberschützenmeister 18 19 Die Schützenscheiben Schützenscheiben sind Ehrenscheiben! Sie halten meist ein besonderes Ereignis fest und bekunden die Wertschätzung, die die Kameraden mit ihrem Ehrenschuß auf die bunte Scheibe zum Ausdruck bringen wollten. Darüber hinaus lassen sie den Betrachter einen Blick in die Geschichte tun, erzählen von den Leistungen der Schützen und von übermütigem Festtreiben, von Kaiser und Papst, von Jubiläen großzügiger Spender, aber auch von Kriegsnot und Tod. Die älteste erhalten gebliebene Schützenscheibe in unserem Land stammt aus Feldkirch und trägt die Jahreszahl 1640. Da können die Wolfurter Scheiben natürlich nicht mithalten. Noch lange Zeit besaß unsere Gemeinde keinen Stand, in dem man die Bilder hätte aufbewahren können. Auch die 12 Scheiben, für die Lorenz Höfle 1863 den Schützen sieben Gulden verrechnete, sind verschwunden. Auf eine davon war bereits ein „Hanswurst" aufgemalt, ein Faschingsnarr als Zielfigur. Im Schießstand wurden in die Täfel-Decke der Schützenstube 38 Scheiben eingearbeitet, dazu 11 in die Decke des LG-Standes im Keller. Weitere 21 Bildtafeln schmücken die Wände. Etwa 30 kleine Scheiben haben einen Platz an der Wand im LG-Stand gefunden. Von den insgesamt mehr als hundert Scheiben soll in diesem Heft eine Auswahl aus allen Gebieten des Schützenwesens gezeigt werden. Sie könnten für dich bei einem Besuch in unserem Schützenheim ein kleiner Führer sein. Den Anfang machen wir mit der historisch besonders wertvollen Scheibe aus dem Jahre 1899. Die folgenden Bilder sind in bunter Vielfalt nach ihrem Alter von 1891 bis 1988 gereiht und machen uns das Auf und Ab des Schützenwesens im 20. Jahrhundert bewußt. Angeschlossen sind einige Scheiben aus der Serie „AltWolfurt" und drei Ehrenscheiben für besonders verdiente Funktionäre. Den Abschluß bildet die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Bild 6. Die Schießstand-Scheibe von 1899. Johann Fischer, Schnidarles Hannes, 1853-1945, war ein künstlerisch begabter Schreiner, Zeichner und Maler. Er hat sie für seinen Vater Josef Fischer, Schreiner an der Hub, zu dessen 50jährigem SchützenJubiläum gemalt. Das besondere an ihr ist, daß sie uns die drei ehemaligen Schießstände zeigt. Eigentlich hatte Fischer sein Jubiläum schon drei Jahre früher gefeiert, denn er war gemeinsam mit Johann Baptist Höfle 1846 bei den Schützen eingetreten.. Der Neubau des Schießstandes im Jahre 1898 machte eine Fertigstellung der Fischer-Scheibe mit dem gewählten Motiv erst jetzt möglich. Aber mit dem KaiserJubiläum im gleichen Jahr wollte Fischer wohl doch nicht konkurrieren und wartete daher noch ein Jahr. Im Bild sieht man den grauhaarigen Schützen mit geschultertem Stutzen. Er winkt uns grüßend mit dem Schützenhut zu. Zu seinen Füßen ein Schützen-Symbol: Schießscheibe und Narrenkappe zusammen auf einem Lorbeerzweig! Daneben der neue 20 Schießstand auf Kronenwirts Bühel mit grünen Fensterläden und einer rot-weißen Fahne auf hohem Mast. Davor sitzen Gäste, eine Kellnerin wartet auf. Im Hintergrund der Scheibenstock. Im Zentrum der Scheibe hält ein Falke die schwarzen Ringe des Ziels. Im der oberen Hälfte eine Rückblende in die jungen Jahre des Jubilars: Zuerst in einem Quadrat der älteste Schießstand im Kirchdorf. Zwei Schützen an einem einfachen Latten-„Stand". Daneben an einem Tisch der Schreiber. Hinten links die Häuser im Tobel, auf dem Bühel gegenüber die Schießscheiben. Oben das alte Schloß. Dazu eine Inschrift: „Schützenwesen 1838 beim Rössle Wolfurt". Die zweite Einblendung zeigt in einem Kreis einen anderen Stand. Diesmal lautet die Schrift: „Schießstand in Rickenbach 1846". Von der Straße tritt ein Schütze durch eine Lücke in der Mauer zu der einfachen „Schießhütte" mit dem steilen Bretterdach. Auf der Wiese einige Bäume und ein kleiner Stock mit zwei Scheiben. Weiter hinten ein Haus im Rickenbach-Lo und ein Berg. Aus Gemeinde-Akten und aus dem Kataster wissen wir, daß dieser Stand beim Gasthof Adler unmittelbar neben der Landstraße nach Dornbirn stand. An beide Stände konnten sich die Jubilare Josef Fischer, 1823-1902, und J.B. Höfle, 1826-1923, ganz sicher persönlich erinnern. Auf der Fischer-Scheibe sind insgesamt 43 Schützen mit ihren Ehren-Schüssen verzeichnet. Wir finden darunter den Jubilar Josef Fischer selbst, Altvorsteher Martin Schertler, den Altschützen und ehemaligen O.Sch.M. Ferdinand Schneider und O.Sch.M. Carl Müller. Ein einziger von den Schüssen, bei denen es ja nicht um Sieg und Niederlage ging, traf ins Schwarze, jener von Johann Gmeinder, Frickeneschers. Bild 7. Die älteste Wolfurter Scheibe trägt das Datum 3. Mai 1891. Sie zeigt einen vor dem Schützen flüchtenden Gamsbock. Auch diese Scheibe hat Schnidarles Hannes gemalt. Gewidmet wurde sie den neuen Schützenmeistern Martin Arnold aus Rickenbach und Gebhard Böhler aus dem Kirchdorf anläßlich ihres Amtsantritts. Bild 8. J.B. Höfle, s alt Küofarle von der Hub, hatte schon 1896 eine 50er-Ehrenscheibe spendiert. Als begeisterter Jäger sah er im Steinadler eine begehrte Beute. Höfle hat danach noch 27 weitere Jahre den Schützen angehört und ist erst 1923 als 9 8j ähriger von ihnen zu Grabe getragen worden. Diese und die meisten anderen von den 28 erhaltenen alten Schützenscheiben aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg hat nach einer Untersuchung von Anton Repolusk und Hubert Flatz der Maler Engelbert Köb angefertigt. Lehrars Engelbert auf dem Bühel war 1890 bekannt geworden, als er nach eigenen Entwürfen die Wolfurter Pfarrkirche ausgemalt hatte. Später hat er für seine Familie die Villa Bucherstraße 1 gebaut. Er war viele Jahre Erster Gemeinderat. 1915 ist er mit den Standschützen an die Front in den Dolomiten eingerückt und hat sich dort eine tödliche Krankheit zugezogen. 21 Bild 9. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum von Kaiser Franz Joseph schoß die Schützengesellschaft 1898 eine Scheibe mit dem Kaiserwappen und dem Lothringer Kreuz aus. Wenige Wochen später ließen die befreundeten „Veteraner" ihre schöne Fahne weihen (Bild 38). Nachdem sieben Schützen im gleichen Jahr am Bundesschießen in Wien teilgenommen hatten, stifteten diese eine zweite Scheibe. Auch die 14 Teilnehmer am nächsten Kaiser-Jubiläums-Schießen 1908 spendierten wieder eine Scheibe, diesmal eine mit der Siegesgöttin. Bild 10. Daß manche Schützen auch sehr trinkfest waren, erfahren wir aus vielen Geschichten in den Protokollen. Daher stellte der Maler 1898 den Schmied Wilhelm Böhler vom Strohdorf mit Stutzen und Weinglas auf ein Faß. Bild 11. Ganz anders die Scheibe von 1899, die der Zimmermeister Josef Anton Köb, Lehrars, seinen Schützen-Kollegen widmete. Aus seinen Erinnerungen trat ein Bild aus dem Balkankrieg hervor, wo sich ein Schütze im grausamen Bajonettkampf gegen zwei Feinde durchsetzte. Bild 12. Im gleichen Jahr aber auch wieder Leichtsinn und Übermut.Schertler-Veres waren als eine der ersten Sticker-Familien zu Geld gekommen. Maria Schertler wurde von den Veteranern zu ihrer Fahnenpatin ausersehen. Ihr älterer Bruder Bernhard stiftete dieses Bild mit dem gefährlichen Hochrad und der Aufschrift „Behüt Dich Gott vor Fall und Wunden, vor bösen Weibern und vor Hunden!". Ein paar Jahre später hat Schertler die großartige Villa an der Lauteracherstraße bauen lassen. Bild 13. Ein neuer Vorstand wurde 1903 gewählt. Auf seine Schützenscheibe ließ er einen prachtvollen Löwen malen. Darunter verewigten sich die beiden Schützenmeister Josef Rünzler, Steinhauer in Spetenlehen, und Martin Dietrich, Bauer und „Armenvater" an der Hub, und dazu die beiden Schützenräte Gebhard Böhler, Schlosser im Dorf, und Gebhard Schedler, „Maschinen-Macher" im Loch. Bild 14. Noch eine Scheibe aus der Stickerei-Blütezeit von 1905! Schwankende Musikanten sind das Motiv für Kapellmeister Franz Rohner, Vinälars, und StickereiFabrikant Bernhard Schertler, Veres. Sie kommen vom Schwanen, wo sich die Sticker regelmäßig im Römer-Stüble trafen. Bild 15. Stellvertretend für viele erfolgreiche Meisterschützen des Vereins steht die Jubiläums-Tafel von Alt-O.Sch.M. Ferdinand Schneider aus dem Jahre 1908. Er war ein armer Fabriksarbeiter, aber begeisterter Jäger, Bergsteiger und Musikant. Außerdem betätigte er sich als Schauspieler, Feuerwerker, Sänger und Botaniker. Besonders wertvoll ist seine Dorf-Chronik, die auch allerlei Schützengeschichten enthält. So berichtet er, daß er die 3 Gulden 60 Kreuzer, die er dem Maler Engelbert 22 Köb für diese Scheibe schuldete, mit der Anlegung eines Gartens zu dessen neuer Villa oberhalb des Dorfplatzes abarbeitete. Aber wie bei vielen früheren Bewerben hielt er sich auch diesmal schadlos und gewann beim Kaiser-Jubiläums-Schießen im gleichen Jahr das bar ausbezahlte „Hauptbest". Bild 16. In den Kriegszeiten klaffen von 1912 bis 1924 und von 1940 bis 1960 große Lücken in den Reihen der Scheiben. Die erste nach dem Ersten Weltkrieg hat Pfarrer Simon Stadelmann 1924 zusammen mit Kapellmeister Rohner und O.Sch.M. Dr. Mohr nach einer Pilgerfahrt zum Papst nach Rom gestiftet. Sie zeigt ein prachtvolles Bild des Petersplatzes und wurde mit den Schützen auch vom Pfarrer selbst beschossen. An die gefallenen Schützen erinnern erst die Scheiben 1934 vom Heldendenkmal in Wien, 1936 vom Wolfurter Kriegerdenkmal, 1937 eine von fünf ehemaligen Offizieren gestiftete Tafel und schließlich die von 1940 (Bild 19). Bild 17. Albert Schwerzler, Hafnars, war 1905 nach Amerika ausgewandert, kehrte aber mehrmals auf Besuch in die Heimat zurück. Als er 1936 diese Scheibe mit der Silhouette von New York ausschießen ließ, waren unter den 44 Schützen auch der alte Hauptmann Ludwig Köb und viele Jungschützen. Den besten Schuß in die schwarzen Ringe brachte der damals 15jährige Hubert Flatz an. In seiner Chronik erzählt er, er habe dafür fünf Schillinge bekommen, die ihm seine Mutter aber gleich wieder zur Aufbesserung ihres schmalen Haushaltsgeldes abgefaßt habe. Bild 18. Eine Hochzeitsscheibe spendierte Ernst Gmeiner, Fideles, 1937 anläßlich seiner Vermählung. Etwas anzüglich neckten ihn seine übermütigen Freunde mit einem Schützen, der vor einer drohenden Wildsau auf einen Baum geflüchtet ist und die Waffe wegwirft. Bild 19. Sogar die NS-Zeit ist als bedrückender Teil unserer Geschichte in der Scheibensammlung präsent. Die 1940 gemalte „Ehrenscheibe zum 25. Jahrestag des Ausmarsches der Standschützen von Wolfurt am 23. Mai 1915 in den Weltkrieg" nennt die Namen der im Krieg verstorbenen neun Schützen. Sie zeigt nach dem Anschluß Vorarlbergs an den Gau Tirol als Wappen den roten Tiroler Adler mit dem Hakenkreuz und dazu das Wolfurter Wappen von der Schützenfahne von 1913. Gestiftet wurde die wegen ihrer Rarität heute sicher auffallende Scheibe vom „Ortsschützen-Verband Wolfurt 1940". Unter den zum Ehrenschuß aufgerufenen Schützen-Veteranen findet man den ehemaligen Standschützen-Hauptmann Ludwig Köb und die beiden Leutnante Dr. Wilhelm Mohr und Joh. Gg. Hohl. Daneben steht als Ehrengast der „Orts-Schützen-Leiter" Emil Beck. Bild 20. Die Scheibe von 1960 ist die erste nach der langen Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg. Sie zeigt den Scheibenstock und weit hinten die Wald23 Kapelle auf Kronenwirts Bühel vor dessen Verbauung. Gewidmet ist sie dem Gedächtnis an acht verstorbene Funktionäre. Drei davon waren O.Sch.M. gewesen: Hansmarte Dietrich, der Schwanenwirt Siegfried Kalb und der Fahrrad-Mechaniker Pepe Flatz. Dazu erinnert sie an Fritz Pehr, Karl Müller, Hannes Fischer-Seppos, Mathias Rist und Isidor Flatz. Bild 21. Eine feinsinnige Hochzeitsscheibe von 1967 für Alwin Rohner und Annelies Schertler. Beide blieben den Schützen mit großen Verdiensten verbunden, Annelies als Fahnenpatin, Alwin als großzügiger Förderer des Schießstand-Neubaus. Bild 22. Viele Scheiben berichten von den Erfolgen der Wolfurter Schützen bei örtlichen und internationalen Wettkämpfen. Diese häuften sich besonders, nachdem ab 1960 ein regelmäßiges Training aufgenommen worden war und die JungschützenBetreuung Früchte trug. Zuerst war schon 1973 Wolfgang Aichholzer als Jungschütze Landesmeister und ein Jahr später österreichischer Junioren-Staatsmeister geworden. Eine eigene Scheibe zeigt 1979 Gerhard Muxel, der bei der Europa-Meisterschaft eine Medaille gewonnen hatte. Eine weitere Tafel faßt die Namen von zehn Gildenmitgliedern zusammen, die bis 1979 zu Staatsmeisterschaften gefahren waren: Gerhild Flatz, Doris Muxel, Wolfgang Aichholzer, Gerhard und Günther Muxel, Josef Vonach, Josef Hechenberger, Alexander Strezeck, Werner Böhler und Werner Vogel. Ihnen folgten in den Jahren danach noch zahlreiche weitere Teilnehmer an Staatsmeisterschaften und internationalen Wettkämpfen. Die abgebildete Ehrenscheibe erhielt 1983 Reinhard Muxel, österreichischer Jugend-Meister und Teilnehmer an der EM in Dortmund. Bild 23. Mit mehreren Scheiben ist die Schützen-Dynastie Fischer vertreten, Nachkommen des Schützenwirts Martin Fischer, der 1860 den Schießstand an der Hub erbaut hatte. Sein Sohn war der Lammwirt und Metzger Gebhard Fischer, ein langjähriger Förderer des Schützenwesens, der schon 1897 eine fröhliche Scheibe mit einem „Ochsenreiter" spendierte. Auch der Enkel Dr. August Fischer blieb den Schützen sein Leben lang verbunden. Er erforschte ihre Geschichte beim Aufstand gegen die Bayern im Jahre 1809 und ließ zum Gedenken an den Wolfurter Major Jakob Schertler 1977 am Schützenheim eine Bronzetafel anbringen. Zu seinem 90. Geburtstag spendierte er 1988 diese Scheibe, die ihn als Ehrenmitglied der Matreier Schützen in Tiroler Tracht zeigt. Den besten Schuß beim Festschießen gab übrigens sein Neffe August Hinteregger, der Pfarrer von Bildstein, ab. Als Förderer der Schützen galt auch ein anderer Neffe, Johann Fischer, Metzgermeister und Sternenwirt. Zum Kreis der Schützenwirt-Verwandten gehört schließlich auch noch Alfred Fischer von der Steig, zu dessen 60jährigem SchützenJubiläum 1970 eine Ehrenscheibe ausgeschossen wurde. Als O.Sch.M. war er damals an den Vorbereitungen zum Schießstand-Neubau beteiligt. 24 Bild 24. Zwei große Tafeln ehren die Sieger der „ER und SIE-Schießen". Die erste von 1976 zeigt das Schloß noch mit dem ursprünglichen Turm, den es vor der Gründung des Schützenvereins 1835 besessen hatte. Die Umrahmung bilden oben zwei Ansichten von 1936, unten Motive nach dem Brand von 1939. Bild 25. Das zweite „ER und SIE"-Bild von 1980 ruft die alte Volksschule im Strohdorf in Erinnerung. 1872 war sie gebaut worden, hatte dann bis 1967 neben der Schule auch das Gemeindeamt beherbergt und war schließlich 1979 abgebrochen worden. Bilder 26 bis 31. Anton Repolusk hatte schon 1968 die Scheiben-Serie „AltWolfurt" begonnen, mit der er abgebrochene Häuser dem Vergessen entreißen wollte. Für die jährlichen Vereins-Meisterschaften schufen er und nach ihm einige andere Vereins-Angehörige mehr als 30 kleine Scheiben. Ein wirklich beachtlicher Beitrag zur Dorf-Geschichte! Bild 32. Drei Männern mit ganz besonderen Verdiensten um die Schützengilde sind eigene Ehrenscheiben gewidmet. Zuerst Hubert Flatz, 1921-1991. Von seinem Vater Josef (Pepe) Flatz wurde er dem Verein schon 1935 als Jungschütze zugeführt. Nach dem Krieg half er dem Vater beim Wiederaufbau und übernahm 1960 als Schriftführer Verantwortung. Mit ungeheurem Einsatz trieb er, nachdem er 1972 zum Oberschützenmeister gewählt worden war, den Neubau des Schießstandes an der Ach voran. Er trat von dem Amt erst 1979 zurück, als er den vier Jahre vorher fertiggestellten Bau seinem Nachfolger Günther Muxel schuldenfrei übergeben konnte. Jede Ehrung lehnte er ab. Erst nach seinem Tod wurden mit dem „HubertFlatz-Schießen" von 1993 und dieser Gedenkscheibe, auf der sich 170 Schützen eintrugen, seine Verdienste festgehalten. Bild 33. Die nächste Scheibe hat die Gilde 1995 ihrem Ehren-O.Sch.M. Ferdl Matt gewidmet. 221 Schützen haben darauf mit einem Ehrenschuß ihre Anerkennung gezeigt. Ferdl Matt war 1972 als Schriftführer an die Seite von Hubert Flatz getreten und hatte mit ihm den Bau des Schießstandes geleitet. Von 1981 bis 1995 übernahm er selbst das Amt des O.Sch-M. Bild 34. Eine weitere Tafel zeigt Ehrenmitglied Anton Repolusk, den Maler. Mit unendlicher Sorgfalt restaurierte er viele von den alten Scheiben, die dann in die beiden Decken in der Schützenstube und im LG-Stand eingefügt wurden. Eine ganze Reihe von den jüngeren Scheiben malte er selbst. Viele Bilder schuf aber auch der Schütze und Jäger Hubert Gasser, akad. Maler, der ebenso zur Restaurierung der alten Scheiben beigetragen hatte. Zum Abschluß des Schießstandbaus hielt Repolusk 1975 viele Namen der Mitarbeiter und Förderer auf 25 einer Ehrentafel fest. Sie hängt heute im Haus-Eingang. Unter die Bilder der am Platz des Schießstands längst verschwundenen alten Holzbrücke und des neuen Hauses setzte der Maler dort die Worte „Idealismus - Einigkeit - Tatkraft". Bild 42. Nach den nun angeschlossenen Fahnen-Bildern (35 bis 41, 4 und 5) steht als Abschluß die große Jubiläums-Scheibe von 1988. Noch einmal scheint hier die Wolfurter Schützengeschichte auf. Hubert Gasser malte die Tafel zum 150-JahrJubiläum der Gilde und nahm dabei die „Fischer"-Schicßstand-Scheibe von 1899 (Bild 6) zur Vorlage. Stifter waren die Marktgemeinde Wolfurt und Bürgermeister Erwin Mohr. Der Tradition zuliebe sammelten sich die Schützen noch einmal zu einem letzten Fest draußen auf Kronenwirts Bühel. „Geschossen am alten Schießstand in der Hub am 17. September 1988 unter Oberschützenmeister Ferdl Matt". Prächtig ist der neue Stand mit seiner grün-weißen Schützenfahne und der Schrift „An der Ach, erbaut 1972-1975" dargestellt. Die Aufschriften zu den anderen Ständen wurden gegenüber dem Original verändert. Der „Rößle"-Garten war inzwischen beim Bau des Pfarrheims verschwunden. Daher steht jetzt beim ersten Stand „Auf dem Pfarrbühel 1846". Beim zweiten steht „Im Kella 1846". Das müßte auf „Beim Adler 1846" korrigiert werden. Der dritte Stand an der Hub erhielt zwar bei der Renovierung von 1898 dieses Aussehen, er war dort aber bereits 1860 erbaut worden. Insgesamt 69 Ehrenschüsse sind auf der Scheibe verzeichnet, darunter die von Bürgermeister Erwin Mohr, Altbürgermeister Hubert Waibel, O.Sch.M. Ferdl Matt und Alt-O.Sch.M. Hubert Flatz. Auffallend ist der hohe Anteil von 11 „Schützinnen". Als bester Schuß ins Zentrum wurde der von Hans Schwaighofer gewertet. Ihm folgt mit Susanne Fekonja bereits die erste Dame. Noch zahlreiche weitere Scheiben von Mitgliedern und Ehrenmitgliedern, von Hochzeiten, Jubiläen und anderen Schützenfesten, schmücken den Schießstand. Sie künden den Nachkommen von der Verbundenheit ihrer Väter und zunehmend auch der Mütter mit dem Wolfurter Schützenwesen. Mögen noch viele folgen! Bild 6: Schützenjubiläum 1899. Diese besonders wertvolle Scheibe, gemalt von Schnidartes Hannes, zeigt die drei alten Wolfurter Schießstände beim Rößle, beim Adler und auf Kronenwirts Bühel. 26 27 Bild 7: Die älteste Wolfurter Scheibe von 1891. Ein Gamsbock für die beiden neuen Schützenmeister. Bild 8: 50 Jahre bei den Schützen! Küfermeister Joh. Bapt. Höfle feierte 1896 sein Jubiläum mit einem übergroßen Adler. 28 29 Bild 9: Kaiser-Jubiläum 1898. Die Schützen ehrten ihren Landesherrn bei vielerlei Anlässen. Bild 10: 1898. Trinkfest sollten die Schützen auch sein! Jedenfalls galt das für den Schmied Böhler aus dem Strohdorf. 30 31 Bild 11: Der Krieg auf dem Balkan als Thema einer Schützenscheibe von 1899. Josef Anton Köb, Lehrars Seppatone auf dem Bühel, hatte es gewählt. Bild 12: Ein Hochrad von 1899. Bernhard Schertler, Veres, hielt den neumodischen Männersport samt einer übermütigen Warnung fest. 32 33 Bild 13: Ein Löwe als Ziel! Der neue Vorstand von 1903 wollte in Würde erscheinen. Bild 14: 1905. Musik und Gesang auf dem Kirchplatz vor dem Schwanen. Die reichen Sticker Bernhard Schertler und Franz Rohner, Kapeollar, freuten sich über die goldenen Zeiten. 34 35 Bild 15: 1908. Wieder ein Goldenes Jubiläum. Ferdinand Schneider, 1841-1917, hatte sich als Meisterschütze und Oberschützenmeister Verdienste erworben. Aber auch in anderen Vereinen und vor allem als Dorf-Chronist hat der einfache FabriksArbeiter viel für die Gemeinschaft geleistet. Bild 16. 1924. Wallfahrt nach Rom! Die erste Schützenscheibe nach dem Ersten Weltkrieg. 36 37 Bild 17: Auswanderung nach Amerika! Albert Schwerzler, Hafnars in Spetenlehen, kam 1936 auf Besuch in die Heimat und erzählte von den Wolkenkratzern. Bild 18: Humor auch im schlimmen Jahr 1937! - Fideles Ernst und seine Braut Ilga halten Hochzeit. Die Kollegen bedauern das Ende der unbeschwerten Schützenfreiheit. 38 39 Bild 19: NS-Zeit 1940. Auch dieser Abschnitt der Schützengeschichte findet sich mit dem roten Adler des Reichsgaus Tirol auf einer Wolfurtcr Scheibe. Bild 20: 1960. Kronenwirts Bühel mit dem alten Scheibenstock. Die erste Scheibe nach dem Zweiten Weltkrieg ist dem Andenken an die verstorbenen Vereinsfunktionäre gewidmet. 40 41 Bild 21: Schützen-Hochzeit 1967: Alwin Rohner und Annelies Schertler, die spätere Fahnenpatin. Bild 22: Mit dem neuen Schießstand begann eine Kette von Erfolgen, die sich auch in den Schützenscheiben niederschlug. Reinhard Muxel wurde 1983 österreichischer Jugendmeister und nahm an der Europa-Meisterschaft teil. 42 43 Bild 23: 90 Jahre alt! Dr. August Fischer 1988 in Matreier Schützentracht. Sein Großvater Martin Fischer hatte den Schießstand an der


Heimat Wolfurt Heft 27 2003 Juli
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 27 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 2003 Bild 1: Ein Veloziped! Albert Köb, Lehrers, traute sich um das Jahr 1890 als einer der ersten mit seinem Hochrad auf die holperigen Straßen. Inhalt: 137. Fahrräder 138. Deuring- Schlößle 139. Burg Guglionesi 140. Frauen 141. Rohner-Familien 142. Unterlinden 143. Kriegerdenkmal Bildnachweis Bilder 8, 9, 10 u. 12 Siegfried Heim Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Bittere Medizin (Heft 26, S. 4) Dieser Aufsatz hat viel Aufmerksamkeit gefunden. Hier noch einige Ergänzungen: Im Taufbuch wird schon 1674 ein „Baader" Georg Rohner genannt. Das wäre demnach der älteste bekannte Wolfurter Arzt, lange vor Antonius Bildstein. Druckfehler! Seite 10, Zeile 12, richtig ist: 1864 ist Martin Rohner gestorben, (nicht Georg Gmeiner) Zu Dr. Dünser: Nach dem Hausbesitzer-Buch (Codex 8a im Gemeindearchiv) haben Dr. Ferdinand Dünser und seine Gattin Amalia Hofer am 6. Okt. 1874 in Wolfurt das Haus C 124 (später Kirchstraße 19) gekauft. Somit kennen wir ein weiteres ehemaliges Doktor-Haus. Zu Dr. Embacher: Das Vlbg. Volksblatt berichtet im Mai 1908 von seinem 40jährigen Arzt-Jubiläum. Daran beteiligten sich neben Musik und Gemeindevertretung auch der Pfarrer und der Schulleiter. Es gratulierten die zwei Töchter und sechs Söhne: ein Arzt, ein Zahntechniker, ein Medizin-Student, ein Jus-Student, ein Eisenbahn-Stationsvorstand und ein Handelsangestellter. Wohin sich die EmbacherSöhne zerstreut haben, ist nicht bekannt. Die beiden Töchter heirateten in Wolfurt. Zu Dr. Lecher: Die seit kurzer Zeit im Archiv zugängliche Schwärzler-Chronik ermöglicht es, einige Daten aus Dr. Lechers Arbeit zu berichtigen: Angefangen hat er in Wolfurt am 1. März 1924. Schon im September 1925 schaffte die Gemeinde auf sein Ansuchen hin ein fahrbares Liegebett an. Aber erst im Dezember 1927 gründete Dr. Lecher die Rettungsabteilung der Feuerwehr. Sein erstes Arzt-Auto besaß er übrigens bereits seit August 1926. In Lechers Zeit fällt auch ein besonders dunkles Kapitel der Medizin-Geschichte, die Tötung unwerten Lebens während der Nazi-Zeit. Aus Karl Schwärzlers Notizen erfahren wir, daß die Bevölkerung doch manches darüber wußte. Schon im Februar 1941 berichtet er unter „Hiobsnachrichten", daß die Kranken von Valduna und Jesuheim nach Linz transportiert wurden. Von dort kommen Todesnachrichten. Am 25. April weiß er, daß auch Hammerschmieds Josef von der Valduna nach Hall überstellt worden und dort „gestorben" ist. (Josef Rohner, Hammerschmieds, war 73 Jahre alt. Er hatte an der Achstraße gewohnt). Im September 1942 ist die geisteskranke Sr. Euphrasia (Höfle) in Linz „gestorben". Zu Dr. Schneider: Unser geschätzter ehemaliger Arzt bestätigte die Not bei der Kinderlähmungs-Epidemie von 1958. Die Ärzte waren sich nicht einig, ob es allenfalls gefährlich sei, in die bereits grassierende Krankheit hinein noch zu impfen. Es waren ja drei Impfungen mit Zeitabständen notwendig. Eine Mutter, die damals selbst zwei Kinder verlor, einen 15jährigen und einen einjährigen Sohn, erinnert sich, wie Dr. Simma, der Leiter des Krankenhauses Valduna, erklären mußte: „Wir können gar nichts machen!" Allein im kleinen Kennelbach starben innerhalb weniger Wochen fünf Kinder an der schrecklichen Krankheit. Bitte! Nach der Aussendung von Heft 26 fragte eine ganze Reihe von Lesern nach einem Erlagschein. Wir haben zuletzt immer nur in jedes zweite Heft einen solchen eingelegt. Diesem Heft 27 liegt also wieder ein Erlagschein für das Konto Heimatkundekreis 87 957 bei der Raiba Wolfurt (BLZ. 37 482) bei. Es ist der erste in Euro. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag unsere Anliegen zu unterstützen. Neubestellungen Von den bisherigen Ausgaben von „Heimat Wolfurt" stehen noch die letzten zehn Hefte (Nr. 17 bis 26) in beschränkter Anzahl für Neubestellungen zur Verfügung, von älteren Heften nur mehr Einzelstücke. Bestellungen bitte mit Angabe der Adresse an die Schriftleitung. Keine weiteren Verpflichtungen! - Lediglich die Bitte um eine freiwillige Zuwendung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Zu Dr. Beck: Unabhängig voneinander wußten etliche Leser, zuerst Toni Fink im Kessel, daß unser Ehrenring-Träger Emil nicht der allererste Leiter des UnfallKrankenhauses in Feldkirch gewesen sei. Ludwig Gmeiner, dessen Gedächtnis ja unerhört viele Daten speichert, nannte auf Anhieb einen Dr. Amann aus Hohenems, der zuerst schon als Nachfolger von Primarius Dr. Schalle das Unfallkrankenhaus Valduna geleitet habe und dann nach der Übersiedlung vom 1. November 1972 an auch Feldkirch. Am 1. Jänner 1974 löste ihn Dr. Emil Beck ab. Strom für Wolfurt (Heft 26, S. 24) In Wien hat Dr. Mittersteiner diesen Artikel zustimmend gelesen und etliche Hefte für die VKW nachbestellt. Im Streit um die erste elektrifizierte Gemeinde Österreichs dürfte die Stadt Steyr voran liegen. Dort hat nämlich schon 1884 der Waffenschmied Josef Werndl „die erste elektrische Straßenbeleuchtung Europas" installieren lassen. In Vorarlberg folgten als erste Schwarzach und Wolfurt 1900 vor Rieden-Kennelbach 1901 und Bregenz 1903. Über das Geschehen in Wolfurt lese ich in einem Schulaufsatz vom 4. Jänner 1900 (dazu die umseitige Abbildung!): Jetzt bekommen wir das elektrische Licht. Es sind schon lange die Arbeiter am Baue dran. Sie haben schon die Stangen gesteckt. Von Schwarzach sind schon Leitungsdrähte gespannt bis zur Krone in Wolfurt. Aber sie müssen noch an der Ach draußen die Stangen stecken und bis in das Dorf herein. Man sagt, es werde bis im Mai fertig. Es kommen 25 Lampen zur Straßenbeleuchtung in das ganze Dorf. Der Vater hat das Licht noch nicht bestellt es ist ihm noch zu theuer. Der Schertler im Flotzbach läßt die Maschine elektrisch treiben, ebenso einige ihre Schnelläufermaschinen. Auch wegen der schönen Kurrentschrift ist der abgebildete Aufsatz des damals 13jährigen Rudolf Guldenschuh ein bemerkenswertes Zeitdokument. Kannst du es noch lesen? Für mich ist es eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Wolfurter Strom-Aktivitäten vor der VKW-Gründung 1901. Bei weitem nicht alle Wolfurter Häuser wurden gleich zu Anfang 1900 mit Strom versorgt. In die abgelegene Parzelle Holz und zum Schloß wurden die Leitungen erst im Jänner 1936 verlegt. Vermutlich war Dr. Fritz Schindler, der die Absicht hatte, das Schloß zu renovieren, die treibende Kraft. Einzelne Höfe in Bildstein, Buch und Alberschwende erhielten erst in den 50er-Jahren Strom. Als letztes Wolfurter Haus war am 6. Dezember 1948 der Gasthof Hohe Brücke, „do Studowirt", angeschlossen worden. Eine teure Leitung mit 37 Masten mußte dazu gebaut werden. Während des Krieges hatten strenge Verdunkelungs-Vorschriften gegolten. Nach fast sechs Jahren wurden am 19. Juni 1945 erstmals wieder die Straßenlampen eingeschaltet. Eine ganz neue Straßenbeleuchtung mit modernen Leuchtröhren wurde am 22. Dezember 1961 in Betrieb genommen. 4 Bild 2: Elektrischer Strom für Wolfurt schon im Jahre 1900! Ein Schulaufsatz von Rudolf Guldenschuh. 5 Zu Plazidus Gunz, dem Wolfurter Elektro-Pionier. Die Gunz-Chronik berichtet von ihm, daß er auch ein Wegbereiter für die neuen Verkehrsmittel gewesen sei. Als erster in Wolfurt schaffte er sich 1885 ein Fahrrad an. Lies darüber im anschließenden Beitrag vom „Veloziped"! 1907 führte ihn „Büro Franzele" mit dem ersten Wolfurter Auto nach Bludenz. Seine Kritik an dem Gefährt, das die wenigen Steigungen nur mit Mühe schaffte, soll den Ausschlag gegeben haben, daß sie das teure Auto mit großem Verlust an die französische Lieferfirma zurückgab. Ein Jahr später kaufte sich Plazidus ein Motorrad, ebenfalls das erste in Wolfurt. Begeistert soll er zu seinem Bruder Lorenz gesagt haben. „Der Mensch geht erst beim Motorrad an!" Licht für den Maialtar (Heft 26, S. 41) Abbitte leisten muß ich dem seligen Pfarrer Alexander Gut für die Unterstellung, er hätte bei der Kirchenrenovierung von 1938 das schöne Letsch-Bild von der Gottesmutter aus der Kirche entfernt. Inzwischen ist nämlich ein Foto von der Wolfurter Nachprimiz des Innsbrucker Geistlichen Anton Fischer am Weißen Sonntag, 7. April 1940, aufgetaucht. Es zeigt Guts Nachfolger Pfarrer Wilhelm Brunold und im Hintergrund an der linken Seitenwand der Kirche das vermißte Letsch-Bild. Dieses ist also erst später verschwunden. Weiß jemand etwas über seinen Verbleib? Pfarrer Brunolds Nachfolger wurde nach dem Krieg nach einigen Monaten Vertretung durch Kaplan Nesensohn und Hofrat Dr. Metzler ab 27. Mai 1947 Pfarrer Guntram Nagel. Ein altes Hochzeitsbild (Heft 26, S. 50) Interessiert haben viele der zahlreichen Nachkommen das Bild studiert. Vom alten Rößlewirt Fidel Müller war bis jetzt gar kein Foto bekannt, nur von seinem Sohn Fidel Müller junior, der als Rößlewirt auch ein bedeutender Gemeinde-Politiker war. Zu ihrer Hochzeit im Jahre 1877 hatte die Braut Karolina Müller ihre WäscheAusstattung nach damaliger Sitte mit einem schönen Monogramm „KM" bestickt. Ein kunstvoll verziertes Taschentuch blieb bei der Enkelin Herta Böhler (Postmoastors) und später bei deren Nachbarin Celine Gliebe erhalten. Nun hat diese es als „Karolina Müller"-Taschentuch identifizieren können und daher an Karolines Ur-Enkelin Christi Rohner, die im fernen Kanada lebt, übergeben. Ganz begeistert schrieb diese zu Weihnachten, das alte „Deckele" auf ihrem Bauernschrank erinnere sie immer wieder an die Heimat. Wozu ein altes Foto noch gut sein kann! Menschen um uns (Heft 26, S. 54) Die aufgezählten Originale sollten Anlaß zu fröhlich erzählten Geschichten sein. Bild 3: Das Letsch-Bild noch 1940 in der Kirche. Wir wurden uns nicht einig, woher eigentlich Schuostor-Heinrich (Köb) stammte. Vermutlich aus Bildstein! Er soll einige Zeit lang bei Husters auf dem Rutzenberg gewohnt haben. Nach dem Krieg handelte er mit Kleiderbügeln und hölzernen Kluppa, die Küonzo Leonhard erzeugte. Hildegund Gmeiner-Mathis erzählte von einem Tirolar-Schwerzler, der beim Küfer Georg Höfle in Untermiete wohnte und in der Stickerei Gmeiner eine komplizierte Maschine gebaut hatte, ein „Perpetuum mobile ". Immer wieder haben Tüftler unter den Erfindern nach einer solchen unmöglichen Maschine geforscht, dem Tirolar war sie endlich gelungen. Bei den reichen Dornbirner Fabriksherren wollte er nun sein Patent mit dem „ewigen Umgang" vorstellen. Er fand aber kein Gehör. Der Tirolar blieb arm und mußte weiterhin da und dort eine Suppe betteln. Auswanderer Aus dem Allgäu hat sich eine junge Auswandererin gemeldet: Erna Donat, geb. Köb, Jg. 1944, „ Sattlars Robertos " auf der Steig. Als junges Mädchen ging sie mit vielen anderen zum „Hopfo-Brocko " ins Schwabenland. Sie fand dort Freunde und heiratete später. Jetzt lebt sie in Leutkirch. Die „Heimat'-Heftchen von Wolfurt schätzt sie sehr: „Da wird so manches in Erinnerung gerufen. " Wir erwidern ihre Grüße. Ganz begeistert zeigte sich auch „Hammorschmiods Minele" in Gisingen, Frau Mina Fischer-Österle. Zum Begräbnis ihres allerletzten Vetters Arthur Fischer war 7 6 sie in Wolfurt und brachte alte Photos. Als Ahnenforscher meldeten sich weitere Nachkommen von Auswanderern. Zuerst kamen Vater und Sohn Rohner aus dem Saarland, deren Ahn Johann Rohner Wolfurt schon um das Jahr 1740 verlassen hat. Lies dazu weiter hinten unter „Die Rohner"! Dann stellten sich mit dem Ehepaar Isabella und Perluigi Sibilla besonders interessante Forscher vor, Nachkommen von Auswanderern, die wir noch zu den Einwanderern zählen. Isabellas Großmutter Cecilia Salvaterrra ist 1902 in Wolfurt geboren worden und hier in die Schule gegangen. 1920 ist sie mit ihrer Familie nach Bozen ausgewandert (Siehe Heft 17, S. 49!). Mit fast 100 Jahren ist sie erst im Jahre 2000 gestorben. In den letzten Jahren war sie etwas verwirrt. Obwohl sie mit ihren Kindern und Enkeln bisher immer Italienisch gesprochen hatte, verwendete sie jetzt nur mehr den Wolfurter Dialekt aus ihrer Schulzeit. Den konnten die Enkel aber beim besten Willen nicht verstehen! Siegfried Heim Vom Veloziped zum Bike Die Geschichte des Fahrrades! - Das abgelaufene 20. Jahrhundert hat außer den beiden Weltkriegen auch eine ungeheure Fülle von technischen Errungenschaften gebracht. Mit Auto, Flugzeug und Mondrakete können sich freilich die meisten nicht messen. Trotzdem möchte ich einem treuen Diener hier ein paar Zeilen widmen, dem guten alten Fahrrad. Um das Jahr 1900 hatte die Eisenbahn auch für unser Land ein Tor in die weite Welt geöffnet. Aber nur ganz wenige Dorfbewohner vertrauten sich dem fauchenden Ungetüm an. Auch das Angebot der Postkutsche wurde kaum genutzt. Zu Fuß ging man zur Arbeit in Feld und Ried, zu Fuß auch auf den Markt nach Bregenz und zur Wallfahrt auf die Fluh und nach Bildstein. Aber da und dort tauchte jetzt doch auch schon ein viel bestauntes „Velizipe " auf. Noch ahnte niemand, daß es bald viele weite Wege erleichtern würde. Schon 1817 hatte der badische Forstmeister Karl Drais zur Beschleunigung seiner ausgedehnten Märsche ein hölzernes Zweirad gebaut. Aber anfangs fand die „Draisine" nur Nachahmer bei den jungen Lords in England, die mit ihrem „Dandy Horse " bei den Damen Eindruck machten. Erst technische Verbesserungen ebneten dem Zweirad den Weg zu weiteren Bevölkerungsschichten, vorerst allerdings fast nur zu sportlich begabten Männern. Wichtige Stationen der Entwicklung waren der Einbau von Pedalen 1844, das „Hochrad" von 1870, der Kettenantrieb mit Übersetzung am „Niederrad" 1879, die Luftreifen 1888 und der Freilauf 1900. „Bicycle ", das heißt „Zweirad", nannten die Engländer ihr neues Sportgerät, „Velocipede " hießen es die Franzosen, was etwa „schneller Fuß" bedeutet. Bald wurden daraus das umgangssprachliche „Bike", das kurze „Velo" und bei uns aus „Fahrrad" ganz einfach „Rad". In der Gunz-Chronik1 beschreibt Lorenz Gunz um das Jahr 1925 rückblickend die Entwicklung in Wolfurt von der „Tressina" (Draisine) bis zum „Velizipe" (Velocipede): das erste (Fahrrad) meines Dänkens war ein hölzenes Zweirad, die Räder sind hintereinander gegangen wie bei den heutigen Fahrrädern, die Räder waren mit Eisenreifen beschlagen und natürlich nicht gefedert. Das Rad hat dem Caspar Bereuter auf der Dellenmoosmühle gehört, das war ein Wunderding. Wir Buben sind dem Bereuters Caspar nachgesprungen, und der Casper hatte keine leichte Arbeit, wenn er den Buben aus dem Weg kommen wollte. Man hat dießes Rad Tressina genant. Später kamen die Hochräder, unser Plaze hatte das erste 1885 in Wolfurt, Schwarzach und Lauterach, bei denen das vordere Rad gross, das hintere bedeutend kleiner war. Dann kamen die Fahrräder mit auf gekiteten Gumme Reifen, 9 8 Bild 4: Hochrad-Fahrer auf Holzfelgen Bild 5: Die ältesten Niederräder, noch ohne Kettenantrieb Bild 6: Firmling und Pate mit den modernsten Rädern von 1903 dann die mit Kisselreifen. Diese beiden nannte man Velizipe. Dann kam die Luftbereifung und später die Motorräder. Nach Plazidus Gunz gehörte zu den Pionieren des Wolfurter Radsports der junge Turner Albert Köb, 1872-1914, der sich mit seinem teuren Velocipede stolz dem Fotografen stellte (Titelbild). Sein Hochrad hatte schon Vollgummireifen auf die Holzfelgen aufgeklebt, aber es besaß weder Freilauf noch Bremsen. Nur ein wagemutiger Turner konnte den hohen Sattel erklimmen und das Fahrzeug über die rauhen Schotterstraßen lenken. Bei Geralle versuchte er, mit den Lederschuhen an den Felgen zu bremsen. Oft rettete ihn aber nur ein rechtzeitiger Absprung vor einem gefährlichen Sturz. Vielleicht war aber gerade dieses Risiko der Grund dafür, daß jetzt an vielen Orten Fahrrad-Clubs gegründet und sogar internationale Wettrennen durchgeführt wurden. Das erste Rennen in Vorarlberg fand 1898 auf der Strecke Hohenems-Feldkirch und zurück statt.2 Bei ihren Ausfahrten wurden die Sportler oft verspottet und sogar behindert. Bild 4 zeigt ein paar bei einer Faschingsveranstaltung. Ihre Räder sind noch ganz aus Holz, die Felgen mit Eisenreifen beschlagen. Jeder führt eine Karbid-Laterne mit. Einer (ganz rechts) hat eine Hebel-Bremse eingebaut. Nach 1900 verschwanden die Hochräder schnell in den Dachböden und Rumpel10 kammern. Moderne Niederräder hatten sie abgelöst. Zu einem Festumzug im Jahre 1958 nahmen Gassers Engelbert und Thalers August noch einmal zwei solche Veteranen in Betrieb (Bild 5). Auch beim Niederrad wirkten die Pedale direkt auf das Vorderrad. Aber es besaß immerhin bereits eine Stempelbremse mit einem Gummiklotz. Ein solches Niederrad war natürlich auch viel leichter zu beherrschen. Schnell entwickelte es sich zu einem Symbol von Luxus und Reichtum. Wer etwas auf sich hielt, ließ sich in einem Bregenzer Foto-Atelier vor einer Natur-Kulisse mit seinem Fahrrad ablichten. Wenn ein Sticker seine Belegschaft aufnehmen ließ, stellte er sich selbst meist mit seinem Rad dazu. Bild 6 stammt aus dem Jahre 1903. Es zeigt den angesehenen Steinbruch-Besitzer Josef Rünzler, 1871-1935, und sein Patenkind Julius Müller, Kronenwirts, 18931916. Ihre hochmodernen und teuren Fahrräder haben bereits Luftbereifung, Stollenbremsen, Freilauf und Klingel, aber noch keine Schutzbleche. An der Hinterachse besitzen sie auch noch den Eisensporn, der früher - noch ohne Freilauf - das Aufsteigen erleichtert hatte. Im Übermut der goldenen Stickerzeiten wagten sich sogar die ersten emanzipierten jungen Damen auf ein spezielles Fahrrad. Zum Schutz der kostbaren Spitzenkleider hatte man dieses mit Schutzblechen, einem vornehmen Kettenkasten und mit zier11 Bild 7. Gottfrieda Österle mit dem ersten Damenrad 1908 lichen Spann-Netzen verschönert. Mit einem solchen Fahrzeug ließ sich um 1908 die reiche Stickerstochter Gottfrieda Österle fotografieren (Bild 7). Der Pfarrer sah solcherlei Hoffahrt gar nicht gerne. Bertha Gasser, geboren 1893 in Meschen und später als Frau Fischer an der Brühlstraße verheiratet, erzählte von ihrer leidvollen ersten Bekanntschaft mit dem Rad. Eine Stickersfrau in Spetenlehen, der die 15jährige Bertha manchmal bei der Arbeit half, besaß auch ein solches Wunderding, getraute sich aber nicht zu fahren. Schließlich durfte Bertha einmal probieren. Schnell hatte das wendige Mädchen den Trick erfaßt. Nun lenkte sie, von jubelnd nachrennenden Schulkindern gefolgt, ihr Gefährt bis ins Kirchdorf hinein. Sicher brachte sie es wieder heim nach Spetenlehen. Die Abrechnung erfolgte am Sonntag, als die schulentlassenen Mädchen in der Kirche feierlich in die Jungfrauen-Kongregation aufgenommen werden sollten. Da wurde Berthas Name erst ganz am Schluß aufgerufen. Öffentlich verweigerte ihr der gestrenge Pfarrer wegen ihres „ungebührlichen Benehmens" die Aufnahme. Welche Schande! Trotzdem! Das Fahrrad setzte sich nun rasch durch, auch bei den Frauen. Es ersparte viel Zeit bei der Bewirtschaftung der Äcker im Feld und im Ried. Es erleichterte das Einkaufen und den Weg zur Fabrik in Kennelbach. Bald standen in jedem Haus 12 mindestens ein Herren- und ein Damenrad. Bei der ersten Fahrzeugzählung in Wolfurt fanden sich 1933 bei fast 2000 Einwohnern bereits 400 Fahrräder, dazu auch schon 25 Motorräder und sogar 10 „Luxus"-Autos. Die Fahrräder wurden jetzt mit einem stabilen Gepäcksträger ausgerüstet, die meisten zudem mit einem abnehmbaren „Sattele " für Kleinkinder. Sonntags-Ausflüge führten die ganze Familie bis Lustenau oder Hohenems. Und einmal im Sommer banden die Eltern einen leeren Koffer auf den Gepäcksträger und fuhren bis Kreßbronn oder Nonnenhorn „ga Kriose holo "? Ein unvergeßlicher Höhepunkt im Fest-Kreis des Kinderjahres! Manche von uns erinnern sich auch noch an den Fischhändler oder an den Käshändler, die mit speziell angefertigten Dreirädern schwere Lasten zu ihren Kunden transportierten. Auch der Bäckergeselle mit seiner „Krätzo" stellte das Brot per Rad zu. Natürlich beherrschten die Schulkinder nach kurzer Einübungszeit die Fahrräder ihrer Eltern, lange bevor sie den Sattel erreichen konnten. Die Buben führen anfangs mit Vaters Rad „ undor-or Stang " „ a Ränkle "5 durchs Dorf, dann aber bald „freihändig" wie Kunstradfahrer. Bei ihren Ausfahrten nahmen sie oft Freunde oder kleine Geschwister mit, „ ufliocko lo " war Ehrensache. Sogar Rennen führten sie mit ihren dazu gar nicht geeigneten schweren „Waffen"-Rädern durch. Draußen in der fernen Welt gab es ja bereits seit 1903 die Tour de France und längst auch den Giro d'Ttalia und die Tour de Suisse. Dann kam der Krieg. Als Treibstoffmangel den Autoverkehr lahmlegte, wurden Fahrräder für den Weg zur Arbeit und zur Schule nach Bregenz besonders wichtig. Schuhnägel und Scherben bedrohten die Gummireifen. Ein Flickzeug mit Raspel und Gummi-Lösung mußte ständig mitgeführt werden. Irgendwie schaffte es unser großer Bruder immer wieder, mit „ Undorleggar "6 oder „ Üborleggar " die defekten Reifen zu heilen. Manchem alten Fahrrad gaben dann 1945 noch die Marokkaner den Rest, als sie den Umstieg von ihren Mulis auf unsere Technik versuchten. „Das nix gut Rad!" entschuldigten sie sich, wenn sie wieder eine Felge verbogen hatten. Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg zeigte sich bald in neuen, farbigen und chromglitzernden Fahrrädern. Etwa ab 1950 besaßen manche sogar schon eine „Sturmay"-Dreigang-Schaltung und zwei Felgenbremsen. Die Besitzer wurden bestaunt und beneidet. Schnell begann dann aber die Motorisierung. Mofa, Moped, Motorroller und die vielen Motorräder stießen das Fahrrad in ein AschenbrödelDasein. Im April 1947 hatte die nicht mehr ganz junge Krankenschwester Sr. Epiphania noch ein erstes Fahrrad bekommen - der Pfarrer hatte jetzt nichts mehr dagegen. Von den Pfarrherren selbst habe ich aber nur unseren guten Pfarrer Willi in Erinnerung, wie er ab 1957 wöchentlich mehrmals auf seinem schwarzen Rad die Kranken in den Spitälern von Bregenz und Dornbirn besuchte. Am Sonntag trug es ihn manchmal auch zu einem Fußballmatch nach Lustenau. Bei einer Ehrung rechnete der Festredner dem Pfarrer diese Treue zum bescheidenen Fahrrad ganz hoch 13 an, denn längst fuhren die Kapläne jetzt Autos oder schnelle Motorräder. Das Fahrrad schien auszusterben. Fabriken und Händler mußten schließen. Nur „Sammars Hubert" hielt noch Ersatz-Schrauben bereit und flickte für ein paar Groschen die letzten Räder für die Wolfurter und für die weite Umgebung. Und dann war plötzlich ein neuer Trend da. Etwa ab 1975 stellten immer mehr Frauen und Männer Gesundheitssport und Fitness in die Mitte ihres Lebens. Wer „in" sein wollte, mußte wieder ein Fahrrad haben, besser noch zwei oder drei. Zuerst ein Rennrad mit möglichst schmalen Reifen, Tachometer und mindestens 21 Gängen. Dann auch ein Mountain-Bike mit dicken Spezialreifen und komplizierter Federung. Dazu das richtige „Outfit" mit buntem Trikot, Ledereinsätzen in den Hosen, Spezialschuhen, Sturzkappen und Handschonern und natürlich mit einem ganz genauen Herzfrequenz-Meßgerät. Neue Firmen entstanden, neue Zweiradgeschäfte. Jedes Jahr warfen sie eine Fülle neuer Dinge auf den Markt: City-Bike, Cross-Maschine, BMX-Rad, Klapprad, Scheiben- und Trommelbremsen, neue Lenker, Holzfelgen(!), Aluminium- und Carbon-Rahmen, aber auch das TandemRad und als Anhänger den „Kiki"-Kinderwagen. Neue Radwege wurden angelegt, zu den Schulen und quer durch die Großstädte. Reizvolle Uferwege begleiten Donau, Inn und Rhein. Nobelhotels werben um den Fahrrad-Gast. Reise-Büros und Bus-Unternehmer bieten ausgesuchte Bike-Touren an. Noch lebt das gute alte Fahrrad! Siegfried Heim Die Wolfurter Wappen am Deuring-Schlößle Die aus dem Mittelalter stammende Stadtmauer der Bregenzer Oberstadt umschließt in ihrer dem See zugewandten Südwest-Ecke das uralte DeuringSchlößchen mit dem malerischen Eckturm und seiner barocken Blechhaube. Als die neuen Besitzer das Schlößchen im Jahre 1990 behutsam renovierten, um es zu einem Feinschmecker-Restaurant umzubauen, wurden auch die lange Zeit übertünchten Fassaden-Malereien aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg freigelegt. An vielen Stellen zeigen sie, mit phantasievollen Bändern geschmückt, das Wolfurter Ritterwappen mit dem steigenden Wolf über dem Fluß. Man spürt förmlich den Stolz der ehemaligen Besitzer auf ihr Familien-Symbol. Seinen Namen hat das Schlößchen von der Kaufmanns-Familie Deuring, die es um 1660 erworben und bis 1801 besessen hat. Vorher wohnte dort Oberst Kaspar Schoch, ein alter Haudegen aus dem 30jährigen Krieg, der sich vom einfachen Musketier bis zum vom Kaiser geadelten Feld-Obristen hinaufgedient hatte. Auf seinem originellen Epithaph neben der Kanzel in der Pfarrkirche St. Gallus bezeichnete er sich selbst als „Madensack". Und vor Schoch war das Schlößchen mehr als hundert Jahre lang im Besitz der Ritter von Wolfurt gewesen. Ihnen gehörte natürlich auch das Schloß Wolfurt. Aber angenehmer leben als auf dem Wind und Wetter ausgesetzten Bühel ließ sich in der Stadt Bregenz. Daher verlegten sie ihren Wohnsitz kurzerhand in ihren Stadt„Palast", ähnlich wie es die Emser Grafen zu dieser Zeit auch taten. Das zweite Edelgeschlecht „von Wolfurt" war aus der Bregenzer Bürgerfamilie Leber hervorgegangen und durch den Handel mit Holz und Wein reich geworden. Durch verwandtschaftliche Beziehungen erhielt es im Jahre 1463 nach dem Aussterben des ersten Rittergeschlechts derer von Wolfurt das Schloß Wolfurt als Lehen. Von Kaiser Maximilian wurde Jakob Leber um 1515 in den Adelsstand erhoben. Er nannte sich jetzt „den Edlen und Vesten Jakoben von Wolfurth uf Wolfurth" und führte das Wappen der Vorgänger weiter. Seine Kinder und Enkel schmückten damit auch ihr Schlößchen in Bregenz. Erhalten geblieben ist eine von dort stammende bunte Glasscheibe aus dem Jahre 1539. In schönen gotischen Buchstaben liest man „Hanns von Wolffurt zu Wolffurt - 1539 - Edeltrut von Wolffurt geborn von Hochenlandeberg". Der Historiker Andreas Ulmer hat die Scheibe schon 1925 beschrieben und als „ein prachtvolles Stück zeitgenössischer Glasmalereikunst" bezeichnet. Aus Ulmers Burgenbuch2 und aus seinen Grabstein-Forschungen3 übernehme ich einige der folgenden Ausführungen. Es fällt auf, daß die Vermählungs-Scheibe wohl die drei Ringe des Wappens der Hohenlandenberg zeigt, nicht aber den Wolfurter Wolf. Eine Verbindung mit dem alten Adelsgeschlecht der Hohenlandenberg war dem neuen Geschlecht von Wolfurt 15 1 2 3 4 5 6 GA Wolfurt, Gunz-Chronik, S. 153 VN v. 4.9.1986 Kriose sind Kirschen Krätzo ist ein Tragkorb a Ränkle, eine Kurve Undorleggar, Unterlage 14 Bild 8: Das Deuring-Schlößle im Frühling 2003 Bild 9: Fassadenschmuck mit Wolfürter Wappen Bild 10: Die Wappenscheibe von 1539 Bild 11: Der Wappenstein von 1610 hochwillkommen. Wegen ihrer Herkunft von Bregenzer Bürgern wurden sie ja „ von etwelchen übelnachredenden Leuten und Diffamanten" noch nach mehreren Generationen schief angeschaut und des adeligen Standes für unwürdig gehalten. Anders die Ritter von Hohenlandenberg! Sie stammten ursprünglich aus Schwaben und waren dann in der Schweiz ansässig. Aus ihrem Geschlecht stammt Hugo von Hohenlandenberg, der zur Zeit der Reformation von 1496 bis 1529 Fürstbischof von Konstanz war. Die Braut Edeltraut war vermutlich eine Schwester des Ritters Sigmund von Hohenlandenberg. Dieser war österreichischer Vogt der Herrschaft Neuburg und befehligte in Ungarn ein Landsknecht-Regiment gegen die Türken. Das erfahren wir aus seinem Grabdenkmal, welches am Chorbogen der St. GallusKirche eingemauert ist. Dort ist auch das Landenberg-Wappen mit den drei Ringen zu sehen. Eine adelige Herkunft des Bräutigams Hans war dagegen nur schwer nachzuweisen. Das erste Rittergeschlecht von Wolfurt, dem die mächtigen Söldnerführer Ulrich und Konrad angehört hatten, war ja um 1450 erloschen. Maria von Wolfurt, eine der letzen Töchter des Geschlechtes, hatte Johann Kaisermann, den Stadt-Ammann von Bregenz, geheiratet. Eine von ihren Enkelinnen wurde später die Ehefrau des Holzhändlers Hans Leber und damit die Ahnfrau des zweiten Geschlechts „von 16 Wolfurt". Maria, gestorben schon 1415, ist auf einem Fresko in der Michaelskapelle von St. Gallus dargestellt.4 In Bregenz kaufte Junker Jakob im Jahre 1521 auch noch das ansehnliche Gut „uff der Rütte ", die heutige „Weißenreute". In sein Schloß in Wolfurt nahm er im Jahre 1529 den Abt Kilian von St. Gallen samt seinem Konvent auf. Die Mönche waren vor der Reformation nach Wolfurt geflohen. Abt Kilian ist dann 1530 beim Durchreiten der reißenden Ach ertrunken. Seine Gefährten konnten bald wieder nach St. Gallen heimkehren. Im Jahre 1537 erhielt Jakobs Sohn Hans von Wolfurt das Schloß als Lehen. Er vermählte sich mit Ehrentraut von Hohenlandenberg und ließ zu diesem Anlaß die Wappenscheibe malen. Wie schon seine Vorfahren hob Hans für das Kloster Weißenau bei Ravensburg von vielen Besitzungen in Weiler und Hörbranz über Bregenz bis zum Sulzberg den Zehent ein und vergrößerte sein Vermögen. Im Namen des Klosters Weißenau sorgte er für die Erhaltung der rechten Hälfte (!) der Pfarrkirche St. Gallus.5 Nach einer Bregenzer Urkunde hatte „Hanns von Wolfurt" im Jahre 1540 sogar das einflußreiche Amt des Stadt-Ammanns inne. Nach seinem Tod konnte die Witwe Edeltraut mit ihrem Sohn Hans Georg 1547 für 465 Gulden auch noch den riesigen „Loherhof" in Bregenz kaufen, das spätere Gut 17 Kronhalden. Das Ansehen dieses „Hans Jörg von Wolfurt zu Wolfurt" war so groß, daß er 1565 mit seinem Siegel das Testament des Grafen Gabriel von Hohenems bezeugen durfte. Eine Urkunde von 1571 weist nach, daß er gemeinsam mit seiner Mutter „Edeltrauta geb Hohenlanndenberg" am Brand in Bregenz ein Jauchert Reben steuerfrei besaß. 1582 erlaubte er der Stadt die Fassung der Quellen auf seinem Gut Reutin für ihren Stadtbrunnen6. Im Jahre 1587 machte er eine bedeutende Stiftung für die „Lateinschüler" von Bregenz. Auch seine Mutter Edeltraut hatte der Lateinschule eine Stiftung hinterlassen, dazu eine ausdrückliche Widmung „für den Kirchengesang". Damit ist sie die erste bekannte Fördererin des Kirchenchors von St. Gallus. Auch in der Kirche St. Nikolaus in Wolfurt hatte sich Edeltraut mit einer Stiftung von 100 Gulden je eine „ewige Messe" zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten gesichert7. Schon lange vergessen! Ab 1575 war Hans Georg wie früher sein Vater Zehent-Einnehmer des Klosters Weißenau geworden. Sein eigenhändig geschriebenes Zehentbuch ist erhalten geblieben und vermittelt eine Fülle von Wirtschafts-Daten aus dieser Zeit.8 Auch er bewohnte nicht sein Schloß Wolfurt, sondern sein Bregenzer Gut Reutin (Weißenreute). Das erfahren wir aus einer Urkunde von 1601, als er einen Besitz mit Stadel und Brunnen an das Kloster Thalbach verkaufte". Hans Georg hatte eine ganze Reihe von bedeutenden Söhnen. Laux (Lukas) von Wolfurt war bischöflicher Obervogt von Konstanz und wurde unter Erzbischof Mark Sittich Stadt-Hauptmann von Salzburg. 1608 verkaufte er sein vom Vater Hans Georg ererbtes Gut Reutin für die ungeheure Summe von 5000 Gulden." Domprobst Sigmund verwaltete für den Erzbischof dessen Besitzungen in Konstanz. Der Jesuitenpater Hugo von Wolfurt leitete als Rektor das Kolleg in Hall. Ein weiterer Sohn Hans Sigmund betreute die Besitzungen in der Oberstadt. Im Schlößle ließ er über einem Torbogen seinen Wappenstein einmauern. Das Relief zeigt unter dem Wolf die Jahreszahl 1610 und die Buchstaben „HS. V.W.Z. W. " Das bedeutet Hans Sigmund von Wolfurt zu Wolfurt. Im Jahre 1940 ließ Dr. Fritz Schindler eine Kopie dieses Wappensteines anfertigen und beim Neubau des abgebrannten Schlosses in Wolfurt in den Turm einfügen. Zu höchsten Ehren brachte es der letzte Sohn des Hans Georg. Ab dem Jahre 1616 war Eucharius von Wolfurt Fürstabt des mächtigen Benediktiner-Klosters Kempten und behielt dieses hohe Amt bis zu seinem Tod 1631. In dieser Zeit war er ein einflußreicher Anführer der Gegenreformation in Süd-Deutschland. Nach seinem Tod schändeten die mit den Schweden verbündeten Protestanten sein Grab. Mit dem Tod von Fürstabt Eucharius und seiner kinderlosen Brüder starb das zweite Geschlecht der ,fidlen von Wolfurt" um die Mitte des 17. Jahrhunderts aus. Weil dem Adel eine ganze Anzahl von Vorrechten zugebilligt wurden, hatten längst auch andere wohlhabende Bregenzer Bürgerfamilien nach dem Vorbild der Leber einen ähnlichen sozialen Aufstieg angestrebt. Etliche hatten vom Kaiser ebenfalls einen Wappenbrief erhalten und waren in den Adelsstand erhoben worden. Schon 1601 18 Bild 12: Der Turm von Schloß Wolfurt waren es etwa die Schmid „ von Wellenstein " und 1621 die Deuring „ von Mittelweyerburg". Später folgten 1681 die Bildstein „zu Bildstein " und 1684 die ursprünglich aus Wolfurt stammenden Vonach „zu Gernhaimb ". Das Schloß-Lehen in Wolfurt war an Österreich heimgefallen. Es wurde nacheinander an verschiedene kaiserliche Beamte vergeben, darunter 1696 an den in Hofsteig verhaßten Amtmann Benedikt Reichart „ von Wolfurt und Wellenstein ". Im Jahre 1772 konnte der erste „Schloßbauer" Johann Stadelmann das Schloß kaufen. Noch einmal erwarb es 1856 mit Jakob Huter ein reicher Bregenzer Kaufmann, der Vater des Bürgermeisters und Ehrenbürgers von Bregenz Josef Huter. Von dessen Familie kam es 1935 in den Besitz von Dr. Fritz Schindler. 1939 ist es mit Ausnahme des massiven Turmes vollständig abgebrannt. Schon 1940 wurde es neu aufgebaut. Es gilt als Wahrzeichen der Markt-Gemeinde Wolfurt, die ja auch das alte Wolfs-Wappen der Ritter als ihr Gemeinde-Wappen führt. Welch eine Fülle von Bezügen der Stadt Bregenz zu den Wolfurtern findet sich aber in der Geschichte! Die Gallus-Kirche und ihre Michaelskapelle. Das DeuringSchlößle und die großen Höfe von Weißenreute und Kronhalde. Stadtammann, Lateinschule, Kirchen-Chor und sogar der Stadtbrunnen! Und noch eine weitere Verbindung findet sich heute in Wolfurt. In dem schönen 19 Haus auf dem Hexenbühel, wo vor fast zweihundert Jahren die letzten Mauern der Burg Veldegg von den Steinbrechern abgetragen wurden, wohnt die Familie Kispert. Sie besitzt aus dem Nachlaß von späteren Bewohnern des Deuring-Schlößchens jene kostbare Wappenscheibe von 1539. Der erst vor wenigen Monaten verstorbene Dr. Wolf Kispert trug nach 1945 als Geschäftsführer die Verantwortung für die Textilwerke Schindler in Kennelbach, bei denen damals noch mehrere hundert Wolfurter beschäftigt waren. Er und seine Frau Eleonore brachten mit der Scheibe eines der ältesten Wolfurt-Kunstwerke in unsere Gemeinde. Nur Pergamente und Siegel und der Ritter Konrad-Kelch von 1364 sind älter. Siegfried Heim Guglionesi Die „Wolfurter" Burg in den Abruzzen Seit im Jahre 1982 anläßlich der Markterhebung die Geschichte von Ritter Konrad von Wolfurt und von seinem goldenen Kelch erforscht wurde, läßt sie uns nicht mehr los. So nützte auch unser Bürgermeister Erwin Mohr seinen Sommerurlaub 2002 in Apulien dazu, einen Besuch in Guglionesi zu machen. Er wußte ja, daß Ritter Konrad einige Jahre lang Herr dieser mächtigen Bergfestung gewesen war. Türme und Mauern sind längst verfallen. Guglionesi ist ein friedliches Städtchen geworden. Vom Bürgermeister wurde sein Wolfurter Kollege freundlich empfangen. Er brachte eine Beschreibung der Bild 13: Das Stadtwappen Stadt mit, in der doch tatsächlich der Name unseres von Guglionesi gewaltigen Ritters als „Wolfard (Lupo)" erwähnt wird. So weit fort in Italien! Und das nach fast 700 Jahren! Die Stadt Guglionesi hat heute rund 6000 Einwohnern. Sie liegt auf einem 375 m hohen Vorberg der Abruzzen etwa 10 km entfernt vom Ufer des Adriatischen Meeres in der Region Campobasso. Mit seiner weiten Aussicht über Land und Meer war dieser Platz schon in römischer Zeit und noch mehr im Mittelalter von hohem strategischem Wert. Deshalb erbaute hier schon der Normannen-Herzog Robert Guiscard um das Jahr 1050 eine starke Burg. Nach dem Untergang der Staufer durch die Enthauptung von König Konradin 1268 in Neapel wurden die Anjou aus Frankreich Könige von Neapel und bald danach auch von Ungarn. Im Jahr 1347 kam es zu einem erbittert geführten Erbstreit um Neapel und ganz Unter-Italien, in welchem die Ritter Ulrich und Konrad von Wolfurt ungarische Heere anführten. Bei Guglionesi überstieg Konrad 1348 mit seinen Söldnern die Abruzzen und gab dem Krieg eine entscheidende Wendung. König Ludwig von Ungarn verlieh ihm darauf die Burg und den Titel eines Barons von Guglionesi. Konrad ließ die Festung ausbauen: „Corradus Lupus .... fortivicavit se in Guillonisio" (Burmeister, Edelgeschlecht von Wolfurt, S. 36). Das Fort hatte jetzt eine große Mauer mit 18 Türmen und zwei Toren. Von hier aus plünderte Konrad 1350 das benachbarte Foggia und machte ungeheure Beute. Später kehrte er auf seine Besitzungen in Ungarn und im Schwabenland zurück. Im Jahre 1355 ritt er als Gesandter des Königs zum Papst nach Avignon, der dort gerade seinen riesigen Palast baute. Wahrscheinlich mußte Konrad aus seiner Kriegsbeute einen Beitrag zu den ungeheuren Kosten leisten. 1364 stiftete er zur Sühne 1 2 GA Wolftut, Brunnenbrief von 1517, Heimat Wollte 23, S.9 Andreas Ulmer, Burgen und Edelsitze, Dornbirn 1925, S. 626, Deuringschlößchen, und S. 383, Schloß Wollte Andreas Ulmer, Die Epitaphien der Bregenzer Stadtpfarrkirche, Alemania, Bregenz, 1927 4 Heimat Wollte, Heft 9, S. 38, Michaelskapelle 5 Heimat Wollte, Heft 179, S. 4, Weißenau 6 LA, Breg. Regesten Nr. 641 7 LA, Breg. Regesten Nr. 650 8 Abschrift im GA Wollte 9 LA, Vlbg. Regesten 1601 10 LA, Vlbg. Regesten 1608 20 21 Siegfried Heim Frauenleben Zu einem Vortrag für Frauen hat man mir dieses Thema gestellt: Frauenleben in Wolfurt, ein Rückblick. Ein problematisches Unterfangen! Zu schnell gingen manche Veränderungen in den letzten hundert Jahren vor sich. Zu verschieden sind die Standpunkte von Jung und Alt, von Mann und Frau, von Tradition und Fortschritt. Patriarchat da, Emanzipierung dort. Zeitweise heiß umstritten die Themen „der dressierte Mann", „die Frau an den Herd" und „das Recht auf den eigenen Bauch". Manche Diskussionen zeigen Risse auf, die quer durch die Familien, vor allem auch quer durch die Gemeinschaft der Frauen gehen. Mit ein paar Namen will ich einen Beitrag zum Nachdenken versuchen. „Gott schuf also den Menschen, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. ... Es war sehr gut!" (Genesis 1; 26) Es war sehr gut! - Die Biologie erkennt die Spezialisierung, die Arbeitsteilung zwischen allen Formen des Lebens, als höchste Stufe der Entwicklung und als Voraussetzung für den Fortbestand. Jede Zelle muß ihren Beitrag leisten, ihre ureigenste Aufgabe erfüllen, wenn der Organismus gedeihen und bestehen soll. Und jede ist dazu besonders ausgerüstet. Die Frau anders als der Mann! Die Geschichtsschreibung berichtet fast nur von den Taten (und Untaten) der Männer. Vor jedem von ihnen stand aber seine Mutter und neben den meisten eine Gattin. Nur selten wurde deren Anteil anerkannt. Wie im alten Testament wurden auch im römischen Recht, das noch durch das ganze Mittelalter herauf Gültigkeit hatte, die Frauen nahezu ohne Rechte gelassen. Sie wurden bevormundet. Über ihr Leben entschied zuerst der Vater, dann der Ehemann. Die Hl. Elisabeth wurde als vierjähriges Kind aus Ungarn nach Thüringen verheiratet und wuchs am fremden Hofe auf. Mit 15 Jahren wurde ihre Ehe vollzogen. Fünf Jahre später hatte sie fünf Kinder und war Witwe - und rechtlos. Nicht einmal Brot an die Armen verschenken durfte sie. Mit 24 Jahren ist sie gestorben. So ähnlich erging es damals auch vielen Mädchen und Frauen in unserem Dorf. Ihr Leben war Arbeit und Mutterschaft und Dienst an der Familie. Und wenn Segen über der Familie lag, wenn viele von den Kindern groß wurden, dann wurden häufig überzählige Buben als Landsknechte verkauft, Mädchen als Mägde verdingt. Und manche wurden - anfangs allerdings nur bei noblen Leuten - ins Kloster gesteckt. Klosterfrauen sind die ersten Wolfurter Frauen, deren Namen wir kennen. Sigena von Wolfurt ließ als Äbtissin des einflußreichen Frauenklosters von Lindau schon um 1250 Silbermünzen prägen. Guta von Wolfurt war um 1370 Meisterin im Kloster Münsterlingen bei Konstanz. „Ora et labora!" bestimmte dort ihre Tage. Ganz anders lebten ihre Brüder, die Ritter Ulrich und Konrad, die Guta im 23 Bild 14: Die Burg der 18 Türme, Rekonstruktion für seine Sünden den Wolfurter Kelch für das Kloster Pfäfers. Als er 1365 mit seinem großen Vermögen Stadt und Burg Arbon am Bodensee kaufte, siegelte er den Vertrag mit seinem Wolfswappen und der Umschrift „S. Coradi d Uulfort Baronie Guillon Dominus ". Noch immer nannte er sich also stolz „Herr von Guglionesi". Seither hatten wir den Ritter Konrad durch viele Jahrhunderte vergessen. Nicht so die Italiener. Sie nennen seine Zeit „il periodo in cui si ebbero numerose invasioni, lapiü dannosa delle quali, quella di Wolfard (Lupo) ". Die schlimmste Invasion war die durch den Ritter Wolfurt, den sie den Wolf hießen. 22 Jahrzeitbuch von 1370 in ihr Gebet einschloß. Sie hatten 1348 ungarische Söldnerheere nach Süd-Italien geführt, hatten die Städte Foggia, Capua und Aversa geplündert und „.... und überließen sich ihren bösen Gelüsten mit Frauen und Jungfrauen Als sie sich mit schweren Wagenladungen voll von geraubten Schätzen auf den Heimweg machten, „.... nahmen sie viele Mädchen und Frauen, die sie ihren Männern geraubt hatten, mit sich auf die Reise "-.' Schlimm! Solche Schicksale gab es auch in unserem Land, das immer wieder von durchziehenden Heeren verwüstet wurde. Frauen als Kriegsbeute! Konnte es denn noch schlimmer kommen? Leider ja! Als um das Jahr 1500 Hungersnot und Pest Europa heimsuchten, gab man die Schuld daran dem Teufel und den vom ihm besessenen Hexen. Verbunden mit sexuellen Skrupeln breitete sich ein entsetzlicher Wahn aus: Im Flotzbach und im Kellasumpf tanzen die Hexen! Wir müssen sie unschädlich machen! - Auf den Scheiterhaufen in Bregenz starben Dutzende von Frauen. Mindestens acht davon stammten aus Wolfurt, das damals ein Dörfchen mit nicht einmal 400 Einwohnern war. Acht Frauen und auch ein Mann, der Bäcker. Wir kennen ihre Namen. Stellvertretend für alle nenne ich nur Maria Kelhofer. Sie war die letzte aus Wolfurt, die noch im Jahre 1628 durch gräßliche Folter zu einem Geständnis gezwungen und dann als Hexe geköpft und verbrannt wurde. Frauen als Brandopfer! Ein Jahr später ist 1629 in Bildstein die Muttergottes erschienen. Noch einen anderen Namen habe ich auf einem Pergament gefunden: Christina Muchsel. Sie war die Bäuerin im Bannholz und lebte dort um 1580 mit Sebastian Fischer zusammen, dem Pfarrer von Wolfurt. Das war damals durchaus üblich. Fünf Kinder gebar sie ihm. Auf Geheiß des neuen Bischofs mußte sie der Pfarrer verlassen. Ganz allein sorgte sie sich nun um die Kinder - und Gott gab sichtbar seinen Segen dazu. Das Geschlecht blühte auf, mehr als jedes andere in Wolfurt. Es brachte Handwerker hervor, Ammänner, Gemeinde-Vorsteher, Wirte, Ärzte und Advokaten und auch viele Priester, Patres und Klosterschwestern. Christina Muxel vom Bannholz! Auch in den folgenden Jahrhunderten war das Leben der Frauen bestimmt von Arbeit und Mutterschaft und oft auch von einem frühen Tod. Denn nicht selten starben Frauen in Ausübung ihres Mutterberufes im Kindbett. Dann hatte ein Mann manchmal hintereinander drei oder vier Ehefrauen. Ein Beispiel dafür ist Johann Baptist Köb, geboren 1814 im Schloß, der Stammvater von „Schloßburos" in der Bütze. Seine erste Frau Maria Anna Österle starb nach der Geburt ihres fünften Kindes mit 31 Jahren. Die zweite Frau Agatha Fischer starb schon bei der Geburt ihres ersten Kindes mit 34 Jahren. Und die dritte Frau Anna Huber gebar elf Kinder. Eine Woche nach der Geburt des elften starb auch sie mit 36 Jahren. Ein vergleichbares Schicksal kennen viele von uns noch von „Kamplar-Mohros " an der Hub. Dort gebar Agatha Köb ihrem Mann jedes Jahr ein Kind: 1911, 1912, 13, 14, 15, 16, 17. Drei Wochen nach der Geburt des siebten ist sie gestorben. Der älte24 Bild 15: Mutter Maria Anna Mohr mit ihrem Mann und 13 Kindern ste von den sieben war gerade sechs Jahre alt. Die Kinder brauchten und bekamen eine neue Mutter in Maria Anna Arnold. Zu den sieben Stiefkindern gebar sie in den folgenden zehn Jahren sieben eigene, zusammen also 14. Welche Enge um die „Stopfar "-Schüssel am Morgen! Welches Gedränge um die Mus-Pfanne am Mittagstisch! Und welche Sorgen erst, als fast alle Buben in den Krieg einrücken mußten! Über Maria Anna Mohrs Grab steht „Alles liegt in Gottes Hand". Das gilt wohl auch für eine andere Frau, die genau 100 Jahre früher an der Hub lebte: Maria Anna Fischer, die Ehefrau von Andreas Rohner, dem Begründer und ersten Kapellmeister der Blasmusik Wolfurt. Zwischen 1811 und 1831 gebar sie 15 Kinder, fünfzehn! - und alle starben am Tag der Geburt. Rhesus-Faktor unverträglich! Das konstatieren wir heute nüchtern und können nicht erahnen, mit welcher verzweifelten Hoffnung sich die unglückliche Frau damals an jede neue Schwangerschaft geklammert hat. Und dann gab es auch noch die vielen unverheirateten Frauen, denen die Ehe versagt blieb, weil ihnen die Familiensituation oder die Gemeindevertretung den „EheKonsens" verweigerte. Magd blieben sie, ohne Zahltag, ein Leben lang. Oder sie gingen in die Fabrik wie Karolina Heim. Zu Fuß nach Kennelbach, 50 Jahre lang, jeden Tag, auch am Samstag, täglich 13 Stunden, später nur mehr 12, jeden Tag, ohne Krankenkasse, ohne Rente! 25 Bild 16: Karolina Heim, ledig geblieben Bild 17: Franzele Dür, emanzipiert Bild 18: Promotion 1939, Dr. iur. Marianne Fischer Unvergessen bleiben jene Ordensschwestern aus Hall, Sr. Epiphania und Sr. Theodora: den Tag für die Kranken, die Nächte bei den Sterbenden, ein Leben im Dienst am Nächsten, meist für ein „ Vergelt 's Gott!". Samariterinnen! Und dann kündigte sich , in winzig kleinen Schritten zuerst, eine neue Zeit für die Frauen an: Juditha Fischer, 1855-1921, bricht 1881 in einen bisher den Männern vorbehaltenen Bereich ein. Sie spielt Theater, öffentlich! Sie spielt die Rolle der „Berta" in Schillers revolutionärem Werk „Die Räuber". - Eine Frau! Vor 1000 Zuschauern, 1881! - Bei allen bisherigen Aufführungen der großen Wolfürter Freilicht-Theater hatten Männer auch die Frauenrollen gespielt, etwa der Sternenwirt Böhler die Armgard im „Wilhelm Teil" oder der Rößlewirt Müller die „Jungfrau von Orleans" oder der Kunstmaler Schneider die „Genovefa". Juditha Fischer hat übrigens bald danach den Vorsteher Johann Martin Schertler geheiratet und ihm zehn Kinder geboren. Einen nächsten Schritt tat Franziska Dür, 1854-1922. Obwohl einzige Tochter und reich - sie heiratete nicht! Sie las viel, sie hielt sich Zeitungen, sie reiste, nach Wien, nach Rom, nach Lourdes, nach Jerusalem, auf die Welt-Ausstellung 1900 nach Paris. Sie trank gerne Wein. Sie besaß einen Revolver, mit welchem sie Schießübungen machte. Und 1907 kaufte sie gar - ganz unerhört für jene Zeit! - ein 26 Auto, das erste im Dorf. Da blieb den Männern wohl der Mund offen. „Düro Franzele" hat dann auch noch andere Seiten gezeigt. Sie galt als mildtätig und fromm und hat 1913 für die Kirche die große Grödner Krippe gestiftet. Durch die Inflation verarmt ist sie 1922 gestorben.2 Politisch blieben Frauen noch lange ohne Rechte. Um 1870 durften nur die Steuerzahler wählen. Nicht aber die Frauen! Bei Wahlen mußten sich vermögende und steuerzahlende Frauen durch einen Mann vertreten lassen, durch einen Nachbarn etwa oder durch einen Verwandten mit schriftlicher Vollmacht. Erst unter dem Druck der bisher ebenfalls Unterdrückten, der in den sozialistischen Parteien organisierten Arbeiter, erhielten die Frauen politische Rechte. Zuerst führten die Bolschewisten nach der Oktober-Revolution von 1917 in der Sowjet-Union das Frauen-Stimmrecht ein. Deutschland und Österreich folgten nach dem Zusammenbruch der Monarchien 1918, in Österreich mit dem Gesetz vom 18. Dezember 1918. Das ist sehr früh, wenn man bedenkt, daß Frauen in den Frauenfreundlichen USA erst 1920, in England 1928 und in Frankreich, dem Land von „ liberte " und „ egalite ", gar erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1944 ihr Stimmrecht bekamen. Die konservative Schweiz und Liechtenstein hinkten noch lange nach, am längsten unsere Nachbarn, die Appenzeller. 27 Ebenso schwierig war es für die Frauen, sich einen Zugang zur Bildung zu erkämpfen. Mädchen aus Wolfurt durften erst ab 1938 das Gymnasium besuchen, das damals „Oberschule für Mädchen" hieß. Ich weiß nicht, welche Wolfurterin als erste eine Universität besucht hat. Vermutlich war es Frau Dr. Marianne Fischer, Jahrgang 1912, die von der Steig aus noch in die Volksschule in Wolfurt ging und dann nach Innsbruck übersiedelte. Später ist sie nach einem Jus-Studium die Rechtsberaterin von Bischof Paulus Rusch geworden. Beruf hieß damals selbstverständlich Verzicht auf eigene Familie. Frau Marianne lebt heute hochbetagt im Altersheim der Ordensschwestern in Hoch-Rum. Frau Dr. Isolde Moosbrugger-Hiesmayer, Jahrgang 1925, war die erste Frau aus dem ganzen Bregenzer Wald, die ein Medizin-Studium erfolgreich abschloß. Als sie dann aber heiratete, verzichtete sie auf die Ausübung ihres Arzt-Berufes und widmete ihre Kraft der Karriere des Ehegatten als Architekt und der des Sohnes, welcher als Mediziner ebenfalls bereits Hochschul-Professor ist. Frau Isolde feierte vor kurzem an der Rüttigasse Goldene Hochzeit. Da durfte sie sich auch über die Glückwünsche ihrer Enkelkinder freuen. Zurück zur Frauenpolitik! In Wolfurt wählten die Frauen, die immer die überwiegende Mehrzahl der Wähler bildeten, lange Zeit nur Männer in die Gemeindevertretung. Wieder waren es die Sozialisten, die im Jahre 1956 mit Frau Anna Fischer, Stöoglars Anna, erstmals eine Frau in die Gemeindestube brachten, allerdings nur für vier Jahre. Bei der ÖVP dauerte es bis 1970, als mit großer Mühe (der Männer!) Irma Feuerstein und Gertrud Gunz wenigstens zur Kandidatur und zur Mitarbeit in den Ausschüssen bewegt werden konnten. Seit 1975 besetzen Frauen immer ein paar Plätze in der Gemeindevertretung. Es könnten viel mehr sein, - wenn Frauen auch Frauen wählen würden. Da muß man es besonders hoch werten, daß sich Frau Xaveria Dür, Hausfrau, Mutter und Geschäftsfrau, im Jahre 1990 als Vizebürgermeisterin zur Verfügung stellte und dieses schwierige Amt acht Jahre lang mit großem Erfolg ausübte. Das 21. Jahrhundert wird ganz sicher viele Veränderungen bringen, auch für die Frauen und für unsere bedrohten Familien. Schon stellten die Mädchen mit 870 von 1500 Kandidaten bei der Matura 2002 in Vorarlberg fast 60 Prozent. Zur gleichen Zeit erleben wir einen ganz unglaublichen Rückgang der Geburtenzahl. Gesellschafts-Forscher und Sozial-Politiker beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Eines ist sicher: Wenn unser Volk und unsere Kultur fortbestehen sollen, muß es uns gelingen, Arbeitsleben und Mutterschaft in Übereinstimmung zu bringen! Siegfried Heim Die Rohner in Wolfurt Ein Besuch von Auswanderer-Rohnern aus dem Saarland, die hier in Wolfurt erfolgreich nach ihrer Herkunft forschten, macht mich wieder einmal auf dieses große Geschlecht aufmerksam. Durch zwei Jahrhunderte, vom Beginn der Pfarrbücher bis 1850 standen die Rohner in Wolfurt zahlenmäßig stets knapp hinter den Schwerzlern an zweiter Stelle. So wie die Schwerzler sind sie inzwischen von einem halben Dutzend anderer Geschlechter überholt worden. Über die Schwerzler habe ich in Heft 16 berichtet. Auch die Rohner schenkten unserer Gemeinde starke Familien und tatkräftige Männer, die wir nicht vergessen sollten. Seit 1363 Schon im Jahre 1363 gehörten drei Roner zu den wohlhabenden Bürgern von Bregenz.1 Im Urbar des Hugo von Montfort werden um 1380 Roner in Rieden, Lauterach und Bregenz nachgewiesen. Bald danach findet man sie in Hard, Wolfurt und am Steußberg.2 In Alberschwende lebt der Name im Ortsteil Rohnen fort, in Buch in der Parzelle Zum Rohner. Die mündliche Überlieferung berichtet, die ersten Rohner seien aus dem Schweizer Rheintal nach Wolfurt gekommen. Dafür gibt es allerdings keine Belege. Wir wissen aber, daß der Name auch im unteren Schweizer Rheintal beheimatet ist. Nach dem 30jährigen Krieg blühte das Geschlecht gleichzeitig in Dornbirn und in Wolfurt auf. In Dornbirn hatte um 1640 ein Georg Rohner 6 Kinder und zahlreiche Nachkommen, die sich in alle vier Dornbirner Dörfer ausbreiteten.3 In Wolfurt hatte der Häuserbeschrieb von 1594 keine Rohner mehr genannt. Nach den schrecklichen Pestzügen von 1594, 1629 und 1635, die bei uns viele Häuser geleert hatten, dürften aber etliche starke Rohner-Familien zugezogen sein. Jedenfalls wurden in den 1650 begonnenen Wolfurter Taufbüchern schon in den ersten 20 Jahren Kinder von 17 verschiedenen Rohner-Ehepaaren aufgeschrieben. Einige Väter hatten mehrmals geheiratet. Der Seelenbeschrieb von 1760 zählte 12 Rohner-Familien auf. Im Jahre 1843 waren es sogar 20 Hausbesitzer. Damit hatten sie aber ihren Höhepunkt erreicht. Bis 1900 sank die Zahl auf 13 Familien aus sieben alten Sippen. Seither sind zuerst DoktorRohnars im Strohdorf 1909 und Sattlar-Rohnars in Unterlinden um 1930 ausgestorben, dann Instrumentomachars im Strohdorf mit Josef Anton Rohner 1940, Hammorschmiods an der Ach mit Josef Rohner 1941, Orglars in der Bütze mit Adelheid Rohner 1966 und zuletzt noch Haldobuobos mit Gebhard Rohner 1975. Die aus Lauterach stammende Familie des Bürgermeisters Theodor Rohner ist 1945 nach Tirol verzogen. Übrig geblieben ist eine einzige von den alten Rohner-Sippen, die Vinälar. Sie ist 29 2 Zitiert aus Bronner, Herzog Werner von Urslingen, 1828 Nach Karl Schwärzler in V.V. v. 14.12.1957 28 Der Name Die Schreibart des Namens wechselte vom mittelalterlichen Roner schon 1650 auf Rohner, dann aber bei den Pfarrern im 18. Jahrhundert auf das ans Griechische angelehnte Rhoner. Ab 1814 führt Pfarrer Grasmayer wieder das heutige Rohner ein. Für die Namensdeutung gibt es mehrere Möglichkeiten. An Roa (Rain) ist ein Ackerrand oder eine Geländekante. Ganz anders klingt an Rohno. Das Wort ist verschwunden. Damit meinte man früher einen am Boden liegenden morschen Baumstamm. Dagegen kennt jeder - nur bei uns im Unterland! - die weibliche Form a Rohno. Es ist eine schwulstige Strieme auf der Haut nach einem schmerzhaften Schlag mit der Rute oder der Peitsche. Schließlich gab es früher noch die Rohn. Eine Rohn (vom mittelhochdeutschen run) war eine geheime Beratung.5 Das gäbe doch einen Sinn! - Dann wäre ein Rohner also ein wichtiger Mann gewesen, bei dem man sich in Notzeiten Rat holen konnte. Einige bekannte Rohner Jerg Rohner, 1671-1743, Hofsteig-Ammann Jerg (in Wolfurt sagte man Irg) war einer der Anführer beim Aufruhr des "Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der Obrigkeit.6 Nach einer vergeblichen Vorsprache beim Kaiser in Wien besetzte er mit 2000 Bauern im Jahre 1706 die Stadt Bregenz und verjagte den Vogt des Kaisers. Sechsmal wurde er danach zum Ammann gewählt und leitete nun das Gericht Hofsteig von Hard am See bis nach Buch. Er war für Äcker, Wald und Straßen verantwortlich und für den Einzug der Steuern. Dreimal im Jahr hielt er mit zwölf Beisitzern Gericht. Erfolgreich kämpfte er für die alten Hofsteiger Rechte. Im Kirchdorf besaß er einen Gasthof. In Wolfurt leben noch viele von seinen Nachkommen. Die Orglar waren davon die letzten Rohner. in den letzten Jahren sogar stark angewachsen. Im Jahr 2003 tragen in Wolfurt wieder etwa 70 Personen den Namen Rohner. Mit Ausnahme einiger Zuwanderer sind das lauter Vinälar. Nirgendwo in Vorarlberg ist der Rohner-Anteil unter den Einwohnern so groß wie in Wolfurt. Am nächsten kommt noch das große Dornbirn mit über 50, gefolgt von Hard mit etwa 40. Nur jeweils ein paar findet man in Bregenz, Fußach und den anderen Unterländer Gemeinden, ganz vereinzelte im Oberland. Eher noch könnte man Rohner in Amerika finden, denn in der großen Notzeit nach 1850 sind 6 Rohner aus Wolfurt und 14 aus Hard nach den USA ausgewandert.4 Auch im Saarland gibt es eine Gruppe von Rohner-Familien. Darüber mehr im Anhang. Die Kies-Rohner in Fußach stammen ebenfalls aus Wolfurt (Siehe unten bei Sippen unter A, Orglars!), wahrscheinlich auch die meisten Harder Rohner (Siehe unter C, Doktors^. Bild 20: Siegel des Ammanns Jerg Rohner Johann Martin Rohner, 1790-1864, Arzt7 Als junger Soldat machte er mit Napoleons Großer Armee 1812 den Feldzug nach Rußland mit und war einer der ganz wenigen glücklichen Heimkehrer. Danach wirkte er als Gemeindearzt in Alberschwende und ab 1828 in Wolfurt. Unter seinen vielen Nachkommen gibt es ebenfalls keine Rohner mehr. 30 31 Andreas Rohner, 1791-1857, Kapellmeister Er war Steinhauer im Eulentobel und begründete 1816 die erste Wolfurter MusikKapelle, die er 25 Jahre lang dirigierte. Beim Kirchenbau im Jahre 1833 übernahm er die Steinmetz-Arbeiten, darunter auch die große Kirchenstiege mit ihren 87 Stufen. Weil alle seine 15 Kinder am Tag der Geburt starben, blieb er ohne Nachkommen. Franz Rohner, 1872-1959, Kapellmeister Er war Bauer und Sticker im Röhle. Nachdem er schon 1898 die Harmoniemusik Wolfurt geleitet hatte, übernahm er 1901 die Bürgermusik Wolfurt und führte sie in den folgenden 55 Jahren als Kapellmeister zu großen Erfolgen. Zusätzlich wirkte er auch viele Jahre lang als Gemeinderat. Seine zahlreichen Nachkommen nennt man nach ihm die Kapeollar. In der langen Geschichte des Geschlechtes gibt es auch dunkle Stellen. Joh. Georg Rohner, 1797-1834, Michelis-Buob aus Rickenbach Wegen der Ermordung eines Mädchens wurde er zum Tode verurteilt. Am 12. Dezember 1834 büßte er seine Untat in Bregenz am Galgen.8 Johann Rohner, 1813-1861, Tonelis-Buob von der Hub Wegen Totschlag wurde er 1839 zu acht Jahren Kerker verurteilt. Die Familien der beiden Übeltäter sind längst ausgestorben. Stenzlar-, Liborats, Schnidar-, Ludwigos, Tirolar-, Filitzos, Hafnars und MurarSchwerzler.9 Von der Tochter Katharina Rohner, die 1697 die Frau des Jakob Schneider im Kirchdorf wurde, stammen unter anderen der Gotteshaus-Ammann und Vorsteher Mathias Schneider und seine vielen Nachkommen in Wolfurt, Amerika und Deutschland, die Sammüller in Wolfurt und in Wien und die vielen Familien der Lehrar-Köbs auf dem Bühel. 1. Rohner Johann +1696 Wolfurt-Kirchdorf oo 1654 Müller Anna, 11 Kinder 2. Rohner Georg (Jerg) 1671-1743 Hofsteig-Ammann oo 1696 Bayer Anna Maria, 6 Kinder 3. Rohner Anton 1703-1759 Gastwirt im Kirchdorf oo 1728 Steu Franziska, 8 Kinder 4. Rohner Joh. Georg 1729-1773 Gastwirt im Kirchdorf oo 1756 Künz Franziska, 11 Kinder. Von ihnen stammen u.a. der Vorsteher Johann Maier und SchloßburoKöbs in Unterlinden, aber auch die Spetenleher Fischer, Kalbs im Tobel und Heims in der Bütze, dazu noch Anwanders in Rickenbach und DelloKorles. Ein Jahr nach ihres Gatten Tod heiratete die Witwe Franziska 1774 einen FlötzarVönach von der Ach und schenkte ihm bald noch 5 weitere Kinder. Danach verließen die Rohner-Kinder das Gasthaus beim „Kleinen Brunnen", das ihr Urgroßvater Jerg am Rand des Kirchdorfs (am Platz von Kreuzstraße 1) gebaut hatte. Das FlötzerHaus war jetzt der weitaus größte Bauernhof im Kirchdorf. Er ist 1869 abgebrannt. 5. Rohner Jakob 1773-1841 Bauer in der Bütze oo Höfle Anna, 13 Kinder. Von ihnen stammen u.a. Murars im Strohdorf, Klosos im Oberfeld und SchrinarSchertlers in der Bütze. Jakob hatte um 1800 in der Bütze das Haus C 84 (Gorbachs, Bützestraße 1, abgebrannt 1956) erbaut. Mit seinen tüchtigen Kindern erreichte das Geschlecht seinen Höhepunkt. Innerhalb weniger Jahre kauften die Söhne drei weitere Häuser, darunter das Haus C 101 (Rasiorars, Kirchstraße 22) für Martin Rohner, den Orglar (Organist) in der neuen Kirche. Martins Sohn Gebhard, geb. 1849, heiratete als junger Lehrer nach Fußach. Dort gründete der Enkel Rudolf Rohner als Schiffsführer jene Kies-Firma, die sich unter den Söhnen Jakob und Dr. Fritz Rohner zu einem am ganzen Bodensee bekannten Unternehmen entwickelt hat. 6. Rohner Joh. Georg 1807-1873 Bauer in der Bütze oo 1847 Dür Katharina, Schmiods Kathrie aus dem Röhle, 7 Kinder. Joh. Georg hatte 1850 das schöne Haus C 90 (Orglars, Unterlindenstr. 27) gekauft. Dieses wurde nun zum letzten Stammhaus der Orglar. 33 Die wichtigsten Rohner-Sippen Weil die Familienväter nur wenige unterschiedliche Vornamen trugen, bei den Rohnern meist Johann, Josef, Georg oder Martin, mußte man sie schon von Anfang an durch Beifügung von Hausnamen voneinander unterscheiden. Einige davon blieben als Sippennamen über Jahrhunderte erhalten, andere entstanden neu und verschwanden wieder. A. Ammann Jergs - die Orglar Sehr viele Rohner-Sippen und noch weit mehr andere Wolfurter Familien stammen von Johann Rohner, der im Kirchdorf lebte und anno 1654 Anna Müller heiratete. Von ihrem Sohn Jerg leitet sich der Stamm der Orglar (A) ab, zu denen auch die Seitenlinie der Kies-Rohner in Fußach zählt. Vom Sohn Johann stammen Doktors und Hammorschmiods (C) und auch eine große Linie nach Schwarzach und Dornbirn. Aus Tochter-Linien leiten sich zwei weiteren große Wolfurter Geschlechter ab. Von der Enkelin Maria Kündig, die 1710 den Felix Schwerzler im Kirchdorf ehelichte, stammen die meisten Wolfurter Schwerzler, die Toblar-, Büoblar-, Hannes, 32 7. Rohner Martin 1854-1925 Bauer und Organist Von seinem Onkel Martin hatte er das Amt des Orgelspielens übernommen, oo 1879 Schertler M. Agatha aus dem Röhle, 9 Kinder. Von allen neun Kindern heiratete nur die Modistin Sophie Rohner, blieb aber kinderlos. Albert Rohner, ein geschickter Automechaniker, war ebenfalls Chorleiter und Organist. Mit der ledig gebliebenen Adelheid Rohner, 1885-1966, erlosch das alte AmmannRohner-Geschlecht. Im Jahre 1971 wurde Orglars Hus zum Bau des Unterlinden-Zentrums abgebrochen. B. Instrumento-Machars, Sattlars und Haldobuobos Ebenfalls im Kirchdorf hatte bei Beginn der Kirchenbücher ein zweites großes Geschlecht seinen Anfang mit Johann Rohner und Ursula Vonach genommen, die ihre Ehe 1666 schlössen. Eine Reihe gleicher Vornamen und die Nachbarschaft im Kirchdorf lassen den Schluß zu, daß beide Geschlechter miteinander nahe verwandt waren. 1. Rohner Johann +1699 Wolfurt-Kirchdorf oo 1666 Vonach Ursula, 2 Kinder. 2. Rohner Georg 1667-1726 Kellhof-Ammann Während zur gleichen Zeit ein anderer Georg Rohner (1671-1743) das Amt des Hofsteig-Ammanns innehatte, war Georg im Kirchdorf „Khellhof-A." (laut Sterbebuch) geworden. Als solcher war er Vorsitzender des Kellhof-Niedergerichts und hob für den Grafen von Hohenems bei etwa 200 Leibeigenen, die nicht zu Hofsteig gehörten, den Zehent ein. oo 1 1692 Straßer Anna, 2 Kinder oo2 1707 Höfle Christina, 7 Kinder Aus seiner zweiten Ehe: Josef, geb. 1711, der Stammvater der Sattlar-Rohner, und Andreas (./. 3). Die Sattlar erwarben im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Häusern im Kirchdorf, in der Bütze, in Unterlinden und im Eulentobel. Alle Namens-Träger sind ausgestorben, doch leben noch viele Nachkommen aus weiblichen Linien. Eine große Sattlar-Sippe besteht in Amerika fort. Sie stammen von jenem Jakob Rohner, der 18


Heimat Wolfurt Heft 26 2002 April
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 26 Zeitschrift des Heimatkundekreises April 2002 Bild 1: s Doktor-Hus an der Hub. Erbaut 1905. Inhalt: 130. Ärzte in Wolfurt 131. Elektrizität 132. Malerfamilie Schneider 133. Das älteste Bild 134. Anna selbdritt 135. Menschen um uns 136. Alte Häuser Bildnachweis: Bild 16 Sammlung Johann Kaufmann Bilder 27 u. 28 VLM, Flatz-Katalog 2000 Bilder 15 u. 20 Siegfried Heim Bild 30 Karl Hinteregger Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Vorsteher und Bürgermeister (4) (Heft 25, S. 6) Das Echo auf den letzten Teil der Bürgermeister-Serie, die sich mit den kritischen Jahren des 20. Jahrhunderts befaßte, war durchaus positiv, obwohl bei genauer Durchsicht sicher einiges zu beanstanden oder auf alle Fälle zu ergänzen wäre. Das hat bis jetzt - trotz Aufforderung - niemand getan. Lediglich Alt-Bürgermeister Emil Geiger berichtet, daß er damals 1950 mit seinen 27 Jahren der weitaus jüngste Bürgermeister im Lande gewesen sei. Mord und Totschlag (Heft 25, S. 47) Im Sterbebuch von 1839 fand ich endlich die Totschlag-Geschichte von Toniles Bub. Das Unglück ereignete sich am 29. Juni 1839, nachts 1/4 vor 11 Uhr an der Hub. Gestorben ist Franz Xaver Flatz, verehelicht in Alberschwende und beiläufig 30 Jahre alt. Die Leiche wurde nach Alberschwende überführt und dann dort am Iten Juli l. J. beerdiget. Dieser Mann wurde an der Hub der Pfarre Wolfurt mit einem Stiletstich, der 6 3/4 Zoll tief war, u. durch den Magen, Leber und eine Schlagader gieng, plötzlich getödtet. So heo s i ghört (25) (Heft 25, S. 63) Zum Mundart-Beitrag ist eine Berichtigung von meinem Bruder Adolf Heim eingegangen, die ich ganz hinten im Heft wiedergebe. Danke! Auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt sind mit den in Heft 25 ausgesandten Erlagscheinen wieder viele Spenden eingegangen. Damit konnte ein beachtlicher Teil der Druckkosten abgedeckt werden. Allen Spendern sagen wir ein herzliches Danke schön. Unser besonderer Dank gilt aber wieder der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt! Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Siegfried Heim Bittere Medizin Die Arzneikunst, die uns heute mit hochqualifizierten Ärzten und großartig ausgestatteten Krankenhäusern unser ganzes Leben lang umsorgt, hat einen langen und schwierigen Weg zurückgelegt. Auf ihre Entwicklung in Wolfurt möchte ich hier zurückschauen. Angefangen hat sie wohl bei allen Naturvölkern mit den Erfahrungen über Wunden und Krankheiten. Weise Frauen und Medizinmänner gaben ihr Wissen um Heilpflanzen, Salben und „Behandlungen" weiter. Erste Höhepunkte der Medizin kennen wir von den Priestern des Altertums und von der Schule des Hippokrates in Griechenland. Im Mittelalter zeigte sich wenig Fortschritt. Arzneikunst erschien vielen als eine Art von Zauberei. Große Kenner der Natur wie Hildegard von Bingen und Albertus Magnus waren Ausnahmen. Erst am Beginn der Neuzeit reformierte der 1493 in Einsiedeln geborene Paracelsus die Medizin in Mitteleuropa. Wundärzte begleiteten im Dreißigjährigen Krieg die Söldnerheere. Gegen Pest und Cholera, die in schrecklichen Epidemien Städte und Dörfer menschenleer fegten, wußten sie aber keinen Rat. Bei vielen Krankheiten suchte man Heilung in den Bädern. Von der geheimnisvollen Kraft mancher Quellen erhoffte man sich wahre Wunderdinge. Unter den Heilwässern in Vorarlberg findet sich auch der Rickenbach. Zwar heißt es 1605 von der Badstube am Rickenbach, sie sei „zergangen". Aber 1694 wird dort noch einmal ein „Meister Caspar Gasser, Barbierer von dem Bad neben der Mülin zu Rikhenbach" ' erwähnt. Es dürfte der gleiche Kaspar Gasser gewesen sein, der um 1700 als Besitzer der Taverne in Spetenlehen genannt wird, aus der später der Gasthof Krone wurde. Unsere vergilbten Sterbebücher geben allerlei Hinweise auf die Krankheiten und auch auf die allerältesten Wolfurter Ärzte. Einer davon war Antonius Bildstein. In Dornbirn, das damals aus mehreren zu einem Gericht zusammengefaßten Dörfern bestand, war er 1706 geboren worden. Sein Vater Michael Bildstein war hier der Gemeindearzt, den man damals chirurgus nannte. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Mathias erhielt auch Anton eine Ausbildung zum Chirurgus. Mathias wurde später selbst Arzt in Dornbirn. Anton kam als junger Doktor zuerst nach Hard, wo er seine Frau Katharina Dörler kennen lernte. Um das Jahr 1739 ließ sich das junge Paar dann in Wolfurt nieder. Der Arzt hatte das große Haus neben der Kirchenstiege erworben, das man später nach einem seiner Nachkommen Hanso Hus nannte.2 Die Tätigkeit eines Dorfarztes war in jenen Hungerjahren noch sehr eingeschränkt. Zu seiner Ausstattung gehörten scharfe Messer. Er führte damit verschiedene Operationen durch und amputierte sogar zerquetschte oder von Wundbrand be4 Bild 2: Hanso Hus. Hier lebte um 1750 der erste bekannte Wolfurter Arzt, der Chirurgus Antonius Bildstein. fallene Glieder. Er öffnete bei manchen Krankheiten eine Vene, um durch „zuAder-Lassen" im Körper neue Kräfte zu aktivieren. Bei „Schwerblütigkeit" setzte er Blutegel auf Bauch und Oberschenkel. Die Verstopfung bekämpfte er mit einer Klistier-Spritze. Bei Wasser-Leiden führte er schon Katheter ein. Mit einer Zange riß er schmerzende Zähne aus. Er verband Wunden und versuchte, mit einem glühenden Eisen eiternde Wunden zu desinfizieren. Mit Schindeln und straffen Verbänden behandelte er Beinbrüche und Verrenkungen. Und in allerhand Tiegeln und Töpfen verwahrte der Chirurgus seine Salben, Pülverchen und getrockneten Heilpflanzen, von denen man sich Abhilfe von den verschiedensten Leiden versprach. - Wahrhaft bittere Medizin! Auch zu komplizierten Geburten wurde der Arzt gerufen. Doch allzu oft war seinen geschickten Händen hier der Erfolg versagt. Die Sterbebücher mit den Aufzählungen von Kindbetterinnen und ihren notgetauften „Engeln" lassen viel Leid erahnen. Die Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe war für die meisten Familienväter viel zu teuer. Der Ertrag seiner Kunst vermochte den Arzt Anton Bildstein und seine neun Kinder in dem großen Haus am Kirchplatz nicht zu ernähren. Er gebrauchte sein scharfes Messer bald auch, um den Bauern damit ihre Bärte zu stutzen. Balbierer schrieb der Pfarrer jetzt zu seinem Namen. Schon im Alter von 47 Jahren starb er. Keiner von seinen vielen Söhnen wählte den Arztberuf. Crispin Bildstein, 1740-1819, richtete im Arzthaus den ersten Wolfurter Krämerladen ein. Unter seinen zahlreichen Wolfurter Nachkommen finden sich ein Pfarrer und ein Vorsteher und der bedeutendste aller Wolfurter Ärzte, der Ehrenbürger Prof. Dr. Lorenz Böhler. Ein anderer Sohn des Anton war Johannes Bildstein, geb. 1746. Der Enkel Josef Anton Bildstein, 1773-1846, begründete als Wagner an der Hub jenes große 5 Geschlecht, aus dem nicht nur Dutzende von Wolfurter Familien stammen, sondern u.a. auch die Lauteracher und Feldkircher Bildstein und der Lecher Schilift-Pionier Sepp Bildstein. Wenn Antonius Bildstein, der Stammvater all dieser angesehenen Familien, von der Not getrieben, sich vom Chirurgus zum Balbierer wandeln mußte, so war eine der Ursachen auch, daß viele Kranke aus Furcht vor dem Arzthonorar lieber Zuflucht zu alten Hausmitteln oder gar zu Zaubermitteln nahmen. Solche fand man in den „Egyptischen Geheimnissen", einem noch um 1800 in vielen Auflagen verbreiteten Buch, das geschäftstüchtige Verleger fälschlich dem Bischof Albertus Magnus zuschrieben.3 Der gelehrte Dominikanermönch war um 1250 als Naturwissenschaftler selbst der Zauberei verdächtigt worden. Für Bild 3: Egyptische Geheimnisse. Titelseite eines uns klingen die ihm später zugeschriemedizinischen Zauberbuches benen und trotz kaiserlichem Verbot verbreiteten Rezepte ganz unglaublich. Aber noch bis etwa zum Jahr 1850 folgten ihnen nicht wenige Leute. Man hatte dem Buch ja mit Totenkopf und Kreuz, die in schwarzem Siegellack aufgeprägt worden waren, und mit lateinischen Zauberformeln einen magisch anziehenden Anstrich verliehen. Einige Rezepte aus den Egyptischen Geheimnissen des Albertus Magnus: Gegen Husten Brate Zwiebel, schmiere die Fußsohlen damit, es wird besser; oder man nehme starken Branntwein, tauche ein weißes Tüchlein darin, und schmiere die Fußsohlen damit; Morgens und Abends, es hilft. Gegen Blasensteine Man brenne einen im März gefangenen Hasen mit Haut und Haar zu Pulver, nehme gestoßenen Petersilien-Saamen und Honig, bereite eine Latwerge daraus, gebe sie dem Patienten Morgens früh nüchtern und Abends beim Schlafengehen, so bricht der Stein. Gegen Zahnweh Lorbeerpulver für 2 Kreuzer, Venchelpulver für 2 Kreuzer. Eine Hand voll weiß Mehl und ein Ei, dises zu einem Küchlein gebacken, und nächtlich warm über die Ohren gelegt. 6 Für neuen Haarwuchs Nimm Hundsmilch und bestreich den Ort damit, wo du Haare haben willst, es wächst gewiß Haar. Gegen Durchfall Nimm Hasel-Zapfen zwei Theil, Roßknochen zwei Theil, ein Theil Schuhsohlen, mache alles zu Pulver. Morgens und Abends 2 Löffel davon eingeben. Gegen anhaltendes Fieber Dagegen ist ein gutes Mittel eine große Kreuzspinne, welche man in einer Nuß dem Patienten etliche Tage am Hals hängen läßt, doch muß der Patient nicht wissen, was in der Nuß ist. Gegen Halsbräune (Diphtherie) Gut ist ein ganzes Schwalbennest, klein gestoßen und in Wein gesotten; der hieraus entstandene Brei wird dem Kranken um den Hals geschlagen. Zwischen die Rezepte eingefügt finden sich aber auch reine Zaubersprüche, etwa: Gegen Fußweh Satora robote Netabe rottota S. + Gegen solche „Rezepte" und gegen den Wildwuchs von kaum ausgebildeten Wundärzten, Badern, Barbieren, Wurzelkrämern und Bauchschneidern wandte sich Kaiserin Maria Theresia, die 1764 die allgemeine Schulpflicht eingeführt hatte, mit zwei Sanitätsgesetzen von 1767 und 1770, in denen sie ausdrücklich die Anpreisung von Zaubermitteln verbot. Sie verlangte ab jetzt als Abschluß der ärztlichen Lehr- und Wanderjahre eine Prüfung an der Hochschule. Einer der ersten, der in Wolfurt den neuen Normen entsprach, war der „Kyrurg" Georg Gmeiner, 1766-1827, der sich in manchen Schreiben selbst als „Wundarzt und Geburtshelfer" bezeichnete. Er war 1766 in Unterlinden geboren worden, im heute noch stehenden Haus Frickenescherweg 4. Aus dem gleichen Haus stammte auch sein Onkel Lorenz Gmeiner, der von 1781 bis 1814 als Pfarrer die große Pfarrei Wolfurt durch die Franzosen- und Bayernzeit lenkte. Der junge Arzt Georg Gmeiner erwarb zu seiner ersten Hochzeit 1794 ein Haus am heutigen Sternen-Platz (Kirchstraße 1. Es ist 1949 abgebrannt). Für lange Zeit wurde dieses Haus damit zum Wolfurter „Doktor-Hus ". Der Winter 1796/97 brachte für den Arzt die erste große Belastungsprobe. Durchziehende Soldaten hatten die „Schwarzen Blattern" eingeschleppt, die Pocken. Innerhalb weniger Monate raffte die schreckliche Seuche 57 Kinder dahin, die meisten ein oder zwei Jahre alt, nur wenige 4 oder 5 Jahre. Dagegen verschwindet im Sterbebuch fast die Notiz des Pfarrers vom 15. September 1796: „Sex milites caesarei et tres gallicani quorum nomina ignota". Sechs kaiserliche und drei französische Soldaten, deren Namen unbekannt waren, hatte man nach einem schweren Gefecht in Wolfurt begraben müssen. Sicher mußte auch der Gemeindearzt den vielen Verwundeten Hilfe leisten. 7 Bild 4: Doktor Rohner-Hus im Strohdorf Ungeheuer groß war die Kindersterblichkeit, verursacht vor allem durch falsche Ernährung, Vitamin-Mangel, aber auch fehlende Hygiene. Ganz erschütternd und für uns fast unfaßbar sind die Zahlen aus Pfarrer Gmeiners Sterberegister: 1790 42 Verstorbene davon 32 Kinder unter 7 Jähren 1791 52 Verstorbene davon 29 Kinder 1792 52 Verstorbene davon 34 Kinder. Auf diese Not waren jetzt auch die kaiserlichen Behörden aufmerksam geworden. Mit einer Reihe von Verordnungen versuchten sie, den Ausbildungsstand der Hebammen zu verbessern. Hebammen trugen ja einen großen Teil der Verantwortung für die Gesundheit im Ort. Außer Geburtshilfe und Betreuung von Wöchnerin und Säugling war ihnen die Behandlung von vielerlei Frauenleiden anvertraut. Sie stillten Blutungen und legten Katheter an. Für Wolfurt ließ der Wundarzt Georg Gmeiner seine eigene Frau Magdalena Höfle zur Hebamme ausbilden. Nach siebenjähriger Tätigkeit starb sie 1804 sehr früh. Gmeiner heiratete noch im gleichen Jahr die 1885 in Schwarzach geborene Anna Maria Greussing. Auch diese wurde nun für Jahrzehnte Hebamme für Wolfurt und Schwarzach. 1815 unterzog sie sich der von den Behörden geforderten Prüfung und erhielt dafür ein Diplom. Vorsteher Mathias Schneider, der ab 1817 die noch junge Gemeinde durchorganisierte, gewährte ihr nun für ihre Tätigkeit ein jährliches „Wartgeld" von 50 Gulden. Ihr Gatte, der als Arzt ohne Wartgeld ganz auf HonorarEinnahmen angewiesen war, holte diesen Betrag jeweils ab. Als 1824 der neue Vorsteher Vonach sein Amt antrat und dafür jährlich 51 Gulden zuerkannt erhielt, mißgönnte er der Hebamme ihren Lohn. Es kam zu einem häßlichen Streit mit ihr und ihrem Ehemann. Der Vorsteher warf dem Arzt häufigen Gasthausbesuch und Spielsucht und der Hebamme eine ganze Anzahl von Pflichtversäumnissen bis zur Beherbergung von Huren vor. Gmeiner antwortete mit 8 einer Verleumdungsklage beim Landgericht und bekam Recht. Der Vorsteher mußte nach nur elfmonatiger Amtszeit gehen.4 Wenige Jahre danach starb 1827 der Wundarzt nach 33jähriger Tätigkeit in Wolfurt. Von seinen sechs Kindern studierte damals der Sohn Gebhard Gmeiner in Wien Medizin. Als 19jähriger Student verstarb er dort schon 1830. Noch zu Lebzeiten des Vaters hatte die Tochter Anna Maria Gmeiner den Alberschwender Gemeindearzt Joh. Martin Rohner, 1790-1864, geheiratet. Dieser stammte aus Wolfurt und war im späteren Gasthaus „Rößle" an der Kirchenstiegen geboren worden. Er hatte Napoleons Rußland-Feldzug heil überstanden,5 In Wien hatte er 1820 sein Arztdiplom erhalten. Nun verzichtete er auf seine Arztstelle in Alberschwende und übernahm die Praxis seines erkrankten Schwiegervaters. Nur wenig ist über seine Tätigkeit überliefert, außer daß er recht rauhe Umgangsformen hatte und in Erinnerung an seine Soldatenzeit häufig französisch und russisch fluchte. Beim Landgericht ging 1833 eine Anzeige ein, weil er ohne Einverständnis der Angehörigen, aber im Beisein von Pfarrer Barraga, einen verstorbenen jungen Mann untersucht hatte. Er habe dem Leichnam den Bauch aufgeschnitten und die Eingeweide heraus genommen.6 Solche Eingriffe erschienen den meisten Leuten als Frevel. In einem Rundschreiben vom 25. Jänner 1842 an alle Gemeinden7 fragte das k.k. Landgericht nach der Todtenbeschau. Es waren Klagen vorgebracht worden, .... daß Leichname sogleich nach ihrem Ableben entweder in Schupfen, Gängen u. abgelegenen Kammern, mit gänzlicher Vernachläßigung einer ferneren Aufsicht untergebracht, oder sogleich nach gemachtem Todtensarg vor Ablauf von 48 Stunden in Todtensarg gelegt, u. mit dem Sargdeckel fest verschloßen worden Die Behörden waren besorgt, es könnten Scheintote bestattet werden, .... wovon uns die Vorzeit die gräßlichsten Beyspiele aufgezeichnet hat.... In dem angeordneten Antwortschreiben hielt der neue Pfarrer J. A. Hiller fest, daß so etwas in Wolfurt nicht zu befürchten sei. In diesen Jahren machte die Medizin gewaltige Fortschritte. In einer Preisliste für chirurgische Verrichtungen, herausgegeben vom k.k. Gubernium im Jahre 1821, werden bereits eine Reihe von höchst komplizierten Operationen genannt:8 Für die Operation einer Hasenscharte 2 fl Für Luftröhrenöffnung 7 fl Für den Kaiserschnitt bei einer Lebenden 10 fl Für den Blasensteinschnitt 20 fl Solche Eingriffe waren mit großen Schmerzen verbunden, denn sie fanden praktisch ohne Narkose statt. Nur höchst selten verwendete man Hanf-Absud oder andere pflanzliche Drogen, häufiger starke Eingaben von Alkohol. Erst ab 1844 verbreitete sich von den Städten aus der Gebrauch von Lachgas für Betäubungen. Bald folgten Äther und Chloroform. Erst mit diesen beiden Narkosemitteln konnte sich die Chirurgie in der zweiten Hälfte des 19. und im 20. Jahrhundert entwickeln. 9 Bild 5: Die Post im Strohdorf beherbergte von 1860 bis 1905 die Arztpraxis und von 1928 bis 1963 die Krankenschwestern. Von einem sehr frühen Kaiserschnitt berichtet das Sterbebuch der Pfarrei Buch. Im Jahre 1834 lag die Frau des Vorstehers Böhler in argen Wehen. Mit mehreren anderen Ärzten wurde auch der Kreis-Physikus von Soltmann aus Bregenz gerufen. In höchster Not wagte dieser einen Kaiserschnitt. Vergebens! Frau und Kind überlebten den Eingriff nicht. Und immer noch war die Kindersterblichkeit entsetzlich groß: 1849 66 Taufen / 54 Verstorbene, davon 24 weniger als ein Jahr alt 1850 58 Taufen / 79 Verstorbene, davon 33 weniger als ein Jahr alt 1851 64 Taufen / 56 Verstorbene, davon 23 weniger als ein Jahr alt. Im Durchschnitt starben also 42 (!) Prozent der Kinder im ersten Lebensjahr. Im Jahre 1864 ist der „Doktor" Georg Gmeiner gestorben. Eine ganze Reihe von verschiedenen Ärzten bemühten sich in den folgenden Jahren um die Wolfurter Kranken. Als Doktorhaus diente viele Jahre lang eine Wohnung im 1851 vom späteren Vorsteher Josef Anton Schertler aus Stein erbauten schönen Haus Schulstraße 1, der im Jahre 1965 abgebrochenen Post. Der Pfarrer führte dieses neue Haus provisorisch ein paar Jahre lang unter der Nummer „154", was später die Nachforschungen recht kompliziert machte. Nachweisbar9 sind die Ärzte Joh. Gmeiner und Franz Müller mit ihren Familien im Haus C 149 (Wälderstraße 1, Köbo Ferdeles) und Johann Moritz mit seiner Familie in C 147 (Wälderstraße 10, Düros). Weil sie aber in der damals sehr armen Gemeinde kein Wartgeld und wahrscheinlich auch nicht genügend zahlende Patienten bekamen, blieben die meisten nur wenige Jahre. Folgende Namen konnte ich ausfindig machen:10 Dr. med. Johann Gmeiner, 1827-1862, Studium in Wien, promoviert 1857. Noch zu Lebzeiten von Rohner praktizierte er von 1857 bis 1862 in Wolfurt. Schon als 35jähriger ist er am 2. Februar 1862 gestorben, nach dem Sterbebuch im Haus „154" (Post). Beerdigt wurde er in Lauterach. 10 Dr. med. Franz Müller, 1820-1868, Studium in Wien und in Innsbruck, promoviert 1844. Als Wundarzt kam er mit seiner Familie 1865 nach Wolfurt. Schon nach drei Jahren ist er am 10. April 1868 im Haus „154" an Brustwassersucht und Altersschwäche gestorben. - Altersschwäche? Mit 48 Jahren? - Müller hinterließ seine Frau Cäcilia und fünf Kinder im Alter zwischen 5 und 18 Jahren. Dr. med. Johann Moritz, geb. 1825, zuständig nach Feldkirch. Im Taufbuch findet er sich 1869 als Geburtshelfer. Mit seiner Frau und den drei Buben verließ er Wolfurt bald wieder. Dr. med. Dünser, Arzt in Wolfurt etwa von 1871 bis 1877. Im Taufbuch findet wir ihn in diesen Jahren oft als Geburtshelfer, einmal 1877 auch als Spender der Nottaufe. Daten und Vorname werden aber nirgends genannt. Im Jahre 1875 war Vorsteher Schertler in sein neues Zieglerhaus im Flotzbach übersiedelt und hatte das Haus „154" an den Kronenwirt Sohm verkauft. Es blieb aber Doktorhaus. Dr. med. Franz Josef Gmeiner, 1847-1915, geboren in Alberschwende, Studium in Innsbruck, promoviert 1877. Als junger Arzt begann er 1877 seine Praxis in Wolfurt, bildete sich zum Homöopathen aus und arbeitete zeitweise als Kurarzt im Heilbad Obladis in Tirol. 1880 übersiedelte er nach Dornbirn und schon 1883 nach Bregenz. Dort wirkte er als gesuchter Augen- und Lungen-Spezialist noch 30 Jahre lang." Dr. med. Schnetzer. Auch ihn kennen wir nur aus den Pfarrbüchern. Schon im Mai 1879 wird er im Sterbebuch als „von hier" bezeichnet und dann bis 1883 mehrmals im Taufbuch als Geburtshelfer. Dr. med. Fritz Elsler. Er stammte aus Ried in Tirol und hatte von 1883 bis 1890 in Wolfurt die Stelle eines Gemeindearztes inne. Bekannt geworden ist seine gemeindepolitische Tätigkeit mit den Casino-Leuten.12 1882 hatte Pfarrer Sieber den Friedhof vergrößert und 1883 den ersten Todtenwagen für Beerdigungen eingeführt. Im Jahre 1888 ging vom verseuchten Rickenbacher Brunnen eine Typhus-Epidemie aus, die acht Todesopfer forderte. Darunter befand sich auch der Mechaniker Dür, der mit seiner Groß-Schlosserei das Stammwerk der Firma Doppelmayr geschaffen hatte. Laut Sanitätsgesetz von 1889 mußte das ganze Land flächendeckend in Sanitätssprengel aufgeteilt werden. So wurde für Wolfurt, Schwarzach und Bildstein (ohne Farnach) ein gemeinsamer Sprengel erstellt und von den Vorstehern J. M. Schertler, Johann Kohler und Urban Grabher in einer gemeinsamen Sitzung am 15. September 1889 im Löwen in Rickenbach dem Wolfurter Gemeindearzt Dr. Elsler anvertraut. Die Bedingungen waren aber so schlecht, daß Elsler ein Jahr später kündigte. Dr. med. Bilgeri. Auch der im Dezember 1890 zum Sprengelarzt bestellte Dr. Bilgeri wurde mit der Festsetzung des Wartgeldes so lange vertröstet, bis er Wolfurt schon nach zwei Jahren wieder verließ. 11 Erst jetzt erstellten die drei Gemeinden gemeinsam einen ordentlichen Vertrag:13 1. Der Sprengelarzt erhält jährlich ein Wartgeld von 400 Gulden, das in vier Raten ausbezahlt wird. 2. Folgende Gebühren werden festgelegt: a) Ganggeld für Hausbesuche in Wolfurt 50 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden in Bildstein 1 Gulden b) Totenbeschau in Wolfurt 80 Kreuzer in Schwarzach 1 Gulden 50 Kreuzer in Bildstein 1 Gulden 50 Kreuzer c) Ordination im Hause 30 Kreuzer. 3. Die Kündigungsfrist beträgt 3 Monate. Dr. med. Martin Hauser. Am 8. Juli 1892 wurde der obige Vertrag von Dr. Hauser aus Kappl bei Landeck unterzeichnet. Schon ein Jahr später kündigte er ihn wieder und ging nach Silz in Tirol. Trotz mehrfacher Ausschreibung konnte lange Zeit für den großen Sprengel mit der kleinen Rendite kein Arzt mehr gefunden werden. Der Schwarzacher Vorsteher Johann Kohler, der als Reichsratsabgeordneter über gute Kontakte verfügte, bemühte sich vergeblich sogar in Wien und in der Steiermark. Ein paar junge Mediziner, die sich die Verhältnisse im Sprengel wenigstens angeschaut hatten, verließen Wolfurt schnell wieder. Kranke mußten daher teure auswärtige Ärzte holen lassen. Im Jahre 1885 hatte der Sticker Gebhard Gmeiner, Lutzo-Schrinars, das Doktorhaus - es führte jetzt wieder die richtige Nummer C 261 - erworben. Weil aber ArztPraxis und Wohnung meist leer standen, drohte er 1894, die Wohnung anderweitig zu vergeben. Da schlössen die Sprengel-Gemeinden, bei denen Wolfurt jetzt durch den neuen Vorsteher Lorenz Schertler vertreten wurde, einen Vertrag mit ihm. Für jährlich 150 Gulden konnte der Vorsteher ab 1. Mai 1894 Räume für eine Arztpraxis mit Apothek-Zimmer und Wohnung (im Haus Schulstraße 1) mieten. Dr. med. Franz Lutz aus Steinhaus im Südtiroler Ahrntal bezog diese Räume, verließ sie aber schon nach einem Jahr wieder. Das „Wartgeld", der Grundgehalt des Arztes, war mit jährlich nur 400 Gulden einfach zu niedrig, auch wenn die Fabrik Jenny und Schindler für die Betreuung ihrer Arbeiter noch zusätzliche 100 Gulden beisteuerte. Schon im Herbst 1896 mußte die Stelle neu ausgeschrieben werden. Diesmal bewarb sich der bereits 58 Jahre alte Doktor Embacher, der bisherige Gemeindearzt von Blons. Dr. med. Johann Embacher, 1839-1923, Studium in Wien, promoviert 1868. Er stammte aus Kössen in Tirol und trat am 1. März 1897 die Sprengelarztstelle in Wolfurt an. 26 Jahre lang behielt er sie bis in das hohe Alter von 84 Jahren. Die Einwohnerzahl des Sanitätssprengels war stark im Steigen und lag 1900 bei etwa 3500 Menschen, die der Doktor - zu Fuß! - zu betreuen hatte, zum Teil auf abgelegenen Höfen in Bildstein und in Schwarzach. 12 Allein unter den über 2000 Wolfurtern gab es jetzt jedes Jahr im Durchschnitt 73 Geburten und 51 Sterbefälle. Und noch immer lag die Kindersterblichkeit mit etwa 20 Prozent Verstorbenen im ersten Lebensjahr sehr hoch. Als Todesursachen gab der Arzt bei den Kindern am häufigsten Durchfall, Bronchitis und Fraisen oder Gichter (durch Vitamin-Mangel verursachte Krämpfe) an, daneben manchmal auch Lebensschwäche, harte Geburt, Keuchhusten und andere. Als Ergänzung zu diesen nüchternen Prozentzahlen biete ich dem interessierten Leser umseitig eine Skizze des Wolfurter Friedhofs mit den vielen Kindergräbern von 1906 an! Nach langen Verhandlungen erbaute die Gemeinde 1905 für Dr. Embacher ein gemeindeeigenes Haus an der Hub (heute Schulstraße 12, Titelbild), das nun bis zum Jahre 1965 das Wolfurter Doktor-Hus blieb. Bild 6: Vor der Rädler-Arkade im neuen Friedhof, 1912. Von links: Oberlehrer Rädler, Kaplan Hagspiel, Dr. Embacher, Pfarrer Nachbauer Im Februar 1906 bekam es der Arzt noch einmal mit den so gefürchteten „Blattern " zu tun. Von Lustenau herauf, wo die Krankheit etliche Todesopfer forderte, waren sie durch Frau Emerenz Holzer eingeschleppt worden. Die arme Emerenz wurde eingesperrt und streng bewacht, die gesamte Bevölkerung geimpft und alle Bälle und Zusammenkünfte in der Fasnat abgesagt. Mit Erfolg! Die Verbreitung der Seuche blieb aus. Überaus viele Tote forderte dagegen die „Spanische Grippe " von 1918 unter der vom Krieg arg geschwächten Bevölkerung. Dr. Embacher war jetzt 80 Jahre alt und - nach schriftlichen Aufzeichnungen im Gemeindeamt - eigentlich dienstunfähig, fast erblindet und schwerhörig. Trotzdem behielten ihn die knauserigen Sprengelgemeinden. Er verlangte ja nicht einmal in den Jahren der Inflation die ihm zustehende Lohn-Aufbesserung. Die Kranken mußten also wieder Hilfe in den Nachbargemeinden suchen. Am 8. November 1923 ist der gute alte Doktor gestorben. Mit Dr. Embacher und seiner Frau Kreszentia waren von ihren sieben Kindern nur die Tochter Emilie Embacher und die Stieftochter Emma Klotz nach Wolfurt gekommen. Emilie wurde 1901 die Ehefrau des Schwanenwirts Joh. Gg. Kalb und damit die Mutter des Wolfurter Schwanenwirts Siegfried Kalb und seiner 13 Friedhofs-Aufnahme 1906 Wegen des Platzmangels auf dem Friedhof ordnete Pfarrer Nachbauer 1906 eine Bedarfserhebung an. Die Zählung am 22. April 1906 ergab insgesamt 605 Gräber: 1 Priestergrab für den 1902 beerdigten Pfarrer J. Gg. Sieber 15 Separatgräber (Familiengräber), z.B. für Schwanen- und Lammwirt 459 Reihengräber, unglaublich eng beieinander 127 „Engel"Gräber für die vielen verstorbenen Kleinkinder 3 Selbstmörder-Gräber in ungeweihter Erde in der Friedhofsecke. Als Folge dieser Zählung ließ die Gemeinde unter Vorsteher Ferdinand Köb und Bauleiter Gemeinderat Engelbert Köb den „oberen" Friedhof mit den Arkaden erbauen. 1911 konnte er eingeweiht werden. Das große Holzkreuz in der Mitte des Friedhofs wurde 1914 zum „Kriegergrab", zur Gedenkstätte für die in fernen Ländern gefallenen Soldaten. Zur Kirche gehörte seit Gründung der Pfarrei Wolfurt im Jahre 1512 ein anfangs sehr kleiner Friedhof. „ et in ac apud capellam coemeterium " heißt es im Erhebungsbrief. In Ausnahmsfällen, etwa bei der Beerdigung eines Priesters, wurde das Grab also innerhalb der Kirche ausgehoben. Als es auf dem Friedhof dann zu wenig Platz gab, mußte jedes Grab schon nach wenigen Jahren neu belegt werden. Für die unverwesten Knochen errichtete man jetzt beim Kirchturm ein Beinhaus. Es enthielt einige Hundert Schädel und wurde erst 1833 beim Neubau der Kirche unter Pfarrer Barraga abgebrochen14. Jetzt wurde der Friedhof ab dem bisherigen Priestergrab, das am Platz der später errichteten Lourdes-Kapelle stand, um ein beachtliches Stück gegen Westen (in der Skizze oben) erweitert. Schon 1882 gewann Pfarrer Sieber beim Abbruch des alten Pfarrhofs und des Pfarrer-Stadels neuerlich Platz für eine Ausdehnung nach Osten. Im Jahre 1906 war nun der Friedhof wieder zu klein geworden. In langen Reihen standen ringsum die weißen Kreuzchen für die verstorbenen Kleinkinder. Mit dem Arkaden-Friedhof von 1911 fand die Gemeinde das Auslangen bis zum Jahre 1988. Dann mußte auf dem anschließenden Hügel der große Terrassen-Friedhof, der auch Platz für Urnengräber einschließt, gebaut werden. Nur mehr ganz vereinzelt findet man ein Kindergrab. Schau noch einmal hin: 1906 waren es noch 127! 14 15 Schwestern Elsa Mohr und Anna Schertler in Bregenz. Emma Klotz heiratete den Sticker Ferdinand Köb in der Bütze. Von ihren drei Töchtern haben wir alle noch die erst 1998 verstorbene Ferdinanda Grabher von der Unterlindenstraße gekannt. Dr. med. Eugen Lecher, 1884-1964, geboren in Dornbirn, Studium in Wien, promoviert 1919. Am Wilhelminen-Spital in Wien hatte er sich im Anschluß an sein Studium noch einer Spezial-Ausbildung in Frauen-Heilkunde unterzogen und 1923 eine Privatpraxis in Dornbirn eröffnet. Noch im gleichen Jahr bewarb er sich um die Arztstelle in Wolfurt, die er 1924 antrat. Unermüdlich war er mit seinem Fahrrad und der bald abgegriffenen ledernen Arzt-Tasche durch seinen großen Sprengel unterwegs. Im Winter zog der Schäferhund „Rexl" den Schlitten mit der Tasche nach Bildstein hinauf. Das Einkommen blieb bescheiden. Erst in den 30er-Jahren konnte sich der „Doktor" für die besonders bei Nacht oft beschwerlichen Krankenbesuche ein Auto anschaffen. Als 1928 medizinisch ausgebildete Krankenschwestern nach Wolfurt kamen, war sein Verhältnis zu diesen anfangs sehr reserviert. Für ein „Vergelt 's Gott" verbanden die beliebten Schwestern ja jetzt Wunden, legten Salben auf heiße Abszesse auf und übernahmen mit Rat und Tat einen großen Teil der Kranken-Versorgung. So sehr man ihre aufopferungsvolle Tätigkeit in Wolfurt15 schätzte, so waren sie für den Arzt doch eine beachtliche Konkurrenz. Dr. Lecher hatte schon 1924 zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz innerhalb der Feuerwehr eine Rettungsabteilung gegründet, die mit einem fahrbaren Liegebett ausgerüstet war. Er blieb bis zu seiner Pensionierung Mitglied der Feuerwehr und des Roten Kreuzes, dessen Ortsgruppe sich aus der Rettungsabteilung entwickelt hatte. In zahlreichen Schulungen lehrte er Erste Hilfe. Auch hier schuf er sich eine Konkurrenz, denn bei vielen Verletzungen und Verstauchungen suchten die Wolfurter jetzt ausgezeichnete (und preisgünstige) Hilfe bei Postmeister Anton Klettl, dem Ortsleiter des Roten Kreuzes. Fast nur bei schwereren Erkrankungen ging man zum Arzt, der auch schmerzende Zähne zog und unter Zuhilfenahme von Lachgas sogar manchmal auf dem schlichten Liegebett in seiner Ordination einen Leistenbruch operierte. Jetzt gab es bereits Krankenhäuser. Zu schweren Operationen ließ man sich in das „Spital" in Hohenems bringen, dessen jüdische Ärzte einen ganz besonders hohen Ruf hatten. Auch im „Sanatorium" Mehrerau suchte man Heilung, seltener in den Krankenhäusern von Bregenz und Dornbirn. Entbindungen fanden aber noch bis etwa zum Jahr 1950 immer zu Hause im Gado statt. Dazu holte man die erfahrene Hebamme, die zusammen mit einer Pfleogare Mutter und Kind versorgte. Wenn aber Komplikationen eintraten, rief man nach Dr. Lecher, der ja als Geburtshelfer speziell ausgebildet war. Gar manche Wolfurter haben ihm ihr Leben zu verdanken. Die Kindersterblichkeit sank enorm. Große Fortschritte in der Hygiene und in der Kinderernährung trugen dazu bei. Aber es sank auch die Anzahl der Geburten. In den Jahren von 1901 bis 1910 schwankte die jährliche Geburtenzahl in Wolfurt bei etwa 2200 Einwohnern noch 17 Bild 8: Dr. Eugen Lecher mit Frau und Adoptivtochter Hedl. Bild 9: Fahrbare RettungsBahre der Feuerwehr 1924 Bild 10: Dr. Lecher in seinem ersten Arztauto 1930 16 zwischen 57 (1906) und 80 (1908) und lag im Durchschnitt bei 70 pro Jahr. Von 1931 bis 1940 pendelte sie dagegen bei annähernd gleich viel Einwohnern zwischen 23 (1937) und 44 (1939) und lag im Durchschnitt mit 33,5 unter der Hälfte der ersten zehn Jahre des 20. Jahrhunderts. Die Zeit der Großfamilien war vorbei! Es wandelten sich auch die Anforderungen an den Arzt. Krankenkassen und Krankenversicherungen ermöglichten vielen Menschen jetzt einen Arztbesuch. Die nach dem Krieg ab 1948 ansteigende Bevölkerungszahl machte die Teilung des Sanitätssprengeis notwendig. Im Jahre 1955 wurde für Schwarzach und Bildstein ein eigener Sprengel festgelegt, der von 1956 bis 1987 dem Schwarzacher Gemeindearzt Dr. Walter Hinteregger anvertraut wurde. Gleichzeitig hatte 1955 in Wolfurt Dr. Lecher seine Pensionierung angemeldet. 32 Jahre lang hatte er hier in schwierigen Friedenszeiten und in den Notjahren während und nach dem Zweiten Weltkrieg seinen Arztdienst verläßlich versehen. Jetzt übersiedelte er mit Frau und Adoptivtochter Hedl ins Feldmoos nach Bregenz. 1964 ist er gestorben. Beerdigt wurde er im Familiengrab in Dornbirn. Dr. med. Lothar Schneider, Jg. 1920, ein Sohn des Gymnasial-Direktors und ehemaligen Unterrichtsministers Dr. Emil Schneider. Bis 1955 war Dr. Schneider Arzt am Stadt. Krankenhaus in Bregenz gewesen. Am 1. Jänner 1956 trat er die neue Stelle in Wolfurt an. Sein Sanitätssprengel umfaßte jetzt das ganze Gemeindegebiet mit rund 3000 Einwohnern. Weil das nun schon 50 Jahre alte Doktorhaus zuerst umgebaut werden sollte, mußte Dr. Schneider einige Zeit lang in der Schulküche Ordination abhalten. Mit seiner Freundlichkeit und Geduld und vor allem mit seiner Einsatzbereitschaft durch alle 24 Stunden des Tages gewann er schnell das Vertrauen der Mitbürger. Wieder hatte sich in den letzten Jahren viel geändert. Fast alle Haushalte besaßen jetzt Telefon. Fast alle Leute waren jetzt in der Krankenkassa versichert. Manche machten es sich nun leicht und ließen den Arzt bei jedem Husten oder Fieber und auch bei eingebildeten Krankheiten ins Haus kommen, und das nicht selten sogar nach Mitternacht. Es gab aber auch noch Stunden schwerster Prüfung. Pest und Cholera waren längst aus dem Gedächtnis entschwunden, seit 1888 auch der Typhus als Epidemie. Noch lange hatten Pocken, Scharlach und Diphtherie ihre Opfer gefordert. Aber seit Kleinkinder und Schüler dagegen geimpft wurden, galten auch sie als überwunden. Eine einzige Geißel war noch geblieben: die Kinderlähmung, die gefürchtete Poliomyelitis. Alle paar Jahre durchzog sie als Epidemie die Lande, forderte Menschenleben oder machte Kinder zu Krüppeln. Drüben in Amerika bot der Bakterienforscher Dr. Salk seit 1953 seine sicher wirkende Schutzimpfung an. Aber unsere Behörden zögerten zu lange. Als im Frühjahr 1958 die Epidemie wieder ausbrach, fühlten sich Ärzte und Eltern verlassen. Täglich las man Todesmeldungen in der Zeitung. Die einzige Eiserne Lunge in der Valduna konnte die Vielzahl von eingelieferten und in höchster Todesangst nach 18 Luft ringenden Gelähmten nicht alle aufnehmen. Völlig gesunde Buben und Mädchen waren nach zwei Krankheitstagen tot! Und der Arzt wußte keinerlei Hilfe für die verzweifelten Eltern. Als junger Lehrer und Vater habe ich im benachbarten Buch diese Wochen selbst erlebt. Seltsame Rezepte aus dem „finsteren" Mittelalter wurden wieder hervorgeholt. Während einzelne Mütter ihre Kinder mit starkem Bohnenkaffee abwuschen und ihnen auch solchen einflößten, taten andere das gleiche mit Schnaps! Viele rieben ihre Kinder mit zerschnittenem Knoblauch ein und hängten ihnen eine Kette aus Knoblauchzehen um den Hals. Und als zwei Kinder verstorben waren, verbot man den Mitschülern die Teilnahme am Begräbnis. Nur zu Hause durften sie noch beten! Nur beten! Weit mehr als einhundert Todesopfer forderte diese letzte Seuche damals im Bild 11: Dr. Lothar Schneider Land Vorarlberg, dazu gab es viele bleibend Invalide. Seither impfte man auch bei uns gegen Polio. Der Gemeindearzt war jetzt kein Einzelkämpfer mehr. Für Blut- und Harn-Untersuchungen und auch zum Röntgen arbeitete er eng mit benachbarten Laboratorien zusammen. Und bei schweren Erkrankungen konnte er in ein Krankenhaus einweisen. Aber sein Wartezimmer blieb stets übervoll. Schließlich benötigte er sogar noch spezielle Sprachkenntnisse, um auch den vielen eingewanderten türkischen und jugoslawischen Patienten helfen zu können. Im Jahre 1965 übersiedelte Dr. Schneider mit seiner Familie an die Unterlindenstraße, wo er in einem neuen Haus seine eigene Praxis und auch weiterhin eine eigene Arzt-Apotheke eingerichtet hatte. Als in den 70er-Jahren die Einwohnerzahl auf über 6000 gestiegen war, mußten die Gemeinde-Verantwortlichen an eine Erweiterung der ärztlichen Versorgung denken. Im Jahre 1977 wurde mit Dr. Vorhofer ein zweiter Gemeindearzt eingestellt. Er ordinierte vorerst im alten Doktorhaus an der Schulstraße. Gleichzeitig richtete Mag. Wolf im Unterlinden-Zentrum an der Lauteracherstraße die erste selbständige Apotheke ein. Noch bis zum September 1984 blieb Dr. Lothar Schneider im Dienst. Dann über19 ließ er die Praxis seinem Sohn Dr. Gerold Schneider und zog sich in den Ruhestand nach Bregenz zurück. In seiner Bescheidenheit lehnte er eine ihm von der Gemeinde für den 28jährigen aufopferungsvollen Einsatz zugedachte Ehrung ab. Seither hat sich die medizinische Versorgung der Menschen in unserem 8000Einwohner-Dorf immer schneller verändert. Eine ganze Anzahl von Ärzten hat sich hier niedergelassen. Ich entnehme ihre (wahrscheinlich schon wieder überholte) Liste dem letzten „Blauen Buch" aus dem Jahre 2000: Praktische Ärzte Dr. Roland Gmeiner Dr. Michael Tonko Dr. Rudolf Vorhofer Dr. Agnes Thurnher Fachärzte Dr. Herwig Meusburger Dr. Christof Breier Dr. Christian Allhoff Dr. Peter Huemer Dr. Markus Lunardon Apotheke Mag. pharm. Rainer Wolf Achstraße 33a Unterlinden 24 Fattstraße 1 Kreuzstraße 2 Frauenheilkunde und Geburtshilfe Innere Medizin Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Zahn- und Kieferheilkunde Bützestraße 9 Bildsteinerstraße 5 Kirchstraße 2a Lauteracherstraße 3 Kellhofstaße. 1 Lauteracherstraße 1 Das ist eine ganz unglaubliche Entwicklung und Bereicherung, wenn man bedenkt, daß hier noch bis 1976 Dr. Schneider ganz allein gewirkt hat. Zusätzlich stehen uns zahlreiche Fachärzte in den nahen Städten zur Verfügung, sowie auch die ausgezeichnet ausgestatteten Krankenhäuser mit ihren Ambulanz-, Operations-, Bestrahlungs- und Rehabilitations-Einrichtungen. Nicht vergessen soll der Beitrag der Natur-Heilpraktiker sein. Eine große Rolle spielen aber auch Maßnahmen für eine gesunde Ernährung und für sinnvolle Freizeitgestaltung mit Bewegung und Entspannung. Wesentlich ergänzt wird das Gesundheits-Programm durch Bestrebungen gegen den Mißbrauch von Alkohol, Nikotin und anderer Suchtgifte. Schutzimpfungen machen uns immun gegen viele Krankheiten, die in vergangenen Jahrhunderten Tod und Entsetzen ins Dorf brachten. Durch unser ganzes Leben sind wir ärztlich umsorgt. Es beginnt mit Mutter-KindPaß und Säuglings-Fürsorge und setzt sich fort über die zahlreichen Schuluntersuchungen bis zu mancherlei Vorsorge-Untersuchungen für Gesunde, für Frauen, für Schwangere, für Schwerarbeiter und Risiko-Berufe. In den letzten Jahrzehnten des Wohlstandes und der sozialen Sicherheit hat sich 20 unsere Einstellung zum Leben und zum Sterben völlig verändert. Die Lebenserwartung ist sehr hoch geworden. Schon spricht man sogar von unwertem Leben in den Pflegeheimen und von aktiver Sterbehilfe. Stark gesunken ist dagegen die Anzahl der Geburten. Am besten wird das an den nüchternen Zahlen der Statistik sichtbar: Ende der 50er- und in den 60er-Jahren lag in dem mit seinen vielen neuen Einfamilienhäusern rasch wachsenden Wolfurt die Rate mit bis zu 33 Geburten auf 1000 Einwohner überdurchschnittlich hoch. Die allerhöchste absolute Geburtenzahl brachte dann das Jahr 1972 mit 147 Geburten. Das war bei 6305 Einwohnern immer noch eine hohe Rate von 23. Dann sank sie aber mit der Entwicklung der „Anti-Baby-Pille" schlagartig ab. Die letzten drei Jahre: Einwohner Geburten Sterbefälle 1999 7931 87 45 2000 7960 79 50 2001 7984 69 38 Damit ist die Geburtenrate (von früher 33) auf durchschnittlich 9,8 gesunken, im letzten Jahr 2001 sogar auf sehr niedrige 8,6! Und die Kindersterblichkeit? - Im Jahre 1999 sind zwei Kleinkinder gestorben, im Jahre 2000 eines und 2001 keines. Kein einziges! - Wenn du jetzt so ganz schnell über diesen letzten Satz hinweg gelesen hast, dann blättere doch zurück zu den 127 kleinen weißen „Engel"-Kreuzlein von 1906! Was haben die Ärzte, denen ich am Anfang „Bittere Medizin" unterstellt habe, mit ihrem Forschergeist und ihrem großen Einsatz alles geleistet! - Und doch hat all dieses menschliche Bemühen seine Grenzen. Irgendwann holt der unerforschliche Tod uns alle heim! Ärzte aus Wolfurt Neben den oben genannten Wolfurter Gemeindeärzten Joh. Georg Gmeiner und Joh. Martin Rohner möchte ich hier noch ein paar Namen von Ärzten nennen, die ebenfalls aus Wolfurt stammten, ihren Beruf aber in der Fremde ausgeübt haben. Dr. Balthasar Gmeiner, 1791-1863. Er war ein Neffe des Wolfurter Gemeindearztes J. Gg. Gmeiner (I.) und stammte wie dieser aus dem Haus an der Frickenescherstraße. Er hatte in Wien studiert und dort 1820 promoviert. Schon 1826 erlangte er die bedeutende Stelle eines Stadt-Wundarztes von Feldkirch, die er bis 1862 innehatte. 1863 ist er in Feldkirch gestorben.16 Dr. Joh. Georg Gmeiner (II.), 1804-1851. Er war der jüngste Bruder des Balthasar. Als Militärarzt verschlug es ihn bis in die Walachei. Gestorben ist er schon 1851 in Wien. Sein Enkel diente später in Wien als k.u.k. Offizier. Dr. Karl Wilhelm Rohner, geb. 1832 im Strohdorf. Er war nach dem Tod von sechs Geschwistern der älteste lebende Sohn des Gemeindearztes Joh. Martin Rohner. 21 Während sehr viele seiner Alterskollegen in den 50er-Jahren des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswanderten, wählte er Australien als Ziel. Dort soll er „in Chiltern, Victoria" gearbeitet haben. Prof. Dr. Lorenz Böhler, 1885-1973. Er gilt als Begründer der modernen UnfallChirurgie und war schon zu Lebzeiten weltweit bekannt. Im Jahre 1957 ernannte ihn die Gemeinde Wolfurt zum Ehrenbürger. Viele Jahrzehnte lang leitete er das von ihm gegründete legendäre Unfall-Krankenhaus an der Webergasse in Wien. Eine lange Reihe von Büchern sind von ihm und auch über ihn geschrieben worden. Seine 1991 von Inge Lehne herausgebrachte Biographie wird in Wolfurt jedes Jahr als Teil des „Böhler-Preises" an die besten Schüler vergeben. Prof. Dr. Jörg Böhler, geb. 1917. Er hat zwar immer in Bozen, Wien oder Linz gelebt und gearbeitet, aber Wolfurt regelmäßig besucht. Von hier erhielt er auch seinen „Heimatschein". Als Unfall-Chirurg wurde er der Nachfolger seines berühmten Vaters Lorenz Böhler. Er leitete das Unfall-Krankenhaus in Linz und ab 1972 das große neue „Lorenz-Böhler-Krankenhaus" in Wien. Dr. Josef Hinteregger, 1888-1947. Erwuchs als Sohn des Andreas Hinteregger auf dem Bühel in Wolfurt auf. Schon als Student beteiligte er sich in Verbindung mit amerikanischen Wissenschaftlern an der Erforschung der in Wolfurt wegen Jodmangel weit verbreiteten Kropf-Erkrankungen. Seine Schwestern mußten dazu die Station für die Versuchs-Ratten betreuen. Nach zehn Dienstjahren in Oberösterreich war Hinteregger 24 Jahre lang Gemeindearzt in Satteins. Er starb bei einem MotorradUnfall. Auch seine beiden Söhne studierten Medizin. Dr. Walter Hinteregger wurde von 1956 bis 1987 der erste Gemeindearzt in Schwarzach. Dr. Georg Hinteregger war von 1958 bis 1994 Gemeindearzt in Alberschwende. Prof. Dr. Emil Beck, 1931-2001. Er wurde im „Engel" im Kirchdorf geboren. Während seines Studiums in Wien wurde er von seinem Lehrer Prof. Lorenz Böhler besonders gefördert. Als Unfall-Chirurg begleitete er dessen Sohn Jörg nach Linz und kehrte mit ihm nach Wien zurück. Im Jahre 1974 wurde er der erste Leiter des neuen Vorarlberger Unfall-Krankenhauses in Feldkirch. Später erhielt er den Lehrstuhl für Unfall-Chirurgie in Innsbruck. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Feldkirch. Die Marktgemeinde Wolfurt verlieh ihm ihren Ehrenring. Sicher gibt es noch weitere Ärzte aus Wolfurt, deren Namen hier fehlen. Stellvertretend für jene, die in den letzten Jahrzehnten diesen verantwortungsvollen Beruf gewählt haben, nenne ich nur mehr zwei: Dr. Norbert Böhler, Jg. 1951. Er wuchs als Sohn des Zimmermeisters Eduard Böhler an der Bützestraße auf. Seit vielen Jahren ist er Gemeindearzt in Schruns. Dr. Gerold Schneider, Jg. 1954. Er ist ein Sohn des Gemeindearztes Dr. Lothar Schneider und übernahm 1984 dessen Arztpraxis an der Unterlindenstraße. Nach wenigen Jahren gab er die Gemeindearzt-Stelle auf und unterzog sich einem FachStudium. Heute arbeitet er als geschätzter Facharzt für Augen-Heilkunde in Dornbirn. Bild 12: Bekannte Ärzte aus Wolfurt, 1992: Prof. Dr. Emil Beck und Prof. Dr. Jörg Böhler vor dem Bild von Prof. Dr. Lorenz Böhler. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Werner Vogt, Alte Vorarlberger Heilbäder, Feldkirch 2001, S. 101 Siegfried Heim, Heims Ahnen, Privat, 2001, S. 20 Albertus magnus, egyptische Geheimnisse, 20. Auflage, ohne Angabe des Verlages mit Ausnahme der vermutlich gefälschten Herkunftsbezeichnung „Toledo", antiquarisch in Privatbesitz Forschungen von Dr. Johann Greißing in Landesgerichtsakten im VLA, die er freundlich zur Verfügung gestellt hat Heimat Wolfurt, Heft 7/1991,'S. 21 Wie Anm. 4, Forschungen Dr. Greißing GA Wolfurt, Schachtel 1842 Walter Hinteregger, Gesundheitswesen, Heimat Schwarzach, 1990, S. 178 GA Wolfurt, Familienbuch 1850, cod. 19 Die meisten aus: Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 Andere aus Gemeinde- und Pfarrbüchern Hinteregger, wie Anm. 8, S. 179 Heimat Wolfurt, Heft 24/2000, S. 28 GA Wolfurt, Schachtel 1892 Vorsteher Schertler für Landeskunde, Schachtel 1883 im GA Heimat Wolfurt, Heft 15/1995, S. 3 Zirker, Ärzte in Vorarlberg 1814-1914, Regensburg 1998, aus Alemannia studens, Band 3 22 23 Siegfried Heim Strom für Wolfurt „s Eläcktrisch" im Jahre 2002! - Tausend Apparate jeden Tag vom Wecker am Morgen über Kaffeemaschine und Telephon bis zum Fernseher noch spät am Abend! Dazwischen all die unzähligen Maschinen und Automaten in Werkstatt, Büro und im Straßenverkehr! Strom-Ausfall im Jahre 2002? - Nicht auszudenken! Wir sind völlig abhängig geworden von der Elektrizität. Da ist es vielleicht ganz gut, wenn wir uns einmal an die Anfänge vor gut 100 Jahren zurückerinnern. Der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner hat letztes Jahr die Elektrizitätsgeschichte unseres Landes gründlich erforscht und uns in seinem Buch Kraftfelder' zugänglich gemacht. Zu Weihnachten 2001 haben die Vorarlberger Kraftwerke ihr 100Jahr-Jubiläum gefeiert. Anlaß dazu war, daß das E-Werk Schindler in Rieden als Vorgänger der VKW am 24. Dezember 1901 erstmals Strom in das dörfliche Ortsnetz Rieden eingespeist hat. Die Stadt Bregenz bekam erst 1903 Strom, Hard und Lustenau folgten 1905. Und Wolfurt? Unsere Gemeinde war zusammen mit Schwarzach mehr als ein Jahr früher dran. Bei uns leuchteten die Glühlampen schon ab Mai 1900. Als allererste Gemeinden im Land wurden wir flächendeckend mit der neuen Energieform versorgt. Wie hat das alles begonnen? Große Wissenschaftler hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Grundlagen der Elektrizität erforscht: Galvani, Volta, Faraday, Ampere, Ohm und andere. Fünfzig Jahre später griffen die Techniker die Ergebnisse der Forschungen auf und machten daraus Geld. Als Begründer der E-Technik gilt Werner von Siemens,18161896, der 1866 eine Dynamo-Maschine erfand und damit 1879 eine erste elektrische Lokomotive und 1881 die erste elektrische Straßenbahn baute (Schon 1902 fuhr eine solche Tram von Dornbirn nach Lustenau!). In Amerika erfand Thomas Alva Edison, 1847-1931, im Jahre 1879 eine brauchbare Kohlenfaden-Glühlampe und richtete damit 1882 in New-York erstmals ein Ortsnetz für 400 Haushalte ein. Seit 1883 erzeugten sowohl Siemens als auch Edison in ihren Firmen serienweise Glühlampen. Der rasche Siegeszug des neuen Lichtes konnte beginnen! Mittersteiner hat nun in seinem Buch manches richtig gestellt, was wir Lehrer bis jetzt falsch gelehrt haben, weil es falsch in unseren Büchern stand und immer wieder falsch abgeschrieben wurde: 1. In Kennelbach brannte 1884 das erste elektrische Licht der ganzen öst.-ung. Monarchie. (Dr. Hans Nägele in Feierabend 1932 / 30, S. 17) Falsch! Schon 1870 und 1873 leuchteten elektrische Bogenlampen in Wien. Auf der „Internationalen Electrischen Ausstellung" erstrahlten 1883 an der Rotunde in Wien sogar bereits 3400 Glühlampen. (Mittersteiner, S. 21 u. 22) 2. Die Schindler-Fabrik in Kennelbach bekam als erste Fabrik elektrische Beleuchtung. Falsch! 24 Schon 1884 installierte die Firma F.M. Hämmerle in ihrem Werk in DornbirnFischbach die erste Fabriks-Beleuchtung in Vorarlberg. Im Juli 1886 folgten Getzner im Werk Bludenz-Klarenbrunn und als dritte dann am 29. September 1886 die Firma Jenny und Schindler in ihrer großen Spinnerei in Kennelbach. (Mittersteiner, S. 29) Diese Richtigstellungen können der Pionierleistung Friedrich Schindlers, 1856-1920, auf dem Gebiet der Elektrizität keinen Abbruch tun. Seine Forschungen ab 1882 in der oberen Villa in Kennelbach, seine Thermo-ElektrikPatente für die Welt-Ausstellung 1893 in Chicago, der Bau der Kraftwerke Rieden und Andelsbuch und die Gründung der „Elektra" sind Marksteine in der Elektrizitäts-Geschichte Vorarlbergs. Bild 13: Plazidus Gunz, 1861-1920 Jetzt aber endlich zu „Strom für Wolfurt"! Dessen Geschichte ist vor allem mit zwei Namen verbunden, mit Plazidus Gunz und mit Albert Loacker. Pazidus Gunz, 1861-1920 Als junger Weber heiratete der aus Bildstein-Staudach stammende Josef Gunz 1853 in die Familie des Rickenbacher Schmiedes Lorenz Dür ein. Der Schwiegervater vertraute ihm die neu aufgebaute Mühle an und begründete damit die Firma MühleGunz. Die junge Familie wohnte äußerst bescheiden in der Mühle. Von den 16 Kindern der tüchtigen Mutter Christina starben 11 ganz jung. Die anderen mußten von Kindheit an schwer arbeiten.2 Plazidus hatte glücklich die Pocken überstanden, trug aber davon tiefe Narben im Gesicht. In der Schule war er einer der besten, allerdings wurde sein Schulbesuch als mangelhaft eingestuft. Allzu oft versäumte er den Unterricht, weil er in Mühle und Landwirtschaft helfen mußte. Schon früh zeigte sich bei ihm die technische Begabung der Dür-Ahnen. Ohne besondere Ausbildung galt er als ausgezeichneter Schreiner, Schlosser, Schmied, Mühlenmacher und Dreher. Das meiste davon hatte er sich selbst in der benachbarten Schlosserei seines Onkels Josef Anton Dür angeeignet. Nach absolviertem Militärdienst widmete er sich nun dem Ausbau der Mühle. 25 Bild 14: Die Gunz-Mühle um 1900. Hier brannte zu Weihnachten 1896 das erste elektrische Licht in Wolfurt. Im Jahre 1890 schafften die Brüder Gunz bei der Firma Rüsch in Dornbirn eine Turbine an. (Mehr darüber im Anhang unter Vor der Elektrizität) Im gleichen Jahr übersiedelten Plazidus und sein jüngerer Bruder Christian nach Bludenz, wo sie die alte Mühle bei St. Peter mit ihrem Wasserrecht erworben hatten. Sofort begannen sie mit der Renovierung. Dazu gehörte auch der Einbau einer gebrauchten Turbine, die sie preisgünstig bei Samuel Jenny in der Mühle Lauterach-Lerchenau aufgetrieben hatten. Äußerste Sparsamkeit gehörte zu den Prinzipien der Gunz-Brüder. Wo immer möglich, kauften sie gebrauchte Einrichtung und richteten diese mit ihren geschickten Händen wieder her. Im Jahre 1891 wurde die Kunstmühle Gunz in Bludenz eröffnet. Bei einer folgenden Renovierung der Mühle in Rickenbach setzte Plazidus bei seinen Brüdern im Jahre 1896 seine Idee durch, auch hier, ähnlich wie in den Fabriken von Kennelbach und Dornbirn, elektrisches Licht einzuführen. Für 300 Gulden kaufte er bei der Firma Josef Oser in Krems eine kleine Dynamo-Maschine und setzte sie selbst auf die Turbine auf. .... Welch eine Freude hatten wir als es zum ersten mal gebrant hat, der Plaze ist bereitz die gantze Nacht bei der Dinamomaschine gestanden und hat den Schöpfer gelobt für diese Erfindung. Es wurde bald bekannt das Müllers elektrisches Licht haben. Die Nachbarn .... sind herbei geeilt und haben das Wunderding bewundert Sobald es in Rickenbach im Betrieb war, ist der Plaze nach Bludenz geeilt mit der Aufgabe, das mus in Bludenz auch gemacht werden. Es hat aber nichts kosten sollen. Der Albert Loaker war damals ein noch junger Elektrotechniker und der Plaze hat in Erfahrung gebracht, das er eine Djinamomaschine habe, die aber nicht gehe. Das hat dem Plaze schon gefallen, denn die kranke Djnamomaschine wurde nach Rickenbach gebracht. Der Loaker und Plaze 26 haben den Anker sowie die Spulen neu gewikelt mit Anstrangung aller ihrer Kenntniße und haben die Maschine zum gehen gebracht. Dieselbe wurde zuerst in Rickenbach ausbrobiert und als sie die Lebensfähigkeitsprobe bestanden hatte hat man dieselbe in möglichst feierlicher Weiße nach Bludenz überführt und in der Bludenzermühle zur Überraschung der ganzen Bludenzer gegend in Bewegung gesetzt (Gunz-Chronik, S. 455. Die oft fehlerhafte Rechtschreibung ist dadurch zu erklären, daß der Verfasser Lorenz Gunz wegen seines mangelhaften Schulbesuchs das Schreiben erst beim Militär erlernt hat.) Seit 1896 brannte also elektrisches Licht in der Mühle Rickenbach, seit April 1897 auch in Bludenz, jeweils mit einer Spannung von 110 Volt. Im gleichen Jahr 1897 nahm jetzt auch Johann Walter Zuppinger in seiner Mühle im Kessel einen großen Generator in Betrieb. Ganz sicher wollte er nicht hinter der Müller-Konkurrenz zurückbleiben. Plazidus Gunz hatte aber bereits neue Pläne. .... er hat sich mit dem nicht begnügt, daß wir nur allein Licht haben und ist dann auf den Gedanken gekommen, man müße die Wasserkraft im Schwarzachtobel ausnützen für die Gemeinden Schwarzach und Wolfurt Ein völlig neuer Gedanke im Lande Vorarlberg! Bisher hatten die meist liberalen Fabrikanten in der Elektrizität nur einen Weg zur weiteren Produktionssteigerung in ihren Fabriken gesehen. Kaum einer hatte an den Annehmlichkeiten des neuen Lichtes die Nachbarn teilhaben lassen, schon gar nicht die Einwohner eines ganzen Dorfes! Plazidus Gunz ließ bei Ingenieur Julius Rhomberg (So wird er in der Gunz-Chronik genannt. Vermutlich handelt es sich um den Dornbirner Ingenieur Leopold Rhomberg. Siehe Mittersteiner, S. 75) Pläne für ein E-Werk und ein Ortsnetz ausarbeiten. Bei Troll und Hefel und anderen Mitbesitzern der Wetzstein-Schleifen im Schwarzachtobel sicherte er sich die Wasserrechte und beantragte bei der k.u.k. Bezirkshauptmannschaft Bregenz schon 1897 die Baugenehmigung. Nach zwei Bürgerversammlungen legte er die Pläne den Gemeinden vor. Dort fand er in den fortschrittlichen Casino-Männern Johann Kohler und Wendelin Rädler3 starke Befürworter. Die Zuschrift der Gebrüder Gunz betreffend die Anlage einer elektrischen Beleuchtung in u. für Wolfurt sowie der Plan der Hauptstromleitung wurde zur Einsicht genommen. Dieses Unternehmen wird begrüßt mit der Versicherung daß ihm seitens der Gemeindevertretung die bestmögliche Unterstützung zu theil werde. (Gemeindevertretung Wolfurt, Protokoll v. 14.10.1897) Nun schlössen die Brüder Gunz mit der Elektrofirma Ganz u. Co. in Budapest(!) einen Bauvertrag für das zukünftige Werk ab. 4 Durch Einsprüche der Schwarzacher Anrainer verzögerte sich der Baubeginn. Erst nach einem langen Instanzenweg erhielten die Gebrüder Gunz von der B.H. Feldkirch endlich am 10. Februar 1900 27 die Baubewilligung. Inzwischen hatte Plazidus Gunz enge Kontakte zu Albert Loacker geknüpft. Im Mai 1899 hatte er diesem alle seine Pläne und die an der Schwarzach erworbenen Rechte für bare 1000 Gulden verkauft. Zum Kaufpreis gehörte auch noch die unentgeltliche Lieferung von Strom „für einen 15 PfK Elektromotor" solange das Werk besteht. Plazidus betreute weiterhin die technische Einrichtung und die Lichtmaschine in der Mühle in Wolfurt. In Bludenz setzte er sich mit Erfolg für die Gründung eines Städtischen E-Werks ein, das dann am 1. Jänner 1901 in Betrieb ging. Für seine Frau baute er ein elektrisches Bügeleisen, das auch als MusWärmer für die Kinder Verwendung fand. Bekannt wurden seine elektrische Christbaum-Beleuchtung, der AusbrüteBild 15: Das E-Werk am Rickenbach 2002. Apparat für Hühnereier und der ScheinElmar Gunz vor dem unter der Werkbank werfer, mit dem er vom Giebel seines arbeitenden Generator. Hauses aus in die Stadt hinaufleuchtete. Im Jahre 1911 baute er für die Stadtpfarrkirche St. Laurentius das erste elektrische Läutewerk in Vorarlberg, das er mit einem Fest am Katharinentag 1913 der Öffentlichkeit vorstellte.5 Um die Stadt Bludenz machte sich Plazidus Gunz aber auch als christlich-sozialer Politiker und als Gründer der Raiffeisenkassa verdient. Schon im Alter von 60 Jahren ist er im Sommer 1920 plötzlich gestorben. Seine technische Begabung lebte und lebt in zahlreichen Nachkommen weiter. Die Mühle in Bludenz mußte allerdings unter dem Druck der globalisierten Getreide-Weltwirtschaft im Jahre 1997 geschlossen werden. Die Mühle im Rickenbach-Tobel ist schon 1976 abgebrannt. Geblieben ist dort aber ein winziges E-Werk. Noch immer wird es, wie schon vor 106 Jahren, aus den alten Rohren vom Rickenbach betrieben. Mit Sorgfalt betreut Elmar Gunz, Jg. 1931, ein Enkel des Plazidus, den Generator, der das Gunz-Haus mit Licht und Wärme versorgt. Und den Energie-Überschuß von etwa 150 000 kWh im Jahr, den speist er, durch Sondervertrag mit den VKW geregelt, in unser Landes-Netz ein. Immerhin ausreichend für etwa dreißig Einfamilienhäuser! - Strom aus Wolfurt! Albert Loacker, 1873-1956 Albert Loacker hatte sich nach seiner Schlosserlehre in Rankweil bei der Elektro-Firma Ganz u. Co in Budapest zum Fachmann für Elektro-Technik ausgebildet. Im Jahre 1895 eröffnete er dann in Rankweil das erste ElektroInstallationsgeschäft in Vorarlberg. Der junge Mann hatte große Pläne. Mit einem Kraftwerk an der Frutz wollte er fast ganz Vorarlberg von Bludenz bis Bregenz mit Strom versorgen. Für ein solches Gemeinschaftswerk waren aber die Gemeinden und Städte des Landes noch nicht reif. Es war schwer genug, Geld und Interessenten für kleine lokale E-Werke aufzutreiben. Loacker verlegte sein Geschäft zuerst nach Dornbirn und dann 1902 nach Bregenz. Inzwischen hatte er Plazidus Gunz kennen gelernt und ihm die ersten Kenntnisse der Bild 16: Albert Loacker, 1873-1956 Elektro-Technik beigebracht. Während Gunz noch auf die Genehmigung seines Kraftwerks im Schwarzach-Tobel wartete, begann Loacker schon mit den Vorarbeiten dazu. Im Frühling 1899 traten die Gebrüder Gunz ihre Rechte an ihn ab. Darauf schloß die Gemeinde Wolfurt mit Loacker am 20. Juni 1899 ihren ersten Vertrag ab, in welchem sie ihm u. a. ein Elektro-Monopol in ihrem Gemeindegebiet einräumte. Erst jetzt fixierte Loacker am 31. August 1899 den endgültigen Ablösevertrag mit den Brüdern Gunz und begann sofort mit dem Bau von Kraftwerk und Ortsnetz. Ab Mai 1900 konnte er die beiden Gemeinden Schwarzach und Wolfurt mit Strom versorgen. Jetzt erkannten Jenny und Schindler, deren Werk Rieden seit 1891 genügend Strom für die Fabriken in Kennelbach lieferte, daß auch die Errichtung von Ortsnetzen ein Geschäft werden könnte. Ab 1901 belieferten sie Rieden und 1903 die Stadt Bregenz, während Loacker mit seinen beschränkten Mitteln 1903 nur noch Lauterach anschließen konnte. Um Hard lieferten sich die beiden Konkurrenten dann 1905 einen häßlichen Kampf in den Tageszeitungen, den schließlich Schindler für sich entschied. Resignierend schrieb Loacker schon 1904 in einem Brief an die Gemeinde Wolfurt: .... Sie werden mir zugeben müssen, dass ich der erste war, der es wagte in Vorarlberg Elektrizitätswerke unter Verhältnissen zu gründen, wo deren Gewinn ein fraglicher war, und niemand getraute sich damals für so eine Sache Geld 29 28 herzugeben, weil er den Wert eines Elektrizitätswerkes nicht schätzen konnte. Nachdem ich der Firma Jenny & Schindler im Jahre 1900 & 1901 einen weiteren Beweis erbringen konnte, dass die Errichtung elektrischer Zentralstationen ein gewinnbringendes Unternehmen sein könnte, da entschloss sich jene Firma zur Vergrösserung ihrer damaligen Kraftanlage und dazu noch Rieden und Kennelbach Strom abzugeben, später kam dann auch Bregenz dazu, und nun auch Lustenau und Hohenems, aber angefangen in solchen Gemeinden habe ich .... (Brief im GA Wolfurt) Das ist also der eigentliche Anfang der VKW als Versorger der Allgemeinheit: 1897 eine Idee von Plazidus Gunz 1899 deren Verwirklichung durch Albert Loacker in Schwarzach und Wolfurt 1901 die Nachahmung durch Jenny und Schindler in Rieden. Loacker mußte sich ab jetzt auf sein Werk an der Schwarzach beschränken. Seine Installations-Monteure waren allerdings im ganzen Land tätig, besonders auch bei der Errichtung des großen Kraftwerks Andelsbuch. In Lauterach (heute Antoniusstraße 14) besaß er eine große Werkstätte für Motoren- und Freileitungsbau, die zuletzt sein Chef-Monteur Bargehr betreute. Viele Jahre lang gehörte Albert Loacker dem Stadtrat in Bregenz an. Vom Land Vorarlberg wurde er als Fachmann sowohl bei der Übernahme der Schindler-Werke durch das Land als auch bei der Gründung der 111-Werke 1924 zugezogen. In Tirol konnte er bis 1914 noch die Kraftwerke Fügen, Uderns, Ried, Kaltenbach und Stumm (im Zillertal) errichten. Im Alter von 84 Jahren ist der um unser Land so hochverdiente Mann 1956 in Bregenz gestorben. Bild 17: Rickenbach um 1925 mit dem Loacker-Trafo und den alten Stromleitungen. Die Entwicklung in Wolfurt Am 26. Juni 1899 hatte die Gemeinde Wolfurt also den ersten Vertrag mit Loacker geschlossen und diesen am 19. August noch ergänzt. Sie erkannte darin die von Loacker vorgeschlagenen Strombezugs-Bedingungen und Tarife an. Loacker erhielt ein Stromdurchleitungs-Monopol für 40 Jahre und ein Verkaufs-Monopol für Elektro-Material und Lampen. Die Preise mußten allerdings den allgemeinen Marktpreisen angepaßt werden. Die Stangen für die Leitungen durften auf Gemeindegrund an den Straßenrändern aufgestellt werden. Den Strom für eine große Lampe auf dem Kirchplatz lieferte Loacker kostenlos. Eine für jene Gründerzeit bezeichnende Ausnahme vom Leitungs-Monopol wurde auch noch in den Vertrag aufgenommen. Vorsteher Lorenz Schertler und sein Bruder Jakob beabsichtigten, für ihre große Ziegelei im Flotzbach ein eigenes Kraftwerk im Wirthatobel zu errichten. (Sie haben daran übrigens bis zum Sommer 1903 gebaut, dann aber nach einem Hochwasser-Schaden ihre Pläne und Rechte an Loacker verkauft. Dieser legte die Pläne beiseite, zumal er von Schindler keine Durchleitungsrechte durch Kennelbach bekam.) 30 Die Gemeinde bildete ein Elektrizitäts-Komitee, bestehend aus Vorsteher Lorenz Schertler Adlerwirt Joh. Georg Fischer Kreuzwirt Johann Haltmayer Gemeinderat Fidel Kirchberger und Oberlehrer i. R. Wendelin Rädler. Nach einer Begehung wurden im November 1899 die Leitungsmasten aufgestellt. Loacker offerierte die geplanten 22 Straßenlampen mit 4200 Meter Kupferdraht und 170 Isolatoren für 1046 Gulden. Die 6 Lampen (sechs!) für das Schulhaus sollten 80 Gulden kosten, die 5 für den Pfarrhof 133 Gulden. Eine einzelne Leuchte samt Kohlenfaden-Lampe kam auf stolze 2.30 Gulden. Für einen Monteur berechnete Loacker gar pro Tag 5 Gulden. Das war in einer Zeit, wo Taglöhner noch um einen Gulden arbeiteten, sehr viel. Das Werk im Schwarzachtobel war im März 1900 fertig. Sofort begann es mit der Stromlieferung, im Mai dann auch für Wolfurt. Zwei Turbinen von der Firma Rüsch in Dornbirn nütz


Heimat Wolfurt Heft 25 2001 November
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 25 2001 Zeitschrift des Heimatkundekreises November Bild 1: Markterhebung 1982. Bei einem großen Jubelfest zeigt Bürgermeister Waibel die ihm von Landeshauptmann Keßler überreichte Urkunde. Inhalt: 125. Vorsteher und Bürgermeister (4) 126. Gemeindewahlen 127. Die Roten 128. Mord und Totschlag 129. Blaues Buch 2000 Bildnachweis: Johann Greißing Bild 2 Siegfried Heim Bilder 21, 22, 29, 30 u. 31 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Die Porträts der Bürgermeister und Ehrenbürger stammen von Graphiken und Ölbildern von Hubert Gasser im Kultursaal. Zuschriften und Ergänzungen In eigener Sache Nach mehr als einem Jahr - ich habe in dieser Zeit einen großen Teil der alten Akten in unserem Gemeinde-Archiv durchforscht und auch an anderen Projekten gearbeitet - kann ich heute das 25. Heft von Heimat Wolfurt vorlegen. Sein Hauptteil Vorsteher und Bürgermeister (4) soll ein Beitrag zur Dorfgeschichte des 20. Jahrhunderts sein. Als Ergänzung dazu steht der zweite Artikel Die Roten. Damit möchte ich die Rechte einer bei uns einst unterdrückten "Minderheit" wahren. Für beide gilt, daß sie nicht vollständig sein können, vor allem aber, daß das Zeitgeschehen verschiedenartige Wertungen zuläßt. Ich habe das Manuskript daher mit einigen Betroffenen und mit Zeitzeugen abgestimmt. Trotzdem wäre ich für jede Ergänzung und Korrektur sehr dankbar. Siegfried Heim Wolfurt und Wolford (Heft 24, S. 5) Dazu erreichte uns eine besonders interessante Zuschrift mit dem beigefügten Bild. Der Heimatkundler Dr. Johann Greißing in Hohenems, ein .besonderer Kenner von Hofrieden und Hofsteig, fand auf einem Schuldschein vom 17. Dezember 1819 den ältesten bekannten Abdruck eines Wolfurter Gemeindesiegels. Die Vorsteher hatten ihre Tätigkeit ja erst wenige Jahre zuvor im Jahre 1811 aufgenommen. Die Gemeinde führte also damals auf ihrem Siegel den k.k. Doppeladler der österreichischen Habsburger-Monarchie mit Reichsapfel und Schwert und dem rotweißroten Bindenschild. Die Adlerköpfe tragen aber nicht die Reichskrone, sondern den Herzogshut der Kronländer. Die Umschrift lautet "SIGILL DER GEMEIND WOLFURT": Eine seltsame Zusammenstellung! Vielleicht findet sich ein Fachmann, der uns ihren Sinn erklärt? Auf alle Fälle handelt es sich aber um eine frühe Besiegelung der noch heute gültigen Schreibart Wolfurt. Bild 2: Ältestes Wolfurter Gemeindesiegel von 1819 Bitte! Diesem Heft 25 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Die Gebarung und die Belege des Heimatkundekreises wurden am 26. Jänner 2001 von Seiten der Gemeinde Wolfurt durch Gerald Klocker überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H, A-6922 Wolfurt 3 Die Haltmayer (Heft 24, S. 13) Zuerst eine Berichtigung zu S. 19: Der Gerbergeselle aus Hergensweiler hieß nicht Josef, sondern Johann Georg Heim. Josef war sein Sohn, der 1891 aus Hanso Hus im Kirchdorf in das Küfer-Haltmayer-Haus in der Bütze einheiratete. Seine Nachkommen haben sich im Frühling 2001 im Kultursaal getroffen und mit Hilfe von Lichtbildern und einem Stammbaum ihre Vorfahren studiert. Zu S. 19 unten: Gemeldet haben sich auch mehrere Nachkommen des 1890 erstochenen Engelwirts August Haltmayer: Ernst Haltmayer, der Gründer der Firma Aerosol in Lauterach, und sein Vetter Alfons Haltmeier, leitender Spezialist für Flug-Radar in Dübendorf in der Schweiz. Zu mehreren Treffen brachten sie Bilder und Unterlagen von ihren Familien und auch Zeitungsberichte vom Tod ihres Großvaters mit. Auszüge daraus finden Sie im Beitrag Mord und Totschlag in diesem Heft. Vorsteher und Bürgermeister (3), (Heft 24, S. 27) Zu S. 27, Vorsteher Joh. Martin Schertler (IL): Der Beitrag hat den Weg zu weiteren Verwandten geöffnet. Zweimal besuchte mich aus der Schweiz Siegfried Schertler jun., ein Enkel des 14. Vorstehers und ein Bruder unseres Roman Schertler von der Lorenz-Schertler-Straße. Siegfried Schertler, geboren 1926 in Hard, hat nach dem Besuch der HTL Bregenz in verschiedenen Betrieben technische Erfahrung gesammelt. Im Jahre 1964 begründete er ganz allein in einem Kellerraum in Flawil eine Firma, die sich auf die Erzeugung von Vakuum-Ventilen spezialisierte. Daraus baute er in wenigen Jahrzehnten die VAT in Haag im Schweizer Rheintal auf, das weltweit führende Unternehmen für Vakuum-Dicht-Technik. Mit rund 500 Mitarbeitern und mit Tochterfirmen in Deutschland, Frankreich, England, Japan und USA erreicht VAT heute einen Jahresumsatz von 200 Millionen Dollar und ist zum größten Steuerzahler des Kantons St. Gallen geworden. Die Firma leitet als geschäftsführender Präsident Dr. Richard Fischer aus Rankweil, ein Urenkel unseres 13. Vorstehers Joh. Georg Fischer und damit ein Vetter des Firmengründers Siegfried Schertler. Wolfurter Blut, das sich jenseits des Rheins bewährt! Ein weiterer Schertler-Nachkomme kam zu Pfingsten 2001 mit seiner Familie aus Amerika zu Besuch nach Wolfurt. Frank Schertler (der Dritte) ist ein Urenkel des 1923 nach den USA ausgewanderten Frank Schertler (des Ersten), der in Amerika die Wolfurterin Anna Heitz geheiratet hat. Ein Bild von dem Auswanderer findet sich in Wolfurt in alten Bildern auf Seite 148. Der Urgroßvater (Franz) Josef Schertler (18641898) war der älteste Sohn des 14. Vorstehers. Er war Gemeindeschreiber und zuletzt auch Konsumverwalter im neu gebauten Konsum Rickenbach. Mit der Gründung einer zweiten Blasmusik brachte er argen Streit in die Gemeinde (Heft 24, S. 31). Nun hat der Ururenkel wieder Kontakte zu vielen Verwandten geknüpft und auch Altvorstehers Haus an der Kirchstraße eingehend besichtigt. Zu S. 32, elektrisches Licht: Für einen Jubiläumsband "700 Jahre VKW hat der Historiker Dr. Reinhard Mittersteiner auch in unserem Gemeindearchiv geforscht. In der Chronik "Schneider 3 " fand sich ein lange gesuchtes Datum: "1886 im Septr. den 29. bekamen wir Elektrisches Licht in der Fabrik". Wir dürfen uns alle auf das noch heuer erscheinende Buch freuen, in dem auch die Wolfurter Gunz-Loacker-Geschichte ihren Platz findet. Zu S. 35 unten: Fehlerberichtigung! Der neue Schreiber hieß nicht Otto, sondern Josef Böhler, Jg. 1883. Ihm gehörte das alte Doktor-Rohner-Haus am Sternenplatz, das 1949 abgebrannt ist. Dort wohnte sein jüngerer Bruder Otto Böhler, Jg. 1885. Mehreren Lesern ist der Fehler aufgefallen, zuerst Anni Höfle-Germann in Lauterach, die in ihrer Kindheit auch dort gewohnt hat. Ahnenforschung Immer neue Briefe und Mails treffen aus Amerika ein, wo die ersten Forscher ihre Stammbäume den Computern übergeben und damit andere Nachkommen der Wolfurter Auswanderer neugierig gemacht haben. Neu schreibt Jill Bennet aus Rice Lake, WI. Ihr Ahn Johannes Schwerzler wanderte 1852 aus dem Eulentobel nach Cottonwood in Minnesota aus. Er war ein Enkel jener Elisabeth Fischer-Schwerzler (Lisol), die dem Haus im Eulentobel schon um 1770 den Hausnamen Lislos gegeben hat. Seine Verwandten waren also die Lisolar-Gmeiner und die Zimborar- und Naiolar-Schwerzler. (Heft 16) Aus Bergisch-Gladbach im Rheinland hat Frau Dr. Roswitha Flatz eine große Stammtafel ihrer Flatz-Familie geschickt. Es handelt sich um nahe Verwandte unseres berühmten Wolfurter Malers, die als Ärzte, Professoren, Künstler, Ingenieure und BankDirektoren den Namen Flatz aus Buch und Wolfurt nach Salzburg, Mondsee, Wien, Preßburg und schließlich ins Rheinland und nach Amerika getragen haben. Frau Roswitha bedankte sich für unsere Aufstellung (Heft 20, S. 46) und will weiter forschen. 4 5 Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (4) In den Heften 20,22 und 24 habe ich in drei Kapiteln über jene Vorsteher erzählt, die vor hundert und mehr Jahren Verantwortung für die Menschen in unserer Gemeinde getragen haben, für deren Arbeit und für das Zusammenleben. Das vierte Kapitel greift nun in unsere Zeit herein. Da gilt es, von Bürgermeistern zu berichten, die wir persönlich gekannt haben. Einige leben noch unter uns. Die folgenden Berichte sind ein Versuch, das wichtigste aus ihrer Amtszeit zu beschreiben. Vieles davon könnten die Leser aber wohl aus eigener Erinnerung noch wesentlich ergänzen. 18/1 Ludwig Hinteregger 1924-1938 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Die Wolfurter Hinteregger stammen vom Pfänder. Gebhard Hinteregger, der 1844 nach Wolfurt kam, war 1811 als Sohn des Adlerwirts in Bildstein geboren worden. Zehn Jahre lang besaß er die alte Schmiede an der Berggasse, wo seine Kinder zur Welt kamen. Dann konnte er 1854 das große Haus auf dem Bühel (Oberfeldgasse 2) kaufen, das seither das Stammhaus der vielen Wolfurter Hinteregger-Familien geworden ist. Hier wurde Ludwig 1892 geboren. Von seinen Brüdern wurde Josef Arzt in Satteins, Gebhard Instrumentenmacher im Strohdorf und Friedrich Bauer in Schwarzach. Ludwig arbeitete in seiner Jugend als Sticker, übernahm aber dann mit seinen Schwestern Lena und Maria die elterliche Landwirtschaft im Oberfeld. Schon früh zog es ihn zu den Vereinen. Er war ein begeisterter Chor-Sänger, spielte bei der Bürgermusik das Flügelhorn und gehörte 1910 im Arbeiterverein zu den Mitbegründern des Turnerbundes. Im Jahre 1913 rückte er zu den Kaiserjägern nach Südtirol ein und machte Dienst bei der Militärmusik. Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, gehörte seine Einheit zu den ersten Truppenverbänden, die den Einmarsch der russischen Armee in Galizien aufhalten sollten. 1915 wurde er in die mörderichen Abwehrkämpfe gegen die Italiener in den Dolomiten geschickt. Für seinen Einsatz wurde er mit der Kleinen Silbernen und dann dreimal (!) mit der Großen Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet und zum Zugsführer befördert. Im Gebirgskrieg wurde er 1917 schwer verwundet. Den Zusammenbruch der Monarchie erlebte er im Lazarett. Nun holte man ihn 1919 in die Gemeindepolitik und wählte ihn unter Vorsteher Lorenz Schertler sofort zum Ersten Gemeinderat und damit zum Stellvertreter des Vorstehers. In den Jahren der Not sammelte er hier wertvolle Erfahrungen. 1924 wurde wieder gewählt. Aus dem Chaos bei den ersten "demokratischen" Wahlen von 1919 hatten die Wolfurter gelernt. Diesmal wurden rechtzeitig drei ParteiListen vorgelegt, die alle den Christlich-Sozialen nahe standen. Die Allgemeine Wähler- partei führte Gemeinderat Ludwig Hinteregger an, die Allgemeine Wählerschaft der ehemalige Vorsteher Ferdinand Köb und die Wirtschaftspartei der Schreinermeister Rudolf Fischer, Schnidarles. Eigentlich standen sich dabei nur die lokalen Interessen der Wolfurter und der Rickenbacher gegenüber. Die Sozial-Demokraten waren in Wolfurt noch gar nicht organisiert, während sie etwa in Hard, angeführt von ihrem Nationalrat Hermann Hermann, bereits zur mandatsstärksten Partei wurden. In Wolfurt gewann die Gruppe um Hinteregger 10 von den 18 Mandaten, die beiden anderen je 4. Sicher half Hinteregger dabei, daß er als Musikant, Sänger und Turner einen großen Rückhalt bei den Vereinen hatte. Die wirtschaftliche Lage war immer noch Bild 3: Ludwig Hinteregger als junger Kaiserjäger katastrophal und verschlechterte sich in den folgenden Jahren durch den Zusammenbruch wichtiger Banken noch mehr. Arbeitslosigkeit und Hunger führten zu einer Radikalisierung der politischen Parteien. Die Sozial-Demokraten stellten ihren bewaffneten Schutzbund auf, die Christlich-Sozialen ihre Heimatwehr. In Wien brannte 1927 der Justizpalast. Vorsteher Hinteregger sah seine Hauptaufgabe in der Schaffung von Arbeit. Zuerst wurde der Dorfbach aus seinem offenen Bett an der Kellhofstraße in eine Rohrleitung verlegt. Im Jahre 1929 wurde als ganz neue Straße die Verbindung von der Hub durch den Brühl nach Rickenbach gebaut. Die Gemeinde kaufte von der Familie Heim das uralte Hanso Hus am Dorfplatz zum Abbrach. Mit Wolfurter Arbeitslosen wurde an seiner Stelle 1930 das große Kriegerdenkmal erstellt. In einer von Schützenhauptmann Ludwig Köb gestifteten italienischen Blindgänger-Granate wurde die Urkunde hinterlegt. Ein Großprojekt sollte mehr Arbeit schaffen: Ausbau und Teerung der oberen Straße von der Ach bis Rickenbach. Dazu nahm die Gemeinde bei der Rheintalischen Kreditanstalt in der Schweiz einen Kredit von 100 000,- Schweizer Franken auf, damals eine unfaßbar große Summe! Im Sommer 1931 wurden damit die Straße ausgebaut, zwei Häuser abgebrochen, die Kurven gepflastert und etliche Gartenmauern erstellt. Kritisch wurde es, als die Schweizer Bank eine bessere Sicherstellung verlangte. Da halfen die Erben des 1930 plötzlich verstorbenen Gemeinderates Kreuzwirt Josef Haltmayer aus. Die Gemeindevertretung bedankte sich 1932 bei Vorsteher Hinteregger 7 6 Bild 4: Straßenbau 1931 an der Dorfkurve Bild 5: Teerung 1931 in Spetenlehen ausdrücklich für den großen Einsatz beim Bau "seiner" Straße. Es dürfte eine der allerersten asphaltierten Gemeindestraßen in ganz Vorarlberg gewesen sein! 1933 wurde dann auch noch die Rutzenbergstraße mit einer großen Schleife neu gebaut. Für eine neue Straße nach Buch hatte das Land 1930 eine Trasse an der Ach ausgearbeitet. Mit großem Nachdruck und einer Unterschriften-Sammlung verlangte die Gemeinde Wolfurt eine Variante über das Oberfeld zur Berg-Gasse und setzte sich mit Hilfe von einflußreichen Wolfurter Beamten durch. Ab 1932 begannen die Wolfurter zu bauen, die Bucher hatten schon ein Jahr früher am anderen Ende angefangen. Als die Bucherstraße mit ihren vier Tunnels 1935 eröffnet wurde, galt sie als Sehenswürdigkeit. Ab jetzt fanden 65 Maurer und Hilfsarbeiter Verdienst beim Ausmauern des Rickenbachs. Auch sonst hatte sich in der Gemeinde einiges verändert. Altvorsteher Köb war 1924 Sternenwirt geworden. Dort war seit 1871 die Post untergebracht gewesen. Jetzt verlegte die Gemeinde das Postamt ab 15. Jänner 1925 in das von ihr angekaufte SchertlerHaus bei der Schule, wo bald auch der Bauhof und eine große Brückenwaage Platz fanden. In den oberen Stock zogen 1928 zwei Haller "Kreuzschwestern" ein, die von hier aus ihre segensreiche Tätigkeit als Krankenschwestern aufnahmen. Gemeindearzt war seit 1924 Dr. Eugen Lecher. Dieser begründete noch im gleichen Jahr zusammen mit Wagnermeister Johann Heitz im Rahmen der Feuerwehr eine Rettungsabteilung des Roten Kreuzes. Der Autoverkehr nahm zu. Konrad Bohle eröffnete beim Mohren die erste BenzinZapfstelle, August Rädler eine zweite beim Wälderhof. Am 30. September 1925 wurde die erste "Omnibus"-Linie nach Bregenz in Betrieb genommen. Die Fahrzeug-Zählung von 1933 erbrachte für Wolfurt: 400 Fahrräder, 25 Motorräder, 10 "Luxus"Autos (PKW) und 10 LKW. Im Jahre 1929 setzten die 111 werke die riesigen Masten ihrer Überlandleitung auf die 8 Wolfurter Bühel. Im gleichen Jahr erhielt die Feuerwehr den hohen Schlauchturm beim Schulhaus. Der Vorsteher bekam in Adolf Fischer einen neuen Sekretär, der viele Jahre lang seine unentbehrliche Stütze wurde. 1931 wurde Karl Mohr neuer Schulleiter und 1933 Josef Kresser neuer Straßenmeister. Dieser arbeitete für einen Stundenlohn von 80 Groschen. (Ein Kilogramm Mehl kostete 45 Groschen!). Um dem parteipolitischen Streit auszuweichen, hatte Wolfurt im Jahre 1929 Mehrheitswahlen mit einer einzigen Liste durchgeführt. Ludwig Hinteregger erhielt 1044 von 1052 gültigen Stimmen, das sind sagenhafte 99,2 %. Am nächsten kam ihm noch der beliebte Konsumverwalter Johann Zwickle mit 954 Stimmen. Ein Kommentar in der Zeitung meinte: "... sich nicht erinnern, daß je in einer Periode so friedliche und einmütige Arbeit geleistet wurde".1 Im Jahre 1932 wurde Hinteregger auch in den Landtag gewählt. Als Vertreter der Landwirtschaft verblieb er dort bis zur Auflösung 1938. Inzwischen hatten sich die politischen Parteien völlig zerstritten. Das wirkte mit dem Verbot der Nationalsozialisten 1933 und der Sozialdemokraten 1934 bis in die Dörfer und in alle Vereine hinein. Die neue Verfassung von 1934 sah einen Ständestaat mit einer Einparteienregierung der "Vaterländischen Front" vor. Die gewählte Gemeindevertretung wurde aufgelöst. An ihre Stelle trat ein "Gemeindetag", dessen Mitglieder über Vorschlag der örtlichen VF vom Landeshauptmann ernannt wurden. Der Vorsteher führte erst jetzt die Amtsbezeichnung "Bürgermeister" ein, wie es schon im Gesetz von 1919 bestimmt worden war. Erstmals trat der Gemeindetag mit 3 Gemeinderäten und nur 10 Mitgliedern am 9. August 1934 zusammen. Für Andersdenkende gab es jetzt keine politische Vertretung mehr. Eine ganze Serie von Sprengstoff-Attentaten im Lande sorgte für Aufregung. Bewaffnete Heimwehr-Leute patrouillierten nachts durch die Gemeinde. Der Druck aus dem nationalsozialistischen Deutschland nahm zu. Jetzt ließen sich auch junge 9 Bild 6: Heimatwehr 1936 als Chor-Schützen 19. Theodor Rohner 1938-1945 Geb. 28.10.1894, gest. 1.12.1964 Schlagartig wurde die Lähmung der vergangenen Jahre durch vordergründigen Jubel überdeckt, getragen vor allem von der Hoffnung auf Arbeit. Schon 1932 war in Wolfurteine Ortsgruppe der NSDAP gegründet worden, 1933 auch eine Abteilung der SA. Nach dem Verbot der NSDAP waren 1933 acht Mitglieder des Kath. Arbeitervereins und 16 Turner aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden. Von den jungen Leuten, die sich nach Deutschland zur Legion absetzten, nennt Bürgermeister Hinteregger in seinem vorsichtigen Bericht vom 31. Okt. 19452 nur den als Heimatforscher bekannten Gebhard Anwander aus Rickenbach und den ausgezeichneten Schifahrer Josef Bragger aus dem Strohdorf, der spä- Bild 7: Bürgermeister Theodor Rohner ter im Krieg gefallen ist. Die wirkliche Anzahl war aber viel größer. Sofort bemächtigten sich die Nationalsozialisten der ganzen Gemeinde. Schon am 15. März wurden das Kartell und die meisten Vereine aufgelöst und das Vereinshaus beschlagnahmt. Die Vereine mußten Inventar und Barvermögen abliefern, einige versteckten aber doch ihre alten Fahnen. Eine gewaltige Propaganda-Flut setzte ein. Am 18. März stellte die Firma Loacker am Kirchplatz und beim Mohren in Rickenbach je einen Lautsprecher auf, eigens zum Empfang der "weltgeschichtlichen Rede des Führers". Zwar gab es seit 1934 einen Radiosender in Lauterach, aber nur ganz wenige Leute besaßen einen Empfänger. Jetzt kamen die billigen "Volksempfänger" auf den Markt, mit denen man nur den Reichssender Berlin empfangen konnte. Ausländische Sender abzuhören war ja bei schwersten Strafen verboten. Am 31. März wurde der alte Gemeindetag aufgelöst. Vorerst mußte Bürgermeister Hinteregger im Amt bleiben, doch stellte ihm der neue Bezirkshauptmann den NSOrtsgruppenleiter Theodor Rohner und die vier Beiräte Alfred Fischer, Anton Heim, Josef Rohner und Willi Köb zur Seite. Das Gemeindeamt wurde in allen politischpolizeilichen Angelegenheiten den Weisungen der in Bregenz amtierenden Gestapo unterstellt. Das Abstimmungsergebnis vom 10. April 1938 über den Anschluß lag in Wolfurt ähnlich wie bei den meisten Gemeinden im Land bei 98 Prozent und wurde mit einem 11 Wolfurter dort in die illegale "Österreichische Legion" einschreiben. Am 27. Mai 1936 wurde noch einmal ein neuer Gemeindetag installiert, diesmal bestehend aus dem Bürgermeister, einem Vertreter der Katholischen Kirche und 14 Gemeindevertretern. Aus nur 6 von der VF ausgesuchten Kandidaten hatte der Bauernstand 4 Vertreter "gewählt", ähnlich die Gewerbetreibenden ihre 6 Leute. Wahlberechtigt waren aber nur eingeschriebene Mitglieder der "Vaterländischen Front". Weil Industrie und Öffentlicher Dienst zu wenig "verläßliche" Kandidaten aufbieten konnten, verzichtete die VF hier auf Wahlen und legte selbst ihre 4 Männer fest. Von der Demokratie hatte man sich damit verabschiedet. Dafür rief der Gemeindetag im Dezember zur Spende von Geld, Lebensmitteln, Bekleidung und Heizmaterial für die "Minderbemittelten" auf. An die Ärmsten wurden Brot und im März auch einige Hundert Kilogramm "Bundeswurst" aus Inner-Österreich verteilt. Ihre Lage blieb aber trostlos. Seit 1931 lag die Jänner-Arbeitslosigkeit in der Gemeinde immer über 100, im Jahre 1936 sogar bei 140. Ungeheure Not bedrückte viele Familien. Das Gemeindeblatt war voll von Versteigerungs-Anzeigen. Angeboten wurden Häuser und Grundstücke, Nähmaschinen, Wolldecken und Fahrräder. Immer mehr Leute hörten auf die Versprechungen Adolf Hitlers, der seit 1933 in Deutschland regierte. Am 12. März 1938 rückten seine Truppen in Österreich ein. 10 riesigen Aufmarsch uniformierter Fackelträger gefeiert. Zu diesem Tag war erstmals "Großbeflaggung" angeordnet worden: Nur Hakenkreuzfahnen! Rot-weiß-rot "ist zu vermeiden!"3 Am 19. Mai ordnete der Landesschulrat an, daß alle Kinder ausnahmslos mit "Heil Hitler!" zu grüßen hätten, "und zwar mit voll nach vorne in Augenhöhe ausgestreckter Rechten". Jetzt mußte auch Bürgermeister Hinteregger seine Briefe mit "Heil Hitler!" unterzeichnen. In Vorarlberg war ein gewaltiges Programm zur Staubfreimachung von 244 km Straßen in Angriff genommen worden. Dazu gehörte u. a. die Straße von Wolfurt über Schwarzach nach Dornbirn. Ganz neu begann man in Hard mit dem Bau einer Umfahrungsstraße (die spätere Betonstraße) mit als sensationell empfundenen 9 m Breite. Im März 1937 waren in ganz Vorarlberg 300 Arbeiter beim Straßenbau beschäftigt gewesen, im Mai 1938 waren es 1370.4 Von solchen Zahlen und noch mehr von der neu eingeführten Kinderbeihilfe war die Bevölkerung ungemein beeindruckt. Ab 1. Juli 1938 übernahm der bisherige Ortsgruppenleiter Theodor Rohner selbst das Amt des Bürgermeisters. Sein Nachfolger als Ortsgruppenleiter wurde Emil Beck. Nach dem "Führerprinzip" war der Bürgermeister allein für die Gemeinde verantwortlich. Zwar wurden einige Leute als Beiräte benannt, doch waren Abstimmungen untersagt. Schulleiter Mohr wurde als ehemaliger Leiter der VF in den Lehrerstand zurückversetzt. Die drei hochverdienten Schulschwestern Sr. Sebastina, Sr. Gisela und Sr. Regina mußten die Schule verlassen. An die Stelle der Vereine traten NS-Formationen. Schon die 10jährigen wurden im "Jungvolk" und bei den "Jungmädels" erfaßt, die 14jährigen zu HJ ("Ha-Jott", Hitlerjugend) und BDM (Bund deutscher Mädel) überstellt. Die Erwachsenen wurden in vielerlei Gliederungen der "Partei" aufgenommen, in Wolfurt vor allem bei der SA (Sturmabteilung) und beim NSKK (Kraftfahrer-Korps), wo sich die Motorisierten trafen. Die Frauen der NSV (Volkswohlfahrt) richteten im Konsum eine Säuglings-Fürsorge und im Kleinen Saal des Vereinshauses den ersten Kindergarten ein. Regelmäßige Sammlungen für das WHW (Winterhilfswerk) mit teilweise sehr gefälligen Aufsteck-Abzeichen sollten die Not der Alten und Armen lindern. Alles, gar alles! in der Hand einer Partei. Dazu eine ganz neue Art von aggressiver Propaganda in den Partei-hörigen Zeitungen, im Rundfunk und vor allem in den Schulen. Dort war das Kreuz in den Klassen durch ein Hitlerbild und einen "markanten" Wochenspruch des Führers ersetzt worden. Die Bürgermusik blieb als "Schützenmusik" erhalten, weil man auf sie bei den vielen Aufmärschen nicht verzichten wollte. Sogar den Alt-Gemeinderat Franz Rohner, an dessen Haus die SA eine große Tafel "Hier wohnt ein Feind des deutschen Volkes " angebracht hatte, brauchte man als Kapellmeister. Und die beliebte Krankenschwester Sr. Epiphania erhielt vom Bürgermeister eine Anstellung als "Frl. Härle", verbunden allerdings mit dem strikten Vebot geistlicher Betätigung. Natürlich fiel auf, daß die Kirche unter schwerem Druck stand. An Feiertagen mußte auch vom Kirchturm die Hakenkreuzfahne wehen. Prozessionen wurden "aus Ver12 Bild 8: NS-KK. Die Wolfurter Kraftfahrer 1939 unter Alfred Fischer. kehrsgründen" ins Oberfeld verwiesen. Auch das Läuten mußte eingeschränkt werden "wegen Störung des Rundfunks". Ab 1. Jänner 1939 wurden die Standesämter eingeführt. Bürgermeister Rohner übernahm selbst dieses zusätzliche Amt. Standesamtliche Trauungen unter der Hakenkreuzfahne ohne nachfolgende kirchliche Hochzeit blieben aber die seltene Ausnahme, ebenso wie "germanische Namensgebung" für Neugeborene. Junge Ehepaare erhielten vom Bürgermeister Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf. Gelesen werden es wohl wenige haben! Eine ganze Anzahl von Wolfurtern trat aber aus der Kirche aus und nannte sich nun "gottgläubig". Die Pfarrämter bekamen eine riesige Aufgabe mit der Erstellung von Ahnenpässen als Arier-Nachweis aufgebürdet. Alt-Pfarrer Leopold Berchtold schrieb deshalb in einem großen Buch alle Familien aus den alten Tauf- und Trauungsbüchern heraus. Es ist heute bei der Familienforschung eine wertvolle Hilfe. Am 1. September 1939 begann der Krieg. Über seinen Verlauf und sein schreckliches Ende haben wir in dieser Zeitschrift in zwei Artikeln umfangreich berichtet.5 Hier wiederhole ich daher nur jene fürchterliche Zahl: Am Kriegerdenkmal mußten die Namen von 99 jungen Männern aufgeschrieben werden, die nicht mehr heimkehrten. In einem langen schmerzhaften Prozeß war der Jubel von 1938 untergegangen, nicht in allen Familien zur gleichen Zeit. Für die meisten war ja die NS-Propaganda die einzige Informationsquelle. Lange, allzu lange schauten viele weg, hörten nichts, wollten nichts hören, von der Verfolgung von Juden und Zigeunern, vom Sterben der Behinderten, von der Mißhandlung von Kriegsgefangenen, von der Unterdrückung von Menschen in den besetzten Ländern. Auch nicht von den Niederlagen in Rußland und von der Zerstörung deutscher Städte im Bombenkrieg. Jede unbedachte Bemerkung konnte das Leben kosten. So wurde die 60jährige Hausfrau Ottilia Köb, Schmieds, 1941 wegen "Beleidigung der Regierung" von der Gestapo zwei Wochen lang eingesperrt.6 Ihre Entlassung verdankte sie wohl nur dem 13 Umstand, daß ihre beiden Söhne an der Front standen. Aus einem ganz ähnlichen Grund wurde zwei Jahre später in Bregenz Frau Karoline Redler zum Tode verurteilt. Unter allerschärfster Beobachtung standen jene Familien, die man für Kommunisten hielt. Aus nichtigen Gründen wurden 1941 und 1942 etliche Wolfurter Jugendliche verhaftet und von der Gestapo mißhandelt. August Wachter und Martin Österle waren bei ihrer Verhaftung erst 16 Jahre alt. Wachter wurde aus der Haft zu einer StrafKompagnie an die Front überstellt und ist dort gefallen. Auch sein Vater war verhaftet worden. Wegen "Abhörens von Feindsendern" mußte auch noch der Familienvater Karl Zanetti die letzten Kriegsmonate im Gefängnis absitzen.7 Bei Kriegsende zwang am Morgen des 2. Mai 1945 eine große Gruppe Wolfurter Zivilisten, in der Mehrzahl Frauen und Mädchen, den Bürgermeister zu dem Versuch, die deutschen Truppen an der Ach von der Fortsetzung des Verteidigungkampfes abzuhalten. Bei seinem Eintreffen waren diese aber bereits abgezogen, der Einmarsch der Franzosen hatte begonnen. Noch am gleichen Tag wurde Ortgruppenleiter Beck von einem französischen Kommando verhaftet und mit dem Erschießen bedroht, . schließlich aber in das Anhaltelager Brederis eingeliefert. Bürgermeister Rohner blieb noch zwei Tage im Amt. Am 4. Mai 1945 übergab er in einem offiziellen Akt das Amt an seinen Vorgänger Ludwig Hinteregger. Auch Rohner wurde dann einige Zeit inhaftiert. 1946 mußte er bei der Entnazifizierung der Wolfurter "Partei"-Mitglieder als Auskunftsperson helfen. Theodor Rohner war 1894 in Lauterach als Sohn des Wilhelm Rohner und der Anna Maria Schwerzler geboren worden.. Die Mutter stammte aus dem Tobel in Wolfurt. Als die Familie Rohner mit ihren acht Kindern nach Wolfurt in das Haus C 5 an der Ach (heute Zementerei Rohner, Bützestraße 39) übersiedelte, benannte man sie nach der Mutter mit dem Hausnamen "Toblars". Früh verstarben beide Eltern. Die Waisenkinder mußten das Haus verkaufen. Außer Theodor, der als Sticker Arbeit suchte, blieb auch seine Schwester Klara, verehelichte Schwerzler, als Toblars Klara mit ihren Söhnen in Wolfurt. Theodor heiratete 1920 Rosina Böhler, eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Mit ihren zwei Kindern Bertram und Theodora wohnten sie in Miete im Haus D 293 (Villa Köb, Hofsteigstraße 54) in Rickenbach. Schon 1937, mitten in der Not der Arbeitslosigkeit, starb die Mutter. 1940, jetzt schon als Bürgermeister, ging Rohner eine zweite Ehe mit Katharina Bohle ein, einer Tochter des Rickenbacher Kaufmanns Konrad Bohle. Der Sohn Bertram betrieb nach dem Krieg eine Handlung in Landeck. Die Tochter Dora, verehelichte Zangerl, lebte mit ihrer Familie in Pians. Zu ihnen übersiedelte der Alt-Bürgermeister für seine letzten Lebensjahre. In Pians ist er am 1. Dezember 1964 gestorben. An seinem Begräbnis nahm auch eine offizielle Abordnung der Gemeinde Wolfurt teil. Dafür bedankten sich die Kinder mit einer Spende für die Totenkapelle in Wolfurt. 18/2 Ludwig Hnteregger 1945-1950 Geb. 5.10.1892, gest. 31.10.1973 Seit 4. Mai 1945 waren also der 1938 abgesetzte Bürgermeister Hinteregger und als sein Sekretär Adolf Fischer wieder im Amt. Während der NS-Zeit hatte Hinteregger neben seiner Landwirtschaft eine Anstellung im Büro der Firma Baustoffe-Rädler übernommen. 1945 war er auch noch zum Dienst beim "Volkssturm" im Südtirol verpflichtet worden. Als Bürgermeister wollte er nun den 1938 aufgelösten VF-Gemeindetag wieder einsetzen. Das scheiterte aber am Einspruch der französischen Behörden. Diese verlangten eine paritätische Vertretung der Links-Parteien. So mußte ein auf fünf Personen reduzierter provisorischer Ausschuß nominiert werden, bestehend aus Bürgermeister Hinteregger, den Bild 9: Bürgermeister Ludwig Hinteregger ehemaligen Gemeinderäten Alfons Gunz, Franz Rohner (Kapeller), Martin Höfle und dem zusätzlich bestimmten Bauarbeiter Karl Geiger, der den Kommunisten nahe stand. Die erste Sorge des Bürgermeisters galt der Versorgung der notleidenden Bevölkerung mit Lebensmitteln, Heizmaterial und auch mit Wohnraum. Nur mit größtem Einsatz und gestützt auf seine Erfahrungen nach dem Ersten Weltkrieg konnte er die Ablieferung von Schlachtvieh, Milch, Mais und Brennholz erreichen, viel zu wenig für die Not der ausgebombten Flüchtlinge aus dem Ruhrgebiet und die heimatlosen Familien aus Ost-Europa. Vielen konnte er einen Acker an der Ach oder im Ried zuweisen. Sogar auf dem Schulplatz wurden Mais und Kartoffeln angebaut. Die Gärtner Stöckli, Hans Schwerzler und Gebhard Mohr mußten große Mengen von Setzlingen produzieren. Einen besonderen Beitrag leistete auch die Familie Erwin Karg mit dem Anbau von Gemüse auf den steinigen Insel-Gründen. Feldwachen mußten nachts die Äcker schützen. Im August wurden alle "Reichsdeutschen" ausgewiesen. Mit ganz wenig Handgepäck wurden sie auf Lastautos an die Grenze transportiert, auch Frauen mit kleinen Kindern. Sogar der Wirt August Keckeisen, der den Gasthof "Sternen" schon seit 1931 besessen hatte, mußte gehen. Seine Gastwirtschaft wurde als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und für einige Flüchtlingsfamilien als Notquartier bestimmt.8 Am 25. November 1945 fanden Wahlen zum Landtag und zum Nationalrat statt. Die 15 14 ehemaligen "Partei"-Mitglieder blieben ausgeschlossen und viele Männer waren noch in der Kriegsgefangenschaft. So waren von den Wahlberechtigten mehr als zwei Drittel Frauen. Zum weit überwiegenden Teil wählten sie die neu gegründete ÖVP. Auf Grund des für die Kommunisten negativen Ergebnisses legte Karl Geiger sein Mandat zurück. An seiner Stelle machte die SPÖ den ehemaligen Wehrmachts-Offizier Armin Schertler namhaft. Dieser übernahm auch die Verwaltung des Sternens. Das folgende Jahr stand ganz im Zeichen der "Entnazifizierung". Nur schwer konnte die Wirtschaft angekurbelt werden. Politische Gutachten spielten bei Betriebsgenehmigungen und Wohnungsvergaben eine große Rolle. Ohne eigene Wahlen wurde 1947 per Gesetz bestimmt, daß die Landtagswahlergebnisse von 1945 jetzt auch für eine Gemeindevertretung Gültigkeit hätten. Das ergab in Wolfurt 10 Mandate für die ÖVP und 3 für die SPÖ. Einstimmig wählte diese "Provisorische" Gemeindevertretung am 16. April 1947 Ludwig Hinteregger zum Bürgermeister. Jetzt konnte dieser neue Aufgaben anpacken. Große Aufmerksamkeit widmete er den Vereinen, die bei der Umerziehung der im Nationalsozialismus aufgewachsenen Jugend mitwirken sollten. Die Gemeinde half bei der Renovierung des arg verwahrlosten Vereinshauses und unterstützte 1947 die Gründung des Fußballklubs. 1948 begannen die Vorarbeiten für ein Gemeinde-Wasserwerk. An der Ach wurde Grund für neue Siedlungen erschlossen und für 5 Schilling pro m2 verkauft. Eine Erweiterung des Schulhauses wurde geplant. Die Verhältnisse normalisierten sich. Geradezu symbolisch konnte im Jahre 1950 endlich der Maisacker auf dem Schulplatz wieder zu einem Sportplatz eingesät werden. Aus den bitteren Erfahrungen seiner ersten Amtszeit bemühte sich Ludwig Hinteregger sehr, den Frieden in der Gemeindestube zu sichern. In Land und Bund bekriegten sich die politischen Parteien schon wieder. Die Aufstellung einer Einheits-Liste für die Gemeinde-Wahlen 1950 gelang ihm aber nicht mehr. Er lehnte daher eine von vielen erhoffte Wiederwahl zum Bürgermeister ab, war aber bereit, noch einmal eine Periode lang als Gemeinderat zu dienen. Nach zwei Jahren mußte er sogar noch einmal das Amt des Ersten Gemeinderates und Vizebürgermeisters übernehmen und hatte als solcher entscheidenden Anteil bei der Lösung seiner letzten großen Aufgabe, des Wolfurter Wasserwerks. Erst dieses ermöglichte die Besiedlung der Bühel und der Felder. 1955 zog sich Hinteregger ganz aus der Gemeindevertretung zurück, der er 29 Jahre lang angehört hatte, davon 19 Jahre als Bürgermeister. Anläßlich seines 70. Geburtstages bedankte sich die Gemeinde für sein Wirken und überreichte ihm als Ehrengeschenk ein Bild vom Kriegerdenkmal. Bis ins hohe Alter arbeitete Hinteregger aber noch unermüdlich im Kirchenrat und im Krankenpflegeverein weiter mit und kümmerte sich um Kirchenfahnen und Schneeräumung und natürlich auch um seine Landwirtschaft. An seiner Seite stand, immer still und bescheiden im Hintergrund, seine Frau Rosa. Sie war eine Tochter des Lammwirts Gebhard Fischer und hatte ihrem Gatten sechs Kinder geschenkt. Eine besondere Freude war für beide, daß der Sohn August zum Priester geweiht und schließlich 16 Pfarrer in Bildstein wurde. Aber auch die zahlreichen Enkel scharten sie oft um sich. 1973 konnten sie ihre Goldene Hochzeit feiern. Bald danach ist Ludwig Hinteregger im Alter von fast 81 Jahren gestorben. Sein letzter Wunsch um eine schlichte Beerdigung ohne jede Grabrede wurde erfüllt. 20. Emil Geiger 1950-1952 Geb. 2.9.1923, lebt in Bregenz Die Gemeindewahlen von 1950 waren seit 1929 die ersten, die wieder nach demokratischen Grundsätzen durchgeführt werden konnten. Eine Reihe von älteren Gemeindemandataren war abgetreten, junge Kriegsheimkehrer nahmen ihre Plätze ein. Viele ehemalige Angehörige der NSDAP durften jetzt wieder wählen, die meisten sammelten sich im VDU Bild 10: Bürgermeister Emil Geiger (Verband der Unabhängigen). In der Gemeinde Wolfurt bildeten sie mit anderen oppositionellen Wählern die Liste Unabhängige Wählerschaft und erreichten auf Anhieb 6 der nunmehr 21 Mandate. Die traditionelle Allgemeine Wählerliste, die mit dem abtretenden Bürgermeister Hinteregger der ÖVP nahe stand, erhielt 13 Mandate. Der SPÖ verblieb ein einziges Mandat, das der aus Lauterach ins Wolfurter Wida zugezogene langjährige Landtagsabgeordnete Josef Greußing ausübte. In der Konstituierenden Sitzung vom 11. Mai 1950 erhielt Emil Geiger, der junge Kandidat der Allgemeinen Wählerpartei, nur 12 von den 21 Stimmen. Die Unabhängigen hatten geschlossen für Hinteregger gestimmt. Emil Geiger gehörte einer alten Wolfurter Sippe an. Ihr Stammvater Sebastian Geiger hatte schon 1666 aus Alberschwende nach Wolfurt geheiratet. Nun lebte die Familie Adolf Geiger im Röhle und betrieb dort eine kleine Landwirtschaft. Die Mutter Theresia war eine Tochter des Holzer-Schmieds August Böhler. Von den neun Kindern war Emil das älteste. Im Krieg war er 1943 in Tunesien in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten. Nach langen Arbeitseinsätzen in den USA wurde er erst 1946 in die Heimat entlassen. Hier hatte er dann eine Stelle als Angestellter im Landesdienst gefunden. Eine Flut von Arbeit wartete nun auf den jungen Bürgermeister. Das Wasserwerk nahm konkrete Formen an. Die Arbeiten für das Pumpwerk im Schulhof, die Rohrleitungen und den Hochbehälter auf dem Bühel über der alten Bucherstraße wurden 17 vergeben. Schon im Juli 1951 ging das erste Teilstück des Werkes in Betrieb und versorgte 130 Häuser. Nun schloß die Gemeinde auch das alte Rickenbacher Netz an. Eine rege Bautätigkeit hatte eingesetzt. Die Siedlungen weiteten sich in die Felder hinab und auf die Bühel hinauf aus. Der Bürgermeister ließ ein neues Häuserverzeichnis erstellen. Das letzte (D) aus dem Jahre 1900 hatte die damals 290 Häuser fein säuberlich von der Höll an der Ach bis in den Schlatt an der Schwarzacher Grenze aufgereiht. Dazu waren aber in den 50 Jahren bis 1950 in der ganzen Gemeinde verstreut weitere 130 Hausnummern vergeben worden. Für Orts-Unkundige und oft auch für Einheimische waren sie meist nur mehr mit Hilfe der Parzellennamen zu finden. In der Gemeindekanzlei häuften sich weitere Ansuchen um Baugenehmigungen, Grundtrennungen und Zufahrtswege. Auch die Schule mußte saniert werden. Das dunkle hölzerne Stiegenhaus und vor allem die stinkenden alten Abortanlagen erregten berechtigte Kritik. In die Neuplanung wurde eine Vergrößerung der Kanzlei mit einbezogen. Ganz überraschend legte da Bürgermeister Geiger Ende April 1952 nach nur zweijähriger Amtsführung ein Rücktritts-Schreiben vor. Hauptgrund war seine Absicht, sich in Bregenz zu verehelichen und dort wieder in den Landesdienst einzutreten. Er berücksichtigte aber wohl auch, daß sein Bruder August Geiger die ausgeschriebene Stelle als Gemeindesekretär im April 1952 angetreten hatte. So stellten sich keine Fragen der Befangenheit. Der junge Alt-Bürgermeister Emil Geiger hatte später mit seiner Frau Hedwig Schönherr in Bregenz sechs Kinder. Viele Jahre lang arbeitete er in leitender Stellung bei der Hypothekenbank. Mit Wolfurt blieb er immer eng verbunden. großes Stiegenhaus mit modernen WCAnlagen angebaut. Daneben konnten das Gemeindeamt erweitert und endlich ein schönes Sitzungszimmer für die Gemeindevertretung geschaffen werden. Einfache Dusch-Anlagen im Keller erlaubten den meisten Schülern einen ersten Kontakt mit neuzeitlicher Hygiene. Das übergroße Stiegenhaus sollte den Anbau neuer Klassen ermöglichen, denn obwohl die Schülerzahl noch bis zu einem Tiefststand von 269 im Jahre 1954 am Sinken war, erkannte der Bürgermeister aus den Geburtenzahlen, daß sich das bald ändern würde. Im Jahre 1954 erhielt die Schule in Josef Heinzle einen neuen Leiter. An den Gemeindegrenzen hatte Bürgermeister Gunz Tafeln aufstellen lassen, die die Einwohnerzahl von Wolfurt mit 2400 angaben. Offiziell waren es bei der VolksBild 11: Bürgermeister Alfons Gunz 21. Alfons Gunz 1952-1957 Geb. 14.7.1899, gest. 19.6.1969 Schon seit 1929 hatte der Rickenbacher Mühlenbesitzer der Gemeindevertretung angehört. 1931 war er als Nachfolger des plötzlich verstorbenen Kreuzwirts und als Vertreter für Rickenbach zum Gemeinderat gewählt worden. Seither hatte er diese Funktion mit Ausnahme der sieben Jahre Nationalsozialismus ununterbrochen ausgeübt. Vom Ersten Gemeinderat rückte er nun nach dem Rücktritt des Vorgängers zum Bürgermeister auf und wurde als solcher bei der Neuwahl im August 1952 einstimmig bestätigt. Die Familie Gunz stammt aus Bildstein-Staudach. Von dort war Josef Gunz 1853 nach Rickenbach gekommen und hatte im Tobel einen neuen Müllerbetrieb angefangen. Von seinen tüchtigen Söhnen hatte Plazidus Gunz eine große Mühlen-Filiale in Bludenz aufgebaut. Dessen Sohn Alfons war aus Bludenz nach Wolfurt zurückgekehrt und hatte hier die Leitung des Stamm-Werkes übernommen. Die Wolfurter GunzMühle ist später im Jahre 1978 abgebrannt. Mit seinem unternehmerischen Denken versuchte der neue Bürgermeister, in dem konservativen Wolfurt einiges zu verändern. Zuerst wurde an das alte Schulhaus ein zählung 1952 bereits 2455 gewesen. Der Ausbau des Wasserwerks wurde mit Nachdruck fortgesetzt. Am 12. Juli 1953 konnte es eingeweiht und mit einem großen Volksfest eröffnet werden. Die Gemeinde übernahm jetzt auch die beiden alten Brunnen im Dorf in ihre Obhut. Die beiden Brunnen in Strohdorf und Hub wurden weiter von den dortigen Brunnen-Genossenschaften betreut. Überall wuchsen neue Einfamilienhäuser aus dem Boden, oft von den zukünftigen Bewohnern in harter Arbeit am Feierabend und an Samstagen eigenhändig gebaut. 1952 vergab der Bürgermeister die letzte D-Hausnummer 446 ganz oben beim Hochbehälter. Die 32 Häuser des Jahres 1953 bekamen vorerst keine Nummern mehr. Zum 1. Jänner 1954 stellte die Gemeinde auf Straßenbezeichnungen um. Viele alte Flurnamen blieben darin erhalten, andere gerieten seither in Vergessenheit. Zu den ganz neuen Problemen zählten jetzt Kanalisierung und Müll-Abfuhr. 1956 wurde der erste große Kanal durch die Bützestraße und die Lauteracherstraße zu einem mit Lauterach geplanten Klärwerk im Ried gebaut. Anschließend wurden beide Straßen asphaltiert - als erste nach der "oberen" Straße von 1931! Gar nicht leicht waren die Wolfurter zur Einführung von Müllkübeln zu bewegen. Ab 1957 begann die Gemeinde aber doch, die großen Tümpel im Flotzbacher Lehmloch mit Haushaltsmüll aufzufüllen. Mit Dr. Lothar Schneider kam 1956 ein neuer Gemeindearzt nach Wolfurt. Vom großen bisherigen Sanitätssprengel Wolfurt waren Schwarzach und Bildstein abgetrennt 19 18 Bild 12: Erster Kanal 1955 in der Bütze tödlich. In der schwierigen Situation kam die Idee auf, den nicht der Gemeindevertretung angehörenden pensionierten Postmeister Julius Amann zum Bürgermeister zu wählen. Es bedurfte vieler Vorsprachen, bis das Land seine Genehmigung für dessen vorerst nur provisorische Amtsführung gab. Inzwischen leitete der zurückgetretene Bürgermeister Gunz noch die meisten Sitzungen, darunter auch die FestSitzung vom 18. Jänner 1957, in welcher Prof. Dr. Lorenz Böhler zum Ehrenbürger ernannt wurde. Am 1. März 1957 wurde dann Amann gewählt. Gunz verblieb als einfacher Gemeindevertreter bis 1960 und als Ersatzmann sogar noch bis 1965. Jetzt widmete er sich ganz seiner Familie und seiner Firma Mühle-Gunz. Von seinen drei Kindern arbeitete die Tochter Gertrud später ebenfalls viele Jahre in der Gemeindevertretung mit. 22. Julius Amann 1957-1960 Bild 13: Sanierte Schule und Spritzenturm 1958 Geb. 22.7.1888, gest. 9.5.1971 Auf ungewöhnliche Art hatte also der allseits sehr beliebte Postmeister Amann, der schon bisher Standesbeamter gewesen war, noch im Alter von 69 Jahren die Bürde des Bürgermeisteramtes auf sich genommen. Amann stammte aus Rankweil und war nach vielen Dienstjahren bei der Post in Hohenweiler 1925 nach Wolfurt gekommen, weil dem Postmeister hier in der "Post" eine Wohnung für seine große Familie zur Verfügung stand. Das Haus gehörte der Gemeinde. Amanns bewohnten den ersten Stock über dem ebenerdigen Postamt. Den zweiten Stock hatten die Krankenschwestern für sich. Zur Familie Amann zählten neben Vater Julius und Mutter Hedwig, geborene Feurle aus Krumbach, neun jetzt schon erwachsene Kinder, eine Tochter und acht Söhne. Von den Söhnen waren Karl und Erich im Krieg gefallen. Die meisten anderen hatten Wolfurt verlassen. Die Tochter Erna hatte mit dem Nachbarn Edelbert Köb eine Familie in Bludenz gegründet. Ihr Sohn Edelbert ist später Mitbegründer und erster Leiter des Kunsthauses Bregenz geworden. In seiner Freizeit war Amann Schütze und Jäger. Viele ehemalige Schüler erinnern sich noch an die großen Käfige hinter dem Bild 14: Bürgermeister Julius Amann 21 worden. In die Volksschule schulten über 50 Erstkläßler ein. Ab jetzt mußten Parallelklassen geführt werden. Bei den GV-Wahlen von 1955 hatte die ÖVP zum ersten Mal unter diesem Namen kandidiert und 15 von den jetzt 24 Mandaten erhalten. Die Unabhängigen bekamen 6, die SPÖ 3 Mandate. Eines dieser drei besetzte als erste Frau in der Wolfurter Gemeindestube Anna Fischer (Stöoglars). Innerhalb der ÖVP hatten die Wähler stark umgereiht Die "alten" waren zurückgefallen, junge "Studierte" machten ihnen die Plätze streitig. Trotzdem war Alfons Gunz noch einmal zum Bürgermeister gewählt worden. In der Folgezeit kam es aber zu vielen Reibereien innerhalb seiner Fraktion. Am 1. Oktober 1956 legte Gunz deshalb sein Amt nieder. Der junge Erste Gemeinderat Dr. Georg Herburger sollte sein Nachfolger werden. Am gleichen Tage verunglückte dieser aber auf der Heimfahrt aus Deutschland zur entscheidenden Sitzung 20 Rankweil. Nach dem Tod seiner Frau Hedwig betreute ihn Frau Paulina Gorbach aus Wolfurt noch viele Jahre lang. In seinem Geburtsort Rankweil ist Julius Amann 1971 gestorben und unter großer Anteilnahme der Wolfurter Bevölkerung begraben worden. 23. Hubert Waibel 1960-1985 Geb. 6.11.1922, wohnt in Wolfurt-Kella Die Vorbereitung der GV-Wahlen von 1960 führte zunächst zu Auseinandersetzungen innerhalb der Wolfurter ÖVP Man suchte einen jungen dynamischen Spitzenkandidaten und stieß dabei auf den 38jährigen Hubert Waibel. Dieser stellte sich der ÖVP als Quereinsteiger zur Verfügung und errang mit ihr auf Anhieb 16 der 24 GV-Mandate. Als Vizebürgermeister stand Hubert Mohr an seiner Seite. Die beiden ersten Ehrenbürger: Bild 15: Pfarrer Joh. Gg. Sieber 1901 Bild 17: Bürgermeister Hubert Waibel Bild 16: Prof. Dr. Lorenz Böhler 1957 Garten der Post, wo er gefangene Marder hielt. Nun tauschte er also das freie Jägerleben im Interesse der Dorfgemeinschaft gegen ein zermürbendes Kanzlei-Dasein ein. Am meisten beschäftigten ihn die vielen Bauverhandlungen für immer noch mehr Einfamilienhäuser. Um 35 Prozent stieg die Bevölkerung in diesem Jahrzehnt auf 3391 im Jahre 1961. Jetzt zwangen die vielen Schulkinder im Jahre 1958 die Gemeinde zum Anbau von vier Klassen an das neue Stiegenhaus. Am 3. Mai 1959 wurde die "Heimkehrer-Siedlung" im Neudorf eingeweiht. Im Juni 1957 hatte Bürgermeister Amann an Dr. Böhler die Ehrenbürger-Urkunde überreicht. Böhler war nach Pfarrer Sieber im Jahre 1901 erst der zweite Wolfurter Ehrenbürger. Der weltberühmte Unfall-Chirurg hat später für die Wolfurter Schüler den begehrten Böhler-Preis gestiftet. Im September 1957 kam Gebhard Willi, der bisherige Kaplan von Egg, vorerst als Pfarr-Provisor nach Wolfurt. Eineinhalb Jahre leitete Amann seine Gemeinde "provisorisch". Ein eigens vom Landtag beschlossenens Gesetz ermöglichte am 21. September 1958 eine Volksabstimmung über ihn. Von 91 Prozent der Wähler erhielt er Zustimmung. Damit war er der erste und einzige Volkswahl-Bürgermeister in Vorarlberg geworden. Amann dürfte erleichtert gewesen sein, als er bei den Wahlen von 1960 sein Amt wieder zurücklegen konnte. Bald danach übersiedelte er in sein Elternhaus nach 22 Beide sahen in einer völligen Umstrukturierung der Gemeinde ihre wichtigste Aufgabe. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft und der Erschließung der dadurch frei gewordenen Baugründe war Wolfurt eine finanzschwache Zuzugs- und Wohn-Gemeinde geworden. Schon konnte die Schule die Schulkinder nicht mehr fassen. Eine unglaubliche Geburtenrate von 31,6 auf Tausend (1960: 105 Geburten bei 3391 Einwohnern!) deutete auf eine kommende Bevölkerungs-Explosion hin.'' Daraus mußten gewaltige Ausgaben im Straßen-, Wasser-, Kanal-, Schul- und Siedlungsbau erwachsen. Das würde die Wolfurter Finanzen ganz sicher überfordern! Die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen aus Wolfurt pendelten in die Nachbargemeinden aus. Große Busse voll wurden täglich in die Dornbirner Fabriken geholt. Nur wenig vom SteuerErtrag der andernorts wachsenden Industrie floß in die Gemeindekasse. Schon in seinem ersten Jahr als Bürgermeister gelang es Hubert Waibel. mit Pawag und Roylon zwei große Firmen auf den Achwuhr-Gründen anzusiedeln. Damit leitete er, unterstützt von der Expansion der Rickenbacher Firma Doppelmayr, für Wolfurt den Weg zur Industrie-Gemeinde ein. 25 Jahre lang hat er mit der Ansiedlung weiterer Betriebe konsequent diese Richtung beibehalten. Die steigenden Steuer-Einnahmen machten Wolfurt zu einer finanzstarken Gemeinde und erlaubten schließlich große Investitionen für Gemeinde, Schulen und Vereine. Als "Architekt des modernen Wolfurt" hat später sein Nachfolger den Bürgermeister Hubert Waibel bezeichnet. 23 Neben der Ansiedlung von Betrieben mußten ständig Schulen gebaut werden. Zwei Jahrzehnte lang wurde dafür jeweils ein Drittel des Gemeinde-Budgets bereit gestellt: 1962 Hauptschule mit Turnhalle 1967 Volksschule Bütze mit Kindergarten 1971 neue Hauptschule mit zweiter Turnhalle 1976 Volksschule Mähdle mit Kindergarten 1984 Hofsteig-Sporthalle zur Hauptschule. Gegen großen Widerstand der Behörden hatte Wolfurt 1961 die Errichtung einer Hauptschule durchgesetzt. Unter Direktor Hans Vogl wurden hier bald auch die Schüler aus Buch, Bildstein und Schwarzach unterrichtet. Bei der Hauptschule wurde ab 1964 ein Kindergarten geführt, erstmals wieder seit der NS-Zeit. Ab 1965 baute hier Direktor Aldo Kremmel sogar eine Musikschule auf, die allererste in einer Vorarlberger Landgemeinde. Eine besonders wichtige Entscheidung war der 1964 erfolgte Ausbau der "unteren" Straße zur Hauptdurchzugsstraße. Mit dem Aushub wurde das früher als Müll-Deponie verwendete Vorland der Ach so saniert, daß später dort ein großer Kinderspielplatz und der Bauhof Platz fanden. Die Wahlen von 1965 bestätigten den neuen Kurs eindrucksvoll mit 19(!) von 24 Mandaten für die ÖVP. Für die neuen Strukturen war der Bau eines eigenen Gemeindehauses notwendig geworden. 1967 konnten das Rathaus und das angebaute Postamt bezogen werden. Im gleichen Jahr wurde auch die Totenkapelle eingeweiht, ein sichtbares Zeichen für die vielen inneren Veränderungen im Leben der Gemeinde.10 1972 folgte der Neubau eines großen Feuerwehrhauses. Alle die vielen Wolfurter Vereine konnten jetzt großzügig gefördert werden. Die Schützen bezogen 1975 ihren schönen Schießstand an der Ach, der Alpenverein 1980 seine "Alte Schmiede" im Holz. Turner, Ringer und Fußballklub erhielten neue Trainingsstätten. Als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde wurde das Vereinshaus mehrmals verbessert. An der Ach, an der Lerchenstraße, am Martinsweg, im Kessel, auf dem Rebberg und an der neuen Bildsteiner Straße entstanden große Siedlungen, zum Teil mit Wohnblocks und Hochhäusern. Die Gendarmerieposten von Kennelbach und Schwarzach wurden 1977 mit dem neu errichteten Posten Wolfurt vereinigt. 1979 konnte das Seniorenheim an der Lauteracher Straße eröffnet werden. Jahrhunderte lang hatte die Gemeinde mit wenigen Versorgungsplätzen im "Leprosenhaus" in Bregenz das Auslangen gefunden. Die Veränderung der Familienstruktur, die Abkehr von der bäuerlichen Großfamilie, machte die Betreuung der alten Menschen zu einer ständig wachsenden Aufgabe. Alle diese vielen Veränderungen wurden aber von zwei Jahrhundert-Problemen in den Schatten gestellt, von Güterbahnhof und Autobahn. Mehr als zehn Jahre lang beschäftigten sie den Bürgermeister und die Gemeindevertretung. Die unterschiedlichen Planungen rissen Klüfte vor allem gegenüber Bregenz 24 Bild 18: Der Güterbahnhof 1993. Gewaltige Gleisanlagen beanspruchen riesige Flächen und Hard auf, sie entzweiten aber auch die Gemeindebürger., Mit dem neuen Flächenwidmungsplan hätte eine "Dörfer-Straße" den Durchzugsverkehr von Schwarzach, Lauterach und Wolfurt aufnehmen sollen. Der lange Kampf gegen die Autobahn ging trotz Vorsprachen in Wien und Demonstrationen verloren. Jetzt mußte für ihr breites Band eine ganze Reihe von neuen Häusern abgebrochen werden. Immerhin hatte Wolfurt den Bau von Schutzdämmen und Verbindungsbrücken erreicht. Im Jahre 1980 wurde die Autobahn durch den Pfänder-Tunnel und durch Wolfurt in Betrieb genommen. Das Abgehen von einer Schweiz-nahen Trasse und der Verzicht auf die Dörferstraße hatten schwerwiegende Folgen. Bregenz und Hard und der internationale Verkehr rufen seither nach einer Transit-Autobahn in die Schweiz. Jn Wolfurt und in Lauterach sind viele Wohnungen an den Hauptstraßen verödet. Die Auslagerung des Bregenzer Güterbahnhofs brachte einen schmerzhaft großen Eingriff in das kostbare Wolfurter Ried mit sich. In zwölfjähriger Bauzeit wurde von 1970 bis 1982 mit ungeheurem Kostenaufwand der größte Güterbahnhof West-Österreichs errichtet. Die Eröffnung nahm 1982 Bundeskanzler Bruno Kreisky vor. Beim Güterbahnhof und seinen Container-Kranen siedelten sich u.a. das zentrale UmleitePostamt für Vorarlberg, ein Groß-Zollamt und zahlreiche Speditionen an. Das anschließende Gewerbegebiet stärkt mit zahlreichen Arbeitsplätzen die Wirtschaftskraft der Gemeinde. Die überregionale Bedeutung des Güterbahnhofs war ausschlaggebend dafür, daß Wolfurt über Antrag von Bürgermeister Waibel ab 1. Mai 1982 zur Marktgemeinde erklärt wurde. Bei den zahlreichen Festen und Ausstellungen zu diesem Anlaß gelang es dem Bürgermeister durch seinen persönlichen Einsatz, eine Kopie des von Legenden umwobenen "Wolfurter Kelchs" von 1365, der im Schweizer Staatsschatz 25 Bild 19: Markterhebung! Die Urkunde zum 1. Mai 1982 aufbewahrt wird, zu erwerben. Nachhaltig hat er damit das Geschichtsbewußtsein von Wolfurt beeinflußt. Auf kulturellem Gebiet dürfen der Neubau des Kultursaals und der Bücherei 1982 nicht vergessen werden. Auch der Bau des 1985 eröffneten Pfarrheimes war von der Gemeinde maßgeblich unterstützt worden. Unter Mitverantwortung von Gemeinderat Pompl wurde das Wasserwerk mit einem modernen Pumpwerk an der Wälderstraße und einem riesigen Hochbehälter im Frickenesch völlig erneuert und 1983 eingeweiht. Längst hatte die Kanalisierung zu einer gemeinsamen Groß-Abwasserreinigungsanlage mit Lauterach und Hard in Hard geführt, an welche sich später noch andere Gemeinden des unteren Rheintals anschlossen. Eine Krönung für des Bürgermeisters erfolgreiche Arbeit für die Sportvereine war die 1984 erfolgte Eröffnung der Hofsteig-Sporthalle, die seither bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettkämpfen unserer Gemeinde viel Anerkennung eingetragen hat. Daß Hubert Waibel auch Rückhalt bei anderen Vereinen hatte, zeigen seine Obmannschaft bei Gesangsverein und Kneippverein. Bei der Feuerwehr wurde er Ehrenmitglied und von den Schützen erhielt er die Goldene Ehrennadel. Aber natürlich hatte der Bürgermeister bei seinen vielen Aktivitäten auch Kritiker, vor allem solche in der eigenen Partei. Manchen aus den konservativen Reihen ging das Wachstum zu schnell. 26 Sehr häufig wechselten die Vizebürgermeister, einige davon wurden durch Krankheit oder plötzlichen Tod abberufen. Weil die insgesamt sieben Vizebürgermeister an seiner Seite auch einen großen Anteil an der Entwicklung der Gemeinde hatten, seien hier wenigstens ihre Namen festgehalten: Hubert Mohr ab 1960, Dr. Adolf Schwärzler ab 1962, Dr. Richard Hinteregger ab 1963, Otto Gratt ab 1970, Dr. Gerhard Hammer ab 1975, Heinrich Beuchert ab 1980 und Helmut Schertler 1983 bis 1990. Schon 1966 hatte die Gemeinde den neu geschaffenen Ehrenring an die beiden Krankenschwestern Sr. Epiphania (Härle) uns Sr. Theodora (König) verliehen. Beide hatten viele Jahre lang Kranke und Sterbende betreut. 1976 erhielt mit Hubert Mohr ein Gemeindemandatar mit vielerlei Verdiensten um die Dorfgemeinschaft den Ring. Schließlich wurde er 1983 auch an Pfarrer Gerbhard Willi für sein langjähriges Wirken in Wolfurt vergeben. Als Waibel 1985 seine fünfte Periode als Bürgermeister abschloß, hatte er dieses Amt 25 Jahre und damit weitaus am längsten innegehabt. Darüber hinaus hatte er von 1964 bis 1984 zwanzig Jahre lang erfolgreich im Landtag mitgewirkt, davon ab 1974 als Obmann des wichtigen Rechtsausschusses. Das Land zeichnete ihn mit dem Silbernen Ehrenzeichen aus. Ab 1970 war Waibel Vizepräsident und ab 1974 Präsident des Vorarlberger Gemeindeverbandes. Der Verband erkannte seine Arbeit 1985 mit der Ernennung zum Ehrenpräsidenten an. Auch als Delegierter zum Österreichischen Gemeindebund in Wien hatte Waibel viele Jahre lang erfolgreich die Interessen der Gemeinden vertreten. Das würdigte der Gemeindebund 1986 mit der Ernennung zum Ehrenmitglied. Kein Wolfurter hat je so hohe politische Funktionen ausgeübt, keiner mußte je solche Verantwortung in einer sprunghaft wachsenden Gemeinde tragen. Im Jahre 1960 hatte er ein Bauerndorf mit 3391 Einwohnern übernommen. In den zehn Jahren bis zur Volkszählung 1971 stieg die Zahl auf 5732. Das war mit unglaublichen 69(!) Prozent der allerhöchste Zuwachs in ganz Vorarlberg gewesen, der erst durch "Pillenknick" und "Ölschock" um 1970 deutlich abflachte. Im Jahre 1985 konnte der Bürgermeister an seinen Nachfolger eine blühende Marktgemeinde mit 6600 Einwohnern übergeben, dazu noch beachtliche finanzielle Rücklagen zur Lösung weiterer Aufgaben. Stets hatte der Sparmeister ja das Notwendige und das Nützliche im Auge gehabt, das "Angenehme" dagegen erst auf den dritten Platz gereiht. So waren zum Beispiel mustergültig mit modernsten Lehrmitteln ausgestattete Schulen entstanden, zum Eislaufen und ins Hallenbad führte man die Schüler dagegen in die benachbarten Städte. Für seine Verdienste ernannte die Gemeindevertretung Hubert Waibel zum Ehrenbürger der Marktgemeinde. Am 26. Oktober 1992 überreichte Bürgermeister Erwin Mohr dem "Architekten des modernen Wolfurt" die Urkunde. Zu hohen Ehren hatte es der Sohn aus einer einfachen Familie gebracht. Sein Vater Johann Waibel stammte aus Ebnit und war mit einigen Geschwistern nach dem Ersten Weltkrieg nach Wolfurt zugezogen. Hier hatte er Wilhelmine Müller, Seogars 27 aus Rickenbach, geheiratet. Sechs Kinder wurden ihnen geboren, von denen Hubert das älteste war. In der Not der Zwischenkriegszeit wuchsen sie in bescheidenen Verhältnissen in verschiedenen Mietwohnungen auf. Auf den Besuch der Handelsschule in Lustenau folgten für Hubert bald Kriegseinsatz und Gefangenschaft. Nach einer Anstellung im Büro der Stickereifirma Franz Mäser in Dornbirn übernahm er die Kaufmännische Leitung der Mohren-Brauerei. Von dort holte ihn die Gemeinde Wolfurt als Bürgermeister. Im Sommer 1954 hatte er Inge Jordan aus Dornbirn geheiratet und bald mit ihr sein Einfamilienhaus im Kella bezogen. Fünf Töchter sind dort aufgewachsen. Der rüstige Großvater lebt aber keineswegs im "Ruhestand". Als Vorsitzender des Landes-Seniorenbeirats kümmert er sich um die Anliegen der alten Leute. Seine Fahrten nach Wien lassen sich jetzt aber auch manchmal mit Besuchen in Oper oder Theater verbinden. Dazwischen führt ihn sein lange Zeit unterdrücktes Fernweh auf KulturReisen in die weite Welt hinaus. 24. Erwin Mohr seit 1985 Geb. 25.6.1947 Die anhaltente Expansion der letzten Jahrzehnte hatte auch ihre Schattenseiten. Straßen- und Siedlungsbau hatten viel Boden gefordert, der Verkehr war zur Belastung geworden. Viele Bäche und Brunnen waren verschwunden. Waldsterben und Wasserverschmutzung schreckten die Menschen auf. An vielen Orten entstanden Bürgerbewegungen, die sich vor allem gegen neue Straßen und den Massenverkehr wehrten. Zur GV-Wahl von 1985 suchten die Verantwortlichen daher einen Kandidaten, der dieser Entwicklung Rechnung tragen sollte. Im 38jährigen Erwin Mohr fanden sie einen tatkräftigen Mann, dem sie das schwere Amt anvertrauen wollten. Wieder sollte ein Quereinsteiger die Gemeinde führen. Mit 19 von 27 Mandaten erhielt die stark verjüngte ÖVP in Wolfurt wieder ihre frühere Zweidrittel-Mehrheit. Die vom Gegenkandidaten Gemeinderat Pompl angeführte SPÖ errang mit 7 Sitzen ihr bisher bestes Ergebnis. Dagegen fiel die FPÖ auf ein einziges Mandat zurück. In den folgenden Jahren konnte Bürgermeister Mohr die Hoffnungen der Wolfurter Wähler so weit erfüllen, daß er mit seiner Partei 1990 sogar noch auf 20 Mandate zulegen konnte und auch später ähnlich hohe Ergebnisse erreichte. Erwin Mohr war als ältestes von sechs Kindern der Eheleute Siegfried Mohr und Elsa Klocker in Wolfurt-Hub aufgewachsen. Sowohl die Mohr als auch die Klocker sind alte Dornbirner Geschlechter, deren Nachkommen seit 1700 in Wolfurt seßhaft sind und sich hier in zahlreiche Linien aufgespaltet haben. Nach dem Besuch der Handelsschule in Bregenz trat der 16jährige Erwin in die "Erste Allgemeine VersicherangsA.G." in Bregenz ein und arbeitete dort 21 Jahre lang im Innen- und im Außendienst. Daneben leitete er zusammen mit seiner Mutter Elsa zehn Jahre lang die Aral-Tankstelle in Wolfurt-Schlatt. 1979 heiratete er Albine De Gasperi aus Dornbirn und be28 zog mit ihr wenige Jahre später das neu erbaute Einfamilienhaus an der Unterhubstraße. Dort wachsen jetzt die drei Söhne heran. Im Jahre 1985 übernahm Erwin Mohr also von Hubert Waibel das Bürgermeisteramt. Im gleichen Jahr ergaben sich in Wolfurt noch andere wichtige Wechsel. In der Pfarrei folgte nach 28 Jahren auf Pfarrer Gebhard Willi der bisherige Kaplan German Amann. Nach 29 Jahren verdienstvollen Wirkens überließ der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider die Ordination seinem Sohn Dr. Gerold Schneider. Schließlich übergab auch noch Dir. Hans Vogl die Leitung der Hauptschule, die er 24 Jahre lang innegehabt hatte, an Siegfried Heim. Ein Jahr später übernahm 1986 Dr. Sylv Schneider von August Geiger das Amt des Gemeindesekretärs, das dieser seit 1952 ausgeübt hatte. Bild 20: Bürgermeister Erwin Mohr Schon das erste Konzept des neuen Bürgermeisters ließ aufhorchen. Es enthielt neben der Fortsetzung des erfolgreichen bisherigen Kurses neue zusätzliche Ziele: "Grundreserven sparen", "Ortskern-Gestaltung", "Wander- und Radwege", "FreizeitBewältigung" und andere. Natürlich mußten weiterhin zahlreiche Häuser gebaut werden. Der neue Trend zur Klein- und Einpersonen-Familie erhöhte den Bedarf und ließ schließlich sogar weitere Groß-Siedlungen an der Unterlinden- und an der Fattstraße entstehen. Die Einwohnerzahl stieg aber nur mehr langsam auf 7326 im Jahre 1991 und auf 7864 im Jahre 2001 an. Jetzt war Wolfurt von der Nachbargemeinde Lauterach, die 1971 noch hinter Wolfurt gelegen war, um mehr als 800 Personen überholt worden. Auch der Zuzug von fremdsprachigen Gastarbeiter-Familien aus Jugoslawien und der Türkei hatte nachgelassen. Immerhin hatten sie eine Zeit lang mit fast 20 Prozent der Wohnbevölkerung den Schulen besondere Aufgaben gestellt. Zahlreiche neue Betriebe ließen sich nieder. Das Straßennetz wurde nur mehr behutsam erweitert, an manchen Stellen sogar zugunsten von Radfahrern und Fußgängern zurückgebaut. Mit hohem Einsatz bekämpfte Bürgermeister Mohr unermüdlich die drohende Auto-Transitstraße S 18 durch das Ried. Er diskutierte mit den GemeindeVerantwortlichen die Umwelt-Empfehlungen des "Club of Rome" und die Auswirkungen der Tschernobyl-Atomkatastrophe von 1986. 29 Bild21:Der Cubus. Der neue Festsaal von 1998 Bild 22: Der Dorfbrunnen von 1999 Im Informationsdienst der Gemeinde häuften sich jetzt Artikel über Einsparung von Rohstoffen und Energie, Müll-Trennung, Solar-Anlagen, Ozonloch, Waldwoche, Tag des Wassers und ähnliche Anliegen. Große Unterstützung fanden die Bemühungen der "3. Welf'-Gruppe. Sie führten


Heimat Wolfurt Heft 24 2000 Mai
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 24 Zeitschrift des Heimatkundekreises Mai 2000 Bild 1: Das offizielle Wappen der Gemeinde Wolfurt, von der Landesregierung verliehen am 6. Oktober 1928, aber schon seit 1893 als Gemeindesiegel geführt. Inhalt: 121. 122. 123. 124. Wolfurt und Wolford Haltmayer-Sippe Vorsteher und Bürgermeister (3) Der kleine Lehrer, Schulen in Wolfurt. Bildnachweis: Reinhold Köb Bild 13 Siegfried Heim Bilder 24, 28 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Dorfbrunnen (Heft 23, S. 6) Nicht alle haben die Abschriften der alten Briefe ganz durchgelesen. Andere zeigten sich über den Inhalt dieser Zeit-Dokumente überrascht. Kann es stimmen, daß die 51 Bauern des Dorfes zusammen nur 83 Kühe hatten? Oder daß man von ganz weit unten an der Lauteracherstraße das Wasser vom Dorfbrunnen holen mußte? Genau hat der Bürgermeister den Bericht studiert. Aus den Akten der Gemeinde hat mir Dr. Sylv Schneider darauf zwei wichtige Ergänzungen gebracht. Danach haben sich die 57 Mitglieder der Brunnengenossenschaft Kirchdorf am Montag, 29. September 1952, noch ein letztes Mal zu einer Versammlung im Rößle getroffen. Sie stellten mit all ihren Unterschriften ein Ansuchen an die Gemeinde, diese möge beide Laufbrunnen an die neu errichtete Gemeinde-Wasserleitung anschließen. Dafür boten sie ihre Holzteile an und erklärten sich bereit, die Urkunde für das Grundbuch zu unterfertigen. Damit war die über 400 Jahre alte Genossenschaft also aufgelöst. Die wegen der großen Zahl der Anteile sehr komplizierte Übertragung im Grundbuch wurde aber bis zum Jahre 2000, also nun bald ein halbes Jahrhundert lang, noch immer nicht durchgeführt. Schon nach fünf Jahren erklärten die "ehemaligen" Mitglieder der Genossenschaft am 20. September 1957 mit ihrer Unterschrift, daß sie mit der Entfernung des (Kleinen) Brunnens an der Kreuzstraße einverstanden seien. Ausdrücklich entbanden sie die Gemeinde von der von ihr übernommenen Verpflichtung zur Erhaltung dieses Brunnens. Der Hauptbrunnen am Kirchplatz und die Waschhütte blieben ja vorerst noch bestehen. Aus beiden Verträgen läßt sich das Wohngebiet der zu versorgenden Genossenschaft genau abgrenzen. Es reichte noch immer von Franz Müller, Bregenzerstraße 11, bis zu Zilla Zoller, Kirchstraße 16, und von Dr. Hermann Mohr, Kellhofstraße 11, bis zum Schindlerhaus, Feldeggstraße 11. Auch Alois Klocker, Schloßgasse 4, war eingeschlossen. Hexen in Wolfurt (Heft 23, S. 30) In mehreren Gesprächen bestätigten mir Leser, sie hätten auch noch solche Hexen oder eben Frauen, denen man böse Künste zutraute, gekannt. Der Dornbirner Historiker Franz Kalb wußte von einer in Wolfurt 1813 geborenen Frau Ursula, die nach Hatlerdorf geheiratet hatte und dort unter dem Schimpfwort s Bockwible in argen Verruf kam. Danke! Über unsere Bitte im letzten Heft sind wieder viele Spenden auf unser Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt eingegangen. Damit können wir einen großen Teil der Druckkosten abdecken. Allen Spendern ein herzliches Danke schön! Dank sagen wir aber auch der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Siegfried Heim Wolfurt und Wolford Wahrscheinlich haben Sie jetzt an eine weltweit bekannte Strumpfmarke gedacht! Mir aber geht es um den Namen unserer Gemeinde Wolfurt. Im Jahr 1999 haben einige von unseren Nachbargemeinden ihren 750. Namenstag gefeiert. Da stellte sich auch die Frage nach der ersten Nennung des Namens Wolfurt. In Heft 22 bin ich kurz darauf eingegangen. In Büchern und alten Dokumenten habe ich noch mehr darüber gefunden. Ich kann jetzt das älteste Wolfurt-Datum auf 1219 korrigieren. Seit es bei uns eine Schule gibt, haben Lehrer den Schülern beigebracht, der Name Wolfurt bedeute wohle Furt, also so viel wie gute Furt. Im 18. Jahrhundert schrieb man auch meist Wohlfurt oder Wohlfurth. Wir erkennen das Gut-Sein in Wohl-Tat, in Wohl-Geruch und in Wohl- Wollen, aber gegen ein Wohl bei unserer Furt über die Ach gibt es einige Gründe. Ganz sicher war die Ach mit ihren vielen Hochwässern immer ein sehr gefährlicher Fluß, für dessen Überquerung schon die Römer eine Brücke bauten, weil ihnen die Furt der Räter zu risikoreich war. Auch im Mittelalter konnte die Furt nur in trockenen Sommerwochen eine gute sein. An anderen Flüssen mag es gute Furten gegeben haben, das Bestimmungswort wohl wurde aber nirgends zur Namensgebung für eine Furt verwendet. Flußübergänge benannte man meist nach der Habe, die dort an das andere Ufer gebracht wurde, etwa. Heufurt, Schweinfurt, Rindsfurt und Steinfurt, oder nach Leuten, die hier durchzogen, Frankfurt. Oft gab ihnen der Fluß selbst den Namen, Klagenfurt (Glan-Furt). Ein Sprachwissenschaftler, der in Wol-Furt ähnlich wie in Wal-Gau das alte Wort wälsch vermutete, deutete den Namen sogar als Furt ins Land der noch nicht alemannisch sprechenden Rätoromanen. Wahrscheinlich hat der Name Wolfurt aber gar keinen Bezug zu einer Furt über die Ach! Er taucht nämlich um 1220 zuerst als der eines Rittergeschlechtes auf. Dessen Burg sicherte den damaligen Zugang über den Steußberg in den von rivalisierenden Grafen umstrittenen Bregenzerwald. Viel näher an der Ach und an der Furt stand Burg Veldegg im Oberfeld. Diese konnte daher auch eher den Flußübergang kontrollieren. Am Fuß der Burg Wolfurt übernahm die Häusergruppe um die Kapelle St. Nikolaus den Namen. Vorerst galt er nur für diesen Ortsteil. Die Papsturkunde von 1249 stellt ihn in die richtige Reihenfolge: ...Kaenalbach,Ahe, Wolfurt, Berge, Staige, Rikembach, Swarzahe... Wolfurt lag demnach abseits der Furt, durch die Ansiedlung Ach und den Weg über das Oberfeld vom Fluß getrennt. Noch lange, im Sprachgebrauch der Einheimischen bis ins 19. Jahrhundert, hielt sich der Name Wolfurt für die Häuser des Kirchdorfs und unterschied diese von denen an der Ach, in Unterlinden und in den anderen Teilen der Gemeinde. Bild 2: Gaststube im Rößle 1935 Alte Gasthäuser (Heft 23, S. 46) Zu gut sind uns die abgebildeten Gaststätten noch bekannt, wenigstens von außen. Daß es aber vereinzelt auch Bilder vom Innenleben in den Gaststuben gibt, bewies Georg Klettl, der mir zwei alte Fotos überließ. Eines zeigt eine fröhliche Gesellschaft bei Bier und Gesang um 1935 im Rößle. Von links: Georg Böhler (Steonowiorts Hansiorgos), Josef Bernhard (Schrinars Seppl) mit einer jungen Dame, Gebhard Höfle (Kiorchomoastor) ebenfalls mit Dame, Gebhard Schwärzler (Liborats Geobärtle), Rößlewirt Eugen Müller und seine damals ganz junge Frau Dora. Ahnenforschung Aus Freyung in Bayern hat der 85jährige Otto Zuppinger geschrieben und sich mit zahlreichen Fotos nach seinen Wolfurter Ahnen erkundigt. Er und vor ihm sein Vater haben seit 1891 die dortige Filiale der Spulenfabrik Zuppinger geleitet und sie zu einem Betrieb mit 100 Beschäftigten ausgebaut. Den älteren unter uns, besonders den Rickenbachern, ist der Name Zuppinger noch sehr geläufig. Einiges über den für unsere Gemeinde so wichtigen Spulenfabrikanten, Müller und Großbauern Joh. Walter Zuppinger finden Sie auch in diesem Heft oder in Heft 22 in den Artikeln über die Vorsteher. 4 5 Erstmals in der Gründungsurkunde der Pfarrei vom Jahre 1512 und dann auch mehrfach in dem von Landschreiber Witweyler 1596 aufgeschriebenen Hofsteigischen Landsbrauch meint man mit Wolfurt das ganze heutige Gemeindegebiet, etwa bei den Vorschlägen zur Ammann-Wahl: .... drey ehrliche männer, ain von Lauterach, den andern von Hard und den driten aintweders von Wolfurt, abm berg oder von Schwartzach...' Wie schreibt man Wolfurt? Ab jetzt wechselte die Schreibart des nicht mehr verstandenen Wortes oft in Wollfurt, Wolffurt, Wohlfurth und andere Formen, bis seit etwa zweihundert Jahren mit Wolfurt das alte Original vom Jahre 1219 wieder gebräuchlich wurde. Fast überall hatten die Schreiber im 13. und 14. Jahrhundert auf über dreißig erhaltenen Pergamenten und Siegeln für die Ritter die lateinische Form MILES DE WOLFURT verwendet. Nur vereinzelt taucht einmal ein WOLFFURT auf.2 Völlig verändert finden wir den Namen im ältesten Brunnenbrief von 1517 beim Edlen und Vesten Jakoben von Wohlfurth uf Wohlfurth? Im Jahre 1591 unterschrieb Pfarrer Fischer sein Testament eigenhändig mit Sebastianus Vischer Pfarherr zue Wolffurt. Der bekannte Geograph Merian bezeichnete 1643 unser Schloß in seiner Beschreibung Schwabens auf einem Bild der Stadt Bregenz gar mit Wolffort.4 Wieder hundert Jahre später schuf Blasius Hueber seine Vorarlbergkarte von 1774. Da verwendete er bereits die Schreibart Wohlfurt. Dagegen beharrte das Kaiserliche Oberamt weiterhin auf dem altertümlichen th im Auslaut. In einem Schreiben von 1775 nannte es die fünf Hofsteig-Gemeinden Luterach, Hardt, Wohlfurth, Schwartzach und Stüßberg.5 Die gleiche Schreibung Wohlfurth gebrauchte zu dieser Zeit auch noch der Hofsteig-Ammann Joseph Fischer. In den ersten Seelenbeschrieben ab 1760 verzichteten die Pfarrer J. Andreas Feurstein und Lorenz Gmeiner dagegen jetzt auf das erste h und schrieben auf jede neue Buchseite ihr Wolfurth. Der erste Wolfurter Vorsteher Joh. Gg. Fischer tat es ihnen 1811 noch gleich. Ebenso schrieb auch das Königl. Bayr. Amtsgericht 1808 an Jakob Schertler in Wolfurth. Zu dieser Zeit verfaßte aber der Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider bereits ab 1802 seine Chronik.6 Und dort verzichtete er auch auf das zweite h und schrieb durchgehend das moderne Wolfurt. So schrieben es auch ab 1814 der gelehrte Pfarrer Graßmayer und danach die meisten Vorsteher. Damit schien diese Schreibart zur Regel zu werden. Es folgten aber noch einige Rückfälle. Aus unerklärlichen Gründen wählte in Bregenz der Historiker Weizenegger in seinem dreibändigen Werk Vorarlberg, verfaßt um 1820 und herausgegeben von Pater Merkle im Jahre 1839, durchgehend die ausgefallene Schreibart Wolffurth. Er fand aber keine Nachahmer. Die Lehrer und im Familienbuch von 1850 auch der Gemeindeschreiber blieben bei Wolfurt. Der Vorste6 Bild 3: Hohen-Bregentz und ganz rechts Schloß Wolffort auf einer Merian-Karte von 1643. Vier Jahre später haben die Schweden die Burg Hohen-Bregenz gesprengt. her ließ jetzt sogar einen Stempel Gemeinde Vorstehung Wolfurt anfertigen. Nur die vorgesetzten Ämter brauchten noch etwas länger. Aus Innsbruck kamen 1870 die Verleihung der ersten Postmeisterstelle an Vorsteher Mayer in Wolfurth und die Genehmigung zur Führung einer Stampiglie Postamt Wolfurth ab 1. Jänner 1871. Immer seltener tauchte dann aber in amtlichen Schreiben das altmodische th auf, häufiger noch in privaten Briefen. Als die Vorarlberger Landesregierung der Gemeinde Wolfurt mit der schönen Urkunde vom 6. Oktober 1928 die Führung des alten Ritterwappens als Gemeindewappen bestätigte, stand die Schreibung des Namens Wolfurt in seiner heutigen Form aber nicht mehr in Frage. (Siehe Titelbild!) 7 Bild 4: Ältestes WolfurtDokument (1220) im Landesarchiv: .... aut in Wolfurt semper et in Luterach .... .... Cunradus et frater suus milites de Wolfurt Kaiser für seine vielen Heerzüge nach Italien und zuletzt für seinen Kreuzzug Ritter aus ganz Europa um sich sammelte. Zu solch fahrenden Rittern, die ihr Schwert je nach Aussicht auf Erfolg und Beute wechselnden Herren liehen, gehörten einige Zeit später ja auch die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt. Das berühmteste Bild eines englischen Söldnerführers hat Paolo Uccello 1436 an die Wand des Doms von Florenz gemalt. Er betitelte es mit Johannes acutus eques britannicus. Die Florentiner nannten den gefürchteten Herzog Giovanni acuta, den Scharfen Hans, Ritter aus Britannien. Die Sage von Ritter Wolfford Wo aber stammte dieses Ritterwappen her? Wer trug zuerst den wilden Wolf und das Wasser der Furt auf seinem Schild? Die ältesten Dokumente, die von dem Geschlecht Zeugnis geben, stammen aus der Zeit um das Jahr 1220. Als in Lindau die Seelsorge in den Orten rund um Bregenz geregelt wurde, traten unter den Zeugen zwei Brüder auf: Cun. etfrater suus milites de Wolfurt. Das Pergament mit dem Lindauer Schiedsspruch enthält, allerdings ohne genaue Datumsangabe, die älteste erhaltene Namensnennung von Wolfurt im Vorarlberger Landesarchiv.7 Genau datiert, und zwar auf den 31. März 1219, ist eine Weißenauer Urkunde im Stiftsarchiv St. Gallen. Papst Honorius nimmt darin das Kloster Weißenau unter seinen Schutz, dazu mit all dessen Besitz auch ein Gut in Wolfurt,... predium in Wolfurt ... Hier ist Wolfurt also erstmals8 als Ort genannt, ein zweites Mal dann auch 1226 bei der Schenkung der Kapelle an Weißenau. Das Adelsgeschlecht hatte sich um diese Zeit bereits über Lindau bis Überlingen ausgebreitet und wurde jetz rasch hintereinander mehrfach in Urkunden erwähnt.9 Die Ritter von Wolfurt galten als Gefolgsleute der Staufer. Man darf annehmen, daß schon Kaiser Friedrich Barbarossa, zu dessen Hausmacht seit der Schenkung von 1157 der Kellhof und die Kapelle St. Nikolaus gehörten, einen seiner Ritter mit der Burg belehnt hat. Unter den Erben von Schloß Wolfurt, auch unter den nachfolgenden Adelsgeschlechtern der Leber, Reichart und Greiffenegg, blieb über Jahrhunderte die Sage vom schottischen Stammvater M'Dewr the Wolf erhalten. Das schottische Wolfford oder Wolvesford hätte sich hier zu Wolfurt gewandelt. Als erster schrieb Weizenegger die Sage um 1820 auf.10 Sie ist keineswegs unglaubwürdig, wenn man weiß, daß der 8 Ritter Konrad Von ihm gibt es zwar kein gemaltes Bild, aber die Forschungen von Karl Heinz Burmeister in den Archiven Schwabens, Ungarns und Italiens stellen uns den mächtigen Feldherrn und Herzog als wichtig- Bild 5: Joannes acutus, der Scharfe Hans, sten Vertreter der Ritter mit dem Wolfs- ein britischer Söldnerführer schild doch deutlich vor Augen.11 In der Vorarlberger Geschichtsschreibung hatte man das Geschlecht lange vernachlässigt. In Ungarn war im Jahre 1308 der Franzose Karl von Anjou König geworden. Um die Macht des einheimischen Adels zu brechen, rief er westeuropäische Ritter ins Land. Unter ihnen befanden sich auch die Brüder Ulrich und Konrad von Wolfurt. König Karls Sohn Ludwig der Große, die Ungarn nennen ihn Lajos Nagy, schuf aus Ungarn ein Großreich von der Adria bis zur Ostsee. Als er 1348 auch das Königreich Neapel eroberte, standen neben dem deutschen Herzog Werner von Urslingen die beiden Wolfurter Ritter an der Spitze seiner Söldnerheere. Ulrich wurde Statthalter des Königs in Neapel, Konrad Befehlshaber in Apulien. Als Herzog Werner zum Gegner überging, kam es zu einem grausamen Bürgerkrieg. Italienische Chroniken12 berichten von der ungewöhnlichen Tapferkeit und der Kriegskunst der Wolfurter. Konrad führte seine Scharen durch das Land, plünderte die Städte Foggia, Capua und Aversa und erpreßte von den Gefangenen riesige Lösegeldsummen. Nach seinem Vater Wolf von Wolfurt nannte man ihn jetzt Currado Lupo, Konrad den Wolf. Mit ungeheuren Schätzen an geraubtem Gold und Kirchenschmuck und mit vielen entführten Frauen und Mädchen kehrten die Ritter auf ihre Besitzungen in Ungarn und Schwaben heim und erwarben dort Burgen und Ländereien. 9 Transportunternehmen Wolford und in Florida in den USA eine Autowerkstätte Wolford.14 Am Muddy Creek nahe Kremmling in Colorado wurde erst 1996 ein riesiger See aufgestaut, der den Namen Wolford Mountain Reservoir trägt. Und eine Wolfsfurt über die Lahn gab es einst in der Nähe von Gießen.'15 Wolford Und dann gibt es natürlich auch noch die weltbekannte Bregenzer Firma Wolford, deren Name bei Damen mit schönen Strümpfen und bei Besitzern von steigenden Aktien einen gleichermaßen guten Klang hat. Ich habe mich nach der Herkunft des Namens erkundigt und von der Firmenleitung freundliche Auskunft bekommen. Der Firmenname hat natürlich keinerlei Zusammenhang mit Wolfurt. Es gibt ihn erst seit 1950. Er ist eine Neuschöpfung, wahrscheinlich vom Firmengründer Reinhold Wolff gemeinsam mit seinem Geschäftsfreund Walter Palmers erfunden. Aus dem Geschlechtsnamens Wolff und der nach der erfolgreichen Firma Ford klingenden Endung wurde er zusammengefügt. Palmers selbst hat den Markennamen WOLFORD am 7. April 1950 beim Patentamt in Wien angemeldet. Seit diesem Jahr ist er für den Bereich Gemischtwaren geschützt, von Ackerbau-Erzeugnissen und Arzneimitteln bis hin zu Baustoffen und Maschinen und natürlich auch für Bekleidung und für Web- und Wirkwaren. Die Wolford-Geschichte klingt wie ein modernes Märchen. Hier will ich als Gegenstück zur mittelalterlichen Erfolgsgeschichte des Ritters Konrad ein paar Daten daraus aufzeigen und vielleicht einige Leser auf deren Aufarbeitung im 50. Jubiläumsjahr neugierig machen. Reinhold Wolff, geboren 1905 in Hard, hatte mit seinem Vater Johann Wolff und seinen Brüdern in Hard im Jahre 1928 die Firma Vlbg. Wirkwaren Gebr. Wolff gegründet. Vor allem mit ihrer Unterwäsche konnte sich die Firma seither durchsetzen und beachtlich ausweiten. Ein Filialbetrieb gibt seit 1960 an unserer Achstraße als Näherei Wolff auch vielen Wolfurterinnen einen Arbeitsplatz. Im weltpolitisch kritischen Jahr 1936 gründete Reinhold Wolff allein eine Wirkwarenfabrik in England und hatte dort mit 100 Mitarbeitern bei der Erzeugung feinster Damenwäsche großen Erfolg. Bei Kriegsbeginn wurde er 1940 auf der abgelegenen Insel Man interniert und dann 1944 im Gefangenenaustausch nach Hard entlassen. Unter ungeheuren Schwierigkeiten begann er dort 1946 in der alten Mühle mit der Erzeugung von Socken und Strümpfen. Die große Nachfrage zwang ihn schon 1948 zum Bau einer Fabrik auf dem ehemaligen Exerzierplatz in Bregenz. Ab 1950 und jetzt unter dem Markennamen WOLFORD fertigte er auf alten amerikanischen Maschinen Damenstrümpfe aus Kunstseide und bald auch aus Nylon und Perlon. Im Jahre 1965 waren bereits über 1000 Mitarbeiter in den ständig erweiterten und jetzt mit modernsten Maschinen ausgerüsteten Werkshallen beschäftigt. Die nachfolgenden Jahrzehnte brachten mit immer neuen modischen Produkten und der Gründung zahlreicher Handelsniederlassungen eine Ausweitung von Wolford auf ganz Bild 6: Schloß Wolfurt 1950 Auf dem Millenniumsplatz in Budapest stellt seit 1896 ein Relief den König Lajos Nagy mit seinen Rittern und den ihm huldigenden Frauen von Neapel dar. Die Legende erzählt, er habe den Frauen die Freiheit geschenkt. Als Gesandter des Königs reiste Ulrich 1352 zum Papst nach Avignon. Dieselbe hohe Ehre fiel 1355 seinem Bruder Konrad zu, an dessen Seite damals Marquard aus dem aufstrebenden Geschlecht der Edlen von Hohenems als Begleiter ritt. Neben seinen Schlössern in Ungarn, im Schwabenland und in der Schweiz besaß Konrad die Burg Guglionese im Apennin. Er kaufte 1363 Burg und Stadt Arbon und siegelte den Vertrag mit seinem italianisierten Namen CORADUS D UULFORT. Ein Jahr später ließ er aber in einen (vermutlich geraubten) Kelch wieder sein CUNRADUS DE WOLFURT MILES eingravieren. Diesen Kelch stiftete er im Kloster Pfäfers ob Sargans der Muttergottes. Reue über seine Untaten spricht aus der Stiftungsurkunde: ".... Ritter Konrad ...für das Heil seiner Seele, für das Seelenheil seiner Vorfahren, und für das Seelenheil aller derjenigen, die von ihm in Leib und Gut, tödlich oder auf irgend eine andere Weise verletzt worden sind."'13 Im Jahre 1369 ist er gestorben. Mit der Sage vom Ritter Wolfford aus Schottland läßt sich am ehesten das späte und dann plötzlich sehr häufige Auftauchen des Namens Wolfurt ab dem Jahre 1219 erklären. Am Talrand gab es ja schon lange Zeit vorher eine Ansiedlung, für welche aber bis in das 12. Jahrhundert nur der Name der Kapelle St. Nikolaus bekannt war. Die Ortsnamen Rickenbach, Lauterach, Schwarzach, Bildstein und Buch kommen in anderen deutschsprachigen Ländern noch mehrfach vor. Der Name Wolfurt ist dagegen einmalig. Nirgendwo sonst habe ich ihn bis jetzt gefunden. Am ehesten hat er noch einen ähnlich klingenden Doppelgänger in Wolfforth, einer kleinen Stadt nahe der Wüste Llano estacado in West-Texas. In England gibt es ein 10 11 Europa und darüber hinaus. Nach dem Tod des Gründers Reinhold Wolff im Jahre 1972 formten die Nachfolger die Firma 1988 in eine Aktiengesellschaft um. Der Aufwärtstrend blieb ungebrochen. Bei nunmehr rund 3000 Mitarbeitern meldete die Firmenleitung 1999 für das letzte Geschäftsjahr bei 1,83 Milliarden Schilling Umsatz einen Gewinn von über 16 Prozent.16 Wahrhaftig viel Geld und hohe Ehre für den schönen Namen! Wie aber schrieb Theresia Mohr-Wachter in ihrem Bekenntnis zum Heimatdorf? Mi Wolfurt, des ischt m 'r des liobscht uff-or Wealt. I gab 's um koa andors und nitt um viel Geald! Siegfried Heim Die Haltmayer Im Mai 1999 besuchte überraschend Brigadier Med.-Rat Dr. Manfred Haltmayer aus Wien seine Verwandten in Wolfurt. Die nahmen das zum Anlaß eines kleinen Sippentreffens im Kultursaal der Gemeinde. Ich habe dazu die vielen Wolfurter Haltmayer-Stämme durchforscht. Weil weit mehr als hundert Nachkommen-Familien unter uns leben, möchte ich hier einige Ergebnisse vorlegen. Sie berichten vom Werden und Vergehen des einst bedeutendsten Wolfurter Geschlechtes. Der Name Haltmayer wird auch Haltmayr, Haltmeier oder Haltmeyer geschrieben. Er ist zusammengesetzt aus dem alten halt und meier. halten bedeutet ursprünglich behüten, versorgen. Der Meier ist der Verwalter eines Hofes oder auch eines ganzen Landes. Die Bregenzer Haltmayer Während der seltene Geschlechtsname um 1600 in Wolfurt noch unbekannt war, vermeldet das erste Bregenzer Taufbuch zwischen 1587 und 1661 die Taufen von insgesamt 76 Haltmayer-Kindern von 39 unterschiedlichen Elternpaaren. Schon um das Jahr 1500 hatte ein Hans Haltmayer das Schloß Niedegg - so hieß damals die Riedenburg - besessen.1 Ein Andreas Haltmayer, geboren 1599 in Bregenz als Sohn des Bauern Johann Haltmayer, studierte in Dillingen und wirkte als Jesuit lange Zeit in Innsbruck.2 Wahrscheinlich stammen auch die Hörbranzer Haltmayer, die sich heute Haltmeier schreiben, aus Bregenz. Ihr bekanntester Vertreter war Dr. Georg Haltmeyer, 18031867, der als Gründer der Technischen Universität am Karlsplatz in Wien gilt. In Hörbranz umfaßt das Geschlecht noch fünf Familien. Fünf weitere gibt es in Bregenz. Sonst ist der Name in Vorarlberg äußerst selten geworden. Nebenbei sei nur noch vermerkt, daß eine Petra Haltmayer aus dem Allgäu derzeit zu den WeltcupSchiläuferinnen zählt. 1 2 3 Kleiner, Der hofsteigische Landsbrauch, LMV 1900, S. 135 Burmeister, Siegel der Edlen von Wolfurt, Eisenstadt 1984, S. 26 ff GA Wolfurt, Brunnenbriefe. Siehe Heimat Wolfurt, Heft 23/1999! VLA, Merian, Topographia Sueviae, Frankfurt 1643 GA Wolfurt, Fischer-Chronik, S. 46 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 VLA, Helbok-Regesten, Nr. 362, S. 176 VLA, Helbok-Regesten, Nr. 353, S. 173 Damit möchte ich meine Aussage in Heft 22, S. 14, auf 1219 korrigieren. VLA, Helbok-Regesten, Nr. 363, 381, 390, 419, 440 Weizenegger-Merkle, Vorarlberg 1839, Bd. 2, S. 350 Burmeister, Ritter Konrad von Wolfurt, LMV 1982 und Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Lindau 1984 Zitiert in Bronner, Werner von Urslingen, Aarau 1828 (VLA) Burmeister, Das Edelgeschlecht von Wolfurt, Lindau 1984, S.40 Mitteilung von Wolford-Bregenz v. 22.3.1995 Forschungen von Michael Sinz im Internet, Januar 2000 VN, Wolfordin Topform, 10.7.1999, Titelseite 5 6 7 8 9 Die Wolfurter Haltmayer In Wolfurt gehen die Anfänge des für unser Dorf so wichtigen Geschlechtes auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Durch die Pest war 1635 die Hälfte der Bevölkerung ums Leben gekommen. Manches Haus stand leer. Damals ist aus Bregenz der Stammvater Mathias Haltmayer als Adlerwirt nach Rickenbach zugezogen. Er ist laut dem ältesten Bregenzer Taufbuch3 am 10. Februar 1610 in Bregenz als Sohn des Kaspar Haltmayer und der Ursula Höfle geboren worden. Kaspar taucht als Leitname des Geschlechtes bei den Nachkommen noch oft 13 10 11 1 13 14 15 16 12 auf, ebenso wie der der Mutter Ursula und der Schwester Magdalena. Auch der Geschlechtsname Höfle deutet auf eine Verbindung nach Wolfurt," wo er in der Pfarre häufig vorkam. Seither gibt es in den Pfarrbüchern zwei Haltmayer-Stämme. Das Familienbuch zählt bis zum Jahre 1760 bereits 20 Familien auf. Im Jahre 1760 besaßen sie zehn der insgesamt 148 Wolfurter Häuser und zwei weitere in Schwarzach. Von ihnen allen lebt der Name heute nur mehr in den Familien der Brüder Kurt und Norbert Haltmayer fort. In Wolfurt gehören zum Stamm Haltmayer I vor allem die Gerber-Haltmayer im Kirchdorf und die Küfer in der Bütze, zum Stamm II die sehr einflußreichen Rickenbacher Wirte von Adler und Kreuz. Die beiden Stämme gehen auf zwei Brüder zurück, zwei Söhne des Rickenbacher Adlerwirts Mathias Haltmayer.4 Georg Haltmayer, gest. 27.1.1723, war der Stammvater der Gerber, und Kaspar Haltmayer, gest. 8.3.1720, war der Stammvater der Wirte. Ihren Nachkommen ist weiter unten ein umfangreiches Kapitel gewidmet. Vorher möchte ich jedoch einige wichtige Vertreter des Geschlechts herausheben. Mathias Haltmayer, 1610-1684, der Gründer Pest, Hunger und Krieg! In ganz schweren Zeiten waren Mathias und seine Schwester Magdalena in Bregenz zur Welt gekommen. Starke Klimaveränderungen hatten in wenigen Jahrzehnten zu einer Reihe von Mißernten und zum Niedergang des Weinbaus geführt. Im Jahre 1609 waren in Bregenz 16 Hexen verbrannt worden, die meisten davon aus Wolfurt. Weitere Hinrichtungen folgten. Im Jahre 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, in dem schließlich 1647 auch Bregenz erobert und geplündert wurde. Vorher war in mehreren Pest-Epidemien ein großer Teil der Einwohner gestorben, in den Hofsteiger Dörfern etwa die Hälfte. Wolfurt und Rickenbach hatten zusammen 70 Häuser mit rund 400 Einwohnern. Nach den Erscheinungen in Bildstein im Jahre 1629 begann dorthin ein gewaltiger Pilgerstrom zu fließen. Das eröffnete in diesen düsteren Zeiten in Rickenbach einem Gastwirt eine gute Chance. Um das Jahr 1640 dürfte Mathias seine Frau Anna Reinberger geheiratet und mit ihr den ersten nachweisbaren Rickenbacher Gasthof übernommen oder vielleicht selbst eröffnet haben. Von ihren Kindern finden sich sieben in den 1650 begonnenen Wolfurter Pfarrbüchem, davon nur die jüngsten drei in den Taufbüchern. Die Gastwirtschaft blühte auf, besonders als von 1663 bis 1670 in Bildstein die großartige Wallfahrtskirche gebaut wurde und nun jedes Jahr Zehntausende von Pilgern den Weg dorthin suchten. Ab wann das Gasthaus den Namen Adler getragen hat, ist nicht nachweisbar, wohl aber, daß hier schon 1661 Graf Karl Friedrich von Hohenems Einkehr gehalten hat.5 Das als Wirt erworbene Vermögen vergrößerte Mathias Haltmayer noch als Frachter und Handelsmann. Das erfahren wir aus einer in der Rickenbacher Kapellen-Chronik überlieferten Schrift, die einst den Rahmen des Nothelferbildes zierte. Am Rand des 14 Bild 7: Der ehemalige Gasthof Adler am Kellaweg um 1935. Auf dem Motorrad Hans Stark. als Hexentanzplatz berüchtigten Dellenmooses, wo jetzt ein Erddamm als Dellenmos Brug die Landstraße auf kurzem Weg durch den gefährlichen Schlattsumpf nach Schwarzach leitete, ließ Haltmayer 1676 eine Kapelle mit einem großen Nothelferbild errichten. Zwei Jahre zuvor hatte der Rickenbach mit zwei Überschwemmungen am 12. und am 23. August 1674 grosen Schaden gethan.6 Jetzt sollte das Nothelferbild nicht nur den Rickenbacher Besitz, sondern auch Haltmayers Fracht-Fuhrwerke schützen. Er empfahl sie daher St. Loy, dem Hl. Eligius, der als Patron der Schmiede und der Frachter gilt. Die leider inzwischen verschwundene Schrift lautete: Zu Ehren der Hl. Dreifaltigkeit, der Hl. Jungfrau Maria, St. Loy und St. Antonius. Matthias Haltmayer hat 1676 dieses Bild errichtet, folgende Wohltäter haben dasselbe bis jetzt erhalten: 1707 Kaspar Haltmayer, 1720 Anton Haltmayer, Bildstockmauer erbaut; 1776 Andreas Haltmayer renoviert; 1825 Leonhard Fink renoviert; 1865 JosefAnton Fischer; 1902 Johann Georg Fischer zum Adler; 1924 für die Kapelle renoviert Lorenz Gunz. Mit Ausnahme des letzten waren alle Wohltäter Adlerwirte und direkte Nachkommen des Mathias. Im Jahre 1914 wurde die Kapelle, die nahe beim Haus Dornbirnerstraße 15 stand, abgebrochen. Das alte Bild, vor welchem bis dahin noch die Wolfurter und die Schwarzacher Bittprozessionen eine Station gehalten hatten, wurde in die Kapelle Rickenbach übertragen. Kaspar Haltmayer, um 1640-1720, Adlerwirt und Hofsteig-Ammann Kaspar war vermutlich der älteste Sohn des Adlerwirts Mathias Haltmayer. Während wir aber dessen Geburtsdatum im Bregenzer Taufbuch finden können, ist das des Kaspar unbekannt. Im Trauungsbuch sind seine vier Eheschließungen eingetragen. Dabei fungierte bei der ersten im Jahre 1670 noch der Vater Mathias als Trauzeuge, bei den späteren dann seine Brüder Georg und Joseph. 15 Bild 8: Siegel des Kaspar Haltmayer Ammann zu Hofstaig um 1700 Kaspar übernahm den Gasthof Adler samt Frächterei und Weinhandel. Wegen seines hohen Ansehens und seines Vermögens wurde er in den Notjahren nach den Türkenkriegen zwischen 1695 und 1710 dreimal zum Hofsteig-Ammann gewählt. Als amtliches Siegel verwendete er ein Bild, auf dem zwei aufrechte Löwen ein mit einer fünfzackigen Krone geschmücktes riesiges Ei halten. Beim Adler sammelten sich 1706 die gegen die hohen Steuern rebellierenden 2000 Bauern aus dem Bregenzerwald und aus Dornbirn. Obwohl die Kapuziner sie aufhalten wollten, marschierten sie am 13. Mai 1706 mit Äxten, Säbeln, Sensen, Morgensternen und Gewehren zur Lauteracher Achbrücke und von dort mit Trommelwirbel in die Stadt Bregenz. Voller Angst flohen die Beamten und die kaiserlichen Soldaten. Auch später stand Haltmayer auf der Seite des Kämpfers Jerg Rohner.7 Seine Tochter Anna wurde 1729 sogar dessen dritte Ehefrau. später den Namen Engel bekam. Enkel Andreas übernahm den Adler. 1774 erbaute Urenkel Anton Haltmayer schließlich auch noch das Kreuz. Zu so großem Reichtum gelangte der tüchtige Wirt und Stoff-Fergger, daß er 1788 für 6300 Gulden das große Wolfegg-Haus an der Bregenzer Kirchstraße kaufen konnte. Nur zehn Jahre später verkaufte er es bereits wieder für sagenhafte 11 500 Gulden. Wir kennen das stolze Haus heute als unser Landesarchiv.9 Da konnte der alte Gasthof Adler an dem längst zur Nebenstraße gewordenen Kellaweg nicht mehr mithalten. Um das Jahr 1800 errichtete Johann Haltmayer, Wirt und Weinhändler und dazu auch noch Baumwoll-Fergger, seinen Gasthof ganz neu an der Straße nach Dornbirn. Johann Haltmayer, 1862-1924, Kreuzwirt Nach weniger als hundert Jahren war der Name Haltmayer aus fast allen Gasthöfen bereits wieder verschwunden. Als letzter sollte 1888 nach dem Tod der Wirtsleute noch das Kreuz versteigert werden. Von den elf Kindern waren etliche bereits gestorben. Drei Töchter waren Gastwirtinnen im Lamm und im Löwen geworden. Der Sohn Johann Georg ging als Jesuit in die Mission nach Brasilien. Johann, der jüngste Sohn, war Lehrer im Bregenzerwald. Jetzt gab er aber den Lehrberuf auf und wurde daheim in Rickenbach Kreuzwirt. Die letzten Weinberge am Rutzenberg ließ er aufgehen, den letzten Wolfurter WeinTorggel brach er 1897 ab. An dessen Platz hinter dem Kreuz baute er ungeheuer große Keller. Erstmals in Wolfurt verwendete er dabei Zement. In 20 riesigen Fässern konnte er jetzt fast 50 000 Liter Wein einlagern, den die neue Arlbergbahn kostengünstig aus Südtirol nach Schwarzach lieferte. Bald waren die Haltmayer-Weine im ganzen Land bekannt. Als die Stickerei ab 1901 große Gewinne abwarf, erbaute er als einer der ersten in Vorarlberg am Wiesenweg eine Halle für die neuen Schiffle-Stickmaschinen und ein paar Jahre später eine zweite, größere, dazu. Allem Neuen war er aufgeschlossen. Führend tätig finden wir ihn bei der Gründung von Feuerwehr und Raiffeisenkasse. Er wird Obmann des Turnvereins, der Vorarlberger Viehzuchtgenossenschaft und des Landes-Bienenzuchtvereins. 20 Jahre lang diente er der Gemeinde vorbildlich im Gemeinderat. Daß er dabei seine Gaststube nicht vergaß, die er im Jahre 1896 mit dem heute noch erhaltenen schönen Kreuz-Schild schmückte, beweist der hartnäckige Kampf mit dem Adlerwirt Alt-Vorsteher Fischer. Als nämlich der Lehrer Rädler im Auftrag der Gemeinde 1901 eine Straßenbahn nach Dornbirn plante, bekämpften sich die beiden Wirte bis aufs Blut. Jeder wollte die Haltestelle vor seiner Haustüre haben. Von Johann Haltmayers Söhnen starb Manfred 1921, Josef 1931. Damit erlosch nach 300 Jahren das Geschlecht der Haltmayer-Wirte in Rickenbach. Martin Haltmayer I., 1735-1818, Gerber im Kirchdorf Seit drei Generationen betrieb ein Zweig der Rickenbacher Haltmayer in einem klei17 Immer wieder litten der Adler und die umliegenden Häuser unter schlimmen Überschwemmungen durch den Rickenbach. Auf die Katastrophe von 1701 folgte nach einem Erschröcklichen Wolchenbruch eine weitere am späten Abend des 20. August 1702. Schon hatte das Wasser ein Haus, etliche Stadel und die neuerbaute Mühle im Tobel weggerissen, man hat geglaubt der Jüngste Tag werde Komen, die Rickenbacher haben mit einander ein Kapelen verlobt} Tatsächlich erbauten die Rickenbacher nun unter Leitung ihres Ammanns Haltmayer neben der Brücke eine Kapelle für ein großes Dreifaltigkeitsbild mit Mariens Krönung. Mehr als zweihundert Jahre lang beteten sie alljährlich am Dreifaltigkeits-Sonntag davor einen Psalter mit der Bitte um Schutz vor dem Wildbach. Die Kapelle mußte später an die steile Straße nach Bächlingen verlegt werden. Vor einigen Jahren wurde das Hochwasserbild ins Museum nach Bregenz gebracht. Ammann Kaspar Haltmayers Nachkommen weiteten den Familienbesitz gewaltig aus. Der Enkel Kaspar kaufte 1735 das zweite Rickenbacher Gasthaus, den Löwen. Sein Bruder Melchior erwarb gleichzeitig die Krone in Schwarzach, jenes große Gasthaus, das neben den Bildstein-Pilgern auch viele Wälder Frachter beherbergte und 16 Die Wolfurter Haltmayer Einige ihrer Hauptlinien in vier Haltmayer-Häusern. Die zahlreichen anderen Linien lassen sich daraus ableiten. nen Haus im Kirchdorf das ehrsame Gerber-Handwerk. Großvater Georg hatte 19 Kinder, Vater Kaspar 8 und nun Martin selbst auch 9. Eine so große Kinderzahl war damals durchaus üblich. Das ungewöhnliche ist aber, daß von diesen 36 Kindern 27 groß wurden und heirateten! Daraus ergibt sich eine überaus große Anzahl von Seitenlinien und Nachkommen. Martin scheint als erster zu Geld gekommen zu sein. Jedenfalls konnte er nach dem Loskauf der Kellhof-Güter von Ems im Jahre 1771 ein Stück des gräflich-emsischen Weingartens in der Bütze kaufen. Darauf erbaute er für seinen ältesten Sohn Michael im Jahre 1797 ein für jene Zeit außergewöhnlich großes Haus, heute Heims in der Bütze. Als dort am 13. Juli 1800 plündernde französische Soldaten eindrangen, wehrte sich Michael und wurde erschossen. Ein Jahr später überließ Vater Martin die Gerbe im Dorf seinem zweiten Sohn Mathias und übersiedelte selbst mit dem Rest der Familie in die Bütze. Von seinen Söhnen wurde Josef Goldschmied und erfolgreicher Kaufmann in Feldkirch.10 Von der Tochter Theresia stammen die Böhler-Holzerschmiede und die Bildstein im Röhle mit allein über 100 Nachkommen-Familien. Der Sohn Kaspar Haltmayer begründete in der Bütze die Linie der Küfer-Haltmayer. Martin Haltmayer II., 1803-1874, Gerber im Kirchdorf Schon sein Vater Mathias, ein Sohn von Martin L, hatte die Gerberei vergrößert und dazu zwei neue große Häuser nahe beim Engel im Kirchdorf gebaut. Viele Gesellen fanden hier Arbeit. Einige blieben im Ort und gründeten neue Fmilien. Darunter waren Josef Heim aus Hergensweiler, Gottfried Klien aus Hohenems und später Hermann Peter aus Hohenems. Das Vermögen des Gerbers stieg an. 1860 konnte er die ehemalige Dür-Schmiede im Röhle mit großem Grundbesitz kaufen, ein Jahr später sogar sein Nachbarhaus, den Gasthof Engel. Martin Haltmayer zahlte jetzt in Wolfurt am meisten Steuern, mehr als der reiche Müller Zuppinger in Rickenbach, doppelt so viel wie die großen Gastwirte.11 Dafür gehörte er auch viele Jahre lang dem Gemeinderat an. Den Höhepunkt erreichte das Gerbergeschäft, als Haltmayer um 1870 große Ballen von getrockneten Bisonhäuten aus dem Wilden Westen Amerikas bezog. Es war ja die Zeit, in der Buffalo-Bill und andere Jäger innerhalb weniger Jahre dort die riesigen Büffelherden nahezu ausrotteten. An Seilen sollen die Gerber die Häute zum Aufweichen von der Achbrücke ins Wasser gehängt haben. Unbekannt ist, ob Haltmayer damals Kontakt mit den Dutzenden von Wolfurtern gehalten hat, die kurz zuvor nach St. Louis und nach New Ulm in den Wilden Westen ausgewandert waren. Zweimal hat Martin IL geheiratet. Jede der Frauen schenkte ihm acht Kinder. Einige davon begründeten neue große Sippen. Der riesige Besitz wurde verteilt. Sohn Augustin bekam den Gasthof Engel und wurde dort 1890 erstochen. Zwei Jahre später übernahm der ehemalige Gerberknecht Peter das Gasthaus. Sohn Ferdinand bekam die Gerberei. Aber die goldenen Zeiten waren vorbei. Bald nach dem Ersten Weltkrieg mußte der einstmals so großartige Handwerksbetrieb eingestellt werden. 18 19 Die Haltmayer-Nachkommen Ungeheuer groß ist ihre Zahl - beinahe wie Sand am Meer! Mit der folgenden Auflistung, die ganz sicher noch große Lücken aufweist, will ich bewußt machen, wie stark das Blut eines einzigen Elternpaares das Leben der Dorfgemeinschaft bestimmt hat. Mathematiker wissen allerdings, daß in der 11. Generation nur mehr ein einziger von 1024 Blutstropfen Haltmayer-Blut ist. Ahnenforscher ergänzen aber dazu, daß bei diesem Abstand bereits sehr viele Vorfahrenpaare ident sind, daß also viele Wolfurter auf mehreren Linien vom Stammvater Mathias Haltmayer abstammen. Die Übersicht auf Seite 18 enthält nur jene vier Hauptlinien der Haltmayer, die über viele Generationen in den vier Stammhäusern verblieben sind. Weit mehr als hundert andere Familien stammen aus Seitenlinien. Nur mehr zwei tragen den alten Stammes-Namen. A Stamm der Gerber Im Jahre 1671 hatte (3a) Georg Haltmayer aus dem Adler in Rickenbach ins Kirchdorf geheiratet und dort in einem kleinen Haus im röle den Stamm der Gerber begründet. Sein Urenkel (6a) Mathias baute 1818 auf der Ostseite der Straße am Hang ein neues Gerberhaus und 1826 auf der Westseite für seinen Sohn (7a) Martin ein zweites, die große Gerbe. Im ostseitigen Haus wurden später die vielen Gesellen untergebracht. Mit ihrer Schwester Ingeborg Haltmayer-Cesa sind Kurt und Norbert Haltmayer als Kinder des (10a) Wilhelm Haltmayer noch in der um das Jahr 1975 abgebrochenen alten Gerbe im Dorf aufgewachsen. Dort wurde bald darauf der neue Gasthof Engel gebaut. Nahe Verwandte zu Gerbars sind die Familien Spirig und Ulimann. Sehr viele Familien leiten sich von Rosina Haltmayer, 1836-1880, einer Tochter des reichen Gerbers und Gemeinderates (7a) Joh. Martin Haltmayer, ab. Aus ihrer ersten Ehe mit Josef Anton Schertler im Röhle stammen u.a. Hans-Marteles und Thedoros (z.B. Wachters und Steifs), aber auch Holzarschmiods Böhler Augusts Kinder und Schuhmachar-Köbs an der Kellhofstraße. Aus Rosinas zweiter Ehe stammen Köbo Ferdeles Vorsteher Ferdinand Köbs Kinder im Strohdorf mit sehr vielen Familien und Kliens im Oberfeld, Heimich Kliens Kinder. Ein älterer Zweig der Gerber leitet sich von Theresia Haltmayer, geboren 1781 als Tochter des (5a) Martin Haltmayer, ab. Sie war in Spetenlehen mit dem Schmied Hieronymus Böhler verheiratet. Von ihrem Sohn Jakob Böhler, dem ersten Schmied im Holz, stammen alle 20 Bild 10: Gerberei Haltmayer im Kirchdorf um 1920 (z.B. Geigers im Röhle, Guldenschuhs in Unterlinden, Sammar-Fischers, Liberat-Schwärzlers, Klimmer Alberts u.a.) Von Theresias Tochter Anna Maria Haltmayer, die 1848 den Wagner Fidel Bildstein im Röhle geheiratet hatte, stammen allein mehr als hundert Familien in Wolfurt, Bregenz, Lauterach und weit zerstreut bis in Amerika. Hier nenne ich nur, stellvertretend für viele andere die Lislo Gmeiner Kassians im Röhle Lohansolar-Bernhards und Seppatone-Köbs Einen besonders großen Zweig begründete auch Aloys Haltmayer, 1763-1844. Er war ein Enkel des (4a) Kaspar Haltmayer und besaß ein Haus im Gässele hinter dem Alten Schwanen. Seine Frau M. Kath. Schwerzler war eine Tochter der Katharina Haltmayer, geb. 1737 im Löwen, und des Dellenmoosmüllers J. Gg. Schwerzler (Siehe weiter unten unter Adlerwirts!). Aloys Haltmayers Tochter Katharina Haltmayer, 17921856, heiratete den Feger Xaver Albinger. Von ihnen stammen Schnidarles (Eberles, Schandarm-Fischers,...) Feogars (Albingers, Stenzels, ...) Hirschenwirts (Schertler Seppls im Flotzbach und Vonachs im Frickenesch) Hohls mit ihren vielen Familien an der Ach und im Röhle Metzgar Reiners und Frisör Reiners. Schließlich gehören zu dieser Sippe auch noch die Bäcker-Letsch im Hirschen mit unserem berühmten Maler Louis Letsch, 1856-1940, dem „Meister der Blume". 21 Holzerschmiods Noch älter ist der Zweig des Martin Haltmayer, 1732-1788, Schreiner auf dem Bühel. Er war ein Enkel des (3a) Georg Haltmayer. Von seiner einzigen Tochter Anna M. Haltmayer, die 1788 den Bildsteiner Lehrer Jakob Köb heiratete, der darauf das Schreinergeschäft übernahm, stammen u.a. die Familien der Schrinar-Köbs auf dem Bühel Gallar-Köbs (z.B. Aichholzers) Lehrar-Köbs Meßmars, Molars, Hilares, Seppatones,... Ebenfalls auf (3a) Georg Haltmayer geht ein weiterer bedeutsamer Zweig zurück. Seine Urenkelin Magdalena Haltmayer heiratete 1770 Joh. Michael Ibele aus dem Schwabenland. Von ihnen stammen nicht nur die vielen Ibele-Familien in Bregenz und Flötzars Vonachs im Frickenesch, sondern auch die Dörfler-Mohr (Dr. Hermann Mohrs, Lehrer Mohrs und Gebhard Mohrs Kinder, sowie Albingers im Strohdorf). B Stamm der Küfer Als Seitenstamm der Gerber spalteten sich in dem vom Gerber (5a) Martin Haltmayer im Jahre 1797 erbauten Haus in der Bütze die Küfer-Haltmayer ab. Das Stammhaus kam 1891 durch die Einheirat von Josef Heim an die Familie Heim. Im Jahre 1992 wurde es (Bützestraße 4) durch Helmut Heims Kinder von Grund auf erneuert. Zu dieser Linie gehören also die vielen Familien Heims in der Bütze. Von den elf Kindern des ersten Küfers (6b) Kaspar Haltmayer heiratete Anna Maria 1840 den Ferdinand Mesch an der Kirchstraße. Von ihnen stammen Mäschos und Hans-Irgos Eugen Rists Kinder. Von Kaspar Haltmayers Tochter Kreszentia stammten als Enkel auch noch Räschles die ehemaligen Flaschner im Tobel. Kaspars jüngster Sohn Ferdinand Haltmayer übersiedelte als Postbeamter nach Innsbruck, der Enkel Dr. Alfons Haltmayer als Mathematikprofessor nach Wien. Von dort hält der Urenkel Dr. Manfred Haltmayer, Jg. 1921, Verbindung mit der Stammheimat Wolfurt. Er war als Brigadier einer der ranghöchsten Ärzte im österreichischen Bundesheer. Als begeisterter Reiter hat er um 1970 die Hippo-Therapie mitbegründet. C Stamm der Adlerwirte In seinem Gasthaus in Rickenbach begründete Stammvater (2) Mathias Haltmayer, 1610-1684, das Geschlecht der Wolfurter Haltmayer. Um das Jahr 1800 verlegte (6c) Johann Haltmayer den Gasthof Adler von der Nordseite des Kellawegs an die Dornbirnerstraße. Bis 1904 blieb dieser in Familienbesitz, wenn auch durch Einheirat von Schwiegersöhnen nacheinander unter den neuen Namen Zumtobel, Fink und 22 Fischer. Alt-Vorsteher (9c) Joh. Georg Fischer, der hier auch eine Brauerei betrieben hatte, mußte den Adler schließlich 1904 verkaufen. Seither ist er unter wechselnden Besitzern und Pächtern ein angesehener Gasthof geblieben. Zu den sehr zahlreichen Nachkommen des Adlerwirts (9c) J. Gg. Fischer zählen Dr. Elmar Fischer, Jg. 1936, Generalvikar für Vorarlberg, und Richard Kurt Fischer, 1913-1999, Bildender Künstler in Innsbruck. Barbara Haltmayer, eine Schwester der Adlerwirtin (7c) Katharina, war mit dem Seiler Nikolaus Klocker verheiratet. Von ihr stammen die Soalar-Klocker an der Hub. Zwei wichtige Seitenlinien aus dem alten Adler gehen von (4c) Anton Haltmayer aus. Dessen ältester Sohn Kaspar Haltmayer, 1713-1748, hatte 1735 von der Wirtsfamilie Köhlmayer den zwei- Bild 11: Brigadier Dr. Manfred Haltmayer, Wien ten Rickenbacher Gasthof Löwen gekauft. Die Enkelin Katharina, geboren 1737, heiratete den Dellenmoos-Müller Joh. Gg. Schwerzler. Ihre Nachkommen sind die Schwärzler-Dynastien aus Schwarzach, zu denen u.a. die Schwarzacher Kohler und die Pircher-Schwärzler in Bregenz zählen. Von ihnen nenne ich hier nur Hans Kohler, Jg. 1947, Bürgermeister in Rankweil. Ein weiterer Sohn des (4c) Anton war Melchior Haltmayer, 1715-1772, der als Kronen-Wirt in Schwarzach hohes Ansehen gewann. Die Enkelin Maria Anna Haltmayer, 1744-1817, wurde in Rickenbach die zweite Gattin des Hofsteig-Ammanns Josef Fischer. Dieser hatte als Nachfolger von Kaspar Haltmayer den Gasthof Löwen übernommen. Von ihren neun Kindern stammen die vielen Familien der Löwenwirtler-Fischer Zu diesen zählen auch Rößlewirts (z.B. Müllers im Röhle) Märtolars (z.B. Geigers im Röhle und Kirchbergers) Sammars und Alt-Adlerwirts. Manche davon sind bereits weiter oben genannt und besitzen also aus mehreren Linien Haltmayer-Blut. 23 Noch eine ganz besondere Linie geht von Maria Haltmayer, 1671-1721, aus, der ältesten Tochter des Ammanns (3c) Kaspar Haltmayer. Sie wurde durch ihre Tochter Ursula Gmeiner die Stammmutter aller Spetenleher-Fischer. Einer ihrer Enkel in Spetenlehen war der vprhin genannte Löwenwirt und HofsteigAmmann Josef Fischer, der also ebenso wie seine Ehefrau Haltmayerblut vererbte an die Löwenwirtler und die weiter oben bereits genannten Familien. Ein zweiter Enkel war Josefs Bruder Joh. Martin Fischer in Spetenlehen. Von dessen Sohn, dem ersten Wolfurter Vorsteher Joh. Georg Fischer, 1760-1817,12 gehen noch einmal viele Linien aus: Schützenwirts in Spetenlehen Lammwirt-Fischers: z.B. Lehrer Mohrs, Vorsteher Hintereggers, Sternwirt Fischers Fischer Adolfs und Fischer Ruperts in Spetenlehen die Lutzo-Gmeiner in Spetenlehen und Ratzers im Strohdorf Fischer Hermanns und Fischer Alfreds auf der Steig Heims in der Bütze Nagler Kalbs im Tobel und noch viele andere. D Stamm der Kreuzwirte Im Jahre 1774 erbaute Anton Haltmayer, ein Sohn des Adlerwirts (5c) Andreas Haltmayer, auf dem Platz von zwei abgebrochenen oder abgebrannten alten Häusern den dritten Rickenbacher Gasthof Kreuz. Bis zum Tod von Josef, dem älteren Sohn des (9d) Johann Haltmayer, im Jahre 1931 blieb das schöne Haus in Familienbesitz. Beim plötzlichen Tod des zweiten Sohnes (lOd) Manfred im Jahre 1921 erwartete seine Braut ein Kind. So führt nun nach dem Enkel Manfred Füchsl, 1922-1984, die Linie weiter zu Füchsls am Wiesenweg. Aus früheren Kreuzwirt-Generationen sind zwar viele Kinder, aber nur wenige Enkel bekannt. Von (8d) Johann Haltmayer heiratete Tochter Paulina den Löwenwirt Franz Josef Fischer und wurde damit die letzte Löwenwirtin. Der bekannte Gasthof ist 1912 abgebrannt. Zwei weitere Töchter des Kreuzwirts, Maria Bild 12: Josef Haltmeyer, 1891-1931, Anna und Maria Katharina heirateten nacheinder letzte Haltmayer-Wirt 24 Bild 13: Die jüngsten Wolfurter Haltmayer (1999): Ingeborg, Norbert und Kurt Haltmayer mit ihren Ehepartnern. In der Mitte Reinhard, Jg. 1971. ander den Lammwirt Gebhard Fischer. Ihre vielen Nachkommen sind heute, wie auch die Löwenwirtler, weit in alle Welt zerstreut. Als einziger war Katharinas Enkel, der Sternenwirt Johann Fischer, in Wolfurt geblieben. Zu dieser Linie der HaltmayerNachkommen zählen also Heims Helga am Funkenweg und ihre Kinder. E Stamm der Stöoglar-Fischer Sogar aus einem fünften Haltmayer-Stamm leben noch Nachkommen in Wolfurt. Neben den Söhnen Kaspar und Georg hatte Adlerwirt (2) Mathias noch einen Sohn (3e) Josef Haltmayer, gestorben 1708. Dieser besaß nahe bei seinem Bruder Georg im Kirchdorf-Loch jenes Haus, das unter der Nummer Im Dorf 10 (Wolfs) im Jahre 1958 abgebrannt ist. Seine Urenkelin (6e) Ursula, Jg. 1798, heiratete Johann Fischer auf der Steig, den jüngeren Bruder des bekannten Sepp Fischer. Über Ursulas Enkel Hanne Fischer, 1866-1945, führt eine Linie zu dessen vielen Nachkommen Stöoglars an der Ach. 25 Noch einmal sei betont: Das sind zwar viele, aber noch lange nicht alle Wolfurter Haltmayer-Nachkommen. Einige von uns können sich jetzt vielleicht besser in dem riesigen Geschlecht zurechtfinden. Andere müssen weiter forschen. Hoffentlich wächst dadurch das Bewußtsein: Wir gehören zusammen! Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (3) In Heft 20 und Heft 22 habe ich aus dem Leben der ersten dreizehn Wolfurter Vorsteher bis zum Jahre 1873 berichtet. Ihre Zeit war geprägt von Hungersnot und Arbeitslosigkeit, vom Beginn der Industrialisierung und den ersten Ansätzen zur Demokratisierung der Gemeinden. Ulmer, Burgen, 1925, S. 377 Ludewig, Vorarlberger an Hochschulen, 1920, S. 156 3 VLA, Taufbuch 181/1 4 Erhebungen von S. Heim im VLA und in den Wolfurter Pfarrbüchern, 1998 5 Welti, KellnhofWolfurt, aus LMV 1952, S. 8 6 GA Wolfurt, Schachtel 1804, Bericht aus alten Bücher I Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 21 und S. 28 ff. 8 Wie Anmerkung 6, GA Wolfurt, Schachtel 1804, Bericht aus alten Bücher 9 Schnell. Kunstführer 1324, Vlb. Landesarchiv, S. 3 10 Heimat Wolfurt, Heft 21/1998, S. 21 II Heimat Wolfurt, Heft 22/1999, S. 35 12 Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 11! 2 1 14. Joh. Martin Schertler (II.) Geb. 9.10.1841, gest. 18.4.1907 1879-1891 Die Wahlen von 1879 hatten also auch in Wolfurt das Übergewicht der Liberalen in der Gemeindestube beendet und wieder einen konservativen Schertler an die Spitze der Gemeinde gebracht. Schon sein Vater und sein Bruder waren ja Vorsteher gewesen.1 Trotz der vorangegangenen Auswanderungswelle nach Amerika war die Einwohnerzahl der Gemeinde bis zur Zählung von 1880 auf 1630 gestiegen. Darunter waren erst 31 Italienisch sprechende Trentiner. Aber deren Zahl würde in den nächsten 20 Jahren auf 231 anwachsen. In ihrer Armut und Ausgegrenzheit standen sie in den elenden Qartieren vor nahezu unlösbaren Problemen.2 Die 213 Bauern besaßen jetzt 426 Kühe, 254 Stück Galtvieh und 38 Pferde. Die meisten von ihnen waren hoch verschuldet. Nur zaghaft begannen sie, den Zusammenbruch des Getreide-Anbaus durch Steigerung der Milchwirtschaft auszugleichen. An der Hub und im Kirchdorf waren Sennereien gegründet worden. Erstmals bekamen die Bauern wenigstens ein paar Kreuzer für ihre Milch. Unter Führung von Oberlehrer Wendelin Rädler erbauten sie jetzt im Jahre 1882 sogar ein eigenes Bild 14: Vorsteher Joh. Martin Schertler, 1841-1907 27 26 Sennereigebäude am Röhle-Rank.3 Genau einhundert Jahre später ist es 1982 wieder abgebrochen worden. Viele Wolfurter arbeiteten wie die Trentiner in der Kennelbacher Fabrik. Außer für ein paar Knechte und Mägde gab es im Ort kaum Arbeitsplätze, am ehesten noch in den Gerbereien, Mühlen und Ziegeleien. Seine Brauerei betrieb der Adlerwirt ohne fremde Hilfe. Aus 4300 kg Gerste und 85 kg Hopfen braute er im ganzen Jahr 196 Hektoliter Bier. Einzig Zuppinger beschäftigte 1882 an den Drehbänken in seiner Spulenfabrik im Kessel bereits 45 Arbeiter. Aus 1500 Kubikmetern Holz verfertigten sie in einem Jahr über 1 1/2 Millionen Garnspulen im Wert von etwa 50 000 Gulden. Dazu begründete Joh. Walter Zuppinger mit seinen tüchtigen Söhnen zwei weitere Spulenfabriken mit jeweils über 100 Arbeitern, eine 1883 in Römerstadt in Mähren, die zweite 1891 in Freyung in Niederbayern. Zum Anlernen der dortigen Arbeiter nahm er etliche Werkmeister aus Wolfurt mit. Für die kleinen Leute hatte gerade das erste Stickerei-Fieber eingesetzt. Gebhard Fischer, Seppos auf der Steig, hatte 1869 eine Hand-Stickmaschine aus der Schweiz in Betrieb genommen und 1874 sieben weitere dazu gestellt. Das wirkte ansteckend. Im September 1883 konnte der Vorsteher bereits 34 Sticker mit zusammen 43 HandStickmaschinen melden. Im Jahr 1882 richtete er, einer Idee Rädlers folgend, im Schulhaus die erste Gemeindekanzlei ein. Sogar ein hauptamtlicher Gemeindeschreiber wurde in der Person von Lorenz Schertler, einem Neffen des Vorstehers, gefunden und angestellt. Mustergültig ordnete dieser nun die alten Akten und Bücher. Im Dachboden der Schule wurde dafür ein feuersicheres Archiv angelegt.4 Im Februar 1880 kam mit Joh. Gg. Sieber ein besonders aktiver neuer Pfarrer nach Wolfurt, der sich zusammen mit den Casino-Leuten entschieden gegen die immer noch mächtigen Liberalen wandte. Wöchentlich traf er sich mit Vorsteher, Gemeindearzt Dr. Elsler, Schulleiter Rädler und einigen anderen wichtigen Leuten in der hinteren Stube des Postmeisters und Sternenwirts Eduard Böhler, um das Gemeindegeschehen zu besprechen. Zuerst sollte der Friedhof erweitert werden. Dazu mußten ein neuer Pfarrhof erbaut, der alte samt dem Pfarrstadel abgebrochen und die Zufahrtsstraße verlegt werden. Für den Platz des Pfarrhofs wurde ein großer Fels weggebrochen. Die Steine fanden Verwendung beim Bau der Sennerei, für Wuhrmauern an der Ach und natürlich auch für den Neubau des Pfarrhofes. Für diesen hatte Pfarrer Sieber eine überdimensionale Planung mit großartigen Baikonen vorgesehen. Zwar reduzierte der Bauausschuß dieses Vorhaben, aber die Kosten beliefen sich schließlich doch auf 6954 Gulden und stürzten die Gemeinde in beachtliche Schulden. Über Betreiben des Pfarrers hatte die Gemeinde den Friedhof schon 1881 als Katholischen erklärt. Nun durften Andersgläubige und Selbstmörder nur mehr in einem Winkel ohne Grabschmuck beerdigt werden! Ausnahmen hat es für Bessere aber manchmal gegeben. Bild 15: Pfarrers Stadel, Pfarrhof, Kirche und Friedhof bis 1882. Eine Skizze von Engelbert Köb. Die Kirche erhielt 1885 durch die Schwarzacher Firma Behmann eine neue Orgel für den tüchtigen Organisten Fidel Kalb. Das Kirchenschiff ließ der Pfarrer durch Engelbert Köb prächtig ausmalen. Gemeinsam mit seinem Bruder Hilar schuf dieser auch einen neuen Hochaltar für das hochgeschätzte Flatz-Bild Maria Krönung. Für die weiten Wege der Leichenzüge schaffte die Gemeinde 1884 einen Todtenwagen an. Der Versuch der Gemeinde, gegen den seit 1881 im Adler bestehenden Sparverein eine Konkurrenz-Sparkasse zu errichten, scheiterte vorerst am Einspruch der Behörden.. Erst 1889 gelang dem unermüdlichen Rädler die Gründung seiner Raiffeisenkasse. Das Vereinsleben blühte auf. Für die Schützen kaufte die Gemeinde 1880 den bis dahin privaten Schießstand an der Hub. 1890 erhielten sie neue Gewehre und eine neue Fahne. Als Organist Fidel Kalb 1885 die Leitung der Musik übernahm, formte er sie durch zusätzliche Instrumente zu einer Türkischen Musik um. In Rickenbach bestand seit 1886 ein Turnverein. Für den Winter stellte ihm die Gemeinde als Turnraum zwei Klassen im alten Schulhaus zur Verfügung. Im Jahre 1889 erreichte Vorsteher Joh. Martin Schertler dann die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Bald wurden aber wieder alle männlichen Gemeindebürger als Hilfsmannschaft zu den alljährlichen Feuerwehrübungen verpflichtet. Den Wolfurter Männerchor hatte VorsteherSchertlerzusammen mit Postmeister Böhler und Organist Kalb schon in seinem ersten Vorsteher-Jahr neu gegründet. Sogar die politischen Gegner Zuppinger und Altvorsteher Fischer sangen im Baß mit. Als der Chor aber dem Kaplan ein Ständchen gesungen hatte, traten die liberalen Sänger geschlossen aus. Mit nur mehr 14 schwarzen Sängern mußte der Verein nach einigen Jahren aufgeben. Daneben wurden auch noch andere Sorgen an den Vorsteher herangetragen. Er mußte für die Einhaltung der Polizeistunde sorgen: Punkt 11 Uhr! Bei Übertretungen zahlte 28 29 der Wirt zwei, jeder Gast einen Gulden in die Armenkassa. Ruhestörer auf der Gasse wurden arretiert und mit ein bis drei Tagen Arrest bestraft. Selbverständlich mußten die Gasthäuser während des Sonntags-Gottesdienstes geschlossen bleiben. Und fast jede Ausschuß-Sitzung hatte sich mit Ehegesuchen zu befassen. Immer mehr Wolfurter überstiegen die alten Schranken und suchten sich fremde Frauen. Dafür mußte dann jeder 50 Gulden Weibereinkaufstaxe bezahlen. Sogar der Drechsler Joh. Gg. Anwander, der sich im fernen Römerstadt in Mähren am Aufbau von Zuppingers neuer Spulenfabrik beteiligte und dort 1887 seine Julia ehelichen wollte, mußte zuerst daheim in Wolfurt bare Gulden hinlegen! Die damit verbundene Gemeinde-Bürgerschaft konnte allerdings unendlich wichtig werden. So wurde etwa die nach Dornbirn zuständige todkranke Witwe Philomena Maier samt ihren zwei Kindern im August 1883 einfach aus Wolfurt mit dem Fuhrwerk nach Dornbirn abgeschoben. Dort ist sie ein paar Wochen später gestorben. Jetzt mußte sich Dornbirn um die Waisen kümmern.5 Langsam wirkte sich jetzt die Arlbergbahn auf die Wirtschaft aus. Das Loch durch den Berg band unser Land enger an die Monarchie. Kaiser Franz Joseph hatte die neue Bahn 1884 selbst eröffnet. Als er dann im Österreichischen Hof in Bregenz Audienz hielt, machten ihm auch Vorsteher Schertler und die ganze GemeindeVorstehung ihre Aufwartung. Begleitet wurden sie von der Musik, den Veteranen und den Schützen. Vorsteher Joh. Martin Schertler hatte sein Vaterhaus an der Kirchstraße (heute Nr. 11) übernommen. Seine erste Frau Maria Anna Halder war eine Tochter des (10.) Vorstehers Josef Halder. Sie schenkte ihm 6 Kinder. Die zweite Frau Juditha Fischer war eine Schwester des Kunsthandwerkers Johann Fischer, Schnidarles Hannes, der ihre Wohnung mit wunserschönen Möbeln ausgestattet hatte.6 Sie gebar ihm weitere 10 Kinder, die nun alle zusammen in Alt-Vorstehers Hus aufwuchsen. Tochter Maria wurde die zweite Frau des (13.) Vorstehers Adlerwirt Fischer und damit die Ahnfrau namhafter Enkel. Von Sohn Rudolf, bekannt als Zeichner, ChorVorsteher und Theaterspieler, stammen die Schuh-Meusburger. Sohn Albert hatte als Schuhmacher mit seinen Schwestern ein Schuhgeschäft in Wolfurt und ein zweites an der Kaiserstraße in Bregenz aufgebaut. Der älteste Sohn Josef wurde Kapellmeister und ab 1891 Gemeindeschreiber in der neuen Kanzlei. Von ihm hören wir im nächsten Kapitel beim Musikstreit. Vom jüngsten Sohn Siegfried, Lehrer in Mittelberg und in Hard, leben zahlreiche Nachkommen. Einer davon ist Roman Schertler an der Lorenz Schertlerstraße. 15/1 Lorenz Schertler 1891-1901 Geb. 2.10.1857, gest. 16.12.1936 Alle drei Jahre gab es Neuwahlen in den 18köpfigen Gemeinde-Ausschuß und noch immer waren sie hart umkämpft. Noch einmal trat der mächtige Altvorsteher Adlerwirt Fischer 1891 gegen den neuen Kandidaten der Konservativen um den Posten des Vorstehers an. Erst im dritten Wahlgang setzte sich der neue knapp mit 10 von 18 Stimmen durch: Lorenz Schertler, der tüchtige und beliebte bisherige Gemeindeschreiber, der gleichzeitig Ziegel-Fabrikant war. Adlerwirt Fischer mußte sich mit dem Posten des I. Gemeinderates begnügen. Die große und mit Doppelmayrs Dampfpresse hochmoderne Ziegelei im Flotzbach leiteten der Vater des Vorstehers und der Bruder Jakob.7 Die drei alten Ziegeleien an der Ach konnten Bild 16:Vorsteher Lorenz Schertler, 1857-1936 nicht mehr mithalten und wurden alle um das Jahr 1890 abgebrochen. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft war jetzt in vollem Gange. Lehrer Rädler lehrte in Fortbildungskursen und Abendschule modernen Obstbau. 1894 wurde unter Patronanz des Vorstehers ein Viehzucht-Verein gegründet, der mithelfen sollte, den Milchertrag zu steigern. Neuen Streit gab es aber auch wieder. Diemal kam er von der Musik. Vorsteher J. Martin Schertlers ältester Sohn Josef, 1864-1898, hatte bei der Militärmusik gedient und war 1887 Kapellmeister bei der Wolfurter Blasmusik geworden. Er führte 1888 die ersten Vereins-Statuten ein und verlangte besseren Probenbesuch. 1893 trat er mit einigen Musikanten aus der Alten Musik aus und gründete mit neuen Statuten die Harmonie-Musik. Ein unglaublicher Streit um Fronleichnamsprozession, Christbaum-Feier und Neujahrs-Blasen war die Folge. Über gegenseitiges Stören hinaus kam es zu Raufereien und Ehrenbeleidigungen. Quer durch die anderen Vereine und sogar durch die Gemeindevertretung ging der Riß. Selbst als Kapellmeister Schertler 1898 plötzlich starb und der junge Franz Rohner die Stabführung der inzwischen an Mitgliedern und Leistungsvermögen weit überlegenen neuen Musik übernahm, dauerte der Streit an. Erst Vorsteher Schertlers Nachfolger Fidel Kirchberger gelang 1901 durch die Mithilfe von Lehrer Rädler ein Zusammenschluß der beiden Kapellen. Seit- 30 31 her nennt sich der Verein Bürgermusik Wolfurt. Franz Rohner wurde wieder Kapellmeister und blieb es unglaubliche 55 Jahre lang bis 1956. In Rickenbach war 1888 unter den acht Todesopfern, die eine vom vergifteten Brunnen ausgehende Cholera-Epidemie gefordert hatte, auch der verdienstvolle Mechaniker Josef Anton Dür gewesen. Sein Sohn und auch der Schwiegersohn waren mit der Führung der Mechaniker-Werkstätte überfordert. Im Herbst 1892 kaufte sie der Härder Schlosser Conrad Doppelmeyer.8 Nach der Überlieferung hatte Dür selbst seinen Betrieb schon ein paar Jahre früher seinem einstigen Lehrbuben angetragen. Sehr klein begann Doppelmeyer am Rickenbach. Noch nach sieben Jahren stand er im Steuerkataster zu den Gemeindewahlen 1900 mit 112 Kronen erst auf Platz 44, weit hinter Zuppinger mit 1076 Kronen und den vielen Wirten, Händlern und Stikkern. Das hat sich dann aber bald gewaltig geändert! Seine Nachbarn, die Gebrüder Gunz von der Mühle im Tobel, hatten 1896 ein erstes Kraftwerk gebaut und Strom für einen Motor und für elektrisches Licht erzeugt. Da schloß sich auch Doppelmeyer an. 1897 arbeiteten die Brüder Gunz ein Projekt zur Stromversorgung für die Gemeinden Schwarzach und Wolfurt mit einem größeren Werk an der Schwarzach aus. Sie verkauften es schließlich an den Rankweiler Ingenieur Albert Loacker. Schon im Jahr 1900 brannten die elektrischen Lampen in vielen Häusern der beiden Gemeinden, früher als anderswo im Land. Denn elektrischen Strom gab es seit 1886 zwar in der Schindler-Fabrik in Kennelbach und einige Jahre danach in den anderen großen Fabriken in Vorarlberg, kaum aber in Privathäusern. Der Vorsprung zahlte sich für Wolfurt bald aus. Im Jahre 1898 hatte man hier nämlich die ersten Schiffle-Stickmachinen aufgestellt. Bis jetzt wurden sie mit Dieselmotoren betrieben. Neue Maschinen wurden aber ab jetzt überall mit problemlos zu bedienenden Elektromotoren ausgerüstet. Diese Frankenmühlen lösten ab 1902 ein wahres Stickereifieber aus. Weil seit der dritten Durchmimmerierung der Häuser im Jahre 1843 über 50 neue Häuser im ganzen Dorf verstreut gebaut worden waren und bereits weitere im Bau waren, führte der Vorsteher zum 1. Jänner 1900 die vierten Hausnummern ein. Von Nr.l in der Höll führten sie bis zu Nr. 290 im Schlatt. Diese Nummern (D) wurden erst 1954 unter Bürgermeister Gunz durch neue mit Straßenbezeichnungen (E) ersetzt. Dreimal wurde Lorenz Schertler bei Gemeindewahlen ganz klar wiedergewählt, zuletzt im Jahre 1900. Doch dann wollte sein Vater die Leitung der Ziegelei an beide Söhne übergeben. Im Frühling 1901 legte Lorenz sein Amt als Vorsteher zurück. In der Not nach dem großen Weltkrieg holten ihn die Wolfurter dann aber noch einmal in das Vorsteher-Amt. 16. Fidel Kirchberger 1901-1906 Geb. 16.11.1853, gest. 27.5.1916 Im Mai 1901 mußte der Ausschuß für den zurückgetretenen Vorsteher einen Nachfolger suchen. Fast einstimmig fiel die Wahl auf den angesehenen Schuhmacher Fidel Kirchberg


Heimat Wolfurt Heft 23 1999 November
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 23 Zeitschrift des Heimatkundekreises November 1999 Bild 1: Rickenbach hat heuer seinen 750. Namenstag gefeiert. Hier die Kapelle und der Gasthof Kreuz auf einem Bild von 1910. Inhalt: 116. 117. 118. 119. 120. Dorfbrunnen Hexen in Wolfurt Adlerwirts Haus-Chronik Fronleichnamsschützen Gasthäuser Bildnachweis: Siegfried Heim Bilder 3, V, 11, 16, 17, 22 Sammlung Tschaikner Kopien 9, 12, 13, 14 Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Ahnenforschung (Heft 22, S. 5) Einige Überraschung hat bei manchen Lesern die Nachricht ausgelöst, daß auch die Harder Köhlmeier ursprünglich eine Wolfurter Familie waren. Aber auch viele unserer heutigen Wolfurter Familien haben Köllmayer in ihrer Ahnentafel, so etwa die Stöoglar- und die Seppar-Fischer. Der in seiner Schreibweise mehrfach veränderte Name Köhlmeier hat wahrscheinlich einen Bezug zum Gericht Kell-Hof im Kirchdorf, vielleicht auch zum schon 1340 genannten Gut kelun, dem heutigen Kella. Die Krone (Heft 22, S. 7) Ganz genau haben Luzias Verwandte und natürlich auch die einstigen Gäste der nun schon beinahe vergessenen Krone den Beitrag studiert. Emil Herburger ergänzt dazu, daß die Gründungsversammlung der Turnerschaft Wolfurt am 22. Dezember 1946 in der Krone kein Zusammenschluß der Vereine gewesen sei, weil der liberale Turnverein die Wirren des Krieges nicht überstanden hatte. Die aus dem Kriege heimkehrenden Turner sammelten sich alte in der neuen Turnerschaft und übernahmen auch die im Jahre 1924 geweihte Vereinsfahne des aus dem Katholischen Arbeiterverein hervorgegangenen Turnerbundes. Anton Klettl hatte sie während des Krieges versteckt gehalten. 750 Jahre Rickenbach (Heft 22, S. 7) Für alle Wolfurter erhält der Beitrag über Wolfurt und die Mehrerau heuer durch die große Sommerausstellung des Landes Vorarlberg besondere Aktualität: Unsere Mutterkirche Mehrerau feierte! Ausgestellt war auch das Original der Papst-Urkunde von 1249. Hard hat das 750-Jahr-Namensfest wegen des Bodensee-Hochwassers zuerst verschoben und im September dann mit der Herausgabe eines schönen Buches gefeiert. Auch Schwarzach hat sich des historischen Termins erinnert. In Rickenbach war er Anlaß, sich um die beiden ältesten Wolfurter Bilder zu kümmern. Das 14-Nothelfer-Bild, im Jahre 1676 von Adlerwirt Mathias Haltmayer für eine Kapelle im Schlaft gestiftet und von dort 1914 in die Kapelle Rickenbach übertragen, bedarf dringend einer Restaurierung. Dann soll es endlich wieder den Gläubigen und den Kunstfreunden zugänglich gemacht werden. Das Hochwasser-Votivbild haben alle Rickenbacher gemeinsam nach einem Gelübde für die Errettung aus Hochwassergefahr im Jahre 1702 gestiftet. Von der Brücke beim Mohren wurde die Dreifaltigkeits-Kapelle schon vor vielen Jahren an den Anstieg der Bildsteiner Straße verlegt. Beim Besitzerwechsel des Gunz-Hauses gelangte das historisch für Rickenbach so bedeutsame Bild im Jahre 1996 leider in das Depot unseres Landesmuseums in Bregenz. Es gehört aber nach Rickenbach! Bitte! Diesem Heft 23 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11. A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan. A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Gcs.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Richard Kurt Fischer (Heft 22, S. 49) Bei einem Vortrag über die Rickenbacher wurden erstmals in Wolfurt Bilder des Tiroler Malers vorgestellt. Interessierte Zuhörer haben in der Folge Fischers Bildband Auf den Flügeln des Geistes im Gemeindearchiv ausgeliehen. Inge Stenzel hat sogar schon die Fischer-Kapelle in Arzl besuchen wollen, stand aber vor einer verschlossenen Tür. Sie will wiederkommen. Aus Innsbruck erfahren wir, daß Richard Kurt Fischer am 13. Oktober 1999 im Alter von 86 Jahren gestorben ist. Su-Biorar (Heft 22, S. 52) Wie schon vorher in den Zeitungen hat der Bericht über die Wolfurter Spezialität ein besonderes Echo ausgelöst. Altbürgermeister Emil Geiger erzählte, daß es früher auch ganz große Su-BiorarBäume gegeben habe. Einen besonders großen habe er selbst als junger Bursch um 1938 im Röhle um-to (gefällt). Nur die vier Rot-Biorar (Mostbirnen) seien noch größer gewesen. Die Nachbarin Rosmarie Schertler wußte, daß Kapeollars Hus früher einer Familie Flatz gehört habe. Wieso denn dann ein Kaspar Dür den Baum gepflanzt habe? Richtig! Die Dür-Erben verkauften das um das Jahr 1805 erbaute Haus schon 1860 an Kaspar Stadelmann aus Buch. Von ihm erbte es 1873 ein Peter Flatz aus Buch, der es dann 1885 an den jungen Zimmermann Ambros Flatz und dessen Frau Theresia Roth übergab. Hier sind deren Kinder Josef (Flatzo Beppe), Isidor, Franziska (verh. mit Franz Lang), Berta (verh. mit Xaver Very Fink) und Augusta (verh. mit Fritz Pehr) aufgewachsen. Erst als Vater Flatz um 1900 sein neues Haus an der Unterlindenstraße (Isidoros) erbaut hatte und mit seiner Familie dorthin übersiedelt war, konnte der Spinnereimeister Lorenz Rohner (Vinälars) mit seinen vielen Kindern im Röhle einziehen. Ihr Haus an der Ach (beim späteren Wälderhof) hatten sie 1897 durch einen Brand verloren. Der Sohn Franz Rohner hat dann schon 1901 die Kapellmeisterstelle bei der Bürgermusik übernommen. Und er hat auch als erster unseren kostbaren Su-Biorar gebrannt! Schnaps-Brenno (Heft 22, S. 59) Gefreut hat mich das Kompliment einer Leserin: / heo gat gmoant, i schmeck do Schnaps! Unser Dialekt ist in einer sehr schwierigen Umbruch-Situation. Noch wissen wir nicht, ob er in wenigen Jahrzehnten eine von der Allgemeinheit kaum mehr verstandene Museums-Sprache sein wird oder ob er sich unter den vielen Einflüssen unserer Zeit zu einem Gebrauchs-Slang wandelt. Für Anregungen und Kritik zu der Serie So heo s i ghört wäre ich daher besonders dankbar. Bild 2: Tante Cecilia mit ihrer Schwester Margaret am Grab ihres Großvaters in Pinckneyville. Grüße aus Amerika In Pinckneyville, Illinois/USA feierte im August 1999 Frau Cecilia Ruppert, eine Enkelin des Wolfurter Auswanderers Mathias Schneider, bei guter Gesundheit ihren 101. Geburtstag. Ihre Nichte Louise Grobl übermittelte uns Grüße und Fotos. Beste Wünsche von uns an die älteste „Wolfurterin" im fernen Land! Gute Nacht! (Heft 22, S. 57) Überrascht und erfreut über das Gedicht ihres verstorben Mannes zeigte sich Frau Maria Repolusk. Sie bedankte sich dafür mit einem wunderschönen Bildbändchen, das sie mit ihren geschickten Fingern selbst geschaffen hat. Ihre Bekannten wissen längst, wie viel Freude Frau Maria mit ihrem Kunsthandwerk immer wieder schenkt. Danke! 4 5 Siegfried Heim Der Dorfbrunnen Unser Dorfbrunnen plätschert wieder! Aus der großen Wasserstube am Waldrand droben, die unser Wassermeister sorgsam im Erdreich geborgen hält, fließt nach langen Jahren endlich wieder köstlich frisches Waldwasser in die neuen Sandsteintröge am Dorfplatz. Sogar die alte schön gezierte gußeiserne Brunnensäule haben sie wieder aufgestellt. Am 3. Juli 1999 sprach Pfarrer German Amann seinen Segen über den neuen Brunnen und Bürgermeister Erwin Mohr ließ unter dem Beifall vieler Gäste den Absperrhahn öffnen. Seither trinkt wieder mancher Durstige von dem "lebendigen" Wasser, Kinder spielen begeistert am Trog, Sport-Radfahrer bleiben stehen und suchen Kühlung. Meine Freude darüber wird noch größer, seit ich gesehen habe, daß die Gestalter des neuen Dorfplatzes sogar dem Töbelebach wieder einen Winkel der Freiheit gegeben haben. Ein richtiges Naturbächlein sprudelt durch die Wiese, bringt die Kinder zum Staunen und erquickt unser Herz. Vom Bach aus ist unser Kirchdorf entstanden. Durch Jahrhunderte war der Brunnen sein Mittelpunkt. Dann ist das Herz des Dorfes an dem Übermaß von Autos und Asphalt erkrankt. Jetzt ist es sichtlich auf dem Weg der Besserung. Den verantwortlichen "Ärzten" sei herzlich gedankt! Bei der Grundbuch-Aufnahme im Jahre 1903 ließen 60 Hausbesitzer im Kirchdorf ihr Wasserbezugsrecht am Dorfbrunnen eintragen. Am Rickenbacher Brunnen taten das 22 Eigentümer, 5 in Spetenlehen, 15 an der Hub, 25 im Strohdorf und 11 am Unterlinden-Brunnen.1 Viele Häuser besaßen aber damals auch schon zusätzlich eigene Laufbrunnen oder wenigstens Golggar-Pumpbrunnen. Zu den 60 Dörfler Brunnengenossen von 1903 gehörten die Häuser im Dorf, im Gässele, im Loch und im Tobel, dazu die an der Kirchstraße bis hinaus zum Hirschen und an der Bregenzerstraße bis zu Hannes Franz und Rößlewirts im Röhle, an der Kellhofstraße bis hinab zu Rädlers und Mohrs und droben alle Häuser auf dem Bühel bis zur Feldeggstraße, sogar noch das Fabrikshaus am Hexenbühel und auch der Pfarrhof. Zum neuen Pfarrhof hatte man aber schon 1882 eine eigene Leitung verlegt und sieben Anteile daran den Leuten auf dem Bühel für ihre eigene Waschhütte an der Oberfeldgasse überlassen. Das Überwasser davon bekam noch das darunter angrenzende Gerbe-Wohnhaus. Das Überwasser des Dorfbrunnens speiste den Kleinen Brunnen an der Kreuzstraße und den Brunnen in der Dörfler Waschhütte unterhalb des Schwanengartens. Wenn die privaten Brunnen in heißen Sommern austrockneten oder im strengen Winterfrost erstarrten, dann bestanden alle Bauern auf ihre alten Rechte am Großen Brunnen am Dorfplatz Sie führten ihre Kühe dorthin an den stets peinlich sauber gehaltenen Tränkbrunnen und wuschen allerlei Gerätschaften im kleinen Becken des Sudel6 Bild 3: Der neue Dorfbrunnen 1999 brunnens. Die Frauen tauschten meist noch ein paar Neuigkeiten aus, ehe sie ihre schweren Wasserkübel heim in die Küche schleppten. Ein Brunnenmeister sorgte für Reinlichkeit und Instandhaltung und verwaltete die Brunnengelder und die alten Brunnen-Briefe. Er kümmerte sich auch um den Brunnenwald, aus dem man die schlanken Tannen holte, die man für die Düchel, die langen Holzrohre der Zuleitungen, benötigte. Als die HofSteiger 1795 den Ippachwald aufgeteilt hatten, waren die drei allerersten Parzellen an der alten Bucherstraße für den Dorfbrunnen bestimmt worden. Der Brunnenmeister lud alle Jahre die Brunnengenossen zur Versammlung in den alten Schwanen oder ins Rößle, legte Rechenschaft ab und ließ über neue Vorhaben abstimmen. Durch mehrere Jahrhunderte funktionierte diese Brunnengemeinschaft. Ab 1950 begann ein Umdenken. Für die vielen neuen Häuser auf den Büheln und in den Feldern mußte die Gemeinde ein Wasserwerk erstellen. 1953 wurde das erste Pumpwerk bei der Schule Strohdorf eingeweiht. Jetzt bekamen alle Hausfrauen ihr Fließwasser in Küche und Bad eingeleitet. Für die meisten Kühe gab es nun Selbsttränker im Stall. Die Pümpbrunnen wurden fast alle verschrottet, viele von den insgesamt 52(!) alten Laufbrunnen abgebrochen. Die Autos beanspruchten deren Platz. Zuerst mußte der Kleine Brunnen beim Haus Kreuzstraße 1 der Straßenverbreiterung weichen, dann auch die beiden Waschhütten im Dorf und auf dem Bühel. Die Brunnengenossen zeigten kaum mehr Interesse am Dorfbrunnen. Als einer der letzten tränkte dort noch der Engelwirt seine paar Kühe. Der Schwanenwirt bürstete im Sudelbrunnen seine Ladenregale. Dann gaben auch sie auf. Ohne Brunnenversammlung vertrauten sie den Brunnenwald und den Brunnen der Gemeinde an. Sie stellten aber die Bedingung, die Gemeinde müsse "auf ewige Zeiten" die Dörfler mit Wasser versorgen. Nun ließ der Bürgermeister den Brunnen an die Gemeindeleitung anschließen, allerdings mit einem wassersparenden engen Spritzrohr. Ein Jahrzehnt später wurde auch 7 dieses verschlossen. Der undicht gewordene Trog mußte abgetragen werden. Noch viele Jahre bis etwa 1985 stand die tote alte Brunnensäule einsam am Straßenrand, eine anklagende Mahnung in unserer nur mehr dem Wachstum und dem Fortschritt huldigenden Zeit. Dann verschwand auch sie im Schuppen des Bauhofes. Als letzter Brunnenmeister hatte Schrinars Seppl (Sargmacher Josef Bernhard) die wertvollen Brunnenbriefe von seinem Vater Hannes übernommen und auf einem Sims in der Schreinerwerkstatt aufbewahrt. Verärgert über das Geschehen in den letzten Jahrzehnten und ohne Hoffnung auf Änderung, holte er sie am 22. Juni 1981 herab und drückte sie mir in die Hand: Kast toa damit was d' wit! Seither bin ich statt der verschwundenen Brunnensäule ein oft unbequemer Mahner für den Brunnen und auch für den Bach geworden. Die Brunnenbriefe Die Dörfler Brunnenbriefe gehören zu den ältesten Wolfurter Dokumenten. Der von 1517 ist sogar das allerälteste in unserem Gemeindearchiv. Nur wenige Wolfurt-Pergamente im Landesarchiv und in Freiburg sind älter. Als Beginn der Neuzeit nehmen die Geschichtsbücher das Jahr 1492 mit der Entdekkung Amerikas an. Ebenso geeignet wäre das Jahr 1514, als Kopernikus erstmals die Sonne im Mittelpunkt des Weltalls verkündete und damit die kommenden Reformationen und Revolutionen des Geisteslebens einleitete. Von beiden wußte man bei uns im Lande noch nichts. Aber eine neue Geisteshaltung, ein Aufbegehren gegen bisher als unveränderlich betrachtetes Tun und Denken, machte sich auch bei uns bemerkbar. Sebastian Schnell führte damals die Wolfurter in die neue Zeit.2 Sein Haus stand im Dorf am Anfang des Weges zum Schloß.3 Zwischen 1496 und 1540 wählten ihn die Hof Steiger mehrmals zu ihrem Ammann. Als solcher brachte er 1512 den Ausgleich zwischen den mächtigen Klöstern Mehrerau und Weißenau zustande, deren Interessen an Hofsteig und Kellhof sich seit Jahrhunderten gekreuzt hatten. Jetzt fanden sie sich in der gemeinsamen Gründung der neuen Pfarrei St. Nikolaus in Wolfurt. Die erste Zeile des Stiftungs-Pergaments nennt den Namen. Ich Sebastian Schnell, der Zeit Ammann im Hofstaig ....4 Mit diesem Akt lösten sich die Wolfurter aus der übergroßen Pfarrei St. Gallus in Bregenz. Auf dem Kirchplatz wurde neben der Stiege das tantzhus errichtet, eine große überdachte Laube, in der Graf und Vogt Gericht hielten, und die den Kellhofern wohl auch als Ratsstube diente. Zur Laube aber plante Bascha Schnell einen Brunnen, wie man ihn bisher nur in den Städten gesehen hatte. Fast tausend Jahre lang, seit sich die Alemannen hier am Tobelbach niedergelassen hatten, schöpften die Bauern ihr Trinkwasser aus dem Bach. Am Bach tränkten sie ihre Haustiere und hier wuschen die Frauen ihre Wäsche. Und auch wenn die Feuersbrunst die kleinen strohgedeckten Holzhäuser bedrohte, rannte alles mit Lederkübeln um Löschwasser an den Bach. Aber nicht immer führte dieser genug Wasser. 8 Bild 4: Brunnenbrief von 1517:.... bisher großen Mangel... an gueten Trunkh waßer.... Dem wollte Bascha Schnell abhelfen. Oberhalb seines Hauses sickerte aus dem zum Schloß gehörigen Weinberg eine Quelle. Das Bächlein wurde (so steht es im Hofsteigischen Landsbrauch) an Schnells Haus vorbei in den kelnhofbach geleitet. Jetzt erbat er sich beim Schloßherrn Jakob Leber, der gerade von Kaiser Maximilian geadelt worden war und sich jetzt Junker Jakob von Wolfurt auf Wolfurt nannte, das Recht auf die Quelle. Er erhielt es auch, allerdings gegen jederzeitigen Widerruf! Ein feierlicher "Brief wurde erstellt, ähnlich wie bei der Stiftung der Pfarre fünf Jahre vorher. An das Original hängte Ammann Schnell sein Siegel. Mit dem Geschlecht der Ritter von Wolfurt ist der Brief längst verschwunden, zu Staub geworden. Die Abschrift aber, die der Ammann seinem Brunnenmeister übergab und die dieser getreulich mit den späteren Briefen seinen Nachfolgern aushändigte, die blieb erhalten, bis Schrinars Seppl sie schließlich mir überließ. Seit 1517, nun schon beinahe 500 Jahre! Allerdings dürfte um das Jahr 1764 eine neue Abschrift angefertigt worden sein, die dann mit den folgenden drei Briefen zusammengeheftet wurde, um sie zu sichern. Einen gekürzten Auszug wollen wir hier abdrucken: Wür Amman Richter und Gemain Inwoner des vorderen Theils des Dorfs, bey und under der Pfar Kirchen zu Wohlfurth, im Hofstaig .... Als wür und unßere vordem bisher großen Mangel und Gebrechen gehabt habend an gueten Trunkh waßer, Leuth und vieh zu gehörig haben wür 9 gemainiglichen den Edlen und Vesten Jakoben von Wohlfurth uf Wohlfurth gebeten, uns Seinen Brunnen auf und in Seinem aigenen guet in Wohlfurth under den Reben gelegen durch Tüchel in das Dorf Wohlfurth.... zu Lauen und füran zu vergunen geruhen .... in unßern Kosten ihme ohn allen schaden herab gen Wohlfurth in ein Brunen Beth zuführen und laiten.... .... als dan er auch, Seine Erben und nachkommen, über Kurz oder lange Zeit wen Sie wöhlendt Solches Waßer und Brunen .... widerum absagen.... .... so hat der ehrsame wis Sebastian Schnell dißer Zeit Kais. Landamman im Hofstaig, von allen in Wohnern und Brunnen Genossen ... Sein aigen In Sigl an dißen Brif gehenckht, der gegeben ist auf Sancta Philipe und Jakobs Tag, Appostolorum. Nach Christi geburth gezelt, Tausend, fünf hundert, und Siben zehen Jahr. Das Fest der Apostel Philip und Jakob wird am 1. Mai gefeiert. Demnach ist das genaue Urkundsdatum der 1. Mai 1517. Im gleichen Jahr mußte sich Ammann Schnell übrigens noch namens der Hofsteiger mit den Plänen der Stadt Bregenz auseinandersetzen, die zum Bau der ersten Brücke bei Lauterach über die Ach führten und die der Wolfurter Furt viel von ihrer einstmaligen Bedeutung nahmen. Der zweite Brunnenbrief ist wesentlich jünger, aber nun auch schon fast 270 Jahre alt. Er trägt die Überschrift Extract 1731 den 21ten Cristmonath und berichtet von 42 Brunnengenossen, die durch immer wieder erneuerte Tüchel das Wasser vom Schloß und aus dem Tobel auf den Dorfplatz leiteten. Der schon 1723 verstorbene Hofsteigammann Jakob Schneider hat zu seinem neuen Haus, das weit außerhalb des Dorfs gegen Unterlinden zu stand, einen eigenen Brunnen erbaut. Seine Erben zahlen, wie auch die acher, keine Brunnenbeiträge. Der jetzige Ammann Jerg Rohner hat zu seinem Gasthaus ebenfalls einen Brunnen erstellt. Dieser, später beim Haus Kreuzstraße 1 als Kleiner Brunnen bezeichnet, bezog sein Wasser aus einer Abzweigung von den Tücheln des großen Brunnens: .... Die Weillen Man ein Theil saul gemacht in Marthin gigers Büchel.... Seit Ammann Rohner 1728 den Gasthof an seinen Sohn Anton übergeben hatte und zu seiner dritten Frau nach Rickenbach übersiedelt war, wehrten sich die anderen Brunnengenossen, weil .... der Brun quel nicht allezeit im stand ist, das er 2 Brunen dreiben Mag.... Sie wollten an den Kleinen Brunnen nur Wasser liefern, wenn sie selbst Überfluß hatten, .... mit dem geding das der Brunen bey der Dantz Lauben allezeit ein Rohr voll wasser haben Solle .... Der Brunnenmeister übernahm den Schlüssel zum Theil saul. Diese Scheidesäule stand oberhalb vom Haus Schloßgasse 1 (heute Stenzlers). Dort, wo 200 Jahre früher der Ammann Sebastian Schnell daheim gewesen war, wohnte jetzt Martin Geiger, der Stammvater vieler Geiger-Familien im Röhle, in der Höll und in Unterlinden. 10 Bild 5: Der alte Brunnen um 1920 mit Dorfbach und Waschhütte Der dritte Brunnenbrief vom 15. Jänner 1764 schlichtete einen Streit zwischen der Brunenschaft bey der Tanzlauben und den vier Höfen im Holz. Wegen des häufigen Wassermangels war eine weitere Wasserstube am schwärzen Bach durch eine TüchelLeitung mit dem Dorfbrunnen verbunden worden. Das Durchleitungsrecht mußte die Genossenschaft nach einem vor dem Hofsteig-Gericht ausgetragenen Streit von Michael Gmeiner für drei Gulden erkaufen: .... in gegen warth Bedter angeregten Parteyen, und mit vihlen zu reden in Einen Ver glich Ein gestanden, welcher auf Solche arth beschehen, daß der klagende Michael gmeiner für den erfolgenden schaden, wo die Teüchel 80 schrith über sein acker und Hey Boden geführt werden Müßen,.... Selben betrefenden Boden 2 schuh breith ab er kauft worden durch die Intreßenten pro 3 f.... zu all und Ewigen Zeiten. Der Brief trägt bei den vier Unterschriften auch die jenes Holzmüllers Johann Stadelmann, der im Jahre 1772 von den allerletzten Adeligen das Schloß Wolfurt kaufte und dort als Schloßbauer durch seinen Schwiegersohn Franz Xaver Köb die Sippe der Schloßburo-Köbs begründete. Der vierte Brief ist ohne Datum, wurde aber vermutlich gemeinsam mit dem dritten geschrieben. Er faßt den Inhalt der anderen drei zusammen. Dazu wird berichtet, daß .... die Brunen Intreßenten al Jährlich darführ eine heilige Meß applitziren lassen, abends des St. Martini Bischofen .... Es wird auch festgehalten, daß sogar die Bauern im Holz in Notzeiten Zugang zur Dörfler Brunnenstube bekommen sollen. Ganz am Ende ist noch ein besonderer Satz angefügt. Zu Wissen d. ein jewelcher Brunen Maister Bey Entlaßung Seines ambts die vor geschribnen Brunen brif, dem Neyen Brunen Maister wider ordentlich zu banden geben Solle! 11 Das haben die nachfolgenden Brunnenmeister denn auch alle getreulich getan - bis 1981! Der fünfte Brief stammt aus dem Jahre 1816. Die alten Gerichte Hofsteig und Kellhof waren jetzt aufgelöst worden. Von Bregenz aus regierte der K.K. Landrichter Dr. Moosbrugger. Dieser präsentierte nach Lokalaugenschein und Anhörung beider Parteien im alten Schwanen seinen Akt und stellte nach Einhebung der fälligen Gebühren die Abschrift einer neuen Brunnenordnung zur Verfügung: Actum Wolfurth den lten Juny 1816 in der Schwanenwirths behaußung Das Dorf hatte sich durch den Bau vieler Häuser stark ausgeweitet. Alle brauchten Wasser. Aus den 42 Brunnengenossen von 1731 waren genau 70 (siebzig!) geworden. Neben den alten Häusern in Dorf, Bühel, Tobel und Loch erstreckte sich das Einzugsgebiet jetzt hinaus ins Röhle bis zu den Häusern B 8 (B nach dem Bayerischen Kataster) und 8 1/2, das sind heute Bregenzerstraße 21 und 22, Kapeollars und Schädlars. In der Bütze ging es nach Norden bis zu B 45 und 46 (Bützestraße 4, Heims, und Rittergasse 1, Mohrs), nach Westen sogar hinab bis B 52 (Lauteracherstraße 5, Thaler-Kressers). Und auch von der Kirchstraße her durften noch die Bewohner von B 71 (Kirchstraße 27, Kalbs) Wasser vom Dorfbrunnen holen. Heute unvorstellbar weit! Auch wenn man damals nur sehr wenig Vieh hatte und viele Bauern dieses noch weiterhin im Dorfbach tränkten, mußte die große Zahl zu Reibereien führen. 17 Anwohner von Kirchstraße und Feldgasse (das ist die heutige Kreuzstraße) hatten daher ihren Kleinen Brunnen neu erbaut und verlangten von den anderen eine Beteiligung an den Kosten, Der Schiedspruch sagt ihnen dies auch zu. Neu ist, daß sich die vielen neuen Häuser nur an einem Viertel der Brunnenkosten beteiligen müssen. Sie haben nämlich keinen der damals so wertvollen Waldteile bekommen, die alten aber schon und der Brunnen selbst den allerschönsten. Die anderen drei Viertel werden an die alten Genossen verrechnet, und zwar zur Hälfte nach dem Schätzwert von deren Häusern, zur anderen Hälfte nach deren Viehstand. Ein recht kompliziertes Verfahren, das die damals noch des Schreibens kaum kundigen Bauern erstmals mit Fragebogen konfrontierte! Aber jetzt regierten kaiserlicher Absolutismus und Bregenzer Beamtenmacht. Dagegen murrte man vorerst nur im Stillen. Der Brief trägt die Unterschriften von 28 Wolfurter Bürgern. An deren Spitze unterfertigte Johann Georg Fischer, der allererste Gemeinde-Vorsteher. Er wohnte in Spetenlehen und war natürlich nicht Brunnengenosse im- Kirchdorf. Aber seine Unterschrift macht deutlich, welche Bedeutung man dem Brunnen zubilligte. Der Landrichter Dr. Moosbrugger beglaubigte die Unterschriften am 18. Juli 1816. Bild 6: s Wäschhüttle auf dem Bühel um 1960 Schon sieben Jahre später mußten 1823 gleich vier Brunnenhriefe erstellt werden. Zu schwierig war die Brunnenrechnung nach den amtlichen Vorschriften von 1816 geworden. Diese umfangreichen Aufschreibungen ermöglichen uns aber heute höchst interessante und aufschlußreiche Einblicke in das Besitztum der damaligen Bauern. Zunächst zählt der sechste Brief die jetzt 71 Häuser des Kirchdorfs auf. Seit 1816 sind zwei weggefallen, drei andere kamen dazu. 71 Berechtigte an einem Brunnen! Von Steuerfachleuten wurde der Wert der Häuser eingeschätzt. Die Schätzsumme für die 57 alten Häuser betrug 23 981 Gulden, demnach etwa 420 Gulden für jedes Haus. Am höchsten wurden der von Ammann Fischers Sohn groß umgebaute Gasthof Engel (B 14) mit 850 fl und der Gasthof Rößle (B 21) mit 825 fl bewertet, während der alte Schwanen nur mehr 575 fl galt. Andere Häuser wurden nur auf 200 fl geschätzt, zwei besonders arme sogar auf 80 fl. Diese schon 1823 so gering geschätzten Häuser haben wir beide noch gekannt. Das eine, Girschkes Hus (Kirchstraße 26), wurde um das Jahr 1975 abgebrochen. Das andere, Büocheles Hus (Kirchstraße 18), steht noch heute als Nordteil eines uralten Doppelhauses. Die 14 neuen Häuser wurden separat aufgeschrieben, weil sie keinen eigenen Waldteil besaßen und daher nach dem amtlichen Brunnenbrief von 1816 nur zum ersten Viertel der Brunnenkosten beitragen mußten. Ihre Gesamtsumme betrug 8335 Gulden, das trifft etwa 600 fl auf jedes Haus. Weitaus am höchsten, nämlich auf 960 fl, schätzte man dabei das Haus des Ornathändlers Gallus Fidel Gantner5 ein, das dieser zwei Jahre vorher in der Bütze gebaut hatte (B 47 1/2, Bützestraße 7, Hintereggers). Höher als die großen Gasthöfe im Dorf! Ob da die Schätzer nicht etwa neidig auf den reichen Gantner gewesen sind? 12 13 Dert siebte Brief nennt sich Brunnenrechnung zu Wolfurt vom lten Juny 1816 bis löten 8ber 1823 Er wiederholt zuerst die Vorschriften von 1816 und gibt dann die einzuhebenden Brunnensteuern an: Für das erste Viertel der Brunnenkosten trifft es allen Hausbesitzern pro 100 Gulden Schätzwert 6 Kreuzer Brunnensteuer. Für die anderen drei Viertel, die ja auf Haus und Viehstand umgerechnet werden müssen, trifft es bei den Häusern pro 100 fl das Doppelte, also 12 x, für Pferd und Kuh je 24 1/2 x, für Füllen und Jährling mit je 12 1/4 x die Hälfte. Dazu ist also eine genaue Viehzählung notwendig, die als achter Brief nachfolgt. Zwei Beispiele für die umfangreiche Berechnung: Haus B 10 des Johann Dür (Bregenzerstraße 6, Hannes Franz): Hauswert geschätzt 550 fl ergibt für das erste Viertel an Steuer 33 x für die anderen drei Viertel 66 x Weil 60 Kreuzer einen Gulden ergeben, 1 fl 39 x sind das zusammen Viehzählung: 2 Pferde + 1 Kuh + 2 Kälber ergibt dreimal 24 1/2 x 73 1/2 x und zweimal 12 1/4 x 24 1/2 x 1 fl 38 x das sind zusammen 98 Kreuzer oder Die gesamte Brunnen-Vorschreibung betrug daher 3 Gulden und 17 Kreuzer, das sind mehr als 6 Taglöhne! Übrigens wurde in der Brunnenrechnung 1 Kreuzer(1x) noch in 8 Heller (8 hl) unterteilt. Dieser alte Heller darf nicht mit dem erst 1892 zur Kronen-Währung geprägten Heller verwechselt werden! Durch die Heller wurde die Rechnung noch schwieriger. Es lassen sich daher auch einige Rechenfehler finden. Noch ein Beispiel: Haus B 14, Joh. Georg Fischers Witwe (Bregenzerstraße 3, Gasthof Engel): Hauswert 850 fl (der zweithöchste nach G.F. Gantner!) für das erste Viertel 51 x 1 fl 42 x für die anderen drei Zusammen 2 fl 33 x Viehzählung: 1 Pferd + 1 Füllen + 3 Kühe + 1 Kalb viermal 24 1/2 x 98 x zweimal 12 1/4 x 24 x 4 hl Zusammen 2 fl 2 x 4 hl Gesamtvorschreibung daher 4 fl 35 x 4 hl Wenn die Engelwirtin also mehr als 9 Taglöhne für den Brunnen aufbringen mußte, so wurde sie noch von Andreas Vonach in B 64 übertroffen, der 5 Gulden, dazu keinen Kreuzer, aber noch 6 Heller bezahlen mußte. Der Flötzer- Vonach war jetzt Besitzer des ehemaligen Rohner-Gasthofes an der Feldgasse und der weitaus größte Bauer. Ein Jahr später wurde er zum Vorsteher gewählt.6 14 Die Brunnenrechnung im 7. Brunnenbrief trägt vier wichtige Unterschriften: Wolfurt, den 16ten 8tber 1823 (8tber heißt Oktober) Mathias Schneider alt Vorsteher Joh. Georg Müller Lehrer Vorsteher Fink Joh. Georg Kloker Gds Rath Gotteshaus-Ammann Schneider und Kirchenpfleger Klocker waren selbst Brunnengenossen. Müller wurde als Schreiber eingesetzt, er lebte an der Hub. Fink war Adlerwirt in Rickenbach. 7 Eine Woche später wurde, diesmal im Gasthof Rößle beim Bäcker Haltmayer, auch noch ein neuer Brunnenmeister gewählt: Anno 1823 den Iten 9ber ist ihn der Wirths Behausung deß Johann Haltmeyer Bek Ein Neuer Brunen Meister zum Brunen Bey dem Kirchblatz öfentlich durch mehrheit der Stimmen gewählt worden, & ist durch mehrheit der Stimmen Baptist Gmeiner Melber im Dobel ernant worden durch 11 Stimmen Jos Anton Rohner im. Loch hat 9 Stimmen & X Franz Jos Schalling 6 do. Wolfurt obigen Dato Joh. Georg Kloker Gemeindsrath Mathias Schneider alt Vorsteher Baptist Gmeiner als Brunen Meister ihm Nammen aller andern Der neue Brunnenmeister Baptist Gmeiner, 1771-1847, lebte kinderlos verheiratet als Mehlhändler (Melber) im Tobel (Tobelgasse 2, Kalbs). Er war ein Neffe des Wolfurter Pfarrers Lorenz Gmeiner und ein Bruder des Gemeindearztes Joh. Georg Gmeiner (1766-1827). Ein anderer Bruder Benedikt Gmeiner war bis 1798 Pfarrer von Buch gewesen, dann aber auf eine Pfarrstelle in der Nähe von Freiburg übersiedelt, das ja damals wie auch Wolfurt zur Diözese Konstanz gehörte. Der 8. Brunnenbrief enthält als Beilage zum 7. eine genaue .... Aufnamm des Pferd & Viehstandes ...., die durch Gemeindediener Johann Mäsch erstellt werden mußte. Diesmal stehen nur die 57 Brunnengenossen aus den mit Waldteilen ausgestatteten alten Häusern samt ihren Hausnummern aus dem Bayerischen Kataster untereinander: 6 davon besaßen in ihren an der Kirchstraße eng aneinander gebauten kleinen Häusern überhaupt kein Vieh. Die insgesamt 83 Kühe, die am Brunnen getränkt werden durften, kamen also aus 51 Häusern. 26 Bauern hatten jeder nur eine einzige Kuh (!) und dazu allenfalls noch ein Kalb. 20 Bauern hatten je zwei Kühe. 4 Bauern hatten je drei Kühe. 1 Bauer besaß fünf Kühe. 15 Wir können uns solche Bauern heute kaum mehr vorstellen. Wichtigste Nahrungsquelle für die großen Familien war damals noch der Anbau von Dinkel und Hafer, im Ried begann gerade der Anbau von Mais und Kartoffeln.8 Eine Kuh gab täglich nur zwei bis höchstens sechs Liter Milch und stand einige Monate vor dem Kalben trokken (galt). Da mußte man wohl den Nachbarn um Milch bitten, wenn die Mutter für die große Familie das tägliche Mus anrühren wollte. Eine Sennerei gab es im Kirchdorf erst mit der Umstellung auf Milchwirtschaft 50 Jahre später ab 1876. Zu den Bauern mit drei Kühen zählten der reiche Gerber Mathias Haltmayer und die Engelwirtin, die ein paar Jahre später am Röhle-Rank ein ganz neues Haus als Ausgedinge für sich baute (Bregenzerstraße 9, Sammars). Der Großbauer mit fünf Kühen war der schon weiter oben genannte Flötzer-Vonach an der Ecke Feldgasse-Kirchstraße beim Kleinen Brunnen. Zu seinen fünf Kühen besaß er noch ein Kalb und zwei Pferde. Daher mußte er natürlich auch am meisten Brunnensteuer bezahlen. Überraschend ist im Vergleich zu den 83 Kühen die große Anzahl von Pferden, die man im Ackerbau einsetzte. In den 51 Bauernhäusern finden sich insgesamt 34 Pferde und dazu noch 4 Fülle. Von 26 Pferdehaltern waren 18 Bauern mit je einem Pferd und 8 Bauern mit je zwei Pferden. Der 8. Brief besitzt im Anhang noch eine zwei Jahre später am 5. Juni 1825 angefügte Anmärckung Heut tato ist an der Bronenrechnung Laut Angab des Gemeinds diener Johann Mäsch noch schuldig seit löten Ochtber 1823 Es folgt eine Liste von sechs Brunnengenossen, die ihre Schuld noch nicht oder nicht vollständig bezahlt hatten. Zwei davon in neuen Häusern ganz draußen im Röhle und einer weit unten in der Bütze planten wohl bereits den Ausstieg aus der Genossenschaft. So mußte allerdings der Gemeindediener weiterhin auf seinen kargen Einzieherlohn von zwei Gulden warten. Der 9. Brief beinhaltet eine Abrechnung von 1823, aus der ersichtlich wird, daß viele Brunnengenossen auch Forderungen an die Genossenschaft zu stellen hatten. Zwar ist nicht zu lesen wofür, aber es dürfte sich wohl hauptsächlich um Arbeiten im Brunnenwald, um das schwierige Düchel-Bohren und das Verlegen der Leitungen handeln. Eine Forderung sticht als mit fast 18 Gulden weitaus höchste heraus. Es ist die von Aloys Haltmayer, der damals im Gässele direkt hinter dem alten Schwanen ein Haus besaß, genau dort wo heute das neue Bächlein sprudelt. Vielleicht war er als naher Nachbar für die regelmäßige Pflege des Brunnens verantwortlich? Der 10. Brunnenbrief ist der jüngste von den erhalten gebliebenen. Er stammt aus dem Jahre 1827 und ist also auch schon mehr als 170 Jahre alt: Brotokoll in Betreff des Hauptbronnen im orte Wolfurt. Seit 1824 war Bernhard Bildstein Vorsteher von Wolfurt. Er war zwar in Hanso Hus am Kirchplatz neben dem Brunnen aufgewachsen, wohnte aber nun mit seiner Familie in einem 1806 neuerbauten Haus weit drunten in der Bütze (Bützestraße 15, Schellings). Als Vorsteher hat er wohl keinen Streit gescheut. Jedenfalls legte er sich auch mit dem neuen Pfarrer Barraga an und strich diesem das Geld für den Opferwein.9 Schon zuvor war ihm die im 5. Brunnenbrief 1816 vom K.K. Landrichter aufgezwungene Brunnenordnung ein Dorn im Auge gewesen. Ihre komplizierte Durchführung und Abrechnung, die im Jahre 1823 gleich vier umfangreiche Briefe notwendig gemacht hatte, beseitigte keineswegs die alten Probleme, sondern ließ vielmehr neuen Streit entstehen. Zwar hat Vorsteher Bildstein seine Brunnensteuer brav bezahlt, aber er fühlte sich solidarisch mit jenen, die weit entfernt vom Brunnen dessen Wasser nur in besonderen Notfällen nutzten und daher aus der Genossenschaft austreten wollten. So rief er denn am 15. Jänner 1827 die Brunnengenossen zu einer Beratung zusammen und ließ deren einhelliges Ergebnis als neue Brunnenordnung in einem Protokoll aufschreiben. Die wichtigsten Ansatzpunkte der Kritik waren: .... Das zu diesem Bronnen alle .... Häuser, seien selbe nache oder weith von selbem Bronnen entpfernet.... zu bezahlen haben .... .... das die Neuerbauten Häuser an denen aufgehenden Unkosten nur den Vierten Theil zu Bezahlen haben .... .... das Diese Häuser Schätzung aber zur Repartizion der Bronnen Rechnung nicht für Billich & anwendbahr gefunden werden kann .... In einem schlechten und alten Haus könne man ja ebenso viel oder noch mehr Wasser brauchen als in einem neuen, hoch eingeschätzten Haus. Wenn ein Brunnengenosse sein jetzt baufälliges und daher niedrig bewertetes Haus verbessere, so werde eine Neueinschätzung notwendig, was alle Jahre zu Abänderungen führen müßte. Auch jetzt schon seien gleichwertige Häuser ganz verschieden hoch eingeschätzt, .... so würde das immerwährende Streuten & Zangen niehmals kein Ende nehmen. Daher schliesen die erschienenen folgenden Antrag. a/ Das die Häuser bis zu denen jemahls Bestandenen Wällenthörer .... ohne unterschied zu diesem Bronnen gleich viel zu bezahlen haben .... Genau wird die Lage der ehemaligen Fällentore beschrieben. Das waren große Gatter, welche die das Dorf umgebenden Getreidefelder gegen jeden Zutritt abschirmten und erst nach der Ernte zu Trib und Traft für das Weidevieh geöffnet wurden. Gegen das Röhlefeld stand eines beim Haus B 9 1/2 des Lorenz Dur Schmied (Bregenzerstraße 11, Rößlewirts) das andere gegen Lautrach bey No. 53 des Nicklaus 17 16 Fischers (abgebrannt 1883 am Platz von Kellhofstraße 13). Als dritter Grenzpunkt wird gegen Unterlinden zu das Haus B 69 (Kirchstraße 16, Zilla Zoller) angegeben. Zur ersten Hälfte der Brunnenkosten sollen jetzt alle Häuser in diesem Bereich, egal ob alt oder neu, ob wertvoll oder baufällig, zu gleichen Teilen beitragen. Den anderen Brunnengenossen, die außerhalb der einstigen Fällentore wohnen, .... stehe esfrey, als ob selbe bey dem Bronnen bleiben, oder selben nicht mehr gebrauchen wollen.... b/ Solle die andere Hälfte auf Pferd & Viechstand Repartiert werden.... Weiterhin müssen also die Tiere gezählt werden. c/ Die 17 Besitzer des kleinen Brunnens haben die auf diesem liegende Schuld selbst abzuzahlen. d/ Es bleibt für sie auch bei dem Abkommen von 1731, sie bekommen nur den Überfluß des großen Brunnens. Nach dem ablesen haben sich die gegenwärtigen Bronnen=lntressenten mit Zufriedenheit & das es bey diesem Brotokoll verbleiben solle Eigenhändig unterschrieben. Wolfurt den 15ten Jener 1827. An die Unterschrift des Vorstehers schließen sich die zum Teil mit schwerer Hand geschriebenen Namen von 54 Brunnengenossen an. Nur ein einziges gekritzeltes Handzeichen muß der Vorsteher als das des Josef Anton Schwerzier bestätigen. Die meisten Wolfurter haben also jetzt das Schreiben gelernt. Seit 1778 mußten ja alle Kinder die Schule besuchen. Mit einem kleinen Vermerk beschließt der Vorsteher den letzten von den alten Briefen: Die eigenhändigen Unterschriften der neben stehenden Bronnen genossenen im Orte Wolfurt Bestättiget. Wolfurt den 16ten Merz 1827 Bernhard Bildstein Vorsteher Bald danach dürften sich die entfernten Höfe in der Bütze und im Röhle aus der Genossenschaft gelöst haben. Der Brunnenmacher verstand es jetzt, mit Hilfe eines Schwenkhebels und von einfachen Leder-Ventilen Grundwasser aus etwa vier Metern Tiefe zu pumpen. Anfangs wurden dazu hölzerne, am unteren Ende durchlöcherte Düchel-Rohre in einem tiefen Brunnenschacht aufrecht in die Grundwasserschicht gegraben. Später konnte man starke Eisenrohre unter Anwendung einer schweren Katze (ein Eisengewicht) in die wasserführende Kiesschicht schlagen. Zusätzlich nutzten manche Familien noch bis zum Beginn unseres Jahrhunderts den Tobelbach als Wasserquelle. Selbstverständlich konnte dieser auch an mehreren Stellen für die Feuerwehr gestaut werden. Die Brunnenordnung von 1827 scheint sich lange Zeit bewährt zu haben. Die neueren Aufzeichnungen und Kassabücher sind allerdings verschollen. Die Anlagen wurden gepflegt und nach Bedarf erneuert. Die Brunnenstuben wurden um 1900 betoniert und die Tüchelrohre durch eiserne Leitungen ersetzt. Eine mit Ornamenten ge18 schmückte Gußeisensäule ließ jetzt aus ihrem Löwenmaul einen dicken Strahl Wasser rinnen. Sogar die alten schweren Sandsteinplatten der beiden Tröge wurden um das Jahr 1930 durch einen Betontrog ersetzt. Über den Rößleplatz her und unter Platten am Brunnen und an den Haustüren vorbei sprudelte aber immer noch der alte Dorfbach durch die Kellhofstraße hinab. Das Verschwinden des Baches und des Brunnens haben wir dann erlebt und wohl auch mitverschuldet. Nun führen sie wieder Wasser. Gott sei Dank! Bild 7: Der winzige neue Dorfbach 1999 1 2 VLA, Grundbuch-Erhebungsprotokolle, l.Band, Prot.284 ff. Siehe Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 26! 3 Hof steigischer Landsbrauch 1571, Bestli Schnellen erben ..., LMV 1900, S. 161 4 VLA, Urkunde 1722a 5 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 21/1998, S. 19! 6 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 16! 7 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 15 u. S. 21! 8 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 2/1988, S. 29! 9 Siehe Heimat Wolfurt, Heft 20/1998, S. 17 u. S. 37! 19 Siegfried Heim Hexen in Wolfurt Bild 8: Funkenknechte in Rickenbach mit Funkenkanzler Bürgermeister Alfons Gunz (um 1960) Bild 9: Hexentanz mit dem Teufel Funko-Sunntag! - Den bösen Winter austreiben! In Rickenbach und an der Ach haben die beiden Funkenzünfte ein Fest vorbereitet. Seit Tagen schichten fleißige Männer das Brennholz zu einem hohen Turm auf. Tüchtige Frauen backen Krapfen und Kuchen, bereiten große Kessel voll Glühwein vor und - und nähen d Funkohäx. Nicht mehr eine Hexe aus Lumpen wie noch vor etlichen Jahren, nein, eine aus Taft und Brokat, die Seidenbluse und die Haube mit echten Spitzen besetzt! Im Abenddunkel strömen Groß und Klein in Scharen zum Funkenplatz. Die Musik spielt zur übermütigen Begrüßungsansprache. Dann lodert das Feuer hell und heiß auf. Raketen verzaubern den Himmel. Und dann zerreißt eine Pulverladung die Hexe! Jubelnd schreien die Leute auf. Langsam sinken brennende Stofffetzen aus dem Feuerhimmel auf den frostigen Erdboden herab. Jedes Jahr wieder. Alter Brauch! Ja, den Winter austreiben ist in allen Ländern, wo er mit Kälte und Hungersnot das Leben bedroht, ein von der Sehnsucht nach der Frühlingssonne getragener alter Brauch. Aber im Verbrennen der Funkenhexe stecken auch noch altüberlieferte Angst und Not und ungeheuerliche Grausamkeit. Auch darüber sollten wir mehr wissen! Hexenverbrennungen? Ein Thema, das wir allzugern dem "finsteren" Mittelalter zurechnen und damit verdrängen möchten. Es gehört aber nicht zum Mittelalter, es findet seinen grausamen Höhepunkt erst in unserer so viel gelobten Neuzeit. Es ist jünger als unsere Pfarre und unser Dorfbrunnen und jünger als die Ahnentafeln mancher Wolfurter Geschlechter. 20 Aber mit Wolfurt hat es doch nichts zu tun? Oh doch! Mit Wolfurt sogar mehr als mit den meisten anderen Gemeinden unseres Landes. Allein aus Wolfurt wurden in den drei Jahrzehnten von 1596 bis 1628 mindestens neun unglückliche Menschen, acht Frauen und ein Mann, als Hexen hingerichtet. Viel mehr als aus anderen Dörfern. Damit das Böse ausgerottet werde, Hexenverfolgungen in Vorarlberg, so heißt das Buch von Manfred Tschaikner, das 1992 bei der Vorarlberger Autorengesellschaft erschienen ist. Nach Studium der einschlägigen Fachliteratur und Durcharbeitung der für uns Laien nur schwer erreichbaren und noch schwerer lesbaren alten Prozeßakten hat Tschaikner das Thema umfassend bearbeitet. Viel bisher Unbekanntes ist dabei ans Licht gekommen. Neue Aspekte korrigieren manche Ansichten anderer Vorarlberger Historiker. Mit Erlaubnis des Verfassers möchte ich die Wolfurt betreffenden Teile hier gekürzt anführen. Mit dem Zeichen (T.) verweise ich auf Tschaikner. Den Interessierten sei aber das ganze Buch empfohlen! Die aufbrodelnden Geistesströmungen am Beginn der Neuzeit führten nicht nur zur Gründung unserer Pfarrei und zum Bau des Dorfbrunnens, sondern auch auf mancherlei Abwege. Hatte man bisher Unglück, Hunger und Tod einfach als gottgewollt hingenommen, so stellte man jetzt die Frage nach den Ursachen. Die Menschen vermochten aber mit ihrem damaligen Wissen die Ursachen oft nicht zu erkennen. Dann waren sie in ihrem tiefverwurzelten Aberglauben bereit, die Schuld an ihrem Unglück dem Wirken böser Mächte zuzurechnen. 21 Bild 10: Tanzplatz Dellenmoos (Kella um 1930) Bild 11: Tanzplatz Flotzbach. Hier steht 1999 ein über zwei Meter dicker Weidenbaum. Unerklärlich große Not war von mehreren Seiten über das Land gekommen. Als Folge einer rapiden Klimaverschlechterung hatte sich mit der Waldgrenze in den Bergen auch die darunter liegende Getreidebau-Grenze empfindlich gesenkt. Dinkelweizen und vor allem Hafer wurden damals als Grundlage für die Ernährung bis auf die Höhen den Steußbergs angebaut. Jetzt kam es zu einer langen Reihe von Mißernten. Verstärkt wurde die Not durch den Niedergang des Weinbaus.1 Ein bedeutender Teil des Wolfurter Anbaugebietes bestand ja damals aus Weinbergen. Diese litten am allermeisten unter der Klimaverschlechterung. Der Zehent-Einheber Georg von Wolfurt schrieb 1580 in sein Steuerbuch: die reben erfrüren. Dem gegenüber stand eine starke Bevölkerungsvermehrung. Man nimmt an, daß sich bei uns die Einwohnerzahl im ersten Jahrhundert der Neuzeit um ein Drittel erhöhte (T./35). Wolfurt besaß nach einer Steuerliste von 1594 jetzt bereits 70 Häuser und demnach hochgerechnet fast 400 Einwohner. So führte das Zusammentreffen von Bevölkerungswachstum und wetterbedingten Mißernten zu Teuerung, zu Armut, Hunger und Krankheiten. Mehrmals suchten Pest-Epidemien das Land heim. Ungeheure Opfer forderten die Seuchen von 1628 und 1635. Aber auch 1594 muß ein schlimmes Pestjahr gewesen sein. Die Häuserliste bezeichnet 10 von den 70 Häusern als öd, also als unbewohnt. Zur großen wirtschaftlichen Not kam eine seelische. Die Theologen der Gegenreformation predigten vom strafenden Gott und schürten die Angst vor dem Teufel und dessen Helfern. Das gipfelte in dem Glauben, daß der Teufel ein Heer von Hexen angeworben und auf den Weg geschickt habe, um die Menschen zu plagen und Gottes Schöpfung zu verderben (T/40). Menschen mit magischen Fähigkeiten und oft auch mit großem Wissen um heilende Kräfte und Gifte in der Natur hatten in vielen Kulturen hohes Ansehen als Hellseher, Gesundbeter und Geistheiler, waren aber ebenso gefürchtet als Unheilbringer, Wetter22 macher oder Giftmischer. Seit der Inquisition verbanden dje Richter Ketzertum und Hexerei und erzwangen Geständnisse durch die Folter. Von Süd-Frankreich her breitete sich der Hexenwahn zu uns aus. Bereits um das Jahr 1480 wurden in der Diözese Konstanz, zu der auch Bregenz und Wolfurt gehörten, innerhalb von fünf Jahren 48 Menschen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt (T./32). Durch eine päpstliche Bulle von 1484 und durch ein weit verbreitetes juristisches Fachbuch, den berüchtigten "Hexenhammer" von 1487, sahen geistliche und weltliche Richter ihr Tun gerechtfertigt. Die hohe Gerichtsbarkeit lag für die Leute unseres Kellhofs bei den Grafen von Hohenems, für die Hofsteiger bei den kaiserlichen Vögten in Bregenz. Im Gefängnis von Konstanz ist im Jahre 1493 als erste nachweislich aus Bregenz stammende Hexe Schuhmachers wib ums Leben gekommen. Um 1550 wurden im Bregenzerwald acht Frauen und zwei Männer als Hexen hingerichtet (T/45 ff). Ab 1595 erfaßte der Hexenwahn dann das Hofsteiger Gebiet wie eine schreckliche Seuche. Vielleicht ist es kein Zufall, daß kurz zuvor im Jahre 1592 der Wolfurter Pfarrer Sebastian Fischer auf eine Kaplanei nach Bregenz strafversetzt worden war. Als Folge der vom Konzil von Trient ausgehenden strengen Regeln, die im Sinne der Gegenreformation auch tief in das Familienleben hinein wirkten, hatte er sich von seiner Lebensgefährtin und seinen fünf Kindern trennen müssen.2 Einem Hexenprozeß gingen oft jahrelange Beschuldigungen wegen Wetterzauber, Hagel, Tierseuchen und anderen Schäden voraus. Unter den Qualen der Folter gestanden die Beschuldigten dann oft auch Hexentänze oder Gastmähler und Geschlechtsverkehr mit dem Teufel, die sie in allen Einzelheiten schilderten. Die beiden in den Prozessen weitaus am häufigsten genannten Hexen-Tanzplätze von ganz Vorarlberg lagen in Wolfurt. Unter der Folter gestanden 22 von den Angeklagten, sie hätten Hexentänze im Flotzbach besucht, 18 andere berichteten von Tän23 zen im Dellenmoos (T./188). Dort hätten sie sich mit anderen Hexen und mit dem Teufel getroffen und die verschiedenen Schadenzauber vorbereitet. Sicher galten die unzugänglichen Sümpfe und Weiher am Zusammenfluß der drei Dorfbäche im untersten Flotzbach mit ihrem Gestrüpp und den riesigen Kopfweiden auch bei Tage als unheimlicher Ort! Erst viel später wurden sie zum Lehmloch für die Ziegler. Das Dellenmoos war der große Schilfsee zwischen Kellahang und Schlatt an der Grenze zu Schwarzach. Heute ist es als Industrie- und Sportgebiet fast völlig trocken gelegt. Als weitere Tanzplätze der Hexen galten auch noch der Kreuzweg unter Wolfurt und die Insel. Der Kreuzweg könnte die heutige Schmerzenbildstraße gewesen sein, vielleicht auch die Lerchenstraße. Die Insel war das mit Stauden bewachsene Vorland im Achbett außerhalb des Dammes. An sie erinnert noch die Inselstraße. Die treibende Kraft hinter den Hexenverfolgungen war keineswegs die Obrigkeit. Viel mehr entsprang sie dem Bedürfnis der einfachen Leute, endlich von der vermeintlichen Wurzel ihres realen Elends, den über alles schädlichen Hexen, befreit zu werden. (T/79). Meist zögerten die Beamten wegen der ungeheuren Kosten solcher Prozesse, die aus dem Nachlaß der armen Opfer ja kaum gedeckt werden konnten. Die erhaltenen Akten berichten von insgesamt 166 der Hexerei bezichtigten Personen, die in Vorarlberg in den 130 Jahren zwischen 1528 und 1657 vor Gericht standen. Mindestens 105 von ihnen wurden hingerichtet. In Anbetracht der vielen verlorenen Akten muß diese Zahl aber sicher verdoppelt werden. Demnach wären in Vorarlberg etwa 200 Hexen-Todesopfer zu beklagen (T/248).3 Aus Wolfurt wurde als erste von den unglücklichen Frauen Anna ab Oberfeld schon im Jahre 1596 hingerichtet. Gerade damals litt die Bevölkerung nach mehreren Mißernten große Not.4 Sicher wirkte sich auch noch die Pest von 1594 aus. Zur Katastrophe kam es dann 1609. In drei großen Prozessen standen in Bregenz 16 Angeklagte vor dem Malefiz-Gericht. Sechs davon stammten aus Wolfurt, vier aus Lauterach und zwei aus Hard. Alle 16 wurden der Hexerei, verbunden mit Unkeuschheit, Gotteslästerung und Hingabe an den Teufel, schuldig gesprochen. Sie wären durch die Lüfte gefahren und hätten vom Teufel Kräuter und schmirb salben empfangen, mit denen sie Pferde, Schweine und Kühe geschädigt oder umgebracht hätten. Auch hätten sie mit Hagel und Unwetter die Feldfrüchte verdorben. Alle 16 wurden zum Tode verurteilt und dem Scharfrichter übergeben.... daß er inen die händ auf dem bauch zusamen binden, sy zu dem hochgericht hinaußfuehren, und daselbsten mit dem feür, vom leben zum tod richten, und also ir cörpell zu eschen und bulffer verbrennen solle.... Neun der Unglücklichen wurden am 8. April 1609 auf dem Scheiterhaufen in Bregenz verbrannt, zwei am 12. Mai und fünf am 24. Juli des gleichen Jahres. (T/79). Jedes Mal sammelte sich mit der Obrigkeit auch eine große Menge einfacher Leute um das Feuer wie zu einem Volksfest. Sie glaubten ja, nicht nur die Bestrafung von Schuldigen zu erleben, sondern auch die Beseitigung der Ursachen von Hunger und Armut. 24 Bild 12: Folterung 1628:.... aufm Turn Peinlich Examen fürgenommen worden, mit Maria Kelhoferin von Wolfurt Bild 13: Scheiterhaufen 1609: .... über 2 Hexen Personen mit Namen Margaretha Knitterlin und Anna Märtine, beide von Wolffurlh .... zue erstlich daß Haubt abgeschlagen, darnach die Cörpel mit dem Feur verbrent worden. 25 Die Namen der im Jahre 1609 als Hexen hingerichteten Wolfurter: Stauderin Margaretha Martin Thalers Ehefrau Mynlin Margaretha geschrieben auch Mündline/Männline/Mennlin Feürstainin Elsa Georg Hindereggers Ehefrau, genannt Jößlins Elsa Reiner Conradt Kloßpeters Sohn, Bäcker Knitterlin Margaretha Fritz Kelnhofers Ehefrau, genannt Fritzin Martine Anna Hainrich Toblers Ehefrau, genannt Faunßlerin Die meisten Frauen waren etwa fünfzig Jahre alt. Alle waren verheiratet, die meisten hatten mehrere Kinder. Dazu ein einziger Mann, der Bäcker! Hatte er vielleicht giftiges Mutterkorn in seinem Brot mitgebacken? Bereits sechs Jahre später kam es in Bregenz im Jahre 1615 als Folge eines die gesamte Ernte verheerenden Hagelschlags abermals zu zwei großen Prozessen. Diesmal waren unter den 12 Angeklagten sechs aus Hard und fünf aus Lauterach. Aber auch Wolfurt war wieder vertreten: Toblerin Agnesa Sie widerrief zwar das ihr durch die harte Folterung abgerungene Geständnis, jedoch vergebens. Es hatte sie auch nichts genutzt, daß sie zweimal eine Wallfahrt nach dem drei Tagesmärsche entfernten Einsiedeln unternommen hatte. Im Gegenteil! Die Richter legten ihr das als Zeichen ihres schlechten Gewissens aus. Wie auch die anderen Verurteilten wurde sie am 25. Februar 1615 zuerst vom Scharfrichter enthauptet und erst dann im Feuer zu Asche und Pulver verbrannt (T./93 ff). Agnesa Toblerin war eine arme Magd gewesen. Der Hexenwahn machte aber keinen Unterschied zwischen Arm und Reich. Noch im gleichen Jahr mußte auch Barbara Schertlerin sterben, die Ehefrau des reichen Hofsteig-Ammanns Zacharias Bierenbomer aus Hard. Sechs Jahre zuvor hatte man des Ammanns Bruder Hans und seine Nichte Treina Bierenbomer als Hexen verbrannt. Schon 1596 war mit Anna ab Oberfeld auch Maria Vesslerin hingerichtet worden, die Ehefrau des angesehenen Hofsteig-Richters Caspar von Ach aus Lauterach. Als letzte von den unglücklichen Wolfurter Frauen wurde im Jahre 1628, als im Dreißigjährigen Krieg auch noch die Pest drohte, nach Folterung und Geständnis Maria Kelhoferin enthauptet und verbrannt. Man hatte ihr vorgeworfen, sie habe mit ihren Zauberkünsten Tod über Menschen und Vieh gebracht (T./108). Weiterhin klagten die notleidenden Menschen immer wieder Nachbarn und Bekannte beim Gericht wegen offensichtlicher Hexenkünste an. Das Blutgericht in Bregenz ließ aber jetzt nicht mehr alle Anklagen zu. Wenn es doch noch zu Prozessen kam, endeten diese meist mit Freisprüchen. Die Hofsteig-Richter waren damit aber nicht einverstanden. Sie forderten zusammen mit den Bauern dringend die Hinrichtung der Hexen. Weil diese seit Jahren die Wein- und Kornernten durch Unwetter vernichtet 26 Bild 14: Hexen auf dem Scheiterhaufen hätten, müßten sie ausgerottet werden. Das Blutgericht folgte den Argumenten, die die Hofsteiger schon 1640 und noch einmal 1648 mit dem Ersuchen um gebührendes Einsehen vorbrachten, nicht. Im Jahre 1649, zwei Jahre nachdem die Schweden Bregenz erobert und das Land geplündert hatten, wurden Martha von Ach und Ottilia Nigglin aus Wolfurt von der Anklage der Hexerei freigesprochen. Sechs Jahre später fand 1657 der letzte Hexenprozeß statt. Dabei wurden Catharina Bönlerin und Anna Finckhin aus Wolfurt zweimal gefoltert, dann aber, vermutlich über Fürsprache des Lauteracher HofsteigAmmanns Hans Summer, der die großen Kosten zu verantworten hatte, ebenfalls freigesprochen (T./l 24). Das geschah sehr zum Unwillen des Volkes. Es wollte ja die vermeintliche Ursache seiner Not brennen sehen und sah sich auch um ein Fest betrogen. Zuvor war im Jahre 1645 in Feldkirch an Maria Reinbergerin noch das Hexen-Todesurteil vollstreckt worden. Im Jahre 1651 fanden dann ebenfalls in Feldkirch die allerletzten dokumentierten Hexenprozesse mit Todesurteil im österreichischen Teil Vorarlbergs statt. Dort wurden am 17. Juni 1651 Katharina Walserin aus Röthis, Elisabeth Gappin aus Fraxern, Katharina Lamparthin aus Rankweil und Dorothea Ludescherin aus Götzis enthauptet und verbrannt. Ihre Asche verscharrte man an der Richtstätte.5 In der Herrschaft der Grafen von Ems. die auch den Wolfurter Kellhof besaßen, ging das Morden weiter. Noch 1677 wurden in Hohenems mit Barbara Wötzlin, Barbara Thurnher und Maria Gasser drei Frauen als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.6 Eine ganz unfaßbare Zahl wird aber aus der Grafschaft Vaduz, die damals von einer Seitenlinie der Emser regiert wurde, berichtet. Dort mußten zwischen 1648 und 1680 27 fast 200 Personen als Hexen das Leben lassen. Einfach unvorstellbar! Hexenland Liechtenstein! (T./229) 7 Drüben in der Schweiz hatte sich das Prätigau 1652 von der österreichischen Oberherrschaft freigekauft und damit die Blutgerichtsbarkeit selbst bekommen. Jetzt begann sofort eine Hexenjagd. Die groos Häxatöödi forderte allein in den ersten acht Jahren bis 1660 über hundert Hexen-Opfer! (T./227). In den österreichischen Ländern wurden Hexenprozesse jetzt immer seltener. Nach hundert Jahren schafften Kaiserin Maria Theresia und Joseph II. im Jahre 1776 zuerst die Folter ab und strichen bald danach die Hexerei ganz aus den Rechtsbüchern. Im nahen bayerischen Kempten forderte dagegen der Hexenwahn noch 1775 ein letztes Opfer und im nicht weit entfernten schweizerischen Glarus sogar noch 1782. Und seither? In Wolfurt starben fast alle der von den schrecklichen Prozessen heimgesuchten Familien aus. Die meisten waren noch im Häuserverzeichnis von 1594 aufgeschienen. In den 1650 begonnenen Pfarrbüchern fehlen aber bereits die Mennel, Hinderegger, Knitterle, Tobler und Niggle. Wenn man von den älteren Lauteracher Büchern auf Wolfurt schließen darf, waren sie wohl in den Pestzügen von 1629 und 1635 umgekommen. In Lauterach starben 55 Personen schon 1628/29 an der Pest. Der Pfarrer schrieb alle ihre Namen auf, auch die Mennel, zu denen wahrscheinlich die hingerichtete Wolfurterin Margaretha Mynlin gehörte. Als aber 1635 die Seuche mit 223 Opfern mehr als die Hälfte der Einwohner dahinraffte, wurden sie alle namenlos in die Massengräber am Rande des Dorfes gelegt8. Die als Hexer gebrandmarkte Familie Stauder starb in Wolfurt 1652 aus, die einst zahlreichen Kelnhofer 1676, die vom mächtigen Ammann Jakob Feurstein abstammenden Feurstein 1776. Die neben dem gräflich-emsischen Bütze-Weingarten wohnenden Marth, aus deren Familie die unglückliche Anna Martine stammte, lebten noch bis 1801 im Kirchdorf-Loch. Die Rickenbacher Reiner, wohl Nachkommen aus der Bäckerfamilie, starben in ihrem Haus auf der Steig erst 1863 aus. Zwei besitzlose Fink-Familien gab es noch um 1750. Die Thaler aber und die Vonach, die ebenfalls Opfer zu beklagen hatten, gehören seit ihrer ersten Nennung 1594 zu den allerältesten Wolfurter Familien. Ungebrochen leben ihre Nachkommen-Linien weiter fort. Auch nach den grauenvollen Prozessen sind immer wieder Mitmenschen, vor allem ältere Frauen, als Hexen verschrien worden. Oft genügten ein Muttermal, ein paar Warzen, ein schielender Blick oder aber auch auffallend zur Schau gestellte körperliche Schönheit, daß Neid, Haß und Bosheit unschuldige Menschen böser Taten verdächtigten. Da nützte meist kein Verleumdungsprozeß. Böse Worte fanden noch immer ein offenes Ohr, auch in unseren Tagen. Zunehmend kommen in den letzten Jahren in unserer so aufgeklärten Welt dazu auch Teufelsaustreibungen, Schwarze Messen, geheimnisvolle Zusammenkünfte, die bis zu Leichenberaubung oder abstrusen Tänzen und Quälereien führen können. Unser materieller Reichtum hat viele von uns geistig verarmen lassen. Möge Gott uns behüten, wenn wieder der Ruf laut wird, daß ....das Böse ausgerottet werde! 28 1 2 Vogt in Heimat Wolfurt, Heft 19/1997, S.4 VLA, Urkunde 2191, und Manuskript Wieland, S. 114 Die Zahlen wurden nach neuen Forschungen Tschaikners erhöht. Montfort 1995/4/288 und 1997/2/118 4 6 7 Bilgeri, Bregenz, 1980, S. 225 Ergänzt nach Tschaikner, Hexenverfolgung in Feldkirch, Montfort 1997/2/114 ff. Norbert Peter, Hexenwahn, Hohenems, 1983, S. 56 Die ursprünglich angegebene Zahl von 300 wurde auf 200 korrigiert. Tschaikner, Jahrbuch des Historischen Vereins Liechtenstein, Nr. 96/1998/ 103 Welti, Heimatbuch Lauterach, 1953, S. 36 8 29 Siegfried Heim Adlerwirts Haus-Chronik Wir haben sie wieder! Nicht das Original, aber wenigstens eine Kopie für das Gemeinde-Archiv. Zuletzt besaß in Wolfurt um 1900 Alt-Adlerwirt J. Gg. Fischer das vergilbte alte Buch, aus welchem spätere Chronisten noch mehrfach zitierten. Jetzt hüten es seine Enkel in Rankweil. Wir sind Ing. Franz Fischer sehr dankbar, daß er uns Zugang zu dieser ergiebigen Quelle für die Hofsteiger Geschichte verschafft hat. Der weitaus größte Teil der Eintragungen stammt vom Rickenbacher Löwenwirt Joseph Fischer, 1723-1809. Er war in Spetenlehen geboren worden und hatte 1749 Katharina Wehinger, die Witwe des Löwenwirts Kaspar Haltmayer, geheiratet. Besitz und Ansehen verhalfen ihm dazu, daß er ab 1764 sechsmal zum HofsteigAmmann gewählt wurde. Die umfangreichen Amtsschriften wurden damals noch vom Ammann persönlich verwaltet. Die Gerichtsverhandlungen fanden oft im Löwen in Rickenbach statt, die Wahlen dagegen in Lauterach. Eine neue Gerichtsordnung im Jahre 1886 zwang das Gericht dann, ein eigenes Haus in Lauterach zu bauen und einen Schreiber anzustellen. Spätestens jetzt, wahrscheinlich aber schon bei seinem Amtsantritt 1764, schaffte sich Ammann Fischer ein dickes Buch an, in welchem er sich Notizen über die wichtigsten Gerichtsangelegenheiten und über alte Verträge machte. Daraus ist dann schließlich eine Familien-Chronik geworden. Von Ammann Fischer ist übrigens ein zweites Buch erhalten geblieben. Im Besitz des Klosters Mehrerau fand er das Zehentbuch des Hans Georg von Wolfurt aus dem Jahre 1576. Weil diese Aufschreibungen für ganz Hofsteig von Bedeutung waren, ließ er sie 1766 von Bartholomäus Fink, einem Theologen aus Stiefenhofen bei Weiler, von Wort zu Wort gleich lauthend abschreiben. Während das Original aus der Mehrerau in das Vorarlberger Landesarchiv gelangte, blieb die Abschrift im Besitz der Nachkommen des Ammanns (s Ammas) im Kirchdorf. Im Jahre 1998 konnte die Gemeinde Wolfurt das Buch für ihr Archiv erwerben. Nach dem Tod seiner ersten Frau Katharina hatte Ammann Fischer 1768 Maria Anna Haltmayer, eine Tochter des Schwarzacher Kronenwirts, geheiratet. Im Jahre 1798 übergab er den Löwen an seinen ältesten Sohn und übersiedelte mit dem Rest der Familie ins Kirchdorf. Dort eröffnete sein anderer Sohn Joh. Georg Fischer bald danach den Gasthof Engel. Der alte Vater, der neue Engelwirt und später der Enkel Josef Anton machten jetzt das einstige Notizbuch des Ammanns mit persönlichen Eintragungen zu einer richtigen Familien-Chronik. Der Enkel heiratete 1843 in den Adler nach Rickenbach und nahm das Buch mit. Sein Sohn Joh. Georg Fischer, 1847-1918, Adlerwirt und ab 1873 Vorsteher von Wolfurt1, verwendete es wieder für viele interessante Notizen aus dem Gemeindegeschehen. Bei der Übersiedlung der Familie Fischer nach GÖtzis nahm er Adlerwirts Haus-Chronik mit. Sein Sohn Ernst hat sie mit wichtigen Familien-Daten abgerundet. Bild 15: Im Löwen in Rickenbach (abgebrannt 1912) hatte das' HofsteigGericht unter Ammann Fischer seinen Sitz. Am Anfang steht auf der Registerseite Y Bemerkenswertes aus Fischers AmmannZeit: 1764 den 20ten 9ber ist zue rikhenbach nach dem alten gebrauch Ehrhaft Gericht gehalten worden und bey dem anfang daß Gericht verbannt mit nach volgenden worthen, als Erstlich nimbt der Amman den Gerichts stab in die Hand, und der Gerichts weibel den seynen stab und müssen nach volgendes sprechen vor samentlichen 12 Geschworenen .... Es folgen die Worte eines feierlichen Versprechens der Unparteilichkeit gegenüber frömden wie heimischen, den reichen wie den armen, nicht ansehen Freundschafft, noch Feindschafft.... Dar zu unß Gott helfe und Maria. Am Sitz des Ammanns in Rickenbach tagte also das Hofsteig-Gericht. Wer einen Fall vorbrachte, mußte dem Waibel vier Kreuzer und dem Gericht sechs Kreuzer bezahlen. Zu einem Grundkauf mußte man allerdings eigens den Landschreiber holen und diesem drei Gulden ausfolgen. Die Geschworenen erhielten Zehrung und Lohn von den acht Gulden, die der Lehenshof auf der Steig jährlich dafür aufbringen mußte. Stolz vermerkte Ammann Fischer, daß in seiner Amtszeit kein einziger Fall an das Oberamt abgetreten werden mußte. ... und dießes Gericht hat gedauert biß 1786; wo die Neüye Gerichts Ordnung angefangen hat und ein Neüyes Gerichts hauß mit.. über 7000 f erbauen worden, aber nicht lang gedauert, das Gericht auß gangen und das Gerichts hauß um 3300 verkauft worden ist... Mit Bitterkeit beschreibt der Ammann also hier das Ende des uralten Hofsteig-Gerichts unter dem Zugriff der kaiserlichen Beamten. Besonders hart traf ihn der leichtfertige Umgang mit dem so hart erarbeiteten Steuergeld beim Bau eines großspurigen Gerichtsgebäudes an der neuen Landstraße nahe der Kirche in Lauterach. Er kommt noch einmal in seinem Lebenslauf (Seite 84) darauf zu sprechen: 31 30 Bild 16: In Lauterach steht noch das teure Gerichtshaus von 1786, das dem Gericht nur sieben Jahre lang diente. .... Das mir ein Neus Kostbares Gerichts hauß erbauen müßen, so über 7000 f auf gangen sind, haben alle wochen als am Montag Gerichts Verhör gehalten, der Amman und 2 bey sitzer und ein studirter Gerichts schreiben hat aber nit lang gedauert, im 1793er Jahr ist dieße Ordnung auß gangen und wider biß dato nach Bregentz.... Hatte er also früher alle Fälle mit geringen Gebühren im eigenen Dorf abwickeln können, so mußte man ab 1793 jede Kleinigkeit vor das Amtsgericht in Bregenz tragen. Seine Tätigkeit als Ammann beschränkte sich immer mehr auf das Aufbrin


Heimat Wolfurt Heft 22 1999 März
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 22 Zeitschrift des Heimatkundekreises März 1999 Bild 1: Su-Biora. Kostbare Früchte aus Wolfurt Inhalt: 110. Die Krone 111. 750 Jahre Rickenbach 112. Vorsteher und Bürgermeister (2) 113. Theater in Wolfurt 114. R.K.Fischer 115. An ächto Su-Biorar Bildnachweis: Karl Hinteregger: Bild 17 Siegfried Heim: Bilder 8, 14 u. 26 Die Bilder 10,13 u. 18 sind Arbeiten von Hubert Gasser für den Gemeinde-Sitzungssaal. Alle anderen sind der Sammlung Heim entnommen, die meisten sind Reproduktionen von Hubert Mohr und Karl Hinteregger oder Kopien aus dem Gemeindearchiv. Zuschriften und Ergänzungen Diesmal gibt es zu den umfassenden Beiträgen in Heft 21 nur wenige Ergänzungen. Gold und Geld und das Wohnen in Wolfurt haben aber sicher manchem Leser die Gelegenheit gegeben, seine eigene Situation mit Genugtuung und hoffentlich auch mit Dankbarkeit zu überdenken. Flucht in die Höhle (Heft 21, S. 45) Klamporars Marte, nun schon 91 Jahre alt und noch rüstig auf seinen Spaziergängen durch das Dorf, hat sich über die Geschichte gefreut. Aber auch andere Wolfurter kennen diQ Höhle seit langer Zeit. Egon Waibel berichtet, ihm habe Kögls Ernst die IHS-Höhle gezeigt und gemeint, flüchtende SS-Soldaten hätten die rätselhafte Schrift eingemeißelt (?). Vor dem Krieg nannten die Strohdörfler Buben den Hügel mit der steil zum Eulentobel abfallenden Felswand nach einem Mädchen Ernas Bergle. Oft stiegen sie zur Höhle hinauf. Wald und Bach waren ja damals, als es noch kein Fernsehen und keinen Fußballplatz gab, die beliebtesten Spielplätze. Nach Kriegsbeginn, als viele Väter und Nachbarn 1940 in den Krieg eingerückt waren, organisierten die Strohdörfler Buben ihr „Militär". Mit Helmen, Gewehren und Pappendeckel-Kanonen boten sie einen imponierenden Anblick. Jeden Sonntag marschierten und exerzierten sie vor vielen Zuschauern zwischen Strohdorf-Brunnen und Vereinshaus. Der damalige Kaplan Giesinger hielt das Geschehen in einer Photoreihe fest. Die anschließenden „Geländespiele" der Buben erstreckten sich weit über die Bühel bis zur Höhle und zum Bergle hinauf. Danke ! Mit den letztes Mal ausgesandten Erlagscheinen sind wieder viele Spenden auf unser Konto 87 957 bei der Raiba Wolfurt eingegangen. Dafür danken wir herzlich. Die gesammelten Beträge wurden an die Gemeinde überwiesen. Diese hat wieder die Deckung des Abganges übernommen. Für diese Unterstützung bedanken wir uns ebenfalls. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises für die letzten beiden Jahre wurde im Februar 1999 wieder von Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Fehl-Drucke Ein Teil der letzten Hefte (Nr. 21) wurde leider fehlerhaft zusammengestellt, so daß einige Seiten fehlen. Bitte, tauschen Sie solche Hefte binnen des nächsten Monats beim Schriftleiter aus! Wir bitten um Entschuldigung. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Bild 2: Strohdörfler BubenMilitär 1940 3 Gar schnell ist aus dem Spiel blutiger Ernst geworden. Als 16- und 17jährige wurden die Burschen zu den Soldaten eingezogen. Dort lernten sie die grausame andere Seite des Krieges mit Blut und Tod und Gefangenschaft kennen. Wohnen in Wolfurt (Heft 21, S. 5) Allzuviele von den schönen Rheintalhäusern sind verschwunden. Da freut mich halt jedes einzelne, das renoviert und der neuen Zeit angepaßt unser Dorfbild verschönert und für unsere Enkel erhalten bleibt. Eines davon ist Böhlers in Rickenbach, Dornbirnerstrafle 10. Gebhard Böhler hat das mehr als 200 Jahre alte Haus in langer Arbeit Stück um Stück erneuert. Dabei machte seine Frau Ingeborg eine überraschende Entdeckung. Um das Jahr 1970 wurde aus der niedrigen Stube das alte gestemmte Deckentäfer herausgebrochen. Auf der Rückseite eines noch gut erhaltenen Täferblattes befand sich eine Bleistift-Inschrift. Schwungvolle alte Kurrentschrift, das meiste gut lesbar: ' 1797 Den I9ten Dezember hat man das Däfer angeschlagen Kaspar Thaler auf dem Bühel Schreiner Meister Und Kaspar Thaler als Gesel. Und Frantz Joseph Rohner ... Meister. Im Jahre 1797 war das zweistöckige gestrickte Holzhaus bereits etwa 50 Jahre alt. Pfarrer Josef Andreas Feurstein schrieb es 1760 unter domus 136 in seinen ersten Wolfurter Seelenbeschrieb ein. Es war damals das alleräußerste Haus von Rickenbach, bis bald danach Awandars und Becko Sepplos und später die Häuser in Schlaft und Kessel erbaut wurden. Nach mehreren Vorbesitzern heiratete im Jänner 1796 Franz Josef Rohner in das Haus ein. Er war ein Wirtssohn aus dem großen Rohner-Gasthof an der Kreuzstraße im Kirchdorf und ein Urenkel des bekannten Hofsteig-Ammanns Jerg Rohner (Heft 13, S. 28). Nun ließ er also ein Jahr später in der guten Stube ein Täfer anschlagen. Das besorgte der Schreiner Kaspar Thaler, der damals mit seiner Frau Maria Schneider auf dem Bühel wohnte, dort wo heute das Haus Oberfeldg asse 3 steht. Weil sein einziger Sohn als Kind gestorben war, hatte er seinen Neffen Kaspar Thaler, geboren 1777 im Tobel, als Schreinergesellen angestellt. Dieser Kaspar hat dann 1802 geheiratet und das große Thaler-Haus im Isatz (Lauteracherstraße 5, Kresser) gebaut. Von ihm stammen alle heutigen Wolfurter Thaler-Familien. Und wie ging es Rohners in der Stube im Rickenbacher Unterdorf? Von den sechs Kindern starben drei ganz jung, zwei Töchter blieben ledig. Nur Agatha, die jüngste, heiratete Joh. Georg Dür von der Ingrüne. Sie sind die Stammeltern von vielen Wolfurter Familien, wie etwa von Awandars (mit Grabhers am Rickenbach), DelloKorles (mit Lehrer-Höfles und Bereuters von der Hoh-Brugg) und Holzar-Schmiods (mit Geiger Adolfs im Röhle, Guldenschuhs in Unterlinden und Klimmer Alberts in Spetenlehen). Fast hundert Jahre lang blieb das Haus im Besitz der Familie Dür. Dann kauften es zuerst Engelbert Kaufmann und zwanzig Jahre später der anfangs der 30er-Jahre aus Amerika heimgekehrte Julius Brauchle und seine Frau Anna. Alte Rickenbacher wis4 sen noch, welch schweres Leid Frau Anna tapfer getragen hat. Als sie 1933 ihr erstes Kind Juliane erwartete, starb ihr Mann. Und als sie zwölf Jahre später in ihrer zweiten Ehe mit Gebhard Böhler wieder ein Kind erwartete, widerfuhr ihr das gleiche Schicksal ein zweites Mal. Beim Einmarsch der Franzosen schlug am 2. Mai 1945 eine letzte deutsche Granate durch die Stubenwand und tötete ihren zweiten Mann. Allein mußte sie in schwerer Zeit für beide Kinder sorgen. Längst hat nun Sohn Gebhard das Haus übernommen und schön hergerichtet. Daß er auch die alte Täfer-Schrift gut aufbewahrt, ist in unserer so schnell-lebigcn Zeit besonders hoch zu schätzen. Vielleicht können Thalers Theo, Kressers Fridolin, Höfles Konrad, Geigers Erich und ein paar Dutzend andere Nachkommen aus den Bleistiftzeilen einen Gruß des Stammvaters an die Ur-Urenkel heraushören! Vielleicht steckt darin aber auch die Frage an uns und unsere Baumeister, was wohl von unseren Betonmauern und Lattenhäusern in 200 Jahren noch bestehen kann? Ahnenforschung Immer wieder suchen Leute aus der Ferne hier in Wolfurt nach ihren Wurzeln. Weit aus Sachsen, aus Hainichen bei Chemnitz, kam Herr Ing. Christoph Egerland und forschte in unseren Pfarrbüchern. Er fand eine große Anzahl von Ahnen, zuletzt ein Ehepaar Schneider, das zu Napoleons Zeiten in dem uralten Haus Hofsteigstraße 1 wohnte. Der Sohn Joh. Martin Schneider, geboren 1795, ging als Schustergeselle auf die Walz und blieb in Kulmbach in Bayern bei einer jungen Barbara hängen. Von ihnen stammt in fünfter Generation Christoph Egerland, Ziegelbrenner und Keramik-Ingenieur. Weniger weit hatte es Schuldirektor Ernst Köhlmeier aus Hard, der für sich und seinen jüngeren Bruder, den Harder Langzeit-Bürgermeister Gerhard Köhlmeier ebenfalls in Wolfurt forschte. Die Köhlmayer waren einst ein großes und angesehenes Wolfurter Geschlecht. Einen kölmayer bartlme (Bartholomäus) können wir als Hofbesitzer schon 1594 nachweisen. Um das Jaht 1670 besaß eine Familie Köhlmayer den wichtigen Gasthof Löwen in Rickenbach: honoratus viduus Blasius Khölmayer hospes (Gastwirt) in Rickhenbach heiratete im September 1678 zum zweiten Mal. Seine Urenkel, sie schrieben sich jetzt Köllmayer, verkauften den Löwen an den Adlerwirts-Sohn Kaspar Haltmayer, von dem er dann an die Löwenwirtler-Fischer vererbt wurde. Einer von den Köllmayer-Söhnen, Johann Michael Köllmayer, heiratete im Oktober 1765 nach Hard. Von ihm stammen in der siebten Generation die Geschwister Ernst (1937), Gerhard (1938), Ruthilde und Adelheid Köhlmeier. Gutes Blut aus Wolfurt hat sich auch am See bewährt! Zuschriften Aus Bischofszeil bei St. Gallen bedankte sich Antoinette Dorn-Rhyner für die Zusendung der Hefte: Mußte weinen vor Heimweh. Man schätzt die Heimat erst in der Fremde.... Habe viel von der Welt gesehen, aber zu Hause in Wolfurt war es doch am schönsten. ... Im Herzen Wolfurterin und auf dem Papier Schweizerin. 5 Aus Bregenz schickte Dr. Paul Gmeiner, der mit seiner Heimatgemeinde Wolfurt ebenfalls immer sehr verbunden bleibt, umfangreiche Kopien zur Kirchengeschichte von Bregenz und Wolfurt. Besonders macht er uns auf jenen jungen Einsiedler aus Wolfurt aufmerksam, der sich als erster in den Ruinen der 1647 von den Schweden gesprengten Burg Hohen-Bregenz einen Unterstand baute. Aus Hohenems schickte der Heimatkundler Dr. Johannes Greyßing mehrere Notizen zur Wolfurter Geschichte, die ihm bei seinen Forschungen im Landesarchiv untergekommen waren. Da fand er Berichte aus Adlerwirts Haus-Chronik über das Rickenbacher Hochwasser von 1702 und über den Musikstreit von 1857, über die wir schon an anderer Stelle berichtet haben. In einem weiteren Beitrag von 1875 widerspiegelt sich der Casiner-Streit, in dem sich die Parteien mit allen Mitteln bekämpften (Siehe Beitrag Die Vorsteher in diesem Heft!): Laut Anzeige des Waldaufsehers von Wolfurt wurde vorigen Sonntag am Wolfurter Schießstande abermals geschossen, ohne die Kugelfänge aufgestellt zu haben. Wie es scheint, will der Hr. Vorsteher von Wolfurt nicht auftreten gegen die Schützengesellschaft, wahrscheinlich weil derselbe mit dem Schützenwirth verwandt ist ...Es kann nicht zugelassen werden, daß noch weiterer Schaden im Walde angerichtet wird, daher ich dringend ersuche, das Schießen einzustellen. ... Werner, k.k. Forstkomm. ... Vorsteher war damals der Adlerwirt Joh. Georg Fischer. Seine ältere Schwester Katharina war mit dem jungen Kronenwirt Michael Sohm verheiratet, dem auch der Schießstand gehörte. Eine vierte Notiz stammt aus der Hunger- und Inflationszeit nach dem Ersten Weltkrieg: Dem Mühlenbesitzer Max Zuppinger wurden neulich 6 Säcke Nullermehl im Werte von 1.800.000 Kronen gestohlen. Die Gendarmerie in Lauterach machte die Täter, zwei Reichsdeutsche, die früher bei Zuppinger in Arbeit standen, ausfindig, 68 Kilo wurden noch zustande gebracht; natürlich werden auch die Abnehmer des Mehles zur Verantwortung gezogen. Und jetzt noch eine besonders freudige Mitteilung: Nach langen Bemühungen ist es uns gelungen, für das Gemeindearchiv eine Kopie von der mehr als 200 Jahre alten Adlerwirts Haus-Chronik zu erhalten. Im nächsten Heft wollen wir sie vorstellen. Bild 3: Gasthaus Krone um 1906 Siegfried Heim Die Krone - abgebrochen! In Spetenlehen wurde am 30. Juni 1998 der alte Gasthof zur Krone abgebrochen. Die letzte Wirtin Luzia Müller war im gesegneten Alter von 94 Jahren am 1. August 1997 gestorben. Die Erben machten sich den Entschluß nicht leicht, was mit dem baufällig gewordenen Haus geschehen solle. Auch die Gemeinde war natürlich an einem Fortbestand dieses markanten Gebäudes brennend interessiert. Eine Renovierung des morschen Holzhauses schien schließlich aber doch mit zu großen Kosten und anderen Problemen behaftet zu sein. So mußte denn ein Abbruchbescheid ergehen, gegen den auch das Denkmalamt keinen Einspruch erhob. Damit ist wieder eines der bedeutenden, man möchte fast sagen "historischen" Wolfurter Häuser verschwunden. Der kleine Weiler Spetenlehen am Bannholzbach war schon vor 1000 Jahren besiedelt. Das Mehrerauer Zehentbuch weist im Jahre 1290 einen Hof spate oder auch feodum dicti speten als Mehrerauer Lehen aus. Das Kloster bezog davon jedes Jahr einen Zehent von 13 Schilling, 4 Schweinsschultem, 40 Eiern und dazu ad duc. 4 dies, vier Tage Frondienst zum Einführen der Rickenbacher Feldfrüchte in die Mehrerauer Scheunen. 7 6 Am Ende des Mittelalters erreichte Kaiser Maximilians Heerstraße von der 1518 erbauten Lauteracher Achbrücke her hier am Berghang die ersten Rickenbacher Häuser. Das Kirchdorf Wolfurt lag ja jetzt weit abseits der wichtigen Straße und die paar Häuser der benachbarten Hub drängten sich noch alle im Eulentobel zusammen. Um diese Zeit dürfte hier in Spetenlehen die erste Taverne für Fuhrleute und Pilger eingerichtet worden sein. Nachweisbar finden wir diese am Platz der Krone um das Jahr 1700 im Besitz des Kaspar Gasser und um 1750 im Besitz seines Sohnes Johann Gasser, 1715-1788. Dieser wurde wegen seines Ansehens und Vermögens zum Eidgenoß des Gerichts Hofsteig gewählt.1 Ab 1778 übernahm sein Schwiegersohn Joseph Schelling die Taverne. Er stammte vom Frickenesch und war ein direkter Nachkomme jenes Martin Höfle, dem 1629 in Bildstein die Mutter Gottes erschienen war. Schelling übte das wichtige Amt eines Wuhrmeisters aus. Die Steuerbücher 2 weisen in seinem Besitz neben drei Kühen und Jungvieh auch ein Pferd, einen Raifhandel, ein Holzlager und dazu Mobilien auf dem Wirthslager aus. Von Josephs Sohn Johann Schelling, der bereits als Kronenwirth bezeichnet wurde, der Gasthof aber noch manchmal als Taverne, ging das Haus 1837 in den Besitz seines Schwiegersohns Michael Sohm über. Dieser stammte aus der Krone in Kennelbach und dürfte nun die Krone in Wolfurt groß umgebaut haben. Jedenfalls nahm er 1839 in Feldkirch eine Hypothek von 300 Gulden auf, deren Verzinsung auch noch seine Nachfolger arg belastete.3 Jetzt wurde die Krone zum Mittelpunkt der 1806 aus Kirchdorf Wolfurt und Weiler Rickenbach zusammengefaßten Gemeinde Wolfurt. Statt in der engen Klasse des alten Schulhauses hielten die Gemeindevertreter ihre Sitzungen lieber hier in der Gaststube ab. Nachweisbar - es sind nur wenige Protokolle erhalten geblieben - ist das erstmals bei der Sitzung vom 29. April 1832 bei Kronenwirth Johann Schelling. Es häufte sich aber, als Kronenwirt Sohm ab 1867 selbst Gemeinderat und 1869 auch Kirchenpfleger geworden war. Im Verzeichnis der Einkommensteuer von 1873 lag Kronenwirt Michael Sohm hinter Rößlewirt Fidel Müller und Schwanenwirt Joh. Georg Kalb bei den Wirten an dritter Stelle in der Gemeinde, vor Kreuz, Mohren, Schiffle, Löwen, Sternen, Linde, Schützen, Adler und Hirschen. Einige Jahre lang war der Krone um diese Zeit im Nachbarhaus eine Konkurrenz entstanden. Im Stammhaus der Spetenleher Fischer, 50 Jahre früher das erste Wolfurter Rathaus4, hatte Martin Fischer 1860 den Gasthof zum Schützen eröffnet. Dazu hatte er auf eigene Kosten auf seinem Bühel einen neuen Gemeinde-Schießstand erstellt.5 Seither hielten die Wolfurter Standschützen mehr als 100 Jahre lang dort oben ihre Schießübungen und viele Feste ab, bis sie 1975 ihren großen neuen Stand an der Ach erbauten. Im neuen Gasthaus Schützen probte auch der 1865 gegründete Männerchor Wolfurt-Kennelbach. Der Schützenwirt war selbst Stimmführer im ersten Tenor.6 Aber im Jahre 1875 wurde der Schützen versteigert. Und kaufen konnte das stolze Haus samt dem Schießstand der Kronenwirt Michael Sohm, der sich so der unliebsa8 Bild 4: Das alte Wirtshausschild men Konkurrenz entledigte.7 Ab jetzt wurde die Krone zur Schützenwirtschaft. Der Schießstand gehörte nun zu Kronenwirts Bühel. Alles zusammen übergab der tüchtige Wirt 1877 seinem gleichnamigen Sohn Michael Sohm junior. Der hatte ab 1870 bei den Kaiserjägern gedient. Die Gastwirtschaft vermochte der heimgekehrte Soldat aber nicht zu führen. Schon nach zwei Jahren verkaufte er 1879 zuerst den ehemaligen Schützen an Wendelin Pfanner aus Langen, ein Jahr später auch sein Elternhaus, die Krone. Auch die Familie Pfanner konnte den großen Besitz nicht halten. Den Schützen verkaufte sie an Josef Anton Fischer, einen jüngeren Bruder des früheren Schützenwirts. Voll Neid nannten die Wolfurter den tüchtigen kleinen Mann bald s Milliono-Männdle, weil er sich vom ehemaligen Knecht in der Zuppinger-Mühle zum reichen Sticker in seinem wiedergewonnenen Elternhaus in Spetenlehen hinaufarbeitete. Die Krone samt den immer noch auf ihr lastenden alten Schulden erwarb für ein paar Jahre Wilhelm Huber aus Breitenbrunn und dann Albert Müller, Rößlewirts aus dem Kirchdorf. Auch dieser mußte sie schon 1893 wieder verkaufen. Neuer Besitzer wurde sein jüngerer Bruder Karl Müller. Karl, geboren 1863, hatte bei seinem Vater Fidel Müller, der seit 1850 den angesehenen Gasthof Rößle besaß, das Bäckerhandwerk erlernt. 1889 heiratete er Johanna Dür, die reiche Tochter des ein Jahr zuvor plötzlich verstorbenen Rickenbacher Mechanikers Josef Anton Dür. Mit ihrer Mitgift und seinem väterlichen Erbe konnte das Paar für ansehnliche 6000 Gulden die große Bäckerei Huber in Rieden kaufen. Als aber Johannas letzter Bruder Heinrich Dür im Jänner 1891 ganz überraschend starb, wurde sie dazu noch Alleinbesitzerin der Großschlosserei Dür am Rickenbach, die ihr Vater dort seit 1848 aus der uralten Hunds-Mühle, aufgebaut hatte. Nur ein gutes Jahr lang nannte sich Karl Müller jetzt Mechaniker in Rickenbach, dann verkaufte er die Schlosserei 1892 an Conrad Doppelmeyer aus Hard, der hier 20 Jahre früher seine Lehre gemacht hatte. 9 Den Erlös legten Karl und Johanna Müller zum Erwerb der Krone an. Aus dem in der Krone aufbewahrten umfangreichen Aktenpaket8 erfahren wir Interessantes aus dem damaligen Geschäftsleben. Ein Schreiben des Steueramtes nennt den Umsatz, den Albert Müller im ersten Halbjahr 1893 vor der Übergabe der Wirtschaft an seinen Bruder Karl gemacht hatte: Verkauft Würste für warme Speisen Käse Brot Kaffee Selchfleisch Beherbergt lt. Fremdenbuch 50 Personen Branntwein 300 Liter Zur Beherbergung 3 Zimmer mit 5 Betten 130 fl Nettogewinn 200 fl 60 fl 140 fl 40fl 120 fl 200 fl 25 fl 40 fl 18 fl 14 fl 16 fl 40 fl 10 fl 40 fl 3. Julius 4. Eugen 5. Maria 6. Josef 7. Franziska 1893-1916 1894-1978 1895-1941 1896+ 1898 oo Ida Gunz, Hofsteigstraße oo in Bregenz mit Alfons Köb (Seppatones vom Bühel) letzte Kronenwirtin oo Paul Köb (Molars), Hofsteigstraße 8. Raimund 1899-1923 9. Luzia 1903-1997 10. Hilda 1904-1940 In dieser Aufstellung fehlen aber die am häufigsten ausgeschenkten Getränke Wein, Most und Bier. Hatte man einige Jahre früher im Wirtshaus neben Most und Schnaps fast nur Wein getrunken, so war um diese Zeit das Bier in Mode gekommen. Im Adler in Rickenbach hatte der Vorsteher Joh. Georg Fischer 1874 eine eigene Brauerei eingerichtet, die er dort bis 1906 betrieb. Der neue Kronenwirt bezog sein Bier bei der Mohrenbrauerei in Dornbirn, die ihm z. B. im Dezember 1893 für 661 Liter Bier zu je 11 Kreuzer 72.71 Gulden in Rechnung stellte. Wein bezog er dagegen meist bei der Agentur Jacob Kohler in Schwarzach, die Südtiroler Wein in Fässern für 20 Kreuzer je Liter franco Bahnhof Schwarzach zur Abholung lieferte: 3 Fassel roth Wein, 1008 Liter für 201.60fl. Im Jahre 1900 verrechnete Kohler seinen Wein erstmals in der neuen Kronen-Währung: 2 Fass Rothwein, 660 Liter für 264 K. Karl Müller hatte für seinen Gasthof Krone auch die Gewerbeberechtigung für eine Gemischtwarenhandlung und eine k. k. Tabak-Trafik erhalten. Neben Mehl, Gerste, Zucker und Salz beschränkte sich der Verkauf aber hauptsächlich auf Kautabak, Bürsten und Pfannenriebel. Bei Kronenwirts wuchs jetzt eine große Familie heran 9 : 1. Karl 2. Berta 1890-1938 1891 oo Maria Fischer (Seppos), Unterlindenstraße oo in Bregenz mit Jakob Schertler (Jokobos aus dem Flotzbach) Im Jahre 1907 erkrankte Vater Karl schwer. Jetzt lag die Verantwortung ganz bei der tüchtigen Mutter. Im gleichen Jahr ließ sie hinter der Krone eine große Stickerei erbauen, in welcher die Kinder nun jeden Tag viele Stunden arbeiteten. Dazu betrieben sie Gastwirtschaft und Kaufladen weiter. Im Kronensaal hielten zuerst der Männerchor Wolfurt und dann der Gesangverein Liederhain ihre Proben. Auch der 1926 eigens für die Rickenbacher gegründete gemischte Chor Frohsinn fand hier bis zu seinem Ende 1934 Unterkunft. Sohn Julius, Mitbegründer und ab 1912 Obmann des Turnerbundes, starb 1916 im Krieg. Als sich der ArbeiterTurnerbund vom Arbeiterverein löste, fand die erste Hauptversammlung 1920 in der Krone statt. Ebenfalls in der Krone wurde schon 1927 mit der Ski-Riege des Turnerbundes der erste Wolfurter Schiverein gegründet. Hier ließ Vorsteher Lorenz Schertler auch 1923 den Standschützenverein neu gründen. Noch viele Jahre lang blieb die Krone das Vereinslokal der Schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich für das einstmals so wichtige Haus vieles verändert. Frau Luzia, mit einem schweren Sprachfehler behaftet, aber vielleicht gerade deswegen zu allen Leuten freundlich und hilfsbereit, führte den Gasthof nun allein. Mehrere Flüchtlingsfamilien hatten bei ihr Aufnahme gefunden. Den Laden hatte sie geschlossen. Dort stan- Bild 5: Die letzte Kronenwirtin. Lucia Müller, 1903-1997 10 11 den jetzt die ersten Frisierstühle der jungen Wolfurter Meister Herbert Vonach und Emil Gasser, Viel später durfte hier die Junge ÖVP ihr Klublokal einrichten. In der Krone fand am 22. Dezember 1946 jene denkwürdige Sitzung statt, in der sich der "liberale" Turnverein und der "schwarze" Turnerbund nach jahrzehntelanger Gegnerschaft zur überparteilichen "Turnerschaft Wolfurt" zusammenschlossen. Im gleichen Jahr hatte auch Martin Höfle noch einmal alte und junge Sänger zur Gründung eines neuen Männerchores in die Krone gerufen. Während die Turnerschaft aufblühte, war dem Chor kein langer Bestand beschieden. In der ruhiger gewordenen Gaststube trafen sich immer noch politische Gruppen der Gemeinde, erstellten hier ihre Kandidatenlisten und berieten wichtige Themen. Und immer wieder fanden sich Stammtischrunden zusammen zu fröhlichem Gedankenaustausch bei Kaffee und einem von Luzias bekannten Mohroköpfle, aber vor allem natürlich zu einem zünftigen Jaß bis tief in die Nacht. Auch als Luzia in ihrem hohen Alter gebrechlich geworden war, blieb die gastliche Stube ihren alten Freunden immer offen. Das ist nun vorbei! - Sie werden uns sehr fehlen, die gute alte Luzia und ihre gute alte Krone! 2 ' Pfarrarchiv Wolfurl, Seelenbeschrieb 1760, domus 114 Gemeindearchiv Wolfurl Originaldokument in Privatbesitz Bild 6: Das Kloster Mehrerau wurde um das Jahr 1094 gebaut. Heimat Wolfurt, Heft 20, S. 12 GA Wolfurt, GV-Protokoll vom 16. Aug. 1860 6 GA Wolfurt, Sänger-Protokollbuch 1 7 GA Wolfurt, Cod 8a, Häuserverzeichnis 1886, Nr. C 188 8 Privatbesitz 9 GA, Cod 20, Familienbuch 1885, fol 362 5 4 Siegfried Heim 750 Jahre Rickenbach 750 Jahre alt wird heuer die Urkunde, auf der der Name Rickenbach zum ersten Mal aufscheint. Unter insgesamt 60 Ortsnamen stehen dort auch noch eine ganze Reihe anderer aus unserer Umgebung. So wollen Schwarzach und Hard dieses runde Namens-Jubiläum heuer festlich begehen. Am 17. September 1249 unterzeichnete Papst Innozenz IV zu Lyon in Frankreich die Urkunde, die als ältestes Mehrerauer Grundbesitzerverzeichnis gilt. Dort scheinen unter den Dörfern und Weilern außer Wolfurt auch Lauterach, Hard, Schwarzach, Alberschwende und Kennelbach auf, nicht aber Buch und Bildstein. Für unsere Wolfurter Parzellen Ach (Ahe), Steig (Staige) und Rickenbach (Rikembach) ist es wie für unsere Nachbarn Schwarzach (Swarzahe), Hard (Harde) und Kennelbach (Kaenalbach) überhaupt die allererste urkundliche Namensnennung. Ach, Steig, Rickenbach 1249 Schwarzach, Hard, Kennelbach 1249 Für Wolfurt kennen wir als ältesten Namen St. Nikolaus. So hieß der Ort nach der Kapelle, die Graf Rudolf von Pfullendorf um das Jahr 1167 dem Stauferkaiser Fried13 12 rieh Barbarossa überließ. Einige Jahrzehnte später traten um 1220 zuerst die Ritter de Wolfurt in Lindauer Urkunden als Zeugen auf. Aber schon 1226, als der Stauferkönig Heinrich VII. seinen Wolfurter Besitz mit der Kapelle an das Kloster Weißenau verschenkte, hießen auch die Häuser am Fuß von Kapelle und Schloß zum ersten Mal Wolffurt (.... cum capella in Wolffurt....).' Wolfurt 1226 Die Namen von Lauterach und Dornbirn sind viel älter. In St. Galler Urkunden finden sich schon im Jahre 853 Lutaraha und 895 Torrinpuiron. Noch älter ist der Name Bregenz, der vor 2000 Jahren um 15 v. Chr. vom keltischen Brigantion in das römische Brigantium umgeformt wurde. Lauterach schon 853 Wie war es zu dem umfangreichen Mehrerauer Dokument von 1249 gekommen? Es wird heute als eines der ganz wertvollen Pergamente im Vorarlberger Landesarchiv aufbewahrt. Wolfurt und die Mehrerau Um die Jahrtausendwende hatten sich die Grafen von Bregenz in mehrere Linien aufgespaltet, die einander eifersüchtig gegenüberstanden. Zur Sicherung ihres Siedlungsgebietes im Brcgcnzcrwald gründete die Bregenzer Linie 1086 in Andelsbuch ein Benediktinerkloster. Schon wenige Jahre später wollte sie es 1092 zur St. GallusKirche nach Bregenz verlegen. Dagegen erhoben die Pfullendorfer Verwandten, denen um diese Zeit noch die halbe Kirche und auch der Kellhof Wolfurt gehörten, Einspruch. So mußten die Benediktiner weit hinab an das sumpfige Seeufcr übersiedeln und dort ihr neues Kloster St. Peter in der Au bauen. Bald nannte man es Mehrerau, um es damit von Minderau (Weißenau) bei Ravensburg zu unterscheiden. Durch großzügige Schenkungen gewannen die Mönche im anschließenden Jahrhundert ungeheuren Grundbesitz, vor allem in Bregenz, im Allgäu und im Bregenzerwald. Auch aus dem Hofsteiger Raum bezogen sie Einkünfte, allerdings vorerst noch nicht aus dem Kellhof bei St. Nikolaus, der ja seit 1226 dem Konkurrenzkloster Weißenau gehörte. Weißenau stand auf der Seite der mit dem Papst verfeindeten Stauferkönige. Einer der letzten von ihnen, König Konrad IV, überfiel 1248 das Kloster Mehrerau. plünderte es und brannte es nieder. Da erbat sich der Abt vom Papst einen Schutzbrief für seine gefährdeten Besitzungen. Diese Urkunde von 1249 verfehlte ihre Wirkung nicht und wurde sorgfältig aufbewahrt. Mehrere Vorarlberger Historiker haben sie übersetzt und kommentiert, nach Bergmann und Heibock (Regesten 445) auch Bilgerir Nach seiner Auffassung hat der italienische Schreiber den Mehrerauer Besitz je nach Wichtigkeit in vier Teile gegliedert. Auf das Kloster und seine Kirchen in Lingenau, Andelsbuch und Alberschwende folgen die großen Höfe, dann die Zinsbesitzungen 14 und schließlich die Fischrechte und Mühlen. Alles soll dem Kloster ungestört erhalten bleiben! Unter den Großhöfen ist nach Zemkamerhove und Zenmidernhove in Lauterach auch Stetige genannt, der wichtige gräfliche Hof auf der Steig bei Rickenbach. Die Zinsrechte sind geographisch geordnet: .... zu Lutrahe, Rieden, Bregenze Stade (Erstmals im Mittelalter wird Bregenz hier als Stadt bezeichnet!), Inderuti (Reute ob Bregenz), Celle (wahrscheinlich St. Gallenstein beim späteren Gallusstift), Kaenalbach, Ahe, Wolfurt, Berge, Staige, Rikembach, Swarzahe, Kuun (Knie ob Haselstauden), Stigelingen (das ist Haselstauden), Tornhurron (Dornbirn).... Harde, Zedorf'(bei Hard), Gaispurron (Gaisbirn in Bildstein), Hasegnowe (das ist Fischbach) .... Es folgen noch die gefährdeten Besitzungen im Wald und im Allgäu. Bei den Fischrechten ist auch die Bregenze genannt. So hieß damals unsere Ach. Unter den Mühlen finden wir nach Kanalbach gleich Telmoz (die Tellenmoosmühle an der Minderach in Schwarzach) und Rikembach. Bemerkenswert ist, daß die Mehrerauer 1249 auch Rechte im Staufisch-Weißenauer Wolfurt, also im heutigen Kirchdorf angeben. Hier handelt es sich wohl um einen Fehler auf dem päpstlichen Pergament, denn Wolfurt taucht in den erhalten gebliebenen Mehrerauer Zinsrodeln zwischen 1290 und 1505 nie mehr auf. Dasselbe gilt für den benachbarten Weiler Ahe, von dem aus die Furt nach Kennelbach führte. Wohl aber finden sich in den Zinsrodeln zahlreiche Parzellennamen aus ganz Hofsteig, auch aus Buch und Bildstein und vor allem aus Rickenbach. Neben den schon bekannten Richinbaeh und Staige sind es schon 1290 Spate (Spetenlehen), Ruozinberc (Rutzenberg), Molendium (Mühle), und Slattingen (Schlau). Mit ze Bana ist wohl das Bannholz gemeint. Andere Rickenbacher Höfe können wie nicht mehr einordnen: Spahilin, Swenche, Berge, Boumar. Das im Jahre 1340 erstmals genannte Kelun weist auf das heutige Kella hin. Spetenlehen, Rutzenberg, Schlatt 1290 Kella 1340 Kehren wir noch einmal zur Steig zurück. Im Jahre 1249 stand dort also der einzige nach Mehrerau abgabepflichtige Großhof auf Rickenbacher Gebiet. Vielleicht hat dort schon damals der Graf von Bregenz Gericht gehalten. Aber erst einige Jahre später taucht in einer Urkunde von 1260} erstmals die Bezeichnung curia staige auf. Curia bedeutet Genossenschaft oder Hofgemeinschaft. Das Jahr 1260 bringt also den ersten Namenstag von Hofsteig. Hofsteig 1260 Das Kloster Mehrerau verlangte vom Hof Steig 1290 nur ein Schwein als Jahreszins. Dann hat aber wohl der Graf den größten Teil seiner Rechte am Hof an das Kloster abgetreten. So stieg die Zinsforderung schon um 1300 auf dimidiam partem omnium, die Hälfte von allem (!). Und 1340 lautete sie immer noch: Item de curia in Staig tertia pars frugum scilicet speltarum et avene et pullos et ova et scapulas. Also nun ein Drittel der Getreideernte von Dinkelweizen und Hafer, aber auch ein Drittel der Hühner, der Eier und des Schweinefleisches.4 15 Darüber hinaus wurden die Abgaben für das Kloster jetzt aus dem weiten Umkreis hier auf der Steig gesammelt. 8 Hühner, 8 Käslaibe und ein Scheffel Nüsse kamen bis aus Haselstauden, 20 Schweineschinken, 500 Eier und 4 Käslaibe brachten die Rickenbacher und die Höfe auf dem Steußberg.5 Um diese Zeit setzten die Montforter Grafen von Bregenz einen Ammann als Verwalter des sich immer weiter ausdehnenden Gerichtes Hofsteig ein. Erstmals läßt sich im Jahre 1383 nachweisen, daß dieser Ammann nun auch in Lauterach Gericht hielt.6 Lauterach wurde nun der Hauptsitz des Gerichtes, das ständig und ganz besonders vor anstehenden Ammann-Wahlen engen Kontakt zu Mehrerau pflegte. In Wolfurt weitete das Kloster Besitz und Einfluß auch im Kellhofgebiet aus. Im Jahre 1402 kaufte Abt Heinrich für 500 Pfund Pfennig die Hälfte von Schloß Wolfurt samt Höfen und Wald. Und 1451 kaufte das Kloster gar für 944 Pf. Pf. die ganze Burg Veldegg im Oberfeld mit ihrem bedeutenden Grundbesitz. Damals soll Mehrerau nach dem Geschichtsschreiber Ransperg mit 452 Leibeigenen den Höhepunkt seiner weltlichen Macht erreicht haben. Im Jahre 1512 verständigten sich Abt Kaspar Haberstro von Mehrerau und Abt Johannes von Weißenau zur gemeinsamen Errichtung der Pfarrei St. Nikolaus in Wolfurt. Abwechselnd setzten sie nun einen ihrer Mönche als Pfarrer ein, bis 1601 Weißenau alle seine Rechte in Wolfurt für bares Geld an Mehrerau verkaufte.7 Nicht nur die Pfarrkirche unterstand nun ganz der Mehrerau, sondern auch die in der Pfarre Wolfurt liegende 1670 eingeweihte Wallfahrtskirche Bildstein, deren riesige Einnahmen der Wolfurter Pfarrer nach Mehrerau abliefern mußte. Bis zum Untergang des Klosters setzte der Abt die Pfarrer von Wolfurt ein, als letzten 1781 Lorenz Gmeiner, der 1806 die Auflösung des Klosters und des Gerichtes Hofsteig miterleben mußte. Zu Mehrerau gehörten bis 1802 nach den im Gemeindearchiv erhalten gebliebenen Steuerbüchern noch immer 16 große Lehenshöfe in Wolfurt, von denen einige auf über 4000 Gulden eingeschätzt wurden. Unter ihnen standen an vorderster Stelle die des Anton Fischer und des Johannes Reiner auf dem Platz des ehemaligen Hofes Steig (heute Rutzenbergstraße 1 und 2). Die anderen lagen im Gemeindegebiet verstreut, einige mitten im Kirchdorf. Schloß Veldegg war nicht mehr dabei. Seine großen Grundflächen im Oberfeld waren im Besitz des Klosters als einzige der Grundverteilung und der Zerstückelung der Felder im 18. Jahrhundert entgangen und bald danach an neue Besitzer gekommen. Erst in den letzten Jahren sind auch sie zu Verbauung aufgeteilt worden. Die 16 Höfe des Klosters und die eingehenden Zinse verwaltete ein vom Abt bestellter Gotteshaus-Ammann. Nach dem gotshusaman Johannes Müller heißt sein schönes altes Haus an der Kellhofstraße nach mehr als 200 Jahren noch heute Sam-Müllers. Der letzte Gotteshausammann war dessen Enkel Mathias Schneider, der ebenfalls einen Mehrerauer Hof an der Kirchstraße besaß. Er mußte 1803 im Namen des Abtes alle Mehrerauer Rechte, die auf diesen Höfen lasteten, ablösen oder verkaufen. Der letze Abt von Mehrerau war seit 1791 Franz II. Hund. Dessen Tod vermerkte 16 Bild 7: Das Gottesmutter-Relief von Herbert Albrecht Bild 8: Das Klostertor in Mehrerau. Eine Meisterarbeit des Barock Mathias Schneider in seiner Chronik: 1805 den 9. März Morgens ist der Sr. Hochwürden und Gnaden Abtt und Prälat Franz II. des Löbl. und Uralten stiefts Merrerau Seilig gestorben, Gott gebe ihm die Ewige Ruhe.8 Die 15 zuletzt noch verbliebenen Mönche durften keinen Abt mehr wählen. Die Bayern hatten Vorarlberg erobert. Am 1. August 1806 hoben sie das Kloster auf. Im November traten 11 der Mönche aus. Am 22. Februar 1807 wurde in der herrlichen Barockkirche, die erst 1740 von dem Bregenzerwälder Baumeister Franz Anton Beer ganz neu erbaut worden war, die letzte Messe gefeiert. Dann wurde die Kircheneinrichtung versteigert. Das prachtvolle Chorgestühl mit Einlegearbeiten aus Edelhölzern und Zinn wurde in die Pfarrkirche St. Gallus versetzt. Dort bewachen seither auch die großen steinernen Apostelfürsten Petrus und Paulus aus der Mehrerau den Eingang. Große Teile der wertvollen Bibliothek wurden verbrannt. Drei Tage lang soll das Feuer gelodert haben. Dann wurde die Kirche abgerissen, zuletzt auch noch am 7. Dezember 1808 der Turm gefällt. Viele von den Quadersteinen wurden auf Lastschiffen über den See geführt und in Lindau zum Bau des neuen Hafens verwendet.9 Die 700jährige Geschichte der einst so mächtigen Benediktiner-Abtei St. Peter in der 17 Au, die auch die Mutterkirche der Pfarre Wolfurt war, schien zu Ende. Die riesigen Klostergebäude dienten einige Zeit als Kaserne, dann nahmen sie eine Zichorienfabrik und eine Druckerei auf. Im Jahre 1854 zogen über Vermittlung des Kaisers Franz Joseph die aus Wettingen in der Schweiz vertriebenen Zisterzienser-Mönche ein. Sofort begannen sie mit dem Bau einer neuromanischen Klosterkirche. Seither erklingt dort wieder ihr feierliches Chorgebet. Auch die Kloster-Bibliothek umfaßt wieder mehr als 100 000 Bände. Darüber hinaus leiten die Mönche verschiedene Schulen. Zum Kloster gehören das Sanatorium Mehrerau und eine große Landwirtschaft. Es betreut durch einen Prior auch die Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee. Bei der großen Renovierung von 1961 wurde die romanische Krypta unterhalb des Kirchenschiffs zugänglich gemacht. Dort sieht man seither neben den Steinsärgen der Benediktiner-Äbte und der Grafen von Bregenz auch das Grab des St. Galler Abtes Kilian German, der während der Reformationswirren auf Schloß Wolfurt lebte und beim Durchreiten der Ach 1530 ertrunken ist. Die Fassade der Kirche schmückt seit 1964 ein monumentales Betonrelief unseres Wolfurter Bildhauers Herbert Albrecht, 13 Meter hoch und 70 Tonnen schwer. Im Mittelpunkt des Bildes thront die Gottesmutter Maria. Ganz klein wird man zu ihren Füßen und ist doch eingeladen zum Eintritt in das Gotteshaus. Eingeladen in die Mehrerau, die auch unsere Wolfurter Mehrerau ist. Siegfried Heim Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt (2) In Heft 20 habe ich eine Liste der bisherigen 24 Bürgermeister von Wolfurt vorgelegt und über die Amtszeit der ersten sieben davon berichtet. Hier folgt nun die Fortsetzung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 8. Johann Höfle 1856-1859 Geb. 25.9.1813, gest. 15.5.1880 Die mächtige Sippe der Ziegler-Schertler war keineswegs bereit, nach dem Abgang des langjährigen und vcrdiensvollen Vorstehers Joh. Martin Schertler ihren Einfluß in der Gemeindestube aufzugeben. Mit Johann Hölle stellte sie einen Schwager als Kandidaten auf, der den kaiserlichen Beamten in Bregenz paßte. Gewählt wurde nämlich seit 1850 nicht mehr! Der neue kaiserliche Absolutismus unterdrückte alle demokratischen Regungen. Vorsteher und Gemeinderäte wurden einfach vom k.k. Statthalter ernannt. Höfle war Gerbermeister in Spetenlehen. Seit fast 200 Jahren betrieb seine Familie dort im Haus C 191 (Hofsteigstraße 33, Roths) nun schon das Gerbergewerbe. Im Jahre 1840 hatte Johann seine Frau Maria Anna Schertler, eine Tochter des Ziegeleibesitzers Josef Anton Schertler im Röhle und Nichte des bisherigen Vorstehers, geheiratet. Zwei Schertler-Schwäger leiteten jetzt die großen Ziegeleien an der Ach, einer das Sägewerk in Kennelbach. Zur gleichen Sippe stießen bald noch andere bedeutende Wolfurter als Schwäger: der Kreuzwirt Andreas Haltmayer, der Lindenwirl J. Gg. Fischer und der strebsame Lehrer Wendelin Rädler. Das verhieß starke konservative Macht, gegen welche die sehr aktiven Liberalen vorerst nicht ankamen. Auf 6. März 1856, Donnerstag-Nachmittag um 2 Uhr, hatte der neue Vorsteher Johann Höfle die Gemeindevertretung zu ihrer ersten Sitzung in das Schulhaus eingeladen. An seiner Seite saßen als Gemeinderäte der Lindenwirt J. Gg. Fischer. Märtolars, und J. M. Haltmeyer, der Gerber im Kirchdorf, sowie 15 weitere Ausschüsse. Ab jetzt wurden regelmäßig Protokolle geführt, von welchen viele noch vorhanden sind. Für unentschuldigtes Fehlen wurde eine Strafe von einem Gulden zugunsten des Armenfonds festgelegt und in den späteren Sitzungen auch tatsächlich mehrfach eingehoben. Neue Leute wurden in die Ämter als Armenvaler, Gemeindekassier und Waldaufseher berufen. Fast jede der folgenden Sitzungen befaßte sich mit der Genehmigung von Eheschließungen. Ansuchen von armen Leuten wurden immer abgelehnt, wie etwa am 30.8.1857 das Ehegesuch eines Fabriksarbeiters, der angab, täglich 48 Kreuzer zu verdienen: .... daß es nicht möglich sey, mit diesem Verdienste die Seinigen zu versor19 1 2 3 4 5 Heimat Wolfurt. Heft 17/1996, S. 5. nach Rapp. Generalvikariat Vorarlberg. 1896. II.. S. 388 Benedikt Bilgen. Zinsrodel Mehrerau, 1940. S. VI ff VLA, Urkunde 777 wie 2. S. 32 wie 2, S. 47 " Heimat Wolfurt, Heft 13/1993, S. 15 7 Heimat Wolfurt, Heft 17/1996, S. 7 s GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 83 9 Rapp, Generalvikariat, 1896.1., S. 546 ff 18 gen, da eine Familie einen größeren & bestimmten täglichen Erwerb bedarf, als diesen, um nicht den Gemeindebürgern zur Last zu fallen Eine ganze Reihe von Gastwirten wollte 1857 plötzlich Gemischtwaren-Handlungen eröffnen. Josef Letsch, der Backer im Hirschen, erhielt die Erlaubnis zum Verkauf von Mehl, Grüschen und Salz. Das gleiche Recht bekam Jakob Böhler, Bäcker und Wirt zum Sternen. Dieser gab sich aber damit nicht zufrieden und erhielt noch im gleichen Jahr die Genehmigung zum Viktualienhandel. Das Ansuchen des Rößlewirts Fidel Müller um Spezereywaaren Befugnis wurde dagegen abgelehnt, weil schon ein anderer in der Nähe sei. Dieser andere war Joh. Gg. Heim, der in Hanso Hus am Kirchplatz den bisher einzigen Kaufladen betrieb. Er erhielt jetzt auch die Genehmigung zum damals so wichtigen Salz-Verschleiß. Inzwischen suchten viele fremde Fabriksarbeiter aus Kennelbach eine Unterkunft in Wolfurt. Dagegen wandte sich der Vorsteher in einer am Sonntag von der Kirchstiege verlesenen Bekanntmachung mit harten Worten und argen Vorwürfen: Viele Gemeindebürger haben fremden Familien & Personen des ledigen Stands in ihren Häusern Unterkunft oder Quartier verleihung gegeben. .... keinen hinreichenden Verdienst.... .... die Gewerbetreibenden auf die nachteiligste Weise hintergehen und betrügen .... .... in der Gemeindswaldung des Ippach & auf der Steinach Holz & Gebüsch zu ihrem täglichen Gebrauch nehmen .... ' Der Vorsteher verlangte die sofortige Anmeldung der Fremden. Wer Holz oder Gebüsch stiehlt, wird ohne Verzögerung aus der Gemeinde gewiesen. (Dazu muß man wissen, daß die fremden Fabriksarbeiter damals Bauernkinder aus dem Bregenzerwald, dem Oberland und aus Tirol gewesen sind!) Seit 1851 bestand in Wolfurt neben der Alten Musik noch die vom ersten Instrumentenmacher Schwerzler gegründete Blechmusik. Der Vorsteher forderte, daß die neue & die alte Musikbande zusammen mit der Schützenkompagnie dem im Jahre 1856 durchreisenden kaiserlichen Statthalter Erzherzog Karl Ludwig die wahrhaft patriotische Zufriedenheit der Bevölkerung erweisen sollten. Ein Jahr später verfügte der Bezirkshauptmann, daß bei der Fronleichnamsprozession nur die sogenannte alte Musikgesellschaft allein mitwirken dürfe. Bald danach schlossen sich beide Kapellen zusammen. Im Oktober 1856 tadelte das k.k. Bezirksamt, daß eine Überprüfung an der Feuerspritze Rost und Grünspan gefunden habe und 9 Bürger von Wolfurt den vorgeschriebenen Wasserkübel nicht vorweisen konnten. Auch das erst gut 20 Jahre alte Kirchendach mußte schon 1856 umgeschlagen werden. Johann Kalb Nagelschmidt schmiedete dazu 1300 neue Nägel und verrechnete dafür 4 1/2 Gulden. Weiterhin bezahlte die Gemeinde alle Reparaturen an Kirche und Pfarrhof, auch die Ausgaben des Pfarrers Hiller für Kerzen, Opferwein und für Brennholz. Als aber 1857 die neue Österreichische Währung eingeführt wurde, rechnete der Kassier den alten Anspruch des Pfarrers von 70 fl R. W. auf nunmehr nur 61 fl 25 x öst. W. um. Die allergrößte Aufgabe für Vorsteher Johann Höfle war aber die Anlegung eines neuen Katasters für das Gemeindegebiet. Dazu der anschließende Beitrag. Eine kleine Ehrung erfuhr der Vorsteher im Jahre 1858. Über Antrag von Mathias Geiger, Schütz, wurden Johann Höfle und sein Kassier Josef Halder in die Jagdgesellschaft aufgenommen. Ein Jahr später übergab Höfle das Vorsteheramt an seinen Schwager Eischer. Im Jahre 1865 verkaufte er die uralte Höfle -Gerberei in Spetenlehen an den Gerbermeister Forster aus Bregenz. Mit seiner Familie übersiedelte er an die Ach und übernahm aus dem Schertler-Vermögen seiner Frau das große Haus C 6 (Bützestraße 24, Rohners). Bis zu seinem Tod 1880 beteiligte er sich an der Leitung der Schertler-Ziegeleicn. Von seinen 11 Kindern wurde der Sohn Lorenz Höfle, Jg. 1844, Priester und Pfarrer von Buchboden. Zwei Töchter heirateten nach auswärts. Der älteste Sohn Josef Anton Höfle verkaufte das Haus an der Ach und übersiedelte nach Lauterach. Damit erlosch diese bedeutende Gerber-Höfle-Sippe in Wolfurt. Der Kataster von 1857 Der seit 1807 nunmehr fast 50 Jahre gültige Bayerische Kataster genügte als Grundlage für Bezitznachweis und Steuereinhebung nicht mehr und sollte ersetzt werden. Schon 1856 waren über behördlichen Auftrag alle Straßen, Bäche und Gräben neu vermarkt worden. Alle Grundbesitzer mußten an ihren Grundstücken gut sichtbare Marken setzen. Dann vermaßen staatliche Geometer. denen der Vorsteher Hilfsarbeiter zur Verfügung zu stellen hatte, ein Jahr lang alle Grundparzellen der Gemeinde, auch die im Ried und im Ippachwald. Sie zeichneten davon einen genauen Plan im Maßstab 1 : 2880, die sogenannte Mappe mit vielen Blättern, und schrieben all ihre Meßergebnisse in ein Parzellenprotokoll ein. Mit der am 1. Dezember 1857 in Schwaz im Tirol durch Geometer Franz Trautel erfolgten Unterfertigung erhielt das Protokoll Rechtskraft und ist seither die Grundlage für alle Grundstücksgeschäfte in Wolfurt geblieben. Das Gemeinde-Archiv besitzt als dickes Buch eine Abschrift des Parzellenprotokolls von 18572 und eine farbige Kopie des alten Planes. Die Bauparzellen sind beginnend mit Nr. 1 in der Höll an der Ach bis zu 304 im Schlatl durchnumeriert. Es finden sich darunter neben den vielen Häusern auch Waschhütten und Stadel, vier Ziegelhütten, sechs Mühlen und der damalige Schießstand beim Adler in Rickenbach. Im Gegensatz zu den Bauparzellen beginnt die Numerierung der Grundparzellen im Kirchdorf mit Gp 1 Friedhof, Gp 2 Weinberg des Pfarrers .... und endet nach einem weiten Weg durch das Ried und über die Bühel mit Gp 3159 im hintersten Harder Ippach. Daran schließen sich noch die Wege, Bäche und Teiche bis zur letzten Nr. 3356 an. Diese Nummern von 1857 haben noch heute Gültigkeit. Viele wurden allerdings unterteilt und die Anzahl der Bauparzellen hat sich ungeheuer ausgeweitet. Die Grundvermesser waren meist landesfremde und der deutschen Sprache kaum mächtige k.k. Beamte. Das zeigt sich leider in der Schreibung der alten Flurnamen 21 20 9. Joh. Georg Fischer (II) 1859-1861 Geb. 1.5.1816, gest. 25.11.1880 Auch 1859 entfielen die fälligen Gemeindewahlen wieder. Die alte Gemeindevertretung schlug am 5.4.1859 entgegen dem steigenden Druck der Liberalen mit Joh. Georg Fischer wieder einen Mann aus der Schertier-Verwandtschaft zum Vorsteher vor. Dessen Frau Rosalia Schertier stammte aus der Sippe der Ziegler-Schertler im Röhle. Das verhalf ihm dazu, Nachfolger seines Schwagers Johann Höfle als Vorsteher zu werden. Am 9. April wurde er im Bezirksamt in Bregenz vereidigt. Als Enkel des bekannten HofsteigAmmanns Joseph Fischer, 1725-1809, Löwenwirt und später auch Engelwirt, gehörte J. Gg. Fischer der großen Sippe der Sammar (s Ammas) an, die sich jetzt in die Zweige der Löwenwirtler, Altadlerwirts und Sammars im Röhle auffächerte. Sein Vater Martin Fischer, ge- Bild 10: Vorsteher J.Gg. Fischer IL, 1816-1880 boren 1779 im Löwen in Rickenbach, hatte 1812 in das große Kalb-Haus C 124 (Kirchstraße 19, Kirchbergers) am Unterlinden-Brunnen eingeheiratet und die Linie der Märtolar-Fischer begründet. Auch der erste Wolfurter Vorsteher J. Gg. Fischer (I) war ein naher Verwandter gewesen. Im Elternhaus in Unterlinden, das er bei seiner Heirat 1851 übernommen hatte, richtete Fischer jetzt die Gemeindekanzlei ein. Seine erste Sitzung leitete er bereits am 17. April 1859, Sonntag Nachmittags um 3 Uhr im Schulhause dahier. Gleich im allerersten Punkt mußte wegen des hohen Schuldenstandes der Gemeinde eine Steuererhöhung beschlossen werden. Probleme gab es mit der Böthin, die für die Wolfurter allerlei Besorgungen in Bregenz verrichtete und auch die Post dorthin besorgte. Das Bezirksamt schlug ein Abkommen mit dem täglich durch Wolfurt fahrenden Bezauer-Postboten vor. Die Gemeinde bestellte aber am 10. Juli 1859 den 40jährigen und sehr kinderreichen Lorenz Reiner zum neuen Bothen. Er übernahm die Verpflichtung, wöchentlich dreimal nach Bregenz zum Bezirksamt und zur Post zu fahren und alle Aufträge, die ihm die Bürger an seinen Amtstagen bis 1 Uhr auftrugen, getreulich zu besorgen. Etwa 50 Jahre lang erfüllten die Both-Reiner, der Vater zuerst und nach ihm sein gleichnamiger Sohn Lorenz, ihren wichtigen Dienst, auch als man später ein Postamt einrichtete. Bild 9: Katasternummern von 1857 rund um die Pfarrkirche. Grundparzellen Gp 1 Friedhof Gp 2 Pfarrers Weinberg Gp 3 Pfarrers Bühel Gp 4 Pfarrers Weinberg Gp5 Pfarrers Garten Gp 6 Pfarrers Bühel (später oberer Friedhof) Bauparzellen Bp 76 J. A. Kalb, Naglars, (später neuer Schwanen) Bp 77 J. Gg. Kalb, (alter) Schwanen Bp 106 Fidel Müller, Rößle Bp 107 Bildstein-Heim, Hanso Hus Bp 108 Pfarrkirche St. Nikolaus Bp 109 Pfarrers Stadel Bp 110 (alter) Pfarrhof auf den Plänen. Da liest man u. a. Ruzenberg, Prahl, Frikenesch, Schlaf, Mädle, Lehnholz (statt Bannholz), Buchet (Bühel), Auf der steinernen Markt (An der steinernen Mark). Am schlimmsten traf es den Kessel am Rickenbach: Rosa Kessl schrieb der Beamte, weil er das alte Roßenkessel für einen Tümpel, in dem man Flachs wässert, nicht verstehen konnte. Nicht nur die alten Parzellennummern haben noch heute ihre Gültigkeit, sondern auch die Beamtenfehler von damals. Viele davon findest du noch immer auf Mappenauszügen. Sogar auf den Plänen für die Autobahn und für unseren riesigen Güterbahnhof sind sie sehr sauber und dennoch falsch eingetragen! Und im Computer-Zeitalter darf man eine Richtigstellung wohl nicht mehr erwarten! Der großen Bedeutung der Katastralmappe kann das aber keinen Abbruch tun. 22 23 Im Jahre 1860 brach der Schwanenwirl Joh. Georg Kalb die alte Nagelschmiede am Kirchplatz ab und erbaute dort seinen großen Neuen Schwanen. Der Alte Schwanen an der Kellhofstraße, bis dahin ein wichtiger Versammlungsort in der Gemeinde, wurde geschlossen und verkauft. Erst vor wenigen Jahren hat ihn die Gemeinde wieder für die Pflege der Gemeinschaft im Dorf neu hergerichtet. Im gleichen Jahr 1860 hatte Martin Fischer in Spetenlehen den Gemeindeschießstand auf seine eigene Kosten zur Herstellung übernommen. Jetzt suchte er um Bewilligung als Schützenwirth-Schankwirthschaft an. Nur etwa 15 Jahre blieb der Gasthof Schützen geöffnet, der Schießstand auf dem Bühel dagegen mehr als 100 Jahre lang. Schon nach zwei Jahren gab Fischer das Vorsteheramt wieder ab. Eine fast einstimmig erfolgte Wiederwahl lehnte er trotz aller Zureden ab. Er wollte Gastwirt werden. Über sein Ansuchen erhielt er am 12. September 1862 vom k.k.. Bezirksamt in Bregenz die Concession zum Betriebe des Schankgewerbes auf dem eigenthümlichen Hause zu Unterlinden. Im Jahre 1868 erbaute er dann aber mit der Linde ein ganz nobles neues Gasthaus weit unten im Fischare-Feld (heute Unterlindenstraße 17, Fideles). Weil die Unterlindenstraße damals als Röthelgasse nur ein schmaler Feldweg war, erstellte er als Privatstraße eine Zufahrt von der Kirchstraße bis zu seiner Haustüre hinab. Seit einigen Jahren heißt diese schmale Straße Glockengasse. Von Fischers 10 Kindern heirateten vier Töchter, Maria Anna nach Lauterach, Katharina den Rößlewirts-Sohn Albert Müller, Anna Maria den Schuhmacher Fidel Kalb, der sich später als Vorsteher Fidel Kirchbergcr nannte. Schließlich begründete noch Rosalia mit ihrem Gatten Andreas Geiger die Sippe der Geiger im Röhle. Das Gasthaus Linde wechselte nach J. Gg. Fischers Tod mehrfach den Besitzer, bis es der Fergger Fidel Gmeiner ab 1898 zum Stammhaus der Kartonagen-Gmeiner machte. 10. Josef Halder 1861-1867 Geb. 6.12.1806, gest. 4.7.1880 1861 waren nach elfjähriger Unterbrechung erstmals wieder Wahlen durch das Volk ausgeschrieben worden. Bei ganz geringer Wahlbeteiligung von nur 66 Wählern erhielt mit Franz Josef Halder noch einmal ein konservativer Gemeindepolitiker das Vorsteheramt. Daß drei von seinen Töchtern in die Ziegler-Schertler-Sippe einheirateten, dürfte ihm zu dieser Ehre verholten haben. Haider stammte aus einer Bauernfamilie von der Fluh. 1837 hatte er die acht Jahre ältere Witwe Agatha Müller geheiratet und war dadurch Besitzer des Hauses C 168 an der Hub (Hofsteigstraße 14, Soalars) geworden. Zwanzig Jahre früher hatte im gleichen Haus der zweite Wolfurter Vorsteher Xaver Flatz gewohnt. Halder gewann in Wolfurt hohes Ansehen. Bald wurde er in den Gemeinde-Ausschuß gewählt. Viele Jahre lang war ihm das wichtige Amt des Gemeinde-Kassiers anvertraut gewesen, ehe er nun 1861 sogar zum Vorsteher berufen wurde. Bild 11: Bucherstraße 1864: ... von Baum zu Baum klettern Noch immer herrschte in Wolfurt bittere Armut. Noch immer wanderten ganze Gruppen von jungen Leuten nach Amerika aus. Wegen geringer Schulden verloren andere durch Versteigerungen Hab und Gut. Darüber ein eigener Beitrag im Anhang! In einer seiner ersten Sitzungen befaßte sich Vorsteher Halder mit der Ausrüstung jener Männer, die zu einer lOOtägigen Dienstzeit als Landesverteidiger einberufen wurden. Drei Tage vor dem Abmarsch erhielt jeder vom Vorsteher eine von der Gemeinde angeschaffte Mundur als ein Hut, ein Rock, Hosen & ein bar Schue. Nach beendigter Dienstzeit mußte die Montur zu weiterer Verwendung wieder beim Vorsteher abgegeben werden. Immer strenger wurden die Bestimmungen, mit denen sich die Wolfurter gegen Überfremdung wehrten. 1861 setzte die Gemeindevertretung das Einkaufsgeld für jedes Mansbild von bisher 75 auf 100 Gulden hinauf. Ab 1864 mußte jede Weibsperson, welche durch Heurathen in den Gemeindeverband aufgenommen wird, 50 Gulden bezahlen. Und ab 1865 verlangte man von jedem Beisäß (Nicht-Gemeindebürger) für jedes Kind pro Jahr einen Gulden Schulgeld. Seit Jahren gab es Differenzen wegen der Erhaltung der Bucher-Straße. Schon 1859 hatte die Behörde eine radikale Verbesserung vorgeschrieben. Nun wurde dem Vorsteher gar eine Drohung von Bezirkshauptmann Honstetter mit Datum vom 10. April 1864 zugestellt: Nach einer Heute eingelangten Gendarmerie Anzeige befindet sich der Fahrweg von Wolfurt nach Buch in einem derartig schlechten Zustande, daß Fußgänger kaum durchkommen, und um nicht im Wege selbst stecken zu bleiben, dem Berge nach von Baum zu Baum klettern müssen Sollte die Gemeinde Wolfurt die Straße nicht binnen eines Monats in einen befriedigenden Zustand versetzen,... so wäre der Herr Gemeinde Vorsteher in eine Geldstrafe von Zwanzig Gulden verfallen, die man zur Verbesserung der Strasse verwenden wird. ... 25 24 Im Juni 1863 bildete die Gemeinde ein Komitee für die anstehende große Kirchenreparatur. Nach der bitteren Erfahrung von 18303 wählte man diesmal mit dem Adlerwirt Josef Anton Fischer und dem Schmied Josef Anton Dür auch zwei liberale Rickenbacher in den Ausschuß. Zuerst wurden nun im Kirchenschiff die zwei sichtbehindernden Säulen am Aufgang in den Chor herausgebrochen. Dann versuchte man, die als unschön empfundenen Ochsenaugen-Fenster durch hohe gotische Fenster zu ersetzen. Dieses Vorhaben mußte allerdings nach Untersuchung der Mauern aus statischen Gründen aufgegeben werden. Dafür malte der Dornbirner Kunstmaler Joh. Kaspar Rick 1864 an das Deckengewölbe zwei große Fresken: im Chor Die Darstellung Jesu im Tempel und im Schiff Die Bergpredigt. Auch der neue Chorbogen erhielt mit Jesus und Moses als Gegenüberstellung von Neuem und Altem Testament zwei Fresken. Sie sind leider alle bei der Kirchenrenovierung von 1938 zerstört worden. Im November 1866 verstarb der beliebte Pfarrer Josef Anton Hiller, der in Wolfurt seit 1836 segensreich gewirkt hatte. Im Mai 1867 trat Josef Anton Waibel an seine Stelle. Er wurde bald darauf auch Dekan. Nach dem Tod seiner ersten Frau hatte Josef Halder 1851 ein zweites Mal geheiratet. Von seinen sieben Kindern wurden vier Töchter groß. Sie bekamen alle hochangesehenc Ehepartner. Maria Anna Halder heiratete 1863 mit Joh. Martin Schertier junior in Unterlinden einen Sohn des 7. Vorstehers, der selbst später der 14. Vorsteher werden sollte. Ihre Schwestern Martina und Josefa heirateten die Brüder Johann Martin und Theodor aus der Ziegler-Familie Schertier im Röhle. Hansmarteies und Thedoros haben sehr viele Nachkommen. Die vierte Schwester Anna Maria begründete im Nachbarhaus an der Hub mit Joh. Georg Böhler die Sippe Sternowirts Hans-Irgos. Vorsteher Halders Witwe verkaufte 1882 ihr Haus und zog zur Tochter Martina an die Ach. Versteigerungen Wohl nirgends wird die Not der armen Leute von Wolfurt besser sichtbar als in den Versteigerungsprotokollen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Aus der großen Zahl wähle ich einige aus. 1856 Pfändung und Schätzung. In der Exekutionssache des J... S... durch H. Dr. Vogl gegen Johan Georg Schneider zu Wolfurt wegen einer Forderung von 45fl 18 x wurde .... die Exekution vorgenommen: zyvei einschläfige Betten samt Zugehör Werl 10 fl ein dope her weicher Kasten 6 fl ein Rosenkranz mit Silber gefaßt I fl 48 x ein hartes Soffa 4fl 36 x eine Sackuhr 1 fl 48 x ein weicher Kuchenkasten 1 fl 12 x Zirka 6 Zentner Fettheu 6 fl Bild 12: Schätzungsprotokoll 1856 eine Sense, 2 Hauen u. eine Schaufl ein dopelter weicher Kasten ein einschläfiges Bett samt Zugehör ein grüntüchener Männer-Rock ein goldener Fingerring ein Halsnuster von Korallen ein schwarzes Frauenzimerkleid von Orlean 1 fl 48 x 1 fl 36 x 4 fl 36 x 5 fl 1 fl 48 x 2fl.30 x 4fl 54 x Da wurden neben Bett und Kasten auch der Rosenkranz und der Ehering beschlagnahmt. Was ist den Eheleuten Schneider, die damals im Kirchdorf-Loch ein Quartier bewohnten, denn da noch geblieben außer ihren zwei hungrigen Kindern? 26 27 1863 Es wird von der Magdalena Schürpf bekennt als Gotta den zwey Kinder M. Agatha und Karolina Rünzler im Holz, weil ihnen die Mutter Anna M. Schürpf gestorben ist, so hat sie ihnen zwey Bethnüster mit etwas Silber u. zwey goldene Handring in bewahrung aufgehalten, bis die Kinder selber fähig seind zu besorgen, welches bekennt mit eigenhändiger Unterschrift Magdalena Schirpf Johann Schirpf Vormund Jos. Halder Vorsteher als Zeuge Also auch Rosenkränze und Fingerringe verlangten nach des Vorstehers Unterschrift! 1865 Der Gemeinde-Vorstehung in Wolfurt Bei den nachgenannten Partheien wurde wegen rückständigen Gemeindesteuern die Pfändung u. Schätzung vorgenommen u. zwar: 1. Bei Mathias Klocker in Rickenbach, wegen 9fl 62 x ein kupferner Hafen pr 6fl u. eine Stubenuhr per 4fl. 2. Bei Joh. Georg Stadelmann in Rickenbach, wegen -fl 95x eine Wanduhr pr 2 fl (Nachtrag: zalt 80x) 3. Bei Johann Georg Gasser in Spetenlehen wegen 2fl38x ein kupferner Kochhafen pr 2/7. 4. Bei Johann Winder an der Hub in Wolfurt wegen 3 fl 51 1/2 x u. 10 x Kosten ein Kanape per 2fl u. ein Kommodkasten pr 3 fl. Die Gemeindevorstehung wird hiemit beauftragt, die öffentliche Feilbiethung der in Exekution gezogenen Gegenstände über vorläufige Bekanntmachung am Samstag den 24ten d. Mts Früh 9 Uhr gegen Barzahlung vorschriftsmäßig vorzunehmen, aus dem Erlöse den Steuerkassier für obige Beträge zu befriedigen u. sich über die Vollziehung dieses Auftrages bis 26. d. Ms. unfehlbar anher auszuweisen. K. K Bezirksamt Bregenz am 10. Juni 1865 Unterschrift (unleserlich) Ohne Pardon wurden demnach wegen 95 Kreuzern Steuerschuld die Wanduhr oder wegen 2 Gulden sogar die lebensnotwendige Muspfanne gepfändet! 11. Johann Maier 1867-1872 Geb. 1.8.1833, gest. 20.4.1872 Jetzt waren die Liberalen endlich am Ziel! Schon seit 1864 saßen mit Johann Maier und Josef Anton Dür zwei von ihnen als Gemeinderäte neben dem konservativen Vorsteher Josef Halder an der Spitze des Gemeinde-Ausschusses. Nun aber wurden unter Anwesenheit des Bezirksvorstehers in einer Kampfabstimmung am 16.9.1867 Johann Maier zum Vorsteher und sein Mitstreiter J. A. Dür zum 2. Gemeinderat gewählt. Sein unterlegener Kontrahent Franz Josef Gmeiner wurde 1. und Kronenwirt Michael Sohm, ein maßgeblicher Anführer der konservativen Gruppe, nur 3. Ge- meinderat. Das deutete auf kommenden Streit hin. Johann Maiers Vater Josef stammte aus dem Oberland. Er hatte 1821 die Witwe Franziska Schertier geheiratet und damit das Haus C 120 (Kirchstraße 23) erworben. Dazu erbaute er ein paar Jahre später in der Wiese dahinter das Haus C 119 (Kirchstraße 25). Hierher heiratete 1856 sein tüchtiger Sohn Johann. Der wollte aber nach vorne an die Straße und tauschte sofort von seinem älteren Stiefbruder das vordere Haus ein. Von seiner Mutter her war Johann Maier ein direkter Nachkomme jenes legendären Ammanns Jerg Rohner, der einst die Bauern zum Aufstand gegen die Beamtenwillkür nach Bregenz geführt hatte.4 Von ihm dürfte der Urenkel einige Charaktermerkmale geerbt haben! Nach der militärischen Niederlage Bild 13: Vorsteher Johann Maier, 1833- 1872 Österreichs gegen Preußen im Jahre 1866 trieb der Kulturkampf seinem Höhepunkt zu. Die liberale Regierung in Wien entzog 1867 Ehegesetzgebung und Schulwesen dem Einfluß der katholischen Kirche. Auch der mehrheitlich von liberalen Abgeordneten besetzte Vorarlberger Landtag zeigte sich kirchenfeindlich. Das führte unter den Konservativen zu einer starken Gegenbewegung, die sich 1868 in der Gründung von katholischen Casinos und eines katholischen Lehrervereins äußerte. Bei beiden stand der junge Kennelbacher Lehrer Wendelin Rädler an vorderster Front. Auch bei der Gründung des Vorarlberger Volksblattes 1866 durch den Pfarrer von Kennelbach war er beteiligt.5 In Wolfurt gründeten die beiden am 10. Mai 1868 nach Bregenz und Feldkirch das dritte Casino in Vorarlberg. Das veränderte nun mit der Schulung und Beeinflussung der kleinen Wolfurter Bauern und Fabriksarbeiter das politische Leben in der Gemeinde nachhaltig. Von Beginn an verfügte Vorsteher Maier, daß die Protokolle der Gemeinde abschriftlich in ein Buch eingetragen werden mußten. Seit 1867 sind also alle erhalten geblieben.6 Zwar fanden die meisten Sitzungen im Schulhaus statt, dazwischen aber immer wieder einzelne im Rößle oder in der Krone. Die dortigen Wirte gehörten dem Gemeinde-Ausschuß an - übrigens beide als Vertreter der Konservativen. Zu allererst galt Vorsteher Maiers Aufmerksamkeit der Volksschule, die den Anfor- 28 29 derungen des neuen liberalen Reichsvolksschulgesetzes nicht mehr genügte. Schon im Jänner 1867 hatte sein Vorgänger Halder anhören müssen, daß ... das Schulgebäude in einem schlechten Zustande ist, das die Kinder beinahe erfrieren u. die Zimmer eine unregelmäßige Eintheilung haben wie auch die Öfen nichts taugen.... Manche wollten mit dem Anbau einer neuen Klasse hinten am alten Schulhäuschen an der oberen Straße das Auslangen finden. Da entzog der Vorsteher aber dem Pfarrer die Schulaufsicht und ließ sich 1869 selbst zum Ortsschulinspektor ernennen. Dabei ging es nicht gerade zimperlich zu. Als der Vorsteher den Kaplan Lehner als Lügner bezeichnete, verurteilte ihn das k.k. Bezirksgericht wegen Ehrenbeleidigung zu 25 Gulden Strafe. Das Oberlandesgericht hatte dagegen Verständnis für den Zorn des Vorstehers und reduzierte die Strafe auf 10 Gulden. Umgekehrt faßte der alte Sammar Jakob Fischer für seine Äußerung „Vorsteher Maier ist ein Lumpenmändle " sogar 14 Tage Arrest aus. Zielstrebig nahm Maier den Neubau der Volksschule in Angriff. Mit Vertrag vom 28. Mai 1870 kaufte er von Altvorsteher Lindenwirt J. Gg. Fischer für 350 Gulden dessen mit Obstbäumen besetzte Wiese im Strohdorf. Bereits am 15. September legte er beim k.k. Bez.-Ingenieur in Feldkirch einen ersten Bauplan vor. Eine Baugenehmigung erhielt er allerdings erst ein Jahr später im November 1871 nach vielen Umplanungen. Schier unglaublich waren die verlangten Neuerungen im Vergleich zum bisherigen alten Schulhaus: hohe Zimmer mit Platz für 240 Schüler, Ventilation im Sommer, Heizung mit ausgefütterten Blechöfen im Winter, Empfehlung einer eigenen Turnhalle neben der Schule, dazu ein Turnplatz und ein Schulgarten, eigene Lüftung in den Aborten, Urin-Rinnen für die Knaben,.... - Es ist aber dann doch nicht alles genau nach Vorschrift gebaut worden. Baumeister Spiegel und Zimmermeister Rohner aus Hard stellten das stolze Haus binnen eines Jahres für 10 000 Gulden fertig. Auch die Schulstraße von der Hub herein wurde verbreitert und mit 2 Brücken ausgestattet. Die Brühlstraße blieb dagegen noch bis 1935 ein schmaler Privatweg. In den sechs Klassen mußten statt der vorgesehenen 240 später im Rekordjahr 1904 insgesamt 360 Schüler Platz finden. Dazu kamen noch Räume für Bürgermeister und Gemeindekanzlei. Mehr als 100 Jahre lang blieb Vorsteher Maiers liberale Schule der Mittelpunkt der Gemeinde Wolfurt. Erst im Juli 1979 wurde sie abgebrochen. Daß seinem politischen Intimfeind, dem Casiner Wendelin Rädler, eine Lehrerstelle in Wolfurt verliehen wurde, konnte Maier 1870 noch verhindern. Daß aber 1874 katholische Nonnen als Schulschwestern einzogen und Rädler 1876 sogar Schulleiter wurd


Heimat Wolfurt Heft 21 1998 Juli
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 21 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juli 1998 DasWolfurter Wettersegenkreuz. Eine wertvolle alte Goldschmiedearbeit. Inhalt: 102. 103. 104. 105. Wohnen in Wolfurt GFG, der Ornath-Händler Goldschmiede aus Wolfurt Schnapsbrenner 106. 107. 108. 109. Kammerdiener Kalb (2) Altes Geld Aus Lutzos Notizbuch Flucht in die Höhle Autoren Mag. Christoph Volaucnik, Jg. 1961. Bekannt durch viele Veröffentlichungen in Geschichtswerken und Fachzeitschriften. Als ehemaliger Wolfurter hat er uns schon mehrere Beiträge zur Verfügung gestellt. Volaucnik arbeitet jetzt für das Archiv der Stadt Feldkirch und forscht in seiner Freizeit auch für uns. Mag. Meinrad Pichler, Jg. 1947. Er ist Direktor des Gymnasiums Gallusstraße in Bregenz und hat als namhafter Historiker eine ganze Anzahl von Werken zur neueren Geschichte Vorarlbergs herausgegeben. Besondere Bedeutung hat für uns Wolfurter sein Buch Auswanderer in die USA. Zuschriften und Ergänzungen Das letzte Heft (Nr. 20) hat wieder viel Beifall gefunden. Die Beiträge über die ersten Vorsteher und über die Flatz-Familien haben, wie auch die Geschichte vom Silbersee, zu einer ganzen Anzahl von Nachbestellungen geführt. Dorns Kinder (Heft 20, Bild 19) Martha Hinteregger erinnerte sich, daß auf dem Bild außer Klemens auch die älteste Schwester Antoinette fehlt. Sie sei ihr immer den schönen Namen der unglücklichen französischen Königin neidig gewesen. Der Ippachwald (Heft 18, S.16 und Heft 19, S. 14) Dazu hat das Katholische Bildungswerk Wolfurt am Sonntag, 17. Mai 1998, eine Lehrwanderung durchgeführt: Vom Ippachwald zur Paradieswiese. Mehr als hundert interessierte Wanderer stiegen den steilen Pfad durch den Wald hinauf. Dabei erinnerten sie sich daran, daß auf diesem Weg einst unsere Bildsteiner Vorfahren zur Taufe und zum Friedhof nach Bregenz oder später nach Wolfurt getragen worden sind. Auf der wunderbaren Lichtung Hoamolitto setzten sich Jung und Alt noch einmal zusammen. Kammerdiener des Kaisers (Heft 19, S. 46) Zu unserer Freude hat nach dem Lesen dieses Beitrages der Bregenzer Historiker Meinrad Pichler den Kammerdiener Kaspar Kalb zum Gegenstand seiner Forschungen in den Wiener Archiven gemacht. Er berichtet darüber in diesem Heft. Dabei hat er dort gleich auch noch einen verschollenen Rickenbacher entdeckt: Mathias Kalb, geboren am 24. Februar 1775, war das 15. von 18 (achtzehn) Kindern des mit Kaspar Kalb nicht verwandten Sebastian Kalb. Die Familie lebte im Haus Bildnachweis Karl Hinteregger Bild 2 Alle anderen aus der Sammlung Heim, meist Reproduktionen von Hubert Mohr oder Karl Hinteregger. Bitte ! Diesem Heft 21 liegt wieder ein Erlagschein bei. Konto Heimatkundekreis 87 957 Raiba Wolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Wegen der geringen Auflage sind die Druckkosten doch relativ hoch. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Bild 2: Erlebte Heimatkunde auf Hoamolitto 3 domus 127. Es stand am Platz von Hofsteigstraße 53 beim Kreuz und ist 1897 abgebrannt. Nach dem Tod des Vaters und der meisten Geschwister wurde Mathias Kalb Soldat und galt schon 1805 als verschollen. Nun hat ihn Pichler in den alten Schritten in Wien als Schätzmeister bei den Handschuhmachern gefunden. Seine nächsten Verwandten wären heute Kirchberger-Kalbs aus dem Alten Schwanen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 61) Aus Zams hat wieder Sr. Isabella Schedler geschrieben und sich für ein Heftchen bedankt. Dann erzählt sie aus ihren Erinnerungen: Im Kriegsjahr 1918 nahm Igels Hilda sie einmal mit zur Schule. Dort bekamen hungernde Schüler in der großen Pause aus einem Kessel einen Teller Gerstensuppe mit großen schwarzen Su-Kichora (Saubohnen) geschöpft. Später machte sie mit der dritten Klasse unter Lehrer Bitriol einen Ausflug: Eine lustige Fahrt mit dem Wälderbähnle nach Doren, dann zu Fuß über das Tobel nach Krumbach und nach fröhlicher Einkehr wieder zurück. Einsetzender Regen zwang die Klasse zum Unterstehen. Da hielt ein sechssitziges Luxusauto. Alle die vielen Mädchen wurden auf den Polstern übereinander gestapelt. Die Buben band man mit einem Seil auf dem Gepäcksträger und auf den Trittbrettern fest. So erreichten sie alle noch rechtzeitig den Zug am Bahnhof in Bozenau. Auswanderer (Hefte 5, 9, 11, 13 und 15) Wieder sind etliche Briefe von Nachkommen der Wolfurter Auswanderer nach Amerika eingetroffen. Aus Monticello in Iowa schreibt Brenda Knipper, eine Urenkelin des 1888 von der Hub nach Petersburg bei Dubuque ausgewanderten Mathias Bildstein. Während die einst sehr zahlreichen Bildstein im Kirchdorf, in der Bütze, an der Hub und im Röhle mit Klara Bildstein 1951 ausgestorben sind, leben noch zahlreiche aus Wolfurt stammende Bildstein-Familien in Bregenz, Lauterach und eben in Amerika. Dort bewirtschaftet z. B. Jim Bildstein (Jg. 1943) in Delaware County eine Großfarm mit mehreren Quadratkilometern Grund. Natürlich gibt es auch in Wolfurt noch ein paar Dutzend (entfernt) Bildstein-Verwandte - aber keiner kennt den reichen Onkel in Amerika! Aus Fremont in Ohio schreibt Marilyn Fisher. Sie gehört zur Sippe der StöoglarFischer und ist zu den Seppar-, Klosos- und Schnidarles-Fischer in Wolfurt verwandt, aber auch zu ßafto/zar-Schwerzlers und zu Bäschle-Köbs. Ihr Ahn Nikolaus Fischer ist mit seiner großen Familie 1853 aus dem Haus Wälderstraße 10 (Dürs) ausgewandert (Siehe Heft 8, S. 7!). Bruder und Vater waren Sternen-Wirte im Strohdorf gewesen. Nun sucht auch sie Bilder und Informationen für ein Familienbuch. Siegfried Heim Wohnen in Wolfurt Ein Dach über dem Kopf haben! - Grundbedürfnis für alle Menschen, so wie Essen und Schlafen. Ein Haus bauen! - seit ewigen Zeiten ein Urtrieb tief in uns. Kinder bauen ihr erstes Haus aus den Küchenstühlen und einer Wolldecke. Und welch großen Stolz haben sie ein paar Jahre später auf die selbst genagelte Bretterhütte hinter dem Haus oder gar auf dem Baum! Auch die Großen streben nach einem Ziel: nach einem Platz, wo man trocken und warm und in Frieden mit den Nachbarn wohnen kann. Das war immer so, von den Höhlen der Steinzeitjäger angefangen bis zu den Luxusvillen unserer Tage. In den letzten fünfzig Jahren hat sich das Bauen überschnell entwickelt, auch bei uns in Wolfurt. Mit dem Niedergang der Landwirtschaft haben die meisten der 200 Wolfurter Bauernhäuser ihre alte Funktion mit Stall und Stadel verloren, aber auch als Wohnung für eine Großfamilie mit Großeltern und Tanten stehen sie nicht mehr hoch im Kurs. Viele wurden daher abgebrochen. Bei den meisten anderen wurden die Stadel zu Garagen, Geschäften oder Wohnungen umgebaut. Die Fassaden erhielten durch neue Beläge, "moderne" Fenster und Haustüren ein verändertes Aussehen. Einige wenige von den alten Häusern wurden behutsam restauriert. Die letzten der schönen Rheintalhäuser prägen das Bild unserer Gemeinde. Sie verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit, denn ihre Entwicklung hat mehr als 1000 Jahre lang gedauert. Das Einraumhaus Als die Alemannen um das Jahr 500 in unser Land kamen, waren die aus Stein gebauten römischen Villen in Brigantium mit ihren Säulenreihen und den Hypocaust-Zentralheizungen bereits dem Verfall preisgegeben. Die neuen Siedler erbauten ihre schlichten Häuser in der Nähe von Bächen und Wäldern, bei uns in Wolfurt also am Tobelbach, am Holzerbach in Unterlinden, an der Hub und am Rickenbach. Beim alemannischen hus trugen starke Holzpfosten ein Strohdach. Die Wände bestanden aus einem dick mit Lehm beschmierten Rutengeflecht. Im Lauf vieler Jahre entwickelte sich aus diesem Pfostenbau in manchen Ländern das Fachwerkhaus, bei uns aber das gestrickte Haus. Zuerst bestand es aus einem einzigen Raum. Mittelpunkt war die offene Feuerstelle, die für Licht und Wärme sorgte. Es gab weder Fenster noch einen Kamin, wohl aber genug Fugen für den Abzug des Rauchs. Auf dem festgestampften Lehmboden lag Laubstreu als Schlaflager für die ganze Familie und auch für die Haustiere. An den Wänden hingen Werkzeuge und Waffen. Im Rauch unter dem Dach hielten sich die Vorräte am längsten. Als Tür diente ein Tierfell, das durch große Holzklötze (Riegel) gesichert werden konnte. Für Getreide gab es außerhalb des Hauses eigene Speicher. 4 5 Vorstufen zum Rheintalhaus Viele Jahrhunderte lang genügte das hölzerne Einraumhaus den bescheidenen Ansprüchen der Bauern, während sich in Klöstern und Städten bereits die Steinbaukunst entwickelte. Auch die Burgmauern auf den nahen Hügeln mußten meist von den leibeigenen Bauern aus massiven Steinen aufgetürmt werden. Das Bauernhaus machte erst etwa um das Jahr 1200 den Schritt zum Zweiraumhaus.2 Eine Wand teilte jetzt den Schlafraum von der Wohnküche ab und hielt den Rauch fern. Auch aus der Küche leitete ein großer Rauchfang über dem offenen Feuer den quälenden Rauch durch das Dach hinaus, wenigstens bei günstigem Wetter. Drei Räume Um das Jahr 1500 fand bei uns das Bauernhaus dann schließlich seine Dreier-Grundstruktur irut Küche, Stube und Gaden3. Ein Fundament aus Bruchsteinen schützte die Holzwände vor Bodenfeuchtigkeit. An die Stelle des Strohdaches war ein flaches Schindeldach getreten, das durch schwere Steine gehalten wurde. Scheibenlose Löcher, die durch Läden verschlossen werden konnten, ließen Licht und Luft ein. Wichtigster Raum blieb die Küche, die sich als Flurküche quer durch das ganze Haus zog. Ein abgedecktes Kellerloch im Küchenboden hielt die Feldfrüchte feucht und kühl. Noch immer war ein Laublager im Gaden die gemeinsame Schlafstelle der Familie, nur erwachsene Kinder schliefen auf der Brüge4 unter dem Dach. Wasser schöpfte man aus dem nahen Bach. Schon 1517 legten die Dörfler unter Ammann Sebastian Schnell5 nach dem Vorbild der Städte Düchelrohre vom Schloßbühel zum Kirchplatz und erhielten so ihren ersten gemeinsamen Brunnen. Aber noch bis in unser Jahrhundert, als es neben vielen hauseigenen Laufbrunnen auch längst Pumpbrunnen gab, versorgten sich manche Familien mit Trink- und Waschwasser aus den klaren Bächen. Ein an das Haus angebauter Schopf war zum Vorratsstadel für Getreide, Stroh und Brennholz geworden. In dem darin eingebauten kleinen Stall hatten die Kuh und das Schwein ihre Verschläge. Über dem Schweinestall gackerten in einem Holzkäfig die Hühner. Der Stall diente aber auch als Abort. Erst viel später wurde im Stall oder auch außerhalb neben dem Misthaufen ein Hüsle mit einem Sitzbrett erstellt. Für nächtliche Bedürfnisse hatte man ja im lichtlosen Gaden den Nachthafen. Das Rheintalhaus Im 18. Jahrhundert bildeten sich dann aus dem Dreiraumhaus mehrere Formen unseres Hofsteiger Rheintalhauses heraus. Hauptgrund der Veränderung war der Bedarf nach einem Arbeitsraum für die nun vermehrt auch im Dorf ansässigen Handwerker und nach einem größeren Keller. So baute man jetzt Häuser, in denen die drei Räume unterkellert und damit in den ersten Stock gehoben wurden. Zur Haustüre, die weiterhin auf der Traufenseite des Hauses direkt in die Küche führte, mußte man jetzt über eine hohe Außenstiege hinaufsteigen. Das Baumaterial hatte sich stark verändert. Eine Reihe von Steinbrüchen am Steußberg Die Entwicklung des Flurküchen-Hauses 6 7 V. Das große Rheintalhaus - etwa ab 1700 Bild 5: Kleines Rheintalhaus. Schulstraße 4, Knores. Erbaut 1873, abgebrochen 1984. lieferte jetzt leicht bearbeitbare Mergelsteine für die Mauern des Kellergeschosses und für den Keller selbst, der schließlich ein massives Gewölbe bekam. Mit dem an der Ach gebrannten Kalk konnte man die Mauern festigen. Wichtigster Baustoff blieb aber das Holz aus dem Ippachwald. Aus Tannenstämmen fertigte man die mit der schweren Axt beschlagenen Balken, aus denen die Hauswände gestrickt wurden, und Pfättona und Rafo6 für den Dachstuhl. Breite Fleocka1 brauchte man in großer Zahl für Wände und Decken. Durch den Rauch aus der Küche wurden sie so gebeizt, daß ihnen Fäulnis und Wurmfraß nichts anhaben konnten. Die Fenster besaßen jetzt Butzenscheiben, kleine kreisrunde Glasscheibchen, die in Bleirahmen eingelötet waren. Etwa ab 1750 wurde das flache Schindeldach durch das viel steilere Ziegeldach abgelöst, unter welchem nun auch noch eine Schlafkammer Platz fand. Daneben setzte sich bei vermögenden Familien um diese Zeit auch schon immer mehr die zweistöckige Form des Rheintalhauses durch, die mit zusätzlichen Kammern mehr Schlafplatze für die Großfamilien und für jeden Erwachsenen ein eigenes Bett bot. Gelegentlich und ab 1850 sehr häufig wurden die Kammern als Quartier vermietet. Zusätzlich gewann man durch einen Anbau hinter dem Haus noch einige Räume. Die steinerne Außenstiege wurde fast überall durch hölzerne Innenstiegen ersetzt. Die schwere eichene Haustüre führte jetzt ins Unterhus, einen kleinen Raum am Fuß der steilen Stiege. Die Türe besaß außer dem mächtigen Schloß noch einen Balken als ausziehbaren Nachtriegel, der tagsüber in die dicke Mauer geschoben wurde. Oben in der Küche brannte noch bis etwa 1850 meist ein offenes Feuer unter dem Rauchfang. Wenn die Haustüre geöffnet wurde, trieb der Luftzug den Rauch bis in den Dachboden hinauf. Der Küchenboden bestand über dem Kellergewölbe aus gestampftem Lehm und war mit Steinplatten belegt. Er mußte ja unbedingt feuerfest sein. Trotzdem forderten Feuersbrünste immer wieder Opfer unter den leicht brennbaren Holzhäusern. 8 9 Bild 6: Großes Rheintalhaus. Kirchstraße 2, RichHöfles. Erbaut vor 1760, abgebrochen 1973. Bild 7: Genossenschaftsbrunnen Hub. Neu erstellt 1891. Eine zweite Feuerstelle neben dem Herd beheizte den Ofen in der Stube. Dort wurde nun im 19. Jahrhundert an vielen Orten eine Kust eingebaut, eine beheizte steinerne Ofenbank, die sich zum in den Steinhäusern der Stadt längst bekannten Kachelofen entwickelte. Auch der Herd hatte eine Sandsteinplatte mit zwei Löchern für Kessel und Pfanne und einen direkten Rauchabzug in den Kamin bekommen. In seiner Chronik berichtet Vorsteher Flatz, daß 1860 auch in Buch schon sehr viele Häuser Sparöfen und Kunstherde besäßen.8 Die Steinplatte auf dem Herd wurde bald durch eine gußeiserne Platte mit Ringen ersetzt. Ein eingebautes küpfernes Schiff hielt ständig ein paar Liter warmes Wasser bereit. Das Wasser trug man noch bis 1950 fast überall in Kübeln vom Brunnen in die Küche. Die Wäsche wurde im Freien oder in einer eigenen Waschhütte gewaschen. Hausgemeinschaften und Einzelhöfe hatten inzwischen die Quellen auf den Büheln in ihren Brunnenstuben gefaßt. Mit den großen Brunnen im Dorf, in Unterlinden, Strohdorf, Spetenlehen und Rickenbach gab es in der Gemeinde nun mehr als 50 Laufbrunnen. Dazu kamen seit dem 19. Jahrhundert sehr viele Golggar-Pumpbrunnen. Sie taten noch gute Dienste, bis 1953 das erste Gemeinde-Wasserwerk in Betrieb ging. Und wie war es mit den Badezimmern? Die Germanen hatten, so berichten römische Geschichtsschreiber, noch nackt in den Flüssen gebadet. Die Römer entwickelten in ihren Thermen eine hohe Badekultur. Wannenbäder weist auch der berühmte Klosterplan von St. Gallen aus dem Jahre 820 auf. Und aus Albrecht Dürers großartigen Graphiken erfahren wir, daß zumindest in den Städten noch am Ende des Mittelalters Gemeinschaftsbäder üblich waren. Dann aber begann jene Zeit, wo man Nacktheit mit Sünde in Verbindung brachte. Jetzt erlaubte man dem Wasser keinen Zutritt mehr zur Haut, außer an Gesicht, Händen und Füßen. Mangelnde Hygiene hatte katastrophale Folgen bei Infektions- und Kinderkrankheiten. So war es ein großer Fortschritt, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts wenigstens eine 10 schmale hölzerne Badgelte für den Säugling in Gebrauch kam. Im Winter wuschen nun nach dem Säuglingsbad auch die größeren Geschwister in dem warmen Wasser ihre Füße. Zwei geradezu luxuriöse Badezimmer lassen sich erstmals in der 1907 erbauten Villa Schertler in der Bütze nachweisen, ab 1936 auch eines im Schloß. Nur ganz wenige Badewannen wurden auch in anderen Häusern eingebaut. In den Bauernhäusern tat dagegen höchstens einmal vor hohen Festtagen eine Waschgelte mit heißem Wasser gute Dienste. Voll Neid hörte man davon, daß es in Kennelbach bereits seit 1925 ein Volksbad mit vier Badewannen und ab 1939 ganz moderne Badeanlagen im Kameradschaftshaus gab.9 In Wien gab es das erste Volksbad übrigens auch erst ab 1887. Bei uns in Wolfurt wurden Badezimmer erst in den vielen neuen Einfamilienhäusern ab 1948 allgemein üblich. In den alten Rheintalhäusern wurden sie erst später nach und nach eingebaut. Seither hat übertriebene Hygiene auch schon wieder manches Unheil angerichtet. Zurück zur Küche mit dem alten Feuerherd! Die rußigen Wände bekamen jedes Jahr beim Frühjahrsputz einen frischen Anstrich. Mit selbst gelöschtem Kalk wurden sie gwißlot. Obwohl die Küche düster und dem Durchzug ausgesetzt war, blieb sie noch lange der wichtigste Raum für die Familie. Hier wurde gegessen und hier spielten auch die Kinder, wenn ihnen nicht im Hinterhaus ein Stühle zur Verfügung stand. Die gute Stube blieb ihnen meist verschlossen. Dort, wo der Glaskasten allerlei Schätze und Dokumente barg und wo das große Kanabee und der prächtige Herrgottswinkel Würde und Ernst verlangten, hatten sie nur an hohen Feiertagen Zutritt. Hier waren die gestrickten Wände und die Fleckendecke durch eine Täfelung (a gstemmts Täfor) verschönert worden. Auch außen hatten die rohen Balken gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein ansehnliches Kleid aus Schuppenschindeln bekommen. Dazu gab es jetzt auch Krützstöck mit größeren Scheiben und mit Fensterläden und Vorfenstern für den Winter. 11 Bild 8: Nachtlopf: An bluomoto Nachthafo. Bild 9: Einfamilienhaus mit Kniestock: Wälderstraße 9. Im Gaden standen neben den Ehebetten mehrere Kinderbetten mit rauhen Laubsäcken, doch hatte nur selten jedes Kind ein Bett für sich allein. Das große Lawor auf dem Waschtisch wurde eigentlich nur von Hebamme und Doktor benutzt, wenn sie um Hilfe gerufen werden mußten. Die verschiedenen Nachthafo unter dem Bett, im Nachtkästle oder im Stuhl brauchte man dagegen alle Tage. Seit die Küche nicht mehr direkt neben dem Stall, sondern einen Stock höher lag, hatte man über dem Stall als Abort a Hüsle von der Ströüe-Bo10 abgeteilt. Ein winziges Fensterchen im Bretterschirm ließ Luft in den kalten Raum. Im Schulhaus und im Vereinshaus mußte so ein Plumps-Klo über mehrere Stockwerke funktionieren. Spülklosetts wurden erst mit dem Fließwasser nach 1950 eingeführt. Drunten im Unterhus führte eine Türe direkt in den Stall, eine andere in die Werkstatt und die dritte über hohe Steinstufen in den dunklen Keller hinab. In dem feuchten Raum wurden neben dem in Eichenfässern gelagerten Most auch Obst auf einer Brüge, Kraut in der Stande, Käse im Kästrog, eingekalkte Eier, Essig und Bodobiora kühl gehalten. Eine Werkstatt in der Größe von zwei Stuben mußte damals, als es noch keine Maschinen gab, dem Handwerksmeister samt Gesellen und Lehrling für ihr Gewerbe ausreichen, dem Schreiner, dem Sattler und dem Küfer genau so, wie dem Gerber und dem Schmied. Sehr häufig war in Wolfurt die Werkstatt aber als Webkeller eingerichtet, wo auf dem großen Webstuhl eigener Flachs zu kostbarem Leinen und später Baumwolle zu Tuch gewoben wurden. Nach 1870 stellte man hier Handstickmaschinen und ab 1900 fast überall Stickautomaten auf. Im oberen Stock waren die Schlafkammern für die großen Kinder und für andere Familienangehörige, die hier das Hausrecht besaßen. Oft gehörten altledige Tanten und Onkel zur bäuerlichen Großfamilie, bei der Arbeit genau so wie beim gemeinsamen Essen. In den Kammern standen auch die Vorratstruhen, angefüllt mit Korn, mit 12 Nüssen oder mit Schnitz11, die die Bäuerin auf dem Vordächle oder im Ofenrohr gedörrt hatte. Den Kamin hatte man zu einer Rauchkammer ausgeweitet. Das dort aufbewahrte Selchfleisch von der im Winter geschlachteten Sau mußte, in schmale Binden zerteilt, für ein ganzes Jahr ausreichen. Ganz wichtig war auch der Dachboden. Ufzug hieß der große Raum damals, weil man an einem Seilzug über eine Rolle oder einen Wellenbaum12 schwere Lasten bis unter die Dachbodenbalken heben konnte. Am meisten Platz brauchten da droben die großen Gestelle, an denen die Türkenkolben, ordentlich zu Paaren gebunden, zum Trocknen hingen. Daneben lagerte das Heizmaterial für Herd und Ofen: Buschla, Schittor, Kreos, an vielen Orten auch Schollo oder Trestorkäsle13. Und natürlich war noch Platz für abgelegten Hausrat, alte Werkzeuge und Möbel und vielerlei Kram, der in Schachteln und Kisten auf neue Verwendung wartete. Denn weggeworfen wurde nichts, gar nichts! Bis die neue Zeit das Dorf, die Menschen, ihr Denken und Wünschen völlig veränderte. Bis der Stall geschlossen und die Wiesen verbaut wurden! Die jungen Leute arbeiteten ungeheuer schwer, als sie nach dem großen Krieg die ersten Einfamilienhäuser mit eigenen Händen aufmauerten. Kleine Kniestockhäuser waren es zuerst, mit einem angebauten Holzschopf. Ein Elektroherd mit Zusatzofen und der erste Kühlschrank waren der große Stolz der jungen Hausbesitzer. Jeden Freitag kam die Schwiegermutter zum Baden! Am Samstag brauchte man das Wasser aus dem Boiler für die eigene Familie. Ein paar Jahre später wurden die neuen Häuser schon zweistöckig gebaut. Eine Garage und eine Fernsehantenne gehörten jetzt selbstverständlich dazu, und auch eine Waschmaschine, ja sogar ein Telefon. Und dann überschlug sich das Häusle-Bauen im ganzen Land. Schwarzarbeiter auf der einen, übermoderne Architekten auf der anderen Seite streuten Häuser, Paläste, 13 Betonblocks und Reihenhäuschen wirr und kunterbunt in die Felder und auf unsere schönen Bühel. Alle paar Jahre stellten neue Propheten neue Forderungen auf. Baubehörden und Flächenwidmungsplaner hatten einen schweren Stand. Kritisiert wurde alles und gebaut auch. Der Hausbau war jetzt den kurzzeitigen Modetrends genau so unterworfen wie Damenkleidung oder Haarfrisur. Kratzputz wurde von schwarzem Eternit abgelöst, Sichtbeton von rohen Schirmbrettern und großflächigen Schaufenstern am Wohnzimmer. Von einer Einheitlichkeit der Dachformen, wie sie sich bei uns durch ein ganzes Jahrtausend entwickelt und bewährt hatte, war keine Rede mehr, von Grundrissen, die einer Familie ein ganzes Leben lang genügen sollten, noch viel weniger. Beinahe wäre ein paar Jahre lang sogar das Einraum-Haus wieder modern geworden. Bild 10: Zweistöckig: Wälderstraße 12. Ein Bauplatz in Wolfurt vereinigte zwei der von den meisten Bauwerbern angestrebten Werte in sich. Erstens versprach die Nähe zu den Städten Bregenz und Dornbirn gute Berufsmöglichkeiten. Dann aber bot die Lage im Grünen, nahe bei Wald, Berg und See, auch einen hohen Freizeitwert. Das lockte immer mehr Zuwanderer an, auch als die Bauplatzspreise schwindelnde Höhen erklommen. In seinem Bildband Wolfurt, Ein Dorf verändert sich hat unser Dorffotograf Hubert Mohr das Geschehen dieser Jahre festgehalten. Die meisten heutigen Wolfurter schätzen ihre schönen Wohnungen, die Wärme des neuerdings wieder eingebauten Kachelofens und das Kanapee ebenso wie die Sitzgruppe draußen auf der Terrasse. Für manche ist die Wohnung aber nur mehr Schlafplatz. Am Sonntag suchst du sie vergeblich daheim. Irgendwo auf einer Jacht auf dem See sind sie vielleicht oder am Rasenmähen beim Wochenendhäuschen. Oder aber sie sind zu Nomaden geworden und stecken mit ihren Wohnwagen im Stau am Brenner. Wohnen? - Das heißt doch eigentlich Daheim sein! Warm und trocken und in Frieden mit sich selbst und mit den Nachbarn! ' Kreuzweise übereinander gestapelte Balken (Stricke) werden durch Holzzapfen fest verbunden. 2 Zeitangaben nach Ilg, Volkskunde Vorarlbergs, Band III, S. 291 3 Das Gaden ist die Schlafkammer der Eltern neben der Küche. 4 erhöhtes Holzgestell, auch zur Einlagerung von Vorräten. 5 Siehe Heft 13, S. 26! 6 Die Pfätte (Mz. Pfättona) ist der tragende Längsbalken am Dachstuhl, auf dem die Rafen aufliegen.Diese tragen dann die Dachlatten und die Ziegel. 7 Eine Flecke ist ein schweres starkes Brett, das, genau wie auch der Strick, durch Behauen eines Baumstammes angefertigt wurde. 8 Joseph Flatz, Buch 1860, S. 23 9 Bild 11: Blockwohnungen: Lerchenstraße 11. Sinz, Kennelbach, S. 347 Lagerplatz für Streue '' Dörrobst aus zerschnittenen Äpfeln und Birnen ' 2 Ein drehbarer Baumstamm als Wellenbaum ist im Ufzug des alten Schertlerhauses (AltvorStehers) in Unterlinden erhalten geblieben, I3 Buschein (Reisigbündel), Scheiter, Zweige, Schollen (Torfstücke) und käseförmig gepreßte und getrocknete Maischereste l0 Bild 12: Außergewöhnliche Architektur: Fattstraße 37. 14 15 Siegfried Heim G.F.G., der Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner Es war im Jänner 1977, als sich bei mir daheim im Oberfeld ein älterer Herr als Heimatkundler Ernst Geel aus Sargans vorstellte und in urwüchsigem Bündner Dialekt nach dem Ornath-Händler Gallus Fidel Gantner in Wollfurt bey Bregenz am Bodensee erkundigte. Der seltsame Name elektrisierte mich. Ich hatte ihn schon viele Jahre früher gehört. In der schattigen Achschlucht in Buch besitzt unsere Familie seit 200 Jahren einen schroff abfallenden Waldteil. Wenn der Vater uns Buben dort die Marken suchen ließ, fanden wir immer wieder auf uralten eibenen Pfählen das Brennmal GFG. Was hieß das wohl? Daheim zeigte der Vater uns dann den vergilbten Marckenbeschrieb aus dem Jahre 1794, in welchem sich neben unserem Ahnherr Crispinus Bildstein, dem Krämer in Hanso Hus an der Wolfurter Kirchenstiege, auch sein Schwager mit eigener Hand ich Gallus Fideli Gantner Fahnenschneider in Wolfurt, als inhaber bemelten Holtz bezeichnet.1 Bild 14: Haus Kirch'straße 22, Rasiorars. Von Fidel Gantner 1772 erbaut. Gall Fidel Gantner (Ganter, Ganther) aus Bregenz-Wolfurt,.Silber- und Paramentenhändler. In den Jahren 1804-1840 lieferte dieser Händler eine ganze Reihe von Kirchengeräten, namentlich Kelche, in Aargauer Pfarrkirchen. Die letzteren haben zumeist kupfervergoldete Füße. Er ließ die Kunden im Glauben, er habe sie selbst gemacht. Die Kelche gleichen auffallend denjenigen des bisher unbekannten Augsburger Meisters IM ... und stammen wahrscheinlich aus dessen Werkstätte 2 Nach den Wolfurter Büchern müssen wir die vielen Geschäfte Gantners auf einen Vater G.F.G. und einen gleichnamigen Sohn aufteilen. Die erste Eintragung hat Pfarrer Jos. Andr. Feuerstein 1772 gemacht: Domus 57 an der Kirchgaße. Gallus Fidelis Gantner von Veldkirch, natus 751 7bris 8, nupsit 1772 Catharina Bildstainin von Wolfurth? Aus Feldkirch stammte also der junge Handelsmann, der 1772 eine der Töchter des schon 1753 verstorbenen ersten Wolfurter Arztes Antonius Bildstein, eine Schwester des Krämers Crispin Bildstein, zur Frau nahm. Zu seiner Hochzeit hatte er im Jahre 1772 ganz neu das Haus 57 in die Kurve der Kirchstraße gestellt. Es trug später noch vier andere Nummern und ist heute unter Kirchstraße 22 (Rasiorars) eines jener schönen alten Rheintalhäuser, die unser Dorfbild prägen. Gantners Frau Katharina starb schon 1791 bald nach der Geburt ihres neunten Kindes. Er heiratete noch im gleichen Jahr Elisabeth Achberger de Besenreuthe, die ihm weitere 8 Kinder gebar, zusammen also 17 Kinder. Viele davon starben allerdings schon in den ersten Lebensjahren. Es muß ein tüchtiger Mann gewesen sein, der in der Zeit der Franzosenkriege ein internationales Handelsgeschäft aufbauen und betreiben konnte. In der Schweiz sind seine Lieferungen in den Aargau 1804 in Mühlau, 1805 in Bünzen, 1813 und 1815 in Waltenschwil nachgewiesen.4 Seine letzte Reise führte Gantner aber nach Tirol. 1817 17 Bild 13: Gantners Schrift: ich Gallus Fideli Gantner Und nun tauchten also Dokumente auf, aus denen ersichtlich wurde, daß jener G.F.G. geschäftliche Beziehungen bis weit in die Schweiz unterhalten hatte. Nach Sargans hatte er zum Beispiel für 25 Gulden ein Meßgewand geliefert. Später fand ich den auffälligen Namen noch oft im Archiv. Als Fahnenschneider bezeichnete Gantner sich selbst, weil er Kirchenfahnen für die damals noch so häufigen Prozessionen herstellte. Ornath-Händler läßt aber den Schluß zu, daß er auch die mit kostbaren Goldfäden und mit Stickereien gezierten Meßgewänder samt Stola und Manipel in seinem Angebot führte. Und eine Forschungsarbeit der Schweizer Historikerin Dora Fanny Rittmeyer (+1966) zählt ihn sogar zu den Goldschmieden: 16 Jäner löte Gall. Ficlele Gantner Fahnenschneider, ist zu Innspruck auf einer Reise an Einem Schlag, welchen er an der Neujahr Nacht bekommen gestorben.5 Durch seine engen Beziehungen zu den Goldschmieden von Bregenz, Augsburg und Feldkirch, hatte Gantner auch veranlaßt, daß zwei seiner Nachbarn im Wolfurter Kirchdorf, die Vetter Joseph Geiger und Joseph Haltmayer, Zugang zu dem außergewöhnlichen Kunsthandwerk fanden. Beide wurden selbst Goldschmiede in Feldkirch. Ihr Leben hat Christoph Volaucnik im anschließenden Beitrag beschrieben. Zwei von den Söhnen Gantners führten das Handelsgeschäft weiter. Der gleichnamige Sohn Gallus Fidel Gantner junior, 1786-1863, belieferte weiterhin die Schweizer Kirchen. Er wird dort von den späteren Forschern mit seinem Vater als eine Person gesehen. Die Familie Gantner galt nach 50 (!) Jahren in Wolfurt immer noch als fremd und mußte jedes Jahr als Beisassen zwei Gulden Fremdengeld bezahlen. 1823 gelang dem Sohn in einem gut vorbereiteten Treffen endlich die Einbürgerung: & Vorstehung durch freiwillige Sammlung von den Gemeindsangehörigen, eingehoben werden solle. Wolfurt den obig. Dato Jos. Aloys Grasmayer PfarrerVorsteher Fink Joh. Georg Kloker Kirchenpfleger Fidele Gantner Ornathändler Kontrakt geschehen in der Behausung des Fidel Gantner Ornathändler zu Wolfurt den 14ten May 1823. In Gegenwart des Hl. Pfarrer Graßmayer, Vorsteher Fink & Gemeinds Rath Klocker, wurde vom gedachten Gantner folgende Kirchenornat in dem billichsten Preise aberkauft, wie folgt. 1.1 Ein Rauchmantel 2.1 Ein Rauchfas 3.1 Ein Stohl zu Kirche 90 fl 15 f 5 f 24 x betragt 110fl 24 x R.W. Nachdeme äusserte sich Gantner, daß er, wie auch schon sein Vater sei. das betreffende Beysas Geld, schon so viele Jahre her an die Gemeinde Wolfurt mit 2fl Jährl. bezahlt haben, und macht gegenwärtig das ansuchen, daß er für sich, und für seine gegenwärtige & nachkommende Kinder, in das Gemeindsbürger recht, mit einer billichen Ausgleichung einverleiben lassen wolle. Mitthin wurde auf gegenseitiger Kontrachirung folgende Ausgleichung gütlich geschlosen, das Gantner für das jähr!. Beysas Geld, überhaupt - 45 fl 24 x sage vierzig & fünf Gulden 24 x R.W. von obiger Summe abzusetzen habe, und somit seye er und seine Familie für je und allzeit wie andere Gemeinds Bürger anzusehen und zu behandeln. Wenn allso diese Schuldigkeit von obigem guthaben abgesetzt wird, so bleibt die Gemeinde dem Gantner - 65 fl. Welcher Betrag auf anlangen des Hl. Pfarrer, 18 Schon 1814 hatte noch Vater Gantner in der Bütze ein neues Haus C 83 gebaut, das bis heute als Bützestraße 7 (Hintereggers) erhalten geblieben ist. Dort lebte jetzt der Sohn Gallus Fidel mit seiner Familie. Aber die Geschäfte gingen schlecht. 1841 mußte er das Haus verkaufen. Er zog zu seiner Tochter Katharina ins Röhle. Sie war dort (heute Bregenzerstraße 8, Geigers) mit Gebhard Klocker, einem Sohn des Kirchenpflegers, verheiratet und begründete mit ihm die große Sippe der Stricker-Klocker. Verarmt starb der einst hochangesehene Ornathändler im Jahre 1863. Auch ein jüngerer Sohn des Fahnenschneiders, Franz Xaver Gantner, geboren 1801, betrieb einige Zeit den Ornathandel. Beim Unterlindenbrunnen war er im ehemaligen Haus Frickenescherstraße 1 mit Anna Maria Bildstein, einer Tochter des Vorstehers Bernhard Bildstein und Enkelin des Krämers Crispin Bildstein, verheiratet. Auch ihn dürften finanzielle oder private Probleme bedrängt haben. Der Pfarrer notierte bald zu seinem Namen: ist itzt nicht mehr bey seiner Frau. Gantner ging nach Amerika und ließ 1855 seinen Sohn Bernhard nachkommen. Ein weiterer Sohn des ersten Fahnenschneiders, Alois Gantner, geboren 1797, hatte mit seiner Familie noch einige Zeit das Vaterhaus an der Kirchstraße bewohnt. Auch er mußte es 1837 an den Orgler Martin Rohner verkaufen. Gantner übersiedelte nach Rankweil und wanderte von dort ebenfalls mit seiner ganzen Familie nach Amerika aus. So war das Geschlecht der Gantner nach weniger als hundert Jahren schon wieder aus Wolfurt verschwunden. Einzige Nachkommen in Wolfurt und Umgebung sind die vielen Familien der Stricker-Klocker. Ob die alten Meßkelche und das schöne Wettersegen-Kreuz in unserer Kirche oder die prachtvollen Meßgewänder, die zum größten Teil in der Kapelle Rickenbach aufbewahrt werden, allenfalls von der Ornathändlerfamilie stammen, wäre noch zu untersuchen. Einen ganz besonderen Goldschatz hat Gantner aber ohne eigenes Zutun nach fast 200 Jahren noch auf indirekte Weise nach Wolfurt gebracht. Kehren wir dazu zum Anfang dieses Artikels zurück! Als Ernst Geel die erbetene Auskunft bekommen hatte, bedankte er sich dafür mit einer alten Schweizer Zeitung. In den Heimatblättern aus dem Sarganserland vom September 1937 fand sich ein Bericht über den Wolfurter Kelch von Pfäfers.6 Zum ersten Mal hörte ich von dieser großen Kostbarkeit in der Schatzkammer der Schweiz in Zürich. Zwar hatte der aus der Schweiz stammende Gründer des Vorarlberger Landesmuseums Samuel Jenny den Kelch schon 1888 im Jahresbericht beschrieben und ebenso Andreas Ulmer in 19 seinem Burgenbuch von 1925. Dann aber war der Kelch wohl in Vergessenheit geraten. In Benedikt Bilgeris Standardwerk zur Geschichte Vorarlbergs von 1971 fand er jedenfalls keinen Platz. Bei den Vorbereitungen zur Markterhebungsfeier konnte ich nun mit der alten Sarganser Zeitung das Interesse von Museumsdirektor Prof. Elmar Vonbank auf den Wolfurter Kelch lenken. Er griff die Idee auf und brachte durch Zusammenarbeit mit Prof. Karl-Heinz Burmeister und anderen Wissenschaftlern innerhalb eines Jahres im Mai 1982 eine große Ausstellung Die Wolfurter zustande.7 Glanzstück war natürlich der 1364 von Ritter Konrad von Wolfurt gestiftete Meßkelch, der mit Zustimmung der Eidgenössischen Kommission erstmals außerhalb der Schweiz im Landesmuseum in Bregenz und dann auch in Wolfurt gezeigt wurde. Die Forschungen in den Archiven Italiens und Ungarns ergaben jetzt unglaublich viel interessanten Stoff über die Ritter von Wolfurt als Söldnerführer in Neapel und Apulien, Herzöge in Ungarn, Gesandte beim Papst in Avignon, aber auch als Äbte und Äbtissinnen und reiche Burgenbesitzer rund um den Bodensee. Ausführlich berichtete Prof. Burmeister darüber in mehreren Arbeiten.8 Schließlich gelang es dem Verhandlungsgeschick von Bürgermeister Hubert Waibel sogar, im Jahre 1985 eine originalgetreue Kopie des Kelchs in den Besitz der Gemeinde zu bekommen. Ein weiter, aber schließlich doch erfolgreicher Weg von Gantner über Geel, Heim, Vonbank, Burmeister und Waibel bis in die Schatzvitrine der neuen Marktgemeinde Wolfurt! Mögen Gantners Name und seine bestickten Ornate auch längst verstaubt und vergessen sein, vom goldenen Wolfurter Kelch und vom Ritter Konrad lernt heute doch jedes Wolfurter Schulkind. Christoph Volaucnik Zwei Wolfurter Goldschmiede in Feldkirch Joseph Geiger und Joseph Haltmayer In einem Dorf wie Wolfurt gab es früher neben den Bauern auch Handwerker, die aber zumeist für den Bedarf der Bauern arbeiteten wie Schmiede, Zimmerleute oder Müller. Handwerker anderer Berufssparten und besonders solche, die sich auf die Erzeugung von Luxuswaren spezialisiert hatten, konnten nur in einer Stadt ihrem Beruf nachgehen und mußten daher ihr Dorf verlassen und in der Fremde ihr Glück versuchen. Wie schwierig der Aufbau einer Existenz in einer fremden Stadt war bzw. wie schwer man es einem Fremden machte, kann am Beispiel des Wolfurter Goldschmiedes Joseph Geiger nachvollzogen werden. Als Joseph Geiger im Jahre 1793 beim Feldkircher Stadtrat um die Verleihung eines Bürgerrechts, also des Rechtes sich in Feldkirch als Bürger niederzulassen, ansuchte, wurde er abgelehnt.1 Da er sich mit dieser Ablehnung nicht abfand und Einspruch erhob, entstanden einige Akten, die auch biographische Hinweise enthalten. Er wurde am 18. März 1767 in Wolfurt als Sohn des Johann Caspar Geiger und der Agnes Haltmayer geboren. Sein Großvater Kaspar stammte aus Buch und hatte 1711 nach Wolfurt geheiratet. Seine Eltern lebten im Haus No. 22 im Loch, das heute noch gut erhalten als Haus Im Dorf 6, existiert. Sein Vater Johann Caspar wurde 1738 geboren und verstarb 1780. Seine Mutter Agnesa Haltmayerin, 1735 geboren, war eine Tochter des Gerbers Kaspar Haltmayer aus der Parzelle Röhle und verstarb am 9.12.1767, also neun Monate nach der Geburt ihres Sohnes. Der Vater heiratete bereits am 11.4.1768 seine zweite Frau Francisca Winder. Aus dieser Ehe stammten sechs Kinder.2 Joseph Geiger machte seine Berufsausbildung zum, wie es in den Dokumenten heißt, „Gold- und Silberarbeiter" in Bregenz. Da er keine Zeugnisse der Zunft vorweisen konnte, verhörte der Bregenzer Stadtrat die Witwe des Lehrmeisters und stellte aufgrund dieser Befragung eine Bestätigung aus.3 Im Feldkircher Stadtratsprotokoll wird erwähnt, daß Geiger zwar ein Vermögen von 550 Gulden besaß, man diese aber für die Gründung einer eigenen Werkstätte als nicht ausreichend ansah. Der Hauptgrund für die Ablehnung dürfte der Schutz der zwei bereits vorhandenen Goldschmiede und ihrer auf der Walz befindlichen Söhne vor einem neuen Konkurrenten gewesen sein. Diese Abschottung des heimischen Handwerks gegen neue Konkurrenz war eine allgemein übliche Haltung des Stadtrates und besonders der Zünfte und wurde in diesem Fall auch ganz offen im Protokoll vermerkt.4 Geiger wiederholte sein Ansuchen im Jahr 1794, es wurden sogar übergeordnete Behörden wie das Landgericht und das Kreisamt eingeschaltet.5 Er legte auch die erforderlichen Papiere vor.6 In einem Brief Geigers vom 25.10.1794 aus Wolfurt weist er darauf hin, daß man ihm die Aufnahme als Bürger versprochen habe, wenn es ihm gelin21 Privatarchiv Heim Rittmeyer, Von den Bregenzer Goldschmieden, Zeitschrift „Montfort", 1966 ' Pfarre Wolfurt, Catalogus II, Seelenbcschrieb von 1772 4 Wie Fußnote 2 5 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 59. 6 Verfaßt von Th. Nigg, abgedruckt in Fortsetzungen im Wolfurter Informationsdienst ab 1980 7 VLM, Katalog 99, Die Wolfurter, Bregenz 1982 8 Burmeister, Das Edelgcschlecht von Wolfurt, Museumsverein Lindau 1984 und Burmeister, Die Siegel der Edlen von Wolfurt, Burgenländische Forschungen VII, Eisenstadt 1984 : 1 20 gen sollte, eine Bürgerstochter zu heiraten. Er meint dazu richtigerweise, daß es ihm schwer falle, dieser Forderung nachzukommen, wenn er nicht in der Stadt leben dürfe. Doch wovon sollte er leben, wenn weder der Goldschmied von Zwickle noch der Gürtler Schädler Gehilfen brauchten? Ein Schreiben des Stadtrats zu dieser eher ungewöhnlichen Forderung nach Brautsuche hat sich nicht erhalten, sie ist jedoch im Stadtratsprotokoll vom 28.10.1794 festgehalten. Man bewilligte ihm auf die Einwände Geigers hin den unentgeltlichen Aufenthalt in Feldkirch auf ein halbes Jahr und versprach ihm die Aufnahme als Bürger, wenn es ihm gelingen sollte eine anständige und „vermögliche" Bürgertochter oder eine auswärtige Frau mit Vermögen zu heiraten.7 Zum besseren Verständnis dieser Bedingungen sei erklärt, daß ein Fremder sich in Feldkirch als Bei- oder Hintersäß niederlassen durfte, wenn er eine Gebühr bezahlte und man bei ihm während dieses halben Jahres auf die Gebühr verzichtete. Der Stadtrat verlangte bei der Bürgeraufnahme immer einen Vermögensausweis, da der Bürger ja im Unglücks- oder Krankheitsfall und daraus folgender Verarmung Anspruch auf Unterstützung hatte und man das Risiko armer Bürger minimieren wollte. Natürlich war das Vermögen eines Bürgers auch für das Steueraufkommen der Stadt wichtig. Geiger gelang es tatsächlich, das Herz einer Bürgerstochter für sich zu gewinnen. Im Jahre 1795 teilte er daher den Behörden mit, daß er gedenke „eine ziemlich bemittelte, und einiger Massen schön wohl bejahrte Bürgerstochter zu verehelichen." Seine Braut war Catharina Doldin, Tochter des Bäckermeisters Isidor Dold, der im Haus No 52, heute Schmiedgasse 52 (Himmer), lebte.8 Geiger war bereit, 400 Gulden Einkaufsgeld und die üblichen fünf Gulden für einen Feuerkübel zu bezahlen. Am 8. Juni 1795 gab er die Heirat mit der 36-jährigen Catharina Doldin bekannt.9 Wie ihm diese Brautwerbung gelungen ist und wovon er in diesem halben Jahr lebte, ist nicht zu eruieren. 1796 half er bei der Verpackung des besonders wertvollen Feldkircher Kirchensilbers in Packkisten für die Flucht dieses Kirchenschatzes nach Schloß Forsteck in die sichere Schweiz.10 Man benötigte sechs Kisten dafür. Diese Flucht fand wegen der aus Süddeutschland heranrückenden Franzosen statt. Der Feldkircher Stadtrat ließ gleichzeitig als weniger wertvoll eingestuftes Kirchensilber zum Einschmelzen in die Münzprägestätte in St.Gallen transportieren und kaufte mit dem Erlös Kriegsmaterial. 1806 entnahm der Stadtrat nochmals Gegenstände aus dem Kirchenschatz zum Einschmelzen. Dieser heute unvorstellbare Vorgang war jedoch durch ein amtliches Dekret und einen Beschluß der Landstände gedeckt." Über Geigers Tätigkeit als Gold- und Silberschmied finden sich noch zwei Eintragungen in den Archivbeständen. 1799 befanden sich russische Truppen unter Führung des Generals Suworow in Feldkirch, waren in Bürgerhäusern einquartiert und schonten das Eigentum der Bürger nicht. Der Stadtmagistrat nahm alle diese Kriegsschäden, Russische Erlittenheiten genannt, in einem eigenen Protokoll auf. Der Bäkkermeister Franz Josef Lisch gab zu Protokoll, daß ihm die Russen silberne Schuhschnallen aus dem Kasten gestohlen hätten. Diese habe er vom Goldschmied Geiger 22 um 24 Gulden gekauft. Er bat um Schadenersatz.12 1801 verdiente Geiger sieben Gulden für das Lampenputzen in der Feldkircher Pfarrkirche St.Nikolaus.13 Seine Frau Katharina Doldin verstarb 1809 im Alter von 50 Jahren. Joseph Geiger heiratete 1810 Crescentia Seger von Braz, die 11 Jahre lang bei ihrem Vetter Spitalverwalter Caspar Leo in Dienst stand. Geiger zahlte für seine Frau 100 Gulden Bürgereinkaufstaxe.14 Aus dieser Ehe stammten sieben Kinder, drei Töchter und vier Söhne. Leo war übrigens der Pate aller Kinder. Patin war Josefa Haltmayer, Ehefrau des ebenfalls aus Wolfurt stammenden Goldschmiedes Haltmayer. Wo hat Geiger in Feldkirch gewohnt? 1796 erwarb er von Felix Schwarzhans ein Haus und einen Garten in der „Krezgasse". 15 Ende 1805, anfang 1806 wird im Stadtratsprotokoll die Versteigerung des Hauses von Geiger erwähnt und die Einräumung eines Pfandrechtes für Geiger bestätigt.16 Ob es sich hierbei um eine freiwillige oder zwangsweise Versteigerung handelte, ist nicht eruierbar. 1797 bis 1813 wohnte die Familie Geiger im Haus No 71, das ist heute das Haus Gymnasiumgasse 2.17 Um 1815 zog sie in das Haus 184, Schmiedgasse 8, das heutige Furtenbachhaus, um. In diesem Haus wohnte auch sein Schwager, der Baumeister Franz Xaver Seeger mit seiner Familie.18 1822 ersteigerte er das Haus 193, heute Schmiedgasse 16, und blieb dort bis 1844.Am 15.7.1844 kaufte Adolf Gorhan dieses Haus.19 Es fällt auf, daß Geiger eigentlich immer in oder Nahe der Schmiedgasse wohnte. Geiger dürfte sich mit dem Hauskauf 1801 verschuldet haben, wie erhaltene Schuldverschreibungen aus diesen Jahren beweisen. Blieb Geiger seinem erlernten Beruf treu? Ab 1813 wird Joseph Geiger als aktiver Unternehmer und Pächter immer wieder in den Akten genannt. 1813/14 war er Pächter der städtischen Ziegelgrube und des städtischen Kalkwerkes.20 1816 ist er Associe des Ziegelstadelpächters Seger, vermutlich seines Schwagers, und sucht in dieser Funktion um die Zuteilung von Brennholz an. 1820 verpachtete die Stadt Josef Geiger auf sechs Jahre die Ziegel- und Kalkbrennerei.21 1819 hatte er das Amt eines Vorspannkommissärs, der für militärische Transporte Pferde zu organisieren und die Unkosten zu verrechnen hatte.22 1820 erhielt er den Posten des Holzmeisters verliehen. In dieser Funktion war er für die Verwaltung des städtischen Holzlagerplatzes, der auf dem heutigen Rösslepark lag, und für die Holzverteilung an die Bürger verantwortlich. 2 ' Er gab diesen Posten erst 1844 auf. 1837 hatte er auch das Amt eines Marschdeputierten inne, der für die Verrechnung des Marschkonkurrenzfonds zuständig war. Mit diesem Fonds wurden die Unkosten der militärischen Truppenverschiebungen und Einquartierungen beglichen.24 Es stellt sich angesichts dieser Aufzählung von Beschäftigungen die Frage, ob er das Goldschmiedehandwerk aufgegeben hat. Im Pachtvertrag 1820 wird er als Goldarbeiter bezeichnet, in den Taufbüchern ist bei der Geburt des Sohnes Ferdinand 1816 als Beruf des Vaters „Handelsmann" vermerkt, während er bei den späteren drei Kindern immer als Goldschmied bezeichnet wird. Joseph Geiger verstarb am 18. März 1845. 23 Ein zweiter Wolfurter Goldschmied, Josef Haltmayer, geboren am 1.April 1775 in Wolfurt als Sohn des Martin Haltmayer und der Maria Rieglin, suchte am 2.4.1805 um das Feldkircher Bürgerrecht an. Er entstammte einer seit 1650 im Wolfurter Kirchdorf beheimateten Familie und war ein Cousin Geigers.25 Über eine Beratung seines Ansuchens konnten keine Unterlagen gefunden werden. Am 22.6. teilten die Feldkircher Gürtler und Goldschmiede dem Stadtmagistrat mit, daß Haltmayer sich im unmittelbar an Feldkirch angrenzenden Weiler Heilig Kreuz, der damals zur Gemeinde Tisis gehörte, angesiedelt hatte. Sie baten um Einschaltung des Vogteiamtes und um die Ausweisung Haltmayers. Sie begründeten diese Maßnahme mit den gesetzlichen Vorschriften, welche die Ausübung eines Kommerzialgewerbes, wie es der Goldschmied war, nur in Städten erlaubte. Ob der Stadtmagistrat wirklich das Vogteiamt einschaltete, konnte nicht nachgewiesen werden. Am 17.1.1807 erhielt Haltmayer endlich das Bürgerrecht verliehen, mußte aber vorher noch eine Umsiedlungsbewilligung vorlegen, sein Vermögen in der Stadt Feldkirch versteuern, 150 Gulden in bar als Einkaufsgebühr bezahlen und einen Feuerkübel anschaffen.26 Am 24.8.1807 heiratete er Josefa Mangengin aus Vandans. Die beiden hatten wenige Tage vor der Heirat einen Heiratsvertrag abgeschlossen, der die Einbringung von 500 Gulden von der Braut und 450 Gulden vom Bräutigam als Heiratsgut vorsah.27 Aus dieser Ehe entstammten 6 Kinder, vier Mädchen und zwei Knaben.28 Rätsel gibt sein 1810 gestelltes Ansuchen um die Baubewilligung für eine Werkstätte im Gewölbe des Hauses Marktgasse 183 auf, da sich dieses Haus nach den erhaltenen Hausnummernverzeichnissen nicht in der Marktgasse, sondern in der Schmiedgasse befand.29 Es war das Nachbarhaus des Hauses No. 184, heute Schmiedgasse 4, in dem die Familie Haltmayer seit ca. 1816 nachweisbar ist.30 Vermutlich ist Haltmayer bzw. dem Schreiber des Ansuchens ein Irrtum in der Hausnummer passiert. Haltmayer ließ 1819 das ganze Haus neu decken. Das feuergefährliche Holzschindeldach wurde durch viel sichere Dachziegel ersetzt, was von der Stadt Feldkirch aus feuerpolizeilichen Gründen finanziell gefördert wurde.31 Über Haltmayers Arbeit als Gold- und Silberschmied ist nur durch einige wenige Akten etwas zu erfahren. Aus dem Jahre 1820 hat sich eine Bestätigung erhalten, daß er an den Postwagenkondukteur Thomas Lechtaler in Wien vier Dutzend silberne und einen vergoldeten Weinkegel übersandte.32 Unklar bleibt natürlich, um was es sich hier handeln könnte. 1821 stellte er für den Hohenemser Juden Markus Steinbach Löffel her, die dieser in Tirol verkaufen wollte. Es waren dies ein Dutzend silberne Löffel, zwei Dutzend silberne Vorlegelöffel, die inwendig vergoldet waren, und ein Dutzend silberne Kaffeelöffel.33 Alle diese Gegenstände trugen als Beschaumarke das Feldkircher Wappen und das Meisterzeichen. Damit garantierte die Stadt Feldkirch den richtigen Silbergehalt der Waren. 1828 kam es zu einer amtlichen Untersuchung wegen der Punzierung von Eßlöffeln. 24 Im Akt wird erwähnt, daß Ware, die Haltmayer nicht auf Bestellung anfertigte, oft Jahre im Geschäft lag. Weiters berichtet er, daß sein Sohn Josef ebenfalls den Goldschmiedberuf erlernt habe und sich auf der während der Gesellenzeit vorgeschriebenen Wanderschaft befand.34 Josef Haltmayer scheint ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen zu sein. Jedenfalls konnte er sich im Verlauf der Jahre einigen Grundbesitz erwerben. Er verfügte über Äcker in Altenstadt, Streuewiesen in Tisis, Torfmähder in Ruggel und über einen Weinberg in der Berggasse am Ardetzenberg.35 Es kann daraus geschlossen werden, daß er neben dem Handwerk auch eine kleine Landwirtschaft betrieb, also ein typischer Ackerbürger war. Er verstarb am 22. Mai 1843. Der Sohn erhielt 1838 die Betriebsbewilligung verliehen.36 1847 baute er seine Werkstätte aus.37 Vater und Sohn waren beide in der Feldkircher Großhammerzunft aktiv. Der Vater hatte 1828 den Posten eines Kerzenmeisters inne, der Sohn war 1861 Kerzenmeister und 1862 Zunftmeister.38 Läßt man diese bewegten Lebensläufe nochmals Revue passieren so fällt auf, daß zuerst ungern gesehene Fremde sich voll in das Leben dieser Stadt integrierten. Es sind dies recht typische Karrieren. Feldkirch stand wie jede Stadt für „Fremde" offen, ja lebte in gewissem Maß vom Zuzug. Das war sicherlich ein typischer Unterschied zu Landgemeinden, die sich meist abschlossen und Zuzug nicht gerne sahen. Interessant ist auch die enge verwandtschaftliche Beziehung dieser zwei Goldarbeiter und der Umstand, daß beide Familien sowohl in ihrer Heimat Wolfurt als auch in Feldkirch in unmittelbarer Nachbarschaft wohnten. Stadtarchiv Feldkirch, Handschrift 41, Seite 100, 1.8.1793 Biographische Recherchen wurden freundlicherweise von Siegfried Heim durchgeführt 'STAK Akt FI Sch 100/18 4 wie Fußnote 1 5 STAF, Hds.42, 124 6 STAF Hds. 42, 304, 26.4.1794 ' STAF, Hds.43, 492, 28.10.1794 "STAF, Sch 33, 1807 9 STAF, Hds.44. 155. 1795 und 8.6.1795 10 STAF. Hds. 563, 70 " Ludwig Kapp, Topographisch - historische Beschreibung des Generalvikariates Vorarlberg. Bandl.Brixen 1894. S.66 12 STAF. Akt 2396. In diesem Protokoll ist ein zweiter Fall von Diebstahl silberner Schuhschnallen verzeichnet. Ein nach Vaduz gehender Feldkircher wurde von russischen Dragonern aufgehalten und ihm die Schuhschnallen abgenommen. Heute noch gehören diese Schnallen zum Bestandteil der Feldkircher Tracht. "STAF. Hds. 568. 61. 1801 14 Vorarlberger Landesarchiv. Landgericht Feldkirch, Sch 22. Akt 1443 " STAF, Hds. 193, Dok. 31 16 STAF, Einlaufprotokoll 2. 31.1.1807, Publ. 52 2 1 25 17 STAF, Häuserbuch von Leopold Manner. Dort 1797 bis 1809 Geiger angegeben. Nach Akt F I Sch 83/24 bis 1813 dort nachweisbar. 18 Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript. o.J., S.30. Alfons Leuprecht, Die Familie Seeger in Vorarlberg. o.O., o.J.,S 98. Ob Geiger nur Untermieter oder Mitbesitzer war, ist unklar. 19 STAF, Abschrift Seelbeschrieb vom Jahre 1818. Verfachbuchabschrift I, S.162. Reinhard Sessler, Die Schmiedgasse in Feldkirch. Manuskript.o.J., S. 49-50, Abschrift Verfachbuch 13.12.1844, fol. 5876 20 STAF, Akt 686 21 STAF, F II Sch 35/20. Hier auch Hinweis auf Pachtvertrag mit Geiger von 1813. Abschriften Verfachbuch 7.6.1820 22 STAF, Repertorium 19, 1819 23 STAF, Einlaufprotokoll 1820, 4.3.1820 24 STAF, F II, Sch 73/19 25 Biographische Informationen von Siegfreid Heim erhalten 26 STAF, Einlauf- und Ratsprotokoll 2, 1807 27 STAF, Hds. 194, Dok.2 28 STAF, Abschrift Seelenbeschrieb 1818 2 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 24, No.2364, 1810 30 Sessler, Schmiedgassc, S.21. Sessler geht vom Jahr 1818 aus, doch beschreibt Haltmayer einen Brand beim Nachbarn im Jahre 1816 und daraus resultierenden Schäden an seinem Haus 31 STAF, FI, Sch 82/ 31 32 VLA, Lg Feldkirch, Sch 78, 1820. Akt 2026 " VLA, Lg Feldkirch, Sch 81, 1821, Akt 1271 34 VLA, Lg Feldkirch, Sch 12, 1828, Pub XIX 405 35 STAF, F I, Sch 1/ Steuerakt No. 238 "STAF, FII 11/1 37 STAF, F II Sch 2/23 38 Manuskript Angelo Steccanella: Feldkircher Künstler und Handwerker. Dem Autor sei für die Überlassung des Manuskriptes gedankt. Christoph Volaucnik Von Schnapsbrennern und Bierbrauern Die Hofsteiggemeinden sind unter den Freunden und Kennern hochprozentiger alkoholischer Getränke als Herkunftsregion des „Subirers" und anderer Obstschnäpse bekannt. Die Auszeichnung von Schnapsbrennern aus dieser Region auf Fachmessen und die lobende Erwähnung in der Fachliteratur spricht für die gute Qualität dieser Produkte. Wenn wir aber versuchen, die historische Entwicklung des Schnapsbrennens zurückzuverfolgen, muß man leider feststellen, daß sich in den Archiven kaum Dokumente zu diesem bäuerlichen Nebenerwerb finden lassen. Nur bei strittigen Fällen, Beschwerden und Klagen kam es zur Erstellung von Akten, die sich heute unter Umständen in den Archiven auffinden lassen. Diese Dokumente bieten dem heutigen Leser die Möglichkeit, einen kurzen Einblick in ein Segment des Wolfurter Dorflebens vor gut 160 Jahren zu nehmen, allerdings nur aus der Sicht des Beschwerdeführers und des aktenführenden Beamten. Eine umfassende Darstellung des Schnapsbrennens oder der Trinkgewohnheiten unserer Vorfahren ist mit den folgenden kurzen Berichten nicht möglich und nicht beabsichtigt. 1839 beschwerte sich der Schnapsbrenner Joseph Anton Böhler aus Wolfurt über seine neu entstandene Konkurrenz, acht von der Behörde bewilligte Brennereigewerbe.1 Mit seinem Protest setzte er den Beamtenapparat des Bregenzer Kreisamtes und der Innsbrucker Regierung in Bewegung. Im Tiroler Landesarchiv haben sich die Eingabe Böhlers und die Stellungnahme des ranghöchsten Vorarlberger Beamten, des Kreishauptmanns Ebner, erhalten. Böhler behauptete, daß er im Jahre 1826 der einzige Schnapsbrenner in Wolfurt gewesen sei und erst später der Rößlewirt Johann Kalb, außerdem Martin Schertler, Jakob Schneider, Josef Anton Fischer, Johann Fischer, Kaspar Haltmayer, Joseph Rohner und Joseph Müller ebenfalls zu Konzessionen für das Schnapsbrennen kamen. Im Akt wird diese Dichte von Schnapsbrennern im kleinen Ort Wolfurt als „für das allgemeine Wohl nicht rätlich" bezeichnet und festgestellt, daß der Lokalbedarf damit um das Doppelte überschritten wurde. Sechs Tafernen und zwei Schankwirtschaften soll es 1839 in Wolfurt gegeben haben. Bezüglich seiner verstorbenen Konkurrenten Baptist Rohner und Nikolaus Fischer sowie von Haltmayer und Müller behauptete er, daß sie wegen der hohen Besteuerung sehr schnell mit der Produktion aufgehört hätten, und unterstellte ihnen Schwarzbrennerei. Im Dorf sollen 20 bis 25 Bauern für den Eigenbedarf gebrannt haben. Zu den übrigen Bauern meinte Böhler, daß sie nicht genügend Früchte für die Branntweinerzeugung hatten. Er warf der Konkurrenz auch vor, daß sie heimlich den Branntwein zu Hause ausschenkte und auch kleinweise verkaufte. Als Maßgrößen beim Kleinausschank nennt er" Seidel, Halbe und Maaß". Er befürchtete, daß es durch den unbewilligten Ausschank dieses 27 26 scharfen Getränkes zu Exzessen im Dorf käme und die Dorfjugend verdorben würde. Böhler schätzte, daß in Wolfurt nur zwei Branntweinbrennereien bestehen konnten, neben der seinen noch die des Rößlewirtes Kalb2. Kalb war das Branntweingewerbe angeblich von der Gemeinde bereits zugesichert worden, obwohl die Konzessionsverleihung Sache des Landgerichtes war. Sachlich und informativ fiel der Bericht des Kreishauptmannes aus. Er bestätigte, daß in Wolfurt viele Wein- und Obstgartenbesitzer die Früchte zu Branntwein brannten und jeder seinen eigenen Destillationsapparat besaß. Er meinte, daß die Branntweinerzeugung in Wolfurt ein wichtiger Wirtschaftszweig war und daß man amtlicherseits nichts dagegen einzuwenden hatte, da für den Eigenbedarf erzeugt wurde und kein Ausschank stattfand. Als die oben erwähnten acht Wolfurter um eine ordentliche Brennkonzession ansuchten, lehnte zuerst Ebner ihr Ansinnen ab. Ebner meinte, daß die Entscheidung für oder gegen die Konzessionserteilung schwierig wäre. Es handelte sich ja nur um eine Nebenbeschäftigung der Bauern (die wohl einen wichtigen Teil des Einkommens darstellte), andererseits stufte er den Branntweinkonsum in den Landgemeinden als schädlich ein. Ebner war aber Realist genug zu erkennen, daß gegen einen übermäßigen Schnapskonsum kein direkter Zwang von „oben" her Erfolg hatte. Letztendlich sprach er sich für die Erteilung von Konzessionen aus, da die Schnapsbrennerei damit unter polizeiliche, amtliche Aufsicht kam und der Staat durch die hohe Besteuerung der Schnapsbrennerei Einnahmen hatte. Wenn dem durstigen Wolfurter Wasser, Milch, selbsterzeugter Most und Wein zuwenig waren und er ein Bier wollte, mußte er sich in die Nachbargemeinden begeben. In den Jahren 1839 bis 1841 haben ein Kennelbacher und zwei Harder um Bierbraukonzessionen angesucht. Aus den dabei entstandenen Akten kann man einiges über die Bierbrauereien erfahren. 1841 suchte Joseph Sohm aus Kennelbach um die Gewerbekonzession für eine Bierbrauerei in seinem Heimatort an.3 Kennelbach war damals ein Ortsteil der Gemeinde Rieden, und Sohm hatte von der dortigen Gemeindevorstehung bereits die Bewilligung erhalten. Das Landgericht Bregenz, der Vorgänger der heutigen Bezirkshauptmannschaft, lehnte sein Gesuch jedoch ab. Aus der Begründung für die Ablehnung kann man entnehmen, daß man damals nur während weniger Monate im Jahr, nämlich während der kältesten Jahreszeit, ein gutes Bier bekam. Der Landgerichtsbeamte drückte sich bei der Qualitätsbeschreibung des Bieres während des Sommers und Herbstes recht drastisch aus. Er meinte, daß nur wenige ohne Ekel und Widerwillen imstande wären, dieses Bier in der warmen Jahreszeit zu trinken. Das ist mit der Unmöglichkeit einer dauernden kühlen Lagerung des Bieres zu erklären. Die einzige Kühlmöglichkeit war die Einlagerung von Eis in den Kellern während des Winters. Es soll damals im Gebiet des Landgerichtes Bregenz sehr viele Brauereien gegeben haben. Das Landgericht gibt 15 Brauereien an bei einer Bevölkerung von ca. 20 000. Die Situation der Bierbrauer wird nicht gerade als besonders gut beschrieben. Sie Bild 15: Der Brennhafen. Fahrbare Schnapsbrennerei mit Emil Dür um 1965. sollen keine ausreichenden Betriebsfonds gehabt haben, obwohl gerade dieser Beruf bedeutende Finanzreserven erforderte. Viele Inhaber von Bierbraukonzessionen hatten den Beruf nicht erlernt und waren daher auf Brauknechte angewiesen, die für sie arbeiteten. Als positives Beispiel für gute Bierbrauereien nannte der Landgerichtsbeamte Lindau. In dieser bayrischen Stadt sollen die zwei Brauereien das ganze Jahr über gutes Bier ausgeschenkt haben. In Bregenz gab es 1841 vier Brauereien und in Lauterach zwei. Am Ende des Berichtes vertröstete der Beamte die Kennelbacher damit, daß die nächste Brauerei nur eine halbe Stunde von ihrem Dorf entfernt an der Achbrücke stand, worunter er die Bregenzer Achbrücke verstand. Sohm legte gegen die Ablehnung seines Ansuchens erfolglos in Innsbruck Beschwerde ein. In Hard kam es 1839 und 1841 zu Ansuchen um Bierbrauereieröffnungen. Andreas Büchele von Hard erhielt 1839 die Konzession erteilt.4 Im Akt wird unter anderem betont, daß es wünschenswert sei, wenn „das herrschende Getränk des Branntweins und des Mostes unter der arbeitenden Klasse verdrängt werde". Damit waren die Arbeiter der Textilfabrik Jenny gemeint. Da Büchele den Beruf nicht erlernt hatte, war auch er auf einen Brauknecht angewiesen. Büchele hat von seiner Konzession jedoch niemals Gebrauch gemacht. 1841 suchte der gelernte Bierbrauer Caspar Brüstle in Hard um die Bierbrauerkonzession an.5 Im Akt werden die bei Sohm genannten Argumente über die Bierbrauereien wiederholt. Es wird aber noch ergänzt, daß Brüstle mit seinem Vater erst kürzlich ein Wohn- und Badehaus erworben hätte, ein Keller für die Bierlagerung aber fehle. Als Grund dafür wird sehr hoch stehendes Grundwasser genannt, was auch die Ursache für das völlige Fehlen von Brauereien in den Rheindeltagemeinden 28 29 gewesen sei. Auch hier folgt erneut das Argument über den Most- und Branntweinkonsum der Textil- und Holzarbeiter. Die Gemeinde sprach sich übrigens für die Konzessionserteilung an Brüstle aus, da es in Hard noch keine Bierbrauerei gab. Wenn wir die vielen Details dieser Berichte zusammenfassen, so fällt auf, daß der Schnapskonsum in Vorarlberg früher wahrscheinlich um einiges höher war als heute. Dies kann vermutet werden aufgrund der doch recht hohen Anzahl von Erzeugern und des Hinweises auf den Schnapskonsum der Arbeiter. Interessanterweise konnte in Altenstadt bei Interviews mit Zeitzeugen, ehemaligen Gastwirten und Kindern von Gastwirten, erhoben werden, daß Arbeiter jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit in der Wirtschaft noch ein „Budele" Schnaps tranken. Bei den Bierbrauern fällt auf, daß in allen drei Akten die mangelnde Qualität des Bieres und die fehlende Berufsqualifikation kritisiert wird. Genau dieselben Ergebnisse ergab eine Studie über die Bierbrauereien in Götzis. Die Behörden verwendeten in ihren Berichten dieselben Argumente. Meinrad Pichler Kammerdiener Kaspar Kalb: eine Ergänzung In der Heimat Wolfurt vom Juni 97 hat Siegfried Heim einen Artikel über Kaspar Kalb geschrieben, der eine ungewöhnliche Karriere als kaiserlicher Kammerdiener gemacht hatte. Als Kenner der örtlichen Verhältnisse hat Heim besonders den familiären Hintergrund dieses Wolfurters ausgeleuchtet und den Kaiser, dem Kalb hauptsächlich diente, gewürdigt. Mich hat diese von Heim erstmals vorgestellte Persönlichkeit dermaßen interessiert, daß ich bei meinen folgenden dienstlichen Wienaufenthalten jeweils auch ein wenig in Wiener Archiven nach Spuren von Kaspar Kalb suchte. Einiges war dabei zu erfahren, vieles wird für immer im Dunkeln bleiben. Studium Kaspar Kalb wurde als neuntes von 17 Kindern des Anton und det Benedikte Ka\b am 9.1.1756 in Wolfurt geboren. Das Geburtshaus, das vermutlich von Anton Kalb erbaut wurde, steht heute noch im Strohdorf. Als Paten fungierten Andreas Haltmeier und die Schwester des Vaters, Anna Kalb. Daß gerade Kaspar von den elf Söhnen für eine Bildungslaufbahn ausgewählt wurde, wird damit zusammenhängen, daß die Eltern selbst schon zur damaligen Dorfelite gehörten (der Vater konnte beispielsweise schreiben) und eben dieser Knabe von den Eltern oder vom Pfarrer als besonders begabt angesehen wurde. Wo Kalb das Gymnasium absolviert hat, ist nicht bekannt. Jedenfalls scheint er aber eine Zeitlang in der Mehrerau gewesen zu sein, da der dortige Oberamtmann im Jahre 1771 aus einer Ausbildungsstiftung der Pfarre Bildstein 27 Gulden erhielt und zwar „für Caspar Kalb an sein Handwerkdeputat für erlernte Rechnungskunst". Und weil es im darauffolgenden Jahr keine Ansuchen um handwerkliche Ausbildungsunterstützungen gab, erhielt Kalb nochmals 28 Gulden. Ab 1775 finden wir Kaspar Kalb als Student der Philosophie in Wien. Die Reichshauptstadt war damals für alle, die nicht Theologie oder Medizin studierten, die erste Adresse. Die Reise dorthin war zwar etwas beschwerlich aber billig. Die Studenten begaben sich meist zu Fuß nach Ulm und trachteten von dort aus auf einem Floß billig donauabw


Heimat Wolfurt Heft 20 1998 Februar
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 20 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1998 Die Pfarrkirche St. Nikolaus wurde 1834 erbaut. Das Bild von 1902 zeigt sie noch mit dem alten kleinen Turm. Inhalt: 96. Vorsteher und Bürgermeister (1) 97. Alois Negrelli in Wolfurt 98. Als die Wolfurter ihre Kirche bauten 99. Flatz-Familien 100. Der Silbersee 101. Mi Wolfurt (Mohr-Wachter) Bildnachweis: Karl Hinteregger Franz Rohner Siegfried Heim Sammlung Heim Zuschriften und Ergänzungen Bilder 8, 9, 10, 11, 13, 14, 15, 16, 17 Bilder 4, 5, 6 Bild 18 Bilder 1, 2, 3, 7, 12, 19, 20 Weinbau in Wolfurt (Heft 19, S. 4) Laut Haltmeyer-Chronik (in Privatbesitz) ließ der Kreuzwirt Johann Haltmeyer im Jahre 1897 den allerletzten Wolfurter Weintorggel abbrechen. Er brauchte den Platz hinter dem Gasthof Kreuz für einen neuen riesigen Weinkeller. Darin lagerten nun 20 große Weinfässer von je 2000 bis 4000 Liter Inhalt. Bis zu 50 000 Liter Wein warteten manchmal hier auf den Versand. Fast gleichzeitig verschwanden um 1900 als letzte Wolfurter Weinberge die des Pfarrers am steilen Südhang des Kirchenbühels. An vielen Bauernhäusern ließ man aber noch einzelne Reben zwischen den Fenstern bis zum Dach hinauf klettern. Ihre Trauben gehörten zu den begehrtesten Süßigkeiten unserer Kindheit. Getrocknete Wi-Beerle konnte man damals schon kaufen. Bei hohen Festen tauchten sie im Hefeteig von Mamas Gugolupf auf. Der Ippachwald (Heft 18, S. 16 und Heft 19, S. 14) Bei dem Wolkenbruch am ersten Festspielsonntag, 20. Juli 1997, haben unsere neuen Forststraßen im Ippachwald ihre große Probe bestanden. Während am Vormittag viele Bäche im Pfändergebiet über die Ufer traten, gab es bei uns nur geringe Schäden an einigen Durchlässen, aber keine Vermurungen. Das gibt Hoffnung für die Zukunft, aber natürlich keine Garantie. Auch am Steußberg kann ein kommendes Jahrhundert-Hochwasser wieder einmal Muren bis ins Tal tragen! Von einer solchen berichten die Gemeinde-Akten aus dem Jahre 1883. Am 19. Juni 1883 war die Alte Bucherstraße, damals die einzige Verbindung nach Buch, an der unteren Katzensteig auf 100 Metern Länge in die Ach hinab gerutscht. Ein gräßliches Bild! Der Schaden dürfte sich hoch in die Tausende belaufen! schrieb Vorsteher J. M. Schertler an den Hohen Landesausschuß. Für das völlig abgeschnittene Buch verlangte Vorsteher Peter Böhler binnen 8 Tagen eine noth far Strasse. Die Gemeinde Wolfurt sträubte sich gegen ein Provisorium. Erst im September legte Landeshauptmann Graf Belrupt einen Plan für eine Tiefertrassierung der Straße vor. Am 3. April 1884 war die neue Straße dann endlich fertig und Buch aus seiner fast einjährigen Isolierung erlöst. Kein Wunder ist es daher, daß sich die Straßenbenützer durch ein Wegkreuz beim Ippa-Brünnele unter Gottes Schutz stellten! (Bild 8 in Heft 19, S. 24). Als die Bergsteiger die alte Straße 1975 wieder als Wanderweg begehbar machten, fand Helmut Heim in den morschen Kreuzbalken ein stark verwittertes Stück Papier, das jetzt im Gemeindearchiv aufbewahrt wird: Dieses Kreuz wurde ... im Jahre 1913 restauriert. / Wilhelm Fischer ... in Angriff genommen ... geführt... daran gearbeitet oder... /Engelbert Köb Malerarbeit / Martin Rohner / Gebhard Mohr / Mathias Geiger / Josef Böhler Küfer u. Oberkaßiner / Wilhelm Fischer ledig im Röhle / Dobler Sepp hat s Kreuz gezimmert / Flaschner Räschle / Der Schwanenwirth J. G. Kalb führt s Kreuz mit Roß herein. 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt, einige davon in beachtlicher Höhe. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den Abgang trägt. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt Das Jahr 1913 ist ein schlechtes Jahr. Die Stickerei geht nicht, der Balkan Krieg ... Obst gibt es heuer keinen Kräften, weil im April alles erfroren ist, also wird s keinen Most geben, man macht lauter Wasserburger. Wolfurt 19. July 1913 Engelbert Köb Maler u. sein Vetter Wilhelm Fischer Mit Tintenblei sind dann noch eigenhändige Unterschriften nachgetragen: / Fidel Schwerzler Zimmermeister / Joh. Martin Mohr Straßenmeister / Wilhelm Fischer Wuhrmeister / Josef Anton Rohner / Josef Schertler Sticker / Anton Fischer Sticker/ WilhelmSchwerzler/ Konrad Lenz Fuhrknecht Ganz genau hat Julius Müller das Bild 11 (S. 30) betrachtet und an Geweih und Ofenrohr herausgefunden, daß es sich nicht um das Imbohüsle im Sustall, sondern um Schwanenwirts Jagdhütte handelt. Diese stand unterhalb der Alten Bucherstraße vor dem Gschliof im Harder Ippach. Das heute beigefügte Bild zeigt die gleiche Hütte mit einigen Familien, die anfangs der 30er-Jahre hierher ihren Sonntagsausflug gemacht haben: Kolumban Thaler, Albert Gasser, Julius Ammann,... Geradezu historisch ist das Bild wegen der Kinder: August Thaler, Seppl Gasser, Stefan Amann mit Postmoastors Daggol,... Erika und Erich Gasser, Herbert (?) Amann, Karl (oder Siegbert?) Thaler. - Die Jagdhütte stand übrigens noch lange nach dem Krieg. Paul Geiger erzählt, daß nach dem großen Murbruch von 1957 die Holzarbeiter hier ihre Küche eingerichtet hätten. Zum ersten Schirennen (Heft 19, S. 27) berichtigt mich Emil Gunz aus BildsteinBereuter: Der Start sei niemals am Schneiderkopf, sondern erst am Waldrand oberhalb des heutigen Gasthauses Dreiländerblick erfolgt. Er selbst habe mit seinen Wolfurter Schifreunden (Winkels Hermann, Gassers Engelbert...) die Rennstrecke über Berüttar und Hoamolitto zur Hohlguß ausgesteckt. Die Neue Bucherstraße (S. 20) wurde in den Jahren 1931 bis 1935 gebaut. Aus dem Gemeinde-Sitzungsprotokoll vom 4. Dez. 1937 geht aber hervor, daß sie erst im Herbst 1937 endgültig fertiggestellt wurde. Vorsteher Hinteregger lud die Arbeiter jetzt zu einer Jause ein. Viele von diesen Arbeitern sind auf dem untenstehenden Bild zu erkennen. Aus Buch u. a. der spätere Bürgermeister Fidel Eberle, Gabrielo Franz, Sinz Anton zum Schwarzen ..., aus Wolfurt Kapeollars Filibert, Hannes Franz, Sammars Eugen, Haldobuob, Büocheles Artur, Büoblars Julius, an Kassiänlar ... . Das Foto wurde 1933 aufgenommen, als sich die beiden Partien beim Roden der Trasse auf halber Strecke getroffen hatten. Bild 2: Ausflug zu Schwanenwirts Jagdhütte im Ippach um 1935 Bild 3: Arbeiter an der Neuen Bucherstraße 1933 4 5 Wie hoch liegt Wolfurt? (Heft 19, S. 39) Ganz kritischen Lesern ist vielleicht aufgefallen, daß ich die Meereshöhe der Schneiderspitze, der höchsten Erhebung unseres Steußberges, auf Seite 41 mit 971 m angegeben habe, in Heft 18 auf Seite 19 dagegen mit 973 m. Was ist nun richtig? Höhenmessung bei Bergen war früher immer ungenau. In meiner Schulzeit vor 50 Jahren gab der Schulatlas beim Piz Buin noch 3316 m und bei der Schneiderspitze noch 973 m an. So habe ich es gelernt. Neue Meßmethoden ergaben seither alle paar Jahre andere Zahlen bei den vielen Bergen auf der ganzen Erde. Maßgebend ist für uns in Vorarlberg stets die letzte Ausgabe der Vorarlberger Schulwandkarte, auch für die Schreibart aller Ortsbezeichnungen. Und dort steht seit etlichen Jahren beim Piz Buin 3312 m, bei der Schneiderspitze aber 971 m. Nachkriegsjahre 1945-1949 (Heft 17, S. 9 und Heft 18, S. 3) Drei sensationelle Bilder überließ uns Frau M. L. Fuchs aus Bregenz. Sensationell deswegen, weil auf dem Besitz und dem Gebrauch einer Kamera damals die Todesstrafe stand. Franz Rohner, den Wolfurtern besser behannt als Kapeollars Fränzle, hielt von seinem Dachbodenfenster aus (Bregenzerstraße 33) den Augenblick fest, als am Morgen des 2. Mai 1945 einer der ersten französischen Panzer von der Brücke her auf den menschenleeren Wälderhofplatz einbog. Das zweite Bild zeigt den Panzer auf der Bregenzerstraße in Richtung Dorf. Ein paar Stunden später machten schon die tirailleures maroccaines, die berittenen marokkanischen Krieger mit Turban und Muli, beim Wälderhof Rast. Bild 4: 2. Mai 1945. Französischer Panzer vor dem Wälderhof. Bild 5: Vormarsch in Richtung Kirchdorf Bild 6: Marokkanische Reiter in Wolfurt 6 7 Siegfried Heim Wolfurter Vorsteher und Bürgermeister Am 1. Oktober 1806 wurde Wolfurt selbständige Gemeinde, aber erst am 1. Oktober 1811 konnte die erste Gemeinds Vorstehung ihre Tätigkeit aufnehmen. 1811-1817 1817 (2 Mon.) 1817-1821 1821-1824 1824 (11 Mon.) 1824-1829 1829-1832 1832-1840 1840-1856 1856-1859 1859-1861 1861-1867 1867-1872 1872-1873 1873-1879 1879-1891 1891-1901 1901-1906 1906-1919 1919-1924 1924-1938 1938-1945 1945-1950 1950-1952 1952-1957 1957-1960 1960-1985 19851. Joh. Georg Fischer (I.) 2. Xaver Flatz 3. Mathias Schneider 4/1 Leonhard Fink 5. Andreas Vonach 6. Bernhard Bildstein 7/1 Joh. Martin Schertler (I.) 4/2 Leonhard Fink 7/2 Joh. Martin Schertler (L), insges. 19 Jahre lang 8. Johann Höfle 9. Joh. Georg Fischer (II.) 10. Josef Halder 11. Johann Mai er 12. Jos. Anton Schertler 13. Joh. Georg Fischer (III.) 14. Joh. Martin Schertler (II.) 15/1 Lorenz Schertler 16. Fidel Kirchberger 17. Ferdinand Köb 15/2 Lorenz Schertler, insges. 15 Jahre lang 18/1 Ludwig Hinteregger 19. Theodor Rohner 18/2 Ludwig Hinteregger, insges. 19 Jahre lang 20. Emil Geiger 21. Alfons Gunz 22. Julius Amann 23. Hubert Waibel, 25 Jahre lang 24. Erwin Mohr Vorsteher und Bürgermeister von Wolfurt Innerhalb des Gerichtes Hofsteig hatten seine sechs Dörfer schon seit dem Mittelalter ein gewisses Eigenleben geführt.' Am 13. März 1806 übernahm Bayern das von Österreich im Frieden von Preßburg abgetretene Land Vorarlberg. Schon am 1. Oktober des gleichen Jahres wurden die 24 alten Gerichte aufgelöst. Die neue bayerische Gerichtsordnung sah selbständige Gemeinden innerhalb von sieben Landgerichten vor. Die Hofsteiggemeinden unterstanden jetzt dem Landgericht Bregenz. In jeder von ihnen sollten ein Vorsteher und zwei Räte gewählt werden. Es dauerte aber volle fünf Jahre, bis in Wolfurt am 1. Oktober 1811 erstmals ein Vorsteher sein Amt antreten konnte. Seither haben nacheinander 24 Männer das Vorsteheramt als hohe Ehre und verantwortungsvolle Aufgabe und manchmal auch als schwere Bürde auf sich genommen. Sie haben Wolfurt von einem Bauerndorf mit 1100 Seelen zur heutigen Marktgemeinde mit fast 8000 Einwohnern geführt. Schlichte Porträts der meisten Vorsteher - seit etwa 60 Jahren führen sie den Amtstitel Bürgermeister - schmücken den Sitzungssaal. Mit einigen Anmerkungen möchte ich ihre Namen und ihre Zeit in Erinnerung rufen. Eine erste Aufzählung versuchte schon im Jahre 1879 der damals neue Schulleiter Wendelin Rädler in seiner Schulchronik.2 Er verließ sich dabei auf die Aussagen des kurz zuvor verstorbenen Fidel Gmeiner im Holz. Der konnte ihm für die vergangenen 70 Jahre alle 13 Namen angeben, allerdings nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Eine zweite Liste stellte 1982 der Journalist Wise Köhlmeier zusammen.3 Nach eingehenden Forschungen im Gemeindearchiv kann ich die auch in der zweiten Liste noch vorhandenen Lücken schließen und eine dritte Reihung der bisherigen 24 Vorsteher mit ihren Amtszeiten vorlegen. Am längsten hatte demnach Hubert Waibel das hohe Amt inne: volle 25 Jahre lang. Er wurde auch als einziger von allen Vorstehern zum Ehrenbürger ernannt. Am nächsten kamen ihm in der Dauer der Amtszeit Ludwig Hinteregger und Joh. Martin Schertler mit je 19 Jahren und Lorenz Schertler mit 15 Jahren. 9 8 Es fällt auf, daß drei von diesen Langzeitbürgermeistern Wolfurt und die anderen Hofsteiggemeinden auch im Vorarlberger Landtag vertreten haben: Hubert Waibel 1964-1984 20 Jahre lang Ludwig Hinteregger 1932-1937 5 Jahre Lorenz Schertler 1919-1923 4 Jahre Zu Joh. Martin Schertlers Zeiten hatte es bis 1861 noch keinen Landtag gegeben. Am allerlängsten, nämlich 24 Jahre, gehörte der aus Lauterach nach Wolfurt ins Wida zugezogene Schmied Josef Greussing von 1945-1969 dem Landtag an. Die Liste der Abgeordneten vervollständigen Manfred Rünzler, 1984-1989, und Dr. Fritz Schuler, Landtagsvizepräsident, seit 1994. Selbständige Gemeinde Wolfurt Sie ist also per Gesetz am 1. Oktober 1806 errichtet worden. Bis dahin hatte sie seit 1802 der letzte Hofsteig-Ammann Franz Josef Dörler von Hard aus verwaltet, wobei ihm aus Wolfurt die Geschworenen Joh. Georg Reiner, Xaver Gmeiner und Joh. Georg Fischer zur Seite standen. Nun schafften bayerische Beamte an. In den folgenden Wirren, die zum Aufstand von 1809 führten, gelang es nicht, die neue Gemeindeordnung in Kraft zu setzen. Daher beglaubigte im Namen der Gemeinde Wolfurt bis 1811 immer noch der zweitletzte Hofsteigammann Joh. Georg Reiner, der Wirt vom Alten Schwanen, die Rechtsfälle beim Landgericht.4 Zur Erstellung der Steuerlisten und zu Rekrutenaushebungen zogen die bayerischen Beamten den schreibgewandten Gotteshausammann Mathias Schneider heran5. Sogar der Schützenhauptmann Jakob Schertler erhielt Aufträge vom Königl. Bairisch. Landgericht. Schneider zählte im Jahre 1807 in Wolfurt 183 Häuser, die nun alle eine neue Hausnummer (B) erhielten. Mit Hilfe von vier Wolfurter Schätzleuten wurden alle Grundstücke im Bayerischen Kataster für die Steuereinhebung erfaßt. Die ebenfalls 1807 durchgeführte Volkszählung ergab 1143 Einwohner, 581 männliche und 562 weibliche. Schon am 15. Nov. 1806 hatten die Bayern die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. 99 ledige Männer standen in Schneiders Listen. Der Reihe nach wurden viele davon nun zu den Soldaten gerufen. Panik brach aus. In überstürzten Massenhochzeiten heirateten 22 Jungmänner, andere flüchteten aus dem Land.6 Jetzt forderte der köngl. bayr. Landrichter Joh. Nepomuk Matz den Schützenhauptmann Jakob Schertler in Unterlinden auf, die abwesenden Rekruten unverzüglich zu stellen.7. Die meisten der eingezogenen Männer starben ein paar Jahre später im Winter 1812 in Rußland. Im April 1809 kam es zum Aufstand gegen die Bayern, der mit einer Niederlage endete. Erst jetzt konnte die Behörde die neue Gemeindeordnung durchsetzen. 1811 wurde erstmals gewählt. Der frühere Hofsteig-Geschworene Joh. Georg Fischer wurde vom königl. bayr. Landrichter als Friedensrichter vereidigt und nahm mit seinen beiden Räten am 1. Oktober 1811 die Tätigkeit in der Gemeinds Vorstehung auf. Bild 7: Mathias Schneider schrieb in seine Chronik (Schneider 2): Pro 1811 den Iten Ocktber hat die Neue Gemeinds Vorstehung angefangen, und dato bey dem Königl Landgericht Bregenz beEidiget worden, alwo das allgemeine Gericht aufgehört hat. Zu Wolfurt Erstens ist als Friedens Richter erwählt Joh. Georg Fischer alt Geschworener) 2ten als Rath ist detto Joh. Zumtobel zu Rikenbach 3ten detto detto Johan Anwander zu wolfurt und als Gemeinds Waibel Kaspar Müller zur Linden. Diese haben alle Wochen jedes mall am Dinstag einen Verhandlungs Tag, jede Parti welche verhandlet wird hat 24 x zu bezahlen. 1. Joh. Georg Fischer (I.) 1811-1817 Geb. 10.6.1760, gest. 18.7.1817 Im Stammhaus der Spetenleher Fischer (Hofsteigstraße 27) war er als einziger Sohn des Martin Fischer (1729-1767) und der Christina Höfle zur Welt gekommen. Seine Sippe besaß damals großen Einfluß. Onkel Johann Fischer (1725-1776) war Kellhof-Ammann gewesen. Der andere Onkel, Löwenwirt Joseph Fischer (1723-1809), hatte sogar durch insgesamt sechs Perioden das wichtige Amt eines Hofsteig-Ammanns ausgeübt. Er hatte 1771 die Kellhofer aus der Herrschaft des Grafen von Hohenems freigekauft. Als Wolfurt seine erste Schule bauen mußte, hatte er als Rickenbacher dafür gesorgt, daß sie im Jahre 1778 nicht, wie sonst allgemein üblich, in die Nähe der Kirche, sondern möglichst weit nach Rickenbach an die Grenze zur Hub kam. Nun, da die Bayern die auseinanderstrebenden Dörfer Wolfurt und Rickenbach zu einer Gemeinde Wolfurt vereinigt hatten, war es des ersten Vorstehers Aufgabe, dieses Band zu festigen. Auch Buch und das mit damals 831 Einwohnern viel größere Bildstein mußten ja zusammen die Gemeinde Berg bilden. Während diese zwei sich aber schon nach wenigen Jahren wieder trennten, hielt die Verbindung in Wolfurt trotz mancher 11 10 Seine Frau Barbara Rohner hatte ihm 13 Kinder geboren. Von ihnen stammen die Schützenwirt-Fischer in Spetenlehen, Fischer Adolfs, Ruperts, Ratzers und die Familien Gmeiner-Mathis, aber auch die Lammwirt- und Sternenwirt-Fischer mit ihren vielen Familien. Zu den Nachkommen des ersten Wolfurter Vorstehers zählen auch die Nagler-Kalb im Tobel, Heims in der Bütze und noch einige andere. Bild 8. Haus Gmeiner-Mathis in Spetenlehen. Das Fischer-Stammhaus war ab 1811 das erste Wolfurter Gemeindeamt. 2. Xaver Flatz 1817 Geb. 10.2.1761, gest. 23.12.1843 Im Juni 1817 trat der zweite Wolfurter Vorsteher sein Amt an. Nach zwei Monaten legte er es bereits im August wieder zurück. Die Bürde der Verantwortung war im Hungerjahr 1817 allzu schwer für ihn. Im Sommer 1816 hatte es wegen des anhaltenden Regens keine Weizenernte gegeben, im Herbst fielen auch Kartoffeln und Mais völlig aus. Im Sommer 1817 vernichteten das höchste im Rheintal jemals verzeichnete Hochwasser und ein Hagelwetter abermals die Ernte. Eine ganz schreckliche Hungersnot war die Folge.9 Da berief die Gemeinde in der höchsten Not den 72 Jahre alten ehemaligen Gotteshaus-Ammann Mathias Schneider an ihre Spitze. Xaver Flatz diente aber noch viele Jahre lang als Gemeindekassier. Zu seiner Zeit gab es in Wolfurt gleich drei Xaver-Flatz-Familien, die alle aus Buch stammten und miteinander nahe verwandt waren. Vorsteher Flatz war an der Kreuzstraße im Dorf geboren worden, besaß zuerst an der Hub das Haus HofSteigstraße 14 (Soalars) und erbaute dann 1818 ein neues Haus, Flotzbachstraße 15 (Ruoschos). Weil seine beiden Kinder früh starben, blieb er auch nach drei Ehen ohne Nachkommen. Die nächsten Verwandten sind die Mohr-Familien, die alle von seiner Schwester Viktoria Flatz abstammen. Schwierigkeiten mit der von Rickenbach so weit entfernten Pfarrkirche seither unverändert. Dazu dürfte neben Vorsteher Fischer - vor seinem Haus in Spetenlehen verläuft nach alter Tradition die Grenze zu Rickenbach - besonders der Einfluß seines Schwagers, des hochangesehenen Schützenmajors Jakob Schertler, beigetragen haben. So lenkte also Vorsteher Fischer Wolfurt durch die kriegerische Bayernzeit. Als Vorarlberg am 7. Juli 1814 zu Österreich zurückgekehrt war, wollte man aber wieder die alte Gerichtsordnung einführen. Am 23. Mai 1816 wählten die Hofsteiger den Schwarzacher Kronenwirt Joh. Georg Haltmeyer zu ihrem allerletzten Ammann. Vergeblich! Kaiser Franz I. ließ die Gemeinden selbständig bestehen. Der gewählte Ammann Haltmeyer in Schwarzach mußte sich mit dem Titel Gemeinderepräsentant zufrieden geben. Noch lange Zeit verwaltete er eine gemeinsame Hofsteiger Kasse und berief jedes Jahr alle sechs Vorsteher zu sich, um mit ihnen neben anderen Problemen die Erhaltung gemeinsamer Brücken, der Ippachstraßen und vor allem der aufwendigen Straße über das Farnach in den Bregenzerwald zu beraten. Vorsteher Fischer erlebte am 4. Juli 1814 den Einzug des neuen Pfarrers Alois Graßmeyer. Dieser war früher Pfarrer von Hörbranz gewesen und dann von den Bayern nach Ingolstadt vebannt worden. Nun kehrte er heim und wurde vom GemeindeAusschuß an der Zollbrücke in Rieden mit Trummel und Pfeifen und fliegenden Fahnen begrüßt. Nach dem Te Deum in der Kirche krachten Böllerschüsse und Salve der Musketen} Es gab also 1814 in Wolfurt schon die Schützen, aber noch keine Blasmusik. Diese entstand erst zwei Jahre später und übte ab 1816 in einem Raum im Gasthof Engel beim Sammer (s Ammanns) Joh. Georg Fischer, einem gleichnamigen Vetter des Vorstehers. Dieser mußte sein Amt wegen einer schweren Erkrankung 1817 abgeben, wenige Monate später starb er, erst 57 Jahre alt, an Lungensucht. 12 3. Mathias Schneider 1817-1821 Geb. 24.2.1745, gest. 20.1.1833 Auf ihn richteten sich im Notjahr 1817 die Hoffnungen der hungernden Wolfurter, denn er war weit über das Dorf hinaus bekannt und allgemein geschätzt. Er stammte aus dem Ammann-Schneider-Geschlecht und besaß ein Haus an der Kirchstraße, dort wo heute Kirchstraße 29 steht. Viele Jahre lang hatte er als Gotteshaus-Ammann die Güter des Klosters Mehrerau bis zu deren Verkauf im Jahre 1807 verwaltet. Maßgebend war er bei der Verteilung der Wälder und des Riedes in Aktion und wurde als Feldmesser auch in die anderen Hofsteiggemeinden geholt. Die Bayern hatten ihm 1806 die Erstellung der Rekrutenlisten und die Vorarbeiten für den Steuerkataster anvertraut. Als Wuhrmeister war er dazu noch für die Dämme an der Ach verantwortlich. 13 Bild 9. Haus Schertler an der Hub. Das 1997 schön renovierte große Rheintalhaus ist eines jener Häuser, die Gotteshaus-Ammann Schneider um 1808 erbaut hat. Hier lebte 100 Jahre später der Vorsteher Lorenz Schertler. Für eine Hochzeit für Sponsalia & Kupelieren und 3mal verkünden Für Versehen durch die ganze Pfarre, für Pfarrer & Meßmer Für jede Heil. Meße, welche bei Besingnißen zu lesen gemacht werden Bei Begräbnißen für Seelgeräth, Begraben und Grab gehen durch 4 Wochen , solle dem H. Pfarrer bezahlt werden und dem Meßmer 2 fl 24 x 15 x 24 x 2 fl 2 x 36 x Nun mußte er sich um die Versorgung der Familien mit Nahrungsmitteln und um die Saat in den Feldern kümmern. Dann organisierte er die Gemeindeverwaltung mit Kassier, Gemeindediener, Schulaufseher, Dorfmeistern, Nachtwächter und anderen Ämtern. Aus seiner Amtszeit sind viele Rechnungsbelege erhalten geblieben, die Aufschluß über die Finanzen der Gemeinde geben. Damals hatte ein Gulden (1 fl) noch 60 Kreuzer (60 x). Ein Taglöhner verdiente pro Tag 30 x, ein Handwerker 40 bis 48 x. Ein Kilogramm Mehl kostete 10 x, ein Liter Milch 4 x. Die Hebamme bekam 50 fl Wartgeld im Jahr. Der Pfarrer erhielt von der Gemeinde jährlich 50 fl Holzgeld, 25 fl 36 x Opferweingeld und 22 fl 30 x Wachsgeld. Dem Vorsteher selbst wurde ein Jahresgehalt von 51 fl ausbezahlt, dazu aber noch Dieethen anläßlich der vielen Gänge zum Landgericht nach Bregenz. In der kleinen Schule an der Hofsteigstraße unterrichteten zwei Lehrer in zwei Stuben fast 200 Kinder. Für die Unterweisung seiner 94 Schüler in der zweiten Klasse erhielt Oberlehrer J. Gg. Müller 1818 ein Jahresgehalt von 121 fl. Unterlehrer Rochus Sohn bekam für 96 Schüler in der ersten Klasse nur 71 fl. Kein Wunder, daß er bei der ersten Gelegenheit kündigte und eine Stelle als Gerichtsdiener in Bregenz annahm! In einer gemeinsamen Sitzung mit Representant J. Gg. Haltmeyer, Vorsteher Jakob Flatz von Schwarzach und einigen Deputierten wurden in der Behausung des Pfarrers Aloys Graßmeyer 1818 die Stohlgebühren festgelegt, die dem Pfarrer zustanden. Einige davon waren: Für Taufen eines Kindes dem Pfarrer & Meßmer 36 x 6x detto für Aussegnung einer Kindbetterin Pfarrer & Meßmer 14 Im Jahre 1819 schickte Vorsteher Schneider eine Zählung an das Landgericht. Darin wies er ganz genau 194 Häuser mit 7705 Seelen aus. Bei den Tieren zählte er 75 Pferde, 245 Kühe und 10 Ziegen, keine Ochsen, keine Schafe, keine Schweine! Also im Durchschnitt fast 6 Personen in jedem Haus und meist nur eine Kuh! Auch nachdem er nach vier Vorsteherjahren 1821 zurückgetreten war, half Schneider den Nachfolgern noch häufig beim Schriftverkehr mit den Behörden und führte die Steuerbücher. Seine Erinnerungen hielt er in einem großen Notizbuch Märckwürdige Begebenheiten fest, das uns als wertvolles Zeitdokument überliefert geblieben ist.10 Ganz außergewöhnlich ist die Bemerkung, die Pfarrer Barraga über ihn nach seinem Tod im Jahr 1833 in ein Pfarrbuch schrieb: Er war klug, verständig, geschickt und fromm!" Mathias Schneider war zweimal verheiratet und hatte 18 Kinder. Für sie baute er drei damals besonders große und schöne Häuser: Rädlers (Kellhofstr. 6), Schertlers (Flotzbachstr. 11) und den Hirschen (Kirchstr. 31). Außerdem kaufte er für seinen Sohn Lorenz das Sammüllerhaus (Kellhofstr. 5). Heute leben in Wolfurt noch zahlreiche Schneider-Nachkommen12, den Namen Schneider tragen aber nur mehr die vielen ausgewanderten Kindeskinder in Amerika und in Augsburg. In Saskatchawan, Kanada, ist 1997 über diese Schneider aus Wolfurt und ihre Herkunft ein Buch erschienen.13 4/1 Leonhard Fink 1821-1824 Geb. 5.2.1777, gest. 21.4.1860 Als Schneiders Nachfolger wurde im April 1821 mit Leonhard Fink wieder ein Rickenbacher gewählt. Er stammte vom Sulzberg und hatte 1818 die Adlerwirtin Katharina Haltmayer als deren dritter Ehemann geheiratet. Schon ihr zweiter Mann, der Lehrer Johann Zumtobel aus Dornbirn, hatte als Adlerwirt die Rickenbacher im Gemeinderat vertreten. Sofort nach der Hochzeit war auch Fink Gemeinderat und nach drei Jahren nun Vorsteher geworden. Unter die vielen Aufgaben, die er zu lösen hatte, fallen die Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Schwarzach, das damals eine eigene Pfarrei errichten wollte. Und Pfarrer Thomas Geiger von Bildstein wollte die jährlichen Stolgebühren des Habers, des Weihnachts Kreuzers und der 2 Pfingstpfennige auch nicht mehr an die Kirche Wolfurt zahlen, wie es seine Vorgänger seit der Pfarrwerdung 1790 immer brav getan hatten. 15 Bild 10. Der Adler in Rickenbach. Mehrmals waren Adlerwirte auch Gemeindevorsteher. Dann richteten sie hier auch das Gemeindeamt ein. Umgekehrt zahlte Vorsteher Fink immer noch jedes Jahr 3 fl 20 x, die Zehdengarben, an den Pfarrmeßner von St. Gallus in Bregenz, wie es schon 1512 (!) ausgemacht worden war. Alle Ausgaben für Reparaturen an Kirche und Pfarrhof trug damals noch die Gemeinde. Aus Sulzberg hatte Vorsteher Fink 1822 seine betagten Eltern nach Wolfurt geholt, wo sie nahe der Kirche auf dem Bühel (Oberfeldgasse 3) bei ihrer Tochter Katharina Flatz wohnten. Hier hat wohl Vater Joh. Georg Fink seine Sulzberger Chronik fertiggestellt, über die Kreishauptmann Ebner berichtet14. Vater Fink ist dann ganz plötzlich am 27. Juli 1823 bei einem Sturz über die Kammerstiege im Adler gestorben15. verschwägert sein durften. Empfohlen wurden als Revisoren Gegner des Vorstehers oder ein Alt-Vorsteher16. Bei der Wahl Vonachs war wieder die Macht des Geldes und einer mächtigen Verwandtschaft zum Tragen gekommen. Er stammte aus der Flötzer-Vonach Familie an der Ach, die mit den Ammann-Sippen der Fischer und der Schneider mehrfach verschwägert war. Sein Vater Anton Vonach hatte die reiche Witwe Franziska Rohner geheiratet und war dadurch Wirt im großen Gasthof des Ammanns Jerg Rohner (Kreuzstraße 1, abgebrannt 1869) geworden. Hier war nun Andreas Vonach mit 2 Pferden und 5 Kühen'7 der weitaus größte Bauer im Dorf. Zu seinem Hof gehörte auch seit 1731 der Kleine Brunnen als zweiter Dorfbrunnen. Nur elf Monate blieb Vonach bis zum Dezember 1824 im Amt. Mag sein, daß ihm der Vorsteher-Gehalt von 51 fl samt den Extra Dieethen von 29 fl, deren Empfang er am 11.12.1824 bestätigte, Mühe und Ärger des Amtes nicht aufwogen. In seine Amtszeit fällt ein hoher Besuch in Bregenz. Am 6. Juli 1824 rückten die Wolfurter Schützen zur Paradierung bei S. K. K. Hocheit Prinzen von Österreich aus. Es handelte sich um Erzherzog Franz Karl, den Vater des späteren Kaisers Franz Joseph I: Für diesen Ausmarsch zog der Schützenhauptmann Andreas Klocker bei der Gemeinde 44 fl ein. Auch die Mußigkanten von Wolfurt erhielten 24 fl 24 x. Also Schützen und Musikanten schon damals gemeinsam! Von Vorsteher Vonachs elf Kindern stammen die Flötzer-Vonach im Frickenesch und die Tobler-Schwerzler, aber auch die Ölz in Dornbirn und die Tizian in Bregenz. 6. Bernhard Bildstein 1824-1829 Geb. 20.4.1785, gest. 24.11.1840 Auf den reichen Vorsteher Vonach folgte mit Bernhard Bildstein wieder ein Dörfler. Er war das elfte von 13 Kindern des einzigen Wolfurter Krämers Crispin Bildstein in Hanso Hus neben der Kirchenstiege am Dorfplatz. 1806 hatte er Magdalena Dörler aus Hard geheiratet und mit ihr sein neues großes Haus in der Bütze bezogen (Schellings, Bützestraße 15). Gute Zeiten waren in das Land eingezogen, Krieg und Hungersnot überwunden. In fast jedem Haus klapperte ein Webstuhl. Man wob seit ein paar Jahren kaum mehr Leinen aus selbst angebautem Flachs. Aus der Schweiz brachten jetzt Fergger die aus Amerika eingeführte Baumwolle. In Lohnarbeit fertigten die Weber daraus feine Tücher, vor allem die zarten und kostbaren Musselin-Stoffe. Reich wurden davon allerdings nur die Fergger, etwa die Blattmacher-Schneider, die Fabrikanten-Gmeiner und die Haltmayer-Wirte in Rickenbach. Aber auch das Handwerk hatte jetzt goldenen Boden. In rascher Folge wurden Röhle, Ach und Bütze besiedelt. Auch Rickenbach wuchs bis in den Schlatt-Sumpf hinaus. In drei großen Ziegeleien an der Ach brannten die Schertler, die Dür und die Klocker den im Flotzbach gegrabenen Lehm zu Ziegeln und die im Bett der Ach gesammelten 17 5. Andreas Vonach 1824 Geb. 29.11.1777, gest. 1.7.1850 Im Jänner 1824 übergab Vorsteher Fink die Gemeindeakten mit einer genauen Aufstellung an seinen Nachfolger Vonach. Dieser war nach der neuen österreichischen Gemeindeordnung gewählt worden, die alle drei Jahre Neuwahlen vorsah. In Landgemeinden mußte jeder stimmfähige Bürger Mann für Mann persönlich seine Stimme für die Vorsteher- und für die Gemeindedienerwahl abgeben. Nur in den Städten war ausnahmsweise eine doppelte Wahl erlaubt. Hier wurden zuerst Wahlmänner und dann durch diese der Vorsteher gewählt. Mit dem Vorsteher bildeten die zwei nächstgereihten Gemeinderäte und der Gemeindediener den Gemeindeausschuß. Ein Gemeindekassier zog alle Gemeindegelder ein und bezahlte die Rechnungen. Dem Vorsteher war das ausdrücklich verboten. Die Gemeinderechnungen mußten von gewählten Revisoren überprüft werden, die zum Vorsteher weder verwandt noch 16 Steine zu Kalk. Zahlreiche Fuhren von Wolfurter Ziegeln gingen in die Schweiz und über den See und brachten viel Geld ein. Im Jahre 1826 spendierte Vorsteher Bildstein den Bregenzer Kapuzinern 700 Wolfurter Ziegel für ihr Klosterdach. Zwischen der unteren Straße und der Lauteracher Kirche dehnte sich aber immer noch ein riesiges Getreidefeld aus. Noch war die Ernte von Dinkel und Hafer die Grundlage der Ernährung. Der Anbau von Bodobiora nahm aber zu und allmählich verdrängte auch das Türggo-Mehl beim täglichen Stopfar und beim Hafoloab das Dinkelmehl.18 Über Anordnung des Landgerichts schaffte die Gemeinde am 18. Juli 1825 für 1 fl ein sehr gut gestochenes Siegel an, das seither die Akten zierte. Ein altes Siegel war aber auch noch vorhanden. Im Herbst 1826 grassierte die Angst vor der Tollwut. Der Vorsteher mußte den Bregenzer Waasenmeister rufen. Dieser erschoß an vier aufeinander folgenden Tagen 37 der Wuth verdächtige Katzen und zog dafür außer dem Taglohn von je 40 x auch noch 4 x für jeden Schuß ein. In den nächsten Tagen mußte er alle frey herumlaufenden Hunde erschlagen. Auch der Wolfurter Jäger Lorenz Klocker verrechnete für ein Pfund Pulver 48 x, für zwei Pfund Schrot 32 x, dazu drei Taglöhne zu je 40 x, zusammen also 3 fl 20 x. Am 2. September 1828 zog der neue Pfarrer Franz de Barraga ein. Dessen missionarische Bestrebungen führten schnell zu argen Differenzen mit der Gemeinde. Eigenmächtig und gegen den Willen des Vorstehers ordnete er für den Winter 1828/29 die Erstellung einer dritten Klasse in der Scheune des alten Schulhauses an. Die Gemeinde sollte dafür bezahlen. Mit Hilfe des Landgerichts setzte der Pfarrer seine berechtigte Forderung durch. Bereits seit 1806 galt in Österreich nämlich 80 als höchste zulässige Schülerzahl, die nur in Ausnahmsfällen überschritten werden durfte. Wolfurt hätte längst eine zusätzliche Klasse gebraucht. Die dritte Klasse blieb bestehen und machte natürlich ab jetzt auch die Besoldung eines weiteren Unterlehrers notwendig. Als der Pfarrer gar scharf gegen die Wirtshäuser predigte, setzte ihm der Vorsteher das Opferweingeld auf die Hälfte herab. Bald danach trat er aber zurück. Im Jänner 1829 wurde mit Joh. Martin Schertler ein neuer Vorsteher gewählt. Dieser suchte zwischen dem Pfarrer und dem Alt-Vorsteher zu vermitteln. Es kam zu einer Aussprache, allwo der Pfarrer davon geloffen. Am 19. Jänner 1829 übergab Bildstein das Amtsinventar an Schertler. Da wurden in der Bütze Bücher und Kisten aus der Stube auf einen Wagen geladen und zu Schertlers Stube in Unterlinden geführt, die ab jetzt als Kanzlei dienen mußte. Das Protokoll ist erhalten geblieben.19 Es umfaßt in 67 Punkten Hunderte von Aufträgen, Cirkularen, Gmeinds Rechnungen, Kapital Briefe, Weisen-Bücher, Steur & andere Bücher, aber auch ein harthölzerner Komothkasten samt schreibpolt mit zwey kleinen & sechs grosen Schubladen Bild 11: Strohdorf und Hub auf der Negrelli-Karte von 1826. 1. Gasthof Sternen 2. Erste Volksschule 3. Platz des heutigen Rathauses 4. Platz der heutigen Hauptschule, damals ein Getreideacker. eine Mit Eisen beschlagene Kisten in welcher zehen & drei alte Bücher sind zwey Gmeinds Singnet (Siegel) ein Müntzsorten Verzeichniß ein Messerner (aus Messing) Einsatz mit Wiener gewicht ein & ein halben Bayerischen Metzen (Getreidemaß) mit Eisen beschlagen ein & ein halb Bayerische Maaß aus Sturz (aus Weißblech). Demnach fühlte sich der Vorsteher immer noch, wie einst im Mittelalter, auch für die in der Gemeinde von Kaufleuten und Wirten verwendeten Maße, Gewichte und Geldsorten verantwortlich. Bildstein zog sich weitgehend aus der Gemeindepolitik zurück. Ein Jahr vor seinem Tod erbaute er 1839 noch für seinen Sohn Franz das schöne Haus Bützestraße 10 (Königs). Franz Bildstein verkaufte es aber bereits 1853 an Martin Dür, den Vater der später hier geborenen ersten Autofahrerin Düro Franzele. Bildstein wanderte nach Amerika aus und baute in der Nähe von New Ulm in Minnesota eine große Farm auf.20 Die Kinder von Vorsteher Bildsteins Tochter Magdalena übersiedelten nach Weiler und verkauften das Elternhaus (Schellings) ebenfalls. 18 19 7/1 Joh. Martin Schertler 1829-1832 Geb. 6.2.1793, gest. 18.6.1856 In der großen Familie des weit über Wolfurt hinaus geschätzten Schützenmajors Jakob Schertler und seiner zweiten Frau Maria Anna Fischer, einer Schwester des ersten Wolfurter Vorstehers, waren in der Schar der 14 Kinder zwei besonders tüchtige Söhne herangewachsen. Josef Anton Schertler (1791-1867) erhielt schon 1825 die verantwortungsvollen Aufgaben eines Gemeindekassiers übertragen. Der Ziegelfabrikant wurde der Begründer der großen Sippe der Röhle-Schertler, zu denen auch die Säge-Schertler in Kennelbach, die Sonnenwirt-Schertler in Schwarzach und die Kalkwerk-Rädler vom Wälderhof zählen. Den jüngeren Bruder Joh. Martin Schertler wählten die Wolfurter 1829, als es Probleme mit Pfarrer Barraga gab, zu ihrem Vorsteher. Schertler suchte nach allen Seiten zu vermitteln. Seine Arbeit fand bei den vorgesetzten Behörden Anerkennung. Den Streit um den Standort der geplanten Kirche vermochte er aber nicht zu schlichten. Dazu trug wohl bei, daß mit dem Maler Ferdinand Schneider (Kirchstraße) und dem Fergger und Blattmacher Jakob Schneider (Kellhofstraße) zwei Dörfler die AusschußPlätze als Gemeinderäte besetzten und Rickenbach dort gar nicht vertreten war. Schertler mußte also jetzt die Volksschule dreiklassig führen. Er stellte als Lehrer Gebhard Höfle, Jakob Müller und Ferdinand Stülz an. Zu den großen Kosten zählte damals noch die Erhaltung der Farnacher Straße in den Bregenzerwald. 30 bis 50 Gulden waren jedes Jahr zu bezahlen. Standesrepräsentant Haltmeyer verrechnete die Kosten ganz genau. So traf es z. B. 1831 auf Wolfurt 46 fl 46 1/2 x. Halbe Kreuzer! Um das Jahr 1830 begann man unter Anleitung von Kreisingenieurs-Adjunkt Alois Negrelli mit der Erstellung eines zweiten Dammes im Staudenvorland an der Ach. Innerhalb der heutigen Dammstraße konnte dadurch wertvoller Boden gewonnen werden. Der Kirchenstreit - darüber berichtet ein eigener Beitrag - führte im Jahre 1832 zum Umsturz in der Gemeinde. Ein Rickenbacher wurde Vorsteher. Das Landgericht setzte aber Alt-Vorsteher Schertler als Leiter des Kirchenbaus ein. So gut machte er seine Sache, daß ihn Ingenieur Kink im Kollaudierungsprotokoll von 1835 lobte: ... daß man diese entsprechende Bauausführung... der ununterbrochenen Wachsamkeit und sorgfältigen Nachsichtspflege des Bauaufsehers Schädler und des Inspizienten Matt zu verdanken hat... Aber Schertlers große Zeit als Vorsteher folgte erst später in seiner zweiten Periode ab 1840. 4/2 Leonhard Fink 1832-1840 Geb. 5.2.1777, gest. 21.4.1860 In ganz schwieriger Situation übernahm also der Rickenbacher Adlerwirt, der schon 1821-1824 Vorsteher gewesen war, noch einmal dieses Amt. Ganz sicher hatten seine kämpferisch vorgetragenen Argumente für einen anderen Kirchenstandort ihre Berechtigung. Die neue Kirche sollte in der Mitte der langgezogenen Gemeinde stehen. Sie würde ideal zu dem schon 50 Jahre früher dort erstellten Schulhaus passen. Die Rickenbacher Kinder sollten nicht wie Stiefkinder behandelt werden, die auch bei rauher und kalter Witterung einen gar weiten Weg auf sich nehmen müssen. Täglicher Meßbesuch vor Beginn des Unterrichts war ja damals Pflicht. Als sich aber schließlich die Behörden doch für den alten Standort entschieden, mußte Vorsteher Fink die Finanzierung übernehmen und den ungeliebten Kirchenbau organisieren. Weitere Aufgaben warteten. Eine der größten war die Bekämpfung der Schadensfeuer, die so oft die durch offene Herdstellen gefährdeten alten Holzhäuser vernichteten. Schon 1834 verlangte das Landgericht die Anschaffung einer fahrbaren Feuerspritze. Die Gemeinde wehrte sich vorerst mit Hinweis auf die Kirchenbaukosten und die noch fehlenden drei Altäre. Schließlich ließ sie aber doch durch den 1835 zugewanderten Drechsler und Mechaniker Carl Zuppinger eine Spritze anfertigen. Nach deren Überprüfung durch das Kreisamt bezahlte die Gemeinde im Juli 1838 die verlangten 750 Gulden. Noch im gleichen Jahr erließ der Vorsteher eine umfangreiche Feuerordnung21. Danach sollten im Brandfall jeweils der Vorsteher, die beiden Ausschüsse oder die gewählten Dorfmeister die Leitung der Löscharbeiten übernehmen und schleunigst die notwendigen Anordnungen treffen. Neben Alt-Vorsteher Schertler wurden etliche Schmiede und Schlosser zu Maschinisten der neuen Fahrfeuerspritze bestimmt, die sie von Hand an den Brandplatz ziehen sollten. Falls man die Spritze mit Pferden in andere Ortschaften ausführte, hatte Schertler dafür zu sorgen, daß das Gefährt nicht durch aufsitzende Männer überladen wurde. Bei einem Auswertigen Brandlermen soll dem ersten Paar Pferdt für ihren Eifer und Thätigkeit 2 fl 42 x, und dem anderen Paar 2fl, und dem 3ten Paar 1 fl zum Voraus vergütet werden. Das dritte Paar mußte Feuerhaken und Feuerleitern nachführen. Von den zwei alten Tragspritzen wurde die eine dem Schmied Lorenz Dür im Röhle anvertraut, die andere dem Schmied Joseph Böhler in Spetenlehen. Eine Reihe von Nachbarn wurden zur Bedienung bestimmt. Der Meßmer wurde verpflichtet, bei Ausbrechenden Feuersbrünsten Lermen zu leuthen. Den Brunnenmeistern im Dorf und in Rickenbach wurde aufgetragen, ihre Feuerweyer und Feuerbronnen in guter Ordnung zu halten. Außerdem waren der Müller im Holz, 21 20 Zuppinger zur Linden (Draiars Weiher) und der Müller zu Rickenbach verhalten, ihre Weyer auf der Stelle loos zu lassen. Bei sechs Wasserfallen konnten die Dorfbäche für die Feuerspritzen aufgestaut werden. Zur Sicherheitswacht wurden in Wolfurt (d. i. das Kirchdorf), in der Mitte im Dorf (Strohdorf) und in Rickenbach je zwei Männer bestellt. Andere hatten für die geflüchteten Wahren zu sorgen. Weitere 16 Männer, meist Holzer und Flötzer, wurden zu Zabinnen u. Flozer Haken bestimmt. Schließlich wurden mit Lorenz Schneider zu Wolfurt (Sammüllers) und Joh. Georg Reiner zu Steig bei Rickenbach noch zwei Feuerreiter aufgestellt, die Alarm zu schlagen und Meldungen zu überbringen hatten. Alle übrigen wurden verpflichtet, ihre Feuerkübel oder auch andere Schöpfgeschiere mit sich zu nehmen und sich am Brandplatz zur Verfügung zu stellen. Diese Feuerordnung wurde am 10. Dezember 1838 dem Landgericht zu Kenntnis gebracht. Über 50 Jahre lang hatte sie Gültigkeit, bis im Dezember 1889 durch die Gemeinde eine Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Eine ganz entscheidende Veränderung im Erwerbsleben der Wolfurter Gemeindebürger fällt ebenfalls in Finks Vorsteherzeit. Im Jahre 1836 hatten die Harder Textilfabrikanten Jenny und Schindler in Wolfurt angeklopft. Sie wollten die Wasserkraft der Bregenzerach für eine große Spinnerei-Fabrik nützen. Die Wolfurter lehnten glatt ab. In Fabriken sahen sie eine große Gefahr für die Hausweberei, die damals unter dem Konkurrenzdruck schon arg angeschlagen war. Da bauten Jenny und Schindler 1837 einfach drüben in Kennelbach, wo es allerdings an Arbeitskräften mangelte. Kennelbach war ja damals eine Parzelle der Gemeinde Rieden. Es hatte nur 156 Einwohner, acht mal weniger als Wolfurt. Arbeitslose Weber mußten nun froh sein, jenseits der Ach für einen Arbeitstag von 13 (!) Stunden wenigstens 30 Kreuzer zu verdienen. Auch Schulkinder wurden während der langen Ferienzeit in der Fabrik angestellt. Als Aufstecker erhielten sie allerdings nur 12 Kreuzer pro Tag. Dafür konnte man gerade ein Kilogramm Mehl und einen halben Liter Milch kaufen. Als bei der nächtlichen Heimfahrt von der Arbeit am 24. April 1839 das mit 30 Personen überfüllte Fährschiff kenterte, ertranken zwei Jungfrauen und fünf Kinder. Der jüngste war der 7jährige Franz Xaver Geiger von der Kreuzstraße im Kirchdorf. Mit 7 Jahren nachts auf dem Heimweg von der Fabrik! Am anderen Morgen um 5 Uhr hätte er dort drüben wieder anfangen müssen! - Noch im gleichen Jahre bauten die Fabrikanten einen Holzsteg über die Ach. Im Jahre 1839 ließ Vorsteher Fink mehrere Bauten ausführen. Im Schulhaus wurde der Schopf untermauert, um Platz für die Fahrspritze zu schaffen. Dazu wurde ein Gestell zum Aufhängen der Schläuche errichtet. Gleichzeitig wurde der Pfarrhof für den schon 1836 eingezogenen Pfarrer Josef An22 Bild 12: Fabrik Kennelbach und Fabriksbrücke. Der hölzerne Steg wurde erstmals 1910 und dann endgültig 1932 weggerissen. ton Hiller renoviert. In die Pfarrküche wurde sogar - wohl erstmalig in Wolfurt! - ein Kuchelferger, ein Wasserabgießbecken aus Stein, eingemauert. Zum neuen Pfarrer hatte Vorsteher Fink ein ausgezeichnetes Verhältnis. Am 24. Jänner 1839 stiftete die Gemeinde unter seiner Vorstehung eine Kaplanei. Pfarrer, Vorsteher und die beiden Ausschüsse sammelten von Haus zu Haus das notwendige Kapital. Noch im gleichen Jahr begann die Gemeinde mit dem Bau des Kaplanhauses, in welches als erster im April 1840 Kaplan Gebhard Gorbach aus Bregenz einzog.22 Ab jetzt gab es zwei Sonntagsmessen. In allen kirchlichen Belangen und beim Religionsunterricht in der Schule konnte der Pfarrer seine Arbeit mit dem Kaplan teilen. Fast 150 Jahre lang! Bis im Jahre 1985 der letzte Kaplan German Amann Pfarrer wurde und die Kaplanstelle wegen des Priestermangels nicht mehr nachbesetzt werden konnte. Gemeinsam mit Pfarrer Hiller führte Vorsteher Fink 1839 wieder einmal eine Volkszählung durch: 230 Häuser, 236 Familien, 1311 Familienmitglieder und 21 Dienstboten. Zusammen 1332 Einwohner, 621 männlich, 711 weiblich. 16 sind Fremde aus Österreich, 14 weitere aus dem Ausland. Nach insgesamt elf Jahren gab Leonhard Fink 1840 das Vorsteheramt ab, doch blieb er der Gemeinde noch viele Jahre in verschiedenen Aufgaben verbunden. Den Adler übernahm 1844 Josef Anton Fischer, Sammers aus dem Engel, der Finks Stieftochter Katharina Zumtobel geheiratet hatte. Sie begründeten die Sippe Altadlerwirt-Fischer, die bald wieder einen Vorsteher stellen sollte. Alt-Vorsteher Fink starb ohne eigene Nachkommen als 83jähriger 1860. 23 7/2 Joh. Martin Schertler 1840-1856 Geb. 6.2.1793, gest. 18.6.1856 Als Vorsteher hatte Schertler 1832 wegen des Kirchenstreites dem Adlerwirt weichen müssen, aber schon bald stand er wieder an dessen Seite im Ausschuß. Bei wichtigen Beschlüssen wie Feuerordnung oder Kaplaneistiftung wirkte er entscheidend mit. Nun wurde er im Mai 1840 selbst wieder zum Vorsteher gewählt und am 17. Mai 1840 beim Landgericht in Bregenz vereidigt. Zudem übernahm er die Leitung der Blasmusik als Nachfolger von Steinhauer Andreas Rohner, der sie seit ihrer Gründung dirigiert hatte. Als am 29. Mai 1841 die Ganze Mußickgesellschaft bei der Ankunft das Gouverneurs Klemenz gespielt hatte, holte Kapellmeister Schertler dafür beim Gemeindekassier 24 Gulden ab. Der Pfarrhof erhielt 1841 endlich einen Brunnen. Der Maurer Gebhard Dür mauerte die Brunnenstube und Josef Anton Lenz lieferte die Täüchel, jedes der hölzernen Rohre für 34 x. Im November 1842 rechnete der Maler Kolumban Schneider ab:... im Monathe August 1842 Die Häuser im ganzen Dorf numeriert - die Nr für 4 x beträgt für 252 Häuser 16 fl 48 x. So stark hatte die Häuserzahl zuletzt zugenommen, daß man sich 1842 zu einer neuen Durchnumerierung der Häuser veranlaßt sah. Kolumban Schneiders Großvater Anton Schneider hatte 1784 die ersten 155 Nummern (A) aufgemalt. Bei den Bayern waren es 1807 schon 183 gewesen (B). Nun also 252 Hausnummern (C) von der Höll bis zum Schlatt. Sie sollten bis zum Jahre 1900 halten, als bei der vierten Numerierung Putzers Haus im Schlatt mit 290 die höchste Nummer (D) erhielt. Für jedes Haus bezahlte die Gemeinde seit langer Zeit jedes Jahr an die Stadt Bregenz pauschal je 15 x Zoll für die Benützung der Achbrücke in Lauterach. Schwerer lasteten die großen Kosten für die 1838 eröffnete neue Wälderstraße durch das Schwarzachtobel auf der Gemeindekasse, bis auch dort Zoll eingehoben werden durfte. Der Jahresgehalt des Vorstehers wurde erstmals 1845 auf 75 Gulden erhöht, weil die Einwohnerzahl auf über 1500 gestiegen war. Der Kammacher (Kampler) Josef Mohr, der Ururgroßvater unseres derzeitigen Bürgermeisters Erwin Mohr, erhielt als Gemeindediener jetzt 60 Gulden. Dagegen bekam der Lehrgehülf Jakob Müller, nun 43 Jahre alt und bereits seit 25 Jahren als Unterlehrer an der Volksschule im Dienst, am 6. Mai 1848 für den abgelaufenen Winterkurs nur 41 Gulden. Nur mit Nebenverdiensten konnte er sein Hungerleiderleben fristen. So bezog er etwa am 6. Hornung 1848 sechs Gulden für gelieferte Buschein zur Beheizung des Schulzimmers. Das war der ortsübliche Preis für 300 Buschein. Auch der Vorsteher selbst lieferte noch im gleichen Jahr 100 weitere Buschein für zwei Gulden an die Schule. Meist wurde dort aber mit Torf geheizt. Ganze sechs Gulden gab der Kassier aus für gegrabene gederte23 und aufgeladene Schollen zum Heizen der Schulöffen, 9 fuder a 40 x. Wie muß es wohl in den überfüllten Schulstuben geduftet haben, wenn auch noch ein Torffeuer mottete! In diesen Jahren war bittere Not im Dorf eingekehrt. Es gab kaum Arbeit und kaum mehr ein geregeltes Einkommen. Der Vorsteher war laufend mit Schätzungen und Pfändungen durch das Landgericht und durch die Advokaten beschäftigt. Aus nichtigen Anlässen wurden Möbel, Kleider, Arbeitsgeräte, aber auch Grundstücke und ganze Häuser versteigert. Seit dem Revolutionsjahr 1848 - in Wien hatte auch der Wolfurter Kunststudent Gebhard Schneider am Studentenaufruhr teilgenommen - lastete ein fast unerträglicher Behördendruck auf den einfachen Leuten. Nicht zu Unrecht fürchteten junge Burschen die Einberufung in einen der blutigen Kriege, die die Monarchie von allen Seiten bedrohten. Als erste flüchteten 1851 Ferdinand Heim vom Oberfeld und Franz Xaver Schneider aus Rickenbach nach Amerika. Ihre Briefe lösten eine gewaltige Auswanderungswelle aus.24 In den folgenden 20 Jahren bis 1872 suchten 200 Wolfurter ein neues Glück in den USA. Das waren 13 % der 1500 Einwohner. Manche brachten es im Wilden Westen zu Grund und Wohlstand. Viel mehr blieben verschollen. Nur ein einziges Mal hatte es Vorsteher Schertler mit Rückwanderern zu tun. In einer auf den 23. Februar 1854 eigens einberufenen Sitzung nahm er den ehemaligen Blattmacher Jakob Schneider mit seiner unglücklichen Frau Juditha, beides Nachkommen des reichen Vorstehers Mathias Schneider, wieder als Gemeindebürger in Wolfurt auf25. Allerdings mußten sie das übliche Einbürgerungsgeld bezahlen. Einbürgerungsgeld und Weibertaxe hatte es nach dem Hofsteigischen Landsbrauch zur Verhütung von Überfremdung schon seit dem Mittelalter gegeben. Mit Beschluß vom 29. Juni 1852 formulierte die Gemeindevertretung beides neu26: 1. Solte sich ein Gemeindsangehöriger um die Heurathsbewilligung ansuchen, u. mit einer fremden Weibsperson verehelichen wollen, so wurde vom Ausschuß festgesetz, daß eine solche fremde Weibsperson sich mit einem Gerichtlich Bestättigten Vermögen per 400 fl Sage in Worten Vier Hundert Gulden Rw. ausweise u. nöthigen fals dafür Bürgschaft zu leisten, bevor sie in der Gemeinde angenommen wird. 2. Nach dem früheren Gemeindebeschluß, Soll eine fremde Mannsperson, der sich in die hießige Gemeinde verehelichen oder ansäßig machen will, so hat derselbe an die Gemeinde, oder an den hiesigen Lokallarmenfond 50 fl Sage fünzig Gulden zu bezahlen. 3. Des gleich auch, wen eine Fremde Weibsperson, wen sie als Gemeindsbürgerin aufgenomen wird, Zwanzig u. fünf Gulden Rw. an den hiesigen Lokalarmenfond zu bezahlen, bevor ihr die aufnahm als Gemeindsbürgerin aufgenommen wird. (Die vielen Rechtschreibfehler möge der Leser dem Gemeindeschreiber in Anbtracht der damals sehr mangelhaften Schule nachsehen!) In den Jahren 1849 und 1850 hatte der junge Kaiser Franz Joseph zur Unterdrückung aller etwaigen liberalen Regungen ein ganzes Armeekorps mit 6000 Mann nach Vorarlberg verlegen lassen. Obwohl die Not dieser Zeit durch die Einquartierung der vielen meist fremdsprachigen Truppen noch gesteigert wurde, begann man ab dem Jahre 1850 den Fasnat-Zistag 21 jeweils mit Theater und Umzug zu feiern. Tragisch 25 24 mutet uns heute an, daß dabei die Armut der Weber noch zur Zielscheibe derben Spottes gemacht wurde. Daß es in der Fasnat auch zu Differenzen mit den fremden Soldaten, ja sogar zu Tätlichkeiten gegen den Vorsteher kam, erfahren wir aus den Lebenserinnerungen des Chronisten Ferdinand Schneider28: Von den Fastnacht-Spiele erstes im Jahr 1850. Das erste das ich gesehen habe wurde gespielt „Hans im Glück". Wehinger Mechaniker war Hans im Glück mit einem gewaltigen Goldklumpen, brachte es mit Handeln und Schachern zu einem schleiffer Karren, der ihm noch da er Waßer trinken wollte am Brunnen im Schwanen hineinfiel; dann war noch ein Leinenweber auf einem Wagen mit vielen Kindern sehr arm, es war fulgo Berüthers Hannesle der das das Geschäft gut versteht, dann ein Gerichtsschreiber der dem armen Weber alles zur Versteigerung aufgeschrieben hat, seine Frau & Kinder bettelten es war eine lustige Cumödi. auch hatte man eine ausgestopfte Kuh auf einem Wagen sehr intreßant, wieder auf einem andern Wagen eine Weiber Mühle, wo man alte Weiber jung gemahlen hatte, es war zum tod lachen wann man so eine alte Schachtel durch die Mühle lies und dann so eine schöne Jungfrau herausnahm Dann wieder auf einem andern Wagen eine Räuberhöhle, der Glaser auf dem Büchel war Hundsattler oder Räuber-Hauptmann, dieser wurde hingerichtet. Jos. Klocker Glaser war Scharfrichter, bei Naglertonis Haus war der Galgen aufgestellt (Die alte Nagelschmiede des Anton Kalb stand an dem Platz, wo erst später 1860 der neue Schwanen gebaut wurde). Die Räuber haben das schönste Leben, in den meisten Häusern hat mann Ihnen Schnaps, Most, Fleisch und Gugelhupf zum Stehlen hergerichtet, die noch tagelang zu Eßen und Trinken gehabt haben, ein Feldpater war auch dabei der Guldenschuh, auch ein Polizist war der horig Schuhmacher auf Steig. Dann die Musik per Wagen alle nobel Kostumirt, viele in Weibertracht mit Ohrenglonker, auch war Militär dabei beim Spiel. leider war der Ausgang dieses Spieles ein sehr trauriger, es war viel Militär in Wolfurt und Umgebung, da gab es eine furchtbare Streitigkeit mit dem Militär, das sogar Herr Vorsteher Martin Schertler alt, eine tüchtige Orfeige bekam, wann nicht ein Offizier sogleich Alarm schlagen ließe, so hätte es furchtbare Metzlerei gegeben, dem Scharfrichter haben die Soldaten den Säbel abgebrochen und dem Höfle an der Hub, mußten sich mit halben Kleidern flüchten, die Händel gingen im Rößle an. schuld war Schädlers Hannes & Schürpf Franz Anton, es sprang alles auseinander das Spiel wurde nicht zu Ende gebracht, ich war 9 Jahre alt, sprang wie ein Reh nach Hause hinter den Ofen, abends kam noch die Garnison von Bildstein herab und umringten das Gasthaus zum Adler, ist aber nichts mehr vorgefallen in Rickenbach. Um nicht zu vergeßen war noch eine Warme Küche auf einem Wagen wo Meschachers Hannesle die feinsten Trester Würste29 für die feinsten Schüblinge ausgab aber dafür kein Geld nahm. 26 Mit einiger Bitterkeit schied Vorsteher Schertler aus dem Amt. Er sei nur der Partei zulieb so lange geblieben, schrieb er auf eine seiner letzten Abrechnungen. Welcher Partei? Gab es denn jetzt Parteien? Die Staatspolitik hatte sich nach der Revolution von 1848 wieder verändert. Mehr denn je war sie im neuen Absolutismus durch Beamte und Militär beherrscht. Im Konkordat von 1855 überließ der Staat die Ehegesetzgebung und die Aufsicht über die Schule fast zur Gänze der Kirche. Dagegen wehrten sich auch im Lande Vorarlberg viele Leute. Es bildeten sich Interessengruppen. Die Liberalen, angeführt von dem Fabrikanten Carl Ganahl in Feldkirch, fanden vor allem bei den Fabrikanten und den reichen Bürgern Anhänger, aber auch bei Handwerkern und Bauern. Die Ausstrahlung der liberalen Ideen wirkte bald bis in die Dörfer hinaus. Bei uns in Wolfurt vertraten vor allem der sehr belesene Rickenbacher Schlosser Josef Anton Dür und der vom kleinen Drechsler an Draiars Weiher zum Industriellen und Großmüller im Kessel aufgestiegene Carl Zuppinger eine andere Meinung als die Konservativen. Das Amt des Vorstehers unparteiisch zu führen, war schwer geworden. Im Jänner 1856 gab es Schertler nach insgesamt 19 Jahren Einsatz für Wolfurt ab. Wenige Monate später starb er. In seinen zwei Ehen mit der schon 1833 verstorbenen Anna Maria Haltmayer und mit Christina Flatz waren ihm zwölf Kinder geboren worden. Fünf davon waren früh gestorben. Zwei von seinen Söhnen und dann noch ein Enkel sind später auch Vorsteher geworden, zuerst Josef Anton Schertler 1872, dann Joh. Martin Schertler jun. 1879 und schließlich der Enkel Lorenz Schertler 1891. Von seinem Haus in Unterlinden aus beteiligte sich Joh. Martin sen. an den Ziegeleien an der Ach. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Josef Anton Schertler im Röhle kaufte er zu dessen oberem Ziegel werk (Achstraße 1) bald auch die große KlockerZiegelei (am Platz von Bützestraße 28). Dazu baute er 1838 auf der anderen Straßenseite das Gasthus Schiffle {Hansmarteies Hus, Bützestraße 41). Doch Vorsteher Schertler hatte noch größere private Pläne. Als sein ältester Sohn Josef Anton mit Agatha Dür eine der Erbinnen aus der begüterten Ziegler-Dür-Sippe heiraten wollte, baute er für ihn 1851 an der Ecke der neuen Wälderstraße ein großes steinernes Haus als Verwaltungszentrale für die Ziegeleien. Wir haben es noch als die Post am Platze des heutigen Gemeinde- und Postamtes gekannt. Hier waren damals die Fuhrwerke untergebracht, die den Lehm vom Flotzbach an die Ach und dann Kalk und Ziegel zu den Baustellen im Oberland und in der Schweiz führten. Hier kamen auch des Vorstehers Enkel Jakob und Lorenz Schertler zur Welt, die ein paar Jahrzehnte später die Firma ganz ins Flotzbach hinab verlegten. Sehr, sehr viele Kindeskinder stammen aus ihren Häusern. Viele andere stammen aber auch aus des Vorstehers eigenem Haus an der Kirchstraße, das sein jüngerer Sohn Johann Martin jun., übernahm. Ihm werden wir in einem der Fortsetzungskapitel begegnen. 27 Mit Vorsteher Schertlers Rücktritt gingen die ersten 50 Jahre der selbständigen Gemeinde Wolfurt zu Ende. Ganz bestimmt waren es nicht die guten alten Zeiten. Mit Krieg hatten sie begonnen, Hungersnot, Streit und Arbeitslosigkeit hatten viel Leid gebracht. Aber immer wieder haben sich die Menschen in unserem Dorf aufgerafft und Mut und Kraft zum Weitermachen gefunden. Heimat Wolfurt, Heft 13, S. 6 ff. 2 GA, Schulchronik I, S. 6 3 Marktgemeinde Wolfurt, Wolfurt in Chroniken und Berichten, Festgabe 1982, S. 52 4 VLA, Landgericht Bregenz, Hds 130, fol 200-257. 5 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 6 Lies nach Mit Napoleon nach Rußland in Heft 7, Seite 12, nach GA Wolfurt, Chronik Schneider 2 7 GA, Schachtel 1/1808 8 GA Wolfurt, Chronik Schneider 2, S. 53 9 Heimat Wolfurt, Heft 10, S. 4 und Heft 11, S. 11 nach Chronik Schneider 2, S. 4. 10 Die Chronik Schneider 2 im GA Wolfurt. " Pfarrarchiv, Familienbuch Ic, S. 126. 12 Siehe auch Heimat Heft 13, S. 38! 13 Wilfred Schneider, The Schneider Family, ISBN 0-921257-91-0 und GA Wolfurt 14 Ebner-Tagebuch 1839 unter 3. April 15 GA, Chronik Schneider 2, S. 65/2). 16 GA Wolfurt, Schachtel 1825 17 GA, Brunnenbrief 1823 18 Wolfurter Dialekt: Bodobiora = Kartoffeln, Tiirggo = Mais, Stopfar = Riebel (Schmarren), Hafoloab ist ein spezielles Gericht, nach welchem die Wolfurter ihren Übernamen Hafoloabar bekommen haben. 19 GA, Schachtel 1829 20 Meinrad Pichler, Auswanderer, S. 121 21 GA, Schachtel 1838 22 Rapp, Generalvikariat Vorarlberg, 1896, Band II, S. 798 23 gedörrte 24 Siehe die Reihe Auswanderer in Heft 5/S.25, 9/35, 11/32, 13/40 und 15/36! 25 Heft 13, S. 40 26 GA, Schachtel 1852 27 Faschings-Dienstag 28 GA Wolfurt, Chronik Schneider 3, S. 24 29 Trester sind die stinkenden Obstrückstände vom Schnapsbrennen. 1 Siegfried Heim Alois Negrellis Arbeiten in Wolfurt Was erinnert in Vorarlberg noch an den genialen Planer des Suezkanals? Nennt man in den Schulklassen seinen Namen überhaupt noch? - Mit einem neuen Buch und mit einer Ausstellung haben die drei Heimatforscher Bußjäger-Concin-Gerstgrasser vor kurzem Negrellis Spuren in Vorarlberg aufgezeichnet.1 Mit dem folgenden Beitrag möchte ich für Wolfurt ihr Werk ergänzen. Alois Negrelli Ritter von Moldelbe Geboren 23.1.1799 in Primiero (Trentino). Gestorben 1.10.1858 in Wien. Als Ingenieur im Straßen-, Wasser- und Eisenbahnbau in Österreich und in der Schweiz führend tätig. Planer des Suezkanals, der nach seinem Tod in den Jahren 1859 bis 1869 unter Leitung von Ferdinand de Lesseps erstellt wurde. Zwischen 1822 und 1832 arbeitete Negrelli in Vorarlberg, ab 1826 als KreisingenieursAdjunkt. Von seinen vielen Arbeiten berühren mindestens vier die Gemeinde Wolfurt: 1. Rheinkartenwerk. 1825 - 1827. Ein genauer Plan der Gemeinde. 2. Wälderstraße. Planung 1827. 3. Pfarrkirche St. Nikolaus. Bauplan 1829. 4. Achdamm. Erweiterung 1832. 1. Das Rheinkartenwerk Es wird als Baudirektionsplan P 13 im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck verwahrt. 97 Blätter beinhalten eine genaue Aufnahme des Vorarlberger Rheintals von Liechtenstein bis zum Bodensee. Unter Leitung von Baudirektions-Adjunkt Duile und dessen Vertreter Baudirektions-Praktikant Alois Negrelli wurden sie in den Jahren 1825 bis 1827 von Negrelli selbst und seinen Mitarbeitern gezeichnet. Seit 1985 besitzt das Gemeindearchiv Wolfurt Schwarzweiß-Kopien von den Wolfurter Blättern: Blätter 67 u. 68, Rickenbach und Schwarzach, aufgenommen im September und Oktober 1826 von Alois Negrellis Bruder Baudir.-Praktikant Franz Negrelli. Blätter 74 u. 75, Lauterach, Wolfurt und Kennelbach, aufgenommen 1826 von Baudir.Praktikant Ignatz Leeb. Blatt 83, Bregenzerach bei Wolfurt, aufgenommen im September 1826 von k.k. Straßenmeister Johann von Hörmann. 29 28 Bild 13: Die Ach auf der Negrellikarte von 1826. l.Wuhrstadel Z. Ziegeleien Schertler und Dür am Achdamm 5. Platz der heutigen Achbrücke Bild 14. Die Wälderstraße hat die St. Antone-Straße ersetzt. Das Rheinkartenwerk ist die dritte und weitaus genaueste Karte unseres Gemeindegebietes. Die älteste ist die Vorarlberg-Karte von Blasius Hueber aus dem Jahre 1774. Von den Wolfurter Straßen zeigt sie nur die kurz zuvor 1772 unter Maria Theresia gebaute neue Landstraße von Lauterach durch das Ried nach Dornbirn und die alte Hauptstraße von der Lauteracher Achbrücke über St. Antone nach Rickenbach. Die zweite ist die Artillerie-Karte von 1818 im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien (eine Photo-Kopie im VLA in Bregenz). Dieser Plan, der der Kriegsstrategie und der Unterbringung des österreichischen Heeres dienen sollte, zeigt erstmals die Häuserreihen am Talrand in Wolfurt, die Bäche und die Feldwege. Er wurde von Offiziersanwärtern der Artillerie gezeichnet, das Blatt 49 G von einem Fähnrich Weiß. Die Blätter des Rheinkartenwerks (NegreIli-Karte P13) aus dem Jahre 1826 weisen erstmals jedes Wolfurter Haus, jede Straße und auch die kleinen Feldwege und Hekken aus. Obstgüter umgeben die Häuser. Das offene Gebiet von der unteren Straße bis nach Lauterach ist aber ein riesiger Getreideacker, in dem man damals abwechselnd Dinkelkorn und Hafer anbaute. Das Ried reicht noch bis zur Brühlstraße herauf. Ein breites Achbett ist von der heutigen Achstraße und vom Kennelbacher Berg 30 begrenzt. Sogar ein Fährschiff ist eingezeichnet, denn über die Ach gab es damals ja nur eine Brücke in Lauterach. Weil die Zeichner nur das Rheintal aufnehmen mußten, sind die auf den Wolfurter Büheln (z. B. beim Schloß) eingetragenen Einzelheiten ungenau und manchmal auch falsch. Trotzdem sind die Rheinkarten für jeden Heimatforscher eine unentbehrliche Grundlage. Ihnen folgen dann 1857 als vierte Landkarten die Katasterpläne, die nun auch alle Bau- und Grundparzellen genau angeben. Ein Vergleich mit den 30 Jahre älteren Negrelli-Karten zeigt viele interessante Veränderungen. 2. Die Wälderstraße Zusätzlich zum Saumweg von Wolfurt über den Steußberg bestand schon 1561 ein erster Karrenweg als landstraß von Schwarzach über das Farnach nach Alberschwende. Um das Jahr 1772 wurde er zur Fahrstraße ausgebaut und mußte nun von den Hofsteig-Gemeinden bis zur Grenze von Alberschwende erhalten werden. Es kam zu vielen Streitigkeiten, weil die Kosten den Hofsteigern im Verhältnis zum geringen 31 Nutzen unzumutbar hoch erschienen. Am 5. Februar 1827 legte Kreisingenieurs-Adjunkt Alois Negrelli dem Kreisamt erstmals einen Plan für eine ganz neue Straße durch das Schwarzachtobel und dazu einen Kostenvoranschlag mit der ungeheuren Summe von 42 000 Gulden vor. Fast die Hälfte davon hätten die Hofsteig-Gemeinden und Alberschwende aufbringen müssen. Erst 1836 bis 1838 wurde die neue Straße unter der Leitung von Negrellis Nachfolger Kreisingenieurs-Adjunkt Martin Kink durch das Tobel gesprengt. Beim Zoll in Alberschwende wurden nun für jedes taleinwärts geführte Pferd 3 Kreuzer Maut eingehoben.2 Als Zubringerstraße wurde etwa gleichzeitig an Stelle der zu schmal gewordenen alten Straße von der Lauteracher Brücke über St. Antone nach Rickenbach die neue Wälderstraße von Lauterach ins Strohdorf nach Wolfurt gebaut. Weil darauf regelmäßig die Postkutsche verkehrte, wurden an ihr kurz nacheinander ein Postamt in Lauterach und 1868 auch eines in Wolfurt errichtet. Bis dahin hatte ein Wolfurter Bote täglich die für Wolfurt bestimmten Briefe in Bregenz abgeholt. Durch den Bau der Wälderstraße erhielt Wolfurt endlich wieder den für die Wirtschaft so notwendigen Anschluß an den überregionalen Verkehr, den es 60 Jahre vorher durch den Bau von Maria Theresias Landstraße durch das Ried verloren hatte. Das Rheinkarte


Heimat Wolfurt Heft 19 1997 Juni
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 19 Zeitschrift des Heimatkundekreises Juni 1997 Wein aus Wolfurt! Schon die Emser Chronik von 1616 berichtet vom schönen Wein wachs in Wolfurt. Inhalt: 90. Weinbau in Wolfurt 91. Ippachwald (2) 92. Wie hoch liegt Wolfurt? 93. Wolfurter Wappen in St. Polten 94. Kammerdiener des Kaisers 95. Emser Chronik Autoren: Werner Vogt, Landesbeamter i. R., Jg. 1931, wohnhaft in Hard. Er ist Leiter des Bregenzerwald-Archivs in Egg und Verfasser des Vorarlberger Flurnamenbuchs. Darüber hinaus hat er sich durch vielerlei Publikationen und zahlreiche Führungen durch Gemeinden und Alpen einen Namen als Heimatkundler gemacht. Für uns hat er bereits den Artikel Wotfurter Alpbesitzungen verfaßt (Heft 14). Bildnachweis: Emser Chronik Werner Vogt Raimund Mohr Hubert Waibel Siegfried Heim Sammlung Heim/Mohr Zuschriften und Ergänzungen Nachkriegsjahre 1945 - 1949 (Heft 17, S. 9 und Heft 18, S. 3) Ein Brief des Dornbirner Geschichtelehrers Professor Dr. Wratzfeld hebt aus den wie immer hochinteressanten Beiträgen den von Burkhard Reis über die Nachkriegsjahre besonders lobend heraus. Die vielen ergänzenden Zuschriften lassen auf das Interesse der Leser an diesem Artikel schließen. Leider sind keine weiteren Ergänzungen eingetroffen, obwohl sich doch viele von uns noch gut an jene ereignisreichen Tage im Mai 1945 erinnern können. Dokumente aus der Turmkugel (Heft 18, S. 7) Ein Akt im Gemeindearchiv weist nach, daß unser Kirchturm im Jahre 1845, also noch vor Abschluß der Bauarbeiten an der Kirchenerweiterung, von einem Blitz getroffen und schwer beschädigt wurde. Als Patronatsherr mußte der Kaiser ein Drittel der Kosten übernehmen. Am 13. Mai 1846 ließ er durch das k.k. Kreisamt in Innsbruck 339 Gulden 10 Kreuzer an die Gemeinde Wolfurt ausbezahlen. Berichtigung zu Seite 13: Aus der Chronik des Ferdinand Schneider (GA, Schneider III, S. 227) erfahren wir, daß der Kirchturm schon 1904 erhöht wurde. Die Arbeiten führte Baumeister Kröner aus Feldkirch durch. Aussiedler aus Südtirol (Heft 18, S. 30) Hocherfreut meldete sich Frau Ida Wucher. Als 20jähriges Mädchen war sie mit ihrer Mutter Magdalena Prantl ebenfalls wie Ladurners aus Schenna nach Wolfurt gekommen. Begeistert erzählte sie von der Bauernarbeit dort, von der Kastanienernte und vom Schlachten. Fast jedes Jahr verbringt sie ein paar Tage daheim in Schenna. Auch Ladurners bedankten sich außerordentlich nett für die Zusammenstellung ihrer Familiengeschichte und schickten sogar ein Heftchen nach Schenna. Suchbild 8 (Heft 18, S. 54) Besonders eifrig diskutierten die Gäste beim Geburttstagsfest für Pfarrer August Hinteregger, zu dem er seine 1927er Jahrgänger nach Bildstein eingeladen hatte, über dieses Bild. Man freute sich über die Schoßa der Mädchen, die Frisuren und die gnagloto Schuoh der Buben und über die schönen Rößlein, die auch auf das Schulfoto durften. Auf Umwegen gelangte das Bild auch in die Schweiz zu Frau Maria Haldner in Garns. Als Maria Buhmann hatte sie einige Jahre bei ihrer Tante Sophie in der Gerbe im Loh gewohnt und hält seither Kontakt zu den Mitschülerinnen von damals. Titelbild und 22 2 14 18,19 3,4,5,7,9,10,12 6, 8, 11, 13,15, 16,17, 20, 21, 23 Bitte ! Diesem Heft 19 liegt wieder ein Erlagschein für den Heimatkundekreis bei. Konto 87 957 RaibaWolfurt. Wir bitten Sie herzlich, mit Ihrem Beitrag die Herausgabe weiterer Hefte zu ermöglichen. Wegen der geringen Auflage sind die Druckkosten doch relativ hoch. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim, Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard, A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H., A-6922 Wolfurt 3 Werner Vogt Über den Weinbau in Wolfurt Es ist reizvoll, diesem einst blühenden Wirtschaftszweig, dem Weinbau (besser Rebenbau) in den Wolfurter Gemarkungen nachzugehen. Darüber wurde bereits einmal in Heimat Wolfurt (Heft 2, S. 32) berichtet. Nach Aufarbeitung vieler Urkunden und Schriftstücke, die den Beständen des Vorarlberger Landesarchivs, zum geringeren Teil auch des Gemeindearchivs entstammen, ergibt sich das Bild einer seit dem Spätmittelalter in Wolfurt bestehenden erstaunlichen, ja großartigen Rebenlandschaft. Nahezu lückenlos reihen sich da die Rebberge von der Bregenzerach nach Süd bis an die Schwarzacher Gemeindegrenze. Dabei waren nicht nur am Bergsaum, sondern auch in der Ebene Rebgärten anzutreffen. Die Rebanlagen in Wolfurt waren in Bezug auf Ertrag, also auf Qualität und Quantität, verschiedenen Einflüssen der Natur unterworfen. Mitbeteiligt scheinen auf: Bodengunst, Witterung, Sortenwahl, Schädlinge und Rebenkrankheiten. Zudem waren auch von der Grundherrschaft entsprechende Belastungen zu erwarten. Wir führen als Besitzer der Rebanlagen auf: Kloster Mehrerau bei Bregenz, Kloster Minderau (Weißenau) bei Ravensburg, Kloster Hirschthal in Kennelbach, Propstei Lingenau, der Pfarrer von Bregenz und ab 1512 der Pfarrer von Wolfurt; die weltlichen Herren oder Herrschaften von Bregenz/Montfort, das Gericht Hofsteig, die Adeligen von Schloß Wolfurt, die Wolfurtsberger, die Grafen von Hohenems, die Ritter von Schwarzach, weiters einflußreiche Bregenzer Bürger. So blieb den ansässigen Wolfurtern nur der geringste Teil zu eigen. Rebberge scheinen auch vermehrt Spekulationsobjekte gewesen zu sein, um Einfluß und Macht vorzuzeigen. An dieser Entwicklung konnten die Ortsbewohner nur einen bescheidenen Einfluß nehmen. Es gilt als erwiesen, daß sich die meisten Grundbesitzer bei den alljährlichen mühevollen Arbeiten in den Rebbergen nie die Hände schmutzig machten, vielmehr diese nur beim Einheimsen des Ertrages weit offen hielten. So war den Wolfurtern meist nur gestattet, als Pächter aufzutreten, um mit wechselndem Geschick die Arbeiten in den Weinbergen der Herren durchzuführen. Als Lohn winkte ein von der Witterung abhängiger Ertrag, der durch die Darreichung der Hälfte oder eines Drittels an die Grundherren (oft bis zu deren Haustüre) gemindert wurde. Erst als die Feudalzeit zu Ende des 18. Jahrhunderts vorbei war, konnten mit Hilfe obrigkeitlicher Anordnungen (Pragmatische Sanktion, Säkularisierung der Klöster, Grundentlastung) Wolfurter Bauern solche Liegenschaften aufkaufen und in ihr Eigentum überführen. Es war aber ohnehin für den Weinbau schon zu spät. Die Aufzeichnungen berichten vermehrt von ungünstiger Witterung, Frost, Kälte, Regen, fehlendem Blütenansatz, Mißwuchs, Krankheiten und Schädlingen. Da blieb nur ein Ausreißen der unrentabel gewordenen Reben übrig. Bedingt durch die kleinflächige Parzellenstruktur der Rebberge erfolgte eine Umwandlung zu Grünland, meist unter Anpflanzung von witterungsbeständigen Obstbäumen. Die aufkommende Industrie bot in Wolfurt ab dem 19. Jahrhundert gute Verdienstmöglichkeiten. Umso leichter fiel die Abkehr vom zeit- und lohnkostenintensiven Rebbau. Nun wurden die Hände der Kleinlandwirte frei für Industriearbeit. Zwar war auch dort die Entlohnung gering, aber sie brachte dennoch Bargeld in die vielfach verschuldeten Familien. Jetzt wechselten auch die Trinkgewohnheiten der Wolfurter. Gerne wurde dem eigenerzeugten Most von Äpfeln und Birnen zugesprochen. Auch der in zwei Betrieben preisgünstig hergestellte Gerstensaft Bier vermochte durchaus mitzuhalten. Für Liebhaber des Rebensaftes konnten die ausschenkenden Gastwirte nach dem Bau der Arlbergbahn (1884) preisgünstigen Wein aus Innerösterreich und Südtirol anbieten. Eine mehr als 600 Jahre anhaltende Weinbauherrlichkeit und Weintradition von der Acherbünt bis nach Rickenbach war damit verklungen. Außer Namen und Urkundenberichten gibt es keine Zeugnisse mehr. Schon lange vergessen sind die Mühen und Schweißtropfen unserer Ahnen. Ob die heutige Wohlstandsgesellschaft in nostalgischer Suche wieder zu einem Weinbau auf den Wolfurter Hängen zurückfinden wird? Wohl kaum! Wenngleich solche Hoffnungen oberhalb Rickenbach vor einigen Jahren wieder „angesetzt" worden sind. Die meisten Plätze, auf denen vor Jahren Wein gedieh, sind jetzt von stattlichen Wohnbauten belegt. Es ist aber wert, die einstige Rebenlandschaft von Wolfurt in Erinnerung zu behalten. Sie war ein wichtiger Teil unserer schönen Heimat! Über den Rebbau im allgemeinen, über den jahreszeitlichen Arbeitsablauf, über Arbeitsgeräte, Weintraubengewinnung und Weiterverarbeitung gibt die einschlägige Vorarlberger Weinbauliteratur genügend Hinweise. Herausarbeiten möchten wir für Wolfurt im Anhang das Verbreitungsgebiet. Dabei klingen längst vergessene Flurbezeichnungen an, die durch ihr urkundliches Auftreten und die Anführung von Anrainern eine Einordnung in die heutigen Parzellen ermöglichen. In einer langen zeitlichen Abfolge hören wir von Grundherrren, Pächtern und Abhängigkeitsverhältnissen, auch von der Witterung und von wechselhaften Erträgen und Mißernten. Bewußt klammern wir Fragen der Anbaumethodik, Sortenwahl und Ertragsstatistik aus. Jedenfalls soll auch der Wolfurter Wein nach Aussagen des Historikers Weizenegger gesund und leicht gewesen sein, er machte heiter, verursachte keine Kopfbeschwerden und ließ auch keinen lettigen Munde zurück. (Weizenegger, 1839, Band I., S. 283). Doch er geriet in manchen Jahren nicht so gut, so schlecht, daß ihn die Leute nicht einmal geschenkt annehmen wollten. 4 5 Die Rebberganlagen zu Wolfurt Von Nord nach Süd läßt sich auf folgenden Gütern Weinbau nachweisen: In der Acherbünt (östlich des ehemaligen Wälderhofs). Im Weidach (Wida), erwähnt auch in der Lärche, in der Höll und in Gestratsrüte. Vermehrt finden sich dort Rebanlagen des Klosters Mehrerau, der Frauen vom Hirschthal (Kennelbach) und des Emsischen Kellhofes zu Wolfurt. In der Bütze. Verschiedene Anlagen mit den vorigen Besitzern. Urkundlich genannt dort der Marttorkel; dazu 1615 der Torkel des Hilarius Fröwis, ob dem Tor hinaus; der Heiligkreuz-Torkel der Präbende Bregenz (Ecke Bützestraße-Rittergasse); der Nonnentorkel oder Frauen von Hirschthal-Torkel. (Anmerkung: Ein Torkel, früher meist Torggel geschrieben, war eine Traubenpresse samt dem dazu gehörigen Gebäude.) Im Kehlegger. Verschiedene Reben der Herrschaft, Kloster Mehrerau, Kellhof, Pfarrer von Wolfurt, Private (Es ist etwa der Bereich zwischen der heutigen Lauteracherstraße, der Neudorf- und der Unterlindenstraße). Daneben noch der urkundlich genannte Weingarten bei der Kemenate. Im Moosmann. Verschiedene Private und Kloster Mehrerau. (Der alte Flurname Moosmann wird heute als Moosmahdgasse falsch geschrieben). Dazu gehört noch am Attelbach (das ist der Unterlauf des Tobelbachs). Im Kaisermann und im Grafengarten (abgegangene Bezeichnungen zwischen Bregenzerstraße, Röhleweg und Bützestraße). Im Ellhofer {Kellhofer/Nellhofer). Diese durch eine Mauer geschützten Reben zwischen Bützestraße, Kellhofstraße und Dorfweg gehörten zum Emsischen Kellhof und zum Schloß Oberfeld. Pfaffenreben. Der Weingarten südlich vom alten Pfarrhaus in das Tobel hinab war ehemals Stauferbesitz, gehörte dann dem Kloster Weißenau und schließlich dem Pfarrer von Wolfurt. Im Altengarten. Diese Reben standen etwa am Platz des heutigen Bauernhofs Stöckler an der Bucherstraße. Am Buggenstein. Östlich des Pfarrhofes an der alten Bucherstraße. Daran anschließend Wolfersgarten, auch Schintzenberg genannt, mehr gegen die Rütte zu. Ein Besitz des Klosters Weißenau, auch der Herren von Wolfurtsperg. Veldegg. Rebgärten bei der ehem. Burg auf dem Hexenbühel (Herren von Veldegg, später Kloster Mehrerau). Im Tobel. Reben und ein Torkel standen im Tobel etwa beim Haus Tobelgasse 6. In der Tobelhalde. Die Reben östlich des heutigen Hauses Schloßgasse 3 hießen urkundlich 1517 des Junker Jonas Reben. Schloßreben hieß die felsdurchsetzte Halde, die südöstlich vom Schloß steil gegen den Holzerbach abfällt. Im Holz, urkundlich auch Reben im Schwarzenland, Reben im Rebenacker, Reben bei der Holzermühl und ob der Schmitten. 6 Kellerhalde unter der Linden. Sie liegt bergwärts der Häuser Kirchstraße 10 und 12 und gehörte einst der Präbende Bregenz. Dazu an der Keller Breitenweg und in der Altwegg unterhalb der Kirchstraße nördlich der Raiffeisenstraße. Im Vogelsang hieß der Rebberg oberhalb Kirchstraße 6 und 8. Humershalden (von Hofsteigammann Humer) oder Unter der Linden nannte man die Reben ob Dreiers Säge. Narrenberg. Ein großer ehemals Hofsteigisch/Montfortischer Amtsweingarten. Verschiedene Hausbesitzer zu Wolfurt waren verpflichtet, Mist zu liefern. Andere auf dem vorderen Steußberg mußten Reben schneiden oder in Fronarbeit Rebstickel liefern. Der zugehörige Narrenberger Torkel oder Herrschaftstorkel stand auf Grundparzelle 1354. Im Himmelrich. Diese Rebberge waren den Stadtammännern Metzger von Bregenz, später der Präbende Bregenz zugeeignet. Opfenbacher. Oberhalb vom Gasthaus Krone in Spätenlehen. Ein Rebberg, der um die Hälfte des Ertrages verliehen war. Der gepreßte Wein mußte dem Lingenauer Pfarrer sogar zugestellt werden! Spätenlehen. Verschiedene kleine Anlagen (Hofsteigisch und Kloster Mehrerau). Im Gügger. Kleinere Rebhalden zuoberst im Spätenlehen an der Bildsteiner Grenze, verpachtet um halben Ertrag an das Kloster Mehrerau. Im Flotzbachfeld. Verschieden Rebgärten in sogenannten „Ehäften". Das sind Güter, welche im Eigenbesitz lagen und eingezäunt werden durften. Zudem waren sie nicht dem „Feldrecht" unterworfen wie die anderen Flotzbachfelder. Feldrecht heißt Pflicht zum Anbau einer gemeinsamen Fruchtfolge, aber auch Recht zur allgemeinen Viehweide nach der Ernte und bei Brachezeit. Im Bannholz. Heute Rutzenbergstraße 23 bis 65. Ehemals Bregenz/Montfortischer Besitz, nach 1451 Übergang an das Haus Habsburg/Österreich. Auch als Bannholz seiner Kaiserlichen Majestät bezeichnet. Ursprünglich ein gebannter Wald, aus dem nur Bauholz für die Herrschaftstorkel gehauen werden durfte. Im Brand. Kleine ehemalige Rebberge bei Rutzenbergstraße 17 bis 23. Rutzenberg. Die größte von den ehemaligen Rebanlagen, auch Herrschafts- oder AmtsWeingarten mit Fronverpflichtung wie beim Narrenberg. Sie lag nordöstlich von Rutzenbergstraße 3 bis 17, der zugehörige Torkel stand in der S-Kurve. Östlich anschließend in das Rickenbachtobel hinein die Reben im Schedlerstobel bis zur Bildsteiner Gemeindegrenze. Ein Altbregenzisch/Montfortisches Lehen. Die Schedler waren Lehensnehmer. Urkundlich befand sich 1537 dort Schedlers Burgstall, herstammend von jener sagenhaften Burg auf dem Kuien. Groppersbühel ob Rickenbacherstraße 11, dazu Gilgenhalde ob Kellaweg 7 und Kellenhalde oberhalb des Kellawegs bis zur Bildsteiner Grenze. Diese drei Rebberge besassen Rechte im Kellentorkel (bei Haus Kellagweg 7). In Buchungen an der Steig der alten Bildsteiner Straße. Der zugehörige Torkel stand einst 100 m nordöstlich vom Haus Bächlingen im Winkel an der Gemeindegrenze, aber schon auf Bildsteiner Boden. Hier ist jener einzige Bereich in Wolfurt, wo seit 7 etwa 15 Jahren der Rebenbau wieder fröhlich auflebt. Domach und Krämer waren Bünten westlich von Rickenbach mit Rebgärten. Fälle, (etwa bei der heutigen Araltankstelle) und Im Brühl (heute Augasse-Weberstraße) hatten Rebanlagen mit Zinsverpflichtung gegenüber dem Kloster Mehrerau. Und hier endet unsere Reise durch fast 50 Wolfurter Rebberge. In der folgenden Auswahl aus den Urkunden finden sich aber noch mehr bekannte und auch längst vergessene Wolfurter Namen. Aus den Urkunden A. Bereich Ach bis Kirchdorf 1370 herman vo Schwarzach überläßt seinem Schwäher Hans vo Schönstein ... einen Weingart zu Wolfurt... wingart im Tobel nebent der Kilchen ... verkauft Peter Maiser Bürger zu Bregenz daraus Zins ... wingart ze Wolffurt an Huffenweg get darus eindrittail ... Junker vo Schwarzach hat ein drittail us dem Walderblehen burg und holz zu Wolfurt, und vom Gut sol ein Juchart Acker zu ainem Weingarten gemachet werden ... (Anmerkung: ident mit der Burgstelle Veldegg-Oberfeld) hans Keller genannt Schuchli zu Wolfurt git der Prebende Bregenz Weinzinse aus dem Wingart ze Wolfurt vor der gassen di ma nempt die Lerch, vom Wingart an der Keller Breitenweg gelegen stosst an das Veld und der Neffinen wingart, vom Wingart zu Wolfurt an der Kellerhalden sind 6 stuck mit reben ... 2 schopf reben in der bützin item 6 stuck reben in der lerchen item weingart in der buzin under der Heergassen alles um ein drittail Ertrag an das Kloster Mehrerau (Abt u. Convent) um halben eimer Wein von dem wolfurtsperger ... um ain drittail vom Weingarten lyt ob der Küchen uff dem buggenstain ... item ein drittail von halb Juch reben in der büzi ... item ein drittail von henni grüls Weingart... geht dem Kloster in der Weißenow zue ... Gärtle und Reben am Buggenstain und ob dem Velde die Wissenhalden sind mit Reben bestockt... Aigen Stukken um drittails des Wins zu Wolfurt In der Buzin under der Heergassen ... item 6 stukk reben In der lerchen - baid gestifft von Elsbet Rainoltin des hainrich Metzgers Wittiben ... 9 1399 1402 1436 1439 1446 1457 Bild 2: Weinberge in Rickenbach. Ausschnitt aus der Katastralmappe von 1857. 1464 1467 8 1474 Weingart in der häher bizi - item in der niderin bizi item Weingart zu Kenlegg zu Wolfurt bi der Kemenat, hat inn der Spekker zu Bregentz item lütis Wingart zu Kenlegg ... 1494 1 Juch Weingart zu Buggenstain item 2 Juch der Wolfurtsperger item 4 Juch Weingart im Widach - um Drittel an Kloster Weißenau ... 1503 haini Veldegg leistet den Sondersiechen ... ab 1/2 Juch Reben in der bützin, an Kellhof Reben... 1515 Kellhofurbar: Kellerhalde 3 1/2 Juchart reben hat der yntel frick 1 Juchart reben in der büzy hat Peter haberstro 1 Juchart reben im Kenlegger hat der Jos Schobloch 1 Juchart reben in büzy hat Jacob Vogt, hans von ach, Peter frick, hans hainrich und jerg winzurn - diselben haben och inne 3 Juch reben in bützy an 10 stukken 1536 Weingart 1 1/2 Juch Reben an der Kemnat item Weingart in der bützy zum Weiler genant zu Wolfurt, stoßt an den Merttorggel, an lutracherstroß, und frauentorggel im Hirschtal... (Anmerkung: im Hofsteigischen Zinsbuch enthalten) 1559 Reben im Widach des Hansen Cleiners reben, drittail Weins in das Frauenkloster Hirschthal ... 1569 1 Juch Reben Kellhofgut in Bützy hat inne Jacob Vogt item von reben im Wydach In gestrasrüti ... 1571 rebgärten im Kenlegger - item wingart in Buzi item Reben im Nüwsatz Flotzbachfeld item Gozhus wingart am Attelbach - um Hälfte des Wins an Kl. Mehrerau 1595 weg mißratung und rebmangels die reben im Moßmaan ußgehowen und wurd vom Abt zu hewpoden vergunnt... 1597 Weingart im Widach in Gestraß Reutin item Reben in der Bizin genant Büchelman item Weingarten im Altengarten item Weingarten an der Fatt Weingart an Buggenstain ... gozhuswingart Wolfurtsgarten und an der Wingart Buggenstain und zu Oberveld - um halben wins an Kloster im Hirschthal ... 1601 Rebgertlin im Buggenstain - item Reben in der Undern Bützi ... 1610 Kloster Mehrerauw Reben im Buggenstain - im Wolfurtsgarten - im Einhofer - Reben im Newsatz 1615 des St. Mangen pfrundt zu Bregentz Reben im Widach, stoßt an ynsel, der herre abt hat Reben abgen lassen im Widach an fatt des Hilary Fröwisen Torggel ob dem Tor hinuß ... 1615 hans Gmainer ussem im buech hat 3 stuck reben zu Indern Büzin ... 1629 bartle Mosman der Samatschnider zuo Wolfurt git Zins us sinen reben auf der huob 10 1669 rebgarten in der bitze aber 3 tail reben in der buzi mit Torggel item der torggel ist eingefallen - das Holz haben die Gmeinder geteilt, die hoftstatt haben der Pfründ Bregenz überlassen die hernach Jörg Möschen um 10 fl erkaufft... 1670 des Lehen hanß Künzen reben in der bütze verdorben, hat er nachmalig ausgereut und ist zu graßboden machen laßen vergunt, stoßt an unser heilig kreutz reben desgleichen bei reben in Marx Höflin in der bützin ... Im Einkünfteverzeichnis der Pfarrpräbende Bregenz folgen interessante Eintragungen, welche über Ertrag und Witterung damaliger Zeit Bescheid geben: 1671 empfang ich us den reben in der bützi jarlich 7 Som (Anm.: Ein Som ist die Traglast eines Pferdes und faßt 3 aimer. Ein aimer hat etwa 57 Liter.) 1672 ist vil hagel darüber, daher nur noch 11 aimer 1673 hat der Blüeh und von regen geschadet nur 11 aimer 1674 hat es abermal und vil hagel nur 4 aimer geben 1675 weg kelt und regen, trauben erst am 6. November ableßen nur 3 aimer 1676 trotz übel erfroren noch 5 aimer 1677 haben unsre gut gewimlet in 12 aimer 1678 ist alda sehr edler Wein erwachsen 13 aimer 1679 ebenso und köstlich 20 aimer - detto 1680 köstlich 17 aimer 1681 wegen kelte und regen nur 8 aimer 1682 ebenso nur 7 aimer und 1683 besser 18 aimer 1764 Gemäß Verfachbuch sind noch Rebanlagen nachzuweisen in: Kelegger, im Widach, in der Bützi, im Nellhofer. 1766 Eintrag im betr. Urbar des Klosters Mehrerau (VLA Hdschr. Cod. 120) mit dem interessanten Hinweis auf ältere Rechtsverhältnisse: ... Die Inhaber des Kloster Mehrerauischen Lehenshofes zum Schlössel Oberfeld, und zwar Joseph Som vom halben Burghof, Antom Som vom viertel Burghof und Johann Müller vom anderen viertel Burghof zinsen dem erwähnten Kloster zu Eindrittel-Weinertrag aus dem zum Schlössel zugehörigen Gottshaus Rebgertel im Elhofner zu Wolfurt gelegen. Sie sind auch schuldig in des Gozhaus Rebgertel den Baumist und die Rebstücklein zu liefern ... Zur Erinnerung: Zum ehemaligen Schlößle Oberfeld (heute Hexenbühel) gehörten ein ansehnlicher Besitz an Acker- und Wiesenflächen und die erwähnten Rebgärten. Deren letzter weltlicher Herr, Ritter Ulrich von Schwarzach, verkaufte seinen Besitz 1451 an das Kloster Mehrerau. Dieses bewirtschaftete den umfangreichen Besitz nicht selbst, sondern vergab dieses Lehen an willige Pächter für Zinsleistungen. 11 In der Katastralmappe vom Jahre 1857 der Gemeinde Wolfurt sind enthalten: Grundparzelle 2, 4 und 142, Rebgarten; zusammen 9 ar Grundparzelle 83 - die Schloßreben, ca. 8 ar Grundparzelle 1232 - Unterlinden, ca 6 ar Grundparzellen 1319, 1320, 1338, 1339 im Narrenberg, ca. 15 ar Grundparzelle 2657 im Frickenesch, Reben, ca. 3 ar Grundparzelle 2580 im Bannholz, ca. 4 ar Grundparzellen 1528-1534, 1520, 1521, 1651,1654,2570 und 2568, an dem Rutzenberg gelegen, zus. ca. 70 ar Grundparzellen 2548 und 2549, im Kella, ca. 6 ar Zusammen eine Rebfläche von etwa 121 ar Zuletzt: 1886 Gemäß Parzellenprotokoll: ... die neuangelegten Reben im Buggelstain auf Grundparzelle 144 ... ... die Reben im Schwarzenland (Gp.83) und im Rebenacker (Gp.90-95) ... und Baumbgart, Speicher, 2 schopf Reben und Reblaitern, alles in einem Einfang under der Linden ... 1709 In den herrschafts Weingart der Narrenberg sambt Torggel, gehen darein 4 Zinß fuder Mist und 9 2/3 tagewerk in fron ... 1765 Im Steuerprotokoll sind noch genannt: Rebgarten im Himmelrich, der Probsty Lingenowen Reebgarten, Rebgarten am Narrenberg ... C. 1444 1488 1474 1488 1536 B. 1457 1474 1489 1490 1528 1536 1571 1597 1601 1615 1682 12 Bereich Unterlinden bis Steig 1446 Wingart im Spätenlehen so Conrad Wolfensperger hat... Weingarten in der alt Wegg und an Kaysermans Wingart (gehört das drittail Kloster Weißenauw) ... des Herrschafts Weingarten im Narrenberg und Vogelsang ... sollen die hofstetten Mist und Stickhel führen ... in des Bruederhofsguet wingarten und wingarten der apfenbach ... der Weingarten Opfenbach, gat darus ein Eimer wins an den Probst zue Lingenauw ... wingart zu spätenlehen und wingart Im banholz, gand zinse di der ersamb hainrich von fröwis Kirchher an der Egg daran erkoft und bezalt hat... Wingart das Vogelsang - Wingart in der Humelhalden Wingart dem Haberstro im Narrenberg ... Weingarten der Opfenbach genant sind 2 Juchart item der Weingart Guggelstain darob und Weingart zun Vogelsang ... Weingarten der Gugger so Marte Wilhelmen ist... Weingarten Narrenberg hat inn hans Fink um Hälfte Ertrag ... Wingart zu Spätenlehen und im Banholtz so weilund Conradt Wolfurtsperger gestiftet hat... haben in den Kayserlichen Weingarten im Narrenberg die Bruder und Berghöfler schuldig den S. V Tung in den Wingart Narrenberg zefiren ... Gemäß Verfachbuch hat hans Kundig zu Wolfurt ein Haus, Hofstatt, Kraut 1571 1604 1615 1691 1709 1765 Bereich Rickenbach lenhart Wolfersperger von den Reben gegen Schedleren im Tobel ... zinst Othmar Schedler ab Reben im Dobel zue Rickenbach ... an herrschafts Weingarten Rutzenberg sind Mist und Stickel von den Underthanen zu firen ... Reben zu Rikkenbach im Tobel Gemäß Hofstaig Urbar: Weingarten in Gilgenhalde zue Rickenbach Weingarten im Banholz an das Kaysl.Mayst. Banholz gelegen Weingarten in des Schedlerstobel und torgel daran stoßt uf an des Schedlers burg stall seiner Kays. Mayst. Weingarten der Rutzenberg 1 Juch Reben im vellis, git der hans von Ach 1 Juch Reben zue Rikhenbach an helbern, git hans von Ach ... in das Gotteshaus in der Auw bei Bregenz geben halben Wein so Weingarten Ruzenberg des Gozhus ist um halb wins verlihen und ab Gozhus Wingart ob der Stayg... und ist ain halb Fuder wins us dem Torgel im Ruzenberg führen für den Keller auf das Schloss zu Bregentz ... das Gotshauß Weingarten im Obern und Undern Brand sind 1 1/2 Juch ... das Kayßl. Weingart zu Ruezenberg und dem Ambts Rebgart Torggel ... Gemäß Verfachbuch: Martin Som der Müller zu Rikhenbach, ab sinen Reben und Pomgart der Groppersbühel negst bey der Müllin ... item 7 schopf reben im guet Bechling negst bey bildsteiner Torgel gelegen ... herrschafts reben und Weingart der Ruezenberg samt Torggel ist zehendfrey und gend darein 8 fuder Zünßmist und 19 1/3 Tagwerck frondienst von der Underthanen am Steußberg ... Im Verfachbuch sind noch genannt: ... Reben in schedlerstobel des Joseph Roner Schuechmacher ... ... Reben im Rutzenberg ... ... Reben im brüll in wingarten Mehreraw guet... 13 Siegfried Heim Der Ippachwald (2) Der erste Teil in Heft 18 befaßte sich vor allem mit der Geschichte des Ippachwaldes und mit der Arbeit im Wald. Im zweiten Teil stellen wir nun die Bäche, die Straßen und die Wanderwege vor. Die beigefügten Skizzen sollen Ihnen das Zurechtfinden erleichtern. Sie sind aber auch eine Einladung, diese Wege wieder einmal aufzusuchen. Ein paar alte Geschichten lockern den Stoff auf. Den Abschluß bilden dann noch ein Kapitel über die Jagd und über das Forstrecht. Bild 3: Mergelkuppe am Bereuter, vom Gletscher abgeschliffen. Die Waldbäche Gebirgsbildung Die Schluchten unserer Bäche schneiden so tief in den Steußberg ein, daß an vielen Stellen Felsplatten und senkrechte Felswände sichtbar werden. Es sind Mergelfelsen. Als sich im südlichen Vorarlberg die Alpen schon weit aus dem Urmittelmeer gehoben hatten, befand sich bei uns noch ein großes Meeresbecken. Da hinein lagerten die Alpenflüsse das mitgeschwemmte Material ab. Es war vor allem Granitsand mit beigemischtem Ton. Durch Kalkwasser verfestigte sich der Sand allmählich zu Mergel. Aus reinerem Sand bildete sich der härtere Sandstein, den wir an den Südhängen des Steußberges antreffen. Vor etwa 20 Millionen Jahren war der Meerestrog schließlich voll. Später wurden auch die neu gebildeten Felsschichten, in denen vielerlei Reste von Tieren und Pflanzen versteinert sind, durch den Gebirgsdruck angehoben. Dabei ergab sich eine Bruchstelle, ein Knick, der sich von Rickenbach über Bildstein zum Sulzberg und weiter ins Allgäu zieht. So entstand vor etwa 5 Millionen Jahren unser Steußberg. Endgültig formten ihn aber erst die gewaltigen Eisströme der Gletscher, die in den Eiszeiten ihre schweren Lasten vom Rheintal her über die Flanken des Steußbergs in das Tal der Rotach ergossen. Vor etwa 10 000 Jahren ging die letzte Eiszeit zu Ende. In das öde Land stießen Pflanzen und Tiere vor. Seit 8000 Jahren deckte ein Urwald den Berg zu. Vor 1000 Jahren rodeten die Menschen dann zwei Drittel davon. Den Rest kultivierten sie zu unserem heutigen Wald. In unserem niederschlagsreichen Land entspringen rund um den Steußberg viele Quellen. Weil sich parallel zum Gesteinsknick des Berges eine ganze Reihe von Falten von Ost nach West ziehen, zwingen diese den Wolfurtern Bächen auch eine Flußrichtung nach Westen statt zur nahen Bregenzerach auf. Nur die Bäche östlich vom Ippach-Brünnele, der Plattenbach und der Bildgraben, finden noch einen Weg nach Norden zur Ach hinab. 14 Der Tobelbach Hinter einem Felsgrat rinnen aus dem Moos am Saustall zwei Bäche. Während der Plattenbach durch das Sustall-Loh nach Osten fließt, sucht der Tobelbach den weiten Weg nach Westen. Er umgeht das Hinterfeld und erreicht nahe der Alten Bucherstraße die Rütte. Hier haben die Dorfbewohner vor vielen hundert Jahren ihre Brunnenstuben gegraben und durch lange hölzerne Düchelleitungen den Brunnen am Dorfplatz mit Wasser versorgt. Der Dorfbach floß damals noch durch das Töbele am Fuß der Weinberge des Pfarrers zum Dorfplatz, dann an den Haustüren der Gasthäuser Rößle, Alter Schwanen und Lamm vorbei in die Bütze und Richtung Ried. Heute wird er schon am Waldrand auf der Rütte in einem Schlammbecken gefangen und zur Ach abgeleitet. Nur ein kümmerliches Rinnsal fließt noch durch das Tobel in eine Versickerungsanlage mit sieben Gruben hinter dem Kindergarten im Dorf. Auch das Haldenbächlein, das einst von der Schloßgasse her zur Versorgung des Dorfes beitrug, versickert dort. Nur bei starken Niederschlägen muß sein Überwasser in den alten Unterlauf des Tobelbachs zur Neudorfstraße geleitet werden. Der Ippachbach Der nach dem Rickenbach zweitgrößte Wolfurter Bach heißt auch Sackgraben, Holzerbach, Schuolarbächle und im Unterlauf Landgraben. Seine Quelle hat er am Oberen Schach in den Gitzner Büheln oberhalb des Dreiländerblicks. Die Parzelle Sack muß er in Betonrohren unterqueren. Danach schneidet er an der Rappenfluh tief in den Mergelfels ein, sodaß sich eine bis zu 20 m hohe Wand gebildet hat. An Hoamolitto vorbei sprudelt der Bach ins Mösle hinab, nimmt dort noch andere Rinnsale auf und bricht dann beim Dachsfelsen am Frickenesch nach Norden Richtung Dreigassen durch das Felsband. Im Holz hat seine Kraft früher den Schmiedehammer und die 15 Oberhalb von Spetenlehen versorgt er eine Reihe von Brunnenstuben und wird dann durch Rohre in den Eulentobelbach geleitet. Der Rickenbach Dieser weitaus größte von allen Bächen am Steußberg entspringt nördlich von Gallin in Oberbildstein und nimmt unterhalb von Baumgarten den vom Schneiderkopf herabfließenden Hochtobelgraben auf. Dann stürzt er sich durch die tiefe Staudachschlucht und das Mühletobel ins Tal. Über den Rickenbach und sein ganzes Umfeld hat uns Alfons Fischer schon eingehend berichtet (Heimat Wolfurt, Heft 3, S. 1. Einen weiteren kurzen Beitrag mit einer Skizze des alten Unterlaufs der Bäche gibt es auch in Heft 6, S. 39.). Die Kraft des Rickenbachs gab den Impuls zum Entstehen der Firmen Mühle-Gunz und Schlosserei Doppelmayr. Unter den Fabrikshallen durch fließt der einstmals gefährliche Wildbach durch einen Kanal in den Kessel und vor der Stöonorno Brugg in die Schwarzach. Bild 4: Wasserscheide in den Gitzner Büheln. Knapp dahinter liegt im Wald der höchste Punkt von Wolfurt. Mühlräder getrieben. Unterhalb des Schlosses lockte sein frisches Wasser in Draiars Weiher (dem Silbersee) sogar die Dorfjugend zum Schwimmen. Heutzutage wird es in Rohren bis an die Unterhub hinab geleitet. Ein Teil muß sogar den Umweg zum Unterlauf des Tobelbachs im Neudorf machen, um dessen altes Bett wieder mit Leben zu füllen. In Unterlinden hat der Bach früher bei Überschwemmungen einen hohen Lehmkegel aufgeschüttet und dann den Weg ins Strohdorf genommen. Dort ist das kleine Himmelreichbächlein, das am Frickenesch entspringt, zu ihm gestoßen. An der Schule vorbei ging der Lauf weiter, hinab is Loamloch. Noch bis vor hundert Jahren tranken Mensch und Tier aus dem heute verrohrten Bach. Beim Lehmloch ist er wieder frei. Hier nimmt der Ippachbach von rechts den Tobelbach und von links den Eulentobelbach auf. Als großer Landgraben unterquert er den Güterbahnhof. In sein kostbares Bergwasser mischen sich die Schollenwässer aus den Neuwiesengräben. Weit unten beim Sender bildete der Landgraben früher die Gemeindegrenze gegen Lauterach. Heute wird er über Lauteracher Grund in die Dornbirnerach abgeleitet. (Siehe Heft 9, Seite 28!) Der Eulentobelbach Seine beiden Quellen sickern am Bereuter aus den Büheln unterhalb der alten Sennerei. Durch das dunkle Eulentobel, auf dessen rechter Schulter die Lichtung Hoamolitto und danach auf der linken das sonnige Meschen liegen, erreicht er die Ebene an der Hub. Wie alle anderen Bäche ist auch er im Wohngebiet verrohrt. Als Flotzbach tritt er unterhalb der Brühlstraße wieder zu Tage und erreicht im Lehmloch den Landgraben. Zu seinem Einzugsgebiet gehört auch der Bannholzbach, der bei Meschen entspringt. 16 Bild 5: Die Rappenfluh. Gefährliche Steilwände am Ippachbach. Noch rinnt aus den Moospolstern des Ippachwaldes reichlich klares Wasser durch die Bäche ins Tal herab und speist unseren Grundwassersee. Selbst anhaltende Trockenzeiten und Frost können sie nicht zum Versiegen bringen. Ein gewaltiges Kapital für die Zukunft, das es zu hüten gilt! Straßen durch den Ippachwald Die älteste Straße durch den Ippachwald war schon vor mehr als 1000 Jahren der Saumweg vom heutigen Kirchdorf über das Holz hinauf nach Buggenegg auf den Steußberg. Über Alberschwende und die Lorena stießen hier die ersten Siedler in den Bregenzerwald vor. Vom Steußberg führte ein Weg zu den ältesten Bucher Höfen auf die Siegerhalde hinab. Als die zahlreicher gewordenen Bucher eine direkte Verbindung ans Land suchten, entstand ein zweiter Saumweg, die Alte Bucherstraße. 17 1. Wolfurter Gemeindeholzteil Katzensteig 2. Wolfurter Gemeindeholzteil Frickenesch Die Gemeinde Wolfurt besitzt (einschl. einiger weiteren kleinen Parzellen) insgesamt 6,85 ha Wald. 3. Lauteracher Gemeindeholzteil Ippachbrünnele mit 5,57 ha Wald 4. Harder Gemeindeholzteil Gschliof und Kohlgrub 8,48 ha Wald Dann stieg der Holzbedarf in den großen Hofsteigdörfern im Tal. Erst jetzt begann man, mit Schlittenstraßen die Waldteile zu erschließen. Eine solche Straße - sie ist im Kataster von 1857 in einer Breite von einigen Metern (!) eingezeichnet - führte von der Ach auf der Trasse der 1996 neu gebauten Erlenstraße auf das Oberfeld und dort an der nördlichen Kante am Bergarhus vorbei zum Waldrand hinauf. Ihr letztes Stück von der Neuen hinüber zur Alten Bucherstraße besteht noch als Fahrstraße. Das Kirchdorf versorgte sich mit zwei Holzstraßen. Eine war die Alte Bucherstraße. Die zweite führte durch das Tobel ins Holz und in die Dreigassen hinauf. Über die Schloßgasse hatte sie einen bald mehr benutzten weiteren Anschluß. 18 Keinen direkten Zugang hatte das Frickenesch. Die Holzstraße von Unterlinden herauf erschloß nördlich davon am Ippachbach die Wälder bis zu den Dreigassen. Vom Strohdorf stieg man dagegen über das Himmelreich südlich vom Frickenesch in die Wälder an der Hohlgaß hinauf. Mit dieser wichtigen Holzstraße vereinigte sich oberhalb des Himmelreichs eine weitere Straße von der Hub durch das Eulentobel. Als 1929 eine zum Bau der Illwerkemasten neu angelegte Fahrstraße (beim heutigen Wasserspeicher) in zwei Kehren den steilen Bühel überwand, verloren die alten Holzstraßen zum Himmelreich und ins Eulentobel hinab ihre Bedeutung. Seither sind sie von Dornen überwuchert worden und nicht mehr passierbar. 19 Heute erlauben vier Straßen von Wolfurt aus die Zufahrt zum Ippachwald: Neue Bucherstraße Alte Bucherstraße Schloßgasse (Steußbergweg) Frickenescherweg A. Die Neue Bucherstraße Die Landesstraße L 14 über Buch nach Alberschwende beginnt bereits in der Bütze. Ihr erstes Stück, die Kellhofstraße, hieß um 1800 noch berggassen. Dort wo jetzt die Autos beim Schwanenmarkt parken, war bis 1950 ein großer öffentlicher Holzlagerplatz. Hier haben seit dem Mittelalter die Lauteracher und die Harder Bauern ihr Ippachholz von Has und Hund (Schleppschlitten) auf die schweren Block-Wagen umgeladen. Buch war bis 1935 ganz ohne Autostraße. Die Alte Bucherstraße und je ein Weg vom Schneider zur Siegerhalden und von Fischbach zur Mereute waren ja nur Karrenwege. Um das Jahr 1927 machte der Bucher Pfarrer Lutz in sehr vielen Artikeln im Vorarlberger Volksblatt unter dem Titel Aus dem Ippachwald auf diesen unhaltbaren Zustand aufmerksam. Jetzt begann das Land endlich, eine Autostraße in das abgelegene Dörfchen zu planen. Die ersten Pläne sahen eine Trasse von der Achbrücke her auf der alten Ächler Holzstraße am Nordrand des Oberfeldes vor. Nach der Überlieferung soll der Einfluß des Wolfurter Schwanenwirts Kalb und des Lammwirts Fischer eine Umplanung zum Kirchdorf erzwungen haben. Mit einer ganz neuen Trasse durchschnitt man nun die Felder bis zum Waldrand. Dort hatten die Illwerke gerade im Jahre 1929 einen großen Mast für ihre Überlandleitung nach Deutschland aufgestellt. In der Zeit schlimmster Arbeitslosigkeit von 1931 bis 1935 fanden nun zwei Gruppen von Arbeitern an der neuen Straße einen Verdienst. Fast alles wurde händisch mit Pickel, Schaufel, Brecheisen und Schubkarren gemacht. Mit möglichst wenig Steigung folgte man in unzähligen Kurven den Linien, die die Natur vorgab. Durch Felskanten sprengte man enge Tunällor. Das machte den Bau so interessant, daß in der Folge viele Vorarlberger die neue Kunststraße besichtigten und so zum ersten Mal in ihrem Leben nach Buch kamen. Über den großen Bucher Ippachbach führte nun eine moderne Betonbrücke, die noch heute den gestiegenen Anforderungen genügt. Die romantischen Tunnels mußten allerdings bei der Straßenrenovierung in den 80er Jahren verschwinden. Ein einziges blieb als Denkmal alter Straßenbaukunst neben seinem neuen größeren Bruder stehen. Alle paar Jahre kam es an dem steilen Hang, wo der Waldhumus nur in dünner Schicht auf dem Molassefels aufliegt, zu Rutschungen, Große Muren verlegten dem Bucher Boten Fridolin Scheffknecht oft den Weg. Er mußte mit seinem Kohle auf einem Leiterwagen die kleinen Kaufläden und das Gasthaus in Buch versorgen. Seit 1956 ermöglicht eine neue Straße nach Fischbach bei Vermurungen eine Umleitung des Verkehrs nach Alberschwende. So war zum Beispiel die Fahrt durch den Ippach nach einem gewaltigen Felssturz am 19. Juli 1981 gleich für mehrere Monate gesperrt. Natürlich ist die neue Straße auch für die Holzbringung von großer Bedeutung. Bis zu ihrem Bau hatte man die Stämme aus den Holzteilen an der Ach in steilen Riesen an die Ach rutschen lassen. Flößer brachten das Holz dann in gefährlicher Arbeit zum Schwellwuhr nach Kennelbach oder zum Rechen nach Hard. Vorher hatten die Besitzer ihr Holz mit dem Malhammer oder mit der Axt gemalt, damit jeder seine Stämme am Ziel wieder erkennen konnte. Die Aufgabe der Flößer bestand darin, die Stämme vom Ufer aus mit dem Flötzarhoggo, einer langen Stange mit eisernem Stoßhaken, in die Strömung zu bringen. Das war oft sehr gefährlich. Das Bucher Sterbebuch nennt eine ganze Reihe von Männern, die beim Flößen ums Leben kamen. Die letzten großen Holztriften auf der Ach fanden um das Jahr 1950 statt. Seither holt man die Stämme mit starken Wellenbock-Seilwinden aus den Tobein an die Straße herauf. Holzmale 1. Anschlagmal des Wolfurter Waldaufsehers zur Kennzeichnung der zum Fällen genehmigten Bäume. Im Original 42 x 29 mm groß. 2.-7. Triftmale, genehmigt von der BH Bregenz für die Flößerei auf der Ach im Triftjahr 1926. 2. Kaspar Steurer, Sägewerk, Schwarzach. Für 600 m3 Blockholz. 3. Johann Schertler Zimmermeister, Lauterach. 150 m3. 4. Norbert Hartmann, Dampfsäge, Hard. 440 m3. 5. Rudolf Bösch, Baugeschäft, Lustenau. 300 m3. 6. Kalb und Heim, Wolfurt-Bütze. 60 m3. 7. Baltus Scheffknecht, Wolfurt-Ach. 40 m3. Weitere 1000 m3 wollte auch noch die Gemeinde Hard aus ihrem Ippachteil flößen. Sie beantragte ein eigenes Triftzeichen. (Aus Sammlung Heim) 20 21 B. Die Alte Bucherstraße Ursprünglich war garmannesbuch von Bildstein aus über die Siegerhalden besiedelt worden. Der Kirchgang nach Bregenz und später nach Wolfurt ließ aber einen Saumweg nach Wolfurt entstehen, der sich schließlich zu einer schmalen Fahrstraße für Fuhrwerke entwickelte. Von der Berggasse beim Wolfurter Friedhof abzweigend durchquert er in einem Hohlweg zwischen Buggenstein (Stöcklers Bühel) und Tobelbach den Tobelwald und erreicht auf der Rütte den eigentlichen Ippachwald. Hier quert bim Bänkle am Waldrand der Wolfurter Höhenweg. Hier beginnt auch die neu ausgebaute Forststraße, für die auf der Ächler Holzstraße eine Verbindung zur Neuen Bucherstraße geschaffen worden ist. Schon nach 350 Metern Hohlgasse erreichen wir im Ippach den Holzplatz. Vom Holzplatz geht es über die kleine und die große Katzostoag hinauf auf die Anhöhe beim Ippabrünnele. Die Wälder zu beiden Seiten gehören bereits zum Lauteracher Ippach. Beim Ippachbrünnele erfrischt klares Quellwasser Mensch und Tier. Oft rasten hier müde Wanderer am Fuß des alten Wegkreuzes. Eine steile Straße zweigt zu den Wäldern am Sustall ab. Ganz flach, manchmal sogar leicht abwärts, führt die Alte Bucherstraße jetzt durch den Harder Ippach und überquert dabei mehrere Bäche. Der größte ist der Plattenbach, der vom Saustall kommt und über steile Felsplatten zur Ach hinabspringt. Nach dem Bildgraben geht es wieder aufwärts zum Gschliof. Einen fünf Meter hohen Damm haben die Straßenbauer hier aufgeschüttet und dann eine ganz neue Straße in zwei steilen Kehren in den Kohlgrubenwald hinauf gezogen. Eine Tafel weist uns auf die Alte Bucherstraße, die von hier ab nur mehr als schmaler Pfad erhalten geblieben ist. Die Wolfurter Bergsteiger haben ihn erst 1975 wieder begehbar gemacht. Kurz nach einer Tafel, die die Gemeindegrenze gegen Buch anzeigt, ist unterhalb des Weges in den 30er Jahren ein 2000 Tonnen schwerer Felsbrocken abgebrochen. Die etwa 30 m lange und bis zu 10 m tiefe Spalte hat sich zwei Meter breit geöffnet. Lange fürchtete man, der schwere Klotz würde die knapp darunter vorbeiführende Neue Bucherstraße zerschmettern. Er liegt aber nun schon 60 Jahre lang ruhig da und Bäume sind auf ihm gewachsen. Über den großen Bucher Ippachbach - nicht verwechseln mit dem Wolfurter Ippachbach - hat der Alpenverein einen neuen Steg erstellt. Bis ins 19. Jahrhundert bestand hier eine gedeckte Holzbrücke. Davon erfahren wir aus dem Bucher Sterbebuch: Auf dem Heimweg vom Nikolausmarkt fiel am 6. Dezember 1838 ein 76jähriger Mann bei finsterer Nacht von der gedeckten Brücke ins Wasser und starb. Nun ist es nicht mehr weit bis zu den Wiesen in der Bucher Parzelle Ippach. Im Gartland treffen wir auf die Neue Bucherstraße. Bis hierher, bis zum ehemaligen Gasthaus Engel, soll im 30jährigen Krieg die Pest eingeschleppt worden sein. Als die schreckliche Krankheit nicht weiter über den Bach in die Gemeinde vordrang, errichteten fromme Leute dort, wie sie es versprochen hatten, eine kleine Pestkapelle. Bis 1760 gingen die Bucher jeden Sonntag nach Wolfurt zur Messe. Jetzt wollten sie eine eigene Pfarre. Sie behaupteten, sie seien zwei Stunden weit von der Pfarrkirche Wolfurt entfernt, mit der Sackuhr ordentlich abgemessen (Rapp III. S. 73). Im Sommer bedrohten Erdrutschungen den Weg und hätten schon oft Versehgänge des Pfarrers so behindert, daß Sterbende ohne Sakramente blieben. Außerdem werfe es in Buch so viel Schnee, daß einer vor seines Vatters Hause den Schnee 11 Schuh tief gemessen habe. 3 1/2 m tief! Das war nun dem Wolfurter Pfarrer zuviel! Soviel Schnee sei hier seit Menschengedenken nirgends gefallen, außer etwann ein schwarzen Lugenschnee. Und die Distanz nach Wolfurt betrage nur eine, höchstens I 1/4 Stunden. Wie dem auch sei - die Bucher bekamen 1760 ihren ersten Pfarrer. Aber noch mehr als 170 Jahre lang trugen sie auf der alten Straße Bündel von Rebstecken und Heugeschirr nach Wolfurt und tauschten sie bei Hanso Hus gegen einen Stumpen Mehl oder 7: andere Krämerware. Mehr als 16 000 Bild Bänkle. Eingang zur Alten Bucherstraße. Bim Stück hölzerne Heugabeln und Handrechen wurden in manchen Jahren von Buch aus in den ganzen Bodenseeraum exportiert (Bucher Chronik von Vorsteher Joseph Flatz, 1860, S. 41). Viele Lebensmittel trugen die Frauen vom Wochenmarkt von Bregenz bis nach Buch: Alles oder das meiste tregt der Bewohner auf seinen Schultern daher, namentlich Lebensmittel, diese werden dann gewöhnlich aus der benachbarten Stadt Bregenz hieher getragen und zu dieser unnatürlichen Arbeit werden dann von manchen unbarmherzigen brutalen Hausvätern ihre Weiber und Töchter angehalten, seien sie auch in Umständen wie sie immer heißen mögen, da wird weder auf dieses, noch auf die Ungestümmigkeit der Witterung keine Rücksicht genommen. Dieses bildet zumal im Winter bei heftiger Kälte oder sonstigem Unwetter beim Sturm oder Schneien einen tragisch komischen Anblick, wenn man derartige Geschöpfe mit ungeheuren Lasten auf den Schultern, und noch sonstige Bagage am Arm, schnaubend ermattet und mit Schweis überronnen daher wanken sieht, gewöhnlich noch ohne Kopfbedekkung mit zerstreuten in der Luft herum fliegenden Haaren, im Sommer gewöhnlich noch barfuß, halbgekleidet was sehr unanständig und der Moralität sehr zuwider ist, und anderen Nachbargemeinden sehr zum Aerger gereicht. (Bucher Chronik, S. 46). Die Straße verdiene diesen Namen nicht, sie sei ein schlechter elender holp23 22 Bild 8: Ippa-Brünnele. Ölbild von Engelbert Köb aus dem Jahre 1914. Bild 9: Die Paradieswiese Hoamolitto. Rechts unten am Waldrand verläuft die Gemeindegrenze. riger Fahrweg (S. 4). Schon einige Jahre vorher hatte im Jahre 1855 der k.k. Bezirksvorstand den Hofsteiger Vorstehern, die in ihren Ippachteilen für die Erhaltung der Wege verantwortlich waren, die bittere Klage der Bucher vorgelegt, daß die Straße durchgehends zu schmal sei, indem sich ihre Breite nur auf das Maß der beiden Räder beschränkt... Der Fuhrmann könne nicht neben dem Pferde gehen. Lauterach verpflichtete sich zum Ausbau auf 9 Schuh Breite. Ein elender Karrenweg ist die alte Straße trotzdem bis zur Eröffnung der neuen im Jahre 1935 geblieben. Dann ließ man sie endgültig verfallen. Die Ippachbrücke stürzte ein. Erst 1975 erstellte der Wolfurter Alpenverein auf der alten Trasse einen neuen, schönen Wanderweg. Seither haben viele Erholungssuchende dieses herrliche Stück Wald entdeckt. Und noch schönere Gebiete erschließt seit 1996 die neue Forststraße vom Gschliof in die Kohlgrubwälder. C. Der Steußberg-Weg Der steile Straße an Schloß und Schmiede vorbei in den Wald hinauf ist also der älteste Weg durch unser Ippach. Bei der Besiedlung des Bregenzerwaldes traten bekanntlich vor 1000 Jahren die Montforter und die mit den Staufern verbündeten Pfullendorfer als Konkurrenten auf. Die Montforter hatten ihren Weg vom Hofsteig in Rickenbach über das Farnach und Alberschwende nach Ungenau und weiter nach Andelsbuch. Der Stützpunkt der Pfullendorfer und der Staufer war der Kellhof mit seiner Kapelle St. Nikolaus. Ihr Saumweg führte direkt über den berütterberg hinauf nach buggenegg, dann durch die roßgass und die Abendreute nach Alberschwende und weiter über die Lorena zu den „Reichspfarren" Schwarzenberg und Egg. Für das erste Stück ins Holz hinauf gab es drei Zugänge: den wichtigsten durch das Tobel, daneben einen links über die Rütte und einen rechts von der kirchgassen her (beim Haus Zilla Zoller, Kirchstraße 16). Der unterste Teil der Schloßgasse (bei HausNr. 1) wurde erst zum Umbau des Schlosses durch den Bregenzer Kaufmann Jakob Huter um das Jahr 1856 ausgebaut. Die Schloßgasse liegt jetzt im Schatten einer Baumreihe. Früher waren die Mulde links und der Hang dahinter ein Weinberg. Junker Jakob von Wolfurt erlaubte 1517 den Dörflern, hier eine Quelle für den ersten Dorfbrunnen zu fassen. Die beiden Mühlen im Holz, wurden 1852 durch die Hammerschmiede mit dem großen Wasserrad ergänzt, die seit 1980 zum Heim des Alpenvereines umgestaltet worden ist. Vom Schmiedeweiher führte bis 1950 eine steile Hohlgasse direkt über die Dreigassen auf die Ebene am Sandigen Weg hinauf. Durch sie schleppten die Fuhrleute ihr Blockholz zur Schmiede herab. Oft war die Gasse so vereist, daß eine Fahrt mit dem schwerbeladenen Homer zu einem gefährlichen Wagnis wurde. Nur mehr ein schmaler Pfad erlaubt heute rüstigen Wanderern einen direkten Aufstieg von der Schmiede zu den Dreigassen. Die neue Forststraße umgeht dieses Gebiet nach links am Rand des Hinterfelds und erreicht auf einer neuen Trasse in einem großen Bogen den Sandigen Weg. Hier oben teilen sich die Straßen. Nach links überquert eine kurze Sackgasse die Quellbäche des Tobelgrabens und endet an der oberen Grenze des Gemeindeholzteils. Nach rechts wurde die alte Saumstraße noch bis in die Dreigassen hinab ausgebaut. Den steilen Anstieg nach Süden bewältigt bis zum Ellobogo eine dritte Straße. Von dort müssen wir dem uralten Saumweg folgend durch eine ausgewaschene Hohlgasse bis in die Ebne hinauf steigen, wo wir auf die ganz neue Forststraße zum Ippachbrünnele treffen. Hier auf der Ebne kreuzen wir den Berütterweg, der nach rechts über den Ippachbach hinüber zur Paradieswiese Hoamolitto führt. 25 24 Wir haben nun noch das schwierigste Stück des alten Steußbergweges vor uns. Rechts fällt die Rappenfluh senkrecht zum Bach hinab. Direkt auf der Felskante verläuft hier die Gemeindegrenze. Mehrere parallele Gassen und Steige führen steil nach Osten hinauf. Solche Saumwege waren ja im Mittelalter nicht ausgebaut. Je nach Witterung und Last wählte der Säumer seinen Weg. Bei vereister Bahn mied er die gefährlichen Hohlgassen und schonte so die wertvollen Beine von Mensch und Tier. Bei Neuschnee wich er den Lichtungen und Viehweiden aus und suchte den schneearmen Weg unter den Tannen. Mit schweren Lasten legte er hier heroben eine zusätzliche Serpentine ein. Sonst scheute er den steilsten kürzesten Weg keineswegs. Auf alle Fälle aber war er (wie wir auch) froh, wenn er beim Sack die Höhe erreicht hatte und nun die sanften Hügel von Bereuter und Gitzen vor sich sah. Hier im Sack verläuft die Wolfurter Gemeindegrenze links, knapp hinter den ersten Tannen am Waldrand, noch weit hinauf zu den Gitzner Büheln, wo bei 825 m ihr höchster Punkt liegt. Die meisten von uns wählen aber den Weg nach rechts zum Dreiländerblick am Bereuter. Den Gehtüchtigen sei aber auf alle Fälle noch der wunderschöne Übergang über Buggenegg und Roßgaß (Weitwanderweg 204) nach Alberschwende empfohlen! D. Der Frickenescherweg Das Frickenesch gehörte bis 1806 wie Meschen zu Bildstein. Die beiden einsamen Höfe auf dem markanten Aussichtsberg besaßen bis ins 19. Jahrhundert als Zugang nur einen steilen Pfad vom Holz her und einen Fußsteig über den Rebberg-Kamm. Die Fahrstraße zu den Höfen wurde erst zum Bau der Illwerke-Masten 1929 errichtet. Vom Frickenesch steigt die Hohlgaß nach Süden leicht an. Sie bildet hier ein Teilstück des Wolfurter Höhenwegs, der dann das Eulentobel quert und die Wanderer nach Meschen und zum Rutzenberg bringt. Die Hohlgaß biegt aber schon vor dem Bach scharf nach Osten hinauf ab. Hier liegt links der zweite große Holzteil der Gemeinde Wolfurt, ein Mischwald mit vielen Buchen. Kurz danach überqueren wir die Grenze nach Bildstein und treffen auf die wunderschöne Lichtung Hoamolitto. Litto ist das alte Wort für eine Halde zum Heuen. Diese nennt der Volksmund jetzt meist Stefano Veowoad (Stephans Viehweide) oder neuerdings auch Paradieswiese. Sie ist ja auch wirklich ein Paradies für Wanderer. Besonders der mit verschiedenen Bäumen bestockte kleine Hügel in der Mitte und der darin verborgene hohe Jägerstand locken Kinder unwiderstehlich an. Für den Botaniker und den Schmetlerlingskundler erschließt sich an den Waldrändern ein reiches Feld. Am Weg gedeihen sogar noch Edelkastanien, die als Kesten bei unseren Vorfahren besonders geschätzt waren. Kleine Markierungen verraten, daß hier auch der europäische Weitwanderweg 204 von Frankreich nach Wien durchgeführt wird. Für unsere jungen Schi-Sportler klingt es unglaublich, daß ihre Großväter in den 30er und 40er Jahren diese Strecke für ihre Abfahrtsrennen benutzt haben. Die muti26 Bild 10: Im Sack. Auch hier verläuft die Gemeindegrenze zu Wolfurt knapp hinter dem Waldrand. gen Burschen steckten sich damals selbst eine Rennstrecke durch die steilen Viehweiden bis zum Schneiderkopf hinauf aus. Schlüsselstelle blieb aber jedes Jahr die Gleitstrecke durch die meist eisige Hohlgasse. Dann galt es noch, am Flötzerkopf genug Geschwindigkeit aufzunehmen und ohne Sturz das Ziel, weit unten nahe der Kirchstraße in Unterlinden, zu erreichen. Das erste Wolfurter Abfahrtsrennen auf dieser Strecke gewann am 22. Jänner 1932 Josef Brugger mit einer Zeit von 5 Minuten 42 Sekunden (!) vor Hermann Winkel und Herbert Gasser. Später waren dann meist Jielg Tschull oder Herbert Bechter die Sieger. Die Ippachstraßen bringen heute außer Waldarbeitern auch viele erholungssuchende Wanderer in den Wald und auf die Höhen von Bildstein und Buch. Wer außer den angeführten Straßen auch noch ein paar von den kleinen Verbindungswegen kennt, dem öffnen sich in zahlreichen Varianten Rundwege durch Wälder und über Bühel, die zu jeder Jahreszeit Naturschönheiten anbieten. Von den vielen Waldpfaden und Jägersteigen zähle ich hier nur die wichtigsten auf. Ich nenne sie den Höhenweg, den Berütterweg, den Saustallweg und den Gitznerweg. Auf der beigefügten Skizze (S. 18 und 19) sind sie eingezeichnet. Der Höhenweg ist markiert und mit Geländern gesichert. Der Saustallweg ist als Forststraße ausgebaut. Der Berütterweg und der Gitznerweg werden aber wie auch der Steußbergweg kaum mehr begangen und sind daher an vielen Stellen zugewachsen und nur mehr als schmale Pfade erkennbar. Der Wanderer muß hier unbedingt mit Bergschuhen ausgerüstet sein. 27 1. Der Höhenweg Fast jeder Wolfurter und sehr viele Gäste sind schon über den Höhenweg am Waldrand von der Ach bis Rickenbach gewandert. Er besteht seit 1968, doch wurden bereits 1962 da oben vom neu gegründeten Verkehrs verein 20 Ruhebänke aufgestellt. Aber erst 1968 waren die Tobelüberquerungen fertig, sodaß Wegweiser gesetzt werden konnten. Dabei galt folgende Regelung: Die von Wolfurt bergwärts nach Buch oder Bildstein führenden Wege sollten „weiß-blau" markiert werden, die Querwege dagegen „weiß-rot". So wurde denn auch der Höhenweg schon damals weiß-rot gekennzeichnet. Er beginnt bei der Achbrücke als Fortsetzung des Achuferwegs. Auf der Sportplatzstraße bringt er uns zuerst in die Schlucht der Bregenzerach. 1847 wurde diese Straße im damaligen Flußbett der Ach zur ehemaligen Fabriklerbrücke aufgeschüttet. Hier rodeten 1947 die Fußballer ihren Platz. 1975 eröffneten die Schützen den neuen Schießstand, den sie mit einer Kassettendecke aus kostbaren alten Schützenscheiben geschmückt hatten. Dort wo bis 1932 eine gedeckte Holzbrücke den Arbeitern einen eigenen Zugang zur Schindlerfabrik ermöglichte, steigen wir steil ins Oberfeld hinauf. Nach links folgen wir der Markierung auf dem ehemaligen Ächler Holzweg. Beim Illwerke-Mast queren wir am Waldrand die Neue Bucherstraße. Über die Forststraße gelangen wir zur Alten Bucherstraße, die wir beim Bänkle an der Rütte überqueren. An der Staumauer vorbei, die den Tobelbach hier in ein Rohr zwängt, steigen wir Richtung Schloß in die Parzelle Holz zum Steußbergweg hinauf. Gleich nach dem Schmiedeteich zweigen wir wieder ab. Ein schmaler Pfad bringt uns zur Brücke über den Ippachbach und ins Frickenesch hinauf. Immer wieder laden uns Ruhebänke mit herrlicher Aussicht auf Gebhardsberg und Bodensee zum Verweilen. Vom Frickenesch leitet uns die Markierung durch die Hohlgaß, der wir aber nur bis zur einem lichten Buchenwald folgen. Dort steigen wir über steile Stufen im Mergelfels zum Eulentobelbach hinab. Auf der anderen Seite finden Einheimische den alten Weg weiter geradeaus ins Staudach oder auch den direkten Zugang von der Hub zum Bereuter. Die Markierung bringt uns aber nach Meschen hinab und von dort auf die Straße zum Rutzenberg. An dessen sonnigen Halden wurde noch im 19. Jahrhundert viel Wein angebaut. Jetzt sind sie ein bevorzugtes Siedlungsgebiet geworden. Über die Wingertgasse finden wir zur Kapelle in Rickenbach hinab. 2. Der Berütterweg Der Bergrücken vom Strohdorf bis hinauf zur Schneiderspitze heißt in alten Kirchenbüchern berütterberg. Das ist ein Name, der uns wie Rütte und Schwende an die Rodungen vor 1000 Jahren erinnert. Von den Höfen am Bereuter führen etliche Wege ins Tal, einer davon direkt nach Norden zur Furt über die Bregenzerach als ehemaliger Kirchweg und kürzeste Verbindung nach Bregenz. Wir gehen ihn umgekehrt hinauf zum Berufter. Das erste Stück von der Achbrücke herauf folgen wir dem Höhenweg bis zur Neuen Bucherstraße. Gleich am Beginn der dort abzweigenden Forststraße verlassen wir diese und kürzen auf einem Pfad über einen Waldbühel nach Nordosten zur Alten Bucherstraße ab. Die alten Dokumente nennen diesen Weg den Bregenzer Weg. Um das Jahr 1850 tadelte das Bezirksgericht Bregenz die Gemeinde Wolfurt mehrmals, weil sie den Bregenzer Weg nicht genug pflegte. Die Bucher hatten geklagt. Sie brauchten ihn. Als letzte ging bis zum Bau der Neuen Bucherstraße Anna Hopfner (die Wolfurter nannten sie einfach Buochar-Anna) fast jeden Tag aus Buch auf dem Bregenzer Weg nach Kennelbach in die Fabrik, im Sommer meist barfuß. Wenn ein Unwetter tobte, übernachtete sie manchmal bei ihrer Arbeitskollegin Bischofs Anna, die bei Mohro Emile am Kirchplatz im Quartier war. Jeden Werktag barfuß aus Buch in die Fabrik! Bis 1935 auf diesem schmalen Pfad! Beim Holzplatz am Fuß der Katzensteig überqueren wir die Straße und steigen durch den Gemeindewald aufwärts. Unser Weg führt an einem Futterstand der Jäger vorbei. Ganz nahe liegt rechts über dem Tobelbach drüben das Hinterfeld mit der neuen Forststraße. Wir bleiben aber auf der Ostseite des Baches und steigen durch eine teilweise verwachsene Hohlgasse steil aufwärts. Erst auf dem neu aufgeschütteten Damm überqueren wir den Bach und erreichen den Sandigen Weg. Gleich klettern wir auf steilem Pfad weiter hinauf zur Ebne. Eine neue Straße führt von hier nach links über den Saustall zum Ippachbrünnele. Wir überqueren sie aber und steigen in die dahinter liegende romantische Schlucht des Ippachbaches hinab. Links bleiben die steilen Wände der Rappenfluh zurück. Jenseits des Baches kommen wir bald zur Paradieswiese Hoamolitto. Sie ist bereits Bildsteiner Boden. Die schöne Holzerhütte allerdings, die Böhlers Oskar rechts am Waldrand auf einen Felsen gestellt hat, die steht noch auf Wolfurter Grund. Ein halbes Dutzend Wege trifft hier zusammen. Eine Straße geht hinüber zur Staudachstraße und weiter zur Dellen. Dort könnten wir in der abgelegenen Kapelle das fromme Bild von St. Martin und St. Wendelin besuchen, das der Kennelbacher Maler und Krippenbauer Engelbert Karg schon 1910 gemalt hat. Durch das kühle Tobel des Rickenbaches gelangt man dann auf einem selten begangenen Weg zur Erscheinungskapelle und zur Wallfahrtskirche Maria Bildstein. Von der Hohlgaß herauf kommt der Weitwanderweg 204. Ortskundige finden auch die schmalen Pfade, die direkt nach Meschen oder auf der anderen Seite ins Mösle hinab führen. Wir aber wählen den Weg durch Wald und Wiesen hinauf zu den Häusern am Bereuter. Dort ist bei der ehemaligen Sennerei einer der schönsten Aussichtspunkte des ganzen Berges. Nur mehr selten steigt ein Bergler auf dem Berütterweg ins Tal. Vielleicht war Gottlieb Böhler der letzte. Er hat ihn mir gezeigt. Da heroben auf dem Bereuter war er daheim. Der Schulinspektor hatte ihn als jungen Lehrer aber nach Schröcken versetzt. Um 6 Uhr früh fuhr von Kennelbach aus der erste Zug der Wälderbahn nach Bezau. Jeden Montag, im Sommer und im Winter, bei Regen und bei Neuschnee, oft noch in dunkler Nacht, eilte Gottlieb den steilen Weg durch die Wälder zur Ach- 28 29 Bild 11: Bim Imbohüsle im Su-Stall. Klimmers Albert 1932. Bild 12. In der Kohlgrub. 30 cm hoch decken Kohlenreste den Lehmboden am Gitznerbach. brücke hinab und war rechtzeitig am Bahnhof. Im Jahre 1954 noch auf dem gleichen Weg, auf dem einige Jahrzehnte früher Bildsteiner Leute zur Fabrik in Kennelbach und einige Jahrhunderte früher die Gläubigen zur Sonntagsmesse nach St. Gallus in Bregenz gegangen waren! 3. Der Saustallweg Su-Stoag und Su-Stall liegen oberhalb vom Ippabrünnele. Sie haben ihre Namen lange Zeit zu Recht getragen. Hinter einem Hügelrücken hat sich hier ein Moos gebildet, aus dessen Wasservorräten zwei Bäche entspringen. Durch diesen Sumpf mußten die Pferde der Lauteracher Bauern einst die schweren Holzstämme schleppen. Oft sanken Roß und Fuhrmann tief in den Morast ein - ein Saustall! Nicht viel besser war der nasse Weg hinab zum Brünnele, die Sausteig. Hier haben die Forstwegbauer saubere Arbeit geleistet, das Wasser abgeleitet und einen festen Damm durch den Sumpf aufgeschüttet. Die Lichtung am Saustall ist ein besonders idyllischer Ort. Ippachwanderer nennen den Platz Bim Imbohüsle. Ab dem Jahre 1932 betrieb der Bienenzuchtverein hier nämlich eine Waisel-Zuchtstation. Sie wurde allerdings zu Kriegsende ausgeplündert und daher schon 1947 wieder abgebrochen. Ganz in der Nähe haben die Jäger ihr Forsthaus St. Hubertus erbaut. Zwei ganz neue Forststraßen erschließen von hier aus gegen Osten die Holzteile des Lauteracher Ippachs, eine links des Plattenbachs leicht abwärts ins Saustall-Loch, die andere steil aufwärts. Auf der dritten umgehen wir nach rechts die Quelle des Tobelbachs. Weit hinab nach Westen bringt sie uns zur Ebne. Hier finden wir Anschluß an den Steußbergweg und und an den Berütterweg. 4. Der Gitznerweg Wer der Alten Bucherstraße bis ins Gschliof gefolgt ist, könnte dort leicht die Markierungstafel nach Buch übersehen, denn die neue Forststraße zur Kohlgrub folgt steil aufwärts der Trasse des Wegs nach Gitzen. Den von den Fuhrleuten früher so gefürchteten steilsten Teil des Weges haben die Planer mit zwei Kehren und einigen heute schon wieder überwachsenen „Krainer"-Wänden aus aufgestapelten Baumstämmen überwunden. Durch den großen Holzteil der Gemeinde Hard erreichen wir hier die östlichste Wolfurter Waldparzelle, die Raimund Mohr mit weißblauen Marken gut gekennzeichnet hat. Daran schließt sich auf Bucher und Bildsteiner Gebiet die Kohlgrub am Gitznerbach an. Das war früher der abgelegenste Winkel des Ippachwaldes. Hier stellten die Kohlenbrenner ihre Meiler auf und gewannen die wertvolle Holzkohle, die sie in Ledersäcken zur Straße trugen, um sie teuer an die Schmiede zu verkaufen. So einträglich dürfte das Geschäft gewesen sein, daß schließlich ein Waldgebiet von über 30 Hektar Fläche in privater Nutzung dem Gericht Hofsteig entzogen wurde. So konnte es 1796 auch nicht verteilt werden und wurde überraschend als Keil im Bucher Ippach der Gemeinde Bildstein zugeschlagen. Noch heute sind der Hämmerlewald mit über 9 Hektar Fläche und seine Nachbarholzteile die größten Waldparzellen im Ippach. Längst brennt man keine Kohlen mehr. Beim Bau der neuen Forststraße, die nach der Überquerung des Gitznerbachs auf Bildsteiner Gebiet am Tobel des Bucher Ippachbachs endet, wurden drei Kohlplätze angeschnitten. Bis zu 30 Zentimeter liegt hier Kohlenstaub, durchsetzt mit Hühnerei-großen Kohlenbrocken. 31 30 Bild 14: Die Russenhütte. Eine alte Holzerhütte in der Kohlgrub. Das Kohlenbrennen hatte früher bei uns große Bedeutung, weil man nur mit


Heimat Wolfurt Heft 18 1996 Februar
Son, 6. Feber 2011 | Kuhn EDV

Heft 18 Zeitschrift des Heimatkundekreises Februar 1997 Bild 1: Die Turmkugel hoch über dem Kirchdorf. Zuletzt wurde sie im Jahre 1985 von Spenglermeister Walter Schwerzler und Architekt Peter Konzet geöffnet. Inhalt: 83. Kriegsende 1945, Nachtrag 84. Aus der Kirchturmkugel 85. Ippachwald (1) 86. Einwanderer (3) 87. Soldatentod im Schnee 88. Ein Pergament Bildnachweis: Karl Hinteregger Bilder 1, 2, 21 Helmut Schertler 6, 8, 9, 11 Raimund Mohr 12 Siegfried Heim 5, 7, 10, 13, 14, 15 Sammlung Heim 3, 4, 16, 17, 18, 19, 20, 22 Zuschriften und Ergänzungen Fast ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis auf Heft 17 nun endlich Heft 18 folgt. Aus einer Reihe von Anfragen war zu entnehmen, daß es mit Interesse erwartet wird. Mutterpfarre Weißenau (Heft 17, S. 4) Die Frauen der Pfarre Wolfurt nahmen diesen Beitrag zum Anlaß, ihren Sommerausflug 1996 nach Weißenau zu machen. Sie haben dort eine Führung durch die großartige Barockkirche bekommen und vor dem Heiligblut-Altar gebetet. Damit ist wohl ein Neuanfang für unsere fast 400 Jahre lang unterbrochenen Beziehungen zum Kloster Weißenau gemacht. Das Landesarchiv verwaltet noch etliche Urkunden zu Weißenau und Wolfurt: Am 5. September 1447 verlieh Abt Ulrich von Weißenau sein Klostergut auf dem Bühel zu Wolfurt an Ulrich Böler. Am 31. Juli 1573 verlieh Abt Michael von Weißenau das Gut, das vormals Peter Böler innehatte, gegen Entrichtung von Zehent und eines Drittels vom Kornertrag an Hans Schnell von Wolfurt. Mir ist übrigens in dem Artikel ein Fehler unterlaufen, für den ich mich entschuldigen möchte. Die Mönche von Weißenau standen in Konkurrenz mit den Benediktinern von Mehrerau, nicht mit den Zisterziensern. Das für unsere Pfarre noch weit wichtigere Kloster Mehrerau war seit seiner Gründung im Jahre 1097 (vielleicht schon ein paar Jahre früher) bis zu seiner Auflösung im Jahre 1806 eine Benediktinerabtei. Sein Einfluß auf Wolfurt und ganz Hofsteig bedarf noch einer eigenen Untersuchung. Die Zisterzienser kamen erst 1854 nach Mehrerau, nachdem man sie aus Wettingen in der Schweiz vertrieben hatte. Nachkriegsjahre 1945 -1949 (Heft 17, S. 9) Dieser Artikel von Burkhard Reis hat ein vielfältiges Echo gefunden und mit seinen interessanten Bildern zu mancher Diskussion angeregt. Es ist höchste Zeit, daß die noch lebenden Zeitzeugen ihr Wissen weiter geben. Wir sind für jede Notiz dankbar. Ernst Maurer bestätigt die Angaben über Ludwig Gmeiners unbrauchbar gemachtes Auto (S. 22). Er habe selbst als junger Arbeiter in der Mechan. Werkstätte Reimair in Lauterach den Keil neu gehärtet, allerdings nicht in einem Hochofen, sondern in einem speziellen Härtungsofen. Zur Ausweisung der Reichsdeutschen (S. 22) erinnert sich Ernst Maurer, daß er damals in seinem Heimatort Sulzberg-Eibelesmühle gemeinsam mit Bekannten mehrmals deutsche Staatsbürger samt Koffern voll Wäsche und Eßgeschirr über die Grenze nach Bayern geschmuggelt habe. Für Direktor Welter von den Bregenzer MichelWerken hätten sie sogar Möbel geschleppt. Umgekehrt wurden deutsche Soldatenbräute, einmal sogar mit einem Säugling, über die Grenze eingeschleust, damit sie 3 Danke ! Sehr viele Leser unserer Zeitschrift haben mit dem letztes Mal beigelegten Erlagschein Spenden auf unser Konto 87 957 Raiba Wolfurt einbezahlt. Allen sagen wir herzlichen Dank! Besonderen Dank auch der Gemeinde Wolfurt, die den beachtlichen Abgang trägt. Die Finanzgebarung des Heimatkundekreises wurde im Jänner 1997 durch Herrn Klocker vom Gemeindeamt überprüft und in Ordnung befunden. Herausgeber: Heimatkundekreis Wolfurt Für den Inhalt verantwortlich: Siegfried Heim. Funkenweg 11, A-6922 Wolfurt Satz und Grafik: Erik Reinhard. A-6922 Wolfurt Fotosatz: Mayr Record Scan, A-6922 Wolfurt Druck: Lohs Ges.m.b.H.. A-6922 Wolfurt hier ihre österreichischen Partner heiraten konnten. Vorerst war allerdigs nur eine geheime kirchliche Eheschließung möglich. Hildegund Mathis-Gmeiner berichtet, daß Franziska Gmeiner (Knores Zischgele, Jg. 1914) am 1. Mai 1945 eine Gruppe von Frauen und Mädchen zuerst in Rickenbach zu Bürgermeister Rohner und dann Richtung Dorf geführt habe. Sie riefen laut, sie wollten die Sprengung der Brücken verhindern und die friedliche Übergabe der Gemeinde erreichen. Hildegunds Vater, der gerade vom Hilfsgrenzdienst in Gaißau heimgekehrt war, verbot ihr das Mitgehen. Lina Schmid-Schwärzler wurde nach dem Einsatz im RAD zur Dienstleistung in der Hutfabrik Egg verpflichtet, wo man Elektroteile für die Rüstung fabrizierte. Das Bild von der Musterung des Jahrgangs 1918 (S. 34) wurde für viele zum Suchbild. Paul Schwerzler hat mir folgende Namen angegeben: Vorne sitzend v. 1.: Paul Schwerzler, Bütze; Johann Simioni, Strohdorf. Zweite Reihe v. 1.: Julius Amann, Postmeisters; Franz Mitterdorfer, Rickenbach (Sein jüngerer Bruder Mario ist 1943 gefallen); Karl Büchele, Schlatt; Erich Künz, Ach; Karl Rohner, Ach (gestorben schon 1939). Hinten v. 1.: Schöllnberger (ein jüngerer Bruder des Schneidermeisters Ernst Schöllnberger in der KellhofStraße); Anton Wolfgang, Rickenbach (gefallen 1945); unbekannt (vermutlich aus dem Wida). Der Jahrgang 1918 war mit 22 Geburten der zweitkleinste in unserem Jahrhundert. Weniger Kinder, nämlich 20, waren nur 1916 zur Welt gekommen, als die meisten Männer im Krieg waren. Georg Klettl hat mir ein paar Notizen vom Geschehen rund um das Vereinshaus 1945 gebracht. Er war damals als 15jähriger dort daheim: Ich erinnere mich noch daran, daß in Wolfurt ein RAD-Lager errichtet werden sollte. Dort wo jetzt das Heinzle-Haus in der Neudorfstraße steht, wurde der Rasen von RAD-Männern abgehoben und zu sauberen Würfeln aufgestapelt. Für uns Buben war der Aufmarsch der Männer am Morgen eine Sensation: blitzblanke Spaten, glänzende Stiefel, gute Disziplin. Es blieb aber beim Rasenabheben. Als sich die Front von Frankreich her dem Bodensee näherte, wurden im Vereinshaus 4 oder 5 LKW voll Werkzeug (Pickel, Schaufeln, Schlägel, hölzerne Schubkarren etc.) eingelagert. Es gehörte der Organisation Todt und war zum Bau von Befestigungsanlagen bestimmt. Nach wenigen Wochen wurde alles wieder abtransportiert. Bald darauf wurde auf der Nordseite des Vereinshauses ein Holzschuppen aufgestellt. Hinein kamen eine Gulaschkanone (Kochkessel) und ein großer Holztrog. Auch eine Pumpe und eine Wasserverteilung mit 5 Hahnen wurden installiert. Der große und der kleine Saal wurden mit Pritschen und Strohsäcken aus Papierspagat ausgelegt. Dann wurde im April 1945 die bisher in Schlünders im Südtirol stationierte Volkssturmabteilung hierher verlegt. Beim „Besensturm" waren Männer aus Bregenz und Umgebung, lauter ältere Semester. Unser Vater war auch dabei, natürlich als Sanitäter. Die Volkssturmmänner sollten bei der Verteidigung des Bodenseeufers in Hard zum Einsatz kommen. Ende April waren die Volksstürmler plötzlich nicht mehr da. An zwei Namen erinnere ich mich noch: Kommandant war der Schuldirektor Niederer aus Gaißau, Koch war ein Herr Rüscher aus Vorkloster. Dann kam der Einmarsch der Franzosen und Marokkaner mit gewaltigem Kriegsmaterial und unzähligen Mulis. Auf Instrumentenmachers Wiese beim Vereinshaus standen jede Menge Dodge und Jeeps (Autos), aber auch Kanonen und anderes Kriegsgerät. Die Panzer waren auf der Wälderstraße abgestellt. Viele hatten Käslaibe aufgeladen, die die Soldaten in den Käsereien im Allgäu erbeutet hatten. Eine große Anzahl Marokkaner schlief im großen Saal auf den vom Volkssturm verlassenen Pritschen. Drei Schmiede waren bei Schmied Köbs einquartiert. Sie hatten die Werkstatt beschlagnahmt und beschlugen nun dort ihre Mulis. Diese weideten in allen Feldern, am meisten unten in den Lehmlöchern. Die Marokkaner waren im allgemeinen diszipliniert. Sie wurden von den französischen Oberen strenge behandelt. Ich erinnere mich noch, daß unsere Mutter ihnen einen ganzen Einweckhafen voll Innereien kochen mußte. Ein fürchterlicher Gestank erfüllte unsere ganze Wohnung. Unvergeßlich! Ganz andere Erinnerungen verbindet Frau Gebhardine Ciaessens mit dem Kriegsende. Als Tochter von Bürgermeister Ludwig Hinteregger, der damals die Verantwortung für Wolfurt wieder übernahm, erhielt sie Einblick in das tragische Geschehen um die Kriegstoten in Wolfurt: Bei dem Tieffliegerangriff am Nachmittag des 1. Mai 1945 hörten meine Mama und ich den Einschlag im benachbarten Kaplanhaus. Im Hausgang wurde die 15 Jahre alte Luise Bilgeri getroffen, als sie in den Keller laufen wollte. Sie wurde über die Stiege hinab geschleudert. Eine Flüchtlingsfamilie, die schon vorher dort Zuflucht gesucht hatte, glaubte zuerst, die Großmutter werfe ihnen noch ein Kleiderbündel zu. Schnell wurden die Krankenschwester Epiphanie und Herr Klettl vom Roten Kreuz verständigt. Ein Transport war nicht möglich. Innerhalb von 12 Stunden ist Luise innerlich verblutet. Das Sterbebuch der Gemeinde hält dazu fest: Luise Bilgeri, geb. 22.5.1930, am 2. Mai 1945, 4.30 Uhr früh, verstorben. Leberdurchschuß durch Tieffliegerangriff am 1. Mai 1945. Am 2. Mai brachte man zwei tote deutsche Soldaten zu uns. Sie lagen zuerst im Tenn. Dann wurde jeder in einen Sarg gelegt und bis zur Beerdigung unter der ersten Arkade des Friedhofs aufgebahrt. Ihr gemeinsames Grab bekamen sie im unteren Friedhof links vom Eingang in der dritten Reihe an der Mauer. Der eine war ein unbekannter Soldat. Er trug nur mehr einen Rosenkranz bei sich. Die Papiere und die Erkennungsmarke hatten ihm wahrscheinlich seine Kameraden abgenommen, um die Angehörigen zu verständigen. Dazu ist im Sterbebuch, bezeugt von Bürgermeister Hinteregger, notiert: Unbekannter Soldat, am 2. Mai 1945, 6 Uhr, gefallen bei Haus 23. (Haus 23 ist Scheffknechts Haus hinter dem Wälderhof an der Ach.) 5 4 Der zweite Soldat trug sein Soldbuch bei sich: Herbert Hümpel, geb. 3.1.1927, aus Kirch-Mummendorf, Bez. Grevenmühlen, Mecklenburg. Das Soldbuch und ein paar Fotos aus seiner Heimat blieben vorerst bei uns. Jeden Suchdienst habe ich angeschrieben. Weil Mummendorf im von den Russen besetzten Gebiet lag, kam erst im November 1952 die erste Anfrage von seinen Eltern. Vom Roten Kreuz in Hamburg hatten sie eine Nachricht erhalten. Ich konnte ihnen das Soldbuch zuschicken. Ende der 60er Jahre wurden die beiden Toten vom Österr. Schwarzen Kreuz exhumiert und auf dem Kriegerfriedhof bei der Evangelischen Kirche in Bregenz neu beigesetzt. An Hümpels Finger steckte noch sein Ring mit den eingravierten Buchstaben H.H. Für die Übermittlung dieser Erinnerung an ihren einzigen Sohn äußerten sich die Eltern dankbar. Inzwischen konnte die einzige Tochter auch schon das Grab ihres Bruders besuchen. Im Sterbebuch bezeugt Bürgermeister Hinteregger: Kanonier Herbert Hümpel ist am 2. Mai 1945, 6 Uhr, in Wolfurt-Oberfeld beim Einmarsch der Franzosen durch Kopfschuß verstorben. Einige Seiten weiter ist im Sterbebuch auch der Tod des Familienvaters Gebhard Böhler (Heft 17, S. 10) vermerkt: Verstorben am 2. Mai 1945, um 18.15 Uhr, in Tuttlingen in der Karlsschule. Lungen- und Leberdurchschuß beim Einmarsch der Franzosen am 2. Mai 1945. Die Leiche wurde nach Wolfurt überführt und am 27. Juli 1947 beigesetzt. Vier junge Menschen mußten also am letzten Kriegstag allein noch in Wolfurt sterben. Einige Zeugen berichten sogar von einem weiteren Todesopfer. In einer Wiese neben der heutigen Nußgasse wurde ein deutscher Maschinengewehrschütze durch einen Lungendurchschuß schwer verletzt. Arthur Fischer berichtet, daß man ihn in sein Elternhaus, in die ebenerdig gelegene Wohnung seines Bruders Eugen, brachte. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Einwanderer 2, Italiener (Heft 17, S. 39) Dieser Bericht wurde in Kennelbach diskutiert. Die Nachkommen der Wolfurter „Italiener" wissen noch, daß ihre Eltern besonders unter dem Übernamen „Tschinggo" gelitten hätten. Das Spottwort stammt angeblich vom italienischen „cinque" (fünf). Die Italiener waren übrigens tief-katholisch. Pfarrer Nachbauer verlangte 1905 für sie einen ständigen italienischen Seelsorger. In Scharen gingen die Männer am Palmsonntag oder am Karsamstag zu den Kapuzinern in Bregenz zur Beichte. Daheim mußten sie dann ihren Beichtzettel vorlegen. Barmherzige Schwestern (Heft 17, S. 60) Einen wunderschönen Brief hat Sr. Isabella Schedler aus Mils geschickt. Unter anderem erzählt sie darin, wie sie als Schülerin 1923 helfen durfte, die neue kleine Glocke über die Berggasse zur Kirche hinauf zu ziehen. Siegfried Heim Dokumente aus der Turmkugel In Bildstein ließ Pfarrer Hinteregger anläßlich von Instandsetzungsarbeiten an seinen Kirchtürmen auch die Turmkugeln öffnen. Dabei fand sich in einem gut verschlossenen Behälter ein handgeschriebenes Dokument aus dem Jahre 1711. Weil die Wallfahrtskirche damals noch zur Pfarre Wolfurt gehörte, ist die Botschaft auch an uns gerichtet. Msgr. Gerhard Podhradsky und Werner Vogt haben sie für uns gelesen und kommentiert. Im Bildsteiner Pfarrbrief vom 25. Aug. 1996 wurde sie abgedruckt. Hier nur ein Auszug: Jesus Maria et Joseph Anno 1692 seindt die Thürnx zue bildtstain bey der Kirchen undt walfahrt erbawet, undt nach 19 verflossenen Jahren widerumb repariert, undt die Kupplen erhöchet worden. Daran haben gearbaithet M. Philipp Geiger undt bartholome böler in Bildtstain, Hanß Stadelmann, undt bartholome böler, zwey Zimmermann. Solche Rupien saindt gedäckht worden von H. Georg broz Landtaman2 undt Seinem Sohn Christian broz von Rankhwil. Zue der Zeitt:.... Nun berichtet der Schreiber, daß der Kaiser (Josef I.) gestorben sei und sein Bruder Karl um das Erbe in Spanien Krieg führe. Ludwig XIV von Frankreich sei in das Land eingedrungen. Die Ungarn hätten ihren Aufstand beendet. Aber noch führten die Schweden gegen die Polen und Dänemark gegen die Schweden langwierige Kriege. Er zählt auch die kirchliche Obrigkeit mit Papst Clemens XI. und dem Bischof von Konstanz Joannes Franciscus auf und fährt dann fort: Zur Zeitt, da H. Pfarrer in Bregenz Jo. Caspar Boch Administrator Episcopalis3 undt Ihro Gnaden Jo. Andreas Pappus v. Trazberg Archiducalis Administrator4 in Bildtstain der Kirchen waren. DD. Beneficiati5 in bildtstain waren zue der Zeitt R.D. Franciscus Casparus Frewis Brigantinus6 .... 1 2 3 4 5 Türme Georg Brotz aus Batschuns war Ammann im Gericht Rankweil-Sulz Verwalter des Bischofs Verwalter des Erzherzogs Die Herren Benefiziaten waren die Inhaber der vier aus Opfergaben der Pilger gestifteten und erhaltenen Pfründen in Bildstein. Im 18. Jahrhundert wirkten an der Wallfahrtskirche ständig vier Priester. aus Bregenz 6 6 7 R.D. Jo. Jacobus Reinhardt Wangenensis .... R.D Fran. Xaverius Wechinger Dornbürensis1 .... R.D. Jacobus Fer Weilhaimensis .... Aeditus hoc tempore: Joannes Schindel in Ranchwilanus simul et Ludemoderator.8 Parochus in Wolffurt R.D. Joannes Egendter Beznaviensis.9 Amanus im gericht hoffstaig H. Georg Ronner in Wolffurth.10 Also 1711 zur Zeitt, da die 4 vor Arlenbergische Herrschaften Ser betrangt waren mit Kriegß beschwerden, winther-quartier, durchzüg in Italien11, undt was daß Meriste12, mit haimmischen großen Uneingkeitten, oder bellis intestinisli. Aus Christlichem Mittleiden vor alle obbemelte Personen So einer Solcher solte noch in der quall des Fegfeürs aufgehalten werden Sollen betten alle gegenwerthige ein hailig undt Andächtiges Vatter Unsser undt Ave Maria.14 Amen. geschechen in bildtstain den 18. July 1711. — Soweit also das Bildsteiner Dokument. Der Wolfurter Kirchturm stammt als ältester Teil der heutigen Pfarrkirche wahrscheinlich noch aus dem 15. Jahrhundert. Vermutlich hat erst Pfarrer Franz Josef Feurstein im Jahre 1728 das alte gotische Satteldach durch eine Turmspitze ersetzen lassen. Jedenfalls läßt sich seither auch in Wolfurt eine Turmkugel nachweisen. Beim großen Kirchenumbau von 1833 ließ Pfarrer Barraga dieselbe öffnen. Er schreibt darüber15: 1834. DerSommer war unerhört warm und sehr trocken. Es regnete nur einige Mahl; daher konnte auch die im vergangenen Jahr aufgebaute Kirche sehr gut austrocknen und mit dem Thurm verputzet werden. - Der Thurmknopfhat 22 Zoll'6 im Durchmesser. Im selbigen fand sich ein kleines 1 1/4 Zoll langes Schächtchen von Holz, es schloß in sich das Evangelium des H. Johannes, ein Wachs17 und ein Zettelchen mit den Worten Franciscus Feurstein parochus18 1728, den 28. Oktober. In einer blechernen Büchse wurde es mit einigen Noten abermahl in selbigen gelegt. Leider ist diese Büchse mit dem ältesten Dokument von 1728 seither verschollen. Franz von Barraga, von 1828 bis 1835 Pfarrer in Wolfurt, schrieb aber auf eine kleine 7 Bild 2: Blick von der Kirchturmkugel auf den Dorfplatz hinab (1985) Rolle Pergament einen zweiten Brief an uns, den er 1834 in die Turmkugel einlegte: Lectori Salutem!19 1833 ist die alte Kirche, die im Langhause 9 Klafter oder 54 Schuhe, und in der Breite ohne Mauer 4 Klafter oder 24 Schuhe hatte20, stückweis so abgebrochen worden, daß der Gottesdienst immer in der Kirche gehalten werden konnte; indem das 13 aus Dornbirn Mesner war zu dieser Zeit Johann Schindl aus Rankweil, zugleich auch Lehrer. In Bildstein hatte nämlich ein Jahr vorher der Benefiziat Dr. Jakob Halder eine der ersten Schulen im weiten Umkreis errichtet. 9 Der aus Bezau stammende Wolfurter Pfarrer Egender hatte einige Jahre früher nur mit großer Mühe verhindern können, daß sich Bildstein als Pfarre selbständig machte. Hofsteig-Ammann Georg Rohner war zuvor einer der Anführer bei den erfolgreichen Aufständen des „Gemeinen Mannes" gegen die Willkür der kaiserlichen Vögte gewesen. Lies über ihn und die im folgenden Absatz beschriebene Not in unserem Land in „Heimat Wolfurt", Heft 13, S. 28! 1 ' Durchmärsche von Soldaten nach Italien 12 das ärgste mit Bürgerkriegen. Gemeint sind die Aufstände des "Gemeinen Mannes", bei denen Bregenz zweimal von den Bauern besetzt worden war. 14 Demnach wurde das Schreiben öffentlich verlesen. Schon zu deren Lebzeiten wurde dabei für die Obrigkeit um Erlösung aus den Qualen des Fegefeuers gebetet. 15 im Anhang zum Pfarrfamilienbuch I C, Pfarrarchiv Wolfurt 16 17 18 22 Zoll sind etwa 57 Zentimeter Wachsfigur. Solche wurden häufig von Pilgern geopfert oder als Andenken gekauft. 19 Pfarrer Ein Gruß: Dem Leser sei Heil! 20 17,10 Meter lang und 7,60 Meter breit 8 9 neue Gebäude sich schnell erhob, und im obigen Jahre mit dem Dache versehen werden konnte. 1834, am Feste Maria Geburt stand die neue Kirche11 vollendet da. Baumeister war Peter Bilgeri von Lauterach, Bauer22 Sebastian Rüscher von Bitzau, die Maurer aus dem Bregenzerwald. Vorsteher L. Fink.23 Bauinspizient Anton Matt von Bregenz. Kassier MartinSchertler,Altvorsteher.2'1' Der Kosten beläuft sich gegen 6.000 Gulden. Freiwillige Beiträge der Pfarrkinder und das Drittel davon von seiner Majestät dem Kaiser Franz I. als Patron in den Fußstapfen des Klosters Mererau decken diese Unkosten.25 Unter Leitung des Zimmermeisters Fetz von Eck im Bregenzerwald ist den 26. August 1834 der Thurmknopf abgenommen worden. Es fand sich in demselben beiliegendes Schächtchen Nr. I von Franz Jos. Feuerstein, Pfarrer zu Wolfurt. Ad. 28 Oktober 172426. Derzeit ist Pfarrer Franz De Barraga, gebürtig von Wien, erzogen zu Innsbruck, wegen Priestermangel nach Vorarlberg berufen, war Kaplan zu Rankweil und Schwarzenberg, dann Pfarrer in Damüls. 1834 ist der Tit. Dekan zu Schwarzach, Joseph Stadelmann; der Hste. H. Generalvikar u. Weihbischof, Johannes von Tschiderer; der Hste. H. Fürstbischof zu Brixen, Bernard Galura; Seine päpstlichen Heiligkeit heißt Gregor der XVI. Den... September 1834 ist der Thurmknopf oder die Kugel vergoldet wieder an seine Stelle gesetzt worden - von Spengler Joseph Schwerzler. Nur etwas mehr als 40 Jahre ruhte das Dokument diesmal in der vergoldeten Kugel. Man hatte den Turmhelm mit kleinen grün glasierten Ziegeln eingedeckt. Diese hielten den rauhen Westwinden aber nicht stand. Dekan Josef Anton Waibel, von 1867 bis 1879 Pfarrer in Wolfurt, sah sich 1877 gezwungen, den morsch gewordenen TurmDachstuhl zu erneuern und mit einem Blechdach zu versehen. Bei vielen Wolfurter Es war eigentlich keine neue Kirche, sondern eine großzügige Erweiterung. Turm und linke Wand der alten Kirche blieben erhalten. Siehe Heimat, Heft 4, S. 59 u. 60! 22 Polier, Bauführer 23 Leonhard Fink (1777-1860) aus Sulzberg, Adlerwirt in Rickenbach, war in Wolfurt schon 1821-22 und dann wieder zur Zeit des Kirchenbaus ab 1832 Vorsteher. 24 Altvorsteher Joh. Martin Schertler (1793-1856), ein Sohn des Schützenmajors Jakob Schertler in Unterlinden, beaufsichtigte von Seiten der Gemeinde den Bau. Später wurde er 1850 bis 1853 ein zweites Mal Gemeindevorsteher. 25 Nach der Auflösung des Klosters Mehrerau im Jahre 1806 war das Patronat über die Pfarre Wolfurt im Umweg über den bayerischen Staat an das österreichische Kaiserhaus gekommen. Die mit dem Patronat verbundene Verpflichtung zum Beitrag am Neubau der Kirche soll der Kaiser aber sehr lange nicht eingelöst haben. Jedenfalls konnte der Brixner Weihbischof Georg Prünster die Kirche erst am 25. Juni 1849 einweihen (Rapp, S. 801). 26 Dieses Datum differiert mit Barragas Eintragung im Pfarrbuch (siehe weiter oben!) um vier Jahre. 27 68 Fuß sind etwa 21,5 Meter, für einen Dachbalken eine erstaunliche Länge. 21 Häusern setzte man einige von den vom Kirchturm entfernten grünen Ziegeln auf das Dach, um sich damit einem zusätzlichen Schutz zu unterstellen. Auf dem Turm wurde natürlich auch die Kugel geöffnet und darin ein dritter Brief hinterlegt: Lectori salutem! 1877 wurde der Thurm renovirt u. mit Eisenblech gedeckt. Dabei kam zur Verwendung: 7 (sieben) lange Stück Holz, wovon das längste 68 Fuß.27 Eisenblech 2400 Quadrat Fuß.28 Die Kugel wurde neu verfertigt aus Kupfer u. im Feuer vergoldet. Durchmesser 20 Zoll.29 Das Kreuz ganz neu. Die ganze Länge 12 Fuß 8 Zoll.30 Das Baucomite bildeten: Franz Hinteregger, Gemeindeausschuß, Dorfmeister, Hauptleiter des Baues.31 Jos. Anton Schedler, Gemeinderath.32 Jos. Anton Geiger, Altkirchenpfleger.33 Arbeiter des Baues: Josef Gmeiner (Strohdorf), Zimmermeister Johann G. Schwärzler (Unterlinden) Josef Schwärzler (Tobel)34 Dachdecker: Martin Schwärzler, Flaschner (Schifflewirth)35 Seine Gehilfen: Wilhelm Schwärzler, Sohn des Obigen Alexander „ Johann Köb von Bildstein, Geselle bei Obigen. 28 29 30 31 Das entspricht einer Fläche von 240 m2. Die neue Kugel war also mit nur mehr 53 Zentimeter Durchmesser etwas kleiner als die alte. Ziemlich genau 4 Meter. Franz Hinteregger (1845-1919) wohnte in der Bütze. Als Dorfmeister war er für Straßen, Bäche und Brunnen im Dorf verantwortlich. 32 Josef Anton Schertler (1829-1916), Flotzbach. Auffallend ist, daß der Pfarrer die Schreibart Schedler verwendete. 33 Jos. Anton Geiger (1820-1888), Rochusles 34 Alle drei waren Zimmerleute aus bekannten Familien: Gmeiner von Disjockeles (später nannte man sein Haus Knores) im Strohdorf. J.G. Schwerzler von Zimborars in Unterlinden. Sein Haus am Anfang der Frickenescherstraße in Unterlinden zeigt noch heute auffallenden Zimmermannsschmuck. Er hat 1905 auch Kreuz und Kugel auf die Turmspitze gesetzt. Josef Schwerzler (1850-1915), der schwarz Toblar, stellte 1911 das Kreuz im oberen Friedhof auf. 35 Das Gasthaus Schiffte stand am nördlichen Ende der Bützestraße. Sohn Wilhelm ist später nach Kennelbach übersiedelt, Alexander nach Amerika ausgewandert. 10 11 Bild 3: Für die neuen Glocken baute die Pfarre 1905 auch eine neue Glockenstube und erhöhte den Turm auf 57 Meter. Bild 4: Frau Agatha Schneider, 1895-1985, Wohltäterin der Kirche Bild 5: Der 1833 eingemauerte Grundstein der Kirche wurde 1994 freigelegt. Die Vergoldung des Hahnes kostet ungefähr 30 fl. Die Kosten übernahm J.G. Kalb (Schwanenwirth). Das Kreuz verfertigte Jos. Anton Dür, Mechaniker, aus eigenen Kosten.36 Der übrige Kosten des Baues kommt ungefähr auf 1500 fl öst. Wrg. u. wird durch Zuschlag auf die Gemeindesteuer gedeckt. (Die Kugel aus Kupfer kostet ungefähr 40 fl u. die Vergoldung 100 fl). Der Bau begann den 17. Juli 1877 unter dem Vorst. J.G. Fischer17. Der Thurmknopf mit Kreuz und Hahn ist unter Leitung des J.G. Schwerzler (Unterlinden) Samstag d. 11. Aug. 1877 wieder auf dem Thurm befestigt worden. Beigelegt wurde das Bild des göttl. Herzens Jesu u. der Zettel mit dem Gebet: „Akt der Sühne ". Der Zeit ist Pfarrer: Jos. Anton Waibel, Dekan, geb. zu Hohenems. Kaplan: Wilhelm Müller. 36 General-Vikar u. Weihbischof: Johann Amberg Fürstbischof zu Brixen: Vincenz Gasser Seiner päpstl. Heiligkeit: Pius IX. Hier schreibt Pfarrer Waibel ein Kompliment an seinen politischen Gegner: J. A. Dür (1818-1888), Gründer der Groß-Schlosserei in Rickenbach, aus der später die Firma Doppelmayr hervorging, war ein Anführer der Liberalen. 37 Vorsteher Joh. Georg Fischer (1847-1918) war Adlerwirt in Rickenbach und ebenfalls ein Liberaler. Als Pfarrer Nachbauer 1904 Spenden für neue Glocken sammelte, verweigerten die Rickenbacher ihre Zustimmung und sammelten lieber für eine zweite Kirche mitten im Dorf. Trotzdem brachte der Pfarrer 43.000 Kronen zusammen und konnte damit das schönste Geläute im Land anschaffen. Zur Erichtung einer größeren Glockenstube mußte die Turmspitze 1905 abgenommen werden. Dabei wurde die Kugel geöffnet. Die beiden alten Briefe darin kamen in das Pfarrarchiv. Im Trubel der Ereignisse beim Aufrichten des neuen Turmes - er war mit 57 Metern um 11 Meter höher als der alte! - dürfte der Pfarrer auf das Einlegen eines neuen Turm-Dokumentes vergessen haben. Vielleicht ist ein solches aber auch bei späteren Reparaturen verloren gegangen. Jedenfalls ist keines bekannt. Ganz neu eingedeckt wurde der Turm samt dem Kirchendach dann erst wieder im Herbst 1985. Diesmal hinterlegte Lehrer Peter Heinzle als Vorsitzender des 12 13 Pfarrgemeinderates wieder einen gut geschützten Brief in der Turmkugel. Dieser ist eigentlich für unsere Nachkommen im nächsten Jahrhundert bestimmt. Hier folgen daher nur einige Auszüge: Wolfurt, am 30. Okt. 85 In den Monaten Sept. und Okt. 1985 wurde die dringend nötige Erneuerung des Kirchendaches und der Turmeindeckung vorgenommen. Gleichzeitig wurde das größtenteils holzwurmbefallene Gebälk imprägniert und die gesamte Fassade gestrichen. (Aufzählung der beteiligten Baufirmen und der für den Bauverantwortlichen Mitglieder des Pfarrgemeinderats.) ... Die Arbeiten wurden durch extrem schönes und trockenes Herbstwetter besonders begünstigt und verliefen ohne Unfälle. Die Finanzierung der enormen Kosten (ca. 2 Mill. S - das ist etwa der halbe Wert eines Einfamilienhauses samt Grund) konnte zu einem großen Teil durch die Erbschaft der Wwe. Agathe Schneider, geb. Geiger, gestorben 1985, erfolgen. Gott vergelte ihr diese übergroße Wohltätigkeit! Die Marktgemeinde Wolfurt hat derzeit etwa 6500 Einwohner, davon etwa 4500 Katholiken. Gastarbeiter aus der Türkei u. Jugoslawien stellen mit ihren Familien etwa 1/10 der Bevölkerung. Wolfurt hat sich in den vergangenen 30 Jahren vom Bauerndorf zur Industrie gemeinde entwickelt. Es bleibt zu hoffen, daß verantwortliche Gemeindepolitiker diese Entwicklung in Bahnen lenken können, die zum Wohl aller Wolfurter und auch unserer Nachkommen gereichen. Das Jahr 1985 war für die Pfarre und die Marktgemeinde Wolfurt ein Jahr großer Veränderungen. Nach 28jähriger, überaus segensreicher Tätigkeit trat Pfarrer Gebhard Willi (Jg 1913 - Ehrenringträger der Markigem. Wolfurt) in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Kaplan German Amann Den Generationswechsel begann im verg. Herbst der Gemeindearzt Dr. Lothar Schneider (Jg 1920). Er war 28 Jahre Gemeindearzt in Wolfurt, davon viele Jahre einziger Arzt Ähnlich lange im Amt war Bürgermeister Hubert Waibel (1960-85). Er wurde im Mai von Erwin Mohr abgelöst In luftiger Höhe wartet diese Urkunde nun hoffentlich viele Jahre lang auf den ersten Leser. Sehr lange schon wartet eine andere Urkunde im Fundament der Pfarrkirche St. Nikolaus. Im Dezember 1994 wurden die Grundmauern freigelegt, weil man sie entfeuchten wollte. Dabei entdeckten die Arbeiter 2 Meter rechts vom Hauptportal in nur 70 Zentimeter Tiefe einen Stein mit seltsamer Inschrift. Eine Untersuchung ergab, daß es sich um einen alten Grabstein handelte. Eingemeißelt war unter dem Christuszeichen IHS auch das Datum Mai II 1770 zu erkennen. Bei der Errichtung dieses Fundaments im Jahre 1833 sollte der alte Sandstein wohl etwas schützen, das dahinter verborgen ist. Pfarrer Barraga berichtet darüber im Familienbuch bei den Aufzeichnungen über den Wolfurter Kirchenbau: 14 Den 28. April 1833 wurde vom Hochwürdigen Gnädigen Herrn H. Dekan, k.k. Schuldistriktsinspitient und fürstbischöflichen Geistlichen Rathe zu Bregenz in Schwarzach Joseph Stadelmann, nachdem er eine sehr angestande Rede hielt und die Stelle des Hochaltars eingesegnet hatte, unter dem Schalle der türkischen Musi38 der Eckstein gesetzt. Rechts an der forderen Seite der Kirchenmauer. Er hatte die Aufschrift, die die Jahrzahl enthält: Fördere, o Gott! dieß Werk von uns Wolfurtern zu Deiner höchsten Verherrlichung. Er wurde ausgehöhlt, und in die Höhle wurde ein Fläschchen gut versiegelt gelegt, welches einige Notizen z. B. von den zu leistenden Auslagen, von den Nähmen der regierenden geistlichen und weltlichen Obrigkeiten, enthält. Auch wurden einige kleine Münzen beigelegt. Pfarrer Amann konnte der Versuchung, nach den kleinen Münzen zu greifen, widerstehen. Er ließ den Stein ungeöffnet. Der Graben wurde wieder zugeschüttet. Darin meine ich des Pfarrers Botschaft an uns zu hören: Unsere Kirche wird weiterhin auf festem Grund stehen! 38 gemeint ist die damalige Wolfurter Blasmusik 15 Siegfried Heim Der Ippachwald (1) Neue Straßen Seit 200 Jahren bewirtschaften im Ippach mehrere hundert Grundbesitzer ihre oft sehr kleinen Waldparzellen. Jedes Jahr holten sie früher, als es noch keine modernen Heizungen mit Kohle oder Öl gab, das notwendige Brennholz für Herd und Kachelofen aus dem eigenen Holztoal (Waldteil). Schöne Stämme sparte man für Bauvorhaben oder auch zum Verkauf. Durch steile Riesen ließen die Holzer die glatten Stämme über die Hänge herab rutschen. Starke Pferde schleppten die schweren Lasten zu den Holzplätzen. Nur auf Schneebahnen konnte man sie von dort ins Tal bringen. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft brachte ab 1950 auch für den Wald große Veränderungen. Zentralheizungen und Elektroherde verdrängten die Holzöfen. Während die Arbeitslöhne stiegen, sanken die Holzpreise immer tiefer. Auch Zugpferde wurden selten. Neue Waldbesitzer hatten oft kaum mehr Bezug zu ihrem Waldteil. Wege und Marken verfielen. Manche Waldteile wurden jahrzehntelang nicht mehr bewirtschaftet. Mehrmals versuchte die Gemeinde, die Waldbesitzer zu einem gemeinsamen Straßenbau zu bewegen. 1965 legten die Forstfachleute des Landes zusammen mit Waldaufseher Paul Geiger einer Grundbesitzerversammlung sogar baureife Pläne vor. Eine Einigung kam aber nicht zustande. Überall im Land wurden Wälder durch neue Straßen erschlossen. In Wolfurt ließ man dagegen die alten weiter verfallen, abrutschen, ausschwemmen, vermuren. Große Waldflächen waren für Traktoren nicht erreichbar. Im Winter 1988/89 wurden dann aber endlich oberhalb von Frickenesch drei Waldwege saniert. Jetzt erstellte die Forstbehörde durch Dipl.-Ing. Siegfried Tschann und Ing. Roland Eine ein neues Projekt für den Ippachwald, das den Ausbau von 5,2 km Waldstraßen vorsah. Sofort nahmen einige „grüne" Gemeindevertreter ablehnend Stellung. Sie erhielten Unterstützung durch ein Gutachten des Landschaftsschutzes: Eine intensive Waldbewirtschaftung würde zu Fichten-Monokulturen führen! Dem widersprach Dipl.-Ing. Tschann in einem Gegengutachten heftig: Die Ippach-Forststraße gehöre zu den dringensten Aufgaben im ganzen Bezirk. Jetzt lud die Gemeinde alle Grundbesitzer zu einem Informationsabend am 6. April 1990 in die Aula der Hauptschule ein. Das aufgelegte Projekt fand Zustimmung. Eine Reihe von Waldbesitzern forderte sogar eine Ausweitung auf weitere Waldteile. Am 4. Mai 1992 wurde schließlich in einer Versammlung in der Aula der Hauptschule die Bringungsgenossenschaft Ippachwald gegründet und ein Ausschuß mit Vertretern aus Hard, Lauterach, Schwarzach und Wolfurt gewählt. Obmann wurde 16 Bild 6: Bei der Alten Schmiede wurde die Forststraße 1993 neu angelegt. Im Hintergrund erkennt man den Einschnitt des alten Dreigassenwegs. Helmut Schertler. Zwar erklärten 113 Waldbesitzer spontan ihren Beitritt, aber nun mußten mit großem Aufwand weitere 200 Unterschriften eingeholt werden. Schließlich taten alle 331 Besitzer mit, lückenlos alle! Sonst hätte man ja Mautstraßen bauen müssen. Der Ausschuß erarbeitete Satzungen und eine Wegeordnung. Schon 1992 wurde die Zufahrt von der Neuen zur Alten Bucherstraße ausgebaut. Ab August 1993 begann der Bagger mit der Arbeit am Dreigassen-Weg bei der Alten Schmiede im Holz. Die Bauleitung hatte mit Gottfried Mathis ein Mann übernommen, der seine Erfahrung im Straßenbau von der Wildbachverbauung einbrachte. Bis zum Sandigen Weg hatten die Planer ein Stück weit eine neue Trasse wählen müssen, von dort hinab zu den Dreigassen, hinauf zum Ellbogen und nach links hinein über den Tobelbach konnte man alten Gassen oder Wegrechten folgen. Im März 1994 begann man mit der Sanierung der Alten Bucherstraße hinauf über die Katzensteig zum Ippachbrünnele. Es folgten das schwierige Stück über die Sausteig zum Saustall und drei anschließende Stichstraßen, von denen eine die Holzteile bis weit herab in der Ebene bei Hoamolitto erschließt. Eine zweite am Saustallgraben ließ diesen Naturbach möglichst unberührt. Im März 1995 kam das zweite Baulos der Alten Bucherstraße vom Ippachbrünnele zum Gschliof an die Reihe. Die sumpfigen Murablagerungen im Gschliof selbst mußten mit einem 5 m hohen Damm überquert werden. Daran wurde noch ein ganz neues Straßenstück in die Kohlplatzwälder hinauf angeschlossen. So hatte die Genossenschaft nun mit 6 1/2 km Straßen etwa 180 Hektar Bergwald für die Bewirtschaftung mit Maschinen erschlossen. Zu den Kosten von 6 Millionen Schilling mußte jeder Eigentümer einen Anteil bezahlen, den überwiegenden Teil finanzierten aber Land und Gemeinde. Diese günstige Lösung war nur durch den 17 Bild 7: Veranwortlich für die neuen Straßen: Gottfried Mathis, Helmut Schertler, Ing. Roland Erne, Paul Geiger. Bild 8: So sah die Sausteig bis 1994 aus: eng und matschig. großen Einsatz der Verantwortlichen möglich. Weil sie weitgehend den alten Wegerechten gefolgt waren, mußte nur ganz wenig Holz geschlagen werden. Keine einzige Sprengung war notwendig geworden. Durch dieses Beispiel angeregt, hatte sich in einer weiteren Gründungsversammlung am 17. März 1994 eine zweite Genossenschaft Ippachwald II gebildet, die die anschließenden Wälder auf Bucher und Bildsteiner Kohlplatz-Gebiet erschließen wollte. Unter Obmann Herbert Böhler und seinem Stellvertreter Raimund Mohr stießen sie im Winter 1995/96 mit einer 800 m langen Stichstraße bis in die Schlucht des Bucher Ippachgrabens vor. Dabei mußten sie den Gitznergraben queren und den Steilhang mit Hilfe von etlichen Krainerwänden (Konstruktionen aus Baumstämmen) überwinden. So wurden hier in dem abgelegensten Teil des Ippachwaldes weitere 33 Hektar erschlossen. Am 4. Oktober 1996 konnten die fertigen Straßen den neuen Besitzern vorgestellt werden. Landesrat Schwärzler und Bürgermeister Mohr eröffneten in einer kleinen Feier bei der Alten Schmiede die neuen Zugänge zu unserem Wald. Aus der Geschichte Gemeinschaftswald Der Ippachwald deckt eine Fläche von insgesamt etwa 600 Hektar. Er erstreckt sich von Wolfurt an der Ach entlang unterhalb von Buch bis zum Alberschwender Unterrain. Durch bewaldete Tobel ist er mit dem Asenenwald bei Alberschwende und dem Bildsteiner Täschenwald verbunden. Jenseits der Ach schließen sich die ausgedehnten Wälder über Hohwacht und Fluh bis zum Pfänder und durch das Wirtatobel zum 18 Hirschberg an. Von 415 m Meereshöhe am Achufer des Wolfurter Sportplatzes steigt der Ippachwald steil zur 973 m hohen Schneiderspitze auf. Im Mittelalter hatten zwischen 900 und 1200 n.Chr.G. Hofsteiger Siedler zuerst die Wolfurter Bühel und die sonnigen Südhänge des Steußbergs in Bildstein gerodet und dann auch die flachen Ebneten und die sanften Halden am Osthang in Fischbach und Buch. Den steilen, feuchten und schattigen Nordhang des Steußbergs ließen sie ungeschoren. So blieb dort der große Ippachwald erhalten. Sein uralter Name, im Volksmund Ippa, stammt wohl von den zahlreich vorkommenden Eiben (Iba). In überreichem Maß lieferte er den Siedlern das Bauholz für ihre Häuser und das Brennholz zur Beheizung ihrer Kochstellen. Die Bauern der alemannischen Markgenossenschaften und der sich daraus entwickelnden Dörfer bewirtschafteten den Wald und die Felder lange Zeit gemeinsam. Gemeinsam trieb ein Hirt das Vieh aller Höfe auf die Waldweiden. Gemeinsam erntete man an bestimmten Tagen Beeren, Holzäpfel, Eicheln und andere Waldfrüchte. Unter Aufsicht von Ammann und Geschworenen des Gerichts Hofsteig wurden jedes Jahr vom banwart die zum Fällen bestimmten Bäume gemalen (mit einem Mal versehen). Der Bannwart war ein vereidigter Aufseher (Siehe Hofsteigischer Landsbrauch, LMV 1900, Seiten 138 u. 149!) Jeder husröchi (jedem Haus mit einer rauchenden Feuerstelle) wurde eine bestimmte Anzahl von Bäumen zugelost. Das Los entschied also, ob einer seine Stämme vom nahen Frickenesch oder etwa in einem abgelegenen Ippachteil fällen durfte. Wer ein Haus oder einen Stadel baute, erhielt vom Gericht kostenlos das dazu notwendige Holz. Zu den Pflichten des Ammanns gehörte die regelmäßige Kontrolle der Marken, mit denen die Gerichtswälder abgegrenzt waren. Es scheint immer wieder Holzfrevel gegeben zu haben. Jedenfalls gibt der aus dem Mittelalter in die Neuzeit übernom19 Bild 9: Behutsam wurde der neue Dreigassenweg der Natur angepaßt. Bild 10: Im Gschliof war die Alte Bucherstraße nur mehr ein morastiger Pfad. Eine neue Forstsraße erschließt jetzt hier die Kohlplatzwälder. mene und 1544 aufgeschriebene Hofsteigische Landsbrauch strenge Anweisungen: Die an die Gemeindehölzer angrenzenden Nachbarn sollten die Marken anerkennen und .... darüber nit greifen noch dem tigen Hofstaig in dessen Waldungen, hölzern, gesteüd und gestreyppt ainichen schaden zuefüegen, weder wenig noch vil darinnen howen oder wegg tragen ... (S. 179. Ein tigen ist ein Bezirk.). .... Item am berg soll niemands in gemainen höltzern reuten noch holz howen, dann mit der andern willen .... (S. 149). Tannenholz durfte nur als Zimmermannsholz verwendet und nicht als Brennholz vergeudet werden: .... das bueche holtz zuebrennen und das tenni holtz zue gezimbern und gebewen und änderst nit. Dann welcher zimerholtz verwüesten würde, der soll ainer herrschaft fünf pfund pfening strafgelt zuebezalen schuldig und verbunden sein. Desgleichen soll auch kainer kainjung büechelin erkimin genannt, noch kain berend pomb ob den marken abhowen .... Also standen junge Buchen {erkimin, wörtlich Erdkeim) und Beerensträucher (berend pomb) unter besonderem Schutz. (S. 146). Aus den abgelegensten Tobein konnte man das Holz nicht herausführen. Dort stellten die Kohlenbrenner ihre Meiler auf und erzeugten die wertvolle Holzkohle: Item es soll niemands kolen, dan an den enden, dahin ain jeder von dem amman gewisen und beschaiden würdet (S. 146). Auch die Wagner wurden in jene Tobel gewiesen, aus welchen man das Holz auf dem Rücken heraufschleppen mußte: Item die wangner des gerichtz Hofstaigs sollen auch holtz howen an denen orten und enden, dahin man nitfaren kan, sonder zu ruck und unden auftragen muess; auch sy von amman und ge rieht beschaiden werden (S. 146) Gefälltes Holz mußte binnen eines Zeitraums von einem Jahr und 6 1/2 Wochen aus dem Wald entfernt sein, sonst durften es andere wegführen. 20 Das Eichenholz galt als besonders wertvoll. Daraus wurden die für die Brücken benötigten Balken geschlagen. Aber auch die Küfer brauchten es für Fässer und Standen. Eine bestimmte Menge Brennholz wurde dem Pfarrer für den Pfarrhof zur Verfügung gestellt. Anderes nahm die Gemeinde für sich selbst, besonders zur Herstellung von Dücheln (hölzernen Rohren) für die Dorfbrunnen, für Brücken und für Zäune. Die Aufteilung des Waldes Über viele Jahrhunderte fanden die Hofsteiger mit dieser Holzordnung ihr gutes Auskommen. Am Beginn des 18. Jahrhunderts häuften sich aber Streitigkeiten wegen des Gemeinschaftswaldes. Im Jahre 1706 beklagte sich Alt-Ammann Haltmayer vor Gericht bitter über die Unordnung in den Wäldern, die unter seinem Nachfolger aufgekommen war (Heimat, Heft 13/29). Mißbrauch der Schlägerungsrechte führte dazu, daß Ammann Jerg Rohner den jungen Pfarreien Lauterach und Hard ihr ius lignandi cumulative (das Recht, für den Pfarrer beliebig viel Holz zu schlagen) beschneiden wollte und dabei im Jahre 1728 beim Klerus auf Widerstand stieß (Rapp II, S. 274). Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mußte der gemeinsame Wald in den sechs Dörfern von Hofsteig insgesamt 602 alt berechtigte Häußer versorgen. Dazu waren aber zuletzt noch 34 neu berechtigte sogenante Neübäüler gekommen, die auch Holz beziehen wollten. Als Andreas Haltmayer, ein Sohn des angesehenen Rickenbacher Adlerwirts, im Jahre 1773 ein ganz neues Gasthaus, das heutige Kreuz, erbaute, wies ihm das Gericht noch kostenlos das gewöhnliche Quantum von 45 Stämmen als Bauholz zu. Das Mißtrauen der sechs Dörfer gegeneinander und gegen die Obrigkeit waren aber 21 bald danach so groß geworden, daß die Geschworenen des Gerichts Hofsteig schließlich am 3. Juni 1794 die Aufteilung der Gerichtswälder beschlossen. In der Begründung dazu heißt es: Da aus den vorangeführten zu vertheillenden Waldungen das Holz zu sämtlichen Brücken, Stegen und jeder Gemeinde aufliegenden Wuhrungen, zu den Pfarrkirchen, Pfarr u. Schulhäusern, zur beheitzung der Letzteren und zu den Brunnen Deücheln des ganzen Hofsteiges immer unbestimmt und uneingeschränkt ausgefolgt, durch derley zu weitschichtige und eigenmächtige Holzschläge aber verschiedene zu mannigfaltigen Uneinigkeiten anlaßgebende Ungleichheiten unterlaufen; und das Holz selbst oder zum größten Nachtheile der Waldungen geschlagen, oder manchesmal gar unnütz und geringen Theils verwendet worden, so muß diesen dem Waldstande äußerst schädlichen Unfügen durch die gegenwärtige Theilung möglichst abgeholfen, und diese allgemeine Beschwerden auf jede der 6 bemelten Gemeinden verhaltnißmäßig ausgeglichen werden. (Abschrift im GA Wolfurt, cod 64) Die Geschworenen richteten ein entsprechendes Ansuchen an das k.k. Kreis- und Oberamt. Erst ein Jahr später stimmte Kreishauptmann Indermauer am 6. Oktober 1795 dem Teilungsplan zu. (Der verhaßte Kreishauptmann Ignaz Anton von Indermauer ist übrigens ein Jahr später von wütenden Bauern im Kloster St. Peter in Bludenz erschlagen worden.) Ein großes Gesetz mit 17 Paragraphen regelte den Ablauf der Teilung. Es enthielt zuerst eine genaue Aufstellung über die Bedürfnisse der einzelnen Dörfer: Hard 151 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 16 1/2 Anteile für Pfarre, Schule, Brunnen und Brücken Lauterach 124 alt berechtigte Häuser 2 neue dazu 32 Anteile für die Gemeinde, davon 16 allein für die Brunnen Wolfurt für 150 alt berechtigte Häuser für 6 neu berechtigte Häuser zum Unterhalt der Pfarrkirche 2 1/2 des Pfarr Haußes 1 des Schulhaußes und Heitzung 2 Zimmer 4 der Brünnen 20 der betreffenden Brücken 7 1/2 der Gerneindswuhren 6 die Riedbrucken und Stegen 2 Für Wolfurt wurden also mit 43 Gemeindeanteilen weit mehr als für Hard oder Lauterach berechnet. Die Wuhren galten für die Bäche, nicht für die mit eigenen Wäldern ausgestattete Achwuhr. Schwarzach 53 alt berechtigte Häuser 6 neue dazu 18 Gemeindeanteile 22 Bild II: Krainerwände ermöglichen den Bau von Serpentinen am steilsten Hang. Steusberg (Bildstein) Buch 85 11 34 3 alt berechtigte Häuser neue dazu 31 1/2 Gemeindeanteile alt berechtigte Häuser neue dazu 11 1/2 Gemeindeanteile Im Ippach gab es einige große private Waldungen, die von einer Verteilung natürlich ausgenommen werden mußten: Konkurrenzwälder der Achwuhr, Klosterwaldungen zum Kloster Hirschthal in Kennelbach, Herrschaftswälder im Besitz der Deuring von Bregenz und die riesigen unzugänglichen Waldungen am Kohlplatz. Außerdem behielt das Gericht einige Eichenwälder für sich, weil deren Holz zur Erhaltung der überörtlichen Brücken dienen sollte: den Kellawald hinter Rickenbach, das Spetenlehenhölzele zwischen Wolfurt und Meschen und das Hölzele ob dem Strohdorf. Zur Verteilung bestimmt wurden fogende Wälder: 1. der sogenannte Ippach (ohne Privatwälder) 773 Juchart 2. die in der Gemeinde Steusberg befindliche Taschen 69 Juchart 3. der Sonder ober dem Dorfe Schwarzach 159 Juchart 4. die Asenen an der äußersten Gränze Hofsteig gegen das Gericht Alberschwende 136 5/16 Juchart 5. Entlich das Tobelholz gleich unter den Bildsteinerischen Viehweiden an dem Bache Rickenbach genant 9 Juchart 23 Zusammen also 1146 5/16 Juchart. Ein Hofsteiger Juchart entspricht 44,59 Ar. Demnach wurden also im Jahre 1796 insgesamt 511,14 Hektar Wald verteilt. Seit genau 200 Jahren sind die Steußbergwälder in Privatbesitz. Zunächst wurden den Dörfern Buch, Bildstein und Schwarzach die in ihrer Umgebung liegenden Flächen zugesprochen. So erhielt Buch mit seiner kleinen Anzahl von Häusern das kleinste Stück. Bildstein bekam den Asenenwald, das Tobelholz und dazu noch Teile von Sunder und Ippach. Schwarzachs Anteil reichte weit in den Sunder hinauf. Die manchmal recht willkürlich gezogenen Grenzen wurden zehn Jahre später, als die Bayern das Gericht Hofsteig im Jahre 1806 auflösten, zu Gemeindegrenzen der Steußbergdörfer. Den großen Rest des Ippachs teilten sich Hard, Lauterach und Wolfurt. Wolfurt bekam den an das Dorf angrenzenden nächstgelegenen Teil. Für Lauterach blieb der mittlere und für Hard der östlichste Ippachteil im Gemeindegebiet Wolfurt an der Grenze gegen Buch. Diese Flächen mußten mit haltbaren Marken gekennzeichnet werden. Dann wurden sie den sechs Gemeinden anvertraut. Diese nahmen nun durch eigene Vertrauensleute die weitere Verteilung vor. Zuerst steckte aber jedes Dorf ein großes Stück für seine eigenen Verpflichtungen ab. So entstanden Kirchenwald, Brunnenwald und Gemeindeteil. Erst jetzt wurde der Rest zu Parzellen vermessen. Dann mußte jeder der 156 Wolfurter, 126 Lauteracher und 157HarderHausbesitzer sein Los ziehen. Den Neubäulern wurde nur ein Drittel-Teil zugestanden. So kamen die Wolfurter zu ihren Holzteilen am Sandigen Weg und im Mösle. Die Lauteracher mußten bis an die Katzensteig und zum Saustall hinauf, die Harder gar bis zum Plattenbach und zum Kohlplatz. Innerhalb der ersten zwei Jahre durften die Holzteile ausgetauscht werden, dann erst wurden sie verbuchen und gehörten nun unzertrennlich zum Haus wie Haustür oder Kamin. Diese im 13. Paragraphen niedergeschriebene Bestimmung ließ sich aber nicht lange halten. Als nach den Napoleonischen Kriegen viele neue Häuser gebaut wurden, besaßen diese alle keinen Holzteil. Jetzt wurden gegen das Gesetz Parzellen geteilt und verkauft. Winzige Riemen entstanden, oft nur mehr etwa 20 Ar groß. Noch mehr Markpfähle steckten noch mehr Grenzen ab. Eine intensive Nutzung setzte ein. Möglichst viele Tannen wollte jeder haben. Buschwerk und Laubholz wurden gerodet. Mit der Stockhaue verpflanzte der Besitzer den Anflug junger Tannen und Fichten so, daß sich bald alle Lichtungen schlossen. Die Waldweide war ja abgeschafft worden. So verwandelte sich der lichte Mischwald innerhalb von zwei Menschenaltern in eine dunkle Tannen-Monokultur. Eine Untersuchung des Holzbestandes im Ippach, bei der in den große Wäldern der LAWK (Achwuhr) alle Bäume ab 16 Zentimeter Stammdurchmesser aufgenommen wurden, ergab im Jahre 1950: 70 % Weißtannen + 27 % Rottannen + 3 % Laubholz (!). Dieses unglaubliche und in Österreich wohl einmalige Verhältnis änderte sich aber in 24 den folgenden Jahren rasch. Die Bestände an Rehwild nahmen nach dem Krieg gewaltig zu. Auch Hirsche und Gemsen wechselten ein und wurden zum Standwild. Wildverbiß vernichtete einige Jahrzehnte lang jeglichen Nachwuchs von Weißtannen. Entstandene Lücken füllten Waldbesitzer daher nur mehr mit Jungfichten aus den Baumschulen auf. Die Weißtannen erwiesen sich aber in dieser Zeit auch als besonders empfindlich gegen die jetzt vom Westwind herbeigetragenen Luftschadstoffe. Ihr Nadelkleid wurde immer schütterer. Die einst so stolzen Wipfel verkümmerten zu Storchennestern. Übergroßer Befall durch schmarotzende Misteln zeigt an, daß auch schon junge Tannen wie fast alle alten schwer krank sind. Fichten halten sich dagegen bis jetzt viel besser. Trotzdem müssen wir uns um die Zukunft unseres Waldes Sorgen machen. Waldarbeit Längst arbeiten auch bei uns moderne Forstarbeiter mit Motorsäge, Schälmaschine, Seilzug und Lkw-Kran. Die Werkzeuge, mit denen die älteren von uns noch selbst im Holz gearbeitetet haben, rosten irgendwo hinten im Schopf vor sich hin. Zwölfjährige Schüler, denen ich sie dort gezeigt habe, hielten an Zabie für ein Kriegsgerät. Das ist der Grund, warum ich hier wenigstens die wichtigen aufschreiben möchte. Für Dich könnte es ein Anlaß sein, ihre Handhabung Deinen Enkeln zu erklären! Weil der eigene Holzteil jede Familie Jahr für Jahr mit Brennholz für Herd und Ofen versorgen mußte und der Hof auch sonst Holz in vielerlei Formen benötigte, gehörte die Arbeit im Wald zum Alltag im bäuerlichen Leben. Das begann damit, daß die Marken immer wieder kontrolliert wurden. Schadhafte mußten ersetzt werden. Am besten schlug man einen neuen ibenen (aus unverwüstlichem Eibenholz gespaltenen), mit einem Brennmal gekennzeichneten Markpfahl neben den morsch gewordenen alten. Fehlende Marken wurden gemeinsam mit dem Nachbarn im Beisein des Waldaufsehers neu eingemessen. Dabei kam es manchmal zu Streit, besonders wenn eine große Tanne genau auf der Grenze gewachsen war. Nur mit Genehmigung des Waldaufsehers durfte und darf man Tannen fällen. Der ganze Ippachwald gilt ja als Schutzwald. Daher werden im sogenannten Plenterbetrieb nur einzelne schlagreife Bäume herausgeschnitten. Kahlschlag ist verboten. Der Aufseher wählt die Bäume sorgfältig aus und kennzeichnet sie doppelt. Mit seinem Anschlaghammer entfernt er in Augenhöhe und am Stock je ein Stück Rinde und schlägt ein besonderes Zeichen in das freigelegte Holz. Das Mal im Stock muß auch nach dem Fällen noch zur Kontrolle sichtbar bleiben. Zum Fällen waren früher zwei Personen notwendig. Nicht selten arbeitete die Bäuerin an der Seite ihres Mannes. Zuerst wurde die Fallrichtung des Baumes bestimmt. Er sollte nach Möglichkeit auf eigenen Grund zu liegen kommen und beim Fallen keinen Schaden im Jungwald anrichten. Ob das gelang, entschied schließlich eine mit Säge und Axt sorgfältig angebrachte große Kerbe auf der Fallseite des Stammes. Dann wurde die große Waldseogo (eine Zugsäge) auf der anderen Seite angesetzt. Mit gleichmäßigen Zügen trieben die beiden Säger einen sauberen Schnitt durch das 25 Mark des Stammes bis fast zur Kerbe vor. Manchmal hatte sich der Bauer vorher bekreuzigt. Er war sich der Gefahr bewußt, die mit dem Sturz einer Tanne und noch mehr einer Buche immer verbunden war. Zuletzt setzte er am Sägeschnitt einen Keil an. Vorsichtige Schläge darauf brachten den Baum bis zum Wipfel hinauf zum Erzittern. Jetzt neigte er sich langsam und dann schneller, und schließlich prasselte er mit fürchterlicher Wucht auf die Erde. Jedes Mal ein aufregendes Geschehen für alle, die es miterleben durften! Waren alle angeschlagenen (gekennzeichneten) Tannen gefällt, so griff der Bauer zur Axt. Mit wuchtigen zielsicheren Schlägen hieb er Ast für Ast vom Stamm. Auch hier lauerten Gefahren, wenn federnde Äste plötzlich brachen oder gar der Stamm am Hang zu rollen begann. Nun mußte die Rinde entfernt werden. Sommerholz, das ab Beginn des Safttriebs, wenn d Buocha gruonond (grünen), gefällt worden war, ließ sich leicht schälen. Dazu mußte man nur mit der Axt alle Meter eine Kerbe in die Rinde ziehen. Dann konnte man rumpfo, mit dem Schellar oder einfach mit einem zugespitzten Ast die ganze Rinde abziehen. D Rümpf (große Rindenstücke) wurden dann zum Trocknen ausgelegt. Dabei rollten sie sich ein und galten jetzt als wertvolles Brennmaterial. Zimmermannsholz sollte beim Trocknen keine Sprünge bekommen und später als Balken oder Bretter am Haus bei allen Wetterlagen ohne Schwinden und Drehen möglichst ruhig bleiben. Deshalb mußte man es unbedingt in der Zeit der langen Nächte um Weihnachten und zudem bei einem truckno Zoacho (trockenes Tierkreiszeichen), am besten im Stoabock odor im Stior, fällen. Der Wipfel blieb samt seinen Ästen am Stamm. Die Rinde des saftlosen Baumes ließ sich aber nicht schälen. Man mußte sie mit der scharfen Schneide des Räpplars in kleinen Fetzen wegschneiden. Räpplo, manche sagten dazu auch fräggolo, galt als sehr anstrengende Arbeit und gab leicht Schwielen und Blasen. Winterholz blieb beim Trocknen ganz hell. Vom Zimmermann ließ man sich einen Holzrodel schreiben, eine Liste der benötigten Balken mit ihren Längen. Mit einem Zumaß von etwa 10 Zentimeter wurden die Stämme danach zu Blöcken abgelängt und zum Abtransport uf d Seogo (ins Sägewerk) vorbereitet. Dabei war do Zabie (Zappin) mit seinem scharfen Haken und dem starken Stiel ein unentbehrliches Werkzeug. Falls man die Straße aber nur durch steile Riesen (Rutschbahnen) erreichen konnte, in denen die Blöcke beim Aufprall auf die Felsen nicht selten Schaden nahmen, mußte man ein größeres Zumaß zugeben. Im Sägewerk bekam die unansehnlich gewordene Stirn des Blocks dann durch einen Kappschnitt wieder eine schöne Form. Das im Saft gefällte Sommerholz wurde meist durch Pilzbefall unansehnlich schwarz, Für die vielen Bretter und Latten, die auf dem Bauernhof benötigt wurden, eignete es sich trotzdem. Nur wenn es stockrot oder gar angefault, gebrochen, krumm oder büchse (besonders hart und kaum bearbeitbar) war, wurde es als Brennholz abtransportiert. Daheim zerschnitt man es mit der Waldsäge in ein Meter lange Stücke und spaltete diese mit Keilen und Schlegol (großer Hammer) zu handlichen Speolta. Ein großer Keil hieß an Weggo. Wer nun Zeit und Kraft hatte, holte den Seogbock aus dem Schopf (Schuppen) und zerschnitt darauf jede Speolto mit Spa-Seogo oder Fuchsschwanz in vier Klötze. Erst Ende der 30er Jahre konnten sich moderne Bauern dafür a Fräso (Kreissäge) anschaffen. Tagelang war man anschließend am Schitto. Mit der Axt spaltete der Bauer dabei die Klötze zu kleinen und großen Scheitern und zu feinen Spreißeln. Sorgfältig wurde bim üborgento Mo (über sich gehender Mond) an der Hauswand eine mächtige Schittor-Bieg zum Trocknen aufgerichtet. Aber die Arbeit im Wald war noch nicht fertig. Die Äste waren samt dem angefallenen Buschwerk zum Trocknen aufgestellt worden. Jetzt hackte man sie in 60 Zentimeter lange Stücke und band diese auf dem Buscholbock zu festen Buschla, außen die gespaltenen Äste, innen das feine Kreos (Zweige). Im Schatten der großen Tannen starb oft Jungholz aus Mangel an Licht ab. Solche Dürling mußten ebenso gefällt werden wie Jungtannen, denen Sturm oder übergroße Scheelasten die Wipfel abgebrochen hatten. Sie ergaben die auf dem Bauernhof so notwendigen Stangen und Pfähle und manchmal auch Kichoro-Stiogla (Bohnenstangen) für Mamas Garten. Noch einmal ging der Bauer durch seinen Holztoal, versetzte da und dort mit der Stockhaue eine junge Tanne auf einen frei gewordenen Platz und schaute nach den Marken. Ganz übereifrige Waldbesitzer stiegen sogar manchmal auf die Bäume zum 26 27 Bild 14: Am 4. Oktober 1996 eröffnet Landesrat Schwärzler mit den Bürgermeistern Kolb (Lauterach) und Mohr (Wolfurt) die neuen Ippachstraßen. Bild 12: Ein Damm über den Gitznergraben wird aufgeschüttet. Bild 13: Verantwortlich für die Kohlplatzstraße: Raimund Mohr und Herbert Böhler. Stümmolo. Durch Steigeisen und Bauchstrick gesichert, sägten sie die untersten Äste und die vertrockneten Aststummel ab. Dadurch wollten sie besonders gleichmäßigen Wuchs und astfreies Stammholz erzielen. Jetzt wartete man nur noch ufa guote Schliottbah, auf genügend Schnee. Beim ersten Frost spannten die Fuhrleute ihre Rösser ein und hängten ihnen 5 Scheollogschior um, einen Kranz mit einem Dutzend hell tönenden Schellen. Unter lautem Gebimmel zogen Gruppen von Fuhrwerken aus Lauterach und Hard mit Has und Hund (zwei schwere, stabile Blockschlitten) durch die Berggasse ins Ippach hinauf. Den Hund stellten sie beim Holzplatz ab. Auf dem Has ketteten sie oben im Holzteil ein paar Block fest und schleiften sie durch die vereisten Hohlgassen herab. Bei zu großer Geschwindigkeit legte der Fuhrmann rechtzeitig an Kretzar, eine starke kurze Kette, um die Schlittenkufen und bremste so die gefährliche Fahrt. Wenn alle ihre Last am Holzplatz abgeladen hatten, deckte man die verschwitzten Pferde mit einem dicken Roßkutzo zu und setzte sich zu einer kräftigen Jause zusammen. Dann stieg man gemeinsam ein zweites Mal auf. Es war Einbahnverkehr festgelegt. Kein Fuhrwerk durfte der Kolonne begegnen. Bei der zweiten Fuhr hob man am Holzplatz mit Zabie und lautem Ho-ruck! das hintere Ende der Stämme auf den zweiten Schlitten, den Hund, und lud die erste Fuhr noch oben darauf. In flotter Fahrt ging es jetzt ins Dorf hinab und über den Kirchplatz bis zum Lagerplatz bei der Mauer am einstigen BlitzeWeingarten. Es war inzwischen Nachmittag geworden. Bei guter Schneebahn fuhren die schweren Schlitten weiter nach Lauterach und Hard. Oft mußten die Stämme aber abgeladen werden. Dann holte der Fuhrmann sie ein paar Tage später mit seinem stabilen Block-Wagen. Inzwischen hatten andere Waldbesitzer ihre Hornar (Handschlitten) in die Dreigassen hinauf geschleppt. Große Fuhren von Buscheln wurden dort aufgeladen, manchmal auch die getrockneten Rinden oder Stanga und Speolta. In sausender Fahrt lenkten starke Männerarme die Schlitten durch die Hohlgasse herab. Hoffentlich ohne Umwerfen ! Es war ein gutes Gefühl, wenn dann endlich gnuo Holz vom Wändo die Familie wenigstens von einer von ihren vielen Sorgen befreite. Den größten Klotz sparte man uf Baschas-Tag (St. Sebastian, 20. Jänner), aber auch nachher wollte man noch überall eine warme Stube. 28 29 Siegfried Heim Familie / Personenzahl Detomaso Flora 5 Paßler Kassian 6 Kompatscher Anton 7 Piasinger Karl 7 Ladurner Rosa 7 Lechner Anna 5 Sepp Gottfried 5 Wolf Franz 4 Fischer Katharina 3 Ebnicher Maria 5 Gatterer Anton 4 Gottardi Josef 2 Plattner Raimund 2 Prantl Magdalena 2 Santa Alois 7 Nicolussi Emma 4 Moschen Anton 10 Meist nur kurzzeitig anwesende Einzelpersonen oder Paare 37 Zusammen H-Nr. 1945 und heutige Anschrift 51 75 77 142 203 204 204 206 233 242 279 279 294 319 351 388 300 Feldeggstraße 2, Klosos Im Holz 2, Paßler Im Holz 8, Hinterfeld Frickenescherweg 5, Draiars Flotzbachstr. 16, Schädlars Flotzbachstr. 18, Jokobos Flotzbachstr. 22, Wächterhaus Hofsteigstr. 48, Seppos Brühlstraße 30, Lutzo-Ferdes Dornbirnerstr. 16, Soalars Inselstraße 5, Kassians Bützestraße 22, Toblars Hansirg Flotzbachstr. 17, Lindinger Achstraße 50, Im Wida Achstraße 14, Zwickle Einwanderer 3 In Einwanderer 1 versuchte ich aufzuzeigen, daß ein ganz großer Teil der alteingesessenen Wolfurter Familien ursprünglich aus Nachbargemeinden zugezogen ist. In Einwanderer 2 ging es um die Fremden aus dem Schwabenland, aus der Schweiz und aus dem Trentino. Dieses dritte Kapitel ist nun zwei Volksgruppen gewidmet, die durch die politischen Umwälzungen in der Mitte unseres Jahrhunderts ihre Heimat aufgeben mußten und von denen einige Familien zu uns verschlagen wurden, Südtiroler und Sudeten-Deutsche. Daran schließt sich noch die Lebensbeschreibung einer nach Wolfurt zugewanderten jüdischen Frau an. Aussiedler aus Südtirol Seit dem Mittelalter besaß Tirol ein geschlossenes deutschsprachiges Siedlungsgebiet bis zur Salurner Klause. Für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg gegen Österreich bekam Italien von seinen Bundesgenossen das Trentino und Südtirol bis zum Brenner zugesichert. So wurde denn auch im Friedensvertrag von St. Germain am 10.9.1919 ganz Südtirol mit 240 000 deutsch sprechenden Einwohnern zu Italien geschlagen. In der Zeit des Faschismus begann eine scharfe Italianisierungspolitik mit dem Verbot der deutschen Sprache in Ämtern und Schulen. Vor allem in den Städten wurden italienische Einwanderer angesiedelt. 1939 schlossen Hitler und Mussolini ein Umsiedlungsabkommen. Wer sich für die deutsche Staatsangehörigkeit entschied, sollte seine Heimat verlassen müssen. Trotz dieser Drohung optierten 90 % der Südtiroler für Deutschland. Sofort begann deren Aussiedlung. Bis 1942, als die Kriegsereignisse der Aktion ein vorzeitiges Ende bereiteten, waren bereits 75 000 Südtiroler über den Brenner nach Norden transportiert worden. Etwa 11 000 davon landeten in Vorarlberg, wo man für sie in den größeren Orten eilig die für jene Zeit recht komfortablen Südtiroler-Siedlungen erstellte. Diese reichten aber bei weitem nicht aus, so daß man in allen Dörfern weitere Wohnungen suchte. In Wolfurt besitzen wir eine Aufstellung über die im Sommer 1945 anwesenden Südtiroler. Gebhardine Hinteregger-Claessens mußte damals im Auftrag der Gemeinde alle anwesenden Ausländer aufschreiben, da deren Versorgung mit Lebensmitteln ein großes Problem war. Nach 189 „Reichsdeutschen" waren die 122 Südtiroler vor 20 Schweizern und 20 „Tschechen" die mit Abstand größte Gruppe. So setzte sie sich zusammen: 122 Südtiroler Einige von den Südtiroler Familien hatten um diese Zeit Wolfurt bereits wieder verlassen, weil sie in den Siedlungen von Bregenz oder Lochau eine Wohnung erhielten. Darunter war die Familie Pörnbacher. In Ober-Olang an der Rienz im Pustertal hatte Georg Pörnbacher seinen Hof verkaufen müssen. Über Innsbruck und Riefensberg war er mit seiner Frau Anna und den 11(!) Kindern schließlich nach Wolfurt gekommen und hatte im Bergarhus im Oberfeld ein bescheidenes Unterkommen gefunden. Die älteren Buben mußten einrücken. Paul fand 1944 bei Monte Cassino den Tod, auch sein Bruder Johann starb an den Folgen einer schweren Vewundung. Von den anderen Geschwistern leben heute noch vier in Lochau. Moschens sind eigentlich keine Umsiedlerfamilie. Vater Anton war schon um das Jahr 1930 zum ersten Mal aus Meran nach Vorarlberg gekommen und hatte hier seine Frau gefunden. Als er um 1940 zum zweiten Mal mit seiner nun großen Familie kam, fand er bei Hammorschmiods an der Achstraße eine Wohnung. 30 31 Nach dem Krieg hofften viele Südtiroler auf eine Korrektur des Vertrags von St. Germain und auf eine Heimkehr ihres Landes zu Österreich. Vergeblich! Das Abkommen der Außenminister Gruber und De Gaspari vom September 1946 brachte herbe Enttäuschungen. Aber wenigstens waren die deutschen Familiennamen jetzt wieder zugelassen. In den Schulen wurde wieder deutsch gesprochen. Die Forderung nach weiteren Rechten und deren Ablehnung durch die italienische Regierung führten 1966 zu Terroraktionen. Masten und Siegesdenkmäler wurden gesprengt und in der Folge viele junge Südtiroler zu langjähriger Kerkerhaft verurteilt. Erst das 1969 beschlossene „Paket" brachte Entspannung. Seither wuchs die Einwohnerzahl Südtirols auf übe


Datei 1 bis 20 von 37
Anfang < Zurück Seite 1 Seite 2 Weiter > Ende